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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 20:05:21 -0700 |
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You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Der Fremde + +Author: Hans von Kahlenberg + +Release Date: May 25, 2011 [Ebook #36227] + +Language: German + +Character set encoding: UTF‐8 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + + + Der Fremde. + + Ein Gleichniss + + von + +Hans von Kahlenberg. + + +Dresden und Leipzig. +_Verlag von Carl Reissner._ +1901. + + + + + + + DAS ERSTE KAPITEL. + + +Es war Weihnachtsabend. + +Das Wetter war schlecht gewesen seit Wochen schon, keine Kälte, aber +beständig sickerte von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. Der +Himmel schien sehr nah an die Erde gerückt, die Grenzlinien beider +vermischten sich in diesem Grau, das Alles einhüllte, auflöste, aus der +Erde kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender Schicht. Wie durch +einen Schleier gewahrte man die nächsten Gegenstände, kahle Baumstümpfe +verkümmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, und Telegraphenstangen. +Sie folgten sich in regelmässigen Abständen wie Schildwachen einer +ungezählten einzingelnden Armee, die man nicht sah, die da im Nebel +lauerte, wo er sich zu verdicken schien, braun wurde, mit schwarzen +Ausströmungen, die sehr lange Linien durch die Luft zogen und hängen +blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack in die scharfe Kälte, den +Moorgeruch der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte sie der +Regen, unbarmherziges, Alles durchdringendes Gewässer, in dem die letzten +Lebensreste des Sommers sich auflösten, verfaulten.... Irgendwo da – sehr +weit ab noch – vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hörte man Eisenbahnzüge +kreischen; sie glitten rasch auf rohaufgeworfenen Dämmen mit Alarmrufen +der Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille und der Nebel +herrschten wieder, eine unheimliche, lastende Stille, hinter der das +überreizte Ohr Lärm zu vernehmen glaubte – des Meers, oder einer Schlacht. +Ein heissrer Athem streifte von da zuweilen: Menagerie, Küchengeruch, +Schweiss, – diese undefinierbare Atmosphäre, die die Nähe einer grossen +Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, überquälten Lungen des +zusammengepressten Menschheitsorganismus, wo die natürliche Luft nicht +genügt, verbraucht lasten bleibt, in einem Nebel, der nicht weggeht, sich +erhitzt am Abend von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen aus +athmenden Brüsten. + +Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. Ihre ganze Oberschicht +bestand aus einem weichen, feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel +ansetzte, sofort krustete; und vor allem war er kalt, von einer Kälte des +Eiswassers, unterer Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne sahen. +Er trug sich schwer; auf der Höhe des Strassendammes zog er sich endlos +hin, kleine Teiche bildend, Runzeln und Ränder, die Spuren unzähliger +Menschenfüsse, Pferdehufe, die da gegangen waren. + +Manchmal schleppte sich ein Lastwagen müde vorüber. Die Räder knatterten +auf dem harten Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von oben bis +unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten die Pferde. Unter seiner +gelben Plancapotte liess der Fuhrmann misstönige Laute des Unbehagens +vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er hatte Eile anzukommen, sich von +Neuem zu füllen mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit wegnahm, +die sich in grauer Schicht aus diesem sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. +Auch raschere Gefährte rollten vorüber, Bäcker- oder Fleischerwagen aus +den Vororten mit warmgekleideten, wohlgenährten Insassen. Jetzt liessen +sie die Gäule ausgreifen, um nach Hause zu kommen, knallten mit der +Peitsche im Vorgefühl der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter +Abendbrottische. + +Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten früher Feierabend gemacht wegen +des Festes, und es wurde spät. Da und dort an den Bahnkörpern entzündeten +sich Lichter. Sie konnten nicht ankämpfen und blieben wie blasse +Wasserflecken in dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel wurde, vom +Weissgrau des sonnenlosen Tages zum Schwarz der Winternacht, die da über +die Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, bis auf die +Chaussee, die sich hinzog ohne Bäume, ein endloser Landstreifen durch die +Oede. + +Zwei Handwerksburschen zogen auf der Chaussee entlang. Es waren +Arbeitslose. Der Eine war ein Böttchergesell aus Greifenberg in Pommern, +der Andere zog schon seit lange so. Er hatte Drechseln gelernt. Aber das +Handwerk warf nichts ab; vielleicht war ihm auch nach und nach die +Gewohnheit der regelmässigen Arbeit verloren gegangen. Er war der +bedeutend Aeltere. Die Beiden hatten sich in der Herberge zur Heimath in +Bernau kennen gelernt und zogen nun auf Berlin zu, die grosse Metropole +der Arbeit und des Verdienstes, um da ihr Glück zu versuchen. + +Der Jüngere war ängstlich; dennoch voll guter Hoffnungen. Er begriff es +nicht, dass ein Mensch, der arbeitsam und mässig war, arbeiten wollte, +keine Arbeit finden sollte. Er glaubte an ein vorübergehendes +Missgeschick. Berlin sollte ihm Glück bringen, obwohl es ihm Furcht +einflösste. + +Er war ein Junge, der zu Hause aus ganz kleinen, aber geordneten +Verhältnissen kam. Sein Vater war beim Torfstechen ertrunken. Er hatte für +die Mutter und drei kleine Geschwister mitsorgen müssen; alles das hielt +sich über Wasser, lebte sehr respektabel. Er war ein Kind geblieben, mit +runden, erstaunten Augen, die vergebens den Nebel zu durchforschen +schienen, etwas ängstlich vor dem Gefährten an seiner Seite, aber doch +gefügig gegenüber dessen grösserer Welterfahrung, beeindruckt vom Cynismus +seiner Reden und Handlungen. + +Der war ein ziemlich wüster Gesell, der durch die halbe Welt gerollt war. +Man wusste nicht, woher er kam, und er sprach nicht davon. Seine Papiere +wiesen allerlei Bestrafungen auf, für Diebstähle, Widersetzlichkeiten. Das +hatte ihn nicht gebrochen. Es lag Hohn und Trotz gegen die Gesellschaft in +seiner Art, das Bewusstsein eines Ichs, der Kraft, in diesem Menschen, der +mit klaffenden Schuhen über die Landstrasse stapfte, Hass gegen die Kälte, +der er den Alkohol entgegensetzte, den brennenden Rausch, der besser hitzt +wie Feuer. + +Ein gewisser Galgenhumor kam über ihn, während sein Gefährte ängstlich in +seine blaugefrornen Finger pustete, die besten Stellen im Matsch +aussuchte, um seine Füsse zu schonen, vor allem die Schuhe, die trotzdem +schon barsten, Wasser einliessen, das sickerte, quietschte zwischen den +Sohlen. + +Der Kumpan sah es mit gutmüthigem Spott: „Gieb’s nur auf, kleiner Richard! +Das nützt Dir nichts. Das frisst sich durch Pelz und Wolle, um so mehr +durch Lumpen und Löcher. Dagegen giebt’s nur eins!“ + +Er bot dem Andern die Flasche, die der ängstlich zurückwies. So leerte er +sie selbst auf einen Zug. + +„Das giebt wenigstens Muck! Das ist die einzige vernünftige Erfindung in +diesem elenden Hundedasein. Sie sagen, der Teufel hat sie gemacht. Mich +dünkt, der Teufel, das ist der einzige wahre Heilige in der ganzen +Muschpoke. Er ist mein Schutzpatron. Es lebe der heilige Satanas!“ + +Der Kleine sah sich scheu um, ob Jemand die Lästrung hörte. Er war fromm +erzogen, gewohnt in die Kirche zu gehen des Sonntags. Die Mutter sass da +und die andern alten Weiber in schwarzen, gehäkelten Kopftüchern mit dem +goldbedruckten Gesangbuch. – Es war hart, dass man keine Arbeit fand. Aber +er vertraute auf Gott. Und Berlin war nah, wo Tausende arbeiteten und +assen. Sehr müde war er und weit konnte es nicht mehr sein. + +Es war, als ob Fritz Kuhlemann seine Gedanken errieth: „Ja, das ist fein, +nach Hause zu kommen, wenn Einem die Olle schon in der Thür entgegenläuft! +Der Junge hängt sich uns an den Rock. Auf dem Tisch dampft ein guter +Happenpappen. Die Stube ist schon abgeschlossen, weil da der Christbaum +steht. – So gut wird’s uns nicht bei meinem Freund Matzke. Eine fidele +Bude, und Mädels auch die schwere Menge! Ich möchte wissen, ob die rothe +Lene noch da ist?“ ... Er vertiefte sich in diese Erinnerungen, +Saufgelage, Prügeleien, Dirnen,... während der Andre neben ihm +hertrottete. Er war sehr müde. Er hätte am liebsten geweint, aber er +schämte sich. + +„Du bist auch noch so ein Grüner. Dich werden sie schon erst hochnehmen! +Wenn Du denkst, mit Gottvertrauen und Dummheit kommt man durch die Welt! +Das ist gut für die, die mit einem silbernen Löffel im Munde geboren sind. +Unsereiner, wenn der nicht eine Nase zehnmal so fein hat und Krallen +zehnmal so lang, – dann kannst Du Dich man gleich am nächsten +Laternenpfosten aufhängen lassen. Da drinne, da verstehen sie’s! Ist schon +Mancher wie die reine Unschuld vom Lande eingewandert. Und wie er wieder +rausgekommen ist! Per Schub mit zwei Gensdarmen neben sich. Auf Sonnenburg +zu, oder Plötzensee. Ich kannte Einen, den haben sie gehetzt wie das liebe +Vieh. In den Weiden und Binsen unten bei Tegel. Jede Nacht die Jagd und +den ganzen Tag lang. Ob das noch ein Mensch ist! – Todtgeschlagen hatte er +Einen. Todtschlagen – das ist auch dumm. Alles todtschlagen, kurz und +klein! Dann wär’s noch was.“ + +Nun ermannte sich der Andre. „Es giebt doch aber auch noch gute Menschen +auf der Welt.“ + +„Hast Du je Einen gesehn, dem’s auch gut gegangen ist dabei? Die +Schlechten, die kommen auf, die sind hoch. Verfluchte Schweinerei!“ + +„Man kann’s. Wenn man ehrlich ist und arbeitet.“ + +„Versuch’s doch! Geh hin! Biete Deine Arbeit an. Lauf rum! Verkauf Dich +für vier Groschen den Tag. Sieh doch, ob Dich Einer nimmt! En Vieh und en +Esel. – Aber ein Stück Mensch! Und dann fallen Einem die Lumpen immer mehr +vom Leib. Der Schutzmann hält die Augen drauf. Und wenn Du mal auf einer +Bank, unter der Brücke einschläfst, hat er Dich am Kragen. Dann geht’s auf +die Wache. Na, und wenn die erst ihren Stempel draufgesetzt haben! Die +grosse Klappe – oder der Strick vorher und das stille Wasser!“ + +Der Andre war dem Weinen sehr nahe. Es war die grosse Müdigkeit und die +Aufregung vor dieser Stadt, die sich näherte, wie das Verhängniss, +unsichtbar, in dem Nebel, der immer dicker wurde. Ein Wagen, der +vorüberfuhr, eine Equipage oder geschlossene Droschke, bespritzte sie von +oben bis unten. + +Kuhlemann sprang mit einem Fluch zur Seite: „Verdammte Protzenbande! Ich +gönnt’s Euch! Ich gönnt’s Euch! Frisst sich satt von unserm Mark und +Knochen. Sauft sich voll von unserm Blut, bis sie besoffen sind und +speien!“ + +Sie waren jetzt in der Gegend der Fabriken. Von beiden Seiten reihten sich +dunkle, niedrige Schuppen um gemauerte Schlote, mit Latten eingezingelte +Höfe. Man sah die schwarzen Eisenconstructionen zum Heben, die achatne +Spiegelung der Fensterscheiben, ungeheure, stumpfe Massen aufgeschichteten +Materials, die warteten, sich zersetzten. Aber Alles lag ganz still wegen +des Festes, Alles war sehr schwarz. Der Kohlengeruch wurde bemerkbarer. +Auf ihren Schienensträngen eilten die Züge der Vororte mit roten und +grünen Lichtern, wie grosse Schlangen mit Augen, in die schweigende Ebene +ausgeschickt. + +Der kleine Richard war vollkommen kaput. „Ach mein Gott!“ schluchzte er +auf. „Mein Gott!“ + +„An den glaubst Du auch noch?“ Die Nachwirkung des Schnapses begann sich +bei Fritz Kuhlemann zu äussern. Er sah roth jetzt und schrie mit erhobner +Stimme: „Die olle Finte, die uns die Pfaffen aufgebunden haben, damit wir +kuschen und nicht Muck sagen! Ich sage Dir, wenn’s den giebt da oben, dann +kann er sich begraben lassen für das, was er gemacht hat. Ich lach’ ihm +in’s Gesicht. Ich schlag’ ihm die Faust in’s Gesicht für sein feines +Zauberkunststück hier!“ + +Die Lästrung verhallte in der Dunkelheit, die sich nicht rührte. Ein Wind +schien sich erhoben zu haben, strich mit schriller Klage über die +Telegraphendrähte, durch die Löcher der Jacke, in der der Kleine sich +zusammendrückte. Alles blieb so, die schwarzen Fabrikgebäude, die +Dunkelheit, die Kälte.... Und in der Ferne das Verhängniss, das anzog, +sich näherte, etwas Schwarzes, Compactes, mit Augen ... Berlin, die +Grossstadt. + +„Guten Abend!“ sagte eine Stimme neben ihnen. + +Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen sein. Er war wohl von +rückwärts nahe gekommen. Sie hatten ihn nicht gehört, weil der weiche +Schmutz alle Schritte erstickte. Und es war finster. + +Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte in ihrer eigenen Grösse sein, +nicht über Mittelgrösse. Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht gut und +nicht schlecht, die eines Mannes, der Arbeit gethan hat und weit gewandert +ist. + +„Guten Abend!“ sagte der Fremde noch einmal. + +Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen Stimme, die aus dem Nebel +zu kommen schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung lag in dem Klang +der Stimme. + +„Guten Abend!“ sagte der kleine Richard. + +Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen Gruss. + +Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er ging denselben Schritt wie +sie. Nur war es dem Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so träfe. Er +empfand das angenehm. + +„Es ist spät,“ sagte der Fremde. „Und es ist kalt hier aussen.“ + +„Das ist nun nicht gerade etwas Neues, was Du uns sagst,“ höhnte Fritz +Kuhlemann. „Wenn Du eine Pulle in Deiner Tasche hast und etwas Warmes +drin, thätest Du uns einen grösseren Gefallen, wenn Du uns theilen +liessest.“ + +„Ich habe keinen Wein und keinen Branntwein,“ sagte der Fremde. „Ich komme +von weit. Und es ist spät.“ + +„Sehr spät, um den Christbaum zu schmücken und den Aufbau fertig zu +stellen. Aber vielleicht sind Sie hier herum Hausbesitzer oder haben eine +Villa gemiethet und die liebe Familie erwartet Sie?“ + +„Ich habe kein Haus.“ + +„Dann würde ich Dir rathen, Freund, dass Du Dir Geld in die Tasche thust. +Denn umsonst giebt’s hier nichts auf dieser faulen Welt. Und zumal in +Berlin, wohin wir unsre Schritte jetzt lenken. Mein Freund Matzke kann +sehr eklig werden gegen flaue Kunden. Also, Freundchen, wenn Deine Tasche +wohlgefüllt ist, öffne sie und spendire Deinen guten Freunden, die im +Dalles sind, in der That nicht wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen +sollen.“ + +„Ich habe kein Geld Dir zu geben,“ sagte der Fremde. Er sagte es traurig, +mit seiner sanften, klingenden Stimme, die von sehr weit herzukommen +schien. + +Der Rothe lachte: „Du bist ein famoser Bruder, das muss ich sagen! +Schleichst hier auf nächtlichen Wegen und schlängelst Dich an andre Leute +ran. Denkst Du, wir können einen Zaungast brauchen? Lass doch mal sehen, +wie Du aussiehst bei dieser noblen Beleuchtung!“ + +Die kleine Laterne eines Zimmerhofs warf einen zweifelhaften Schein. Der +rohe Bursche drehte den Fremden um. Er stiess ihm die Schulter gegen den +Lichtfleck. + +Er sah ein blasses Gesicht. Ein bescheidner Bart umrahmte den unteren +Theil. Es war das Gesicht eines Mannes von etwa zweiunddreissig Jahren. +Der Fremde hatte seltsame Augen und sah ihn ernsthaft und traurig an. + +„Lass doch den Mann!“ sagte der kleine Richard müde. + +Selbst der Rothe war betroffen. „Teufel auch!“ knurrte er in den Bart. „Wo +hab’ ich das Gesicht schon gesehen? Du bist ein seltsamer Heiliger, Du!... +So eine Sorte Wanderprediger wohl? Ich habe mal Einen gekannt. Er war mit +uns in der Herberge. Des Abends las er seine Bibel. Er that das alle +Abend. Er sah dabei aus wie Du. Er sagte nichts.“ + +Der Fremde sagte auch nichts. + +... „Er hat mir den Fuss kurirt und eingewickelt. Ich wusste, wo er sein +Geld hatte. Ich hab’s ihm gelassen.“ + +Das Gesicht des Fremden schien berauschend auf ihn zu wirken. Er verwirrte +sich in wilden Erinnerungen.... „Ein Mädchen ... Ich drängte sie gegen das +Thor. Was hatte die dumme Liese sich anzustellen? Sie war doch genau wie +die Andern. Hexe! – Weibervolk, die sind Alle nichts wert. + +„... In ihrer Karosse sah ich sie mal. Eine vornehme Dame. O sehr vornehm! +Vornehmer wie eine Prinzessin. Sie sass in ihrer Karosse und wartete. Ich +wollte sie ermorden. Weil ich hungrig war und kein Bett hatte. Sie war +reich und sass im Wagen. Sie sah mich an. – Ich fasste an den Hut und +schlich mich fort. ... Nachher brachte mir der Diener ein Goldstück. Das +warf ich ihm nach in den Dreck gegen seine unverschämten Kalbswaden. + +„... Weisst Du, wo ich herkomme? In der Gosse haben sie mich gefunden +neben einer todten Katze und einem Kohlstrunk. Meine Eltern wollten nichts +wissen von der Rabenbrut. Dann haben sie mich so rumgestossen. Die hohe +Polizei! Das ist eine zarte Nährmutter. Glaube mir, Bruder, es ist eine +lustige Welt! Man muss sie nur lustig zu nehmen wissen.“ + +Er lachte roh auf. Der kleine Richard zitterte vor Kälte. Er fühlte +glühende Zangen in seinen Eingeweiden. Seine Zähne schlugen aufeinander. + +„Nimm diesen Mantel,“ sagte der Fremde freundlich. + +Es war ein alter, fadenscheiniger Ueberzieher, wie ihn arme Leute tragen, +auch zu dünn für den Winter. Der Junge wickelte sich mechanisch gehorchend +hinein. Er fühlte die Hand des Fremden, die glättete, um ihn streichelte. +Eine Art magnetischer Beruhigung ging von ihr aus. Es erinnerte ihn an die +Berührung seiner Mutter. „Aber Du?“ fragte er wie betäubt. + +„Ich friere nicht,“ sagte der Fremde. + +„Dann musst Du von seltsamem Stoff gemacht sein,“ bemerkte Kuhlemann. +„Dies verfluchte Wetter macht Einem die Blutstropfen im Leibe gefrieren.“ + +In der That war es jetzt ganz empfindlich kalt. Der Wind pfiff mit +scharfem Eishauch. Unter seinem Mantel glühte der Junge. Er wusste nicht +mehr, wo er war. Er phantasirte. + +Er war bei sich zu Hause. In der kleinen Küche war es stickend warm. +Solch’ eine fröhliche Wärme! Der ganze Heerd glühte, rothglühend mit +hüpfenden, spritzenden Lichtern, obgleich es dunkel war, um Petroleum zu +sparen. Aus dem Suppentopf stiegen weisse, nahrhafte Wolken. Ein Duft von +Aepfeln kam aus der Röhre; man hörte ihre feinen, braunen Häute britzelnd +zerspringen.... Er war da. Er war ein Knabe, er hielt die kleine Schwester +auf den Knieen. Er fühlte deutlich den warmen, pulsenden Körper. Das Kind +hatte die Aermchen um seinen Hals gelegt. Sie warteten auf die Mutter. Er +erzählte ihr von Weihnachten. + +Von einem alten Mann mit weissem Bart erzählte er ihr. Er trug einen +grossen Sack mit Aepfeln und Nüssen über der Schulter. Er hatte ein +rothes, freundliches Gesicht, und eine Birkenruthe hielt er in der Hand. +Wenn man seine Sprüche nicht wusste, gab es Schläge. _Sie_ waren gute +Kinder, sie konnten ihre Sprüche. Das kleine Mädchen hatte die Hände +gefaltet und wiederholte sie mit halblauter Stimme. Die ganze Geschichte, +die freundliche Lehrerin in der Kleinkinderschule hatte sie ihr +vorgesprochen. Der grosse Bruder, der schon klug war und lesen konnte, +half ein: + +„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus +ausging, dass alle Welt geschätzet würde. + +„Und diese Schatzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius +Landpfleger in Syrien war. + +„Und Jedermann ging, dass er sich schätzen liesse, ein Jeglicher in seine +Stadt. + +„Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in +das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum, dass +er vom Hause und Geschlechte Davids war. + +„Auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weib, die +war schwanger. + +„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn +in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ + +„... Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“ ... wiederholte +der kleine Handwerksbursche mit glühenden Lippen auf der eisigen +Landstrasse. + +Dann fing er auf einmal mit leiser Stimme an zu singen: „O du fröhliche! O +du selige! Gnadenbringende Weihnachtszeit!“ + +„Nanu?“ sagte der Rothe grob. „Bei dem ist’s wohl nicht recht helle? Singt +der Mensch hier auf der Landstrasse wie eine Lerche! Du hast doch wohl +einen heimlichen Trunk zuviel gethan? So’n verfluchter Duckmäuser!“ + +Aber der Kleine hörte ihn nicht. Er war ganz glücklich. Er hielt seine +kleine Schwester. Es war so warm in der Küche. Er fing an, an seinen +Kleidern zu reissen. – Auf allen Kirchthürmen begannen die Glocken zu +läuten. Die kleine Küche war voll vom hellen Schein. Sie hatte überhaupt +keine Decke mehr, keine Balken und angeblakten Kalkwände. Da war der +Himmel. Er war ganz offen und die Engel sangen. Sie sangen: „Ehre sei Gott +in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ + +Sie sangen sehr laut mit hellen, schmetternden Stimmen. Alles hallte davon +wider. Dieser Gesang erfüllte das ganze Gewölbe des Himmels, der eine +grosse, dunkelblaue Glocke war, in der goldne Sterne schwangen und +spannen. Sie drehten sich sehr rasch mit langen, lichten Streifen hinter +sich her in der Bahn ihrer Schwingung, die feurige Ringe bildete, Kreise +und Sphären. Die ganze Glocke drehte sich, sang und schwang. + +Der kleine Handwerksbursche sang laut, vorwärts stolpernd im schleimigen +Strassenkoth, zwischen den schwarzen Fabrikschuppen mit hohen Schloten, +vor der Stadt, die rings umher anfing sich zu entzünden, wie ein Halbkreis +der Hölle mit feurigen Augen. + +„Bist Du verrückt?“ schnauzte ihn der Andre an. + +„Dein Gefährte ist sehr krank,“ sagte der Fremde sanft. + +So war es. Alles hatte bei dem Kleinen zusammengewirkt: die langen Wochen +der Angst und schlechter Ernährung, der unheimliche Gefährte, der +Weihnachtsabend. + +Er fuhr fort zu singen. Er wehrte sich gegen den Andern in seinem +Fieberrausche: „Lass mich! Du erfrierst mir das Herz. Du stösst mir +glühende Messer in’s Weiche. Du bist schlecht und roh! Schlecht! Schlecht! +Du bist der Teufel!“ + +Er war wie ein Rasender. Er fing an mit beiden Armen um sich zu schlagen. +Er bäumte sich wie ein scheugewordenes Pferd. Er wollte plötzlich nicht +weitergehen. Er liess sich wie ein Sack zur Erde fallen. + +„Halloh!“ sagte der Rothe. „Das ist eine schöne Geschichte. Nun stirbt uns +der hier im Dreck. Das hetzt uns die Grünröcke gleich auf die Hacken.“ + +„Hilf mir ihn aufheben!“ sagte der Fremde. „Er darf nicht sterben so.“ + +Sie hoben ihn auf. Auch der Rothe that seine Pflicht, sanft genug für +seine rauhen, frostgeschwollenen Fäuste. Die Mütze war dem Kleinen vom +Kopf gefallen, Koth hatte sich in die blonden Locken gesetzt. Er entfernte +ihn mit einem grimmigen Scherz: „Das würde seiner Liebsten nicht +gefallen.“ + +Es lag da ein Steinhaufen am Chausseerand aufgeschüttet. Der Fremde hatte +sich darauf gesetzt, der Junge lag in seinem Schooss mit dem Kopf an +seiner Brust. Er lag ganz still und lächelte. + +„Ich kenne Dich wohl,“ sagte der Junge. Er sprach mit erstaunlicher +Geläufigkeit, in einer hellen, klingenden Stimme des Entzückens, wie wenn +Alles, was in ihm schweigsam und gefroren gewesen war, sich jetzt löste, +aufthaute. + +„O, ich kenne Dich ganz gut. Du bist mein alter Lehrer in Greifenberg, der +freundlich zu uns war. Wenn man’s gut gemacht hatte, strich er mit der +Hand über den Kopf. Manchmal durfte ich ihm die Bücher nach Hause tragen. +Dann bekam ich einen Apfel.... Er war alt und arm, und hatte viele Kinder, +wie wir.“ + +„Nette Suse!“ murmelte der Rothe. „So ’ne weisse Wassersuppe!“ + +Der Fremde sass ganz still und hielt den Kopf des Jungen. Der lachte, er +griff ihm mit der Hand in den Bart. „Du bist mein Vater, der gestorben +ist,“ sagte der Junge. „Er ging des Morgens sehr früh fort. Dann trat er +leise auf und zog sich im Dunkeln an, damit wir nicht aufwachen sollten. +Es war noch sehr früh und sehr kalt draussen. Im Bett war es warm. Der +Winter hatte grosse, weisse Eisblumen vor das Fenster gemalt. Wie hinter +einer Wattenwand schlief sich’s da.... Dann ging er fort einen Morgen und +kam nicht wieder. + +„... ‚Nun bist Du der Mann in der Familie, Richard,‘ sagte die Mutter. +‚Versprich mir’s, dass Du immer für die Schwestern sorgst, wenn Du gross +bist und viel Geld verdienst.‘ + +„Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen für die Schwester. Meine +Schwester soll nicht weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! Es +ist so kalt ... kalt ...“ + +„Gott wird für sie sorgen,“ sagte der Fremde. + +Der Rothe lachte. + +„Es giebt keinen Gott,“ sagte der Junge unruhig. „Alle sagen, er ist nicht +und dass es nur eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und krank +wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute haben es gut in der Welt und +sind geehrt. Die Andern holt der Teufel.“ + +„Amen!“ machte Fritz Kuhlemann. + +„Es giebt keinen Teufel,“ sagte der Fremde ruhig. „Gott kennt keine +reichen Leute und keine armen. Er liebt Alle.“ + +Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend. + +„Ich habe Schmerzen,“ wimmerte der kleine Handwerksbursche. „Es zerreisst +mir die Glieder. In meinem Kopf geht es wie eine Säge. Alle Knochen +krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!“ + +Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, zwischen den Schmutzlachen, all’ +dieser triefenden Feuchtigkeit, die von den Dächern rieselte, die Kleider +festklebte am erstarrten Körper. + +„Ich habe Hunger,“ klagte der Sterbende. + +Der Fremde legte ihm die Hand auf die Stirn. + +Bald glätteten sich die Züge. Sie wurden heiter, fast strahlend. „... Eine +Ruhe kommt langsam, das ist der Schlaf. Es kommt wie ein Schatten über +eine grüne Wiese. Es ist weiss und breitet die Arme aus. Ah, mir ist +wohl!“ ... + +Er nestelte sich dichter an die Brust des Andern. Der Fremde beugte sich +über ihn und küsste ihn auf die Stirn. + +Fritz Kuhlemann kam mit einem Blechgefäss voll Wasser. Er hatte es beim +Eindringen in einen Zimmerhof gefunden. Ein wütender Hund war gegen ihn +angekläfft, hatte ihm die Hose zerrissen. Seine Hand blutete vom +Zerschlagen des Eises. Er sah schrecklich aus. + +„Er braucht es nicht. Er ist todt,“ sagte der Fremde. + +In der That war der Junge todt. Er sah aus wie ein schlafendes Kind. Ein +süsser Ausdruck war in seinem Gesicht. + +„Gestorben wie ein Hund! Wie ein Hund!“ + +„Er ist kein Hund. Er ist schön.“ + +„Und Du? Wer bist Du?“ + +„Kennst Du mich nicht, Fritz Kuhlemann?“ + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, heller Mond, den man niemals +erwartet hätte aus diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem Schein +im Grau, das jetzt ganz ungefährlich erschien, die einförmige, milde +Trauerfarbe der Nacht, eine sanfte Schwermuth der tieferen Töne und Farben +des Lebens. Im Mondschein stand der Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, +das leise fluthete. + +Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten fast aus ihren Höhlen, die +Stirn unter den wüsten, rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar. + +Der Fremde sah ihn an. + +„Du hast ihn geliebt, den da“ ... sagte der Fremde. „Er war oft müde. Du +gingst langsamer um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit er besser +läge. Manchmal hast Du ihm Brod gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und +der Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du ihm brachtest. – Ich +kenne Dich, Fritz Kuhlemann.“ + +„Teufel!“ stiess der Andre hervor. + +„Du hast ihn sehr gekränkt,“ fuhr der Fremde fort. „Aber Dein Herz war +wund, als es ihm harte Worte gab. Der Pflug war über Deine Seele gegangen +und hat sie zerrissen, eh’ sie wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh’ +Du hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann.“ + +„Herr ... Herr ...“ stammelte der Bursche. + +„Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, die Dich in die Gosse legte, +weil sie kein Brot hatte, Dich zu füttern, als ihr Herz sich in ihr wand +in Angst über der Qual ihrer Eingeweide. Der, der Dich zeugte in einer +Stunde, wo er sich selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, der +die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die Liebe ist Schmerz. Im Schmerz +der Liebe liegt der Urgrund alles Geborenen.“ + +„Wer bist Du?“ schrie der Andre auf. + +Er hatte sich auf ihn gestürzt. Sie rangen miteinander, Leib gegen Leib. +Der Mond stand am Himmel, kalt und bläulich. Dann sah man nur noch ihre +beiden Gesichter, das des Fremden, das ruhig war, blass und ein wenig +traurig, das des Mannes, der in grossen Tropfen schwitzte, dunkel +blutrünstig mit roth durchschossenen Augäpfeln. Er athmete in schweren, +keuchenden Stössen. + +Plötzlich fielen seine Hände: „Mach’, was Du willst! Tödte mich auch! +Tödte mich!“ + +„Geh voran! Ich folge Dir!“ sagte der Fremde. + + + + + + DAS ZWEITE KAPITEL. + + +Eine rothe Laterne hing über der Thür der Destille. Die Thür war schräg +eingestellt nach der Strassenecke zu. Drei schlechte Eisenstufen führten +hinauf. Sie hallten und dröhnten, wenn schwere, nägelbeschlagene Schuhe +darauf traten. Nach der andern Seite leuchtete ein grosses Fenster. Eine +breite, grüne Aufschrift zog sich quer darüber hin, auf der zu lesen +stand, dass der Pfiff Bier fünf Pfennige kostete. Sonst Reklamen in +grossen Lettern von Wein, Bier, Rum, Punsch, Zettel in lebhaften Farben so +zusammengestellt, dass sie sich möglichst schnitten, das Auge +herausforderten. Aber der Strassenstaub hatte sie ausgebleicht, Alles war +von derselben schmutziggrauen Schleimschicht überzogen. Die Fenster hingen +schief in ihren Rahmen. Gegen das Haus lagen schwarze, faulende +Holzplanken aufgeschichtet von irgend einem Neubau, der nie fertig wurde. +Die Fenster nach der Strasse zu waren durch schwere Rollbretter geschützt. +In den oberen Stockwerken hatte man die Jalousien heruntergelassen. Nur +die Laterne blinkte wie ein trübes, rothes Auge durch die Nacht. + +Es war Weihnachtsnacht. Man war lustig. Die Frau des Destillateurs hatte +Fische in süsser Sauce gemacht, von denen man für fünfzig Pfennige ein +Gericht bekam. Dazu gab es Punsch. Auch ein Weihnachtsbaum war geschmückt, +auf den sie stolz waren. Mit Papierblumen und ein paar dicken +Stearinlichtern prangte er. Im Nebenraum zwischen alten Lumpen schliefen +die beiden kleinen Mädchen, die Kinder des Ehepaars. Sie hielten die +Holzpuppen, die ihnen bescheert worden waren. Man hatte ihnen auch Punsch +gegeben. Sie schliefen ganz fest mit feuerroten Backen, im Luftzug ihres +Athems leise zitternden, langen Wimpern. + +August Matzke war ein schwerer Mann, erst an die Vierzig, obgleich er +älter aussah, ganz und gar ruinirt, vergiftet durch den Trunk. Er war +schon zweimal wegen Delirium tremens im Krankenhaus gewesen. Alle hofften, +dass das sein Ende bedeutete. Aber er kam zurück, graublass, verblödet, +schrecklicher als vorher. Dieser Mann hatte mit Auszeichnung seine +Dienstzeit absolvirt und war zum Sergeanten aufgerückt. Bei einer +Schiessübung kam er durch Unvorsichtigkeit um ein Auge. Er erhielt die +Verstümmelungszulage und nahm seinen Abschied. Die Frau war aus ganz gutem +Hause, eine Süddeutsche von zierlichen Formen, freundlichem, einnehmendem +Wesen. Sie hatten ein ganz hübsches kleines Kapital gehabt, als sie +heiratheten, und fingen nach seiner Verabschiedung eine Gastwirthschaft +an. Man sagte, dass die sehr zuvorkommenden Manieren seiner Frau gegen +Fremde ihn zuerst an die Flasche getrieben hatten. Jetzt war er unheilbar; +das Geld ihrer Liebhaber hielt die Wirthschaft flott. Sie liessen sich +nicht scheiden, weil er ihr dann ihr Eingebrachtes auszahlen musste. Er +schlug sie. Sie insultirte ihn. Dann kam wieder anfallweise die alte +Verliebtheit; sie schliefen zusammen. Zwischen alledem, Schlägen, Zänken, +Liebkosungen, wuchsen die Kinder auf, behend und geschmeidig wie kleine +Katzen, beide der Mutter auffallend ähnlich, schon spürend, horchend, +zwischentragend.... + +Kuhlemann wurde mit lärmender Freude begrüsst. Matzke hatte schon schwer +gesoffen und sah schief. Es war da noch ein älterer Mann mit breitem, +krummem Rücken, der stumm in sich hineintrank. Ein junger Tapezier mit +aufgebürstetem Lieutenantsschnurrbart spielte den Forschen, zog die Andern +auf und scharmuzirte mit Frau Matzke. Ein Dienstmädchen aus dem Hause, +eine grobe, gewöhnliche Person, kam zuweilen, um sich auch einen Schnaps +stossen zu lassen, die Neuigkeiten zu hören. Ein paar zerlesene Nummern +des Vorwärts und des Lokalanzeigers lagen auf dem Tisch. Im Hintergrund +stand ein Klavier. Matzke als alter Soldat war Patriot und kaisertreu, er +hielt das socialdemokratische Blatt um seiner Kunden willen. Er selbst +liebte patriotische Lieder und erging sich, wenn er voll war, sehr gern in +hochtrabenden Erinnerungen an Gravelotte und Sedan, „unsern ollen Kaiser +Willem“ und Prinz Friedrich Karl, auf deren Wohl er dann die ganze +Gesellschaft anzustossen zwang. Heute war er noch nicht ganz so weit. + +Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor Fritz Kuhlemann aufgestellt +und eins vor dem Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch setzte. Das +grosse Dienstmädchen strebte neugierig näher. Sie war ein durchaus +anständiges Mädchen und stolz auf ihre Anständigkeit, aber sie hatte es +doch gern, wenn man sie kitzelte, Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel +foppte sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen sollte. Er wollte +dann von ihrem Gelde seine Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das +amüsirte sie königlich. + +„Ich möchte nur um ein Glas Wasser bitten und ein Stück Brot, wenn ich es +haben kann,“ sagte der Fremde. + +Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber der Bitte. Matzke schoss aus +seinen geschwollenen Augen einen trüben, gehässigen Blick. + +„Wer’n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. Wer nich Soldat jewesen is, +der is überhaupt kein Mann nich, sag ick!“ + +Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend gegen den Tapezier, der sich +damit belustigte, ihn aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre +Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, denn er blinzte ihr zu. +Die grosse Hanne juchzte lärmend auf. + +„Un eene volle Pulle liebt er ooch, was ’n rechter Mann is? Was Aujust? +Tapfre, olle Kriegsgurgel?“ + +Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that aber Bescheid. In der +Hülflosigkeit seines benebelten Gehirns gegen die Kniffe und Finten des +Andern blieb ihm nur dies eine Bedürfniss, zuzuschlagen, seine Fäuste zu +gebrauchen. + +„Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, denn würden sie schon +fertig mit det Jesindel!“ + +„Und Du wärst der commandirende Jeneral von det Janze! Herr Aujust Matzke +mit dem schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste.“ + +Der Tapezier amüsirte sich königlich. Frau Matzke zog verächtlich die +Lippen. Das Dienstmädchen bog sich vor Vergnügen. + +„Ick sage: Wer seinen Kaiser nich ehrt, der is kein deutscher Mann, der +jehört in den Schweinestall.“ + +„Sieh man zu, dass Du nich selber zuerst reinbummelst, oller Freund. Wer +so schwach uff seine eijnen Beene steht, sollte man ja nich so forsch +jejen Andre losziehen.“ + +„Ick nich fest uff meine Beene! Ick bin Dein oller Freund nich. Ick will +Dich lehren, mir Aujust zu heissen. Aujust Dir wat in Deine unjewaschne +Schnauze. Du – Du – Hurenjäger Du!“ + +Er hatte sich schwerfällig erhoben und griff nach der Stuhllehne, um sich +daran festzuhalten. Der Tapezier lachte, er gehörte zu Frau Matzke’s +eleganten Freunden, die den Haushalt im Gang erhielten. Der Mann in der +braunen Weste rührte sich nicht. + +„Aber August! so lass doch!“ machte die Frau gelangweilt. Sie zwinkerte +Wernicke zu, Hanne in ihrer sicheren Ecke am Büffet erstickte fast vor +unterdrückter Heiterkeit. Sie fand das einen ausgezeichneten Spass. + +Nun wandte sich der Wüthende gegen sie, die Ehebrecherin, in den +unfläthigsten Ausdrücken. „Ick will Dir ... Ick will Dir ... Hure ... +Hure ... Hure!“ Er sah schrecklich aus mit den sabbernden Lippen, seinen +blutunterschossenen Augen, von denen das eine, künstliche, immer gerade +blieb, glotzend, ungeheuerlich. Das Wort in seinem dumpfen Laut des +Stiergebrülls wiederholte sich. Er packte sein schweres Bierseidel; es +flog dicht an ihrem Kopf vorbei in die Fensterscheibe, die splitternd +zerbrach. Der Ton schien ihn vollends wahnsinnig zu machen. Er ergriff +eins der Seidel nach dem andern und fensterte sie in das Glas. Leere und +halbvolle Flaschen flogen nach. Man hörte die Scherben auf dem +Strassenpflaster sich knisternd zusammenhäufen. Gleichzeitig drang die +kalte, klare Winterluft ein. Der Tapezier weidete sich an seinem +Heldenstück. Hanne kreischte, die Hände vor den Ohren, dachte aber nicht +daran zu flüchten. Der andre Gast blieb ganz stumpfsinnig. + +„Das giebt ein nettes Christkindchen für morgen. Na, ich bin nur froh, +dass ich die Rechnung nicht zu bezahlen brauche.“ Der junge Mann griff +nach seinem Hut und Paletot, einem eleganten Paletot mit Sammetaufschlag +und hellem Futter. Er hing ihn immer so, dass man das Futter sah. „Ich +gehe jetzt, Frau Matzke. Adieu auch. Ich werde erwartet.“ + +Sie sagte nichts. In der Thür drückte sie ihm die Hand sehr stark, ihre +Nüstern bebten. „Nimm Dich in acht!“ ... + +Durch den Thürspalt nach der Kammer guckten die beiden Kinder. Der Lärm +des klirrenden Glases hatte sie aufgeweckt. Sie witterten eine Scene, und +waren nun dabei, neugierig, erwartungsvoll. + +Matzke hatte seine letzte Bierflasche dem Abgehenden gegen die Thür +nachgeschleudert. Sie zerbrach auf dem Fussboden in ihrer braunen Sauce. +Frau Matzke fing ruhig an, die Unordnung des Fensters zu repariren. Sie +steckte eine weisse Bettplane auf; sie kannte das schon. + +„Nanu? Hier is wohl Polterabend heut’?“ sagte eine lustige Stimme. + +Es war ein Mädchen. Sie trug gescheitelte Haare und ein einfaches +Umschlagetüchelchen. An einer gewissen Unordnung des lose gewundenen +Nackenknotens, der zerschlissenen, rothen Seidentaille erkannte man die +Leichtfertigkeit ihres Berufs. + +„Ich konnte nicht früher kommen, habe auch den Kindern noch was +mitgebracht.“ + +„Ach Lene! Lenchen!“ In ihren Hemden drängten sie sich um sie. Das Mädchen +küsste sie leidenschaftlich. Frau Matzke sah zu. + +Fritz Kuhlemann lachte. „Geht’s Geschäft auch heut’ Abend?“ fragte er +boshaft. Der Fuhrmann starrte sie an. Lene Hoff war der eigentliche Grund, +weshalb er jeden Abend kam. Er hätte nie gewagt, es ihr zu sagen, +ausserdem wusste er ja, dass sie unter Sittenkontrolle stand. Die grosse +Hanne zog eine höhnische Fluntsch. Sie hatte das Mädchen nicht begrüsst, +als sie eintrat, stand jetzt, einen Arm in die Hüfte gestützt, und +musterte sie von oben bis unten. Dann drehte sie sich nach der Thür zu: +„Ich muss jetzt raufgehen. Es ist meine Zeit.“ Sie beschäftigte sich sehr +viel mit der jungen Prostituirten, ihren Toiletten, ihrem Thun und Lassen. +In ihren Gedanken stand sie weit unter ihr; sie war ein anständiges +Mädchen. + +Lene pustete sich in die Finger. Sie war immer ein bischen genirt, so +lange die Grosse da war. „Kalt ist’s. So’n Weihnachten! Lustig sein! Wir +wollen Klavier spielen.“ + +Sie hatte sich an’s Klavier gesetzt. Ein Tanz wirbelte hervor unter ihren +flinken Fingern. + +Niemand tanzte. + +„Das ist nichts.“ Sie stand wieder auf, schloss den Deckel. Sie näherte +sich Fritz Kuhlemann, kraute mit der Hand den untern Teil seines rothen +Schopfes: „Na Du?“ ... Die ganze gewerbsmässige Schmeichelei ihres Berufs +lag in dem Ton, vielleicht noch mehr. „Bist so eklig heut’, geh! Spendirst +mir nicht mal was?“ + +„Seh’ ich Dir nach Spendiren aus?“ Man hörte die Leidenschaft aus seiner +Stimme. Diese Liebkosung einer Frau stachelte ihn. Er verschlang sie mit +den Augen. + +Sie hatte sich auf seinen Schoss gesetzt. „Armer Kerl! Keine Chance. So +viel Pech gehabt.“ Er zerdrückte ihr die Lippen mit einem brutalen Kuss. +„Du – frech biste!“ + +Sie sah den Fuhrmann an. Dieser Mann hätte sie geheirathet. Er hatte vier +Kinder zu Haus. Aber ihr graute vor der Langeweile. Ihr Vogelgehirn +arbeitete schon auf einer andern Spur wieder, sie hatte den Fremden +entdeckt. + +„Wer is denn der?“ fragte sie Frau Matzke. + +Die Frau zuckte die Achseln. + +„War der Josef hier heute?“ + +„Er ist eben fort.“ + +„Ach darum ...“ Das Mädchen kannte die Leidenschaft der Freundin. Der +schöne Tapezier hätte ihr auch gefallen. Sie seufzte. + +„Oed’ ist’s heute. Ich bin vorher gegangen und hab’ mir die Christbäume +angesehen. Christbäume, das ist so rührend. Einen ganz grossen sah ich mit +Lametta wie Haare. Das möcht’ ich haben.“ + +Sie hatte sich wieder an’s Klavier gesetzt. Ein Weihnachtslied klang aus +den Tasten. + +„Hübsch war das, die Engelchen und Schäfchen in der Krippe. Ich hab’ das +mal gesehen, wie ich klein war. In der Kirche.“ + +Sie wandte sich wieder an Kuhlemann. „Sag’ mal, Du hast nicht einen Nickel +für mich? Zu einer neuen Schleife für den Ball am Sonntag. Kommste mit zum +Ball, Schätzchen?“ + +Er drehte ein zerfetztes Portemonnaie um vor ihren Augen: „Da sieh.“ ... +Der Fuhrmann warf einen Thaler auf den Tisch. Hart klang das Metall auf +der Holzplatte. Alle sahen auf. Frau Matzke hatte ihren Besen, mit dem sie +die Scherben zusammenfegte, hingestellt. + +Die Lene war näher gekommen wie ein naschhaftes Kind. Der Thaler lag da, +und blinkte – brutal, schmutzig gleissend. Sie sog lang den Athem ein. + +„Du rührst nicht dran!“ schrie Fritz Kuhlemann. + +„Wenn man selber keinen Pfennig hat, hat man nichts dreinzureden,“ +entschied Frau Matzke schneidend. + +Der Andre wartete, schwerfällig, lauernd, wie ein Jäger, der das Wild in +der Falle hat. + +„Ich schlag’ ihn todt!“ + +Ein scharfes Lachen der Frau traf den Burschen wie ein Hieb. + +Das Mädchen war wie ein lüsternes Mäuschen noch näher gekrochen. Die +feinen Zähne blinkten zwischen ihren gespitzten Lippen hervor. + +Der Trunkenbold machte einen scheusslichen Witz: „Wer das Geld hat, hat +das Recht,“ bestimmte Frau Matzke. + +Sie streckte die Hand aus. + +Ein gurgelnder Laut wie Tigergebrüll entrang sich der Brust des Burschen. + +Der Fremde hatte die Hand auf den Tisch gelegt. Diese feine, blasse, +bläulich geäderte, abgezehrte Hand bedeckte das Geldstück. Sie bildete +eine Weisse auf der mit Bier- und Fettflecken besudelten Tischplatte. + +„Komm’ zu mir!“ sagte der Fremde. + +Er hatte sich aufgerichtet. Er stand ganz gerade. Die andere Hand, die +nicht das Geldstück deckte, streckte sich gebietend vor. + +„Komm hierher!“ befahl der Fremde. + +Sie kam. Sie gehorchte. Wie mit durchgeschnittnen Flechsen schleppte sie +sich. Sie kroch. Plötzlich schlug sie beide Hände vor’s Gesicht, mit einem +dumpfen Schmerzenslaut sank sie in die Knie. + +„Nimm Dein Geld!“ + +Der Fremde hatte den Thaler ergriffen. Er schleuderte ihn nach der Thür. +Das Silber schlug hart auf, kugelte sich im Weiterrollen. Der Fuhrmann +bückte sich gierig danach und verschwand. + +Fritz Kuhlemann stand mit unter der Brust gekrampfter Hand. Es war der +Blick des Mörders, mit dem er sah, der Bestie, des wilden Thieres. + +„Geh!“ + +Er ging. + +Der Trunkenbold lachte auf mit einem hässlichen Gluckser. „Ein +Schmatzchen, Haseken. Du – Du ...“ Er griff schwankend in die Luft. Es +reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er schwer zusammen. + +„Leg ihn schlafen,“ sagte der Fremde. Das Weib schnellte gegen ihn an wie +eine gereizte Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse einen +verächtlichen Fussstoss. „Vieh!“ + +Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachsüchtigen Püffen und Tritten, dann +nahm sie ihren Besen und kehrte wüthend. + +Die kühle Nachtluft strich durch den schweren Fuseldunst. Alle Lampen +brannten. An den Wänden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder mit +Emblemen der Arbeit, eine schwere Faust, die den Hammer emporhält, einem +Tischler an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unfläthigkeiten +angeschrieben. Dazwischen machte sich ein widerliches, süsses +Moschusparfüm fühlbar, der von dem Mädchen ausging. Sie hatte die Hände +vom Gesicht genommen. Sie schielte zwischen den Fingern wie ein unartiges, +gescholtnes Kind. Es erschreckte sie, dass sie so allein waren. Sie +begriff nicht. „Sie sollen nicht weggehen! Der Dicke würde mich heirathen. +Vier Göhren hat er zu Haus. Hundertundfünfzig Mark im Monat und die ganze +Einrichtung. – So Einer; der’s Einem hinterher alle Tage vorwirft! +Zweiundvierzig Jahre ist er schon, krumm wie’n oller Zumpelbär. Der drückt +Einen ja todt. Taps, dämlicher!“ + +Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Mähne schüttelnd, die Augen +eingekniffen. + +„Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. Gestärkte Hemden trägt er +sogar am Alltag. Er kriegt auch einen guten Lohn bei Krüger. Er ist der +Erste da, der Alles allein macht. – Dieser Fritze! Das ist so komisch. +Komisch ist der!“ + +Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden Trillern. Sie lachte, dass +ihr die Augen übergingen. Ihr ganzer Körper krampfte sich unter dem +Lachen. + +„Alle Leute haben mich gern, weil ich immer lustig bin. Und Kinder! – das +is immer Leneken hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im Haus, die +lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr Kaffee und Chocolade. O, ich +thue auch das Meine. + +„... Wie die vornehmen Damen, die aus dem Wagen steigen, die Näsen kraus +ziehen.... Beten und trocknes Brot und Arbeit. Als ob wir’s nicht wüssten, +wie die’s treiben! + +„Warum ist denn Unsereins schlecht? Weil’s einen schlechten Rock anhat, +einen billigen Hut trägt. Die sind nicht besser wie wir! Pfui!“ + +Sie spuckte aus. + +„Einen Spatz hatte ich mal, den ich unter’m Baum fand. Hier im Kleid unter +der Brust trug ich ihn. Den schlugen mir die Jungen todt. + +„Schweine sind die Männer! Ach, solche Hunde! Hunde! Nicht mal Geld geben +sie Einem. Aber schlagen! Sie stehlen’s noch von uns.“ Ihre Fäuste +krampften sich megärenartig. Das junge Gesicht wurde erdfahl, verzerrt. + +„Ich hab’ Klavier spielen gelernt. O, ich hatte mal Einen in der +Georgenstrasse. Der war sehr gebildet. Sogar Verse hat er auf mich +gemacht. ‚Du hast ja die schönsten Augen, Feinsliebchen, was willst Du +noch mehr?‘“ + +Sie wiederholte die Worte liebkosend, den Oberkörper wiegend wie im Tanze. +Sie blähte sich eitel. + +„Warum sprichst Du nicht mit mir? Wenn ich einen Vater gehabt hätte, eine +Mutter, kleine Kinder – – – + +„Ich bin ganz zufrieden. Was kommt auch drauf an? Man schlägt’s so um die +Ohren. Lustig gelebt und fröhlich gestorben, das ist dem Teufel die +Rechnung verdorben. + +„Tanzen, Zuckerzeug, fein riechen! Hübsche Kleider! + +„Eine Freundin von mir ist im Spital gestorben, Becker’s Lene, die lange. +Sterben ist grässlich. Huh! Huh!“ + +Sie fing wieder an, ihr Gesicht zu verstecken. Sie rutschte auf den Knieen +hin und her. Sie gab kleine Töne von sich, wie ein gescheuchter, +flatternder Vogel. „Du machst mir Angst. Sprich doch. Guck mich nicht an! +Guck mich nicht an!“ + +Sie streckte beide Arme aus, wie unter dem Schrecken einer Erscheinung. +Sie bog den Kopf zurück. Ihre Augen weiteten sich starr. „Ich bin mal in +der Wiese gewesen. Blumen wuchsen so reinlich mit weissen Gesichtchen. Auf +dem Teich fuhren Schwäne. Grüner Wasserliesch schwamm. Wo sie fuhren, +wurden dunkle, tiefe Flecken. Das hörte man gar nicht. Ueberall theilte +sich der Sumpf. Klar war’s und dunkel ... + +„Ich will Dir noch etwas sagen, was kein Mensch weiss. Ich hätte ein +Kindchen gehabt, aber es ist nicht zur Welt gekommen. So gross war’s, todt +und feucht. Es hätte nicht gelebt und nichts zu essen gehabt. Mein kleines +Bübchen! Mein todtes, kleines Kindchen! + +„Manchmal denk’ ich, die Sterne, wenn die so funkeln, dass man dort sein +könnte. Alles weiss an mir runter.“ ... Sie strich an sich herunter mit +glättenden Händen. Sie strich, als ob sie all’ ihre Gewänder abstreifen +wollte. Wie im Fieber gingen die dünnen streichenden Hände. ... Das +Hälschen über den zarten, fallenden Brüsten reckte sich wie ein +Lilienstengel. Eine Bläue war in den Augen, die nicht mehr vom Leben war. +Die Lippen seufzten wie die Jemandes, der trinkt. Sie trank – trank – +trank. + +Der Fremde sagte nichts. Seine Hand legte sich auf diese junge, noch +weisse Stirn. Zart und gütig lag sie, ganz leise. + +Unter der Hand sank die Frau zusammen. Sie wurde klein. Sie wurde ein +Wurm, der sich am Boden schleppte. + +Sie weinte. Sie drückte sich ganz dicht an seine Füsse. Ihre Thränen +tropften auf seine Füsse. Ihre blonden Haare hatten sich gelöst und fielen +über ihr gebeugtes Haupt und seine benetzten Füsse. Er rührte sich nicht. +Sie weinte – weinte. + +Frau Matzke war mit dem Besen in der Hand in der Schlafzimmerthür +erschienen. Sie stand da mit einem harten, steinernen Ausdruck, +unbeweglich. Man hörte das tiefe, röchelnde Schnarchen des Trunkenbolds, +unschuldige, tiefe Athemzüge der Kinder. + +Jemand wartete in der Strasse mit einem weissen, elenden Gesicht. Er hatte +die ganze Nacht gewartet. Nun war es Morgen. + +Der Fremde rief den Burschen. Draussen begann schwerfällig, schlafbetäubt +das Leben sich zu regen. Lastkarren fuhren müde. Einzelne dunkle Gestalten +huschten. Man sah die lange graue Breite der Strasse mit Häusern zu beiden +Seiten, unzähligen Fenstern und Thürluken, unter dem trüben Himmel, von +dem es leise wie Thau tropfte. + +Der Fremde wies auf die weinende Frau: „Geht!“ + +Sie gingen. Sie geknickt, an seine Schulter gelehnt mit schwankenden, +irren Schritten. Er hochgehobenen Hauptes, sehr ernst und sehr gerade. + +Frau Matzke in der Thür ihres Hauses sah sie sich entfernen. Sie sagte gar +nichts. Sie nahm ihren Besen wieder auf und fegte. Man sah die Silhouette +ihres gebückten Rückens, die wüthende Wucht der Besenstösse, mit denen sie +den Staub aufwarf und in die Schaufel schob. + +Sie fegte. + + + + + + DAS DRITTE KAPITEL. + + +Man fürchtete, dass der Zudrang zu der Versammlung ein sehr grosser würde. +In Folge dessen war die Schutzmannschaft reichlich aufgeboten. Man gab +Achtung, den Saal auf die Minute eine Viertelstunde vor der anberaumten +Zeit zu schliessen. Viele sahen sich so ausgeschlossen, auch ergab das +einen Vorwand, die Galerie nicht freizugeben. Man führte den Krieg mit +diesen kleinen Mitteln seit einiger Zeit, obgleich eigentlich das +Verhältniss ein gutes, fast behagliches war. Sie kannten sich so genau, +die Gewohnheit des häufigen Zusammentreffens hatte einen förmlichen +kleinen Comment herausgebildet, bis auf die ganz regelmässig +wiederkehrenden Witze. Man hätte sich fast vermisst, wenn man sich nicht +vorgefunden hätte. Der Riesenhund des Wirths trieb seine Allotria +dazwischen mit einer ganz kleinen Hündin, einer proletarischen Mischung +aller Rassen, die von jeder die Hässlichkeiten angenommen hatte. – +Ueberdies waren es genau dieselben Typen, die da Wache gingen, als +Ueberwachte eintraten, Blonde, nicht schlecht genährte, bourgeoise Ruhe +und Anständigkeit, dazwischen einige knallfarbige, federbewallte Hüte der +Genossinnen. Die Frauen überhaupt drängten sich vor, zeigten sich +aufgeregter als die Männer; es war bekannt, dass einige der Führerinnen +eine Zunge führten, die ihre männlichen Kollegen im Schach hielt. + +Einige Parteiveteraninnen hatten sich an den Eingang des Saals postirt. Da +Viele noch immer aus- und eingingen, deckten sie die Thür mit ihren +breiten Rückseiten. Sie warben für ihren Verein, überwachten den Verkauf +der Zeitungen und Broschüren, die auf kleinen Tischchen aufgeschichtet +lagen. Dazwischen wurden Bons zur Unterstützung armer Abgeordneter +feilgeboten. Die Kellner circulirten mit Bierseideln. Alle rauchten, +sprachen durcheinander. Von weitem, mit den schwarzbehuteten Köpfen, die +auf- und untertauchten, ergab das den Eindruck eines heftig bewegten Sees, +der gegen die Tribüne andrängte, sich staute. Man erwartete den Anfang der +Versammlung und wurde ungeduldig. Die dichten Rauchschwaden brachten eine +lila mystificirende Beleuchtung mit in das ordinäre, gelbe Gaslicht. – Es +waren da Leute, die ruhig ihre Butterbrote und Häringe verzehrten, Andre +sprachen von Parteiangelegenheiten, ihren kleinen und kleinsten +Privataffairen. Ein junger Mann mit einem rothen Shlips und einem +Apostelkopf stand neben der Thür. Er sah krank aus und blickte mit +glänzenden, unirdischen Augen in das Leere, als ob er etwas Wunderbares +sähe. + +Die Parteiveteraninnen behaupteten, dass unter den Anwesenden Spitzel +wären. Sie versuchten sie ausfindig zu machen, mit den Fingern zu zeigen. +Einige Studenten waren augenscheinlich für einen Ulk hergekommen. Es waren +Fremde da, die Keiner kannte, und eine junge Dame in eleganter Kleidung +ganz allein, die man ansah, was sie da suche. Im Ganzen war es eine sehr +guterzogene Menge, friedlich, ohne Aufregung, fast bourgeoismässig. + +Der Saal war der banale grosse Festsaal der mittleren Restaurants, weiss +mit Gold, rothsammetner Rampe. Da wurde auch Theater gespielt und getanzt. +Es war nicht schlechter wie für die Bourgeois bei ähnlichen Gelegenheiten, +man war höflich und kam in weissen Handschuhen. + +Auch das Thema der Einberufung bot nichts Besondres. Es war die jährlich +wiederkehrende Einbringung der Militairvorlage von Seiten der Regierung. +Man wusste im Voraus, dass sie durchgehen würde. Der Protest geschah rein +berufsmässig, aus Princip. Und man wusste, dass es für Jahre so gehen +würde. Die Aufregungen, das Märtyrerthum, aber auch die Hoffnungen der +ersten Jahre waren verschwunden. Die junge Partei hatte zu leben gelernt, +fast konnte man sagen, Manieren gelernt. Man nahm, was man kriegen konnte. +Man war stark, zahlreich, wohlorganisirt, das Odium war weggenommen, +ebenso der Heldennimbus. Man hatte nicht mehr die Angst zu sterben, aber +auch nicht die Aussicht zu siegen; man „entwickelte sich“. + +Zurufe begrüssten den Eintritt des grossen Mannes, in Wahrheit eines ganz +kleinen Männchens. Alles das ging rasch, wenig theatermässig. Nur das +Antlitz des Johannes leuchtete auf. Er drängte sich an den Bewunderten, um +seine Hand zu schütteln. Eine Leibgarde, die Veteraninnen, hatten ihn +sofort eingezingelt, beinah protzenhaft, mit dieser Miene: „Wir gehören +zum Haus“, die Unberufene einschüchtert. Nun wurden die Formalitäten rasch +erledigt. Einige Witze fielen gegen die Polizei, die die Galerie gesperrt +hielt. Man kannte sich zu gut, sehr alte Feinde, Gladiatoren, die sich +jeden Tag treffen und beinah Freundschaft gemacht haben. Der Saal war voll +zum Ersticken. Es waren Männer zumeist, Männer mittleren Alters. Die +Jugend, wie überall, zog es vor, sich zu amüsiren. Oder man liebte +Radauversammlungen in Rixdorf, Charlottenburg, den Vororten. Dies war eine +wohlgeschulte, ausgediente Armee, ihr Capitain der sprach. + +Der grosse Mann auch war alt geworden, sehr alt. Das Feuer, das seine +Jugend gefährlich und unwiderstehlich gemacht, hatte sich gewöhnt, für den +Hausbedarf zu brodeln. Er wusste sich zu beherrschen jetzt, dessen +Leidenschaftlichkeit einst sein Ruhm und sein Fluch gewesen war. – Im +gleichmässigen Tonfall flossen die Sätze, periodisch, deutlich hörbar in +der geübten Stimme des Redners bis an’s äusserste Ende des Saals. So war +er sachlich geworden, ein Typus, wie so mancher Andre, den die Gegner fast +vermissen, sich mit Rührung seinen leeren Platz zeigen, wenn er nicht mehr +da ist: So focht er, und so führt’ ich meine Klinge. – Auch die Rede hielt +sich genau in den Grenzen. Ein Rückblick auf die immer sich steigernden +Forderungen, die Entwicklung des Militarismus in Europa. Das neue +Friedensmanifest des Zaren erregte Ironie. Man brauchte die Armeeen für +die Söhne der oberen Zehntausend, das Niederhalten der revolutionären +Bewegung. Wieder der gefährliche, ironische Beifall. Sie wussten das wohl +– sie! + +Nur einmal erhob sich die Stimmung zu einer gewissen Grösse. Der Redner +hatte Aeusserungen zur Philosophie des Krieges angeführt, von Moltke, +Treitschke, General von Boguslawski. Dann wurden statistisch die Verluste +in der Industrie seit siebzig nachgewiesen. Eine halbe Million! Mehr wie +alle Kriege! Wir brauchen keine künstliche, gewaltsame Schöpfung, um uns +männlich und kraftvoll zu erhalten. – Ein Ausruf begleitete diese lange +Liste von Blut, Verstümmelung, Asphyxie, Marter, – ein Schrei des +Schmerzes, aber auch der Kraft, imponirend in dieser friedlichen, +mittelmässigen Masse. _Sie_ waren diejenigen, die sein mussten. Sie würden +sein. Da war die Grösse der Partei, das Selbstbewusstsein des thätigen, +unreflektirenden Lebens, die Haupterrungenschaft der modernen, +demokratischen Zeit. Und das wird bleiben. + +Ein früherer Pastor sprach nach dem grossen Mann. Er hatte seine Stellung +aufgegeben um seiner politischen Meinung willen, verwahrte sich aber +ebenso gegen die Partei. Er entwickelte des Längeren seine Ansichten. Er +glaubte an Gott, war königstreu. Seinen Traum bildete eine Art +christlich-sociales Königtum. Man hörte zu, nicht gerade unhöflich, aber +ohne Interesse, leicht ironisch. Und er war confus, quasselte. Es lag +etwas Gefährliches in dieser höflichen Ironie selbst. Man hatte das zu oft +gehört. Man glaubte sowas nicht mehr. + +Den Beschluss machte ein Anarchist. Er hatte wenig Glück, die +Parteiveteraninnen protestirten von vornherein. Die Rede war ein krauses +Sammelsurium, eine Gesellschaftsordnung auf nur natürlicher Grundlage, +freie Geschlechtswahl, mit einer seltsamen Verquickung von +naturphilosophischen Dingen, abstrusem Mysticismus. Man rief ihm Schweigen +zu, pfiff, trampelte mit den Füssen: „Schliess auf! Halt’ die Schnauze!“ +Man wollte das nicht, man war Polizei für sich selbst. Wenn Einer das +Martyrium der Lächerlichkeit auf sich nehmen wollte, desto schlimmer für +ihn selbst. Sie schüttelten sich das von den Rockschössen. Sie hielten auf +ihre neue, sauererworbene Respektabilität. + +Der Verhöhnte stand einen Augenblick, blass, mit einem kränklichen +Lächeln, stotternd. Dann stieg er unter allgemeinem Gelächter die Tribüne +herunter. + +Die Versammlung löste sich auf in bester Ordnung. Der Abgeordnete +wechselte mit den Polizisten einen Gruss. Er war sorgfältig in einen +gestrickten Wollshawl eingewickelt, er litt an Katarrhen. Der Sergeant +lächelte gutmütig mit Bezug auf den letzten Redner. „Verrückter Kunde! Wir +lassen ihn laufen“ ... Sie hatten ihn schon so oft eingesteckt. Da war +nichts zu machen. Und er war ungefährlich. – Beide Gewalthaber schieden im +besten Einvernehmen. Hätten sich die Machtverhältnisse eines Tages +umgedreht, diese Gegensätze würden ruhig in ihren beiderseitigen +Functionen bleiben können. Es wäre dasselbe gewesen. + +Der Pastor vereinigte sich mit dem berühmten Führer. Er sprach eifrig auf +ihn ein. Mit einer gewissen Nachsicht des alten Praktikers unterbrach ihn +der Andre nicht. Schliesslich – diese Leute thaten seine Arbeit. + +Am Strassenausgang stand ein Fremder. Er stand da und sah sie an. + +Sie sahen ihn Beide, der grosse Mann und der Pastor. Auch die Polizisten +sahen ihn. + +„Wer war der Mann?“ fragte der Pastor. + +Der Abgeordnete zuckte die Achseln. „Ich kenne ihn nicht.“ Er hatte Eile, +nach Hause zu kommen. Er musste sich schonen. + +„Ein grosser Mann,“ sagte der Johannes ekstatisch. Ihn fror. Er stand da +am Ausgang und hatte die Hände in die Taschen gesteckt und sah ihm nach. +Seine Backenknochen glühten. Er musste husten in sein Taschentuch. Wenn er +es wieder herunternahm, war es immer voll Blut. Er wusste das schon. „Was +er sagt ist wahr. Er versteht’s.“ + +„Ein grosser Mann,“ sagte der Fremde. + +Die ganze Masse schob an ihnen vorüber. Die Veteraninnen sprachen sehr +laut. Sie hatten die Kasse abgeschlossen und entrüsteten sich über wieder +einmal constatirte Gnietschigkeit. Eine wollte sich noch zu Hause Puffer +backen. Sie gaben Parolen aus für den nächsten Tag und Rendezvous in den +Vereinen. Die Studenten wollten noch zum Bier, die eingenommene Quantität +hatte ihnen nicht genügt. Man war froh, sich zu bewegen, die Beine +auseinander zu setzen, nachdem man drinne eingepökelt gewesen war wie +Pökelhäringe. Einige Damen riefen nach einer Droschke, sie gehörten zur +Frauenbewegung und besuchten dergleichen aus Princip. Man truppte +zufrieden nach Haus. Man hatte seine Pflicht gethan und ihr Häuptling +hatte seine Sache gut gemacht. Es gab Keinen, der über diesen Mann ging, +und die immer zunehmende Stimmenzahl bei den Wahlen. Das war das grosse +Kampfmittel. Es liess sich nachrechnen, wie das stieg von fünf Jahren zu +den nächsten fünf Jahren. + +Dann kam auch der Anarchist. Er trug einen ganz dünnen, kleinen +Sommerpaletot und ging, als ob er gar nicht wüsste, wo er wäre. Seine +vagen, schweifenden Augen trafen den Fremden und den Johannes. Es lag eine +nachdenkliche, zärtliche Wehmuth in dem Blick, eine Bitte, oder als ob er +sich entschuldigen wollte, dass er anfragte – aber man wusste nicht, ob er +überhaupt wirklich sah. Er war noch nicht alt, aber er sah hungrig aus, +mehr vom Hunger des Geistes, als vom leiblichen Hunger. So hatte er etwas +von einem Kind, oder auch von einem hülflosen getretnen Thier. Er seufzte +und blickte in das Laternenlicht. „Es ist schon elf Uhr,“ sagte der +Anarchist. + +Er schauerte und kroch tiefer in seinen Ueberzieherkragen. Er hatte einen +sehr weichen, hellen gelben Hut auf, der in weitem Rand von seinem Kopf +abstand. Seine Haare fielen gerade über seine Ohren und waren lange nicht +geschnitten. Wenn er sprach, lächelte er jedesmal, ein schüchternes +Lächeln, wie von Einem, der im Unrecht ist und doch etwas Gutes und +Wichtiges sagen möchte. Dann hatte er ungeschickte Bewegungen, wie von +einem Wurm, und hüpfte zuweilen auf einem Fuss, als ob er stolperte. + +Der Johannes ging auf der andern Seite. Er hustete. Er war ganz selig im +Gedanken an diesen grossen Mann, dessen Hand er gedrückt hatte, der so gut +sprach, eine Stimme war, auf die man hörte, für die armen Leute. Die +gebildeten, sachlichen Sätze hatten ihm imponirt. Sicher! Das wandte sich +zum Bessern, wenn einfache Gerber- und Brauergesellen sprachen wie der! Er +trug seine rothe Cravatte wie ein Triumphzeichen. Mehr konnte er nicht +thun. Aber das Blut seines Herzens war darin. Er fühlte seine Lungen +brennen und flattern unter ihr. + +„Es ist immer am schlimmsten des Abends,“ entschuldigte er sich. + +„Das thut der Rauch. Sie sollten nicht rauchen im Saal. Es strengt auch +die Stimme an, wenn man sprechen muss. Und er hat zwei Stunden gesprochen. +Das ist bewunderungswürdig für solch’ einen Mann!“ + +Er war rührend in seiner Zärtlichkeit für diese Stimme, den Mann, der +sprach, während er nur husten konnte, unnütz sein Blut ausspie, in das +Taschentuch, das sich färbte, klebrig wurde zwischen seinen dünnen, +fiebernden Fingern. Sie waren gelb wie aus Wachs und gezeichnet von aussen +durch die harte Arbeit, roher, oberflächlicher, als durch die Krankheit +von innen, die sie zehrte, fein machte, spiritualisirte. + +„Wir werden es ja nie erleben,“ sagte er friedlich. „Aber die Andern, die +nach uns kommen! Einen Tag haben wir genug Stimmen im Reichstag. Sie +können nicht mehr an gegen uns. Dann wird Alles gut sein. Wir werden die +Gesetze machen. Es giebt keine Kriege mehr. Alle Völker sind Brüder. Man +arbeitet. Man lebt“ ... Er hustete heftiger wieder, sich abwendend, um den +Andern den Anblick seiner Schwäche zu ersparen. + +„Ich – ich hasse die reichen Leute nicht. Sie wissen es nicht besser. Es +sind Viele, die es gut meinen. Man wird Gesetze finden. Das geht ganz von +selbst, ohne Revolution und Blutvergiessen. Die Soldaten sind ja auch auf +unsrer Seite. Nur Zeit braucht’s. Man hört. Man liest Bücher. Die Vernunft +muss ja ihren Weg finden. Es ist nur schlecht eingerichtet. Man hat die +Religion gehabt, den Aberglauben. Die Menschen sehen jetzt, wie es +wirklich ist. Man kommt vorwärts. Man bildet sich. Alles geht gut. Die +Gerechtigkeit muss aufkommen.“ + +Alle diese kleinen Sätze sagte er ruhig, sanft, ohne Aufregung, von +Hustenanfällen unterbrochen, die ihn quälten, seinen Körper schmerzhaft +zusammenkrümmten, wie aufgespiesst an einer glühenden Nadel. + +Sie gingen in dem Strassengetriebe vorwärts. Es trieb sie ohne ihren +Willen. Vielleicht wussten sie gar nicht, wohin sie gingen. Eine alte Frau +in einer schwarzen Pelerine wackelte vor ihnen her, enorm wie eine +wandelnde Glocke. Einige hatten Regenschirme aufgespannt. Sie sprachen von +Geld: „Wenn man dreissig Pfennige die Stunde verdient, aber fünfundvierzig +müsste man haben.“ Ein junges Mädchen trug einen grossen Carton. Sie +trippelte und sah hinter sich nach drei jungen Burschen, die sich lärmend +stiessen. + +Die Laternen schwammen wie gelbe, ausgeflossene Dotterflecken, schaukelnd. +Der Schmutz mit dem geschmolzenen Schnee bildete eine bräunliche, zähe +Masse. Eine leere Droschke fuhr sehr dicht am Trottoir, als ob der +Kutscher Kunden suchte. In den Destillationen discutirte man oder spielte +Billard. Man sah die grauen Hauswände feuchtigkeitstriefend mit +Ladenschildern und Plakaten, Pferdebahnen, die klingelnd trotteten mit +müden, geduldigen Pferden. Aber Alles ungewiss, wie verwischt, unruhig, in +Schatten ... + +„Man müsste es machen wie die Thiere,“ sagte der Anarchist. „Thiere sind +klüger wie Menschen. Sie haben keine Gesetze und keinen Staat. – Aber es +giebt auch eine Seele. Ich habe Todte gesehen, die wiedergekommen sind und +mit den Händen in der Luft zeichneten. Nun, ich habe die Königin Luise +gesehen. Sie ist zu mir gekommen am Weihnachtsabend und hat mir eine +weisse Rose geschenkt. Eine weisse Rose, die duftete. Sie kommt oft zu +mir. Der Kaiser Friedrich kommt auch, und Napoleon und der Kaiser +Alexander. Ich weiss nicht, warum sie zu mir kommen. Aber sie kommen.“ + +Er lachte, ein kleines, ungewisses, eitles, ungläubiges Lachen. Es sollte +um Entschuldigung bitten für ihn. Im Grunde war er stolz. Es gab so viel +Dinge. Er wusste nicht ... + +„Man fühlt sie, wenn man nicht viel gegessen hat. Und Jeder fühlt sie auch +nicht. Manche Menschen schlafen auch die ganze Nacht. Ich zum Beispiel, +ich kann sehr oft nicht schlafen. Dann denke ich über Alles nach. O, es +giebt sehr viele Sachen! Wenn man wüsste ... Vielleicht ist es auch nicht +gut. Man muss essen. + +„... Die Thiere sind klug. Und die Kinder. Sie wissen alles Mögliche, +diese Kleinen. Aber sie können nichts sagen. Die Todten können auch nichts +sagen. Viele glauben nicht, dass es ein Leben nach dem Tode giebt. Nun, +diesen kann man auch nichts sagen. Das ist Alles Gnade, wem es gezeigt +wird. Und Viele wollen auch nicht sehen. Ich, ich glaube zum Beispiel an +eine Seele.“ ... + +Nervös, schüchtern sagte er das, mit einer schweren, etwas singenden +Stimme. Er war wohl gewöhnt, dass man ihn oft für verrückt hielt. +Vielleicht war er auch etwas blödsinnig. Aber das waren seine Geheimnisse. +Er war stolz auf sie andrerseits. Oft erfüllte ihn eine schlechte +Eitelkeit. Er kam sich dann besser wie andre Leute vor, eine strahlende +und durchgeistigte Persönlichkeit. Häufig war er auch traurig und +verachtete sich. Er hatte oft nichts zu essen. Der Hunger und die Gedanken +hielten ihn wach des Nachts. + +Sie waren so auf einem freien Platz angelangt, wo die Strasse aufhörte. +Gerade über diesem Platz stand der Mond. Aber er war hinter den Wolken. +Die Wolken umwellten ihn, zogen rasch über ihn her. Manchmal versteckten +sie ihn ganz. Dann war es noch dunkler, wo er stand. Oder er war am Rande +ein heller Fleck. Selbst wenn er ganz von ihnen befreit war, zeigte sein +Rund schwarze Flecken wie Wollfasern, hingeworfene Schwämme. Diese Wolken +zogen sehr rasch und wechselten ihre Form fortwährend. Manchmal waren sie +Kameele, hüpfende Känguruhs oder grosse Schildkröten. Oder auch nur +Dämpfe, gezupfte Watte. Auf dem Trottoir kämpften die Laternenstrahlen. +Aber das Gas war unruhig im Winde, flackerte hin und her. Metall blinkte +zuweilen oder eine Fensterscheibe funkelte schwarz polirt. Weisse Kanten +von Gesims oder Mauern leuchteten urplötzlich auf im Dunkeln. Festes +schien zu gleiten und Unbewegliches bewegt. Ringsum schlief die Stadt, +Dach an Dach und Schornstein über Schornstein. Aber das fratzenhafte, +lügnerische Wesen liess sie nicht schlafen. Es webte und irrte. + +Eine letzte Pferdebahn hielt am äussersten Ende des Platzes. Die Pferde +waren noch nicht eingespannt. Sie stand unbeweglich. Der Kutscher mochte +wohl einen Schlaf halten im Innern des Wagens, bis seine Zeit war. + +Sie waren alle Drei stehen geblieben. + +Die beiden Männer sahen den Fremden an. Sie sahen ihn an, als ob sie +warteten. Sie standen da und warteten, fröstelnd, etwas benommen, +zwinkernd in das Halblicht ... + +Der Eine war halb aufgefressen vom physischen Leiden. Den Andern trieb die +Rastlosigkeit vorbei und weiter. + +Alle Beide hatten dieselben cernirten, etwas blöden Augen von einem +unbestimmten, sanften Grau mit grünlichen Lichtern, Augen von +Nachtthieren, die man mit einiger Ueberraschung entdeckt, weil ihr Funkeln +irreführte im Dunkeln, – Schultern, die getragen hatten, und zu hohe, +weitoffene Stirnen über fliehenden, demüthigen Unterpartien gutartiger +Hunde. + +Sie warteten. + + + + + + DAS VIERTE KAPITEL. + + +Er ging auf’s Land. + +Er kam durch Dörfer, die sich lang hinstreckten in einer einzigen Strasse. +Oder eine andre zweigte sich ab vom Mündungsplatz, sehr ausgefahren, in +einer flachen Tränke endigend am Waldrand, gleich sehr einfachen, +primitiven Verdauungsorganen ganz untergeordneter Thiere. Es gab ärmliche +Häuser, abseits im Koth stehend mit zerfallnen Stacketen und windschiefen +Mauern, wohlgebaute, schmucke, die steinerne Treppen vor der Thür hatten; +weisse Gardinen umrahmten die Fenster über blühenden Töpfen. Recht in der +Mitte war die Kirche gebaut. Ueberall hatte man da zuerst die Todten +begraben, eh’ man anfing sie hinauszutragen weit abseits in gleichgültiges +Flachland. Uralter Epheu kletterte empor nach dem verwitterten Holzthurm. +Eine runde Zifferscheibe zeigte die Stunde mit eingerostetem eisernen +Finger. Des Abends riefen die Glocken und antworteten sich. Vor dem +Wirthshaus stand irgend ein hundertjähriger Baum, eine Ulme oder Linde. +Sehr oft war sie schon ganz zerfressen, eine Seite fehlte, dass man +hineinsehen konnte, wie in einen hohlen Ring. Aber oben trieben die Aeste +noch grüne Ruthen. Die Alten betrachteten sie sorgenvoll, aber die Jungen +dachten, dass sie etwas Heiliges wäre und das Glück ihres Dorfes davon +abhinge. Die Hühner scharrten in den Fahrgeleisen. Das Vieh wohnte +friedlich neben den Menschen. Die Kühe tranken aus der steinernen Tränke +am Brunnen. Sie auch waren heilig, freundlich, der Reichthum ihres +Besitzers, und sahen mit ruhigen Augen wie Berechtigte, die ihren Weg +kennen. Kleine Kinder liefen dem Wandrer nach in ihren Holzschuhen. Oder +sie nahmen die Schuhe in die Hand und folgten so auf den blossen Füssen. +Sie liefen mit, so lange sie Lust hatten, und kehrten dann um, wenn sie +müde waren. Sie standen, den Finger im Mund, mit grossen Augen, sagten gar +nichts, und sahen ihm nach. + +In den Feldern war man an der Arbeit. Männer stiessen die Pflugschar, +langsam, sehr langsam hinter dem Pferdegespann, das sich wie ein +Schattenriss abhob vom grauen Frühlingshimmel. Die Erde wellte sich hier +in grossen Hügeln, wie Wogen eines Meers, das die Fluth verlassen hat. Man +sah den Pflug mit dem Gespann aufsteigen und niedersinken. Manchmal war er +in den Schluchten ganz verschwunden; er kroch langsam und steil hinan in +runder Schwingung um die Schwellung des Bodens. Rhythmisch drehte und +wandte er sich, dem stärkeren Rhythmus der Erdmassen folgend. Ins Graue, +Harte schnitten die blanken Schaufeln, es aufwerfend in blanker, oben +gekräuselter Scholle. Sehr dunkles Bauernbrot hat diese Farbe. Es duftete +vom Frischgebacknen. Die Pferde schritten geduldig. Sorgsam, merkend auf +Zahl und Curve der Furchen lenkte der Pflüger. – Sie waren geschritten so +seit Jahren. Ihre Väter hatten gepflügt. Die Erde war da, und die Menschen +waren vergangen, zur Erde gekehrt wieder. + +Geheimnissvoll in verschwiegenen Furchen keimte die Saat; kleine, +schüchterne Hälmchen aus dem festen, lagernden Erdreich. Krähen strichen +kraxend über die Felder. Ganz oben zogen Schwärme wilder Gänse in +mystischer Keilreihe mit schrillem fernen Kreischen. Der Wind klang wie +brauendes Tosen und Kollern, Kobolde und Trollen aus dem Norden, +Vorgeborner, Eddabewohner. + +Er kam durch Bergland. Da waren die Menschen arm und wenige. + +Sie wohnten dicht zusammengedrückt in Thälern oder an den Abhängen. Die +Berge reckten sich hoch, Kuppe an Kuppe. Runde, langgestreckte, mit +breitem, fichtenbestandnem Rücken, oder sie trugen Laubwälder, braun und +grün, die ihre Umrisse verbargen. Fast kahle gab es, von Gestrüpp, ganz +jungen Hölzern bestanden, zwischen denen man Korn gesät hatte, um den +Boden fruchtbar zu machen. Schneisen öffneten Ausluge in grüne Wirrnisse, +neue Seitenthäler und auf hohe ernste Wände. Am Wege rankte +Brombeergesträuch und man sah zwischen Farrenkräuter wie in grüne, +niedrige Dome unter den hohen, wo Elfen hätten spaziren können, Thau +schlürfen aus blauen Glockenblumenkelchen oder Honig melken aus den gelben +Blüthenrüsseln der wilden Bienensaug. Holz schlug man da in grossen +geschichteten Würfeln. Jedes Stück trug den Stempel, die Nummer. Manchmal +aus einem verwachsenen Seitenweg zwischen den hohen Gräsern kam ein +Arbeiter, der seiner Heimath zustrebte, Bergleute oder Hausirer, stille +Leute und gewohnt im Dunkeln zu finden. + +Durch fruchtbare Ebenen kam er, wo Dorf an Dorf sich drängte, Hof neben +Hof, stattliche Höfe mit rothen Ziegeldächern und steinernen Ställen, +weiter Einfriedigung für das Gelände. Obstgärten bildeten den Reichthum +der Gegend. Selbst das Vieh war schöner, fett und glatthäutig, wie die +Leute, die in steifen Trachten gingen, mit seltsamen Hauben und Mützen, +weiten Röcken und verschnürten Stiefeln. Die Kinder truppten zur Schule +steif und artig. Alles war numerirt und eingetragen vom Landrathsamt. Man +sah die neue Bahn ohne Ehrfurcht. Man wusste, was man werth war, und +wünschte nicht, dass eine Vermischung stattfand. + +... Manchmal ging er sehr früh am Tage. Alles war grau, grau wie im Wasser +gewaschen und noch nicht getrocknet wieder. Die Feuchtigkeit sass in der +Erde wie in einem Schwamm. Die Luft war zu schwer noch, dass sie +ausdampfen konnte. Kleine Kiesel blinkten gewaschen, braun mit stumpfen +Steingries in der Mitte. An jedem Grashalm hing ein Tropfen. Unzählige, +unendlich winzige Tröpfchen bildeten einen feinen, weiss-grauen +Seidenschleier auf seiner klebrigen, mit kleinen Härchen besetzten +Oberfläche. Die Kräuter streiften feucht beim Durchschreiten. Man fühlte +die Erde sich ansetzen und schwer werden unter den Schuhen. Der Wind blies +mit einem Geruch von frischer Wäsche. Zwischen rothen Steinfassungen einer +Brücke floss breit ausgelaufen ein Mühlbach. Niemand wusste, ob es regnen +würde, aber inwendig war ein Tropfen und Sickern, die Thätigkeit des +Wassers, das filterte, sich einsackte. + +Der Wind erhob sich in den Pappelkronen. Sie verbeugten sich und neigten +ihre schlanken Ruthen gegeneinander. Die Ruthen rieben sich und wechselten +sehr schnell in der Berührung, wie Tasten eines Klaviers, die man +nacheinander anklinkt, ein Spiel der Stäbe, die Zeichen geben, eine +Botschaft weitertragen. Die ganze lange Reihe hindurch lief die Bewegung. +Sie schüttelten die Köpfe, rauschten und raunten. + +Erst kam es nur wie ein feiner, leichter Wasserstaub, ein Schleier im +Gesicht, den der Wind nach Laune vor- und zurücktrieb. Graue Huschen zogen +rasch wie Watteballen in der Luft. Dann wurde es wie ein leises Stossen, +wie wenn es in einem Kessel anfing langsam zu kochen. Man hörte das +Klatschen auf nackte glatte Häute der Blätter. Aber es kam noch nicht +durch. Sie schützten wie ein Regenschirm. Es rieselte, rauschte, tropfte, +plätscherte ... Es regnete. + +Im Frühlingsregen ging man wie in einer grauen Tarnkappe. Alles erschien +ohne Farbe, sehr jung noch, wie eben ausgebrütet, als ob die Eihäutchen +noch herum wären, eine Fötuslandschaft. Das Nass begoss, trieb, schwellte. +Unter den Fusssohlen sickerten Lachen. Alles Grün wurde grell, fast +giftig. Die Blumenkronen schienen grösser, vom Wasser beschwert. Fast +schwarz glichen die Baumrinden aufgebrochner Erde. Ein lauer +Schweissgeruch des Brütens lagerte. Unter den Steinen höhlten sich Löcher. +Alle Steine schienen dunkler. Ihre weissen Aederchen und Brüche zeigten +sich sehr deutlich. Die Steine waren nicht steinern und die Tropfen +schlugen sie. + +Dann kam ein gelber Schein von irgendwoher. Er flatterte auf wie ein +Vogel. Es war ein Spiel der Lichter ohne eine Quelle des Lichts, ohne dass +man wusste, woher die Strahlen kamen. Grosse Flecken von Klarheit rissen +ein und vergrösserten sich im Grau. Alles ging sehr rasch, wie das +Anschlagen eines Instruments, ein Finger, der sehr schnell über Saiten +läuft. Es giebt einen Klingklang hier und da, aber noch keine Melodie. Die +Regenstriche schienen blank und sprühend. Einen Moment funkelte Alles. Ein +Regenbogen stand sicher geschwungen über der Landschaft, ein zweiter +verschwamm zitternd im Grauen. + +Die Vögel fingen schüchtern wieder an zu piepen. + +... Man sah keinen Menschen des Abends. Ueber die Felder zogen Nebel. Am +Waldrand schien sich’s zu brauen, zusammenzurotten. Man unterschied die +einzelnen Bäume nicht mehr. Es waren Alles Rundungen, wie Hammelrücken, +Riste flockiger Widder sehr eng zusammengepresst. Das wiederholte sich +unendlich. Es schien wie ein Meer, das da angewachsen, festgenagelt war, +dunkel, drohend, gierig, immer dieselbe Form in immer tieferen Schatten, +Röthen, Violetten, die der Tag nicht kannte. Das drang vorwärts, frass +sich weiter, eine schlechte Anziehung schien von ihm auszugehen, etwas von +Hexenkraft, Räthselhaftigkeit, Unerlöstem. Sehr sanft schmiegten sich die +Saaten. – Ein Reh trat heraus. Es äugte mit merkenden Lichtern, spitzte +die Horcher, eh’ es sich zum Aesen bückte. Dann kamen mehrere. Man glaubte +den leichten Anschlag ihrer Hufe auf dem Rasen zu hören, wie sie sich +bewegten, malmten. Nun wurde Einem wohler. + +... Die Kastanien trieben eidicke Knospen. Blättchen an Blättchen faltete +sich in drängender Enge, rundlich, breiter am Grunde und spitz zulaufend +im Abschluss. Der klebrige Lebenssaft hielt sie alle zusammen. Zartbraun +waren die äussren, wie dünne abfallende Schalen, die ihren Dienst gethan +haben. Die inneren blieben weiss und lichtgelb, wie feines Fleisch der +Eier, das man isst. + +Er fand einen jungen Mann unter dem Kastanienbaum. Er hielt ein Buch auf +seinen Knieen, aber er las nicht. + +Er sprach zu ihm: „Warum liest Du nicht in Deinem Buch, das Du hältst?“ + +Er sprach: „Dieses Buch habe ich gelesen, viele Bücher, alle Bücher der +Welt, die ich finden konnte. Ihre Worte sind Buchstaben und ihr Wissen ist +Worte. Jetzt lese ich gar nichts mehr. Ich bin nur hier und studire den +Baum. + +„Recht herrlich anzusehen ist dieser Baum. Aufgepflanzt auf starken +Wurzeln, unter der Erde gegründet wie über ihr. Der Mittelstamm reckt sich +stolz und gerade. Jedes Jahr weitet sich der Ring. Eine Schnur fügt sich +mystisch zur Schnur der gewesnen, die die Vergangenheit zeichnen, und jene +Zukünftiges. So entsendet er Aeste ringsum im Kreise nach allen vier +Richtungen der Sonne, dass die Sonne sie bescheine und wachsen macht. +Kleine Zweige schiessen auf von den grossen, aus knorrigen Höhlen, wo das +Geheimniss der Geburt sich erneuert. Diese wieder theilen sich in +fächernde Finger. + +„Keine Regel scheint in dem Ganzen und stolz giebt er die Rundung des +Erdballs wieder. Fast flach breiten sich die untern tragenden Aeste. Die +mittleren reichen an den Kreis des Aequators. Zum Pole der Spitze fügen +sich in schärferer Steigung die oberen. + +„Und Alles lebt. Die Wurzel entsendet die Kräfte, die die Aeste leiten. +Zur äussersten Spitze des ärmlichsten Stieles steigt pulsender Saft, der +schwärt und gebiert. Ohne Ende ist dieses Leben, grossmüthig und doch +sparsam. Es scheint zu schlafen und wirkt doch in der Stille. Prangend +steht es in der Blüthe und sicher reift doch die Frucht. Es giebt kein +Meistern an seiner Form und Bestimmung. Denn Alles ist meisterlich von +Anfang gegründet wie es sein muss, bis er stirbt, sein Tag um ist, da er +lebte.“ + +Er sprach: „Bist Du also weit und hast Du dies Alles erkannt, so will ich +Dir mehr sagen, das wichtiger ist denn Werden und Sterben. Lass Dein Buch +und den Baum und folge mir.“ + +So folgte ihm dieser. + +Zwei Brüder, Maurermeister, lebten in einer kleinen Stadt. Sie lebten dort +schlicht und redlich, waren verheirathet und hatten Kinder. Ihr Gut +mehrten sie täglich und sie hatten zusammen ein schönes Haus gebaut, dass +sie dort auf ihrem Eignen sässen und ihre Tage friedlich endeten. + +Sprach der Eine zum Andern: „Was hilft es uns nun, dass unser Gut sich +mehrt von der Arbeit unsrer Hände, unser Haus fest und stattlich steht? +Wir müssen doch sterben. Die Zeit reisst es ein, was wir gebaut haben.“ + +Der Andre sprach zu seinem Bruder: „Ich kenne einen Fremden, der Worte +weiss stärker wie das Leben. Was er meint, bindet keine Zeit. Mauern +fassen es nicht, die stärker sind wie unsre.“ + +Er sprach, der der ältre Bruder war und der Weiseste von Beiden: „Diesen +Mann muss ich hören. Und wenn ich alle meine Güter dahintenlasse, was das +Herz froh macht, ein Weib und junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich +habe, was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest wird, ist mehr denn +Häuser bauen, die der Sturm einreisst.“ + +Diese Beiden gingen und suchten den Fremden auf. + +Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet von allen Menschen und von +nachdenklicher Gemüthsart, wie es das Handwerk mit sich bringt. Denn ein +Maurermeister in seinem Handwerk, so er es recht versteht und ernst nimmt, +ist etwas vom lieben Gott und Schöpfer selbst, der die Welt geschaffen +hat. Er hält in seiner Hand Thon und Mörtel. Was er baut, soll für Jahre +und Jahrzehnte sein, wohlgegründet und ausgemessen in allen seinen +Theilen, dass nicht das Hohe auf das Niedrige falle, der Boden nachgiebt +unter zu schwerer Belastung von Schnörkeln, Pfeilern, buntausgemalten +Fenstern. + +Alle diese und Andre, an der Landstrasse, sah und fand der Fremde. + +Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an einem Wegrain oder auf der +Rasenhöhe über dem Teich, sprach er zu ihnen. + +Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums und wie die gering sind und +Knechte, die streben und hochstehen. + +Von den Thörichten des Herzens und den Armen im Geist sagte er ihnen +süsse, geheimnissvolle Worte. Und von der Güte der Unklugen, die weiser +ist denn Weisheit und stärker denn Stärke aller Gewaffneten und Starken. + +Kleine Kinder umstanden seine Kniee und sahen zu ihm auf mit grossen, +unbewussten, gläubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen +Meditationen. Mütter hielten sich lächelnd an mit ihren Säuglingen an der +Brust, die nach der nährenden Zitze lallend griffen, sie patschten mit +ihren rosigen Händchen. + +„Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist über dem Gesetz. Alles Gesetz ist in +ihr.“ + +„Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn Deins ist wie Deines Bruders und +Deines Bruders wie Deins.“ + +„Die Unkeuschheit ist nicht in der That. In der Scham schon ist Sünde. Der +Gedanke der Wollust schlägt und beschädigt.“ + +„Nicht das Wort ist Lüge, der Eid betheuert nicht. Eure Rede sei klar, +weil Euer Denken Wahrheit ist.“ + +„Der Hass, der keinen Widerstand findet, erlahmt in ihm selbst, wie der +Stein, der geworfen wird und in’s Wasser fällt.“ + +„Und widerstrebet dem Uebel nicht.“ + +Die kleinen Blumen blühten mit tiefen, duftenden Kelchen. Feiner wie +köstlichste Seide waren ihre Blättchen. Die Staubfäden standen wie +brennende Kerzen, Goldkrystalle edelster Kronleuchter. Auf grünen Stengeln +trugen sie ihre Häupter wie Kronen. Die Luft war schwanger von ihren +Düften und die Winde trugen ihre Samen. Die Vögel kamen sorglos und +pickten ihre Nahrung. Im Gras athmeten Cicaden und Mückchen, Käfer, +Gewürme – ein tausendfältiges Leben. + +„Warum sorget Ihr Euch? Alles Leben findet seine Nahrung. Alles Lebendige +erfüllt seine Bestimmung des Lebens. Ihr sorget und sammelt Schätze. Die +Motten zerfressen sie und der Rost, die Diebe graben danach und stehlen.“ + +„Der Reiche ist arm und der Arme ist reich. Stark ist, wer fest steht in +sich selbst. Der weise geworden ist in Gott, dem haben Stürme, Hass der +Menschen und Noth nichts an. Die Welt ist dem Menschen gegeben. Ueber der +Welt steht der Mensch, der die Welt in sich trägt. Gott ist in Euch und +Ihr seid Gottes. Erwacht zu Eurer Herrlichkeit! Ein königliches Volk, ohne +Könige, Herren Alle und Freie, die Ihrer selbst Herr geworden sind.“ + +Sehr schön war er mit seiner strahlenden Stirn, dem melodienreichen Mund, +dem die Worte entströmten, die Hände lang und fein mit heilender +Berührung. Seine Worte klangen lieblich wie Musik. Und in ihnen war die +Tiefe. Der blaue Himmel spannte sich über ihn, blau, ganz blau, in immer +lichterem Blau bis zur lächelnden Sonne, über die Erde gestellt mit +grünsammetnem Rain, – einen König im schlichten Bettlergewand, einen +Gebietenden auf dem Feldstein seines Throns. + +Die Leute kamen von weit, ihn zu hören. + +Etliche sagten: „Es sind Gedichte. Wir haben das schon oft gehört, so oder +so.“ – Aber sie hatten viel zu thun und gingen. + +Viele sagten: „Das ist Alles Lüge. Träumereien sind das.“ – Sie erklärten +lange, wie es besser zu machen sei mit dem Aufhören der Militairlasten +oder einer neuen Steuerordnung oder indem man die Güter anders vertheilte. + +Sie waren die Klügsten. Aber die Meisten gingen hin und thaten weiter, wie +sie vorher gethan hatten. + +Und war Niemand, der ihn verstand. + + + + + + DAS FÜNFTE KAPITEL. + + +Es begab sich, da er müde war, setzte er sich nieder an einem Brunnen. + +Ein sehr lieblicher Platz war es. Weidenzweige hingen tief wie feine +wehende Schleier. In der gemauerten Höhlung hörte man es murmeln vom +schwärzlichen, verborgnen Wasser. Alles Gras ringsum war grün, sammetgrün +mit Schatten, wie der Wind es wehte oder die Sonne fiel. Eine Stille war +in der Luft, diese Klage der Feuchtigkeit, die der Nacht vorangeht, denn +es war Abenddämmerung. Nur die Heimchen zirpten. Man hörte das Locken der +Vögel, aber befriedigt, nur mehr wie ein Glucksen. Die Winde auch kamen +sacht, mit etwas lebhafterem Rauschen oben in den Baumkronen. + +Er setzte sich auf die Steinbrüstung des Brunnens. + +Eine Frau kam. Sie ging langsam und hielt eine Reitgerte in der Hand. Der +Saum ihrer grauen Amazone fegte schleppend den Boden. Sie führte ein +weisses Pferd am Zügel. Es trat so leicht auf, dass man seinen Hufschlag +nicht hörte, den Kopf hielt es gesenkt, als wollte es sich bemühen, die +Saatsprossen zu erhaschen, und schnoberte leise aus rosa feinen Nüstern. +Ein Windspiel sprang auf ihrer andern Seite. Es streckte zuweilen wie +liebkosend seinen schmalen spitzen Kopf in ihre hängende Hand. Sie ging in +tiefen Gedanken. Ihre Haare waren in dicken Flechten gewunden, weit unten +im Nacken aufgesteckt, als ob sie zu schwer wären für ihren schmalen Kopf. +Sie ging sehr langsam und hielt die Augen zur Erde gerichtet, wie wenn sie +suchte. Sie suchte mit der schwanken zitternden Spitze der Reitgerte auf +dem Boden. Der Hund lief neben ihr und sah sie an. Er versuchte ihre Augen +zu fangen. Aber sie antworteten seinem Blick nicht. Sie ging und führte +das weisse Pferd am Zügel. Ganz weiss, mit gesenktem Kopf folgte es, ein +edles, geduldiges, sehr feines Thier. + +Gerade über die Wiese kam sie, zu der Quelle, wo der Fremde sass. + +Sie seufzte. Gegenüber am Brunnen sass der Fremde. Und sie sah ihn nicht. + +Sie hob die Augen auf und sah ihn. + +„Warum bist Du unglücklich?“ fragte der Fremde. + +„Ich bin unglücklich, weil ich glücklich bin. Ich habe Alles, was die +Menschen Glück nennen. Ich wohne in einem Schloss im Reichthum. Meine +Eltern hielten alle Sorge fern von mir. Ich habe einen Mann, der mich +anbetet, gute Kinder. Doch bin ich unglücklich. Ich gehe zu diesem +Brunnen, um Ruhe zu finden, weil mein Schmerz sich auflöst in dem der +Natur, der über diesem Ort lagert. – Warum ist sie unglücklich?“ + +„Weil sie sterblich ist und vergänglich.“ + +Die junge Frau seufzte tiefer. Die Zweige der Weiden rauschten auf wie +leichte, faltige Frauengewänder und fielen zusammen. Der Hund schob +liebkosend seine kalte Nase ein. Ueber die Felder trug der Wind die Klage +der Weiden und geheimnissvoll in der Tiefe gluckste und murmelte das +Wasser. „Sind wir es nicht auch? Vergänglich und sterblich? Der Tod ist in +Allem. Das Schöne hat keine Dauer. Die Leidenschaft flieht. Der Tag unsrer +Kraft ist der unsrer Güte. Wenn wir krank sind, sind wir selbstsüchtig, +schlecht, Andre quälend und gequält von ihnen. Aller Anstrengung Ende ist +der Tod.“ + +„Es giebt etwas über dem Tod,“ sagte der Fremde. + +„Es giebt etwas,“ sagte sie in sehr tiefen Gedanken. „Ja, es muss etwas +geben. Man denkt nicht daran, wenn man glücklich ist. – All’ diese Tiefen +– diese Schmerzen! Diese Schmerzen müssen unsterblich sein.“ + +„Die Schmerzen sind unsterblich.“ + +„Die Ahnung des Unendlichen – diese Sehnsucht hinaus! Es ist das Beste, +was wir haben. – Es ist sehr schmerzlich.“ + +„Leiden ist schön.“ + +„Ja, es ist schön. Ich möchte nicht ohne es sein. – Doch die Andern sind +glücklicher. Warum gab man es uns nicht wie dem Thier zu leben? wenn es +aus ist, Sterben ohne Bewusstsein?“ + +„Nichts stirbt. Alles Leben lebt unvergänglich.“ + +„Sie auch, diese Bäume? Die Wehmuth dieser Felder? Es gäbe eine +Vollkommenheit für sie? Eine Erfüllung? Wo ist sie?“ + +„Ahnst Du sie nicht? – Sieh in die Weite!“ ... + +„Manchmal ahne ich sie. Etwas wie einen Zusammenklang, einen verlornen, +fernen. Ich weiss nicht. ... Es ist das Leiden, die Sünde: Einer hat Einen +getödtet. Man tödtet ihn wieder. Er leidet. Ist er nicht erlöst? ... Aber +es sind so viele Andre. Sie gehen hin und leben, correct, alltäglich“ ... + +„Sie sind weitab.“ + +Sie sprach wie im Traume. Der Hund, zu ihren Füssen gelagert, sah sie an +mit treuen, klugen Augen. So beweglich waren sie, dass die Lichter +fortwährend wechselten wie in einem Spiegel. Im Grase weidete das weisse +Pferd. Man hörte es die zarten Halme abrupfen, sie zermalmen zwischen +starken, höckrigen Zähnen. Und von Zeit zu Zeit wieherte es leise, wie +wenn es antwortete, als röche es den Frühling. + +„Ja, ja,“ sagte sie athemlos. „Ich weiss nicht. Aber es muss auch sein. +Man quält auch Thiere. Sie leiden und sie ahnen. ... Was ist es?“ + +„Wenn Du wüsstest, wäre es das?“ + +Sie schüttelte den Kopf. „Nein, man muss es finden, selber in sich finden. +Dann ist es der Friede. Ein Glück über dem Glück, Erfolg und Schande, +Reichthum und Armuth, – das ist Alles so gleichgültig. Es ist über dem +Allen.“ + +Sie sah den Fremden an. Die junge Frau mit zarten, spielenden Fingern +strich langsam die Säume ihres Kleides entlang. Ihre Augen verschleierten +sich in dem Schleier, der über die Felder ging. Es war, als ob die Farbe +der Felder in sie eindränge und es bliebe nur _eine_ Farbe in ihren Augen +und in der der wehenden Saaten. In der Curve ihrer Schultern fand sich die +gesenkte Kruppe des weissen Pferdes. Die graue Seidenhaut des Windspiels +schmiegte sich wollüstig, verloren in die Kleiderfalten. Das Wasser fiel +in kleinen plätschernden Cascaden, oder es ruhte sich lange aus, in +Pausen, wo nur das Unterirdische murmelte, die kleine Stimme von Tropfen, +die höhlen, klopfen. + +„Manchmal fühle ich, als ob ich gar nicht mehr Ich bin. Eine hässliche +Kröte. Eine Tigerkatze. Ich bin ein Wesen, was vor vielen tausend Jahren +war und hundertmal gestorben ist. Ein Thier und ein Gott. Vom Thier zu +Gott. Das ist der Weg.“ + +„So ist es.“ + +„Ja, ich habe gelebt,“ sagte sie sehr leise, liebkosend. „Ich habe +gemordet. Ich habe gesündigt und triumphirt. Vielleicht habe ich am +Märtyrerpfahl gestanden. Und es machte mir Freude, meine weisse, feine +Hand in Blut zu tauchen, bis sie roth war. – Ich sah einen Mann einmal. Er +war ein Strolch und ein Mörder. Er auch, war ein König. In seinem Auge las +ich den Stolz der Starken. Wir kannten uns so gut, wie wir uns sahen. ... +Das ist seltsam.“ + +„Nichts ist seltsam.“ + +„Nichts! Nichts!“ wiederholte sie inbrünstig. Eine feine Röthe schlug von +ihrem Hals auf wie Sonne unter Lilienblättern. „Gar nichts ist seltsam. +Manchmal in Büchern, in der sehr grossen Kunst fühlt man es. – Ich habe es +in Felsbrüchen gesehen, in dem spitzen Speerschaft irgend eines Grashalms. +Es giebt Worte, Reime. ... Goethe hat sie. Und Shakespeare, wenn Ophelia +wahnsinnige, kleine Lieder singt. Ich kenne chinesische alte Götzenbilder +und Michelangelo’s Grabfiguren am Mediceer-Denkmal. ... In der +Marseillaise hört man die Tuba der Erzengel. Warum ist Lucrezia Borgia +süss wie Nachtigallsang am Maiabend und Napoleon gekreuzigt wie der von +Golgatha ... Es ist so schwer zu denken ...“ Sie presste die weiche kleine +Hand gegen die Stirn, an der die Schläfen flogen wie unter Hämmern einer +Schmiede. + +„Warum denkst Du?“ fragte er gütig. + +„... Wenn man nicht denken brauchte! Alles weiss man. Nur weil man +versucht, sein Wissen zu erklären, _ein_ Wissen für Alle, Gesetze sucht, +weiss man nicht mehr. Kinder wissen. Und Frauen! Ah, Frauen wissen eher +wie Männer! Sie fühlen. Es ist ihr Körper, der in ihrem Willen ist, ... +weil Frauen lieben.“ + +„Und Gott?“ fragte er. + +„Gott auch liebt,“ sagte sie träumend. „Er hasst nicht. Das Gute ist +dasselbe wie das Böse. Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die +Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. Es ist nichts gut und +nichts schlecht. Es ist wie es ist.“ + +Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die müde Traurigkeit erschien wieder in +ihrer Haltung, dem Körper, der sich zurückbog, während die Linie des +Halses straff wurde. + +„... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht in der Kirche zu beten. +Die Sehnsucht erstickte mich.... Hier ist es besser.“ + +„Es ist besser hier.“ + +„Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles müsste mit hinein. Viel, viel +mehr als die alte Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist weit – +weit ...“ + +Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten wallten die Nebel. Es glitt +über die Felder. Das Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe +schien weitgerückt, aufgesogen im Allen ... + +Eine Fledermaus strich leise mit unhörbaren, schwarzen, tappenden +Schwingen. Näher und wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. Sehr +deutlich sah man die feinen Krallennägel, zwischen denen die Flughäute +angemacht waren gleich Stofffächern eines Regenschirms, den kleinen, +platten Kopf mit spitzen Zähnchen, die nach Insekten schnappten, sie rasch +zerrissen. Eine Eidechse kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie blieb da +wie angewachsen, horchend. In der Saat putzten sich die Hasen und machten +Männchen. Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten und +hamsterten leise in sich hinein wie Geizhälse. Ein Fuchs schlich auf Raub +mit vorgestreckter spitzer Schnauze und fuchtelnder Ruthe. + +Ganz fern quakten Frösche im Feuchten. Von allen Wiesen stieg der Athem +auf. + +Sehr lange sassen sie. + +Sie erhob sich langsam. Das weisse Pferd kam ohne Ruf. Der Hund witterte +in die Richtung mit angelegten Ohren, aufmerksam, zitternd. + +„Gehe in Frieden,“ sagte der Fremde, „Du bist näher wie die Andern.“ + + + + + + DAS SECHSTE KAPITEL. + + +Nun hatte die Frau des Landraths eine Idee. + +Das Gerücht von ihm war nämlich sehr stark geworden in dieser Gegend, so +dass viele Leute aus Neugier kamen, um ihn zu sehen. Viele logen und +erzählten seltsame Geschichten von Wundern und Kranken, die geheilt worden +waren. Und die Menschen liefen hin. Sie blieben da und folgten ihm etliche +Tage und warteten auf ein Zeichen. Wenn nichts geschah, was ihre +Hoffnungen erfüllte, gingen sie nach Hause, ihren Geschäften nach. Diese +sagten stets, dass Alles gelogen war. Sie bewiesen sonnenklar, dass solche +Wunder unmöglich und gegen die Natur seien, warteten doch darauf und +würden sie bestritten haben, wenn sie geschehen wären. Die Zeitungen +bemächtigten sich des Stoffes. Sie hofften ihre Leser zu amüsiren. Einmal +tauchte er hier auf und einmal da. Es machte den Reportern Spass, gerade +die abenteuerlichsten Geschichten zusammenzutragen, gefälschte Interviews +und lange Extrakte aus Reden, die er niemals gehalten hatte. Auskunft war +da ertheilt über Himmel und Hölle mit genauer Beschreibung der Lage und +Gliederung der Letzteren, eines jeden Pfeilers, auf dem Gottes Thron +stand. Einige brachten sogar ein ganzes Nationale, dass er der Sohn eines +Zimmermanns Joseph Schäppli aus Bing an der Enz in Württemberg sei. Dieser +Sohn hatte für einen Narren gegolten in seiner Jugend. Im Ort gab es viel +zu erzählen von seinen sonderbaren Thaten und Reden. Dann war er +verschwunden, als er etwa dreissig Jahr alt war. Etliche sagten, er wäre +in der Enz ertrunken, Andre, dass er in die Wälder gegangen wäre und dort +als ein Waldmensch und Einsiedler hauste. Sie behaupteten, dieser selbe +Zimmermannssohn aus Bing sei es, der jetzt aufgetaucht wäre und predigte. +Seine eignen Eltern sollten es beschworen haben. Ein besonders eifriger +Neuigkeitenvertreiber hatte sogar seine Mutter aufgesucht und wusste, dass +sie eine Haube trug und in ihrer Jugend Visionen gehabt hatte. Das war +übrigens nichts Seltnes bei diesem schwäbischen Gebirgsvolk, arbeitsam und +verständig, aber von schweifender Phantasie, mit einer beständigen +Sehnsucht im Herzen, die die Berge wachhielten, oder auch der alte Schatz +von Legenden, einstiger Herrlichkeit und Weltgrösse, die in diesen Stämmen +lebendig geblieben waren trotz des neuen deutschen Reichs, Lutherthum und +Schulbehörden. Wieder Andre hielten ihn für einen Wanderprediger aus den +norwegischen Bergen. Es gab ihnen Gelegenheit, über mystische Schwärmer, +Tolstoi und Ibsen zu reden, den Geist des Urchristenthums, der sich dort +in einigen weltabgeschiedenen Gemeinden rein erhalten hatte. Diese +verbreiteten, dass er der Sohn eines schottischen Lords oder vornehmen +Grafen wäre. Es that ihnen wohl, das zu glauben. + +Und gewaltig erschütterte Alle Fritz Kuhlemann’s Stimme, eines einfachen +Arbeiters und verlorenen Gesellen, der in den grossen Städten auftrat und +forderte Busse zu thun: Im Namen Jesu des Lebendigen, der Fleisch war und +unter ihnen wandelte. „Denn die Zeit ist gekommen.“ + +Das Volk lief ihm zu. Etliche erwarteten Lohnerhöhungen, Gaben der +Reichen. Andre rechneten auf die Revolution, wo er ihr Häuptling werden +sollte. Denn seine Rede klang gewaltig. Es war in ihr der rothe Hass der +Ungerechtigkeit und eine neue strahlende Liebe, weit wie die Sonne, die +über Gerechte und Ungerechte scheint, aber wild auch und schöpferisch, wie +die des Mannes zum Weibe. Es gab Viele, die sich betroffen fühlten unter +den Vornehmen und Reichen, zu sich selbst sagten: Wir können nicht +wohlleben und in Wagen fahren, wo unser Bruder hungert und nicht hat, da +er sein Haupt hinlegen soll? – Denn so sprach er: „Nicht ausser Euch, +sondern in Euch richtet auf das Reich Gottes! Denn das ist Gottes in Euch, +dass Ihr Liebe gebet. Das Andre, Neid, Geiz, Hoffarth, ist des Thieres und +des Teufels. Und Ihr seid Alle Gottes.“ + +Viele kamen auch zu ihm und sagten: Wir wollen sehen, ehe wir glauben. Er +sagte ihnen: Seht die Werke an in seinem Namen gethan und thut wie Er. – +Aber das gefiel diesen nicht. + +Es gab Viele unter den reichen und vornehmen Leuten, die den Fremden auch +gern gesehen hätten. Aber sie wollten sich nicht lächerlich machen. Auch +fürchteten sie in der Oeffentlichkeit ihre Namen zu compromittiren. + +Diese Landräthin, deren Mann zugleich Reichstagsabgeordneter war, hatte +eine grosse Gesellschaft zu geben. Sie war eine kluge Dame aus +reichsgräflichem Hause, die sich viel einbildete auf ihre Bildung, dass +auf ihren Gesellschaften immer etwas Besonderes, Geistiges und +Interessantes war. Da bei vielen ihrer Freundinnen und Nebenbuhlerinnen +Theosophie in Mode war, dachte sie, es würde sehr interessant sein, den +Fremden einzuladen, ihn ihren Gästen gleichsam als Curiosität und zur +Unterhaltung vorzuführen. + +Gleichzeitig that sie damit einem Mann einen Gefallen, der ihr selbst und +ihrem Landrath sehr nützlich war, in einem Kreis, wo er vermöge seines +Namens und Reichthums eine höchste und selbstverständliche Stellung +einnahm, die sie als arme Beamte und Frischnobilitirte sich nur mühsam +erobern konnten, mit allen Mitteln suchen mussten zu befestigen. Dieser +Mann war der alte Prinz Schönheim-Wagram-Trauttenberg, Minister unter der +liberalen Aera Friedrich Wilhelms des Vierten. Er hatte in seiner Jugend +mit der Revolution und dem Dilettantismus coquettirt, dabei als Lebemann +und Schöngeist sich ein Renommee erworben. Seine „Briefe eines Diplomaten“ +erregten das grösste Aufsehen seiner Zeit. Er war der Erste gewesen, der +mit der Tradition brach, dass Heuchelei und geheimnissvolle Zugeknöpftheit +unentbehrliche Attribute der Staatsklugheit bildeten. Unter einem fast +ruchlosen, scheinbar offenherzigsten Cynismus verbarg er füchsische +Verschlagenheit, die Raubthierkralle eines Cäsar Borgia im +Sammethandschuh. Man nannte ihn den Fürsten Talleyrand der Provinz. Seine +Stellung dort war unerschütterlich selbst nach seiner officiellen +Niederlage als Staatsmann, seitdem neue Systeme und Principien ihn und +sein System hinweggefegt hatten. Die Landräthin gehörte zu seinen +Protegees. Nicht, dass ihre spärlichen Reize den alten Viveur in +Versuchung geführt hätten. Nach einem galanten Sabbath ohne Gleichen hatte +das Küchenpersonal und noch tiefer hinab, bei ihm endgültig die Palme +davongetragen. Er bezeugte diese Vorliebe sehr ungenirt. Aber er liebte es +immer, seinen Finger mit in der Pastete zu haben, die Landräthin und ihr +strebsamer Gatte erschienen ihm als gefügige Werkzeuge für seine kleinen +Pläne, die er durchaus nicht aufgegeben hatte, nur versteckt hielt unter +witzelnder Indifferenz. Das Renommee eines mystischen Einflusses erfreute +ihn. Er fand es vornehmer, hinter den Coulissen zu operiren, als vorne auf +der Bühne die grossen Schreie auszustossen: heutzutage weiss man von jeder +Macht die Adresse. Jeder trägt seine Befugnisse und Eigenschaften wie +aufgeklebte Etiketten mit sich herum: Büreau für Stellenbesetzung, +Vermittlung von Börsengeschäften, Vademecum für Hoflieferanten. Früher +ging das in’s Geheimnissvolle wie der liebe Gott. Und hielt die Bande in +Schrecken. Man weiss zu gut, was wir _nicht_ können. Darum will jetzt +Jeder Alles besser wissen. + +Das Neueste in dem sehr beweglichen Geiste und fieberhaften +Lebensbezeugungsdrang des Prinzen war ein Werk über Buddhismus, den er für +die Religion der Religionen hielt. Sie passte in den Cynismus des alten +Diplomaten, diese Idee des Jenseits von Gut und Böse, der souveränen +Verachtung aller Moralsysteme. Viele zweifelten an seiner Gelehrsamkeit, +sie war etwas zusammengewürfelt nach der Mode des Ancien Régime. Er besass +diese Eigenheit der Regierenden, dass er über Alles reden und geistreich +reden konnte. Trotzdem wurde sein wirkliches Wissen bestritten. Er selbst +vermied Gelehrte, sein eigentliches und Hauptpublikum blieben Damen. Nur +der Doctor Rothe konnte es mit ihm aushalten. Dies war um so +verwunderlicher, als der junge Mann thatsächlich ein sehr bedeutender Kopf +war. Seine Examina hatten das Staunen seiner Lehrer erregt. Professoren +und Mitschüler erwarteten von Anton Rothe etwas ganz Außerordentliches, +den Aufgang eines neuen Sterns am Himmel der Gelehrtenwelt. Einen Stürmer +und Dränger sahen die Andern in ihm, einen grossen Künstler. Er hatte alle +ihre Erwartungen getäuscht, war mit sechsundzwanzig Jahren als +Privatsecretair in die Dienste des Fürsten getreten, der ihn in einer Art +Auerbach-Keller kennen gelernt hatte, und diesem seitdem auf allen seinen +Reisen gefolgt. Legenden von geheimen, raffinirtesten Ausschweifungen, +denen sich Herr und Diener auf solchen Weltreisen in afrikanischen +Lasterhöhlen, den Schmutzpfühlen überseeischer Hafenstädte hingegeben +hätten, konnten allein diese seltsame Anziehung zwischen dem beinah +achtzigjährigen Weltmann und dem zweiunddreissigjährigen, prachtvollen, +genialen Menschen erklären. Man hatte das ungleiche Paar Faust und +Mephisto getauft, der äussere Eindruck entsprach der Vorstellung, neben +dem ernsthaften, schönen jungen Mann, schwerer germanischer Typus, das +sardonische, zahnlose Affengesicht des Alten, der es liebte, von seinen +literarischen Speichelleckern als Voltaire bezeichnet zu werden. + +Dies waren die Hauptpersönlichkeiten, denen die Gräfin den Fremden +vorführen wollte. Sie hatte eigentlich eine Abneigung gegen den Doctor +wegen seiner bürgerlichen Abkunft und sonstigen Anrüchigkeit. Aber die +allgemeine Werthschätzung, deren er sich erfreute, seine sagenhafte +Allmächtigkeit bei dem Fürsten zwang sie, freundlich gegen ihn zu sein. +Ihre Sauersüsse bei solchen Gelegenheiten amüsirte dann den Alten: „Es ist +wunderbar, wie diese Frau aus Ehrgeiz sich zu beherrschen weiss. Da sagt +man, nur Männer hätten eine Hundenatur. Sie schlagen uns noch auf allen +Punkten.“ + +Der Landrath, ihr Mann, that immer, was sie wollte: „Wenn Du meinst, +Amélie.“ ... Sie schrieb also ein Billetchen an den Fremden des Inhalts, +dass eine distinguirte Reunion im Schlosse von X., Datum und Stunde, von +seinem Geist und Wirken gehört, den Wunsch hätte, ihn zu kennen und sich +belehren zu lassen. – Höflichkeit bei solchen Gelegenheiten ist immer +angebracht. Sie kostet nicht viel und leistet dasselbe wie baares Geld. +Uebrigens lag der Gräfin wirklich an dieser Attraction für ihren Rout. +Boshafte Leute waren hier wieder der Meinung, dass diese berühmten +gräflichen „geistigen Attractions“ vieles Andre, weniger Attractive +verbergen sollten, zum Beispiel eine entschiedene Dürftigkeit des +Vorgesetzten, und den Umstand, dass der Champagner immer ausserordentlich +spät, im letzten Augenblick servirt wurde. + +Der Diener fand den Fremden unter einem Apfelbaum, wo er sich ruhte. Zwei +schwarze Amseln liefen nach Würmern pickend neben ihm im Grase. Es schien, +als ob diese Thiere ihn fragten und er ihnen antwortete. Der Mann schwor +nachher auf die Hexerei. + +„Ich werde kommen,“ sagte der Fremde. + +Die Gräfin, die es nie verschmähte, auch ihre Kammerdiener auszufragen, +merkte sich diesen kleinen interessanten Zug. Sie hatte eine sozusagen +symbolistische Toilette gemacht: Weiss, sehr in’s Crême spielend, mit +schwarzen Jetkettenschnüren viermal um den Hals. + +Der Landrath war etwas sorgenvoll: seine Stellung und quasi officielle +Sanction ... „Das verstehst Du nicht, mein Freund,“ sagte sie milde, aber +fest. – „Man wird sich erdrücken.“ + +Man erdrückte sich. + +Die Gräfin war allgegenwärtig. Es galt, ihren Gästen das Ausserordentliche +ihres Schrittes klar zu machen, diese Einladung an den Fremden, mit der +sie ihren geistreichen Freunden einen Gefallen thun wollte, und sich +gleichzeitig möglichst gegen üble Folgen schützen, da man es ihr nach oben +hin falsch auslegen konnte. + +Gegen die Einen, die sie für freie Geister hielt, war sie frivol, für die +Andern ernsthaft, priesterlich. Allerliebst reumüthig, bescheiden, +entschuldigte sie sich gegen den Superintendenten, einigen alten Damen +gegenüber. „Ich bin so eine moderne Ketzerin. Es ist doch auch, damit Sie +selbst den Unsinn sehen ...“ + +„Interessant“ war ihr Wort. Dafür liess sie sich einen scherzhaften +Fächerschlag auf den Arm von der alten Baronin Rehden gefallen. Die +Superintendentin bat sie um ihr Recept für schwarzen Johannisbeergelee. +Dabei vergass sie niemals dem Prinzen zuzulächeln: „Wie werden wir uns +nachher über alle diese mokiren. Wir Beide verstehen uns, dass Alles nur +eine Farce ist.“ ... + +„Ist sie nun nicht bewundrungswürdig?“ fragte der Prinz seinen Adjutanten. +„Diese Frau wäre bei August dem Starken die Orczelska, bei Ludwig dem +Vierzehnten Maintenon, bei Alexander Krüdener gewesen. Für die Tochter der +Herodias reicht’s leider nicht. Sie hätte auch da ihr Bestes gethan und +man würde ihr wahrscheinlich das Haupt bewilligt haben, wenn auch aus +andern Gründen.“ + +Der junge Mann antwortete nicht. Er betrachtete den Fremden, der allein an +einem Ende des Saales stand. + +Er stand ganz ruhig in seinem einfachen Anzug zwischen den plaudernden, +lachenden, zischelnden Gruppen. Fortwährend drängten sich die Diener durch +unter irgend einem Vorwand, um ihn anzustarren. + +„Eigentlich eine tolle Idee der guten Gräfin,“ sagte die alte Baronin +Steuben, sich Luft zufächelnd. Sie war eine wirkliche grosse Dame und +verachtete die kleinen Trics und Kniffe der Andern. + +Ein junges Mädchen erstaunte, dass er keinen Frack trüge. Der Prinz +bemühte sich, der kleinen Frau eines Rittergutsbesitzers einzureden, dass +es sehr möglich sein könnte, dieser wäre wirklich Christus. Die kleine +Frau begriff nicht. Ihre Augen vergrösserten sich unmässig. Sie stand +buchstäblich mit offenem Mund. + +In einer Gruppe junger Damen und Offiziere hatte man beschlossen, den +geheimnissvollen Gast direct zu attaquiren. Ein kleiner, kecker Dragoner +war ausgesandt worden als Avantgarde. Man setzte ihm zu von allen Seiten. +Und er that auch, als ob er etwas besonders Gefährliches unternähme, hegte +noch Skrupel über die Anrede. „‚Meister‘ ist ja wohl das Officielle?“ ... + +„Ach gehen Sie!“ + +Aller Augen folgten ihm, wie er gesucht dandyhaft quer durch den Saal +chassirte. Die jungen Damen kicherten. + +„Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle.“ Der junge Mann verbeugte sich, +forcirt vorschriftsmässig die Hacken zusammenschlagend. + +Der Fremde sah ihn an. „Ich möchte mir eine Frage erlauben, Herr ...“ Er +zögerte vor dem Namen, um dem Andern zu markiren, dass er seine +Vorstellung erwartete. „Halten Sie es für Ihren und dem christlichen +Grundgedanken entsprechend, Kriegsdienste zu nehmen?“ + +Der Fremde antwortete nicht. + +„Ich betrachte die Frage ganz ernsthaft. Es steht doch in der Bibel: Du +sollst nicht tödten. Wir versprechen unsre Feinde zu lieben, Böses mit +Gutem zu vergelten. Christus nimmt Petrus das Schwert aus der Hand. +Dennoch zwingt uns das Gesetz.“ + +„Welches Gesetz?“ fragte der Fremde. + +„Nun, das bürgerliche, das des Staats, dem wir angehören.“ + +„Du gehörst nicht dem Staat, der Staat gehört Dir,“ sagte der Fremde. + +„Aber das Staatsgesetz bestraft mich. Ich werde schuldig gefunden und +verurtheilt, wenn ich mich weigre ihm zu folgen. Gehorsam gegen das Gesetz +ist uns ebenfalls anbefohlen. Was soll ich thun?“ + +„Was Du willst,“ sagte der Fremde. + +„Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was ich will.“ Der junge Offizier +war in einen gewissen Eifer gerathen, er nahm sich vor, den Punkt bis zu +Ende zu verfechten. „Wenn mein Wille gegen das steht, was ich soll?“ + +„Du sollst wollen.“ + +„Man zwingt mich. Ich komme in’s Gefängniss. Man behandelt mich als +Verbrecher. Was bin ich, Einer gegen so Viele?“ + +„Viele Einzelne sind Viele.“ + +„... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch Quäker leisten ja keine +Kriegsdienste, glaube ich? Interessant, sehr interessant!“ sagte die +Gräfin. + +„Jedes Land hat alle seine Kräfte nöthig gegen den äusseren Feind!“ sagte +der Candidat der Theologie, der zugleich Reserveoffizier war. „Ein Land, +das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Körper ohne Widerstandskraft. Es +entmannt eine Nation, sie ist dann nicht fähig, ihre Ehre zu vertheidigen. +Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums.“ + +Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in einem besonderen schnarrenden +Ton. Er war auch _für_ das Duell und fing ein längeres Gespräch mit dem +Lieutenant darüber an, „zum Beispiel, wenn Einer mich mit meiner Frau +betrügt. Dann greift schließlich jeder Holzknecht zur Axt.“ + +„Aber der Holzknecht ist ein Mörder und kriegt seine fünf Jahr Zuchthaus,“ +sagte der Prinz freundschaftlich. „Das ist der ganze Unterschied, mein +braver Langenhahn.“ + +Natürlich müssten gewisse Formalitäten beobachtet werden; der Candidat gab +das zu. Der Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen und +Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, immer gerade mit diesem Falle des +Ehemanns gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen gerechnet. + +„Ich fände es doch einfacher für ihn, Beide todtzuschlagen,“ sagte der +Doctor. + +„O, aber lieber Doctor! Das nun wieder!“ ... Die Gräfin flatterte +skandalisirt. + +„Es wäre das Logische. Entweder wir haben Faustrecht oder wir haben keins. +Diese Mittelzustände machen unsre heilige Civilisation so ungeniessbar.“ + +„Das ist nun doch schrecklich, Doctor, was Sie sagen!“ Die Baronin +schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. Ihr gefiel der junge Mann, seine schöne +Stirn. + +„Erlauben Sie. Es ist in Allem so. Besonders was die Frauen angeht. +Entweder eine Frau ist ein für sich selbst verantwortliches Wesen, ein +Mensch, eine Seele, oder sie ist Sache. Mein Eigenthum. Mein Stück +Kuhfleisch. Dann der Sack und der Bosporus.“ + +„Aber es giebt doch Mitteldinge.“ + +„Die sind dann einfach absurd. Ich schlage mich – aber ich gebe ihm +dieselbe Chance. Ich sage, sie weiss nicht was sie thut, und lade ihr die +volle Verantwortung auf. Wir können eben nie etwas reinlich durchführen.“ + +„Dann wären wir Teufel.“ + +„Oder Engel. Sie haben die Wahl.“ + +„Ich glaube, _Sie_ haben schon gewählt!“ Sie wollte damit discret auf +Einiges hindeuten, was über seine Reisen zu ihren Ohren gedrungen war. + +„Vielleicht doch noch nicht so ganz,“ sagte der junge Mann kalt. + +„Es giebt auch noch ein Drittes.“ + +– „Sagen Sie mal, sind Sie glücklich?“ + +„Befehlen Sie Thee oder Kaffee, Baronin?“ + +Jemand, ein älteres Fräulein, sagte, dass alle Völker eine Familie wären, +Deutsche, Franzosen, Juden. Sie hatte „Die Waffen nieder!“ der Baronin +Suttner gelesen und schwärmte für Völkerverbrüderung. + +„Das ist doch eine etwas grosse Familie,“ sagte der Lieutenant von Detten +zu seiner hübschen Nachbarin. „Ich goutire Juden nur allenfalls als +Schwiegerväter.“ + +Der Candidat fand, man dürfte nicht Antisemit sein vom Vernunftstandpunkt +aus. Aber man wäre es physisch. + +Der Superintendent drohte ihm mit dem Finger: „Wir sind Alle Brüder und +unser Herr Christus kam von den Juden.“ + +Der Prinz erzählte eine amüsante Anekdote von einem Orientalen, einem +befreundeten Pascha, der alle Hufthiere verabscheute, weil er selbst einen +Klumpfuss hatte. + +Der Blaustrumpf unterhielt sich über Frauenfrage mit einem +Gymnasialprofessor. Er hatte einen schmutzigen Hemdkragen an und kaute +seine Nägel: „Nun gewiss, auch Frauen haben eine Seele,“ sagte der +Professor zerstreut. „Das heisst – Seele! –“ er lachte sardonisch. Er +hatte Lust, auf den Fussboden zu spucken. Aber er besann sich. Man hatte +ihn eingeladen, weil er in den Wahlvereinen wichtig war. + +„Man muss das schwache Gefäss in Geduld tragen,“ sagte der Superintendent. +„Wir haben ja auch aus der ersten christlichen Kirche schöne Beispiele: +Tabbea, Phoebe, die der Apostel erwähnt. Echt evangelische +Frauengestalten.“ + +„Darf man heirathen?“ fragte ein sehr junges Mädchen. „Es steht doch in +der Bibel, nicht heirathen ist besser?“ + +„Dann würde aber die Welt aussterben?“ + +„Und das wäre sehr schade,“ sagte der Prinz ernsthaft. Der Superintendent +witterte römische Ketzereien. Er wies auf das grosse Exempel Martin +Luther’s und seinen gesegneten Ehestand. Die Superintendentin sass steif +mit einer spitzen Nase. Sie dachte an den übriggebliebenen Gänsebraten für +morgen, ob ihr die Mägde nicht drangingen. Der Prinz machte confiscirte +Witze und trieb den Superintendenten in die Enge mit einigen fröhlichen +Vierzeilern von Martin „Nonnenfreund“. Die Lieutenants secundirten, der +alte Herr wehrte sich tapfer. Sein Gesicht wurde schweissroth vor +Anstrengung: „Ein echter deutscher Mann! Ein Mann nach dem Herzen Gottes!“ + +„Ein Bismarck!“ + +Der Candidat schwärmte für Bismarck. Die Gesellschaft verhielt sich etwas +ablehnend. Für die Offiziere war er eigentlich ein Rebell, ein unruhiger +Kopf, der die Consigne brach. Die Gräfin brachte rasch das Thema auf etwas +Anderes, um ihren Mann aus der Verlegenheit zu retten. Der Candidat war +oft recht taktlos. + +Einige Leute wollten Fragen stellen: Werde ich eine grosse Carriere +machen? Siegt mein Gaul beim nächsten Rennen? Wann werde ich meine +Schulden bezahlen? Die jungen Mädchen hätten gern gewusst, ob „er“ ihnen +treu war? Wird der Bestimmte mich zum Cotillon engagiren? – Die Meisten +hatten so eine Art Taschenspielervorstellung, Tischrücken, Kartenlegen +oder Aehnliches erwartet und waren enttäuscht. + +Der Superintendent hatte den Fremden mit Beschlag belegt. Er hatte eine +Broschüre über das Glaubensbekenntnis, Harnack und die Agende +veröffentlicht und wollte jetzt dem Andern auf den Zahn fühlen über diese +wichtigen Punkte. Sein Grundsatz war, dass Kirche und Staat zusammengehen +müssten in den jetzigen socialen Wirren. Vernünftige Reform. Aber die +feste Hand von oben. Und vor allem musste die Autorität gewahrt werden. +Das Patriarchalische ist das einzig Wahre. Dabei hatte er einen Geschmack +für weltliche schöne Literatur, citirte Classiker und bekannte sich zur +Goethe’schen Schule. + +Der Candidat war ein Heisssporn. Er war für ein sociales Kaiserthum, eine +Art Theokratie unter von oben inspirirtem Oberhaupt mit unumschränkter +Autorität. „Die Idee des Gottesgnadenthums muss wieder herrschend werden.“ +Dieser Ausdruck gefiel ihm. Ihn zog das Katholische an. Er war für +High-Church-Reforms. Allenfalls für einen deutschen Papst, grössere +Prunkentfaltung. Er selbst mit einer edelsteinbedeckten Brust hohe +Kirchenakte celebrirend – das hätte seiner Neigung entsprochen. + +Wenn der Superintendent das Presbyterianische, die Selbstverwaltung der +Gemeinden betonte, betrachtete er ihn fast als eine Art Hochverräther. +Dieser im Gegentheil versprach sich nicht viel von den jungen Leuten. Er +war mehr für die kleinen Lokalpäpstchen. Man lebte in Frieden und that +sein Möglichstes. Die Frau Superintendent liess bei sich nähen und war im +Vorstand aller Wohlthätigkeitsvereine. Alles das, diese kleinen Spiele und +Gegenspiele, die er witterte, erheiterte den Prinzen. Er hatte die +„Baalspfaffen“ speciell auf dem Korn und liebte es, an ihren Bäffchen sein +Müthchen zu kühlen. Er erzählte die bekannte Anekdote von Friedrich dem +Grossen: „Der Pfaff soll sein Maul halten, mein Reich ist nicht von dieser +Welt,“ mit der die Kinder der Welt die Pfarrer anöden. Der Doctor +secundirte ihm eifrig, ebenfalls einige von den Lieutenants. Alle waren +für apostolische Einfachheit, den Stab und einen Rock: er hatte nicht, da +er sein Haupt niederlegen sollte. + +„Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!“ Der Superintendent hielt seine +halbgeleerte Kaffeetasse in der Hand, in der er den dicken, bräunlichen +Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein bischen viel Zucker; bei +andern Leuten kostete es nichts. „Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, +dass die Gläubigen sich kasteien. Das ist eine ganz irrige Auffassung, +katholische Ketzerei: hat er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das +Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete Gegenwart den heiligen +Ehestand ausgezeichnet.“ + +„Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, Maria oder Magdalena?“ Dies +war ein vorlauter Lieutenant. + +„Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem heiligen Amt. Und wir müssen nicht +vergessen, dass er in verhältnissmässig jungen Jahren –“ + +„Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden dazu,“ sagte der Prinz. „Das +ist auch eine Auffassung.“ + +Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel. + +„Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, meine Herren! ... Sie +müssen selbst einsehen ...“ + +Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er mochte begreifen, dass sein +Scherz etwas zu weit gegangen war: „Darum keine Feindschaft nicht. Ich +weiss ja, wir brauchen das für die Dummen.“ + +Der Candidat ärgerte sich. Die Kirche musste eine ganz andre Gewalt wieder +haben. Und es wäre in der That gut gewesen für die Stellung des Priesters +– er sagte immer „Priester“, er fand, dass das nach mehr klang – wenn das +Cölibat innegehalten würde. Wenigstens für die höheren und höchsten +Kirchenämter. Vieles in der römischen Kirche war sehr beherzigenswerth. + +Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser Meinung, übrigens war sie +jetzt die tonangebende. „Die militairische Organisation muss durchgeführt +werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles.“ + +Ein Umschlag in der Meinungsäusserung war eingetreten. + +„Ich hatte einen famosen Pastor, bei dem ich im Quartier lag,“ versicherte +ein Lieutenant. „Wirklich ein famoser Kerl!“ + +„Ach, und die schöne Kirchenmusik!“ + +„Und Weihnachten!“ sagte eine andre junge Dame. „Es ist so tief und +bedeutungsvoll.“ + +„Ich fände es doch schrecklich zum Beispiel, sich nicht in der Kirche +trauen zu lassen,“ sagte der Doctor. + +„O, pfui!“ machten Alle. Sie wussten nicht recht, ob er es im Ernst +meinte. Der Doctor war ein schrecklicher Mensch, sehr interessant. Sie +waren Alle fest entschlossen, ihn nie zu heirathen, wenn er um Eine von +ihnen anhielte; aber er hielt nie an. + +Ein junges Mädchen war sehr traurig. Sie fühlte dunkel, dass dieser Mensch +etwas Extraes war, klüger und stärker als die Andern. Warum lachte er +höhnisch und sagte scharfe Worte, die weh thaten? – Ein alter Herr war da, +der an Gesichtszucken litt, seine Hände sonderbar und krampfig bewegte. +Sie sah, dass Einige dies beobachteten, darüber lachten. – Sie fühlte sich +abgestossen, elend. Dieses junge Mädchen war sehr jung noch, ein halbes +Kind fast. Niemand bekümmerte sich um sie. + +Der Fürst unterhielt sich mit dem Fremden. Die Gräfin Thornhill fand ihn +sehr interessant. Sie behauptete, sie sähe deutlich einen breiten, blauen +Schein um seine Stirn. Sie nannte das das Fluidum. Das Fluidum, das von +dem Fremden ausging, war erstaunlich. Die Gräfin Thornhill galt für eine +Heilige. Es kamen sehr einflussreiche Leute zu ihren spiritistischen +Reunions; so geschahen wirklich manchmal Wunder da. + +Der Assessor von Brincken bestritt sehr ernsthaft, dass er keineswegs +nicht an Wunder glaubte. „Ich war früher wie Sie. Aber seit ich Frau +Gräfin kenne ...“ Sie hatte ihn bekehrt. „Es giebt eben doch mehr Dinge +zwischen Himmel und Erde, als unsre Schulweisheit sich träumen lässt.“ Der +Assessor war sehr zugeknöpft über diese Dinge. Er war eben ein +Eingeweihter. Den Doctor schnitt er: „Ein gefährlicher Charakter! Ich +würde mich nicht wundern, den Burschen eines Tages auf den Barrikaden zu +sehen.“ Auch der Fürst war ihm unsympathisch: „Er ist frivol, er schadet.“ +Der Assessor war für’s Correcte, sein Vater war erst geadelt worden; da +ist es der sicherste und geradeste Weg. + +Der Doctor beobachtete seinen Patron und den Fremden. Er sah das breite +Faungrinsen des Alten. Er kannte diese kühle Manier, mit der er die +teuflischsten Dinge sagte, dies freche Augurenzwinkern des Eingeweihten, +das dem Andern gleichsam die Replik über dem Kopf wegnahm: Wir Beide +wollen uns doch nichts vormachen. Du denkst darin ebenso wie ich. Die +Andern sind Dummköpfe. – Er hielt sich noch ganz gerade, zu gerade. Der +weisse Schnurrbart stand steif aufgewichst. Die Backen waren roth +geschminkt, die Augen glänzten, um die Brauen sorgfältig geschwärzt. Auf +der schwarzseidigen Frackfläche bildete der grosse Stern mit dem +Ordensband einen markanten Fleck. Seine Hand trug kostbare Ringe. Er war +stolz auf diese lange, magre, aristokratische Hand, gebrauchte sie, um +seine Bartspitzen zu liebkosen. Es war eine Lieblingsredensart von ihm: +„Profile giebt’s wohl noch allenfalls, aber Hände! Hände! – Wir sind Alle +Ouvriers geworden.“ Tadellos zog sich die Scheitelspur. Er war der König +des Kreises; er dominirte. + +Anton Rothe allein und sein vertrauter Kammerdiener wussten, was das Alles +kostete, dies Gerüst, das noch immer zusammenhielt, zu neuen Blendungen, +neuen Ausschweifungen. Er und nur er kannte die erstaunliche Lebens- und +Genusskraft des Skeletts, die standhielt, in einer kalten Douche sich neu +schmiedete, wenn er selbst, der Junge, erschöpft war, rasend, zum +Selbstmord angeekelt. + +Er dachte an eine junge Dame. Sie war arm gewesen und stolz. Ein +herrliches Weib! Mit solcher geht man in unbebaute Colonien und hat Kinder +und stirbt vor dem Feind für seinen Herd. Er hatte für ihn geboten auf +sie. Der Kampf reizte ihn. Er bot höher und höher. Weil sie arm war und +Hungers starb, hatte sie angenommen. Nur darum. Er wusste es. – Sie sagte +nur ein Wort: Schurke! Er hatte gelächelt. + +Warum fiel ihm das jetzt ein? + +Ein Hass kam über ihn, ein glühender, fressender Mörderhass gegen dies +miserable Kunststück der Hypercivilisation, diesen Fetzen von Haut und +ausgedörrten Knochen, den er schütteln konnte, der ihn hielt wie eine +Viper unter seinem kalten, grausamen Willen, seine Intelligenz zerbrach +wie morschen Baumbast unter der polirten Stahlschneide seiner frechen +Philosophie der Verneinung. + +Plötzlich sah er den Alten blass werden. Seine Farbe wechselte sich in +Leichenfarbe. Er war ein grinsender Todtenschädel. Unter dem weissen, +gestärkten Vorhemd schien die Brust einzuschrumpfen. Es war hohl dahinter. +Er lehnte sich gegen die Portiere. + +Anton Rothe war im Nu an seiner Seite. + +„Es ist nichts. Eine kleine Uebelkeit. Der verdammte Büchsenhummer ...“ Er +war wieder ganz höflicher Weltmann, als die Gräfin, nun auch besorgt, +herbeieilte. Gleichzeitig wurden die Klänge der Polonaise laut, die den +Ball eröffnen sollte: „Wir werden noch manche Polonaise zusammen führen.“ + +Der kalte Schweiss stand auf seiner Stirn. Er zitterte, lächelte mit +bläulichen, lallenden Lippen. + +Anton Rothe hob ihn wie ein Kind in den Wagen. Er selbst sprang auf den +Bock. Niemand achtete auf den Andern in einem allgemeinen Hin- und +Hergelaufe, während drinnen zur Tanzmusik die geschmückten Paare sich +ordneten. Es wetterleuchtete. Lichter leckten auf in bläulichen, breiten +Zungen, duckten sich wieder, huschten auf einer andern Seite spielerisch +entlang. – Sie fuhren die schwarzen Trakehner, das berühmteste Viergespann +der Gegend, auf das königliche und kaiserliche Marställe fabelhafte Summen +geboten hatten. Der Fürst liebte sein Leben, aber er hielt auf Rasse. + +Die Gräfin stand am Schlage mit ihrem Gattenadjutanten. Der Greis, jetzt +wohl eingehüllt in seine Zobelpelze, bückte sich noch hinaus: „O nichts, +nichts, schöne Frau – meine kluge Freundin. Der Fremde – der Fremde ... +Cocasse! Ein sonderbarer Kunde, Ihr Fremder ...“ + +Anton Rothe hob die Peitsche und zog die Pferde an. Sie waren unruhig und +warfen die Köpfe, als ob sie das Gewitter röchen. Es lag Phosphorgeschmack +in der Luft. Man öffnete das grosse Hofthor. Einen Moment stand der ganze +Horizont in Flammen, ehe es sich wieder hinter ihnen schloss. Sie waren +ganz schwarz wie auf Feuer gezeichnet, eine schwarze Kutsche mit schwarzen +Pferden und einem kohlschwarzen Kutscher auf dem Bock. ... + +Er wusste, er fuhr einen Sterbenden. + +Der Fremde war verschwunden. + +Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe stand das kleine Mädchen. Sie +mochte nicht tanzen. Sie weinte. Sie fühlte sich sehr traurig. ... + + + + + + DAS SIEBENTE KAPITEL. + + +Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann den Sterbenden. + +Es gab einen kürzeren Weg über die Berge durch eine seichte Furth im +Flusse. Schmuggler benutzten ihn für lichtscheuen Handel. Man vermied ihn +am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war Wahnsinn. + +Das Gewitter näherte sich. Es war ein Sausen in der Luft, das die Bäume +zur Erde bog. Kiefern und magere Birken, die an den Abhängen wuchsen im +beständigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind fing sich in den gewundenen +Schluchten der Thäler. Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener +Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysteriösen Anziehungskraft +aufgetrieben, begann zu brüllen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen +Kruppen, die zu den Steinen hinüberleckten. Bewegungslos, weiss lagen noch +die schimmernden Ränder. Runde Backen von Kieseln gleissten. Aber die +Schilfe rauschten und raunten. Während von weiter, über dem Gebirge +unheilschwangere Laute eines brauenden, überkochenden Hexenkessels kamen, +jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der peitschenden Bewegung der Bäume +eine fratzenhafte Mischung von Licht und Schatten verursachten. Alles in +Galoppade, die Kutsche einhüllend, die wie ein Gespann der Hölle +dahinsauste. Inwendig den Sterbenden. Ueber den Hälsen der Pferde, halb +hängend in der Luft, den Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine +knatterten, Funken aufsprühten. + +Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, senkrecht, elegant, halb +spielerisch, ein Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. Die Pferde +bäumten sich. Er riss sie zurück. Sie rasten vorwärts wie der Teufel. + +Drinnen hörte er den Sterbenden röcheln. Er schrie. Er flehte. Das Gehör +des Fahrenden, unnatürlich angespannt, vernahm jeden Laut. Er fühlte die +schweissfeuchten, huschenden Finger, die sich anklammern wollten, das +Fenster niederzulassen versuchten. Der hülflose Körper verweigerte die +Anstrengung. – „Hülfe! Hülfe!“ keuchte der drinnen. + +Er lachte laut auf. Er klopfte mit dem Peitschenstock an das Fenster und +schrie: „Hoho!“ Er sah den drinnen sich verzerren in Todesangst, die +künstlichen Zähne heruntergefallen, die Augen vorgequollen, in weissgrünem +Schweiss. + +Er jauchzte wilder. Der Ton brachte die Pferde ausser sich. Sie flogen vor +ihm her wie Raben im Dampf. + +Es fiel ihm ein, wie er ein Hirtenjunge gewesen war, den Berg +hinuntersprang, mit dem schäumenden Sturzbach um die Wette. Manchmal kamen +Steine. Der Bach sprang klaftertief mit sprühendem Gischt, der Junge +sprang noch über Bach und Stein hinweg. Seine nackten Sohlen tanzten in +dem grünen, eiskalten Wasser, das nach ihm aufleckte, nach den weissen, +zappelnden Füssen. Er wusste, dass sie Feinde waren, er und der Bach. +Trotzdem konnte er ihn nicht kriegen; trotzdem liebte er ihn. + +Er liebte den Bergwind, der die Bäume zerbrach, um seine Schutzhütte +tobte, diesen grossen Ton der Wuth, der Unterwelt, Gewaltigerer gegen die +dumme Ordnung, die banale Heiterkeit der Sonne. Von sehr hoch sah er +winzige abgetheilte Felder. Häuser wie Schneckenhäuser angeklebt, +ängstlich. Sie hatten Mühlräder eingesetzt, um das Wasser zu nützen und +bepackte Postwagen keuchten schwerfällig die Strassen hinauf. Manchmal +kamen Städter mit dünnen Beinen, wischten sich den Schweiss ab und +lächelten höflich. Er stand vor ihnen wie ein kleiner Wildling. Er +verachtete sie. + +Wie er sie verachtete! Sie vermeinten, dass der Berggeist sie foppte, wenn +er schallend hinter ihnen her lachte, weil sie sich verliefen und +ängstlich suchten. Hässliche alte Weiber traten ihnen entgegen aus +Versenkungen, die sie nie gesehen hatten, murmelten ihnen Verwünschungen +nach, die sie nicht verstanden, für Segenswünsche hielten als Entgelt +ihrer blanken Nickelstücke. + +Ab und zu stürzte auch mal Einer wirklich ab, mit der Brille, dem +Photographierkasten. Das war dann ein grosses Unglück. Herren vom Gericht +kamen, Leidtragende, wichtig thuend. Sie trugen gar nicht wirklich Leid. +Sie freuten sich heimlich. Er gönnte es ihnen. Was kamen sie herauf mit +ihren dünnen Beinen, ihren Glatzen und Gläsern, ihrem Geld. + +Freilich ihr Geld! Er wusste bald, was es werth war, dass er ein Lump war +mit seinen Fäusten, seinem prachtvollen Krauskopf und weissen starken +Zähnen, wenn er es nicht hatte. Dafür gab man ihm Hutfedern, blanke +Stiefel, die gleissten in der Sonne. Sonst musste er hungern. Anton Rothe +wollte Geld. + +In der Schule verschlang er seine Bücher. Er zeigte einen Heisshunger nach +Wissen, der die Lehrer erstaunte, unbedeutende eingesumpfte Dorfmenschen, +die sie waren. Das peinigte ihn. Er brachte seine Nächte zu, schwierige +Aufgaben sich auszudenken und zu lösen, mehr zu erfahren, mehr – mehr! Mit +einer wahren Wuth riss er jetzt an den Thoren der Erkenntniss, der vorher +in scheue Wildheit sich eingeschlossen hatte. + +Und er hatte Glück. + +Der Patron des Gutes nahm sich seiner an, ein wohlthätiger und gelehrter +Mann, sehr reich. Er liess ihn studiren. Vielleicht wollte er sich einen +brauchbaren Präceptor seiner Söhne erziehen. Es ist immer angenehm, einen +Clienten zu haben, Wohlthun ist ein Vergnügen für reiche Leute. + +Die Freude an seiner Wohlthat war kurz. Der Junge entlief zwischen die +rotheste Rotte. Er hielt zündende Reden, schrieb Zeitungsartikel, die die +Presse in Bewegung setzten. Er wurde selbst Arbeiter. Seine Fäuste zwangen +das Eisen wie sein Geist den Stoff – ein interessanter junger Mann, dem +man eine Zukunft prophezeite! + +Er verliebte sich. Irgend eine gleichgültige, hellblonde Tochter seines +Patrons. Sie liess ihn lächelnd sich glühend erklären und heirathete +kaltblütig und vernünftig ihren Dragonerlieutenant. – Nun fing er an wie +ein grosser Herr zu leben, machte wahnsinnige Schulden. Alles musste ihm +den einen Zweck, Geld zu machen, dienen, seine Feder, seine Talente, +skrupelloseste Börsenmachinationen. Summen glitten zwischen seinen +Fingern. Auf Reisen im Orient machte er die Bekanntschaft des Prinzen. +Seitdem waren die Beiden unzertrennliche Begleiter. + +Bergabwärts raste das Gespann. Er hatte die Peitsche fortgeworfen, die +Zügel losgelassen. Er kutschirte mit gekreuzten Armen wie im Circus. Er +hätte wie eine Katze den Pferden auf den Rücken springen mögen, mit seinem +Athem an ihren Ohren, wie Cowboys, Uncultivirte reiten. + +Hinter ihm zerbrach splitternd das Fensterglas: „Hülfe! Hülfe!“ klang es +gellend, kreischend, nicht mehr menschlich. + +Er schlug ein teuflisches Gelächter auf. Sie rasten weiter. + +Wie Rabenfittiche sausten die Rappen durch die Luft. Die Luft litt unter +dem Ansturm und pfiff schmerzhaft. In Peitschenhieben traf sie die Flanken +der Wüthenden. Ihre Nüstern schnoben Feuer. Von ihren Hufen sprühte der +Stein in knisternden Funken. Das Heulen der Winde wurde grässlicher. Sie +fingen sich, drehten sich, verschlangen einander in kreisenden Strudeln. +Regenhuschen stoben auf. Irgendwo musste es schon giessen in Strömen. Es +schlug prasselnd gegen das Fenster. Die krampfende Hand im Rahmen +verschwand. – Dadrinnen war die Sündfluth. + +Irgend etwas war zerbrochen. Ein Hinterrad. Die Pferde rasten weiter mit +dem geschleiften Kasten, der knackte in allen seinen Fugen, aufsprang, +fiel, kratzte, quietschte, mit dem dumpfen Geräusch von Schlittenkufen auf +dem Trocknen. + +Dadrinne war ein Skelett, ein nicht mehr menschliches Ding, getödtet von +Furcht, und doch lebend, das agonisirte. Es dachte an diese schreckliche +Angst und Hülflosigkeit, dass er ihn hielt in seiner starken Hand, stark +wie die Lawine! + +Vor ihnen knatterte der Fluss. Der Regen prasselte. Er schlug hernieder +wie in Ruthenbündeln. Haarscharf wendend, zeigten sich im Blitzlicht +zerrissne Sprünge, schweflig gähnend, dass die Pferde zur Seite +schnellten, grausend. + +„Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur Hölle!“ + +Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit blutenden Flanken, +schaumbedeckt, keuchten wie apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der +gefallne Engel, lenkte sie selbst im höhnenden Rausch seiner Kraft und +seines Stolzes. Es war unmöglich, dass sie so ankamen, der Wagen musste +sich überschlagen, zerschellen. + +Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten den Boden, dass die Geleise +rauchten, die Räder sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen +losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit feuchten Haaren, +Rübezahl der Berggeist mit dem Barte, das ganze Heer der Wilden, +Eingebannten. + +„Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, Gesindel!“ + +Drinnen war es still. Er hörte nichts mehr. Der Wagen schlug auf wie ein +klappender Kasten, nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unförmiges, das +die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach dem man sich nicht umsah, +immer zwischen ihren Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf. + +Und nun, ganz deutlich, vernahm man die Stimme des Flusses, zwischen allen +diesen Bächen, Wässern, die neben ihnen gossen, vom Walde und Wolkenbruch +angeschwollen. Er röhrte wie ein Hirsch in Wollust. Er war allmächtig. +Bäume, mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten sich blitzgeschwind. +Die Steine seiner Tiefe kollerten polternd übereinander. „Ihr denkt, ich +drehe Euch Eure Mühlen, schaffe Euer Licht, trage Eure Brücken – Euer +Diener, Euer gehorsamer! Euer Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse +Euch!“ + +Er fühlte sich stolz, alle Demüthigung dieser vielen Jahre fortgeschwemmt, +zerbrochen der Zaum, den er im Munde getragen. Bücken, heucheln und lügen! +– Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. Er war stark. + +Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, über ihm und in ihm, Satan mit +prachtvollem Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. Nichts! +Nichts gegen ihn! + +Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme fuchtelnd in der Luft, Laute +südlicher, infernalischer Idiome, die den Blutdurst rufen, Tänzer zu den +tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und die Frauen willenlos machen +unter dem Gluthhauch der Brunst. Alles das hatte er gesehen und genossen +im delirirenden Suchen nach Genuss, unter der platzenden Sonne des +Mittags. + +Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem sich die Hunde abwenden mit Grauen, +sein leeres Hirn zerschellt an den Steinwänden. Nichts drin, das Grinsen +selbst des Todtenschädels zerstört im grösseren Grausen, dieser +zersplitterten Knochen, zerschundnen Häute unter dem Orden, dem Frack. + +„Geht! Geht, meine Engel! Fliegt, meine Feuerrosse! Springt an, meine +Wildlinge!“ + +Senkrecht weiter ging es in toller Flucht. Ein Rudel Wild hatte sich da +zusammengedrängt im Hohlweg, Schutz suchend in scheuem Schrecken. Mitten +unter sie sprangen die tollgewordenen Rappen. Ein Gekreisch der Stummen, +die nie sprechen, fuhr auf, Blutgeruch, warme Spritzer ... Die Klage +erstarb im Tannenwald. + +Und jetzt setzte der Donner ein. Ein Trommelrollen wie von tausend +Tambouren. Der Wirbel ging über den ganzen Himmel hin, zornig und +rufend ... und verhallte. + +Er war jetzt ganz frei. Er führte die wilden Rosse seines Lebenswagens +gegen den Abgrund. Eine jauchzende Kraft kam über ihn. + +„Wir können nicht leben wie wir wollen. Aber wir können sterben und den +Tod verachten, denn wir wissen, dass er kein Tod ist. Nur ein leeres +Schreckgespenst, ein lächerlicher Schwindel gar nicht existirender +Gewalten. Taschenspielerkunststück Derer, die sich schwach fühlen!“ + +Der Donner, ein zweites Mal, gab Antwort, ein Tiger mit ungeheurem +hängenden Bauch, der über weite Flächen springt; im Sprunge brüllt er ... + +... „Der Schwarze Bock in Purpurfinsterniss erscheint“ ... + +Höllengeschichten fielen ihm ein. In Pariser Schlammpfühlen, affreuse +Weiber, schwarze Messen, wo man mit dem Blut der Wollust die Todten +beschwor, Hüftenverrenkungen in Bauchtänzen geschlechtsloser +Vorstadtbajaderen, Augen, die über der Verwesung schwammen wie fischige +Perlen in perlmutternem Glanze.... Diese ganze Civilisation, impotent und +pervers, in den letzten Zügen röchelnd, mit Haschisch und Qualen sich +aufpeitschend zu neuen Sensationen, ein zweites, neues, junges, +greisenhaft altes Rom, wo die Messalinen ordinaire Cocotten sind, die +Neros und Heliogabals, Boulevardbummler, verwöhnte Muttersöhnchen, +Sprösslinge jüdischer Banquiers und christlicher Prostituirter. Wie +gemein! Wie gemein! + +Ein Gelächter schüttelte ihn wie im Krampf. Der Hut war ihm vom Kopf +geschlagen. Er riss sich den Rock auf. Er drängte sich nackt, hoch, dem +Tod und dem Nachtwind entgegen. + +Ein Schrei gellte auf von irgendwo. Vielleicht ein Wandrer? Der +Chausseewärter? Die wilde Jagd stob vorüber. + +Er fühlte die feuchten wehenden Haare der Hexen hinter sich, ein lascives +Gelächter nackter Trollen und Faune. Sie ritten mit entsetzlichen, +unbeschreibbaren Gesten. Die Jungen waren hübsch mit traurigen Augen. Die +Aeltern waren noch schrecklicher, schwarz, Aeser geworden in der +lebendigen Verwesung ihres Lasters. + +Er wusste nicht mehr, was er hinter sich herzog. Einen Cadaver. Ein Aas in +Fetzen. Einen Lumpen ... + +Er hörte nur noch das Brüllen des Wassers, fühlte die Feuchtigkeit. Steine +rollten mit ihm bergab. Sie hüpften, kugelten, kollerten, surrten. Hohhi +hoh! Er hetzte die Rappen zum Todessprung. + +Plötzlich standen sie kerzengerade. Der ganze Himmel flammte im Feuer. Er +schien zusammenzukrachen von allen Seiten, zu bersten, zu schüttern, zu +schwingen ... + +Wie ein eiserner Vorhang, ganz von Eisen, schwarz, und schwer vom Gewicht +aller Himmelsgewölbe klappte der Donnerschlag. + +Dann nichts mehr. Dunkelheit. + +Eine Hand hielt seine Hand gefasst. Er versuchte die andre gegen seine +Stirn zu führen. Sie war warm vom Blut. „Wohin führst Du mich?“ + +„Wohin Du nicht gewollt hast – _Paulus_!“ + + + + + + DAS ACHTE KAPITEL. + + +Der Superintendent war doch in einer gewissen Erregung. Der „geniale“ +Streich der Gräfin hatte ihn etwas verletzt, trotzdem sie es seitdem +wieder gut zu machen versuchte, die Frau Superintendentin in ihrem eignen +Wagen mitnahm. + +Man sprach viel von dem Fremden. Die Baronin hatte überall von dem +Odschein erzählt. Man brachte das Neuaufblühen des Socialismus mit ihm in +Verbindung. Zeitungen, die der Kirche übelwollten, erzählten kleine +Anekdoten. Ein wissenschaftlicher Aufsatz behandelte die Frage ganz +ernsthaft, er war von einem modernen Schriftsteller verfasst, der sich bis +dahin hauptsächlich mit Ehebruchsdramen und Erotik beschäftigt hatte, nun +alles Heil im Mysticismus sah. Unter den schönen Seelen der Stadt bestand +eine gewisse Erregung. Ein junger Hülfsprediger wurde sehr populär. „Er +ist so tief,“ sagten diese Damen. Unglücklicher Weise bildeten diese Damen +eine Macht. Es wurmte den alten Herrn, dass sie ihn für „nüchtern und +protestantisch“ hielten. Niemand sieht seine Kirche gern leer. + +Er hatte natürlich zunächst an eine Denunciation nach oben gedacht, das +war wohl seine Pflicht eigentlich. Aber ein zweischneidiges Mittel. Man +konnte finden, dass er eine Schwindelaffaire zu sehr aufbauschte. +Andrerseits hielt man es wohl gar für Eifersucht, die Pfaffen kriegten es +mit der Angst. Ein jovialer Reitergeneral, Durchlaucht, hatte ihn schon +gefragt: „Was würden Sie jetzt mit dem neuen Christus machen? Da können +Sie einpacken, Pasterchen!“ Er durfte sich solche Jovialitäten erlauben. +Dafür wurde der Superintendent immer eingeladen. Er war Burgpfaffe bei den +Herren Offizieren. + +Dann die katholische Concurrenz – die rührte sich nicht. Man wusste ja, da +war Alles Mysterium. Es gab geheime Winke von oben. Vielleicht war ihnen +die Geschichte nicht unangenehm. Sie hatten ja zum Schluss immer den +Vortheil, weil sie abwarten und schweigen durften. Schweigen und abwarten +dürfen war eine grosse Sache. Das ist der Vortheil der alten historischen +Gewalten; man, als Parvenü, musste auf dem Posten sein, Schritt halten, +die Vereinigung mit der Wissenschaft nicht fallen lassen. + +Die Wissenschaft hatte dem geistlichen Herrn schon manche schwere Stunde +bereitet. Es war eine Universität in der Stadt, dadurch beständige +Kabbeleien. Die Herren passten Einem auf die Finger. Von Hölle und +persönlichem Teufel durfte man schon gar nicht reden; obgleich diese Dinge +für die Plebs noch immer zogen. Dann waren die schönen Seelen, die Einen +nüchtern fanden, zur Weihnachts- und Ostermesse in den Dom liefen oder mit +mystisch angehauchten Hülfsgeistlichen Conventikel abhielten. + +Der Superintendent war ein geplagter Mann. + +Uebrigens grollte die Superintendentin. Sie fand, dass er als _Mann_ dem +Unfug mit einem Schlag ein Ende machen musste. Die Superintendentin +appellirte oft an den Mann. Sie selbst war ein Charakter. Dann hatte man +die Sanitätsräthin über sie placirt; so gut wie die Sanitätsräthin war sie +allemal. Der Sanitätsrath war ein Cyniker. Das Interessanteste an Tolstoi +wäre seine Diät, sagte er. Er erlaubte sich dann sogar Anspielungen auf +die gar nicht Tolstoi’sche Diät in der Superintendentur. – Man hatte etwas +auszustehen als Mann Gottes in diesem ungläubigen Jahrhundert. + +Und oft dachte der Superintendent mit Seufzen an die Zeiten, als noch ein +kirchlicher Fingerzeig genügt hatte, um Unbefugte auf den Scheiterhaufen +zu schicken, Calvin über dem fröhlichen Genf seine Ruthe schwang. + +Der saubereingebundne Band seiner Predigten 1897–1900 tröstete ihn dann. +Ein Geschenk der Frau Superintendentin. Sie hatte sie selbst +nachgeschrieben. – So hatte doch auch der Fortschritt, selbst die +Buchdruckerkunst, diese Teufelserfindung, sein Gutes. + +Der Superintendent hatte den Fremden zu einer Besprechung zu sich +eingeladen. Die Einladung war in ganz höflichen Worten erfolgt. Erstens, +die christliche Milde auch gegen den irrenden Bruder, dann existirte ja +auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, die vorfordern konnte, nicht mehr. + +Er erklärte sich die Sache so: Ein ungebildeter Mann, ein Handwerker – der +Superintendent betonte das „ungebildet“ –, von Mysticismus, sitzender +Lebensweise angekränkelt, hatte sich in diese Dinge vertieft. +Voraussichtlich würde er ihm lange confuse Reden halten, von einer +Mission, Erscheinungen. Man kannte das, und seine Wirkung auf das +ungebildete Volk. Gerade weil ihnen das Alltägliche nicht gut genug war, +sie das Ruhige und Vernünftige nicht thun wollten, liefen sie nach dem +Wunderbaren. Der Hirte kannte seine Heerde. + +Man würde mit diesem Manne vernünftig sprechen, seine Absurditäten +nachweisen, selbst wenn man ihn nicht überzeugte. Heilsarmee, +tausendjährige Reichsgeschichten waren ja Mode jetzt. Dieser Hang hatte +ihm schon viel Sorge gemacht. Er witterte die alte Hure von Rom, das +babylonische Weib, das von Neuem seine Netze auswarf. Und man musste so +vorsichtig sein wegen der Behörden, durfte das Unkraut nicht ausjäten. + +Der Superintendent hatte sich zu dieser Besprechung noch einen Confrater +eingeladen, der Consistorialrath war, Professor an der theologischen +Fakultät, Kirchenhistoriker. Man war so zu Zweien, stärkte sich vorher +weidlich an gutem Tabak und bessrem Wein und konnte die möglichen +Ergebnisse gleich erörtern, während die Frau Superintendentin mit der +Consistorialräthin Kaffee trank. Dabei hatte man dann auch allerlei +interessante Fälle und Ketzereien zu erörtern. + +Der Superintendent war dafür, den Fremden nicht gleich vor den Kopf zu +stossen, ihn im Gegentheil leutselig, als gewissermaassen zum Fach +gehörig, zu behandeln. + +„Es ist ja auch möglich, dass ein Laie durch Nachdenken, besondre Gnade, +ungewöhnliche Einsicht in göttliche Dinge erlangt und Beherzigenswerthes +von sich giebt. Der Fall wäre denkbar. Ich kannte einen Schuster, der über +die Gnadenwege und Melchisedek, den König von Salem, stritt wie der +gewiegteste Theologe.“ + +Der Confrater schüttelte lächelnd den Kopf: „Wir haben das Beispiel der +Wiedertäufer, der Methodisten in England. Die theologisch geschulte +Intelligenz fehlt, das Reguläre, Feste, darum Lebensfähige.“ + +„Aber es waren doch in den Irrthümern dieser Leute – allerdings gleich +Körnern in der Spreu verborgen – auch einige unbestreitbare evangelische +Wahrheiten enthalten.“ + +„Das ist eine gefährliche Ansicht. Jesuitisch – so gewissermaassen: der +Zweck heiligt das Mittel, lieber Bruder.“ + +Dieser Herr war bekannt dafür, dass er die feinste Nase in Deutschland +hatte, um die Jesuiten zu riechen. Das war sein rother Lappen, auf den er +überall losging, ihn überall herausfand, wie der Spürhund die Fährte. „Hat +uns nicht Martinus von dem Aberglauben befreit? Und sagt nicht der Herr +selbst: Ihr, die Ihr Zeichen und Wunder sehen wollt ...“ Der Confrater hob +warnend den Finger. + +„Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdrücklich die Möglichkeit solcher +zu. Nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichsten Sinn.“ + +„Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, Freund, Vermessenheit! Es +ist die grosse Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft mit der +Religion zu vereinigen.“ + +„Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht wissen.“ + +„Da haben wir uns dann wohl in Demuth mit der beschränkten Einsicht +hienieden zu genügen. Das ist eine gefährliche Bahn, lieber Bruder. Eine +Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er in der Lauheit uns legt, dem +vollständigen, rationalistischen Ablehnen des Wunderbaren und +Unfasslichen. ‚Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort. +Dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise. +Dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin.‘“ + +Hier meldete das Dienstmädchen, dass ein fremder Mann in der guten Stube +wartete. Sie war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm wirklich die +gute Stube gebührte und wartete auf Bescheid. – Man hörte eine Thür sich +öffnen und vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo die Frau +Superintendentin mit ihrer Freundin sass. + +Der Superintendent empfing den Gast dem Programm gemäss mit demonstrativer +Herzlichkeit. „Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein Lieber! Ich habe +Sie hergebeten mit diesem meinem sehr geschätzten und verehrten Collegen, +um mich mit Ihnen über Ihre religiösen Ansichten zu unterhalten. Das ist +immer lehrreich für einen Diener am Wort, gewissermaassen ja auch meine +geistliche Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier sind, mein Gast und +in aller Güte. – Ich vermuthe, Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht +aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr in der Form des täglichen +Brotes gleichsam, nicht nur an Sonntagen in der Kirche, näher gebracht +werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil des täglichen Lebens werden, +und Sie denken, dass dazu Predigt und persönliche Ansprache, selbst +Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste ist. Es wären dies wohl gleichsam +die Principien, auf die sich die mir sehr interessante moderne Agitation +der Heilsarmee stützt. Ich möchte, dass Sie mir nun in kurzen Worten das +Dogmatische Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, auf die Sie +persönlich den Hauptnachdruck legen, entwickelten.“ + +„Ich habe keine.“ + +„Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehören Sie doch irgend einem +Bekenntniss an, oder haben sich in Ihrem Innern für ein solches +entschieden? Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die Augsburger +Confession? Folgen Sie eher Luther? Jedenfalls doch – und das ist wohl +kaum eine Frage – stehen Sie mit uns auf dem Boden des apostolischen +Glaubensbekenntnisses?“ + +Der Superintendent sah ihn streng an. + +Der Confrater nahm eine Prise. + +„Ich kenne es nicht,“ sagte der Fremde. + +Der Superintendent war roth geworden wie ein Mohnkopf. „Aber – aber – das +ist die Hauptsache. Das ist Christenthum, die geheiligte Norm, für die +unsre Väter, die erste Christenheit gelitten und gestritten haben. Das +Andre ist leere Phantastik, giebt der weitesten Irrung Spielraum, der +Regellosigkeit.“ + +„Es giebt das Leben.“ + +„Welch’ ein Irrthum! Welch’ ein verhängnissvoller und weittragender +Irrthum!“ rief der Superintendent warm. „Es wäre ja denkbar, dass ein +Mensch, der ganz ausserhalb der christlichen Heilssphäre stände, den Namen +Christi nie gehört hat, auf rein deduktivem, moralphilosophischem Wege zu +einer der christlichen durchaus ähnlichen Ethik gekommen wäre, wenn hier +eben blos die Ethik das Entscheidende wäre. Denken Sie, dass das ganz +denkbar sein könnte?“ + +„Es ist denkbar,“ sagte der Fremde. + +„Stoiker,“ nickte der Confrater. „Griechische Philosophen der +nachplatonischen Schule! Das sind die Argumente, die schon die +französische Revolution gebrauchte.“ + +„Sie würden doch nicht sagen, dass ein solcher Mensch ein Christ wäre, mit +uns Theil hätte an der Erlösung durch den Leib des Herrn?“ + +„Ich würde es sagen.“ + +„Und wie wird er dastehen im nächsten Leben, wenn Christus die Seinen um +sich versammelt, die im Blut des Lammes Gewaschenen, auf seinen Namen +Getauften eingehen, und die Andern abgetheilt werden zur Linken?“ Der +Superintendent wischte sich den Schweiss. Er schnappte nach Luft wie ein +Fisch auf dem Trocknen. + +„Ich weiss es nicht.“ + +„Eine Art Allheilslehre,“ beruhigte der Confrater. Das Wortspiel zwischen +„Leere“ und „Lehre“ amüsirte ihn. „Socialistische Moral des Christenthums. +Das ist blos die Frucht. Der Glaube ist das Erste.“ + +„Ich glaube, dass die That das Erste ist.“ + +Jetzt sah der Superintendent wieder Fahrwasser. Er war ganz erfreut. „Das +ist die Lehre von den Werken, das Katholische, Papistische, wogegen schon +Lutherus sich auflehnte. Wir können aus uns selbst nicht gerecht werden.“ + +„Wir können wollen.“ + +„Und die Rückfälle? Das menschliche Gesetz bestraft sie. Wie wird sie Gott +nicht strafen?“ + +„Wie soll Gott sie strafen, wenn sie in sich selbst ihre Strafe tragen?“ + +„Fatalismus,“ notirte der Confrater. + +„Die Bösen! Die Bösen, Mann! Wie erklären Sie die Bösen?“ + +„Es ist ihr Unglück.“ + +Dem Superintendenten wurde in der That die Halsbinde zu eng: „Unglück? Und +der, der kämpft, das Gute will, Gutes thut? Sollen die Guten keinen +Vortheil vor den Schlechten haben?“ + +„Sie sind glücklich.“ + +Der Confrater mischte sich jetzt ein: „Sehr interessant. In der That +höchst interessant. Das ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. Wenn +man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt ist! Haben Sie irgend welche +Verbindung mit diesen Religionsgesellschaften gehabt? – Es könnte doch +sein in irgend einer corrupten Form“ – (dies für den Collegen) –, „Bücher +darüber gelesen?“ + +Der Fremde sah den Confrater an. „Alles ist Verbindung,“ sagte er. + +„Natürlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!“ Der Professor rieb sich die +Hände höchst befriedigt. „Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben +sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie ihn doch, ob er an die +Seelenwanderung glaubt? Gerade für die populäre, gewissermaassen kindliche +Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. Sie finden das im +Volk in tausend Märchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwölfen, +Schwanenjungfrauen, sprechenden Bäumen. Selbst in dem indianischen Märchen +des Hiawatha von Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkörperung +des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, ... Es ist Alles dasselbe.“ + +„Aber das ist nicht das Schlimme, das ist das Gefährliche nicht!“ platzte +der Superintendent los. „Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom Nirwana, +der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, der stumpfsinnige Fatalismus +des Orients wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller Cultur, allen +Fortschritts, aller Humanität. Das ist Heidenthum! Heidenthum! Das +Christentum ist Kampfesmuth, Streben, Krieg!“ + +„Auf den Krieg folgt der Friede.“ + +„Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen Kämpfer sein.“ + +„Krieg in uns, Friede nach aussen.“ + +„Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. Unser Leben ist Ringen und +Unruhe. Da oben erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade.“ + +Der Fremde lächelte. + +Der Superintendent war auf einem Lieblingsthema. „Der wahre Christ ist vor +Allem ein Streiter. Seine Feinde sind der Satan, die Sünde in uns und +ausser uns. Wir sind arme Sünder.“ + +„Wenn wir siegen?“ + +„Selbst wenn wir unser eignes Fleisch überwunden haben. Die Sünde in der +Welt bleibt. Sie greift uns an. Wir haben uns zu wehren gegen sie.“ + +„Sie existirt nicht gegen uns, wenn sie in uns nicht ist.“ + +Der Confrater nickte von Antwort zu Antwort mehr befriedigt. + +„Wir kommen jetzt auf das Fakirwesen, Hallucinationen der Märtyrer.“ + +„Sie wollen das nicht sagen? Das ist Vermessenheit, mein Lieber! Unser +Fleisch bleibt der Anfechtung unterworfen, so lange wir im Fleisch +wandeln. Wer da meint, er stehe, der sehe wohl zu, dass er nicht falle. +Der Ehrgeiz – die böse Lust – Reichthum. Selbst ich –“, hier fasste der +Superintendent den Fremden beinah am Rockknopf, „– selbst ich, der ich ein +Diener am göttlichen Wort bin und alle seine Schlingen kenne – ich habe +meine Momente der Schwäche, der Anfechtung. Ich habe Versuchungen zu +bestehen ... Das ist unchristlich, Mann! Stützen Sie den Glauben! Sprechen +Sie gegen die Gottlosigkeit! Auf dem Lande. Unsre Bauern haben dicke +Nacken. Stolz und Habsucht sitzen da steif drin. Gott sei Dank! sind sie +noch gläubig. Die Grundvesten unsres Glaubens sind unangetastet. Die +moderne Anarchie und Zweifelsucht ist da noch nicht eingedrungen. Das geht +immer Hand in Hand. Das bedeutet die Emanzipation des Fleisches. Wir +würden uns wie Schweine im Koth wälzen. Im Koth! Sehen Sie das alte Rom! +Babylon! Die antike Welt vor Christo.“ + +„Sie hat Christus hervorgebracht.“ + +„Christus ist das ganz Vollkommene, Gute. Das Fleisch ist das Böse. So +kämpfen diese beiden Gewalten. Bis das Gericht kommt, das Gute siegreich +bleibt im unschuldigen Blute des Lammes, das Böse im Abgrund verschlossen +wird mit adamantnen Ketten. – Das ist der uralte Kampf.“ + +„Demiurgos, Ahriman und Ormuzd,“ bestätigte der Confrater. „Lehre von der +primären Theilung der Gewalten.“ + +Die Frau Superintendent hatte schon mehrmals merklich und merklicher an +die Thür geklopft. Jetzt steckte sie ihre Haube selbst durch den Spalt. +„Excellenz von Koschemann ist für den Bazar gekommen. Wenn Du einen +Augenblick Zeit hättest, lieber Willibald ...“ + +„Auch ich bin ein Soldat des Herrn. Sehen wir zu, dass wir gut kämpfen. +Und das Heil finden, das es für uns nicht giebt, denn allein im gesegneten +Blut des Lammes dereinst, das unsre Sünden abwäscht weiss wie Schnee.“ + +Der Fremde war entlassen. + +Der Confrater sah ganz klar. „Gnostiker, die alte Geschichte. Das hat +immer angefangen mit der Antastung des Buchstabens. Der Buchstabe, mein +Freund! Das Wort sie sollen lassen stahn! ... Und jetzt lass uns zu unsern +liebenswürdigen Damen gehen.“ + + + + + + DAS NEUNTE KAPITEL. + + +Und er ward im Geist entrückt in eine fremde Stadt. + +Die Glocken läuteten. Eine ungeheure, unzählbare Anzahl von Glocken. Es +waren dumpfe, grosse darunter, die mit der Stimme des Erzes riefen, der +Kanonen, furchtbarer Ereignisse, Krieg, Pest und Feuersbrunst. So stark +riefen sie, dass Niemand ihren Klang in der Nähe aushalten konnte, die +Luft ihn lange behielt, ehe er verhallte. Sie schwangen in furchtbaren +Höhen und thronten einsam in Kammern weit über den Köpfen der Menschen. +Die ihre Stricke bewegten, sassen sehr niedrig auf schwebenden Balken und +wurden beinah gespalten von der Heftigkeit des Klanges. Diese Glocken +läutete man nur bei ganz grossen Gelegenheiten. Wenn sie klangen, sahen +die Leute auf und sagten: Es ist das oder das. Sie meinten ein sehr hohes +Fest, ein grosses Unglück oder eine grosse Freude. Die ganze Stadt und das +Land ringsum kannte den Klang dieser Glocken. Man war stolz darauf und +fürchtete sie auch. + +Andre waren milder, mittlere. Die läutete man alle Sonntage. Man hörte sie +auch weit, über ein ganzes Stadttheil oder eine Strasse. Ein Klang von +Silber war in ihrem Erz, der sprach von Güte und Milde. Sie lockten, und +schreckten nicht, läuteten regelmäßig mit kräftigen, hallenden Schlägen, +wie die Stimme eines Predigers, die klangvoll spricht in schönen, malenden +Worten. + +Und es waren ganz kleine, die einzeln riefen wie einzelne, verlorene +Stimmen. In mancher war ein sehr helles, feines Klingeln oder zitterndes +Wimmern, die eilige Angst einer Agonie, oder der sanfte Schmelz einer +Frauenstimme, sehr weit fortgetragen auf himmelansteigenden Trillern zu +reinen Aetherhöhen. Der pure Goldklang ganz feiner Eliteseelen, die um den +Thron Gottes lobpreisen, und ein kleines, gleichgültiges, hastendes +Bimmeln, in dem Viele sich vereinten, wie das der Pferdebahnwagen, dieser +Schellenbeutel, die herumgegeben werden in den Gemeinden zwischen den +Pausen des Gottesdienstes – lästig fast, nur die Ohren füllend, das zum +Alltagslärm gehörte, ihn irritirend machte. + +Alle Glocken läuteten. Die grossen gaben den Ton an. Die mittleren fielen +ein wie ein gutgeschulter Chor. Die ganz kleinen waren Geräusche, oder +Stimmen junger Kinder. Alle läuteten. Die Luft war sehr voll und schwang +von ihrem Klange. Und die andern Stimmen des Lebens schwiegen. + +In den Kirchen und Domen drängte sich die Menge. Es war halbdunkel in +diesen Hallen, dass man die Einzelnen in den Tausenden nicht erkennen +konnte, Männer oder Frauen, reiche, gutgekleidete Leute oder ganz Arme. +Ihre Gesichter bildeten blasse Flecken im Dämmer, wie aufgewandte Kelche +von Blumen, die ihr Athmen wie ein Duft umwallte. Die übrige Schwere des +Körpers blieb unbestimmt, ertrunken in unruhigem Schattenspiel der Vielen, +dem lastenden, schweren Dunkel dieser Steine, ungeheurer Steinmassen der +Gewölbe und Mauern. + +Säulen standen wie Baumstämme ohne Aeste mit schweren Blättern und +Steingewinden um ihre Kronen, während feine, tiefe Rillen an ihnen +hinabliefen, von Regentropfen gegraben oder ewig fliessenden. Von +stützenden, lastbaren Pfeilern schwangen sich die Wölbungen auf, Bogen und +Brücken, gespreizte Fittiche des Adlers, kühn und immer kühner bis zum +schwindelnden Ansturm der Kuppel, die den Stein zerbrach, die Schwere des +Materials aufhob im ungeheuren, athemlosen Aufschwung der Seelen. + +Der Schritt klang hohl vom Echo der Millionen Schritte, die da schliefen +in tausendjährigen Steinquadern. Von schlanken, weissen Kerzen stiegen +gelbe, zitternde Flammen, umgekehrte Herzen, blauen Schein der Sehnsucht +ausathmend. Ein Duft von Weihrauch, Wachs und Thränen lag schwer in Nebeln +und wallenden Wogen. + +Man sah Altäre sich golden recken, Gold vom Fuss bis zur Spitze, in immer +feineren Säulchen, Treppen, Bögen, inkrustirt mit bunten Edelsteinen, die +Lichter gaben im Dunkeln wie Schlangenhäute, Augen seltsamer Reptile und +Käfer, Wunder von goldnen und silbernen Spitzen, Rosen und Blumen, +eingefrorne Rhythmen, mystische Zeichen und Runen aufsteigend wie +Gedichte. Eine unverwelkliche Pflanzung aus menschlichen Herzen, +mirakulöse Flora des Glaubens, hierher geflüchtet in eine heilige Grotte, +unter dem Dämmerlicht der bunten Gläser, gefärbt mit ihrem Blute: Roth, +welches die Liebe und der Tod ist, Blau des Glaubens, festruhendes warmes +Grün der Hoffnung und des Lebens. Und Krämpfe, furchtbare Leiden, +zerschnitten den himmlischen Dreiklang: Gelb der Pein und des Geizes, in +den Gewändern der Aeltesten und Schreiber; Violett der Eifersucht, das +zugleich die heilige Farbe der priesterlichen Macht und der Ehrfurcht ist; +ein helles, gefiltertes Rosa, welches gemartertes Fleisch der Gequälten +vorstellt und auch die liebliche Unschuld des Kindes. Alle spiegelnd, +irrend, flehend um das klare Gold des Triumphes, Farbe der Sonne, wo die +Mutter thront mit dem Kinde, die Heiligen knieen in seliger, +weltentrückter Anbetung. + +Wie ewige Pfeiler standen sie da, die Starken, der Apostel heilige +Zwölfzahl, wunderbar die Reihe der Monde, des Sternkreises wiederholend, +Propheten, Sybillen – die wussten und aushielten. Märtyrer öffneten +blutrothe Wunden, Laurentius auf dem flammenden Bett, Sebastian mit +durchbohrter Brust, Agnes, ganz nackt, nur in den strahlenden Mantel ihrer +Haare gehüllt, unter den Augen der Wollust, – aufgerissne Seiten, +furchtbare Verrenkungen der Gefolterten, Striemen der Gegeisselten. Die +Heiligenscheine dominirten über verklärten Stirnen. Die weisse Taube des +Geistes schwingt sich glorreich auf über Blut, Flammen und Qual. + +Sie singen. Aus den Tiefen hebt es sich. Von der geknickten, schwarzen, +wimmelnden Masse – De Profundis. Langgetragen, hohle Rufe wie Appellrufe +in der Noth, schneidender Wehschrei der Gequälten, zitternd, sehr hoch +schwebend, wie ein Weib schreit in Kindesnöthen: Miserere – Miserere ... +Dumpfer Trommelschlag. Vokale fast Alles, sonore, volltönige, die nicht +fallen – Ora pro nobis, aufsteigend zu männlichem Muth, Schlachtgesang, +bis zum jauchzenden, hellen Posaunenstoss der Befreiten, gellend fast, +schmetternd in Siegeszuversicht: Tedeum laudamus. + +Die Stimmen schweigen. Das Wort allein spricht. In marmornen Worten, +Sätze, die feststehen wie die Welt. Rollende Vokale, geheimnissvoll, +kräftig, wie die die schufen, – das grösste Mysterium der Menschheit, Wein +und Brot, uralte Mysterien, heiligste Symbole des sacrosancten Lebens. + +Ueber der Menge, die kniet, hungernd, brünstig, erhebt der Priester das +Allerheiligste. Er selbst ist weiss, ganz weiss. Er ist hundertjährig. – +Es giebt einen goldnen Schein wie die Sonne. + +In einem ungeheuren wehen Seufzer hebt sie sich, es zu empfangen – das +Opfer von Gott angeboten. Blut und Fleisch, für das andre Opfer des +Fleisches und des Blutes, des Lebens, an das grosse Leben, das prangend +weggeht über den Tod, Jammer und Kleinheit. + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +... Ein enger Holzpfad im Gebirge. Das Gebirge liegt verschneit seit +Wochen. Bis an die Knie hoch steigt der Schnee. Die Tannenzweige brechen +unter seiner Last. Gleich Zuckerhüten ragen die Baumwipfel aus der Weisse. +Man unterscheidet nur höhere und niedrigere Lagen, Steine sind +Schneekuppen. Gleichmässig ist er im Grunde, hart, vereist, eingestampft. +Aber die Oberschicht ist federweich, eine Hand hoch, glitzernd, feiner wie +der Flaum auf Brüsten der Eidergänse, mit Seidenreflexen. + +Unter dem Schnee begraben liegen Moos, Gräser und Gesträuche. Er stäubt in +Puder von den überlasteten Zweigen. Kleine Aeste und Holzstückchen, die +sich ablösen, versinken lautlos. Die Lücke, die sie verursachen, schliesst +sofort die streichelnde Sammethand. Der ganze Wald leuchtet weiss, +blauweiss vom Schimmer des jungfräulichen Schnees. Der Fuss versinkt in +ihm wie in Daunenteppichen. Ohne Kühle fast. Aber er hebt sich schwer +heraus. Das Leder des Stiefels wird hart und spröde von der Feuchtigkeit, +die nirgends das Wasser zeigt. + +Und immer fällt der Schnee. Man sieht keine Spuren des Wildes. Es ist +erfroren, festgefroren wie stehende, steinerne Bildsäulen in Mauern von +schmeichelnden Krystallen oder es verkriecht sich im inneren Tann, wo das +Dach der Zweige es schützt, karge Nahrung sich findet an Sprossen und +Rinde. Der Schnee füllt die Fahrgeleise des Weges aus. Er steigt zu seinen +Rändern und vermischt sie. Wie Gespinnste in seinem Innern ziehen sich +dürre Bastadern der Farne und Heidelbeerbüsche. – Die Stille ist sehr tief +und der Schnee fällt. + +Durch den tiefen Schnee sucht sich der kleine Priester seinen Weg. Er +trägt die letzte Tröstung zu einem Sterbenden. + +Der Tod ist rasch gekommen. Ein blutjunger Bursch, der Spielmann Anderl. +Heute hatte sein Schatz Hochzeit gemacht mit einem Andern. Der Spielmann +war zurückgesprungen über die Berge, das fressende Gift im Leibe und den +Kopf im Feuer. „Geht’s schlecht, so geht’s schlecht, geht’s gut, kürz’ ich +mir den Weg um Stunden.“ + +Am Hornbiehel war er abgestürzt. Jetzt lag er im Todeskampf in der +Holzschlägerhütte. + +Durch Schnee und Nebel im beeisten Gebirge kämpfte sich der kleine +Priester zu dem Sterbenden. + +Er war noch sehr jung, noch nicht lange da oben. Man nahm für die Stelle +die ganz Unbedeutenden, die Bescheidenen, die nicht Carriere machen +würden. Niemals hatte er daran gedacht, ein Findelkind, das man den +Priestern übergeben. Regelmäßig liefen die kargen Beiträge für ihn ein, +von einem Büreau bezahlt an eine Kasse, ohne Persönlichkeit, ohne Namen. + +Er hatte niemals eine andre Heimath gekannt als das Kloster. Da war seine +Stätte, am Altar. Der liebte ihn und der hatte ihn nicht zurückgestossen. +Mit weissen Blumen umkränzte er ihn. Er sang. Er schwang seine +Weihrauchschale, weissgekleidet als Chorknabe, Diener am heiligsten +Messopfer, eh’ er selbst daran theilgenommen. So war er aufgewachsen, in +dieser Atmosphäre der Liebe, Weiss und Gold, den heiligen Farben der +Unschuld und des Triumphes. Ohne einen andern Gedanken. Er liebte Alles. + +Es war um ihn wie der weiche, milde Schein, der vom linnengedeckten Altar +ausging, der Lampe, die ewig brannte in all dieser Weisse, dieser Stille. +In lasterverzerrten Zügen sah er das Leid. In ihrem Hochmuth die Angst. In +ihrer Schönheit, rührender als ihre Schönheit, den Tod. + +Wie auf weissen Rosen ging er mit nackten Füssen, lächelnd das Heilige +tragend gleich Engelknaben. Und vor seiner demüthigen Stirn neigten sich +die Stolzen. Die Bescheidnen fassten Muth. Alles liebte ihn. Es war, wie +wenn die Vögel süsser sangen, wenn er vorbeischritt im Klostergarten. Sie +waren zutraulich und pickten von seinen Händen. Die Blumen, die er +pflanzte, gediehen. Ruhig und majestätisch entfalteten sie sich. Die Sonne +schien nicht zu heiss auf sie. Irgendwie hörte der Sturm auf um ihre +schlanken Stengel. + +Es gab alte Mönche im Kloster, die das Leben gekannt hatten. Es hatte +harte Narben gegraben in ihre Seele. Sie liebten ihn, die alten Wunden +brannten nicht, wenn er da war. Nur eine Gabe besass er, die lieblichste +David’s, der Musik. Die Töne wurden lind unter seiner Hand und wenn er +spielte, hörte der Tumult auf in leidenschaftdurchwühlten Herzen. + +Niemals war er stolz gewesen oder ungütig. Ein Kind Jesu! Er trug diesen +Namen, halb der Schande, wie eine feine, goldne Aureole. + +Die Grossen übersahen ihn und für die Klugen war er nichts. Er hatte keine +Disputationen geschrieben über Fragen des Glaubens. Die weltliche Macht +der Kirche liess ihn kalt. Der Beifall einer Menge hätte ihn schüchtern +gemacht. + +Aber er liebte die kleinen Kinder. Sehr alte, hülflose Leute waren ihm +ehrwürdig. Er richtete die geknickten Halme auf und ihn erbarmte der Vogel +unter dem Himmel. + +Tapfer kämpfte der kleine Priester durch den Schnee. Der Schnee fiel in +weichen, grossen, fasernden Flocken aus Wolken, die selbst Schneesäcke +waren. Sie hingen so niedrig, dass man nicht sah, wo sie aufhörten und das +Gestöber anfing. Ihre Vorräthe schienen unendlich, als ob ein ganzer +Himmel voll von Schnee hinter ihnen läge. Er leerte sich langsam. Von den +Schichten bauten sich Mauern ihm entgegen. Nichts konnte mehr welchen +aufnehmen. Aus dem Ueberfluss wallten neue Hügel über. – Diese Flocken +lösten sich nicht auf. Sie schwebten und drehten sich langsam in der Luft +und blieben hängen wie im Festen, Gesättigten. Man dachte an Nesterbauen +dabei, Eiderdaunen, in die man sehr tief einsank. Und es war gar nicht +kalt. Der Schnee schien wie eine schützende Schicht zwischen der Kälte und +der Erde. Es war wunderbar, wie lautlos er fiel. Und überall, wo er fiel, +hörten die Contouren auf, alles Steife, Eckige, Nackte. Wie ein +liebevoller Pelzmantel hüllte er sie ein, dass sie nicht mehr froren, +zeigten. Er fiel ... fiel ... + +Der kleine Priester fror gar nicht. Im Gegentheil, ihm war warm. Er trug +das Allerheiligste unter seiner Soutane, gegen die Brust gepresst. Und es +war ihm, als wäre es da eingedrungen. Es sass da und brannte. Goldne +Strahlen warf es. Immer grösser, immer weiter. In der Mitte war ein +blutrothes, glühendes Herz und sein Scheinen war wie Karfunkel. Es +leuchtete weit durch den nächtlichen Wald. + +„Das ist, als ob ich ein Licht bei mir trage,“ sagte der kleine Priester. +„Wie seltsam das ist! Und wie schön!“ + +Schön war es in der That. Alle Bäume standen wie schwarze Säulen, ganz +gerade mit seltsamem Ast- und Aderwerk. Ihre Zweige verbanden sich. Sie +kreuzten sich und rankten ineinander geheimnissvoll in Rosetten, Sternen, +wie ein Kirchendach. Er ging ganz leise, wie auf weichen, weissen Rosen. +Er zertrat sie nicht. Sie richteten sich auf unter seinem Fusstritt. Sie +dufteten sehr süss, Ambra, Weihrauch und Myrrhen, die mystischen Düfte der +Kirche, die Seele darstellend, die sich spiritualisirt in Sehnsucht. + +Jetzt fing es auch an zu läuten. Zwischen den hohen Bäumen schwangen die +Glocken. Sie hingen da in Stricken von einem Baum zum andern. Und sie +schwangen, schwangen. Wunderbare Melodieen waren die Melodieen der hohen, +ernsten Bäume. Den kleinen Priester erstaunten sie. „Ich habe es doch oft +rauschen hören im Walde. Niemals wusste ich, was es war. Aber jetzt weiss +ich es.“ + +Und er hörte kleine, liebliche Stimmen. Das waren die der todten Blumen +unter dem Schnee. Er hatte gedacht, dass sie todt wären. Sie waren nicht +todt, sie warteten nur auf den Frühling, lagen warm und weich gebettet +unter dem Schnee, der sie zudeckte und fiel – fiel. + +Die Schneeflocken selbst sangen. Sie fassten sich an und tanzten. Es war +richtiger Rhythmus in ihrer Bewegung. Dazu klangen sie. Und dann waren sie +Engelsköpfchen mit weichen, flaumigen, ganz jungen Flügeln. Das sind die +Seelen der todten Kinderchen, die sterben, ehe sie zum Bewusstsein ihrer +Seele erwachen. + +Er hatte nie gewusst, wo diese todten Seelen hinkommen. Jetzt wusste er +es. Sie waren glücklich und deckten die kleinen Blumen zu, dass sie gut +schliefen, nicht erfroren im harten Winter. + +Er musste über einen Bach, der ganz zugefroren war. Aber das Wasser war +auch nicht todt, es schlief nur in der Tiefe. Er hörte es singen +geschäftig am Werke, in kleine Röhrchen tausend Tröpfchen zu giessen, die +Erde aufzuweichen. Es wird Frühling! Es wird Frühling! + +Auf einmal war es Frühling. + +Er wandelte in einem grünen Dom. Wände von lichterem Grün schoben sich +zwischen die andern, hohen. Alle regten tausend Blättchen. Einige waren +fast durchsichtig vom Licht, das sie golden durchglühte. Die Andern +blieben im Schatten beinah schwarz, oder ihre Ränder zeichneten sich wie +in hellem Feuer gezogen. Atlasglänzend lief es entlang am Buchenstamm wie +feinste Haut des Apfelschimmels, röthlich schwelend an der rissigen +Kiefernborke. Die Birken standen ganz weiss mit gesenkten, wehenden +Zweigen, ein kleines, zitterndes Herz jedes Blättchen, Jungfrauen +vergleichbar in der Schönheit ihrer Haare im Mai. Pelze hatten die +Haselnussblätter. Die Erlen bogen sich, schwärzliche, schuppige +Schlangenleiber, dem Sumpf entsprossen, mit klebrigem, bitterschmeckendem, +starkgerieftem Blattgrund. – Und da oben über dem Blätterdach stand die +Sonne, goldne, warme Frühlingssonne. + +Er wandelte mit nackten Füssen auf einem Blumenteppich. Wo er hintrat, +blühten die Blumen. Sie blühten auf wie Kissen unter seinen Füssen, nur +Blumen ohne Blätter und Stengel. Vögel sangen, goldne Vögel mit silbernen +Schwingen, die Stimme des Windes, der Erde und des Wassers, Alle priesen +Gott. + +Er sah auf und die Sonne war Gott. Seine Strahlen fielen warm über Alles. +Er war gut – gut. + +„Ihr könnt mich nicht verstehen so. So gross und gut bin ich. Darum bin +ich das Grösste und das Gute, was Ihr verstehen könnt.“ + +Er verstand sehr wohl, wie gut Er war. Und dass Er tausendmal besser und +grösser sein musste, als er verstehen konnte. + +Aber es war da eine Brücke aus den Strahlen, die von Seiner Brust +ausgingen, und den weissen, funkelnden Sonnenstrahlen mit Perlen und +Emeralden und köstlichen Topasen geschmückt, die das Licht gebiert im +Wasser, aus der Tiefe. Auf der schritt er. + +Durch das Blaue schritt er gerade in die strahlende Sonne hinein. Er +wusste, dass sie Feuer war, aber sie brannte nicht. Sie war auch nicht +golden. Sie war weiss, von einer lichten, unbeschreiblichen Klarheit, +lichter denn das Mondlicht im Kerne der junggebornen Mondsichel, und +Atlasschimmer aus keuschen Lilienkelchen. + +Er sah eine Frau in der obersten Klarheit. Sie hielt einen Lilienstengel +in der Hand. Er wusste, dass es seine Mutter war, die er nie gekannt und +verloren hatte. Jetzt erkannte er sie gleich. Sie lächelte ihm zu. + +„Ich komme. Ich komme,“ sagte der kleine Priester begeistert. + +Auch ein ganz weisses Lamm sah er. Er freute sich, dass es da war. Er +hatte die Thiere immer geliebt. Er hoffte, dass es auch für sie einen +Himmel gab. Dies wusste er nun auch. + +Alle Bäume waren eitel lichtes Silber. Ihre Früchte waren Diamanten und +Perlen. Weisse Schneelilien sprangen auf, die süss dufteten. Man konnte in +die Erde sehen, tief hinein, denn sie war weiss und durchsichtig wie +Milchglas, Opale, in denen das Sternenlicht floss. Es war dies innere +Licht, von dem sie leuchtete, denn es gab nicht Schatten mehr. Wo Festes +gewesen war, wurde es weich und floss im Schimmer, der löste. + +Und er war ganz weiss, er selbst. Seine Finger waren weisse Strahlen. Aus +seiner Brust schien die Klarheit, Alles, wo sie hinfiel, ward weiss. + +Er trat in das kleine Stübchen der Holzschlägerhütte. Dies war ein elendes +winziges Gelass. Blut lag da auf der Bettdecke, Blut auf dem Fussboden, +Blut über den hastig hingeworfenen Kleidern. Man hatte die Fiedel +gerettet. Aber der Kasten war zerschlagen im Falle. Die Saiten hingen wirr +und ungesträngt. + +Die Augen des Sterbenden waren weitgeöffnet. Ein Ausdruck des Schreckens +lag darin, und Brennen, als ob er sähe und Furcht hatte. Er phantasirte: +„Hast Du die Frauen gesehen, wenn sie zur Kirche schreiten? Ihre Hacken +schlagen kurz auf und ihre Hüften tanzen unter den runden Röcken, die der +Wind hin- und herschlägt. Wenn der Sechzehnender durch das Unterholz +bricht und der Stolz des Waldes ist in seiner keilenden Brust! Hei! Der +Zug der Burschen, der zum Schützenfest zieht. Alle Fiedeln spielen auf und +die Schenkel stampfen. Wie Herrenblick, der zwingt, trifft der nie +fehlende Bolzen. – Ich sage Dir, es ist nichts, was über des Weibes Anmuth +geht, denn ihre Falschheit! Wie ich sie geliebt habe und wie ich sie +hasse! Ihre Augenbrauen, die wie Bögen der Krönung sind, darunter +triumphirende Heere einziehen. Ihre Augen locken und ertränken wie der +wilde Bergsee. – Das ist roth – roth Alles – vor meinen brennenden Augen!“ + +Der kleine Priester strich mit der Hand über die Augen. Sie schlossen +sich. Sie brannten nicht mehr. + +„Ich habe die Erde gerochen am Frühlingsmorgen, wenn sie dampfend +aufbricht, ehe der Tag kommt. Tausend Würzbäche strömen, wo die +tausendjährige Edelfichte krachend niederschlägt. Gefährlich wie Blutdunst +ist der umnebelnde Duft des Weines, der zu Kopfe steigt und die Fäuste +straff macht. Aber der Frauen Athem ist röther wie Blut. Wie Weizenacker +frisch geöffnet ist der Leib des Weibes. – Es ist die Schwüle der +Sommererde, die die Todten nicht schlafen lässt.“ + +Er strich mit der Hand über die Nasenlöcher. Leise fuhr der tröstende +Finger die zitternden, hastenden Nüstern entlang. Der Geruch war fort. + +„Hast Du auf Deinen Lippen ihre Küsse gefühlt? Wenn sie schwören und +lügen. Worte, die fallen wie der Wasserfall, lieblicher denn +Nachtigallentriller. – Worte! Worte! Worte!“ + +Er strich über die Lippen und sie schlossen sich. Sie wurden stumm und +weich. + +„Ich habe sie mit meiner Hand gehalten. Ich lasse sie nicht. – Wenn man +das Messer sehr fest packt und rothes Herzblut springt herüber ... Weisst +Du, dass ich mein Messer unter meiner Hand hatte? Sie haben mir gesagt, +dass ich das Holz sprechen machen konnte, die Saiten riefen unter meinen +Fingern wie mit Menschenstimmen. Ich will spielen. Sie sollen tanzen. Sie +sollen lachen und schreien. Ich will den Ton finden, der die Todten tanzen +macht. Die Todten haben Knochenhände und lassen nicht los.“ + +Die gekrampften Finger lösen sich unter den andern streichenden, +gleitenden. Die Hände fielen. Sie lagen ruhig und straff. + +„Meine Füsse tragen mich nicht mehr. Aber sie haben mich getragen durch +die Nacht. Im Tanze. Wer kann tanzen wie ich, der Spielmann Anderl! Wenn +der Boden knackt, die Dirne hoch anfliegt zur schwelenden Decke. Ich kann +springen! Der Teufel ist in meinen Füssen. Ich springe mit dem Teufel zur +Hölle!“ + +Er berührte die Füsse an ihren Sohlen. Er salbte den rechten. Er salbte +auch den linken. Die Füsse lagen still. + +Der ganze Mann war weiss und still jetzt. + +Der kleine Priester hatte die Fiedel genommen, das Holz zeigte keinen +Sprung, die Saiten fügten sich wie von selbst und erklangen: + +„Wenn Eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiss werden,“ +sang der kleine Priester. „Und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll +sie doch wie Wolle werden. + +„Und heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein!“ schloss der kleine +Priester. + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +In der Holzschlägerhütte lag der Wilddieb todt. Er lag mit gefalteten +Händen und lächelnden Lippen. Eine weisse Kerze brannte. Das blasse goldne +Herz stand zitternd aufrecht im Dunkel, das der Schnee warf. + +Der Schnee fiel. + +Unter der weissen Schneedecke, das Allerheiligste gegen seine Brust +gepresst, schlief der kleine Priester. + +Der Schnee fiel ... fiel. + + + + + + DAS ZEHNTE KAPITEL. + + +Nun war aber in einer Stadt ein junger Mann, der sich dem geistlichen +Stande gewidmet hatte. + +Nie war für ihn die Frage gewesen, irgend ein anderes Amt zu erwählen. Von +früh auf zeigte er sich in geistlichen Dingen wohlbewandert, geneigt +darüber nachzudenken, die Texte auszulegen in ihrem deutlichen Sinne. +Dabei war er von mässiger und strenger Lebensweise. Er hatte sich Jahre +lang nur von Pflanzennahrung erhalten. Sein Geld gab er den Armen und +lebte wie der Aermsten Einer mitten unter ihnen. Zudem voll Würde in aller +Gütigkeit, dass er die Spötter zurückwies, Niemand ihm etwas anhaben +konnte. Im Gegentheil, es war eine gemeine Rede in der Stadt, wenn man +Jemand etwas Gutes wünschte, und diese Leute waren älter, dass man ihnen +einen Sohn wünschte wie Johannes. Seine alten Eltern, denen er zuerst ein +Kummer gewesen, dass er also herausging aus der Bahn, die sie selbst +gegangen, ein Amt erwählte, das ihnen fremdartig war und nicht so +angesehen in ihrer Meinung wie ihr eignes vor den Leuten, priesen Gott +alle Tage, der ihnen ein solches Kind gegeben, von dem sie Ehre hatten +jede Stunde, der als ein Muster stand unter jungen Leuten, in frühen +Jahren Ruhm erwarb wie Andre, die Jahre lang gedient, Last und Mühsal +getragen hatten. + +Selbst solche, die ihm heimlich entgegenstanden, weil er sie strafte in +ihren Sünden, wagten nicht, ihn offen zu missbilligen, denn sein Ansehen +war gross unter allen Leuten, und seine Rede gewaltig. Dazu, weil er eines +vornehmen Mannes Sohn war, trug das zu seinem Ruhm bei. Das Gerücht drang +bis an den Hof. Er musste predigen dort und ward als Hofprediger +angestellt auf den eignen Wunsch des Fürsten, der gern seine Predigt +hörte, auch manches Gespräch mit ihm pflog. Er war selbst von ernster und +redlicher Gemüthsart, dachte viel nach über die Pflichten und Vorrechte +seines Amtes. Wenn er sich beunruhigt fühlte in seinem Gemüth, liess er +oft den jungen Prediger rufen, dass diese wie Freunde und treue Gesellen +wurden, sein Einfluss also gross war im Lande. + +Aber Niemand neidete ihm denselben. Er war wohlgeachtet von Hohen und +Geringen. Gegen Arm und Reich hielt er sich gleich. Kein Rang und kein +klingender Lohn konnte ihn bestechen in seiner Entscheidung. Wiewohl es +ihm freigestanden hätte, ein Weib zu wählen, Niemand ihm seine beste +Tochter geweigert hätte, zog er es doch vor, einzeln zu bleiben, dass +keine weltliche Lust oder Sorge ihn abzöge von seinem geistlichen Amt, +welches er als das höchste erachtete in der Welt, ihm selbst von Gott +anvertraut, davon er Rechenschaft abzulegen hatte dereinst vor Seinem +strengen Richterstuhl. Es gab keinen geachteteren und würdigeren jungen +Mann weit und breit. Sein Ruf stand fest wie ein Felsen. Sein Wort war für +Viele Recht und Unrecht, klarer und unzweifelhafter wie geschriebnes +Gesetz. Wenn sich Einige verwunderten, dass er trotz seiner Jugend so +geachtet war und solchen Einfluss besass, verwies man nur auf sein Leben, +das schlichter war wie manchen Arbeiters und keusch wie vielfach +geschliffener Stahl vor Aller Augen. + +Derselbe, als er eines Tages allein spazieren ging vor der Stadt, wo die +Stadt schon aufhörte, blühende Sträucher standen und Fruchtbäume im Laub – +wie er oftmals that in seinen tiefen Gedanken, um klar zu werden vor sich +selber –, freute er sich am Gesang der Vögel, wie sie alle einträchtig +sangen und war keiner grösser und mehr geachtet denn der andre in ihrem +Singen. Jeder hatte seine besondre Gabe und Tugenden. Die, die nichts +empfingen, kleine graue Meislein und Spatzen, zwitscherten just so munter +ihre zwei Pieptöne, wie die Andern kunstreiche Triller und Solfeggien. +Sorgten nicht um den Tag, bauten sich Nestlein, setzten ihre Kinder in die +Welt, dass die Sonne sie grosszog, sie satt würden von dem, was flog und +kroch in der Luft, auf der Erde. + +Die Schwalben flogen auf und nieder. Sie wiegten sich in der Luft und +beschrieben Wellenlinien. Manchmal strichen sie so niedrig, dass ihre +Schwingen fast die Erde berührten. Dann hoben sie sich wieder, blieben +segelnd im Blauen. Aus dem Gras der Böschung dufteten Veilchen. Libellen +schwirrten aus der Wasserrichtung von der andern Seite. Es roch fischig +von da, Teichgeruch, nach sich zersetzender Pflanzenfaser. + +Wie er nun also ging und sich freute, die Vöglein lieblich und fröhlich +sangen, sah er eine magere, gelbgefleckte Katze, die Jagd machte, auf +einem der Bäume. Leise schlich sie auf unhörbaren, tastenden Zehen. Ihr +Kopf war lang vorgestreckt, die kugelige Stirn mit spitzen Oehrchen. In +den Flanken sassen tiefe Löcher von der Anstrengung des Dehnens. Die +Rippen flogen kurzathmend in der Aufregung der Jagd. Auch war sie mager, +schlechtgenährt und struppig, wie eine Katze, die wohl schon lange heimlos +geirrt ist, keinen Herrn mehr hat, sondern der Wildniss preisgegeben ist. +So war sie ausgegangen auf die Jagd, da es dämmrig wurde, sass auf dem +Baum und hob ihre Kralle über dem Nestchen. + +Da Johannes solches sah, ergrimmte er in seinem Herzen. Es dauerten ihn +die unschuldigen Vöglein um dieser schlechten Katze willen. Er nahm einen +Stein, zielte und warf. Und traf so gut, dass er die Katze hart schlug in +ihrer Seite, wo es weich ist, die Knochen nicht schützen. Sie stiess einen +schrillen, klagenden Schrei aus und fiel herab vom Baum, lag da auf der +Erde, das Blut floss von ihrer getroffenen Seite, schrie ganz jämmerlich +wie ein kleines, wehleidiges Kind, versuchte sich zu lecken, vorwärts zu +strecken mit strebenden Vorderfüssen und schwachem, nachschleppendem +Rücken. Und lag im Staube, blutend. + +Da fing ihn an zu gereuen, was er gethan hatte. Er kam herzu, um der Katze +aufzuhelfen. Wie er sie genau betrachtete, sah er, dass diese Katze heute +oder den Tag zuvor Junge geworfen haben musste, denn die Haut ihres +Bauches hing ganz lose unter den vorstehenden Rippen, dass sie fast auf +dem Boden schleppte. Die Oeffnung des Afters war unnatürlich weit, noch +vom geronnenen Blute verklebt. Man sah die Zitzen, die weit, aber schlaff, +ohne Milch sich sackten. Denn sie war sehr erschöpft und hatte gehungert +seit langen Tagen. Nun lag sie im Staub und blutete. Niemand würde diesem +Nest voll kleiner Katzen in irgend einer verlassnen Scheune oder auf einem +Heuboden Nahrung bringen. Sie würden warten und miauen, elendiglich +verhungern, um ihre Mutter, die nicht kam, den spitzen, harten Stein, den +er geworfen und sie getroffen hatte, da sie ging Jagd zu machen auf Vögel +für ihre Kleinen, die hungerten. + +Er stand nun da vor der Katze und sah sie an. Die Katze sah auf zu ihm mit +schiefen, wilden Augen, ob er ihr helfen würde oder sie weiterquälen? Sie +wusste nicht, dass es sein Stein gewesen, der sie getroffen hatte. Aber +sie hatte Angst vor den Menschen, die stark sind, war da wie ein wildes +Ding, das man eingefangen hat. Und es kann sich nicht wehren, denn all’ +sein Gift, scharfe Zähne und Krallen, die ihm ja nützlich sind gegen die +Kleinen und ganz Schwachen, werden ohnmächtig und nützen ihm nichts. Es +wartet, dass man es vollendet. + +Da er noch stand, dieses Thier ihn ansah und er über solches dachte in +seinem Herzen, kam ein fremder Mann des Wegs. Er nahm die Katze, die nach +ihm fauchte, wusch ihre Wunden sorgfältig mit Wasser und gab ihr zu +trinken aus einer Flasche, die er bei sich führte. Dazu, um das Wasser zu +finden, hatte er hinabsteigen müssen zum Fluss. Wie der wieder heraufkam +und die Katze auf seinen Arm nahm, biss ihn das Vieh in die Hand und +entsprang zwischen die Weidengebüsche. + +Da dieser nun die Schramme an seiner Hand besah, das Blut abtrocknete mit +seinem Tuch, sprach Johannes zu ihm: „Wie magst Du dem schädlichen +Raubzeug helfen? Sein Leben ist der Tod Vieler. So es verreckt, wem +schadet es? Ein werthloses Vieh! Tückisch und voll Argheit.“ Das sagte er +aber, den Andern zu versuchen, denn in seinem Herzen gereute ihn der +Katze. Er wusste wohl, dass es ihre Natur ist, Vögel und Mäuse zu fangen. +Er fragte sich nur: Warum ist das in der Natur, und hätte gern eine +Antwort gewusst. + +Der fremde Mann sprach: „Ich helfe jeglicher Creatur. Sie war hungrig und +litt. So war es meine Schuld, ihr zu geben, sie zu heilen.“ + +„Sie wird hingehen und neues Uebel stiften, tödten und quälen.“ + +„Der Tod ist kein Uebel,“ sagte der fremde Mann. „Der Geist, der +widerstehet dem Uebel, der ist vom Uebel.“ + +Diese Antwort verstand Johannes nicht, aber sie quälte ihn in seinem +Herzen. Er sprach: „Deute mir das!“ + +Der Andre sprach: „So Dich Jemand schlägt und Du schlägst ihn wieder, so +ist der Schlag Dir nicht Unehre, aber dass Du zurückschlägst und also +Böses vergiltst mit Bösem. So ist das Böse an sich nicht böse, aber es +böse _macht_ in seiner Wirkung, sind Böse.“ + +Johannes sprach: „Soll ich einen Mann nicht tödten, der Andre tödtet? +Würde Mord und Todtschlag nicht überhandnehmen in der Welt, so Solches +ungestraft bliebe? Jeder thun könnte, was ihm gefällt, sein böser Muth ihm +eingiebt gegen seinen Nächsten?“ + +Der Fremde sprach: „So es sein böser Muth thut, ist es seine Natur. Alles, +was in der Natur ist, ist von Gott. Der Mensch kann nichts dagegen. So Du +aber schlägst _gegen_ Deine Natur, ist es Dir Sünde, grösseres Unrecht +denn dess, der Dich geschlagen.“ + +Er sprach: „So werden alle Bösen fortab triumphiren und straflos sein. Die +Guten müssen nur dulden und ertragen.“ + +Der Fremde sprach: „Dulden und ertragen ist nicht böse. Selig sind, die +das erkannt haben! Aber es ist dem Menschen schwer, zu erkennen, und +Wenige sind, die es fassen hier im Leibe. Das Fleisch ist schwach in +ihnen. Der Tod scheint bitter dem, der kräftig ist und sich bewegt.“ + +„Der Tod ist immer bitter,“ sagte Johannes. „Das ist auch gegen die Natur +des Menschen.“ + +„Weil sie die Natur nur halb erkannt haben,“ sagte der Fremde. „Sie +wissen, dass sie sterben müssen, aber sie wissen nicht, was hinterher +kommt. Sie sehen, so lange es hell ist. Aber die Nacht lebt auch, hat +Farben und Formen. Nur sie sehen sie nicht. Sie nennen das Eine Leben und +das Andre Tod. Und der Tod ist Leben, eins so gut wie das Andre. Alles ist +Leben. Es ist ein Neugebären in jeglichem Sterben.“ + +Der Fremde sagte ihm ein andres Gleichniss und sprach: „Die Menschen +rechnen die That, die Gedanken sehen sie nicht. Sie können die Gesinnung +nicht lesen, die im Herzen ist. Die That ist nicht besser wie der Gedanke. +Sondern er war der Erstgeborne und wirkt weiter. Die Sünde ist geboren, +ehe die That That wird. Es ist nicht mehr Sünde im Thun wie im Wollen. Zu +diesem aber sprach die Schlange. – Und der Stolz ist der Urgrund alles +Uebels.“ + +Er sprach: „Wie deutest Du das?“ + +Der Fremde sprach: „Da der Mensch anfing zu mischen von seinem Willen in +den grossen Gang des Wollens, der der reine Strom und Urquell des Lebens +ist. Er sprach – und er sollte hören. Er dachte, wo er sehen sollte. Ein +Kleines, Staubgebornes, Willkürliches will stehen, wo das Grosse, Ewige, +Gesetzte steht.“ + +Er sprach: „Widerspricht nicht Solches der eignen Adligkeit und +Freiwilligkeit des Menschen?“ + +Darauf antwortete der Fremde: „Mit nichten. Sondern ist es nicht edler, +das Gesetz in sich selbst zu erkennen und ihm folgen, als sich von aussen +verschreiben lassen, Buchstaben zu gehorchen. Das ist Sklaventhum. Das +Andre Adliger und Freigeborner.“ + +Johannes sprach: „Wie kann das Gesetz für Alle dasselbe sein, so doch der +Menschen viele sind und Millionen, Jeder anders geht wie der Andre?“ + +Er sprach: „Es ist auch nicht dasselbe Gesetz für Alle. Händewaschen ist +nicht dasselbe, Kleidertrachten und Fasten ist nicht dasselbe, Götter von +Stein und Götter von Erzen. – Aber Alle, die suchen, finden wohl den Weg.“ + +Da erschrak Johannes in seinem Herzen und sprach: „Die alten Weisen haben +wohl gelehrt. Sie dachten, sie hätten die Weisheit gefunden. Und waren +Edle. Tiefe Worte kamen von ihren Lippen. Buddha und Mohammed sind +gekommen. – Wie sagst Du, Einer ist wie der Andre?“ + +Er sprach: „Alle diese sind gegangen und haben gefunden. Unschuldige +Kindlein finden auch, kleine Blumen und Kräuter. Es führen viele Wege. +Aber unselig sind, die stehen bleiben und nicht gehen um der Dornen willen +und Steinblöcke.“ + +Damit wollte er weitergehen. Aber der Andre hielt ihn an in grosser Angst +seines Herzens, flehte ihn an und bat: „Gieb mir ein Zeichen.“ + +Er sprach: „Kein andres Zeichen habe ich als dies: Die Blinden werden +nicht blind sein, ob sie gleich blind sind. Die Lahmen werden gehen können +und eilen, ob sie lahm sind, festgekettet an ihr Lager. Die Armen sind +reich und ihr Reichthum ist köstlicher denn aller Reichen. Die Todten +sterben nicht und leben, ob sie gleich gestorben sind. – Ein Kind findet +es in seiner Einfalt. Den Weisen und Mächtigen aber bleibt es verborgen.“ + +Er sprach: „Sage mir nun noch dies Eine. So Einer Sünde gethan hat, ist er +nicht schlimmer denn Einer, der keine gethan hat? Warum denn sollten wir +nicht Alle sündigen und froh sein?“ + +Er sprach: „So Du sie thust, ist es Dir Sünde. Die Andern aber gehen auch +nicht verloren. Der Hochmuth ist das Aergste der Uebel. Freude war über +den, der Busse thut vor neunundneunzig Gerechten. Der verloren war und +heim kam, fand über dem der zu Hause geblieben, niemals irrte.“ + +So liess er diesen und ging von ihm weiter in der Abenddämmerung. + + + + + + DAS ELFTE KAPITEL. + + +Es war Fritz Kuhlemann, der ihm diese Botschaft schickte: + +„Die ausgehen sollten, wohnen in reichen Häusern. In steinernen Kirchen +ist das Wort verschlossen für blöde Mengen am Sonntagmorgen. Die Mächtigen +missbrauchen Deine Worte für ihre Zwecke. Man führt Kriege in Deinem +Namen. Ungerechtes Gericht ist gesprochen unter dem Zeichen der Liebe. Der +Arme geht hungrig. Der Niedrige ist verachtet. Der Sünder stirbt nachher +wie zuvor. Was ist Deine Heilsbotschaft an die Welt?“ + +Er sprach: „Siehe zu, was ich thue: + +„Soll ich Krieg führen, um die Welt zu überzeugen? Der Hass wäre schlimmer +denn zuvor. Die Sklaven von heute wären grausamere Herren, als die Herren +von gestern. + +„Soll ich Gesetze geben, neue Ordnung erfinden? Dies Gesetz wäre gut, aber +die Menschen sind schlecht. Unter der guten Ordnung bliebe die wilde +Wüste. + +„Vielen ist es gesagt, aber Wenige hören. Allen ist es ein Schlachtwort +und Wenigen Frieden. Einige finden, weil sie von Anfang an hatten, und +Viele, die suchen, finden niemals. Schrecklich und scharf ist es, wie ein +Schwert, das durchbohrt, süsse Milch, die ganz junge Kinder trinken.“ + +Er war aber auf einem Schiff, wo er dies sagte, dass er sich übersetzen +liesse von einem Ufer zum andern. Und es war ein Mann neben ihm, der ein +Tuch mit Samenkörnern eingebunden hatte, die er säen wollte auf seinem +Acker. + +Er sprach zu ihm: „Gieb mir von Deinen Körnern.“ + +Der Mann sprach: „Nimm so viele, wie Du willst?“ + +Er nahm eine Handvoll und streute sie auf das Wasser. + +Sprach der Mann zu ihm: „Wie kannst Du solches thun, so doch das Wasser +die Samen nicht hält und austreibt?“ + +Er sprach: „Sollen sie keimen, wird es sie schon tragen, wo sie Wurzel +finden. Die Erde ist nicht besser denn das Wasser. Wo ein Same leben soll, +müssen tausende sterben.“ + +Und es war ein Buckliger auf demselben Schiff, der war ganz verwachsen. +Alle Knochen seines Leibes standen schief und sein Gesicht war scheusslich +anzusehen mit schielenden Augen und einer platten, queren Nase. + +Derselbe sprach zu ihm: „Meister, es ist recht, was Du sagst, dass alle +Menschen gleich sind, und ist nicht Einer schön und der Andre hässlich, +Jener klug und Dieser thöricht. So sage auch diesen, dass sie mich schön +finden, und lobe meine Verwachsenheit, die keine Missgestaltung mehr ist.“ + +Er sprach zu ihm: „Was habe ich mit Dir zu schaffen? Ganz hässlich bist Du +und schauerlich anzusehen. Was wagst Du zu hoffen von der Schönheit, die +Du beleidigst, und woher kommt Dir der Muth, der Du feige bist und ganz +niedrig.“ + +Trieb ihn von sich mit harten Worten und sah wieder in den Fluss, darin +die Landschaft sich spiegelte im klaren Wasser. + +Aber sie hörten es nicht gern. Die, die das hörten, fuhren fort, das Volk +zu reizen zur Gewalt, um die Machthaber umzustürzen, oder System und +Lehrsätze zu erfinden, die Alles gerecht machen sollten, dass Jeder seine +Fülle hätte, kein Unfrieden mehr sei in der Welt. Diesen liefen Viele zu. +Sie hatten ein grosses Gefolge hinter sich, die sagten: „Morgen kommt der +grosse Zusammensturz. Wir werden dann essen, die wir jetzt hungrig sind. +Wir werden herrschen, die dienen. Wir sind Viele und sie sind Wenige. +Lasst uns uns zusammenrotten und laut schreien, dass wir sie übertäuben +und ihre Stimmen mit unseren Stimmen, die zahlreicher sind und lauter +schreien.“ + +Gewaltig erscholl die Stimme Fritz Kuhlemann’s aus der grossen Stadt. +„Gebt Eure Güter und verlasst Eure stolzen Paläste! Gebt Eure Macht auf, +Ihr Herren und Regierenden! Lasst uns gute Gesetze haben und nicht mehr +unsre Frauen und Mädchen verkaufen zu Laster und Unzucht! Wir wollen keine +Kriege mehr und keine Hungersnoth. Wir wollen Alle arbeiten und essen. +Einer soll sein wie der Andre, Keiner König und Keiner ein Bettler. Unsre +Frauen sollen gleichgeachtet sein wie wir und unsre Töchter wie unsre +Söhne. Wir wollen glücklich sein auf dieser Welt und Kinder zeugen. – Denn +was nachher kommt, wissen wir nicht, Niemand kann an gegen den Tod.“ + +Ein junger Mann kam zu dem Fremden. Er wollte mit ihm über seinen +Seelenzustand sprechen. + +Er sagte: „Ich habe immer ein untadeliges Leben geführt. Von Lastern und +verbotnen Dingen habe ich mich ferngehalten. Ich habe versucht, meinen +Geist zu bilden mit allem Wissen und der Bildung unsrer Zeit. Ich habe +meine Lehrer in Ehrfurcht gehalten und meinen Eltern gehorcht. Gegen +Niedrigstehende bemühe ich mich höflich und gerecht zu sein. Es fehlt +meinen Leuten an nichts. Sie haben ihre Gebühr und über Gebühr. Ich bin +allgemein angesehen und hochgeachtet. Wenn ich ein Weib nehmen will, wird +Niemand zögern, mir seine beste Tochter anzuvertrauen. Ich werde sie +unschuldig, wohlgebildet und von gutem Ruf nehmen, wie ich selber bin. Es +klebt kein Stäubchen an meinem Vermögen. Alles ist auf ehrliche Weise +erworben und von meinen Voreltern langsam erarbeitet. Kein Blutrichter +fände einen Flecken daran. Niemand ist von mir um einen Pfennig betrogen. +Dem Staat zahle ich pünklich, was ihm zukommt. Ich betheilige mich an +allen Wohlfahrtseinrichtungen und gemeinnützigen Anstalten. Die Leute auf +meiner Besitzung sind glücklich gepriesen von Allen. Sprich nun selbst, +bin ich vollkommen so und nach Deinem Sinn?“ + +Er sprach: „Du sagst, dass Du Güter hast. Nimm Deine Güter, den letzten +Pfennig, den Du besitzest, und gieb ihn den Armen, den Bettlern und den +Hunden.“ + +Der junge Mann ward sehr traurig und ging von ihm. Er sah ihm lange nach, +denn er war ein trefflicher junger Mann, licht und schön von Ansehen, der +das Gute suchte. + +Darauf sprach er: „Der Reichthum ist schlimmer denn die Wollust, die +Wollust giebt für Andre. Er denkt nur an sich. Auch thut der wohl eher +Busse, der grobe Sünde thut, denn der angesehen ist vor aller Welt und +niemals fiel. Ach es ist schwer! schwer für einen Menschen, der viele +Güter hat, dass er das Gute finde!“ + +Nun sprach Jemand aus seiner Umgebung zu ihm: „Was nützt es den Armen, so +Einer giebt? Es käme wenig auf Alle. Morgen wäre dasselbe wieder, dass +Einige nichts hätten und Andre mehr.“ + +Er sprach: „Es ist nicht um der Armen willen. Wenn er es auf’s Meer würfe, +die Wellen trügen es fort, wäre es ihm ebenso gut. Siehst Du nicht, dass +seine Güter wie eine Mauer stehen zwischen seinem Thun und dem freien +Wollen seiner Seele? Alle seine Liebe bleibt eingeschlossen und wird +ersticken in ihm, ohnmächtig und schlaff werden. Nur weil er reich ist. – +Der Arme liebt wohl leichter. Er hat dafür Neid und Niedrigkeit als seine +Feinde. Die Seelen, auf denen das Joch lange liegt, werden niedrig. Und +die wahre Liebe ist stolz und eine Königin. Aber die begehren, sind +Sklaven. Nur der nichts mehr begehrt, ist ein Vornehmer und ein Fürst.“ + +Wenige verstanden dies und Viele murrten darüber. Einige sagten, er liebt +nur die Armen. Die Andern fanden, dass er ein Reactionär sei und es mit +den Hohen nicht verderben wollte. + +Es gefiel ihnen auch sehr, ihm schwierige Fragen zu stellen, weil sie ihn +fangen wollten in den Antworten. Und er schickte sie ihnen zurück, fragte: +Was _willst_ Du thun?, dass sie selber sich antworten mussten, beschämt +standen in ihrer Nacktheit und List. + +So war ein Mann, der ein Eheweib hatte, die ihn betrog. + +Er kam zu ihm und fragte, ob er ihr verzeihen sollte? „Das Gesetz erlaubt +mir, mich von ihr zu trennen, sie zu strafen an Gut und Habe. Die +allgemeine Meinung und meine Stärke würden mir wohl gestatten, sie zu +tödten. Das erste ist Gerechtigkeit, das zweite Rache.“ + +„Und Deine Liebe?“ + +„Aber sie hat meine Liebe verrathen. Alle Zärtlichkeiten, die ich ihr +erwiesen habe, sind vergessen. Sie hat Kinder von mir gehabt. Ich habe ihr +Ehre gezollt als dem Oberhaupt meines Hauses. Ihre Schönheit erfreute +mich. Ich gab ihr genug, um sich zu schmücken. Keiner ihrer Wünsche, den +es in meiner Macht war zu erfüllen, blieb unerfüllt. Ich liebte ihren +Verstand, ihre Art sich auszudrücken, die Weichheit ihrer Stimme, die +Liebesbezeugungen, die sie mir erwies, und dadurch Neigungen in mir +erweckte, ihre Schüchternheit und Hülflosigkeit selbst.“ + +„Und ihre Seele? – Hast Du ihre Seele geliebt? Was in ihr schwach war und +arm und nach Hülfe schrie? Ihre Zögerungen, den Glauben an Dich, Deine +Vollkommenheit, die nicht war, diese verzweifelte Liebe, die im Fleisch +suchte, was in Deiner Seele fern von ihr war, – Deine Seele, die sich +nicht mit ihr vereinigen konnte. Die sie in die Arme eines Andern fliehen +machte, der sie noch unglücklicher liess? – Diese arme, nackte frierende, +beschämte Seele, hast Du sie geliebt?“ + +Auch der verstand ihn nicht. Viele Leute sagten nun: „Er ist nachsichtig +für die Sünden des Fleisches. Huren und Lüstlinge sind ihm recht.“ + +„Die Sünden der Wollust sind traurig,“ sagte er. „Sie tragen ihre Strafe +in sich. In dieser Traurigkeit, die nachher kommt von der Unvollkommenheit +der Liebe, dass es nur wieder Unvollkommnes ist, was sie gebärt. Die +Unreinheit ist das Gift, das Alles vergiftet, das ihr naht. Es giebt keine +Schönheit mehr für den, der faul sieht. Sie lieben nicht, die sich der +Leidenschaft hingegeben haben. Das ist eine eiternde Krankheit, +Würmerfrass der Seele.“ + +„So wäre es also besser, ganz keusch zu sein, keine Kinder mehr zu zeugen +und dass die Welt aufhörte?“ fragte Einer. Er war ein Mann, der im Laster +gelebt hatte, und er wollte ihm eine Falle stellen, um zu sagen: „Welch’ +ein Unsinn!“ + +Er sah ihn lange an. „Was weisst Du von der Keuschheit? Das ist die weisse +Blume des Paradieses, das erste Gewebe aus den Strahlen der Morgenröthe. +Wenige sind ihrer theilhaftig. Und ob sie nackt gingen durch den eklen +Sumpf, er befleckte sie nicht. Alle Schande und Schmach kann ihnen nichts +anhaben, _denn sie schämen sich nicht_. Das ist das Höchste, sich nicht zu +schämen. Weil die Scham in uns ist von der Sünde.“ + +Aber Viele wollten, dass er sich deutlicher erklärte. + +Er that es nicht: „Vielleicht begreifen nur sie es, die das Andre gekannt +haben, durchgegangen sind durch den feurigen Ofen und im Feuer wieder rein +wurden. Die irdische unvollkommene Liebe ist in sich ein Abbild der +andern. Sie giebt die Sehnsucht. Die Sehnsucht schafft neues Leben – immer +neues! Sie sind wohl die Unglücklichsten, die nie geliebt haben. Sie sind +unfruchtbar.“ + +Manche hätten gehofft, dass er mehr darüber sagte. Aber er hielt seinen +Mund geschlossen und sprach nicht mehr den Tag. + +So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen Fragen. „Ich habe meinem +Nachbar Geld geliehen. Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im +Recht oder ich?“ + +Er sprach: „Warum forderst Du es?“ + +Es entstand da ein ganz lächerlicher Disput über die Ehre. „Wenn Einer +mich geschlagen hat, muss ich ihn wieder schlagen?“ + +Er sprach: „Ein Schlag und noch ein Schlag sind zwei Schläge. Machst Du +ein Loch damit zu, dass Du es doppelt weit einschlägst?“ + +Aber in seinem Herzen wurde es traurig über sie. Und er that seinen Mund +auf und fing an zu wehklagen. + +„Arme! die Ihr reich seid, und Eure Güter fressen Euch selbst, Geiz, Neid +und Habsucht! Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, der zu wenig +hat, und für jedes Ueberflüssige, das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein +Andrer Mangel. + +„Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhäuser und sammelt für +Wohlfahrtsanstalten: Dies thue ich – und wollt Lob Eurer Nachbarn und +Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr nicht genommen habt zuvor, +was brauchet Ihr zu geben? + +„Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet für die Freiheit Eurer +Brüder, Gesetze, Unterricht und Bürgerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, +wenn Ihr nicht Unfreie gemacht hättet zuvor, Eure Seelen nicht in Banden +wären des Geizes, des Trotzes, des Hochmuths, der Lüge, der Trägheit und +der feigen Angst? + +„Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch hochbaut vor den Leuten, +dass sie Euch anstaunen möchten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom +Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag kommt, dass man Euren Leib zu +Grabe trägt, Eure Seele war todt in Euch lange vorher. + +„Ihr denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr nicht mehr. Das Gesuchte +ist weiter von Euch, denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft die +äussre Wunde zu und der Brand frisst fort inwendig. Ihr seid stolz in +Eurer Erkenntniss, Eurem Wissen, köstlichen Kleidern um Eure Nacktheit. +Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der Frost. Ihr erstarrt unter dem +faulen Schimmer. Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure Grösse +die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen aufwirft. + +„O Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Ungläubigen! Wie unglücklich seid Ihr +in Eurem Glücke! Wie erbärmlich in Eurem Stolz! + +„Die Kinder und Unmündigen werden wissen vor Euch, die Kleinen, die Ihr +verachtet habt. Das Lamm wird stärker sein denn der Löwe, der laut brüllt. +Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares wird Königreiche leiten, die der +Eisenfuss zertritt. + +„Wehe Euch! Wehe Euch! + +„Die Pflanzen wissen, die Felsstücke. Die Wasser, die ihren Weg laufen. +Alle Sterne, die gehen in ihrer Bahn. + +„Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. Ihr könnt nicht, die Ihr stark +seid. Die wollen, werden niemals erreichen. Die kämpfen, siegen nicht.“ + +Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn zu erhaschen. Aber er ging +mitten durch sie hindurch und entwischte ihnen immer. + + + + + + DAS ZWÖLFTE KAPITEL. + + +Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht. + +Er war aber ein sehr vornehmer Mann des Landes, der Vornehmste und +Reichste im ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhüllt, dass +Niemand sein Gesicht erkennen konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine +Gestalt, dass es unmöglich war zu sagen, ob er klein gewachsen war oder +gross, breit oder schlank. Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. +Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener hütete sein Pferd, +während er hinaufgegangen war, mit ihm zu sprechen in der Nacht. + +Die Nacht war stürmisch und sehr finster. Man hörte den Wind brausen. Er +trieb die nassen Zweige der Bäume in grossen Packen gegen die Fenster, +dass es klatschte und prasselte. Der Wind war gewaltig. Er fuhr über die +Erde in einem weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe die Erde +fegte. Oben blies er in die Wolken. Sie flohen eilig wie wollige, +furchtsame Schafe durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse Fetzen +und jagte sie fort. Er freute sich, dass er so allein draussen war zu +herrschen, orgelte sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes und der +Herausforderung über die Erde. + +Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens und war über die See gefahren +und sein Mantel hatte die Kämme der Wogen aufgepeitscht, dass sie nach ihm +schnappten und sich überschlugen in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, graue +Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die grossen Wogen unter dem Winde. +Aber sie fingen ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal packte er sie +und wirbelte sie im Tanze, rund, rund, um einen spitzen, kreiselnden +Trichter in der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt sie in +glatten, gekeilten Furchen wie der scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann +entschlüpfte er ihnen wieder, sich überschlagend in der Luft. Sie machten +verzweifelte Sprünge und warfen sich ihm nach an den Strand wie ungefüge +Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden Leibern. + +Aber er lachte nur und schrie lauter und floh davon. + +Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, den die Menschen gebaut hatten, +um der Fluth zu wehren, dass der Leuchtthurmwächter erschrak in seinem +Herzen: Ich will die Laterne fester stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er +blies dem Wächter die Capotte vom Gesicht und schrie laut auf vor seinem +Fenster, wie ein Meervogel mit schwarzen, schlagenden Flügeln. Dann fuhr +er weiter. + +Er blies in die weissen Segel der kleinen Fischerbarken, dass sie +umschlugen vor dem Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. Und +er probte den stolzen Oceandampfer, der ruhig weiterschiffte in seiner +geraden, majestätischen Bahn. + +Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und machten die Läden fester zu. +Sie dachten mit Sorge an die Schindeln auf ihren Dächern, die schlechten +Strohdecken der Scheunen. Der Wind fegte die Schindeln herunter. Er hob +das Strohdach auf und fuhr in die Scheune, dass Alles aufstob, +durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel in den Hühnerstall fährt. + +Hui – hui – machte der Sturmwind. + +Im Gebirge köpfte er die Tannen und schleuderte sie kopfüber den Abhang +hinunter. Von der offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss er +grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die blanken Eisenbahnschienen +mitten auf den Damm. Er polterte an den Pfeilern der Brücken und peitschte +die Weidenruthen am Ufer, die sich bis auf die Erde bogen, der Wind ist +ihr Herr. Er war furchtbar. + +Ueber die Städte der Menschen fuhr er. Sie schlossen die Läden vor und +zogen sich die Nachtmützen tiefer über die Ohren: Es ist Sturm draussen +und gut, dass wir nicht im Freien sind. – Wo er Einen fand, der draussen +war, schüttelte er ihm die armseligen Fetzen vom Leib und kältete ihn +durch, dass der Frost in ihm blieb. Denn der Sturmwind war schrecklich und +ein Feind der Menschen. + +Durch den Sturm und die Nacht ritt der einsame Reiter. Sein Gesicht war +dicht verhüllt im Mantel. Sein Pferd schritt schnell, ausgreifend, mit der +Regelmässigkeit schöner, geübter Edelthiere. Der Sturm versuchte ihm den +Mantel vom Gesicht zu zerren. Aber er hüllte sich nur noch dichter hinein. +Ganz schwarz sah er aus. Wie ein schwarzer Schatten ritt er durch die +Nacht unter dem heulenden Sturmwind. Der Diener folgte, stumm, wachsam, in +einiger Entfernung. + +Der Reiter hörte dem Concert des Windes zu. Es war ihm, als bildete es +eine sehr hohe, erhabne und brausende Melodie. Aber er war zu weit +entfernt und zu niedrig. Er konnte nicht verstehen, was der Sturmwind +sang. + +Es war ein Lied vom Krieg, von Trompetenrufen und Pferdegetrappel, von +wehenden Fahnen, Kanonendonner und knatterndem Gewehrfeuer – dann der +Hurrahschrei des Siegers. Einer ritt allein im strahlenden Adlerhelm. Die +Sonne seines Helms warf Strahlen. Ein weisses Pferd schritt unter ihm. +Alle schrieen: Heil! Heil dem Sieger, dem grossen König unter den +Menschen, dem Gewaltigen! + +... Es war der Orgelklang eines Doms. Alle Glocken läuteten. +Festguirlanden hingen. Frauen wehten mit ihren Tüchern. Weissgekleidete +Mädchen trugen Blumen und sangen. Endlos war der Zug der Festtheilnehmer. +– Der Hermelin hing um seine Schultern. In schweren Falten umfloss ihn der +Purpur. Er schritt die Stufen zum Altar hinan. Hinter ihm rauschte der +Mantel. Das Schwert stiess klirrend gegen den Marmor und der Priester im +Ornat hob die lichte Krone, den wundersamen Reifen ohne Anfang, ohne Ende, +wie die Schlange, die den Weltkreis hält, funkelnd im Schmuck der +Edelgesteine – des Rubins, der das Blut ist, Topase, köstlicher als Gold, +der Herrschaft, und Smaragden, funkelnde grüne Augen der Edelkatze. – Und +er war es, der gross und reich war, der König war. + +Lieder von Ruhm und Macht sang der Sturmwind. Der einsame Reiter in der +Mitternacht hörte ihm zu. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhüllt und +ritt schnell, dass Niemand ihn kennen konnte. + +Als ein Fremder zu dem Fremden kam er mitten in der Nacht. + +Draussen tobte und fauchte der Sturmwind. Er strich dahin mit dem tiefen, +surrenden Ton zu stark gespannter Saiten. Die Luft schwang und zitterte +nach seinem Röhren. Die Erde aus ihren Eingeweiden antwortete gleich dem +vibrirenden Resonnanzboden einer Violine. + +„Es ist Sturmwind und sehr finster,“ sagte der schwarze Reiter. „Ich bin +zu Dir gekommen, um mit Dir zu sprechen über Dinge, die gefährlich sind zu +nennen und sehr geheim. Darum komme ich in der Nacht. Sie ist furchtbar, +diese Nacht!“ + +„Es giebt einen Morgen,“ sagte der Fremde. „Das Licht wird sehr hell +kommen. Wir werden Morgen haben bald.“ + +„Ich darf den Morgen nicht sehen. Ich habe grosse Eile, und dass ich hier +bin, darf Keiner wissen. Das Licht nicht und nicht der weisse Nebel des +Morgens, der dem Hahnschrei vorangeht. Durch die Nacht und den Sturm bin +ich gekommen, weil es Nacht ist und Sturm in mir. Hörst Du die Weisen +draussen? Es sind alle Geister der tollen Vergangenheit, die los sind. Sie +singen mir von Stolz und Sieg und Macht. Ich sehe sie Alle, die dies Haus +umkreisen und mit mir hierhergezogen sind. Sie tragen Rüstungen von Eisen +und gehen langsam vorüber. Die Letzten haben Purpurmäntel und Einige +reiten auf herrlichen Pferden. Einer trägt sein Haupt unter seinem Arm. – +Warum sind sie grauenhaft und traurig wie diese?“ + +„Sie haben getödtet,“ sagte der Fremde. „Sie haben genommen. Sie haben +gerächt und gerichtet.“ + +„Aber Viele haben Gutes gethan. Sie haben Ordnung gestiftet. Sie haben +geschafft. Die Kraft ihres Hirns haben sie gegeben und die Stärke ihres +Arms. Sie waren Väter und Erbauer.“ + +„Des Vaters Amt ist ein schweres. Viele führt in die Irre, der als ein +Führer selber irrt. So er dieser Geringsten einen ärgert, besser wäre es +ihm, er verlöre Leben und Leib. Der Baumeister, der nur einen Stein falsch +wählt, gefährdet den Bau.“ + +„Das ist schrecklich. – Sie waren Erwählte unter den Menschen. Die Gnade +von oben hat ihnen geholfen.“ + +„Es ist schwer, dass ein Reicher das Himmelreich finde,“ sagte der Fremde. +„Die Gnade wird dem Demüthigen.“ + +„Man kann demüthig vor Gott sein und stolz vor den Menschen. Gott hat +Könige eingesetzt.“ + +„Einen. Er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen sollte und ward in der +Krippe gebettet.“ + +„Du denkst also, dass es ein Unrecht ist, ein Grosser dieser Welt zu +sein?“ + +„Es stehet geschrieben: Wer unter Euch will ein Herr sein, der sei Aller +Knecht.“ + +„Das ist bildlich gemeint,“ sagte der Reiter. „Wer dem Ganzen dient, ist +Aller Knecht.“ + +„... Und er nahm seinen Schurz und wusch ihnen die Füsse,“ sagte der +Fremde milde. + +„Das ist doch auch nur symbolisch.“ + +„Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?“ Der Fremde lächelte – ein +trauriges Lächeln. Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert +gleichsam, wie lange gestorben, die lebte. + +Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. Der Sturmwind draussen blies +zum Umwerfen. Und es war sehr finstre Nacht. + +„Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art Kreuz. Wir hängen am Kreuz. +Jeder, der den Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich zu +kämpfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, die furchtbare Verantwortung. +– Auf Einen fällt der Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom +Unrecht. Für dieses schwere Amt müsste man Vorrechte haben. Wer wollte +freiwillig es auf sich nehmen?“ + +„Glaubst Du, dass es Keiner möchte?“ + +Der Reiter verwirrte sich. „Es muss doch sein, um der Ordnung willen. Es +ist besser, dass das Festgefügte bleibt. Einer, um den kein Kampf ist, der +den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. Das Alles haftet dem +Emporgekommenen an. Der Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?“ + +„Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr denn zehntausend Legionen Engel. +Er liess sich binden und kreuzigen.“ + +„Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, das ist göttlich.“ + +Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt das Haupt geneigt. Es waren +auf seiner Stirn rothe Spuren wie von Schärfen, Spitzen, die eingedrungen +waren. Er hatte Narben in den Händen. Ein Schmerz, wie von einer schweren, +nie geheilten Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte die Hand in +seine Seite. Er seufzte. + +„Und wenn ich es thäte?“ fuhr der Reiter fort. „Wer hätte den Vortheil? +Ein Andrer, der käme und schlimmer wäre, vielleicht weniger tief angelegt, +– ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem wäre geholfen? Und was ist Einer?“ + +„Einer war und er that.“ + +„Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser geworden? Die Formen der +Unterdrückung haben gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind sie +darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit verschwunden? Er +war Gottes Sohn und starb vergebens. Wer bin ich?“ + +Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. Er stiess hinein wie in eine +Trompete. Ein Fensterglas zersplitterte. Es klang wie Gelächter, das +Lachen von tausend Kobolden und Dämonen. Der Fremde antwortete nicht. + +„... Es könnte sein, dass Umwälzungen kämen,“ sagte der Reiter, +„allgemeine, durch einen Umschwung des Denkens erzielte, langsam +vorbereitete. Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. Wem ist es gegeben +zu erforschen? Man muss bleiben, wo man hingestellt ist, sich genügen +lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist unvollkommen. Langsam nur +geht die Zeit. Ich bin nicht ein Erlöser. Nicht ein Genie ... Ich thue +meine Pflicht.“ + +Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. Er rief nach seinem Pferde. +Diese ritten hinaus wieder in die Nacht. + +Ueber ihren Häuptern fegte der Sturmwind. Er sang wilde, triumphirende +Weisen. + +Hoiho – hoiho – triumphirte der Sturmwind. + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +Er ging allein fort, bis er an einen grossen Wald kam und setzte sich +daselbst auf einen Stein. + +Es war ein sehr alter Wald aus lauter hundertjährigen Bäumen, Eichen mit +seltsamen verknoteten, verknöcherten Stämmen, die da wie Vorweltriesen +standen. Unten waren sie schon abgestorben, aber oben trieben immer wieder +frische grüne Zweige mit krausen Blättern und Eicheln. In einige war der +Blitz gefahren. Sie trugen seine Spur wie ein breites kohlschwarzes Band +vom Wipfel zur Wurzel. Da war alles Leben versengt, aber die andre Seite +grünte noch und breitete Aeste. Alle standen da in einem geheimnissvollen +Kreisring. Nicht zu nahe bei einander, weil sie sich sonst gestört hätten +im Wachsthum. Um den engeren Ring lief jedesmal ein weiterer. Seine Stämme +standen in den Zwischenräumen zwischen denen des Ersten, so dass es von +innen anzusehen war wie eine hölzerne geschlossene Ringwand, aus lauter +Stäben, dass man nicht unterscheiden konnte, wo der Wald aufhörte oder +anfing. Aber zwischen den einzelnen Kronen fiel breit der blaue Himmel +durch. Der Boden war mit hohem, grünem, sehr feinem Gras bewachsen. Man +konnte gehen in den Abständen der Ringe wie in einer Wandelbahn. Es war +schattig und doch hell. + +Die Rinde dieser Bäume war rauh, borkig, mit starken, eingeborstnen +Abschilferungen wie die mächtigen Dickhäuter. Moose wuchsen aus ihr in +grauen Hängebärten. Knoten und Buckel hatte das Alter gebildet, +schwärzliche Warzen, in denen die Säfte sich schwärend stauten. Die Aeste +kamen wieder, verrankten und verschlangen sich in seltsamer Weise. Keine +Regel schien da mehr zu herrschen, nur Laune, grimmige, kauzige Spottsucht +des Alters. Die Wurzeln liefen sehr lang mit Knollen und Armen. Sie +verästelten und verwoben sich auch ineinander. Einige Stämme hatte man +abgehauen. Aber die Stümpfe waren geblieben. In deutlichen Ringen stand +ihr Leben geschrieben. Kleines Buschwerk, Gepilze, schoss und trieb um die +Todten. Man sah ihre Wurzeln, die weiss wurden, abstarben. Doch mächtig +mit starken Fibern und Adern wie Gespinnste einer untergegangenen +Hexenwelt. + +Grosse Steine von alten Heidenzeiten her lagen in der Runde. Jedermann +wusste, dass man diese Steine nicht anrühren durfte. Es lagen grosse +Helden der Heiden darunter begraben und sie waren blos verzaubert und +nahmen es übel, wenn man sie reizte. Dann kamen sie hervor aus ihrem +Grabe, schlugen mit ihrer Zauberkraft Mensch und Vieh. Manche erzählten, +dass sie zu Zeiten ein weisses Ross da hätten grasen sehen, ohne Zaum und +Sattel, von wunderbarer Farbe und Sanftmuth. Aber wenn man es anrufen und +fangen wollte, wurde es schwarz, Feuer sprühte aus seinen Nüstern. Das war +das Schlachtross des Heidenkönigs. Auch von einer wundersamen Frau +erzählten sie. Er hielt sie dort gefangen mit sich im Tode, die im Leben +seine Braut nicht gewesen war. Denn zu den Zeiten waren Männer; solcher +liess ein Weib nicht und ob er sie im Sturm geraubt. Der alte Heidenkönig +hielt sie im Grabe, und des Nachts stand sie auf und ging zu ihrer +eigentlichen Heimath und ihren Kindern, dem weisen, guten König, dem sie +angehörte. – Aber des Nachts und wenn es finster war, hielt sie der Andre, +der sie geraubt mit seinem Leben. Und man fand, dass es so recht war im +Volke, weil er den Blutpreis gezahlt um sie. Es war darum im Herzen der +schönen Frau, dass sie nicht widerstehen konnte, wenn er sie zu sich rief +auf sein höllisches Bett des Nachts. + +Aber sie war unselig und klagte. Oft hörte man ihre Klage widerhallen im +Mittag, zu Stunden des Tags, wenn die Luft lau und lind war. Sie klagte, +dass der gute König, ihr Mann, gestorben war, alle ihre Kinder und späte +Enkelkinder. Ihre Seelen waren zu Gott oder zum Teufel, je nachdem sie +thaten, recht oder unrecht gehandelt im Leben. Sie auch war längst todt im +Leibe; nur ihre Seele konnte nicht sterben um der sündigen Leidenschaft +willen, die sie festhielt an dem starken Helden. + +Aus solchen Klagen der weissen Frau hatte man ein Lied gemacht. Knechte +und Mägde sangen es oft bei ihrer Arbeit. Es war ein Lied des Landes +geworden, von der armen Seele, die nicht sterben konnte, weil sie noch +immer liebte. Ihre Liebe war vom Teufel und starb doch nicht. Weil er so +stark gewesen war und so schön, der tapferste Held der Heiden und ein +Wunder, der König, vor den Leuten. + +Jedermann wusste, dass sie nie den Frieden finden konnte. Sie war wie eine +unselige Seele zwischen Himmel und Erde. Der Heidenheld küsste sie heiss +und wach wieder, jede Nacht, wenn sie müde war und kalt, endlich sterben +wollte. + +Der Fremde sass auf dem Stein und schrieb in den Sand mit seinem Stabe. Er +folgte den krausen Runen der Wurzeln. Buchstaben und Worte bildeten sie, +seltsame Worte von tiefer Meinung. Er folgte ihnen in jede ihrer +fliehenden Curven, bis sie sich die Hände reichen, neues Spinnen begann. +Wo sie aufhörten im Baumstamm, wurden sie sehr stark, wie starke Leiber +mannbarer Männer, und standen wie Thürme, die nichts umwirft. Der Blitz +war an ihrer Seite hinabgefahren. Er auch hatte seine Schrift gelassen. Da +war die Schrift des Blitzes, der Jahre, des Regens, uralter Zeiten. + +Ein Salamander schlüpfte zwischen den Wurzeln vor, schwarz und gelb +gesprenkelt. Er sah den Fremden an mit blanken, klugen Aeugelchen, die wie +Kugeln aus seinem platten Kopfe sprangen. Man sagt von ihm, dass er fest +bleibt im Feuer. Wer den Salamanderkönig fängt, steht unversehrt mit ihm +mitten in den Flammen, alle Schätze der feurigen Tiefe sind sein. – Denn +der Molch ist der König des Feuers, derer, die hämmern ohne Unterlass im +Gestein, Zwerge, neidischer, ungefüger Riesen und Drachen. Rothes Gold +hüten sie, funkelndes Edelgestein, unerhörte Schätze, von denen die +Menschen blind werden und roth sehen in bebender Gier. + +Eine schwarze Amsel kam und lief emsig hin und her. Sie blieb stehen und +horchte. Dann lief sie wieder, pickte anklopfend, neigte den Kopf und hob +ihn. Man sagt, dass diese Amsel Alles weiss, die Sprache der Vögel und der +Bäume, wie die tiefsten Sorgen und Geheimnisse des menschlichen Herzens. +Wer ihrer Weisheit zuhört, vergisst Essen und Trinken. Wenn er zu sich +kommt, ist sein Haar weiss und sein Herz vertrocknet in ihm, wo er jung +war, lieben und lachen konnte, da er zum ersten Mal die teuflische +Weisheit der Amsel und ihren Spruch vernommen. + +Zwischen den Stämmen wob eine Kreuzspinne. Sie wob emsig, klebrige Fäden +ziehend und feuchtend mit hebenden Beinchen. Nach rechts und nach links +und in Strahlen von ihrem Mittelpunkt aus. Dann verbanden die Strahlen +wieder andre kreuzende Fäden. Auf und ab wob die Spinne netzend und +anziehend, wie sie Faden auf Faden spann. Die Kreuzspinne dachte: „Dies +Gewebe ist meine Welt. Ich habe es Alles allein gemacht aus mir selbst. +Hier hänge ich zwischen Himmel und Erde. Sie können mir nichts anhaben von +oben oder unten. Denn ich bin die Sonne, die scheint in der Mitte. Alles, +was auf ihren Strahlen läuft oder sie kreuzt, ist mein. Sein Blut nährt +mich. Ich werde fett und satt von ihrem Blut. Ich bin die fetteste +Kreuzspinne im ganzen Wald. Mein Gewebe ist unzerreissbarer wie die +starken Bastfäden der Bäume.“ + +Der Fremde sass und zeichnete im Sand. + +Alsbald kam des Wegs ein sehr alter Mann, dem der Wald gehörte. Er war so +alt, dass er nicht mehr gerade gehen konnte, sondern sich auf einen Stock +stützen musste. Aber sein Rücken war breit und mächtig in dieser Krümmung, +als ob er eine Weltlast tragen könnte. Sein Haar und Bart war schlohweiss, +von Schnee, der nie mehr schmilzt in ewigem Winter. In seine Haut hatten +die Jahre Furchen gegraben wie in einen Acker. Zäh und hart war sie, von +der Sonne vielfach verbrannt, dass ihre Farbe der ungegerbten Leders glich +oder Pergamenten uralter Schriften. Wo die Adern sich unter ihr kreuzten, +bildeten sie starke, hervortretende Knoten. Sie liefen auf seinen Händen +wie Stricke, versteinerte Gänge einstiger Canäle, in denen kein Blut mehr +fliesst. Wohl hundertjährig war dieser Mann. Aber seine Augen glühten und +leuchteten vom Feuer, das nicht stirbt. Wie Steine waren sie, die +erstarren machen die, die darauf sehen, stählerne Spiegel, dass die Seele +und die geheimsten Gedanken des Mannes, den er anblickte, offen lagen +gleich einer Thür ohne Hüter vor dem Alten mit den furchtbaren Augen. Wenn +er die Brauen zusammenzog, war sein Zorn so schrecklich, dass die +stärksten Herzen zusammenschmolzen vor ihm, ihr Wille war unter seinem +Willen wie eine zappelnde Maus, eine winzige, verwickelte und verwirrte +Fliege. + +Wer diesem Mann nahte, der verfiel ihm mit Leib und Seele. Und er nahm +ihre Leiber und sog ihre Seelen ein. Darum war er gross und stark, +wunderbar vor Allen und sehr alt, so dass die Leute ringsum sagten: Er +wird nicht sterben. Er aber wusste sehr gut, dass er sterben musste. Darum +hütete er den tausendjährigen Wald, liess keinen Stamm schlagen, dass er +stehen sollte, grünen und Früchte tragen tausend Jahre nach ihm. + +Der alte Mann ging auf seinen Stock gestützt und sein Hund folgte ihm. Es +war ein grosser, grauer Hund vom Geschlecht der Bulldoggen, die keine +Furcht haben vor Mensch oder Thier, riesenhaft und ausgezeichnet unter +Seinesgleichen, schwer tretend und sehr alt schon, wie sein Herr war unter +seinen Gesellen, Herren und Fürsten ringsher. Etwas vom Ausdruck des +Mannes war im Ausdruck des Hundes. Diese Beiden verstanden sich ohne Wort +oder Zeichen. Wo sein Herr ging, folgte ihm der Hund. Wenn er des Nachts +schlief, lagerte sich der Geselle vor seinem Lager. Es war unmöglich zu +diesem Lager zu gelangen, ohne den Leib des Hundes zu berühren, der +aufsprang, in einem einzigen Gurgelgriff den Eindringling beendigt hätte, +dann legte er sich wieder nieder und leckte seine Tatzen. Denn so +furchtbar und gefährlich dieser Hund war für Menschen und Thier, so +gehorsam und gefügig war er seinem Herrn, dass er das Wunderbare seines +Eindrucks erhöhte, der Ruhm des Hundes gross war wie der seines Herrn, in +dieser Gegend, wo man sie für Könige hielt und Wesen über dem Maasse des +Irdischen und Staubgewordnen. + +Der alte Mann war vor dem Fremden stehen geblieben und sah ihn an. So +gross war das Feuer der Sehkraft in den Augen dieses alten Mannes, dass es +wie Flammen züngelte und emporschlug an dem Andern. Einen Sterblichen +hätte dieses Feuer verbrannt. Aber der Fremde sass ganz still, zeichnete +mit seinem Stab im Sande. + +„Wer bist Du?“ fragte der alte Mann, dem der Wald gehörte. + +„Ich bin Der, der gewesen ist und nicht stirbt.“ + +„Nichts ist gewesen von Anfang, und Alles stirbt,“ sagte der alte Mann. +„Es ist Niemand, der nicht stirbt.“ + +„Nichts, das gewesen ist, stirbt,“ sagte der Fremde. + +„Buddha ist gestorben, Alexander und Cäsar. Was ist geblieben von ihrer +Weisheit, ihrem Glanz, ihrer Stärke?“ + +„Die Amsel, die läuft. Der Molch, der wacht. Die Spinne, die spinnt.“ + +„Du sprichst sehr thöricht,“ sagte der alte Mann. „Jene waren Helden und +Weise. Diese sind arme, geringe Thiere.“ + +„War ihre Weisheit vorsichtiger denn die des Vogels? Ihr Reichthum grösser +denn der der Eidechse? Ihr Werk bleibender als das der Spinne?“ + +„Sie rechnet nach Tagen. Wir zählen Aeonen. Sein Reichthum ist Spukwesen. +Die Weisheit des Vogels ist der rohe Instinkt der Natur. Wir finden die +schwersten Regeln und lösen das Innere der Menschheitsgeschichte.“ + +„Euer Wesen ist Spuk und Eure Weisheit ist Spreu. Sieh, wie ich es +zerreisse!“ + +Der Fremde schlug mit der Hand in das Spinngewebe und zerriss es. Die +grosse Spinne fiel. Er setzte den Fuss darauf und zertrat sie. Der +Salamander duckte sich unter die Wurzeln. Die Amsel entfloh hüpfend. + +„Ich fürchte den Tod nicht,“ sagte der alte Mann stolz. „Ich habe das +Leben getragen und es ist schlimmer zu tragen als der Tod. Allen Reichthum +und alle Macht habe ich gehabt. Und ich war ein Sklave, ärmer wie der +ärmste Tagelöhner. Der Tag, da ich vor meinem Hause stand und Kohl +pflanzte, war mein glücklichster Tag. Kaiser und Könige habe ich gekannt. +Ich habe an ihrem Tisch gesessen und mit ihnen gegessen. Sie waren wie die +Gummibälle in meiner Hand, Seifenblasen, die die Kinder auftreiben und +zerblasen. – An meinem Stab bin ich hierhergegangen. Ich habe die ganze +Welt besessen und konnte mein Thor zumachen vor der Welt, Eifersucht, +Noth, Neid, Hass habe ich getragen, Undank, der schlimmer ist wie der +giftige Zahn der Natter. Er hat mich nicht angefochten, mehr denn Jubel, +Ruhm, Liebe der Weiber, flüchtige Tropfen des Blüthenöls, die verfliegen. +– Hier bin ich ein sehr alter Mann. Die Zeit habe ich ausgehalten und ich +grüsse den Tod, denn ich bin müde vom Leben. In mir ist Alles todt, was +lebendig gewesen. Ich liebe die Welt nicht und ich hasse sie nicht. Alles +ist eins, und so gut als wäre es nie gewesen. Wenn etwas nachher ist, +werde ich es tragen. Niemals werde ich glücklich sein und niemals klagen. +Ich bin vom Geschlecht der Riesen hier, der Tausendjährigen. – Was bist Du +gekommen mich zu stören in meiner Oede? + +„... Ich habe Zeichen am Himmel gesehen,“ sagte der alte Mann, „und +Götter. Es waren andre Götter vor ihnen, grösser und gewaltiger als Du. +Sie hassten und liebten, sie sangen und schlugen. Vielleicht schlafen sie, +vielleicht sind sie todt. Lass mich schlafen bei meinen todten Göttern! – +Sie rafften und wussten und sammelten Schätze und schufen Welten für +Zeiten und Jahre. Sie waren Götter und sind wie Menschen. Ich gehöre zu +ihnen. Du bist nicht meiner.“ + +„Du wirst mich kennen.“ + +Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen und beschattete seine Augen +mit der Hand. Wie ein Schatten ging es über seine Augen. + +„Ich träumte von Einem ... Es ist lange, lange her. Der da kommen +sollte ... Ich weiss nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? Du +bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod gesehen. Du bist ein König und +kommst im Kleide des Bettlers. Du könntest tödten und Du streckst die Hand +aus, um zu bitten. ..... Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie wir?“ + +„Ich bin für Dich gestorben. Aus Liebe zu Dir bin ich Fleisch geworden und +ich habe gelitten. Es ist die Liebe, die mich lebendig macht vor Deinen +Augen.“ + +Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen drohten den Fremden zu +verschlingen. Sie bohrten sich sehr tief in sein Gesicht und schienen +seine Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: „Wohl – wohl – Du +bist gut und barmherzig. Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. +Ueber Schuld und Nacht – – Kannst Du lieben dahinüber?“ + +„Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin in der Hölle gewesen.“ + +„In der Hölle ... In der Hölle ...“ Der alte Mann beugte sich noch weiter +vor. Seine Augen schienen sich hineinzufressen in die des Andern, zu +ringen – zu ertrinken. Er athmete hart. + +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden – –“ + +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der Stolzesten +Stolzer ... Einer – –“ + +„Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. Sieh mich an und verstehe!“ + +Der alte Mann hatte einen Schritt vorwärts gemacht. Wie ein Blitz an der +Eiche glitt er hernieder. So fiel er um und war todt. + +Der Fremde drückte ihm die Augen zu. Er machte das Zeichen des Kreuzes +über ihn. Er lag da in seiner ganzen, riesigen Länge, die tausendjährige +Eiche, die tausend Jahre gestanden hat und fällt. Der Hund hielt die Wache +neben dem Leichnam. Er sass still und gerade, den Kopf hochgerichtet, die +Vorderpfoten nebeneinander gestellt, wie steinerne und eherne Hunde sitzen +auf alten Grabmälern. + +Der Salamander lugte aus seiner Wurzelspalte. Die Amsel hüpfte und +beschrieb seltsame Kreise. Die Spinne wob ihr Netz. + +Niemals wieder im Zauberwald hörte man die Klage der weissen Frau. + + + + + + DAS DREIZEHNTE KAPITEL. + + +Es begab sich aber, dass Einer gestorben war, den er lieb hatte. Dessen +Verwandte und Freunde kamen zu ihm und sagten: „Dein Freund ist todt. Er +hat Dich geliebt und liebt nicht mehr. Er hat gesprochen und nun schweigt +er. Er ging und wandelte unter uns und er ist nun starr und stumm wie ein +Stein. Bald wird die Verwesung eintreten an seinem Leichnam. Wir werden +ihn begraben und unter die Erde senken müssen. Die Würmer werden ihn +zerfressen, sein Fleisch, das faul und stinkend wird, die Knochen, dass +von ihm nichts übrig bleibt. Pilze und lange Gräser werden wachsen aus +seinem Grab. Wo sein Hirn war, werden die Maden nisten. Ekle Larven werden +kriechen in der Höhle seines Mundes, der lieblich tönte von holdseliger +Rede, weil er lebte. Seine Mutter wird Niemand haben, der ihr Trost +bringt. Sie ist alt und kann nicht mehr ausgehen auf Arbeit. Seine +Schwestern werden sitzen und verwelken in ihrer Jungfrauenschaft. Denn wer +wird sie wollen, wo der Bruder fehlt, der Brot gab und Schutz? Ein grosses +Unglück ist es für Alle. Du konntest helfen und halfst nicht. Nun ist er +todt. So Du nicht eilig kommst, wirst Du die Leiche nicht mehr sehen im +Tode. Der Dir lieb war, geht ein wie Gras, das verdorrt.“ + +Dies Alles hörte er mit an, sagte nichts. Danach stand er auf und ging +sehr eilig, dass er den Todten noch sähe auf seiner Bahre, die Hand auf +sein Antlitz legte, ehe sie ihn zuschlossen im Sarge. + +Im Hause fand er Alles in schwerer Trauer. In einer Stube sass die alte +Mutter und wehklagte laut. Alle Weiber des Orts waren um sie, weinten und +halfen ihr ihre Thränen trocknen. Während sie laut die Tugenden des Todten +rühmten, der ein vortrefflicher Sohn gewesen, voll Eifer und +Zuverlässigkeit gegen seine betagte Mutter, der er die Hälfte seines +Verdienstes gab, dass sie friedlich und in Eintracht lebten in ihrem +Häuschen und satt zu essen gehabt von dem, was er heimbrachte. + +So trostlos war die alte Frau, dass sie ihre Haare zerrauft hatte. Ihre +Kleider hingen unordentlich um ihren Leib, denn sie hatte sie mehrere Tage +und Nächte nicht abgenommen, während er krank lag. Ihre Augen waren +geröthet vom Nachtwachen, ihre Backen eingefallen von Kummer, jämmerlich +und hülflos die ganze Erscheinung. Sie weinte laut, schrie und wollte sich +nicht trösten lassen. Es war ihr einziger Sohn gewesen, der todt lag. Sie +hatte nur diesen und würde kinderlos bleiben hinfort. Ihre Töchter konnten +in die Ferne ziehen als Mägde. Manchmal würden ihr die Nachbarn eine +Unterstützung bringen als einer Bettlerin und Ueberlästigen. Sie würde an +der Thür stehen, wo sie früher als Herrin gewaltet, ärmlich sitzen, wo sie +im Mutterstolz geschritten neben ihrem Sohn. + +Die eine Schwester Martha ging ab und zu. Sie brachte warme Getränke, +Wecken und Kuchen für die Leidtragenden, während die Männer Bier aus +Krügen tranken, Branntwein hingestellt war in Flaschen. Das gebot die +Sitte. Diese Martha hatte das Hauswesen unter sich und war sehr tüchtig +darin. Ihre Wecken und Kuchen waren berühmt im Dorfe. Das Bier, das sie +selbst braute, schmeckte kräftig und süss, wie irgend ein gekauftes. Alle +assen und tranken reichlich, lobten Martha, ihre Ordnung und Führung des +Hauswesens, wie sie Alles eingeleitet und gerichtet in dieser traurigen +Gelegenheit. Sie war bald hier und bald dort, füllte die Tassen und Krüge, +schalt auf die Kinder, die anfingen das Brot zu verstreuen, sich die +Gesichter zu beschmieren mit Mus unter dem Tisch. Sie nahm einen Besen und +fegte sie damit hinaus Alle zusammen und gab ihnen Schläge auf ihre +kleinen Röckchen. Alle fanden, dass sie recht that, diese Martha ein sehr +tüchtiges Frauenzimmer sei. Es war ein oberster Bauer im Dorf, der sich +vornahm, sie als Haushälterin zu dingen. Der Wirth vom Krug wollte sie +gleichfalls. Dieser war ein Wittmann und konnte heirathen. So dass wenig +Noth war um Martha, selbst wenn sie keine Aussteuer hatte, der Bruder +fehlte, sie wegzugeben. + +Maria aber, die andre Schwester, sass zu Häupten des Todten in dem kleinen +Verschlag nebenan. Sie hatte einen blühenden Kirschenzweig abgebrochen und +wehrte damit den Fliegen, die kommen wollten, sich auf das Antlitz des +Todten zu setzen. Wenn eine Fliege kam, scheuchte sie sie sacht hinweg mit +ihrem blühenden Zweig, ohne sie zu tödten, dass sie aufflog und summend +gegen das Fenster stiess. Sie hatte Wiesenblumen gepflückt, ganze +Armladungen voll, und sie zu beiden Seiten des Bettes geschichtet. Wie auf +einem lichten Frühlingsanger lag der Todte, weil er jung war, +wohlgewachsen und schön vor andern Jünglingen. + +Martha schalt über das unnöthige Heu, das die Kühe fressen könnten. Sie +fand, dass die Schwester ihr helfen sollte in der Wirthschaft und bei der +Bedienung der Gäste. Aber Maria blieb sitzen bei dem Todten. Sie hatte +ihren Zweig in der Hand und scheuchte sacht die Fliegen, während sie vor +sich hinsang. + +Diese Maria hatte die Gabe der Lieder. Im Hause war sie nicht so geschickt +wie Martha, von weniger flinken Fingern, so dass jene oft schalt und ihr +Vorwürfe machte. Sie konnte auch nicht ansehen, dass man Thiere und Vögel +schlachtete, wie Martha es that, trefflich davon zu kochen verstand. +Manchmal hatte sie der Schwester die blinkenden Fische wieder aus dem Netz +genommen und heimlich zurückgetragen in’s Wasser. Martha hatte gezankt, +ihre Hand geschlagen. Sie fand, dass sie unnütz war und träge in der +Arbeit. Obgleich sie sehr schön war, höchst lieblich anzusehen, fragte sie +nicht nach den jungen Leuten im Dorf, die zwar gekommen wären, unter ihren +Fenstern von Liebe zu schwätzen, auch wohl ihre Armuth übersehen hätten um +ihrer grossen Schönheit willen. Ihre Schönheit war wie die einer Königin, +nicht eines Bauernmädchens. Wenn sie durch das Dorf zum Brunnen ging, +liefen die Kinder ihr nach, die Kühe kamen mit breiten, weissen Stirnen, +sich streicheln zu lassen von ihr, zu saufen aus ihrem Eimer. Man sagte, +dass in ihrer Hand Heilkraft wäre, die Pflanzen, die sie eingesetzt hatte, +schlugen an und blühten. Ihre Lieder schläferten ein trotziges Kind ein. +Das wilde Blut wurde ruhig. Man vergass die Sorgen des Lebens, wurde +einfach, Lilien auf dem Felde, die blühen in ihrer stillen Pracht, und +kleine Vöglein, die zwitschernd flogen ohne Sorge und Noth. + +Sie sass und störte mit ihrem Zweig die Fliegen. Sie sang leise. Sie war +gar nicht traurig. Ihr schönes Gesicht blieb ruhig wie zuvor. Sie weinte +auch nicht; man sah keine Unordnung in ihrem Haar oder Kleid. Keine +Herdröthe lag auf ihren Backen, wie bei Martha, die fliegend stob, +scheltend, zählend, weinend wieder zwischendurch über den Bruder, der +fehlte, die Sorge, die in den Haushalt gekommen dadurch. Besonders +beklagte sie sich, dass Er, der sein Freund war, nicht dagewesen war bei +Zeiten. Er hätte ihm ein Heilmittel geben können, wenigstens doch Trost +spenden an seinem Bett, eine Hülfe sein den geplagten Frauen. + +Es kamen immer mehr Menschen, denn die Zeit des Begräbnisses war nahe. +Alle assen und tranken. Es war eine grosse Unordnung. Man hörte das Klagen +der alten Frauen, die die Tugenden des Todten aufzählten, die Kinder +spielten und trieben allerlei Schabernack. In den Ställen brüllte das +Vieh, das man vergessen hatte über dem Trubel, vor seinen Krippen. + +Mitten hinein da trat der Fremde. Martha stürzte sich sofort auf ihn und +erzählte die näheren Einzelheiten von der Krankheit und dem Tod. Die alte +Mutter erhob ihre Stimme sehr hoch in Schluchzen. Alle sahen ihn an und +drängten sich um ihn, denn sie wussten, dass der Verstorbne ihm sehr lieb +gewesen war. Sie wunderten sich, was er thun würde. Einige dachten auch, +er hätte ihm helfen können: Was ist an ihm, so er nicht mal diesen retten +konnte, den er lieb hatte? Die Andern glaubten beinah an ein Wunder: Jetzt +ist die Gelegenheit für ihn. Wir müssen sehen, was er thut. Sie waren ganz +bereit zu glauben, wenn er den Todten erweckte, obgleich sie natürlich +nicht zugaben, dass so etwas möglich wäre. Es war eine Aufregung in der +ganzen Gesellschaft und Alle sahen auf ihn. + +Er sprach: „Führt mich zu ihm!“ + +Martha führte ihn in den Verschlag. Alle drängten nach durch die niedrige +Thür. Aber er hiess sie die Thüre schliessen. + +So schloss sie die Thür. Draussen warteten die Andern. Nur die alte Frau +fuhr fort laut zu wehklagen, ihre Tage zu verfluchen, dass sie lieber ihm +nachfahren wollte in die Grube, der ihr Leben gewesen, der Trost ihres +hülflosen Alters. + +Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte sich die Vorhänge fortzuziehen: +„Sieh ihn Dir genau an und merke die Zeichen des Uebels, an dem er +gestorben ist.“ Sie beschrieb sie genau. „Nun ist es zu spät. Wenn Du bei +Zeiten gekommen wärst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist es auch nicht +zu spät? Du weisst sehr Vieles, und es ist Dir Macht gegeben über Kunst +der gewöhnlichen Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!“ + +Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte in ihrem Herzen: „Wenn es doch +möglich wäre? Warum sollte es ganz unmöglich sein?“ + +Er sprach: „Lass mich allein mit ihm.“ + +So ging sie hinaus und schloss die Thür hinter sich. + +Es war Niemand im Zimmer, denn er und Maria. Und die Leiche zwischen +ihnen, von der sie die Fliegen wehrte mit ihrem blühenden Zweig. Denn sie +hatten ihn viele Tage liegen lassen um des Fremden willen. Der Leichnam +fing schon an sich zu zersetzen. Ein Geruch der Fäulniss war mit im Zimmer +zwischen dem frischen, kühlen der Blumen, die Maria gesammelt hatte. + +Er war an das Lager getreten und sah den Todten an. + +„Er ist nicht todt,“ sagte er. + +„Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schläft blos,“ sagte Maria. Sie +fuhr fort den Fliegen zu wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, +sang sie, von der Spreu im Winde: + +„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem +Felde. + +„Wenn der Wind darüber geht, ist sie nimmer da und ihre Stätte kennt sie +nicht mehr. + +„Sie gehen daher wie ein Schemen und machen sich viel vergebliche Unruhe. + +„Sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. + +„Wie ein Traum vergehet, so wird er auch nicht gefunden werden und wie ein +Gesicht in der Nacht verschwindet. + +„Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hochkommt, so sind es +achtzig Jahr, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit +gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“ + +Nicht traurig klang es. Nur weich und sehr leise. + +„Er ist nicht todt und er hat nicht gelebt,“ sagte der Fremde. „Er wurde +nur geboren und nun ist er gestorben.“ + +„Ich weiss, dass er nicht todt ist und nicht gelebt hat,“ sagte Maria. +„Was lebt, ist unsterblich. Das Unsterbliche kann niemals sterben.“ + +„Niemals,“ sagte der Fremde. + +„Vielleicht ist er auf einem andern Stern jetzt,“ sagte Maria. „Vielleicht +ist er etwas sehr Hohes und Herrliches. Vielleicht ein Fliegeneichen. Und +der Wind führt es fort. Oder Gräser wachsen aus ihm, die blühen und Samen +tragen.“ Sie lächelte und scheuchte die Fliegen. Die Sonne stand schon +niedrig. Ein breiter Lichtbalken vom Fenster her zog sich quer durch die +Stube. Hunderte von glitzernden Stäubchen tanzten und webten. Sie stiessen +sich und kreisten. + +„Vielleicht,“ sagte der Fremde. „Nur er ist nicht todt.“ + +„Er ist nicht todt. Sie denken es blos. Sie sind thöricht.“ + +„Und blind. Sie sehen nicht.“ + +„Sie sehen nicht, weil sie hochmüthig sind und Scheuklappen vor ihre Augen +binden, um nicht zu sehen. Alles ist schön. Alles singt. Alles lebt.“ + +Und fröhlich sang sie in den Tag, der sich neigte: „Sie denken, dass die +Sonne untergeht. Sie geht nur weiter. Sie sehen sie nicht. Es wird Nacht. +Nach der Nacht kommt der Morgen. Ach, die Menschen sind ungeduldig und +unverständig! Wie kleine Kinder sind sie, die weinen, wenn es dunkel wird. +Still ist die Nacht. Lieblich und gütig.“ + +– „Möchtest Du den wecken, der schläft? Er schläft sanft und seine Lippen +lächeln. Möchtest Du purpurn haben, was weiss ist? Zuckend und fiebrig, +was so still ward? Fühle, wie still es ist.“ + +Sie entfernte mit ihrer Hand das Hemd des Todten und legte ihre Hand auf +sein Herz. „Es schlägt nicht mehr. Hört darum der Ocean auf, seine Wellen +zu wälzen? Stört es etwas im Wechsel von Tag und Nacht, vom Sommer zum +Winter? Arme Menschen! Wie ihre Herzen winzig klein sind! Und Froschherzen +sind noch kleiner. Aber eine Fliege hat auch ein Herz. In ihren Adern +fliesst Blut. Kleine Menschen, kleine Fliegen- und Froschmenschen! Wie sie +klein sind!“ + +„Deine Mutter weint.“ + +„Ich habe eine Blume gepflückt und der Stengel blutete. Das ganze +Würzelchen starb. Sie muss nun sterben. Sieh, wie die Blätter hängen! Wie +sie traurig ist!“ + +„Man könnte sie wieder einpflanzen.“ + +„Wozu? Es giebt so viele Blumen. Sie wird Staub werden, eine schönere +Blume vielleicht. Vielleicht wird sie eine Königin. Sie möchte gar nicht +wieder eine arme, kleine Blume sein.“ + +„Die draussen verstehen es nicht.“ + +„Die verstehen es nicht. Sie sind ungeduldig, dumme, kleine Kinder.“ + +„Und unglücklich.“ + +„Unglück ist Ungeduld und Eigensinn. Es giebt keine Gefahr, wenn Du auf +dem Wasser liegst und Dich treiben lässt. Es trägt Dich mit sich. _Gegen_ +die Fluth bist Du ohnmächtig. Sie verschlingt Dich. – Du kannst die Augen +schliessen und die Arme falten. So leicht – leicht schwimmt es sich! – +_Er_ schwimmt jetzt. Er tobt nicht mehr. Er ist nicht todt und ich lebe +nicht. Es ist Alles Eins – Alles ...“ + +Die Abenddämmerung war in’s Zimmer gekrochen. Alles löste sich auf, schien +zu schwimmen, emporgetragen zu werden. + +„Schatten! Schatten! ... Wenn Du aus der Ferne viele Stimmen hörst, ist es +Alles nur ein Ton. Wir sind zu nah. Nicht ein Gedanke, der gedacht worden +ist, verschwindet. Was in den Schooss der Zeiten gesenkt war, trägt Frucht +und blüht in den Zeiten ewiglich. Das Leben der Zeiten ist die Ewigkeit. +Und alles Lebens Leben ist Gott.“ + +Da legte er die Hand auf die Stirn des Todten. Er sprach: „Leb wohl! Ich +sehe Dich jetzt nicht. Aber ich werde Dich sehen. Du bist nicht todt. Das +Leben ist in Dir nicht todt. Was Du mir davon gegeben hast, trage ich in +mir. Und diese Alle tragen etwas. Das Andre liegt gehütet wie ein +kostbarer Schatz. – Den Winden – der Erde – dem Wasser“ – er schlug die +Zeichen durch die Luft. – „Gott, der des Lebens Ursprung ist, von dem es +fliesst und zurück fliesst. – Komm jetzt, dass wir ihn rasch begraben und +ein Ende machen.“ + +So gingen sie Beide hinaus, Maria und er, schlossen die Thür hinter sich, +da der Todte lag. Es war dunkel bei dem Todten. Man merkte jetzt deutlich +den Geruch der Verwesung, in dem der welkenden Blumen, etwas von Blut, +Fleischfaser und schlechten, geringen Stoffen. Schlaff, mit geschlossnen +Kelchen hingen die Blüthen. Die Fliegen schwirrten. + +Die Andern, da sie diese Beiden so ruhig sahen, meinten sie, es wäre ein +Wunder geschehen, dass der Todte lebte. Sie drängten nach in die Thür und +Martha rief mit lauter Stimme ihren Bruder: „Du – Du – sage ob Du lebst?“ + +Aber Maria sagte: „Lass ihn. Er ist nicht todt. Doch wir müssen ihn +begraben, denn es ist Abend und die Leiche fängt schon an stinkend zu +werden. Es wäre uns schädlich, ungesund, zum Schlafen in der Kammer.“ + +Martha sprach: „Wie sollen wir ihn begraben, so er doch nicht todt ist?“ + +Sie sah den Fremden hart an, weil sie ihm zürnte, dass er ihren Bruder +nicht erweckt hatte, wie er wohl konnte nach ihrem Glauben. Sie mussten +Noth leiden forthin. Ihre Mutter würde ohne Stütze sein für ihr Alter. Er +aber lächelte nur, winkte mit der Hand und ging hinweg ohne ein Wort. + +Dies nahmen Viele ihm übel, Martha und die Frauen, die Neugierigen, die +auf ein Zeichen gewartet hatten. + +Maria aber war nicht traurig. Sie sang und schritt leicht dahin. Wenn man +sie fragte, ob sie nicht Leid trüge um ihren Bruder, sagte sie: „Ich warte +auf ihn. Ich weiss, dass er nicht todt ist. Ich werde ihn sehen. Es ist in +sehr kurzer Zeit vorüber – Alles. Ich bin eilig, die Blume zu fassen, +meine Pflanzen zu wässern, dass sie wachsen.“ + +Einige sagten: Es ist Gleichgültigkeit, Andre: Grösse. Aber es war nichts +von Beiden. Sie wusste nur und sie fand, dass die Tage zu kurz sind zum +Weinen. + +Denn die Nacht kommt schnell herbei, da Niemand schaffen kann. + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +Nun war aber in dieser Gegend eine Jungfrau, die nie ein Mann berührt +hatte. + +So rein war diese Jungfrau, dass nicht ein unkeuscher Gedanke oder Abdruck +ihr Gehirn kreuzte. Selbst in ihre unbewussten Träume kam eine solche +Vorstellung nicht, eine Hitze oder Beunruhigung. Sie hätte nackt vor +Männern hergehen können, ohne dass sie sich geschämt hätte. Man würde vor +ihren Augen alle Wollust und Sündhaftigkeit der Welt ausbreiten können, +dass ihre Augen nichts gesehen hätten, die Röthe wäre in ihre weissen +Wangen nicht gestiegen. Denn sie war rein in sich und crystallen wie +klares Wasser, der Spiegel des Bergsees, in den nie eines Menschen Auge +geblickt, nur der Himmel in seiner Bläue über den Wolken, keusch wie die +königliche Lilienblüthe, die sich erschliesst in der Nacht, in hundert +Jahren ein Mal, weil die Brunst der Sonne sie beleidigen könnte, Unreines, +das stäubt und fliegt im Tage. + +Dieser Jungfrau, so Einer mit schlechten oder unzüchtigen Gedanken ihr nur +nahte, musste er sein Antlitz verhüllen und fliehen wie vom Blitz +getroffen. Die andern Frauen mochten nicht in ihrer Nähe aushalten mit +ihren bösen Zungen, täglichem Geklatsch von Heimlichkeit und Wollust. Nur +die kleinen Kinder gingen gern an ihrer Hand und mochten in ihre Augen +sehen, die gleich klaren Sternen waren in der Winternacht, wenn unten der +Boden weiss friert. Es war ein armer Blödsinniger und Taubstummer, der mit +ihr in ihrem Garten wohnte, ihr Dienstleistungen that, denn so furchtbar +und streng war die Reinheit dieser Jungfrau, dass sie den Augen wehthat +wie Sonnengefunkel im Mittag, bläuliches Gletschereis, wenn sie auf der +Strasse ging, die Menschen und Vorübergehenden zur Seite schlichen wie +scheue, geprügelte Hunde oder Wölfe. Es war, als ob sie nur Thiere waren +gegen sie. Und wenn sie grosse Herren und Fürsten hiessen, vor dem edlen +Antlitz dieser Jungfrau wurden sie klein und unfrei. + +Es gab Leute, vornehme Herren und Lüstlinge, in derselben Stadt, die sich +in ihr Haus geschlichen hatten in der Nacht. Und sie hatten diese Jungfrau +nackt gesehen, wie sie sich wusch. Der Strahl ihrer Nacktheit war in ihre +Augen gedrungen wie Schwerter, dass sie laut aufschrieen, heulend +hinausstürzten wie Trunkene von zu starkem Wein oder die Tollheit +verwirrt. Und hatten Einer den Andern erwürgt in ihrer schäumenden +Tollheit. Und Einen hatte der Blöde gepackt und er hatte ihm das Haupt +aufgeschlagen auf den Stein, dass das Gehirn weit über die Strasse +spritzte. Und Alle fanden, dass es die gerechte Strafe war für ihre +Unreinheit, diese Jungfrau stärker war in ihrer Nacktheit wie ein starker +Mann in siebenfacher Rüstung. + +Alle Lüge und Verläumdung prallte von ihr ab wie Hagelschlag am Felsen. Es +ging die Sage, dass ein Gerichteter gestorben war von dem Strahl ihres +Auges, der die Wahrheit erkannte, mehr denn von dem Spruch des Richters, +der ihn verdammte. + +Aber die Armen hatten keine Furcht vor dieser Jungfrau. Auch nicht die +verachteten, gemiedenen Frauen und Mädchen des Orts, die unrein und +hässlich geworden waren an Leib und Seele. Denn die Klarheit dieser Einen +deckte sie Alle wie ein weisser, herrlicher Mantel, und war keine so +elend, mit Aussatz befleckt, dass nichts von dieser Glorie auf sie +gefallen wäre. Sie wussten, dass sie die Königin der Frauen war und +priesen die Kunst in der Güte, die ein solches Wunder geschaffen, herrlich +und unantastbar gemacht hatte vor allen Frauen und Männern. + +Man nannte sie nur die weisse Jungfrau. Es ging die Sage, dass, wenn sie +schlief, die Seraphim um ihr Lager standen mit gezückten Schwertern, dass +es aussah, als läge sie auf blauen, züngelnden Flammen des Eises. Nur ein +Mann, der gut und keusch und edel war wie sie, konnte sie lösen und +heimführen als ihr Gemahl. + +Und Viele hatten es versucht sie zu lösen, die edelsten Jünglinge aus +aller Herren Ländern, die Stärksten und die Schönsten. Und Alle waren +schamroth und betrübt weggegangen vor dem klaren Blick ihrer Augen, der +keine Lüge und keinen Fleck zuliess, sie durchsah durch kunstvolle +Verstrickung und Verschönung, bis wo die Unreinheit sass in ihrer Seele, +die Blumen ihrer Schönheit selbst wuchsen aus dem Sumpf ihrer +Unkeuschheit. Und war nicht Einer, der bestand vor ihr, so Viele gekommen +waren und gesungen hatten und gesprochen und sich gesehnt. + +So sagte man, dass sie niemals einen Mann haben würde, es bestimmt war von +Gott, dass sie als Jungfrau hingehen sollte, weil sie zu edel war, um +berührt zu werden mit unreinen Händen, zu klug für die Klugheit der Lüge +und Arglist. + +Und sie selber freute sich, dass es so war. Niemals wünschte oder fragte +sie wie andre Mädchen und schlief auf ihrem Lager mit den zehn Seraphim, +die um ihr Bett standen als strahlende Wächter, bis der Morgen kam, klar +wie ihr Erwachen, die junge Sonne grüsste die weisse Jungfrau. + +Zu dieser nun geschah eine Stimme mitten in der Nacht: „Erhebe Dich und +wache auf, denn der Bräutigam ist gekommen!“ + +Worauf sie stracks sich erhob wie sie war aus ihrem Schlaf und in ihrer +Nacktheit. Und wusch ihren Leib und badete ihn rein in crystallenem Wasser +des Regens, in Tropfen aus Maiwolken, die nie die Erde berührt und +vielfach gefiltert in thönernen Krügen. Oder Wasser, vom Schnee +geschmolzen, wenn er jungfräulich ist, zu oberst ruht am Morgen, da noch +kein Fuss getreten. Und wusch sich wohl und salbte sich mit köstlichen +Salben, von Knospen der Rosen, welche noch nicht das Licht gesehen hatten, +die sie gesammelt hatte in ihrer Knospe, und ersten Blumen des Frühlings, +wenn die Sonne noch nicht heiss genug ist, die unter dem Schnee blühen und +lieblicher duften denn andre. + +Und nahm ihr weisses Gewand. Das war gewebt ohne Stich und Naht aus der +allerfeinsten Seide, mit Lilien gestickt und gewirkt in silbernen Fäden. +Alle Lilien standen weit offen mit prangenden Kelchen. Die Fäden +verschlangen sich zwischen ihnen im kunstvollen Rhythmus, einer +wunderbaren Weise der Lilien, die sie sangen. Kleiner wurden sie gegen den +Saum in gereihten Ketten. Aber unter der Brust war nur noch eine Lilie, +die Königin der Lilien, mit gebreiteten Schwertblättern, die zitterten, +schwollen in der Last, die auf ihnen lag. Nur Jungfrauen waren die +Spinnerinnen gewesen, die es gewebt und gesponnen. Und man sagte, wenn +eine Jungfrau, die nicht mehr rein war, die Hand anlegte an dieses Gewand, +dass die Fäden blutroth wurden in ihren Fingern, und liefen aus ihren +Fingern wie Schlangen, wollten sich nicht halten und fassen lassen von +ihr. + +Dieses nahm sie, legte es an und gürtete sich hoch unter den Brüsten mit +goldnem Gürtel. Edel war das Gold dieses Gürtels, aus einem Stücke +geschmiedet, das nie zuvor zu anderem Schmuck geschmiedet gewesen. Ein +ritterlicher Jüngling in seiner Klostereinsamkeit hatte diesen Gürtel +geschmiedet. Er zeigte alle heiligen Frauen der Welt, die sich darauf die +Hände gaben. Und waren Diana, die Göttin, Jephta’s liebliche Tochter, die +griechische Iphigenia und Antigone, und die edle Römerin Clölia in +derselben Linie mit den Märtyrerinnen und Heiligen. So legte eine ihre +Hand auf die Schulter der Andern. Alle sahen nach derselben Richtung, als +ob von da der Bräutigam käme, und bildeten einen Ring durch die Zeiten, +von den ältesten bis zu den letzten, Jegliche eine Jungfrau und Fürstin, +aus jungfräulichem Golde von diesem untadeligen Jüngling zu edelstem +Brautschmuck verbunden. Welcher, als man ihn auf solchen vermeintlichen +Fehler als heidnischen Irrthum aufmerksam machte, nur lächelte, sagte: +„Die Keuschheit ist eine besondere Tugend. Diese führt auf dem geradesten +Weg zum Himmel. So ist eine reine Jungfrau in sich selbst aller Engel +Schwester. Diese Verehrung ist allen Völkern gemeinsam. – Vom +Jungfrauensohn ist das Heil gekommen. Solche stehen immerdar am nächsten +im Licht, hundertvierundvierzigtausend, die sich der Herr selbst erwählt +aus Zion.“ So sprach dieser edle Jüngling, erstaunte Alle und Niemand +vermochte ihm zu antworten. – Das Schloss aber des Gürtels stellte die +Schlangen dar, wie sie sich aufrichteten mit züngelnden Häuptern. War also +in ihm geheimnissvoll und symbolisch der Fall und die Erlösung verwoben, +wie von dem Weibe und seiner Kraft Beides kommt, Heil und Verführung. + +Und sie nahm Spangen von Perlen, die nie das Licht gesehen haben und +schloss sie um ihre Arme. Diese Perlen sind edler als alles Gestein, aus +dem Wasser gewoben, das eher war denn die Erde, und das höhere Element +ist, denn es dient nicht wie jene den Menschen. So zart sind sie, dass ihr +Schein wechselt mit der Laune und Stimmung des, der sie trägt, und wo ein +Kranker sie um seinen Hals legt, werden sie trübe und schrumpfen ein wie +die Haut unter ihnen. Silberne Sohlen band sie unter ihre Füsse und +strählte ihr Haar und flocht ihre Zöpfe mit purpurner Binde. Denn ihr Haar +war prachtvoll wie ein goldner Mantel, der sie bis in die Knie umwallte, +jeder einzelne Faden fein und gerundet wie aus gesponnener Sonne. Wenn sie +zusammenfielen, war keine Mähne der rothen Löwin so voll. Sie wogen +schwerer in der Hand wie Erntelast des vielkörnigen Weizens. + +Ihre Brauen waren wie Bögen der Nacht, darunter die lichte Sonne sich +verbirgt. Ihre Wimpern standen in Strahlen. In der geraden Linie ihrer +Nase mit athmenden Nüstern war Stärke und Feuer. Der Hauch von ihren +Lippen ging wie von einem Blumenbeet, süsser denn Honig. + +Es gab keine schönere Jungfrau weit und breit im Lande. Und keine +untadligere, von edlerem Geschlecht, obgleich sie arm war und Haus hielt +für sich allein mit dem stummen Diener. + +Zu diesem trat sie, mit der Leuchte in ihrer Hand, im Brautschmuck wie sie +war. Und sprach: „Rege Dich und öffne die Thore! Der Bräutigam ist +gekommen.“ + +So gross aber war das Licht ihrer Schönheit diesem blöden Auge selbst, +dass die Leuchte in ihrer Hand davon erstarb, ihn dünkte, als ob es ganz +dunkel war, ohne sie, die strahlte herrlicher denn der Tag, der junge Mond +selbst im Viertel seiner Geburt. + +So stand dieser auf, schlug die Thore auseinander, die doppelt geschlossen +waren, mit Riegeln versehen wegen der Bescheidenheit dieser Jungfrau, weil +sie allein lebte, eine ledige Magd, in einer grossen und gottlosen Stadt. + +Alsbald hielt da draussen vor dem Thor ein herrlicher Prinz auf einem +weissen Pferde. Alle seine Diener hinter ihm hatten weisse Pferde und +silberne Helme, von denen das Licht lief in weissen, bläulichen Strahlen +gleich denen des Wintermonds, wenn er in seiner Vollendung ist. + +Der Prinz war mit einem weissen Leibrock angethan und hatte ein goldnes +Schwert an seiner Seite und sein Helm war von Gold. Die Schabracke, darauf +er sass, war purpurn. Ein scharlachnes Stirnband gürtete sein Pferd +zwischen den Ohren. Lichte Locken fielen zu beiden Seiten auf seine +Schultern herab. So strahlend war der Glanz seines Auges, dass dieser arme +Knecht in die Kniee sank und mit gehobnen Armen flehte. Er dachte, sein +letztes Stündlein wäre gekommen, und er könnte nicht ertragen so viel +Klarheit und übergrosse Herrlichkeit. + +Worauf der Andre: „Fürchte Dich nicht! Lass mich ein und heisse mein Braut +den Tisch legen für mich und sie. Ich bin gekommen, heut’ Hochzeit hier zu +halten.“ + +Dies sagte er aber mit seltsam lieblicher Stimme, die wie reines Silber +klang. Alle Glöckchen der Pferde läuteten dazu. Seine Diener schlugen an +ihre Schwerter und riefen: „Heil!“ + +Dieser arme Knecht schwur später, dass in solchem Augenblick der Himmel +über ihren Häuptern offen gewesen und eine Taube von oben aus der Klarheit +herabgekommen wäre, die trug einen goldnen Ring in ihrem Schnabel. – Denn +das Merkwürdige war, dass er sprechen konnte seit dieser Nacht und immer +nachher. Und war in seinem Kopf wie andre Menschen, nur dass er schwur zu +seinem Eide, den Prinzen gesehen zu haben, was ihm die andern Leute nicht +glaubten, für eine Blendung seines armseligen Gehirns hielten. + +So ritten Alle diese durch das Thor. So Viele ihrer waren, schien es +dennoch wunderbar, dass der Hof sie doch fassen konnte. Und der arme +Knecht schloss die Thore hinter ihnen und schob die Riegel vor. + +Was sich nun begab, wusste er nicht mehr, denn er folgte dem Prinzen nicht +in das Gemach, der ihm gebot: „Folge mir nicht!“ Aber durch eine Luke im +untersten Keller, wohin er sich vor Angst geflüchtet und doch zitternd +wieder auslugte, sah er, dass alle Ritter von ihren Pferden abgestiegen +waren. Und sie standen um das Haus mit gezognen Schwertern, die glänzten +blau wie Diamantlicht des Mondes. Und war so eine Kette von Schwertern um +das Haus, dass es stand gleich einer Burg in uneinnehmbarer Klarheit. + +Drinnen aber in ihrem vertrauten Gemach hatte die Jungfrau den Tisch +gelegt. Sie nahm ein weisses Tuch von feinstem Damast, das in der Truhe +gelegen hatte mehr denn hundert Jahre. Es war nur weisser und feiner +geworden von den Jahren. Man sagte sich, dass zwölf Spinnerinnen daran +gewebt zwölf Jahre. Alle untadelige Jungfrauen, die der Welt entsagt, den +Faden zogen in stiller Klosterzelle. Danach hatten sie den Flachs auf dem +Rasen gebleicht, wenn die Märzsonne schien, – diese ist die früheste unter +den Sonnen, nicht geil wie die des Sommers, oder blutig vom Herbststerben +– es selbst gewebt mit ihren Händen, ohne Eisen und Maschine, weil +menschliche Hände feiner sind und getreuer. Und Muster hineingezeichnet +von ihren Gedanken, des Weibes Lust und Glorie. Die Aeltermutter Eva im +ersten Bilde, wie sie den Apfel reicht. Aber auch als Mutter, mit ihren +gesegneten Brüsten es nährend, das die Verheissung birgt, – die +Lebensgebärerin. Rebekka am Brunnen, Rahel, die Vielgeliebte, +frühgestorben, Mirjam, Deborah, begeisterte Prophetinnen, Judith und Jael, +Heroinen, Ruth, die Aehrenleserin, Esther – aber auch sie, die die Raben +scheuchte, die diese frommen und einfältigen Seelen würdig gehalten des +ruhmvollen Reigens, – zwischen den Sieben die Mutter der Makkabäer, die +Wölfin Juda’s, Elisabeth, auch eine Mutter, Johannes’ des Täufers, Hannah, +die Greisin, vorahnend die Morgenschöne. Endlich die Lieblichste von +Allen, die Erfüllung, wie um die volle Rose der Kranz sich schliesst, +Maria, die Königin, unter den Weibern Gebenedeite, an der Brust das +Kindlein, dass von Ihm alle Strahlen ausgingen, die Andern berührten. +Gleichsam als wären diese Bilder von Kraft und Unschuld nur ein Strahl der +Tugenden, die sich in ihr wie in der Sonne vereinigten. + +Dies Tuch breitete sie sorgsam, die Falten glättend, sich freuend am +Silberglanz des Linnens und der Kunst der Bilder. Darauf nahm sie ein +güldnes Gefäss aus reinstem Gold, das nie zuvor zu andrem gedient hatte. +Dadrin war in kunstvoller Prägung zu sehen, wie Abraham den Besuch der +Engel empfängt. Rechts hebt er freudig preisend die Hände, ihnen +entgegenzueilen. Links sieht man schon rüstige Mägde das Federvieh rupfen, +wie sie die Butter stampfen im Troge, während Sarah hinter der Thür +verborgen steht, die Verheissung zu erlauschen, der kleine Ismael arglos +mit kindlichem Spielzeug sich tummelt. – Dieses füllte sie mit funkelndem, +edelstem Wein, der achtzig Jahre gelegen hatte und mehr. Nur wenige +Flaschen waren von diesem Wein zuerst gezogen worden, gleichsam seine +Seele. Ein Kaufmann hatte ihn mitgebracht von weit her. Er zeigte in +seiner Mischung Feuer des Blutes und Rosinfarbe von der Sonne. Süss war +dieser Wein und stärker wie Stierblut in seiner Süsse. + +Danach nahm sie eine Schale von Silber, mit silbernen Henkeln und Kette. +Eine ländliche Ernte auf dem Felde war darauf abgebildet, wie hier schon +die Wagen hochbepackt fortfahren, Schnitter und Schnitterinnen Garben +bindend, alte Leute und Kinder die Aehren nachlesen. Aber auf den Stoppeln +tanzen schon lustige Mägde und Burschen. Sie legte das Brot hinein, +köstliches, feines Brot, das sie selbst mit ihren Händen gebacken. Keine +Maschine hatte daran mit geschaffen. Das Korn war gerieben worden zwischen +den Steinen. Es gab kein edleres Brot. + +Sie hielt es verschlossen in einem kunstvollen Schrein, weil sie dachte: +„Ich weiss nicht, wann der Bräutigam kommt. Ich muss bereit sein zu der +Zeit.“ + +Solches stellte sie auf den Tisch, zündete die Lampen an, die zu beiden +Seiten standen, gefüllt mit Oel, und feine Kerzen vom reinsten Wachs, die +dufteten wie sie tropften. Die Leuchter waren von edlen Metallen und +trugen Köpfe der heiligen Thiere, Adler, Löwen und verschlungne Leiber der +Schlangen. + +Und sie nahm einen Teppich von purpurfarbner Seide, der im Schrank +gelegen, auf dem nie die Sonne geruht und keines Menschen Fuss hatte ihn +je betreten. Diesen breitete sie aus von der Thür zum Sessel. Der Sessel +aber war aus geschnitztem Ebenholz. Die Schilder des Thierkreises +wechselten sich dort mit den vier Hörnern des Mondes. Die Seitenlehnen +waren Aronsstäbe und auf vier Klauen ruhten die Füsse wie auf +Widderklauen. + +Und öffnete die Thüre weit und neigte sich bis zur Erde und berührte den +Fussboden mit ihrer Stirn. Und sprach: „So es Dir recht ist, Deiner Seele +gefällt, dass Du essen willst jetzt, Alles ist bereitet, mein süsser +Herr!“ + +Darauf ging der Prinz ein in die Kammer und setzte sich auf den +geschnitzten Sitz am Tisch. + +Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe ab. Und brachte ein Gefäss +mit Wasser. Und rieb seine Füsse mit Wasser. Und salbte sie mit duftender +Salbe und trocknete sie in Linnen. Und setzte sich da zu seinen Füssen und +sah ihn an. + +Sprach er: „Warum kniest Du vor mir?“ + +Sie sprach: „Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster Herr! Lass mich +knieen so und Dir dienen allezeit.“ + +Er sprach: „Kennst Du mich?“ + +Sie sprach: „Bist Du nicht der kommen soll? Ich kenne Dich wohl, denn Du +bist meiner Seele holdseligster Bräutigam. Ich habe nie einen andern Mann +gesehen, noch im Traume eines Zweiten gedacht. Die Thür meiner Kammer +blieb verschlossen. Niemand sah das Geheimniss meines Hauses bis heute.“ + +Nun sagte er: „So Du nicht weisst, was Liebe ist, wie kannst Du mich +lieben?“ + +Sie sprach: „Ich liebe Dich mehr als mein Leben. Ich liebe Dich mehr als +die Freiheit und den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner +Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich würde meine Füsse in Flammen setzen, +um Dir zu folgen, meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende +Faulheit des Sumpfes.“ + +Er sprach: „Da Du so tapfer bist, weisst Du, dass Du sterben musst? Denn +die mich freien, werben um den Tod. Ihr Weg geht über Dornen. Glühende +Nägel müssen in ihre Hände eindringen; ihre Seiten werden sich öffnen und +bluten. Sieben Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden Dein +Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, in Deinem innersten Herzen +haften wie fressendes Feuer.“ + +Sie aber schlug ihr weisses Gewand auf und wies ihre junge Brust, die +weisser war wie die Seide des Kleides, unter der das Leben klopfte in +hohen geduldigen Wogen. Und sie sprach: „Stich zu!“ + +Er sprach: „Du bist sehr schön. Schönheit ist der Stolz und die Gnade des +Weibes, und macht sie zur Freude des Mannes, seiner Augenweide, dass er +sein Leben lieber lässt denn die Süsse ihres Leibes. Um Schönheit wird ein +Weib geliebt. Die Liebe des Mannes haftet an der Lieblichkeit, den Formen +und der Feinheit der Glieder. – Gieb mir Deine Schönheit.“ + +Flugs legte sie nun ihr königliches Gewand ab. Sie nahm die Spangen von +ihren Armen, die Perlen, die an ihrem Hals hingen, die purpurne Stirnbinde +that sie zur Seite. Und nahm eine scharfe Scheere und schnitt ihr goldnes +Haar ab, wo es am dichtesten war hart im Nacken. Und Alles legte sie +zusammen und vor ihn hin, dass sie nun vor ihm stand im Untergewand, und +ihre Arme und Hände waren unbedeckt. Sie fror in ihrem dünnen Linnen. Dies +Alles that sie in der grössten Freude, mit den herzlichsten und +zärtlichsten Liebesworten. + +Er aber seufzte und sprach: „Kummer wird über Dich kommen, Krankheit, +Verfolgung, Nachtwachen. Deine Augen werden blind werden vom Weinen, Deine +Wangen einfallen von der Sorge und täglichem Mühsal des Daseins. Du bist +sehr lieblich und jung. Du wirst hässlich sein und unansehnlich. Ein Spott +denen, die Dich priesen.“ + +Sie sprach: „Ich bin gerne so, so Du mich siehst, ich Dir nur wohlgefalle, +der mein erwählter Herr ist und lindester Gebieter.“ + +Er sprach: „Ich bin arm gewesen und hatte kein Lager für mein Haupt des +Abends. Meine Nahrung fand ich von den Feldern, was wild wuchs, karge +Barmherzigkeit gab. Du musst arm sein, ohne Frieden und Heimath wie ich.“ + +Sie sprach: „Gleich heute will ich fortgehen, die Thür verschliessen und +mein Haus zumachen, es nicht wiedersehen, wo ich still lebte und +glücklich. Meine Habe soll den Armen gehören. Ich nehme nichts denn einen +Stab, Brot für morgen, diesen Schleier um mein Haupt, dass ich nicht zum +Gespött der Gassenjungen werde, sie sagen: ‚Es ziemt sich nicht einem +Weib, in Freiheit zu laufen.‘ So ich doch Deine verlobte Braut bin und +eines grössten Königs Geehrte.“ + +Da seufzte er noch tiefer, sprach: „Gerade schleierlos musst Du gehen und +unverhüllt, nackt und in Blösse. Ich brauche Deine Scham, wie ich Dein +Leben brauche, weil sie einer Jungfrau theurer ist wie ihr Leben, sie es +zehnfach lassen würde um ihre Scham. – So gieb mir denn, was ich von Dir +heische.“ + +Da ward sie roth über und über, röther wie die Purpurrose, die zuerst der +Sonne sich öffnet. Es war, als ob Flammen überall aus ihrem Leibe schlugen +und um sie brannten. Sie konnte die Augen nicht aufheben, denn ihre Lider +waren schwer von Scham. Vom Scheitel bis zur äussersten Spitze ihres +Fusses fühlte sie die lohenden Fluthen der Scham. Und sie stand zitternd +mit knickenden Gliedern. Sie sprach leise: „Hier, Herr! Nimm mich.“ + +Und seine Seele ward weich über ihr, da sie vor ihm stand, ohne Fehl und +Flecken, weiss in ihrer purpurnen Scham wie Eine, die im Feuer steht, die +Flammen hoch um sie brennen, und sie steht und flieht nicht. + +Und er sprach langsam: „Die Scham ist die Tochter der Sünde, aber die +Reinheit kennt keine Scham. Deshalb muss sie nackt gehen, dass die +Menschen sie sehen und schamrot werden vor ihrer strahlenden Nacktheit. +Jede Fiber gehört dem Ganzen. Die Seele ist nicht edler denn der Leib. +Aber der Leib muss edel sein, wenn ihn die Seele erkennt. Es giebt nicht +Mann und nicht Weib, nicht Hass und nicht Lust. Alles ist eins. Die Scham +ward gewebt zum schleiernden Schutze, den Schleier zerreisst, wer die +Wahrheit erschaut, Wenigen zu erschauen nur und Allen furchtbar! – – Das +ist das letzte der Geheimnisse. Ich sage es Dir, weil Du meine Braut und +Verlobte bist. Behalte es wohl und sage es Niemand.“ + +Danach küsste er sie. Er küsste ihre Augen, ihre Lippen und Wangen. An +ihren Schläfen küsste er sie. Und er nahm sie in seinen linken Arm, der +der Herzarm ist, und küsste sie auf die beiden Rosen ihres Busens. Denn im +Busen der Frau ist die Weltkugel und der Apfel, Macht und Verderben. Und +vom Schoosse des Weibes kommt alles Lebendige, Segen und Fluch. + +Darauf hielten sie zusammen das Mahl. Er reichte ihr das Brot und sie ass +von seinem Brote. Er bot ihr den Wein und sie trank mit ihm von dem Wein. +Und assen von allen Dingen, die auf dem Tische standen und wurden ganz +fröhlich. + +Wie nun die Morgenröthe heraufkam, verliess er sie wieder. Der blöde +Knecht sah, wie sie die Riegel aufschloss. Denn die Eisenbarren waren viel +zu schwer für einer zarten Jungfrau Hände. Dennoch that sie es mit +Leichtigkeit. Sie war in ihrem Brautschmuck, weiss in ihrem weissen +Kleide, mit der purpurnen Stirnbinde. + +Er hielt sie in seinem Arm wie sein eheliches Weib. Sie küsste ihm die +Lippen und küsste seine Augen. Und sprach: „Fahre wohl, mein geliebter und +seliger Herr! Ich warte und harre des Tages, da ich neben Dir das +Brautbett besteige.“ + +Das dünkte dem Knecht schier eine seltsame Rede für eine so untadelige +Jungfrau. Aber sie stand ruhig und sah ihm zu, wie er sein Pferd bestieg. + +Danach ging sie wieder in ihr Haus, schlug ihre Sachen zusammen, übergab +Alles dem Knecht und sprach: „Ich gehe. Ich habe viel zu thun. Und die +Zeit ruft.“ + +Diese wurde eine sehr heilige und wunderbare Frau. Man brachte viele +Kranke zu ihr, die sie heilte, indem sie ihnen die Hände auflegte. Und +Einige wurden nicht geheilt, die ungläubig waren, sie versuchten. Solche +trieb sie mit Schelten von ihrer Thür: „Wie Ihr thöricht seid und tückisch +und so ganz schamlos!“ + +Niemals aber sprach sie über ihre Geheimnisse dieser Nacht. Nur eine +grosse, selige Freude war immer in ihr. Wie sie starb, war da eine +Jungfrau, wo eine alte, blinde und kränkliche Frau gewesen war. Niemand +hatte je eine schönere Jungfrau gesehen. Diese, als man sie sehr genau +sah, hatte an ihren Händen Stiche als von rothen Nägelmalen. Sie +durchbohrten auch ihre Füsse. Eine offne Wunde war in ihrer Seite, von der +das Blut floss. Man gewahrte auf ihrer Stirn Eindrücke, als ob Dornen um +ihr Haupt gewunden gewesen und in die Haut eingedrungen waren. Alles dies +war sehr deutlich. Sie hatte es immer an sich getragen, nur verborgen in +ihrer Bescheidenheit vor den Menschen, da sie sich selbst nie für solcher +mystischen Ehrung würdig gehalten. Und beständig sich selber schalt, dass +sie schwach sei und arm im Glauben, nicht eifrig zu den Werken, wie es +sich einer guten und getreuen Hausfrau geziemte, das Erbe zu verwalten, +während der Herr und Ehgemahl abwesend ist. Als sie nun auf dem Sterbebett +lag, blass und abgezehrt, sehr schwächlich vom übergrossen Leiden, that +sie plötzlich einen lauten Schrei wie von seligster Freude. Die bei ihr +waren, darunter der Knecht, der sie einst bedient, sahen einen weissen +strahlenden Engel als einen herrlichen Helden. Und er nahm sie bei der +Hand und führte sie in das Brautgemach, wo purpurne Rosen lagen auf +silberweissen Linnen. + +Der Knecht, ein uralter Mann zu der Zeit, aber ganz klar in seinem Kopf, +vorsichtig und abwägend in aller seiner Rede, schwor, dass es derselbe +gewesen, der sie damals besucht. Viele sprachen über diese seltsamen +Geschichten: Es ist ein Wunder, Hysterie und Aberglaube. Und welche +glaubten noch schlechtere Dinge. + +Diesen ward die Zunge schwarz in ihrem Mund, und faule Worte kamen nur, +dass selbst die, die sie sonst gehört, einen Abscheu vor ihnen hatten. +Selbige schrieen laut auf: „Die Scham ist todt! Die Scham ist todt!“ +stürzten sich unter Schweine, dass man sie für solche hielt, einsperren +und schlagen musste wie niedrige Thiere. Ein Schrecken fuhr in alle Leute +der Gegend. Und fürchteten das Grab und sagten: „Lasst uns eine hohe Mauer +darum bauen!“ + +Nur die Jungfrauen kamen und brachten weisse Kränze. Und ward ein +Heiligthum da für untadelige Jungfrauen, die nie ein Mann berührt hatte, +und sehr stark waren, herrliche Thaten vollbrachten vor allem Volk. + + + + + + DAS VIERZEHNTE KAPITEL. + + +Aber der ganze Jammer des Daseins fiel auf ihn eines Abends, da es schon +dunkel war, er einsam sass im Staube neben der grossen Heerstrasse. + +Er dachte an die Jahrhunderte, die dahingegangen waren, und dass sie alle +für nichts gewesen. Hunger, Hass und Kriegslärm füllten die Welt. Jeden +Tag unter dem richtenden Beil fielen Häupter Unseliger, Unschuldige gingen +hin und erwürgten sich selbst in Angst und blutiger Noth ihres Leibes. + +Die Selbstsüchtigen herrschten immer, die, die hart waren, nur schufen für +sich selbst, ohne Sorge traten auf die nackten Leiber der Verzweifelten. +Die, die dumm waren und nicht dachten, schienen klug. Die feige waren, +tapfer, und solche, die frassen wie die gefrässige Raupe auf ihrem Blatt +und fett wurden, weil sie frassen – aber der Baum selbst starb –, galten +für die wahren Guten. Man pries sie als Muster der Tugend, zeigte sie +denen, die unvernünftig waren und eigengesinnt: „Seht, wie sie sind! Wie +sie nahrhaft werden und fett! Nehmt Euch ein Beispiel an ihrem Gedeihen, +Ihr, die Ihr Flügel habt, die zu schwach sind, der Sonne zustrebt, die +Euch verbrennt!“ + +Diese aber waren die schlimmsten Feinde und sie galten für den Hort aller +Tugenden, hielten die Sitte hoch in ihrer heuchlerischen Klugheit, weil +der losgelassne Wolf sie zerrissen hätte innerlich, und standen auf dem +Boden des Worts, weil es ihnen nützte für ihre Zwecke, der Strom sie sonst +fortgeschwemmt hätte in seinem Ueberschwellen. + +Solcher aber waren Viele. Sie hielten die Gewalt und das Geld. Die Andern +zerbrachen ihre Kräfte an denen, stiessen ihre Stirnen blutig und sahen +doch nicht was darüber war, über ihrer dummen Klugheit, die wahre +Weisheit, über ihrem Geiz die weite Liebe, über ihrer Ungerechtigkeit die +grosse Gerechtigkeit. So dass diese ihre besten Kräfte verbrauchten, auch +müde wurden, dahingingen in Lastern, Leichtsinn und Unzucht. Weil sie +sprachen: „Unser Leben ist kurz und wird uns zugetheilt in kleinen +Tropfen. Wir wollen es auf einmal leeren, damit wir den Rausch kennen in +seiner Wollust. Und nachher hungrig sein und frieren.“ + +Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein reif ward und duftig. Nicht +schauen, bis sie die Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. Weil +sie jung waren, das Blut siedend schoss in ihren Adern, das lind sein +musste vom Denken, der weiten Herzlichkeit ihres Liebens. + +Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, dass sie wie brennende +Fackeln sich verzehrten im Leeren. Die Licht gegeben hätten, reines Feuer +zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, sich selbst gereinigt +hätten vom Unreinen. + +Und die Andern, die gar kein Licht hatten, sondern dunkle Klötze blieben, +die mühsam denen ihre schiefen Strahlen auffingen, vom +Scheiterhaufenleuchten der Grossen ihren Weg suchten im Finstern, +schnobernd wie die Schweine nach Trüffeln, oder niedrige Hunde auf der +Fährte des Aases – spotteten über solche, zeigten auf sie in +Schadenfreude: „Die verzehren sich und sind gar nicht, Rauch und Asche. +Wir stehen fest und finden.“ + +Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie der Wurm immer noch Nahrung +findet in seinem Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen in seiner +niedrigen Dunkelheit. + +Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft sein Futter nicht für seine +Jungen, wenn Alles unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, der +lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein glänzendes Gefieder +lockt Gelüste der Räuber. + +So dass diese niemals aufkommen, die die Schönheit nackt gesehen hatten +und priesen, weil ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte die +Wollust verriethen. Die Andern aber, die gar nicht sahen und von Wollust +voll waren wie die geile Erde vom Mist, – dass sie nicht einmal wussten, +dass eine Keuschheit war, den reinen Mond befleckt hätten in ihrer +Unreinheit, – waren gross und sprachen die Urtheile über wichtige Dinge. + +Und man nahm ihr Recht für _das_ Recht. Und ihre Wahrheit für _die_ +Wahrheit, dass eine grosse Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der +Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne. + +Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der Ekel am Leben stieg in ihm auf +und würgte ihn an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich selber +sprach: „Besser wäre die Welt gar nicht, Feuer und Schwefel vom Himmel, +denn dies! Und besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die wächst und +stirbt, denn dieses Halbe im Staube, dem niemals die Flügel der Seele +wachsen. Besser, viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, als +das niemals ganz wird, nicht leben kann und nicht sterben.“ + +Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, dass er die Güte so klein +geschaffen und die Grösse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an ihrer +eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit mit dem Schwert der Reue +durchgestochen blieb, dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, +unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel war in ihrer eignen Brust +und bohrte sich tiefer bei jeder Drehung. + +Und er sprach zu sich selbst: „Wozu so viel Qual und Leiden? Hast Du sie +geschaffen aus Hass oder wurden sie empfangen in Güte? Ist Dein Zweck mit +ihnen Gnade oder ist es Neid des Mächtigen, Allherrschenden gegen das +Kleine, Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie besser wie Du, und nur +eine Zeit ward Dir Macht gegeben, sie zu quälen, im Staub Gebannte, die +ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der Ganz-Mächtige nicht? Und es +ist ein viel Mächtigerer, Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in ihnen +ist? Wird er triumphiren, klar sein eines Tages? Und unsre Güte war vor +Ihm Halbheit? Unser Licht war Dämmerung? Sage mir, wer Du bist? Wer ich +bin für Dich? Dann lass mich mich hinlegen und sterben. Denn meine Seele +ist müde in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen weh und der Lärm +der noch Arbeitenden beleidigt mein Ohr. Ich grüsse die Nacht, die dunkel +ist, wo gigantische Schatten schweigen.“ + +So sprach er zu sich selbst. Er sah die Nacht herkommen über die Felder. +Sie kam wie eine starke, riesige Frau mit einem schwarzen, sammetnen +Mantel. Die Bäume standen wie dunkle Keulen Gewaffneter und die Stimme des +Wassers wurde deutlicher, wie es hallend fiel mit ewig sich lösenden +Tropfen. + +Er sah in die Nacht und frug sie: „Bist Du, die kommen soll?“ + +Sie sprach: „Ich war.“ + +Plötzlich hob sie ihren Mantel auf. Und es war ihm, als könnte er tief +hineinsehen in die Nacht, die Nacht aller Zeiten, die vor den Zeiten +gewesen war. + +Er sah die Nacht, die Nacht selbst, von der die Dunkelheit kam und der +Schatten. + +Sie lag wie eine Sphynx, die ein Weib war, und ihre andre Hälfte war eine +Löwin. Die Schultern des Weibes aber lagen über den Tatzen der Löwin und +ihre Brüste starrten gerade wie gerichtete Schwerter. Zu beiden Seiten +ihres Hauptes lief eine königliche Binde mit Streifen und Zeichen. Sie +schnitt die Stirn niedrig ab und ihre Augen standen weit offen, marmorne +Augen mit todten, runden Bällen, die geradeaus sahen. Ihre Lippen waren +geschlossen. Sie lag ruhig mit milchschweren Brüsten über tödtlichen +Tatzen. + +Sie wechselte sich. Und wurde ein schauderhaftes Idol. Auf den Schultern +eines eisernen geharnischten Mannes reckte sich ein Vogelkopf mit spitzem, +gebognem, hackendem Schnabel. Ein kreisrundes Auge war eingesetzt aus +blauem, hellem Email, in der Höhe des Schnabels, da wo er anfing. Gen +Osten stand dieser Mann. Auf einem hohen Postament, die Hände auf sein +Schwert gelegt. Die Arme bildeten ein Viereck mit den Schultern und staken +in Schienen. Sein Schwert stand ganz gerade, breit wie eine Hand. +Senkrechte Riefen liefen mitten durch, in denen das Blut abtropfen konnte. +Die Klauen seiner Hände krallten sich um das Schwert. Der Leib und die +Beine standen gerade, nach vorne, und der Vogelkopf mit dem Schnabel sah +gegen Osten. + +Wie er diesen noch betrachtete und schaudernd ansah, geschah eine Stimme +zu ihm, die sprach: „Das ist die Gewalt. Ihr fielen Könige zum Opfer. Sein +Schnabel ist schwarz vom Geifer der Lebern. Sein Schwert roth vom Blut. +Sein eiserner Leib wird glühend vom Feuer verbrannter Städte.“ + +Das Symbol wechselte sich. Und es wurde eine schwarze Astarte, ganz aus +schwarzem Metall, aus Stein oder Eisen, das man geschwärzt hatte, und es +glänzte nun schwärzer wie Ebenholz, gefettete Leiber der Neger. Sie stand +ganz aufrecht. Der Leib und die Beine waren mit Binden umwickelt. Sie +kreuzten sich und kamen wieder, von der Hüfthöhe bis an die Gliederung der +Zehen. Zeichen waren in diese Binden gegraben, Striche, Muster, Rubinen, +grüne Smaragden und sehr dunkle Saphire. Sie folgten sich rhythmisch und +redeten eine geheimnissvolle Sprache über dem Schwarz, das kam und ging. +Dieser ganze Theil des Leibes mit dem Bauch und den Schenkeln war sehr +dünn und gerade wie bei einem unmündigen, ganz unentwickelten Kinde. Und +darüber drängten sich erschreckend tausend Brüste. Eine Ueberfülle von +Brüsten, Beeren der reifen Traube, Wellen, die sich stossen, strömen. Man +sah den Kopf im Dunkeln, sehr hoch, mit harten Lippen, steinernen Augen, +die hierarchische Binde, die zu beiden Seiten fiel. Die Brüste gleissten, +rieselten, Aepfel, Kugeln, gehärtete Spitzen, schwarz, von einem +ungeheuerlichen, unirdischen Schwarz, Grünschwarz der Schlangenhäute, +Tollkirschen, verwester Ueberreste in ihrer Zersetzung. + +Und die Stimme sprach: „Das ist die Wollust, die Verfluchte. Alles stirbt +in ihr. Nur das Eine lebt. Und es wird zur Schauderhaftigkeit, zum +Ungethüm. Unfruchtbar ist sie, denn sie ist von Eisen. Ihre Seele in ihr +ist Mord.“ + +Und diese wieder wechselte sich. Es wurde eine ganz weisse Schlange. Sie +trug ein Krönchen auf dem Kopf. Sie bewegte sich rhythmisch zu einer Art +Musik. Ihre Schuppen glänzten wie Perlmutter, wenn sie sich bewegte, und +ihre Augen waren rothe Rubinen. Ein rosa Züngelchen kam aus ihrem +gespalteten Kopf. Sie züngelte damit und leckte sich zierlich wie Katzen +thun. Und rollte sich zu Ringeln und lag ganz zusammengeringelt, als ob +sie schliefe. Aber sie schlief nicht. Ein Zittern von Gier und Gift rann +durch ihren Leib, der sich milchig blähte unter dem Bauch. + +Und die Stimme sprach: „Das ist die falsche Weisheit der Welt. Sie ist +arglos und ungefährlich anzuschauen. Aber das feinste, siebenmal +gefilterte Gift. Wer diese Schlange anrührt, der stirbt und fühlt nicht +den kleinsten Schmerz, nicht wie einen Nadelstich in die Hand, da man sich +das Blut abwischt und weitergeht.“ + +Danach sah er noch eine schwarze Kröte, die in ihrem Sumpf sass und +glotzte, Harpyen, die mit den Flügeln schlugen, Bären und Wölfe. „Das sind +die gewöhnlichen Sünden, Reichthum, faules Leben, Unfrieden und +Zankhaftigkeit der Weiber. Alle diese sind nur hässlich. Und Sünden der +gewöhnlichen Menge. Denn vornehme Herzen werden von ihnen nicht gerührt, +die Andern aber sind die Vornehmen, die Grossen. Die Besten verfallen +ihnen.“ + +Diese Vision verschwand. Er blieb allein in der Nacht. Die Kälte war um +ihn her und er fror. Die Gedanken huschten in seinem Kopf und schlugen an +das Schädeldach wie mit klappenden Flügeln. Seine Seele war sehr matt in +ihm. Er sprach: „So es so viele Uebel giebt, die Sünde also gross und +mächtig ist für die Besten, wäre es nicht besser zu nehmen was schön ist, +fröhlich sein im Tage und sterben, wenn es Zeit ist, das Unglück kommt?“ + +Alsbald kam da ein Zug von lieblichen Mädchen, die Cymbeln und Schalmeien +trugen. Und hielten in ihren Händen Flöten und Harfenspiele, harte Hölzer, +die sie schwirrend schwangen oder gegeneinanderschlugen im Tanze. Ihre +Haare waren mit Blumen gekränzt. Die Blumen fielen gleich Sternen über ihr +Gelock. Sie trugen Blumen in ihren Armen und hatten lichte Gewänder an und +sangen: „Lasst uns fröhlich sein und singen! denn das Leben ist kurz, die +Jugend verfliegt schnell. Die Jugend ist die Lenzzeit im Leben und die +Liebe ist der Sonnenschein am Maitag!“ + +Dann kamen junge Knaben und holten sich diese, führten sie weg zu +blühenden Lauben und heimlichen Grotten. Und wandelten mit ihnen Arm in +Arm, küssten sich zärtlich, lachten und kosten. + +Sie tanzten wilder. Die Lust stieg. Becher wurden gebracht. Ein Jüngling +erschien auf goldnem Wagen, den Pardel zogen, von Weinlaub umkränzt. Und +Alle schrieen: „Heil! Heil! Bacchus Evoë!“ + +Der Jubel ihrer Freude scholl durch die Nacht. Sie schwangen Fackeln. Es +gab welche, die sich selbst durchstachen, sich Wunden schlugen mit kurzen +Schwertern, denn sie wollten heute sterben, weil sie doch morgen todt +sind. + +Und Einige wohnten in Hüttchen und hatten Kinder gezeugt, die sie +jauchzend emporhoben: „Wir sind glücklich. Und das Leben ist kurz. Die +Liebe ist reifes Erntegold im Sommer.“ + +Er sah eine junge, lächelnde Mutter, die ihr Kind an der Brust hielt. Der +Sommerhimmel lag in ihren Augen blau und satt. Ihr Leib blühte und +entsandte Wärme wie der Weizenacker im Juni. Man hatte um sie einen Rahmen +gebaut in der halben Brusthöhe wie eine goldne Aureole. Das Kind sog. Sie +lächelte. Sie war glücklich. + +Dies verschwand. + +Er hörte neben sich die Stimme eines alten Mannes, der laut auflachte. Er +sprach höhnisch: „Diese sind Eintagsfliegen, Jahrmarktsplunder. Sie +glauben zu geniessen und geniessen doch nicht. Sie sind nicht besser denn +Schweine. Ihre Freuden sind Freuden des Magens und der Sinne. Aber der +feine Magen sagt Pfui! zu ihren schalen Freuden. Der Sinn, der fühlen +gelernt hat, rührt sich nicht mehr bei der Grobheit ihrer Eindrücke.“ + +Er sprach: „Hast Du Bessres gefunden?“ + +Damit sah er ihn an, der das gesagt hatte. Er sah, dass es ein sehr alter +Mann war, und Einer, der lange gewandert war. Sein Haar und Bart hingen +wild. Der Staub der Wege lagerte in den Runzeln seines Gesichts. Sie zogen +sich tief eingegraben wie von zahllosen Jahren gezeichnet. Die Müdigkeit +einer ungeheuren Anstrengung wohnte in den tiefen Höhlen seiner Wangen. +Man erkannte die Sonnen von brennenden Sommern, die über sein Haupt +dahingegangen waren und die Haare auf ihrer Höhe gebleicht hatten zu +Schnee. Seine Kleider waren fahl vom Staub. Sie hingen zerrissen und +schlugen in gefaserten Fetzen um seine mageren Kniee, die ausgearbeitet +und knotig waren wie Hölzer eines uralten Baumes, von denen die Moose +hingen in weissen Flocken. Keine Unze Fleisch war mehr an diesen Knieen. +Unter der braunen Haut traten die Knochen vor wie durchgeschubbert, +gewetzt in einer unausgesetzten Reibung. Seine Nase bog sich scharf wie +ein Adlerschnabel. Er hatte keinen Zahn in seinem Munde vor hohem Alter. +Aber in seinen schwarzen Augen glomm unauslöschlich Feuer des Lebens. Sie +brannten wie Fackeln in einer sehr tiefen, nächtlichen Grotte. So stark +war der Glanz ihres rothen Feuers, dass sie die Höhlen ausgebrannt hatten +um sich, die Brauen vorstanden wie Dachbalken eines eingeäscherten Hauses. +Der Schnee vieler Winter hing von seinen Brauen. Sein Haar war unbedeckt +und flatterte im Winde. + +Er hielt einen rohen Stab in der Hand aus Knoten des Dornstrauchs. Ueber +seiner Schulter hing der Bettelsack. Wie er wanderte, stützte er sich auf +den Stock. Die Fetzen seines zerlumptem Gewandes schlugen um seine +schreitenden Lenden. + +„Ich wandre – wandre ...“ sagte der alte Mann. „Ich weiss nicht, wie lange +ich wandre. Ich habe alle Städte der Menschen gesehen, die Wüste und die +hohen Schneegebirge, wo der Schnee ungestört liegt wie der weisse Flaum +auf dem königlichen Lager der Jungfrau. Alle Thaten und Dinge der Menschen +weiss ich. Ich habe ihre Weisheit gehört, das Mitternachtöl verbrannt über +ihren Büchern. Und ich habe dieses gefunden: dass sie gar nicht sind. All’ +ihre Weisheit ist Bilder von Worten, das Echo eines Klingklang, und sie +sind eine Spiegelung des Nichts im Leeren. Dies weiss ich und bin stolz, +dass ich es weiss und lache aller ihrer Leiden und Busse. Es ist mir, als +ob ich in einen Spiegel des Wassers sehe, der schnell verrinnt, oder +Spiele des Guckkastens, wie man Kindern zeigt auf Jahrmärkten, Launen des +Lichts und Wechselungen der Schatten! So man darauf pustet und mit der +Hand hineinschlägt, ist es nichts.“ + +Er hauchte und schlug mit der Hand in’s Hohle und lachte laut auf. + +„Aber Gott ist!“ sagte der Fremde. + +„Eine Spiegelung der Spiegelbilder. Die Fratzen werfen ihren Schatten und +weil sie ihn von weit werfen, ist er grösser und dunkler. Wie die Wolken, +die Du da oben siehst. Und wenn Du hinkommst, sind es nicht Wolken, +sondern leere Luft. Nur die Sonne und Spiegelung macht sie zu Wolken.“ + +„Etwas muss sein.“ + +„Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, tausend Jahre, Schatten, +der ich bin, im Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der Bewegung. +Bewegung ist Nichts. Und Stillstand ist nicht. Um Sonnen drehen sich +Welten. Aber die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und Welten sind +Schattenflecken im Leeren. Ich wandre – wandre – wandre.“ ... + +Er fasste seinen Stab und ging weiter durch die Nacht. Die Eisenspitze +seines starken Stockes klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen seiner +zerlumpten Kleider schlugen um seine dürren schreitenden Lenden im Winde. + +Und Einer sprach: „Das ist der ewige Jude, Ahasver, der Zweifel des +Menschen, der nicht ruht. Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene +selbst für Hirngespinste erklärt. So er die Hand in die Seite legte und +die Wundenmale rührte mit seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut +Farbe ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser wird niemals selig +und wandert bis an’s Ende der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn +Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in ihm war und immer +gewesen ist von Anbeginn.“ + +„Werden Alle finden?“ fragte er eifrig. + +„Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht sucht.“ + +„Lass mich den sehen, der nicht findet,“ bat er. + +„Es ist zu schrecklich zu sehen für menschliche Augen. Sie können ihn nur +ausdrücken in dem, was sie nicht kennen. Er ist die Nacht.“ + +Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. Sie drang in seine Seele +ein wie das Gefühl eines hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der +Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss von der Stirne rann, und +wie er fiel, waren es Tropfen Blutes. + +... Damit kam die Morgenröthe und die Sonne ging auf. + + + + + + DAS FÜNFZEHNTE KAPITEL. + + +Aber um diese Zeit war das Gerücht von ihm sehr gewaltig geworden. + +In der Hauptstadt erschütterten die Predigten Fritz Kuhlemann’s, der mit +starker Stimme sprach. Er schonte Niemand und rief laut zur Busse. Denn +die Zeit war gekommen. Ein grosses Erwachen ging durch die Völker. +Schweres Unheil, Empörung und Blutvergießen lag in der Luft, so die +Machthaber sich nicht bekehrten, die neue Lehre anerkannten von der +Theilung der Güter, der Brüderschaft aller Sterblichen. Er sprach: „Es ist +Unrecht, dass Ihr Armeen habt, Einer den Andern zu bekriegen, die Stimme +des Volks zu ersticken, die mächtig spricht. Solches thun die Thiere +nicht, die von demselben Blut und gleicher Art sind. Seid Ihr nicht besser +denn Thiere? Wehe den Reichen! Wehe denen, die Geld ansammeln und es auf +Wucherzinsen ausleihen! Die den Acker mit Schulden bedecken, dass er nicht +Frucht bringen kann unter dem verfluchten Eisen! Habt Ihr die Erde +geschaffen, dass Ihr sie Euer nennt, Grenzpfähle setzt so und so weit und +Zäune zieht, dass kein Andrer sie beschreite? Die Erde, die Luft und das +Wasser sind des Herrn. Euer aber ist Alles. Und Alle seid Ihr Eines +Geschlechts.“ + +So gewaltig war seine Stimme, dass ihm die Leute zuliefen in grossen +Massen. Kein Raum und kein Saal vermochte mehr die Zahl seiner Zuhörer zu +fassen. Wo man sie zurücktrieb, kamen Neue. Das Volk ward drohend, dass +man seinen Prediger antaste. Dröhnend wie Schlachtdrommeten klang seine +Rede. Er trug einen härenen Rock und nährte sich nur von Nahrung der +Pflanzen. Was er verzehrte, gewann er von seiner Hände Arbeit, denn wilde +Kraft des Volkes lebte in diesem Manne. Wenn er vor ihnen stand, gewaltig +mit dürren Händen und Armen, gedachte man der alten Prediger in der Wüste. +Seine Augen warfen Feuerflammen. Von vielem Denken und Nachtwachen war +sein Haar grau geworden. Er trug keinen Hut auf seinem Haupte. Wenn er in +einer Stadt fertig geworden war, wanderte er die Nacht über zu einer +andern. + +Ueberall gegen Ungerechtigkeit und List erscholl sein Zeugniss: „Ihr nehmt +dem Armen scheffelweis. Dann straft und hängt Ihr für das, was er Euch +wiedernimmt in Körnern. Ihr predigt Demuth und freut Euch an dem, der vor +Euch steht mit abgezognem Hut und zitternden Knieen. Vor Gott beugt Ihr +die Knie, auf dass vor Euch die Menschen knieen um Eurer Gottesfurcht +willen. Seinen heiligen Namen schreibt Ihr über Eure schlechten Thaten, +Kriege und Händel, dass Eure Thaten heilig stehen in seinem Namen. Ihr +behauptet seine Weisheit zu wissen. Es ist Eure List, die Ihr fein und +schneidend schleift am adamantnen Felsen Seiner Gerechtigkeit. Ihr zieht +den Strick nicht zu, weil Euch das Lastvieh Säcke tragen soll. Dann +sprecht Ihr noch: Seht meine Langmuth und Gütigkeit, dass ich nicht würge, +wo ich doch würgen könnte. Der Aermste trägt alle Beschwerde. Ihr wischt +Euch die Stirn, sprecht von Eurem Schweiss, Nächten, die Ihr hingebt für +Euer Rechnen und Raffen in Keller, die Ihr auffüllt für Euch und Eure +Söhne. O Ihr Heuchler und dreifachen Heuchler! die Ihr die Steine +verschluckt, die man gegen Euch wirft, Euch dadurch schwerer macht, vom +Gift, das Euch tödten müsste, fresst, bis Ihr giftfest seid! Ihr seid +erkannt in Eurer Nacktheit. In Eurer Lüge steht Ihr frierend und ganz +hülflos.“ + +Also trieb er die Gegner vor sich her mit harten Worten. Ein mächtiger +Schrecken ging von ihm aus. Viele auch hingen ihm an, Soldaten, die in der +activen Armee standen, und man fürchtete, dass diese im Fall eines Kampfes +ihre Waffen gegen ihre Oberen kehren, gemeinsame Sache machen würden mit +dem Volk, denn des grossen Führers Wort war überzeugend. Er scheute sich +nicht und nannte die Dinge mit deutlichem Namen wie sie waren. Und Niemand +war, der ihm widerstehen konnte, weder mit feingedrehten Gründen, noch mit +Gewalt. + +So dass davon bewegt wurden bis in die höchsten Schichten, Regierungen und +Ministerien. Man liess ihm unter der Hand anbieten, er sollte da eintreten +in die Verwaltung. Man würde Verbesserungen machen, Vorschläge aufstellen, +dass die Ungerechtigkeit beseitigt würde, Zufriedenheit, genug zu essen +sei im Lande. + +Er aber schlug Alles aus und stiess diese in die Enge mit harten Worten: +Dass sie halb wären und niemals ganz, die den zerrissenen Schlauch flicken +wollten mit alten Lappen, klaffende Löcher verkleben mit Pappe von +papiernen Acten, Kleister von Speichel: „Ihr selbst müsst weg zunächst aus +dem Platz, da Ihr feststeht, damit frische Luft werde und Bewegung, das +Neue sich nicht zerbreche am harten Stein des Gewordenen, von der +Verwesung das Leben Farbe und Geruch annehme.“ + +Dieses hörten sie ungern. Da er aber sehr laut sprach, das Volk ihm +anhing, machten sie einen andern Versuch. Er ward zum Fürsten befohlen, +dass er diesen selbst spräche, vor der höchsten Majestät, so er dessen +fähig sei, zeugte für die Richtigkeit seiner Ansprüche. + +Dieser, der noch ein junger und rechtlicher Monarch war, empfing ihn +freundlich. Er hatte auch gute Gedanken für die Besserung und für Alle, +beklagte dass Vieles nicht zu seinem Ohr kam, auf ihm aber als dem +Höchsten die Verantwortung ruhte. Nur hoffte er zu Gott, dass ihm das +nicht angerechnet würde, da er sich nach besten Kräften bestrebte, auch zu +Gott betete, bevor er Urtheil abgab in den grossen Sachen, die über Tod +und Leben waren und Leben und Tod vieler Tausende. + +Zu ihm sprach der kühne Mann: „Mein Fürst! Du bist ganz und gar unfähig zu +urtheilen, im Einzelnen, wie nun gar über viele Hunderte und Tausende. +Siehst Du die Seelen der Menschen, vom unschuldigen Kindlein an, wie es +war, dass sie also schlecht wurden und Böses thaten? Ob es eine Krankheit +im Blut gewesen sein mag, Schlechtigkeit, Ungerechtigkeit und Unsauberkeit +der Welt, die Deines Volkes ist, davon Du Verantwortung trägst? Das +Gericht wird gesprochen in des Königs Namen. Wenn ein Krieg ist, erklärst +Du ihn. Der fremde Fürst nimmt Deine Erklärung an. Ihr Beide steht für +Eure Völker, das Recht Eurer Sache. Wie mag ein Einzelner solche +Beschwerung ernstlich übernehmen? Und wie Du zerbrechlich und von elendem +Staube bist, in Schmerzen geboren, krank eines Tages und einen andern +gesund, sterben musst und Dein Leib wird Würmerspeise, so sind Deine +Brüder, nicht besser und nicht schlechter. Niemals war es Gottes Wille, +dass der Eine herrlich gehen sollte in Purpur und Sammet, der Andre wie +ein Vieh im Staub kriechen, und viel weniger denn ein Vieh, da er nicht +hat seine Blösse zu bedecken.“ + +Worauf der Fürst sagte, dass er dies in der That beklage, auch sich selbst +nicht für besser hielte denn andre Menschen. Nur müsste Einer der +Mächtigste sein um der Ordnung willen. Es würde sonst Alles Unordnung und +Anarchie. + +„Unordnung und Anarchie ist schon in der Welt,“ sprach der Mann des Volkes +traurig. „Eine Nation steht gegen die andre. Die stark sind, überwältigen +die Schwachen. Die schwach sind treten wider die Andern, die noch +schwächer sind, Weiber und Kinder. Es ist nicht mehr Gerechtigkeit denn +unter Läusen und Ungeziefer, und was das Recht genannt wird, ist eine neue +Waffe, die die Besitzenden geschmiedet haben, um ihren Besitz festzuhalten +und den Gar-nichts-Habenden zu wehren. Durch List, Ehrgeiz und Kriechen +gelingt es denen manchmal hineinzukommen. Diese Söhne von Sklaven drücken +ärger denn die Herrengebornen, denn sie sind niedrig. Ihre Seelen sind +niedrig wie der Staub, dem sie entkrochen sind. Der aber eine hohe Seele +hätte, könnte Niedriges nicht um sich dulden. Es würde ihm unerträglich +sein, sein Ebenbild besudelt zu sehen im Koth, schlechter denn der +Fussboden unter seinen Füssen, den er tritt. Ja, welcher ganz hoch dächte, +steige hernieder von seinem Thron und würfe über ihre blutige Schmach den +blutrothen Purpur seiner Hoheit, wie unser höchster Herr Christus sein +edelstes Blut vergossen hat für uns Alle. – Und recht königlich handelte +er, der so thäte, fürstlich und kaiserlich!“ + +Da ward der junge Fürst ungeduldig, hiess ihn fortführen. „Ich will Dich +später hören,“ sagte er. Die Rede hatte ihn unmuthig gemacht. Aber Manches +nahm er sich an, hiess auch den Mann öfter vor sich kommen, discutirte mit +ihm. Aber auf seine Rede kam er nicht zurück. Er blieb traurig. Die Diener +des Königs liessen den Demagogen nicht aus dem Gewahrsam, denn die +Aufregung war gross in der Stadt und im Land. Viele zogen durch die +Strassen in Haufen, die Brot und Arbeit verlangten. Man rief den Soldaten +zu, dass es ihre Pflicht wäre, die Waffen niederzulegen, sich zu verbinden +mit den Empörten. + +Fritz Kuhlemann aber blieb im Gefängniss. + +Um dieselbe Zeit nun sprach man von einem wundersamen Buch, das ein +Unbekannter geschrieben hatte, oder doch ein Bekannter, denn Viele +vermeinten die Art und Redeweise zu erkennen eines gewissen Doctor Anton +Rothe, der grosses Aufsehen erregt hatte zu einer Zeit, dann lange Jahre +verschollen war. Man sagte, dass er sie in wüsten Ausschweifungen +verbracht mit einem Fürsten auf Reisen. Derselbe war blind und auf den Tod +krank gewesen Monate lang. In diesen Wochen hatte er das Buch geschrieben. +Er hatte es einem Knaben in die Hand dictirt, der nicht schreiben konnte. +Und siehe! die Zeichen standen fest und deutlich wie Buchstaben, dass +Jeder sie lesen konnte, die die zu lesen verstanden und so nichts vom +Lesen und Schreiben wussten, als Kinder und ganz ungebildetes Volk. Es +hiess: „Die Blinden, die sehen ...“ In wundervoller und deutlicher Weise +war geschrieben, wie Christus eintritt in alle Dinge dieser Welt, das +Heilige und Kräftige in der Verwesung, die linde Sonne, die schafft und +leuchtet. Und schied das Licht von der Finsterniss, und ging grausam in’s +Gericht mit dem, was schön gewesen war und herrlich, zeigte es klar wie es +war in entsetzlicher Todtenlarve, dass ein Schauder die Menschheit +erfasste, Manche in fliegendem Entsetzen das Werk ihrer Hände zerbrachen. + +Und schied überall die Finsterniss vom Licht, die Gedanken von der Form, +den Geist vom Körperlichen, das heilsam und gut gewesen für eine +kindlichere Zeit. + +Und pries die Güte, die reine Unschuld, die Schwachheit, die das +Heldenthum ist. Wie Alles ewig ist und Bestand hat, das aus der Liebe +geboren ist. Das Andre ist Staub und Schlacke. Es muss verbrennen und +immer mehr wegbrennen in immer reinerem und stärkerem Licht, bis nichts +mehr bleibt, als das unaussprechliche wunderbare Licht in Gott. Einige +sehen es schon im Leibe. Viele aber erst nach diesem Leben. In Allen ist +der Funke und das Abbild. Sie leiden und brennen. Das Feuer des Leidens +ist die Läuterung. + +Der aber das Buch geschrieben in den unaussprechlichen Qualen seines +Leibes und Gewissens, dem war es wie Schuppen von den Augen gefallen. Er +sah nun und niemals wieder würde ein Flecken in sein Auge kommen. Ganz +kleine Kindlein sahen von selbst. Ihre Augen sind stet, flackern nicht +unruhig wie die der Menschen. + +Aber ein solch wundersames Buch war nicht geschrieben seit die Welt stand. +Und zeigte den Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, durch alle +Zeiten und Alter, wie er Form und Blut geworden in Golgatha, und floss in +herrlicher, schimmernder Fluth. Um die Häupter der Heiligen, niedrige +Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, Bastillestürmer. ... Immer mit nie +fehlender Sicherheit der Gang zum Licht. + +Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: Friede auf Erden und den +Menschen ein Wohlgefallen. Gold – das Reichste, daran des Menschen Herz +hängt, Weihrauch, der den Aufschwung der Seele begleitet, und Myrrhen, die +feinste, edle Blüthe der schönen Künste. + +Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache geschrieben, die wie Gesang +ging. Die Worte waren einfach und tief, dass die Weisesten davor +ehrfürchtig standen und die Einfältigen sie fassen konnten. Die Kraft +dieser Worte war wie ein zweischneidendes Schwert und ihre Süsse süsser +denn Honig, feinster Duft der Blumen. + +Ein solches Buch war nicht geschrieben worden und es stand leuchtend und +in Erz gegraben, was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, seine +Strahlen wurden rother und inbrünstiger. Alle rothe Wuth und Finsterniss +der Welt konnte das leuchtende Buch nicht umstossen. + +Wie auf das Volk die Rede des grossen Socialisten, so wirkte das Buch auf +die Gebildeten. Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre Güter abgaben +und niederstiegen zu den Geringen. Die Frauen richteten sich auf in +leuchtender Keuschheit. Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen +geleistet, wurde wieder die herrlichste der Tugenden. Maler und Bildner +ergriffen begeistert Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach der +leuchtenden Schönheit, wie er nie gewesen. Ahnend standen die Völker vor +den Werken der Geweihten, denn solche Schönheit war nicht gesehen worden. + +Und jubelnd noch einmal schwang der Sang des Unbekannten sich auf, im +schwindelnden Adlerflug der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue +Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. Die Farben steigen an +in Tonleitern, Symphonieen des Glanzes schwingen sich schwirrend, der +trunkne Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im tönenden Reigengesang der +Edelsteine. Zum schmetternden Tedeum vereinen sich die Lichtspender. + +„Der erste Grund war ein Jaspis, der andre ein Saphir, der dritte ein +Chalcedonier, der vierte ein Smaragd. + +„Der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein +Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein +Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwölfte ein Amethyst. + +„Und die zwölf Thore waren zwölf Perlen und ein jeglich Thor war von einer +Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend +Glas. + +„Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn der Herr, der allmächtige Gott +ist ihr Tempel und das Lamm. + +„Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, dass sie ihr +scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist +das Lamm. + +„Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselben Licht; und die +Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. + +„Und ihre Thore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine +Nacht sein.“ + +... Und es war ein Jüngling in einer Stadt desselbigen Landes, der hatte +die Schönheit gesucht sein Leben lang. Denn er dachte richtig, dass, wer +die Wahrheit findet, der Schönheit nahe ist und es keine andre Wahrheit +giebt denn in der Vollkommenheit der Schönheit. Erst hatte er sie gesucht +in der Schönheit des Gedankens. Dann hatte er zu der Schönheit des +Fleisches gebetet, denn der lebendige Leib ist mehr denn der Schatten und +die Form höher denn das Wort; aber das Alter und die Unvollkommenheit +nehmen alle Schönheit hinweg. + +Dieser kam zu Ihm, da Er auf einem sehr hohen Berge war. Die ganze Nacht +war er den Berg hinaufgeklettert. Die Dornen hatten seine Hände zerrissen, +dass sie bluteten. Er war gestolpert im Finstern. Die Steine hatten seine +Kniee zerschlagen, dass sie matt und wund geworden waren unter ihm. Oft +war er irre gegangen. Lichter hatten ihn genarrt im Finstern. Im Nebel +tastete er sich vorwärts mit Händen und Füssen. Seine Augen waren wie +blind, dass er die Hand nicht sah vor seinen Augen. + +Er sah nicht das Gesicht dessen, der vor ihm stand. Aber er fiel vor ihm +nieder und hob die Hände hoch. Flehte ihn an und bat: „Lass mich sehen die +grosse Schönheit Deines Antlitzes und sterben.“ + +Er sprach: „Ich will sie Dir zeigen. Aber hüte Dich wohl, dass der +Schrecken Dich nicht niederstürzt vom Felsen. Denn meine Schönheit ist +schrecklich wie der Adler.“ + +Und er sah ein Unendliches, Furchtbares. Das fuhr dahin über seinem +Haupte. Kreisende Sterne sassen in Seinen Lenden. Wolken bildeten den Saum +Seines Kleides. Seine Stimme glich dem Donner und das Zucken Seiner Brauen +war der Blitz. Zugleich geschah ein Windesbrausen wie von tausend Winden. + +Er fiel auf den Boden wie betäubt und der Blitz fuhr über ihn hin. + +Danach hörte er Schalmeien. Die kamen sehr lieblich und klingend aus +goldner Ferne. Er sah einen Jüngling ganz nackt in der jungen Herrlichkeit +seiner prangenden Glieder. Der Bogen hing über seiner Schulter und die +Leyer lehnte zu seinen Füssen. Die Gesänge seiner Leyer waren lockender +wie Goldklingen. Wo er hintrat, blühten Veilchen. Die wilden Thiere des +Waldes kamen angezogen von dem Wunder seiner Laute. – Aber das Antlitz des +Jünglings blieb marmorn. + +Danach sprach eine andre Stimme: „Kennst Du mich?“ Er sah einen Mann am +Kreuze hängen. Sein Antlitz hing auf seine Brust und seine Arme blieben +ausgestreckt; denn die Schwere seines Körpers war zu gross für seine Arme. +Dornen krönten seine Stirn. Das Blut troff von den Dornenmalen. Es floss +aus seiner geöffneten Seite. Die Nägel gingen durch sein Fleisch und die +Stricke schnitten tiefe Wundenstriemen. Aber der Mund blieb weit gezerrt. +Der Mund schrie in seiner Qual und rief: „Mich dürstet ...“ + +Seine Thränen tropften sehr schnell, er sprach: „Herr! Ich kenne Dich. Du +bist schön und der Edelste unter den Geschaffnen. Aber ich habe eine +Schönheit geträumt, grösser denn Deine. Und ich bitte Dich, dass Du mir +zeigest Deine letzte Schönheit.“ + +Aber der Mann am Kreuz schien zu lächeln. Seine Wunden wurden Rosen und +die Rosen fielen im rothen, duftenden Regen. Die Dornen um seine Stirn +waren Strahlen, die aus seiner Stirn brachen wie Sonnengluth. Vom Gold +dieser Strahlen wurde die Welt warm und tönend. – Aber die Schlange war +der Strick, der ringelnd niedersank. + +Und das Kreuz wurde der Baum, der Baum des Lebens aus dem Paradiese. Und +Er streckte seine Hand aus und brach von ihm die Frucht der Erkenntniss, +die roth war vom Blut des Lebens, in der Form des Apfels, der den Samen +birgt. Und Er reichte sie ihm hin und sprach: „Iss!“ + +Da fiel der hin wie sinnlos. + +Als man diesen aufhob, waren seine Augen blind. Er sah niemals wieder und +seine Haare waren weiss geworden wie die eines sehr alten Mannes. Aber er +hatte die Dinge geschaut, die unbeschreiblich sind, frohlockte in seinem +Herzen und pries jeden Tag Gott, bis an seinen Tod, der bald kam. Denn er +hatte in einer Stunde das ganze Leben gesehen und allen Kreislauf des +Gewordnen. Und die Fibern und Hirne der Sterblichen sind schwach. + + + + + + DAS SECHZEHNTE KAPITEL. + + +Aber seine Feinde waren sehr thätig und machten böses Geschrei wider ihn. + +Denn es war grosse Aufregung im Lande. Die Hungrigen und Arbeitslosen +thaten sich zusammen auf den Landstrassen, zogen hin und her und forderten +Brot mit lauter Stimme. Es kam auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man +Fabriken und Lagerräume verwüstete, Läden der Bäcker und Fleischer +plünderte. Wo man auf der einen Seite die Empörung niedergeschlagen mit +Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die Flammen wieder auf. + +Auch bestand eine Art Verbindung zwischen den Arbeitern aller Länder, dass +sie sich zusammenthun und Gewalten umstürzen wollten. Die Einen gaben +Geldmittel für die Andern, die feierten. Man vereinigte sich in +Kongressen, Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen +Ausstand. + +So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe war im Lande, denn Viele auch +der Gelehrten und Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, die +Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz allgemein machen sollte, +Andre eine Verstaatlichung der grossen Betriebe und Waarenhäuser. Viele +aber gar die ganze Theilung, wie es die armen Leute auf ihr Programm +geschrieben hatten. Und waren bereit für ihr Theil anzufangen, mitzugehen +mit diesen. Es gab selbst Priester der herrschenden Kirchen, die kühn +ihren Mund aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen von Habsucht +und Wollust. Die Armen aber nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, +dass ihre Sache gerecht sei. + +So befand sich Alles in Unordnung. Einige zogen hierhin, die Andern +dorthin. Welche sprachen: „Morgen wird die Befreiung kommen. Sie wird +kommen durch Waffengewalt, denn wir sind Viele. Sie aber sind Wenige. So +wir dazu kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, sind wir ihnen +überlegen zehnfach und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir müssen +nur einstehen Einer für den Andern und unser Pulver trocken halten.“ + +Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass sie zusammenhielten. Denn von +den Führern suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und hin über die +einzelnen Sätze. Die Rivalität der Nationen machte sich geltend, auch eine +Frage der Geschlechter, da die Männer die Weiber nicht wollten als voll +gelten lassen, diese aber wiederum sprechen und Herren sein wollten wie +Jene. + +In den gelehrten Büchern und Blättern stritten sie sich gleichfalls. Der +Eine warf dem Andern niedre Beweggründe und Tücken vor. Es waren nicht +Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es wohl meinten, waren schwach und +träumten. Die Andern aber wühlten und zeigten sich sehr thätig. + +Das ganz rohe Volk drängte zu Thaten. Sie sprachen: „Es ist besser wir +sterben, als wir tragen dies Leben länger, das schlimmer ist wie der Tod, +und setzen Kinder in die Welt, die Last weiterzutragen mit gekrümmtem +Nacken wie wir.“ + +Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. Sie sprachen: „Lasst uns +trinken! Wenn wir uns Muth getrunken haben, wollen wir gehen und +todtschlagen!“ Und schlugen blindlings drauf los, wen sie fanden. Die man +ihrerseits schlug und gefangen setzte wie wilde Raubthiere. + +Auch zu dem Fremden kamen Etliche von Solchen. Sie sprachen: „Sei Du unser +Führer! Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter Dir herziehen und +Du sollst unser Fürst sein.“ Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter +entstellt waren von Lastern. Der Geist des Branntweins war in ihren Augen. +Ihr Athem roch schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. Alle ihre +Bewegungen waren obscön. Sie schrieen nach Weibern und Trunk. So sie +solche hatten, nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht anders +waren sie denn Schweine. + +Und er antwortete ihnen kein Wort. + +Sie sprachen: „Du verachtest uns, weil wir schmutzig sind und übel +riechen. Sind wir nicht ebenso gut und besser denn Jene, die sich mit +Seife und Salben waschen, süsse Weine trinken?“ + +Er sprach: „Ihr seid nicht besser. Ihre Hände sind gewaschen. Sie brauchen +nicht rohe Worte. Sie essen und trinken ihr Maass. Ihre Leidenschaften +sind in ihren Händen wie gute und gehorsame Pferde. Sie wissen genug, um +voraus zu denken und rechnen zu können. Ihr Wissen giebt ihnen die Grenze +und Wirkung ihres Thuns. Ihr seid ganz schlecht und ganz nutzlos.“ + +Dann sprachen Einige: „So bist Du also ein Vornehmer und hältst es mit den +Reichen und Mächtigen?“ + +Er sprach: „Die Mächtigen und Reichen haben andre Laster wie Ihr. Sie +lügen, wo Ihr roh seid. Wenn Ihr fresst, kitzeln sie ihre Gaumen mit +scharfen und unnatürlichen Sachen. Wo Ihr dem Augenblick folgt, rechnen +sie mit List und legen Schlingen. Ein Armer sorgt nicht so um Leib und +Blut, lässt wohl sein Leben. Der Reiche zittert für seine Güter. Nichts +Lieberes ist ihm als das Leben, dass er sich Aerzte sucht, es zu +verlängern, noch im Tode mit Denkmälern und Bildsäulen sich ehrt, so er +doch todt ist, nichts wie Staub und Würmer. Der Arme ist weit ab vom +Reiche Gottes, weil er arm ist. Aber der Reiche ist weiter entfernt.“ + +Sie sprachen: „Sage uns, was ist das Reich Gottes?“ + +Er sprach: „Was Ihr Glück nennt, Frieden in uns und ausserhalb.“ + +Sie sprachen: „Wer hat das Glück? Und wie sagst Du, dass der Arme ihm +näher ist als der Reiche?“ + +Er sprach: „Der Reiche hat viele Bedürfnisse. So er nicht sein festes Haus +hat, Pferde und Dienerschaft, ein köstliches Essen, wie mag er sich +freuen? Der Arme bedarf des Allen nicht. Der unter freiem Himmel nächtigt, +braucht kein Dach. Der am Brot sich satt isst, bedarf des Fleisches nicht. +Wem Wasser genügt, was soll ihm der Wein?“ + +Sie sprachen: „Das ist ganz thöricht. Wir wollen Alle in Schlössern +wohnen, Fleisch essen und Wein trinken alle Tage.“ + +Er sprach: „Seht zu, wo Ihr es findet,“ wandte sich von ihnen und sprach +nicht mehr. + +Zu ihm kamen Andre, die sich klug dünkten, sprachen: „Wir wissen sehr +wohl, dass Du recht hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des Menschen. +Mit ihm erfindet er, verbindet Meere und Erdtheile. Sieh das System, das +wir aufgebaut haben, darin das Glück ist und Wohlleben für Alle.“ + +Er sprach: „Der Stein ist geduldig. Er trägt die Marke, die man ihm +eingräbt. Wie wollt Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die Kräfte +der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr +Herr; weil er ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, den sie +trägt. Kennst Du das Gesetz, das den Knaben leitet zum rothen Mord oder +die tugendsame Jungfrau zur Buhlschaft?“ + +Sie sprachen: „Wir kennen es nicht.“ + +Er sprach: „Es giebt kein Gesetz, das gut ist für Alle. Aber das Gute ist +in Allem. So Jeder gut thut, ist Alles gut.“ + +Das verstanden sie nicht und sprachen: „Es wird immer Schlechte geben.“ + +Er sprach: „So lange es sie giebt, ist Nichts gut.“ + +„So sollen wir gar nichts thun, die Hände in den Schooss legen?“ fragten +sie nun. + +Er sprach zu dem, der das sagte: „Thue Du für Dich! Mächtiger denn viele +Worte spricht das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn tausend +Gleichnisse. Einer, der stirbt für sein Leben, schafft zehnfaches Leben.“ + +Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie murrten gegen ihn: „Das haben wir +längst gewusst. Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. Es ist nichts +gekommen aus ihr und hat sich nichts geändert, seit die Sonne scheint.“ + +Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: „O dass Ihr hasstet oder +liebtet! Aber es ist nur Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die +Sonne nicht vor so vielem künstlichen Licht. Rom war besser und Babylon +war edler. Im blutrothen Blut müsst Ihr roth werden! Von den Flammen Eurer +Städte und Häuser werden in Euch Flammen aufschlagen! O Ihr armseliges +Geschlecht in Eurem Reichthum! Würmer und Elende in all’ Eurer Kunst!“ + +Da er weiterging, fand er einen sehr alten Mann. Der sass vor seiner Hütte +in der Abendsonne. + +Wie er vorbeiging, grüsste ihn der alte Mann. + +Er sprach: „Lass mich trinken und gieb mir zu essen von Deinem Mahle.“ + +Da gab ihm der alte Mann frisches Wasser, Brot und eine reife Frucht von +den Fruchtbäumen, die vor seiner Hütte wuchsen. + +Der alte Mann sprach: „Dies ist meine Nahrung Winter und Sommer. Ich nehme +niemals andre. Fleisch und Blutiges kommt nicht über meine Lippen. Und +Frucht der Traube nicht, deren Saft gegohren ist. Ich bin stark damit und +gesund. Nichts fehlt mir. Ein Arzt hat meine Hütte nicht betreten, seit +ich diese Lebensweise annahm. Winter und Sommer stehe ich zeitig auf. Ich +trage mein Holz selbst und reinige meine Hütte. Meine Mahlzeit bereite ich +mir mit meinen Händen. Ein wollner Rock genügt mir, wenn es kalt ist, und +ein leinener für den Sommer. Wasser reicht mir die Quelle vor meiner +Hütte. Mit meinen Händen habe ich diese Fruchtbäume gepflanzt, die um mein +Haus stehen. Mein Acker, den ich selbst bestelle, giebt mir mein Brot. +Meine Thiere sind meine Freunde. Sie hören meine Stimme. Wenn ich einsam +bin, leisten sie mir Gesellschaft. Ihre Nöthe sind meine Nöthe. Das Kalb, +das geboren wird, gehört mir, wie es zu seiner Mutter läuft. Sie kennen +keine Scheu und keine Furcht. Selbst die wilden Thiere des Waldes kennen +mich und kommen zu meiner Hütte, wenn sie Futter suchen. Die scheuen Vögel +unter dem Himmel setzen sich auf meine Hand, wenn ich sie ausstrecke, und +erzählen ihre unschuldigen Geschichten.“ + +Damit streckte er seine Hand aus. Kleine Meislein und Rothkelchen, die +hüpften und liefen, kamen kecklich, flogen auf seinen Finger. Sie pickten +an seinen Lippen, als ob sie anfragen wollten, setzten sich auf seine +Schulter und klappten mit den Flügeln. Rehe aus dem Walde traten heraus +ohne Scheu und nahmen ihr Futter aus seiner Hand. Die furchtsamen Hasen +machten friedliche Männchen, putzten und überschlugen sich. + +„Alle sind meine Brüder,“ sagte der alte Mann. „Meine Kinder, weil sie +schwächer und unkluger sind wie ich. Aber ihre Unklugheit ist nur +scheinbar. Sie wissen sehr gut, wie sie zu leben haben, wo sie ihre +Nahrung finden. Sie wissen auch, dass noch etwas Andres ist wie hienieden; +nur sie _wissen_ es und sorgen nicht. Höre!“ + +Im Busch schlug die Nachtigall eine sehnende Weise. So lieblich, so voll +Klage und schmelzendem, lockendem Zuruf! Das Reh sah ihn an mit treuen, +verständigen Augen. + +„Es ist nicht nur die Brunst, die sie lebendig macht für die Fortsetzung +dieses armen, kleinen, lebendigen Lebens. Weil sie fühlen, dass sie in +einer Kette sind, Alle zum Lobe Gottes, den sie preisen aus ihren kleinen +Kehlen, mit dem stummen Blühen ihrer Kelche, täglich. Das sind die +Unschuldigen der Natur. Ich liebe sie, obgleich die Menschen sie +verachten, sich klüger dünken in ihrem Stolz, ihrer Geschäftigkeit.“ + +Er aber erstaunte sich, so viel Weisheit und Demuth zu finden in einem +alten Mann. Ein wundersamer Mann war er, mit der grossen, viereckigen +Stirn, die das Denken ausgearbeitet hatte wie einen Marmorblock. Sein Haar +und Bart war langgewachsen. Er sah aus wie ein Bauer und war doch ein +Herr. Ruhende Stärke lag in ihm, der Blick, der über Viele sieht. Aber er +blieb milde. Seine Hand koste den Flaum des Rehs, wo es weich ist unter +dem Hals des Thiers. + +Er fuhr fort: „Früher war ich auch wie die andern Menschen. Hochmüthig und +geschäftig, verzagt in meinem Thun, wenn es nicht ging wie ich wollte. +Geschäfte der Könige wollte ich thun an Fürstenhöfen. Ich wollte weise +sein wie ihre Weisesten, lustig leben wie die Lustigen und Tollen. Ich +habe ihre Bücher gelesen. Ich habe Frauen geküsst. Ich habe um Reichthum +gesorgt und gerafft. Alles ist eitel. Glücklich ist, der Niemandes bedarf, +und Alles zu geben hat den Andern. + +„... Ich habe ihre Künste getrieben. Mir gefiel das schlanke Spiel der +Wörter, dass sie sich verwirrten und kreuzten wie blanke Schwerter – +auseinander sinken und zur Erde flattern, harmlose Strohhalme. Farben +liebte ich, die die Worte lebendig machen wie von getrunknem Blut, Töne, +die rufen, die locken und befehlen, weinen machen und lachen, wie es der +Zauber verfügt, der sie Alle regiert. – Ich berauschte mich selbst am +Wohlklang meiner Töne. Wollust war in der Farbe meiner Bilder. Meine Worte +waren klingelnd wie Schlittenklang, tönende Erze und hallende Schellen. – +Alles ist eitel. _Eine_ Kunst giebt es zu thun, was recht ist. Eine Farbe +der Wahrheit. Einen Ton, des Verlornen, den wir wiedergefunden.“ + +Er sprach: „Welches ist der Ton, den Du wiedergefunden? Lass mich hören, +dass ich weiss, ob es der rechte ist.“ + +Der alte Mann sprach: „Vor langen Jahrhunderten klang er am See. Am See, +der zwischen den Bergen liegt, Genezareth. Was da gesprochen in +himmlischen Tönen, durch die Zeiten und Alter klingt es als Wahrsang. Wir +zählen die Jahre. Der Sang ging verloren in Schwertschlag und Goldklink. +In blinkenden Fabeln von Wissen und Kunst. – Es giebt nur den. Niemals +ward er vollkommen.“ + +Er sprach: „Der Sang ist der rechte, den Du gefunden. In ihm liegt Alles. +Erfüllung und Leben.“ + +„In ihm liegt Antwort, Weisheit und Einfalt. Dreierlei seh’ ich die Zeiten +zu deuten: Dass Einige weigern Kriegsdienst zu thun, Verfolgung erleiden, +Gefängniss und Tod. Dass Viele erkannten, ihr Wissen ist eitel im weiseren +Wissen. Dass Keuschheit wieder die oberste Tugend, die Frauen erwachen, +die stark sind und künden. – Der bedarf nicht der Schätze, der die Perle +gefunden. Der Tod ist ihm Freund, der das Leben erkannt. Ich sitze hier +und warte des Todes. Des Führers harr’ ich, der einführt zum Tage.“ + +So nahmen sie Abschied. Der alte Mann sass ganz still auf der Bank vor +seiner Hütte. Um ihn liefen die Thiere, weideten, piepten. Er sah in die +rothe, sinkende Sonne. + +Die Sonne sank. + + + + + + DAS SIEBZEHNTE KAPITEL. + + +Dies geschah, als eine Empörung kam im Lande. + +Die Armen wollten nicht Hunger leiden und arm sein mehr. Es gab eine +grosse Anzahl der Arbeitslosen auf allen Landstrassen, weil die Zeiten +schlecht waren. Man hatte eine solche Fülle der Güter in den vergangenen +Jahren auf den Markt geworfen, dass Niemand mehr Waaren kaufen wollte. Das +Korn lag in den Speichern und verdarb. Das Fleisch wurde zu theuren +Preisen verkauft, weil die Händler nicht wussten was zu thun mit den +Massen ihres Viehs, Einige riethen es todtzuschlagen und zu vergraben. +Während die Armen Hunger litten. Sie zogen umher in grossen Banden, Weiber +und Kinder, müssig vom Morgen bis zum Abend, denn sie sprachen: „Was nützt +es, so wir doch keine Arbeit finden. Lasst uns essen und trinken und +todtschlagen, denn morgen sind wir todt.“ + +Gegen diese schickte man grosse Mengen Soldaten und Militair. Sie +vertilgten Viele von ihnen und schlugen sie in blutigen Schlachten, dass +das Blut auf dem Strassenpflaster floss, die Köpfe der Fallenden sich +zerschlugen am harten Stein. Ihr Gehirn stürzte aus den Schädeln gleich +Wasser aus festen Töpfen. Von Geschrei und Wehklagen war die Luft erfüllt +wie in einem Schlachthause. + +Es kam aber auch vor, dass welche von den Soldaten ihre Helme und Röcke +wegwarfen, zu den Feinden übergingen, neben welchen sie kämpften auf hohen +Barrikaden, in engen Strassen, die man versperrt hatte mit umgestürzten +Wagen, Matratzen und Möbelstücken aus den Häusern. + +Der Kampf wurde noch blutiger dadurch. Die Andern machten Jagd auf ihre +früheren Kameraden, schlugen sie todt wie die Hunde. Es gab keinen Pardon +mehr auf beiden Seiten. Das Gemetzel war furchtbar, dass alle Häuser +gefüllt waren mit Sterbenden und Verwundeten. Selbst die Leichen +verschonte man nicht, übte an ihnen grausame Verstümmelung, dass viele +zarte Frauen und Mädchen den Verstand verloren vom Grauen des Anblicks. +Die Leute, die sich verloren sahen, tödteten sich lieber selber, ehe sie +sich dem Feind übergaben in seiner Grausamkeit, der sie einschloss, +zusammenpackte in den Gefängnissen, getödtet zu werden oder gerichtet zum +Leben, wie es der Richter recht befand. Es waren junge Leute unter ihnen +von achtzehn und zwanzig Jahren, denen der Tod lieblich und glorreich +dünkte gegen Zuchthausarbeit und Ketten. + +Solches kam auch vor den König und verdross ihn sehr in seinem Herzen, +bekümmerte ihn, dass er keine Ruhe fand, oft nicht schlafen konnte in der +Nacht. + +So liess er sich den grossen Prediger der Socialisten holen, den er noch +immer im Gefängniss hielt. Denn wiewohl keine Ursache gegen ihn vorlag, +wollte man ihn doch nicht freilassen. Seine Name ward geschrieen auf den +Strassen. Viele behaupteten, dass geheime Verbindung bestand zwischen ihm +im Gefängniss und seinen Anhängern ausserhalb. Diese forderten laut, dass +man ihm den Process machte, ein Exempel statuirte zur Abschreckung der +Andern, weil er wohlbekannt war, sein Name als eine Fahne diente, der sie +Alle folgten. + +Dieser sprach unerschrocken vor dem König. „Es ist Deine Schuld so gut wie +dieser, wenn sie jetzt blutgierige Thiere sind. Ihr habt sie gehalten als +Thiere in Unwissenheit und Rohheit.“ + +Der König sprach: „Ich will ihnen ja geben. Aber ich kann ihnen nicht +Alles geben.“ + +Er sprach: „Es ist viel wichtiger, dass Du giebst, denn was sie nehmen. So +lange Einer hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner hat, sich +sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle zufrieden. Ausserdem dass es +Deiner eignen Seele gut ist.“ + +Davon wollte er nichts hören, schickte ihn immer und immer wieder weg. +Aber wenn seine Bekümmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig in +ihm, schickte er von Neuem und liess ihn holen. Und wollte nichts hören, +wenn seine Räthe drängten, sie sprachen: „Wir haben den Beweis und den. +Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein Hochverräther.“ + +So dass ein Gerede ging im ganzen Land: „Der Drechslergeselle ist mehr +denn unser König. Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat.“ + +Sie verbreiteten dies Gerücht mit Fleiss bis zu den fremden Königen, dass +diese Briefe schrieben, sich darüber bewegten. Alle sagten: „Er hat keine +Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in die Hände dieses Aufrührers +gegeben, der ihn am Narrenseil führt, eine Herrschaft der Bettler +errichtet über seinem Thron.“ + +Seine Räthe beeilten sich, dieses Gerede wieder vor den Fürsten zu +bringen, denn sie wussten, dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste +wie glühendes Eisen. Er hielt viel auf seine Würde, die er von seinen +Vätern ererbt hatte, und war noch ein junger Fürst, solchen Tand der +Majestät gewohnt von Jugend auf. + +Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten seine Schuhsohlen, während +sie ihm grobe Schmeicheleien sagten. „Dein Angesicht ist strahlender wie +die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss sterben und verkümmern.“ Sie +priesen seine Weisheit, die grösser sei denn die aller Gelehrten und +Weisesten im Land. Aber seine Macht war grösser als aller Könige ringsum. +So er nur wollte, war er der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde +blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren würde ihm folgen auf +allen seinen Fahrten. + +Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich den Reformator zu +verringern: „Wer ist dieser Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, +der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. Wie wagt er zu Dir zu +sprechen, den Gott selbst gesalbt hat! Könige sind gewesen von Anbeginn +der Zeiten. Wer wird die Macht haben, wenn Du sie nicht hältst? +Vielschwätzer, armselige, kleine Krämer und Pillendreher? Man denkt, dass +Du ihn fürchtest. Der Aufruhr zieht neues Blut aus seiner Gegenwart, weil +Keiner denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein Schweigen Recht giebt. +Du selbst bist erschüttert in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein +heiliges Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, der Höchste der +Sterblichen, ihnen zu Dienst und Anbetung gesetzt von oben.“ + +So peinigten sie die Seele des Fürsten, beugten sich in den Staub, gaben +grosse Feste. Böller donnerten, Fahnen wehten. Man brachte köstliche +Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in glänzenden Uniformen mit +blinkenden Waffen defilirten. Das Zucken seiner Wimpern war für sie +Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt Tausende. + +So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: „Es ist Alles zum Besten +eingerichtet. Da sieh doch! Und höre den Jubel meines Volkes bei meinem +Einzug.“ + +Der Gefangene aber blieb fest. „Es ist nicht gut. Von Dir wird gefordert +werden Gut und Böse.“ + +Dass sie sich nicht einigen konnten, der König ihn wegschickte im Aerger. + +Diesem stiess ein ganz seltsames Begebniss zu. + +Als er nach seinem Jugendfreund Johannes fragte, der sein bester Geselle +gewesen war, Rathgeber in allen Dingen, – und er hatte keinen lieberen +Freund wie ihn oder einen, der gerechter war und weiser, – sagte man ihm, +dass dieser sein Haus nicht verlassen habe, hielt sich eingeschlossen in +seinem Hause und antwortete Niemandem, nicht seinen Eltern, die ihn mit +Thränen beschworen, noch seinen Freunden, die um ihn sorgten, auch nicht +den Vorgesetzten, die ihn zu den Pflichten seines Amtes ermahnten. So dass +Jedermann anfing an seinem Verstand zu zweifeln, die seltsamsten Gerüchte +über ihn umgingen in der Stadt. Nur eine schlechte, wilde Katze hätte er +mit sich gebracht aus dem Walde. Er gab ihr zu essen und beobachtete sie +lange auf ihren Raubgängen. Des Abends kam sie sehr nahe zum Feuer und +schlief da zusammengerollt mit eingezogenen Krallen, während er wachend +dachte, das Oel nicht ausgehen liess Tag und Nacht. Ganz verwildert war er +in seinem Aeussern, mit langhängendem Bart und Haaren, dass alle seine +Freunde anfingen, an eine Verwirrtheit zu glauben, grosse und berühmte +Aerzte herbeizogen aus der Stadt und Gegend. Sie stellten ihm viele +Fragen, betasteten seinen Puls und die Zunge. Aber er antwortete ihnen gar +nichts. Sie konnten kein Zeichen einer Krankheit an ihm finden. + +Es war ein junges Mädchen in der Stadt, die Tochter eines angesehenen und +gräflichen Hauses, wohl angeschrieben bei Hofe. Diese hatte schon lange im +Geheimen eine Zuneigung zu dem jungen Prediger, wie kindliche, unschuldige +Mädchen fühlen, ohne davon zu sprechen oder gar demjenigen ein Zeichen zu +geben. Nur fehlte sie niemals in seiner Kirche, jedes kleine Geschenk oder +zufällig von seiner Hand Berührte hob sie sorgfältig auf. Traf sie ihn +unversehens, stieg sofort die hohe Röthe der Scham ihr in die Stirn, denn +sie schämte sich ihrer Sehnsucht nach dem Mann, in der Keuschheit ihres +Leibes, während ihre Liebe doch zugleich ihr höchste Freude und Seligkeit +war, also trefflich erschien er, wohlgelobt und hochgehalten vor allen +Menschen. Und war nicht, der an ihm rühren konnte, weder die Frechen, noch +die Lügner. + +So liebte sie allein im Garten sich zu ergehen, oder in ihrer Stube lange +zu sitzen mit dem offnen Fenster im Frühling. Sonst war sie sanft und +freundlich zu Jedermann, ein sehr liebliches, junges Mädchen, obgleich +zart, zierlich gebildet wie eine Maiblume, mit zu schweren blonden Haaren, +einer weissen Haut, unter der man die blauen Adern sah. Ihre Eltern, ob +sie gleich ihre geheime Zuneigung ahnten, sagten sie ihr doch nichts. Weil +sie so jung war, wollten sie sie nicht erschrecken, indem sie an die +Geheimnisse des Geschlechts in ihr rührten. Vielleicht hofften sie auch, +dass später sich finden würde, was noch fern war und Zeit hatte. Selbst +die alten Eltern des von ihr Verehrten wollten ihr sehr wohl, empfingen +sie oft und seine Mutter liess sie an ihrer Seite sitzen. Denn sie war ein +sehr anmuthiges und feines Kind, lind und kosend wie ein früher Lenzmorgen +unter Aprilschauern. + +Diese Jungfrau, als sie von der Krankheit ihres Geliebten hörte, dass +Niemand zu ihm sprechen könnte, er allein sass mit der hässlichen Katze, +machte sie sich allein auf, ohne irgend einem Menschen etwas zu sagen. Sie +zog ihr weisses Kleid an, das ihr ihre Eltern geschenkt hatten zu dem +ersten grossen Fest am Hofe, band ihre Haare auf, machte sich zurecht also +hübsch und zierlich, als sie vermochte in ihrer Jugend und Unschuld, und +ging zu ihrem Johannes hinauf in die Kammer, wo er sass und brütete. Und +die Katze hockte neben ihm am Feuer, blinzelte mit grünlichen Augen, +putzte sich zierlich und schlug mit den Pfoten in die Luft nach Fliegen. +So satt war sie geworden von all’ der Milch und dem guten Fressen, dass +ihr Körper rund erschien wie ein Ball. Er selbst war ganz eingefallen. +Seine Backen zeigten tiefe Löcher wie die eines Todtkranken. Er starrte +aus hohlen Augen und rieb die mageren Finger hin und her, eine Hand über +der andern. + +So erschien vor ihm die Jungfrau in all’ ihrer Scham und Lieblichkeit. +Aber er sah sie gar nicht, fuhr fort zu starren und die Finger +gegeneinander zu reiben. + +Sprach sie zu ihm: „Lieber Herr! Was fehlt Euch? Alle Eure Freunde sind in +Sorge. Eure Eltern weinen. Vielen ist es ein grosses Kümmerniss, Euch also +schwerkrank und schweigsam zu wissen.“ + +Darauf sah er sie wirklich an, aber immer noch ohne sie zu sehen, +gleichsam als schaute er durch sie hindurch, da, wo sie war, blieb nichts. +„Bist Du eine Katze?“ sagte er zu ihr. „Gehst Du des Nachts auf Raub aus, +wenn es dämmrig ist? Hast Du Junge, die Du säugst mit Deinem Blute?“ + +Solche Rede erschreckte sie. Sie konnte nicht anders glauben, als dass es +der Wahnsinn sei, der aus ihm redete. So kamen ihr die Thränen in die +Augen. Sie sprach mit thränenvoller Stimme: „Lieber Herr! Wollt doch zu +Euch kommen und Euch bedenken. Ich bin die Jungfrau Ottilia, die Ihr wohl +kennt. Ich bin hierhergekommen, weil mich die Sorge um Euch trieb und ich +Sehnsucht zu Euch getragen lange unter meinem Herzen.“ + +Denn jetzt in seiner schweren Krankheit dachte sie, dass es wohl Zeit sein +müsste, ihr Geheimniss preiszugeben. Sie wollte ihn aufrütteln. Sie +fühlte, dass es für sein Leben wichtig war, wenn er sprach. + +Er aber sprach: „Sehnsucht ist nichts. Auch Nachtwachen ist nicht viel, +Fasten und Hungerleiden. Ich sehne, sehne mich ...“ + +So kam sie noch näher an ihn heran, nahm ihn in ihre Arme. Denn ob sie +gleich ein Kind war und noch sehr jung, fühlte sie doch in ihrer grossen, +reifen Liebe, dass sie ihn retten musste, aus diesem ein Ende gefunden +würde um jeden Preis. Und nahm seine Hand. Aber seine Hand war kalt wie +Eis. Sie küsste seine Lippen. Diese Lippen waren trocken und ohne Athem, +fast wie die eines Sterbenden. + +„Sehnt Ihr Euch nach Liebe,“ sprach die Jungfrau, „so will ich sie Euch +geben, warm und geduldig, wie ein Weib zu geben vermag. Folgt mir nach +draussen, Lieber! Seht, die Sonne scheint und die Vögel singen freundlich +dem wärmenden Licht.“ + +Damit zog sie den Vorhang vom Fenster, dass die Sonne warm hereinschien. +Denn die Fenster waren verschlossen und verhangen gewesen die ganze Zeit, +und schwere, eiskalte Luft wie die des Grabes im Zimmer. + +Er fuhr mit der Hand über die Stirn: „Liebe – Liebe ...“ sagte er. „Das +ist Liebe einer Stunde, Wärme des Lenztags. Ich möchte die Sonne selbst +sehen. – Ich habe Sehnsucht nach dem Tode.“ + +„Der Tod kommt,“ sprach sie freundlich und ohne Zürnen, obgleich ihr Herz +aufschwoll, ihr weh war zum Sterben. „Aber erst ist das Leben. Seht, +lieber Herr! Alle Knösplein strecken ihre zarten Blätter. Alle leben und +athmen.“ + +Sie nahm ihn noch fester in ihre Arme und legte seinen Kopf auf ihr Herz, +dass er ihr Herz athmen fühlte, die Wärme ihres Busens ihn umfing. „Du +lebst jetzt,“ sagte er langsam. „Aber Du wirst todt sein. Würmer werden in +Dir wachsen, Du stinkst ...“ Er schleuderte seine Hände fort, als ob er +Würmer von ihnen abschlenkerte. Seine Nüstern zogen sich zusammen im Ekel. + +Dieses junge Kind in ihrer Einfalt und grossen Liebe schrak nicht zurück: +„Ich werde auch mit Euch sterben,“ sagte sie, „aber später. Es ist noch +lange hin. Dann giebt es ein ewiges Leben. Wir werden vereint sein. Alles +Fragen, alle Sehnsucht hört auf im Himmel.“ + +Diese einfachen Worte machten einen schrecklichen Eindruck auf den +Kranken. Er sprang plötzlich auf, fasste ihre beiden Hände in den +Gelenken, drückte sie zusammen wie in eisernen Ringen und schrie: „Das ist +nicht wahr. Es giebt keinen Himmel, es giebt keinen Gott und keinen +Teufel. Es giebt nur Aas und Maden. Diese Maden sind wir. Ekelhafte, +stinkende Maden!“ + +Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu reissen, roh zu lachen, +hässliche, unfläthige Worte auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig +und wohlgebildet früher. Aber die Schwere der Geheimnisse war zu viel +gewesen. Im Rathen über ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war +jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und fletschte die Zähne. + +Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, war es zuviel für ihr +zärtliches und noch so kindliches Herz. Sie fühlte wie einen grossen +Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken ging, ihr Besinnen und +Wollen. Sie fiel ohnmächtig hin. + +Dann stürzte er sich auf sie. Er riss sie an den Haaren. Er zerriss ihre +Kleider, zerfleischte ihr Gesicht mit den Nägeln, trat und beleidigte sie. +„Ihr – Ihr seid der Fluch der Welt,“ stiess er hervor. „Ihr habt uns zu +Grunde gerichtet. Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den Apfel gegessen +und nur zur Hälfte? Warum macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? +Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! Wir sind Götter. Wir sind +reine Geister. Die Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth +verkehrt. Ich habe die andre Hälfte wiedergefunden, die, die Ihr selbst +verzehrt habt. Ich bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin Gott! +Gott! Gott!“ ... + +Die Katze mit gesträubten Haaren, auf dem Kaminsims hockend, sah zu. Ihre +Augen funkelten bösartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. Als er +die Halbgestorbne zurückstiess, sprang sie ihr an die Kehle und biss sie +todt. + +Die Andern fanden diesen jungen Mann, der das todte Kind über seinen +Knieen hielt. Er hatte ihr die Haare wohlgeordnet und Frühlingsblüthen +hineingestreut. Ihr weisses Kleid war über sie gebreitet wie ein Leintuch. +Aus der rothen Halswunde troff das Blut. + +Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte sie putzend. + +„So viel Schönheit,“ sagte er, „so viel Unschuld und Güte. Das ist nun +Alles dahin – dahin.“ + +Und weinte über die junge, süsse Maid, nahm ihre Hände, küsste sie. Und +küsste ihre weissen, kleinen Füsschen in den seidnen Schuhen, die sie +angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem kindlichem Herzen: +Vielleicht, dass dieses mein Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des +schrecklichsten Todes. + +Dann seufzte er sehr tief, sagte: „So vergehen die Blumen. O süsse Blume! +Blume der Unschuld, der Güte und des Verzeihens! Sie hätte liebliche, +kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel hätten sie gesegnet. Keinem hast Du je +Unrecht gethan. Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich +bestürzt. Kein Anblick der Hässlichkeit Deinen Sonnenweg gekreuzt. Weint +nicht um sie, denn ihr ist wohl. Warum weint Ihr?“ + +Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank in tiefes Brüten. Da +Etliche die Katze todtgeschlagen hatten, nahm er den Balg auf, streichelte +ihr zerrüttetes Fell und bettete sie neben die Jungfrau. Die Hand der +Jungfrau lag auf dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, Eine wie +die Andre, von zierlichen Gliedern, weich anzusehen und zärtlich in ihrer +Geberde. + +Dies that er. Niemand konnte ihn hindern. Denn es war etwas Besondres in +seinem Wesen, weit weg, als ob er erhaben wäre über alles Lob oder +Anschuldigung der Welt. Und that, was er wollte. Denn es war Niemand, der +ihm zuwider sein konnte, oder erklären mochte, warum er so that. + +Etliche forderten, dass er vor Gericht gestellt würde um des Todes willen +der Jungfrau. Ihre Eltern waren reiche Leute, wohlangesehen bei Hofe. +Andre sagten, er sei nicht richtig in seinem Gemüth, das viele Lernen habe +ihn verwirrt. Diese hatten wohl recht. + +Da nun aber auch Etliche der Jungfrau nachsagten, dass sie mit Recht zu +Schaden gekommen sei, weil sie zu einem Manne gegangen um die einsame +Stunde, wurden sie bestraft. Denn wie man den Staub auf ihr Grab warf, +darin sie begraben war mit der Katze, blühten daraus Lilien auf. Also dass +das ganze Grab ein Liliengarten war. Die Lilien wuchsen ohne Unterschied +über der Jungfrau und über der Katze. Und war grosses Wunder vor allem +Volk. + +Er schwieg zu Allem. Da er vom Kirchhof zurückkam, legte er sein Kleid +nicht ab und zog seine Schuhe nicht aus. Aber er setzte sich an’s Fenster +und sah in die Nacht. + +So sass er viele Tage. Alle, die ihn mit Thränen beschworen, seine Eltern, +die klagten, die Freunde, die ihn lieb hatten, die Richter, die ihn +ausfragten, das Volk, das gegen ihn lärmte, sah er gar nicht. Er nahm +nicht Speise und Trank, sah in die Nacht gen Osten gerichtet und wartete +auf den Morgen. + +Zu diesem, da er noch in diesem Zustand war, kam der Fürst, weil er sein +Freund gewesen und der Vertraute seiner Jugend, der ihm guten Rath gegeben +in allen Dingen. Sein Wort stand fest wie ein Fels. Und es war eine Regel +der Gerechtigkeit, gerecht zu sein wie Johannes. + +Der Fürst, da er ihn so bleich sah mit grossen, unirdischen, blauen Augen, +erschrak er wie alle die Andern, sprach zu ihm: „Warum sitzt Du und +schaust in die Nacht? Denn es ist Nacht draussen.“ + +Er sprach: „Es ist wohl Nacht jetzt. Aber der Morgen kommt. Ich warte auf +die Sonne.“ + +Und wandte seine Augen wieder gen Osten, sass und wartete. + +Dann veränderte sich sein Benehmen. Er wurde eilfertig, thätig, voller +Freude, scheerte sich und legte ordentliche Kleidung an. Seinen Dienern +gab er gute Vermahnung, dankte ihnen für Alles, was sie ihm gethan hatten. +Als seine alten Eltern kamen, tröstete er sie mit freundlichen und +sonderlichen Worten: „Seid froh, liebe Eltern, denn es ist bald Zeit für +uns Alle, vereint zu sein. Ich habe Eure weissen Haare lieb, Eure Thränen +sind mir Lindigkeit,“ küsste ihre Hände. Einen jungen Bruder der Jungfrau, +fast ein Knabe noch, den er oft geliebkost, befahl er ihnen als Sohn, +segnete diesen und liess ihn nicht von seiner Seite. + +Es war aber schon die siebente Nacht. Danach als die Sonne aufging, that +er einen lauten Schrei: „Die Sonne! Die Sonne!“ ... fiel hin und war todt. + +Dies verbreitete grossen Schrecken über Alle, die es mit angesehen hatten. +Der Fürst blieb sehr bedrückt in seinem Gemüth, wurde nicht froh, griff +Dieses auf und Jenes, liess es wieder fallen in der wandernden Unruhe +seiner Gedanken. + +Es war aber sehr schwül im Gemach, unleidlich, vom sengenden Brand der +Sommersonne. Seit Wochen prallte die Sonne. Man konnte keine Frische +finden, weder auf der Terrasse, noch in den Gärten. Die ganze Luft schien +mit Feuer gesättigt und verschlang sich schwer wie stagnirendes Wasser, +das Uebelkeit hervorruft, eine Umwendung im Magen. Jeden Abend sah man am +Horizont Feuerspiele, vom Licht, das niemals ganz unterging, weil es in +den Ausströmungen der Erde selbst war, der lagernden Hitze, die nie ein +Regen erfrischte. + +Man sprach von einem Brand der Welt. Hass und Aufruhr schlugen sehr hohe +Wogen. Die sengende Hitze blies in’s Hirn der Menge wahnwitzige Gedanken +von Tod und Orgie. Sie sprachen: „Lasst uns sterben und saufen.“ + +Auf seinem purpurnen Lager ruhte der König. Aber er wälzte sich rastlos, +die Kissen aufwerfend und niederdrückend. Seine Finger stachen in weichen +Atlas. Seine Augenhöhlen schienen verbrannt von der Hitze, der +Schlaflosigkeit langer Nächte, die seine Lider mit Braun gemalt hätte, +dass die Pupillen wie Kohlenfunken glühten in einem Haufen von Asche. Von +den aufgesprungnen, gedörrten Lippen hauchte Glutathem. Das innere Zittern +schlug und schüttelte ihn wie eine ferne, aufreizende Musik. Er hatte +Fieber und der kühlende Trank des Arztes gab keine Labe. + +Durch die weiten Hallen des Palastes trieb das ruhelose Fieber den jungen +Fürsten. + +Alle Wände waren mit wundervollen Fresken und Gobelins verziert, +Grossthaten seines Hauses, Schlachten, Krönungen, Staatsakte. Auf +feurigen, sich bäumenden Schlachtrossen stiegen junge Helden, +lockenumwallte, im flatternden Helmbusch. Das ausgestreckte Schwert +deutete nach vorne. Der Brustpanzer gleisste. Unter den Hufen wand sich +formlos, ein Gequältes, Bezwungnes, der Drache, der Lindwurm der +Unordnung, der Feind. Andre waren ernsthafter. Sie standen gerade, +hierarchisch, die Mäntel flossen in weiten priesterlichen Falten. Eine +Hand hielt den Apfel, das Sinnbild der Gewalt, die andre den Stab. Ueber +der Stirn gleisste mystisch der Goldreif. Das waren die Sagenhaften, die +grossen Gründer, die Könige, Hirten, Väter der Geschlechter. Sie hüteten +und herrschten. – Es gab ganz geharnischte unter ihnen, schwarz in +schwarzen Rüstungen, wo das Gesicht klein, vogelartig schien unter dem +Eisen der Sturmhaube. Ihre Nasen bogen sich wie Raubthierschnäbel. In der +schweifenden Linie des Bartes wohnte die Grausamkeit. Sie hielten das +Schwert in eiserner Faust. Der Fuss im Stahlschuh trat auf graslose Wüste. +Einige beteten. Ganz junge Knaben waren, denen die schweren Gewänder zu +schwer erschienen, zu weit der gezackte Goldreif über zarten, bläulich +geäderten Stirnen. Sie verblühten in kaum erschlossner Knospe. +Melancholische schauten mit Schatten des Wahnsinns in erschrocknen Augen. +Heuchlerische mit tückischem Fuchsunterbau des Gesichts. Das Scapulier +hing an ihrer Hüfte. – Die Carreaus der Gemälde zeigten kleine Pläne der +Städte, Festungsbauten in Miniatur. Fröhliche Könige trugen zierliche, +gestickte Hoftracht. Der Falke auf der Faust zeigte den Jäger, das +lächelnde Auge den Freund der Damen. Und Kolosse folgten: Wandelnde +Fleischmassen, doppelte und dreifache Kinne, bartlose, saftige Lippen der +Wollüstlinge, kleine, feuchte, in Fett vergrabne Augen, das Ganze mit +Gold, Purpurstickerei überladen, unter enormen Perrücken, die sie grotesk +und übermenschlich machten. – Alles das wurde blasser. Ein Gedanke war +hineingekommen, eine gewisse Traurigkeit, Schrecken bei Einigen, +Resignation der Andern, unter der gegebenen Maske, derselben Decoration +von Gold, Kronen, Löwen, Hermelinfalten, – der Mensch, etwas Einzelnes, +Abgelöstes, Persönliches. _Der_ war gestorben in der Verachtung der +Menschen, nachdem er sie gegeisselt und gegängelt hatte. Dieser hatte die +Verbannung gekannt, das Unglück, den Verrath, die Demüthigung. Jener +Junggestorbne wollte und konnte nicht. Sein Nachfolger hatte gewogen und +klug gerechnet. Unter der gesuchten Bonhomie, dem fast gemüthlichen +Lächeln, lauerte der Tigerzug. – Sie hatten gewusst und durften nicht +sagen. Einige hatten sagen gewollt. Aber sie waren todt. Sie waren traurig +und unglücklich. – Ueber die ging man schnell hinweg, wie über Kranke, +deren Krankheit gefährlich ist und anstecken könnte. + +Er war der Letzte. Er war ein Ende ihrer Rasse. Sie betrachteten ihn Alle: +Die herrischen Augen, die ruhigen, satten, die anklagenden, +flackernden ... Zehn Jahrhunderte! Er war da. Alle diese Jahrhunderte +waren in seinem Blut, ein Stück von ihm. Es war sein Leben, was er schon +vorher gelebt hatte. Es erschien ihm furchtbar auf einmal – ein so langes +Leben! – eine Kette, eine erstickende Last, drückende Schwere ... + +Eine goldne Sonne war im Plafond des Saals gemalt. Sie schickte ihre +Strahlen nach allen Seiten. Kreisrund war diese Sonne, ohne Schatten, und +ihre Strahlen standen gerade wie geschliffne Schwerter. Goldne Leisten +liefen am Gesims entlang. In unnatürlicher, üppiger Fülle drängten sich +Beeren, Früchte, Blumen, die Ecken hielten Adler, Greifen und +Wappenschilder mit anspringenden Löwen. An den Fenstern fielen senkrechte +Purpurdraperieen. Sie fielen in runden, tiefen Falten einer Tuba. Dunkler, +lichtlos erschien der Sammet in den Wölbungen, tiefroth glühend in den +Schatten zwischen den Falten. Wie Priestermäntel fielen sie, rothe Güsse +von Blut, gleichmässig ausgegossen in immerwährendem strömenden Fliessen. +Alles Gold, zurückgeworfen im Glanz von hundert Spiegeln, ertränkte sich +im Purpur, ohne ihn zu erwärmen, der alles Licht verschlang, dunkler +wurde, satt, brutal, sich triumphirend breitete, ein Vampyr, der Oger der +Farben. + +Und er sah eine Jungfrau, wunderbarer denn sterbliche Weiber, und über die +Grösse der Frauen. + +Ganz von Gold erschien diese Jungfrau, leuchtender wie die leuchtende +Sonne. Das Gold schmiegte sich um ihre Schenkel in schmalen gehämmerten +Ringen von seltner Feinheit. Es umschloss ihre Arme wie in einem +Handschuh. Die Spitzen der Finger waren von dunklerem Golde wie in +Goldstaub gepudert. Es schuppte sich über ihrem Leib in gleissender +Schuppenbräune. Aber ihre Brüste waren aus reinem, geschmiedetem Gold, +aufrechtstehend mit geschliffnen Spitzen wie Schwerter. Sie trug einen +goldnen Helm auf dem Haupte. Der war geformt mit überragender Spitze wie +ein Helm der Pallas, aufrechtgestellter Fittich eines Adlers. Er stieg +sehr tief in die Stirn. Die Stirn war gebunden mit einer purpurnen Binde. +Purpurstreifen fielen nieder von ihrer Schulter und hingen nieder zu ihren +Beinen wie Lazzis, Striemen geschnittnen Leders, die benäht waren mit +Edelsteinen in Streifen und Kreisen. Bei jeder Bewegung funkelten und +blitzten die Steine, dass man nicht hinsehen konnte, die Augen geblendet +bluteten vom sprühenden Glanz der Steine. Sie trug in ihrer Hand zwei +stählerne Schwerter. Schellen waren an ihren Gelenken befestigt, die +klirrten und klangen. Der Arm reckte sich frei aus den Purpurstreifen der +Schulter. Wenn sie ihn bewegte, klatschten und fielen die purpurnen +Streifen wie Peitschenbänder. Die Schwerter kreuzten sich in der Luft über +ihrem Haupte und beschrieben Kreise, und fielen herunter. + +Die Haare dieser Jungfrau waren schwarz mit stählernem Glanz wie des +Rabenfittichs, roth vom aufsteigenden Gleisch der Flammen. Ihre Augen +waren grün wie Smaragden im Ring schwarzer Diamanten, die purpurne Lichter +schossen, dass ihr Glanz unerträglich war für den, der hineinsehen wollte, +der Blick gebannt sass in ihnen, hängen blieb wie die Motte in der Flamme. +Aber ihr Mund war Blut. Die Röthe ihrer Lippen war röther denn die vom +Blute, als ob sie Blut getrunken hätten, unersättlich gierig, frisches +Blut jeden Tages. Ihre Zähne waren Raubthierzähne, spitz mit geschliffnen +Spitzen. Zähne, die bissen in Fleisch, das blutete. Dieses Blut tranken +ihre tödtlichen Lippen. + +Und er wusste, dass diese Jungfrau „die Macht“ hiess, Helena von Troja, +Judith und Herodias, Cleopatra, die Aegypterin. Sie war von königlichem +Geschlecht, eine einzige Jungfrau in der Welt und gab mehr Wollust denn +Jede. Und es hatte sie nie ein Mann besessen. Alle, die sie freiten, waren +gestorben. Sie hatte ihr Blut getrunken. Und es war ihr Blut und ihre +Kraft, die sie so schön machte, unwiderstehlich und herrlich vor den +Sinnen der Männer. + +Und sie tanzte vor ihm. + +Sie tanzte. Sehr langsam wandte sie sich und ihre Schulter kehrte an ihren +Platz zurück. Sie hob den Arm. Und der andre Arm stieg rund auf, die Brust +aus den Hüften reckte sich in langsamer, schwellender Anstrengung. Einen +Moment blieb sie weit vorgeschoben, keuchend, wie eine gezüngelte, +gefährliche Schlange, während die Beine angenagelt warteten, zitternd, +gezwungen. Im Kopf, zurückgebogen, schlugen die Lider. Der Hals strebte +weiss, liliensehnsüchtig unter dem blutigen, dürstenden Bogen der +Lippen ... Eine Woge schien die harte Linie der Schultern zu verwirren. +Das Kinn sank zur Seite mit einem Seufzer. + +Kriegerische, wilde Musik schien sie zu wecken. Sie richtete sich auf ganz +erzitternd. Man sah das Erzittern vom Fuss bis zur Helmspitze laufen, wie +eines Uhrwerks, dessen Feder man berührt hat, das sich in Gang setzt. Die +Hüften krümmten sich abgezeichnet zum Sprunge. Ganz vorgeneigt, das Kinn +in der Luft, beide Hände flach ausgespreizt, dass die ganze Last des +Körpers auf der Zehe ruhte, horchte sie. – Sie bückte sich noch tiefer. +Die Spitzen der Brüste schienen den Schooss zu berühren. Sie kroch. Sie +schnellte sich. Sie stiess einen rauhen Schrei aus. Die Finger griffen +krallend in die Leere. Hart über dem Boden wie im Anzug einer Armbrust, +bohrte der Ellbogen, ein Tremolo, das nicht nachliess, rascher und rascher +wurde. – Sie war wach geworden. + +Ihre Zunge gegen ihren Gaumen gab einen Lockton. Sie warf sich nach +rechts. Sie schnellte ihre Schultern nach links hinüber. Der Hals im +scharfen, zuckenden Rücken gab das Tempo an. Ein Fuss stahl sich tastend +vor. Der andre folgte in schürfender Schleife. Ihre Kniee tanzten. Sie +gaukelte in den Hüften. Die Erde liess sie. Sie flog auf, ihr gellendes +Tambourin schüttelnd. + +Das war die Bewegung. Die Erde belebt durch den Willen, unsterbliche Kunst +des Ausdrucks. Es giebt keine Schwere. Kein Gesetz der Unwandelbarkeit +hemmt. Der Körper spricht. Die Formen singen, das Fleisch hat Seele. – Sie +tanzte. + +Sie marschirte in einem tönenden, triumphirenden Marsche. Ihre Sohlen +stampften den Boden wie Schlachtrosse, schwere Kolonnen Gepanzerter. Der +Leib zwischen den stelzenden Säulen der Beine schien getragen wie eine +kostbare Last, ein Altartisch köstlicher Güter, der avancirte, langsam, +feierlich, mit der Feierlichkeit und Langsamkeit einer Procession. Ihre +Arme blieben steif wie die Arme einer Statue, einer ehernen Jungfrau, die +zermalmt, was sie an ihren Busen drückt. Sie näherte sich wie ein +Traumbild, ein schrecklicher Alpdruck der Fiebernacht, die schwarze Venus +der Aegypter, der Leben gegeben ist. ... Wie man Elephanten zur Schlacht +ruft, in kurzen Stössen, antworteten die Schellen und Schwerter. + +Sie tanzte. Sie stiess kurze, wilde Schreie aus wie Möwengekreische über +dem Sturmmeer. Ihre Arme schlugen die Luft aufgescheucht. Ihre Füsse +suchten mit gekrümmten Spitzen im sich steigernden Zittern, der Furcht, +des Wunsches, der Raserei. Sie drehte sich. Ihre Haare peitschten den +Boden wie ein aufgespanntes, schwarzes Pfauenrad. Die unteren Glieder +schienen sich zu verschieben mit den Gelenken der oberen im verzweifelten +Wunsche der Vermählung. Losgelöst zwischen den Hüften, eine Blüthe im +Sturmwind, schwankte und bog sich die Taille. Sie zerbrach sich, knickte. +Mit irrem Klopfen huschten die Finger in der Leere. Kleine Wehmuthsrufe +schrillten die Schellen, Klagegezwitscher flatternder, fremder Vögelchen. + +Diese Drehung wurde schneller, schwindelnd schnell. Schnell, wie von +Rädern, Maschinen, Stählernem. Man unterschied die Töne der Schellen und +Castagnetten nicht mehr. Es war ein Wirbel, ein zügelloser Tanz, +Sichineinanderverschlingen der Töne. Die Arme waren die Flügel einer +Windmühle, die sich schwangen im Drehen. Roth und goldne Streifen. Sie +peitschten, flogen. Die Felder wurden Kreise. Vom Boden, Kreisel gleich, +immer an derselben Stelle, wirbelten die Fussspitzen. Sie war ein Kreisel +im Ganzen, mit der weiten Fläche nach oben, ein Rad, eine Blume, eine +Libelle aufgespiesst an einer Nadel, eine rothgoldne Rose, über der das +Gesicht schwebte, unbeweglich, zurückgebogen mit lächelnden Lippen unter +dem goldnen Helme. + +Sie drehte sich, drehte. Sie war die Sonne. Rothgoldne Sonne. Die Lazzi +waren Strahlen. Strahlen waren ihre Arme und Beine. Die Brüste waren die +Scheibe, die stille stand, mit metallnen, weissglühenden Spitzen. Sie +stachen wie brennende Eisennadeln. Ein Athem von Blut und Hitze schlug +über ihn hin. Immer wieder Hitze und Blut, roth und gold, nur noch eine +Farbe bildend, die der Wollust, der Frau, der Bewegung. – Der Lustwille +des Feuers, der die Erde dreht, in den Adern kocht wie Gluthsud. + +Das war keine Frau mehr, die Frau nicht. Das war die Schlange, spiegelnd +in allen Farben des Universums, die glorreiche, erste Schlange, sie, die +herrlicher war denn alle Thiere. Sie richtete sich zischend auf mit ihrem +ganz weissen Leibe, der goldnen Krone und der blutrothen, dürstenden +Zunge: Und wirst wie Gott sein ... Wie Gott. Wie Gott. ... + +Er hielt sich nicht mehr: „Sei mein!“ schrie er auf. „Sei mein!“ + +Diesen Abend unterzeichnete der König das Todesurtheil des grossen +Demagogen. Er wurde im Gefängniss hingerichtet in der Frühe, ehe die Sonne +aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden in der Stadt. + +Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den Tod müde war und das Sterben +nahe fühlte, wurde eine wunderbare Tröstung zu Theil. + +Er sah plötzlich an sein Lager treten eine Frau, eine vornehme Dame, in +der Tracht einer Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser von ihrer +Schulter und sprach: „Trinke, mein Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe +gesehen und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. Jetzt weiss ich es +besser und Niemand soll uns mehr trennen.“ + +Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die ihn damals angesehen hatte im +Wagen, da er noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch diejenige, die +zu dem Fremden gesprochen hatte am Brunnen. – Es befand sich aber, dass +diese edle Frau und Gräfin gestorben war in derselbigen Nacht, also eine +mysteriöse Geschwisterschaft gewesen zwischen ihnen, die Vielen +unbegreiflich dünkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals so niedrig +gewesen, und einer hochgebornen Dame. + +Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen Etliche und sagten sie dem +Fremden. + +Er sprach: „Er war ein Starker, stark vor allen Menschen, den selbst die +Könige hörten. Er ist nun dahin und nichts bleibt von ihm übrig.“ + +Sie sprachen: „Hat er denn nicht recht gethan mit dem, was er forderte, da +er von den Königen und Mächtigen forderte?“ + +Er sprach: „Die Könige und Mächtigen sind nicht die, die geben können. Von +innen muss es kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die Bettler die +Letzten sind, werden die Könige die Ersten sein. – Es ist aber auch +möglich, dass es von einem König käme.“ ... + +Sie wollten, dass er dies noch näher erklärte. Aber er sagte nichts und +ging weit fort in eine einsame Gegend. + + + + + + DAS ACHTZEHNTE KAPITEL. + + +Ueber dem Schlachtfeld war die Sonne untergegangen, eine rothe, müde Sonne +des Spätherbstes, die zerfliesst in einem Blutmeer. Man sah nur noch +Streifen von ihr wie lange Wundenstriche, rothe, zerflatternde im Grauen. +Sie wurden dunkler. Die Finsterniss schien in sie einzudringen, vage +Grüne, Violette. Alles starb in einem brandigen Nebel. + +Zweimal über den Acker waren die Heere dahingestampft. Erst die +Flüchtenden, Fussvolk und Reiterei durcheinander in wilder Panik. Oft +gingen die Letzten über die Ersten. Dazwischen schob man Geschütze, +Munitionswaggons. Wo die Pferde nicht genügten, halfen Männer mit. Andre +hatte man im Stich lassen müssen. Sie lagen in unnatürlichen Positionen, +mit aufgereckten Hälsen, zerbrochnen Rädern, unschädlich gemachte +Eisenungethüme, Sättel, Flinten, Uniformstücke, Leichen. Zuerst hatten die +Pferde versucht, sie nicht zu treten. Aber man spornte sie an. Es galt das +Leben. Die zu schwach oder verwundet waren, blieben zurück. Eine Zeitlang +hatten sie sich fortgeschleppt. Oder Andre zogen sie mit. Dann hatte man +sie verlassen. Sie schrieen. Manche versuchten noch zu kriechen, sich +weiter fortzubewegen, anzukrampfen. Sie gaben es bald auf. Die gingen hin. +Dann war nur noch ein einziges, zielloses Trappeln von Zweibeinen, +Vierbeinigen, Rädern, die liefen, liefen ... + +Man ertheilte noch Commandos. Berittne Offiziere sprengten ab und zu. In +einigen Abtheilungen herrschte eine gewisse Ordnung. Sie hielten sich von +den andern getrennt und marschirten rhythmisch. – Man sah sehr hohe +Offiziere mit den Abzeichen ihres Ranges, einen alten General auf seinem +weissen Pferde. Sein Gesicht war vollständig schwarz vom Pulver und Staub. +Er opferte sich auf. Er war überall. Man hörte seine Stimme wie die eines +Hirten. Einige junge Rekruten acclamirten ihn. Man wusste, dass dieser ein +Held war. Er konnte nichts mehr ändern, die Eile des Rückzugs nahm zu. Sie +fühlten den Athem des verfolgenden Feindes im Nacken. Einige hatten Alles +weggeworfen und liefen laut schreiend. Sie wussten nicht, wohin sie +liefen. Nur eine Angst beherrschte sie, sich zu verlieren, +zurückzubleiben, einzeln zu sein, getrennt von der Horde, die rannte, +galoppirte. Sie hatten sich wie Männer geschlagen, Tage und Wochen lang, +an diesem Tage. Das war Alles, was blieb, ein Gruselgefühl, die Empfindung +der Ohnmacht des Einzelnen in dem des Ganzen, des Geschlagnen, Besiegten. + +Sie liefen, liefen für ihr Leben. + +Diesen nach brauste der Sieger. Da waren die Pferde zuvorderst. Sie +griffen mächtig aus in weiten, jagenden Sprüngen. Ihre Reiter feuerten sie +an, wie man Jagdhunde anfeuert, eine Meute auf der Fährte. Diese sassen +aufrecht im Sattel, zurückgeworfen. In ihnen lebte nur noch die Lust zu +fangen, zu stechen, abzuthun, Feuer des Kampfes und der Stolz des Sieges. +Ein ganz junger Kürassier fiel auf, ein Knabe noch, bartlos. Er sah aus +wie ein rächender Engel mit schrecklichen, offenen Augen, den Mund +dürstend emporgehoben. + +Das Fussvolk folgte langsam. Diese installirten sich auf dem Schlachtfeld. +Sie bezogen Vierecke und Gassen. Man pflanzte die Geschütze auf in einer +Art Park. Feuer zum Kochen wurden angezündet. Alle diese Menschen +rieselten von Schweiss, waren zu Tod ermüdet. Sie schliefen, eh’ sie noch +daran dachten, zu essen. Mit geöffnetem Munde, in der Stellung, die sie +gerade innehatten. Zwischen Ueberresten des Tages, Leichen und +Pferdeäsern. + +Die Barmherzigkeit begann ihr Werk. Man sah sie mit Laternen herumgehen, +irrenden Glühwürmchen vergleichbar, weissgekleidete Gehülfen, rothe Kreuze +auf den Aermeln, dunkle Gestalten der Aerzte. In der Eile wurden Tische +aufgeschlagen, Verbandzeug entrollt, in dem Schwestern hantirten. + +Ein Zelt war hergerichtet. Da schnitten, sägten, verbanden die Aerzte die +ganze Nacht. Wenn Einige vor Erschöpfung umsanken, traten Andre ein. Aber +der Aelteste wurde nie müde. Bis über die Ellenbogen im Blut, mit +triefender Schürze, ein kurzes Wort hier und da, that er seine Arbeit. + +Auf dem Schlachtfeld selbst, einem kleinen Hügel gegenüber, hatte der +siegende Feldherr sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auch da ging es +lautlos zu. Adjutanten glitten wie Schatten. Man sah es ihnen an, sie +kamen sich ausserordentlich wichtig vor. Jetzt gingen die Depeschen in +ihre Hauptstadt. Sie würden die Helden des Tages sein. Man sprach von +ihnen. Mancher schwebte sich schon wieder im glänzenden Salon vor, +männlich ernst in hochgeschlossner Uniform, die zärtliche Huldigung der +Schönheit entgegennehmend. Man würde sagen, dass der Feind tapfer war, der +Krieg ein grosses Unglück sei. – Je näher sie dem General kamen, seiner +Person und seinem Rang, desto ernsthafter und wichtiger wurden sie. Sie +befahlen gleichgültige Dinge, eine Tasse Thee oder kalte Zunge, mit der +Miene von Diplomaten, die über Sein und Nichtsein von Staaten entscheiden. +Niemand war heiter oder betrank sich. Das war für die Troupiers draussen, +die gewöhnliche Mittelsorte, das Kanonenfutter. Der General liebte +dergleichen nicht. Man entsann sich nie, ihn lachen gesehen zu haben. Die +Soldaten liebten ihn. Er war einfach und gerecht. Das ist ein sichrer Weg +zum Herzen des gemeinen Mannes; er erkennt die Comödianten sofort, +sogenannte Liebenswürdigkeit ist ihm als Laune verdächtig. – Niemals sah +man diesen Feldherrn Vorlieben haben. Er liebte seine Soldaten. Er that +seine Pflicht. + +Der General war allein. Er hatte seine Berichte abgefasst, schlicht, ohne +Zusätze und Phrasen, wie es seine Art war. Die Schlacht war gewonnen, die +Verfolgung im Gange. Die Kreisbewegung, durch die er den Feind in die +Mitte nahm, ihn dann von allen Seiten zugleich zermalmte, hatte sich als +vollkommner Erfolg bewiesen. + +Er war ein Greis von beinah achtzig Jahren. Aber ein sehr starker Greis. +Man sah es seinem Gesicht an, dass er das Klima aller Zonen getragen +hatte. Sein Ruhm stand ehern wie ein Felsen. Unerschütterlich wie sein +Ruhm war seine Gerechtigkeit. Dieser Mann verzieh nicht. Er strafte auch +nie ungerecht, weil er die Macht dazu hatte. Seine Siege waren wie die +eines Richtschwerts, das aufgehoben ist und fällt. Er besass keinerlei +Eitelkeit, keine Leidenschaften und Schwächen. Sein junger, einziger Sohn +war gefallen in diesem selben Krieg, gegen den General, den er heute +vernichtet hatte. Dies erbitterte ihn nicht. Es machte ihn auch nicht +weicher. – Er war ein grosser Mann. + +In dem engen Zelt war es heiss. Ein fader Geruch war in der Luft, von +Pulver, zu vielen Menschen, stehendem Blut. Selbst in dieser Nachtkühle +machte er sich bemerkbar. + +Der Adjutant schlief im Vorzimmer auf einem Stuhle. Es war ein junger +Edelmann aus einer sehr vornehmen Familie, äusserst correct immer mit +blendend weisser Wäsche und gefeilten Nägeln. Wenn er den General gesehen +hätte, wie er aufspringen, eilig sich neben ihn rangiren würde: Excellenz +befehlen dies – geruhen das –! Jetzt im Schlaf sah er dumm aus wie ein +Hammel. Er träumte nicht einmal. Er dachte an gar nichts. + +Er schritt über mehrere Schläfer. Die Wachen präsentirten. Es waren +Soldaten von seinem Leibregiment, seinem eignen Heimathsregiment. Dieses +Regiment hatte eine lange, glorreiche Geschichte. Er dachte daran, dass +sie heut’ sehr schwere Verluste gehabt hatten. Es that ihm weh. Er +verabscheute den Gedanken. Alle hatten verloren. Tausende waren geblieben, +Freund und Feind. + +Da bivouakirten auch andre, frische Regimenter, die erst eben auf dem +Schlachtfeld angekommen waren, noch nicht mit am Triumphe theilgenommen +hatten. Diese waren prächtig. Das Metall der sauber zusammengestellten +Waffen blinkte. Sie schliefen in ihren Uniformen bis an den Hals +zugeknöpft, noch im Schlafe stramm und gerade. Alles ausgewählte junge +Leute. Man hatte sie noch immer gut genährt. Die Landsleute hatten ihnen +zugetrunken auf dem Marsche. Sie fürchteten sich nicht und schliefen mit +einem leichtsinnigen Soldatenliedchen auf den Lippen. + +Für ein andres Mal reservirte man diese. + +Er ging über das Feld. Der Boden war hartgestampft, wie um niemals wieder +weich zu werden. Man konnte nicht sagen, was vorher darauf gewachsen war, +Gras, Gärten oder Weizen. Er war Stein jetzt, zerhämmert, geschmiedet von +Millionen Füssen und Hufen. Im Ring die Berge behielten ihre alte Form von +Wellen, Rücken. Ihre Abhänge waren mit Leichen gedüngt. Jeder Einzelne war +für sich getrennt mit ungeheuerster Anstrengung genommen worden. Den +ganzen Tag hatten ihre Flanken Feuer gespieen. Es brachte sie nicht aus +dem Gleichgewicht. Sie waren Ewige, Steinerne. + +Er sah einen prachtvollen Menschen zu seinen Füssen lang ausgestreckt. Der +war mausetodt, in’s Herz geschossen. Ein ganz junger Mensch, wie ein +Achilles. Er bewunderte das Viereck der Schultern, dieses herrlichen +Brustkastens. Das Gesicht war ganz unentstellt. Er lag da wie auf dem +Paradebett, ein gefällter Eichstamm. + +Vierzig Jahre und fünfzig hätte er noch leben können. Und er, der General, +war achtzig, ein kleiner, müder, gebrechlicher Greis. Der Krieg blieb eine +schreckliche Sache. + +Von der einen Seite aus den Gebüschen kam Wimmern. Schwerverwundete hatten +sich da hingeschleppt, die Sanitätscolonnen hatten sie noch nicht +entdeckt. Es klang wie Hundegewinsel. Manchmal stockte sein Fuss wie in +Leim. Er zog ihn mit einer Art Ekel zurück. + +Grässlich waren die Pferdecadaver. Sie hatten nicht die Würde, die der +Mensch unwillkürlich im Tode bewahrt, oder sein Menschenthum ihm gewährt. +Und etwas Schrecklicheres. Als ob sie fragen wollten: Warum? Das stupide, +blödsinnige Warum? der Unbewussten. Gigantisch waren sie mit hängenden +Bäuchen, unter denen Pfühle standen, in der Ungeschicklichkeit der +leblosen vier Beine, gebrochnen, vorgequollnen, fischigen Augen, – während +die Menschen sehr klein erschienen, holzpuppenhaft. Wo Granaten crepirt +waren, lagen abgerissne Stücke, groteske Nacktheiten – beinah lächerlich. +Wie hässlich der Tod war! + +Freund und Feind lagerten durcheinander. Es war gar kein Unterschied mehr. +Die meisten zeigten diesen selben Ausdruck dummen Schreckens. Man konnte +fast sagen betrübter Kinder, die man mitten im Spiel unterbrochen hatte. – +Er wunderte sich fast, so wenig edle und heroische Gesichter zu sehen. +Dieser junge Mann war beinah der Einzige gewesen, der der Vorstellung +entsprach, die man wohl in Heldengedichten hat oder auf Denkmälern, wenn +über dem gefallnen Krieger der Genius die Fahne schwingt. Dann sagte er +sich: „Wie könnte es auch anders sein? Was sind diese Leute? Wo kommen sie +her? Was wissen sie von den grossen Ideen des Vaterlands, der Herrschaft, +der Volksehre, für die sie sich schlagen? Es ist sonderbar, dass sie sich +überhaupt schlagen, Heerdenzug, Schafsintelligenz. Was sind sie? Was ist +ihr Werth?“ + +An dem Hügel war der Kampf am heissesten gewesen. Da lagen Leichen dicht +wie abgemähte Schwaden. Immer dieselben Uniformen. Nach ihrer Lage und +Fallrichtung konnte man deutlich die Stellung des Feindes erkennen. Der +ganze Kampf war da aufgezeichnet in menschlichen Ueberresten. – Etwas +Dunkles verschwand im Schatten. Abgehackte Finger, nackte Todte verriethen +unmenschliche Hantirung. Mit einer Geste des Ekels wandte er sich ab. +Leichenraben! Schakale – das rief ihm einen Spion zurück, den er den Tag +zuvor hatte erschiessen lassen. Seine Frau hatte für ihn gefleht und +gebettelt, eine elende, zerrissne Schlumpe. Sie hatte ein Kind an der +Brust, einer hängenden, welken, ekelhaften Brust. Die Andern hingen in +ihren Röcken. Natürlich war die Gerechtigkeit vollzogen worden. Ein +Schuft! – er hatte eine Frau – kleine Kinder ... + +Ein Windzug hatte sich erhoben und kam über das Schlachtfeld, ein +trauervoller, trauriger Wind der Feuchtigkeit mit tappenden Flügeln. Er +brachte ein Röcheln mit. Gar nicht boshaft oder zornig. Ganz sanft. Aber +es setzte nicht aus. Es erhob sich wieder in weiten Entfernungen. Und +starb im Winde. Vielleicht war es mehr ein Geist der Klage, als die Klage +selbst. Vielleicht war es die Hallucination des Orts. Dieser Ort war +traurig. + +Vielleicht litten sie gar nicht. Es war nur das Räderwerk der Maschine, +das auslief. – Eine Fratze grinste ihn an, schauerlich, idiot, mit +heraushängender Zunge und glotzenden Augen. Der auch war für’s Vaterland +gestorben. Welches zusammengewürfelte Material, diese Haufen der Todten! – +Ernsthafte Familienväter mit Vollbärten. Sie hatten zur Waffe gegriffen, +weil man sie angriff. Ihre Beschäftigung war, den Acker zu bauen, Städte +aufzurichten. Ruinirte junge Lebeleute. Verbrechervolk, Jugend aus +allerlei Ländern, die mit lachendem Mund in Abenteuer rennt. Jetzt war +Alles dasselbe. Alles hatte aufgehört, die Sorge, der Leichtsinn, die +Liebschaft. Was ist das Leben? Was ist alle Mühe, die man aufgewendet hat, +es zu schützen? Diese ewige Erneuerung, zu der alle lebenden Wesen sich +gezogen fühlen? + +Er rief sich die grossen Momente seiner Existenz zurück. Die Befreiung, +der schreckliche Zug durch Schneegebirge, die athemlose Erregung, als ein +Volk mit Thränen und Gebeten ihm folgte wie die verwittwete Mutter ihrem +Erstgebornen ... Wie sie ihm entgegenstürzten, vom Hunger ausgemergelt ... +Männer weinten wie kleine Kinder. Sie küssten ihm die Hände. Er war Gott, +der Retter! Sein Einzug – das ganze Land schwoll ihm entgegen wie eine +zitternde, erwartungsvolle Geliebte. Er sah es zu seinen Füssen. Sie +küssten ihm die Füsse, die Steigbügel. Alle Ehren und allen Ruhm hatte er +gekostet. Er war alt geworden und traurig. + +Er blieb plötzlich stehen. Das Röcheln war ganz deutlich geworden. Es +klang wie das Weinen einer Kinderstimme. Dann in einer andern Sprache, +doch sehr vernehmlich, hörte er: „Mama ... Mama ...“ + +Der General zitterte. Es war ein ganz junger Bauernknabe von den Feinden, +erbärmlich jung, viel zu jung. Ein spitzes, blasses Gesicht, zwei Augen, +überirdisch. Der Schuss musste im Unterleib sitzen. Er litt. Er streckte +die Arme aus. Er rief nach seiner Mutter. + +Da – da war die ganze Tragödie des Krieges, die ewige Feindschaft, die +Mutter, die immer wieder gebiert, nährt, hofft. Und man nimmt ihr immer +wieder, tödtet, vernichtet. + +„Mama ... Mama ...“ schluchzte der kleine Bauernjunge. + +Er war vielleicht ein Held. Er wusste es nicht mehr. Vielleicht wäre er +ein Mann geworden, hätte getödtet, geherrscht, vernichtet seinerseits. Er +fror. Er hatte Schmerzen. Er fürchtete sich. + +„Mama ...“ rief er. „Mama ...“ + +Und er dachte an eine andre Mutter, diese eine tragische Mutter, schwarz +in schwarzen Schleiern. Die eigne jähe Wunde fing an zu bluten. Sie hatte +nicht geweint. Sie hatte ihn nicht gebeten zu bleiben. „Gott segne Dich!“ +sagte sie und hatte ihn geküsst. + +Und über ihr wieder stand eine noch grössere, tragischere Mutter. Eine +Königin – sein Land, sein ganzes Land in Trauer. Es schickte seine Söhne, +ohne zu klagen, bleich und erhaben. Er gab und die Andre gab ... +Opfergabe, hinter der die Mütter standen, die vielfach Gestorbnen, die +zehnmal Gekreuzigten – Sie, die wahren Leidenden, die wahre Grösse, +Lebensträgerinnen ... + +Und ein andres erstaunliches Phänomen machte ihn betroffen. An einem +Dornstrauch, der Blut trug, weil ihn die Flüchtenden gestreift, halb +zerstampft, niedergetreten, ein elender Stummel nur, ein einziges noch +lebendiges Hölzchen, – blühte eine weisse Blume. Sie musste sich erst eben +erschlossen haben. Sie duftete – sie blühte ... + +Er sah die Mutter der Mütter. Er sah die Natur treibend und unverletzt, +trotz Brand, Tod und Blutregen, den Acker, der seine Frucht trägt, den +Baum, in dem die Säfte steigen, das Thier, das seine Jungen säugt ... + +Wüstes Gelärme unterbrach ihn. Da hinten im Bivouak feierte man den Sieg. +Sie zechten und brachten Toaste aus; die triumphirten. – Jetzt musste die +Kunde auch in der Heimat sein. Man liess die Glocken läuten und steckte +die Fahnen heraus. Leute auf der Strasse umarmten sich mit der +Siegesbotschaft. Ein wirres Freudengelärm schien sein Ohr zu erreichen, +ein Beifall, der von weit kam, seinen Namen rief über die Meere. Das war +der Sieg. + +Und Andres stieg auf, undeutlicher: Flüche, Thränen, Racheschwüre ... Sie +auch wussten jetzt. Sie beteten. + +Derselbe Gott war über ihnen Beiden, unerbittlich, gleichgültig. Er sprach +nicht und hörte nicht. Der Gott der Weltgeschichte, der Eherne der +Nationen, dem Babylon und Rom gesunken war. Alexander und Napoleon waren +gross geworden und fielen. Vae victis! und Ave Caesar! – Es war Alles +dasselbe ... + +Die Landschaft war flacher hier. Eine Kühle wurde deutlich fühlbar. Er +schritt eiliger vorwärts. Eine Bewegung des Bodens schien ihn mit +fortzuziehen, ein mächtiges Einathmen und Ausstossen wieder. Alles ging +und kam. Aber das Gehen schien noch kräftiger wie das Kommen. Im Werden +verging Alles. Ein Tödtliches, Beständiges, Festes war in der Bewegung. +Alles starb. + +Er war am Strand. Der Sand machte diesen Erdstreifen heller. Dahinter lag +es grau, unruhig, sich anwälzend und weichend. Salzathem stieg. Das Meer +fluthete und ebbte, endlos, schwarz unter dem schwarzen Himmel ohne +Sterne. + +Und er sah etwas Andres. – Ein Schatten? Ein Seufzer? ... Es war schon +vorüber. Die Hallucination des Elends, ein Geist des blutigen +Schlachtfelds, das da hinten dünstend lag: ein blasser Mann trug ein +Kreuz. Das Kreuz war riesengross, aus rohem Holz geschnitten. Der eine Arm +des Querbalkens ragte gegen den Himmel. Das Ende schleppte lang nach auf +den schwarzen Wellen. „Und er wandelte auf dem Meer.“ ... + +In diesem Augenblick, ganz deutlich wie in Metall geritzt, krähte ein +Hahn. + +Es war Nacht. + + + + + + DAS NEUNZEHNTE KAPITEL. + + +Der Amtsgerichtsrath war durchaus nicht der Meinung seines jüngeren +Collegen. + +„Ein Narr,“ sagte er, „und nicht schlimmer wie Andre, die lose rumlaufen. +Lassen Sie ihn laufen, Salvatius!“ + +Der Andre machte Vorstellungen. Er war ein hagrer, dünner Herr und neigte +zu einer pessimistischen Weltauffassung, während der Gerichtsrath in +seiner rosigen, behäbigen Fülle auch Alles rosig sah. Die Specialität +dieses Ersteren waren Majestätsbeleidigungen. Er sah diese überall. Er +roch sie, witterte, zog sie hervor aus den gröbsten Verwicklungen. +Irgendwie wurden alle Verbrechen das bei ihm. Sie waren es ja auch +insofern, als die Majestät für ihn die Autorität Gottes auf Erden vertrat. +– Er war schlimmer wie ein römischer Statthalter. + +„I bewahre!“ sagte der Amtsgerichtsrath. „Wo wollen Sie das nun wieder +rausschinden? Schliesslich, wenn wir das Vaterunser beten, ist das auch +eine Majestätsbeleidigung. – Dreck sind wir Alle.“ + +Der Dünne blinzte, unangenehm berührt. Der Assessor drehte die Daumen. Er +lernte noch. Dann war er von Berlin hierher versetzt, konnte nur jeden +Sonnabend nach Hause. Er lebte von Sonnabend zu Sonnabend. Auch hatte er +die Absicht, Carriere zu machen. Deshalb achtete er abwechselnd auf seine +beiden Vorgesetzten. Der Dicke gefiel ihm um seines heiteren Cynismus +willen. Aber der Eifer des Andern imponirte ihm. So wurde man was. + +Der gelbe Herr behauptete, dass Unruhen kämen, die Leute liefen zusammen; +„na, und wenn die Lausewenzel des Sonntags ein bischen weniger söffen?“ – +Ueberdies hatte der Pfarrer Gentz eine Denunciation eingereicht. + +„Nur weil er ihm in’s Handwerk pfuscht, seine Kunden stiehlt. Die Pfaffen! +– Das hackte sich am liebsten gegenseitig die Augen aus. Dadran sehen +Sie’s schon. Predigte er den leibhaftigen Satan, ginge es noch. Dann +hätten sie Wasser auf ihre Mühlen. Dasselbe sagen wie die Herren Pastoren! +Die verbrennten uns Christus heute noch.“ + +Der Assessor lachte. Die Ausfälle gegen die Clerisei amüsirten ihn. Er +konnte auch die Pfaffen nicht leiden. Trotzdem – ein leichter Anflug von +Semitismus haftete ihm an – deswegen war er kirchlich. + +„Sie beleidigen einen hochachtbaren Stand,“ sagte der Gelbe bitter. „Die +Geistlichkeit hat eine Pflicht im Staate. Sie sind gleichsam – die +Gewissenspolizei.“ + +„Ich verlasse mich lieber auf unsern Pommeränicke. Sehen Sie, zum +Ketzerrichter bin ich nun mal verdorben. Aber wenn Einer lange Finger +macht, gar zu übermüthig wird, dann giebt’s was drauf. Das hält die +Gesellschaft zusammen.“ + +„Es giebt sehr Vieles, was vielleicht schlimmer ist.“ + +„Das überlasse ich feineren Nasen. Es wäre doch ungemüthlich schliesslich, +allein als Krone übrig zu bleiben und am Ende entdeckte man in sich selbst +unerlaubte Magenbeschwerden. Eine gewisse mittlere Dickhäutigkeit macht +allein das Leben auf diesem mangelhaften Planeten für sich und Andre +erträglich. So’n Rhinoceros ist das philosophische Vieh. Alle Stoiker +bleiben Waisenknaben dagegen.“ + +Der Dicke ging seinen Amtsgeschäften nach, ohne sich dadurch den Appetit +verderben zu lassen. Selbstmörder, die er zu recognosciren hatte, theilte +er in Krammetsvögel und Rohrdommeln ein, Erhängte oder Ertränkte. +Eigentlich war er beliebt. Er vertrat eine praktische Nothwendigkeit. Die +armen Teufel liessen die Köpfe hängen und ergaben sich in ihre Strafe. Er +begrüsste die Rückfälligen auch stets wieder mit derselben Jovialität. +Unter der Hand war er wohlthätig. Manches arme Weib hatte sich seine Mark +fünfzig oder drei Mark Conventionalstrafe für Holzsammeln, Beerensuchen +von ihm zugesteckt gesehen. Eine gewisse rüde Ausdrucksweise ging dabei +mit in den Kauf. Er nannte das patriarchalisches Regime. + +Ganz anders der Gelbe. Die Angeklagten waren von vornherein seine +persönlichen Feinde. Er suchte sie noch privatim möglichst zu +zerknirschen. Nichts konnte ihm mehr Freude machen, als solche, die sich +erhängten, Weiber, die sich in Zuckungen auf der Erde wanden. In +Alimentationsklagen trat er nie ein, ohne das Frauenzimmer vorher +gründlich zu verdonnern. Ueberhaupt Unsittlichkeit! Er hatte dann ein +Gefühl des lieben Gottes, eines Rhadamanthus. Zum allgemeinen Besten +musste man unbarmherzig sein, während der Dicke sich vorgenommen hatte, +dann lieber nach der andern Seite zu sündigen, die Sittlichkeitsfrage von +vornherein ironisirte. + +Die leichtherzige Auffassung des Collegen hatte den Andern geärgert. Er +fand den Fremden im Gegentheil höchst gefährlich, staatsauflösend. Dabei +blieb der Kerl heimlich, verstockt. Er liess sich nicht fangen. + +„Sie sind Communist?“ fragte ihn der Vorsitzende. „Sie predigen den +Communismus?“ + +„Was mein ist, ist meines Bruders.“ + +„Wenn er es nicht giebt?“ + +„Es ist nicht an mir zu fordern.“ + +„Ich habe gehört, dass Sie auflösende Tendenzen gegen die Ehe predigen? +Wie denken Sie darüber?“ + +„Nicht die Ehe ist unheilig, die Unkeuschheit macht sie so.“ + +„Wie ist denn aber eine Ehe möglich ohne physischen Umgang?“ + +„Das wäre allerdings die Radicalcur für alle unsre Gebresten,“ sagte der +dicke Amtsgerichtsrath. Er fand die Idee höchst spasshaft. + +Man wollte wissen, ob er sich weigerte, Militärdienst zu thun? + +„So mich Keiner angreift, wozu brauche ich Soldaten? Wenn ich angegriffen +werde, ist es mir besser, Unrecht zu dulden, als Unrecht zu thun ...“ + +„Das bricht den Gehorsam gegen das Gesetz.“ + +Er wies auf ein Cruzifix, das neben dem Richterstuhl hing, zu +Eidesleistungen gebraucht wurde: „So Er Euch Gesetz ist, was braucht Ihr +Gesetze?“ + +Sie fragten: „Was bezeichnen Sie als sein Gesetz?“ + +Er sprach: „Es steht geschrieben: Wer gestohlen hat, der stehle nicht +wieder, sondern schaffe mit seinen Händen, auf dass er habe zu geben dem +Dürftigen. Du sollst Deinem Bruder vergeben sieben mal siebenzig mal. Und +was Du nicht gethan hast diesem Geringsten Einem, das hast Du mir nicht +gethan.“ + +„Ein geschriebnes Recht muss sein um der Ordnung willen,“ warfen sie ein. + +„Ich sehe nur Unordnung. Ihr habt täglich zu thun mit Solchen.“ + +„Das sind Ausnahmen.“ + +„Die Andern bleiben in der Regel, weil sie den Vortheil davon haben.“ + +„Er ist scharf wie ein alter Fuchs,“ schmunzelte der Amtsrichter. + +„Ohne Zwang ist in menschlichen Dingen kein dauerhafter Zustand möglich.“ + +„Der Zwang trifft nur die Aeusserung. Er ändert die Gesinnung nicht. Die +mächtig genug sind, verachten ihn, und diese sind die stärksten, die das +Beispiel geben.“ + +„Da hat er, den Teufel! nicht Unrecht. Unsre Banquiers und Minister +könnten davon ein Liedchen singen.“ + +„Glauben Sie, dass dieser Zustand ohne Gesetzlosigkeit, ohne Mord und +Todtschlag je möglich sein wird?“ + +„Wenn Jeder sich selbst Gesetz ist.“ + +„Dann hat’s gute Weile.“ + +Der Gelbe wollte wissen, ob er Seine Majestät den König anerkennte? + +„Wenn Unordnung ist, ist es gut, dass Einer sei. So aber Ordnung ist, wozu +ist ein Herr?“ + +Der Feierliche fand, dass darin doch eine Majestätsbeleidigung läge, zum +Mindesten Zweideutigkeit. + +„Glauben Sie an Gott?“ + +Er glaubte natürlich nicht. Der Pfarrer hatte es haarklein bewiesen, +Aussprüche zusammengestellt. Ein ganz hohler Pantheismus war vielleicht +vorhanden. + +Der Assessor fand, ein paar Monate könnten nichts schaden. Man musste sich +schneidig zeigen. + +Der joviale Amtsrichter war dagegen: „Er hat nicht gestohlen, thut Keinem +was zu Leide. Lassen Sie ihn laufen!“ + +Der Assessor langweilte sich. Er fand, dass es für ihn überhaupt nicht der +Mühe werth sei, sich mit einem abgerissnen Strolch länger zu beschäftigen. +Man hatte genug zu thun, Beleidigungen socialistischer Redacteure +aufzunehmen. Das machte einen guten Eindruck nach oben. Er sah sich gern +als Präsidenten des Reichsgerichts in scharfer, schneidender Rede die +Gesellschaft retten. Das war vornehm gewesen seit Jeffrey’s Zeiten. Aus +diesem Grunde opinirte er auch gegen Dreyfus. + +Den Vorsitzenden verfolgte die fixe Idee der Majestätsbeleidigung: „Ob man +die Steuer zahlen sollte?“ wollte er wissen. + +„Ist sie für das Allgemeine, so ist es billig, dass ein Jeder trage. Ist +sie nicht, so mag der tragen, der sie braucht.“ + +Sie stellten ihm eine Menge Fragen, woher er käme, was sein Name und Stand +sei? Auch über seine Geldverhältnisse wollten sie wissen? Wovon er sich +ernährte? + +Auf dieses Alles antwortete er nicht. + +Nun fingen sie an, Erkundigungen anderweitig einzuziehen. Es gab Leute, +die es beschworen, dass er ein Joseph Schäppli aus Bing in Württemberg +sei, der schon in seiner Jugend geistesgestört gewesen, seinen Eltern +davongelaufen und dann verschwunden war. + +Man that noch ein Uebriges. Da die alte Mutter Schäppli noch lebte, +beschloss man ihn mit dieser zu confrontiren, sie auf Gerichtskosten +herkommen zu lassen. + +Der Erfolg schien allen Zweiflern Recht zu geben. Es erschien vor Gericht +eine uralte verhutzelte Bauersfrau, ganz benommen von der Wichtigkeit und +Würde des Orts, diesen vielen Augen, die auf sie gerichtet waren. Sie +versuchte abwechselnd ihren mitgebrachten Korb mit Esswaaren zu sichern, +aus den Mienen der Umstehenden zu errathen, was man mit ihr vorhatte. +Natürlich hatte sie ihren besten Sonntagsstaat angelegt. Man hatte das +Gefühl eines alten Nacht- oder Erdthiers, plötzlich an’s Licht gebracht, +das in die Sonne blinzelt, sich verkriechen möchte. + +Sie erkannte ihn sofort: „O mein Sohn Joseph!“ schrie sie. „Mein armer +Sohn! Du böses Kind! Bist Du mir fortgelaufen und wo hast Du Dich +umgetrieben so lange?“ + +Auf dies Alles antwortete er kühl, aber freundlich: „Du irrst, Frau! Ich +bin Dein Sohn nicht.“ + +Nun gerieth die Alte ganz ausser sich: „Nicht mein Sohn? Was? Habe ich +Dich nicht in Schmerzen geboren? So spät kamst Du, dass die Wehmutter es +aufgab. Wir dachten, ich würde nicht lebendig bleiben. Dann war es ein +grosses, starkes Kind, zehn Pfund schwer, dass alle Nachbarinnen über das +Wunder schrieen. Hinterher kam das mit dem schwachen Kopf, wo gar nichts +anzufangen war. Nicht mal zum Viehhüten taugte das. ‚Geben Sie’s nur auf, +Schäpplerin,‘ sagte der Herr Pfarrer. ‚Den hat sich der Herrgott +gezeichnet.‘“ + +Sie fing plötzlich an zu weinen und wurde zärtlich. „Bin ich nicht doch +gut zu Dir gewesen? Hab’ Dich trocken gelegt jede Nacht, wenn Du +schrieest? Und wie Du krank warst, hab’ ich Dir Hirsenbrei gekocht. Du +assest so gern Hirsenbrei und getrocknete Pflaumen. Dafür liessest Du +gerade Dein Leben. Mein Joseph! Mein Seppli! Mein eigner Herzbub! Und +willst nun Deine eigne alte Mutter nicht kennen?“ + +Er sprach: „So nun sind die Weiber. Weil sie Dir Brot gegeben und den Leib +gewaschen, bilden sie sich ein, dass sie Dir eine Seele geschaffen, einen +unsterblichen Menschen aus Dir gemacht haben. O kleine Kinder im grauen +Haar! Thörinnen, die Ihr Mütter seid!“ + +Danach, wie er sah, dass Einige diese Rede hart fanden, Andre sie richtig +nannten, die Alte aber schluchzte und lamentirte, sagte er: + +„Dennoch ist die Mutter immer verehrungswürdig. Sie hat gelitten. Sie hat +leibliche Schmerzen gelitten, wie das Kind zur Welt kam. Alle Noth und +Last trägt sie mit ihm in seiner Schwachheit. Danach wird es zum Manne und +lässt sie. So ist es wohl ihres und doch nicht ihrs. – Sie leidet im +Fleische um einer unsterblichen Seele willen. – Viele schelten dies +Geschlecht schwach. Es ist aber nicht so, da sich in ihrem Leibe sichtlich +das heilige Wunder der Erlösung zeigt.“ + +Und war gütig zu der alten Frau, tröstete sie und hinterliess sie mit +Gaben, die seine Freunde für ihn sandten. + +Vielen war das wieder ein Zeichen: „Er weiss sehr wohl, dass er ihr Sohn +ist. Würde er sie ehren, wenn sie nicht seine Mutter ist?“ + +Er sprach: „Und wenn sie es wäre? Was ist eine Mutter? Hat sie mir meine +Gedanken gegeben? Trägt sie Schmerzen für mich? Und fühlt sie mit meinem +Fühlen? Der Antheil der Mutter ist vom Fleisch. Wir sind aber nicht +Fleisch, sondern Geist. + +... „Vor Augen siehet diese Art, was wahrscheinlich ist. – Das Wahre aber +siehet sie nicht. Wenn sie es sähen, würde es ihre Augen verbrennen. – +Aber die Blinden haben auch Augen.“ + +Danach schwieg er und sagte nichts mehr über diesen Fall, erklärte sich +auch nicht deutlicher. + +Dieser Umstand der Recognoscirung durch die eigne Mutter beruhigte die +Richter ganz und gar. Sie dachten nun wohl, dass er ein Narr und Kranker +sei. Uebrigens bildete nicht die Familie die Grundlage und Urform jedes +gesunden Staatsorganismus? Das heiligste Gut der Nation? Einer, der nicht +mal die Familie anerkannte, leugnete das Bestehende durch diese Thatsache +schon. – Der Gelbe war für mindestens zwei Jahre und kurzen Process. Aber +die Herren amüsirten sich zu gut bei dem Fall. Es machte ihnen Spass, ihn +auszuhorchen über seine Ansichten. Was er von ihrer Justiz denke? Ob er +mehr für deutsches Recht sei oder für römisches? Auch fanden sie +verzwickte Streitfälle, die er entscheiden sollte. Und ob er die +Todesstrafe billigte oder missbilligte? + +Es war ein förmlicher Sport unter ihnen geworden. Der dicke +Amtsgerichtsrath war der Lustigste. Er nannte ihn scherzhaft seinen +Christus und sich Pontius Pilatus. – Der Assessor dachte an Berlin und die +Blumensäle. Er war weit weg. Der grosse Gelehrte fand, dass dergleichen +die Köpfe verwirrte. Er war sehr gegen Verwirrung der Köpfe. Er hatte alle +Materien in Schubfächer und Unterschubfächer eingetheilt, und man wusste, +dass sein Urtheil unbestechlich war. Ueberdies _fand_ er die +Majestätsbeleidigung. Die Majestätsbeleidigung lag sonnenklar. + +Besonders konnte ihn eine Behauptung des Jovialen irritiren, dass der +Fremde eigentlich ein „genialer Kerl“ sei, ein religiöses Genie. + +„Genies – Genies – die hätte man auch Alle einstecken sollen.“ + +„Auch Goethe?“ + +„Was ist Goethe? Ein Kerl, der keinen Patriotismus hatte, einen +unmoralischen Lebenswandel führte.“ + +„Er ist aber doch Excellenz geworden.“ + +„Es kommt ja vor. Im Grunde ist das Alles höherer Anarchismus, +selbstverfertigte Autoritäten, Parvenügewalten. Sehen Sie selbst +Bismarck ...“ Der eminente Jurist war ultramontan. + +„Aber Pommeränicke!“ Der dicke Polizeidiener bildete das besondere +Steckenpferd seines humoristisch veranlagten Vorgesetzten. In seinen +Mussestunden schlachtete er Schweine, lieh Geld auf Wucherzinsen und +füllte in seiner kleinen Methodistengemeinde ein kirchliches Amt aus. + +„Pommeränicke ist nothwendig, existenzberechtigt. Pommeränicke _ist_!“ + +„Die Fleisch und Fett gewordene Potenz des mittleren +Gerechtigkeitsgefühls. _Es lebe_ Pommeränicke!“ + +„Sie sind ein Farceur.“ Der Gelbe grollte und kollerte in sich hinein. Er +hasste, wenn man irgend etwas, das mit einer Staatseinrichtung +zusammenhing, nicht ernsthaft nahm. Er war immer ernsthaft. Lachen war +eine Frechheit eigentlich. Anarchismus, Majestätsbeleidigung. Nur +pietätlose Menschen lachten. + +Der Assessor hatte Besuch von Berlin. Diese Damen und Herren wünschten +innig ein Zuchthaus zu besichtigen. Das Sociale war Mode. Man verständigte +sich mit dem Director. + +Auch der Amtsrichter und sein Freund waren mit. + +Alles interessirte ausnehmend. Die Hunderte von kleinen Zellen mit starken +Eisenbarren vor den hohen Fensterluken, der Arbeitssaal, die Kirche, wo +die einzelnen Sitze durch Brettwände abgetheilt waren, um eine +Communication der Sträflinge miteinander zu verhindern, der gepflasterte +Hofstreifen zwischen Steinwänden, in dem sie ihre Spaziergänge machen. + +Alles war musterhaft eingerichtet, beinah comfortabel, mit Lazareth, +Apotheke, Badeanstalt. Und diese wohlthuende Stille! „Förmlich +nervenberuhigend,“ meinte die Mama. + +Der Herr erkundigte sich, ob und unter welchen Bedingungen geprügelt +werden dürfte? Er liess sich die Einrichtung erklären. Er war sehr +überzeugt von der Zweckmässigkeit solcher Strafen. Der affenartige +Gehorsam, mit dem die Sträflinge aufsprangen, Antwort gaben, imponirte +ihm. Er war selbst Besitzer eines grossen industriellen Etablissements. +„Da haben Sie’s bequemer!“ meinte er scherzend. + +Die jungen Damen interessirten hauptsächlich die Insassen. Besonders ganz +schwere Verbrecher. Sie waren fast enttäuscht, dass ihre Unthaten nicht +noch viel furchtbarer waren. Und waren Frauen da? Sie baten und flehten, +wenigstens einen Ausblick auf die im Hofe Promenirenden thun zu dürfen. – +Es war so amüsant, durch die kleinen Gitterfenster zu gucken, gerade als +ob man wilde Thiere beobachtete. So Einer konnte doch jeden Moment +ausbrechen und ihnen mit der Hand an die Gurgel fahren. + +Dass Alle glattgeschoren und rasirt waren, wunderte sie am meisten. „Die +sehen ja fast wie katholische Priester aus,“ meinte ein Offizier. + +Von da kam man auf physische Eigenthümlichkeiten, Abnormitäten der +Verbrecher zu sprechen. Der Assessor als moderner Mann hatte sich mit +Anthropometrie befasst. Man citirte Charcot, Tarbe, Lombroso. Es stand ja +beinah fest, dass alle Verbrechen Wahnsinn seien, erbliche Belastung, +durch Alkoholismus hervorgerufen: „Man müsste die Leute einfach in +Irrenanstalten unterbringen.“ + +„Oder blenden, verstümmeln,“ schlug Einer vor. + +Man rechnete genau aus, wieviel ein solcher Zuchthäusler dem Staat +jährlich kostete. Davon konnte fast schon ein ehrlicher Arbeiter satt +werden. Zudem drückte ihre Arbeit die Preise der in Freiheit Arbeitenden +herab. Nun ja, das jetzige System war dumm. + +Der Amtsgerichtsrath erzählte von einer Hinrichtung, der er als ganz +junger Mensch aus professionellen und psychologischen Gründen beigewohnt +hatte. Es handelte sich um irgend einen ganz entsetzlichen Mörder, einen +Zwanzigjährigen, der eine alte Frau, seine eigne Grossmutter, mit der Axt +todtgeschlagen und zerstückelt hatte. Er war nach vollbrachter That ruhig +noch in ein Café gegangen, um eine Parthie Billard zu spielen. Da war er +auch arretirt worden. + +„Sie ärgerte mich,“ blieb seine stereotype Antwort auf alle Fragen nach +den Beweggründen seines Verbrechens. Er blieb ganz stumpfsinnig, ass und +trank und ergab sich in sein Schicksal. + +„Nun gut. Diesen Kerl habe ich genau beobachtet. Er hatte nur etwas +Verblüfftes, wie Einer, der eben aus dem Schlaf geweckt und noch nicht +vollständig wach geworden ist. Alle Reden des Pastors, der Gerichtsbeamten +liess er ruhig über sich ergehen. Noch zuletzt forderte er eine Cigarette. +– Alles hatte etwas Eiliges, Unvorbereitetes, Gesudeltes, obgleich es +feierlich sein sollte, eindrucksvoll, wirksam. Dieser Mann starb wie ein +Ochse, der geschlachtet wird. Ich hatte nur den Eindruck stupidester, +verantwortungsloser Dummheit.“ + +Man kam auf die politischen Verbrecher zu sprechen, Verbrecher aus +Mitleid, Nihilisten und Fenier. Jeder wusste curiose Facta: Dieser hatte +jedes Stück Brot mit Aermeren getheilt. Ein Andrer schrieb die +sentimentalsten Verse und päppelte kranke Hunde auf. Ein Dritter wieder +besass eine Geliebte, die mit ihm sterben wollte, Freunde, die um ihn zu +rächen ihr eignes Leben dran setzten. Manche waren Märtyrer, Helden. +Spätere Jahrhunderte hatten ihnen Denksteine gesetzt. + +Der Contrast brachte den Gerichtsrath auf einen andern Fall. „Da haben wir +nun heute eine Frau im hochschwangeren Zustand, die beim Jäten im Garten +ein Gericht Bohnen gestohlen hat. Die Frau bekam für ihre Arbeit +fünfundsiebzig Pfennig Tagelohn. Sie war hungrig. Das Gericht Bohnen hat +einen Werth von fünfundzwanzig Pfennigen. Die eigentliche wirkliche +Gemeinheit ist die Anzeige der Gartenbesitzerin, als der Arbeitgeberin, +die sie seit sechs Jahren beschäftigt. Die ärztliche Wissenschaft, die +Menschlichkeit sprechen sie frei. Dennoch müssen wir sie verurtheilen, +weil es der Buchstabe will, weil es gedruckt steht. Wo bleibt nun da die +Vernunft?“ + +Der Amtsgerichtsrath zuckte die behäbigen Schultern. „Schliesslich, meine +Herrschaften – was ist Vernunft?“ + + + + + + DAS ZWANZIGSTE KAPITEL. + + +Der berühmte Professor wusch sich die Hände. Er that das immer mit +besondrer Umständlichkeit und Sorgfalt, schon um des guten Beispiels +willen. Man musste ein Beispiel geben. Uebrigens hatte er berühmt schöne +Hände. + +„Es giebt nichts, was auf das Gehirn schädlicher einwirkt, als religiöse +Wahnvorstellungen,“ sagte der grosse Mann. „Schon das Bedürfniss einer +Religion überhaupt. Ich will nicht mit einem hochlöblichen Consistorium in +Conflict kommen oder auf den neuesten Paragraphen der Lex eingesteckt +werden ...“ Der Geheimrath geruhte zuweilen dergleichen Witze, die immer +auf brüllenden Applaus rechnen konnten ... „Es ist bekannt, dass Mohammed +epileptisch war, an der Fallsucht litt. Christus hatte in seiner Jugend +die Satzungen der Essäer angenommen, unter denen die Forderung der +absoluten geschlechtlichen Enthaltsamkeit, neben strictem Vegetarismus, +Fasten, Waschungen aller orientalischen Kulte, obenan stand. Nun weiss +heutzutage Jedermann, dass die Unterdrückung des Paarungstriebes die +Ursache zahlreicher Verbrechen, in vielen Fällen des Irrsinns ist. Chassez +le naturel, il reviendra au galop. Die Natur, meine Herren! Die +Wissenschaft ist die erkannte Natur.“ + +Der Professor hatte seine Hände fertig gewaschen und sorgfältig +abgetrocknet. Er stand jetzt, die Fingerspitzen beider gegeneinander +gepresst. Er wusste, dass er keinen Widerspruch zu erwarten hatte. Er war +nicht an Widerspruch gewöhnt. Er verachtete ihn. + +„Es ist eine Schande für unser Jahrhundert, dass derartige Erscheinungen +noch möglich sind,“ fuhr er streng fort, „dass der Aberglaube eine solche +Macht auf die Gemüther noch ausüben kann. Allein die Ignoranz ist daran +schuld, systematisches Zurücksetzen des Wissenschaftlichen, des Positiven +in der Erziehung gegen Abstractionen, sogenannte Moral. Ich bitte Sie, +meine Herren! Was ist Moral? Moral ist die Anforderung des Magens in +Einklang gebracht mit dem, was von aussen diesen Magen befriedigen kann. +Unsre Moral, gesellschaftliche Moral ist das geregelte Productions- und +Consumtionsverhältniss. Moral endlich ist eine Sache des Bluts, der +Hirnpartikeln, Zellenconglomerat. Die Zelle ist Alles.“ + +Der grosse Mann sah sich triumphirend um. Er wusste, dass er etwas Grosses +gesagt hatte. „Wie es übrigens die Seele selber ist ...“ fuhr er +leutseliger fort. „Was ist Seele, als das vitale Princip der +Zellenschwingung auf das Abstracte angewendet? In den ersten Zeiten +brauchte man Kutscher und Pferde für die Wagen. Dann machte man’s mit +Dampf. Jetzt treibt die Electricität ohne äusserlich sichtbaren +Fortbewegungsapparat. Ein Grieche des Alcibiades hätte an Dämonen +geglaubt, ein Mönch des Mittelalters an den Teufel, ein von den +Missionaren bekehrter Wilder an Gott. – Wir wissen, weil wir sehen. Wo wir +nicht mehr sinnlich wahrnehmen, haben wir nur ein: Ignorabimus.“ + +Der Professor verbeugte sich gegen sein Publikum. Er war eilig. Eine hohe +Persönlichkeit verlangte seine Autorität in schwierigen Nervenleiden. +„Grosse Ueberreizung,“ decretirte der Professor. Ruhe, frische Luft, +blutbildende Nahrung, Pepton: Hygieia. + +Das hatte er selbst erfunden und sich patentiren lassen. Der Professor +verstand auch das. Er war ein wirklich grosser Mann. + +Dabei machte er sich niemals durch Propaganda missliebig. In seinem +Wahlkreis wählte er conservativ. „Für die Crapule ist das gut und schön. +Halbbildung bleibt das Allergefährlichste. Das fehlte uns gerade noch, +dass jeder Apothekerlehrling auf eigne Hand Experimente anstellte. Die +Laien sind eben Laien.“ + +Es war eine Lieblingsredensart von ihm, dass in der modernen Gesellschaft +die Autorität des Arztes die des Priesters ersetzt habe. Die Wissenschaft +war eine Macht, die Macht. Eigentlich verachtete er alle Andern, die +vielleicht momentan viel Lärm machten, sich wichtiger dünkten. Sie hatten +das nicht nöthig. „Alles das sind Blasen, flüchtige Gährungserscheinungen +an der Oberfläche, die die Grundbedingungen ganz unangetastet lassen. Es +ist das eben wie der Unterschied, ob ich mit meinen Augen sehe oder durch +ein sehr scharfes, vollkommenes Instrument. – Der grösste Geist, ein +König, ein Eroberer ist doch schließlich nur ein Laie, ein Decadent, ein +Entarteter vielleicht. Er betrifft uns eigentlich darum gar nicht, ändert +aber auch gar nichts an der Marche du jeu, den einmal gewonnenen und +festgelegten Resultaten. _Wir_ passen ihn ein, nicht er uns.“ + +Er machte einen abschneidenden Eindruck, wenn er dergleichen sagte, +inmitten seiner Arbeitssäle und Laboratorien, mit ihren kahlen, +weissgestrichnen Wänden, wo Instrumente und Präparate standen. Alle diese +Instrumente waren tadellos gehalten und blinkten in der Sonne. Man sah +alle Stoffe in ihre primitivsten Elemente zerlegt. Diese geistvollen +Einrichtungen und Neuerfindungen arbeiteten mit erstaunlicher Präcision +und Genauigkeit. Der Mann passte in dieses Milieu. Zusammen hatten sie +eine gewisse Grösse. Sein Colleg war immer gedrängt voll. Es gab eine +ganze neue Generation von Jugend, die sich mit Stolz seine Schüler +nannten. Er hatte sein ganzes Leben geforscht und gearbeitet. Arbeit und +Forschung waren ihm das Höchste. + +Man warf ihm den grossen, weltumwendenden Einfluss des Christentums vor. +Er hatte einen jüngeren Freund und Collegen, der sich gern mit dem +Philosophischen befasste. + +„Das sind Epidemieen, die ganze Zeitalter erfassen, wie die Blattern, die +Beulenpest. Uebrigens, was rechnen diese zwei- oder dreitausend Jahre +gegen die Tausende von Jahrtausenden, die die Erdoberfläche gebraucht hat, +sich zu bilden, ein einziger Diamant zu seiner Crystallisation bedurfte! +Das ist Alles sehr gleichgültig.“ + +„Es haben sich doch Menschen dafür schlachten und verbrennen lassen.“ + +„Menschen haben von jeher eine grosse Vorliebe dafür gehabt, sich um hohle +Töpfe die Schädel zu zerschlagen. Wie Hamlet sagt: Worte – Worte – Worte. +Uebrigens dieser Hamlet ist sehr interessant. In seinen Reflexionen auf +dem Kirchhof finden Sie alle Anfänge der Naturphilosophie. Sie erinnern +sich des Passus von Cäsar’s Staub?“ + +„Trotzdem stach er sich um ein Phantom.“ + +„Hamlet war eben ein Künstler,“ sagte der Professor beinah mitleidig. +„Shakespeare war ein grosser Dichter. Die grossen Dichter sind immer sehr +miserable Naturforscher. Nehmen wir Goethe! Die Phantasie – die +Phantasie!“ + +„Die Phantasie kann doch aber auch immer nur Vorstellungen von +Existirendem weiterspinnen. Sie müssen irgendwie in der Natur mit +vorhanden sein.“ + +„In der Natur ist noch Vieles.“ Der Professor zuckte die Achseln. „Wir +wissen es nicht.“ + +Aber der Freund ereiferte sich. Er war jung. Er neigte zur Phantastik. – +Jemand Andres war miteingetreten. Es war die junge Frau des Professors. +Sie war noch sehr jung, glücklich verheirathet und sollte zum ersten Mal +Mutter werden. Sie sprach wenig. Es war etwas Schleppendes, Sachtes in +ihren Bewegungen. Sie trug den Nacken gesenkt wie eine zu beschwerte +Aehre. Der Professor schob ihr sorgsam einen Stuhl zurecht. Sie sah nur +dankbar lächelnd zu ihm auf, und blieb so sitzen, ihre Hand in seiner. + +„Es könnte doch aber eine Zeit kommen, dass wir wüssten,“ argumentirte der +Freund. „Und wäre es nicht denkbar, dass besonders begnadete Genies, sagen +wir Shakespeare, Goethe, Christus, Vieles vorgeahnt haben? Auch +Geheimnisse wieder verloren gingen? Waren doch schon die Phänomene des +Hypnotismus, der Autosuggestion den Alten bekannt? Dass man mit ihnen die +Wunder der biblischen Geschichte erklären könnte?“ + +„Ich weiss es nicht. Das erscheinen mir wieder Speculationen.“ + +Der Andre war begeistert, einmal lancirt: „Denken Sie sich auf diesem rein +empirischen Wege die Vereinigung des Uebersinnlichen mit der Wissenschaft +wiederhergestellt, im Fortschritt den Aufschritt! Die Natur, die wir arm +und nüchtern auffassen, tausendmal reicher, üppiger, wollüstiger. Eine +beseelte Natur. Die _Seele_, die wir suchen, nach der wir verhungern, +unsre Künstler, unsre grossen Energieen, unsre Jugend – da hätten wir die +Seele! Im Christentum die Darwinsche Theorie, Lombroso, Krafft-Ebing, kein +Gut und kein Böse, Tolstoi nicht mehr pathologisch, – unser ewiges, +elendes, billiges ‚pathologisch‘!“ + +Er gestikulirte heftig, den Sprüngen seiner Gedanken folgend. Er war ein +schöner, feuriger Mensch, fuhr sich mit der Hand durch die dichten +Haarbüschel. + +Die junge Frau des Professors hatte aufmerksam zugehört. Sie sagte nichts, +sie dachte. Ein sehr süsser, sehnsüchtiger Friede lag auf ihrem Gesicht. + +„Sie sind ein Dichter,“ sagte der Professor. „Enfin ... Wie wir uns drehen +und wenden: ‚Ein Mensch, der speculirt‘ ... Carpe diem. Es giebt keine +Weisheit als diese.“ + +„Zarathustra? Zarathustra! Auch blos ein pathologisches Problem jetzt – +der Weisheit letzter Schluss, das Endglied der grossen Kette. – Dionysos! +Die Entfesslung aller Kräfte. Flügel! Flügel! Flügel!“ + +„Wir müssen uns an die Erde, an das Normale halten.“ + +„Und das heutzutage Uebernormale, das Unternormale? Wo bringen wir das +unter?“ + +Das offne Gesicht des Freundes glühte. Er stand da in einer Pose des +Kampfes mit gereckten Fäusten. + +Die junge Frau sah von einem der Männer zum andern. Sie litt nicht. Aber +sie war müde – von einer süssen Müdigkeit. Das beschwerte sie, aber machte +sie froh. – Ihre Augen hatten sich verschleiert. Es war, als ob sie sähe, +in etwas sehr Helles, Glänzendes sähe. Aber sie sprach nicht. Ein +träumendes Fühlen war in ihrem Sehen. ... + +Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: „In unsern +Irrenhäusern.“ + + + + + + ENDE. + + +Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, ein Complex langgestreckter, +gelber Häuser, am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee führte eine +Fahrstrasse, alleeartig mit Bäumen bestanden. Rechts und links lagen +Felder. Die leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort unter der +Aufsicht eines Wärters. + +Man sah sie Kohlstrünke ausreissen, Gräben ziehen, jäten. Manchmal lachte +einer seltsam, kichernd, unmotivirt. + +Die Vorübergehenden auf der Chaussee blieben wohl stehen und sahen sie an. +Sie stiessen sich mit den Ellenbogen. „Irre!“ Das interessirte sie. Sie +fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls erwarteten sie +Außerordentliches. Vielleicht dass Einer sich auf seinen Wärter stürzte +und ihn erdrosselte oder etwas Aehnliches. + +An der Chaussee lagen die Wärterhäuser. Sie sahen schmutzig grau aus mit +kahlen Fenstern. Es war einsam hier und nicht behaglich. Der fegende Wind +über die Ebene traf sie von allen Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges. + +Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebäude. Es war mit einer hohen rothen +Backsteinmauer umgeben. Man hörte Gänsegeschnatter. Ein fauliger Gestank +von Dünger verpestete die Luft, die scharf war, prickelnd, wie im Winter +schon. + +Alle Felder lagen unter Dünger und waren kahl. Auch der Rasen am Feldrain +sah verbrannt aus. Ueber der ganzen Landschaft lagerte die üble Laune des +Novembers, eine Stimmung des Unbehagens und der Trostlosigkeit, die der +blaugrüne Saum der Kiefernwälder nicht unterbrach. Sie zogen sich nach +allen Seiten. Sie schienen das natürliche Moos dieser graubraunen Erde, +stumpf, ohne Leben und Wechsel, langweilig. Das ist kein Wald. Das ist +Haide. + +Das Mittelgebäude in der Anstalt selbst enthielt die Wohnungen des +Directors, der Oberärzte. Man hatte eine Kapelle für die Irren, +Gesellschaftssäle, Bibliothek- und Musiksaal. Die Räume waren mit dem +neuesten Comfort, Gas, und Centralheizung ausgestattet. Die vergitterten +Fenster zeigte man nur nach dem Garten zu, auf der Rückseite. + +Alles war beinah elegant. Man versicherte gern, dass sich die Kranken da +außerordentlich wohl fühlten. Sie würden gar nicht wieder wo anders leben +mögen, selbst wenn man sie liesse. Dies war Wohlthat für überreizte +Nerven. + +Die Aerzte sagten immer: „Die Kranken.“ Der Ausdruck Verrückte oder +Irrsinnige beleidigte sie fast. Noch mehr der dumme Aberglauben des +Publikums. Das war eine Krankheit so gut wie jede andre, mit ganz +bestimmten, anatomisch nachweisbaren Veränderungen im Gehirn, Störungen +des Sensoriums und der Motilität verbunden. Mit der +mönchisch-moralistischen Betrachtungsweise solcher Erscheinungen in +früheren Jahrhunderten hatte man ja Gott sei Dank! aufgeräumt. Aufgeklärte +Leute traten gern dagegen auf. Sie waren sogar zu Gesellschaften in der +Anstalt gewesen und hatten sich sehr gut unterhalten. Oder zum +Gottesdienst am Sonntag. Es gab da hinter den Mauern sehr geistreiche und +gebildete Leute. Diese Legenden von Zwangsjacken, Tollwuth, rohen, +prügelnden Wärtern erzählten sich Köchinnen. – Es war wirklich angenehm da +zu existiren. Aufgeklärte Leute versicherten, dass sie sofort bei der +ersten Störung ihres Nervensystems in eine solche Anstalt gehen würden. Es +war das einzig wahre Mittel, sich zu curiren. + +Von Zeit zu Zeit erschoss sich ein Arzt. Er hatte an sich selbst die +Fortschritte der Krankheit beobachtet und genau festgestellt: Noch so und +so lange. Dann greift man zur Pistole ...... „Kranke eben.“ + +Es gab so viel Krankheitsursachen im modernen Leben: Lärm, +Pferdebahngebimmel, electrische Bahnen, der immer härter werdende Kampf +um’s Dasein, Rastlosigkeit. Die Zeit verbrauchte die Menschen. Da hinten +lagen die Ungethüme, Grossstädte, die sie schickten. Hier war’s still. +Gesunder Kiefernadelduft. + +Es gab sehr interessante Sujets unter den Internen: Einige, die am +Verfolgungswahn litten; eine ältere adelige Dame glaubte, dass man sie in +ihrem Standesgefühl beleidigen wollte; dann der Mann, der einen Schatz +gefunden hatte; Einer, der sich einbildete, der Kaiser Napoleon zu sein; +besonders scherzhaft war der sogenannte „Gott Ra“, eine Persönlichkeit, +die plötzlich mitten im Gespräch abbrach, die Kiefern auf- und +zuschnappte, als ob er etwas verschlänge. Alle diese waren ungefährlich, +lebten beinah glücklich. Da waren welche, die die griechischen Tragödien +in der Ursprache lasen, sich mit Forschungen beschäftigten. + +Auch die Blödsinnigen litten ja nicht. Diese Menschen wurden Thiere. Die +Hauptsache für sie war Essen und Trinken. Sie hatten keine Ahnung von +ihrer Degradation. – Das Publikum macht sich so falsche Vorstellungen. + +Es war unangenehm, dass einmal eine ältere Dame eine Häkelnadel +verschluckt hatte. Natürlich war es den Wärterinnen streng verboten +gewesen, Derartiges zu arbeiten, oder dass die Wärter an Kranke Schnaps +verkauften. – So etwas kam überall vor. Man konnte nicht vorsichtig genug +sein in der Auswahl des Materials. Das war die wichtigste Frage. + +Es war ein sehr friedlicher Platz. Im Sommer, wenn Alles grün ist, war es +noch viel schöner, beinah heiter. Der Kiefernwald erstickt. Man hatte die +Gitter sehr weit vorgeschoben, immerhin. Und man musste sich gegen die +Neugier des Publikums schützen. Die Leute, die da wohnten, waren Stille. +Ihre Angehörigen bezahlten für sie, erster, zweiter oder dritter Klasse, +je nachdem sie vermögend waren. Erster Klasse hatte man natürlich bessres +Essen und mehr Luxus. Die ganz Unbemittelten übernahm der Staat. Sie +machten auch allerlei Arbeiten. Wohlwollende Besucher kauften von diesen +Arbeiten. Alle waren immer entzückt von der Reinlichkeit, Vortrefflichkeit +und practischen Anlage der Anstalt. Wirklich! Die da hinein kamen, waren +nicht zu bedauern. Sie waren in einem Hafen förmlich. Die Bilder grosser +Ärzte und Philanthropen schmückten das Wartezimmer. Es war ein Segen, dass +die Wissenschaft dies übernommen hatte. Wenn man dachte, welche Zustände +früher herrschten! + +Man konnte seine theuersten Angehörigen mit der grössten Seelenruhe +dalassen. Was sollte man denn auch thun? + +Ab und zu dann ein Begräbniss. Ernst, ohne Prunk. Es war vorüber. Er oder +sie waren „erlöst“. Eine grosse Last war von den Schultern ihrer Familie +genommen. Fast konnte man sie beneiden um den Frieden. Man musste zurück. +In den Kampf. In’s Laute. + +Sie waren nicht sehr interessant. Etwas zwischen Kindern und Thieren. +Sogar ihre Leiden waren halb komisch, eingebildete Leiden. Man giebt ihnen +Alles zu wie Kranken. Jedermann ist gut und wohlwollend gegen diese +Unglücklichen. + +Bei Vielen ist die Krankheitsanlage erblich. Sie sind idiot, ganz harmlos. +Man muss sie einschliessen, wenn sie gemeingefährlich werden. Jedermann +kennt solche Erscheinungen in Dörfern, abgelegenen Gebirgshöfen. Man +nannte sie „Gottes Narr“, Fexe, Gezeichnete. Heilbar sind solche +secundären Formen der Geisteskrankheiten selten. Dann giebt es Wahnsinn, +Schwermuth. Diese Leute können ganz lichte Zeiten haben. Sie kehren wohl +von Zeit zu Zeit wieder in ihre Familien, ihre Umgebung zurück. Aber +irgendwie tragen sie eine Kette am Fuss. Eine Schraube bleibt locker. + +Immer wieder wollten die Damen wissen, ob die Kranken „es fühlen“, sich +ihrer mentalen Abirrung bewusst sind, unter dem Stigma leiden? Man las +darüber so Schauerliches in Romanen. – Nur die Melancholischen leiden. Sie +empfinden wirkliche neuralgische, acute Schmerzen. Ganz hoffnungslos sind +die mit fixen Ideen Behafteten, oder solche, die religiöse +Wahnvorstellungen haben. Sie hatten eine sehr feine, dreissigjährige Dame +aus gutem Hause, die an erotischem Wahnsinn litt. Eine Dame, sonst sehr +scheu und wohlerzogen! + +Man rief berühmte Beispiele zurück: Torquato Tasso, Johanna von Castilien, +Ludwig von Bayern. War Hamlet wahnsinnig gewesen, oder König Lear? + +Aber ein Thema interessirte sie Alle. Sie hatten ein wirklich +interessantes Sujet, einen Clou. Das kitzelte nicht nur die Damen. + +Die erste Intelligenz der Zeit, die brillanteste, genialste. Der Mann, +dessen Adlerflug die Welt erst schweigend, dann mit wüthenden +Verwünschungen in glühender Bewunderung verfolgt hatte. + +Jetzt, wo er wahnsinnig war, konnte man ihn ja ungehindert bewundern. +Niemand hatte mehr eine Concurrenz zu befürchten, seinen schneidenden Hohn +schlimmer als seine Verachtung. Aus dem Löwenfell des grossen Mannes hatte +man sich kleine Fellchen geschnitten, die so gut standen. Was konnte man +da interpretiren, insinuiren, Kapital schlagen. Aus diesem ungeheuren +Brachfeld, das er mit den Schätzen einer ungehobnen Welt hinterlassen. +Seine Fehler und Extravaganzen vermied man natürlich. Er war ja eben +bekanntlich ... Ein Strich über die Stirne vollendete den Gedanken. + +O ja! Für den interessirte man sich. Gedichte, Blumen wurden für ihn +gesandt. Alle Augenblicke standen in den Zeitungen gefälschte Interviews. +Es bildete den beständigen Aerger der Aerzte. Sie hatten es doch so klar +gesagt: Eine organische Krankheit, colossale Ueberanstrengung, verschärft +durch Schlafmittel, Narcotica. – Es wurde Zeit, dass endlich einmal mit +dem alten Aberglauben aufgeräumt wurde. + +Fromme Leute betrachteten diesen Irrsinn als eine gerechte Strafe des +Himmels. In ihren Augen war er der Antichrist. Man sah Gottes Gericht +recht deutlich! Der Titan, der Ihn anzugreifen gewagt, Felsblöcke gegen +Ihn geschleudert und jetzt ohnmächtig und gebrochen im Stuhl sass in einer +Irrenhauszelle: „Ich bin dumm. Ich bin dumm.“ + +Selbst die, die nicht so weit gingen, moralisirten über den Fall auf ihre +Weise. „Bleib’ im Land und nähr’ Dich redlich.“ Hier sah man, wohin das +Gegentheil führte: „die grosse Kunst macht Dich rasend.“ Wozu auch? Wenn +man arbeitete, recht that, kam man immer noch zurecht auf dieser Welt. Der +religiöse Aberglaube war zu missbilligen. Ebenso wie die rohe +Ausschweifung. Das Leben fand schon immer die Mittellinie. Es ist gut auf +der Mittellinie bleiben. + +Es war ja freilich wahr, dass jeder Esel ebenso gut wahnsinnig werden +konnte. Sie blieben doch überzeugt, dass Müller es zum Beispiel nie würde, +und Buchholz ebenfalls nicht. Diese würden sich auch nie das Leben nehmen +oder mit der Polizei in Conflicte gerathen. + +Die Fachleute bemühten sich vergebens, das ganz Natürliche, rein +Anatomische des Vorgangs auseinander zu setzen. Ein junger Arzt zeigte zur +Exemplificirung sorgfältig präparirte Plättchen, auf denen man den Verlauf +der Aederchen im Gehirn normal und anormal verfolgen konnte. Ordentlich +niedlich anzusehen waren diese Präparate, etwa wie Blumenblättchen, +fettig-weiss und rosig durchzeichnet. – Einige Damen grauten sich davor, – +immer zurück in der Cultur, diese Frauenzimmer! Der junge Gelehrte liebte +seine Plättchen. Er zitterte, ihren Schatz zu bereichern. Für ihn war auch +dieser Kranke nur ein Object. + +Ganz Intime waren zuweilen zugelassen worden. Sie erzählten, dass der +grosse Philosoph im Rollstuhl auf der Terrasse gesessen. Er sah in die +sinkende Sonne. Er schien ganz „friedlich“, der kranke Adler. Man nahm ein +ganz angenehmes Gefühl mit fort der allgemeinen Rührung und der eignen +speciellen Empfänglichkeit für schöne Emotionen. + +Uebrigens hatte er’s gut. Erster Klasse sogar. Mancher hatte es nicht so. + +Was dachte er in den langen vierundzwanzig Stunden des Tages seit sieben +Jahren? Die Aerzte versicherten, Nichts. Er lächelte. Er wartete ... Es +war doch furchtbar. Der Mann des jauchzenden Lachens, der sich selbst die +Stirn mit Rosen bekränzt und das schwache Mitleid verachtete. – Nun, das +war immer schon Wahnsinn gewesen. + +Den Schluss der Besichtigung bildete immer die Kapelle. Nur ein steinernes +Kreuz stand hinter dem Altar. Eine Lebensähnlichkeit, Blut und Nacktheit, +hätte die Kranken gestört. Man musste vorsichtig sein. Eine Frau in +schwarzen Schleiern weinte zu seinen Füssen. Sie bildete sich ein, die +Pietà zu sein. Sieben Schwerter des Weltwehs gingen durch ihren Busen. Sie +weinte immer – immer. Eine vornehme Frau aus reichen, guten Verhältnissen, +Mutter und Gattin. – Man liess sie, weil sie ganz sanft und ungefährlich +war. + +Ein engelschönes, blödsinniges Kind, das zwischen den Bänken hantirte, +nickte und lachte geheimnissvoll. Die Geschlechter schienen hier seltsam +verwoben. Man wusste nicht, ob es ein Knabe oder ein Mädchen war. Die +Aerzte erklärten ihn für einen Adolescent von sechzehn Jahren. Er lief +überall frei umher. Die Kapelle war sein Lieblingsaufenthalt. Er bildete +sich ein, ein Chorknabe zu sein, schwang sein Räucherfass, bückte sich und +nickte und küsste dann mit Inbrunst die Altarstufen. Dieser Jüngling war +immer glücklich, von einer Serenität der Cherubim. Jeder verwöhnte und +liebte ihn. + +Auch von dem neuen Patienten wurde gesprochen, diesem „Fremden“ der +Zeitungen und Verhandlungen, der sich einbildete, Christus zu sein. + +Der Arzt erklärte, dass dies eine häufig vorkommende specielle Form des +religiösen Wahnsinns sei: „Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, eine +Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. In Wahrheit ist dieser Mensch +ein schwachsinniger Zimmermannssohn aus dem Württembergischen. – Braucht +man bündigere Beweise, dass es Zeit ist, mit dem alten Priesterhocuspocus +aufzuhören?“ + +Eine der Damen sah ihn lange an: „Er hat schöne Augen ...“ + +Die Besucher gingen wieder. Es fing auch schon an dämmrig zu werden. + + ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ + +Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals Geklärtes, vor dem denen, die +es später sich erzählten, die Haare sich sträubten, wo die Vernünftigsten +den ewigen Blödsinn der Dinge zugeben müssen und stumpfe Hirne peitschende +Schauer der Unwelt fühlen. + +In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, den Ewig-Stummen, den zum +untersten Abgrund Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, +wer den Andern herführte, welcher furchtbare Auftritt stattgefunden +zwischen diesen Beiden, deren Einen Keiner kannte. + +Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. Die Stricke waren seine +Kleider, die er sich abgerissen hatte. Aus zertrümmertem Holzgeräth, +Bänken und Stühlen, hatte er Nägel, Eisentheile, geklaubt. Dieser ganz +nackte, misshandelte Leib war buchstäblich zerstossen, zerschunden, +erwürgt damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, er lachte. Mit +einem schweren zugespitzten Holzstück sah man ihn grosse Streiche führen +nach der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwärzliches Blut troff: + +„Du hast die Welt zerstört! Du! Du!... + +„Die Schönheit hast Du getödtet, den Ruhm, die Lust! + +„Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. Du hast ihnen das Gift in’s +Herz geträufelt. Schlange Du! Erste Schlange! Verfluchte! + +„Mit Deinen zerrissnen Händen hast Du die Kraft unsrer Hände zerbrochen. + +„Deine Füsse, die angenagelt sind, haben uns festgebohrt. + +„Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut. + +„Die Stricke umwürgen unsre Leiber und machen sie hässlich. + +„Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre Hirne gedrungen ... Die Dornen +von Deiner Stirn! Die Dornen!“ ... + +Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. Er hatte seine Haare gepackt zu +beiden Seiten des Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Händen, über und über +mit Blut beschmiert, raufte er sie aus in vollen Fäusten. + +Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, schauerliche Brüderlichkeit +in diesen beiden gemarterten, verrenkten Leibern, dem todten und dem +lebendigen, dem, der vollendet hatte und dem, der niemals vollenden +würde, ... seinen Gliedern gekrümmt und schlaff geworden durch das Sitzen, +die Schreibtischarbeit, den Händen zu fein und zu lang, die nicht mehr +fassen konnten, verkrüppelten, zagen Füssen, die das Gehen verlernt. Viel +zu hoch war diese Stirn, blass vom Gedanken, vorgeschoben über das ganze +übrige Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die wirren Haare bildeten eine +fürchterliche, struppige Aureole. + +Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz packte, es ihm hinschleuderte +in Hohn und Verzweiflung: „Teufel! Teufel!“ + +– – – Der Blödsinnige lachte, sein leises, triumphirendes Lachen. Er that, +als ob er sein Weihrauchfass schwänge, bückte sich und küsste die +Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern weinte. Ein monotones, +endloses, zweckloses Weinen ... + +Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, mitleidig, erhaben, sah herab. + +Der Kopf hatte sich etwas zur Seite geneigt. Die Augen unter den bleichen +Lidern waren gebrochen. Aber die Lippen standen ein wenig geöffnet, als ob +Ihn dürstete. Er hielt die beiden Arme nach oben ausgebreitet. Aus seiner +geöffneten Seite unter der Brust floss das Blut. + +Das Blut floss. + +Es tropfte auf die grauen, breiten Steinfliesen des Fussbodens. Die +Fliesen blieben grau und steinern. Eine rothe, schmerzliche Lache hatte +sich auf ihnen gebildet. Der Stein färbte sich violett unter ihr. + +Beständig aus dem blutenden, durchbohrten Herzen fielen die Tropfen. + + + + + Druck von Ramm & Seemann in Leipzig. + + + + + + +Von demselben Verfasser ist erschienen: + +*Ein Narr.* Roman. Mk. 3.– +*Die Jungen.* Roman. " 3.– +*Misere.* Roman. " 3.– +*Nixchen.* Ein Beitrag zur Psychologie der höheren " 1.50 +Tochter. Fünfte Auflage. +*Häusliches Glück.* Aus den Papieren eines Ehemannes. " 1.50 + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Im Original gesperrt gesetzte Passagen sind durch Unterstrich (_) +gekennzeichnet, Fettdruck durch Sternchen (*). + +Variierende Schreibweisen wurden nicht korrigiert, mit Ausnahme folgender +offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 7: „wei“ geändert in „weit“ + Seite 15: „neber“ geändert in „neben“ + Seite 49: „erwartefe“ geändert in „erwartete“ + Seite 58: „Krankeit“ geändert in „Krankheit“ + Seite 71: Punkt geändert in Komma hinter „ausgebrütet“ + Seite 118: „Gattenadjudanten“ geändert in „Gattenadjutanten“ + Seite 167: Anführungszeichen ergänzt hinter „Worte!“ + Seite 194: Anführungszeichen ergänzt vor „Ihr“ und „O“ + Seite 247: doppeltes „legen“ entfernt + Seite 255: „wir“ geändert in „wie“ + Seite 261: „gegewesen“ geändert in „gewesen“ + Seite 291: „tand“ geändert in „stand“ + Seite 312: Anführungszeichen ergänzt hinter „verkümmern.“ + Seite 316: Komma geändert in Punkt hinter „rührten“ + Seite 324: „Alllem“ geändert in „Allem“ + Seite 344: „Perdeäsern“ geändert in „Pferdeäsern“ + Seite 373: „jetsige“ geändert in „jetzige“, „mi“ in „mit“ + Seite 378: Anführungszeichen ergänzt vor „Was“ + Seite 383: Punkt ergänzt hinter „wollüstiger“ + Seite 389: „schüfzen“ geändert in „schützen“ + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + CREDITS + + +May 25, 2011 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed + Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + A WORD FROM PROJECT GUTENBERG + + +This file should be named 36227‐0.txt or 36227‐0.zip. + +This and all associated files of various formats will be found in: + + + http://www.gutenberg.org/dirs/3/6/2/2/36227/ + + +Updated editions will replace the previous one — the old editions will be +renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg™ electronic works to protect the Project +Gutenberg™ concept and trademark. Project Gutenberg is a registered +trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you +receive specific permission. 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It exists because of the +efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks +of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance +they need, is critical to reaching Project Gutenberg™’s goals and ensuring +that the Project Gutenberg™ collection will remain freely available for +generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation was created to provide a secure and permanent future for +Project Gutenberg™ and future generations. 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Its business office is located at 809 North +1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information +can be found at the Foundation’s web site and official page at +http://www.pglaf.org + +For additional contact information: + + + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + + Section 4. + + + Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation + + +Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread +public support and donations to carry out its mission of increasing the +number of public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form accessible by the widest array of equipment +including outdated equipment. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg™ +concept of a library of electronic works that could be freely shared with +anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg™ +eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright +notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance +with any particular paper edition. + +Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook’s eBook +number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed +(zipped), HTML and others. + +Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the +old filename and etext number. 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\ No newline at end of file diff --git a/36227-0.zip b/36227-0.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..4c3aa08 --- /dev/null +++ b/36227-0.zip diff --git a/36227-8.txt b/36227-8.txt new file mode 100644 index 0000000..06c3634 --- /dev/null +++ b/36227-8.txt @@ -0,0 +1,8636 @@ +The Project Gutenberg EBook of Der Fremde by Hans von Kahlenberg + + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no +restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Der Fremde + +Author: Hans von Kahlenberg + +Release Date: May 25, 2011 [Ebook #36227] + +Language: German + +Character set encoding: ISO 8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + + + Der Fremde. + + Ein Gleichniss + + von + +Hans von Kahlenberg. + + +Dresden und Leipzig. +_Verlag von Carl Reissner._ +1901. + + + + + + + DAS ERSTE KAPITEL. + + +Es war Weihnachtsabend. + +Das Wetter war schlecht gewesen seit Wochen schon, keine Klte, aber +bestndig sickerte von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. Der +Himmel schien sehr nah an die Erde gerckt, die Grenzlinien beider +vermischten sich in diesem Grau, das Alles einhllte, auflste, aus der +Erde kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender Schicht. Wie durch +einen Schleier gewahrte man die nchsten Gegenstnde, kahle Baumstmpfe +verkmmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, und Telegraphenstangen. +Sie folgten sich in regelmssigen Abstnden wie Schildwachen einer +ungezhlten einzingelnden Armee, die man nicht sah, die da im Nebel +lauerte, wo er sich zu verdicken schien, braun wurde, mit schwarzen +Ausstrmungen, die sehr lange Linien durch die Luft zogen und hngen +blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack in die scharfe Klte, den +Moorgeruch der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte sie der +Regen, unbarmherziges, Alles durchdringendes Gewsser, in dem die letzten +Lebensreste des Sommers sich auflsten, verfaulten.... Irgendwo da - sehr +weit ab noch - vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hrte man Eisenbahnzge +kreischen; sie glitten rasch auf rohaufgeworfenen Dmmen mit Alarmrufen +der Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille und der Nebel +herrschten wieder, eine unheimliche, lastende Stille, hinter der das +berreizte Ohr Lrm zu vernehmen glaubte - des Meers, oder einer Schlacht. +Ein heissrer Athem streifte von da zuweilen: Menagerie, Kchengeruch, +Schweiss, - diese undefinierbare Atmosphre, die die Nhe einer grossen +Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, berqulten Lungen des +zusammengepressten Menschheitsorganismus, wo die natrliche Luft nicht +gengt, verbraucht lasten bleibt, in einem Nebel, der nicht weggeht, sich +erhitzt am Abend von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen aus +athmenden Brsten. + +Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. Ihre ganze Oberschicht +bestand aus einem weichen, feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel +ansetzte, sofort krustete; und vor allem war er kalt, von einer Klte des +Eiswassers, unterer Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne sahen. +Er trug sich schwer; auf der Hhe des Strassendammes zog er sich endlos +hin, kleine Teiche bildend, Runzeln und Rnder, die Spuren unzhliger +Menschenfsse, Pferdehufe, die da gegangen waren. + +Manchmal schleppte sich ein Lastwagen mde vorber. Die Rder knatterten +auf dem harten Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von oben bis +unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten die Pferde. Unter seiner +gelben Plancapotte liess der Fuhrmann misstnige Laute des Unbehagens +vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er hatte Eile anzukommen, sich von +Neuem zu fllen mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit wegnahm, +die sich in grauer Schicht aus diesem sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. +Auch raschere Gefhrte rollten vorber, Bcker- oder Fleischerwagen aus +den Vororten mit warmgekleideten, wohlgenhrten Insassen. Jetzt liessen +sie die Gule ausgreifen, um nach Hause zu kommen, knallten mit der +Peitsche im Vorgefhl der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter +Abendbrottische. + +Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten frher Feierabend gemacht wegen +des Festes, und es wurde spt. Da und dort an den Bahnkrpern entzndeten +sich Lichter. Sie konnten nicht ankmpfen und blieben wie blasse +Wasserflecken in dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel wurde, vom +Weissgrau des sonnenlosen Tages zum Schwarz der Winternacht, die da ber +die Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, bis auf die +Chaussee, die sich hinzog ohne Bume, ein endloser Landstreifen durch die +Oede. + +Zwei Handwerksburschen zogen auf der Chaussee entlang. Es waren +Arbeitslose. Der Eine war ein Bttchergesell aus Greifenberg in Pommern, +der Andere zog schon seit lange so. Er hatte Drechseln gelernt. Aber das +Handwerk warf nichts ab; vielleicht war ihm auch nach und nach die +Gewohnheit der regelmssigen Arbeit verloren gegangen. Er war der +bedeutend Aeltere. Die Beiden hatten sich in der Herberge zur Heimath in +Bernau kennen gelernt und zogen nun auf Berlin zu, die grosse Metropole +der Arbeit und des Verdienstes, um da ihr Glck zu versuchen. + +Der Jngere war ngstlich; dennoch voll guter Hoffnungen. Er begriff es +nicht, dass ein Mensch, der arbeitsam und mssig war, arbeiten wollte, +keine Arbeit finden sollte. Er glaubte an ein vorbergehendes +Missgeschick. Berlin sollte ihm Glck bringen, obwohl es ihm Furcht +einflsste. + +Er war ein Junge, der zu Hause aus ganz kleinen, aber geordneten +Verhltnissen kam. Sein Vater war beim Torfstechen ertrunken. Er hatte fr +die Mutter und drei kleine Geschwister mitsorgen mssen; alles das hielt +sich ber Wasser, lebte sehr respektabel. Er war ein Kind geblieben, mit +runden, erstaunten Augen, die vergebens den Nebel zu durchforschen +schienen, etwas ngstlich vor dem Gefhrten an seiner Seite, aber doch +gefgig gegenber dessen grsserer Welterfahrung, beeindruckt vom Cynismus +seiner Reden und Handlungen. + +Der war ein ziemlich wster Gesell, der durch die halbe Welt gerollt war. +Man wusste nicht, woher er kam, und er sprach nicht davon. Seine Papiere +wiesen allerlei Bestrafungen auf, fr Diebsthle, Widersetzlichkeiten. Das +hatte ihn nicht gebrochen. Es lag Hohn und Trotz gegen die Gesellschaft in +seiner Art, das Bewusstsein eines Ichs, der Kraft, in diesem Menschen, der +mit klaffenden Schuhen ber die Landstrasse stapfte, Hass gegen die Klte, +der er den Alkohol entgegensetzte, den brennenden Rausch, der besser hitzt +wie Feuer. + +Ein gewisser Galgenhumor kam ber ihn, whrend sein Gefhrte ngstlich in +seine blaugefrornen Finger pustete, die besten Stellen im Matsch +aussuchte, um seine Fsse zu schonen, vor allem die Schuhe, die trotzdem +schon barsten, Wasser einliessen, das sickerte, quietschte zwischen den +Sohlen. + +Der Kumpan sah es mit gutmthigem Spott: "Gieb's nur auf, kleiner Richard! +Das ntzt Dir nichts. Das frisst sich durch Pelz und Wolle, um so mehr +durch Lumpen und Lcher. Dagegen giebt's nur eins!" + +Er bot dem Andern die Flasche, die der ngstlich zurckwies. So leerte er +sie selbst auf einen Zug. + +"Das giebt wenigstens Muck! Das ist die einzige vernnftige Erfindung in +diesem elenden Hundedasein. Sie sagen, der Teufel hat sie gemacht. Mich +dnkt, der Teufel, das ist der einzige wahre Heilige in der ganzen +Muschpoke. Er ist mein Schutzpatron. Es lebe der heilige Satanas!" + +Der Kleine sah sich scheu um, ob Jemand die Lstrung hrte. Er war fromm +erzogen, gewohnt in die Kirche zu gehen des Sonntags. Die Mutter sass da +und die andern alten Weiber in schwarzen, gehkelten Kopftchern mit dem +goldbedruckten Gesangbuch. - Es war hart, dass man keine Arbeit fand. Aber +er vertraute auf Gott. Und Berlin war nah, wo Tausende arbeiteten und +assen. Sehr mde war er und weit konnte es nicht mehr sein. + +Es war, als ob Fritz Kuhlemann seine Gedanken errieth: "Ja, das ist fein, +nach Hause zu kommen, wenn Einem die Olle schon in der Thr entgegenluft! +Der Junge hngt sich uns an den Rock. Auf dem Tisch dampft ein guter +Happenpappen. Die Stube ist schon abgeschlossen, weil da der Christbaum +steht. - So gut wird's uns nicht bei meinem Freund Matzke. Eine fidele +Bude, und Mdels auch die schwere Menge! Ich mchte wissen, ob die rothe +Lene noch da ist?" ... Er vertiefte sich in diese Erinnerungen, +Saufgelage, Prgeleien, Dirnen,... whrend der Andre neben ihm +hertrottete. Er war sehr mde. Er htte am liebsten geweint, aber er +schmte sich. + +"Du bist auch noch so ein Grner. Dich werden sie schon erst hochnehmen! +Wenn Du denkst, mit Gottvertrauen und Dummheit kommt man durch die Welt! +Das ist gut fr die, die mit einem silbernen Lffel im Munde geboren sind. +Unsereiner, wenn der nicht eine Nase zehnmal so fein hat und Krallen +zehnmal so lang, - dann kannst Du Dich man gleich am nchsten +Laternenpfosten aufhngen lassen. Da drinne, da verstehen sie's! Ist schon +Mancher wie die reine Unschuld vom Lande eingewandert. Und wie er wieder +rausgekommen ist! Per Schub mit zwei Gensdarmen neben sich. Auf Sonnenburg +zu, oder Pltzensee. Ich kannte Einen, den haben sie gehetzt wie das liebe +Vieh. In den Weiden und Binsen unten bei Tegel. Jede Nacht die Jagd und +den ganzen Tag lang. Ob das noch ein Mensch ist! - Todtgeschlagen hatte er +Einen. Todtschlagen - das ist auch dumm. Alles todtschlagen, kurz und +klein! Dann wr's noch was." + +Nun ermannte sich der Andre. "Es giebt doch aber auch noch gute Menschen +auf der Welt." + +"Hast Du je Einen gesehn, dem's auch gut gegangen ist dabei? Die +Schlechten, die kommen auf, die sind hoch. Verfluchte Schweinerei!" + +"Man kann's. Wenn man ehrlich ist und arbeitet." + +"Versuch's doch! Geh hin! Biete Deine Arbeit an. Lauf rum! Verkauf Dich +fr vier Groschen den Tag. Sieh doch, ob Dich Einer nimmt! En Vieh und en +Esel. - Aber ein Stck Mensch! Und dann fallen Einem die Lumpen immer mehr +vom Leib. Der Schutzmann hlt die Augen drauf. Und wenn Du mal auf einer +Bank, unter der Brcke einschlfst, hat er Dich am Kragen. Dann geht's auf +die Wache. Na, und wenn die erst ihren Stempel draufgesetzt haben! Die +grosse Klappe - oder der Strick vorher und das stille Wasser!" + +Der Andre war dem Weinen sehr nahe. Es war die grosse Mdigkeit und die +Aufregung vor dieser Stadt, die sich nherte, wie das Verhngniss, +unsichtbar, in dem Nebel, der immer dicker wurde. Ein Wagen, der +vorberfuhr, eine Equipage oder geschlossene Droschke, bespritzte sie von +oben bis unten. + +Kuhlemann sprang mit einem Fluch zur Seite: "Verdammte Protzenbande! Ich +gnnt's Euch! Ich gnnt's Euch! Frisst sich satt von unserm Mark und +Knochen. Sauft sich voll von unserm Blut, bis sie besoffen sind und +speien!" + +Sie waren jetzt in der Gegend der Fabriken. Von beiden Seiten reihten sich +dunkle, niedrige Schuppen um gemauerte Schlote, mit Latten eingezingelte +Hfe. Man sah die schwarzen Eisenconstructionen zum Heben, die achatne +Spiegelung der Fensterscheiben, ungeheure, stumpfe Massen aufgeschichteten +Materials, die warteten, sich zersetzten. Aber Alles lag ganz still wegen +des Festes, Alles war sehr schwarz. Der Kohlengeruch wurde bemerkbarer. +Auf ihren Schienenstrngen eilten die Zge der Vororte mit roten und +grnen Lichtern, wie grosse Schlangen mit Augen, in die schweigende Ebene +ausgeschickt. + +Der kleine Richard war vollkommen kaput. "Ach mein Gott!" schluchzte er +auf. "Mein Gott!" + +"An den glaubst Du auch noch?" Die Nachwirkung des Schnapses begann sich +bei Fritz Kuhlemann zu ussern. Er sah roth jetzt und schrie mit erhobner +Stimme: "Die olle Finte, die uns die Pfaffen aufgebunden haben, damit wir +kuschen und nicht Muck sagen! Ich sage Dir, wenn's den giebt da oben, dann +kann er sich begraben lassen fr das, was er gemacht hat. Ich lach' ihm +in's Gesicht. Ich schlag' ihm die Faust in's Gesicht fr sein feines +Zauberkunststck hier!" + +Die Lstrung verhallte in der Dunkelheit, die sich nicht rhrte. Ein Wind +schien sich erhoben zu haben, strich mit schriller Klage ber die +Telegraphendrhte, durch die Lcher der Jacke, in der der Kleine sich +zusammendrckte. Alles blieb so, die schwarzen Fabrikgebude, die +Dunkelheit, die Klte.... Und in der Ferne das Verhngniss, das anzog, +sich nherte, etwas Schwarzes, Compactes, mit Augen ... Berlin, die +Grossstadt. + +"Guten Abend!" sagte eine Stimme neben ihnen. + +Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen sein. Er war wohl von +rckwrts nahe gekommen. Sie hatten ihn nicht gehrt, weil der weiche +Schmutz alle Schritte erstickte. Und es war finster. + +Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte in ihrer eigenen Grsse sein, +nicht ber Mittelgrsse. Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht gut und +nicht schlecht, die eines Mannes, der Arbeit gethan hat und weit gewandert +ist. + +"Guten Abend!" sagte der Fremde noch einmal. + +Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen Stimme, die aus dem Nebel +zu kommen schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung lag in dem Klang +der Stimme. + +"Guten Abend!" sagte der kleine Richard. + +Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen Gruss. + +Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er ging denselben Schritt wie +sie. Nur war es dem Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so trfe. Er +empfand das angenehm. + +"Es ist spt," sagte der Fremde. "Und es ist kalt hier aussen." + +"Das ist nun nicht gerade etwas Neues, was Du uns sagst," hhnte Fritz +Kuhlemann. "Wenn Du eine Pulle in Deiner Tasche hast und etwas Warmes +drin, thtest Du uns einen grsseren Gefallen, wenn Du uns theilen +liessest." + +"Ich habe keinen Wein und keinen Branntwein," sagte der Fremde. "Ich komme +von weit. Und es ist spt." + +"Sehr spt, um den Christbaum zu schmcken und den Aufbau fertig zu +stellen. Aber vielleicht sind Sie hier herum Hausbesitzer oder haben eine +Villa gemiethet und die liebe Familie erwartet Sie?" + +"Ich habe kein Haus." + +"Dann wrde ich Dir rathen, Freund, dass Du Dir Geld in die Tasche thust. +Denn umsonst giebt's hier nichts auf dieser faulen Welt. Und zumal in +Berlin, wohin wir unsre Schritte jetzt lenken. Mein Freund Matzke kann +sehr eklig werden gegen flaue Kunden. Also, Freundchen, wenn Deine Tasche +wohlgefllt ist, ffne sie und spendire Deinen guten Freunden, die im +Dalles sind, in der That nicht wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen +sollen." + +"Ich habe kein Geld Dir zu geben," sagte der Fremde. Er sagte es traurig, +mit seiner sanften, klingenden Stimme, die von sehr weit herzukommen +schien. + +Der Rothe lachte: "Du bist ein famoser Bruder, das muss ich sagen! +Schleichst hier auf nchtlichen Wegen und schlngelst Dich an andre Leute +ran. Denkst Du, wir knnen einen Zaungast brauchen? Lass doch mal sehen, +wie Du aussiehst bei dieser noblen Beleuchtung!" + +Die kleine Laterne eines Zimmerhofs warf einen zweifelhaften Schein. Der +rohe Bursche drehte den Fremden um. Er stiess ihm die Schulter gegen den +Lichtfleck. + +Er sah ein blasses Gesicht. Ein bescheidner Bart umrahmte den unteren +Theil. Es war das Gesicht eines Mannes von etwa zweiunddreissig Jahren. +Der Fremde hatte seltsame Augen und sah ihn ernsthaft und traurig an. + +"Lass doch den Mann!" sagte der kleine Richard mde. + +Selbst der Rothe war betroffen. "Teufel auch!" knurrte er in den Bart. "Wo +hab' ich das Gesicht schon gesehen? Du bist ein seltsamer Heiliger, Du!... +So eine Sorte Wanderprediger wohl? Ich habe mal Einen gekannt. Er war mit +uns in der Herberge. Des Abends las er seine Bibel. Er that das alle +Abend. Er sah dabei aus wie Du. Er sagte nichts." + +Der Fremde sagte auch nichts. + +... "Er hat mir den Fuss kurirt und eingewickelt. Ich wusste, wo er sein +Geld hatte. Ich hab's ihm gelassen." + +Das Gesicht des Fremden schien berauschend auf ihn zu wirken. Er verwirrte +sich in wilden Erinnerungen.... "Ein Mdchen ... Ich drngte sie gegen das +Thor. Was hatte die dumme Liese sich anzustellen? Sie war doch genau wie +die Andern. Hexe! - Weibervolk, die sind Alle nichts wert. + +"... In ihrer Karosse sah ich sie mal. Eine vornehme Dame. O sehr vornehm! +Vornehmer wie eine Prinzessin. Sie sass in ihrer Karosse und wartete. Ich +wollte sie ermorden. Weil ich hungrig war und kein Bett hatte. Sie war +reich und sass im Wagen. Sie sah mich an. - Ich fasste an den Hut und +schlich mich fort. ... Nachher brachte mir der Diener ein Goldstck. Das +warf ich ihm nach in den Dreck gegen seine unverschmten Kalbswaden. + +"... Weisst Du, wo ich herkomme? In der Gosse haben sie mich gefunden +neben einer todten Katze und einem Kohlstrunk. Meine Eltern wollten nichts +wissen von der Rabenbrut. Dann haben sie mich so rumgestossen. Die hohe +Polizei! Das ist eine zarte Nhrmutter. Glaube mir, Bruder, es ist eine +lustige Welt! Man muss sie nur lustig zu nehmen wissen." + +Er lachte roh auf. Der kleine Richard zitterte vor Klte. Er fhlte +glhende Zangen in seinen Eingeweiden. Seine Zhne schlugen aufeinander. + +"Nimm diesen Mantel," sagte der Fremde freundlich. + +Es war ein alter, fadenscheiniger Ueberzieher, wie ihn arme Leute tragen, +auch zu dnn fr den Winter. Der Junge wickelte sich mechanisch gehorchend +hinein. Er fhlte die Hand des Fremden, die glttete, um ihn streichelte. +Eine Art magnetischer Beruhigung ging von ihr aus. Es erinnerte ihn an die +Berhrung seiner Mutter. "Aber Du?" fragte er wie betubt. + +"Ich friere nicht," sagte der Fremde. + +"Dann musst Du von seltsamem Stoff gemacht sein," bemerkte Kuhlemann. +"Dies verfluchte Wetter macht Einem die Blutstropfen im Leibe gefrieren." + +In der That war es jetzt ganz empfindlich kalt. Der Wind pfiff mit +scharfem Eishauch. Unter seinem Mantel glhte der Junge. Er wusste nicht +mehr, wo er war. Er phantasirte. + +Er war bei sich zu Hause. In der kleinen Kche war es stickend warm. +Solch' eine frhliche Wrme! Der ganze Heerd glhte, rothglhend mit +hpfenden, spritzenden Lichtern, obgleich es dunkel war, um Petroleum zu +sparen. Aus dem Suppentopf stiegen weisse, nahrhafte Wolken. Ein Duft von +Aepfeln kam aus der Rhre; man hrte ihre feinen, braunen Hute britzelnd +zerspringen.... Er war da. Er war ein Knabe, er hielt die kleine Schwester +auf den Knieen. Er fhlte deutlich den warmen, pulsenden Krper. Das Kind +hatte die Aermchen um seinen Hals gelegt. Sie warteten auf die Mutter. Er +erzhlte ihr von Weihnachten. + +Von einem alten Mann mit weissem Bart erzhlte er ihr. Er trug einen +grossen Sack mit Aepfeln und Nssen ber der Schulter. Er hatte ein +rothes, freundliches Gesicht, und eine Birkenruthe hielt er in der Hand. +Wenn man seine Sprche nicht wusste, gab es Schlge. _Sie_ waren gute +Kinder, sie konnten ihre Sprche. Das kleine Mdchen hatte die Hnde +gefaltet und wiederholte sie mit halblauter Stimme. Die ganze Geschichte, +die freundliche Lehrerin in der Kleinkinderschule hatte sie ihr +vorgesprochen. Der grosse Bruder, der schon klug war und lesen konnte, +half ein: + +"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus +ausging, dass alle Welt geschtzet wrde. + +"Und diese Schatzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius +Landpfleger in Syrien war. + +"Und Jedermann ging, dass er sich schtzen liesse, ein Jeglicher in seine +Stadt. + +"Da machte sich auch auf Joseph aus Galila, aus der Stadt Nazareth, in +das jdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum, dass +er vom Hause und Geschlechte Davids war. + +"Auf dass er sich schtzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weib, die +war schwanger. + +"Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn +in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." + +"... Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" ... wiederholte +der kleine Handwerksbursche mit glhenden Lippen auf der eisigen +Landstrasse. + +Dann fing er auf einmal mit leiser Stimme an zu singen: "O du frhliche! O +du selige! Gnadenbringende Weihnachtszeit!" + +"Nanu?" sagte der Rothe grob. "Bei dem ist's wohl nicht recht helle? Singt +der Mensch hier auf der Landstrasse wie eine Lerche! Du hast doch wohl +einen heimlichen Trunk zuviel gethan? So'n verfluchter Duckmuser!" + +Aber der Kleine hrte ihn nicht. Er war ganz glcklich. Er hielt seine +kleine Schwester. Es war so warm in der Kche. Er fing an, an seinen +Kleidern zu reissen. - Auf allen Kirchthrmen begannen die Glocken zu +luten. Die kleine Kche war voll vom hellen Schein. Sie hatte berhaupt +keine Decke mehr, keine Balken und angeblakten Kalkwnde. Da war der +Himmel. Er war ganz offen und die Engel sangen. Sie sangen: "Ehre sei Gott +in der Hhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" + +Sie sangen sehr laut mit hellen, schmetternden Stimmen. Alles hallte davon +wider. Dieser Gesang erfllte das ganze Gewlbe des Himmels, der eine +grosse, dunkelblaue Glocke war, in der goldne Sterne schwangen und +spannen. Sie drehten sich sehr rasch mit langen, lichten Streifen hinter +sich her in der Bahn ihrer Schwingung, die feurige Ringe bildete, Kreise +und Sphren. Die ganze Glocke drehte sich, sang und schwang. + +Der kleine Handwerksbursche sang laut, vorwrts stolpernd im schleimigen +Strassenkoth, zwischen den schwarzen Fabrikschuppen mit hohen Schloten, +vor der Stadt, die rings umher anfing sich zu entznden, wie ein Halbkreis +der Hlle mit feurigen Augen. + +"Bist Du verrckt?" schnauzte ihn der Andre an. + +"Dein Gefhrte ist sehr krank," sagte der Fremde sanft. + +So war es. Alles hatte bei dem Kleinen zusammengewirkt: die langen Wochen +der Angst und schlechter Ernhrung, der unheimliche Gefhrte, der +Weihnachtsabend. + +Er fuhr fort zu singen. Er wehrte sich gegen den Andern in seinem +Fieberrausche: "Lass mich! Du erfrierst mir das Herz. Du stsst mir +glhende Messer in's Weiche. Du bist schlecht und roh! Schlecht! Schlecht! +Du bist der Teufel!" + +Er war wie ein Rasender. Er fing an mit beiden Armen um sich zu schlagen. +Er bumte sich wie ein scheugewordenes Pferd. Er wollte pltzlich nicht +weitergehen. Er liess sich wie ein Sack zur Erde fallen. + +"Halloh!" sagte der Rothe. "Das ist eine schne Geschichte. Nun stirbt uns +der hier im Dreck. Das hetzt uns die Grnrcke gleich auf die Hacken." + +"Hilf mir ihn aufheben!" sagte der Fremde. "Er darf nicht sterben so." + +Sie hoben ihn auf. Auch der Rothe that seine Pflicht, sanft genug fr +seine rauhen, frostgeschwollenen Fuste. Die Mtze war dem Kleinen vom +Kopf gefallen, Koth hatte sich in die blonden Locken gesetzt. Er entfernte +ihn mit einem grimmigen Scherz: "Das wrde seiner Liebsten nicht +gefallen." + +Es lag da ein Steinhaufen am Chausseerand aufgeschttet. Der Fremde hatte +sich darauf gesetzt, der Junge lag in seinem Schooss mit dem Kopf an +seiner Brust. Er lag ganz still und lchelte. + +"Ich kenne Dich wohl," sagte der Junge. Er sprach mit erstaunlicher +Gelufigkeit, in einer hellen, klingenden Stimme des Entzckens, wie wenn +Alles, was in ihm schweigsam und gefroren gewesen war, sich jetzt lste, +aufthaute. + +"O, ich kenne Dich ganz gut. Du bist mein alter Lehrer in Greifenberg, der +freundlich zu uns war. Wenn man's gut gemacht hatte, strich er mit der +Hand ber den Kopf. Manchmal durfte ich ihm die Bcher nach Hause tragen. +Dann bekam ich einen Apfel.... Er war alt und arm, und hatte viele Kinder, +wie wir." + +"Nette Suse!" murmelte der Rothe. "So 'ne weisse Wassersuppe!" + +Der Fremde sass ganz still und hielt den Kopf des Jungen. Der lachte, er +griff ihm mit der Hand in den Bart. "Du bist mein Vater, der gestorben +ist," sagte der Junge. "Er ging des Morgens sehr frh fort. Dann trat er +leise auf und zog sich im Dunkeln an, damit wir nicht aufwachen sollten. +Es war noch sehr frh und sehr kalt draussen. Im Bett war es warm. Der +Winter hatte grosse, weisse Eisblumen vor das Fenster gemalt. Wie hinter +einer Wattenwand schlief sich's da.... Dann ging er fort einen Morgen und +kam nicht wieder. + +"... 'Nun bist Du der Mann in der Familie, Richard,' sagte die Mutter. +'Versprich mir's, dass Du immer fr die Schwestern sorgst, wenn Du gross +bist und viel Geld verdienst.' + +"Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen fr die Schwester. Meine +Schwester soll nicht weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! Es +ist so kalt ... kalt ..." + +"Gott wird fr sie sorgen," sagte der Fremde. + +Der Rothe lachte. + +"Es giebt keinen Gott," sagte der Junge unruhig. "Alle sagen, er ist nicht +und dass es nur eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und krank +wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute haben es gut in der Welt und +sind geehrt. Die Andern holt der Teufel." + +"Amen!" machte Fritz Kuhlemann. + +"Es giebt keinen Teufel," sagte der Fremde ruhig. "Gott kennt keine +reichen Leute und keine armen. Er liebt Alle." + +Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend. + +"Ich habe Schmerzen," wimmerte der kleine Handwerksbursche. "Es zerreisst +mir die Glieder. In meinem Kopf geht es wie eine Sge. Alle Knochen +krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!" + +Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, zwischen den Schmutzlachen, all' +dieser triefenden Feuchtigkeit, die von den Dchern rieselte, die Kleider +festklebte am erstarrten Krper. + +"Ich habe Hunger," klagte der Sterbende. + +Der Fremde legte ihm die Hand auf die Stirn. + +Bald gltteten sich die Zge. Sie wurden heiter, fast strahlend. "... Eine +Ruhe kommt langsam, das ist der Schlaf. Es kommt wie ein Schatten ber +eine grne Wiese. Es ist weiss und breitet die Arme aus. Ah, mir ist +wohl!" ... + +Er nestelte sich dichter an die Brust des Andern. Der Fremde beugte sich +ber ihn und ksste ihn auf die Stirn. + +Fritz Kuhlemann kam mit einem Blechgefss voll Wasser. Er hatte es beim +Eindringen in einen Zimmerhof gefunden. Ein wtender Hund war gegen ihn +angeklfft, hatte ihm die Hose zerrissen. Seine Hand blutete vom +Zerschlagen des Eises. Er sah schrecklich aus. + +"Er braucht es nicht. Er ist todt," sagte der Fremde. + +In der That war der Junge todt. Er sah aus wie ein schlafendes Kind. Ein +ssser Ausdruck war in seinem Gesicht. + +"Gestorben wie ein Hund! Wie ein Hund!" + +"Er ist kein Hund. Er ist schn." + +"Und Du? Wer bist Du?" + +"Kennst Du mich nicht, Fritz Kuhlemann?" + + ------------------------------------- + +Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, heller Mond, den man niemals +erwartet htte aus diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem Schein +im Grau, das jetzt ganz ungefhrlich erschien, die einfrmige, milde +Trauerfarbe der Nacht, eine sanfte Schwermuth der tieferen Tne und Farben +des Lebens. Im Mondschein stand der Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, +das leise fluthete. + +Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten fast aus ihren Hhlen, die +Stirn unter den wsten, rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar. + +Der Fremde sah ihn an. + +"Du hast ihn geliebt, den da" ... sagte der Fremde. "Er war oft mde. Du +gingst langsamer um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit er besser +lge. Manchmal hast Du ihm Brod gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und +der Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du ihm brachtest. - Ich +kenne Dich, Fritz Kuhlemann." + +"Teufel!" stiess der Andre hervor. + +"Du hast ihn sehr gekrnkt," fuhr der Fremde fort. "Aber Dein Herz war +wund, als es ihm harte Worte gab. Der Pflug war ber Deine Seele gegangen +und hat sie zerrissen, eh' sie wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh' +Du hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann." + +"Herr ... Herr ..." stammelte der Bursche. + +"Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, die Dich in die Gosse legte, +weil sie kein Brot hatte, Dich zu fttern, als ihr Herz sich in ihr wand +in Angst ber der Qual ihrer Eingeweide. Der, der Dich zeugte in einer +Stunde, wo er sich selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, der +die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die Liebe ist Schmerz. Im Schmerz +der Liebe liegt der Urgrund alles Geborenen." + +"Wer bist Du?" schrie der Andre auf. + +Er hatte sich auf ihn gestrzt. Sie rangen miteinander, Leib gegen Leib. +Der Mond stand am Himmel, kalt und blulich. Dann sah man nur noch ihre +beiden Gesichter, das des Fremden, das ruhig war, blass und ein wenig +traurig, das des Mannes, der in grossen Tropfen schwitzte, dunkel +blutrnstig mit roth durchschossenen Augpfeln. Er athmete in schweren, +keuchenden Stssen. + +Pltzlich fielen seine Hnde: "Mach', was Du willst! Tdte mich auch! +Tdte mich!" + +"Geh voran! Ich folge Dir!" sagte der Fremde. + + + + + + DAS ZWEITE KAPITEL. + + +Eine rothe Laterne hing ber der Thr der Destille. Die Thr war schrg +eingestellt nach der Strassenecke zu. Drei schlechte Eisenstufen fhrten +hinauf. Sie hallten und drhnten, wenn schwere, ngelbeschlagene Schuhe +darauf traten. Nach der andern Seite leuchtete ein grosses Fenster. Eine +breite, grne Aufschrift zog sich quer darber hin, auf der zu lesen +stand, dass der Pfiff Bier fnf Pfennige kostete. Sonst Reklamen in +grossen Lettern von Wein, Bier, Rum, Punsch, Zettel in lebhaften Farben so +zusammengestellt, dass sie sich mglichst schnitten, das Auge +herausforderten. Aber der Strassenstaub hatte sie ausgebleicht, Alles war +von derselben schmutziggrauen Schleimschicht berzogen. Die Fenster hingen +schief in ihren Rahmen. Gegen das Haus lagen schwarze, faulende +Holzplanken aufgeschichtet von irgend einem Neubau, der nie fertig wurde. +Die Fenster nach der Strasse zu waren durch schwere Rollbretter geschtzt. +In den oberen Stockwerken hatte man die Jalousien heruntergelassen. Nur +die Laterne blinkte wie ein trbes, rothes Auge durch die Nacht. + +Es war Weihnachtsnacht. Man war lustig. Die Frau des Destillateurs hatte +Fische in ssser Sauce gemacht, von denen man fr fnfzig Pfennige ein +Gericht bekam. Dazu gab es Punsch. Auch ein Weihnachtsbaum war geschmckt, +auf den sie stolz waren. Mit Papierblumen und ein paar dicken +Stearinlichtern prangte er. Im Nebenraum zwischen alten Lumpen schliefen +die beiden kleinen Mdchen, die Kinder des Ehepaars. Sie hielten die +Holzpuppen, die ihnen bescheert worden waren. Man hatte ihnen auch Punsch +gegeben. Sie schliefen ganz fest mit feuerroten Backen, im Luftzug ihres +Athems leise zitternden, langen Wimpern. + +August Matzke war ein schwerer Mann, erst an die Vierzig, obgleich er +lter aussah, ganz und gar ruinirt, vergiftet durch den Trunk. Er war +schon zweimal wegen Delirium tremens im Krankenhaus gewesen. Alle hofften, +dass das sein Ende bedeutete. Aber er kam zurck, graublass, verbldet, +schrecklicher als vorher. Dieser Mann hatte mit Auszeichnung seine +Dienstzeit absolvirt und war zum Sergeanten aufgerckt. Bei einer +Schiessbung kam er durch Unvorsichtigkeit um ein Auge. Er erhielt die +Verstmmelungszulage und nahm seinen Abschied. Die Frau war aus ganz gutem +Hause, eine Sddeutsche von zierlichen Formen, freundlichem, einnehmendem +Wesen. Sie hatten ein ganz hbsches kleines Kapital gehabt, als sie +heiratheten, und fingen nach seiner Verabschiedung eine Gastwirthschaft +an. Man sagte, dass die sehr zuvorkommenden Manieren seiner Frau gegen +Fremde ihn zuerst an die Flasche getrieben hatten. Jetzt war er unheilbar; +das Geld ihrer Liebhaber hielt die Wirthschaft flott. Sie liessen sich +nicht scheiden, weil er ihr dann ihr Eingebrachtes auszahlen musste. Er +schlug sie. Sie insultirte ihn. Dann kam wieder anfallweise die alte +Verliebtheit; sie schliefen zusammen. Zwischen alledem, Schlgen, Znken, +Liebkosungen, wuchsen die Kinder auf, behend und geschmeidig wie kleine +Katzen, beide der Mutter auffallend hnlich, schon sprend, horchend, +zwischentragend.... + +Kuhlemann wurde mit lrmender Freude begrsst. Matzke hatte schon schwer +gesoffen und sah schief. Es war da noch ein lterer Mann mit breitem, +krummem Rcken, der stumm in sich hineintrank. Ein junger Tapezier mit +aufgebrstetem Lieutenantsschnurrbart spielte den Forschen, zog die Andern +auf und scharmuzirte mit Frau Matzke. Ein Dienstmdchen aus dem Hause, +eine grobe, gewhnliche Person, kam zuweilen, um sich auch einen Schnaps +stossen zu lassen, die Neuigkeiten zu hren. Ein paar zerlesene Nummern +des Vorwrts und des Lokalanzeigers lagen auf dem Tisch. Im Hintergrund +stand ein Klavier. Matzke als alter Soldat war Patriot und kaisertreu, er +hielt das socialdemokratische Blatt um seiner Kunden willen. Er selbst +liebte patriotische Lieder und erging sich, wenn er voll war, sehr gern in +hochtrabenden Erinnerungen an Gravelotte und Sedan, "unsern ollen Kaiser +Willem" und Prinz Friedrich Karl, auf deren Wohl er dann die ganze +Gesellschaft anzustossen zwang. Heute war er noch nicht ganz so weit. + +Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor Fritz Kuhlemann aufgestellt +und eins vor dem Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch setzte. Das +grosse Dienstmdchen strebte neugierig nher. Sie war ein durchaus +anstndiges Mdchen und stolz auf ihre Anstndigkeit, aber sie hatte es +doch gern, wenn man sie kitzelte, Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel +foppte sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen sollte. Er wollte +dann von ihrem Gelde seine Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das +amsirte sie kniglich. + +"Ich mchte nur um ein Glas Wasser bitten und ein Stck Brot, wenn ich es +haben kann," sagte der Fremde. + +Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber der Bitte. Matzke schoss aus +seinen geschwollenen Augen einen trben, gehssigen Blick. + +"Wer'n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. Wer nich Soldat jewesen is, +der is berhaupt kein Mann nich, sag ick!" + +Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend gegen den Tapezier, der sich +damit belustigte, ihn aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre +Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, denn er blinzte ihr zu. +Die grosse Hanne juchzte lrmend auf. + +"Un eene volle Pulle liebt er ooch, was 'n rechter Mann is? Was Aujust? +Tapfre, olle Kriegsgurgel?" + +Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that aber Bescheid. In der +Hlflosigkeit seines benebelten Gehirns gegen die Kniffe und Finten des +Andern blieb ihm nur dies eine Bedrfniss, zuzuschlagen, seine Fuste zu +gebrauchen. + +"Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, denn wrden sie schon +fertig mit det Jesindel!" + +"Und Du wrst der commandirende Jeneral von det Janze! Herr Aujust Matzke +mit dem schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste." + +Der Tapezier amsirte sich kniglich. Frau Matzke zog verchtlich die +Lippen. Das Dienstmdchen bog sich vor Vergngen. + +"Ick sage: Wer seinen Kaiser nich ehrt, der is kein deutscher Mann, der +jehrt in den Schweinestall." + +"Sieh man zu, dass Du nich selber zuerst reinbummelst, oller Freund. Wer +so schwach uff seine eijnen Beene steht, sollte man ja nich so forsch +jejen Andre losziehen." + +"Ick nich fest uff meine Beene! Ick bin Dein oller Freund nich. Ick will +Dich lehren, mir Aujust zu heissen. Aujust Dir wat in Deine unjewaschne +Schnauze. Du - Du - Hurenjger Du!" + +Er hatte sich schwerfllig erhoben und griff nach der Stuhllehne, um sich +daran festzuhalten. Der Tapezier lachte, er gehrte zu Frau Matzke's +eleganten Freunden, die den Haushalt im Gang erhielten. Der Mann in der +braunen Weste rhrte sich nicht. + +"Aber August! so lass doch!" machte die Frau gelangweilt. Sie zwinkerte +Wernicke zu, Hanne in ihrer sicheren Ecke am Bffet erstickte fast vor +unterdrckter Heiterkeit. Sie fand das einen ausgezeichneten Spass. + +Nun wandte sich der Wthende gegen sie, die Ehebrecherin, in den +unflthigsten Ausdrcken. "Ick will Dir ... Ick will Dir ... Hure ... +Hure ... Hure!" Er sah schrecklich aus mit den sabbernden Lippen, seinen +blutunterschossenen Augen, von denen das eine, knstliche, immer gerade +blieb, glotzend, ungeheuerlich. Das Wort in seinem dumpfen Laut des +Stiergebrlls wiederholte sich. Er packte sein schweres Bierseidel; es +flog dicht an ihrem Kopf vorbei in die Fensterscheibe, die splitternd +zerbrach. Der Ton schien ihn vollends wahnsinnig zu machen. Er ergriff +eins der Seidel nach dem andern und fensterte sie in das Glas. Leere und +halbvolle Flaschen flogen nach. Man hrte die Scherben auf dem +Strassenpflaster sich knisternd zusammenhufen. Gleichzeitig drang die +kalte, klare Winterluft ein. Der Tapezier weidete sich an seinem +Heldenstck. Hanne kreischte, die Hnde vor den Ohren, dachte aber nicht +daran zu flchten. Der andre Gast blieb ganz stumpfsinnig. + +"Das giebt ein nettes Christkindchen fr morgen. Na, ich bin nur froh, +dass ich die Rechnung nicht zu bezahlen brauche." Der junge Mann griff +nach seinem Hut und Paletot, einem eleganten Paletot mit Sammetaufschlag +und hellem Futter. Er hing ihn immer so, dass man das Futter sah. "Ich +gehe jetzt, Frau Matzke. Adieu auch. Ich werde erwartet." + +Sie sagte nichts. In der Thr drckte sie ihm die Hand sehr stark, ihre +Nstern bebten. "Nimm Dich in acht!" ... + +Durch den Thrspalt nach der Kammer guckten die beiden Kinder. Der Lrm +des klirrenden Glases hatte sie aufgeweckt. Sie witterten eine Scene, und +waren nun dabei, neugierig, erwartungsvoll. + +Matzke hatte seine letzte Bierflasche dem Abgehenden gegen die Thr +nachgeschleudert. Sie zerbrach auf dem Fussboden in ihrer braunen Sauce. +Frau Matzke fing ruhig an, die Unordnung des Fensters zu repariren. Sie +steckte eine weisse Bettplane auf; sie kannte das schon. + +"Nanu? Hier is wohl Polterabend heut'?" sagte eine lustige Stimme. + +Es war ein Mdchen. Sie trug gescheitelte Haare und ein einfaches +Umschlagetchelchen. An einer gewissen Unordnung des lose gewundenen +Nackenknotens, der zerschlissenen, rothen Seidentaille erkannte man die +Leichtfertigkeit ihres Berufs. + +"Ich konnte nicht frher kommen, habe auch den Kindern noch was +mitgebracht." + +"Ach Lene! Lenchen!" In ihren Hemden drngten sie sich um sie. Das Mdchen +ksste sie leidenschaftlich. Frau Matzke sah zu. + +Fritz Kuhlemann lachte. "Geht's Geschft auch heut' Abend?" fragte er +boshaft. Der Fuhrmann starrte sie an. Lene Hoff war der eigentliche Grund, +weshalb er jeden Abend kam. Er htte nie gewagt, es ihr zu sagen, +ausserdem wusste er ja, dass sie unter Sittenkontrolle stand. Die grosse +Hanne zog eine hhnische Fluntsch. Sie hatte das Mdchen nicht begrsst, +als sie eintrat, stand jetzt, einen Arm in die Hfte gesttzt, und +musterte sie von oben bis unten. Dann drehte sie sich nach der Thr zu: +"Ich muss jetzt raufgehen. Es ist meine Zeit." Sie beschftigte sich sehr +viel mit der jungen Prostituirten, ihren Toiletten, ihrem Thun und Lassen. +In ihren Gedanken stand sie weit unter ihr; sie war ein anstndiges +Mdchen. + +Lene pustete sich in die Finger. Sie war immer ein bischen genirt, so +lange die Grosse da war. "Kalt ist's. So'n Weihnachten! Lustig sein! Wir +wollen Klavier spielen." + +Sie hatte sich an's Klavier gesetzt. Ein Tanz wirbelte hervor unter ihren +flinken Fingern. + +Niemand tanzte. + +"Das ist nichts." Sie stand wieder auf, schloss den Deckel. Sie nherte +sich Fritz Kuhlemann, kraute mit der Hand den untern Teil seines rothen +Schopfes: "Na Du?" ... Die ganze gewerbsmssige Schmeichelei ihres Berufs +lag in dem Ton, vielleicht noch mehr. "Bist so eklig heut', geh! Spendirst +mir nicht mal was?" + +"Seh' ich Dir nach Spendiren aus?" Man hrte die Leidenschaft aus seiner +Stimme. Diese Liebkosung einer Frau stachelte ihn. Er verschlang sie mit +den Augen. + +Sie hatte sich auf seinen Schoss gesetzt. "Armer Kerl! Keine Chance. So +viel Pech gehabt." Er zerdrckte ihr die Lippen mit einem brutalen Kuss. +"Du - frech biste!" + +Sie sah den Fuhrmann an. Dieser Mann htte sie geheirathet. Er hatte vier +Kinder zu Haus. Aber ihr graute vor der Langeweile. Ihr Vogelgehirn +arbeitete schon auf einer andern Spur wieder, sie hatte den Fremden +entdeckt. + +"Wer is denn der?" fragte sie Frau Matzke. + +Die Frau zuckte die Achseln. + +"War der Josef hier heute?" + +"Er ist eben fort." + +"Ach darum ..." Das Mdchen kannte die Leidenschaft der Freundin. Der +schne Tapezier htte ihr auch gefallen. Sie seufzte. + +"Oed' ist's heute. Ich bin vorher gegangen und hab' mir die Christbume +angesehen. Christbume, das ist so rhrend. Einen ganz grossen sah ich mit +Lametta wie Haare. Das mcht' ich haben." + +Sie hatte sich wieder an's Klavier gesetzt. Ein Weihnachtslied klang aus +den Tasten. + +"Hbsch war das, die Engelchen und Schfchen in der Krippe. Ich hab' das +mal gesehen, wie ich klein war. In der Kirche." + +Sie wandte sich wieder an Kuhlemann. "Sag' mal, Du hast nicht einen Nickel +fr mich? Zu einer neuen Schleife fr den Ball am Sonntag. Kommste mit zum +Ball, Schtzchen?" + +Er drehte ein zerfetztes Portemonnaie um vor ihren Augen: "Da sieh." ... +Der Fuhrmann warf einen Thaler auf den Tisch. Hart klang das Metall auf +der Holzplatte. Alle sahen auf. Frau Matzke hatte ihren Besen, mit dem sie +die Scherben zusammenfegte, hingestellt. + +Die Lene war nher gekommen wie ein naschhaftes Kind. Der Thaler lag da, +und blinkte - brutal, schmutzig gleissend. Sie sog lang den Athem ein. + +"Du rhrst nicht dran!" schrie Fritz Kuhlemann. + +"Wenn man selber keinen Pfennig hat, hat man nichts dreinzureden," +entschied Frau Matzke schneidend. + +Der Andre wartete, schwerfllig, lauernd, wie ein Jger, der das Wild in +der Falle hat. + +"Ich schlag' ihn todt!" + +Ein scharfes Lachen der Frau traf den Burschen wie ein Hieb. + +Das Mdchen war wie ein lsternes Muschen noch nher gekrochen. Die +feinen Zhne blinkten zwischen ihren gespitzten Lippen hervor. + +Der Trunkenbold machte einen scheusslichen Witz: "Wer das Geld hat, hat +das Recht," bestimmte Frau Matzke. + +Sie streckte die Hand aus. + +Ein gurgelnder Laut wie Tigergebrll entrang sich der Brust des Burschen. + +Der Fremde hatte die Hand auf den Tisch gelegt. Diese feine, blasse, +blulich gederte, abgezehrte Hand bedeckte das Geldstck. Sie bildete +eine Weisse auf der mit Bier- und Fettflecken besudelten Tischplatte. + +"Komm' zu mir!" sagte der Fremde. + +Er hatte sich aufgerichtet. Er stand ganz gerade. Die andere Hand, die +nicht das Geldstck deckte, streckte sich gebietend vor. + +"Komm hierher!" befahl der Fremde. + +Sie kam. Sie gehorchte. Wie mit durchgeschnittnen Flechsen schleppte sie +sich. Sie kroch. Pltzlich schlug sie beide Hnde vor's Gesicht, mit einem +dumpfen Schmerzenslaut sank sie in die Knie. + +"Nimm Dein Geld!" + +Der Fremde hatte den Thaler ergriffen. Er schleuderte ihn nach der Thr. +Das Silber schlug hart auf, kugelte sich im Weiterrollen. Der Fuhrmann +bckte sich gierig danach und verschwand. + +Fritz Kuhlemann stand mit unter der Brust gekrampfter Hand. Es war der +Blick des Mrders, mit dem er sah, der Bestie, des wilden Thieres. + +"Geh!" + +Er ging. + +Der Trunkenbold lachte auf mit einem hsslichen Gluckser. "Ein +Schmatzchen, Haseken. Du - Du ..." Er griff schwankend in die Luft. Es +reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er schwer zusammen. + +"Leg ihn schlafen," sagte der Fremde. Das Weib schnellte gegen ihn an wie +eine gereizte Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse einen +verchtlichen Fussstoss. "Vieh!" + +Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachschtigen Pffen und Tritten, dann +nahm sie ihren Besen und kehrte wthend. + +Die khle Nachtluft strich durch den schweren Fuseldunst. Alle Lampen +brannten. An den Wnden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder mit +Emblemen der Arbeit, eine schwere Faust, die den Hammer emporhlt, einem +Tischler an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unflthigkeiten +angeschrieben. Dazwischen machte sich ein widerliches, ssses +Moschusparfm fhlbar, der von dem Mdchen ausging. Sie hatte die Hnde +vom Gesicht genommen. Sie schielte zwischen den Fingern wie ein unartiges, +gescholtnes Kind. Es erschreckte sie, dass sie so allein waren. Sie +begriff nicht. "Sie sollen nicht weggehen! Der Dicke wrde mich heirathen. +Vier Ghren hat er zu Haus. Hundertundfnfzig Mark im Monat und die ganze +Einrichtung. - So Einer; der's Einem hinterher alle Tage vorwirft! +Zweiundvierzig Jahre ist er schon, krumm wie'n oller Zumpelbr. Der drckt +Einen ja todt. Taps, dmlicher!" + +Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Mhne schttelnd, die Augen +eingekniffen. + +"Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. Gestrkte Hemden trgt er +sogar am Alltag. Er kriegt auch einen guten Lohn bei Krger. Er ist der +Erste da, der Alles allein macht. - Dieser Fritze! Das ist so komisch. +Komisch ist der!" + +Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden Trillern. Sie lachte, dass +ihr die Augen bergingen. Ihr ganzer Krper krampfte sich unter dem +Lachen. + +"Alle Leute haben mich gern, weil ich immer lustig bin. Und Kinder! - das +is immer Leneken hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im Haus, die +lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr Kaffee und Chocolade. O, ich +thue auch das Meine. + +"... Wie die vornehmen Damen, die aus dem Wagen steigen, die Nsen kraus +ziehen.... Beten und trocknes Brot und Arbeit. Als ob wir's nicht wssten, +wie die's treiben! + +"Warum ist denn Unsereins schlecht? Weil's einen schlechten Rock anhat, +einen billigen Hut trgt. Die sind nicht besser wie wir! Pfui!" + +Sie spuckte aus. + +"Einen Spatz hatte ich mal, den ich unter'm Baum fand. Hier im Kleid unter +der Brust trug ich ihn. Den schlugen mir die Jungen todt. + +"Schweine sind die Mnner! Ach, solche Hunde! Hunde! Nicht mal Geld geben +sie Einem. Aber schlagen! Sie stehlen's noch von uns." Ihre Fuste +krampften sich megrenartig. Das junge Gesicht wurde erdfahl, verzerrt. + +"Ich hab' Klavier spielen gelernt. O, ich hatte mal Einen in der +Georgenstrasse. Der war sehr gebildet. Sogar Verse hat er auf mich +gemacht. 'Du hast ja die schnsten Augen, Feinsliebchen, was willst Du +noch mehr?'" + +Sie wiederholte die Worte liebkosend, den Oberkrper wiegend wie im Tanze. +Sie blhte sich eitel. + +"Warum sprichst Du nicht mit mir? Wenn ich einen Vater gehabt htte, eine +Mutter, kleine Kinder - - - + +"Ich bin ganz zufrieden. Was kommt auch drauf an? Man schlgt's so um die +Ohren. Lustig gelebt und frhlich gestorben, das ist dem Teufel die +Rechnung verdorben. + +"Tanzen, Zuckerzeug, fein riechen! Hbsche Kleider! + +"Eine Freundin von mir ist im Spital gestorben, Becker's Lene, die lange. +Sterben ist grsslich. Huh! Huh!" + +Sie fing wieder an, ihr Gesicht zu verstecken. Sie rutschte auf den Knieen +hin und her. Sie gab kleine Tne von sich, wie ein gescheuchter, +flatternder Vogel. "Du machst mir Angst. Sprich doch. Guck mich nicht an! +Guck mich nicht an!" + +Sie streckte beide Arme aus, wie unter dem Schrecken einer Erscheinung. +Sie bog den Kopf zurck. Ihre Augen weiteten sich starr. "Ich bin mal in +der Wiese gewesen. Blumen wuchsen so reinlich mit weissen Gesichtchen. Auf +dem Teich fuhren Schwne. Grner Wasserliesch schwamm. Wo sie fuhren, +wurden dunkle, tiefe Flecken. Das hrte man gar nicht. Ueberall theilte +sich der Sumpf. Klar war's und dunkel ... + +"Ich will Dir noch etwas sagen, was kein Mensch weiss. Ich htte ein +Kindchen gehabt, aber es ist nicht zur Welt gekommen. So gross war's, todt +und feucht. Es htte nicht gelebt und nichts zu essen gehabt. Mein kleines +Bbchen! Mein todtes, kleines Kindchen! + +"Manchmal denk' ich, die Sterne, wenn die so funkeln, dass man dort sein +knnte. Alles weiss an mir runter." ... Sie strich an sich herunter mit +glttenden Hnden. Sie strich, als ob sie all' ihre Gewnder abstreifen +wollte. Wie im Fieber gingen die dnnen streichenden Hnde. ... Das +Hlschen ber den zarten, fallenden Brsten reckte sich wie ein +Lilienstengel. Eine Blue war in den Augen, die nicht mehr vom Leben war. +Die Lippen seufzten wie die Jemandes, der trinkt. Sie trank - trank - +trank. + +Der Fremde sagte nichts. Seine Hand legte sich auf diese junge, noch +weisse Stirn. Zart und gtig lag sie, ganz leise. + +Unter der Hand sank die Frau zusammen. Sie wurde klein. Sie wurde ein +Wurm, der sich am Boden schleppte. + +Sie weinte. Sie drckte sich ganz dicht an seine Fsse. Ihre Thrnen +tropften auf seine Fsse. Ihre blonden Haare hatten sich gelst und fielen +ber ihr gebeugtes Haupt und seine benetzten Fsse. Er rhrte sich nicht. +Sie weinte - weinte. + +Frau Matzke war mit dem Besen in der Hand in der Schlafzimmerthr +erschienen. Sie stand da mit einem harten, steinernen Ausdruck, +unbeweglich. Man hrte das tiefe, rchelnde Schnarchen des Trunkenbolds, +unschuldige, tiefe Athemzge der Kinder. + +Jemand wartete in der Strasse mit einem weissen, elenden Gesicht. Er hatte +die ganze Nacht gewartet. Nun war es Morgen. + +Der Fremde rief den Burschen. Draussen begann schwerfllig, schlafbetubt +das Leben sich zu regen. Lastkarren fuhren mde. Einzelne dunkle Gestalten +huschten. Man sah die lange graue Breite der Strasse mit Husern zu beiden +Seiten, unzhligen Fenstern und Thrluken, unter dem trben Himmel, von +dem es leise wie Thau tropfte. + +Der Fremde wies auf die weinende Frau: "Geht!" + +Sie gingen. Sie geknickt, an seine Schulter gelehnt mit schwankenden, +irren Schritten. Er hochgehobenen Hauptes, sehr ernst und sehr gerade. + +Frau Matzke in der Thr ihres Hauses sah sie sich entfernen. Sie sagte gar +nichts. Sie nahm ihren Besen wieder auf und fegte. Man sah die Silhouette +ihres gebckten Rckens, die wthende Wucht der Besenstsse, mit denen sie +den Staub aufwarf und in die Schaufel schob. + +Sie fegte. + + + + + + DAS DRITTE KAPITEL. + + +Man frchtete, dass der Zudrang zu der Versammlung ein sehr grosser wrde. +In Folge dessen war die Schutzmannschaft reichlich aufgeboten. Man gab +Achtung, den Saal auf die Minute eine Viertelstunde vor der anberaumten +Zeit zu schliessen. Viele sahen sich so ausgeschlossen, auch ergab das +einen Vorwand, die Galerie nicht freizugeben. Man fhrte den Krieg mit +diesen kleinen Mitteln seit einiger Zeit, obgleich eigentlich das +Verhltniss ein gutes, fast behagliches war. Sie kannten sich so genau, +die Gewohnheit des hufigen Zusammentreffens hatte einen frmlichen +kleinen Comment herausgebildet, bis auf die ganz regelmssig +wiederkehrenden Witze. Man htte sich fast vermisst, wenn man sich nicht +vorgefunden htte. Der Riesenhund des Wirths trieb seine Allotria +dazwischen mit einer ganz kleinen Hndin, einer proletarischen Mischung +aller Rassen, die von jeder die Hsslichkeiten angenommen hatte. - +Ueberdies waren es genau dieselben Typen, die da Wache gingen, als +Ueberwachte eintraten, Blonde, nicht schlecht genhrte, bourgeoise Ruhe +und Anstndigkeit, dazwischen einige knallfarbige, federbewallte Hte der +Genossinnen. Die Frauen berhaupt drngten sich vor, zeigten sich +aufgeregter als die Mnner; es war bekannt, dass einige der Fhrerinnen +eine Zunge fhrten, die ihre mnnlichen Kollegen im Schach hielt. + +Einige Parteiveteraninnen hatten sich an den Eingang des Saals postirt. Da +Viele noch immer aus- und eingingen, deckten sie die Thr mit ihren +breiten Rckseiten. Sie warben fr ihren Verein, berwachten den Verkauf +der Zeitungen und Broschren, die auf kleinen Tischchen aufgeschichtet +lagen. Dazwischen wurden Bons zur Untersttzung armer Abgeordneter +feilgeboten. Die Kellner circulirten mit Bierseideln. Alle rauchten, +sprachen durcheinander. Von weitem, mit den schwarzbehuteten Kpfen, die +auf- und untertauchten, ergab das den Eindruck eines heftig bewegten Sees, +der gegen die Tribne andrngte, sich staute. Man erwartete den Anfang der +Versammlung und wurde ungeduldig. Die dichten Rauchschwaden brachten eine +lila mystificirende Beleuchtung mit in das ordinre, gelbe Gaslicht. - Es +waren da Leute, die ruhig ihre Butterbrote und Hringe verzehrten, Andre +sprachen von Parteiangelegenheiten, ihren kleinen und kleinsten +Privataffairen. Ein junger Mann mit einem rothen Shlips und einem +Apostelkopf stand neben der Thr. Er sah krank aus und blickte mit +glnzenden, unirdischen Augen in das Leere, als ob er etwas Wunderbares +she. + +Die Parteiveteraninnen behaupteten, dass unter den Anwesenden Spitzel +wren. Sie versuchten sie ausfindig zu machen, mit den Fingern zu zeigen. +Einige Studenten waren augenscheinlich fr einen Ulk hergekommen. Es waren +Fremde da, die Keiner kannte, und eine junge Dame in eleganter Kleidung +ganz allein, die man ansah, was sie da suche. Im Ganzen war es eine sehr +guterzogene Menge, friedlich, ohne Aufregung, fast bourgeoismssig. + +Der Saal war der banale grosse Festsaal der mittleren Restaurants, weiss +mit Gold, rothsammetner Rampe. Da wurde auch Theater gespielt und getanzt. +Es war nicht schlechter wie fr die Bourgeois bei hnlichen Gelegenheiten, +man war hflich und kam in weissen Handschuhen. + +Auch das Thema der Einberufung bot nichts Besondres. Es war die jhrlich +wiederkehrende Einbringung der Militairvorlage von Seiten der Regierung. +Man wusste im Voraus, dass sie durchgehen wrde. Der Protest geschah rein +berufsmssig, aus Princip. Und man wusste, dass es fr Jahre so gehen +wrde. Die Aufregungen, das Mrtyrerthum, aber auch die Hoffnungen der +ersten Jahre waren verschwunden. Die junge Partei hatte zu leben gelernt, +fast konnte man sagen, Manieren gelernt. Man nahm, was man kriegen konnte. +Man war stark, zahlreich, wohlorganisirt, das Odium war weggenommen, +ebenso der Heldennimbus. Man hatte nicht mehr die Angst zu sterben, aber +auch nicht die Aussicht zu siegen; man "entwickelte sich". + +Zurufe begrssten den Eintritt des grossen Mannes, in Wahrheit eines ganz +kleinen Mnnchens. Alles das ging rasch, wenig theatermssig. Nur das +Antlitz des Johannes leuchtete auf. Er drngte sich an den Bewunderten, um +seine Hand zu schtteln. Eine Leibgarde, die Veteraninnen, hatten ihn +sofort eingezingelt, beinah protzenhaft, mit dieser Miene: "Wir gehren +zum Haus", die Unberufene einschchtert. Nun wurden die Formalitten rasch +erledigt. Einige Witze fielen gegen die Polizei, die die Galerie gesperrt +hielt. Man kannte sich zu gut, sehr alte Feinde, Gladiatoren, die sich +jeden Tag treffen und beinah Freundschaft gemacht haben. Der Saal war voll +zum Ersticken. Es waren Mnner zumeist, Mnner mittleren Alters. Die +Jugend, wie berall, zog es vor, sich zu amsiren. Oder man liebte +Radauversammlungen in Rixdorf, Charlottenburg, den Vororten. Dies war eine +wohlgeschulte, ausgediente Armee, ihr Capitain der sprach. + +Der grosse Mann auch war alt geworden, sehr alt. Das Feuer, das seine +Jugend gefhrlich und unwiderstehlich gemacht, hatte sich gewhnt, fr den +Hausbedarf zu brodeln. Er wusste sich zu beherrschen jetzt, dessen +Leidenschaftlichkeit einst sein Ruhm und sein Fluch gewesen war. - Im +gleichmssigen Tonfall flossen die Stze, periodisch, deutlich hrbar in +der gebten Stimme des Redners bis an's usserste Ende des Saals. So war +er sachlich geworden, ein Typus, wie so mancher Andre, den die Gegner fast +vermissen, sich mit Rhrung seinen leeren Platz zeigen, wenn er nicht mehr +da ist: So focht er, und so fhrt' ich meine Klinge. - Auch die Rede hielt +sich genau in den Grenzen. Ein Rckblick auf die immer sich steigernden +Forderungen, die Entwicklung des Militarismus in Europa. Das neue +Friedensmanifest des Zaren erregte Ironie. Man brauchte die Armeeen fr +die Shne der oberen Zehntausend, das Niederhalten der revolutionren +Bewegung. Wieder der gefhrliche, ironische Beifall. Sie wussten das wohl +- sie! + +Nur einmal erhob sich die Stimmung zu einer gewissen Grsse. Der Redner +hatte Aeusserungen zur Philosophie des Krieges angefhrt, von Moltke, +Treitschke, General von Boguslawski. Dann wurden statistisch die Verluste +in der Industrie seit siebzig nachgewiesen. Eine halbe Million! Mehr wie +alle Kriege! Wir brauchen keine knstliche, gewaltsame Schpfung, um uns +mnnlich und kraftvoll zu erhalten. - Ein Ausruf begleitete diese lange +Liste von Blut, Verstmmelung, Asphyxie, Marter, - ein Schrei des +Schmerzes, aber auch der Kraft, imponirend in dieser friedlichen, +mittelmssigen Masse. _Sie_ waren diejenigen, die sein mussten. Sie wrden +sein. Da war die Grsse der Partei, das Selbstbewusstsein des thtigen, +unreflektirenden Lebens, die Haupterrungenschaft der modernen, +demokratischen Zeit. Und das wird bleiben. + +Ein frherer Pastor sprach nach dem grossen Mann. Er hatte seine Stellung +aufgegeben um seiner politischen Meinung willen, verwahrte sich aber +ebenso gegen die Partei. Er entwickelte des Lngeren seine Ansichten. Er +glaubte an Gott, war knigstreu. Seinen Traum bildete eine Art +christlich-sociales Knigtum. Man hrte zu, nicht gerade unhflich, aber +ohne Interesse, leicht ironisch. Und er war confus, quasselte. Es lag +etwas Gefhrliches in dieser hflichen Ironie selbst. Man hatte das zu oft +gehrt. Man glaubte sowas nicht mehr. + +Den Beschluss machte ein Anarchist. Er hatte wenig Glck, die +Parteiveteraninnen protestirten von vornherein. Die Rede war ein krauses +Sammelsurium, eine Gesellschaftsordnung auf nur natrlicher Grundlage, +freie Geschlechtswahl, mit einer seltsamen Verquickung von +naturphilosophischen Dingen, abstrusem Mysticismus. Man rief ihm Schweigen +zu, pfiff, trampelte mit den Fssen: "Schliess auf! Halt' die Schnauze!" +Man wollte das nicht, man war Polizei fr sich selbst. Wenn Einer das +Martyrium der Lcherlichkeit auf sich nehmen wollte, desto schlimmer fr +ihn selbst. Sie schttelten sich das von den Rockschssen. Sie hielten auf +ihre neue, sauererworbene Respektabilitt. + +Der Verhhnte stand einen Augenblick, blass, mit einem krnklichen +Lcheln, stotternd. Dann stieg er unter allgemeinem Gelchter die Tribne +herunter. + +Die Versammlung lste sich auf in bester Ordnung. Der Abgeordnete +wechselte mit den Polizisten einen Gruss. Er war sorgfltig in einen +gestrickten Wollshawl eingewickelt, er litt an Katarrhen. Der Sergeant +lchelte gutmtig mit Bezug auf den letzten Redner. "Verrckter Kunde! Wir +lassen ihn laufen" ... Sie hatten ihn schon so oft eingesteckt. Da war +nichts zu machen. Und er war ungefhrlich. - Beide Gewalthaber schieden im +besten Einvernehmen. Htten sich die Machtverhltnisse eines Tages +umgedreht, diese Gegenstze wrden ruhig in ihren beiderseitigen +Functionen bleiben knnen. Es wre dasselbe gewesen. + +Der Pastor vereinigte sich mit dem berhmten Fhrer. Er sprach eifrig auf +ihn ein. Mit einer gewissen Nachsicht des alten Praktikers unterbrach ihn +der Andre nicht. Schliesslich - diese Leute thaten seine Arbeit. + +Am Strassenausgang stand ein Fremder. Er stand da und sah sie an. + +Sie sahen ihn Beide, der grosse Mann und der Pastor. Auch die Polizisten +sahen ihn. + +"Wer war der Mann?" fragte der Pastor. + +Der Abgeordnete zuckte die Achseln. "Ich kenne ihn nicht." Er hatte Eile, +nach Hause zu kommen. Er musste sich schonen. + +"Ein grosser Mann," sagte der Johannes ekstatisch. Ihn fror. Er stand da +am Ausgang und hatte die Hnde in die Taschen gesteckt und sah ihm nach. +Seine Backenknochen glhten. Er musste husten in sein Taschentuch. Wenn er +es wieder herunternahm, war es immer voll Blut. Er wusste das schon. "Was +er sagt ist wahr. Er versteht's." + +"Ein grosser Mann," sagte der Fremde. + +Die ganze Masse schob an ihnen vorber. Die Veteraninnen sprachen sehr +laut. Sie hatten die Kasse abgeschlossen und entrsteten sich ber wieder +einmal constatirte Gnietschigkeit. Eine wollte sich noch zu Hause Puffer +backen. Sie gaben Parolen aus fr den nchsten Tag und Rendezvous in den +Vereinen. Die Studenten wollten noch zum Bier, die eingenommene Quantitt +hatte ihnen nicht gengt. Man war froh, sich zu bewegen, die Beine +auseinander zu setzen, nachdem man drinne eingepkelt gewesen war wie +Pkelhringe. Einige Damen riefen nach einer Droschke, sie gehrten zur +Frauenbewegung und besuchten dergleichen aus Princip. Man truppte +zufrieden nach Haus. Man hatte seine Pflicht gethan und ihr Huptling +hatte seine Sache gut gemacht. Es gab Keinen, der ber diesen Mann ging, +und die immer zunehmende Stimmenzahl bei den Wahlen. Das war das grosse +Kampfmittel. Es liess sich nachrechnen, wie das stieg von fnf Jahren zu +den nchsten fnf Jahren. + +Dann kam auch der Anarchist. Er trug einen ganz dnnen, kleinen +Sommerpaletot und ging, als ob er gar nicht wsste, wo er wre. Seine +vagen, schweifenden Augen trafen den Fremden und den Johannes. Es lag eine +nachdenkliche, zrtliche Wehmuth in dem Blick, eine Bitte, oder als ob er +sich entschuldigen wollte, dass er anfragte - aber man wusste nicht, ob er +berhaupt wirklich sah. Er war noch nicht alt, aber er sah hungrig aus, +mehr vom Hunger des Geistes, als vom leiblichen Hunger. So hatte er etwas +von einem Kind, oder auch von einem hlflosen getretnen Thier. Er seufzte +und blickte in das Laternenlicht. "Es ist schon elf Uhr," sagte der +Anarchist. + +Er schauerte und kroch tiefer in seinen Ueberzieherkragen. Er hatte einen +sehr weichen, hellen gelben Hut auf, der in weitem Rand von seinem Kopf +abstand. Seine Haare fielen gerade ber seine Ohren und waren lange nicht +geschnitten. Wenn er sprach, lchelte er jedesmal, ein schchternes +Lcheln, wie von Einem, der im Unrecht ist und doch etwas Gutes und +Wichtiges sagen mchte. Dann hatte er ungeschickte Bewegungen, wie von +einem Wurm, und hpfte zuweilen auf einem Fuss, als ob er stolperte. + +Der Johannes ging auf der andern Seite. Er hustete. Er war ganz selig im +Gedanken an diesen grossen Mann, dessen Hand er gedrckt hatte, der so gut +sprach, eine Stimme war, auf die man hrte, fr die armen Leute. Die +gebildeten, sachlichen Stze hatten ihm imponirt. Sicher! Das wandte sich +zum Bessern, wenn einfache Gerber- und Brauergesellen sprachen wie der! Er +trug seine rothe Cravatte wie ein Triumphzeichen. Mehr konnte er nicht +thun. Aber das Blut seines Herzens war darin. Er fhlte seine Lungen +brennen und flattern unter ihr. + +"Es ist immer am schlimmsten des Abends," entschuldigte er sich. + +"Das thut der Rauch. Sie sollten nicht rauchen im Saal. Es strengt auch +die Stimme an, wenn man sprechen muss. Und er hat zwei Stunden gesprochen. +Das ist bewunderungswrdig fr solch' einen Mann!" + +Er war rhrend in seiner Zrtlichkeit fr diese Stimme, den Mann, der +sprach, whrend er nur husten konnte, unntz sein Blut ausspie, in das +Taschentuch, das sich frbte, klebrig wurde zwischen seinen dnnen, +fiebernden Fingern. Sie waren gelb wie aus Wachs und gezeichnet von aussen +durch die harte Arbeit, roher, oberflchlicher, als durch die Krankheit +von innen, die sie zehrte, fein machte, spiritualisirte. + +"Wir werden es ja nie erleben," sagte er friedlich. "Aber die Andern, die +nach uns kommen! Einen Tag haben wir genug Stimmen im Reichstag. Sie +knnen nicht mehr an gegen uns. Dann wird Alles gut sein. Wir werden die +Gesetze machen. Es giebt keine Kriege mehr. Alle Vlker sind Brder. Man +arbeitet. Man lebt" ... Er hustete heftiger wieder, sich abwendend, um den +Andern den Anblick seiner Schwche zu ersparen. + +"Ich - ich hasse die reichen Leute nicht. Sie wissen es nicht besser. Es +sind Viele, die es gut meinen. Man wird Gesetze finden. Das geht ganz von +selbst, ohne Revolution und Blutvergiessen. Die Soldaten sind ja auch auf +unsrer Seite. Nur Zeit braucht's. Man hrt. Man liest Bcher. Die Vernunft +muss ja ihren Weg finden. Es ist nur schlecht eingerichtet. Man hat die +Religion gehabt, den Aberglauben. Die Menschen sehen jetzt, wie es +wirklich ist. Man kommt vorwrts. Man bildet sich. Alles geht gut. Die +Gerechtigkeit muss aufkommen." + +Alle diese kleinen Stze sagte er ruhig, sanft, ohne Aufregung, von +Hustenanfllen unterbrochen, die ihn qulten, seinen Krper schmerzhaft +zusammenkrmmten, wie aufgespiesst an einer glhenden Nadel. + +Sie gingen in dem Strassengetriebe vorwrts. Es trieb sie ohne ihren +Willen. Vielleicht wussten sie gar nicht, wohin sie gingen. Eine alte Frau +in einer schwarzen Pelerine wackelte vor ihnen her, enorm wie eine +wandelnde Glocke. Einige hatten Regenschirme aufgespannt. Sie sprachen von +Geld: "Wenn man dreissig Pfennige die Stunde verdient, aber fnfundvierzig +msste man haben." Ein junges Mdchen trug einen grossen Carton. Sie +trippelte und sah hinter sich nach drei jungen Burschen, die sich lrmend +stiessen. + +Die Laternen schwammen wie gelbe, ausgeflossene Dotterflecken, schaukelnd. +Der Schmutz mit dem geschmolzenen Schnee bildete eine brunliche, zhe +Masse. Eine leere Droschke fuhr sehr dicht am Trottoir, als ob der +Kutscher Kunden suchte. In den Destillationen discutirte man oder spielte +Billard. Man sah die grauen Hauswnde feuchtigkeitstriefend mit +Ladenschildern und Plakaten, Pferdebahnen, die klingelnd trotteten mit +mden, geduldigen Pferden. Aber Alles ungewiss, wie verwischt, unruhig, in +Schatten ... + +"Man msste es machen wie die Thiere," sagte der Anarchist. "Thiere sind +klger wie Menschen. Sie haben keine Gesetze und keinen Staat. - Aber es +giebt auch eine Seele. Ich habe Todte gesehen, die wiedergekommen sind und +mit den Hnden in der Luft zeichneten. Nun, ich habe die Knigin Luise +gesehen. Sie ist zu mir gekommen am Weihnachtsabend und hat mir eine +weisse Rose geschenkt. Eine weisse Rose, die duftete. Sie kommt oft zu +mir. Der Kaiser Friedrich kommt auch, und Napoleon und der Kaiser +Alexander. Ich weiss nicht, warum sie zu mir kommen. Aber sie kommen." + +Er lachte, ein kleines, ungewisses, eitles, unglubiges Lachen. Es sollte +um Entschuldigung bitten fr ihn. Im Grunde war er stolz. Es gab so viel +Dinge. Er wusste nicht ... + +"Man fhlt sie, wenn man nicht viel gegessen hat. Und Jeder fhlt sie auch +nicht. Manche Menschen schlafen auch die ganze Nacht. Ich zum Beispiel, +ich kann sehr oft nicht schlafen. Dann denke ich ber Alles nach. O, es +giebt sehr viele Sachen! Wenn man wsste ... Vielleicht ist es auch nicht +gut. Man muss essen. + +"... Die Thiere sind klug. Und die Kinder. Sie wissen alles Mgliche, +diese Kleinen. Aber sie knnen nichts sagen. Die Todten knnen auch nichts +sagen. Viele glauben nicht, dass es ein Leben nach dem Tode giebt. Nun, +diesen kann man auch nichts sagen. Das ist Alles Gnade, wem es gezeigt +wird. Und Viele wollen auch nicht sehen. Ich, ich glaube zum Beispiel an +eine Seele." ... + +Nervs, schchtern sagte er das, mit einer schweren, etwas singenden +Stimme. Er war wohl gewhnt, dass man ihn oft fr verrckt hielt. +Vielleicht war er auch etwas bldsinnig. Aber das waren seine Geheimnisse. +Er war stolz auf sie andrerseits. Oft erfllte ihn eine schlechte +Eitelkeit. Er kam sich dann besser wie andre Leute vor, eine strahlende +und durchgeistigte Persnlichkeit. Hufig war er auch traurig und +verachtete sich. Er hatte oft nichts zu essen. Der Hunger und die Gedanken +hielten ihn wach des Nachts. + +Sie waren so auf einem freien Platz angelangt, wo die Strasse aufhrte. +Gerade ber diesem Platz stand der Mond. Aber er war hinter den Wolken. +Die Wolken umwellten ihn, zogen rasch ber ihn her. Manchmal versteckten +sie ihn ganz. Dann war es noch dunkler, wo er stand. Oder er war am Rande +ein heller Fleck. Selbst wenn er ganz von ihnen befreit war, zeigte sein +Rund schwarze Flecken wie Wollfasern, hingeworfene Schwmme. Diese Wolken +zogen sehr rasch und wechselten ihre Form fortwhrend. Manchmal waren sie +Kameele, hpfende Knguruhs oder grosse Schildkrten. Oder auch nur +Dmpfe, gezupfte Watte. Auf dem Trottoir kmpften die Laternenstrahlen. +Aber das Gas war unruhig im Winde, flackerte hin und her. Metall blinkte +zuweilen oder eine Fensterscheibe funkelte schwarz polirt. Weisse Kanten +von Gesims oder Mauern leuchteten urpltzlich auf im Dunkeln. Festes +schien zu gleiten und Unbewegliches bewegt. Ringsum schlief die Stadt, +Dach an Dach und Schornstein ber Schornstein. Aber das fratzenhafte, +lgnerische Wesen liess sie nicht schlafen. Es webte und irrte. + +Eine letzte Pferdebahn hielt am ussersten Ende des Platzes. Die Pferde +waren noch nicht eingespannt. Sie stand unbeweglich. Der Kutscher mochte +wohl einen Schlaf halten im Innern des Wagens, bis seine Zeit war. + +Sie waren alle Drei stehen geblieben. + +Die beiden Mnner sahen den Fremden an. Sie sahen ihn an, als ob sie +warteten. Sie standen da und warteten, frstelnd, etwas benommen, +zwinkernd in das Halblicht ... + +Der Eine war halb aufgefressen vom physischen Leiden. Den Andern trieb die +Rastlosigkeit vorbei und weiter. + +Alle Beide hatten dieselben cernirten, etwas blden Augen von einem +unbestimmten, sanften Grau mit grnlichen Lichtern, Augen von +Nachtthieren, die man mit einiger Ueberraschung entdeckt, weil ihr Funkeln +irrefhrte im Dunkeln, - Schultern, die getragen hatten, und zu hohe, +weitoffene Stirnen ber fliehenden, demthigen Unterpartien gutartiger +Hunde. + +Sie warteten. + + + + + + DAS VIERTE KAPITEL. + + +Er ging auf's Land. + +Er kam durch Drfer, die sich lang hinstreckten in einer einzigen Strasse. +Oder eine andre zweigte sich ab vom Mndungsplatz, sehr ausgefahren, in +einer flachen Trnke endigend am Waldrand, gleich sehr einfachen, +primitiven Verdauungsorganen ganz untergeordneter Thiere. Es gab rmliche +Huser, abseits im Koth stehend mit zerfallnen Stacketen und windschiefen +Mauern, wohlgebaute, schmucke, die steinerne Treppen vor der Thr hatten; +weisse Gardinen umrahmten die Fenster ber blhenden Tpfen. Recht in der +Mitte war die Kirche gebaut. Ueberall hatte man da zuerst die Todten +begraben, eh' man anfing sie hinauszutragen weit abseits in gleichgltiges +Flachland. Uralter Epheu kletterte empor nach dem verwitterten Holzthurm. +Eine runde Zifferscheibe zeigte die Stunde mit eingerostetem eisernen +Finger. Des Abends riefen die Glocken und antworteten sich. Vor dem +Wirthshaus stand irgend ein hundertjhriger Baum, eine Ulme oder Linde. +Sehr oft war sie schon ganz zerfressen, eine Seite fehlte, dass man +hineinsehen konnte, wie in einen hohlen Ring. Aber oben trieben die Aeste +noch grne Ruthen. Die Alten betrachteten sie sorgenvoll, aber die Jungen +dachten, dass sie etwas Heiliges wre und das Glck ihres Dorfes davon +abhinge. Die Hhner scharrten in den Fahrgeleisen. Das Vieh wohnte +friedlich neben den Menschen. Die Khe tranken aus der steinernen Trnke +am Brunnen. Sie auch waren heilig, freundlich, der Reichthum ihres +Besitzers, und sahen mit ruhigen Augen wie Berechtigte, die ihren Weg +kennen. Kleine Kinder liefen dem Wandrer nach in ihren Holzschuhen. Oder +sie nahmen die Schuhe in die Hand und folgten so auf den blossen Fssen. +Sie liefen mit, so lange sie Lust hatten, und kehrten dann um, wenn sie +mde waren. Sie standen, den Finger im Mund, mit grossen Augen, sagten gar +nichts, und sahen ihm nach. + +In den Feldern war man an der Arbeit. Mnner stiessen die Pflugschar, +langsam, sehr langsam hinter dem Pferdegespann, das sich wie ein +Schattenriss abhob vom grauen Frhlingshimmel. Die Erde wellte sich hier +in grossen Hgeln, wie Wogen eines Meers, das die Fluth verlassen hat. Man +sah den Pflug mit dem Gespann aufsteigen und niedersinken. Manchmal war er +in den Schluchten ganz verschwunden; er kroch langsam und steil hinan in +runder Schwingung um die Schwellung des Bodens. Rhythmisch drehte und +wandte er sich, dem strkeren Rhythmus der Erdmassen folgend. Ins Graue, +Harte schnitten die blanken Schaufeln, es aufwerfend in blanker, oben +gekruselter Scholle. Sehr dunkles Bauernbrot hat diese Farbe. Es duftete +vom Frischgebacknen. Die Pferde schritten geduldig. Sorgsam, merkend auf +Zahl und Curve der Furchen lenkte der Pflger. - Sie waren geschritten so +seit Jahren. Ihre Vter hatten gepflgt. Die Erde war da, und die Menschen +waren vergangen, zur Erde gekehrt wieder. + +Geheimnissvoll in verschwiegenen Furchen keimte die Saat; kleine, +schchterne Hlmchen aus dem festen, lagernden Erdreich. Krhen strichen +kraxend ber die Felder. Ganz oben zogen Schwrme wilder Gnse in +mystischer Keilreihe mit schrillem fernen Kreischen. Der Wind klang wie +brauendes Tosen und Kollern, Kobolde und Trollen aus dem Norden, +Vorgeborner, Eddabewohner. + +Er kam durch Bergland. Da waren die Menschen arm und wenige. + +Sie wohnten dicht zusammengedrckt in Thlern oder an den Abhngen. Die +Berge reckten sich hoch, Kuppe an Kuppe. Runde, langgestreckte, mit +breitem, fichtenbestandnem Rcken, oder sie trugen Laubwlder, braun und +grn, die ihre Umrisse verbargen. Fast kahle gab es, von Gestrpp, ganz +jungen Hlzern bestanden, zwischen denen man Korn gest hatte, um den +Boden fruchtbar zu machen. Schneisen ffneten Ausluge in grne Wirrnisse, +neue Seitenthler und auf hohe ernste Wnde. Am Wege rankte +Brombeergestruch und man sah zwischen Farrenkruter wie in grne, +niedrige Dome unter den hohen, wo Elfen htten spaziren knnen, Thau +schlrfen aus blauen Glockenblumenkelchen oder Honig melken aus den gelben +Blthenrsseln der wilden Bienensaug. Holz schlug man da in grossen +geschichteten Wrfeln. Jedes Stck trug den Stempel, die Nummer. Manchmal +aus einem verwachsenen Seitenweg zwischen den hohen Grsern kam ein +Arbeiter, der seiner Heimath zustrebte, Bergleute oder Hausirer, stille +Leute und gewohnt im Dunkeln zu finden. + +Durch fruchtbare Ebenen kam er, wo Dorf an Dorf sich drngte, Hof neben +Hof, stattliche Hfe mit rothen Ziegeldchern und steinernen Stllen, +weiter Einfriedigung fr das Gelnde. Obstgrten bildeten den Reichthum +der Gegend. Selbst das Vieh war schner, fett und glatthutig, wie die +Leute, die in steifen Trachten gingen, mit seltsamen Hauben und Mtzen, +weiten Rcken und verschnrten Stiefeln. Die Kinder truppten zur Schule +steif und artig. Alles war numerirt und eingetragen vom Landrathsamt. Man +sah die neue Bahn ohne Ehrfurcht. Man wusste, was man werth war, und +wnschte nicht, dass eine Vermischung stattfand. + +... Manchmal ging er sehr frh am Tage. Alles war grau, grau wie im Wasser +gewaschen und noch nicht getrocknet wieder. Die Feuchtigkeit sass in der +Erde wie in einem Schwamm. Die Luft war zu schwer noch, dass sie +ausdampfen konnte. Kleine Kiesel blinkten gewaschen, braun mit stumpfen +Steingries in der Mitte. An jedem Grashalm hing ein Tropfen. Unzhlige, +unendlich winzige Trpfchen bildeten einen feinen, weiss-grauen +Seidenschleier auf seiner klebrigen, mit kleinen Hrchen besetzten +Oberflche. Die Kruter streiften feucht beim Durchschreiten. Man fhlte +die Erde sich ansetzen und schwer werden unter den Schuhen. Der Wind blies +mit einem Geruch von frischer Wsche. Zwischen rothen Steinfassungen einer +Brcke floss breit ausgelaufen ein Mhlbach. Niemand wusste, ob es regnen +wrde, aber inwendig war ein Tropfen und Sickern, die Thtigkeit des +Wassers, das filterte, sich einsackte. + +Der Wind erhob sich in den Pappelkronen. Sie verbeugten sich und neigten +ihre schlanken Ruthen gegeneinander. Die Ruthen rieben sich und wechselten +sehr schnell in der Berhrung, wie Tasten eines Klaviers, die man +nacheinander anklinkt, ein Spiel der Stbe, die Zeichen geben, eine +Botschaft weitertragen. Die ganze lange Reihe hindurch lief die Bewegung. +Sie schttelten die Kpfe, rauschten und raunten. + +Erst kam es nur wie ein feiner, leichter Wasserstaub, ein Schleier im +Gesicht, den der Wind nach Laune vor- und zurcktrieb. Graue Huschen zogen +rasch wie Watteballen in der Luft. Dann wurde es wie ein leises Stossen, +wie wenn es in einem Kessel anfing langsam zu kochen. Man hrte das +Klatschen auf nackte glatte Hute der Bltter. Aber es kam noch nicht +durch. Sie schtzten wie ein Regenschirm. Es rieselte, rauschte, tropfte, +pltscherte ... Es regnete. + +Im Frhlingsregen ging man wie in einer grauen Tarnkappe. Alles erschien +ohne Farbe, sehr jung noch, wie eben ausgebrtet, als ob die Eihutchen +noch herum wren, eine Ftuslandschaft. Das Nass begoss, trieb, schwellte. +Unter den Fusssohlen sickerten Lachen. Alles Grn wurde grell, fast +giftig. Die Blumenkronen schienen grsser, vom Wasser beschwert. Fast +schwarz glichen die Baumrinden aufgebrochner Erde. Ein lauer +Schweissgeruch des Brtens lagerte. Unter den Steinen hhlten sich Lcher. +Alle Steine schienen dunkler. Ihre weissen Aederchen und Brche zeigten +sich sehr deutlich. Die Steine waren nicht steinern und die Tropfen +schlugen sie. + +Dann kam ein gelber Schein von irgendwoher. Er flatterte auf wie ein +Vogel. Es war ein Spiel der Lichter ohne eine Quelle des Lichts, ohne dass +man wusste, woher die Strahlen kamen. Grosse Flecken von Klarheit rissen +ein und vergrsserten sich im Grau. Alles ging sehr rasch, wie das +Anschlagen eines Instruments, ein Finger, der sehr schnell ber Saiten +luft. Es giebt einen Klingklang hier und da, aber noch keine Melodie. Die +Regenstriche schienen blank und sprhend. Einen Moment funkelte Alles. Ein +Regenbogen stand sicher geschwungen ber der Landschaft, ein zweiter +verschwamm zitternd im Grauen. + +Die Vgel fingen schchtern wieder an zu piepen. + +... Man sah keinen Menschen des Abends. Ueber die Felder zogen Nebel. Am +Waldrand schien sich's zu brauen, zusammenzurotten. Man unterschied die +einzelnen Bume nicht mehr. Es waren Alles Rundungen, wie Hammelrcken, +Riste flockiger Widder sehr eng zusammengepresst. Das wiederholte sich +unendlich. Es schien wie ein Meer, das da angewachsen, festgenagelt war, +dunkel, drohend, gierig, immer dieselbe Form in immer tieferen Schatten, +Rthen, Violetten, die der Tag nicht kannte. Das drang vorwrts, frass +sich weiter, eine schlechte Anziehung schien von ihm auszugehen, etwas von +Hexenkraft, Rthselhaftigkeit, Unerlstem. Sehr sanft schmiegten sich die +Saaten. - Ein Reh trat heraus. Es ugte mit merkenden Lichtern, spitzte +die Horcher, eh' es sich zum Aesen bckte. Dann kamen mehrere. Man glaubte +den leichten Anschlag ihrer Hufe auf dem Rasen zu hren, wie sie sich +bewegten, malmten. Nun wurde Einem wohler. + +... Die Kastanien trieben eidicke Knospen. Blttchen an Blttchen faltete +sich in drngender Enge, rundlich, breiter am Grunde und spitz zulaufend +im Abschluss. Der klebrige Lebenssaft hielt sie alle zusammen. Zartbraun +waren die ussren, wie dnne abfallende Schalen, die ihren Dienst gethan +haben. Die inneren blieben weiss und lichtgelb, wie feines Fleisch der +Eier, das man isst. + +Er fand einen jungen Mann unter dem Kastanienbaum. Er hielt ein Buch auf +seinen Knieen, aber er las nicht. + +Er sprach zu ihm: "Warum liest Du nicht in Deinem Buch, das Du hltst?" + +Er sprach: "Dieses Buch habe ich gelesen, viele Bcher, alle Bcher der +Welt, die ich finden konnte. Ihre Worte sind Buchstaben und ihr Wissen ist +Worte. Jetzt lese ich gar nichts mehr. Ich bin nur hier und studire den +Baum. + +"Recht herrlich anzusehen ist dieser Baum. Aufgepflanzt auf starken +Wurzeln, unter der Erde gegrndet wie ber ihr. Der Mittelstamm reckt sich +stolz und gerade. Jedes Jahr weitet sich der Ring. Eine Schnur fgt sich +mystisch zur Schnur der gewesnen, die die Vergangenheit zeichnen, und jene +Zuknftiges. So entsendet er Aeste ringsum im Kreise nach allen vier +Richtungen der Sonne, dass die Sonne sie bescheine und wachsen macht. +Kleine Zweige schiessen auf von den grossen, aus knorrigen Hhlen, wo das +Geheimniss der Geburt sich erneuert. Diese wieder theilen sich in +fchernde Finger. + +"Keine Regel scheint in dem Ganzen und stolz giebt er die Rundung des +Erdballs wieder. Fast flach breiten sich die untern tragenden Aeste. Die +mittleren reichen an den Kreis des Aequators. Zum Pole der Spitze fgen +sich in schrferer Steigung die oberen. + +"Und Alles lebt. Die Wurzel entsendet die Krfte, die die Aeste leiten. +Zur ussersten Spitze des rmlichsten Stieles steigt pulsender Saft, der +schwrt und gebiert. Ohne Ende ist dieses Leben, grossmthig und doch +sparsam. Es scheint zu schlafen und wirkt doch in der Stille. Prangend +steht es in der Blthe und sicher reift doch die Frucht. Es giebt kein +Meistern an seiner Form und Bestimmung. Denn Alles ist meisterlich von +Anfang gegrndet wie es sein muss, bis er stirbt, sein Tag um ist, da er +lebte." + +Er sprach: "Bist Du also weit und hast Du dies Alles erkannt, so will ich +Dir mehr sagen, das wichtiger ist denn Werden und Sterben. Lass Dein Buch +und den Baum und folge mir." + +So folgte ihm dieser. + +Zwei Brder, Maurermeister, lebten in einer kleinen Stadt. Sie lebten dort +schlicht und redlich, waren verheirathet und hatten Kinder. Ihr Gut +mehrten sie tglich und sie hatten zusammen ein schnes Haus gebaut, dass +sie dort auf ihrem Eignen sssen und ihre Tage friedlich endeten. + +Sprach der Eine zum Andern: "Was hilft es uns nun, dass unser Gut sich +mehrt von der Arbeit unsrer Hnde, unser Haus fest und stattlich steht? +Wir mssen doch sterben. Die Zeit reisst es ein, was wir gebaut haben." + +Der Andre sprach zu seinem Bruder: "Ich kenne einen Fremden, der Worte +weiss strker wie das Leben. Was er meint, bindet keine Zeit. Mauern +fassen es nicht, die strker sind wie unsre." + +Er sprach, der der ltre Bruder war und der Weiseste von Beiden: "Diesen +Mann muss ich hren. Und wenn ich alle meine Gter dahintenlasse, was das +Herz froh macht, ein Weib und junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich +habe, was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest wird, ist mehr denn +Huser bauen, die der Sturm einreisst." + +Diese Beiden gingen und suchten den Fremden auf. + +Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet von allen Menschen und von +nachdenklicher Gemthsart, wie es das Handwerk mit sich bringt. Denn ein +Maurermeister in seinem Handwerk, so er es recht versteht und ernst nimmt, +ist etwas vom lieben Gott und Schpfer selbst, der die Welt geschaffen +hat. Er hlt in seiner Hand Thon und Mrtel. Was er baut, soll fr Jahre +und Jahrzehnte sein, wohlgegrndet und ausgemessen in allen seinen +Theilen, dass nicht das Hohe auf das Niedrige falle, der Boden nachgiebt +unter zu schwerer Belastung von Schnrkeln, Pfeilern, buntausgemalten +Fenstern. + +Alle diese und Andre, an der Landstrasse, sah und fand der Fremde. + +Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an einem Wegrain oder auf der +Rasenhhe ber dem Teich, sprach er zu ihnen. + +Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums und wie die gering sind und +Knechte, die streben und hochstehen. + +Von den Thrichten des Herzens und den Armen im Geist sagte er ihnen +ssse, geheimnissvolle Worte. Und von der Gte der Unklugen, die weiser +ist denn Weisheit und strker denn Strke aller Gewaffneten und Starken. + +Kleine Kinder umstanden seine Kniee und sahen zu ihm auf mit grossen, +unbewussten, glubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen +Meditationen. Mtter hielten sich lchelnd an mit ihren Suglingen an der +Brust, die nach der nhrenden Zitze lallend griffen, sie patschten mit +ihren rosigen Hndchen. + +"Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist ber dem Gesetz. Alles Gesetz ist in +ihr." + +"Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn Deins ist wie Deines Bruders und +Deines Bruders wie Deins." + +"Die Unkeuschheit ist nicht in der That. In der Scham schon ist Snde. Der +Gedanke der Wollust schlgt und beschdigt." + +"Nicht das Wort ist Lge, der Eid betheuert nicht. Eure Rede sei klar, +weil Euer Denken Wahrheit ist." + +"Der Hass, der keinen Widerstand findet, erlahmt in ihm selbst, wie der +Stein, der geworfen wird und in's Wasser fllt." + +"Und widerstrebet dem Uebel nicht." + +Die kleinen Blumen blhten mit tiefen, duftenden Kelchen. Feiner wie +kstlichste Seide waren ihre Blttchen. Die Staubfden standen wie +brennende Kerzen, Goldkrystalle edelster Kronleuchter. Auf grnen Stengeln +trugen sie ihre Hupter wie Kronen. Die Luft war schwanger von ihren +Dften und die Winde trugen ihre Samen. Die Vgel kamen sorglos und +pickten ihre Nahrung. Im Gras athmeten Cicaden und Mckchen, Kfer, +Gewrme - ein tausendfltiges Leben. + +"Warum sorget Ihr Euch? Alles Leben findet seine Nahrung. Alles Lebendige +erfllt seine Bestimmung des Lebens. Ihr sorget und sammelt Schtze. Die +Motten zerfressen sie und der Rost, die Diebe graben danach und stehlen." + +"Der Reiche ist arm und der Arme ist reich. Stark ist, wer fest steht in +sich selbst. Der weise geworden ist in Gott, dem haben Strme, Hass der +Menschen und Noth nichts an. Die Welt ist dem Menschen gegeben. Ueber der +Welt steht der Mensch, der die Welt in sich trgt. Gott ist in Euch und +Ihr seid Gottes. Erwacht zu Eurer Herrlichkeit! Ein knigliches Volk, ohne +Knige, Herren Alle und Freie, die Ihrer selbst Herr geworden sind." + +Sehr schn war er mit seiner strahlenden Stirn, dem melodienreichen Mund, +dem die Worte entstrmten, die Hnde lang und fein mit heilender +Berhrung. Seine Worte klangen lieblich wie Musik. Und in ihnen war die +Tiefe. Der blaue Himmel spannte sich ber ihn, blau, ganz blau, in immer +lichterem Blau bis zur lchelnden Sonne, ber die Erde gestellt mit +grnsammetnem Rain, - einen Knig im schlichten Bettlergewand, einen +Gebietenden auf dem Feldstein seines Throns. + +Die Leute kamen von weit, ihn zu hren. + +Etliche sagten: "Es sind Gedichte. Wir haben das schon oft gehrt, so oder +so." - Aber sie hatten viel zu thun und gingen. + +Viele sagten: "Das ist Alles Lge. Trumereien sind das." - Sie erklrten +lange, wie es besser zu machen sei mit dem Aufhren der Militairlasten +oder einer neuen Steuerordnung oder indem man die Gter anders vertheilte. + +Sie waren die Klgsten. Aber die Meisten gingen hin und thaten weiter, wie +sie vorher gethan hatten. + +Und war Niemand, der ihn verstand. + + + + + + DAS FNFTE KAPITEL. + + +Es begab sich, da er mde war, setzte er sich nieder an einem Brunnen. + +Ein sehr lieblicher Platz war es. Weidenzweige hingen tief wie feine +wehende Schleier. In der gemauerten Hhlung hrte man es murmeln vom +schwrzlichen, verborgnen Wasser. Alles Gras ringsum war grn, sammetgrn +mit Schatten, wie der Wind es wehte oder die Sonne fiel. Eine Stille war +in der Luft, diese Klage der Feuchtigkeit, die der Nacht vorangeht, denn +es war Abenddmmerung. Nur die Heimchen zirpten. Man hrte das Locken der +Vgel, aber befriedigt, nur mehr wie ein Glucksen. Die Winde auch kamen +sacht, mit etwas lebhafterem Rauschen oben in den Baumkronen. + +Er setzte sich auf die Steinbrstung des Brunnens. + +Eine Frau kam. Sie ging langsam und hielt eine Reitgerte in der Hand. Der +Saum ihrer grauen Amazone fegte schleppend den Boden. Sie fhrte ein +weisses Pferd am Zgel. Es trat so leicht auf, dass man seinen Hufschlag +nicht hrte, den Kopf hielt es gesenkt, als wollte es sich bemhen, die +Saatsprossen zu erhaschen, und schnoberte leise aus rosa feinen Nstern. +Ein Windspiel sprang auf ihrer andern Seite. Es streckte zuweilen wie +liebkosend seinen schmalen spitzen Kopf in ihre hngende Hand. Sie ging in +tiefen Gedanken. Ihre Haare waren in dicken Flechten gewunden, weit unten +im Nacken aufgesteckt, als ob sie zu schwer wren fr ihren schmalen Kopf. +Sie ging sehr langsam und hielt die Augen zur Erde gerichtet, wie wenn sie +suchte. Sie suchte mit der schwanken zitternden Spitze der Reitgerte auf +dem Boden. Der Hund lief neben ihr und sah sie an. Er versuchte ihre Augen +zu fangen. Aber sie antworteten seinem Blick nicht. Sie ging und fhrte +das weisse Pferd am Zgel. Ganz weiss, mit gesenktem Kopf folgte es, ein +edles, geduldiges, sehr feines Thier. + +Gerade ber die Wiese kam sie, zu der Quelle, wo der Fremde sass. + +Sie seufzte. Gegenber am Brunnen sass der Fremde. Und sie sah ihn nicht. + +Sie hob die Augen auf und sah ihn. + +"Warum bist Du unglcklich?" fragte der Fremde. + +"Ich bin unglcklich, weil ich glcklich bin. Ich habe Alles, was die +Menschen Glck nennen. Ich wohne in einem Schloss im Reichthum. Meine +Eltern hielten alle Sorge fern von mir. Ich habe einen Mann, der mich +anbetet, gute Kinder. Doch bin ich unglcklich. Ich gehe zu diesem +Brunnen, um Ruhe zu finden, weil mein Schmerz sich auflst in dem der +Natur, der ber diesem Ort lagert. - Warum ist sie unglcklich?" + +"Weil sie sterblich ist und vergnglich." + +Die junge Frau seufzte tiefer. Die Zweige der Weiden rauschten auf wie +leichte, faltige Frauengewnder und fielen zusammen. Der Hund schob +liebkosend seine kalte Nase ein. Ueber die Felder trug der Wind die Klage +der Weiden und geheimnissvoll in der Tiefe gluckste und murmelte das +Wasser. "Sind wir es nicht auch? Vergnglich und sterblich? Der Tod ist in +Allem. Das Schne hat keine Dauer. Die Leidenschaft flieht. Der Tag unsrer +Kraft ist der unsrer Gte. Wenn wir krank sind, sind wir selbstschtig, +schlecht, Andre qulend und geqult von ihnen. Aller Anstrengung Ende ist +der Tod." + +"Es giebt etwas ber dem Tod," sagte der Fremde. + +"Es giebt etwas," sagte sie in sehr tiefen Gedanken. "Ja, es muss etwas +geben. Man denkt nicht daran, wenn man glcklich ist. - All' diese Tiefen +- diese Schmerzen! Diese Schmerzen mssen unsterblich sein." + +"Die Schmerzen sind unsterblich." + +"Die Ahnung des Unendlichen - diese Sehnsucht hinaus! Es ist das Beste, +was wir haben. - Es ist sehr schmerzlich." + +"Leiden ist schn." + +"Ja, es ist schn. Ich mchte nicht ohne es sein. - Doch die Andern sind +glcklicher. Warum gab man es uns nicht wie dem Thier zu leben? wenn es +aus ist, Sterben ohne Bewusstsein?" + +"Nichts stirbt. Alles Leben lebt unvergnglich." + +"Sie auch, diese Bume? Die Wehmuth dieser Felder? Es gbe eine +Vollkommenheit fr sie? Eine Erfllung? Wo ist sie?" + +"Ahnst Du sie nicht? - Sieh in die Weite!" ... + +"Manchmal ahne ich sie. Etwas wie einen Zusammenklang, einen verlornen, +fernen. Ich weiss nicht. ... Es ist das Leiden, die Snde: Einer hat Einen +getdtet. Man tdtet ihn wieder. Er leidet. Ist er nicht erlst? ... Aber +es sind so viele Andre. Sie gehen hin und leben, correct, alltglich" ... + +"Sie sind weitab." + +Sie sprach wie im Traume. Der Hund, zu ihren Fssen gelagert, sah sie an +mit treuen, klugen Augen. So beweglich waren sie, dass die Lichter +fortwhrend wechselten wie in einem Spiegel. Im Grase weidete das weisse +Pferd. Man hrte es die zarten Halme abrupfen, sie zermalmen zwischen +starken, hckrigen Zhnen. Und von Zeit zu Zeit wieherte es leise, wie +wenn es antwortete, als rche es den Frhling. + +"Ja, ja," sagte sie athemlos. "Ich weiss nicht. Aber es muss auch sein. +Man qult auch Thiere. Sie leiden und sie ahnen. ... Was ist es?" + +"Wenn Du wsstest, wre es das?" + +Sie schttelte den Kopf. "Nein, man muss es finden, selber in sich finden. +Dann ist es der Friede. Ein Glck ber dem Glck, Erfolg und Schande, +Reichthum und Armuth, - das ist Alles so gleichgltig. Es ist ber dem +Allen." + +Sie sah den Fremden an. Die junge Frau mit zarten, spielenden Fingern +strich langsam die Sume ihres Kleides entlang. Ihre Augen verschleierten +sich in dem Schleier, der ber die Felder ging. Es war, als ob die Farbe +der Felder in sie eindrnge und es bliebe nur _eine_ Farbe in ihren Augen +und in der der wehenden Saaten. In der Curve ihrer Schultern fand sich die +gesenkte Kruppe des weissen Pferdes. Die graue Seidenhaut des Windspiels +schmiegte sich wollstig, verloren in die Kleiderfalten. Das Wasser fiel +in kleinen pltschernden Cascaden, oder es ruhte sich lange aus, in +Pausen, wo nur das Unterirdische murmelte, die kleine Stimme von Tropfen, +die hhlen, klopfen. + +"Manchmal fhle ich, als ob ich gar nicht mehr Ich bin. Eine hssliche +Krte. Eine Tigerkatze. Ich bin ein Wesen, was vor vielen tausend Jahren +war und hundertmal gestorben ist. Ein Thier und ein Gott. Vom Thier zu +Gott. Das ist der Weg." + +"So ist es." + +"Ja, ich habe gelebt," sagte sie sehr leise, liebkosend. "Ich habe +gemordet. Ich habe gesndigt und triumphirt. Vielleicht habe ich am +Mrtyrerpfahl gestanden. Und es machte mir Freude, meine weisse, feine +Hand in Blut zu tauchen, bis sie roth war. - Ich sah einen Mann einmal. Er +war ein Strolch und ein Mrder. Er auch, war ein Knig. In seinem Auge las +ich den Stolz der Starken. Wir kannten uns so gut, wie wir uns sahen. ... +Das ist seltsam." + +"Nichts ist seltsam." + +"Nichts! Nichts!" wiederholte sie inbrnstig. Eine feine Rthe schlug von +ihrem Hals auf wie Sonne unter Lilienblttern. "Gar nichts ist seltsam. +Manchmal in Bchern, in der sehr grossen Kunst fhlt man es. - Ich habe es +in Felsbrchen gesehen, in dem spitzen Speerschaft irgend eines Grashalms. +Es giebt Worte, Reime. ... Goethe hat sie. Und Shakespeare, wenn Ophelia +wahnsinnige, kleine Lieder singt. Ich kenne chinesische alte Gtzenbilder +und Michelangelo's Grabfiguren am Mediceer-Denkmal. ... In der +Marseillaise hrt man die Tuba der Erzengel. Warum ist Lucrezia Borgia +sss wie Nachtigallsang am Maiabend und Napoleon gekreuzigt wie der von +Golgatha ... Es ist so schwer zu denken ..." Sie presste die weiche kleine +Hand gegen die Stirn, an der die Schlfen flogen wie unter Hmmern einer +Schmiede. + +"Warum denkst Du?" fragte er gtig. + +"... Wenn man nicht denken brauchte! Alles weiss man. Nur weil man +versucht, sein Wissen zu erklren, _ein_ Wissen fr Alle, Gesetze sucht, +weiss man nicht mehr. Kinder wissen. Und Frauen! Ah, Frauen wissen eher +wie Mnner! Sie fhlen. Es ist ihr Krper, der in ihrem Willen ist, ... +weil Frauen lieben." + +"Und Gott?" fragte er. + +"Gott auch liebt," sagte sie trumend. "Er hasst nicht. Das Gute ist +dasselbe wie das Bse. Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die +Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. Es ist nichts gut und +nichts schlecht. Es ist wie es ist." + +Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die mde Traurigkeit erschien wieder in +ihrer Haltung, dem Krper, der sich zurckbog, whrend die Linie des +Halses straff wurde. + +"... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht in der Kirche zu beten. +Die Sehnsucht erstickte mich.... Hier ist es besser." + +"Es ist besser hier." + +"Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles msste mit hinein. Viel, viel +mehr als die alte Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist weit - +weit ..." + +Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten wallten die Nebel. Es glitt +ber die Felder. Das Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe +schien weitgerckt, aufgesogen im Allen ... + +Eine Fledermaus strich leise mit unhrbaren, schwarzen, tappenden +Schwingen. Nher und wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. Sehr +deutlich sah man die feinen Krallenngel, zwischen denen die Flughute +angemacht waren gleich Stofffchern eines Regenschirms, den kleinen, +platten Kopf mit spitzen Zhnchen, die nach Insekten schnappten, sie rasch +zerrissen. Eine Eidechse kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie blieb da +wie angewachsen, horchend. In der Saat putzten sich die Hasen und machten +Mnnchen. Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten und +hamsterten leise in sich hinein wie Geizhlse. Ein Fuchs schlich auf Raub +mit vorgestreckter spitzer Schnauze und fuchtelnder Ruthe. + +Ganz fern quakten Frsche im Feuchten. Von allen Wiesen stieg der Athem +auf. + +Sehr lange sassen sie. + +Sie erhob sich langsam. Das weisse Pferd kam ohne Ruf. Der Hund witterte +in die Richtung mit angelegten Ohren, aufmerksam, zitternd. + +"Gehe in Frieden," sagte der Fremde, "Du bist nher wie die Andern." + + + + + + DAS SECHSTE KAPITEL. + + +Nun hatte die Frau des Landraths eine Idee. + +Das Gercht von ihm war nmlich sehr stark geworden in dieser Gegend, so +dass viele Leute aus Neugier kamen, um ihn zu sehen. Viele logen und +erzhlten seltsame Geschichten von Wundern und Kranken, die geheilt worden +waren. Und die Menschen liefen hin. Sie blieben da und folgten ihm etliche +Tage und warteten auf ein Zeichen. Wenn nichts geschah, was ihre +Hoffnungen erfllte, gingen sie nach Hause, ihren Geschften nach. Diese +sagten stets, dass Alles gelogen war. Sie bewiesen sonnenklar, dass solche +Wunder unmglich und gegen die Natur seien, warteten doch darauf und +wrden sie bestritten haben, wenn sie geschehen wren. Die Zeitungen +bemchtigten sich des Stoffes. Sie hofften ihre Leser zu amsiren. Einmal +tauchte er hier auf und einmal da. Es machte den Reportern Spass, gerade +die abenteuerlichsten Geschichten zusammenzutragen, geflschte Interviews +und lange Extrakte aus Reden, die er niemals gehalten hatte. Auskunft war +da ertheilt ber Himmel und Hlle mit genauer Beschreibung der Lage und +Gliederung der Letzteren, eines jeden Pfeilers, auf dem Gottes Thron +stand. Einige brachten sogar ein ganzes Nationale, dass er der Sohn eines +Zimmermanns Joseph Schppli aus Bing an der Enz in Wrttemberg sei. Dieser +Sohn hatte fr einen Narren gegolten in seiner Jugend. Im Ort gab es viel +zu erzhlen von seinen sonderbaren Thaten und Reden. Dann war er +verschwunden, als er etwa dreissig Jahr alt war. Etliche sagten, er wre +in der Enz ertrunken, Andre, dass er in die Wlder gegangen wre und dort +als ein Waldmensch und Einsiedler hauste. Sie behaupteten, dieser selbe +Zimmermannssohn aus Bing sei es, der jetzt aufgetaucht wre und predigte. +Seine eignen Eltern sollten es beschworen haben. Ein besonders eifriger +Neuigkeitenvertreiber hatte sogar seine Mutter aufgesucht und wusste, dass +sie eine Haube trug und in ihrer Jugend Visionen gehabt hatte. Das war +brigens nichts Seltnes bei diesem schwbischen Gebirgsvolk, arbeitsam und +verstndig, aber von schweifender Phantasie, mit einer bestndigen +Sehnsucht im Herzen, die die Berge wachhielten, oder auch der alte Schatz +von Legenden, einstiger Herrlichkeit und Weltgrsse, die in diesen Stmmen +lebendig geblieben waren trotz des neuen deutschen Reichs, Lutherthum und +Schulbehrden. Wieder Andre hielten ihn fr einen Wanderprediger aus den +norwegischen Bergen. Es gab ihnen Gelegenheit, ber mystische Schwrmer, +Tolstoi und Ibsen zu reden, den Geist des Urchristenthums, der sich dort +in einigen weltabgeschiedenen Gemeinden rein erhalten hatte. Diese +verbreiteten, dass er der Sohn eines schottischen Lords oder vornehmen +Grafen wre. Es that ihnen wohl, das zu glauben. + +Und gewaltig erschtterte Alle Fritz Kuhlemann's Stimme, eines einfachen +Arbeiters und verlorenen Gesellen, der in den grossen Stdten auftrat und +forderte Busse zu thun: Im Namen Jesu des Lebendigen, der Fleisch war und +unter ihnen wandelte. "Denn die Zeit ist gekommen." + +Das Volk lief ihm zu. Etliche erwarteten Lohnerhhungen, Gaben der +Reichen. Andre rechneten auf die Revolution, wo er ihr Huptling werden +sollte. Denn seine Rede klang gewaltig. Es war in ihr der rothe Hass der +Ungerechtigkeit und eine neue strahlende Liebe, weit wie die Sonne, die +ber Gerechte und Ungerechte scheint, aber wild auch und schpferisch, wie +die des Mannes zum Weibe. Es gab Viele, die sich betroffen fhlten unter +den Vornehmen und Reichen, zu sich selbst sagten: Wir knnen nicht +wohlleben und in Wagen fahren, wo unser Bruder hungert und nicht hat, da +er sein Haupt hinlegen soll? - Denn so sprach er: "Nicht ausser Euch, +sondern in Euch richtet auf das Reich Gottes! Denn das ist Gottes in Euch, +dass Ihr Liebe gebet. Das Andre, Neid, Geiz, Hoffarth, ist des Thieres und +des Teufels. Und Ihr seid Alle Gottes." + +Viele kamen auch zu ihm und sagten: Wir wollen sehen, ehe wir glauben. Er +sagte ihnen: Seht die Werke an in seinem Namen gethan und thut wie Er. - +Aber das gefiel diesen nicht. + +Es gab Viele unter den reichen und vornehmen Leuten, die den Fremden auch +gern gesehen htten. Aber sie wollten sich nicht lcherlich machen. Auch +frchteten sie in der Oeffentlichkeit ihre Namen zu compromittiren. + +Diese Landrthin, deren Mann zugleich Reichstagsabgeordneter war, hatte +eine grosse Gesellschaft zu geben. Sie war eine kluge Dame aus +reichsgrflichem Hause, die sich viel einbildete auf ihre Bildung, dass +auf ihren Gesellschaften immer etwas Besonderes, Geistiges und +Interessantes war. Da bei vielen ihrer Freundinnen und Nebenbuhlerinnen +Theosophie in Mode war, dachte sie, es wrde sehr interessant sein, den +Fremden einzuladen, ihn ihren Gsten gleichsam als Curiositt und zur +Unterhaltung vorzufhren. + +Gleichzeitig that sie damit einem Mann einen Gefallen, der ihr selbst und +ihrem Landrath sehr ntzlich war, in einem Kreis, wo er vermge seines +Namens und Reichthums eine hchste und selbstverstndliche Stellung +einnahm, die sie als arme Beamte und Frischnobilitirte sich nur mhsam +erobern konnten, mit allen Mitteln suchen mussten zu befestigen. Dieser +Mann war der alte Prinz Schnheim-Wagram-Trauttenberg, Minister unter der +liberalen Aera Friedrich Wilhelms des Vierten. Er hatte in seiner Jugend +mit der Revolution und dem Dilettantismus coquettirt, dabei als Lebemann +und Schngeist sich ein Renommee erworben. Seine "Briefe eines Diplomaten" +erregten das grsste Aufsehen seiner Zeit. Er war der Erste gewesen, der +mit der Tradition brach, dass Heuchelei und geheimnissvolle Zugeknpftheit +unentbehrliche Attribute der Staatsklugheit bildeten. Unter einem fast +ruchlosen, scheinbar offenherzigsten Cynismus verbarg er fchsische +Verschlagenheit, die Raubthierkralle eines Csar Borgia im +Sammethandschuh. Man nannte ihn den Frsten Talleyrand der Provinz. Seine +Stellung dort war unerschtterlich selbst nach seiner officiellen +Niederlage als Staatsmann, seitdem neue Systeme und Principien ihn und +sein System hinweggefegt hatten. Die Landrthin gehrte zu seinen +Protegees. Nicht, dass ihre sprlichen Reize den alten Viveur in +Versuchung gefhrt htten. Nach einem galanten Sabbath ohne Gleichen hatte +das Kchenpersonal und noch tiefer hinab, bei ihm endgltig die Palme +davongetragen. Er bezeugte diese Vorliebe sehr ungenirt. Aber er liebte es +immer, seinen Finger mit in der Pastete zu haben, die Landrthin und ihr +strebsamer Gatte erschienen ihm als gefgige Werkzeuge fr seine kleinen +Plne, die er durchaus nicht aufgegeben hatte, nur versteckt hielt unter +witzelnder Indifferenz. Das Renommee eines mystischen Einflusses erfreute +ihn. Er fand es vornehmer, hinter den Coulissen zu operiren, als vorne auf +der Bhne die grossen Schreie auszustossen: heutzutage weiss man von jeder +Macht die Adresse. Jeder trgt seine Befugnisse und Eigenschaften wie +aufgeklebte Etiketten mit sich herum: Breau fr Stellenbesetzung, +Vermittlung von Brsengeschften, Vademecum fr Hoflieferanten. Frher +ging das in's Geheimnissvolle wie der liebe Gott. Und hielt die Bande in +Schrecken. Man weiss zu gut, was wir _nicht_ knnen. Darum will jetzt +Jeder Alles besser wissen. + +Das Neueste in dem sehr beweglichen Geiste und fieberhaften +Lebensbezeugungsdrang des Prinzen war ein Werk ber Buddhismus, den er fr +die Religion der Religionen hielt. Sie passte in den Cynismus des alten +Diplomaten, diese Idee des Jenseits von Gut und Bse, der souvernen +Verachtung aller Moralsysteme. Viele zweifelten an seiner Gelehrsamkeit, +sie war etwas zusammengewrfelt nach der Mode des Ancien Rgime. Er besass +diese Eigenheit der Regierenden, dass er ber Alles reden und geistreich +reden konnte. Trotzdem wurde sein wirkliches Wissen bestritten. Er selbst +vermied Gelehrte, sein eigentliches und Hauptpublikum blieben Damen. Nur +der Doctor Rothe konnte es mit ihm aushalten. Dies war um so +verwunderlicher, als der junge Mann thatschlich ein sehr bedeutender Kopf +war. Seine Examina hatten das Staunen seiner Lehrer erregt. Professoren +und Mitschler erwarteten von Anton Rothe etwas ganz Auerordentliches, +den Aufgang eines neuen Sterns am Himmel der Gelehrtenwelt. Einen Strmer +und Drnger sahen die Andern in ihm, einen grossen Knstler. Er hatte alle +ihre Erwartungen getuscht, war mit sechsundzwanzig Jahren als +Privatsecretair in die Dienste des Frsten getreten, der ihn in einer Art +Auerbach-Keller kennen gelernt hatte, und diesem seitdem auf allen seinen +Reisen gefolgt. Legenden von geheimen, raffinirtesten Ausschweifungen, +denen sich Herr und Diener auf solchen Weltreisen in afrikanischen +Lasterhhlen, den Schmutzpfhlen berseeischer Hafenstdte hingegeben +htten, konnten allein diese seltsame Anziehung zwischen dem beinah +achtzigjhrigen Weltmann und dem zweiunddreissigjhrigen, prachtvollen, +genialen Menschen erklren. Man hatte das ungleiche Paar Faust und +Mephisto getauft, der ussere Eindruck entsprach der Vorstellung, neben +dem ernsthaften, schnen jungen Mann, schwerer germanischer Typus, das +sardonische, zahnlose Affengesicht des Alten, der es liebte, von seinen +literarischen Speichelleckern als Voltaire bezeichnet zu werden. + +Dies waren die Hauptpersnlichkeiten, denen die Grfin den Fremden +vorfhren wollte. Sie hatte eigentlich eine Abneigung gegen den Doctor +wegen seiner brgerlichen Abkunft und sonstigen Anrchigkeit. Aber die +allgemeine Werthschtzung, deren er sich erfreute, seine sagenhafte +Allmchtigkeit bei dem Frsten zwang sie, freundlich gegen ihn zu sein. +Ihre Sauerssse bei solchen Gelegenheiten amsirte dann den Alten: "Es ist +wunderbar, wie diese Frau aus Ehrgeiz sich zu beherrschen weiss. Da sagt +man, nur Mnner htten eine Hundenatur. Sie schlagen uns noch auf allen +Punkten." + +Der Landrath, ihr Mann, that immer, was sie wollte: "Wenn Du meinst, +Amlie." ... Sie schrieb also ein Billetchen an den Fremden des Inhalts, +dass eine distinguirte Reunion im Schlosse von X., Datum und Stunde, von +seinem Geist und Wirken gehrt, den Wunsch htte, ihn zu kennen und sich +belehren zu lassen. - Hflichkeit bei solchen Gelegenheiten ist immer +angebracht. Sie kostet nicht viel und leistet dasselbe wie baares Geld. +Uebrigens lag der Grfin wirklich an dieser Attraction fr ihren Rout. +Boshafte Leute waren hier wieder der Meinung, dass diese berhmten +grflichen "geistigen Attractions" vieles Andre, weniger Attractive +verbergen sollten, zum Beispiel eine entschiedene Drftigkeit des +Vorgesetzten, und den Umstand, dass der Champagner immer ausserordentlich +spt, im letzten Augenblick servirt wurde. + +Der Diener fand den Fremden unter einem Apfelbaum, wo er sich ruhte. Zwei +schwarze Amseln liefen nach Wrmern pickend neben ihm im Grase. Es schien, +als ob diese Thiere ihn fragten und er ihnen antwortete. Der Mann schwor +nachher auf die Hexerei. + +"Ich werde kommen," sagte der Fremde. + +Die Grfin, die es nie verschmhte, auch ihre Kammerdiener auszufragen, +merkte sich diesen kleinen interessanten Zug. Sie hatte eine sozusagen +symbolistische Toilette gemacht: Weiss, sehr in's Crme spielend, mit +schwarzen Jetkettenschnren viermal um den Hals. + +Der Landrath war etwas sorgenvoll: seine Stellung und quasi officielle +Sanction ... "Das verstehst Du nicht, mein Freund," sagte sie milde, aber +fest. - "Man wird sich erdrcken." + +Man erdrckte sich. + +Die Grfin war allgegenwrtig. Es galt, ihren Gsten das Ausserordentliche +ihres Schrittes klar zu machen, diese Einladung an den Fremden, mit der +sie ihren geistreichen Freunden einen Gefallen thun wollte, und sich +gleichzeitig mglichst gegen ble Folgen schtzen, da man es ihr nach oben +hin falsch auslegen konnte. + +Gegen die Einen, die sie fr freie Geister hielt, war sie frivol, fr die +Andern ernsthaft, priesterlich. Allerliebst reumthig, bescheiden, +entschuldigte sie sich gegen den Superintendenten, einigen alten Damen +gegenber. "Ich bin so eine moderne Ketzerin. Es ist doch auch, damit Sie +selbst den Unsinn sehen ..." + +"Interessant" war ihr Wort. Dafr liess sie sich einen scherzhaften +Fcherschlag auf den Arm von der alten Baronin Rehden gefallen. Die +Superintendentin bat sie um ihr Recept fr schwarzen Johannisbeergelee. +Dabei vergass sie niemals dem Prinzen zuzulcheln: "Wie werden wir uns +nachher ber alle diese mokiren. Wir Beide verstehen uns, dass Alles nur +eine Farce ist." ... + +"Ist sie nun nicht bewundrungswrdig?" fragte der Prinz seinen Adjutanten. +"Diese Frau wre bei August dem Starken die Orczelska, bei Ludwig dem +Vierzehnten Maintenon, bei Alexander Krdener gewesen. Fr die Tochter der +Herodias reicht's leider nicht. Sie htte auch da ihr Bestes gethan und +man wrde ihr wahrscheinlich das Haupt bewilligt haben, wenn auch aus +andern Grnden." + +Der junge Mann antwortete nicht. Er betrachtete den Fremden, der allein an +einem Ende des Saales stand. + +Er stand ganz ruhig in seinem einfachen Anzug zwischen den plaudernden, +lachenden, zischelnden Gruppen. Fortwhrend drngten sich die Diener durch +unter irgend einem Vorwand, um ihn anzustarren. + +"Eigentlich eine tolle Idee der guten Grfin," sagte die alte Baronin +Steuben, sich Luft zufchelnd. Sie war eine wirkliche grosse Dame und +verachtete die kleinen Trics und Kniffe der Andern. + +Ein junges Mdchen erstaunte, dass er keinen Frack trge. Der Prinz +bemhte sich, der kleinen Frau eines Rittergutsbesitzers einzureden, dass +es sehr mglich sein knnte, dieser wre wirklich Christus. Die kleine +Frau begriff nicht. Ihre Augen vergrsserten sich unmssig. Sie stand +buchstblich mit offenem Mund. + +In einer Gruppe junger Damen und Offiziere hatte man beschlossen, den +geheimnissvollen Gast direct zu attaquiren. Ein kleiner, kecker Dragoner +war ausgesandt worden als Avantgarde. Man setzte ihm zu von allen Seiten. +Und er that auch, als ob er etwas besonders Gefhrliches unternhme, hegte +noch Skrupel ber die Anrede. "'Meister' ist ja wohl das Officielle?" ... + +"Ach gehen Sie!" + +Aller Augen folgten ihm, wie er gesucht dandyhaft quer durch den Saal +chassirte. Die jungen Damen kicherten. + +"Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle." Der junge Mann verbeugte sich, +forcirt vorschriftsmssig die Hacken zusammenschlagend. + +Der Fremde sah ihn an. "Ich mchte mir eine Frage erlauben, Herr ..." Er +zgerte vor dem Namen, um dem Andern zu markiren, dass er seine +Vorstellung erwartete. "Halten Sie es fr Ihren und dem christlichen +Grundgedanken entsprechend, Kriegsdienste zu nehmen?" + +Der Fremde antwortete nicht. + +"Ich betrachte die Frage ganz ernsthaft. Es steht doch in der Bibel: Du +sollst nicht tdten. Wir versprechen unsre Feinde zu lieben, Bses mit +Gutem zu vergelten. Christus nimmt Petrus das Schwert aus der Hand. +Dennoch zwingt uns das Gesetz." + +"Welches Gesetz?" fragte der Fremde. + +"Nun, das brgerliche, das des Staats, dem wir angehren." + +"Du gehrst nicht dem Staat, der Staat gehrt Dir," sagte der Fremde. + +"Aber das Staatsgesetz bestraft mich. Ich werde schuldig gefunden und +verurtheilt, wenn ich mich weigre ihm zu folgen. Gehorsam gegen das Gesetz +ist uns ebenfalls anbefohlen. Was soll ich thun?" + +"Was Du willst," sagte der Fremde. + +"Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was ich will." Der junge Offizier +war in einen gewissen Eifer gerathen, er nahm sich vor, den Punkt bis zu +Ende zu verfechten. "Wenn mein Wille gegen das steht, was ich soll?" + +"Du sollst wollen." + +"Man zwingt mich. Ich komme in's Gefngniss. Man behandelt mich als +Verbrecher. Was bin ich, Einer gegen so Viele?" + +"Viele Einzelne sind Viele." + +"... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch Quker leisten ja keine +Kriegsdienste, glaube ich? Interessant, sehr interessant!" sagte die +Grfin. + +"Jedes Land hat alle seine Krfte nthig gegen den usseren Feind!" sagte +der Candidat der Theologie, der zugleich Reserveoffizier war. "Ein Land, +das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Krper ohne Widerstandskraft. Es +entmannt eine Nation, sie ist dann nicht fhig, ihre Ehre zu vertheidigen. +Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums." + +Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in einem besonderen schnarrenden +Ton. Er war auch _fr_ das Duell und fing ein lngeres Gesprch mit dem +Lieutenant darber an, "zum Beispiel, wenn Einer mich mit meiner Frau +betrgt. Dann greift schlielich jeder Holzknecht zur Axt." + +"Aber der Holzknecht ist ein Mrder und kriegt seine fnf Jahr Zuchthaus," +sagte der Prinz freundschaftlich. "Das ist der ganze Unterschied, mein +braver Langenhahn." + +Natrlich mssten gewisse Formalitten beobachtet werden; der Candidat gab +das zu. Der Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen und +Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, immer gerade mit diesem Falle des +Ehemanns gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen gerechnet. + +"Ich fnde es doch einfacher fr ihn, Beide todtzuschlagen," sagte der +Doctor. + +"O, aber lieber Doctor! Das nun wieder!" ... Die Grfin flatterte +skandalisirt. + +"Es wre das Logische. Entweder wir haben Faustrecht oder wir haben keins. +Diese Mittelzustnde machen unsre heilige Civilisation so ungeniessbar." + +"Das ist nun doch schrecklich, Doctor, was Sie sagen!" Die Baronin +schttelte vorwurfsvoll den Kopf. Ihr gefiel der junge Mann, seine schne +Stirn. + +"Erlauben Sie. Es ist in Allem so. Besonders was die Frauen angeht. +Entweder eine Frau ist ein fr sich selbst verantwortliches Wesen, ein +Mensch, eine Seele, oder sie ist Sache. Mein Eigenthum. Mein Stck +Kuhfleisch. Dann der Sack und der Bosporus." + +"Aber es giebt doch Mitteldinge." + +"Die sind dann einfach absurd. Ich schlage mich - aber ich gebe ihm +dieselbe Chance. Ich sage, sie weiss nicht was sie thut, und lade ihr die +volle Verantwortung auf. Wir knnen eben nie etwas reinlich durchfhren." + +"Dann wren wir Teufel." + +"Oder Engel. Sie haben die Wahl." + +"Ich glaube, _Sie_ haben schon gewhlt!" Sie wollte damit discret auf +Einiges hindeuten, was ber seine Reisen zu ihren Ohren gedrungen war. + +"Vielleicht doch noch nicht so ganz," sagte der junge Mann kalt. + +"Es giebt auch noch ein Drittes." + +- "Sagen Sie mal, sind Sie glcklich?" + +"Befehlen Sie Thee oder Kaffee, Baronin?" + +Jemand, ein lteres Frulein, sagte, dass alle Vlker eine Familie wren, +Deutsche, Franzosen, Juden. Sie hatte "Die Waffen nieder!" der Baronin +Suttner gelesen und schwrmte fr Vlkerverbrderung. + +"Das ist doch eine etwas grosse Familie," sagte der Lieutenant von Detten +zu seiner hbschen Nachbarin. "Ich goutire Juden nur allenfalls als +Schwiegervter." + +Der Candidat fand, man drfte nicht Antisemit sein vom Vernunftstandpunkt +aus. Aber man wre es physisch. + +Der Superintendent drohte ihm mit dem Finger: "Wir sind Alle Brder und +unser Herr Christus kam von den Juden." + +Der Prinz erzhlte eine amsante Anekdote von einem Orientalen, einem +befreundeten Pascha, der alle Hufthiere verabscheute, weil er selbst einen +Klumpfuss hatte. + +Der Blaustrumpf unterhielt sich ber Frauenfrage mit einem +Gymnasialprofessor. Er hatte einen schmutzigen Hemdkragen an und kaute +seine Ngel: "Nun gewiss, auch Frauen haben eine Seele," sagte der +Professor zerstreut. "Das heisst - Seele! -" er lachte sardonisch. Er +hatte Lust, auf den Fussboden zu spucken. Aber er besann sich. Man hatte +ihn eingeladen, weil er in den Wahlvereinen wichtig war. + +"Man muss das schwache Gefss in Geduld tragen," sagte der Superintendent. +"Wir haben ja auch aus der ersten christlichen Kirche schne Beispiele: +Tabbea, Phoebe, die der Apostel erwhnt. Echt evangelische +Frauengestalten." + +"Darf man heirathen?" fragte ein sehr junges Mdchen. "Es steht doch in +der Bibel, nicht heirathen ist besser?" + +"Dann wrde aber die Welt aussterben?" + +"Und das wre sehr schade," sagte der Prinz ernsthaft. Der Superintendent +witterte rmische Ketzereien. Er wies auf das grosse Exempel Martin +Luther's und seinen gesegneten Ehestand. Die Superintendentin sass steif +mit einer spitzen Nase. Sie dachte an den briggebliebenen Gnsebraten fr +morgen, ob ihr die Mgde nicht drangingen. Der Prinz machte confiscirte +Witze und trieb den Superintendenten in die Enge mit einigen frhlichen +Vierzeilern von Martin "Nonnenfreund". Die Lieutenants secundirten, der +alte Herr wehrte sich tapfer. Sein Gesicht wurde schweissroth vor +Anstrengung: "Ein echter deutscher Mann! Ein Mann nach dem Herzen Gottes!" + +"Ein Bismarck!" + +Der Candidat schwrmte fr Bismarck. Die Gesellschaft verhielt sich etwas +ablehnend. Fr die Offiziere war er eigentlich ein Rebell, ein unruhiger +Kopf, der die Consigne brach. Die Grfin brachte rasch das Thema auf etwas +Anderes, um ihren Mann aus der Verlegenheit zu retten. Der Candidat war +oft recht taktlos. + +Einige Leute wollten Fragen stellen: Werde ich eine grosse Carriere +machen? Siegt mein Gaul beim nchsten Rennen? Wann werde ich meine +Schulden bezahlen? Die jungen Mdchen htten gern gewusst, ob "er" ihnen +treu war? Wird der Bestimmte mich zum Cotillon engagiren? - Die Meisten +hatten so eine Art Taschenspielervorstellung, Tischrcken, Kartenlegen +oder Aehnliches erwartet und waren enttuscht. + +Der Superintendent hatte den Fremden mit Beschlag belegt. Er hatte eine +Broschre ber das Glaubensbekenntnis, Harnack und die Agende +verffentlicht und wollte jetzt dem Andern auf den Zahn fhlen ber diese +wichtigen Punkte. Sein Grundsatz war, dass Kirche und Staat zusammengehen +mssten in den jetzigen socialen Wirren. Vernnftige Reform. Aber die +feste Hand von oben. Und vor allem musste die Autoritt gewahrt werden. +Das Patriarchalische ist das einzig Wahre. Dabei hatte er einen Geschmack +fr weltliche schne Literatur, citirte Classiker und bekannte sich zur +Goethe'schen Schule. + +Der Candidat war ein Heisssporn. Er war fr ein sociales Kaiserthum, eine +Art Theokratie unter von oben inspirirtem Oberhaupt mit unumschrnkter +Autoritt. "Die Idee des Gottesgnadenthums muss wieder herrschend werden." +Dieser Ausdruck gefiel ihm. Ihn zog das Katholische an. Er war fr +High-Church-Reforms. Allenfalls fr einen deutschen Papst, grssere +Prunkentfaltung. Er selbst mit einer edelsteinbedeckten Brust hohe +Kirchenakte celebrirend - das htte seiner Neigung entsprochen. + +Wenn der Superintendent das Presbyterianische, die Selbstverwaltung der +Gemeinden betonte, betrachtete er ihn fast als eine Art Hochverrther. +Dieser im Gegentheil versprach sich nicht viel von den jungen Leuten. Er +war mehr fr die kleinen Lokalppstchen. Man lebte in Frieden und that +sein Mglichstes. Die Frau Superintendent liess bei sich nhen und war im +Vorstand aller Wohlthtigkeitsvereine. Alles das, diese kleinen Spiele und +Gegenspiele, die er witterte, erheiterte den Prinzen. Er hatte die +"Baalspfaffen" speciell auf dem Korn und liebte es, an ihren Bffchen sein +Mthchen zu khlen. Er erzhlte die bekannte Anekdote von Friedrich dem +Grossen: "Der Pfaff soll sein Maul halten, mein Reich ist nicht von dieser +Welt," mit der die Kinder der Welt die Pfarrer anden. Der Doctor +secundirte ihm eifrig, ebenfalls einige von den Lieutenants. Alle waren +fr apostolische Einfachheit, den Stab und einen Rock: er hatte nicht, da +er sein Haupt niederlegen sollte. + +"Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!" Der Superintendent hielt seine +halbgeleerte Kaffeetasse in der Hand, in der er den dicken, brunlichen +Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein bischen viel Zucker; bei +andern Leuten kostete es nichts. "Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, +dass die Glubigen sich kasteien. Das ist eine ganz irrige Auffassung, +katholische Ketzerei: hat er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das +Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete Gegenwart den heiligen +Ehestand ausgezeichnet." + +"Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, Maria oder Magdalena?" Dies +war ein vorlauter Lieutenant. + +"Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem heiligen Amt. Und wir mssen nicht +vergessen, dass er in verhltnissmssig jungen Jahren -" + +"Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden dazu," sagte der Prinz. "Das +ist auch eine Auffassung." + +Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel. + +"Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, meine Herren! ... Sie +mssen selbst einsehen ..." + +Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er mochte begreifen, dass sein +Scherz etwas zu weit gegangen war: "Darum keine Feindschaft nicht. Ich +weiss ja, wir brauchen das fr die Dummen." + +Der Candidat rgerte sich. Die Kirche musste eine ganz andre Gewalt wieder +haben. Und es wre in der That gut gewesen fr die Stellung des Priesters +- er sagte immer "Priester", er fand, dass das nach mehr klang - wenn das +Clibat innegehalten wrde. Wenigstens fr die hheren und hchsten +Kirchenmter. Vieles in der rmischen Kirche war sehr beherzigenswerth. + +Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser Meinung, brigens war sie +jetzt die tonangebende. "Die militairische Organisation muss durchgefhrt +werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles." + +Ein Umschlag in der Meinungsusserung war eingetreten. + +"Ich hatte einen famosen Pastor, bei dem ich im Quartier lag," versicherte +ein Lieutenant. "Wirklich ein famoser Kerl!" + +"Ach, und die schne Kirchenmusik!" + +"Und Weihnachten!" sagte eine andre junge Dame. "Es ist so tief und +bedeutungsvoll." + +"Ich fnde es doch schrecklich zum Beispiel, sich nicht in der Kirche +trauen zu lassen," sagte der Doctor. + +"O, pfui!" machten Alle. Sie wussten nicht recht, ob er es im Ernst +meinte. Der Doctor war ein schrecklicher Mensch, sehr interessant. Sie +waren Alle fest entschlossen, ihn nie zu heirathen, wenn er um Eine von +ihnen anhielte; aber er hielt nie an. + +Ein junges Mdchen war sehr traurig. Sie fhlte dunkel, dass dieser Mensch +etwas Extraes war, klger und strker als die Andern. Warum lachte er +hhnisch und sagte scharfe Worte, die weh thaten? - Ein alter Herr war da, +der an Gesichtszucken litt, seine Hnde sonderbar und krampfig bewegte. +Sie sah, dass Einige dies beobachteten, darber lachten. - Sie fhlte sich +abgestossen, elend. Dieses junge Mdchen war sehr jung noch, ein halbes +Kind fast. Niemand bekmmerte sich um sie. + +Der Frst unterhielt sich mit dem Fremden. Die Grfin Thornhill fand ihn +sehr interessant. Sie behauptete, sie she deutlich einen breiten, blauen +Schein um seine Stirn. Sie nannte das das Fluidum. Das Fluidum, das von +dem Fremden ausging, war erstaunlich. Die Grfin Thornhill galt fr eine +Heilige. Es kamen sehr einflussreiche Leute zu ihren spiritistischen +Reunions; so geschahen wirklich manchmal Wunder da. + +Der Assessor von Brincken bestritt sehr ernsthaft, dass er keineswegs +nicht an Wunder glaubte. "Ich war frher wie Sie. Aber seit ich Frau +Grfin kenne ..." Sie hatte ihn bekehrt. "Es giebt eben doch mehr Dinge +zwischen Himmel und Erde, als unsre Schulweisheit sich trumen lsst." Der +Assessor war sehr zugeknpft ber diese Dinge. Er war eben ein +Eingeweihter. Den Doctor schnitt er: "Ein gefhrlicher Charakter! Ich +wrde mich nicht wundern, den Burschen eines Tages auf den Barrikaden zu +sehen." Auch der Frst war ihm unsympathisch: "Er ist frivol, er schadet." +Der Assessor war fr's Correcte, sein Vater war erst geadelt worden; da +ist es der sicherste und geradeste Weg. + +Der Doctor beobachtete seinen Patron und den Fremden. Er sah das breite +Faungrinsen des Alten. Er kannte diese khle Manier, mit der er die +teuflischsten Dinge sagte, dies freche Augurenzwinkern des Eingeweihten, +das dem Andern gleichsam die Replik ber dem Kopf wegnahm: Wir Beide +wollen uns doch nichts vormachen. Du denkst darin ebenso wie ich. Die +Andern sind Dummkpfe. - Er hielt sich noch ganz gerade, zu gerade. Der +weisse Schnurrbart stand steif aufgewichst. Die Backen waren roth +geschminkt, die Augen glnzten, um die Brauen sorgfltig geschwrzt. Auf +der schwarzseidigen Frackflche bildete der grosse Stern mit dem +Ordensband einen markanten Fleck. Seine Hand trug kostbare Ringe. Er war +stolz auf diese lange, magre, aristokratische Hand, gebrauchte sie, um +seine Bartspitzen zu liebkosen. Es war eine Lieblingsredensart von ihm: +"Profile giebt's wohl noch allenfalls, aber Hnde! Hnde! - Wir sind Alle +Ouvriers geworden." Tadellos zog sich die Scheitelspur. Er war der Knig +des Kreises; er dominirte. + +Anton Rothe allein und sein vertrauter Kammerdiener wussten, was das Alles +kostete, dies Gerst, das noch immer zusammenhielt, zu neuen Blendungen, +neuen Ausschweifungen. Er und nur er kannte die erstaunliche Lebens- und +Genusskraft des Skeletts, die standhielt, in einer kalten Douche sich neu +schmiedete, wenn er selbst, der Junge, erschpft war, rasend, zum +Selbstmord angeekelt. + +Er dachte an eine junge Dame. Sie war arm gewesen und stolz. Ein +herrliches Weib! Mit solcher geht man in unbebaute Colonien und hat Kinder +und stirbt vor dem Feind fr seinen Herd. Er hatte fr ihn geboten auf +sie. Der Kampf reizte ihn. Er bot hher und hher. Weil sie arm war und +Hungers starb, hatte sie angenommen. Nur darum. Er wusste es. - Sie sagte +nur ein Wort: Schurke! Er hatte gelchelt. + +Warum fiel ihm das jetzt ein? + +Ein Hass kam ber ihn, ein glhender, fressender Mrderhass gegen dies +miserable Kunststck der Hypercivilisation, diesen Fetzen von Haut und +ausgedrrten Knochen, den er schtteln konnte, der ihn hielt wie eine +Viper unter seinem kalten, grausamen Willen, seine Intelligenz zerbrach +wie morschen Baumbast unter der polirten Stahlschneide seiner frechen +Philosophie der Verneinung. + +Pltzlich sah er den Alten blass werden. Seine Farbe wechselte sich in +Leichenfarbe. Er war ein grinsender Todtenschdel. Unter dem weissen, +gestrkten Vorhemd schien die Brust einzuschrumpfen. Es war hohl dahinter. +Er lehnte sich gegen die Portiere. + +Anton Rothe war im Nu an seiner Seite. + +"Es ist nichts. Eine kleine Uebelkeit. Der verdammte Bchsenhummer ..." Er +war wieder ganz hflicher Weltmann, als die Grfin, nun auch besorgt, +herbeieilte. Gleichzeitig wurden die Klnge der Polonaise laut, die den +Ball erffnen sollte: "Wir werden noch manche Polonaise zusammen fhren." + +Der kalte Schweiss stand auf seiner Stirn. Er zitterte, lchelte mit +blulichen, lallenden Lippen. + +Anton Rothe hob ihn wie ein Kind in den Wagen. Er selbst sprang auf den +Bock. Niemand achtete auf den Andern in einem allgemeinen Hin- und +Hergelaufe, whrend drinnen zur Tanzmusik die geschmckten Paare sich +ordneten. Es wetterleuchtete. Lichter leckten auf in blulichen, breiten +Zungen, duckten sich wieder, huschten auf einer andern Seite spielerisch +entlang. - Sie fuhren die schwarzen Trakehner, das berhmteste Viergespann +der Gegend, auf das knigliche und kaiserliche Marstlle fabelhafte Summen +geboten hatten. Der Frst liebte sein Leben, aber er hielt auf Rasse. + +Die Grfin stand am Schlage mit ihrem Gattenadjutanten. Der Greis, jetzt +wohl eingehllt in seine Zobelpelze, bckte sich noch hinaus: "O nichts, +nichts, schne Frau - meine kluge Freundin. Der Fremde - der Fremde ... +Cocasse! Ein sonderbarer Kunde, Ihr Fremder ..." + +Anton Rothe hob die Peitsche und zog die Pferde an. Sie waren unruhig und +warfen die Kpfe, als ob sie das Gewitter rchen. Es lag Phosphorgeschmack +in der Luft. Man ffnete das grosse Hofthor. Einen Moment stand der ganze +Horizont in Flammen, ehe es sich wieder hinter ihnen schloss. Sie waren +ganz schwarz wie auf Feuer gezeichnet, eine schwarze Kutsche mit schwarzen +Pferden und einem kohlschwarzen Kutscher auf dem Bock. ... + +Er wusste, er fuhr einen Sterbenden. + +Der Fremde war verschwunden. + +Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe stand das kleine Mdchen. Sie +mochte nicht tanzen. Sie weinte. Sie fhlte sich sehr traurig. ... + + + + + + DAS SIEBENTE KAPITEL. + + +Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann den Sterbenden. + +Es gab einen krzeren Weg ber die Berge durch eine seichte Furth im +Flusse. Schmuggler benutzten ihn fr lichtscheuen Handel. Man vermied ihn +am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war Wahnsinn. + +Das Gewitter nherte sich. Es war ein Sausen in der Luft, das die Bume +zur Erde bog. Kiefern und magere Birken, die an den Abhngen wuchsen im +bestndigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind fing sich in den gewundenen +Schluchten der Thler. Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener +Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysterisen Anziehungskraft +aufgetrieben, begann zu brllen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen +Kruppen, die zu den Steinen hinberleckten. Bewegungslos, weiss lagen noch +die schimmernden Rnder. Runde Backen von Kieseln gleissten. Aber die +Schilfe rauschten und raunten. Whrend von weiter, ber dem Gebirge +unheilschwangere Laute eines brauenden, berkochenden Hexenkessels kamen, +jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der peitschenden Bewegung der Bume +eine fratzenhafte Mischung von Licht und Schatten verursachten. Alles in +Galoppade, die Kutsche einhllend, die wie ein Gespann der Hlle +dahinsauste. Inwendig den Sterbenden. Ueber den Hlsen der Pferde, halb +hngend in der Luft, den Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine +knatterten, Funken aufsprhten. + +Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, senkrecht, elegant, halb +spielerisch, ein Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. Die Pferde +bumten sich. Er riss sie zurck. Sie rasten vorwrts wie der Teufel. + +Drinnen hrte er den Sterbenden rcheln. Er schrie. Er flehte. Das Gehr +des Fahrenden, unnatrlich angespannt, vernahm jeden Laut. Er fhlte die +schweissfeuchten, huschenden Finger, die sich anklammern wollten, das +Fenster niederzulassen versuchten. Der hlflose Krper verweigerte die +Anstrengung. - "Hlfe! Hlfe!" keuchte der drinnen. + +Er lachte laut auf. Er klopfte mit dem Peitschenstock an das Fenster und +schrie: "Hoho!" Er sah den drinnen sich verzerren in Todesangst, die +knstlichen Zhne heruntergefallen, die Augen vorgequollen, in weissgrnem +Schweiss. + +Er jauchzte wilder. Der Ton brachte die Pferde ausser sich. Sie flogen vor +ihm her wie Raben im Dampf. + +Es fiel ihm ein, wie er ein Hirtenjunge gewesen war, den Berg +hinuntersprang, mit dem schumenden Sturzbach um die Wette. Manchmal kamen +Steine. Der Bach sprang klaftertief mit sprhendem Gischt, der Junge +sprang noch ber Bach und Stein hinweg. Seine nackten Sohlen tanzten in +dem grnen, eiskalten Wasser, das nach ihm aufleckte, nach den weissen, +zappelnden Fssen. Er wusste, dass sie Feinde waren, er und der Bach. +Trotzdem konnte er ihn nicht kriegen; trotzdem liebte er ihn. + +Er liebte den Bergwind, der die Bume zerbrach, um seine Schutzhtte +tobte, diesen grossen Ton der Wuth, der Unterwelt, Gewaltigerer gegen die +dumme Ordnung, die banale Heiterkeit der Sonne. Von sehr hoch sah er +winzige abgetheilte Felder. Huser wie Schneckenhuser angeklebt, +ngstlich. Sie hatten Mhlrder eingesetzt, um das Wasser zu ntzen und +bepackte Postwagen keuchten schwerfllig die Strassen hinauf. Manchmal +kamen Stdter mit dnnen Beinen, wischten sich den Schweiss ab und +lchelten hflich. Er stand vor ihnen wie ein kleiner Wildling. Er +verachtete sie. + +Wie er sie verachtete! Sie vermeinten, dass der Berggeist sie foppte, wenn +er schallend hinter ihnen her lachte, weil sie sich verliefen und +ngstlich suchten. Hssliche alte Weiber traten ihnen entgegen aus +Versenkungen, die sie nie gesehen hatten, murmelten ihnen Verwnschungen +nach, die sie nicht verstanden, fr Segenswnsche hielten als Entgelt +ihrer blanken Nickelstcke. + +Ab und zu strzte auch mal Einer wirklich ab, mit der Brille, dem +Photographierkasten. Das war dann ein grosses Unglck. Herren vom Gericht +kamen, Leidtragende, wichtig thuend. Sie trugen gar nicht wirklich Leid. +Sie freuten sich heimlich. Er gnnte es ihnen. Was kamen sie herauf mit +ihren dnnen Beinen, ihren Glatzen und Glsern, ihrem Geld. + +Freilich ihr Geld! Er wusste bald, was es werth war, dass er ein Lump war +mit seinen Fusten, seinem prachtvollen Krauskopf und weissen starken +Zhnen, wenn er es nicht hatte. Dafr gab man ihm Hutfedern, blanke +Stiefel, die gleissten in der Sonne. Sonst musste er hungern. Anton Rothe +wollte Geld. + +In der Schule verschlang er seine Bcher. Er zeigte einen Heisshunger nach +Wissen, der die Lehrer erstaunte, unbedeutende eingesumpfte Dorfmenschen, +die sie waren. Das peinigte ihn. Er brachte seine Nchte zu, schwierige +Aufgaben sich auszudenken und zu lsen, mehr zu erfahren, mehr - mehr! Mit +einer wahren Wuth riss er jetzt an den Thoren der Erkenntniss, der vorher +in scheue Wildheit sich eingeschlossen hatte. + +Und er hatte Glck. + +Der Patron des Gutes nahm sich seiner an, ein wohlthtiger und gelehrter +Mann, sehr reich. Er liess ihn studiren. Vielleicht wollte er sich einen +brauchbaren Prceptor seiner Shne erziehen. Es ist immer angenehm, einen +Clienten zu haben, Wohlthun ist ein Vergngen fr reiche Leute. + +Die Freude an seiner Wohlthat war kurz. Der Junge entlief zwischen die +rotheste Rotte. Er hielt zndende Reden, schrieb Zeitungsartikel, die die +Presse in Bewegung setzten. Er wurde selbst Arbeiter. Seine Fuste zwangen +das Eisen wie sein Geist den Stoff - ein interessanter junger Mann, dem +man eine Zukunft prophezeite! + +Er verliebte sich. Irgend eine gleichgltige, hellblonde Tochter seines +Patrons. Sie liess ihn lchelnd sich glhend erklren und heirathete +kaltbltig und vernnftig ihren Dragonerlieutenant. - Nun fing er an wie +ein grosser Herr zu leben, machte wahnsinnige Schulden. Alles musste ihm +den einen Zweck, Geld zu machen, dienen, seine Feder, seine Talente, +skrupelloseste Brsenmachinationen. Summen glitten zwischen seinen +Fingern. Auf Reisen im Orient machte er die Bekanntschaft des Prinzen. +Seitdem waren die Beiden unzertrennliche Begleiter. + +Bergabwrts raste das Gespann. Er hatte die Peitsche fortgeworfen, die +Zgel losgelassen. Er kutschirte mit gekreuzten Armen wie im Circus. Er +htte wie eine Katze den Pferden auf den Rcken springen mgen, mit seinem +Athem an ihren Ohren, wie Cowboys, Uncultivirte reiten. + +Hinter ihm zerbrach splitternd das Fensterglas: "Hlfe! Hlfe!" klang es +gellend, kreischend, nicht mehr menschlich. + +Er schlug ein teuflisches Gelchter auf. Sie rasten weiter. + +Wie Rabenfittiche sausten die Rappen durch die Luft. Die Luft litt unter +dem Ansturm und pfiff schmerzhaft. In Peitschenhieben traf sie die Flanken +der Wthenden. Ihre Nstern schnoben Feuer. Von ihren Hufen sprhte der +Stein in knisternden Funken. Das Heulen der Winde wurde grsslicher. Sie +fingen sich, drehten sich, verschlangen einander in kreisenden Strudeln. +Regenhuschen stoben auf. Irgendwo musste es schon giessen in Strmen. Es +schlug prasselnd gegen das Fenster. Die krampfende Hand im Rahmen +verschwand. - Dadrinnen war die Sndfluth. + +Irgend etwas war zerbrochen. Ein Hinterrad. Die Pferde rasten weiter mit +dem geschleiften Kasten, der knackte in allen seinen Fugen, aufsprang, +fiel, kratzte, quietschte, mit dem dumpfen Gerusch von Schlittenkufen auf +dem Trocknen. + +Dadrinne war ein Skelett, ein nicht mehr menschliches Ding, getdtet von +Furcht, und doch lebend, das agonisirte. Es dachte an diese schreckliche +Angst und Hlflosigkeit, dass er ihn hielt in seiner starken Hand, stark +wie die Lawine! + +Vor ihnen knatterte der Fluss. Der Regen prasselte. Er schlug hernieder +wie in Ruthenbndeln. Haarscharf wendend, zeigten sich im Blitzlicht +zerrissne Sprnge, schweflig ghnend, dass die Pferde zur Seite +schnellten, grausend. + +"Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur Hlle!" + +Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit blutenden Flanken, +schaumbedeckt, keuchten wie apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der +gefallne Engel, lenkte sie selbst im hhnenden Rausch seiner Kraft und +seines Stolzes. Es war unmglich, dass sie so ankamen, der Wagen musste +sich berschlagen, zerschellen. + +Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten den Boden, dass die Geleise +rauchten, die Rder sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen +losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit feuchten Haaren, +Rbezahl der Berggeist mit dem Barte, das ganze Heer der Wilden, +Eingebannten. + +"Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, Gesindel!" + +Drinnen war es still. Er hrte nichts mehr. Der Wagen schlug auf wie ein +klappender Kasten, nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unfrmiges, das +die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach dem man sich nicht umsah, +immer zwischen ihren Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf. + +Und nun, ganz deutlich, vernahm man die Stimme des Flusses, zwischen allen +diesen Bchen, Wssern, die neben ihnen gossen, vom Walde und Wolkenbruch +angeschwollen. Er rhrte wie ein Hirsch in Wollust. Er war allmchtig. +Bume, mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten sich blitzgeschwind. +Die Steine seiner Tiefe kollerten polternd bereinander. "Ihr denkt, ich +drehe Euch Eure Mhlen, schaffe Euer Licht, trage Eure Brcken - Euer +Diener, Euer gehorsamer! Euer Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse +Euch!" + +Er fhlte sich stolz, alle Demthigung dieser vielen Jahre fortgeschwemmt, +zerbrochen der Zaum, den er im Munde getragen. Bcken, heucheln und lgen! +- Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. Er war stark. + +Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, ber ihm und in ihm, Satan mit +prachtvollem Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. Nichts! +Nichts gegen ihn! + +Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme fuchtelnd in der Luft, Laute +sdlicher, infernalischer Idiome, die den Blutdurst rufen, Tnzer zu den +tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und die Frauen willenlos machen +unter dem Gluthhauch der Brunst. Alles das hatte er gesehen und genossen +im delirirenden Suchen nach Genuss, unter der platzenden Sonne des +Mittags. + +Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem sich die Hunde abwenden mit Grauen, +sein leeres Hirn zerschellt an den Steinwnden. Nichts drin, das Grinsen +selbst des Todtenschdels zerstrt im grsseren Grausen, dieser +zersplitterten Knochen, zerschundnen Hute unter dem Orden, dem Frack. + +"Geht! Geht, meine Engel! Fliegt, meine Feuerrosse! Springt an, meine +Wildlinge!" + +Senkrecht weiter ging es in toller Flucht. Ein Rudel Wild hatte sich da +zusammengedrngt im Hohlweg, Schutz suchend in scheuem Schrecken. Mitten +unter sie sprangen die tollgewordenen Rappen. Ein Gekreisch der Stummen, +die nie sprechen, fuhr auf, Blutgeruch, warme Spritzer ... Die Klage +erstarb im Tannenwald. + +Und jetzt setzte der Donner ein. Ein Trommelrollen wie von tausend +Tambouren. Der Wirbel ging ber den ganzen Himmel hin, zornig und +rufend ... und verhallte. + +Er war jetzt ganz frei. Er fhrte die wilden Rosse seines Lebenswagens +gegen den Abgrund. Eine jauchzende Kraft kam ber ihn. + +"Wir knnen nicht leben wie wir wollen. Aber wir knnen sterben und den +Tod verachten, denn wir wissen, dass er kein Tod ist. Nur ein leeres +Schreckgespenst, ein lcherlicher Schwindel gar nicht existirender +Gewalten. Taschenspielerkunststck Derer, die sich schwach fhlen!" + +Der Donner, ein zweites Mal, gab Antwort, ein Tiger mit ungeheurem +hngenden Bauch, der ber weite Flchen springt; im Sprunge brllt er ... + +... "Der Schwarze Bock in Purpurfinsterniss erscheint" ... + +Hllengeschichten fielen ihm ein. In Pariser Schlammpfhlen, affreuse +Weiber, schwarze Messen, wo man mit dem Blut der Wollust die Todten +beschwor, Hftenverrenkungen in Bauchtnzen geschlechtsloser +Vorstadtbajaderen, Augen, die ber der Verwesung schwammen wie fischige +Perlen in perlmutternem Glanze.... Diese ganze Civilisation, impotent und +pervers, in den letzten Zgen rchelnd, mit Haschisch und Qualen sich +aufpeitschend zu neuen Sensationen, ein zweites, neues, junges, +greisenhaft altes Rom, wo die Messalinen ordinaire Cocotten sind, die +Neros und Heliogabals, Boulevardbummler, verwhnte Muttershnchen, +Sprsslinge jdischer Banquiers und christlicher Prostituirter. Wie +gemein! Wie gemein! + +Ein Gelchter schttelte ihn wie im Krampf. Der Hut war ihm vom Kopf +geschlagen. Er riss sich den Rock auf. Er drngte sich nackt, hoch, dem +Tod und dem Nachtwind entgegen. + +Ein Schrei gellte auf von irgendwo. Vielleicht ein Wandrer? Der +Chausseewrter? Die wilde Jagd stob vorber. + +Er fhlte die feuchten wehenden Haare der Hexen hinter sich, ein lascives +Gelchter nackter Trollen und Faune. Sie ritten mit entsetzlichen, +unbeschreibbaren Gesten. Die Jungen waren hbsch mit traurigen Augen. Die +Aeltern waren noch schrecklicher, schwarz, Aeser geworden in der +lebendigen Verwesung ihres Lasters. + +Er wusste nicht mehr, was er hinter sich herzog. Einen Cadaver. Ein Aas in +Fetzen. Einen Lumpen ... + +Er hrte nur noch das Brllen des Wassers, fhlte die Feuchtigkeit. Steine +rollten mit ihm bergab. Sie hpften, kugelten, kollerten, surrten. Hohhi +hoh! Er hetzte die Rappen zum Todessprung. + +Pltzlich standen sie kerzengerade. Der ganze Himmel flammte im Feuer. Er +schien zusammenzukrachen von allen Seiten, zu bersten, zu schttern, zu +schwingen ... + +Wie ein eiserner Vorhang, ganz von Eisen, schwarz, und schwer vom Gewicht +aller Himmelsgewlbe klappte der Donnerschlag. + +Dann nichts mehr. Dunkelheit. + +Eine Hand hielt seine Hand gefasst. Er versuchte die andre gegen seine +Stirn zu fhren. Sie war warm vom Blut. "Wohin fhrst Du mich?" + +"Wohin Du nicht gewollt hast - _Paulus_!" + + + + + + DAS ACHTE KAPITEL. + + +Der Superintendent war doch in einer gewissen Erregung. Der "geniale" +Streich der Grfin hatte ihn etwas verletzt, trotzdem sie es seitdem +wieder gut zu machen versuchte, die Frau Superintendentin in ihrem eignen +Wagen mitnahm. + +Man sprach viel von dem Fremden. Die Baronin hatte berall von dem +Odschein erzhlt. Man brachte das Neuaufblhen des Socialismus mit ihm in +Verbindung. Zeitungen, die der Kirche belwollten, erzhlten kleine +Anekdoten. Ein wissenschaftlicher Aufsatz behandelte die Frage ganz +ernsthaft, er war von einem modernen Schriftsteller verfasst, der sich bis +dahin hauptschlich mit Ehebruchsdramen und Erotik beschftigt hatte, nun +alles Heil im Mysticismus sah. Unter den schnen Seelen der Stadt bestand +eine gewisse Erregung. Ein junger Hlfsprediger wurde sehr populr. "Er +ist so tief," sagten diese Damen. Unglcklicher Weise bildeten diese Damen +eine Macht. Es wurmte den alten Herrn, dass sie ihn fr "nchtern und +protestantisch" hielten. Niemand sieht seine Kirche gern leer. + +Er hatte natrlich zunchst an eine Denunciation nach oben gedacht, das +war wohl seine Pflicht eigentlich. Aber ein zweischneidiges Mittel. Man +konnte finden, dass er eine Schwindelaffaire zu sehr aufbauschte. +Andrerseits hielt man es wohl gar fr Eifersucht, die Pfaffen kriegten es +mit der Angst. Ein jovialer Reitergeneral, Durchlaucht, hatte ihn schon +gefragt: "Was wrden Sie jetzt mit dem neuen Christus machen? Da knnen +Sie einpacken, Pasterchen!" Er durfte sich solche Jovialitten erlauben. +Dafr wurde der Superintendent immer eingeladen. Er war Burgpfaffe bei den +Herren Offizieren. + +Dann die katholische Concurrenz - die rhrte sich nicht. Man wusste ja, da +war Alles Mysterium. Es gab geheime Winke von oben. Vielleicht war ihnen +die Geschichte nicht unangenehm. Sie hatten ja zum Schluss immer den +Vortheil, weil sie abwarten und schweigen durften. Schweigen und abwarten +drfen war eine grosse Sache. Das ist der Vortheil der alten historischen +Gewalten; man, als Parven, musste auf dem Posten sein, Schritt halten, +die Vereinigung mit der Wissenschaft nicht fallen lassen. + +Die Wissenschaft hatte dem geistlichen Herrn schon manche schwere Stunde +bereitet. Es war eine Universitt in der Stadt, dadurch bestndige +Kabbeleien. Die Herren passten Einem auf die Finger. Von Hlle und +persnlichem Teufel durfte man schon gar nicht reden; obgleich diese Dinge +fr die Plebs noch immer zogen. Dann waren die schnen Seelen, die Einen +nchtern fanden, zur Weihnachts- und Ostermesse in den Dom liefen oder mit +mystisch angehauchten Hlfsgeistlichen Conventikel abhielten. + +Der Superintendent war ein geplagter Mann. + +Uebrigens grollte die Superintendentin. Sie fand, dass er als _Mann_ dem +Unfug mit einem Schlag ein Ende machen musste. Die Superintendentin +appellirte oft an den Mann. Sie selbst war ein Charakter. Dann hatte man +die Sanittsrthin ber sie placirt; so gut wie die Sanittsrthin war sie +allemal. Der Sanittsrath war ein Cyniker. Das Interessanteste an Tolstoi +wre seine Dit, sagte er. Er erlaubte sich dann sogar Anspielungen auf +die gar nicht Tolstoi'sche Dit in der Superintendentur. - Man hatte etwas +auszustehen als Mann Gottes in diesem unglubigen Jahrhundert. + +Und oft dachte der Superintendent mit Seufzen an die Zeiten, als noch ein +kirchlicher Fingerzeig gengt hatte, um Unbefugte auf den Scheiterhaufen +zu schicken, Calvin ber dem frhlichen Genf seine Ruthe schwang. + +Der saubereingebundne Band seiner Predigten 1897-1900 trstete ihn dann. +Ein Geschenk der Frau Superintendentin. Sie hatte sie selbst +nachgeschrieben. - So hatte doch auch der Fortschritt, selbst die +Buchdruckerkunst, diese Teufelserfindung, sein Gutes. + +Der Superintendent hatte den Fremden zu einer Besprechung zu sich +eingeladen. Die Einladung war in ganz hflichen Worten erfolgt. Erstens, +die christliche Milde auch gegen den irrenden Bruder, dann existirte ja +auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, die vorfordern konnte, nicht mehr. + +Er erklrte sich die Sache so: Ein ungebildeter Mann, ein Handwerker - der +Superintendent betonte das "ungebildet" -, von Mysticismus, sitzender +Lebensweise angekrnkelt, hatte sich in diese Dinge vertieft. +Voraussichtlich wrde er ihm lange confuse Reden halten, von einer +Mission, Erscheinungen. Man kannte das, und seine Wirkung auf das +ungebildete Volk. Gerade weil ihnen das Alltgliche nicht gut genug war, +sie das Ruhige und Vernnftige nicht thun wollten, liefen sie nach dem +Wunderbaren. Der Hirte kannte seine Heerde. + +Man wrde mit diesem Manne vernnftig sprechen, seine Absurditten +nachweisen, selbst wenn man ihn nicht berzeugte. Heilsarmee, +tausendjhrige Reichsgeschichten waren ja Mode jetzt. Dieser Hang hatte +ihm schon viel Sorge gemacht. Er witterte die alte Hure von Rom, das +babylonische Weib, das von Neuem seine Netze auswarf. Und man musste so +vorsichtig sein wegen der Behrden, durfte das Unkraut nicht ausjten. + +Der Superintendent hatte sich zu dieser Besprechung noch einen Confrater +eingeladen, der Consistorialrath war, Professor an der theologischen +Fakultt, Kirchenhistoriker. Man war so zu Zweien, strkte sich vorher +weidlich an gutem Tabak und bessrem Wein und konnte die mglichen +Ergebnisse gleich errtern, whrend die Frau Superintendentin mit der +Consistorialrthin Kaffee trank. Dabei hatte man dann auch allerlei +interessante Flle und Ketzereien zu errtern. + +Der Superintendent war dafr, den Fremden nicht gleich vor den Kopf zu +stossen, ihn im Gegentheil leutselig, als gewissermaassen zum Fach +gehrig, zu behandeln. + +"Es ist ja auch mglich, dass ein Laie durch Nachdenken, besondre Gnade, +ungewhnliche Einsicht in gttliche Dinge erlangt und Beherzigenswerthes +von sich giebt. Der Fall wre denkbar. Ich kannte einen Schuster, der ber +die Gnadenwege und Melchisedek, den Knig von Salem, stritt wie der +gewiegteste Theologe." + +Der Confrater schttelte lchelnd den Kopf: "Wir haben das Beispiel der +Wiedertufer, der Methodisten in England. Die theologisch geschulte +Intelligenz fehlt, das Regulre, Feste, darum Lebensfhige." + +"Aber es waren doch in den Irrthmern dieser Leute - allerdings gleich +Krnern in der Spreu verborgen - auch einige unbestreitbare evangelische +Wahrheiten enthalten." + +"Das ist eine gefhrliche Ansicht. Jesuitisch - so gewissermaassen: der +Zweck heiligt das Mittel, lieber Bruder." + +Dieser Herr war bekannt dafr, dass er die feinste Nase in Deutschland +hatte, um die Jesuiten zu riechen. Das war sein rother Lappen, auf den er +berall losging, ihn berall herausfand, wie der Sprhund die Fhrte. "Hat +uns nicht Martinus von dem Aberglauben befreit? Und sagt nicht der Herr +selbst: Ihr, die Ihr Zeichen und Wunder sehen wollt ..." Der Confrater hob +warnend den Finger. + +"Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdrcklich die Mglichkeit solcher +zu. Nicht nur im bertragenen, sondern auch im wrtlichsten Sinn." + +"Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, Freund, Vermessenheit! Es +ist die grosse Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft mit der +Religion zu vereinigen." + +"Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht wissen." + +"Da haben wir uns dann wohl in Demuth mit der beschrnkten Einsicht +hienieden zu gengen. Das ist eine gefhrliche Bahn, lieber Bruder. Eine +Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er in der Lauheit uns legt, dem +vollstndigen, rationalistischen Ablehnen des Wunderbaren und +Unfasslichen. 'Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort. +Dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stckweise. +Dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin.'" + +Hier meldete das Dienstmdchen, dass ein fremder Mann in der guten Stube +wartete. Sie war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm wirklich die +gute Stube gebhrte und wartete auf Bescheid. - Man hrte eine Thr sich +ffnen und vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo die Frau +Superintendentin mit ihrer Freundin sass. + +Der Superintendent empfing den Gast dem Programm gemss mit demonstrativer +Herzlichkeit. "Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein Lieber! Ich habe +Sie hergebeten mit diesem meinem sehr geschtzten und verehrten Collegen, +um mich mit Ihnen ber Ihre religisen Ansichten zu unterhalten. Das ist +immer lehrreich fr einen Diener am Wort, gewissermaassen ja auch meine +geistliche Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier sind, mein Gast und +in aller Gte. - Ich vermuthe, Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht +aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr in der Form des tglichen +Brotes gleichsam, nicht nur an Sonntagen in der Kirche, nher gebracht +werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil des tglichen Lebens werden, +und Sie denken, dass dazu Predigt und persnliche Ansprache, selbst +Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste ist. Es wren dies wohl gleichsam +die Principien, auf die sich die mir sehr interessante moderne Agitation +der Heilsarmee sttzt. Ich mchte, dass Sie mir nun in kurzen Worten das +Dogmatische Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, auf die Sie +persnlich den Hauptnachdruck legen, entwickelten." + +"Ich habe keine." + +"Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehren Sie doch irgend einem +Bekenntniss an, oder haben sich in Ihrem Innern fr ein solches +entschieden? Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die Augsburger +Confession? Folgen Sie eher Luther? Jedenfalls doch - und das ist wohl +kaum eine Frage - stehen Sie mit uns auf dem Boden des apostolischen +Glaubensbekenntnisses?" + +Der Superintendent sah ihn streng an. + +Der Confrater nahm eine Prise. + +"Ich kenne es nicht," sagte der Fremde. + +Der Superintendent war roth geworden wie ein Mohnkopf. "Aber - aber - das +ist die Hauptsache. Das ist Christenthum, die geheiligte Norm, fr die +unsre Vter, die erste Christenheit gelitten und gestritten haben. Das +Andre ist leere Phantastik, giebt der weitesten Irrung Spielraum, der +Regellosigkeit." + +"Es giebt das Leben." + +"Welch' ein Irrthum! Welch' ein verhngnissvoller und weittragender +Irrthum!" rief der Superintendent warm. "Es wre ja denkbar, dass ein +Mensch, der ganz ausserhalb der christlichen Heilssphre stnde, den Namen +Christi nie gehrt hat, auf rein deduktivem, moralphilosophischem Wege zu +einer der christlichen durchaus hnlichen Ethik gekommen wre, wenn hier +eben blos die Ethik das Entscheidende wre. Denken Sie, dass das ganz +denkbar sein knnte?" + +"Es ist denkbar," sagte der Fremde. + +"Stoiker," nickte der Confrater. "Griechische Philosophen der +nachplatonischen Schule! Das sind die Argumente, die schon die +franzsische Revolution gebrauchte." + +"Sie wrden doch nicht sagen, dass ein solcher Mensch ein Christ wre, mit +uns Theil htte an der Erlsung durch den Leib des Herrn?" + +"Ich wrde es sagen." + +"Und wie wird er dastehen im nchsten Leben, wenn Christus die Seinen um +sich versammelt, die im Blut des Lammes Gewaschenen, auf seinen Namen +Getauften eingehen, und die Andern abgetheilt werden zur Linken?" Der +Superintendent wischte sich den Schweiss. Er schnappte nach Luft wie ein +Fisch auf dem Trocknen. + +"Ich weiss es nicht." + +"Eine Art Allheilslehre," beruhigte der Confrater. Das Wortspiel zwischen +"Leere" und "Lehre" amsirte ihn. "Socialistische Moral des Christenthums. +Das ist blos die Frucht. Der Glaube ist das Erste." + +"Ich glaube, dass die That das Erste ist." + +Jetzt sah der Superintendent wieder Fahrwasser. Er war ganz erfreut. "Das +ist die Lehre von den Werken, das Katholische, Papistische, wogegen schon +Lutherus sich auflehnte. Wir knnen aus uns selbst nicht gerecht werden." + +"Wir knnen wollen." + +"Und die Rckflle? Das menschliche Gesetz bestraft sie. Wie wird sie Gott +nicht strafen?" + +"Wie soll Gott sie strafen, wenn sie in sich selbst ihre Strafe tragen?" + +"Fatalismus," notirte der Confrater. + +"Die Bsen! Die Bsen, Mann! Wie erklren Sie die Bsen?" + +"Es ist ihr Unglck." + +Dem Superintendenten wurde in der That die Halsbinde zu eng: "Unglck? Und +der, der kmpft, das Gute will, Gutes thut? Sollen die Guten keinen +Vortheil vor den Schlechten haben?" + +"Sie sind glcklich." + +Der Confrater mischte sich jetzt ein: "Sehr interessant. In der That +hchst interessant. Das ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. Wenn +man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt ist! Haben Sie irgend welche +Verbindung mit diesen Religionsgesellschaften gehabt? - Es knnte doch +sein in irgend einer corrupten Form" - (dies fr den Collegen) -, "Bcher +darber gelesen?" + +Der Fremde sah den Confrater an. "Alles ist Verbindung," sagte er. + +"Natrlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!" Der Professor rieb sich die +Hnde hchst befriedigt. "Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben +sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie ihn doch, ob er an die +Seelenwanderung glaubt? Gerade fr die populre, gewissermaassen kindliche +Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. Sie finden das im +Volk in tausend Mrchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwlfen, +Schwanenjungfrauen, sprechenden Bumen. Selbst in dem indianischen Mrchen +des Hiawatha von Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkrperung +des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, ... Es ist Alles dasselbe." + +"Aber das ist nicht das Schlimme, das ist das Gefhrliche nicht!" platzte +der Superintendent los. "Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom Nirwana, +der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, der stumpfsinnige Fatalismus +des Orients wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller Cultur, allen +Fortschritts, aller Humanitt. Das ist Heidenthum! Heidenthum! Das +Christentum ist Kampfesmuth, Streben, Krieg!" + +"Auf den Krieg folgt der Friede." + +"Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen Kmpfer sein." + +"Krieg in uns, Friede nach aussen." + +"Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. Unser Leben ist Ringen und +Unruhe. Da oben erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade." + +Der Fremde lchelte. + +Der Superintendent war auf einem Lieblingsthema. "Der wahre Christ ist vor +Allem ein Streiter. Seine Feinde sind der Satan, die Snde in uns und +ausser uns. Wir sind arme Snder." + +"Wenn wir siegen?" + +"Selbst wenn wir unser eignes Fleisch berwunden haben. Die Snde in der +Welt bleibt. Sie greift uns an. Wir haben uns zu wehren gegen sie." + +"Sie existirt nicht gegen uns, wenn sie in uns nicht ist." + +Der Confrater nickte von Antwort zu Antwort mehr befriedigt. + +"Wir kommen jetzt auf das Fakirwesen, Hallucinationen der Mrtyrer." + +"Sie wollen das nicht sagen? Das ist Vermessenheit, mein Lieber! Unser +Fleisch bleibt der Anfechtung unterworfen, so lange wir im Fleisch +wandeln. Wer da meint, er stehe, der sehe wohl zu, dass er nicht falle. +Der Ehrgeiz - die bse Lust - Reichthum. Selbst ich -", hier fasste der +Superintendent den Fremden beinah am Rockknopf, "- selbst ich, der ich ein +Diener am gttlichen Wort bin und alle seine Schlingen kenne - ich habe +meine Momente der Schwche, der Anfechtung. Ich habe Versuchungen zu +bestehen ... Das ist unchristlich, Mann! Sttzen Sie den Glauben! Sprechen +Sie gegen die Gottlosigkeit! Auf dem Lande. Unsre Bauern haben dicke +Nacken. Stolz und Habsucht sitzen da steif drin. Gott sei Dank! sind sie +noch glubig. Die Grundvesten unsres Glaubens sind unangetastet. Die +moderne Anarchie und Zweifelsucht ist da noch nicht eingedrungen. Das geht +immer Hand in Hand. Das bedeutet die Emanzipation des Fleisches. Wir +wrden uns wie Schweine im Koth wlzen. Im Koth! Sehen Sie das alte Rom! +Babylon! Die antike Welt vor Christo." + +"Sie hat Christus hervorgebracht." + +"Christus ist das ganz Vollkommene, Gute. Das Fleisch ist das Bse. So +kmpfen diese beiden Gewalten. Bis das Gericht kommt, das Gute siegreich +bleibt im unschuldigen Blute des Lammes, das Bse im Abgrund verschlossen +wird mit adamantnen Ketten. - Das ist der uralte Kampf." + +"Demiurgos, Ahriman und Ormuzd," besttigte der Confrater. "Lehre von der +primren Theilung der Gewalten." + +Die Frau Superintendent hatte schon mehrmals merklich und merklicher an +die Thr geklopft. Jetzt steckte sie ihre Haube selbst durch den Spalt. +"Excellenz von Koschemann ist fr den Bazar gekommen. Wenn Du einen +Augenblick Zeit httest, lieber Willibald ..." + +"Auch ich bin ein Soldat des Herrn. Sehen wir zu, dass wir gut kmpfen. +Und das Heil finden, das es fr uns nicht giebt, denn allein im gesegneten +Blut des Lammes dereinst, das unsre Snden abwscht weiss wie Schnee." + +Der Fremde war entlassen. + +Der Confrater sah ganz klar. "Gnostiker, die alte Geschichte. Das hat +immer angefangen mit der Antastung des Buchstabens. Der Buchstabe, mein +Freund! Das Wort sie sollen lassen stahn! ... Und jetzt lass uns zu unsern +liebenswrdigen Damen gehen." + + + + + + DAS NEUNTE KAPITEL. + + +Und er ward im Geist entrckt in eine fremde Stadt. + +Die Glocken luteten. Eine ungeheure, unzhlbare Anzahl von Glocken. Es +waren dumpfe, grosse darunter, die mit der Stimme des Erzes riefen, der +Kanonen, furchtbarer Ereignisse, Krieg, Pest und Feuersbrunst. So stark +riefen sie, dass Niemand ihren Klang in der Nhe aushalten konnte, die +Luft ihn lange behielt, ehe er verhallte. Sie schwangen in furchtbaren +Hhen und thronten einsam in Kammern weit ber den Kpfen der Menschen. +Die ihre Stricke bewegten, sassen sehr niedrig auf schwebenden Balken und +wurden beinah gespalten von der Heftigkeit des Klanges. Diese Glocken +lutete man nur bei ganz grossen Gelegenheiten. Wenn sie klangen, sahen +die Leute auf und sagten: Es ist das oder das. Sie meinten ein sehr hohes +Fest, ein grosses Unglck oder eine grosse Freude. Die ganze Stadt und das +Land ringsum kannte den Klang dieser Glocken. Man war stolz darauf und +frchtete sie auch. + +Andre waren milder, mittlere. Die lutete man alle Sonntage. Man hrte sie +auch weit, ber ein ganzes Stadttheil oder eine Strasse. Ein Klang von +Silber war in ihrem Erz, der sprach von Gte und Milde. Sie lockten, und +schreckten nicht, luteten regelmig mit krftigen, hallenden Schlgen, +wie die Stimme eines Predigers, die klangvoll spricht in schnen, malenden +Worten. + +Und es waren ganz kleine, die einzeln riefen wie einzelne, verlorene +Stimmen. In mancher war ein sehr helles, feines Klingeln oder zitterndes +Wimmern, die eilige Angst einer Agonie, oder der sanfte Schmelz einer +Frauenstimme, sehr weit fortgetragen auf himmelansteigenden Trillern zu +reinen Aetherhhen. Der pure Goldklang ganz feiner Eliteseelen, die um den +Thron Gottes lobpreisen, und ein kleines, gleichgltiges, hastendes +Bimmeln, in dem Viele sich vereinten, wie das der Pferdebahnwagen, dieser +Schellenbeutel, die herumgegeben werden in den Gemeinden zwischen den +Pausen des Gottesdienstes - lstig fast, nur die Ohren fllend, das zum +Alltagslrm gehrte, ihn irritirend machte. + +Alle Glocken luteten. Die grossen gaben den Ton an. Die mittleren fielen +ein wie ein gutgeschulter Chor. Die ganz kleinen waren Gerusche, oder +Stimmen junger Kinder. Alle luteten. Die Luft war sehr voll und schwang +von ihrem Klange. Und die andern Stimmen des Lebens schwiegen. + +In den Kirchen und Domen drngte sich die Menge. Es war halbdunkel in +diesen Hallen, dass man die Einzelnen in den Tausenden nicht erkennen +konnte, Mnner oder Frauen, reiche, gutgekleidete Leute oder ganz Arme. +Ihre Gesichter bildeten blasse Flecken im Dmmer, wie aufgewandte Kelche +von Blumen, die ihr Athmen wie ein Duft umwallte. Die brige Schwere des +Krpers blieb unbestimmt, ertrunken in unruhigem Schattenspiel der Vielen, +dem lastenden, schweren Dunkel dieser Steine, ungeheurer Steinmassen der +Gewlbe und Mauern. + +Sulen standen wie Baumstmme ohne Aeste mit schweren Blttern und +Steingewinden um ihre Kronen, whrend feine, tiefe Rillen an ihnen +hinabliefen, von Regentropfen gegraben oder ewig fliessenden. Von +sttzenden, lastbaren Pfeilern schwangen sich die Wlbungen auf, Bogen und +Brcken, gespreizte Fittiche des Adlers, khn und immer khner bis zum +schwindelnden Ansturm der Kuppel, die den Stein zerbrach, die Schwere des +Materials aufhob im ungeheuren, athemlosen Aufschwung der Seelen. + +Der Schritt klang hohl vom Echo der Millionen Schritte, die da schliefen +in tausendjhrigen Steinquadern. Von schlanken, weissen Kerzen stiegen +gelbe, zitternde Flammen, umgekehrte Herzen, blauen Schein der Sehnsucht +ausathmend. Ein Duft von Weihrauch, Wachs und Thrnen lag schwer in Nebeln +und wallenden Wogen. + +Man sah Altre sich golden recken, Gold vom Fuss bis zur Spitze, in immer +feineren Sulchen, Treppen, Bgen, inkrustirt mit bunten Edelsteinen, die +Lichter gaben im Dunkeln wie Schlangenhute, Augen seltsamer Reptile und +Kfer, Wunder von goldnen und silbernen Spitzen, Rosen und Blumen, +eingefrorne Rhythmen, mystische Zeichen und Runen aufsteigend wie +Gedichte. Eine unverwelkliche Pflanzung aus menschlichen Herzen, +mirakulse Flora des Glaubens, hierher geflchtet in eine heilige Grotte, +unter dem Dmmerlicht der bunten Glser, gefrbt mit ihrem Blute: Roth, +welches die Liebe und der Tod ist, Blau des Glaubens, festruhendes warmes +Grn der Hoffnung und des Lebens. Und Krmpfe, furchtbare Leiden, +zerschnitten den himmlischen Dreiklang: Gelb der Pein und des Geizes, in +den Gewndern der Aeltesten und Schreiber; Violett der Eifersucht, das +zugleich die heilige Farbe der priesterlichen Macht und der Ehrfurcht ist; +ein helles, gefiltertes Rosa, welches gemartertes Fleisch der Gequlten +vorstellt und auch die liebliche Unschuld des Kindes. Alle spiegelnd, +irrend, flehend um das klare Gold des Triumphes, Farbe der Sonne, wo die +Mutter thront mit dem Kinde, die Heiligen knieen in seliger, +weltentrckter Anbetung. + +Wie ewige Pfeiler standen sie da, die Starken, der Apostel heilige +Zwlfzahl, wunderbar die Reihe der Monde, des Sternkreises wiederholend, +Propheten, Sybillen - die wussten und aushielten. Mrtyrer ffneten +blutrothe Wunden, Laurentius auf dem flammenden Bett, Sebastian mit +durchbohrter Brust, Agnes, ganz nackt, nur in den strahlenden Mantel ihrer +Haare gehllt, unter den Augen der Wollust, - aufgerissne Seiten, +furchtbare Verrenkungen der Gefolterten, Striemen der Gegeisselten. Die +Heiligenscheine dominirten ber verklrten Stirnen. Die weisse Taube des +Geistes schwingt sich glorreich auf ber Blut, Flammen und Qual. + +Sie singen. Aus den Tiefen hebt es sich. Von der geknickten, schwarzen, +wimmelnden Masse - De Profundis. Langgetragen, hohle Rufe wie Appellrufe +in der Noth, schneidender Wehschrei der Gequlten, zitternd, sehr hoch +schwebend, wie ein Weib schreit in Kindesnthen: Miserere - Miserere ... +Dumpfer Trommelschlag. Vokale fast Alles, sonore, volltnige, die nicht +fallen - Ora pro nobis, aufsteigend zu mnnlichem Muth, Schlachtgesang, +bis zum jauchzenden, hellen Posaunenstoss der Befreiten, gellend fast, +schmetternd in Siegeszuversicht: Tedeum laudamus. + +Die Stimmen schweigen. Das Wort allein spricht. In marmornen Worten, +Stze, die feststehen wie die Welt. Rollende Vokale, geheimnissvoll, +krftig, wie die die schufen, - das grsste Mysterium der Menschheit, Wein +und Brot, uralte Mysterien, heiligste Symbole des sacrosancten Lebens. + +Ueber der Menge, die kniet, hungernd, brnstig, erhebt der Priester das +Allerheiligste. Er selbst ist weiss, ganz weiss. Er ist hundertjhrig. - +Es giebt einen goldnen Schein wie die Sonne. + +In einem ungeheuren wehen Seufzer hebt sie sich, es zu empfangen - das +Opfer von Gott angeboten. Blut und Fleisch, fr das andre Opfer des +Fleisches und des Blutes, des Lebens, an das grosse Leben, das prangend +weggeht ber den Tod, Jammer und Kleinheit. + + ------------------------------------- + +... Ein enger Holzpfad im Gebirge. Das Gebirge liegt verschneit seit +Wochen. Bis an die Knie hoch steigt der Schnee. Die Tannenzweige brechen +unter seiner Last. Gleich Zuckerhten ragen die Baumwipfel aus der Weisse. +Man unterscheidet nur hhere und niedrigere Lagen, Steine sind +Schneekuppen. Gleichmssig ist er im Grunde, hart, vereist, eingestampft. +Aber die Oberschicht ist federweich, eine Hand hoch, glitzernd, feiner wie +der Flaum auf Brsten der Eidergnse, mit Seidenreflexen. + +Unter dem Schnee begraben liegen Moos, Grser und Gestruche. Er stubt in +Puder von den berlasteten Zweigen. Kleine Aeste und Holzstckchen, die +sich ablsen, versinken lautlos. Die Lcke, die sie verursachen, schliesst +sofort die streichelnde Sammethand. Der ganze Wald leuchtet weiss, +blauweiss vom Schimmer des jungfrulichen Schnees. Der Fuss versinkt in +ihm wie in Daunenteppichen. Ohne Khle fast. Aber er hebt sich schwer +heraus. Das Leder des Stiefels wird hart und sprde von der Feuchtigkeit, +die nirgends das Wasser zeigt. + +Und immer fllt der Schnee. Man sieht keine Spuren des Wildes. Es ist +erfroren, festgefroren wie stehende, steinerne Bildsulen in Mauern von +schmeichelnden Krystallen oder es verkriecht sich im inneren Tann, wo das +Dach der Zweige es schtzt, karge Nahrung sich findet an Sprossen und +Rinde. Der Schnee fllt die Fahrgeleise des Weges aus. Er steigt zu seinen +Rndern und vermischt sie. Wie Gespinnste in seinem Innern ziehen sich +drre Bastadern der Farne und Heidelbeerbsche. - Die Stille ist sehr tief +und der Schnee fllt. + +Durch den tiefen Schnee sucht sich der kleine Priester seinen Weg. Er +trgt die letzte Trstung zu einem Sterbenden. + +Der Tod ist rasch gekommen. Ein blutjunger Bursch, der Spielmann Anderl. +Heute hatte sein Schatz Hochzeit gemacht mit einem Andern. Der Spielmann +war zurckgesprungen ber die Berge, das fressende Gift im Leibe und den +Kopf im Feuer. "Geht's schlecht, so geht's schlecht, geht's gut, krz' ich +mir den Weg um Stunden." + +Am Hornbiehel war er abgestrzt. Jetzt lag er im Todeskampf in der +Holzschlgerhtte. + +Durch Schnee und Nebel im beeisten Gebirge kmpfte sich der kleine +Priester zu dem Sterbenden. + +Er war noch sehr jung, noch nicht lange da oben. Man nahm fr die Stelle +die ganz Unbedeutenden, die Bescheidenen, die nicht Carriere machen +wrden. Niemals hatte er daran gedacht, ein Findelkind, das man den +Priestern bergeben. Regelmig liefen die kargen Beitrge fr ihn ein, +von einem Breau bezahlt an eine Kasse, ohne Persnlichkeit, ohne Namen. + +Er hatte niemals eine andre Heimath gekannt als das Kloster. Da war seine +Sttte, am Altar. Der liebte ihn und der hatte ihn nicht zurckgestossen. +Mit weissen Blumen umkrnzte er ihn. Er sang. Er schwang seine +Weihrauchschale, weissgekleidet als Chorknabe, Diener am heiligsten +Messopfer, eh' er selbst daran theilgenommen. So war er aufgewachsen, in +dieser Atmosphre der Liebe, Weiss und Gold, den heiligen Farben der +Unschuld und des Triumphes. Ohne einen andern Gedanken. Er liebte Alles. + +Es war um ihn wie der weiche, milde Schein, der vom linnengedeckten Altar +ausging, der Lampe, die ewig brannte in all dieser Weisse, dieser Stille. +In lasterverzerrten Zgen sah er das Leid. In ihrem Hochmuth die Angst. In +ihrer Schnheit, rhrender als ihre Schnheit, den Tod. + +Wie auf weissen Rosen ging er mit nackten Fssen, lchelnd das Heilige +tragend gleich Engelknaben. Und vor seiner demthigen Stirn neigten sich +die Stolzen. Die Bescheidnen fassten Muth. Alles liebte ihn. Es war, wie +wenn die Vgel ssser sangen, wenn er vorbeischritt im Klostergarten. Sie +waren zutraulich und pickten von seinen Hnden. Die Blumen, die er +pflanzte, gediehen. Ruhig und majesttisch entfalteten sie sich. Die Sonne +schien nicht zu heiss auf sie. Irgendwie hrte der Sturm auf um ihre +schlanken Stengel. + +Es gab alte Mnche im Kloster, die das Leben gekannt hatten. Es hatte +harte Narben gegraben in ihre Seele. Sie liebten ihn, die alten Wunden +brannten nicht, wenn er da war. Nur eine Gabe besass er, die lieblichste +David's, der Musik. Die Tne wurden lind unter seiner Hand und wenn er +spielte, hrte der Tumult auf in leidenschaftdurchwhlten Herzen. + +Niemals war er stolz gewesen oder ungtig. Ein Kind Jesu! Er trug diesen +Namen, halb der Schande, wie eine feine, goldne Aureole. + +Die Grossen bersahen ihn und fr die Klugen war er nichts. Er hatte keine +Disputationen geschrieben ber Fragen des Glaubens. Die weltliche Macht +der Kirche liess ihn kalt. Der Beifall einer Menge htte ihn schchtern +gemacht. + +Aber er liebte die kleinen Kinder. Sehr alte, hlflose Leute waren ihm +ehrwrdig. Er richtete die geknickten Halme auf und ihn erbarmte der Vogel +unter dem Himmel. + +Tapfer kmpfte der kleine Priester durch den Schnee. Der Schnee fiel in +weichen, grossen, fasernden Flocken aus Wolken, die selbst Schneescke +waren. Sie hingen so niedrig, dass man nicht sah, wo sie aufhrten und das +Gestber anfing. Ihre Vorrthe schienen unendlich, als ob ein ganzer +Himmel voll von Schnee hinter ihnen lge. Er leerte sich langsam. Von den +Schichten bauten sich Mauern ihm entgegen. Nichts konnte mehr welchen +aufnehmen. Aus dem Ueberfluss wallten neue Hgel ber. - Diese Flocken +lsten sich nicht auf. Sie schwebten und drehten sich langsam in der Luft +und blieben hngen wie im Festen, Gesttigten. Man dachte an Nesterbauen +dabei, Eiderdaunen, in die man sehr tief einsank. Und es war gar nicht +kalt. Der Schnee schien wie eine schtzende Schicht zwischen der Klte und +der Erde. Es war wunderbar, wie lautlos er fiel. Und berall, wo er fiel, +hrten die Contouren auf, alles Steife, Eckige, Nackte. Wie ein +liebevoller Pelzmantel hllte er sie ein, dass sie nicht mehr froren, +zeigten. Er fiel ... fiel ... + +Der kleine Priester fror gar nicht. Im Gegentheil, ihm war warm. Er trug +das Allerheiligste unter seiner Soutane, gegen die Brust gepresst. Und es +war ihm, als wre es da eingedrungen. Es sass da und brannte. Goldne +Strahlen warf es. Immer grsser, immer weiter. In der Mitte war ein +blutrothes, glhendes Herz und sein Scheinen war wie Karfunkel. Es +leuchtete weit durch den nchtlichen Wald. + +"Das ist, als ob ich ein Licht bei mir trage," sagte der kleine Priester. +"Wie seltsam das ist! Und wie schn!" + +Schn war es in der That. Alle Bume standen wie schwarze Sulen, ganz +gerade mit seltsamem Ast- und Aderwerk. Ihre Zweige verbanden sich. Sie +kreuzten sich und rankten ineinander geheimnissvoll in Rosetten, Sternen, +wie ein Kirchendach. Er ging ganz leise, wie auf weichen, weissen Rosen. +Er zertrat sie nicht. Sie richteten sich auf unter seinem Fusstritt. Sie +dufteten sehr sss, Ambra, Weihrauch und Myrrhen, die mystischen Dfte der +Kirche, die Seele darstellend, die sich spiritualisirt in Sehnsucht. + +Jetzt fing es auch an zu luten. Zwischen den hohen Bumen schwangen die +Glocken. Sie hingen da in Stricken von einem Baum zum andern. Und sie +schwangen, schwangen. Wunderbare Melodieen waren die Melodieen der hohen, +ernsten Bume. Den kleinen Priester erstaunten sie. "Ich habe es doch oft +rauschen hren im Walde. Niemals wusste ich, was es war. Aber jetzt weiss +ich es." + +Und er hrte kleine, liebliche Stimmen. Das waren die der todten Blumen +unter dem Schnee. Er hatte gedacht, dass sie todt wren. Sie waren nicht +todt, sie warteten nur auf den Frhling, lagen warm und weich gebettet +unter dem Schnee, der sie zudeckte und fiel - fiel. + +Die Schneeflocken selbst sangen. Sie fassten sich an und tanzten. Es war +richtiger Rhythmus in ihrer Bewegung. Dazu klangen sie. Und dann waren sie +Engelskpfchen mit weichen, flaumigen, ganz jungen Flgeln. Das sind die +Seelen der todten Kinderchen, die sterben, ehe sie zum Bewusstsein ihrer +Seele erwachen. + +Er hatte nie gewusst, wo diese todten Seelen hinkommen. Jetzt wusste er +es. Sie waren glcklich und deckten die kleinen Blumen zu, dass sie gut +schliefen, nicht erfroren im harten Winter. + +Er musste ber einen Bach, der ganz zugefroren war. Aber das Wasser war +auch nicht todt, es schlief nur in der Tiefe. Er hrte es singen +geschftig am Werke, in kleine Rhrchen tausend Trpfchen zu giessen, die +Erde aufzuweichen. Es wird Frhling! Es wird Frhling! + +Auf einmal war es Frhling. + +Er wandelte in einem grnen Dom. Wnde von lichterem Grn schoben sich +zwischen die andern, hohen. Alle regten tausend Blttchen. Einige waren +fast durchsichtig vom Licht, das sie golden durchglhte. Die Andern +blieben im Schatten beinah schwarz, oder ihre Rnder zeichneten sich wie +in hellem Feuer gezogen. Atlasglnzend lief es entlang am Buchenstamm wie +feinste Haut des Apfelschimmels, rthlich schwelend an der rissigen +Kiefernborke. Die Birken standen ganz weiss mit gesenkten, wehenden +Zweigen, ein kleines, zitterndes Herz jedes Blttchen, Jungfrauen +vergleichbar in der Schnheit ihrer Haare im Mai. Pelze hatten die +Haselnussbltter. Die Erlen bogen sich, schwrzliche, schuppige +Schlangenleiber, dem Sumpf entsprossen, mit klebrigem, bitterschmeckendem, +starkgerieftem Blattgrund. - Und da oben ber dem Bltterdach stand die +Sonne, goldne, warme Frhlingssonne. + +Er wandelte mit nackten Fssen auf einem Blumenteppich. Wo er hintrat, +blhten die Blumen. Sie blhten auf wie Kissen unter seinen Fssen, nur +Blumen ohne Bltter und Stengel. Vgel sangen, goldne Vgel mit silbernen +Schwingen, die Stimme des Windes, der Erde und des Wassers, Alle priesen +Gott. + +Er sah auf und die Sonne war Gott. Seine Strahlen fielen warm ber Alles. +Er war gut - gut. + +"Ihr knnt mich nicht verstehen so. So gross und gut bin ich. Darum bin +ich das Grsste und das Gute, was Ihr verstehen knnt." + +Er verstand sehr wohl, wie gut Er war. Und dass Er tausendmal besser und +grsser sein musste, als er verstehen konnte. + +Aber es war da eine Brcke aus den Strahlen, die von Seiner Brust +ausgingen, und den weissen, funkelnden Sonnenstrahlen mit Perlen und +Emeralden und kstlichen Topasen geschmckt, die das Licht gebiert im +Wasser, aus der Tiefe. Auf der schritt er. + +Durch das Blaue schritt er gerade in die strahlende Sonne hinein. Er +wusste, dass sie Feuer war, aber sie brannte nicht. Sie war auch nicht +golden. Sie war weiss, von einer lichten, unbeschreiblichen Klarheit, +lichter denn das Mondlicht im Kerne der junggebornen Mondsichel, und +Atlasschimmer aus keuschen Lilienkelchen. + +Er sah eine Frau in der obersten Klarheit. Sie hielt einen Lilienstengel +in der Hand. Er wusste, dass es seine Mutter war, die er nie gekannt und +verloren hatte. Jetzt erkannte er sie gleich. Sie lchelte ihm zu. + +"Ich komme. Ich komme," sagte der kleine Priester begeistert. + +Auch ein ganz weisses Lamm sah er. Er freute sich, dass es da war. Er +hatte die Thiere immer geliebt. Er hoffte, dass es auch fr sie einen +Himmel gab. Dies wusste er nun auch. + +Alle Bume waren eitel lichtes Silber. Ihre Frchte waren Diamanten und +Perlen. Weisse Schneelilien sprangen auf, die sss dufteten. Man konnte in +die Erde sehen, tief hinein, denn sie war weiss und durchsichtig wie +Milchglas, Opale, in denen das Sternenlicht floss. Es war dies innere +Licht, von dem sie leuchtete, denn es gab nicht Schatten mehr. Wo Festes +gewesen war, wurde es weich und floss im Schimmer, der lste. + +Und er war ganz weiss, er selbst. Seine Finger waren weisse Strahlen. Aus +seiner Brust schien die Klarheit, Alles, wo sie hinfiel, ward weiss. + +Er trat in das kleine Stbchen der Holzschlgerhtte. Dies war ein elendes +winziges Gelass. Blut lag da auf der Bettdecke, Blut auf dem Fussboden, +Blut ber den hastig hingeworfenen Kleidern. Man hatte die Fiedel +gerettet. Aber der Kasten war zerschlagen im Falle. Die Saiten hingen wirr +und ungestrngt. + +Die Augen des Sterbenden waren weitgeffnet. Ein Ausdruck des Schreckens +lag darin, und Brennen, als ob er she und Furcht hatte. Er phantasirte: +"Hast Du die Frauen gesehen, wenn sie zur Kirche schreiten? Ihre Hacken +schlagen kurz auf und ihre Hften tanzen unter den runden Rcken, die der +Wind hin- und herschlgt. Wenn der Sechzehnender durch das Unterholz +bricht und der Stolz des Waldes ist in seiner keilenden Brust! Hei! Der +Zug der Burschen, der zum Schtzenfest zieht. Alle Fiedeln spielen auf und +die Schenkel stampfen. Wie Herrenblick, der zwingt, trifft der nie +fehlende Bolzen. - Ich sage Dir, es ist nichts, was ber des Weibes Anmuth +geht, denn ihre Falschheit! Wie ich sie geliebt habe und wie ich sie +hasse! Ihre Augenbrauen, die wie Bgen der Krnung sind, darunter +triumphirende Heere einziehen. Ihre Augen locken und ertrnken wie der +wilde Bergsee. - Das ist roth - roth Alles - vor meinen brennenden Augen!" + +Der kleine Priester strich mit der Hand ber die Augen. Sie schlossen +sich. Sie brannten nicht mehr. + +"Ich habe die Erde gerochen am Frhlingsmorgen, wenn sie dampfend +aufbricht, ehe der Tag kommt. Tausend Wrzbche strmen, wo die +tausendjhrige Edelfichte krachend niederschlgt. Gefhrlich wie Blutdunst +ist der umnebelnde Duft des Weines, der zu Kopfe steigt und die Fuste +straff macht. Aber der Frauen Athem ist rther wie Blut. Wie Weizenacker +frisch geffnet ist der Leib des Weibes. - Es ist die Schwle der +Sommererde, die die Todten nicht schlafen lsst." + +Er strich mit der Hand ber die Nasenlcher. Leise fuhr der trstende +Finger die zitternden, hastenden Nstern entlang. Der Geruch war fort. + +"Hast Du auf Deinen Lippen ihre Ksse gefhlt? Wenn sie schwren und +lgen. Worte, die fallen wie der Wasserfall, lieblicher denn +Nachtigallentriller. - Worte! Worte! Worte!" + +Er strich ber die Lippen und sie schlossen sich. Sie wurden stumm und +weich. + +"Ich habe sie mit meiner Hand gehalten. Ich lasse sie nicht. - Wenn man +das Messer sehr fest packt und rothes Herzblut springt herber ... Weisst +Du, dass ich mein Messer unter meiner Hand hatte? Sie haben mir gesagt, +dass ich das Holz sprechen machen konnte, die Saiten riefen unter meinen +Fingern wie mit Menschenstimmen. Ich will spielen. Sie sollen tanzen. Sie +sollen lachen und schreien. Ich will den Ton finden, der die Todten tanzen +macht. Die Todten haben Knochenhnde und lassen nicht los." + +Die gekrampften Finger lsen sich unter den andern streichenden, +gleitenden. Die Hnde fielen. Sie lagen ruhig und straff. + +"Meine Fsse tragen mich nicht mehr. Aber sie haben mich getragen durch +die Nacht. Im Tanze. Wer kann tanzen wie ich, der Spielmann Anderl! Wenn +der Boden knackt, die Dirne hoch anfliegt zur schwelenden Decke. Ich kann +springen! Der Teufel ist in meinen Fssen. Ich springe mit dem Teufel zur +Hlle!" + +Er berhrte die Fsse an ihren Sohlen. Er salbte den rechten. Er salbte +auch den linken. Die Fsse lagen still. + +Der ganze Mann war weiss und still jetzt. + +Der kleine Priester hatte die Fiedel genommen, das Holz zeigte keinen +Sprung, die Saiten fgten sich wie von selbst und erklangen: + +"Wenn Eure Snde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiss werden," +sang der kleine Priester. "Und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll +sie doch wie Wolle werden. + +"Und heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein!" schloss der kleine +Priester. + + ------------------------------------- + +In der Holzschlgerhtte lag der Wilddieb todt. Er lag mit gefalteten +Hnden und lchelnden Lippen. Eine weisse Kerze brannte. Das blasse goldne +Herz stand zitternd aufrecht im Dunkel, das der Schnee warf. + +Der Schnee fiel. + +Unter der weissen Schneedecke, das Allerheiligste gegen seine Brust +gepresst, schlief der kleine Priester. + +Der Schnee fiel ... fiel. + + + + + + DAS ZEHNTE KAPITEL. + + +Nun war aber in einer Stadt ein junger Mann, der sich dem geistlichen +Stande gewidmet hatte. + +Nie war fr ihn die Frage gewesen, irgend ein anderes Amt zu erwhlen. Von +frh auf zeigte er sich in geistlichen Dingen wohlbewandert, geneigt +darber nachzudenken, die Texte auszulegen in ihrem deutlichen Sinne. +Dabei war er von mssiger und strenger Lebensweise. Er hatte sich Jahre +lang nur von Pflanzennahrung erhalten. Sein Geld gab er den Armen und +lebte wie der Aermsten Einer mitten unter ihnen. Zudem voll Wrde in aller +Gtigkeit, dass er die Sptter zurckwies, Niemand ihm etwas anhaben +konnte. Im Gegentheil, es war eine gemeine Rede in der Stadt, wenn man +Jemand etwas Gutes wnschte, und diese Leute waren lter, dass man ihnen +einen Sohn wnschte wie Johannes. Seine alten Eltern, denen er zuerst ein +Kummer gewesen, dass er also herausging aus der Bahn, die sie selbst +gegangen, ein Amt erwhlte, das ihnen fremdartig war und nicht so +angesehen in ihrer Meinung wie ihr eignes vor den Leuten, priesen Gott +alle Tage, der ihnen ein solches Kind gegeben, von dem sie Ehre hatten +jede Stunde, der als ein Muster stand unter jungen Leuten, in frhen +Jahren Ruhm erwarb wie Andre, die Jahre lang gedient, Last und Mhsal +getragen hatten. + +Selbst solche, die ihm heimlich entgegenstanden, weil er sie strafte in +ihren Snden, wagten nicht, ihn offen zu missbilligen, denn sein Ansehen +war gross unter allen Leuten, und seine Rede gewaltig. Dazu, weil er eines +vornehmen Mannes Sohn war, trug das zu seinem Ruhm bei. Das Gercht drang +bis an den Hof. Er musste predigen dort und ward als Hofprediger +angestellt auf den eignen Wunsch des Frsten, der gern seine Predigt +hrte, auch manches Gesprch mit ihm pflog. Er war selbst von ernster und +redlicher Gemthsart, dachte viel nach ber die Pflichten und Vorrechte +seines Amtes. Wenn er sich beunruhigt fhlte in seinem Gemth, liess er +oft den jungen Prediger rufen, dass diese wie Freunde und treue Gesellen +wurden, sein Einfluss also gross war im Lande. + +Aber Niemand neidete ihm denselben. Er war wohlgeachtet von Hohen und +Geringen. Gegen Arm und Reich hielt er sich gleich. Kein Rang und kein +klingender Lohn konnte ihn bestechen in seiner Entscheidung. Wiewohl es +ihm freigestanden htte, ein Weib zu whlen, Niemand ihm seine beste +Tochter geweigert htte, zog er es doch vor, einzeln zu bleiben, dass +keine weltliche Lust oder Sorge ihn abzge von seinem geistlichen Amt, +welches er als das hchste erachtete in der Welt, ihm selbst von Gott +anvertraut, davon er Rechenschaft abzulegen hatte dereinst vor Seinem +strengen Richterstuhl. Es gab keinen geachteteren und wrdigeren jungen +Mann weit und breit. Sein Ruf stand fest wie ein Felsen. Sein Wort war fr +Viele Recht und Unrecht, klarer und unzweifelhafter wie geschriebnes +Gesetz. Wenn sich Einige verwunderten, dass er trotz seiner Jugend so +geachtet war und solchen Einfluss besass, verwies man nur auf sein Leben, +das schlichter war wie manchen Arbeiters und keusch wie vielfach +geschliffener Stahl vor Aller Augen. + +Derselbe, als er eines Tages allein spazieren ging vor der Stadt, wo die +Stadt schon aufhrte, blhende Strucher standen und Fruchtbume im Laub - +wie er oftmals that in seinen tiefen Gedanken, um klar zu werden vor sich +selber -, freute er sich am Gesang der Vgel, wie sie alle eintrchtig +sangen und war keiner grsser und mehr geachtet denn der andre in ihrem +Singen. Jeder hatte seine besondre Gabe und Tugenden. Die, die nichts +empfingen, kleine graue Meislein und Spatzen, zwitscherten just so munter +ihre zwei Pieptne, wie die Andern kunstreiche Triller und Solfeggien. +Sorgten nicht um den Tag, bauten sich Nestlein, setzten ihre Kinder in die +Welt, dass die Sonne sie grosszog, sie satt wrden von dem, was flog und +kroch in der Luft, auf der Erde. + +Die Schwalben flogen auf und nieder. Sie wiegten sich in der Luft und +beschrieben Wellenlinien. Manchmal strichen sie so niedrig, dass ihre +Schwingen fast die Erde berhrten. Dann hoben sie sich wieder, blieben +segelnd im Blauen. Aus dem Gras der Bschung dufteten Veilchen. Libellen +schwirrten aus der Wasserrichtung von der andern Seite. Es roch fischig +von da, Teichgeruch, nach sich zersetzender Pflanzenfaser. + +Wie er nun also ging und sich freute, die Vglein lieblich und frhlich +sangen, sah er eine magere, gelbgefleckte Katze, die Jagd machte, auf +einem der Bume. Leise schlich sie auf unhrbaren, tastenden Zehen. Ihr +Kopf war lang vorgestreckt, die kugelige Stirn mit spitzen Oehrchen. In +den Flanken sassen tiefe Lcher von der Anstrengung des Dehnens. Die +Rippen flogen kurzathmend in der Aufregung der Jagd. Auch war sie mager, +schlechtgenhrt und struppig, wie eine Katze, die wohl schon lange heimlos +geirrt ist, keinen Herrn mehr hat, sondern der Wildniss preisgegeben ist. +So war sie ausgegangen auf die Jagd, da es dmmrig wurde, sass auf dem +Baum und hob ihre Kralle ber dem Nestchen. + +Da Johannes solches sah, ergrimmte er in seinem Herzen. Es dauerten ihn +die unschuldigen Vglein um dieser schlechten Katze willen. Er nahm einen +Stein, zielte und warf. Und traf so gut, dass er die Katze hart schlug in +ihrer Seite, wo es weich ist, die Knochen nicht schtzen. Sie stiess einen +schrillen, klagenden Schrei aus und fiel herab vom Baum, lag da auf der +Erde, das Blut floss von ihrer getroffenen Seite, schrie ganz jmmerlich +wie ein kleines, wehleidiges Kind, versuchte sich zu lecken, vorwrts zu +strecken mit strebenden Vorderfssen und schwachem, nachschleppendem +Rcken. Und lag im Staube, blutend. + +Da fing ihn an zu gereuen, was er gethan hatte. Er kam herzu, um der Katze +aufzuhelfen. Wie er sie genau betrachtete, sah er, dass diese Katze heute +oder den Tag zuvor Junge geworfen haben musste, denn die Haut ihres +Bauches hing ganz lose unter den vorstehenden Rippen, dass sie fast auf +dem Boden schleppte. Die Oeffnung des Afters war unnatrlich weit, noch +vom geronnenen Blute verklebt. Man sah die Zitzen, die weit, aber schlaff, +ohne Milch sich sackten. Denn sie war sehr erschpft und hatte gehungert +seit langen Tagen. Nun lag sie im Staub und blutete. Niemand wrde diesem +Nest voll kleiner Katzen in irgend einer verlassnen Scheune oder auf einem +Heuboden Nahrung bringen. Sie wrden warten und miauen, elendiglich +verhungern, um ihre Mutter, die nicht kam, den spitzen, harten Stein, den +er geworfen und sie getroffen hatte, da sie ging Jagd zu machen auf Vgel +fr ihre Kleinen, die hungerten. + +Er stand nun da vor der Katze und sah sie an. Die Katze sah auf zu ihm mit +schiefen, wilden Augen, ob er ihr helfen wrde oder sie weiterqulen? Sie +wusste nicht, dass es sein Stein gewesen, der sie getroffen hatte. Aber +sie hatte Angst vor den Menschen, die stark sind, war da wie ein wildes +Ding, das man eingefangen hat. Und es kann sich nicht wehren, denn all' +sein Gift, scharfe Zhne und Krallen, die ihm ja ntzlich sind gegen die +Kleinen und ganz Schwachen, werden ohnmchtig und ntzen ihm nichts. Es +wartet, dass man es vollendet. + +Da er noch stand, dieses Thier ihn ansah und er ber solches dachte in +seinem Herzen, kam ein fremder Mann des Wegs. Er nahm die Katze, die nach +ihm fauchte, wusch ihre Wunden sorgfltig mit Wasser und gab ihr zu +trinken aus einer Flasche, die er bei sich fhrte. Dazu, um das Wasser zu +finden, hatte er hinabsteigen mssen zum Fluss. Wie der wieder heraufkam +und die Katze auf seinen Arm nahm, biss ihn das Vieh in die Hand und +entsprang zwischen die Weidengebsche. + +Da dieser nun die Schramme an seiner Hand besah, das Blut abtrocknete mit +seinem Tuch, sprach Johannes zu ihm: "Wie magst Du dem schdlichen +Raubzeug helfen? Sein Leben ist der Tod Vieler. So es verreckt, wem +schadet es? Ein werthloses Vieh! Tckisch und voll Argheit." Das sagte er +aber, den Andern zu versuchen, denn in seinem Herzen gereute ihn der +Katze. Er wusste wohl, dass es ihre Natur ist, Vgel und Muse zu fangen. +Er fragte sich nur: Warum ist das in der Natur, und htte gern eine +Antwort gewusst. + +Der fremde Mann sprach: "Ich helfe jeglicher Creatur. Sie war hungrig und +litt. So war es meine Schuld, ihr zu geben, sie zu heilen." + +"Sie wird hingehen und neues Uebel stiften, tdten und qulen." + +"Der Tod ist kein Uebel," sagte der fremde Mann. "Der Geist, der +widerstehet dem Uebel, der ist vom Uebel." + +Diese Antwort verstand Johannes nicht, aber sie qulte ihn in seinem +Herzen. Er sprach: "Deute mir das!" + +Der Andre sprach: "So Dich Jemand schlgt und Du schlgst ihn wieder, so +ist der Schlag Dir nicht Unehre, aber dass Du zurckschlgst und also +Bses vergiltst mit Bsem. So ist das Bse an sich nicht bse, aber es +bse _macht_ in seiner Wirkung, sind Bse." + +Johannes sprach: "Soll ich einen Mann nicht tdten, der Andre tdtet? +Wrde Mord und Todtschlag nicht berhandnehmen in der Welt, so Solches +ungestraft bliebe? Jeder thun knnte, was ihm gefllt, sein bser Muth ihm +eingiebt gegen seinen Nchsten?" + +Der Fremde sprach: "So es sein bser Muth thut, ist es seine Natur. Alles, +was in der Natur ist, ist von Gott. Der Mensch kann nichts dagegen. So Du +aber schlgst _gegen_ Deine Natur, ist es Dir Snde, grsseres Unrecht +denn dess, der Dich geschlagen." + +Er sprach: "So werden alle Bsen fortab triumphiren und straflos sein. Die +Guten mssen nur dulden und ertragen." + +Der Fremde sprach: "Dulden und ertragen ist nicht bse. Selig sind, die +das erkannt haben! Aber es ist dem Menschen schwer, zu erkennen, und +Wenige sind, die es fassen hier im Leibe. Das Fleisch ist schwach in +ihnen. Der Tod scheint bitter dem, der krftig ist und sich bewegt." + +"Der Tod ist immer bitter," sagte Johannes. "Das ist auch gegen die Natur +des Menschen." + +"Weil sie die Natur nur halb erkannt haben," sagte der Fremde. "Sie +wissen, dass sie sterben mssen, aber sie wissen nicht, was hinterher +kommt. Sie sehen, so lange es hell ist. Aber die Nacht lebt auch, hat +Farben und Formen. Nur sie sehen sie nicht. Sie nennen das Eine Leben und +das Andre Tod. Und der Tod ist Leben, eins so gut wie das Andre. Alles ist +Leben. Es ist ein Neugebren in jeglichem Sterben." + +Der Fremde sagte ihm ein andres Gleichniss und sprach: "Die Menschen +rechnen die That, die Gedanken sehen sie nicht. Sie knnen die Gesinnung +nicht lesen, die im Herzen ist. Die That ist nicht besser wie der Gedanke. +Sondern er war der Erstgeborne und wirkt weiter. Die Snde ist geboren, +ehe die That That wird. Es ist nicht mehr Snde im Thun wie im Wollen. Zu +diesem aber sprach die Schlange. - Und der Stolz ist der Urgrund alles +Uebels." + +Er sprach: "Wie deutest Du das?" + +Der Fremde sprach: "Da der Mensch anfing zu mischen von seinem Willen in +den grossen Gang des Wollens, der der reine Strom und Urquell des Lebens +ist. Er sprach - und er sollte hren. Er dachte, wo er sehen sollte. Ein +Kleines, Staubgebornes, Willkrliches will stehen, wo das Grosse, Ewige, +Gesetzte steht." + +Er sprach: "Widerspricht nicht Solches der eignen Adligkeit und +Freiwilligkeit des Menschen?" + +Darauf antwortete der Fremde: "Mit nichten. Sondern ist es nicht edler, +das Gesetz in sich selbst zu erkennen und ihm folgen, als sich von aussen +verschreiben lassen, Buchstaben zu gehorchen. Das ist Sklaventhum. Das +Andre Adliger und Freigeborner." + +Johannes sprach: "Wie kann das Gesetz fr Alle dasselbe sein, so doch der +Menschen viele sind und Millionen, Jeder anders geht wie der Andre?" + +Er sprach: "Es ist auch nicht dasselbe Gesetz fr Alle. Hndewaschen ist +nicht dasselbe, Kleidertrachten und Fasten ist nicht dasselbe, Gtter von +Stein und Gtter von Erzen. - Aber Alle, die suchen, finden wohl den Weg." + +Da erschrak Johannes in seinem Herzen und sprach: "Die alten Weisen haben +wohl gelehrt. Sie dachten, sie htten die Weisheit gefunden. Und waren +Edle. Tiefe Worte kamen von ihren Lippen. Buddha und Mohammed sind +gekommen. - Wie sagst Du, Einer ist wie der Andre?" + +Er sprach: "Alle diese sind gegangen und haben gefunden. Unschuldige +Kindlein finden auch, kleine Blumen und Kruter. Es fhren viele Wege. +Aber unselig sind, die stehen bleiben und nicht gehen um der Dornen willen +und Steinblcke." + +Damit wollte er weitergehen. Aber der Andre hielt ihn an in grosser Angst +seines Herzens, flehte ihn an und bat: "Gieb mir ein Zeichen." + +Er sprach: "Kein andres Zeichen habe ich als dies: Die Blinden werden +nicht blind sein, ob sie gleich blind sind. Die Lahmen werden gehen knnen +und eilen, ob sie lahm sind, festgekettet an ihr Lager. Die Armen sind +reich und ihr Reichthum ist kstlicher denn aller Reichen. Die Todten +sterben nicht und leben, ob sie gleich gestorben sind. - Ein Kind findet +es in seiner Einfalt. Den Weisen und Mchtigen aber bleibt es verborgen." + +Er sprach: "Sage mir nun noch dies Eine. So Einer Snde gethan hat, ist er +nicht schlimmer denn Einer, der keine gethan hat? Warum denn sollten wir +nicht Alle sndigen und froh sein?" + +Er sprach: "So Du sie thust, ist es Dir Snde. Die Andern aber gehen auch +nicht verloren. Der Hochmuth ist das Aergste der Uebel. Freude war ber +den, der Busse thut vor neunundneunzig Gerechten. Der verloren war und +heim kam, fand ber dem der zu Hause geblieben, niemals irrte." + +So liess er diesen und ging von ihm weiter in der Abenddmmerung. + + + + + + DAS ELFTE KAPITEL. + + +Es war Fritz Kuhlemann, der ihm diese Botschaft schickte: + +"Die ausgehen sollten, wohnen in reichen Husern. In steinernen Kirchen +ist das Wort verschlossen fr blde Mengen am Sonntagmorgen. Die Mchtigen +missbrauchen Deine Worte fr ihre Zwecke. Man fhrt Kriege in Deinem +Namen. Ungerechtes Gericht ist gesprochen unter dem Zeichen der Liebe. Der +Arme geht hungrig. Der Niedrige ist verachtet. Der Snder stirbt nachher +wie zuvor. Was ist Deine Heilsbotschaft an die Welt?" + +Er sprach: "Siehe zu, was ich thue: + +"Soll ich Krieg fhren, um die Welt zu berzeugen? Der Hass wre schlimmer +denn zuvor. Die Sklaven von heute wren grausamere Herren, als die Herren +von gestern. + +"Soll ich Gesetze geben, neue Ordnung erfinden? Dies Gesetz wre gut, aber +die Menschen sind schlecht. Unter der guten Ordnung bliebe die wilde +Wste. + +"Vielen ist es gesagt, aber Wenige hren. Allen ist es ein Schlachtwort +und Wenigen Frieden. Einige finden, weil sie von Anfang an hatten, und +Viele, die suchen, finden niemals. Schrecklich und scharf ist es, wie ein +Schwert, das durchbohrt, ssse Milch, die ganz junge Kinder trinken." + +Er war aber auf einem Schiff, wo er dies sagte, dass er sich bersetzen +liesse von einem Ufer zum andern. Und es war ein Mann neben ihm, der ein +Tuch mit Samenkrnern eingebunden hatte, die er sen wollte auf seinem +Acker. + +Er sprach zu ihm: "Gieb mir von Deinen Krnern." + +Der Mann sprach: "Nimm so viele, wie Du willst?" + +Er nahm eine Handvoll und streute sie auf das Wasser. + +Sprach der Mann zu ihm: "Wie kannst Du solches thun, so doch das Wasser +die Samen nicht hlt und austreibt?" + +Er sprach: "Sollen sie keimen, wird es sie schon tragen, wo sie Wurzel +finden. Die Erde ist nicht besser denn das Wasser. Wo ein Same leben soll, +mssen tausende sterben." + +Und es war ein Buckliger auf demselben Schiff, der war ganz verwachsen. +Alle Knochen seines Leibes standen schief und sein Gesicht war scheusslich +anzusehen mit schielenden Augen und einer platten, queren Nase. + +Derselbe sprach zu ihm: "Meister, es ist recht, was Du sagst, dass alle +Menschen gleich sind, und ist nicht Einer schn und der Andre hsslich, +Jener klug und Dieser thricht. So sage auch diesen, dass sie mich schn +finden, und lobe meine Verwachsenheit, die keine Missgestaltung mehr ist." + +Er sprach zu ihm: "Was habe ich mit Dir zu schaffen? Ganz hsslich bist Du +und schauerlich anzusehen. Was wagst Du zu hoffen von der Schnheit, die +Du beleidigst, und woher kommt Dir der Muth, der Du feige bist und ganz +niedrig." + +Trieb ihn von sich mit harten Worten und sah wieder in den Fluss, darin +die Landschaft sich spiegelte im klaren Wasser. + +Aber sie hrten es nicht gern. Die, die das hrten, fuhren fort, das Volk +zu reizen zur Gewalt, um die Machthaber umzustrzen, oder System und +Lehrstze zu erfinden, die Alles gerecht machen sollten, dass Jeder seine +Flle htte, kein Unfrieden mehr sei in der Welt. Diesen liefen Viele zu. +Sie hatten ein grosses Gefolge hinter sich, die sagten: "Morgen kommt der +grosse Zusammensturz. Wir werden dann essen, die wir jetzt hungrig sind. +Wir werden herrschen, die dienen. Wir sind Viele und sie sind Wenige. +Lasst uns uns zusammenrotten und laut schreien, dass wir sie bertuben +und ihre Stimmen mit unseren Stimmen, die zahlreicher sind und lauter +schreien." + +Gewaltig erscholl die Stimme Fritz Kuhlemann's aus der grossen Stadt. +"Gebt Eure Gter und verlasst Eure stolzen Palste! Gebt Eure Macht auf, +Ihr Herren und Regierenden! Lasst uns gute Gesetze haben und nicht mehr +unsre Frauen und Mdchen verkaufen zu Laster und Unzucht! Wir wollen keine +Kriege mehr und keine Hungersnoth. Wir wollen Alle arbeiten und essen. +Einer soll sein wie der Andre, Keiner Knig und Keiner ein Bettler. Unsre +Frauen sollen gleichgeachtet sein wie wir und unsre Tchter wie unsre +Shne. Wir wollen glcklich sein auf dieser Welt und Kinder zeugen. - Denn +was nachher kommt, wissen wir nicht, Niemand kann an gegen den Tod." + +Ein junger Mann kam zu dem Fremden. Er wollte mit ihm ber seinen +Seelenzustand sprechen. + +Er sagte: "Ich habe immer ein untadeliges Leben gefhrt. Von Lastern und +verbotnen Dingen habe ich mich ferngehalten. Ich habe versucht, meinen +Geist zu bilden mit allem Wissen und der Bildung unsrer Zeit. Ich habe +meine Lehrer in Ehrfurcht gehalten und meinen Eltern gehorcht. Gegen +Niedrigstehende bemhe ich mich hflich und gerecht zu sein. Es fehlt +meinen Leuten an nichts. Sie haben ihre Gebhr und ber Gebhr. Ich bin +allgemein angesehen und hochgeachtet. Wenn ich ein Weib nehmen will, wird +Niemand zgern, mir seine beste Tochter anzuvertrauen. Ich werde sie +unschuldig, wohlgebildet und von gutem Ruf nehmen, wie ich selber bin. Es +klebt kein Stubchen an meinem Vermgen. Alles ist auf ehrliche Weise +erworben und von meinen Voreltern langsam erarbeitet. Kein Blutrichter +fnde einen Flecken daran. Niemand ist von mir um einen Pfennig betrogen. +Dem Staat zahle ich pnklich, was ihm zukommt. Ich betheilige mich an +allen Wohlfahrtseinrichtungen und gemeinntzigen Anstalten. Die Leute auf +meiner Besitzung sind glcklich gepriesen von Allen. Sprich nun selbst, +bin ich vollkommen so und nach Deinem Sinn?" + +Er sprach: "Du sagst, dass Du Gter hast. Nimm Deine Gter, den letzten +Pfennig, den Du besitzest, und gieb ihn den Armen, den Bettlern und den +Hunden." + +Der junge Mann ward sehr traurig und ging von ihm. Er sah ihm lange nach, +denn er war ein trefflicher junger Mann, licht und schn von Ansehen, der +das Gute suchte. + +Darauf sprach er: "Der Reichthum ist schlimmer denn die Wollust, die +Wollust giebt fr Andre. Er denkt nur an sich. Auch thut der wohl eher +Busse, der grobe Snde thut, denn der angesehen ist vor aller Welt und +niemals fiel. Ach es ist schwer! schwer fr einen Menschen, der viele +Gter hat, dass er das Gute finde!" + +Nun sprach Jemand aus seiner Umgebung zu ihm: "Was ntzt es den Armen, so +Einer giebt? Es kme wenig auf Alle. Morgen wre dasselbe wieder, dass +Einige nichts htten und Andre mehr." + +Er sprach: "Es ist nicht um der Armen willen. Wenn er es auf's Meer wrfe, +die Wellen trgen es fort, wre es ihm ebenso gut. Siehst Du nicht, dass +seine Gter wie eine Mauer stehen zwischen seinem Thun und dem freien +Wollen seiner Seele? Alle seine Liebe bleibt eingeschlossen und wird +ersticken in ihm, ohnmchtig und schlaff werden. Nur weil er reich ist. - +Der Arme liebt wohl leichter. Er hat dafr Neid und Niedrigkeit als seine +Feinde. Die Seelen, auf denen das Joch lange liegt, werden niedrig. Und +die wahre Liebe ist stolz und eine Knigin. Aber die begehren, sind +Sklaven. Nur der nichts mehr begehrt, ist ein Vornehmer und ein Frst." + +Wenige verstanden dies und Viele murrten darber. Einige sagten, er liebt +nur die Armen. Die Andern fanden, dass er ein Reactionr sei und es mit +den Hohen nicht verderben wollte. + +Es gefiel ihnen auch sehr, ihm schwierige Fragen zu stellen, weil sie ihn +fangen wollten in den Antworten. Und er schickte sie ihnen zurck, fragte: +Was _willst_ Du thun?, dass sie selber sich antworten mussten, beschmt +standen in ihrer Nacktheit und List. + +So war ein Mann, der ein Eheweib hatte, die ihn betrog. + +Er kam zu ihm und fragte, ob er ihr verzeihen sollte? "Das Gesetz erlaubt +mir, mich von ihr zu trennen, sie zu strafen an Gut und Habe. Die +allgemeine Meinung und meine Strke wrden mir wohl gestatten, sie zu +tdten. Das erste ist Gerechtigkeit, das zweite Rache." + +"Und Deine Liebe?" + +"Aber sie hat meine Liebe verrathen. Alle Zrtlichkeiten, die ich ihr +erwiesen habe, sind vergessen. Sie hat Kinder von mir gehabt. Ich habe ihr +Ehre gezollt als dem Oberhaupt meines Hauses. Ihre Schnheit erfreute +mich. Ich gab ihr genug, um sich zu schmcken. Keiner ihrer Wnsche, den +es in meiner Macht war zu erfllen, blieb unerfllt. Ich liebte ihren +Verstand, ihre Art sich auszudrcken, die Weichheit ihrer Stimme, die +Liebesbezeugungen, die sie mir erwies, und dadurch Neigungen in mir +erweckte, ihre Schchternheit und Hlflosigkeit selbst." + +"Und ihre Seele? - Hast Du ihre Seele geliebt? Was in ihr schwach war und +arm und nach Hlfe schrie? Ihre Zgerungen, den Glauben an Dich, Deine +Vollkommenheit, die nicht war, diese verzweifelte Liebe, die im Fleisch +suchte, was in Deiner Seele fern von ihr war, - Deine Seele, die sich +nicht mit ihr vereinigen konnte. Die sie in die Arme eines Andern fliehen +machte, der sie noch unglcklicher liess? - Diese arme, nackte frierende, +beschmte Seele, hast Du sie geliebt?" + +Auch der verstand ihn nicht. Viele Leute sagten nun: "Er ist nachsichtig +fr die Snden des Fleisches. Huren und Lstlinge sind ihm recht." + +"Die Snden der Wollust sind traurig," sagte er. "Sie tragen ihre Strafe +in sich. In dieser Traurigkeit, die nachher kommt von der Unvollkommenheit +der Liebe, dass es nur wieder Unvollkommnes ist, was sie gebrt. Die +Unreinheit ist das Gift, das Alles vergiftet, das ihr naht. Es giebt keine +Schnheit mehr fr den, der faul sieht. Sie lieben nicht, die sich der +Leidenschaft hingegeben haben. Das ist eine eiternde Krankheit, +Wrmerfrass der Seele." + +"So wre es also besser, ganz keusch zu sein, keine Kinder mehr zu zeugen +und dass die Welt aufhrte?" fragte Einer. Er war ein Mann, der im Laster +gelebt hatte, und er wollte ihm eine Falle stellen, um zu sagen: "Welch' +ein Unsinn!" + +Er sah ihn lange an. "Was weisst Du von der Keuschheit? Das ist die weisse +Blume des Paradieses, das erste Gewebe aus den Strahlen der Morgenrthe. +Wenige sind ihrer theilhaftig. Und ob sie nackt gingen durch den eklen +Sumpf, er befleckte sie nicht. Alle Schande und Schmach kann ihnen nichts +anhaben, _denn sie schmen sich nicht_. Das ist das Hchste, sich nicht zu +schmen. Weil die Scham in uns ist von der Snde." + +Aber Viele wollten, dass er sich deutlicher erklrte. + +Er that es nicht: "Vielleicht begreifen nur sie es, die das Andre gekannt +haben, durchgegangen sind durch den feurigen Ofen und im Feuer wieder rein +wurden. Die irdische unvollkommene Liebe ist in sich ein Abbild der +andern. Sie giebt die Sehnsucht. Die Sehnsucht schafft neues Leben - immer +neues! Sie sind wohl die Unglcklichsten, die nie geliebt haben. Sie sind +unfruchtbar." + +Manche htten gehofft, dass er mehr darber sagte. Aber er hielt seinen +Mund geschlossen und sprach nicht mehr den Tag. + +So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen Fragen. "Ich habe meinem +Nachbar Geld geliehen. Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im +Recht oder ich?" + +Er sprach: "Warum forderst Du es?" + +Es entstand da ein ganz lcherlicher Disput ber die Ehre. "Wenn Einer +mich geschlagen hat, muss ich ihn wieder schlagen?" + +Er sprach: "Ein Schlag und noch ein Schlag sind zwei Schlge. Machst Du +ein Loch damit zu, dass Du es doppelt weit einschlgst?" + +Aber in seinem Herzen wurde es traurig ber sie. Und er that seinen Mund +auf und fing an zu wehklagen. + +"Arme! die Ihr reich seid, und Eure Gter fressen Euch selbst, Geiz, Neid +und Habsucht! Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, der zu wenig +hat, und fr jedes Ueberflssige, das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein +Andrer Mangel. + +"Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhuser und sammelt fr +Wohlfahrtsanstalten: Dies thue ich - und wollt Lob Eurer Nachbarn und +Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr nicht genommen habt zuvor, +was brauchet Ihr zu geben? + +"Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet fr die Freiheit Eurer +Brder, Gesetze, Unterricht und Brgerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, +wenn Ihr nicht Unfreie gemacht httet zuvor, Eure Seelen nicht in Banden +wren des Geizes, des Trotzes, des Hochmuths, der Lge, der Trgheit und +der feigen Angst? + +"Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch hochbaut vor den Leuten, +dass sie Euch anstaunen mchten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom +Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag kommt, dass man Euren Leib zu +Grabe trgt, Eure Seele war todt in Euch lange vorher. + +"Ihr denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr nicht mehr. Das Gesuchte +ist weiter von Euch, denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft die +ussre Wunde zu und der Brand frisst fort inwendig. Ihr seid stolz in +Eurer Erkenntniss, Eurem Wissen, kstlichen Kleidern um Eure Nacktheit. +Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der Frost. Ihr erstarrt unter dem +faulen Schimmer. Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure Grsse +die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen aufwirft. + +"O Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Unglubigen! Wie unglcklich seid Ihr +in Eurem Glcke! Wie erbrmlich in Eurem Stolz! + +"Die Kinder und Unmndigen werden wissen vor Euch, die Kleinen, die Ihr +verachtet habt. Das Lamm wird strker sein denn der Lwe, der laut brllt. +Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares wird Knigreiche leiten, die der +Eisenfuss zertritt. + +"Wehe Euch! Wehe Euch! + +"Die Pflanzen wissen, die Felsstcke. Die Wasser, die ihren Weg laufen. +Alle Sterne, die gehen in ihrer Bahn. + +"Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. Ihr knnt nicht, die Ihr stark +seid. Die wollen, werden niemals erreichen. Die kmpfen, siegen nicht." + +Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn zu erhaschen. Aber er ging +mitten durch sie hindurch und entwischte ihnen immer. + + + + + + DAS ZWLFTE KAPITEL. + + +Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht. + +Er war aber ein sehr vornehmer Mann des Landes, der Vornehmste und +Reichste im ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhllt, dass +Niemand sein Gesicht erkennen konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine +Gestalt, dass es unmglich war zu sagen, ob er klein gewachsen war oder +gross, breit oder schlank. Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. +Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener htete sein Pferd, +whrend er hinaufgegangen war, mit ihm zu sprechen in der Nacht. + +Die Nacht war strmisch und sehr finster. Man hrte den Wind brausen. Er +trieb die nassen Zweige der Bume in grossen Packen gegen die Fenster, +dass es klatschte und prasselte. Der Wind war gewaltig. Er fuhr ber die +Erde in einem weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe die Erde +fegte. Oben blies er in die Wolken. Sie flohen eilig wie wollige, +furchtsame Schafe durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse Fetzen +und jagte sie fort. Er freute sich, dass er so allein draussen war zu +herrschen, orgelte sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes und der +Herausforderung ber die Erde. + +Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens und war ber die See gefahren +und sein Mantel hatte die Kmme der Wogen aufgepeitscht, dass sie nach ihm +schnappten und sich berschlugen in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, graue +Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die grossen Wogen unter dem Winde. +Aber sie fingen ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal packte er sie +und wirbelte sie im Tanze, rund, rund, um einen spitzen, kreiselnden +Trichter in der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt sie in +glatten, gekeilten Furchen wie der scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann +entschlpfte er ihnen wieder, sich berschlagend in der Luft. Sie machten +verzweifelte Sprnge und warfen sich ihm nach an den Strand wie ungefge +Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden Leibern. + +Aber er lachte nur und schrie lauter und floh davon. + +Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, den die Menschen gebaut hatten, +um der Fluth zu wehren, dass der Leuchtthurmwchter erschrak in seinem +Herzen: Ich will die Laterne fester stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er +blies dem Wchter die Capotte vom Gesicht und schrie laut auf vor seinem +Fenster, wie ein Meervogel mit schwarzen, schlagenden Flgeln. Dann fuhr +er weiter. + +Er blies in die weissen Segel der kleinen Fischerbarken, dass sie +umschlugen vor dem Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. Und +er probte den stolzen Oceandampfer, der ruhig weiterschiffte in seiner +geraden, majesttischen Bahn. + +Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und machten die Lden fester zu. +Sie dachten mit Sorge an die Schindeln auf ihren Dchern, die schlechten +Strohdecken der Scheunen. Der Wind fegte die Schindeln herunter. Er hob +das Strohdach auf und fuhr in die Scheune, dass Alles aufstob, +durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel in den Hhnerstall fhrt. + +Hui - hui - machte der Sturmwind. + +Im Gebirge kpfte er die Tannen und schleuderte sie kopfber den Abhang +hinunter. Von der offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss er +grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die blanken Eisenbahnschienen +mitten auf den Damm. Er polterte an den Pfeilern der Brcken und peitschte +die Weidenruthen am Ufer, die sich bis auf die Erde bogen, der Wind ist +ihr Herr. Er war furchtbar. + +Ueber die Stdte der Menschen fuhr er. Sie schlossen die Lden vor und +zogen sich die Nachtmtzen tiefer ber die Ohren: Es ist Sturm draussen +und gut, dass wir nicht im Freien sind. - Wo er Einen fand, der draussen +war, schttelte er ihm die armseligen Fetzen vom Leib und kltete ihn +durch, dass der Frost in ihm blieb. Denn der Sturmwind war schrecklich und +ein Feind der Menschen. + +Durch den Sturm und die Nacht ritt der einsame Reiter. Sein Gesicht war +dicht verhllt im Mantel. Sein Pferd schritt schnell, ausgreifend, mit der +Regelmssigkeit schner, gebter Edelthiere. Der Sturm versuchte ihm den +Mantel vom Gesicht zu zerren. Aber er hllte sich nur noch dichter hinein. +Ganz schwarz sah er aus. Wie ein schwarzer Schatten ritt er durch die +Nacht unter dem heulenden Sturmwind. Der Diener folgte, stumm, wachsam, in +einiger Entfernung. + +Der Reiter hrte dem Concert des Windes zu. Es war ihm, als bildete es +eine sehr hohe, erhabne und brausende Melodie. Aber er war zu weit +entfernt und zu niedrig. Er konnte nicht verstehen, was der Sturmwind +sang. + +Es war ein Lied vom Krieg, von Trompetenrufen und Pferdegetrappel, von +wehenden Fahnen, Kanonendonner und knatterndem Gewehrfeuer - dann der +Hurrahschrei des Siegers. Einer ritt allein im strahlenden Adlerhelm. Die +Sonne seines Helms warf Strahlen. Ein weisses Pferd schritt unter ihm. +Alle schrieen: Heil! Heil dem Sieger, dem grossen Knig unter den +Menschen, dem Gewaltigen! + +... Es war der Orgelklang eines Doms. Alle Glocken luteten. +Festguirlanden hingen. Frauen wehten mit ihren Tchern. Weissgekleidete +Mdchen trugen Blumen und sangen. Endlos war der Zug der Festtheilnehmer. +- Der Hermelin hing um seine Schultern. In schweren Falten umfloss ihn der +Purpur. Er schritt die Stufen zum Altar hinan. Hinter ihm rauschte der +Mantel. Das Schwert stiess klirrend gegen den Marmor und der Priester im +Ornat hob die lichte Krone, den wundersamen Reifen ohne Anfang, ohne Ende, +wie die Schlange, die den Weltkreis hlt, funkelnd im Schmuck der +Edelgesteine - des Rubins, der das Blut ist, Topase, kstlicher als Gold, +der Herrschaft, und Smaragden, funkelnde grne Augen der Edelkatze. - Und +er war es, der gross und reich war, der Knig war. + +Lieder von Ruhm und Macht sang der Sturmwind. Der einsame Reiter in der +Mitternacht hrte ihm zu. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhllt und +ritt schnell, dass Niemand ihn kennen konnte. + +Als ein Fremder zu dem Fremden kam er mitten in der Nacht. + +Draussen tobte und fauchte der Sturmwind. Er strich dahin mit dem tiefen, +surrenden Ton zu stark gespannter Saiten. Die Luft schwang und zitterte +nach seinem Rhren. Die Erde aus ihren Eingeweiden antwortete gleich dem +vibrirenden Resonnanzboden einer Violine. + +"Es ist Sturmwind und sehr finster," sagte der schwarze Reiter. "Ich bin +zu Dir gekommen, um mit Dir zu sprechen ber Dinge, die gefhrlich sind zu +nennen und sehr geheim. Darum komme ich in der Nacht. Sie ist furchtbar, +diese Nacht!" + +"Es giebt einen Morgen," sagte der Fremde. "Das Licht wird sehr hell +kommen. Wir werden Morgen haben bald." + +"Ich darf den Morgen nicht sehen. Ich habe grosse Eile, und dass ich hier +bin, darf Keiner wissen. Das Licht nicht und nicht der weisse Nebel des +Morgens, der dem Hahnschrei vorangeht. Durch die Nacht und den Sturm bin +ich gekommen, weil es Nacht ist und Sturm in mir. Hrst Du die Weisen +draussen? Es sind alle Geister der tollen Vergangenheit, die los sind. Sie +singen mir von Stolz und Sieg und Macht. Ich sehe sie Alle, die dies Haus +umkreisen und mit mir hierhergezogen sind. Sie tragen Rstungen von Eisen +und gehen langsam vorber. Die Letzten haben Purpurmntel und Einige +reiten auf herrlichen Pferden. Einer trgt sein Haupt unter seinem Arm. - +Warum sind sie grauenhaft und traurig wie diese?" + +"Sie haben getdtet," sagte der Fremde. "Sie haben genommen. Sie haben +gercht und gerichtet." + +"Aber Viele haben Gutes gethan. Sie haben Ordnung gestiftet. Sie haben +geschafft. Die Kraft ihres Hirns haben sie gegeben und die Strke ihres +Arms. Sie waren Vter und Erbauer." + +"Des Vaters Amt ist ein schweres. Viele fhrt in die Irre, der als ein +Fhrer selber irrt. So er dieser Geringsten einen rgert, besser wre es +ihm, er verlre Leben und Leib. Der Baumeister, der nur einen Stein falsch +whlt, gefhrdet den Bau." + +"Das ist schrecklich. - Sie waren Erwhlte unter den Menschen. Die Gnade +von oben hat ihnen geholfen." + +"Es ist schwer, dass ein Reicher das Himmelreich finde," sagte der Fremde. +"Die Gnade wird dem Demthigen." + +"Man kann demthig vor Gott sein und stolz vor den Menschen. Gott hat +Knige eingesetzt." + +"Einen. Er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen sollte und ward in der +Krippe gebettet." + +"Du denkst also, dass es ein Unrecht ist, ein Grosser dieser Welt zu +sein?" + +"Es stehet geschrieben: Wer unter Euch will ein Herr sein, der sei Aller +Knecht." + +"Das ist bildlich gemeint," sagte der Reiter. "Wer dem Ganzen dient, ist +Aller Knecht." + +"... Und er nahm seinen Schurz und wusch ihnen die Fsse," sagte der +Fremde milde. + +"Das ist doch auch nur symbolisch." + +"Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?" Der Fremde lchelte - ein +trauriges Lcheln. Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert +gleichsam, wie lange gestorben, die lebte. + +Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. Der Sturmwind draussen blies +zum Umwerfen. Und es war sehr finstre Nacht. + +"Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art Kreuz. Wir hngen am Kreuz. +Jeder, der den Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich zu +kmpfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, die furchtbare Verantwortung. +- Auf Einen fllt der Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom +Unrecht. Fr dieses schwere Amt msste man Vorrechte haben. Wer wollte +freiwillig es auf sich nehmen?" + +"Glaubst Du, dass es Keiner mchte?" + +Der Reiter verwirrte sich. "Es muss doch sein, um der Ordnung willen. Es +ist besser, dass das Festgefgte bleibt. Einer, um den kein Kampf ist, der +den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. Das Alles haftet dem +Emporgekommenen an. Der Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?" + +"Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr denn zehntausend Legionen Engel. +Er liess sich binden und kreuzigen." + +"Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, das ist gttlich." + +Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt das Haupt geneigt. Es waren +auf seiner Stirn rothe Spuren wie von Schrfen, Spitzen, die eingedrungen +waren. Er hatte Narben in den Hnden. Ein Schmerz, wie von einer schweren, +nie geheilten Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte die Hand in +seine Seite. Er seufzte. + +"Und wenn ich es thte?" fuhr der Reiter fort. "Wer htte den Vortheil? +Ein Andrer, der kme und schlimmer wre, vielleicht weniger tief angelegt, +- ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem wre geholfen? Und was ist Einer?" + +"Einer war und er that." + +"Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser geworden? Die Formen der +Unterdrckung haben gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind sie +darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit verschwunden? Er +war Gottes Sohn und starb vergebens. Wer bin ich?" + +Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. Er stiess hinein wie in eine +Trompete. Ein Fensterglas zersplitterte. Es klang wie Gelchter, das +Lachen von tausend Kobolden und Dmonen. Der Fremde antwortete nicht. + +"... Es knnte sein, dass Umwlzungen kmen," sagte der Reiter, +"allgemeine, durch einen Umschwung des Denkens erzielte, langsam +vorbereitete. Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. Wem ist es gegeben +zu erforschen? Man muss bleiben, wo man hingestellt ist, sich gengen +lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist unvollkommen. Langsam nur +geht die Zeit. Ich bin nicht ein Erlser. Nicht ein Genie ... Ich thue +meine Pflicht." + +Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. Er rief nach seinem Pferde. +Diese ritten hinaus wieder in die Nacht. + +Ueber ihren Huptern fegte der Sturmwind. Er sang wilde, triumphirende +Weisen. + +Hoiho - hoiho - triumphirte der Sturmwind. + + ------------------------------------- + +Er ging allein fort, bis er an einen grossen Wald kam und setzte sich +daselbst auf einen Stein. + +Es war ein sehr alter Wald aus lauter hundertjhrigen Bumen, Eichen mit +seltsamen verknoteten, verkncherten Stmmen, die da wie Vorweltriesen +standen. Unten waren sie schon abgestorben, aber oben trieben immer wieder +frische grne Zweige mit krausen Blttern und Eicheln. In einige war der +Blitz gefahren. Sie trugen seine Spur wie ein breites kohlschwarzes Band +vom Wipfel zur Wurzel. Da war alles Leben versengt, aber die andre Seite +grnte noch und breitete Aeste. Alle standen da in einem geheimnissvollen +Kreisring. Nicht zu nahe bei einander, weil sie sich sonst gestrt htten +im Wachsthum. Um den engeren Ring lief jedesmal ein weiterer. Seine Stmme +standen in den Zwischenrumen zwischen denen des Ersten, so dass es von +innen anzusehen war wie eine hlzerne geschlossene Ringwand, aus lauter +Stben, dass man nicht unterscheiden konnte, wo der Wald aufhrte oder +anfing. Aber zwischen den einzelnen Kronen fiel breit der blaue Himmel +durch. Der Boden war mit hohem, grnem, sehr feinem Gras bewachsen. Man +konnte gehen in den Abstnden der Ringe wie in einer Wandelbahn. Es war +schattig und doch hell. + +Die Rinde dieser Bume war rauh, borkig, mit starken, eingeborstnen +Abschilferungen wie die mchtigen Dickhuter. Moose wuchsen aus ihr in +grauen Hngebrten. Knoten und Buckel hatte das Alter gebildet, +schwrzliche Warzen, in denen die Sfte sich schwrend stauten. Die Aeste +kamen wieder, verrankten und verschlangen sich in seltsamer Weise. Keine +Regel schien da mehr zu herrschen, nur Laune, grimmige, kauzige Spottsucht +des Alters. Die Wurzeln liefen sehr lang mit Knollen und Armen. Sie +verstelten und verwoben sich auch ineinander. Einige Stmme hatte man +abgehauen. Aber die Stmpfe waren geblieben. In deutlichen Ringen stand +ihr Leben geschrieben. Kleines Buschwerk, Gepilze, schoss und trieb um die +Todten. Man sah ihre Wurzeln, die weiss wurden, abstarben. Doch mchtig +mit starken Fibern und Adern wie Gespinnste einer untergegangenen +Hexenwelt. + +Grosse Steine von alten Heidenzeiten her lagen in der Runde. Jedermann +wusste, dass man diese Steine nicht anrhren durfte. Es lagen grosse +Helden der Heiden darunter begraben und sie waren blos verzaubert und +nahmen es bel, wenn man sie reizte. Dann kamen sie hervor aus ihrem +Grabe, schlugen mit ihrer Zauberkraft Mensch und Vieh. Manche erzhlten, +dass sie zu Zeiten ein weisses Ross da htten grasen sehen, ohne Zaum und +Sattel, von wunderbarer Farbe und Sanftmuth. Aber wenn man es anrufen und +fangen wollte, wurde es schwarz, Feuer sprhte aus seinen Nstern. Das war +das Schlachtross des Heidenknigs. Auch von einer wundersamen Frau +erzhlten sie. Er hielt sie dort gefangen mit sich im Tode, die im Leben +seine Braut nicht gewesen war. Denn zu den Zeiten waren Mnner; solcher +liess ein Weib nicht und ob er sie im Sturm geraubt. Der alte Heidenknig +hielt sie im Grabe, und des Nachts stand sie auf und ging zu ihrer +eigentlichen Heimath und ihren Kindern, dem weisen, guten Knig, dem sie +angehrte. - Aber des Nachts und wenn es finster war, hielt sie der Andre, +der sie geraubt mit seinem Leben. Und man fand, dass es so recht war im +Volke, weil er den Blutpreis gezahlt um sie. Es war darum im Herzen der +schnen Frau, dass sie nicht widerstehen konnte, wenn er sie zu sich rief +auf sein hllisches Bett des Nachts. + +Aber sie war unselig und klagte. Oft hrte man ihre Klage widerhallen im +Mittag, zu Stunden des Tags, wenn die Luft lau und lind war. Sie klagte, +dass der gute Knig, ihr Mann, gestorben war, alle ihre Kinder und spte +Enkelkinder. Ihre Seelen waren zu Gott oder zum Teufel, je nachdem sie +thaten, recht oder unrecht gehandelt im Leben. Sie auch war lngst todt im +Leibe; nur ihre Seele konnte nicht sterben um der sndigen Leidenschaft +willen, die sie festhielt an dem starken Helden. + +Aus solchen Klagen der weissen Frau hatte man ein Lied gemacht. Knechte +und Mgde sangen es oft bei ihrer Arbeit. Es war ein Lied des Landes +geworden, von der armen Seele, die nicht sterben konnte, weil sie noch +immer liebte. Ihre Liebe war vom Teufel und starb doch nicht. Weil er so +stark gewesen war und so schn, der tapferste Held der Heiden und ein +Wunder, der Knig, vor den Leuten. + +Jedermann wusste, dass sie nie den Frieden finden konnte. Sie war wie eine +unselige Seele zwischen Himmel und Erde. Der Heidenheld ksste sie heiss +und wach wieder, jede Nacht, wenn sie mde war und kalt, endlich sterben +wollte. + +Der Fremde sass auf dem Stein und schrieb in den Sand mit seinem Stabe. Er +folgte den krausen Runen der Wurzeln. Buchstaben und Worte bildeten sie, +seltsame Worte von tiefer Meinung. Er folgte ihnen in jede ihrer +fliehenden Curven, bis sie sich die Hnde reichen, neues Spinnen begann. +Wo sie aufhrten im Baumstamm, wurden sie sehr stark, wie starke Leiber +mannbarer Mnner, und standen wie Thrme, die nichts umwirft. Der Blitz +war an ihrer Seite hinabgefahren. Er auch hatte seine Schrift gelassen. Da +war die Schrift des Blitzes, der Jahre, des Regens, uralter Zeiten. + +Ein Salamander schlpfte zwischen den Wurzeln vor, schwarz und gelb +gesprenkelt. Er sah den Fremden an mit blanken, klugen Aeugelchen, die wie +Kugeln aus seinem platten Kopfe sprangen. Man sagt von ihm, dass er fest +bleibt im Feuer. Wer den Salamanderknig fngt, steht unversehrt mit ihm +mitten in den Flammen, alle Schtze der feurigen Tiefe sind sein. - Denn +der Molch ist der Knig des Feuers, derer, die hmmern ohne Unterlass im +Gestein, Zwerge, neidischer, ungefger Riesen und Drachen. Rothes Gold +hten sie, funkelndes Edelgestein, unerhrte Schtze, von denen die +Menschen blind werden und roth sehen in bebender Gier. + +Eine schwarze Amsel kam und lief emsig hin und her. Sie blieb stehen und +horchte. Dann lief sie wieder, pickte anklopfend, neigte den Kopf und hob +ihn. Man sagt, dass diese Amsel Alles weiss, die Sprache der Vgel und der +Bume, wie die tiefsten Sorgen und Geheimnisse des menschlichen Herzens. +Wer ihrer Weisheit zuhrt, vergisst Essen und Trinken. Wenn er zu sich +kommt, ist sein Haar weiss und sein Herz vertrocknet in ihm, wo er jung +war, lieben und lachen konnte, da er zum ersten Mal die teuflische +Weisheit der Amsel und ihren Spruch vernommen. + +Zwischen den Stmmen wob eine Kreuzspinne. Sie wob emsig, klebrige Fden +ziehend und feuchtend mit hebenden Beinchen. Nach rechts und nach links +und in Strahlen von ihrem Mittelpunkt aus. Dann verbanden die Strahlen +wieder andre kreuzende Fden. Auf und ab wob die Spinne netzend und +anziehend, wie sie Faden auf Faden spann. Die Kreuzspinne dachte: "Dies +Gewebe ist meine Welt. Ich habe es Alles allein gemacht aus mir selbst. +Hier hnge ich zwischen Himmel und Erde. Sie knnen mir nichts anhaben von +oben oder unten. Denn ich bin die Sonne, die scheint in der Mitte. Alles, +was auf ihren Strahlen luft oder sie kreuzt, ist mein. Sein Blut nhrt +mich. Ich werde fett und satt von ihrem Blut. Ich bin die fetteste +Kreuzspinne im ganzen Wald. Mein Gewebe ist unzerreissbarer wie die +starken Bastfden der Bume." + +Der Fremde sass und zeichnete im Sand. + +Alsbald kam des Wegs ein sehr alter Mann, dem der Wald gehrte. Er war so +alt, dass er nicht mehr gerade gehen konnte, sondern sich auf einen Stock +sttzen musste. Aber sein Rcken war breit und mchtig in dieser Krmmung, +als ob er eine Weltlast tragen knnte. Sein Haar und Bart war schlohweiss, +von Schnee, der nie mehr schmilzt in ewigem Winter. In seine Haut hatten +die Jahre Furchen gegraben wie in einen Acker. Zh und hart war sie, von +der Sonne vielfach verbrannt, dass ihre Farbe der ungegerbten Leders glich +oder Pergamenten uralter Schriften. Wo die Adern sich unter ihr kreuzten, +bildeten sie starke, hervortretende Knoten. Sie liefen auf seinen Hnden +wie Stricke, versteinerte Gnge einstiger Canle, in denen kein Blut mehr +fliesst. Wohl hundertjhrig war dieser Mann. Aber seine Augen glhten und +leuchteten vom Feuer, das nicht stirbt. Wie Steine waren sie, die +erstarren machen die, die darauf sehen, sthlerne Spiegel, dass die Seele +und die geheimsten Gedanken des Mannes, den er anblickte, offen lagen +gleich einer Thr ohne Hter vor dem Alten mit den furchtbaren Augen. Wenn +er die Brauen zusammenzog, war sein Zorn so schrecklich, dass die +strksten Herzen zusammenschmolzen vor ihm, ihr Wille war unter seinem +Willen wie eine zappelnde Maus, eine winzige, verwickelte und verwirrte +Fliege. + +Wer diesem Mann nahte, der verfiel ihm mit Leib und Seele. Und er nahm +ihre Leiber und sog ihre Seelen ein. Darum war er gross und stark, +wunderbar vor Allen und sehr alt, so dass die Leute ringsum sagten: Er +wird nicht sterben. Er aber wusste sehr gut, dass er sterben musste. Darum +htete er den tausendjhrigen Wald, liess keinen Stamm schlagen, dass er +stehen sollte, grnen und Frchte tragen tausend Jahre nach ihm. + +Der alte Mann ging auf seinen Stock gesttzt und sein Hund folgte ihm. Es +war ein grosser, grauer Hund vom Geschlecht der Bulldoggen, die keine +Furcht haben vor Mensch oder Thier, riesenhaft und ausgezeichnet unter +Seinesgleichen, schwer tretend und sehr alt schon, wie sein Herr war unter +seinen Gesellen, Herren und Frsten ringsher. Etwas vom Ausdruck des +Mannes war im Ausdruck des Hundes. Diese Beiden verstanden sich ohne Wort +oder Zeichen. Wo sein Herr ging, folgte ihm der Hund. Wenn er des Nachts +schlief, lagerte sich der Geselle vor seinem Lager. Es war unmglich zu +diesem Lager zu gelangen, ohne den Leib des Hundes zu berhren, der +aufsprang, in einem einzigen Gurgelgriff den Eindringling beendigt htte, +dann legte er sich wieder nieder und leckte seine Tatzen. Denn so +furchtbar und gefhrlich dieser Hund war fr Menschen und Thier, so +gehorsam und gefgig war er seinem Herrn, dass er das Wunderbare seines +Eindrucks erhhte, der Ruhm des Hundes gross war wie der seines Herrn, in +dieser Gegend, wo man sie fr Knige hielt und Wesen ber dem Maasse des +Irdischen und Staubgewordnen. + +Der alte Mann war vor dem Fremden stehen geblieben und sah ihn an. So +gross war das Feuer der Sehkraft in den Augen dieses alten Mannes, dass es +wie Flammen zngelte und emporschlug an dem Andern. Einen Sterblichen +htte dieses Feuer verbrannt. Aber der Fremde sass ganz still, zeichnete +mit seinem Stab im Sande. + +"Wer bist Du?" fragte der alte Mann, dem der Wald gehrte. + +"Ich bin Der, der gewesen ist und nicht stirbt." + +"Nichts ist gewesen von Anfang, und Alles stirbt," sagte der alte Mann. +"Es ist Niemand, der nicht stirbt." + +"Nichts, das gewesen ist, stirbt," sagte der Fremde. + +"Buddha ist gestorben, Alexander und Csar. Was ist geblieben von ihrer +Weisheit, ihrem Glanz, ihrer Strke?" + +"Die Amsel, die luft. Der Molch, der wacht. Die Spinne, die spinnt." + +"Du sprichst sehr thricht," sagte der alte Mann. "Jene waren Helden und +Weise. Diese sind arme, geringe Thiere." + +"War ihre Weisheit vorsichtiger denn die des Vogels? Ihr Reichthum grsser +denn der der Eidechse? Ihr Werk bleibender als das der Spinne?" + +"Sie rechnet nach Tagen. Wir zhlen Aeonen. Sein Reichthum ist Spukwesen. +Die Weisheit des Vogels ist der rohe Instinkt der Natur. Wir finden die +schwersten Regeln und lsen das Innere der Menschheitsgeschichte." + +"Euer Wesen ist Spuk und Eure Weisheit ist Spreu. Sieh, wie ich es +zerreisse!" + +Der Fremde schlug mit der Hand in das Spinngewebe und zerriss es. Die +grosse Spinne fiel. Er setzte den Fuss darauf und zertrat sie. Der +Salamander duckte sich unter die Wurzeln. Die Amsel entfloh hpfend. + +"Ich frchte den Tod nicht," sagte der alte Mann stolz. "Ich habe das +Leben getragen und es ist schlimmer zu tragen als der Tod. Allen Reichthum +und alle Macht habe ich gehabt. Und ich war ein Sklave, rmer wie der +rmste Tagelhner. Der Tag, da ich vor meinem Hause stand und Kohl +pflanzte, war mein glcklichster Tag. Kaiser und Knige habe ich gekannt. +Ich habe an ihrem Tisch gesessen und mit ihnen gegessen. Sie waren wie die +Gummiblle in meiner Hand, Seifenblasen, die die Kinder auftreiben und +zerblasen. - An meinem Stab bin ich hierhergegangen. Ich habe die ganze +Welt besessen und konnte mein Thor zumachen vor der Welt, Eifersucht, +Noth, Neid, Hass habe ich getragen, Undank, der schlimmer ist wie der +giftige Zahn der Natter. Er hat mich nicht angefochten, mehr denn Jubel, +Ruhm, Liebe der Weiber, flchtige Tropfen des Blthenls, die verfliegen. +- Hier bin ich ein sehr alter Mann. Die Zeit habe ich ausgehalten und ich +grsse den Tod, denn ich bin mde vom Leben. In mir ist Alles todt, was +lebendig gewesen. Ich liebe die Welt nicht und ich hasse sie nicht. Alles +ist eins, und so gut als wre es nie gewesen. Wenn etwas nachher ist, +werde ich es tragen. Niemals werde ich glcklich sein und niemals klagen. +Ich bin vom Geschlecht der Riesen hier, der Tausendjhrigen. - Was bist Du +gekommen mich zu stren in meiner Oede? + +"... Ich habe Zeichen am Himmel gesehen," sagte der alte Mann, "und +Gtter. Es waren andre Gtter vor ihnen, grsser und gewaltiger als Du. +Sie hassten und liebten, sie sangen und schlugen. Vielleicht schlafen sie, +vielleicht sind sie todt. Lass mich schlafen bei meinen todten Gttern! - +Sie rafften und wussten und sammelten Schtze und schufen Welten fr +Zeiten und Jahre. Sie waren Gtter und sind wie Menschen. Ich gehre zu +ihnen. Du bist nicht meiner." + +"Du wirst mich kennen." + +Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen und beschattete seine Augen +mit der Hand. Wie ein Schatten ging es ber seine Augen. + +"Ich trumte von Einem ... Es ist lange, lange her. Der da kommen +sollte ... Ich weiss nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? Du +bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod gesehen. Du bist ein Knig und +kommst im Kleide des Bettlers. Du knntest tdten und Du streckst die Hand +aus, um zu bitten. ..... Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie wir?" + +"Ich bin fr Dich gestorben. Aus Liebe zu Dir bin ich Fleisch geworden und +ich habe gelitten. Es ist die Liebe, die mich lebendig macht vor Deinen +Augen." + +Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen drohten den Fremden zu +verschlingen. Sie bohrten sich sehr tief in sein Gesicht und schienen +seine Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: "Wohl - wohl - Du +bist gut und barmherzig. Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. +Ueber Schuld und Nacht - - Kannst Du lieben dahinber?" + +"Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin in der Hlle gewesen." + +"In der Hlle ... In der Hlle ..." Der alte Mann beugte sich noch weiter +vor. Seine Augen schienen sich hineinzufressen in die des Andern, zu +ringen - zu ertrinken. Er athmete hart. + +"Wo die Flammen steigen zum nchtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden - -" + +"Wo die Flammen steigen zum nchtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der Stolzesten +Stolzer ... Einer - -" + +"Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. Sieh mich an und verstehe!" + +Der alte Mann hatte einen Schritt vorwrts gemacht. Wie ein Blitz an der +Eiche glitt er hernieder. So fiel er um und war todt. + +Der Fremde drckte ihm die Augen zu. Er machte das Zeichen des Kreuzes +ber ihn. Er lag da in seiner ganzen, riesigen Lnge, die tausendjhrige +Eiche, die tausend Jahre gestanden hat und fllt. Der Hund hielt die Wache +neben dem Leichnam. Er sass still und gerade, den Kopf hochgerichtet, die +Vorderpfoten nebeneinander gestellt, wie steinerne und eherne Hunde sitzen +auf alten Grabmlern. + +Der Salamander lugte aus seiner Wurzelspalte. Die Amsel hpfte und +beschrieb seltsame Kreise. Die Spinne wob ihr Netz. + +Niemals wieder im Zauberwald hrte man die Klage der weissen Frau. + + + + + + DAS DREIZEHNTE KAPITEL. + + +Es begab sich aber, dass Einer gestorben war, den er lieb hatte. Dessen +Verwandte und Freunde kamen zu ihm und sagten: "Dein Freund ist todt. Er +hat Dich geliebt und liebt nicht mehr. Er hat gesprochen und nun schweigt +er. Er ging und wandelte unter uns und er ist nun starr und stumm wie ein +Stein. Bald wird die Verwesung eintreten an seinem Leichnam. Wir werden +ihn begraben und unter die Erde senken mssen. Die Wrmer werden ihn +zerfressen, sein Fleisch, das faul und stinkend wird, die Knochen, dass +von ihm nichts brig bleibt. Pilze und lange Grser werden wachsen aus +seinem Grab. Wo sein Hirn war, werden die Maden nisten. Ekle Larven werden +kriechen in der Hhle seines Mundes, der lieblich tnte von holdseliger +Rede, weil er lebte. Seine Mutter wird Niemand haben, der ihr Trost +bringt. Sie ist alt und kann nicht mehr ausgehen auf Arbeit. Seine +Schwestern werden sitzen und verwelken in ihrer Jungfrauenschaft. Denn wer +wird sie wollen, wo der Bruder fehlt, der Brot gab und Schutz? Ein grosses +Unglck ist es fr Alle. Du konntest helfen und halfst nicht. Nun ist er +todt. So Du nicht eilig kommst, wirst Du die Leiche nicht mehr sehen im +Tode. Der Dir lieb war, geht ein wie Gras, das verdorrt." + +Dies Alles hrte er mit an, sagte nichts. Danach stand er auf und ging +sehr eilig, dass er den Todten noch she auf seiner Bahre, die Hand auf +sein Antlitz legte, ehe sie ihn zuschlossen im Sarge. + +Im Hause fand er Alles in schwerer Trauer. In einer Stube sass die alte +Mutter und wehklagte laut. Alle Weiber des Orts waren um sie, weinten und +halfen ihr ihre Thrnen trocknen. Whrend sie laut die Tugenden des Todten +rhmten, der ein vortrefflicher Sohn gewesen, voll Eifer und +Zuverlssigkeit gegen seine betagte Mutter, der er die Hlfte seines +Verdienstes gab, dass sie friedlich und in Eintracht lebten in ihrem +Huschen und satt zu essen gehabt von dem, was er heimbrachte. + +So trostlos war die alte Frau, dass sie ihre Haare zerrauft hatte. Ihre +Kleider hingen unordentlich um ihren Leib, denn sie hatte sie mehrere Tage +und Nchte nicht abgenommen, whrend er krank lag. Ihre Augen waren +gerthet vom Nachtwachen, ihre Backen eingefallen von Kummer, jmmerlich +und hlflos die ganze Erscheinung. Sie weinte laut, schrie und wollte sich +nicht trsten lassen. Es war ihr einziger Sohn gewesen, der todt lag. Sie +hatte nur diesen und wrde kinderlos bleiben hinfort. Ihre Tchter konnten +in die Ferne ziehen als Mgde. Manchmal wrden ihr die Nachbarn eine +Untersttzung bringen als einer Bettlerin und Ueberlstigen. Sie wrde an +der Thr stehen, wo sie frher als Herrin gewaltet, rmlich sitzen, wo sie +im Mutterstolz geschritten neben ihrem Sohn. + +Die eine Schwester Martha ging ab und zu. Sie brachte warme Getrnke, +Wecken und Kuchen fr die Leidtragenden, whrend die Mnner Bier aus +Krgen tranken, Branntwein hingestellt war in Flaschen. Das gebot die +Sitte. Diese Martha hatte das Hauswesen unter sich und war sehr tchtig +darin. Ihre Wecken und Kuchen waren berhmt im Dorfe. Das Bier, das sie +selbst braute, schmeckte krftig und sss, wie irgend ein gekauftes. Alle +assen und tranken reichlich, lobten Martha, ihre Ordnung und Fhrung des +Hauswesens, wie sie Alles eingeleitet und gerichtet in dieser traurigen +Gelegenheit. Sie war bald hier und bald dort, fllte die Tassen und Krge, +schalt auf die Kinder, die anfingen das Brot zu verstreuen, sich die +Gesichter zu beschmieren mit Mus unter dem Tisch. Sie nahm einen Besen und +fegte sie damit hinaus Alle zusammen und gab ihnen Schlge auf ihre +kleinen Rckchen. Alle fanden, dass sie recht that, diese Martha ein sehr +tchtiges Frauenzimmer sei. Es war ein oberster Bauer im Dorf, der sich +vornahm, sie als Haushlterin zu dingen. Der Wirth vom Krug wollte sie +gleichfalls. Dieser war ein Wittmann und konnte heirathen. So dass wenig +Noth war um Martha, selbst wenn sie keine Aussteuer hatte, der Bruder +fehlte, sie wegzugeben. + +Maria aber, die andre Schwester, sass zu Hupten des Todten in dem kleinen +Verschlag nebenan. Sie hatte einen blhenden Kirschenzweig abgebrochen und +wehrte damit den Fliegen, die kommen wollten, sich auf das Antlitz des +Todten zu setzen. Wenn eine Fliege kam, scheuchte sie sie sacht hinweg mit +ihrem blhenden Zweig, ohne sie zu tdten, dass sie aufflog und summend +gegen das Fenster stiess. Sie hatte Wiesenblumen gepflckt, ganze +Armladungen voll, und sie zu beiden Seiten des Bettes geschichtet. Wie auf +einem lichten Frhlingsanger lag der Todte, weil er jung war, +wohlgewachsen und schn vor andern Jnglingen. + +Martha schalt ber das unnthige Heu, das die Khe fressen knnten. Sie +fand, dass die Schwester ihr helfen sollte in der Wirthschaft und bei der +Bedienung der Gste. Aber Maria blieb sitzen bei dem Todten. Sie hatte +ihren Zweig in der Hand und scheuchte sacht die Fliegen, whrend sie vor +sich hinsang. + +Diese Maria hatte die Gabe der Lieder. Im Hause war sie nicht so geschickt +wie Martha, von weniger flinken Fingern, so dass jene oft schalt und ihr +Vorwrfe machte. Sie konnte auch nicht ansehen, dass man Thiere und Vgel +schlachtete, wie Martha es that, trefflich davon zu kochen verstand. +Manchmal hatte sie der Schwester die blinkenden Fische wieder aus dem Netz +genommen und heimlich zurckgetragen in's Wasser. Martha hatte gezankt, +ihre Hand geschlagen. Sie fand, dass sie unntz war und trge in der +Arbeit. Obgleich sie sehr schn war, hchst lieblich anzusehen, fragte sie +nicht nach den jungen Leuten im Dorf, die zwar gekommen wren, unter ihren +Fenstern von Liebe zu schwtzen, auch wohl ihre Armuth bersehen htten um +ihrer grossen Schnheit willen. Ihre Schnheit war wie die einer Knigin, +nicht eines Bauernmdchens. Wenn sie durch das Dorf zum Brunnen ging, +liefen die Kinder ihr nach, die Khe kamen mit breiten, weissen Stirnen, +sich streicheln zu lassen von ihr, zu saufen aus ihrem Eimer. Man sagte, +dass in ihrer Hand Heilkraft wre, die Pflanzen, die sie eingesetzt hatte, +schlugen an und blhten. Ihre Lieder schlferten ein trotziges Kind ein. +Das wilde Blut wurde ruhig. Man vergass die Sorgen des Lebens, wurde +einfach, Lilien auf dem Felde, die blhen in ihrer stillen Pracht, und +kleine Vglein, die zwitschernd flogen ohne Sorge und Noth. + +Sie sass und strte mit ihrem Zweig die Fliegen. Sie sang leise. Sie war +gar nicht traurig. Ihr schnes Gesicht blieb ruhig wie zuvor. Sie weinte +auch nicht; man sah keine Unordnung in ihrem Haar oder Kleid. Keine +Herdrthe lag auf ihren Backen, wie bei Martha, die fliegend stob, +scheltend, zhlend, weinend wieder zwischendurch ber den Bruder, der +fehlte, die Sorge, die in den Haushalt gekommen dadurch. Besonders +beklagte sie sich, dass Er, der sein Freund war, nicht dagewesen war bei +Zeiten. Er htte ihm ein Heilmittel geben knnen, wenigstens doch Trost +spenden an seinem Bett, eine Hlfe sein den geplagten Frauen. + +Es kamen immer mehr Menschen, denn die Zeit des Begrbnisses war nahe. +Alle assen und tranken. Es war eine grosse Unordnung. Man hrte das Klagen +der alten Frauen, die die Tugenden des Todten aufzhlten, die Kinder +spielten und trieben allerlei Schabernack. In den Stllen brllte das +Vieh, das man vergessen hatte ber dem Trubel, vor seinen Krippen. + +Mitten hinein da trat der Fremde. Martha strzte sich sofort auf ihn und +erzhlte die nheren Einzelheiten von der Krankheit und dem Tod. Die alte +Mutter erhob ihre Stimme sehr hoch in Schluchzen. Alle sahen ihn an und +drngten sich um ihn, denn sie wussten, dass der Verstorbne ihm sehr lieb +gewesen war. Sie wunderten sich, was er thun wrde. Einige dachten auch, +er htte ihm helfen knnen: Was ist an ihm, so er nicht mal diesen retten +konnte, den er lieb hatte? Die Andern glaubten beinah an ein Wunder: Jetzt +ist die Gelegenheit fr ihn. Wir mssen sehen, was er thut. Sie waren ganz +bereit zu glauben, wenn er den Todten erweckte, obgleich sie natrlich +nicht zugaben, dass so etwas mglich wre. Es war eine Aufregung in der +ganzen Gesellschaft und Alle sahen auf ihn. + +Er sprach: "Fhrt mich zu ihm!" + +Martha fhrte ihn in den Verschlag. Alle drngten nach durch die niedrige +Thr. Aber er hiess sie die Thre schliessen. + +So schloss sie die Thr. Draussen warteten die Andern. Nur die alte Frau +fuhr fort laut zu wehklagen, ihre Tage zu verfluchen, dass sie lieber ihm +nachfahren wollte in die Grube, der ihr Leben gewesen, der Trost ihres +hlflosen Alters. + +Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte sich die Vorhnge fortzuziehen: +"Sieh ihn Dir genau an und merke die Zeichen des Uebels, an dem er +gestorben ist." Sie beschrieb sie genau. "Nun ist es zu spt. Wenn Du bei +Zeiten gekommen wrst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist es auch nicht +zu spt? Du weisst sehr Vieles, und es ist Dir Macht gegeben ber Kunst +der gewhnlichen Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!" + +Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte in ihrem Herzen: "Wenn es doch +mglich wre? Warum sollte es ganz unmglich sein?" + +Er sprach: "Lass mich allein mit ihm." + +So ging sie hinaus und schloss die Thr hinter sich. + +Es war Niemand im Zimmer, denn er und Maria. Und die Leiche zwischen +ihnen, von der sie die Fliegen wehrte mit ihrem blhenden Zweig. Denn sie +hatten ihn viele Tage liegen lassen um des Fremden willen. Der Leichnam +fing schon an sich zu zersetzen. Ein Geruch der Fulniss war mit im Zimmer +zwischen dem frischen, khlen der Blumen, die Maria gesammelt hatte. + +Er war an das Lager getreten und sah den Todten an. + +"Er ist nicht todt," sagte er. + +"Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schlft blos," sagte Maria. Sie +fuhr fort den Fliegen zu wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, +sang sie, von der Spreu im Winde: + +"Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blhet wie eine Blume auf dem +Felde. + +"Wenn der Wind darber geht, ist sie nimmer da und ihre Sttte kennt sie +nicht mehr. + +"Sie gehen daher wie ein Schemen und machen sich viel vergebliche Unruhe. + +"Sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. + +"Wie ein Traum vergehet, so wird er auch nicht gefunden werden und wie ein +Gesicht in der Nacht verschwindet. + +"Unser Leben whret siebenzig Jahre, und wenn es hochkommt, so sind es +achtzig Jahr, und wenn es kstlich gewesen ist, so ist es Mhe und Arbeit +gewesen; denn es fhret schnell dahin, als flgen wir davon." + +Nicht traurig klang es. Nur weich und sehr leise. + +"Er ist nicht todt und er hat nicht gelebt," sagte der Fremde. "Er wurde +nur geboren und nun ist er gestorben." + +"Ich weiss, dass er nicht todt ist und nicht gelebt hat," sagte Maria. +"Was lebt, ist unsterblich. Das Unsterbliche kann niemals sterben." + +"Niemals," sagte der Fremde. + +"Vielleicht ist er auf einem andern Stern jetzt," sagte Maria. "Vielleicht +ist er etwas sehr Hohes und Herrliches. Vielleicht ein Fliegeneichen. Und +der Wind fhrt es fort. Oder Grser wachsen aus ihm, die blhen und Samen +tragen." Sie lchelte und scheuchte die Fliegen. Die Sonne stand schon +niedrig. Ein breiter Lichtbalken vom Fenster her zog sich quer durch die +Stube. Hunderte von glitzernden Stubchen tanzten und webten. Sie stiessen +sich und kreisten. + +"Vielleicht," sagte der Fremde. "Nur er ist nicht todt." + +"Er ist nicht todt. Sie denken es blos. Sie sind thricht." + +"Und blind. Sie sehen nicht." + +"Sie sehen nicht, weil sie hochmthig sind und Scheuklappen vor ihre Augen +binden, um nicht zu sehen. Alles ist schn. Alles singt. Alles lebt." + +Und frhlich sang sie in den Tag, der sich neigte: "Sie denken, dass die +Sonne untergeht. Sie geht nur weiter. Sie sehen sie nicht. Es wird Nacht. +Nach der Nacht kommt der Morgen. Ach, die Menschen sind ungeduldig und +unverstndig! Wie kleine Kinder sind sie, die weinen, wenn es dunkel wird. +Still ist die Nacht. Lieblich und gtig." + +- "Mchtest Du den wecken, der schlft? Er schlft sanft und seine Lippen +lcheln. Mchtest Du purpurn haben, was weiss ist? Zuckend und fiebrig, +was so still ward? Fhle, wie still es ist." + +Sie entfernte mit ihrer Hand das Hemd des Todten und legte ihre Hand auf +sein Herz. "Es schlgt nicht mehr. Hrt darum der Ocean auf, seine Wellen +zu wlzen? Strt es etwas im Wechsel von Tag und Nacht, vom Sommer zum +Winter? Arme Menschen! Wie ihre Herzen winzig klein sind! Und Froschherzen +sind noch kleiner. Aber eine Fliege hat auch ein Herz. In ihren Adern +fliesst Blut. Kleine Menschen, kleine Fliegen- und Froschmenschen! Wie sie +klein sind!" + +"Deine Mutter weint." + +"Ich habe eine Blume gepflckt und der Stengel blutete. Das ganze +Wrzelchen starb. Sie muss nun sterben. Sieh, wie die Bltter hngen! Wie +sie traurig ist!" + +"Man knnte sie wieder einpflanzen." + +"Wozu? Es giebt so viele Blumen. Sie wird Staub werden, eine schnere +Blume vielleicht. Vielleicht wird sie eine Knigin. Sie mchte gar nicht +wieder eine arme, kleine Blume sein." + +"Die draussen verstehen es nicht." + +"Die verstehen es nicht. Sie sind ungeduldig, dumme, kleine Kinder." + +"Und unglcklich." + +"Unglck ist Ungeduld und Eigensinn. Es giebt keine Gefahr, wenn Du auf +dem Wasser liegst und Dich treiben lsst. Es trgt Dich mit sich. _Gegen_ +die Fluth bist Du ohnmchtig. Sie verschlingt Dich. - Du kannst die Augen +schliessen und die Arme falten. So leicht - leicht schwimmt es sich! - +_Er_ schwimmt jetzt. Er tobt nicht mehr. Er ist nicht todt und ich lebe +nicht. Es ist Alles Eins - Alles ..." + +Die Abenddmmerung war in's Zimmer gekrochen. Alles lste sich auf, schien +zu schwimmen, emporgetragen zu werden. + +"Schatten! Schatten! ... Wenn Du aus der Ferne viele Stimmen hrst, ist es +Alles nur ein Ton. Wir sind zu nah. Nicht ein Gedanke, der gedacht worden +ist, verschwindet. Was in den Schooss der Zeiten gesenkt war, trgt Frucht +und blht in den Zeiten ewiglich. Das Leben der Zeiten ist die Ewigkeit. +Und alles Lebens Leben ist Gott." + +Da legte er die Hand auf die Stirn des Todten. Er sprach: "Leb wohl! Ich +sehe Dich jetzt nicht. Aber ich werde Dich sehen. Du bist nicht todt. Das +Leben ist in Dir nicht todt. Was Du mir davon gegeben hast, trage ich in +mir. Und diese Alle tragen etwas. Das Andre liegt gehtet wie ein +kostbarer Schatz. - Den Winden - der Erde - dem Wasser" - er schlug die +Zeichen durch die Luft. - "Gott, der des Lebens Ursprung ist, von dem es +fliesst und zurck fliesst. - Komm jetzt, dass wir ihn rasch begraben und +ein Ende machen." + +So gingen sie Beide hinaus, Maria und er, schlossen die Thr hinter sich, +da der Todte lag. Es war dunkel bei dem Todten. Man merkte jetzt deutlich +den Geruch der Verwesung, in dem der welkenden Blumen, etwas von Blut, +Fleischfaser und schlechten, geringen Stoffen. Schlaff, mit geschlossnen +Kelchen hingen die Blthen. Die Fliegen schwirrten. + +Die Andern, da sie diese Beiden so ruhig sahen, meinten sie, es wre ein +Wunder geschehen, dass der Todte lebte. Sie drngten nach in die Thr und +Martha rief mit lauter Stimme ihren Bruder: "Du - Du - sage ob Du lebst?" + +Aber Maria sagte: "Lass ihn. Er ist nicht todt. Doch wir mssen ihn +begraben, denn es ist Abend und die Leiche fngt schon an stinkend zu +werden. Es wre uns schdlich, ungesund, zum Schlafen in der Kammer." + +Martha sprach: "Wie sollen wir ihn begraben, so er doch nicht todt ist?" + +Sie sah den Fremden hart an, weil sie ihm zrnte, dass er ihren Bruder +nicht erweckt hatte, wie er wohl konnte nach ihrem Glauben. Sie mussten +Noth leiden forthin. Ihre Mutter wrde ohne Sttze sein fr ihr Alter. Er +aber lchelte nur, winkte mit der Hand und ging hinweg ohne ein Wort. + +Dies nahmen Viele ihm bel, Martha und die Frauen, die Neugierigen, die +auf ein Zeichen gewartet hatten. + +Maria aber war nicht traurig. Sie sang und schritt leicht dahin. Wenn man +sie fragte, ob sie nicht Leid trge um ihren Bruder, sagte sie: "Ich warte +auf ihn. Ich weiss, dass er nicht todt ist. Ich werde ihn sehen. Es ist in +sehr kurzer Zeit vorber - Alles. Ich bin eilig, die Blume zu fassen, +meine Pflanzen zu wssern, dass sie wachsen." + +Einige sagten: Es ist Gleichgltigkeit, Andre: Grsse. Aber es war nichts +von Beiden. Sie wusste nur und sie fand, dass die Tage zu kurz sind zum +Weinen. + +Denn die Nacht kommt schnell herbei, da Niemand schaffen kann. + + ------------------------------------- + +Nun war aber in dieser Gegend eine Jungfrau, die nie ein Mann berhrt +hatte. + +So rein war diese Jungfrau, dass nicht ein unkeuscher Gedanke oder Abdruck +ihr Gehirn kreuzte. Selbst in ihre unbewussten Trume kam eine solche +Vorstellung nicht, eine Hitze oder Beunruhigung. Sie htte nackt vor +Mnnern hergehen knnen, ohne dass sie sich geschmt htte. Man wrde vor +ihren Augen alle Wollust und Sndhaftigkeit der Welt ausbreiten knnen, +dass ihre Augen nichts gesehen htten, die Rthe wre in ihre weissen +Wangen nicht gestiegen. Denn sie war rein in sich und crystallen wie +klares Wasser, der Spiegel des Bergsees, in den nie eines Menschen Auge +geblickt, nur der Himmel in seiner Blue ber den Wolken, keusch wie die +knigliche Lilienblthe, die sich erschliesst in der Nacht, in hundert +Jahren ein Mal, weil die Brunst der Sonne sie beleidigen knnte, Unreines, +das stubt und fliegt im Tage. + +Dieser Jungfrau, so Einer mit schlechten oder unzchtigen Gedanken ihr nur +nahte, musste er sein Antlitz verhllen und fliehen wie vom Blitz +getroffen. Die andern Frauen mochten nicht in ihrer Nhe aushalten mit +ihren bsen Zungen, tglichem Geklatsch von Heimlichkeit und Wollust. Nur +die kleinen Kinder gingen gern an ihrer Hand und mochten in ihre Augen +sehen, die gleich klaren Sternen waren in der Winternacht, wenn unten der +Boden weiss friert. Es war ein armer Bldsinniger und Taubstummer, der mit +ihr in ihrem Garten wohnte, ihr Dienstleistungen that, denn so furchtbar +und streng war die Reinheit dieser Jungfrau, dass sie den Augen wehthat +wie Sonnengefunkel im Mittag, bluliches Gletschereis, wenn sie auf der +Strasse ging, die Menschen und Vorbergehenden zur Seite schlichen wie +scheue, geprgelte Hunde oder Wlfe. Es war, als ob sie nur Thiere waren +gegen sie. Und wenn sie grosse Herren und Frsten hiessen, vor dem edlen +Antlitz dieser Jungfrau wurden sie klein und unfrei. + +Es gab Leute, vornehme Herren und Lstlinge, in derselben Stadt, die sich +in ihr Haus geschlichen hatten in der Nacht. Und sie hatten diese Jungfrau +nackt gesehen, wie sie sich wusch. Der Strahl ihrer Nacktheit war in ihre +Augen gedrungen wie Schwerter, dass sie laut aufschrieen, heulend +hinausstrzten wie Trunkene von zu starkem Wein oder die Tollheit +verwirrt. Und hatten Einer den Andern erwrgt in ihrer schumenden +Tollheit. Und Einen hatte der Blde gepackt und er hatte ihm das Haupt +aufgeschlagen auf den Stein, dass das Gehirn weit ber die Strasse +spritzte. Und Alle fanden, dass es die gerechte Strafe war fr ihre +Unreinheit, diese Jungfrau strker war in ihrer Nacktheit wie ein starker +Mann in siebenfacher Rstung. + +Alle Lge und Verlumdung prallte von ihr ab wie Hagelschlag am Felsen. Es +ging die Sage, dass ein Gerichteter gestorben war von dem Strahl ihres +Auges, der die Wahrheit erkannte, mehr denn von dem Spruch des Richters, +der ihn verdammte. + +Aber die Armen hatten keine Furcht vor dieser Jungfrau. Auch nicht die +verachteten, gemiedenen Frauen und Mdchen des Orts, die unrein und +hsslich geworden waren an Leib und Seele. Denn die Klarheit dieser Einen +deckte sie Alle wie ein weisser, herrlicher Mantel, und war keine so +elend, mit Aussatz befleckt, dass nichts von dieser Glorie auf sie +gefallen wre. Sie wussten, dass sie die Knigin der Frauen war und +priesen die Kunst in der Gte, die ein solches Wunder geschaffen, herrlich +und unantastbar gemacht hatte vor allen Frauen und Mnnern. + +Man nannte sie nur die weisse Jungfrau. Es ging die Sage, dass, wenn sie +schlief, die Seraphim um ihr Lager standen mit gezckten Schwertern, dass +es aussah, als lge sie auf blauen, zngelnden Flammen des Eises. Nur ein +Mann, der gut und keusch und edel war wie sie, konnte sie lsen und +heimfhren als ihr Gemahl. + +Und Viele hatten es versucht sie zu lsen, die edelsten Jnglinge aus +aller Herren Lndern, die Strksten und die Schnsten. Und Alle waren +schamroth und betrbt weggegangen vor dem klaren Blick ihrer Augen, der +keine Lge und keinen Fleck zuliess, sie durchsah durch kunstvolle +Verstrickung und Verschnung, bis wo die Unreinheit sass in ihrer Seele, +die Blumen ihrer Schnheit selbst wuchsen aus dem Sumpf ihrer +Unkeuschheit. Und war nicht Einer, der bestand vor ihr, so Viele gekommen +waren und gesungen hatten und gesprochen und sich gesehnt. + +So sagte man, dass sie niemals einen Mann haben wrde, es bestimmt war von +Gott, dass sie als Jungfrau hingehen sollte, weil sie zu edel war, um +berhrt zu werden mit unreinen Hnden, zu klug fr die Klugheit der Lge +und Arglist. + +Und sie selber freute sich, dass es so war. Niemals wnschte oder fragte +sie wie andre Mdchen und schlief auf ihrem Lager mit den zehn Seraphim, +die um ihr Bett standen als strahlende Wchter, bis der Morgen kam, klar +wie ihr Erwachen, die junge Sonne grsste die weisse Jungfrau. + +Zu dieser nun geschah eine Stimme mitten in der Nacht: "Erhebe Dich und +wache auf, denn der Brutigam ist gekommen!" + +Worauf sie stracks sich erhob wie sie war aus ihrem Schlaf und in ihrer +Nacktheit. Und wusch ihren Leib und badete ihn rein in crystallenem Wasser +des Regens, in Tropfen aus Maiwolken, die nie die Erde berhrt und +vielfach gefiltert in thnernen Krgen. Oder Wasser, vom Schnee +geschmolzen, wenn er jungfrulich ist, zu oberst ruht am Morgen, da noch +kein Fuss getreten. Und wusch sich wohl und salbte sich mit kstlichen +Salben, von Knospen der Rosen, welche noch nicht das Licht gesehen hatten, +die sie gesammelt hatte in ihrer Knospe, und ersten Blumen des Frhlings, +wenn die Sonne noch nicht heiss genug ist, die unter dem Schnee blhen und +lieblicher duften denn andre. + +Und nahm ihr weisses Gewand. Das war gewebt ohne Stich und Naht aus der +allerfeinsten Seide, mit Lilien gestickt und gewirkt in silbernen Fden. +Alle Lilien standen weit offen mit prangenden Kelchen. Die Fden +verschlangen sich zwischen ihnen im kunstvollen Rhythmus, einer +wunderbaren Weise der Lilien, die sie sangen. Kleiner wurden sie gegen den +Saum in gereihten Ketten. Aber unter der Brust war nur noch eine Lilie, +die Knigin der Lilien, mit gebreiteten Schwertblttern, die zitterten, +schwollen in der Last, die auf ihnen lag. Nur Jungfrauen waren die +Spinnerinnen gewesen, die es gewebt und gesponnen. Und man sagte, wenn +eine Jungfrau, die nicht mehr rein war, die Hand anlegte an dieses Gewand, +dass die Fden blutroth wurden in ihren Fingern, und liefen aus ihren +Fingern wie Schlangen, wollten sich nicht halten und fassen lassen von +ihr. + +Dieses nahm sie, legte es an und grtete sich hoch unter den Brsten mit +goldnem Grtel. Edel war das Gold dieses Grtels, aus einem Stcke +geschmiedet, das nie zuvor zu anderem Schmuck geschmiedet gewesen. Ein +ritterlicher Jngling in seiner Klostereinsamkeit hatte diesen Grtel +geschmiedet. Er zeigte alle heiligen Frauen der Welt, die sich darauf die +Hnde gaben. Und waren Diana, die Gttin, Jephta's liebliche Tochter, die +griechische Iphigenia und Antigone, und die edle Rmerin Cllia in +derselben Linie mit den Mrtyrerinnen und Heiligen. So legte eine ihre +Hand auf die Schulter der Andern. Alle sahen nach derselben Richtung, als +ob von da der Brutigam kme, und bildeten einen Ring durch die Zeiten, +von den ltesten bis zu den letzten, Jegliche eine Jungfrau und Frstin, +aus jungfrulichem Golde von diesem untadeligen Jngling zu edelstem +Brautschmuck verbunden. Welcher, als man ihn auf solchen vermeintlichen +Fehler als heidnischen Irrthum aufmerksam machte, nur lchelte, sagte: +"Die Keuschheit ist eine besondere Tugend. Diese fhrt auf dem geradesten +Weg zum Himmel. So ist eine reine Jungfrau in sich selbst aller Engel +Schwester. Diese Verehrung ist allen Vlkern gemeinsam. - Vom +Jungfrauensohn ist das Heil gekommen. Solche stehen immerdar am nchsten +im Licht, hundertvierundvierzigtausend, die sich der Herr selbst erwhlt +aus Zion." So sprach dieser edle Jngling, erstaunte Alle und Niemand +vermochte ihm zu antworten. - Das Schloss aber des Grtels stellte die +Schlangen dar, wie sie sich aufrichteten mit zngelnden Huptern. War also +in ihm geheimnissvoll und symbolisch der Fall und die Erlsung verwoben, +wie von dem Weibe und seiner Kraft Beides kommt, Heil und Verfhrung. + +Und sie nahm Spangen von Perlen, die nie das Licht gesehen haben und +schloss sie um ihre Arme. Diese Perlen sind edler als alles Gestein, aus +dem Wasser gewoben, das eher war denn die Erde, und das hhere Element +ist, denn es dient nicht wie jene den Menschen. So zart sind sie, dass ihr +Schein wechselt mit der Laune und Stimmung des, der sie trgt, und wo ein +Kranker sie um seinen Hals legt, werden sie trbe und schrumpfen ein wie +die Haut unter ihnen. Silberne Sohlen band sie unter ihre Fsse und +strhlte ihr Haar und flocht ihre Zpfe mit purpurner Binde. Denn ihr Haar +war prachtvoll wie ein goldner Mantel, der sie bis in die Knie umwallte, +jeder einzelne Faden fein und gerundet wie aus gesponnener Sonne. Wenn sie +zusammenfielen, war keine Mhne der rothen Lwin so voll. Sie wogen +schwerer in der Hand wie Erntelast des vielkrnigen Weizens. + +Ihre Brauen waren wie Bgen der Nacht, darunter die lichte Sonne sich +verbirgt. Ihre Wimpern standen in Strahlen. In der geraden Linie ihrer +Nase mit athmenden Nstern war Strke und Feuer. Der Hauch von ihren +Lippen ging wie von einem Blumenbeet, ssser denn Honig. + +Es gab keine schnere Jungfrau weit und breit im Lande. Und keine +untadligere, von edlerem Geschlecht, obgleich sie arm war und Haus hielt +fr sich allein mit dem stummen Diener. + +Zu diesem trat sie, mit der Leuchte in ihrer Hand, im Brautschmuck wie sie +war. Und sprach: "Rege Dich und ffne die Thore! Der Brutigam ist +gekommen." + +So gross aber war das Licht ihrer Schnheit diesem blden Auge selbst, +dass die Leuchte in ihrer Hand davon erstarb, ihn dnkte, als ob es ganz +dunkel war, ohne sie, die strahlte herrlicher denn der Tag, der junge Mond +selbst im Viertel seiner Geburt. + +So stand dieser auf, schlug die Thore auseinander, die doppelt geschlossen +waren, mit Riegeln versehen wegen der Bescheidenheit dieser Jungfrau, weil +sie allein lebte, eine ledige Magd, in einer grossen und gottlosen Stadt. + +Alsbald hielt da draussen vor dem Thor ein herrlicher Prinz auf einem +weissen Pferde. Alle seine Diener hinter ihm hatten weisse Pferde und +silberne Helme, von denen das Licht lief in weissen, blulichen Strahlen +gleich denen des Wintermonds, wenn er in seiner Vollendung ist. + +Der Prinz war mit einem weissen Leibrock angethan und hatte ein goldnes +Schwert an seiner Seite und sein Helm war von Gold. Die Schabracke, darauf +er sass, war purpurn. Ein scharlachnes Stirnband grtete sein Pferd +zwischen den Ohren. Lichte Locken fielen zu beiden Seiten auf seine +Schultern herab. So strahlend war der Glanz seines Auges, dass dieser arme +Knecht in die Kniee sank und mit gehobnen Armen flehte. Er dachte, sein +letztes Stndlein wre gekommen, und er knnte nicht ertragen so viel +Klarheit und bergrosse Herrlichkeit. + +Worauf der Andre: "Frchte Dich nicht! Lass mich ein und heisse mein Braut +den Tisch legen fr mich und sie. Ich bin gekommen, heut' Hochzeit hier zu +halten." + +Dies sagte er aber mit seltsam lieblicher Stimme, die wie reines Silber +klang. Alle Glckchen der Pferde luteten dazu. Seine Diener schlugen an +ihre Schwerter und riefen: "Heil!" + +Dieser arme Knecht schwur spter, dass in solchem Augenblick der Himmel +ber ihren Huptern offen gewesen und eine Taube von oben aus der Klarheit +herabgekommen wre, die trug einen goldnen Ring in ihrem Schnabel. - Denn +das Merkwrdige war, dass er sprechen konnte seit dieser Nacht und immer +nachher. Und war in seinem Kopf wie andre Menschen, nur dass er schwur zu +seinem Eide, den Prinzen gesehen zu haben, was ihm die andern Leute nicht +glaubten, fr eine Blendung seines armseligen Gehirns hielten. + +So ritten Alle diese durch das Thor. So Viele ihrer waren, schien es +dennoch wunderbar, dass der Hof sie doch fassen konnte. Und der arme +Knecht schloss die Thore hinter ihnen und schob die Riegel vor. + +Was sich nun begab, wusste er nicht mehr, denn er folgte dem Prinzen nicht +in das Gemach, der ihm gebot: "Folge mir nicht!" Aber durch eine Luke im +untersten Keller, wohin er sich vor Angst geflchtet und doch zitternd +wieder auslugte, sah er, dass alle Ritter von ihren Pferden abgestiegen +waren. Und sie standen um das Haus mit gezognen Schwertern, die glnzten +blau wie Diamantlicht des Mondes. Und war so eine Kette von Schwertern um +das Haus, dass es stand gleich einer Burg in uneinnehmbarer Klarheit. + +Drinnen aber in ihrem vertrauten Gemach hatte die Jungfrau den Tisch +gelegt. Sie nahm ein weisses Tuch von feinstem Damast, das in der Truhe +gelegen hatte mehr denn hundert Jahre. Es war nur weisser und feiner +geworden von den Jahren. Man sagte sich, dass zwlf Spinnerinnen daran +gewebt zwlf Jahre. Alle untadelige Jungfrauen, die der Welt entsagt, den +Faden zogen in stiller Klosterzelle. Danach hatten sie den Flachs auf dem +Rasen gebleicht, wenn die Mrzsonne schien, - diese ist die frheste unter +den Sonnen, nicht geil wie die des Sommers, oder blutig vom Herbststerben +- es selbst gewebt mit ihren Hnden, ohne Eisen und Maschine, weil +menschliche Hnde feiner sind und getreuer. Und Muster hineingezeichnet +von ihren Gedanken, des Weibes Lust und Glorie. Die Aeltermutter Eva im +ersten Bilde, wie sie den Apfel reicht. Aber auch als Mutter, mit ihren +gesegneten Brsten es nhrend, das die Verheissung birgt, - die +Lebensgebrerin. Rebekka am Brunnen, Rahel, die Vielgeliebte, +frhgestorben, Mirjam, Deborah, begeisterte Prophetinnen, Judith und Jael, +Heroinen, Ruth, die Aehrenleserin, Esther - aber auch sie, die die Raben +scheuchte, die diese frommen und einfltigen Seelen wrdig gehalten des +ruhmvollen Reigens, - zwischen den Sieben die Mutter der Makkaber, die +Wlfin Juda's, Elisabeth, auch eine Mutter, Johannes' des Tufers, Hannah, +die Greisin, vorahnend die Morgenschne. Endlich die Lieblichste von +Allen, die Erfllung, wie um die volle Rose der Kranz sich schliesst, +Maria, die Knigin, unter den Weibern Gebenedeite, an der Brust das +Kindlein, dass von Ihm alle Strahlen ausgingen, die Andern berhrten. +Gleichsam als wren diese Bilder von Kraft und Unschuld nur ein Strahl der +Tugenden, die sich in ihr wie in der Sonne vereinigten. + +Dies Tuch breitete sie sorgsam, die Falten glttend, sich freuend am +Silberglanz des Linnens und der Kunst der Bilder. Darauf nahm sie ein +gldnes Gefss aus reinstem Gold, das nie zuvor zu andrem gedient hatte. +Dadrin war in kunstvoller Prgung zu sehen, wie Abraham den Besuch der +Engel empfngt. Rechts hebt er freudig preisend die Hnde, ihnen +entgegenzueilen. Links sieht man schon rstige Mgde das Federvieh rupfen, +wie sie die Butter stampfen im Troge, whrend Sarah hinter der Thr +verborgen steht, die Verheissung zu erlauschen, der kleine Ismael arglos +mit kindlichem Spielzeug sich tummelt. - Dieses fllte sie mit funkelndem, +edelstem Wein, der achtzig Jahre gelegen hatte und mehr. Nur wenige +Flaschen waren von diesem Wein zuerst gezogen worden, gleichsam seine +Seele. Ein Kaufmann hatte ihn mitgebracht von weit her. Er zeigte in +seiner Mischung Feuer des Blutes und Rosinfarbe von der Sonne. Sss war +dieser Wein und strker wie Stierblut in seiner Ssse. + +Danach nahm sie eine Schale von Silber, mit silbernen Henkeln und Kette. +Eine lndliche Ernte auf dem Felde war darauf abgebildet, wie hier schon +die Wagen hochbepackt fortfahren, Schnitter und Schnitterinnen Garben +bindend, alte Leute und Kinder die Aehren nachlesen. Aber auf den Stoppeln +tanzen schon lustige Mgde und Burschen. Sie legte das Brot hinein, +kstliches, feines Brot, das sie selbst mit ihren Hnden gebacken. Keine +Maschine hatte daran mit geschaffen. Das Korn war gerieben worden zwischen +den Steinen. Es gab kein edleres Brot. + +Sie hielt es verschlossen in einem kunstvollen Schrein, weil sie dachte: +"Ich weiss nicht, wann der Brutigam kommt. Ich muss bereit sein zu der +Zeit." + +Solches stellte sie auf den Tisch, zndete die Lampen an, die zu beiden +Seiten standen, gefllt mit Oel, und feine Kerzen vom reinsten Wachs, die +dufteten wie sie tropften. Die Leuchter waren von edlen Metallen und +trugen Kpfe der heiligen Thiere, Adler, Lwen und verschlungne Leiber der +Schlangen. + +Und sie nahm einen Teppich von purpurfarbner Seide, der im Schrank +gelegen, auf dem nie die Sonne geruht und keines Menschen Fuss hatte ihn +je betreten. Diesen breitete sie aus von der Thr zum Sessel. Der Sessel +aber war aus geschnitztem Ebenholz. Die Schilder des Thierkreises +wechselten sich dort mit den vier Hrnern des Mondes. Die Seitenlehnen +waren Aronsstbe und auf vier Klauen ruhten die Fsse wie auf +Widderklauen. + +Und ffnete die Thre weit und neigte sich bis zur Erde und berhrte den +Fussboden mit ihrer Stirn. Und sprach: "So es Dir recht ist, Deiner Seele +gefllt, dass Du essen willst jetzt, Alles ist bereitet, mein ssser +Herr!" + +Darauf ging der Prinz ein in die Kammer und setzte sich auf den +geschnitzten Sitz am Tisch. + +Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe ab. Und brachte ein Gefss +mit Wasser. Und rieb seine Fsse mit Wasser. Und salbte sie mit duftender +Salbe und trocknete sie in Linnen. Und setzte sich da zu seinen Fssen und +sah ihn an. + +Sprach er: "Warum kniest Du vor mir?" + +Sie sprach: "Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster Herr! Lass mich +knieen so und Dir dienen allezeit." + +Er sprach: "Kennst Du mich?" + +Sie sprach: "Bist Du nicht der kommen soll? Ich kenne Dich wohl, denn Du +bist meiner Seele holdseligster Brutigam. Ich habe nie einen andern Mann +gesehen, noch im Traume eines Zweiten gedacht. Die Thr meiner Kammer +blieb verschlossen. Niemand sah das Geheimniss meines Hauses bis heute." + +Nun sagte er: "So Du nicht weisst, was Liebe ist, wie kannst Du mich +lieben?" + +Sie sprach: "Ich liebe Dich mehr als mein Leben. Ich liebe Dich mehr als +die Freiheit und den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner +Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich wrde meine Fsse in Flammen setzen, +um Dir zu folgen, meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende +Faulheit des Sumpfes." + +Er sprach: "Da Du so tapfer bist, weisst Du, dass Du sterben musst? Denn +die mich freien, werben um den Tod. Ihr Weg geht ber Dornen. Glhende +Ngel mssen in ihre Hnde eindringen; ihre Seiten werden sich ffnen und +bluten. Sieben Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden Dein +Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, in Deinem innersten Herzen +haften wie fressendes Feuer." + +Sie aber schlug ihr weisses Gewand auf und wies ihre junge Brust, die +weisser war wie die Seide des Kleides, unter der das Leben klopfte in +hohen geduldigen Wogen. Und sie sprach: "Stich zu!" + +Er sprach: "Du bist sehr schn. Schnheit ist der Stolz und die Gnade des +Weibes, und macht sie zur Freude des Mannes, seiner Augenweide, dass er +sein Leben lieber lsst denn die Ssse ihres Leibes. Um Schnheit wird ein +Weib geliebt. Die Liebe des Mannes haftet an der Lieblichkeit, den Formen +und der Feinheit der Glieder. - Gieb mir Deine Schnheit." + +Flugs legte sie nun ihr knigliches Gewand ab. Sie nahm die Spangen von +ihren Armen, die Perlen, die an ihrem Hals hingen, die purpurne Stirnbinde +that sie zur Seite. Und nahm eine scharfe Scheere und schnitt ihr goldnes +Haar ab, wo es am dichtesten war hart im Nacken. Und Alles legte sie +zusammen und vor ihn hin, dass sie nun vor ihm stand im Untergewand, und +ihre Arme und Hnde waren unbedeckt. Sie fror in ihrem dnnen Linnen. Dies +Alles that sie in der grssten Freude, mit den herzlichsten und +zrtlichsten Liebesworten. + +Er aber seufzte und sprach: "Kummer wird ber Dich kommen, Krankheit, +Verfolgung, Nachtwachen. Deine Augen werden blind werden vom Weinen, Deine +Wangen einfallen von der Sorge und tglichem Mhsal des Daseins. Du bist +sehr lieblich und jung. Du wirst hsslich sein und unansehnlich. Ein Spott +denen, die Dich priesen." + +Sie sprach: "Ich bin gerne so, so Du mich siehst, ich Dir nur wohlgefalle, +der mein erwhlter Herr ist und lindester Gebieter." + +Er sprach: "Ich bin arm gewesen und hatte kein Lager fr mein Haupt des +Abends. Meine Nahrung fand ich von den Feldern, was wild wuchs, karge +Barmherzigkeit gab. Du musst arm sein, ohne Frieden und Heimath wie ich." + +Sie sprach: "Gleich heute will ich fortgehen, die Thr verschliessen und +mein Haus zumachen, es nicht wiedersehen, wo ich still lebte und +glcklich. Meine Habe soll den Armen gehren. Ich nehme nichts denn einen +Stab, Brot fr morgen, diesen Schleier um mein Haupt, dass ich nicht zum +Gesptt der Gassenjungen werde, sie sagen: 'Es ziemt sich nicht einem +Weib, in Freiheit zu laufen.' So ich doch Deine verlobte Braut bin und +eines grssten Knigs Geehrte." + +Da seufzte er noch tiefer, sprach: "Gerade schleierlos musst Du gehen und +unverhllt, nackt und in Blsse. Ich brauche Deine Scham, wie ich Dein +Leben brauche, weil sie einer Jungfrau theurer ist wie ihr Leben, sie es +zehnfach lassen wrde um ihre Scham. - So gieb mir denn, was ich von Dir +heische." + +Da ward sie roth ber und ber, rther wie die Purpurrose, die zuerst der +Sonne sich ffnet. Es war, als ob Flammen berall aus ihrem Leibe schlugen +und um sie brannten. Sie konnte die Augen nicht aufheben, denn ihre Lider +waren schwer von Scham. Vom Scheitel bis zur ussersten Spitze ihres +Fusses fhlte sie die lohenden Fluthen der Scham. Und sie stand zitternd +mit knickenden Gliedern. Sie sprach leise: "Hier, Herr! Nimm mich." + +Und seine Seele ward weich ber ihr, da sie vor ihm stand, ohne Fehl und +Flecken, weiss in ihrer purpurnen Scham wie Eine, die im Feuer steht, die +Flammen hoch um sie brennen, und sie steht und flieht nicht. + +Und er sprach langsam: "Die Scham ist die Tochter der Snde, aber die +Reinheit kennt keine Scham. Deshalb muss sie nackt gehen, dass die +Menschen sie sehen und schamrot werden vor ihrer strahlenden Nacktheit. +Jede Fiber gehrt dem Ganzen. Die Seele ist nicht edler denn der Leib. +Aber der Leib muss edel sein, wenn ihn die Seele erkennt. Es giebt nicht +Mann und nicht Weib, nicht Hass und nicht Lust. Alles ist eins. Die Scham +ward gewebt zum schleiernden Schutze, den Schleier zerreisst, wer die +Wahrheit erschaut, Wenigen zu erschauen nur und Allen furchtbar! - - Das +ist das letzte der Geheimnisse. Ich sage es Dir, weil Du meine Braut und +Verlobte bist. Behalte es wohl und sage es Niemand." + +Danach ksste er sie. Er ksste ihre Augen, ihre Lippen und Wangen. An +ihren Schlfen ksste er sie. Und er nahm sie in seinen linken Arm, der +der Herzarm ist, und ksste sie auf die beiden Rosen ihres Busens. Denn im +Busen der Frau ist die Weltkugel und der Apfel, Macht und Verderben. Und +vom Schoosse des Weibes kommt alles Lebendige, Segen und Fluch. + +Darauf hielten sie zusammen das Mahl. Er reichte ihr das Brot und sie ass +von seinem Brote. Er bot ihr den Wein und sie trank mit ihm von dem Wein. +Und assen von allen Dingen, die auf dem Tische standen und wurden ganz +frhlich. + +Wie nun die Morgenrthe heraufkam, verliess er sie wieder. Der blde +Knecht sah, wie sie die Riegel aufschloss. Denn die Eisenbarren waren viel +zu schwer fr einer zarten Jungfrau Hnde. Dennoch that sie es mit +Leichtigkeit. Sie war in ihrem Brautschmuck, weiss in ihrem weissen +Kleide, mit der purpurnen Stirnbinde. + +Er hielt sie in seinem Arm wie sein eheliches Weib. Sie ksste ihm die +Lippen und ksste seine Augen. Und sprach: "Fahre wohl, mein geliebter und +seliger Herr! Ich warte und harre des Tages, da ich neben Dir das +Brautbett besteige." + +Das dnkte dem Knecht schier eine seltsame Rede fr eine so untadelige +Jungfrau. Aber sie stand ruhig und sah ihm zu, wie er sein Pferd bestieg. + +Danach ging sie wieder in ihr Haus, schlug ihre Sachen zusammen, bergab +Alles dem Knecht und sprach: "Ich gehe. Ich habe viel zu thun. Und die +Zeit ruft." + +Diese wurde eine sehr heilige und wunderbare Frau. Man brachte viele +Kranke zu ihr, die sie heilte, indem sie ihnen die Hnde auflegte. Und +Einige wurden nicht geheilt, die unglubig waren, sie versuchten. Solche +trieb sie mit Schelten von ihrer Thr: "Wie Ihr thricht seid und tckisch +und so ganz schamlos!" + +Niemals aber sprach sie ber ihre Geheimnisse dieser Nacht. Nur eine +grosse, selige Freude war immer in ihr. Wie sie starb, war da eine +Jungfrau, wo eine alte, blinde und krnkliche Frau gewesen war. Niemand +hatte je eine schnere Jungfrau gesehen. Diese, als man sie sehr genau +sah, hatte an ihren Hnden Stiche als von rothen Ngelmalen. Sie +durchbohrten auch ihre Fsse. Eine offne Wunde war in ihrer Seite, von der +das Blut floss. Man gewahrte auf ihrer Stirn Eindrcke, als ob Dornen um +ihr Haupt gewunden gewesen und in die Haut eingedrungen waren. Alles dies +war sehr deutlich. Sie hatte es immer an sich getragen, nur verborgen in +ihrer Bescheidenheit vor den Menschen, da sie sich selbst nie fr solcher +mystischen Ehrung wrdig gehalten. Und bestndig sich selber schalt, dass +sie schwach sei und arm im Glauben, nicht eifrig zu den Werken, wie es +sich einer guten und getreuen Hausfrau geziemte, das Erbe zu verwalten, +whrend der Herr und Ehgemahl abwesend ist. Als sie nun auf dem Sterbebett +lag, blass und abgezehrt, sehr schwchlich vom bergrossen Leiden, that +sie pltzlich einen lauten Schrei wie von seligster Freude. Die bei ihr +waren, darunter der Knecht, der sie einst bedient, sahen einen weissen +strahlenden Engel als einen herrlichen Helden. Und er nahm sie bei der +Hand und fhrte sie in das Brautgemach, wo purpurne Rosen lagen auf +silberweissen Linnen. + +Der Knecht, ein uralter Mann zu der Zeit, aber ganz klar in seinem Kopf, +vorsichtig und abwgend in aller seiner Rede, schwor, dass es derselbe +gewesen, der sie damals besucht. Viele sprachen ber diese seltsamen +Geschichten: Es ist ein Wunder, Hysterie und Aberglaube. Und welche +glaubten noch schlechtere Dinge. + +Diesen ward die Zunge schwarz in ihrem Mund, und faule Worte kamen nur, +dass selbst die, die sie sonst gehrt, einen Abscheu vor ihnen hatten. +Selbige schrieen laut auf: "Die Scham ist todt! Die Scham ist todt!" +strzten sich unter Schweine, dass man sie fr solche hielt, einsperren +und schlagen musste wie niedrige Thiere. Ein Schrecken fuhr in alle Leute +der Gegend. Und frchteten das Grab und sagten: "Lasst uns eine hohe Mauer +darum bauen!" + +Nur die Jungfrauen kamen und brachten weisse Krnze. Und ward ein +Heiligthum da fr untadelige Jungfrauen, die nie ein Mann berhrt hatte, +und sehr stark waren, herrliche Thaten vollbrachten vor allem Volk. + + + + + + DAS VIERZEHNTE KAPITEL. + + +Aber der ganze Jammer des Daseins fiel auf ihn eines Abends, da es schon +dunkel war, er einsam sass im Staube neben der grossen Heerstrasse. + +Er dachte an die Jahrhunderte, die dahingegangen waren, und dass sie alle +fr nichts gewesen. Hunger, Hass und Kriegslrm fllten die Welt. Jeden +Tag unter dem richtenden Beil fielen Hupter Unseliger, Unschuldige gingen +hin und erwrgten sich selbst in Angst und blutiger Noth ihres Leibes. + +Die Selbstschtigen herrschten immer, die, die hart waren, nur schufen fr +sich selbst, ohne Sorge traten auf die nackten Leiber der Verzweifelten. +Die, die dumm waren und nicht dachten, schienen klug. Die feige waren, +tapfer, und solche, die frassen wie die gefrssige Raupe auf ihrem Blatt +und fett wurden, weil sie frassen - aber der Baum selbst starb -, galten +fr die wahren Guten. Man pries sie als Muster der Tugend, zeigte sie +denen, die unvernnftig waren und eigengesinnt: "Seht, wie sie sind! Wie +sie nahrhaft werden und fett! Nehmt Euch ein Beispiel an ihrem Gedeihen, +Ihr, die Ihr Flgel habt, die zu schwach sind, der Sonne zustrebt, die +Euch verbrennt!" + +Diese aber waren die schlimmsten Feinde und sie galten fr den Hort aller +Tugenden, hielten die Sitte hoch in ihrer heuchlerischen Klugheit, weil +der losgelassne Wolf sie zerrissen htte innerlich, und standen auf dem +Boden des Worts, weil es ihnen ntzte fr ihre Zwecke, der Strom sie sonst +fortgeschwemmt htte in seinem Ueberschwellen. + +Solcher aber waren Viele. Sie hielten die Gewalt und das Geld. Die Andern +zerbrachen ihre Krfte an denen, stiessen ihre Stirnen blutig und sahen +doch nicht was darber war, ber ihrer dummen Klugheit, die wahre +Weisheit, ber ihrem Geiz die weite Liebe, ber ihrer Ungerechtigkeit die +grosse Gerechtigkeit. So dass diese ihre besten Krfte verbrauchten, auch +mde wurden, dahingingen in Lastern, Leichtsinn und Unzucht. Weil sie +sprachen: "Unser Leben ist kurz und wird uns zugetheilt in kleinen +Tropfen. Wir wollen es auf einmal leeren, damit wir den Rausch kennen in +seiner Wollust. Und nachher hungrig sein und frieren." + +Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein reif ward und duftig. Nicht +schauen, bis sie die Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. Weil +sie jung waren, das Blut siedend schoss in ihren Adern, das lind sein +musste vom Denken, der weiten Herzlichkeit ihres Liebens. + +Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, dass sie wie brennende +Fackeln sich verzehrten im Leeren. Die Licht gegeben htten, reines Feuer +zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, sich selbst gereinigt +htten vom Unreinen. + +Und die Andern, die gar kein Licht hatten, sondern dunkle Kltze blieben, +die mhsam denen ihre schiefen Strahlen auffingen, vom +Scheiterhaufenleuchten der Grossen ihren Weg suchten im Finstern, +schnobernd wie die Schweine nach Trffeln, oder niedrige Hunde auf der +Fhrte des Aases - spotteten ber solche, zeigten auf sie in +Schadenfreude: "Die verzehren sich und sind gar nicht, Rauch und Asche. +Wir stehen fest und finden." + +Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie der Wurm immer noch Nahrung +findet in seinem Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen in seiner +niedrigen Dunkelheit. + +Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft sein Futter nicht fr seine +Jungen, wenn Alles unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, der +lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein glnzendes Gefieder +lockt Gelste der Ruber. + +So dass diese niemals aufkommen, die die Schnheit nackt gesehen hatten +und priesen, weil ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte die +Wollust verriethen. Die Andern aber, die gar nicht sahen und von Wollust +voll waren wie die geile Erde vom Mist, - dass sie nicht einmal wussten, +dass eine Keuschheit war, den reinen Mond befleckt htten in ihrer +Unreinheit, - waren gross und sprachen die Urtheile ber wichtige Dinge. + +Und man nahm ihr Recht fr _das_ Recht. Und ihre Wahrheit fr _die_ +Wahrheit, dass eine grosse Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der +Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne. + +Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der Ekel am Leben stieg in ihm auf +und wrgte ihn an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich selber +sprach: "Besser wre die Welt gar nicht, Feuer und Schwefel vom Himmel, +denn dies! Und besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die wchst und +stirbt, denn dieses Halbe im Staube, dem niemals die Flgel der Seele +wachsen. Besser, viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, als +das niemals ganz wird, nicht leben kann und nicht sterben." + +Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, dass er die Gte so klein +geschaffen und die Grsse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an ihrer +eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit mit dem Schwert der Reue +durchgestochen blieb, dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, +unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel war in ihrer eignen Brust +und bohrte sich tiefer bei jeder Drehung. + +Und er sprach zu sich selbst: "Wozu so viel Qual und Leiden? Hast Du sie +geschaffen aus Hass oder wurden sie empfangen in Gte? Ist Dein Zweck mit +ihnen Gnade oder ist es Neid des Mchtigen, Allherrschenden gegen das +Kleine, Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie besser wie Du, und nur +eine Zeit ward Dir Macht gegeben, sie zu qulen, im Staub Gebannte, die +ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der Ganz-Mchtige nicht? Und es +ist ein viel Mchtigerer, Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in ihnen +ist? Wird er triumphiren, klar sein eines Tages? Und unsre Gte war vor +Ihm Halbheit? Unser Licht war Dmmerung? Sage mir, wer Du bist? Wer ich +bin fr Dich? Dann lass mich mich hinlegen und sterben. Denn meine Seele +ist mde in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen weh und der Lrm +der noch Arbeitenden beleidigt mein Ohr. Ich grsse die Nacht, die dunkel +ist, wo gigantische Schatten schweigen." + +So sprach er zu sich selbst. Er sah die Nacht herkommen ber die Felder. +Sie kam wie eine starke, riesige Frau mit einem schwarzen, sammetnen +Mantel. Die Bume standen wie dunkle Keulen Gewaffneter und die Stimme des +Wassers wurde deutlicher, wie es hallend fiel mit ewig sich lsenden +Tropfen. + +Er sah in die Nacht und frug sie: "Bist Du, die kommen soll?" + +Sie sprach: "Ich war." + +Pltzlich hob sie ihren Mantel auf. Und es war ihm, als knnte er tief +hineinsehen in die Nacht, die Nacht aller Zeiten, die vor den Zeiten +gewesen war. + +Er sah die Nacht, die Nacht selbst, von der die Dunkelheit kam und der +Schatten. + +Sie lag wie eine Sphynx, die ein Weib war, und ihre andre Hlfte war eine +Lwin. Die Schultern des Weibes aber lagen ber den Tatzen der Lwin und +ihre Brste starrten gerade wie gerichtete Schwerter. Zu beiden Seiten +ihres Hauptes lief eine knigliche Binde mit Streifen und Zeichen. Sie +schnitt die Stirn niedrig ab und ihre Augen standen weit offen, marmorne +Augen mit todten, runden Bllen, die geradeaus sahen. Ihre Lippen waren +geschlossen. Sie lag ruhig mit milchschweren Brsten ber tdtlichen +Tatzen. + +Sie wechselte sich. Und wurde ein schauderhaftes Idol. Auf den Schultern +eines eisernen geharnischten Mannes reckte sich ein Vogelkopf mit spitzem, +gebognem, hackendem Schnabel. Ein kreisrundes Auge war eingesetzt aus +blauem, hellem Email, in der Hhe des Schnabels, da wo er anfing. Gen +Osten stand dieser Mann. Auf einem hohen Postament, die Hnde auf sein +Schwert gelegt. Die Arme bildeten ein Viereck mit den Schultern und staken +in Schienen. Sein Schwert stand ganz gerade, breit wie eine Hand. +Senkrechte Riefen liefen mitten durch, in denen das Blut abtropfen konnte. +Die Klauen seiner Hnde krallten sich um das Schwert. Der Leib und die +Beine standen gerade, nach vorne, und der Vogelkopf mit dem Schnabel sah +gegen Osten. + +Wie er diesen noch betrachtete und schaudernd ansah, geschah eine Stimme +zu ihm, die sprach: "Das ist die Gewalt. Ihr fielen Knige zum Opfer. Sein +Schnabel ist schwarz vom Geifer der Lebern. Sein Schwert roth vom Blut. +Sein eiserner Leib wird glhend vom Feuer verbrannter Stdte." + +Das Symbol wechselte sich. Und es wurde eine schwarze Astarte, ganz aus +schwarzem Metall, aus Stein oder Eisen, das man geschwrzt hatte, und es +glnzte nun schwrzer wie Ebenholz, gefettete Leiber der Neger. Sie stand +ganz aufrecht. Der Leib und die Beine waren mit Binden umwickelt. Sie +kreuzten sich und kamen wieder, von der Hfthhe bis an die Gliederung der +Zehen. Zeichen waren in diese Binden gegraben, Striche, Muster, Rubinen, +grne Smaragden und sehr dunkle Saphire. Sie folgten sich rhythmisch und +redeten eine geheimnissvolle Sprache ber dem Schwarz, das kam und ging. +Dieser ganze Theil des Leibes mit dem Bauch und den Schenkeln war sehr +dnn und gerade wie bei einem unmndigen, ganz unentwickelten Kinde. Und +darber drngten sich erschreckend tausend Brste. Eine Ueberflle von +Brsten, Beeren der reifen Traube, Wellen, die sich stossen, strmen. Man +sah den Kopf im Dunkeln, sehr hoch, mit harten Lippen, steinernen Augen, +die hierarchische Binde, die zu beiden Seiten fiel. Die Brste gleissten, +rieselten, Aepfel, Kugeln, gehrtete Spitzen, schwarz, von einem +ungeheuerlichen, unirdischen Schwarz, Grnschwarz der Schlangenhute, +Tollkirschen, verwester Ueberreste in ihrer Zersetzung. + +Und die Stimme sprach: "Das ist die Wollust, die Verfluchte. Alles stirbt +in ihr. Nur das Eine lebt. Und es wird zur Schauderhaftigkeit, zum +Ungethm. Unfruchtbar ist sie, denn sie ist von Eisen. Ihre Seele in ihr +ist Mord." + +Und diese wieder wechselte sich. Es wurde eine ganz weisse Schlange. Sie +trug ein Krnchen auf dem Kopf. Sie bewegte sich rhythmisch zu einer Art +Musik. Ihre Schuppen glnzten wie Perlmutter, wenn sie sich bewegte, und +ihre Augen waren rothe Rubinen. Ein rosa Zngelchen kam aus ihrem +gespalteten Kopf. Sie zngelte damit und leckte sich zierlich wie Katzen +thun. Und rollte sich zu Ringeln und lag ganz zusammengeringelt, als ob +sie schliefe. Aber sie schlief nicht. Ein Zittern von Gier und Gift rann +durch ihren Leib, der sich milchig blhte unter dem Bauch. + +Und die Stimme sprach: "Das ist die falsche Weisheit der Welt. Sie ist +arglos und ungefhrlich anzuschauen. Aber das feinste, siebenmal +gefilterte Gift. Wer diese Schlange anrhrt, der stirbt und fhlt nicht +den kleinsten Schmerz, nicht wie einen Nadelstich in die Hand, da man sich +das Blut abwischt und weitergeht." + +Danach sah er noch eine schwarze Krte, die in ihrem Sumpf sass und +glotzte, Harpyen, die mit den Flgeln schlugen, Bren und Wlfe. "Das sind +die gewhnlichen Snden, Reichthum, faules Leben, Unfrieden und +Zankhaftigkeit der Weiber. Alle diese sind nur hsslich. Und Snden der +gewhnlichen Menge. Denn vornehme Herzen werden von ihnen nicht gerhrt, +die Andern aber sind die Vornehmen, die Grossen. Die Besten verfallen +ihnen." + +Diese Vision verschwand. Er blieb allein in der Nacht. Die Klte war um +ihn her und er fror. Die Gedanken huschten in seinem Kopf und schlugen an +das Schdeldach wie mit klappenden Flgeln. Seine Seele war sehr matt in +ihm. Er sprach: "So es so viele Uebel giebt, die Snde also gross und +mchtig ist fr die Besten, wre es nicht besser zu nehmen was schn ist, +frhlich sein im Tage und sterben, wenn es Zeit ist, das Unglck kommt?" + +Alsbald kam da ein Zug von lieblichen Mdchen, die Cymbeln und Schalmeien +trugen. Und hielten in ihren Hnden Flten und Harfenspiele, harte Hlzer, +die sie schwirrend schwangen oder gegeneinanderschlugen im Tanze. Ihre +Haare waren mit Blumen gekrnzt. Die Blumen fielen gleich Sternen ber ihr +Gelock. Sie trugen Blumen in ihren Armen und hatten lichte Gewnder an und +sangen: "Lasst uns frhlich sein und singen! denn das Leben ist kurz, die +Jugend verfliegt schnell. Die Jugend ist die Lenzzeit im Leben und die +Liebe ist der Sonnenschein am Maitag!" + +Dann kamen junge Knaben und holten sich diese, fhrten sie weg zu +blhenden Lauben und heimlichen Grotten. Und wandelten mit ihnen Arm in +Arm, kssten sich zrtlich, lachten und kosten. + +Sie tanzten wilder. Die Lust stieg. Becher wurden gebracht. Ein Jngling +erschien auf goldnem Wagen, den Pardel zogen, von Weinlaub umkrnzt. Und +Alle schrieen: "Heil! Heil! Bacchus Evo!" + +Der Jubel ihrer Freude scholl durch die Nacht. Sie schwangen Fackeln. Es +gab welche, die sich selbst durchstachen, sich Wunden schlugen mit kurzen +Schwertern, denn sie wollten heute sterben, weil sie doch morgen todt +sind. + +Und Einige wohnten in Httchen und hatten Kinder gezeugt, die sie +jauchzend emporhoben: "Wir sind glcklich. Und das Leben ist kurz. Die +Liebe ist reifes Erntegold im Sommer." + +Er sah eine junge, lchelnde Mutter, die ihr Kind an der Brust hielt. Der +Sommerhimmel lag in ihren Augen blau und satt. Ihr Leib blhte und +entsandte Wrme wie der Weizenacker im Juni. Man hatte um sie einen Rahmen +gebaut in der halben Brusthhe wie eine goldne Aureole. Das Kind sog. Sie +lchelte. Sie war glcklich. + +Dies verschwand. + +Er hrte neben sich die Stimme eines alten Mannes, der laut auflachte. Er +sprach hhnisch: "Diese sind Eintagsfliegen, Jahrmarktsplunder. Sie +glauben zu geniessen und geniessen doch nicht. Sie sind nicht besser denn +Schweine. Ihre Freuden sind Freuden des Magens und der Sinne. Aber der +feine Magen sagt Pfui! zu ihren schalen Freuden. Der Sinn, der fhlen +gelernt hat, rhrt sich nicht mehr bei der Grobheit ihrer Eindrcke." + +Er sprach: "Hast Du Bessres gefunden?" + +Damit sah er ihn an, der das gesagt hatte. Er sah, dass es ein sehr alter +Mann war, und Einer, der lange gewandert war. Sein Haar und Bart hingen +wild. Der Staub der Wege lagerte in den Runzeln seines Gesichts. Sie zogen +sich tief eingegraben wie von zahllosen Jahren gezeichnet. Die Mdigkeit +einer ungeheuren Anstrengung wohnte in den tiefen Hhlen seiner Wangen. +Man erkannte die Sonnen von brennenden Sommern, die ber sein Haupt +dahingegangen waren und die Haare auf ihrer Hhe gebleicht hatten zu +Schnee. Seine Kleider waren fahl vom Staub. Sie hingen zerrissen und +schlugen in gefaserten Fetzen um seine mageren Kniee, die ausgearbeitet +und knotig waren wie Hlzer eines uralten Baumes, von denen die Moose +hingen in weissen Flocken. Keine Unze Fleisch war mehr an diesen Knieen. +Unter der braunen Haut traten die Knochen vor wie durchgeschubbert, +gewetzt in einer unausgesetzten Reibung. Seine Nase bog sich scharf wie +ein Adlerschnabel. Er hatte keinen Zahn in seinem Munde vor hohem Alter. +Aber in seinen schwarzen Augen glomm unauslschlich Feuer des Lebens. Sie +brannten wie Fackeln in einer sehr tiefen, nchtlichen Grotte. So stark +war der Glanz ihres rothen Feuers, dass sie die Hhlen ausgebrannt hatten +um sich, die Brauen vorstanden wie Dachbalken eines eingescherten Hauses. +Der Schnee vieler Winter hing von seinen Brauen. Sein Haar war unbedeckt +und flatterte im Winde. + +Er hielt einen rohen Stab in der Hand aus Knoten des Dornstrauchs. Ueber +seiner Schulter hing der Bettelsack. Wie er wanderte, sttzte er sich auf +den Stock. Die Fetzen seines zerlumptem Gewandes schlugen um seine +schreitenden Lenden. + +"Ich wandre - wandre ..." sagte der alte Mann. "Ich weiss nicht, wie lange +ich wandre. Ich habe alle Stdte der Menschen gesehen, die Wste und die +hohen Schneegebirge, wo der Schnee ungestrt liegt wie der weisse Flaum +auf dem kniglichen Lager der Jungfrau. Alle Thaten und Dinge der Menschen +weiss ich. Ich habe ihre Weisheit gehrt, das Mitternachtl verbrannt ber +ihren Bchern. Und ich habe dieses gefunden: dass sie gar nicht sind. All' +ihre Weisheit ist Bilder von Worten, das Echo eines Klingklang, und sie +sind eine Spiegelung des Nichts im Leeren. Dies weiss ich und bin stolz, +dass ich es weiss und lache aller ihrer Leiden und Busse. Es ist mir, als +ob ich in einen Spiegel des Wassers sehe, der schnell verrinnt, oder +Spiele des Guckkastens, wie man Kindern zeigt auf Jahrmrkten, Launen des +Lichts und Wechselungen der Schatten! So man darauf pustet und mit der +Hand hineinschlgt, ist es nichts." + +Er hauchte und schlug mit der Hand in's Hohle und lachte laut auf. + +"Aber Gott ist!" sagte der Fremde. + +"Eine Spiegelung der Spiegelbilder. Die Fratzen werfen ihren Schatten und +weil sie ihn von weit werfen, ist er grsser und dunkler. Wie die Wolken, +die Du da oben siehst. Und wenn Du hinkommst, sind es nicht Wolken, +sondern leere Luft. Nur die Sonne und Spiegelung macht sie zu Wolken." + +"Etwas muss sein." + +"Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, tausend Jahre, Schatten, +der ich bin, im Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der Bewegung. +Bewegung ist Nichts. Und Stillstand ist nicht. Um Sonnen drehen sich +Welten. Aber die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und Welten sind +Schattenflecken im Leeren. Ich wandre - wandre - wandre." ... + +Er fasste seinen Stab und ging weiter durch die Nacht. Die Eisenspitze +seines starken Stockes klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen seiner +zerlumpten Kleider schlugen um seine drren schreitenden Lenden im Winde. + +Und Einer sprach: "Das ist der ewige Jude, Ahasver, der Zweifel des +Menschen, der nicht ruht. Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene +selbst fr Hirngespinste erklrt. So er die Hand in die Seite legte und +die Wundenmale rhrte mit seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut +Farbe ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser wird niemals selig +und wandert bis an's Ende der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn +Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in ihm war und immer +gewesen ist von Anbeginn." + +"Werden Alle finden?" fragte er eifrig. + +"Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht sucht." + +"Lass mich den sehen, der nicht findet," bat er. + +"Es ist zu schrecklich zu sehen fr menschliche Augen. Sie knnen ihn nur +ausdrcken in dem, was sie nicht kennen. Er ist die Nacht." + +Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. Sie drang in seine Seele +ein wie das Gefhl eines hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der +Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss von der Stirne rann, und +wie er fiel, waren es Tropfen Blutes. + +... Damit kam die Morgenrthe und die Sonne ging auf. + + + + + + DAS FNFZEHNTE KAPITEL. + + +Aber um diese Zeit war das Gercht von ihm sehr gewaltig geworden. + +In der Hauptstadt erschtterten die Predigten Fritz Kuhlemann's, der mit +starker Stimme sprach. Er schonte Niemand und rief laut zur Busse. Denn +die Zeit war gekommen. Ein grosses Erwachen ging durch die Vlker. +Schweres Unheil, Emprung und Blutvergieen lag in der Luft, so die +Machthaber sich nicht bekehrten, die neue Lehre anerkannten von der +Theilung der Gter, der Brderschaft aller Sterblichen. Er sprach: "Es ist +Unrecht, dass Ihr Armeen habt, Einer den Andern zu bekriegen, die Stimme +des Volks zu ersticken, die mchtig spricht. Solches thun die Thiere +nicht, die von demselben Blut und gleicher Art sind. Seid Ihr nicht besser +denn Thiere? Wehe den Reichen! Wehe denen, die Geld ansammeln und es auf +Wucherzinsen ausleihen! Die den Acker mit Schulden bedecken, dass er nicht +Frucht bringen kann unter dem verfluchten Eisen! Habt Ihr die Erde +geschaffen, dass Ihr sie Euer nennt, Grenzpfhle setzt so und so weit und +Zune zieht, dass kein Andrer sie beschreite? Die Erde, die Luft und das +Wasser sind des Herrn. Euer aber ist Alles. Und Alle seid Ihr Eines +Geschlechts." + +So gewaltig war seine Stimme, dass ihm die Leute zuliefen in grossen +Massen. Kein Raum und kein Saal vermochte mehr die Zahl seiner Zuhrer zu +fassen. Wo man sie zurcktrieb, kamen Neue. Das Volk ward drohend, dass +man seinen Prediger antaste. Drhnend wie Schlachtdrommeten klang seine +Rede. Er trug einen hrenen Rock und nhrte sich nur von Nahrung der +Pflanzen. Was er verzehrte, gewann er von seiner Hnde Arbeit, denn wilde +Kraft des Volkes lebte in diesem Manne. Wenn er vor ihnen stand, gewaltig +mit drren Hnden und Armen, gedachte man der alten Prediger in der Wste. +Seine Augen warfen Feuerflammen. Von vielem Denken und Nachtwachen war +sein Haar grau geworden. Er trug keinen Hut auf seinem Haupte. Wenn er in +einer Stadt fertig geworden war, wanderte er die Nacht ber zu einer +andern. + +Ueberall gegen Ungerechtigkeit und List erscholl sein Zeugniss: "Ihr nehmt +dem Armen scheffelweis. Dann straft und hngt Ihr fr das, was er Euch +wiedernimmt in Krnern. Ihr predigt Demuth und freut Euch an dem, der vor +Euch steht mit abgezognem Hut und zitternden Knieen. Vor Gott beugt Ihr +die Knie, auf dass vor Euch die Menschen knieen um Eurer Gottesfurcht +willen. Seinen heiligen Namen schreibt Ihr ber Eure schlechten Thaten, +Kriege und Hndel, dass Eure Thaten heilig stehen in seinem Namen. Ihr +behauptet seine Weisheit zu wissen. Es ist Eure List, die Ihr fein und +schneidend schleift am adamantnen Felsen Seiner Gerechtigkeit. Ihr zieht +den Strick nicht zu, weil Euch das Lastvieh Scke tragen soll. Dann +sprecht Ihr noch: Seht meine Langmuth und Gtigkeit, dass ich nicht wrge, +wo ich doch wrgen knnte. Der Aermste trgt alle Beschwerde. Ihr wischt +Euch die Stirn, sprecht von Eurem Schweiss, Nchten, die Ihr hingebt fr +Euer Rechnen und Raffen in Keller, die Ihr auffllt fr Euch und Eure +Shne. O Ihr Heuchler und dreifachen Heuchler! die Ihr die Steine +verschluckt, die man gegen Euch wirft, Euch dadurch schwerer macht, vom +Gift, das Euch tdten msste, fresst, bis Ihr giftfest seid! Ihr seid +erkannt in Eurer Nacktheit. In Eurer Lge steht Ihr frierend und ganz +hlflos." + +Also trieb er die Gegner vor sich her mit harten Worten. Ein mchtiger +Schrecken ging von ihm aus. Viele auch hingen ihm an, Soldaten, die in der +activen Armee standen, und man frchtete, dass diese im Fall eines Kampfes +ihre Waffen gegen ihre Oberen kehren, gemeinsame Sache machen wrden mit +dem Volk, denn des grossen Fhrers Wort war berzeugend. Er scheute sich +nicht und nannte die Dinge mit deutlichem Namen wie sie waren. Und Niemand +war, der ihm widerstehen konnte, weder mit feingedrehten Grnden, noch mit +Gewalt. + +So dass davon bewegt wurden bis in die hchsten Schichten, Regierungen und +Ministerien. Man liess ihm unter der Hand anbieten, er sollte da eintreten +in die Verwaltung. Man wrde Verbesserungen machen, Vorschlge aufstellen, +dass die Ungerechtigkeit beseitigt wrde, Zufriedenheit, genug zu essen +sei im Lande. + +Er aber schlug Alles aus und stiess diese in die Enge mit harten Worten: +Dass sie halb wren und niemals ganz, die den zerrissenen Schlauch flicken +wollten mit alten Lappen, klaffende Lcher verkleben mit Pappe von +papiernen Acten, Kleister von Speichel: "Ihr selbst msst weg zunchst aus +dem Platz, da Ihr feststeht, damit frische Luft werde und Bewegung, das +Neue sich nicht zerbreche am harten Stein des Gewordenen, von der +Verwesung das Leben Farbe und Geruch annehme." + +Dieses hrten sie ungern. Da er aber sehr laut sprach, das Volk ihm +anhing, machten sie einen andern Versuch. Er ward zum Frsten befohlen, +dass er diesen selbst sprche, vor der hchsten Majestt, so er dessen +fhig sei, zeugte fr die Richtigkeit seiner Ansprche. + +Dieser, der noch ein junger und rechtlicher Monarch war, empfing ihn +freundlich. Er hatte auch gute Gedanken fr die Besserung und fr Alle, +beklagte dass Vieles nicht zu seinem Ohr kam, auf ihm aber als dem +Hchsten die Verantwortung ruhte. Nur hoffte er zu Gott, dass ihm das +nicht angerechnet wrde, da er sich nach besten Krften bestrebte, auch zu +Gott betete, bevor er Urtheil abgab in den grossen Sachen, die ber Tod +und Leben waren und Leben und Tod vieler Tausende. + +Zu ihm sprach der khne Mann: "Mein Frst! Du bist ganz und gar unfhig zu +urtheilen, im Einzelnen, wie nun gar ber viele Hunderte und Tausende. +Siehst Du die Seelen der Menschen, vom unschuldigen Kindlein an, wie es +war, dass sie also schlecht wurden und Bses thaten? Ob es eine Krankheit +im Blut gewesen sein mag, Schlechtigkeit, Ungerechtigkeit und Unsauberkeit +der Welt, die Deines Volkes ist, davon Du Verantwortung trgst? Das +Gericht wird gesprochen in des Knigs Namen. Wenn ein Krieg ist, erklrst +Du ihn. Der fremde Frst nimmt Deine Erklrung an. Ihr Beide steht fr +Eure Vlker, das Recht Eurer Sache. Wie mag ein Einzelner solche +Beschwerung ernstlich bernehmen? Und wie Du zerbrechlich und von elendem +Staube bist, in Schmerzen geboren, krank eines Tages und einen andern +gesund, sterben musst und Dein Leib wird Wrmerspeise, so sind Deine +Brder, nicht besser und nicht schlechter. Niemals war es Gottes Wille, +dass der Eine herrlich gehen sollte in Purpur und Sammet, der Andre wie +ein Vieh im Staub kriechen, und viel weniger denn ein Vieh, da er nicht +hat seine Blsse zu bedecken." + +Worauf der Frst sagte, dass er dies in der That beklage, auch sich selbst +nicht fr besser hielte denn andre Menschen. Nur msste Einer der +Mchtigste sein um der Ordnung willen. Es wrde sonst Alles Unordnung und +Anarchie. + +"Unordnung und Anarchie ist schon in der Welt," sprach der Mann des Volkes +traurig. "Eine Nation steht gegen die andre. Die stark sind, berwltigen +die Schwachen. Die schwach sind treten wider die Andern, die noch +schwcher sind, Weiber und Kinder. Es ist nicht mehr Gerechtigkeit denn +unter Lusen und Ungeziefer, und was das Recht genannt wird, ist eine neue +Waffe, die die Besitzenden geschmiedet haben, um ihren Besitz festzuhalten +und den Gar-nichts-Habenden zu wehren. Durch List, Ehrgeiz und Kriechen +gelingt es denen manchmal hineinzukommen. Diese Shne von Sklaven drcken +rger denn die Herrengebornen, denn sie sind niedrig. Ihre Seelen sind +niedrig wie der Staub, dem sie entkrochen sind. Der aber eine hohe Seele +htte, knnte Niedriges nicht um sich dulden. Es wrde ihm unertrglich +sein, sein Ebenbild besudelt zu sehen im Koth, schlechter denn der +Fussboden unter seinen Fssen, den er tritt. Ja, welcher ganz hoch dchte, +steige hernieder von seinem Thron und wrfe ber ihre blutige Schmach den +blutrothen Purpur seiner Hoheit, wie unser hchster Herr Christus sein +edelstes Blut vergossen hat fr uns Alle. - Und recht kniglich handelte +er, der so thte, frstlich und kaiserlich!" + +Da ward der junge Frst ungeduldig, hiess ihn fortfhren. "Ich will Dich +spter hren," sagte er. Die Rede hatte ihn unmuthig gemacht. Aber Manches +nahm er sich an, hiess auch den Mann fter vor sich kommen, discutirte mit +ihm. Aber auf seine Rede kam er nicht zurck. Er blieb traurig. Die Diener +des Knigs liessen den Demagogen nicht aus dem Gewahrsam, denn die +Aufregung war gross in der Stadt und im Land. Viele zogen durch die +Strassen in Haufen, die Brot und Arbeit verlangten. Man rief den Soldaten +zu, dass es ihre Pflicht wre, die Waffen niederzulegen, sich zu verbinden +mit den Emprten. + +Fritz Kuhlemann aber blieb im Gefngniss. + +Um dieselbe Zeit nun sprach man von einem wundersamen Buch, das ein +Unbekannter geschrieben hatte, oder doch ein Bekannter, denn Viele +vermeinten die Art und Redeweise zu erkennen eines gewissen Doctor Anton +Rothe, der grosses Aufsehen erregt hatte zu einer Zeit, dann lange Jahre +verschollen war. Man sagte, dass er sie in wsten Ausschweifungen +verbracht mit einem Frsten auf Reisen. Derselbe war blind und auf den Tod +krank gewesen Monate lang. In diesen Wochen hatte er das Buch geschrieben. +Er hatte es einem Knaben in die Hand dictirt, der nicht schreiben konnte. +Und siehe! die Zeichen standen fest und deutlich wie Buchstaben, dass +Jeder sie lesen konnte, die die zu lesen verstanden und so nichts vom +Lesen und Schreiben wussten, als Kinder und ganz ungebildetes Volk. Es +hiess: "Die Blinden, die sehen ..." In wundervoller und deutlicher Weise +war geschrieben, wie Christus eintritt in alle Dinge dieser Welt, das +Heilige und Krftige in der Verwesung, die linde Sonne, die schafft und +leuchtet. Und schied das Licht von der Finsterniss, und ging grausam in's +Gericht mit dem, was schn gewesen war und herrlich, zeigte es klar wie es +war in entsetzlicher Todtenlarve, dass ein Schauder die Menschheit +erfasste, Manche in fliegendem Entsetzen das Werk ihrer Hnde zerbrachen. + +Und schied berall die Finsterniss vom Licht, die Gedanken von der Form, +den Geist vom Krperlichen, das heilsam und gut gewesen fr eine +kindlichere Zeit. + +Und pries die Gte, die reine Unschuld, die Schwachheit, die das +Heldenthum ist. Wie Alles ewig ist und Bestand hat, das aus der Liebe +geboren ist. Das Andre ist Staub und Schlacke. Es muss verbrennen und +immer mehr wegbrennen in immer reinerem und strkerem Licht, bis nichts +mehr bleibt, als das unaussprechliche wunderbare Licht in Gott. Einige +sehen es schon im Leibe. Viele aber erst nach diesem Leben. In Allen ist +der Funke und das Abbild. Sie leiden und brennen. Das Feuer des Leidens +ist die Luterung. + +Der aber das Buch geschrieben in den unaussprechlichen Qualen seines +Leibes und Gewissens, dem war es wie Schuppen von den Augen gefallen. Er +sah nun und niemals wieder wrde ein Flecken in sein Auge kommen. Ganz +kleine Kindlein sahen von selbst. Ihre Augen sind stet, flackern nicht +unruhig wie die der Menschen. + +Aber ein solch wundersames Buch war nicht geschrieben seit die Welt stand. +Und zeigte den Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, durch alle +Zeiten und Alter, wie er Form und Blut geworden in Golgatha, und floss in +herrlicher, schimmernder Fluth. Um die Hupter der Heiligen, niedrige +Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, Bastillestrmer. ... Immer mit nie +fehlender Sicherheit der Gang zum Licht. + +Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: Friede auf Erden und den +Menschen ein Wohlgefallen. Gold - das Reichste, daran des Menschen Herz +hngt, Weihrauch, der den Aufschwung der Seele begleitet, und Myrrhen, die +feinste, edle Blthe der schnen Knste. + +Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache geschrieben, die wie Gesang +ging. Die Worte waren einfach und tief, dass die Weisesten davor +ehrfrchtig standen und die Einfltigen sie fassen konnten. Die Kraft +dieser Worte war wie ein zweischneidendes Schwert und ihre Ssse ssser +denn Honig, feinster Duft der Blumen. + +Ein solches Buch war nicht geschrieben worden und es stand leuchtend und +in Erz gegraben, was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, seine +Strahlen wurden rother und inbrnstiger. Alle rothe Wuth und Finsterniss +der Welt konnte das leuchtende Buch nicht umstossen. + +Wie auf das Volk die Rede des grossen Socialisten, so wirkte das Buch auf +die Gebildeten. Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre Gter abgaben +und niederstiegen zu den Geringen. Die Frauen richteten sich auf in +leuchtender Keuschheit. Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen +geleistet, wurde wieder die herrlichste der Tugenden. Maler und Bildner +ergriffen begeistert Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach der +leuchtenden Schnheit, wie er nie gewesen. Ahnend standen die Vlker vor +den Werken der Geweihten, denn solche Schnheit war nicht gesehen worden. + +Und jubelnd noch einmal schwang der Sang des Unbekannten sich auf, im +schwindelnden Adlerflug der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue +Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. Die Farben steigen an +in Tonleitern, Symphonieen des Glanzes schwingen sich schwirrend, der +trunkne Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im tnenden Reigengesang der +Edelsteine. Zum schmetternden Tedeum vereinen sich die Lichtspender. + +"Der erste Grund war ein Jaspis, der andre ein Saphir, der dritte ein +Chalcedonier, der vierte ein Smaragd. + +"Der fnfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein +Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein +Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwlfte ein Amethyst. + +"Und die zwlf Thore waren zwlf Perlen und ein jeglich Thor war von einer +Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend +Glas. + +"Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn der Herr, der allmchtige Gott +ist ihr Tempel und das Lamm. + +"Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, dass sie ihr +scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist +das Lamm. + +"Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselben Licht; und die +Knige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. + +"Und ihre Thore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine +Nacht sein." + +... Und es war ein Jngling in einer Stadt desselbigen Landes, der hatte +die Schnheit gesucht sein Leben lang. Denn er dachte richtig, dass, wer +die Wahrheit findet, der Schnheit nahe ist und es keine andre Wahrheit +giebt denn in der Vollkommenheit der Schnheit. Erst hatte er sie gesucht +in der Schnheit des Gedankens. Dann hatte er zu der Schnheit des +Fleisches gebetet, denn der lebendige Leib ist mehr denn der Schatten und +die Form hher denn das Wort; aber das Alter und die Unvollkommenheit +nehmen alle Schnheit hinweg. + +Dieser kam zu Ihm, da Er auf einem sehr hohen Berge war. Die ganze Nacht +war er den Berg hinaufgeklettert. Die Dornen hatten seine Hnde zerrissen, +dass sie bluteten. Er war gestolpert im Finstern. Die Steine hatten seine +Kniee zerschlagen, dass sie matt und wund geworden waren unter ihm. Oft +war er irre gegangen. Lichter hatten ihn genarrt im Finstern. Im Nebel +tastete er sich vorwrts mit Hnden und Fssen. Seine Augen waren wie +blind, dass er die Hand nicht sah vor seinen Augen. + +Er sah nicht das Gesicht dessen, der vor ihm stand. Aber er fiel vor ihm +nieder und hob die Hnde hoch. Flehte ihn an und bat: "Lass mich sehen die +grosse Schnheit Deines Antlitzes und sterben." + +Er sprach: "Ich will sie Dir zeigen. Aber hte Dich wohl, dass der +Schrecken Dich nicht niederstrzt vom Felsen. Denn meine Schnheit ist +schrecklich wie der Adler." + +Und er sah ein Unendliches, Furchtbares. Das fuhr dahin ber seinem +Haupte. Kreisende Sterne sassen in Seinen Lenden. Wolken bildeten den Saum +Seines Kleides. Seine Stimme glich dem Donner und das Zucken Seiner Brauen +war der Blitz. Zugleich geschah ein Windesbrausen wie von tausend Winden. + +Er fiel auf den Boden wie betubt und der Blitz fuhr ber ihn hin. + +Danach hrte er Schalmeien. Die kamen sehr lieblich und klingend aus +goldner Ferne. Er sah einen Jngling ganz nackt in der jungen Herrlichkeit +seiner prangenden Glieder. Der Bogen hing ber seiner Schulter und die +Leyer lehnte zu seinen Fssen. Die Gesnge seiner Leyer waren lockender +wie Goldklingen. Wo er hintrat, blhten Veilchen. Die wilden Thiere des +Waldes kamen angezogen von dem Wunder seiner Laute. - Aber das Antlitz des +Jnglings blieb marmorn. + +Danach sprach eine andre Stimme: "Kennst Du mich?" Er sah einen Mann am +Kreuze hngen. Sein Antlitz hing auf seine Brust und seine Arme blieben +ausgestreckt; denn die Schwere seines Krpers war zu gross fr seine Arme. +Dornen krnten seine Stirn. Das Blut troff von den Dornenmalen. Es floss +aus seiner geffneten Seite. Die Ngel gingen durch sein Fleisch und die +Stricke schnitten tiefe Wundenstriemen. Aber der Mund blieb weit gezerrt. +Der Mund schrie in seiner Qual und rief: "Mich drstet ..." + +Seine Thrnen tropften sehr schnell, er sprach: "Herr! Ich kenne Dich. Du +bist schn und der Edelste unter den Geschaffnen. Aber ich habe eine +Schnheit getrumt, grsser denn Deine. Und ich bitte Dich, dass Du mir +zeigest Deine letzte Schnheit." + +Aber der Mann am Kreuz schien zu lcheln. Seine Wunden wurden Rosen und +die Rosen fielen im rothen, duftenden Regen. Die Dornen um seine Stirn +waren Strahlen, die aus seiner Stirn brachen wie Sonnengluth. Vom Gold +dieser Strahlen wurde die Welt warm und tnend. - Aber die Schlange war +der Strick, der ringelnd niedersank. + +Und das Kreuz wurde der Baum, der Baum des Lebens aus dem Paradiese. Und +Er streckte seine Hand aus und brach von ihm die Frucht der Erkenntniss, +die roth war vom Blut des Lebens, in der Form des Apfels, der den Samen +birgt. Und Er reichte sie ihm hin und sprach: "Iss!" + +Da fiel der hin wie sinnlos. + +Als man diesen aufhob, waren seine Augen blind. Er sah niemals wieder und +seine Haare waren weiss geworden wie die eines sehr alten Mannes. Aber er +hatte die Dinge geschaut, die unbeschreiblich sind, frohlockte in seinem +Herzen und pries jeden Tag Gott, bis an seinen Tod, der bald kam. Denn er +hatte in einer Stunde das ganze Leben gesehen und allen Kreislauf des +Gewordnen. Und die Fibern und Hirne der Sterblichen sind schwach. + + + + + + DAS SECHZEHNTE KAPITEL. + + +Aber seine Feinde waren sehr thtig und machten bses Geschrei wider ihn. + +Denn es war grosse Aufregung im Lande. Die Hungrigen und Arbeitslosen +thaten sich zusammen auf den Landstrassen, zogen hin und her und forderten +Brot mit lauter Stimme. Es kam auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man +Fabriken und Lagerrume verwstete, Lden der Bcker und Fleischer +plnderte. Wo man auf der einen Seite die Emprung niedergeschlagen mit +Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die Flammen wieder auf. + +Auch bestand eine Art Verbindung zwischen den Arbeitern aller Lnder, dass +sie sich zusammenthun und Gewalten umstrzen wollten. Die Einen gaben +Geldmittel fr die Andern, die feierten. Man vereinigte sich in +Kongressen, Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen +Ausstand. + +So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe war im Lande, denn Viele auch +der Gelehrten und Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, die +Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz allgemein machen sollte, +Andre eine Verstaatlichung der grossen Betriebe und Waarenhuser. Viele +aber gar die ganze Theilung, wie es die armen Leute auf ihr Programm +geschrieben hatten. Und waren bereit fr ihr Theil anzufangen, mitzugehen +mit diesen. Es gab selbst Priester der herrschenden Kirchen, die khn +ihren Mund aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen von Habsucht +und Wollust. Die Armen aber nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, +dass ihre Sache gerecht sei. + +So befand sich Alles in Unordnung. Einige zogen hierhin, die Andern +dorthin. Welche sprachen: "Morgen wird die Befreiung kommen. Sie wird +kommen durch Waffengewalt, denn wir sind Viele. Sie aber sind Wenige. So +wir dazu kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, sind wir ihnen +berlegen zehnfach und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir mssen +nur einstehen Einer fr den Andern und unser Pulver trocken halten." + +Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass sie zusammenhielten. Denn von +den Fhrern suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und hin ber die +einzelnen Stze. Die Rivalitt der Nationen machte sich geltend, auch eine +Frage der Geschlechter, da die Mnner die Weiber nicht wollten als voll +gelten lassen, diese aber wiederum sprechen und Herren sein wollten wie +Jene. + +In den gelehrten Bchern und Blttern stritten sie sich gleichfalls. Der +Eine warf dem Andern niedre Beweggrnde und Tcken vor. Es waren nicht +Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es wohl meinten, waren schwach und +trumten. Die Andern aber whlten und zeigten sich sehr thtig. + +Das ganz rohe Volk drngte zu Thaten. Sie sprachen: "Es ist besser wir +sterben, als wir tragen dies Leben lnger, das schlimmer ist wie der Tod, +und setzen Kinder in die Welt, die Last weiterzutragen mit gekrmmtem +Nacken wie wir." + +Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. Sie sprachen: "Lasst uns +trinken! Wenn wir uns Muth getrunken haben, wollen wir gehen und +todtschlagen!" Und schlugen blindlings drauf los, wen sie fanden. Die man +ihrerseits schlug und gefangen setzte wie wilde Raubthiere. + +Auch zu dem Fremden kamen Etliche von Solchen. Sie sprachen: "Sei Du unser +Fhrer! Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter Dir herziehen und +Du sollst unser Frst sein." Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter +entstellt waren von Lastern. Der Geist des Branntweins war in ihren Augen. +Ihr Athem roch schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. Alle ihre +Bewegungen waren obscn. Sie schrieen nach Weibern und Trunk. So sie +solche hatten, nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht anders +waren sie denn Schweine. + +Und er antwortete ihnen kein Wort. + +Sie sprachen: "Du verachtest uns, weil wir schmutzig sind und bel +riechen. Sind wir nicht ebenso gut und besser denn Jene, die sich mit +Seife und Salben waschen, ssse Weine trinken?" + +Er sprach: "Ihr seid nicht besser. Ihre Hnde sind gewaschen. Sie brauchen +nicht rohe Worte. Sie essen und trinken ihr Maass. Ihre Leidenschaften +sind in ihren Hnden wie gute und gehorsame Pferde. Sie wissen genug, um +voraus zu denken und rechnen zu knnen. Ihr Wissen giebt ihnen die Grenze +und Wirkung ihres Thuns. Ihr seid ganz schlecht und ganz nutzlos." + +Dann sprachen Einige: "So bist Du also ein Vornehmer und hltst es mit den +Reichen und Mchtigen?" + +Er sprach: "Die Mchtigen und Reichen haben andre Laster wie Ihr. Sie +lgen, wo Ihr roh seid. Wenn Ihr fresst, kitzeln sie ihre Gaumen mit +scharfen und unnatrlichen Sachen. Wo Ihr dem Augenblick folgt, rechnen +sie mit List und legen Schlingen. Ein Armer sorgt nicht so um Leib und +Blut, lsst wohl sein Leben. Der Reiche zittert fr seine Gter. Nichts +Lieberes ist ihm als das Leben, dass er sich Aerzte sucht, es zu +verlngern, noch im Tode mit Denkmlern und Bildsulen sich ehrt, so er +doch todt ist, nichts wie Staub und Wrmer. Der Arme ist weit ab vom +Reiche Gottes, weil er arm ist. Aber der Reiche ist weiter entfernt." + +Sie sprachen: "Sage uns, was ist das Reich Gottes?" + +Er sprach: "Was Ihr Glck nennt, Frieden in uns und ausserhalb." + +Sie sprachen: "Wer hat das Glck? Und wie sagst Du, dass der Arme ihm +nher ist als der Reiche?" + +Er sprach: "Der Reiche hat viele Bedrfnisse. So er nicht sein festes Haus +hat, Pferde und Dienerschaft, ein kstliches Essen, wie mag er sich +freuen? Der Arme bedarf des Allen nicht. Der unter freiem Himmel nchtigt, +braucht kein Dach. Der am Brot sich satt isst, bedarf des Fleisches nicht. +Wem Wasser gengt, was soll ihm der Wein?" + +Sie sprachen: "Das ist ganz thricht. Wir wollen Alle in Schlssern +wohnen, Fleisch essen und Wein trinken alle Tage." + +Er sprach: "Seht zu, wo Ihr es findet," wandte sich von ihnen und sprach +nicht mehr. + +Zu ihm kamen Andre, die sich klug dnkten, sprachen: "Wir wissen sehr +wohl, dass Du recht hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des Menschen. +Mit ihm erfindet er, verbindet Meere und Erdtheile. Sieh das System, das +wir aufgebaut haben, darin das Glck ist und Wohlleben fr Alle." + +Er sprach: "Der Stein ist geduldig. Er trgt die Marke, die man ihm +eingrbt. Wie wollt Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die Krfte +der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr +Herr; weil er ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, den sie +trgt. Kennst Du das Gesetz, das den Knaben leitet zum rothen Mord oder +die tugendsame Jungfrau zur Buhlschaft?" + +Sie sprachen: "Wir kennen es nicht." + +Er sprach: "Es giebt kein Gesetz, das gut ist fr Alle. Aber das Gute ist +in Allem. So Jeder gut thut, ist Alles gut." + +Das verstanden sie nicht und sprachen: "Es wird immer Schlechte geben." + +Er sprach: "So lange es sie giebt, ist Nichts gut." + +"So sollen wir gar nichts thun, die Hnde in den Schooss legen?" fragten +sie nun. + +Er sprach zu dem, der das sagte: "Thue Du fr Dich! Mchtiger denn viele +Worte spricht das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn tausend +Gleichnisse. Einer, der stirbt fr sein Leben, schafft zehnfaches Leben." + +Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie murrten gegen ihn: "Das haben wir +lngst gewusst. Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. Es ist nichts +gekommen aus ihr und hat sich nichts gendert, seit die Sonne scheint." + +Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: "O dass Ihr hasstet oder +liebtet! Aber es ist nur Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die +Sonne nicht vor so vielem knstlichen Licht. Rom war besser und Babylon +war edler. Im blutrothen Blut msst Ihr roth werden! Von den Flammen Eurer +Stdte und Huser werden in Euch Flammen aufschlagen! O Ihr armseliges +Geschlecht in Eurem Reichthum! Wrmer und Elende in all' Eurer Kunst!" + +Da er weiterging, fand er einen sehr alten Mann. Der sass vor seiner Htte +in der Abendsonne. + +Wie er vorbeiging, grsste ihn der alte Mann. + +Er sprach: "Lass mich trinken und gieb mir zu essen von Deinem Mahle." + +Da gab ihm der alte Mann frisches Wasser, Brot und eine reife Frucht von +den Fruchtbumen, die vor seiner Htte wuchsen. + +Der alte Mann sprach: "Dies ist meine Nahrung Winter und Sommer. Ich nehme +niemals andre. Fleisch und Blutiges kommt nicht ber meine Lippen. Und +Frucht der Traube nicht, deren Saft gegohren ist. Ich bin stark damit und +gesund. Nichts fehlt mir. Ein Arzt hat meine Htte nicht betreten, seit +ich diese Lebensweise annahm. Winter und Sommer stehe ich zeitig auf. Ich +trage mein Holz selbst und reinige meine Htte. Meine Mahlzeit bereite ich +mir mit meinen Hnden. Ein wollner Rock gengt mir, wenn es kalt ist, und +ein leinener fr den Sommer. Wasser reicht mir die Quelle vor meiner +Htte. Mit meinen Hnden habe ich diese Fruchtbume gepflanzt, die um mein +Haus stehen. Mein Acker, den ich selbst bestelle, giebt mir mein Brot. +Meine Thiere sind meine Freunde. Sie hren meine Stimme. Wenn ich einsam +bin, leisten sie mir Gesellschaft. Ihre Nthe sind meine Nthe. Das Kalb, +das geboren wird, gehrt mir, wie es zu seiner Mutter luft. Sie kennen +keine Scheu und keine Furcht. Selbst die wilden Thiere des Waldes kennen +mich und kommen zu meiner Htte, wenn sie Futter suchen. Die scheuen Vgel +unter dem Himmel setzen sich auf meine Hand, wenn ich sie ausstrecke, und +erzhlen ihre unschuldigen Geschichten." + +Damit streckte er seine Hand aus. Kleine Meislein und Rothkelchen, die +hpften und liefen, kamen kecklich, flogen auf seinen Finger. Sie pickten +an seinen Lippen, als ob sie anfragen wollten, setzten sich auf seine +Schulter und klappten mit den Flgeln. Rehe aus dem Walde traten heraus +ohne Scheu und nahmen ihr Futter aus seiner Hand. Die furchtsamen Hasen +machten friedliche Mnnchen, putzten und berschlugen sich. + +"Alle sind meine Brder," sagte der alte Mann. "Meine Kinder, weil sie +schwcher und unkluger sind wie ich. Aber ihre Unklugheit ist nur +scheinbar. Sie wissen sehr gut, wie sie zu leben haben, wo sie ihre +Nahrung finden. Sie wissen auch, dass noch etwas Andres ist wie hienieden; +nur sie _wissen_ es und sorgen nicht. Hre!" + +Im Busch schlug die Nachtigall eine sehnende Weise. So lieblich, so voll +Klage und schmelzendem, lockendem Zuruf! Das Reh sah ihn an mit treuen, +verstndigen Augen. + +"Es ist nicht nur die Brunst, die sie lebendig macht fr die Fortsetzung +dieses armen, kleinen, lebendigen Lebens. Weil sie fhlen, dass sie in +einer Kette sind, Alle zum Lobe Gottes, den sie preisen aus ihren kleinen +Kehlen, mit dem stummen Blhen ihrer Kelche, tglich. Das sind die +Unschuldigen der Natur. Ich liebe sie, obgleich die Menschen sie +verachten, sich klger dnken in ihrem Stolz, ihrer Geschftigkeit." + +Er aber erstaunte sich, so viel Weisheit und Demuth zu finden in einem +alten Mann. Ein wundersamer Mann war er, mit der grossen, viereckigen +Stirn, die das Denken ausgearbeitet hatte wie einen Marmorblock. Sein Haar +und Bart war langgewachsen. Er sah aus wie ein Bauer und war doch ein +Herr. Ruhende Strke lag in ihm, der Blick, der ber Viele sieht. Aber er +blieb milde. Seine Hand koste den Flaum des Rehs, wo es weich ist unter +dem Hals des Thiers. + +Er fuhr fort: "Frher war ich auch wie die andern Menschen. Hochmthig und +geschftig, verzagt in meinem Thun, wenn es nicht ging wie ich wollte. +Geschfte der Knige wollte ich thun an Frstenhfen. Ich wollte weise +sein wie ihre Weisesten, lustig leben wie die Lustigen und Tollen. Ich +habe ihre Bcher gelesen. Ich habe Frauen geksst. Ich habe um Reichthum +gesorgt und gerafft. Alles ist eitel. Glcklich ist, der Niemandes bedarf, +und Alles zu geben hat den Andern. + +"... Ich habe ihre Knste getrieben. Mir gefiel das schlanke Spiel der +Wrter, dass sie sich verwirrten und kreuzten wie blanke Schwerter - +auseinander sinken und zur Erde flattern, harmlose Strohhalme. Farben +liebte ich, die die Worte lebendig machen wie von getrunknem Blut, Tne, +die rufen, die locken und befehlen, weinen machen und lachen, wie es der +Zauber verfgt, der sie Alle regiert. - Ich berauschte mich selbst am +Wohlklang meiner Tne. Wollust war in der Farbe meiner Bilder. Meine Worte +waren klingelnd wie Schlittenklang, tnende Erze und hallende Schellen. - +Alles ist eitel. _Eine_ Kunst giebt es zu thun, was recht ist. Eine Farbe +der Wahrheit. Einen Ton, des Verlornen, den wir wiedergefunden." + +Er sprach: "Welches ist der Ton, den Du wiedergefunden? Lass mich hren, +dass ich weiss, ob es der rechte ist." + +Der alte Mann sprach: "Vor langen Jahrhunderten klang er am See. Am See, +der zwischen den Bergen liegt, Genezareth. Was da gesprochen in +himmlischen Tnen, durch die Zeiten und Alter klingt es als Wahrsang. Wir +zhlen die Jahre. Der Sang ging verloren in Schwertschlag und Goldklink. +In blinkenden Fabeln von Wissen und Kunst. - Es giebt nur den. Niemals +ward er vollkommen." + +Er sprach: "Der Sang ist der rechte, den Du gefunden. In ihm liegt Alles. +Erfllung und Leben." + +"In ihm liegt Antwort, Weisheit und Einfalt. Dreierlei seh' ich die Zeiten +zu deuten: Dass Einige weigern Kriegsdienst zu thun, Verfolgung erleiden, +Gefngniss und Tod. Dass Viele erkannten, ihr Wissen ist eitel im weiseren +Wissen. Dass Keuschheit wieder die oberste Tugend, die Frauen erwachen, +die stark sind und knden. - Der bedarf nicht der Schtze, der die Perle +gefunden. Der Tod ist ihm Freund, der das Leben erkannt. Ich sitze hier +und warte des Todes. Des Fhrers harr' ich, der einfhrt zum Tage." + +So nahmen sie Abschied. Der alte Mann sass ganz still auf der Bank vor +seiner Htte. Um ihn liefen die Thiere, weideten, piepten. Er sah in die +rothe, sinkende Sonne. + +Die Sonne sank. + + + + + + DAS SIEBZEHNTE KAPITEL. + + +Dies geschah, als eine Emprung kam im Lande. + +Die Armen wollten nicht Hunger leiden und arm sein mehr. Es gab eine +grosse Anzahl der Arbeitslosen auf allen Landstrassen, weil die Zeiten +schlecht waren. Man hatte eine solche Flle der Gter in den vergangenen +Jahren auf den Markt geworfen, dass Niemand mehr Waaren kaufen wollte. Das +Korn lag in den Speichern und verdarb. Das Fleisch wurde zu theuren +Preisen verkauft, weil die Hndler nicht wussten was zu thun mit den +Massen ihres Viehs, Einige riethen es todtzuschlagen und zu vergraben. +Whrend die Armen Hunger litten. Sie zogen umher in grossen Banden, Weiber +und Kinder, mssig vom Morgen bis zum Abend, denn sie sprachen: "Was ntzt +es, so wir doch keine Arbeit finden. Lasst uns essen und trinken und +todtschlagen, denn morgen sind wir todt." + +Gegen diese schickte man grosse Mengen Soldaten und Militair. Sie +vertilgten Viele von ihnen und schlugen sie in blutigen Schlachten, dass +das Blut auf dem Strassenpflaster floss, die Kpfe der Fallenden sich +zerschlugen am harten Stein. Ihr Gehirn strzte aus den Schdeln gleich +Wasser aus festen Tpfen. Von Geschrei und Wehklagen war die Luft erfllt +wie in einem Schlachthause. + +Es kam aber auch vor, dass welche von den Soldaten ihre Helme und Rcke +wegwarfen, zu den Feinden bergingen, neben welchen sie kmpften auf hohen +Barrikaden, in engen Strassen, die man versperrt hatte mit umgestrzten +Wagen, Matratzen und Mbelstcken aus den Husern. + +Der Kampf wurde noch blutiger dadurch. Die Andern machten Jagd auf ihre +frheren Kameraden, schlugen sie todt wie die Hunde. Es gab keinen Pardon +mehr auf beiden Seiten. Das Gemetzel war furchtbar, dass alle Huser +gefllt waren mit Sterbenden und Verwundeten. Selbst die Leichen +verschonte man nicht, bte an ihnen grausame Verstmmelung, dass viele +zarte Frauen und Mdchen den Verstand verloren vom Grauen des Anblicks. +Die Leute, die sich verloren sahen, tdteten sich lieber selber, ehe sie +sich dem Feind bergaben in seiner Grausamkeit, der sie einschloss, +zusammenpackte in den Gefngnissen, getdtet zu werden oder gerichtet zum +Leben, wie es der Richter recht befand. Es waren junge Leute unter ihnen +von achtzehn und zwanzig Jahren, denen der Tod lieblich und glorreich +dnkte gegen Zuchthausarbeit und Ketten. + +Solches kam auch vor den Knig und verdross ihn sehr in seinem Herzen, +bekmmerte ihn, dass er keine Ruhe fand, oft nicht schlafen konnte in der +Nacht. + +So liess er sich den grossen Prediger der Socialisten holen, den er noch +immer im Gefngniss hielt. Denn wiewohl keine Ursache gegen ihn vorlag, +wollte man ihn doch nicht freilassen. Seine Name ward geschrieen auf den +Strassen. Viele behaupteten, dass geheime Verbindung bestand zwischen ihm +im Gefngniss und seinen Anhngern ausserhalb. Diese forderten laut, dass +man ihm den Process machte, ein Exempel statuirte zur Abschreckung der +Andern, weil er wohlbekannt war, sein Name als eine Fahne diente, der sie +Alle folgten. + +Dieser sprach unerschrocken vor dem Knig. "Es ist Deine Schuld so gut wie +dieser, wenn sie jetzt blutgierige Thiere sind. Ihr habt sie gehalten als +Thiere in Unwissenheit und Rohheit." + +Der Knig sprach: "Ich will ihnen ja geben. Aber ich kann ihnen nicht +Alles geben." + +Er sprach: "Es ist viel wichtiger, dass Du giebst, denn was sie nehmen. So +lange Einer hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner hat, sich +sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle zufrieden. Ausserdem dass es +Deiner eignen Seele gut ist." + +Davon wollte er nichts hren, schickte ihn immer und immer wieder weg. +Aber wenn seine Bekmmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig in +ihm, schickte er von Neuem und liess ihn holen. Und wollte nichts hren, +wenn seine Rthe drngten, sie sprachen: "Wir haben den Beweis und den. +Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein Hochverrther." + +So dass ein Gerede ging im ganzen Land: "Der Drechslergeselle ist mehr +denn unser Knig. Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat." + +Sie verbreiteten dies Gercht mit Fleiss bis zu den fremden Knigen, dass +diese Briefe schrieben, sich darber bewegten. Alle sagten: "Er hat keine +Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in die Hnde dieses Aufrhrers +gegeben, der ihn am Narrenseil fhrt, eine Herrschaft der Bettler +errichtet ber seinem Thron." + +Seine Rthe beeilten sich, dieses Gerede wieder vor den Frsten zu +bringen, denn sie wussten, dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste +wie glhendes Eisen. Er hielt viel auf seine Wrde, die er von seinen +Vtern ererbt hatte, und war noch ein junger Frst, solchen Tand der +Majestt gewohnt von Jugend auf. + +Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten seine Schuhsohlen, whrend +sie ihm grobe Schmeicheleien sagten. "Dein Angesicht ist strahlender wie +die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss sterben und verkmmern." Sie +priesen seine Weisheit, die grsser sei denn die aller Gelehrten und +Weisesten im Land. Aber seine Macht war grsser als aller Knige ringsum. +So er nur wollte, war er der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde +blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren wrde ihm folgen auf +allen seinen Fahrten. + +Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich den Reformator zu +verringern: "Wer ist dieser Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, +der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. Wie wagt er zu Dir zu +sprechen, den Gott selbst gesalbt hat! Knige sind gewesen von Anbeginn +der Zeiten. Wer wird die Macht haben, wenn Du sie nicht hltst? +Vielschwtzer, armselige, kleine Krmer und Pillendreher? Man denkt, dass +Du ihn frchtest. Der Aufruhr zieht neues Blut aus seiner Gegenwart, weil +Keiner denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein Schweigen Recht giebt. +Du selbst bist erschttert in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein +heiliges Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, der Hchste der +Sterblichen, ihnen zu Dienst und Anbetung gesetzt von oben." + +So peinigten sie die Seele des Frsten, beugten sich in den Staub, gaben +grosse Feste. Bller donnerten, Fahnen wehten. Man brachte kstliche +Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in glnzenden Uniformen mit +blinkenden Waffen defilirten. Das Zucken seiner Wimpern war fr sie +Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt Tausende. + +So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: "Es ist Alles zum Besten +eingerichtet. Da sieh doch! Und hre den Jubel meines Volkes bei meinem +Einzug." + +Der Gefangene aber blieb fest. "Es ist nicht gut. Von Dir wird gefordert +werden Gut und Bse." + +Dass sie sich nicht einigen konnten, der Knig ihn wegschickte im Aerger. + +Diesem stiess ein ganz seltsames Begebniss zu. + +Als er nach seinem Jugendfreund Johannes fragte, der sein bester Geselle +gewesen war, Rathgeber in allen Dingen, - und er hatte keinen lieberen +Freund wie ihn oder einen, der gerechter war und weiser, - sagte man ihm, +dass dieser sein Haus nicht verlassen habe, hielt sich eingeschlossen in +seinem Hause und antwortete Niemandem, nicht seinen Eltern, die ihn mit +Thrnen beschworen, noch seinen Freunden, die um ihn sorgten, auch nicht +den Vorgesetzten, die ihn zu den Pflichten seines Amtes ermahnten. So dass +Jedermann anfing an seinem Verstand zu zweifeln, die seltsamsten Gerchte +ber ihn umgingen in der Stadt. Nur eine schlechte, wilde Katze htte er +mit sich gebracht aus dem Walde. Er gab ihr zu essen und beobachtete sie +lange auf ihren Raubgngen. Des Abends kam sie sehr nahe zum Feuer und +schlief da zusammengerollt mit eingezogenen Krallen, whrend er wachend +dachte, das Oel nicht ausgehen liess Tag und Nacht. Ganz verwildert war er +in seinem Aeussern, mit langhngendem Bart und Haaren, dass alle seine +Freunde anfingen, an eine Verwirrtheit zu glauben, grosse und berhmte +Aerzte herbeizogen aus der Stadt und Gegend. Sie stellten ihm viele +Fragen, betasteten seinen Puls und die Zunge. Aber er antwortete ihnen gar +nichts. Sie konnten kein Zeichen einer Krankheit an ihm finden. + +Es war ein junges Mdchen in der Stadt, die Tochter eines angesehenen und +grflichen Hauses, wohl angeschrieben bei Hofe. Diese hatte schon lange im +Geheimen eine Zuneigung zu dem jungen Prediger, wie kindliche, unschuldige +Mdchen fhlen, ohne davon zu sprechen oder gar demjenigen ein Zeichen zu +geben. Nur fehlte sie niemals in seiner Kirche, jedes kleine Geschenk oder +zufllig von seiner Hand Berhrte hob sie sorgfltig auf. Traf sie ihn +unversehens, stieg sofort die hohe Rthe der Scham ihr in die Stirn, denn +sie schmte sich ihrer Sehnsucht nach dem Mann, in der Keuschheit ihres +Leibes, whrend ihre Liebe doch zugleich ihr hchste Freude und Seligkeit +war, also trefflich erschien er, wohlgelobt und hochgehalten vor allen +Menschen. Und war nicht, der an ihm rhren konnte, weder die Frechen, noch +die Lgner. + +So liebte sie allein im Garten sich zu ergehen, oder in ihrer Stube lange +zu sitzen mit dem offnen Fenster im Frhling. Sonst war sie sanft und +freundlich zu Jedermann, ein sehr liebliches, junges Mdchen, obgleich +zart, zierlich gebildet wie eine Maiblume, mit zu schweren blonden Haaren, +einer weissen Haut, unter der man die blauen Adern sah. Ihre Eltern, ob +sie gleich ihre geheime Zuneigung ahnten, sagten sie ihr doch nichts. Weil +sie so jung war, wollten sie sie nicht erschrecken, indem sie an die +Geheimnisse des Geschlechts in ihr rhrten. Vielleicht hofften sie auch, +dass spter sich finden wrde, was noch fern war und Zeit hatte. Selbst +die alten Eltern des von ihr Verehrten wollten ihr sehr wohl, empfingen +sie oft und seine Mutter liess sie an ihrer Seite sitzen. Denn sie war ein +sehr anmuthiges und feines Kind, lind und kosend wie ein frher Lenzmorgen +unter Aprilschauern. + +Diese Jungfrau, als sie von der Krankheit ihres Geliebten hrte, dass +Niemand zu ihm sprechen knnte, er allein sass mit der hsslichen Katze, +machte sie sich allein auf, ohne irgend einem Menschen etwas zu sagen. Sie +zog ihr weisses Kleid an, das ihr ihre Eltern geschenkt hatten zu dem +ersten grossen Fest am Hofe, band ihre Haare auf, machte sich zurecht also +hbsch und zierlich, als sie vermochte in ihrer Jugend und Unschuld, und +ging zu ihrem Johannes hinauf in die Kammer, wo er sass und brtete. Und +die Katze hockte neben ihm am Feuer, blinzelte mit grnlichen Augen, +putzte sich zierlich und schlug mit den Pfoten in die Luft nach Fliegen. +So satt war sie geworden von all' der Milch und dem guten Fressen, dass +ihr Krper rund erschien wie ein Ball. Er selbst war ganz eingefallen. +Seine Backen zeigten tiefe Lcher wie die eines Todtkranken. Er starrte +aus hohlen Augen und rieb die mageren Finger hin und her, eine Hand ber +der andern. + +So erschien vor ihm die Jungfrau in all' ihrer Scham und Lieblichkeit. +Aber er sah sie gar nicht, fuhr fort zu starren und die Finger +gegeneinander zu reiben. + +Sprach sie zu ihm: "Lieber Herr! Was fehlt Euch? Alle Eure Freunde sind in +Sorge. Eure Eltern weinen. Vielen ist es ein grosses Kmmerniss, Euch also +schwerkrank und schweigsam zu wissen." + +Darauf sah er sie wirklich an, aber immer noch ohne sie zu sehen, +gleichsam als schaute er durch sie hindurch, da, wo sie war, blieb nichts. +"Bist Du eine Katze?" sagte er zu ihr. "Gehst Du des Nachts auf Raub aus, +wenn es dmmrig ist? Hast Du Junge, die Du sugst mit Deinem Blute?" + +Solche Rede erschreckte sie. Sie konnte nicht anders glauben, als dass es +der Wahnsinn sei, der aus ihm redete. So kamen ihr die Thrnen in die +Augen. Sie sprach mit thrnenvoller Stimme: "Lieber Herr! Wollt doch zu +Euch kommen und Euch bedenken. Ich bin die Jungfrau Ottilia, die Ihr wohl +kennt. Ich bin hierhergekommen, weil mich die Sorge um Euch trieb und ich +Sehnsucht zu Euch getragen lange unter meinem Herzen." + +Denn jetzt in seiner schweren Krankheit dachte sie, dass es wohl Zeit sein +msste, ihr Geheimniss preiszugeben. Sie wollte ihn aufrtteln. Sie +fhlte, dass es fr sein Leben wichtig war, wenn er sprach. + +Er aber sprach: "Sehnsucht ist nichts. Auch Nachtwachen ist nicht viel, +Fasten und Hungerleiden. Ich sehne, sehne mich ..." + +So kam sie noch nher an ihn heran, nahm ihn in ihre Arme. Denn ob sie +gleich ein Kind war und noch sehr jung, fhlte sie doch in ihrer grossen, +reifen Liebe, dass sie ihn retten musste, aus diesem ein Ende gefunden +wrde um jeden Preis. Und nahm seine Hand. Aber seine Hand war kalt wie +Eis. Sie ksste seine Lippen. Diese Lippen waren trocken und ohne Athem, +fast wie die eines Sterbenden. + +"Sehnt Ihr Euch nach Liebe," sprach die Jungfrau, "so will ich sie Euch +geben, warm und geduldig, wie ein Weib zu geben vermag. Folgt mir nach +draussen, Lieber! Seht, die Sonne scheint und die Vgel singen freundlich +dem wrmenden Licht." + +Damit zog sie den Vorhang vom Fenster, dass die Sonne warm hereinschien. +Denn die Fenster waren verschlossen und verhangen gewesen die ganze Zeit, +und schwere, eiskalte Luft wie die des Grabes im Zimmer. + +Er fuhr mit der Hand ber die Stirn: "Liebe - Liebe ..." sagte er. "Das +ist Liebe einer Stunde, Wrme des Lenztags. Ich mchte die Sonne selbst +sehen. - Ich habe Sehnsucht nach dem Tode." + +"Der Tod kommt," sprach sie freundlich und ohne Zrnen, obgleich ihr Herz +aufschwoll, ihr weh war zum Sterben. "Aber erst ist das Leben. Seht, +lieber Herr! Alle Knsplein strecken ihre zarten Bltter. Alle leben und +athmen." + +Sie nahm ihn noch fester in ihre Arme und legte seinen Kopf auf ihr Herz, +dass er ihr Herz athmen fhlte, die Wrme ihres Busens ihn umfing. "Du +lebst jetzt," sagte er langsam. "Aber Du wirst todt sein. Wrmer werden in +Dir wachsen, Du stinkst ..." Er schleuderte seine Hnde fort, als ob er +Wrmer von ihnen abschlenkerte. Seine Nstern zogen sich zusammen im Ekel. + +Dieses junge Kind in ihrer Einfalt und grossen Liebe schrak nicht zurck: +"Ich werde auch mit Euch sterben," sagte sie, "aber spter. Es ist noch +lange hin. Dann giebt es ein ewiges Leben. Wir werden vereint sein. Alles +Fragen, alle Sehnsucht hrt auf im Himmel." + +Diese einfachen Worte machten einen schrecklichen Eindruck auf den +Kranken. Er sprang pltzlich auf, fasste ihre beiden Hnde in den +Gelenken, drckte sie zusammen wie in eisernen Ringen und schrie: "Das ist +nicht wahr. Es giebt keinen Himmel, es giebt keinen Gott und keinen +Teufel. Es giebt nur Aas und Maden. Diese Maden sind wir. Ekelhafte, +stinkende Maden!" + +Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu reissen, roh zu lachen, +hssliche, unflthige Worte auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig +und wohlgebildet frher. Aber die Schwere der Geheimnisse war zu viel +gewesen. Im Rathen ber ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war +jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und fletschte die Zhne. + +Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, war es zuviel fr ihr +zrtliches und noch so kindliches Herz. Sie fhlte wie einen grossen +Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken ging, ihr Besinnen und +Wollen. Sie fiel ohnmchtig hin. + +Dann strzte er sich auf sie. Er riss sie an den Haaren. Er zerriss ihre +Kleider, zerfleischte ihr Gesicht mit den Ngeln, trat und beleidigte sie. +"Ihr - Ihr seid der Fluch der Welt," stiess er hervor. "Ihr habt uns zu +Grunde gerichtet. Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den Apfel gegessen +und nur zur Hlfte? Warum macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? +Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! Wir sind Gtter. Wir sind +reine Geister. Die Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth +verkehrt. Ich habe die andre Hlfte wiedergefunden, die, die Ihr selbst +verzehrt habt. Ich bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin Gott! +Gott! Gott!" ... + +Die Katze mit gestrubten Haaren, auf dem Kaminsims hockend, sah zu. Ihre +Augen funkelten bsartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. Als er +die Halbgestorbne zurckstiess, sprang sie ihr an die Kehle und biss sie +todt. + +Die Andern fanden diesen jungen Mann, der das todte Kind ber seinen +Knieen hielt. Er hatte ihr die Haare wohlgeordnet und Frhlingsblthen +hineingestreut. Ihr weisses Kleid war ber sie gebreitet wie ein Leintuch. +Aus der rothen Halswunde troff das Blut. + +Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte sie putzend. + +"So viel Schnheit," sagte er, "so viel Unschuld und Gte. Das ist nun +Alles dahin - dahin." + +Und weinte ber die junge, ssse Maid, nahm ihre Hnde, ksste sie. Und +ksste ihre weissen, kleinen Fsschen in den seidnen Schuhen, die sie +angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem kindlichem Herzen: +Vielleicht, dass dieses mein Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des +schrecklichsten Todes. + +Dann seufzte er sehr tief, sagte: "So vergehen die Blumen. O ssse Blume! +Blume der Unschuld, der Gte und des Verzeihens! Sie htte liebliche, +kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel htten sie gesegnet. Keinem hast Du je +Unrecht gethan. Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich +bestrzt. Kein Anblick der Hsslichkeit Deinen Sonnenweg gekreuzt. Weint +nicht um sie, denn ihr ist wohl. Warum weint Ihr?" + +Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank in tiefes Brten. Da +Etliche die Katze todtgeschlagen hatten, nahm er den Balg auf, streichelte +ihr zerrttetes Fell und bettete sie neben die Jungfrau. Die Hand der +Jungfrau lag auf dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, Eine wie +die Andre, von zierlichen Gliedern, weich anzusehen und zrtlich in ihrer +Geberde. + +Dies that er. Niemand konnte ihn hindern. Denn es war etwas Besondres in +seinem Wesen, weit weg, als ob er erhaben wre ber alles Lob oder +Anschuldigung der Welt. Und that, was er wollte. Denn es war Niemand, der +ihm zuwider sein konnte, oder erklren mochte, warum er so that. + +Etliche forderten, dass er vor Gericht gestellt wrde um des Todes willen +der Jungfrau. Ihre Eltern waren reiche Leute, wohlangesehen bei Hofe. +Andre sagten, er sei nicht richtig in seinem Gemth, das viele Lernen habe +ihn verwirrt. Diese hatten wohl recht. + +Da nun aber auch Etliche der Jungfrau nachsagten, dass sie mit Recht zu +Schaden gekommen sei, weil sie zu einem Manne gegangen um die einsame +Stunde, wurden sie bestraft. Denn wie man den Staub auf ihr Grab warf, +darin sie begraben war mit der Katze, blhten daraus Lilien auf. Also dass +das ganze Grab ein Liliengarten war. Die Lilien wuchsen ohne Unterschied +ber der Jungfrau und ber der Katze. Und war grosses Wunder vor allem +Volk. + +Er schwieg zu Allem. Da er vom Kirchhof zurckkam, legte er sein Kleid +nicht ab und zog seine Schuhe nicht aus. Aber er setzte sich an's Fenster +und sah in die Nacht. + +So sass er viele Tage. Alle, die ihn mit Thrnen beschworen, seine Eltern, +die klagten, die Freunde, die ihn lieb hatten, die Richter, die ihn +ausfragten, das Volk, das gegen ihn lrmte, sah er gar nicht. Er nahm +nicht Speise und Trank, sah in die Nacht gen Osten gerichtet und wartete +auf den Morgen. + +Zu diesem, da er noch in diesem Zustand war, kam der Frst, weil er sein +Freund gewesen und der Vertraute seiner Jugend, der ihm guten Rath gegeben +in allen Dingen. Sein Wort stand fest wie ein Fels. Und es war eine Regel +der Gerechtigkeit, gerecht zu sein wie Johannes. + +Der Frst, da er ihn so bleich sah mit grossen, unirdischen, blauen Augen, +erschrak er wie alle die Andern, sprach zu ihm: "Warum sitzt Du und +schaust in die Nacht? Denn es ist Nacht draussen." + +Er sprach: "Es ist wohl Nacht jetzt. Aber der Morgen kommt. Ich warte auf +die Sonne." + +Und wandte seine Augen wieder gen Osten, sass und wartete. + +Dann vernderte sich sein Benehmen. Er wurde eilfertig, thtig, voller +Freude, scheerte sich und legte ordentliche Kleidung an. Seinen Dienern +gab er gute Vermahnung, dankte ihnen fr Alles, was sie ihm gethan hatten. +Als seine alten Eltern kamen, trstete er sie mit freundlichen und +sonderlichen Worten: "Seid froh, liebe Eltern, denn es ist bald Zeit fr +uns Alle, vereint zu sein. Ich habe Eure weissen Haare lieb, Eure Thrnen +sind mir Lindigkeit," ksste ihre Hnde. Einen jungen Bruder der Jungfrau, +fast ein Knabe noch, den er oft geliebkost, befahl er ihnen als Sohn, +segnete diesen und liess ihn nicht von seiner Seite. + +Es war aber schon die siebente Nacht. Danach als die Sonne aufging, that +er einen lauten Schrei: "Die Sonne! Die Sonne!" ... fiel hin und war todt. + +Dies verbreitete grossen Schrecken ber Alle, die es mit angesehen hatten. +Der Frst blieb sehr bedrckt in seinem Gemth, wurde nicht froh, griff +Dieses auf und Jenes, liess es wieder fallen in der wandernden Unruhe +seiner Gedanken. + +Es war aber sehr schwl im Gemach, unleidlich, vom sengenden Brand der +Sommersonne. Seit Wochen prallte die Sonne. Man konnte keine Frische +finden, weder auf der Terrasse, noch in den Grten. Die ganze Luft schien +mit Feuer gesttigt und verschlang sich schwer wie stagnirendes Wasser, +das Uebelkeit hervorruft, eine Umwendung im Magen. Jeden Abend sah man am +Horizont Feuerspiele, vom Licht, das niemals ganz unterging, weil es in +den Ausstrmungen der Erde selbst war, der lagernden Hitze, die nie ein +Regen erfrischte. + +Man sprach von einem Brand der Welt. Hass und Aufruhr schlugen sehr hohe +Wogen. Die sengende Hitze blies in's Hirn der Menge wahnwitzige Gedanken +von Tod und Orgie. Sie sprachen: "Lasst uns sterben und saufen." + +Auf seinem purpurnen Lager ruhte der Knig. Aber er wlzte sich rastlos, +die Kissen aufwerfend und niederdrckend. Seine Finger stachen in weichen +Atlas. Seine Augenhhlen schienen verbrannt von der Hitze, der +Schlaflosigkeit langer Nchte, die seine Lider mit Braun gemalt htte, +dass die Pupillen wie Kohlenfunken glhten in einem Haufen von Asche. Von +den aufgesprungnen, gedrrten Lippen hauchte Glutathem. Das innere Zittern +schlug und schttelte ihn wie eine ferne, aufreizende Musik. Er hatte +Fieber und der khlende Trank des Arztes gab keine Labe. + +Durch die weiten Hallen des Palastes trieb das ruhelose Fieber den jungen +Frsten. + +Alle Wnde waren mit wundervollen Fresken und Gobelins verziert, +Grossthaten seines Hauses, Schlachten, Krnungen, Staatsakte. Auf +feurigen, sich bumenden Schlachtrossen stiegen junge Helden, +lockenumwallte, im flatternden Helmbusch. Das ausgestreckte Schwert +deutete nach vorne. Der Brustpanzer gleisste. Unter den Hufen wand sich +formlos, ein Gequltes, Bezwungnes, der Drache, der Lindwurm der +Unordnung, der Feind. Andre waren ernsthafter. Sie standen gerade, +hierarchisch, die Mntel flossen in weiten priesterlichen Falten. Eine +Hand hielt den Apfel, das Sinnbild der Gewalt, die andre den Stab. Ueber +der Stirn gleisste mystisch der Goldreif. Das waren die Sagenhaften, die +grossen Grnder, die Knige, Hirten, Vter der Geschlechter. Sie hteten +und herrschten. - Es gab ganz geharnischte unter ihnen, schwarz in +schwarzen Rstungen, wo das Gesicht klein, vogelartig schien unter dem +Eisen der Sturmhaube. Ihre Nasen bogen sich wie Raubthierschnbel. In der +schweifenden Linie des Bartes wohnte die Grausamkeit. Sie hielten das +Schwert in eiserner Faust. Der Fuss im Stahlschuh trat auf graslose Wste. +Einige beteten. Ganz junge Knaben waren, denen die schweren Gewnder zu +schwer erschienen, zu weit der gezackte Goldreif ber zarten, blulich +gederten Stirnen. Sie verblhten in kaum erschlossner Knospe. +Melancholische schauten mit Schatten des Wahnsinns in erschrocknen Augen. +Heuchlerische mit tckischem Fuchsunterbau des Gesichts. Das Scapulier +hing an ihrer Hfte. - Die Carreaus der Gemlde zeigten kleine Plne der +Stdte, Festungsbauten in Miniatur. Frhliche Knige trugen zierliche, +gestickte Hoftracht. Der Falke auf der Faust zeigte den Jger, das +lchelnde Auge den Freund der Damen. Und Kolosse folgten: Wandelnde +Fleischmassen, doppelte und dreifache Kinne, bartlose, saftige Lippen der +Wollstlinge, kleine, feuchte, in Fett vergrabne Augen, das Ganze mit +Gold, Purpurstickerei berladen, unter enormen Perrcken, die sie grotesk +und bermenschlich machten. - Alles das wurde blasser. Ein Gedanke war +hineingekommen, eine gewisse Traurigkeit, Schrecken bei Einigen, +Resignation der Andern, unter der gegebenen Maske, derselben Decoration +von Gold, Kronen, Lwen, Hermelinfalten, - der Mensch, etwas Einzelnes, +Abgelstes, Persnliches. _Der_ war gestorben in der Verachtung der +Menschen, nachdem er sie gegeisselt und gegngelt hatte. Dieser hatte die +Verbannung gekannt, das Unglck, den Verrath, die Demthigung. Jener +Junggestorbne wollte und konnte nicht. Sein Nachfolger hatte gewogen und +klug gerechnet. Unter der gesuchten Bonhomie, dem fast gemthlichen +Lcheln, lauerte der Tigerzug. - Sie hatten gewusst und durften nicht +sagen. Einige hatten sagen gewollt. Aber sie waren todt. Sie waren traurig +und unglcklich. - Ueber die ging man schnell hinweg, wie ber Kranke, +deren Krankheit gefhrlich ist und anstecken knnte. + +Er war der Letzte. Er war ein Ende ihrer Rasse. Sie betrachteten ihn Alle: +Die herrischen Augen, die ruhigen, satten, die anklagenden, +flackernden ... Zehn Jahrhunderte! Er war da. Alle diese Jahrhunderte +waren in seinem Blut, ein Stck von ihm. Es war sein Leben, was er schon +vorher gelebt hatte. Es erschien ihm furchtbar auf einmal - ein so langes +Leben! - eine Kette, eine erstickende Last, drckende Schwere ... + +Eine goldne Sonne war im Plafond des Saals gemalt. Sie schickte ihre +Strahlen nach allen Seiten. Kreisrund war diese Sonne, ohne Schatten, und +ihre Strahlen standen gerade wie geschliffne Schwerter. Goldne Leisten +liefen am Gesims entlang. In unnatrlicher, ppiger Flle drngten sich +Beeren, Frchte, Blumen, die Ecken hielten Adler, Greifen und +Wappenschilder mit anspringenden Lwen. An den Fenstern fielen senkrechte +Purpurdraperieen. Sie fielen in runden, tiefen Falten einer Tuba. Dunkler, +lichtlos erschien der Sammet in den Wlbungen, tiefroth glhend in den +Schatten zwischen den Falten. Wie Priestermntel fielen sie, rothe Gsse +von Blut, gleichmssig ausgegossen in immerwhrendem strmenden Fliessen. +Alles Gold, zurckgeworfen im Glanz von hundert Spiegeln, ertrnkte sich +im Purpur, ohne ihn zu erwrmen, der alles Licht verschlang, dunkler +wurde, satt, brutal, sich triumphirend breitete, ein Vampyr, der Oger der +Farben. + +Und er sah eine Jungfrau, wunderbarer denn sterbliche Weiber, und ber die +Grsse der Frauen. + +Ganz von Gold erschien diese Jungfrau, leuchtender wie die leuchtende +Sonne. Das Gold schmiegte sich um ihre Schenkel in schmalen gehmmerten +Ringen von seltner Feinheit. Es umschloss ihre Arme wie in einem +Handschuh. Die Spitzen der Finger waren von dunklerem Golde wie in +Goldstaub gepudert. Es schuppte sich ber ihrem Leib in gleissender +Schuppenbrune. Aber ihre Brste waren aus reinem, geschmiedetem Gold, +aufrechtstehend mit geschliffnen Spitzen wie Schwerter. Sie trug einen +goldnen Helm auf dem Haupte. Der war geformt mit berragender Spitze wie +ein Helm der Pallas, aufrechtgestellter Fittich eines Adlers. Er stieg +sehr tief in die Stirn. Die Stirn war gebunden mit einer purpurnen Binde. +Purpurstreifen fielen nieder von ihrer Schulter und hingen nieder zu ihren +Beinen wie Lazzis, Striemen geschnittnen Leders, die benht waren mit +Edelsteinen in Streifen und Kreisen. Bei jeder Bewegung funkelten und +blitzten die Steine, dass man nicht hinsehen konnte, die Augen geblendet +bluteten vom sprhenden Glanz der Steine. Sie trug in ihrer Hand zwei +sthlerne Schwerter. Schellen waren an ihren Gelenken befestigt, die +klirrten und klangen. Der Arm reckte sich frei aus den Purpurstreifen der +Schulter. Wenn sie ihn bewegte, klatschten und fielen die purpurnen +Streifen wie Peitschenbnder. Die Schwerter kreuzten sich in der Luft ber +ihrem Haupte und beschrieben Kreise, und fielen herunter. + +Die Haare dieser Jungfrau waren schwarz mit sthlernem Glanz wie des +Rabenfittichs, roth vom aufsteigenden Gleisch der Flammen. Ihre Augen +waren grn wie Smaragden im Ring schwarzer Diamanten, die purpurne Lichter +schossen, dass ihr Glanz unertrglich war fr den, der hineinsehen wollte, +der Blick gebannt sass in ihnen, hngen blieb wie die Motte in der Flamme. +Aber ihr Mund war Blut. Die Rthe ihrer Lippen war rther denn die vom +Blute, als ob sie Blut getrunken htten, unersttlich gierig, frisches +Blut jeden Tages. Ihre Zhne waren Raubthierzhne, spitz mit geschliffnen +Spitzen. Zhne, die bissen in Fleisch, das blutete. Dieses Blut tranken +ihre tdtlichen Lippen. + +Und er wusste, dass diese Jungfrau "die Macht" hiess, Helena von Troja, +Judith und Herodias, Cleopatra, die Aegypterin. Sie war von kniglichem +Geschlecht, eine einzige Jungfrau in der Welt und gab mehr Wollust denn +Jede. Und es hatte sie nie ein Mann besessen. Alle, die sie freiten, waren +gestorben. Sie hatte ihr Blut getrunken. Und es war ihr Blut und ihre +Kraft, die sie so schn machte, unwiderstehlich und herrlich vor den +Sinnen der Mnner. + +Und sie tanzte vor ihm. + +Sie tanzte. Sehr langsam wandte sie sich und ihre Schulter kehrte an ihren +Platz zurck. Sie hob den Arm. Und der andre Arm stieg rund auf, die Brust +aus den Hften reckte sich in langsamer, schwellender Anstrengung. Einen +Moment blieb sie weit vorgeschoben, keuchend, wie eine gezngelte, +gefhrliche Schlange, whrend die Beine angenagelt warteten, zitternd, +gezwungen. Im Kopf, zurckgebogen, schlugen die Lider. Der Hals strebte +weiss, liliensehnschtig unter dem blutigen, drstenden Bogen der +Lippen ... Eine Woge schien die harte Linie der Schultern zu verwirren. +Das Kinn sank zur Seite mit einem Seufzer. + +Kriegerische, wilde Musik schien sie zu wecken. Sie richtete sich auf ganz +erzitternd. Man sah das Erzittern vom Fuss bis zur Helmspitze laufen, wie +eines Uhrwerks, dessen Feder man berhrt hat, das sich in Gang setzt. Die +Hften krmmten sich abgezeichnet zum Sprunge. Ganz vorgeneigt, das Kinn +in der Luft, beide Hnde flach ausgespreizt, dass die ganze Last des +Krpers auf der Zehe ruhte, horchte sie. - Sie bckte sich noch tiefer. +Die Spitzen der Brste schienen den Schooss zu berhren. Sie kroch. Sie +schnellte sich. Sie stiess einen rauhen Schrei aus. Die Finger griffen +krallend in die Leere. Hart ber dem Boden wie im Anzug einer Armbrust, +bohrte der Ellbogen, ein Tremolo, das nicht nachliess, rascher und rascher +wurde. - Sie war wach geworden. + +Ihre Zunge gegen ihren Gaumen gab einen Lockton. Sie warf sich nach +rechts. Sie schnellte ihre Schultern nach links hinber. Der Hals im +scharfen, zuckenden Rcken gab das Tempo an. Ein Fuss stahl sich tastend +vor. Der andre folgte in schrfender Schleife. Ihre Kniee tanzten. Sie +gaukelte in den Hften. Die Erde liess sie. Sie flog auf, ihr gellendes +Tambourin schttelnd. + +Das war die Bewegung. Die Erde belebt durch den Willen, unsterbliche Kunst +des Ausdrucks. Es giebt keine Schwere. Kein Gesetz der Unwandelbarkeit +hemmt. Der Krper spricht. Die Formen singen, das Fleisch hat Seele. - Sie +tanzte. + +Sie marschirte in einem tnenden, triumphirenden Marsche. Ihre Sohlen +stampften den Boden wie Schlachtrosse, schwere Kolonnen Gepanzerter. Der +Leib zwischen den stelzenden Sulen der Beine schien getragen wie eine +kostbare Last, ein Altartisch kstlicher Gter, der avancirte, langsam, +feierlich, mit der Feierlichkeit und Langsamkeit einer Procession. Ihre +Arme blieben steif wie die Arme einer Statue, einer ehernen Jungfrau, die +zermalmt, was sie an ihren Busen drckt. Sie nherte sich wie ein +Traumbild, ein schrecklicher Alpdruck der Fiebernacht, die schwarze Venus +der Aegypter, der Leben gegeben ist. ... Wie man Elephanten zur Schlacht +ruft, in kurzen Stssen, antworteten die Schellen und Schwerter. + +Sie tanzte. Sie stiess kurze, wilde Schreie aus wie Mwengekreische ber +dem Sturmmeer. Ihre Arme schlugen die Luft aufgescheucht. Ihre Fsse +suchten mit gekrmmten Spitzen im sich steigernden Zittern, der Furcht, +des Wunsches, der Raserei. Sie drehte sich. Ihre Haare peitschten den +Boden wie ein aufgespanntes, schwarzes Pfauenrad. Die unteren Glieder +schienen sich zu verschieben mit den Gelenken der oberen im verzweifelten +Wunsche der Vermhlung. Losgelst zwischen den Hften, eine Blthe im +Sturmwind, schwankte und bog sich die Taille. Sie zerbrach sich, knickte. +Mit irrem Klopfen huschten die Finger in der Leere. Kleine Wehmuthsrufe +schrillten die Schellen, Klagegezwitscher flatternder, fremder Vgelchen. + +Diese Drehung wurde schneller, schwindelnd schnell. Schnell, wie von +Rdern, Maschinen, Sthlernem. Man unterschied die Tne der Schellen und +Castagnetten nicht mehr. Es war ein Wirbel, ein zgelloser Tanz, +Sichineinanderverschlingen der Tne. Die Arme waren die Flgel einer +Windmhle, die sich schwangen im Drehen. Roth und goldne Streifen. Sie +peitschten, flogen. Die Felder wurden Kreise. Vom Boden, Kreisel gleich, +immer an derselben Stelle, wirbelten die Fussspitzen. Sie war ein Kreisel +im Ganzen, mit der weiten Flche nach oben, ein Rad, eine Blume, eine +Libelle aufgespiesst an einer Nadel, eine rothgoldne Rose, ber der das +Gesicht schwebte, unbeweglich, zurckgebogen mit lchelnden Lippen unter +dem goldnen Helme. + +Sie drehte sich, drehte. Sie war die Sonne. Rothgoldne Sonne. Die Lazzi +waren Strahlen. Strahlen waren ihre Arme und Beine. Die Brste waren die +Scheibe, die stille stand, mit metallnen, weissglhenden Spitzen. Sie +stachen wie brennende Eisennadeln. Ein Athem von Blut und Hitze schlug +ber ihn hin. Immer wieder Hitze und Blut, roth und gold, nur noch eine +Farbe bildend, die der Wollust, der Frau, der Bewegung. - Der Lustwille +des Feuers, der die Erde dreht, in den Adern kocht wie Gluthsud. + +Das war keine Frau mehr, die Frau nicht. Das war die Schlange, spiegelnd +in allen Farben des Universums, die glorreiche, erste Schlange, sie, die +herrlicher war denn alle Thiere. Sie richtete sich zischend auf mit ihrem +ganz weissen Leibe, der goldnen Krone und der blutrothen, drstenden +Zunge: Und wirst wie Gott sein ... Wie Gott. Wie Gott. ... + +Er hielt sich nicht mehr: "Sei mein!" schrie er auf. "Sei mein!" + +Diesen Abend unterzeichnete der Knig das Todesurtheil des grossen +Demagogen. Er wurde im Gefngniss hingerichtet in der Frhe, ehe die Sonne +aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden in der Stadt. + +Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den Tod mde war und das Sterben +nahe fhlte, wurde eine wunderbare Trstung zu Theil. + +Er sah pltzlich an sein Lager treten eine Frau, eine vornehme Dame, in +der Tracht einer Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser von ihrer +Schulter und sprach: "Trinke, mein Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe +gesehen und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. Jetzt weiss ich es +besser und Niemand soll uns mehr trennen." + +Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die ihn damals angesehen hatte im +Wagen, da er noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch diejenige, die +zu dem Fremden gesprochen hatte am Brunnen. - Es befand sich aber, dass +diese edle Frau und Grfin gestorben war in derselbigen Nacht, also eine +mysterise Geschwisterschaft gewesen zwischen ihnen, die Vielen +unbegreiflich dnkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals so niedrig +gewesen, und einer hochgebornen Dame. + +Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen Etliche und sagten sie dem +Fremden. + +Er sprach: "Er war ein Starker, stark vor allen Menschen, den selbst die +Knige hrten. Er ist nun dahin und nichts bleibt von ihm brig." + +Sie sprachen: "Hat er denn nicht recht gethan mit dem, was er forderte, da +er von den Knigen und Mchtigen forderte?" + +Er sprach: "Die Knige und Mchtigen sind nicht die, die geben knnen. Von +innen muss es kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die Bettler die +Letzten sind, werden die Knige die Ersten sein. - Es ist aber auch +mglich, dass es von einem Knig kme." ... + +Sie wollten, dass er dies noch nher erklrte. Aber er sagte nichts und +ging weit fort in eine einsame Gegend. + + + + + + DAS ACHTZEHNTE KAPITEL. + + +Ueber dem Schlachtfeld war die Sonne untergegangen, eine rothe, mde Sonne +des Sptherbstes, die zerfliesst in einem Blutmeer. Man sah nur noch +Streifen von ihr wie lange Wundenstriche, rothe, zerflatternde im Grauen. +Sie wurden dunkler. Die Finsterniss schien in sie einzudringen, vage +Grne, Violette. Alles starb in einem brandigen Nebel. + +Zweimal ber den Acker waren die Heere dahingestampft. Erst die +Flchtenden, Fussvolk und Reiterei durcheinander in wilder Panik. Oft +gingen die Letzten ber die Ersten. Dazwischen schob man Geschtze, +Munitionswaggons. Wo die Pferde nicht gengten, halfen Mnner mit. Andre +hatte man im Stich lassen mssen. Sie lagen in unnatrlichen Positionen, +mit aufgereckten Hlsen, zerbrochnen Rdern, unschdlich gemachte +Eisenungethme, Sttel, Flinten, Uniformstcke, Leichen. Zuerst hatten die +Pferde versucht, sie nicht zu treten. Aber man spornte sie an. Es galt das +Leben. Die zu schwach oder verwundet waren, blieben zurck. Eine Zeitlang +hatten sie sich fortgeschleppt. Oder Andre zogen sie mit. Dann hatte man +sie verlassen. Sie schrieen. Manche versuchten noch zu kriechen, sich +weiter fortzubewegen, anzukrampfen. Sie gaben es bald auf. Die gingen hin. +Dann war nur noch ein einziges, zielloses Trappeln von Zweibeinen, +Vierbeinigen, Rdern, die liefen, liefen ... + +Man ertheilte noch Commandos. Berittne Offiziere sprengten ab und zu. In +einigen Abtheilungen herrschte eine gewisse Ordnung. Sie hielten sich von +den andern getrennt und marschirten rhythmisch. - Man sah sehr hohe +Offiziere mit den Abzeichen ihres Ranges, einen alten General auf seinem +weissen Pferde. Sein Gesicht war vollstndig schwarz vom Pulver und Staub. +Er opferte sich auf. Er war berall. Man hrte seine Stimme wie die eines +Hirten. Einige junge Rekruten acclamirten ihn. Man wusste, dass dieser ein +Held war. Er konnte nichts mehr ndern, die Eile des Rckzugs nahm zu. Sie +fhlten den Athem des verfolgenden Feindes im Nacken. Einige hatten Alles +weggeworfen und liefen laut schreiend. Sie wussten nicht, wohin sie +liefen. Nur eine Angst beherrschte sie, sich zu verlieren, +zurckzubleiben, einzeln zu sein, getrennt von der Horde, die rannte, +galoppirte. Sie hatten sich wie Mnner geschlagen, Tage und Wochen lang, +an diesem Tage. Das war Alles, was blieb, ein Gruselgefhl, die Empfindung +der Ohnmacht des Einzelnen in dem des Ganzen, des Geschlagnen, Besiegten. + +Sie liefen, liefen fr ihr Leben. + +Diesen nach brauste der Sieger. Da waren die Pferde zuvorderst. Sie +griffen mchtig aus in weiten, jagenden Sprngen. Ihre Reiter feuerten sie +an, wie man Jagdhunde anfeuert, eine Meute auf der Fhrte. Diese sassen +aufrecht im Sattel, zurckgeworfen. In ihnen lebte nur noch die Lust zu +fangen, zu stechen, abzuthun, Feuer des Kampfes und der Stolz des Sieges. +Ein ganz junger Krassier fiel auf, ein Knabe noch, bartlos. Er sah aus +wie ein rchender Engel mit schrecklichen, offenen Augen, den Mund +drstend emporgehoben. + +Das Fussvolk folgte langsam. Diese installirten sich auf dem Schlachtfeld. +Sie bezogen Vierecke und Gassen. Man pflanzte die Geschtze auf in einer +Art Park. Feuer zum Kochen wurden angezndet. Alle diese Menschen +rieselten von Schweiss, waren zu Tod ermdet. Sie schliefen, eh' sie noch +daran dachten, zu essen. Mit geffnetem Munde, in der Stellung, die sie +gerade innehatten. Zwischen Ueberresten des Tages, Leichen und +Pferdesern. + +Die Barmherzigkeit begann ihr Werk. Man sah sie mit Laternen herumgehen, +irrenden Glhwrmchen vergleichbar, weissgekleidete Gehlfen, rothe Kreuze +auf den Aermeln, dunkle Gestalten der Aerzte. In der Eile wurden Tische +aufgeschlagen, Verbandzeug entrollt, in dem Schwestern hantirten. + +Ein Zelt war hergerichtet. Da schnitten, sgten, verbanden die Aerzte die +ganze Nacht. Wenn Einige vor Erschpfung umsanken, traten Andre ein. Aber +der Aelteste wurde nie mde. Bis ber die Ellenbogen im Blut, mit +triefender Schrze, ein kurzes Wort hier und da, that er seine Arbeit. + +Auf dem Schlachtfeld selbst, einem kleinen Hgel gegenber, hatte der +siegende Feldherr sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auch da ging es +lautlos zu. Adjutanten glitten wie Schatten. Man sah es ihnen an, sie +kamen sich ausserordentlich wichtig vor. Jetzt gingen die Depeschen in +ihre Hauptstadt. Sie wrden die Helden des Tages sein. Man sprach von +ihnen. Mancher schwebte sich schon wieder im glnzenden Salon vor, +mnnlich ernst in hochgeschlossner Uniform, die zrtliche Huldigung der +Schnheit entgegennehmend. Man wrde sagen, dass der Feind tapfer war, der +Krieg ein grosses Unglck sei. - Je nher sie dem General kamen, seiner +Person und seinem Rang, desto ernsthafter und wichtiger wurden sie. Sie +befahlen gleichgltige Dinge, eine Tasse Thee oder kalte Zunge, mit der +Miene von Diplomaten, die ber Sein und Nichtsein von Staaten entscheiden. +Niemand war heiter oder betrank sich. Das war fr die Troupiers draussen, +die gewhnliche Mittelsorte, das Kanonenfutter. Der General liebte +dergleichen nicht. Man entsann sich nie, ihn lachen gesehen zu haben. Die +Soldaten liebten ihn. Er war einfach und gerecht. Das ist ein sichrer Weg +zum Herzen des gemeinen Mannes; er erkennt die Comdianten sofort, +sogenannte Liebenswrdigkeit ist ihm als Laune verdchtig. - Niemals sah +man diesen Feldherrn Vorlieben haben. Er liebte seine Soldaten. Er that +seine Pflicht. + +Der General war allein. Er hatte seine Berichte abgefasst, schlicht, ohne +Zustze und Phrasen, wie es seine Art war. Die Schlacht war gewonnen, die +Verfolgung im Gange. Die Kreisbewegung, durch die er den Feind in die +Mitte nahm, ihn dann von allen Seiten zugleich zermalmte, hatte sich als +vollkommner Erfolg bewiesen. + +Er war ein Greis von beinah achtzig Jahren. Aber ein sehr starker Greis. +Man sah es seinem Gesicht an, dass er das Klima aller Zonen getragen +hatte. Sein Ruhm stand ehern wie ein Felsen. Unerschtterlich wie sein +Ruhm war seine Gerechtigkeit. Dieser Mann verzieh nicht. Er strafte auch +nie ungerecht, weil er die Macht dazu hatte. Seine Siege waren wie die +eines Richtschwerts, das aufgehoben ist und fllt. Er besass keinerlei +Eitelkeit, keine Leidenschaften und Schwchen. Sein junger, einziger Sohn +war gefallen in diesem selben Krieg, gegen den General, den er heute +vernichtet hatte. Dies erbitterte ihn nicht. Es machte ihn auch nicht +weicher. - Er war ein grosser Mann. + +In dem engen Zelt war es heiss. Ein fader Geruch war in der Luft, von +Pulver, zu vielen Menschen, stehendem Blut. Selbst in dieser Nachtkhle +machte er sich bemerkbar. + +Der Adjutant schlief im Vorzimmer auf einem Stuhle. Es war ein junger +Edelmann aus einer sehr vornehmen Familie, usserst correct immer mit +blendend weisser Wsche und gefeilten Ngeln. Wenn er den General gesehen +htte, wie er aufspringen, eilig sich neben ihn rangiren wrde: Excellenz +befehlen dies - geruhen das -! Jetzt im Schlaf sah er dumm aus wie ein +Hammel. Er trumte nicht einmal. Er dachte an gar nichts. + +Er schritt ber mehrere Schlfer. Die Wachen prsentirten. Es waren +Soldaten von seinem Leibregiment, seinem eignen Heimathsregiment. Dieses +Regiment hatte eine lange, glorreiche Geschichte. Er dachte daran, dass +sie heut' sehr schwere Verluste gehabt hatten. Es that ihm weh. Er +verabscheute den Gedanken. Alle hatten verloren. Tausende waren geblieben, +Freund und Feind. + +Da bivouakirten auch andre, frische Regimenter, die erst eben auf dem +Schlachtfeld angekommen waren, noch nicht mit am Triumphe theilgenommen +hatten. Diese waren prchtig. Das Metall der sauber zusammengestellten +Waffen blinkte. Sie schliefen in ihren Uniformen bis an den Hals +zugeknpft, noch im Schlafe stramm und gerade. Alles ausgewhlte junge +Leute. Man hatte sie noch immer gut genhrt. Die Landsleute hatten ihnen +zugetrunken auf dem Marsche. Sie frchteten sich nicht und schliefen mit +einem leichtsinnigen Soldatenliedchen auf den Lippen. + +Fr ein andres Mal reservirte man diese. + +Er ging ber das Feld. Der Boden war hartgestampft, wie um niemals wieder +weich zu werden. Man konnte nicht sagen, was vorher darauf gewachsen war, +Gras, Grten oder Weizen. Er war Stein jetzt, zerhmmert, geschmiedet von +Millionen Fssen und Hufen. Im Ring die Berge behielten ihre alte Form von +Wellen, Rcken. Ihre Abhnge waren mit Leichen gedngt. Jeder Einzelne war +fr sich getrennt mit ungeheuerster Anstrengung genommen worden. Den +ganzen Tag hatten ihre Flanken Feuer gespieen. Es brachte sie nicht aus +dem Gleichgewicht. Sie waren Ewige, Steinerne. + +Er sah einen prachtvollen Menschen zu seinen Fssen lang ausgestreckt. Der +war mausetodt, in's Herz geschossen. Ein ganz junger Mensch, wie ein +Achilles. Er bewunderte das Viereck der Schultern, dieses herrlichen +Brustkastens. Das Gesicht war ganz unentstellt. Er lag da wie auf dem +Paradebett, ein gefllter Eichstamm. + +Vierzig Jahre und fnfzig htte er noch leben knnen. Und er, der General, +war achtzig, ein kleiner, mder, gebrechlicher Greis. Der Krieg blieb eine +schreckliche Sache. + +Von der einen Seite aus den Gebschen kam Wimmern. Schwerverwundete hatten +sich da hingeschleppt, die Sanittscolonnen hatten sie noch nicht +entdeckt. Es klang wie Hundegewinsel. Manchmal stockte sein Fuss wie in +Leim. Er zog ihn mit einer Art Ekel zurck. + +Grsslich waren die Pferdecadaver. Sie hatten nicht die Wrde, die der +Mensch unwillkrlich im Tode bewahrt, oder sein Menschenthum ihm gewhrt. +Und etwas Schrecklicheres. Als ob sie fragen wollten: Warum? Das stupide, +bldsinnige Warum? der Unbewussten. Gigantisch waren sie mit hngenden +Buchen, unter denen Pfhle standen, in der Ungeschicklichkeit der +leblosen vier Beine, gebrochnen, vorgequollnen, fischigen Augen, - whrend +die Menschen sehr klein erschienen, holzpuppenhaft. Wo Granaten crepirt +waren, lagen abgerissne Stcke, groteske Nacktheiten - beinah lcherlich. +Wie hsslich der Tod war! + +Freund und Feind lagerten durcheinander. Es war gar kein Unterschied mehr. +Die meisten zeigten diesen selben Ausdruck dummen Schreckens. Man konnte +fast sagen betrbter Kinder, die man mitten im Spiel unterbrochen hatte. - +Er wunderte sich fast, so wenig edle und heroische Gesichter zu sehen. +Dieser junge Mann war beinah der Einzige gewesen, der der Vorstellung +entsprach, die man wohl in Heldengedichten hat oder auf Denkmlern, wenn +ber dem gefallnen Krieger der Genius die Fahne schwingt. Dann sagte er +sich: "Wie knnte es auch anders sein? Was sind diese Leute? Wo kommen sie +her? Was wissen sie von den grossen Ideen des Vaterlands, der Herrschaft, +der Volksehre, fr die sie sich schlagen? Es ist sonderbar, dass sie sich +berhaupt schlagen, Heerdenzug, Schafsintelligenz. Was sind sie? Was ist +ihr Werth?" + +An dem Hgel war der Kampf am heissesten gewesen. Da lagen Leichen dicht +wie abgemhte Schwaden. Immer dieselben Uniformen. Nach ihrer Lage und +Fallrichtung konnte man deutlich die Stellung des Feindes erkennen. Der +ganze Kampf war da aufgezeichnet in menschlichen Ueberresten. - Etwas +Dunkles verschwand im Schatten. Abgehackte Finger, nackte Todte verriethen +unmenschliche Hantirung. Mit einer Geste des Ekels wandte er sich ab. +Leichenraben! Schakale - das rief ihm einen Spion zurck, den er den Tag +zuvor hatte erschiessen lassen. Seine Frau hatte fr ihn gefleht und +gebettelt, eine elende, zerrissne Schlumpe. Sie hatte ein Kind an der +Brust, einer hngenden, welken, ekelhaften Brust. Die Andern hingen in +ihren Rcken. Natrlich war die Gerechtigkeit vollzogen worden. Ein +Schuft! - er hatte eine Frau - kleine Kinder ... + +Ein Windzug hatte sich erhoben und kam ber das Schlachtfeld, ein +trauervoller, trauriger Wind der Feuchtigkeit mit tappenden Flgeln. Er +brachte ein Rcheln mit. Gar nicht boshaft oder zornig. Ganz sanft. Aber +es setzte nicht aus. Es erhob sich wieder in weiten Entfernungen. Und +starb im Winde. Vielleicht war es mehr ein Geist der Klage, als die Klage +selbst. Vielleicht war es die Hallucination des Orts. Dieser Ort war +traurig. + +Vielleicht litten sie gar nicht. Es war nur das Rderwerk der Maschine, +das auslief. - Eine Fratze grinste ihn an, schauerlich, idiot, mit +heraushngender Zunge und glotzenden Augen. Der auch war fr's Vaterland +gestorben. Welches zusammengewrfelte Material, diese Haufen der Todten! - +Ernsthafte Familienvter mit Vollbrten. Sie hatten zur Waffe gegriffen, +weil man sie angriff. Ihre Beschftigung war, den Acker zu bauen, Stdte +aufzurichten. Ruinirte junge Lebeleute. Verbrechervolk, Jugend aus +allerlei Lndern, die mit lachendem Mund in Abenteuer rennt. Jetzt war +Alles dasselbe. Alles hatte aufgehrt, die Sorge, der Leichtsinn, die +Liebschaft. Was ist das Leben? Was ist alle Mhe, die man aufgewendet hat, +es zu schtzen? Diese ewige Erneuerung, zu der alle lebenden Wesen sich +gezogen fhlen? + +Er rief sich die grossen Momente seiner Existenz zurck. Die Befreiung, +der schreckliche Zug durch Schneegebirge, die athemlose Erregung, als ein +Volk mit Thrnen und Gebeten ihm folgte wie die verwittwete Mutter ihrem +Erstgebornen ... Wie sie ihm entgegenstrzten, vom Hunger ausgemergelt ... +Mnner weinten wie kleine Kinder. Sie kssten ihm die Hnde. Er war Gott, +der Retter! Sein Einzug - das ganze Land schwoll ihm entgegen wie eine +zitternde, erwartungsvolle Geliebte. Er sah es zu seinen Fssen. Sie +kssten ihm die Fsse, die Steigbgel. Alle Ehren und allen Ruhm hatte er +gekostet. Er war alt geworden und traurig. + +Er blieb pltzlich stehen. Das Rcheln war ganz deutlich geworden. Es +klang wie das Weinen einer Kinderstimme. Dann in einer andern Sprache, +doch sehr vernehmlich, hrte er: "Mama ... Mama ..." + +Der General zitterte. Es war ein ganz junger Bauernknabe von den Feinden, +erbrmlich jung, viel zu jung. Ein spitzes, blasses Gesicht, zwei Augen, +berirdisch. Der Schuss musste im Unterleib sitzen. Er litt. Er streckte +die Arme aus. Er rief nach seiner Mutter. + +Da - da war die ganze Tragdie des Krieges, die ewige Feindschaft, die +Mutter, die immer wieder gebiert, nhrt, hofft. Und man nimmt ihr immer +wieder, tdtet, vernichtet. + +"Mama ... Mama ..." schluchzte der kleine Bauernjunge. + +Er war vielleicht ein Held. Er wusste es nicht mehr. Vielleicht wre er +ein Mann geworden, htte getdtet, geherrscht, vernichtet seinerseits. Er +fror. Er hatte Schmerzen. Er frchtete sich. + +"Mama ..." rief er. "Mama ..." + +Und er dachte an eine andre Mutter, diese eine tragische Mutter, schwarz +in schwarzen Schleiern. Die eigne jhe Wunde fing an zu bluten. Sie hatte +nicht geweint. Sie hatte ihn nicht gebeten zu bleiben. "Gott segne Dich!" +sagte sie und hatte ihn geksst. + +Und ber ihr wieder stand eine noch grssere, tragischere Mutter. Eine +Knigin - sein Land, sein ganzes Land in Trauer. Es schickte seine Shne, +ohne zu klagen, bleich und erhaben. Er gab und die Andre gab ... +Opfergabe, hinter der die Mtter standen, die vielfach Gestorbnen, die +zehnmal Gekreuzigten - Sie, die wahren Leidenden, die wahre Grsse, +Lebenstrgerinnen ... + +Und ein andres erstaunliches Phnomen machte ihn betroffen. An einem +Dornstrauch, der Blut trug, weil ihn die Flchtenden gestreift, halb +zerstampft, niedergetreten, ein elender Stummel nur, ein einziges noch +lebendiges Hlzchen, - blhte eine weisse Blume. Sie musste sich erst eben +erschlossen haben. Sie duftete - sie blhte ... + +Er sah die Mutter der Mtter. Er sah die Natur treibend und unverletzt, +trotz Brand, Tod und Blutregen, den Acker, der seine Frucht trgt, den +Baum, in dem die Sfte steigen, das Thier, das seine Jungen sugt ... + +Wstes Gelrme unterbrach ihn. Da hinten im Bivouak feierte man den Sieg. +Sie zechten und brachten Toaste aus; die triumphirten. - Jetzt musste die +Kunde auch in der Heimat sein. Man liess die Glocken luten und steckte +die Fahnen heraus. Leute auf der Strasse umarmten sich mit der +Siegesbotschaft. Ein wirres Freudengelrm schien sein Ohr zu erreichen, +ein Beifall, der von weit kam, seinen Namen rief ber die Meere. Das war +der Sieg. + +Und Andres stieg auf, undeutlicher: Flche, Thrnen, Racheschwre ... Sie +auch wussten jetzt. Sie beteten. + +Derselbe Gott war ber ihnen Beiden, unerbittlich, gleichgltig. Er sprach +nicht und hrte nicht. Der Gott der Weltgeschichte, der Eherne der +Nationen, dem Babylon und Rom gesunken war. Alexander und Napoleon waren +gross geworden und fielen. Vae victis! und Ave Caesar! - Es war Alles +dasselbe ... + +Die Landschaft war flacher hier. Eine Khle wurde deutlich fhlbar. Er +schritt eiliger vorwrts. Eine Bewegung des Bodens schien ihn mit +fortzuziehen, ein mchtiges Einathmen und Ausstossen wieder. Alles ging +und kam. Aber das Gehen schien noch krftiger wie das Kommen. Im Werden +verging Alles. Ein Tdtliches, Bestndiges, Festes war in der Bewegung. +Alles starb. + +Er war am Strand. Der Sand machte diesen Erdstreifen heller. Dahinter lag +es grau, unruhig, sich anwlzend und weichend. Salzathem stieg. Das Meer +fluthete und ebbte, endlos, schwarz unter dem schwarzen Himmel ohne +Sterne. + +Und er sah etwas Andres. - Ein Schatten? Ein Seufzer? ... Es war schon +vorber. Die Hallucination des Elends, ein Geist des blutigen +Schlachtfelds, das da hinten dnstend lag: ein blasser Mann trug ein +Kreuz. Das Kreuz war riesengross, aus rohem Holz geschnitten. Der eine Arm +des Querbalkens ragte gegen den Himmel. Das Ende schleppte lang nach auf +den schwarzen Wellen. "Und er wandelte auf dem Meer." ... + +In diesem Augenblick, ganz deutlich wie in Metall geritzt, krhte ein +Hahn. + +Es war Nacht. + + + + + + DAS NEUNZEHNTE KAPITEL. + + +Der Amtsgerichtsrath war durchaus nicht der Meinung seines jngeren +Collegen. + +"Ein Narr," sagte er, "und nicht schlimmer wie Andre, die lose rumlaufen. +Lassen Sie ihn laufen, Salvatius!" + +Der Andre machte Vorstellungen. Er war ein hagrer, dnner Herr und neigte +zu einer pessimistischen Weltauffassung, whrend der Gerichtsrath in +seiner rosigen, behbigen Flle auch Alles rosig sah. Die Specialitt +dieses Ersteren waren Majesttsbeleidigungen. Er sah diese berall. Er +roch sie, witterte, zog sie hervor aus den grbsten Verwicklungen. +Irgendwie wurden alle Verbrechen das bei ihm. Sie waren es ja auch +insofern, als die Majestt fr ihn die Autoritt Gottes auf Erden vertrat. +- Er war schlimmer wie ein rmischer Statthalter. + +"I bewahre!" sagte der Amtsgerichtsrath. "Wo wollen Sie das nun wieder +rausschinden? Schliesslich, wenn wir das Vaterunser beten, ist das auch +eine Majesttsbeleidigung. - Dreck sind wir Alle." + +Der Dnne blinzte, unangenehm berhrt. Der Assessor drehte die Daumen. Er +lernte noch. Dann war er von Berlin hierher versetzt, konnte nur jeden +Sonnabend nach Hause. Er lebte von Sonnabend zu Sonnabend. Auch hatte er +die Absicht, Carriere zu machen. Deshalb achtete er abwechselnd auf seine +beiden Vorgesetzten. Der Dicke gefiel ihm um seines heiteren Cynismus +willen. Aber der Eifer des Andern imponirte ihm. So wurde man was. + +Der gelbe Herr behauptete, dass Unruhen kmen, die Leute liefen zusammen; +"na, und wenn die Lausewenzel des Sonntags ein bischen weniger sffen?" - +Ueberdies hatte der Pfarrer Gentz eine Denunciation eingereicht. + +"Nur weil er ihm in's Handwerk pfuscht, seine Kunden stiehlt. Die Pfaffen! +- Das hackte sich am liebsten gegenseitig die Augen aus. Dadran sehen +Sie's schon. Predigte er den leibhaftigen Satan, ginge es noch. Dann +htten sie Wasser auf ihre Mhlen. Dasselbe sagen wie die Herren Pastoren! +Die verbrennten uns Christus heute noch." + +Der Assessor lachte. Die Ausflle gegen die Clerisei amsirten ihn. Er +konnte auch die Pfaffen nicht leiden. Trotzdem - ein leichter Anflug von +Semitismus haftete ihm an - deswegen war er kirchlich. + +"Sie beleidigen einen hochachtbaren Stand," sagte der Gelbe bitter. "Die +Geistlichkeit hat eine Pflicht im Staate. Sie sind gleichsam - die +Gewissenspolizei." + +"Ich verlasse mich lieber auf unsern Pommernicke. Sehen Sie, zum +Ketzerrichter bin ich nun mal verdorben. Aber wenn Einer lange Finger +macht, gar zu bermthig wird, dann giebt's was drauf. Das hlt die +Gesellschaft zusammen." + +"Es giebt sehr Vieles, was vielleicht schlimmer ist." + +"Das berlasse ich feineren Nasen. Es wre doch ungemthlich schliesslich, +allein als Krone brig zu bleiben und am Ende entdeckte man in sich selbst +unerlaubte Magenbeschwerden. Eine gewisse mittlere Dickhutigkeit macht +allein das Leben auf diesem mangelhaften Planeten fr sich und Andre +ertrglich. So'n Rhinoceros ist das philosophische Vieh. Alle Stoiker +bleiben Waisenknaben dagegen." + +Der Dicke ging seinen Amtsgeschften nach, ohne sich dadurch den Appetit +verderben zu lassen. Selbstmrder, die er zu recognosciren hatte, theilte +er in Krammetsvgel und Rohrdommeln ein, Erhngte oder Ertrnkte. +Eigentlich war er beliebt. Er vertrat eine praktische Nothwendigkeit. Die +armen Teufel liessen die Kpfe hngen und ergaben sich in ihre Strafe. Er +begrsste die Rckflligen auch stets wieder mit derselben Jovialitt. +Unter der Hand war er wohlthtig. Manches arme Weib hatte sich seine Mark +fnfzig oder drei Mark Conventionalstrafe fr Holzsammeln, Beerensuchen +von ihm zugesteckt gesehen. Eine gewisse rde Ausdrucksweise ging dabei +mit in den Kauf. Er nannte das patriarchalisches Regime. + +Ganz anders der Gelbe. Die Angeklagten waren von vornherein seine +persnlichen Feinde. Er suchte sie noch privatim mglichst zu +zerknirschen. Nichts konnte ihm mehr Freude machen, als solche, die sich +erhngten, Weiber, die sich in Zuckungen auf der Erde wanden. In +Alimentationsklagen trat er nie ein, ohne das Frauenzimmer vorher +grndlich zu verdonnern. Ueberhaupt Unsittlichkeit! Er hatte dann ein +Gefhl des lieben Gottes, eines Rhadamanthus. Zum allgemeinen Besten +musste man unbarmherzig sein, whrend der Dicke sich vorgenommen hatte, +dann lieber nach der andern Seite zu sndigen, die Sittlichkeitsfrage von +vornherein ironisirte. + +Die leichtherzige Auffassung des Collegen hatte den Andern gergert. Er +fand den Fremden im Gegentheil hchst gefhrlich, staatsauflsend. Dabei +blieb der Kerl heimlich, verstockt. Er liess sich nicht fangen. + +"Sie sind Communist?" fragte ihn der Vorsitzende. "Sie predigen den +Communismus?" + +"Was mein ist, ist meines Bruders." + +"Wenn er es nicht giebt?" + +"Es ist nicht an mir zu fordern." + +"Ich habe gehrt, dass Sie auflsende Tendenzen gegen die Ehe predigen? +Wie denken Sie darber?" + +"Nicht die Ehe ist unheilig, die Unkeuschheit macht sie so." + +"Wie ist denn aber eine Ehe mglich ohne physischen Umgang?" + +"Das wre allerdings die Radicalcur fr alle unsre Gebresten," sagte der +dicke Amtsgerichtsrath. Er fand die Idee hchst spasshaft. + +Man wollte wissen, ob er sich weigerte, Militrdienst zu thun? + +"So mich Keiner angreift, wozu brauche ich Soldaten? Wenn ich angegriffen +werde, ist es mir besser, Unrecht zu dulden, als Unrecht zu thun ..." + +"Das bricht den Gehorsam gegen das Gesetz." + +Er wies auf ein Cruzifix, das neben dem Richterstuhl hing, zu +Eidesleistungen gebraucht wurde: "So Er Euch Gesetz ist, was braucht Ihr +Gesetze?" + +Sie fragten: "Was bezeichnen Sie als sein Gesetz?" + +Er sprach: "Es steht geschrieben: Wer gestohlen hat, der stehle nicht +wieder, sondern schaffe mit seinen Hnden, auf dass er habe zu geben dem +Drftigen. Du sollst Deinem Bruder vergeben sieben mal siebenzig mal. Und +was Du nicht gethan hast diesem Geringsten Einem, das hast Du mir nicht +gethan." + +"Ein geschriebnes Recht muss sein um der Ordnung willen," warfen sie ein. + +"Ich sehe nur Unordnung. Ihr habt tglich zu thun mit Solchen." + +"Das sind Ausnahmen." + +"Die Andern bleiben in der Regel, weil sie den Vortheil davon haben." + +"Er ist scharf wie ein alter Fuchs," schmunzelte der Amtsrichter. + +"Ohne Zwang ist in menschlichen Dingen kein dauerhafter Zustand mglich." + +"Der Zwang trifft nur die Aeusserung. Er ndert die Gesinnung nicht. Die +mchtig genug sind, verachten ihn, und diese sind die strksten, die das +Beispiel geben." + +"Da hat er, den Teufel! nicht Unrecht. Unsre Banquiers und Minister +knnten davon ein Liedchen singen." + +"Glauben Sie, dass dieser Zustand ohne Gesetzlosigkeit, ohne Mord und +Todtschlag je mglich sein wird?" + +"Wenn Jeder sich selbst Gesetz ist." + +"Dann hat's gute Weile." + +Der Gelbe wollte wissen, ob er Seine Majestt den Knig anerkennte? + +"Wenn Unordnung ist, ist es gut, dass Einer sei. So aber Ordnung ist, wozu +ist ein Herr?" + +Der Feierliche fand, dass darin doch eine Majesttsbeleidigung lge, zum +Mindesten Zweideutigkeit. + +"Glauben Sie an Gott?" + +Er glaubte natrlich nicht. Der Pfarrer hatte es haarklein bewiesen, +Aussprche zusammengestellt. Ein ganz hohler Pantheismus war vielleicht +vorhanden. + +Der Assessor fand, ein paar Monate knnten nichts schaden. Man musste sich +schneidig zeigen. + +Der joviale Amtsrichter war dagegen: "Er hat nicht gestohlen, thut Keinem +was zu Leide. Lassen Sie ihn laufen!" + +Der Assessor langweilte sich. Er fand, dass es fr ihn berhaupt nicht der +Mhe werth sei, sich mit einem abgerissnen Strolch lnger zu beschftigen. +Man hatte genug zu thun, Beleidigungen socialistischer Redacteure +aufzunehmen. Das machte einen guten Eindruck nach oben. Er sah sich gern +als Prsidenten des Reichsgerichts in scharfer, schneidender Rede die +Gesellschaft retten. Das war vornehm gewesen seit Jeffrey's Zeiten. Aus +diesem Grunde opinirte er auch gegen Dreyfus. + +Den Vorsitzenden verfolgte die fixe Idee der Majesttsbeleidigung: "Ob man +die Steuer zahlen sollte?" wollte er wissen. + +"Ist sie fr das Allgemeine, so ist es billig, dass ein Jeder trage. Ist +sie nicht, so mag der tragen, der sie braucht." + +Sie stellten ihm eine Menge Fragen, woher er kme, was sein Name und Stand +sei? Auch ber seine Geldverhltnisse wollten sie wissen? Wovon er sich +ernhrte? + +Auf dieses Alles antwortete er nicht. + +Nun fingen sie an, Erkundigungen anderweitig einzuziehen. Es gab Leute, +die es beschworen, dass er ein Joseph Schppli aus Bing in Wrttemberg +sei, der schon in seiner Jugend geistesgestrt gewesen, seinen Eltern +davongelaufen und dann verschwunden war. + +Man that noch ein Uebriges. Da die alte Mutter Schppli noch lebte, +beschloss man ihn mit dieser zu confrontiren, sie auf Gerichtskosten +herkommen zu lassen. + +Der Erfolg schien allen Zweiflern Recht zu geben. Es erschien vor Gericht +eine uralte verhutzelte Bauersfrau, ganz benommen von der Wichtigkeit und +Wrde des Orts, diesen vielen Augen, die auf sie gerichtet waren. Sie +versuchte abwechselnd ihren mitgebrachten Korb mit Esswaaren zu sichern, +aus den Mienen der Umstehenden zu errathen, was man mit ihr vorhatte. +Natrlich hatte sie ihren besten Sonntagsstaat angelegt. Man hatte das +Gefhl eines alten Nacht- oder Erdthiers, pltzlich an's Licht gebracht, +das in die Sonne blinzelt, sich verkriechen mchte. + +Sie erkannte ihn sofort: "O mein Sohn Joseph!" schrie sie. "Mein armer +Sohn! Du bses Kind! Bist Du mir fortgelaufen und wo hast Du Dich +umgetrieben so lange?" + +Auf dies Alles antwortete er khl, aber freundlich: "Du irrst, Frau! Ich +bin Dein Sohn nicht." + +Nun gerieth die Alte ganz ausser sich: "Nicht mein Sohn? Was? Habe ich +Dich nicht in Schmerzen geboren? So spt kamst Du, dass die Wehmutter es +aufgab. Wir dachten, ich wrde nicht lebendig bleiben. Dann war es ein +grosses, starkes Kind, zehn Pfund schwer, dass alle Nachbarinnen ber das +Wunder schrieen. Hinterher kam das mit dem schwachen Kopf, wo gar nichts +anzufangen war. Nicht mal zum Viehhten taugte das. 'Geben Sie's nur auf, +Schpplerin,' sagte der Herr Pfarrer. 'Den hat sich der Herrgott +gezeichnet.'" + +Sie fing pltzlich an zu weinen und wurde zrtlich. "Bin ich nicht doch +gut zu Dir gewesen? Hab' Dich trocken gelegt jede Nacht, wenn Du +schrieest? Und wie Du krank warst, hab' ich Dir Hirsenbrei gekocht. Du +assest so gern Hirsenbrei und getrocknete Pflaumen. Dafr liessest Du +gerade Dein Leben. Mein Joseph! Mein Seppli! Mein eigner Herzbub! Und +willst nun Deine eigne alte Mutter nicht kennen?" + +Er sprach: "So nun sind die Weiber. Weil sie Dir Brot gegeben und den Leib +gewaschen, bilden sie sich ein, dass sie Dir eine Seele geschaffen, einen +unsterblichen Menschen aus Dir gemacht haben. O kleine Kinder im grauen +Haar! Thrinnen, die Ihr Mtter seid!" + +Danach, wie er sah, dass Einige diese Rede hart fanden, Andre sie richtig +nannten, die Alte aber schluchzte und lamentirte, sagte er: + +"Dennoch ist die Mutter immer verehrungswrdig. Sie hat gelitten. Sie hat +leibliche Schmerzen gelitten, wie das Kind zur Welt kam. Alle Noth und +Last trgt sie mit ihm in seiner Schwachheit. Danach wird es zum Manne und +lsst sie. So ist es wohl ihres und doch nicht ihrs. - Sie leidet im +Fleische um einer unsterblichen Seele willen. - Viele schelten dies +Geschlecht schwach. Es ist aber nicht so, da sich in ihrem Leibe sichtlich +das heilige Wunder der Erlsung zeigt." + +Und war gtig zu der alten Frau, trstete sie und hinterliess sie mit +Gaben, die seine Freunde fr ihn sandten. + +Vielen war das wieder ein Zeichen: "Er weiss sehr wohl, dass er ihr Sohn +ist. Wrde er sie ehren, wenn sie nicht seine Mutter ist?" + +Er sprach: "Und wenn sie es wre? Was ist eine Mutter? Hat sie mir meine +Gedanken gegeben? Trgt sie Schmerzen fr mich? Und fhlt sie mit meinem +Fhlen? Der Antheil der Mutter ist vom Fleisch. Wir sind aber nicht +Fleisch, sondern Geist. + +... "Vor Augen siehet diese Art, was wahrscheinlich ist. - Das Wahre aber +siehet sie nicht. Wenn sie es shen, wrde es ihre Augen verbrennen. - +Aber die Blinden haben auch Augen." + +Danach schwieg er und sagte nichts mehr ber diesen Fall, erklrte sich +auch nicht deutlicher. + +Dieser Umstand der Recognoscirung durch die eigne Mutter beruhigte die +Richter ganz und gar. Sie dachten nun wohl, dass er ein Narr und Kranker +sei. Uebrigens bildete nicht die Familie die Grundlage und Urform jedes +gesunden Staatsorganismus? Das heiligste Gut der Nation? Einer, der nicht +mal die Familie anerkannte, leugnete das Bestehende durch diese Thatsache +schon. - Der Gelbe war fr mindestens zwei Jahre und kurzen Process. Aber +die Herren amsirten sich zu gut bei dem Fall. Es machte ihnen Spass, ihn +auszuhorchen ber seine Ansichten. Was er von ihrer Justiz denke? Ob er +mehr fr deutsches Recht sei oder fr rmisches? Auch fanden sie +verzwickte Streitflle, die er entscheiden sollte. Und ob er die +Todesstrafe billigte oder missbilligte? + +Es war ein frmlicher Sport unter ihnen geworden. Der dicke +Amtsgerichtsrath war der Lustigste. Er nannte ihn scherzhaft seinen +Christus und sich Pontius Pilatus. - Der Assessor dachte an Berlin und die +Blumensle. Er war weit weg. Der grosse Gelehrte fand, dass dergleichen +die Kpfe verwirrte. Er war sehr gegen Verwirrung der Kpfe. Er hatte alle +Materien in Schubfcher und Unterschubfcher eingetheilt, und man wusste, +dass sein Urtheil unbestechlich war. Ueberdies _fand_ er die +Majesttsbeleidigung. Die Majesttsbeleidigung lag sonnenklar. + +Besonders konnte ihn eine Behauptung des Jovialen irritiren, dass der +Fremde eigentlich ein "genialer Kerl" sei, ein religises Genie. + +"Genies - Genies - die htte man auch Alle einstecken sollen." + +"Auch Goethe?" + +"Was ist Goethe? Ein Kerl, der keinen Patriotismus hatte, einen +unmoralischen Lebenswandel fhrte." + +"Er ist aber doch Excellenz geworden." + +"Es kommt ja vor. Im Grunde ist das Alles hherer Anarchismus, +selbstverfertigte Autoritten, Parvengewalten. Sehen Sie selbst +Bismarck ..." Der eminente Jurist war ultramontan. + +"Aber Pommernicke!" Der dicke Polizeidiener bildete das besondere +Steckenpferd seines humoristisch veranlagten Vorgesetzten. In seinen +Mussestunden schlachtete er Schweine, lieh Geld auf Wucherzinsen und +fllte in seiner kleinen Methodistengemeinde ein kirchliches Amt aus. + +"Pommernicke ist nothwendig, existenzberechtigt. Pommernicke _ist_!" + +"Die Fleisch und Fett gewordene Potenz des mittleren +Gerechtigkeitsgefhls. _Es lebe_ Pommernicke!" + +"Sie sind ein Farceur." Der Gelbe grollte und kollerte in sich hinein. Er +hasste, wenn man irgend etwas, das mit einer Staatseinrichtung +zusammenhing, nicht ernsthaft nahm. Er war immer ernsthaft. Lachen war +eine Frechheit eigentlich. Anarchismus, Majesttsbeleidigung. Nur +piettlose Menschen lachten. + +Der Assessor hatte Besuch von Berlin. Diese Damen und Herren wnschten +innig ein Zuchthaus zu besichtigen. Das Sociale war Mode. Man verstndigte +sich mit dem Director. + +Auch der Amtsrichter und sein Freund waren mit. + +Alles interessirte ausnehmend. Die Hunderte von kleinen Zellen mit starken +Eisenbarren vor den hohen Fensterluken, der Arbeitssaal, die Kirche, wo +die einzelnen Sitze durch Brettwnde abgetheilt waren, um eine +Communication der Strflinge miteinander zu verhindern, der gepflasterte +Hofstreifen zwischen Steinwnden, in dem sie ihre Spaziergnge machen. + +Alles war musterhaft eingerichtet, beinah comfortabel, mit Lazareth, +Apotheke, Badeanstalt. Und diese wohlthuende Stille! "Frmlich +nervenberuhigend," meinte die Mama. + +Der Herr erkundigte sich, ob und unter welchen Bedingungen geprgelt +werden drfte? Er liess sich die Einrichtung erklren. Er war sehr +berzeugt von der Zweckmssigkeit solcher Strafen. Der affenartige +Gehorsam, mit dem die Strflinge aufsprangen, Antwort gaben, imponirte +ihm. Er war selbst Besitzer eines grossen industriellen Etablissements. +"Da haben Sie's bequemer!" meinte er scherzend. + +Die jungen Damen interessirten hauptschlich die Insassen. Besonders ganz +schwere Verbrecher. Sie waren fast enttuscht, dass ihre Unthaten nicht +noch viel furchtbarer waren. Und waren Frauen da? Sie baten und flehten, +wenigstens einen Ausblick auf die im Hofe Promenirenden thun zu drfen. - +Es war so amsant, durch die kleinen Gitterfenster zu gucken, gerade als +ob man wilde Thiere beobachtete. So Einer konnte doch jeden Moment +ausbrechen und ihnen mit der Hand an die Gurgel fahren. + +Dass Alle glattgeschoren und rasirt waren, wunderte sie am meisten. "Die +sehen ja fast wie katholische Priester aus," meinte ein Offizier. + +Von da kam man auf physische Eigenthmlichkeiten, Abnormitten der +Verbrecher zu sprechen. Der Assessor als moderner Mann hatte sich mit +Anthropometrie befasst. Man citirte Charcot, Tarbe, Lombroso. Es stand ja +beinah fest, dass alle Verbrechen Wahnsinn seien, erbliche Belastung, +durch Alkoholismus hervorgerufen: "Man msste die Leute einfach in +Irrenanstalten unterbringen." + +"Oder blenden, verstmmeln," schlug Einer vor. + +Man rechnete genau aus, wieviel ein solcher Zuchthusler dem Staat +jhrlich kostete. Davon konnte fast schon ein ehrlicher Arbeiter satt +werden. Zudem drckte ihre Arbeit die Preise der in Freiheit Arbeitenden +herab. Nun ja, das jetzige System war dumm. + +Der Amtsgerichtsrath erzhlte von einer Hinrichtung, der er als ganz +junger Mensch aus professionellen und psychologischen Grnden beigewohnt +hatte. Es handelte sich um irgend einen ganz entsetzlichen Mrder, einen +Zwanzigjhrigen, der eine alte Frau, seine eigne Grossmutter, mit der Axt +todtgeschlagen und zerstckelt hatte. Er war nach vollbrachter That ruhig +noch in ein Caf gegangen, um eine Parthie Billard zu spielen. Da war er +auch arretirt worden. + +"Sie rgerte mich," blieb seine stereotype Antwort auf alle Fragen nach +den Beweggrnden seines Verbrechens. Er blieb ganz stumpfsinnig, ass und +trank und ergab sich in sein Schicksal. + +"Nun gut. Diesen Kerl habe ich genau beobachtet. Er hatte nur etwas +Verblfftes, wie Einer, der eben aus dem Schlaf geweckt und noch nicht +vollstndig wach geworden ist. Alle Reden des Pastors, der Gerichtsbeamten +liess er ruhig ber sich ergehen. Noch zuletzt forderte er eine Cigarette. +- Alles hatte etwas Eiliges, Unvorbereitetes, Gesudeltes, obgleich es +feierlich sein sollte, eindrucksvoll, wirksam. Dieser Mann starb wie ein +Ochse, der geschlachtet wird. Ich hatte nur den Eindruck stupidester, +verantwortungsloser Dummheit." + +Man kam auf die politischen Verbrecher zu sprechen, Verbrecher aus +Mitleid, Nihilisten und Fenier. Jeder wusste curiose Facta: Dieser hatte +jedes Stck Brot mit Aermeren getheilt. Ein Andrer schrieb die +sentimentalsten Verse und pppelte kranke Hunde auf. Ein Dritter wieder +besass eine Geliebte, die mit ihm sterben wollte, Freunde, die um ihn zu +rchen ihr eignes Leben dran setzten. Manche waren Mrtyrer, Helden. +Sptere Jahrhunderte hatten ihnen Denksteine gesetzt. + +Der Contrast brachte den Gerichtsrath auf einen andern Fall. "Da haben wir +nun heute eine Frau im hochschwangeren Zustand, die beim Jten im Garten +ein Gericht Bohnen gestohlen hat. Die Frau bekam fr ihre Arbeit +fnfundsiebzig Pfennig Tagelohn. Sie war hungrig. Das Gericht Bohnen hat +einen Werth von fnfundzwanzig Pfennigen. Die eigentliche wirkliche +Gemeinheit ist die Anzeige der Gartenbesitzerin, als der Arbeitgeberin, +die sie seit sechs Jahren beschftigt. Die rztliche Wissenschaft, die +Menschlichkeit sprechen sie frei. Dennoch mssen wir sie verurtheilen, +weil es der Buchstabe will, weil es gedruckt steht. Wo bleibt nun da die +Vernunft?" + +Der Amtsgerichtsrath zuckte die behbigen Schultern. "Schliesslich, meine +Herrschaften - was ist Vernunft?" + + + + + + DAS ZWANZIGSTE KAPITEL. + + +Der berhmte Professor wusch sich die Hnde. Er that das immer mit +besondrer Umstndlichkeit und Sorgfalt, schon um des guten Beispiels +willen. Man musste ein Beispiel geben. Uebrigens hatte er berhmt schne +Hnde. + +"Es giebt nichts, was auf das Gehirn schdlicher einwirkt, als religise +Wahnvorstellungen," sagte der grosse Mann. "Schon das Bedrfniss einer +Religion berhaupt. Ich will nicht mit einem hochlblichen Consistorium in +Conflict kommen oder auf den neuesten Paragraphen der Lex eingesteckt +werden ..." Der Geheimrath geruhte zuweilen dergleichen Witze, die immer +auf brllenden Applaus rechnen konnten ... "Es ist bekannt, dass Mohammed +epileptisch war, an der Fallsucht litt. Christus hatte in seiner Jugend +die Satzungen der Esser angenommen, unter denen die Forderung der +absoluten geschlechtlichen Enthaltsamkeit, neben strictem Vegetarismus, +Fasten, Waschungen aller orientalischen Kulte, obenan stand. Nun weiss +heutzutage Jedermann, dass die Unterdrckung des Paarungstriebes die +Ursache zahlreicher Verbrechen, in vielen Fllen des Irrsinns ist. Chassez +le naturel, il reviendra au galop. Die Natur, meine Herren! Die +Wissenschaft ist die erkannte Natur." + +Der Professor hatte seine Hnde fertig gewaschen und sorgfltig +abgetrocknet. Er stand jetzt, die Fingerspitzen beider gegeneinander +gepresst. Er wusste, dass er keinen Widerspruch zu erwarten hatte. Er war +nicht an Widerspruch gewhnt. Er verachtete ihn. + +"Es ist eine Schande fr unser Jahrhundert, dass derartige Erscheinungen +noch mglich sind," fuhr er streng fort, "dass der Aberglaube eine solche +Macht auf die Gemther noch ausben kann. Allein die Ignoranz ist daran +schuld, systematisches Zurcksetzen des Wissenschaftlichen, des Positiven +in der Erziehung gegen Abstractionen, sogenannte Moral. Ich bitte Sie, +meine Herren! Was ist Moral? Moral ist die Anforderung des Magens in +Einklang gebracht mit dem, was von aussen diesen Magen befriedigen kann. +Unsre Moral, gesellschaftliche Moral ist das geregelte Productions- und +Consumtionsverhltniss. Moral endlich ist eine Sache des Bluts, der +Hirnpartikeln, Zellenconglomerat. Die Zelle ist Alles." + +Der grosse Mann sah sich triumphirend um. Er wusste, dass er etwas Grosses +gesagt hatte. "Wie es brigens die Seele selber ist ..." fuhr er +leutseliger fort. "Was ist Seele, als das vitale Princip der +Zellenschwingung auf das Abstracte angewendet? In den ersten Zeiten +brauchte man Kutscher und Pferde fr die Wagen. Dann machte man's mit +Dampf. Jetzt treibt die Electricitt ohne usserlich sichtbaren +Fortbewegungsapparat. Ein Grieche des Alcibiades htte an Dmonen +geglaubt, ein Mnch des Mittelalters an den Teufel, ein von den +Missionaren bekehrter Wilder an Gott. - Wir wissen, weil wir sehen. Wo wir +nicht mehr sinnlich wahrnehmen, haben wir nur ein: Ignorabimus." + +Der Professor verbeugte sich gegen sein Publikum. Er war eilig. Eine hohe +Persnlichkeit verlangte seine Autoritt in schwierigen Nervenleiden. +"Grosse Ueberreizung," decretirte der Professor. Ruhe, frische Luft, +blutbildende Nahrung, Pepton: Hygieia. + +Das hatte er selbst erfunden und sich patentiren lassen. Der Professor +verstand auch das. Er war ein wirklich grosser Mann. + +Dabei machte er sich niemals durch Propaganda missliebig. In seinem +Wahlkreis whlte er conservativ. "Fr die Crapule ist das gut und schn. +Halbbildung bleibt das Allergefhrlichste. Das fehlte uns gerade noch, +dass jeder Apothekerlehrling auf eigne Hand Experimente anstellte. Die +Laien sind eben Laien." + +Es war eine Lieblingsredensart von ihm, dass in der modernen Gesellschaft +die Autoritt des Arztes die des Priesters ersetzt habe. Die Wissenschaft +war eine Macht, die Macht. Eigentlich verachtete er alle Andern, die +vielleicht momentan viel Lrm machten, sich wichtiger dnkten. Sie hatten +das nicht nthig. "Alles das sind Blasen, flchtige Ghrungserscheinungen +an der Oberflche, die die Grundbedingungen ganz unangetastet lassen. Es +ist das eben wie der Unterschied, ob ich mit meinen Augen sehe oder durch +ein sehr scharfes, vollkommenes Instrument. - Der grsste Geist, ein +Knig, ein Eroberer ist doch schlielich nur ein Laie, ein Decadent, ein +Entarteter vielleicht. Er betrifft uns eigentlich darum gar nicht, ndert +aber auch gar nichts an der Marche du jeu, den einmal gewonnenen und +festgelegten Resultaten. _Wir_ passen ihn ein, nicht er uns." + +Er machte einen abschneidenden Eindruck, wenn er dergleichen sagte, +inmitten seiner Arbeitssle und Laboratorien, mit ihren kahlen, +weissgestrichnen Wnden, wo Instrumente und Prparate standen. Alle diese +Instrumente waren tadellos gehalten und blinkten in der Sonne. Man sah +alle Stoffe in ihre primitivsten Elemente zerlegt. Diese geistvollen +Einrichtungen und Neuerfindungen arbeiteten mit erstaunlicher Prcision +und Genauigkeit. Der Mann passte in dieses Milieu. Zusammen hatten sie +eine gewisse Grsse. Sein Colleg war immer gedrngt voll. Es gab eine +ganze neue Generation von Jugend, die sich mit Stolz seine Schler +nannten. Er hatte sein ganzes Leben geforscht und gearbeitet. Arbeit und +Forschung waren ihm das Hchste. + +Man warf ihm den grossen, weltumwendenden Einfluss des Christentums vor. +Er hatte einen jngeren Freund und Collegen, der sich gern mit dem +Philosophischen befasste. + +"Das sind Epidemieen, die ganze Zeitalter erfassen, wie die Blattern, die +Beulenpest. Uebrigens, was rechnen diese zwei- oder dreitausend Jahre +gegen die Tausende von Jahrtausenden, die die Erdoberflche gebraucht hat, +sich zu bilden, ein einziger Diamant zu seiner Crystallisation bedurfte! +Das ist Alles sehr gleichgltig." + +"Es haben sich doch Menschen dafr schlachten und verbrennen lassen." + +"Menschen haben von jeher eine grosse Vorliebe dafr gehabt, sich um hohle +Tpfe die Schdel zu zerschlagen. Wie Hamlet sagt: Worte - Worte - Worte. +Uebrigens dieser Hamlet ist sehr interessant. In seinen Reflexionen auf +dem Kirchhof finden Sie alle Anfnge der Naturphilosophie. Sie erinnern +sich des Passus von Csar's Staub?" + +"Trotzdem stach er sich um ein Phantom." + +"Hamlet war eben ein Knstler," sagte der Professor beinah mitleidig. +"Shakespeare war ein grosser Dichter. Die grossen Dichter sind immer sehr +miserable Naturforscher. Nehmen wir Goethe! Die Phantasie - die +Phantasie!" + +"Die Phantasie kann doch aber auch immer nur Vorstellungen von +Existirendem weiterspinnen. Sie mssen irgendwie in der Natur mit +vorhanden sein." + +"In der Natur ist noch Vieles." Der Professor zuckte die Achseln. "Wir +wissen es nicht." + +Aber der Freund ereiferte sich. Er war jung. Er neigte zur Phantastik. - +Jemand Andres war miteingetreten. Es war die junge Frau des Professors. +Sie war noch sehr jung, glcklich verheirathet und sollte zum ersten Mal +Mutter werden. Sie sprach wenig. Es war etwas Schleppendes, Sachtes in +ihren Bewegungen. Sie trug den Nacken gesenkt wie eine zu beschwerte +Aehre. Der Professor schob ihr sorgsam einen Stuhl zurecht. Sie sah nur +dankbar lchelnd zu ihm auf, und blieb so sitzen, ihre Hand in seiner. + +"Es knnte doch aber eine Zeit kommen, dass wir wssten," argumentirte der +Freund. "Und wre es nicht denkbar, dass besonders begnadete Genies, sagen +wir Shakespeare, Goethe, Christus, Vieles vorgeahnt haben? Auch +Geheimnisse wieder verloren gingen? Waren doch schon die Phnomene des +Hypnotismus, der Autosuggestion den Alten bekannt? Dass man mit ihnen die +Wunder der biblischen Geschichte erklren knnte?" + +"Ich weiss es nicht. Das erscheinen mir wieder Speculationen." + +Der Andre war begeistert, einmal lancirt: "Denken Sie sich auf diesem rein +empirischen Wege die Vereinigung des Uebersinnlichen mit der Wissenschaft +wiederhergestellt, im Fortschritt den Aufschritt! Die Natur, die wir arm +und nchtern auffassen, tausendmal reicher, ppiger, wollstiger. Eine +beseelte Natur. Die _Seele_, die wir suchen, nach der wir verhungern, +unsre Knstler, unsre grossen Energieen, unsre Jugend - da htten wir die +Seele! Im Christentum die Darwinsche Theorie, Lombroso, Krafft-Ebing, kein +Gut und kein Bse, Tolstoi nicht mehr pathologisch, - unser ewiges, +elendes, billiges 'pathologisch'!" + +Er gestikulirte heftig, den Sprngen seiner Gedanken folgend. Er war ein +schner, feuriger Mensch, fuhr sich mit der Hand durch die dichten +Haarbschel. + +Die junge Frau des Professors hatte aufmerksam zugehrt. Sie sagte nichts, +sie dachte. Ein sehr ssser, sehnschtiger Friede lag auf ihrem Gesicht. + +"Sie sind ein Dichter," sagte der Professor. "Enfin ... Wie wir uns drehen +und wenden: 'Ein Mensch, der speculirt' ... Carpe diem. Es giebt keine +Weisheit als diese." + +"Zarathustra? Zarathustra! Auch blos ein pathologisches Problem jetzt - +der Weisheit letzter Schluss, das Endglied der grossen Kette. - Dionysos! +Die Entfesslung aller Krfte. Flgel! Flgel! Flgel!" + +"Wir mssen uns an die Erde, an das Normale halten." + +"Und das heutzutage Uebernormale, das Unternormale? Wo bringen wir das +unter?" + +Das offne Gesicht des Freundes glhte. Er stand da in einer Pose des +Kampfes mit gereckten Fusten. + +Die junge Frau sah von einem der Mnner zum andern. Sie litt nicht. Aber +sie war mde - von einer sssen Mdigkeit. Das beschwerte sie, aber machte +sie froh. - Ihre Augen hatten sich verschleiert. Es war, als ob sie she, +in etwas sehr Helles, Glnzendes she. Aber sie sprach nicht. Ein +trumendes Fhlen war in ihrem Sehen. ... + +Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: "In unsern +Irrenhusern." + + + + + + ENDE. + + +Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, ein Complex langgestreckter, +gelber Huser, am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee fhrte eine +Fahrstrasse, alleeartig mit Bumen bestanden. Rechts und links lagen +Felder. Die leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort unter der +Aufsicht eines Wrters. + +Man sah sie Kohlstrnke ausreissen, Grben ziehen, jten. Manchmal lachte +einer seltsam, kichernd, unmotivirt. + +Die Vorbergehenden auf der Chaussee blieben wohl stehen und sahen sie an. +Sie stiessen sich mit den Ellenbogen. "Irre!" Das interessirte sie. Sie +fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls erwarteten sie +Auerordentliches. Vielleicht dass Einer sich auf seinen Wrter strzte +und ihn erdrosselte oder etwas Aehnliches. + +An der Chaussee lagen die Wrterhuser. Sie sahen schmutzig grau aus mit +kahlen Fenstern. Es war einsam hier und nicht behaglich. Der fegende Wind +ber die Ebene traf sie von allen Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges. + +Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebude. Es war mit einer hohen rothen +Backsteinmauer umgeben. Man hrte Gnsegeschnatter. Ein fauliger Gestank +von Dnger verpestete die Luft, die scharf war, prickelnd, wie im Winter +schon. + +Alle Felder lagen unter Dnger und waren kahl. Auch der Rasen am Feldrain +sah verbrannt aus. Ueber der ganzen Landschaft lagerte die ble Laune des +Novembers, eine Stimmung des Unbehagens und der Trostlosigkeit, die der +blaugrne Saum der Kiefernwlder nicht unterbrach. Sie zogen sich nach +allen Seiten. Sie schienen das natrliche Moos dieser graubraunen Erde, +stumpf, ohne Leben und Wechsel, langweilig. Das ist kein Wald. Das ist +Haide. + +Das Mittelgebude in der Anstalt selbst enthielt die Wohnungen des +Directors, der Oberrzte. Man hatte eine Kapelle fr die Irren, +Gesellschaftssle, Bibliothek- und Musiksaal. Die Rume waren mit dem +neuesten Comfort, Gas, und Centralheizung ausgestattet. Die vergitterten +Fenster zeigte man nur nach dem Garten zu, auf der Rckseite. + +Alles war beinah elegant. Man versicherte gern, dass sich die Kranken da +auerordentlich wohl fhlten. Sie wrden gar nicht wieder wo anders leben +mgen, selbst wenn man sie liesse. Dies war Wohlthat fr berreizte +Nerven. + +Die Aerzte sagten immer: "Die Kranken." Der Ausdruck Verrckte oder +Irrsinnige beleidigte sie fast. Noch mehr der dumme Aberglauben des +Publikums. Das war eine Krankheit so gut wie jede andre, mit ganz +bestimmten, anatomisch nachweisbaren Vernderungen im Gehirn, Strungen +des Sensoriums und der Motilitt verbunden. Mit der +mnchisch-moralistischen Betrachtungsweise solcher Erscheinungen in +frheren Jahrhunderten hatte man ja Gott sei Dank! aufgerumt. Aufgeklrte +Leute traten gern dagegen auf. Sie waren sogar zu Gesellschaften in der +Anstalt gewesen und hatten sich sehr gut unterhalten. Oder zum +Gottesdienst am Sonntag. Es gab da hinter den Mauern sehr geistreiche und +gebildete Leute. Diese Legenden von Zwangsjacken, Tollwuth, rohen, +prgelnden Wrtern erzhlten sich Kchinnen. - Es war wirklich angenehm da +zu existiren. Aufgeklrte Leute versicherten, dass sie sofort bei der +ersten Strung ihres Nervensystems in eine solche Anstalt gehen wrden. Es +war das einzig wahre Mittel, sich zu curiren. + +Von Zeit zu Zeit erschoss sich ein Arzt. Er hatte an sich selbst die +Fortschritte der Krankheit beobachtet und genau festgestellt: Noch so und +so lange. Dann greift man zur Pistole ...... "Kranke eben." + +Es gab so viel Krankheitsursachen im modernen Leben: Lrm, +Pferdebahngebimmel, electrische Bahnen, der immer hrter werdende Kampf +um's Dasein, Rastlosigkeit. Die Zeit verbrauchte die Menschen. Da hinten +lagen die Ungethme, Grossstdte, die sie schickten. Hier war's still. +Gesunder Kiefernadelduft. + +Es gab sehr interessante Sujets unter den Internen: Einige, die am +Verfolgungswahn litten; eine ltere adelige Dame glaubte, dass man sie in +ihrem Standesgefhl beleidigen wollte; dann der Mann, der einen Schatz +gefunden hatte; Einer, der sich einbildete, der Kaiser Napoleon zu sein; +besonders scherzhaft war der sogenannte "Gott Ra", eine Persnlichkeit, +die pltzlich mitten im Gesprch abbrach, die Kiefern auf- und +zuschnappte, als ob er etwas verschlnge. Alle diese waren ungefhrlich, +lebten beinah glcklich. Da waren welche, die die griechischen Tragdien +in der Ursprache lasen, sich mit Forschungen beschftigten. + +Auch die Bldsinnigen litten ja nicht. Diese Menschen wurden Thiere. Die +Hauptsache fr sie war Essen und Trinken. Sie hatten keine Ahnung von +ihrer Degradation. - Das Publikum macht sich so falsche Vorstellungen. + +Es war unangenehm, dass einmal eine ltere Dame eine Hkelnadel +verschluckt hatte. Natrlich war es den Wrterinnen streng verboten +gewesen, Derartiges zu arbeiten, oder dass die Wrter an Kranke Schnaps +verkauften. - So etwas kam berall vor. Man konnte nicht vorsichtig genug +sein in der Auswahl des Materials. Das war die wichtigste Frage. + +Es war ein sehr friedlicher Platz. Im Sommer, wenn Alles grn ist, war es +noch viel schner, beinah heiter. Der Kiefernwald erstickt. Man hatte die +Gitter sehr weit vorgeschoben, immerhin. Und man musste sich gegen die +Neugier des Publikums schtzen. Die Leute, die da wohnten, waren Stille. +Ihre Angehrigen bezahlten fr sie, erster, zweiter oder dritter Klasse, +je nachdem sie vermgend waren. Erster Klasse hatte man natrlich bessres +Essen und mehr Luxus. Die ganz Unbemittelten bernahm der Staat. Sie +machten auch allerlei Arbeiten. Wohlwollende Besucher kauften von diesen +Arbeiten. Alle waren immer entzckt von der Reinlichkeit, Vortrefflichkeit +und practischen Anlage der Anstalt. Wirklich! Die da hinein kamen, waren +nicht zu bedauern. Sie waren in einem Hafen frmlich. Die Bilder grosser +rzte und Philanthropen schmckten das Wartezimmer. Es war ein Segen, dass +die Wissenschaft dies bernommen hatte. Wenn man dachte, welche Zustnde +frher herrschten! + +Man konnte seine theuersten Angehrigen mit der grssten Seelenruhe +dalassen. Was sollte man denn auch thun? + +Ab und zu dann ein Begrbniss. Ernst, ohne Prunk. Es war vorber. Er oder +sie waren "erlst". Eine grosse Last war von den Schultern ihrer Familie +genommen. Fast konnte man sie beneiden um den Frieden. Man musste zurck. +In den Kampf. In's Laute. + +Sie waren nicht sehr interessant. Etwas zwischen Kindern und Thieren. +Sogar ihre Leiden waren halb komisch, eingebildete Leiden. Man giebt ihnen +Alles zu wie Kranken. Jedermann ist gut und wohlwollend gegen diese +Unglcklichen. + +Bei Vielen ist die Krankheitsanlage erblich. Sie sind idiot, ganz harmlos. +Man muss sie einschliessen, wenn sie gemeingefhrlich werden. Jedermann +kennt solche Erscheinungen in Drfern, abgelegenen Gebirgshfen. Man +nannte sie "Gottes Narr", Fexe, Gezeichnete. Heilbar sind solche +secundren Formen der Geisteskrankheiten selten. Dann giebt es Wahnsinn, +Schwermuth. Diese Leute knnen ganz lichte Zeiten haben. Sie kehren wohl +von Zeit zu Zeit wieder in ihre Familien, ihre Umgebung zurck. Aber +irgendwie tragen sie eine Kette am Fuss. Eine Schraube bleibt locker. + +Immer wieder wollten die Damen wissen, ob die Kranken "es fhlen", sich +ihrer mentalen Abirrung bewusst sind, unter dem Stigma leiden? Man las +darber so Schauerliches in Romanen. - Nur die Melancholischen leiden. Sie +empfinden wirkliche neuralgische, acute Schmerzen. Ganz hoffnungslos sind +die mit fixen Ideen Behafteten, oder solche, die religise +Wahnvorstellungen haben. Sie hatten eine sehr feine, dreissigjhrige Dame +aus gutem Hause, die an erotischem Wahnsinn litt. Eine Dame, sonst sehr +scheu und wohlerzogen! + +Man rief berhmte Beispiele zurck: Torquato Tasso, Johanna von Castilien, +Ludwig von Bayern. War Hamlet wahnsinnig gewesen, oder Knig Lear? + +Aber ein Thema interessirte sie Alle. Sie hatten ein wirklich +interessantes Sujet, einen Clou. Das kitzelte nicht nur die Damen. + +Die erste Intelligenz der Zeit, die brillanteste, genialste. Der Mann, +dessen Adlerflug die Welt erst schweigend, dann mit wthenden +Verwnschungen in glhender Bewunderung verfolgt hatte. + +Jetzt, wo er wahnsinnig war, konnte man ihn ja ungehindert bewundern. +Niemand hatte mehr eine Concurrenz zu befrchten, seinen schneidenden Hohn +schlimmer als seine Verachtung. Aus dem Lwenfell des grossen Mannes hatte +man sich kleine Fellchen geschnitten, die so gut standen. Was konnte man +da interpretiren, insinuiren, Kapital schlagen. Aus diesem ungeheuren +Brachfeld, das er mit den Schtzen einer ungehobnen Welt hinterlassen. +Seine Fehler und Extravaganzen vermied man natrlich. Er war ja eben +bekanntlich ... Ein Strich ber die Stirne vollendete den Gedanken. + +O ja! Fr den interessirte man sich. Gedichte, Blumen wurden fr ihn +gesandt. Alle Augenblicke standen in den Zeitungen geflschte Interviews. +Es bildete den bestndigen Aerger der Aerzte. Sie hatten es doch so klar +gesagt: Eine organische Krankheit, colossale Ueberanstrengung, verschrft +durch Schlafmittel, Narcotica. - Es wurde Zeit, dass endlich einmal mit +dem alten Aberglauben aufgerumt wurde. + +Fromme Leute betrachteten diesen Irrsinn als eine gerechte Strafe des +Himmels. In ihren Augen war er der Antichrist. Man sah Gottes Gericht +recht deutlich! Der Titan, der Ihn anzugreifen gewagt, Felsblcke gegen +Ihn geschleudert und jetzt ohnmchtig und gebrochen im Stuhl sass in einer +Irrenhauszelle: "Ich bin dumm. Ich bin dumm." + +Selbst die, die nicht so weit gingen, moralisirten ber den Fall auf ihre +Weise. "Bleib' im Land und nhr' Dich redlich." Hier sah man, wohin das +Gegentheil fhrte: "die grosse Kunst macht Dich rasend." Wozu auch? Wenn +man arbeitete, recht that, kam man immer noch zurecht auf dieser Welt. Der +religise Aberglaube war zu missbilligen. Ebenso wie die rohe +Ausschweifung. Das Leben fand schon immer die Mittellinie. Es ist gut auf +der Mittellinie bleiben. + +Es war ja freilich wahr, dass jeder Esel ebenso gut wahnsinnig werden +konnte. Sie blieben doch berzeugt, dass Mller es zum Beispiel nie wrde, +und Buchholz ebenfalls nicht. Diese wrden sich auch nie das Leben nehmen +oder mit der Polizei in Conflicte gerathen. + +Die Fachleute bemhten sich vergebens, das ganz Natrliche, rein +Anatomische des Vorgangs auseinander zu setzen. Ein junger Arzt zeigte zur +Exemplificirung sorgfltig prparirte Plttchen, auf denen man den Verlauf +der Aederchen im Gehirn normal und anormal verfolgen konnte. Ordentlich +niedlich anzusehen waren diese Prparate, etwa wie Blumenblttchen, +fettig-weiss und rosig durchzeichnet. - Einige Damen grauten sich davor, - +immer zurck in der Cultur, diese Frauenzimmer! Der junge Gelehrte liebte +seine Plttchen. Er zitterte, ihren Schatz zu bereichern. Fr ihn war auch +dieser Kranke nur ein Object. + +Ganz Intime waren zuweilen zugelassen worden. Sie erzhlten, dass der +grosse Philosoph im Rollstuhl auf der Terrasse gesessen. Er sah in die +sinkende Sonne. Er schien ganz "friedlich", der kranke Adler. Man nahm ein +ganz angenehmes Gefhl mit fort der allgemeinen Rhrung und der eignen +speciellen Empfnglichkeit fr schne Emotionen. + +Uebrigens hatte er's gut. Erster Klasse sogar. Mancher hatte es nicht so. + +Was dachte er in den langen vierundzwanzig Stunden des Tages seit sieben +Jahren? Die Aerzte versicherten, Nichts. Er lchelte. Er wartete ... Es +war doch furchtbar. Der Mann des jauchzenden Lachens, der sich selbst die +Stirn mit Rosen bekrnzt und das schwache Mitleid verachtete. - Nun, das +war immer schon Wahnsinn gewesen. + +Den Schluss der Besichtigung bildete immer die Kapelle. Nur ein steinernes +Kreuz stand hinter dem Altar. Eine Lebenshnlichkeit, Blut und Nacktheit, +htte die Kranken gestrt. Man musste vorsichtig sein. Eine Frau in +schwarzen Schleiern weinte zu seinen Fssen. Sie bildete sich ein, die +Piet zu sein. Sieben Schwerter des Weltwehs gingen durch ihren Busen. Sie +weinte immer - immer. Eine vornehme Frau aus reichen, guten Verhltnissen, +Mutter und Gattin. - Man liess sie, weil sie ganz sanft und ungefhrlich +war. + +Ein engelschnes, bldsinniges Kind, das zwischen den Bnken hantirte, +nickte und lachte geheimnissvoll. Die Geschlechter schienen hier seltsam +verwoben. Man wusste nicht, ob es ein Knabe oder ein Mdchen war. Die +Aerzte erklrten ihn fr einen Adolescent von sechzehn Jahren. Er lief +berall frei umher. Die Kapelle war sein Lieblingsaufenthalt. Er bildete +sich ein, ein Chorknabe zu sein, schwang sein Rucherfass, bckte sich und +nickte und ksste dann mit Inbrunst die Altarstufen. Dieser Jngling war +immer glcklich, von einer Serenitt der Cherubim. Jeder verwhnte und +liebte ihn. + +Auch von dem neuen Patienten wurde gesprochen, diesem "Fremden" der +Zeitungen und Verhandlungen, der sich einbildete, Christus zu sein. + +Der Arzt erklrte, dass dies eine hufig vorkommende specielle Form des +religisen Wahnsinns sei: "Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, eine +Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. In Wahrheit ist dieser Mensch +ein schwachsinniger Zimmermannssohn aus dem Wrttembergischen. - Braucht +man bndigere Beweise, dass es Zeit ist, mit dem alten Priesterhocuspocus +aufzuhren?" + +Eine der Damen sah ihn lange an: "Er hat schne Augen ..." + +Die Besucher gingen wieder. Es fing auch schon an dmmrig zu werden. + + ------------------------------------- + +Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals Geklrtes, vor dem denen, die +es spter sich erzhlten, die Haare sich strubten, wo die Vernnftigsten +den ewigen Bldsinn der Dinge zugeben mssen und stumpfe Hirne peitschende +Schauer der Unwelt fhlen. + +In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, den Ewig-Stummen, den zum +untersten Abgrund Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, +wer den Andern herfhrte, welcher furchtbare Auftritt stattgefunden +zwischen diesen Beiden, deren Einen Keiner kannte. + +Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. Die Stricke waren seine +Kleider, die er sich abgerissen hatte. Aus zertrmmertem Holzgerth, +Bnken und Sthlen, hatte er Ngel, Eisentheile, geklaubt. Dieser ganz +nackte, misshandelte Leib war buchstblich zerstossen, zerschunden, +erwrgt damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, er lachte. Mit +einem schweren zugespitzten Holzstck sah man ihn grosse Streiche fhren +nach der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwrzliches Blut troff: + +"Du hast die Welt zerstrt! Du! Du!... + +"Die Schnheit hast Du getdtet, den Ruhm, die Lust! + +"Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. Du hast ihnen das Gift in's +Herz getrufelt. Schlange Du! Erste Schlange! Verfluchte! + +"Mit Deinen zerrissnen Hnden hast Du die Kraft unsrer Hnde zerbrochen. + +"Deine Fsse, die angenagelt sind, haben uns festgebohrt. + +"Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut. + +"Die Stricke umwrgen unsre Leiber und machen sie hsslich. + +"Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre Hirne gedrungen ... Die Dornen +von Deiner Stirn! Die Dornen!" ... + +Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. Er hatte seine Haare gepackt zu +beiden Seiten des Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Hnden, ber und ber +mit Blut beschmiert, raufte er sie aus in vollen Fusten. + +Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, schauerliche Brderlichkeit +in diesen beiden gemarterten, verrenkten Leibern, dem todten und dem +lebendigen, dem, der vollendet hatte und dem, der niemals vollenden +wrde, ... seinen Gliedern gekrmmt und schlaff geworden durch das Sitzen, +die Schreibtischarbeit, den Hnden zu fein und zu lang, die nicht mehr +fassen konnten, verkrppelten, zagen Fssen, die das Gehen verlernt. Viel +zu hoch war diese Stirn, blass vom Gedanken, vorgeschoben ber das ganze +brige Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die wirren Haare bildeten eine +frchterliche, struppige Aureole. + +Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz packte, es ihm hinschleuderte +in Hohn und Verzweiflung: "Teufel! Teufel!" + +- - - Der Bldsinnige lachte, sein leises, triumphirendes Lachen. Er that, +als ob er sein Weihrauchfass schwnge, bckte sich und ksste die +Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern weinte. Ein monotones, +endloses, zweckloses Weinen ... + +Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, mitleidig, erhaben, sah herab. + +Der Kopf hatte sich etwas zur Seite geneigt. Die Augen unter den bleichen +Lidern waren gebrochen. Aber die Lippen standen ein wenig geffnet, als ob +Ihn drstete. Er hielt die beiden Arme nach oben ausgebreitet. Aus seiner +geffneten Seite unter der Brust floss das Blut. + +Das Blut floss. + +Es tropfte auf die grauen, breiten Steinfliesen des Fussbodens. Die +Fliesen blieben grau und steinern. Eine rothe, schmerzliche Lache hatte +sich auf ihnen gebildet. Der Stein frbte sich violett unter ihr. + +Bestndig aus dem blutenden, durchbohrten Herzen fielen die Tropfen. + + + + + Druck von Ramm & Seemann in Leipzig. + + + + + + +Von demselben Verfasser ist erschienen: + +*Ein Narr.* Roman. Mk. 3.- +*Die Jungen.* Roman. " 3.- +*Misere.* Roman. " 3.- +*Nixchen.* Ein Beitrag zur Psychologie der hheren " 1.50 +Tochter. Fnfte Auflage. +*Husliches Glck.* Aus den Papieren eines Ehemannes. " 1.50 + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Im Original gesperrt gesetzte Passagen sind durch Unterstrich (_) +gekennzeichnet, Fettdruck durch Sternchen (*). + +Variierende Schreibweisen wurden nicht korrigiert, mit Ausnahme folgender +offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 7: "wei" gendert in "weit" + Seite 15: "neber" gendert in "neben" + Seite 49: "erwartefe" gendert in "erwartete" + Seite 58: "Krankeit" gendert in "Krankheit" + Seite 71: Punkt gendert in Komma hinter "ausgebrtet" + Seite 118: "Gattenadjudanten" gendert in "Gattenadjutanten" + Seite 167: Anfhrungszeichen ergnzt hinter "Worte!" + Seite 194: Anfhrungszeichen ergnzt vor "Ihr" und "O" + Seite 247: doppeltes "legen" entfernt + Seite 255: "wir" gendert in "wie" + Seite 261: "gegewesen" gendert in "gewesen" + Seite 291: "tand" gendert in "stand" + Seite 312: Anfhrungszeichen ergnzt hinter "verkmmern." + Seite 316: Komma gendert in Punkt hinter "rhrten" + Seite 324: "Alllem" gendert in "Allem" + Seite 344: "Perdesern" gendert in "Pferdesern" + Seite 373: "jetsige" gendert in "jetzige", "mi" in "mit" + Seite 378: Anfhrungszeichen ergnzt vor "Was" + Seite 383: Punkt ergnzt hinter "wollstiger" + Seite 389: "schfzen" gendert in "schtzen" + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + CREDITS + + +May 25, 2011 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Produced by Norbert H. 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It exists because of the +efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks +of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance +they need, is critical to reaching Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}'s goals and ensuring +that the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection will remain freely available for +generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation was created to provide a secure and permanent future for +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} and future generations. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +concept of a library of electronic works that could be freely shared with +anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright +notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance +with any particular paper edition. + +Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook +number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed +(zipped), HTML and others. + +Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the +old filename and etext number. 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You may copy it, + give it away or re-use it under the terms of the Project + Gutenberg License <a href="#pglicense" class="tei tei-ref">included with this + eBook</a> or online at <a href="http://www.gutenberg.org/license" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/license</a></p></div><pre class="pre tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em">Title: Der Fremde + +Author: Hans von Kahlenberg + +Release Date: May 25, 2011 [Ebook #36227] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** +</pre></div> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-titlePage" style="text-align: center"> +<div class="tei tei-pb" style="text-align: center"></div><a name="Pga001" id="Pga001" class="tei tei-anchor" style="text-align: center"></a> +<span class="tei tei-docTitle" style="text-align: center"> + <span class="tei tei-titlePart" style="text-align: center"><span style="font-size: 173%">Der Fremde.</span></span> + <br /><br /> + <span class="tei tei-titlePart" style="text-align: center"><span style="font-size: 120%">Ein Gleichniss</span></span> +</span> + <br /><br /> + <div class="tei tei-byline" style="text-align: center">von</div> + <br /> + <span class="tei tei-docAuthor" style="text-align: center"><span style="font-size: 144%">Hans von Kahlenberg.</span></span> +<br /><br /><br /> +<span class="tei tei-docImprint" style="text-align: center"> + <span class="tei tei-pubPlace" style="text-align: center">Dresden und Leipzig.</span> + <br /> + <span class="tei tei-publisher" style="text-align: center; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Verlag von Carl Reissner.</span></span> + <br /> + <span class="tei tei-docDate" style="text-align: center">1901.</span> +</span> + + </div> +</div> +<div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page1">[pg 1]</span><a name="Pgp001" id="Pgp001" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc1" id="toc1"></a><a name="pdf2" id="pdf2"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das erste Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Weihnachtsabend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Wetter war schlecht gewesen seit +Wochen schon, keine Kälte, aber beständig sickerte +von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. +Der Himmel schien sehr nah an die Erde gerückt, +die Grenzlinien beider vermischten sich in diesem +Grau, das Alles einhüllte, auflöste, aus der Erde +kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender +Schicht. Wie durch einen Schleier gewahrte man +die nächsten Gegenstände, kahle Baumstümpfe +verkümmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, +und Telegraphenstangen. Sie folgten sich in regelmässigen +Abständen wie Schildwachen einer ungezählten +einzingelnden Armee, die man nicht sah, +die da im Nebel lauerte, wo er sich zu verdicken +schien, braun wurde, mit schwarzen Ausströmungen, +<span class="tei tei-pb" id="page2">[pg 2]</span><a name="Pgp002" id="Pgp002" class="tei tei-anchor"></a>die sehr lange Linien durch die Luft zogen und +hängen blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack +in die scharfe Kälte, den Moorgeruch +der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte +sie der Regen, unbarmherziges, Alles +durchdringendes Gewässer, in dem die letzten +Lebensreste des Sommers sich auflösten, verfaulten.... +Irgendwo da – sehr weit ab noch +– vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hörte man +Eisenbahnzüge kreischen; sie glitten rasch auf +rohaufgeworfenen Dämmen mit Alarmrufen der +Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille +und der Nebel herrschten wieder, eine unheimliche, +lastende Stille, hinter der das überreizte Ohr +Lärm zu vernehmen glaubte – des Meers, oder +einer Schlacht. Ein heissrer Athem streifte von da +zuweilen: Menagerie, Küchengeruch, Schweiss, – +diese undefinierbare Atmosphäre, die die Nähe +einer grossen Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, +überquälten Lungen des zusammengepressten +Menschheitsorganismus, wo die natürliche Luft +nicht genügt, verbraucht lasten bleibt, in einem +Nebel, der nicht weggeht, sich erhitzt am Abend +von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen +aus athmenden Brüsten. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page3">[pg 3]</span><a name="Pgp003" id="Pgp003" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. +Ihre ganze Oberschicht bestand aus einem weichen, +feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel ansetzte, +sofort krustete; und vor allem war er +kalt, von einer Kälte des Eiswassers, unterer +Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne +sahen. Er trug sich schwer; auf der Höhe des +Strassendammes zog er sich endlos hin, kleine +Teiche bildend, Runzeln und Ränder, die Spuren +unzähliger Menschenfüsse, Pferdehufe, die da gegangen +waren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Manchmal schleppte sich ein Lastwagen müde +vorüber. Die Räder knatterten auf dem harten +Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von +oben bis unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten +die Pferde. Unter seiner gelben Plancapotte liess +der Fuhrmann misstönige Laute des Unbehagens +vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er +hatte Eile anzukommen, sich von Neuem zu füllen +mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit +wegnahm, die sich in grauer Schicht aus diesem +sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. Auch +raschere Gefährte rollten vorüber, Bäcker- oder +Fleischerwagen aus den Vororten mit warmgekleideten, +wohlgenährten Insassen. Jetzt liessen +<span class="tei tei-pb" id="page4">[pg 4]</span><a name="Pgp004" id="Pgp004" class="tei tei-anchor"></a>sie die Gäule ausgreifen, um nach Hause zu +kommen, knallten mit der Peitsche im Vorgefühl +der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter +Abendbrottische. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten +früher Feierabend gemacht wegen des Festes, und +es wurde spät. Da und dort an den Bahnkörpern +entzündeten sich Lichter. Sie konnten nicht ankämpfen +und blieben wie blasse Wasserflecken in +dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel +wurde, vom Weissgrau des sonnenlosen Tages +zum Schwarz der Winternacht, die da über die +Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, +bis auf die Chaussee, die sich hinzog ohne Bäume, +ein endloser Landstreifen durch die Oede. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zwei Handwerksburschen zogen auf der Chaussee +entlang. Es waren Arbeitslose. Der Eine war ein +Böttchergesell aus Greifenberg in Pommern, der +Andere zog schon seit lange so. Er hatte Drechseln +gelernt. Aber das Handwerk warf nichts ab; vielleicht +war ihm auch nach und nach die Gewohnheit +der regelmässigen Arbeit verloren gegangen. +Er war der bedeutend Aeltere. Die Beiden hatten +sich in der Herberge zur Heimath in Bernau kennen +gelernt und zogen nun auf Berlin zu, die grosse +<span class="tei tei-pb" id="page5">[pg 5]</span><a name="Pgp005" id="Pgp005" class="tei tei-anchor"></a>Metropole der Arbeit und des Verdienstes, um da +ihr Glück zu versuchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Jüngere war ängstlich; dennoch voll guter +Hoffnungen. Er begriff es nicht, dass ein Mensch, +der arbeitsam und mässig war, arbeiten wollte, +keine Arbeit finden sollte. Er glaubte an ein +vorübergehendes Missgeschick. Berlin sollte ihm +Glück bringen, obwohl es ihm Furcht einflösste. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war ein Junge, der zu Hause aus ganz +kleinen, aber geordneten Verhältnissen kam. Sein +Vater war beim Torfstechen ertrunken. Er hatte +für die Mutter und drei kleine Geschwister mitsorgen +müssen; alles das hielt sich über Wasser, +lebte sehr respektabel. Er war ein Kind geblieben, +mit runden, erstaunten Augen, die vergebens +den Nebel zu durchforschen schienen, etwas +ängstlich vor dem Gefährten an seiner Seite, aber +doch gefügig gegenüber dessen grösserer Welterfahrung, +beeindruckt vom Cynismus seiner Reden +und Handlungen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der war ein ziemlich wüster Gesell, der durch +die halbe Welt gerollt war. Man wusste nicht, +woher er kam, und er sprach nicht davon. Seine +Papiere wiesen allerlei Bestrafungen auf, für Diebstähle, +Widersetzlichkeiten. Das hatte ihn nicht +<span class="tei tei-pb" id="page6">[pg 6]</span><a name="Pgp006" id="Pgp006" class="tei tei-anchor"></a>gebrochen. Es lag Hohn und Trotz gegen die +Gesellschaft in seiner Art, das Bewusstsein eines +Ichs, der Kraft, in diesem Menschen, der mit +klaffenden Schuhen über die Landstrasse stapfte, +Hass gegen die Kälte, der er den Alkohol entgegensetzte, +den brennenden Rausch, der besser +hitzt wie Feuer. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein gewisser Galgenhumor kam über ihn, +während sein Gefährte ängstlich in seine blaugefrornen +Finger pustete, die besten Stellen im +Matsch aussuchte, um seine Füsse zu schonen, +vor allem die Schuhe, die trotzdem schon barsten, +Wasser einliessen, das sickerte, quietschte zwischen +den Sohlen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Kumpan sah es mit gutmüthigem Spott: +„Gieb’s nur auf, kleiner Richard! Das nützt Dir +nichts. Das frisst sich durch Pelz und Wolle, +um so mehr durch Lumpen und Löcher. Dagegen +giebt’s nur eins!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er bot dem Andern die Flasche, die der ängstlich +zurückwies. So leerte er sie selbst auf einen +Zug. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das giebt wenigstens Muck! Das ist die +einzige vernünftige Erfindung in diesem elenden +Hundedasein. Sie sagen, der Teufel hat sie +ge<span class="tei tei-pb" id="page7">[pg 7]</span><a name="Pgp007" id="Pgp007" class="tei tei-anchor"></a>macht. Mich dünkt, der Teufel, das ist der einzige +wahre Heilige in der ganzen Muschpoke. +Er ist mein Schutzpatron. Es lebe der heilige +Satanas!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Kleine sah sich scheu um, ob Jemand +die Lästrung hörte. Er war fromm erzogen, gewohnt +in die Kirche zu gehen des Sonntags. Die +Mutter sass da und die andern alten Weiber in +schwarzen, gehäkelten Kopftüchern mit dem goldbedruckten +Gesangbuch. – Es war hart, dass +man keine Arbeit fand. Aber er vertraute auf +Gott. Und Berlin war nah, wo Tausende arbeiteten +und assen. Sehr müde war er und <a name="corr007" id="corr007" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">weit</span> +konnte es nicht mehr sein. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war, als ob Fritz Kuhlemann seine Gedanken +errieth: „Ja, das ist fein, nach Hause zu +kommen, wenn Einem die Olle schon in der Thür +entgegenläuft! Der Junge hängt sich uns an den +Rock. Auf dem Tisch dampft ein guter Happenpappen. +Die Stube ist schon abgeschlossen, weil +da der Christbaum steht. – So gut wird’s uns +nicht bei meinem Freund Matzke. Eine fidele +Bude, und Mädels auch die schwere Menge! Ich +möchte wissen, ob die rothe Lene noch da ist?“ ... +Er vertiefte sich in diese Erinnerungen, Saufgelage, +<span class="tei tei-pb" id="page8">[pg 8]</span><a name="Pgp008" id="Pgp008" class="tei tei-anchor"></a>Prügeleien, Dirnen,... während der Andre neben +ihm hertrottete. Er war sehr müde. Er hätte am +liebsten geweint, aber er schämte sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du bist auch noch so ein Grüner. Dich +werden sie schon erst hochnehmen! Wenn Du +denkst, mit Gottvertrauen und Dummheit kommt +man durch die Welt! Das ist gut für die, die +mit einem silbernen Löffel im Munde geboren +sind. Unsereiner, wenn der nicht eine Nase zehnmal +so fein hat und Krallen zehnmal so lang, – +dann kannst Du Dich man gleich am nächsten +Laternenpfosten aufhängen lassen. Da drinne, da +verstehen sie’s! Ist schon Mancher wie die reine +Unschuld vom Lande eingewandert. Und wie er +wieder rausgekommen ist! Per Schub mit zwei +Gensdarmen neben sich. Auf Sonnenburg zu, oder +Plötzensee. Ich kannte Einen, den haben sie gehetzt +wie das liebe Vieh. In den Weiden und +Binsen unten bei Tegel. Jede Nacht die Jagd +und den ganzen Tag lang. Ob das noch ein +Mensch ist! – Todtgeschlagen hatte er Einen. +Todtschlagen – das ist auch dumm. Alles todtschlagen, +kurz und klein! Dann wär’s noch was.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun ermannte sich der Andre. „Es giebt doch +aber auch noch gute Menschen auf der Welt.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page9">[pg 9]</span><a name="Pgp009" id="Pgp009" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Hast Du je Einen gesehn, dem’s auch gut +gegangen ist dabei? Die Schlechten, die kommen +auf, die sind hoch. Verfluchte Schweinerei!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man kann’s. Wenn man ehrlich ist und +arbeitet.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Versuch’s doch! Geh hin! Biete Deine Arbeit +an. Lauf rum! Verkauf Dich für vier Groschen +den Tag. Sieh doch, ob Dich Einer nimmt! En +Vieh und en Esel. – Aber ein Stück Mensch! +Und dann fallen Einem die Lumpen immer mehr +vom Leib. Der Schutzmann hält die Augen drauf. +Und wenn Du mal auf einer Bank, unter der +Brücke einschläfst, hat er Dich am Kragen. Dann +geht’s auf die Wache. Na, und wenn die erst +ihren Stempel draufgesetzt haben! Die grosse +Klappe – oder der Strick vorher und das stille +Wasser!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre war dem Weinen sehr nahe. Es +war die grosse Müdigkeit und die Aufregung vor +dieser Stadt, die sich näherte, wie das Verhängniss, +unsichtbar, in dem Nebel, der immer dicker +wurde. Ein Wagen, der vorüberfuhr, eine Equipage +oder geschlossene Droschke, bespritzte sie +von oben bis unten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Kuhlemann sprang mit einem Fluch zur Seite: +<span class="tei tei-pb" id="page10">[pg 10]</span><a name="Pgp010" id="Pgp010" class="tei tei-anchor"></a>„Verdammte Protzenbande! Ich gönnt’s Euch! Ich +gönnt’s Euch! Frisst sich satt von unserm Mark +und Knochen. Sauft sich voll von unserm Blut, +bis sie besoffen sind und speien!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren jetzt in der Gegend der Fabriken. +Von beiden Seiten reihten sich dunkle, niedrige +Schuppen um gemauerte Schlote, mit Latten eingezingelte +Höfe. Man sah die schwarzen Eisenconstructionen +zum Heben, die achatne Spiegelung +der Fensterscheiben, ungeheure, stumpfe Massen +aufgeschichteten Materials, die warteten, sich zersetzten. +Aber Alles lag ganz still wegen des +Festes, Alles war sehr schwarz. Der Kohlengeruch +wurde bemerkbarer. Auf ihren Schienensträngen +eilten die Züge der Vororte mit roten +und grünen Lichtern, wie grosse Schlangen mit +Augen, in die schweigende Ebene ausgeschickt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kleine Richard war vollkommen kaput. +„Ach mein Gott!“ schluchzte er auf. „Mein Gott!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„An den glaubst Du auch noch?“ Die Nachwirkung +des Schnapses begann sich bei Fritz +Kuhlemann zu äussern. Er sah roth jetzt und +schrie mit erhobner Stimme: „Die olle Finte, die +uns die Pfaffen aufgebunden haben, damit wir +kuschen und nicht Muck sagen! Ich sage Dir, +<span class="tei tei-pb" id="page11">[pg 11]</span><a name="Pgp011" id="Pgp011" class="tei tei-anchor"></a>wenn’s den giebt da oben, dann kann er sich +begraben lassen für das, was er gemacht hat. +Ich lach’ ihm in’s Gesicht. Ich schlag’ ihm die +Faust in’s Gesicht für sein feines Zauberkunststück +hier!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Lästrung verhallte in der Dunkelheit, die +sich nicht rührte. Ein Wind schien sich erhoben +zu haben, strich mit schriller Klage über die +Telegraphendrähte, durch die Löcher der Jacke, in +der der Kleine sich zusammendrückte. Alles blieb +so, die schwarzen Fabrikgebäude, die Dunkelheit, +die Kälte.... Und in der Ferne das Verhängniss, +das anzog, sich näherte, etwas Schwarzes, Compactes, +mit Augen ... Berlin, die Grossstadt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Guten Abend!“ sagte eine Stimme neben +ihnen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen +sein. Er war wohl von rückwärts nahe gekommen. +Sie hatten ihn nicht gehört, weil der weiche Schmutz +alle Schritte erstickte. Und es war finster. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte +in ihrer eigenen Grösse sein, nicht über Mittelgrösse. +Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht +gut und nicht schlecht, die eines Mannes, der +Arbeit gethan hat und weit gewandert ist. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page12">[pg 12]</span><a name="Pgp012" id="Pgp012" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Guten Abend!“ sagte der Fremde noch +einmal. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen +Stimme, die aus dem Nebel zu kommen +schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung +lag in dem Klang der Stimme. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Guten Abend!“ sagte der kleine Richard. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen +Gruss. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er +ging denselben Schritt wie sie. Nur war es dem +Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so träfe. +Er empfand das angenehm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist spät,“ sagte der Fremde. „Und es ist +kalt hier aussen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist nun nicht gerade etwas Neues, was +Du uns sagst,“ höhnte Fritz Kuhlemann. „Wenn +Du eine Pulle in Deiner Tasche hast und etwas +Warmes drin, thätest Du uns einen grösseren Gefallen, +wenn Du uns theilen liessest.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe keinen Wein und keinen Branntwein,“ +sagte der Fremde. „Ich komme von weit. +Und es ist spät.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sehr spät, um den Christbaum zu schmücken +und den Aufbau fertig zu stellen. Aber vielleicht +<span class="tei tei-pb" id="page13">[pg 13]</span><a name="Pgp013" id="Pgp013" class="tei tei-anchor"></a>sind Sie hier herum Hausbesitzer oder haben eine +Villa gemiethet und die liebe Familie erwartet +Sie?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe kein Haus.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dann würde ich Dir rathen, Freund, dass +Du Dir Geld in die Tasche thust. Denn umsonst +giebt’s hier nichts auf dieser faulen Welt. Und +zumal in Berlin, wohin wir unsre Schritte jetzt +lenken. Mein Freund Matzke kann sehr eklig +werden gegen flaue Kunden. Also, Freundchen, +wenn Deine Tasche wohlgefüllt ist, öffne sie und +spendire Deinen guten Freunden, die im Dalles +sind, in der That nicht wissen, wo sie ihr Haupt +niederlegen sollen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe kein Geld Dir zu geben,“ sagte +der Fremde. Er sagte es traurig, mit seiner +sanften, klingenden Stimme, die von sehr weit +herzukommen schien. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Rothe lachte: „Du bist ein famoser Bruder, +das muss ich sagen! Schleichst hier auf nächtlichen +Wegen und schlängelst Dich an andre Leute +ran. Denkst Du, wir können einen Zaungast +brauchen? Lass doch mal sehen, wie Du aussiehst +bei dieser noblen Beleuchtung!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die kleine Laterne eines Zimmerhofs warf einen +<span class="tei tei-pb" id="page14">[pg 14]</span><a name="Pgp014" id="Pgp014" class="tei tei-anchor"></a>zweifelhaften Schein. Der rohe Bursche drehte den +Fremden um. Er stiess ihm die Schulter gegen +den Lichtfleck. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah ein blasses Gesicht. Ein bescheidner +Bart umrahmte den unteren Theil. Es war das +Gesicht eines Mannes von etwa zweiunddreissig +Jahren. Der Fremde hatte seltsame Augen und +sah ihn ernsthaft und traurig an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Lass doch den Mann!“ sagte der kleine +Richard müde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Selbst der Rothe war betroffen. „Teufel auch!“ +knurrte er in den Bart. „Wo hab’ ich das Gesicht +schon gesehen? Du bist ein seltsamer Heiliger, +Du!... So eine Sorte Wanderprediger wohl? Ich +habe mal Einen gekannt. Er war mit uns in der +Herberge. Des Abends las er seine Bibel. Er that +das alle Abend. Er sah dabei aus wie Du. Er +sagte nichts.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sagte auch nichts. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... „Er hat mir den Fuss kurirt und eingewickelt. +Ich wusste, wo er sein Geld hatte. Ich +hab’s ihm gelassen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Gesicht des Fremden schien berauschend +auf ihn zu wirken. Er verwirrte sich in wilden +Erinnerungen.... „Ein Mädchen ... Ich drängte +<span class="tei tei-pb" id="page15">[pg 15]</span><a name="Pgp015" id="Pgp015" class="tei tei-anchor"></a>sie gegen das Thor. Was hatte die dumme Liese +sich anzustellen? Sie war doch genau wie die +Andern. Hexe! – Weibervolk, die sind Alle +nichts wert. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... In ihrer Karosse sah ich sie mal. Eine +vornehme Dame. O sehr vornehm! Vornehmer +wie eine Prinzessin. Sie sass in ihrer Karosse +und wartete. Ich wollte sie ermorden. Weil ich +hungrig war und kein Bett hatte. Sie war reich +und sass im Wagen. Sie sah mich an. – Ich +fasste an den Hut und schlich mich fort. ... +Nachher brachte mir der Diener ein Goldstück. +Das warf ich ihm nach in den Dreck gegen seine +unverschämten Kalbswaden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Weisst Du, wo ich herkomme? In der +Gosse haben sie mich gefunden <a name="corr015" id="corr015" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">neben</span> einer todten +Katze und einem Kohlstrunk. Meine Eltern wollten +nichts wissen von der Rabenbrut. Dann haben +sie mich so rumgestossen. Die hohe Polizei! Das +ist eine zarte Nährmutter. Glaube mir, Bruder, +es ist eine lustige Welt! Man muss sie nur lustig +zu nehmen wissen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er lachte roh auf. Der kleine Richard zitterte +vor Kälte. Er fühlte glühende Zangen in seinen +Eingeweiden. Seine Zähne schlugen aufeinander. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page16">[pg 16]</span><a name="Pgp016" id="Pgp016" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nimm diesen Mantel,“ sagte der Fremde +freundlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein alter, fadenscheiniger Ueberzieher, +wie ihn arme Leute tragen, auch zu dünn für den +Winter. Der Junge wickelte sich mechanisch gehorchend +hinein. Er fühlte die Hand des Fremden, +die glättete, um ihn streichelte. Eine Art magnetischer +Beruhigung ging von ihr aus. Es erinnerte +ihn an die Berührung seiner Mutter. „Aber Du?“ +fragte er wie betäubt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich friere nicht,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dann musst Du von seltsamem Stoff gemacht +sein,“ bemerkte Kuhlemann. „Dies verfluchte Wetter +macht Einem die Blutstropfen im Leibe gefrieren.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der That war es jetzt ganz empfindlich +kalt. Der Wind pfiff mit scharfem Eishauch. Unter +seinem Mantel glühte der Junge. Er wusste nicht +mehr, wo er war. Er phantasirte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war bei sich zu Hause. In der kleinen +Küche war es stickend warm. Solch’ eine fröhliche +Wärme! Der ganze Heerd glühte, rothglühend +mit hüpfenden, spritzenden Lichtern, obgleich es +dunkel war, um Petroleum zu sparen. Aus dem +Suppentopf stiegen weisse, nahrhafte Wolken. Ein +Duft von Aepfeln kam aus der Röhre; man hörte ihre +<span class="tei tei-pb" id="page17">[pg 17]</span><a name="Pgp017" id="Pgp017" class="tei tei-anchor"></a>feinen, braunen Häute britzelnd zerspringen.... +Er war da. Er war ein Knabe, er hielt die +kleine Schwester auf den Knieen. Er fühlte deutlich +den warmen, pulsenden Körper. Das Kind +hatte die Aermchen um seinen Hals gelegt. Sie +warteten auf die Mutter. Er erzählte ihr von +Weihnachten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von einem alten Mann mit weissem Bart erzählte +er ihr. Er trug einen grossen Sack mit +Aepfeln und Nüssen über der Schulter. Er hatte +ein rothes, freundliches Gesicht, und eine Birkenruthe +hielt er in der Hand. Wenn man seine +Sprüche nicht wusste, gab es Schläge. <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie</span></span> waren +gute Kinder, sie konnten ihre Sprüche. Das kleine +Mädchen hatte die Hände gefaltet und wiederholte +sie mit halblauter Stimme. Die ganze Geschichte, +die freundliche Lehrerin in der Kleinkinderschule +hatte sie ihr vorgesprochen. Der grosse Bruder, +der schon klug war und lesen konnte, half ein: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot +vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt +geschätzet würde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und diese Schatzung war die allererste und +geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in +Syrien war. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page18">[pg 18]</span><a name="Pgp018" id="Pgp018" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Jedermann ging, dass er sich schätzen +liesse, ein Jeglicher in seine Stadt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, +aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur +Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum, +dass er vom Hause und Geschlechte Davids war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, +seinem vertrauten Weib, die war schwanger. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte +ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, +denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Denn sie hatten sonst keinen Raum in +der Herberge“ ... wiederholte der kleine Handwerksbursche +mit glühenden Lippen auf der eisigen +Landstrasse. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann fing er auf einmal mit leiser Stimme +an zu singen: „O du fröhliche! O du selige! +Gnadenbringende Weihnachtszeit!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nanu?“ sagte der Rothe grob. „Bei dem +ist’s wohl nicht recht helle? Singt der Mensch +hier auf der Landstrasse wie eine Lerche! Du hast +doch wohl einen heimlichen Trunk zuviel gethan? +So’n verfluchter Duckmäuser!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber der Kleine hörte ihn nicht. Er war ganz +<span class="tei tei-pb" id="page19">[pg 19]</span><a name="Pgp019" id="Pgp019" class="tei tei-anchor"></a>glücklich. Er hielt seine kleine Schwester. Es war +so warm in der Küche. Er fing an, an seinen +Kleidern zu reissen. – Auf allen Kirchthürmen +begannen die Glocken zu läuten. Die kleine Küche +war voll vom hellen Schein. Sie hatte überhaupt +keine Decke mehr, keine Balken und angeblakten +Kalkwände. Da war der Himmel. Er war ganz +offen und die Engel sangen. Sie sangen: „Ehre +sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und +den Menschen ein Wohlgefallen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sangen sehr laut mit hellen, schmetternden +Stimmen. Alles hallte davon wider. Dieser Gesang +erfüllte das ganze Gewölbe des Himmels, +der eine grosse, dunkelblaue Glocke war, in der +goldne Sterne schwangen und spannen. Sie drehten +sich sehr rasch mit langen, lichten Streifen hinter +sich her in der Bahn ihrer Schwingung, die feurige +Ringe bildete, Kreise und Sphären. Die ganze +Glocke drehte sich, sang und schwang. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kleine Handwerksbursche sang laut, vorwärts +stolpernd im schleimigen Strassenkoth, zwischen +den schwarzen Fabrikschuppen mit hohen +Schloten, vor der Stadt, die rings umher anfing +sich zu entzünden, wie ein Halbkreis der Hölle mit +feurigen Augen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page20">[pg 20]</span><a name="Pgp020" id="Pgp020" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Bist Du verrückt?“ schnauzte ihn der Andre an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dein Gefährte ist sehr krank,“ sagte der +Fremde sanft. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So war es. Alles hatte bei dem Kleinen zusammengewirkt: +die langen Wochen der Angst +und schlechter Ernährung, der unheimliche Gefährte, +der Weihnachtsabend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fuhr fort zu singen. Er wehrte sich gegen +den Andern in seinem Fieberrausche: „Lass mich! +Du erfrierst mir das Herz. Du stösst mir glühende +Messer in’s Weiche. Du bist schlecht und roh! +Schlecht! Schlecht! Du bist der Teufel!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war wie ein Rasender. Er fing an mit +beiden Armen um sich zu schlagen. Er bäumte +sich wie ein scheugewordenes Pferd. Er wollte +plötzlich nicht weitergehen. Er liess sich wie ein +Sack zur Erde fallen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Halloh!“ sagte der Rothe. „Das ist eine +schöne Geschichte. Nun stirbt uns der hier im +Dreck. Das hetzt uns die Grünröcke gleich auf die +Hacken.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Hilf mir ihn aufheben!“ sagte der Fremde. +„Er darf nicht sterben so.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hoben ihn auf. Auch der Rothe that +seine Pflicht, sanft genug für seine rauhen, +frost<span class="tei tei-pb" id="page21">[pg 21]</span><a name="Pgp021" id="Pgp021" class="tei tei-anchor"></a>geschwollenen Fäuste. Die Mütze war dem Kleinen +vom Kopf gefallen, Koth hatte sich in die blonden +Locken gesetzt. Er entfernte ihn mit einem grimmigen +Scherz: „Das würde seiner Liebsten nicht +gefallen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es lag da ein Steinhaufen am Chausseerand +aufgeschüttet. Der Fremde hatte sich darauf gesetzt, +der Junge lag in seinem Schooss mit dem +Kopf an seiner Brust. Er lag ganz still und +lächelte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich kenne Dich wohl,“ sagte der Junge. Er +sprach mit erstaunlicher Geläufigkeit, in einer hellen, +klingenden Stimme des Entzückens, wie wenn Alles, +was in ihm schweigsam und gefroren gewesen war, +sich jetzt löste, aufthaute. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„O, ich kenne Dich ganz gut. Du bist mein +alter Lehrer in Greifenberg, der freundlich zu uns +war. Wenn man’s gut gemacht hatte, strich er +mit der Hand über den Kopf. Manchmal durfte +ich ihm die Bücher nach Hause tragen. Dann bekam +ich einen Apfel.... Er war alt und arm, +und hatte viele Kinder, wie wir.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nette Suse!“ murmelte der Rothe. „So ’ne +weisse Wassersuppe!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sass ganz still und hielt den Kopf +<span class="tei tei-pb" id="page22">[pg 22]</span><a name="Pgp022" id="Pgp022" class="tei tei-anchor"></a>des Jungen. Der lachte, er griff ihm mit der +Hand in den Bart. „Du bist mein Vater, der gestorben +ist,“ sagte der Junge. „Er ging des +Morgens sehr früh fort. Dann trat er leise auf +und zog sich im Dunkeln an, damit wir nicht aufwachen +sollten. Es war noch sehr früh und sehr +kalt draussen. Im Bett war es warm. Der Winter +hatte grosse, weisse Eisblumen vor das Fenster +gemalt. Wie hinter einer Wattenwand schlief +sich’s da.... Dann ging er fort einen Morgen +und kam nicht wieder. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... ‚Nun bist Du der Mann in der Familie, +Richard,‘ sagte die Mutter. ‚Versprich mir’s, dass +Du immer für die Schwestern sorgst, wenn Du +gross bist und viel Geld verdienst.‘ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen +für die Schwester. Meine Schwester soll nicht +weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! +Es ist so kalt ... kalt ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gott wird für sie sorgen,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Rothe lachte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt keinen Gott,“ sagte der Junge unruhig. +„Alle sagen, er ist nicht und dass es nur +eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und +krank wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute +<span class="tei tei-pb" id="page23">[pg 23]</span><a name="Pgp023" id="Pgp023" class="tei tei-anchor"></a>haben es gut in der Welt und sind geehrt. Die +Andern holt der Teufel.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Amen!“ machte Fritz Kuhlemann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt keinen Teufel,“ sagte der Fremde +ruhig. „Gott kennt keine reichen Leute und keine +armen. Er liebt Alle.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe Schmerzen,“ wimmerte der kleine +Handwerksbursche. „Es zerreisst mir die Glieder. +In meinem Kopf geht es wie eine Säge. Alle Knochen +krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, +zwischen den Schmutzlachen, all’ dieser triefenden +Feuchtigkeit, die von den Dächern rieselte, die +Kleider festklebte am erstarrten Körper. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe Hunger,“ klagte der Sterbende. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde legte ihm die Hand auf die Stirn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Bald glätteten sich die Züge. Sie wurden heiter, +fast strahlend. „... Eine Ruhe kommt langsam, +das ist der Schlaf. Es kommt wie ein Schatten +über eine grüne Wiese. Es ist weiss und breitet +die Arme aus. Ah, mir ist wohl!“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er nestelte sich dichter an die Brust des +Andern. Der Fremde beugte sich über ihn und +küsste ihn auf die Stirn. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page24">[pg 24]</span><a name="Pgp024" id="Pgp024" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fritz Kuhlemann kam mit einem Blechgefäss +voll Wasser. Er hatte es beim Eindringen in +einen Zimmerhof gefunden. Ein wütender Hund +war gegen ihn angekläfft, hatte ihm die Hose +zerrissen. Seine Hand blutete vom Zerschlagen +des Eises. Er sah schrecklich aus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er braucht es nicht. Er ist todt,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der That war der Junge todt. Er sah aus +wie ein schlafendes Kind. Ein süsser Ausdruck +war in seinem Gesicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gestorben wie ein Hund! Wie ein Hund!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist kein Hund. Er ist schön.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Du? Wer bist Du?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Kennst Du mich nicht, Fritz Kuhlemann?“ +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, +heller Mond, den man niemals erwartet hätte aus +diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem +Schein im Grau, das jetzt ganz ungefährlich erschien, +die einförmige, milde Trauerfarbe der Nacht, +eine sanfte Schwermuth der tieferen Töne und +Farben des Lebens. Im Mondschein stand der +Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, das leise +fluthete. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page25">[pg 25]</span><a name="Pgp025" id="Pgp025" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten +fast aus ihren Höhlen, die Stirn unter den wüsten, +rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sah ihn an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du hast ihn geliebt, den da“ ... sagte der +Fremde. „Er war oft müde. Du gingst langsamer +um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit +er besser läge. Manchmal hast Du ihm Brod +gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und der +Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du +ihm brachtest. – Ich kenne Dich, Fritz Kuhlemann.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Teufel!“ stiess der Andre hervor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du hast ihn sehr gekränkt,“ fuhr der Fremde +fort. „Aber Dein Herz war wund, als es ihm +harte Worte gab. Der Pflug war über Deine +Seele gegangen und hat sie zerrissen, eh’ sie +wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh’ Du +hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Herr ... Herr ...“ stammelte der Bursche. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, +die Dich in die Gosse legte, weil sie kein Brot +hatte, Dich zu füttern, als ihr Herz sich in ihr +wand in Angst über der Qual ihrer Eingeweide. +<span class="tei tei-pb" id="page26">[pg 26]</span><a name="Pgp026" id="Pgp026" class="tei tei-anchor"></a>Der, der Dich zeugte in einer Stunde, wo er sich +selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, +der die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die +Liebe ist Schmerz. Im Schmerz der Liebe liegt +der Urgrund alles Geborenen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wer bist Du?“ schrie der Andre auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte sich auf ihn gestürzt. Sie rangen +miteinander, Leib gegen Leib. Der Mond stand +am Himmel, kalt und bläulich. Dann sah man +nur noch ihre beiden Gesichter, das des Fremden, +das ruhig war, blass und ein wenig traurig, das +des Mannes, der in grossen Tropfen schwitzte, +dunkel blutrünstig mit roth durchschossenen Augäpfeln. +Er athmete in schweren, keuchenden Stössen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Plötzlich fielen seine Hände: „Mach’, was Du +willst! Tödte mich auch! Tödte mich!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Geh voran! Ich folge Dir!“ sagte der Fremde. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page27">[pg 27]</span><a name="Pgp027" id="Pgp027" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc3" id="toc3"></a><a name="pdf4" id="pdf4"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das zweite Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine rothe Laterne hing über der Thür der +Destille. Die Thür war schräg eingestellt nach +der Strassenecke zu. Drei schlechte Eisenstufen +führten hinauf. Sie hallten und dröhnten, wenn +schwere, nägelbeschlagene Schuhe darauf traten. +Nach der andern Seite leuchtete ein grosses Fenster. +Eine breite, grüne Aufschrift zog sich quer darüber +hin, auf der zu lesen stand, dass der Pfiff Bier +fünf Pfennige kostete. Sonst Reklamen in grossen +Lettern von Wein, Bier, Rum, Punsch, Zettel in +lebhaften Farben so zusammengestellt, dass sie +sich möglichst schnitten, das Auge herausforderten. +Aber der Strassenstaub hatte sie ausgebleicht, +Alles war von derselben schmutziggrauen Schleimschicht +überzogen. Die Fenster hingen schief in +ihren Rahmen. Gegen das Haus lagen schwarze, +<span class="tei tei-pb" id="page28">[pg 28]</span><a name="Pgp028" id="Pgp028" class="tei tei-anchor"></a>faulende Holzplanken aufgeschichtet von irgend +einem Neubau, der nie fertig wurde. Die Fenster +nach der Strasse zu waren durch schwere Rollbretter +geschützt. In den oberen Stockwerken hatte +man die Jalousien heruntergelassen. Nur die Laterne +blinkte wie ein trübes, rothes Auge durch +die Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Weihnachtsnacht. Man war lustig. +Die Frau des Destillateurs hatte Fische in süsser +Sauce gemacht, von denen man für fünfzig Pfennige +ein Gericht bekam. Dazu gab es Punsch. +Auch ein Weihnachtsbaum war geschmückt, auf +den sie stolz waren. Mit Papierblumen und ein +paar dicken Stearinlichtern prangte er. Im Nebenraum +zwischen alten Lumpen schliefen die beiden +kleinen Mädchen, die Kinder des Ehepaars. Sie +hielten die Holzpuppen, die ihnen bescheert worden +waren. Man hatte ihnen auch Punsch gegeben. +Sie schliefen ganz fest mit feuerroten Backen, im +Luftzug ihres Athems leise zitternden, langen +Wimpern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +August Matzke war ein schwerer Mann, erst +an die Vierzig, obgleich er älter aussah, ganz +und gar ruinirt, vergiftet durch den Trunk. Er +war schon zweimal wegen Delirium tremens im +<span class="tei tei-pb" id="page29">[pg 29]</span><a name="Pgp029" id="Pgp029" class="tei tei-anchor"></a>Krankenhaus gewesen. Alle hofften, dass das +sein Ende bedeutete. Aber er kam zurück, graublass, +verblödet, schrecklicher als vorher. Dieser +Mann hatte mit Auszeichnung seine Dienstzeit absolvirt +und war zum Sergeanten aufgerückt. Bei +einer Schiessübung kam er durch Unvorsichtigkeit +um ein Auge. Er erhielt die Verstümmelungszulage +und nahm seinen Abschied. Die Frau war +aus ganz gutem Hause, eine Süddeutsche von zierlichen +Formen, freundlichem, einnehmendem Wesen. +Sie hatten ein ganz hübsches kleines Kapital gehabt, +als sie heiratheten, und fingen nach seiner +Verabschiedung eine Gastwirthschaft an. Man +sagte, dass die sehr zuvorkommenden Manieren +seiner Frau gegen Fremde ihn zuerst an die +Flasche getrieben hatten. Jetzt war er unheilbar; +das Geld ihrer Liebhaber hielt die Wirthschaft flott. +Sie liessen sich nicht scheiden, weil er ihr dann +ihr Eingebrachtes auszahlen musste. Er schlug sie. +Sie insultirte ihn. Dann kam wieder anfallweise +die alte Verliebtheit; sie schliefen zusammen. +Zwischen alledem, Schlägen, Zänken, Liebkosungen, +wuchsen die Kinder auf, behend und geschmeidig +wie kleine Katzen, beide der Mutter auffallend ähnlich, +schon spürend, horchend, zwischentragend.... +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page30">[pg 30]</span><a name="Pgp030" id="Pgp030" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Kuhlemann wurde mit lärmender Freude begrüsst. +Matzke hatte schon schwer gesoffen und +sah schief. Es war da noch ein älterer Mann +mit breitem, krummem Rücken, der stumm in sich +hineintrank. Ein junger Tapezier mit aufgebürstetem +Lieutenantsschnurrbart spielte den Forschen, +zog die Andern auf und scharmuzirte mit Frau +Matzke. Ein Dienstmädchen aus dem Hause, eine +grobe, gewöhnliche Person, kam zuweilen, um sich +auch einen Schnaps stossen zu lassen, die Neuigkeiten +zu hören. Ein paar zerlesene Nummern +des Vorwärts und des Lokalanzeigers lagen auf +dem Tisch. Im Hintergrund stand ein Klavier. +Matzke als alter Soldat war Patriot und kaisertreu, +er hielt das socialdemokratische Blatt um +seiner Kunden willen. Er selbst liebte patriotische +Lieder und erging sich, wenn er voll war, sehr +gern in hochtrabenden Erinnerungen an Gravelotte +und Sedan, „unsern ollen Kaiser Willem“ und +Prinz Friedrich Karl, auf deren Wohl er dann die +ganze Gesellschaft anzustossen zwang. Heute war +er noch nicht ganz so weit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor +Fritz Kuhlemann aufgestellt und eins vor dem +Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch +<span class="tei tei-pb" id="page31">[pg 31]</span><a name="Pgp031" id="Pgp031" class="tei tei-anchor"></a>setzte. Das grosse Dienstmädchen strebte neugierig +näher. Sie war ein durchaus anständiges +Mädchen und stolz auf ihre Anständigkeit, aber +sie hatte es doch gern, wenn man sie kitzelte, +Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel foppte +sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen +sollte. Er wollte dann von ihrem Gelde seine +Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das +amüsirte sie königlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich möchte nur um ein Glas Wasser bitten +und ein Stück Brot, wenn ich es haben kann,“ +sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber +der Bitte. Matzke schoss aus seinen geschwollenen +Augen einen trüben, gehässigen Blick. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wer’n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. +Wer nich Soldat jewesen is, der is überhaupt kein +Mann nich, sag ick!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend +gegen den Tapezier, der sich damit belustigte, ihn +aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre +Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, +denn er blinzte ihr zu. Die grosse Hanne juchzte +lärmend auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Un eene volle Pulle liebt er ooch, was ’n +<span class="tei tei-pb" id="page32">[pg 32]</span><a name="Pgp032" id="Pgp032" class="tei tei-anchor"></a>rechter Mann is? Was Aujust? Tapfre, olle +Kriegsgurgel?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that +aber Bescheid. In der Hülflosigkeit seines benebelten +Gehirns gegen die Kniffe und Finten des +Andern blieb ihm nur dies eine Bedürfniss, zuzuschlagen, +seine Fäuste zu gebrauchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, +denn würden sie schon fertig mit det Jesindel!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Du wärst der commandirende Jeneral +von det Janze! Herr Aujust Matzke mit dem +schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Tapezier amüsirte sich königlich. Frau +Matzke zog verächtlich die Lippen. Das Dienstmädchen +bog sich vor Vergnügen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ick sage: Wer seinen Kaiser nich ehrt, der +is kein deutscher Mann, der jehört in den Schweinestall.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sieh man zu, dass Du nich selber zuerst +reinbummelst, oller Freund. Wer so schwach uff +seine eijnen Beene steht, sollte man ja nich so +forsch jejen Andre losziehen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ick nich fest uff meine Beene! Ick bin Dein +oller Freund nich. Ick will Dich lehren, mir +Aujust zu heissen. Aujust Dir wat in Deine +<span class="tei tei-pb" id="page33">[pg 33]</span><a name="Pgp033" id="Pgp033" class="tei tei-anchor"></a>unjewaschne Schnauze. Du – Du – Hurenjäger +Du!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte sich schwerfällig erhoben und griff +nach der Stuhllehne, um sich daran festzuhalten. +Der Tapezier lachte, er gehörte zu Frau Matzke’s +eleganten Freunden, die den Haushalt im Gang +erhielten. Der Mann in der braunen Weste rührte +sich nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber August! so lass doch!“ machte die +Frau gelangweilt. Sie zwinkerte Wernicke zu, +Hanne in ihrer sicheren Ecke am Büffet erstickte +fast vor unterdrückter Heiterkeit. Sie fand das +einen ausgezeichneten Spass. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun wandte sich der Wüthende gegen sie, die +Ehebrecherin, in den unfläthigsten Ausdrücken. +„Ick will Dir ... Ick will Dir ... Hure ... +Hure ... Hure!“ Er sah schrecklich aus mit den +sabbernden Lippen, seinen blutunterschossenen +Augen, von denen das eine, künstliche, immer +gerade blieb, glotzend, ungeheuerlich. Das Wort +in seinem dumpfen Laut des Stiergebrülls wiederholte +sich. Er packte sein schweres Bierseidel; +es flog dicht an ihrem Kopf vorbei in die Fensterscheibe, +die splitternd zerbrach. Der Ton schien +ihn vollends wahnsinnig zu machen. Er ergriff +<span class="tei tei-pb" id="page34">[pg 34]</span><a name="Pgp034" id="Pgp034" class="tei tei-anchor"></a>eins der Seidel nach dem andern und fensterte +sie in das Glas. Leere und halbvolle Flaschen +flogen nach. Man hörte die Scherben auf dem +Strassenpflaster sich knisternd zusammenhäufen. +Gleichzeitig drang die kalte, klare Winterluft ein. +Der Tapezier weidete sich an seinem Heldenstück. +Hanne kreischte, die Hände vor den Ohren, dachte +aber nicht daran zu flüchten. Der andre Gast +blieb ganz stumpfsinnig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das giebt ein nettes Christkindchen für morgen. +Na, ich bin nur froh, dass ich die Rechnung +nicht zu bezahlen brauche.“ Der junge Mann griff +nach seinem Hut und Paletot, einem eleganten Paletot +mit Sammetaufschlag und hellem Futter. Er hing +ihn immer so, dass man das Futter sah. „Ich +gehe jetzt, Frau Matzke. Adieu auch. Ich werde +erwartet.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sagte nichts. In der Thür drückte sie ihm +die Hand sehr stark, ihre Nüstern bebten. „Nimm +Dich in acht!“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch den Thürspalt nach der Kammer guckten +die beiden Kinder. Der Lärm des klirrenden +Glases hatte sie aufgeweckt. Sie witterten eine +Scene, und waren nun dabei, neugierig, erwartungsvoll. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page35">[pg 35]</span><a name="Pgp035" id="Pgp035" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Matzke hatte seine letzte Bierflasche dem Abgehenden +gegen die Thür nachgeschleudert. Sie +zerbrach auf dem Fussboden in ihrer braunen +Sauce. Frau Matzke fing ruhig an, die Unordnung +des Fensters zu repariren. Sie steckte eine +weisse Bettplane auf; sie kannte das schon. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nanu? Hier is wohl Polterabend heut’?“ +sagte eine lustige Stimme. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein Mädchen. Sie trug gescheitelte +Haare und ein einfaches Umschlagetüchelchen. An +einer gewissen Unordnung des lose gewundenen +Nackenknotens, der zerschlissenen, rothen Seidentaille +erkannte man die Leichtfertigkeit ihres Berufs. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich konnte nicht früher kommen, habe auch +den Kindern noch was mitgebracht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ach Lene! Lenchen!“ In ihren Hemden +drängten sie sich um sie. Das Mädchen küsste +sie leidenschaftlich. Frau Matzke sah zu. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fritz Kuhlemann lachte. „Geht’s Geschäft auch +heut’ Abend?“ fragte er boshaft. Der Fuhrmann +starrte sie an. Lene Hoff war der eigentliche +Grund, weshalb er jeden Abend kam. Er hätte +nie gewagt, es ihr zu sagen, ausserdem wusste +er ja, dass sie unter Sittenkontrolle stand. Die +grosse Hanne zog eine höhnische Fluntsch. Sie +<span class="tei tei-pb" id="page36">[pg 36]</span><a name="Pgp036" id="Pgp036" class="tei tei-anchor"></a>hatte das Mädchen nicht begrüsst, als sie eintrat, +stand jetzt, einen Arm in die Hüfte gestützt, und +musterte sie von oben bis unten. Dann drehte +sie sich nach der Thür zu: „Ich muss jetzt raufgehen. +Es ist meine Zeit.“ Sie beschäftigte sich +sehr viel mit der jungen Prostituirten, ihren Toiletten, +ihrem Thun und Lassen. In ihren Gedanken +stand sie weit unter ihr; sie war ein +anständiges Mädchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Lene pustete sich in die Finger. Sie war +immer ein bischen genirt, so lange die Grosse da +war. „Kalt ist’s. So’n Weihnachten! Lustig sein! +Wir wollen Klavier spielen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hatte sich an’s Klavier gesetzt. Ein Tanz +wirbelte hervor unter ihren flinken Fingern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Niemand tanzte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist nichts.“ Sie stand wieder auf, schloss +den Deckel. Sie näherte sich Fritz Kuhlemann, +kraute mit der Hand den untern Teil seines rothen +Schopfes: „Na Du?“ ... Die ganze gewerbsmässige +Schmeichelei ihres Berufs lag in dem Ton, +vielleicht noch mehr. „Bist so eklig heut’, geh! +Spendirst mir nicht mal was?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Seh’ ich Dir nach Spendiren aus?“ Man +hörte die Leidenschaft aus seiner Stimme. Diese +<span class="tei tei-pb" id="page37">[pg 37]</span><a name="Pgp037" id="Pgp037" class="tei tei-anchor"></a>Liebkosung einer Frau stachelte ihn. Er verschlang +sie mit den Augen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hatte sich auf seinen Schoss gesetzt. +„Armer Kerl! Keine Chance. So viel Pech gehabt.“ +Er zerdrückte ihr die Lippen mit einem +brutalen Kuss. „Du – frech biste!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sah den Fuhrmann an. Dieser Mann +hätte sie geheirathet. Er hatte vier Kinder zu Haus. +Aber ihr graute vor der Langeweile. Ihr Vogelgehirn +arbeitete schon auf einer andern Spur wieder, +sie hatte den Fremden entdeckt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wer is denn der?“ fragte sie Frau Matzke. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Frau zuckte die Achseln. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„War der Josef hier heute?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist eben fort.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ach darum ...“ Das Mädchen kannte die +Leidenschaft der Freundin. Der schöne Tapezier +hätte ihr auch gefallen. Sie seufzte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Oed’ ist’s heute. Ich bin vorher gegangen +und hab’ mir die Christbäume angesehen. Christbäume, +das ist so rührend. Einen ganz grossen +sah ich mit Lametta wie Haare. Das möcht’ ich +haben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hatte sich wieder an’s Klavier gesetzt. Ein +Weihnachtslied klang aus den Tasten. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page38">[pg 38]</span><a name="Pgp038" id="Pgp038" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Hübsch war das, die Engelchen und Schäfchen +in der Krippe. Ich hab’ das mal gesehen, wie +ich klein war. In der Kirche.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie wandte sich wieder an Kuhlemann. „Sag’ +mal, Du hast nicht einen Nickel für mich? Zu +einer neuen Schleife für den Ball am Sonntag. +Kommste mit zum Ball, Schätzchen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er drehte ein zerfetztes Portemonnaie um vor +ihren Augen: „Da sieh.“ ... Der Fuhrmann warf +einen Thaler auf den Tisch. Hart klang das +Metall auf der Holzplatte. Alle sahen auf. Frau +Matzke hatte ihren Besen, mit dem sie die Scherben +zusammenfegte, hingestellt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Lene war näher gekommen wie ein naschhaftes +Kind. Der Thaler lag da, und blinkte – +brutal, schmutzig gleissend. Sie sog lang den +Athem ein. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du rührst nicht dran!“ schrie Fritz Kuhlemann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn man selber keinen Pfennig hat, hat +man nichts dreinzureden,“ entschied Frau Matzke +schneidend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre wartete, schwerfällig, lauernd, wie +ein Jäger, der das Wild in der Falle hat. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich schlag’ ihn todt!“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page39">[pg 39]</span><a name="Pgp039" id="Pgp039" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein scharfes Lachen der Frau traf den Burschen +wie ein Hieb. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Mädchen war wie ein lüsternes Mäuschen +noch näher gekrochen. Die feinen Zähne blinkten +zwischen ihren gespitzten Lippen hervor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Trunkenbold machte einen scheusslichen +Witz: „Wer das Geld hat, hat das Recht,“ bestimmte +Frau Matzke. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie streckte die Hand aus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein gurgelnder Laut wie Tigergebrüll entrang +sich der Brust des Burschen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde hatte die Hand auf den Tisch gelegt. +Diese feine, blasse, bläulich geäderte, abgezehrte +Hand bedeckte das Geldstück. Sie bildete +eine Weisse auf der mit Bier- und Fettflecken besudelten +Tischplatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Komm’ zu mir!“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte sich aufgerichtet. Er stand ganz +gerade. Die andere Hand, die nicht das Geldstück +deckte, streckte sich gebietend vor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Komm hierher!“ befahl der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie kam. Sie gehorchte. Wie mit durchgeschnittnen +Flechsen schleppte sie sich. Sie kroch. +Plötzlich schlug sie beide Hände vor’s Gesicht, mit +einem dumpfen Schmerzenslaut sank sie in die Knie. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page40">[pg 40]</span><a name="Pgp040" id="Pgp040" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nimm Dein Geld!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde hatte den Thaler ergriffen. Er +schleuderte ihn nach der Thür. Das Silber schlug +hart auf, kugelte sich im Weiterrollen. Der Fuhrmann +bückte sich gierig danach und verschwand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fritz Kuhlemann stand mit unter der Brust +gekrampfter Hand. Es war der Blick des Mörders, +mit dem er sah, der Bestie, des wilden +Thieres. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Geh!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er ging. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Trunkenbold lachte auf mit einem hässlichen +Gluckser. „Ein Schmatzchen, Haseken. +Du – Du ...“ Er griff schwankend in die Luft. +Es reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er +schwer zusammen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Leg ihn schlafen,“ sagte der Fremde. Das +Weib schnellte gegen ihn an wie eine gereizte +Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse +einen verächtlichen Fussstoss. „Vieh!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachsüchtigen +Püffen und Tritten, dann nahm sie ihren +Besen und kehrte wüthend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die kühle Nachtluft strich durch den schweren +Fuseldunst. Alle Lampen brannten. An den +<span class="tei tei-pb" id="page41">[pg 41]</span><a name="Pgp041" id="Pgp041" class="tei tei-anchor"></a>Wänden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder +mit Emblemen der Arbeit, eine schwere +Faust, die den Hammer emporhält, einem Tischler +an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unfläthigkeiten +angeschrieben. Dazwischen machte +sich ein widerliches, süsses Moschusparfüm fühlbar, +der von dem Mädchen ausging. Sie hatte +die Hände vom Gesicht genommen. Sie schielte +zwischen den Fingern wie ein unartiges, gescholtnes +Kind. Es erschreckte sie, dass sie so +allein waren. Sie begriff nicht. „Sie sollen nicht +weggehen! Der Dicke würde mich heirathen. Vier +Göhren hat er zu Haus. Hundertundfünfzig Mark +im Monat und die ganze Einrichtung. – So Einer; +der’s Einem hinterher alle Tage vorwirft! Zweiundvierzig +Jahre ist er schon, krumm wie’n oller +Zumpelbär. Der drückt Einen ja todt. Taps, +dämlicher!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Mähne +schüttelnd, die Augen eingekniffen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. +Gestärkte Hemden trägt er sogar am Alltag. Er +kriegt auch einen guten Lohn bei Krüger. Er ist +der Erste da, der Alles allein macht. – Dieser +Fritze! Das ist so komisch. Komisch ist der!“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page42">[pg 42]</span><a name="Pgp042" id="Pgp042" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden +Trillern. Sie lachte, dass ihr die Augen +übergingen. Ihr ganzer Körper krampfte sich +unter dem Lachen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Alle Leute haben mich gern, weil ich immer +lustig bin. Und Kinder! – das is immer Leneken +hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im +Haus, die lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr +Kaffee und Chocolade. O, ich thue auch das Meine. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Wie die vornehmen Damen, die aus +dem Wagen steigen, die Näsen kraus ziehen.... +Beten und trocknes Brot und Arbeit. Als ob wir’s +nicht wüssten, wie die’s treiben! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Warum ist denn Unsereins schlecht? Weil’s +einen schlechten Rock anhat, einen billigen Hut +trägt. Die sind nicht besser wie wir! Pfui!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie spuckte aus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Einen Spatz hatte ich mal, den ich unter’m +Baum fand. Hier im Kleid unter der Brust trug +ich ihn. Den schlugen mir die Jungen todt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Schweine sind die Männer! Ach, solche +Hunde! Hunde! Nicht mal Geld geben sie Einem. +Aber schlagen! Sie stehlen’s noch von uns.“ Ihre +Fäuste krampften sich megärenartig. Das junge +Gesicht wurde erdfahl, verzerrt. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page43">[pg 43]</span><a name="Pgp043" id="Pgp043" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich hab’ Klavier spielen gelernt. O, ich hatte +mal Einen in der Georgenstrasse. Der war sehr +gebildet. Sogar Verse hat er auf mich gemacht. +‚Du hast ja die schönsten Augen, Feinsliebchen, +was willst Du noch mehr?‘“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie wiederholte die Worte liebkosend, den Oberkörper +wiegend wie im Tanze. Sie blähte sich eitel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Warum sprichst Du nicht mit mir? Wenn +ich einen Vater gehabt hätte, eine Mutter, kleine +Kinder – – – +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich bin ganz zufrieden. Was kommt auch +drauf an? Man schlägt’s so um die Ohren. Lustig +gelebt und fröhlich gestorben, das ist dem Teufel +die Rechnung verdorben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Tanzen, Zuckerzeug, fein riechen! Hübsche +Kleider! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Eine Freundin von mir ist im Spital gestorben, +Becker’s Lene, die lange. Sterben ist +grässlich. Huh! Huh!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie fing wieder an, ihr Gesicht zu verstecken. +Sie rutschte auf den Knieen hin und her. Sie +gab kleine Töne von sich, wie ein gescheuchter, +flatternder Vogel. „Du machst mir Angst. Sprich +doch. Guck mich nicht an! Guck mich nicht an!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie streckte beide Arme aus, wie unter dem +<span class="tei tei-pb" id="page44">[pg 44]</span><a name="Pgp044" id="Pgp044" class="tei tei-anchor"></a>Schrecken einer Erscheinung. Sie bog den Kopf +zurück. Ihre Augen weiteten sich starr. „Ich bin +mal in der Wiese gewesen. Blumen wuchsen so +reinlich mit weissen Gesichtchen. Auf dem Teich +fuhren Schwäne. Grüner Wasserliesch schwamm. +Wo sie fuhren, wurden dunkle, tiefe Flecken. Das +hörte man gar nicht. Ueberall theilte sich der +Sumpf. Klar war’s und dunkel ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich will Dir noch etwas sagen, was kein +Mensch weiss. Ich hätte ein Kindchen gehabt, +aber es ist nicht zur Welt gekommen. So gross +war’s, todt und feucht. Es hätte nicht gelebt und +nichts zu essen gehabt. Mein kleines Bübchen! +Mein todtes, kleines Kindchen! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Manchmal denk’ ich, die Sterne, wenn die +so funkeln, dass man dort sein könnte. Alles +weiss an mir runter.“ ... Sie strich an sich +herunter mit glättenden Händen. Sie strich, als +ob sie all’ ihre Gewänder abstreifen wollte. Wie +im Fieber gingen die dünnen streichenden Hände. +... Das Hälschen über den zarten, fallenden +Brüsten reckte sich wie ein Lilienstengel. Eine +Bläue war in den Augen, die nicht mehr vom +Leben war. Die Lippen seufzten wie die Jemandes, +der trinkt. Sie trank – trank – trank. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page45">[pg 45]</span><a name="Pgp045" id="Pgp045" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sagte nichts. Seine Hand legte +sich auf diese junge, noch weisse Stirn. Zart und +gütig lag sie, ganz leise. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Unter der Hand sank die Frau zusammen. Sie +wurde klein. Sie wurde ein Wurm, der sich am +Boden schleppte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie weinte. Sie drückte sich ganz dicht an +seine Füsse. Ihre Thränen tropften auf seine +Füsse. Ihre blonden Haare hatten sich gelöst und +fielen über ihr gebeugtes Haupt und seine benetzten +Füsse. Er rührte sich nicht. Sie weinte – +weinte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Frau Matzke war mit dem Besen in der Hand +in der Schlafzimmerthür erschienen. Sie stand da +mit einem harten, steinernen Ausdruck, unbeweglich. +Man hörte das tiefe, röchelnde Schnarchen +des Trunkenbolds, unschuldige, tiefe Athemzüge +der Kinder. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jemand wartete in der Strasse mit einem +weissen, elenden Gesicht. Er hatte die ganze Nacht +gewartet. Nun war es Morgen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde rief den Burschen. Draussen begann +schwerfällig, schlafbetäubt das Leben sich zu +regen. Lastkarren fuhren müde. Einzelne dunkle +Gestalten huschten. Man sah die lange graue +<span class="tei tei-pb" id="page46">[pg 46]</span><a name="Pgp046" id="Pgp046" class="tei tei-anchor"></a>Breite der Strasse mit Häusern zu beiden Seiten, +unzähligen Fenstern und Thürluken, unter dem +trüben Himmel, von dem es leise wie Thau tropfte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde wies auf die weinende Frau: +„Geht!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie gingen. Sie geknickt, an seine Schulter +gelehnt mit schwankenden, irren Schritten. Er hochgehobenen +Hauptes, sehr ernst und sehr gerade. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Frau Matzke in der Thür ihres Hauses sah sie +sich entfernen. Sie sagte gar nichts. Sie nahm +ihren Besen wieder auf und fegte. Man sah die +Silhouette ihres gebückten Rückens, die wüthende +Wucht der Besenstösse, mit denen sie den Staub +aufwarf und in die Schaufel schob. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie fegte. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page47">[pg 47]</span><a name="Pgp047" id="Pgp047" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc5" id="toc5"></a><a name="pdf6" id="pdf6"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das dritte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man fürchtete, dass der Zudrang zu der Versammlung +ein sehr grosser würde. In Folge +dessen war die Schutzmannschaft reichlich aufgeboten. +Man gab Achtung, den Saal auf die +Minute eine Viertelstunde vor der anberaumten +Zeit zu schliessen. Viele sahen sich so ausgeschlossen, +auch ergab das einen Vorwand, die +Galerie nicht freizugeben. Man führte den Krieg +mit diesen kleinen Mitteln seit einiger Zeit, obgleich +eigentlich das Verhältniss ein gutes, fast +behagliches war. Sie kannten sich so genau, +die Gewohnheit des häufigen Zusammentreffens +hatte einen förmlichen kleinen Comment herausgebildet, +bis auf die ganz regelmässig wiederkehrenden +Witze. Man hätte sich fast vermisst, +wenn man sich nicht vorgefunden hätte. Der +<span class="tei tei-pb" id="page48">[pg 48]</span><a name="Pgp048" id="Pgp048" class="tei tei-anchor"></a>Riesenhund des Wirths trieb seine Allotria dazwischen +mit einer ganz kleinen Hündin, einer +proletarischen Mischung aller Rassen, die von jeder +die Hässlichkeiten angenommen hatte. – Ueberdies +waren es genau dieselben Typen, die da +Wache gingen, als Ueberwachte eintraten, Blonde, +nicht schlecht genährte, bourgeoise Ruhe und Anständigkeit, +dazwischen einige knallfarbige, federbewallte +Hüte der Genossinnen. Die Frauen überhaupt +drängten sich vor, zeigten sich aufgeregter +als die Männer; es war bekannt, dass einige +der Führerinnen eine Zunge führten, die ihre +männlichen Kollegen im Schach hielt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Einige Parteiveteraninnen hatten sich an den +Eingang des Saals postirt. Da Viele noch immer +aus- und eingingen, deckten sie die Thür mit ihren +breiten Rückseiten. Sie warben für ihren Verein, +überwachten den Verkauf der Zeitungen und Broschüren, +die auf kleinen Tischchen aufgeschichtet +lagen. Dazwischen wurden Bons zur Unterstützung +armer Abgeordneter feilgeboten. Die Kellner circulirten +mit Bierseideln. Alle rauchten, sprachen +durcheinander. Von weitem, mit den schwarzbehuteten +Köpfen, die auf- und untertauchten, ergab +das den Eindruck eines heftig bewegten Sees, +<span class="tei tei-pb" id="page49">[pg 49]</span><a name="Pgp049" id="Pgp049" class="tei tei-anchor"></a>der gegen die Tribüne andrängte, sich staute. +Man <a name="corr049" id="corr049" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">erwartete</span> den Anfang der Versammlung und +wurde ungeduldig. Die dichten Rauchschwaden +brachten eine lila mystificirende Beleuchtung mit +in das ordinäre, gelbe Gaslicht. – Es waren da +Leute, die ruhig ihre Butterbrote und Häringe verzehrten, +Andre sprachen von Parteiangelegenheiten, +ihren kleinen und kleinsten Privataffairen. +Ein junger Mann mit einem rothen Shlips und +einem Apostelkopf stand neben der Thür. Er sah +krank aus und blickte mit glänzenden, unirdischen +Augen in das Leere, als ob er etwas Wunderbares +sähe. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Parteiveteraninnen behaupteten, dass unter +den Anwesenden Spitzel wären. Sie versuchten +sie ausfindig zu machen, mit den Fingern zu +zeigen. Einige Studenten waren augenscheinlich +für einen Ulk hergekommen. Es waren Fremde +da, die Keiner kannte, und eine junge Dame in +eleganter Kleidung ganz allein, die man ansah, +was sie da suche. Im Ganzen war es eine sehr +guterzogene Menge, friedlich, ohne Aufregung, +fast bourgeoismässig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Saal war der banale grosse Festsaal der +mittleren Restaurants, weiss mit Gold, rothsammetner +<span class="tei tei-pb" id="page50">[pg 50]</span><a name="Pgp050" id="Pgp050" class="tei tei-anchor"></a>Rampe. Da wurde auch Theater gespielt und getanzt. +Es war nicht schlechter wie für die Bourgeois +bei ähnlichen Gelegenheiten, man war höflich +und kam in weissen Handschuhen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch das Thema der Einberufung bot nichts +Besondres. Es war die jährlich wiederkehrende +Einbringung der Militairvorlage von Seiten der +Regierung. Man wusste im Voraus, dass sie +durchgehen würde. Der Protest geschah rein berufsmässig, +aus Princip. Und man wusste, dass +es für Jahre so gehen würde. Die Aufregungen, +das Märtyrerthum, aber auch die Hoffnungen der +ersten Jahre waren verschwunden. Die junge Partei +hatte zu leben gelernt, fast konnte man sagen, +Manieren gelernt. Man nahm, was man kriegen +konnte. Man war stark, zahlreich, wohlorganisirt, +das Odium war weggenommen, ebenso der Heldennimbus. +Man hatte nicht mehr die Angst zu +sterben, aber auch nicht die Aussicht zu siegen; +man „entwickelte sich“. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zurufe begrüssten den Eintritt des grossen +Mannes, in Wahrheit eines ganz kleinen Männchens. +Alles das ging rasch, wenig theatermässig. +Nur das Antlitz des Johannes leuchtete auf. Er +drängte sich an den Bewunderten, um seine Hand +<span class="tei tei-pb" id="page51">[pg 51]</span><a name="Pgp051" id="Pgp051" class="tei tei-anchor"></a>zu schütteln. Eine Leibgarde, die Veteraninnen, +hatten ihn sofort eingezingelt, beinah protzenhaft, +mit dieser Miene: „Wir gehören zum Haus“, die +Unberufene einschüchtert. Nun wurden die Formalitäten +rasch erledigt. Einige Witze fielen gegen +die Polizei, die die Galerie gesperrt hielt. Man +kannte sich zu gut, sehr alte Feinde, Gladiatoren, +die sich jeden Tag treffen und beinah Freundschaft +gemacht haben. Der Saal war voll zum +Ersticken. Es waren Männer zumeist, Männer +mittleren Alters. Die Jugend, wie überall, zog +es vor, sich zu amüsiren. Oder man liebte +Radauversammlungen in Rixdorf, Charlottenburg, +den Vororten. Dies war eine wohlgeschulte, ausgediente +Armee, ihr Capitain der sprach. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der grosse Mann auch war alt geworden, sehr +alt. Das Feuer, das seine Jugend gefährlich und +unwiderstehlich gemacht, hatte sich gewöhnt, für +den Hausbedarf zu brodeln. Er wusste sich zu +beherrschen jetzt, dessen Leidenschaftlichkeit einst +sein Ruhm und sein Fluch gewesen war. – Im +gleichmässigen Tonfall flossen die Sätze, periodisch, +deutlich hörbar in der geübten Stimme des +Redners bis an’s äusserste Ende des Saals. So +war er sachlich geworden, ein Typus, wie so +<span class="tei tei-pb" id="page52">[pg 52]</span><a name="Pgp052" id="Pgp052" class="tei tei-anchor"></a>mancher Andre, den die Gegner fast vermissen, +sich mit Rührung seinen leeren Platz zeigen, wenn +er nicht mehr da ist: So focht er, und so führt’ +ich meine Klinge. – Auch die Rede hielt sich +genau in den Grenzen. Ein Rückblick auf die +immer sich steigernden Forderungen, die Entwicklung +des Militarismus in Europa. Das neue +Friedensmanifest des Zaren erregte Ironie. Man +brauchte die Armeeen für die Söhne der oberen +Zehntausend, das Niederhalten der revolutionären +Bewegung. Wieder der gefährliche, ironische Beifall. +Sie wussten das wohl – sie! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nur einmal erhob sich die Stimmung zu einer +gewissen Grösse. Der Redner hatte Aeusserungen +zur Philosophie des Krieges angeführt, von Moltke, +Treitschke, General von Boguslawski. Dann wurden +statistisch die Verluste in der Industrie seit +siebzig nachgewiesen. Eine halbe Million! Mehr +wie alle Kriege! Wir brauchen keine künstliche, +gewaltsame Schöpfung, um uns männlich und +kraftvoll zu erhalten. – Ein Ausruf begleitete +diese lange Liste von Blut, Verstümmelung, +Asphyxie, Marter, – ein Schrei des Schmerzes, +aber auch der Kraft, imponirend in dieser friedlichen, +mittelmässigen Masse. <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie</span></span> waren + die<span class="tei tei-pb" id="page53">[pg 53]</span><a name="Pgp053" id="Pgp053" class="tei tei-anchor"></a>jenigen, die sein mussten. Sie würden sein. Da +war die Grösse der Partei, das Selbstbewusstsein +des thätigen, unreflektirenden Lebens, die Haupterrungenschaft +der modernen, demokratischen Zeit. +Und das wird bleiben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein früherer Pastor sprach nach dem grossen +Mann. Er hatte seine Stellung aufgegeben um +seiner politischen Meinung willen, verwahrte sich +aber ebenso gegen die Partei. Er entwickelte des +Längeren seine Ansichten. Er glaubte an Gott, +war königstreu. Seinen Traum bildete eine Art +christlich-sociales Königtum. Man hörte zu, nicht +gerade unhöflich, aber ohne Interesse, leicht ironisch. +Und er war confus, quasselte. Es lag +etwas Gefährliches in dieser höflichen Ironie selbst. +Man hatte das zu oft gehört. Man glaubte +sowas nicht mehr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Den Beschluss machte ein Anarchist. Er hatte +wenig Glück, die Parteiveteraninnen protestirten +von vornherein. Die Rede war ein krauses +Sammelsurium, eine Gesellschaftsordnung auf nur +natürlicher Grundlage, freie Geschlechtswahl, mit +einer seltsamen Verquickung von naturphilosophischen +Dingen, abstrusem Mysticismus. Man rief +ihm Schweigen zu, pfiff, trampelte mit den Füssen: +<span class="tei tei-pb" id="page54">[pg 54]</span><a name="Pgp054" id="Pgp054" class="tei tei-anchor"></a>„Schliess auf! Halt’ die Schnauze!“ Man wollte +das nicht, man war Polizei für sich selbst. Wenn +Einer das Martyrium der Lächerlichkeit auf sich +nehmen wollte, desto schlimmer für ihn selbst. +Sie schüttelten sich das von den Rockschössen. +Sie hielten auf ihre neue, sauererworbene Respektabilität. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Verhöhnte stand einen Augenblick, blass, +mit einem kränklichen Lächeln, stotternd. Dann +stieg er unter allgemeinem Gelächter die Tribüne +herunter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Versammlung löste sich auf in bester +Ordnung. Der Abgeordnete wechselte mit den +Polizisten einen Gruss. Er war sorgfältig in einen +gestrickten Wollshawl eingewickelt, er litt an +Katarrhen. Der Sergeant lächelte gutmütig mit +Bezug auf den letzten Redner. „Verrückter Kunde! +Wir lassen ihn laufen“ ... Sie hatten ihn schon +so oft eingesteckt. Da war nichts zu machen. +Und er war ungefährlich. – Beide Gewalthaber +schieden im besten Einvernehmen. Hätten sich die +Machtverhältnisse eines Tages umgedreht, diese +Gegensätze würden ruhig in ihren beiderseitigen +Functionen bleiben können. Es wäre dasselbe +gewesen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page55">[pg 55]</span><a name="Pgp055" id="Pgp055" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Pastor vereinigte sich mit dem berühmten +Führer. Er sprach eifrig auf ihn ein. Mit einer +gewissen Nachsicht des alten Praktikers unterbrach +ihn der Andre nicht. Schliesslich – diese Leute +thaten seine Arbeit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Am Strassenausgang stand ein Fremder. Er +stand da und sah sie an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sahen ihn Beide, der grosse Mann und +der Pastor. Auch die Polizisten sahen ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wer war der Mann?“ fragte der Pastor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Abgeordnete zuckte die Achseln. „Ich +kenne ihn nicht.“ Er hatte Eile, nach Hause zu +kommen. Er musste sich schonen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein grosser Mann,“ sagte der Johannes +ekstatisch. Ihn fror. Er stand da am Ausgang +und hatte die Hände in die Taschen gesteckt und +sah ihm nach. Seine Backenknochen glühten. Er +musste husten in sein Taschentuch. Wenn er es +wieder herunternahm, war es immer voll Blut. +Er wusste das schon. „Was er sagt ist wahr. +Er versteht’s.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein grosser Mann,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die ganze Masse schob an ihnen vorüber. +Die Veteraninnen sprachen sehr laut. Sie hatten +die Kasse abgeschlossen und entrüsteten sich über +<span class="tei tei-pb" id="page56">[pg 56]</span><a name="Pgp056" id="Pgp056" class="tei tei-anchor"></a>wieder einmal constatirte Gnietschigkeit. Eine +wollte sich noch zu Hause Puffer backen. Sie +gaben Parolen aus für den nächsten Tag und +Rendezvous in den Vereinen. Die Studenten +wollten noch zum Bier, die eingenommene Quantität +hatte ihnen nicht genügt. Man war froh, +sich zu bewegen, die Beine auseinander zu setzen, +nachdem man drinne eingepökelt gewesen war +wie Pökelhäringe. Einige Damen riefen nach +einer Droschke, sie gehörten zur Frauenbewegung +und besuchten dergleichen aus Princip. Man +truppte zufrieden nach Haus. Man hatte seine +Pflicht gethan und ihr Häuptling hatte seine Sache +gut gemacht. Es gab Keinen, der über diesen +Mann ging, und die immer zunehmende Stimmenzahl +bei den Wahlen. Das war das grosse Kampfmittel. +Es liess sich nachrechnen, wie das stieg +von fünf Jahren zu den nächsten fünf Jahren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann kam auch der Anarchist. Er trug einen +ganz dünnen, kleinen Sommerpaletot und ging, +als ob er gar nicht wüsste, wo er wäre. Seine +vagen, schweifenden Augen trafen den Fremden +und den Johannes. Es lag eine nachdenkliche, +zärtliche Wehmuth in dem Blick, eine Bitte, oder +als ob er sich entschuldigen wollte, dass er +an<span class="tei tei-pb" id="page57">[pg 57]</span><a name="Pgp057" id="Pgp057" class="tei tei-anchor"></a>fragte – aber man wusste nicht, ob er überhaupt +wirklich sah. Er war noch nicht alt, aber er sah +hungrig aus, mehr vom Hunger des Geistes, als +vom leiblichen Hunger. So hatte er etwas von +einem Kind, oder auch von einem hülflosen getretnen +Thier. Er seufzte und blickte in das +Laternenlicht. „Es ist schon elf Uhr,“ sagte der +Anarchist. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er schauerte und kroch tiefer in seinen Ueberzieherkragen. +Er hatte einen sehr weichen, hellen +gelben Hut auf, der in weitem Rand von seinem +Kopf abstand. Seine Haare fielen gerade über +seine Ohren und waren lange nicht geschnitten. +Wenn er sprach, lächelte er jedesmal, ein schüchternes +Lächeln, wie von Einem, der im Unrecht ist +und doch etwas Gutes und Wichtiges sagen möchte. +Dann hatte er ungeschickte Bewegungen, wie von +einem Wurm, und hüpfte zuweilen auf einem Fuss, +als ob er stolperte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Johannes ging auf der andern Seite. Er +hustete. Er war ganz selig im Gedanken an +diesen grossen Mann, dessen Hand er gedrückt +hatte, der so gut sprach, eine Stimme war, auf +die man hörte, für die armen Leute. Die gebildeten, +sachlichen Sätze hatten ihm imponirt. Sicher! +<span class="tei tei-pb" id="page58">[pg 58]</span><a name="Pgp058" id="Pgp058" class="tei tei-anchor"></a>Das wandte sich zum Bessern, wenn einfache +Gerber- und Brauergesellen sprachen wie der! +Er trug seine rothe Cravatte wie ein Triumphzeichen. +Mehr konnte er nicht thun. Aber das +Blut seines Herzens war darin. Er fühlte seine +Lungen brennen und flattern unter ihr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist immer am schlimmsten des Abends,“ +entschuldigte er sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das thut der Rauch. Sie sollten nicht rauchen +im Saal. Es strengt auch die Stimme an, wenn +man sprechen muss. Und er hat zwei Stunden +gesprochen. Das ist bewunderungswürdig für solch’ +einen Mann!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war rührend in seiner Zärtlichkeit für diese +Stimme, den Mann, der sprach, während er nur +husten konnte, unnütz sein Blut ausspie, in das +Taschentuch, das sich färbte, klebrig wurde zwischen +seinen dünnen, fiebernden Fingern. Sie +waren gelb wie aus Wachs und gezeichnet von +aussen durch die harte Arbeit, roher, oberflächlicher, +als durch die <a name="corr058" id="corr058" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Krankheit</span> von innen, die sie +zehrte, fein machte, spiritualisirte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir werden es ja nie erleben,“ sagte er +friedlich. „Aber die Andern, die nach uns kommen! +Einen Tag haben wir genug Stimmen im Reichstag. +<span class="tei tei-pb" id="page59">[pg 59]</span><a name="Pgp059" id="Pgp059" class="tei tei-anchor"></a>Sie können nicht mehr an gegen uns. Dann wird +Alles gut sein. Wir werden die Gesetze machen. +Es giebt keine Kriege mehr. Alle Völker sind +Brüder. Man arbeitet. Man lebt“ ... Er hustete +heftiger wieder, sich abwendend, um den Andern +den Anblick seiner Schwäche zu ersparen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich – ich hasse die reichen Leute nicht. Sie +wissen es nicht besser. Es sind Viele, die es gut +meinen. Man wird Gesetze finden. Das geht +ganz von selbst, ohne Revolution und Blutvergiessen. +Die Soldaten sind ja auch auf unsrer +Seite. Nur Zeit braucht’s. Man hört. Man liest +Bücher. Die Vernunft muss ja ihren Weg finden. +Es ist nur schlecht eingerichtet. Man hat die Religion +gehabt, den Aberglauben. Die Menschen +sehen jetzt, wie es wirklich ist. Man kommt vorwärts. +Man bildet sich. Alles geht gut. Die +Gerechtigkeit muss aufkommen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle diese kleinen Sätze sagte er ruhig, sanft, +ohne Aufregung, von Hustenanfällen unterbrochen, +die ihn quälten, seinen Körper schmerzhaft zusammenkrümmten, +wie aufgespiesst an einer +glühenden Nadel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie gingen in dem Strassengetriebe vorwärts. +Es trieb sie ohne ihren Willen. Vielleicht wussten +<span class="tei tei-pb" id="page60">[pg 60]</span><a name="Pgp060" id="Pgp060" class="tei tei-anchor"></a>sie gar nicht, wohin sie gingen. Eine alte Frau +in einer schwarzen Pelerine wackelte vor ihnen +her, enorm wie eine wandelnde Glocke. Einige +hatten Regenschirme aufgespannt. Sie sprachen von +Geld: „Wenn man dreissig Pfennige die Stunde +verdient, aber fünfundvierzig müsste man haben.“ +Ein junges Mädchen trug einen grossen Carton. +Sie trippelte und sah hinter sich nach drei jungen +Burschen, die sich lärmend stiessen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Laternen schwammen wie gelbe, ausgeflossene +Dotterflecken, schaukelnd. Der Schmutz +mit dem geschmolzenen Schnee bildete eine bräunliche, +zähe Masse. Eine leere Droschke fuhr sehr +dicht am Trottoir, als ob der Kutscher Kunden suchte. +In den Destillationen discutirte man oder spielte +Billard. Man sah die grauen Hauswände feuchtigkeitstriefend +mit Ladenschildern und Plakaten, +Pferdebahnen, die klingelnd trotteten mit müden, +geduldigen Pferden. Aber Alles ungewiss, wie +verwischt, unruhig, in Schatten ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man müsste es machen wie die Thiere,“ +sagte der Anarchist. „Thiere sind klüger wie +Menschen. Sie haben keine Gesetze und keinen +Staat. – Aber es giebt auch eine Seele. Ich habe +Todte gesehen, die wiedergekommen sind und mit +<span class="tei tei-pb" id="page61">[pg 61]</span><a name="Pgp061" id="Pgp061" class="tei tei-anchor"></a>den Händen in der Luft zeichneten. Nun, ich habe +die Königin Luise gesehen. Sie ist zu mir gekommen +am Weihnachtsabend und hat mir eine +weisse Rose geschenkt. Eine weisse Rose, die duftete. +Sie kommt oft zu mir. Der Kaiser Friedrich kommt +auch, und Napoleon und der Kaiser Alexander. +Ich weiss nicht, warum sie zu mir kommen. Aber +sie kommen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er lachte, ein kleines, ungewisses, eitles, ungläubiges +Lachen. Es sollte um Entschuldigung +bitten für ihn. Im Grunde war er stolz. Es gab +so viel Dinge. Er wusste nicht ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man fühlt sie, wenn man nicht viel gegessen +hat. Und Jeder fühlt sie auch nicht. Manche +Menschen schlafen auch die ganze Nacht. Ich zum +Beispiel, ich kann sehr oft nicht schlafen. Dann +denke ich über Alles nach. O, es giebt sehr viele +Sachen! Wenn man wüsste ... Vielleicht ist es +auch nicht gut. Man muss essen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Die Thiere sind klug. Und die Kinder. +Sie wissen alles Mögliche, diese Kleinen. Aber +sie können nichts sagen. Die Todten können auch +nichts sagen. Viele glauben nicht, dass es ein +Leben nach dem Tode giebt. Nun, diesen kann +man auch nichts sagen. Das ist Alles Gnade, +<span class="tei tei-pb" id="page62">[pg 62]</span><a name="Pgp062" id="Pgp062" class="tei tei-anchor"></a>wem es gezeigt wird. Und Viele wollen auch +nicht sehen. Ich, ich glaube zum Beispiel an eine +Seele.“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nervös, schüchtern sagte er das, mit einer +schweren, etwas singenden Stimme. Er war wohl +gewöhnt, dass man ihn oft für verrückt hielt. +Vielleicht war er auch etwas blödsinnig. Aber +das waren seine Geheimnisse. Er war stolz auf +sie andrerseits. Oft erfüllte ihn eine schlechte +Eitelkeit. Er kam sich dann besser wie andre +Leute vor, eine strahlende und durchgeistigte Persönlichkeit. +Häufig war er auch traurig und verachtete +sich. Er hatte oft nichts zu essen. Der Hunger +und die Gedanken hielten ihn wach des Nachts. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren so auf einem freien Platz angelangt, +wo die Strasse aufhörte. Gerade über diesem Platz +stand der Mond. Aber er war hinter den Wolken. +Die Wolken umwellten ihn, zogen rasch über ihn +her. Manchmal versteckten sie ihn ganz. Dann +war es noch dunkler, wo er stand. Oder er war +am Rande ein heller Fleck. Selbst wenn er ganz +von ihnen befreit war, zeigte sein Rund schwarze +Flecken wie Wollfasern, hingeworfene Schwämme. +Diese Wolken zogen sehr rasch und wechselten +ihre Form fortwährend. Manchmal waren sie +<span class="tei tei-pb" id="page63">[pg 63]</span><a name="Pgp063" id="Pgp063" class="tei tei-anchor"></a>Kameele, hüpfende Känguruhs oder grosse Schildkröten. +Oder auch nur Dämpfe, gezupfte Watte. +Auf dem Trottoir kämpften die Laternenstrahlen. +Aber das Gas war unruhig im Winde, flackerte +hin und her. Metall blinkte zuweilen oder eine +Fensterscheibe funkelte schwarz polirt. Weisse +Kanten von Gesims oder Mauern leuchteten urplötzlich +auf im Dunkeln. Festes schien zu gleiten +und Unbewegliches bewegt. Ringsum schlief die +Stadt, Dach an Dach und Schornstein über Schornstein. +Aber das fratzenhafte, lügnerische Wesen +liess sie nicht schlafen. Es webte und irrte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine letzte Pferdebahn hielt am äussersten +Ende des Platzes. Die Pferde waren noch nicht +eingespannt. Sie stand unbeweglich. Der Kutscher +mochte wohl einen Schlaf halten im Innern des +Wagens, bis seine Zeit war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren alle Drei stehen geblieben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die beiden Männer sahen den Fremden an. +Sie sahen ihn an, als ob sie warteten. Sie standen +da und warteten, fröstelnd, etwas benommen, +zwinkernd in das Halblicht ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Eine war halb aufgefressen vom physischen +Leiden. Den Andern trieb die Rastlosigkeit vorbei +und weiter. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page64">[pg 64]</span><a name="Pgp064" id="Pgp064" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Beide hatten dieselben cernirten, etwas +blöden Augen von einem unbestimmten, sanften +Grau mit grünlichen Lichtern, Augen von Nachtthieren, +die man mit einiger Ueberraschung entdeckt, +weil ihr Funkeln irreführte im Dunkeln, – +Schultern, die getragen hatten, und zu hohe, weitoffene +Stirnen über fliehenden, demüthigen Unterpartien +gutartiger Hunde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie warteten. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page65">[pg 65]</span><a name="Pgp065" id="Pgp065" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc7" id="toc7"></a><a name="pdf8" id="pdf8"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das vierte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er ging auf’s Land. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er kam durch Dörfer, die sich lang hinstreckten +in einer einzigen Strasse. Oder eine +andre zweigte sich ab vom Mündungsplatz, sehr +ausgefahren, in einer flachen Tränke endigend am +Waldrand, gleich sehr einfachen, primitiven Verdauungsorganen +ganz untergeordneter Thiere. Es +gab ärmliche Häuser, abseits im Koth stehend mit +zerfallnen Stacketen und windschiefen Mauern, +wohlgebaute, schmucke, die steinerne Treppen vor +der Thür hatten; weisse Gardinen umrahmten +die Fenster über blühenden Töpfen. Recht in der +Mitte war die Kirche gebaut. Ueberall hatte man +da zuerst die Todten begraben, eh’ man anfing +sie hinauszutragen weit abseits in gleichgültiges +Flachland. Uralter Epheu kletterte empor nach +<span class="tei tei-pb" id="page66">[pg 66]</span><a name="Pgp066" id="Pgp066" class="tei tei-anchor"></a>dem verwitterten Holzthurm. Eine runde Zifferscheibe +zeigte die Stunde mit eingerostetem eisernen +Finger. Des Abends riefen die Glocken und +antworteten sich. Vor dem Wirthshaus stand +irgend ein hundertjähriger Baum, eine Ulme oder +Linde. Sehr oft war sie schon ganz zerfressen, +eine Seite fehlte, dass man hineinsehen konnte, +wie in einen hohlen Ring. Aber oben trieben die +Aeste noch grüne Ruthen. Die Alten betrachteten +sie sorgenvoll, aber die Jungen dachten, dass sie +etwas Heiliges wäre und das Glück ihres Dorfes +davon abhinge. Die Hühner scharrten in den +Fahrgeleisen. Das Vieh wohnte friedlich neben +den Menschen. Die Kühe tranken aus der steinernen +Tränke am Brunnen. Sie auch waren +heilig, freundlich, der Reichthum ihres Besitzers, +und sahen mit ruhigen Augen wie Berechtigte, +die ihren Weg kennen. Kleine Kinder liefen dem +Wandrer nach in ihren Holzschuhen. Oder sie +nahmen die Schuhe in die Hand und folgten so +auf den blossen Füssen. Sie liefen mit, so lange +sie Lust hatten, und kehrten dann um, wenn sie +müde waren. Sie standen, den Finger im Mund, +mit grossen Augen, sagten gar nichts, und sahen +ihm nach. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page67">[pg 67]</span><a name="Pgp067" id="Pgp067" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In den Feldern war man an der Arbeit. +Männer stiessen die Pflugschar, langsam, sehr +langsam hinter dem Pferdegespann, das sich wie +ein Schattenriss abhob vom grauen Frühlingshimmel. +Die Erde wellte sich hier in grossen +Hügeln, wie Wogen eines Meers, das die Fluth +verlassen hat. Man sah den Pflug mit dem Gespann +aufsteigen und niedersinken. Manchmal war +er in den Schluchten ganz verschwunden; er kroch +langsam und steil hinan in runder Schwingung um +die Schwellung des Bodens. Rhythmisch drehte +und wandte er sich, dem stärkeren Rhythmus der +Erdmassen folgend. Ins Graue, Harte schnitten +die blanken Schaufeln, es aufwerfend in blanker, +oben gekräuselter Scholle. Sehr dunkles Bauernbrot +hat diese Farbe. Es duftete vom Frischgebacknen. +Die Pferde schritten geduldig. Sorgsam, +merkend auf Zahl und Curve der Furchen +lenkte der Pflüger. – Sie waren geschritten so +seit Jahren. Ihre Väter hatten gepflügt. Die Erde +war da, und die Menschen waren vergangen, zur +Erde gekehrt wieder. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Geheimnissvoll in verschwiegenen Furchen +keimte die Saat; kleine, schüchterne Hälmchen aus +dem festen, lagernden Erdreich. Krähen strichen +<span class="tei tei-pb" id="page68">[pg 68]</span><a name="Pgp068" id="Pgp068" class="tei tei-anchor"></a>kraxend über die Felder. Ganz oben zogen +Schwärme wilder Gänse in mystischer Keilreihe +mit schrillem fernen Kreischen. Der Wind klang +wie brauendes Tosen und Kollern, Kobolde und +Trollen aus dem Norden, Vorgeborner, Eddabewohner. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er kam durch Bergland. Da waren die Menschen +arm und wenige. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie wohnten dicht zusammengedrückt in Thälern +oder an den Abhängen. Die Berge reckten sich +hoch, Kuppe an Kuppe. Runde, langgestreckte, +mit breitem, fichtenbestandnem Rücken, oder sie +trugen Laubwälder, braun und grün, die ihre +Umrisse verbargen. Fast kahle gab es, von Gestrüpp, +ganz jungen Hölzern bestanden, zwischen +denen man Korn gesät hatte, um den Boden fruchtbar +zu machen. Schneisen öffneten Ausluge in +grüne Wirrnisse, neue Seitenthäler und auf hohe +ernste Wände. Am Wege rankte Brombeergesträuch +und man sah zwischen Farrenkräuter wie in grüne, +niedrige Dome unter den hohen, wo Elfen hätten +spaziren können, Thau schlürfen aus blauen Glockenblumenkelchen +oder Honig melken aus den gelben +Blüthenrüsseln der wilden Bienensaug. Holz schlug +man da in grossen geschichteten Würfeln. Jedes +<span class="tei tei-pb" id="page69">[pg 69]</span><a name="Pgp069" id="Pgp069" class="tei tei-anchor"></a>Stück trug den Stempel, die Nummer. Manchmal +aus einem verwachsenen Seitenweg zwischen den +hohen Gräsern kam ein Arbeiter, der seiner Heimath +zustrebte, Bergleute oder Hausirer, stille +Leute und gewohnt im Dunkeln zu finden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch fruchtbare Ebenen kam er, wo Dorf an +Dorf sich drängte, Hof neben Hof, stattliche Höfe +mit rothen Ziegeldächern und steinernen Ställen, +weiter Einfriedigung für das Gelände. Obstgärten +bildeten den Reichthum der Gegend. Selbst das +Vieh war schöner, fett und glatthäutig, wie die +Leute, die in steifen Trachten gingen, mit seltsamen +Hauben und Mützen, weiten Röcken und +verschnürten Stiefeln. Die Kinder truppten zur +Schule steif und artig. Alles war numerirt und +eingetragen vom Landrathsamt. Man sah die +neue Bahn ohne Ehrfurcht. Man wusste, was +man werth war, und wünschte nicht, dass eine +Vermischung stattfand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Manchmal ging er sehr früh am Tage. +Alles war grau, grau wie im Wasser gewaschen +und noch nicht getrocknet wieder. Die Feuchtigkeit +sass in der Erde wie in einem Schwamm. +Die Luft war zu schwer noch, dass sie ausdampfen +konnte. Kleine Kiesel blinkten gewaschen, braun +<span class="tei tei-pb" id="page70">[pg 70]</span><a name="Pgp070" id="Pgp070" class="tei tei-anchor"></a>mit stumpfen Steingries in der Mitte. An jedem +Grashalm hing ein Tropfen. Unzählige, unendlich +winzige Tröpfchen bildeten einen feinen, weiss-grauen +Seidenschleier auf seiner klebrigen, mit +kleinen Härchen besetzten Oberfläche. Die Kräuter +streiften feucht beim Durchschreiten. Man fühlte +die Erde sich ansetzen und schwer werden unter +den Schuhen. Der Wind blies mit einem Geruch +von frischer Wäsche. Zwischen rothen Steinfassungen +einer Brücke floss breit ausgelaufen ein +Mühlbach. Niemand wusste, ob es regnen würde, +aber inwendig war ein Tropfen und Sickern, die +Thätigkeit des Wassers, das filterte, sich einsackte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Wind erhob sich in den Pappelkronen. +Sie verbeugten sich und neigten ihre schlanken +Ruthen gegeneinander. Die Ruthen rieben sich +und wechselten sehr schnell in der Berührung, +wie Tasten eines Klaviers, die man nacheinander +anklinkt, ein Spiel der Stäbe, die Zeichen geben, +eine Botschaft weitertragen. Die ganze lange Reihe +hindurch lief die Bewegung. Sie schüttelten die +Köpfe, rauschten und raunten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Erst kam es nur wie ein feiner, leichter Wasserstaub, +ein Schleier im Gesicht, den der Wind nach +<span class="tei tei-pb" id="page71">[pg 71]</span><a name="Pgp071" id="Pgp071" class="tei tei-anchor"></a>Laune vor- und zurücktrieb. Graue Huschen zogen +rasch wie Watteballen in der Luft. Dann wurde +es wie ein leises Stossen, wie wenn es in einem +Kessel anfing langsam zu kochen. Man hörte +das Klatschen auf nackte glatte Häute der Blätter. +Aber es kam noch nicht durch. Sie schützten wie +ein Regenschirm. Es rieselte, rauschte, tropfte, +plätscherte ... Es regnete. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Im Frühlingsregen ging man wie in einer +grauen Tarnkappe. Alles erschien ohne Farbe, +sehr jung noch, wie eben <a name="corr071" id="corr071" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">ausgebrütet,</span> als ob die +Eihäutchen noch herum wären, eine Fötuslandschaft. +Das Nass begoss, trieb, schwellte. Unter +den Fusssohlen sickerten Lachen. Alles Grün wurde +grell, fast giftig. Die Blumenkronen schienen +grösser, vom Wasser beschwert. Fast schwarz +glichen die Baumrinden aufgebrochner Erde. Ein +lauer Schweissgeruch des Brütens lagerte. Unter +den Steinen höhlten sich Löcher. Alle Steine +schienen dunkler. Ihre weissen Aederchen und +Brüche zeigten sich sehr deutlich. Die Steine waren +nicht steinern und die Tropfen schlugen sie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann kam ein gelber Schein von irgendwoher. +Er flatterte auf wie ein Vogel. Es war ein Spiel +der Lichter ohne eine Quelle des Lichts, ohne dass +<span class="tei tei-pb" id="page72">[pg 72]</span><a name="Pgp072" id="Pgp072" class="tei tei-anchor"></a>man wusste, woher die Strahlen kamen. Grosse +Flecken von Klarheit rissen ein und vergrösserten +sich im Grau. Alles ging sehr rasch, wie das +Anschlagen eines Instruments, ein Finger, der +sehr schnell über Saiten läuft. Es giebt einen +Klingklang hier und da, aber noch keine Melodie. +Die Regenstriche schienen blank und sprühend. +Einen Moment funkelte Alles. Ein Regenbogen +stand sicher geschwungen über der Landschaft, +ein zweiter verschwamm zitternd im Grauen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Vögel fingen schüchtern wieder an zu +piepen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Man sah keinen Menschen des Abends. +Ueber die Felder zogen Nebel. Am Waldrand +schien sich’s zu brauen, zusammenzurotten. Man +unterschied die einzelnen Bäume nicht mehr. Es +waren Alles Rundungen, wie Hammelrücken, Riste +flockiger Widder sehr eng zusammengepresst. Das +wiederholte sich unendlich. Es schien wie ein +Meer, das da angewachsen, festgenagelt war, +dunkel, drohend, gierig, immer dieselbe Form in +immer tieferen Schatten, Röthen, Violetten, die der +Tag nicht kannte. Das drang vorwärts, frass sich +weiter, eine schlechte Anziehung schien von ihm +auszugehen, etwas von Hexenkraft, +Räthselhaftig<span class="tei tei-pb" id="page73">[pg 73]</span><a name="Pgp073" id="Pgp073" class="tei tei-anchor"></a>keit, Unerlöstem. Sehr sanft schmiegten sich die +Saaten. – Ein Reh trat heraus. Es äugte mit +merkenden Lichtern, spitzte die Horcher, eh’ es +sich zum Aesen bückte. Dann kamen mehrere. +Man glaubte den leichten Anschlag ihrer Hufe auf +dem Rasen zu hören, wie sie sich bewegten, +malmten. Nun wurde Einem wohler. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Die Kastanien trieben eidicke Knospen. +Blättchen an Blättchen faltete sich in drängender +Enge, rundlich, breiter am Grunde und spitz zulaufend +im Abschluss. Der klebrige Lebenssaft +hielt sie alle zusammen. Zartbraun waren die +äussren, wie dünne abfallende Schalen, die ihren +Dienst gethan haben. Die inneren blieben weiss +und lichtgelb, wie feines Fleisch der Eier, das +man isst. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fand einen jungen Mann unter dem +Kastanienbaum. Er hielt ein Buch auf seinen +Knieen, aber er las nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach zu ihm: „Warum liest Du nicht in +Deinem Buch, das Du hältst?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Dieses Buch habe ich gelesen, +viele Bücher, alle Bücher der Welt, die ich finden +konnte. Ihre Worte sind Buchstaben und ihr +<span class="tei tei-pb" id="page74">[pg 74]</span><a name="Pgp074" id="Pgp074" class="tei tei-anchor"></a>Wissen ist Worte. Jetzt lese ich gar nichts mehr. +Ich bin nur hier und studire den Baum. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Recht herrlich anzusehen ist dieser Baum. +Aufgepflanzt auf starken Wurzeln, unter der Erde +gegründet wie über ihr. Der Mittelstamm reckt +sich stolz und gerade. Jedes Jahr weitet sich +der Ring. Eine Schnur fügt sich mystisch zur +Schnur der gewesnen, die die Vergangenheit +zeichnen, und jene Zukünftiges. So entsendet er +Aeste ringsum im Kreise nach allen vier Richtungen +der Sonne, dass die Sonne sie bescheine +und wachsen macht. Kleine Zweige schiessen auf +von den grossen, aus knorrigen Höhlen, wo das +Geheimniss der Geburt sich erneuert. Diese wieder +theilen sich in fächernde Finger. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Keine Regel scheint in dem Ganzen und stolz +giebt er die Rundung des Erdballs wieder. Fast +flach breiten sich die untern tragenden Aeste. Die +mittleren reichen an den Kreis des Aequators. +Zum Pole der Spitze fügen sich in schärferer +Steigung die oberen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Alles lebt. Die Wurzel entsendet die +Kräfte, die die Aeste leiten. Zur äussersten Spitze +des ärmlichsten Stieles steigt pulsender Saft, der +schwärt und gebiert. Ohne Ende ist dieses Leben, +<span class="tei tei-pb" id="page75">[pg 75]</span><a name="Pgp075" id="Pgp075" class="tei tei-anchor"></a>grossmüthig und doch sparsam. Es scheint zu +schlafen und wirkt doch in der Stille. Prangend +steht es in der Blüthe und sicher reift doch die +Frucht. Es giebt kein Meistern an seiner Form +und Bestimmung. Denn Alles ist meisterlich von +Anfang gegründet wie es sein muss, bis er stirbt, +sein Tag um ist, da er lebte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Bist Du also weit und hast Du +dies Alles erkannt, so will ich Dir mehr sagen, +das wichtiger ist denn Werden und Sterben. Lass +Dein Buch und den Baum und folge mir.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So folgte ihm dieser. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zwei Brüder, Maurermeister, lebten in einer +kleinen Stadt. Sie lebten dort schlicht und redlich, +waren verheirathet und hatten Kinder. Ihr +Gut mehrten sie täglich und sie hatten zusammen +ein schönes Haus gebaut, dass sie dort auf ihrem +Eignen sässen und ihre Tage friedlich endeten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sprach der Eine zum Andern: „Was hilft es +uns nun, dass unser Gut sich mehrt von der +Arbeit unsrer Hände, unser Haus fest und stattlich +steht? Wir müssen doch sterben. Die Zeit +reisst es ein, was wir gebaut haben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre sprach zu seinem Bruder: „Ich +kenne einen Fremden, der Worte weiss stärker +<span class="tei tei-pb" id="page76">[pg 76]</span><a name="Pgp076" id="Pgp076" class="tei tei-anchor"></a>wie das Leben. Was er meint, bindet keine Zeit. +Mauern fassen es nicht, die stärker sind wie unsre.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach, der der ältre Bruder war und der +Weiseste von Beiden: „Diesen Mann muss ich +hören. Und wenn ich alle meine Güter dahintenlasse, +was das Herz froh macht, ein Weib und +junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich habe, +was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest +wird, ist mehr denn Häuser bauen, die der Sturm +einreisst.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Beiden gingen und suchten den Fremden +auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet +von allen Menschen und von nachdenklicher Gemüthsart, +wie es das Handwerk mit sich bringt. +Denn ein Maurermeister in seinem Handwerk, so +er es recht versteht und ernst nimmt, ist etwas +vom lieben Gott und Schöpfer selbst, der die Welt +geschaffen hat. Er hält in seiner Hand Thon und +Mörtel. Was er baut, soll für Jahre und Jahrzehnte +sein, wohlgegründet und ausgemessen in +allen seinen Theilen, dass nicht das Hohe auf das +Niedrige falle, der Boden nachgiebt unter zu +schwerer Belastung von Schnörkeln, Pfeilern, buntausgemalten +Fenstern. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page77">[pg 77]</span><a name="Pgp077" id="Pgp077" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle diese und Andre, an der Landstrasse, +sah und fand der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an +einem Wegrain oder auf der Rasenhöhe über dem +Teich, sprach er zu ihnen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums +und wie die gering sind und Knechte, die +streben und hochstehen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von den Thörichten des Herzens und den +Armen im Geist sagte er ihnen süsse, geheimnissvolle +Worte. Und von der Güte der Unklugen, +die weiser ist denn Weisheit und stärker denn +Stärke aller Gewaffneten und Starken. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Kleine Kinder umstanden seine Kniee und +sahen zu ihm auf mit grossen, unbewussten, +gläubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen +Meditationen. Mütter hielten sich lächelnd an mit +ihren Säuglingen an der Brust, die nach der nährenden +Zitze lallend griffen, sie patschten mit ihren +rosigen Händchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist über +dem Gesetz. Alles Gesetz ist in ihr.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn +Deins ist wie Deines Bruders und Deines Bruders +wie Deins.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page78">[pg 78]</span><a name="Pgp078" id="Pgp078" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Unkeuschheit ist nicht in der That. In +der Scham schon ist Sünde. Der Gedanke der +Wollust schlägt und beschädigt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nicht das Wort ist Lüge, der Eid betheuert +nicht. Eure Rede sei klar, weil Euer Denken +Wahrheit ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Hass, der keinen Widerstand findet, erlahmt +in ihm selbst, wie der Stein, der geworfen +wird und in’s Wasser fällt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und widerstrebet dem Uebel nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die kleinen Blumen blühten mit tiefen, duftenden +Kelchen. Feiner wie köstlichste Seide waren +ihre Blättchen. Die Staubfäden standen wie brennende +Kerzen, Goldkrystalle edelster Kronleuchter. +Auf grünen Stengeln trugen sie ihre Häupter wie +Kronen. Die Luft war schwanger von ihren Düften +und die Winde trugen ihre Samen. Die Vögel +kamen sorglos und pickten ihre Nahrung. Im Gras +athmeten Cicaden und Mückchen, Käfer, Gewürme +– ein tausendfältiges Leben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Warum sorget Ihr Euch? Alles Leben findet +seine Nahrung. Alles Lebendige erfüllt seine Bestimmung +des Lebens. Ihr sorget und sammelt +Schätze. Die Motten zerfressen sie und der Rost, +die Diebe graben danach und stehlen.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page79">[pg 79]</span><a name="Pgp079" id="Pgp079" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Reiche ist arm und der Arme ist reich. +Stark ist, wer fest steht in sich selbst. Der weise +geworden ist in Gott, dem haben Stürme, Hass +der Menschen und Noth nichts an. Die Welt ist +dem Menschen gegeben. Ueber der Welt steht +der Mensch, der die Welt in sich trägt. Gott ist +in Euch und Ihr seid Gottes. Erwacht zu Eurer +Herrlichkeit! Ein königliches Volk, ohne Könige, +Herren Alle und Freie, die Ihrer selbst Herr geworden +sind.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sehr schön war er mit seiner strahlenden Stirn, +dem melodienreichen Mund, dem die Worte entströmten, +die Hände lang und fein mit heilender +Berührung. Seine Worte klangen lieblich wie +Musik. Und in ihnen war die Tiefe. Der blaue +Himmel spannte sich über ihn, blau, ganz blau, +in immer lichterem Blau bis zur lächelnden Sonne, +über die Erde gestellt mit grünsammetnem Rain, +– einen König im schlichten Bettlergewand, einen +Gebietenden auf dem Feldstein seines Throns. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Leute kamen von weit, ihn zu hören. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Etliche sagten: „Es sind Gedichte. Wir haben +das schon oft gehört, so oder so.“ – Aber sie +hatten viel zu thun und gingen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Viele sagten: „Das ist Alles Lüge. Träumereien +<span class="tei tei-pb" id="page80">[pg 80]</span><a name="Pgp080" id="Pgp080" class="tei tei-anchor"></a>sind das.“ – Sie erklärten lange, wie es besser +zu machen sei mit dem Aufhören der Militairlasten +oder einer neuen Steuerordnung oder indem +man die Güter anders vertheilte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren die Klügsten. Aber die Meisten +gingen hin und thaten weiter, wie sie vorher gethan +hatten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und war Niemand, der ihn verstand. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page81">[pg 81]</span><a name="Pgp081" id="Pgp081" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc9" id="toc9"></a><a name="pdf10" id="pdf10"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das fünfte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es begab sich, da er müde war, setzte er sich +nieder an einem Brunnen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein sehr lieblicher Platz war es. Weidenzweige +hingen tief wie feine wehende Schleier. In der gemauerten +Höhlung hörte man es murmeln vom +schwärzlichen, verborgnen Wasser. Alles Gras +ringsum war grün, sammetgrün mit Schatten, wie +der Wind es wehte oder die Sonne fiel. Eine Stille +war in der Luft, diese Klage der Feuchtigkeit, die +der Nacht vorangeht, denn es war Abenddämmerung. +Nur die Heimchen zirpten. Man hörte das +Locken der Vögel, aber befriedigt, nur mehr wie ein +Glucksen. Die Winde auch kamen sacht, mit etwas +lebhafterem Rauschen oben in den Baumkronen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er setzte sich auf die Steinbrüstung des +Brunnens. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page82">[pg 82]</span><a name="Pgp082" id="Pgp082" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine Frau kam. Sie ging langsam und hielt +eine Reitgerte in der Hand. Der Saum ihrer grauen +Amazone fegte schleppend den Boden. Sie führte +ein weisses Pferd am Zügel. Es trat so leicht +auf, dass man seinen Hufschlag nicht hörte, den +Kopf hielt es gesenkt, als wollte es sich bemühen, +die Saatsprossen zu erhaschen, und schnoberte +leise aus rosa feinen Nüstern. Ein Windspiel +sprang auf ihrer andern Seite. Es streckte zuweilen +wie liebkosend seinen schmalen spitzen +Kopf in ihre hängende Hand. Sie ging in tiefen +Gedanken. Ihre Haare waren in dicken Flechten +gewunden, weit unten im Nacken aufgesteckt, als +ob sie zu schwer wären für ihren schmalen Kopf. +Sie ging sehr langsam und hielt die Augen zur +Erde gerichtet, wie wenn sie suchte. Sie suchte +mit der schwanken zitternden Spitze der Reitgerte +auf dem Boden. Der Hund lief neben ihr und +sah sie an. Er versuchte ihre Augen zu fangen. +Aber sie antworteten seinem Blick nicht. Sie ging +und führte das weisse Pferd am Zügel. Ganz +weiss, mit gesenktem Kopf folgte es, ein edles, +geduldiges, sehr feines Thier. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gerade über die Wiese kam sie, zu der Quelle, +wo der Fremde sass. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page83">[pg 83]</span><a name="Pgp083" id="Pgp083" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie seufzte. Gegenüber am Brunnen sass der +Fremde. Und sie sah ihn nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hob die Augen auf und sah ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Warum bist Du unglücklich?“ fragte der +Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich bin unglücklich, weil ich glücklich bin. +Ich habe Alles, was die Menschen Glück nennen. +Ich wohne in einem Schloss im Reichthum. Meine +Eltern hielten alle Sorge fern von mir. Ich habe +einen Mann, der mich anbetet, gute Kinder. Doch +bin ich unglücklich. Ich gehe zu diesem Brunnen, +um Ruhe zu finden, weil mein Schmerz sich auflöst +in dem der Natur, der über diesem Ort +lagert. – Warum ist sie unglücklich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Weil sie sterblich ist und vergänglich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die junge Frau seufzte tiefer. Die Zweige +der Weiden rauschten auf wie leichte, faltige +Frauengewänder und fielen zusammen. Der Hund +schob liebkosend seine kalte Nase ein. Ueber die +Felder trug der Wind die Klage der Weiden und +geheimnissvoll in der Tiefe gluckste und murmelte +das Wasser. „Sind wir es nicht auch? Vergänglich +und sterblich? Der Tod ist in Allem. Das +Schöne hat keine Dauer. Die Leidenschaft flieht. +Der Tag unsrer Kraft ist der unsrer Güte. Wenn +<span class="tei tei-pb" id="page84">[pg 84]</span><a name="Pgp084" id="Pgp084" class="tei tei-anchor"></a>wir krank sind, sind wir selbstsüchtig, schlecht, +Andre quälend und gequält von ihnen. Aller +Anstrengung Ende ist der Tod.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt etwas über dem Tod,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt etwas,“ sagte sie in sehr tiefen +Gedanken. „Ja, es muss etwas geben. Man +denkt nicht daran, wenn man glücklich ist. – +All’ diese Tiefen – diese Schmerzen! Diese +Schmerzen müssen unsterblich sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Schmerzen sind unsterblich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Ahnung des Unendlichen – diese Sehnsucht +hinaus! Es ist das Beste, was wir haben. +– Es ist sehr schmerzlich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Leiden ist schön.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ja, es ist schön. Ich möchte nicht ohne es +sein. – Doch die Andern sind glücklicher. Warum +gab man es uns nicht wie dem Thier zu leben? +wenn es aus ist, Sterben ohne Bewusstsein?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichts stirbt. Alles Leben lebt unvergänglich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie auch, diese Bäume? Die Wehmuth dieser +Felder? Es gäbe eine Vollkommenheit für sie? +Eine Erfüllung? Wo ist sie?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ahnst Du sie nicht? – Sieh in die Weite!“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Manchmal ahne ich sie. Etwas wie einen +<span class="tei tei-pb" id="page85">[pg 85]</span><a name="Pgp085" id="Pgp085" class="tei tei-anchor"></a>Zusammenklang, einen verlornen, fernen. Ich +weiss nicht. ... Es ist das Leiden, die Sünde: +Einer hat Einen getödtet. Man tödtet ihn wieder. +Er leidet. Ist er nicht erlöst? ... Aber es sind +so viele Andre. Sie gehen hin und leben, correct, +alltäglich“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind weitab.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach wie im Traume. Der Hund, zu +ihren Füssen gelagert, sah sie an mit treuen, +klugen Augen. So beweglich waren sie, dass die +Lichter fortwährend wechselten wie in einem Spiegel. +Im Grase weidete das weisse Pferd. Man hörte +es die zarten Halme abrupfen, sie zermalmen +zwischen starken, höckrigen Zähnen. Und von +Zeit zu Zeit wieherte es leise, wie wenn es antwortete, +als röche es den Frühling. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ja, ja,“ sagte sie athemlos. „Ich weiss nicht. +Aber es muss auch sein. Man quält auch Thiere. +Sie leiden und sie ahnen. ... Was ist es?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn Du wüsstest, wäre es das?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie schüttelte den Kopf. „Nein, man muss es +finden, selber in sich finden. Dann ist es der +Friede. Ein Glück über dem Glück, Erfolg und +Schande, Reichthum und Armuth, – das ist Alles +so gleichgültig. Es ist über dem Allen.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page86">[pg 86]</span><a name="Pgp086" id="Pgp086" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sah den Fremden an. Die junge Frau +mit zarten, spielenden Fingern strich langsam die +Säume ihres Kleides entlang. Ihre Augen verschleierten +sich in dem Schleier, der über die +Felder ging. Es war, als ob die Farbe der +Felder in sie eindränge und es bliebe nur <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">eine</span></span> +Farbe in ihren Augen und in der der wehenden +Saaten. In der Curve ihrer Schultern fand sich +die gesenkte Kruppe des weissen Pferdes. Die +graue Seidenhaut des Windspiels schmiegte sich +wollüstig, verloren in die Kleiderfalten. Das Wasser +fiel in kleinen plätschernden Cascaden, oder es +ruhte sich lange aus, in Pausen, wo nur das +Unterirdische murmelte, die kleine Stimme von +Tropfen, die höhlen, klopfen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Manchmal fühle ich, als ob ich gar nicht +mehr Ich bin. Eine hässliche Kröte. Eine Tigerkatze. +Ich bin ein Wesen, was vor vielen tausend +Jahren war und hundertmal gestorben ist. Ein +Thier und ein Gott. Vom Thier zu Gott. Das ist +der Weg.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„So ist es.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ja, ich habe gelebt,“ sagte sie sehr leise, +liebkosend. „Ich habe gemordet. Ich habe +ge<span class="tei tei-pb" id="page87">[pg 87]</span><a name="Pgp087" id="Pgp087" class="tei tei-anchor"></a>sündigt und triumphirt. Vielleicht habe ich am +Märtyrerpfahl gestanden. Und es machte mir +Freude, meine weisse, feine Hand in Blut zu +tauchen, bis sie roth war. – Ich sah einen Mann +einmal. Er war ein Strolch und ein Mörder. Er +auch, war ein König. In seinem Auge las ich +den Stolz der Starken. Wir kannten uns so gut, +wie wir uns sahen. ... Das ist seltsam.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichts ist seltsam.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichts! Nichts!“ wiederholte sie inbrünstig. +Eine feine Röthe schlug von ihrem Hals auf wie +Sonne unter Lilienblättern. „Gar nichts ist seltsam. +Manchmal in Büchern, in der sehr grossen +Kunst fühlt man es. – Ich habe es in Felsbrüchen +gesehen, in dem spitzen Speerschaft irgend eines +Grashalms. Es giebt Worte, Reime. ... Goethe +hat sie. Und Shakespeare, wenn Ophelia wahnsinnige, +kleine Lieder singt. Ich kenne chinesische +alte Götzenbilder und Michelangelo’s Grabfiguren +am Mediceer-Denkmal. ... In der Marseillaise +hört man die Tuba der Erzengel. Warum ist +Lucrezia Borgia süss wie Nachtigallsang am Maiabend +und Napoleon gekreuzigt wie der von Golgatha +... Es ist so schwer zu denken ...“ Sie +presste die weiche kleine Hand gegen die Stirn, +<span class="tei tei-pb" id="page88">[pg 88]</span><a name="Pgp088" id="Pgp088" class="tei tei-anchor"></a>an der die Schläfen flogen wie unter Hämmern +einer Schmiede. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Warum denkst Du?“ fragte er gütig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Wenn man nicht denken brauchte! Alles +weiss man. Nur weil man versucht, sein Wissen +zu erklären, <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">ein</span></span> Wissen für Alle, Gesetze sucht, +weiss man nicht mehr. Kinder wissen. Und Frauen! +Ah, Frauen wissen eher wie Männer! Sie fühlen. +Es ist ihr Körper, der in ihrem Willen ist, ... +weil Frauen lieben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Gott?“ fragte er. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gott auch liebt,“ sagte sie träumend. „Er +hasst nicht. Das Gute ist dasselbe wie das Böse. +Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die +Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. +Es ist nichts gut und nichts schlecht. +Es ist wie es ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die müde +Traurigkeit erschien wieder in ihrer Haltung, dem +Körper, der sich zurückbog, während die Linie des +Halses straff wurde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht +in der Kirche zu beten. Die Sehnsucht erstickte +mich.... Hier ist es besser.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist besser hier.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page89">[pg 89]</span><a name="Pgp089" id="Pgp089" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles +müsste mit hinein. Viel, viel mehr als die alte +Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist +weit – weit ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten +wallten die Nebel. Es glitt über die Felder. Das +Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe +schien weitgerückt, aufgesogen im Allen ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine Fledermaus strich leise mit unhörbaren, +schwarzen, tappenden Schwingen. Näher und +wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. +Sehr deutlich sah man die feinen Krallennägel, +zwischen denen die Flughäute angemacht waren +gleich Stofffächern eines Regenschirms, den kleinen, +platten Kopf mit spitzen Zähnchen, die nach Insekten +schnappten, sie rasch zerrissen. Eine Eidechse +kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie +blieb da wie angewachsen, horchend. In der +Saat putzten sich die Hasen und machten Männchen. +Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten +und hamsterten leise in sich hinein wie Geizhälse. +Ein Fuchs schlich auf Raub mit vorgestreckter spitzer +Schnauze und fuchtelnder Ruthe. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ganz fern quakten Frösche im Feuchten. Von +allen Wiesen stieg der Athem auf. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page90">[pg 90]</span><a name="Pgp090" id="Pgp090" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sehr lange sassen sie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie erhob sich langsam. Das weisse Pferd +kam ohne Ruf. Der Hund witterte in die Richtung +mit angelegten Ohren, aufmerksam, zitternd. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gehe in Frieden,“ sagte der Fremde, „Du +bist näher wie die Andern.“ +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page91">[pg 91]</span><a name="Pgp091" id="Pgp091" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc11" id="toc11"></a><a name="pdf12" id="pdf12"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das sechste Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun hatte die Frau des Landraths eine Idee. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Gerücht von ihm war nämlich sehr +stark geworden in dieser Gegend, so dass viele +Leute aus Neugier kamen, um ihn zu sehen. Viele +logen und erzählten seltsame Geschichten von +Wundern und Kranken, die geheilt worden waren. +Und die Menschen liefen hin. Sie blieben da und +folgten ihm etliche Tage und warteten auf ein +Zeichen. Wenn nichts geschah, was ihre Hoffnungen +erfüllte, gingen sie nach Hause, ihren Geschäften +nach. Diese sagten stets, dass Alles gelogen +war. Sie bewiesen sonnenklar, dass solche +Wunder unmöglich und gegen die Natur seien, +warteten doch darauf und würden sie bestritten +haben, wenn sie geschehen wären. Die Zeitungen +bemächtigten sich des Stoffes. Sie hofften ihre +<span class="tei tei-pb" id="page92">[pg 92]</span><a name="Pgp092" id="Pgp092" class="tei tei-anchor"></a>Leser zu amüsiren. Einmal tauchte er hier auf +und einmal da. Es machte den Reportern Spass, +gerade die abenteuerlichsten Geschichten zusammenzutragen, +gefälschte Interviews und lange Extrakte +aus Reden, die er niemals gehalten hatte. Auskunft +war da ertheilt über Himmel und Hölle mit +genauer Beschreibung der Lage und Gliederung +der Letzteren, eines jeden Pfeilers, auf dem Gottes +Thron stand. Einige brachten sogar ein ganzes +Nationale, dass er der Sohn eines Zimmermanns +Joseph Schäppli aus Bing an der Enz in Württemberg +sei. Dieser Sohn hatte für einen Narren gegolten +in seiner Jugend. Im Ort gab es viel zu +erzählen von seinen sonderbaren Thaten und Reden. +Dann war er verschwunden, als er etwa dreissig +Jahr alt war. Etliche sagten, er wäre in der Enz +ertrunken, Andre, dass er in die Wälder gegangen +wäre und dort als ein Waldmensch und +Einsiedler hauste. Sie behaupteten, dieser selbe +Zimmermannssohn aus Bing sei es, der jetzt aufgetaucht +wäre und predigte. Seine eignen Eltern +sollten es beschworen haben. Ein besonders eifriger +Neuigkeitenvertreiber hatte sogar seine Mutter +aufgesucht und wusste, dass sie eine Haube trug +und in ihrer Jugend Visionen gehabt hatte. Das +<span class="tei tei-pb" id="page93">[pg 93]</span><a name="Pgp093" id="Pgp093" class="tei tei-anchor"></a>war übrigens nichts Seltnes bei diesem schwäbischen +Gebirgsvolk, arbeitsam und verständig, aber +von schweifender Phantasie, mit einer beständigen +Sehnsucht im Herzen, die die Berge wachhielten, +oder auch der alte Schatz von Legenden, einstiger +Herrlichkeit und Weltgrösse, die in diesen Stämmen +lebendig geblieben waren trotz des neuen deutschen +Reichs, Lutherthum und Schulbehörden. Wieder +Andre hielten ihn für einen Wanderprediger aus +den norwegischen Bergen. Es gab ihnen Gelegenheit, +über mystische Schwärmer, Tolstoi und +Ibsen zu reden, den Geist des Urchristenthums, +der sich dort in einigen weltabgeschiedenen Gemeinden +rein erhalten hatte. Diese verbreiteten, +dass er der Sohn eines schottischen Lords oder +vornehmen Grafen wäre. Es that ihnen wohl, +das zu glauben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und gewaltig erschütterte Alle Fritz Kuhlemann’s +Stimme, eines einfachen Arbeiters und +verlorenen Gesellen, der in den grossen Städten +auftrat und forderte Busse zu thun: Im Namen +Jesu des Lebendigen, der Fleisch war und unter +ihnen wandelte. „Denn die Zeit ist gekommen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Volk lief ihm zu. Etliche erwarteten Lohnerhöhungen, +Gaben der Reichen. Andre rechneten +<span class="tei tei-pb" id="page94">[pg 94]</span><a name="Pgp094" id="Pgp094" class="tei tei-anchor"></a>auf die Revolution, wo er ihr Häuptling werden +sollte. Denn seine Rede klang gewaltig. Es war +in ihr der rothe Hass der Ungerechtigkeit und eine +neue strahlende Liebe, weit wie die Sonne, die +über Gerechte und Ungerechte scheint, aber wild +auch und schöpferisch, wie die des Mannes zum +Weibe. Es gab Viele, die sich betroffen fühlten +unter den Vornehmen und Reichen, zu sich selbst +sagten: Wir können nicht wohlleben und in +Wagen fahren, wo unser Bruder hungert und nicht +hat, da er sein Haupt hinlegen soll? – Denn so +sprach er: „Nicht ausser Euch, sondern in Euch +richtet auf das Reich Gottes! Denn das ist Gottes +in Euch, dass Ihr Liebe gebet. Das Andre, Neid, +Geiz, Hoffarth, ist des Thieres und des Teufels. +Und Ihr seid Alle Gottes.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Viele kamen auch zu ihm und sagten: Wir +wollen sehen, ehe wir glauben. Er sagte ihnen: +Seht die Werke an in seinem Namen gethan und +thut wie Er. – Aber das gefiel diesen nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab Viele unter den reichen und vornehmen +Leuten, die den Fremden auch gern gesehen hätten. +Aber sie wollten sich nicht lächerlich machen. Auch +fürchteten sie in der Oeffentlichkeit ihre Namen +zu compromittiren. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page95">[pg 95]</span><a name="Pgp095" id="Pgp095" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Landräthin, deren Mann zugleich Reichstagsabgeordneter +war, hatte eine grosse Gesellschaft +zu geben. Sie war eine kluge Dame aus +reichsgräflichem Hause, die sich viel einbildete auf +ihre Bildung, dass auf ihren Gesellschaften immer +etwas Besonderes, Geistiges und Interessantes war. +Da bei vielen ihrer Freundinnen und Nebenbuhlerinnen +Theosophie in Mode war, dachte sie, es +würde sehr interessant sein, den Fremden einzuladen, +ihn ihren Gästen gleichsam als Curiosität +und zur Unterhaltung vorzuführen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gleichzeitig that sie damit einem Mann einen +Gefallen, der ihr selbst und ihrem Landrath sehr +nützlich war, in einem Kreis, wo er vermöge seines +Namens und Reichthums eine höchste und selbstverständliche +Stellung einnahm, die sie als arme +Beamte und Frischnobilitirte sich nur mühsam erobern +konnten, mit allen Mitteln suchen mussten +zu befestigen. Dieser Mann war der alte Prinz +Schönheim-Wagram-Trauttenberg, Minister unter +der liberalen Aera Friedrich Wilhelms des Vierten. +Er hatte in seiner Jugend mit der Revolution und +dem Dilettantismus coquettirt, dabei als Lebemann +und Schöngeist sich ein Renommee erworben. Seine +„Briefe eines Diplomaten“ erregten das grösste +<span class="tei tei-pb" id="page96">[pg 96]</span><a name="Pgp096" id="Pgp096" class="tei tei-anchor"></a>Aufsehen seiner Zeit. Er war der Erste gewesen, +der mit der Tradition brach, dass Heuchelei und +geheimnissvolle Zugeknöpftheit unentbehrliche Attribute +der Staatsklugheit bildeten. Unter einem fast +ruchlosen, scheinbar offenherzigsten Cynismus verbarg +er füchsische Verschlagenheit, die Raubthierkralle +eines Cäsar Borgia im Sammethandschuh. +Man nannte ihn den Fürsten Talleyrand der Provinz. +Seine Stellung dort war unerschütterlich +selbst nach seiner officiellen Niederlage als Staatsmann, +seitdem neue Systeme und Principien ihn +und sein System hinweggefegt hatten. Die Landräthin +gehörte zu seinen Protegees. Nicht, dass +ihre spärlichen Reize den alten Viveur in Versuchung +geführt hätten. Nach einem galanten +Sabbath ohne Gleichen hatte das Küchenpersonal +und noch tiefer hinab, bei ihm endgültig die Palme +davongetragen. Er bezeugte diese Vorliebe sehr +ungenirt. Aber er liebte es immer, seinen Finger +mit in der Pastete zu haben, die Landräthin und +ihr strebsamer Gatte erschienen ihm als gefügige +Werkzeuge für seine kleinen Pläne, die er durchaus +nicht aufgegeben hatte, nur versteckt hielt +unter witzelnder Indifferenz. Das Renommee eines +mystischen Einflusses erfreute ihn. Er fand es +<span class="tei tei-pb" id="page97">[pg 97]</span><a name="Pgp097" id="Pgp097" class="tei tei-anchor"></a>vornehmer, hinter den Coulissen zu operiren, als +vorne auf der Bühne die grossen Schreie auszustossen: +heutzutage weiss man von jeder Macht die +Adresse. Jeder trägt seine Befugnisse und Eigenschaften +wie aufgeklebte Etiketten mit sich herum: +Büreau für Stellenbesetzung, Vermittlung von +Börsengeschäften, Vademecum für Hoflieferanten. +Früher ging das in’s Geheimnissvolle wie der +liebe Gott. Und hielt die Bande in Schrecken. +Man weiss zu gut, was wir <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">nicht</span></span> können. Darum +will jetzt Jeder Alles besser wissen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Neueste in dem sehr beweglichen Geiste +und fieberhaften Lebensbezeugungsdrang des Prinzen +war ein Werk über Buddhismus, den er für +die Religion der Religionen hielt. Sie passte in +den Cynismus des alten Diplomaten, diese Idee +des Jenseits von Gut und Böse, der souveränen +Verachtung aller Moralsysteme. Viele zweifelten +an seiner Gelehrsamkeit, sie war etwas zusammengewürfelt +nach der Mode des Ancien Régime. Er +besass diese Eigenheit der Regierenden, dass er +über Alles reden und geistreich reden konnte. +Trotzdem wurde sein wirkliches Wissen bestritten. +Er selbst vermied Gelehrte, sein eigentliches und +Hauptpublikum blieben Damen. Nur der Doctor +<span class="tei tei-pb" id="page98">[pg 98]</span><a name="Pgp098" id="Pgp098" class="tei tei-anchor"></a>Rothe konnte es mit ihm aushalten. Dies war +um so verwunderlicher, als der junge Mann thatsächlich +ein sehr bedeutender Kopf war. Seine +Examina hatten das Staunen seiner Lehrer erregt. +Professoren und Mitschüler erwarteten von Anton +Rothe etwas ganz Außerordentliches, den Aufgang +eines neuen Sterns am Himmel der Gelehrtenwelt. +Einen Stürmer und Dränger sahen die Andern in +ihm, einen grossen Künstler. Er hatte alle ihre +Erwartungen getäuscht, war mit sechsundzwanzig +Jahren als Privatsecretair in die Dienste des +Fürsten getreten, der ihn in einer Art Auerbach-Keller +kennen gelernt hatte, und diesem seitdem +auf allen seinen Reisen gefolgt. Legenden von +geheimen, raffinirtesten Ausschweifungen, denen +sich Herr und Diener auf solchen Weltreisen in +afrikanischen Lasterhöhlen, den Schmutzpfühlen +überseeischer Hafenstädte hingegeben hätten, konnten +allein diese seltsame Anziehung zwischen dem +beinah achtzigjährigen Weltmann und dem zweiunddreissigjährigen, +prachtvollen, genialen Menschen +erklären. Man hatte das ungleiche Paar +Faust und Mephisto getauft, der äussere Eindruck +entsprach der Vorstellung, neben dem ernsthaften, +schönen jungen Mann, schwerer germanischer Typus, +<span class="tei tei-pb" id="page99">[pg 99]</span><a name="Pgp099" id="Pgp099" class="tei tei-anchor"></a>das sardonische, zahnlose Affengesicht des Alten, +der es liebte, von seinen literarischen Speichelleckern +als Voltaire bezeichnet zu werden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies waren die Hauptpersönlichkeiten, denen +die Gräfin den Fremden vorführen wollte. Sie +hatte eigentlich eine Abneigung gegen den Doctor +wegen seiner bürgerlichen Abkunft und sonstigen +Anrüchigkeit. Aber die allgemeine Werthschätzung, +deren er sich erfreute, seine sagenhafte Allmächtigkeit +bei dem Fürsten zwang sie, freundlich gegen +ihn zu sein. Ihre Sauersüsse bei solchen Gelegenheiten +amüsirte dann den Alten: „Es ist +wunderbar, wie diese Frau aus Ehrgeiz sich zu +beherrschen weiss. Da sagt man, nur Männer +hätten eine Hundenatur. Sie schlagen uns noch +auf allen Punkten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Landrath, ihr Mann, that immer, was sie +wollte: „Wenn Du meinst, Amélie.“ ... Sie +schrieb also ein Billetchen an den Fremden des +Inhalts, dass eine distinguirte Reunion im Schlosse +von X., Datum und Stunde, von seinem Geist und +Wirken gehört, den Wunsch hätte, ihn zu kennen +und sich belehren zu lassen. – Höflichkeit bei +solchen Gelegenheiten ist immer angebracht. Sie +kostet nicht viel und leistet dasselbe wie baares +<span class="tei tei-pb" id="page100">[pg 100]</span><a name="Pgp100" id="Pgp100" class="tei tei-anchor"></a>Geld. Uebrigens lag der Gräfin wirklich an dieser +Attraction für ihren Rout. Boshafte Leute waren +hier wieder der Meinung, dass diese berühmten +gräflichen „geistigen Attractions“ vieles Andre, +weniger Attractive verbergen sollten, zum Beispiel +eine entschiedene Dürftigkeit des Vorgesetzten, und +den Umstand, dass der Champagner immer ausserordentlich +spät, im letzten Augenblick servirt wurde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Diener fand den Fremden unter einem +Apfelbaum, wo er sich ruhte. Zwei schwarze +Amseln liefen nach Würmern pickend neben ihm +im Grase. Es schien, als ob diese Thiere ihn +fragten und er ihnen antwortete. Der Mann schwor +nachher auf die Hexerei. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich werde kommen,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Gräfin, die es nie verschmähte, auch ihre +Kammerdiener auszufragen, merkte sich diesen +kleinen interessanten Zug. Sie hatte eine sozusagen +symbolistische Toilette gemacht: Weiss, sehr +in’s Crême spielend, mit schwarzen Jetkettenschnüren +viermal um den Hals. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Landrath war etwas sorgenvoll: seine +Stellung und quasi officielle Sanction ... „Das +verstehst Du nicht, mein Freund,“ sagte sie milde, +aber fest. – „Man wird sich erdrücken.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page101">[pg 101]</span><a name="Pgp101" id="Pgp101" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man erdrückte sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Gräfin war allgegenwärtig. Es galt, ihren +Gästen das Ausserordentliche ihres Schrittes klar +zu machen, diese Einladung an den Fremden, mit +der sie ihren geistreichen Freunden einen Gefallen +thun wollte, und sich gleichzeitig möglichst gegen +üble Folgen schützen, da man es ihr nach oben +hin falsch auslegen konnte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gegen die Einen, die sie für freie Geister hielt, +war sie frivol, für die Andern ernsthaft, priesterlich. +Allerliebst reumüthig, bescheiden, entschuldigte +sie sich gegen den Superintendenten, einigen +alten Damen gegenüber. „Ich bin so eine moderne +Ketzerin. Es ist doch auch, damit Sie selbst +den Unsinn sehen ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Interessant“ war ihr Wort. Dafür liess sie +sich einen scherzhaften Fächerschlag auf den Arm +von der alten Baronin Rehden gefallen. Die Superintendentin +bat sie um ihr Recept für schwarzen +Johannisbeergelee. Dabei vergass sie niemals dem +Prinzen zuzulächeln: „Wie werden wir uns nachher +über alle diese mokiren. Wir Beide verstehen +uns, dass Alles nur eine Farce ist.“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ist sie nun nicht bewundrungswürdig?“ fragte +der Prinz seinen Adjutanten. „Diese Frau wäre +<span class="tei tei-pb" id="page102">[pg 102]</span><a name="Pgp102" id="Pgp102" class="tei tei-anchor"></a>bei August dem Starken die Orczelska, bei Ludwig +dem Vierzehnten Maintenon, bei Alexander +Krüdener gewesen. Für die Tochter der Herodias +reicht’s leider nicht. Sie hätte auch da ihr Bestes +gethan und man würde ihr wahrscheinlich das Haupt +bewilligt haben, wenn auch aus andern Gründen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der junge Mann antwortete nicht. Er betrachtete +den Fremden, der allein an einem Ende +des Saales stand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er stand ganz ruhig in seinem einfachen Anzug +zwischen den plaudernden, lachenden, zischelnden +Gruppen. Fortwährend drängten sich die Diener +durch unter irgend einem Vorwand, um ihn anzustarren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Eigentlich eine tolle Idee der guten Gräfin,“ +sagte die alte Baronin Steuben, sich Luft zufächelnd. +Sie war eine wirkliche grosse Dame und verachtete +die kleinen Trics und Kniffe der Andern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein junges Mädchen erstaunte, dass er keinen +Frack trüge. Der Prinz bemühte sich, der kleinen +Frau eines Rittergutsbesitzers einzureden, dass es +sehr möglich sein könnte, dieser wäre wirklich +Christus. Die kleine Frau begriff nicht. Ihre +Augen vergrösserten sich unmässig. Sie stand +buchstäblich mit offenem Mund. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page103">[pg 103]</span><a name="Pgp103" id="Pgp103" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In einer Gruppe junger Damen und Offiziere +hatte man beschlossen, den geheimnissvollen Gast +direct zu attaquiren. Ein kleiner, kecker Dragoner +war ausgesandt worden als Avantgarde. Man +setzte ihm zu von allen Seiten. Und er that auch, +als ob er etwas besonders Gefährliches unternähme, +hegte noch Skrupel über die Anrede. „‚Meister‘ +ist ja wohl das Officielle?“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ach gehen Sie!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aller Augen folgten ihm, wie er gesucht +dandyhaft quer durch den Saal chassirte. Die +jungen Damen kicherten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle.“ Der +junge Mann verbeugte sich, forcirt vorschriftsmässig +die Hacken zusammenschlagend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sah ihn an. „Ich möchte mir +eine Frage erlauben, Herr ...“ Er zögerte vor +dem Namen, um dem Andern zu markiren, dass +er seine Vorstellung erwartete. „Halten Sie es +für Ihren und dem christlichen Grundgedanken +entsprechend, Kriegsdienste zu nehmen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde antwortete nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich betrachte die Frage ganz ernsthaft. Es +steht doch in der Bibel: Du sollst nicht tödten. +Wir versprechen unsre Feinde zu lieben, Böses +<span class="tei tei-pb" id="page104">[pg 104]</span><a name="Pgp104" id="Pgp104" class="tei tei-anchor"></a>mit Gutem zu vergelten. Christus nimmt Petrus +das Schwert aus der Hand. Dennoch zwingt uns +das Gesetz.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Welches Gesetz?“ fragte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nun, das bürgerliche, das des Staats, dem +wir angehören.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du gehörst nicht dem Staat, der Staat gehört +Dir,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber das Staatsgesetz bestraft mich. Ich +werde schuldig gefunden und verurtheilt, wenn ich +mich weigre ihm zu folgen. Gehorsam gegen das +Gesetz ist uns ebenfalls anbefohlen. Was soll ich +thun?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Was Du willst,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was +ich will.“ Der junge Offizier war in einen gewissen +Eifer gerathen, er nahm sich vor, den +Punkt bis zu Ende zu verfechten. „Wenn mein +Wille gegen das steht, was ich soll?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du sollst wollen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man zwingt mich. Ich komme in’s Gefängniss. +Man behandelt mich als Verbrecher. Was +bin ich, Einer gegen so Viele?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Viele Einzelne sind Viele.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch +<span class="tei tei-pb" id="page105">[pg 105]</span><a name="Pgp105" id="Pgp105" class="tei tei-anchor"></a>Quäker leisten ja keine Kriegsdienste, glaube ich? +Interessant, sehr interessant!“ sagte die Gräfin. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Jedes Land hat alle seine Kräfte nöthig gegen +den äusseren Feind!“ sagte der Candidat der Theologie, +der zugleich Reserveoffizier war. „Ein Land, +das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Körper +ohne Widerstandskraft. Es entmannt eine Nation, +sie ist dann nicht fähig, ihre Ehre zu vertheidigen. +Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in +einem besonderen schnarrenden Ton. Er war auch +<span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">für</span></span> das Duell und fing ein längeres Gespräch mit +dem Lieutenant darüber an, „zum Beispiel, wenn +Einer mich mit meiner Frau betrügt. Dann greift +schließlich jeder Holzknecht zur Axt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber der Holzknecht ist ein Mörder und +kriegt seine fünf Jahr Zuchthaus,“ sagte der Prinz +freundschaftlich. „Das ist der ganze Unterschied, +mein braver Langenhahn.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Natürlich müssten gewisse Formalitäten beobachtet +werden; der Candidat gab das zu. Der +Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen +und Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, +immer gerade mit diesem Falle des Ehemanns +<span class="tei tei-pb" id="page106">[pg 106]</span><a name="Pgp106" id="Pgp106" class="tei tei-anchor"></a>gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen +gerechnet. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich fände es doch einfacher für ihn, Beide +todtzuschlagen,“ sagte der Doctor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„O, aber lieber Doctor! Das nun wieder!“ ... +Die Gräfin flatterte skandalisirt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es wäre das Logische. Entweder wir haben +Faustrecht oder wir haben keins. Diese Mittelzustände +machen unsre heilige Civilisation so +ungeniessbar.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist nun doch schrecklich, Doctor, was Sie +sagen!“ Die Baronin schüttelte vorwurfsvoll den +Kopf. Ihr gefiel der junge Mann, seine schöne Stirn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Erlauben Sie. Es ist in Allem so. Besonders +was die Frauen angeht. Entweder eine Frau ist ein +für sich selbst verantwortliches Wesen, ein Mensch, +eine Seele, oder sie ist Sache. Mein Eigenthum. Mein +Stück Kuhfleisch. Dann der Sack und der Bosporus.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber es giebt doch Mitteldinge.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die sind dann einfach absurd. Ich schlage +mich – aber ich gebe ihm dieselbe Chance. Ich +sage, sie weiss nicht was sie thut, und lade ihr die +volle Verantwortung auf. Wir können eben nie +etwas reinlich durchführen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dann wären wir Teufel.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page107">[pg 107]</span><a name="Pgp107" id="Pgp107" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Oder Engel. Sie haben die Wahl.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich glaube, <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie</span></span> haben schon gewählt!“ Sie +wollte damit discret auf Einiges hindeuten, was +über seine Reisen zu ihren Ohren gedrungen war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Vielleicht doch noch nicht so ganz,“ sagte der +junge Mann kalt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt auch noch ein Drittes.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +– „Sagen Sie mal, sind Sie glücklich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Befehlen Sie Thee oder Kaffee, Baronin?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jemand, ein älteres Fräulein, sagte, dass alle +Völker eine Familie wären, Deutsche, Franzosen, +Juden. Sie hatte „Die Waffen nieder!“ der Baronin +Suttner gelesen und schwärmte für Völkerverbrüderung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist doch eine etwas grosse Familie,“ +sagte der Lieutenant von Detten zu seiner hübschen +Nachbarin. „Ich goutire Juden nur allenfalls +als Schwiegerväter.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Candidat fand, man dürfte nicht Antisemit +sein vom Vernunftstandpunkt aus. Aber man +wäre es physisch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent drohte ihm mit dem Finger: +„Wir sind Alle Brüder und unser Herr Christus +kam von den Juden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Prinz erzählte eine amüsante Anekdote +<span class="tei tei-pb" id="page108">[pg 108]</span><a name="Pgp108" id="Pgp108" class="tei tei-anchor"></a>von einem Orientalen, einem befreundeten Pascha, +der alle Hufthiere verabscheute, weil er selbst einen +Klumpfuss hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Blaustrumpf unterhielt sich über Frauenfrage +mit einem Gymnasialprofessor. Er hatte +einen schmutzigen Hemdkragen an und kaute seine +Nägel: „Nun gewiss, auch Frauen haben eine +Seele,“ sagte der Professor zerstreut. „Das heisst +– Seele! –“ er lachte sardonisch. Er hatte +Lust, auf den Fussboden zu spucken. Aber er +besann sich. Man hatte ihn eingeladen, weil er +in den Wahlvereinen wichtig war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man muss das schwache Gefäss in Geduld +tragen,“ sagte der Superintendent. „Wir haben +ja auch aus der ersten christlichen Kirche schöne +Beispiele: Tabbea, Phoebe, die der Apostel erwähnt. +Echt evangelische Frauengestalten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Darf man heirathen?“ fragte ein sehr junges +Mädchen. „Es steht doch in der Bibel, nicht +heirathen ist besser?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dann würde aber die Welt aussterben?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und das wäre sehr schade,“ sagte der Prinz +ernsthaft. Der Superintendent witterte römische +Ketzereien. Er wies auf das grosse Exempel +Martin Luther’s und seinen gesegneten Ehestand. +<span class="tei tei-pb" id="page109">[pg 109]</span><a name="Pgp109" id="Pgp109" class="tei tei-anchor"></a>Die Superintendentin sass steif mit einer spitzen Nase. +Sie dachte an den übriggebliebenen Gänsebraten +für morgen, ob ihr die Mägde nicht drangingen. +Der Prinz machte confiscirte Witze und trieb den +Superintendenten in die Enge mit einigen fröhlichen +Vierzeilern von Martin „Nonnenfreund“. Die Lieutenants +secundirten, der alte Herr wehrte sich tapfer. +Sein Gesicht wurde schweissroth vor Anstrengung: +„Ein echter deutscher Mann! Ein Mann nach dem +Herzen Gottes!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein Bismarck!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Candidat schwärmte für Bismarck. Die +Gesellschaft verhielt sich etwas ablehnend. Für +die Offiziere war er eigentlich ein Rebell, ein unruhiger +Kopf, der die Consigne brach. Die Gräfin +brachte rasch das Thema auf etwas Anderes, um +ihren Mann aus der Verlegenheit zu retten. Der +Candidat war oft recht taktlos. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Einige Leute wollten Fragen stellen: Werde +ich eine grosse Carriere machen? Siegt mein Gaul +beim nächsten Rennen? Wann werde ich meine +Schulden bezahlen? Die jungen Mädchen hätten +gern gewusst, ob „er“ ihnen treu war? Wird +der Bestimmte mich zum Cotillon engagiren? – +Die Meisten hatten so eine Art +Taschenspieler<span class="tei tei-pb" id="page110">[pg 110]</span><a name="Pgp110" id="Pgp110" class="tei tei-anchor"></a>vorstellung, Tischrücken, Kartenlegen oder Aehnliches +erwartet und waren enttäuscht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent hatte den Fremden mit +Beschlag belegt. Er hatte eine Broschüre über das +Glaubensbekenntnis, Harnack und die Agende +veröffentlicht und wollte jetzt dem Andern auf +den Zahn fühlen über diese wichtigen Punkte. +Sein Grundsatz war, dass Kirche und Staat zusammengehen +müssten in den jetzigen socialen +Wirren. Vernünftige Reform. Aber die feste Hand +von oben. Und vor allem musste die Autorität +gewahrt werden. Das Patriarchalische ist das +einzig Wahre. Dabei hatte er einen Geschmack +für weltliche schöne Literatur, citirte Classiker und +bekannte sich zur Goethe’schen Schule. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Candidat war ein Heisssporn. Er war für +ein sociales Kaiserthum, eine Art Theokratie unter +von oben inspirirtem Oberhaupt mit unumschränkter +Autorität. „Die Idee des Gottesgnadenthums muss +wieder herrschend werden.“ Dieser Ausdruck gefiel +ihm. Ihn zog das Katholische an. Er war für +High-Church-Reforms. Allenfalls für einen deutschen +Papst, grössere Prunkentfaltung. Er selbst mit einer +edelsteinbedeckten Brust hohe Kirchenakte celebrirend +– das hätte seiner Neigung entsprochen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page111">[pg 111]</span><a name="Pgp111" id="Pgp111" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wenn der Superintendent das Presbyterianische, +die Selbstverwaltung der Gemeinden betonte, betrachtete +er ihn fast als eine Art Hochverräther. +Dieser im Gegentheil versprach sich nicht viel von +den jungen Leuten. Er war mehr für die kleinen +Lokalpäpstchen. Man lebte in Frieden und that +sein Möglichstes. Die Frau Superintendent liess +bei sich nähen und war im Vorstand aller Wohlthätigkeitsvereine. +Alles das, diese kleinen Spiele +und Gegenspiele, die er witterte, erheiterte den +Prinzen. Er hatte die „Baalspfaffen“ speciell auf +dem Korn und liebte es, an ihren Bäffchen sein +Müthchen zu kühlen. Er erzählte die bekannte +Anekdote von Friedrich dem Grossen: „Der Pfaff +soll sein Maul halten, mein Reich ist nicht von +dieser Welt,“ mit der die Kinder der Welt die +Pfarrer anöden. Der Doctor secundirte ihm eifrig, +ebenfalls einige von den Lieutenants. Alle waren +für apostolische Einfachheit, den Stab und einen +Rock: er hatte nicht, da er sein Haupt niederlegen +sollte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!“ Der +Superintendent hielt seine halbgeleerte Kaffeetasse +in der Hand, in der er den dicken, bräunlichen +Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein +<span class="tei tei-pb" id="page112">[pg 112]</span><a name="Pgp112" id="Pgp112" class="tei tei-anchor"></a>bischen viel Zucker; bei andern Leuten kostete es +nichts. „Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, +dass die Gläubigen sich kasteien. Das ist eine +ganz irrige Auffassung, katholische Ketzerei: hat +er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das +Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete +Gegenwart den heiligen Ehestand ausgezeichnet.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, +Maria oder Magdalena?“ Dies war ein vorlauter +Lieutenant. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem +heiligen Amt. Und wir müssen nicht vergessen, +dass er in verhältnissmässig jungen Jahren –“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden +dazu,“ sagte der Prinz. „Das ist auch eine Auffassung.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, +meine Herren! ... Sie müssen selbst einsehen ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er +mochte begreifen, dass sein Scherz etwas zu +weit gegangen war: „Darum keine Feindschaft +nicht. Ich weiss ja, wir brauchen das für die +Dummen.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page113">[pg 113]</span><a name="Pgp113" id="Pgp113" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Candidat ärgerte sich. Die Kirche musste +eine ganz andre Gewalt wieder haben. Und es +wäre in der That gut gewesen für die Stellung +des Priesters – er sagte immer „Priester“, er +fand, dass das nach mehr klang – wenn das +Cölibat innegehalten würde. Wenigstens für die +höheren und höchsten Kirchenämter. Vieles in der +römischen Kirche war sehr beherzigenswerth. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser +Meinung, übrigens war sie jetzt die tonangebende. +„Die militairische Organisation muss durchgeführt +werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Umschlag in der Meinungsäusserung war +eingetreten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich hatte einen famosen Pastor, bei dem ich +im Quartier lag,“ versicherte ein Lieutenant. +„Wirklich ein famoser Kerl!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ach, und die schöne Kirchenmusik!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Weihnachten!“ sagte eine andre junge +Dame. „Es ist so tief und bedeutungsvoll.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich fände es doch schrecklich zum Beispiel, +sich nicht in der Kirche trauen zu lassen,“ sagte +der Doctor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„O, pfui!“ machten Alle. Sie wussten nicht +recht, ob er es im Ernst meinte. Der Doctor war +<span class="tei tei-pb" id="page114">[pg 114]</span><a name="Pgp114" id="Pgp114" class="tei tei-anchor"></a>ein schrecklicher Mensch, sehr interessant. Sie +waren Alle fest entschlossen, ihn nie zu heirathen, +wenn er um Eine von ihnen anhielte; aber er +hielt nie an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein junges Mädchen war sehr traurig. Sie +fühlte dunkel, dass dieser Mensch etwas Extraes +war, klüger und stärker als die Andern. Warum +lachte er höhnisch und sagte scharfe Worte, die +weh thaten? – Ein alter Herr war da, der an +Gesichtszucken litt, seine Hände sonderbar und +krampfig bewegte. Sie sah, dass Einige dies beobachteten, +darüber lachten. – Sie fühlte sich abgestossen, +elend. Dieses junge Mädchen war sehr +jung noch, ein halbes Kind fast. Niemand bekümmerte +sich um sie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fürst unterhielt sich mit dem Fremden. +Die Gräfin Thornhill fand ihn sehr interessant. +Sie behauptete, sie sähe deutlich einen breiten, +blauen Schein um seine Stirn. Sie nannte das +das Fluidum. Das Fluidum, das von dem Fremden +ausging, war erstaunlich. Die Gräfin Thornhill +galt für eine Heilige. Es kamen sehr einflussreiche +Leute zu ihren spiritistischen Reunions; so geschahen +wirklich manchmal Wunder da. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Assessor von Brincken bestritt sehr +ernst<span class="tei tei-pb" id="page115">[pg 115]</span><a name="Pgp115" id="Pgp115" class="tei tei-anchor"></a>haft, dass er keineswegs nicht an Wunder glaubte. +„Ich war früher wie Sie. Aber seit ich Frau +Gräfin kenne ...“ Sie hatte ihn bekehrt. „Es +giebt eben doch mehr Dinge zwischen Himmel und +Erde, als unsre Schulweisheit sich träumen lässt.“ +Der Assessor war sehr zugeknöpft über diese +Dinge. Er war eben ein Eingeweihter. Den Doctor +schnitt er: „Ein gefährlicher Charakter! Ich würde +mich nicht wundern, den Burschen eines Tages +auf den Barrikaden zu sehen.“ Auch der Fürst +war ihm unsympathisch: „Er ist frivol, er schadet.“ +Der Assessor war für’s Correcte, sein Vater war +erst geadelt worden; da ist es der sicherste und +geradeste Weg. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Doctor beobachtete seinen Patron und den +Fremden. Er sah das breite Faungrinsen des +Alten. Er kannte diese kühle Manier, mit der +er die teuflischsten Dinge sagte, dies freche +Augurenzwinkern des Eingeweihten, das dem +Andern gleichsam die Replik über dem Kopf wegnahm: +Wir Beide wollen uns doch nichts vormachen. +Du denkst darin ebenso wie ich. Die +Andern sind Dummköpfe. – Er hielt sich noch +ganz gerade, zu gerade. Der weisse Schnurrbart +stand steif aufgewichst. Die Backen waren roth +<span class="tei tei-pb" id="page116">[pg 116]</span><a name="Pgp116" id="Pgp116" class="tei tei-anchor"></a>geschminkt, die Augen glänzten, um die Brauen +sorgfältig geschwärzt. Auf der schwarzseidigen +Frackfläche bildete der grosse Stern mit dem +Ordensband einen markanten Fleck. Seine Hand +trug kostbare Ringe. Er war stolz auf diese +lange, magre, aristokratische Hand, gebrauchte sie, +um seine Bartspitzen zu liebkosen. Es war eine +Lieblingsredensart von ihm: „Profile giebt’s wohl +noch allenfalls, aber Hände! Hände! – Wir sind +Alle Ouvriers geworden.“ Tadellos zog sich die +Scheitelspur. Er war der König des Kreises; er +dominirte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Anton Rothe allein und sein vertrauter Kammerdiener +wussten, was das Alles kostete, dies Gerüst, +das noch immer zusammenhielt, zu neuen +Blendungen, neuen Ausschweifungen. Er und nur +er kannte die erstaunliche Lebens- und Genusskraft +des Skeletts, die standhielt, in einer kalten +Douche sich neu schmiedete, wenn er selbst, der +Junge, erschöpft war, rasend, zum Selbstmord +angeekelt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er dachte an eine junge Dame. Sie war arm +gewesen und stolz. Ein herrliches Weib! Mit +solcher geht man in unbebaute Colonien und hat +Kinder und stirbt vor dem Feind für seinen Herd. +<span class="tei tei-pb" id="page117">[pg 117]</span><a name="Pgp117" id="Pgp117" class="tei tei-anchor"></a>Er hatte für ihn geboten auf sie. Der Kampf reizte +ihn. Er bot höher und höher. Weil sie arm war +und Hungers starb, hatte sie angenommen. Nur +darum. Er wusste es. – Sie sagte nur ein Wort: +Schurke! Er hatte gelächelt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Warum fiel ihm das jetzt ein? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Hass kam über ihn, ein glühender, fressender +Mörderhass gegen dies miserable Kunststück +der Hypercivilisation, diesen Fetzen von Haut und +ausgedörrten Knochen, den er schütteln konnte, +der ihn hielt wie eine Viper unter seinem kalten, +grausamen Willen, seine Intelligenz zerbrach wie +morschen Baumbast unter der polirten Stahlschneide +seiner frechen Philosophie der Verneinung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Plötzlich sah er den Alten blass werden. Seine +Farbe wechselte sich in Leichenfarbe. Er war ein +grinsender Todtenschädel. Unter dem weissen, gestärkten +Vorhemd schien die Brust einzuschrumpfen. +Es war hohl dahinter. Er lehnte sich gegen die +Portiere. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Anton Rothe war im Nu an seiner Seite. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist nichts. Eine kleine Uebelkeit. Der +verdammte Büchsenhummer ...“ Er war wieder +ganz höflicher Weltmann, als die Gräfin, nun auch +besorgt, herbeieilte. Gleichzeitig wurden die Klänge +<span class="tei tei-pb" id="page118">[pg 118]</span><a name="Pgp118" id="Pgp118" class="tei tei-anchor"></a>der Polonaise laut, die den Ball eröffnen sollte: +„Wir werden noch manche Polonaise zusammen +führen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kalte Schweiss stand auf seiner Stirn. Er +zitterte, lächelte mit bläulichen, lallenden Lippen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Anton Rothe hob ihn wie ein Kind in den +Wagen. Er selbst sprang auf den Bock. Niemand +achtete auf den Andern in einem allgemeinen Hin- und +Hergelaufe, während drinnen zur Tanzmusik +die geschmückten Paare sich ordneten. Es wetterleuchtete. +Lichter leckten auf in bläulichen, breiten +Zungen, duckten sich wieder, huschten auf einer +andern Seite spielerisch entlang. – Sie fuhren die +schwarzen Trakehner, das berühmteste Viergespann +der Gegend, auf das königliche und kaiserliche +Marställe fabelhafte Summen geboten hatten. Der +Fürst liebte sein Leben, aber er hielt auf Rasse. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Gräfin stand am Schlage mit ihrem <a name="corr118" id="corr118" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Gattenadjutanten</span>. +Der Greis, jetzt wohl eingehüllt in +seine Zobelpelze, bückte sich noch hinaus: „O +nichts, nichts, schöne Frau – meine kluge Freundin. +Der Fremde – der Fremde ... Cocasse! Ein +sonderbarer Kunde, Ihr Fremder ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Anton Rothe hob die Peitsche und zog die +Pferde an. Sie waren unruhig und warfen die +<span class="tei tei-pb" id="page119">[pg 119]</span><a name="Pgp119" id="Pgp119" class="tei tei-anchor"></a>Köpfe, als ob sie das Gewitter röchen. Es lag +Phosphorgeschmack in der Luft. Man öffnete das +grosse Hofthor. Einen Moment stand der ganze +Horizont in Flammen, ehe es sich wieder hinter +ihnen schloss. Sie waren ganz schwarz wie auf +Feuer gezeichnet, eine schwarze Kutsche mit +schwarzen Pferden und einem kohlschwarzen Kutscher +auf dem Bock. ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wusste, er fuhr einen Sterbenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde war verschwunden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe +stand das kleine Mädchen. Sie mochte nicht tanzen. +Sie weinte. Sie fühlte sich sehr traurig. ... +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page120">[pg 120]</span><a name="Pgp120" id="Pgp120" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc13" id="toc13"></a><a name="pdf14" id="pdf14"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das siebente Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann +den Sterbenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab einen kürzeren Weg über die Berge +durch eine seichte Furth im Flusse. Schmuggler +benutzten ihn für lichtscheuen Handel. Man vermied +ihn am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war +Wahnsinn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Gewitter näherte sich. Es war ein Sausen +in der Luft, das die Bäume zur Erde bog. Kiefern +und magere Birken, die an den Abhängen wuchsen +im beständigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind +fing sich in den gewundenen Schluchten der Thäler. +Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener +Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysteriösen +Anziehungskraft aufgetrieben, begann zu +brüllen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen +<span class="tei tei-pb" id="page121">[pg 121]</span><a name="Pgp121" id="Pgp121" class="tei tei-anchor"></a>Kruppen, die zu den Steinen hinüberleckten. Bewegungslos, +weiss lagen noch die schimmernden +Ränder. Runde Backen von Kieseln gleissten. +Aber die Schilfe rauschten und raunten. Während +von weiter, über dem Gebirge unheilschwangere +Laute eines brauenden, überkochenden Hexenkessels +kamen, jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der +peitschenden Bewegung der Bäume eine fratzenhafte +Mischung von Licht und Schatten verursachten. +Alles in Galoppade, die Kutsche einhüllend, +die wie ein Gespann der Hölle dahinsauste. +Inwendig den Sterbenden. Ueber den +Hälsen der Pferde, halb hängend in der Luft, den +Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine +knatterten, Funken aufsprühten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, +senkrecht, elegant, halb spielerisch, ein +Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. +Die Pferde bäumten sich. Er riss sie zurück. Sie +rasten vorwärts wie der Teufel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Drinnen hörte er den Sterbenden röcheln. Er +schrie. Er flehte. Das Gehör des Fahrenden, unnatürlich +angespannt, vernahm jeden Laut. Er +fühlte die schweissfeuchten, huschenden Finger, die +sich anklammern wollten, das Fenster +niederzu<span class="tei tei-pb" id="page122">[pg 122]</span><a name="Pgp122" id="Pgp122" class="tei tei-anchor"></a>lassen versuchten. Der hülflose Körper verweigerte +die Anstrengung. – „Hülfe! Hülfe!“ keuchte der +drinnen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er lachte laut auf. Er klopfte mit dem Peitschenstock +an das Fenster und schrie: „Hoho!“ Er sah +den drinnen sich verzerren in Todesangst, die +künstlichen Zähne heruntergefallen, die Augen vorgequollen, +in weissgrünem Schweiss. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er jauchzte wilder. Der Ton brachte die Pferde +ausser sich. Sie flogen vor ihm her wie Raben +im Dampf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es fiel ihm ein, wie er ein Hirtenjunge gewesen +war, den Berg hinuntersprang, mit dem +schäumenden Sturzbach um die Wette. Manchmal +kamen Steine. Der Bach sprang klaftertief mit +sprühendem Gischt, der Junge sprang noch über +Bach und Stein hinweg. Seine nackten Sohlen +tanzten in dem grünen, eiskalten Wasser, das +nach ihm aufleckte, nach den weissen, zappelnden +Füssen. Er wusste, dass sie Feinde waren, er +und der Bach. Trotzdem konnte er ihn nicht kriegen; +trotzdem liebte er ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er liebte den Bergwind, der die Bäume zerbrach, +um seine Schutzhütte tobte, diesen grossen +Ton der Wuth, der Unterwelt, Gewaltigerer gegen +<span class="tei tei-pb" id="page123">[pg 123]</span><a name="Pgp123" id="Pgp123" class="tei tei-anchor"></a>die dumme Ordnung, die banale Heiterkeit der +Sonne. Von sehr hoch sah er winzige abgetheilte +Felder. Häuser wie Schneckenhäuser angeklebt, +ängstlich. Sie hatten Mühlräder eingesetzt, um das +Wasser zu nützen und bepackte Postwagen keuchten +schwerfällig die Strassen hinauf. Manchmal kamen +Städter mit dünnen Beinen, wischten sich den +Schweiss ab und lächelten höflich. Er stand vor +ihnen wie ein kleiner Wildling. Er verachtete sie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie er sie verachtete! Sie vermeinten, dass +der Berggeist sie foppte, wenn er schallend hinter +ihnen her lachte, weil sie sich verliefen und ängstlich +suchten. Hässliche alte Weiber traten ihnen +entgegen aus Versenkungen, die sie nie gesehen +hatten, murmelten ihnen Verwünschungen nach, +die sie nicht verstanden, für Segenswünsche hielten +als Entgelt ihrer blanken Nickelstücke. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ab und zu stürzte auch mal Einer wirklich +ab, mit der Brille, dem Photographierkasten. Das +war dann ein grosses Unglück. Herren vom Gericht +kamen, Leidtragende, wichtig thuend. Sie +trugen gar nicht wirklich Leid. Sie freuten sich +heimlich. Er gönnte es ihnen. Was kamen sie +herauf mit ihren dünnen Beinen, ihren Glatzen und +Gläsern, ihrem Geld. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page124">[pg 124]</span><a name="Pgp124" id="Pgp124" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Freilich ihr Geld! Er wusste bald, was es werth +war, dass er ein Lump war mit seinen Fäusten, +seinem prachtvollen Krauskopf und weissen starken +Zähnen, wenn er es nicht hatte. Dafür gab man +ihm Hutfedern, blanke Stiefel, die gleissten in der +Sonne. Sonst musste er hungern. Anton Rothe +wollte Geld. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der Schule verschlang er seine Bücher. Er +zeigte einen Heisshunger nach Wissen, der die +Lehrer erstaunte, unbedeutende eingesumpfte Dorfmenschen, +die sie waren. Das peinigte ihn. Er +brachte seine Nächte zu, schwierige Aufgaben sich +auszudenken und zu lösen, mehr zu erfahren, +mehr – mehr! Mit einer wahren Wuth riss er +jetzt an den Thoren der Erkenntniss, der vorher +in scheue Wildheit sich eingeschlossen hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er hatte Glück. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Patron des Gutes nahm sich seiner an, +ein wohlthätiger und gelehrter Mann, sehr reich. +Er liess ihn studiren. Vielleicht wollte er sich +einen brauchbaren Präceptor seiner Söhne erziehen. +Es ist immer angenehm, einen Clienten +zu haben, Wohlthun ist ein Vergnügen für +reiche Leute. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Freude an seiner Wohlthat war kurz. Der +<span class="tei tei-pb" id="page125">[pg 125]</span><a name="Pgp125" id="Pgp125" class="tei tei-anchor"></a>Junge entlief zwischen die rotheste Rotte. Er hielt +zündende Reden, schrieb Zeitungsartikel, die die +Presse in Bewegung setzten. Er wurde selbst +Arbeiter. Seine Fäuste zwangen das Eisen wie +sein Geist den Stoff – ein interessanter junger +Mann, dem man eine Zukunft prophezeite! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er verliebte sich. Irgend eine gleichgültige, +hellblonde Tochter seines Patrons. Sie liess ihn +lächelnd sich glühend erklären und heirathete kaltblütig +und vernünftig ihren Dragonerlieutenant. – +Nun fing er an wie ein grosser Herr zu leben, +machte wahnsinnige Schulden. Alles musste ihm +den einen Zweck, Geld zu machen, dienen, seine +Feder, seine Talente, skrupelloseste Börsenmachinationen. +Summen glitten zwischen seinen Fingern. +Auf Reisen im Orient machte er die Bekanntschaft +des Prinzen. Seitdem waren die Beiden unzertrennliche +Begleiter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Bergabwärts raste das Gespann. Er hatte die +Peitsche fortgeworfen, die Zügel losgelassen. Er +kutschirte mit gekreuzten Armen wie im Circus. +Er hätte wie eine Katze den Pferden auf den +Rücken springen mögen, mit seinem Athem an +ihren Ohren, wie Cowboys, Uncultivirte reiten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Hinter ihm zerbrach splitternd das Fensterglas: +<span class="tei tei-pb" id="page126">[pg 126]</span><a name="Pgp126" id="Pgp126" class="tei tei-anchor"></a>„Hülfe! Hülfe!“ klang es gellend, kreischend, nicht +mehr menschlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er schlug ein teuflisches Gelächter auf. Sie +rasten weiter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie Rabenfittiche sausten die Rappen durch +die Luft. Die Luft litt unter dem Ansturm und +pfiff schmerzhaft. In Peitschenhieben traf sie die +Flanken der Wüthenden. Ihre Nüstern schnoben +Feuer. Von ihren Hufen sprühte der Stein in +knisternden Funken. Das Heulen der Winde +wurde grässlicher. Sie fingen sich, drehten sich, +verschlangen einander in kreisenden Strudeln. +Regenhuschen stoben auf. Irgendwo musste es +schon giessen in Strömen. Es schlug prasselnd +gegen das Fenster. Die krampfende Hand im +Rahmen verschwand. – Dadrinnen war die Sündfluth. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Irgend etwas war zerbrochen. Ein Hinterrad. +Die Pferde rasten weiter mit dem geschleiften +Kasten, der knackte in allen seinen Fugen, aufsprang, +fiel, kratzte, quietschte, mit dem dumpfen +Geräusch von Schlittenkufen auf dem Trocknen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dadrinne war ein Skelett, ein nicht mehr +menschliches Ding, getödtet von Furcht, und doch +lebend, das agonisirte. Es dachte an diese +schreck<span class="tei tei-pb" id="page127">[pg 127]</span><a name="Pgp127" id="Pgp127" class="tei tei-anchor"></a>liche Angst und Hülflosigkeit, dass er ihn hielt in +seiner starken Hand, stark wie die Lawine! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Vor ihnen knatterte der Fluss. Der Regen +prasselte. Er schlug hernieder wie in Ruthenbündeln. +Haarscharf wendend, zeigten sich im +Blitzlicht zerrissne Sprünge, schweflig gähnend, +dass die Pferde zur Seite schnellten, grausend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur +Hölle!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit +blutenden Flanken, schaumbedeckt, keuchten wie +apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der gefallne +Engel, lenkte sie selbst im höhnenden Rausch +seiner Kraft und seines Stolzes. Es war unmöglich, +dass sie so ankamen, der Wagen musste +sich überschlagen, zerschellen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten +den Boden, dass die Geleise rauchten, die Räder +sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen +losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit +feuchten Haaren, Rübezahl der Berggeist mit dem +Barte, das ganze Heer der Wilden, Eingebannten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, +Gesindel!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Drinnen war es still. Er hörte nichts mehr. +<span class="tei tei-pb" id="page128">[pg 128]</span><a name="Pgp128" id="Pgp128" class="tei tei-anchor"></a>Der Wagen schlug auf wie ein klappender Kasten, +nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unförmiges, +das die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach +dem man sich nicht umsah, immer zwischen ihren +Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und nun, ganz deutlich, vernahm man die +Stimme des Flusses, zwischen allen diesen Bächen, +Wässern, die neben ihnen gossen, vom Walde +und Wolkenbruch angeschwollen. Er röhrte wie +ein Hirsch in Wollust. Er war allmächtig. Bäume, +mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten +sich blitzgeschwind. Die Steine seiner Tiefe kollerten +polternd übereinander. „Ihr denkt, ich drehe +Euch Eure Mühlen, schaffe Euer Licht, trage Eure +Brücken – Euer Diener, Euer gehorsamer! Euer +Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse Euch!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fühlte sich stolz, alle Demüthigung dieser +vielen Jahre fortgeschwemmt, zerbrochen der Zaum, +den er im Munde getragen. Bücken, heucheln und +lügen! – Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. +Er war stark. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, +über ihm und in ihm, Satan mit prachtvollem +Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. +Nichts! Nichts gegen ihn! +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page129">[pg 129]</span><a name="Pgp129" id="Pgp129" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme +fuchtelnd in der Luft, Laute südlicher, infernalischer +Idiome, die den Blutdurst rufen, Tänzer zu +den tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und +die Frauen willenlos machen unter dem Gluthhauch +der Brunst. Alles das hatte er gesehen +und genossen im delirirenden Suchen nach Genuss, +unter der platzenden Sonne des Mittags. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem +sich die Hunde abwenden mit Grauen, sein leeres +Hirn zerschellt an den Steinwänden. Nichts drin, +das Grinsen selbst des Todtenschädels zerstört im +grösseren Grausen, dieser zersplitterten Knochen, +zerschundnen Häute unter dem Orden, dem Frack. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Geht! Geht, meine Engel! Fliegt, meine +Feuerrosse! Springt an, meine Wildlinge!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Senkrecht weiter ging es in toller Flucht. Ein +Rudel Wild hatte sich da zusammengedrängt im +Hohlweg, Schutz suchend in scheuem Schrecken. +Mitten unter sie sprangen die tollgewordenen +Rappen. Ein Gekreisch der Stummen, die nie +sprechen, fuhr auf, Blutgeruch, warme Spritzer ... +Die Klage erstarb im Tannenwald. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und jetzt setzte der Donner ein. Ein Trommelrollen +wie von tausend Tambouren. Der Wirbel +<span class="tei tei-pb" id="page130">[pg 130]</span><a name="Pgp130" id="Pgp130" class="tei tei-anchor"></a>ging über den ganzen Himmel hin, zornig und +rufend ... und verhallte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war jetzt ganz frei. Er führte die wilden +Rosse seines Lebenswagens gegen den Abgrund. +Eine jauchzende Kraft kam über ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir können nicht leben wie wir wollen. +Aber wir können sterben und den Tod verachten, +denn wir wissen, dass er kein Tod ist. Nur ein +leeres Schreckgespenst, ein lächerlicher Schwindel +gar nicht existirender Gewalten. Taschenspielerkunststück +Derer, die sich schwach fühlen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Donner, ein zweites Mal, gab Antwort, +ein Tiger mit ungeheurem hängenden Bauch, der +über weite Flächen springt; im Sprunge brüllt +er ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... „Der Schwarze Bock in Purpurfinsterniss +erscheint“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Höllengeschichten fielen ihm ein. In Pariser +Schlammpfühlen, affreuse Weiber, schwarze +Messen, wo man mit dem Blut der Wollust die +Todten beschwor, Hüftenverrenkungen in Bauchtänzen +geschlechtsloser Vorstadtbajaderen, Augen, +die über der Verwesung schwammen wie fischige +Perlen in perlmutternem Glanze.... Diese ganze +Civilisation, impotent und pervers, in den letzten +<span class="tei tei-pb" id="page131">[pg 131]</span><a name="Pgp131" id="Pgp131" class="tei tei-anchor"></a>Zügen röchelnd, mit Haschisch und Qualen sich +aufpeitschend zu neuen Sensationen, ein zweites, +neues, junges, greisenhaft altes Rom, wo die +Messalinen ordinaire Cocotten sind, die Neros +und Heliogabals, Boulevardbummler, verwöhnte +Muttersöhnchen, Sprösslinge jüdischer Banquiers +und christlicher Prostituirter. Wie gemein! Wie +gemein! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Gelächter schüttelte ihn wie im Krampf. +Der Hut war ihm vom Kopf geschlagen. Er riss +sich den Rock auf. Er drängte sich nackt, hoch, +dem Tod und dem Nachtwind entgegen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Schrei gellte auf von irgendwo. Vielleicht +ein Wandrer? Der Chausseewärter? Die wilde +Jagd stob vorüber. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fühlte die feuchten wehenden Haare der +Hexen hinter sich, ein lascives Gelächter nackter +Trollen und Faune. Sie ritten mit entsetzlichen, +unbeschreibbaren Gesten. Die Jungen waren hübsch +mit traurigen Augen. Die Aeltern waren noch +schrecklicher, schwarz, Aeser geworden in der +lebendigen Verwesung ihres Lasters. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wusste nicht mehr, was er hinter sich herzog. +Einen Cadaver. Ein Aas in Fetzen. Einen +Lumpen ... +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page132">[pg 132]</span><a name="Pgp132" id="Pgp132" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hörte nur noch das Brüllen des Wassers, +fühlte die Feuchtigkeit. Steine rollten mit ihm +bergab. Sie hüpften, kugelten, kollerten, surrten. +Hohhi hoh! Er hetzte die Rappen zum Todessprung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Plötzlich standen sie kerzengerade. Der ganze +Himmel flammte im Feuer. Er schien zusammenzukrachen +von allen Seiten, zu bersten, zu +schüttern, zu schwingen ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie ein eiserner Vorhang, ganz von Eisen, +schwarz, und schwer vom Gewicht aller Himmelsgewölbe +klappte der Donnerschlag. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann nichts mehr. Dunkelheit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine Hand hielt seine Hand gefasst. Er versuchte +die andre gegen seine Stirn zu führen. Sie +war warm vom Blut. „Wohin führst Du mich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wohin Du nicht gewollt hast – <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Paulus</span></span>!“ +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page133">[pg 133]</span><a name="Pgp133" id="Pgp133" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc15" id="toc15"></a><a name="pdf16" id="pdf16"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das achte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent war doch in einer gewissen +Erregung. Der „geniale“ Streich der Gräfin +hatte ihn etwas verletzt, trotzdem sie es seitdem +wieder gut zu machen versuchte, die Frau Superintendentin +in ihrem eignen Wagen mitnahm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man sprach viel von dem Fremden. Die Baronin +hatte überall von dem Odschein erzählt. +Man brachte das Neuaufblühen des Socialismus +mit ihm in Verbindung. Zeitungen, die der Kirche +übelwollten, erzählten kleine Anekdoten. Ein +wissenschaftlicher Aufsatz behandelte die Frage +ganz ernsthaft, er war von einem modernen +Schriftsteller verfasst, der sich bis dahin hauptsächlich +mit Ehebruchsdramen und Erotik beschäftigt +hatte, nun alles Heil im Mysticismus sah. Unter +den schönen Seelen der Stadt bestand eine +ge<span class="tei tei-pb" id="page134">[pg 134]</span><a name="Pgp134" id="Pgp134" class="tei tei-anchor"></a>wisse Erregung. Ein junger Hülfsprediger wurde +sehr populär. „Er ist so tief,“ sagten diese Damen. +Unglücklicher Weise bildeten diese Damen eine +Macht. Es wurmte den alten Herrn, dass sie ihn +für „nüchtern und protestantisch“ hielten. Niemand +sieht seine Kirche gern leer. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte natürlich zunächst an eine Denunciation +nach oben gedacht, das war wohl seine +Pflicht eigentlich. Aber ein zweischneidiges Mittel. +Man konnte finden, dass er eine Schwindelaffaire +zu sehr aufbauschte. Andrerseits hielt man es +wohl gar für Eifersucht, die Pfaffen kriegten es +mit der Angst. Ein jovialer Reitergeneral, Durchlaucht, +hatte ihn schon gefragt: „Was würden Sie +jetzt mit dem neuen Christus machen? Da können +Sie einpacken, Pasterchen!“ Er durfte sich solche +Jovialitäten erlauben. Dafür wurde der Superintendent +immer eingeladen. Er war Burgpfaffe +bei den Herren Offizieren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann die katholische Concurrenz – die rührte +sich nicht. Man wusste ja, da war Alles Mysterium. +Es gab geheime Winke von oben. Vielleicht +war ihnen die Geschichte nicht unangenehm. +Sie hatten ja zum Schluss immer den Vortheil, +weil sie abwarten und schweigen durften. Schweigen +<span class="tei tei-pb" id="page135">[pg 135]</span><a name="Pgp135" id="Pgp135" class="tei tei-anchor"></a>und abwarten dürfen war eine grosse Sache. Das +ist der Vortheil der alten historischen Gewalten; +man, als Parvenü, musste auf dem Posten sein, +Schritt halten, die Vereinigung mit der Wissenschaft +nicht fallen lassen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Wissenschaft hatte dem geistlichen Herrn +schon manche schwere Stunde bereitet. Es war +eine Universität in der Stadt, dadurch beständige +Kabbeleien. Die Herren passten Einem auf die +Finger. Von Hölle und persönlichem Teufel durfte +man schon gar nicht reden; obgleich diese Dinge +für die Plebs noch immer zogen. Dann waren +die schönen Seelen, die Einen nüchtern fanden, +zur Weihnachts- und Ostermesse in den Dom liefen +oder mit mystisch angehauchten Hülfsgeistlichen +Conventikel abhielten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent war ein geplagter Mann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Uebrigens grollte die Superintendentin. Sie +fand, dass er als <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Mann</span></span> dem Unfug mit einem +Schlag ein Ende machen musste. Die Superintendentin +appellirte oft an den Mann. Sie selbst war +ein Charakter. Dann hatte man die Sanitätsräthin +über sie placirt; so gut wie die Sanitätsräthin +war sie allemal. Der Sanitätsrath war ein Cyniker. +Das Interessanteste an Tolstoi wäre seine Diät, +<span class="tei tei-pb" id="page136">[pg 136]</span><a name="Pgp136" id="Pgp136" class="tei tei-anchor"></a>sagte er. Er erlaubte sich dann sogar Anspielungen +auf die gar nicht Tolstoi’sche Diät in der Superintendentur. +– Man hatte etwas auszustehen als +Mann Gottes in diesem ungläubigen Jahrhundert. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und oft dachte der Superintendent mit Seufzen +an die Zeiten, als noch ein kirchlicher Fingerzeig +genügt hatte, um Unbefugte auf den Scheiterhaufen +zu schicken, Calvin über dem fröhlichen Genf seine +Ruthe schwang. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der saubereingebundne Band seiner Predigten +1897–1900 tröstete ihn dann. Ein Geschenk der +Frau Superintendentin. Sie hatte sie selbst nachgeschrieben. +– So hatte doch auch der Fortschritt, +selbst die Buchdruckerkunst, diese Teufelserfindung, +sein Gutes. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent hatte den Fremden zu einer +Besprechung zu sich eingeladen. Die Einladung +war in ganz höflichen Worten erfolgt. Erstens, +die christliche Milde auch gegen den irrenden +Bruder, dann existirte ja auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, +die vorfordern konnte, nicht mehr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er erklärte sich die Sache so: Ein ungebildeter +Mann, ein Handwerker – der Superintendent +betonte das „ungebildet“ –, von Mysticismus, +sitzender Lebensweise angekränkelt, hatte sich in +<span class="tei tei-pb" id="page137">[pg 137]</span><a name="Pgp137" id="Pgp137" class="tei tei-anchor"></a>diese Dinge vertieft. Voraussichtlich würde er ihm +lange confuse Reden halten, von einer Mission, +Erscheinungen. Man kannte das, und seine +Wirkung auf das ungebildete Volk. Gerade weil +ihnen das Alltägliche nicht gut genug war, sie +das Ruhige und Vernünftige nicht thun wollten, +liefen sie nach dem Wunderbaren. Der Hirte kannte +seine Heerde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man würde mit diesem Manne vernünftig +sprechen, seine Absurditäten nachweisen, selbst +wenn man ihn nicht überzeugte. Heilsarmee, +tausendjährige Reichsgeschichten waren ja Mode +jetzt. Dieser Hang hatte ihm schon viel Sorge +gemacht. Er witterte die alte Hure von Rom, das +babylonische Weib, das von Neuem seine Netze +auswarf. Und man musste so vorsichtig sein wegen +der Behörden, durfte das Unkraut nicht ausjäten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent hatte sich zu dieser Besprechung +noch einen Confrater eingeladen, der +Consistorialrath war, Professor an der theologischen +Fakultät, Kirchenhistoriker. Man war so zu +Zweien, stärkte sich vorher weidlich an gutem +Tabak und bessrem Wein und konnte die möglichen +Ergebnisse gleich erörtern, während die +Frau Superintendentin mit der Consistorialräthin +<span class="tei tei-pb" id="page138">[pg 138]</span><a name="Pgp138" id="Pgp138" class="tei tei-anchor"></a>Kaffee trank. Dabei hatte man dann auch allerlei +interessante Fälle und Ketzereien zu erörtern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent war dafür, den Fremden +nicht gleich vor den Kopf zu stossen, ihn im +Gegentheil leutselig, als gewissermaassen zum Fach +gehörig, zu behandeln. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist ja auch möglich, dass ein Laie durch +Nachdenken, besondre Gnade, ungewöhnliche Einsicht +in göttliche Dinge erlangt und Beherzigenswerthes +von sich giebt. Der Fall wäre denkbar. +Ich kannte einen Schuster, der über die Gnadenwege +und Melchisedek, den König von Salem, +stritt wie der gewiegteste Theologe.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Confrater schüttelte lächelnd den Kopf: +„Wir haben das Beispiel der Wiedertäufer, der +Methodisten in England. Die theologisch geschulte +Intelligenz fehlt, das Reguläre, Feste, darum +Lebensfähige.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber es waren doch in den Irrthümern dieser +Leute – allerdings gleich Körnern in der Spreu +verborgen – auch einige unbestreitbare evangelische +Wahrheiten enthalten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist eine gefährliche Ansicht. Jesuitisch – +so gewissermaassen: der Zweck heiligt das Mittel, +lieber Bruder.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page139">[pg 139]</span><a name="Pgp139" id="Pgp139" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser Herr war bekannt dafür, dass er die +feinste Nase in Deutschland hatte, um die Jesuiten +zu riechen. Das war sein rother Lappen, auf den +er überall losging, ihn überall herausfand, wie +der Spürhund die Fährte. „Hat uns nicht Martinus +von dem Aberglauben befreit? Und sagt +nicht der Herr selbst: Ihr, die Ihr Zeichen und +Wunder sehen wollt ...“ Der Confrater hob +warnend den Finger. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdrücklich +die Möglichkeit solcher zu. Nicht nur im übertragenen, +sondern auch im wörtlichsten Sinn.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, +Freund, Vermessenheit! Es ist die grosse +Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft +mit der Religion zu vereinigen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht +wissen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Da haben wir uns dann wohl in Demuth +mit der beschränkten Einsicht hienieden zu genügen. +Das ist eine gefährliche Bahn, lieber Bruder. +Eine Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er +in der Lauheit uns legt, dem vollständigen, rationalistischen +Ablehnen des Wunderbaren und Unfasslichen. +‚Wir sehen jetzt durch einen Spiegel +<span class="tei tei-pb" id="page140">[pg 140]</span><a name="Pgp140" id="Pgp140" class="tei tei-anchor"></a>in einem dunklen Wort. Dann aber von Angesicht +zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise. +Dann aber werde ich erkennen, gleich wie +ich erkannt bin.‘“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Hier meldete das Dienstmädchen, dass ein +fremder Mann in der guten Stube wartete. Sie +war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm +wirklich die gute Stube gebührte und wartete auf +Bescheid. – Man hörte eine Thür sich öffnen und +vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo +die Frau Superintendentin mit ihrer Freundin sass. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent empfing den Gast dem +Programm gemäss mit demonstrativer Herzlichkeit. +„Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein +Lieber! Ich habe Sie hergebeten mit diesem meinem +sehr geschätzten und verehrten Collegen, um mich +mit Ihnen über Ihre religiösen Ansichten zu unterhalten. +Das ist immer lehrreich für einen Diener +am Wort, gewissermaassen ja auch meine geistliche +Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier +sind, mein Gast und in aller Güte. – Ich vermuthe, +Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht +aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr +in der Form des täglichen Brotes gleichsam, nicht +nur an Sonntagen in der Kirche, näher gebracht +<span class="tei tei-pb" id="page141">[pg 141]</span><a name="Pgp141" id="Pgp141" class="tei tei-anchor"></a>werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil +des täglichen Lebens werden, und Sie denken, +dass dazu Predigt und persönliche Ansprache, +selbst Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste +ist. Es wären dies wohl gleichsam die Principien, +auf die sich die mir sehr interessante moderne +Agitation der Heilsarmee stützt. Ich möchte, dass +Sie mir nun in kurzen Worten das Dogmatische +Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, +auf die Sie persönlich den Hauptnachdruck legen, +entwickelten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe keine.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehören +Sie doch irgend einem Bekenntniss an, oder haben +sich in Ihrem Innern für ein solches entschieden? +Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die +Augsburger Confession? Folgen Sie eher Luther? +Jedenfalls doch – und das ist wohl kaum eine +Frage – stehen Sie mit uns auf dem Boden des +apostolischen Glaubensbekenntnisses?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent sah ihn streng an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Confrater nahm eine Prise. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich kenne es nicht,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent war roth geworden wie +ein Mohnkopf. „Aber – aber – das ist die +<span class="tei tei-pb" id="page142">[pg 142]</span><a name="Pgp142" id="Pgp142" class="tei tei-anchor"></a>Hauptsache. Das ist Christenthum, die geheiligte +Norm, für die unsre Väter, die erste Christenheit +gelitten und gestritten haben. Das Andre ist leere +Phantastik, giebt der weitesten Irrung Spielraum, +der Regellosigkeit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt das Leben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Welch’ ein Irrthum! Welch’ ein verhängnissvoller +und weittragender Irrthum!“ rief der Superintendent +warm. „Es wäre ja denkbar, dass ein +Mensch, der ganz ausserhalb der christlichen Heilssphäre +stände, den Namen Christi nie gehört hat, +auf rein deduktivem, moralphilosophischem Wege +zu einer der christlichen durchaus ähnlichen Ethik +gekommen wäre, wenn hier eben blos die Ethik +das Entscheidende wäre. Denken Sie, dass das +ganz denkbar sein könnte?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist denkbar,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Stoiker,“ nickte der Confrater. „Griechische +Philosophen der nachplatonischen Schule! Das sind +die Argumente, die schon die französische Revolution +gebrauchte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie würden doch nicht sagen, dass ein solcher +Mensch ein Christ wäre, mit uns Theil hätte an +der Erlösung durch den Leib des Herrn?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich würde es sagen.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page143">[pg 143]</span><a name="Pgp143" id="Pgp143" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und wie wird er dastehen im nächsten Leben, +wenn Christus die Seinen um sich versammelt, +die im Blut des Lammes Gewaschenen, auf seinen +Namen Getauften eingehen, und die Andern abgetheilt +werden zur Linken?“ Der Superintendent +wischte sich den Schweiss. Er schnappte nach Luft +wie ein Fisch auf dem Trocknen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich weiss es nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Eine Art Allheilslehre,“ beruhigte der Confrater. +Das Wortspiel zwischen „Leere“ und „Lehre“ +amüsirte ihn. „Socialistische Moral des Christenthums. +Das ist blos die Frucht. Der Glaube ist +das Erste.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich glaube, dass die That das Erste ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jetzt sah der Superintendent wieder Fahrwasser. +Er war ganz erfreut. „Das ist die Lehre von den +Werken, das Katholische, Papistische, wogegen +schon Lutherus sich auflehnte. Wir können aus +uns selbst nicht gerecht werden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir können wollen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und die Rückfälle? Das menschliche Gesetz +bestraft sie. Wie wird sie Gott nicht strafen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wie soll Gott sie strafen, wenn sie in sich +selbst ihre Strafe tragen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Fatalismus,“ notirte der Confrater. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page144">[pg 144]</span><a name="Pgp144" id="Pgp144" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Bösen! Die Bösen, Mann! Wie erklären +Sie die Bösen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist ihr Unglück.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dem Superintendenten wurde in der That die +Halsbinde zu eng: „Unglück? Und der, der kämpft, +das Gute will, Gutes thut? Sollen die Guten keinen +Vortheil vor den Schlechten haben?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind glücklich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Confrater mischte sich jetzt ein: „Sehr +interessant. In der That höchst interessant. Das +ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. +Wenn man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt +ist! Haben Sie irgend welche Verbindung mit +diesen Religionsgesellschaften gehabt? – Es +könnte doch sein in irgend einer corrupten Form“ +– (dies für den Collegen) –, „Bücher darüber +gelesen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sah den Confrater an. „Alles ist +Verbindung,“ sagte er. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Natürlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!“ +Der Professor rieb sich die Hände höchst befriedigt. +„Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben +sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie +ihn doch, ob er an die Seelenwanderung glaubt? +Gerade für die populäre, gewissermaassen kindliche +<span class="tei tei-pb" id="page145">[pg 145]</span><a name="Pgp145" id="Pgp145" class="tei tei-anchor"></a>Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. +Sie finden das im Volk in tausend +Märchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwölfen, +Schwanenjungfrauen, sprechenden Bäumen. Selbst +in dem indianischen Märchen des Hiawatha von +Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkörperung +des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, +... Es ist Alles dasselbe.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber das ist nicht das Schlimme, das ist +das Gefährliche nicht!“ platzte der Superintendent +los. „Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom +Nirwana, der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, +der stumpfsinnige Fatalismus des Orients +wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller +Cultur, allen Fortschritts, aller Humanität. Das ist +Heidenthum! Heidenthum! Das Christentum ist +Kampfesmuth, Streben, Krieg!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Auf den Krieg folgt der Friede.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen +Kämpfer sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Krieg in uns, Friede nach aussen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. +Unser Leben ist Ringen und Unruhe. Da oben +erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde lächelte. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page146">[pg 146]</span><a name="Pgp146" id="Pgp146" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Superintendent war auf einem Lieblingsthema. +„Der wahre Christ ist vor Allem ein +Streiter. Seine Feinde sind der Satan, die Sünde +in uns und ausser uns. Wir sind arme Sünder.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn wir siegen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Selbst wenn wir unser eignes Fleisch überwunden +haben. Die Sünde in der Welt bleibt. +Sie greift uns an. Wir haben uns zu wehren +gegen sie.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie existirt nicht gegen uns, wenn sie in uns +nicht ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Confrater nickte von Antwort zu Antwort +mehr befriedigt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir kommen jetzt auf das Fakirwesen, Hallucinationen +der Märtyrer.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie wollen das nicht sagen? Das ist Vermessenheit, +mein Lieber! Unser Fleisch bleibt der +Anfechtung unterworfen, so lange wir im Fleisch +wandeln. Wer da meint, er stehe, der sehe wohl +zu, dass er nicht falle. Der Ehrgeiz – die böse +Lust – Reichthum. Selbst ich –“, hier fasste +der Superintendent den Fremden beinah am Rockknopf, +„– selbst ich, der ich ein Diener am +göttlichen Wort bin und alle seine Schlingen +kenne – ich habe meine Momente der Schwäche, +<span class="tei tei-pb" id="page147">[pg 147]</span><a name="Pgp147" id="Pgp147" class="tei tei-anchor"></a>der Anfechtung. Ich habe Versuchungen zu bestehen +... Das ist unchristlich, Mann! Stützen +Sie den Glauben! Sprechen Sie gegen die Gottlosigkeit! +Auf dem Lande. Unsre Bauern haben +dicke Nacken. Stolz und Habsucht sitzen da steif +drin. Gott sei Dank! sind sie noch gläubig. Die +Grundvesten unsres Glaubens sind unangetastet. +Die moderne Anarchie und Zweifelsucht ist da +noch nicht eingedrungen. Das geht immer Hand +in Hand. Das bedeutet die Emanzipation des +Fleisches. Wir würden uns wie Schweine im Koth +wälzen. Im Koth! Sehen Sie das alte Rom! +Babylon! Die antike Welt vor Christo.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie hat Christus hervorgebracht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Christus ist das ganz Vollkommene, Gute. +Das Fleisch ist das Böse. So kämpfen diese +beiden Gewalten. Bis das Gericht kommt, das +Gute siegreich bleibt im unschuldigen Blute des +Lammes, das Böse im Abgrund verschlossen wird +mit adamantnen Ketten. – Das ist der uralte +Kampf.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Demiurgos, Ahriman und Ormuzd,“ bestätigte +der Confrater. „Lehre von der primären +Theilung der Gewalten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Frau Superintendent hatte schon mehrmals +<span class="tei tei-pb" id="page148">[pg 148]</span><a name="Pgp148" id="Pgp148" class="tei tei-anchor"></a>merklich und merklicher an die Thür geklopft. +Jetzt steckte sie ihre Haube selbst durch den Spalt. +„Excellenz von Koschemann ist für den Bazar gekommen. +Wenn Du einen Augenblick Zeit hättest, +lieber Willibald ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Auch ich bin ein Soldat des Herrn. Sehen +wir zu, dass wir gut kämpfen. Und das Heil +finden, das es für uns nicht giebt, denn allein im +gesegneten Blut des Lammes dereinst, das unsre +Sünden abwäscht weiss wie Schnee.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde war entlassen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Confrater sah ganz klar. „Gnostiker, +die alte Geschichte. Das hat immer angefangen +mit der Antastung des Buchstabens. Der Buchstabe, +mein Freund! Das Wort sie sollen lassen +stahn! ... Und jetzt lass uns zu unsern liebenswürdigen +Damen gehen.“ +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page149">[pg 149]</span><a name="Pgp149" id="Pgp149" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc17" id="toc17"></a><a name="pdf18" id="pdf18"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das neunte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er ward im Geist entrückt in eine fremde +Stadt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Glocken läuteten. Eine ungeheure, unzählbare +Anzahl von Glocken. Es waren dumpfe, +grosse darunter, die mit der Stimme des Erzes +riefen, der Kanonen, furchtbarer Ereignisse, Krieg, +Pest und Feuersbrunst. So stark riefen sie, dass +Niemand ihren Klang in der Nähe aushalten konnte, +die Luft ihn lange behielt, ehe er verhallte. Sie +schwangen in furchtbaren Höhen und thronten +einsam in Kammern weit über den Köpfen der +Menschen. Die ihre Stricke bewegten, sassen sehr +niedrig auf schwebenden Balken und wurden beinah +gespalten von der Heftigkeit des Klanges. +Diese Glocken läutete man nur bei ganz grossen +Gelegenheiten. Wenn sie klangen, sahen die Leute +<span class="tei tei-pb" id="page150">[pg 150]</span><a name="Pgp150" id="Pgp150" class="tei tei-anchor"></a>auf und sagten: Es ist das oder das. Sie meinten +ein sehr hohes Fest, ein grosses Unglück oder eine +grosse Freude. Die ganze Stadt und das Land +ringsum kannte den Klang dieser Glocken. Man +war stolz darauf und fürchtete sie auch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Andre waren milder, mittlere. Die läutete +man alle Sonntage. Man hörte sie auch weit, +über ein ganzes Stadttheil oder eine Strasse. Ein +Klang von Silber war in ihrem Erz, der sprach +von Güte und Milde. Sie lockten, und schreckten +nicht, läuteten regelmäßig mit kräftigen, hallenden +Schlägen, wie die Stimme eines Predigers, die +klangvoll spricht in schönen, malenden Worten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und es waren ganz kleine, die einzeln riefen +wie einzelne, verlorene Stimmen. In mancher war +ein sehr helles, feines Klingeln oder zitterndes +Wimmern, die eilige Angst einer Agonie, oder +der sanfte Schmelz einer Frauenstimme, sehr weit +fortgetragen auf himmelansteigenden Trillern zu +reinen Aetherhöhen. Der pure Goldklang ganz +feiner Eliteseelen, die um den Thron Gottes lobpreisen, +und ein kleines, gleichgültiges, hastendes +Bimmeln, in dem Viele sich vereinten, wie das +der Pferdebahnwagen, dieser Schellenbeutel, die +herumgegeben werden in den Gemeinden zwischen +<span class="tei tei-pb" id="page151">[pg 151]</span><a name="Pgp151" id="Pgp151" class="tei tei-anchor"></a>den Pausen des Gottesdienstes – lästig fast, nur +die Ohren füllend, das zum Alltagslärm gehörte, +ihn irritirend machte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Glocken läuteten. Die grossen gaben den +Ton an. Die mittleren fielen ein wie ein gutgeschulter +Chor. Die ganz kleinen waren Geräusche, +oder Stimmen junger Kinder. Alle läuteten. +Die Luft war sehr voll und schwang von +ihrem Klange. Und die andern Stimmen des +Lebens schwiegen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In den Kirchen und Domen drängte sich die +Menge. Es war halbdunkel in diesen Hallen, +dass man die Einzelnen in den Tausenden nicht +erkennen konnte, Männer oder Frauen, reiche, +gutgekleidete Leute oder ganz Arme. Ihre Gesichter +bildeten blasse Flecken im Dämmer, wie +aufgewandte Kelche von Blumen, die ihr Athmen +wie ein Duft umwallte. Die übrige Schwere des +Körpers blieb unbestimmt, ertrunken in unruhigem +Schattenspiel der Vielen, dem lastenden, schweren +Dunkel dieser Steine, ungeheurer Steinmassen der +Gewölbe und Mauern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Säulen standen wie Baumstämme ohne Aeste +mit schweren Blättern und Steingewinden um ihre +Kronen, während feine, tiefe Rillen an ihnen +<span class="tei tei-pb" id="page152">[pg 152]</span><a name="Pgp152" id="Pgp152" class="tei tei-anchor"></a>hinabliefen, von Regentropfen gegraben oder ewig +fliessenden. Von stützenden, lastbaren Pfeilern +schwangen sich die Wölbungen auf, Bogen und +Brücken, gespreizte Fittiche des Adlers, kühn und +immer kühner bis zum schwindelnden Ansturm +der Kuppel, die den Stein zerbrach, die Schwere +des Materials aufhob im ungeheuren, athemlosen +Aufschwung der Seelen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Schritt klang hohl vom Echo der Millionen +Schritte, die da schliefen in tausendjährigen Steinquadern. +Von schlanken, weissen Kerzen stiegen +gelbe, zitternde Flammen, umgekehrte Herzen, +blauen Schein der Sehnsucht ausathmend. Ein +Duft von Weihrauch, Wachs und Thränen lag +schwer in Nebeln und wallenden Wogen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man sah Altäre sich golden recken, Gold vom +Fuss bis zur Spitze, in immer feineren Säulchen, +Treppen, Bögen, inkrustirt mit bunten Edelsteinen, +die Lichter gaben im Dunkeln wie Schlangenhäute, +Augen seltsamer Reptile und Käfer, Wunder von +goldnen und silbernen Spitzen, Rosen und Blumen, +eingefrorne Rhythmen, mystische Zeichen und Runen +aufsteigend wie Gedichte. Eine unverwelkliche +Pflanzung aus menschlichen Herzen, mirakulöse +Flora des Glaubens, hierher geflüchtet in eine +<span class="tei tei-pb" id="page153">[pg 153]</span><a name="Pgp153" id="Pgp153" class="tei tei-anchor"></a>heilige Grotte, unter dem Dämmerlicht der bunten +Gläser, gefärbt mit ihrem Blute: Roth, welches die +Liebe und der Tod ist, Blau des Glaubens, festruhendes +warmes Grün der Hoffnung und des +Lebens. Und Krämpfe, furchtbare Leiden, zerschnitten +den himmlischen Dreiklang: Gelb der +Pein und des Geizes, in den Gewändern der Aeltesten +und Schreiber; Violett der Eifersucht, das +zugleich die heilige Farbe der priesterlichen Macht +und der Ehrfurcht ist; ein helles, gefiltertes Rosa, +welches gemartertes Fleisch der Gequälten vorstellt +und auch die liebliche Unschuld des Kindes. Alle +spiegelnd, irrend, flehend um das klare Gold des +Triumphes, Farbe der Sonne, wo die Mutter thront +mit dem Kinde, die Heiligen knieen in seliger, +weltentrückter Anbetung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie ewige Pfeiler standen sie da, die Starken, +der Apostel heilige Zwölfzahl, wunderbar die +Reihe der Monde, des Sternkreises wiederholend, +Propheten, Sybillen – die wussten und aushielten. +Märtyrer öffneten blutrothe Wunden, +Laurentius auf dem flammenden Bett, Sebastian +mit durchbohrter Brust, Agnes, ganz nackt, nur +in den strahlenden Mantel ihrer Haare gehüllt, +unter den Augen der Wollust, – aufgerissne +<span class="tei tei-pb" id="page154">[pg 154]</span><a name="Pgp154" id="Pgp154" class="tei tei-anchor"></a>Seiten, furchtbare Verrenkungen der Gefolterten, +Striemen der Gegeisselten. Die Heiligenscheine +dominirten über verklärten Stirnen. Die weisse +Taube des Geistes schwingt sich glorreich auf über +Blut, Flammen und Qual. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie singen. Aus den Tiefen hebt es sich. Von +der geknickten, schwarzen, wimmelnden Masse +– De Profundis. Langgetragen, hohle Rufe wie +Appellrufe in der Noth, schneidender Wehschrei +der Gequälten, zitternd, sehr hoch schwebend, wie +ein Weib schreit in Kindesnöthen: Miserere – +Miserere ... Dumpfer Trommelschlag. Vokale +fast Alles, sonore, volltönige, die nicht fallen – +Ora pro nobis, aufsteigend zu männlichem Muth, +Schlachtgesang, bis zum jauchzenden, hellen Posaunenstoss +der Befreiten, gellend fast, schmetternd +in Siegeszuversicht: Tedeum laudamus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Stimmen schweigen. Das Wort allein +spricht. In marmornen Worten, Sätze, die feststehen +wie die Welt. Rollende Vokale, geheimnissvoll, +kräftig, wie die die schufen, – das grösste +Mysterium der Menschheit, Wein und Brot, uralte +Mysterien, heiligste Symbole des sacrosancten +Lebens. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ueber der Menge, die kniet, hungernd, brünstig, +<span class="tei tei-pb" id="page155">[pg 155]</span><a name="Pgp155" id="Pgp155" class="tei tei-anchor"></a>erhebt der Priester das Allerheiligste. Er selbst +ist weiss, ganz weiss. Er ist hundertjährig. – +Es giebt einen goldnen Schein wie die Sonne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In einem ungeheuren wehen Seufzer hebt sie +sich, es zu empfangen – das Opfer von Gott +angeboten. Blut und Fleisch, für das andre Opfer +des Fleisches und des Blutes, des Lebens, an das +grosse Leben, das prangend weggeht über den +Tod, Jammer und Kleinheit. +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Ein enger Holzpfad im Gebirge. Das +Gebirge liegt verschneit seit Wochen. Bis an die +Knie hoch steigt der Schnee. Die Tannenzweige +brechen unter seiner Last. Gleich Zuckerhüten +ragen die Baumwipfel aus der Weisse. Man +unterscheidet nur höhere und niedrigere Lagen, +Steine sind Schneekuppen. Gleichmässig ist er im +Grunde, hart, vereist, eingestampft. Aber die Oberschicht +ist federweich, eine Hand hoch, glitzernd, +feiner wie der Flaum auf Brüsten der Eidergänse, +mit Seidenreflexen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Unter dem Schnee begraben liegen Moos, +Gräser und Gesträuche. Er stäubt in Puder von +den überlasteten Zweigen. Kleine Aeste und Holzstückchen, +die sich ablösen, versinken lautlos. Die +<span class="tei tei-pb" id="page156">[pg 156]</span><a name="Pgp156" id="Pgp156" class="tei tei-anchor"></a>Lücke, die sie verursachen, schliesst sofort die +streichelnde Sammethand. Der ganze Wald leuchtet +weiss, blauweiss vom Schimmer des jungfräulichen +Schnees. Der Fuss versinkt in ihm wie in Daunenteppichen. +Ohne Kühle fast. Aber er hebt sich +schwer heraus. Das Leder des Stiefels wird hart +und spröde von der Feuchtigkeit, die nirgends das +Wasser zeigt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und immer fällt der Schnee. Man sieht keine +Spuren des Wildes. Es ist erfroren, festgefroren +wie stehende, steinerne Bildsäulen in Mauern von +schmeichelnden Krystallen oder es verkriecht sich +im inneren Tann, wo das Dach der Zweige es +schützt, karge Nahrung sich findet an Sprossen +und Rinde. Der Schnee füllt die Fahrgeleise des +Weges aus. Er steigt zu seinen Rändern und +vermischt sie. Wie Gespinnste in seinem Innern +ziehen sich dürre Bastadern der Farne und Heidelbeerbüsche. +– Die Stille ist sehr tief und der +Schnee fällt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch den tiefen Schnee sucht sich der kleine +Priester seinen Weg. Er trägt die letzte Tröstung +zu einem Sterbenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Tod ist rasch gekommen. Ein blutjunger +Bursch, der Spielmann Anderl. Heute hatte sein +<span class="tei tei-pb" id="page157">[pg 157]</span><a name="Pgp157" id="Pgp157" class="tei tei-anchor"></a>Schatz Hochzeit gemacht mit einem Andern. Der +Spielmann war zurückgesprungen über die Berge, +das fressende Gift im Leibe und den Kopf im +Feuer. „Geht’s schlecht, so geht’s schlecht, geht’s +gut, kürz’ ich mir den Weg um Stunden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Am Hornbiehel war er abgestürzt. Jetzt lag +er im Todeskampf in der Holzschlägerhütte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch Schnee und Nebel im beeisten Gebirge +kämpfte sich der kleine Priester zu dem Sterbenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war noch sehr jung, noch nicht lange da +oben. Man nahm für die Stelle die ganz Unbedeutenden, +die Bescheidenen, die nicht Carriere +machen würden. Niemals hatte er daran gedacht, +ein Findelkind, das man den Priestern übergeben. +Regelmäßig liefen die kargen Beiträge für ihn ein, +von einem Büreau bezahlt an eine Kasse, ohne +Persönlichkeit, ohne Namen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte niemals eine andre Heimath gekannt +als das Kloster. Da war seine Stätte, am Altar. +Der liebte ihn und der hatte ihn nicht zurückgestossen. +Mit weissen Blumen umkränzte er ihn. +Er sang. Er schwang seine Weihrauchschale, weissgekleidet +als Chorknabe, Diener am heiligsten +Messopfer, eh’ er selbst daran theilgenommen. +<span class="tei tei-pb" id="page158">[pg 158]</span><a name="Pgp158" id="Pgp158" class="tei tei-anchor"></a>So war er aufgewachsen, in dieser Atmosphäre +der Liebe, Weiss und Gold, den heiligen Farben +der Unschuld und des Triumphes. Ohne einen +andern Gedanken. Er liebte Alles. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war um ihn wie der weiche, milde Schein, +der vom linnengedeckten Altar ausging, der Lampe, +die ewig brannte in all dieser Weisse, dieser Stille. +In lasterverzerrten Zügen sah er das Leid. In +ihrem Hochmuth die Angst. In ihrer Schönheit, +rührender als ihre Schönheit, den Tod. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie auf weissen Rosen ging er mit nackten +Füssen, lächelnd das Heilige tragend gleich Engelknaben. +Und vor seiner demüthigen Stirn neigten +sich die Stolzen. Die Bescheidnen fassten Muth. +Alles liebte ihn. Es war, wie wenn die Vögel +süsser sangen, wenn er vorbeischritt im Klostergarten. +Sie waren zutraulich und pickten von +seinen Händen. Die Blumen, die er pflanzte, +gediehen. Ruhig und majestätisch entfalteten sie +sich. Die Sonne schien nicht zu heiss auf sie. +Irgendwie hörte der Sturm auf um ihre schlanken +Stengel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab alte Mönche im Kloster, die das Leben +gekannt hatten. Es hatte harte Narben gegraben +in ihre Seele. Sie liebten ihn, die alten Wunden +<span class="tei tei-pb" id="page159">[pg 159]</span><a name="Pgp159" id="Pgp159" class="tei tei-anchor"></a>brannten nicht, wenn er da war. Nur eine Gabe +besass er, die lieblichste David’s, der Musik. Die +Töne wurden lind unter seiner Hand und wenn +er spielte, hörte der Tumult auf in leidenschaftdurchwühlten +Herzen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Niemals war er stolz gewesen oder ungütig. +Ein Kind Jesu! Er trug diesen Namen, halb der +Schande, wie eine feine, goldne Aureole. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Grossen übersahen ihn und für die Klugen +war er nichts. Er hatte keine Disputationen geschrieben +über Fragen des Glaubens. Die weltliche +Macht der Kirche liess ihn kalt. Der Beifall +einer Menge hätte ihn schüchtern gemacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber er liebte die kleinen Kinder. Sehr alte, +hülflose Leute waren ihm ehrwürdig. Er richtete +die geknickten Halme auf und ihn erbarmte der +Vogel unter dem Himmel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Tapfer kämpfte der kleine Priester durch den +Schnee. Der Schnee fiel in weichen, grossen, +fasernden Flocken aus Wolken, die selbst Schneesäcke +waren. Sie hingen so niedrig, dass man +nicht sah, wo sie aufhörten und das Gestöber anfing. +Ihre Vorräthe schienen unendlich, als ob ein +ganzer Himmel voll von Schnee hinter ihnen läge. +Er leerte sich langsam. Von den Schichten bauten +<span class="tei tei-pb" id="page160">[pg 160]</span><a name="Pgp160" id="Pgp160" class="tei tei-anchor"></a>sich Mauern ihm entgegen. Nichts konnte mehr +welchen aufnehmen. Aus dem Ueberfluss wallten +neue Hügel über. – Diese Flocken lösten sich +nicht auf. Sie schwebten und drehten sich langsam +in der Luft und blieben hängen wie im +Festen, Gesättigten. Man dachte an Nesterbauen +dabei, Eiderdaunen, in die man sehr tief einsank. +Und es war gar nicht kalt. Der Schnee +schien wie eine schützende Schicht zwischen der +Kälte und der Erde. Es war wunderbar, wie +lautlos er fiel. Und überall, wo er fiel, hörten +die Contouren auf, alles Steife, Eckige, Nackte. +Wie ein liebevoller Pelzmantel hüllte er sie ein, +dass sie nicht mehr froren, zeigten. Er fiel ... +fiel ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kleine Priester fror gar nicht. Im Gegentheil, +ihm war warm. Er trug das Allerheiligste +unter seiner Soutane, gegen die Brust gepresst. +Und es war ihm, als wäre es da eingedrungen. +Es sass da und brannte. Goldne Strahlen warf +es. Immer grösser, immer weiter. In der Mitte +war ein blutrothes, glühendes Herz und sein +Scheinen war wie Karfunkel. Es leuchtete weit +durch den nächtlichen Wald. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist, als ob ich ein Licht bei mir trage,“ +<span class="tei tei-pb" id="page161">[pg 161]</span><a name="Pgp161" id="Pgp161" class="tei tei-anchor"></a>sagte der kleine Priester. „Wie seltsam das ist! +Und wie schön!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Schön war es in der That. Alle Bäume +standen wie schwarze Säulen, ganz gerade mit +seltsamem Ast- und Aderwerk. Ihre Zweige verbanden +sich. Sie kreuzten sich und rankten ineinander +geheimnissvoll in Rosetten, Sternen, wie +ein Kirchendach. Er ging ganz leise, wie auf +weichen, weissen Rosen. Er zertrat sie nicht. Sie +richteten sich auf unter seinem Fusstritt. Sie dufteten +sehr süss, Ambra, Weihrauch und Myrrhen, +die mystischen Düfte der Kirche, die Seele darstellend, +die sich spiritualisirt in Sehnsucht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jetzt fing es auch an zu läuten. Zwischen +den hohen Bäumen schwangen die Glocken. Sie +hingen da in Stricken von einem Baum zum +andern. Und sie schwangen, schwangen. Wunderbare +Melodieen waren die Melodieen der hohen, +ernsten Bäume. Den kleinen Priester erstaunten +sie. „Ich habe es doch oft rauschen hören im +Walde. Niemals wusste ich, was es war. Aber +jetzt weiss ich es.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er hörte kleine, liebliche Stimmen. Das +waren die der todten Blumen unter dem Schnee. +Er hatte gedacht, dass sie todt wären. Sie +<span class="tei tei-pb" id="page162">[pg 162]</span><a name="Pgp162" id="Pgp162" class="tei tei-anchor"></a>waren nicht todt, sie warteten nur auf den +Frühling, lagen warm und weich gebettet unter +dem Schnee, der sie zudeckte und fiel – fiel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Schneeflocken selbst sangen. Sie fassten +sich an und tanzten. Es war richtiger Rhythmus +in ihrer Bewegung. Dazu klangen sie. Und dann +waren sie Engelsköpfchen mit weichen, flaumigen, +ganz jungen Flügeln. Das sind die Seelen der +todten Kinderchen, die sterben, ehe sie zum Bewusstsein +ihrer Seele erwachen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte nie gewusst, wo diese todten Seelen +hinkommen. Jetzt wusste er es. Sie waren glücklich +und deckten die kleinen Blumen zu, dass sie +gut schliefen, nicht erfroren im harten Winter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er musste über einen Bach, der ganz zugefroren +war. Aber das Wasser war auch nicht +todt, es schlief nur in der Tiefe. Er hörte es +singen geschäftig am Werke, in kleine Röhrchen +tausend Tröpfchen zu giessen, die Erde aufzuweichen. +Es wird Frühling! Es wird Frühling! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf einmal war es Frühling. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wandelte in einem grünen Dom. Wände +von lichterem Grün schoben sich zwischen die +andern, hohen. Alle regten tausend Blättchen. +Einige waren fast durchsichtig vom Licht, das sie +<span class="tei tei-pb" id="page163">[pg 163]</span><a name="Pgp163" id="Pgp163" class="tei tei-anchor"></a>golden durchglühte. Die Andern blieben im +Schatten beinah schwarz, oder ihre Ränder zeichneten +sich wie in hellem Feuer gezogen. Atlasglänzend +lief es entlang am Buchenstamm wie +feinste Haut des Apfelschimmels, röthlich schwelend +an der rissigen Kiefernborke. Die Birken standen +ganz weiss mit gesenkten, wehenden Zweigen, +ein kleines, zitterndes Herz jedes Blättchen, Jungfrauen +vergleichbar in der Schönheit ihrer Haare +im Mai. Pelze hatten die Haselnussblätter. Die +Erlen bogen sich, schwärzliche, schuppige Schlangenleiber, +dem Sumpf entsprossen, mit klebrigem, +bitterschmeckendem, starkgerieftem Blattgrund. – +Und da oben über dem Blätterdach stand die +Sonne, goldne, warme Frühlingssonne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wandelte mit nackten Füssen auf einem +Blumenteppich. Wo er hintrat, blühten die Blumen. +Sie blühten auf wie Kissen unter seinen Füssen, +nur Blumen ohne Blätter und Stengel. Vögel +sangen, goldne Vögel mit silbernen Schwingen, +die Stimme des Windes, der Erde und des Wassers, +Alle priesen Gott. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah auf und die Sonne war Gott. Seine +Strahlen fielen warm über Alles. Er war gut – gut. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ihr könnt mich nicht verstehen so. So gross +<span class="tei tei-pb" id="page164">[pg 164]</span><a name="Pgp164" id="Pgp164" class="tei tei-anchor"></a>und gut bin ich. Darum bin ich das Grösste und +das Gute, was Ihr verstehen könnt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er verstand sehr wohl, wie gut Er war. Und +dass Er tausendmal besser und grösser sein musste, +als er verstehen konnte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber es war da eine Brücke aus den Strahlen, +die von Seiner Brust ausgingen, und den weissen, +funkelnden Sonnenstrahlen mit Perlen und Emeralden +und köstlichen Topasen geschmückt, die das +Licht gebiert im Wasser, aus der Tiefe. Auf der +schritt er. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch das Blaue schritt er gerade in die strahlende +Sonne hinein. Er wusste, dass sie Feuer +war, aber sie brannte nicht. Sie war auch nicht +golden. Sie war weiss, von einer lichten, unbeschreiblichen +Klarheit, lichter denn das Mondlicht +im Kerne der junggebornen Mondsichel, und +Atlasschimmer aus keuschen Lilienkelchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah eine Frau in der obersten Klarheit. +Sie hielt einen Lilienstengel in der Hand. Er +wusste, dass es seine Mutter war, die er nie gekannt +und verloren hatte. Jetzt erkannte er sie +gleich. Sie lächelte ihm zu. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich komme. Ich komme,“ sagte der kleine +Priester begeistert. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch ein ganz weisses Lamm sah er. Er +<span class="tei tei-pb" id="page165">[pg 165]</span><a name="Pgp165" id="Pgp165" class="tei tei-anchor"></a>freute sich, dass es da war. Er hatte die Thiere +immer geliebt. Er hoffte, dass es auch für sie +einen Himmel gab. Dies wusste er nun auch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Bäume waren eitel lichtes Silber. Ihre +Früchte waren Diamanten und Perlen. Weisse +Schneelilien sprangen auf, die süss dufteten. +Man konnte in die Erde sehen, tief hinein, denn +sie war weiss und durchsichtig wie Milchglas, +Opale, in denen das Sternenlicht floss. Es war +dies innere Licht, von dem sie leuchtete, denn es +gab nicht Schatten mehr. Wo Festes gewesen war, +wurde es weich und floss im Schimmer, der löste. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er war ganz weiss, er selbst. Seine +Finger waren weisse Strahlen. Aus seiner Brust +schien die Klarheit, Alles, wo sie hinfiel, ward weiss. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er trat in das kleine Stübchen der Holzschlägerhütte. +Dies war ein elendes winziges Gelass. +Blut lag da auf der Bettdecke, Blut auf +dem Fussboden, Blut über den hastig hingeworfenen +Kleidern. Man hatte die Fiedel gerettet. +Aber der Kasten war zerschlagen im Falle. Die +Saiten hingen wirr und ungesträngt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Augen des Sterbenden waren weitgeöffnet. +Ein Ausdruck des Schreckens lag darin, und Brennen, +als ob er sähe und Furcht hatte. Er phantasirte: +<span class="tei tei-pb" id="page166">[pg 166]</span><a name="Pgp166" id="Pgp166" class="tei tei-anchor"></a>„Hast Du die Frauen gesehen, wenn sie zur Kirche +schreiten? Ihre Hacken schlagen kurz auf und ihre +Hüften tanzen unter den runden Röcken, die der +Wind hin- und herschlägt. Wenn der Sechzehnender +durch das Unterholz bricht und der Stolz +des Waldes ist in seiner keilenden Brust! Hei! +Der Zug der Burschen, der zum Schützenfest zieht. +Alle Fiedeln spielen auf und die Schenkel stampfen. +Wie Herrenblick, der zwingt, trifft der nie +fehlende Bolzen. – Ich sage Dir, es ist nichts, +was über des Weibes Anmuth geht, denn ihre +Falschheit! Wie ich sie geliebt habe und wie ich +sie hasse! Ihre Augenbrauen, die wie Bögen der +Krönung sind, darunter triumphirende Heere einziehen. +Ihre Augen locken und ertränken wie +der wilde Bergsee. – Das ist roth – roth Alles +– vor meinen brennenden Augen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kleine Priester strich mit der Hand über +die Augen. Sie schlossen sich. Sie brannten +nicht mehr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe die Erde gerochen am Frühlingsmorgen, +wenn sie dampfend aufbricht, ehe der +Tag kommt. Tausend Würzbäche strömen, wo +die tausendjährige Edelfichte krachend niederschlägt. +Gefährlich wie Blutdunst ist der umnebelnde Duft +<span class="tei tei-pb" id="page167">[pg 167]</span><a name="Pgp167" id="Pgp167" class="tei tei-anchor"></a>des Weines, der zu Kopfe steigt und die Fäuste +straff macht. Aber der Frauen Athem ist röther +wie Blut. Wie Weizenacker frisch geöffnet ist der +Leib des Weibes. – Es ist die Schwüle der Sommererde, +die die Todten nicht schlafen lässt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er strich mit der Hand über die Nasenlöcher. +Leise fuhr der tröstende Finger die zitternden, +hastenden Nüstern entlang. Der Geruch war fort. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Hast Du auf Deinen Lippen ihre Küsse gefühlt? +Wenn sie schwören und lügen. Worte, +die fallen wie der Wasserfall, lieblicher denn +Nachtigallentriller. – Worte! Worte! <a name="corr167" id="corr167" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Worte!“</span> +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er strich über die Lippen und sie schlossen +sich. Sie wurden stumm und weich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe sie mit meiner Hand gehalten. Ich +lasse sie nicht. – Wenn man das Messer sehr +fest packt und rothes Herzblut springt herüber ... +Weisst Du, dass ich mein Messer unter meiner +Hand hatte? Sie haben mir gesagt, dass ich das +Holz sprechen machen konnte, die Saiten riefen +unter meinen Fingern wie mit Menschenstimmen. +Ich will spielen. Sie sollen tanzen. Sie sollen +lachen und schreien. Ich will den Ton finden, +der die Todten tanzen macht. Die Todten haben +Knochenhände und lassen nicht los.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page168">[pg 168]</span><a name="Pgp168" id="Pgp168" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die gekrampften Finger lösen sich unter den +andern streichenden, gleitenden. Die Hände fielen. +Sie lagen ruhig und straff. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Meine Füsse tragen mich nicht mehr. Aber +sie haben mich getragen durch die Nacht. Im +Tanze. Wer kann tanzen wie ich, der Spielmann +Anderl! Wenn der Boden knackt, die Dirne hoch +anfliegt zur schwelenden Decke. Ich kann springen! +Der Teufel ist in meinen Füssen. Ich springe mit +dem Teufel zur Hölle!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er berührte die Füsse an ihren Sohlen. Er +salbte den rechten. Er salbte auch den linken. +Die Füsse lagen still. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der ganze Mann war weiss und still jetzt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der kleine Priester hatte die Fiedel genommen, +das Holz zeigte keinen Sprung, die Saiten fügten +sich wie von selbst und erklangen: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn Eure Sünde gleich blutroth ist, soll +sie doch schneeweiss werden,“ sang der kleine +Priester. „Und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, +soll sie doch wie Wolle werden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und heute noch wirst Du mit mir im Paradiese +sein!“ schloss der kleine Priester. +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der Holzschlägerhütte lag der Wilddieb todt. +<span class="tei tei-pb" id="page169">[pg 169]</span><a name="Pgp169" id="Pgp169" class="tei tei-anchor"></a>Er lag mit gefalteten Händen und lächelnden +Lippen. Eine weisse Kerze brannte. Das blasse +goldne Herz stand zitternd aufrecht im Dunkel, +das der Schnee warf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Schnee fiel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Unter der weissen Schneedecke, das Allerheiligste +gegen seine Brust gepresst, schlief der +kleine Priester. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Schnee fiel ... fiel. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page170">[pg 170]</span><a name="Pgp170" id="Pgp170" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc19" id="toc19"></a><a name="pdf20" id="pdf20"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das zehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun war aber in einer Stadt ein junger +Mann, der sich dem geistlichen Stande gewidmet +hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nie war für ihn die Frage gewesen, irgend +ein anderes Amt zu erwählen. Von früh auf +zeigte er sich in geistlichen Dingen wohlbewandert, +geneigt darüber nachzudenken, die Texte auszulegen +in ihrem deutlichen Sinne. Dabei war er +von mässiger und strenger Lebensweise. Er hatte +sich Jahre lang nur von Pflanzennahrung erhalten. +Sein Geld gab er den Armen und lebte wie der +Aermsten Einer mitten unter ihnen. Zudem voll +Würde in aller Gütigkeit, dass er die Spötter +<span class="tei tei-pb" id="page171">[pg 171]</span><a name="Pgp171" id="Pgp171" class="tei tei-anchor"></a>zurückwies, Niemand ihm etwas anhaben konnte. +Im Gegentheil, es war eine gemeine Rede in der +Stadt, wenn man Jemand etwas Gutes wünschte, +und diese Leute waren älter, dass man ihnen +einen Sohn wünschte wie Johannes. Seine alten +Eltern, denen er zuerst ein Kummer gewesen, +dass er also herausging aus der Bahn, die sie +selbst gegangen, ein Amt erwählte, das ihnen +fremdartig war und nicht so angesehen in ihrer +Meinung wie ihr eignes vor den Leuten, priesen +Gott alle Tage, der ihnen ein solches Kind gegeben, +von dem sie Ehre hatten jede Stunde, +der als ein Muster stand unter jungen Leuten, +in frühen Jahren Ruhm erwarb wie Andre, die +Jahre lang gedient, Last und Mühsal getragen +hatten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Selbst solche, die ihm heimlich entgegenstanden, +weil er sie strafte in ihren Sünden, wagten nicht, +ihn offen zu missbilligen, denn sein Ansehen war +gross unter allen Leuten, und seine Rede gewaltig. +Dazu, weil er eines vornehmen Mannes Sohn +war, trug das zu seinem Ruhm bei. Das Gerücht +drang bis an den Hof. Er musste predigen dort +und ward als Hofprediger angestellt auf den +eignen Wunsch des Fürsten, der gern seine Predigt +<span class="tei tei-pb" id="page172">[pg 172]</span><a name="Pgp172" id="Pgp172" class="tei tei-anchor"></a>hörte, auch manches Gespräch mit ihm pflog. Er +war selbst von ernster und redlicher Gemüthsart, +dachte viel nach über die Pflichten und Vorrechte +seines Amtes. Wenn er sich beunruhigt fühlte +in seinem Gemüth, liess er oft den jungen Prediger +rufen, dass diese wie Freunde und treue +Gesellen wurden, sein Einfluss also gross war im +Lande. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber Niemand neidete ihm denselben. Er war +wohlgeachtet von Hohen und Geringen. Gegen +Arm und Reich hielt er sich gleich. Kein Rang +und kein klingender Lohn konnte ihn bestechen +in seiner Entscheidung. Wiewohl es ihm freigestanden +hätte, ein Weib zu wählen, Niemand +ihm seine beste Tochter geweigert hätte, zog er +es doch vor, einzeln zu bleiben, dass keine weltliche +Lust oder Sorge ihn abzöge von seinem +geistlichen Amt, welches er als das höchste erachtete +in der Welt, ihm selbst von Gott anvertraut, +davon er Rechenschaft abzulegen hatte dereinst +vor Seinem strengen Richterstuhl. Es gab +keinen geachteteren und würdigeren jungen Mann +weit und breit. Sein Ruf stand fest wie ein +Felsen. Sein Wort war für Viele Recht und Unrecht, +klarer und unzweifelhafter wie geschriebnes +<span class="tei tei-pb" id="page173">[pg 173]</span><a name="Pgp173" id="Pgp173" class="tei tei-anchor"></a>Gesetz. Wenn sich Einige verwunderten, dass er +trotz seiner Jugend so geachtet war und solchen +Einfluss besass, verwies man nur auf sein Leben, +das schlichter war wie manchen Arbeiters und +keusch wie vielfach geschliffener Stahl vor Aller +Augen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Derselbe, als er eines Tages allein spazieren +ging vor der Stadt, wo die Stadt schon aufhörte, +blühende Sträucher standen und Fruchtbäume im +Laub – wie er oftmals that in seinen tiefen Gedanken, +um klar zu werden vor sich selber –, +freute er sich am Gesang der Vögel, wie sie alle +einträchtig sangen und war keiner grösser und +mehr geachtet denn der andre in ihrem Singen. +Jeder hatte seine besondre Gabe und Tugenden. +Die, die nichts empfingen, kleine graue Meislein +und Spatzen, zwitscherten just so munter ihre zwei +Pieptöne, wie die Andern kunstreiche Triller und +Solfeggien. Sorgten nicht um den Tag, bauten +sich Nestlein, setzten ihre Kinder in die Welt, dass +die Sonne sie grosszog, sie satt würden von dem, +was flog und kroch in der Luft, auf der Erde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Schwalben flogen auf und nieder. Sie +wiegten sich in der Luft und beschrieben Wellenlinien. +Manchmal strichen sie so niedrig, dass +<span class="tei tei-pb" id="page174">[pg 174]</span><a name="Pgp174" id="Pgp174" class="tei tei-anchor"></a>ihre Schwingen fast die Erde berührten. Dann +hoben sie sich wieder, blieben segelnd im Blauen. +Aus dem Gras der Böschung dufteten Veilchen. +Libellen schwirrten aus der Wasserrichtung von der +andern Seite. Es roch fischig von da, Teichgeruch, +nach sich zersetzender Pflanzenfaser. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie er nun also ging und sich freute, die +Vöglein lieblich und fröhlich sangen, sah er eine +magere, gelbgefleckte Katze, die Jagd machte, auf +einem der Bäume. Leise schlich sie auf unhörbaren, +tastenden Zehen. Ihr Kopf war lang vorgestreckt, +die kugelige Stirn mit spitzen Oehrchen. +In den Flanken sassen tiefe Löcher von der Anstrengung +des Dehnens. Die Rippen flogen kurzathmend +in der Aufregung der Jagd. Auch war +sie mager, schlechtgenährt und struppig, wie eine +Katze, die wohl schon lange heimlos geirrt ist, +keinen Herrn mehr hat, sondern der Wildniss +preisgegeben ist. So war sie ausgegangen auf +die Jagd, da es dämmrig wurde, sass auf dem +Baum und hob ihre Kralle über dem Nestchen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da Johannes solches sah, ergrimmte er in +seinem Herzen. Es dauerten ihn die unschuldigen +Vöglein um dieser schlechten Katze willen. Er +nahm einen Stein, zielte und warf. Und traf so +<span class="tei tei-pb" id="page175">[pg 175]</span><a name="Pgp175" id="Pgp175" class="tei tei-anchor"></a>gut, dass er die Katze hart schlug in ihrer Seite, +wo es weich ist, die Knochen nicht schützen. Sie +stiess einen schrillen, klagenden Schrei aus und +fiel herab vom Baum, lag da auf der Erde, das +Blut floss von ihrer getroffenen Seite, schrie ganz +jämmerlich wie ein kleines, wehleidiges Kind, versuchte +sich zu lecken, vorwärts zu strecken mit +strebenden Vorderfüssen und schwachem, nachschleppendem +Rücken. Und lag im Staube, blutend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da fing ihn an zu gereuen, was er gethan +hatte. Er kam herzu, um der Katze aufzuhelfen. +Wie er sie genau betrachtete, sah er, dass diese +Katze heute oder den Tag zuvor Junge geworfen +haben musste, denn die Haut ihres Bauches hing +ganz lose unter den vorstehenden Rippen, dass +sie fast auf dem Boden schleppte. Die Oeffnung +des Afters war unnatürlich weit, noch vom geronnenen +Blute verklebt. Man sah die Zitzen, +die weit, aber schlaff, ohne Milch sich sackten. +Denn sie war sehr erschöpft und hatte gehungert +seit langen Tagen. Nun lag sie im Staub und +blutete. Niemand würde diesem Nest voll kleiner +Katzen in irgend einer verlassnen Scheune oder +auf einem Heuboden Nahrung bringen. Sie würden +warten und miauen, elendiglich verhungern, um +<span class="tei tei-pb" id="page176">[pg 176]</span><a name="Pgp176" id="Pgp176" class="tei tei-anchor"></a>ihre Mutter, die nicht kam, den spitzen, harten +Stein, den er geworfen und sie getroffen hatte, +da sie ging Jagd zu machen auf Vögel für ihre +Kleinen, die hungerten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er stand nun da vor der Katze und sah sie +an. Die Katze sah auf zu ihm mit schiefen, +wilden Augen, ob er ihr helfen würde oder sie +weiterquälen? Sie wusste nicht, dass es sein Stein +gewesen, der sie getroffen hatte. Aber sie hatte +Angst vor den Menschen, die stark sind, war da +wie ein wildes Ding, das man eingefangen hat. +Und es kann sich nicht wehren, denn all’ sein +Gift, scharfe Zähne und Krallen, die ihm ja nützlich +sind gegen die Kleinen und ganz Schwachen, +werden ohnmächtig und nützen ihm nichts. Es +wartet, dass man es vollendet. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da er noch stand, dieses Thier ihn ansah und +er über solches dachte in seinem Herzen, kam ein +fremder Mann des Wegs. Er nahm die Katze, die +nach ihm fauchte, wusch ihre Wunden sorgfältig +mit Wasser und gab ihr zu trinken aus einer +Flasche, die er bei sich führte. Dazu, um das +Wasser zu finden, hatte er hinabsteigen müssen +zum Fluss. Wie der wieder heraufkam und die +Katze auf seinen Arm nahm, biss ihn das Vieh +<span class="tei tei-pb" id="page177">[pg 177]</span><a name="Pgp177" id="Pgp177" class="tei tei-anchor"></a>in die Hand und entsprang zwischen die Weidengebüsche. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da dieser nun die Schramme an seiner Hand +besah, das Blut abtrocknete mit seinem Tuch, +sprach Johannes zu ihm: „Wie magst Du dem +schädlichen Raubzeug helfen? Sein Leben ist der +Tod Vieler. So es verreckt, wem schadet es? Ein +werthloses Vieh! Tückisch und voll Argheit.“ Das +sagte er aber, den Andern zu versuchen, denn in +seinem Herzen gereute ihn der Katze. Er wusste +wohl, dass es ihre Natur ist, Vögel und Mäuse +zu fangen. Er fragte sich nur: Warum ist das +in der Natur, und hätte gern eine Antwort gewusst. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der fremde Mann sprach: „Ich helfe jeglicher +Creatur. Sie war hungrig und litt. So war es +meine Schuld, ihr zu geben, sie zu heilen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie wird hingehen und neues Uebel stiften, +tödten und quälen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Tod ist kein Uebel,“ sagte der fremde +Mann. „Der Geist, der widerstehet dem Uebel, +der ist vom Uebel.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Antwort verstand Johannes nicht, aber +sie quälte ihn in seinem Herzen. Er sprach: +„Deute mir das!“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page178">[pg 178]</span><a name="Pgp178" id="Pgp178" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre sprach: „So Dich Jemand schlägt +und Du schlägst ihn wieder, so ist der Schlag +Dir nicht Unehre, aber dass Du zurückschlägst und +also Böses vergiltst mit Bösem. So ist das Böse +an sich nicht böse, aber es böse <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">macht</span></span> in seiner +Wirkung, sind Böse.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Johannes sprach: „Soll ich einen Mann nicht +tödten, der Andre tödtet? Würde Mord und Todtschlag +nicht überhandnehmen in der Welt, so +Solches ungestraft bliebe? Jeder thun könnte, +was ihm gefällt, sein böser Muth ihm eingiebt +gegen seinen Nächsten?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sprach: „So es sein böser Muth +thut, ist es seine Natur. Alles, was in der Natur +ist, ist von Gott. Der Mensch kann nichts dagegen. +So Du aber schlägst <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">gegen</span></span> Deine Natur, ist es +Dir Sünde, grösseres Unrecht denn dess, der Dich +geschlagen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „So werden alle Bösen fortab +triumphiren und straflos sein. Die Guten müssen +nur dulden und ertragen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sprach: „Dulden und ertragen ist +nicht böse. Selig sind, die das erkannt haben! +Aber es ist dem Menschen schwer, zu erkennen, +und Wenige sind, die es fassen hier im Leibe. +<span class="tei tei-pb" id="page179">[pg 179]</span><a name="Pgp179" id="Pgp179" class="tei tei-anchor"></a>Das Fleisch ist schwach in ihnen. Der Tod scheint +bitter dem, der kräftig ist und sich bewegt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Tod ist immer bitter,“ sagte Johannes. +„Das ist auch gegen die Natur des Menschen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Weil sie die Natur nur halb erkannt haben,“ +sagte der Fremde. „Sie wissen, dass sie sterben +müssen, aber sie wissen nicht, was hinterher +kommt. Sie sehen, so lange es hell ist. Aber +die Nacht lebt auch, hat Farben und Formen. +Nur sie sehen sie nicht. Sie nennen das Eine +Leben und das Andre Tod. Und der Tod ist +Leben, eins so gut wie das Andre. Alles ist +Leben. Es ist ein Neugebären in jeglichem Sterben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sagte ihm ein andres Gleichniss +und sprach: „Die Menschen rechnen die That, die +Gedanken sehen sie nicht. Sie können die Gesinnung +nicht lesen, die im Herzen ist. Die That +ist nicht besser wie der Gedanke. Sondern er +war der Erstgeborne und wirkt weiter. Die Sünde +ist geboren, ehe die That That wird. Es ist nicht +mehr Sünde im Thun wie im Wollen. Zu diesem +aber sprach die Schlange. – Und der Stolz ist +der Urgrund alles Uebels.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Wie deutest Du das?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page180">[pg 180]</span><a name="Pgp180" id="Pgp180" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sprach: „Da der Mensch anfing +zu mischen von seinem Willen in den grossen +Gang des Wollens, der der reine Strom und Urquell +des Lebens ist. Er sprach – und er sollte +hören. Er dachte, wo er sehen sollte. Ein +Kleines, Staubgebornes, Willkürliches will stehen, +wo das Grosse, Ewige, Gesetzte steht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Widerspricht nicht Solches der eignen +Adligkeit und Freiwilligkeit des Menschen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Darauf antwortete der Fremde: „Mit nichten. +Sondern ist es nicht edler, das Gesetz in sich +selbst zu erkennen und ihm folgen, als sich von +aussen verschreiben lassen, Buchstaben zu gehorchen. +Das ist Sklaventhum. Das Andre Adliger +und Freigeborner.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Johannes sprach: „Wie kann das Gesetz für +Alle dasselbe sein, so doch der Menschen viele +sind und Millionen, Jeder anders geht wie der +Andre?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es ist auch nicht dasselbe Gesetz +für Alle. Händewaschen ist nicht dasselbe, Kleidertrachten +und Fasten ist nicht dasselbe, Götter von +Stein und Götter von Erzen. – Aber Alle, die +suchen, finden wohl den Weg.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da erschrak Johannes in seinem Herzen und +<span class="tei tei-pb" id="page181">[pg 181]</span><a name="Pgp181" id="Pgp181" class="tei tei-anchor"></a>sprach: „Die alten Weisen haben wohl gelehrt. +Sie dachten, sie hätten die Weisheit gefunden. +Und waren Edle. Tiefe Worte kamen von ihren +Lippen. Buddha und Mohammed sind gekommen. +– Wie sagst Du, Einer ist wie der Andre?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Alle diese sind gegangen und +haben gefunden. Unschuldige Kindlein finden auch, +kleine Blumen und Kräuter. Es führen viele Wege. +Aber unselig sind, die stehen bleiben und nicht +gehen um der Dornen willen und Steinblöcke.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Damit wollte er weitergehen. Aber der Andre +hielt ihn an in grosser Angst seines Herzens, +flehte ihn an und bat: „Gieb mir ein Zeichen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Kein andres Zeichen habe ich als +dies: Die Blinden werden nicht blind sein, ob sie +gleich blind sind. Die Lahmen werden gehen +können und eilen, ob sie lahm sind, festgekettet +an ihr Lager. Die Armen sind reich und ihr +Reichthum ist köstlicher denn aller Reichen. Die +Todten sterben nicht und leben, ob sie gleich gestorben +sind. – Ein Kind findet es in seiner +Einfalt. Den Weisen und Mächtigen aber bleibt +es verborgen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Sage mir nun noch dies Eine. So +Einer Sünde gethan hat, ist er nicht schlimmer +<span class="tei tei-pb" id="page182">[pg 182]</span><a name="Pgp182" id="Pgp182" class="tei tei-anchor"></a>denn Einer, der keine gethan hat? Warum denn +sollten wir nicht Alle sündigen und froh sein?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „So Du sie thust, ist es Dir Sünde. +Die Andern aber gehen auch nicht verloren. Der +Hochmuth ist das Aergste der Uebel. Freude war +über den, der Busse thut vor neunundneunzig Gerechten. +Der verloren war und heim kam, fand +über dem der zu Hause geblieben, niemals irrte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So liess er diesen und ging von ihm weiter +in der Abenddämmerung. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page183">[pg 183]</span><a name="Pgp183" id="Pgp183" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc21" id="toc21"></a><a name="pdf22" id="pdf22"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das elfte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Fritz Kuhlemann, der ihm diese Botschaft +schickte: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die ausgehen sollten, wohnen in reichen +Häusern. In steinernen Kirchen ist das Wort verschlossen +für blöde Mengen am Sonntagmorgen. +Die Mächtigen missbrauchen Deine Worte für ihre +Zwecke. Man führt Kriege in Deinem Namen. +Ungerechtes Gericht ist gesprochen unter dem +Zeichen der Liebe. Der Arme geht hungrig. Der +Niedrige ist verachtet. Der Sünder stirbt nachher +wie zuvor. Was ist Deine Heilsbotschaft an die +Welt?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Siehe zu, was ich thue: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Soll ich Krieg führen, um die Welt zu überzeugen? +Der Hass wäre schlimmer denn zuvor. +Die Sklaven von heute wären grausamere Herren, +als die Herren von gestern. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page184">[pg 184]</span><a name="Pgp184" id="Pgp184" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Soll ich Gesetze geben, neue Ordnung erfinden? +Dies Gesetz wäre gut, aber die Menschen +sind schlecht. Unter der guten Ordnung bliebe +die wilde Wüste. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Vielen ist es gesagt, aber Wenige hören. +Allen ist es ein Schlachtwort und Wenigen Frieden. +Einige finden, weil sie von Anfang an hatten, +und Viele, die suchen, finden niemals. Schrecklich +und scharf ist es, wie ein Schwert, das +durchbohrt, süsse Milch, die ganz junge Kinder +trinken.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war aber auf einem Schiff, wo er dies +sagte, dass er sich übersetzen liesse von einem +Ufer zum andern. Und es war ein Mann neben +ihm, der ein Tuch mit Samenkörnern eingebunden +hatte, die er säen wollte auf seinem Acker. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach zu ihm: „Gieb mir von Deinen +Körnern.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Mann sprach: „Nimm so viele, wie Du +willst?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er nahm eine Handvoll und streute sie auf +das Wasser. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sprach der Mann zu ihm: „Wie kannst Du +solches thun, so doch das Wasser die Samen nicht +hält und austreibt?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page185">[pg 185]</span><a name="Pgp185" id="Pgp185" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Sollen sie keimen, wird es sie +schon tragen, wo sie Wurzel finden. Die Erde +ist nicht besser denn das Wasser. Wo ein Same +leben soll, müssen tausende sterben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und es war ein Buckliger auf demselben Schiff, +der war ganz verwachsen. Alle Knochen seines +Leibes standen schief und sein Gesicht war scheusslich +anzusehen mit schielenden Augen und einer +platten, queren Nase. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Derselbe sprach zu ihm: „Meister, es ist recht, +was Du sagst, dass alle Menschen gleich sind, +und ist nicht Einer schön und der Andre hässlich, +Jener klug und Dieser thöricht. So sage auch +diesen, dass sie mich schön finden, und lobe +meine Verwachsenheit, die keine Missgestaltung +mehr ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach zu ihm: „Was habe ich mit Dir zu +schaffen? Ganz hässlich bist Du und schauerlich +anzusehen. Was wagst Du zu hoffen von der +Schönheit, die Du beleidigst, und woher kommt +Dir der Muth, der Du feige bist und ganz +niedrig.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Trieb ihn von sich mit harten Worten und sah +wieder in den Fluss, darin die Landschaft sich +spiegelte im klaren Wasser. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page186">[pg 186]</span><a name="Pgp186" id="Pgp186" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber sie hörten es nicht gern. Die, die das +hörten, fuhren fort, das Volk zu reizen zur Gewalt, +um die Machthaber umzustürzen, oder +System und Lehrsätze zu erfinden, die Alles gerecht +machen sollten, dass Jeder seine Fülle hätte, +kein Unfrieden mehr sei in der Welt. Diesen +liefen Viele zu. Sie hatten ein grosses Gefolge +hinter sich, die sagten: „Morgen kommt der +grosse Zusammensturz. Wir werden dann essen, +die wir jetzt hungrig sind. Wir werden herrschen, +die dienen. Wir sind Viele und sie sind Wenige. +Lasst uns uns zusammenrotten und laut schreien, +dass wir sie übertäuben und ihre Stimmen mit +unseren Stimmen, die zahlreicher sind und lauter +schreien.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gewaltig erscholl die Stimme Fritz Kuhlemann’s +aus der grossen Stadt. „Gebt Eure Güter und +verlasst Eure stolzen Paläste! Gebt Eure Macht +auf, Ihr Herren und Regierenden! Lasst uns gute +Gesetze haben und nicht mehr unsre Frauen und +Mädchen verkaufen zu Laster und Unzucht! Wir +wollen keine Kriege mehr und keine Hungersnoth. +Wir wollen Alle arbeiten und essen. Einer soll +sein wie der Andre, Keiner König und Keiner ein +Bettler. Unsre Frauen sollen gleichgeachtet sein +<span class="tei tei-pb" id="page187">[pg 187]</span><a name="Pgp187" id="Pgp187" class="tei tei-anchor"></a>wie wir und unsre Töchter wie unsre Söhne. Wir +wollen glücklich sein auf dieser Welt und Kinder +zeugen. – Denn was nachher kommt, wissen wir +nicht, Niemand kann an gegen den Tod.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein junger Mann kam zu dem Fremden. Er +wollte mit ihm über seinen Seelenzustand sprechen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sagte: „Ich habe immer ein untadeliges Leben +geführt. Von Lastern und verbotnen Dingen habe +ich mich ferngehalten. Ich habe versucht, meinen +Geist zu bilden mit allem Wissen und der Bildung +unsrer Zeit. Ich habe meine Lehrer in Ehrfurcht +gehalten und meinen Eltern gehorcht. Gegen +Niedrigstehende bemühe ich mich höflich und gerecht +zu sein. Es fehlt meinen Leuten an nichts. +Sie haben ihre Gebühr und über Gebühr. Ich bin +allgemein angesehen und hochgeachtet. Wenn ich +ein Weib nehmen will, wird Niemand zögern, +mir seine beste Tochter anzuvertrauen. Ich werde +sie unschuldig, wohlgebildet und von gutem Ruf +nehmen, wie ich selber bin. Es klebt kein Stäubchen +an meinem Vermögen. Alles ist auf ehrliche +Weise erworben und von meinen Voreltern langsam +erarbeitet. Kein Blutrichter fände einen Flecken +daran. Niemand ist von mir um einen Pfennig +betrogen. Dem Staat zahle ich pünklich, was ihm +<span class="tei tei-pb" id="page188">[pg 188]</span><a name="Pgp188" id="Pgp188" class="tei tei-anchor"></a>zukommt. Ich betheilige mich an allen Wohlfahrtseinrichtungen +und gemeinnützigen Anstalten. Die +Leute auf meiner Besitzung sind glücklich gepriesen +von Allen. Sprich nun selbst, bin ich vollkommen +so und nach Deinem Sinn?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Du sagst, dass Du Güter hast. +Nimm Deine Güter, den letzten Pfennig, den Du +besitzest, und gieb ihn den Armen, den Bettlern +und den Hunden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der junge Mann ward sehr traurig und ging +von ihm. Er sah ihm lange nach, denn er war +ein trefflicher junger Mann, licht und schön von +Ansehen, der das Gute suchte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Darauf sprach er: „Der Reichthum ist schlimmer +denn die Wollust, die Wollust giebt für Andre. +Er denkt nur an sich. Auch thut der wohl eher +Busse, der grobe Sünde thut, denn der angesehen +ist vor aller Welt und niemals fiel. Ach es ist +schwer! schwer für einen Menschen, der viele +Güter hat, dass er das Gute finde!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun sprach Jemand aus seiner Umgebung zu +ihm: „Was nützt es den Armen, so Einer giebt? +Es käme wenig auf Alle. Morgen wäre dasselbe +wieder, dass Einige nichts hätten und Andre mehr.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es ist nicht um der Armen willen. +<span class="tei tei-pb" id="page189">[pg 189]</span><a name="Pgp189" id="Pgp189" class="tei tei-anchor"></a>Wenn er es auf’s Meer würfe, die Wellen trügen +es fort, wäre es ihm ebenso gut. Siehst Du nicht, +dass seine Güter wie eine Mauer stehen zwischen +seinem Thun und dem freien Wollen seiner Seele? +Alle seine Liebe bleibt eingeschlossen und wird +ersticken in ihm, ohnmächtig und schlaff werden. +Nur weil er reich ist. – Der Arme liebt wohl +leichter. Er hat dafür Neid und Niedrigkeit als +seine Feinde. Die Seelen, auf denen das Joch +lange liegt, werden niedrig. Und die wahre Liebe +ist stolz und eine Königin. Aber die begehren, +sind Sklaven. Nur der nichts mehr begehrt, ist +ein Vornehmer und ein Fürst.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wenige verstanden dies und Viele murrten +darüber. Einige sagten, er liebt nur die Armen. +Die Andern fanden, dass er ein Reactionär sei +und es mit den Hohen nicht verderben wollte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gefiel ihnen auch sehr, ihm schwierige +Fragen zu stellen, weil sie ihn fangen wollten in +den Antworten. Und er schickte sie ihnen zurück, +fragte: Was <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">willst</span></span> Du thun?, dass sie selber +sich antworten mussten, beschämt standen in ihrer +Nacktheit und List. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So war ein Mann, der ein Eheweib hatte, die +ihn betrog. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page190">[pg 190]</span><a name="Pgp190" id="Pgp190" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er kam zu ihm und fragte, ob er ihr verzeihen +sollte? „Das Gesetz erlaubt mir, mich von +ihr zu trennen, sie zu strafen an Gut und Habe. +Die allgemeine Meinung und meine Stärke würden +mir wohl gestatten, sie zu tödten. Das erste ist +Gerechtigkeit, das zweite Rache.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und Deine Liebe?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber sie hat meine Liebe verrathen. Alle +Zärtlichkeiten, die ich ihr erwiesen habe, sind vergessen. +Sie hat Kinder von mir gehabt. Ich habe +ihr Ehre gezollt als dem Oberhaupt meines Hauses. +Ihre Schönheit erfreute mich. Ich gab ihr genug, +um sich zu schmücken. Keiner ihrer Wünsche, den +es in meiner Macht war zu erfüllen, blieb unerfüllt. +Ich liebte ihren Verstand, ihre Art sich auszudrücken, +die Weichheit ihrer Stimme, die Liebesbezeugungen, +die sie mir erwies, und dadurch +Neigungen in mir erweckte, ihre Schüchternheit und +Hülflosigkeit selbst.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und ihre Seele? – Hast Du ihre Seele geliebt? +Was in ihr schwach war und arm und nach +Hülfe schrie? Ihre Zögerungen, den Glauben an +Dich, Deine Vollkommenheit, die nicht war, diese +verzweifelte Liebe, die im Fleisch suchte, was in +Deiner Seele fern von ihr war, – Deine Seele, +<span class="tei tei-pb" id="page191">[pg 191]</span><a name="Pgp191" id="Pgp191" class="tei tei-anchor"></a>die sich nicht mit ihr vereinigen konnte. Die sie +in die Arme eines Andern fliehen machte, der sie +noch unglücklicher liess? – Diese arme, nackte +frierende, beschämte Seele, hast Du sie geliebt?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch der verstand ihn nicht. Viele Leute sagten +nun: „Er ist nachsichtig für die Sünden des Fleisches. +Huren und Lüstlinge sind ihm recht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Sünden der Wollust sind traurig,“ sagte +er. „Sie tragen ihre Strafe in sich. In dieser +Traurigkeit, die nachher kommt von der Unvollkommenheit +der Liebe, dass es nur wieder Unvollkommnes +ist, was sie gebärt. Die Unreinheit +ist das Gift, das Alles vergiftet, das ihr naht. +Es giebt keine Schönheit mehr für den, der faul +sieht. Sie lieben nicht, die sich der Leidenschaft +hingegeben haben. Das ist eine eiternde Krankheit, +Würmerfrass der Seele.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„So wäre es also besser, ganz keusch zu sein, +keine Kinder mehr zu zeugen und dass die Welt +aufhörte?“ fragte Einer. Er war ein Mann, der +im Laster gelebt hatte, und er wollte ihm eine +Falle stellen, um zu sagen: „Welch’ ein Unsinn!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah ihn lange an. „Was weisst Du von +der Keuschheit? Das ist die weisse Blume des +Paradieses, das erste Gewebe aus den Strahlen +<span class="tei tei-pb" id="page192">[pg 192]</span><a name="Pgp192" id="Pgp192" class="tei tei-anchor"></a>der Morgenröthe. Wenige sind ihrer theilhaftig. +Und ob sie nackt gingen durch den eklen Sumpf, +er befleckte sie nicht. Alle Schande und Schmach +kann ihnen nichts anhaben, <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">denn sie schämen +sich nicht</span></span>. Das ist das Höchste, sich nicht zu +schämen. Weil die Scham in uns ist von der +Sünde.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber Viele wollten, dass er sich deutlicher erklärte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er that es nicht: „Vielleicht begreifen nur sie +es, die das Andre gekannt haben, durchgegangen +sind durch den feurigen Ofen und im Feuer wieder +rein wurden. Die irdische unvollkommene Liebe +ist in sich ein Abbild der andern. Sie giebt die +Sehnsucht. Die Sehnsucht schafft neues Leben – +immer neues! Sie sind wohl die Unglücklichsten, +die nie geliebt haben. Sie sind unfruchtbar.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Manche hätten gehofft, dass er mehr darüber +sagte. Aber er hielt seinen Mund geschlossen +und sprach nicht mehr den Tag. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen +Fragen. „Ich habe meinem Nachbar Geld geliehen. +Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im +Recht oder ich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Warum forderst Du es?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page193">[pg 193]</span><a name="Pgp193" id="Pgp193" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es entstand da ein ganz lächerlicher Disput +über die Ehre. „Wenn Einer mich geschlagen hat, +muss ich ihn wieder schlagen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Ein Schlag und noch ein Schlag +sind zwei Schläge. Machst Du ein Loch damit zu, +dass Du es doppelt weit einschlägst?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber in seinem Herzen wurde es traurig über +sie. Und er that seinen Mund auf und fing an +zu wehklagen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Arme! die Ihr reich seid, und Eure Güter +fressen Euch selbst, Geiz, Neid und Habsucht! +Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, +der zu wenig hat, und für jedes Ueberflüssige, +das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein Andrer +Mangel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhäuser +und sammelt für Wohlfahrtsanstalten: Dies +thue ich – und wollt Lob Eurer Nachbarn und +Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr +nicht genommen habt zuvor, was brauchet Ihr zu +geben? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet +für die Freiheit Eurer Brüder, Gesetze, Unterricht +und Bürgerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, +wenn Ihr nicht Unfreie gemacht hättet zuvor, Eure +<span class="tei tei-pb" id="page194">[pg 194]</span><a name="Pgp194" id="Pgp194" class="tei tei-anchor"></a>Seelen nicht in Banden wären des Geizes, des +Trotzes, des Hochmuths, der Lüge, der Trägheit +und der feigen Angst? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch +hochbaut vor den Leuten, dass sie Euch anstaunen +möchten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom +Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag +kommt, dass man Euren Leib zu Grabe trägt, +Eure Seele war todt in Euch lange vorher. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +<a name="corr194" id="corr194" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„Ihr</span> denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr +nicht mehr. Das Gesuchte ist weiter von Euch, +denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft +die äussre Wunde zu und der Brand frisst fort +inwendig. Ihr seid stolz in Eurer Erkenntniss, +Eurem Wissen, köstlichen Kleidern um Eure Nacktheit. +Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der +Frost. Ihr erstarrt unter dem faulen Schimmer. +Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure +Grösse die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen +aufwirft. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +<a name="corr194a" id="corr194a" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„O</span> Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Ungläubigen! +Wie unglücklich seid Ihr in Eurem Glücke! +Wie erbärmlich in Eurem Stolz! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Kinder und Unmündigen werden wissen +vor Euch, die Kleinen, die Ihr verachtet habt. Das +<span class="tei tei-pb" id="page195">[pg 195]</span><a name="Pgp195" id="Pgp195" class="tei tei-anchor"></a>Lamm wird stärker sein denn der Löwe, der laut +brüllt. Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares +wird Königreiche leiten, die der Eisenfuss zertritt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wehe Euch! Wehe Euch! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Pflanzen wissen, die Felsstücke. Die +Wasser, die ihren Weg laufen. Alle Sterne, die +gehen in ihrer Bahn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. +Ihr könnt nicht, die Ihr stark seid. Die wollen, +werden niemals erreichen. Die kämpfen, siegen +nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn +zu erhaschen. Aber er ging mitten durch sie +hindurch und entwischte ihnen immer. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page196">[pg 196]</span><a name="Pgp196" id="Pgp196" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc23" id="toc23"></a><a name="pdf24" id="pdf24"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das zwölfte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war aber ein sehr vornehmer Mann +des Landes, der Vornehmste und Reichste im +ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel +verhüllt, dass Niemand sein Gesicht erkennen +konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine +Gestalt, dass es unmöglich war zu sagen, ob er +klein gewachsen war oder gross, breit oder schlank. +Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. +Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener +hütete sein Pferd, während er hinaufgegangen war, +mit ihm zu sprechen in der Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Nacht war stürmisch und sehr finster. +Man hörte den Wind brausen. Er trieb die nassen +Zweige der Bäume in grossen Packen gegen die +Fenster, dass es klatschte und prasselte. Der Wind +<span class="tei tei-pb" id="page197">[pg 197]</span><a name="Pgp197" id="Pgp197" class="tei tei-anchor"></a>war gewaltig. Er fuhr über die Erde in einem +weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe +die Erde fegte. Oben blies er in die Wolken. +Sie flohen eilig wie wollige, furchtsame Schafe +durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse +Fetzen und jagte sie fort. Er freute sich, dass +er so allein draussen war zu herrschen, orgelte +sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes +und der Herausforderung über die Erde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens +und war über die See gefahren und sein +Mantel hatte die Kämme der Wogen aufgepeitscht, +dass sie nach ihm schnappten und sich überschlugen +in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, +graue Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die +grossen Wogen unter dem Winde. Aber sie fingen +ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal +packte er sie und wirbelte sie im Tanze, rund, +rund, um einen spitzen, kreiselnden Trichter in +der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt +sie in glatten, gekeilten Furchen wie der +scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann entschlüpfte +er ihnen wieder, sich überschlagend in +der Luft. Sie machten verzweifelte Sprünge und +warfen sich ihm nach an den Strand wie +un<span class="tei tei-pb" id="page198">[pg 198]</span><a name="Pgp198" id="Pgp198" class="tei tei-anchor"></a>gefüge Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden +Leibern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber er lachte nur und schrie lauter und floh +davon. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, +den die Menschen gebaut hatten, um der Fluth +zu wehren, dass der Leuchtthurmwächter erschrak +in seinem Herzen: Ich will die Laterne fester +stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er blies dem +Wächter die Capotte vom Gesicht und schrie laut +auf vor seinem Fenster, wie ein Meervogel mit +schwarzen, schlagenden Flügeln. Dann fuhr er +weiter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er blies in die weissen Segel der kleinen +Fischerbarken, dass sie umschlugen vor dem +Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. +Und er probte den stolzen Oceandampfer, der +ruhig weiterschiffte in seiner geraden, majestätischen +Bahn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und +machten die Läden fester zu. Sie dachten mit +Sorge an die Schindeln auf ihren Dächern, die +schlechten Strohdecken der Scheunen. Der Wind +fegte die Schindeln herunter. Er hob das Strohdach +auf und fuhr in die Scheune, dass Alles +auf<span class="tei tei-pb" id="page199">[pg 199]</span><a name="Pgp199" id="Pgp199" class="tei tei-anchor"></a>stob, durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel +in den Hühnerstall fährt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Hui – hui – machte der Sturmwind. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Im Gebirge köpfte er die Tannen und schleuderte +sie kopfüber den Abhang hinunter. Von der +offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss +er grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die +blanken Eisenbahnschienen mitten auf den Damm. +Er polterte an den Pfeilern der Brücken und +peitschte die Weidenruthen am Ufer, die sich bis +auf die Erde bogen, der Wind ist ihr Herr. Er +war furchtbar. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ueber die Städte der Menschen fuhr er. Sie +schlossen die Läden vor und zogen sich die Nachtmützen +tiefer über die Ohren: Es ist Sturm draussen +und gut, dass wir nicht im Freien sind. – Wo +er Einen fand, der draussen war, schüttelte er ihm +die armseligen Fetzen vom Leib und kältete ihn +durch, dass der Frost in ihm blieb. Denn der +Sturmwind war schrecklich und ein Feind der +Menschen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch den Sturm und die Nacht ritt der einsame +Reiter. Sein Gesicht war dicht verhüllt im +Mantel. Sein Pferd schritt schnell, ausgreifend, +mit der Regelmässigkeit schöner, geübter Edelthiere. +<span class="tei tei-pb" id="page200">[pg 200]</span><a name="Pgp200" id="Pgp200" class="tei tei-anchor"></a>Der Sturm versuchte ihm den Mantel vom Gesicht +zu zerren. Aber er hüllte sich nur noch dichter +hinein. Ganz schwarz sah er aus. Wie ein +schwarzer Schatten ritt er durch die Nacht unter +dem heulenden Sturmwind. Der Diener folgte, +stumm, wachsam, in einiger Entfernung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Reiter hörte dem Concert des Windes zu. +Es war ihm, als bildete es eine sehr hohe, erhabne +und brausende Melodie. Aber er war zu +weit entfernt und zu niedrig. Er konnte nicht +verstehen, was der Sturmwind sang. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein Lied vom Krieg, von Trompetenrufen +und Pferdegetrappel, von wehenden Fahnen, +Kanonendonner und knatterndem Gewehrfeuer – +dann der Hurrahschrei des Siegers. Einer ritt +allein im strahlenden Adlerhelm. Die Sonne seines +Helms warf Strahlen. Ein weisses Pferd schritt +unter ihm. Alle schrieen: Heil! Heil dem Sieger, +dem grossen König unter den Menschen, dem Gewaltigen! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Es war der Orgelklang eines Doms. Alle +Glocken läuteten. Festguirlanden hingen. Frauen +wehten mit ihren Tüchern. Weissgekleidete Mädchen +trugen Blumen und sangen. Endlos war +der Zug der Festtheilnehmer. – Der Hermelin +<span class="tei tei-pb" id="page201">[pg 201]</span><a name="Pgp201" id="Pgp201" class="tei tei-anchor"></a>hing um seine Schultern. In schweren Falten +umfloss ihn der Purpur. Er schritt die Stufen +zum Altar hinan. Hinter ihm rauschte der Mantel. +Das Schwert stiess klirrend gegen den Marmor +und der Priester im Ornat hob die lichte Krone, +den wundersamen Reifen ohne Anfang, ohne Ende, +wie die Schlange, die den Weltkreis hält, funkelnd +im Schmuck der Edelgesteine – des Rubins, der +das Blut ist, Topase, köstlicher als Gold, der Herrschaft, +und Smaragden, funkelnde grüne Augen +der Edelkatze. – Und er war es, der gross und +reich war, der König war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Lieder von Ruhm und Macht sang der Sturmwind. +Der einsame Reiter in der Mitternacht +hörte ihm zu. Er hatte sein Gesicht im Mantel +verhüllt und ritt schnell, dass Niemand ihn kennen +konnte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Als ein Fremder zu dem Fremden kam er +mitten in der Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Draussen tobte und fauchte der Sturmwind. +Er strich dahin mit dem tiefen, surrenden Ton zu +stark gespannter Saiten. Die Luft schwang und +zitterte nach seinem Röhren. Die Erde aus ihren +Eingeweiden antwortete gleich dem vibrirenden +Resonnanzboden einer Violine. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page202">[pg 202]</span><a name="Pgp202" id="Pgp202" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist Sturmwind und sehr finster,“ sagte +der schwarze Reiter. „Ich bin zu Dir gekommen, +um mit Dir zu sprechen über Dinge, die gefährlich +sind zu nennen und sehr geheim. Darum +komme ich in der Nacht. Sie ist furchtbar, diese +Nacht!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt einen Morgen,“ sagte der Fremde. +„Das Licht wird sehr hell kommen. Wir werden +Morgen haben bald.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich darf den Morgen nicht sehen. Ich habe +grosse Eile, und dass ich hier bin, darf Keiner +wissen. Das Licht nicht und nicht der weisse +Nebel des Morgens, der dem Hahnschrei vorangeht. +Durch die Nacht und den Sturm bin ich +gekommen, weil es Nacht ist und Sturm in mir. +Hörst Du die Weisen draussen? Es sind alle +Geister der tollen Vergangenheit, die los sind. +Sie singen mir von Stolz und Sieg und Macht. +Ich sehe sie Alle, die dies Haus umkreisen und +mit mir hierhergezogen sind. Sie tragen Rüstungen +von Eisen und gehen langsam vorüber. Die Letzten +haben Purpurmäntel und Einige reiten auf herrlichen +Pferden. Einer trägt sein Haupt unter seinem +Arm. – Warum sind sie grauenhaft und traurig +wie diese?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page203">[pg 203]</span><a name="Pgp203" id="Pgp203" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie haben getödtet,“ sagte der Fremde. „Sie +haben genommen. Sie haben gerächt und gerichtet.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber Viele haben Gutes gethan. Sie haben +Ordnung gestiftet. Sie haben geschafft. Die Kraft +ihres Hirns haben sie gegeben und die Stärke +ihres Arms. Sie waren Väter und Erbauer.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Des Vaters Amt ist ein schweres. Viele führt +in die Irre, der als ein Führer selber irrt. So er +dieser Geringsten einen ärgert, besser wäre es +ihm, er verlöre Leben und Leib. Der Baumeister, +der nur einen Stein falsch wählt, gefährdet den +Bau.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist schrecklich. – Sie waren Erwählte +unter den Menschen. Die Gnade von oben hat +ihnen geholfen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist schwer, dass ein Reicher das Himmelreich +finde,“ sagte der Fremde. „Die Gnade wird +dem Demüthigen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man kann demüthig vor Gott sein und stolz +vor den Menschen. Gott hat Könige eingesetzt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Einen. Er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen +sollte und ward in der Krippe gebettet.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du denkst also, dass es ein Unrecht ist, ein +Grosser dieser Welt zu sein?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page204">[pg 204]</span><a name="Pgp204" id="Pgp204" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es stehet geschrieben: Wer unter Euch will +ein Herr sein, der sei Aller Knecht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist bildlich gemeint,“ sagte der Reiter. +„Wer dem Ganzen dient, ist Aller Knecht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Und er nahm seinen Schurz und wusch +ihnen die Füsse,“ sagte der Fremde milde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das ist doch auch nur symbolisch.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?“ +Der Fremde lächelte – ein trauriges Lächeln. +Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert +gleichsam, wie lange gestorben, die lebte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. +Der Sturmwind draussen blies zum Umwerfen. Und +es war sehr finstre Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art +Kreuz. Wir hängen am Kreuz. Jeder, der den +Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich +zu kämpfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, +die furchtbare Verantwortung. – Auf Einen fällt der +Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom Unrecht. +Für dieses schwere Amt müsste man Vorrechte +haben. Wer wollte freiwillig es auf sich nehmen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Glaubst Du, dass es Keiner möchte?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Reiter verwirrte sich. „Es muss doch sein, +um der Ordnung willen. Es ist besser, dass das +<span class="tei tei-pb" id="page205">[pg 205]</span><a name="Pgp205" id="Pgp205" class="tei tei-anchor"></a>Festgefügte bleibt. Einer, um den kein Kampf +ist, der den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. +Das Alles haftet dem Emporgekommenen an. Der +Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr +denn zehntausend Legionen Engel. Er liess sich +binden und kreuzigen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, +das ist göttlich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt +das Haupt geneigt. Es waren auf seiner Stirn +rothe Spuren wie von Schärfen, Spitzen, die eingedrungen +waren. Er hatte Narben in den Händen. +Ein Schmerz, wie von einer schweren, nie geheilten +Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte +die Hand in seine Seite. Er seufzte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und wenn ich es thäte?“ fuhr der Reiter +fort. „Wer hätte den Vortheil? Ein Andrer, der +käme und schlimmer wäre, vielleicht weniger tief +angelegt, – ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem +wäre geholfen? Und was ist Einer?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Einer war und er that.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser +geworden? Die Formen der Unterdrückung haben +gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind +<span class="tei tei-pb" id="page206">[pg 206]</span><a name="Pgp206" id="Pgp206" class="tei tei-anchor"></a>sie darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, +Ungerechtigkeit verschwunden? Er war Gottes Sohn +und starb vergebens. Wer bin ich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. +Er stiess hinein wie in eine Trompete. Ein Fensterglas +zersplitterte. Es klang wie Gelächter, das +Lachen von tausend Kobolden und Dämonen. Der +Fremde antwortete nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Es könnte sein, dass Umwälzungen +kämen,“ sagte der Reiter, „allgemeine, durch einen +Umschwung des Denkens erzielte, langsam vorbereitete. +Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. +Wem ist es gegeben zu erforschen? Man muss +bleiben, wo man hingestellt ist, sich genügen +lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist +unvollkommen. Langsam nur geht die Zeit. Ich +bin nicht ein Erlöser. Nicht ein Genie ... Ich +thue meine Pflicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. +Er rief nach seinem Pferde. Diese ritten hinaus +wieder in die Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ueber ihren Häuptern fegte der Sturmwind. +Er sang wilde, triumphirende Weisen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Hoiho – hoiho – triumphirte der Sturmwind. +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<span class="tei tei-pb" id="page207">[pg 207]</span><a name="Pgp207" id="Pgp207" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er ging allein fort, bis er an einen grossen +Wald kam und setzte sich daselbst auf einen +Stein. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein sehr alter Wald aus lauter hundertjährigen +Bäumen, Eichen mit seltsamen verknoteten, +verknöcherten Stämmen, die da wie Vorweltriesen +standen. Unten waren sie schon abgestorben, aber +oben trieben immer wieder frische grüne Zweige +mit krausen Blättern und Eicheln. In einige war +der Blitz gefahren. Sie trugen seine Spur wie +ein breites kohlschwarzes Band vom Wipfel zur +Wurzel. Da war alles Leben versengt, aber die +andre Seite grünte noch und breitete Aeste. Alle +standen da in einem geheimnissvollen Kreisring. +Nicht zu nahe bei einander, weil sie sich sonst +gestört hätten im Wachsthum. Um den engeren +Ring lief jedesmal ein weiterer. Seine Stämme +standen in den Zwischenräumen zwischen denen +des Ersten, so dass es von innen anzusehen war +wie eine hölzerne geschlossene Ringwand, aus +lauter Stäben, dass man nicht unterscheiden konnte, +wo der Wald aufhörte oder anfing. Aber zwischen +den einzelnen Kronen fiel breit der blaue Himmel +durch. Der Boden war mit hohem, grünem, sehr +feinem Gras bewachsen. Man konnte gehen in +<span class="tei tei-pb" id="page208">[pg 208]</span><a name="Pgp208" id="Pgp208" class="tei tei-anchor"></a>den Abständen der Ringe wie in einer Wandelbahn. +Es war schattig und doch hell. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Rinde dieser Bäume war rauh, borkig, mit +starken, eingeborstnen Abschilferungen wie die +mächtigen Dickhäuter. Moose wuchsen aus ihr +in grauen Hängebärten. Knoten und Buckel hatte +das Alter gebildet, schwärzliche Warzen, in denen +die Säfte sich schwärend stauten. Die Aeste +kamen wieder, verrankten und verschlangen sich +in seltsamer Weise. Keine Regel schien da mehr +zu herrschen, nur Laune, grimmige, kauzige Spottsucht +des Alters. Die Wurzeln liefen sehr lang +mit Knollen und Armen. Sie verästelten und +verwoben sich auch ineinander. Einige Stämme +hatte man abgehauen. Aber die Stümpfe waren +geblieben. In deutlichen Ringen stand ihr Leben +geschrieben. Kleines Buschwerk, Gepilze, schoss +und trieb um die Todten. Man sah ihre Wurzeln, +die weiss wurden, abstarben. Doch mächtig +mit starken Fibern und Adern wie Gespinnste +einer untergegangenen Hexenwelt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Grosse Steine von alten Heidenzeiten her lagen +in der Runde. Jedermann wusste, dass man +diese Steine nicht anrühren durfte. Es lagen +grosse Helden der Heiden darunter begraben und +<span class="tei tei-pb" id="page209">[pg 209]</span><a name="Pgp209" id="Pgp209" class="tei tei-anchor"></a>sie waren blos verzaubert und nahmen es übel, +wenn man sie reizte. Dann kamen sie hervor +aus ihrem Grabe, schlugen mit ihrer Zauberkraft +Mensch und Vieh. Manche erzählten, dass sie +zu Zeiten ein weisses Ross da hätten grasen +sehen, ohne Zaum und Sattel, von wunderbarer +Farbe und Sanftmuth. Aber wenn man es anrufen +und fangen wollte, wurde es schwarz, +Feuer sprühte aus seinen Nüstern. Das war das +Schlachtross des Heidenkönigs. Auch von einer +wundersamen Frau erzählten sie. Er hielt sie dort +gefangen mit sich im Tode, die im Leben seine +Braut nicht gewesen war. Denn zu den Zeiten +waren Männer; solcher liess ein Weib nicht und +ob er sie im Sturm geraubt. Der alte Heidenkönig +hielt sie im Grabe, und des Nachts stand sie auf +und ging zu ihrer eigentlichen Heimath und ihren +Kindern, dem weisen, guten König, dem sie angehörte. +– Aber des Nachts und wenn es finster +war, hielt sie der Andre, der sie geraubt mit +seinem Leben. Und man fand, dass es so recht +war im Volke, weil er den Blutpreis gezahlt um +sie. Es war darum im Herzen der schönen Frau, +dass sie nicht widerstehen konnte, wenn er sie +zu sich rief auf sein höllisches Bett des Nachts. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page210">[pg 210]</span><a name="Pgp210" id="Pgp210" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber sie war unselig und klagte. Oft hörte +man ihre Klage widerhallen im Mittag, zu Stunden +des Tags, wenn die Luft lau und lind war. +Sie klagte, dass der gute König, ihr Mann, gestorben +war, alle ihre Kinder und späte Enkelkinder. +Ihre Seelen waren zu Gott oder zum +Teufel, je nachdem sie thaten, recht oder unrecht +gehandelt im Leben. Sie auch war längst todt im +Leibe; nur ihre Seele konnte nicht sterben um +der sündigen Leidenschaft willen, die sie festhielt +an dem starken Helden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aus solchen Klagen der weissen Frau hatte +man ein Lied gemacht. Knechte und Mägde +sangen es oft bei ihrer Arbeit. Es war ein Lied +des Landes geworden, von der armen Seele, die +nicht sterben konnte, weil sie noch immer liebte. +Ihre Liebe war vom Teufel und starb doch nicht. +Weil er so stark gewesen war und so schön, der +tapferste Held der Heiden und ein Wunder, der +König, vor den Leuten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jedermann wusste, dass sie nie den Frieden +finden konnte. Sie war wie eine unselige Seele +zwischen Himmel und Erde. Der Heidenheld küsste +sie heiss und wach wieder, jede Nacht, wenn sie +müde war und kalt, endlich sterben wollte. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page211">[pg 211]</span><a name="Pgp211" id="Pgp211" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sass auf dem Stein und schrieb +in den Sand mit seinem Stabe. Er folgte den +krausen Runen der Wurzeln. Buchstaben und +Worte bildeten sie, seltsame Worte von tiefer +Meinung. Er folgte ihnen in jede ihrer fliehenden +Curven, bis sie sich die Hände reichen, neues +Spinnen begann. Wo sie aufhörten im Baumstamm, +wurden sie sehr stark, wie starke Leiber +mannbarer Männer, und standen wie Thürme, die +nichts umwirft. Der Blitz war an ihrer Seite +hinabgefahren. Er auch hatte seine Schrift gelassen. +Da war die Schrift des Blitzes, der Jahre, +des Regens, uralter Zeiten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Salamander schlüpfte zwischen den Wurzeln +vor, schwarz und gelb gesprenkelt. Er sah +den Fremden an mit blanken, klugen Aeugelchen, +die wie Kugeln aus seinem platten Kopfe sprangen. +Man sagt von ihm, dass er fest bleibt im Feuer. +Wer den Salamanderkönig fängt, steht unversehrt +mit ihm mitten in den Flammen, alle Schätze +der feurigen Tiefe sind sein. – Denn der Molch +ist der König des Feuers, derer, die hämmern +ohne Unterlass im Gestein, Zwerge, neidischer, +ungefüger Riesen und Drachen. Rothes Gold hüten +sie, funkelndes Edelgestein, unerhörte Schätze, von +<span class="tei tei-pb" id="page212">[pg 212]</span><a name="Pgp212" id="Pgp212" class="tei tei-anchor"></a>denen die Menschen blind werden und roth sehen +in bebender Gier. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine schwarze Amsel kam und lief emsig hin +und her. Sie blieb stehen und horchte. Dann lief +sie wieder, pickte anklopfend, neigte den Kopf und +hob ihn. Man sagt, dass diese Amsel Alles weiss, +die Sprache der Vögel und der Bäume, wie die +tiefsten Sorgen und Geheimnisse des menschlichen +Herzens. Wer ihrer Weisheit zuhört, vergisst +Essen und Trinken. Wenn er zu sich kommt, ist +sein Haar weiss und sein Herz vertrocknet in ihm, +wo er jung war, lieben und lachen konnte, da er +zum ersten Mal die teuflische Weisheit der Amsel +und ihren Spruch vernommen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zwischen den Stämmen wob eine Kreuzspinne. +Sie wob emsig, klebrige Fäden ziehend und feuchtend +mit hebenden Beinchen. Nach rechts und nach +links und in Strahlen von ihrem Mittelpunkt aus. +Dann verbanden die Strahlen wieder andre kreuzende +Fäden. Auf und ab wob die Spinne netzend und +anziehend, wie sie Faden auf Faden spann. Die +Kreuzspinne dachte: „Dies Gewebe ist meine Welt. +Ich habe es Alles allein gemacht aus mir selbst. +Hier hänge ich zwischen Himmel und Erde. Sie +können mir nichts anhaben von oben oder unten. +<span class="tei tei-pb" id="page213">[pg 213]</span><a name="Pgp213" id="Pgp213" class="tei tei-anchor"></a>Denn ich bin die Sonne, die scheint in der Mitte. +Alles, was auf ihren Strahlen läuft oder sie kreuzt, +ist mein. Sein Blut nährt mich. Ich werde fett +und satt von ihrem Blut. Ich bin die fetteste +Kreuzspinne im ganzen Wald. Mein Gewebe ist +unzerreissbarer wie die starken Bastfäden der +Bäume.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde sass und zeichnete im Sand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alsbald kam des Wegs ein sehr alter Mann, +dem der Wald gehörte. Er war so alt, dass er +nicht mehr gerade gehen konnte, sondern sich auf +einen Stock stützen musste. Aber sein Rücken war +breit und mächtig in dieser Krümmung, als ob er +eine Weltlast tragen könnte. Sein Haar und Bart +war schlohweiss, von Schnee, der nie mehr schmilzt +in ewigem Winter. In seine Haut hatten die Jahre +Furchen gegraben wie in einen Acker. Zäh und +hart war sie, von der Sonne vielfach verbrannt, +dass ihre Farbe der ungegerbten Leders glich oder +Pergamenten uralter Schriften. Wo die Adern sich +unter ihr kreuzten, bildeten sie starke, hervortretende +Knoten. Sie liefen auf seinen Händen +wie Stricke, versteinerte Gänge einstiger Canäle, +in denen kein Blut mehr fliesst. Wohl hundertjährig +war dieser Mann. Aber seine Augen +<span class="tei tei-pb" id="page214">[pg 214]</span><a name="Pgp214" id="Pgp214" class="tei tei-anchor"></a>glühten und leuchteten vom Feuer, das nicht stirbt. +Wie Steine waren sie, die erstarren machen die, +die darauf sehen, stählerne Spiegel, dass die Seele +und die geheimsten Gedanken des Mannes, den +er anblickte, offen lagen gleich einer Thür ohne +Hüter vor dem Alten mit den furchtbaren Augen. +Wenn er die Brauen zusammenzog, war sein Zorn +so schrecklich, dass die stärksten Herzen zusammenschmolzen +vor ihm, ihr Wille war unter seinem +Willen wie eine zappelnde Maus, eine winzige, +verwickelte und verwirrte Fliege. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wer diesem Mann nahte, der verfiel ihm mit +Leib und Seele. Und er nahm ihre Leiber und +sog ihre Seelen ein. Darum war er gross und +stark, wunderbar vor Allen und sehr alt, so dass +die Leute ringsum sagten: Er wird nicht sterben. +Er aber wusste sehr gut, dass er sterben musste. +Darum hütete er den tausendjährigen Wald, liess +keinen Stamm schlagen, dass er stehen sollte, grünen +und Früchte tragen tausend Jahre nach ihm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann ging auf seinen Stock gestützt +und sein Hund folgte ihm. Es war ein grosser, +grauer Hund vom Geschlecht der Bulldoggen, die +keine Furcht haben vor Mensch oder Thier, riesenhaft +und ausgezeichnet unter Seinesgleichen, schwer +<span class="tei tei-pb" id="page215">[pg 215]</span><a name="Pgp215" id="Pgp215" class="tei tei-anchor"></a>tretend und sehr alt schon, wie sein Herr war +unter seinen Gesellen, Herren und Fürsten ringsher. +Etwas vom Ausdruck des Mannes war im +Ausdruck des Hundes. Diese Beiden verstanden +sich ohne Wort oder Zeichen. Wo sein Herr ging, +folgte ihm der Hund. Wenn er des Nachts schlief, +lagerte sich der Geselle vor seinem Lager. Es war +unmöglich zu diesem Lager zu gelangen, ohne +den Leib des Hundes zu berühren, der aufsprang, +in einem einzigen Gurgelgriff den Eindringling +beendigt hätte, dann legte er sich wieder nieder +und leckte seine Tatzen. Denn so furchtbar und +gefährlich dieser Hund war für Menschen und Thier, +so gehorsam und gefügig war er seinem Herrn, +dass er das Wunderbare seines Eindrucks erhöhte, +der Ruhm des Hundes gross war wie der seines +Herrn, in dieser Gegend, wo man sie für Könige +hielt und Wesen über dem Maasse des Irdischen +und Staubgewordnen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann war vor dem Fremden stehen +geblieben und sah ihn an. So gross war das +Feuer der Sehkraft in den Augen dieses alten +Mannes, dass es wie Flammen züngelte und +emporschlug an dem Andern. Einen Sterblichen +hätte dieses Feuer verbrannt. Aber der Fremde +<span class="tei tei-pb" id="page216">[pg 216]</span><a name="Pgp216" id="Pgp216" class="tei tei-anchor"></a>sass ganz still, zeichnete mit seinem Stab im +Sande. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wer bist Du?“ fragte der alte Mann, dem +der Wald gehörte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich bin Der, der gewesen ist und nicht +stirbt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichts ist gewesen von Anfang, und Alles +stirbt,“ sagte der alte Mann. „Es ist Niemand, +der nicht stirbt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nichts, das gewesen ist, stirbt,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Buddha ist gestorben, Alexander und Cäsar. +Was ist geblieben von ihrer Weisheit, ihrem +Glanz, ihrer Stärke?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Amsel, die läuft. Der Molch, der wacht. +Die Spinne, die spinnt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du sprichst sehr thöricht,“ sagte der alte +Mann. „Jene waren Helden und Weise. Diese +sind arme, geringe Thiere.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„War ihre Weisheit vorsichtiger denn die des +Vogels? Ihr Reichthum grösser denn der der +Eidechse? Ihr Werk bleibender als das der +Spinne?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie rechnet nach Tagen. Wir zählen Aeonen. +Sein Reichthum ist Spukwesen. Die Weisheit des +<span class="tei tei-pb" id="page217">[pg 217]</span><a name="Pgp217" id="Pgp217" class="tei tei-anchor"></a>Vogels ist der rohe Instinkt der Natur. Wir finden +die schwersten Regeln und lösen das Innere der +Menschheitsgeschichte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Euer Wesen ist Spuk und Eure Weisheit ist +Spreu. Sieh, wie ich es zerreisse!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde schlug mit der Hand in das Spinngewebe +und zerriss es. Die grosse Spinne fiel. +Er setzte den Fuss darauf und zertrat sie. Der +Salamander duckte sich unter die Wurzeln. Die +Amsel entfloh hüpfend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich fürchte den Tod nicht,“ sagte der alte +Mann stolz. „Ich habe das Leben getragen und +es ist schlimmer zu tragen als der Tod. Allen +Reichthum und alle Macht habe ich gehabt. Und +ich war ein Sklave, ärmer wie der ärmste Tagelöhner. +Der Tag, da ich vor meinem Hause stand +und Kohl pflanzte, war mein glücklichster Tag. +Kaiser und Könige habe ich gekannt. Ich habe +an ihrem Tisch gesessen und mit ihnen gegessen. +Sie waren wie die Gummibälle in meiner Hand, +Seifenblasen, die die Kinder auftreiben und zerblasen. +– An meinem Stab bin ich hierhergegangen. +Ich habe die ganze Welt besessen +und konnte mein Thor zumachen vor der Welt, +Eifersucht, Noth, Neid, Hass habe ich getragen, +<span class="tei tei-pb" id="page218">[pg 218]</span><a name="Pgp218" id="Pgp218" class="tei tei-anchor"></a>Undank, der schlimmer ist wie der giftige Zahn +der Natter. Er hat mich nicht angefochten, mehr +denn Jubel, Ruhm, Liebe der Weiber, flüchtige +Tropfen des Blüthenöls, die verfliegen. – Hier +bin ich ein sehr alter Mann. Die Zeit habe ich +ausgehalten und ich grüsse den Tod, denn ich bin +müde vom Leben. In mir ist Alles todt, was +lebendig gewesen. Ich liebe die Welt nicht und +ich hasse sie nicht. Alles ist eins, und so gut +als wäre es nie gewesen. Wenn etwas nachher +ist, werde ich es tragen. Niemals werde ich glücklich +sein und niemals klagen. Ich bin vom Geschlecht +der Riesen hier, der Tausendjährigen. – +Was bist Du gekommen mich zu stören in meiner +Oede? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Ich habe Zeichen am Himmel gesehen,“ +sagte der alte Mann, „und Götter. Es waren +andre Götter vor ihnen, grösser und gewaltiger +als Du. Sie hassten und liebten, sie sangen und +schlugen. Vielleicht schlafen sie, vielleicht sind +sie todt. Lass mich schlafen bei meinen todten +Göttern! – Sie rafften und wussten und sammelten +Schätze und schufen Welten für Zeiten und +Jahre. Sie waren Götter und sind wie Menschen. +Ich gehöre zu ihnen. Du bist nicht meiner.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page219">[pg 219]</span><a name="Pgp219" id="Pgp219" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du wirst mich kennen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen +und beschattete seine Augen mit der Hand. Wie +ein Schatten ging es über seine Augen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich träumte von Einem ... Es ist lange, +lange her. Der da kommen sollte ... Ich weiss +nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? +Du bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod +gesehen. Du bist ein König und kommst im +Kleide des Bettlers. Du könntest tödten und +Du streckst die Hand aus, um zu bitten. ..... +Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie +wir?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich bin für Dich gestorben. Aus Liebe zu +Dir bin ich Fleisch geworden und ich habe gelitten. +Es ist die Liebe, die mich lebendig macht +vor Deinen Augen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen +drohten den Fremden zu verschlingen. Sie bohrten +sich sehr tief in sein Gesicht und schienen seine +Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: +„Wohl – wohl – Du bist gut und barmherzig. +Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. +Ueber Schuld und Nacht – – Kannst Du lieben +dahinüber?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page220">[pg 220]</span><a name="Pgp220" id="Pgp220" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin +in der Hölle gewesen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„In der Hölle ... In der Hölle ...“ Der alte +Mann beugte sich noch weiter vor. Seine Augen +schienen sich hineinzufressen in die des Andern, +zu ringen – zu ertrinken. Er athmete hart. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen +Himmel, die Starken schmachten in Ketten und +Banden – –“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen +Himmel, die Starken schmachten in Ketten und +Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der +Stolzesten Stolzer ... Einer – –“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. +Sieh mich an und verstehe!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann hatte einen Schritt vorwärts +gemacht. Wie ein Blitz an der Eiche glitt er hernieder. +So fiel er um und war todt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fremde drückte ihm die Augen zu. Er +machte das Zeichen des Kreuzes über ihn. Er lag +da in seiner ganzen, riesigen Länge, die tausendjährige +Eiche, die tausend Jahre gestanden hat +und fällt. Der Hund hielt die Wache neben dem +Leichnam. Er sass still und gerade, den Kopf +hochgerichtet, die Vorderpfoten nebeneinander +ge<span class="tei tei-pb" id="page221">[pg 221]</span><a name="Pgp221" id="Pgp221" class="tei tei-anchor"></a>stellt, wie steinerne und eherne Hunde sitzen auf +alten Grabmälern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Salamander lugte aus seiner Wurzelspalte. +Die Amsel hüpfte und beschrieb seltsame Kreise. +Die Spinne wob ihr Netz. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Niemals wieder im Zauberwald hörte man die +Klage der weissen Frau. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page222">[pg 222]</span><a name="Pgp222" id="Pgp222" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc25" id="toc25"></a><a name="pdf26" id="pdf26"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das dreizehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es begab sich aber, dass Einer gestorben war, +den er lieb hatte. Dessen Verwandte und +Freunde kamen zu ihm und sagten: „Dein Freund +ist todt. Er hat Dich geliebt und liebt nicht mehr. +Er hat gesprochen und nun schweigt er. Er ging +und wandelte unter uns und er ist nun starr und +stumm wie ein Stein. Bald wird die Verwesung +eintreten an seinem Leichnam. Wir werden ihn +begraben und unter die Erde senken müssen. Die +Würmer werden ihn zerfressen, sein Fleisch, das +faul und stinkend wird, die Knochen, dass von +ihm nichts übrig bleibt. Pilze und lange Gräser +werden wachsen aus seinem Grab. Wo sein Hirn +war, werden die Maden nisten. Ekle Larven +werden kriechen in der Höhle seines Mundes, der +lieblich tönte von holdseliger Rede, weil er lebte. +<span class="tei tei-pb" id="page223">[pg 223]</span><a name="Pgp223" id="Pgp223" class="tei tei-anchor"></a>Seine Mutter wird Niemand haben, der ihr Trost +bringt. Sie ist alt und kann nicht mehr ausgehen +auf Arbeit. Seine Schwestern werden sitzen und +verwelken in ihrer Jungfrauenschaft. Denn wer +wird sie wollen, wo der Bruder fehlt, der Brot +gab und Schutz? Ein grosses Unglück ist es für +Alle. Du konntest helfen und halfst nicht. Nun +ist er todt. So Du nicht eilig kommst, wirst Du +die Leiche nicht mehr sehen im Tode. Der Dir +lieb war, geht ein wie Gras, das verdorrt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies Alles hörte er mit an, sagte nichts. Danach +stand er auf und ging sehr eilig, dass er +den Todten noch sähe auf seiner Bahre, die Hand +auf sein Antlitz legte, ehe sie ihn zuschlossen im +Sarge. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Im Hause fand er Alles in schwerer Trauer. +In einer Stube sass die alte Mutter und wehklagte +laut. Alle Weiber des Orts waren um sie, +weinten und halfen ihr ihre Thränen trocknen. +Während sie laut die Tugenden des Todten rühmten, +der ein vortrefflicher Sohn gewesen, voll Eifer und +Zuverlässigkeit gegen seine betagte Mutter, der er +die Hälfte seines Verdienstes gab, dass sie friedlich +und in Eintracht lebten in ihrem Häuschen und satt +zu essen gehabt von dem, was er heimbrachte. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page224">[pg 224]</span><a name="Pgp224" id="Pgp224" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So trostlos war die alte Frau, dass sie ihre +Haare zerrauft hatte. Ihre Kleider hingen unordentlich +um ihren Leib, denn sie hatte sie +mehrere Tage und Nächte nicht abgenommen, +während er krank lag. Ihre Augen waren geröthet +vom Nachtwachen, ihre Backen eingefallen +von Kummer, jämmerlich und hülflos die ganze +Erscheinung. Sie weinte laut, schrie und wollte +sich nicht trösten lassen. Es war ihr einziger +Sohn gewesen, der todt lag. Sie hatte nur diesen +und würde kinderlos bleiben hinfort. Ihre Töchter +konnten in die Ferne ziehen als Mägde. Manchmal +würden ihr die Nachbarn eine Unterstützung +bringen als einer Bettlerin und Ueberlästigen. Sie +würde an der Thür stehen, wo sie früher als +Herrin gewaltet, ärmlich sitzen, wo sie im Mutterstolz +geschritten neben ihrem Sohn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die eine Schwester Martha ging ab und zu. +Sie brachte warme Getränke, Wecken und Kuchen +für die Leidtragenden, während die Männer Bier +aus Krügen tranken, Branntwein hingestellt war +in Flaschen. Das gebot die Sitte. Diese Martha +hatte das Hauswesen unter sich und war sehr +tüchtig darin. Ihre Wecken und Kuchen waren +berühmt im Dorfe. Das Bier, das sie selbst braute, +<span class="tei tei-pb" id="page225">[pg 225]</span><a name="Pgp225" id="Pgp225" class="tei tei-anchor"></a>schmeckte kräftig und süss, wie irgend ein gekauftes. +Alle assen und tranken reichlich, lobten +Martha, ihre Ordnung und Führung des Hauswesens, +wie sie Alles eingeleitet und gerichtet in +dieser traurigen Gelegenheit. Sie war bald hier +und bald dort, füllte die Tassen und Krüge, schalt +auf die Kinder, die anfingen das Brot zu verstreuen, +sich die Gesichter zu beschmieren mit Mus +unter dem Tisch. Sie nahm einen Besen und +fegte sie damit hinaus Alle zusammen und gab +ihnen Schläge auf ihre kleinen Röckchen. Alle +fanden, dass sie recht that, diese Martha ein sehr +tüchtiges Frauenzimmer sei. Es war ein oberster +Bauer im Dorf, der sich vornahm, sie als Haushälterin +zu dingen. Der Wirth vom Krug wollte +sie gleichfalls. Dieser war ein Wittmann und +konnte heirathen. So dass wenig Noth war um +Martha, selbst wenn sie keine Aussteuer hatte, +der Bruder fehlte, sie wegzugeben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Maria aber, die andre Schwester, sass zu +Häupten des Todten in dem kleinen Verschlag +nebenan. Sie hatte einen blühenden Kirschenzweig +abgebrochen und wehrte damit den Fliegen, +die kommen wollten, sich auf das Antlitz des +Todten zu setzen. Wenn eine Fliege kam, scheuchte +<span class="tei tei-pb" id="page226">[pg 226]</span><a name="Pgp226" id="Pgp226" class="tei tei-anchor"></a>sie sie sacht hinweg mit ihrem blühenden Zweig, +ohne sie zu tödten, dass sie aufflog und summend +gegen das Fenster stiess. Sie hatte Wiesenblumen +gepflückt, ganze Armladungen voll, und sie zu +beiden Seiten des Bettes geschichtet. Wie auf +einem lichten Frühlingsanger lag der Todte, weil +er jung war, wohlgewachsen und schön vor andern +Jünglingen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Martha schalt über das unnöthige Heu, das +die Kühe fressen könnten. Sie fand, dass die +Schwester ihr helfen sollte in der Wirthschaft und +bei der Bedienung der Gäste. Aber Maria blieb +sitzen bei dem Todten. Sie hatte ihren Zweig in +der Hand und scheuchte sacht die Fliegen, während +sie vor sich hinsang. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Maria hatte die Gabe der Lieder. Im +Hause war sie nicht so geschickt wie Martha, von +weniger flinken Fingern, so dass jene oft schalt +und ihr Vorwürfe machte. Sie konnte auch nicht +ansehen, dass man Thiere und Vögel schlachtete, +wie Martha es that, trefflich davon zu kochen verstand. +Manchmal hatte sie der Schwester die +blinkenden Fische wieder aus dem Netz genommen +und heimlich zurückgetragen in’s Wasser. Martha +hatte gezankt, ihre Hand geschlagen. Sie fand, +<span class="tei tei-pb" id="page227">[pg 227]</span><a name="Pgp227" id="Pgp227" class="tei tei-anchor"></a>dass sie unnütz war und träge in der Arbeit. +Obgleich sie sehr schön war, höchst lieblich anzusehen, +fragte sie nicht nach den jungen Leuten +im Dorf, die zwar gekommen wären, unter ihren +Fenstern von Liebe zu schwätzen, auch wohl ihre +Armuth übersehen hätten um ihrer grossen Schönheit +willen. Ihre Schönheit war wie die einer +Königin, nicht eines Bauernmädchens. Wenn sie +durch das Dorf zum Brunnen ging, liefen die +Kinder ihr nach, die Kühe kamen mit breiten, +weissen Stirnen, sich streicheln zu lassen von ihr, +zu saufen aus ihrem Eimer. Man sagte, dass in +ihrer Hand Heilkraft wäre, die Pflanzen, die sie +eingesetzt hatte, schlugen an und blühten. Ihre +Lieder schläferten ein trotziges Kind ein. Das wilde +Blut wurde ruhig. Man vergass die Sorgen des +Lebens, wurde einfach, Lilien auf dem Felde, die +blühen in ihrer stillen Pracht, und kleine Vöglein, +die zwitschernd flogen ohne Sorge und Noth. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sass und störte mit ihrem Zweig die Fliegen. +Sie sang leise. Sie war gar nicht traurig. Ihr +schönes Gesicht blieb ruhig wie zuvor. Sie weinte +auch nicht; man sah keine Unordnung in ihrem +Haar oder Kleid. Keine Herdröthe lag auf ihren +Backen, wie bei Martha, die fliegend stob, scheltend, +<span class="tei tei-pb" id="page228">[pg 228]</span><a name="Pgp228" id="Pgp228" class="tei tei-anchor"></a>zählend, weinend wieder zwischendurch über den +Bruder, der fehlte, die Sorge, die in den Haushalt +gekommen dadurch. Besonders beklagte sie +sich, dass Er, der sein Freund war, nicht dagewesen +war bei Zeiten. Er hätte ihm ein Heilmittel +geben können, wenigstens doch Trost spenden an +seinem Bett, eine Hülfe sein den geplagten Frauen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es kamen immer mehr Menschen, denn die +Zeit des Begräbnisses war nahe. Alle assen und +tranken. Es war eine grosse Unordnung. Man +hörte das Klagen der alten Frauen, die die Tugenden +des Todten aufzählten, die Kinder spielten und +trieben allerlei Schabernack. In den Ställen brüllte +das Vieh, das man vergessen hatte über dem +Trubel, vor seinen Krippen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Mitten hinein da trat der Fremde. Martha +stürzte sich sofort auf ihn und erzählte die näheren +Einzelheiten von der Krankheit und dem Tod. +Die alte Mutter erhob ihre Stimme sehr hoch in +Schluchzen. Alle sahen ihn an und drängten sich +um ihn, denn sie wussten, dass der Verstorbne +ihm sehr lieb gewesen war. Sie wunderten sich, +was er thun würde. Einige dachten auch, er hätte +ihm helfen können: Was ist an ihm, so er nicht +mal diesen retten konnte, den er lieb hatte? Die +<span class="tei tei-pb" id="page229">[pg 229]</span><a name="Pgp229" id="Pgp229" class="tei tei-anchor"></a>Andern glaubten beinah an ein Wunder: Jetzt +ist die Gelegenheit für ihn. Wir müssen sehen, +was er thut. Sie waren ganz bereit zu glauben, +wenn er den Todten erweckte, obgleich sie natürlich +nicht zugaben, dass so etwas möglich wäre. +Es war eine Aufregung in der ganzen Gesellschaft +und Alle sahen auf ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Führt mich zu ihm!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Martha führte ihn in den Verschlag. Alle +drängten nach durch die niedrige Thür. Aber er +hiess sie die Thüre schliessen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So schloss sie die Thür. Draussen warteten +die Andern. Nur die alte Frau fuhr fort laut zu +wehklagen, ihre Tage zu verfluchen, dass sie lieber +ihm nachfahren wollte in die Grube, der ihr Leben +gewesen, der Trost ihres hülflosen Alters. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte +sich die Vorhänge fortzuziehen: „Sieh ihn Dir +genau an und merke die Zeichen des Uebels, an +dem er gestorben ist.“ Sie beschrieb sie genau. +„Nun ist es zu spät. Wenn Du bei Zeiten gekommen +wärst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist +es auch nicht zu spät? Du weisst sehr Vieles, und +es ist Dir Macht gegeben über Kunst der gewöhnlichen +Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page230">[pg 230]</span><a name="Pgp230" id="Pgp230" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte +in ihrem Herzen: „Wenn es doch möglich wäre? +Warum sollte es ganz unmöglich sein?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Lass mich allein mit ihm.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So ging sie hinaus und schloss die Thür +hinter sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Niemand im Zimmer, denn er und +Maria. Und die Leiche zwischen ihnen, von der +sie die Fliegen wehrte mit ihrem blühenden Zweig. +Denn sie hatten ihn viele Tage liegen lassen um +des Fremden willen. Der Leichnam fing schon an +sich zu zersetzen. Ein Geruch der Fäulniss war +mit im Zimmer zwischen dem frischen, kühlen +der Blumen, die Maria gesammelt hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war an das Lager getreten und sah den +Todten an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist nicht todt,“ sagte er. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schläft +blos,“ sagte Maria. Sie fuhr fort den Fliegen zu +wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, +sang sie, von der Spreu im Winde: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, +er blühet wie eine Blume auf dem Felde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn der Wind darüber geht, ist sie nimmer +da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page231">[pg 231]</span><a name="Pgp231" id="Pgp231" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie gehen daher wie ein Schemen und machen +sich viel vergebliche Unruhe. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sammeln und wissen nicht, wer es +kriegen wird. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wie ein Traum vergehet, so wird er auch +nicht gefunden werden und wie ein Gesicht in der +Nacht verschwindet. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Unser Leben währet siebenzig Jahre, und +wenn es hochkommt, so sind es achtzig Jahr, und +wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und +Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als +flögen wir davon.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nicht traurig klang es. Nur weich und sehr +leise. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist nicht todt und er hat nicht gelebt,“ +sagte der Fremde. „Er wurde nur geboren und +nun ist er gestorben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich weiss, dass er nicht todt ist und nicht +gelebt hat,“ sagte Maria. „Was lebt, ist unsterblich. +Das Unsterbliche kann niemals sterben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Niemals,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Vielleicht ist er auf einem andern Stern jetzt,“ +sagte Maria. „Vielleicht ist er etwas sehr Hohes +und Herrliches. Vielleicht ein Fliegeneichen. Und +der Wind führt es fort. Oder Gräser wachsen aus +<span class="tei tei-pb" id="page232">[pg 232]</span><a name="Pgp232" id="Pgp232" class="tei tei-anchor"></a>ihm, die blühen und Samen tragen.“ Sie lächelte +und scheuchte die Fliegen. Die Sonne stand schon +niedrig. Ein breiter Lichtbalken vom Fenster her +zog sich quer durch die Stube. Hunderte von +glitzernden Stäubchen tanzten und webten. Sie +stiessen sich und kreisten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Vielleicht,“ sagte der Fremde. „Nur er ist +nicht todt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist nicht todt. Sie denken es blos. Sie +sind thöricht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und blind. Sie sehen nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sehen nicht, weil sie hochmüthig sind +und Scheuklappen vor ihre Augen binden, um +nicht zu sehen. Alles ist schön. Alles singt. +Alles lebt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und fröhlich sang sie in den Tag, der sich +neigte: „Sie denken, dass die Sonne untergeht. +Sie geht nur weiter. Sie sehen sie nicht. Es wird +Nacht. Nach der Nacht kommt der Morgen. Ach, +die Menschen sind ungeduldig und unverständig! +Wie kleine Kinder sind sie, die weinen, wenn es +dunkel wird. Still ist die Nacht. Lieblich und +gütig.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +– „Möchtest Du den wecken, der schläft? +Er schläft sanft und seine Lippen lächeln. Möchtest +<span class="tei tei-pb" id="page233">[pg 233]</span><a name="Pgp233" id="Pgp233" class="tei tei-anchor"></a>Du purpurn haben, was weiss ist? Zuckend und +fiebrig, was so still ward? Fühle, wie still +es ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie entfernte mit ihrer Hand das Hemd des +Todten und legte ihre Hand auf sein Herz. „Es +schlägt nicht mehr. Hört darum der Ocean auf, +seine Wellen zu wälzen? Stört es etwas im +Wechsel von Tag und Nacht, vom Sommer zum +Winter? Arme Menschen! Wie ihre Herzen winzig +klein sind! Und Froschherzen sind noch kleiner. +Aber eine Fliege hat auch ein Herz. In ihren Adern +fliesst Blut. Kleine Menschen, kleine Fliegen- und +Froschmenschen! Wie sie klein sind!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Deine Mutter weint.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe eine Blume gepflückt und der Stengel +blutete. Das ganze Würzelchen starb. Sie muss +nun sterben. Sieh, wie die Blätter hängen! Wie +sie traurig ist!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Man könnte sie wieder einpflanzen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wozu? Es giebt so viele Blumen. Sie wird +Staub werden, eine schönere Blume vielleicht. +Vielleicht wird sie eine Königin. Sie möchte gar +nicht wieder eine arme, kleine Blume sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die draussen verstehen es nicht.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page234">[pg 234]</span><a name="Pgp234" id="Pgp234" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die verstehen es nicht. Sie sind ungeduldig, +dumme, kleine Kinder.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und unglücklich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Unglück ist Ungeduld und Eigensinn. Es +giebt keine Gefahr, wenn Du auf dem Wasser +liegst und Dich treiben lässt. Es trägt Dich mit sich. +<span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Gegen</span></span> die Fluth bist Du ohnmächtig. Sie verschlingt +Dich. – Du kannst die Augen schliessen +und die Arme falten. So leicht – leicht schwimmt +es sich! – <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Er</span></span> schwimmt jetzt. Er tobt nicht mehr. +Er ist nicht todt und ich lebe nicht. Es ist Alles +Eins – Alles ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Abenddämmerung war in’s Zimmer gekrochen. +Alles löste sich auf, schien zu schwimmen, +emporgetragen zu werden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Schatten! Schatten! ... Wenn Du aus der +Ferne viele Stimmen hörst, ist es Alles nur ein +Ton. Wir sind zu nah. Nicht ein Gedanke, der +gedacht worden ist, verschwindet. Was in den +Schooss der Zeiten gesenkt war, trägt Frucht und +blüht in den Zeiten ewiglich. Das Leben der +Zeiten ist die Ewigkeit. Und alles Lebens Leben +ist Gott.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da legte er die Hand auf die Stirn des Todten. +Er sprach: „Leb wohl! Ich sehe Dich jetzt nicht. +<span class="tei tei-pb" id="page235">[pg 235]</span><a name="Pgp235" id="Pgp235" class="tei tei-anchor"></a>Aber ich werde Dich sehen. Du bist nicht todt. +Das Leben ist in Dir nicht todt. Was Du mir +davon gegeben hast, trage ich in mir. Und diese +Alle tragen etwas. Das Andre liegt gehütet wie +ein kostbarer Schatz. – Den Winden – der +Erde – dem Wasser“ – er schlug die Zeichen +durch die Luft. – „Gott, der des Lebens Ursprung +ist, von dem es fliesst und zurück fliesst. +– Komm jetzt, dass wir ihn rasch begraben und +ein Ende machen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So gingen sie Beide hinaus, Maria und er, +schlossen die Thür hinter sich, da der Todte lag. +Es war dunkel bei dem Todten. Man merkte +jetzt deutlich den Geruch der Verwesung, in dem +der welkenden Blumen, etwas von Blut, Fleischfaser +und schlechten, geringen Stoffen. Schlaff, +mit geschlossnen Kelchen hingen die Blüthen. Die +Fliegen schwirrten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Andern, da sie diese Beiden so ruhig +sahen, meinten sie, es wäre ein Wunder geschehen, +dass der Todte lebte. Sie drängten nach in die +Thür und Martha rief mit lauter Stimme ihren +Bruder: „Du – Du – sage ob Du lebst?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber Maria sagte: „Lass ihn. Er ist nicht +todt. Doch wir müssen ihn begraben, denn es +<span class="tei tei-pb" id="page236">[pg 236]</span><a name="Pgp236" id="Pgp236" class="tei tei-anchor"></a>ist Abend und die Leiche fängt schon an stinkend +zu werden. Es wäre uns schädlich, ungesund, +zum Schlafen in der Kammer.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Martha sprach: „Wie sollen wir ihn begraben, +so er doch nicht todt ist?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sah den Fremden hart an, weil sie ihm +zürnte, dass er ihren Bruder nicht erweckt hatte, +wie er wohl konnte nach ihrem Glauben. Sie +mussten Noth leiden forthin. Ihre Mutter würde +ohne Stütze sein für ihr Alter. Er aber lächelte +nur, winkte mit der Hand und ging hinweg ohne +ein Wort. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies nahmen Viele ihm übel, Martha und die +Frauen, die Neugierigen, die auf ein Zeichen gewartet +hatten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Maria aber war nicht traurig. Sie sang und +schritt leicht dahin. Wenn man sie fragte, ob sie +nicht Leid trüge um ihren Bruder, sagte sie: „Ich +warte auf ihn. Ich weiss, dass er nicht todt ist. +Ich werde ihn sehen. Es ist in sehr kurzer Zeit +vorüber – Alles. Ich bin eilig, die Blume zu +fassen, meine Pflanzen zu wässern, dass sie +wachsen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Einige sagten: Es ist Gleichgültigkeit, Andre: +Grösse. Aber es war nichts von Beiden. Sie +<span class="tei tei-pb" id="page237">[pg 237]</span><a name="Pgp237" id="Pgp237" class="tei tei-anchor"></a>wusste nur und sie fand, dass die Tage zu kurz +sind zum Weinen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Denn die Nacht kommt schnell herbei, da Niemand +schaffen kann. +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun war aber in dieser Gegend eine Jungfrau, +die nie ein Mann berührt hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So rein war diese Jungfrau, dass nicht ein +unkeuscher Gedanke oder Abdruck ihr Gehirn +kreuzte. Selbst in ihre unbewussten Träume kam +eine solche Vorstellung nicht, eine Hitze oder Beunruhigung. +Sie hätte nackt vor Männern hergehen +können, ohne dass sie sich geschämt hätte. +Man würde vor ihren Augen alle Wollust und +Sündhaftigkeit der Welt ausbreiten können, dass +ihre Augen nichts gesehen hätten, die Röthe wäre +in ihre weissen Wangen nicht gestiegen. Denn +sie war rein in sich und crystallen wie klares +Wasser, der Spiegel des Bergsees, in den nie +eines Menschen Auge geblickt, nur der Himmel +in seiner Bläue über den Wolken, keusch wie die +königliche Lilienblüthe, die sich erschliesst in der +Nacht, in hundert Jahren ein Mal, weil die Brunst +der Sonne sie beleidigen könnte, Unreines, das +stäubt und fliegt im Tage. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page238">[pg 238]</span><a name="Pgp238" id="Pgp238" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser Jungfrau, so Einer mit schlechten oder +unzüchtigen Gedanken ihr nur nahte, musste er +sein Antlitz verhüllen und fliehen wie vom Blitz +getroffen. Die andern Frauen mochten nicht in +ihrer Nähe aushalten mit ihren bösen Zungen, +täglichem Geklatsch von Heimlichkeit und Wollust. +Nur die kleinen Kinder gingen gern an ihrer Hand +und mochten in ihre Augen sehen, die gleich +klaren Sternen waren in der Winternacht, wenn +unten der Boden weiss friert. Es war ein armer +Blödsinniger und Taubstummer, der mit ihr in +ihrem Garten wohnte, ihr Dienstleistungen that, +denn so furchtbar und streng war die Reinheit +dieser Jungfrau, dass sie den Augen wehthat wie +Sonnengefunkel im Mittag, bläuliches Gletschereis, +wenn sie auf der Strasse ging, die Menschen und +Vorübergehenden zur Seite schlichen wie scheue, +geprügelte Hunde oder Wölfe. Es war, als ob +sie nur Thiere waren gegen sie. Und wenn sie +grosse Herren und Fürsten hiessen, vor dem edlen +Antlitz dieser Jungfrau wurden sie klein und +unfrei. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab Leute, vornehme Herren und Lüstlinge, +in derselben Stadt, die sich in ihr Haus geschlichen +hatten in der Nacht. Und sie hatten diese +Jung<span class="tei tei-pb" id="page239">[pg 239]</span><a name="Pgp239" id="Pgp239" class="tei tei-anchor"></a>frau nackt gesehen, wie sie sich wusch. Der Strahl +ihrer Nacktheit war in ihre Augen gedrungen wie +Schwerter, dass sie laut aufschrieen, heulend hinausstürzten +wie Trunkene von zu starkem Wein oder +die Tollheit verwirrt. Und hatten Einer den Andern +erwürgt in ihrer schäumenden Tollheit. Und Einen +hatte der Blöde gepackt und er hatte ihm das +Haupt aufgeschlagen auf den Stein, dass das Gehirn +weit über die Strasse spritzte. Und Alle +fanden, dass es die gerechte Strafe war für ihre +Unreinheit, diese Jungfrau stärker war in ihrer +Nacktheit wie ein starker Mann in siebenfacher +Rüstung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Lüge und Verläumdung prallte von ihr ab +wie Hagelschlag am Felsen. Es ging die Sage, +dass ein Gerichteter gestorben war von dem Strahl +ihres Auges, der die Wahrheit erkannte, mehr +denn von dem Spruch des Richters, der ihn verdammte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber die Armen hatten keine Furcht vor dieser +Jungfrau. Auch nicht die verachteten, gemiedenen +Frauen und Mädchen des Orts, die unrein und +hässlich geworden waren an Leib und Seele. +Denn die Klarheit dieser Einen deckte sie Alle +wie ein weisser, herrlicher Mantel, und war keine +<span class="tei tei-pb" id="page240">[pg 240]</span><a name="Pgp240" id="Pgp240" class="tei tei-anchor"></a>so elend, mit Aussatz befleckt, dass nichts von +dieser Glorie auf sie gefallen wäre. Sie wussten, +dass sie die Königin der Frauen war und priesen +die Kunst in der Güte, die ein solches Wunder +geschaffen, herrlich und unantastbar gemacht hatte +vor allen Frauen und Männern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man nannte sie nur die weisse Jungfrau. Es +ging die Sage, dass, wenn sie schlief, die Seraphim +um ihr Lager standen mit gezückten Schwertern, +dass es aussah, als läge sie auf blauen, züngelnden +Flammen des Eises. Nur ein Mann, der gut +und keusch und edel war wie sie, konnte sie +lösen und heimführen als ihr Gemahl. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und Viele hatten es versucht sie zu lösen, die +edelsten Jünglinge aus aller Herren Ländern, die +Stärksten und die Schönsten. Und Alle waren +schamroth und betrübt weggegangen vor dem +klaren Blick ihrer Augen, der keine Lüge und +keinen Fleck zuliess, sie durchsah durch kunstvolle +Verstrickung und Verschönung, bis wo die Unreinheit +sass in ihrer Seele, die Blumen ihrer +Schönheit selbst wuchsen aus dem Sumpf ihrer +Unkeuschheit. Und war nicht Einer, der bestand +vor ihr, so Viele gekommen waren und gesungen +hatten und gesprochen und sich gesehnt. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page241">[pg 241]</span><a name="Pgp241" id="Pgp241" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So sagte man, dass sie niemals einen Mann +haben würde, es bestimmt war von Gott, dass +sie als Jungfrau hingehen sollte, weil sie zu edel +war, um berührt zu werden mit unreinen Händen, +zu klug für die Klugheit der Lüge und Arglist. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und sie selber freute sich, dass es so war. +Niemals wünschte oder fragte sie wie andre Mädchen +und schlief auf ihrem Lager mit den zehn +Seraphim, die um ihr Bett standen als strahlende +Wächter, bis der Morgen kam, klar wie ihr Erwachen, +die junge Sonne grüsste die weisse +Jungfrau. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zu dieser nun geschah eine Stimme mitten in +der Nacht: „Erhebe Dich und wache auf, denn der +Bräutigam ist gekommen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Worauf sie stracks sich erhob wie sie war aus +ihrem Schlaf und in ihrer Nacktheit. Und wusch +ihren Leib und badete ihn rein in crystallenem +Wasser des Regens, in Tropfen aus Maiwolken, +die nie die Erde berührt und vielfach gefiltert in +thönernen Krügen. Oder Wasser, vom Schnee +geschmolzen, wenn er jungfräulich ist, zu oberst +ruht am Morgen, da noch kein Fuss getreten. +Und wusch sich wohl und salbte sich mit köstlichen +Salben, von Knospen der Rosen, welche +<span class="tei tei-pb" id="page242">[pg 242]</span><a name="Pgp242" id="Pgp242" class="tei tei-anchor"></a>noch nicht das Licht gesehen hatten, die sie gesammelt +hatte in ihrer Knospe, und ersten Blumen +des Frühlings, wenn die Sonne noch nicht heiss +genug ist, die unter dem Schnee blühen und lieblicher +duften denn andre. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und nahm ihr weisses Gewand. Das war gewebt +ohne Stich und Naht aus der allerfeinsten +Seide, mit Lilien gestickt und gewirkt in silbernen +Fäden. Alle Lilien standen weit offen mit prangenden +Kelchen. Die Fäden verschlangen sich zwischen +ihnen im kunstvollen Rhythmus, einer wunderbaren +Weise der Lilien, die sie sangen. Kleiner +wurden sie gegen den Saum in gereihten Ketten. +Aber unter der Brust war nur noch eine Lilie, +die Königin der Lilien, mit gebreiteten Schwertblättern, +die zitterten, schwollen in der Last, die +auf ihnen lag. Nur Jungfrauen waren die Spinnerinnen +gewesen, die es gewebt und gesponnen. +Und man sagte, wenn eine Jungfrau, die nicht +mehr rein war, die Hand anlegte an dieses Gewand, +dass die Fäden blutroth wurden in ihren +Fingern, und liefen aus ihren Fingern wie Schlangen, +wollten sich nicht halten und fassen lassen +von ihr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieses nahm sie, legte es an und gürtete sich +<span class="tei tei-pb" id="page243">[pg 243]</span><a name="Pgp243" id="Pgp243" class="tei tei-anchor"></a>hoch unter den Brüsten mit goldnem Gürtel. Edel +war das Gold dieses Gürtels, aus einem Stücke +geschmiedet, das nie zuvor zu anderem Schmuck +geschmiedet gewesen. Ein ritterlicher Jüngling in +seiner Klostereinsamkeit hatte diesen Gürtel geschmiedet. +Er zeigte alle heiligen Frauen der +Welt, die sich darauf die Hände gaben. Und +waren Diana, die Göttin, Jephta’s liebliche Tochter, +die griechische Iphigenia und Antigone, und die +edle Römerin Clölia in derselben Linie mit den +Märtyrerinnen und Heiligen. So legte eine ihre +Hand auf die Schulter der Andern. Alle sahen +nach derselben Richtung, als ob von da der Bräutigam +käme, und bildeten einen Ring durch die +Zeiten, von den ältesten bis zu den letzten, Jegliche +eine Jungfrau und Fürstin, aus jungfräulichem +Golde von diesem untadeligen Jüngling zu +edelstem Brautschmuck verbunden. Welcher, als +man ihn auf solchen vermeintlichen Fehler als +heidnischen Irrthum aufmerksam machte, nur +lächelte, sagte: „Die Keuschheit ist eine besondere +Tugend. Diese führt auf dem geradesten Weg +zum Himmel. So ist eine reine Jungfrau in sich +selbst aller Engel Schwester. Diese Verehrung ist +allen Völkern gemeinsam. – Vom +Jungfrauen<span class="tei tei-pb" id="page244">[pg 244]</span><a name="Pgp244" id="Pgp244" class="tei tei-anchor"></a>sohn ist das Heil gekommen. Solche stehen immerdar +am nächsten im Licht, hundertvierundvierzigtausend, +die sich der Herr selbst erwählt aus Zion.“ +So sprach dieser edle Jüngling, erstaunte Alle und +Niemand vermochte ihm zu antworten. – Das +Schloss aber des Gürtels stellte die Schlangen dar, +wie sie sich aufrichteten mit züngelnden Häuptern. +War also in ihm geheimnissvoll und symbolisch +der Fall und die Erlösung verwoben, wie von dem +Weibe und seiner Kraft Beides kommt, Heil und +Verführung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und sie nahm Spangen von Perlen, die nie +das Licht gesehen haben und schloss sie um ihre +Arme. Diese Perlen sind edler als alles Gestein, +aus dem Wasser gewoben, das eher war denn +die Erde, und das höhere Element ist, denn es +dient nicht wie jene den Menschen. So zart sind +sie, dass ihr Schein wechselt mit der Laune und +Stimmung des, der sie trägt, und wo ein Kranker +sie um seinen Hals legt, werden sie trübe und +schrumpfen ein wie die Haut unter ihnen. Silberne +Sohlen band sie unter ihre Füsse und strählte ihr +Haar und flocht ihre Zöpfe mit purpurner Binde. +Denn ihr Haar war prachtvoll wie ein goldner +Mantel, der sie bis in die Knie umwallte, jeder +<span class="tei tei-pb" id="page245">[pg 245]</span><a name="Pgp245" id="Pgp245" class="tei tei-anchor"></a>einzelne Faden fein und gerundet wie aus gesponnener +Sonne. Wenn sie zusammenfielen, war +keine Mähne der rothen Löwin so voll. Sie +wogen schwerer in der Hand wie Erntelast des +vielkörnigen Weizens. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ihre Brauen waren wie Bögen der Nacht, +darunter die lichte Sonne sich verbirgt. Ihre +Wimpern standen in Strahlen. In der geraden +Linie ihrer Nase mit athmenden Nüstern war Stärke +und Feuer. Der Hauch von ihren Lippen ging +wie von einem Blumenbeet, süsser denn Honig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab keine schönere Jungfrau weit und breit +im Lande. Und keine untadligere, von edlerem +Geschlecht, obgleich sie arm war und Haus hielt +für sich allein mit dem stummen Diener. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zu diesem trat sie, mit der Leuchte in ihrer +Hand, im Brautschmuck wie sie war. Und sprach: +„Rege Dich und öffne die Thore! Der Bräutigam +ist gekommen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So gross aber war das Licht ihrer Schönheit +diesem blöden Auge selbst, dass die Leuchte in +ihrer Hand davon erstarb, ihn dünkte, als ob es +ganz dunkel war, ohne sie, die strahlte herrlicher +denn der Tag, der junge Mond selbst im Viertel +seiner Geburt. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page246">[pg 246]</span><a name="Pgp246" id="Pgp246" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So stand dieser auf, schlug die Thore auseinander, +die doppelt geschlossen waren, mit Riegeln +versehen wegen der Bescheidenheit dieser Jungfrau, +weil sie allein lebte, eine ledige Magd, in einer +grossen und gottlosen Stadt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alsbald hielt da draussen vor dem Thor ein +herrlicher Prinz auf einem weissen Pferde. Alle +seine Diener hinter ihm hatten weisse Pferde und +silberne Helme, von denen das Licht lief in weissen, +bläulichen Strahlen gleich denen des Wintermonds, +wenn er in seiner Vollendung ist. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Prinz war mit einem weissen Leibrock +angethan und hatte ein goldnes Schwert an seiner +Seite und sein Helm war von Gold. Die Schabracke, +darauf er sass, war purpurn. Ein scharlachnes +Stirnband gürtete sein Pferd zwischen den +Ohren. Lichte Locken fielen zu beiden Seiten auf +seine Schultern herab. So strahlend war der +Glanz seines Auges, dass dieser arme Knecht in +die Kniee sank und mit gehobnen Armen flehte. +Er dachte, sein letztes Stündlein wäre gekommen, +und er könnte nicht ertragen so viel Klarheit und +übergrosse Herrlichkeit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Worauf der Andre: „Fürchte Dich nicht! Lass +mich ein und heisse mein Braut den Tisch legen +<span class="tei tei-pb" id="page247">[pg 247]</span><a name="Pgp247" id="Pgp247" class="tei tei-anchor"></a><a name="corr247" id="corr247" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">für</span> mich und sie. Ich bin gekommen, heut’ +Hochzeit hier zu halten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies sagte er aber mit seltsam lieblicher +Stimme, die wie reines Silber klang. Alle Glöckchen +der Pferde läuteten dazu. Seine Diener +schlugen an ihre Schwerter und riefen: „Heil!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser arme Knecht schwur später, dass in +solchem Augenblick der Himmel über ihren Häuptern +offen gewesen und eine Taube von oben aus +der Klarheit herabgekommen wäre, die trug einen +goldnen Ring in ihrem Schnabel. – Denn das +Merkwürdige war, dass er sprechen konnte seit +dieser Nacht und immer nachher. Und war in +seinem Kopf wie andre Menschen, nur dass er +schwur zu seinem Eide, den Prinzen gesehen zu +haben, was ihm die andern Leute nicht glaubten, +für eine Blendung seines armseligen Gehirns +hielten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So ritten Alle diese durch das Thor. So Viele +ihrer waren, schien es dennoch wunderbar, dass +der Hof sie doch fassen konnte. Und der arme +Knecht schloss die Thore hinter ihnen und schob +die Riegel vor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Was sich nun begab, wusste er nicht mehr, +denn er folgte dem Prinzen nicht in das Gemach, +<span class="tei tei-pb" id="page248">[pg 248]</span><a name="Pgp248" id="Pgp248" class="tei tei-anchor"></a>der ihm gebot: „Folge mir nicht!“ Aber durch +eine Luke im untersten Keller, wohin er sich vor +Angst geflüchtet und doch zitternd wieder auslugte, +sah er, dass alle Ritter von ihren Pferden +abgestiegen waren. Und sie standen um das +Haus mit gezognen Schwertern, die glänzten blau +wie Diamantlicht des Mondes. Und war so eine +Kette von Schwertern um das Haus, dass es stand +gleich einer Burg in uneinnehmbarer Klarheit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Drinnen aber in ihrem vertrauten Gemach hatte +die Jungfrau den Tisch gelegt. Sie nahm ein +weisses Tuch von feinstem Damast, das in der +Truhe gelegen hatte mehr denn hundert Jahre. +Es war nur weisser und feiner geworden von den +Jahren. Man sagte sich, dass zwölf Spinnerinnen +daran gewebt zwölf Jahre. Alle untadelige Jungfrauen, +die der Welt entsagt, den Faden zogen +in stiller Klosterzelle. Danach hatten sie den Flachs +auf dem Rasen gebleicht, wenn die Märzsonne +schien, – diese ist die früheste unter den Sonnen, +nicht geil wie die des Sommers, oder blutig vom +Herbststerben – es selbst gewebt mit ihren Händen, +ohne Eisen und Maschine, weil menschliche Hände +feiner sind und getreuer. Und Muster hineingezeichnet +von ihren Gedanken, des Weibes Lust und +<span class="tei tei-pb" id="page249">[pg 249]</span><a name="Pgp249" id="Pgp249" class="tei tei-anchor"></a>Glorie. Die Aeltermutter Eva im ersten Bilde, wie +sie den Apfel reicht. Aber auch als Mutter, mit +ihren gesegneten Brüsten es nährend, das die Verheissung +birgt, – die Lebensgebärerin. Rebekka +am Brunnen, Rahel, die Vielgeliebte, frühgestorben, +Mirjam, Deborah, begeisterte Prophetinnen, Judith +und Jael, Heroinen, Ruth, die Aehrenleserin, +Esther – aber auch sie, die die Raben scheuchte, +die diese frommen und einfältigen Seelen würdig +gehalten des ruhmvollen Reigens, – zwischen den +Sieben die Mutter der Makkabäer, die Wölfin +Juda’s, Elisabeth, auch eine Mutter, Johannes’ +des Täufers, Hannah, die Greisin, vorahnend die +Morgenschöne. Endlich die Lieblichste von Allen, +die Erfüllung, wie um die volle Rose der Kranz +sich schliesst, Maria, die Königin, unter den +Weibern Gebenedeite, an der Brust das Kindlein, +dass von Ihm alle Strahlen ausgingen, die Andern +berührten. Gleichsam als wären diese Bilder von +Kraft und Unschuld nur ein Strahl der Tugenden, +die sich in ihr wie in der Sonne vereinigten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies Tuch breitete sie sorgsam, die Falten +glättend, sich freuend am Silberglanz des Linnens +und der Kunst der Bilder. Darauf nahm sie ein +güldnes Gefäss aus reinstem Gold, das nie zuvor +<span class="tei tei-pb" id="page250">[pg 250]</span><a name="Pgp250" id="Pgp250" class="tei tei-anchor"></a>zu andrem gedient hatte. Dadrin war in kunstvoller +Prägung zu sehen, wie Abraham den Besuch +der Engel empfängt. Rechts hebt er freudig +preisend die Hände, ihnen entgegenzueilen. Links +sieht man schon rüstige Mägde das Federvieh +rupfen, wie sie die Butter stampfen im Troge, +während Sarah hinter der Thür verborgen steht, +die Verheissung zu erlauschen, der kleine Ismael +arglos mit kindlichem Spielzeug sich tummelt. – +Dieses füllte sie mit funkelndem, edelstem Wein, +der achtzig Jahre gelegen hatte und mehr. Nur +wenige Flaschen waren von diesem Wein zuerst +gezogen worden, gleichsam seine Seele. Ein Kaufmann +hatte ihn mitgebracht von weit her. Er +zeigte in seiner Mischung Feuer des Blutes und +Rosinfarbe von der Sonne. Süss war dieser Wein +und stärker wie Stierblut in seiner Süsse. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach nahm sie eine Schale von Silber, mit +silbernen Henkeln und Kette. Eine ländliche Ernte +auf dem Felde war darauf abgebildet, wie hier +schon die Wagen hochbepackt fortfahren, Schnitter +und Schnitterinnen Garben bindend, alte Leute und +Kinder die Aehren nachlesen. Aber auf den +Stoppeln tanzen schon lustige Mägde und Burschen. +Sie legte das Brot hinein, köstliches, feines +<span class="tei tei-pb" id="page251">[pg 251]</span><a name="Pgp251" id="Pgp251" class="tei tei-anchor"></a>Brot, das sie selbst mit ihren Händen gebacken. +Keine Maschine hatte daran mit geschaffen. Das +Korn war gerieben worden zwischen den Steinen. +Es gab kein edleres Brot. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie hielt es verschlossen in einem kunstvollen +Schrein, weil sie dachte: „Ich weiss nicht, wann +der Bräutigam kommt. Ich muss bereit sein zu +der Zeit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Solches stellte sie auf den Tisch, zündete die +Lampen an, die zu beiden Seiten standen, gefüllt +mit Oel, und feine Kerzen vom reinsten Wachs, +die dufteten wie sie tropften. Die Leuchter waren +von edlen Metallen und trugen Köpfe der heiligen +Thiere, Adler, Löwen und verschlungne Leiber der +Schlangen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und sie nahm einen Teppich von purpurfarbner +Seide, der im Schrank gelegen, auf dem +nie die Sonne geruht und keines Menschen Fuss +hatte ihn je betreten. Diesen breitete sie aus von +der Thür zum Sessel. Der Sessel aber war aus +geschnitztem Ebenholz. Die Schilder des Thierkreises +wechselten sich dort mit den vier Hörnern +des Mondes. Die Seitenlehnen waren Aronsstäbe +und auf vier Klauen ruhten die Füsse wie auf +Widderklauen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page252">[pg 252]</span><a name="Pgp252" id="Pgp252" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und öffnete die Thüre weit und neigte sich +bis zur Erde und berührte den Fussboden mit +ihrer Stirn. Und sprach: „So es Dir recht ist, +Deiner Seele gefällt, dass Du essen willst jetzt, +Alles ist bereitet, mein süsser Herr!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Darauf ging der Prinz ein in die Kammer +und setzte sich auf den geschnitzten Sitz am +Tisch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe +ab. Und brachte ein Gefäss mit Wasser. Und +rieb seine Füsse mit Wasser. Und salbte sie mit +duftender Salbe und trocknete sie in Linnen. Und +setzte sich da zu seinen Füssen und sah ihn an. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sprach er: „Warum kniest Du vor mir?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster +Herr! Lass mich knieen so und Dir dienen +allezeit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Kennst Du mich?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Bist Du nicht der kommen soll? +Ich kenne Dich wohl, denn Du bist meiner Seele +holdseligster Bräutigam. Ich habe nie einen andern +Mann gesehen, noch im Traume eines Zweiten +gedacht. Die Thür meiner Kammer blieb verschlossen. +Niemand sah das Geheimniss meines +Hauses bis heute.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page253">[pg 253]</span><a name="Pgp253" id="Pgp253" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun sagte er: „So Du nicht weisst, was Liebe +ist, wie kannst Du mich lieben?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Ich liebe Dich mehr als mein +Leben. Ich liebe Dich mehr als die Freiheit und +den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner +Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich würde meine +Füsse in Flammen setzen, um Dir zu folgen, +meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende +Faulheit des Sumpfes.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Da Du so tapfer bist, weisst Du, +dass Du sterben musst? Denn die mich freien, +werben um den Tod. Ihr Weg geht über Dornen. +Glühende Nägel müssen in ihre Hände eindringen; +ihre Seiten werden sich öffnen und bluten. Sieben +Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden +Dein Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, +in Deinem innersten Herzen haften wie fressendes +Feuer.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie aber schlug ihr weisses Gewand auf und +wies ihre junge Brust, die weisser war wie die +Seide des Kleides, unter der das Leben klopfte +in hohen geduldigen Wogen. Und sie sprach: +„Stich zu!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Du bist sehr schön. Schönheit ist +der Stolz und die Gnade des Weibes, und macht +<span class="tei tei-pb" id="page254">[pg 254]</span><a name="Pgp254" id="Pgp254" class="tei tei-anchor"></a>sie zur Freude des Mannes, seiner Augenweide, +dass er sein Leben lieber lässt denn die Süsse +ihres Leibes. Um Schönheit wird ein Weib geliebt. +Die Liebe des Mannes haftet an der Lieblichkeit, +den Formen und der Feinheit der Glieder. +– Gieb mir Deine Schönheit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Flugs legte sie nun ihr königliches Gewand ab. +Sie nahm die Spangen von ihren Armen, die +Perlen, die an ihrem Hals hingen, die purpurne +Stirnbinde that sie zur Seite. Und nahm eine +scharfe Scheere und schnitt ihr goldnes Haar ab, +wo es am dichtesten war hart im Nacken. Und +Alles legte sie zusammen und vor ihn hin, dass +sie nun vor ihm stand im Untergewand, und +ihre Arme und Hände waren unbedeckt. Sie fror +in ihrem dünnen Linnen. Dies Alles that sie in +der grössten Freude, mit den herzlichsten und +zärtlichsten Liebesworten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er aber seufzte und sprach: „Kummer wird +über Dich kommen, Krankheit, Verfolgung, Nachtwachen. +Deine Augen werden blind werden vom +Weinen, Deine Wangen einfallen von der Sorge +und täglichem Mühsal des Daseins. Du bist sehr +lieblich und jung. Du wirst hässlich sein und unansehnlich. +Ein Spott denen, die Dich priesen.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page255">[pg 255]</span><a name="Pgp255" id="Pgp255" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Ich bin gerne so, so Du mich +siehst, ich Dir nur wohlgefalle, der mein erwählter +Herr ist und lindester Gebieter.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Ich bin arm gewesen und hatte +kein Lager für mein Haupt des Abends. Meine +Nahrung fand ich von den Feldern, was wild +wuchs, karge Barmherzigkeit gab. Du musst arm +sein, ohne Frieden und Heimath wie ich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Gleich heute will ich fortgehen, +die Thür verschliessen und mein Haus zumachen, +es nicht wiedersehen, wo ich still lebte und glücklich. +Meine Habe soll den Armen gehören. Ich +nehme nichts denn einen Stab, Brot für morgen, +diesen Schleier um mein Haupt, dass ich nicht +zum Gespött der Gassenjungen werde, sie sagen: +‚Es ziemt sich nicht einem Weib, in Freiheit zu +laufen.‘ So ich doch Deine verlobte Braut bin und +eines grössten Königs Geehrte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da seufzte er noch tiefer, sprach: „Gerade +schleierlos musst Du gehen und unverhüllt, nackt +und in Blösse. Ich brauche Deine Scham, wie ich +Dein Leben brauche, weil sie einer Jungfrau theurer +ist <a name="corr255" id="corr255" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">wie</span> ihr Leben, sie es zehnfach lassen würde +um ihre Scham. – So gieb mir denn, was ich +von Dir heische.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page256">[pg 256]</span><a name="Pgp256" id="Pgp256" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da ward sie roth über und über, röther wie +die Purpurrose, die zuerst der Sonne sich öffnet. +Es war, als ob Flammen überall aus ihrem Leibe +schlugen und um sie brannten. Sie konnte die +Augen nicht aufheben, denn ihre Lider waren +schwer von Scham. Vom Scheitel bis zur äussersten +Spitze ihres Fusses fühlte sie die lohenden Fluthen +der Scham. Und sie stand zitternd mit knickenden +Gliedern. Sie sprach leise: „Hier, Herr! +Nimm mich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und seine Seele ward weich über ihr, da sie +vor ihm stand, ohne Fehl und Flecken, weiss in +ihrer purpurnen Scham wie Eine, die im Feuer +steht, die Flammen hoch um sie brennen, und +sie steht und flieht nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er sprach langsam: „Die Scham ist die +Tochter der Sünde, aber die Reinheit kennt keine +Scham. Deshalb muss sie nackt gehen, dass die +Menschen sie sehen und schamrot werden vor +ihrer strahlenden Nacktheit. Jede Fiber gehört +dem Ganzen. Die Seele ist nicht edler denn der +Leib. Aber der Leib muss edel sein, wenn ihn +die Seele erkennt. Es giebt nicht Mann und nicht +Weib, nicht Hass und nicht Lust. Alles ist eins. +Die Scham ward gewebt zum schleiernden Schutze, +<span class="tei tei-pb" id="page257">[pg 257]</span><a name="Pgp257" id="Pgp257" class="tei tei-anchor"></a>den Schleier zerreisst, wer die Wahrheit erschaut, +Wenigen zu erschauen nur und Allen furchtbar! +– – Das ist das letzte der Geheimnisse. Ich +sage es Dir, weil Du meine Braut und Verlobte +bist. Behalte es wohl und sage es Niemand.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach küsste er sie. Er küsste ihre Augen, +ihre Lippen und Wangen. An ihren Schläfen +küsste er sie. Und er nahm sie in seinen linken +Arm, der der Herzarm ist, und küsste sie auf die +beiden Rosen ihres Busens. Denn im Busen der +Frau ist die Weltkugel und der Apfel, Macht und +Verderben. Und vom Schoosse des Weibes kommt +alles Lebendige, Segen und Fluch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Darauf hielten sie zusammen das Mahl. Er +reichte ihr das Brot und sie ass von seinem Brote. +Er bot ihr den Wein und sie trank mit ihm von +dem Wein. Und assen von allen Dingen, die +auf dem Tische standen und wurden ganz fröhlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie nun die Morgenröthe heraufkam, verliess +er sie wieder. Der blöde Knecht sah, wie sie die +Riegel aufschloss. Denn die Eisenbarren waren +viel zu schwer für einer zarten Jungfrau Hände. +Dennoch that sie es mit Leichtigkeit. Sie war in +ihrem Brautschmuck, weiss in ihrem weissen Kleide, +mit der purpurnen Stirnbinde. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page258">[pg 258]</span><a name="Pgp258" id="Pgp258" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hielt sie in seinem Arm wie sein eheliches +Weib. Sie küsste ihm die Lippen und küsste seine +Augen. Und sprach: „Fahre wohl, mein geliebter +und seliger Herr! Ich warte und harre des Tages, +da ich neben Dir das Brautbett besteige.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das dünkte dem Knecht schier eine seltsame +Rede für eine so untadelige Jungfrau. Aber sie +stand ruhig und sah ihm zu, wie er sein Pferd +bestieg. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach ging sie wieder in ihr Haus, schlug +ihre Sachen zusammen, übergab Alles dem Knecht +und sprach: „Ich gehe. Ich habe viel zu thun. +Und die Zeit ruft.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese wurde eine sehr heilige und wunderbare +Frau. Man brachte viele Kranke zu ihr, die +sie heilte, indem sie ihnen die Hände auflegte. +Und Einige wurden nicht geheilt, die ungläubig +waren, sie versuchten. Solche trieb sie mit Schelten +von ihrer Thür: „Wie Ihr thöricht seid und tückisch +und so ganz schamlos!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Niemals aber sprach sie über ihre Geheimnisse +dieser Nacht. Nur eine grosse, selige Freude +war immer in ihr. Wie sie starb, war da eine +Jungfrau, wo eine alte, blinde und kränkliche +Frau gewesen war. Niemand hatte je eine schönere +<span class="tei tei-pb" id="page259">[pg 259]</span><a name="Pgp259" id="Pgp259" class="tei tei-anchor"></a>Jungfrau gesehen. Diese, als man sie sehr +genau sah, hatte an ihren Händen Stiche als von +rothen Nägelmalen. Sie durchbohrten auch ihre +Füsse. Eine offne Wunde war in ihrer Seite, von +der das Blut floss. Man gewahrte auf ihrer Stirn +Eindrücke, als ob Dornen um ihr Haupt gewunden +gewesen und in die Haut eingedrungen waren. +Alles dies war sehr deutlich. Sie hatte es immer +an sich getragen, nur verborgen in ihrer Bescheidenheit +vor den Menschen, da sie sich selbst +nie für solcher mystischen Ehrung würdig gehalten. +Und beständig sich selber schalt, dass sie schwach +sei und arm im Glauben, nicht eifrig zu den +Werken, wie es sich einer guten und getreuen +Hausfrau geziemte, das Erbe zu verwalten, während +der Herr und Ehgemahl abwesend ist. Als +sie nun auf dem Sterbebett lag, blass und abgezehrt, +sehr schwächlich vom übergrossen Leiden, +that sie plötzlich einen lauten Schrei wie von +seligster Freude. Die bei ihr waren, darunter der +Knecht, der sie einst bedient, sahen einen weissen +strahlenden Engel als einen herrlichen Helden. +Und er nahm sie bei der Hand und führte sie in +das Brautgemach, wo purpurne Rosen lagen auf +silberweissen Linnen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page260">[pg 260]</span><a name="Pgp260" id="Pgp260" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Knecht, ein uralter Mann zu der Zeit, +aber ganz klar in seinem Kopf, vorsichtig und +abwägend in aller seiner Rede, schwor, dass es +derselbe gewesen, der sie damals besucht. Viele +sprachen über diese seltsamen Geschichten: Es ist +ein Wunder, Hysterie und Aberglaube. Und welche +glaubten noch schlechtere Dinge. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diesen ward die Zunge schwarz in ihrem +Mund, und faule Worte kamen nur, dass selbst +die, die sie sonst gehört, einen Abscheu vor ihnen +hatten. Selbige schrieen laut auf: „Die Scham ist +todt! Die Scham ist todt!“ stürzten sich unter +Schweine, dass man sie für solche hielt, einsperren +und schlagen musste wie niedrige Thiere. Ein +Schrecken fuhr in alle Leute der Gegend. Und +fürchteten das Grab und sagten: „Lasst uns eine +hohe Mauer darum bauen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nur die Jungfrauen kamen und brachten weisse +Kränze. Und ward ein Heiligthum da für untadelige +Jungfrauen, die nie ein Mann berührt hatte, und +sehr stark waren, herrliche Thaten vollbrachten +vor allem Volk. +</p> +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page261">[pg 261]</span><a name="Pgp261" id="Pgp261" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc27" id="toc27"></a><a name="pdf28" id="pdf28"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das vierzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber der ganze Jammer des Daseins fiel auf +ihn eines Abends, da es schon dunkel war, +er einsam sass im Staube neben der grossen +Heerstrasse. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er dachte an die Jahrhunderte, die dahingegangen +waren, und dass sie alle für nichts <a name="corr261" id="corr261" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">gewesen</span>. +Hunger, Hass und Kriegslärm füllten +die Welt. Jeden Tag unter dem richtenden Beil +fielen Häupter Unseliger, Unschuldige gingen hin +und erwürgten sich selbst in Angst und blutiger +Noth ihres Leibes. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Selbstsüchtigen herrschten immer, die, die +hart waren, nur schufen für sich selbst, ohne Sorge +traten auf die nackten Leiber der Verzweifelten. +Die, die dumm waren und nicht dachten, schienen +klug. Die feige waren, tapfer, und solche, die +<span class="tei tei-pb" id="page262">[pg 262]</span><a name="Pgp262" id="Pgp262" class="tei tei-anchor"></a>frassen wie die gefrässige Raupe auf ihrem Blatt +und fett wurden, weil sie frassen – aber der +Baum selbst starb –, galten für die wahren Guten. +Man pries sie als Muster der Tugend, zeigte sie +denen, die unvernünftig waren und eigengesinnt: +„Seht, wie sie sind! Wie sie nahrhaft werden und +fett! Nehmt Euch ein Beispiel an ihrem Gedeihen, +Ihr, die Ihr Flügel habt, die zu schwach sind, der +Sonne zustrebt, die Euch verbrennt!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese aber waren die schlimmsten Feinde und +sie galten für den Hort aller Tugenden, hielten +die Sitte hoch in ihrer heuchlerischen Klugheit, +weil der losgelassne Wolf sie zerrissen hätte +innerlich, und standen auf dem Boden des Worts, +weil es ihnen nützte für ihre Zwecke, der Strom +sie sonst fortgeschwemmt hätte in seinem Ueberschwellen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Solcher aber waren Viele. Sie hielten die Gewalt +und das Geld. Die Andern zerbrachen ihre +Kräfte an denen, stiessen ihre Stirnen blutig und +sahen doch nicht was darüber war, über ihrer +dummen Klugheit, die wahre Weisheit, über ihrem +Geiz die weite Liebe, über ihrer Ungerechtigkeit +die grosse Gerechtigkeit. So dass diese ihre besten +Kräfte verbrauchten, auch müde wurden, +dahin<span class="tei tei-pb" id="page263">[pg 263]</span><a name="Pgp263" id="Pgp263" class="tei tei-anchor"></a>gingen in Lastern, Leichtsinn und Unzucht. Weil +sie sprachen: „Unser Leben ist kurz und wird uns +zugetheilt in kleinen Tropfen. Wir wollen es auf +einmal leeren, damit wir den Rausch kennen in +seiner Wollust. Und nachher hungrig sein und +frieren.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein +reif ward und duftig. Nicht schauen, bis sie die +Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. +Weil sie jung waren, das Blut siedend schoss in +ihren Adern, das lind sein musste vom Denken, +der weiten Herzlichkeit ihres Liebens. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, +dass sie wie brennende Fackeln sich verzehrten +im Leeren. Die Licht gegeben hätten, reines Feuer +zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, +sich selbst gereinigt hätten vom Unreinen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und die Andern, die gar kein Licht hatten, +sondern dunkle Klötze blieben, die mühsam denen +ihre schiefen Strahlen auffingen, vom Scheiterhaufenleuchten +der Grossen ihren Weg suchten +im Finstern, schnobernd wie die Schweine nach +Trüffeln, oder niedrige Hunde auf der Fährte des +Aases – spotteten über solche, zeigten auf sie +in Schadenfreude: „Die verzehren sich und sind +<span class="tei tei-pb" id="page264">[pg 264]</span><a name="Pgp264" id="Pgp264" class="tei tei-anchor"></a>gar nicht, Rauch und Asche. Wir stehen fest und +finden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie +der Wurm immer noch Nahrung findet in seinem +Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen +in seiner niedrigen Dunkelheit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft +sein Futter nicht für seine Jungen, wenn Alles +unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, +der lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein +glänzendes Gefieder lockt Gelüste der Räuber. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So dass diese niemals aufkommen, die die +Schönheit nackt gesehen hatten und priesen, weil +ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte +die Wollust verriethen. Die Andern aber, die +gar nicht sahen und von Wollust voll waren wie +die geile Erde vom Mist, – dass sie nicht einmal +wussten, dass eine Keuschheit war, den reinen +Mond befleckt hätten in ihrer Unreinheit, – waren +gross und sprachen die Urtheile über wichtige +Dinge. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und man nahm ihr Recht für <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">das</span></span> Recht. Und +ihre Wahrheit für <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">die</span></span> Wahrheit, dass eine grosse +Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der +Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page265">[pg 265]</span><a name="Pgp265" id="Pgp265" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der +Ekel am Leben stieg in ihm auf und würgte ihn +an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich +selber sprach: „Besser wäre die Welt gar nicht, +Feuer und Schwefel vom Himmel, denn dies! Und +besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die +wächst und stirbt, denn dieses Halbe im Staube, +dem niemals die Flügel der Seele wachsen. Besser, +viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, +als das niemals ganz wird, nicht leben kann und +nicht sterben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, +dass er die Güte so klein geschaffen und die +Grösse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an +ihrer eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit +mit dem Schwert der Reue durchgestochen blieb, +dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, +unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel +war in ihrer eignen Brust und bohrte sich tiefer +bei jeder Drehung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er sprach zu sich selbst: „Wozu so viel +Qual und Leiden? Hast Du sie geschaffen aus +Hass oder wurden sie empfangen in Güte? Ist +Dein Zweck mit ihnen Gnade oder ist es Neid +des Mächtigen, Allherrschenden gegen das Kleine, +<span class="tei tei-pb" id="page266">[pg 266]</span><a name="Pgp266" id="Pgp266" class="tei tei-anchor"></a>Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie +besser wie Du, und nur eine Zeit ward Dir Macht +gegeben, sie zu quälen, im Staub Gebannte, die +ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der +Ganz-Mächtige nicht? Und es ist ein viel Mächtigerer, +Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in +ihnen ist? Wird er triumphiren, klar sein eines +Tages? Und unsre Güte war vor Ihm Halbheit? +Unser Licht war Dämmerung? Sage mir, wer Du +bist? Wer ich bin für Dich? Dann lass mich mich +hinlegen und sterben. Denn meine Seele ist müde +in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen +weh und der Lärm der noch Arbeitenden beleidigt +mein Ohr. Ich grüsse die Nacht, die dunkel ist, +wo gigantische Schatten schweigen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So sprach er zu sich selbst. Er sah die Nacht +herkommen über die Felder. Sie kam wie eine +starke, riesige Frau mit einem schwarzen, sammetnen +Mantel. Die Bäume standen wie dunkle +Keulen Gewaffneter und die Stimme des Wassers +wurde deutlicher, wie es hallend fiel mit ewig +sich lösenden Tropfen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah in die Nacht und frug sie: „Bist Du, +die kommen soll?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprach: „Ich war.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page267">[pg 267]</span><a name="Pgp267" id="Pgp267" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Plötzlich hob sie ihren Mantel auf. Und es +war ihm, als könnte er tief hineinsehen in die +Nacht, die Nacht aller Zeiten, die vor den Zeiten +gewesen war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah die Nacht, die Nacht selbst, von der die +Dunkelheit kam und der Schatten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie lag wie eine Sphynx, die ein Weib war, +und ihre andre Hälfte war eine Löwin. Die Schultern +des Weibes aber lagen über den Tatzen der +Löwin und ihre Brüste starrten gerade wie gerichtete +Schwerter. Zu beiden Seiten ihres Hauptes +lief eine königliche Binde mit Streifen und Zeichen. +Sie schnitt die Stirn niedrig ab und ihre Augen +standen weit offen, marmorne Augen mit todten, +runden Bällen, die geradeaus sahen. Ihre Lippen +waren geschlossen. Sie lag ruhig mit milchschweren +Brüsten über tödtlichen Tatzen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie wechselte sich. Und wurde ein schauderhaftes +Idol. Auf den Schultern eines eisernen +geharnischten Mannes reckte sich ein Vogelkopf +mit spitzem, gebognem, hackendem Schnabel. Ein +kreisrundes Auge war eingesetzt aus blauem, +hellem Email, in der Höhe des Schnabels, da wo +er anfing. Gen Osten stand dieser Mann. Auf +einem hohen Postament, die Hände auf sein Schwert +<span class="tei tei-pb" id="page268">[pg 268]</span><a name="Pgp268" id="Pgp268" class="tei tei-anchor"></a>gelegt. Die Arme bildeten ein Viereck mit den +Schultern und staken in Schienen. Sein Schwert +stand ganz gerade, breit wie eine Hand. Senkrechte +Riefen liefen mitten durch, in denen das +Blut abtropfen konnte. Die Klauen seiner Hände +krallten sich um das Schwert. Der Leib und die +Beine standen gerade, nach vorne, und der Vogelkopf +mit dem Schnabel sah gegen Osten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie er diesen noch betrachtete und schaudernd +ansah, geschah eine Stimme zu ihm, die sprach: +„Das ist die Gewalt. Ihr fielen Könige zum Opfer. +Sein Schnabel ist schwarz vom Geifer der Lebern. +Sein Schwert roth vom Blut. Sein eiserner Leib +wird glühend vom Feuer verbrannter Städte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Symbol wechselte sich. Und es wurde eine +schwarze Astarte, ganz aus schwarzem Metall, +aus Stein oder Eisen, das man geschwärzt hatte, +und es glänzte nun schwärzer wie Ebenholz, gefettete +Leiber der Neger. Sie stand ganz aufrecht. +Der Leib und die Beine waren mit Binden umwickelt. +Sie kreuzten sich und kamen wieder, von +der Hüfthöhe bis an die Gliederung der Zehen. +Zeichen waren in diese Binden gegraben, Striche, +Muster, Rubinen, grüne Smaragden und sehr dunkle +Saphire. Sie folgten sich rhythmisch und redeten +<span class="tei tei-pb" id="page269">[pg 269]</span><a name="Pgp269" id="Pgp269" class="tei tei-anchor"></a>eine geheimnissvolle Sprache über dem Schwarz, +das kam und ging. Dieser ganze Theil des Leibes +mit dem Bauch und den Schenkeln war sehr dünn +und gerade wie bei einem unmündigen, ganz unentwickelten +Kinde. Und darüber drängten sich erschreckend +tausend Brüste. Eine Ueberfülle von +Brüsten, Beeren der reifen Traube, Wellen, die +sich stossen, strömen. Man sah den Kopf im +Dunkeln, sehr hoch, mit harten Lippen, steinernen +Augen, die hierarchische Binde, die zu beiden +Seiten fiel. Die Brüste gleissten, rieselten, Aepfel, +Kugeln, gehärtete Spitzen, schwarz, von einem ungeheuerlichen, +unirdischen Schwarz, Grünschwarz +der Schlangenhäute, Tollkirschen, verwester Ueberreste +in ihrer Zersetzung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und die Stimme sprach: „Das ist die Wollust, +die Verfluchte. Alles stirbt in ihr. Nur das Eine +lebt. Und es wird zur Schauderhaftigkeit, zum +Ungethüm. Unfruchtbar ist sie, denn sie ist von +Eisen. Ihre Seele in ihr ist Mord.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und diese wieder wechselte sich. Es wurde +eine ganz weisse Schlange. Sie trug ein Krönchen +auf dem Kopf. Sie bewegte sich rhythmisch zu +einer Art Musik. Ihre Schuppen glänzten wie +Perlmutter, wenn sie sich bewegte, und ihre Augen +<span class="tei tei-pb" id="page270">[pg 270]</span><a name="Pgp270" id="Pgp270" class="tei tei-anchor"></a>waren rothe Rubinen. Ein rosa Züngelchen kam +aus ihrem gespalteten Kopf. Sie züngelte damit +und leckte sich zierlich wie Katzen thun. Und +rollte sich zu Ringeln und lag ganz zusammengeringelt, +als ob sie schliefe. Aber sie schlief +nicht. Ein Zittern von Gier und Gift rann durch +ihren Leib, der sich milchig blähte unter dem Bauch. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und die Stimme sprach: „Das ist die falsche +Weisheit der Welt. Sie ist arglos und ungefährlich +anzuschauen. Aber das feinste, siebenmal +gefilterte Gift. Wer diese Schlange anrührt, der +stirbt und fühlt nicht den kleinsten Schmerz, nicht +wie einen Nadelstich in die Hand, da man sich +das Blut abwischt und weitergeht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach sah er noch eine schwarze Kröte, die +in ihrem Sumpf sass und glotzte, Harpyen, die +mit den Flügeln schlugen, Bären und Wölfe. „Das +sind die gewöhnlichen Sünden, Reichthum, faules +Leben, Unfrieden und Zankhaftigkeit der Weiber. +Alle diese sind nur hässlich. Und Sünden der +gewöhnlichen Menge. Denn vornehme Herzen +werden von ihnen nicht gerührt, die Andern aber +sind die Vornehmen, die Grossen. Die Besten verfallen +ihnen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Vision verschwand. Er blieb allein in +<span class="tei tei-pb" id="page271">[pg 271]</span><a name="Pgp271" id="Pgp271" class="tei tei-anchor"></a>der Nacht. Die Kälte war um ihn her und er fror. +Die Gedanken huschten in seinem Kopf und schlugen +an das Schädeldach wie mit klappenden Flügeln. +Seine Seele war sehr matt in ihm. Er sprach: +„So es so viele Uebel giebt, die Sünde also gross +und mächtig ist für die Besten, wäre es nicht besser +zu nehmen was schön ist, fröhlich sein im Tage +und sterben, wenn es Zeit ist, das Unglück +kommt?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alsbald kam da ein Zug von lieblichen Mädchen, +die Cymbeln und Schalmeien trugen. Und +hielten in ihren Händen Flöten und Harfenspiele, +harte Hölzer, die sie schwirrend schwangen oder +gegeneinanderschlugen im Tanze. Ihre Haare waren +mit Blumen gekränzt. Die Blumen fielen gleich +Sternen über ihr Gelock. Sie trugen Blumen in +ihren Armen und hatten lichte Gewänder an und +sangen: „Lasst uns fröhlich sein und singen! +denn das Leben ist kurz, die Jugend verfliegt +schnell. Die Jugend ist die Lenzzeit im Leben und +die Liebe ist der Sonnenschein am Maitag!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann kamen junge Knaben und holten sich +diese, führten sie weg zu blühenden Lauben und +heimlichen Grotten. Und wandelten mit ihnen Arm +in Arm, küssten sich zärtlich, lachten und kosten. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page272">[pg 272]</span><a name="Pgp272" id="Pgp272" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie tanzten wilder. Die Lust stieg. Becher +wurden gebracht. Ein Jüngling erschien auf goldnem +Wagen, den Pardel zogen, von Weinlaub umkränzt. +Und Alle schrieen: „Heil! Heil! Bacchus +Evoë!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Jubel ihrer Freude scholl durch die Nacht. +Sie schwangen Fackeln. Es gab welche, die sich +selbst durchstachen, sich Wunden schlugen mit +kurzen Schwertern, denn sie wollten heute sterben, +weil sie doch morgen todt sind. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und Einige wohnten in Hüttchen und hatten +Kinder gezeugt, die sie jauchzend emporhoben: +„Wir sind glücklich. Und das Leben ist kurz. Die +Liebe ist reifes Erntegold im Sommer.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah eine junge, lächelnde Mutter, die ihr +Kind an der Brust hielt. Der Sommerhimmel lag +in ihren Augen blau und satt. Ihr Leib blühte +und entsandte Wärme wie der Weizenacker im +Juni. Man hatte um sie einen Rahmen gebaut +in der halben Brusthöhe wie eine goldne Aureole. +Das Kind sog. Sie lächelte. Sie war glücklich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies verschwand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hörte neben sich die Stimme eines alten +Mannes, der laut auflachte. Er sprach höhnisch: +„Diese sind Eintagsfliegen, Jahrmarktsplunder. +<span class="tei tei-pb" id="page273">[pg 273]</span><a name="Pgp273" id="Pgp273" class="tei tei-anchor"></a>Sie glauben zu geniessen und geniessen doch nicht. +Sie sind nicht besser denn Schweine. Ihre Freuden +sind Freuden des Magens und der Sinne. Aber +der feine Magen sagt Pfui! zu ihren schalen +Freuden. Der Sinn, der fühlen gelernt hat, rührt +sich nicht mehr bei der Grobheit ihrer Eindrücke.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Hast Du Bessres gefunden?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Damit sah er ihn an, der das gesagt hatte. +Er sah, dass es ein sehr alter Mann war, und +Einer, der lange gewandert war. Sein Haar und +Bart hingen wild. Der Staub der Wege lagerte +in den Runzeln seines Gesichts. Sie zogen sich +tief eingegraben wie von zahllosen Jahren gezeichnet. +Die Müdigkeit einer ungeheuren Anstrengung +wohnte in den tiefen Höhlen seiner +Wangen. Man erkannte die Sonnen von brennenden +Sommern, die über sein Haupt dahingegangen +waren und die Haare auf ihrer Höhe gebleicht +hatten zu Schnee. Seine Kleider waren fahl vom +Staub. Sie hingen zerrissen und schlugen in gefaserten +Fetzen um seine mageren Kniee, die +ausgearbeitet und knotig waren wie Hölzer eines +uralten Baumes, von denen die Moose hingen in +weissen Flocken. Keine Unze Fleisch war mehr +an diesen Knieen. Unter der braunen Haut traten +<span class="tei tei-pb" id="page274">[pg 274]</span><a name="Pgp274" id="Pgp274" class="tei tei-anchor"></a>die Knochen vor wie durchgeschubbert, gewetzt in +einer unausgesetzten Reibung. Seine Nase bog +sich scharf wie ein Adlerschnabel. Er hatte keinen +Zahn in seinem Munde vor hohem Alter. Aber +in seinen schwarzen Augen glomm unauslöschlich +Feuer des Lebens. Sie brannten wie Fackeln in +einer sehr tiefen, nächtlichen Grotte. So stark war +der Glanz ihres rothen Feuers, dass sie die Höhlen +ausgebrannt hatten um sich, die Brauen vorstanden +wie Dachbalken eines eingeäscherten Hauses. Der +Schnee vieler Winter hing von seinen Brauen. Sein +Haar war unbedeckt und flatterte im Winde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hielt einen rohen Stab in der Hand aus +Knoten des Dornstrauchs. Ueber seiner Schulter +hing der Bettelsack. Wie er wanderte, stützte er +sich auf den Stock. Die Fetzen seines zerlumptem +Gewandes schlugen um seine schreitenden Lenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich wandre – wandre ...“ sagte der alte +Mann. „Ich weiss nicht, wie lange ich wandre. +Ich habe alle Städte der Menschen gesehen, die +Wüste und die hohen Schneegebirge, wo der Schnee +ungestört liegt wie der weisse Flaum auf dem +königlichen Lager der Jungfrau. Alle Thaten und +Dinge der Menschen weiss ich. Ich habe ihre +Weisheit gehört, das Mitternachtöl verbrannt über +<span class="tei tei-pb" id="page275">[pg 275]</span><a name="Pgp275" id="Pgp275" class="tei tei-anchor"></a>ihren Büchern. Und ich habe dieses gefunden: +dass sie gar nicht sind. All’ ihre Weisheit ist +Bilder von Worten, das Echo eines Klingklang, +und sie sind eine Spiegelung des Nichts im Leeren. +Dies weiss ich und bin stolz, dass ich es weiss +und lache aller ihrer Leiden und Busse. Es ist +mir, als ob ich in einen Spiegel des Wassers +sehe, der schnell verrinnt, oder Spiele des Guckkastens, +wie man Kindern zeigt auf Jahrmärkten, +Launen des Lichts und Wechselungen der Schatten! +So man darauf pustet und mit der Hand hineinschlägt, +ist es nichts.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hauchte und schlug mit der Hand in’s Hohle +und lachte laut auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber Gott ist!“ sagte der Fremde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Eine Spiegelung der Spiegelbilder. Die Fratzen +werfen ihren Schatten und weil sie ihn von weit +werfen, ist er grösser und dunkler. Wie die Wolken, +die Du da oben siehst. Und wenn Du hinkommst, +sind es nicht Wolken, sondern leere Luft. Nur die +Sonne und Spiegelung macht sie zu Wolken.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Etwas muss sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, +tausend Jahre, Schatten, der ich bin, im +Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der +<span class="tei tei-pb" id="page276">[pg 276]</span><a name="Pgp276" id="Pgp276" class="tei tei-anchor"></a>Bewegung. Bewegung ist Nichts. Und Stillstand +ist nicht. Um Sonnen drehen sich Welten. Aber +die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und +Welten sind Schattenflecken im Leeren. Ich wandre +– wandre – wandre.“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fasste seinen Stab und ging weiter durch +die Nacht. Die Eisenspitze seines starken Stockes +klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen +seiner zerlumpten Kleider schlugen um seine +dürren schreitenden Lenden im Winde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und Einer sprach: „Das ist der ewige Jude, +Ahasver, der Zweifel des Menschen, der nicht ruht. +Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene +selbst für Hirngespinste erklärt. So er die Hand +in die Seite legte und die Wundenmale rührte mit +seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut Farbe +ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser +wird niemals selig und wandert bis an’s Ende +der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn +Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in +ihm war und immer gewesen ist von Anbeginn.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Werden Alle finden?“ fragte er eifrig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht +sucht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Lass mich den sehen, der nicht findet,“ bat er. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page277">[pg 277]</span><a name="Pgp277" id="Pgp277" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist zu schrecklich zu sehen für menschliche +Augen. Sie können ihn nur ausdrücken in dem, +was sie nicht kennen. Er ist die Nacht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. +Sie drang in seine Seele ein wie das Gefühl eines +hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der +Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss +von der Stirne rann, und wie er fiel, waren es +Tropfen Blutes. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Damit kam die Morgenröthe und die Sonne +ging auf. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page278">[pg 278]</span><a name="Pgp278" id="Pgp278" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc29" id="toc29"></a><a name="pdf30" id="pdf30"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das fünfzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber um diese Zeit war das Gerücht von ihm +sehr gewaltig geworden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der Hauptstadt erschütterten die Predigten +Fritz Kuhlemann’s, der mit starker Stimme sprach. +Er schonte Niemand und rief laut zur Busse. Denn +die Zeit war gekommen. Ein grosses Erwachen +ging durch die Völker. Schweres Unheil, Empörung +und Blutvergießen lag in der Luft, so die +Machthaber sich nicht bekehrten, die neue Lehre +anerkannten von der Theilung der Güter, der +Brüderschaft aller Sterblichen. Er sprach: „Es ist +Unrecht, dass Ihr Armeen habt, Einer den Andern +zu bekriegen, die Stimme des Volks zu ersticken, +die mächtig spricht. Solches thun die Thiere nicht, +die von demselben Blut und gleicher Art sind. +Seid Ihr nicht besser denn Thiere? Wehe den +<span class="tei tei-pb" id="page279">[pg 279]</span><a name="Pgp279" id="Pgp279" class="tei tei-anchor"></a>Reichen! Wehe denen, die Geld ansammeln und +es auf Wucherzinsen ausleihen! Die den Acker +mit Schulden bedecken, dass er nicht Frucht bringen +kann unter dem verfluchten Eisen! Habt Ihr die +Erde geschaffen, dass Ihr sie Euer nennt, Grenzpfähle +setzt so und so weit und Zäune zieht, +dass kein Andrer sie beschreite? Die Erde, die +Luft und das Wasser sind des Herrn. Euer aber +ist Alles. Und Alle seid Ihr Eines Geschlechts.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So gewaltig war seine Stimme, dass ihm die +Leute zuliefen in grossen Massen. Kein Raum und +kein Saal vermochte mehr die Zahl seiner Zuhörer +zu fassen. Wo man sie zurücktrieb, kamen Neue. +Das Volk ward drohend, dass man seinen Prediger +antaste. Dröhnend wie Schlachtdrommeten +klang seine Rede. Er trug einen härenen Rock +und nährte sich nur von Nahrung der Pflanzen. +Was er verzehrte, gewann er von seiner Hände +Arbeit, denn wilde Kraft des Volkes lebte in +diesem Manne. Wenn er vor ihnen stand, gewaltig +mit dürren Händen und Armen, gedachte +man der alten Prediger in der Wüste. Seine +Augen warfen Feuerflammen. Von vielem Denken +und Nachtwachen war sein Haar grau geworden. +Er trug keinen Hut auf seinem Haupte. Wenn er +<span class="tei tei-pb" id="page280">[pg 280]</span><a name="Pgp280" id="Pgp280" class="tei tei-anchor"></a>in einer Stadt fertig geworden war, wanderte er +die Nacht über zu einer andern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ueberall gegen Ungerechtigkeit und List erscholl +sein Zeugniss: „Ihr nehmt dem Armen +scheffelweis. Dann straft und hängt Ihr für das, +was er Euch wiedernimmt in Körnern. Ihr predigt +Demuth und freut Euch an dem, der vor +Euch steht mit abgezognem Hut und zitternden +Knieen. Vor Gott beugt Ihr die Knie, auf dass +vor Euch die Menschen knieen um Eurer Gottesfurcht +willen. Seinen heiligen Namen schreibt Ihr +über Eure schlechten Thaten, Kriege und Händel, +dass Eure Thaten heilig stehen in seinem Namen. +Ihr behauptet seine Weisheit zu wissen. Es ist +Eure List, die Ihr fein und schneidend schleift am +adamantnen Felsen Seiner Gerechtigkeit. Ihr zieht +den Strick nicht zu, weil Euch das Lastvieh Säcke +tragen soll. Dann sprecht Ihr noch: Seht meine +Langmuth und Gütigkeit, dass ich nicht würge, +wo ich doch würgen könnte. Der Aermste trägt +alle Beschwerde. Ihr wischt Euch die Stirn, sprecht +von Eurem Schweiss, Nächten, die Ihr hingebt für +Euer Rechnen und Raffen in Keller, die Ihr auffüllt +für Euch und Eure Söhne. O Ihr Heuchler +und dreifachen Heuchler! die Ihr die Steine +ver<span class="tei tei-pb" id="page281">[pg 281]</span><a name="Pgp281" id="Pgp281" class="tei tei-anchor"></a>schluckt, die man gegen Euch wirft, Euch dadurch +schwerer macht, vom Gift, das Euch tödten müsste, +fresst, bis Ihr giftfest seid! Ihr seid erkannt in +Eurer Nacktheit. In Eurer Lüge steht Ihr frierend +und ganz hülflos.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Also trieb er die Gegner vor sich her mit +harten Worten. Ein mächtiger Schrecken ging von +ihm aus. Viele auch hingen ihm an, Soldaten, +die in der activen Armee standen, und man +fürchtete, dass diese im Fall eines Kampfes ihre +Waffen gegen ihre Oberen kehren, gemeinsame +Sache machen würden mit dem Volk, denn des +grossen Führers Wort war überzeugend. Er scheute +sich nicht und nannte die Dinge mit deutlichem +Namen wie sie waren. Und Niemand war, der +ihm widerstehen konnte, weder mit feingedrehten +Gründen, noch mit Gewalt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So dass davon bewegt wurden bis in die +höchsten Schichten, Regierungen und Ministerien. +Man liess ihm unter der Hand anbieten, er sollte +da eintreten in die Verwaltung. Man würde Verbesserungen +machen, Vorschläge aufstellen, dass +die Ungerechtigkeit beseitigt würde, Zufriedenheit, +genug zu essen sei im Lande. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er aber schlug Alles aus und stiess diese in +<span class="tei tei-pb" id="page282">[pg 282]</span><a name="Pgp282" id="Pgp282" class="tei tei-anchor"></a>die Enge mit harten Worten: Dass sie halb wären +und niemals ganz, die den zerrissenen Schlauch +flicken wollten mit alten Lappen, klaffende Löcher +verkleben mit Pappe von papiernen Acten, Kleister +von Speichel: „Ihr selbst müsst weg zunächst aus +dem Platz, da Ihr feststeht, damit frische Luft +werde und Bewegung, das Neue sich nicht zerbreche +am harten Stein des Gewordenen, von der +Verwesung das Leben Farbe und Geruch annehme.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieses hörten sie ungern. Da er aber sehr +laut sprach, das Volk ihm anhing, machten sie +einen andern Versuch. Er ward zum Fürsten befohlen, +dass er diesen selbst spräche, vor der +höchsten Majestät, so er dessen fähig sei, zeugte +für die Richtigkeit seiner Ansprüche. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser, der noch ein junger und rechtlicher +Monarch war, empfing ihn freundlich. Er hatte +auch gute Gedanken für die Besserung und für Alle, +beklagte dass Vieles nicht zu seinem Ohr kam, +auf ihm aber als dem Höchsten die Verantwortung +ruhte. Nur hoffte er zu Gott, dass ihm das nicht +angerechnet würde, da er sich nach besten Kräften +bestrebte, auch zu Gott betete, bevor er Urtheil +abgab in den grossen Sachen, die über +<span class="tei tei-pb" id="page283">[pg 283]</span><a name="Pgp283" id="Pgp283" class="tei tei-anchor"></a>Tod und Leben waren und Leben und Tod vieler +Tausende. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zu ihm sprach der kühne Mann: „Mein Fürst! +Du bist ganz und gar unfähig zu urtheilen, im +Einzelnen, wie nun gar über viele Hunderte und +Tausende. Siehst Du die Seelen der Menschen, +vom unschuldigen Kindlein an, wie es war, dass +sie also schlecht wurden und Böses thaten? Ob +es eine Krankheit im Blut gewesen sein mag, +Schlechtigkeit, Ungerechtigkeit und Unsauberkeit +der Welt, die Deines Volkes ist, davon Du Verantwortung +trägst? Das Gericht wird gesprochen +in des Königs Namen. Wenn ein Krieg ist, erklärst +Du ihn. Der fremde Fürst nimmt Deine +Erklärung an. Ihr Beide steht für Eure Völker, +das Recht Eurer Sache. Wie mag ein Einzelner +solche Beschwerung ernstlich übernehmen? Und +wie Du zerbrechlich und von elendem Staube bist, +in Schmerzen geboren, krank eines Tages und +einen andern gesund, sterben musst und Dein +Leib wird Würmerspeise, so sind Deine Brüder, +nicht besser und nicht schlechter. Niemals war es +Gottes Wille, dass der Eine herrlich gehen sollte +in Purpur und Sammet, der Andre wie ein +Vieh im Staub kriechen, und viel weniger denn +<span class="tei tei-pb" id="page284">[pg 284]</span><a name="Pgp284" id="Pgp284" class="tei tei-anchor"></a>ein Vieh, da er nicht hat seine Blösse zu bedecken.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Worauf der Fürst sagte, dass er dies in der +That beklage, auch sich selbst nicht für besser +hielte denn andre Menschen. Nur müsste Einer +der Mächtigste sein um der Ordnung willen. Es +würde sonst Alles Unordnung und Anarchie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Unordnung und Anarchie ist schon in der +Welt,“ sprach der Mann des Volkes traurig. „Eine +Nation steht gegen die andre. Die stark sind, +überwältigen die Schwachen. Die schwach sind +treten wider die Andern, die noch schwächer sind, +Weiber und Kinder. Es ist nicht mehr Gerechtigkeit +denn unter Läusen und Ungeziefer, und was das +Recht genannt wird, ist eine neue Waffe, die die +Besitzenden geschmiedet haben, um ihren Besitz +festzuhalten und den Gar-nichts-Habenden zu +wehren. Durch List, Ehrgeiz und Kriechen gelingt +es denen manchmal hineinzukommen. Diese Söhne +von Sklaven drücken ärger denn die Herrengebornen, +denn sie sind niedrig. Ihre Seelen sind niedrig +wie der Staub, dem sie entkrochen sind. Der aber +eine hohe Seele hätte, könnte Niedriges nicht um +sich dulden. Es würde ihm unerträglich sein, sein +Ebenbild besudelt zu sehen im Koth, schlechter +<span class="tei tei-pb" id="page285">[pg 285]</span><a name="Pgp285" id="Pgp285" class="tei tei-anchor"></a>denn der Fussboden unter seinen Füssen, den er +tritt. Ja, welcher ganz hoch dächte, steige hernieder +von seinem Thron und würfe über ihre +blutige Schmach den blutrothen Purpur seiner +Hoheit, wie unser höchster Herr Christus sein +edelstes Blut vergossen hat für uns Alle. – Und +recht königlich handelte er, der so thäte, fürstlich +und kaiserlich!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da ward der junge Fürst ungeduldig, hiess +ihn fortführen. „Ich will Dich später hören,“ +sagte er. Die Rede hatte ihn unmuthig gemacht. +Aber Manches nahm er sich an, hiess auch den +Mann öfter vor sich kommen, discutirte mit ihm. +Aber auf seine Rede kam er nicht zurück. Er +blieb traurig. Die Diener des Königs liessen den +Demagogen nicht aus dem Gewahrsam, denn die +Aufregung war gross in der Stadt und im Land. +Viele zogen durch die Strassen in Haufen, die Brot +und Arbeit verlangten. Man rief den Soldaten +zu, dass es ihre Pflicht wäre, die Waffen niederzulegen, +sich zu verbinden mit den Empörten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fritz Kuhlemann aber blieb im Gefängniss. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Um dieselbe Zeit nun sprach man von einem +wundersamen Buch, das ein Unbekannter geschrieben +hatte, oder doch ein Bekannter, denn +<span class="tei tei-pb" id="page286">[pg 286]</span><a name="Pgp286" id="Pgp286" class="tei tei-anchor"></a>Viele vermeinten die Art und Redeweise zu erkennen +eines gewissen Doctor Anton Rothe, der +grosses Aufsehen erregt hatte zu einer Zeit, dann +lange Jahre verschollen war. Man sagte, dass +er sie in wüsten Ausschweifungen verbracht mit +einem Fürsten auf Reisen. Derselbe war blind +und auf den Tod krank gewesen Monate lang. +In diesen Wochen hatte er das Buch geschrieben. +Er hatte es einem Knaben in die Hand dictirt, +der nicht schreiben konnte. Und siehe! die Zeichen +standen fest und deutlich wie Buchstaben, dass +Jeder sie lesen konnte, die die zu lesen verstanden +und so nichts vom Lesen und Schreiben +wussten, als Kinder und ganz ungebildetes Volk. +Es hiess: „Die Blinden, die sehen ...“ In +wundervoller und deutlicher Weise war geschrieben, +wie Christus eintritt in alle Dinge dieser +Welt, das Heilige und Kräftige in der Verwesung, +die linde Sonne, die schafft und leuchtet. Und +schied das Licht von der Finsterniss, und ging +grausam in’s Gericht mit dem, was schön gewesen +war und herrlich, zeigte es klar wie es war in +entsetzlicher Todtenlarve, dass ein Schauder die +Menschheit erfasste, Manche in fliegendem Entsetzen +das Werk ihrer Hände zerbrachen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page287">[pg 287]</span><a name="Pgp287" id="Pgp287" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und schied überall die Finsterniss vom Licht, +die Gedanken von der Form, den Geist vom +Körperlichen, das heilsam und gut gewesen für +eine kindlichere Zeit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und pries die Güte, die reine Unschuld, die +Schwachheit, die das Heldenthum ist. Wie Alles +ewig ist und Bestand hat, das aus der Liebe geboren +ist. Das Andre ist Staub und Schlacke. +Es muss verbrennen und immer mehr wegbrennen +in immer reinerem und stärkerem Licht, bis nichts +mehr bleibt, als das unaussprechliche wunderbare +Licht in Gott. Einige sehen es schon im Leibe. +Viele aber erst nach diesem Leben. In Allen ist +der Funke und das Abbild. Sie leiden und brennen. +Das Feuer des Leidens ist die Läuterung. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der aber das Buch geschrieben in den unaussprechlichen +Qualen seines Leibes und Gewissens, +dem war es wie Schuppen von den Augen gefallen. +Er sah nun und niemals wieder würde +ein Flecken in sein Auge kommen. Ganz kleine +Kindlein sahen von selbst. Ihre Augen sind stet, +flackern nicht unruhig wie die der Menschen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber ein solch wundersames Buch war nicht +geschrieben seit die Welt stand. Und zeigte den +Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, +<span class="tei tei-pb" id="page288">[pg 288]</span><a name="Pgp288" id="Pgp288" class="tei tei-anchor"></a>durch alle Zeiten und Alter, wie er Form und +Blut geworden in Golgatha, und floss in herrlicher, +schimmernder Fluth. Um die Häupter der +Heiligen, niedrige Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, +Bastillestürmer. ... Immer mit nie +fehlender Sicherheit der Gang zum Licht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: +Friede auf Erden und den Menschen ein +Wohlgefallen. Gold – das Reichste, daran des +Menschen Herz hängt, Weihrauch, der den Aufschwung +der Seele begleitet, und Myrrhen, die +feinste, edle Blüthe der schönen Künste. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache +geschrieben, die wie Gesang ging. Die Worte +waren einfach und tief, dass die Weisesten davor +ehrfürchtig standen und die Einfältigen sie fassen +konnten. Die Kraft dieser Worte war wie ein +zweischneidendes Schwert und ihre Süsse süsser +denn Honig, feinster Duft der Blumen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein solches Buch war nicht geschrieben worden +und es stand leuchtend und in Erz gegraben, +was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, +seine Strahlen wurden rother und inbrünstiger. +Alle rothe Wuth und Finsterniss der Welt konnte +das leuchtende Buch nicht umstossen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page289">[pg 289]</span><a name="Pgp289" id="Pgp289" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie auf das Volk die Rede des grossen +Socialisten, so wirkte das Buch auf die Gebildeten. +Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre +Güter abgaben und niederstiegen zu den Geringen. +Die Frauen richteten sich auf in leuchtender Keuschheit. +Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen +geleistet, wurde wieder die herrlichste der +Tugenden. Maler und Bildner ergriffen begeistert +Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach +der leuchtenden Schönheit, wie er nie gewesen. +Ahnend standen die Völker vor den Werken der +Geweihten, denn solche Schönheit war nicht gesehen +worden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und jubelnd noch einmal schwang der Sang +des Unbekannten sich auf, im schwindelnden Adlerflug +der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue +Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. +Die Farben steigen an in Tonleitern, Symphonieen +des Glanzes schwingen sich schwirrend, der trunkne +Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im tönenden +Reigengesang der Edelsteine. Zum schmetternden +Tedeum vereinen sich die Lichtspender. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der erste Grund war ein Jaspis, der andre +ein Saphir, der dritte ein Chalcedonier, der vierte +ein Smaragd. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page290">[pg 290]</span><a name="Pgp290" id="Pgp290" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein +Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein +Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein +Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwölfte +ein Amethyst. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und die zwölf Thore waren zwölf Perlen und +ein jeglich Thor war von einer Perle; und die +Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend +Glas. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn +der Herr, der allmächtige Gott ist ihr Tempel und +das Lamm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des +Mondes, dass sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit +Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das +Lamm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und die Heiden, die da selig werden, wandeln +in demselben Licht; und die Könige auf Erden +werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und ihre Thore werden nicht verschlossen des +Tages, denn da wird keine Nacht sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... Und es war ein Jüngling in einer Stadt +desselbigen Landes, der hatte die Schönheit gesucht +sein Leben lang. Denn er dachte richtig, +dass, wer die Wahrheit findet, der Schönheit nahe +<span class="tei tei-pb" id="page291">[pg 291]</span><a name="Pgp291" id="Pgp291" class="tei tei-anchor"></a>ist und es keine andre Wahrheit giebt denn in +der Vollkommenheit der Schönheit. Erst hatte er +sie gesucht in der Schönheit des Gedankens. Dann +hatte er zu der Schönheit des Fleisches gebetet, +denn der lebendige Leib ist mehr denn der Schatten +und die Form höher denn das Wort; aber das +Alter und die Unvollkommenheit nehmen alle +Schönheit hinweg. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser kam zu Ihm, da Er auf einem sehr +hohen Berge war. Die ganze Nacht war er den +Berg hinaufgeklettert. Die Dornen hatten seine +Hände zerrissen, dass sie bluteten. Er war gestolpert +im Finstern. Die Steine hatten seine Kniee +zerschlagen, dass sie matt und wund geworden +waren unter ihm. Oft war er irre gegangen. +Lichter hatten ihn genarrt im Finstern. Im Nebel +tastete er sich vorwärts mit Händen und Füssen. +Seine Augen waren wie blind, dass er die Hand +nicht sah vor seinen Augen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah nicht das Gesicht dessen, der vor ihm +<a name="corr291" id="corr291" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">stand</span>. Aber er fiel vor ihm nieder und hob die +Hände hoch. Flehte ihn an und bat: „Lass mich +sehen die grosse Schönheit Deines Antlitzes und +sterben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Ich will sie Dir zeigen. Aber +<span class="tei tei-pb" id="page292">[pg 292]</span><a name="Pgp292" id="Pgp292" class="tei tei-anchor"></a>hüte Dich wohl, dass der Schrecken Dich nicht +niederstürzt vom Felsen. Denn meine Schönheit +ist schrecklich wie der Adler.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er sah ein Unendliches, Furchtbares. Das +fuhr dahin über seinem Haupte. Kreisende Sterne +sassen in Seinen Lenden. Wolken bildeten den +Saum Seines Kleides. Seine Stimme glich dem +Donner und das Zucken Seiner Brauen war der +Blitz. Zugleich geschah ein Windesbrausen wie +von tausend Winden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fiel auf den Boden wie betäubt und der +Blitz fuhr über ihn hin. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach hörte er Schalmeien. Die kamen sehr +lieblich und klingend aus goldner Ferne. Er sah +einen Jüngling ganz nackt in der jungen Herrlichkeit +seiner prangenden Glieder. Der Bogen +hing über seiner Schulter und die Leyer lehnte zu +seinen Füssen. Die Gesänge seiner Leyer waren +lockender wie Goldklingen. Wo er hintrat, blühten +Veilchen. Die wilden Thiere des Waldes kamen +angezogen von dem Wunder seiner Laute. – Aber +das Antlitz des Jünglings blieb marmorn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach sprach eine andre Stimme: „Kennst +Du mich?“ Er sah einen Mann am Kreuze +hängen. Sein Antlitz hing auf seine Brust und +<span class="tei tei-pb" id="page293">[pg 293]</span><a name="Pgp293" id="Pgp293" class="tei tei-anchor"></a>seine Arme blieben ausgestreckt; denn die Schwere +seines Körpers war zu gross für seine Arme. +Dornen krönten seine Stirn. Das Blut troff von +den Dornenmalen. Es floss aus seiner geöffneten +Seite. Die Nägel gingen durch sein Fleisch und +die Stricke schnitten tiefe Wundenstriemen. Aber +der Mund blieb weit gezerrt. Der Mund schrie +in seiner Qual und rief: „Mich dürstet ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Seine Thränen tropften sehr schnell, er sprach: +„Herr! Ich kenne Dich. Du bist schön und der +Edelste unter den Geschaffnen. Aber ich habe eine +Schönheit geträumt, grösser denn Deine. Und ich +bitte Dich, dass Du mir zeigest Deine letzte +Schönheit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber der Mann am Kreuz schien zu lächeln. +Seine Wunden wurden Rosen und die Rosen fielen +im rothen, duftenden Regen. Die Dornen um +seine Stirn waren Strahlen, die aus seiner Stirn +brachen wie Sonnengluth. Vom Gold dieser Strahlen +wurde die Welt warm und tönend. – Aber die +Schlange war der Strick, der ringelnd niedersank. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und das Kreuz wurde der Baum, der Baum +des Lebens aus dem Paradiese. Und Er streckte +seine Hand aus und brach von ihm die Frucht +der Erkenntniss, die roth war vom Blut des Lebens, +<span class="tei tei-pb" id="page294">[pg 294]</span><a name="Pgp294" id="Pgp294" class="tei tei-anchor"></a>in der Form des Apfels, der den Samen birgt. +Und Er reichte sie ihm hin und sprach: „Iss!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da fiel der hin wie sinnlos. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Als man diesen aufhob, waren seine Augen +blind. Er sah niemals wieder und seine Haare +waren weiss geworden wie die eines sehr alten +Mannes. Aber er hatte die Dinge geschaut, die +unbeschreiblich sind, frohlockte in seinem Herzen +und pries jeden Tag Gott, bis an seinen Tod, der +bald kam. Denn er hatte in einer Stunde das +ganze Leben gesehen und allen Kreislauf des +Gewordnen. Und die Fibern und Hirne der Sterblichen +sind schwach. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page295">[pg 295]</span><a name="Pgp295" id="Pgp295" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc31" id="toc31"></a><a name="pdf32" id="pdf32"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das sechzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber seine Feinde waren sehr thätig und +machten böses Geschrei wider ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Denn es war grosse Aufregung im Lande. +Die Hungrigen und Arbeitslosen thaten sich zusammen +auf den Landstrassen, zogen hin und her +und forderten Brot mit lauter Stimme. Es kam +auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man +Fabriken und Lagerräume verwüstete, Läden der +Bäcker und Fleischer plünderte. Wo man auf der +einen Seite die Empörung niedergeschlagen mit +Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die +Flammen wieder auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch bestand eine Art Verbindung zwischen +den Arbeitern aller Länder, dass sie sich zusammenthun +und Gewalten umstürzen wollten. +Die Einen gaben Geldmittel für die Andern, die +<span class="tei tei-pb" id="page296">[pg 296]</span><a name="Pgp296" id="Pgp296" class="tei tei-anchor"></a>feierten. Man vereinigte sich in Kongressen, +Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen +Ausstand. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe +war im Lande, denn Viele auch der Gelehrten und +Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, +die Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz +allgemein machen sollte, Andre eine Verstaatlichung +der grossen Betriebe und Waarenhäuser. +Viele aber gar die ganze Theilung, wie +es die armen Leute auf ihr Programm geschrieben +hatten. Und waren bereit für ihr Theil anzufangen, +mitzugehen mit diesen. Es gab selbst Priester +der herrschenden Kirchen, die kühn ihren Mund +aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen +von Habsucht und Wollust. Die Armen aber +nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, dass +ihre Sache gerecht sei. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So befand sich Alles in Unordnung. Einige +zogen hierhin, die Andern dorthin. Welche +sprachen: „Morgen wird die Befreiung kommen. +Sie wird kommen durch Waffengewalt, denn wir +sind Viele. Sie aber sind Wenige. So wir dazu +kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, +sind wir ihnen überlegen zehnfach +<span class="tei tei-pb" id="page297">[pg 297]</span><a name="Pgp297" id="Pgp297" class="tei tei-anchor"></a>und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir +müssen nur einstehen Einer für den Andern und +unser Pulver trocken halten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass +sie zusammenhielten. Denn von den Führern +suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und +hin über die einzelnen Sätze. Die Rivalität der +Nationen machte sich geltend, auch eine Frage +der Geschlechter, da die Männer die Weiber nicht +wollten als voll gelten lassen, diese aber wiederum +sprechen und Herren sein wollten wie Jene. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In den gelehrten Büchern und Blättern stritten +sie sich gleichfalls. Der Eine warf dem Andern +niedre Beweggründe und Tücken vor. Es waren +nicht Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es +wohl meinten, waren schwach und träumten. Die +Andern aber wühlten und zeigten sich sehr thätig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das ganz rohe Volk drängte zu Thaten. Sie +sprachen: „Es ist besser wir sterben, als wir +tragen dies Leben länger, das schlimmer ist wie +der Tod, und setzen Kinder in die Welt, die Last +weiterzutragen mit gekrümmtem Nacken wie wir.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. +Sie sprachen: „Lasst uns trinken! Wenn wir uns +Muth getrunken haben, wollen wir gehen und +<span class="tei tei-pb" id="page298">[pg 298]</span><a name="Pgp298" id="Pgp298" class="tei tei-anchor"></a>todtschlagen!“ Und schlugen blindlings drauf los, +wen sie fanden. Die man ihrerseits schlug und +gefangen setzte wie wilde Raubthiere. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch zu dem Fremden kamen Etliche von +Solchen. Sie sprachen: „Sei Du unser Führer! +Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter +Dir herziehen und Du sollst unser Fürst sein.“ +Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter entstellt +waren von Lastern. Der Geist des Branntweins +war in ihren Augen. Ihr Athem roch +schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. +Alle ihre Bewegungen waren obscön. Sie schrieen +nach Weibern und Trunk. So sie solche hatten, +nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht +anders waren sie denn Schweine. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er antwortete ihnen kein Wort. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Du verachtest uns, weil wir +schmutzig sind und übel riechen. Sind wir +nicht ebenso gut und besser denn Jene, die +sich mit Seife und Salben waschen, süsse Weine +trinken?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Ihr seid nicht besser. Ihre Hände +sind gewaschen. Sie brauchen nicht rohe Worte. +Sie essen und trinken ihr Maass. Ihre Leidenschaften +sind in ihren Händen wie gute und +ge<span class="tei tei-pb" id="page299">[pg 299]</span><a name="Pgp299" id="Pgp299" class="tei tei-anchor"></a>horsame Pferde. Sie wissen genug, um voraus +zu denken und rechnen zu können. Ihr Wissen +giebt ihnen die Grenze und Wirkung ihres Thuns. +Ihr seid ganz schlecht und ganz nutzlos.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann sprachen Einige: „So bist Du also ein +Vornehmer und hältst es mit den Reichen und +Mächtigen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Die Mächtigen und Reichen haben +andre Laster wie Ihr. Sie lügen, wo Ihr roh seid. +Wenn Ihr fresst, kitzeln sie ihre Gaumen mit +scharfen und unnatürlichen Sachen. Wo Ihr dem +Augenblick folgt, rechnen sie mit List und legen +Schlingen. Ein Armer sorgt nicht so um Leib +und Blut, lässt wohl sein Leben. Der Reiche +zittert für seine Güter. Nichts Lieberes ist ihm +als das Leben, dass er sich Aerzte sucht, es zu +verlängern, noch im Tode mit Denkmälern und +Bildsäulen sich ehrt, so er doch todt ist, nichts +wie Staub und Würmer. Der Arme ist weit ab vom +Reiche Gottes, weil er arm ist. Aber der Reiche +ist weiter entfernt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Sage uns, was ist das Reich +Gottes?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Was Ihr Glück nennt, Frieden in +uns und ausserhalb.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page300">[pg 300]</span><a name="Pgp300" id="Pgp300" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Wer hat das Glück? Und wie +sagst Du, dass der Arme ihm näher ist als der +Reiche?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Der Reiche hat viele Bedürfnisse. +So er nicht sein festes Haus hat, Pferde und +Dienerschaft, ein köstliches Essen, wie mag er sich +freuen? Der Arme bedarf des Allen nicht. Der +unter freiem Himmel nächtigt, braucht kein Dach. +Der am Brot sich satt isst, bedarf des Fleisches +nicht. Wem Wasser genügt, was soll ihm der +Wein?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Das ist ganz thöricht. Wir +wollen Alle in Schlössern wohnen, Fleisch essen +und Wein trinken alle Tage.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Seht zu, wo Ihr es findet,“ wandte +sich von ihnen und sprach nicht mehr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zu ihm kamen Andre, die sich klug dünkten, +sprachen: „Wir wissen sehr wohl, dass Du recht +hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des +Menschen. Mit ihm erfindet er, verbindet Meere +und Erdtheile. Sieh das System, das wir aufgebaut +haben, darin das Glück ist und Wohlleben +für Alle.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Der Stein ist geduldig. Er trägt +die Marke, die man ihm eingräbt. Wie wollt +<span class="tei tei-pb" id="page301">[pg 301]</span><a name="Pgp301" id="Pgp301" class="tei tei-anchor"></a>Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die +Kräfte der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr +ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr Herr; weil er +ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, +den sie trägt. Kennst Du das Gesetz, das den +Knaben leitet zum rothen Mord oder die tugendsame +Jungfrau zur Buhlschaft?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Wir kennen es nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es giebt kein Gesetz, das gut ist +für Alle. Aber das Gute ist in Allem. So Jeder +gut thut, ist Alles gut.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das verstanden sie nicht und sprachen: „Es +wird immer Schlechte geben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „So lange es sie giebt, ist Nichts +gut.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„So sollen wir gar nichts thun, die Hände in +den Schooss legen?“ fragten sie nun. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach zu dem, der das sagte: „Thue Du +für Dich! Mächtiger denn viele Worte spricht +das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn +tausend Gleichnisse. Einer, der stirbt für sein +Leben, schafft zehnfaches Leben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie +murrten gegen ihn: „Das haben wir längst gewusst. +Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. +<span class="tei tei-pb" id="page302">[pg 302]</span><a name="Pgp302" id="Pgp302" class="tei tei-anchor"></a>Es ist nichts gekommen aus ihr und hat sich nichts +geändert, seit die Sonne scheint.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: +„O dass Ihr hasstet oder liebtet! Aber es ist nur +Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die +Sonne nicht vor so vielem künstlichen Licht. Rom +war besser und Babylon war edler. Im blutrothen +Blut müsst Ihr roth werden! Von den Flammen +Eurer Städte und Häuser werden in Euch Flammen +aufschlagen! O Ihr armseliges Geschlecht in Eurem +Reichthum! Würmer und Elende in all’ Eurer +Kunst!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da er weiterging, fand er einen sehr alten Mann. +Der sass vor seiner Hütte in der Abendsonne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wie er vorbeiging, grüsste ihn der alte Mann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Lass mich trinken und gieb mir +zu essen von Deinem Mahle.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da gab ihm der alte Mann frisches Wasser, +Brot und eine reife Frucht von den Fruchtbäumen, +die vor seiner Hütte wuchsen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann sprach: „Dies ist meine Nahrung +Winter und Sommer. Ich nehme niemals +andre. Fleisch und Blutiges kommt nicht über +meine Lippen. Und Frucht der Traube nicht, deren +Saft gegohren ist. Ich bin stark damit und +ge<span class="tei tei-pb" id="page303">[pg 303]</span><a name="Pgp303" id="Pgp303" class="tei tei-anchor"></a>sund. Nichts fehlt mir. Ein Arzt hat meine +Hütte nicht betreten, seit ich diese Lebensweise +annahm. Winter und Sommer stehe ich zeitig auf. +Ich trage mein Holz selbst und reinige meine +Hütte. Meine Mahlzeit bereite ich mir mit meinen +Händen. Ein wollner Rock genügt mir, wenn es +kalt ist, und ein leinener für den Sommer. Wasser +reicht mir die Quelle vor meiner Hütte. Mit meinen +Händen habe ich diese Fruchtbäume gepflanzt, die +um mein Haus stehen. Mein Acker, den ich selbst +bestelle, giebt mir mein Brot. Meine Thiere sind +meine Freunde. Sie hören meine Stimme. Wenn +ich einsam bin, leisten sie mir Gesellschaft. Ihre +Nöthe sind meine Nöthe. Das Kalb, das geboren +wird, gehört mir, wie es zu seiner Mutter läuft. +Sie kennen keine Scheu und keine Furcht. Selbst +die wilden Thiere des Waldes kennen mich und +kommen zu meiner Hütte, wenn sie Futter suchen. +Die scheuen Vögel unter dem Himmel setzen sich +auf meine Hand, wenn ich sie ausstrecke, und erzählen +ihre unschuldigen Geschichten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Damit streckte er seine Hand aus. Kleine +Meislein und Rothkelchen, die hüpften und liefen, +kamen kecklich, flogen auf seinen Finger. Sie +pickten an seinen Lippen, als ob sie anfragen +<span class="tei tei-pb" id="page304">[pg 304]</span><a name="Pgp304" id="Pgp304" class="tei tei-anchor"></a>wollten, setzten sich auf seine Schulter und klappten +mit den Flügeln. Rehe aus dem Walde traten +heraus ohne Scheu und nahmen ihr Futter aus +seiner Hand. Die furchtsamen Hasen machten friedliche +Männchen, putzten und überschlugen sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Alle sind meine Brüder,“ sagte der alte +Mann. „Meine Kinder, weil sie schwächer und +unkluger sind wie ich. Aber ihre Unklugheit ist +nur scheinbar. Sie wissen sehr gut, wie sie zu +leben haben, wo sie ihre Nahrung finden. Sie wissen +auch, dass noch etwas Andres ist wie hienieden; +nur sie <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">wissen</span></span> es und sorgen nicht. Höre!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Im Busch schlug die Nachtigall eine sehnende +Weise. So lieblich, so voll Klage und schmelzendem, +lockendem Zuruf! Das Reh sah ihn an mit +treuen, verständigen Augen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist nicht nur die Brunst, die sie lebendig +macht für die Fortsetzung dieses armen, kleinen, +lebendigen Lebens. Weil sie fühlen, dass sie in +einer Kette sind, Alle zum Lobe Gottes, den +sie preisen aus ihren kleinen Kehlen, mit dem +stummen Blühen ihrer Kelche, täglich. Das sind +die Unschuldigen der Natur. Ich liebe sie, obgleich +die Menschen sie verachten, sich klüger dünken in +ihrem Stolz, ihrer Geschäftigkeit.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page305">[pg 305]</span><a name="Pgp305" id="Pgp305" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er aber erstaunte sich, so viel Weisheit und +Demuth zu finden in einem alten Mann. Ein +wundersamer Mann war er, mit der grossen, +viereckigen Stirn, die das Denken ausgearbeitet +hatte wie einen Marmorblock. Sein Haar und +Bart war langgewachsen. Er sah aus wie ein +Bauer und war doch ein Herr. Ruhende Stärke +lag in ihm, der Blick, der über Viele sieht. Aber +er blieb milde. Seine Hand koste den Flaum des +Rehs, wo es weich ist unter dem Hals des Thiers. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fuhr fort: „Früher war ich auch wie die +andern Menschen. Hochmüthig und geschäftig, +verzagt in meinem Thun, wenn es nicht ging wie +ich wollte. Geschäfte der Könige wollte ich thun +an Fürstenhöfen. Ich wollte weise sein wie ihre +Weisesten, lustig leben wie die Lustigen und Tollen. +Ich habe ihre Bücher gelesen. Ich habe Frauen +geküsst. Ich habe um Reichthum gesorgt und gerafft. +Alles ist eitel. Glücklich ist, der Niemandes +bedarf, und Alles zu geben hat den Andern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„... Ich habe ihre Künste getrieben. Mir gefiel +das schlanke Spiel der Wörter, dass sie sich +verwirrten und kreuzten wie blanke Schwerter – +auseinander sinken und zur Erde flattern, harmlose +Strohhalme. Farben liebte ich, die die Worte +<span class="tei tei-pb" id="page306">[pg 306]</span><a name="Pgp306" id="Pgp306" class="tei tei-anchor"></a>lebendig machen wie von getrunknem Blut, Töne, +die rufen, die locken und befehlen, weinen machen +und lachen, wie es der Zauber verfügt, der sie +Alle regiert. – Ich berauschte mich selbst am +Wohlklang meiner Töne. Wollust war in der Farbe +meiner Bilder. Meine Worte waren klingelnd wie +Schlittenklang, tönende Erze und hallende Schellen. +– Alles ist eitel. <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Eine</span></span> Kunst giebt es zu thun, +was recht ist. Eine Farbe der Wahrheit. Einen +Ton, des Verlornen, den wir wiedergefunden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Welches ist der Ton, den Du +wiedergefunden? Lass mich hören, dass ich weiss, +ob es der rechte ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der alte Mann sprach: „Vor langen Jahrhunderten +klang er am See. Am See, der zwischen +den Bergen liegt, Genezareth. Was da gesprochen +in himmlischen Tönen, durch die Zeiten und Alter +klingt es als Wahrsang. Wir zählen die Jahre. +Der Sang ging verloren in Schwertschlag und Goldklink. +In blinkenden Fabeln von Wissen und +Kunst. – Es giebt nur den. Niemals ward er +vollkommen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Der Sang ist der rechte, den Du +gefunden. In ihm liegt Alles. Erfüllung und +Leben.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page307">[pg 307]</span><a name="Pgp307" id="Pgp307" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„In ihm liegt Antwort, Weisheit und Einfalt. +Dreierlei seh’ ich die Zeiten zu deuten: Dass +Einige weigern Kriegsdienst zu thun, Verfolgung +erleiden, Gefängniss und Tod. Dass Viele erkannten, +ihr Wissen ist eitel im weiseren Wissen. +Dass Keuschheit wieder die oberste Tugend, die +Frauen erwachen, die stark sind und künden. – +Der bedarf nicht der Schätze, der die Perle gefunden. +Der Tod ist ihm Freund, der das Leben +erkannt. Ich sitze hier und warte des Todes. Des +Führers harr’ ich, der einführt zum Tage.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So nahmen sie Abschied. Der alte Mann +sass ganz still auf der Bank vor seiner Hütte. +Um ihn liefen die Thiere, weideten, piepten. Er +sah in die rothe, sinkende Sonne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Sonne sank. +</p> +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page308">[pg 308]</span><a name="Pgp308" id="Pgp308" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc33" id="toc33"></a><a name="pdf34" id="pdf34"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das siebzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies geschah, als eine Empörung kam im +Lande. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Armen wollten nicht Hunger leiden und +arm sein mehr. Es gab eine grosse Anzahl der +Arbeitslosen auf allen Landstrassen, weil die +Zeiten schlecht waren. Man hatte eine solche +Fülle der Güter in den vergangenen Jahren auf +den Markt geworfen, dass Niemand mehr Waaren +kaufen wollte. Das Korn lag in den Speichern +und verdarb. Das Fleisch wurde zu theuren Preisen +verkauft, weil die Händler nicht wussten was zu +thun mit den Massen ihres Viehs, Einige riethen +es todtzuschlagen und zu vergraben. Während die +Armen Hunger litten. Sie zogen umher in grossen +Banden, Weiber und Kinder, müssig vom Morgen +bis zum Abend, denn sie sprachen: „Was nützt +<span class="tei tei-pb" id="page309">[pg 309]</span><a name="Pgp309" id="Pgp309" class="tei tei-anchor"></a>es, so wir doch keine Arbeit finden. Lasst uns +essen und trinken und todtschlagen, denn morgen +sind wir todt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Gegen diese schickte man grosse Mengen Soldaten +und Militair. Sie vertilgten Viele von ihnen +und schlugen sie in blutigen Schlachten, dass das +Blut auf dem Strassenpflaster floss, die Köpfe der +Fallenden sich zerschlugen am harten Stein. Ihr +Gehirn stürzte aus den Schädeln gleich Wasser +aus festen Töpfen. Von Geschrei und Wehklagen +war die Luft erfüllt wie in einem Schlachthause. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es kam aber auch vor, dass welche von den +Soldaten ihre Helme und Röcke wegwarfen, zu den +Feinden übergingen, neben welchen sie kämpften +auf hohen Barrikaden, in engen Strassen, die man +versperrt hatte mit umgestürzten Wagen, Matratzen +und Möbelstücken aus den Häusern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Kampf wurde noch blutiger dadurch. Die +Andern machten Jagd auf ihre früheren Kameraden, +schlugen sie todt wie die Hunde. Es gab +keinen Pardon mehr auf beiden Seiten. Das Gemetzel +war furchtbar, dass alle Häuser gefüllt +waren mit Sterbenden und Verwundeten. Selbst +die Leichen verschonte man nicht, übte an ihnen +<span class="tei tei-pb" id="page310">[pg 310]</span><a name="Pgp310" id="Pgp310" class="tei tei-anchor"></a>grausame Verstümmelung, dass viele zarte Frauen +und Mädchen den Verstand verloren vom Grauen +des Anblicks. Die Leute, die sich verloren sahen, +tödteten sich lieber selber, ehe sie sich dem Feind +übergaben in seiner Grausamkeit, der sie einschloss, +zusammenpackte in den Gefängnissen, getödtet zu +werden oder gerichtet zum Leben, wie es der Richter +recht befand. Es waren junge Leute unter ihnen +von achtzehn und zwanzig Jahren, denen der Tod +lieblich und glorreich dünkte gegen Zuchthausarbeit +und Ketten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Solches kam auch vor den König und verdross +ihn sehr in seinem Herzen, bekümmerte ihn, dass +er keine Ruhe fand, oft nicht schlafen konnte in +der Nacht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So liess er sich den grossen Prediger der +Socialisten holen, den er noch immer im Gefängniss +hielt. Denn wiewohl keine Ursache gegen +ihn vorlag, wollte man ihn doch nicht freilassen. +Seine Name ward geschrieen auf den Strassen. +Viele behaupteten, dass geheime Verbindung bestand +zwischen ihm im Gefängniss und seinen +Anhängern ausserhalb. Diese forderten laut, dass +man ihm den Process machte, ein Exempel statuirte +zur Abschreckung der Andern, weil er +wohl<span class="tei tei-pb" id="page311">[pg 311]</span><a name="Pgp311" id="Pgp311" class="tei tei-anchor"></a>bekannt war, sein Name als eine Fahne diente, +der sie Alle folgten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser sprach unerschrocken vor dem König. +„Es ist Deine Schuld so gut wie dieser, wenn +sie jetzt blutgierige Thiere sind. Ihr habt sie gehalten +als Thiere in Unwissenheit und Rohheit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der König sprach: „Ich will ihnen ja geben. +Aber ich kann ihnen nicht Alles geben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es ist viel wichtiger, dass Du +giebst, denn was sie nehmen. So lange Einer +hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner +hat, sich sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle +zufrieden. Ausserdem dass es Deiner eignen +Seele gut ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Davon wollte er nichts hören, schickte ihn +immer und immer wieder weg. Aber wenn seine +Bekümmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig +in ihm, schickte er von Neuem und liess ihn +holen. Und wollte nichts hören, wenn seine Räthe +drängten, sie sprachen: „Wir haben den Beweis +und den. Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein +Hochverräther.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So dass ein Gerede ging im ganzen Land: +„Der Drechslergeselle ist mehr denn unser König. +Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page312">[pg 312]</span><a name="Pgp312" id="Pgp312" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie verbreiteten dies Gerücht mit Fleiss bis zu +den fremden Königen, dass diese Briefe schrieben, +sich darüber bewegten. Alle sagten: „Er hat keine +Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in +die Hände dieses Aufrührers gegeben, der ihn am +Narrenseil führt, eine Herrschaft der Bettler errichtet +über seinem Thron.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Seine Räthe beeilten sich, dieses Gerede wieder +vor den Fürsten zu bringen, denn sie wussten, +dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste +wie glühendes Eisen. Er hielt viel auf seine +Würde, die er von seinen Vätern ererbt hatte, +und war noch ein junger Fürst, solchen Tand der +Majestät gewohnt von Jugend auf. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten +seine Schuhsohlen, während sie ihm grobe Schmeicheleien +sagten. „Dein Angesicht ist strahlender +wie die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss +sterben und <a name="corr312" id="corr312" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">verkümmern.“</span> Sie priesen seine Weisheit, +die grösser sei denn die aller Gelehrten und +Weisesten im Land. Aber seine Macht war grösser +als aller Könige ringsum. So er nur wollte, war er +der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde +blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren +würde ihm folgen auf allen seinen Fahrten. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page313">[pg 313]</span><a name="Pgp313" id="Pgp313" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich +den Reformator zu verringern: „Wer ist dieser +Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, +der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. +Wie wagt er zu Dir zu sprechen, den Gott +selbst gesalbt hat! Könige sind gewesen von Anbeginn +der Zeiten. Wer wird die Macht haben, +wenn Du sie nicht hältst? Vielschwätzer, armselige, +kleine Krämer und Pillendreher? Man +denkt, dass Du ihn fürchtest. Der Aufruhr zieht +neues Blut aus seiner Gegenwart, weil Keiner +denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein +Schweigen Recht giebt. Du selbst bist erschüttert +in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein heiliges +Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, +der Höchste der Sterblichen, ihnen zu Dienst und +Anbetung gesetzt von oben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So peinigten sie die Seele des Fürsten, beugten +sich in den Staub, gaben grosse Feste. Böller +donnerten, Fahnen wehten. Man brachte köstliche +Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in +glänzenden Uniformen mit blinkenden Waffen defilirten. +Das Zucken seiner Wimpern war für +sie Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt +Tausende. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page314">[pg 314]</span><a name="Pgp314" id="Pgp314" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: +„Es ist Alles zum Besten eingerichtet. Da sieh +doch! Und höre den Jubel meines Volkes bei +meinem Einzug.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Gefangene aber blieb fest. „Es ist nicht +gut. Von Dir wird gefordert werden Gut und +Böse.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dass sie sich nicht einigen konnten, der König +ihn wegschickte im Aerger. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diesem stiess ein ganz seltsames Begebniss zu. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Als er nach seinem Jugendfreund Johannes +fragte, der sein bester Geselle gewesen war, Rathgeber +in allen Dingen, – und er hatte keinen +lieberen Freund wie ihn oder einen, der gerechter +war und weiser, – sagte man ihm, dass dieser +sein Haus nicht verlassen habe, hielt sich eingeschlossen +in seinem Hause und antwortete Niemandem, +nicht seinen Eltern, die ihn mit Thränen +beschworen, noch seinen Freunden, die um ihn +sorgten, auch nicht den Vorgesetzten, die ihn zu +den Pflichten seines Amtes ermahnten. So dass +Jedermann anfing an seinem Verstand zu zweifeln, +die seltsamsten Gerüchte über ihn umgingen in +der Stadt. Nur eine schlechte, wilde Katze hätte +er mit sich gebracht aus dem Walde. Er gab ihr +<span class="tei tei-pb" id="page315">[pg 315]</span><a name="Pgp315" id="Pgp315" class="tei tei-anchor"></a>zu essen und beobachtete sie lange auf ihren +Raubgängen. Des Abends kam sie sehr nahe +zum Feuer und schlief da zusammengerollt mit +eingezogenen Krallen, während er wachend dachte, +das Oel nicht ausgehen liess Tag und Nacht. Ganz +verwildert war er in seinem Aeussern, mit langhängendem +Bart und Haaren, dass alle seine +Freunde anfingen, an eine Verwirrtheit zu glauben, +grosse und berühmte Aerzte herbeizogen aus +der Stadt und Gegend. Sie stellten ihm viele +Fragen, betasteten seinen Puls und die Zunge. +Aber er antwortete ihnen gar nichts. Sie konnten +kein Zeichen einer Krankheit an ihm finden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein junges Mädchen in der Stadt, die +Tochter eines angesehenen und gräflichen Hauses, +wohl angeschrieben bei Hofe. Diese hatte schon +lange im Geheimen eine Zuneigung zu dem jungen +Prediger, wie kindliche, unschuldige Mädchen fühlen, +ohne davon zu sprechen oder gar demjenigen ein +Zeichen zu geben. Nur fehlte sie niemals in seiner +Kirche, jedes kleine Geschenk oder zufällig von +seiner Hand Berührte hob sie sorgfältig auf. Traf +sie ihn unversehens, stieg sofort die hohe Röthe +der Scham ihr in die Stirn, denn sie schämte sich +ihrer Sehnsucht nach dem Mann, in der Keuschheit +<span class="tei tei-pb" id="page316">[pg 316]</span><a name="Pgp316" id="Pgp316" class="tei tei-anchor"></a>ihres Leibes, während ihre Liebe doch zugleich +ihr höchste Freude und Seligkeit war, also trefflich +erschien er, wohlgelobt und hochgehalten vor +allen Menschen. Und war nicht, der an ihm rühren +konnte, weder die Frechen, noch die Lügner. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So liebte sie allein im Garten sich zu ergehen, +oder in ihrer Stube lange zu sitzen mit dem +offnen Fenster im Frühling. Sonst war sie sanft +und freundlich zu Jedermann, ein sehr liebliches, +junges Mädchen, obgleich zart, zierlich gebildet +wie eine Maiblume, mit zu schweren blonden +Haaren, einer weissen Haut, unter der man die +blauen Adern sah. Ihre Eltern, ob sie gleich ihre +geheime Zuneigung ahnten, sagten sie ihr doch +nichts. Weil sie so jung war, wollten sie sie +nicht erschrecken, indem sie an die Geheimnisse +des Geschlechts in ihr <a name="corr316" id="corr316" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">rührten.</span> Vielleicht hofften +sie auch, dass später sich finden würde, was noch +fern war und Zeit hatte. Selbst die alten Eltern +des von ihr Verehrten wollten ihr sehr wohl, empfingen +sie oft und seine Mutter liess sie an ihrer +Seite sitzen. Denn sie war ein sehr anmuthiges und +feines Kind, lind und kosend wie ein früher Lenzmorgen +unter Aprilschauern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Jungfrau, als sie von der Krankheit ihres +<span class="tei tei-pb" id="page317">[pg 317]</span><a name="Pgp317" id="Pgp317" class="tei tei-anchor"></a>Geliebten hörte, dass Niemand zu ihm sprechen +könnte, er allein sass mit der hässlichen Katze, +machte sie sich allein auf, ohne irgend einem +Menschen etwas zu sagen. Sie zog ihr weisses +Kleid an, das ihr ihre Eltern geschenkt hatten zu +dem ersten grossen Fest am Hofe, band ihre +Haare auf, machte sich zurecht also hübsch und +zierlich, als sie vermochte in ihrer Jugend und +Unschuld, und ging zu ihrem Johannes hinauf in +die Kammer, wo er sass und brütete. Und die +Katze hockte neben ihm am Feuer, blinzelte mit +grünlichen Augen, putzte sich zierlich und schlug +mit den Pfoten in die Luft nach Fliegen. So satt +war sie geworden von all’ der Milch und dem +guten Fressen, dass ihr Körper rund erschien wie +ein Ball. Er selbst war ganz eingefallen. Seine +Backen zeigten tiefe Löcher wie die eines Todtkranken. +Er starrte aus hohlen Augen und rieb +die mageren Finger hin und her, eine Hand über +der andern. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So erschien vor ihm die Jungfrau in all’ ihrer +Scham und Lieblichkeit. Aber er sah sie gar +nicht, fuhr fort zu starren und die Finger gegeneinander +zu reiben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sprach sie zu ihm: „Lieber Herr! Was fehlt +<span class="tei tei-pb" id="page318">[pg 318]</span><a name="Pgp318" id="Pgp318" class="tei tei-anchor"></a>Euch? Alle Eure Freunde sind in Sorge. Eure +Eltern weinen. Vielen ist es ein grosses Kümmerniss, +Euch also schwerkrank und schweigsam zu +wissen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Darauf sah er sie wirklich an, aber immer +noch ohne sie zu sehen, gleichsam als schaute er +durch sie hindurch, da, wo sie war, blieb nichts. +„Bist Du eine Katze?“ sagte er zu ihr. „Gehst +Du des Nachts auf Raub aus, wenn es dämmrig +ist? Hast Du Junge, die Du säugst mit Deinem +Blute?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Solche Rede erschreckte sie. Sie konnte nicht +anders glauben, als dass es der Wahnsinn sei, +der aus ihm redete. So kamen ihr die Thränen +in die Augen. Sie sprach mit thränenvoller +Stimme: „Lieber Herr! Wollt doch zu Euch +kommen und Euch bedenken. Ich bin die Jungfrau +Ottilia, die Ihr wohl kennt. Ich bin hierhergekommen, +weil mich die Sorge um Euch trieb +und ich Sehnsucht zu Euch getragen lange unter +meinem Herzen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Denn jetzt in seiner schweren Krankheit dachte +sie, dass es wohl Zeit sein müsste, ihr Geheimniss +preiszugeben. Sie wollte ihn aufrütteln. Sie fühlte, +dass es für sein Leben wichtig war, wenn er sprach. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page319">[pg 319]</span><a name="Pgp319" id="Pgp319" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er aber sprach: „Sehnsucht ist nichts. Auch +Nachtwachen ist nicht viel, Fasten und Hungerleiden. +Ich sehne, sehne mich ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So kam sie noch näher an ihn heran, nahm +ihn in ihre Arme. Denn ob sie gleich ein Kind +war und noch sehr jung, fühlte sie doch in ihrer +grossen, reifen Liebe, dass sie ihn retten musste, +aus diesem ein Ende gefunden würde um jeden +Preis. Und nahm seine Hand. Aber seine Hand +war kalt wie Eis. Sie küsste seine Lippen. Diese +Lippen waren trocken und ohne Athem, fast wie +die eines Sterbenden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sehnt Ihr Euch nach Liebe,“ sprach die Jungfrau, +„so will ich sie Euch geben, warm und geduldig, +wie ein Weib zu geben vermag. Folgt +mir nach draussen, Lieber! Seht, die Sonne scheint +und die Vögel singen freundlich dem wärmenden +Licht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Damit zog sie den Vorhang vom Fenster, dass +die Sonne warm hereinschien. Denn die Fenster +waren verschlossen und verhangen gewesen die +ganze Zeit, und schwere, eiskalte Luft wie die +des Grabes im Zimmer. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fuhr mit der Hand über die Stirn: „Liebe +– Liebe ...“ sagte er. „Das ist Liebe einer +<span class="tei tei-pb" id="page320">[pg 320]</span><a name="Pgp320" id="Pgp320" class="tei tei-anchor"></a>Stunde, Wärme des Lenztags. Ich möchte die +Sonne selbst sehen. – Ich habe Sehnsucht nach +dem Tode.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Tod kommt,“ sprach sie freundlich und +ohne Zürnen, obgleich ihr Herz aufschwoll, ihr +weh war zum Sterben. „Aber erst ist das Leben. +Seht, lieber Herr! Alle Knösplein strecken ihre +zarten Blätter. Alle leben und athmen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie nahm ihn noch fester in ihre Arme und +legte seinen Kopf auf ihr Herz, dass er ihr Herz +athmen fühlte, die Wärme ihres Busens ihn umfing. +„Du lebst jetzt,“ sagte er langsam. „Aber +Du wirst todt sein. Würmer werden in Dir +wachsen, Du stinkst ...“ Er schleuderte seine +Hände fort, als ob er Würmer von ihnen abschlenkerte. +Seine Nüstern zogen sich zusammen +im Ekel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieses junge Kind in ihrer Einfalt und grossen +Liebe schrak nicht zurück: „Ich werde auch mit +Euch sterben,“ sagte sie, „aber später. Es ist +noch lange hin. Dann giebt es ein ewiges Leben. +Wir werden vereint sein. Alles Fragen, alle Sehnsucht +hört auf im Himmel.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese einfachen Worte machten einen schrecklichen +Eindruck auf den Kranken. Er sprang +<span class="tei tei-pb" id="page321">[pg 321]</span><a name="Pgp321" id="Pgp321" class="tei tei-anchor"></a>plötzlich auf, fasste ihre beiden Hände in den +Gelenken, drückte sie zusammen wie in eisernen +Ringen und schrie: „Das ist nicht wahr. Es giebt +keinen Himmel, es giebt keinen Gott und keinen +Teufel. Es giebt nur Aas und Maden. Diese +Maden sind wir. Ekelhafte, stinkende Maden!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu +reissen, roh zu lachen, hässliche, unfläthige Worte +auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig und +wohlgebildet früher. Aber die Schwere der Geheimnisse +war zu viel gewesen. Im Rathen über +ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war +jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und +fletschte die Zähne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, +war es zuviel für ihr zärtliches und noch so +kindliches Herz. Sie fühlte wie einen grossen +Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken +ging, ihr Besinnen und Wollen. Sie fiel +ohnmächtig hin. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann stürzte er sich auf sie. Er riss sie an +den Haaren. Er zerriss ihre Kleider, zerfleischte +ihr Gesicht mit den Nägeln, trat und beleidigte +sie. „Ihr – Ihr seid der Fluch der Welt,“ stiess +er hervor. „Ihr habt uns zu Grunde gerichtet. +<span class="tei tei-pb" id="page322">[pg 322]</span><a name="Pgp322" id="Pgp322" class="tei tei-anchor"></a>Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den +Apfel gegessen und nur zur Hälfte? Warum +macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? +Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! +Wir sind Götter. Wir sind reine Geister. Die +Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth +verkehrt. Ich habe die andre Hälfte wiedergefunden, +die, die Ihr selbst verzehrt habt. Ich +bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin +Gott! Gott! Gott!“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Katze mit gesträubten Haaren, auf dem +Kaminsims hockend, sah zu. Ihre Augen funkelten +bösartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. +Als er die Halbgestorbne zurückstiess, sprang sie +ihr an die Kehle und biss sie todt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Andern fanden diesen jungen Mann, der +das todte Kind über seinen Knieen hielt. Er hatte +ihr die Haare wohlgeordnet und Frühlingsblüthen +hineingestreut. Ihr weisses Kleid war über sie +gebreitet wie ein Leintuch. Aus der rothen Halswunde +troff das Blut. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte +sie putzend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„So viel Schönheit,“ sagte er, „so viel Unschuld +und Güte. Das ist nun Alles dahin – dahin.“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page323">[pg 323]</span><a name="Pgp323" id="Pgp323" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und weinte über die junge, süsse Maid, nahm +ihre Hände, küsste sie. Und küsste ihre weissen, +kleinen Füsschen in den seidnen Schuhen, die sie +angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem +kindlichem Herzen: Vielleicht, dass dieses mein +Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des +schrecklichsten Todes. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann seufzte er sehr tief, sagte: „So vergehen +die Blumen. O süsse Blume! Blume der +Unschuld, der Güte und des Verzeihens! Sie hätte +liebliche, kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel hätten +sie gesegnet. Keinem hast Du je Unrecht gethan. +Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich +bestürzt. Kein Anblick der Hässlichkeit Deinen +Sonnenweg gekreuzt. Weint nicht um sie, denn +ihr ist wohl. Warum weint Ihr?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank +in tiefes Brüten. Da Etliche die Katze todtgeschlagen +hatten, nahm er den Balg auf, streichelte +ihr zerrüttetes Fell und bettete sie neben +die Jungfrau. Die Hand der Jungfrau lag auf +dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, +Eine wie die Andre, von zierlichen Gliedern, weich +anzusehen und zärtlich in ihrer Geberde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies that er. Niemand konnte ihn hindern. +<span class="tei tei-pb" id="page324">[pg 324]</span><a name="Pgp324" id="Pgp324" class="tei tei-anchor"></a>Denn es war etwas Besondres in seinem Wesen, +weit weg, als ob er erhaben wäre über alles Lob +oder Anschuldigung der Welt. Und that, was er +wollte. Denn es war Niemand, der ihm zuwider +sein konnte, oder erklären mochte, warum er so that. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Etliche forderten, dass er vor Gericht gestellt +würde um des Todes willen der Jungfrau. Ihre +Eltern waren reiche Leute, wohlangesehen bei +Hofe. Andre sagten, er sei nicht richtig in seinem +Gemüth, das viele Lernen habe ihn verwirrt. Diese +hatten wohl recht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da nun aber auch Etliche der Jungfrau nachsagten, +dass sie mit Recht zu Schaden gekommen +sei, weil sie zu einem Manne gegangen um die +einsame Stunde, wurden sie bestraft. Denn wie +man den Staub auf ihr Grab warf, darin sie begraben +war mit der Katze, blühten daraus Lilien +auf. Also dass das ganze Grab ein Liliengarten +war. Die Lilien wuchsen ohne Unterschied über +der Jungfrau und über der Katze. Und war grosses +Wunder vor allem Volk. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er schwieg zu <a name="corr324" id="corr324" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Allem</span>. Da er vom Kirchhof +zurückkam, legte er sein Kleid nicht ab und zog +seine Schuhe nicht aus. Aber er setzte sich an’s +Fenster und sah in die Nacht. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page325">[pg 325]</span><a name="Pgp325" id="Pgp325" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +So sass er viele Tage. Alle, die ihn mit +Thränen beschworen, seine Eltern, die klagten, +die Freunde, die ihn lieb hatten, die Richter, die +ihn ausfragten, das Volk, das gegen ihn lärmte, +sah er gar nicht. Er nahm nicht Speise und +Trank, sah in die Nacht gen Osten gerichtet und +wartete auf den Morgen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zu diesem, da er noch in diesem Zustand +war, kam der Fürst, weil er sein Freund gewesen +und der Vertraute seiner Jugend, der ihm guten +Rath gegeben in allen Dingen. Sein Wort stand +fest wie ein Fels. Und es war eine Regel der +Gerechtigkeit, gerecht zu sein wie Johannes. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Fürst, da er ihn so bleich sah mit grossen, +unirdischen, blauen Augen, erschrak er wie alle +die Andern, sprach zu ihm: „Warum sitzt Du +und schaust in die Nacht? Denn es ist Nacht +draussen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es ist wohl Nacht jetzt. Aber der +Morgen kommt. Ich warte auf die Sonne.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und wandte seine Augen wieder gen Osten, +sass und wartete. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann veränderte sich sein Benehmen. Er +wurde eilfertig, thätig, voller Freude, scheerte sich +und legte ordentliche Kleidung an. Seinen Dienern +<span class="tei tei-pb" id="page326">[pg 326]</span><a name="Pgp326" id="Pgp326" class="tei tei-anchor"></a>gab er gute Vermahnung, dankte ihnen für Alles, +was sie ihm gethan hatten. Als seine alten Eltern +kamen, tröstete er sie mit freundlichen und sonderlichen +Worten: „Seid froh, liebe Eltern, denn es +ist bald Zeit für uns Alle, vereint zu sein. Ich +habe Eure weissen Haare lieb, Eure Thränen sind +mir Lindigkeit,“ küsste ihre Hände. Einen jungen +Bruder der Jungfrau, fast ein Knabe noch, den +er oft geliebkost, befahl er ihnen als Sohn, +segnete diesen und liess ihn nicht von seiner +Seite. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war aber schon die siebente Nacht. Danach +als die Sonne aufging, that er einen lauten +Schrei: „Die Sonne! Die Sonne!“ ... fiel hin +und war todt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dies verbreitete grossen Schrecken über Alle, +die es mit angesehen hatten. Der Fürst blieb +sehr bedrückt in seinem Gemüth, wurde nicht +froh, griff Dieses auf und Jenes, liess es wieder +fallen in der wandernden Unruhe seiner Gedanken. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war aber sehr schwül im Gemach, unleidlich, +vom sengenden Brand der Sommersonne. +Seit Wochen prallte die Sonne. Man konnte keine +Frische finden, weder auf der Terrasse, noch in +<span class="tei tei-pb" id="page327">[pg 327]</span><a name="Pgp327" id="Pgp327" class="tei tei-anchor"></a>den Gärten. Die ganze Luft schien mit Feuer gesättigt +und verschlang sich schwer wie stagnirendes +Wasser, das Uebelkeit hervorruft, eine Umwendung +im Magen. Jeden Abend sah man am +Horizont Feuerspiele, vom Licht, das niemals ganz +unterging, weil es in den Ausströmungen der +Erde selbst war, der lagernden Hitze, die nie ein +Regen erfrischte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man sprach von einem Brand der Welt. Hass +und Aufruhr schlugen sehr hohe Wogen. Die +sengende Hitze blies in’s Hirn der Menge wahnwitzige +Gedanken von Tod und Orgie. Sie sprachen: +„Lasst uns sterben und saufen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf seinem purpurnen Lager ruhte der König. +Aber er wälzte sich rastlos, die Kissen aufwerfend +und niederdrückend. Seine Finger stachen in weichen +Atlas. Seine Augenhöhlen schienen verbrannt von +der Hitze, der Schlaflosigkeit langer Nächte, die +seine Lider mit Braun gemalt hätte, dass die +Pupillen wie Kohlenfunken glühten in einem Haufen +von Asche. Von den aufgesprungnen, gedörrten +Lippen hauchte Glutathem. Das innere Zittern +schlug und schüttelte ihn wie eine ferne, aufreizende +Musik. Er hatte Fieber und der kühlende Trank +des Arztes gab keine Labe. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page328">[pg 328]</span><a name="Pgp328" id="Pgp328" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Durch die weiten Hallen des Palastes trieb das +ruhelose Fieber den jungen Fürsten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Wände waren mit wundervollen Fresken +und Gobelins verziert, Grossthaten seines Hauses, +Schlachten, Krönungen, Staatsakte. Auf feurigen, +sich bäumenden Schlachtrossen stiegen junge Helden, +lockenumwallte, im flatternden Helmbusch. Das +ausgestreckte Schwert deutete nach vorne. Der +Brustpanzer gleisste. Unter den Hufen wand sich +formlos, ein Gequältes, Bezwungnes, der Drache, +der Lindwurm der Unordnung, der Feind. Andre +waren ernsthafter. Sie standen gerade, hierarchisch, +die Mäntel flossen in weiten priesterlichen Falten. +Eine Hand hielt den Apfel, das Sinnbild der Gewalt, +die andre den Stab. Ueber der Stirn gleisste +mystisch der Goldreif. Das waren die Sagenhaften, +die grossen Gründer, die Könige, Hirten, Väter +der Geschlechter. Sie hüteten und herrschten. – +Es gab ganz geharnischte unter ihnen, schwarz in +schwarzen Rüstungen, wo das Gesicht klein, vogelartig +schien unter dem Eisen der Sturmhaube. Ihre +Nasen bogen sich wie Raubthierschnäbel. In der +schweifenden Linie des Bartes wohnte die Grausamkeit. +Sie hielten das Schwert in eiserner Faust. +Der Fuss im Stahlschuh trat auf graslose Wüste. +<span class="tei tei-pb" id="page329">[pg 329]</span><a name="Pgp329" id="Pgp329" class="tei tei-anchor"></a>Einige beteten. Ganz junge Knaben waren, denen +die schweren Gewänder zu schwer erschienen, zu +weit der gezackte Goldreif über zarten, bläulich +geäderten Stirnen. Sie verblühten in kaum erschlossner +Knospe. Melancholische schauten mit +Schatten des Wahnsinns in erschrocknen Augen. +Heuchlerische mit tückischem Fuchsunterbau des +Gesichts. Das Scapulier hing an ihrer Hüfte. – +Die Carreaus der Gemälde zeigten kleine Pläne +der Städte, Festungsbauten in Miniatur. Fröhliche +Könige trugen zierliche, gestickte Hoftracht. Der +Falke auf der Faust zeigte den Jäger, das lächelnde +Auge den Freund der Damen. Und Kolosse folgten: +Wandelnde Fleischmassen, doppelte und dreifache +Kinne, bartlose, saftige Lippen der Wollüstlinge, +kleine, feuchte, in Fett vergrabne Augen, das +Ganze mit Gold, Purpurstickerei überladen, unter +enormen Perrücken, die sie grotesk und übermenschlich +machten. – Alles das wurde blasser. +Ein Gedanke war hineingekommen, eine gewisse +Traurigkeit, Schrecken bei Einigen, Resignation der +Andern, unter der gegebenen Maske, derselben +Decoration von Gold, Kronen, Löwen, Hermelinfalten, +– der Mensch, etwas Einzelnes, Abgelöstes, +Persönliches. <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Der</span></span> war gestorben in der +<span class="tei tei-pb" id="page330">[pg 330]</span><a name="Pgp330" id="Pgp330" class="tei tei-anchor"></a>Verachtung der Menschen, nachdem er sie gegeisselt +und gegängelt hatte. Dieser hatte die +Verbannung gekannt, das Unglück, den Verrath, +die Demüthigung. Jener Junggestorbne wollte +und konnte nicht. Sein Nachfolger hatte gewogen +und klug gerechnet. Unter der gesuchten Bonhomie, +dem fast gemüthlichen Lächeln, lauerte der +Tigerzug. – Sie hatten gewusst und durften nicht +sagen. Einige hatten sagen gewollt. Aber sie +waren todt. Sie waren traurig und unglücklich. – +Ueber die ging man schnell hinweg, wie über +Kranke, deren Krankheit gefährlich ist und anstecken +könnte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war der Letzte. Er war ein Ende ihrer +Rasse. Sie betrachteten ihn Alle: Die herrischen +Augen, die ruhigen, satten, die anklagenden, +flackernden ... Zehn Jahrhunderte! Er war da. +Alle diese Jahrhunderte waren in seinem Blut, +ein Stück von ihm. Es war sein Leben, was er +schon vorher gelebt hatte. Es erschien ihm furchtbar +auf einmal – ein so langes Leben! – +eine Kette, eine erstickende Last, drückende +Schwere ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine goldne Sonne war im Plafond des Saals +gemalt. Sie schickte ihre Strahlen nach allen Seiten. +<span class="tei tei-pb" id="page331">[pg 331]</span><a name="Pgp331" id="Pgp331" class="tei tei-anchor"></a>Kreisrund war diese Sonne, ohne Schatten, und ihre +Strahlen standen gerade wie geschliffne Schwerter. +Goldne Leisten liefen am Gesims entlang. In unnatürlicher, +üppiger Fülle drängten sich Beeren, +Früchte, Blumen, die Ecken hielten Adler, Greifen +und Wappenschilder mit anspringenden Löwen. +An den Fenstern fielen senkrechte Purpurdraperieen. +Sie fielen in runden, tiefen Falten einer +Tuba. Dunkler, lichtlos erschien der Sammet in +den Wölbungen, tiefroth glühend in den Schatten +zwischen den Falten. Wie Priestermäntel fielen sie, +rothe Güsse von Blut, gleichmässig ausgegossen +in immerwährendem strömenden Fliessen. Alles +Gold, zurückgeworfen im Glanz von hundert Spiegeln, +ertränkte sich im Purpur, ohne ihn zu erwärmen, +der alles Licht verschlang, dunkler wurde, +satt, brutal, sich triumphirend breitete, ein Vampyr, +der Oger der Farben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er sah eine Jungfrau, wunderbarer denn +sterbliche Weiber, und über die Grösse der Frauen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ganz von Gold erschien diese Jungfrau, leuchtender +wie die leuchtende Sonne. Das Gold +schmiegte sich um ihre Schenkel in schmalen gehämmerten +Ringen von seltner Feinheit. Es umschloss +ihre Arme wie in einem Handschuh. Die +<span class="tei tei-pb" id="page332">[pg 332]</span><a name="Pgp332" id="Pgp332" class="tei tei-anchor"></a>Spitzen der Finger waren von dunklerem Golde +wie in Goldstaub gepudert. Es schuppte sich über +ihrem Leib in gleissender Schuppenbräune. Aber +ihre Brüste waren aus reinem, geschmiedetem Gold, +aufrechtstehend mit geschliffnen Spitzen wie Schwerter. +Sie trug einen goldnen Helm auf dem Haupte. +Der war geformt mit überragender Spitze wie ein +Helm der Pallas, aufrechtgestellter Fittich eines +Adlers. Er stieg sehr tief in die Stirn. Die Stirn +war gebunden mit einer purpurnen Binde. Purpurstreifen +fielen nieder von ihrer Schulter und hingen +nieder zu ihren Beinen wie Lazzis, Striemen geschnittnen +Leders, die benäht waren mit Edelsteinen +in Streifen und Kreisen. Bei jeder Bewegung +funkelten und blitzten die Steine, dass +man nicht hinsehen konnte, die Augen geblendet +bluteten vom sprühenden Glanz der Steine. Sie +trug in ihrer Hand zwei stählerne Schwerter. +Schellen waren an ihren Gelenken befestigt, die +klirrten und klangen. Der Arm reckte sich frei +aus den Purpurstreifen der Schulter. Wenn sie +ihn bewegte, klatschten und fielen die purpurnen +Streifen wie Peitschenbänder. Die Schwerter +kreuzten sich in der Luft über ihrem Haupte und +beschrieben Kreise, und fielen herunter. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page333">[pg 333]</span><a name="Pgp333" id="Pgp333" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Haare dieser Jungfrau waren schwarz mit +stählernem Glanz wie des Rabenfittichs, roth vom +aufsteigenden Gleisch der Flammen. Ihre Augen +waren grün wie Smaragden im Ring schwarzer +Diamanten, die purpurne Lichter schossen, dass +ihr Glanz unerträglich war für den, der hineinsehen +wollte, der Blick gebannt sass in ihnen, +hängen blieb wie die Motte in der Flamme. Aber +ihr Mund war Blut. Die Röthe ihrer Lippen war +röther denn die vom Blute, als ob sie Blut getrunken +hätten, unersättlich gierig, frisches Blut +jeden Tages. Ihre Zähne waren Raubthierzähne, +spitz mit geschliffnen Spitzen. Zähne, die bissen +in Fleisch, das blutete. Dieses Blut tranken ihre +tödtlichen Lippen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er wusste, dass diese Jungfrau „die +Macht“ hiess, Helena von Troja, Judith und Herodias, +Cleopatra, die Aegypterin. Sie war von +königlichem Geschlecht, eine einzige Jungfrau in +der Welt und gab mehr Wollust denn Jede. Und +es hatte sie nie ein Mann besessen. Alle, die +sie freiten, waren gestorben. Sie hatte ihr Blut +getrunken. Und es war ihr Blut und ihre Kraft, +die sie so schön machte, unwiderstehlich und herrlich +vor den Sinnen der Männer. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page334">[pg 334]</span><a name="Pgp334" id="Pgp334" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und sie tanzte vor ihm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie tanzte. Sehr langsam wandte sie sich und +ihre Schulter kehrte an ihren Platz zurück. Sie +hob den Arm. Und der andre Arm stieg rund +auf, die Brust aus den Hüften reckte sich in langsamer, +schwellender Anstrengung. Einen Moment +blieb sie weit vorgeschoben, keuchend, wie eine +gezüngelte, gefährliche Schlange, während die Beine +angenagelt warteten, zitternd, gezwungen. Im +Kopf, zurückgebogen, schlugen die Lider. Der +Hals strebte weiss, liliensehnsüchtig unter dem +blutigen, dürstenden Bogen der Lippen ... Eine +Woge schien die harte Linie der Schultern zu +verwirren. Das Kinn sank zur Seite mit einem +Seufzer. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Kriegerische, wilde Musik schien sie zu wecken. +Sie richtete sich auf ganz erzitternd. Man sah +das Erzittern vom Fuss bis zur Helmspitze laufen, +wie eines Uhrwerks, dessen Feder man berührt +hat, das sich in Gang setzt. Die Hüften krümmten +sich abgezeichnet zum Sprunge. Ganz vorgeneigt, +das Kinn in der Luft, beide Hände flach ausgespreizt, +dass die ganze Last des Körpers auf der +Zehe ruhte, horchte sie. – Sie bückte sich noch +tiefer. Die Spitzen der Brüste schienen den Schooss +<span class="tei tei-pb" id="page335">[pg 335]</span><a name="Pgp335" id="Pgp335" class="tei tei-anchor"></a>zu berühren. Sie kroch. Sie schnellte sich. Sie +stiess einen rauhen Schrei aus. Die Finger griffen +krallend in die Leere. Hart über dem Boden wie +im Anzug einer Armbrust, bohrte der Ellbogen, +ein Tremolo, das nicht nachliess, rascher und rascher +wurde. – Sie war wach geworden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ihre Zunge gegen ihren Gaumen gab einen +Lockton. Sie warf sich nach rechts. Sie schnellte ihre +Schultern nach links hinüber. Der Hals im scharfen, +zuckenden Rücken gab das Tempo an. Ein Fuss +stahl sich tastend vor. Der andre folgte in schürfender +Schleife. Ihre Kniee tanzten. Sie gaukelte +in den Hüften. Die Erde liess sie. Sie flog auf, +ihr gellendes Tambourin schüttelnd. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das war die Bewegung. Die Erde belebt +durch den Willen, unsterbliche Kunst des Ausdrucks. +Es giebt keine Schwere. Kein Gesetz der +Unwandelbarkeit hemmt. Der Körper spricht. Die +Formen singen, das Fleisch hat Seele. – Sie +tanzte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie marschirte in einem tönenden, triumphirenden +Marsche. Ihre Sohlen stampften den Boden +wie Schlachtrosse, schwere Kolonnen Gepanzerter. +Der Leib zwischen den stelzenden Säulen der Beine +schien getragen wie eine kostbare Last, ein +Altar<span class="tei tei-pb" id="page336">[pg 336]</span><a name="Pgp336" id="Pgp336" class="tei tei-anchor"></a>tisch köstlicher Güter, der avancirte, langsam, +feierlich, mit der Feierlichkeit und Langsamkeit +einer Procession. Ihre Arme blieben steif wie die +Arme einer Statue, einer ehernen Jungfrau, die +zermalmt, was sie an ihren Busen drückt. Sie +näherte sich wie ein Traumbild, ein schrecklicher +Alpdruck der Fiebernacht, die schwarze Venus der +Aegypter, der Leben gegeben ist. ... Wie man +Elephanten zur Schlacht ruft, in kurzen Stössen, +antworteten die Schellen und Schwerter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie tanzte. Sie stiess kurze, wilde Schreie aus +wie Möwengekreische über dem Sturmmeer. Ihre +Arme schlugen die Luft aufgescheucht. Ihre Füsse +suchten mit gekrümmten Spitzen im sich steigernden +Zittern, der Furcht, des Wunsches, der Raserei. +Sie drehte sich. Ihre Haare peitschten den Boden +wie ein aufgespanntes, schwarzes Pfauenrad. Die +unteren Glieder schienen sich zu verschieben mit +den Gelenken der oberen im verzweifelten Wunsche +der Vermählung. Losgelöst zwischen den Hüften, +eine Blüthe im Sturmwind, schwankte und bog +sich die Taille. Sie zerbrach sich, knickte. Mit +irrem Klopfen huschten die Finger in der Leere. +Kleine Wehmuthsrufe schrillten die Schellen, Klagegezwitscher +flatternder, fremder Vögelchen. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page337">[pg 337]</span><a name="Pgp337" id="Pgp337" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diese Drehung wurde schneller, schwindelnd +schnell. Schnell, wie von Rädern, Maschinen, +Stählernem. Man unterschied die Töne der Schellen +und Castagnetten nicht mehr. Es war ein Wirbel, +ein zügelloser Tanz, Sichineinanderverschlingen der +Töne. Die Arme waren die Flügel einer Windmühle, +die sich schwangen im Drehen. Roth und +goldne Streifen. Sie peitschten, flogen. Die Felder +wurden Kreise. Vom Boden, Kreisel gleich, immer +an derselben Stelle, wirbelten die Fussspitzen. +Sie war ein Kreisel im Ganzen, mit der weiten +Fläche nach oben, ein Rad, eine Blume, eine +Libelle aufgespiesst an einer Nadel, eine rothgoldne +Rose, über der das Gesicht schwebte, unbeweglich, +zurückgebogen mit lächelnden Lippen +unter dem goldnen Helme. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie drehte sich, drehte. Sie war die Sonne. +Rothgoldne Sonne. Die Lazzi waren Strahlen. +Strahlen waren ihre Arme und Beine. Die Brüste +waren die Scheibe, die stille stand, mit metallnen, +weissglühenden Spitzen. Sie stachen wie brennende +Eisennadeln. Ein Athem von Blut und Hitze +schlug über ihn hin. Immer wieder Hitze und +Blut, roth und gold, nur noch eine Farbe bildend, +die der Wollust, der Frau, der Bewegung. – +<span class="tei tei-pb" id="page338">[pg 338]</span><a name="Pgp338" id="Pgp338" class="tei tei-anchor"></a>Der Lustwille des Feuers, der die Erde dreht, in +den Adern kocht wie Gluthsud. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das war keine Frau mehr, die Frau nicht. +Das war die Schlange, spiegelnd in allen Farben +des Universums, die glorreiche, erste Schlange, sie, +die herrlicher war denn alle Thiere. Sie richtete +sich zischend auf mit ihrem ganz weissen Leibe, +der goldnen Krone und der blutrothen, dürstenden +Zunge: Und wirst wie Gott sein ... Wie Gott. +Wie Gott. ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er hielt sich nicht mehr: „Sei mein!“ schrie +er auf. „Sei mein!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diesen Abend unterzeichnete der König das +Todesurtheil des grossen Demagogen. Er wurde +im Gefängniss hingerichtet in der Frühe, ehe die +Sonne aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden +in der Stadt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den +Tod müde war und das Sterben nahe fühlte, wurde +eine wunderbare Tröstung zu Theil. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah plötzlich an sein Lager treten eine +Frau, eine vornehme Dame, in der Tracht einer +Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser +von ihrer Schulter und sprach: „Trinke, mein +Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe gesehen +<span class="tei tei-pb" id="page339">[pg 339]</span><a name="Pgp339" id="Pgp339" class="tei tei-anchor"></a>und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. +Jetzt weiss ich es besser und Niemand soll uns +mehr trennen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die +ihn damals angesehen hatte im Wagen, da er +noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch +diejenige, die zu dem Fremden gesprochen hatte +am Brunnen. – Es befand sich aber, dass diese +edle Frau und Gräfin gestorben war in derselbigen +Nacht, also eine mysteriöse Geschwisterschaft gewesen +zwischen ihnen, die Vielen unbegreiflich +dünkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals +so niedrig gewesen, und einer hochgebornen +Dame. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen +Etliche und sagten sie dem Fremden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Er war ein Starker, stark vor +allen Menschen, den selbst die Könige hörten. Er +ist nun dahin und nichts bleibt von ihm übrig.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie sprachen: „Hat er denn nicht recht gethan +mit dem, was er forderte, da er von den Königen +und Mächtigen forderte?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Die Könige und Mächtigen sind +nicht die, die geben können. Von innen muss es +kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die +<span class="tei tei-pb" id="page340">[pg 340]</span><a name="Pgp340" id="Pgp340" class="tei tei-anchor"></a>Bettler die Letzten sind, werden die Könige die +Ersten sein. – Es ist aber auch möglich, dass +es von einem König käme.“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie wollten, dass er dies noch näher erklärte. +Aber er sagte nichts und ging weit fort in eine +einsame Gegend. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page341">[pg 341]</span><a name="Pgp341" id="Pgp341" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc35" id="toc35"></a><a name="pdf36" id="pdf36"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das achtzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ueber dem Schlachtfeld war die Sonne untergegangen, +eine rothe, müde Sonne des Spätherbstes, +die zerfliesst in einem Blutmeer. Man +sah nur noch Streifen von ihr wie lange Wundenstriche, +rothe, zerflatternde im Grauen. Sie wurden +dunkler. Die Finsterniss schien in sie einzudringen, +vage Grüne, Violette. Alles starb in +einem brandigen Nebel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Zweimal über den Acker waren die Heere +dahingestampft. Erst die Flüchtenden, Fussvolk +und Reiterei durcheinander in wilder Panik. Oft +gingen die Letzten über die Ersten. Dazwischen +schob man Geschütze, Munitionswaggons. Wo die +Pferde nicht genügten, halfen Männer mit. Andre +hatte man im Stich lassen müssen. Sie lagen in +unnatürlichen Positionen, mit aufgereckten Hälsen, +<span class="tei tei-pb" id="page342">[pg 342]</span><a name="Pgp342" id="Pgp342" class="tei tei-anchor"></a>zerbrochnen Rädern, unschädlich gemachte Eisenungethüme, +Sättel, Flinten, Uniformstücke, Leichen. +Zuerst hatten die Pferde versucht, sie nicht zu +treten. Aber man spornte sie an. Es galt das +Leben. Die zu schwach oder verwundet waren, +blieben zurück. Eine Zeitlang hatten sie sich fortgeschleppt. +Oder Andre zogen sie mit. Dann +hatte man sie verlassen. Sie schrieen. Manche +versuchten noch zu kriechen, sich weiter fortzubewegen, +anzukrampfen. Sie gaben es bald auf. +Die gingen hin. Dann war nur noch ein einziges, +zielloses Trappeln von Zweibeinen, Vierbeinigen, +Rädern, die liefen, liefen ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man ertheilte noch Commandos. Berittne +Offiziere sprengten ab und zu. In einigen Abtheilungen +herrschte eine gewisse Ordnung. Sie +hielten sich von den andern getrennt und marschirten +rhythmisch. – Man sah sehr hohe Offiziere +mit den Abzeichen ihres Ranges, einen alten +General auf seinem weissen Pferde. Sein Gesicht +war vollständig schwarz vom Pulver und Staub. +Er opferte sich auf. Er war überall. Man hörte +seine Stimme wie die eines Hirten. Einige junge +Rekruten acclamirten ihn. Man wusste, dass +dieser ein Held war. Er konnte nichts mehr +<span class="tei tei-pb" id="page343">[pg 343]</span><a name="Pgp343" id="Pgp343" class="tei tei-anchor"></a>ändern, die Eile des Rückzugs nahm zu. Sie +fühlten den Athem des verfolgenden Feindes im +Nacken. Einige hatten Alles weggeworfen und +liefen laut schreiend. Sie wussten nicht, wohin +sie liefen. Nur eine Angst beherrschte sie, sich +zu verlieren, zurückzubleiben, einzeln zu sein, getrennt +von der Horde, die rannte, galoppirte. Sie +hatten sich wie Männer geschlagen, Tage und +Wochen lang, an diesem Tage. Das war Alles, +was blieb, ein Gruselgefühl, die Empfindung der +Ohnmacht des Einzelnen in dem des Ganzen, des +Geschlagnen, Besiegten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie liefen, liefen für ihr Leben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Diesen nach brauste der Sieger. Da waren die +Pferde zuvorderst. Sie griffen mächtig aus in +weiten, jagenden Sprüngen. Ihre Reiter feuerten +sie an, wie man Jagdhunde anfeuert, eine Meute +auf der Fährte. Diese sassen aufrecht im Sattel, +zurückgeworfen. In ihnen lebte nur noch die Lust +zu fangen, zu stechen, abzuthun, Feuer des +Kampfes und der Stolz des Sieges. Ein ganz +junger Kürassier fiel auf, ein Knabe noch, bartlos. +Er sah aus wie ein rächender Engel mit +schrecklichen, offenen Augen, den Mund dürstend +emporgehoben. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page344">[pg 344]</span><a name="Pgp344" id="Pgp344" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Fussvolk folgte langsam. Diese installirten +sich auf dem Schlachtfeld. Sie bezogen +Vierecke und Gassen. Man pflanzte die Geschütze +auf in einer Art Park. Feuer zum Kochen wurden +angezündet. Alle diese Menschen rieselten +von Schweiss, waren zu Tod ermüdet. Sie schliefen, +eh’ sie noch daran dachten, zu essen. Mit geöffnetem +Munde, in der Stellung, die sie gerade +innehatten. Zwischen Ueberresten des Tages, +Leichen und <a name="corr344" id="corr344" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Pferdeäsern</span>. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Barmherzigkeit begann ihr Werk. Man +sah sie mit Laternen herumgehen, irrenden Glühwürmchen +vergleichbar, weissgekleidete Gehülfen, +rothe Kreuze auf den Aermeln, dunkle Gestalten +der Aerzte. In der Eile wurden Tische aufgeschlagen, +Verbandzeug entrollt, in dem Schwestern +hantirten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Zelt war hergerichtet. Da schnitten, sägten, +verbanden die Aerzte die ganze Nacht. Wenn +Einige vor Erschöpfung umsanken, traten Andre +ein. Aber der Aelteste wurde nie müde. Bis +über die Ellenbogen im Blut, mit triefender Schürze, +ein kurzes Wort hier und da, that er seine Arbeit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf dem Schlachtfeld selbst, einem kleinen Hügel +gegenüber, hatte der siegende Feldherr sein +Haupt<span class="tei tei-pb" id="page345">[pg 345]</span><a name="Pgp345" id="Pgp345" class="tei tei-anchor"></a>quartier aufgeschlagen. Auch da ging es lautlos +zu. Adjutanten glitten wie Schatten. Man sah es +ihnen an, sie kamen sich ausserordentlich wichtig +vor. Jetzt gingen die Depeschen in ihre Hauptstadt. +Sie würden die Helden des Tages sein. +Man sprach von ihnen. Mancher schwebte sich +schon wieder im glänzenden Salon vor, männlich +ernst in hochgeschlossner Uniform, die zärtliche +Huldigung der Schönheit entgegennehmend. Man +würde sagen, dass der Feind tapfer war, der +Krieg ein grosses Unglück sei. – Je näher sie +dem General kamen, seiner Person und seinem +Rang, desto ernsthafter und wichtiger wurden sie. +Sie befahlen gleichgültige Dinge, eine Tasse Thee +oder kalte Zunge, mit der Miene von Diplomaten, +die über Sein und Nichtsein von Staaten entscheiden. +Niemand war heiter oder betrank sich. +Das war für die Troupiers draussen, die gewöhnliche +Mittelsorte, das Kanonenfutter. Der General +liebte dergleichen nicht. Man entsann sich nie, +ihn lachen gesehen zu haben. Die Soldaten liebten +ihn. Er war einfach und gerecht. Das ist ein +sichrer Weg zum Herzen des gemeinen Mannes; +er erkennt die Comödianten sofort, sogenannte +Liebenswürdigkeit ist ihm als Laune verdächtig. – +<span class="tei tei-pb" id="page346">[pg 346]</span><a name="Pgp346" id="Pgp346" class="tei tei-anchor"></a>Niemals sah man diesen Feldherrn Vorlieben haben. +Er liebte seine Soldaten. Er that seine Pflicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der General war allein. Er hatte seine Berichte +abgefasst, schlicht, ohne Zusätze und Phrasen, +wie es seine Art war. Die Schlacht war gewonnen, +die Verfolgung im Gange. Die Kreisbewegung, +durch die er den Feind in die Mitte nahm, ihn +dann von allen Seiten zugleich zermalmte, hatte +sich als vollkommner Erfolg bewiesen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war ein Greis von beinah achtzig Jahren. +Aber ein sehr starker Greis. Man sah es seinem +Gesicht an, dass er das Klima aller Zonen getragen +hatte. Sein Ruhm stand ehern wie ein +Felsen. Unerschütterlich wie sein Ruhm war seine +Gerechtigkeit. Dieser Mann verzieh nicht. Er +strafte auch nie ungerecht, weil er die Macht dazu +hatte. Seine Siege waren wie die eines Richtschwerts, +das aufgehoben ist und fällt. Er besass +keinerlei Eitelkeit, keine Leidenschaften und +Schwächen. Sein junger, einziger Sohn war gefallen +in diesem selben Krieg, gegen den General, +den er heute vernichtet hatte. Dies erbitterte ihn +nicht. Es machte ihn auch nicht weicher. – Er +war ein grosser Mann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In dem engen Zelt war es heiss. Ein fader +<span class="tei tei-pb" id="page347">[pg 347]</span><a name="Pgp347" id="Pgp347" class="tei tei-anchor"></a>Geruch war in der Luft, von Pulver, zu vielen +Menschen, stehendem Blut. Selbst in dieser Nachtkühle +machte er sich bemerkbar. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Adjutant schlief im Vorzimmer auf einem +Stuhle. Es war ein junger Edelmann aus einer +sehr vornehmen Familie, äusserst correct immer +mit blendend weisser Wäsche und gefeilten Nägeln. +Wenn er den General gesehen hätte, wie er aufspringen, +eilig sich neben ihn rangiren würde: +Excellenz befehlen dies – geruhen das –! Jetzt +im Schlaf sah er dumm aus wie ein Hammel. Er +träumte nicht einmal. Er dachte an gar nichts. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er schritt über mehrere Schläfer. Die Wachen +präsentirten. Es waren Soldaten von seinem Leibregiment, +seinem eignen Heimathsregiment. Dieses +Regiment hatte eine lange, glorreiche Geschichte. +Er dachte daran, dass sie heut’ sehr schwere Verluste +gehabt hatten. Es that ihm weh. Er verabscheute +den Gedanken. Alle hatten verloren. +Tausende waren geblieben, Freund und Feind. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da bivouakirten auch andre, frische Regimenter, +die erst eben auf dem Schlachtfeld angekommen +waren, noch nicht mit am Triumphe theilgenommen +hatten. Diese waren prächtig. Das Metall der +sauber zusammengestellten Waffen blinkte. Sie +<span class="tei tei-pb" id="page348">[pg 348]</span><a name="Pgp348" id="Pgp348" class="tei tei-anchor"></a>schliefen in ihren Uniformen bis an den Hals zugeknöpft, +noch im Schlafe stramm und gerade. +Alles ausgewählte junge Leute. Man hatte sie +noch immer gut genährt. Die Landsleute hatten +ihnen zugetrunken auf dem Marsche. Sie fürchteten +sich nicht und schliefen mit einem leichtsinnigen +Soldatenliedchen auf den Lippen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Für ein andres Mal reservirte man diese. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er ging über das Feld. Der Boden war hartgestampft, +wie um niemals wieder weich zu werden. +Man konnte nicht sagen, was vorher darauf gewachsen +war, Gras, Gärten oder Weizen. Er war +Stein jetzt, zerhämmert, geschmiedet von Millionen +Füssen und Hufen. Im Ring die Berge behielten +ihre alte Form von Wellen, Rücken. Ihre Abhänge +waren mit Leichen gedüngt. Jeder Einzelne war +für sich getrennt mit ungeheuerster Anstrengung +genommen worden. Den ganzen Tag hatten ihre +Flanken Feuer gespieen. Es brachte sie nicht aus +dem Gleichgewicht. Sie waren Ewige, Steinerne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah einen prachtvollen Menschen zu seinen +Füssen lang ausgestreckt. Der war mausetodt, in’s +Herz geschossen. Ein ganz junger Mensch, wie +ein Achilles. Er bewunderte das Viereck der +Schultern, dieses herrlichen Brustkastens. Das +Ge<span class="tei tei-pb" id="page349">[pg 349]</span><a name="Pgp349" id="Pgp349" class="tei tei-anchor"></a>sicht war ganz unentstellt. Er lag da wie auf dem +Paradebett, ein gefällter Eichstamm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Vierzig Jahre und fünfzig hätte er noch leben +können. Und er, der General, war achtzig, ein +kleiner, müder, gebrechlicher Greis. Der Krieg blieb +eine schreckliche Sache. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von der einen Seite aus den Gebüschen kam +Wimmern. Schwerverwundete hatten sich da hingeschleppt, +die Sanitätscolonnen hatten sie noch +nicht entdeckt. Es klang wie Hundegewinsel. +Manchmal stockte sein Fuss wie in Leim. Er zog +ihn mit einer Art Ekel zurück. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Grässlich waren die Pferdecadaver. Sie hatten +nicht die Würde, die der Mensch unwillkürlich im +Tode bewahrt, oder sein Menschenthum ihm gewährt. +Und etwas Schrecklicheres. Als ob sie +fragen wollten: Warum? Das stupide, blödsinnige +Warum? der Unbewussten. Gigantisch waren sie +mit hängenden Bäuchen, unter denen Pfühle standen, +in der Ungeschicklichkeit der leblosen vier Beine, +gebrochnen, vorgequollnen, fischigen Augen, – +während die Menschen sehr klein erschienen, holzpuppenhaft. +Wo Granaten crepirt waren, lagen +abgerissne Stücke, groteske Nacktheiten – beinah +lächerlich. Wie hässlich der Tod war! +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page350">[pg 350]</span><a name="Pgp350" id="Pgp350" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Freund und Feind lagerten durcheinander. Es +war gar kein Unterschied mehr. Die meisten zeigten +diesen selben Ausdruck dummen Schreckens. Man +konnte fast sagen betrübter Kinder, die man mitten +im Spiel unterbrochen hatte. – Er wunderte sich +fast, so wenig edle und heroische Gesichter zu +sehen. Dieser junge Mann war beinah der Einzige +gewesen, der der Vorstellung entsprach, die +man wohl in Heldengedichten hat oder auf Denkmälern, +wenn über dem gefallnen Krieger der +Genius die Fahne schwingt. Dann sagte er sich: +„Wie könnte es auch anders sein? Was sind diese +Leute? Wo kommen sie her? Was wissen sie +von den grossen Ideen des Vaterlands, der Herrschaft, +der Volksehre, für die sie sich schlagen? +Es ist sonderbar, dass sie sich überhaupt schlagen, +Heerdenzug, Schafsintelligenz. Was sind sie? Was +ist ihr Werth?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +An dem Hügel war der Kampf am heissesten +gewesen. Da lagen Leichen dicht wie abgemähte +Schwaden. Immer dieselben Uniformen. Nach +ihrer Lage und Fallrichtung konnte man deutlich +die Stellung des Feindes erkennen. Der ganze +Kampf war da aufgezeichnet in menschlichen Ueberresten. +– Etwas Dunkles verschwand im Schatten. +<span class="tei tei-pb" id="page351">[pg 351]</span><a name="Pgp351" id="Pgp351" class="tei tei-anchor"></a>Abgehackte Finger, nackte Todte verriethen unmenschliche +Hantirung. Mit einer Geste des Ekels +wandte er sich ab. Leichenraben! Schakale – +das rief ihm einen Spion zurück, den er den Tag +zuvor hatte erschiessen lassen. Seine Frau hatte +für ihn gefleht und gebettelt, eine elende, zerrissne +Schlumpe. Sie hatte ein Kind an der Brust, +einer hängenden, welken, ekelhaften Brust. Die +Andern hingen in ihren Röcken. Natürlich war +die Gerechtigkeit vollzogen worden. Ein Schuft! – +er hatte eine Frau – kleine Kinder ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein Windzug hatte sich erhoben und kam über +das Schlachtfeld, ein trauervoller, trauriger Wind +der Feuchtigkeit mit tappenden Flügeln. Er brachte +ein Röcheln mit. Gar nicht boshaft oder zornig. +Ganz sanft. Aber es setzte nicht aus. Es erhob +sich wieder in weiten Entfernungen. Und starb +im Winde. Vielleicht war es mehr ein Geist der +Klage, als die Klage selbst. Vielleicht war es die +Hallucination des Orts. Dieser Ort war traurig. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Vielleicht litten sie gar nicht. Es war nur das +Räderwerk der Maschine, das auslief. – Eine +Fratze grinste ihn an, schauerlich, idiot, mit +heraushängender Zunge und glotzenden Augen. +Der auch war für’s Vaterland gestorben. Welches +<span class="tei tei-pb" id="page352">[pg 352]</span><a name="Pgp352" id="Pgp352" class="tei tei-anchor"></a>zusammengewürfelte Material, diese Haufen der +Todten! – Ernsthafte Familienväter mit Vollbärten. +Sie hatten zur Waffe gegriffen, weil man sie angriff. +Ihre Beschäftigung war, den Acker zu bauen, +Städte aufzurichten. Ruinirte junge Lebeleute. Verbrechervolk, +Jugend aus allerlei Ländern, die mit +lachendem Mund in Abenteuer rennt. Jetzt war +Alles dasselbe. Alles hatte aufgehört, die Sorge, +der Leichtsinn, die Liebschaft. Was ist das Leben? +Was ist alle Mühe, die man aufgewendet hat, es +zu schützen? Diese ewige Erneuerung, zu der alle +lebenden Wesen sich gezogen fühlen? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er rief sich die grossen Momente seiner Existenz +zurück. Die Befreiung, der schreckliche Zug durch +Schneegebirge, die athemlose Erregung, als ein +Volk mit Thränen und Gebeten ihm folgte wie +die verwittwete Mutter ihrem Erstgebornen ... +Wie sie ihm entgegenstürzten, vom Hunger ausgemergelt ... +Männer weinten wie kleine Kinder. +Sie küssten ihm die Hände. Er war Gott, der Retter! +Sein Einzug – das ganze Land schwoll ihm entgegen +wie eine zitternde, erwartungsvolle Geliebte. +Er sah es zu seinen Füssen. Sie küssten ihm die +Füsse, die Steigbügel. Alle Ehren und allen Ruhm +hatte er gekostet. Er war alt geworden und traurig. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page353">[pg 353]</span><a name="Pgp353" id="Pgp353" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er blieb plötzlich stehen. Das Röcheln war +ganz deutlich geworden. Es klang wie das Weinen +einer Kinderstimme. Dann in einer andern +Sprache, doch sehr vernehmlich, hörte er: „Mama +... Mama ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der General zitterte. Es war ein ganz junger +Bauernknabe von den Feinden, erbärmlich jung, +viel zu jung. Ein spitzes, blasses Gesicht, zwei +Augen, überirdisch. Der Schuss musste im Unterleib +sitzen. Er litt. Er streckte die Arme aus. +Er rief nach seiner Mutter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Da – da war die ganze Tragödie des Krieges, +die ewige Feindschaft, die Mutter, die immer +wieder gebiert, nährt, hofft. Und man nimmt ihr +immer wieder, tödtet, vernichtet. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Mama ... Mama ...“ schluchzte der kleine +Bauernjunge. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war vielleicht ein Held. Er wusste es nicht +mehr. Vielleicht wäre er ein Mann geworden, +hätte getödtet, geherrscht, vernichtet seinerseits. +Er fror. Er hatte Schmerzen. Er fürchtete sich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Mama ...“ rief er. „Mama ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er dachte an eine andre Mutter, diese eine +tragische Mutter, schwarz in schwarzen Schleiern. +Die eigne jähe Wunde fing an zu bluten. Sie +<span class="tei tei-pb" id="page354">[pg 354]</span><a name="Pgp354" id="Pgp354" class="tei tei-anchor"></a>hatte nicht geweint. Sie hatte ihn nicht gebeten +zu bleiben. „Gott segne Dich!“ sagte sie und +hatte ihn geküsst. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und über ihr wieder stand eine noch grössere, +tragischere Mutter. Eine Königin – sein Land, +sein ganzes Land in Trauer. Es schickte seine +Söhne, ohne zu klagen, bleich und erhaben. Er +gab und die Andre gab ... Opfergabe, hinter +der die Mütter standen, die vielfach Gestorbnen, +die zehnmal Gekreuzigten – Sie, die wahren Leidenden, +die wahre Grösse, Lebensträgerinnen ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und ein andres erstaunliches Phänomen machte +ihn betroffen. An einem Dornstrauch, der Blut +trug, weil ihn die Flüchtenden gestreift, halb zerstampft, +niedergetreten, ein elender Stummel nur, +ein einziges noch lebendiges Hölzchen, – blühte +eine weisse Blume. Sie musste sich erst eben erschlossen +haben. Sie duftete – sie blühte ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sah die Mutter der Mütter. Er sah die +Natur treibend und unverletzt, trotz Brand, Tod +und Blutregen, den Acker, der seine Frucht trägt, +den Baum, in dem die Säfte steigen, das Thier, +das seine Jungen säugt ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Wüstes Gelärme unterbrach ihn. Da hinten +im Bivouak feierte man den Sieg. Sie zechten +<span class="tei tei-pb" id="page355">[pg 355]</span><a name="Pgp355" id="Pgp355" class="tei tei-anchor"></a>und brachten Toaste aus; die triumphirten. – +Jetzt musste die Kunde auch in der Heimat sein. +Man liess die Glocken läuten und steckte die +Fahnen heraus. Leute auf der Strasse umarmten +sich mit der Siegesbotschaft. Ein wirres Freudengelärm +schien sein Ohr zu erreichen, ein Beifall, +der von weit kam, seinen Namen rief über die +Meere. Das war der Sieg. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und Andres stieg auf, undeutlicher: Flüche, +Thränen, Racheschwüre ... Sie auch wussten jetzt. +Sie beteten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Derselbe Gott war über ihnen Beiden, unerbittlich, +gleichgültig. Er sprach nicht und hörte +nicht. Der Gott der Weltgeschichte, der Eherne der +Nationen, dem Babylon und Rom gesunken war. +Alexander und Napoleon waren gross geworden +und fielen. Vae victis! und Ave Caesar! – Es +war Alles dasselbe ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Landschaft war flacher hier. Eine Kühle +wurde deutlich fühlbar. Er schritt eiliger vorwärts. +Eine Bewegung des Bodens schien ihn mit fortzuziehen, +ein mächtiges Einathmen und Ausstossen +wieder. Alles ging und kam. Aber das Gehen +schien noch kräftiger wie das Kommen. Im Werden +<span class="tei tei-pb" id="page356">[pg 356]</span><a name="Pgp356" id="Pgp356" class="tei tei-anchor"></a>verging Alles. Ein Tödtliches, Beständiges, Festes +war in der Bewegung. Alles starb. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er war am Strand. Der Sand machte diesen +Erdstreifen heller. Dahinter lag es grau, unruhig, +sich anwälzend und weichend. Salzathem stieg. +Das Meer fluthete und ebbte, endlos, schwarz +unter dem schwarzen Himmel ohne Sterne. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und er sah etwas Andres. – Ein Schatten? +Ein Seufzer? ... Es war schon vorüber. Die +Hallucination des Elends, ein Geist des blutigen +Schlachtfelds, das da hinten dünstend lag: ein +blasser Mann trug ein Kreuz. Das Kreuz war +riesengross, aus rohem Holz geschnitten. Der eine +Arm des Querbalkens ragte gegen den Himmel. +Das Ende schleppte lang nach auf den schwarzen +Wellen. „Und er wandelte auf dem Meer.“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In diesem Augenblick, ganz deutlich wie in +Metall geritzt, krähte ein Hahn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war Nacht. +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page357">[pg 357]</span><a name="Pgp357" id="Pgp357" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc37" id="toc37"></a><a name="pdf38" id="pdf38"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das neunzehnte Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Amtsgerichtsrath war durchaus nicht der +Meinung seines jüngeren Collegen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein Narr,“ sagte er, „und nicht schlimmer +wie Andre, die lose rumlaufen. Lassen Sie ihn +laufen, Salvatius!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre machte Vorstellungen. Er war ein +hagrer, dünner Herr und neigte zu einer pessimistischen +Weltauffassung, während der Gerichtsrath +in seiner rosigen, behäbigen Fülle auch Alles +rosig sah. Die Specialität dieses Ersteren waren +Majestätsbeleidigungen. Er sah diese überall. Er +roch sie, witterte, zog sie hervor aus den gröbsten +Verwicklungen. Irgendwie wurden alle Verbrechen +das bei ihm. Sie waren es ja auch insofern, als +die Majestät für ihn die Autorität Gottes auf +<span class="tei tei-pb" id="page358">[pg 358]</span><a name="Pgp358" id="Pgp358" class="tei tei-anchor"></a>Erden vertrat. – Er war schlimmer wie ein römischer +Statthalter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„I bewahre!“ sagte der Amtsgerichtsrath. „Wo +wollen Sie das nun wieder rausschinden? Schliesslich, +wenn wir das Vaterunser beten, ist das auch +eine Majestätsbeleidigung. – Dreck sind wir Alle.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Dünne blinzte, unangenehm berührt. Der +Assessor drehte die Daumen. Er lernte noch. +Dann war er von Berlin hierher versetzt, konnte +nur jeden Sonnabend nach Hause. Er lebte von +Sonnabend zu Sonnabend. Auch hatte er die +Absicht, Carriere zu machen. Deshalb achtete er +abwechselnd auf seine beiden Vorgesetzten. Der +Dicke gefiel ihm um seines heiteren Cynismus +willen. Aber der Eifer des Andern imponirte ihm. +So wurde man was. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der gelbe Herr behauptete, dass Unruhen +kämen, die Leute liefen zusammen; „na, und +wenn die Lausewenzel des Sonntags ein bischen +weniger söffen?“ – Ueberdies hatte der Pfarrer +Gentz eine Denunciation eingereicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nur weil er ihm in’s Handwerk pfuscht, seine +Kunden stiehlt. Die Pfaffen! – Das hackte sich am +liebsten gegenseitig die Augen aus. Dadran sehen +Sie’s schon. Predigte er den leibhaftigen Satan, +<span class="tei tei-pb" id="page359">[pg 359]</span><a name="Pgp359" id="Pgp359" class="tei tei-anchor"></a>ginge es noch. Dann hätten sie Wasser auf ihre +Mühlen. Dasselbe sagen wie die Herren Pastoren! +Die verbrennten uns Christus heute noch.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Assessor lachte. Die Ausfälle gegen die +Clerisei amüsirten ihn. Er konnte auch die Pfaffen +nicht leiden. Trotzdem – ein leichter Anflug +von Semitismus haftete ihm an – deswegen war +er kirchlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie beleidigen einen hochachtbaren Stand,“ +sagte der Gelbe bitter. „Die Geistlichkeit hat eine +Pflicht im Staate. Sie sind gleichsam – die Gewissenspolizei.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich verlasse mich lieber auf unsern Pommeränicke. +Sehen Sie, zum Ketzerrichter bin ich nun +mal verdorben. Aber wenn Einer lange Finger +macht, gar zu übermüthig wird, dann giebt’s was +drauf. Das hält die Gesellschaft zusammen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt sehr Vieles, was vielleicht schlimmer +ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das überlasse ich feineren Nasen. Es wäre +doch ungemüthlich schliesslich, allein als Krone +übrig zu bleiben und am Ende entdeckte man in +sich selbst unerlaubte Magenbeschwerden. Eine +gewisse mittlere Dickhäutigkeit macht allein das +Leben auf diesem mangelhaften Planeten für sich +<span class="tei tei-pb" id="page360">[pg 360]</span><a name="Pgp360" id="Pgp360" class="tei tei-anchor"></a>und Andre erträglich. So’n Rhinoceros ist das +philosophische Vieh. Alle Stoiker bleiben Waisenknaben +dagegen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Dicke ging seinen Amtsgeschäften nach, +ohne sich dadurch den Appetit verderben zu lassen. +Selbstmörder, die er zu recognosciren hatte, theilte +er in Krammetsvögel und Rohrdommeln ein, Erhängte +oder Ertränkte. Eigentlich war er beliebt. +Er vertrat eine praktische Nothwendigkeit. Die +armen Teufel liessen die Köpfe hängen und ergaben +sich in ihre Strafe. Er begrüsste die Rückfälligen +auch stets wieder mit derselben Jovialität. +Unter der Hand war er wohlthätig. Manches arme +Weib hatte sich seine Mark fünfzig oder drei Mark +Conventionalstrafe für Holzsammeln, Beerensuchen +von ihm zugesteckt gesehen. Eine gewisse rüde +Ausdrucksweise ging dabei mit in den Kauf. Er +nannte das patriarchalisches Regime. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ganz anders der Gelbe. Die Angeklagten +waren von vornherein seine persönlichen Feinde. +Er suchte sie noch privatim möglichst zu zerknirschen. +Nichts konnte ihm mehr Freude machen, +als solche, die sich erhängten, Weiber, die sich in +Zuckungen auf der Erde wanden. In Alimentationsklagen +trat er nie ein, ohne das +Frauen<span class="tei tei-pb" id="page361">[pg 361]</span><a name="Pgp361" id="Pgp361" class="tei tei-anchor"></a>zimmer vorher gründlich zu verdonnern. Ueberhaupt +Unsittlichkeit! Er hatte dann ein Gefühl des +lieben Gottes, eines Rhadamanthus. Zum allgemeinen +Besten musste man unbarmherzig sein, +während der Dicke sich vorgenommen hatte, dann +lieber nach der andern Seite zu sündigen, die +Sittlichkeitsfrage von vornherein ironisirte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die leichtherzige Auffassung des Collegen hatte +den Andern geärgert. Er fand den Fremden im +Gegentheil höchst gefährlich, staatsauflösend. Dabei +blieb der Kerl heimlich, verstockt. Er liess sich +nicht fangen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind Communist?“ fragte ihn der Vorsitzende. +„Sie predigen den Communismus?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Was mein ist, ist meines Bruders.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn er es nicht giebt?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist nicht an mir zu fordern.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich habe gehört, dass Sie auflösende Tendenzen +gegen die Ehe predigen? Wie denken Sie +darüber?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nicht die Ehe ist unheilig, die Unkeuschheit +macht sie so.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wie ist denn aber eine Ehe möglich ohne +physischen Umgang?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das wäre allerdings die Radicalcur für alle +<span class="tei tei-pb" id="page362">[pg 362]</span><a name="Pgp362" id="Pgp362" class="tei tei-anchor"></a>unsre Gebresten,“ sagte der dicke Amtsgerichtsrath. +Er fand die Idee höchst spasshaft. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man wollte wissen, ob er sich weigerte, Militärdienst +zu thun? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„So mich Keiner angreift, wozu brauche ich +Soldaten? Wenn ich angegriffen werde, ist es +mir besser, Unrecht zu dulden, als Unrecht zu +thun ...“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das bricht den Gehorsam gegen das Gesetz.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er wies auf ein Cruzifix, das neben dem +Richterstuhl hing, zu Eidesleistungen gebraucht +wurde: „So Er Euch Gesetz ist, was braucht Ihr +Gesetze?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie fragten: „Was bezeichnen Sie als sein +Gesetz?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Es steht geschrieben: Wer gestohlen +hat, der stehle nicht wieder, sondern +schaffe mit seinen Händen, auf dass er habe zu +geben dem Dürftigen. Du sollst Deinem Bruder +vergeben sieben mal siebenzig mal. Und was Du +nicht gethan hast diesem Geringsten Einem, das +hast Du mir nicht gethan.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ein geschriebnes Recht muss sein um der +Ordnung willen,“ warfen sie ein. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page363">[pg 363]</span><a name="Pgp363" id="Pgp363" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich sehe nur Unordnung. Ihr habt täglich +zu thun mit Solchen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das sind Ausnahmen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Andern bleiben in der Regel, weil sie +den Vortheil davon haben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist scharf wie ein alter Fuchs,“ schmunzelte +der Amtsrichter. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ohne Zwang ist in menschlichen Dingen kein +dauerhafter Zustand möglich.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Der Zwang trifft nur die Aeusserung. Er +ändert die Gesinnung nicht. Die mächtig genug +sind, verachten ihn, und diese sind die stärksten, +die das Beispiel geben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Da hat er, den Teufel! nicht Unrecht. Unsre +Banquiers und Minister könnten davon ein Liedchen +singen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Glauben Sie, dass dieser Zustand ohne Gesetzlosigkeit, +ohne Mord und Todtschlag je möglich +sein wird?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn Jeder sich selbst Gesetz ist.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dann hat’s gute Weile.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Gelbe wollte wissen, ob er Seine Majestät +den König anerkennte? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wenn Unordnung ist, ist es gut, dass Einer +sei. So aber Ordnung ist, wozu ist ein Herr?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page364">[pg 364]</span><a name="Pgp364" id="Pgp364" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Feierliche fand, dass darin doch eine +Majestätsbeleidigung läge, zum Mindesten Zweideutigkeit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Glauben Sie an Gott?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er glaubte natürlich nicht. Der Pfarrer hatte +es haarklein bewiesen, Aussprüche zusammengestellt. +Ein ganz hohler Pantheismus war vielleicht +vorhanden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Assessor fand, ein paar Monate könnten +nichts schaden. Man musste sich schneidig zeigen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der joviale Amtsrichter war dagegen: „Er hat +nicht gestohlen, thut Keinem was zu Leide. Lassen +Sie ihn laufen!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Assessor langweilte sich. Er fand, dass +es für ihn überhaupt nicht der Mühe werth sei, +sich mit einem abgerissnen Strolch länger zu beschäftigen. +Man hatte genug zu thun, Beleidigungen +socialistischer Redacteure aufzunehmen. +Das machte einen guten Eindruck nach oben. Er +sah sich gern als Präsidenten des Reichsgerichts +in scharfer, schneidender Rede die Gesellschaft +retten. Das war vornehm gewesen seit Jeffrey’s +Zeiten. Aus diesem Grunde opinirte er auch +gegen Dreyfus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Den Vorsitzenden verfolgte die fixe Idee der +<span class="tei tei-pb" id="page365">[pg 365]</span><a name="Pgp365" id="Pgp365" class="tei tei-anchor"></a>Majestätsbeleidigung: „Ob man die Steuer zahlen +sollte?“ wollte er wissen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ist sie für das Allgemeine, so ist es billig, +dass ein Jeder trage. Ist sie nicht, so mag der +tragen, der sie braucht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie stellten ihm eine Menge Fragen, woher +er käme, was sein Name und Stand sei? Auch +über seine Geldverhältnisse wollten sie wissen? +Wovon er sich ernährte? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf dieses Alles antwortete er nicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun fingen sie an, Erkundigungen anderweitig +einzuziehen. Es gab Leute, die es beschworen, +dass er ein Joseph Schäppli aus Bing in Württemberg +sei, der schon in seiner Jugend geistesgestört +gewesen, seinen Eltern davongelaufen und dann +verschwunden war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man that noch ein Uebriges. Da die alte +Mutter Schäppli noch lebte, beschloss man ihn +mit dieser zu confrontiren, sie auf Gerichtskosten +herkommen zu lassen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Erfolg schien allen Zweiflern Recht zu +geben. Es erschien vor Gericht eine uralte verhutzelte +Bauersfrau, ganz benommen von der +Wichtigkeit und Würde des Orts, diesen vielen +Augen, die auf sie gerichtet waren. Sie versuchte +<span class="tei tei-pb" id="page366">[pg 366]</span><a name="Pgp366" id="Pgp366" class="tei tei-anchor"></a>abwechselnd ihren mitgebrachten Korb mit Esswaaren +zu sichern, aus den Mienen der Umstehenden +zu errathen, was man mit ihr vorhatte. +Natürlich hatte sie ihren besten Sonntagsstaat angelegt. +Man hatte das Gefühl eines alten Nacht- +oder Erdthiers, plötzlich an’s Licht gebracht, das +in die Sonne blinzelt, sich verkriechen möchte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie erkannte ihn sofort: „O mein Sohn Joseph!“ +schrie sie. „Mein armer Sohn! Du böses +Kind! Bist Du mir fortgelaufen und wo hast Du +Dich umgetrieben so lange?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auf dies Alles antwortete er kühl, aber freundlich: +„Du irrst, Frau! Ich bin Dein Sohn nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Nun gerieth die Alte ganz ausser sich: „Nicht +mein Sohn? Was? Habe ich Dich nicht in +Schmerzen geboren? So spät kamst Du, dass die +Wehmutter es aufgab. Wir dachten, ich würde +nicht lebendig bleiben. Dann war es ein grosses, +starkes Kind, zehn Pfund schwer, dass alle Nachbarinnen +über das Wunder schrieen. Hinterher +kam das mit dem schwachen Kopf, wo gar nichts +anzufangen war. Nicht mal zum Viehhüten taugte +das. ‚Geben Sie’s nur auf, Schäpplerin,‘ sagte +der Herr Pfarrer. ‚Den hat sich der Herrgott gezeichnet.‘“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page367">[pg 367]</span><a name="Pgp367" id="Pgp367" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie fing plötzlich an zu weinen und wurde +zärtlich. „Bin ich nicht doch gut zu Dir gewesen? +Hab’ Dich trocken gelegt jede Nacht, wenn Du +schrieest? Und wie Du krank warst, hab’ ich Dir +Hirsenbrei gekocht. Du assest so gern Hirsenbrei +und getrocknete Pflaumen. Dafür liessest Du gerade +Dein Leben. Mein Joseph! Mein Seppli! +Mein eigner Herzbub! Und willst nun Deine eigne +alte Mutter nicht kennen?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „So nun sind die Weiber. Weil +sie Dir Brot gegeben und den Leib gewaschen, +bilden sie sich ein, dass sie Dir eine Seele geschaffen, +einen unsterblichen Menschen aus Dir +gemacht haben. O kleine Kinder im grauen Haar! +Thörinnen, die Ihr Mütter seid!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach, wie er sah, dass Einige diese Rede +hart fanden, Andre sie richtig nannten, die Alte +aber schluchzte und lamentirte, sagte er: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Dennoch ist die Mutter immer verehrungswürdig. +Sie hat gelitten. Sie hat leibliche +Schmerzen gelitten, wie das Kind zur Welt kam. +Alle Noth und Last trägt sie mit ihm in seiner +Schwachheit. Danach wird es zum Manne und +lässt sie. So ist es wohl ihres und doch nicht +ihrs. – Sie leidet im Fleische um einer +unsterb<span class="tei tei-pb" id="page368">[pg 368]</span><a name="Pgp368" id="Pgp368" class="tei tei-anchor"></a>lichen Seele willen. – Viele schelten dies Geschlecht +schwach. Es ist aber nicht so, da sich in +ihrem Leibe sichtlich das heilige Wunder der Erlösung +zeigt.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und war gütig zu der alten Frau, tröstete sie +und hinterliess sie mit Gaben, die seine Freunde +für ihn sandten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Vielen war das wieder ein Zeichen: „Er weiss +sehr wohl, dass er ihr Sohn ist. Würde er sie +ehren, wenn sie nicht seine Mutter ist?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er sprach: „Und wenn sie es wäre? Was +ist eine Mutter? Hat sie mir meine Gedanken +gegeben? Trägt sie Schmerzen für mich? Und +fühlt sie mit meinem Fühlen? Der Antheil der +Mutter ist vom Fleisch. Wir sind aber nicht +Fleisch, sondern Geist. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +... „Vor Augen siehet diese Art, was wahrscheinlich +ist. – Das Wahre aber siehet sie nicht. +Wenn sie es sähen, würde es ihre Augen verbrennen. +– Aber die Blinden haben auch Augen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Danach schwieg er und sagte nichts mehr über +diesen Fall, erklärte sich auch nicht deutlicher. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dieser Umstand der Recognoscirung durch die +eigne Mutter beruhigte die Richter ganz und gar. +Sie dachten nun wohl, dass er ein Narr und +<span class="tei tei-pb" id="page369">[pg 369]</span><a name="Pgp369" id="Pgp369" class="tei tei-anchor"></a>Kranker sei. Uebrigens bildete nicht die Familie +die Grundlage und Urform jedes gesunden Staatsorganismus? +Das heiligste Gut der Nation? Einer, +der nicht mal die Familie anerkannte, leugnete +das Bestehende durch diese Thatsache schon. – +Der Gelbe war für mindestens zwei Jahre und +kurzen Process. Aber die Herren amüsirten sich +zu gut bei dem Fall. Es machte ihnen Spass, +ihn auszuhorchen über seine Ansichten. Was er +von ihrer Justiz denke? Ob er mehr für deutsches +Recht sei oder für römisches? Auch fanden +sie verzwickte Streitfälle, die er entscheiden sollte. +Und ob er die Todesstrafe billigte oder missbilligte? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein förmlicher Sport unter ihnen geworden. +Der dicke Amtsgerichtsrath war der +Lustigste. Er nannte ihn scherzhaft seinen Christus +und sich Pontius Pilatus. – Der Assessor dachte +an Berlin und die Blumensäle. Er war weit weg. +Der grosse Gelehrte fand, dass dergleichen die +Köpfe verwirrte. Er war sehr gegen Verwirrung +der Köpfe. Er hatte alle Materien in Schubfächer +und Unterschubfächer eingetheilt, und man wusste, +dass sein Urtheil unbestechlich war. Ueberdies +<span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">fand</span></span> er die Majestätsbeleidigung. Die Majestätsbeleidigung +lag sonnenklar. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page370">[pg 370]</span><a name="Pgp370" id="Pgp370" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Besonders konnte ihn eine Behauptung des +Jovialen irritiren, dass der Fremde eigentlich ein +„genialer Kerl“ sei, ein religiöses Genie. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Genies – Genies – die hätte man auch +Alle einstecken sollen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Auch Goethe?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Was ist Goethe? Ein Kerl, der keinen Patriotismus +hatte, einen unmoralischen Lebenswandel +führte.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Er ist aber doch Excellenz geworden.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es kommt ja vor. Im Grunde ist das Alles +höherer Anarchismus, selbstverfertigte Autoritäten, +Parvenügewalten. Sehen Sie selbst Bismarck ...“ +Der eminente Jurist war ultramontan. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aber Pommeränicke!“ Der dicke Polizeidiener +bildete das besondere Steckenpferd seines humoristisch +veranlagten Vorgesetzten. In seinen Mussestunden +schlachtete er Schweine, lieh Geld auf +Wucherzinsen und füllte in seiner kleinen Methodistengemeinde +ein kirchliches Amt aus. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Pommeränicke ist nothwendig, existenzberechtigt. +Pommeränicke <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">ist</span></span>!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Fleisch und Fett gewordene Potenz des +mittleren Gerechtigkeitsgefühls. <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Es lebe</span></span> Pommeränicke!“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page371">[pg 371]</span><a name="Pgp371" id="Pgp371" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind ein Farceur.“ Der Gelbe grollte und +kollerte in sich hinein. Er hasste, wenn man +irgend etwas, das mit einer Staatseinrichtung zusammenhing, +nicht ernsthaft nahm. Er war immer +ernsthaft. Lachen war eine Frechheit eigentlich. +Anarchismus, Majestätsbeleidigung. Nur pietätlose +Menschen lachten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Assessor hatte Besuch von Berlin. Diese +Damen und Herren wünschten innig ein Zuchthaus +zu besichtigen. Das Sociale war Mode. Man verständigte +sich mit dem Director. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch der Amtsrichter und sein Freund waren mit. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alles interessirte ausnehmend. Die Hunderte +von kleinen Zellen mit starken Eisenbarren vor +den hohen Fensterluken, der Arbeitssaal, die +Kirche, wo die einzelnen Sitze durch Brettwände +abgetheilt waren, um eine Communication der +Sträflinge miteinander zu verhindern, der gepflasterte +Hofstreifen zwischen Steinwänden, in +dem sie ihre Spaziergänge machen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alles war musterhaft eingerichtet, beinah comfortabel, +mit Lazareth, Apotheke, Badeanstalt. Und +diese wohlthuende Stille! „Förmlich nervenberuhigend,“ +meinte die Mama. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Herr erkundigte sich, ob und unter welchen +<span class="tei tei-pb" id="page372">[pg 372]</span><a name="Pgp372" id="Pgp372" class="tei tei-anchor"></a>Bedingungen geprügelt werden dürfte? Er liess sich +die Einrichtung erklären. Er war sehr überzeugt von +der Zweckmässigkeit solcher Strafen. Der affenartige +Gehorsam, mit dem die Sträflinge aufsprangen, +Antwort gaben, imponirte ihm. Er war selbst +Besitzer eines grossen industriellen Etablissements. +„Da haben Sie’s bequemer!“ meinte er scherzend. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die jungen Damen interessirten hauptsächlich +die Insassen. Besonders ganz schwere Verbrecher. +Sie waren fast enttäuscht, dass ihre Unthaten nicht +noch viel furchtbarer waren. Und waren Frauen +da? Sie baten und flehten, wenigstens einen +Ausblick auf die im Hofe Promenirenden thun zu +dürfen. – Es war so amüsant, durch die kleinen +Gitterfenster zu gucken, gerade als ob man wilde +Thiere beobachtete. So Einer konnte doch jeden +Moment ausbrechen und ihnen mit der Hand an +die Gurgel fahren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dass Alle glattgeschoren und rasirt waren, +wunderte sie am meisten. „Die sehen ja fast wie +katholische Priester aus,“ meinte ein Offizier. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von da kam man auf physische Eigenthümlichkeiten, +Abnormitäten der Verbrecher zu sprechen. +Der Assessor als moderner Mann hatte sich mit +Anthropometrie befasst. Man citirte Charcot, Tarbe, +<span class="tei tei-pb" id="page373">[pg 373]</span><a name="Pgp373" id="Pgp373" class="tei tei-anchor"></a>Lombroso. Es stand ja beinah fest, dass alle Verbrechen +Wahnsinn seien, erbliche Belastung, durch +Alkoholismus hervorgerufen: „Man müsste die +Leute einfach in Irrenanstalten unterbringen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Oder blenden, verstümmeln,“ schlug Einer vor. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man rechnete genau aus, wieviel ein solcher +Zuchthäusler dem Staat jährlich kostete. Davon +konnte fast schon ein ehrlicher Arbeiter satt werden. +Zudem drückte ihre Arbeit die Preise der in Freiheit +Arbeitenden herab. Nun ja, das <a name="corr373" id="corr373" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">jetzige</span> System +war dumm. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Amtsgerichtsrath erzählte von einer Hinrichtung, +der er als ganz junger Mensch aus professionellen +und psychologischen Gründen beigewohnt +hatte. Es handelte sich um irgend einen +ganz entsetzlichen Mörder, einen Zwanzigjährigen, +der eine alte Frau, seine eigne Grossmutter, <a name="corr373a" id="corr373a" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">mit</span> +der Axt todtgeschlagen und zerstückelt hatte. Er +war nach vollbrachter That ruhig noch in ein Café +gegangen, um eine Parthie Billard zu spielen. Da +war er auch arretirt worden. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie ärgerte mich,“ blieb seine stereotype +Antwort auf alle Fragen nach den Beweggründen +seines Verbrechens. Er blieb ganz stumpfsinnig, +ass und trank und ergab sich in sein Schicksal. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page374">[pg 374]</span><a name="Pgp374" id="Pgp374" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Nun gut. Diesen Kerl habe ich genau beobachtet. +Er hatte nur etwas Verblüfftes, wie +Einer, der eben aus dem Schlaf geweckt und noch +nicht vollständig wach geworden ist. Alle Reden +des Pastors, der Gerichtsbeamten liess er ruhig +über sich ergehen. Noch zuletzt forderte er eine +Cigarette. – Alles hatte etwas Eiliges, Unvorbereitetes, +Gesudeltes, obgleich es feierlich sein +sollte, eindrucksvoll, wirksam. Dieser Mann starb +wie ein Ochse, der geschlachtet wird. Ich hatte +nur den Eindruck stupidester, verantwortungsloser +Dummheit.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man kam auf die politischen Verbrecher zu +sprechen, Verbrecher aus Mitleid, Nihilisten und +Fenier. Jeder wusste curiose Facta: Dieser hatte +jedes Stück Brot mit Aermeren getheilt. Ein +Andrer schrieb die sentimentalsten Verse und +päppelte kranke Hunde auf. Ein Dritter wieder +besass eine Geliebte, die mit ihm sterben wollte, +Freunde, die um ihn zu rächen ihr eignes Leben +dran setzten. Manche waren Märtyrer, Helden. +Spätere Jahrhunderte hatten ihnen Denksteine gesetzt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Contrast brachte den Gerichtsrath auf einen +andern Fall. „Da haben wir nun heute eine Frau +<span class="tei tei-pb" id="page375">[pg 375]</span><a name="Pgp375" id="Pgp375" class="tei tei-anchor"></a>im hochschwangeren Zustand, die beim Jäten im +Garten ein Gericht Bohnen gestohlen hat. Die +Frau bekam für ihre Arbeit fünfundsiebzig Pfennig +Tagelohn. Sie war hungrig. Das Gericht Bohnen +hat einen Werth von fünfundzwanzig Pfennigen. +Die eigentliche wirkliche Gemeinheit ist die Anzeige +der Gartenbesitzerin, als der Arbeitgeberin, +die sie seit sechs Jahren beschäftigt. Die ärztliche +Wissenschaft, die Menschlichkeit sprechen sie frei. +Dennoch müssen wir sie verurtheilen, weil es der +Buchstabe will, weil es gedruckt steht. Wo bleibt +nun da die Vernunft?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Amtsgerichtsrath zuckte die behäbigen +Schultern. „Schliesslich, meine Herrschaften – +was ist Vernunft?“ +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page376">[pg 376]</span><a name="Pgp376" id="Pgp376" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc39" id="toc39"></a><a name="pdf40" id="pdf40"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das zwanzigste Kapitel.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der berühmte Professor wusch sich die Hände. +Er that das immer mit besondrer Umständlichkeit +und Sorgfalt, schon um des guten Beispiels +willen. Man musste ein Beispiel geben. +Uebrigens hatte er berühmt schöne Hände. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es giebt nichts, was auf das Gehirn schädlicher +einwirkt, als religiöse Wahnvorstellungen,“ +sagte der grosse Mann. „Schon das Bedürfniss +einer Religion überhaupt. Ich will nicht mit einem +hochlöblichen Consistorium in Conflict kommen +oder auf den neuesten Paragraphen der Lex eingesteckt +werden ...“ Der Geheimrath geruhte +zuweilen dergleichen Witze, die immer auf brüllenden +Applaus rechnen konnten ... „Es ist bekannt, +dass Mohammed epileptisch war, an der Fallsucht +litt. Christus hatte in seiner Jugend die Satzungen +<span class="tei tei-pb" id="page377">[pg 377]</span><a name="Pgp377" id="Pgp377" class="tei tei-anchor"></a>der Essäer angenommen, unter denen die Forderung +der absoluten geschlechtlichen Enthaltsamkeit, +neben strictem Vegetarismus, Fasten, Waschungen +aller orientalischen Kulte, obenan stand. Nun +weiss heutzutage Jedermann, dass die Unterdrückung +des Paarungstriebes die Ursache zahlreicher +Verbrechen, in vielen Fällen des Irrsinns +ist. Chassez le naturel, il reviendra au galop. +Die Natur, meine Herren! Die Wissenschaft ist die +erkannte Natur.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Professor hatte seine Hände fertig gewaschen +und sorgfältig abgetrocknet. Er stand +jetzt, die Fingerspitzen beider gegeneinander gepresst. +Er wusste, dass er keinen Widerspruch +zu erwarten hatte. Er war nicht an Widerspruch +gewöhnt. Er verachtete ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es ist eine Schande für unser Jahrhundert, +dass derartige Erscheinungen noch möglich sind,“ +fuhr er streng fort, „dass der Aberglaube eine +solche Macht auf die Gemüther noch ausüben kann. +Allein die Ignoranz ist daran schuld, systematisches +Zurücksetzen des Wissenschaftlichen, des +Positiven in der Erziehung gegen Abstractionen, +sogenannte Moral. Ich bitte Sie, meine Herren! +Was ist Moral? Moral ist die Anforderung des +<span class="tei tei-pb" id="page378">[pg 378]</span><a name="Pgp378" id="Pgp378" class="tei tei-anchor"></a>Magens in Einklang gebracht mit dem, was von +aussen diesen Magen befriedigen kann. Unsre +Moral, gesellschaftliche Moral ist das geregelte Productions- +und Consumtionsverhältniss. Moral endlich +ist eine Sache des Bluts, der Hirnpartikeln, +Zellenconglomerat. Die Zelle ist Alles.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der grosse Mann sah sich triumphirend um. +Er wusste, dass er etwas Grosses gesagt hatte. +„Wie es übrigens die Seele selber ist ...“ fuhr +er leutseliger fort. <a name="corr378" id="corr378" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„Was</span> ist Seele, als das vitale +Princip der Zellenschwingung auf das Abstracte +angewendet? In den ersten Zeiten brauchte man +Kutscher und Pferde für die Wagen. Dann machte +man’s mit Dampf. Jetzt treibt die Electricität +ohne äusserlich sichtbaren Fortbewegungsapparat. +Ein Grieche des Alcibiades hätte an Dämonen geglaubt, +ein Mönch des Mittelalters an den Teufel, +ein von den Missionaren bekehrter Wilder an +Gott. – Wir wissen, weil wir sehen. Wo wir +nicht mehr sinnlich wahrnehmen, haben wir nur +ein: Ignorabimus.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Professor verbeugte sich gegen sein Publikum. +Er war eilig. Eine hohe Persönlichkeit +verlangte seine Autorität in schwierigen Nervenleiden. +„Grosse Ueberreizung,“ decretirte der +<span class="tei tei-pb" id="page379">[pg 379]</span><a name="Pgp379" id="Pgp379" class="tei tei-anchor"></a>Professor. Ruhe, frische Luft, blutbildende Nahrung, +Pepton: Hygieia. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das hatte er selbst erfunden und sich patentiren +lassen. Der Professor verstand auch das. Er +war ein wirklich grosser Mann. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dabei machte er sich niemals durch Propaganda +missliebig. In seinem Wahlkreis wählte +er conservativ. „Für die Crapule ist das gut und +schön. Halbbildung bleibt das Allergefährlichste. +Das fehlte uns gerade noch, dass jeder Apothekerlehrling +auf eigne Hand Experimente anstellte. +Die Laien sind eben Laien.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war eine Lieblingsredensart von ihm, dass +in der modernen Gesellschaft die Autorität des +Arztes die des Priesters ersetzt habe. Die Wissenschaft +war eine Macht, die Macht. Eigentlich +verachtete er alle Andern, die vielleicht momentan +viel Lärm machten, sich wichtiger dünkten. Sie +hatten das nicht nöthig. „Alles das sind Blasen, +flüchtige Gährungserscheinungen an der Oberfläche, +die die Grundbedingungen ganz unangetastet lassen. +Es ist das eben wie der Unterschied, ob ich mit +meinen Augen sehe oder durch ein sehr scharfes, +vollkommenes Instrument. – Der grösste Geist, +ein König, ein Eroberer ist doch schließlich nur +<span class="tei tei-pb" id="page380">[pg 380]</span><a name="Pgp380" id="Pgp380" class="tei tei-anchor"></a>ein Laie, ein Decadent, ein Entarteter vielleicht. +Er betrifft uns eigentlich darum gar nicht, ändert +aber auch gar nichts an der Marche du jeu, den +einmal gewonnenen und festgelegten Resultaten. +<span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Wir</span></span> passen ihn ein, nicht er uns.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er machte einen abschneidenden Eindruck, wenn +er dergleichen sagte, inmitten seiner Arbeitssäle +und Laboratorien, mit ihren kahlen, weissgestrichnen +Wänden, wo Instrumente und Präparate standen. +Alle diese Instrumente waren tadellos gehalten +und blinkten in der Sonne. Man sah alle Stoffe +in ihre primitivsten Elemente zerlegt. Diese geistvollen +Einrichtungen und Neuerfindungen arbeiteten +mit erstaunlicher Präcision und Genauigkeit. Der +Mann passte in dieses Milieu. Zusammen hatten +sie eine gewisse Grösse. Sein Colleg war immer +gedrängt voll. Es gab eine ganze neue Generation +von Jugend, die sich mit Stolz seine Schüler +nannten. Er hatte sein ganzes Leben geforscht +und gearbeitet. Arbeit und Forschung waren ihm +das Höchste. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man warf ihm den grossen, weltumwendenden +Einfluss des Christentums vor. Er hatte einen +jüngeren Freund und Collegen, der sich gern mit +dem Philosophischen befasste. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page381">[pg 381]</span><a name="Pgp381" id="Pgp381" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Das sind Epidemieen, die ganze Zeitalter +erfassen, wie die Blattern, die Beulenpest. Uebrigens, +was rechnen diese zwei- oder dreitausend +Jahre gegen die Tausende von Jahrtausenden, die +die Erdoberfläche gebraucht hat, sich zu bilden, +ein einziger Diamant zu seiner Crystallisation bedurfte! +Das ist Alles sehr gleichgültig.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es haben sich doch Menschen dafür schlachten +und verbrennen lassen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Menschen haben von jeher eine grosse Vorliebe +dafür gehabt, sich um hohle Töpfe die Schädel +zu zerschlagen. Wie Hamlet sagt: Worte – +Worte – Worte. Uebrigens dieser Hamlet ist +sehr interessant. In seinen Reflexionen auf dem +Kirchhof finden Sie alle Anfänge der Naturphilosophie. +Sie erinnern sich des Passus von Cäsar’s +Staub?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Trotzdem stach er sich um ein Phantom.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Hamlet war eben ein Künstler,“ sagte der +Professor beinah mitleidig. „Shakespeare war ein +grosser Dichter. Die grossen Dichter sind immer +sehr miserable Naturforscher. Nehmen wir Goethe! +Die Phantasie – die Phantasie!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Phantasie kann doch aber auch immer +nur Vorstellungen von Existirendem weiterspinnen. +<span class="tei tei-pb" id="page382">[pg 382]</span><a name="Pgp382" id="Pgp382" class="tei tei-anchor"></a>Sie müssen irgendwie in der Natur mit vorhanden +sein.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„In der Natur ist noch Vieles.“ Der Professor +zuckte die Achseln. „Wir wissen es nicht.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber der Freund ereiferte sich. Er war jung. +Er neigte zur Phantastik. – Jemand Andres war +miteingetreten. Es war die junge Frau des Professors. +Sie war noch sehr jung, glücklich verheirathet +und sollte zum ersten Mal Mutter werden. +Sie sprach wenig. Es war etwas Schleppendes, +Sachtes in ihren Bewegungen. Sie trug den Nacken +gesenkt wie eine zu beschwerte Aehre. Der Professor +schob ihr sorgsam einen Stuhl zurecht. Sie +sah nur dankbar lächelnd zu ihm auf, und blieb +so sitzen, ihre Hand in seiner. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Es könnte doch aber eine Zeit kommen, dass +wir wüssten,“ argumentirte der Freund. „Und +wäre es nicht denkbar, dass besonders begnadete +Genies, sagen wir Shakespeare, Goethe, Christus, +Vieles vorgeahnt haben? Auch Geheimnisse +wieder verloren gingen? Waren doch schon die +Phänomene des Hypnotismus, der Autosuggestion +den Alten bekannt? Dass man mit ihnen +die Wunder der biblischen Geschichte erklären +könnte?“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page383">[pg 383]</span><a name="Pgp383" id="Pgp383" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Ich weiss es nicht. Das erscheinen mir wieder +Speculationen.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Andre war begeistert, einmal lancirt: +„Denken Sie sich auf diesem rein empirischen +Wege die Vereinigung des Uebersinnlichen mit der +Wissenschaft wiederhergestellt, im Fortschritt den +Aufschritt! Die Natur, die wir arm und nüchtern +auffassen, tausendmal reicher, üppiger, <a name="corr383" id="corr383" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">wollüstiger.</span> +Eine beseelte Natur. Die <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Seele</span></span>, die wir suchen, +nach der wir verhungern, unsre Künstler, unsre +grossen Energieen, unsre Jugend – da hätten +wir die Seele! Im Christentum die Darwinsche +Theorie, Lombroso, Krafft-Ebing, kein Gut und +kein Böse, Tolstoi nicht mehr pathologisch, – +unser ewiges, elendes, billiges ‚pathologisch‘!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er gestikulirte heftig, den Sprüngen seiner Gedanken +folgend. Er war ein schöner, feuriger +Mensch, fuhr sich mit der Hand durch die dichten +Haarbüschel. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die junge Frau des Professors hatte aufmerksam +zugehört. Sie sagte nichts, sie dachte. Ein +sehr süsser, sehnsüchtiger Friede lag auf ihrem +Gesicht. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie sind ein Dichter,“ sagte der Professor. +„Enfin ... Wie wir uns drehen und wenden: +<span class="tei tei-pb" id="page384">[pg 384]</span><a name="Pgp384" id="Pgp384" class="tei tei-anchor"></a>‚Ein Mensch, der speculirt‘ ... Carpe diem. Es +giebt keine Weisheit als diese.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Zarathustra? Zarathustra! Auch blos ein +pathologisches Problem jetzt – der Weisheit letzter +Schluss, das Endglied der grossen Kette. – Dionysos! +Die Entfesslung aller Kräfte. Flügel! Flügel! +Flügel!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Wir müssen uns an die Erde, an das Normale +halten.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Und das heutzutage Uebernormale, das Unternormale? +Wo bringen wir das unter?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das offne Gesicht des Freundes glühte. Er +stand da in einer Pose des Kampfes mit gereckten +Fäusten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die junge Frau sah von einem der Männer +zum andern. Sie litt nicht. Aber sie war müde +– von einer süssen Müdigkeit. Das beschwerte +sie, aber machte sie froh. – Ihre Augen hatten +sich verschleiert. Es war, als ob sie sähe, in etwas +sehr Helles, Glänzendes sähe. Aber sie sprach nicht. +Ein träumendes Fühlen war in ihrem Sehen. ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: +„In unsern Irrenhäusern.“ +</p> + +</div><hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page385">[pg 385]</span><a name="Pgp385" id="Pgp385" class="tei tei-anchor"></a> +<a name="toc41" id="toc41"></a><a name="pdf42" id="pdf42"></a> +<h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Ende.</span></h1> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, +ein Complex langgestreckter, gelber Häuser, +am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee +führte eine Fahrstrasse, alleeartig mit Bäumen bestanden. +Rechts und links lagen Felder. Die +leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort +unter der Aufsicht eines Wärters. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man sah sie Kohlstrünke ausreissen, Gräben +ziehen, jäten. Manchmal lachte einer seltsam, +kichernd, unmotivirt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Vorübergehenden auf der Chaussee blieben +wohl stehen und sahen sie an. Sie stiessen sich +mit den Ellenbogen. „Irre!“ Das interessirte sie. +Sie fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls +erwarteten sie Außerordentliches. Vielleicht +<span class="tei tei-pb" id="page386">[pg 386]</span><a name="Pgp386" id="Pgp386" class="tei tei-anchor"></a>dass Einer sich auf seinen Wärter stürzte und ihn +erdrosselte oder etwas Aehnliches. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +An der Chaussee lagen die Wärterhäuser. Sie +sahen schmutzig grau aus mit kahlen Fenstern. +Es war einsam hier und nicht behaglich. Der +fegende Wind über die Ebene traf sie von allen +Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebäude. +Es war mit einer hohen rothen Backsteinmauer +umgeben. Man hörte Gänsegeschnatter. Ein fauliger +Gestank von Dünger verpestete die Luft, die +scharf war, prickelnd, wie im Winter schon. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alle Felder lagen unter Dünger und waren +kahl. Auch der Rasen am Feldrain sah verbrannt +aus. Ueber der ganzen Landschaft lagerte die +üble Laune des Novembers, eine Stimmung des +Unbehagens und der Trostlosigkeit, die der blaugrüne +Saum der Kiefernwälder nicht unterbrach. +Sie zogen sich nach allen Seiten. Sie schienen +das natürliche Moos dieser graubraunen Erde, +stumpf, ohne Leben und Wechsel, langweilig. Das +ist kein Wald. Das ist Haide. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Mittelgebäude in der Anstalt selbst enthielt +die Wohnungen des Directors, der Oberärzte. +Man hatte eine Kapelle für die Irren, +Gesell<span class="tei tei-pb" id="page387">[pg 387]</span><a name="Pgp387" id="Pgp387" class="tei tei-anchor"></a>schaftssäle, Bibliothek- und Musiksaal. Die Räume +waren mit dem neuesten Comfort, Gas, und Centralheizung +ausgestattet. Die vergitterten Fenster zeigte +man nur nach dem Garten zu, auf der Rückseite. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Alles war beinah elegant. Man versicherte gern, +dass sich die Kranken da außerordentlich wohl +fühlten. Sie würden gar nicht wieder wo anders +leben mögen, selbst wenn man sie liesse. Dies +war Wohlthat für überreizte Nerven. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Aerzte sagten immer: „Die Kranken.“ Der +Ausdruck Verrückte oder Irrsinnige beleidigte sie +fast. Noch mehr der dumme Aberglauben des +Publikums. Das war eine Krankheit so gut wie +jede andre, mit ganz bestimmten, anatomisch nachweisbaren +Veränderungen im Gehirn, Störungen +des Sensoriums und der Motilität verbunden. Mit +der mönchisch-moralistischen Betrachtungsweise solcher +Erscheinungen in früheren Jahrhunderten hatte +man ja Gott sei Dank! aufgeräumt. Aufgeklärte +Leute traten gern dagegen auf. Sie waren sogar +zu Gesellschaften in der Anstalt gewesen und +hatten sich sehr gut unterhalten. Oder zum Gottesdienst +am Sonntag. Es gab da hinter den Mauern +sehr geistreiche und gebildete Leute. Diese Legenden +von Zwangsjacken, Tollwuth, rohen, prügelnden +<span class="tei tei-pb" id="page388">[pg 388]</span><a name="Pgp388" id="Pgp388" class="tei tei-anchor"></a>Wärtern erzählten sich Köchinnen. – Es war wirklich +angenehm da zu existiren. Aufgeklärte Leute +versicherten, dass sie sofort bei der ersten Störung +ihres Nervensystems in eine solche Anstalt gehen +würden. Es war das einzig wahre Mittel, sich +zu curiren. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von Zeit zu Zeit erschoss sich ein Arzt. Er +hatte an sich selbst die Fortschritte der Krankheit +beobachtet und genau festgestellt: Noch so und +so lange. Dann greift man zur Pistole ...... +„Kranke eben.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab so viel Krankheitsursachen im modernen +Leben: Lärm, Pferdebahngebimmel, electrische +Bahnen, der immer härter werdende Kampf um’s +Dasein, Rastlosigkeit. Die Zeit verbrauchte die +Menschen. Da hinten lagen die Ungethüme, Grossstädte, +die sie schickten. Hier war’s still. Gesunder +Kiefernadelduft. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es gab sehr interessante Sujets unter den Internen: +Einige, die am Verfolgungswahn litten; +eine ältere adelige Dame glaubte, dass man sie +in ihrem Standesgefühl beleidigen wollte; dann +der Mann, der einen Schatz gefunden hatte; Einer, +der sich einbildete, der Kaiser Napoleon zu sein; +besonders scherzhaft war der sogenannte „Gott Ra“, +<span class="tei tei-pb" id="page389">[pg 389]</span><a name="Pgp389" id="Pgp389" class="tei tei-anchor"></a>eine Persönlichkeit, die plötzlich mitten im Gespräch +abbrach, die Kiefern auf- und zuschnappte, als ob +er etwas verschlänge. Alle diese waren ungefährlich, +lebten beinah glücklich. Da waren welche, +die die griechischen Tragödien in der Ursprache +lasen, sich mit Forschungen beschäftigten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch die Blödsinnigen litten ja nicht. Diese +Menschen wurden Thiere. Die Hauptsache für sie +war Essen und Trinken. Sie hatten keine Ahnung +von ihrer Degradation. – Das Publikum macht +sich so falsche Vorstellungen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war unangenehm, dass einmal eine ältere +Dame eine Häkelnadel verschluckt hatte. Natürlich +war es den Wärterinnen streng verboten gewesen, +Derartiges zu arbeiten, oder dass die Wärter an +Kranke Schnaps verkauften. – So etwas kam +überall vor. Man konnte nicht vorsichtig genug +sein in der Auswahl des Materials. Das war die +wichtigste Frage. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ein sehr friedlicher Platz. Im Sommer, +wenn Alles grün ist, war es noch viel schöner, +beinah heiter. Der Kiefernwald erstickt. Man +hatte die Gitter sehr weit vorgeschoben, immerhin. +Und man musste sich gegen die Neugier des Publikums +<a name="corr389" id="corr389" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">schützen</span>. Die Leute, die da wohnten, waren +<span class="tei tei-pb" id="page390">[pg 390]</span><a name="Pgp390" id="Pgp390" class="tei tei-anchor"></a>Stille. Ihre Angehörigen bezahlten für sie, erster, +zweiter oder dritter Klasse, je nachdem sie vermögend +waren. Erster Klasse hatte man natürlich +bessres Essen und mehr Luxus. Die ganz +Unbemittelten übernahm der Staat. Sie machten +auch allerlei Arbeiten. Wohlwollende Besucher +kauften von diesen Arbeiten. Alle waren immer +entzückt von der Reinlichkeit, Vortrefflichkeit und +practischen Anlage der Anstalt. Wirklich! Die da +hinein kamen, waren nicht zu bedauern. Sie waren +in einem Hafen förmlich. Die Bilder grosser Ärzte +und Philanthropen schmückten das Wartezimmer. +Es war ein Segen, dass die Wissenschaft dies +übernommen hatte. Wenn man dachte, welche +Zustände früher herrschten! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man konnte seine theuersten Angehörigen mit +der grössten Seelenruhe dalassen. Was sollte +man denn auch thun? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ab und zu dann ein Begräbniss. Ernst, ohne +Prunk. Es war vorüber. Er oder sie waren +„erlöst“. Eine grosse Last war von den Schultern +ihrer Familie genommen. Fast konnte man sie +beneiden um den Frieden. Man musste zurück. +In den Kampf. In’s Laute. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Sie waren nicht sehr interessant. Etwas zwischen +<span class="tei tei-pb" id="page391">[pg 391]</span><a name="Pgp391" id="Pgp391" class="tei tei-anchor"></a>Kindern und Thieren. Sogar ihre Leiden waren +halb komisch, eingebildete Leiden. Man giebt +ihnen Alles zu wie Kranken. Jedermann ist gut +und wohlwollend gegen diese Unglücklichen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Bei Vielen ist die Krankheitsanlage erblich. +Sie sind idiot, ganz harmlos. Man muss sie einschliessen, +wenn sie gemeingefährlich werden. +Jedermann kennt solche Erscheinungen in Dörfern, +abgelegenen Gebirgshöfen. Man nannte sie „Gottes +Narr“, Fexe, Gezeichnete. Heilbar sind solche secundären +Formen der Geisteskrankheiten selten. +Dann giebt es Wahnsinn, Schwermuth. Diese Leute +können ganz lichte Zeiten haben. Sie kehren wohl +von Zeit zu Zeit wieder in ihre Familien, ihre +Umgebung zurück. Aber irgendwie tragen sie eine +Kette am Fuss. Eine Schraube bleibt locker. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Immer wieder wollten die Damen wissen, ob +die Kranken „es fühlen“, sich ihrer mentalen +Abirrung bewusst sind, unter dem Stigma leiden? +Man las darüber so Schauerliches in Romanen. – +Nur die Melancholischen leiden. Sie empfinden +wirkliche neuralgische, acute Schmerzen. Ganz +hoffnungslos sind die mit fixen Ideen Behafteten, +oder solche, die religiöse Wahnvorstellungen haben. +Sie hatten eine sehr feine, dreissigjährige Dame +<span class="tei tei-pb" id="page392">[pg 392]</span><a name="Pgp392" id="Pgp392" class="tei tei-anchor"></a>aus gutem Hause, die an erotischem Wahnsinn litt. +Eine Dame, sonst sehr scheu und wohlerzogen! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Man rief berühmte Beispiele zurück: Torquato +Tasso, Johanna von Castilien, Ludwig von Bayern. +War Hamlet wahnsinnig gewesen, oder König Lear? +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Aber ein Thema interessirte sie Alle. Sie hatten +ein wirklich interessantes Sujet, einen Clou. Das +kitzelte nicht nur die Damen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die erste Intelligenz der Zeit, die brillanteste, +genialste. Der Mann, dessen Adlerflug die Welt erst +schweigend, dann mit wüthenden Verwünschungen +in glühender Bewunderung verfolgt hatte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Jetzt, wo er wahnsinnig war, konnte man ihn +ja ungehindert bewundern. Niemand hatte mehr +eine Concurrenz zu befürchten, seinen schneidenden +Hohn schlimmer als seine Verachtung. Aus +dem Löwenfell des grossen Mannes hatte man +sich kleine Fellchen geschnitten, die so gut standen. +Was konnte man da interpretiren, insinuiren, Kapital +schlagen. Aus diesem ungeheuren Brachfeld, +das er mit den Schätzen einer ungehobnen Welt +hinterlassen. Seine Fehler und Extravaganzen vermied +man natürlich. Er war ja eben bekanntlich ... +Ein Strich über die Stirne vollendete den +Gedanken. +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page393">[pg 393]</span><a name="Pgp393" id="Pgp393" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +O ja! Für den interessirte man sich. Gedichte, +Blumen wurden für ihn gesandt. Alle Augenblicke +standen in den Zeitungen gefälschte Interviews. +Es bildete den beständigen Aerger der +Aerzte. Sie hatten es doch so klar gesagt: Eine +organische Krankheit, colossale Ueberanstrengung, +verschärft durch Schlafmittel, Narcotica. – Es +wurde Zeit, dass endlich einmal mit dem alten +Aberglauben aufgeräumt wurde. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Fromme Leute betrachteten diesen Irrsinn als +eine gerechte Strafe des Himmels. In ihren Augen +war er der Antichrist. Man sah Gottes Gericht +recht deutlich! Der Titan, der Ihn anzugreifen gewagt, +Felsblöcke gegen Ihn geschleudert und jetzt +ohnmächtig und gebrochen im Stuhl sass in einer +Irrenhauszelle: „Ich bin dumm. Ich bin dumm.“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Selbst die, die nicht so weit gingen, moralisirten +über den Fall auf ihre Weise. „Bleib’ im +Land und nähr’ Dich redlich.“ Hier sah man, +wohin das Gegentheil führte: „die grosse Kunst +macht Dich rasend.“ Wozu auch? Wenn man +arbeitete, recht that, kam man immer noch zurecht +auf dieser Welt. Der religiöse Aberglaube +war zu missbilligen. Ebenso wie die rohe +Ausschweifung. Das Leben fand schon immer +<span class="tei tei-pb" id="page394">[pg 394]</span><a name="Pgp394" id="Pgp394" class="tei tei-anchor"></a>die Mittellinie. Es ist gut auf der Mittellinie +bleiben. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es war ja freilich wahr, dass jeder Esel ebenso +gut wahnsinnig werden konnte. Sie blieben doch +überzeugt, dass Müller es zum Beispiel nie würde, +und Buchholz ebenfalls nicht. Diese würden sich +auch nie das Leben nehmen oder mit der Polizei +in Conflicte gerathen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Fachleute bemühten sich vergebens, das +ganz Natürliche, rein Anatomische des Vorgangs +auseinander zu setzen. Ein junger Arzt zeigte +zur Exemplificirung sorgfältig präparirte Plättchen, +auf denen man den Verlauf der Aederchen im +Gehirn normal und anormal verfolgen konnte. +Ordentlich niedlich anzusehen waren diese Präparate, +etwa wie Blumenblättchen, fettig-weiss und +rosig durchzeichnet. – Einige Damen grauten sich +davor, – immer zurück in der Cultur, diese Frauenzimmer! +Der junge Gelehrte liebte seine Plättchen. +Er zitterte, ihren Schatz zu bereichern. Für ihn +war auch dieser Kranke nur ein Object. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ganz Intime waren zuweilen zugelassen worden. +Sie erzählten, dass der grosse Philosoph im Rollstuhl +auf der Terrasse gesessen. Er sah in die +sinkende Sonne. Er schien ganz „friedlich“, der +<span class="tei tei-pb" id="page395">[pg 395]</span><a name="Pgp395" id="Pgp395" class="tei tei-anchor"></a>kranke Adler. Man nahm ein ganz angenehmes +Gefühl mit fort der allgemeinen Rührung und +der eignen speciellen Empfänglichkeit für schöne +Emotionen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Uebrigens hatte er’s gut. Erster Klasse sogar. +Mancher hatte es nicht so. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Was dachte er in den langen vierundzwanzig +Stunden des Tages seit sieben Jahren? Die Aerzte +versicherten, Nichts. Er lächelte. Er wartete ... +Es war doch furchtbar. Der Mann des jauchzenden +Lachens, der sich selbst die Stirn mit Rosen +bekränzt und das schwache Mitleid verachtete. – +Nun, das war immer schon Wahnsinn gewesen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Den Schluss der Besichtigung bildete immer +die Kapelle. Nur ein steinernes Kreuz stand hinter +dem Altar. Eine Lebensähnlichkeit, Blut und Nacktheit, +hätte die Kranken gestört. Man musste vorsichtig +sein. Eine Frau in schwarzen Schleiern +weinte zu seinen Füssen. Sie bildete sich ein, die +Pietà zu sein. Sieben Schwerter des Weltwehs +gingen durch ihren Busen. Sie weinte immer – +immer. Eine vornehme Frau aus reichen, guten +Verhältnissen, Mutter und Gattin. – Man liess +sie, weil sie ganz sanft und ungefährlich war. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Ein engelschönes, blödsinniges Kind, das +<span class="tei tei-pb" id="page396">[pg 396]</span><a name="Pgp396" id="Pgp396" class="tei tei-anchor"></a>zwischen den Bänken hantirte, nickte und lachte +geheimnissvoll. Die Geschlechter schienen hier +seltsam verwoben. Man wusste nicht, ob es ein +Knabe oder ein Mädchen war. Die Aerzte erklärten +ihn für einen Adolescent von sechzehn +Jahren. Er lief überall frei umher. Die Kapelle +war sein Lieblingsaufenthalt. Er bildete sich ein, +ein Chorknabe zu sein, schwang sein Räucherfass, +bückte sich und nickte und küsste dann mit Inbrunst +die Altarstufen. Dieser Jüngling war immer +glücklich, von einer Serenität der Cherubim. Jeder +verwöhnte und liebte ihn. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Auch von dem neuen Patienten wurde gesprochen, +diesem „Fremden“ der Zeitungen und Verhandlungen, +der sich einbildete, Christus zu sein. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Arzt erklärte, dass dies eine häufig vorkommende +specielle Form des religiösen Wahnsinns +sei: „Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, +eine Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. +In Wahrheit ist dieser Mensch ein schwachsinniger +Zimmermannssohn aus dem Württembergischen. – +Braucht man bündigere Beweise, dass es Zeit ist, +mit dem alten Priesterhocuspocus aufzuhören?“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Eine der Damen sah ihn lange an: „Er hat +schöne Augen ...“ +</p> + +<span class="tei tei-pb" id="page397">[pg 397]</span><a name="Pgp397" id="Pgp397" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Die Besucher gingen wieder. Es fing auch +schon an dämmrig zu werden. +</p> + +<div class="tei tei-tb"><hr style="width: 50%" /></div> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals +Geklärtes, vor dem denen, die es später sich erzählten, +die Haare sich sträubten, wo die Vernünftigsten +den ewigen Blödsinn der Dinge zugeben +müssen und stumpfe Hirne peitschende +Schauer der Unwelt fühlen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, +den Ewig-Stummen, den zum untersten Abgrund +Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, +wer den Andern herführte, welcher +furchtbare Auftritt stattgefunden zwischen diesen +Beiden, deren Einen Keiner kannte. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. +Die Stricke waren seine Kleider, die er sich +abgerissen hatte. Aus zertrümmertem Holzgeräth, +Bänken und Stühlen, hatte er Nägel, Eisentheile, +geklaubt. Dieser ganz nackte, misshandelte Leib +war buchstäblich zerstossen, zerschunden, erwürgt +damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, +er lachte. Mit einem schweren zugespitzten Holzstück +sah man ihn grosse Streiche führen nach +<span class="tei tei-pb" id="page398">[pg 398]</span><a name="Pgp398" id="Pgp398" class="tei tei-anchor"></a>der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwärzliches +Blut troff: +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Du hast die Welt zerstört! Du! Du!... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Schönheit hast Du getödtet, den Ruhm, +die Lust! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. +Du hast ihnen das Gift in’s Herz geträufelt. Schlange +Du! Erste Schlange! Verfluchte! +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Mit Deinen zerrissnen Händen hast Du die +Kraft unsrer Hände zerbrochen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Deine Füsse, die angenagelt sind, haben uns +festgebohrt. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Die Stricke umwürgen unsre Leiber und machen +sie hässlich. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +„Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre +Hirne gedrungen ... Die Dornen von Deiner Stirn! +Die Dornen!“ ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. +Er hatte seine Haare gepackt zu beiden Seiten des +Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Händen, über +und über mit Blut beschmiert, raufte er sie aus +in vollen Fäusten. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, +schauerliche Brüderlichkeit in diesen beiden +ge<span class="tei tei-pb" id="page399">[pg 399]</span><a name="Pgp399" id="Pgp399" class="tei tei-anchor"></a>marterten, verrenkten Leibern, dem todten und +dem lebendigen, dem, der vollendet hatte und +dem, der niemals vollenden würde, ... seinen +Gliedern gekrümmt und schlaff geworden durch +das Sitzen, die Schreibtischarbeit, den Händen zu +fein und zu lang, die nicht mehr fassen konnten, +verkrüppelten, zagen Füssen, die das Gehen verlernt. +Viel zu hoch war diese Stirn, blass vom +Gedanken, vorgeschoben über das ganze übrige +Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die +wirren Haare bildeten eine fürchterliche, struppige +Aureole. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz +packte, es ihm hinschleuderte in Hohn und Verzweiflung: +„Teufel! Teufel!“ +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +– – – Der Blödsinnige lachte, sein leises, +triumphirendes Lachen. Er that, als ob er sein +Weihrauchfass schwänge, bückte sich und küsste +die Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern +weinte. Ein monotones, endloses, zweckloses +Weinen ... +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, +mitleidig, erhaben, sah herab. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Der Kopf hatte sich etwas zur Seite geneigt. +Die Augen unter den bleichen Lidern waren +ge<span class="tei tei-pb" id="page400">[pg 400]</span><a name="Pgp400" id="Pgp400" class="tei tei-anchor"></a>brochen. Aber die Lippen standen ein wenig +geöffnet, als ob Ihn dürstete. Er hielt die beiden +Arme nach oben ausgebreitet. Aus seiner geöffneten +Seite unter der Brust floss das Blut. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Das Blut floss. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Es tropfte auf die grauen, breiten Steinfliesen +des Fussbodens. Die Fliesen blieben grau und +steinern. Eine rothe, schmerzliche Lache hatte +sich auf ihnen gebildet. Der Stein färbte sich +violett unter ihr. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Beständig aus dem blutenden, durchbohrten +Herzen fielen die Tropfen. +</p> + +<p class="tei tei-p" style="text-align: center; margin-bottom: 0.90em; margin-top: 3.60em"><span style="font-size: 90%"> +Druck von Ramm & Seemann in Leipzig. +</span></p> + +</div></div> + <div class="tei tei-back" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 6.00em"> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> +<span class="tei tei-pb" id="page401">[pg 401]</span><a name="Pgp401" id="Pgp401" class="tei tei-anchor"></a> + +<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> +Von demselben Verfasser ist erschienen: +</p> +<table summary="This is a table" cellspacing="0" class="tei tei-table" style="margin-bottom: 1.00em"><colgroup span="3"></colgroup><tbody><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell"><span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Ein Narr.</span></span> Roman.</td> + <td class="tei tei-cell">Mk.</td> + <td class="tei tei-cell">3.–</td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell"><span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Die Jungen.</span></span> Roman.</td> + <td class="tei tei-cell">"</td> + <td class="tei tei-cell">3.–</td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell"><span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Misere.</span></span> Roman.</td> + <td class="tei tei-cell">"</td> + <td class="tei tei-cell">3.–</td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell"><span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Nixchen.</span></span> Ein Beitrag zur Psychologie + der höheren Tochter. Fünfte Auflage.</td> + <td class="tei tei-cell">"</td> + <td class="tei tei-cell">1.50</td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell"><span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Häusliches Glück.</span></span> Aus den Papieren + eines Ehemannes.</td> + <td class="tei tei-cell">"</td> + <td class="tei tei-cell">1.50</td> + </tr></tbody></table> + </div> + <hr class="doublepage" /><div class="boxed tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <a name="toc43" id="toc43"></a><a name="pdf44" id="pdf44"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Bemerkungen zur Textgestalt</span></h1> + + + + + + + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Variierende Schreibweisen wurden nicht korrigiert, mit Ausnahme folgender + offensichtlicher Druckfehler:</p> + <table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr007" class="tei tei-ref">Seite 7</a>: „wei“ geändert in „weit“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr015" class="tei tei-ref">Seite 15</a>: „neber“ geändert in „neben“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr049" class="tei tei-ref">Seite 49</a>: „erwartefe“ geändert in „erwartete“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr058" class="tei tei-ref">Seite 58</a>: „Krankeit“ geändert in „Krankheit“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr071" class="tei tei-ref">Seite 71</a>: Punkt geändert in Komma hinter „ausgebrütet“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr118" class="tei tei-ref">Seite 118</a>: „Gattenadjudanten“ geändert in „Gattenadjutanten“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr167" class="tei tei-ref">Seite 167</a>: Anführungszeichen ergänzt hinter „Worte!“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr194" class="tei tei-ref">Seite 194</a>: Anführungszeichen ergänzt vor „Ihr“ + und <a href="#corr194a" class="tei tei-ref">„O“</a></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr247" class="tei tei-ref">Seite 247</a>: doppeltes „legen“ entfernt</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr255" class="tei tei-ref">Seite 255</a>: „wir“ geändert in „wie“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr261" class="tei tei-ref">Seite 261</a>: „gegewesen“ geändert in „gewesen“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr291" class="tei tei-ref">Seite 291</a>: „tand“ geändert in „stand“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr312" class="tei tei-ref">Seite 312</a>: Anführungszeichen ergänzt hinter „verkümmern.“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr316" class="tei tei-ref">Seite 316</a>: Komma geändert in Punkt hinter „rührten“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr324" class="tei tei-ref">Seite 324</a>: „Alllem“ geändert in „Allem“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr344" class="tei tei-ref">Seite 344</a>: „Perdeäsern“ geändert in „Pferdeäsern“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr373" class="tei tei-ref">Seite 373</a>: „jetsige“ geändert in „jetzige“, + „mi“ in <a href="#corr373a" class="tei tei-ref">„mit“</a></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr378" class="tei tei-ref">Seite 378</a>: Anführungszeichen ergänzt vor „Was“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr383" class="tei tei-ref">Seite 383</a>: Punkt ergänzt hinter „wollüstiger“</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr389" class="tei tei-ref">Seite 389</a>: „schüfzen“ geändert in „schützen“</td></tr></tbody></table> + </div> + <hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <div id="pgfooter" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 4.00em; margin-top: 4.00em"><pre class="pre tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em">***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** +</pre><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader45" id="rightpageheader45"></a><a name="pgtoc46" id="pgtoc46"></a><a name="pdf47" id="pdf47"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Credits</span></h1><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr><th class="tei tei-label tei-label-gloss">May 25, 2011 </th></tr><tr><td class="tei tei-item tei-item-gloss"><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item">Project Gutenberg TEI edition 1</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><span class="tei tei-respStmt"> + <span class="tei tei-resp">Produced by <span class="tei tei-name">Norbert H. Langkau</span> + and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net</span> + </span></td></tr></tbody></table></td></tr></tbody></table></div><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader48" id="rightpageheader48"></a><a name="pgtoc49" id="pgtoc49"></a><a name="pdf50" id="pdf50"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">A Word from Project Gutenberg</span></h1><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This file should be named + 36227-h.html or + 36227-h.zip.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This and all associated files of various formats will be found + in: + + <a href="http://www.gutenberg.org/dirs/3/6/2/2/36227/" class="block tei tei-xref" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span><span style="font-size: 90%">/dirs/3/6/2/2/36227/</span></a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Updated editions will replace the previous one — the old + editions will be renamed.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Creating the works from public domain print editions means that + no one owns a United States copyright in these works, so the + Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United + States without permission and without paying copyright royalties. + Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this + license, apply to copying and distributing Project Gutenberg™ electronic works + to protect the Project Gutenberg™ concept and trademark. 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You may use this eBook for nearly any purpose such as + creation of derivative works, reports, performances and research. + They may be modified and printed and given away — you may do + practically <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">anything</span></em> with public domain eBooks. + Redistribution is subject to the trademark license, especially + commercial redistribution.</p></div><hr class="page" /><div id="pglicense" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader51" id="rightpageheader51"></a><a name="pgtoc52" id="pgtoc52"></a><a name="pdf53" id="pdf53"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">The Full Project Gutenberg License</span></h1><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">Please read this before you distribute or use this + work.</span></em></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free + distribution of electronic works, by using or distributing + this work (or any other work associated in any way with the + phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span>), you agree to comply with all the terms + of the Full Project Gutenberg™ License (<a href="#pglicense" class="tei tei-ref">available with this file</a> or online + at <a href="http://www.gutenberg.org/license" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/license</a>).</p><div id="pglicense1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 1.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">General Terms of Use & Redistributing Project Gutenberg™ + electronic works</span></h2><div id="pglicense1A" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.A.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">By reading or using any part of this Project Gutenberg™ electronic + work, you indicate that you have read, understand, agree to + and accept all the terms of this license and intellectual + property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree + to abide by all the terms of this agreement, you must cease + using and return or destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic + works in your possession. If you paid a fee for obtaining a + copy of or access to a Project Gutenberg™ electronic work and you do not + agree to be bound by the terms of this agreement, you may + obtain a refund from the person or entity to whom you paid the + fee as set forth in paragraph <a href="#pglicense1E8" class="tei tei-ref">1.E.8.</a></p></div><div id="pglicense1B" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.B.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> is a registered trademark. It may only be used on or + associated in any way with an electronic work by people who agree to be + bound by the terms of this agreement. There are a few things that you + can do with most Project Gutenberg™ electronic works even without complying with the + full terms of this agreement. See paragraph <a href="#pglicense1C" class="tei tei-ref">1.C</a> below. There are a lot of things you can + do with Project Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this + agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ electronic + works. See paragraph <a href="#pglicense1E" class="tei tei-ref">1.E</a> below.</p></div><div id="pglicense1C" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.C.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (<span class="tei tei-q">„the Foundation“</span> or PGLAF), owns a compilation + copyright in the collection of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the + individual works in the collection are in the public domain in the + United States. If an individual work is in the public domain in the + United States and you are located in the United States, we do not claim + a right to prevent you from copying, distributing, performing, + displaying or creating derivative works based on the work as long as all + references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support + the Project Gutenberg™ mission of promoting free access to electronic works by + freely sharing Project Gutenberg™ works in compliance with the terms of this + agreement for keeping the Project Gutenberg™ name associated with the work. You can + easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in + the same format with its attached full Project Gutenberg™ License when you share it + without charge with others.</p></div><div id="pglicense1D" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.D.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The copyright laws of the place where you are located also govern + what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in + a constant state of change. If you are outside the United States, check + the laws of your country in addition to the terms of this agreement + before downloading, copying, displaying, performing, distributing or + creating derivative works based on this work or any other Project Gutenberg™ work. + The Foundation makes no representations concerning the copyright status + of any work in any country outside the United States.</p></div><div id="pglicense1E" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.E.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</p><div id="pglicense1E1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.1.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The following sentence, with active links to, or other immediate + access to, the full Project Gutenberg™ License must appear prominently whenever any + copy of a Project Gutenberg™ work (any work on which the phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> + appears, or with which the phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> is associated) is + accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed: + + </p><div class="block tei tei-q" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 0.90em"><span style="font-size: 90%">This eBook is for the use of + anyone anywhere at no cost and with almost no + restrictions whatsoever. You may copy it, give it + away or re-use it under the terms of the Project + Gutenberg License included with this eBook or + online at </span><a href="http://www.gutenberg.org" class="tei tei-xref"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span></a></p></div></div><div id="pglicense1E2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.2.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If an individual Project Gutenberg™ electronic work is derived from the public + domain (does not contain a notice indicating that it is posted with + permission of the copyright holder), the work can be copied and + distributed to anyone in the United States without paying any fees or + charges. 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Additional terms will + be linked to the Project Gutenberg™ License for all works posted with the permission + of the copyright holder found at the beginning of this work.</p></div><div id="pglicense1E4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.4.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg™ License terms from + this work, or any files containing a part of this work or any other work + associated with Project Gutenberg™.</p></div><div id="pglicense1E5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.5.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this + electronic work, or any part of this electronic work, without + prominently displaying the sentence set forth in paragraph <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1</a> with active links or immediate access + to the full terms of the Project Gutenberg™ License.</p></div><div id="pglicense1E6" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.6.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You may convert to and distribute this work in any binary, + compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including + any word processing or hypertext form. However, if you provide access + to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format other than + <span class="tei tei-q">„Plain Vanilla ASCII“</span> or other format used in the official + version posted on the official Project Gutenberg™ web site (http://www.gutenberg.org), you must, at + no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a + means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon + request, of the work in its original <span class="tei tei-q">„Plain Vanilla ASCII“</span> or + other form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg™ License + as specified in paragraph <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1.</a></p></div><div id="pglicense1E7" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.7.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, + copying or distributing any Project Gutenberg™ works unless you comply with + paragraph <a href="#pglicense1E8" class="tei tei-ref">1.E.8</a> or 1.E.9.</p></div><div id="pglicense1E8" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.8.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to + or distributing Project Gutenberg™ electronic works provided that</p><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">• </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method you already use to + calculate your applicable taxes. The fee is owed to the owner of the + Project Gutenberg™ trademark, but he has agreed to donate royalties under this + paragraph to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60 days + following each date on which you prepare (or are legally required to + prepare) your periodic tax returns. Royalty payments should be clearly + marked as such and sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">Section 4, <span class="tei tei-q">„Information about donations to the + Project Gutenberg Literary Archive Foundation.“</span></a></p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">• </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he does + not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ License. You must require such + a user to return or destroy all copies of the works possessed in a + physical medium and discontinue all use of and all access to other + copies of Project Gutenberg™ works.</p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">• </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide, in accordance with paragraph <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">1.F.3</a>, a full refund of any money paid for a + work or a replacement copy, if a defect in the electronic work is + discovered and reported to you within 90 days of receipt of the + work.</p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">• </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenberg™ works.</p></td></tr></tbody></table></div><div id="pglicense1E9" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.9.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg™ electronic work or + group of works on different terms than are set forth in this agreement, + you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael + Hart, the owner of the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set + forth in <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">Section 3</a> below.</p></div></div><div id="pglicense1F" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.F.</span></h3><div id="pglicense1F1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.1.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, + do copyright research on, transcribe and proofread public domain works + in creating the Project Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ + electronic works, and the medium on which they may be stored, may + contain <span class="tei tei-q">„Defects,“</span> such as, but not limited to, incomplete, + inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other + intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other + medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be + read by your equipment.</p></div><div id="pglicense1F2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.2.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES — Except for the <span class="tei tei-q">„Right of + Replacement or Refund“</span> described in <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph + 1.F.3</a>, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg™ trademark, and any + other party distributing a Project Gutenberg™ electronic work under this agreement, + disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including + legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT + LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE + PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK + OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO + YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL + DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.</p></div><div id="pglicense1F3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.3.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND — If you discover a defect in + this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a + refund of the money (if any) you paid for it by sending a written + explanation to the person you received the work from. If you received + the work on a physical medium, you must return the medium with your + written explanation. The person or entity that provided you with the + defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a + refund. If you received the work electronically, the person or entity + providing it to you may choose to give you a second opportunity to + receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy + is also defective, you may demand a refund in writing without further + opportunities to fix the problem.</p></div><div id="pglicense1F4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.4.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Except for the limited right of replacement or refund set forth in + <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph 1.F.3</a>, this work is provided + to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR + IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR + FITNESS FOR ANY PURPOSE.</p></div><div id="pglicense1F5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.5.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or + the exclusion or limitation of certain types of damages. If any + disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of + the state applicable to this agreement, the agreement shall be + interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by + the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any + provision of this agreement shall not void the remaining provisions.</p></div><div id="pglicense1F6" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.6.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">INDEMNITY — You agree to indemnify and hold the Foundation, the + trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone + providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in accordance with this + agreement, and any volunteers associated with the production, promotion + and distribution of Project Gutenberg™ electronic works, harmless from all + liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly + or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: + (a) distribution of this or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, + modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any + Defect you cause.</p></div></div></div><div id="pglicense2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 2.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Mission of Project Gutenberg™</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of electronic works + in formats readable by the widest variety of computers including + obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the + efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks + of life.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Volunteers and financial support to provide volunteers with the + assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg™'s goals and + ensuring that the Project Gutenberg™ collection will remain freely available for + generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a + secure and permanent future for Project Gutenberg™ and future generations. To learn + more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see + Sections <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">3</a> and <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">4</a> and the Foundation web page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a>.</p></div><div id="pglicense3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 3.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation + organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax + exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or + federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter + is posted at <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf</a>. Contributions + to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. + federal laws and your state's laws.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. + S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are + scattered throughout numerous locations. Its business office is + located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) + 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date + contact information can be found at the Foundation's web site and + official page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">For additional contact information: + + </p><div class="block tei tei-address" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Dr. Gregory B. Newby</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Chief Executive and Director</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">gbnewby@pglaf.org</span></span><br /></div></div><div id="pglicense4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 4.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread public + support and donations to carry out its mission of increasing the number + of public domain and licensed works that can be freely distributed in + machine readable form accessible by the widest array of equipment + including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are + particularly important to maintaining tax exempt status with the + IRS.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation is committed to complying with the laws regulating + charities and charitable donations in all 50 states of the United + States. Compliance requirements are not uniform and it takes a + considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up + with these requirements. We do not solicit donations in locations where + we have not received written confirmation of compliance. To SEND + DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state + visit <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">While we cannot and do not solicit contributions from states where we + have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition + against accepting unsolicited donations from donors in such states who + approach us with offers to donate.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">International donations are gratefully accepted, but we cannot make + any statements concerning tax treatment of donations received from + outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and + addresses. Donations are accepted in a number of other ways including + checks, online payments and credit card donations. To donate, please + visit: <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p></div><div id="pglicense5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 5.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">General Information About Project Gutenberg™ electronic + works.</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><span class="tei tei-name">Professor Michael S. Hart</span> is the + originator of the Project Gutenberg™ concept of a library of electronic works that + could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and + distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of volunteer + support.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed editions, all of + which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright + notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in + compliance with any particular paper edition.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's + eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII, + compressed (zipped), HTML and others.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Corrected <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">editions</span></em> of our eBooks replace the old file + and take over the old filename and etext number. The replaced older file + is renamed. <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">Versions</span></em> based on separate sources are treated + as new eBooks receiving new filenames and etext numbers.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Most people start at our Web site which has the main PG search + facility: + + <a href="http://www.gutenberg.org" class="block tei tei-xref" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span></a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This Web site includes information about Project Gutenberg™, including how to + make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and + how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p></div></div></div> + </div> + </div> + </div> +</body></html> diff --git a/36227-pdf.pdf b/36227-pdf.pdf new file mode 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[(keine)-628(K\344lte,)-723(aber)-628(best\344ndig)-628(sickerte)-628(von)-628(oben)-628(eine)-628(feine,)]TJ 0 -13.55 Td [(durchdringende)-532(Feuchtigkeit.)-1096(Der)-532(Himmel)-532(schien)-532(sehr)-532(nah)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-299(die)-299(Erde)-299(ger\374ckt,)-311(die)-299(Grenzlinien)-299(beider)-299(vermischten)-299(sich)-298(in)]TJ 0 -13.549 Td [(diesem)-328(Grau,)-347(das)-328(Alles)-327(einh\374llte,)-347(aufl\366ste,)-347(aus)-328(der)-328(Erde)-327(kroch,)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-446(herabsenkte)-446(in)-446(wattiger,)-495(flockender)-446(Schicht.)-838(Wie)-446(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-366(Schleier)-366(gewahrte)-367(man)-366(die)-366(n\344chsten)-366(Gegenst\344nde,)-395(kahle)]TJ 0 -13.55 Td [(Baumst\374mpfe)-176(verk\374mmerter)-177(Weiden,)-191(Rasenflecke)-176(des)-176(Feldrains,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-525(Telegraphenstangen.)-1075(Sie)-525(folgten)-525(sich)-525(in)-525(regelm\344ssigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Abst\344nden)-391(wie)-390(Schildwachen)-390(einer)-391(ungez\344hlten)-390(einzingelnden)]TJ 0 -13.549 Td [(Armee,)-706(die)-615(man)-615(nicht)-615(sah,)-706(die)-615(da)-615(im)-615(Nebel)-615(lauerte,)-706(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-611(sich)-610(zu)-611(verdicken)-610(schien,)-701(braun)-610(wurde,)-701(mit)-610(schwarzen)]TJ 0 -13.55 Td [(Ausstr\366mungen,)-533(die)-476(sehr)-477(lange)-476(Linien)-476(durch)-477(die)-476(Luft)-476(zogen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([2])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-393(h\344ngen)-393(blieben.)-679(Sie)-393(brachten)-393(einen)-393(faden)-392(Gasgeschmack)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-265(die)-264(scharfe)-265(K\344lte,)-269(den)-264(Moorgeruch)-265(der)-265(aufgeweichten)-264(Felder.)]TJ 0 -13.549 Td [(Seit)-322(Wochen)-323(durchschwemmte)-322(sie)-323(der)-322(Regen,)-340(unbarmherziges,)]TJ 0 -13.549 Td [(Alles)-235(durchdringendes)-235(Gew\344sser,)-238(in)-235(dem)-235(die)-235(letzten)-234(Lebensreste)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-356(Sommers)-357(sich)-356(aufl\366sten,)-383(verfaulten....)-569(Irgendwo)-357(da)]TJ/F21 10.9091 Tf 253.113 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.343 0 Td [(sehr)]TJ -262.456 -13.549 Td [(weit)-366(ab)-366(noch)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.263 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.445 0 Td [(vor)-366(ihnen)-366(lag)-365(die)-366(Stadt.)-598(Manchmal)-365(h\366rte)-366(man)]TJ -71.708 -13.549 Td [(Eisenbahnz\374ge)-193(kreischen;)-212(sie)-193(glitten)-193(rasch)-193(auf)-192(rohaufgeworfenen)]TJ 0 -13.549 Td [(D\344mmen)-220(mit)-221(Alarmrufen)-220(der)-220(Schiffe)-221(auf)-220(hoher)-220(See)-221(in)-220(der)-220(Nacht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-372(Stille)-372(und)-372(der)-372(Nebel)-373(herrschten)-372(wieder,)-402(eine)-372(unheimliche,)]TJ 0 -13.55 Td [(lastende)-226(Stille,)-230(hinter)-226(der)-226(das)-226(\374berreizte)-225(Ohr)-226(L\344rm)-226(zu)-225(vernehmen)]TJ 0 -13.549 Td [(glaubte)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.063 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.401 0 Td [(des)-362(Meers,)-390(oder)-361(einer)-362(Schlacht.)-585(Ein)-362(heissrer)-362(Athem)]TJ -45.464 -13.549 Td [(streifte)-322(von)-321(da)-322(zuweilen:)-393(Menagerie,)-339(K\374chengeruch,)-339(Schweiss,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +25 0 obj << +/Type /Page +/Contents 26 0 R +/Resources 24 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 8 0 R +>> endobj +27 0 obj << +/D [25 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +21 0 obj << +/D [25 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +28 0 obj << +/D [25 0 R /XYZ 124.4 228.732 null] +>> endobj +24 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +32 0 obj << +/Length 4304 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(2)-20420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 0 -30.759 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.966 0 Td [(diese)-322(undefinierbare)-322(Atmosph\344re,)-339(die)-322(die)-322(N\344he)-322(einer)-322(grossen)]TJ -8.966 -13.549 Td [(Stadt)-388(anzeigt,)-423(einer)-388(jener)-388(gewaltigen,)-422(\374berqu\344lten)-388(Lungen)-388(des)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammengepressten)-215(Menschheitsorganismus,)-222(wo)-215(die)-215(nat\374rliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Luft)-302(nicht)-302(gen\374gt,)-315(verbraucht)-302(lasten)-302(bleibt,)-315(in)-302(einem)-302(Nebel,)-314(der)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-365(weggeht,)-394(sich)-365(erhitzt)-365(am)-365(Abend)-365(von)-365(Millionen)-365(Lichtern,)]TJ 0 -13.549 Td [(neu)-250(aufsteigt)-250(jeden)-250(Morgen)-250(aus)-250(athmenden)-250(Br\374sten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([3])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.186 Td [(Lachen)-439(hatten)-438(sich)-439(auf)-438(der)-439(Chaussee)-438(gebildet.)-816(Ihre)-438(ganze)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Oberschicht)-410(bestand)-411(aus)-410(einem)-410(weichen,)-451(feinen)-410(Schmutz,)-450(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-274(teigig)-274(an)-273(die)-274(Stiefel)-274(ansetzte,)-280(sofort)-273(krustete;)-286(und)-274(vor)-273(allem)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-359(er)-359(kalt,)-387(von)-359(einer)-359(K\344lte)-359(des)-359(Eiswassers,)-386(unterer)-359(Schichten)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-253(dem)-252(Wasser,)-254(die)-252(nie)-253(die)-253(Sonne)-252(sahen.)-258(Er)-253(trug)-253(sich)-252(schwer;)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-259(der)-259(H\366he)-259(des)-258(Strassendammes)-259(zog)-259(er)-259(sich)-259(endlos)-258(hin,)-261(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Teiche)-484(bildend,)-543(Runzeln)-484(und)-484(R\344nder,)-543(die)-484(Spuren)-484(unz\344hliger)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschenf\374sse,)-250(Pferdehufe,)-250(die)-250(da)-250(gegangen)-250(waren.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Manchmal)-320(schleppte)-321(sich)-320(ein)-321(Lastwagen)-320(m\374de)-320(vor\374ber.)-461(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(R\344der)-157(knatterten)-158(auf)-157(dem)-157(harten)-158(Kiesgrund)-157(unter)-157(der)-157(Kothschicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Langsam,)-610(von)-538(oben)-538(bis)-538(unten)-538(mit)-538(Schmutzkrusten)-537(bedeckt,)]TJ 0 -13.549 Td [(schritten)-365(die)-364(Pferde.)-594(Unter)-365(seiner)-365(gelben)-364(Plancapotte)-365(liess)-364(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Fuhrmann)-414(misst\366nige)-414(Laute)-414(des)-414(Unbehagens)-414(vernehmen.)-741(An)]TJ 0 -13.55 Td [(solchen)-473(Tagen)-473(trinkt)-472(man.)-919(Er)-472(hatte)-473(Eile)-473(anzukommen,)-528(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-436(Neuem)-435(zu)-436(f\374llen)-436(mit)-435(Warmem,)-482(das)-436(von)-436(innen)-435(hitzt,)-482(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Traurigkeit)-463(wegnahm,)-516(die)-463(sich)-463(in)-463(grauer)-463(Schicht)-463(aus)-462(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(sonnenlosen)-201(Abendhimmel)-201(herabsenkte.)-234(Auch)-201(raschere)-200(Gef\344hrte)]TJ 0 -13.549 Td [(rollten)-305(vor\374ber,)-319(B\344cker-)-305(oder)-305(Fleischerwagen)-305(aus)-305(den)-304(Vororten)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-311(warmgekleideten,)-327(wohlgen\344hrten)-312(Insassen.)-434(Jetzt)-311(liessen)-311(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([4])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(die)-306(G\344ule)-307(ausgreifen,)-320(um)-306(nach)-306(Hause)-307(zu)-306(kommen,)-320(knallten)-306(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-412(Peitsche)-413(im)-412(Vorgef\374hl)-412(der)-412(Heimathfreude,)-453(warmer)-412(Oefen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(wohlbesetzter)-250(Abendbrottische.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Arbeiter)-383(sah)-383(man)-383(nicht)-382(mehr.)-649(Sie)-383(hatten)-383(fr\374her)-382(Feierabend)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gemacht)-324(wegen)-324(des)-324(Festes,)-342(und)-324(es)-324(wurde)-324(sp\344t.)-472(Da)-324(und)-324(dort)-323(an)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-387(Bahnk\366rpern)-386(entz\374ndeten)-387(sich)-386(Lichter.)-659(Sie)-387(konnten)-386(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ank\344mpfen)-241(und)-240(blieben)-241(wie)-241(blasse)-240(Wasserflecken)-241(in)-241(dem)-240(Nebel,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-455(sich)-454(nur)-455(zusammenballte,)-506(dunkel)-454(wurde,)-506(vom)-454(Weissgrau)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-403(sonnenlosen)-402(Tages)-403(zum)-402(Schwarz)-403(der)-402(Winternacht,)-441(die)-402(da)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +31 0 obj << +/Type /Page +/Contents 32 0 R +/Resources 30 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 8 0 R +>> endobj +33 0 obj << +/D [31 0 R /XYZ 93.543 448.051 null] +>> endobj +34 0 obj << +/D [31 0 R /XYZ 362.053 189.721 null] +>> endobj +30 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +37 0 obj << +/Length 4263 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-18087(3)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(\374ber)-251(die)-251(Felder)-251(herbeikam,)-251(Alles)-251(verschlingend,)-251(einpackend,)-251(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-435(die)-435(Chaussee,)-481(die)-435(sich)-435(hinzog)-435(ohne)-434(B\344ume,)-482(ein)-434(endloser)]TJ 0 -13.549 Td [(Landstreifen)-250(durch)-250(die)-250(Oede.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Zwei)-416(Handwerksburschen)-416(zogen)-416(auf)-416(der)-416(Chaussee)-416(entlang.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Es)-481(waren)-482(Arbeitslose.)-944(Der)-481(Eine)-481(war)-482(ein)-481(B\366ttchergesell)-481(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(Greifenberg)-362(in)-362(Pommern,)-390(der)-362(Andere)-362(zog)-362(schon)-362(seit)-362(lange)-361(so.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-454(hatte)-454(Drechseln)-453(gelernt.)-861(Aber)-454(das)-454(Handwerk)-454(warf)-453(nichts)]TJ 0 -13.55 Td [(ab;)-346(vielleicht)-315(war)-314(ihm)-314(auch)-314(nach)-315(und)-314(nach)-314(die)-314(Gewohnheit)-314(der)]TJ 0 -13.549 Td [(regelm\344ssigen)-301(Arbeit)-300(verloren)-301(gegangen.)-401(Er)-300(war)-301(der)-300(bedeutend)]TJ 0 -13.549 Td [(Aeltere.)-356(Die)-286(Beiden)-285(hatten)-286(sich)-285(in)-286(der)-285(Herberge)-286(zur)-285(Heimath)-285(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Bernau)-302(kennen)-303(gelernt)-302(und)-302(zogen)-302(nun)-302(auf)-303(Berlin)-302(zu,)-315(die)-302(grosse)]TJ 0 -13.549 Td [(Metropole)-318(der)-319(Arbeit)-318(und)-319(des)-318(Verdienstes,)-336(um)-318(da)-319(ihr)-318(Gl\374ck)-318(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([5])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(versuchen.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Der)-357(J\374ngere)-356(war)-357(\344ngstlich;)-410(dennoch)-357(voll)-357(guter)-356(Hoffnungen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Er)-314(begriff)-314(es)-314(nicht,)-331(dass)-314(ein)-314(Mensch,)-330(der)-314(arbeitsam)-314(und)-314(m\344ssig)]TJ 0 -13.55 Td [(war,)-228(arbeiten)-223(wollte,)-228(keine)-223(Arbeit)-223(finden)-223(sollte.)-241(Er)-223(glaubte)-223(an)-222(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(vor\374bergehendes)-199(Missgeschick.)-233(Berlin)-199(sollte)-199(ihm)-199(Gl\374ck)-198(bringen,)]TJ 0 -13.549 Td [(obwohl)-250(es)-250(ihm)-250(Furcht)-250(einfl\366sste.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Er)-538(war)-538(ein)-538(Junge,)-610(der)-538(zu)-538(Hause)-538(aus)-538(ganz)-538(kleinen,)-610(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geordneten)-216(Verh\344ltnissen)-217(kam.)-238(Sein)-217(Vater)-216(war)-216(beim)-216(Torfstechen)]TJ 0 -13.549 Td [(ertrunken.)-510(Er)-336(hatte)-337(f\374r)-337(die)-336(Mutter)-337(und)-336(drei)-337(kleine)-336(Geschwister)]TJ 0 -13.549 Td [(mitsorgen)-359(m\374ssen;)-413(alles)-359(das)-359(hielt)-359(sich)-359(\374ber)-359(Wasser,)-386(lebte)-358(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(respektabel.)-435(Er)-311(war)-312(ein)-311(Kind)-312(geblieben,)-327(mit)-312(runden,)-326(erstaunten)]TJ 0 -13.55 Td [(Augen,)-515(die)-462(vergebens)-462(den)-462(Nebel)-462(zu)-462(durchforschen)-462(schienen,)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-389(\344ngstlich)-389(vor)-389(dem)-389(Gef\344hrten)-389(an)-389(seiner)-390(Seite,)-423(aber)-389(doch)]TJ 0 -13.549 Td [(gef\374gig)-273(gegen\374ber)-273(dessen)-273(gr\366sserer)-274(Welterfahrung,)-278(beeindruckt)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-250(Cynismus)-250(seiner)-250(Reden)-250(und)-250(Handlungen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Der)-260(war)-261(ein)-260(ziemlich)-261(w\374ster)-260(Gesell,)-264(der)-260(durch)-261(die)-260(halbe)-260(Welt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gerollt)-404(war.)-712(Man)-404(wusste)-404(nicht,)-442(woher)-404(er)-404(kam,)-443(und)-404(er)-403(sprach)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-273(davon.)-317(Seine)-272(Papiere)-273(wiesen)-272(allerlei)-273(Bestrafungen)-272(auf,)-278(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(Diebst\344hle,)-289(Widersetzlichkeiten.)-344(Das)-281(hatte)-281(ihn)-281(nicht)-281(gebrochen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([6])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Es)-270(lag)-271(Hohn)-270(und)-271(Trotz)-270(gegen)-270(die)-271(Gesellschaft)-270(in)-271(seiner)-270(Art,)-275(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Bewusstsein)-279(eines)-279(Ichs,)-287(der)-279(Kraft,)-286(in)-280(diesem)-279(Menschen,)-286(der)-279(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(klaffenden)-427(Schuhen)-428(\374ber)-427(die)-428(Landstrasse)-427(stapfte,)-472(Hass)-427(gegen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +36 0 obj << +/Type /Page +/Contents 37 0 R +/Resources 35 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +38 0 obj << +/D [36 0 R /XYZ 46.771 367.907 null] +>> endobj +39 0 obj << +/D [36 0 R /XYZ 279.238 106.79 null] +>> endobj +35 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +43 0 obj << +/Length 5035 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(4)-20420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-375(K\344lte,)-407(der)-375(er)-375(den)-375(Alkohol)-376(entgegensetzte,)-406(den)-375(brennenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Rausch,)-250(der)-250(besser)-250(hitzt)-250(wie)-250(Feuer.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Ein)-582(gewisser)-583(Galgenhumor)-582(kam)-583(\374ber)-582(ihn,)-666(w\344hrend)-582(sein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gef\344hrte)-458(\344ngstlich)-458(in)-458(seine)-458(blaugefrornen)-458(Finger)-458(pustete,)-509(die)]TJ 0 -13.549 Td [(besten)-241(Stellen)-241(im)-241(Matsch)-241(aussuchte,)-243(um)-241(seine)-241(F\374sse)-241(zu)-241(schonen,)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)-551(allem)-552(die)-551(Schuhe,)-627(die)-552(trotzdem)-551(schon)-552(barsten,)-626(Wasser)]TJ 0 -13.549 Td [(einliessen,)-250(das)-250(sickerte,)-250(quietschte)-250(zwischen)-250(den)-250(Sohlen.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Der)-274(Kumpan)-274(sah)-274(es)-275(mit)-274(gutm\374thigem)-274(Spott:)]TJ/F21 10.9091 Tf 197.565 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gieb)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-274(nur)-274(auf,)]TJ -239.205 -13.549 Td [(kleiner)-268(Richard!)-305(Das)-269(n\374tzt)-268(Dir)-268(nichts.)-305(Das)-269(frisst)-268(sich)-268(durch)-268(Pelz)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-367(Wolle,)-396(um)-366(so)-367(mehr)-366(durch)-367(Lumpen)-367(und)-366(L\366cher.)-600(Dagegen)]TJ 0 -13.549 Td [(giebt)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.818 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(nur)-250(eins!)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.942 -14.368 Td [(Er)-249(bot)-250(dem)-249(Andern)-249(die)-250(Flasche,)-249(die)-250(der)-249(\344ngstlich)-249(zur\374ckwies.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(So)-250(leerte)-250(er)-250(sie)-250(selbst)-250(auf)-250(einen)-250(Zug.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-280(giebt)-280(wenigstens)-280(Muck!)-340(Das)-280(ist)-280(die)-280(einzige)-280(vern\374nftige)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Erfindung)-220(in)-220(diesem)-220(elenden)-220(Hundedasein.)-240(Sie)-220(sagen,)-226(der)-219(Teufel)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-184(sie)-183(gemacht.)-228(Mich)-184(d\374nkt,)-197(der)-184(Teufel,)-197(das)-183(ist)-184(der)-184(einzige)-183(wahre)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([7])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Heilige)-274(in)-274(der)-274(ganzen)-274(Muschpoke.)-322(Er)-274(ist)-274(mein)-274(Schutzpatron.)-321(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(lebe)-250(der)-250(heilige)-250(Satanas!)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -94.987 -14.368 Td [(Der)-258(Kleine)-257(sah)-258(sich)-257(scheu)-258(um,)-259(ob)-258(Jemand)-257(die)-258(L\344strung)-258(h\366rte.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Er)-427(war)-427(fromm)-427(erzogen,)-471(gewohnt)-427(in)-427(die)-427(Kirche)-427(zu)-427(gehen)-427(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonntags.)-934(Die)-477(Mutter)-478(sass)-478(da)-478(und)-478(die)-478(andern)-478(alten)-477(Weiber)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-300(schwarzen,)-313(geh\344kelten)-300(Kopft\374chern)-300(mit)-300(dem)-300(goldbedruckten)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesangbuch.)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.399 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.188 0 Td [(Es)-251(war)-250(hart,)-251(dass)-251(man)-250(keine)-251(Arbeit)-250(fand.)-252(Aber)-251(er)]TJ -67.587 -13.55 Td [(vertraute)-268(auf)-268(Gott.)-304(Und)-269(Berlin)-268(war)-268(nah,)-272(wo)-268(Tausende)-268(arbeiteten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-231(assen.)-244(Sehr)-231(m\374de)-231(war)-231(er)-231(und)-231(weit)-231(konnte)-231(es)-231(nicht)-230(mehr)-231(sein.)]TJ 11.955 -14.367 Td [(Es)-293(war,)-304(als)-292(ob)-293(Fritz)-293(Kuhlemann)-293(seine)-293(Gedanken)-293(errieth:)]TJ/F21 10.9091 Tf 252.017 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)]TJ -268.816 -13.549 Td [(das)-227(ist)-227(fein,)-232(nach)-227(Hause)-227(zu)-227(kommen,)-231(wenn)-227(Einem)-227(die)-227(Olle)-227(schon)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-417(der)-418(Th\374r)-417(entgegenl\344uft!)-752(Der)-417(Junge)-417(h\344ngt)-418(sich)-417(uns)-417(an)-417(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Rock.)-766(Auf)-422(dem)-421(Tisch)-422(dampft)-422(ein)-422(guter)-422(Happenpappen.)-765(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Stube)-312(ist)-312(schon)-312(abgeschlossen,)-328(weil)-312(da)-312(der)-312(Christbaum)-312(steht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(So)-276(gut)-276(wird)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.477 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-276(uns)-276(nicht)-276(bei)-275(meinem)-276(Freund)-276(Matzke.)-328(Eine)-276(fidele)]TJ -55.11 -13.549 Td [(Bude,)-248(und)-248(M\344dels)-247(auch)-248(die)-247(schwere)-248(Menge!)-249(Ich)-248(m\366chte)-247(wissen,)]TJ 0 -13.55 Td [(ob)-411(die)-412(rothe)-411(Lene)-411(noch)-411(da)-411(ist?)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.042 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.33 0 Td [(...)-734(Er)-411(vertiefte)-411(sich)-411(in)-412(diese)]TJ -151.372 -13.549 Td [(Erinnerungen,)-422(Saufgelage,)-421(Pr\374geleien,)-422(Dirnen,...)-662(w\344hrend)-387(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([8])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +42 0 obj << +/Type /Page +/Contents 43 0 R +/Resources 41 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +44 0 obj << +/D [42 0 R /XYZ 133.3 311.664 null] +>> endobj +45 0 obj << +/D [42 0 R /XYZ 239.469 188.903 null] +>> endobj +46 0 obj << +/D [42 0 R /XYZ 216.045 66.142 null] +>> endobj +41 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +49 0 obj << +/Length 5345 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-18087(5)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Andre)-374(neben)-373(ihm)-374(hertrottete.)-621(Er)-373(war)-374(sehr)-373(m\374de.)-621(Er)-374(h\344tte)-373(am)]TJ 0 -13.549 Td [(liebsten)-250(geweint,)-250(aber)-250(er)-250(sch\344mte)-250(sich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-388(bist)-389(auch)-388(noch)-389(so)-388(ein)-389(Gr\374ner.)-665(Dich)-389(werden)-388(sie)-389(schon)]TJ -16.799 -13.549 Td [(erst)-491(hochnehmen!)-973(Wenn)-491(Du)-491(denkst,)-551(mit)-491(Gottvertrauen)-490(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Dummheit)-305(kommt)-305(man)-305(durch)-304(die)-305(Welt!)-415(Das)-304(ist)-305(gut)-305(f\374r)-305(die,)-318(die)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-262(einem)-262(silbernen)-261(L\366ffel)-262(im)-262(Munde)-261(geboren)-262(sind.)-285(Unsereiner,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-506(der)-507(nicht)-506(eine)-506(Nase)-507(zehnmal)-506(so)-506(fein)-507(hat)-506(und)-506(Krallen)]TJ 0 -13.55 Td [(zehnmal)-215(so)-214(lang,)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.271 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.795 0 Td [(dann)-215(kannst)-214(Du)-215(Dich)-214(man)-215(gleich)-214(am)-215(n\344chsten)]TJ -83.066 -13.549 Td [(Laternenpfosten)-507(aufh\344ngen)-507(lassen.)-1021(Da)-507(drinne,)-571(da)-507(verstehen)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)]TJ/F21 10.9091 Tf 12.12 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s!)-699(Ist)-400(schon)-399(Mancher)-400(wie)-400(die)-399(reine)-400(Unschuld)-400(vom)-399(Lande)]TJ -15.753 -13.549 Td [(eingewandert.)-301(Und)-267(wie)-266(er)-267(wieder)-267(rausgekommen)-267(ist!)-301(Per)-266(Schub)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-430(zwei)-429(Gensdarmen)-430(neben)-429(sich.)-789(Auf)-429(Sonnenburg)-430(zu,)-474(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(Pl\366tzensee.)-236(Ich)-208(kannte)-209(Einen,)-216(den)-209(haben)-208(sie)-208(gehetzt)-209(wie)-208(das)-208(liebe)]TJ 0 -13.55 Td [(Vieh.)-513(In)-338(den)-338(Weiden)-338(und)-338(Binsen)-338(unten)-337(bei)-338(Tegel.)-514(Jede)-337(Nacht)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-264(Jagd)-265(und)-264(den)-265(ganzen)-264(Tag)-264(lang.)-294(Ob)-264(das)-264(noch)-265(ein)-264(Mensch)-264(ist!)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.456 0 Td [(Todtgeschlagen)-367(hatte)-367(er)-366(Einen.)-601(Todtschlagen)]TJ/F21 10.9091 Tf 208.269 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.456 0 Td [(das)-367(ist)-367(auch)]TJ -227.181 -13.549 Td [(dumm.)-632(Alles)-378(todtschlagen,)-409(kurz)-378(und)-377(klein!)-633(Dann)-377(w\344r)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.429 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-378(noch)]TJ -251.061 -13.549 Td [(was.)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -7.735 -14.368 Td [(Nun)-259(ermannte)-259(sich)-259(der)-259(Andre.)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.193 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-259(giebt)-259(doch)-259(aber)-259(auch)-259(noch)]TJ -151.992 -13.549 Td [(gute)-250(Menschen)-250(auf)-250(der)-250(Welt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 126.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 164.697 0 Td [([9])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-204(Du)-204(je)-204(Einen)-205(gesehn,)-213(dem)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.697 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-204(auch)-204(gut)-204(gegangen)-205(ist)-204(dabei?)]TJ -150.128 -13.549 Td [(Die)-444(Schlechten,)-492(die)-444(kommen)-443(auf,)-493(die)-443(sind)-444(hoch.)-831(Verfluchte)]TJ 0 -13.549 Td [(Schweinerei!)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.557 0 Td [(\034)]TJ -45.601 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-250(kann)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.931 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s.)-250(Wenn)-250(man)-250(ehrlich)-250(ist)-250(und)-250(arbeitet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.581 0 Td [(\034)]TJ -212.988 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Versuch)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.349 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-266(doch!)-300(Geh)-266(hin!)-299(Biete)-267(Deine)-266(Arbeit)-267(an.)-299(Lauf)-267(rum!)]TJ -56.781 -13.549 Td [(Verkauf)-355(Dich)-355(f\374r)-355(vier)-355(Groschen)-355(den)-355(Tag.)-565(Sieh)-355(doch,)-381(ob)-355(Dich)]TJ 0 -13.549 Td [(Einer)-310(nimmt!)-429(En)-309(Vieh)-310(und)-309(en)-310(Esel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 163.505 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.832 0 Td [(Aber)-310(ein)-309(St\374ck)-310(Mensch!)]TJ -172.337 -13.549 Td [(Und)-257(dann)-258(fallen)-257(Einem)-258(die)-257(Lumpen)-258(immer)-257(mehr)-258(vom)-257(Leib.)-272(Der)]TJ 0 -13.55 Td [(Schutzmann)-304(h\344lt)-304(die)-304(Augen)-304(drauf.)-411(Und)-304(wenn)-304(Du)-304(mal)-304(auf)-303(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Bank,)-214(unter)-204(der)-204(Br\374cke)-205(einschl\344fst,)-213(hat)-205(er)-204(Dich)-204(am)-205(Kragen.)-234(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(geht)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-427(auf)-428(die)-427(Wache.)-783(Na,)-472(und)-427(wenn)-428(die)-427(erst)-428(ihren)-427(Stempel)]TJ -22.419 -13.549 Td [(draufgesetzt)-289(haben!)-366(Die)-289(grosse)-289(Klappe)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.724 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.605 0 Td [(oder)-289(der)-289(Strick)-288(vorher)]TJ -183.329 -13.549 Td [(und)-250(das)-250(stille)-250(Wasser!)]TJ/F21 10.9091 Tf 96.044 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -84.088 -14.368 Td [(Der)-393(Andre)-394(war)-393(dem)-393(Weinen)-393(sehr)-394(nahe.)-680(Es)-393(war)-393(die)-393(grosse)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +48 0 obj << +/Type /Page +/Contents 49 0 R +/Resources 47 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +50 0 obj << +/D [48 0 R /XYZ 46.771 256.726 null] +>> endobj +47 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +53 0 obj << +/Length 5382 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(6)-20420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(M\374digkeit)-272(und)-271(die)-272(Aufregung)-272(vor)-271(dieser)-272(Stadt,)-277(die)-272(sich)-271(n\344herte,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-508(das)-508(Verh\344ngniss,)-572(unsichtbar,)-572(in)-508(dem)-508(Nebel,)-573(der)-507(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(dicker)-296(wurde.)-388(Ein)-296(Wagen,)-307(der)-296(vor\374berfuhr,)-308(eine)-296(Equipage)-295(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(geschlossene)-250(Droschke,)-250(bespritzte)-250(sie)-250(von)-250(oben)-250(bis)-250(unten.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Kuhlemann)-346(sprang)-347(mit)-346(einem)-346(Fluch)-347(zur)-346(Seite:)]TJ/F21 10.9091 Tf 212.329 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Verdammte)]TJ/F16 7.9701 Tf -301.883 0 Td [([10])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Protzenbande!)-418(Ich)-306(g\366nnt)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.693 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-306(Euch!)-418(Ich)-306(g\366nnt)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.315 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-306(Euch!)-418(Frisst)-306(sich)]TJ -197.272 -13.549 Td [(satt)-262(von)-262(unserm)-262(Mark)-262(und)-262(Knochen.)-286(Sauft)-262(sich)-262(voll)-262(von)-261(unserm)]TJ 0 -13.549 Td [(Blut,)-250(bis)-250(sie)-250(besoffen)-250(sind)-250(und)-250(speien!)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.353 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -154.397 -14.531 Td [(Sie)-459(waren)-459(jetzt)-459(in)-460(der)-459(Gegend)-459(der)-459(Fabriken.)-877(Von)-459(beiden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Seiten)-450(reihten)-450(sich)-450(dunkle,)-500(niedrige)-450(Schuppen)-450(um)-450(gemauerte)]TJ 0 -13.55 Td [(Schlote,)-298(mit)-289(Latten)-289(eingezingelte)-288(H\366fe.)-366(Man)-289(sah)-289(die)-288(schwarzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Eisenconstructionen)-487(zum)-486(Heben,)-546(die)-487(achatne)-487(Spiegelung)-486(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Fensterscheiben,)-422(ungeheure,)-422(stumpfe)-388(Massen)-387(aufgeschichteten)]TJ 0 -13.549 Td [(Materials,)-245(die)-244(warteten,)-245(sich)-244(zersetzten.)-248(Aber)-244(Alles)-244(lag)-244(ganz)-244(still)]TJ 0 -13.549 Td [(wegen)-354(des)-354(Festes,)-380(Alles)-354(war)-354(sehr)-354(schwarz.)-562(Der)-353(Kohlengeruch)]TJ 0 -13.55 Td [(wurde)-251(bemerkbarer.)-253(Auf)-251(ihren)-251(Schienenstr\344ngen)-251(eilten)-251(die)-251(Z\374ge)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-207(Vororte)-206(mit)-207(roten)-207(und)-206(gr\374nen)-207(Lichtern,)-215(wie)-207(grosse)-206(Schlangen)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(Augen,)-250(in)-250(die)-250(schweigende)-250(Ebene)-250(ausgeschickt.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-226(kleine)-227(Richard)-226(war)-227(vollkommen)-226(kaput.)]TJ/F21 10.9091 Tf 191.024 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-227(mein)-226(Gott!)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.963 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(schluchzte)-250(er)-250(auf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.364 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mein)-250(Gott!)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.785 0 Td [(\034)]TJ -121.037 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(An)-558(den)-559(glaubst)-558(Du)-559(auch)-558(noch?)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.039 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.935 0 Td [(Die)-558(Nachwirkung)-559(des)]TJ -178.773 -13.55 Td [(Schnapses)-465(begann)-464(sich)-465(bei)-464(Fritz)-465(Kuhlemann)-464(zu)-465(\344ussern.)-893(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(sah)-314(roth)-313(jetzt)-314(und)-313(schrie)-313(mit)-314(erhobner)-313(Stimme:)]TJ/F21 10.9091 Tf 211.674 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-313(olle)-314(Finte,)]TJ -216.518 -13.549 Td [(die)-305(uns)-305(die)-305(Pfaffen)-304(aufgebunden)-305(haben,)-319(damit)-305(wir)-305(kuschen)-304(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-248(Muck)-248(sagen!)-249(Ich)-248(sage)-248(Dir,)-249(wenn)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.21 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-248(den)-248(giebt)-248(da)-248(oben,)-248(dann)]TJ/F16 7.9701 Tf -242.598 0 Td [([11])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(kann)-349(er)-350(sich)-349(begraben)-349(lassen)-349(f\374r)-350(das,)-374(was)-349(er)-349(gemacht)-350(hat.)-547(Ich)]TJ 0 -13.55 Td [(lach)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.175 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.131 0 Td [(ihm)-229(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.961 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-229(Gesicht.)-243(Ich)-229(schlag)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.75 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.132 0 Td [(ihm)-229(die)-229(Faust)-229(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.928 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-229(Gesicht)-229(f\374r)]TJ -225.342 -13.549 Td [(sein)-250(feines)-250(Zauberkunstst\374ck)-250(hier!)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.011 -14.531 Td [(Die)-211(L\344strung)-212(verhallte)-211(in)-212(der)-211(Dunkelheit,)-219(die)-212(sich)-211(nicht)-211(r\374hrte.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ein)-191(Wind)-191(schien)-192(sich)-191(erhoben)-191(zu)-191(haben,)-203(strich)-191(mit)-191(schriller)-191(Klage)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-313(die)-312(Telegraphendr\344hte,)-328(durch)-313(die)-313(L\366cher)-312(der)-313(Jacke,)-328(in)-312(der)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-243(Kleine)-244(sich)-243(zusammendr\374ckte.)-248(Alles)-243(blieb)-243(so,)-245(die)-243(schwarzen)]TJ 0 -13.55 Td [(Fabrikgeb\344ude,)-390(die)-361(Dunkelheit,)-390(die)-362(K\344lte....)-585(Und)-362(in)-362(der)-361(Ferne)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-484(Verh\344ngniss,)-543(das)-484(anzog,)-543(sich)-484(n\344herte,)-542(etwas)-484(Schwarzes,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +52 0 obj << +/Type /Page +/Contents 53 0 R +/Resources 51 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +54 0 obj << +/D [52 0 R /XYZ 317.828 462.996 null] +>> endobj +55 0 obj << +/D [52 0 R /XYZ 236.124 189.067 null] +>> endobj +51 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +58 0 obj << +/Length 5283 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-18087(7)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Compactes,)-250(mit)-250(Augen)-250(...)-250(Berlin,)-250(die)-250(Grossstadt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-250(Abend!)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(eine)-250(Stimme)-250(neben)-250(ihnen.)]TJ -74.52 -13.9 Td [(Jemand)-316(musste)-316(an)-316(ihrer)-317(Seite)-316(heraufgekommen)-316(sein.)-448(Er)-316(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wohl)-207(von)-208(r\374ckw\344rts)-207(nahe)-207(gekommen.)-236(Sie)-207(hatten)-208(ihn)-207(nicht)-207(geh\366rt,)]TJ 0 -13.549 Td [(weil)-422(der)-423(weiche)-422(Schmutz)-423(alle)-422(Schritte)-422(erstickte.)-768(Und)-422(es)-422(war)]TJ 0 -13.549 Td [(finster.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Sie)-292(sahen,)-301(dass)-292(es)-292(ein)-291(Mann)-292(war.)-374(Er)-292(mochte)-291(in)-292(ihrer)-291(eigenen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gr\366sse)-372(sein,)-402(nicht)-371(\374ber)-372(Mittelgr\366sse.)-614(Er)-372(trug)-371(die)-372(Tracht)-371(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeiters,)-408(nicht)-376(gut)-376(und)-376(nicht)-376(schlecht,)-407(die)-376(eines)-376(Mannes,)-407(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Arbeit)-250(gethan)-250(hat)-250(und)-250(weit)-250(gewandert)-250(ist.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([12])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-250(Abend!)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde)-250(noch)-250(einmal.)]TJ -74.52 -13.899 Td [(Er)-314(sagte)-313(es)-314(mit)-314(einer)-313(ruhigen,)-330(sehr)-313(angenehmen)-314(Stimme,)-330(di)1(e)]TJ -11.955 -13.55 Td [(aus)-326(dem)-327(Nebel)-326(zu)-326(kommen)-327(schien.)-478(Etwas)-327(von)-326(Traurigkeit)-326(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Entfernung)-250(lag)-250(in)-250(dem)-250(Klang)-250(der)-250(Stimme.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-250(Abend!)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(kleine)-250(Richard.)]TJ -74.52 -13.9 Td [(Fritz)-250(Kuhlemann)-250(brummte)-250(widerwillig)-250(seinen)-250(Gruss.)]TJ 0 -13.9 Td [(Der)-308(Fremde)-307(war)-308(an)-308(ihrer)-307(Seite)-308(geblieben.)-423(Er)-308(ging)-307(denselben)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Schritt)-344(wie)-344(sie.)-532(Nur)-344(war)-344(es)-344(dem)-344(Kleinen,)-367(als)-344(ob)-344(der)-344(Wind)-344(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(jetzt)-250(nicht)-250(so)-250(tr\344fe.)-250(Er)-250(empfand)-250(das)-250(angenehm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(sp\344t,)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.975 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.585 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(es)-250(ist)-250(kalt)-250(hier)-250(aussen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.956 0 Td [(\034)]TJ -261.774 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-361(ist)-360(nun)-361(nicht)-360(gerade)-361(etwas)-361(Neues,)-388(was)-360(Du)-361(uns)-361(sagst,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(h\366hnte)-231(Fritz)-231(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.625 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-231(Du)-231(eine)-231(Pulle)-230(in)-231(Deiner)-231(Tasche)]TJ -116.468 -13.549 Td [(hast)-431(und)-431(etwas)-431(Warmes)-431(drin,)-476(th\344test)-431(Du)-431(uns)-430(einen)-431(gr\366sseren)]TJ 0 -13.549 Td [(Gefallen,)-250(wenn)-250(Du)-250(uns)-250(theilen)-250(liessest.)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.974 0 Td [(\034)]TJ -158.019 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-416(habe)-416(keinen)-417(Wein)-416(und)-416(keinen)-416(Branntwein,)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.558 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.384 0 Td [(sagte)-416(der)]TJ -239.74 -13.549 Td [(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.781 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(komme)-250(von)-250(weit.)-250(Und)-250(es)-250(ist)-250(sp\344t.)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.109 0 Td [(\034)]TJ -193.779 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehr)-189(sp\344t,)-202(um)-189(den)-189(Christbaum)-190(zu)-189(schm\374cken)-189(und)-189(den)-190(Aufbau)]TJ -16.798 -13.549 Td [(fertig)-197(zu)-198(stellen.)-232(Aber)-198(vielleicht)-197(sind)-198(Sie)-197(hier)-198(herum)-197(Hausbesitzer)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([13])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.55 Td [(oder)-328(haben)-328(eine)-328(Villa)-328(gemiethet)-328(und)-328(die)-328(liebe)-327(Familie)-328(erwartet)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie?)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.785 0 Td [(\034)]TJ -6.83 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(kein)-250(Haus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.64 0 Td [(\034)]TJ -91.483 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-406(w\374rde)-405(ich)-406(Dir)-405(rathen,)-445(Freund,)-444(dass)-406(Du)-405(Dir)-406(Geld)-406(in)]TJ -16.798 -13.549 Td [(die)-377(Tasche)-376(thust.)-631(Denn)-377(umsonst)-376(giebt)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.305 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-377(hier)-377(nichts)-376(auf)-377(dieser)]TJ -176.938 -13.549 Td [(faulen)-250(Welt.)-252(Und)-250(zumal)-251(in)-250(Berlin,)-251(wohin)-250(wir)-251(unsre)-250(Schritte)-250(jetzt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +57 0 obj << +/Type /Page +/Contents 58 0 R +/Resources 56 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +59 0 obj << +/D [57 0 R /XYZ 46.771 392.802 null] +>> endobj +60 0 obj << +/D [57 0 R /XYZ 185.474 148.139 null] +>> endobj +56 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +63 0 obj << +/Length 4879 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(8)-20420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(lenken.)-237(Mein)-211(Freund)-211(Matzke)-211(kann)-211(sehr)-211(eklig)-211(werden)-211(gegen)-211(flaue)]TJ 0 -13.549 Td [(Kunden.)-331(Also,)-284(Freundchen,)-283(wenn)-277(Deine)-277(Tasche)-277(wohlgef\374llt)-277(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(\366ffne)-401(sie)-401(und)-401(spendire)-400(Deinen)-401(guten)-401(Freunden,)-439(die)-401(im)-400(Dalles)]TJ 0 -13.549 Td [(sind,)-476(in)-430(der)-430(That)-431(nicht)-430(wissen,)-476(wo)-430(sie)-431(ihr)-430(Haupt)-430(niederlegen)]TJ 0 -13.55 Td [(sollen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.789 0 Td [(\034)]TJ -16.833 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-212(habe)-212(kein)-212(Geld)-212(Dir)-213(zu)-212(geben,)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.158 0 Td [(sagte)-212(der)-212(Fremde.)-238(Er)-212(sagte)]TJ -165.979 -13.549 Td [(es)-319(traurig,)-336(mit)-319(seiner)-319(sanften,)-336(klingenden)-319(Stimme,)-336(die)-319(von)-318(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(weit)-250(herzukommen)-250(schien.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Der)-284(Rothe)-284(lachte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.163 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-284(bist)-284(ein)-284(famoser)-284(Bruder,)-293(das)-284(muss)-284(ich)]TJ -97.963 -13.55 Td [(sagen!)-595(Schleichst)-365(hier)-365(auf)-365(n\344chtlichen)-365(Wegen)-365(und)-365(schl\344ngelst)]TJ 0 -13.549 Td [(Dich)-239(an)-239(andre)-238(Leute)-239(ran.)-246(Denkst)-239(Du,)-241(wir)-239(k\366nnen)-239(einen)-238(Zaungast)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchen?)-697(Lass)-398(doch)-399(mal)-399(sehen,)-436(wie)-399(Du)-399(aussiehst)-399(bei)-398(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(noblen)-250(Beleuchtung!)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -79.244 -15.6 Td [(Die)-178(kleine)-178(Laterne)-179(eines)-178(Zimmerhofs)-178(warf)-178(einen)-178(zweifelhaften)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([14])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Schein.)-251(Der)-251(rohe)-250(Bursche)-251(drehte)-250(den)-251(Fremden)-250(um.)-252(Er)-250(stiess)-250(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Schulter)-250(gegen)-250(den)-250(Lichtfleck.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Er)-355(sah)-355(ein)-355(blasses)-355(Gesicht.)-565(Ein)-355(bescheidner)-355(Bart)-354(umrahmte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-327(unteren)-327(Theil.)-481(Es)-327(war)-327(das)-327(Gesicht)-327(eines)-327(Mannes)-327(von)-327(etwa)]TJ 0 -13.549 Td [(zweiunddreissig)-306(Jahren.)-420(Der)-306(Fremde)-306(hatte)-307(seltsame)-306(Augen)-306(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sah)-250(ihn)-250(ernsthaft)-250(und)-250(traurig)-250(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -15.601 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lass)-250(doch)-250(den)-250(Mann!)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(kleine)-250(Richard)-250(m\374de.)]TJ -106.636 -15.6 Td [(Selbst)-313(der)-313(Rothe)-313(war)-312(betroffen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.164 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Teufel)-313(auch!)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.115 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.257 0 Td [(knurrte)-313(er)-313(in)]TJ -225.335 -13.549 Td [(den)-276(Bart.)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.874 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-276(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.521 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.648 0 Td [(ich)-276(das)-277(Gesicht)-276(schon)-277(gesehen?)-329(Du)-276(bist)-277(ein)]TJ -89.886 -13.549 Td [(seltsamer)-314(Heiliger,)-330(Du!...)-442(So)-314(eine)-314(Sorte)-314(Wanderprediger)-313(wohl?)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-355(habe)-356(mal)-355(Einen)-355(gekannt.)-566(Er)-356(war)-355(mit)-355(uns)-356(in)-355(der)-355(Herberge.)]TJ 0 -13.55 Td [(Des)-334(Abends)-334(las)-333(er)-334(seine)-334(Bibel.)-501(Er)-334(that)-334(das)-334(alle)-333(Abend.)-502(Er)-333(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(dabei)-250(aus)-250(wie)-250(Du.)-250(Er)-250(sagte)-250(nichts.)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.851 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -135.895 -15.6 Td [(Der)-250(Fremde)-250(sagte)-250(auch)-250(nichts.)]TJ 0 -15.6 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 12.71 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-305(hat)-305(mir)-305(den)-305(Fuss)-305(kurirt)-305(und)-305(eingewickelt.)-415(Ich)-305(wusste,)]TJ -29.51 -13.549 Td [(wo)-250(er)-250(sein)-250(Geld)-250(hatte.)-250(Ich)-250(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 130.571 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(ihm)-250(gelassen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -188.608 -15.6 Td [(Das)-510(Gesicht)-510(des)-509(Fremden)-510(schien)-510(berauschend)-510(auf)-510(ihn)-509(zu)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wirken.)-1055(Er)-518(verwirrte)-519(sich)-518(in)-518(wilden)-519(Erinnerungen....)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.634 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)]TJ -265.477 -13.549 Td [(M\344dchen)-429(...)-788(Ich)-429(dr\344ngte)-429(sie)-429(gegen)-429(das)-430(Thor.)-787(Was)-429(hatte)-429(die)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([15])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +62 0 obj << +/Type /Page +/Contents 63 0 R +/Resources 61 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 40 0 R +>> endobj +64 0 obj << +/D [62 0 R /XYZ 314.806 335.883 null] +>> endobj +65 0 obj << +/D [62 0 R /XYZ 211.602 66.142 null] +>> endobj +61 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +68 0 obj << +/Length 5214 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-18087(9)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dumme)-430(Liese)-430(sich)-430(anzustellen?)-790(Sie)-430(war)-430(doch)-430(genau)-430(wie)-429(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern.)-250(Hexe!)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.549 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Weibervolk,)-250(die)-250(sind)-250(Alle)-250(nichts)-250(wert.)]TJ/F21 10.9091 Tf -63.775 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-274(In)-258(ihrer)-258(Karosse)-258(sah)-257(ich)-258(sie)-258(mal.)-274(Eine)-258(vornehme)-258(Dame.)-274(O)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sehr)-276(vornehm!)-329(Vornehmer)-276(wie)-276(eine)-276(Prinzessin.)-329(Sie)-276(sass)-276(in)-276(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Karosse)-274(und)-274(wartete.)-323(Ich)-274(wollte)-274(sie)-274(ermorden.)-322(Weil)-274(ich)-274(hungrig)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-303(und)-302(kein)-302(Bett)-303(hatte.)-407(Sie)-303(war)-302(reich)-303(und)-302(sass)-303(im)-302(Wagen.)-407(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(sah)-332(mich)-332(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.035 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.075 0 Td [(Ich)-332(fasste)-332(an)-332(den)-332(Hut)-331(und)-332(schlich)-332(mich)-332(fort.)-332(...)]TJ -71.11 -13.549 Td [(Nachher)-224(brachte)-224(mir)-225(der)-224(Diener)-224(ein)-224(Goldst\374ck.)-242(Das)-224(warf)-224(ich)-224(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-250(in)-250(den)-250(Dreck)-250(gegen)-250(seine)-250(unversch\344mten)-250(Kalbswaden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-571(Weisst)-356(Du,)-384(wo)-357(ich)-357(herkomme?)-570(In)-357(der)-357(Gosse)-357(haben)-357(sie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mich)-261(gefunden)-262(neben)-261(einer)-261(todten)-262(Katze)-261(und)-261(einem)-261(Kohlstrunk.)]TJ 0 -13.549 Td [(Meine)-376(Eltern)-375(wollten)-376(nichts)-375(wissen)-376(von)-375(der)-376(Rabenbrut.)-626(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(haben)-284(sie)-284(mich)-284(so)-284(rumgestossen.)-353(Die)-284(hohe)-284(Polizei!)-352(Das)-284(ist)-284(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(zarte)-313(N\344hrmutter.)-441(Glaube)-313(mir,)-329(Bruder,)-330(es)-313(ist)-314(eine)-313(lustige)-313(Welt!)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-250(muss)-250(sie)-250(nur)-250(lustig)-250(zu)-250(nehmen)-250(wissen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 189.687 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -177.731 -14.094 Td [(Er)-347(lachte)-347(roh)-347(auf.)-541(Der)-347(kleine)-347(Richard)-347(zitterte)-347(vor)-347(K\344lte.)-540(Er)]TJ -11.956 -13.55 Td [(f\374hlte)-411(gl\374hende)-412(Zangen)-411(in)-411(seinen)-411(Eingeweiden.)-734(Seine)-411(Z\344hne)]TJ 0 -13.549 Td [(schlugen)-250(aufeinander.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([16])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nimm)-250(diesen)-250(Mantel,)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde)-250(freundlich.)]TJ -107.258 -14.095 Td [(Es)-331(war)-332(ein)-331(alter,)-352(fadenscheiniger)-332(Ueberzieher,)-352(wie)-331(ihn)-331(arme)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Leute)-292(tragen,)-302(auch)-291(zu)-292(d\374nn)-291(f\374r)-292(den)-292(Winter.)-374(Der)-292(Junge)-291(wickelte)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-448(mechanisch)-448(gehorchend)-448(hinein.)-844(Er)-448(f\374hlte)-448(die)-448(Hand)-447(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Fremden,)-261(die)-258(gl\344ttete,)-261(um)-258(ihn)-259(streichelte.)-275(Eine)-259(Art)-258(magnetischer)]TJ 0 -13.549 Td [(Beruhigung)-271(ging)-272(von)-271(ihr)-271(aus.)-314(Es)-271(erinnerte)-272(ihn)-271(an)-271(die)-271(Ber\374hrung)]TJ 0 -13.549 Td [(seiner)-250(Mutter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.928 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-250(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.709 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er)-250(wie)-250(bet\344ubt.)]TJ/F21 10.9091 Tf -107.095 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(friere)-250(nicht,)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.549 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -79.963 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-721(musst)-721(Du)-721(von)-721(seltsamem)-721(Stoff)-721(gemacht)-722(sein,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(bemerkte)-435(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.752 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dies)-435(verfluchte)-435(Wetter)-435(macht)-435(Einem)]TJ -112.595 -13.549 Td [(die)-250(Blutstropfen)-250(im)-250(Leibe)-250(gefrieren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.244 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -145.288 -14.095 Td [(In)-241(der)-242(That)-242(war)-241(es)-242(jetzt)-241(ganz)-242(empfindlich)-241(kalt.)-247(Der)-242(Wind)-241(pfiff)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-301(scharfem)-300(Eishauch.)-402(Unter)-301(seinem)-301(Mantel)-300(gl\374hte)-301(der)-300(Junge.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-250(wusste)-250(nicht)-250(mehr,)-250(wo)-250(er)-250(war.)-250(Er)-250(phantasirte.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Er)-191(war)-191(bei)-191(sich)-191(zu)-191(Hause.)-230(In)-191(der)-191(kleinen)-191(K\374che)-191(war)-191(es)-190(stickend)]TJ -11.956 -13.549 Td [(warm.)-503(Solch)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.901 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.279 0 Td [(eine)-334(fr\366hliche)-334(W\344rme!)-503(Der)-334(ganze)-334(Heerd)-335(gl\374hte,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +67 0 obj << +/Type /Page +/Contents 68 0 R +/Resources 66 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +69 0 obj << +/D [67 0 R /XYZ 114.883 381.592 null] +>> endobj +70 0 obj << +/D [67 0 R /XYZ 46.771 283.824 null] +>> endobj +66 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +74 0 obj << +/Length 4374 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(10)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(rothgl\374hend)-413(mit)-414(h\374pfenden,)-454(spritzenden)-413(Lichtern,)-454(obgleich)-413(es)]TJ 0 -13.549 Td [(dunkel)-457(war,)-508(um)-456(Petroleum)-457(zu)-456(sparen.)-869(Aus)-457(dem)-456(Suppentopf)]TJ 0 -13.549 Td [(stiegen)-359(weisse,)-387(nahrhafte)-359(Wolken.)-577(Ein)-359(Duft)-359(von)-359(Aepfeln)-359(kam)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-342(der)-342(R\366hre;)-388(man)-342(h\366rte)-342(ihre)-342(feinen,)-365(braunen)-342(H\344ute)-342(britzelnd)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([17])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(zerspringen....)-432(Er)-311(war)-311(da.)-432(Er)-311(war)-311(ein)-310(Knabe,)-326(er)-311(hielt)-311(die)-310(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwester)-484(auf)-484(den)-484(Knieen.)-953(Er)-484(f\374hlte)-484(deutlich)-484(den)-484(warmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(pulsenden)-437(K\366rper.)-810(Das)-437(Kind)-437(hatte)-437(die)-437(Aermchen)-437(um)-436(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Hals)-378(gelegt.)-632(Sie)-378(warteten)-377(auf)-378(die)-377(Mutter.)-633(Er)-377(erz\344hlte)-378(ihr)-377(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachten.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Von)-487(einem)-487(alten)-487(Mann)-487(mit)-487(weissem)-487(Bart)-487(erz\344hlte)-487(er)-486(ihr.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Er)-395(trug)-395(einen)-395(grossen)-396(Sack)-395(mit)-395(Aepfeln)-395(und)-395(N\374ssen)-395(\374ber)-395(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Schulter.)-800(Er)-433(hatte)-433(ein)-433(rothes,)-479(freundliches)-433(Gesicht,)-479(und)-433(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Birkenruthe)-248(hielt)-248(er)-247(in)-248(der)-248(Hand.)-249(Wenn)-248(man)-248(seine)-248(Spr\374che)-247(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wusste,)-425(gab)-389(es)-390(Schl\344ge.)-669(S)-200(i)-200(e)-390(waren)-389(gute)-390(Kinder,)-425(sie)-389(konnten)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-286(Spr\374che.)-359(Das)-286(kleine)-286(M\344dchen)-286(hatte)-286(die)-286(H\344nde)-286(gefaltet)-286(und)]TJ 0 -13.549 Td [(wiederholte)-359(sie)-358(mit)-359(halblauter)-359(Stimme.)-576(Die)-359(ganze)-358(Geschichte,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-369(freundliche)-369(Lehrerin)-369(in)-369(der)-369(Kleinkinderschule)-369(hatte)-369(sie)-369(ihr)]TJ 0 -13.55 Td [(vorgesprochen.)-242(Der)-228(grosse)-227(Bruder,)-232(der)-227(schon)-227(klug)-227(war)-227(und)-227(lesen)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte,)-250(half)-250(ein:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-326(begab)-326(sich)-326(aber)-327(zu)-326(der)-326(Zeit,)-345(dass)-326(ein)-326(Gebot)-326(vom)-327(Kaiser)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Augustus)-250(ausging,)-250(dass)-250(alle)-250(Welt)-250(gesch\344tzet)-250(w\374rde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-222(diese)-222(Schatzung)-222(war)-221(die)-222(allererste)-222(und)-222(geschah)-222(zur)-222(Zeit,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(da)-250(Cyrenius)-250(Landpfleger)-250(in)-250(Syrien)-250(war.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([18])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.712 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-586(Jedermann)-586(ging,)-670(dass)-586(er)-586(sich)-586(sch\344tzen)-586(liesse,)-670(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Jeglicher)-250(in)-250(seine)-250(Stadt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da)-347(machte)-347(sich)-347(auch)-348(auf)-347(Joseph)-347(aus)-347(Galil\344a,)-371(aus)-347(der)-348(Stadt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Nazareth,)-370(in)-346(das)-346(j\374dische)-345(Land)-346(zur)-346(Stadt)-346(Davids,)-370(die)-346(da)-345(heisst)]TJ 0 -13.549 Td [(Bethlehem,)-300(darum,)-300(dass)-290(er)-290(vom)-290(Hause)-290(und)-290(Geschlechte)-290(Davids)]TJ 0 -13.549 Td [(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Auf)-221(dass)-221(er)-221(sich)-221(sch\344tzen)-221(liesse)-222(mit)-221(Maria,)-226(seinem)-222(vertrauten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Weib,)-250(die)-250(war)-250(schwanger.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-224(sie)-225(gebar)-224(ihren)-224(ersten)-225(Sohn)-224(und)-224(wickelte)-225(ihn)-224(in)-225(Windeln)]TJ -16.799 -13.55 Td [(und)-265(legte)-265(ihn)-266(in)-265(eine)-265(Krippe,)-269(denn)-265(sie)-266(hatten)-265(sonst)-265(keinen)-265(Raum)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(der)-250(Herberge.)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.182 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +73 0 obj << +/Type /Page +/Contents 74 0 R +/Resources 72 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +75 0 obj << +/D [73 0 R /XYZ 232.768 477.528 null] +>> endobj +76 0 obj << +/D [73 0 R /XYZ 93.543 215.61 null] +>> endobj +72 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +79 0 obj << +/Length 5194 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-17587(11)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-533(Denn)-345(sie)-344(hatten)-345(sonst)-344(keinen)-345(Raum)-344(in)-345(der)-344(Herberge)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.048 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.601 0 Td [(...)]TJ -272.448 -13.549 Td [(wiederholte)-214(der)-215(kleine)-214(Handwerksbursche)-214(mit)-214(gl\374henden)-214(Lippen)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-250(der)-250(eisigen)-250(Landstrasse.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Dann)-314(fing)-314(er)-315(auf)-314(einmal)-314(mit)-314(leiser)-314(Stimme)-315(an)-314(zu)-314(singen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 255.954 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)]TJ -272.754 -13.549 Td [(du)-250(fr\366hliche!)-250(O)-250(du)-250(selige!)-250(Gnadenbringende)-250(Weihnachtszeit!)]TJ/F21 10.9091 Tf 266.596 0 Td [(\034)]TJ -254.64 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nanu?)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.41 0 Td [(sagte)-419(der)-418(Rothe)-419(grob.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.079 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bei)-419(dem)-418(ist)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.381 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-419(wohl)-418(nicht)]TJ -223.617 -13.549 Td [(recht)-455(helle?)-866(Singt)-456(der)-455(Mensch)-455(hier)-456(auf)-455(der)-455(Landstrasse)-455(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-289(Lerche!)-365(Du)-289(hast)-289(doch)-288(wohl)-289(einen)-288(heimlichen)-289(Trunk)-288(zuviel)]TJ 0 -13.549 Td [(gethan?)-250(So)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.175 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(verfluchter)-250(Duckm\344user!)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.534 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.386 -14.163 Td [(Aber)-347(der)-347(Kleine)-347(h\366rte)-347(ihn)-346(nicht.)-541(Er)-347(war)-347(ganz)-347(gl\374cklich.)-540(Er)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([19])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(hielt)-304(seine)-304(kleine)-305(Schwester.)-412(Es)-305(war)-304(so)-304(warm)-304(in)-305(der)-304(K\374che.)-412(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(fing)-233(an,)-236(an)-232(seinen)-233(Kleidern)-233(zu)-232(reissen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.191 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.993 0 Td [(Auf)-233(allen)-232(Kirchth\374rmen)]TJ -176.184 -13.549 Td [(begannen)-417(die)-418(Glocken)-417(zu)-418(l\344uten.)-752(Die)-417(kleine)-418(K\374che)-417(war)-417(voll)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-234(hellen)-234(Schein.)-244(Sie)-234(hatte)-234(\374berhaupt)-234(keine)-234(Decke)-233(mehr,)-237(keine)]TJ 0 -13.55 Td [(Balken)-362(und)-362(angeblakten)-361(Kalkw\344nde.)-586(Da)-362(war)-361(der)-362(Himmel.)-585(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-394(ganz)-394(offen)-393(und)-394(die)-394(Engel)-394(sangen.)-681(Sie)-394(sangen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 238.774 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ehre)-394(sei)]TJ -243.618 -13.549 Td [(Gott)-294(in)-293(der)-294(H\366he)-293(und)-294(Frieden)-294(auf)-293(Erden)-294(und)-293(den)-294(Menschen)-293(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Wohlgefallen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -51.055 -14.163 Td [(Sie)-190(sangen)-191(sehr)-190(laut)-190(mit)-191(hellen,)-202(schmetternden)-190(Stimmen.)-230(Alles)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hallte)-326(davon)-326(wider.)-478(Dieser)-326(Gesang)-326(erf\374llte)-326(das)-326(ganze)-325(Gew\366lbe)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-342(Himmels,)-365(der)-342(eine)-342(grosse,)-365(dunkelblaue)-342(Glocke)-342(war,)-365(in)-341(der)]TJ 0 -13.55 Td [(goldne)-392(Sterne)-393(schwangen)-392(und)-392(spannen.)-677(Sie)-393(drehten)-392(sich)-392(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(rasch)-199(mit)-199(langen,)-210(lichten)-199(Streifen)-199(hinter)-199(sich)-200(her)-199(in)-199(der)-199(Bahn)-199(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwingung,)-248(die)-246(feurige)-247(Ringe)-247(bildete,)-248(Kreise)-247(und)-246(Sph\344ren.)-249(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-250(Glocke)-250(drehte)-250(sich,)-250(sang)-250(und)-250(schwang.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Der)-365(kleine)-365(Handwerksbursche)-364(sang)-365(laut,)-394(vorw\344rts)-364(stolpernd)]TJ -11.956 -13.549 Td [(im)-981(schleimigen)-982(Strassenkoth,)-1164(zwischen)-981(den)-981(schwarzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Fabrikschuppen)-447(mit)-446(hohen)-447(Schloten,)-495(vor)-447(der)-446(Stadt,)-496(die)-446(rings)]TJ 0 -13.55 Td [(umher)-231(anfing)-231(sich)-231(zu)-230(entz\374nden,)-235(wie)-231(ein)-231(Halbkreis)-231(der)-231(H\366lle)-230(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(feurigen)-250(Augen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([20])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bist)-250(Du)-250(verr\374ckt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.564 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schnauzte)-250(ihn)-250(der)-250(Andre)-250(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf -89.978 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dein)-250(Gef\344hrte)-250(ist)-250(sehr)-250(krank,)]TJ/F21 10.9091 Tf 126.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde)-250(sanft.)]TJ -138.741 -14.163 Td [(So)-372(war)-371(es.)-615(Alles)-371(hatte)-372(bei)-371(dem)-372(Kleinen)-371(zusammengewirkt:)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-436(langen)-437(Wochen)-436(der)-436(Angst)-436(und)-436(schlechter)-437(Ern\344hrung,)-482(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +78 0 obj << +/Type /Page +/Contents 79 0 R +/Resources 77 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +80 0 obj << +/D [78 0 R /XYZ 267.874 394.391 null] +>> endobj +81 0 obj << +/D [78 0 R /XYZ 46.771 119.802 null] +>> endobj +77 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +84 0 obj << +/Length 5341 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(12)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(unheimliche)-250(Gef\344hrte,)-250(der)-250(Weihnachtsabend.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Er)-337(fuhr)-338(fort)-337(zu)-337(singen.)-512(Er)-337(wehrte)-337(sich)-338(gegen)-337(den)-337(Andern)-337(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seinem)-349(Fieberrausche:)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.832 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lass)-349(mich!)-548(Du)-350(erfrierst)-349(mir)-349(das)-349(Herz.)]TJ -108.676 -13.549 Td [(Du)-372(st\366sst)-371(mir)-372(gl\374hende)-372(Messer)-371(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 152.993 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-372(Weiche.)-615(Du)-371(bist)-372(schlecht)]TJ -156.626 -13.549 Td [(und)-250(roh!)-250(Schlecht!)-250(Schlecht!)-250(Du)-250(bist)-250(der)-250(Teufel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 211.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -199.211 -14.095 Td [(Er)-196(war)-195(wie)-196(ein)-195(Rasender.)-232(Er)-196(fing)-195(an)-196(mit)-196(beiden)-195(Armen)-196(um)-195(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-266(schlagen.)-297(Er)-265(b\344umte)-266(sich)-266(wie)-265(ein)-266(scheugewordenes)-266(Pferd.)-296(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(wollte)-236(pl\366tzlich)-236(nicht)-235(weitergehen.)-246(Er)-235(liess)-236(sich)-236(wie)-236(ein)-236(Sack)-235(zur)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde)-250(fallen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Halloh!)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.263 0 Td [(sagte)-313(der)-314(Rothe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.781 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-313(ist)-314(eine)-313(sch\366ne)-314(Geschichte.)]TJ -140.014 -13.549 Td [(Nun)-315(stirbt)-314(uns)-315(der)-315(hier)-314(im)-315(Dreck.)-444(Das)-315(hetzt)-314(uns)-315(die)-314(Gr\374nr\366cke)]TJ 0 -13.55 Td [(gleich)-250(auf)-250(die)-250(Hacken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.149 0 Td [(\034)]TJ -86.194 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hilf)-394(mir)-393(ihn)-394(aufheben!)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.165 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.137 0 Td [(sagte)-394(der)-393(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.418 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-394(darf)-393(nicht)]TJ -222.363 -13.549 Td [(sterben)-250(so.)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -34.703 -14.095 Td [(Sie)-361(hoben)-360(ihn)-361(auf.)-581(Auch)-360(der)-361(Rothe)-360(that)-361(seine)-360(Pflicht,)-389(sanft)]TJ -11.955 -13.549 Td [(genug)-326(f\374r)-326(seine)-326(rauhen,)-345(frostgeschwollenen)-326(F\344uste.)-478(Die)-325(M\374tze)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([21])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(war)-443(dem)-443(Kleinen)-443(vom)-443(Kopf)-443(gefallen,)-491(Koth)-443(hatte)-443(sich)-443(in)-443(die)]TJ 0 -13.549 Td [(blonden)-303(Locken)-304(gesetzt.)-410(Er)-303(entfernte)-303(ihn)-304(mit)-303(einem)-303(grimmigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Scherz:)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.444 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(w\374rde)-250(seiner)-250(Liebsten)-250(nicht)-250(gefallen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 181.166 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -209.499 -14.095 Td [(Es)-444(lag)-443(da)-444(ein)-444(Steinhaufen)-443(am)-444(Chausseerand)-444(aufgesch\374ttet.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Der)-357(Fremde)-356(hatte)-356(sich)-357(darauf)-356(gesetzt,)-384(der)-356(Junge)-356(lag)-357(in)-356(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Schooss)-387(mit)-387(dem)-387(Kopf)-387(an)-387(seiner)-387(Brust.)-661(Er)-387(lag)-387(ganz)-387(still)-387(und)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344chelte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-507(kenne)-507(Dich)-507(wohl,)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.332 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.376 0 Td [(sagte)-507(der)-507(Junge.)-1022(Er)-507(sprach)-507(mit)]TJ -129.507 -13.549 Td [(erstaunlicher)-371(Gel\344ufigkeit,)-400(in)-371(einer)-370(hellen,)-401(klingenden)-370(Stimme)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-359(Entz\374ckens,)-386(wie)-359(wenn)-358(Alles,)-386(was)-359(in)-359(ihm)-359(schweigsam)-358(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gefroren)-250(gewesen)-250(war,)-250(sich)-250(jetzt)-250(l\366ste,)-250(aufthaute.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O,)-374(ich)-373(kenne)-374(Dich)-373(ganz)-374(gut.)-620(Du)-374(bist)-373(mein)-374(alter)-373(Lehrer)-374(in)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Greifenberg,)-194(der)-179(freundlich)-180(zu)-179(uns)-180(war.)-226(Wenn)-179(man)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.936 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-179(gut)-180(gemacht)]TJ -221.569 -13.55 Td [(hatte,)-359(strich)-336(er)-337(mit)-337(der)-337(Hand)-337(\374ber)-336(den)-337(Kopf.)-511(Manchmal)-336(durfte)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-332(ihm)-331(die)-332(B\374cher)-332(nach)-332(Hause)-331(tragen.)-495(Dann)-332(bekam)-332(ich)-331(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Apfel....)-250(Er)-250(war)-250(alt)-250(und)-250(arm,)-250(und)-250(hatte)-250(viele)-250(Kinder,)-250(wie)-250(wir.)]TJ/F21 10.9091 Tf 264.185 0 Td [(\034)]TJ -252.23 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nette)-740(Suse!)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.917 0 Td [(murmelte)-740(der)-740(Rothe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.447 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.593 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-740(weisse)]TJ -233.175 -13.549 Td [(Wassersuppe!)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.189 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +83 0 obj << +/Type /Page +/Contents 84 0 R +/Resources 82 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +85 0 obj << +/D [83 0 R /XYZ 222.18 312.21 null] +>> endobj +82 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +88 0 obj << +/Length 5955 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-17587(13)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-388(Fremde)-388(sass)-388(ganz)-389(still)-388(und)-388(hielt)-388(den)-388(Kopf)-388(des)-388(Jungen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([22])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Der)-260(lachte,)-261(er)-260(griff)-260(ihm)-259(mit)-260(der)-259(Hand)-260(in)-259(den)-260(Bart.)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.211 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-260(bist)-259(mein)]TJ -224.055 -13.549 Td [(Vater,)-248(der)-248(gestorben)-248(ist,)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.455 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.547 0 Td [(sagte)-248(der)-248(Junge.)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.655 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-248(ging)-248(des)-248(Morgens)]TJ -189.5 -13.549 Td [(sehr)-340(fr\374h)-340(fort.)-519(Dann)-340(trat)-340(er)-340(leise)-339(auf)-340(und)-340(zog)-340(sich)-340(im)-339(Dunkeln)]TJ 0 -13.55 Td [(an,)-393(damit)-364(wir)-364(nicht)-364(aufwachen)-364(sollten.)-591(Es)-364(war)-364(noch)-364(sehr)-364(fr\374h)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-297(sehr)-297(kalt)-297(draussen.)-390(Im)-297(Bett)-297(war)-296(es)-297(warm.)-391(Der)-297(Winter)-296(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(grosse,)-420(weisse)-386(Eisblumen)-386(vor)-386(das)-386(Fenster)-386(gemalt.)-658(Wie)-386(hinter)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-354(Wattenwand)-355(schlief)-354(sich)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.196 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-354(da....)-563(Dann)-355(ging)-354(er)-354(fort)-354(einen)]TJ -138.829 -13.549 Td [(Morgen)-250(und)-250(kam)-250(nicht)-250(wieder.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 14.75 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Nun)-367(bist)-368(Du)-367(der)-367(Mann)-368(in)-367(der)-367(Familie,)-397(Richard,)]TJ/F21 10.9091 Tf 215.39 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.64 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.549 Td [(die)-258(Mutter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.558 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Versprich)-258(mir)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.982 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-260(dass)-258(Du)-258(immer)-258(f\374r)-258(die)-258(Schwestern)]TJ -119.806 -13.549 Td [(sorgst,)-250(wenn)-250(Du)-250(gross)-250(bist)-250(und)-250(viel)-250(Geld)-250(verdienst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.014 0 Td [(\030)]TJ -211.058 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-243(verdiene)-243(nichts.)-247(Ich)-243(kann)-243(nicht)-243(sorgen)-243(f\374r)-243(die)-243(Schwester.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Meine)-226(Schwester)-226(soll)-226(nicht)-226(weinen)-226(und)-226(hungern)-226(wie)-226(die)-226(Andern,)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(frieren!)-250(Es)-250(ist)-250(so)-250(kalt)-250(...)-250(kalt)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 156.349 0 Td [(\034)]TJ -144.393 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott)-250(wird)-250(f\374r)-250(sie)-250(sorgen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -119.367 -13.995 Td [(Der)-250(Rothe)-250(lachte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-257(giebt)-257(keinen)-257(Gott,)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.347 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.648 0 Td [(sagte)-257(der)-257(Junge)-257(unruhig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.836 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle)-257(sagen,)]TJ -231.473 -13.549 Td [(er)-443(ist)-443(nicht)-442(und)-443(dass)-443(es)-443(nur)-443(eine)-442(Kinderfabel)-443(ist.)-829(Wer)-442(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(arbeiten)-377(kann)-376(und)-377(krank)-376(wird,)-408(der)-377(stirbt)-376(und)-377(verdirbt.)-629(Reiche)]TJ 0 -13.549 Td [(Leute)-252(haben)-253(es)-252(gut)-253(in)-252(der)-253(Welt)-252(und)-253(sind)-252(geehrt.)-258(Die)-252(Andern)-252(holt)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([23])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(der)-250(Teufel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.859 0 Td [(\034)]TJ -35.903 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Amen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(machte)-250(Fritz)-250(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf -42.709 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-223(giebt)-222(keinen)-223(Teufel,)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.299 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.274 0 Td [(sagte)-223(der)-222(Fremde)-223(ruhig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.349 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott)-223(kennt)]TJ -234.564 -13.549 Td [(keine)-250(reichen)-250(Leute)-250(und)-250(keine)-250(armen.)-250(Er)-250(liebt)-250(Alle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.582 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -211.626 -13.995 Td [(Wieder)-250(lachte)-250(der)-250(Rothe,)-250(scharf)-250(und)-250(schrillend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-3943(habe)-3942(Schmerzen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 171.742 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 47.853 0 Td [(wimmerte)]TJ -236.394 -13.549 Td [(der)-439(kleine)-440(Handwerksbursche.)]TJ/F21 10.9091 Tf 145.433 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-439(zerreisst)-440(mir)-439(die)-439(Glieder.)]TJ -150.277 -13.549 Td [(In)-292(meinem)-293(Kopf)-292(geht)-293(es)-292(wie)-292(eine)-293(S\344ge.)-377(Alle)-292(Knochen)-292(krachen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ach,)-250(das)-250(ist)-250(die)-250(Folter!)-250(Wasser!)-250(Wasser!)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.618 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -164.662 -13.996 Td [(Es)-620(war)-619(kein)-620(Brunnen)-620(zu)-619(sehen)-620(ringsum,)-712(zwischen)-619(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schmutzlachen,)-321(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 83.788 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.976 0 Td [(dieser)-306(triefenden)-307(Feuchtigkeit,)-320(die)-307(von)-306(den)]TJ -90.764 -13.549 Td [(D\344chern)-250(rieselte,)-250(die)-250(Kleider)-250(festklebte)-250(am)-250(erstarrten)-250(K\366rper.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(Hunger,)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.426 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(klagte)-250(der)-250(Sterbende.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +87 0 obj << +/Type /Page +/Contents 88 0 R +/Resources 86 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +89 0 obj << +/D [87 0 R /XYZ 274.992 518.175 null] +>> endobj +90 0 obj << +/D [87 0 R /XYZ 74.366 244.96 null] +>> endobj +86 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +93 0 obj << +/Length 4598 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(14)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-250(Fremde)-250(legte)-250(ihm)-250(die)-250(Hand)-250(auf)-250(die)-250(Stirn.)]TJ 0 -14.4 Td [(Bald)-218(gl\344tteten)-219(sich)-218(die)-219(Z\374ge.)-239(Sie)-219(wurden)-218(heiter,)-225(fast)-218(strahlend.)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(...)-242(Eine)-227(Ruhe)-227(kommt)-227(langsam,)-232(das)-226(ist)-227(der)-227(Schlaf.)-243(Es)-227(kommt)-226(wie)]TJ -4.844 -13.549 Td [(ein)-280(Schatten)-281(\374ber)-280(eine)-281(gr\374ne)-280(Wiese.)-341(Es)-281(ist)-280(weiss)-281(und)-280(breitet)-280(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Arme)-250(aus.)-250(Ah,)-250(mir)-250(ist)-250(wohl!)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.716 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -118.331 -14.4 Td [(Er)-273(nestelte)-272(sich)-273(dichter)-273(an)-273(die)-272(Brust)-273(des)-273(Andern.)-318(Der)-272(Fremde)]TJ -11.956 -13.549 Td [(beugte)-250(sich)-250(\374ber)-250(ihn)-250(und)-250(k\374sste)-250(ihn)-250(auf)-250(die)-250(Stirn.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([24])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -14.4 Td [(Fritz)-255(Kuhlemann)-255(kam)-255(mit)-254(einem)-255(Blechgef\344ss)-255(voll)-255(Wasser.)-264(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hatte)-414(es)-415(beim)-414(Eindringen)-415(in)-414(einen)-415(Zimmerhof)-414(gefunden.)-743(Ein)]TJ 0 -13.55 Td [(w\374tender)-389(Hund)-389(war)-389(gegen)-389(ihn)-389(angekl\344fft,)-424(hatte)-389(ihm)-388(die)-389(Hose)]TJ 0 -13.549 Td [(zerrissen.)-247(Seine)-240(Hand)-240(blutete)-240(vom)-240(Zerschlagen)-240(des)-241(Eises.)-246(Er)-240(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(schrecklich)-250(aus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(braucht)-250(es)-250(nicht.)-250(Er)-250(ist)-250(todt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 133.32 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -145.734 -14.4 Td [(In)-235(der)-235(That)-235(war)-235(der)-235(Junge)-235(todt.)-245(Er)-235(sah)-235(aus)-235(wie)-235(ein)-234(schlafendes)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Kind.)-250(Ein)-250(s\374sser)-250(Ausdruck)-250(war)-250(in)-250(seinem)-250(Gesicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gestorben)-250(wie)-250(ein)-250(Hund!)-250(Wie)-250(ein)-250(Hund!)]TJ/F21 10.9091 Tf 177.534 0 Td [(\034)]TJ -182.377 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(ist)-250(kein)-250(Hund.)-250(Er)-250(ist)-250(sch\366n.)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.509 0 Td [(\034)]TJ -136.352 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(Du?)-250(Wer)-250(bist)-250(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.582 0 Td [(\034)]TJ -105.425 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kennst)-250(Du)-250(mich)-250(nicht,)-250(Fritz)-250(Kuhlemann?)]TJ/F21 10.9091 Tf 180.589 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 163.701 249.157 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 231.285 Td [(Der)-400(Mond)-400(war)-400(aufgegangen,)-437(ein)-400(ganz)-400(klarer,)-438(heller)-399(Mond,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-224(man)-224(niemals)-224(erwartet)-224(h\344tte)-224(aus)-224(diesem)-224(Nebel.)-241(Er)-224(stand)-224(ruhig)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-283(sattem,)-291(blauem)-283(Schein)-282(im)-283(Grau,)-291(das)-283(jetzt)-283(ganz)-282(ungef\344hrlich)]TJ 0 -13.549 Td [(erschien,)-565(die)-502(einf\366rmige,)-566(milde)-502(Trauerfarbe)-502(der)-502(Nacht,)-565(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(sanfte)-224(Schwermuth)-225(der)-224(tieferen)-225(T\366ne)-224(und)-224(Farben)-225(des)-224(Lebens.)-241(Im)]TJ 0 -13.55 Td [(Mondschein)-257(stand)-257(der)-257(Fremde.)-271(Er)-258(stand)-257(ohne)-257(Hut,)-259(im)-257(Licht,)-258(das)]TJ 0 -13.549 Td [(leise)-250(fluthete.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([25])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.4 Td [(Der)-361(Mann)-360(starrte)-361(ihn)-361(an.)-582(Seine)-361(Augen)-360(traten)-361(fast)-361(aus)-360(ihren)]TJ -11.956 -13.549 Td [(H\366hlen,)-267(die)-264(Stirn)-264(unter)-264(den)-264(w\374sten,)-268(rothen)-264(Haarzotteln)-263(arbeitete)]TJ 0 -13.549 Td [(furchtbar.)]TJ 11.956 -14.401 Td [(Der)-250(Fremde)-250(sah)-250(ihn)-250(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-332(hast)-331(ihn)-332(geliebt,)-352(den)-332(da)]TJ/F21 10.9091 Tf 121.634 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.462 0 Td [(...)-495(sagte)-332(der)-331(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.622 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-332(war)]TJ -250.361 -13.549 Td [(oft)-371(m\374de.)-612(Du)-371(gingst)-370(langsamer)-371(um)-371(seinetwillen.)-612(Du)-370(schliefst)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +92 0 obj << +/Type /Page +/Contents 93 0 R +/Resources 91 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 71 0 R +>> endobj +94 0 obj << +/D [92 0 R /XYZ 93.543 432.8 null] +>> endobj +95 0 obj << +/D [92 0 R /XYZ 93.543 149.892 null] +>> endobj +91 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +98 0 obj << +/Length 4601 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(erste)-250(Kapitel.)-17587(15)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(schlecht,)-451(damit)-411(er)-411(besser)-411(l\344ge.)-733(Manchmal)-411(hast)-411(Du)-411(ihm)-411(Brod)]TJ 0 -13.549 Td [(gegeben,)-313(wenn)-300(Du)-301(selbst)-300(keins)-301(hattest.)-401(Und)-300(der)-301(Hund)-300(hat)-300(Dich)]TJ 0 -13.549 Td [(zerrissen)-391(um)-392(das)-391(Wasser,)-426(das)-392(Du)-391(ihm)-391(brachtest.)]TJ/F21 10.9091 Tf 226.657 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.723 0 Td [(Ich)-391(kenne)]TJ -236.38 -13.549 Td [(Dich,)-250(Fritz)-250(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.626 0 Td [(\034)]TJ -91.67 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Teufel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(stiess)-250(der)-250(Andre)-250(hervor.)]TJ/F21 10.9091 Tf -44.52 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-211(hast)-211(ihn)-211(sehr)-211(gekr\344nkt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.125 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.145 0 Td [(fuhr)-211(der)-211(Fremde)-211(fort.)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.402 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-211(Dein)]TJ -235.314 -13.549 Td [(Herz)-262(war)-263(wund,)-265(als)-263(es)-262(ihm)-262(harte)-263(Worte)-262(gab.)-287(Der)-263(Pflug)-262(war)-262(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(Deine)-329(Seele)-330(gegangen)-329(und)-329(hat)-330(sie)-329(zerrissen,)-349(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 210.462 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.226 0 Td [(sie)-329(wild)-330(klang)]TJ -217.688 -13.549 Td [(und)-325(falsch.)-473(Du)-325(hast)-324(geliebt,)-344(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.301 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.173 0 Td [(Du)-325(hasstest....)-473(Ich)-325(kenne)-324(Dich)]TJ -145.474 -13.55 Td [(wohl,)-250(Fritz)-250(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.237 0 Td [(\034)]TJ -92.281 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-250(...)-250(Herr)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 64.516 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(stammelte)-250(der)-250(Bursche.)]TJ/F21 10.9091 Tf -76.93 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-352(sie)-351(haben)-352(Alle)-351(geliebt.)-555(Deine)-351(Mutter,)-377(die)-352(Dich)-351(in)-352(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Gosse)-214(legte,)-221(weil)-214(sie)-215(kein)-214(Brot)-214(hatte,)-221(Dich)-214(zu)-214(f\374ttern,)-221(als)-214(ihr)-214(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-291(in)-291(ihr)-292(wand)-291(in)-291(Angst)-291(\374ber)-291(der)-292(Qual)-291(ihrer)-291(Eingeweide.)-373(Der,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([26])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(der)-248(Dich)-248(zeugte)-248(in)-249(einer)-248(Stunde,)-248(wo)-248(er)-249(sich)-248(selbst)-248(vergessen,)-248(der)]TJ 0 -13.549 Td [(niemals)-364(sich)-364(vergass.)-591(Gott,)-393(der)-364(die)-363(Welt)-364(gemacht)-364(hat,)-393(weil)-363(er)]TJ 0 -13.549 Td [(liebte.)-490(Die)-330(Liebe)-329(ist)-330(Schmerz.)-490(Im)-330(Schmerz)-330(der)-330(Liebe)-330(liegt)-329(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Urgrund)-250(alles)-250(Geborenen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.997 0 Td [(\034)]TJ -101.041 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(bist)-250(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schrie)-250(der)-250(Andre)-250(auf.)]TJ -70.581 -13.55 Td [(Er)-563(hatte)-563(sich)-564(auf)-563(ihn)-563(gest\374rzt.)-1190(Sie)-563(rangen)-563(miteinander,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Leib)-554(gegen)-554(Leib.)-1163(Der)-554(Mond)-554(stand)-554(am)-554(Himmel,)-630(kalt)-554(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bl\344ulich.)-748(Dann)-416(sah)-416(man)-417(nur)-416(noch)-416(ihre)-416(beiden)-416(Gesichter,)-457(das)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-240(Fremden,)-242(das)-240(ruhig)-240(war,)-242(blass)-240(und)-240(ein)-240(wenig)-240(traurig,)-242(das)-239(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Mannes,)-441(der)-402(in)-403(grossen)-403(Tropfen)-402(schwitzte,)-441(dunkel)-402(blutr\374nstig)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-347(roth)-346(durchschossenen)-347(Aug\344pfeln.)-539(Er)-346(athmete)-347(in)-346(schweren,)]TJ 0 -13.549 Td [(keuchenden)-250(St\366ssen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Pl\366tzlich)-328(fielen)-329(seine)-328(H\344nde:)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.744 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mach)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-348(was)-329(Du)-328(willst!)-485(T\366dte)]TJ -178.016 -13.549 Td [(mich)-250(auch!)-250(T\366dte)-250(mich!)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.131 0 Td [(\034)]TJ -93.175 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geh)-250(voran!)-250(Ich)-250(folge)-250(Dir!)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +97 0 obj << +/Type /Page +/Contents 98 0 R +/Resources 96 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +99 0 obj << +/D [97 0 R /XYZ 308.321 342.036 null] +>> endobj +96 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +101 0 obj +<< /S /GoTo /D (index2) >> +endobj +104 0 obj +(Das zweite Kapitel.) +endobj +107 0 obj << +/Length 3327 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([27])]TJ/F16 18.9589 Tf 138.198 -69.409 Td [(Das)-270(zweite)-269(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.443 -37.512 Td [(Eine)-373(rothe)-374(Laterne)-373(hing)-374(\374ber)-373(der)-373(Th\374r)-374(der)-373(Destille.)-620(Die)-373(Th\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-298(schr\344g)-299(eingestellt)-298(nach)-298(der)-298(Strassenecke)-298(zu.)-395(Drei)-298(schlechte)]TJ 0 -13.549 Td [(Eisenstufen)-482(f\374hrten)-482(hinauf.)-945(Sie)-482(hallten)-482(und)-482(dr\366hnten,)-539(wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(schwere,)-588(n\344gelbeschlagene)-521(Schuhe)-521(darauf)-521(traten.)-1062(Nach)-520(der)]TJ 0 -13.549 Td [(andern)-386(Seite)-387(leuchtete)-386(ein)-386(grosses)-386(Fenster.)-659(Eine)-386(breite,)-420(gr\374ne)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufschrift)-424(zog)-425(sich)-424(quer)-424(dar\374ber)-424(hin,)-468(auf)-425(der)-424(zu)-424(lesen)-424(stand,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-509(der)-509(Pfiff)-509(Bier)-508(f\374nf)-509(Pfennige)-509(kostete.)-1027(Sonst)-508(Reklamen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-492(grossen)-492(Lettern)-492(von)-492(Wein,)-553(Bier,)-552(Rum,)-553(Punsch,)-552(Zettel)-492(in)]TJ 0 -13.55 Td [(lebhaften)-358(Farben)-358(so)-358(zusammengestellt,)-385(dass)-358(sie)-358(sich)-357(m\366glichst)]TJ 0 -13.549 Td [(schnitten,)-495(das)-447(Auge)-446(herausforderten.)-839(Aber)-446(der)-446(Strassenstaub)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-235(sie)-235(ausgebleicht,)-237(Alles)-235(war)-235(von)-235(derselben)-234(schmutziggrauen)]TJ 0 -13.549 Td [(Schleimschicht)-374(\374berzogen.)-623(Die)-374(Fenster)-374(hingen)-374(schief)-374(in)-374(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Rahmen.)-234(Gegen)-202(das)-202(Haus)-201(lagen)-202(schwarze,)-212(faulende)-201(Holzplanken)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([28])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(aufgeschichtet)-332(von)-332(irgend)-332(einem)-332(Neubau,)-352(der)-332(nie)-332(fertig)-331(wurde.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-230(Fenster)-229(nach)-230(der)-229(Strasse)-229(zu)-230(waren)-229(durch)-230(schwere)-229(Rollbretter)]TJ 0 -13.549 Td [(gesch\374tzt.)-511(In)-336(den)-337(oberen)-337(Stockwerken)-337(hatte)-337(man)-337(die)-336(Jalousien)]TJ 0 -13.549 Td [(heruntergelassen.)-350(Nur)-283(die)-284(Laterne)-283(blinkte)-283(wie)-284(ein)-283(tr\374bes,)-291(rothes)]TJ 0 -13.549 Td [(Auge)-250(durch)-250(die)-250(Nacht.)]TJ 11.956 -14.568 Td [(Es)-465(war)-465(Weihnachtsnacht.)-894(Man)-465(war)-465(lustig.)-894(Die)-465(Frau)-464(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Destillateurs)-369(hatte)-368(Fische)-369(in)-368(s\374sser)-369(Sauce)-369(gemacht,)-398(von)-368(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-168(f\374r)-167(f\374nfzig)-168(Pfennige)-167(ein)-168(Gericht)-167(bekam.)-223(Dazu)-167(gab)-168(es)-167(Punsch.)]TJ 0 -13.549 Td [(Auch)-389(ein)-389(Weihnachtsbaum)-389(war)-389(geschm\374ckt,)-424(auf)-389(den)-389(sie)-388(stolz)]TJ 0 -13.549 Td [(waren.)-678(Mit)-393(Papierblumen)-393(und)-392(ein)-393(paar)-393(dicken)-392(Stearinlichtern)]TJ 0 -13.55 Td [(prangte)-424(er.)-771(Im)-424(Nebenraum)-424(zwischen)-424(alten)-424(Lumpen)-423(schliefen)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-484(beiden)-484(kleinen)-483(M\344dchen,)-543(die)-483(Kinder)-484(des)-484(Ehepaars.)-951(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hielten)-236(die)-235(Holzpuppen,)-239(die)-235(ihnen)-236(bescheert)-236(worden)-235(waren.)-245(Man)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +106 0 obj << +/Type /Page +/Contents 107 0 R +/Resources 105 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +108 0 obj << +/D [106 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +102 0 obj << +/D [106 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +109 0 obj << +/D [106 0 R /XYZ 278.666 243.3 null] +>> endobj +105 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +112 0 obj << +/Length 4189 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(17)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(hatte)-377(ihnen)-377(auch)-377(Punsch)-376(gegeben.)-631(Sie)-377(schliefen)-377(ganz)-377(fest)-376(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(feuerroten)-423(Backen,)-467(im)-424(Luftzug)-423(ihres)-424(Athems)-423(leise)-423(zitternden,)]TJ 0 -13.549 Td [(langen)-250(Wimpern.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(August)-328(Matzke)-327(war)-328(ein)-328(schwerer)-327(Mann,)-347(erst)-328(an)-328(die)-327(Vierzig,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(obgleich)-406(er)-406(\344lter)-406(aussah,)-444(ganz)-406(und)-406(gar)-406(ruinirt,)-445(vergiftet)-405(durch)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-454(Trunk.)-860(Er)-454(war)-453(schon)-454(zweimal)-453(wegen)-454(Delirium)-453(tremens)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-728(Krankenhaus)-728(gewesen.)-1685(Alle)-728(hofften,)-848(dass)-728(das)-728(sein)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([29])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Ende)-494(bedeutete.)-981(Aber)-493(er)-494(kam)-493(zur\374ck,)-555(graublass,)-554(verbl\366det,)]TJ 0 -13.549 Td [(schrecklicher)-331(als)-331(vorher.)-494(Dieser)-331(Mann)-331(hatte)-331(mit)-331(Auszeichnung)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-346(Dienstzeit)-347(absolvirt)-346(und)-346(war)-347(zum)-346(Sergeanten)-346(aufger\374ckt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Bei)-355(einer)-355(Schiess\374bung)-354(kam)-355(er)-355(durch)-355(Unvorsichtigkeit)-355(um)-354(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Auge.)-623(Er)-374(erhielt)-374(die)-374(Verst\374mmelungszulage)-374(und)-374(nahm)-374(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Abschied.)-229(Die)-186(Frau)-186(war)-186(aus)-186(ganz)-186(gutem)-186(Hause,)-199(eine)-186(S\374ddeutsche)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-433(zierlichen)-433(Formen,)-479(freundlichem,)-479(einnehmendem)-433(Wesen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-665(hatten)-665(ein)-665(ganz)-664(h\374bsches)-665(kleines)-665(Kapital)-665(gehabt,)-768(als)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-481(heiratheten,)-539(und)-481(fingen)-481(nach)-481(seiner)-481(Verabschiedung)-481(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Gastwirthschaft)-302(an.)-405(Man)-302(sagte,)-315(dass)-302(die)-302(sehr)-301(zuvorkommenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Manieren)-371(seiner)-372(Frau)-371(gegen)-371(Fremde)-371(ihn)-372(zuerst)-371(an)-371(die)-371(Flasche)]TJ 0 -13.549 Td [(getrieben)-210(hatten.)-236(Jetzt)-210(war)-209(er)-210(unheilbar;)-223(das)-209(Geld)-210(ihrer)-209(Liebhaber)]TJ 0 -13.549 Td [(hielt)-220(die)-220(Wirthschaft)-221(flott.)-240(Sie)-220(liessen)-220(sich)-220(nicht)-220(scheiden,)-226(weil)-220(er)]TJ 0 -13.55 Td [(ihr)-287(dann)-287(ihr)-286(Eingebrachtes)-287(auszahlen)-287(musste.)-360(Er)-287(schlug)-287(sie.)-360(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(insultirte)-217(ihn.)-239(Dann)-217(kam)-216(wieder)-217(anfallweise)-217(die)-217(alte)-216(Verliebtheit;)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-310(schliefen)-309(zusammen.)-430(Zwischen)-309(alledem,)-325(Schl\344gen,)-324(Z\344nken,)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebkosungen,)-200(wuchsen)-188(die)-188(Kinder)-188(auf,)-201(behend)-188(und)-187(geschmeidig)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-369(kleine)-368(Katzen,)-399(beide)-368(der)-369(Mutter)-369(auffallend)-368(\344hnlich,)-398(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(sp\374rend,)-250(horchend,)-250(zwischentragend....)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([30])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -16.004 Td [(Kuhlemann)-402(wurde)-402(mit)-402(l\344rmender)-402(Freude)-402(begr\374sst.)-706(Matzke)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hatte)-401(schon)-401(schwer)-402(gesoffen)-401(und)-401(sah)-401(schief.)-704(Es)-401(war)-401(da)-401(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-434(\344lterer)-433(Mann)-434(mit)-433(breitem,)-480(krummem)-433(R\374cken,)-480(der)-433(stumm)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-454(sich)-455(hineintrank.)-863(Ein)-454(junger)-455(Tapezier)-454(mit)-454(aufgeb\374rstetem)]TJ 0 -13.549 Td [(Lieutenantsschnurrbart)-227(spielte)-226(den)-227(Forschen,)-231(zog)-227(die)-227(Andern)-226(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-467(scharmuzirte)-466(mit)-467(Frau)-467(Matzke.)-900(Ein)-467(Dienstm\344dchen)-466(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-462(Hause,)-516(eine)-462(grobe,)-516(gew\366hnliche)-462(Person,)-516(kam)-462(zuweilen,)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-311(sich)-310(auch)-311(einen)-311(Schnaps)-311(stossen)-310(zu)-311(lassen,)-326(die)-310(Neuigkeiten)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +111 0 obj << +/Type /Page +/Contents 112 0 R +/Resources 110 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +113 0 obj << +/D [111 0 R /XYZ 66.236 434.425 null] +>> endobj +114 0 obj << +/D [111 0 R /XYZ 46.771 174.612 null] +>> endobj +110 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +117 0 obj << +/Length 4843 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(18)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zu)-362(h\366ren.)-586(Ein)-362(paar)-362(zerlesene)-362(Nummern)-362(des)-362(Vorw\344rts)-362(und)-361(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Lokalanzeigers)-315(lagen)-314(auf)-315(dem)-315(Tisch.)-444(Im)-314(Hintergrund)-315(stand)-314(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Klavier.)-556(Matzke)-352(als)-352(alter)-351(Soldat)-352(war)-352(Patriot)-352(und)-352(kaisertreu,)-377(er)]TJ 0 -13.549 Td [(hielt)-247(das)-247(socialdemokratische)-247(Blatt)-247(um)-247(seiner)-247(Kunden)-246(willen.)-249(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(selbst)-389(liebte)-389(patriotische)-388(Lieder)-389(und)-389(erging)-389(sich,)-423(wenn)-389(er)-388(voll)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-510(sehr)-458(gern)-459(in)-458(hochtrabenden)-458(Erinnerungen)-458(an)-458(Gravelotte)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-382(Sedan,)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.449 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(unsern)-382(ollen)-382(Kaiser)-382(Willem)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.605 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.011 0 Td [(und)-382(Prinz)-382(Friedrich)]TJ -192.909 -13.549 Td [(Karl,)-226(auf)-219(deren)-220(Wohl)-219(er)-220(dann)-220(die)-219(ganze)-220(Gesellschaft)-219(anzustossen)]TJ 0 -13.549 Td [(zwang.)-250(Heute)-250(war)-250(er)-250(noch)-250(nicht)-250(ganz)-250(so)-250(weit.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Frau)-239(Matzke)-238(hatte)-239(sofort)-239(ein)-238(Punschglas)-239(vor)-239(Fritz)-238(Kuhlemann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aufgestellt)-323(und)-322(eins)-323(vor)-323(dem)-323(Fremden,)-340(der)-323(sich)-323(bescheiden)-322(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-225(den)-224(Tisch)-225(setzte.)-241(Das)-225(grosse)-224(Dienstm\344dchen)-225(strebte)-224(neugierig)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([31])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(n\344her.)-343(Sie)-281(war)-281(ein)-281(durchaus)-281(anst\344ndiges)-281(M\344dchen)-281(und)-281(stolz)-281(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-367(Anst\344ndigkeit,)-396(aber)-368(sie)-367(hatte)-367(es)-367(doch)-367(gern,)-396(wenn)-367(man)-367(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(kitzelte,)-377(Witzchen)-352(mit)-351(ihr)-352(machte.)-555(So)-352(zum)-351(Beispiel)-352(foppte)-351(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-237(stets)-237(mit)-236(Matzke,)-240(dass)-237(er)-237(sie)-236(heirathen)-237(sollte.)-246(Er)-237(wollte)-236(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-263(ihrem)-263(Gelde)-264(seine)-263(Frau)-263(auszahlen)-263(und)-263(sich)-263(scheiden)-263(lassen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Das)-250(am\374sirte)-250(sie)-250(k\366niglich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-408(m\366chte)-407(nur)-408(um)-408(ein)-407(Glas)-408(Wasser)-408(bitten)-407(und)-408(ein)-408(St\374ck)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Brot,)-250(wenn)-250(ich)-250(es)-250(haben)-250(kann,)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.793 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -127.408 -14.251 Td [(Die)-228(Frau)-228(sah)-228(ihn)-229(erstaunt)-228(an,)-232(willfahrte)-228(aber)-229(der)-228(Bitte.)-242(Matzke)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schoss)-178(aus)-177(seinen)-178(geschwollenen)-177(Augen)-178(einen)-177(tr\374ben,)-192(geh\344ssigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Blick.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.775 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-216(rechter)-216(Kerl)-216(is,)-223(der)-216(is)-217(Soldat)-216(jewesen.)-238(Wer)-216(nich)-217(Soldat)]TJ -39.206 -13.549 Td [(jewesen)-250(is,)-250(der)-250(is)-250(\374berhaupt)-250(kein)-250(Mann)-250(nich,)-250(sag)-250(ick!)]TJ/F21 10.9091 Tf 231.774 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -219.818 -14.251 Td [(Er)-468(wiederholte)-468(das)-468(mit)-468(der)-468(Faust)-468(aufschlagend)-468(gegen)-468(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Tapezier,)-347(der)-327(sich)-328(damit)-327(belustigte,)-347(ihn)-328(aufzuziehen.)-482(Er)-327(schien)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-237(damit)-237(das)-237(besondre)-237(Wohlwollen)-237(der)-237(Frau)-237(Matzke)-237(verdienen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-418(wollen,)-461(denn)-418(er)-419(blinzte)-418(ihr)-419(zu.)-755(Die)-419(grosse)-418(Hanne)-418(juchzte)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344rmend)-250(auf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Un)-336(eene)-336(volle)-336(Pulle)-336(liebt)-336(er)-336(ooch,)-358(was)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.893 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-336(rechter)-336(Mann)-336(is?)]TJ/F16 7.9701 Tf -269.081 0 Td [([32])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Was)-250(Aujust?)-250(Tapfre,)-250(olle)-250(Kriegsgurgel?)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.196 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.241 -14.251 Td [(Der)-309(Trunkenbold)-308(stierte)-309(ihn)-309(giftig)-309(an,)-323(that)-309(aber)-308(Bescheid.)-427(In)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-430(H\374lflosigkeit)-429(seines)-430(benebelten)-430(Gehirns)-429(gegen)-430(die)-429(Kniffe)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +116 0 obj << +/Type /Page +/Contents 117 0 R +/Resources 115 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +118 0 obj << +/D [116 0 R /XYZ 151.183 368.433 null] +>> endobj +119 0 obj << +/D [116 0 R /XYZ 298.988 107.491 null] +>> endobj +115 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +122 0 obj << +/Length 4888 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(19)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-510(Finten)-509(des)-510(Andern)-510(blieb)-510(ihm)-509(nur)-510(dies)-510(eine)-509(Bed\374rfniss,)]TJ 0 -13.549 Td [(zuzuschlagen,)-250(seine)-250(F\344uste)-250(zu)-250(gebrauchen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kanonen)-240(ufffahren)-241(und)-240(derzwischen)-240(jepfeffert,)-242(denn)-241(w\374rden)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-250(schon)-250(fertig)-250(mit)-250(det)-250(Jesindel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 141.502 0 Td [(\034)]TJ -129.546 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-406(Du)-406(w\344rst)-405(der)-406(commandirende)-406(Jeneral)-406(von)-406(det)-406(Janze!)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Herr)-205(Aujust)-204(Matzke)-205(mit)-205(dem)-205(schwarzen)-204(Adlerorden)-205(da)-205(vorne)-204(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Weste.)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.648 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -34.692 -14.095 Td [(Der)-530(Tapezier)-531(am\374sirte)-530(sich)-530(k\366niglich.)-1091(Frau)-530(Matzke)-530(zog)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ver\344chtlich)-584(die)-584(Lippen.)-1252(Das)-584(Dienstm\344dchen)-584(bog)-584(sich)-584(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Vergn\374gen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ick)-289(sage:)-329(Wer)-289(seinen)-289(Kaiser)-290(nich)-289(ehrt,)-299(der)-289(is)-289(kein)-290(deutscher)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mann,)-250(der)-250(jeh\366rt)-250(in)-250(den)-250(Schweinestall.)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.764 0 Td [(\034)]TJ -156.808 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sieh)-273(man)-272(zu,)-279(dass)-272(Du)-273(nich)-273(selber)-273(zuerst)-272(reinbummelst,)-279(oller)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Freund.)-246(Wer)-239(so)-239(schwach)-238(uff)-239(seine)-239(eijnen)-238(Beene)-239(steht,)-241(sollte)-238(man)]TJ 0 -13.549 Td [(ja)-250(nich)-250(so)-250(forsch)-250(jejen)-250(Andre)-250(losziehen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 172.386 0 Td [(\034)]TJ -160.43 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ick)-386(nich)-386(fest)-387(uff)-386(meine)-386(Beene!)-659(Ick)-386(bin)-386(Dein)-386(oller)-387(Freund)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nich.)-244(Ick)-233(will)-233(Dich)-233(lehren,)-236(mir)-233(Aujust)-233(zu)-233(heissen.)-245(Aujust)-233(Dir)-232(wat)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(Deine)-250(unjewaschne)-250(Schnauze.)-250(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.382 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Hurenj\344ger)-250(Du!)]TJ/F21 10.9091 Tf 68.76 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 27.46 0 Td [([33])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.095 Td [(Er)-690(hatte)-691(sich)-690(schwerf\344llig)-691(erhoben)-690(und)-691(griff)-690(nach)-690(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stuhllehne,)-321(um)-306(sich)-306(daran)-307(festzuhalten.)-419(Der)-307(Tapezier)-306(lachte,)-320(er)]TJ 0 -13.549 Td [(geh\366rte)-268(zu)-268(Frau)-268(Matzke)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.494 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-268(eleganten)-268(Freunden,)-272(die)-268(den)-268(Haushalt)]TJ -108.127 -13.55 Td [(im)-304(Gang)-304(erhielten.)-412(Der)-304(Mann)-304(in)-304(der)-304(braunen)-304(Weste)-304(r\374hrte)-303(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-349(August!)-549(so)-349(lass)-350(doch!)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.277 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.656 0 Td [(machte)-349(die)-350(Frau)-349(gelangweilt.)]TJ -150.732 -13.55 Td [(Sie)-395(zwinkerte)-396(Wernicke)-395(zu,)-431(Hanne)-396(in)-395(ihrer)-395(sicheren)-395(Ecke)-395(am)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374ffet)-348(erstickte)-348(fast)-348(vor)-348(unterdr\374ckter)-348(Heiterkeit.)-544(Sie)-348(fand)-348(das)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-250(ausgezeichneten)-250(Spass.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Nun)-307(wandte)-307(sich)-306(der)-307(W\374thende)-307(gegen)-307(sie,)-321(die)-306(Ehebrecherin,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-262(den)-261(unfl\344thigsten)-262(Ausdr\374cken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.309 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ick)-261(will)-262(Dir)-261(...)-285(Ick)-261(will)-262(Dir)-261(...)]TJ -153.153 -13.549 Td [(Hure)-168(...)-222(Hure)-168(...)-223(Hure!)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.933 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.673 0 Td [(Er)-168(sah)-167(schrecklich)-168(aus)-168(mit)-168(den)-167(sabbernden)]TJ -100.606 -13.549 Td [(Lippen,)-279(seinen)-273(blutunterschossenen)-273(Augen,)-279(von)-273(denen)-273(das)-273(eine,)]TJ 0 -13.55 Td [(k\374nstliche,)-418(immer)-384(gerade)-384(blieb,)-418(glotzend,)-417(ungeheuerlich.)-652(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Wort)-206(in)-205(seinem)-206(dumpfen)-205(Laut)-206(des)-205(Stiergebr\374lls)-206(wiederholte)-205(sich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-277(packte)-277(sein)-278(schweres)-277(Bierseidel;)-291(es)-277(flog)-277(dicht)-277(an)-277(ihrem)-277(Kopf)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +121 0 obj << +/Type /Page +/Contents 122 0 R +/Resources 120 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +123 0 obj << +/D [121 0 R /XYZ 86.764 284.566 null] +>> endobj +120 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +126 0 obj << +/Length 4666 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(20)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(vorbei)-365(in)-364(die)-365(Fensterscheibe,)-393(die)-365(splitternd)-364(zerbrach.)-594(Der)-364(Ton)]TJ 0 -13.549 Td [(schien)-337(ihn)-336(vollends)-337(wahnsinnig)-336(zu)-336(machen.)-510(Er)-336(ergriff)-337(eins)-336(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([34])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Seidel)-259(nach)-259(dem)-260(andern)-259(und)-259(fensterte)-259(sie)-259(in)-260(das)-259(Glas.)-277(Leere)-259(und)]TJ 0 -13.549 Td [(halbvolle)-211(Flaschen)-211(flogen)-211(nach.)-237(Man)-211(h\366rte)-211(die)-211(Scherben)-211(auf)-210(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Strassenpflaster)-404(sich)-404(knisternd)-404(zusammenh\344ufen.)-711(Gleichzeitig)]TJ 0 -13.549 Td [(drang)-288(die)-288(kalte,)-297(klare)-288(Winterluft)-288(ein.)-364(Der)-288(Tapezier)-288(weidete)-287(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-408(seinem)-408(Heldenst\374ck.)-724(Hanne)-408(kreischte,)-447(die)-408(H\344nde)-408(vor)-408(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Ohren,)-241(dachte)-239(aber)-239(nicht)-239(daran)-239(zu)-239(fl\374chten.)-246(Der)-239(andre)-239(Gast)-239(blieb)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-250(stumpfsinnig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-279(giebt)-279(ein)-279(nettes)-279(Christkindchen)-279(f\374r)-279(morgen.)-337(Na,)-287(ich)-279(bin)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nur)-240(froh,)-241(dass)-240(ich)-240(die)-239(Rechnung)-240(nicht)-240(zu)-239(bezahlen)-240(brauche.)]TJ/F21 10.9091 Tf 256.82 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.457 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(junge)-263(Mann)-262(griff)-263(nach)-263(seinem)-263(Hut)-262(und)-263(Paletot,)-266(einem)-262(eleganten)]TJ 0 -13.55 Td [(Paletot)-414(mit)-414(Sammetaufschlag)-414(und)-415(hellem)-414(Futter.)-742(Er)-414(hing)-414(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-231(so,)-235(dass)-231(man)-231(das)-231(Futter)-232(sah.)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.18 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-231(gehe)-231(jetzt,)-235(Frau)-231(Matzke.)]TJ -159.024 -13.549 Td [(Adieu)-250(auch.)-250(Ich)-250(werde)-250(erwartet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 139.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -127.986 -14.251 Td [(Sie)-337(sagte)-337(nichts.)-512(In)-337(der)-337(Th\374r)-337(dr\374ckte)-337(sie)-337(ihm)-337(die)-337(Hand)-337(sehr)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stark,)-250(ihre)-250(N\374stern)-250(bebten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.156 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nimm)-250(Dich)-250(in)-250(acht!)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.567 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -206.182 -14.25 Td [(Durch)-392(den)-392(Th\374rspalt)-391(nach)-392(der)-392(Kammer)-392(guckten)-392(die)-391(beiden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kinder.)-553(Der)-351(L\344rm)-351(des)-351(klirrenden)-351(Glases)-351(hatte)-351(sie)-350(aufgeweckt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-568(witterten)-568(eine)-567(Scene,)-648(und)-568(waren)-567(nun)-568(dabei,)-647(neugierig,)]TJ 0 -13.549 Td [(erwartungsvoll.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([35])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.25 Td [(Matzke)-250(hatte)-249(seine)-250(letzte)-249(Bierflasche)-250(dem)-249(Abgehenden)-250(gegen)]TJ -11.955 -13.55 Td [(die)-309(Th\374r)-309(nachgeschleudert.)-428(Sie)-309(zerbrach)-309(auf)-309(dem)-309(Fussboden)-309(in)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-268(braunen)-268(Sauce.)-304(Frau)-268(Matzke)-268(fing)-268(ruhig)-268(an,)-272(die)-268(Unordnung)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-271(Fensters)-271(zu)-271(repariren.)-313(Sie)-271(steckte)-271(eine)-271(weisse)-271(Bettplane)-270(auf;)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(kannte)-250(das)-250(schon.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nanu?)-557(Hier)-352(is)-352(wohl)-353(Polterabend)-352(heut)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.296 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(?)]TJ/F21 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.686 0 Td [(sagte)-352(eine)-353(lustige)]TJ -203.257 -13.549 Td [(Stimme.)]TJ 11.955 -14.251 Td [(Es)-429(war)-429(ein)-429(M\344dchen.)-786(Sie)-429(trug)-429(gescheitelte)-429(Haare)-429(und)-429(ein)]TJ -11.955 -13.549 Td [(einfaches)-275(Umschlaget\374chelchen.)-325(An)-275(einer)-275(gewissen)-275(Unordnung)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-242(lose)-241(gewundenen)-242(Nackenknotens,)-243(der)-242(zerschlissenen,)-243(rothen)]TJ 0 -13.549 Td [(Seidentaille)-250(erkannte)-250(man)-250(die)-250(Leichtfertigkeit)-250(ihres)-250(Berufs.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-431(konnte)-432(nicht)-431(fr\374her)-431(kommen,)-477(habe)-431(auch)-431(den)-432(Kindern)]TJ -16.799 -13.549 Td [(noch)-250(was)-250(mitgebracht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.466 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +125 0 obj << +/Type /Page +/Contents 126 0 R +/Resources 124 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 100 0 R +>> endobj +127 0 obj << +/D [125 0 R /XYZ 338.997 504.626 null] +>> endobj +128 0 obj << +/D [125 0 R /XYZ 93.543 242.709 null] +>> endobj +124 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +131 0 obj << +/Length 5759 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(21)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-243(Lene!)-248(Lenchen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.16 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.494 0 Td [(In)-243(ihren)-243(Hemden)-243(dr\344ngten)-243(sie)-243(sich)-243(um)]TJ -114.453 -13.549 Td [(sie.)-432(Das)-311(M\344dchen)-311(k\374sste)-311(sie)-311(leidenschaftlich.)-432(Frau)-311(Matzke)-310(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(zu.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Fritz)-175(Kuhlemann)-175(lachte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.558 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geht)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-175(Gesch\344ft)-175(auch)-175(heut)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.121 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.541 0 Td [(Abend?)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.928 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(fragte)-330(er)-330(boshaft.)-491(Der)-330(Fuhrmann)-330(starrte)-330(sie)-330(an.)-490(Lene)-330(Hoff)-330(war)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-362(eigentliche)-362(Grund,)-390(weshalb)-361(er)-362(jeden)-362(Abend)-362(kam.)-586(Er)-361(h\344tte)]TJ 0 -13.549 Td [(nie)-393(gewagt,)-428(es)-392(ihr)-393(zu)-392(sagen,)-428(ausserdem)-393(wusste)-392(er)-393(ja,)-428(dass)-392(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-194(Sittenkontrolle)-194(stand.)-231(Die)-194(grosse)-194(Hanne)-194(zog)-194(eine)-194(h\366hnische)]TJ 0 -13.549 Td [(Fluntsch.)-488(Sie)-330(hatte)-329(das)-330(M\344dchen)-329(nicht)-329(begr\374sst,)-350(als)-329(sie)-329(eintrat,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([36])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(stand)-222(jetzt,)-227(einen)-222(Arm)-221(in)-222(die)-222(H\374fte)-221(gest\374tzt,)-228(und)-221(musterte)-222(sie)-221(von)]TJ 0 -13.549 Td [(oben)-217(bis)-218(unten.)-239(Dann)-217(drehte)-218(sie)-217(sich)-217(nach)-218(der)-217(Th\374r)-217(zu:)]TJ/F21 10.9091 Tf 237.055 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-217(muss)]TJ -241.899 -13.549 Td [(jetzt)-379(raufgehen.)-639(Es)-379(ist)-379(meine)-380(Zeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 156.827 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.983 0 Td [(Sie)-379(besch\344ftigte)-380(sich)-379(sehr)]TJ -165.81 -13.549 Td [(viel)-202(mit)-202(der)-202(jungen)-202(Prostituirten,)-211(ihren)-202(Toiletten,)-212(ihrem)-202(Thun)-201(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Lassen.)-425(In)-308(ihren)-308(Gedanken)-308(stand)-308(sie)-308(weit)-309(unter)-308(ihr;)-337(sie)-308(war)-308(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(anst\344ndiges)-250(M\344dchen.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Lene)-347(pustete)-346(sich)-347(in)-346(die)-347(Finger.)-540(Sie)-347(war)-346(immer)-347(ein)-346(bischen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(genirt,)-185(so)-169(lange)-169(die)-169(Grosse)-169(da)-169(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.174 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kalt)-169(ist)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.937 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s.)-223(So)]TJ/F21 10.9091 Tf 20.923 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-169(Weihnachten!)]TJ -212.144 -13.549 Td [(Lustig)-250(sein!)-250(Wir)-250(wollen)-250(Klavier)-250(spielen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.735 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -163.779 -16.186 Td [(Sie)-303(hatte)-302(sich)-303(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.924 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-303(Klavier)-302(gesetzt.)-408(Ein)-303(Tanz)-302(wirbelte)-303(hervor)]TJ -88.513 -13.549 Td [(unter)-250(ihren)-250(flinken)-250(Fingern.)]TJ 11.956 -16.187 Td [(Niemand)-250(tanzte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-391(ist)-390(nichts.)]TJ/F21 10.9091 Tf 64.582 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.103 0 Td [(Sie)-391(stand)-390(wieder)-390(auf,)-426(schloss)-391(den)-390(Deckel.)]TJ -90.484 -13.549 Td [(Sie)-479(n\344herte)-479(sich)-479(Fritz)-479(Kuhlemann,)-536(kraute)-479(mit)-479(der)-479(Hand)-478(den)]TJ 0 -13.549 Td [(untern)-427(Teil)-426(seines)-427(rothen)-426(Schopfes:)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.204 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na)-427(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.548 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.498 0 Td [(...)-780(Die)-426(ganze)]TJ -218.094 -13.549 Td [(gewerbsm\344ssige)-513(Schmeichelei)-513(ihres)-512(Berufs)-513(lag)-513(in)-513(dem)-512(Ton,)]TJ 0 -13.55 Td [(vielleicht)-349(noch)-349(mehr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.529 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bist)-349(so)-349(eklig)-349(heut)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.304 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(,)-374(geh!)-546(Spendirst)-349(mir)]TJ -188.308 -13.549 Td [(nicht)-250(mal)-250(was?)]TJ/F21 10.9091 Tf 65.444 0 Td [(\034)]TJ -53.489 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Seh)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.364 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.278 0 Td [(ich)-151(Dir)-151(nach)-151(Spendiren)-150(aus?)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.673 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.489 0 Td [(Man)-151(h\366rte)-151(die)-150(Leidenschaft)]TJ -163.603 -13.549 Td [(aus)-328(seiner)-329(Stimme.)-485(Diese)-328(Liebkosung)-328(einer)-329(Frau)-328(stachelte)-328(ihn.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([37])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Er)-250(verschlang)-250(sie)-250(mit)-250(den)-250(Augen.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Sie)-277(hatte)-278(sich)-277(auf)-278(seinen)-277(Schoss)-278(gesetzt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 179.638 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Armer)-277(Kerl!)-333(Keine)]TJ -196.437 -13.55 Td [(Chance.)-363(So)-288(viel)-287(Pech)-288(gehabt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.717 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.981 0 Td [(Er)-288(zerdr\374ckte)-287(ihr)-288(die)-287(Lippen)-288(mit)]TJ -137.698 -13.549 Td [(einem)-250(brutalen)-250(Kuss.)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.138 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(frech)-250(biste!)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.374 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +130 0 obj << +/Type /Page +/Contents 131 0 R +/Resources 129 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +132 0 obj << +/D [130 0 R /XYZ 109.942 407.145 null] +>> endobj +133 0 obj << +/D [130 0 R /XYZ 164.917 122.976 null] +>> endobj +129 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +137 0 obj << +/Length 5245 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(22)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Sie)-280(sah)-280(den)-279(Fuhrmann)-280(an.)-339(Dieser)-280(Mann)-280(h\344tte)-280(sie)-279(geheirathet.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Er)-189(hatte)-189(vier)-190(Kinder)-189(zu)-189(Haus.)-230(Aber)-189(ihr)-189(graute)-189(vor)-189(der)-189(Langeweile.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr)-366(Vogelgehirn)-366(arbeitete)-365(schon)-366(auf)-366(einer)-366(andern)-366(Spur)-365(wieder,)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(hatte)-250(den)-250(Fremden)-250(entdeckt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.97 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(is)-250(denn)-250(der?)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.215 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(sie)-250(Frau)-250(Matzke.)]TJ -86.629 -14.969 Td [(Die)-250(Frau)-250(zuckte)-250(die)-250(Achseln.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(War)-250(der)-250(Josef)-250(hier)-250(heute?)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.469 0 Td [(\034)]TJ -116.312 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(ist)-250(eben)-250(fort.)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.865 0 Td [(\034)]TJ -72.708 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-395(darum)-396(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.857 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.158 0 Td [(Das)-395(M\344dchen)-396(kannte)-395(die)-396(Leidenschaft)-395(der)]TJ -88.814 -13.549 Td [(Freundin.)-849(Der)-450(sch\366ne)-450(Tapezier)-450(h\344tte)-450(ihr)-449(auch)-450(gefallen.)-849(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(seufzte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oed)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.175 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.012 0 Td [(ist)]TJ/F21 10.9091 Tf 10.309 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-310(heute.)-429(Ich)-310(bin)-310(vorher)-310(gegangen)-309(und)-310(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 185.827 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.012 0 Td [(mir)-310(die)]TJ -248.767 -13.55 Td [(Christb\344ume)-270(angesehen.)-311(Christb\344ume,)-275(das)-270(ist)-271(so)-270(r\374hrend.)-310(Einen)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-369(grossen)-368(sah)-369(ich)-369(mit)-369(Lametta)-368(wie)-369(Haare.)-606(Das)-369(m\366cht)]TJ/F21 10.9091 Tf 259.644 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.655 0 Td [(ich)]TJ -267.299 -13.549 Td [(haben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.778 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -16.823 -14.969 Td [(Sie)-219(hatte)-219(sich)-219(wieder)-219(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.261 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-219(Klavier)-219(gesetzt.)-240(Ein)-219(Weihnachtslied)]TJ -117.849 -13.549 Td [(klang)-250(aus)-250(den)-250(Tasten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([38])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(H\374bsch)-205(war)-206(das,)-214(die)-206(Engelchen)-205(und)-205(Sch\344fchen)-206(in)-205(der)-206(Krippe.)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Ich)-250(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.411 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(das)-250(mal)-250(gesehen,)-250(wie)-250(ich)-250(klein)-250(war.)-250(In)-250(der)-250(Kirche.)]TJ/F21 10.9091 Tf 218.727 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -245.543 -14.969 Td [(Sie)-353(wandte)-353(sich)-354(wieder)-353(an)-353(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 181.999 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sag)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.364 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.485 0 Td [(mal,)-379(Du)-353(hast)]TJ -222.647 -13.549 Td [(nicht)-366(einen)-367(Nickel)-366(f\374r)-367(mich?)-599(Zu)-367(einer)-366(neuen)-367(Schleife)-366(f\374r)-366(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Ball)-250(am)-250(Sonntag.)-250(Kommste)-250(mit)-250(zum)-250(Ball,)-250(Sch\344tzchen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 240.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -228.339 -14.969 Td [(Er)-371(drehte)-371(ein)-371(zerfetztes)-371(Portemonnaie)-371(um)-371(vor)-371(ihren)-371(Augen:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.955 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da)-159(sieh.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.757 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.58 0 Td [(...)-220(Der)-159(Fuhrmann)-159(warf)-159(einen)-159(Thaler)-159(auf)-159(den)-159(Tisch.)-220(Hart)]TJ -46.181 -13.55 Td [(klang)-219(das)-219(Metall)-219(auf)-219(der)-218(Holzplatte.)-240(Alle)-219(sahen)-219(auf.)-240(Frau)-218(Matzke)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-419(ihren)-419(Besen,)-462(mit)-419(dem)-419(sie)-419(die)-419(Scherben)-419(zusammenfegte,)]TJ 0 -13.549 Td [(hingestellt.)]TJ 11.955 -14.969 Td [(Die)-213(Lene)-213(war)-213(n\344her)-213(gekommen)-213(wie)-213(ein)-213(naschhaftes)-213(Kind.)-238(Der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Thaler)-257(lag)-257(da,)-259(und)-257(blinkte)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.535 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.258 0 Td [(brutal,)-259(schmutzig)-257(gleissend.)-271(Sie)-257(sog)]TJ -123.793 -13.549 Td [(lang)-250(den)-250(Athem)-250(ein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.97 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-250(r\374hrst)-250(nicht)-250(dran!)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schrie)-250(Fritz)-250(Kuhlemann.)]TJ/F21 10.9091 Tf -104.215 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-626(man)-627(selber)-626(keinen)-626(Pfennig)-627(hat,)-720(hat)-626(man)-627(nichts)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dreinzureden,)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.673 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(entschied)-250(Frau)-250(Matzke)-250(schneidend.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +136 0 obj << +/Type /Page +/Contents 137 0 R +/Resources 135 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +138 0 obj << +/D [136 0 R /XYZ 93.543 289.07 null] +>> endobj +135 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +141 0 obj << +/Length 4312 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(23)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-327(Andre)-327(wartete,)-346(schwerf\344llig,)-346(lauernd,)-346(wie)-327(ein)-327(J\344ger,)-346(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-250(Wild)-250(in)-250(der)-250(Falle)-250(hat.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(schlag)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.531 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(ihn)-250(todt!)]TJ/F21 10.9091 Tf 37.276 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 186.058 0 Td [([39])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.876 Td [(Ein)-244(scharfes)-244(Lachen)-244(der)-245(Frau)-244(traf)-244(den)-244(Burschen)-244(wie)-244(ein)-244(Hieb.)]TJ 0 -13.877 Td [(Das)-420(M\344dchen)-419(war)-420(wie)-420(ein)-419(l\374sternes)-420(M\344uschen)-420(noch)-419(n\344her)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gekrochen.)-253(Die)-251(feinen)-251(Z\344hne)-251(blinkten)-251(zwischen)-251(ihren)-250(gespitzten)]TJ 0 -13.549 Td [(Lippen)-250(hervor.)]TJ 11.956 -13.876 Td [(Der)-241(Trunkenbold)-241(machte)-241(einen)-240(scheusslichen)-241(Witz:)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.887 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-241(das)]TJ -244.686 -13.55 Td [(Geld)-250(hat,)-250(hat)-250(das)-250(Recht,)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.226 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(bestimmte)-250(Frau)-250(Matzke.)]TJ -99.841 -13.876 Td [(Sie)-250(streckte)-250(die)-250(Hand)-250(aus.)]TJ 0 -13.877 Td [(Ein)-322(gurgelnder)-322(Laut)-323(wie)-322(Tigergebr\374ll)-322(entrang)-322(sich)-322(der)-322(Brust)]TJ -11.956 -13.549 Td [(des)-250(Burschen.)]TJ 11.956 -13.876 Td [(Der)-484(Fremde)-485(hatte)-484(die)-485(Hand)-484(auf)-484(den)-485(Tisch)-484(gelegt.)-953(Diese)]TJ -11.956 -13.55 Td [(feine,)-377(blasse,)-377(bl\344ulich)-352(ge\344derte,)-377(abgezehrte)-352(Hand)-352(bedeckte)-351(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Geldst\374ck.)-1115(Sie)-539(bildete)-538(eine)-538(Weisse)-539(auf)-538(der)-539(mit)-538(Bier-)-538(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Fettflecken)-250(besudelten)-250(Tischplatte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Komm)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.306 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(zu)-250(mir!)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.811 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -80.89 -13.876 Td [(Er)-318(hatte)-318(sich)-319(aufgerichtet.)-454(Er)-318(stand)-319(ganz)-318(gerade.)-454(Die)-318(andere)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Hand,)-431(die)-394(nicht)-395(das)-395(Geldst\374ck)-394(deckte,)-431(streckte)-395(sich)-394(gebietend)]TJ 0 -13.549 Td [(vor.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Komm)-250(hierher!)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(befahl)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -79.974 -13.876 Td [(Sie)-275(kam.)-323(Sie)-275(gehorchte.)-324(Wie)-274(mit)-275(durchgeschnittnen)-274(Flechsen)]TJ -11.955 -13.55 Td [(schleppte)-317(sie)-316(sich.)-450(Sie)-317(kroch.)-450(Pl\366tzlich)-316(schlug)-317(sie)-317(beide)-316(H\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)]TJ/F21 10.9091 Tf 14.541 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-368(Gesicht,)-399(mit)-368(einem)-369(dumpfen)-368(Schmerzenslaut)-368(sank)-369(sie)-368(in)]TJ -18.175 -13.549 Td [(die)-250(Knie.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([40])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.876 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nimm)-250(Dein)-250(Geld!)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.386 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -84.229 -13.877 Td [(Der)-405(Fremde)-405(hatte)-406(den)-405(Thaler)-405(ergriffen.)-716(Er)-405(schleuderte)-405(ihn)]TJ -11.955 -13.549 Td [(nach)-464(der)-463(Th\374r.)-891(Das)-464(Silber)-464(schlug)-463(hart)-464(auf,)-517(kugelte)-464(sich)-463(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Weiterrollen.)-956(Der)-485(Fuhrmann)-486(b\374ckte)-485(sich)-486(gierig)-485(danach)-485(und)]TJ 0 -13.55 Td [(verschwand.)]TJ 11.955 -13.876 Td [(Fritz)-228(Kuhlemann)-229(stand)-228(mit)-228(unter)-229(der)-228(Brust)-228(gekrampfter)-228(Hand.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Es)-331(war)-331(der)-331(Blick)-331(des)-332(M\366rders,)-351(mit)-331(dem)-331(er)-331(sah,)-352(der)-331(Bestie,)-351(des)]TJ 0 -13.549 Td [(wilden)-250(Thieres.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geh!)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.808 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +140 0 obj << +/Type /Page +/Contents 141 0 R +/Resources 139 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +142 0 obj << +/D [140 0 R /XYZ 46.771 488.371 null] +>> endobj +143 0 obj << +/D [140 0 R /XYZ 46.771 189.296 null] +>> endobj +139 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +146 0 obj << +/Length 4992 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(24)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-250(ging.)]TJ 0 -14.25 Td [(Der)-356(Trunkenbold)-357(lachte)-356(auf)-356(mit)-357(einem)-356(h\344sslichen)-356(Gluckser.)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-199(Schmatzchen,)-210(Haseken.)-233(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.839 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.629 0 Td [(Du)-199(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.686 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.017 0 Td [(Er)-199(griff)-199(schwankend)-200(in)]TJ -182.015 -13.549 Td [(die)-265(Luft.)-296(Es)-265(reichte)-266(nicht)-265(mehr,)-269(wie)-265(ein)-266(Bleisack)-265(sank)-265(er)-265(schwer)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Leg)-391(ihn)-392(schlafen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.518 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.112 0 Td [(sagte)-391(der)-392(Fremde.)-673(Das)-392(Weib)-391(schnellte)]TJ -104.429 -13.549 Td [(gegen)-568(ihn)-568(an)-568(wie)-568(eine)-567(gereizte)-568(Viper.)-1204(Dann)-568(gab)-568(sie)-567(der)]TJ 0 -13.549 Td [(schnarchenden)-250(Masse)-250(einen)-250(ver\344chtlichen)-250(Fussstoss.)]TJ/F21 10.9091 Tf 232.68 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vieh!)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -250.408 -14.251 Td [(Sie)-405(stiess)-406(ihn)-405(gegen)-405(die)-406(Kammer)-405(mit)-405(rachs\374chtigen)-405(P\374ffen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(Tritten,)-250(dann)-250(nahm)-250(sie)-250(ihren)-250(Besen)-250(und)-250(kehrte)-250(w\374thend.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Die)-412(k\374hle)-412(Nachtluft)-411(strich)-412(durch)-412(den)-412(schweren)-411(Fuseldunst.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Alle)-455(Lampen)-454(brannten.)-863(An)-455(den)-454(W\344nden)-455(hingen)-454(patriotische)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([41])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Bilder,)-227(Reklameschilder)-222(mit)-221(Emblemen)-222(der)-222(Arbeit,)-227(eine)-221(schwere)]TJ 0 -13.549 Td [(Faust,)-676(die)-590(den)-591(Hammer)-591(emporh\344lt,)-676(einem)-590(Tischler)-591(an)-590(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Hobelbank.)-236(Jemand)-207(hatte)-207(allerlei)-207(Unfl\344thigkeiten)-206(angeschrieben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dazwischen)-208(machte)-208(sich)-209(ein)-208(widerliches,)-216(s\374sses)-208(Moschusparf\374m)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hlbar,)-439(der)-401(von)-402(dem)-401(M\344dchen)-401(ausging.)-704(Sie)-401(hatte)-401(die)-401(H\344nde)]TJ 0 -13.55 Td [(vom)-454(Gesicht)-455(genommen.)-862(Sie)-455(schielte)-454(zwischen)-454(den)-454(Fingern)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-402(ein)-401(unartiges,)-439(gescholtnes)-402(Kind.)-704(Es)-402(erschreckte)-401(sie,)-439(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-573(so)-573(allein)-573(waren.)-1219(Sie)-573(begriff)-573(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.462 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-573(sollen)-573(nicht)]TJ -206.306 -13.549 Td [(weggehen!)-919(Der)-474(Dicke)-473(w\374rde)-473(mich)-473(heirathen.)-919(Vier)-473(G\366hren)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-432(er)-433(zu)-432(Haus.)-797(Hundertundf\374nfzig)-433(Mark)-432(im)-433(Monat)-432(und)-432(die)]TJ 0 -13.55 Td [(ganze)-294(Einrichtung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.06 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.663 0 Td [(So)-294(Einer;)-316(der)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.771 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-294(Einem)-294(hinterher)-294(alle)-294(Tage)]TJ -158.127 -13.549 Td [(vorwirft!)-358(Zweiundvierzig)-286(Jahre)-286(ist)-286(er)-286(schon,)-295(krumm)-286(wie)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.427 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-286(oller)]TJ -252.06 -13.549 Td [(Zumpelb\344r.)-250(Der)-250(dr\374ckt)-250(Einen)-250(ja)-250(todt.)-250(Taps,)-250(d\344mlicher!)]TJ/F21 10.9091 Tf 238.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -226.178 -14.251 Td [(Sie)-508(lachte)-509(leichtfertig,)-573(ihre)-508(blonde)-508(M\344hne)-509(sch\374ttelnd,)-572(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Augen)-250(eingekniffen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-424(Andre,)-468(Wernicke,)-468(der)-425(ist)-424(ein)-424(ganz)-425(Feiner.)-773(Gest\344rkte)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Hemden)-378(tr\344gt)-378(er)-378(sogar)-378(am)-378(Alltag.)-634(Er)-378(kriegt)-378(auch)-378(einen)-377(guten)]TJ 0 -13.549 Td [(Lohn)-317(bei)-317(Kr\374ger.)-452(Er)-317(ist)-317(der)-317(Erste)-317(da,)-334(der)-317(Alles)-317(allein)-317(macht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Dieser)-250(Fritze!)-250(Das)-250(ist)-250(so)-250(komisch.)-250(Komisch)-250(ist)-250(der!)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -296.065 0 Td [([42])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.251 Td [(Ihr)-348(Lachen)-349(rang)-348(sich)-348(auf)-348(in)-349(hellen,)-372(klingenden)-349(Trillern.)-545(Sie)]TJ -11.955 -13.549 Td [(lachte,)-610(dass)-538(ihr)-538(die)-539(Augen)-538(\374bergingen.)-1114(Ihr)-538(ganzer)-538(K\366rper)]TJ 0 -13.549 Td [(krampfte)-250(sich)-250(unter)-250(dem)-250(Lachen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +145 0 obj << +/Type /Page +/Contents 146 0 R +/Resources 144 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +147 0 obj << +/D [145 0 R /XYZ 247.312 366.328 null] +>> endobj +148 0 obj << +/D [145 0 R /XYZ 93.543 107.393 null] +>> endobj +144 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +151 0 obj << +/Length 5546 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(25)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle)-270(Leute)-270(haben)-269(mich)-270(gern,)-275(weil)-270(ich)-270(immer)-269(lustig)-270(bin.)-310(Und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Kinder!)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.164 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.018 0 Td [(das)-327(is)-326(immer)-327(Leneken)-327(hier,)-345(Leneken)-327(da!)-480(Wir)-327(haben)]TJ -48.182 -13.549 Td [(eine)-252(alte)-252(Frau)-252(im)-253(Haus,)-252(die)-252(lahm)-252(ist)-253(und)-252(zu)-252(Bett)-252(liegt.)-256(Ich)-252(bringe)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-250(Kaffee)-250(und)-250(Chocolade.)-250(O,)-250(ich)-250(thue)-250(auch)-250(das)-250(Meine.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-375(Wie)-291(die)-292(vornehmen)-291(Damen,)-302(die)-292(aus)-291(dem)-292(Wagen)-292(steigen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-311(N\344sen)-311(kraus)-312(ziehen....)-433(Beten)-312(und)-311(trocknes)-311(Brot)-311(und)-311(Arbeit.)]TJ 0 -13.549 Td [(Als)-250(ob)-250(wir)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.059 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(nicht)-250(w\374ssten,)-250(wie)-250(die)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.931 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(treiben!)]TJ/F21 10.9091 Tf -145.299 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-214(ist)-215(denn)-214(Unsereins)-214(schlecht?)-238(Weil)]TJ/F21 10.9091 Tf 181.604 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-214(einen)-214(schlechten)]TJ -202.036 -13.55 Td [(Rock)-318(anhat,)-336(einen)-318(billigen)-319(Hut)-318(tr\344gt.)-456(Die)-318(sind)-319(nicht)-318(besser)-318(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(wir!)-250(Pfui!)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.764 -13.958 Td [(Sie)-250(spuckte)-250(aus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einen)-265(Spatz)-266(hatte)-265(ich)-266(mal,)-269(den)-265(ich)-266(unter)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.13 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-265(Baum)-266(fand.)-296(Hier)]TJ -195.562 -13.549 Td [(im)-404(Kleid)-404(unter)-405(der)-404(Brust)-404(trug)-404(ich)-404(ihn.)-713(Den)-404(schlugen)-404(mir)-404(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungen)-250(todt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schweine)-405(sind)-405(die)-405(M\344nner!)-716(Ach,)-444(solche)-405(Hunde!)-716(Hunde!)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Nicht)-310(mal)-311(Geld)-310(geben)-310(sie)-311(Einem.)-431(Aber)-310(schlagen!)-431(Sie)-310(stehlen)]TJ/F21 10.9091 Tf 272.754 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.55 Td [(noch)-367(von)-368(uns.)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.468 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.852 0 Td [(Ihre)-367(F\344uste)-368(krampften)-367(sich)-368(meg\344renartig.)-602(Das)]TJ -72.32 -13.549 Td [(junge)-250(Gesicht)-250(wurde)-250(erdfahl,)-250(verzerrt.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([43])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-201(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.878 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.828 0 Td [(Klavier)-201(spielen)-201(gelernt.)-234(O,)-201(ich)-201(hatte)-202(mal)-201(Einen)-201(in)-201(der)]TJ -54.505 -13.549 Td [(Georgenstrasse.)-490(Der)-330(war)-329(sehr)-330(gebildet.)-490(Sogar)-330(Verse)-330(hat)-330(er)-329(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(mich)-280(gemacht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 68.286 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Du)-280(hast)-281(ja)-280(die)-281(sch\366nsten)-280(Augen,)-288(Feinsliebchen,)]TJ -71.919 -13.549 Td [(was)-250(willst)-250(Du)-250(noch)-250(mehr?)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.924 0 Td [(\030\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -101.968 -13.958 Td [(Sie)-694(wiederholte)-693(die)-694(Worte)-693(liebkosend,)-805(den)-693(Oberk\366rper)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wiegend)-250(wie)-250(im)-250(Tanze.)-250(Sie)-250(bl\344hte)-250(sich)-250(eitel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-381(sprichst)-381(Du)-380(nicht)-381(mit)-381(mir?)-642(Wenn)-381(ich)-381(einen)-381(Vater)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gehabt)-250(h\344tte,)-250(eine)-250(Mutter,)-250(kleine)-250(Kinder)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.935 0 Td [(\023)-250(\023)-250(\023)]TJ -164.979 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-376(bin)-376(ganz)-375(zufrieden.)-628(Was)-376(kommt)-375(auch)-376(drauf)-376(an?)-628(Man)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schl\344gt)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.906 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-247(so)-248(um)-247(die)-247(Ohren.)-249(Lustig)-248(gelebt)-247(und)-247(fr\366hlich)-247(gestorben,)]TJ -34.538 -13.55 Td [(das)-250(ist)-250(dem)-250(Teufel)-250(die)-250(Rechnung)-250(verdorben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Tanzen,)-250(Zuckerzeug,)-250(fein)-250(riechen!)-250(H\374bsche)-250(Kleider!)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.844 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Eine)-471(Freundin)-471(von)-471(mir)-472(ist)-471(im)-471(Spital)-471(gestorben,)-527(Becker)]TJ/F21 10.9091 Tf 255.955 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)]TJ -276.386 -13.549 Td [(Lene,)-250(die)-250(lange.)-250(Sterben)-250(ist)-250(gr\344sslich.)-250(Huh!)-250(Huh!)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.339 -13.959 Td [(Sie)-246(fing)-247(wieder)-246(an,)-248(ihr)-246(Gesicht)-246(zu)-247(verstecken.)-249(Sie)-246(rutschte)-247(auf)]TJ -11.955 -13.549 Td [(den)-309(Knieen)-309(hin)-309(und)-309(her.)-426(Sie)-309(gab)-309(kleine)-309(T\366ne)-309(von)-309(sich,)-324(wie)-308(ein)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +150 0 obj << +/Type /Page +/Contents 151 0 R +/Resources 149 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +152 0 obj << +/D [150 0 R /XYZ 46.771 283.415 null] +>> endobj +149 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +155 0 obj << +/Length 5147 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(26)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gescheuchter,)-306(flatternder)-296(Vogel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 145.263 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-295(machst)-295(mir)-295(Angst.)-386(Sprich)]TJ -150.107 -13.549 Td [(doch.)-250(Guck)-250(mich)-250(nicht)-250(an!)-250(Guck)-250(mich)-250(nicht)-250(an!)]TJ/F21 10.9091 Tf 208.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -196.189 -16.186 Td [(Sie)-313(streckte)-312(beide)-313(Arme)-313(aus,)-328(wie)-313(unter)-312(dem)-313(Schrecken)-312(einer)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([44])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Erscheinung.)-641(Sie)-380(bog)-380(den)-381(Kopf)-380(zur\374ck.)-641(Ihre)-380(Augen)-380(weiteten)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-262(starr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.686 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-262(bin)-263(mal)-262(in)-263(der)-262(Wiese)-263(gewesen.)-287(Blumen)-263(wuchsen)]TJ -50.529 -13.549 Td [(so)-442(reinlich)-443(mit)-442(weissen)-442(Gesichtchen.)-827(Auf)-443(dem)-442(Teich)-442(fuhren)]TJ 0 -13.549 Td [(Schw\344ne.)-1011(Gr\374ner)-504(Wasserliesch)-503(schwamm.)-1011(Wo)-504(sie)-503(fuhren,)]TJ 0 -13.549 Td [(wurden)-251(dunkle,)-250(tiefe)-251(Flecken.)-252(Das)-251(h\366rte)-250(man)-251(gar)-251(nicht.)-251(Ueberall)]TJ 0 -13.549 Td [(theilte)-250(sich)-250(der)-250(Sumpf.)-250(Klar)-250(war)]TJ/F21 10.9091 Tf 139.975 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(und)-250(dunkel)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf -131.651 -16.187 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-297(will)-297(Dir)-298(noch)-297(etwas)-297(sagen,)-309(was)-297(kein)-298(Mensch)-297(weiss.)-392(Ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(h\344tte)-234(ein)-233(Kindchen)-234(gehabt,)-237(aber)-234(es)-234(ist)-233(nicht)-234(zur)-234(Welt)-233(gekommen.)]TJ 0 -13.549 Td [(So)-269(gross)-269(war)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.776 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s,)-274(todt)-269(und)-269(feucht.)-308(Es)-269(h\344tte)-269(nicht)-270(gelebt)-269(und)-269(nichts)]TJ -60.408 -13.549 Td [(zu)-355(essen)-355(gehabt.)-564(Mein)-355(kleines)-354(B\374bchen!)-565(Mein)-354(todtes,)-381(kleines)]TJ 0 -13.549 Td [(Kindchen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Manchmal)-309(denk)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.239 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.006 0 Td [(ich,)-324(die)-309(Sterne,)-324(wenn)-310(die)-309(so)-309(funkeln,)-324(dass)]TJ -95.044 -13.55 Td [(man)-321(dort)-320(sein)-321(k\366nnte.)-462(Alles)-321(weiss)-321(an)-320(mir)-321(runter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.385 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.342 0 Td [(...)-462(Sie)-321(strich)]TJ -225.727 -13.549 Td [(an)-373(sich)-373(herunter)-373(mit)-373(gl\344ttenden)-372(H\344nden.)-619(Sie)-373(strich,)-404(als)-373(ob)-372(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 10.909 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.919 0 Td [(ihre)-301(Gew\344nder)-301(abstreifen)-302(wollte.)-403(Wie)-302(im)-301(Fieber)-301(gingen)-301(die)]TJ -17.828 -13.549 Td [(d\374nnen)-327(streichenden)-327(H\344nde.)-482(...)-482(Das)-327(H\344lschen)-327(\374ber)-327(den)-327(zarten,)]TJ 0 -13.549 Td [(fallenden)-303(Br\374sten)-304(reckte)-303(sich)-304(wie)-303(ein)-304(Lilienstengel.)-410(Eine)-303(Bl\344ue)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-307(in)-307(den)-308(Augen,)-321(die)-307(nicht)-307(mehr)-307(vom)-308(Leben)-307(war.)-421(Die)-307(Lippen)]TJ 0 -13.549 Td [(seufzten)-250(wie)-250(die)-250(Jemandes,)-250(der)-250(trinkt.)-250(Sie)-250(trank)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.051 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(trank)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.145 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(trank.)]TJ/F16 7.9701 Tf -323.316 0 Td [([45])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.186 Td [(Der)-419(Fremde)-418(sagte)-419(nichts.)-756(Seine)-419(Hand)-419(legte)-418(sich)-419(auf)-419(diese)]TJ -11.955 -13.549 Td [(junge,)-250(noch)-250(weisse)-250(Stirn.)-250(Zart)-250(und)-250(g\374tig)-250(lag)-250(sie,)-250(ganz)-250(leise.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Unter)-214(der)-214(Hand)-214(sank)-214(die)-214(Frau)-214(zusammen.)-238(Sie)-214(wurde)-215(klein.)-238(Sie)]TJ -11.955 -13.55 Td [(wurde)-250(ein)-250(Wurm,)-250(der)-250(sich)-250(am)-250(Boden)-250(schleppte.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Sie)-323(weinte.)-469(Sie)-323(dr\374ckte)-323(sich)-323(ganz)-323(dicht)-323(an)-323(seine)-323(F\374sse.)-469(Ihre)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Thr\344nen)-231(tropften)-231(auf)-231(seine)-231(F\374sse.)-244(Ihre)-231(blonden)-231(Haare)-231(hatten)-231(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(gel\366st)-316(und)-315(fielen)-316(\374ber)-315(ihr)-316(gebeugtes)-316(Haupt)-315(und)-316(seine)-315(benetzten)]TJ 0 -13.549 Td [(F\374sse.)-250(Er)-250(r\374hrte)-250(sich)-250(nicht.)-250(Sie)-250(weinte)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.164 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(weinte.)]TJ -164.39 -16.186 Td [(Frau)-652(Matzke)-652(war)-652(mit)-653(dem)-652(Besen)-652(in)-652(der)-652(Hand)-652(in)-653(der)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Schlafzimmerth\374r)-402(erschienen.)-706(Sie)-402(stand)-402(da)-402(mit)-402(einem)-401(harten,)]TJ 0 -13.549 Td [(steinernen)-658(Ausdruck,)-761(unbeweglich.)-1475(Man)-658(h\366rte)-658(das)-658(tiefe,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +154 0 obj << +/Type /Page +/Contents 155 0 R +/Resources 153 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 134 0 R +>> endobj +156 0 obj << +/D [154 0 R /XYZ 303.519 488.44 null] +>> endobj +157 0 obj << +/D [154 0 R /XYZ 93.543 224.215 null] +>> endobj +153 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +160 0 obj << +/Length 2438 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zweite)-250(Kapitel.)-16865(27)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(r\366chelnde)-590(Schnarchen)-589(des)-590(Trunkenbolds,)-675(unschuldige,)-674(tiefe)]TJ 0 -13.549 Td [(Athemz\374ge)-250(der)-250(Kinder.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Jemand)-424(wartete)-425(in)-424(der)-424(Strasse)-425(mit)-424(einem)-425(weissen,)-467(elenden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesicht.)-247(Er)-242(hatte)-241(die)-242(ganze)-241(Nacht)-242(gewartet.)-247(Nun)-241(war)-242(es)-241(Morgen.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Der)-197(Fremde)-197(rief)-197(den)-196(Burschen.)-233(Draussen)-197(begann)-197(schwerf\344lli)1(g,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlafbet\344ubt)-268(das)-267(Leben)-268(sich)-268(zu)-267(regen.)-303(Lastkarren)-268(fuhren)-267(m\374de.)]TJ 0 -13.549 Td [(Einzelne)-365(dunkle)-364(Gestalten)-365(huschten.)-594(Man)-365(sah)-364(die)-365(lange)-364(graue)]TJ 0 -13.549 Td [(Breite)-463(der)-463(Strasse)-463(mit)-463(H\344usern)-463(zu)-462(beiden)-463(Seiten,)-516(unz\344hligen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([46])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Fenstern)-271(und)-271(Th\374rluken,)-276(unter)-271(dem)-271(tr\374ben)-271(Himmel,)-276(von)-271(dem)-271(es)]TJ 0 -13.55 Td [(leise)-250(wie)-250(Thau)-250(tropfte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-250(Fremde)-250(wies)-250(auf)-250(die)-250(weinende)-250(Frau:)]TJ/F21 10.9091 Tf 180.861 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geht!)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -210.545 -13.549 Td [(Sie)-523(gingen.)-1068(Sie)-523(geknickt,)-591(an)-523(seine)-523(Schulter)-523(gelehnt)-522(mit)]TJ -11.955 -13.549 Td [(schwankenden,)-238(irren)-235(Schritten.)-245(Er)-235(hochgehobenen)-234(Hauptes,)-238(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(ernst)-250(und)-250(sehr)-250(gerade.)]TJ 11.955 -13.55 Td [(Frau)-288(Matzke)-289(in)-288(der)-289(Th\374r)-288(ihres)-289(Hauses)-288(sah)-289(sie)-288(sich)-288(entfernen.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Sie)-248(sagte)-248(gar)-248(nichts.)-249(Sie)-248(nahm)-248(ihren)-248(Besen)-248(wieder)-248(auf)-248(und)-248(fegte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-301(sah)-301(die)-302(Silhouette)-301(ihres)-301(geb\374ckten)-301(R\374ckens,)-314(die)-301(w\374thende)]TJ 0 -13.549 Td [(Wucht)-275(der)-275(Besenst\366sse,)-281(mit)-275(denen)-275(sie)-275(den)-275(Staub)-275(aufwarf)-275(und)-275(in)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Schaufel)-250(schob.)]TJ 11.955 -13.55 Td [(Sie)-250(fegte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +159 0 obj << +/Type /Page +/Contents 160 0 R +/Resources 158 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +161 0 obj << +/D [159 0 R /XYZ 46.771 423.331 null] +>> endobj +158 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +163 0 obj +<< /S /GoTo /D (index3) >> +endobj +166 0 obj +(Das dritte Kapitel.) +endobj +169 0 obj << +/Length 3440 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([47])]TJ/F16 18.9589 Tf 142.901 -69.409 Td [(Das)-271(dritte)-271(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -70.146 -37.512 Td [(Man)-323(f\374rchtete,)-341(dass)-323(der)-323(Zudrang)-323(zu)-323(der)-323(Versammlung)-323(ein)-323(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(grosser)-529(w\374rde.)-1085(In)-529(Folge)-529(dessen)-528(war)-529(die)-528(Schutzmannschaft)]TJ 0 -13.549 Td [(reichlich)-220(aufgeboten.)-240(Man)-220(gab)-221(Achtung,)-226(den)-220(Saal)-220(auf)-220(die)-220(Minute)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-232(Viertelstunde)-232(vor)-233(der)-232(anberaumten)-232(Zeit)-232(zu)-232(schliessen.)-244(Viele)]TJ 0 -13.549 Td [(sahen)-372(sich)-372(so)-373(ausgeschlossen,)-403(auch)-372(ergab)-372(das)-372(einen)-372(Vorwand,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-581(Galerie)-582(nicht)-581(freizugeben.)-1244(Man)-581(f\374hrte)-582(den)-581(Krieg)-581(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(diesen)-542(kleinen)-542(Mitteln)-541(seit)-542(einiger)-542(Zeit,)-615(obgleich)-541(eigentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-435(Verh\344ltniss)-435(ein)-435(gutes,)-481(fast)-435(behagliches)-435(war.)-805(Sie)-434(kannten)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-305(so)-304(genau,)-319(die)-304(Gewohnheit)-305(des)-305(h\344ufigen)-304(Zusammentreffens)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-504(einen)-504(f\366rmlichen)-504(kleinen)-505(Comment)-504(herausgebildet,)-567(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-418(die)-417(ganz)-418(regelm\344ssig)-418(wiederkehrenden)-418(Witze.)-753(Man)-417(h\344tte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-527(fast)-527(vermisst,)-596(wenn)-526(man)-527(sich)-527(nicht)-527(vorgefunden)-526(h\344tte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-541(Riesenhund)-540(des)-541(Wirths)-541(trieb)-540(seine)-541(Allotria)-540(dazwischen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([48])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(mit)-374(einer)-373(ganz)-374(kleinen)-373(H\374ndin,)-404(einer)-374(proletarischen)-373(Mischung)]TJ 0 -13.55 Td [(aller)-511(Rassen,)-577(die)-512(von)-511(jeder)-512(die)-511(H\344sslichkeiten)-511(angenommen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.395 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.426 0 Td [(Ueberdies)-456(waren)-455(es)-456(genau)-456(dieselben)-456(Typen,)-507(die)-456(da)]TJ -43.821 -13.549 Td [(Wache)-199(gingen,)-210(als)-199(Ueberwachte)-199(eintraten,)-210(Blonde,)-209(nicht)-199(schlecht)]TJ 0 -13.549 Td [(gen\344hrte,)-188(bourgeoise)-171(Ruhe)-172(und)-172(Anst\344ndigkeit,)-188(dazwischen)-171(einige)]TJ 0 -13.549 Td [(knallfarbige,)-378(federbewallte)-352(H\374te)-352(der)-352(Genossinnen.)-556(Die)-352(Frauen)]TJ 0 -13.55 Td [(\374berhaupt)-450(dr\344ngten)-449(sich)-450(vor,)-500(zeigten)-449(sich)-450(aufgeregter)-450(als)-449(die)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344nner;)-233(es)-225(war)-225(bekannt,)-230(dass)-224(einige)-225(der)-225(F\374hrerinnen)-225(eine)-224(Zunge)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hrten,)-250(die)-250(ihre)-250(m\344nnlichen)-250(Kollegen)-250(im)-250(Schach)-250(hielt.)]TJ 11.956 -14.567 Td [(Einige)-162(Parteiveteraninnen)-163(hatten)-162(sich)-163(an)-162(den)-163(Eingang)-162(des)-162(Saals)]TJ -11.956 -13.55 Td [(postirt.)-240(Da)-220(Viele)-221(noch)-220(immer)-220(aus-)-220(und)-221(eingingen,)-226(deckten)-220(sie)-220(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Th\374r)-273(mit)-274(ihren)-273(breiten)-274(R\374ckseiten.)-320(Sie)-273(warben)-274(f\374r)-273(ihren)-273(Verein,)]TJ 0 -13.549 Td [(\374berwachten)-420(den)-420(Verkauf)-420(der)-419(Zeitungen)-420(und)-420(Brosch\374ren,)-462(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +168 0 obj << +/Type /Page +/Contents 169 0 R +/Resources 167 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +170 0 obj << +/D [168 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +164 0 obj << +/D [168 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +171 0 obj << +/D [168 0 R /XYZ 115.794 243.3 null] +>> endobj +167 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +174 0 obj << +/Length 4246 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dritte)-250(Kapitel.)-17364(29)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(auf)-215(kleinen)-216(Tischchen)-215(aufgeschichtet)-216(lagen.)-238(Dazwischen)-215(wurden)]TJ 0 -13.549 Td [(Bons)-400(zur)-401(Unterst\374tzung)-400(armer)-400(Abgeordneter)-401(feilgeboten.)-700(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kellner)-493(circulirten)-494(mit)-493(Bierseideln.)-980(Alle)-493(rauchten,)-554(sprachen)]TJ 0 -13.549 Td [(durcheinander.)-304(Von)-268(weitem,)-272(mit)-268(den)-268(schwarzbehuteten)-267(K\366pfen,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-293(auf-)-293(und)-293(untertauchten,)-304(ergab)-293(das)-293(den)-293(Eindruck)-293(eines)-292(heftig)]TJ 0 -13.549 Td [(bewegten)-160(Sees,)-178(der)-160(gegen)-160(die)-160(Trib\374ne)-160(andr\344ngte,)-178(sich)-160(staute.)-220(Man)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([49])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(erwartete)-267(den)-267(Anfang)-267(der)-267(Versammlung)-267(und)-267(wurde)-267(ungeduldig.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-446(dichten)-446(Rauchschwaden)-445(brachten)-446(eine)-446(lila)-445(mystificirende)]TJ 0 -13.549 Td [(Beleuchtung)-291(mit)-292(in)-291(das)-291(ordin\344re,)-302(gelbe)-291(Gaslicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.783 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.633 0 Td [(Es)-291(waren)-292(da)]TJ -226.416 -13.55 Td [(Leute,)-260(die)-257(ruhig)-258(ihre)-257(Butterbrote)-258(und)-257(H\344ringe)-258(verzehrten,)-259(Andre)]TJ 0 -13.549 Td [(sprachen)-246(von)-247(Parteiangelegenheiten,)-247(ihren)-247(kleinen)-246(und)-246(kleinsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Privataffairen.)-660(Ein)-386(junger)-387(Mann)-386(mit)-387(einem)-386(rothen)-387(Shlips)-386(und)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-290(Apostelkopf)-290(stand)-290(neben)-290(der)-290(Th\374r.)-370(Er)-290(sah)-290(krank)-290(aus)-289(und)]TJ 0 -13.549 Td [(blickte)-306(mit)-307(gl\344nzenden,)-320(unirdischen)-306(Augen)-306(in)-307(das)-306(Leere,)-320(als)-306(ob)]TJ 0 -13.55 Td [(er)-250(etwas)-250(Wunderbares)-250(s\344he.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Die)-1037(Parteiveteraninnen)-1038(behaupteten,)-1234(dass)-1037(unter)-1037(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Anwesenden)-467(Spitzel)-467(w\344ren.)-900(Sie)-467(versuchten)-467(sie)-467(ausfindig)-466(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(machen,)-447(mit)-408(den)-408(Fingern)-408(zu)-407(zeigen.)-724(Einige)-408(Studenten)-407(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(augenscheinlich)-276(f\374r)-275(einen)-276(Ulk)-275(hergekommen.)-327(Es)-276(waren)-275(Fremde)]TJ 0 -13.549 Td [(da,)-186(die)-170(Keiner)-170(kannte,)-185(und)-170(eine)-170(junge)-170(Dame)-170(in)-170(eleganter)-169(Kleidung)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-349(allein,)-375(die)-349(man)-350(ansah,)-374(was)-349(sie)-350(da)-349(suche.)-549(Im)-349(Ganzen)-349(war)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-254(eine)-255(sehr)-254(guterzogene)-254(Menge,)-255(friedlich,)-256(ohne)-254(Aufregung,)-255(fast)]TJ 0 -13.55 Td [(bourgeoism\344ssig.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Der)-670(Saal)-669(war)-670(der)-669(banale)-670(grosse)-669(Festsaal)-670(der)-669(mittleren)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Restaurants,)-317(weiss)-303(mit)-303(Gold,)-316(rothsammetner)-304(Rampe.)-409(Da)-303(wurde)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([50])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(auch)-322(Theater)-321(gespielt)-322(und)-321(getanzt.)-464(Es)-322(war)-321(nicht)-322(schlechter)-321(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-254(die)-255(Bourgeois)-254(bei)-254(\344hnlichen)-255(Gelegenheiten,)-255(man)-254(war)-254(h\366flich)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(kam)-250(in)-250(weissen)-250(Handschuhen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Auch)-349(das)-350(Thema)-349(der)-349(Einberufung)-350(bot)-349(nichts)-349(Besondres.)-548(Es)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-205(die)-205(j\344hrlich)-205(wiederkehrende)-205(Einbringung)-205(der)-205(Militairvorlage)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-446(Seiten)-445(der)-446(Regierung.)-836(Man)-446(wusste)-445(im)-446(Voraus,)-494(dass)-445(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(durchgehen)-320(w\374rde.)-460(Der)-320(Protest)-320(geschah)-320(rein)-320(berufsm\344ssig,)-337(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(Princip.)-273(Und)-258(man)-258(wusste,)-260(dass)-257(es)-258(f\374r)-258(Jahre)-258(so)-257(gehen)-258(w\374rde.)-273(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufregungen,)-303(das)-292(M\344rtyrerthum,)-302(aber)-292(auch)-292(die)-292(Hoffnungen)-292(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +173 0 obj << +/Type /Page +/Contents 174 0 R +/Resources 172 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +175 0 obj << +/D [173 0 R /XYZ 114.987 450.429 null] +>> endobj +176 0 obj << +/D [173 0 R /XYZ 46.771 436.88 null] +>> endobj +177 0 obj << +/D [173 0 R /XYZ 246.011 189.721 null] +>> endobj +172 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +180 0 obj << +/Length 4907 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(30)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ersten)-185(Jahre)-184(waren)-185(verschwunden.)-228(Die)-184(junge)-185(Partei)-184(hatte)-185(zu)-184(leben)]TJ 0 -13.549 Td [(gelernt,)-179(fast)-161(konnte)-161(man)-162(sagen,)-179(Manieren)-161(gelernt.)-220(Man)-161(nahm,)-179(was)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-330(kriegen)-329(konnte.)-490(Man)-329(war)-330(stark,)-350(zahlreich,)-349(wohlorganisirt,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-254(Odium)-253(war)-254(weggenommen,)-255(ebenso)-254(der)-253(Heldennimbus.)-261(Man)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-514(nicht)-513(mehr)-514(die)-513(Angst)-514(zu)-513(sterben,)-580(aber)-513(auch)-514(nicht)-513(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Aussicht)-250(zu)-250(siegen;)-250(man)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.08 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(entwickelte)-250(sich)]TJ/F21 10.9091 Tf 70.592 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ -177.404 -16.004 Td [(Zurufe)-667(begr\374ssten)-666(den)-667(Eintritt)-666(des)-667(grossen)-667(Mannes,)-770(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wahrheit)-317(eines)-318(ganz)-317(kleinen)-318(M\344nnchens.)-452(Alles)-318(das)-317(ging)-317(rasch,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenig)-417(theaterm\344ssig.)-753(Nur)-417(das)-417(Antlitz)-418(des)-417(Johannes)-417(leuchtete)]TJ 0 -13.549 Td [(auf.)-1030(Er)-510(dr\344ngte)-510(sich)-510(an)-510(den)-510(Bewunderten,)-575(um)-510(seine)-509(Hand)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-508(sch\374tteln.)-1024(Eine)-508(Leibgarde,)-573(die)-508(Veteraninnen,)-572(hatten)-508(ihn)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([51])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(sofort)-306(eingezingelt,)-321(beinah)-306(protzenhaft,)-321(mit)-306(dieser)-307(Miene:)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.823 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)]TJ -263.667 -13.549 Td [(geh\366ren)-254(zum)-254(Haus)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.885 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-255(die)-254(Unberufene)-254(einsch\374chtert.)-262(Nun)-254(wurden)]TJ -86.729 -13.549 Td [(die)-359(Formalit\344ten)-359(rasch)-359(erledigt.)-577(Einige)-359(Witze)-359(fielen)-359(gegen)-359(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Polizei,)-350(die)-330(die)-330(Galerie)-329(gesperrt)-330(hielt.)-490(Man)-330(kannte)-330(sich)-330(zu)-329(gut,)]TJ 0 -13.55 Td [(sehr)-429(alte)-429(Feinde,)-474(Gladiatoren,)-474(die)-430(sich)-429(jeden)-429(Tag)-429(treffen)-429(und)]TJ 0 -13.549 Td [(beinah)-431(Freundschaft)-432(gemacht)-431(haben.)-794(Der)-431(Saal)-432(war)-431(voll)-431(zum)]TJ 0 -13.549 Td [(Ersticken.)-451(Es)-316(waren)-317(M\344nner)-317(zumeist,)-334(M\344nner)-317(mittleren)-316(Alters.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-399(Jugend,)-436(wie)-398(\374berall,)-436(zog)-399(es)-399(vor,)-436(sich)-399(zu)-398(am\374siren.)-696(Oder)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-468(liebte)-468(Radauversammlungen)-467(in)-468(Rixdorf,)-522(Charlottenburg,)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-242(Vororten.)-248(Dies)-242(war)-243(eine)-242(wohlgeschulte,)-244(ausgediente)-242(Armee,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-250(Capitain)-250(der)-250(sprach.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Der)-263(grosse)-264(Mann)-263(auch)-263(war)-264(alt)-263(geworden,)-267(sehr)-263(alt.)-290(Das)-263(Feuer,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-282(seine)-281(Jugend)-282(gef\344hrlich)-282(und)-281(unwiderstehlich)-282(gemacht,)-289(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-269(gew\366hnt,)-273(f\374r)-269(den)-269(Hausbedarf)-269(zu)-269(brodeln.)-306(Er)-269(wusste)-269(sich)-268(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(beherrschen)-353(jetzt,)-379(dessen)-354(Leidenschaftlichkeit)-353(einst)-353(sein)-353(Ruhm)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-171(sein)-170(Fluch)-171(gewesen)-171(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.318 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.318 0 Td [(Im)-171(gleichm\344ssigen)-170(Tonfall)-171(flossen)]TJ -132.636 -13.55 Td [(die)-241(S\344tze,)-243(periodisch,)-243(deutlich)-241(h\366rbar)-241(in)-241(der)-240(ge\374bten)-241(Stimme)-241(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Redners)-346(bis)-345(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.317 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-346(\344usserste)-345(Ende)-346(des)-345(Saals.)-537(So)-345(war)-346(er)-345(sachlich)]TJ -69.95 -13.549 Td [(geworden,)-206(ein)-195(Typus,)-206(wie)-194(so)-195(mancher)-195(Andre,)-206(den)-195(die)-195(Gegner)-194(fast)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([52])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(vermissen,)-243(sich)-241(mit)-241(R\374hrung)-241(seinen)-241(leeren)-241(Platz)-241(zeigen,)-243(wenn)-241(er)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-269(mehr)-269(da)-269(ist:)-289(So)-269(focht)-269(er,)-274(und)-269(so)-269(f\374hrt)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.969 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.568 0 Td [(ich)-269(meine)-269(Klinge.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.639 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(Auch)-304(die)-304(Rede)-303(hielt)-304(sich)-304(genau)-304(in)-304(den)-303(Grenzen.)-412(Ein)-303(R\374ckblick)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-381(die)-381(immer)-381(sich)-381(steigernden)-381(Forderungen,)-414(die)-381(Entwicklung)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +179 0 obj << +/Type /Page +/Contents 180 0 R +/Resources 178 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +181 0 obj << +/D [179 0 R /XYZ 93.543 380.228 null] +>> endobj +182 0 obj << +/D [179 0 R /XYZ 218.935 120.339 null] +>> endobj +178 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +185 0 obj << +/Length 4295 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dritte)-250(Kapitel.)-17364(31)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(des)-467(Militarismus)-466(in)-467(Europa.)-900(Das)-466(neue)-467(Friedensmanifest)-466(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Zaren)-312(erregte)-311(Ironie.)-435(Man)-312(brauchte)-311(die)-312(Armeeen)-311(f\374r)-312(die)-311(S\366hne)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-452(oberen)-451(Zehntausend,)-502(das)-451(Niederhalten)-452(der)-451(revolution\344ren)]TJ 0 -13.549 Td [(Bewegung.)-1073(Wieder)-525(der)-524(gef\344hrliche,)-594(ironische)-524(Beifall.)-1073(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(wussten)-250(das)-250(wohl)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.691 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(sie!)]TJ -75.917 -15.185 Td [(Nur)-160(einmal)-159(erhob)-160(sich)-160(die)-160(Stimmung)-159(zu)-160(einer)-160(gewissen)-159(Gr\366sse.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Der)-469(Redner)-470(hatte)-469(Aeusserungen)-469(zur)-470(Philosophie)-469(des)-469(Krieges)]TJ 0 -13.549 Td [(angef\374hrt,)-426(von)-391(Moltke,)-426(Treitschke,)-426(General)-391(von)-390(Boguslawski.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dann)-241(wurden)-242(statistisch)-241(die)-242(Verluste)-241(in)-241(der)-242(Industrie)-241(seit)-241(siebzig)]TJ 0 -13.549 Td [(nachgewiesen.)-979(Eine)-494(halbe)-493(Million!)-979(Mehr)-493(wie)-493(alle)-493(Kriege!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-284(brauchen)-284(keine)-285(k\374nstliche,)-292(gewaltsame)-285(Sch\366pfung,)-292(um)-284(uns)]TJ 0 -13.55 Td [(m\344nnlich)-224(und)-224(kraftvoll)-224(zu)-225(erhalten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.116 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.899 0 Td [(Ein)-224(Ausruf)-224(begleitete)-224(diese)]TJ -163.015 -13.549 Td [(lange)-318(Liste)-319(von)-318(Blut,)-336(Verst\374mmelung,)-335(Asphyxie,)-336(Marter,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.371 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.928 0 Td [(ein)]TJ -267.299 -13.549 Td [(Schrei)-248(des)-248(Schmerzes,)-248(aber)-248(auch)-248(der)-248(Kraft,)-248(imponirend)-248(in)-247(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(friedlichen,)-400(mittelm\344ssigen)-371(Masse.)-611(S)-200(i)-200(e)-370(waren)-370(diejenigen,)-400(die)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([53])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sein)-352(mussten.)-555(Sie)-351(w\374rden)-352(sein.)-555(Da)-352(war)-351(die)-352(Gr\366sse)-352(der)-351(Partei,)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-221(Selbstbewusstsein)-222(des)-221(th\344tigen,)-227(unreflektirenden)-221(Lebens,)-227(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Haupterrungenschaft)-339(der)-340(modernen,)-361(demokratischen)-340(Zeit.)-517(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(wird)-250(bleiben.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Ein)-298(fr\374herer)-297(Pastor)-298(sprach)-297(nach)-298(dem)-298(grossen)-297(Mann.)-393(Er)-297(hatte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seine)-187(Stellung)-187(aufgegeben)-188(um)-187(seiner)-187(politischen)-187(Meinung)-187(willen,)]TJ 0 -13.549 Td [(verwahrte)-276(sich)-276(aber)-276(ebenso)-277(gegen)-276(die)-276(Partei.)-328(Er)-276(entwickelte)-276(des)]TJ 0 -13.549 Td [(L\344ngeren)-324(seine)-324(Ansichten.)-472(Er)-323(glaubte)-324(an)-324(Gott,)-343(war)-323(k\366nigstreu.)]TJ 0 -13.549 Td [(Seinen)-515(Traum)-515(bildete)-514(eine)-515(Art)-515(christlich-sociales)-514(K\366nigtum.)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-244(h\366rte)-245(zu,)-246(nicht)-244(gerade)-244(unh\366flich,)-246(aber)-244(ohne)-245(Interesse,)-245(leicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ironisch.)-231(Und)-191(er)-192(war)-192(confus,)-203(quasselte.)-230(Es)-192(lag)-192(etwas)-191(Gef\344hrliches)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-366(dieser)-367(h\366flichen)-366(Ironie)-366(selbst.)-599(Man)-366(hatte)-367(das)-366(zu)-366(oft)-366(geh\366rt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-250(glaubte)-250(sowas)-250(nicht)-250(mehr.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Den)-319(Beschluss)-319(machte)-319(ein)-318(Anarchist.)-457(Er)-319(hatte)-319(wenig)-318(Gl\374ck,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-421(Parteiveteraninnen)-421(protestirten)-421(von)-421(vornherein.)-763(Die)-421(Rede)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-653(ein)-654(krauses)-653(Sammelsurium,)-754(eine)-653(Gesellschaftsordnung)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-653(nur)-653(nat\374rlicher)-653(Grundlage,)-754(freie)-653(Geschlechtswahl,)-753(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(einer)-262(seltsamen)-263(Verquickung)-262(von)-262(naturphilosophischen)-262(Dingen,)]TJ 0 -13.549 Td [(abstrusem)-485(Mysticismus.)-954(Man)-485(rief)-485(ihm)-484(Schweigen)-485(zu,)-543(pfiff,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +184 0 obj << +/Type /Page +/Contents 185 0 R +/Resources 183 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +186 0 obj << +/D [184 0 R /XYZ 274.859 326.85 null] +>> endobj +183 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +189 0 obj << +/Length 4805 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(32)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(trampelte)-331(mit)-332(den)-331(F\374ssen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.197 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schliess)-331(auf!)-495(Halt)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.116 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.248 0 Td [(die)-331(Schnauze!)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -348.541 0 Td [([54])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Man)-382(wollte)-382(das)-382(nicht,)-415(man)-382(war)-382(Polizei)-382(f\374r)-382(sich)-382(selbst.)-645(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(Einer)-254(das)-255(Martyrium)-254(der)-255(L\344cherlichkeit)-254(auf)-255(sich)-254(nehmen)-254(wollte,)]TJ 0 -13.549 Td [(desto)-442(schlimmer)-442(f\374r)-443(ihn)-442(selbst.)-827(Sie)-442(sch\374ttelten)-442(sich)-442(das)-442(von)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-392(Rocksch\366ssen.)-676(Sie)-393(hielten)-392(auf)-392(ihre)-392(neue,)-427(sauererworbene)]TJ 0 -13.549 Td [(Respektabilit\344t.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Der)-508(Verh\366hnte)-509(stand)-508(einen)-508(Augenblick,)-573(blass,)-573(mit)-508(einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kr\344nklichen)-247(L\344cheln,)-247(stotternd.)-249(Dann)-247(stieg)-246(er)-247(unter)-246(allgemeinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Gel\344chter)-250(die)-250(Trib\374ne)-250(herunter.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Die)-477(Versammlung)-477(l\366ste)-477(sich)-478(auf)-477(in)-477(bester)-477(Ordnung.)-931(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Abgeordnete)-320(wechselte)-320(mit)-320(den)-321(Polizisten)-320(einen)-320(Gruss.)-460(Er)-320(war)]TJ 0 -13.549 Td [(sorgf\344ltig)-254(in)-254(einen)-254(gestrickten)-254(Wollshawl)-254(eingewickelt,)-255(er)-254(litt)-254(an)]TJ 0 -13.55 Td [(Katarrhen.)-594(Der)-365(Sergeant)-364(l\344chelte)-365(gutm\374tig)-365(mit)-364(Bezug)-365(auf)-364(den)]TJ 0 -13.549 Td [(letzten)-348(Redner.)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.049 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Verr\374ckter)-348(Kunde!)-544(Wir)-348(lassen)-348(ihn)-348(laufen)]TJ/F21 10.9091 Tf 185.915 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.64 0 Td [(...)]TJ -272.448 -13.549 Td [(Sie)-512(hatten)-512(ihn)-512(schon)-512(so)-512(oft)-512(eingesteckt.)-1036(Da)-512(war)-512(nichts)-512(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(machen.)-231(Und)-193(er)-194(war)-193(ungef\344hrlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.496 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.562 0 Td [(Beide)-193(Gewalthaber)-193(schieden)]TJ -157.058 -13.549 Td [(im)-463(besten)-462(Einvernehmen.)-888(H\344tten)-462(sich)-463(die)-462(Machtverh\344ltnisse)]TJ 0 -13.55 Td [(eines)-268(Tages)-268(umgedreht,)-272(diese)-268(Gegens\344tze)-268(w\374rden)-268(ruhig)-268(in)-267(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(beiderseitigen)-456(Functionen)-455(bleiben)-456(k\366nnen.)-867(Es)-456(w\344re)-455(dasselbe)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([55])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Der)-433(Pastor)-432(vereinigte)-433(sich)-433(mit)-432(dem)-433(ber\374hmten)-433(F\374hrer.)-797(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sprach)-253(eifrig)-253(auf)-253(ihn)-253(ein.)-259(Mit)-253(einer)-253(gewissen)-253(Nachsicht)-253(des)-252(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Praktikers)-326(unterbrach)-325(ihn)-326(der)-326(Andre)-325(nicht.)-477(Schliesslich)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.205 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.007 0 Td [(diese)]TJ -258.212 -13.549 Td [(Leute)-250(thaten)-250(seine)-250(Arbeit.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Am)-292(Strassenausgang)-293(stand)-292(ein)-292(Fremder.)-377(Er)-293(stand)-292(da)-292(und)-292(sah)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sie)-250(an.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Sie)-320(sahen)-319(ihn)-320(Beide,)-337(der)-320(grosse)-320(Mann)-320(und)-319(der)-320(Pastor.)-459(Auch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(die)-250(Polizisten)-250(sahen)-250(ihn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(war)-250(der)-250(Mann?)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.535 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(der)-250(Pastor.)]TJ -99.949 -14.163 Td [(Der)-302(Abgeordnete)-303(zuckte)-302(die)-303(Achseln.)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.619 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-302(kenne)-303(ihn)-302(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.367 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.55 Td [(Er)-250(hatte)-250(Eile,)-250(nach)-250(Hause)-250(zu)-250(kommen.)-250(Er)-250(musste)-250(sich)-250(schonen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-173(grosser)-174(Mann,)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.619 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.735 0 Td [(sagte)-173(der)-174(Johannes)-173(ekstatisch.)-225(Ihn)-173(fror.)-224(Er)]TJ -102.153 -13.55 Td [(stand)-183(da)-182(am)-183(Ausgang)-182(und)-182(hatte)-183(die)-182(H\344nde)-183(in)-182(die)-183(Taschen)-182(gesteckt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-385(sah)-384(ihm)-385(nach.)-654(Seine)-385(Backenknochen)-385(gl\374hten.)-654(Er)-384(musste)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +188 0 obj << +/Type /Page +/Contents 189 0 R +/Resources 187 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 162 0 R +>> endobj +190 0 obj << +/D [188 0 R /XYZ 213.74 518.175 null] +>> endobj +191 0 obj << +/D [188 0 R /XYZ 93.543 257.135 null] +>> endobj +187 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +194 0 obj << +/Length 4868 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dritte)-250(Kapitel.)-17364(33)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(husten)-340(in)-340(sein)-339(Taschentuch.)-519(Wenn)-340(er)-340(es)-340(wieder)-339(herunternahm,)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-320(es)-320(immer)-319(voll)-320(Blut.)-459(Er)-320(wusste)-320(das)-320(schon.)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.576 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-320(er)-320(sagt)-319(ist)]TJ -214.419 -13.549 Td [(wahr.)-250(Er)-250(versteht)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.826 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s.)]TJ/F21 10.9091 Tf 6.97 0 Td [(\034)]TJ -73.473 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-250(grosser)-250(Mann,)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -92.705 -14.776 Td [(Die)-311(ganze)-310(Masse)-311(schob)-311(an)-311(ihnen)-310(vor\374ber.)-433(Die)-310(Veteraninnen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sprachen)-470(sehr)-470(laut.)-911(Sie)-470(hatten)-470(die)-470(Kasse)-470(abgeschlossen)-470(und)]TJ 0 -13.549 Td [(entr\374steten)-376(sich)-376(\374ber)-376(wieder)-376(einmal)-376(constatirte)-376(Gnietschigkeit.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([56])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Eine)-206(wollte)-206(sich)-207(noch)-206(zu)-206(Hause)-206(Puffer)-207(backen.)-235(Sie)-206(gaben)-206(Parolen)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-272(f\374r)-271(den)-272(n\344chsten)-271(Tag)-272(und)-271(Rendezvous)-272(in)-271(den)-272(Vereinen.)-314(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Studenten)-289(wollten)-289(noch)-289(zum)-289(Bier,)-299(die)-289(eingenommene)-288(Quantit\344t)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-351(ihnen)-350(nicht)-351(gen\374gt.)-552(Man)-350(war)-351(froh,)-376(sich)-350(zu)-351(bewegen,)-375(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Beine)-335(auseinander)-336(zu)-335(setzen,)-357(nachdem)-336(man)-335(drinne)-335(eingep\366kelt)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen)-259(war)-260(wie)-259(P\366kelh\344ringe.)-278(Einige)-259(Damen)-260(riefen)-259(nach)-259(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Droschke,)-624(sie)-549(geh\366rten)-549(zur)-549(Frauenbewegung)-549(und)-549(besuchten)]TJ 0 -13.549 Td [(dergleichen)-260(aus)-260(Princip.)-280(Man)-260(truppte)-260(zufrieden)-260(nach)-260(Haus.)-279(Man)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-377(seine)-377(Pflicht)-378(gethan)-377(und)-377(ihr)-377(H\344uptling)-377(hatte)-377(seine)-377(Sache)]TJ 0 -13.549 Td [(gut)-351(gemacht.)-551(Es)-351(gab)-350(Keinen,)-376(der)-350(\374ber)-351(diesen)-350(Mann)-351(ging,)-375(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-298(immer)-298(zunehmende)-298(Stimmenzahl)-298(bei)-298(den)-298(Wahlen.)-394(Das)-297(war)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-234(grosse)-233(Kampfmittel.)-245(Es)-234(liess)-233(sich)-234(nachrechnen,)-237(wie)-234(das)-233(stieg)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-250(f\374nf)-250(Jahren)-250(zu)-250(den)-250(n\344chsten)-250(f\374nf)-250(Jahren.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Dann)-376(kam)-376(auch)-376(der)-375(Anarchist.)-628(Er)-376(trug)-376(einen)-376(ganz)-375(d\374nnen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kleinen)-277(Sommerpaletot)-277(und)-277(ging,)-283(als)-277(ob)-277(er)-277(gar)-277(nicht)-277(w\374sste,)-283(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-289(w\344re.)-367(Seine)-289(vagen,)-299(schweifenden)-289(Augen)-289(trafen)-288(den)-289(Fremden)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-189(den)-189(Johannes.)-229(Es)-189(lag)-189(eine)-189(nachdenkliche,)-201(z\344rtliche)-188(Wehmuth)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-214(dem)-213(Blick,)-221(eine)-214(Bitte,)-221(oder)-214(als)-214(ob)-213(er)-214(sich)-214(entschuldigen)-213(wollte,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-174(er)-173(anfragte)]TJ/F21 10.9091 Tf 68.684 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.348 0 Td [(aber)-174(man)-173(wusste)-174(nicht,)-189(ob)-174(er)-173(\374berhaupt)-174(wirklich)]TJ/F16 7.9701 Tf 214.992 0 Td [([57])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sah.)-487(Er)-329(war)-329(noch)-329(nicht)-329(alt,)-349(aber)-329(er)-329(sah)-329(hungrig)-330(aus,)-348(mehr)-329(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Hunger)-202(des)-202(Geistes,)-212(als)-202(vom)-202(leiblichen)-202(Hunger.)-234(So)-202(hatte)-202(er)-202(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-229(einem)-228(Kind,)-233(oder)-229(auch)-229(von)-228(einem)-229(h\374lflosen)-229(getretnen)-228(Thier.)]TJ 0 -13.55 Td [(Er)-396(seufzte)-397(und)-396(blickte)-397(in)-396(das)-396(Laternenlicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.636 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-396(ist)-397(schon)-396(elf)]TJ -209.48 -13.549 Td [(Uhr,)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Anarchist.)]TJ -15.306 -14.776 Td [(Er)-235(schauerte)-234(und)-235(kroch)-235(tiefer)-234(in)-235(seinen)-235(Ueberzieherkragen.)-244(Er)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hatte)-320(einen)-319(sehr)-320(weichen,)-337(hellen)-319(gelben)-320(Hut)-319(auf,)-337(der)-320(in)-319(weitem)]TJ 0 -13.549 Td [(Rand)-281(von)-281(seinem)-281(Kopf)-282(abstand.)-343(Seine)-281(Haare)-281(fielen)-281(gerade)-281(\374ber)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +193 0 obj << +/Type /Page +/Contents 194 0 R +/Resources 192 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +195 0 obj << +/D [193 0 R /XYZ 143.908 434.425 null] +>> endobj +196 0 obj << +/D [193 0 R /XYZ 88.12 175.763 null] +>> endobj +192 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +200 0 obj << +/Length 4862 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(34)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(seine)-248(Ohren)-248(und)-247(waren)-248(lange)-248(nicht)-248(geschnitten.)-249(Wenn)-248(er)-247(sprach,)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344chelte)-293(er)-294(jedesmal,)-304(ein)-294(sch\374chternes)-293(L\344cheln,)-305(wie)-293(von)-293(Einem,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-334(im)-334(Unrecht)-334(ist)-334(und)-334(doch)-334(etwas)-334(Gutes)-334(und)-334(Wichtiges)-333(sagen)]TJ 0 -13.549 Td [(m\366chte.)-230(Dann)-188(hatte)-189(er)-189(ungeschickte)-189(Bewegungen,)-201(wie)-189(von)-188(einem)]TJ 0 -13.55 Td [(Wurm,)-250(und)-250(h\374pfte)-250(zuweilen)-250(auf)-250(einem)-250(Fuss,)-250(als)-250(ob)-250(er)-250(stolperte.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-335(Johannes)-335(ging)-335(auf)-335(der)-335(andern)-335(Seite.)-505(Er)-335(hustete.)-505(Er)-335(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ganz)-317(selig)-317(im)-317(Gedanken)-316(an)-317(diesen)-317(grossen)-317(Mann,)-334(dessen)-316(Hand)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-350(gedr\374ckt)-350(hatte,)-375(der)-350(so)-350(gut)-350(sprach,)-375(eine)-350(Stimme)-350(war,)-375(auf)-349(die)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-223(h\366rte,)-229(f\374r)-223(die)-223(armen)-223(Leute.)-241(Die)-223(gebildeten,)-228(sachlichen)-223(S\344tze)]TJ 0 -13.55 Td [(hatten)-412(ihm)-413(imponirt.)-737(Sicher!)-738(Das)-412(wandte)-413(sich)-412(zum)-412(Bessern,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([58])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(wenn)-251(einfache)-252(Gerber-)-251(und)-251(Brauergesellen)-251(sprachen)-251(wie)-252(der!)-253(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(trug)-276(seine)-276(rothe)-275(Cravatte)-276(wie)-276(ein)-275(Triumphzeichen.)-328(Mehr)-275(konnte)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-271(nicht)-271(thun.)-313(Aber)-270(das)-271(Blut)-271(seines)-271(Herzens)-271(war)-271(darin.)-313(Er)-270(f\374hlte)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-250(Lungen)-250(brennen)-250(und)-250(flattern)-250(unter)-250(ihr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-270(ist)-270(immer)-269(am)-270(schlimmsten)-270(des)-270(Abends,)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.446 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.787 0 Td [(entschuldigte)-270(er)]TJ -211.032 -13.55 Td [(sich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-347(thut)-346(der)-347(Rauch.)-540(Sie)-347(sollten)-346(nicht)-347(rauchen)-347(im)-346(Saal.)-541(Es)]TJ -16.799 -13.549 Td [(strengt)-319(auch)-318(die)-319(Stimme)-318(an,)-336(wenn)-318(man)-319(sprechen)-318(muss.)-456(Und)-318(er)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-300(zwei)-300(Stunden)-300(gesprochen.)-401(Das)-300(ist)-300(bewunderungsw\374rdig)-300(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(solch)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.029 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(einen)-250(Mann!)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.44 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -72.874 -14.531 Td [(Er)-355(war)-354(r\374hrend)-355(in)-354(seiner)-354(Z\344rtlichkeit)-355(f\374r)-354(diese)-355(Stimme,)-381(den)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Mann,)-415(der)-382(sprach,)-414(w\344hrend)-382(er)-382(nur)-382(husten)-382(konnte,)-415(unn\374tz)-381(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Blut)-279(ausspie,)-287(in)-279(das)-279(Taschentuch,)-286(das)-280(sich)-279(f\344rbte,)-286(klebrig)-279(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(zwischen)-212(seinen)-212(d\374nnen,)-220(fiebernden)-212(Fingern.)-238(Sie)-212(waren)-212(gelb)-212(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-381(Wachs)-380(und)-381(gezeichnet)-380(von)-381(aussen)-381(durch)-380(die)-381(harte)-380(Arbeit,)]TJ 0 -13.549 Td [(roher,)-240(oberfl\344chlicher,)-240(als)-238(durch)-238(die)-238(Krankheit)-238(von)-237(innen,)-241(die)-237(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(zehrte,)-250(fein)-250(machte,)-250(spiritualisirte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-303(werden)-303(es)-303(ja)-304(nie)-303(erleben,)]TJ/F21 10.9091 Tf 130.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.15 0 Td [(sagte)-303(er)-303(friedlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.661 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-303(die)]TJ -242.185 -13.549 Td [(Andern,)-455(die)-413(nach)-414(uns)-413(kommen!)-741(Einen)-414(Tag)-413(haben)-414(wir)-413(genug)]TJ 0 -13.549 Td [(Stimmen)-374(im)-374(Reichstag.)-622(Sie)-374(k\366nnen)-374(nicht)-374(mehr)-374(an)-374(gegen)-374(uns.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([59])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Dann)-302(wird)-302(Alles)-303(gut)-302(sein.)-406(Wir)-302(werden)-303(die)-302(Gesetze)-302(machen.)-406(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(giebt)-251(keine)-250(Kriege)-251(mehr.)-251(Alle)-251(V\366lker)-251(sind)-250(Br\374der.)-252(Man)-250(arbeitet.)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-217(lebt)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.724 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.208 0 Td [(...)-239(Er)-217(hustete)-216(heftiger)-217(wieder,)-223(sich)-217(abwendend,)-223(um)-217(den)]TJ -45.932 -13.549 Td [(Andern)-250(den)-250(Anblick)-250(seiner)-250(Schw\344che)-250(zu)-250(ersparen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +199 0 obj << +/Type /Page +/Contents 200 0 R +/Resources 198 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +201 0 obj << +/D [199 0 R /XYZ 234.081 395.25 null] +>> endobj +202 0 obj << +/D [199 0 R /XYZ 251.363 175.518 null] +>> endobj +203 0 obj << +/D [199 0 R /XYZ 205.167 120.339 null] +>> endobj +198 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +206 0 obj << +/Length 4790 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dritte)-250(Kapitel.)-17364(35)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.381 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.904 0 Td [(ich)-500(hasse)-499(die)-500(reichen)-499(Leute)-500(nicht.)-998(Sie)-500(wissen)-499(es)]TJ -47.084 -13.549 Td [(nicht)-475(besser.)-923(Es)-475(sind)-474(Viele,)-531(die)-474(es)-475(gut)-474(meinen.)-924(Man)-474(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesetze)-288(finden.)-362(Das)-288(geht)-287(ganz)-288(von)-287(selbst,)-297(ohne)-288(Revolution)-287(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Blutvergiessen.)-360(Die)-287(Soldaten)-287(sind)-287(ja)-287(auch)-286(auf)-287(unsrer)-287(Seite.)-360(Nur)]TJ 0 -13.55 Td [(Zeit)-280(braucht)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.346 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s.)-340(Man)-280(h\366rt.)-340(Man)-280(liest)-280(B\374cher.)-340(Die)-280(Vernunft)-280(muss)]TJ -56.979 -13.549 Td [(ja)-219(ihren)-219(Weg)-219(finden.)-240(Es)-219(ist)-219(nur)-219(schlecht)-220(eingerichtet.)-239(Man)-219(hat)-219(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Religion)-353(gehabt,)-378(den)-353(Aberglauben.)-559(Die)-353(Menschen)-353(sehen)-352(jetzt,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-240(es)-240(wirklich)-240(ist.)-247(Man)-240(kommt)-240(vorw\344rts.)-247(Man)-240(bildet)-240(sich.)-246(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(geht)-250(gut.)-250(Die)-250(Gerechtigkeit)-250(muss)-250(aufkommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.491 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -189.535 -14.777 Td [(Alle)-201(diese)-201(kleinen)-201(S\344tze)-201(sagte)-201(er)-201(ruhig,)-211(sanft,)-211(ohne)-200(Aufregung,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-222(Hustenanf\344llen)-222(unterbrochen,)-227(die)-222(ihn)-221(qu\344lten,)-228(seinen)-221(K\366rper)]TJ 0 -13.549 Td [(schmerzhaft)-569(zusammenkr\374mmten,)-649(wie)-569(aufgespiesst)-569(an)-568(einer)]TJ 0 -13.55 Td [(gl\374henden)-250(Nadel.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Sie)-212(gingen)-213(in)-212(dem)-213(Strassengetriebe)-212(vorw\344rts.)-238(Es)-212(trieb)-213(sie)-212(ohne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihren)-255(Willen.)-267(Vielleicht)-255(wussten)-255(sie)-256(gar)-255(nicht,)-257(wohin)-255(sie)-255(gingen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([60])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Eine)-170(alte)-171(Frau)-170(in)-171(einer)-170(schwarzen)-171(Pelerine)-170(wackelte)-171(vor)-170(ihnen)-170(her,)]TJ 0 -13.549 Td [(enorm)-257(wie)-257(eine)-257(wandelnde)-257(Glocke.)-271(Einige)-257(hatten)-257(Regenschirme)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgespannt.)-1052(Sie)-517(sprachen)-518(von)-517(Geld:)]TJ/F21 10.9091 Tf 185.725 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-517(man)-518(dreissig)]TJ -190.568 -13.549 Td [(Pfennige)-351(die)-350(Stunde)-350(verdient,)-376(aber)-351(f\374nfundvierzig)-350(m\374sste)-350(man)]TJ 0 -13.549 Td [(haben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.779 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.577 0 Td [(Ein)-434(junges)-434(M\344dchen)-434(trug)-434(einen)-434(grossen)-434(Carton.)-801(Sie)]TJ -38.356 -13.55 Td [(trippelte)-259(und)-258(sah)-259(hinter)-259(sich)-259(nach)-258(drei)-259(jungen)-259(Burschen,)-261(die)-258(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344rmend)-250(stiessen.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Die)-1006(Laternen)-1005(schwammen)-1006(wie)-1006(gelbe,)-1194(ausgeflossene)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Dotterflecken,)-173(schaukelnd.)-218(Der)-154(Schmutz)-154(mit)-154(dem)-154(geschmolzenen)]TJ 0 -13.55 Td [(Schnee)-213(bildete)-212(eine)-213(br\344unliche,)-219(z\344he)-213(Masse.)-237(Eine)-213(leere)-212(Droschke)]TJ 0 -13.549 Td [(fuhr)-283(sehr)-283(dicht)-284(am)-283(Trottoir,)-291(als)-284(ob)-283(der)-283(Kutscher)-283(Kunden)-283(suchte.)]TJ 0 -13.549 Td [(In)-197(den)-198(Destillationen)-197(discutirte)-197(man)-197(oder)-198(spielte)-197(Billard.)-232(Man)-197(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-268(grauen)-269(Hausw\344nde)-268(feuchtigkeitstriefend)-268(mit)-268(Ladenschildern)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-302(Plakaten,)-316(Pferdebahnen,)-316(die)-302(klingelnd)-303(trotteten)-302(mit)-302(m\374den,)]TJ 0 -13.55 Td [(geduldigen)-584(Pferden.)-1252(Aber)-585(Alles)-584(ungewiss,)-667(wie)-584(verwischt,)]TJ 0 -13.549 Td [(unruhig,)-250(in)-250(Schatten)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-243(m\374sste)-244(es)-243(machen)-244(wie)-243(die)-243(Thiere,)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.531 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.499 0 Td [(sagte)-243(der)-244(Anarchist.)]TJ/F21 10.9091 Tf -193.829 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Thiere)-238(sind)-237(kl\374ger)-238(wie)-238(Menschen.)-246(Sie)-237(haben)-238(keine)-238(Gesetze)-237(und)]TJ -4.844 -13.549 Td [(keinen)-334(Staat.)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.745 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.097 0 Td [(Aber)-334(es)-334(giebt)-334(auch)-334(eine)-333(Seele.)-502(Ich)-334(habe)-334(Todte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +205 0 obj << +/Type /Page +/Contents 206 0 R +/Resources 204 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +207 0 obj << +/D [205 0 R /XYZ 191.046 326.032 null] +>> endobj +204 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +210 0 obj << +/Length 4634 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(36)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gesehen,)-318(die)-305(wiedergekommen)-305(sind)-305(und)-304(mit)-305(den)-305(H\344nden)-305(in)-304(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([61])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Luft)-188(zeichneten.)-230(Nun,)-201(ich)-188(habe)-188(die)-189(K\366nigin)-188(Luise)-189(gesehen.)-229(Sie)-188(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-242(mir)-241(gekommen)-242(am)-241(Weihnachtsabend)-241(und)-242(hat)-241(mir)-242(eine)-241(weisse)]TJ 0 -13.549 Td [(Rose)-228(geschenkt.)-242(Eine)-228(weisse)-227(Rose,)-232(die)-228(duftete.)-243(Sie)-227(kommt)-228(oft)-227(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(mir.)-496(Der)-332(Kaiser)-332(Friedrich)-333(kommt)-332(auch,)-352(und)-332(Napoleon)-332(und)-332(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Kaiser)-315(Alexander.)-444(Ich)-315(weiss)-315(nicht,)-331(warum)-315(sie)-315(zu)-315(mir)-314(kommen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-250(sie)-250(kommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -68.335 -14.531 Td [(Er)-218(lachte,)-224(ein)-217(kleines,)-225(ungewisses,)-224(eitles,)-224(ungl\344ubiges)-217(Lachen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Es)-345(sollte)-346(um)-345(Entschuldigung)-345(bitten)-345(f\374r)-346(ihn.)-536(Im)-345(Grunde)-345(war)-345(er)]TJ 0 -13.55 Td [(stolz.)-250(Es)-250(gab)-250(so)-250(viel)-250(Dinge.)-250(Er)-250(wusste)-250(nicht)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-274(f\374hlt)-275(sie,)-280(wenn)-275(man)-274(nicht)-275(viel)-274(gegessen)-275(hat.)-323(Und)-275(Jeder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(f\374hlt)-271(sie)-271(auch)-271(nicht.)-313(Manche)-271(Menschen)-271(schlafen)-271(auch)-271(die)-271(ganze)]TJ 0 -13.549 Td [(Nacht.)-328(Ich)-275(zum)-276(Beispiel,)-283(ich)-275(kann)-276(sehr)-276(oft)-276(nicht)-276(schlafen.)-327(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(denke)-271(ich)-271(\374ber)-271(Alles)-271(nach.)-313(O,)-271(es)-271(giebt)-271(sehr)-271(viele)-271(Sachen!)-312(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-250(w\374sste)-250(...)-250(Vielleicht)-250(ist)-250(es)-250(auch)-250(nicht)-250(gut.)-250(Man)-250(muss)-250(essen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.532 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-509(Die)-336(Thiere)-337(sind)-336(klug.)-509(Und)-336(die)-337(Kinder.)-509(Sie)-336(wissen)-337(alles)]TJ -16.799 -13.549 Td [(M\366gliche,)-429(diese)-394(Kleinen.)-680(Aber)-393(sie)-394(k\366nnen)-393(nichts)-393(sagen.)-680(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Todten)-317(k\366nnen)-318(auch)-317(nichts)-317(sagen.)-452(Viele)-317(glauben)-317(nicht,)-334(dass)-317(es)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-373(Leben)-373(nach)-373(dem)-373(Tode)-373(giebt.)-619(Nun,)-404(diesen)-373(kann)-373(man)-373(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-346(sagen.)-538(Das)-346(ist)-346(Alles)-346(Gnade,)-370(wem)-346(es)-346(gezeigt)-346(wird.)-537(Und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([62])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Viele)-296(wollen)-296(auch)-296(nicht)-296(sehen.)-387(Ich,)-308(ich)-296(glaube)-296(zum)-296(Beispiel)-295(an)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-250(Seele.)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -42.874 -14.531 Td [(Nerv\366s,)-408(sch\374chtern)-377(sagte)-376(er)-377(das,)-408(mit)-377(einer)-376(schweren,)-409(etwas)]TJ -11.955 -13.549 Td [(singenden)-305(Stimme.)-414(Er)-305(war)-305(wohl)-305(gew\366hnt,)-318(dass)-305(man)-305(ihn)-305(oft)-304(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(verr\374ckt)-376(hielt.)-626(Vielleicht)-376(war)-376(er)-375(auch)-376(etwas)-376(bl\366dsinnig.)-626(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-334(waren)-334(seine)-334(Geheimnisse.)-503(Er)-334(war)-334(stolz)-334(auf)-334(sie)-334(andrerseits.)]TJ 0 -13.55 Td [(Oft)-498(erf\374llte)-498(ihn)-498(eine)-498(schlechte)-498(Eitelkeit.)-994(Er)-498(kam)-498(sich)-498(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(besser)-342(wie)-342(andre)-342(Leute)-342(vor,)-365(eine)-342(strahlende)-342(und)-341(durchgeistigte)]TJ 0 -13.549 Td [(Pers\366nlichkeit.)-453(H\344ufig)-317(war)-318(er)-317(auch)-318(traurig)-317(und)-318(verachtete)-317(sich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-434(hatte)-433(oft)-434(nichts)-433(zu)-434(essen.)-800(Der)-434(Hunger)-433(und)-434(die)-433(Gedanken)]TJ 0 -13.549 Td [(hielten)-250(ihn)-250(wach)-250(des)-250(Nachts.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Sie)-255(waren)-255(so)-255(auf)-255(einem)-255(freien)-255(Platz)-255(angelangt,)-256(wo)-255(die)-255(Strasse)]TJ -11.955 -13.55 Td [(aufh\366rte.)-618(Gerade)-372(\374ber)-372(diesem)-373(Platz)-372(stand)-373(der)-372(Mond.)-618(Aber)-372(er)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-241(hinter)-240(den)-241(Wolken.)-247(Die)-241(Wolken)-240(umwellten)-241(ihn,)-243(zogen)-240(rasch)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +209 0 obj << +/Type /Page +/Contents 210 0 R +/Resources 208 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +211 0 obj << +/D [209 0 R /XYZ 292.101 518.175 null] +>> endobj +212 0 obj << +/D [209 0 R /XYZ 253.674 257.795 null] +>> endobj +208 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +215 0 obj << +/Length 3962 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dritte)-250(Kapitel.)-17364(37)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(\374ber)-306(ihn)-306(her.)-419(Manchmal)-306(versteckten)-306(sie)-306(ihn)-307(ganz.)-418(Dann)-306(war)-306(es)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-387(dunkler,)-421(wo)-387(er)-387(stand.)-661(Oder)-387(er)-387(war)-387(am)-387(Rande)-387(ein)-386(heller)]TJ 0 -13.549 Td [(Fleck.)-1119(Selbst)-539(wenn)-540(er)-539(ganz)-540(von)-539(ihnen)-540(befreit)-540(war,)-611(zeigte)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-558(Rund)-558(schwarze)-558(Flecken)-558(wie)-558(Wollfasern,)-635(hingeworfene)]TJ 0 -13.55 Td [(Schw\344mme.)-753(Diese)-417(Wolken)-418(zogen)-418(sehr)-417(rasch)-418(und)-417(wechselten)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-211(Form)-211(fortw\344hrend.)-237(Manchmal)-210(waren)-211(sie)-211(Kameele,)-218(h\374pfende)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([63])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(K\344nguruhs)-384(oder)-383(grosse)-384(Schildkr\366ten.)-651(Oder)-383(auch)-384(nur)-383(D\344mpfe,)]TJ 0 -13.549 Td [(gezupfte)-177(Watte.)-225(Auf)-177(dem)-177(Trottoir)-177(k\344mpften)-177(die)-176(Laternenstrahlen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-160(das)-161(Gas)-160(war)-160(unruhig)-161(im)-160(Winde,)-178(flackerte)-161(hin)-160(und)-160(her.)-220(Metall)]TJ 0 -13.55 Td [(blinkte)-566(zuweilen)-567(oder)-566(eine)-566(Fensterscheibe)-566(funkelte)-566(schwarz)]TJ 0 -13.549 Td [(polirt.)-1012(Weisse)-503(Kanten)-504(von)-504(Gesims)-504(oder)-504(Mauern)-503(leuchteten)]TJ 0 -13.549 Td [(urpl\366tzlich)-564(auf)-565(im)-564(Dunkeln.)-1193(Festes)-564(schien)-565(zu)-564(gleiten)-564(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Unbewegliches)-446(bewegt.)-837(Ringsum)-446(schlief)-446(die)-446(Stadt,)-495(Dach)-445(an)]TJ 0 -13.549 Td [(Dach)-310(und)-309(Schornstein)-310(\374ber)-309(Schornstein.)-429(Aber)-310(das)-309(fratzenhafte,)]TJ 0 -13.55 Td [(l\374gnerische)-250(Wesen)-250(liess)-250(sie)-250(nicht)-250(schlafen.)-250(Es)-250(webte)-250(und)-250(irrte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Eine)-312(letzte)-312(Pferdebahn)-311(hielt)-312(am)-312(\344ussersten)-312(Ende)-312(des)-311(Platzes.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-183(Pferde)-183(waren)-183(noch)-182(nicht)-183(eingespannt.)-228(Sie)-183(stand)-182(unbeweglich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-390(Kutscher)-389(mochte)-390(wohl)-390(einen)-390(Schlaf)-389(halten)-390(im)-390(Innern)-389(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Wagens,)-250(bis)-250(seine)-250(Zeit)-250(war.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Sie)-250(waren)-250(alle)-250(Drei)-250(stehen)-250(geblieben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-284(beiden)-285(M\344nner)-284(sahen)-284(den)-284(Fremden)-285(an.)-353(Sie)-284(sahen)-284(ihn)-284(an,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-223(ob)-223(sie)-223(warteten.)-241(Sie)-222(standen)-223(da)-223(und)-223(warteten,)-228(fr\366stelnd,)-228(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(benommen,)-250(zwinkernd)-250(in)-250(das)-250(Halblicht)-250(...)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-261(Eine)-260(war)-261(halb)-261(aufgefressen)-261(vom)-260(physischen)-261(Leiden.)-282(Den)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Andern)-250(trieb)-250(die)-250(Rastlosigkeit)-250(vorbei)-250(und)-250(weiter.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([64])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(Alle)-406(Beide)-407(hatten)-406(dieselben)-406(cernirten,)-446(etwas)-406(bl\366den)-406(Augen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-247(einem)-246(unbestimmten,)-248(sanften)-246(Grau)-247(mit)-247(gr\374nlichen)-246(Lichtern,)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen)-427(von)-428(Nachtthieren,)-471(die)-428(man)-427(mit)-427(einiger)-427(Ueberraschung)]TJ 0 -13.549 Td [(entdeckt,)-192(weil)-178(ihr)-178(Funkeln)-178(irref\374hrte)-178(im)-178(Dunkeln,)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.264 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.395 0 Td [(Schultern,)-192(die)]TJ -220.659 -13.549 Td [(getragen)-189(hatten,)-201(und)-189(zu)-189(hohe,)-201(weitoffene)-189(Stirnen)-189(\374ber)-189(fliehenden,)]TJ 0 -13.55 Td [(dem\374thigen)-250(Unterpartien)-250(gutartiger)-250(Hunde.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Sie)-250(warteten.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +214 0 obj << +/Type /Page +/Contents 215 0 R +/Resources 213 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +216 0 obj << +/D [214 0 R /XYZ 242.925 450.429 null] +>> endobj +217 0 obj << +/D [214 0 R /XYZ 46.771 190.616 null] +>> endobj +213 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +218 0 obj +<< /S /GoTo /D (index4) >> +endobj +221 0 obj +(Das vierte Kapitel.) +endobj +224 0 obj << +/Length 3409 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([65])]TJ/F16 18.9589 Tf 141.337 -69.298 Td [(Das)-271(vierte)-270(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -68.582 -37.512 Td [(Er)-250(ging)-250(auf)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(Land.)]TJ -40.757 -14.567 Td [(Er)-499(kam)-498(durch)-499(D\366rfer,)-561(die)-499(sich)-498(lang)-499(hinstreckten)-499(in)-498(einer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einzigen)-642(Strasse.)-1428(Oder)-642(eine)-643(andre)-642(zweigte)-643(sich)-642(ab)-642(vom)]TJ 0 -13.55 Td [(M\374ndungsplatz,)-722(sehr)-627(ausgefahren,)-722(in)-628(einer)-627(flachen)-627(Tr\344nke)]TJ 0 -13.549 Td [(endigend)-670(am)-670(Waldrand,)-775(gleich)-670(sehr)-670(einfachen,)-774(primitiven)]TJ 0 -13.549 Td [(Verdauungsorganen)-664(ganz)-664(untergeordneter)-664(Thiere.)-1492(Es)-664(gab)]TJ 0 -13.549 Td [(\344rmliche)-695(H\344user,)-807(abseits)-695(im)-696(Koth)-695(stehend)-695(mit)-695(zerfallnen)]TJ 0 -13.549 Td [(Stacketen)-393(und)-393(windschiefen)-392(Mauern,)-429(wohlgebaute,)-428(schmucke,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-473(steinerne)-473(Treppen)-474(vor)-473(der)-473(Th\374r)-473(hatten;)-585(weisse)-473(Gardinen)]TJ 0 -13.549 Td [(umrahmten)-403(die)-404(Fenster)-403(\374ber)-404(bl\374henden)-403(T\366pfen.)-711(Recht)-403(in)-403(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Mitte)-336(war)-337(die)-336(Kirche)-337(gebaut.)-509(Ueberall)-336(hatte)-336(man)-337(da)-336(zuerst)-336(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Todten)-226(begraben,)-231(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.898 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.099 0 Td [(man)-226(anfing)-226(sie)-226(hinauszutragen)-226(weit)-226(abseits)]TJ -94.997 -13.549 Td [(in)-282(gleichg\374ltiges)-281(Flachland.)-345(Uralter)-282(Epheu)-281(kletterte)-282(empor)-281(nach)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-407(verwitterten)-408(Holzthurm.)-722(Eine)-407(runde)-407(Zifferscheibe)-407(zeigte)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([66])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(die)-498(Stunde)-497(mit)-498(eingerostetem)-497(eisernen)-497(Finger.)-993(Des)-497(Abends)]TJ 0 -13.549 Td [(riefen)-337(die)-337(Glocken)-337(und)-336(antworteten)-337(sich.)-511(Vor)-337(dem)-336(Wirthshaus)]TJ 0 -13.549 Td [(stand)-345(irgend)-345(ein)-345(hundertj\344hriger)-345(Baum,)-369(eine)-345(Ulme)-345(oder)-345(Linde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sehr)-367(oft)-368(war)-367(sie)-367(schon)-367(ganz)-368(zerfressen,)-396(eine)-368(Seite)-367(fehlte,)-396(dass)]TJ 0 -13.55 Td [(man)-317(hineinsehen)-317(konnte,)-334(wie)-317(in)-318(einen)-317(hohlen)-317(Ring.)-451(Aber)-317(oben)]TJ 0 -13.549 Td [(trieben)-404(die)-403(Aeste)-404(noch)-403(gr\374ne)-404(Ruthen.)-710(Die)-404(Alten)-403(betrachteten)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-283(sorgenvoll,)-291(aber)-283(die)-283(Jungen)-283(dachten,)-291(dass)-283(sie)-283(etwas)-282(Heiliges)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344re)-367(und)-367(das)-367(Gl\374ck)-367(ihres)-367(Dorfes)-367(davon)-367(abhinge.)-601(Die)-366(H\374hner)]TJ 0 -13.549 Td [(scharrten)-276(in)-276(den)-276(Fahrgeleisen.)-327(Das)-276(Vieh)-276(wohnte)-276(friedlich)-275(neben)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-426(Menschen.)-778(Die)-426(K\374he)-426(tranken)-426(aus)-426(der)-426(steinernen)-425(Tr\344nke)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-312(Brunnen.)-434(Sie)-311(auch)-312(waren)-311(heilig,)-327(freundlich,)-327(der)-311(Reichthum)]TJ 0 -13.549 Td [(ihres)-338(Besitzers,)-361(und)-338(sahen)-338(mit)-339(ruhigen)-338(Augen)-338(wie)-338(Berechtigte,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +223 0 obj << +/Type /Page +/Contents 224 0 R +/Resources 222 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 197 0 R +>> endobj +225 0 obj << +/D [223 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +219 0 obj << +/D [223 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +226 0 obj << +/D [223 0 R /XYZ 93.543 228.732 null] +>> endobj +222 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +229 0 obj << +/Length 4161 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierte)-250(Kapitel.)-17198(39)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-281(ihren)-281(Weg)-282(kennen.)-343(Kleine)-282(Kinder)-281(liefen)-281(dem)-281(Wandrer)-281(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-276(ihren)-276(Holzschuhen.)-328(Oder)-276(sie)-276(nahmen)-276(die)-276(Schuhe)-276(in)-276(die)-276(Hand)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-311(folgten)-311(so)-311(auf)-311(den)-311(blossen)-312(F\374ssen.)-433(Sie)-311(liefen)-311(mit,)-326(so)-311(lange)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-245(Lust)-245(hatten,)-246(und)-245(kehrten)-245(dann)-245(um,)-246(wenn)-245(sie)-245(m\374de)-245(waren.)-248(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(standen,)-414(den)-382(Finger)-382(im)-381(Mund,)-414(mit)-382(grossen)-382(Augen,)-414(sagten)-381(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts,)-250(und)-250(sahen)-250(ihm)-250(nach.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([67])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.776 Td [(In)-844(den)-844(Feldern)-844(war)-844(man)-844(an)-844(der)-844(Arbeit.)-2031(M\344nner)]TJ -11.956 -13.55 Td [(stiessen)-580(die)-581(Pflugschar,)-663(langsam,)-662(sehr)-581(langsam)-580(hinter)-580(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Pferdegespann,)-281(das)-274(sich)-274(wie)-275(ein)-274(Schattenriss)-275(abhob)-274(vom)-274(grauen)]TJ 0 -13.549 Td [(Fr\374hlingshimmel.)-435(Die)-311(Erde)-312(wellte)-311(sich)-312(hier)-311(in)-312(grossen)-311(H\374geln,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-188(Wogen)-187(eines)-188(Meers,)-200(das)-188(die)-188(Fluth)-187(verlassen)-188(hat.)-229(Man)-188(sah)-187(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Pflug)-251(mit)-250(dem)-251(Gespann)-250(aufsteigen)-251(und)-251(niedersinken.)-251(Manchmal)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-271(er)-272(in)-271(den)-272(Schluchten)-271(ganz)-272(verschwunden;)-282(er)-271(kroch)-271(langsam)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-377(steil)-377(hinan)-377(in)-377(runder)-377(Schwingung)-377(um)-377(die)-377(Schwellung)-376(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Bodens.)-463(Rhythmisch)-321(drehte)-321(und)-321(wandte)-322(er)-321(sich,)-338(dem)-321(st\344rkeren)]TJ 0 -13.549 Td [(Rhythmus)-204(der)-204(Erdmassen)-205(folgend.)-234(Ins)-205(Graue,)-213(Harte)-204(schnitten)-204(die)]TJ 0 -13.549 Td [(blanken)-292(Schaufeln,)-303(es)-292(aufwerfend)-292(in)-292(blanker,)-302(oben)-292(gekr\344uselter)]TJ 0 -13.55 Td [(Scholle.)-613(Sehr)-371(dunkles)-370(Bauernbrot)-371(hat)-371(diese)-371(Farbe.)-613(Es)-370(duftete)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-292(Frischgebacknen.)-377(Die)-292(Pferde)-292(schritten)-293(geduldig.)-376(Sorgsam,)]TJ 0 -13.549 Td [(merkend)-309(auf)-308(Zahl)-309(und)-308(Curve)-309(der)-308(Furchen)-309(lenkte)-308(der)-309(Pfl\374ger.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Sie)-284(waren)-283(geschritten)-284(so)-283(seit)-284(Jahren.)-351(Ihre)-283(V\344ter)-284(hatten)-283(gepfl\374gt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-283(Erde)-283(war)-282(da,)-291(und)-283(die)-283(Menschen)-283(waren)-283(vergangen,)-291(zur)-282(Erde)]TJ 0 -13.55 Td [(gekehrt)-250(wieder.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Geheimnissvoll)-318(in)-318(verschwiegenen)-319(Furchen)-318(keimte)-318(die)-318(Saat;)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kleine,)-829(sch\374chterne)-712(H\344lmchen)-713(aus)-713(dem)-713(festen,)-828(lagernden)]TJ 0 -13.55 Td [(Erdreich.)-1078(Kr\344hen)-527(strichen)-526(kraxend)-526(\374ber)-526(die)-526(Felder.)-1078(Ganz)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([68])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(oben)-244(zogen)-244(Schw\344rme)-244(wilder)-244(G\344nse)-244(in)-244(mystischer)-243(Keilreihe)-244(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(schrillem)-467(fernen)-467(Kreischen.)-901(Der)-467(Wind)-467(klang)-467(wie)-467(brauendes)]TJ 0 -13.549 Td [(Tosen)-527(und)-527(Kollern,)-595(Kobolde)-527(und)-527(Trollen)-527(aus)-527(dem)-526(Norden,)]TJ 0 -13.549 Td [(Vorgeborner,)-250(Eddabewohner.)]TJ 11.955 -14.777 Td [(Er)-388(kam)-389(durch)-388(Bergland.)-666(Da)-388(waren)-389(die)-388(Menschen)-389(arm)-388(und)]TJ -11.955 -13.549 Td [(wenige.)]TJ 11.955 -14.777 Td [(Sie)-503(wohnten)-503(dicht)-503(zusammengedr\374ckt)-503(in)-503(Th\344lern)-503(oder)-503(an)]TJ -11.955 -13.549 Td [(den)-614(Abh\344ngen.)-1342(Die)-614(Berge)-614(reckten)-614(sich)-614(hoch,)-704(Kuppe)-614(an)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +228 0 obj << +/Type /Page +/Contents 229 0 R +/Resources 227 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +230 0 obj << +/D [228 0 R /XYZ 46.771 448.913 null] +>> endobj +231 0 obj << +/D [228 0 R /XYZ 176.946 176.99 null] +>> endobj +227 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +235 0 obj << +/Length 4228 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(40)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Kuppe.)-435(Runde,)-327(langgestreckte,)-328(mit)-311(breitem,)-327(fichtenbestandnem)]TJ 0 -13.549 Td [(R\374cken,)-386(oder)-359(sie)-360(trugen)-359(Laubw\344lder,)-386(braun)-359(und)-359(gr\374n,)-386(die)-359(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Umrisse)-486(verbargen.)-959(Fast)-486(kahle)-486(gab)-486(es,)-545(von)-486(Gestr\374pp,)-545(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(jungen)-504(H\366lzern)-504(bestanden,)-567(zwischen)-504(denen)-504(man)-504(Korn)-504(ges\344t)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte,)-353(um)-332(den)-332(Boden)-332(fruchtbar)-332(zu)-332(machen.)-496(Schneisen)-332(\366ffneten)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausluge)-470(in)-469(gr\374ne)-470(Wirrnisse,)-525(neue)-469(Seitenth\344ler)-470(und)-470(auf)-469(hohe)]TJ 0 -13.549 Td [(ernste)-375(W\344nde.)-623(Am)-374(Wege)-375(rankte)-374(Brombeergestr\344uch)-375(und)-374(man)]TJ 0 -13.549 Td [(sah)-335(zwischen)-336(Farrenkr\344uter)-335(wie)-335(in)-335(gr\374ne,)-357(niedrige)-335(Dome)-335(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-421(hohen,)-464(wo)-420(Elfen)-421(h\344tten)-421(spaziren)-421(k\366nnen,)-464(Thau)-420(schl\374rfen)]TJ 0 -13.55 Td [(aus)-319(blauen)-318(Glockenblumenkelchen)-318(oder)-319(Honig)-318(melken)-319(aus)-318(den)]TJ 0 -13.549 Td [(gelben)-263(Bl\374thenr\374sseln)-263(der)-263(wilden)-263(Bienensaug.)-289(Holz)-263(schlug)-262(man)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-492(in)-493(grossen)-492(geschichteten)-492(W\374rfeln.)-977(Jedes)-493(St\374ck)-492(trug)-492(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([69])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Stempel,)-546(die)-486(Nummer.)-960(Manchmal)-486(aus)-487(einem)-486(verwachsenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Seitenweg)-369(zwischen)-369(den)-369(hohen)-369(Gr\344sern)-369(kam)-369(ein)-369(Arbeiter,)-398(der)]TJ 0 -13.55 Td [(seiner)-344(Heimath)-343(zustrebte,)-367(Bergleute)-344(oder)-344(Hausirer,)-367(stille)-343(Leute)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(gewohnt)-250(im)-250(Dunkeln)-250(zu)-250(finden.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Durch)-517(fruchtbare)-517(Ebenen)-517(kam)-517(er,)-584(wo)-517(Dorf)-517(an)-517(Dorf)-516(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dr\344ngte,)-198(Hof)-186(neben)-185(Hof,)-198(stattliche)-185(H\366fe)-186(mit)-185(rothen)-185(Ziegeld\344chern)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-416(steinernen)-415(St\344llen,)-458(weiter)-415(Einfriedigung)-416(f\374r)-416(das)-415(Gel\344nde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Obstg\344rten)-485(bildeten)-485(den)-486(Reicht)1(hum)-486(der)-485(Gegend.)-955(Selbst)-485(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Vieh)-424(war)-423(sch\366ner,)-468(fett)-423(und)-424(glatth\344utig,)-467(wie)-424(die)-424(Leute,)-467(die)-423(in)]TJ 0 -13.549 Td [(steifen)-469(Trachten)-469(gingen,)-525(mit)-469(seltsamen)-469(Hauben)-469(und)-469(M\374tzen,)]TJ 0 -13.549 Td [(weiten)-325(R\366cken)-325(und)-325(verschn\374rten)-324(Stiefeln.)-475(Die)-325(Kinder)-324(truppten)]TJ 0 -13.549 Td [(zur)-337(Schule)-336(steif)-337(und)-336(artig.)-509(Alles)-337(war)-336(numerirt)-337(und)-336(eingetragen)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-428(Landrathsamt.)-786(Man)-428(sah)-429(die)-428(neue)-429(Bahn)-428(ohne)-428(Ehrfurcht.)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-269(wusste,)-273(was)-269(man)-269(werth)-268(war,)-274(und)-269(w\374nschte)-268(nicht,)-274(dass)-268(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Vermischung)-250(stattfand.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(...)-701(Manchmal)-401(ging)-400(er)-401(sehr)-400(fr\374h)-401(am)-400(Tage.)-702(Alles)-400(war)-400(grau,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(grau)-557(wie)-556(im)-557(Wasser)-556(gewaschen)-557(und)-556(noch)-557(nicht)-556(getrocknet)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder.)-1297(Die)-599(Feuchtigkeit)-599(sass)-599(in)-599(der)-599(Erde)-599(wie)-599(in)-599(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwamm.)-437(Die)-313(Luft)-312(war)-313(zu)-312(schwer)-313(noch,)-328(dass)-312(sie)-312(ausdampfen)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte.)-423(Kleine)-308(Kiesel)-307(blinkten)-308(gewaschen,)-322(braun)-308(mit)-307(stumpfen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([70])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Steingries)-339(in)-339(der)-339(Mitte.)-516(An)-339(jedem)-339(Grashalm)-339(hing)-339(ein)-338(Tropfen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Unz\344hlige,)-341(unendlich)-322(winzige)-322(Tr\366pfchen)-323(bildeten)-322(einen)-322(feinen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +234 0 obj << +/Type /Page +/Contents 235 0 R +/Resources 233 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +236 0 obj << +/D [234 0 R /XYZ 305.253 369.134 null] +>> endobj +237 0 obj << +/D [234 0 R /XYZ 315.66 93.24 null] +>> endobj +233 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +240 0 obj << +/Length 4255 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierte)-250(Kapitel.)-17198(41)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(weiss-grauen)-433(Seidenschleier)-434(auf)-433(seiner)-434(klebrigen,)-479(mit)-433(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344rchen)-234(besetzten)-235(Oberfl\344che.)-244(Die)-235(Kr\344uter)-234(streiften)-234(feucht)-234(beim)]TJ 0 -13.549 Td [(Durchschreiten.)-461(Man)-320(f\374hlte)-321(die)-320(Erde)-320(sich)-321(ansetzen)-320(und)-320(schwer)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-342(unter)-341(den)-342(Schuhen.)-525(Der)-341(Wind)-342(blies)-341(mit)-342(einem)-341(Geruch)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-470(frischer)-470(W\344sche.)-909(Zwischen)-470(rothen)-470(Steinfassungen)-469(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Br\374cke)-297(floss)-297(breit)-297(ausgelaufen)-297(ein)-297(M\374hlbach.)-391(Niemand)-297(wusste,)]TJ 0 -13.549 Td [(ob)-223(es)-222(regnen)-223(w\374rde,)-228(aber)-222(inwendig)-223(war)-223(ein)-222(Tropfen)-223(und)-222(Sickern,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Th\344tigkeit)-250(des)-250(Wassers,)-250(das)-250(filterte,)-250(sich)-250(einsackte.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Der)-186(Wind)-186(erhob)-186(sich)-186(in)-186(den)-186(Pappelkronen.)-229(Sie)-186(verbeugten)-185(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-325(neigten)-325(ihre)-325(schlanken)-324(Ruthen)-325(gegeneinander.)-475(Die)-324(Ruthen)]TJ 0 -13.549 Td [(rieben)-347(sich)-347(und)-347(wechselten)-347(sehr)-347(schnell)-347(in)-346(der)-347(Ber\374hrung,)-371(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(Tasten)-284(eines)-283(Klaviers,)-292(die)-283(man)-284(nacheinander)-283(anklinkt,)-292(ein)-283(Spiel)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-317(St\344be,)-334(die)-317(Zeichen)-317(geben,)-333(eine)-317(Botschaft)-317(weitertragen.)-451(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-315(lange)-314(Reihe)-315(hindurch)-314(lief)-315(die)-314(Bewegung.)-444(Sie)-314(sch\374ttelten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(K\366pfe,)-250(rauschten)-250(und)-250(raunten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Erst)-472(kam)-471(es)-472(nur)-472(wie)-472(ein)-471(feiner,)-528(leichter)-471(Wasserstaub,)-527(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schleier)-611(im)-611(Gesicht,)-702(den)-611(der)-611(Wind)-611(nach)-611(Laune)-611(vor-)-611(und)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([71])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zur\374cktrieb.)-809(Graue)-436(Huschen)-436(zogen)-437(rasch)-436(wie)-436(Watteballen)-436(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-468(Luft.)-905(Dann)-468(wurde)-468(es)-469(wie)-468(ein)-468(leises)-468(Stossen,)-523(wie)-468(wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-359(in)-360(einem)-359(Kessel)-360(anfing)-359(langsam)-359(zu)-360(kochen.)-578(Man)-359(h\366rte)-359(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Klatschen)-248(auf)-248(nackte)-248(glatte)-248(H\344ute)-248(der)-248(Bl\344tter.)-249(Aber)-248(es)-248(kam)-248(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-401(durch.)-703(Sie)-401(sch\374tzten)-401(wie)-401(ein)-401(Regenschirm.)-703(Es)-400(rieselte,)]TJ 0 -13.549 Td [(rauschte,)-250(tropfte,)-250(pl\344tscherte)-250(...)-250(Es)-250(regnete.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Im)-312(Fr\374hlingsregen)-312(ging)-311(man)-312(wie)-312(in)-312(einer)-312(grauen)-311(Tarnkappe.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Alles)-219(erschien)-218(ohne)-219(Farbe,)-225(sehr)-219(jung)-218(noch,)-225(wie)-219(eben)-218(ausgebr\374tet,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-305(ob)-304(die)-305(Eih\344utchen)-305(noch)-305(herum)-304(w\344ren,)-319(eine)-304(F\366tuslandschaft.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-159(Nass)-159(begoss,)-177(trieb,)-177(schwellte.)-219(Unter)-159(den)-159(Fusssohlen)-158(sickerten)]TJ 0 -13.55 Td [(Lachen.)-381(Alles)-294(Gr\374n)-293(wurde)-294(grell,)-304(fast)-294(giftig.)-381(Die)-293(Blumenkronen)]TJ 0 -13.549 Td [(schienen)-296(gr\366sser,)-308(vom)-296(Wasser)-296(beschwert.)-387(Fast)-296(schwarz)-296(glichen)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-289(Baumrinden)-290(aufgebrochner)-289(Erde.)-368(Ein)-289(lauer)-289(Schweissgeruch)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-240(Br\374tens)-240(lagerte.)-247(Unter)-240(den)-240(Steinen)-240(h\366hlten)-240(sich)-240(L\366cher.)-246(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(Steine)-381(schienen)-380(dunkler.)-642(Ihre)-381(weissen)-380(Aederchen)-381(und)-380(Br\374che)]TJ 0 -13.55 Td [(zeigten)-321(sich)-322(sehr)-321(deutlich.)-464(Die)-321(Steine)-322(waren)-321(nicht)-321(steinern)-321(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Tropfen)-250(schlugen)-250(sie.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +239 0 obj << +/Type /Page +/Contents 240 0 R +/Resources 238 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +241 0 obj << +/D [239 0 R /XYZ 252.268 298.115 null] +>> endobj +242 0 obj << +/D [239 0 R /XYZ 274.383 188.085 null] +>> endobj +238 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +245 0 obj << +/Length 4433 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(42)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Dann)-394(kam)-394(ein)-394(gelber)-394(Schein)-394(von)-394(irgendwoher.)-682(Er)-393(flatterte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auf)-464(wie)-465(ein)-464(Vogel.)-893(Es)-464(war)-464(ein)-464(Spiel)-465(der)-464(Lichter)-464(ohne)-464(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Quelle)-388(des)-388(Lichts,)-423(ohne)-388(dass)-388(man)-388(wusste,)-422(woher)-388(die)-388(Strahlen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([72])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(kamen.)-234(Grosse)-202(Flecken)-202(von)-201(Klarheit)-202(rissen)-202(ein)-202(und)-201(vergr\366sserten)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-319(im)-318(Grau.)-456(Alles)-319(ging)-318(sehr)-319(rasch,)-336(wie)-318(das)-319(Anschlagen)-318(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Instruments,)-390(ein)-361(Finger,)-390(der)-361(sehr)-362(schnell)-361(\374ber)-362(Saiten)-362(l\344uft.)-584(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(giebt)-374(einen)-374(Klingklang)-374(hier)-373(und)-374(da,)-405(aber)-374(noch)-374(keine)-373(Melodie.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-300(Regenstriche)-300(schienen)-300(blank)-300(und)-300(spr\374hend.)-400(Einen)-300(Moment)]TJ 0 -13.549 Td [(funkelte)-276(Alles.)-326(Ein)-275(Regenbogen)-276(stand)-275(sicher)-276(geschwungen)-275(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(Landschaft,)-250(ein)-250(zweiter)-250(verschwamm)-250(zitternd)-250(im)-250(Grauen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Die)-250(V\366gel)-250(fingen)-250(sch\374chtern)-250(wieder)-250(an)-250(zu)-250(piepen.)]TJ 0 -15.186 Td [(...)-1158(Man)-553(sah)-553(keinen)-553(Menschen)-553(des)-552(Abends.)-1159(Ueber)-552(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Felder)-440(zogen)-440(Nebel.)-819(Am)-439(Waldrand)-440(schien)-440(sich)]TJ/F21 10.9091 Tf 220.45 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-440(zu)-439(brauen,)]TJ -224.083 -13.549 Td [(zusammenzurotten.)-284(Man)-261(unterschied)-262(die)-261(einzelnen)-261(B\344ume)-261(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(mehr.)-673(Es)-391(waren)-391(Alles)-391(Rundungen,)-426(wie)-391(Hammelr\374cken,)-426(Riste)]TJ 0 -13.549 Td [(flockiger)-303(Widder)-303(sehr)-304(eng)-303(zusammengepresst.)-409(Das)-303(wiederholte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-359(unendlich.)-579(Es)-359(schien)-359(wie)-360(ein)-359(Meer,)-387(das)-359(da)-359(angewachsen,)]TJ 0 -13.549 Td [(festgenagelt)-282(war,)-290(dunkel,)-290(drohend,)-290(gierig,)-290(immer)-282(dieselbe)-282(Form)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-268(immer)-267(tieferen)-268(Schatten,)-272(R\366then,)-272(Violetten,)-272(die)-268(der)-268(Tag)-267(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(kannte.)-705(Das)-402(drang)-401(vorw\344rts,)-440(frass)-402(sich)-401(weiter,)-440(eine)-401(schlechte)]TJ 0 -13.549 Td [(Anziehung)-324(schien)-324(von)-324(ihm)-323(auszugehen,)-343(etwas)-324(von)-323(Hexenkraft,)]TJ 0 -13.549 Td [(R\344thselhaftigkeit,)-411(Unerl\366stem.)-635(Sehr)-379(sanft)-378(schmiegten)-379(sich)-378(die)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([73])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Saaten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.619 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.209 0 Td [(Ein)-252(Reh)-253(trat)-252(heraus.)-258(Es)-252(\344ugte)-253(mit)-252(merkenden)-253(Lichtern,)]TJ -42.828 -13.549 Td [(spitzte)-264(die)-265(Horcher,)-268(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.268 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.516 0 Td [(es)-264(sich)-265(zum)-264(Aesen)-264(b\374ckte.)-293(Dann)-265(kamen)]TJ -105.784 -13.55 Td [(mehrere.)-246(Man)-238(glaubte)-238(den)-237(leichten)-238(Anschlag)-238(ihrer)-238(Hufe)-238(auf)-237(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Rasen)-367(zu)-366(h\366ren,)-396(wie)-366(sie)-367(sich)-367(bewegten,)-395(malmten.)-600(Nun)-366(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(Einem)-250(wohler.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(...)-915(Die)-472(Kastanien)-471(trieben)-472(eidicke)-472(Knospen.)-915(Bl\344ttchen)-471(an)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bl\344ttchen)-551(faltete)-551(sich)-551(in)-551(dr\344ngender)-551(Enge,)-626(rundlich,)-626(breiter)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-448(Grunde)-448(und)-448(spitz)-447(zulaufend)-448(im)-448(Abschluss.)-844(Der)-447(klebrige)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebenssaft)-206(hielt)-206(sie)-205(alle)-206(zusammen.)-235(Zartbraun)-206(waren)-206(die)-205(\344ussren,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-379(d\374nne)-379(abfallende)-379(Schalen,)-411(die)-379(ihren)-379(Dienst)-379(gethan)-378(haben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-317(inneren)-317(blieben)-316(weiss)-317(und)-317(lichtgelb,)-333(wie)-317(feines)-317(Fleisch)-316(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Eier,)-250(das)-250(man)-250(isst.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +244 0 obj << +/Type /Page +/Contents 245 0 R +/Resources 243 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +246 0 obj << +/D [244 0 R /XYZ 228.704 491.077 null] +>> endobj +247 0 obj << +/D [244 0 R /XYZ 151.721 230.369 null] +>> endobj +243 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +250 0 obj << +/Length 4753 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierte)-250(Kapitel.)-17198(43)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-399(fand)-400(einen)-399(jungen)-400(Mann)-399(unter)-400(dem)-399(Kastanienbaum.)-698(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hielt)-250(ein)-250(Buch)-250(auf)-250(seinen)-250(Knieen,)-250(aber)-250(er)-250(las)-250(nicht.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Er)-355(sprach)-356(zu)-355(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 85.735 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-355(liest)-356(Du)-355(nicht)-356(in)-355(Deinem)-356(Buch,)]TJ -102.534 -13.549 Td [(das)-250(Du)-250(h\344ltst?)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.811 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.855 -14.367 Td [(Er)-481(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.81 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dieses)-481(Buch)-480(habe)-481(ich)-481(gelesen,)-538(viele)-481(B\374cher,)]TJ -71.61 -13.549 Td [(alle)-387(B\374cher)-386(der)-387(Welt,)-421(die)-387(ich)-386(finden)-387(konnte.)-660(Ihre)-387(Worte)-386(sind)]TJ 0 -13.55 Td [(Buchstaben)-336(und)-336(ihr)-336(Wissen)-337(ist)-336(Worte.)-508(Jetzt)-336(lese)-336(ich)-336(gar)-336(nichts)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([74])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mehr.)-250(Ich)-250(bin)-250(nur)-250(hier)-250(und)-250(studire)-250(den)-250(Baum.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Recht)-479(herrlich)-478(anzusehen)-479(ist)-478(dieser)-479(Baum.)-936(Aufgepflanzt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(auf)-446(starken)-447(Wurzeln,)-495(unter)-446(der)-446(Erde)-447(gegr\374ndet)-446(wie)-446(\374ber)-446(ihr.)]TJ 0 -13.55 Td [(Der)-587(Mittelstamm)-587(reckt)-586(sich)-587(stolz)-587(und)-586(gerade.)-1261(Jedes)-586(Jahr)]TJ 0 -13.549 Td [(weitet)-543(sich)-544(der)-543(Ring.)-1130(Eine)-543(Schnur)-544(f\374gt)-543(sich)-543(mystisch)-543(zur)]TJ 0 -13.549 Td [(Schnur)-264(der)-264(gewesnen,)-268(die)-264(die)-264(Vergangenheit)-265(zeichnen,)-267(und)-264(jene)]TJ 0 -13.549 Td [(Zuk\374nftiges.)-827(So)-442(entsendet)-442(er)-442(Aeste)-443(ringsum)-442(im)-442(Kreise)-442(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(allen)-341(vier)-341(Richtungen)-340(der)-341(Sonne,)-363(dass)-341(die)-341(Sonne)-341(sie)-340(bescheine)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-492(wachsen)-493(macht.)-977(Kleine)-493(Zweige)-492(schiessen)-493(auf)-492(von)-492(den)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen,)-349(aus)-329(knorrigen)-330(H\366hlen,)-349(wo)-329(das)-329(Geheimniss)-329(der)-329(Geburt)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(erneuert.)-250(Diese)-250(wieder)-250(theilen)-250(sich)-250(in)-250(f\344chernde)-250(Finger.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Keine)-546(Regel)-545(scheint)-546(in)-545(dem)-546(Ganzen)-546(und)-545(stolz)-546(giebt)-546(er)]TJ -16.799 -13.55 Td [(die)-402(Rundung)-402(des)-402(Erdballs)-402(wieder.)-706(Fast)-402(flach)-402(breiten)-402(sich)-402(die)]TJ 0 -13.549 Td [(untern)-301(tragenden)-302(Aeste.)-404(Die)-301(mittleren)-301(reichen)-302(an)-301(den)-301(Kreis)-301(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Aequators.)-228(Zum)-184(Pole)-184(der)-185(Spitze)-184(f\374gen)-184(sich)-184(in)-184(sch\344rferer)-184(Steigung)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(oberen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-403(Alles)-402(lebt.)-708(Die)-403(Wurzel)-403(entsendet)-402(die)-403(Kr\344fte,)-441(die)-403(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Aeste)-259(leiten.)-276(Zur)-259(\344ussersten)-259(Spitze)-259(des)-259(\344rmlichsten)-259(Stieles)-258(steigt)]TJ 0 -13.549 Td [(pulsender)-357(Saft,)-383(der)-357(schw\344rt)-357(und)-357(gebiert.)-570(Ohne)-357(Ende)-357(ist)-356(dieses)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben,)-366(grossm\374thig)-343(und)-342(doch)-343(sparsam.)-528(Es)-343(scheint)-343(zu)-342(schlafen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([75])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-252(wirkt)-253(doch)-252(in)-252(der)-252(Stille.)-257(Prangend)-252(steht)-252(es)-253(in)-252(der)-252(Bl\374the)-252(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sicher)-378(reift)-378(doch)-378(die)-378(Frucht.)-633(Es)-378(giebt)-378(kein)-378(Meistern)-378(an)-377(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Form)-303(und)-303(Bestimmung.)-409(Denn)-303(Alles)-303(ist)-303(meisterlich)-303(von)-303(Anfang)]TJ 0 -13.549 Td [(gegr\374ndet)-299(wie)-299(es)-299(sein)-298(muss,)-311(bis)-299(er)-299(stirbt,)-311(sein)-299(Tag)-299(um)-299(ist,)-311(da)-298(er)]TJ 0 -13.549 Td [(lebte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -11.979 -14.368 Td [(Er)-261(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.616 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bist)-261(Du)-261(also)-261(weit)-261(und)-261(hast)-261(Du)-261(dies)-261(Alles)-261(erkannt,)]TJ -64.416 -13.549 Td [(so)-315(will)-315(ich)-314(Dir)-315(mehr)-315(sagen,)-331(das)-314(wichtiger)-315(ist)-315(denn)-315(Werden)-314(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +249 0 obj << +/Type /Page +/Contents 250 0 R +/Resources 248 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +251 0 obj << +/D [249 0 R /XYZ 137.157 435.243 null] +>> endobj +252 0 obj << +/D [249 0 R /XYZ 80.752 161.805 null] +>> endobj +248 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +255 0 obj << +/Length 4512 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(44)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sterben.)-250(Lass)-250(Dein)-250(Buch)-250(und)-250(den)-250(Baum)-250(und)-250(folge)-250(mir.)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.673 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -227.717 -14.163 Td [(So)-250(folgte)-250(ihm)-250(dieser.)]TJ 0 -14.163 Td [(Zwei)-201(Br\374der,)-211(Maurermeister,)-211(lebten)-201(in)-201(einer)-201(kleinen)-201(Stadt.)-233(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lebten)-355(dort)-356(schlicht)-355(und)-355(redlich,)-382(waren)-355(verheirathet)-355(und)-355(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder.)-245(Ihr)-236(Gut)-236(mehrten)-236(sie)-235(t\344glich)-236(und)-236(sie)-236(hatten)-236(zusammen)-235(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366nes)-264(Haus)-264(gebaut,)-268(dass)-264(sie)-265(dort)-264(auf)-264(ihrem)-264(Eignen)-264(s\344ssen)-264(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(Tage)-250(friedlich)-250(endeten.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Sprach)-398(der)-397(Eine)-398(zum)-397(Andern:)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.053 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-398(hilft)-397(es)-398(uns)-397(nun,)-435(dass)]TJ -158.853 -13.55 Td [(unser)-319(Gut)-318(sich)-319(mehrt)-318(von)-319(der)-318(Arbeit)-319(unsrer)-318(H\344nde,)-336(unser)-318(Haus)]TJ 0 -13.549 Td [(fest)-247(und)-248(stattlich)-247(steht?)-249(Wir)-248(m\374ssen)-247(doch)-248(sterben.)-249(Die)-247(Zeit)-247(reisst)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-250(ein,)-250(was)-250(wir)-250(gebaut)-250(haben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -116.193 -14.163 Td [(Der)-574(Andre)-573(sprach)-574(zu)-574(seinem)-574(Bruder:)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.702 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-574(kenne)-573(einen)]TJ -204.502 -13.549 Td [(Fremden,)-569(der)-505(Worte)-505(weiss)-505(st\344rker)-506(wie)-505(das)-505(Leben.)-1015(Was)-505(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([76])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(meint,)-238(bindet)-235(keine)-235(Zeit.)-246(Mauern)-235(fassen)-235(es)-235(nicht,)-238(die)-235(st\344rker)-235(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(unsre.)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.837 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -32.881 -14.163 Td [(Er)-429(sprach,)-473(der)-428(der)-429(\344ltre)-429(Bruder)-428(war)-429(und)-428(der)-429(Weiseste)-428(von)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Beiden:)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.515 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Diesen)-222(Mann)-223(muss)-222(ich)-223(h\366ren.)-241(Und)-222(wenn)-222(ich)-223(alle)-222(meine)]TJ -41.359 -13.55 Td [(G\374ter)-406(dahintenlasse,)-445(was)-405(das)-406(Herz)-406(froh)-406(macht,)-445(ein)-406(Weib)-405(und)]TJ 0 -13.549 Td [(junge)-230(Kinder.)-243(Es)-230(ist)-229(wichtiger,)-234(dass)-230(ich)-229(habe,)-234(was)-230(ewig)-229(bleibt.)-243(In)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-260(bauen,)-263(dass)-260(man)-260(fest)-260(wird,)-263(ist)-260(mehr)-260(denn)-260(H\344user)-260(bauen,)-262(die)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Sturm)-250(einreisst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 85.146 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -73.19 -14.163 Td [(Diese)-250(Beiden)-250(gingen)-250(und)-250(suchten)-250(den)-250(Fremden)-250(auf.)]TJ 0 -14.163 Td [(Sie)-652(waren)-651(aber)-652(redliche)-652(Leute,)-752(wohlgeachtet)-652(von)-651(allen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Menschen)-558(und)-557(von)-558(nachdenklicher)-557(Gem\374thsart,)-634(wie)-558(es)-557(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Handwerk)-359(mit)-359(sich)-359(bringt.)-577(Denn)-359(ein)-359(Maurermeister)-359(in)-358(seinem)]TJ 0 -13.55 Td [(Handwerk,)-219(so)-211(er)-212(es)-211(recht)-211(versteht)-211(und)-212(ernst)-211(nimmt,)-219(ist)-211(etwas)-211(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(lieben)-264(Gott)-265(und)-264(Sch\366pfer)-264(selbst,)-268(der)-264(die)-264(Welt)-264(geschaffen)-265(hat.)-292(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344lt)-254(in)-255(seiner)-254(Hand)-255(Thon)-254(und)-254(M\366rtel.)-263(Was)-255(er)-254(baut,)-256(soll)-254(f\374r)-254(Jahre)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-374(Jahrzehnte)-373(sein,)-404(wohlgegr\374ndet)-374(und)-373(ausgemessen)-374(in)-373(allen)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-320(Theilen,)-337(dass)-319(nicht)-320(das)-319(Hohe)-320(auf)-319(das)-320(Niedrige)-319(falle,)-337(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Boden)-330(nachgiebt)-331(unter)-330(zu)-330(schwerer)-331(Belastung)-330(von)-330(Schn\366rkeln,)]TJ 0 -13.549 Td [(Pfeilern,)-250(buntausgemalten)-250(Fenstern.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([77])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Alle)-347(diese)-348(und)-347(Andre,)-372(an)-348(der)-347(Landstrasse,)-372(sah)-348(und)-347(fand)-347(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fremde.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +254 0 obj << +/Type /Page +/Contents 255 0 R +/Resources 253 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 232 0 R +>> endobj +256 0 obj << +/D [254 0 R /XYZ 258.418 353.13 null] +>> endobj +257 0 obj << +/D [254 0 R /XYZ 93.543 91.476 null] +>> endobj +253 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +260 0 obj << +/Length 4899 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierte)-250(Kapitel.)-17198(45)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Manchmal,)-243(wenn)-241(Viele)-241(beisammen)-241(waren,)-243(an)-241(einem)-240(Wegrain)]TJ -11.956 -13.549 Td [(oder)-250(auf)-250(der)-250(Rasenh\366he)-250(\374ber)-250(dem)-250(Teich,)-250(sprach)-250(er)-250(zu)-250(ihnen.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Er)-269(sprach)-268(ihnen)-269(von)-269(der)-269(Armuth)-268(des)-269(Reichthums)-269(und)-269(wie)-268(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gering)-250(sind)-250(und)-250(Knechte,)-250(die)-250(streben)-250(und)-250(hochstehen.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Von)-397(den)-398(Th\366richten)-397(des)-398(Herzens)-397(und)-398(den)-397(Armen)-398(im)-397(Geist)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sagte)-283(er)-282(ihnen)-283(s\374sse,)-291(geheimnissvolle)-283(Wort)1(e.)-348(Und)-283(von)-283(der)-282(G\374te)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-419(Unklugen,)-461(die)-419(weiser)-419(ist)-419(denn)-419(Weisheit)-419(und)-419(st\344rker)-418(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(St\344rke)-250(aller)-250(Gewaffneten)-250(und)-250(Starken.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Kleine)-317(Kinder)-318(umstanden)-317(seine)-317(Kniee)-317(und)-318(sahen)-317(zu)-317(ihm)-317(auf)]TJ -11.956 -13.55 Td [(mit)-409(grossen,)-448(unbewussten,)-448(gl\344ubigen)-408(Augen.)-726(Sehr)-408(alte)-408(Leute)]TJ 0 -13.549 Td [(nickten)-326(in)-325(tiefen)-326(Meditationen.)-476(M\374tter)-326(hielten)-325(sich)-326(l\344chelnd)-325(an)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-259(ihren)-259(S\344uglingen)-259(an)-258(der)-259(Brust,)-261(die)-259(nach)-259(der)-259(n\344hrenden)-258(Zitze)]TJ 0 -13.549 Td [(lallend)-250(griffen,)-250(sie)-250(patschten)-250(mit)-250(ihren)-250(rosigen)-250(H\344ndchen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-267(Liebe)-268(kennt)-267(kein)-268(Gesetz.)-302(Sie)-268(ist)-267(\374ber)-268(dem)-267(Gesetz.)-303(Alles)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Gesetz)-250(ist)-250(in)-250(ihr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.509 0 Td [(\034)]TJ -59.553 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gieb!)-238(Man)-212(wird)-213(Dir)-213(nicht)-213(stehlen,)-220(wenn)-213(Deins)-213(ist)-213(wie)-213(Deines)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Bruders)-250(und)-250(Deines)-250(Bruders)-250(wie)-250(Deins.)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.302 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 117.722 0 Td [([78])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-291(Unkeuschheit)-291(ist)-291(nicht)-292(in)-291(der)-291(That.)-373(In)-291(der)-291(Scham)-292(schon)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ist)-250(S\374nde.)-250(Der)-250(Gedanke)-250(der)-250(Wollust)-250(schl\344gt)-250(und)-250(besch\344digt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 262.385 0 Td [(\034)]TJ -250.429 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-270(das)-270(Wort)-270(ist)-270(L\374ge,)-275(der)-270(Eid)-270(betheuert)-270(nicht.)-310(Eure)-270(Rede)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sei)-250(klar,)-250(weil)-250(Euer)-250(Denken)-250(Wahrheit)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.113 0 Td [(\034)]TJ -163.157 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-481(Hass,)-540(der)-481(keinen)-481(Widerstand)-482(findet,)-539(erlahmt)-481(in)-482(ihm)]TJ -16.799 -13.549 Td [(selbst,)-250(wie)-250(der)-250(Stein,)-250(der)-250(geworfen)-250(wird)-250(und)-250(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.207 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(Wasser)-250(f\344llt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.105 0 Td [(\034)]TJ -257.989 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(widerstrebet)-250(dem)-250(Uebel)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.843 -13.996 Td [(Die)-372(kleinen)-371(Blumen)-372(bl\374hten)-371(mit)-372(tiefen,)-402(duftenden)-371(Kelchen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Feiner)-689(wie)-689(k\366stlichste)-689(Seide)-689(waren)-689(ihre)-689(Bl\344ttchen.)-1566(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Staubf\344den)-770(standen)-770(wie)-770(brennende)-770(Kerzen,)-900(Goldkrystalle)]TJ 0 -13.549 Td [(edelster)-504(Kronleuchter.)-1012(Auf)-504(gr\374nen)-504(Stengeln)-504(trugen)-504(sie)-503(ihre)]TJ 0 -13.55 Td [(H\344upter)-276(wie)-276(Kronen.)-329(Die)-276(Luft)-276(war)-276(schwanger)-276(von)-276(ihren)-276(D\374ften)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-230(die)-230(Winde)-229(trugen)-230(ihre)-230(Samen.)-243(Die)-230(V\366gel)-230(kamen)-230(sorglos)-229(und)]TJ 0 -13.549 Td [(pickten)-190(ihre)-191(Nahrung.)-230(Im)-191(Gras)-190(athmeten)-191(Cicaden)-190(und)-190(M\374ckchen,)]TJ 0 -13.549 Td [(K\344fer,)-250(Gew\374rme)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.026 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ein)-250(tausendf\344ltiges)-250(Leben.)]TJ/F21 10.9091 Tf -72.252 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-283(sorget)-283(Ihr)-283(Euch?)-349(Alles)-283(Leben)-283(findet)-283(seine)-283(Nahrung.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Alles)-209(Lebendige)-209(erf\374llt)-209(seine)-210(Bestimmung)-209(des)-209(Lebens.)-236(Ihr)-209(sorget)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +259 0 obj << +/Type /Page +/Contents 260 0 R +/Resources 258 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +261 0 obj << +/D [259 0 R /XYZ 46.771 299.015 null] +>> endobj +258 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +265 0 obj << +/Length 3997 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(46)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-329(sammelt)-329(Sch\344tze.)-486(Die)-329(Motten)-329(zerfressen)-329(sie)-329(und)-329(der)-328(Rost,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Diebe)-250(graben)-250(danach)-250(und)-250(stehlen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 163.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -236.348 0 Td [([79])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-371(Reiche)-371(ist)-372(arm)-371(und)-371(der)-371(Arme)-371(ist)-371(reich.)-614(Stark)-371(ist,)-402(wer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(fest)-366(steht)-365(in)-366(sich)-366(selbst.)-597(Der)-365(weise)-366(geworden)-366(ist)-365(in)-366(Gott,)-394(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(haben)-239(St\374rme,)-240(Hass)-239(der)-239(Menschen)-238(und)-239(Noth)-238(nichts)-239(an.)-246(Die)-238(Welt)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-329(dem)-329(Menschen)-329(gegeben.)-487(Ueber)-329(der)-329(Welt)-329(steht)-329(der)-329(Mensch,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-308(die)-307(Welt)-308(in)-308(sich)-308(tr\344gt.)-423(Gott)-307(ist)-308(in)-308(Euch)-307(und)-308(Ihr)-308(seid)-307(Gottes.)]TJ 0 -13.549 Td [(Erwacht)-479(zu)-479(Eurer)-479(Herrlichkeit!)-937(Ein)-479(k\366nigliches)-479(Volk,)-536(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366nige,)-350(Herren)-330(Alle)-330(und)-330(Freie,)-350(die)-330(Ihrer)-330(selbst)-330(Herr)-329(geworden)]TJ 0 -13.55 Td [(sind.)]TJ/F21 10.9091 Tf 20.913 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -8.957 -13.549 Td [(Sehr)-727(sch\366n)-728(war)-727(er)-727(mit)-727(seiner)-728(strahlenden)-727(Stirn,)-846(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(melodienreichen)-306(Mund,)-321(dem)-307(die)-306(Worte)-306(entstr\366mten,)-321(die)-306(H\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(lang)-398(und)-398(fein)-398(mit)-397(heilender)-398(Ber\374hrung.)-694(Seine)-398(Worte)-397(klangen)]TJ 0 -13.549 Td [(lieblich)-629(wie)-628(Musik.)-1386(Und)-629(in)-629(ihnen)-628(war)-629(die)-629(Tiefe.)-1385(Der)]TJ 0 -13.55 Td [(blaue)-604(Himmel)-604(spannte)-603(sich)-604(\374ber)-604(ihn,)-692(blau,)-692(ganz)-604(blau,)-692(in)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-335(lichterem)-335(Blau)-334(bis)-335(zur)-335(l\344chelnden)-335(Sonne,)-356(\374ber)-335(die)-334(Erde)]TJ 0 -13.549 Td [(gestellt)-301(mit)-301(gr\374nsammetnem)-301(Rain,)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.39 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.736 0 Td [(einen)-301(K\366nig)-301(im)-301(schlichten)]TJ -164.126 -13.549 Td [(Bettlergewand,)-613(einen)-540(Gebietenden)-539(auf)-540(dem)-540(Feldstein)-540(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(Throns.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Die)-250(Leute)-250(kamen)-250(von)-250(weit,)-250(ihn)-250(zu)-250(h\366ren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Etliche)-335(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 70.051 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-335(sind)-335(Gedichte.)-506(Wir)-335(haben)-335(das)-335(schon)-335(oft)]TJ -86.851 -13.549 Td [(geh\366rt,)-250(so)-250(oder)-250(so.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.291 0 Td [(\034)-250(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 15.753 0 Td [(Aber)-250(sie)-250(hatten)-250(viel)-250(zu)-250(thun)-250(und)-250(gingen.)]TJ -84.088 -13.549 Td [(Viele)-158(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.485 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-158(ist)-158(Alles)-158(L\374ge.)-220(Tr\344umereien)-158(sind)-158(das.)]TJ/F21 10.9091 Tf 177.655 0 Td [(\034)-158(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.748 0 Td [(Sie)]TJ/F16 7.9701 Tf -339.443 0 Td [([80])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(erkl\344rten)-292(lange,)-301(wie)-292(es)-291(besser)-292(zu)-291(machen)-292(sei)-291(mit)-292(dem)-291(Aufh\366ren)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-390(Militairlasten)-390(oder)-390(einer)-390(neuen)-390(Steuerordnung)-390(oder)-389(indem)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-250(die)-250(G\374ter)-250(anders)-250(vertheilte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Sie)-398(waren)-399(die)-398(Kl\374gsten.)-695(Aber)-398(die)-399(Meisten)-398(gingen)-398(hin)-398(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(thaten)-250(weiter,)-250(wie)-250(sie)-250(vorher)-250(gethan)-250(hatten.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Und)-250(war)-250(Niemand,)-250(der)-250(ihn)-250(verstand.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +264 0 obj << +/Type /Page +/Contents 265 0 R +/Resources 263 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +266 0 obj << +/D [264 0 R /XYZ 93.543 502.248 null] +>> endobj +267 0 obj << +/D [264 0 R /XYZ 309.303 220.093 null] +>> endobj +263 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +268 0 obj +<< /S /GoTo /D (index5) >> +endobj +271 0 obj +(Das fuenfte Kapitel.) +endobj +274 0 obj << +/Length 3388 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([81])]TJ/F16 18.9589 Tf -223.489 -68.625 Td [(Das)-270(f\374nfte)-271(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -67.535 -36.73 Td [(Es)-349(begab)-348(sich,)-373(da)-349(er)-348(m\374de)-349(war,)-373(setzte)-348(er)-349(sich)-348(nieder)-349(an)-348(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Brunnen.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Ein)-372(sehr)-371(lieblicher)-372(Platz)-372(war)-372(es.)-615(Weidenzweige)-372(hingen)-371(tief)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wie)-337(feine)-337(wehende)-337(Schleier.)-511(In)-337(der)-337(gemauerten)-337(H\366hlung)-337(h\366rte)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-272(es)-272(murmeln)-272(vom)-272(schw\344rzlichen,)-277(verborgnen)-272(Wasser.)-315(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(Gras)-228(ringsum)-228(war)-228(gr\374n,)-233(sammetgr\374n)-228(mit)-228(Schatten,)-232(wie)-228(der)-228(Wind)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-313(wehte)-313(oder)-313(die)-312(Sonne)-313(fiel.)-439(Eine)-313(Stille)-312(war)-313(in)-313(der)-313(Luft,)-328(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Klage)-371(der)-371(Feuchtigkeit,)-401(die)-370(der)-371(Nacht)-371(vorangeht,)-401(denn)-371(es)-370(war)]TJ 0 -13.55 Td [(Abendd\344mmerung.)-563(Nur)-354(die)-354(Heimchen)-354(zirpten.)-563(Man)-354(h\366rte)-354(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Locken)-309(der)-310(V\366gel,)-324(aber)-310(befriedigt,)-324(nur)-309(mehr)-310(wie)-309(ein)-309(Glucksen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-308(Winde)-309(auch)-308(kamen)-308(sacht,)-323(mit)-308(etwas)-308(lebhafterem)-308(Rauschen)]TJ 0 -13.549 Td [(oben)-250(in)-250(den)-250(Baumkronen.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Er)-250(setzte)-250(sich)-250(auf)-250(die)-250(Steinbr\374stung)-250(des)-250(Brunnens.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([82])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.411 Td [(Eine)-309(Frau)-310(kam.)-428(Sie)-310(ging)-309(langsam)-310(und)-309(hielt)-310(eine)-309(Reitgerte)-309(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-382(Hand.)-644(Der)-382(Saum)-381(ihrer)-382(grauen)-381(Amazone)-382(fegte)-381(schleppend)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-441(Boden.)-823(Sie)-440(f\374hrte)-441(ein)-441(weisses)-441(Pferd)-441(am)-441(Z\374gel.)-823(Es)-440(trat)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-314(leicht)-314(auf,)-330(dass)-315(man)-314(seinen)-314(Hufschlag)-314(nicht)-314(h\366rte,)-330(den)-314(Kopf)]TJ 0 -13.549 Td [(hielt)-376(es)-377(gesenkt,)-407(als)-377(wollte)-376(es)-376(sich)-376(bem\374hen,)-408(die)-376(Saatsprossen)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-278(erhaschen,)-285(und)-278(schnoberte)-278(leise)-278(aus)-278(rosa)-278(feinen)-278(N\374stern.)-333(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Windspiel)-359(sprang)-359(auf)-359(ihrer)-360(andern)-359(Seite.)-577(Es)-359(streckte)-359(zuweilen)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-320(liebkosend)-321(seinen)-320(schmalen)-320(spitzen)-321(Kopf)-320(in)-320(ihre)-320(h\344ngende)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand.)-359(Sie)-287(ging)-286(in)-286(tiefen)-287(Gedanken.)-359(Ihre)-286(Haare)-287(waren)-286(in)-286(dicken)]TJ 0 -13.549 Td [(Flechten)-202(gewunden,)-212(weit)-203(unten)-202(im)-202(Nacken)-203(aufgesteckt,)-212(als)-202(ob)-202(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-212(schwer)-212(w\344ren)-213(f\374r)-212(ihren)-212(schmalen)-212(Kopf.)-238(Sie)-212(ging)-212(sehr)-212(langsam)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-408(hielt)-408(die)-408(Augen)-408(zur)-408(Erde)-407(gerichtet,)-448(wie)-408(wenn)-408(sie)-407(suchte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-235(suchte)-236(mit)-235(der)-236(schwanken)-235(zitternden)-235(Spitze)-236(der)-235(Reitgerte)-235(auf)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +273 0 obj << +/Type /Page +/Contents 274 0 R +/Resources 272 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +275 0 obj << +/D [273 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +269 0 obj << +/D [273 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +276 0 obj << +/D [273 0 R /XYZ 46.771 240.765 null] +>> endobj +272 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +279 0 obj << +/Length 5068 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(48)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dem)-220(Boden.)-239(Der)-220(Hund)-219(lief)-220(neben)-219(ihr)-220(und)-219(sah)-220(sie)-219(an.)-240(Er)-219(versuchte)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-273(Augen)-274(zu)-273(fangen.)-320(Aber)-274(sie)-273(antworteten)-274(seinem)-273(Blick)-273(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-394(ging)-394(und)-394(f\374hrte)-394(das)-394(weisse)-394(Pferd)-394(am)-394(Z\374gel.)-682(Ganz)-394(weiss,)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-273(gesenktem)-274(Kopf)-273(folgte)-274(es,)-279(ein)-273(edles,)-280(geduldiges,)-279(sehr)-273(feines)]TJ 0 -13.55 Td [(Thier.)]TJ 11.956 -14.094 Td [(Gerade)-224(\374ber)-223(die)-224(Wiese)-223(kam)-224(sie,)-228(zu)-224(der)-224(Quelle,)-228(wo)-224(der)-223(Fremde)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sass.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([83])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.094 Td [(Sie)-242(seufzte.)-247(Gegen\374ber)-243(am)-242(Brunnen)-242(sass)-242(der)-242(Fremde.)-247(Und)-242(sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sah)-250(ihn)-250(nicht.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Sie)-250(hob)-250(die)-250(Augen)-250(auf)-250(und)-250(sah)-250(ihn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(bist)-250(Du)-250(ungl\374cklich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 126.349 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -138.763 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-311(bin)-311(ungl\374cklich,)-327(weil)-311(ich)-311(gl\374cklich)-311(bin.)-433(Ich)-311(habe)-312(Alles,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(was)-321(die)-322(Menschen)-321(Gl\374ck)-321(nennen.)-464(Ich)-322(wohne)-321(in)-321(einem)-321(Schloss)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-389(Reichthum.)-668(Meine)-390(Eltern)-389(hielten)-389(alle)-390(Sorge)-389(fern)-389(von)-389(mir.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-444(habe)-444(einen)-444(Mann,)-492(der)-444(mich)-444(anbetet,)-493(gute)-444(Kinder.)-831(Doch)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-314(ich)-314(ungl\374cklich.)-442(Ich)-314(gehe)-314(zu)-314(diesem)-314(Brunnen,)-330(um)-314(Ruhe)-313(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(finden,)-403(weil)-372(mein)-373(Schmerz)-372(sich)-372(aufl\366st)-373(in)-372(dem)-372(der)-373(Natur,)-402(der)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(diesem)-250(Ort)-250(lagert.)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.309 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Warum)-250(ist)-250(sie)-250(ungl\374cklich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.683 0 Td [(\034)]TJ -219.218 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Weil)-250(sie)-250(sterblich)-250(ist)-250(und)-250(verg\344nglich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 165.436 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -170.28 -14.095 Td [(Die)-561(junge)-561(Frau)-560(seufzte)-561(tiefer.)-1182(Die)-561(Zweige)-561(der)-561(Weiden)]TJ -11.955 -13.549 Td [(rauschten)-458(auf)-458(wie)-459(leichte,)-510(faltige)-458(Frauengew\344nder)-458(und)-458(fielen)]TJ 0 -13.55 Td [(zusammen.)-652(Der)-384(Hund)-384(schob)-384(liebkosend)-384(seine)-384(kalte)-384(Nase)-384(ein.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ueber)-490(die)-490(Felder)-489(trug)-490(der)-490(Wind)-489(die)-490(Klage)-490(der)-490(Weiden)-489(und)]TJ 0 -13.549 Td [(geheimnissvoll)-289(in)-289(der)-289(Tiefe)-289(gluckste)-289(und)-289(murmelte)-289(das)-288(Wasser.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sind)-254(wir)-255(es)-254(nicht)-255(auch?)-263(Verg\344nglich)-255(und)-254(sterblich?)-263(Der)-255(Tod)-254(ist)]TJ -4.844 -13.549 Td [(in)-281(Allem.)-341(Das)-280(Sch\366ne)-281(hat)-280(keine)-281(Dauer.)-341(Die)-281(Leidenschaft)-280(flieht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-287(Tag)-287(unsrer)-287(Kraft)-287(ist)-287(der)-287(unsrer)-287(G\374te.)-361(Wenn)-287(wir)-287(krank)-287(sind,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([84])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(sind)-270(wir)-270(selbsts\374chtig,)-276(schlecht,)-275(Andre)-270(qu\344lend)-270(und)-270(gequ\344lt)-270(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihnen.)-250(Aller)-250(Anstrengung)-250(Ende)-250(ist)-250(der)-250(Tod.)]TJ/F21 10.9091 Tf 189.065 0 Td [(\034)]TJ -177.11 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(giebt)-250(etwas)-250(\374ber)-250(dem)-250(Tod,)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.676 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -142.091 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-345(giebt)-345(etwas,)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.82 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.606 0 Td [(sagte)-345(sie)-345(in)-345(sehr)-345(tiefen)-344(Gedanken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.638 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-369(es)]TJ -255.707 -13.549 Td [(muss)-283(etwas)-282(geben.)-348(Man)-283(denkt)-283(nicht)-282(daran,)-291(wenn)-283(man)-282(gl\374cklich)]TJ 0 -13.55 Td [(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.42 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.401 0 Td [(All)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.942 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.579 0 Td [(diese)-362(Tiefen)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.783 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.4 0 Td [(diese)-362(Schmerzen!)-585(Diese)-362(Schmerzen)]TJ -118.525 -13.549 Td [(m\374ssen)-250(unsterblich)-250(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.964 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +278 0 obj << +/Type /Page +/Contents 279 0 R +/Resources 277 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +280 0 obj << +/D [278 0 R /XYZ 93.543 436.236 null] +>> endobj +281 0 obj << +/D [278 0 R /XYZ 307.616 162.077 null] +>> endobj +277 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +284 0 obj << +/Length 5756 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfte)-250(Kapitel.)-17087(49)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Schmerzen)-250(sind)-250(unsterblich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 141.796 0 Td [(\034)]TJ -146.639 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-297(Ahnung)-296(des)-297(Unendlichen)]TJ/F21 10.9091 Tf 134.13 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.689 0 Td [(diese)-297(Sehnsucht)-296(hinaus!)-390(Es)]TJ -159.618 -13.549 Td [(ist)-250(das)-250(Beste,)-250(was)-250(wir)-250(haben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.466 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Es)-250(ist)-250(sehr)-250(schmerzlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.015 0 Td [(\034)]TJ -227.706 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Leiden)-250(ist)-250(sch\366n.)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.236 0 Td [(\034)]TJ -79.079 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-326(es)-312(ist)-311(sch\366n.)-433(Ich)-311(m\366chte)-311(nicht)-312(ohne)-311(es)-311(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 214.628 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.849 0 Td [(Doch)-311(die)]TJ -240.276 -13.549 Td [(Andern)-271(sind)-272(gl\374cklicher.)-314(Warum)-271(gab)-272(man)-271(es)-271(uns)-272(nicht)-271(wie)-271(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Thier)-250(zu)-250(leben?)-250(wenn)-250(es)-250(aus)-250(ist,)-250(Sterben)-250(ohne)-250(Bewusstsein?)]TJ/F21 10.9091 Tf 261.164 0 Td [(\034)]TJ -249.208 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nichts)-250(stirbt.)-250(Alles)-250(Leben)-250(lebt)-250(unverg\344nglich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.069 0 Td [(\034)]TJ -203.912 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-386(auch,)-419(diese)-386(B\344ume?)-657(Die)-385(Wehmuth)-386(dieser)-386(Felder?)-657(Es)]TJ -16.799 -13.549 Td [(g\344be)-240(eine)-240(Vollkommenheit)-240(f\374r)-240(sie?)-247(Eine)-240(Erf\374llung?)-246(Wo)-240(ist)-240(sie?)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ahnst)-250(Du)-250(sie)-250(nicht?)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.084 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Sieh)-250(in)-250(die)-250(Weite!)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf -188.759 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Manchmal)-330(ahne)-329(ich)-330(sie.)-489(Etwas)-329(wie)-330(einen)-330(Zusammenklang,)]TJ/F16 7.9701 Tf 274.225 0 Td [([85])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(einen)-346(verlornen,)-370(fernen.)-538(Ich)-346(weiss)-346(nicht.)-346(...)-538(Es)-346(ist)-346(das)-346(Leiden,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-299(S\374nde:)-347(Einer)-298(hat)-299(Einen)-298(get\366dtet.)-395(Man)-299(t\366dtet)-298(ihn)-299(wieder.)-395(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(leidet.)-533(Ist)-345(er)-344(nicht)-345(erl\366st?)-344(...)-534(Aber)-344(es)-345(sind)-344(so)-345(viele)-344(Andre.)-533(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen)-250(hin)-250(und)-250(leben,)-250(correct,)-250(allt\344glich)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.964 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf -165.579 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(weitab.)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.393 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -74.236 -13.927 Td [(Sie)-506(sprach)-506(wie)-507(im)-506(Traume.)-1019(Der)-506(Hund,)-570(zu)-506(ihren)-506(F\374ssen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gelagert,)-438(sah)-400(sie)-401(an)-400(mit)-400(treuen,)-438(klugen)-400(Augen.)-701(So)-400(beweglich)]TJ 0 -13.55 Td [(waren)-232(sie,)-236(dass)-232(die)-232(Lichter)-232(fortw\344hrend)-232(wechselten)-232(wie)-232(in)-232(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Spiegel.)-835(Im)-445(Grase)-445(weidete)-445(das)-445(weisse)-445(Pferd.)-835(Man)-445(h\366rte)-445(es)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-447(zarten)-447(Halme)-446(abrupfen,)-496(sie)-447(zermalmen)-447(zwischen)-446(starken,)]TJ 0 -13.549 Td [(h\366ckrigen)-314(Z\344hnen.)-443(Und)-314(von)-314(Zeit)-314(zu)-314(Zeit)-314(wieherte)-314(es)-314(leise,)-330(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(es)-250(antwortete,)-250(als)-250(r\366che)-250(es)-250(den)-250(Fr\374hling.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-345(ja,)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.177 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.396 0 Td [(sagte)-326(sie)-325(athemlos.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.964 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-326(weiss)-325(nicht.)-477(Aber)-326(es)-325(muss)]TJ -145.18 -13.549 Td [(auch)-312(sein.)-434(Man)-312(qu\344lt)-311(auch)-312(Thiere.)-435(Sie)-311(leiden)-312(und)-311(sie)-312(ahnen.)-311(...)]TJ 0 -13.55 Td [(Was)-250(ist)-250(es?)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\034)]TJ -37.124 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(Du)-250(w\374sstest,)-250(w\344re)-250(es)-250(das?)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.385 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -147.228 -13.927 Td [(Sie)-254(sch\374ttelte)-254(den)-254(Kopf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.817 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-255(man)-254(muss)-254(es)-253(finden,)-255(selber)-254(in)]TJ -124.617 -13.549 Td [(sich)-284(finden.)-351(Dann)-284(ist)-284(es)-283(der)-284(Friede.)-351(Ein)-284(Gl\374ck)-284(\374ber)-284(dem)-283(Gl\374ck,)]TJ 0 -13.55 Td [(Erfolg)-298(und)-298(Schande,)-310(Reichthum)-298(und)-298(Armuth,)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.596 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.705 0 Td [(das)-298(ist)-298(Alles)-298(so)]TJ -213.301 -13.549 Td [(gleichg\374ltig.)-250(Es)-250(ist)-250(\374ber)-250(dem)-250(Allen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 136.18 0 Td [([86])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.927 Td [(Sie)-198(sah)-197(den)-198(Fremden)-197(an.)-233(Die)-198(junge)-197(Frau)-198(mit)-197(zarten,)-208(spielenden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fingern)-381(strich)-381(langsam)-381(die)-382(S\344ume)-381(ihres)-381(Kleides)-381(entlang.)-643(Ihre)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +283 0 obj << +/Type /Page +/Contents 284 0 R +/Resources 282 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +285 0 obj << +/D [283 0 R /XYZ 251.954 366.49 null] +>> endobj +286 0 obj << +/D [283 0 R /XYZ 46.771 91.24 null] +>> endobj +282 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +289 0 obj << +/Length 4970 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(50)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Augen)-329(verschleierten)-329(sich)-329(in)-329(dem)-329(Schleier,)-349(der)-329(\374ber)-328(die)-329(Felder)]TJ 0 -13.549 Td [(ging.)-912(Es)-471(war,)-525(als)-471(ob)-471(die)-470(Farbe)-471(der)-471(Felder)-470(in)-471(sie)-470(eindr\344nge)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-547(es)-547(bliebe)-547(nur)-547(e)-200(i)-200(n)-200(e)-547(Farbe)-547(in)-547(ihren)-547(Augen)-547(und)-547(in)-547(der)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-593(wehenden)-592(Saaten.)-1278(In)-592(der)-593(Curve)-592(ihrer)-593(Schultern)-592(fand)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-548(die)-548(gesenkte)-548(Kruppe)-548(des)-548(weissen)-548(Pferdes.)-1144(Die)-548(graue)]TJ 0 -13.549 Td [(Seidenhaut)-406(des)-406(Windspiels)-407(schmiegte)-406(sich)-406(woll\374stig,)-445(verloren)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-359(die)-359(Kleiderfalten.)-578(Das)-359(Wasser)-359(fiel)-359(in)-359(kleinen)-359(pl\344tschernden)]TJ 0 -13.549 Td [(Cascaden,)-369(oder)-345(es)-345(ruhte)-346(sich)-345(lange)-345(aus,)-369(in)-345(Pausen,)-369(wo)-345(nur)-345(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Unterirdische)-447(murmelte,)-496(die)-447(kleine)-447(Stimme)-447(von)-447(Tropfen,)-496(die)]TJ 0 -13.55 Td [(h\366hlen,)-250(klopfen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Manchmal)-275(f\374hle)-274(ich,)-281(als)-275(ob)-275(ich)-275(gar)-274(nicht)-275(mehr)-275(Ich)-274(bin.)-325(Eine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(h\344ssliche)-347(Kr\366te.)-541(Eine)-347(Tigerkatze.)-542(Ich)-347(bin)-347(ein)-347(Wesen,)-371(was)-347(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(vielen)-409(tausend)-409(Jahren)-409(war)-409(und)-409(hundertmal)-409(gestorben)-409(ist.)-726(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Thier)-250(und)-250(ein)-250(Gott.)-250(Vom)-250(Thier)-250(zu)-250(Gott.)-250(Das)-250(ist)-250(der)-250(Weg.)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.844 0 Td [(\034)]TJ -235.888 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-250(ist)-250(es.)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.098 0 Td [(\034)]TJ -43.941 -14.532 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-401(ich)-370(habe)-370(gelebt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.581 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.885 0 Td [(sagte)-370(sie)-371(sehr)-370(leise,)-401(liebkosend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.591 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ -266.699 -13.549 Td [(habe)-364(gemordet.)-593(Ich)-364(habe)-364(ges\374ndigt)-364(und)-364(triumphirt.)-592(Vielleicht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([87])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(habe)-181(ich)-181(am)-181(M\344rtyrerpfahl)-181(gestanden.)-227(Und)-181(es)-181(machte)-181(mir)-181(Freude,)]TJ 0 -13.549 Td [(meine)-268(weisse,)-272(feine)-268(Hand)-267(in)-268(Blut)-268(zu)-267(tauchen,)-272(bis)-268(sie)-268(roth)-267(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Ich)-278(sah)-279(einen)-278(Mann)-278(einmal.)-335(Er)-279(war)-278(ein)-278(Strolch)-279(und)-278(ein)-278(M\366rder.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-336(auch,)-358(war)-336(ein)-337(K\366nig.)-509(In)-336(seinem)-336(Auge)-336(las)-337(ich)-336(den)-336(Stolz)-336(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Starken.)-425(Wir)-309(kannten)-308(uns)-309(so)-308(gut,)-323(wie)-308(wir)-309(uns)-308(sahen.)-309(...)-425(Das)-308(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(seltsam.)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.455 0 Td [(\034)]TJ -23.5 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nichts)-250(ist)-250(seltsam.)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.702 0 Td [(\034)]TJ -84.546 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nichts!)-965(Nichts!)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.757 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.17 0 Td [(wiederholte)-488(sie)-489(inbr\374nstig.)-964(Eine)-489(feine)]TJ -101.726 -13.549 Td [(R\366the)-232(schlug)-232(von)-232(ihrem)-232(Hals)-232(auf)-232(wie)-232(Sonne)-232(unter)-232(Lilienbl\344ttern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gar)-475(nichts)-475(ist)-476(seltsam.)-925(Manchmal)-475(in)-476(B\374chern,)-531(in)-475(der)-475(sehr)]TJ -4.844 -13.55 Td [(grossen)-494(Kunst)-493(f\374hlt)-494(man)-493(es.)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.83 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.839 0 Td [(Ich)-494(habe)-493(es)-494(in)-493(Felsbr\374chen)]TJ -153.669 -13.549 Td [(gesehen,)-486(in)-439(dem)-438(spitzen)-439(Speerschaft)-439(irgend)-439(eines)-438(Grashalms.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-376(giebt)-377(Worte,)-407(Reime.)-377(...)-629(Goethe)-376(hat)-376(sie.)-629(Und)-376(Shakespeare,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-512(Ophelia)-512(wahnsinnige,)-577(kleine)-512(Lieder)-512(singt.)-1036(Ich)-512(kenne)]TJ 0 -13.549 Td [(chinesische)-368(alte)-369(G\366tzenbilder)-368(und)-368(Michelangelo)]TJ/F21 10.9091 Tf 215.423 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-368(Grabfiguren)]TJ -219.056 -13.55 Td [(am)-234(Mediceer-Denkmal.)-235(...)-244(In)-235(der)-234(Marseillaise)-234(h\366rt)-235(man)-234(die)-234(Tuba)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-164(Erzengel.)-221(Warum)-164(ist)-164(Lucrezia)-164(Borgia)-164(s\374ss)-164(wie)-164(Nachtigallsang)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +288 0 obj << +/Type /Page +/Contents 289 0 R +/Resources 287 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 262 0 R +>> endobj +290 0 obj << +/D [288 0 R /XYZ 221.275 298.442 null] +>> endobj +287 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +293 0 obj << +/Length 5116 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfte)-250(Kapitel.)-17087(51)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(am)-251(Maiabend)-251(und)-251(Napoleon)-250(gekreuzigt)-251(wie)-251(der)-251(von)-251(Golgatha)-250(...)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-193(ist)-193(so)-192(schwer)-193(zu)-193(denken)-193(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.947 0 Td [(Sie)-193(presste)-193(die)-192(weiche)-193(kleine)-193(Hand)]TJ -131.362 -13.549 Td [(gegen)-291(die)-292(Stirn,)-302(an)-291(der)-291(die)-292(Schl\344fen)-291(flogen)-292(wie)-291(unter)-291(H\344mmern)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([88])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(einer)-250(Schmiede.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(denkst)-250(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.829 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er)-250(g\374tig.)]TJ/F21 10.9091 Tf -97.243 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-360(Wenn)-287(man)-287(nicht)-286(denken)-287(brauchte!)-360(Alles)-287(weiss)-286(man.)-361(Nur)]TJ -16.799 -13.549 Td [(weil)-422(man)-422(versucht,)-466(sein)-422(Wissen)-422(zu)-422(erkl\344ren,)-465(e)-200(i)-200(n)-422(Wissen)-422(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle,)-274(Gesetze)-269(sucht,)-274(weiss)-269(man)-269(nicht)-268(mehr.)-307(Kinder)-269(wissen.)-307(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(Frauen!)-344(Ah,)-289(Frauen)-281(wissen)-281(eher)-281(wie)-282(M\344nner!)-343(Sie)-282(f\374hlen.)-343(Es)-281(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(ihr)-250(K\366rper,)-250(der)-250(in)-250(ihrem)-250(Willen)-250(ist,)-250(...)-250(weil)-250(Frauen)-250(lieben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 250.265 0 Td [(\034)]TJ -238.309 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(Gott?)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er.)]TJ/F21 10.9091 Tf -58.167 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott)-359(auch)-358(liebt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.938 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.755 0 Td [(sagte)-358(sie)-359(tr\344umend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.569 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-358(hasst)-359(nicht.)-575(Das)]TJ -192.905 -13.549 Td [(Gute)-447(ist)-447(dasselbe)-447(wie)-447(das)-447(B\366se.)-841(Alles)-447(ist)-447(ein)-447(Leben)-447(und)-446(es)]TJ 0 -13.549 Td [(dreht)-487(die)-488(Welt.)-962(Die)-487(Thaten,)-547(die)-487(gethan)-487(werden,)-547(sind)-487(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Aeusserungen.)-243(Es)-231(ist)-230(nichts)-230(gut)-231(und)-230(nichts)-230(schlecht.)-244(Es)-230(ist)-230(wie)-230(es)]TJ 0 -13.55 Td [(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.037 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -1.081 -14.04 Td [(Er)-153(antwortete)-154(nicht.)-218(Sie)-153(seufzte.)-218(Die)-154(m\374de)-153(Traurigkeit)-153(erschien)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wieder)-568(in)-568(ihrer)-568(Haltung,)-647(dem)-568(K\366rper,)-648(der)-568(sich)-567(zur\374ckbog,)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344hrend)-250(die)-250(Linie)-250(des)-250(Halses)-250(straff)-250(wurde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-242(Sie)-228(haben)-227(Kirchen)-227(gebaut.)-242(Ich)-228(habe)-227(versucht)-227(in)-227(der)-228(Kirche)]TJ -16.799 -13.55 Td [(zu)-250(beten.)-250(Die)-250(Sehnsucht)-250(erstickte)-250(mich....)-250(Hier)-250(ist)-250(es)-250(besser.)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.258 0 Td [(\034)]TJ -248.302 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(besser)-250(hier.)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.353 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 197.872 0 Td [([89])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-570(sind)-570(zu)-571(eng,)-650(die)-570(Kirchen.)-1211(Dies)-570(Alles)-570(m\374sste)-571(mit)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hinein.)-1107(Viel,)-607(viel)-535(mehr)-536(als)-535(die)-536(alte)-535(Geschichte.)-1107(Und)-535(die)]TJ 0 -13.549 Td [(neuen)-250(Geschichten.)-250(Das)-250(ist)-250(weit)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.397 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(weit)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.695 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -168.317 -14.04 Td [(Sie)-234(zeigte)-235(mit)-234(ihrer)-235(Hand.)-244(Von)-235(allen)-234(Seiten)-235(wallten)-234(die)-234(Nebel.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Es)-230(glitt)-230(\374ber)-230(die)-230(Felder.)-243(Das)-230(Entfernteste)-230(verlor)-230(sich)-230(im)-229(Ferneren)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(das)-250(Nahe)-250(schien)-250(weitger\374ckt,)-250(aufgesogen)-250(im)-250(Allen)-250(...)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Eine)-565(Fledermaus)-564(strich)-565(leise)-565(mit)-564(unh\366rbaren,)-643(schwarzen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(tappenden)-154(Schwingen.)-218(N\344her)-154(und)-154(wieder)-154(weiter,)-173(geheimnissvolle)]TJ 0 -13.549 Td [(Kreise)-301(ziehend.)-402(Sehr)-301(deutlich)-301(sah)-301(man)-301(die)-301(feinen)-300(Krallenn\344gel,)]TJ 0 -13.55 Td [(zwischen)-862(denen)-863(die)-862(Flugh\344ute)-863(angemacht)-862(waren)-862(gleich)]TJ 0 -13.549 Td [(Stofff\344chern)-533(eines)-533(Regenschirms,)-604(den)-533(kleinen,)-604(platten)-533(Kopf)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-355(spitzen)-356(Z\344hnchen,)-382(die)-355(nach)-356(Insekten)-355(schnappten,)-382(sie)-355(rasch)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +292 0 obj << +/Type /Page +/Contents 293 0 R +/Resources 291 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +294 0 obj << +/D [292 0 R /XYZ 119.749 491.077 null] +>> endobj +295 0 obj << +/D [292 0 R /XYZ 46.771 228.667 null] +>> endobj +291 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +299 0 obj << +/Length 1765 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(52)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zerrissen.)-540(Eine)-347(Eidechse)-347(kam)-346(hervor)-347(unter)-347(der)-346(Brunnenmauer.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-382(blieb)-381(da)-382(wie)-381(angewachsen,)-415(horchend.)-645(In)-381(der)-382(Saat)-381(putzten)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-270(die)-271(Hasen)-270(und)-270(machten)-270(M\344nnchen.)-311(Sie)-270(ohrfeigten)-270(einander)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-214(harten,)-221(flinken)-213(Pfoten)-214(und)-213(hamsterten)-214(leise)-214(in)-213(sich)-214(hinein)-213(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(Geizh\344lse.)-242(Ein)-224(Fuchs)-224(schlich)-225(auf)-224(Raub)-225(mit)-224(vorgestreckter)-224(spitzer)]TJ 0 -13.549 Td [(Schnauze)-250(und)-250(fuchtelnder)-250(Ruthe.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ganz)-344(fern)-344(quakten)-344(Fr\366sche)-344(im)-344(Feuchten.)-532(Von)-344(allen)-343(Wiesen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stieg)-250(der)-250(Athem)-250(auf.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([90])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(Sehr)-250(lange)-250(sassen)-250(sie.)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-416(erhob)-416(sich)-416(langsam.)-748(Das)-416(weisse)-416(Pferd)-416(kam)-416(ohne)-416(Ruf.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Der)-608(Hund)-609(witterte)-608(in)-608(die)-609(Richtung)-608(mit)-608(angelegten)-608(Ohren,)]TJ 0 -13.549 Td [(aufmerksam,)-250(zitternd.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gehe)-290(in)-291(Frieden,)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.893 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.01 0 Td [(sagte)-290(der)-290(Fremde,)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.012 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-290(bist)-290(n\344her)-291(wie)-290(die)]TJ -185.558 -13.549 Td [(Andern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.444 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +298 0 obj << +/Type /Page +/Contents 299 0 R +/Resources 297 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +300 0 obj << +/D [298 0 R /XYZ 93.543 420.953 null] +>> endobj +297 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +301 0 obj +<< /S /GoTo /D (index6) >> +endobj +304 0 obj +(Das sechste Kapitel.) +endobj +307 0 obj << +/Length 3425 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([91])]TJ/F16 18.9589 Tf -228.201 -69.409 Td [(Das)-269(sechste)-269(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -62.823 -37.512 Td [(Nun)-250(hatte)-250(die)-250(Frau)-250(des)-250(Landraths)-250(eine)-250(Idee.)]TJ 11.956 -14.567 Td [(Das)-416(Ger\374cht)-416(von)-416(ihm)-416(war)-416(n\344mlich)-416(sehr)-416(stark)-416(geworden)-416(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dieser)-309(Gegend,)-324(so)-308(dass)-309(viele)-309(Leute)-309(aus)-309(Neugier)-309(kamen,)-324(um)-308(ihn)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-331(sehen.)-494(Viele)-332(logen)-331(und)-331(erz\344hlten)-332(seltsame)-331(Geschichten)-331(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Wundern)-468(und)-467(Kranken,)-522(die)-468(geheilt)-467(worden)-468(waren.)-903(Und)-467(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen)-417(liefen)-417(hin.)-752(Sie)-417(blieben)-417(da)-417(und)-417(folgten)-417(ihm)-417(etliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Tage)-506(und)-507(warteten)-506(auf)-507(ein)-506(Zeichen.)-1020(Wenn)-506(nichts)-506(geschah,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-499(ihre)-500(Hoffnungen)-499(erf\374llte,)-562(gingen)-499(sie)-499(nach)-500(Hause,)-561(ihren)]TJ 0 -13.55 Td [(Gesch\344ften)-394(nach.)-684(Diese)-394(sagten)-395(stets,)-430(dass)-395(Alles)-394(gelogen)-394(war.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-396(bewiesen)-397(sonnenklar,)-433(dass)-396(solche)-397(Wunder)-396(unm\366glich)-396(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-437(die)-437(Natur)-438(seien,)-484(warteten)-437(doch)-437(darauf)-437(und)-437(w\374rden)-437(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(bestritten)-464(haben,)-518(wenn)-464(sie)-464(geschehen)-464(w\344ren.)-892(Die)-464(Zeitungen)]TJ 0 -13.549 Td [(bem\344chtigten)-592(sich)-593(des)-592(Stoffes.)-1277(Sie)-592(hofften)-593(ihre)-592(Leser)-592(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([92])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.55 Td [(am\374siren.)-382(Einmal)-295(tauchte)-294(er)-294(hier)-294(auf)-294(und)-295(einmal)-294(da.)-382(Es)-294(machte)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-318(Reportern)-318(Spass,)-335(gerade)-318(die)-318(abenteuerlichsten)-318(Geschichten)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammenzutragen,)-530(gef\344lschte)-474(Interviews)-474(und)-473(lange)-474(Extrakte)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-470(Reden,)-526(die)-470(er)-471(niemals)-470(gehalten)-470(hatte.)-912(Auskunft)-470(war)-470(da)]TJ 0 -13.549 Td [(ertheilt)-355(\374ber)-355(Himmel)-355(und)-355(H\366lle)-355(mit)-355(genauer)-354(Beschreibung)-355(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Lage)-441(und)-440(Gliederung)-441(der)-441(Letzteren,)-488(eines)-440(jeden)-441(Pfeilers,)-488(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-492(Gottes)-493(Thron)-492(stand.)-977(Einige)-492(brachten)-493(sogar)-492(ein)-492(ganzes)]TJ 0 -13.549 Td [(Nationale,)-213(dass)-205(er)-204(der)-205(Sohn)-204(eines)-205(Zimmermanns)-204(Joseph)-204(Sch\344ppli)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-302(Bing)-302(an)-301(der)-302(Enz)-302(in)-302(W\374rttemberg)-302(sei.)-405(Dieser)-302(Sohn)-302(hatte)-301(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-340(Narren)-341(gegolten)-340(in)-340(seiner)-341(Jugend.)-521(Im)-340(Ort)-340(gab)-341(es)-340(viel)-340(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(erz\344hlen)-205(von)-204(seinen)-205(sonderbaren)-204(Thaten)-205(und)-204(Reden.)-235(Dann)-205(war)-204(er)]TJ 0 -13.549 Td [(verschwunden,)-306(als)-296(er)-295(etwa)-295(dreissig)-295(Jahr)-295(alt)-296(war.)-385(Etliche)-295(sagten,)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-456(w\344re)-456(in)-457(der)-456(Enz)-456(ertrunken,)-508(Andre,)-508(dass)-456(er)-456(in)-456(die)-456(W\344lder)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +306 0 obj << +/Type /Page +/Contents 307 0 R +/Resources 305 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +308 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +302 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +309 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 286.412 242.282 null] +>> endobj +305 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +312 0 obj << +/Length 4401 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(54)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gegangen)-466(w\344re)-466(und)-467(dort)-466(als)-466(ein)-466(Waldmensch)-466(und)-466(Einsiedler)]TJ 0 -13.549 Td [(hauste.)-818(Sie)-439(behaupteten,)-487(dieser)-439(selbe)-439(Zimmermannssohn)-439(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(Bing)-202(sei)-202(es,)-212(der)-202(jetzt)-203(aufgetaucht)-202(w\344re)-202(und)-202(predigte.)-234(Seine)-202(eignen)]TJ 0 -13.549 Td [(Eltern)-504(sollten)-504(es)-504(beschworen)-504(haben.)-1012(Ein)-504(besonders)-503(eifriger)]TJ 0 -13.55 Td [(Neuigkeitenvertreiber)-372(hatte)-372(sogar)-371(seine)-372(Mutter)-372(aufgesucht)-371(und)]TJ 0 -13.549 Td [(wusste,)-363(dass)-340(sie)-340(eine)-340(Haube)-339(trug)-340(und)-340(in)-340(ihrer)-340(Jugend)-340(Visionen)]TJ 0 -13.549 Td [(gehabt)-553(hatte.)-1160(Das)-554(war)-553(\374brigens)-553(nichts)-554(Seltnes)-553(bei)-553(diesem)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([93])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(schw\344bischen)-319(Gebirgsvolk,)-337(arbeitsam)-320(und)-319(verst\344ndig,)-337(aber)-319(von)]TJ 0 -13.549 Td [(schweifender)-495(Phantasie,)-557(mit)-495(einer)-496(best\344ndigen)-495(Sehnsucht)-495(im)]TJ 0 -13.55 Td [(Herzen,)-218(die)-211(die)-211(Berge)-210(wachhielten,)-219(oder)-210(auch)-211(der)-210(alte)-211(Schatz)-210(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Legenden,)-367(einstiger)-343(Herrlichkeit)-344(und)-344(Weltgr\366sse,)-366(die)-344(in)-343(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(St\344mmen)-374(lebendig)-374(geblieben)-374(waren)-374(trotz)-374(des)-374(neuen)-374(deutschen)]TJ 0 -13.549 Td [(Reichs,)-344(Lutherthum)-324(und)-325(Schulbeh\366rden.)-475(Wieder)-325(Andre)-324(hielten)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-450(f\374r)-450(einen)-449(Wanderprediger)-450(aus)-450(den)-450(norwegischen)-449(Bergen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Es)-358(gab)-358(ihnen)-359(Gelegenheit,)-385(\374ber)-358(mystische)-358(Schw\344rmer,)-385(Tolstoi)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-429(Ibsen)-429(zu)-429(reden,)-474(den)-429(Geist)-429(des)-429(Urchristenthums,)-474(der)-429(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(dort)-492(in)-492(einigen)-492(weltabgeschiedenen)-492(Gemeinden)-492(rein)-492(erhalten)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte.)-659(Diese)-386(verbreiteten,)-420(dass)-387(er)-386(der)-386(Sohn)-386(eines)-386(schottischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Lords)-282(oder)-283(vornehmen)-282(Grafen)-283(w\344re.)-347(Es)-283(that)-282(ihnen)-282(wohl,)-291(das)-282(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(glauben.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Und)-406(gewaltig)-406(ersch\374tterte)-406(Alle)-406(Fritz)-406(Kuhlemann)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.691 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-406(Stimme,)]TJ -235.28 -13.549 Td [(eines)-376(einfachen)-376(Arbeiters)-375(und)-376(verlorenen)-376(Gesellen,)-407(der)-376(in)-375(den)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen)-326(St\344dten)-325(auftrat)-326(und)-326(forderte)-325(Busse)-326(zu)-326(thun:)-401(Im)-325(Namen)]TJ 0 -13.549 Td [(Jesu)-266(des)-266(Lebendigen,)-269(der)-266(Fleisch)-266(war)-266(und)-266(unter)-266(ihnen)-265(wandelte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Denn)-250(die)-250(Zeit)-250(ist)-250(gekommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 126.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.848 -16.004 Td [(Das)-373(Volk)-373(lief)-372(ihm)-373(zu.)-619(Etliche)-373(erwarteten)-372(Lohnerh\366hungen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gaben)-293(der)-293(Reichen.)-378(Andre)-293(rechneten)-293(auf)-292(die)-293(Revolution,)-304(wo)-292(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([94])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(ihr)-356(H\344uptling)-356(werden)-356(sollte.)-569(Denn)-356(seine)-356(Rede)-356(klang)-356(gewaltig.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-299(war)-299(in)-298(ihr)-299(der)-299(rothe)-299(Hass)-298(der)-299(Ungerechtigkeit)-299(und)-299(eine)-298(neue)]TJ 0 -13.549 Td [(strahlende)-418(Liebe,)-459(weit)-417(wie)-418(die)-417(Sonne,)-460(die)-417(\374ber)-418(Gerechte)-417(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Ungerechte)-388(scheint,)-423(aber)-388(wild)-389(auch)-388(und)-388(sch\366pferisch,)-423(wie)-388(die)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-245(Mannes)-245(zum)-244(Weibe.)-249(Es)-244(gab)-245(Viele,)-246(die)-245(sich)-245(betroffen)-244(f\374hlten)]TJ 0 -13.55 Td [(unter)-348(den)-348(Vornehmen)-349(und)-348(Reichen,)-373(zu)-348(sich)-348(selbst)-348(sagten:)-446(Wir)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnen)-281(nicht)-281(wohlleben)-281(und)-280(in)-281(Wagen)-281(fahren,)-289(wo)-281(unser)-280(Bruder)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +311 0 obj << +/Type /Page +/Contents 312 0 R +/Resources 310 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +313 0 obj << +/D [311 0 R /XYZ 188.253 436.88 null] +>> endobj +314 0 obj << +/D [311 0 R /XYZ 260.993 160.986 null] +>> endobj +310 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +317 0 obj << +/Length 4478 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(55)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(hungert)-339(und)-338(nicht)-338(hat,)-361(da)-339(er)-338(sein)-339(Haupt)-338(hinlegen)-339(soll?)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.854 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.147 0 Td [(Denn)]TJ -257.001 -13.549 Td [(so)-372(sprach)-371(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.174 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nicht)-372(ausser)-371(Euch,)-403(sondern)-371(in)-372(Euch)-372(richtet)-371(auf)]TJ -68.018 -13.549 Td [(das)-330(Reich)-330(Gottes!)-491(Denn)-330(das)-330(ist)-330(Gottes)-330(in)-330(Euch,)-350(dass)-330(Ihr)-330(Liebe)]TJ 0 -13.549 Td [(gebet.)-335(Das)-279(Andre,)-285(Neid,)-286(Geiz,)-285(Hoffarth,)-286(ist)-278(des)-279(Thieres)-278(und)-278(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Teufels.)-250(Und)-250(Ihr)-250(seid)-250(Alle)-250(Gottes.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.157 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.201 -14.776 Td [(Viele)-284(kamen)-284(auch)-284(zu)-284(ihm)-284(und)-285(sagten:)-318(Wir)-284(wollen)-284(sehen,)-292(ehe)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wir)-211(glauben.)-237(Er)-211(sagte)-212(ihnen:)-230(Seht)-211(die)-212(Werke)-211(an)-211(in)-211(seinem)-211(Namen)]TJ 0 -13.55 Td [(gethan)-250(und)-250(thut)-250(wie)-250(Er.)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.837 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Aber)-250(das)-250(gefiel)-250(diesen)-250(nicht.)]TJ -101.062 -14.776 Td [(Es)-187(gab)-187(Viele)-188(unter)-187(den)-187(reichen)-187(und)-187(vornehmen)-188(Leuten,)-199(die)-187(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fremden)-306(auch)-306(gern)-307(gesehen)-306(h\344tten.)-419(Aber)-306(sie)-306(wollten)-306(sich)-306(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(l\344cherlich)-387(machen.)-660(Auch)-387(f\374rchteten)-387(sie)-387(in)-387(der)-386(Oeffentlichkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(Namen)-250(zu)-250(compromittiren.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([95])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -28.326 Td [(Diese)-262(Landr\344thin,)-266(deren)-262(Mann)-262(zugleich)-262(Reichstagsabgeordneter)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-538(hatte)-481(eine)-480(grosse)-480(Gesellschaft)-481(zu)-480(geben.)-942(Sie)-480(war)-480(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(kluge)-254(Dame)-255(aus)-254(reichsgr\344flichem)-254(Hause,)-256(die)-254(sich)-254(viel)-254(einbildete)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-443(ihre)-443(Bildung,)-491(dass)-442(auf)-443(ihren)-443(Gesellschaften)-443(immer)-442(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(Besonderes,)-540(Geistiges)-482(und)-482(Interessantes)-482(war.)-946(Da)-482(bei)-482(vielen)]TJ 0 -13.55 Td [(ihrer)-353(Freundinnen)-353(und)-353(Nebenbuhlerinnen)-353(Theosophie)-353(in)-352(Mode)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-458(dachte)-416(sie,)-457(es)-416(w\374rde)-417(sehr)-416(interessant)-416(sein,)-457(den)-416(Fremden)]TJ 0 -13.549 Td [(einzuladen,)-423(ihn)-389(ihren)-389(G\344sten)-389(gleichsam)-388(als)-389(Curiosit\344t)-389(und)-388(zur)]TJ 0 -13.549 Td [(Unterhaltung)-250(vorzuf\374hren.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Gleichzeitig)-364(that)-363(sie)-364(damit)-364(einem)-364(Mann)-364(einen)-363(Gefallen,)-392(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihr)-551(selbst)-551(und)-551(ihrem)-551(Landrath)-551(sehr)-551(n\374tzlich)-550(war,)-627(in)-550(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kreis,)-575(wo)-510(er)-510(verm\366ge)-510(seines)-510(Namens)-510(und)-510(Reichthums)-510(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(h\366chste)-435(und)-434(selbstverst\344ndliche)-434(Stellung)-435(einnahm,)-481(die)-434(sie)-434(als)]TJ 0 -13.549 Td [(arme)-477(Beamte)-477(und)-477(Frischnobilitirte)-477(sich)-477(nur)-477(m\374hsam)-476(erobern)]TJ 0 -13.55 Td [(konnten,)-257(mit)-256(allen)-256(Mitteln)-256(suchen)-256(mussten)-256(zu)-256(befestigen.)-267(Dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-607(war)-608(der)-607(alte)-607(Prinz)-607(Sch\366nheim-Wagram-Trauttenberg,)]TJ 0 -13.549 Td [(Minister)-668(unter)-667(der)-668(liberalen)-668(Aera)-667(Friedrich)-668(Wilhelms)-667(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Vierten.)-1610(Er)-703(hatte)-703(in)-703(seiner)-704(Jugend)-703(mit)-703(der)-703(Revolution)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-503(dem)-504(Dilettantismus)-503(coquettirt,)-567(dabei)-504(als)-503(Lebemann)-503(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Sch\366ngeist)-356(sich)-355(ein)-356(Renommee)-356(erworben.)-567(Seine)]TJ/F21 10.9091 Tf 222.226 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Briefe)-356(eines)]TJ -227.07 -13.549 Td [(Diplomaten)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.409 0 Td [(erregten)-510(das)-510(gr\366sste)-510(Aufsehen)-511(seiner)-510(Zeit.)-1030(Er)]TJ/F16 7.9701 Tf 229.102 0 Td [([96])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +316 0 obj << +/Type /Page +/Contents 317 0 R +/Resources 315 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +318 0 obj << +/D [316 0 R /XYZ 46.771 364.312 null] +>> endobj +319 0 obj << +/D [316 0 R /XYZ 206.575 66.142 null] +>> endobj +315 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +322 0 obj << +/Length 4291 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(56)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(war)-581(der)-582(Erste)-581(gewesen,)-664(der)-581(mit)-582(der)-581(Tradition)-581(brach,)-664(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(Heuchelei)-390(und)-391(geheimnissvolle)-390(Zugekn\366pftheit)-390(unentbehrliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Attribute)-194(der)-194(Staatsklugheit)-194(bildeten.)-231(Unter)-194(einem)-194(fast)-193(ruchlosen,)]TJ 0 -13.549 Td [(scheinbar)-724(offenherzigsten)-724(Cynismus)-724(verbarg)-724(er)-723(f\374chsische)]TJ 0 -13.55 Td [(Verschlagenheit,)-635(die)-557(Raubthierkralle)-558(eines)-558(C\344sar)-558(Borgia)-557(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Sammethandschuh.)-950(Man)-483(nannte)-484(ihn)-483(den)-483(F\374rsten)-483(Talleyrand)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-467(Provinz.)-899(Seine)-467(Stellung)-467(dort)-466(war)-467(unersch\374tterlich)-466(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-282(seiner)-282(officiellen)-281(Niederlage)-282(als)-282(Staatsmann,)-290(seitdem)-281(neue)]TJ 0 -13.549 Td [(Systeme)-564(und)-564(Principien)-564(ihn)-564(und)-564(sein)-564(System)-563(hinweggefegt)]TJ 0 -13.55 Td [(hatten.)-340(Die)-280(Landr\344thin)-280(geh\366rte)-280(zu)-281(seinen)-280(Protegees.)-340(Nicht,)-287(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-390(sp\344rlichen)-390(Reize)-390(den)-390(alten)-390(Viveur)-390(in)-390(Versuchung)-389(gef\374hrt)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tten.)-561(Nach)-353(einem)-354(galanten)-353(Sabbath)-354(ohne)-353(Gleichen)-354(hatte)-353(das)]TJ 0 -13.549 Td [(K\374chenpersonal)-422(und)-423(noch)-422(tiefer)-423(hinab,)-465(bei)-423(ihm)-422(endg\374ltig)-422(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Palme)-254(davongetragen.)-262(Er)-254(bezeugte)-254(diese)-254(Vorliebe)-254(sehr)-254(ungenirt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Aber)-423(er)-424(liebte)-423(es)-424(immer,)-466(seinen)-424(Finger)-423(mit)-423(in)-424(der)-423(Pastete)-423(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(haben,)-331(die)-315(Landr\344thin)-315(und)-315(ihr)-315(strebsamer)-315(Gatte)-315(erschienen)-314(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-257(gef\374gige)-257(Werkzeuge)-257(f\374r)-257(seine)-257(kleinen)-257(Pl\344ne,)-259(die)-257(er)-257(durchaus)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-550(aufgegeben)-550(hatte,)-625(nur)-550(versteckt)-550(hielt)-550(unter)-549(witzelnder)]TJ 0 -13.549 Td [(Indifferenz.)-228(Das)-184(Renommee)-184(eines)-184(mystischen)-184(Einflusses)-183(erfreute)]TJ 0 -13.55 Td [(ihn.)-667(Er)-389(fand)-388(es)-389(vornehmer,)-424(hinter)-389(den)-389(Coulissen)-389(zu)-388(operiren,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([97])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(als)-556(vorne)-557(auf)-556(der)-557(B\374hne)-556(die)-557(grossen)-556(Schreie)-556(auszustossen:)]TJ 0 -13.549 Td [(heutzutage)-296(weiss)-296(man)-297(von)-296(jeder)-296(Macht)-296(die)-297(Adresse.)-388(Jeder)-296(tr\344gt)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-390(Befugnisse)-390(und)-390(Eigenschaften)-390(wie)-390(aufgeklebte)-390(Etiketten)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-338(sich)-338(herum:)-426(B\374reau)-338(f\374r)-338(Stellenbesetzung,)-360(Vermittlung)-338(von)]TJ 0 -13.55 Td [(B\366rsengesch\344ften,)-314(Vademecum)-301(f\374r)-301(Hoflieferanten.)-403(Fr\374her)-301(ging)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-218(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.405 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-218(Geheimnissvolle)-218(wie)-217(der)-218(liebe)-218(Gott.)-239(Und)-218(hielt)-218(die)-218(Bande)]TJ -29.038 -13.549 Td [(in)-232(Schrecken.)-244(Man)-231(weiss)-232(zu)-232(gut,)-235(was)-232(wir)-232(n)-200(i)-200(c)-200(h)-200(t)-232(k\366nnen.)-243(Darum)]TJ 0 -13.549 Td [(will)-250(jetzt)-250(Jeder)-250(Alles)-250(besser)-250(wissen.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Das)-218(Neueste)-219(in)-218(dem)-218(sehr)-219(beweglichen)-218(Geiste)-218(und)-218(fieberhaften)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lebensbezeugungsdrang)-789(des)-788(Prinzen)-789(war)-788(ein)-789(Werk)-788(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(Buddhismus,)-663(den)-580(er)-581(f\374r)-580(die)-580(Religion)-581(der)-580(Religionen)-580(hielt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-413(passte)-412(in)-413(den)-413(Cynismus)-412(des)-413(alten)-413(Diplomaten,)-453(diese)-412(Idee)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-497(Jenseits)-496(von)-497(Gut)-496(und)-497(B\366se,)-558(der)-497(souver\344nen)-496(Verachtung)]TJ 0 -13.549 Td [(aller)-348(Moralsysteme.)-545(Viele)-349(zweifelten)-348(an)-348(seiner)-348(Gelehrsamkeit,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +321 0 obj << +/Type /Page +/Contents 322 0 R +/Resources 320 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 296 0 R +>> endobj +323 0 obj << +/D [321 0 R /XYZ 168.983 260.74 null] +>> endobj +320 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +326 0 obj << +/Length 4326 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(57)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sie)-376(war)-376(etwas)-377(zusammengew\374rfelt)-376(nach)-376(der)-376(Mode)-376(des)-376(Ancien)]TJ 0 -13.549 Td [(R\351gime.)-805(Er)-435(besass)-435(diese)-435(Eigenheit)-435(der)-435(Regierenden,)-481(dass)-435(er)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-315(Alles)-315(reden)-314(und)-315(geistreich)-315(reden)-314(konnte.)-445(Trotzdem)-314(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-371(wirkliches)-371(Wissen)-371(bestritten.)-613(Er)-371(selbst)-371(vermied)-371(Gelehrte,)]TJ 0 -13.55 Td [(sein)-349(eigentliches)-350(und)-349(Hauptpublikum)-350(blieben)-349(Damen.)-548(Nur)-349(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Doctor)-543(Rothe)-544(konnte)-543(es)-543(mit)-544(ihm)-543(aushalten.)-1130(Dies)-543(war)-543(um)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([98])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(so)-423(verwunderlicher,)-466(als)-422(der)-423(junge)-422(Mann)-423(thats\344chlich)-423(ein)-422(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(bedeutender)-529(Kopf)-528(war.)-1086(Seine)-529(Examina)-528(hatten)-529(das)-528(Staunen)]TJ 0 -13.549 Td [(seiner)-257(Lehrer)-258(erregt.)-271(Professoren)-258(und)-257(Mitsch\374ler)-257(erwarteten)-257(von)]TJ 0 -13.55 Td [(Anton)-289(Rothe)-290(etwas)-289(ganz)-290(Au\337erordentliches,)-299(den)-289(Aufgang)-289(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(neuen)-259(Sterns)-259(am)-259(Himmel)-259(der)-259(Gelehrtenwelt.)-277(Einen)-259(St\374rmer)-258(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Dr\344nger)-362(sahen)-362(die)-361(Andern)-362(in)-362(ihm,)-390(einen)-361(grossen)-362(K\374nstler.)-585(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-251(alle)-251(ihre)-252(Erwartungen)-251(get\344uscht,)-251(war)-251(mit)-251(sechsundzwanzig)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahren)-421(als)-421(Privatsecretair)-421(in)-421(die)-421(Dienste)-421(des)-421(F\374rsten)-421(getreten,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-329(ihn)-329(in)-329(einer)-329(Art)-329(Auerbach-Keller)-329(kennen)-330(gelernt)-329(hatte,)-348(und)]TJ 0 -13.549 Td [(diesem)-326(seitdem)-325(auf)-326(allen)-326(seinen)-325(Reisen)-326(gefolgt.)-477(Legenden)-325(von)]TJ 0 -13.549 Td [(geheimen,)-284(raffinirtesten)-277(Ausschweifungen,)-283(denen)-277(sich)-277(Herr)-277(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Diener)-178(auf)-178(solchen)-178(Weltreisen)-177(in)-178(afrikanischen)-178(Lasterh\366hlen,)-192(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Schmutzpf\374hlen)-412(\374berseeischer)-412(Hafenst\344dte)-412(hingegeben)-411(h\344tten,)]TJ 0 -13.55 Td [(konnten)-326(allein)-327(diese)-326(seltsame)-326(Anziehung)-327(zwischen)-326(dem)-326(beinah)]TJ 0 -13.549 Td [(achtzigj\344hrigen)-536(Weltmann)-537(und)-536(dem)-536(zweiunddreissigj\344hrigen,)]TJ 0 -13.549 Td [(prachtvollen,)-681(genialen)-594(Menschen)-594(erkl\344ren.)-1284(Man)-594(hatte)-594(das)]TJ 0 -13.549 Td [(ungleiche)-212(Paar)-211(Faust)-212(und)-212(Mephisto)-212(getauft,)-219(der)-212(\344ussere)-211(Eindruck)]TJ 0 -13.549 Td [(entsprach)-567(der)-568(Vorstellung,)-647(neben)-567(dem)-568(ernsthaften,)-646(sch\366nen)]TJ 0 -13.55 Td [(jungen)-384(Mann,)-417(schwerer)-384(germanischer)-384(Typus,)-417(das)-383(sardonische,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([99])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zahnlose)-558(Affengesicht)-558(des)-558(Alten,)-635(der)-558(es)-558(liebte,)-635(von)-558(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(literarischen)-250(Speichelleckern)-250(als)-250(Voltaire)-250(bezeichnet)-250(zu)-250(werden.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Dies)-307(waren)-307(die)-307(Hauptpers\366nlichkeiten,)-321(denen)-307(die)-307(Gr\344fin)-306(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fremden)-300(vorf\374hren)-300(wollte.)-400(Sie)-300(hatte)-300(eigentlich)-300(eine)-300(Abneigung)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-604(den)-605(Doctor)-604(wegen)-604(seiner)-605(b\374rgerlichen)-604(Abkunft)-604(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sonstigen)-366(Anr\374chigkeit.)-598(Aber)-366(die)-366(allgemeine)-366(Werthsch\344tzung,)]TJ 0 -13.549 Td [(deren)-308(er)-309(sich)-308(erfreute,)-323(seine)-308(sagenhafte)-309(Allm\344chtigkeit)-308(bei)-308(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(F\374rsten)-241(zwang)-240(sie,)-243(freundlich)-241(gegen)-240(ihn)-241(zu)-241(sein.)-247(Ihre)-240(Sauers\374sse)]TJ 0 -13.549 Td [(bei)-467(solchen)-466(Gelegenheiten)-467(am\374sirte)-467(dann)-467(den)-466(Alten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.477 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-467(ist)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +325 0 obj << +/Type /Page +/Contents 326 0 R +/Resources 324 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +327 0 obj << +/D [325 0 R /XYZ 82.993 450.429 null] +>> endobj +328 0 obj << +/D [325 0 R /XYZ 254.444 192.994 null] +>> endobj +324 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +332 0 obj << +/Length 4841 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(58)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wunderbar,)-559(wie)-497(diese)-497(Frau)-497(aus)-497(Ehrgeiz)-497(sich)-496(zu)-497(beherrschen)]TJ 0 -13.549 Td [(weiss.)-579(Da)-359(sagt)-360(man,)-387(nur)-359(M\344nner)-360(h\344tten)-359(eine)-360(Hundenatur.)-578(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(schlagen)-250(uns)-250(noch)-250(auf)-250(allen)-250(Punkten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 161.793 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -149.837 -14.251 Td [(Der)-314(Landrath,)-330(ihr)-314(Mann,)-330(that)-314(immer,)-330(was)-314(sie)-314(wollte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 237.78 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)]TJ -254.579 -13.549 Td [(Du)-348(meinst,)-372(Am\351lie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.854 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.64 0 Td [(...)-544(Sie)-348(schrieb)-348(also)-347(ein)-348(Billetchen)-348(an)-348(den)]TJ -96.494 -13.549 Td [(Fremden)-247(des)-247(Inhalts,)-247(dass)-247(eine)-247(distinguirte)-247(Reunion)-247(im)-246(Schlosse)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-519(X.,)-587(Datum)-520(und)-519(Stunde,)-587(von)-519(seinem)-520(Geist)-519(und)-519(Wirken)]TJ 0 -13.55 Td [(geh\366rt,)-525(den)-470(Wunsch)-470(h\344tte,)-525(ihn)-470(zu)-470(kennen)-470(und)-470(sich)-470(belehren)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-392(lassen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.349 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.734 0 Td [(H\366flichkeit)-392(bei)-392(solchen)-393(Gelegenheiten)-392(ist)-392(immer)]TJ -61.083 -13.549 Td [(angebracht.)-358(Sie)-286(kostet)-286(nicht)-286(viel)-286(und)-286(leistet)-286(dasselbe)-286(wie)-285(baares)]TJ 0 -13.549 Td [(Geld.)-727(Uebrigens)-410(lag)-409(der)-409(Gr\344fin)-409(wirklich)-409(an)-409(dieser)-409(Attraction)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([100])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(f\374r)-284(ihren)-283(Rout.)-351(Boshafte)-284(Leute)-283(waren)-284(hier)-283(wieder)-284(der)-283(Meinung,)]TJ 0 -13.55 Td [(dass)-390(diese)-390(ber\374hmten)-390(gr\344flichen)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.109 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(geistigen)-390(Attractions)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.128 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.099 0 Td [(vieles)]TJ -255.179 -13.549 Td [(Andre,)-321(weniger)-306(Attractive)-307(verbergen)-307(sollten,)-320(zum)-307(Beispiel)-306(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(entschiedene)-402(D\374rftigkeit)-402(des)-403(Vorgesetzten,)-440(und)-402(den)-402(Umstand,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-404(der)-404(Champagner)-404(immer)-405(ausserordentlich)-404(sp\344t,)-442(im)-404(letzten)]TJ 0 -13.549 Td [(Augenblick)-250(servirt)-250(wurde.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Der)-265(Diener)-264(fand)-265(den)-265(Fremden)-264(unter)-265(einem)-265(Apfelbaum,)-268(wo)-264(er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-217(ruhte.)-239(Zwei)-217(schwarze)-218(Amseln)-217(liefen)-217(nach)-217(W\374rmern)-217(pickend)]TJ 0 -13.549 Td [(neben)-303(ihm)-303(im)-303(Grase.)-409(Es)-303(schien,)-316(als)-303(ob)-303(diese)-303(Thiere)-303(ihn)-302(fragten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-443(er)-443(ihnen)-442(antwortete.)-829(Der)-442(Mann)-443(schwor)-443(nachher)-443(auf)-442(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Hexerei.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(werde)-250(kommen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.945 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -99.36 -14.251 Td [(Die)-286(Gr\344fin,)-294(die)-286(es)-285(nie)-286(verschm\344hte,)-294(auch)-286(ihre)-286(Kammerdiener)]TJ -11.955 -13.549 Td [(auszufragen,)-337(merkte)-320(sich)-320(diesen)-320(kleinen)-320(interessanten)-320(Zug.)-459(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-406(eine)-405(sozusagen)-405(symbolistische)-406(Toilette)-405(gemacht:)-561(Weiss,)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-584(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.038 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-584(Cr\352me)-585(spielend,)-668(mit)-584(schwarzen)-585(Jetkettenschn\374ren)]TJ -36.671 -13.55 Td [(viermal)-250(um)-250(den)-250(Hals.)]TJ 11.955 -14.25 Td [(Der)-277(Landrath)-277(war)-277(etwas)-277(sorgenvoll:)-304(seine)-277(Stellung)-278(und)-277(quasi)]TJ -11.955 -13.549 Td [(officielle)-378(Sanction)-378(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.906 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-378(verstehst)-378(Du)-378(nicht,)-410(mein)-378(Freund,)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.036 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(sie)-250(milde,)-250(aber)-250(fest.)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.007 0 Td [(\023)-250(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.026 0 Td [(Man)-250(wird)-250(sich)-250(erdr\374cken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.09 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -310.879 0 Td [([101])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.251 Td [(Man)-250(erdr\374ckte)-250(sich.)]TJ 0 -14.251 Td [(Die)-634(Gr\344fin)-634(war)-634(allgegenw\344rtig.)-1401(Es)-634(galt,)-730(ihren)-634(G\344sten)]TJ -11.955 -13.549 Td [(das)-527(Ausserordentliche)-527(ihres)-527(Schrittes)-527(klar)-526(zu)-527(machen,)-596(diese)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +331 0 obj << +/Type /Page +/Contents 332 0 R +/Resources 330 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +333 0 obj << +/D [331 0 R /XYZ 93.543 381.982 null] +>> endobj +334 0 obj << +/D [331 0 R /XYZ 93.543 105.814 null] +>> endobj +330 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +337 0 obj << +/Length 4651 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(59)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Einladung)-591(an)-591(den)-590(Fremden,)-676(mit)-591(der)-591(sie)-591(ihren)-590(geistreichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Freunden)-565(einen)-565(Gefallen)-565(thun)-565(wollte,)-644(und)-565(sich)-564(gleichzeitig)]TJ 0 -13.549 Td [(m\366glichst)-509(gegen)-509(\374ble)-509(Folgen)-508(sch\374tzen,)-574(da)-509(man)-509(es)-509(ihr)-508(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(oben)-250(hin)-250(falsch)-250(auslegen)-250(konnte.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Gegen)-262(die)-261(Einen,)-265(die)-262(sie)-261(f\374r)-262(freie)-262(Geister)-261(hielt,)-265(war)-262(sie)-261(frivol,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(f\374r)-463(die)-463(Andern)-463(ernsthaft,)-516(priesterlich.)-889(Allerliebst)-462(reum\374thig,)]TJ 0 -13.549 Td [(bescheiden,)-329(entschuldigte)-313(sie)-314(sich)-313(gegen)-313(den)-313(Superintendenten,)]TJ 0 -13.55 Td [(einigen)-498(alten)-498(Damen)-498(gegen\374ber.)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.138 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-498(bin)-498(so)-498(eine)-498(moderne)]TJ -164.981 -13.549 Td [(Ketzerin.)-237(Es)-213(ist)-212(doch)-212(auch,)-220(damit)-212(Sie)-212(selbst)-212(den)-212(Unsinn)-212(sehen)-212(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Interessant)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.385 0 Td [(war)-600(ihr)-599(Wort.)-1299(Daf\374r)-599(liess)-600(sie)-599(sich)-600(einen)]TJ -75.442 -13.549 Td [(scherzhaften)-362(F\344cherschlag)-363(auf)-362(den)-362(Arm)-363(von)-362(der)-362(alten)-362(Baronin)]TJ 0 -13.549 Td [(Rehden)-251(gefallen.)-251(Die)-251(Superintendentin)-251(bat)-250(sie)-251(um)-250(ihr)-251(Recept)-250(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(schwarzen)-387(Johannisbeergelee.)-659(Dabei)-387(vergass)-386(sie)-387(niemals)-386(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Prinzen)-412(zuzul\344cheln:)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.205 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-412(werden)-411(wir)-412(uns)-411(nachher)-412(\374ber)-412(alle)]TJ -104.049 -13.549 Td [(diese)-396(mokiren.)-689(Wir)-396(Beide)-397(verstehen)-396(uns,)-433(dass)-396(Alles)-396(nur)-396(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Farce)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.993 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf -35.608 -16.625 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-535(sie)-535(nun)-535(nicht)-535(bewundrungsw\374rdig?)]TJ/F21 10.9091 Tf 179.081 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.679 0 Td [(fragte)-535(der)-535(Prinz)]TJ -206.559 -13.55 Td [(seinen)-359(Adjutanten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.293 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Diese)-359(Frau)-359(w\344re)-359(bei)-359(August)-359(dem)-359(Starken)]TJ/F16 7.9701 Tf 196.887 0 Td [([102])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(die)-484(Orczelska,)-543(bei)-485(Ludwig)-484(dem)-484(Vierzehnten)-485(Maintenon,)-542(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(Alexander)-443(Kr\374dener)-442(gewesen.)-827(F\374r)-443(die)-442(Tochter)-443(der)-442(Herodias)]TJ 0 -13.549 Td [(reicht)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-229(leider)-229(nicht.)-243(Sie)-229(h\344tte)-230(auch)-229(da)-229(ihr)-229(Bestes)-229(gethan)-229(und)-229(man)]TJ -28.473 -13.549 Td [(w\374rde)-254(ihr)-255(wahrscheinlich)-254(das)-254(Haupt)-255(bewil)1(ligt)-255(haben,)-255(wenn)-254(auch)]TJ 0 -13.55 Td [(aus)-250(andern)-250(Gr\374nden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.578 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -78.622 -16.625 Td [(Der)-185(junge)-185(Mann)-185(antwortete)-185(nicht.)-228(Er)-185(betrachtete)-185(den)-185(Fremden,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-250(allein)-250(an)-250(einem)-250(Ende)-250(des)-250(Saales)-250(stand.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Er)-461(stand)-461(ganz)-462(ruhig)-461(in)-461(seinem)-461(einfachen)-461(Anzug)-461(zwischen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-238(plaudernden,)-241(lachenden,)-240(zischelnden)-238(Gruppen.)-246(Fortw\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\344ngten)-232(sich)-232(die)-232(Diener)-232(durch)-232(unter)-232(irgend)-232(einem)-232(Vorwand,)-235(um)]TJ 0 -13.55 Td [(ihn)-250(anzustarren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.625 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eigentlich)-376(eine)-376(tolle)-376(Idee)-376(der)-376(guten)-376(Gr\344fin,)]TJ/F21 10.9091 Tf 195.178 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.946 0 Td [(sagte)-376(die)-376(alte)]TJ -220.923 -13.549 Td [(Baronin)-332(Steuben,)-353(sich)-332(Luft)-331(zuf\344chelnd.)-496(Sie)-332(war)-332(eine)-332(wirkliche)]TJ 0 -13.55 Td [(grosse)-396(Dame)-396(und)-396(verachtete)-396(die)-396(kleinen)-396(Trics)-396(und)-396(Kniffe)-396(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +336 0 obj << +/Type /Page +/Contents 337 0 R +/Resources 335 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +338 0 obj << +/D [336 0 R /XYZ 218.691 278.609 null] +>> endobj +335 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +341 0 obj << +/Length 5057 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(60)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ein)-195(junges)-195(M\344dchen)-195(erstaunte,)-205(dass)-195(er)-195(keinen)-195(Frack)-195(tr\374ge.)-231(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Prinz)-389(bem\374hte)-388(sich,)-424(der)-388(kleinen)-389(Frau)-389(eines)-388(Rittergutsbesitzers)]TJ 0 -13.549 Td [(einzureden,)-643(dass)-565(es)-565(sehr)-564(m\366glich)-565(sein)-565(k\366nnte,)-643(dieser)-564(w\344re)]TJ 0 -13.549 Td [(wirklich)-403(Christus.)-710(Die)-403(kleine)-404(Frau)-403(begriff)-403(nicht.)-710(Ihre)-403(Augen)]TJ 0 -13.55 Td [(vergr\366sserten)-225(sich)-224(unm\344ssig.)-242(Sie)-224(stand)-224(buchst\344blich)-225(mit)-224(offenem)]TJ 0 -13.549 Td [(Mund.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([103])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.995 Td [(In)-572(einer)-573(Gruppe)-572(junger)-573(Damen)-572(und)-573(Offiziere)-572(hatte)-572(man)]TJ -11.956 -13.55 Td [(beschlossen,)-225(den)-220(geheimnissvollen)-219(Gast)-219(direct)-219(zu)-220(attaquiren.)-239(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(kleiner,)-202(kecker)-191(Dragoner)-190(war)-190(ausgesandt)-191(worden)-190(als)-190(Avantgarde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-292(setzte)-293(ihm)-292(zu)-292(von)-293(allen)-292(Seiten.)-377(Und)-292(er)-293(that)-292(auch,)-303(als)-292(ob)-292(er)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-354(besonders)-353(Gef\344hrliches)-354(untern\344hme,)-379(hegte)-354(noch)-353(Skrupel)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(die)-250(Anrede.)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.731 0 Td [(\036\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.477 0 Td [(Meister)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.327 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(ist)-250(ja)-250(wohl)-250(das)-250(Officielle?)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.101 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf -231.611 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-250(gehen)-250(Sie!)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.255 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -72.098 -13.995 Td [(Aller)-215(Augen)-214(folgten)-215(ihm,)-222(wie)-215(er)-214(gesucht)-215(dandyhaft)-215(quer)-214(durch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(den)-250(Saal)-250(chassirte.)-250(Die)-250(jungen)-250(Damen)-250(kicherten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Erlauben)-870(Sie,)-1025(dass)-869(ich)-870(mich)-870(vorstelle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.417 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.333 0 Td [(Der)-870(junge)]TJ -230.549 -13.549 Td [(Mann)-611(verbeugte)-611(sich,)-702(forcirt)-611(vorschriftsm\344ssig)-611(die)-611(Hacken)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammenschlagend.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Der)-257(Fremde)-256(sah)-257(ihn)-256(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.331 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-257(m\366chte)-256(mir)-257(eine)-256(Frage)-257(erlauben,)]TJ -122.131 -13.549 Td [(Herr)-164(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.951 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.627 0 Td [(Er)-163(z\366gerte)-164(vor)-163(dem)-164(Namen,)-181(um)-163(dem)-164(Andern)-163(zu)-163(markiren,)]TJ -36.578 -13.549 Td [(dass)-248(er)-248(seine)-248(Vorstellung)-248(erwartete.)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.044 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Halten)-248(Sie)-248(es)-248(f\374r)-248(Ihren)-248(und)]TJ -162.888 -13.55 Td [(dem)-194(christlichen)-194(Grundgedanken)-194(entsprechend,)-205(Kriegsdienste)-193(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(nehmen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -27.426 -13.995 Td [(Der)-250(Fremde)-250(antwortete)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-310(betrachte)-310(die)-310(Frage)-310(ganz)-309(ernsthaft.)-430(Es)-310(steht)-310(doch)-310(in)-310(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Bibel:)-371(Du)-311(sollst)-311(nicht)-310(t\366dten.)-432(Wir)-311(versprechen)-310(unsre)-311(Feinde)-310(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(lieben,)-399(B\366ses)-370(mit)-369(Gutem)-370(zu)-369(vergelten.)-609(Christus)-369(nimmt)-369(Petrus)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([104])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(das)-250(Schwert)-250(aus)-250(der)-250(Hand.)-250(Dennoch)-250(zwingt)-250(uns)-250(das)-250(Gesetz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.847 0 Td [(\034)]TJ -248.891 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Welches)-250(Gesetz?)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.815 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -87.229 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-250(das)-250(b\374rgerliche,)-250(das)-250(des)-250(Staats,)-250(dem)-250(wir)-250(angeh\366ren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.643 0 Td [(\034)]TJ -254.486 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-285(geh\366rst)-284(nicht)-285(dem)-285(Staat,)-293(der)-285(Staat)-284(geh\366rt)-285(Dir,)]TJ/F21 10.9091 Tf 216.427 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.949 0 Td [(sagte)-285(der)]TJ -241.175 -13.549 Td [(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-456(das)-457(Staatsgesetz)-456(bestraft)-456(mich.)-869(Ich)-456(werde)-457(schuldig)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gefunden)-296(und)-296(verurtheilt,)-307(wenn)-296(ich)-295(mich)-296(weigre)-296(ihm)-296(zu)-295(folgen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +340 0 obj << +/Type /Page +/Contents 341 0 R +/Resources 339 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +342 0 obj << +/D [340 0 R /XYZ 93.543 450.331 null] +>> endobj +343 0 obj << +/D [340 0 R /XYZ 157.381 162.772 null] +>> endobj +339 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +346 0 obj << +/Length 5270 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(61)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Gehorsam)-326(gegen)-326(das)-326(Gesetz)-325(ist)-326(uns)-326(ebenfalls)-326(anbefohlen.)-477(Was)]TJ 0 -13.549 Td [(soll)-250(ich)-250(thun?)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.789 0 Td [(\034)]TJ -46.833 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(Du)-250(willst,)]TJ/F21 10.9091 Tf 65.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -77.563 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-377(ist)-378(es.)-632(Aber)-378(ich)-377(weiss)-378(doch)-377(nicht,)-409(was)-378(ich)-377(will.)]TJ/F21 10.9091 Tf 238.517 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.961 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.55 Td [(junge)-389(Offizier)-389(war)-390(in)-389(einen)-389(gewissen)-389(Eifer)-389(gerathen,)-424(er)-389(nahm)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-400(vor,)-438(den)-400(Punkt)-401(bis)-400(zu)-400(Ende)-400(zu)-401(verfecht)1(en.)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.551 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-400(mein)]TJ -228.395 -13.549 Td [(Wille)-250(gegen)-250(das)-250(steht,)-250(was)-250(ich)-250(soll?)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.433 0 Td [(\034)]TJ -143.477 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(sollst)-250(wollen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.247 0 Td [(\034)]TJ -79.09 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-547(zwingt)-548(mich.)-1142(Ich)-547(komme)-547(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 165.723 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-547(Gef\344ngniss.)-1142(Man)]TJ -186.154 -13.549 Td [(behandelt)-406(mich)-407(als)-406(Verbrecher.)-719(Was)-406(bin)-406(ich,)-446(Einer)-406(gegen)-406(so)]TJ 0 -13.55 Td [(Viele?)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\034)]TJ -16.517 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Viele)-250(Einzelne)-250(sind)-250(Viele.)]TJ/F21 10.9091 Tf 114.524 0 Td [(\034)]TJ -119.367 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-332(Die)-278(Duchoborzen.)-332(Eine)-277(Art)-278(Tolstoi.)-332(Auch)-277(Qu\344ker)-278(leisten)]TJ/F16 7.9701 Tf 274.225 0 Td [([105])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ja)-200(keine)-200(Kriegsdienste,)-210(glaube)-200(ich?)-233(Interessant,)-210(sehr)-200(interessant!)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(die)-250(Gr\344fin.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jedes)-318(Land)-317(hat)-318(alle)-317(seine)-318(Kr\344fte)-317(n\366thig)-318(gegen)-317(den)-318(\344usseren)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Feind!)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.183 0 Td [(sagte)-764(der)-765(Candidat)-764(der)-765(Theologie,)-893(der)-764(zugleich)]TJ -41.667 -13.549 Td [(Reserveoffizier)-202(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.081 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-202(Land,)-212(das)-202(sich)-202(seine)-202(Waffen)-202(nimmt,)-211(ist)]TJ -95.924 -13.549 Td [(wie)-221(ein)-221(K\366rper)-220(ohne)-221(Widerstandskraft.)-240(Es)-221(entmannt)-221(eine)-220(Nation,)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-215(ist)-215(dann)-215(nicht)-215(f\344hig,)-223(ihre)-215(Ehre)-215(zu)-215(vertheidigen.)-238(Die)-215(Ehre)-215(eines)]TJ 0 -13.55 Td [(Volkes)-250(ist)-250(wie)-250(die)-250(Ehre)-250(eines)-250(Individuums.)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -175.604 -14.04 Td [(Er)-369(liebte)-369(das)-370(Wort:)-488(Ehre.)-608(Er)-369(sagte)-370(es)-369(in)-369(einem)-369(besonderen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schnarrenden)-437(Ton.)-812(Er)-437(war)-438(auch)-437(f)-200(\374)-200(r)-437(das)-438(Duell)-437(und)-437(fing)-437(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344ngeres)-166(Gespr\344ch)-165(mit)-166(dem)-165(Lieutenant)-166(dar\374ber)-165(an,)]TJ/F21 10.9091 Tf 216.708 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(zum)-166(Beispiel,)]TJ -221.551 -13.549 Td [(wenn)-184(Einer)-184(mich)-184(mit)-184(meiner)-184(Frau)-184(betr\374gt.)-228(Dann)-184(greift)-184(schlie\337lich)]TJ 0 -13.549 Td [(jeder)-250(Holzknecht)-250(zur)-250(Axt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.302 0 Td [(\034)]TJ -101.346 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-398(der)-397(Holzknecht)-398(ist)-397(ein)-398(M\366rder)-398(und)-397(kriegt)-398(seine)-398(f\374nf)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Jahr)-329(Zuchthaus,)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.428 0 Td [(sagte)-329(der)-328(Prinz)-329(freundschaftlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.049 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-329(ist)-328(der)]TJ -232.256 -13.549 Td [(ganze)-250(Unterschied,)-250(mein)-250(braver)-250(Langenhahn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 198.12 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -186.165 -14.04 Td [(Nat\374rlich)-349(m\374ssten)-348(gewisse)-349(Formalit\344ten)-349(beobachtet)-349(werden;)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-332(Candidat)-333(gab)-332(das)-332(zu.)-497(Der)-332(Lieutenant)-332(sah)-332(nicht)-333(ein,)-352(warum)]TJ 0 -13.55 Td [(schliesslich)-325(Messerstechen)-325(und)-326(Ohrabbeissen)-325(nicht)-325(auch)-325(gelten)]TJ 0 -13.549 Td [(sollten,)-251(immer)-250(gerade)-251(mit)-251(diesem)-250(Falle)-251(des)-250(Ehemanns)-251(gegen)-250(die)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([106])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Ehebrecherin)-250(und)-250(ihren)-250(Mitschuldigen)-250(gerechnet.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +345 0 obj << +/Type /Page +/Contents 346 0 R +/Resources 344 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +347 0 obj << +/D [345 0 R /XYZ 263.786 352.639 null] +>> endobj +348 0 obj << +/D [345 0 R /XYZ 285.286 79.691 null] +>> endobj +344 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +351 0 obj << +/Length 5035 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(62)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-307(f\344nde)-307(es)-307(doch)-307(einfacher)-307(f\374r)-306(ihn,)-322(Beide)-307(todtzuschlagen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(der)-250(Doctor.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(O,)-442(aber)-442(lieber)-442(Doctor!)-827(Das)-442(nun)-442(wieder!)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.919 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.667 0 Td [(...)-826(Die)-442(Gr\344fin)]TJ -214.385 -13.549 Td [(flatterte)-250(skandalisirt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-300(w\344re)-299(das)-300(Logische.)-399(Entweder)-300(wir)-299(haben)-300(Faustrecht)-300(oder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wir)-436(haben)-436(keins.)-808(Diese)-436(Mittelzust\344nde)-436(machen)-436(unsre)-435(heilige)]TJ 0 -13.549 Td [(Civilisation)-250(so)-250(ungeniessbar.)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.76 0 Td [(\034)]TJ -113.805 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-337(ist)-337(nun)-338(doch)-337(schrecklich,)-359(Doctor,)-359(was)-337(Sie)-337(sagen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.522 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.549 Td [(Baronin)-331(sch\374ttelte)-332(vorwurfsvoll)-331(den)-331(Kopf.)-494(Ihr)-331(gefiel)-331(der)-331(junge)]TJ 0 -13.55 Td [(Mann,)-250(seine)-250(sch\366ne)-250(Stirn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Erlauben)-519(Sie.)-1055(Es)-519(ist)-518(in)-519(Allem)-519(so.)-1055(Besonders)-519(was)-519(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Frauen)-544(angeht.)-1130(Entweder)-543(eine)-544(Frau)-543(ist)-544(ein)-543(f\374r)-544(sich)-543(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(verantwortliches)-425(Wesen,)-470(ein)-425(Mensch,)-470(eine)-425(Seele,)-469(oder)-426(sie)-425(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(Sache.)-246(Mein)-237(Eigenthum.)-245(Mein)-238(St\374ck)-237(Kuhfleisch.)-245(Dann)-237(der)-237(Sack)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(der)-250(Bosporus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.691 0 Td [(\034)]TJ -67.736 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-250(es)-250(giebt)-250(doch)-250(Mitteldinge.)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.469 0 Td [(\034)]TJ -143.313 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-338(sind)-337(dann)-338(einfach)-338(absurd.)-512(Ich)-338(schlage)-338(mich)]TJ/F21 10.9091 Tf 218.905 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.137 0 Td [(aber)-338(ich)]TJ -244.841 -13.549 Td [(gebe)-240(ihm)-239(dieselbe)-240(Chance.)-247(Ich)-239(sage,)-242(sie)-240(weiss)-239(nicht)-240(was)-240(sie)-239(thut,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-295(lade)-294(ihr)-295(die)-294(volle)-295(Verantwortung)-295(auf.)-384(Wir)-294(k\366nnen)-295(eben)-294(nie)]TJ 0 -13.55 Td [(etwas)-250(reinlich)-250(durchf\374hren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.662 0 Td [(\034)]TJ -107.707 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dann)-250(w\344ren)-250(wir)-250(Teufel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -193.759 0 Td [([107])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Oder)-250(Engel.)-250(Sie)-250(haben)-250(die)-250(Wahl.)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.302 0 Td [(\034)]TJ -148.146 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-443(glaube,)-492(S)-200(i)-200(e)-443(haben)-443(schon)-443(gew\344hlt!)]TJ/F21 10.9091 Tf 178.419 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.678 0 Td [(Sie)-443(wollte)-443(damit)]TJ -204.896 -13.549 Td [(discret)-383(auf)-383(Einiges)-383(hindeuten,)-416(was)-383(\374ber)-383(seine)-383(Reisen)-383(zu)-382(ihren)]TJ 0 -13.55 Td [(Ohren)-250(gedrungen)-250(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht)-333(doch)-332(noch)-333(nicht)-333(so)-333(ganz,)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.429 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.473 0 Td [(sagte)-333(der)-332(junge)-333(Mann)]TJ -183.701 -13.549 Td [(kalt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(giebt)-250(auch)-250(noch)-250(ein)-250(Drittes.)]TJ/F21 10.9091 Tf 133.92 0 Td [(\034)]TJ -138.764 -13.9 Td [(\023)-250(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.026 0 Td [(Sagen)-250(Sie)-250(mal,)-250(sind)-250(Sie)-250(gl\374cklich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 150.905 0 Td [(\034)]TJ -163.931 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Befehlen)-250(Sie)-250(Thee)-250(oder)-250(Kaffee,)-250(Baronin?)]TJ/F21 10.9091 Tf 180.545 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -185.389 -13.9 Td [(Jemand,)-535(ein)-478(\344lteres)-478(Fr\344ulein,)-535(sagte,)-535(dass)-478(alle)-478(V\366lker)-478(eine)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Familie)-476(w\344ren,)-532(Deutsche,)-532(Franzosen,)-533(Juden.)-927(Sie)-476(hatte)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.034 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.55 Td [(Waffen)-258(nieder!)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.417 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.66 0 Td [(der)-258(Baronin)-258(Suttner)-259(gelesen)-258(und)-258(schw\344rmte)-258(f\374r)]TJ -74.077 -13.549 Td [(V\366lkerverbr\374derung.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +350 0 obj << +/Type /Page +/Contents 351 0 R +/Resources 349 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 329 0 R +>> endobj +352 0 obj << +/D [350 0 R /XYZ 93.543 243.198 null] +>> endobj +349 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +355 0 obj << +/Length 5584 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(63)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-209(ist)-210(doch)-209(eine)-209(etwas)-209(grosse)-210(Familie,)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.131 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.127 0 Td [(sagte)-209(der)-210(Lieutenant)]TJ -193.057 -13.549 Td [(von)-365(Detten)-365(zu)-364(seiner)-365(h\374bschen)-365(Nachbarin.)]TJ/F21 10.9091 Tf 197.541 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-365(goutire)-364(Juden)]TJ -202.385 -13.549 Td [(nur)-250(allenfalls)-250(als)-250(Schwiegerv\344ter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 145.418 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -133.462 -15.857 Td [(Der)-498(Candidat)-498(fand,)-561(man)-498(d\374rfte)-498(nicht)-498(Antisemit)-498(sein)-498(vom)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Vernunftstandpunkt)-250(aus.)-250(Aber)-250(man)-250(w\344re)-250(es)-250(physisch.)]TJ 11.956 -15.857 Td [(Der)-400(Superintendent)-401(drohte)-400(ihm)-400(mit)-400(dem)-401(Finger:)]TJ/F21 10.9091 Tf 224.315 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-400(sind)]TJ -241.114 -13.549 Td [(Alle)-250(Br\374der)-250(und)-250(unser)-250(Herr)-250(Christus)-250(kam)-250(von)-250(den)-250(Juden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.055 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -237.099 -15.856 Td [(Der)-654(Prinz)-654(erz\344hlte)-654(eine)-654(am\374sante)-654(Anekdote)-654(von)-654(einem)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([108])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Orientalen,)-733(einem)-636(befreundeten)-636(Pascha,)-732(der)-636(alle)-636(Hufthiere)]TJ 0 -13.55 Td [(verabscheute,)-250(weil)-250(er)-250(selbst)-250(einen)-250(Klumpfuss)-250(hatte.)]TJ 11.956 -15.856 Td [(Der)-328(Blaustrumpf)-329(unterhielt)-328(sich)-329(\374ber)-328(Frauenfrage)-329(mit)-328(einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gymnasialprofessor.)-634(Er)-378(hatte)-378(einen)-378(schmutzigen)-378(Hemdkragen)]TJ 0 -13.55 Td [(an)-253(und)-254(kaute)-253(seine)-253(N\344gel:)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.641 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun)-253(gewiss,)-254(auch)-254(Frauen)-253(haben)-253(eine)]TJ -120.485 -13.549 Td [(Seele,)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.357 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.011 0 Td [(sagte)-290(der)-291(Professor)-290(zerstreut.)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.393 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-290(heisst)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.151 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.622 0 Td [(Seele!)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.311 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.466 0 Td [(er)]TJ -272.154 -13.549 Td [(lachte)-265(sardonisch.)-297(Er)-265(hatte)-266(Lust,)-269(auf)-265(den)-266(Fussboden)-265(zu)-265(spucken.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-341(er)-341(besann)-340(sich.)-523(Man)-340(hatte)-341(ihn)-341(eingeladen,)-363(weil)-341(er)-341(in)-340(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Wahlvereinen)-250(wichtig)-250(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-234(muss)-234(das)-235(schwache)-234(Gef\344ss)-234(in)-234(Geduld)-234(tragen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.529 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.399 0 Td [(sagte)-234(der)]TJ -241.727 -13.549 Td [(Superintendent.)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.992 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-326(haben)-326(ja)-326(auch)-325(aus)-326(der)-326(ersten)-326(christlichen)]TJ -78.835 -13.549 Td [(Kirche)-542(sch\366ne)-541(Beispiele:)-834(Tabbea,)-614(Phoebe,)-615(die)-542(der)-541(Apostel)]TJ 0 -13.549 Td [(erw\344hnt.)-250(Echt)-250(evangelische)-250(Frauengestalten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 194.193 0 Td [(\034)]TJ -182.237 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Darf)-328(man)-327(heirathen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.354 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.417 0 Td [(fragte)-328(ein)-327(sehr)-328(junges)-327(M\344dchen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.307 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.549 Td [(steht)-250(doch)-250(in)-250(der)-250(Bibel,)-250(nicht)-250(heirathen)-250(ist)-250(besser?)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.244 0 Td [(\034)]TJ -205.288 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-250(w\374rde)-250(aber)-250(die)-250(Welt)-250(aussterben?)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.731 0 Td [(\034)]TJ -173.574 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-356(das)-356(w\344re)-356(sehr)-355(schade,)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.638 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.726 0 Td [(sagte)-356(der)-356(Prinz)-356(ernsthaft.)-567(Der)]TJ -146.163 -13.549 Td [(Superintendent)-602(witterte)-601(r\366mische)-602(Ketzereien.)-1305(Er)-602(wies)-601(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-525(grosse)-525(Exempel)-524(Martin)-525(Luther)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.874 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-525(und)-525(seinen)-524(gesegneten)]TJ -166.507 -13.549 Td [(Ehestand.)-1011(Die)-503(Superintendentin)-504(sass)-504(steif)-503(mit)-504(einer)-503(spitzen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([109])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Nase.)-1031(Sie)-510(dachte)-510(an)-511(den)-510(\374briggebliebenen)-510(G\344nsebraten)-510(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(morgen,)-340(ob)-323(ihr)-322(die)-322(M\344gde)-322(nicht)-322(drangingen.)-467(Der)-322(Prinz)-322(machte)]TJ 0 -13.549 Td [(confiscirte)-411(Witze)-410(und)-411(trieb)-410(den)-411(Superintendenten)-410(in)-411(die)-410(Enge)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-284(einigen)-284(fr\366hlichen)-283(Vierzeilern)-284(von)-284(Martin)]TJ/F21 10.9091 Tf 205.205 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nonnenfreund)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ -277.903 -13.549 Td [(Die)-406(Lieutenants)-406(secundirten,)-445(der)-406(alte)-406(Herr)-406(wehrte)-406(sich)-406(tapfer.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +354 0 obj << +/Type /Page +/Contents 355 0 R +/Resources 353 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +356 0 obj << +/D [354 0 R /XYZ 277.24 416.409 null] +>> endobj +357 0 obj << +/D [354 0 R /XYZ 100.518 133.888 null] +>> endobj +353 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +361 0 obj << +/Length 4711 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(64)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sein)-303(Gesicht)-303(wurde)-303(schweissroth)-303(vor)-303(Anstrengung:)]TJ/F21 10.9091 Tf 230.678 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-303(echter)]TJ -235.522 -13.549 Td [(deutscher)-250(Mann!)-250(Ein)-250(Mann)-250(nach)-250(dem)-250(Herzen)-250(Gottes!)]TJ/F21 10.9091 Tf 233.575 0 Td [(\034)]TJ -221.619 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-250(Bismarck!)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -68.17 -14.531 Td [(Der)-506(Candidat)-507(schw\344rmte)-506(f\374r)-506(Bismarck.)-1019(Die)-506(Gesellschaft)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verhielt)-218(sich)-218(etwas)-217(ablehnend.)-240(F\374r)-217(die)-218(Offiziere)-218(war)-218(er)-217(eigentlich)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-405(Rebell,)-444(ein)-405(unruhiger)-405(Kopf,)-444(der)-406(die)-405(Consigne)-405(brach.)-715(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Gr\344fin)-383(brachte)-383(rasch)-384(das)-383(Thema)-383(auf)-383(etwas)-384(Anderes,)-416(um)-383(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-242(aus)-242(der)-242(Verlegenheit)-242(zu)-243(retten.)-247(Der)-242(Candidat)-242(war)-242(oft)-242(recht)]TJ 0 -13.549 Td [(taktlos.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Einige)-357(Leute)-358(wollten)-357(Fragen)-358(stellen:)-464(Werde)-358(ich)-357(eine)-357(grosse)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Carriere)-176(machen?)-226(Siegt)-176(mein)-176(Gaul)-177(beim)-176(n\344chsten)-176(Rennen?)-225(Wann)]TJ 0 -13.549 Td [(werde)-191(ich)-190(meine)-191(Schulden)-190(bezahlen?)-231(Die)-190(jungen)-191(M\344dchen)-190(h\344tten)]TJ 0 -13.549 Td [(gern)-443(gewusst,)-492(ob)]TJ/F21 10.9091 Tf 83.206 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(er)]TJ/F21 10.9091 Tf 8.477 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.679 0 Td [(ihnen)-443(treu)-444(war?)-829(Wird)-444(der)-443(Bestimmte)]TJ -106.205 -13.549 Td [(mich)-425(zum)-424(Cotillon)-425(engagiren?)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.575 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.088 0 Td [(Die)-425(Meisten)-424(hatten)-425(so)-425(eine)]TJ -156.663 -13.549 Td [(Art)-425(Taschenspielervorstellung,)-468(Tischr\374cken,)-469(Kartenlegen)-424(oder)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([110])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Aehnliches)-250(erwartet)-250(und)-250(waren)-250(entt\344uscht.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Der)-181(Superintendent)-181(hatte)-181(den)-181(Fremden)-181(mit)-181(Beschlag)-181(belegt.)-227(Er)]TJ -11.955 -13.549 Td [(hatte)-235(eine)-235(Brosch\374re)-235(\374ber)-235(das)-235(Glaubensbekenntnis,)-238(Harnack)-234(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-310(Agende)-309(ver\366ffentlicht)-309(und)-310(wollte)-309(jetzt)-310(dem)-309(Andern)-310(auf)-309(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Zahn)-317(f\374hlen)-318(\374ber)-317(diese)-317(wichtigen)-318(Punkte.)-452(Sein)-317(Grundsatz)-317(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-306(Kirche)-307(und)-306(Staat)-306(zusammengehen)-307(m\374ssten)-306(in)-306(den)-306(jetzigen)]TJ 0 -13.55 Td [(socialen)-450(Wirren.)-851(Vern\374nftige)-451(Reform.)-851(Aber)-450(die)-450(feste)-450(Hand)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-294(oben.)-380(Und)-293(vor)-294(allem)-293(musste)-294(die)-293(Autorit\344t)-294(gewahrt)-293(werden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-306(Patriarchalische)-307(ist)-306(das)-307(einzig)-306(Wahre.)-419(Dabei)-307(hatte)-306(er)-306(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschmack)-305(f\374r)-304(weltliche)-305(sch\366ne)-305(Literatur,)-318(citirte)-305(Classiker)-304(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bekannte)-250(sich)-250(zur)-250(Goethe)]TJ/F21 10.9091 Tf 110.575 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(schen)-250(Schule.)]TJ -102.252 -14.531 Td [(Der)-419(Candidat)-419(war)-418(ein)-419(Heisssporn.)-756(Er)-419(war)-419(f\374r)-419(ein)-419(sociales)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Kaiserthum,)-567(eine)-504(Art)-504(Theokratie)-503(unter)-504(von)-504(oben)-503(inspirirtem)]TJ 0 -13.549 Td [(Oberhaupt)-678(mit)-678(unumschr\344nkter)-678(Autorit\344t.)]TJ/F21 10.9091 Tf 211.926 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-678(Idee)-678(des)]TJ -216.77 -13.549 Td [(Gottesgnadenthums)-474(muss)-474(wieder)-474(herrschend)-474(werden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 242.144 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.013 0 Td [(Dieser)]TJ -252.157 -13.549 Td [(Ausdruck)-362(gefiel)-361(ihm.)-585(Ihn)-362(zog)-362(das)-361(Katholische)-362(an.)-585(Er)-362(war)-361(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(High-Church-Reforms.)-884(Allenfalls)-461(f\374r)-461(einen)-461(deutschen)-461(Papst,)]TJ 0 -13.55 Td [(gr\366ssere)-254(Prunkentfaltung.)-263(Er)-255(selbst)-254(mit)-254(einer)-254(edelsteinbedeckten)]TJ 0 -13.549 Td [(Brust)-327(hohe)-328(Kirchenakte)-327(celebrirend)]TJ/F21 10.9091 Tf 161.517 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.026 0 Td [(das)-327(h\344tte)-328(seiner)-327(Neigung)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +360 0 obj << +/Type /Page +/Contents 361 0 R +/Resources 359 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +362 0 obj << +/D [360 0 R /XYZ 178.152 325.541 null] +>> endobj +359 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +365 0 obj << +/Length 4995 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(65)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(entsprochen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([111])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.367 Td [(Wenn)-974(der)-973(Superintendent)-974(das)-974(Presbyterianische,)-1154(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Selbstverwaltung)-531(der)-531(Gemeinden)-532(betonte,)-601(betrachtete)-531(er)-531(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(fast)-270(als)-271(eine)-270(Art)-271(Hochverr\344ther.)-311(Dieser)-271(im)-270(Gegentheil)-270(versprach)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-426(nicht)-425(viel)-426(von)-426(den)-426(jungen)-425(Leuten.)-778(Er)-425(war)-426(mehr)-426(f\374r)-425(die)]TJ 0 -13.549 Td [(kleinen)-448(Lokalp\344pstchen.)-843(Man)-448(lebte)-447(in)-448(Frieden)-448(und)-448(that)-447(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(M\366glichstes.)-476(Die)-326(Frau)-325(Superintendent)-326(liess)-325(bei)-326(sich)-325(n\344hen)-325(und)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-320(im)-320(Vorstand)-319(aller)-320(Wohlth\344tigkeitsvereine.)-459(Alles)-320(das,)-337(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(kleinen)-375(Spiele)-375(und)-375(Gegenspiele,)-407(die)-375(er)-375(witterte,)-406(erheiterte)-375(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Prinzen.)-374(Er)-291(hatte)-291(die)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.498 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Baalspfaffen)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.735 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.02 0 Td [(speciell)-291(auf)-291(dem)-292(Korn)-291(und)]TJ -163.097 -13.549 Td [(liebte)-202(es,)-212(an)-203(ihren)-202(B\344ffchen)-202(sein)-202(M\374thchen)-203(zu)-202(k\374hlen.)-234(Er)-202(erz\344hlte)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-319(bekannte)-319(Anekdote)-319(von)-318(Friedrich)-319(dem)-319(Grossen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.149 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-319(Pfaff)]TJ -238.992 -13.549 Td [(soll)-402(sein)-402(Maul)-402(halten,)-441(mein)-402(Reich)-402(ist)-402(nicht)-402(von)-402(dieser)-402(Welt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(mit)-415(der)-415(die)-415(Kinder)-416(der)-415(Welt)-415(die)-415(Pfarrer)-415(an\366den.)-745(Der)-415(Doctor)]TJ 0 -13.549 Td [(secundirte)-251(ihm)-250(eifrig,)-251(ebenfalls)-251(einige)-250(von)-251(den)-251(Lieutenants.)-251(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-251(f\374r)-250(apostolische)-251(Einfachheit,)-251(den)-251(Stab)-251(und)-250(einen)-251(Rock:)-251(er)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-250(nicht,)-250(da)-250(er)-250(sein)-250(Haupt)-250(niederlegen)-250(sollte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-293(erlauben)-292(Sie!)-379(Erlauben)-292(Sie!)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.037 0 Td [(Der)-293(Superintendent)-292(hielt)]TJ -172.44 -13.549 Td [(seine)-245(halbgeleerte)-246(Kaffeetasse)-245(in)-246(der)-245(Hand,)-247(in)-245(der)-246(er)-245(den)-245(dicken,)]TJ 0 -13.549 Td [(br\344unlichen)-541(Zuckerseim)-541(hin-)-541(und)-541(herschob.)-1123(Er)-541(nahm)-540(gern)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-415(bischen)-414(viel)-414(Zucker;)-497(bei)-415(andern)-414(Leuten)-415(kostete)-414(es)-414(nichts.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([112])]TJ/F21 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Unser)-476(Herr)-477(hat)-476(durchaus)-477(nicht)-476(gewollt,)-533(dass)-477(die)-476(Gl\344ubigen)]TJ -4.844 -13.55 Td [(sich)-343(kasteien.)-528(Das)-343(ist)-343(eine)-343(ganz)-343(irrige)-342(Auffassung,)-366(katholische)]TJ 0 -13.549 Td [(Ketzerei:)-757(hat)-503(er)-504(doch)-503(selbst)-503(auf)-504(der)-503(Hochzeit)-504(zu)-503(Kana)-503(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Wasser)-397(in)-397(Wein)-397(gewandelt,)-434(durch)-397(seine)-397(gesegnete)-396(Gegenwart)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(heiligen)-250(Ehestand)-250(ausgezeichnet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.993 0 Td [(\034)]TJ -151.037 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-640(hat)-640(doch)-640(aber)-640(selbst)-640(nicht)-640(geheirathet,)-738(Maria)-640(oder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Magdalena?)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.313 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(Dies)-250(war)-250(ein)-250(vorlauter)-250(Lieutenant.)]TJ/F21 10.9091 Tf -48.928 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Diese)-206(Ausnahme)-206(lag)-205(doch)-206(wohl)-206(in)-206(seinem)-206(heiligen)-205(Amt.)-236(Und)]TJ -16.799 -13.55 Td [(wir)-261(m\374ssen)-260(nicht)-261(vergessen,)-264(dass)-260(er)-261(in)-261(verh\344ltnissm\344ssig)-260(jungen)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahren)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.2 0 Td [(\023\034)]TJ -19.244 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-269(meinen,)-273(er)-268(ist)-269(nicht)-268(alt)-269(genug)-268(geworden)-269(dazu,)]TJ/F21 10.9091 Tf 216.78 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.773 0 Td [(sagte)-268(der)]TJ -241.352 -13.549 Td [(Prinz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(ist)-250(auch)-250(eine)-250(Auffassung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.97 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -151.342 -14.368 Td [(Diese)-250(Bemerkung)-250(erregte)-250(allgemeinen)-250(Jubel.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +364 0 obj << +/Type /Page +/Contents 365 0 R +/Resources 363 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +366 0 obj << +/D [364 0 R /XYZ 46.771 515.808 null] +>> endobj +367 0 obj << +/D [364 0 R /XYZ 64.624 245.555 null] +>> endobj +363 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +370 0 obj << +/Length 5475 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(66)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-243(ist)-243(profan!)-248(Das)-243(ist)-243(profan!)-243(...)-247(Wirklich,)-245(meine)-243(Herren!)-243(...)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-250(m\374ssen)-250(selbst)-250(einsehen)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -116.826 -14.04 Td [(Der)-285(Prinz)-285(klopfte)-285(ihm)-284(auf)-285(die)-285(Schulter.)-355(Er)-285(mochte)-284(begreifen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dass)-398(sein)-398(Scherz)-398(etwas)-399(zu)-398(weit)-398(gegangen)-398(war:)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.52 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Darum)-398(keine)]TJ -222.363 -13.55 Td [(Feindschaft)-549(nicht.)-1149(Ich)-549(weiss)-550(ja,)-624(wir)-549(brauchen)-550(das)-549(f\374r)-549(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Dummen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -116.087 0 Td [([113])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -14.04 Td [(Der)-240(Candidat)-239(\344rgerte)-240(sich.)-246(Die)-240(Kirche)-240(musste)-239(eine)-240(ganz)-239(andre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gewalt)-406(wieder)-406(haben.)-717(Und)-406(es)-406(w\344re)-406(in)-406(der)-406(That)-406(gut)-405(gewesen)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-427(die)-427(Stellung)-426(des)-427(Priesters)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.816 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.111 0 Td [(er)-427(sagte)-427(immer)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.346 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Priester)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-471(er)]TJ -264.288 -13.55 Td [(fand,)-244(dass)-242(das)-242(nach)-242(mehr)-243(klang)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.564 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.097 0 Td [(wenn)-242(das)-242(C\366libat)-243(innegehalten)]TJ -146.661 -13.549 Td [(w\374rde.)-299(Wenigstens)-267(f\374r)-266(die)-266(h\366heren)-267(und)-266(h\366chsten)-266(Kirchen\344mter.)]TJ 0 -13.549 Td [(Vieles)-250(in)-250(der)-250(r\366mischen)-250(Kirche)-250(war)-250(sehr)-250(beherzigenswerth.)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Der)-452(Landrath)-453(verstand)-452(ihn.)-857(Er)-452(war)-453(auch)-452(dieser)-452(Meinung,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374brigens)-504(war)-504(sie)-504(jetzt)-503(die)-504(tonangebende.)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.992 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-504(militairische)]TJ -204.836 -13.549 Td [(Organisation)-288(muss)-288(durchgef\374hrt)-288(werden,)-297(mehr)-288(Disciplin!)-363(Diese)]TJ 0 -13.55 Td [(Disciplin)-250(ist)-250(Alles.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.524 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -69.568 -14.04 Td [(Ein)-250(Umschlag)-250(in)-250(der)-250(Meinungs\344usserung)-250(war)-250(eingetreten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-218(hatte)-219(einen)-218(famosen)-218(Pastor,)-225(bei)-218(dem)-219(ich)-218(im)-218(Quartier)-219(lag,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(versicherte)-250(ein)-250(Lieutenant.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.756 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wirklich)-250(ein)-250(famoser)-250(Kerl!)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.451 0 Td [(\034)]TJ -230.096 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ach,)-250(und)-250(die)-250(sch\366ne)-250(Kirchenmusik!)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.243 0 Td [(\034)]TJ -162.087 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-257(Weihnachten!)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.781 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.649 0 Td [(sagte)-257(eine)-258(andre)-257(junge)-257(Dame.)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.029 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-257(ist)-257(so)]TJ -244.102 -13.549 Td [(tief)-250(und)-250(bedeutungsvoll.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.753 0 Td [(\034)]TJ -93.797 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-244(f\344nde)-244(es)-244(doch)-243(schrecklich)-244(zum)-244(Beispiel,)-245(sich)-244(nicht)-244(in)-244(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Kirche)-250(trauen)-250(zu)-250(lassen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.815 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Doctor.)]TJ/F21 10.9091 Tf -100.43 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(O,)-381(pfui!)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.968 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.001 0 Td [(machten)-381(Alle.)-643(Sie)-381(wussten)-381(nicht)-381(recht,)-414(ob)-381(er)-381(es)]TJ -61.768 -13.549 Td [(im)-434(Ernst)-434(meinte.)-803(Der)-434(Doctor)-434(war)-434(ein)-434(schrecklicher)-434(Mensch,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([114])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(sehr)-396(interessant.)-689(Sie)-396(waren)-397(Alle)-396(fest)-396(entschlossen,)-433(ihn)-396(nie)-396(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(heirathen,)-280(wenn)-275(er)-274(um)-274(Eine)-275(von)-274(ihnen)-274(anhielte;)-287(aber)-274(er)-274(hielt)-274(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)]TJ 11.955 -14.04 Td [(Ein)-274(junges)-274(M\344dchen)-274(war)-275(sehr)-274(traurig.)-322(Sie)-274(f\374hlte)-274(dunkel,)-281(dass)]TJ -11.955 -13.549 Td [(dieser)-443(Mensch)-443(etwas)-443(Extraes)-444(war,)-491(kl\374ger)-443(und)-443(st\344rker)-443(als)-443(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Andern.)-703(Warum)-401(lachte)-401(er)-401(h\366hnisch)-401(und)-401(sagte)-401(scharfe)-400(Worte,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-289(weh)-288(thaten?)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.294 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.602 0 Td [(Ein)-289(alter)-288(Herr)-289(war)-288(da,)-298(der)-289(an)-288(Gesichtszucken)]TJ -81.896 -13.549 Td [(litt,)-269(seine)-265(H\344nde)-265(sonderbar)-265(und)-265(krampfig)-265(bewegte.)-296(Sie)-265(sah,)-268(dass)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +369 0 obj << +/Type /Page +/Contents 370 0 R +/Resources 368 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +371 0 obj << +/D [369 0 R /XYZ 93.543 449.84 null] +>> endobj +372 0 obj << +/D [369 0 R /XYZ 255.948 175.027 null] +>> endobj +368 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +375 0 obj << +/Length 5213 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(67)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Einige)-451(dies)-451(beobachteten,)-502(dar\374ber)-451(lachten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 203.442 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.376 0 Td [(Sie)-451(f\374hlte)-451(sich)]TJ -213.818 -13.549 Td [(abgestossen,)-315(elend.)-407(Dieses)-302(junge)-303(M\344dchen)-302(war)-302(sehr)-302(jung)-302(noch,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-250(halbes)-250(Kind)-250(fast.)-250(Niemand)-250(bek\374mmerte)-250(sich)-250(um)-250(sie.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Der)-521(F\374rst)-522(unterhielt)-521(sich)-522(mit)-521(dem)-522(Fremden.)-1064(Die)-521(Gr\344fin)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Thornhill)-440(fand)-441(ihn)-440(sehr)-440(interessant.)-821(Sie)-440(behauptete,)-488(sie)-440(s\344he)]TJ 0 -13.549 Td [(deutlich)-268(einen)-267(breiten,)-273(blauen)-267(Schein)-268(um)-268(seine)-268(Stirn.)-303(Sie)-267(nannte)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-295(das)-294(Fluidum.)-384(Das)-295(Fluidum,)-306(das)-294(von)-295(dem)-295(Fremden)-294(ausging,)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-473(erstaunlich.)-919(Die)-473(Gr\344fin)-473(Thornhill)-473(galt)-473(f\374r)-473(eine)-472(Heilige.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-572(kamen)-573(sehr)-572(einflussreiche)-572(Leute)-573(zu)-572(ihren)-572(spiritistischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Reunions;)-250(so)-250(geschahen)-250(wirklich)-250(manchmal)-250(Wunder)-250(da.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Der)-458(Assessor)-458(von)-458(Brincken)-458(bestritt)-458(sehr)-458(ernsthaft,)-510(dass)-458(er)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([115])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(keineswegs)-329(nicht)-329(an)-329(Wunder)-330(glaubte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 172.068 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-329(war)-329(fr\374her)-329(wie)-330(Sie.)]TJ -176.912 -13.549 Td [(Aber)-338(seit)-338(ich)-339(Frau)-338(Gr\344fin)-338(kenne)-338(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.129 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.533 0 Td [(Sie)-338(hatte)-338(ihn)-339(bekehrt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.216 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.549 Td [(giebt)-401(eben)-401(doch)-401(mehr)-400(Dinge)-401(zwischen)-401(Himmel)-401(und)-401(Erde,)-438(als)]TJ 0 -13.55 Td [(unsre)-296(Schulweisheit)-296(sich)-296(tr\344umen)-296(l\344sst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.206 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.073 0 Td [(Der)-296(Assessor)-296(war)-296(sehr)]TJ -181.279 -13.549 Td [(zugekn\366pft)-204(\374ber)-204(diese)-204(Dinge.)-235(Er)-204(war)-204(eben)-205(ein)-204(Eingeweihter.)-234(Den)]TJ 0 -13.549 Td [(Doctor)-296(schnitt)-297(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.101 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-296(gef\344hrlicher)-297(Charakter!)-389(Ich)-296(w\374rde)-296(mich)]TJ -85.945 -13.549 Td [(nicht)-245(wundern,)-246(den)-244(Burschen)-245(eines)-245(Tages)-244(auf)-245(den)-245(Barrikaden)-244(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.568 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.516 0 Td [(Auch)-337(der)-336(F\374rst)-337(war)-337(ihm)-336(unsympathisch:)]TJ/F21 10.9091 Tf 184.783 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-337(ist)-336(frivol,)]TJ -225.711 -13.55 Td [(er)-234(schadet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.476 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.398 0 Td [(Der)-234(Assessor)-234(war)-235(f\374r)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.873 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-234(Correcte,)-238(sein)-234(Vater)-234(war)-234(erst)]TJ -149.38 -13.549 Td [(geadelt)-250(worden;)-250(da)-250(ist)-250(es)-250(der)-250(sicherste)-250(und)-250(geradeste)-250(Weg.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Der)-322(Doctor)-321(beobachtete)-322(seinen)-322(Patron)-322(und)-321(den)-322(Fremden.)-465(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sah)-422(das)-423(breite)-422(Faungrinsen)-422(des)-423(Alten.)-767(Er)-422(kannte)-422(diese)-422(k\374hle)]TJ 0 -13.549 Td [(Manier,)-489(mit)-441(der)-440(er)-441(die)-441(teuflischsten)-441(Dinge)-441(sagte,)-489(dies)-440(freche)]TJ 0 -13.549 Td [(Augurenzwinkern)-218(des)-218(Eingeweihten,)-224(das)-218(dem)-218(Andern)-217(gleichsam)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-216(Replik)-215(\374ber)-216(dem)-215(Kopf)-216(wegnahm:)-232(Wir)-216(Beide)-215(wollen)-216(uns)-215(doch)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-278(vormachen.)-335(Du)-279(denkst)-278(darin)-278(ebenso)-279(wie)-278(ich.)-335(Die)-278(Andern)]TJ 0 -13.55 Td [(sind)-316(Dummk\366pfe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.411 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.906 0 Td [(Er)-316(hielt)-317(sich)-316(noch)-317(ganz)-316(gerade,)-333(zu)-316(gerade.)]TJ -93.317 -13.549 Td [(Der)-442(weisse)-443(Schnurrbart)-442(stand)-442(steif)-442(aufgewichst.)-827(Die)-442(Backen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-473(roth)-473(geschminkt,)-529(die)-473(Augen)-473(gl\344nzten,)-528(um)-473(die)-473(Brauen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([116])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sorgf\344ltig)-498(geschw\344rzt.)-992(Auf)-497(der)-498(schwarzseidigen)-497(Frackfl\344che)]TJ 0 -13.549 Td [(bildete)-348(der)-348(grosse)-348(Stern)-348(mit)-348(dem)-348(Ordensband)-348(einen)-348(markanten)]TJ 0 -13.55 Td [(Fleck.)-478(Seine)-326(Hand)-325(trug)-326(kostbare)-326(Ringe.)-478(Er)-326(war)-326(stolz)-326(auf)-325(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(lange,)-481(magre,)-482(aristokratische)-435(Hand,)-481(gebrauchte)-435(sie,)-481(um)-435(seine)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +374 0 obj << +/Type /Page +/Contents 375 0 R +/Resources 373 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +376 0 obj << +/D [374 0 R /XYZ 269.887 379.41 null] +>> endobj +377 0 obj << +/D [374 0 R /XYZ 101.317 120.339 null] +>> endobj +373 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +380 0 obj << +/Length 4459 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(68)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Bartspitzen)-393(zu)-392(liebkosen.)-679(Es)-392(war)-393(eine)-393(Lieblingsredensart)-392(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.773 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Profile)-298(giebt)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.759 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-298(wohl)-297(noch)-298(allenfalls,)-309(aber)-298(H\344nde!)-393(H\344nde!)]TJ/F21 10.9091 Tf -87.009 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.817 0 Td [(Wir)-491(sind)-492(Alle)-491(Ouvriers)-492(geworden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 159.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.205 0 Td [(Tadellos)-491(zog)-492(sich)-491(die)]TJ -180.316 -13.549 Td [(Scheitelspur.)-250(Er)-250(war)-250(der)-250(K\366nig)-250(des)-250(Kreises;)-250(er)-250(dominirte.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Anton)-754(Rothe)-753(allein)-754(und)-753(sein)-754(vertrauter)-753(Kammerdiener)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wussten,)-443(was)-404(das)-405(Alles)-404(kostete,)-443(dies)-405(Ger\374st,)-443(das)-404(noch)-404(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammenhielt,)-242(zu)-239(neuen)-239(Blendungen,)-242(neuen)-239(Ausschweifungen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Er)-322(und)-322(nur)-322(er)-322(kannte)-322(die)-322(erstaunliche)-322(Lebens-)-322(und)-321(Genusskraft)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-458(Skeletts,)-510(die)-459(standhielt,)-510(in)-458(einer)-458(kalten)-458(Douche)-458(sich)-458(neu)]TJ 0 -13.549 Td [(schmiedete,)-433(wenn)-396(er)-396(selbst,)-432(der)-396(Junge,)-433(ersch\366pft)-396(war,)-432(rasend,)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-250(Selbstmord)-250(angeekelt.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-402(dachte)-403(an)-402(eine)-403(junge)-402(Dame.)-708(Sie)-402(war)-403(arm)-402(gewesen)-402(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stolz.)-444(Ein)-314(herrliches)-315(Weib!)-444(Mit)-314(solcher)-315(geht)-314(man)-315(in)-314(unbebaute)]TJ 0 -13.549 Td [(Colonien)-395(und)-395(hat)-395(Kinder)-394(und)-395(stirbt)-395(vor)-395(dem)-395(Feind)-395(f\374r)-394(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Herd.)-312(Er)-270(hatte)-271(f\374r)-271(ihn)-270(geboten)-271(auf)-270(sie.)-312(Der)-271(Kampf)-270(reizte)-271(ihn.)-311(Er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([117])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(bot)-269(h\366her)-270(und)-269(h\366her.)-309(Weil)-269(sie)-269(arm)-270(war)-269(und)-270(Hungers)-269(starb,)-274(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-293(angenommen.)-378(Nur)-293(darum.)-379(Er)-293(wusste)-293(es.)]TJ/F21 10.9091 Tf 198.164 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.649 0 Td [(Sie)-293(sagte)-293(nur)-293(ein)]TJ -206.813 -13.549 Td [(Wort:)-250(Schurke!)-250(Er)-250(hatte)-250(gel\344chelt.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Warum)-250(fiel)-250(ihm)-250(das)-250(jetzt)-250(ein?)]TJ 0 -14.251 Td [(Ein)-246(Hass)-245(kam)-246(\374ber)-246(ihn,)-246(ein)-246(gl\374hender,)-247(fressender)-245(M\366rderhass)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gegen)-380(dies)-380(miserable)-380(Kunstst\374ck)-379(der)-380(Hypercivilisation,)-412(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(Fetzen)-402(von)-403(Haut)-402(und)-403(ausged\366rrten)-402(Knochen,)-441(den)-402(er)-402(sch\374tteln)]TJ 0 -13.55 Td [(konnte,)-683(der)-596(ihn)-596(hielt)-595(wie)-596(eine)-596(Viper)-596(unter)-596(seinem)-596(kalten,)]TJ 0 -13.549 Td [(grausamen)-540(Willen,)-613(seine)-541(Intelligenz)-540(zerbrach)-540(wie)-540(morschen)]TJ 0 -13.549 Td [(Baumbast)-723(unter)-724(der)-723(polirten)-724(Stahlschneide)-723(seiner)-723(frechen)]TJ 0 -13.549 Td [(Philosophie)-250(der)-250(Verneinung.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Pl\366tzlich)-179(sah)-180(er)-179(den)-179(Alten)-180(blass)-179(werden.)-227(Seine)-179(Farbe)-179(wechselte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-483(in)-482(Leichenfarbe.)-947(Er)-483(war)-482(ein)-483(grinsender)-482(Todtensch\344del.)]TJ 0 -13.549 Td [(Unter)-626(dem)-627(weissen,)-720(gest\344rkten)-626(Vorhemd)-627(schien)-626(die)-626(Brust)]TJ 0 -13.549 Td [(einzuschrumpfen.)-247(Es)-240(war)-240(hohl)-240(dahinter.)-247(Er)-240(lehnte)-240(sich)-240(gegen)-240(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Portiere.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Anton)-250(Rothe)-250(war)-250(im)-250(Nu)-250(an)-250(seiner)-250(Seite.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-563(ist)-562(nichts.)-1188(Eine)-562(kleine)-563(Uebelkeit.)-1187(Der)-563(verdammte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(B\374chsenhummer)-194(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.231 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.962 0 Td [(Er)-194(war)-194(wieder)-194(ganz)-195(h\366flicher)-194(Weltmann,)-205(als)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +379 0 obj << +/Type /Page +/Contents 380 0 R +/Resources 378 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 358 0 R +>> endobj +381 0 obj << +/D [379 0 R /XYZ 121.479 327.084 null] +>> endobj +378 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +384 0 obj << +/Length 4353 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechste)-250(Kapitel.)-16587(69)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-350(Gr\344fin,)-376(nun)-350(auch)-350(besorgt,)-375(herbeieilte.)-551(Gleichzeitig)-350(wurden)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-253(Kl\344nge)-253(der)-253(Polonaise)-253(laut,)-254(die)-253(den)-253(Ball)-253(er\366ffnen)-253(sollte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.823 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)]TJ/F16 7.9701 Tf 27.357 0 Td [([118])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(werden)-250(noch)-250(manche)-250(Polonaise)-250(zusammen)-250(f\374hren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 221.159 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -209.204 -16.186 Td [(Der)-264(kalte)-265(Schweiss)-264(stand)-264(auf)-265(seiner)-264(Stirn.)-293(Er)-265(zitterte,)-267(l\344chelte)]TJ -11.955 -13.55 Td [(mit)-250(bl\344ulichen,)-250(lallenden)-250(Lippen.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Anton)-546(Rothe)-545(hob)-546(ihn)-545(wie)-546(ein)-546(Kind)-545(in)-546(den)-546(Wagen.)-1137(Er)]TJ -11.955 -13.549 Td [(selbst)-362(sprang)-362(auf)-362(den)-361(Bock.)-586(Niemand)-362(achtete)-362(auf)-362(den)-361(Andern)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-435(einem)-435(allgemeinen)-435(Hin-)-435(und)-435(Hergelaufe,)-481(w\344hrend)-435(drinnen)]TJ 0 -13.549 Td [(zur)-553(Tanzmusik)-553(die)-554(geschm\374ckten)-553(Paare)-553(sich)-554(ordneten.)-1159(Es)]TJ 0 -13.55 Td [(wetterleuchtete.)-1283(Lichter)-595(leckten)-594(auf)-594(in)-595(bl\344ulichen,)-680(breiten)]TJ 0 -13.549 Td [(Zungen,)-415(duckten)-381(sich)-382(wieder,)-415(huschten)-381(auf)-382(einer)-382(andern)-381(Seite)]TJ 0 -13.549 Td [(spielerisch)-321(entlang.)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.07 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.96 0 Td [(Sie)-321(fuhren)-322(die)-321(schwarzen)-321(Trakehner,)-340(das)]TJ -99.03 -13.549 Td [(ber\374hmteste)-397(Viergespann)-396(der)-397(Gegend,)-433(auf)-397(das)-397(k\366nigliche)-396(und)]TJ 0 -13.549 Td [(kaiserliche)-400(Marst\344lle)-401(fabelhafte)-400(Summen)-400(geboten)-400(hatten.)-701(Der)]TJ 0 -13.55 Td [(F\374rst)-250(liebte)-250(sein)-250(Leben,)-250(aber)-250(er)-250(hielt)-250(auf)-250(Rasse.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Die)-226(Gr\344fin)-227(stand)-226(am)-227(Schlage)-226(mit)-227(ihrem)-226(Gattenadjutanten.)-242(Der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Greis,)-212(jetzt)-202(wohl)-202(eingeh\374llt)-203(in)-202(seine)-202(Zobelpelze,)-212(b\374ckte)-202(sich)-202(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(hinaus:)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.291 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-298(nichts,)-310(nichts,)-310(sch\366ne)-298(Frau)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.264 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.706 0 Td [(meine)-298(kluge)-298(Freundin.)]TJ -181.105 -13.549 Td [(Der)-304(Fremde)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.315 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.772 0 Td [(der)-304(Fremde)-304(...)-413(Cocasse!)-412(Ein)-304(sonderbarer)-304(Kunde,)]TJ -65.087 -13.549 Td [(Ihr)-250(Fremder)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.316 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -51.361 -16.187 Td [(Anton)-411(Rothe)-412(hob)-411(die)-411(Peitsche)-412(und)-411(zog)-412(die)-411(Pferde)-411(an.)-735(Sie)]TJ -11.955 -13.549 Td [(waren)-384(unruhig)-383(und)-384(warfen)-383(die)-384(K\366pfe,)-417(als)-384(ob)-383(sie)-384(das)-383(Gewitter)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([119])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(r\366chen.)-655(Es)-384(lag)-385(Phosphorgeschmack)-385(in)-385(der)-385(Luft.)-655(Man)-384(\366ffnete)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-286(grosse)-286(Hofthor.)-358(Einen)-286(Moment)-286(stand)-286(der)-285(ganze)-286(Horizont)-286(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Flammen,)-414(ehe)-382(es)-381(sich)-381(wieder)-382(hinter)-381(ihnen)-382(schloss.)-644(Sie)-381(waren)]TJ 0 -13.55 Td [(ganz)-295(schwarz)-295(wie)-296(auf)-295(Feuer)-295(gezeichnet,)-307(eine)-295(schwarze)-295(Kutsche)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-319(schwarzen)-319(Pferden)-318(und)-319(einem)-319(kohlschwarzen)-319(Kutscher)-318(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Bock.)-250(...)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Er)-250(wusste,)-250(er)-250(fuhr)-250(einen)-250(Sterbenden.)]TJ 0 -16.186 Td [(Der)-250(Fremde)-250(war)-250(verschwunden.)]TJ 0 -16.186 Td [(Am)-170(dunklen)-169(Fenster)-170(der)-169(verlassnen)-170(Garderobe)-169(stand)-170(das)-170(kleine)]TJ -11.955 -13.55 Td [(M\344dchen.)-451(Sie)-317(mochte)-317(nicht)-317(tanzen.)-451(Sie)-317(weinte.)-451(Sie)-317(f\374hlte)-317(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-250(traurig.)-250(...)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +383 0 obj << +/Type /Page +/Contents 384 0 R +/Resources 382 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +385 0 obj << +/D [383 0 R /XYZ 97.129 504.626 null] +>> endobj +386 0 obj << +/D [383 0 R /XYZ 231.149 307.026 null] +>> endobj +387 0 obj << +/D [383 0 R /XYZ 188.262 223.094 null] +>> endobj +382 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +389 0 obj +<< /S /GoTo /D (index7) >> +endobj +392 0 obj +(Das siebente Kapitel.) +endobj +395 0 obj << +/Length 3253 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([120])]TJ/F16 18.9589 Tf 131.911 -68.625 Td [(Das)-268(siebente)-268(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -59.156 -36.73 Td [(Durch)-250(die)-250(Gewitternacht)-250(fuhr)-250(der)-250(junge)-250(Mann)-250(den)-250(Sterbenden.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Es)-253(gab)-252(einen)-253(k\374rzeren)-252(Weg)-253(\374ber)-252(die)-253(Berge)-252(durch)-253(eine)-252(seichte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Furth)-448(im)-448(Flusse.)-844(Schmuggler)-448(benutzten)-448(ihn)-448(f\374r)-447(lichtscheuen)]TJ 0 -13.55 Td [(Handel.)-243(Man)-227(vermied)-228(ihn)-227(am)-228(Tage.)-242(Ihn)-228(bei)-227(Nacht)-228(zu)-227(fahren,)-232(war)]TJ 0 -13.549 Td [(Wahnsinn.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Das)-258(Gewitter)-258(n\344herte)-258(sich.)-274(Es)-258(war)-258(ein)-258(Sausen)-258(in)-258(der)-258(Luft,)-260(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-243(B\344ume)-242(zur)-243(Erde)-243(bog.)-247(Kiefern)-243(und)-242(magere)-243(Birken,)-244(die)-243(an)-242(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Abh\344ngen)-309(wuchsen)-309(im)-309(best\344ndigen)-309(Kampf)-309(um)-309(ihr)-309(Dasein.)-427(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wind)-342(fing)-341(sich)-342(in)-341(den)-342(gewundenen)-342(Schluchten)-341(der)-342(Th\344ler.)-524(Da)]TJ 0 -13.549 Td [(heulte)-256(und)-256(rasselte)-255(er)-256(wie)-256(ein)-256(eingeschlossener)-255(Wolf.)-268(Und)-255(unten)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-305(Fluss,)-318(von)-304(einer)-305(mysteri\366sen)-304(Anziehungskraft)-304(aufgetrieben,)]TJ 0 -13.549 Td [(begann)-504(zu)-504(br\374llen,)-568(kurze)-504(Wellen)-504(aufzuwerfen)-504(mit)-504(schnellen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kruppen,)-491(die)-443(zu)-442(den)-443(Steinen)-442(hin\374berleckten.)-828(Bewegungslos,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([121])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(weiss)-448(lagen)-449(noch)-448(die)-448(schimmernden)-448(R\344nder.)-845(Runde)-448(Backen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-328(Kieseln)-329(gleissten.)-485(Aber)-329(die)-328(Schilfe)-329(rauschten)-328(und)-328(raunten.)]TJ 0 -13.55 Td [(W\344hrend)-227(von)-227(weiter,)-232(\374ber)-227(dem)-227(Gebirge)-226(unheilschwangere)-227(Laute)]TJ 0 -13.549 Td [(eines)-282(brauenden,)-290(\374berkochenden)-282(Hexenkessels)-282(kamen,)-290(jagende,)]TJ 0 -13.549 Td [(schwarze)-502(Wolkenfetzen)-501(mit)-502(der)-501(peitschenden)-502(Bewegung)-501(der)]TJ 0 -13.549 Td [(B\344ume)-557(eine)-556(fratzenhafte)-556(Mischung)-557(von)-556(Licht)-557(und)-556(Schatten)]TJ 0 -13.549 Td [(verursachten.)-1131(Alles)-544(in)-544(Galoppade,)-617(die)-544(Kutsche)-543(einh\374llend,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-520(wie)-520(ein)-520(Gespann)-521(der)-520(H\366lle)-520(dahinsauste.)-1060(Inwendig)-520(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Sterbenden.)-453(Ueber)-317(den)-318(H\344lsen)-317(der)-318(Pferde,)-334(halb)-317(h\344ngend)-318(in)-317(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Luft,)-199(den)-185(Mann,)-199(der)-186(die)-186(Pferde)-185(antrieb,)-199(dass)-186(die)-186(Steine)-185(knatterten,)]TJ 0 -13.549 Td [(Funken)-250(aufspr\374hten.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Nun)-353(fuhr)-352(der)-353(erste)-353(Blitz)-352(herunter.)-558(Der)-353(Eclaireur,)-378(senkrecht,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(elegant,)-293(halb)-284(spielerisch,)-293(ein)-284(Fechterhieb)-284(im)-284(beginnenden)-284(Duell)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +394 0 obj << +/Type /Page +/Contents 395 0 R +/Resources 393 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +396 0 obj << +/D [394 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +390 0 obj << +/D [394 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +397 0 obj << +/D [394 0 R /XYZ 93.543 243.143 null] +>> endobj +393 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +400 0 obj << +/Length 4567 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebente)-250(Kapitel.)-16198(71)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(der)-304(Elemente.)-413(Die)-304(Pferde)-305(b\344umten)-304(sich.)-413(Er)-304(riss)-304(sie)-305(zur\374ck.)-412(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(rasten)-250(vorw\344rts)-250(wie)-250(der)-250(Teufel.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Drinnen)-483(h\366rte)-484(er)-483(den)-484(Sterbenden)-483(r\366cheln.)-951(Er)-483(schrie.)-950(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(flehte.)-1172(Das)-557(Geh\366r)-558(des)-557(Fahrenden,)-634(unnat\374rlich)-557(angespannt,)]TJ 0 -13.549 Td [(vernahm)-211(jeden)-210(Laut.)-237(Er)-211(f\374hlte)-210(die)-211(schweissfeuchten,)-218(huschenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Finger,)-234(die)-230(sich)-230(anklammern)-230(wollten,)-234(das)-230(Fenster)-229(niederzulassen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([122])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(versuchten.)-249(Der)-247(h\374lflose)-246(K\366rper)-247(verweigerte)-247(die)-247(Anstrengung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ -275.176 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(H\374lfe!)-250(H\374lfe!)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.673 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(keuchte)-250(der)-250(drinnen.)]TJ -60.132 -14.367 Td [(Er)-310(lachte)-309(laut)-310(auf.)-429(Er)-309(klopfte)-310(mit)-310(dem)-309(Peitschenstock)-310(an)-309(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fenster)-222(und)-222(schri)1(e:)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.975 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hoho!)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.263 0 Td [(Er)-222(sah)-221(den)-222(drinnen)-222(sich)-222(verzerren)-221(in)]TJ -124.954 -13.549 Td [(Todesangst,)-326(die)-311(k\374nstlichen)-311(Z\344hne)-311(heruntergefallen,)-326(die)-311(Augen)]TJ 0 -13.55 Td [(vorgequollen,)-250(in)-250(weissgr\374nem)-250(Schweiss.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-346(jauchzte)-345(wilder.)-537(Der)-346(Ton)-346(brachte)-345(die)-346(Pferde)-346(ausser)-345(sich.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sie)-250(flogen)-250(vor)-250(ihm)-250(her)-250(wie)-250(Raben)-250(im)-250(Dampf.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Es)-432(fiel)-432(ihm)-432(ein,)-478(wie)-432(er)-432(ein)-432(Hirtenjunge)-432(gewesen)-432(war,)-477(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Berg)-358(hinuntersprang,)-385(mit)-358(dem)-358(sch\344umenden)-358(Sturzbach)-358(um)-358(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Wette.)-245(Manchmal)-234(kamen)-235(Steine.)-245(Der)-234(Bach)-235(sprang)-234(klaftertief)-234(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(spr\374hendem)-263(Gischt,)-266(der)-262(Junge)-263(sprang)-263(noch)-262(\374ber)-263(Bach)-263(und)-262(Stein)]TJ 0 -13.549 Td [(hinweg.)-382(Seine)-294(nackten)-294(Sohlen)-294(tanzten)-294(in)-294(dem)-294(gr\374nen,)-304(eiskalten)]TJ 0 -13.55 Td [(Wasser,)-327(das)-311(nach)-312(ihm)-311(aufleckte,)-327(nach)-311(den)-312(weissen,)-326(zappelnden)]TJ 0 -13.549 Td [(F\374ssen.)-772(Er)-424(wusste,)-467(dass)-424(sie)-424(Feinde)-424(waren,)-467(er)-424(und)-424(der)-423(Bach.)]TJ 0 -13.549 Td [(Trotzdem)-250(konnte)-250(er)-250(ihn)-250(nicht)-250(kriegen;)-250(trotzdem)-250(liebte)-250(er)-250(ihn.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-378(liebte)-378(den)-378(Bergwind,)-411(der)-378(die)-378(B\344ume)-378(zerbrach,)-410(um)-378(seine)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Schutzh\374tte)-280(tobte,)-288(diesen)-280(grossen)-280(Ton)-280(der)-281(Wuth,)-287(der)-280(Unterwelt,)]TJ 0 -13.549 Td [(Gewaltigerer)-320(gegen)-320(die)-320(dumme)-321(Ordnung,)-337(die)-320(banale)-320(Heiterkeit)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([123])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(der)-400(Sonne.)-699(Von)-399(sehr)-400(hoch)-400(sah)-399(er)-400(winzige)-400(abgetheilte)-399(Felder.)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344user)-406(wie)-406(Schneckenh\344user)-405(angeklebt,)-445(\344ngstlich.)-718(Sie)-405(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(M\374hlr\344der)-376(eingesetzt,)-407(um)-375(das)-376(Wasser)-375(zu)-376(n\374tzen)-376(und)-375(bepackte)]TJ 0 -13.55 Td [(Postwagen)-194(keuchten)-194(schwerf\344llig)-194(die)-194(Strassen)-194(hinauf.)-231(Manchmal)]TJ 0 -13.549 Td [(kamen)-314(St\344dter)-315(mit)-315(d\374nnen)-314(Beinen,)-331(wischten)-314(sich)-315(den)-314(Schweiss)]TJ 0 -13.549 Td [(ab)-419(und)-420(l\344chelten)-420(h\366flich.)-758(Er)-420(stand)-419(vor)-420(ihnen)-419(wie)-420(ein)-419(kleiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Wildling.)-250(Er)-250(verachtete)-250(sie.)]TJ 11.955 -14.368 Td [(Wie)-423(er)-423(sie)-423(verachtete!)-769(Sie)-423(vermeinten,)-466(dass)-423(der)-423(Berggeist)]TJ -11.955 -13.549 Td [(sie)-372(foppte,)-403(wenn)-373(er)-372(schallend)-373(hinter)-372(ihnen)-373(her)-372(lachte,)-403(weil)-372(sie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +399 0 obj << +/Type /Page +/Contents 400 0 R +/Resources 398 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +401 0 obj << +/D [399 0 R /XYZ 300.739 449.611 null] +>> endobj +402 0 obj << +/D [399 0 R /XYZ 136.752 188.903 null] +>> endobj +398 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +405 0 obj << +/Length 4175 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(72)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sich)-485(verliefen)-486(und)-485(\344ngstlich)-486(suchten.)-956(H\344ssliche)-485(alte)-485(Weiber)]TJ 0 -13.549 Td [(traten)-429(ihnen)-430(entgegen)-429(aus)-430(Versenkungen,)-474(die)-430(sie)-429(nie)-429(gesehen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten,)-459(murmelten)-418(ihnen)-417(Verw\374nschungen)-418(nach,)-459(die)-418(sie)-417(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(verstanden,)-270(f\374r)-267(Segensw\374nsche)-266(hielten)-266(als)-267(Entgelt)-266(ihrer)-266(blanken)]TJ 0 -13.55 Td [(Nickelst\374cke.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Ab)-279(und)-279(zu)-279(st\374rzte)-279(auch)-279(mal)-279(Einer)-279(wirklich)-279(ab,)-286(mit)-279(der)-279(Brille,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(dem)-353(Photographierkasten.)-557(Das)-353(war)-353(dann)-352(ein)-353(grosses)-352(Ungl\374ck.)]TJ 0 -13.549 Td [(Herren)-327(vom)-327(Gericht)-326(kamen,)-346(Leidtragende,)-346(wichtig)-327(thuend.)-480(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(trugen)-389(gar)-390(nicht)-389(wirklich)-389(Leid.)-668(Sie)-390(freuten)-389(sich)-389(heimlich.)-668(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(g\366nnte)-215(es)-215(ihnen.)-238(Was)-215(kamen)-215(sie)-215(herauf)-215(mit)-215(ihren)-215(d\374nnen)-215(Beinen,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-250(Glatzen)-250(und)-250(Gl\344sern,)-250(ihrem)-250(Geld.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([124])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.626 Td [(Freilich)-191(ihr)-191(Geld!)-231(Er)-191(wusste)-191(bald,)-203(was)-191(es)-191(werth)-191(war,)-203(dass)-191(er)-191(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lump)-358(war)-358(mit)-358(seinen)-358(F\344usten,)-385(seinem)-358(prachtvollen)-358(Krauskopf)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-305(weissen)-305(starken)-305(Z\344hnen,)-319(wenn)-305(er)-306(es)-305(nicht)-305(hatte.)-415(Daf\374r)-305(gab)]TJ 0 -13.55 Td [(man)-338(ihm)-339(Hutfedern,)-360(blanke)-338(Stiefel,)-360(die)-339(gleissten)-338(in)-338(der)-338(Sonne.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonst)-250(musste)-250(er)-250(hungern.)-250(Anton)-250(Rothe)-250(wollte)-250(Geld.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(In)-666(der)-666(Schule)-667(verschlang)-666(er)-666(seine)-666(B\374cher.)-1499(Er)-666(zeigte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(einen)-623(Heisshunger)-623(nach)-623(Wissen,)-716(der)-623(die)-623(Lehrer)-622(erstaunte,)]TJ 0 -13.549 Td [(unbedeutende)-318(eingesumpfte)-319(Dorfmenschen,)-335(die)-319(sie)-318(waren.)-455(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(peinigte)-321(ihn.)-464(Er)-322(brachte)-321(seine)-322(N\344chte)-321(zu,)-339(schwierige)-321(Aufgaben)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-262(auszudenken)-261(und)-261(zu)-262(l\366sen,)-264(mehr)-262(zu)-261(erfahren,)-265(mehr)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.272 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.307 0 Td [(mehr!)]TJ -254.579 -13.549 Td [(Mit)-155(einer)-155(wahren)-154(Wuth)-155(riss)-155(er)-155(jetzt)-154(an)-155(den)-155(Thoren)-155(der)-154(Erkenntniss,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(vorher)-250(in)-250(scheue)-250(Wildheit)-250(sich)-250(eingeschlossen)-250(hatte.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Und)-250(er)-250(hatte)-250(Gl\374ck.)]TJ 0 -16.626 Td [(Der)-348(Patron)-349(des)-348(Gutes)-349(nahm)-348(sich)-349(seiner)-348(an,)-373(ein)-348(wohlth\344tiger)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-288(gelehrter)-288(Mann,)-298(sehr)-288(reich.)-365(Er)-288(liess)-289(ihn)-288(studiren.)-364(Vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wollte)-171(er)-172(sich)-171(einen)-172(brauchbaren)-171(Pr\344ceptor)-172(seiner)-171(S\366hne)-171(erziehen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-300(ist)-300(immer)-300(angenehm,)-313(einen)-300(Clienten)-300(zu)-301(haben,)-312(Wohlthun)-300(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-250(Vergn\374gen)-250(f\374r)-250(reiche)-250(Leute.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Die)-358(Freude)-358(an)-359(seiner)-358(Wohlthat)-358(war)-358(kurz.)-575(Der)-358(Junge)-358(entlief)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([125])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(zwischen)-343(die)-343(rotheste)-342(Rotte.)-529(Er)-343(hielt)-343(z\374ndende)-342(Reden,)-366(schrieb)]TJ 0 -13.55 Td [(Zeitungsartikel,)-359(die)-338(die)-337(Presse)-337(in)-338(Bewegung)-337(setzten.)-512(Er)-337(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-296(Arbeiter.)-388(Seine)-296(F\344uste)-296(zwangen)-296(das)-296(Eisen)-296(wie)-296(sein)-296(Geist)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +404 0 obj << +/Type /Page +/Contents 405 0 R +/Resources 403 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +406 0 obj << +/D [404 0 R /XYZ 93.543 378.09 null] +>> endobj +407 0 obj << +/D [404 0 R /XYZ 316.942 106.79 null] +>> endobj +403 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +410 0 obj << +/Length 4498 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebente)-250(Kapitel.)-16198(73)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(den)-203(Stoff)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.989 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.664 0 Td [(ein)-202(interessanter)-203(junger)-202(Mann,)-212(dem)-203(man)-202(eine)-203(Zukunft)]TJ -49.653 -13.549 Td [(prophezeite!)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-168(verliebte)-167(sich.)-223(Irgend)-167(eine)-168(gleichg\374ltige,)-184(hellblonde)-167(Tochter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seines)-291(Patrons.)-372(Sie)-291(liess)-291(ihn)-291(l\344chelnd)-291(sich)-291(gl\374hend)-291(erkl\344ren)-290(und)]TJ 0 -13.549 Td [(heirathete)-451(kaltbl\374tig)-452(und)-451(vern\374nftig)-451(ihren)-451(Dragonerlieutenant.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.854 0 Td [(Nun)-587(fing)-586(er)-587(an)-586(wie)-587(ein)-586(grosser)-587(Herr)-587(zu)-586(leben,)-671(machte)]TJ -11.854 -13.549 Td [(wahnsinnige)-212(Schulden.)-237(Alles)-212(musste)-212(ihm)-211(den)-212(einen)-212(Zweck,)-219(Geld)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-400(machen,)-438(dienen,)-438(seine)-400(Feder,)-438(seine)-401(Talente,)-437(skrupelloseste)]TJ 0 -13.549 Td [(B\366rsenmachinationen.)-231(Summen)-193(glitten)-194(zwischen)-193(seinen)-193(Fingern.)]TJ 0 -13.549 Td [(Auf)-288(Reisen)-288(im)-288(Orient)-287(machte)-288(er)-288(die)-288(Bekanntschaft)-288(des)-287(Prinzen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Seitdem)-250(waren)-250(die)-250(Beiden)-250(unzertrennliche)-250(Begleiter.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Bergabw\344rts)-629(raste)-629(das)-629(Gespann.)-1387(Er)-629(hatte)-629(die)-629(Peitsche)]TJ -11.956 -13.549 Td [(fortgeworfen,)-189(die)-175(Z\374gel)-174(losgelassen.)-225(Er)-174(kutschirte)-174(mit)-174(gekreuzten)]TJ 0 -13.549 Td [(Armen)-302(wie)-302(im)-302(Circus.)-406(Er)-302(h\344tte)-302(wie)-302(eine)-302(Katze)-302(den)-302(Pferden)-301(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-241(R\374cken)-241(springen)-242(m\366gen,)-243(mit)-241(seinem)-241(Athem)-241(an)-241(ihren)-241(Ohren,)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-250(Cowboys,)-250(Uncultivirte)-250(reiten.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Hinter)-618(ihm)-618(zerbrach)-619(splitternd)-618(das)-618(Fensterglas:)]TJ/F21 10.9091 Tf 235.358 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(H\374lfe!)]TJ/F16 7.9701 Tf 38.866 0 Td [([126])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(H\374lfe!)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.472 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(klang)-250(es)-250(gellend,)-250(kreischend,)-250(nicht)-250(mehr)-250(menschlich.)]TJ -24.088 -14.251 Td [(Er)-250(schlug)-250(ein)-250(teuflisches)-250(Gel\344chter)-250(auf.)-250(Sie)-250(rasten)-250(weiter.)]TJ 0 -14.25 Td [(Wie)-186(Rabenfittiche)-186(sausten)-186(die)-186(Rappen)-186(durch)-186(die)-186(Luft.)-229(Die)-185(Luft)]TJ -11.955 -13.55 Td [(litt)-194(unter)-194(dem)-194(Ansturm)-194(und)-194(pfiff)-194(schmerzhaft.)-231(In)-194(Peitschenhieben)]TJ 0 -13.549 Td [(traf)-459(sie)-459(die)-459(Flanken)-460(der)-459(W\374thenden.)-877(Ihre)-459(N\374stern)-459(schnoben)]TJ 0 -13.549 Td [(Feuer.)-1210(Von)-570(ihren)-570(Hufen)-570(spr\374hte)-570(der)-570(Stein)-570(in)-570(knisternden)]TJ 0 -13.549 Td [(Funken.)-544(Das)-347(Heulen)-348(der)-348(Winde)-348(wurde)-348(gr\344sslicher.)-544(Sie)-347(fingen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich,)-224(drehten)-217(sich,)-224(verschlangen)-218(einander)-217(in)-218(kreisenden)-217(Strudeln.)]TJ 0 -13.55 Td [(Regenhuschen)-276(stoben)-275(auf.)-327(Irgendwo)-276(musste)-275(es)-276(schon)-276(giessen)-275(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Str\366men.)-228(Es)-184(schlug)-185(prasselnd)-184(gegen)-185(das)-184(Fenster.)-228(Die)-184(krampfende)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-250(im)-250(Rahmen)-250(verschwand.)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.247 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Dadrinnen)-250(war)-250(die)-250(S\374ndfluth.)]TJ -133.473 -14.251 Td [(Irgend)-196(etwas)-195(war)-196(zerbrochen.)-232(Ein)-195(Hinterrad.)-232(Die)-196(Pferde)-195(rasten)]TJ -11.955 -13.549 Td [(weiter)-293(mit)-293(dem)-293(geschleiften)-292(Kasten,)-304(der)-293(knackte)-293(in)-293(allen)-292(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Fugen,)-487(aufsprang,)-486(fiel,)-487(kratzte,)-486(quietschte,)-487(mit)-439(dem)-439(dumpfen)]TJ 0 -13.549 Td [(Ger\344usch)-250(von)-250(Schlittenkufen)-250(auf)-250(dem)-250(Trocknen.)]TJ 11.955 -14.251 Td [(Dadrinne)-279(war)-280(ein)-280(Skelett,)-286(ein)-280(nicht)-279(mehr)-280(menschliches)-279(Ding,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(get\366dtet)-284(von)-285(Furcht,)-292(und)-285(doch)-284(lebend,)-293(das)-284(agonisirte.)-353(Es)-284(dachte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +409 0 obj << +/Type /Page +/Contents 410 0 R +/Resources 408 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +411 0 obj << +/D [409 0 R /XYZ 294.085 299.284 null] +>> endobj +408 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +414 0 obj << +/Length 4396 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(74)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(an)-305(diese)-304(schreckliche)-305(Angst)-305(und)-304(H\374lflosigkeit,)-319(dass)-304(er)-305(ihn)-304(hielt)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([127])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(in)-250(seiner)-250(starken)-250(Hand,)-250(stark)-250(wie)-250(die)-250(Lawine!)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Vor)-258(ihnen)-258(knatterte)-258(der)-258(Fluss.)-275(Der)-258(Regen)-258(prasselte.)-274(Er)-258(schlug)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hernieder)-339(wie)-338(in)-339(Ruthenb\374ndeln.)-516(Haarscharf)-339(wendend,)-360(zeigten)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-214(im)-214(Blitzlicht)-214(zerrissne)-215(Spr\374nge,)-221(schweflig)-214(g\344hnend,)-221(dass)-214(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Pferde)-250(zur)-250(Seite)-250(schnellten,)-250(grausend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auf!)-250(Auf,)-250(alter)-250(Satan!)-250(Wir)-250(fahren)-250(zur)-250(H\366lle!)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.265 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -198.108 -16.186 Td [(Singend)-579(pfiffen)-580(die)-579(Riemen.)-1238(Die)-580(Pferde)-579(mit)-579(blutenden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Flanken,)-1301(schaumbedeckt,)-1301(keuchten)-1091(wie)-1091(apokalyptische)]TJ 0 -13.55 Td [(Spukdinge.)-1305(Lucifer,)-689(der)-602(gefallne)-601(Engel,)-689(lenkte)-602(sie)-601(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-526(h\366hnenden)-525(Rausch)-526(seiner)-525(Kraft)-526(und)-525(seines)-526(Stolzes.)-1076(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-394(unm\366glich,)-430(dass)-394(sie)-394(so)-394(ankamen,)-430(der)-394(Wagen)-394(musste)-393(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(\374berschlagen,)-250(zerschellen.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Die)-269(tolle)-269(Eile)-269(steigerte)-270(sich.)-307(Sie)-269(verbrannten)-269(den)-270(Boden,)-273(dass)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-191(Geleise)-190(rauchten,)-203(die)-191(R\344der)-191(sich)-190(hitzten)-191(zu)-191(dunkler)-190(Rostgluth.)]TJ 0 -13.55 Td [(Hinter)-315(ihnen)-315(losgelassen)-314(folgte)-315(das)-315(ganze)-315(Gewitter,)-331(Frauen)-314(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(feuchten)-421(Haaren,)-463(R\374bezahl)-421(der)-421(Berggeist)-421(mit)-421(dem)-421(Barte,)-463(das)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-250(Heer)-250(der)-250(Wilden,)-250(Eingebannten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kenne)-250(Euch!)-250(Ich)-250(kenne)-250(Euch!)-250(Willkommen,)-250(Gesindel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 253.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -258.719 -16.186 Td [(Drinnen)-259(war)-260(es)-260(still.)-278(Er)-260(h\366rte)-259(nichts)-260(mehr.)-278(Der)-260(Wagen)-259(schlug)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([128])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(auf)-304(wie)-303(ein)-304(klappender)-303(Kasten,)-317(nur)-304(noch)-303(Holz,)-317(etwas)-303(Lebloses,)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-233(Unf\366rmiges,)-236(das)-233(die)-233(Pferde)-233(erschreckte,)-236(hinter)-233(ihnen)-232(hing,)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-299(dem)-298(man)-299(sich)-299(nicht)-299(umsah,)-310(immer)-299(zwischen)-299(ihren)-298(Beinen)]TJ 0 -13.549 Td [(verwickelt,)-250(sie)-250(stiess)-250(zu)-250(rasenderem)-250(Lauf.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Und)-188(nun,)-200(ganz)-187(deutlich,)-200(vernahm)-188(man)-188(die)-187(Stimme)-188(des)-187(Flusses,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zwischen)-218(allen)-218(diesen)-219(B\344chen,)-224(W\344ssern,)-225(die)-218(neben)-218(ihnen)-218(gossen,)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-436(Walde)-436(und)-436(Wolkenbruch)-436(angeschwollen.)-808(Er)-436(r\366hrte)-436(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-460(Hirsch)-460(in)-460(Wollust.)-880(Er)-460(war)-460(allm\344chtig.)-880(B\344ume,)-512(mit)-460(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wurzel)-202(ausgerissen,)-211(fuhren)-201(und)-202(drehten)-201(sich)-202(blitzgeschwind.)-233(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Steine)-310(seiner)-309(Tiefe)-310(kollerten)-309(polternd)-310(\374bereinander.)]TJ/F21 10.9091 Tf 232.722 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-310(denkt,)]TJ -237.565 -13.549 Td [(ich)-429(drehe)-430(Euch)-429(Eure)-430(M\374hlen,)-474(schaffe)-429(Euer)-430(Licht,)-474(trage)-429(Eure)]TJ 0 -13.55 Td [(Br\374cken)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.963 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.457 0 Td [(Euer)-275(Diener,)-282(Euer)-275(gehorsamer!)-326(Euer)-275(Speichellecker!)]TJ -48.42 -13.549 Td [(Ich)-250(hasse)-250(Euch!)-250(Ich)-250(hasse)-250(Euch!)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.858 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +413 0 obj << +/Type /Page +/Contents 414 0 R +/Resources 412 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 388 0 R +>> endobj +415 0 obj << +/D [413 0 R /XYZ 166.223 518.175 null] +>> endobj +416 0 obj << +/D [413 0 R /XYZ 292.78 244.919 null] +>> endobj +412 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +419 0 obj << +/Length 4311 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebente)-250(Kapitel.)-16198(75)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-458(f\374hlte)-458(sich)-458(stolz,)-510(alle)-458(Dem\374thigung)-458(dieser)-458(vielen)-457(Jahre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(fortgeschwemmt,)-682(zerbrochen)-595(der)-596(Zaum,)-682(den)-595(er)-596(im)-595(Munde)]TJ 0 -13.549 Td [(getragen.)-1122(B\374cken,)-614(heucheln)-540(und)-541(l\374gen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 202.934 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.353 0 Td [(Sie)-541(hatten)-540(ihn)]TJ -214.287 -13.549 Td [(gehalten.)-250(Er)-250(hielt)-250(sie.)-250(Er)-250(war)-250(stark.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Da)-353(war)-352(der)-353(rothe,)-379(glorreiche)-352(Tod)-353(dahinter,)-378(\374ber)-353(ihm)-353(und)-352(in)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihm,)-380(Satan)-354(mit)-354(prachtvollem)-353(Lachen,)-380(aufgereckt)-354(der)-354(Titan.)-561(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(der)-250(Starke.)-250(Nichts!)-250(Nichts)-250(gegen)-250(ihn!)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([129])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(Er)-170(schnalzte)-170(mit)-170(der)-171(Zunge,)-186(schwang)-170(die)-170(Arme)-170(fuchtelnd)-170(in)-170(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Luft,)-385(Laute)-359(s\374dlicher,)-385(infernalischer)-358(Idiome,)-386(die)-358(den)-358(Blutdurst)]TJ 0 -13.549 Td [(rufen,)-391(T\344nzer)-363(zu)-362(den)-363(tollsten)-363(Gliederverrenkungen)-362(aufstacheln)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-466(die)-466(Frauen)-466(willenlos)-466(machen)-466(unter)-466(dem)-466(Gluthhauch)-466(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Brunst.)-282(Alles)-261(das)-260(hatte)-261(er)-261(gesehen)-260(und)-261(genossen)-261(im)-260(delirirenden)]TJ 0 -13.55 Td [(Suchen)-250(nach)-250(Genuss,)-250(unter)-250(der)-250(platzenden)-250(Sonne)-250(des)-250(Mittags.)]TJ 11.956 -14.162 Td [(Todt!)-1289(Todt!)-1290(Todt!)-1289(Elendes)-596(Aas,)-683(von)-597(dem)-596(sich)-596(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Hunde)-275(abwenden)-275(mit)-275(Grauen,)-281(sein)-275(leeres)-275(Hirn)-275(zerschellt)-275(an)-275(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Steinw\344nden.)-237(Nichts)-210(drin,)-218(das)-210(Grinsen)-210(selbst)-210(des)-210(Todtensch\344dels)]TJ 0 -13.549 Td [(zerst\366rt)-456(im)-456(gr\366sseren)-456(Grausen,)-507(dieser)-456(zersplitterten)-455(Knochen,)]TJ 0 -13.549 Td [(zerschundnen)-250(H\344ute)-250(unter)-250(dem)-250(Orden,)-250(dem)-250(Frack.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geht!)-298(Geht,)-270(meine)-266(Engel!)-298(Fliegt,)-270(meine)-266(Feuerrosse!)-298(Springt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(an,)-250(meine)-250(Wildlinge!)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.411 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.455 -14.163 Td [(Senkrecht)-655(weiter)-654(ging)-655(es)-655(in)-654(toller)-655(Flucht.)-1464(Ein)-654(Rudel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wild)-527(hatte)-526(sich)-527(da)-526(zusammengedr\344ngt)-527(im)-527(Hohlweg,)-595(Schutz)]TJ 0 -13.55 Td [(suchend)-359(in)-359(scheuem)-359(Schrecken.)-577(Mitten)-359(unter)-359(sie)-359(sprangen)-359(die)]TJ 0 -13.549 Td [(tollgewordenen)-380(Rappen.)-639(Ein)-380(Gekreisch)-380(der)-379(Stummen,)-413(die)-379(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(sprechen,)-432(fuhr)-395(auf,)-432(Blutgeruch,)-432(warme)-396(Spritzer)-395(...)-687(Die)-395(Klage)]TJ 0 -13.549 Td [(erstarb)-250(im)-250(Tannenwald.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Und)-297(jetzt)-298(setzte)-297(der)-298(Donner)-297(ein.)-392(Ein)-298(Trommelrollen)-297(wie)-297(von)]TJ -11.956 -13.549 Td [(tausend)-292(Tambouren.)-378(Der)-292(Wirbel)-293(ging)-292(\374ber)-293(den)-292(ganzen)-292(Himmel)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([130])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(hin,)-250(zornig)-250(und)-250(rufend)-250(...)-250(und)-250(verhallte.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Er)-444(war)-444(jetzt)-444(ganz)-444(frei.)-832(Er)-444(f\374hrte)-444(die)-444(wilden)-444(Rosse)-444(seines)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lebenswagens)-282(gegen)-282(den)-282(Abgrund.)-346(Eine)-282(jauchzende)-282(Kraft)-281(kam)]TJ 0 -13.55 Td [(\374ber)-250(ihn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-363(k\366nnen)-363(nicht)-363(leben)-364(wie)-363(wir)-363(wollen.)-589(Aber)-363(wir)-364(k\366nnen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sterben)-185(und)-185(den)-186(Tod)-185(verachten,)-198(denn)-185(wir)-186(wissen,)-198(dass)-185(er)-185(kein)-185(Tod)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +418 0 obj << +/Type /Page +/Contents 419 0 R +/Resources 417 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +420 0 obj << +/D [418 0 R /XYZ 46.771 433.888 null] +>> endobj +421 0 obj << +/D [418 0 R /XYZ 193.451 148.665 null] +>> endobj +417 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +425 0 obj << +/Length 4236 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(76)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ist.)-442(Nur)-314(ein)-314(leeres)-314(Schreckgespenst,)-330(ein)-314(l\344cherlicher)-313(Schwindel)]TJ 0 -13.549 Td [(gar)-156(nicht)-156(existirender)-156(Gewalten.)-219(Taschenspielerkunstst\374ck)-155(Derer,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(sich)-250(schwach)-250(f\374hlen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 108.153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -96.197 -14.163 Td [(Der)-435(Donner,)-480(ein)-435(zweites)-434(Mal,)-481(gab)-435(Antwort,)-480(ein)-435(Tiger)-434(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ungeheurem)-312(h\344ngenden)-313(Bauch,)-328(der)-312(\374ber)-313(weite)-312(Fl\344chen)-312(springt;)]TJ 0 -13.55 Td [(im)-250(Sprunge)-250(br\374llt)-250(er)-250(...)]TJ 11.956 -14.162 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 10.909 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-250(Schwarze)-250(Bock)-250(in)-250(Purpurfinsterniss)-250(erscheint)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.833 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(...)]TJ -241.155 -14.163 Td [(H\366llengeschichten)-191(fielen)-192(ihm)-191(ein.)-231(In)-191(Pariser)-191(Schlammpf\374hlen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(affreuse)-552(Weiber,)-627(schwarze)-551(Messen,)-627(wo)-552(man)-551(mit)-552(dem)-551(Blut)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-665(Wollust)-664(die)-664(Todten)-665(beschwor,)-768(H\374ftenverrenkungen)-664(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Baucht\344nzen)-536(geschlechtsloser)-536(Vorstadtbajaderen,)-607(Augen,)-607(die)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-739(der)-739(Verwesung)-740(schwammen)-739(wie)-739(fischige)-739(Perlen)-739(in)]TJ 0 -13.549 Td [(perlmutternem)-235(Glanze....)-245(Diese)-234(ganze)-235(Civilisation,)-238(impotent)-234(und)]TJ 0 -13.549 Td [(pervers,)-181(in)-164(den)-163(letzten)-164(Z\374gen)-164(r\366chelnd,)-180(mit)-164(Haschisch)-164(und)-163(Qualen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([131])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(sich)-436(aufpeitschend)-436(zu)-437(neuen)-436(Sensationen,)-483(ein)-436(zweites,)-482(neues,)]TJ 0 -13.549 Td [(junges,)-589(greisenhaft)-521(altes)-521(Rom,)-589(wo)-521(die)-521(Messalinen)-521(ordinaire)]TJ 0 -13.549 Td [(Cocotten)-332(sind,)-352(die)-332(Neros)-332(und)-332(Heliogabals,)-352(Boulevardbummler,)]TJ 0 -13.549 Td [(verw\366hnte)-170(Mutters\366hnchen,)-186(Spr\366sslinge)-170(j\374discher)-170(Banquiers)-170(und)]TJ 0 -13.549 Td [(christlicher)-250(Prostituirter.)-250(Wie)-250(gemein!)-250(Wie)-250(gemein!)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Ein)-231(Gel\344chter)-232(sch\374ttelte)-232(ihn)-231(wie)-232(im)-231(Krampf.)-244(Der)-231(Hut)-232(war)-231(ihm)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vom)-236(Kopf)-237(geschlagen.)-245(Er)-237(riss)-236(sich)-236(den)-237(Rock)-236(auf.)-246(Er)-236(dr\344ngte)-236(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(nackt,)-250(hoch,)-250(dem)-250(Tod)-250(und)-250(dem)-250(Nachtwind)-250(entgegen.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Ein)-305(Schrei)-305(gellte)-305(auf)-305(von)-305(irgendwo.)-415(Vielleicht)-305(ein)-305(Wandrer?)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Der)-250(Chausseew\344rter?)-250(Die)-250(wilde)-250(Jagd)-250(stob)-250(vor\374ber.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Er)-503(f\374hlte)-503(die)-504(feuchten)-503(wehenden)-503(Haare)-503(der)-503(Hexen)-503(hinter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich,)-522(ein)-467(lascives)-468(Gel\344chter)-467(nackter)-468(Trollen)-467(und)-468(Faune.)-902(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ritten)-365(mit)-366(entsetzlichen,)-394(unbeschreibbaren)-365(Gesten.)-596(Die)-365(Jungen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-426(h\374bsch)-426(mit)-426(traurigen)-425(Augen.)-778(Die)-426(Aeltern)-426(waren)-425(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(schrecklicher,)-711(schwarz,)-712(Aeser)-619(geworden)-619(in)-619(der)-619(lebendigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Verwesung)-250(ihres)-250(Lasters.)]TJ 11.956 -14.162 Td [(Er)-501(wusste)-502(nicht)-501(mehr,)-564(was)-501(er)-502(hinter)-501(sich)-501(herzog.)-1004(Einen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Cadaver.)-250(Ein)-250(Aas)-250(in)-250(Fetzen.)-250(Einen)-250(Lumpen)-250(...)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([132])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Er)-607(h\366rte)-606(nur)-607(noch)-607(das)-606(Br\374llen)-607(des)-607(Wassers,)-696(f\374hlte)-606(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Feuchtigkeit.)-1114(Steine)-539(rollten)-538(mit)-538(ihm)-538(bergab.)-1114(Sie)-538(h\374pften,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +424 0 obj << +/Type /Page +/Contents 425 0 R +/Resources 423 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +426 0 obj << +/D [424 0 R /XYZ 189.029 340.194 null] +>> endobj +427 0 obj << +/D [424 0 R /XYZ 93.543 91.487 null] +>> endobj +423 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +430 0 obj << +/Length 1622 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebente)-250(Kapitel.)-16198(77)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(kugelten,)-376(kollerten,)-375(surrten.)-552(Hohhi)-350(hoh!)-552(Er)-350(hetzte)-351(die)-350(Rappen)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-250(Todessprung.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Pl\366tzlich)-590(standen)-589(sie)-590(kerzengerade.)-1269(Der)-590(ganze)-589(Himmel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(flammte)-442(im)-442(Feuer.)-827(Er)-442(schien)-442(zusammenzukrachen)-442(von)-442(allen)]TJ 0 -13.55 Td [(Seiten,)-250(zu)-250(bersten,)-250(zu)-250(sch\374ttern,)-250(zu)-250(schwingen)-250(...)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Wie)-742(ein)-742(eiserner)-742(Vorhang,)-865(ganz)-742(von)-742(Eisen,)-865(schwarz,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-453(schwer)-454(vom)-453(Gewicht)-453(aller)-454(Himmelsgew\366lbe)-453(klappte)-453(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Donnerschlag.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Dann)-250(nichts)-250(mehr.)-250(Dunkelheit.)]TJ 0 -13.55 Td [(Eine)-353(Hand)-353(hielt)-353(seine)-354(Hand)-353(gefasst.)-559(Er)-353(versuchte)-353(die)-353(andre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gegen)-326(seine)-326(Stirn)-325(zu)-326(f\374hren.)-478(Sie)-326(war)-325(warm)-326(vom)-326(Blut.)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.092 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wohin)]TJ -250.936 -13.549 Td [(f\374hrst)-250(Du)-250(mich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 70.899 0 Td [(\034)]TJ -58.943 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wohin)-250(Du)-250(nicht)-250(gewollt)-250(hast)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.782 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(P)-200(a)-200(u)-200(l)-200(u)-200(s!)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.636 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +429 0 obj << +/Type /Page +/Contents 430 0 R +/Resources 428 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +428 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +431 0 obj +<< /S /GoTo /D (index8) >> +endobj +434 0 obj +(Das achte Kapitel.) +endobj +437 0 obj << +/Length 3994 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([133])]TJ/F16 18.9589 Tf 142.911 -63.143 Td [(Das)-271(achte)-271(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -70.156 -31.247 Td [(Der)-331(Superintendent)-332(war)-331(doch)-332(in)-331(einer)-332(gewissen)-331(Erregung.)-494(Der)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(geniale)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.505 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.795 0 Td [(Streich)-362(der)-362(Gr\344fin)-363(hatte)-362(ihn)-362(etwas)-362(verletzt,)-390(trotzdem)]TJ -45.144 -13.549 Td [(sie)-599(es)-599(seitdem)-599(wieder)-600(gut)-599(zu)-599(machen)-599(versuchte,)-686(die)-599(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(Superintendentin)-250(in)-250(ihrem)-250(eignen)-250(Wagen)-250(mitnahm.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Man)-252(sprach)-252(viel)-252(von)-252(dem)-252(Fremden.)-256(Die)-252(Baronin)-252(hatte)-251(\374berall)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-315(dem)-315(Odschein)-314(erz\344hlt.)-444(Man)-315(brachte)-315(das)-315(Neuaufbl\374hen)-314(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Socialismus)-315(mit)-316(ihm)-315(in)-316(Verbindung.)-446(Zeitungen,)-332(die)-315(der)-315(Kirche)]TJ 0 -13.549 Td [(\374belwollten,)-246(erz\344hlten)-245(kleine)-245(Anekdoten.)-248(Ein)-245(wissenschaftlicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufsatz)-323(behandelte)-323(die)-323(Frage)-324(ganz)-323(ernsthaft,)-341(er)-323(war)-323(von)-323(einem)]TJ 0 -13.55 Td [(modernen)-202(Schriftsteller)-202(verfasst,)-212(der)-202(sich)-202(bis)-201(dahin)-202(haupts\344chlich)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-458(Ehebruchsdramen)-457(und)-458(Erotik)-458(besch\344ftigt)-457(hatte,)-510(nun)-457(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(Heil)-341(im)-342(Mysticismus)-341(sah.)-524(Unter)-341(den)-342(sch\366nen)-341(Seelen)-341(der)-341(Stadt)]TJ 0 -13.549 Td [(bestand)-263(eine)-264(gewisse)-263(Erregung.)-290(Ein)-263(junger)-263(H\374lfsprediger)-263(wurde)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([134])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(sehr)-222(popul\344r.)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.277 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-222(ist)-222(so)-222(tief,)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.841 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.265 0 Td [(sagten)-222(diese)-222(Damen.)-241(Ungl\374cklicher)]TJ -126.226 -13.55 Td [(Weise)-332(bildeten)-331(diese)-332(Damen)-331(eine)-331(Macht.)-495(Es)-331(wurmte)-332(den)-331(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Herrn,)-470(dass)-426(sie)-426(ihn)-426(f\374r)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.447 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(n\374chtern)-426(und)-426(protestantisch)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.427 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.49 0 Td [(hielten.)]TJ -248.208 -13.549 Td [(Niemand)-250(sieht)-250(seine)-250(Kirche)-250(gern)-250(leer.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Er)-357(hatte)-357(nat\374rlich)-357(zun\344chst)-357(an)-357(eine)-357(Denunciation)-357(nach)-357(oben)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gedacht,)-664(das)-581(war)-582(wohl)-581(seine)-581(Pflicht)-581(eigentlich.)-1244(Aber)-581(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(zweischneidiges)-596(Mittel.)-1288(Man)-596(konnte)-596(finden,)-682(dass)-596(er)-596(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwindelaffaire)-456(zu)-456(sehr)-456(aufbauschte.)-868(Andrerseits)-456(hielt)-455(man)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-514(wohl)-513(gar)-514(f\374r)-514(Eifersucht,)-579(die)-514(Pfaffen)-513(kriegten)-514(es)-514(mit)-513(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Angst.)-410(Ein)-303(jovialer)-304(Reitergeneral,)-316(Durchlaucht,)-317(hatte)-303(ihn)-303(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(gefragt:)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.534 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-228(w\374rden)-228(Sie)-228(jetzt)-228(mit)-228(dem)-228(neuen)-228(Christus)-227(machen?)]TJ -41.378 -13.549 Td [(Da)-423(k\366nnen)-423(Sie)-422(einpacken,)-466(Pasterchen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.542 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.455 0 Td [(Er)-423(durfte)-423(sich)-422(solche)]TJ -184.997 -13.55 Td [(Jovialit\344ten)-393(erlauben.)-680(Daf\374r)-394(wurde)-393(der)-393(Superintendent)-393(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(eingeladen.)-250(Er)-250(war)-250(Burgpfaffe)-250(bei)-250(den)-250(Herren)-250(Offizieren.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +436 0 obj << +/Type /Page +/Contents 437 0 R +/Resources 435 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +438 0 obj << +/D [436 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +432 0 obj << +/D [436 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +439 0 obj << +/D [436 0 R /XYZ 161.087 255.831 null] +>> endobj +435 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +442 0 obj << +/Length 4675 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achte)-250(Kapitel.)-17365(79)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Dann)-246(die)-246(katholische)-246(Concurrenz)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.275 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.138 0 Td [(die)-246(r\374hrte)-246(sich)-246(nicht.)-249(Man)]TJ -168.369 -13.549 Td [(wusste)-278(ja,)-284(da)-278(war)-278(Alles)-278(Mysterium.)-333(Es)-277(gab)-278(geheime)-278(Winke)-277(von)]TJ 0 -13.549 Td [(oben.)-614(Vielleicht)-371(war)-371(ihnen)-371(die)-371(Geschichte)-371(nicht)-371(unangenehm.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-236(hatten)-237(ja)-236(zum)-237(Schluss)-236(immer)-236(den)-237(Vortheil,)-239(weil)-236(sie)-236(abwarten)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-412(schweigen)-411(durften.)-734(Schweigen)-412(und)-411(abwarten)-412(d\374rfen)-411(war)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([135])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(eine)-382(grosse)-382(Sache.)-646(Das)-382(ist)-382(der)-382(Vortheil)-382(der)-382(alten)-381(historischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gewalten;)-232(man,)-228(als)-224(Parven\374,)-228(musste)-223(auf)-223(dem)-223(Posten)-223(sein,)-228(Schritt)]TJ 0 -13.549 Td [(halten,)-239(die)-237(Vereinigung)-237(mit)-236(der)-237(Wissenschaft)-236(nicht)-237(fallen)-236(lassen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Die)-297(Wissenschaft)-297(hatte)-297(dem)-297(geistlichen)-297(Herrn)-297(schon)-296(manche)]TJ -11.956 -13.55 Td [(schwere)-359(Stunde)-359(bereitet.)-578(Es)-359(war)-360(eine)-359(Universit\344t)-359(in)-359(der)-359(Stadt,)]TJ 0 -13.549 Td [(dadurch)-319(best\344ndige)-319(Kabbeleien.)-457(Die)-319(Herren)-319(passten)-319(Einem)-318(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-191(Finger.)-230(Von)-191(H\366lle)-191(und)-190(pers\366nlichem)-191(Teufel)-191(durfte)-191(man)-190(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(gar)-288(nicht)-287(reden;)-307(obgleich)-288(diese)-287(Dinge)-288(f\374r)-287(die)-288(Plebs)-288(noch)-287(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(zogen.)-838(Dann)-446(waren)-446(die)-446(sch\366nen)-446(Seelen,)-495(die)-446(Einen)-445(n\374chtern)]TJ 0 -13.549 Td [(fanden,)-525(zur)-470(Weihnachts-)-469(und)-470(Ostermesse)-470(in)-470(den)-470(Dom)-469(liefen)]TJ 0 -13.55 Td [(oder)-423(mit)-423(mystisch)-423(angehauchten)-423(H\374lfsgeistlichen)-423(Conventikel)]TJ 0 -13.549 Td [(abhielten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-250(Superintendent)-250(war)-250(ein)-250(geplagter)-250(Mann.)]TJ 0 -14.531 Td [(Uebrigens)-317(grollte)-317(die)-317(Superintendentin.)-451(Sie)-317(fand,)-334(dass)-317(er)-317(als)]TJ -11.956 -13.549 Td [(M)-200(a)-200(n)-200(n)-289(dem)-289(Unfug)-289(mit)-288(einem)-289(Schlag)-289(ein)-289(Ende)-289(machen)-288(musste.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-276(Superintendentin)-276(appellirte)-275(oft)-276(an)-276(den)-276(Mann.)-327(Sie)-276(selbst)-275(war)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-224(Charakter.)-242(Dann)-224(hatte)-224(man)-224(die)-224(Sanit\344tsr\344thin)-224(\374ber)-224(sie)-224(placirt;)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-182(gut)-182(wie)-183(die)-182(Sanit\344tsr\344thin)-182(war)-182(sie)-183(allemal.)-227(Der)-182(Sanit\344tsrath)-182(war)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-193(Cyniker.)-231(Das)-193(Interessanteste)-193(an)-193(Tolstoi)-192(w\344re)-193(seine)-193(Di\344t,)-204(sagte)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([136])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(er.)-495(Er)-332(erlaubte)-332(sich)-331(dann)-332(sogar)-332(Anspielungen)-331(auf)-332(die)-332(gar)-331(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(Tolstoi)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.917 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(sche)-381(Di\344t)-381(in)-381(der)-382(Superintendentur.)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.109 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.613 0 Td [(Man)-381(hatte)-381(etwas)]TJ -206.271 -13.55 Td [(auszustehen)-187(als)-188(Mann)-187(Gottes)-187(in)-188(diesem)-187(ungl\344ubigen)-187(Jahrhundert.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Und)-259(oft)-258(dachte)-259(der)-258(Superintendent)-259(mit)-259(Seufzen)-258(an)-259(die)-258(Zeiten,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-301(noch)-302(ein)-301(kirchlicher)-301(Fingerzeig)-302(gen\374gt)-301(hatte,)-314(um)-301(Unbefugte)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-254(den)-255(Scheiterhaufen)-254(zu)-255(schicken,)-255(Calvin)-255(\374ber)-254(dem)-254(fr\366hlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Genf)-250(seine)-250(Ruthe)-250(schwang.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-515(saubereingebundne)-516(Band)-515(seiner)-516(Predigten)-515(1897)]TJ/F21 10.9091 Tf 241.402 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(1900)]TJ -258.812 -13.55 Td [(tr\366stete)-476(ihn)-476(dann.)-928(Ein)-476(Geschenk)-476(der)-476(Frau)-475(Superintendentin.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-341(hatte)-341(sie)-341(selbst)-341(nachgeschrieben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.121 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.173 0 Td [(So)-341(hatte)-341(doch)-341(auch)-340(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +441 0 obj << +/Type /Page +/Contents 442 0 R +/Resources 440 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +443 0 obj << +/D [441 0 R /XYZ 212.763 463.978 null] +>> endobj +444 0 obj << +/D [441 0 R /XYZ 304.983 203.598 null] +>> endobj +440 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +447 0 obj << +/Length 4320 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(80)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Fortschritt,)-212(selbst)-203(die)-203(Buchdruckerkunst,)-213(diese)-202(Teufelserfindung,)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-250(Gutes.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-281(Superintendent)-281(hatte)-281(den)-281(Fremden)-281(zu)-281(einer)-281(Besprechung)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-231(sich)-231(eingeladen.)-244(Die)-231(Einladung)-231(war)-231(in)-231(ganz)-230(h\366flichen)-231(Worten)]TJ 0 -13.55 Td [(erfolgt.)-480(Erstens,)-346(die)-326(christliche)-327(Milde)-327(auch)-326(gegen)-327(den)-326(irrenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Bruder,)-227(dann)-222(existirte)-222(ja)-222(auch)-222(eine)-221(geistliche)-222(Gerichtsbarkeit,)-227(die)]TJ 0 -13.549 Td [(vorfordern)-250(konnte,)-250(nicht)-250(mehr.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-426(erkl\344rte)-425(sich)-426(die)-425(Sache)-426(so:)-601(Ein)-425(ungebildeter)-426(Mann,)-469(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Handwerker)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.298 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.839 0 Td [(der)-402(Superintendent)-402(betonte)-402(das)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.181 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ungebildet)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.058 0 Td [(\034)-402(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.683 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(von)-519(Mysticismus,)-586(sitzender)-519(Lebensweise)-518(angekr\344nkelt,)-586(hatte)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-509(in)-509(diese)-509(Dinge)-509(vertieft.)-1027(Voraussichtlich)-509(w\374rde)-509(er)-508(ihm)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([137])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(lange)-288(confuse)-288(Reden)-288(halten,)-297(von)-288(einer)-288(Mission,)-297(Erscheinungen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-332(kannte)-332(das,)-352(und)-332(seine)-331(Wirkung)-332(auf)-332(das)-332(ungebildete)-331(Volk.)]TJ 0 -13.549 Td [(Gerade)-318(weil)-319(ihnen)-318(das)-319(Allt\344gliche)-318(nicht)-319(gut)-318(genug)-318(war,)-336(sie)-318(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Ruhige)-275(und)-274(Vern\374nftige)-275(nicht)-274(thun)-275(wollten,)-281(liefen)-274(sie)-275(nach)-274(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Wunderbaren.)-250(Der)-250(Hirte)-250(kannte)-250(seine)-250(Heerde.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Man)-468(w\374rde)-467(mit)-468(diesem)-467(Manne)-468(vern\374nftig)-467(sprechen,)-522(seine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Absurdit\344ten)-222(nachweisen,)-228(selbst)-223(wenn)-222(man)-223(ihn)-222(nicht)-222(\374berzeugte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Heilsarmee,)-464(tausendj\344hrige)-421(Reichsgeschichten)-421(waren)-421(ja)-420(Mode)]TJ 0 -13.549 Td [(jetzt.)-822(Dieser)-441(Hang)-440(hatte)-441(ihm)-441(schon)-440(viel)-441(Sorge)-441(gemacht.)-821(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(witterte)-245(die)-245(alte)-245(Hure)-244(von)-245(Rom,)-246(das)-245(babylonische)-245(Weib,)-246(das)-244(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Neuem)-256(seine)-255(Netze)-256(auswarf.)-267(Und)-256(man)-255(musste)-256(so)-256(vorsichtig)-255(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(wegen)-250(der)-250(Beh\366rden,)-250(durfte)-250(das)-250(Unkraut)-250(nicht)-250(ausj\344ten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-432(Superintendent)-432(hatte)-431(sich)-432(zu)-432(dieser)-432(Besprechung)-431(noch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einen)-320(Confrater)-319(eingeladen,)-337(der)-320(Consistorialrath)-319(war,)-337(Professor)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-243(der)-243(theologischen)-244(Fakult\344t,)-244(Kirchenhistoriker.)-248(Man)-243(war)-243(so)-243(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(Zweien,)-175(st\344rkte)-156(sich)-156(vorher)-157(weidlich)-156(an)-156(gutem)-156(Tabak)-156(und)-156(bessrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Wein)-521(und)-521(konnte)-520(die)-521(m\366glichen)-521(Ergebnisse)-521(gleich)-520(er\366rtern,)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344hrend)-436(die)-436(Frau)-436(Superintendentin)-436(mit)-436(der)-435(Consistorialr\344thin)]TJ 0 -13.549 Td [(Kaffee)-382(trank.)-644(Dabei)-382(hatte)-381(man)-382(dann)-381(auch)-382(allerlei)-381(interessante)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([138])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(F\344lle)-250(und)-250(Ketzereien)-250(zu)-250(er\366rtern.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-529(Superintendent)-529(war)-529(daf\374r,)-599(den)-529(Fremden)-529(nicht)-528(gleich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(vor)-575(den)-575(Kopf)-575(zu)-575(stossen,)-656(ihn)-575(im)-575(Gegentheil)-575(leutselig,)-656(als)]TJ 0 -13.549 Td [(gewissermaassen)-250(zum)-250(Fach)-250(geh\366rig,)-250(zu)-250(behandeln.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +446 0 obj << +/Type /Page +/Contents 447 0 R +/Resources 445 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 422 0 R +>> endobj +448 0 obj << +/D [446 0 R /XYZ 130.709 380.719 null] +>> endobj +449 0 obj << +/D [446 0 R /XYZ 93.543 121.321 null] +>> endobj +445 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +452 0 obj << +/Length 5063 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achte)-250(Kapitel.)-17365(81)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-424(ist)-423(ja)-424(auch)-423(m\366glich,)-467(dass)-424(ein)-423(Laie)-424(durch)-424(Nachdenken,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(besondre)-513(Gnade,)-579(ungew\366hnliche)-513(Einsicht)-513(in)-513(g\366ttliche)-513(Dinge)]TJ 0 -13.549 Td [(erlangt)-354(und)-353(Beherzigenswerthes)-354(von)-353(sich)-354(giebt.)-560(Der)-354(Fall)-353(w\344re)]TJ 0 -13.549 Td [(denkbar.)-217(Ich)-153(kannte)-152(einen)-152(Schuster,)-172(der)-152(\374ber)-152(die)-152(Gnadenwege)-152(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Melchisedek,)-382(den)-355(K\366nig)-355(von)-355(Salem,)-382(stritt)-355(wie)-355(der)-355(gewiegteste)]TJ 0 -13.549 Td [(Theologe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.931 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -31.975 -14.163 Td [(Der)-314(Confrater)-315(sch\374ttelte)-314(l\344chelnd)-315(den)-314(Kopf:)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.415 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-314(haben)-315(das)]TJ -216.214 -13.549 Td [(Beispiel)-446(der)-446(Wiedert\344ufer,)-495(der)-446(Methodisten)-446(in)-446(England.)-837(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(theologisch)-546(geschulte)-546(Intelligenz)-545(fehlt,)-620(das)-546(Regul\344re,)-619(Feste,)]TJ 0 -13.549 Td [(darum)-250(Lebensf\344hige.)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.095 0 Td [(\034)]TJ -80.139 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-583(es)-583(waren)-583(doch)-583(in)-583(den)-583(Irrth\374mern)-583(dieser)-583(Leute)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.377 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(allerdings)-303(gleich)-304(K\366rnern)-303(in)-304(der)-303(Spreu)-303(verborgen)]TJ/F21 10.9091 Tf 221.298 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.764 0 Td [(auch)-303(einige)]TJ -230.062 -13.55 Td [(unbestreitbare)-250(evangelische)-250(Wahrheiten)-250(enthalten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.938 0 Td [(\034)]TJ -207.982 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-820(ist)-820(eine)-821(gef\344hrliche)-820(Ansicht.)-1960(Jesuitisch)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.731 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.402 0 Td [(so)]TJ -270.932 -13.55 Td [(gewissermaassen:)-250(der)-250(Zweck)-250(heiligt)-250(das)-250(Mittel,)-250(lieber)-250(Bruder.)]TJ/F21 10.9091 Tf 270.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 20.468 0 Td [([139])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(Dieser)-396(Herr)-396(war)-396(bekannt)-396(daf\374r,)-433(dass)-396(er)-396(die)-396(feinste)-396(Nase)-396(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Deutschland)-406(hatte,)-446(um)-406(die)-406(Jesuiten)-406(zu)-406(riechen.)-719(Das)-406(war)-406(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(rother)-212(Lappen,)-220(auf)-212(den)-213(er)-212(\374berall)-212(losging,)-220(ihn)-212(\374berall)-212(herausfand,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-290(der)-290(Sp\374rhund)-289(die)-290(F\344hrte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.715 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hat)-290(uns)-290(nicht)-289(Martinus)-290(von)-290(dem)]TJ -137.558 -13.549 Td [(Aberglauben)-265(befreit?)-296(Und)-266(sagt)-265(nicht)-265(der)-266(Herr)-265(selbst:)-281(Ihr,)-269(die)-265(Ihr)]TJ 0 -13.55 Td [(Zeichen)-220(und)-220(Wunder)-221(sehen)-220(wollt)-220(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.1 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.245 0 Td [(Der)-220(Confrater)-220(hob)-220(warnend)]TJ -161.345 -13.549 Td [(den)-250(Finger.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nichtsdestoweniger)-793(giebt)-793(die)-793(Schrift)-793(ausdr\374cklich)-794(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(M\366glichkeit)-440(solcher)-440(zu.)-819(Nicht)-440(nur)-440(im)-440(\374bertragenen,)-487(sondern)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-250(im)-250(w\366rtlichsten)-250(Sinn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.967 0 Td [(\034)]TJ -105.011 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-418(sollen)-417(Gott)-418(nicht)-417(versuchen.)-753(Vermessenheit,)-460(Freund,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Vermessenheit!)-1336(Es)-612(ist)-612(die)-612(grosse)-612(Aufgabe)-612(der)-611(modernen)]TJ 0 -13.549 Td [(Theologie,)-250(die)-250(Wissenschaft)-250(mit)-250(der)-250(Religion)-250(zu)-250(vereinigen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 262.691 0 Td [(\034)]TJ -250.735 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(wird)-250(immer)-250(Vieles)-250(bleiben,)-250(was)-250(wir)-250(nicht)-250(wissen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 229.669 0 Td [(\034)]TJ -234.512 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-208(haben)-208(wir)-207(uns)-208(dann)-208(wohl)-208(in)-207(Demuth)-208(mit)-208(der)-208(beschr\344nkten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Einsicht)-345(hienieden)-345(zu)-345(gen\374gen.)-536(Das)-345(ist)-345(eine)-345(gef\344hrliche)-345(Bahn,)]TJ 0 -13.549 Td [(lieber)-431(Bruder.)-792(Eine)-431(Schlinge)-431(des)-431(Argen,)-476(ebenso)-431(gut)-431(wie)-430(die)]TJ 0 -13.55 Td [(er)-342(in)-342(der)-342(Lauheit)-342(uns)-342(legt,)-365(dem)-342(vollst\344ndigen,)-365(rationalistischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Ablehnen)-300(des)-301(Wunderbaren)-300(und)-301(Unfasslichen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.855 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Wir)-300(sehen)-301(jetzt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +451 0 obj << +/Type /Page +/Contents 452 0 R +/Resources 450 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 454 0 R +>> endobj +453 0 obj << +/D [451 0 R /XYZ 46.771 324.267 null] +>> endobj +450 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +457 0 obj << +/Length 4854 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(82)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(durch)-422(einen)-423(Spiegel)-422(in)-422(einem)-423(dunklen)-422(Wort.)-767(Dann)-422(aber)-422(von)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([140])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Angesicht)-297(zu)-297(Angesicht.)-391(Jetzt)-297(erkenne)-297(ich)-297(es)-297(st\374ckweise.)-390(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-250(werde)-250(ich)-250(erkennen,)-250(gleich)-250(wie)-250(ich)-250(erkannt)-250(bin.)]TJ/F21 10.9091 Tf 228.415 0 Td [(\030\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -216.459 -14.777 Td [(Hier)-483(meldete)-483(das)-483(Dienstm\344dchen,)-541(dass)-483(ein)-483(fremder)-483(Mann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-498(der)-498(guten)-498(Stube)-498(wartete.)-994(Sie)-498(war)-498(augenscheinlich)-497(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-599(Zweifel,)-686(ob)-599(ihm)-598(wirklich)-599(die)-599(gute)-599(Stube)-599(geb\374hrte)-598(und)]TJ 0 -13.549 Td [(wartete)-534(auf)-533(Bescheid.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.407 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.275 0 Td [(Man)-534(h\366rte)-533(eine)-534(Th\374r)-533(sich)-534(\366ffnen)]TJ -123.682 -13.55 Td [(und)-275(vorsichtig)-274(wieder)-275(einklinken)-274(aus)-275(dem)-275(Zimmer,)-280(wo)-275(die)-274(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(Superintendentin)-250(mit)-250(ihrer)-250(Freundin)-250(sass.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Der)-225(Superintendent)-225(empfing)-226(den)-225(Gast)-225(dem)-225(Programm)-225(gem\344ss)]TJ -11.956 -13.55 Td [(mit)-283(demonstrativer)-283(Herzlichkeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.641 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-292(lieber)-283(Freund?)-349(Nehmen)]TJ -151.484 -13.549 Td [(Sie)-428(Platz,)-473(mein)-429(Lieber!)-785(Ich)-428(habe)-428(Sie)-429(hergebeten)-428(mit)-428(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(meinem)-301(sehr)-301(gesch\344tzten)-302(und)-301(verehrten)-301(Collegen,)-314(um)-301(mich)-301(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihnen)-437(\374ber)-437(Ihre)-437(religi\366sen)-436(Ansichten)-437(zu)-437(unterhalten.)-811(Das)-436(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-295(lehrreich)-295(f\374r)-295(einen)-295(Diener)-295(am)-294(Wort,)-307(gewissermaassen)-294(ja)]TJ 0 -13.55 Td [(auch)-281(meine)-280(geistliche)-281(Pflicht,)-288(obgleich)-281(Sie)-281(ganz)-280(als)-281(Freund)-280(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(sind,)-389(mein)-362(Gast)-361(und)-362(in)-361(aller)-362(G\374te.)]TJ/F21 10.9091 Tf 161.242 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.398 0 Td [(Ich)-362(vermuthe,)-389(Sie)-361(gehen)]TJ -170.64 -13.549 Td [(von)-407(der)-407(sehr)-406(richtigen)-407(Ansicht)-407(aus,)-446(dass)-407(das)-407(Evangelium)-406(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Laien)-282(wieder)-281(mehr)-282(in)-281(der)-282(Form)-282(des)-281(t\344glichen)-282(Brotes)-281(gleichsam,)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-395(nur)-395(an)-395(Sonntagen)-396(in)-395(der)-395(Kirche,)-431(n\344her)-395(gebracht)-395(werden)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([141])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(muss.)-893(Es)-464(soll)-465(wieder)-464(ein)-464(Bestandtheil)-465(des)-464(t\344glichen)-464(Lebens)]TJ 0 -13.549 Td [(werden,)-545(und)-486(Sie)-486(denken,)-545(dass)-486(dazu)-486(Predigt)-486(und)-486(pers\366nliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Ansprache,)-251(selbst)-251(Aufsuchen)-251(des)-251(Einzelnen,)-251(das)-251(Geeignetste)-251(ist.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-367(w\344ren)-367(dies)-367(wohl)-367(gleichsam)-368(die)-367(Principien,)-396(auf)-367(die)-367(sich)-367(die)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-346(sehr)-346(interessante)-347(moderne)-346(Agitation)-346(der)-346(Heilsarmee)-346(st\374tzt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Ich)-225(m\366chte,)-230(dass)-225(Sie)-226(mir)-225(nun)-225(in)-225(kurzen)-225(Worten)-225(das)-225(Dogmatische)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihrer)-383(Lehre,)-416(den)-382(festen)-383(Kern)-383(der)-382(Heilswahrheiten,)-416(auf)-383(die)-382(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(pers\366nlich)-250(den)-250(Hauptnachdruck)-250(legen,)-250(entwickelten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 229.036 0 Td [(\034)]TJ -217.081 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(keine.)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.338 0 Td [(\034)]TJ -71.182 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-226(verstehen)-227(mich)-226(nicht.)-243(Jedenfalls)-226(geh\366ren)-227(Sie)-226(doch)-227(irgend)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einem)-324(Bekenntniss)-324(an,)-342(oder)-324(haben)-324(sich)-324(in)-324(Ihrem)-324(Innern)-324(f\374r)-323(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(solches)-189(entschieden?)-230(Wenn)-189(Sie)-189(Protestant)-190(sind,)-201(halten)-189(Sie)-189(sich)-189(an)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-268(Augsburger)-269(Confession?)-305(Folgen)-268(Sie)-268(eher)-269(Luther?)-304(Jedenfalls)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.8 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.048 0 Td [(und)-329(das)-330(ist)-329(wohl)-329(kaum)-330(eine)-329(Frage)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.436 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.048 0 Td [(stehen)-329(Sie)-330(mit)-329(uns)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +456 0 obj << +/Type /Page +/Contents 457 0 R +/Resources 455 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 454 0 R +>> endobj +458 0 obj << +/D [456 0 R /XYZ 188.561 518.175 null] +>> endobj +459 0 obj << +/D [456 0 R /XYZ 342.068 258.286 null] +>> endobj +455 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +462 0 obj << +/Length 5124 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achte)-250(Kapitel.)-17365(83)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(auf)-250(dem)-250(Boden)-250(des)-250(apostolischen)-250(Glaubensbekenntnisses?)]TJ/F21 10.9091 Tf 255.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -243.459 -15.087 Td [(Der)-250(Superintendent)-250(sah)-250(ihn)-250(streng)-250(an.)]TJ 0 -15.088 Td [(Der)-250(Confrater)-250(nahm)-250(eine)-250(Prise.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kenne)-250(es)-250(nicht,)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.796 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ -94.21 -15.088 Td [(Der)-412(Superintendent)-412(war)-412(roth)-412(geworden)-412(wie)-412(ein)-411(Mohnkopf.)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.853 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.501 0 Td [(aber)]TJ/F21 10.9091 Tf 22.82 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.5 0 Td [(das)-371(ist)-371(die)-371(Hauptsache.)-612(Das)-371(ist)-371(Christenthum,)]TJ/F16 7.9701 Tf 218.506 0 Td [([142])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(die)-324(geheiligte)-324(Norm,)-342(f\374r)-324(die)-324(unsre)-324(V\344ter,)-342(die)-324(erste)-323(Christenheit)]TJ 0 -13.549 Td [(gelitten)-401(und)-400(gestritten)-401(haben.)-701(Das)-401(Andre)-400(ist)-401(leere)-400(Phantastik,)]TJ 0 -13.549 Td [(giebt)-250(der)-250(weitesten)-250(Irrung)-250(Spielraum,)-250(der)-250(Regellosigkeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.844 0 Td [(\034)]TJ -235.888 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(giebt)-250(das)-250(Leben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 85.44 0 Td [(\034)]TJ -90.283 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Welch)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.573 0 Td [(ein)-545(Irrthum!)-1133(Welch)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.072 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.574 0 Td [(ein)-545(verh\344ngnissvoller)-544(und)]TJ -161.491 -13.549 Td [(weittragender)-525(Irrthum!)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.67 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.576 0 Td [(rief)-525(der)-526(Superintendent)-525(warm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.631 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.55 Td [(w\344re)-494(ja)-493(denkbar,)-555(dass)-494(ein)-494(Mensch,)-554(der)-494(ganz)-494(ausserhalb)-493(der)]TJ 0 -13.549 Td [(christlichen)-381(Heilssph\344re)-381(st\344nde,)-414(den)-381(Namen)-381(Christi)-381(nie)-381(geh\366rt)]TJ 0 -13.549 Td [(hat,)-302(auf)-292(rein)-291(deduktivem,)-302(moralphilosophischem)-292(Wege)-292(zu)-291(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-186(christlichen)-186(durchaus)-185(\344hnlichen)-186(Ethik)-186(gekommen)-186(w\344re,)-198(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(hier)-339(eben)-339(blos)-339(die)-339(Ethik)-339(das)-339(Entscheidende)-339(w\344re.)-517(Denken)-339(Sie,)]TJ 0 -13.55 Td [(dass)-250(das)-250(ganz)-250(denkbar)-250(sein)-250(k\366nnte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.811 0 Td [(\034)]TJ -142.855 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(denkbar,)]TJ/F21 10.9091 Tf 64.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -76.952 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stoiker,)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.244 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.277 0 Td [(nickte)-223(der)-223(Confrater.)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.621 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Griechische)-223(Philosophen)-223(der)]TJ -155.784 -13.55 Td [(nachplatonischen)-216(Schule!)-238(Das)-216(sind)-216(die)-216(Argumente,)-223(die)-216(schon)-215(die)]TJ 0 -13.549 Td [(franz\366sische)-250(Revolution)-250(gebrauchte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 159.055 0 Td [(\034)]TJ -147.099 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-355(w\374rden)-354(doch)-354(nicht)-355(sagen,)-381(dass)-354(ein)-355(solcher)-354(Mensch)-355(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Christ)-265(w\344re,)-270(mit)-265(uns)-265(Theil)-265(h\344tte)-266(an)-265(der)-265(Erl\366sung)-266(durch)-265(den)-265(Leib)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-250(Herrn?)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.553 0 Td [(\034)]TJ -35.597 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(w\374rde)-250(es)-250(sagen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.029 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 188.196 0 Td [([143])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.069 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-234(wie)-233(wird)-234(er)-233(dastehen)-234(im)-234(n\344chsten)-233(Leben,)-237(wenn)-234(Christus)]TJ -16.799 -13.55 Td [(die)-569(Seinen)-568(um)-569(sich)-569(versammelt,)-648(die)-569(im)-568(Blut)-569(des)-568(Lammes)]TJ 0 -13.549 Td [(Gewaschenen,)-404(auf)-374(seinen)-373(Namen)-374(Getauften)-374(eingehen,)-404(und)-373(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern)-548(abgetheilt)-547(werden)-548(zur)-548(Linken?)]TJ/F21 10.9091 Tf 181.429 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.819 0 Td [(Der)-548(Superintendent)]TJ -192.248 -13.549 Td [(wischte)-224(sich)-224(den)-224(Schweiss.)-241(Er)-224(schnappte)-224(nach)-224(Luft)-224(wie)-224(ein)-223(Fisch)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-250(dem)-250(Trocknen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(weiss)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.985 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +461 0 obj << +/Type /Page +/Contents 462 0 R +/Resources 460 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] 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Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Socialistische)-205(Moral)-205(des)-205(Christenthums.)-235(Das)-205(ist)-205(blos)-205(die)-204(Frucht.)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Der)-250(Glaube)-250(ist)-250(das)-250(Erste.)]TJ/F21 10.9091 Tf 108.764 0 Td [(\034)]TJ -96.808 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(glaube,)-250(dass)-250(die)-250(That)-250(das)-250(Erste)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.785 -13.927 Td [(Jetzt)-277(sah)-278(der)-277(Superintendent)-278(wieder)-277(Fahrwasser.)-333(Er)-277(war)-277(ganz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erfreut.)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.433 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-369(ist)-370(die)-369(Lehre)-369(von)-370(den)-369(Werken,)-399(das)-369(Katholische,)]TJ -43.276 -13.55 Td [(Papistische,)-204(wogegen)-192(schon)-192(Lutherus)-192(sich)-193(auflehnte.)-230(Wir)-192(k\366nnen)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-250(uns)-250(selbst)-250(nicht)-250(gerecht)-250(werden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 156.938 0 Td [(\034)]TJ -144.982 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-250(k\366nnen)-250(wollen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.956 0 Td [(\034)]TJ -91.8 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-419(die)-420(R\374ckf\344lle?)-757(Das)-420(menschliche)-419(Gesetz)-419(bestraft)-420(sie.)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Wie)-250(wird)-250(sie)-250(Gott)-250(nicht)-250(strafen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 139.669 0 Td [(\034)]TJ -127.714 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-301(soll)-301(Gott)-302(sie)-301(strafen,)-314(wenn)-301(sie)-302(in)-301(sich)-301(selbst)-301(ihre)-302(Strafe)]TJ -16.799 -13.549 Td [(tragen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.106 0 Td [(\034)]TJ -20.151 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fatalismus,)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.007 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(notirte)-250(der)-250(Confrater.)]TJ/F16 7.9701 Tf -147.133 0 Td [([144])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-246(B\366sen!)-248(Die)-246(B\366sen,)-246(Mann!)-249(Wie)-246(erkl\344ren)-245(Sie)-246(die)-246(B\366sen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(ist)-250(ihr)-250(Ungl\374ck.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.662 -13.927 Td [(Dem)-385(Superintendenten)-384(wurde)-385(in)-385(der)-384(That)-385(die)-385(Halsbinde)-385(zu)]TJ -11.955 -13.549 Td [(eng:)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.744 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ungl\374ck?)-282(Und)-260(der,)-264(der)-260(k\344mpft,)-263(das)-261(Gute)-261(wil)1(l,)-264(Gutes)-260(thut?)]TJ -26.587 -13.55 Td [(Sollen)-250(die)-250(Guten)-250(keinen)-250(Vortheil)-250(vor)-250(den)-250(Schlechten)-250(haben?)]TJ/F21 10.9091 Tf 264.196 0 Td [(\034)]TJ -252.241 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(gl\374cklich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.912 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -85.756 -13.927 Td [(Der)-406(Confrater)-406(mischte)-406(sich)-406(jetzt)-406(ein:)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.098 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehr)-406(interessant.)-718(In)]TJ -189.897 -13.549 Td [(der)-428(That)-427(h\366chst)-428(interessant.)-782(Das)-428(ist)-428(Buddhismus.)-782(Es)-428(ist)-427(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Lehre)-511(des)-511(Buddha.)-1032(Wenn)-511(man)-511(denkt,)-576(dass)-511(sie)-510(dreitausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahre)-354(alt)-354(ist!)-563(Haben)-354(Sie)-354(irgend)-354(welche)-354(Verbindung)-354(mit)-354(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(Religionsgesellschaften)-251(gehabt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.031 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.188 0 Td [(Es)-251(k\366nnte)-250(doch)-251(sein)-250(in)-251(irgend)]TJ -151.219 -13.549 Td [(einer)-461(corrupten)-461(Form)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.311 0 Td [(\034)-461(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 20.358 0 Td [(\050dies)-461(f\374r)-461(den)-461(Collegen\051)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.824 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)]TJ/F21 10.9091 Tf 8.333 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(B\374cher)]TJ -249.124 -13.549 Td [(dar\374ber)-250(gelesen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.649 -13.927 Td [(Der)-380(Fremde)-380(sah)-380(den)-380(Confrater)-380(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.518 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alles)-380(ist)-380(Verbindung,)]TJ/F21 10.9091 Tf 96.47 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(er.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nat\374rlich!)-1546(Die)-682(Wiederkehr!)-1546(Die)-682(Wiederkehr!)]TJ/F21 10.9091 Tf 235.195 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.283 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(Professor)-745(rieb)-744(sich)-745(die)-744(H\344nde)-745(h\366chst)-745(befriedigt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.823 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)]TJ -263.666 -13.55 Td [(ist)-744(das)-745(charakteristische)-744(Merkmal.)-1734(Sie)-744(geben)-745(sich)-744(das)]TJ 0 -13.549 Td [(weiter)-744(wie)-743(ein)-744(Geheimniss.)-1731(Fragen)-744(Sie)-744(ihn)-743(doch,)-867(ob)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +466 0 obj << +/Type /Page +/Contents 467 0 R +/Resources 465 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 454 0 R +>> endobj +468 0 obj << +/D [466 0 R /XYZ 93.543 324.682 null] +>> endobj +465 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +471 0 obj << +/Length 4738 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achte)-250(Kapitel.)-17365(85)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(er)-884(an)-883(die)-884(Seelenwanderung)-884(glaubt?)-2151(Gerade)-884(f\374r)-883(die)]TJ 0 -13.549 Td [(popul\344re,)-688(gewissermaassen)-601(kindliche)-600(Phantasie)-601(haben)-600(diese)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([145])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Verwandlungen)-315(etwas)-314(Anziehendes.)-444(Sie)-314(finden)-315(das)-314(im)-315(Volk)-314(in)]TJ 0 -13.549 Td [(tausend)-422(M\344rchenvorstellungen,)-465(Geschichten)-422(von)-421(Wehrw\366lfen,)]TJ 0 -13.55 Td [(Schwanenjungfrauen,)-639(sprechenden)-561(B\344umen.)-1184(Selbst)-561(in)-561(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(indianischen)-492(M\344rchen)-492(des)-491(Hiawatha)-492(von)-492(Longfellow)-491(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-207(Idee)-206(wieder,)-216(in)-206(der)-207(Verk\366rperung)-207(des)-206(Samenkorns.)-236(Isis)-206(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Osiris,)-250(Baldur,)-250(...)-250(Es)-250(ist)-250(Alles)-250(dasselbe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.691 0 Td [(\034)]TJ -157.735 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-432(das)-433(ist)-432(nicht)-433(das)-432(Schlimme,)-478(das)-433(ist)-432(das)-433(Gef\344hrliche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht!)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.451 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.214 0 Td [(platzte)-584(der)-584(Superintendent)-584(los.)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.295 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-584(Moral!)-1252(Die)]TJ -198.803 -13.549 Td [(Moral!)-1127(Diese)-542(Lehre)-542(vom)-542(Nirwana,)-615(der)-542(blinden)-542(Ergebung,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-397(Thatenlosigkeit,)-434(der)-398(stumpfsinnige)-397(Fatalismus)-397(des)-397(Orients)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-403(zu)-402(uns)-403(verpflanzt!)-707(Das)-403(ist)-402(der)-403(Tod)-402(aller)-403(Cultur,)-440(allen)]TJ 0 -13.55 Td [(Fortschritts,)-264(aller)-261(Humanit\344t.)-284(Das)-261(ist)-262(Heidenthum!)-283(Heidenthum!)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-250(Christentum)-250(ist)-250(Kampfesmuth,)-250(Streben,)-250(Krieg!)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.92 0 Td [(\034)]TJ -211.964 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auf)-250(den)-250(Krieg)-250(folgt)-250(der)-250(Friede.)]TJ/F21 10.9091 Tf 136.331 0 Td [(\034)]TJ -141.174 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Friede)-220(da)-221(droben!)-240(Hier)-221(ist)-220(Kampf.)-240(Wir)-221(sollen)-220(K\344mpfer)-221(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Krieg)-250(in)-250(uns,)-250(Friede)-250(nach)-250(aussen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 145.124 0 Td [(\034)]TJ -149.967 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-324(sind)-325(nicht)-324(hier,)-343(um)-324(Frieden)-325(zu)-324(haben.)-473(Unser)-324(Leben)-325(ist)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Ringen)-375(und)-374(Unruhe.)-624(Da)-374(oben)-375(erst)-374(wird)-374(er)-375(uns)-374(zu)-375(Theil.)-623(Aus)]TJ 0 -13.549 Td [(Gnade.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -19.244 -15.087 Td [(Der)-250(Fremde)-250(l\344chelte.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([146])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.088 Td [(Der)-492(Superintendent)-493(war)-492(auf)-493(einem)-492(Lieblingsthema.)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.478 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(wahre)-355(Christ)-354(ist)-355(vor)-354(Allem)-355(ein)-354(Streiter.)-564(Seine)-354(Feinde)-355(sind)-354(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Satan,)-250(die)-250(S\374nde)-250(in)-250(uns)-250(und)-250(ausser)-250(uns.)-250(Wir)-250(sind)-250(arme)-250(S\374nder.)]TJ/F21 10.9091 Tf 273.305 0 Td [(\034)]TJ -261.349 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(wir)-250(siegen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.764 0 Td [(\034)]TJ -83.607 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Selbst)-196(wenn)-196(wir)-197(unser)-196(eignes)-196(Fleisch)-196(\374berwunden)-196(haben.)-233(Die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(S\374nde)-337(in)-337(der)-337(Welt)-338(bleibt.)-511(Sie)-337(greift)-337(uns)-338(an.)-511(Wir)-337(haben)-337(uns)-337(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(wehren)-250(gegen)-250(sie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.458 0 Td [(\034)]TJ -66.502 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(existirt)-250(nicht)-250(gegen)-250(uns,)-250(wenn)-250(sie)-250(in)-250(uns)-250(nicht)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 231.512 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -236.355 -15.087 Td [(Der)-194(Confrater)-194(nickte)-193(von)-194(Antwort)-194(zu)-194(Antwort)-194(mehr)-193(befriedigt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-322(kommen)-322(jetzt)-322(auf)-322(das)-322(Fakirwesen,)-340(Hallucinationen)-323(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(M\344rtyrer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.498 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +470 0 obj << +/Type /Page +/Contents 471 0 R +/Resources 469 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 454 0 R +>> endobj +472 0 obj << +/D [470 0 R /XYZ 224.015 504.626 null] +>> endobj +473 0 obj << +/D [470 0 R /XYZ 46.771 224.314 null] +>> endobj +469 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +476 0 obj << +/Length 5199 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(86)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-390(wollen)-391(das)-390(nicht)-390(sagen?)-671(Das)-390(ist)-390(Vermessenheit,)-426(mein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Lieber!)-721(Unser)-407(Fleisch)-407(bleibt)-407(der)-407(Anfechtung)-407(unterworfen,)-446(so)]TJ 0 -13.549 Td [(lange)-292(wir)-292(im)-291(Fleisch)-292(wandeln.)-375(Wer)-292(da)-292(meint,)-302(er)-292(stehe,)-302(der)-291(sehe)]TJ 0 -13.549 Td [(wohl)-430(zu,)-475(dass)-429(er)-430(nicht)-430(falle.)-790(Der)-429(Ehrgeiz)]TJ/F21 10.9091 Tf 198.242 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.143 0 Td [(die)-430(b\366se)-430(Lust)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.791 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(Reichthum.)-723(Selbst)-408(ich)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.395 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.298 0 Td [(,)-447(hier)-408(fasste)-408(der)-407(Superintendent)-408(den)]TJ -117.693 -13.549 Td [(Fremden)-245(beinah)-245(am)-245(Rockknopf,)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.103 0 Td [(\036\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.97 0 Td [(selbst)-245(ich,)-246(der)-245(ich)-245(ein)-245(Diener)]TJ -156.073 -13.549 Td [(am)-406(g\366ttlichen)-406(Wort)-406(bin)-406(und)-406(alle)-406(seine)-406(Schlingen)-406(kenne)]TJ/F21 10.9091 Tf 257.415 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.884 0 Td [(ich)]TJ -267.299 -13.549 Td [(habe)-305(meine)-305(Momente)-306(der)-305(Schw\344che,)-319(der)-305(Anfechtung.)-415(Ich)-305(habe)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([147])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Versuchungen)-191(zu)-191(bestehen)-191(...)-230(Das)-191(ist)-191(unchristlich,)-202(Mann!)-230(St\374tzen)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-196(den)-197(Glauben!)-232(Sprechen)-197(Sie)-196(gegen)-196(die)-197(Gottlosigkeit!)-232(Auf)-196(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Lande.)-377(Unsre)-293(Bauern)-292(haben)-292(dicke)-293(Nacken.)-377(Stolz)-292(und)-292(Habsucht)]TJ 0 -13.549 Td [(sitzen)-327(da)-327(steif)-327(drin.)-482(Gott)-327(sei)-327(Dank!)-481(sind)-327(sie)-327(noch)-327(gl\344ubig.)-481(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Grundvesten)-365(unsres)-366(Glaubens)-365(sind)-366(unangetastet.)-596(Die)-365(moderne)]TJ 0 -13.549 Td [(Anarchie)-276(und)-276(Zweifelsucht)-275(ist)-276(da)-276(noch)-275(nicht)-276(eingedrungen.)-327(Das)]TJ 0 -13.55 Td [(geht)-316(immer)-316(Hand)-317(in)-316(Hand.)-449(Das)-316(bedeutet)-316(die)-316(Emanzipation)-316(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Fleisches.)-476(Wir)-325(w\374rden)-325(uns)-326(wie)-325(Schweine)-325(im)-325(Koth)-326(w\344lzen.)-475(Im)]TJ 0 -13.549 Td [(Koth!)-480(Sehen)-327(Sie)-327(das)-326(alte)-327(Rom!)-480(Babylon!)-480(Die)-327(antike)-327(Welt)-326(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Christo.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.855 0 Td [(\034)]TJ -22.9 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-250(hat)-250(Christus)-250(hervorgebracht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.585 0 Td [(\034)]TJ -145.429 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Christus)-501(ist)-502(das)-501(ganz)-501(Vollkommene,)-564(Gute.)-1004(Das)-502(Fleisch)]TJ -16.799 -13.55 Td [(ist)-475(das)-474(B\366se.)-925(So)-474(k\344mpfen)-475(diese)-475(beiden)-475(Gewalten.)-924(Bis)-474(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Gericht)-240(kommt,)-242(das)-239(Gute)-240(siegreich)-240(bleibt)-240(im)-240(unschuldigen)-239(Blute)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-550(Lammes,)-625(das)-551(B\366se)-550(im)-550(Abgrund)-550(verschlossen)-550(wird)-550(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(adamantnen)-250(Ketten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.978 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Das)-250(ist)-250(der)-250(uralte)-250(Kampf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.974 0 Td [(\034)]TJ -196.179 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Demiurgos,)-219(Ahriman)-210(und)-211(Ormuzd,)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.813 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.143 0 Td [(best\344tigte)-211(der)-211(Confrater.)]TJ/F21 10.9091 Tf -175.755 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lehre)-250(von)-250(der)-250(prim\344ren)-250(Theilung)-250(der)-250(Gewalten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.334 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -202.223 -14.532 Td [(Die)-289(Frau)-288(Superintendent)-289(hatte)-289(schon)-288(mehrmals)-289(merklich)-289(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([148])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(merklicher)-392(an)-392(die)-392(Th\374r)-393(geklopft.)-676(Jetzt)-392(steckte)-392(sie)-392(ihre)-392(Haube)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-296(durch)-296(den)-296(Spalt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.523 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Excellenz)-296(von)-296(Koschemann)-296(ist)-296(f\374r)-296(den)]TJ -109.366 -13.549 Td [(Bazar)-181(gekommen.)-227(Wenn)-181(Du)-181(einen)-181(Augenblick)-181(Zeit)-181(h\344ttest,)-194(lieber)]TJ 0 -13.549 Td [(Willibald)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.124 0 Td [(\034)]TJ -40.169 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Auch)-329(ich)-329(bin)-330(ein)-329(Soldat)-329(des)-329(Herrn.)-488(Sehen)-329(wir)-329(zu,)-349(dass)-330(wir)]TJ -16.799 -13.55 Td [(gut)-355(k\344mpfen.)-566(Und)-355(das)-355(Heil)-356(finden,)-381(das)-355(es)-356(f\374r)-355(uns)-355(nicht)-355(giebt,)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-293(allein)-292(im)-293(gesegneten)-293(Blut)-292(des)-293(Lammes)-292(dereinst,)-304(das)-292(unsre)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +475 0 obj << +/Type /Page +/Contents 476 0 R +/Resources 474 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 454 0 R +>> endobj +477 0 obj << +/D [475 0 R /XYZ 260.295 423.331 null] +>> endobj +478 0 obj << +/D [475 0 R /XYZ 315.879 161.968 null] +>> endobj +474 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +481 0 obj << +/Length 922 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achte)-250(Kapitel.)-17365(87)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(S\374nden)-250(abw\344scht)-250(weiss)-250(wie)-250(Schnee.)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.455 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -146.499 -13.549 Td [(Der)-250(Fremde)-250(war)-250(entlassen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-277(Confrater)-277(sah)-276(ganz)-277(klar.)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.667 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gnostiker,)-284(die)-276(alte)-277(Geschichte.)]TJ -145.466 -13.549 Td [(Das)-296(hat)-296(immer)-296(angefangen)-296(mit)-296(der)-296(Antastung)-296(des)-295(Buchstabens.)]TJ 0 -13.55 Td [(Der)-184(Buchstabe,)-197(mein)-184(Freund!)-228(Das)-183(Wort)-184(sie)-184(sollen)-184(lassen)-184(stahn!)-183(...)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-250(jetzt)-250(lass)-250(uns)-250(zu)-250(unsern)-250(liebensw\374rdigen)-250(Damen)-250(gehen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 262.68 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +480 0 obj << +/Type /Page +/Contents 481 0 R +/Resources 479 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +479 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +483 0 obj +<< /S /GoTo /D (index9) >> +endobj +486 0 obj +(Das neunte Kapitel.) +endobj +489 0 obj << +/Length 3349 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([149])]TJ/F16 18.9589 Tf 137.67 -68.625 Td [(Das)-270(neunte)-269(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -64.915 -36.73 Td [(Und)-250(er)-250(ward)-250(im)-250(Geist)-250(entr\374ckt)-250(in)-250(eine)-250(fremde)-250(Stadt.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Die)-415(Glocken)-414(l\344uteten.)-744(Eine)-414(ungeheure,)-456(unz\344hlbare)-414(Anzahl)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-391(Glocken.)-672(Es)-391(waren)-390(dumpfe,)-426(grosse)-391(darunter,)-426(die)-391(mit)-390(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Stimme)-348(des)-347(Erzes)-348(riefen,)-372(der)-347(Kanonen,)-372(furchtbarer)-347(Ereignisse,)]TJ 0 -13.549 Td [(Krieg,)-281(Pest)-274(und)-275(Feuersbrunst.)-324(So)-275(stark)-274(riefen)-275(sie,)-281(dass)-274(Niemand)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-389(Klang)-389(in)-389(der)-389(N\344he)-388(aushalten)-389(konnte,)-424(die)-389(Luft)-389(ihn)-388(lange)]TJ 0 -13.549 Td [(behielt,)-380(ehe)-354(er)-354(verhallte.)-561(Sie)-354(schwangen)-354(in)-354(furchtbaren)-353(H\366hen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-451(thronten)-452(einsam)-451(in)-452(Kammern)-451(weit)-451(\374ber)-452(den)-451(K\366pfen)-451(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Menschen.)-1108(Die)-536(ihre)-537(Stricke)-536(bewegten,)-607(sassen)-536(sehr)-536(niedrig)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-314(schwebenden)-313(Balken)-314(und)-313(wurden)-314(beinah)-313(gespalten)-314(von)-313(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heftigkeit)-256(des)-256(Klanges.)-267(Diese)-256(Glocken)-255(l\344utete)-256(man)-256(nur)-256(bei)-255(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen)-316(Gelegenheiten.)-448(Wenn)-316(sie)-315(klangen,)-333(sahen)-316(die)-316(Leute)-315(auf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([150])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(und)-258(sagten:)-265(Es)-258(ist)-258(das)-257(oder)-258(das.)-273(Sie)-258(meinten)-257(ein)-258(sehr)-258(hohes)-257(Fest,)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-342(grosses)-341(Ungl\374ck)-342(oder)-341(eine)-342(grosse)-342(Freude.)-524(Die)-342(ganze)-341(Stadt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-331(das)-332(Land)-331(ringsum)-332(kannte)-331(den)-331(Klang)-332(dieser)-331(Glocken.)-494(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(stolz)-250(darauf)-250(und)-250(f\374rchtete)-250(sie)-250(auch.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Andre)-271(waren)-271(milder,)-277(mittlere.)-313(Die)-271(l\344utete)-271(man)-271(alle)-271(Sonntage.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Man)-384(h\366rte)-383(sie)-384(auch)-383(weit,)-417(\374ber)-383(ein)-384(ganzes)-383(Stadttheil)-384(oder)-383(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Strasse.)-809(Ein)-437(Klang)-436(von)-437(Silber)-436(war)-437(in)-436(ihrem)-437(Erz,)-483(der)-436(sprach)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-270(G\374te)-270(und)-269(Milde.)-310(Sie)-269(lockten,)-275(und)-270(schreckten)-270(nicht,)-274(l\344uteten)]TJ 0 -13.549 Td [(regelm\344\337ig)-343(mit)-344(kr\344ftigen,)-366(hallenden)-343(Schl\344gen,)-367(wie)-343(die)-343(Stimme)]TJ 0 -13.55 Td [(eines)-514(Predigers,)-579(die)-514(klangvoll)-514(spricht)-513(in)-514(sch\366nen,)-579(malenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Worten.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Und)-394(es)-394(waren)-393(ganz)-394(kleine,)-430(die)-394(einzeln)-394(riefen)-394(wie)-393(einzelne,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(verlorene)-489(Stimmen.)-968(In)-489(mancher)-490(war)-489(ein)-489(sehr)-489(helles,)-549(feines)]TJ 0 -13.549 Td [(Klingeln)-619(oder)-618(zitterndes)-619(Wimmern,)-711(die)-618(eilige)-619(Angst)-618(einer)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +488 0 obj << +/Type /Page +/Contents 489 0 R +/Resources 487 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +490 0 obj << +/D [488 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +484 0 obj << +/D [488 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +491 0 obj << +/D [488 0 R /XYZ 360.242 257.554 null] +>> endobj +487 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +494 0 obj << +/Length 4215 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(89)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Agonie,)-626(oder)-551(der)-551(sanfte)-551(Schmelz)-551(einer)-551(Frauenstimme,)-626(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(weit)-511(fortgetragen)-510(auf)-511(himmelansteigenden)-510(Trillern)-511(zu)-510(reinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Aetherh\366hen.)-1170(Der)-557(pure)-556(Goldklang)-557(ganz)-557(feiner)-556(Eliteseelen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-796(um)-796(den)-796(Thron)-796(Gottes)-796(lobpreisen,)-932(und)-796(ein)-796(kleines,)]TJ 0 -13.55 Td [(gleichg\374ltiges,)-251(hastendes)-250(Bimmeln,)-251(in)-251(dem)-250(Viele)-251(sich)-250(vereinten,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-713(das)-713(der)-713(Pferdebahnwagen,)-828(dieser)-713(Schellenbeutel,)-828(die)]TJ 0 -13.549 Td [(herumgegeben)-295(werden)-295(in)-295(den)-295(Gemeinden)-295(zwischen)-295(den)-294(Pausen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([151])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(des)-298(Gottesdienstes)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.68 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.707 0 Td [(l\344stig)-298(fast,)-310(nur)-298(die)-299(Ohren)-298(f\374llend,)-310(das)-298(zum)]TJ -93.387 -13.549 Td [(Alltagsl\344rm)-250(geh\366rte,)-250(ihn)-250(irritirend)-250(machte.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Alle)-348(Glocken)-348(l\344uteten.)-543(Die)-348(grossen)-348(gaben)-348(den)-348(Ton)-348(an.)-543(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mittleren)-224(fielen)-224(ein)-224(wie)-225(ein)-224(gutgeschulter)-224(Chor.)-241(Die)-224(ganz)-224(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-353(Ger\344usche,)-379(oder)-353(Stimmen)-353(junger)-353(Kinder.)-559(All)1(e)-353(l\344uteten.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-263(Luft)-264(war)-263(sehr)-263(voll)-264(und)-263(schwang)-263(von)-264(ihrem)-263(Klange.)-290(Und)-263(die)]TJ 0 -13.549 Td [(andern)-250(Stimmen)-250(des)-250(Lebens)-250(schwiegen.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(In)-484(den)-485(Kirchen)-484(und)-484(Domen)-485(dr\344ngte)-484(sich)-484(die)-485(Menge.)-952(Es)]TJ -11.956 -13.55 Td [(war)-449(halbdunkel)-449(in)-449(diesen)-448(Hallen,)-499(dass)-449(man)-449(die)-449(Einzelnen)-448(in)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-477(Tausenden)-478(nicht)-477(erkennen)-477(konnte,)-534(M\344nner)-477(oder)-477(Frauen,)]TJ 0 -13.549 Td [(reiche,)-518(gutgekleidete)-464(Leute)-465(oder)-464(ganz)-464(Arme.)-893(Ihre)-464(Gesichter)]TJ 0 -13.549 Td [(bildeten)-381(blasse)-382(Flecken)-381(im)-382(D\344mmer,)-414(wie)-381(aufgewandte)-381(Kelche)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-273(Blumen,)-279(die)-273(ihr)-273(Athmen)-273(wie)-273(ein)-273(Duft)-273(umwallte.)-319(Die)-273(\374brige)]TJ 0 -13.55 Td [(Schwere)-259(des)-258(K\366rpers)-258(blieb)-259(unbestimmt,)-261(ertrunken)-258(in)-258(unruhigem)]TJ 0 -13.549 Td [(Schattenspiel)-188(der)-188(Vielen,)-201(dem)-188(lastenden,)-200(schweren)-188(Dunkel)-188(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Steine,)-250(ungeheurer)-250(Steinmassen)-250(der)-250(Gew\366lbe)-250(und)-250(Mauern.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(S\344ulen)-368(standen)-368(wie)-368(Baumst\344mme)-368(ohne)-368(Aeste)-368(mit)-368(schweren)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bl\344ttern)-185(und)-185(Steingewinden)-186(um)-185(ihre)-185(Kronen,)-198(w\344hrend)-185(feine,)-198(tiefe)]TJ 0 -13.549 Td [(Rillen)-420(an)-419(ihnen)-420(hinabliefen,)-462(von)-419(Regentropfen)-420(gegraben)-419(oder)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([152])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(ewig)-258(fliessenden.)-273(Von)-257(st\374tzenden,)-260(lastbaren)-258(Pfeilern)-257(schwangen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-229(die)-229(W\366lbungen)-229(auf,)-233(Bogen)-229(und)-228(Br\374cken,)-234(gespreizte)-228(Fittiche)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-456(Adlers,)-507(k\374hn)-456(und)-456(immer)-456(k\374hner)-456(bis)-456(zum)-456(schwindelnden)]TJ 0 -13.55 Td [(Ansturm)-365(der)-365(Kuppel,)-393(die)-365(den)-365(Stein)-365(zerbrach,)-394(die)-364(Schwere)-365(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Materials)-371(aufhob)-371(im)-372(ungeheuren,)-401(athemlosen)-371(Aufschwung)-371(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Seelen.)]TJ 11.955 -14.777 Td [(Der)-312(Schritt)-312(klang)-312(hohl)-312(vom)-313(Echo)-312(der)-312(Millionen)-312(Schritte,)-327(die)]TJ -11.955 -13.549 Td [(da)-383(schliefen)-383(in)-382(tausendj\344hrigen)-383(Steinquadern.)-649(Von)-382(schlanken,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +493 0 obj << +/Type /Page +/Contents 494 0 R +/Resources 492 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +495 0 obj << +/D [493 0 R /XYZ 277.526 436.88 null] +>> endobj +496 0 obj << +/D [493 0 R /XYZ 121.714 175.763 null] +>> endobj +492 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +499 0 obj << +/Length 4240 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(90)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(weissen)-354(Kerzen)-354(stiegen)-353(gelbe,)-380(zitternde)-354(Flammen,)-379(umgekehrte)]TJ 0 -13.549 Td [(Herzen,)-495(blauen)-446(Schein)-446(der)-446(Sehnsucht)-446(ausathmend.)-838(Ein)-445(Duft)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-311(Weihrauch,)-326(Wachs)-311(und)-311(Thr\344nen)-311(lag)-311(schwer)-311(in)-311(Nebeln)-311(und)]TJ 0 -13.549 Td [(wallenden)-250(Wogen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Man)-540(sah)-541(Alt\344re)-540(sich)-541(golden)-540(recken,)-613(Gold)-541(vom)-540(Fuss)-540(bis)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zur)-627(Spitze,)-722(in)-627(immer)-627(feineren)-627(S\344ulchen,)-722(Treppen,)-721(B\366gen,)]TJ 0 -13.549 Td [(inkrustirt)-772(mit)-771(bunten)-772(Edelsteinen,)-902(die)-771(Lichter)-772(gaben)-771(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Dunkeln)-558(wie)-557(Schlangenh\344ute,)-635(Augen)-557(seltsamer)-558(Reptile)-557(und)]TJ 0 -13.549 Td [(K\344fer,)-373(Wunder)-349(von)-349(goldnen)-349(und)-349(silbernen)-348(Spitzen,)-374(Rosen)-348(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Blumen,)-336(eingefrorne)-320(Rhythmen,)-336(mystische)-319(Zeichen)-319(und)-319(Runen)]TJ 0 -13.55 Td [(aufsteigend)-366(wie)-365(Gedichte.)-597(Eine)-365(unverwelkliche)-366(Pflanzung)-365(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(menschlichen)-379(Herzen,)-412(mirakul\366se)-380(Flora)-379(des)-380(Glaubens,)-411(hierher)]TJ 0 -13.549 Td [(gefl\374chtet)-423(in)-422(eine)-423(heilige)-422(Grotte,)-466(unter)-422(dem)-423(D\344mmerlicht)-422(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([153])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(bunten)-253(Gl\344ser,)-254(gef\344rbt)-253(mit)-254(ihrem)-253(Blute:)-256(Roth,)-254(welches)-253(die)-253(Liebe)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-295(der)-294(Tod)-295(ist,)-305(Blau)-295(des)-295(Glaubens,)-305(festruhendes)-295(warmes)-294(Gr\374n)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-240(Hoffnung)-239(und)-240(des)-240(Lebens.)-246(Und)-240(Kr\344mpfe,)-242(furchtbare)-239(Leiden,)]TJ 0 -13.549 Td [(zerschnitten)-269(den)-269(himmlischen)-270(Dreikl)1(ang:)-289(Gelb)-269(der)-269(Pein)-269(und)-269(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Geizes,)-319(in)-305(den)-304(Gew\344ndern)-305(der)-305(Aeltesten)-305(und)-305(Schreiber;)-332(Violett)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-302(Eifersucht,)-314(das)-302(zugleich)-301(die)-302(heilige)-301(Farbe)-302(der)-301(priesterlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Macht)-227(und)-228(der)-227(Ehrfurcht)-227(ist;)-235(ein)-227(helles,)-232(gefiltertes)-228(Rosa,)-231(welches)]TJ 0 -13.55 Td [(gemartertes)-181(Fleisch)-182(der)-181(Gequ\344lten)-182(vorstellt)-181(und)-182(auch)-181(die)-181(liebliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Unschuld)-386(des)-385(Kindes.)-656(Alle)-386(spiegelnd,)-419(irrend,)-420(flehend)-385(um)-385(das)]TJ 0 -13.549 Td [(klare)-193(Gold)-193(des)-192(Triumphes,)-204(Farbe)-193(der)-193(Sonne,)-204(wo)-193(die)-193(Mutter)-192(thront)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-388(dem)-388(Kinde,)-422(die)-388(Heiligen)-388(knieen)-388(in)-388(seliger,)-422(weltentr\374ckter)]TJ 0 -13.549 Td [(Anbetung.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Wie)-396(ewige)-395(Pfeiler)-396(standen)-395(sie)-396(da,)-432(die)-396(Starken,)-432(der)-395(Apostel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(heilige)-699(Zw\366lfzahl,)-812(wunderbar)-699(die)-699(Reihe)-699(der)-699(Monde,)-811(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Sternkreises)-413(wiederholend,)-454(Propheten,)-454(Sybillen)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.682 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.961 0 Td [(die)-413(wussten)]TJ -227.643 -13.549 Td [(und)-251(aushielten.)-253(M\344rtyrer)-251(\366ffneten)-250(blutrothe)-251(Wunden,)-251(Laurentius)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-431(dem)-431(flammenden)-430(Bett,)-476(Sebastian)-431(mit)-431(durchbohrter)-430(Brust,)]TJ 0 -13.549 Td [(Agnes,)-798(ganz)-689(nackt,)-799(nur)-688(in)-689(den)-689(strahlenden)-689(Mantel)-688(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Haare)-532(geh\374llt,)-602(unter)-532(den)-532(Augen)-532(der)-532(Wollust,)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.693 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.257 0 Td [(aufgerissne)]TJ -230.95 -13.55 Td [(Seiten,)-380(furchtbare)-354(Verrenkungen)-354(der)-354(Gefolterten,)-380(Striemen)-354(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([154])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Gegeisselten.)-682(Die)-394(Heiligenscheine)-394(dominirten)-394(\374ber)-393(verkl\344rten)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +498 0 obj << +/Type /Page +/Contents 499 0 R +/Resources 497 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +500 0 obj << +/D [498 0 R /XYZ 177.659 353.13 null] +>> endobj +501 0 obj << +/D [498 0 R /XYZ 93.543 79.691 null] +>> endobj +497 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +504 0 obj << +/Length 4463 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(91)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Stirnen.)-510(Die)-337(weisse)-337(Taube)-336(des)-337(Geistes)-337(schwingt)-337(sich)-336(glorreich)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-250(\374ber)-250(Blut,)-250(Flammen)-250(und)-250(Qual.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Sie)-269(singen.)-309(Aus)-269(den)-269(Tiefen)-270(hebt)-269(es)-270(sich.)-308(Von)-269(der)-269(geknickten,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schwarzen,)-314(wimmelnden)-302(Masse)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.61 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.743 0 Td [(De)-301(Profundis.)-405(Langgetragen,)]TJ -152.353 -13.55 Td [(hohle)-240(Rufe)-241(wie)-240(Appellrufe)-241(in)-240(der)-241(Noth,)-242(schneidender)-240(Wehschrei)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-438(Gequ\344lten,)-486(zitternd,)-485(sehr)-438(hoch)-439(schwebend,)-485(wie)-438(ein)-438(Weib)]TJ 0 -13.549 Td [(schreit)-523(in)-523(Kindesn\366then:)-796(Miserere)]TJ/F21 10.9091 Tf 165.772 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.159 0 Td [(Miserere)-523(...)-1069(Dumpfer)]TJ -176.931 -13.549 Td [(Trommelschlag.)-1128(Vokale)-543(fast)-542(Alles,)-616(sonore,)-616(vollt\366nige,)-615(die)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-308(fallen)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.371 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.811 0 Td [(Ora)-308(pro)-307(nobis,)-322(aufsteigend)-308(zu)-308(m\344nnlichem)-307(Muth,)]TJ -62.182 -13.55 Td [(Schlachtgesang,)-273(bis)-268(zum)-268(jauchzenden,)-272(hellen)-268(Posaunenstoss)-268(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Befreiten,)-199(gellend)-186(fast,)-199(schmetternd)-186(in)-185(Siegeszuversicht:)-218(Tedeum)]TJ 0 -13.549 Td [(laudamus.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-588(Stimmen)-587(schweigen.)-1263(Das)-588(Wort)-588(allein)-587(spricht.)-1263(In)]TJ -11.956 -13.549 Td [(marmornen)-215(Worten,)-222(S\344tze,)-222(die)-215(feststehen)-215(wie)-215(die)-215(Welt.)-238(Rollende)]TJ 0 -13.55 Td [(Vokale,)-172(geheimnissvoll,)-172(kr\344ftig,)-172(wie)-153(die)-152(die)-152(schufen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 226.401 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.118 0 Td [(das)-153(gr\366sste)]TJ -233.519 -13.549 Td [(Mysterium)-399(der)-399(Menschheit,)-436(Wein)-399(und)-399(Brot,)-436(uralte)-398(Mysterien,)]TJ 0 -13.549 Td [(heiligste)-250(Symbole)-250(des)-250(sacrosancten)-250(Lebens.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ueber)-370(der)-370(Menge,)-399(die)-370(kniet,)-400(hungernd,)-400(br\374nstig,)-400(erhebt)-369(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([155])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Priester)-268(das)-268(Allerheiligste.)-303(Er)-268(selbst)-268(ist)-268(weiss,)-272(ganz)-268(weiss.)-304(Er)-267(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(hundertj\344hrig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 64.233 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Es)-250(giebt)-250(einen)-250(goldnen)-250(Schein)-250(wie)-250(die)-250(Sonne.)]TJ -60.459 -13.549 Td [(In)-499(einem)-499(ungeheuren)-498(wehen)-499(Seufzer)-499(hebt)-499(sie)-499(sich,)-561(es)-498(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(empfangen)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.056 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.041 0 Td [(das)-329(Opfer)-329(von)-328(Gott)-329(angeboten.)-486(Blut)-329(und)-329(Fleisch,)]TJ -61.097 -13.549 Td [(f\374r)-232(das)-233(andre)-232(Opfer)-233(des)-232(Fleisches)-232(und)-233(des)-232(Blutes,)-236(des)-233(Lebens,)-235(an)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-266(grosse)-265(Leben,)-269(das)-266(prangend)-266(weggeht)-265(\374ber)-266(den)-265(Tod,)-269(Jammer)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(Kleinheit.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 116.929 177.19 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 160.986 Td [(...)-1117(Ein)-538(enger)-539(Holzpfad)-539(im)-539(Gebirge.)-1117(Das)-539(Gebirge)-538(liegt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verschneit)-264(seit)-265(Wochen.)-293(Bis)-265(an)-264(die)-265(Knie)-264(hoch)-265(steigt)-264(der)-264(Schnee.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-155(Tannenzweige)-155(brechen)-156(unter)-155(seiner)-155(Last.)-218(Gleich)-155(Zuckerh\374ten)]TJ 0 -13.549 Td [(ragen)-547(die)-547(Baumwipfel)-548(aus)-547(der)-547(Weisse.)-1141(Man)-547(unterscheidet)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-439(h\366here)-439(und)-438(niedrigere)-439(Lagen,)-486(Steine)-439(sind)-438(Schneekuppen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Gleichm\344ssig)-261(ist)-261(er)-261(im)-261(Grunde,)-263(hart,)-264(vereist,)-264(eingestampft.)-282(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-233(Oberschicht)-232(ist)-233(federweich,)-235(eine)-233(Hand)-232(hoch,)-236(glitzernd,)-236(feiner)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(der)-250(Flaum)-250(auf)-250(Br\374sten)-250(der)-250(Eiderg\344nse,)-250(mit)-250(Seidenreflexen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +503 0 obj << +/Type /Page +/Contents 504 0 R +/Resources 502 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +505 0 obj << +/D [503 0 R /XYZ 282.174 287.839 null] +>> endobj +502 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +508 0 obj << +/Length 4734 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(92)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Unter)-690(dem)-690(Schnee)-690(begraben)-690(liegen)-690(Moos,)-800(Gr\344ser)-689(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gestr\344uche.)-552(Er)-351(st\344ubt)-351(in)-350(Puder)-351(von)-351(den)-351(\374berlasteten)-350(Zweigen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Kleine)-425(Aeste)-425(und)-425(Holzst\374ckchen,)-469(die)-425(sich)-425(abl\366sen,)-468(versinken)]TJ 0 -13.549 Td [(lautlos.)-895(Die)-465(L\374cke,)-518(die)-465(sie)-465(verursachen,)-519(schliesst)-465(sofort)-464(die)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([156])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(streichelnde)-536(Sammethand.)-1107(Der)-535(ganze)-536(Wald)-536(leuchtet)-535(weiss,)]TJ 0 -13.549 Td [(blauweiss)-263(vom)-263(Schimmer)-263(des)-263(jungfr\344ulichen)-263(Schnees.)-289(Der)-262(Fuss)]TJ 0 -13.549 Td [(versinkt)-261(in)-261(ihm)-262(wie)-261(in)-261(Daunenteppichen.)-284(Ohne)-261(K\374hle)-261(fast.)-283(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-255(hebt)-255(sich)-255(schwer)-255(heraus.)-265(Das)-255(Leder)-255(des)-255(Stiefels)-255(wird)-255(hart)-254(und)]TJ 0 -13.549 Td [(spr\366de)-250(von)-250(der)-250(Feuchtigkeit,)-250(die)-250(nirgends)-250(das)-250(Wasser)-250(zeigt.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Und)-429(immer)-428(f\344llt)-429(der)-429(Schnee.)-786(Man)-428(sieht)-429(keine)-429(Spuren)-428(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wildes.)-832(Es)-444(ist)-444(erfroren,)-492(festgefroren)-444(wie)-444(stehende,)-492(steinerne)]TJ 0 -13.549 Td [(Bilds\344ulen)-406(in)-405(Mauern)-406(von)-406(schmeichelnden)-405(Krystallen)-406(oder)-405(es)]TJ 0 -13.549 Td [(verkriecht)-389(sich)-389(im)-389(inneren)-389(Tann,)-424(wo)-389(das)-389(Dach)-389(der)-389(Zweige)-389(es)]TJ 0 -13.55 Td [(sch\374tzt,)-309(karge)-298(Nahrung)-297(sich)-298(findet)-297(an)-298(Sprossen)-297(und)-298(Rinde.)-392(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Schnee)-299(f\374llt)-299(die)-300(Fahrgeleise)-299(des)-299(Weges)-299(aus.)-398(Er)-299(steigt)-299(zu)-299(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(R\344ndern)-370(und)-370(vermischt)-370(sie.)-610(Wie)-370(Gespinnste)-370(in)-370(seinem)-370(Innern)]TJ 0 -13.549 Td [(ziehen)-293(sich)-292(d\374rre)-293(Bastadern)-293(der)-292(Farne)-293(und)-293(Heidelbeerb\374sche.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Die)-250(Stille)-250(ist)-250(sehr)-250(tief)-250(und)-250(der)-250(Schnee)-250(f\344llt.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Durch)-274(den)-274(tiefen)-274(Schnee)-275(sucht)-274(sich)-274(der)-274(kleine)-274(Priester)-274(seinen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Weg.)-250(Er)-250(tr\344gt)-250(die)-250(letzte)-250(Tr\366stung)-250(zu)-250(einem)-250(Sterbenden.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Der)-436(Tod)-437(ist)-436(rasch)-436(gekommen.)-809(Ein)-436(blutjunger)-437(Bursch,)-482(der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Spielmann)-368(Anderl.)-604(Heute)-368(hatte)-368(sein)-368(Schatz)-368(Hochzeit)-368(gemacht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([157])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(mit)-313(einem)-312(Andern.)-438(Der)-313(Spielmann)-312(war)-313(zur\374ckgesprungen)-312(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-293(Berge,)-303(das)-293(fressende)-292(Gift)-293(im)-292(Leibe)-293(und)-293(den)-292(Kopf)-293(im)-292(Feuer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geht)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-206(schlecht,)-216(so)-206(geht)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.054 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-206(schlecht,)-216(geht)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.104 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-206(gut,)-216(k\374rz)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.897 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.885 0 Td [(ich)-206(mir)-207(den)]TJ -231.89 -13.549 Td [(Weg)-250(um)-250(Stunden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.48 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.525 -14.368 Td [(Am)-233(Hornbiehel)-233(war)-232(er)-233(abgest\374rzt.)-244(Jetzt)-233(lag)-233(er)-233(im)-233(Todeskampf)]TJ -11.955 -13.549 Td [(in)-250(der)-250(Holzschl\344gerh\374tte.)]TJ 11.955 -14.368 Td [(Durch)-364(Schnee)-364(und)-364(Nebel)-364(im)-364(beeisten)-364(Gebirge)-364(k\344mpfte)-364(sich)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-250(kleine)-250(Priester)-250(zu)-250(dem)-250(Sterbenden.)]TJ 11.955 -14.367 Td [(Er)-287(war)-288(noch)-287(sehr)-287(jung,)-297(noch)-287(nicht)-288(lange)-287(da)-287(oben.)-362(Man)-288(nahm)]TJ -11.955 -13.549 Td [(f\374r)-388(die)-388(Stelle)-389(die)-388(ganz)-388(Unbedeutenden,)-423(die)-388(Bescheidenen,)-422(die)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-295(Carriere)-296(machen)-295(w\374rden.)-387(Niemals)-295(hatte)-296(er)-295(daran)-295(gedacht,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-344(Findelkind,)-367(das)-343(man)-344(den)-344(Priestern)-343(\374bergeben.)-531(Regelm\344\337ig)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +507 0 obj << +/Type /Page +/Contents 508 0 R +/Resources 506 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +509 0 obj << +/D [507 0 R /XYZ 155.95 477.528 null] +>> endobj +510 0 obj << +/D [507 0 R /XYZ 260.718 231.187 null] +>> endobj +506 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +513 0 obj << +/Length 4390 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(93)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(liefen)-248(die)-248(kargen)-248(Beitr\344ge)-248(f\374r)-248(ihn)-248(ein,)-248(von)-248(einem)-248(B\374reau)-248(bezahlt)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-250(eine)-250(Kasse,)-250(ohne)-250(Pers\366nlichkeit,)-250(ohne)-250(Namen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-277(hatte)-277(niemals)-277(eine)-278(andre)-277(Heimath)-277(gekannt)-277(als)-277(das)-277(Kloster.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Da)-317(war)-317(seine)-316(St\344tte,)-334(am)-317(Altar.)-450(Der)-317(liebte)-316(ihn)-317(und)-317(der)-317(hatte)-316(ihn)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-346(zur\374ckgestossen.)-539(Mit)-346(weissen)-347(Blumen)-346(umkr\344nzte)-346(er)-346(ihn.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-284(sang.)-352(Er)-284(schwang)-284(seine)-284(Weihrauchschale,)-292(weissgekleidet)-284(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Chorknabe,)-284(Diener)-277(am)-277(heiligsten)-277(Messopfer,)-284(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 210.372 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.656 0 Td [(er)-277(selbst)-277(daran)]TJ -217.028 -13.549 Td [(theilgenommen.)-316(So)-272(war)-271(er)-272(aufgewachsen,)-278(in)-272(dieser)-271(Atmosph\344re)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([158])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(der)-347(Liebe,)-372(Weiss)-347(und)-347(Gold,)-372(den)-347(heiligen)-347(Farben)-347(der)-347(Unschuld)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-399(des)-399(Triumphes.)-696(Ohne)-399(einen)-399(andern)-398(Gedanken.)-697(Er)-398(liebte)]TJ 0 -13.549 Td [(Alles.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-532(war)-533(um)-532(ihn)-533(wie)-532(der)-533(weiche,)-603(milde)-532(Schein,)-603(der)-532(vom)]TJ -11.956 -13.549 Td [(linnengedeckten)-310(Altar)-309(ausging,)-325(der)-310(Lampe,)-324(die)-310(ewig)-310(brannte)-309(in)]TJ 0 -13.549 Td [(all)-293(dieser)-293(Weisse,)-303(dieser)-293(Stille.)-378(In)-293(lasterverzerrten)-293(Z\374gen)-293(sah)-292(er)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-391(Leid.)-675(In)-391(ihrem)-392(Hochmuth)-391(die)-391(Angst.)-675(In)-391(ihrer)-391(Sch\366nheit,)]TJ 0 -13.55 Td [(r\374hrender)-250(als)-250(ihre)-250(Sch\366nheit,)-250(den)-250(Tod.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Wie)-288(auf)-289(weissen)-288(Rosen)-288(ging)-289(er)-288(mit)-288(nackten)-289(F\374ssen,)-297(l\344chelnd)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-621(Heilige)-621(tragend)-622(gleich)-621(Engelknaben.)-1363(Und)-621(vor)-621(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(dem\374thigen)-442(Stirn)-442(neigten)-442(sich)-441(die)-442(Stolzen.)-826(Die)-441(Bescheidnen)]TJ 0 -13.549 Td [(fassten)-401(Muth.)-701(Alles)-400(liebte)-401(ihn.)-701(Es)-401(war,)-438(wie)-400(wenn)-401(die)-400(V\366gel)]TJ 0 -13.55 Td [(s\374sser)-220(sangen,)-226(wenn)-220(er)-220(vorbeischritt)-220(im)-220(Klostergarten.)-240(Sie)-219(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(zutraulich)-317(und)-318(pickten)-317(von)-317(seinen)-317(H\344nden.)-452(Die)-317(Blumen,)-334(die)-317(er)]TJ 0 -13.549 Td [(pflanzte,)-326(gediehen.)-432(Ruhig)-311(und)-310(majest\344tisch)-311(entfalteten)-311(sie)-310(sich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-396(Sonne)-397(schien)-396(nicht)-397(zu)-396(heiss)-397(auf)-396(sie.)-690(Irgendwie)-396(h\366rte)-396(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Sturm)-250(auf)-250(um)-250(ihre)-250(schlanken)-250(Stengel.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-230(gab)-229(alte)-230(M\366nche)-229(im)-230(Kloster,)-233(die)-230(das)-229(Leben)-230(gekannt)-229(hatten.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Es)-243(hatte)-242(harte)-243(Narben)-242(gegraben)-243(in)-242(ihre)-243(Seele.)-247(Sie)-243(liebten)-242(ihn,)-244(die)]TJ 0 -13.549 Td [(alten)-346(Wunden)-346(brannten)-346(nicht,)-370(wenn)-346(er)-346(da)-346(war.)-538(Nur)-346(eine)-346(Gabe)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([159])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(besass)-299(er,)-311(die)-299(lieblichste)-299(David)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.093 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-311(der)-299(Musik.)-397(Die)-299(T\366ne)-299(wurden)]TJ -140.726 -13.549 Td [(lind)-246(unter)-245(seiner)-246(Hand)-245(und)-246(wenn)-245(er)-246(spielte,)-246(h\366rte)-245(der)-246(Tumult)-245(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(leidenschaftdurchw\374hlten)-250(Herzen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Niemals)-333(war)-333(er)-332(stolz)-333(gewesen)-333(oder)-333(ung\374tig.)-498(Ein)-333(Kind)-332(Jesu!)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Er)-274(trug)-274(diesen)-274(Namen,)-280(halb)-274(der)-274(Schande,)-280(wie)-274(eine)-274(feine,)-280(goldne)]TJ 0 -13.549 Td [(Aureole.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +512 0 obj << +/Type /Page +/Contents 513 0 R +/Resources 511 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +514 0 obj << +/D [512 0 R /XYZ 120.818 422.349 null] +>> endobj +515 0 obj << +/D [512 0 R /XYZ 112.488 148.419 null] +>> endobj +511 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +519 0 obj << +/Length 4772 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(94)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-166(Grossen)-166(\374bersahen)-167(ihn)-166(und)-166(f\374r)-166(die)-167(Klugen)-166(war)-166(er)-166(nichts.)-222(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hatte)-188(keine)-187(Disputationen)-188(geschrieben)-188(\374ber)-187(Fragen)-188(des)-187(Glaubens.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-295(weltliche)-294(Macht)-295(der)-295(Kirche)-294(liess)-295(ihn)-294(kalt.)-384(Der)-295(Beifall)-294(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Menge)-250(h\344tte)-250(ihn)-250(sch\374chtern)-250(gemacht.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Aber)-353(er)-353(liebte)-354(die)-353(kleinen)-353(Kinder.)-560(Sehr)-353(alte,)-379(h\374lflose)-353(Leute)]TJ -11.956 -13.549 Td [(waren)-261(ihm)-261(ehrw\374rdig.)-282(Er)-261(richtete)-261(die)-261(geknickten)-261(Halme)-261(auf)-260(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-250(erbarmte)-250(der)-250(Vogel)-250(unter)-250(dem)-250(Himmel.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Tapfer)-405(k\344mpfte)-405(der)-406(kleine)-405(Priester)-405(durch)-405(den)-406(Schnee.)-715(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schnee)-247(fiel)-248(in)-247(weichen,)-248(grossen,)-248(fasernden)-248(Flocken)-247(aus)-247(Wolken,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-317(selbst)-318(Schnees\344cke)-317(waren.)-451(Sie)-318(hingen)-317(so)-317(niedrig,)-334(dass)-317(man)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-505(sah,)-569(wo)-505(sie)-505(aufh\366rten)-505(und)-505(das)-505(Gest\366ber)-505(anfing.)-1014(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Vorr\344the)-449(schienen)-450(unendlich,)-499(als)-450(ob)-449(ein)-450(ganzer)-449(Himmel)-449(voll)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-445(Schnee)-445(hinter)-445(ihnen)-445(l\344ge.)-835(Er)-445(leerte)-445(sich)-445(langsam.)-834(Von)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-270(Schichten)-270(bauten)-270(sich)-270(Mauern)-270(ihm)-270(entgegen.)-310(Nichts)-270(konnte)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([160])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(mehr)-405(welchen)-406(aufnehmen.)-715(Aus)-406(dem)-405(Ueberfluss)-405(wallten)-405(neue)]TJ 0 -13.55 Td [(H\374gel)-219(\374ber.)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.774 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.84 0 Td [(Diese)-219(Flocken)-218(l\366sten)-219(sich)-219(nicht)-218(auf.)-240(Sie)-219(schwebten)]TJ -61.614 -13.549 Td [(und)-373(drehten)-373(sich)-373(langsam)-372(in)-373(der)-373(Luft)-373(und)-373(blieben)-373(h\344ngen)-372(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-515(Festen,)-581(Ges\344ttigten.)-1045(Man)-515(dachte)-515(an)-515(Nesterbauen)-515(dabei,)]TJ 0 -13.549 Td [(Eiderdaunen,)-280(in)-273(die)-274(man)-274(sehr)-273(tief)-274(einsank.)-321(Und)-273(es)-274(war)-274(gar)-273(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(kalt.)-478(Der)-325(Schnee)-326(schien)-326(wie)-326(eine)-326(sch\374tzende)-326(Schicht)-325(zwischen)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-335(K\344lte)-334(und)-335(der)-334(Erde.)-504(Es)-335(war)-334(wunderbar,)-356(wie)-334(lautlos)-335(er)-334(fiel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-339(\374berall,)-360(wo)-339(er)-338(fiel,)-361(h\366rten)-338(die)-339(Contouren)-338(auf,)-361(alles)-338(Steife,)]TJ 0 -13.549 Td [(Eckige,)-263(Nackte.)-282(Wie)-260(ein)-261(liebevoller)-260(Pelzmantel)-261(h\374llte)-260(er)-261(sie)-260(ein,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-250(sie)-250(nicht)-250(mehr)-250(froren,)-250(zeigten.)-250(Er)-250(fiel)-250(...)-250(fiel)-250(...)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-388(kleine)-388(Priester)-387(fror)-388(gar)-388(nicht.)-664(Im)-387(Gegentheil,)-423(ihm)-387(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(warm.)-274(Er)-258(trug)-258(das)-258(Allerheiligste)-258(unter)-258(seiner)-258(Soutane,)-260(gegen)-258(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Brust)-239(gepresst.)-246(Und)-240(es)-239(war)-239(ihm,)-241(als)-239(w\344re)-239(es)-239(da)-239(eingedrungen.)-246(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(sass)-340(da)-341(und)-340(brannte.)-521(Goldne)-340(Strahlen)-341(warf)-340(es.)-521(Immer)-340(gr\366sser,)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-327(weiter.)-482(In)-327(der)-327(Mitte)-327(war)-328(ein)-327(blutrothes,)-346(gl\374hendes)-327(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-327(sein)-326(Scheinen)-327(war)-326(wie)-326(Karfunkel.)-480(Es)-326(leuchtete)-327(weit)-326(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(n\344chtlichen)-250(Wald.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.532 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-306(ist,)-320(als)-307(ob)-306(ich)-306(ein)-306(Licht)-307(bei)-306(mir)-306(trage,)]TJ/F21 10.9091 Tf 185.955 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.184 0 Td [(sagte)-306(der)-306(kleine)]TJ/F16 7.9701 Tf -283.693 0 Td [([161])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Priester.)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.782 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-250(seltsam)-250(das)-250(ist!)-250(Und)-250(wie)-250(sch\366n!)]TJ/F21 10.9091 Tf 159.37 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.04 -14.531 Td [(Sch\366n)-282(war)-282(es)-282(in)-282(der)-282(That.)-346(Alle)-282(B\344ume)-282(standen)-282(wie)-282(schwarze)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +518 0 obj << +/Type /Page +/Contents 519 0 R +/Resources 517 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +520 0 obj << +/D [518 0 R /XYZ 190.243 340.072 null] +>> endobj +521 0 obj << +/D [518 0 R /XYZ 304.481 94.222 null] +>> endobj +517 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +524 0 obj << +/Length 4294 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(95)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(S\344ulen,)-441(ganz)-402(gerade)-403(mit)-402(seltsamem)-403(Ast-)-402(und)-403(Aderwerk.)-707(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Zweige)-202(verbanden)-202(sich.)-234(Sie)-202(kreuzten)-202(sich)-202(und)-202(rankten)-201(ineinander)]TJ 0 -13.549 Td [(geheimnissvoll)-368(in)-367(Rosetten,)-397(Sternen,)-397(wie)-367(ein)-368(Kirchendach.)-602(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(ging)-302(ganz)-302(leise,)-314(wie)-302(auf)-302(weichen,)-315(weissen)-301(Rosen.)-406(Er)-302(zertrat)-301(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht.)-386(Sie)-295(richteten)-295(sich)-295(auf)-295(unter)-296(seinem)-295(Fusstritt.)-385(Sie)-295(dufteten)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-509(s\374ss,)-574(Ambra,)-573(Weihrauch)-509(und)-509(Myrrhen,)-574(die)-508(mystischen)]TJ 0 -13.549 Td [(D\374fte)-300(der)-301(Kirche,)-313(die)-300(Seele)-300(darstellend,)-313(die)-301(sich)-300(spiritualisirt)-300(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Sehnsucht.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Jetzt)-273(fing)-272(es)-273(auch)-273(an)-273(zu)-272(l\344uten.)-318(Zwischen)-273(den)-273(hohen)-272(B\344umen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(schwangen)-357(die)-356(Glocken.)-570(Sie)-357(hingen)-356(da)-357(in)-356(Stricken)-357(von)-356(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Baum)-201(zum)-201(andern.)-233(Und)-201(sie)-201(schwangen,)-211(schwangen.)-233(Wunderbare)]TJ 0 -13.549 Td [(Melodieen)-236(waren)-235(die)-236(Melodieen)-236(der)-235(hohen,)-239(ernsten)-235(B\344ume.)-245(Den)]TJ 0 -13.549 Td [(kleinen)-337(Priester)-336(erstaunten)-337(sie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 141.71 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-337(habe)-336(es)-337(doch)-337(oft)-336(rauschen)]TJ -146.554 -13.549 Td [(h\366ren)-366(im)-365(Walde.)-597(Niemals)-365(wusste)-366(ich,)-394(was)-366(es)-365(war.)-597(Aber)-365(jetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(weiss)-250(ich)-250(es.)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -42.884 -14.532 Td [(Und)-368(er)-368(h\366rte)-368(kleine,)-397(liebliche)-368(Stimmen.)-604(Das)-368(waren)-368(die)-368(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(todten)-411(Blumen)-411(unter)-411(dem)-411(Schnee.)-733(Er)-411(hatte)-411(gedacht,)-451(dass)-411(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(todt)-482(w\344ren.)-946(Sie)-481(waren)-482(nicht)-482(todt,)-540(sie)-482(warteten)-482(nur)-482(auf)-481(den)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([162])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Fr\374hling,)-262(lagen)-259(warm)-260(und)-259(weich)-260(gebettet)-260(unter)-259(dem)-260(Schnee,)-261(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(zudeckte)-250(und)-250(fiel)]TJ/F21 10.9091 Tf 92.706 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(fiel.)]TJ -88.932 -14.531 Td [(Die)-438(Schneeflocken)-438(selbst)-439(sangen.)-814(Sie)-439(fassten)-438(sich)-438(an)-438(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(tanzten.)-571(Es)-357(war)-357(richtiger)-357(Rhythmus)-357(in)-357(ihrer)-357(Bewegung.)-571(Dazu)]TJ 0 -13.549 Td [(klangen)-312(sie.)-435(Und)-312(dann)-312(waren)-312(sie)-312(Engelsk\366pfchen)-312(mit)-311(weichen,)]TJ 0 -13.549 Td [(flaumigen,)-291(ganz)-282(jungen)-283(Fl\374geln.)-348(Das)-282(sind)-283(die)-282(Seelen)-283(der)-282(todten)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinderchen,)-423(die)-388(sterben,)-423(ehe)-388(sie)-388(zum)-388(Bewusstsein)-388(ihrer)-388(Seele)]TJ 0 -13.549 Td [(erwachen.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Er)-188(hatte)-187(nie)-188(gewusst,)-200(wo)-187(diese)-188(todten)-188(Seelen)-187(hinkommen.)-229(Jetzt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wusste)-170(er)-171(es.)-223(Sie)-170(waren)-171(gl\374cklich)-170(und)-170(deckten)-171(die)-170(kleinen)-170(Blumen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu,)-250(dass)-250(sie)-250(gut)-250(schliefen,)-250(nicht)-250(erfroren)-250(im)-250(harten)-250(Winter.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-353(musste)-354(\374ber)-354(einen)-353(Bach,)-379(der)-354(ganz)-353(zugefroren)-354(war.)-560(Aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-325(Wasser)-324(war)-325(auch)-325(nicht)-325(todt,)-343(es)-325(schlief)-324(nur)-325(in)-325(der)-324(Tiefe.)-474(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(h\366rte)-200(es)-201(singen)-200(gesch\344ftig)-201(am)-200(Werke,)-210(in)-201(kleine)-200(R\366hrchen)-200(tausend)]TJ 0 -13.55 Td [(Tr\366pfchen)-236(zu)-235(giessen,)-239(die)-235(Erde)-236(aufzuweichen.)-245(Es)-236(wird)-235(Fr\374hling!)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-250(wird)-250(Fr\374hling!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +523 0 obj << +/Type /Page +/Contents 524 0 R +/Resources 522 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +525 0 obj << +/D [523 0 R /XYZ 127.895 285.875 null] +>> endobj +522 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +528 0 obj << +/Length 4476 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(96)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Auf)-250(einmal)-250(war)-250(es)-250(Fr\374hling.)]TJ 0 -14.25 Td [(Er)-422(wandelte)-421(in)-422(einem)-422(gr\374nen)-421(Dom.)-765(W\344nde)-422(von)-421(lichterem)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Gr\374n)-441(schoben)-440(sich)-440(zwischen)-441(die)-440(andern,)-489(hohen.)-821(Alle)-440(regten)]TJ 0 -13.549 Td [(tausend)-390(Bl\344ttchen.)-668(Einige)-389(waren)-390(fast)-389(durchsichtig)-390(vom)-389(Licht,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-414(sie)-415(golden)-414(durchgl\374hte.)-744(Die)-414(Andern)-415(blieben)-414(im)-414(Schatten)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([163])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(beinah)-275(schwarz,)-281(oder)-275(ihre)-275(R\344nder)-275(zeichneten)-275(sich)-275(wie)-275(in)-275(hellem)]TJ 0 -13.549 Td [(Feuer)-288(gezogen.)-363(Atlasgl\344nzend)-288(lief)-288(es)-288(entlang)-288(am)-287(Buchenstamm)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-458(feinste)-458(Haut)-457(des)-458(Apfelschimmels,)-510(r\366thlich)-458(schwelend)-457(an)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-359(rissigen)-359(Kiefernborke.)-577(Die)-359(Birken)-359(standen)-359(ganz)-359(weiss)-359(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(gesenkten,)-216(wehenden)-208(Zweigen,)-217(ein)-208(kleines,)-216(zitterndes)-208(Herz)-208(jedes)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\344ttchen,)-271(Jungfrauen)-266(vergleichbar)-267(in)-267(der)-266(Sch\366nheit)-267(ihrer)-266(Haare)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-422(Mai.)-765(Pelze)-422(hatten)-422(die)-422(Haselnussbl\344tter.)-765(Die)-422(Erlen)-421(bogen)]TJ 0 -13.55 Td [(sich,)-686(schw\344rzliche,)-686(schuppige)-599(Schlangenleiber,)-687(dem)-598(Sumpf)]TJ 0 -13.549 Td [(entsprossen,)-219(mit)-211(klebrigem,)-219(bitterschmeckendem,)-218(starkgerieftem)]TJ 0 -13.549 Td [(Blattgrund.)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.888 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.474 0 Td [(Und)-185(da)-185(oben)-185(\374ber)-185(dem)-186(Bl\344tterdach)-185(stand)-185(die)-185(Sonne,)]TJ -59.362 -13.549 Td [(goldne,)-250(warme)-250(Fr\374hlingssonne.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-396(wandelte)-396(mit)-395(nackten)-396(F\374ssen)-396(auf)-396(einem)-395(Blumenteppich.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wo)-314(er)-314(hintrat,)-330(bl\374hten)-313(die)-314(Blumen.)-442(Sie)-314(bl\374hten)-314(auf)-314(wie)-313(Kissen)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-186(seinen)-185(F\374ssen,)-199(nur)-185(Blumen)-186(ohne)-186(Bl\344tter)-185(und)-186(Stengel.)-228(V\366gel)]TJ 0 -13.549 Td [(sangen,)-275(goldne)-270(V\366gel)-270(mit)-270(silbernen)-270(Schwingen,)-275(die)-270(Stimme)-270(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Windes,)-250(der)-250(Erde)-250(und)-250(des)-250(Wassers,)-250(Alle)-250(priesen)-250(Gott.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Er)-198(sah)-199(auf)-198(und)-198(die)-199(Sonne)-198(war)-199(Gott.)-232(Seine)-199(Strahlen)-198(fielen)-198(warm)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-250(Alles.)-250(Er)-250(war)-250(gut)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.371 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(gut.)]TJ/F21 10.9091 Tf -95.597 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-421(k\366nnt)-420(mich)-421(nicht)-420(verstehen)-421(so.)-761(So)-421(gross)-420(und)-421(gut)-421(bin)]TJ/F16 7.9701 Tf -89.554 0 Td [([164])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ich.)-308(Darum)-270(bin)-269(ich)-270(das)-269(Gr\366sste)-269(und)-270(das)-269(Gute,)-275(was)-269(Ihr)-269(verstehen)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.578 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -15.622 -14.251 Td [(Er)-178(verstand)-178(sehr)-179(wohl,)-192(wie)-178(gut)-179(Er)-178(war.)-226(Und)-178(dass)-178(Er)-178(tausendmal)]TJ -11.956 -13.549 Td [(besser)-250(und)-250(gr\366sser)-250(sein)-250(musste,)-250(als)-250(er)-250(verstehen)-250(konnte.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Aber)-287(es)-286(war)-287(da)-287(eine)-286(Br\374cke)-287(aus)-287(den)-286(Strahlen,)-296(die)-287(von)-286(Seiner)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brust)-362(ausgingen,)-390(und)-362(den)-362(weissen,)-390(funkelnden)-361(Sonnenstrahlen)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-283(Perlen)-282(und)-282(Emeralden)-283(und)-282(k\366stlichen)-283(Topasen)-282(geschm\374ckt,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-223(das)-224(Licht)-223(gebiert)-223(im)-224(Wasser,)-229(aus)-223(der)-223(Tiefe.)-241(Auf)-224(der)-223(schritt)-223(er.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Durch)-435(das)-434(Blaue)-435(schritt)-434(er)-435(gerade)-435(in)-434(die)-435(strahlende)-434(Sonne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hinein.)-638(Er)-380(wusste,)-412(dass)-379(sie)-380(Feuer)-379(war,)-412(aber)-380(sie)-379(brannte)-379(nicht.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +527 0 obj << +/Type /Page +/Contents 528 0 R +/Resources 526 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +529 0 obj << +/D [527 0 R /XYZ 129.248 463.277 null] +>> endobj +530 0 obj << +/D [527 0 R /XYZ 320.75 203.738 null] +>> endobj +526 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +533 0 obj << +/Length 4558 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(97)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sie)-402(war)-403(auch)-402(nicht)-403(golden.)-707(Sie)-403(war)-402(weiss,)-441(von)-402(einer)-402(lichten,)]TJ 0 -13.549 Td [(unbeschreiblichen)-202(Klarheit,)-212(lichter)-202(denn)-202(das)-202(Mondlicht)-201(im)-202(Kerne)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-227(junggebornen)-227(Mondsichel,)-232(und)-227(Atlasschimmer)-227(aus)-227(keuschen)]TJ 0 -13.549 Td [(Lilienkelchen.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-430(sah)-430(eine)-430(Frau)-430(in)-430(der)-430(obersten)-430(Klarheit.)-790(Sie)-430(hielt)-430(einen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lilienstengel)-294(in)-293(der)-294(Hand.)-381(Er)-293(wusste,)-305(dass)-294(es)-293(seine)-294(Mutter)-293(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-221(er)-222(nie)-221(gekannt)-221(und)-222(verloren)-221(hatte.)-240(Jetzt)-222(erkannte)-221(er)-221(sie)-221(gleich.)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(l\344chelte)-250(ihm)-250(zu.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-212(komme.)-237(Ich)-211(komme,)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.972 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.151 0 Td [(sagte)-211(der)-212(kleine)-211(Priester)-212(begeistert.)]TJ -117.966 -14.251 Td [(Auch)-222(ein)-222(ganz)-223(weisses)-222(Lamm)-222(sah)-222(er.)-241(Er)-222(freute)-222(sich,)-228(dass)-222(es)-222(da)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([165])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(war.)-427(Er)-308(hatte)-309(die)-309(Thiere)-309(immer)-309(geliebt.)-426(Er)-309(hoffte,)-324(dass)-309(es)-308(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-250(sie)-250(einen)-250(Himmel)-250(gab.)-250(Dies)-250(wusste)-250(er)-250(nun)-250(auch.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Alle)-405(B\344ume)-405(waren)-405(eitel)-405(lichtes)-405(Silber.)-715(Ihre)-405(Fr\374chte)-405(waren)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Diamanten)-368(und)-368(Perlen.)-603(Weisse)-368(Schneelilien)-368(sprangen)-368(auf,)-397(die)]TJ 0 -13.549 Td [(s\374ss)-333(dufteten.)-498(Man)-332(konnte)-333(in)-333(die)-332(Erde)-333(sehen,)-353(tief)-333(hinein,)-353(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-324(war)-324(wei)1(ss)-324(und)-324(durchsichtig)-324(wie)-323(Milchglas,)-343(Opale,)-342(in)-323(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-382(Sternenlicht)-382(floss.)-646(Es)-382(war)-382(dies)-382(innere)-382(Licht,)-415(von)-382(dem)-381(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(leuchtete,)-279(denn)-273(es)-272(gab)-273(nicht)-273(Schatten)-273(mehr.)-319(Wo)-273(Festes)-272(gewesen)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-250(wurde)-250(es)-250(weich)-250(und)-250(floss)-250(im)-250(Schimmer,)-250(der)-250(l\366ste.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Und)-293(er)-292(war)-293(ganz)-293(weiss,)-303(er)-293(selbst.)-378(Seine)-293(Finger)-293(waren)-292(weisse)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Strahlen.)-701(Aus)-400(seiner)-400(Brust)-400(schien)-401(die)-400(Klarheit,)-437(Alles,)-438(wo)-400(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hinfiel,)-250(ward)-250(weiss.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Er)-394(trat)-394(in)-394(das)-393(kleine)-394(St\374bchen)-394(der)-394(Holzschl\344gerh\374tte.)-681(Dies)]TJ -11.956 -13.55 Td [(war)-278(ein)-279(elendes)-278(winziges)-279(Gelass.)-335(Blut)-279(lag)-278(da)-279(auf)-278(der)-278(Bettdecke,)]TJ 0 -13.549 Td [(Blut)-389(auf)-388(dem)-389(Fussboden,)-423(Blut)-389(\374ber)-388(den)-389(hastig)-388(hingeworfenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kleidern.)-579(Man)-360(hatte)-359(die)-360(Fiedel)-360(gerettet.)-579(Aber)-359(der)-360(Kasten)-359(war)]TJ 0 -13.549 Td [(zerschlagen)-250(im)-250(Falle.)-250(Die)-250(Saiten)-250(hingen)-250(wirr)-250(und)-250(ungestr\344ngt.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Die)-236(Augen)-236(des)-237(Sterbenden)-236(waren)-236(weitge\366ffnet.)-245(Ein)-236(Ausdruck)]TJ -11.956 -13.549 Td [(des)-217(Schreckens)-216(lag)-217(darin,)-223(und)-217(Brennen,)-223(als)-217(ob)-217(er)-216(s\344he)-217(und)-216(Furcht)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte.)-599(Er)-366(phantasirte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.928 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-366(Du)-367(die)-366(Frauen)-366(gesehen,)-395(wenn)-367(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf 185.253 0 Td [([166])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zur)-355(Kirche)-354(schreiten?)-564(Ihre)-355(Hacken)-354(schlagen)-355(kurz)-354(auf)-355(und)-354(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(H\374ften)-291(tanzen)-292(unter)-291(den)-292(runden)-291(R\366cken,)-302(die)-291(der)-292(Wind)-291(hin-)-291(und)]TJ 0 -13.55 Td [(herschl\344gt.)-248(Wenn)-242(der)-243(Sechzehnender)-243(durch)-243(das)-243(Unterholz)-242(bricht)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-399(der)-398(Stolz)-399(des)-399(Waldes)-398(ist)-399(in)-398(seiner)-399(keilenden)-399(Brust!)-695(Hei!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +532 0 obj << +/Type /Page +/Contents 533 0 R +/Resources 531 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +534 0 obj << +/D [532 0 R /XYZ 233.732 394.128 null] +>> endobj +535 0 obj << +/D [532 0 R /XYZ 147.699 120.339 null] +>> endobj +531 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +538 0 obj << +/Length 4963 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(98)-19920(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Der)-253(Zug)-253(der)-253(Burschen,)-254(der)-254(zum)-253(Sch\374tzenfest)-253(zieht.)-259(Alle)-253(Fiedeln)]TJ 0 -13.549 Td [(spielen)-381(auf)-381(und)-381(die)-381(Schenkel)-380(stampfen.)-643(Wie)-381(Herrenblick,)-413(der)]TJ 0 -13.549 Td [(zwingt,)-202(trifft)-189(der)-190(nie)-190(fehlende)-189(Bolzen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 163.858 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.524 0 Td [(Ich)-190(sage)-189(Dir,)-202(es)-190(ist)-189(nichts,)]TJ -171.382 -13.549 Td [(was)-335(\374ber)-334(des)-335(Weibes)-334(Anmuth)-335(geht,)-356(denn)-334(ihre)-335(Falschheit!)-503(Wie)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-355(sie)-355(geliebt)-355(habe)-355(und)-354(wie)-355(ich)-355(sie)-355(hasse!)-565(Ihre)-354(Augenbrauen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-288(wie)-288(B\366gen)-288(der)-288(Kr\366nung)-288(sind,)-297(darunter)-288(triumphirende)-288(Heere)]TJ 0 -13.549 Td [(einziehen.)-994(Ihre)-499(Augen)-498(locken)-498(und)-498(ertr\344nken)-498(wie)-498(der)-498(wilde)]TJ 0 -13.549 Td [(Bergsee.)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.686 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.212 0 Td [(Das)-345(ist)-344(roth)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.122 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.212 0 Td [(roth)-345(Alles)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.12 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.213 0 Td [(vor)-344(meinen)-345(brennenden)]TJ -175.565 -13.549 Td [(Augen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.717 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -20.761 -14.368 Td [(Der)-328(kleine)-328(Priester)-329(strich)-328(mit)-328(der)-328(Hand)-328(\374ber)-329(die)-328(Augen.)-484(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlossen)-250(sich.)-250(Sie)-250(brannten)-250(nicht)-250(mehr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-521(habe)-522(die)-521(Erde)-522(gerochen)-521(am)-521(Fr\374hlingsmorgen,)-590(wenn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-716(dampfend)-716(aufbricht,)-833(ehe)-716(der)-717(Tag)-716(kommt.)-1648(Tausend)]TJ 0 -13.549 Td [(W\374rzb\344che)-274(str\366men,)-279(wo)-274(die)-274(tausendj\344hrige)-274(Edelfichte)-273(krachend)]TJ 0 -13.549 Td [(niederschl\344gt.)-242(Gef\344hrlich)-224(wie)-225(Blutdunst)-225(ist)-224(der)-225(umnebelnde)-224(Duft)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-408(Weines,)-447(der)-408(zu)-408(Kopfe)-408(steigt)-408(und)-408(die)-408(F\344uste)-408(straff)-407(macht.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([167])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Aber)-347(der)-347(Frauen)-346(Athem)-347(ist)-347(r\366ther)-347(wie)-346(Blut.)-541(Wie)-346(Weizenacker)]TJ 0 -13.55 Td [(frisch)-256(ge\366ffnet)-257(ist)-256(der)-257(Leib)-256(des)-257(Weibes.)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.136 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.252 0 Td [(Es)-256(ist)-257(die)-256(Schw\374le)-257(der)]TJ -183.388 -13.549 Td [(Sommererde,)-250(die)-250(die)-250(Todten)-250(nicht)-250(schlafen)-250(l\344sst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 212.694 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -200.738 -14.367 Td [(Er)-319(strich)-319(mit)-319(der)-319(Hand)-320(\374ber)-319(die)-319(Nasenl\366cher.)-457(Leise)-319(fuhr)-319(der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(tr\366stende)-290(Finger)-290(die)-290(zitternden,)-299(hastenden)-290(N\374stern)-290(entlang.)-369(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Geruch)-250(war)-250(fort.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-351(Du)-350(auf)-351(Deinen)-350(Lippen)-351(ihre)-351(K\374sse)-350(gef\374hlt?)-552(Wenn)-351(sie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schw\366ren)-487(und)-486(l\374gen.)-960(Worte,)-546(die)-487(fallen)-486(wie)-487(der)-486(Wasserfall,)]TJ 0 -13.55 Td [(lieblicher)-250(denn)-250(Nachtigallentriller.)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.305 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Worte!)-250(Worte!)-250(Worte!)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.138 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -247.67 -14.367 Td [(Er)-296(strich)-295(\374ber)-296(die)-296(Lippen)-296(und)-295(sie)-296(schlossen)-296(sich.)-387(Sie)-296(wurden)]TJ -11.955 -13.549 Td [(stumm)-250(und)-250(weich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-326(habe)-326(sie)-326(mit)-326(meiner)-326(Hand)-326(gehalten.)-478(Ich)-326(lasse)-326(sie)-326(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf -16.799 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.009 0 Td [(Wenn)-417(man)-418(das)-417(Messer)-418(sehr)-417(fest)-418(packt)-417(und)-418(rothes)-417(Herzblut)]TJ -10.009 -13.549 Td [(springt)-226(her\374ber)-227(...)-242(Weisst)-226(Du,)-231(dass)-227(ich)-226(mein)-227(Messer)-226(unter)-226(meiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-335(hatte?)-503(Sie)-335(haben)-334(mir)-335(gesagt,)-355(dass)-335(ich)-334(das)-335(Holz)-334(sprechen)]TJ 0 -13.549 Td [(machen)-299(konnte,)-311(die)-298(Saiten)-299(riefen)-299(unter)-298(meinen)-299(Fingern)-299(wie)-298(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(Menschenstimmen.)-239(Ich)-219(will)-218(spielen.)-239(Sie)-219(sollen)-218(tanzen.)-239(Sie)-218(sollen)]TJ 0 -13.549 Td [(lachen)-373(und)-373(schreien.)-619(Ich)-373(will)-373(den)-373(Ton)-374(finden,)-403(der)-373(die)-373(Todten)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +537 0 obj << +/Type /Page +/Contents 538 0 R +/Resources 536 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 516 0 R +>> endobj +539 0 obj << +/D [537 0 R /XYZ 93.543 313.301 null] +>> endobj +540 0 obj << +/D [537 0 R /XYZ 322.274 189.721 null] +>> endobj +536 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +543 0 obj << +/Length 3812 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunte)-250(Kapitel.)-16809(99)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(tanzen)-225(macht.)-241(Die)-225(Todten)-224(haben)-225(Knochenh\344nde)-224(und)-225(lassen)-224(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(los.)]TJ/F21 10.9091 Tf 15.459 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 275.565 0 Td [([168])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(Die)-797(gekrampften)-797(Finger)-796(l\366sen)-797(sich)-797(unter)-797(den)-796(andern)]TJ -11.956 -13.549 Td [(streichenden,)-485(gleitenden.)-815(Die)-439(H\344nde)-438(fielen.)-815(Sie)-438(lagen)-438(ruhig)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(straff.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Meine)-323(F\374sse)-322(tragen)-323(mich)-323(nicht)-322(mehr.)-468(Aber)-323(sie)-323(haben)-323(mich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(getragen)-296(durch)-297(die)-296(Nacht.)-389(Im)-297(Tanze.)-389(Wer)-296(kann)-297(tanzen)-296(wie)-296(ich,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-266(Spielmann)-265(Anderl!)-297(Wenn)-265(der)-266(Boden)-265(knackt,)-269(die)-266(Dirne)-265(hoch)]TJ 0 -13.549 Td [(anfliegt)-276(zur)-277(schwelenden)-276(Decke.)-329(Ich)-277(kann)-276(springen!)-329(Der)-276(Teufel)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-250(in)-250(meinen)-250(F\374ssen.)-250(Ich)-250(springe)-250(mit)-250(dem)-250(Teufel)-250(zur)-250(H\366lle!)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.88 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -248.924 -13.549 Td [(Er)-284(ber\374hrte)-285(die)-284(F\374sse)-284(an)-284(ihren)-285(Sohlen.)-353(Er)-284(salbte)-284(den)-284(rechten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Er)-250(salbte)-250(auch)-250(den)-250(linken.)-250(Die)-250(F\374sse)-250(lagen)-250(still.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-250(ganze)-250(Mann)-250(war)-250(weiss)-250(und)-250(still)-250(jetzt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-492(kleine)-491(Priester)-492(hatte)-492(die)-491(Fiedel)-492(genommen,)-552(das)-491(Holz)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zeigte)-291(keinen)-291(Sprung,)-302(die)-291(Saiten)-291(f\374gten)-291(sich)-291(wie)-291(von)-291(selbst)-291(und)]TJ 0 -13.549 Td [(erklangen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-747(Eure)-748(S\374nde)-747(gleich)-747(blutroth)-747(ist,)-872(soll)-747(sie)-748(doch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schneeweiss)-495(werden,)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.155 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.242 0 Td [(sang)-495(der)-495(kleine)-494(Priester.)]TJ/F21 10.9091 Tf 123.577 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-495(wenn)]TJ -232.818 -13.549 Td [(sie)-250(gleich)-250(ist)-250(wie)-250(Rosinfarbe,)-250(soll)-250(sie)-250(doch)-250(wie)-250(Wolle)-250(werden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-224(heute)-225(noch)-224(wirst)-224(Du)-224(mit)-225(mir)-224(im)-224(Paradiese)-224(sein!)]TJ/F21 10.9091 Tf 225.025 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.29 0 Td [(schloss)]TJ -249.114 -13.549 Td [(der)-250(kleine)-250(Priester.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 116.929 230.852 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 214.115 Td [(In)-383(der)-383(Holzschl\344gerh\374tte)-384(lag)-383(der)-383(Wilddieb)-383(todt.)-650(Er)-383(lag)-383(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([169])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(gefalteten)-375(H\344nden)-374(und)-375(l\344chelnden)-374(Lippen.)-623(Eine)-375(weisse)-374(Kerze)]TJ 0 -13.549 Td [(brannte.)-944(Das)-481(blasse)-482(goldne)-481(Herz)-481(stand)-482(zitternd)-481(aufrecht)-481(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Dunkel,)-250(das)-250(der)-250(Schnee)-250(warf.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Der)-250(Schnee)-250(fiel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Unter)-172(der)-172(weissen)-171(Schneedecke,)-188(das)-172(Allerheiligste)-172(gegen)-171(seine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brust)-250(gepresst,)-250(schlief)-250(der)-250(kleine)-250(Priester.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-250(Schnee)-250(fiel)-250(...)-250(fiel.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +542 0 obj << +/Type /Page +/Contents 543 0 R +/Resources 541 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +544 0 obj << +/D [542 0 R /XYZ 46.771 504.528 null] +>> endobj +545 0 obj << +/D [542 0 R /XYZ 280.858 214.115 null] +>> endobj +541 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +547 0 obj +<< /S /GoTo /D (index10) >> +endobj +550 0 obj +(Das zehnte Kapitel.) +endobj +553 0 obj << +/Length 3515 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([170])]TJ/F16 18.9589 Tf 138.198 -68.984 Td [(Das)-270(zehnte)-269(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.443 -37.089 Td [(Nun)-448(war)-448(aber)-449(in)-448(einer)-448(Stadt)-448(ein)-448(junger)-448(Mann,)-498(der)-448(sich)-448(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(geistlichen)-250(Stande)-250(gewidmet)-250(hatte.)]TJ 11.956 -14.482 Td [(Nie)-571(war)-571(f\374r)-571(ihn)-571(die)-571(Frage)-570(gewesen,)-652(irgend)-571(ein)-570(anderes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Amt)-420(zu)-419(erw\344hlen.)-759(Von)-420(fr\374h)-419(auf)-420(zeigte)-420(er)-419(sich)-420(in)-419(geistlichen)]TJ 0 -13.55 Td [(Dingen)-600(wohlbewandert,)-688(geneigt)-600(dar\374ber)-600(nachzudenken,)-687(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Texte)-504(auszulegen)-503(in)-504(ihrem)-503(deutlichen)-504(Sinne.)-1010(Dabei)-504(war)-503(er)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-244(m\344ssiger)-245(und)-244(strenger)-244(Lebensweise.)-248(Er)-245(hatte)-244(sich)-244(Jahre)-244(lang)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-271(von)-271(Pflanzennahrung)-271(erhalten.)-313(Sein)-271(Geld)-271(gab)-271(er)-271(den)-270(Armen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-372(lebte)-372(wie)-371(der)-372(Aermsten)-372(Einer)-372(mitten)-371(unter)-372(ihnen.)-615(Zudem)]TJ 0 -13.55 Td [(voll)-380(W\374rde)-380(in)-379(aller)-380(G\374tigkeit,)-412(dass)-380(er)-380(die)-380(Sp\366tter)-379(zur\374ckwies,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([171])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Niemand)-430(ihm)-429(etwas)-430(anhaben)-429(konnte.)-789(Im)-429(Gegentheil,)-475(es)-429(war)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-270(gemeine)-269(Rede)-270(in)-270(der)-269(Stadt,)-275(wenn)-269(man)-270(Jemand)-270(etwas)-269(Gutes)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374nschte,)-423(und)-388(diese)-388(Leute)-389(waren)-388(\344lter,)-423(dass)-388(man)-388(ihnen)-388(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Sohn)-234(w\374nschte)-234(wie)-234(Johannes.)-244(Seine)-234(alten)-234(Eltern,)-237(denen)-234(er)-233(zuerst)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-416(Kummer)-416(gewesen,)-458(dass)-415(er)-416(also)-416(herausging)-416(aus)-416(der)-416(Bahn,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-283(sie)-283(selbst)-283(gegangen,)-291(ein)-283(Amt)-283(erw\344hlte,)-291(das)-283(ihnen)-282(fremdartig)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-268(und)-269(nicht)-268(so)-268(angesehen)-269(in)-268(ihrer)-268(Meinung)-269(wie)-268(ihr)-268(eignes)-268(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-320(Leuten,)-336(priesen)-320(Gott)-319(alle)-320(Tage,)-337(der)-319(ihnen)-320(ein)-319(solches)-319(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(gegeben,)-219(von)-211(dem)-212(sie)-211(Ehre)-212(hatten)-211(jede)-211(Stunde,)-219(der)-212(als)-211(ein)-211(Muster)]TJ 0 -13.549 Td [(stand)-347(unter)-347(jungen)-347(Leuten,)-371(in)-347(fr\374hen)-347(Jahren)-347(Ruhm)-347(erwarb)-346(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(Andre,)-250(die)-250(Jahre)-250(lang)-250(gedient,)-250(Last)-250(und)-250(M\374hsal)-250(getragen)-250(hatten.)]TJ 11.956 -14.482 Td [(Selbst)-318(solche,)-334(die)-318(ihm)-318(heimlich)-317(entgegenstanden,)-335(weil)-318(er)-317(sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(strafte)-280(in)-279(ihren)-280(S\374nden,)-287(wagten)-280(nicht,)-287(ihn)-280(offen)-280(zu)-279(missbilligen,)]TJ 0 -13.55 Td [(denn)-242(sein)-243(Ansehen)-242(war)-242(gross)-242(unter)-243(allen)-242(Leuten,)-244(und)-242(seine)-242(Rede)]TJ 0 -13.549 Td [(gewaltig.)-241(Dazu,)-228(weil)-223(er)-223(eines)-223(vornehmen)-223(Mannes)-223(Sohn)-223(war,)-228(trug)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-368(zu)-368(seinem)-368(Ruhm)-368(bei.)-604(Das)-368(Ger\374cht)-368(drang)-368(bis)-368(an)-368(den)-368(Hof.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +552 0 obj << +/Type /Page +/Contents 553 0 R +/Resources 551 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +554 0 obj << +/D [552 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +548 0 obj << +/D [552 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +555 0 obj << +/D [552 0 R /XYZ 321.766 283.862 null] +>> endobj +551 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +558 0 obj << +/Length 4622 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zehnte)-250(Kapitel.)-16365(101)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Er)-254(musste)-254(predigen)-254(dort)-254(und)-254(ward)-254(als)-254(Hofprediger)-254(angestellt)-253(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-380(eignen)-380(Wunsch)-380(des)-380(F\374rsten,)-412(der)-380(gern)-380(seine)-380(Predigt)-379(h\366rte,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([172])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(auch)-236(manches)-236(Gespr\344ch)-236(mit)-236(ihm)-236(pflog.)-245(Er)-236(war)-236(selbst)-236(von)-235(ernster)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-389(redlicher)-389(Gem\374thsart,)-424(dachte)-389(viel)-389(nach)-389(\374ber)-389(die)-388(Pflichten)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-291(Vorrechte)-291(seines)-291(Amtes.)-373(Wenn)-291(er)-291(sich)-291(beunruhigt)-291(f\374hlte)-291(in)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-204(Gem\374th,)-214(liess)-204(er)-205(oft)-204(den)-205(jungen)-204(Prediger)-205(rufen,)-213(dass)-204(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-238(Freunde)-238(und)-238(treue)-239(Gesellen)-238(wurden,)-240(sein)-238(Einfluss)-238(also)-238(gross)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(im)-250(Lande.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Aber)-333(Niemand)-333(neidete)-332(ihm)-333(denselben.)-499(Er)-333(war)-332(wohlgeachtet)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-345(Hohen)-346(und)-345(Geringen.)-537(Gegen)-345(Arm)-346(und)-345(Reich)-346(hielt)-345(er)-345(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(gleich.)-217(Kein)-151(Rang)-150(und)-151(kein)-151(klingender)-150(Lohn)-151(konnte)-151(ihn)-150(bestechen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-251(seiner)-250(Entscheidung.)-252(Wiewohl)-251(es)-250(ihm)-251(freigestanden)-251(h\344tte,)-250(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Weib)-382(zu)-383(w\344hlen,)-415(Niemand)-382(ihm)-383(seine)-382(beste)-382(Tochter)-382(geweigert)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tte,)-221(zog)-213(er)-214(es)-213(doch)-213(vor,)-221(einzeln)-214(zu)-213(bleiben,)-221(dass)-213(keine)-213(weltliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Lust)-200(oder)-200(Sorge)-201(ihn)-200(abz\366ge)-200(von)-200(seinem)-200(geistlichen)-200(Amt,)-210(welches)]TJ 0 -13.55 Td [(er)-404(als)-403(das)-404(h\366chste)-404(erachtete)-403(in)-404(der)-404(Welt,)-442(ihm)-403(selbst)-404(von)-403(Gott)]TJ 0 -13.549 Td [(anvertraut,)-348(davon)-328(er)-328(Rechenschaft)-327(abzulegen)-328(hatte)-328(dereinst)-328(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Seinem)-337(strengen)-337(Richterstuhl.)-512(Es)-337(gab)-337(keinen)-337(geachteteren)-337(und)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rdigeren)-253(jungen)-253(Mann)-252(weit)-253(und)-253(breit.)-258(Sein)-253(Ruf)-253(stand)-253(fest)-252(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-319(Felsen.)-456(Sein)-318(Wort)-319(war)-319(f\374r)-319(Viele)-318(Recht)-319(und)-319(Unrecht,)-335(klarer)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-251(unzweifelhafter)-251(wie)-251(geschriebnes)-251(Gesetz.)-253(Wenn)-251(sich)-251(Einige)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([173])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(verwunderten,)-379(dass)-353(er)-353(trotz)-353(seiner)-353(Jugend)-353(so)-353(geachtet)-353(war)-353(und)]TJ 0 -13.549 Td [(solchen)-377(Einfluss)-376(besass,)-408(verwies)-377(man)-376(nur)-376(auf)-377(sein)-376(Leben,)-408(das)]TJ 0 -13.549 Td [(schlichter)-328(war)-327(wie)-328(manchen)-327(Arbeiters)-328(und)-327(keusch)-328(wie)-327(vielfach)]TJ 0 -13.549 Td [(geschliffener)-250(Stahl)-250(vor)-250(Aller)-250(Augen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Derselbe,)-501(als)-451(er)-451(eines)-450(Tages)-451(allein)-451(spazieren)-451(ging)-451(vor)-450(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stadt,)-316(wo)-303(die)-303(Stadt)-303(schon)-303(aufh\366rte,)-316(bl\374hende)-303(Str\344ucher)-303(standen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-273(Fruchtb\344ume)-273(im)-274(Laub)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.792 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.435 0 Td [(wie)-273(er)-273(oftmals)-274(that)-273(in)-273(seinen)-273(tiefen)]TJ -128.227 -13.549 Td [(Gedanken,)-375(um)-350(klar)-350(zu)-349(werden)-350(vor)-350(sich)-350(selber)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.235 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)-375(freute)-350(er)-350(sich)]TJ -214.69 -13.549 Td [(am)-346(Gesang)-345(der)-346(V\366gel,)-370(wie)-345(sie)-346(alle)-346(eintr\344chtig)-345(sangen)-346(und)-345(war)]TJ 0 -13.549 Td [(keiner)-187(gr\366sser)-187(und)-187(mehr)-187(geachtet)-187(denn)-187(der)-187(andre)-187(in)-187(ihrem)-186(Singen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Jeder)-303(hatte)-302(seine)-303(besondre)-302(Gabe)-303(und)-302(Tugenden.)-408(Die,)-316(die)-302(nichts)]TJ 0 -13.55 Td [(empfingen,)-234(kleine)-230(graue)-230(Meislein)-230(und)-230(Spatzen,)-234(zwitscherten)-229(just)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-219(munter)-220(ihre)-219(zwei)-219(Piept\366ne,)-225(wie)-220(die)-219(Andern)-219(kunstreiche)-219(Triller)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +557 0 obj << +/Type /Page +/Contents 558 0 R +/Resources 556 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +559 0 obj << +/D [557 0 R /XYZ 302.256 504.626 null] +>> endobj +560 0 obj << +/D [557 0 R /XYZ 214.642 244.736 null] +>> endobj +556 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +563 0 obj << +/Length 4251 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(102)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-237(Solfeggien.)-246(Sorgten)-236(nicht)-237(um)-237(den)-237(Tag,)-240(bauten)-237(sich)-236(Nestlein,)]TJ 0 -13.549 Td [(setzten)-267(ihre)-268(Kinder)-267(in)-268(die)-267(Welt,)-272(dass)-267(die)-268(Sonne)-267(sie)-268(grosszog,)-271(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(satt)-357(w\374rden)-358(von)-357(dem,)-384(was)-357(flog)-357(und)-357(kroch)-358(in)-357(der)-357(Luft,)-384(auf)-357(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Die)-398(Schwalben)-399(flogen)-398(auf)-399(und)-398(nieder.)-695(Sie)-399(wiegten)-398(sich)-398(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-331(Luft)-331(und)-331(beschrieben)-331(Wellenlinien.)-493(Manchmal)-331(strichen)-331(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(so)-337(niedrig,)-359(dass)-337(ihre)-337(Schwingen)-337(fast)-337(die)-337(Erde)-337(ber\374hrten.)-511(Dann)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([174])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(hoben)-220(sie)-221(sich)-220(wieder,)-226(blieben)-220(segelnd)-221(im)-220(Blauen.)-240(Aus)-220(dem)-220(Gras)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-405(B\366schung)-405(dufteten)-406(Veilchen.)-715(Libellen)-405(schwirrten)-405(aus)-405(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wasserrichtung)-364(von)-365(der)-364(andern)-364(Seite.)-593(Es)-365(roch)-364(fischig)-364(von)-364(da,)]TJ 0 -13.549 Td [(Teichgeruch,)-250(nach)-250(sich)-250(zersetzender)-250(Pflanzenfaser.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Wie)-412(er)-412(nun)-412(also)-412(ging)-411(und)-412(sich)-412(freute,)-453(die)-412(V\366glein)-411(lieblich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-379(fr\366hlich)-378(sangen,)-411(sah)-379(er)-378(eine)-379(magere,)-411(gelbgefleckte)-378(Katze,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-378(Jagd)-377(machte,)-410(auf)-377(einem)-378(der)-378(B\344ume.)-633(Leise)-377(schlich)-378(sie)-377(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(unh\366rbaren,)-386(tastenden)-360(Zehen.)-577(Ihr)-359(Kopf)-359(war)-359(lang)-359(vorgestreckt,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-296(kugelige)-296(Stirn)-296(mit)-296(spitzen)-296(Oehrchen.)-388(In)-296(den)-296(Flanken)-295(sassen)]TJ 0 -13.549 Td [(tiefe)-426(L\366cher)-426(von)-425(der)-426(Anstrengung)-426(des)-425(Dehnens.)-778(Die)-425(Rippen)]TJ 0 -13.549 Td [(flogen)-357(kurzathmend)-357(in)-357(der)-356(Aufregung)-357(der)-357(Jagd.)-571(Auch)-357(war)-356(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mager,)-358(schlechtgen\344hrt)-337(und)-336(struppig,)-359(wie)-336(eine)-337(Katze,)-358(die)-336(wohl)]TJ 0 -13.55 Td [(schon)-330(lange)-329(heimlos)-330(geirrt)-330(ist,)-349(keinen)-330(Herrn)-329(mehr)-330(hat,)-349(sondern)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-326(Wildniss)-327(preisgegeben)-326(ist.)-479(So)-327(war)-326(sie)-327(ausgegangen)-326(auf)-326(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Jagd,)-381(da)-354(es)-354(d\344mmrig)-355(wurde,)-380(sass)-355(auf)-354(dem)-354(Baum)-355(und)-354(hob)-354(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Kralle)-250(\374ber)-250(dem)-250(Nestchen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Da)-441(Johannes)-442(solches)-441(sah,)-489(ergrimmte)-441(er)-442(in)-441(seinem)-441(Herzen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Es)-292(dauerten)-293(ihn)-292(die)-293(unschuldigen)-292(V\366glein)-293(um)-292(dieser)-292(schlechten)]TJ 0 -13.549 Td [(Katze)-498(willen.)-994(Er)-497(nahm)-498(einen)-498(Stein,)-560(zielte)-498(und)-498(warf.)-993(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(traf)-360(so)-359(gut,)-387(dass)-360(er)-359(die)-360(Katze)-360(hart)-359(schlug)-360(in)-359(ihrer)-360(Seite,)-387(wo)-359(es)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([175])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(weich)-251(ist,)-250(die)-251(Knochen)-250(nicht)-251(sch\374tzen.)-251(Sie)-250(stiess)-251(einen)-250(schrillen,)]TJ 0 -13.549 Td [(klagenden)-320(Schrei)-320(aus)-319(und)-320(fiel)-320(herab)-320(vom)-320(Baum,)-337(lag)-320(da)-320(auf)-319(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde,)-496(das)-447(Blut)-446(floss)-447(von)-447(ihrer)-446(getroffenen)-447(Seite,)-496(schrie)-446(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(j\344mmerlich)-251(wie)-251(ein)-250(kleines,)-251(wehleidiges)-251(Kind,)-251(versuchte)-251(sich)-250(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(lecken,)-386(vorw\344rts)-358(zu)-359(strecken)-358(mit)-359(strebenden)-358(Vorderf\374ssen)-358(und)]TJ 0 -13.55 Td [(schwachem,)-466(nachschleppendem)-422(R\374cken.)-768(Und)-422(lag)-423(im)-422(Staube,)]TJ 0 -13.549 Td [(blutend.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +562 0 obj << +/Type /Page +/Contents 563 0 R +/Resources 561 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +564 0 obj << +/D [562 0 R /XYZ 166.928 435.243 null] +>> endobj +565 0 obj << +/D [562 0 R /XYZ 126.229 160.986 null] +>> endobj +561 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +568 0 obj << +/Length 4745 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zehnte)-250(Kapitel.)-16365(103)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Da)-245(fing)-244(ihn)-245(an)-245(zu)-245(gereuen,)-246(was)-244(er)-245(gethan)-245(hatte.)-248(Er)-245(kam)-244(herzu,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(um)-285(der)-285(Katze)-285(aufzuhelfen.)-355(Wie)-285(er)-285(sie)-285(genau)-285(betrachtete,)-293(sah)-285(er,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-190(diese)-190(Katze)-190(heute)-190(oder)-190(den)-190(Tag)-190(zuvor)-190(Junge)-190(geworfen)-189(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(musste,)-369(denn)-346(die)-345(Haut)-346(ihres)-345(Bauches)-346(hing)-345(ganz)-346(lose)-345(unter)-345(den)]TJ 0 -13.55 Td [(vorstehenden)-206(Rippen,)-216(dass)-206(sie)-206(fast)-207(auf)-206(dem)-207(Boden)-206(schleppte.)-235(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Oeffnung)-205(des)-205(Afters)-204(war)-205(unnat\374rlich)-205(weit,)-214(noch)-205(vom)-204(geronnenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Blute)-485(verklebt.)-955(Man)-485(sah)-484(die)-485(Zitzen,)-544(die)-485(weit,)-544(aber)-484(schlaff,)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-285(Milch)-286(sich)-285(sackten.)-356(Denn)-286(sie)-285(war)-285(sehr)-286(ersch\366pft)-285(und)-285(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(gehungert)-297(seit)-296(langen)-297(Tagen.)-390(Nun)-297(lag)-297(sie)-296(im)-297(Staub)-297(und)-296(blutete.)]TJ 0 -13.55 Td [(Niemand)-266(w\374rde)-267(diesem)-266(Nest)-266(voll)-266(kleiner)-267(Katzen)-266(in)-266(irgend)-266(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(verlassnen)-243(Scheune)-244(oder)-243(auf)-243(einem)-244(Heuboden)-243(Nahrung)-243(bringen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-244(w\374rden)-243(warten)-244(und)-243(miauen,)-245(elendiglich)-244(verhungern,)-245(um)-243(ihre)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([176])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Mutter,)-227(die)-220(nicht)-221(kam,)-226(den)-221(spitzen,)-226(harten)-221(Stein,)-226(den)-221(er)-220(geworfen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-220(sie)-220(getroffen)-220(hatte,)-226(da)-221(sie)-220(ging)-220(Jagd)-220(zu)-220(machen)-220(auf)-220(V\366gel)-220(f\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(ihre)-250(Kleinen,)-250(die)-250(hungerten.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Er)-187(stand)-187(nun)-188(da)-187(vor)-187(der)-188(Katze)-187(und)-187(sah)-187(sie)-188(an.)-229(Die)-187(Katze)-187(sah)-187(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-272(ihm)-273(mit)-272(schiefen,)-278(wilden)-273(Augen,)-278(ob)-272(er)-272(ihr)-273(helfen)-272(w\374rde)-272(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-302(weiterqu\344len?)-408(Sie)-302(wusste)-302(nicht,)-316(dass)-302(es)-303(sein)-302(Stein)-302(gewesen,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-283(sie)-283(getroffen)-283(hatte.)-350(Aber)-283(sie)-283(hatte)-283(Angst)-283(vor)-283(den)-283(Menschen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-248(stark)-248(sind,)-249(war)-248(da)-248(wie)-248(ein)-248(wildes)-248(Ding,)-248(das)-248(man)-248(eingefangen)]TJ 0 -13.549 Td [(hat.)-375(Und)-292(es)-292(kann)-291(sich)-292(nicht)-292(wehren,)-302(denn)-292(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 197.965 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.815 0 Td [(sein)-292(Gift,)-302(scharfe)]TJ -204.78 -13.549 Td [(Z\344hne)-329(und)-329(Krallen,)-349(die)-329(ihm)-330(ja)-329(n\374tzlich)-329(sind)-329(gegen)-329(die)-329(Kleinen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-187(ganz)-186(Schwachen,)-200(werden)-187(ohnm\344chtig)-186(und)-187(n\374tzen)-187(ihm)-186(nichts.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-250(wartet,)-250(dass)-250(man)-250(es)-250(vollendet.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Da)-292(er)-291(noch)-292(stand,)-302(dieses)-291(Thier)-292(ihn)-291(ansah)-292(und)-291(er)-292(\374ber)-291(solches)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dachte)-446(in)-446(seinem)-446(Herzen,)-496(kam)-446(ein)-446(fremder)-446(Mann)-446(des)-446(Wegs.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-336(nahm)-335(die)-335(Katze,)-357(die)-336(nach)-335(ihm)-336(fauchte,)-357(wusch)-335(ihre)-335(Wunden)]TJ 0 -13.549 Td [(sorgf\344ltig)-315(mit)-314(Wasser)-315(und)-314(gab)-315(ihr)-314(zu)-315(trinken)-314(aus)-315(einer)-314(Flasche,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-310(er)-310(bei)-310(sich)-310(f\374hrte.)-430(Dazu,)-325(um)-310(das)-310(Wasser)-310(zu)-310(finden,)-325(hatte)-310(er)]TJ 0 -13.55 Td [(hinabsteigen)-265(m\374ssen)-264(zum)-265(Fluss.)-293(Wie)-265(der)-264(wieder)-265(heraufkam)-264(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-312(Katze)-312(auf)-311(seinen)-312(Arm)-312(nahm,)-327(biss)-312(ihn)-311(das)-312(Vieh)-312(in)-312(die)-311(Hand)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([177])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-250(entsprang)-250(zwischen)-250(die)-250(Weidengeb\374sche.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Da)-298(dieser)-298(nun)-299(die)-298(Schramme)-298(an)-298(seiner)-299(Hand)-298(besah,)-310(das)-298(Blut)]TJ -11.956 -13.549 Td [(abtrocknete)-404(mit)-404(seinem)-404(Tuch,)-442(sprach)-404(Johannes)-404(zu)-404(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 257.612 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +567 0 obj << +/Type /Page +/Contents 568 0 R +/Resources 566 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +569 0 obj << +/D [567 0 R /XYZ 310.438 369.134 null] +>> endobj +570 0 obj << +/D [567 0 R /XYZ 275.152 108.426 null] +>> endobj +566 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +573 0 obj << +/Length 5330 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(104)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(magst)-248(Du)-247(dem)-248(sch\344dlichen)-247(Raubzeug)-248(helfen?)-249(Sein)-247(Leben)-248(ist)-247(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Tod)-387(Vieler.)-660(So)-387(es)-387(verreckt,)-421(wem)-387(schadet)-387(es?)-661(Ein)-386(werthloses)]TJ 0 -13.549 Td [(Vieh!)-238(T\374ckisch)-215(und)-214(voll)-215(Argheit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.842 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.184 0 Td [(Das)-214(sagte)-215(er)-214(aber,)-222(den)-214(Andern)]TJ -151.026 -13.549 Td [(zu)-292(versuchen,)-302(denn)-291(in)-292(seinem)-292(Herzen)-291(gereute)-292(ihn)-292(der)-291(Katze.)-375(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(wusste)-240(wohl,)-242(dass)-240(es)-241(ihre)-240(Natur)-240(ist,)-242(V\366gel)-240(und)-240(M\344use)-240(zu)-240(fangen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-337(fragte)-336(sich)-337(nur:)-423(Warum)-336(ist)-337(das)-336(in)-337(der)-336(Natur,)-358(und)-337(h\344tte)-336(gern)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-250(Antwort)-250(gewusst.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Der)-371(fremde)-371(Mann)-371(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 121.71 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-371(helfe)-371(jeglicher)-371(Creatur.)-613(Sie)]TJ -138.509 -13.549 Td [(war)-291(hungrig)-290(und)-291(litt.)-372(So)-290(war)-291(es)-290(meine)-291(Schuld,)-301(ihr)-290(zu)-291(geben,)-300(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(heilen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ -30.459 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-552(wird)-552(hingehen)-552(und)-553(neues)-552(Uebel)-552(stiften,)-627(t\366dten)-553(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(qu\344len.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.811 0 Td [(\034)]TJ -19.855 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-226(Tod)-226(ist)-226(kein)-225(Uebel,)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.655 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.307 0 Td [(sagte)-226(der)-226(fremde)-226(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.453 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-226(Geist,)]TJ -236.057 -13.549 Td [(der)-250(widerstehet)-250(dem)-250(Uebel,)-250(der)-250(ist)-250(vom)-250(Uebel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 203.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.336 -14.095 Td [(Diese)-264(Antwort)-265(verstand)-264(Johannes)-264(nicht,)-268(aber)-265(sie)-264(qu\344lte)-264(ihn)-265(in)]TJ -11.955 -13.549 Td [(seinem)-250(Herzen.)-250(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.84 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Deute)-250(mir)-250(das!)]TJ/F21 10.9091 Tf 64.832 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -260.272 0 Td [([178])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.095 Td [(Der)-272(Andre)-271(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.247 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-272(Dich)-271(Jemand)-272(schl\344gt)-272(und)-271(Du)-272(schl\344gst)]TJ -101.046 -13.549 Td [(ihn)-398(wieder,)-435(so)-398(ist)-398(der)-398(Schlag)-398(Dir)-398(nicht)-398(Unehre,)-435(aber)-397(dass)-398(Du)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ckschl\344gst)-346(und)-346(also)-346(B\366ses)-347(vergiltst)-346(mit)-346(B\366sem.)-538(So)-346(ist)-346(das)]TJ 0 -13.549 Td [(B\366se)-225(an)-226(sich)-225(nicht)-226(b\366se,)-230(aber)-225(es)-226(b\366se)-225(m)-200(a)-200(c)-200(h)-200(t)-226(in)-225(seiner)-225(Wirkung,)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-250(B\366se.)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.458 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -33.503 -14.095 Td [(Johannes)-192(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.01 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Soll)-192(ich)-193(einen)-192(Mann)-192(nicht)-193(t\366dten,)-204(der)-192(Andre)]TJ -92.808 -13.549 Td [(t\366dtet?)-483(W\374rde)-328(Mord)-328(und)-328(Todtschlag)-328(nicht)-328(\374berhandnehmen)-327(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-495(Welt,)-555(so)-495(Solches)-494(ungestraft)-495(bliebe?)-983(Jeder)-495(thun)-494(k\366nnte,)]TJ 0 -13.55 Td [(was)-455(ihm)-454(gef\344llt,)-506(sein)-455(b\366ser)-455(Muth)-454(ihm)-455(eingiebt)-455(gegen)-454(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(N\344chsten?)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.437 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -33.482 -14.095 Td [(Der)-293(Fremde)-292(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.222 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-292(es)-293(sein)-292(b\366ser)-293(Muth)-292(thut,)-304(ist)-292(es)-293(seine)]TJ -108.021 -13.549 Td [(Natur.)-239(Alles,)-225(was)-218(in)-218(der)-218(Natur)-218(ist,)-225(ist)-218(von)-218(Gott.)-239(Der)-218(Mensch)-218(kann)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-262(dagegen.)-287(So)-263(Du)-262(aber)-263(schl\344gst)-262(g)-200(e)-200(g)-200(e)-200(n)-262(Deine)-263(Natur,)-265(ist)-262(es)]TJ 0 -13.549 Td [(Dir)-250(S\374nde,)-250(gr\366sseres)-250(Unrecht)-250(denn)-250(dess,)-250(der)-250(Dich)-250(geschlagen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 271.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -259.19 -14.095 Td [(Er)-450(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.802 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-450(werden)-450(alle)-450(B\366sen)-450(fortab)-450(triumphiren)-450(und)]TJ -70.601 -13.549 Td [(straflos)-250(sein.)-250(Die)-250(Guten)-250(m\374ssen)-250(nur)-250(dulden)-250(und)-250(ertragen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.443 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -236.488 -14.095 Td [(Der)-210(Fremde)-211(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.283 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dulden)-210(und)-210(ertragen)-211(ist)-210(nicht)-210(b\366se.)-237(Selig)]TJ -105.082 -13.549 Td [(sind,)-285(die)-278(das)-278(erkannt)-277(haben!)-334(Aber)-278(es)-278(ist)-278(dem)-278(Menschen)-277(schwer,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +572 0 obj << +/Type /Page +/Contents 573 0 R +/Resources 571 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 546 0 R +>> endobj +574 0 obj << +/D [572 0 R /XYZ 93.543 310.388 null] +>> endobj +571 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +577 0 obj << +/Length 5247 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zehnte)-250(Kapitel.)-16365(105)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zu)-275(erkennen,)-282(und)-275(Wenige)-276(sind,)-281(die)-275(es)-276(fassen)-275(hier)-275(im)-276(Leibe.)-325(Das)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([179])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Fleisch)-364(ist)-364(schwach)-364(in)-363(ihnen.)-592(Der)-364(Tod)-364(scheint)-363(bitter)-364(dem,)-392(der)]TJ 0 -13.549 Td [(kr\344ftig)-250(ist)-250(und)-250(sich)-250(bewegt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.473 0 Td [(\034)]TJ -106.517 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-401(Tod)-401(ist)-401(immer)-401(bitter,)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.973 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.218 0 Td [(sagte)-401(Johannes.)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.179 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-401(ist)-401(auch)]TJ -224.013 -13.55 Td [(gegen)-250(die)-250(Natur)-250(des)-250(Menschen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.237 0 Td [(\034)]TJ -125.281 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Weil)-186(sie)-186(die)-185(Natur)-186(nur)-186(halb)-186(erkannt)-185(haben,)]TJ/F21 10.9091 Tf 180.505 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.87 0 Td [(sagte)-186(der)-185(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -204.174 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-269(wissen,)-273(dass)-269(sie)-268(sterben)-269(m\374ssen,)-273(aber)-269(sie)-268(wissen)-269(nicht,)-273(was)]TJ -4.844 -13.549 Td [(hinterher)-269(kommt.)-305(Sie)-269(sehen,)-273(so)-269(lange)-268(es)-269(hell)-269(ist.)-305(Aber)-269(die)-268(Nacht)]TJ 0 -13.549 Td [(lebt)-309(auch,)-323(hat)-309(Farben)-308(und)-309(Formen.)-426(Nur)-309(sie)-308(sehen)-309(sie)-309(nicht.)-425(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(nennen)-379(das)-378(Eine)-379(Leben)-379(und)-379(das)-378(Andre)-379(Tod.)-636(Und)-379(der)-379(Tod)-378(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben,)-381(eins)-354(so)-355(gut)-355(wie)-354(das)-355(Andre.)-563(Alles)-355(ist)-355(Leben.)-563(Es)-355(ist)-354(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Neugeb\344ren)-250(in)-250(jeglichem)-250(Sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.451 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.495 -16.186 Td [(Der)-236(Fremde)-237(sagte)-236(ihm)-236(ein)-236(andres)-237(Gleichniss)-236(und)-236(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.078 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.549 Td [(Menschen)-312(rechnen)-313(die)-312(That,)-328(die)-313(Gedanken)-312(sehen)-313(sie)-312(nicht.)-437(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(k\366nnen)-209(die)-210(Gesinnung)-209(nicht)-210(lesen,)-217(die)-209(im)-210(Herzen)-209(ist.)-237(Die)-209(That)-209(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-317(besser)-316(wie)-317(der)-316(Gedanke.)-450(Sondern)-317(er)-316(war)-317(der)-316(Erstgeborne)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-240(wirkt)-239(weiter.)-247(Die)-240(S\374nde)-239(ist)-240(geboren,)-242(ehe)-239(die)-240(That)-240(That)-239(wird.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-378(ist)-379(nicht)-378(mehr)-379(S\374nde)-378(im)-379(Thun)-378(wie)-378(im)-379(Wollen.)-635(Zu)-378(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-289(sprach)-289(die)-289(Schlange.)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.762 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.608 0 Td [(Und)-289(der)-289(Stolz)-289(ist)-289(der)-289(Urgrund)-289(alles)]TJ -125.37 -13.549 Td [(Uebels.)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -21.066 -16.187 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(deutest)-250(Du)-250(das?)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.978 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 136.989 0 Td [([180])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -16.186 Td [(Der)-506(Fremde)-505(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.526 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-506(der)-505(Mensch)-506(anfing)-506(zu)-506(mischen)]TJ -117.325 -13.549 Td [(von)-373(seinem)-372(Willen)-373(in)-372(den)-373(grossen)-373(Gang)-372(des)-373(Wollens,)-403(der)-372(der)]TJ 0 -13.549 Td [(reine)-233(Strom)-234(und)-233(Urquell)-233(des)-234(Lebens)-233(ist.)-245(Er)-233(sprach)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.001 0 Td [(und)-233(er)-234(sollte)]TJ -227.059 -13.549 Td [(h\366ren.)-233(Er)-197(dachte,)-208(wo)-198(er)-197(sehen)-197(sollte.)-233(Ein)-197(Kleines,)-208(Staubgebornes,)]TJ 0 -13.55 Td [(Willk\374rliches)-183(will)-184(stehen,)-196(wo)-184(das)-183(Grosse,)-197(Ewige,)-196(Gesetzte)-183(steht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -16.186 Td [(Er)-319(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.506 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Widerspricht)-319(nicht)-318(Solches)-319(der)-319(eignen)-318(Adligkeit)]TJ -66.305 -13.549 Td [(und)-250(Freiwilligkeit)-250(des)-250(Menschen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.211 -16.186 Td [(Darauf)-441(antwortete)-441(der)-441(Fremde:)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.951 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mit)-441(nichten.)-823(Sondern)-441(ist)]TJ -164.751 -13.549 Td [(es)-384(nicht)-384(edler,)-417(das)-384(Gesetz)-384(in)-384(sich)-384(selbst)-384(zu)-384(erkennen)-384(und)-383(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(folgen,)-552(als)-492(sich)-491(von)-492(aussen)-492(verschreiben)-491(lassen,)-552(Buchstaben)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-394(gehorchen.)-682(Das)-394(ist)-394(Sklaventhum.)-682(Das)-394(Andre)-394(Adliger)-394(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Freigeborner.)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.073 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +576 0 obj << +/Type /Page +/Contents 577 0 R +/Resources 575 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +578 0 obj << +/D [576 0 R /XYZ 310.438 518.175 null] +>> endobj +579 0 obj << +/D [576 0 R /XYZ 46.771 234.276 null] +>> endobj +575 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +583 0 obj << +/Length 5453 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(106)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Johannes)-200(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.143 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-201(kann)-200(das)-201(Gesetz)-200(f\374r)-201(Alle)-200(dasselbe)-201(sein,)]TJ -92.942 -13.549 Td [(so)-383(doch)-383(der)-382(Menschen)-383(viele)-383(sind)-383(und)-383(Millionen,)-416(Jeder)-382(anders)]TJ 0 -13.549 Td [(geht)-250(wie)-250(der)-250(Andre?)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.757 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -76.801 -14.251 Td [(Er)-552(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.15 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-552(ist)-553(auch)-552(nicht)-552(dasselbe)-552(Gesetz)-553(f\374r)-552(Alle.)]TJ -73.949 -13.549 Td [(H\344ndewaschen)-451(ist)-451(nicht)-452(dasselbe,)-501(Kleidertrachten)-451(und)-451(Fasten)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-215(nicht)-215(dasselbe,)-222(G\366tter)-215(von)-215(Stein)-215(und)-214(G\366tter)-215(von)-215(Erzen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 251.024 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.799 0 Td [(Aber)]TJ -258.823 -13.549 Td [(Alle,)-250(die)-250(suchen,)-250(finden)-250(wohl)-250(den)-250(Weg.)]TJ/F21 10.9091 Tf 172.996 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -161.04 -14.251 Td [(Da)-432(erschrak)-431(Johannes)-432(in)-432(seinem)-432(Herzen)-431(und)-432(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.078 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ/F16 7.9701 Tf -337.632 0 Td [([181])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(alten)-401(Weisen)-402(haben)-401(wohl)-401(gelehrt.)-704(Sie)-401(dachten,)-439(sie)-401(h\344tten)-401(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Weisheit)-348(gefunden.)-544(Und)-348(waren)-348(Edle.)-544(Tiefe)-348(Worte)-348(kamen)-347(von)]TJ 0 -13.55 Td [(ihren)-301(Lippen.)-404(Buddha)-301(und)-302(Mohammed)-301(sind)-301(gekommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 253.714 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.742 0 Td [(Wie)]TJ -262.456 -13.549 Td [(sagst)-250(Du,)-250(Einer)-250(ist)-250(wie)-250(der)-250(Andre?)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.011 -14.25 Td [(Er)-385(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.685 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Alle)-385(diese)-386(sind)-385(gegangen)-385(und)-385(haben)-386(gefunden.)]TJ -68.485 -13.549 Td [(Unschuldige)-293(Kindlein)-293(finden)-293(auch,)-304(kleine)-293(Blumen)-292(und)-293(Kr\344uter.)]TJ 0 -13.55 Td [(Es)-255(f\374hren)-255(viele)-255(Wege.)-266(Aber)-255(unselig)-255(sind,)-256(die)-255(stehen)-255(bleiben)-255(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(gehen)-250(um)-250(der)-250(Dornen)-250(willen)-250(und)-250(Steinbl\366cke.)]TJ/F21 10.9091 Tf 225.425 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -213.469 -14.25 Td [(Damit)-305(wollte)-305(er)-305(weitergehen.)-416(Aber)-305(der)-305(Andre)-305(hielt)-305(ihn)-305(an)-305(in)]TJ -11.956 -13.55 Td [(grosser)-312(Angst)-313(seines)-312(Herzens,)-328(flehte)-312(ihn)-313(an)-312(und)-312(bat:)]TJ/F21 10.9091 Tf 236.019 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gieb)-312(mir)]TJ -240.863 -13.549 Td [(ein)-250(Zeichen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.924 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -41.968 -14.25 Td [(Er)-178(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.088 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kein)-179(andres)-178(Zeichen)-179(habe)-178(ich)-179(als)-178(dies:)-214(Die)-179(Blinden)]TJ -62.887 -13.55 Td [(werden)-341(nicht)-341(blind)-341(sein,)-364(ob)-341(sie)-341(gleich)-341(blind)-341(sind.)-523(Die)-341(Lahmen)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-216(gehen)-216(k\366nnen)-216(und)-216(eilen,)-223(ob)-216(sie)-216(lahm)-216(sind,)-222(festgekettet)-216(an)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-224(Lager.)-241(Die)-224(Armen)-224(sind)-223(reich)-224(und)-224(ihr)-224(Reichthum)-224(ist)-223(k\366stlicher)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-314(aller)-314(Reichen.)-442(Die)-314(Todten)-314(sterben)-314(nicht)-314(und)-314(leben,)-330(ob)-314(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(gleich)-236(gestorben)-236(sind.)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.819 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.031 0 Td [(Ein)-236(Kind)-236(findet)-237(es)-236(in)-236(seiner)-236(Einfalt.)-246(Den)]TJ -105.85 -13.55 Td [(Weisen)-250(und)-250(M\344chtigen)-250(aber)-250(bleibt)-250(es)-250(verborgen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 211.767 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -199.811 -14.25 Td [(Er)-378(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.435 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sage)-378(mir)-377(nun)-378(noch)-378(dies)-377(Eine.)-633(So)-378(Einer)-378(S\374nde)]TJ -68.235 -13.549 Td [(gethan)-314(hat,)-330(ist)-314(er)-315(nicht)-314(schlimmer)-314(denn)-314(Einer,)-330(der)-314(keine)-314(gethan)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([182])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(hat?)-236(Warum)-209(denn)-209(sollten)-209(wir)-209(nicht)-209(Alle)-209(s\374ndigen)-209(und)-209(froh)-209(sein?)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.25 Td [(Er)-226(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.864 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-226(Du)-226(sie)-226(thust,)-230(ist)-226(es)-226(Dir)-226(S\374nde.)-242(Die)-226(Andern)-226(aber)]TJ -63.663 -13.549 Td [(gehen)-362(auch)-362(nicht)-362(verloren.)-585(Der)-362(Hochmuth)-362(ist)-362(das)-362(Aergste)-361(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Uebel.)-247(Freude)-241(war)-240(\374ber)-241(den,)-243(der)-240(Busse)-241(thut)-241(vor)-240(neunundneunzig)]TJ 0 -13.55 Td [(Gerechten.)-375(Der)-292(verloren)-291(war)-292(und)-292(heim)-291(kam,)-302(fand)-292(\374ber)-292(dem)-291(der)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(Hause)-250(geblieben,)-250(niemals)-250(irrte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 148.451 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +582 0 obj << +/Type /Page +/Contents 583 0 R +/Resources 581 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +584 0 obj << +/D [582 0 R /XYZ 315.379 421.928 null] +>> endobj +585 0 obj << +/D [582 0 R /XYZ 246.083 148.139 null] +>> endobj +581 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +588 0 obj << +/Length 288 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zehnte)-250(Kapitel.)-16365(107)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(So)-757(liess)-758(er)-757(diesen)-758(und)-757(ging)-758(von)-757(ihm)-758(weiter)-757(in)-757(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Abendd\344mmerung.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +587 0 obj << +/Type /Page +/Contents 588 0 R +/Resources 586 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +586 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +589 0 obj +<< /S /GoTo /D (index11) >> +endobj +592 0 obj +(Das elfte Kapitel.) +endobj +595 0 obj << +/Length 3690 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([183])]TJ/F16 18.9589 Tf 146.049 -67.612 Td [(Das)-272(elfte)-272(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -73.294 -35.716 Td [(Es)-250(war)-250(Fritz)-250(Kuhlemann,)-250(der)-250(ihm)-250(diese)-250(Botschaft)-250(schickte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.208 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-580(ausgehen)-580(sollten,)-662(wohnen)-580(in)-579(reichen)-580(H\344usern.)-1240(In)]TJ -16.799 -13.549 Td [(steinernen)-286(Kirchen)-285(ist)-286(das)-286(Wort)-285(verschlossen)-286(f\374r)-286(bl\366de)-285(Mengen)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-289(Sonntagmorgen.)-367(Die)-289(M\344chtigen)-289(missbrauchen)-289(Deine)-289(Worte)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-651(ihre)-651(Zwecke.)-1452(Man)-651(f\374hrt)-651(Kriege)-651(in)-651(Deinem)-650(Namen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ungerechtes)-178(Gericht)-179(ist)-178(gesprochen)-178(unter)-179(dem)-178(Zeichen)-178(der)-178(Liebe.)]TJ 0 -13.55 Td [(Der)-283(Arme)-282(geht)-283(hungrig.)-348(Der)-283(Niedrige)-283(ist)-283(verachtet.)-348(Der)-282(S\374nder)]TJ 0 -13.549 Td [(stirbt)-362(nachher)-362(wie)-361(zuvor.)-586(Was)-361(ist)-362(Deine)-362(Heilsbotschaft)-362(an)-361(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.095 -14.208 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Siehe)-250(zu,)-250(was)-250(ich)-250(thue:)]TJ/F21 10.9091 Tf -52.101 -14.208 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Soll)-430(ich)-430(Krieg)-430(f\374hren,)-474(um)-430(die)-430(Welt)-430(zu)-430(\374berzeugen?)-790(Der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Hass)-261(w\344re)-261(schlimmer)-261(denn)-260(zuvor.)-283(Die)-261(Sklaven)-261(von)-261(heute)-260(w\344ren)]TJ 0 -13.549 Td [(grausamere)-250(Herren,)-250(als)-250(die)-250(Herren)-250(von)-250(gestern.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([184])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.208 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Soll)-218(ich)-219(Gesetze)-218(geben,)-225(neue)-218(Ordnung)-219(erfinden?)-239(Dies)-219(Gesetz)]TJ -16.799 -13.549 Td [(w\344re)-426(gut,)-470(aber)-426(die)-426(Menschen)-426(sind)-426(schlecht.)-778(Unter)-426(der)-426(guten)]TJ 0 -13.55 Td [(Ordnung)-250(bliebe)-250(die)-250(wilde)-250(W\374ste.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.208 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielen)-401(ist)-402(es)-401(gesagt,)-440(aber)-401(Wenige)-402(h\366ren.)-704(Allen)-402(ist)-401(es)-402(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schlachtwort)-470(und)-470(Wenigen)-470(Frieden.)-909(Einige)-470(finden,)-525(weil)-469(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-379(Anfang)-379(an)-379(hatten,)-411(und)-379(Viele,)-411(die)-379(suchen,)-411(finden)-378(niemals.)]TJ 0 -13.549 Td [(Schrecklich)-315(und)-315(scharf)-315(ist)-315(es,)-332(wie)-315(ein)-315(Schwert,)-331(das)-315(durchbohrt,)]TJ 0 -13.549 Td [(s\374sse)-250(Milch,)-250(die)-250(ganz)-250(junge)-250(Kinder)-250(trinken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 190.276 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -178.321 -14.208 Td [(Er)-332(war)-332(aber)-332(auf)-332(einem)-332(Schiff,)-352(wo)-332(er)-332(dies)-332(sagte,)-353(dass)-332(er)-332(sich)]TJ -11.955 -13.55 Td [(\374bersetzen)-332(liesse)-332(von)-331(einem)-332(Ufer)-332(zum)-332(andern.)-495(Und)-332(es)-332(war)-331(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-295(neben)-294(ihm,)-306(der)-294(ein)-295(Tuch)-294(mit)-295(Samenk\366rnern)-294(eingebunden)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte,)-250(die)-250(er)-250(s\344en)-250(wollte)-250(auf)-250(seinem)-250(Acker.)]TJ 11.955 -14.208 Td [(Er)-250(sprach)-250(zu)-250(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.986 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gieb)-250(mir)-250(von)-250(Deinen)-250(K\366rnern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 134.215 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +594 0 obj << +/Type /Page +/Contents 595 0 R +/Resources 593 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +596 0 obj << +/D [594 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +590 0 obj << +/D [594 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +597 0 obj << +/D [594 0 R /XYZ 93.543 242.538 null] +>> endobj +593 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +600 0 obj << +/Length 4999 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(elfte)-250(Kapitel.)-17198(109)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-250(Mann)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.49 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nimm)-250(so)-250(viele,)-250(wie)-250(Du)-250(willst?)]TJ/F21 10.9091 Tf 133.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -219.665 -15.856 Td [(Er)-250(nahm)-250(eine)-250(Handvoll)-250(und)-250(streute)-250(sie)-250(auf)-250(das)-250(Wasser.)]TJ 0 -15.857 Td [(Sprach)-353(der)-353(Mann)-353(zu)-353(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.364 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-353(kannst)-353(Du)-353(solches)-353(thun,)-379(so)]TJ -137.163 -13.549 Td [(doch)-250(das)-250(Wasser)-250(die)-250(Samen)-250(nicht)-250(h\344lt)-250(und)-250(austreibt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 229.657 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 61.366 0 Td [([185])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.857 Td [(Er)-329(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.849 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sollen)-329(sie)-329(keimen,)-349(wird)-329(es)-330(sie)-329(schon)-329(tragen,)-349(wo)]TJ -66.648 -13.549 Td [(sie)-343(Wurzel)-344(finden.)-529(Die)-344(Erde)-343(ist)-343(nicht)-344(besser)-343(denn)-343(das)-343(Wasser.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wo)-250(ein)-250(Same)-250(leben)-250(soll,)-250(m\374ssen)-250(tausende)-250(sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.665 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -207.71 -15.857 Td [(Und)-250(es)-249(war)-250(ein)-250(Buckliger)-249(auf)-250(demselben)-249(Schiff,)-250(der)-250(war)-249(ganz)]TJ -11.955 -13.549 Td [(verwachsen.)-239(Alle)-217(Knochen)-217(seines)-217(Leibes)-217(standen)-217(schief)-217(und)-217(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesicht)-318(war)-319(scheusslich)-318(anzusehen)-319(mit)-318(schielenden)-319(Augen)-318(und)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-250(platten,)-250(queren)-250(Nase.)]TJ 11.955 -15.857 Td [(Derselbe)-525(sprach)-524(zu)-525(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 123.437 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Meister,)-593(es)-525(ist)-524(recht,)-594(was)-524(Du)]TJ -140.236 -13.549 Td [(sagst,)-297(dass)-287(alle)-288(Menschen)-287(gleich)-288(sind,)-297(und)-287(ist)-287(nicht)-288(Einer)-287(sch\366n)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-455(der)-456(Andre)-455(h\344sslich,)-507(Jener)-456(klug)-455(und)-456(Dieser)-455(th\366richt.)-866(So)]TJ 0 -13.549 Td [(sage)-356(auch)-357(diesen,)-383(dass)-356(sie)-357(mich)-356(sch\366n)-357(finden,)-383(und)-356(lobe)-356(meine)]TJ 0 -13.55 Td [(Verwachsenheit,)-250(die)-250(keine)-250(Missgestaltung)-250(mehr)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 225.119 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -213.164 -15.856 Td [(Er)-297(sprach)-298(zu)-297(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.57 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-297(habe)-298(ich)-297(mit)-298(Dir)-297(zu)-297(schaffen?)-393(Ganz)]TJ -99.369 -13.549 Td [(h\344sslich)-326(bist)-327(Du)-326(und)-327(schauerlich)-326(anzusehen.)-479(Was)-327(wagst)-326(Du)-326(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(hoffen)-294(von)-295(der)-294(Sch\366nheit,)-305(die)-295(Du)-294(beleidigst,)-306(und)-294(woher)-294(kommt)]TJ 0 -13.55 Td [(Dir)-250(der)-250(Muth,)-250(der)-250(Du)-250(feige)-250(bist)-250(und)-250(ganz)-250(niedrig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 214.81 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -202.855 -15.856 Td [(Trieb)-315(ihn)-315(von)-315(sich)-315(mit)-315(harten)-315(Worten)-315(und)-315(sah)-315(wieder)-315(in)-316(den)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Fluss,)-250(darin)-250(die)-250(Landschaft)-250(sich)-250(spiegelte)-250(im)-250(klaren)-250(Wasser.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([186])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.857 Td [(Aber)-250(sie)-249(h\366rten)-250(es)-249(nicht)-250(gern.)-250(Die,)-249(die)-250(das)-249(h\366rten,)-250(fuhren)-250(fort,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(das)-216(Volk)-217(zu)-216(reizen)-216(zur)-216(Gewalt,)-223(um)-217(die)-216(Machthaber)-216(umzust\374rzen,)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-188(System)-188(und)-188(Lehrs\344tze)-188(zu)-187(erfinden,)-201(die)-188(Alles)-187(gerecht)-188(machen)]TJ 0 -13.549 Td [(sollten,)-304(dass)-292(Jeder)-293(seine)-293(F\374lle)-293(h\344tte,)-304(kein)-293(Unfrieden)-293(mehr)-292(sei)-293(in)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-535(Welt.)-1104(Diesen)-535(liefen)-534(Viele)-535(zu.)-1104(Sie)-535(hatten)-535(ein)-534(grosses)]TJ 0 -13.549 Td [(Gefolge)-464(hinter)-464(sich,)-517(die)-464(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.346 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Morgen)-464(kommt)-464(der)-464(grosse)]TJ -158.19 -13.549 Td [(Zusammensturz.)-496(Wir)-332(werden)-332(dann)-332(essen,)-352(die)-332(wir)-332(jetzt)-332(hungrig)]TJ 0 -13.549 Td [(sind.)-363(Wir)-287(werden)-288(herrschen,)-297(die)-287(dienen.)-363(Wir)-288(sind)-287(Viele)-288(und)-287(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-312(Wenige.)-435(Lasst)-311(uns)-312(uns)-311(zusammenrotten)-312(und)-312(laut)-311(schreien,)]TJ 0 -13.55 Td [(dass)-238(wir)-238(sie)-238(\374bert\344uben)-238(und)-238(ihre)-238(Stimmen)-238(mit)-238(unseren)-238(Stimmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(zahlreicher)-250(sind)-250(und)-250(lauter)-250(schreien.)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.89 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +599 0 obj << +/Type /Page +/Contents 600 0 R +/Resources 598 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +601 0 obj << +/D [599 0 R /XYZ 46.771 472.771 null] +>> endobj +602 0 obj << +/D [599 0 R /XYZ 46.771 215.112 null] +>> endobj +598 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +605 0 obj << +/Length 4808 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(110)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Gewaltig)-511(erscholl)-511(die)-510(Stimme)-511(Fritz)-511(Kuhlemann)]TJ/F21 10.9091 Tf 221.181 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-511(aus)-511(der)]TJ -236.769 -13.549 Td [(grossen)-503(Stadt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.998 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gebt)-503(Eure)-504(G\374ter)-503(und)-504(verlasst)-503(Eure)-504(stolzen)]TJ -79.841 -13.549 Td [(Pal\344ste!)-781(Gebt)-427(Eure)-428(Macht)-427(auf,)-471(Ihr)-427(Herren)-427(und)-427(Regierenden!)]TJ 0 -13.549 Td [(Lasst)-295(uns)-295(gute)-295(Gesetze)-296(haben)-295(und)-295(nicht)-295(mehr)-295(unsre)-295(Frauen)-295(und)]TJ 0 -13.55 Td [(M\344dchen)-340(verkaufen)-340(zu)-340(Laster)-339(und)-340(Unzucht!)-520(Wir)-340(wollen)-339(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Kriege)-315(mehr)-314(und)-315(keine)-315(Hungersnoth.)-444(Wir)-314(wollen)-315(Alle)-314(arbeiten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-405(essen.)-714(Einer)-405(soll)-404(sein)-405(wie)-405(der)-405(Andre,)-443(Keiner)-405(K\366nig)-404(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Keiner)-292(ein)-293(Bettler.)-377(Unsre)-293(Frauen)-292(sollen)-293(gleichgeachtet)-292(sein)-292(wie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([187])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(wir)-342(und)-341(unsre)-342(T\366chter)-341(wie)-341(unsre)-342(S\366hne.)-524(Wir)-342(wollen)-341(gl\374cklich)]TJ 0 -13.55 Td [(sein)-355(auf)-355(dieser)-355(Welt)-355(und)-355(Kinder)-355(zeugen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 188.439 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.327 0 Td [(Denn)-355(was)-355(nachher)]TJ -197.766 -13.549 Td [(kommt,)-250(wissen)-250(wir)-250(nicht,)-250(Niemand)-250(kann)-250(an)-250(gegen)-250(den)-250(Tod.)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.574 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -248.618 -15.186 Td [(Ein)-360(junger)-361(Mann)-360(kam)-360(zu)-361(dem)-360(Fremden.)-581(Er)-361(wollte)-360(mit)-360(ihm)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-250(seinen)-250(Seelenzustand)-250(sprechen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Er)-217(sagte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.672 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-218(habe)-217(immer)-218(ein)-217(untadeliges)-218(Leben)-217(gef\374hrt.)-239(Von)]TJ -57.471 -13.55 Td [(Lastern)-315(und)-315(verbotnen)-314(Dingen)-315(habe)-315(ich)-314(mich)-315(ferngehalten.)-444(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-407(versucht,)-446(meinen)-406(Geist)-407(zu)-407(bilden)-406(mit)-407(allem)-407(Wissen)-406(und)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-407(Bildung)-408(unsrer)-407(Zeit.)-722(Ich)-407(habe)-408(meine)-407(Lehrer)-407(in)-407(Ehrfurcht)]TJ 0 -13.549 Td [(gehalten)-379(und)-380(meinen)-379(Eltern)-380(gehorcht.)-638(Gegen)-379(Niedrigstehende)]TJ 0 -13.549 Td [(bem\374he)-332(ich)-331(mich)-332(h\366flich)-331(und)-332(gerecht)-331(zu)-332(sein.)-494(Es)-332(fehlt)-331(meinen)]TJ 0 -13.55 Td [(Leuten)-310(an)-310(nichts.)-431(Sie)-310(haben)-310(ihre)-310(Geb\374hr)-310(und)-310(\374ber)-310(Geb\374hr.)-430(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-281(allgemein)-282(angesehen)-281(und)-281(hochgeachtet.)-344(Wenn)-282(ich)-281(ein)-281(Weib)]TJ 0 -13.549 Td [(nehmen)-447(will,)-496(wird)-447(Niemand)-447(z\366gern,)-496(mir)-447(seine)-447(beste)-446(Tochter)]TJ 0 -13.549 Td [(anzuvertrauen.)-370(Ich)-289(werde)-290(sie)-290(unschuldig,)-300(wohlgebildet)-290(und)-289(von)]TJ 0 -13.549 Td [(gutem)-278(Ruf)-277(nehmen,)-285(wie)-277(ich)-278(selber)-278(bin.)-333(Es)-277(klebt)-278(kein)-277(St\344ubchen)]TJ 0 -13.55 Td [(an)-376(meinem)-376(Verm\366gen.)-627(Alles)-376(ist)-376(auf)-376(ehrliche)-376(Weise)-375(erworben)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-313(von)-312(meinen)-313(Voreltern)-312(langsam)-312(erarbeitet.)-438(Kein)-312(Blutrichter)]TJ 0 -13.549 Td [(f\344nde)-478(einen)-478(Flecken)-478(daran.)-933(Niemand)-478(ist)-478(von)-478(mir)-478(um)-477(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Pfennig)-516(betrogen.)-1048(Dem)-516(Staat)-517(zahle)-516(ich)-516(p\374nklich,)-582(was)-516(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(zukommt.)-284(Ich)-261(betheilige)-261(mich)-261(an)-261(allen)-261(Wohlfahrtseinrichtungen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([188])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(und)-275(gemeinn\374tzigen)-276(Anstalten.)-326(Die)-275(Leute)-276(auf)-275(meiner)-275(Besitzung)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-352(gl\374cklich)-351(gepriesen)-352(von)-351(Allen.)-555(Sprich)-351(nun)-352(selbst,)-377(bin)-351(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(vollkommen)-250(so)-250(und)-250(nach)-250(Deinem)-250(Sinn?)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.885 -15.186 Td [(Er)-230(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.932 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-230(sagst,)-234(dass)-230(Du)-230(G\374ter)-230(hast.)-243(Nimm)-230(Deine)-231(G\374ter,)]TJ -63.73 -13.549 Td [(den)-290(letzten)-290(Pfennig,)-301(den)-290(Du)-290(besitzest,)-301(und)-290(gieb)-290(ihn)-290(den)-290(Armen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +604 0 obj << +/Type /Page +/Contents 605 0 R +/Resources 603 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 580 0 R +>> endobj +606 0 obj << +/D [604 0 R /XYZ 358.42 423.331 null] +>> endobj +607 0 obj << +/D [604 0 R /XYZ 93.543 135.525 null] +>> endobj +603 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +610 0 obj << +/Length 4837 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(elfte)-250(Kapitel.)-17198(111)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(den)-250(Bettlern)-250(und)-250(den)-250(Hunden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.193 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.237 -14.25 Td [(Der)-299(junge)-298(Mann)-299(ward)-299(sehr)-298(traurig)-299(und)-299(ging)-298(von)-299(ihm.)-396(Er)-298(sah)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihm)-346(lange)-346(nach,)-370(denn)-346(er)-346(war)-346(ein)-346(trefflicher)-346(junger)-346(Mann,)-370(licht)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(sch\366n)-250(von)-250(Ansehen,)-250(der)-250(das)-250(Gute)-250(suchte.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Darauf)-419(sprach)-419(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 85.829 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-419(Reichthum)-419(ist)-420(schlimmer)-419(denn)-419(die)]TJ -102.628 -13.55 Td [(Wollust,)-474(die)-430(Wollust)-430(giebt)-429(f\374r)-430(Andre.)-788(Er)-430(denkt)-429(nur)-430(an)-429(sich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Auch)-297(thut)-296(der)-296(wohl)-297(eher)-296(Busse,)-308(der)-297(grobe)-296(S\374nde)-297(thut,)-308(denn)-296(der)]TJ 0 -13.549 Td [(angesehen)-251(ist)-250(vor)-251(aller)-250(Welt)-251(und)-250(niemals)-251(fiel.)-252(Ach)-250(es)-251(ist)-250(schwer!)]TJ 0 -13.549 Td [(schwer)-222(f\374r)-222(einen)-222(Menschen,)-228(der)-222(viele)-222(G\374ter)-222(hat,)-228(dass)-222(er)-222(das)-222(Gute)]TJ 0 -13.549 Td [(finde!)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.095 -14.251 Td [(Nun)-481(sprach)-481(Jemand)-480(aus)-481(seiner)-481(Umgebung)-481(zu)-481(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.445 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)]TJ -261.245 -13.549 Td [(n\374tzt)-349(es)-349(den)-349(Armen,)-374(so)-349(Einer)-349(giebt?)-547(Es)-349(k\344me)-349(wenig)-349(auf)-349(Alle.)]TJ 0 -13.549 Td [(Morgen)-443(w\344re)-443(dasselbe)-442(wieder,)-491(dass)-443(Einige)-443(nichts)-443(h\344tten)-442(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Andre)-250(mehr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.135 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -43.179 -14.25 Td [(Er)-363(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.946 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-363(ist)-362(nicht)-363(um)-363(der)-362(Armen)-363(willen.)-588(Wenn)-363(er)-362(es)]TJ/F16 7.9701 Tf 223.279 0 Td [([189])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(auf)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.931 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-248(Meer)-249(w\374rfe,)-248(die)-249(Wellen)-248(tr\374gen)-248(es)-249(fort,)-248(w\344re)-249(es)-248(ihm)-248(ebenso)]TJ -17.564 -13.549 Td [(gut.)-605(Siehst)-369(Du)-368(nicht,)-398(dass)-368(seine)-369(G\374ter)-368(wie)-369(eine)-368(Mauer)-368(stehen)]TJ 0 -13.55 Td [(zwischen)-445(seinem)-446(Thun)-445(und)-446(dem)-445(freien)-446(Wollen)-445(seiner)-445(Seele?)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-207(seine)-208(Liebe)-207(bleibt)-208(eingeschlossen)-207(und)-207(wird)-208(ersticken)-207(in)-207(ihm,)]TJ 0 -13.549 Td [(ohnm\344chtig)-382(und)-381(schlaff)-382(werden.)-644(Nur)-382(weil)-381(er)-382(reich)-381(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 254.661 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.616 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(Arme)-295(liebt)-294(wohl)-295(leichter.)-383(Er)-295(hat)-294(daf\374r)-295(Neid)-294(und)-295(Niedrigkeit)-294(als)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-235(Feinde.)-246(Die)-235(Seelen,)-238(auf)-236(denen)-235(das)-235(Joch)-236(lange)-235(liegt,)-238(werden)]TJ 0 -13.55 Td [(niedrig.)-454(Und)-318(die)-317(wahre)-318(Liebe)-318(ist)-318(stolz)-318(und)-318(eine)-318(K\366nigin.)-453(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-271(begehren,)-275(sind)-271(Sklaven.)-311(Nur)-271(der)-270(nichts)-271(mehr)-270(begehrt,)-276(ist)-270(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Vornehmer)-250(und)-250(ein)-250(F\374rst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -100.757 -14.251 Td [(Wenige)-370(verstanden)-370(dies)-369(und)-370(Viele)-370(murrten)-370(dar\374ber.)-609(Einige)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sagten,)-333(er)-317(liebt)-316(nur)-317(die)-316(Armen.)-449(Die)-317(Andern)-316(fanden,)-334(dass)-316(er)-316(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Reaction\344r)-250(sei)-250(und)-250(es)-250(mit)-250(den)-250(Hohen)-250(nicht)-250(verderben)-250(wollte.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Es)-315(gefiel)-316(ihnen)-315(auch)-316(sehr,)-332(ihm)-315(schwierige)-316(Fragen)-315(zu)-315(stellen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(weil)-322(sie)-323(ihn)-322(fangen)-322(wollten)-322(in)-323(den)-322(Antworten.)-467(Und)-322(er)-322(schickte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-284(ihnen)-285(zur\374ck,)-293(fragte:)-319(Was)-284(w)-200(i)-200(l)-200(l)-200(s)-200(t)-284(Du)-285(thun?,)-293(dass)-284(sie)-284(selber)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-212(antworten)-211(mussten,)-219(besch\344mt)-212(standen)-212(in)-211(ihrer)-212(Nacktheit)-211(und)]TJ 0 -13.549 Td [(List.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(So)-250(war)-250(ein)-250(Mann,)-250(der)-250(ein)-250(Eheweib)-250(hatte,)-250(die)-250(ihn)-250(betrog.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([190])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +609 0 obj << +/Type /Page +/Contents 610 0 R +/Resources 608 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +611 0 obj << +/D [609 0 R /XYZ 275.874 325.681 null] +>> endobj +612 0 obj << +/D [609 0 R /XYZ 46.771 63.764 null] +>> endobj +608 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +616 0 obj << +/Length 5061 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(112)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-344(kam)-344(zu)-344(ihm)-344(und)-344(fragte,)-367(ob)-344(er)-344(ihr)-344(verzeihen)-344(sollte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.867 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)]TJ -263.667 -13.549 Td [(Gesetz)-212(erlaubt)-213(mir,)-220(mich)-212(von)-212(ihr)-213(zu)-212(trennen,)-220(sie)-212(zu)-213(strafen)-212(an)-212(Gut)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-342(Habe.)-527(Die)-343(allgemeine)-342(Meinung)-342(und)-343(meine)-342(St\344rke)-342(w\374rden)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-229(wohl)-229(gestatten,)-233(sie)-229(zu)-229(t\366dten.)-243(Das)-229(erste)-228(ist)-229(Gerechtigkeit,)-233(das)]TJ 0 -13.55 Td [(zweite)-250(Rache.)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.189 0 Td [(\034)]TJ -49.233 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(Deine)-250(Liebe?)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.975 0 Td [(\034)]TJ -84.818 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-279(sie)-280(hat)-279(meine)-280(Liebe)-279(verrathen.)-338(Alle)-280(Z\344rtlichkeiten,)-287(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-346(ihr)-346(erwiesen)-345(habe,)-370(sind)-346(vergessen.)-537(Sie)-346(hat)-346(Kinder)-346(von)-345(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(gehabt.)-737(Ich)-412(habe)-413(ihr)-412(Ehre)-412(gezollt)-413(als)-412(dem)-412(Oberhaupt)-412(meines)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauses.)-604(Ihre)-368(Sch\366nheit)-368(erfreute)-368(mich.)-604(Ich)-368(gab)-368(ihr)-368(genug,)-397(um)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-406(zu)-407(schm\374cken.)-719(Keiner)-406(ihrer)-406(W\374nsche,)-446(den)-406(es)-406(in)-406(meiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Macht)-251(war)-251(zu)-250(erf\374llen,)-251(blieb)-251(unerf\374llt.)-252(Ich)-251(liebte)-251(ihren)-250(Verstand,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-447(Art)-447(sich)-447(auszudr\374cken,)-496(die)-447(Weichheit)-446(ihrer)-447(Stimme,)-496(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebesbezeugungen,)-265(die)-262(sie)-263(mir)-262(erwies,)-265(und)-262(dadurch)-262(Neigungen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(mir)-250(erweckte,)-250(ihre)-250(Sch\374chternheit)-250(und)-250(H\374lflosigkeit)-250(selbst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 268.756 0 Td [(\034)]TJ -256.8 -14.532 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-346(ihre)-346(Seele?)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.638 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.229 0 Td [(Hast)-346(Du)-346(ihre)-346(Seele)-346(geliebt?)-538(Was)-346(in)-346(ihr)]TJ -103.666 -13.549 Td [(schwach)-276(war)-276(und)-277(arm)-276(und)-276(nach)-276(H\374lfe)-277(schrie?)-328(Ihre)-276(Z\366gerungen,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-411(Glauben)-411(an)-411(Dich,)-451(Deine)-411(Vollkommenheit,)-451(die)-411(nicht)-410(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-347(verzweifelte)-348(Liebe,)-371(die)-348(im)-347(Fleisch)-347(suchte,)-372(was)-347(in)-347(Deiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Seele)-411(fern)-410(von)-411(ihr)-410(war,)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.586 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.933 0 Td [(Deine)-411(Seele,)-450(die)-411(sich)-410(nicht)-411(mit)-410(ihr)]TJ/F16 7.9701 Tf -194.275 0 Td [([191])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(vereinigen)-397(konnte.)-692(Die)-397(sie)-397(in)-397(die)-397(Arme)-397(eines)-397(Andern)-397(fliehen)]TJ 0 -13.55 Td [(machte,)-320(der)-307(sie)-306(noch)-306(ungl\374cklicher)-307(liess?)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.15 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.796 0 Td [(Diese)-306(arme,)-321(nackte)]TJ -195.946 -13.549 Td [(frierende,)-250(besch\344mte)-250(Seele,)-250(hast)-250(Du)-250(sie)-250(geliebt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 208.429 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -196.474 -14.531 Td [(Auch)-301(der)-301(verstand)-300(ihn)-301(nicht.)-403(Viele)-301(Leute)-300(sagten)-301(nun:)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.943 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-301(ist)]TJ -256.741 -13.549 Td [(nachsichtig)-320(f\374r)-320(die)-320(S\374nden)-320(des)-320(Fleisches.)-460(Huren)-320(und)-319(L\374stlinge)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-250(ihm)-250(recht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 65.149 0 Td [(\034)]TJ -53.194 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-315(S\374nden)-315(der)-315(Wollust)-316(sind)-315(traurig,)]TJ/F21 10.9091 Tf 164.146 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.281 0 Td [(sagte)-315(er.)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.919 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-315(tragen)]TJ -235.989 -13.55 Td [(ihre)-401(Strafe)-401(in)-402(sich.)-703(In)-402(dieser)-401(Traurigkeit,)-439(die)-401(nachher)-401(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-584(der)-584(Unvollkommenheit)-584(der)-584(Liebe,)-668(dass)-584(es)-584(nur)-584(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(Unvollkommnes)-489(ist,)-548(was)-489(sie)-489(geb\344rt.)-967(Die)-489(Unreinheit)-489(ist)-488(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Gift,)-320(das)-306(Alles)-306(vergiftet,)-320(das)-306(ihr)-306(naht.)-418(Es)-306(giebt)-305(keine)-306(Sch\366nheit)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-473(f\374r)-472(den,)-529(der)-472(faul)-473(sieht.)-918(Sie)-473(lieben)-473(nicht,)-528(die)-473(sich)-472(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Leidenschaft)-238(hingegeben)-238(haben.)-247(Das)-238(ist)-238(eine)-238(eiternde)-238(Krankheit,)]TJ 0 -13.549 Td [(W\374rmerfrass)-250(der)-250(Seele.)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.687 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +615 0 obj << +/Type /Page +/Contents 616 0 R +/Resources 614 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +617 0 obj << +/D [615 0 R /XYZ 276.864 257.795 null] +>> endobj +614 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +620 0 obj << +/Length 5563 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(elfte)-250(Kapitel.)-17198(113)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-353(w\344re)-353(es)-352(also)-353(besser,)-379(ganz)-353(keusch)-352(zu)-353(sein,)-379(keine)-353(Kinder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mehr)-341(zu)-341(zeugen)-341(und)-342(dass)-341(die)-341(Welt)-341(aufh\366rte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 200.54 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.565 0 Td [(fragte)-341(Einer.)-523(Er)]TJ -209.105 -13.549 Td [(war)-246(ein)-246(Mann,)-246(der)-246(im)-246(Laster)-246(gelebt)-246(hatte,)-246(und)-246(er)-246(wollte)-246(ihm)-245(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Falle)-250(stellen,)-250(um)-250(zu)-250(sagen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.778 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Welch)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(ein)-250(Unsinn!)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.207 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -197.706 -14.041 Td [(Er)-224(sah)-223(ihn)-224(lange)-224(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.828 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-224(weisst)-223(Du)-224(von)-224(der)-223(Keuschheit?)-242(Das)]TJ -104.627 -13.549 Td [(ist)-313(die)-313(weisse)-313(Blume)-313(des)-313(Paradieses,)-329(das)-313(erste)-313(Gewebe)-313(aus)-313(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Strahlen)-234(der)-235(Morgenr\366the.)-244(Wenige)-235(sind)-234(ihrer)-234(theilhaftig.)-245(Und)-234(ob)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([192])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sie)-310(nackt)-311(gingen)-310(durch)-310(den)-311(eklen)-310(Sumpf,)-325(er)-311(befleckte)-310(sie)-310(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-343(Schande)-343(und)-343(Schmach)-343(kann)-343(ihnen)-343(nichts)-343(anhaben,)-366(d)-200(e)-200(n)-200(n)]TJ 0 -13.55 Td [(s)-200(i)-200(e)-651(s)-200(c)-200(h)-200(\344)-200(m)-200(e)-200(n)-651(s)-200(i)-200(c)-200(h)-650(n)-200(i)-200(c)-200(h)-200(t.)-239(Das)-217(ist)-217(das)-217(H\366chste,)-224(sich)-216(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(sch\344men.)-250(Weil)-250(die)-250(Scham)-250(in)-250(uns)-250(ist)-250(von)-250(der)-250(S\374nde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 236.945 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -224.989 -14.04 Td [(Aber)-250(Viele)-250(wollten,)-250(dass)-250(er)-250(sich)-250(deutlicher)-250(erkl\344rte.)]TJ 0 -14.04 Td [(Er)-209(that)-209(es)-209(nicht:)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.946 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht)-209(begreifen)-209(nur)-209(sie)-209(es,)-218(die)-209(das)-209(Andre)]TJ -86.746 -13.549 Td [(gekannt)-435(haben,)-482(durchgegangen)-435(sind)-435(durch)-435(den)-435(feurigen)-435(Ofen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-276(im)-275(Feuer)-276(wieder)-276(rein)-275(wurden.)-327(Die)-276(irdische)-275(unvollkommene)]TJ 0 -13.55 Td [(Liebe)-270(ist)-269(in)-270(sich)-269(ein)-270(Abbild)-269(der)-270(andern.)-309(Sie)-269(giebt)-270(die)-269(Sehnsucht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-197(Sehnsucht)-197(schafft)-197(neues)-198(Leben)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.138 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.604 0 Td [(immer)-197(neues!)-233(Sie)-197(sind)-197(wohl)]TJ -160.742 -13.549 Td [(die)-192(Ungl\374cklichsten,)-204(die)-193(nie)-192(geliebt)-193(haben.)-231(Sie)-192(sind)-192(unfruchtbar.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.04 Td [(Manche)-329(h\344tten)-329(gehofft,)-348(dass)-329(er)-329(mehr)-328(dar\374ber)-329(sagte.)-487(Aber)-328(er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hielt)-250(seinen)-250(Mund)-250(geschlossen)-250(und)-250(sprach)-250(nicht)-250(mehr)-250(den)-250(Tag.)]TJ 11.956 -14.041 Td [(So)-358(setzten)-358(sie)-358(ihm)-357(zu)-358(mit)-358(vielen)-358(spitzfindigen)-358(Fragen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.9 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ -266.699 -13.549 Td [(habe)-322(meinem)-323(Nachbar)-322(Geld)-323(geliehen.)-467(Nun)-322(will)-322(er)-323(es)-322(mir)-322(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wiedergeben.)-250(Ist)-250(er)-250(im)-250(Recht)-250(oder)-250(ich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 168.742 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -156.786 -14.04 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(forderst)-250(Du)-250(es?)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 124.88 0 Td [([193])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.04 Td [(Es)-413(entstand)-413(da)-413(ein)-413(ganz)-413(l\344cherlicher)-413(Disput)-413(\374ber)-413(die)-413(Ehre.)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-678(Einer)-679(mich)-678(geschlagen)-679(hat,)-785(muss)-679(ich)-678(ihn)-678(wieder)]TJ -4.844 -13.55 Td [(schlagen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.015 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -31.059 -14.04 Td [(Er)-555(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.235 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-555(Schlag)-555(und)-555(noch)-554(ein)-555(Schlag)-555(sind)-555(zwei)]TJ -74.034 -13.549 Td [(Schl\344ge.)-768(Machst)-423(Du)-423(ein)-423(Loch)-422(damit)-423(zu,)-466(dass)-423(Du)-423(es)-422(doppelt)]TJ 0 -13.549 Td [(weit)-250(einschl\344gst?)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.837 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -62.881 -14.04 Td [(Aber)-269(in)-269(seinem)-269(Herzen)-269(wurde)-269(es)-269(traurig)-269(\374ber)-269(sie.)-307(Und)-269(er)-268(that)]TJ -11.956 -13.55 Td [(seinen)-250(Mund)-250(auf)-250(und)-250(fing)-250(an)-250(zu)-250(wehklagen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Arme!)-241(die)-222(Ihr)-222(reich)-223(seid,)-227(und)-223(Eure)-222(G\374ter)-222(fressen)-222(Euch)-223(selbst,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Geiz,)-451(Neid)-410(und)-410(Habsucht!)-732(Was)-410(Du)-411(zu)-410(viel)-410(hast,)-451(nimmst)-410(Du)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +619 0 obj << +/Type /Page +/Contents 620 0 R +/Resources 618 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +621 0 obj << +/D [619 0 R /XYZ 85.688 436.389 null] +>> endobj +622 0 obj << +/D [619 0 R /XYZ 46.771 201.231 null] +>> endobj +618 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +625 0 obj << +/Length 4528 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(114)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(einem)-368(Andern,)-397(der)-368(zu)-368(wenig)-368(hat,)-397(und)-368(f\374r)-368(jedes)-367(Ueberfl\374ssige,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Du)-250(Deinem)-250(Leibe)-250(anthust,)-250(leidet)-250(ein)-250(Andrer)-250(Mangel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geht)-552(Ihr)-553(hin)-552(und)-552(gebt)-553(Theile,)-628(baut)-552(Krankenh\344user)-553(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sammelt)-473(f\374r)-472(Wohlfahrtsanstalten:)-696(Dies)-473(thue)-472(ich)]TJ/F21 10.9091 Tf 226.069 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.612 0 Td [(und)-473(wollt)]TJ -236.681 -13.55 Td [(Lob)-226(Eurer)-226(Nachbarn)-226(und)-226(Ansehen)-226(vor)-226(den)-226(Leuten,)-231(Ihr)-225(Heuchler!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wo)-248(Ihr)-248(nicht)-248(genommen)-248(habt)-249(zuvor,)-248(was)-248(brauchet)-248(Ihr)-248(zu)-248(geben?)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-309(sagt,)-324(dass)-309(Ihr)-309(sie)-309(hochbringt)-309(und)-309(streitet)-309(f\374r)-309(die)-309(Freiheit)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Eurer)-568(Br\374der,)-648(Gesetze,)-648(Unterricht)-568(und)-568(B\374rgerrechte.)-1204(Was)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchtet)-429(Ihr)-430(Freiheit,)-474(wenn)-430(Ihr)-429(nicht)-430(Unfreie)-429(gemacht)-429(h\344ttet)]TJ 0 -13.55 Td [(zuvor,)-576(Eure)-511(Seelen)-512(nicht)-511(in)-511(Banden)-511(w\344ren)-511(des)-511(Geizes,)-576(des)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([194])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Trotzes,)-315(des)-302(Hochmuths,)-316(der)-302(L\374ge,)-315(der)-302(Tr\344gheit)-302(und)-302(der)-302(feigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Angst?)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nach)-349(Macht)-348(trachtet)-349(Ihr)-349(selbst,)-373(wie)-349(Ihr)-348(Euch)-349(hochbaut)-349(vor)]TJ -16.799 -13.549 Td [(den)-253(Leuten,)-254(dass)-253(sie)-253(Euch)-254(anstaunen)-253(m\366chten.)-259(Innerlich)-253(seid)-253(Ihr)]TJ 0 -13.55 Td [(hohl.)-242(Ihr)-228(zehrt)-227(vom)-227(Kostbarsten,)-232(das)-228(Ihr)-227(habt.)-242(Und)-228(wenn)-227(der)-227(Tag)]TJ 0 -13.549 Td [(kommt,)-223(dass)-217(man)-217(Euren)-216(Leib)-217(zu)-217(Grabe)-216(tr\344gt,)-224(Eure)-216(Seele)-217(war)-216(todt)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(Euch)-250(lange)-250(vorher.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-387(denkt,)-421(Ihr)-387(habt)-387(gefunden,)-421(darum)-387(sucht)-387(Ihr)-387(nicht)-387(mehr.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Das)-244(Gesuchte)-243(ist)-244(weiter)-243(von)-244(Euch,)-244(denn)-244(da)-243(Ihr)-244(irrtet)-243(in)-244(Noth)-243(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Zagen.)-380(Ihr)-293(stopft)-294(die)-293(\344ussre)-293(Wunde)-294(zu)-293(und)-293(der)-294(Brand)-293(frisst)-293(fort)]TJ 0 -13.55 Td [(inwendig.)-617(Ihr)-373(seid)-372(stolz)-373(in)-372(Eurer)-373(Erkenntniss,)-403(Eurem)-372(Wissen,)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366stlichen)-184(Kleidern)-185(um)-184(Eure)-184(Nacktheit.)-228(Und)-185(wenn)-184(Ihr)-184(ganz)-184(nackt)]TJ 0 -13.549 Td [(steht,)-282(kommt)-275(der)-275(Frost.)-325(Ihr)-276(erstarrt)-275(unter)-275(dem)-275(faulen)-275(Schimmer.)]TJ 0 -13.549 Td [(Eure)-311(Herrlichkeit)-311(ist)-311(die)-311(der)-311(Eintagsfliege,)-326(Eure)-311(Gr\366sse)-311(die)-310(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Maulwurfs,)-250(der)-250(seinen)-250(Erdhaufen)-250(aufwirft.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.187 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-446(Ihr)-446(Kleinen!)-839(Ihr)-447(Armseligen!)-838(Ihr)-447(Ungl\344ubigen!)-839(Wie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ungl\374cklich)-234(seid)-234(Ihr)-235(in)-234(Eurem)-234(Gl\374cke!)-245(Wie)-234(erb\344rmlich)-234(in)-234(Eurem)]TJ 0 -13.549 Td [(Stolz!)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-337(Kinder)-337(und)-337(Unm\374ndigen)-336(werden)-337(wissen)-337(vor)-337(Euch,)-359(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Kleinen,)-439(die)-402(Ihr)-401(verachtet)-401(habt.)-704(Das)-401(Lamm)-402(wird)-401(st\344rker)-401(sein)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([195])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(denn)-242(der)-243(L\366we,)-244(der)-242(laut)-243(br\374llt.)-247(Eine)-243(Jungfrau)-242(mit)-243(der)-242(Seide)-242(ihres)]TJ 0 -13.549 Td [(Haares)-250(wird)-250(K\366nigreiche)-250(leiten,)-250(die)-250(der)-250(Eisenfuss)-250(zertritt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wehe)-250(Euch!)-250(Wehe)-250(Euch!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +624 0 obj << +/Type /Page +/Contents 625 0 R +/Resources 623 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +626 0 obj << +/D [624 0 R /XYZ 153.57 390.958 null] +>> endobj +627 0 obj << +/D [624 0 R /XYZ 105.499 277.291 null] +>> endobj +628 0 obj << +/D [624 0 R /XYZ 105.499 166.26 null] +>> endobj +629 0 obj << +/D [624 0 R /XYZ 265.301 109.427 null] +>> endobj +623 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +632 0 obj << +/Length 1120 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(elfte)-250(Kapitel.)-17198(115)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-313(Pflanzen)-313(wissen,)-329(die)-313(Felsst\374cke.)-439(Die)-313(Wasser,)-329(die)-313(ihren)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Weg)-250(laufen.)-250(Alle)-250(Sterne,)-250(die)-250(gehen)-250(in)-250(ihrer)-250(Bahn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-404(werdet)-403(nie)-404(wissen,)-442(die)-404(Ihr)-403(klug)-404(seid.)-711(Ihr)-404(k\366nnt)-404(nicht,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-356(Ihr)-355(stark)-355(seid.)-567(Die)-355(wollen,)-382(werden)-356(niemals)-355(erreichen.)-566(Die)]TJ 0 -13.55 Td [(k\344mpfen,)-250(siegen)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.771 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.815 -13.549 Td [(Solche)-352(Rede)-352(erbitterte)-353(Viele.)-556(Sie)-353(suchten)-352(ihn)-352(zu)-352(erhaschen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Aber)-408(er)-408(ging)-408(mitten)-408(durch)-408(sie)-408(hindurch)-408(und)-408(entwischte)-408(ihnen)]TJ 0 -13.549 Td [(immer.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +631 0 obj << +/Type /Page +/Contents 632 0 R +/Resources 630 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +630 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +633 0 obj +<< /S /GoTo /D (index12) >> +endobj +636 0 obj +(Das zwoelfte Kapitel.) +endobj +639 0 obj << +/Length 3436 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([196])]TJ/F16 18.9589 Tf 134.531 -68.625 Td [(Das)-269(zw\366lfte)-268(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.776 -36.73 Td [(Es)-250(war)-250(Einer,)-250(der)-250(kam)-250(zu)-250(ihm)-250(bei)-250(der)-250(Nacht.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Er)-565(war)-565(aber)-565(ein)-565(sehr)-565(vornehmer)-565(Mann)-565(des)-565(Landes,)-643(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Vornehmste)-526(und)-525(Reichste)-526(im)-526(ganzen)-525(Lande.)-1077(Er)-526(hatte)-525(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(Gesicht)-212(im)-211(Mantel)-212(verh\374llt,)-219(dass)-212(Niemand)-211(sein)-212(Gesicht)-211(erkennen)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte.)-585(Die)-362(Falten)-361(des)-362(Mantels)-362(verbarg)-361(seine)-362(Gestalt,)-390(dass)-361(es)]TJ 0 -13.549 Td [(unm\366glich)-267(war)-267(zu)-267(sagen,)-272(ob)-267(er)-267(klein)-267(gewachsen)-267(war)-267(oder)-267(gross,)]TJ 0 -13.549 Td [(breit)-382(oder)-383(schlank.)-647(Er)-383(war)-382(von)-383(weit)-382(gekommen)-383(mitten)-382(in)-382(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Nacht.)-335(Er)-279(kam)-278(zu)-278(Pferd)-279(und)-278(allein.)-335(Ein)-279(vertrauter)-278(Diener)-278(h\374tete)]TJ 0 -13.55 Td [(sein)-216(Pferd,)-222(w\344hrend)-215(er)-216(hinaufgegangen)-216(war,)-222(mit)-215(ihm)-216(zu)-215(sprechen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(der)-250(Nacht.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Die)-184(Nacht)-184(war)-184(st\374rmisch)-184(und)-184(sehr)-184(finster.)-228(Man)-184(h\366rte)-184(den)-183(Wind)]TJ -11.956 -13.549 Td [(brausen.)-228(Er)-182(trieb)-182(die)-183(nassen)-182(Zweige)-183(der)-182(B\344ume)-183(in)-182(grossen)-182(Packen)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-391(die)-392(Fenster,)-426(dass)-392(es)-391(klatschte)-392(und)-391(prasselte.)-674(Der)-391(Wind)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-286(gewaltig.)-356(Er)-286(fuhr)-285(\374ber)-286(die)-285(Erde)-286(in)-285(einem)-286(weiten)-285(schwarzen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([197])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Mantel,)-328(dessen)-313(unterste)-312(Schleppe)-312(die)-313(Erde)-312(fegte.)-438(Oben)-312(blies)-312(er)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-302(die)-303(Wolken.)-407(Sie)-302(flohen)-303(eilig)-302(wie)-303(wollige,)-315(furchtsame)-302(Schafe)]TJ 0 -13.55 Td [(durch)-429(die)-429(Nacht.)-786(Der)-429(Wind)-429(zerriss)-429(sie)-429(in)-429(grosse)-429(Fetzen)-428(und)]TJ 0 -13.549 Td [(jagte)-340(sie)-341(fort.)-520(Er)-341(freute)-340(sich,)-363(dass)-340(er)-340(so)-341(allein)-340(draussen)-340(war)-340(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(herrschen,)-200(orgelte)-188(sehr)-187(laut)-188(und)-188(blies)-187(ein)-188(Triumphlied)-188(des)-187(Trotzes)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(der)-250(Herausforderung)-250(\374ber)-250(die)-250(Erde.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Der)-465(Wind)-466(kam)-465(von)-466(den)-465(Eissteppen)-465(des)-466(Nordens)-465(und)-465(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-423(die)-423(See)-423(gefahren)-423(und)-423(sein)-423(Mantel)-423(hatte)-423(die)-423(K\344mme)-423(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wogen)-416(aufgepeitscht,)-457(dass)-416(sie)-415(nach)-416(ihm)-416(schnappten)-416(und)-415(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(\374berschlugen)-554(in)-555(der)-554(Jagd)-554(nach)-554(ihm.)-1163(Wie)-554(hungrige,)-630(graue)]TJ 0 -13.55 Td [(Jagdhunde)-223(mit)-224(triefenden)-223(Lefzen)-223(liefen)-224(die)-223(grossen)-223(Wogen)-223(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-372(Winde.)-614(Aber)-372(sie)-371(fingen)-372(ihn)-371(nie.)-615(Er)-371(heulte)-372(und)-371(jauchzte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +638 0 obj << +/Type /Page +/Contents 639 0 R +/Resources 637 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 613 0 R +>> endobj +640 0 obj << +/D [638 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +634 0 obj << +/D [638 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +641 0 obj << +/D [638 0 R /XYZ 93.543 229.594 null] +>> endobj +637 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +644 0 obj << +/Length 4334 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(117)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Manchmal)-312(packte)-311(er)-312(sie)-311(und)-312(wirbelte)-311(sie)-312(im)-312(Tanze,)-327(rund,)-326(rund,)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-233(einen)-234(spitzen,)-236(kreiselnden)-234(Trichter)-233(in)-234(der)-233(Mitte,)-237(wo)-233(er)-233(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kopf)-321(versteckte.)-464(Er)-321(zerschnitt)-321(sie)-321(in)-321(glatten,)-339(gekeilten)-321(Furchen)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-344(der)-343(scharfe)-344(Steven)-343(eines)-344(Dampfschiffs.)-531(Dann)-343(entschl\374pfte)]TJ 0 -13.55 Td [(er)-377(ihnen)-376(wieder,)-409(sich)-376(\374berschlagend)-377(in)-376(der)-377(Luft.)-630(Sie)-376(machten)]TJ 0 -13.549 Td [(verzweifelte)-347(Spr\374nge)-346(und)-347(warfen)-346(sich)-347(ihm)-347(nach)-346(an)-347(den)-346(Strand)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-232(ungef\374ge)-232(Meerthiere)-232(mit)-231(nassen,)-236(schweren,)-235(aufklatschenden)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([198])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Leibern.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Aber)-250(er)-250(lachte)-250(nur)-250(und)-250(schrie)-250(lauter)-250(und)-250(floh)-250(davon.)]TJ 0 -14.367 Td [(Er)-734(heulte)-734(um)-734(die)-734(Fenster)-734(des)-734(Leuchtthurms,)-855(den)-733(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Menschen)-482(gebaut)-482(hat)1(ten,)-540(um)-482(der)-482(Fluth)-481(zu)-482(wehren,)-540(dass)-481(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Leuchtthurmw\344chter)-428(erschrak)-428(in)-429(seinem)-428(Herzen:)-606(Ich)-428(will)-428(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Laterne)-327(fester)-327(stellen,)-347(denn)-327(heute)-327(ist)-327(Sturmnacht.)-481(Er)-327(blies)-327(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344chter)-234(die)-234(Capotte)-234(vom)-234(Gesicht)-234(und)-234(schrie)-234(laut)-234(auf)-234(vor)-234(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Fenster,)-217(wie)-209(ein)-209(Meervogel)-209(mit)-209(schwarzen,)-217(schlagenden)-209(Fl\374geln.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dann)-250(fuhr)-250(er)-250(weiter.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Er)-282(blies)-283(in)-282(die)-282(weissen)-283(Segel)-282(der)-283(kleinen)-282(Fischerbarken,)-290(dass)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sie)-170(umschlugen)-170(vor)-170(dem)-170(Wind,)-186(platt)-170(lagen)-170(wie)-170(elende,)-186(furchtsame)]TJ 0 -13.549 Td [(Sklaven.)-659(Und)-386(er)-387(probte)-386(den)-386(stolzen)-387(Oceandampfer,)-420(der)-386(ruhig)]TJ 0 -13.549 Td [(weiterschiffte)-250(in)-250(seiner)-250(geraden,)-250(majest\344tischen)-250(Bahn.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Auf)-361(dem)-360(Lande)-361(bekreuzten)-360(sich)-361(die)-361(Leute)-360(und)-361(machten)-360(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(L\344den)-202(fester)-203(zu.)-234(Sie)-202(dachten)-202(mit)-203(Sorge)-202(an)-202(die)-203(Schindeln)-202(auf)-202(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(D\344chern,)-353(die)-332(schlechten)-332(Strohdecken)-332(der)-332(Scheunen.)-496(Der)-332(Wind)]TJ 0 -13.549 Td [(fegte)-262(die)-262(Schindeln)-263(herunter.)-286(Er)-262(hob)-263(das)-262(Strohdach)-262(auf)-262(und)-262(fuhr)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-292(die)-292(Scheune,)-303(dass)-292(Alles)-292(aufstob,)-303(durcheinander)-292(wirbelte,)-302(wie)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([199])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(wenn)-250(der)-250(Raubvogel)-250(in)-250(den)-250(H\374hnerstall)-250(f\344hrt.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Hui)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.091 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(hui)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.669 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(machte)-250(der)-250(Sturmwind.)]TJ -52.123 -14.368 Td [(Im)-219(Gebirge)-218(k\366pfte)-219(er)-219(die)-219(Tannen)-218(und)-219(schleuderte)-219(sie)-218(kopf\374ber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-327(Abhang)-328(hinunter.)-481(Von)-328(der)-327(offenen)-327(Bergseite,)-347(wo)-327(die)-327(neue)]TJ 0 -13.549 Td [(Strasse)-403(lief,)-441(riss)-402(er)-403(grobe,)-441(rohe)-403(Fetzen)-403(und)-402(kollerte)-403(sie)-403(in)-402(die)]TJ 0 -13.549 Td [(blanken)-350(Eisenbahnschienen)-349(mitten)-350(auf)-349(den)-349(Damm.)-549(Er)-349(polterte)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-260(den)-260(Pfeilern)-261(der)-260(Br\374cken)-260(und)-260(peitschte)-260(die)-260(Weidenruthen)-260(am)]TJ 0 -13.55 Td [(Ufer,)-309(die)-297(sich)-297(bis)-297(auf)-297(die)-298(Erde)-297(bogen,)-309(der)-297(Wind)-297(ist)-297(ihr)-297(Herr.)-391(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(furchtbar.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +643 0 obj << +/Type /Page +/Contents 644 0 R +/Resources 642 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +645 0 obj << +/D [643 0 R /XYZ 75.963 436.88 null] +>> endobj +646 0 obj << +/D [643 0 R /XYZ 180.07 189.721 null] +>> endobj +642 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +650 0 obj << +/Length 4444 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(118)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ueber)-414(die)-413(St\344dte)-414(der)-414(Menschen)-413(fuhr)-414(er.)-741(Sie)-414(schlossen)-413(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(L\344den)-526(vor)-525(und)-526(zogen)-525(sich)-526(die)-526(Nachtm\374tzen)-525(tiefer)-526(\374ber)-525(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Ohren:)-350(Es)-301(ist)-300(Sturm)-300(draussen)-300(und)-300(gut,)-313(dass)-300(wir)-300(nicht)-300(im)-300(Freien)]TJ 0 -13.549 Td [(sind.)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.757 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.22 0 Td [(Wo)-345(er)-345(Einen)-346(fand,)-369(der)-345(draussen)-345(war,)-369(sch\374ttelte)-345(er)-346(ihm)]TJ -35.977 -13.55 Td [(die)-286(armseligen)-286(Fetzen)-286(vom)-285(Leib)-286(und)-286(k\344ltete)-286(ihn)-286(durch,)-295(dass)-285(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Frost)-242(in)-241(ihm)-242(blieb.)-247(Denn)-242(der)-241(Sturmwind)-242(war)-241(schrecklich)-242(und)-241(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Feind)-250(der)-250(Menschen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Durch)-524(den)-524(Sturm)-524(und)-524(die)-524(Nacht)-524(ritt)-524(der)-524(einsame)-523(Reiter.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sein)-382(Gesicht)-381(war)-382(dicht)-382(verh\374llt)-381(im)-382(Mantel.)-645(Sein)-382(Pferd)-381(schritt)]TJ 0 -13.549 Td [(schnell,)-370(ausgreifend,)-369(mit)-346(der)-345(Regelm\344ssigkeit)-346(sch\366ner,)-369(ge\374bter)]TJ 0 -13.549 Td [(Edelthiere.)-527(Der)-342(Sturm)-342(versuchte)-342(ihm)-343(den)-342(Mantel)-342(vom)-342(Gesicht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([200])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(zu)-390(zerren.)-668(Aber)-390(er)-389(h\374llte)-390(sich)-389(nur)-390(noch)-389(dichter)-390(hinein.)-668(Ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(schwarz)-387(sah)-388(er)-387(aus.)-663(Wie)-387(ein)-388(schwarzer)-387(Schatten)-388(ritt)-387(er)-387(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-323(Nacht)-323(unter)-323(dem)-323(heulenden)-323(Sturmwind.)-469(Der)-323(Diener)-322(folgte,)]TJ 0 -13.549 Td [(stumm,)-250(wachsam,)-250(in)-250(einiger)-250(Entfernung.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Der)-249(Reiter)-250(h\366rte)-249(dem)-250(Concert)-249(des)-250(Windes)-249(zu.)-250(Es)-249(war)-250(ihm,)-249(als)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bildete)-258(es)-258(eine)-259(sehr)-258(hohe,)-260(erhabne)-258(und)-259(brausende)-258(Melodie.)-274(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-216(war)-216(zu)-216(weit)-216(entfernt)-215(und)-216(zu)-216(niedrig.)-239(Er)-216(konnte)-216(nicht)-215(verstehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-250(der)-250(Sturmwind)-250(sang.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Es)-647(war)-646(ein)-647(Lied)-646(vom)-647(Krieg,)-745(von)-647(Trompetenrufen)-646(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Pferdegetrappel,)-536(von)-479(wehenden)-479(Fahnen,)-536(Kanonendonner)-478(und)]TJ 0 -13.549 Td [(knatterndem)-291(Gewehrfeuer)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.823 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.631 0 Td [(dann)-291(der)-291(Hurrahschrei)-292(des)-291(Siegers.)]TJ -126.454 -13.549 Td [(Einer)-409(ritt)-409(allein)-409(im)-408(strahlenden)-409(Adlerhelm.)-727(Die)-409(Sonne)-408(seines)]TJ 0 -13.55 Td [(Helms)-308(warf)-308(Strahlen.)-425(Ein)-308(weisses)-308(Pferd)-308(schritt)-308(unter)-308(ihm.)-424(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(schrieen:)-378(Heil!)-442(Heil)-314(dem)-314(Sieger,)-330(dem)-314(grossen)-314(K\366nig)-314(unter)-314(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen,)-250(dem)-250(Gewaltigen!)]TJ 11.956 -14.776 Td [(...)-1200(Es)-566(war)-567(der)-567(Orgelklang)-566(eines)-567(Doms.)-1200(Alle)-566(Glocken)]TJ -11.956 -13.55 Td [(l\344uteten.)-1102(Festguirlanden)-533(hingen.)-1102(Frauen)-534(wehten)-534(mit)-533(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(T\374chern.)-294(Weissgekleidete)-265(M\344dchen)-265(trugen)-265(Blumen)-265(und)-264(sangen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Endlos)-321(war)-322(der)-321(Zug)-321(der)-322(Festtheilnehmer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.707 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.96 0 Td [(Der)-321(Hermelin)-322(hing)]TJ/F16 7.9701 Tf -269.422 0 Td [([201])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(um)-273(seine)-273(Schultern.)-320(In)-273(schweren)-274(Falten)-273(umfloss)-273(ihn)-273(der)-273(Purpur.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-332(schritt)-331(die)-332(Stufen)-331(zum)-332(Altar)-331(hinan.)-495(Hinter)-331(ihm)-332(rauschte)-331(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Mantel.)-343(Das)-281(Schwert)-281(stiess)-281(klirrend)-281(gegen)-281(den)-281(Marmor)-281(und)-280(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Priester)-219(im)-220(Ornat)-219(hob)-219(die)-219(lichte)-220(Krone,)-225(den)-219(wundersamen)-219(Reifen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +649 0 obj << +/Type /Page +/Contents 650 0 R +/Resources 648 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +651 0 obj << +/D [649 0 R /XYZ 146.853 381.456 null] +>> endobj +652 0 obj << +/D [649 0 R /XYZ 354.777 120.339 null] +>> endobj +648 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +655 0 obj << +/Length 4850 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(119)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ohne)-342(Anfang,)-365(ohne)-342(Ende,)-365(wie)-342(die)-342(Schlange,)-365(die)-342(den)-341(Weltkreis)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344lt,)-357(funkelnd)-335(im)-335(Schmuck)-336(der)-335(Edelgesteine)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.853 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.112 0 Td [(des)-335(Rubins,)-357(der)]TJ -210.965 -13.549 Td [(das)-403(Blut)-404(ist,)-441(Topase,)-442(k\366stlicher)-403(als)-404(Gold,)-441(der)-404(Herrschaft,)-441(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Smaragden,)-232(funkelnde)-227(gr\374ne)-227(Augen)-228(der)-227(Edelkatze.)]TJ/F21 10.9091 Tf 224.122 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.934 0 Td [(Und)-227(er)-228(war)]TJ -232.056 -13.55 Td [(es,)-250(der)-250(gross)-250(und)-250(reich)-250(war,)-250(der)-250(K\366nig)-250(war.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Lieder)-521(von)-522(Ruhm)-521(und)-522(Macht)-521(sang)-522(der)-521(Sturmwind.)-1064(Der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(einsame)-373(Reiter)-373(in)-374(der)-373(Mitternacht)-373(h\366rte)-373(ihm)-373(zu.)-620(Er)-373(hatte)-373(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesicht)-359(im)-358(Mantel)-358(verh\374llt)-359(und)-358(ritt)-359(schnell,)-385(dass)-359(Niemand)-358(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(kennen)-250(konnte.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Als)-242(ein)-242(Fremder)-242(zu)-241(dem)-242(Fremden)-242(kam)-242(er)-242(mitten)-242(in)-242(der)-241(Nacht.)]TJ 0 -16.625 Td [(Draussen)-360(tobte)-361(und)-360(fauchte)-361(der)-360(Sturmwind.)-582(Er)-360(strich)-360(dahin)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-567(dem)-568(tiefen,)-646(surrenden)-567(Ton)-568(zu)-567(stark)-567(gespannter)-567(Saiten.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-592(Luft)-593(schwang)-592(und)-592(zitterte)-593(nach)-592(seinem)-592(R\366hren.)-1277(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde)-319(aus)-318(ihren)-319(Eingeweiden)-319(antwortete)-318(gleich)-319(dem)-318(vibrirenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Resonnanzboden)-250(einer)-250(Violine.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([202])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-182(ist)-181(Sturmwind)-182(und)-181(sehr)-182(finster,)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.747 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.824 0 Td [(sagte)-182(der)-181(schwarze)-182(Reiter.)]TJ/F21 10.9091 Tf -168.37 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-258(bin)-258(zu)-258(Dir)-258(gekommen,)-260(um)-258(mit)-258(Dir)-258(zu)-258(sprechen)-258(\374ber)-258(Dinge,)]TJ -4.844 -13.549 Td [(die)-301(gef\344hrlich)-301(sind)-301(zu)-302(nennen)-301(und)-301(sehr)-301(geheim.)-403(Darum)-301(komme)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(in)-250(der)-250(Nacht.)-250(Sie)-250(ist)-250(furchtbar,)-250(diese)-250(Nacht!)]TJ/F21 10.9091 Tf 205.407 0 Td [(\034)]TJ -193.451 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-280(giebt)-280(einen)-280(Morgen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.781 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.897 0 Td [(sagte)-280(der)-280(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-280(Licht)-280(wird)]TJ -214.535 -13.549 Td [(sehr)-250(hell)-250(kommen.)-250(Wir)-250(werden)-250(Morgen)-250(haben)-250(bald.)]TJ/F21 10.9091 Tf 225.709 0 Td [(\034)]TJ -213.753 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-297(darf)-298(den)-297(Morgen)-297(nicht)-298(sehen.)-391(Ich)-298(habe)-297(grosse)-297(Eile,)-310(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dass)-286(ich)-286(hier)-286(bin,)-295(darf)-287(Keiner)-286(wissen.)-358(Das)-286(Licht)-286(nicht)-286(und)-286(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-305(weisse)-305(Nebel)-305(des)-305(Morgens,)-319(der)-305(dem)-304(Hahnschrei)-305(vorangeht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Durch)-189(die)-189(Nacht)-189(und)-188(den)-189(Sturm)-189(bin)-189(ich)-189(gekommen,)-201(weil)-189(es)-188(Nacht)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-343(und)-343(Sturm)-343(in)-342(mir.)-529(H\366rst)-343(Du)-342(die)-343(Weisen)-343(draussen?)-529(Es)-342(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-362(Geister)-361(der)-362(tollen)-361(Vergangenheit,)-390(die)-361(los)-362(sind.)-585(Sie)-361(singen)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-336(von)-336(Stolz)-336(und)-336(Sieg)-336(und)-336(Macht.)-509(Ich)-336(sehe)-336(sie)-336(Alle,)-357(die)-336(dies)]TJ 0 -13.549 Td [(Haus)-392(umkreisen)-393(und)-392(mit)-392(mir)-392(hierhergezogen)-392(sind.)-677(Sie)-392(tragen)]TJ 0 -13.549 Td [(R\374stungen)-320(von)-320(Eisen)-320(und)-320(gehen)-320(langsam)-320(vor\374ber.)-460(Die)-320(Letzten)]TJ 0 -13.549 Td [(haben)-402(Purpurm\344ntel)-402(und)-402(Einige)-402(reiten)-402(auf)-402(herrlichen)-401(Pferden.)]TJ 0 -13.55 Td [(Einer)-410(tr\344gt)-410(sein)-411(Haupt)-410(unter)-410(seinem)-410(Arm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 198.729 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.93 0 Td [(Warum)-410(sind)-410(sie)]TJ -208.659 -13.549 Td [(grauenhaft)-250(und)-250(traurig)-250(wie)-250(diese?)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.018 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 145.006 0 Td [([203])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +654 0 obj << +/Type /Page +/Contents 655 0 R +/Resources 653 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +656 0 obj << +/D [654 0 R /XYZ 46.771 319.159 null] +>> endobj +657 0 obj << +/D [654 0 R /XYZ 46.771 63.764 null] +>> endobj +653 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +660 0 obj << +/Length 5541 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(120)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-706(haben)-706(get\366dtet,)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.276 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.548 0 Td [(sagte)-706(der)-706(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.467 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-706(haben)]TJ -232.934 -13.549 Td [(genommen.)-250(Sie)-250(haben)-250(ger\344cht)-250(und)-250(gerichtet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 194.204 0 Td [(\034)]TJ -182.248 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-208(Viele)-207(haben)-208(Gutes)-208(gethan.)-236(Sie)-207(haben)-208(Ordnung)-208(gestiftet.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-372(haben)-372(geschafft.)-616(Die)-372(Kraft)-372(ihres)-372(Hirns)-372(haben)-372(sie)-372(gegeben)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(die)-250(St\344rke)-250(ihres)-250(Arms.)-250(Sie)-250(waren)-250(V\344ter)-250(und)-250(Erbauer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.727 0 Td [(\034)]TJ -236.771 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Des)-275(Vaters)-275(Amt)-275(ist)-274(ein)-275(schweres.)-325(Viele)-275(f\374hrt)-275(in)-275(die)-274(Irre,)-282(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(als)-334(ein)-334(F\374hrer)-334(selber)-334(irrt.)-502(So)-334(er)-334(dieser)-334(Geringsten)-334(einen)-334(\344rgert,)]TJ 0 -13.55 Td [(besser)-262(w\344re)-262(es)-262(ihm,)-266(er)-262(verl\366re)-262(Leben)-262(und)-262(Leib.)-286(Der)-262(Baumeister,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(nur)-250(einen)-250(Stein)-250(falsch)-250(w\344hlt,)-250(gef\344hrdet)-250(den)-250(Bau.)]TJ/F21 10.9091 Tf 226.614 0 Td [(\034)]TJ -214.658 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-605(ist)-605(schrecklich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.228 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.055 0 Td [(Sie)-605(waren)-605(Erw\344hlte)-605(unter)-605(den)]TJ -136.082 -13.549 Td [(Menschen.)-250(Die)-250(Gnade)-250(von)-250(oben)-250(hat)-250(ihnen)-250(geholfen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 226.92 0 Td [(\034)]TJ -214.964 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-186(ist)-187(schwer,)-199(dass)-186(ein)-186(Reicher)-187(das)-186(Himmelreich)-186(finde,)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.537 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.876 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.549 Td [(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.44 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-250(Gnade)-250(wird)-250(dem)-250(Dem\374thigen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 150.578 0 Td [(\034)]TJ -198.906 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-638(kann)-638(dem\374thig)-638(vor)-638(Gott)-638(sein)-638(und)-638(stolz)-638(vor)-638(den)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Menschen.)-250(Gott)-250(hat)-250(K\366nige)-250(eingesetzt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 169.669 0 Td [(\034)]TJ -157.713 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einen.)-514(Er)-338(hatte)-337(nicht,)-360(da)-338(er)-338(sein)-338(Haupt)-338(hinlegen)-338(sollte)-338(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ward)-250(in)-250(der)-250(Krippe)-250(gebettet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.695 0 Td [(\034)]TJ -110.74 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-353(denkst)-352(also,)-379(dass)-352(es)-353(ein)-352(Unrecht)-353(ist,)-378(ein)-353(Grosser)-353(dieser)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Welt)-250(zu)-250(sein?)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.378 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -132.134 0 Td [([204])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-220(stehet)-219(geschrieben:)-235(Wer)-220(unter)-220(Euch)-220(will)-219(ein)-220(Herr)-220(sein,)-226(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sei)-250(Aller)-250(Knecht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.226 0 Td [(\034)]TJ -62.271 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-189(ist)-190(bildlich)-189(gemeint,)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.688 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.91 0 Td [(sagte)-189(der)-190(Reiter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.379 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wer)-189(dem)-190(Ganzen)]TJ -205.62 -13.549 Td [(dient,)-250(ist)-250(Aller)-250(Knecht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.687 0 Td [(\034)]TJ -87.732 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(...)-353(Und)-284(er)-284(nahm)-284(seinen)-284(Schurz)-285(und)-284(wusch)-284(ihnen)-284(die)-285(F\374sse,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde)-250(milde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(ist)-250(doch)-250(auch)-250(nur)-250(symbolisch.)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.683 0 Td [(\034)]TJ -154.527 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-396(glaubst,)-433(dass)-397(das)-396(Kreuz)-397(ein)-396(Symbol)-397(ist?)]TJ/F21 10.9091 Tf 200.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.168 0 Td [(Der)-396(Fremde)]TJ -226.625 -13.549 Td [(l\344chelte)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.023 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.55 0 Td [(ein)-559(trauriges)-559(L\344cheln.)-1176(Man)-559(sah)-558(eine)-559(Qual)-559(von)]TJ -51.573 -13.549 Td [(zweitausend)-273(Jahren,)-278(versteinert)-273(gleichsam,)-278(wie)-273(lange)-272(gestorben,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(lebte.)]TJ 11.955 -13.9 Td [(Der)-326(Reiter)-327(sah)-326(ihn)-327(ungewiss)-326(an.)-479(Er)-327(zitterte.)-479(Der)-327(Sturmwind)]TJ -11.955 -13.549 Td [(draussen)-250(blies)-250(zum)-250(Umwerfen.)-250(Und)-250(es)-250(war)-250(sehr)-250(finstre)-250(Nacht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gewissermaassen)-405(ja.)-714(Das)-405(Leben)-405(ist)-405(eine)-404(Art)-405(Kreuz.)-715(Wir)]TJ -16.799 -13.549 Td [(h\344ngen)-473(am)-473(Kreuz.)-919(Jeder,)-529(der)-473(den)-473(Kampf)-473(des)-473(Lebens)-473(ficht.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +659 0 obj << +/Type /Page +/Contents 660 0 R +/Resources 658 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +661 0 obj << +/D [659 0 R /XYZ 93.543 271.737 null] +>> endobj +658 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +664 0 obj << +/Length 5063 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(121)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Auch)-282(Unsereiner)-283(hat)-282(in)-283(sich)-282(zu)-283(k\344mpfen,)-290(mehr)-283(denn)-282(Andre.)-347(Du)]TJ 0 -13.549 Td [(sagtest)-327(schon,)-345(die)-327(furchtbare)-327(Verantwortung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.497 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.018 0 Td [(Auf)-327(Einen)-326(f\344llt)]TJ -213.515 -13.549 Td [(der)-299(Fehler.)-398(Es)-299(ist)-299(schwer,)-312(Recht)-299(zu)-299(scheiden)-300(vom)-299(Unrecht.)-397(F\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(dieses)-337(schwere)-337(Amt)-337(m\374sste)-337(man)-337(Vorrechte)-337(haben.)-511(Wer)-336(wollte)]TJ 0 -13.55 Td [(freiwillig)-250(es)-250(auf)-250(sich)-250(nehmen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.487 0 Td [(\034)]TJ -119.531 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Glaubst)-250(Du,)-250(dass)-250(es)-250(Keiner)-250(m\366chte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.992 -14.095 Td [(Der)-167(Reiter)-168(verwirrte)-167(sich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.199 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-167(muss)-168(doch)-167(sein,)-184(um)-167(der)-167(Ordnung)]TJ -127.999 -13.549 Td [(willen.)-331(Es)-278(ist)-277(besser,)-284(dass)-277(das)-277(Festgef\374gte)-277(bleibt.)-331(Einer,)-284(um)-277(den)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([205])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(kein)-299(Kampf)-299(ist,)-312(der)-299(den)-299(Ehrgeiz)-299(nicht)-299(kennt,)-311(Neid,)-311(Niedrigkeit.)]TJ 0 -13.55 Td [(Das)-181(Alles)-181(haftet)-181(dem)-181(Emporgekommenen)-181(an.)-227(Der)-181(Purpurgeborne)]TJ 0 -13.549 Td [(kennt)-250(es)-250(nicht.)-250(Ist)-250(er)-250(nicht)-250(edler?)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.091 0 Td [(\034)]TJ -130.135 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gottes)-253(Sohn)-253(hatte)-252(zu)-253(seiner)-253(Rechten)-253(mehr)-253(denn)-253(zehntausend)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Legionen)-250(Engel.)-250(Er)-250(liess)-250(sich)-250(binden)-250(und)-250(kreuzigen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.542 0 Td [(\034)]TJ -215.586 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-188(war)-189(der)-188(Edelste.)-230(Das)-188(ist)-189(nicht)-188(menschlich,)-201(das)-188(ist)-189(g\366ttlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.095 Td [(Eine)-510(lange)-511(Pause)-510(entstand.)-1032(Der)-510(Fremde)-511(hielt)-510(das)-510(Haupt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geneigt.)-227(Es)-179(waren)-179(auf)-180(seiner)-179(Stirn)-180(rothe)-179(Spuren)-180(wie)-179(von)-179(Sch\344rfen,)]TJ 0 -13.55 Td [(Spitzen,)-196(die)-183(eingedrungen)-183(waren.)-227(Er)-183(hatte)-183(Narben)-183(in)-183(den)-182(H\344nden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-467(Schmerz,)-520(wie)-467(von)-467(einer)-466(schweren,)-521(nie)-467(geheilten)-466(Wunde)]TJ 0 -13.549 Td [(schien)-387(in)-388(seiner)-387(Seite)-387(zu)-387(wohnen.)-662(Er)-387(legte)-388(die)-387(Hand)-387(in)-387(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Seite.)-250(Er)-250(seufzte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-252(wenn)-252(ich)-252(es)-252(th\344te?)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.879 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.592 0 Td [(fuhr)-252(der)-252(Reiter)-252(fort.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.285 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-252(h\344tte)-252(den)]TJ -219.398 -13.549 Td [(Vortheil?)-363(Ein)-288(Andrer,)-297(der)-288(k\344me)-288(und)-288(schlimmer)-287(w\344re,)-297(vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(weniger)-362(tief)-362(angelegt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.513 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.401 0 Td [(ein)-362(Leichtfertiger.)-585(Ein)-362(Tyrann.)-585(Wem)]TJ -110.914 -13.549 Td [(w\344re)-250(geholfen?)-250(Und)-250(was)-250(ist)-250(Einer?)]TJ/F21 10.9091 Tf 152.378 0 Td [(\034)]TJ -140.422 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einer)-250(war)-250(und)-250(er)-250(that.)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.822 0 Td [(\034)]TJ -99.665 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Selbst)-371(dieser)-372(Eine)-371(...?)-615(Ist)-371(die)-371(Welt)-372(besser)-371(geworden?)-615(Die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Formen)-386(der)-387(Unterdr\374ckung)-386(haben)-386(gewechselt.)-659(Vielleicht)-386(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-308(weniger)-309(roh.)-424(Sind)-309(sie)-308(darum)-308(weniger)-308(grausam?)-425(Ist)-308(Hunger,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([206])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Krieg,)-274(Ungerechtigkeit)-268(verschwunden?)-307(Er)-269(war)-269(Gottes)-269(Sohn)-268(und)]TJ 0 -13.55 Td [(starb)-250(vergebens.)-250(Wer)-250(bin)-250(ich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.004 -14.094 Td [(Der)-213(Wind)-212(hatte)-213(einen)-212(neuen)-213(Einlass)-213(gefunden.)-237(Er)-213(stiess)-212(hinein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wie)-233(in)-232(eine)-233(Trompete.)-244(Ein)-233(Fensterglas)-233(zersplitterte.)-244(Es)-233(klang)-232(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(Gel\344chter,)-214(das)-204(Lachen)-205(von)-204(tausend)-205(Kobolden)-204(und)-205(D\344monen.)-234(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Fremde)-250(antwortete)-250(nicht.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +663 0 obj << +/Type /Page +/Contents 664 0 R +/Resources 662 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +665 0 obj << +/D [663 0 R /XYZ 180.111 422.24 null] +>> endobj +666 0 obj << +/D [663 0 R /XYZ 146.029 147.983 null] +>> endobj +662 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +669 0 obj << +/Length 4425 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(122)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-720(Es)-407(k\366nnte)-406(sein,)-446(dass)-407(Umw\344lzungen)-406(k\344men,)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.766 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.28 0 Td [(sagte)-407(der)]TJ -239.845 -13.549 Td [(Reiter,)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.561 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(allgemeine,)-657(durch)-576(einen)-576(Umschwung)-576(des)-576(Denkens)]TJ -41.405 -13.549 Td [(erzielte,)-495(langsam)-445(vorbereitete.)-837(Vielleicht)-446(kommt)-446(es)-445(so?)-837(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(weiss)-422(nicht.)-764(Wem)-422(ist)-421(es)-421(gegeben)-422(zu)-421(erforschen?)-765(Man)-421(muss)]TJ 0 -13.55 Td [(bleiben,)-258(wo)-256(man)-256(hingestellt)-256(ist,)-258(sich)-256(gen\374gen)-256(lassen,)-257(sein)-256(Bestes)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-343(thun.)-529(Unsre)-342(Einsicht)-343(ist)-343(unvollkommen.)-529(Langsam)-343(nur)-342(geht)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-314(Zeit.)-441(Ich)-313(bin)-314(nicht)-313(ein)-314(Erl\366ser.)-441(Nicht)-314(ein)-313(Genie)-314(...)-441(Ich)-313(thue)]TJ 0 -13.549 Td [(meine)-250(Pflicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.211 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.255 -15.422 Td [(Er)-394(hatte)-394(seinen)-394(Mantel)-394(wieder)-394(umgenommen.)-682(Er)-394(rief)-393(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seinem)-250(Pferde.)-250(Diese)-250(ritten)-250(hinaus)-250(wieder)-250(in)-250(die)-250(Nacht.)]TJ 11.956 -15.421 Td [(Ueber)-369(ihren)-369(H\344uptern)-369(fegte)-369(der)-369(Sturmwind.)-607(Er)-369(sang)-368(wilde,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(triumphirende)-250(Weisen.)]TJ 11.956 -15.422 Td [(Hoiho)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.999 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(hoiho)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.578 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(triumphirte)-250(der)-250(Sturmwind.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 163.701 331.133 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 327.321 Td [([207])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.421 Td [(Er)-405(ging)-405(allein)-405(fort,)-444(bis)-405(er)-405(an)-405(einen)-405(grossen)-405(Wald)-405(kam)-404(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(setzte)-250(sich)-250(daselbst)-250(auf)-250(einen)-250(Stein.)]TJ 11.956 -15.422 Td [(Es)-197(war)-197(ein)-197(sehr)-197(alter)-197(Wald)-197(aus)-197(lauter)-197(hundertj\344hrigen)-197(B\344umen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eichen)-574(mit)-574(seltsamen)-574(verknoteten,)-655(verkn\366cherten)-573(St\344mmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-531(da)-532(wie)-531(Vorweltriesen)-531(standen.)-1094(Unten)-532(waren)-531(sie)-531(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(abgestorben,)-616(aber)-542(oben)-543(trieben)-542(immer)-543(wieder)-542(frische)-542(gr\374ne)]TJ 0 -13.55 Td [(Zweige)-224(mit)-224(krausen)-224(Bl\344ttern)-224(und)-224(Eicheln.)-241(In)-224(einige)-224(war)-224(der)-223(Blitz)]TJ 0 -13.549 Td [(gefahren.)-544(Sie)-348(trugen)-348(seine)-348(Spur)-348(wie)-348(ein)-348(breites)-348(kohlschwarzes)]TJ 0 -13.549 Td [(Band)-221(vom)-220(Wipfel)-221(zur)-221(Wurzel.)-240(Da)-221(war)-220(alles)-221(Leben)-221(versengt,)-226(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-202(andre)-203(Seite)-202(gr\374nte)-202(noch)-203(und)-202(breitete)-202(Aeste.)-234(Alle)-203(standen)-202(da)-202(in)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-309(geheimnissvollen)-310(Kreisring.)-428(Nicht)-309(zu)-310(nahe)-309(bei)-309(einander,)]TJ 0 -13.55 Td [(weil)-182(sie)-182(sich)-182(sonst)-182(gest\366rt)-183(h\344tten)-182(im)-182(Wachsthum.)-227(Um)-182(den)-182(engeren)]TJ 0 -13.549 Td [(Ring)-352(lief)-351(jedesmal)-352(ein)-351(weiterer.)-554(Seine)-352(St\344mme)-351(standen)-352(in)-351(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Zwischenr\344umen)-450(zwischen)-449(denen)-450(des)-449(Ersten,)-500(so)-449(dass)-450(es)-449(von)]TJ 0 -13.549 Td [(innen)-243(anzusehen)-244(war)-243(wie)-243(eine)-244(h\366lzerne)-243(geschlossene)-243(Ringwand,)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-295(lauter)-294(St\344ben,)-306(dass)-294(man)-295(nicht)-295(unterscheiden)-294(konnte,)-306(wo)-294(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Wald)-202(aufh\366rte)-202(oder)-203(anfing.)-234(Aber)-202(zwischen)-202(den)-202(einzelnen)-202(Kronen)]TJ 0 -13.549 Td [(fiel)-325(breit)-324(der)-325(blaue)-325(Himmel)-324(durch.)-474(Der)-325(Boden)-324(war)-325(mit)-324(hohem,)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\374nem,)-254(sehr)-253(feinem)-254(Gras)-253(bewachsen.)-260(Man)-253(konnte)-253(gehen)-253(in)-253(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([208])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +668 0 obj << +/Type /Page +/Contents 669 0 R +/Resources 667 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 647 0 R +>> endobj +670 0 obj << +/D [668 0 R /XYZ 93.543 327.321 null] +>> endobj +671 0 obj << +/D [668 0 R /XYZ 358.42 66.142 null] +>> endobj +667 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +674 0 obj << +/Length 4332 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(123)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Abst\344nden)-286(der)-286(Ringe)-286(wie)-286(in)-286(einer)-286(Wandelbahn.)-358(Es)-286(war)-286(schattig)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(doch)-250(hell.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Die)-569(Rinde)-570(dieser)-569(B\344ume)-570(war)-569(rauh,)-650(borkig,)-649(mit)-569(starken,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eingeborstnen)-385(Abschilferungen)-385(wie)-385(die)-385(m\344chtigen)-384(Dickh\344uter.)]TJ 0 -13.549 Td [(Moose)-426(wuchsen)-426(aus)-425(ihr)-426(in)-426(grauen)-425(H\344ngeb\344rten.)-778(Knoten)-425(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Buckel)-290(hatte)-291(das)-290(Alter)-290(gebildet,)-301(schw\344rzliche)-290(Warzen,)-300(in)-290(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-462(S\344fte)-462(sich)-462(schw\344rend)-462(stauten.)-886(Die)-462(Aeste)-462(kamen)-461(wieder,)]TJ 0 -13.549 Td [(verrankten)-430(und)-430(verschlangen)-430(sich)-430(in)-430(seltsamer)-430(Weise.)-789(Keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Regel)-548(schien)-549(da)-548(mehr)-548(zu)-548(herrschen,)-623(nur)-549(Laune,)-622(grimmige,)]TJ 0 -13.549 Td [(kauzige)-271(Spottsucht)-271(des)-270(Alters.)-313(Die)-270(Wurzeln)-271(liefen)-271(sehr)-271(lang)-270(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(Knollen)-392(und)-393(Armen.)-677(Sie)-392(ver\344stelten)-392(und)-393(verwoben)-392(sich)-392(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(ineinander.)-850(Einige)-451(St\344mme)-450(hatte)-450(man)-450(abgehauen.)-850(Aber)-450(die)]TJ 0 -13.549 Td [(St\374mpfe)-265(waren)-264(geblieben.)-294(In)-264(deutlichen)-265(Ringen)-264(stand)-265(ihr)-264(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(geschrieben.)-428(Kleines)-309(Buschwerk,)-324(Gepilze,)-324(schoss)-309(und)-309(trieb)-309(um)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-248(Todten.)-249(Man)-247(sah)-248(ihre)-247(Wurzeln,)-248(die)-248(weiss)-247(wurden,)-248(abstarben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Doch)-452(m\344chtig)-452(mit)-452(starken)-452(Fibern)-452(und)-452(Adern)-452(wie)-452(Gespinnste)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-250(untergegangenen)-250(Hexenwelt.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Grosse)-252(Steine)-253(von)-252(alten)-253(Heidenzeiten)-252(her)-253(lagen)-252(in)-253(der)-252(Runde.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Jedermann)-278(wusste,)-285(dass)-277(man)-278(diese)-278(Steine)-278(nicht)-278(anr\374hren)-277(durfte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-371(lagen)-372(grosse)-371(Helden)-372(der)-371(Heiden)-371(darunter)-372(begraben)-371(und)-371(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([209])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(waren)-245(blos)-246(verzaubert)-245(und)-245(nahmen)-245(es)-246(\374bel,)-246(wenn)-245(man)-245(sie)-245(reizte.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dann)-443(kamen)-443(sie)-443(hervor)-443(aus)-443(ihrem)-443(Grabe,)-491(schlugen)-443(mit)-443(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Zauberkraft)-370(Mensch)-370(und)-370(Vieh.)-611(Manche)-370(erz\344hlten,)-400(dass)-370(sie)-370(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeiten)-264(ein)-264(weisses)-265(Ross)-264(da)-264(h\344tten)-264(grasen)-264(sehen,)-268(ohne)-264(Zaum)-264(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Sattel,)-319(von)-304(wunderbarer)-305(Farbe)-305(und)-305(Sanftmuth.)-415(Aber)-305(wenn)-304(man)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-307(anrufen)-306(und)-307(fangen)-306(wollte,)-321(wurde)-307(es)-306(schwarz,)-321(Feuer)-306(spr\374hte)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-228(seinen)-229(N\374stern.)-242(Das)-229(war)-228(das)-228(Schlachtross)-228(des)-228(Heidenk\366nigs.)]TJ 0 -13.55 Td [(Auch)-392(von)-392(einer)-392(wundersamen)-393(Frau)-392(erz\344hlten)-392(sie.)-676(Er)-392(hielt)-392(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(dort)-503(gefangen)-502(mit)-503(sich)-502(im)-503(Tode,)-565(die)-503(im)-502(Leben)-503(seine)-502(Braut)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-290(gewesen)-289(war.)-369(Denn)-289(zu)-290(den)-289(Zeiten)-290(waren)-289(M\344nner;)-309(solcher)]TJ 0 -13.549 Td [(liess)-356(ein)-355(Weib)-356(nicht)-355(und)-356(ob)-355(er)-356(sie)-355(im)-356(Sturm)-355(geraubt.)-567(Der)-355(alte)]TJ 0 -13.549 Td [(Heidenk\366nig)-378(hielt)-378(sie)-378(im)-378(Grabe,)-410(und)-378(des)-378(Nachts)-378(stand)-378(sie)-377(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-275(ging)-274(zu)-275(ihrer)-275(eigentlichen)-275(Heimath)-274(und)-275(ihren)-275(Kindern,)-280(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(weisen,)-450(guten)-410(K\366nig,)-450(dem)-410(sie)-410(angeh\366rte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 195.113 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.927 0 Td [(Aber)-410(des)-410(Nachts)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +673 0 obj << +/Type /Page +/Contents 674 0 R +/Resources 672 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +675 0 obj << +/D [673 0 R /XYZ 315.281 255.831 null] +>> endobj +672 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +679 0 obj << +/Length 4475 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(124)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-273(wenn)-273(es)-273(finster)-272(war,)-279(hielt)-273(sie)-273(der)-272(Andre,)-279(der)-273(sie)-273(geraubt)-272(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-343(Leben.)-528(Und)-343(man)-343(fand,)-366(dass)-343(es)-342(so)-343(recht)-343(war)-343(im)-342(Volke,)]TJ 0 -13.549 Td [(weil)-315(er)-314(den)-315(Blutpreis)-315(gezahlt)-314(um)-315(sie.)-444(Es)-315(war)-314(darum)-315(im)-314(Herzen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-239(sch\366nen)-239(Frau,)-242(dass)-239(sie)-239(nicht)-239(widerstehen)-240(konnte,)-241(wenn)-239(er)-239(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-250(sich)-250(rief)-250(auf)-250(sein)-250(h\366llisches)-250(Bett)-250(des)-250(Nachts.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([210])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.776 Td [(Aber)-365(sie)-366(war)-365(unselig)-365(und)-365(klagte.)-596(Oft)-366(h\366rte)-365(man)-365(ihre)-365(Klage)]TJ -11.956 -13.549 Td [(widerhallen)-452(im)-453(Mittag,)-502(zu)-453(Stunden)-452(des)-452(Tags,)-503(wenn)-452(die)-452(Luft)]TJ 0 -13.55 Td [(lau)-384(und)-384(lind)-384(war.)-653(Sie)-384(klagte,)-417(dass)-385(der)-384(gute)-384(K\366nig,)-417(ihr)-384(Mann,)]TJ 0 -13.549 Td [(gestorben)-446(war,)-495(alle)-446(ihre)-446(Kinder)-446(und)-446(sp\344te)-446(Enkelkinder.)-837(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Seelen)-338(waren)-337(zu)-338(Gott)-337(oder)-338(zum)-337(Teufel,)-360(je)-337(nachdem)-338(sie)-337(thaten,)]TJ 0 -13.549 Td [(recht)-262(oder)-262(unrecht)-263(gehandelt)-262(im)-262(Leben.)-287(Sie)-262(auch)-262(war)-262(l\344ngst)-262(todt)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-325(Leibe;)-362(nur)-324(ihre)-325(Seele)-324(konnte)-325(nicht)-325(sterben)-324(um)-325(der)-324(s\374ndigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Leidenschaft)-250(willen,)-250(die)-250(sie)-250(festhielt)-250(an)-250(dem)-250(starken)-250(Helden.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Aus)-453(solchen)-453(Klagen)-453(der)-453(weissen)-453(Frau)-453(hatte)-453(man)-453(ein)-453(Lied)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gemacht.)-323(Knechte)-275(und)-274(M\344gde)-274(sangen)-275(es)-274(oft)-275(bei)-274(ihrer)-274(Arbeit.)-323(Es)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-378(ein)-378(Lied)-378(des)-377(Landes)-378(geworden,)-410(von)-378(der)-378(armen)-378(Seele,)-409(die)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-260(sterben)-259(konnte,)-262(weil)-260(sie)-260(noch)-259(immer)-260(liebte.)-279(Ihre)-260(Liebe)-259(war)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-285(Teufel)-285(und)-284(starb)-285(doch)-285(nicht.)-354(Weil)-285(er)-285(so)-285(stark)-285(gewesen)-284(war)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-222(so)-222(sch\366n,)-228(der)-222(tapferste)-222(Held)-222(der)-222(Heiden)-222(und)-222(ein)-222(Wunder,)-227(der)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366nig,)-250(vor)-250(den)-250(Leuten.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Jedermann)-215(wusste,)-222(dass)-215(sie)-215(nie)-215(den)-215(Frieden)-215(finden)-215(konnte.)-238(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-362(wie)-362(eine)-362(unselige)-361(Seele)-362(zwischen)-362(Himmel)-362(und)-362(Erde.)-585(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heidenheld)-271(k\374sste)-272(sie)-271(heiss)-271(und)-272(wach)-271(wieder,)-277(jede)-271(Nacht,)-276(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(m\374de)-250(war)-250(und)-250(kalt,)-250(endlich)-250(sterben)-250(wollte.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([211])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.777 Td [(Der)-480(Fremde)-480(sass)-480(auf)-479(dem)-480(Stein)-480(und)-480(schrieb)-480(in)-480(den)-479(Sand)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-379(seinem)-380(Stabe.)-638(Er)-379(folgte)-380(den)-379(krausen)-380(Runen)-379(der)-379(Wurzeln.)]TJ 0 -13.549 Td [(Buchstaben)-362(und)-362(Worte)-362(bildeten)-362(sie,)-390(seltsame)-362(Worte)-362(von)-361(tiefer)]TJ 0 -13.55 Td [(Meinung.)-570(Er)-357(folgte)-357(ihnen)-356(in)-357(jede)-357(ihrer)-356(fliehenden)-357(Curven,)-383(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-470(sich)-471(die)-470(H\344nde)-471(reichen,)-525(neues)-470(Spinnen)-471(begann.)-911(Wo)-470(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(aufh\366rten)-453(im)-454(Baumstamm,)-504(wurden)-453(sie)-454(sehr)-453(stark,)-504(wie)-453(starke)]TJ 0 -13.549 Td [(Leiber)-303(mannbarer)-303(M\344nner,)-317(und)-303(standen)-303(wie)-304(Th\374rme,)-316(die)-303(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(umwirft.)-579(Der)-360(Blitz)-359(war)-360(an)-360(ihrer)-359(Seite)-360(hinabgefahren.)-579(Er)-359(auch)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-301(seine)-300(Schrift)-300(gelassen.)-402(Da)-300(war)-301(die)-300(Schrift)-301(des)-300(Blitzes,)-313(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahre,)-250(des)-250(Regens,)-250(uralter)-250(Zeiten.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +678 0 obj << +/Type /Page +/Contents 679 0 R +/Resources 677 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +680 0 obj << +/D [678 0 R /XYZ 93.543 463.88 null] +>> endobj +681 0 obj << +/D [678 0 R /XYZ 93.543 201.345 null] +>> endobj +677 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +684 0 obj << +/Length 4636 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(125)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ein)-196(Salamander)-197(schl\374pfte)-196(zwischen)-197(den)-196(Wurzeln)-196(vor,)-207(schwarz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-190(gelb)-190(gesprenkelt.)-230(Er)-189(sah)-190(den)-190(Fremden)-190(an)-190(mit)-190(blanken,)-201(klugen)]TJ 0 -13.549 Td [(Aeugelchen,)-234(die)-229(wie)-230(Kugeln)-230(aus)-229(seinem)-230(platten)-230(Kopfe)-229(sprangen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-496(sagt)-495(von)-496(ihm,)-557(dass)-496(er)-496(fest)-495(bleibt)-496(im)-496(Feuer.)-987(Wer)-495(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Salamanderk\366nig)-328(f\344ngt,)-347(steht)-328(unversehrt)-328(mit)-328(ihm)-328(mitten)-328(in)-327(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Flammen,)-470(alle)-426(Sch\344tze)-426(der)-426(feurigen)-426(Tiefe)-426(sind)-426(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.9 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.101 0 Td [(Denn)]TJ -257.001 -13.549 Td [(der)-357(Molch)-356(ist)-357(der)-356(K\366nig)-357(des)-356(Feuers,)-383(derer,)-383(die)-357(h\344mmern)-356(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(Unterlass)-494(im)-494(Gestein,)-555(Zwerge,)-555(neidischer,)-555(ungef\374ger)-493(Riesen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-377(Drachen.)-630(Rothes)-377(Gold)-377(h\374ten)-376(sie,)-409(funkelndes)-376(Edelgestein,)]TJ 0 -13.55 Td [(unerh\366rte)-349(Sch\344tze,)-373(von)-348(denen)-349(die)-349(Menschen)-348(blind)-349(werden)-348(und)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([212])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(roth)-250(sehen)-250(in)-250(bebender)-250(Gier.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Eine)-370(schwarze)-370(Amsel)-369(kam)-370(und)-370(lief)-370(emsig)-370(hin)-369(und)-370(her.)-609(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(blieb)-176(stehen)-176(und)-175(horchte.)-226(Dann)-175(lief)-176(sie)-176(wieder,)-191(pickte)-175(anklopfend,)]TJ 0 -13.549 Td [(neigte)-273(den)-274(Kopf)-273(und)-274(hob)-273(ihn.)-320(Man)-274(sagt,)-279(dass)-274(diese)-273(Amsel)-273(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(weiss,)-383(die)-357(Sprache)-356(der)-357(V\366gel)-356(und)-357(der)-356(B\344ume,)-383(wie)-357(die)-356(tiefsten)]TJ 0 -13.55 Td [(Sorgen)-307(und)-306(Geheimnisse)-307(des)-306(menschlichen)-306(Herzens.)-420(Wer)-306(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Weisheit)-342(zuh\366rt,)-365(vergisst)-342(Essen)-342(und)-342(Trinken.)-526(Wenn)-342(er)-342(zu)-341(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(kommt,)-232(ist)-227(sein)-226(Haar)-227(weiss)-227(und)-227(sein)-227(Herz)-227(vertrocknet)-227(in)-227(ihm,)-231(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-268(jung)-269(war,)-273(lieben)-268(und)-269(lachen)-268(konnte,)-273(da)-269(er)-268(zum)-269(ersten)-268(Mal)-268(die)]TJ 0 -13.549 Td [(teuflische)-250(Weisheit)-250(der)-250(Amsel)-250(und)-250(ihren)-250(Spruch)-250(vernommen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Zwischen)-481(den)-480(St\344mmen)-481(wob)-481(eine)-481(Kreuzspinne.)-942(Sie)-480(wob)]TJ -11.956 -13.55 Td [(emsig,)-577(klebrige)-511(F\344den)-512(ziehend)-511(und)-512(feuchtend)-511(mit)-511(hebenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Beinchen.)-247(Nach)-242(rechts)-242(und)-241(nach)-242(links)-242(und)-241(in)-242(Strahlen)-242(von)-241(ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Mittelpunkt)-455(aus.)-863(Dann)-454(verbanden)-455(die)-454(Strahlen)-455(wieder)-454(andre)]TJ 0 -13.549 Td [(kreuzende)-463(F\344den.)-888(Auf)-463(und)-463(ab)-462(wob)-463(die)-463(Spinne)-463(netzend)-462(und)]TJ 0 -13.549 Td [(anziehend,)-448(wie)-408(sie)-408(Faden)-408(auf)-408(F)1(aden)-408(spann.)-724(Die)-408(Kreuzspinne)]TJ 0 -13.549 Td [(dachte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.692 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dies)-317(Gewebe)-317(ist)-317(meine)-317(Welt.)-450(Ich)-317(habe)-317(es)-317(Alles)-317(allein)]TJ -40.536 -13.55 Td [(gemacht)-336(aus)-337(mir)-336(selbst.)-509(Hier)-337(h\344nge)-336(ich)-337(zwischen)-336(Himmel)-336(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde.)-246(Sie)-238(k\366nnen)-238(mir)-238(nichts)-238(anhaben)-238(von)-238(oben)-238(oder)-237(unten.)-246(Denn)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([213])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ich)-283(bin)-283(die)-283(Sonne,)-291(die)-283(scheint)-283(in)-283(der)-283(Mitte.)-348(Alles,)-292(was)-283(auf)-282(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Strahlen)-366(l\344uft)-366(oder)-366(sie)-366(kreuzt,)-395(ist)-366(mein.)-598(Sein)-366(Blut)-366(n\344hrt)-365(mich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-447(werde)-447(fett)-447(und)-447(satt)-447(von)-447(ihrem)-447(Blut.)-841(Ich)-447(bin)-447(die)-447(fetteste)]TJ 0 -13.55 Td [(Kreuzspinne)-270(im)-269(ganzen)-270(Wald.)-309(Mein)-269(Gewebe)-270(ist)-269(unzerreissbarer)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(die)-250(starken)-250(Bastf\344den)-250(der)-250(B\344ume.)]TJ/F21 10.9091 Tf 165.415 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +683 0 obj << +/Type /Page +/Contents 684 0 R +/Resources 682 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +685 0 obj << +/D [683 0 R /XYZ 153.271 396.232 null] +>> endobj +686 0 obj << +/D [683 0 R /XYZ 303.772 133.888 null] +>> endobj +682 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +689 0 obj << +/Length 4384 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(126)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-250(Fremde)-250(sass)-250(und)-250(zeichnete)-250(im)-250(Sand.)]TJ 0 -15.186 Td [(Alsbald)-374(kam)-374(des)-374(Wegs)-375(ein)-374(sehr)-374(alter)-374(Mann,)-405(dem)-374(der)-374(Wald)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geh\366rte.)-378(Er)-292(war)-293(so)-293(alt,)-303(dass)-292(er)-293(nicht)-293(mehr)-292(gerade)-293(gehen)-292(konnte,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-291(sich)-291(auf)-291(einen)-291(Stock)-291(st\374tzen)-291(musste.)-373(Aber)-291(sein)-290(R\374cken)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-503(breit)-502(und)-503(m\344chtig)-503(in)-502(dieser)-503(Kr\374mmung,)-566(als)-502(ob)-503(er)-502(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Weltlast)-390(tragen)-389(k\366nnte.)-669(Sein)-389(Haar)-390(und)-389(Bart)-390(war)-389(schlohweiss,)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-314(Schnee,)-330(der)-314(nie)-314(mehr)-314(schmilzt)-314(in)-314(ewigem)-314(Winter.)-442(In)-314(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Haut)-242(hatten)-242(die)-242(Jahre)-242(Furchen)-243(gegraben)-242(wie)-242(in)-242(einen)-242(Acker.)-247(Z\344h)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-388(hart)-389(war)-388(sie,)-423(von)-388(der)-389(Sonne)-388(vielfach)-388(verbrannt,)-423(dass)-388(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Farbe)-414(der)-414(ungegerbten)-414(Leders)-414(glich)-414(oder)-414(Pergamenten)-414(uralter)]TJ 0 -13.549 Td [(Schriften.)-674(Wo)-392(die)-391(Adern)-391(sich)-392(unter)-391(ihr)-391(kreuzten,)-427(bildeten)-391(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(starke,)-265(hervortretende)-261(Knoten.)-286(Sie)-261(liefen)-262(auf)-262(seinen)-262(H\344nden)-261(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Stricke,)-292(versteinerte)-283(G\344nge)-284(einstiger)-283(Can\344le,)-292(in)-284(denen)-283(kein)-283(Blut)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-325(fliesst.)-474(Wohl)-325(hundertj\344hrig)-324(war)-325(dieser)-325(Mann.)-474(Aber)-324(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen)-302(gl\374hten)-303(und)-302(leuchteten)-302(vom)-303(Feuer,)-315(das)-302(nicht)-303(stirbt.)-406(Wie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([214])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Steine)-415(waren)-415(sie,)-456(die)-414(erstarren)-415(machen)-415(die,)-456(die)-415(darauf)-414(sehen,)]TJ 0 -13.55 Td [(st\344hlerne)-301(Spiegel,)-315(dass)-301(die)-301(Seele)-301(und)-302(die)-301(geheimsten)-301(Gedanken)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-222(Mannes,)-228(den)-222(er)-222(anblickte,)-227(offen)-222(lagen)-222(gleich)-222(einer)-222(Th\374r)-222(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(H\374ter)-332(vor)-331(dem)-332(Alten)-332(mit)-332(den)-331(furchtbaren)-332(Augen.)-495(Wenn)-332(er)-331(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Brauen)-388(zusammenzog,)-423(war)-388(sein)-388(Zorn)-388(so)-389(schrecklich,)-422(dass)-388(die)]TJ 0 -13.549 Td [(st\344rksten)-389(Herzen)-389(zusammenschmolzen)-389(vor)-389(ihm,)-424(ihr)-389(Wille)-388(war)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-419(seinem)-420(Willen)-419(wie)-419(eine)-419(zappelnde)-420(Maus,)-461(eine)-419(winzige,)]TJ 0 -13.55 Td [(verwickelte)-250(und)-250(verwirrte)-250(Fliege.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Wer)-279(diesem)-279(Mann)-280(nahte,)-286(der)-279(verfiel)-280(ihm)-279(mit)-279(Leib)-279(und)-279(Seele.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Und)-265(er)-264(nahm)-265(ihre)-264(Leiber)-265(und)-264(sog)-265(ihre)-264(Seelen)-265(ein.)-293(Darum)-265(war)-264(er)]TJ 0 -13.549 Td [(gross)-345(und)-345(stark,)-368(wunderbar)-345(vor)-344(Allen)-345(und)-345(sehr)-345(alt,)-368(so)-345(dass)-344(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Leute)-235(ringsum)-235(sagten:)-243(Er)-235(wird)-235(nicht)-235(sterben.)-245(Er)-235(aber)-235(wusste)-235(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(gut,)-226(dass)-220(er)-221(sterben)-220(musste.)-240(Darum)-220(h\374tete)-220(er)-220(den)-220(tausendj\344hrigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Wald,)-229(liess)-225(keinen)-224(Stamm)-224(schlagen,)-229(dass)-225(er)-224(stehen)-224(sollte,)-229(gr\374nen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(Fr\374chte)-250(tragen)-250(tausend)-250(Jahre)-250(nach)-250(ihm.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Der)-582(alte)-583(Mann)-582(ging)-583(auf)-582(seinen)-583(Stock)-582(gest\374tzt)-583(und)-582(sein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Hund)-579(folgte)-579(ihm.)-1237(Es)-579(war)-579(ein)-578(grosser,)-662(grauer)-579(Hund)-578(vom)]TJ 0 -13.55 Td [(Geschlecht)-274(der)-275(Bulldoggen,)-280(die)-275(keine)-274(Furcht)-275(haben)-274(vor)-274(Mensch)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-358(Thier,)-385(riesenhaft)-358(und)-358(ausgezeichnet)-358(unter)-358(Seinesgleichen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +688 0 obj << +/Type /Page +/Contents 689 0 R +/Resources 687 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +690 0 obj << +/D [688 0 R /XYZ 125.925 326.85 null] +>> endobj +687 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +693 0 obj << +/Length 5186 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(127)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(schwer)-215(tretend)-215(und)-215(sehr)-214(alt)-215(schon,)-222(wie)-215(sein)-215(Herr)-215(war)-215(unter)-214(seinen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([215])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Gesellen,)-220(Herren)-212(und)-212(F\374rsten)-212(ringsher.)-237(Etwas)-212(vom)-212(Ausdruck)-212(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Mannes)-254(war)-253(im)-254(Ausdruck)-253(des)-254(Hundes.)-260(Diese)-254(Beiden)-253(verstanden)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-378(ohne)-377(Wort)-378(oder)-377(Zeichen.)-633(Wo)-377(sein)-378(Herr)-377(ging,)-410(folgte)-377(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-305(Hund.)-416(Wenn)-305(er)-305(des)-306(Nachts)-305(schlief,)-319(lagerte)-305(sich)-305(der)-305(Geselle)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)-513(seinem)-514(Lager.)-1040(Es)-513(war)-513(unm\366glich)-514(zu)-513(diesem)-513(Lager)-513(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(gelangen,)-230(ohne)-226(den)-225(Leib)-225(des)-225(Hundes)-226(zu)-225(ber\374hren,)-230(der)-225(aufsprang,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-346(einem)-346(einzigen)-346(Gurgelgriff)-346(den)-346(Eindringling)-346(beendigt)-346(h\344tte,)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-304(legte)-304(er)-304(sich)-304(wieder)-304(nieder)-304(und)-304(leckte)-304(seine)-304(Tatzen.)-412(Denn)]TJ 0 -13.55 Td [(so)-304(furchtbar)-303(und)-304(gef\344hrlich)-303(dieser)-303(Hund)-304(war)-303(f\374r)-304(Menschen)-303(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Thier,)-228(so)-222(gehorsam)-222(und)-222(gef\374gig)-222(war)-222(er)-222(seinem)-222(Herrn,)-227(dass)-222(er)-222(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Wunderbare)-412(seines)-412(Eindrucks)-412(erh\366hte,)-452(der)-412(Ruhm)-412(des)-412(Hundes)]TJ 0 -13.549 Td [(gross)-340(war)-340(wie)-340(der)-341(seines)-340(Herrn,)-362(in)-340(dieser)-341(Gegend,)-362(wo)-340(man)-340(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-256(K\366nige)-257(hielt)-256(und)-256(Wesen)-257(\374ber)-256(dem)-256(Maasse)-257(des)-256(Irdischen)-256(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Staubgewordnen.)]TJ 11.956 -14.094 Td [(Der)-197(alte)-196(Mann)-197(war)-197(vor)-197(dem)-196(Fremden)-197(stehen)-197(geblieben)-197(und)-196(sah)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihn)-248(an.)-250(So)-248(gross)-248(war)-248(das)-248(Feuer)-249(der)-248(Sehkraft)-248(in)-248(den)-248(Augen)-248(dieses)]TJ 0 -13.55 Td [(alten)-315(Mannes,)-331(dass)-314(es)-315(wie)-314(Flammen)-315(z\374ngelte)-315(und)-314(emporschlug)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-267(dem)-268(Andern.)-302(Einen)-268(Sterblichen)-267(h\344tte)-268(dieses)-267(Feuer)-267(verbrannt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-335(der)-334(Fremde)-335(sass)-334(ganz)-335(still,)-355(zeichnete)-335(mit)-334(seinem)-335(Stab)-334(im)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([216])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Sande.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(bist)-250(Du?)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(der)-250(alte)-250(Mann,)-250(dem)-250(der)-250(Wald)-250(geh\366rte.)]TJ/F21 10.9091 Tf -70.581 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(bin)-250(Der,)-250(der)-250(gewesen)-250(ist)-250(und)-250(nicht)-250(stirbt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.909 0 Td [(\034)]TJ -198.752 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nichts)-303(ist)-304(gewesen)-303(von)-303(Anfang,)-317(und)-303(Alles)-304(stirbt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 216.02 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.153 0 Td [(sagte)-303(der)]TJ -240.972 -13.55 Td [(alte)-250(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.386 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(Niemand,)-250(der)-250(nicht)-250(stirbt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.48 0 Td [(\034)]TJ -180.753 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nichts,)-250(das)-250(gewesen)-250(ist,)-250(stirbt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.414 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -144.828 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Buddha)-610(ist)-609(gestorben,)-700(Alexander)-609(und)-610(C\344sar.)-1329(Was)-610(ist)]TJ -16.799 -13.549 Td [(geblieben)-250(von)-250(ihrer)-250(Weisheit,)-250(ihrem)-250(Glanz,)-250(ihrer)-250(St\344rke?)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.516 0 Td [(\034)]TJ -235.56 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-257(Amsel,)-259(die)-257(l\344uft.)-272(Der)-257(Molch,)-259(der)-257(wacht.)-271(Die)-258(Spinne,)-259(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(spinnt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.4 0 Td [(\034)]TJ -17.444 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-260(sprichst)-260(sehr)-259(th\366richt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 110.611 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.677 0 Td [(sagte)-260(der)-260(alte)-259(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.829 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jene)-260(waren)]TJ -231.76 -13.549 Td [(Helden)-250(und)-250(Weise.)-250(Diese)-250(sind)-250(arme,)-250(geringe)-250(Thiere.)]TJ/F21 10.9091 Tf 228.425 0 Td [(\034)]TJ -216.469 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(War)-413(ihre)-414(Weisheit)-413(vorsichtiger)-414(denn)-413(die)-414(des)-413(Vogels?)-741(Ihr)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Reichthum)-279(gr\366sser)-279(denn)-278(der)-279(der)-279(Eidechse?)-336(Ihr)-279(Werk)-278(bleibender)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +692 0 obj << +/Type /Page +/Contents 693 0 R +/Resources 691 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +694 0 obj << +/D [692 0 R /XYZ 80.01 518.175 null] +>> endobj +695 0 obj << +/D [692 0 R /XYZ 126.785 260.195 null] +>> endobj +691 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +698 0 obj << +/Length 4823 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(128)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(als)-250(das)-250(der)-250(Spinne?)]TJ/F21 10.9091 Tf 83.924 0 Td [(\034)]TJ -71.968 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-195(rechnet)-195(nach)-196(Tagen.)-231(Wir)-195(z\344hlen)-196(Aeonen.)-231(Sein)-196(Reichthum)]TJ -16.799 -13.55 Td [(ist)-248(Spukwesen.)-249(Die)-247(Weisheit)-248(des)-248(Vogels)-247(ist)-248(der)-247(rohe)-248(Instinkt)-247(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([217])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Natur.)-480(Wir)-326(finden)-326(die)-327(schwersten)-326(Regeln)-327(und)-326(l\366sen)-327(das)-326(Innere)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Menschheitsgeschichte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.578 0 Td [(\034)]TJ -108.622 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Euer)-261(Wesen)-260(ist)-261(Spuk)-261(und)-261(Eure)-260(Weisheit)-261(ist)-261(Spreu.)-282(Sieh,)-264(wie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-250(es)-250(zerreisse!)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.666 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.71 -14.776 Td [(Der)-410(Fremde)-409(schlug)-410(mit)-410(der)-410(Hand)-409(in)-410(das)-410(Spinngewebe)-409(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zerriss)-275(es.)-323(Die)-275(grosse)-274(Spinne)-275(fiel.)-324(Er)-274(setzte)-275(den)-274(Fuss)-275(darauf)-274(und)]TJ 0 -13.549 Td [(zertrat)-300(sie.)-400(Der)-299(Salamander)-300(duckte)-300(sich)-300(unter)-300(die)-300(Wurzeln.)-399(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Amsel)-250(entfloh)-250(h\374pfend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-321(f\374rchte)-322(den)-321(Tod)-322(nicht,)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.726 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.35 0 Td [(sagte)-321(der)-322(alte)-321(Mann)-322(stolz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.981 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ -266.699 -13.549 Td [(habe)-294(das)-293(Leben)-294(getragen)-294(und)-293(es)-294(ist)-294(schlimmer)-293(zu)-294(tragen)-294(als)-293(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Tod.)-655(Allen)-385(Reichthum)-385(und)-385(alle)-385(Macht)-385(habe)-385(ich)-385(gehabt.)-655(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-289(war)-290(ein)-289(Sklave,)-299(\344rmer)-290(wie)-289(der)-290(\344rmste)-289(Tagel\366hner.)-368(Der)-289(Tag,)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-389(ich)-389(vor)-389(meinem)-389(Hause)-388(stand)-389(und)-389(Kohl)-389(pflanzte,)-424(war)-388(mein)]TJ 0 -13.55 Td [(gl\374cklichster)-408(Tag.)-724(Kaiser)-408(und)-408(K\366nige)-408(habe)-408(ich)-408(gekannt.)-724(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-468(an)-467(ihrem)-468(Tisch)-468(gesessen)-467(und)-468(mit)-468(ihnen)-467(gegessen.)-903(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-375(wie)-375(die)-375(Gummib\344lle)-375(in)-375(meiner)-375(Hand,)-406(Seifenblasen,)-406(die)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-422(Kinder)-423(auftreiben)-422(und)-422(zerblasen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.929 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.062 0 Td [(An)-422(meinem)-423(Stab)-422(bin)]TJ -184.991 -13.549 Td [(ich)-443(hierhergegangen.)-828(Ich)-442(habe)-443(die)-443(ganze)-442(Welt)-443(besessen)-442(und)]TJ 0 -13.55 Td [(konnte)-437(mein)-437(Thor)-437(zumachen)-437(vor)-438(der)-437(Welt,)-484(Eifersucht,)-483(Noth,)]TJ 0 -13.549 Td [(Neid,)-408(Hass)-376(habe)-376(ich)-376(getragen,)-408(Undank,)-407(der)-376(schlimmer)-376(ist)-376(wie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([218])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(der)-450(giftige)-450(Zahn)-451(der)-450(Natter.)-851(Er)-450(hat)-450(mich)-450(nicht)-450(angefochten,)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-381(denn)-381(Jubel,)-414(Ruhm,)-414(Liebe)-381(der)-381(Weiber,)-413(fl\374chtige)-381(Tropfen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-201(Bl\374then\366ls,)-211(die)-202(verfliegen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 134.077 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.65 0 Td [(Hier)-201(bin)-202(ich)-201(ein)-201(sehr)-201(alter)-202(Mann.)]TJ -141.727 -13.55 Td [(Die)-427(Zeit)-427(habe)-426(ich)-427(ausgehalten)-427(und)-427(ich)-427(gr\374sse)-427(den)-426(Tod,)-471(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-374(bin)-374(m\374de)-374(vom)-374(Leben.)-622(In)-374(mir)-374(ist)-374(Alles)-374(todt,)-404(was)-374(lebendig)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen.)-357(Ich)-286(liebe)-285(die)-286(Welt)-285(nicht)-286(und)-286(ich)-285(hasse)-286(sie)-286(nicht.)-356(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-216(eins,)-222(und)-216(so)-216(gut)-216(als)-216(w\344re)-216(es)-215(nie)-216(gewesen.)-239(Wenn)-216(etwas)-215(nachher)]TJ 0 -13.549 Td [(ist,)-347(werde)-328(ich)-327(es)-328(tragen.)-483(Niemals)-328(werde)-327(ich)-328(gl\374cklich)-328(sein)-327(und)]TJ 0 -13.549 Td [(niemals)-391(klagen.)-675(Ich)-391(bin)-391(vom)-392(Geschlecht)-391(der)-391(Riesen)-392(hier,)-426(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Tausendj\344hrigen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.155 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.179 0 Td [(Was)-341(bist)-342(Du)-341(gekommen)-342(mich)-341(zu)-341(st\366ren)-342(in)]TJ -90.334 -13.549 Td [(meiner)-250(Oede?)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +697 0 obj << +/Type /Page +/Contents 698 0 R +/Resources 696 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 676 0 R +>> endobj +699 0 obj << +/D [697 0 R /XYZ 238.869 489.849 null] +>> endobj +700 0 obj << +/D [697 0 R /XYZ 234.102 215.183 null] +>> endobj +696 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +703 0 obj << +/Length 5466 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zw\366lfte)-250(Kapitel.)-15976(129)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-688(Ich)-397(habe)-396(Zeichen)-396(am)-396(Himmel)-396(gesehen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.921 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.165 0 Td [(sagte)-396(der)-396(alte)]TJ -219.885 -13.549 Td [(Mann,)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.365 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)-357(G\366tter.)-571(Es)-357(waren)-357(andre)-357(G\366tter)-357(vor)-357(ihnen,)-384(gr\366sser)]TJ -37.209 -13.549 Td [(und)-318(gewaltiger)-319(als)-318(Du.)-456(Sie)-318(hassten)-319(und)-318(liebten,)-336(sie)-318(sangen)-318(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schlugen.)-530(Vielleicht)-343(schlafen)-344(sie,)-366(vielleicht)-344(sind)-343(sie)-343(todt.)-530(Lass)]TJ 0 -13.55 Td [(mich)-445(schlafen)-445(bei)-445(meinen)-445(todten)-445(G\366ttern!)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.233 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.309 0 Td [(Sie)-445(rafften)-445(und)]TJ -211.542 -13.549 Td [(wussten)-293(und)-292(sammelten)-293(Sch\344tze)-292(und)-293(schufen)-292(Welten)-293(f\374r)-292(Zeiten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-259(Jahre.)-275(Sie)-259(waren)-258(G\366tter)-259(und)-258(sind)-259(wie)-258(Menschen.)-276(Ich)-258(geh\366re)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(ihnen.)-250(Du)-250(bist)-250(nicht)-250(meiner.)]TJ/F21 10.9091 Tf 134.837 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 156.187 0 Td [([219])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(wirst)-250(mich)-250(kennen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -104.225 -14.163 Td [(Der)-241(alte)-241(Mann)-242(legte)-241(eine)-241(Hand)-241(vor)-242(die)-241(Augen)-241(und)-241(beschattete)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seine)-285(Augen)-284(mit)-285(der)-285(Hand.)-354(Wie)-285(ein)-285(Schatten)-284(ging)-285(es)-285(\374ber)-284(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-364(tr\344umte)-365(von)-364(Einem)-365(...)-593(Es)-364(ist)-365(lange,)-393(lange)-364(her.)-593(Der)-365(da)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kommen)-345(sollte)-344(...)-534(Ich)-345(weiss)-344(nicht,)-368(ob)-345(er)-345(vom)-344(Himmel)-345(ist)-344(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-451(der)-451(Erde?)-852(Du)-451(bist)-451(Fleisch.)-852(Aber)-451(Dein)-451(Fleisch)-451(hat)-450(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Tod)-415(gesehen.)-744(Du)-414(bist)-415(ein)-414(K\366nig)-415(und)-415(kommst)-414(im)-415(Kleide)-414(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Bettlers.)-235(Du)-204(k\366nntest)-203(t\366dten)-204(und)-204(Du)-204(streckst)-204(die)-204(Hand)-204(aus,)-213(um)-203(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(bitten.)-250(.....)-250(Aber)-250(kannst)-250(Du)-250(lieben?)-250(Kannst)-250(Du)-250(lieben)-250(wie)-250(wir?)]TJ/F21 10.9091 Tf 269.651 0 Td [(\034)]TJ -257.695 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-256(bin)-256(f\374r)-256(Dich)-256(gestorben.)-268(Aus)-256(Liebe)-256(zu)-256(Dir)-256(bin)-256(ich)-256(Fleisch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(geworden)-455(und)-454(ich)-455(habe)-454(gelitten.)-864(Es)-454(ist)-455(die)-454(Liebe,)-506(die)-454(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(lebendig)-250(macht)-250(vor)-250(Deinen)-250(Augen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -141.044 -14.163 Td [(Der)-422(Alte)-421(hatte)-422(sich)-422(vorgebeugt.)-765(Seine)-421(Augen)-422(drohten)-421(den)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Fremden)-458(zu)-457(verschlingen.)-873(Sie)-458(bohrten)-457(sich)-458(sehr)-457(tief)-458(in)-457(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesicht)-308(und)-307(schienen)-308(seine)-308(Seele)-308(zu)-307(fassen)-308(in)-308(ihren)-307(Tiefen,)-322(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-319(nackt)-319(lag:)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.298 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wohl)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.718 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.933 0 Td [(wohl)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.296 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.933 0 Td [(Du)-319(bist)-319(gut)-318(und)-319(barmherzig.)-457(Es)]TJ -139.022 -13.549 Td [(giebt)-381(die)-382(Schuld.)-644(Und)-381(es)-381(giebt)-382(die)-381(Nacht.)-644(Ueber)-381(Schuld)-381(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Nacht)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.779 0 Td [(\023)-250(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 16.363 0 Td [(Kannst)-250(Du)-250(lieben)-250(dahin\374ber?)]TJ/F21 10.9091 Tf 127.549 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 118.333 0 Td [([220])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-354(kannte)-355(die)-354(Nacht)-354(des)-354(Todes.)-563(Und)-354(ich)-355(bin)-354(in)-354(der)-355(H\366lle)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gewesen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.288 0 Td [(\034)]TJ -28.332 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-323(der)-323(H\366lle)-323(...)-470(In)-323(der)-323(H\366lle)-323(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.368 0 Td [(Der)-323(alte)-323(Mann)-323(beugte)-323(sich)]TJ -162.316 -13.549 Td [(noch)-315(weiter)-314(vor.)-444(Seine)-315(Augen)-315(schienen)-314(sich)-315(hineinzufressen)-314(in)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(des)-250(Andern,)-250(zu)-250(ringen)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.124 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(zu)-250(ertrinken.)-250(Er)-250(athmete)-250(hart.)]TJ/F21 10.9091 Tf -111.35 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-536(die)-537(Flammen)-536(steigen)-536(zum)-536(n\344chtlichen)-537(Himmel,)-608(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Starken)-250(schmachten)-250(in)-250(Ketten)-250(und)-250(Banden)]TJ/F21 10.9091 Tf 188.455 0 Td [(\023)-250(\023\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +702 0 obj << +/Type /Page +/Contents 703 0 R +/Resources 701 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +704 0 obj << +/D [702 0 R /XYZ 46.771 423.233 null] +>> endobj +705 0 obj << +/D [702 0 R /XYZ 46.771 162.729 null] +>> endobj +701 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +709 0 obj << +/Length 2429 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(130)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-536(die)-537(Flammen)-536(steigen)-536(zum)-536(n\344chtlichen)-537(Himmel,)-608(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Starken)-455(schmachten)-456(in)-455(Ketten)-456(und)-455(Banden)-456(...)-866(Einer)-456(ist,)-506(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Starke)-250(der)-250(Starken,)-250(der)-250(Stolzesten)-250(Stolzer)-250(...)-250(Einer)]TJ/F21 10.9091 Tf 221.171 0 Td [(\023)-250(\023\034)]TJ -209.215 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Keiner)-277(ist)-277(denn)-277(ich.)-331(Er)-277(ist)-277(Ich,)-284(Ich)-277(bin)-277(Er.)-331(Sieh)-277(mich)-277(an)-277(und)]TJ -16.799 -13.55 Td [(verstehe!)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.982 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.026 -13.549 Td [(Der)-277(alte)-278(Mann)-277(hatte)-277(einen)-278(Schritt)-277(vorw\344rts)-277(gemacht.)-332(Wie)-277(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Blitz)-250(an)-250(der)-250(Eiche)-250(glitt)-250(er)-250(hernieder.)-250(So)-250(fiel)-250(er)-250(um)-250(und)-250(war)-250(todt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-202(Fremde)-202(dr\374ckte)-202(ihm)-202(die)-202(Augen)-202(zu.)-234(Er)-202(machte)-202(das)-201(Zeichen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(des)-229(Kreuzes)-229(\374ber)-229(ihn.)-243(Er)-229(lag)-229(da)-229(in)-229(seiner)-229(ganzen,)-233(riesigen)-229(L\344nge,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-376(tausendj\344hrige)-375(Eiche,)-407(die)-375(tausend)-376(Jahre)-375(gestanden)-376(hat)-375(und)]TJ 0 -13.549 Td [(f\344llt.)-899(Der)-467(Hund)-466(hielt)-467(die)-466(Wache)-466(neben)-467(dem)-466(Leichnam.)-899(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(sass)-297(still)-296(und)-297(gerade,)-308(den)-297(Kopf)-297(hochgerichtet,)-308(die)-296(Vorderpfoten)]TJ 0 -13.549 Td [(nebeneinander)-359(gestel)1(lt,)-386(wie)-359(steinerne)-358(und)-359(eherne)-358(Hunde)-358(sitzen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([221])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(auf)-250(alten)-250(Grabm\344lern.)]TJ 11.955 -13.55 Td [(Der)-401(Salamander)-400(lugte)-401(aus)-401(seiner)-401(Wurzelspalte.)-702(Die)-401(Amsel)]TJ -11.955 -13.549 Td [(h\374pfte)-250(und)-250(beschrieb)-250(seltsame)-250(Kreise.)-250(Die)-250(Spinne)-250(wob)-250(ihr)-250(Netz.)]TJ 11.955 -13.549 Td [(Niemals)-510(wieder)-510(im)-509(Zauberwald)-510(h\366rte)-510(man)-510(die)-510(Klage)-510(der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(weissen)-250(Frau.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +708 0 obj << +/Type /Page +/Contents 709 0 R +/Resources 707 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +710 0 obj << +/D [708 0 R /XYZ 171.363 355.585 null] +>> endobj +707 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +711 0 obj +<< /S /GoTo /D (index13) >> +endobj +714 0 obj +(Das dreizehnte Kapitel.) +endobj +717 0 obj << +/Length 3674 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([222])]TJ/F16 18.9589 Tf -240.238 -68.984 Td [(Das)-265(dreizehnte)-266(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.786 -37.089 Td [(Es)-299(begab)-299(sich)-299(aber,)-312(dass)-299(Einer)-299(gestorben)-299(war,)-311(den)-299(er)-299(lieb)-299(hatte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dessen)-195(Verwandte)-196(und)-195(Freunde)-195(kamen)-196(zu)-195(ihm)-195(und)-196(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 254.579 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dein)]TJ -259.423 -13.549 Td [(Freund)-385(ist)-386(todt.)-656(Er)-386(hat)-385(Dich)-385(geliebt)-386(und)-385(liebt)-386(nicht)-385(mehr.)-656(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-458(gesprochen)-457(und)-458(nun)-458(schweigt)-457(er.)-873(Er)-458(ging)-458(und)-457(wandelte)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-371(uns)-372(und)-371(er)-371(ist)-371(nun)-372(starr)-371(und)-371(stumm)-371(wie)-371(ein)-372(Stein.)-613(Bald)]TJ 0 -13.55 Td [(wird)-259(die)-260(Verwesung)-259(eintreten)-259(an)-259(seinem)-259(Leichnam.)-278(Wir)-259(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-347(begraben)-346(und)-347(unter)-347(die)-346(Erde)-347(senken)-347(m\374ssen.)-540(Die)-346(W\374rmer)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-286(ihn)-286(zerfressen,)-295(sein)-285(Fleisch,)-295(das)-286(faul)-286(und)-286(stinkend)-285(wird,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-305(Knochen,)-318(dass)-305(von)-305(ihm)-304(nichts)-305(\374brig)-305(bleibt.)-414(Pilze)-305(und)-304(lange)]TJ 0 -13.549 Td [(Gr\344ser)-375(werden)-374(wachsen)-375(aus)-375(seinem)-374(Grab.)-624(Wo)-375(sein)-375(Hirn)-374(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-481(die)-482(Maden)-481(nisten.)-945(Ekle)-481(Larven)-482(werden)-481(kriechen)-481(in)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-476(H\366hle)-477(seines)-476(Mundes,)-533(der)-476(lieblich)-476(t\366nte)-476(von)-476(holdseliger)]TJ 0 -13.549 Td [(Rede,)-480(weil)-435(er)-434(lebte.)-802(Seine)-435(Mutter)-434(wird)-434(Niemand)-434(haben,)-480(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([223])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ihr)-357(Trost)-357(bringt.)-572(Sie)-357(ist)-357(alt)-358(und)-357(kann)-357(nicht)-357(mehr)-357(ausgehen)-357(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeit.)-394(Seine)-298(Schwestern)-298(werden)-298(sitzen)-298(und)-298(verwelken)-298(in)-298(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungfrauenschaft.)-773(Denn)-424(wer)-424(wird)-425(sie)-424(wollen,)-468(wo)-424(der)-424(Bruder)]TJ 0 -13.55 Td [(fehlt,)-345(der)-326(Brot)-326(gab)-326(und)-325(Schutz?)-478(Ein)-326(grosses)-326(Ungl\374ck)-326(ist)-326(es)-325(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle.)-535(Du)-345(konntest)-345(helfen)-345(und)-345(halfst)-345(nicht.)-535(Nun)-345(ist)-345(er)-345(todt.)-534(So)]TJ 0 -13.549 Td [(Du)-245(nicht)-245(eilig)-246(kommst,)-246(wirst)-245(Du)-245(die)-246(Leiche)-245(nicht)-245(mehr)-245(sehen)-245(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Tode.)-250(Der)-250(Dir)-250(lieb)-250(war,)-250(geht)-250(ein)-250(wie)-250(Gras,)-250(das)-250(verdorrt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 242.356 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -230.4 -14.483 Td [(Dies)-300(Alles)-300(h\366rte)-300(er)-300(mit)-300(an,)-312(sagte)-300(nichts.)-400(Danach)-300(stand)-300(er)-299(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-414(ging)-413(sehr)-414(eilig,)-454(dass)-414(er)-413(den)-414(Todten)-414(noch)-413(s\344he)-414(auf)-413(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Bahre,)-343(die)-325(Hand)-325(auf)-325(sein)-324(Antlitz)-325(legte,)-343(ehe)-325(sie)-325(ihn)-324(zuschlossen)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-250(Sarge.)]TJ 11.956 -14.483 Td [(Im)-209(Hause)-210(fand)-209(er)-210(Alles)-209(in)-209(schwerer)-210(Trauer.)-236(In)-210(einer)-209(Stube)-209(sass)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-276(alte)-276(Mutter)-276(und)-277(wehklagte)-276(laut.)-328(Alle)-276(Weiber)-276(des)-276(Orts)-276(waren)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +716 0 obj << +/Type /Page +/Contents 717 0 R +/Resources 715 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +718 0 obj << +/D [716 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +712 0 obj << +/D [716 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +719 0 obj << +/D [716 0 R /XYZ 146.582 244.148 null] +>> endobj +715 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +722 0 obj << +/Length 4539 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(132)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(um)-273(sie,)-279(weinten)-273(und)-273(halfen)-273(ihr)-273(ihre)-273(Thr\344nen)-273(trocknen.)-318(W\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-257(laut)-257(die)-257(Tugenden)-256(des)-257(Todten)-257(r\374hmten,)-259(der)-257(ein)-256(vortrefflicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Sohn)-176(gewesen,)-191(voll)-176(Eifer)-176(und)-176(Zuverl\344ssigkeit)-176(gegen)-176(seine)-176(betagte)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter,)-200(der)-187(er)-187(die)-188(H\344lfte)-187(seines)-187(Verdienstes)-187(gab,)-200(dass)-187(sie)-187(friedlich)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-428(in)-429(Eintracht)-428(lebten)-428(in)-429(ihrem)-428(H\344uschen)-428(und)-429(satt)-428(zu)-428(essen)]TJ 0 -13.549 Td [(gehabt)-250(von)-250(dem,)-250(was)-250(er)-250(heimbrachte.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([224])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.004 Td [(So)-445(trostlos)-444(war)-445(die)-445(alte)-444(Frau,)-494(dass)-444(sie)-445(ihre)-445(Haare)-444(zerrauft)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hatte.)-363(Ihre)-288(Kleider)-287(hingen)-288(unordentlich)-287(um)-288(ihren)-288(Leib,)-297(denn)-287(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-248(sie)-247(mehrere)-248(Tage)-248(und)-247(N\344chte)-248(nicht)-247(abgenommen,)-248(w\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-423(krank)-424(lag.)-769(Ihre)-423(Augen)-424(waren)-423(ger\366thet)-423(vom)-423(Nachtwachen,)]TJ 0 -13.55 Td [(ihre)-366(Backen)-366(eingefallen)-365(von)-366(Kummer,)-395(j\344mmerlich)-366(und)-365(h\374lflos)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-337(ganze)-337(Erscheinung.)-511(Sie)-337(weinte)-337(laut,)-359(schrie)-337(und)-336(wollte)-337(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-282(tr\366sten)-283(lassen.)-346(Es)-283(war)-282(ihr)-282(einziger)-283(Sohn)-282(gewesen,)-290(der)-282(todt)]TJ 0 -13.549 Td [(lag.)-592(Sie)-365(hatte)-364(nur)-364(diesen)-364(und)-364(w\374rde)-364(kinderlos)-364(bleiben)-364(hinfort.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihre)-271(T\366chter)-271(konnten)-271(in)-271(die)-271(Ferne)-271(ziehen)-271(als)-271(M\344gde.)-312(Manchmal)]TJ 0 -13.55 Td [(w\374rden)-376(ihr)-376(die)-376(Nachbarn)-376(eine)-376(Unterst\374tzung)-376(bringen)-376(als)-376(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Bettlerin)-178(und)-178(Ueberl\344stigen.)-226(Sie)-177(w\374rde)-178(an)-178(der)-178(Th\374r)-177(stehen,)-193(wo)-177(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(fr\374her)-254(als)-253(Herrin)-254(gewaltet,)-254(\344rmlich)-254(sitzen,)-255(wo)-253(sie)-254(im)-253(Mutterstolz)]TJ 0 -13.549 Td [(geschritten)-250(neben)-250(ihrem)-250(Sohn.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Die)-214(eine)-214(Schwester)-213(Martha)-214(ging)-214(ab)-214(und)-214(zu.)-238(Sie)-214(brachte)-213(warme)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Getr\344nke,)-303(Wecken)-292(und)-292(Kuchen)-292(f\374r)-293(die)-292(Leidtragenden,)-302(w\344hrend)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-458(M\344nner)-458(Bier)-457(aus)-458(Kr\374gen)-458(tranken,)-510(Branntwein)-457(hingestellt)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-366(in)-365(Flaschen.)-597(Das)-365(gebot)-366(die)-365(Sitte.)-597(Diese)-365(Martha)-366(hatte)-365(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauswesen)-306(unter)-307(sich)-306(und)-307(war)-306(sehr)-306(t\374chtig)-307(darin.)-419(Ihre)-306(Wecken)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-328(Kuchen)-327(waren)-328(ber\374hmt)-328(im)-327(Dorfe.)-483(Das)-328(Bier,)-347(das)-328(sie)-327(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(braute,)-189(schmeckte)-174(kr\344ftig)-174(und)-174(s\374ss,)-189(wie)-174(irgend)-174(ein)-174(gekauftes.)-224(Alle)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([225])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(assen)-375(und)-375(tranken)-375(reichlich,)-406(lobten)-375(Martha,)-406(ihre)-375(Ordnung)-375(und)]TJ 0 -13.55 Td [(F\374hrung)-247(des)-248(Hauswesens,)-247(wie)-248(sie)-247(Alles)-247(eingeleitet)-247(und)-247(gerichtet)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-269(dieser)-269(traurigen)-269(Gelegenheit.)-308(Sie)-269(war)-269(bald)-269(hier)-269(und)-269(bald)-269(dort,)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374llte)-277(die)-277(Tassen)-278(und)-277(Kr\374ge,)-284(schalt)-277(auf)-277(die)-277(Kinder,)-284(die)-277(anfingen)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-359(Brot)-359(zu)-359(verstreuen,)-386(sich)-359(die)-359(Gesichter)-359(zu)-359(beschmieren)-358(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Mus)-245(unter)-245(dem)-245(Tisch.)-249(Sie)-245(nahm)-245(einen)-245(Besen)-245(und)-245(fegte)-245(sie)-245(damit)]TJ 0 -13.55 Td [(hinaus)-334(Alle)-334(zusammen)-334(und)-334(gab)-334(ihnen)-334(Schl\344ge)-334(auf)-334(ihre)-334(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(R\366ckchen.)-245(Alle)-236(fanden,)-238(dass)-235(sie)-236(recht)-235(that,)-238(diese)-236(Martha)-235(ein)-235(sehr)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +721 0 obj << +/Type /Page +/Contents 722 0 R +/Resources 720 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +723 0 obj << +/D [721 0 R /XYZ 93.543 448.051 null] +>> endobj +724 0 obj << +/D [721 0 R /XYZ 125.596 174.536 null] +>> endobj +720 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +727 0 obj << +/Length 4581 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(133)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(t\374chtiges)-263(Frauenzimmer)-264(sei.)-290(Es)-263(war)-263(ein)-264(oberster)-263(Bauer)-263(im)-263(Dorf,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-214(sich)-215(vornahm,)-221(sie)-214(als)-214(Haush\344lterin)-215(zu)-214(dingen.)-238(Der)-214(Wirth)-214(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Krug)-231(wollte)-231(sie)-230(gleichfalls.)-244(Dieser)-231(war)-230(ein)-231(Wittmann)-231(und)-230(konnte)]TJ 0 -13.549 Td [(heirathen.)-388(So)-295(dass)-296(wenig)-296(Noth)-296(war)-296(um)-296(Martha,)-307(selbst)-296(wenn)-295(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(keine)-250(Aussteuer)-250(hatte,)-250(der)-250(Bruder)-250(fehlte,)-250(sie)-250(wegzugeben.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Maria)-261(aber,)-264(die)-262(andre)-261(Schwester,)-264(sass)-262(zu)-261(H\344upten)-261(des)-261(Todten)]TJ -11.956 -13.55 Td [(in)-359(dem)-359(kleinen)-359(Verschlag)-359(nebenan.)-577(Sie)-359(hatte)-359(einen)-359(bl\374henden)]TJ 0 -13.549 Td [(Kirschenzweig)-312(abgebrochen)-313(und)-312(wehrte)-313(damit)-312(den)-312(Fliegen,)-328(die)]TJ 0 -13.549 Td [(kommen)-452(wollten,)-502(sich)-452(auf)-452(das)-451(Antlitz)-452(des)-452(Todten)-452(zu)-451(setzen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wenn)-515(eine)-515(Fliege)-515(kam,)-581(scheuchte)-515(sie)-515(sie)-515(sacht)-515(hinweg)-514(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([226])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ihrem)-429(bl\374henden)-429(Zweig,)-474(ohne)-429(sie)-429(zu)-429(t\366dten,)-473(dass)-429(sie)-429(aufflog)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-253(summend)-254(gegen)-253(das)-253(Fenster)-253(stiess.)-260(Sie)-253(hatte)-253(Wiesenblumen)]TJ 0 -13.549 Td [(gepfl\374ckt,)-227(ganze)-222(Armladungen)-222(voll,)-227(und)-222(sie)-221(zu)-222(beiden)-222(Seiten)-221(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Bettes)-224(geschichtet.)-242(Wie)-224(auf)-225(einem)-224(lichten)-225(Fr\374hlingsanger)-224(lag)-224(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Todte,)-328(weil)-312(er)-312(jung)-313(war,)-327(wohlgewachsen)-313(und)-312(sch\366n)-312(vor)-312(andern)]TJ 0 -13.549 Td [(J\374nglingen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Martha)-313(schalt)-312(\374ber)-313(das)-312(unn\366thige)-313(Heu,)-328(das)-312(die)-313(K\374he)-312(fressen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(k\366nnten.)-632(Sie)-378(fand,)-409(dass)-378(die)-377(Schwester)-378(ihr)-377(helfen)-378(sollte)-377(in)-377(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wirthschaft)-271(und)-271(bei)-271(der)-271(Bedienung)-271(der)-271(G\344ste.)-313(Aber)-271(Maria)-270(blieb)]TJ 0 -13.55 Td [(sitzen)-332(bei)-331(dem)-332(Todten.)-495(Sie)-332(hatte)-331(ihren)-332(Zweig)-332(in)-331(der)-332(Hand)-331(und)]TJ 0 -13.549 Td [(scheuchte)-250(sacht)-250(die)-250(Fliegen,)-250(w\344hrend)-250(sie)-250(vor)-250(sich)-250(hinsang.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Diese)-209(Maria)-210(hatte)-209(die)-210(Gabe)-209(der)-209(Lieder.)-237(Im)-209(Hause)-210(war)-209(sie)-209(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(so)-324(geschickt)-324(wi)1(e)-324(Martha,)-342(von)-324(weniger)-324(flinken)-324(Fingern,)-342(so)-323(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(jene)-299(oft)-299(schalt)-300(und)-299(ihr)-299(Vorw\374rfe)-299(machte.)-398(Sie)-299(konnte)-299(auch)-299(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ansehen,)-431(dass)-395(man)-395(Thiere)-394(und)-395(V\366gel)-395(schlachtete,)-431(wie)-394(Martha)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-424(that,)-468(trefflich)-424(davon)-424(zu)-425(kochen)-424(verstand.)-772(Manchmal)-424(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-365(der)-365(Schwester)-365(die)-365(blinkenden)-365(Fische)-365(wieder)-365(aus)-365(dem)-365(Netz)]TJ 0 -13.55 Td [(genommen)-379(und)-380(heimlich)-379(zur\374ckgetragen)-380(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 195.313 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-379(Wasser.)-639(Martha)]TJ -198.946 -13.549 Td [(hatte)-328(gezankt,)-347(ihre)-328(Hand)-328(geschlagen.)-484(Sie)-328(fand,)-348(dass)-328(sie)-327(unn\374tz)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([227])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(war)-248(und)-248(tr\344ge)-248(in)-248(der)-248(Arbeit.)-250(Obgleich)-248(sie)-248(sehr)-248(sch\366n)-248(war,)-248(h\366chst)]TJ 0 -13.549 Td [(lieblich)-329(anzusehen,)-348(fragte)-329(sie)-329(nicht)-329(nach)-329(den)-329(jungen)-329(Leuten)-328(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Dorf,)-222(die)-216(zwar)-215(gekommen)-216(w\344ren,)-222(unter)-216(ihren)-215(Fenstern)-216(von)-215(Liebe)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-238(schw\344tzen,)-241(auch)-238(wohl)-239(ihre)-238(Armuth)-238(\374bersehen)-239(h\344tten)-238(um)-238(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen)-465(Sch\366nheit)-464(willen.)-894(Ihre)-464(Sch\366nheit)-465(war)-464(wie)-465(die)-464(einer)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +726 0 obj << +/Type /Page +/Contents 727 0 R +/Resources 725 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +728 0 obj << +/D [726 0 R /XYZ 211.605 394.596 null] +>> endobj +729 0 obj << +/D [726 0 R /XYZ 259.646 133.888 null] +>> endobj +725 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +732 0 obj << +/Length 4532 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(134)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(K\366nigin,)-251(nicht)-251(eines)-250(Bauernm\344dchens.)-253(Wenn)-250(sie)-251(durch)-251(das)-250(Dorf)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-293(Brunnen)-293(ging,)-304(liefen)-293(die)-293(Kinder)-293(ihr)-293(nach,)-303(die)-293(K\374he)-293(kamen)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-236(breiten,)-238(weissen)-236(Stirnen,)-239(sich)-236(streicheln)-235(zu)-236(lassen)-236(von)-236(ihr,)-238(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(saufen)-245(aus)-245(ihrem)-244(Eimer.)-249(Man)-244(sagte,)-246(dass)-245(in)-245(ihrer)-245(Hand)-244(Heilkraft)]TJ 0 -13.55 Td [(w\344re,)-479(die)-433(Pflanzen,)-479(die)-433(sie)-433(eingesetzt)-433(hatte,)-479(schlugen)-433(an)-433(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bl\374hten.)-794(Ihre)-431(Lieder)-431(schl\344ferten)-431(ein)-431(trotziges)-432(Kind)-431(ein.)-793(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(wilde)-369(Blut)-369(wurde)-370(ruhig.)-607(Man)-370(vergass)-369(die)-369(Sorgen)-369(des)-369(Lebens,)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde)-309(einfach,)-323(Lilien)-309(auf)-309(dem)-309(Felde,)-323(die)-309(bl\374hen)-309(in)-309(ihrer)-308(stillen)]TJ 0 -13.549 Td [(Pracht,)-341(und)-322(kleine)-323(V\366glein,)-341(die)-323(zwitschernd)-322(flogen)-323(ohne)-322(Sorge)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(Noth.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Sie)-190(sass)-190(und)-190(st\366rte)-190(mit)-190(ihrem)-190(Zweig)-190(die)-190(Fliegen.)-230(Sie)-190(sang)-189(leise.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Sie)-359(war)-360(gar)-359(nicht)-360(traurig.)-578(Ihr)-359(sch\366nes)-359(Gesicht)-360(blieb)-359(ruhig)-359(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(zuvor.)-239(Sie)-217(weinte)-216(auch)-217(nicht;)-228(man)-217(sah)-216(keine)-217(Unordnung)-217(in)-216(ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Haar)-260(oder)-260(Kleid.)-280(Keine)-260(Herdr\366the)-259(lag)-260(auf)-260(ihren)-260(Backen,)-263(wie)-259(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(Martha,)-394(die)-366(fliegend)-366(stob,)-394(scheltend,)-394(z\344hlend,)-395(weinend)-365(wieder)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([228])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(zwischendurch)-242(\374ber)-242(den)-242(Bruder,)-244(der)-242(fehlte,)-244(die)-242(Sorge,)-243(die)-242(in)-242(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Haushalt)-278(gekommen)-277(dadurch.)-334(Besonders)-277(beklagte)-278(sie)-278(sich,)-284(dass)]TJ 0 -13.55 Td [(Er,)-420(der)-387(sein)-386(Freund)-386(war,)-421(nicht)-386(dagewesen)-386(war)-386(bei)-387(Zeiten.)-658(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tte)-355(ihm)-355(ein)-355(Heilmittel)-355(geben)-355(k\366nnen,)-381(wenigstens)-355(doch)-354(Trost)]TJ 0 -13.549 Td [(spenden)-250(an)-250(seinem)-250(Bett,)-250(eine)-250(H\374lfe)-250(sein)-250(den)-250(geplagten)-250(Frauen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Es)-714(kamen)-714(immer)-713(mehr)-714(Menschen,)-830(denn)-714(die)-714(Zeit)-713(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Begr\344bnisses)-385(war)-386(nahe.)-655(Alle)-386(assen)-385(und)-385(tranken.)-656(Es)-385(war)-385(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(grosse)-298(Unordnung.)-392(Man)-298(h\366rte)-298(das)-297(Klagen)-298(der)-297(alten)-298(Frauen,)-309(die)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-409(Tugenden)-409(des)-409(Todten)-409(aufz\344hlten,)-449(die)-409(Kinder)-409(spielten)-409(und)]TJ 0 -13.55 Td [(trieben)-253(allerlei)-253(Schabernack.)-260(In)-253(den)-253(St\344llen)-253(br\374llte)-253(das)-254(Vieh,)-253(das)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-250(vergessen)-250(hatte)-250(\374ber)-250(dem)-250(Trubel,)-250(vor)-250(seinen)-250(Krippen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Mitten)-328(hinein)-327(da)-328(trat)-328(der)-327(Fremde.)-483(Martha)-328(st\374rzte)-328(sich)-327(sofort)]TJ -11.956 -13.55 Td [(auf)-260(ihn)-261(und)-260(erz\344hlte)-260(die)-260(n\344heren)-261(Einzelheiten)-260(von)-260(der)-260(Krankheit)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-323(dem)-323(Tod.)-469(Die)-323(alte)-323(Mutter)-323(erhob)-323(ihre)-323(Stimme)-323(sehr)-323(hoch)-323(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Schluchzen.)-442(Alle)-314(sahen)-314(ihn)-314(an)-314(und)-314(dr\344ngten)-314(sich)-314(um)-314(ihn,)-329(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-416(wussten,)-458(dass)-416(der)-415(Verstorbne)-416(ihm)-416(sehr)-416(lieb)-416(gewesen)-416(war.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-280(wunderten)-279(sich,)-287(was)-280(er)-279(thun)-280(w\374rde.)-338(Einige)-280(dachten)-280(auch,)-286(er)]TJ 0 -13.55 Td [(h\344tte)-273(ihm)-274(helfen)-273(k\366nnen:)-297(Was)-274(ist)-273(an)-273(ihm,)-280(so)-273(er)-274(nicht)-273(mal)-273(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(retten)-389(konnte,)-424(den)-389(er)-389(lieb)-389(hatte?)-667(Die)-389(Andern)-388(glaubten)-389(beinah)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([229])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +731 0 obj << +/Type /Page +/Contents 732 0 R +/Resources 730 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 706 0 R +>> endobj +733 0 obj << +/D [731 0 R /XYZ 262.584 326.85 null] +>> endobj +734 0 obj << +/D [731 0 R /XYZ 266.316 66.142 null] +>> endobj +730 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +737 0 obj << +/Length 4742 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(135)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(an)-364(ein)-363(Wunder:)-478(Jetzt)-364(ist)-363(die)-364(Gelegenheit)-364(f\374r)-364(ihn.)-591(Wir)-363(m\374ssen)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen,)-354(was)-333(er)-333(thut.)-499(Sie)-333(waren)-333(ganz)-333(bereit)-333(zu)-333(glauben,)-353(wenn)-333(er)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-271(Todten)-270(erweckte,)-276(obgleich)-270(sie)-271(nat\374rlich)-270(nicht)-271(zugaben,)-275(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-350(etwas)-351(m\366glich)-350(w\344re.)-551(Es)-350(war)-350(eine)-351(Aufregung)-350(in)-350(der)-350(ganzen)]TJ 0 -13.55 Td [(Gesellschaft)-250(und)-250(Alle)-250(sahen)-250(auf)-250(ihn.)]TJ 11.956 -16.75 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374hrt)-250(mich)-250(zu)-250(ihm!)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.546 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.647 -16.75 Td [(Martha)-239(f\374hrte)-240(ihn)-239(in)-240(den)-239(Verschlag.)-247(Alle)-239(dr\344ngten)-240(nach)-239(durch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-250(niedrige)-250(Th\374r.)-250(Aber)-250(er)-250(hiess)-250(sie)-250(die)-250(Th\374re)-250(schliessen.)]TJ 11.956 -16.75 Td [(So)-305(schloss)-305(sie)-305(die)-305(Th\374r.)-416(Draussen)-305(warteten)-305(die)-305(Andern.)-415(Nur)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-187(alte)-186(Frau)-187(fuhr)-186(fort)-187(laut)-187(zu)-186(wehklagen,)-200(ihre)-186(Tage)-187(zu)-186(verfluchen,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-225(sie)-225(lieber)-225(ihm)-225(nachfahren)-225(wollte)-225(in)-225(die)-225(Grube,)-230(der)-225(ihr)-225(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen,)-250(der)-250(Trost)-250(ihres)-250(h\374lflosen)-250(Alters.)]TJ 11.956 -16.75 Td [(Martha)-196(war)-196(mit)-197(hineingegangen.)-232(Sie)-196(beeilte)-196(sich)-196(die)-196(Vorh\344nge)]TJ -11.956 -13.55 Td [(fortzuziehen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.301 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sieh)-251(ihn)-251(Dir)-250(genau)-251(an)-251(und)-251(merke)-250(die)-251(Zeichen)-251(des)]TJ -65.144 -13.549 Td [(Uebels,)-271(an)-266(dem)-267(er)-266(gestorben)-267(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.616 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.751 0 Td [(Sie)-267(beschrieb)-266(sie)-267(genau.)]TJ/F21 10.9091 Tf 108.634 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun)]TJ -261.844 -13.549 Td [(ist)-178(es)-178(zu)-179(sp\344t.)-226(Wenn)-178(Du)-178(bei)-179(Zeiten)-178(gekommen)-178(w\344rst,)-193(lebte)-178(er)-178(jetzt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-280(vielleicht)-281(ist)-280(es)-281(auch)-280(nicht)-280(zu)-281(sp\344t?)-341(Du)-281(weisst)-280(sehr)-280(Vieles,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-464(es)-463(ist)-464(Dir)-464(Macht)-464(gegeben)-463(\374ber)-464(Kunst)-464(der)-463(gew\366hnlichen)]TJ 0 -13.55 Td [(Sterblichen.)-250(Sieh)-250(Du)-250(selbst)-250(und)-250(urtheile!)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.955 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 114.068 0 Td [([230])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -16.75 Td [(Das)-310(sagte)-310(sie)-309(ihn)-310(zu)-310(versuchen.)-429(Sie)-310(dachte)-310(in)-310(ihrem)-309(Herzen:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.955 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-253(es)-253(doch)-254(m\366glich)-253(w\344re?)-260(Warum)-253(sollte)-253(es)-253(ganz)-253(unm\366glich)]TJ -4.843 -13.549 Td [(sein?)]TJ/F21 10.9091 Tf 22.418 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -10.463 -16.75 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lass)-250(mich)-250(allein)-250(mit)-250(ihm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.218 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -163.319 -16.75 Td [(So)-250(ging)-250(sie)-250(hinaus)-250(und)-250(schloss)-250(die)-250(Th\374r)-250(hinter)-250(sich.)]TJ 0 -16.75 Td [(Es)-383(war)-384(Niemand)-383(im)-383(Zimmer,)-417(denn)-383(er)-383(und)-383(Maria.)-650(Und)-383(die)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Leiche)-231(zwischen)-231(ihnen,)-234(von)-231(der)-231(sie)-231(die)-231(Fliegen)-231(wehrte)-231(mit)-230(ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(bl\374henden)-311(Zweig.)-434(Denn)-311(sie)-311(hatten)-311(ihn)-312(viele)-311(Tage)-311(liegen)-311(lassen)]TJ 0 -13.55 Td [(um)-364(des)-364(Fremden)-364(willen.)-592(Der)-364(Leichnam)-364(fing)-364(schon)-363(an)-364(sich)-364(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(zersetzen.)-239(Ein)-218(Geruch)-217(der)-218(F\344ulniss)-217(war)-218(mit)-217(im)-218(Zimmer)-217(zwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(frischen,)-250(k\374hlen)-250(der)-250(Blumen,)-250(die)-250(Maria)-250(gesammelt)-250(hatte.)]TJ 11.955 -16.75 Td [(Er)-250(war)-250(an)-250(das)-250(Lager)-250(getreten)-250(und)-250(sah)-250(den)-250(Todten)-250(an.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -16.75 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(ist)-250(nicht)-250(todt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 70.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(er.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +736 0 obj << +/Type /Page +/Contents 737 0 R +/Resources 735 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +738 0 obj << +/D [736 0 R /XYZ 46.771 261.345 null] +>> endobj +735 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +742 0 obj << +/Length 5618 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(136)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-227(weiss,)-232(dass)-228(er)-227(nicht)-228(todt)-227(ist.)-243(Er)-227(schl\344ft)-228(blos,)]TJ/F21 10.9091 Tf 202.829 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.325 0 Td [(sagte)-227(Maria.)]TJ -226.953 -13.549 Td [(Sie)-304(fuhr)-304(fort)-304(den)-304(Fliegen)-304(zu)-304(wehren)-304(und)-304(sang)-304(leise.)-411(Vom)-304(Gras,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(verwelkt,)-250(sang)-250(sie,)-250(von)-250(der)-250(Spreu)-250(im)-250(Winde:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-237(Mensch)-236(ist)-237(in)-237(seinem)-236(Leben)-237(wie)-236(Gras,)-240(er)-236(bl\374het)-237(wie)-237(eine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Blume)-250(auf)-250(dem)-250(Felde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-407(der)-406(Wind)-407(dar\374ber)-407(geht,)-445(ist)-407(sie)-407(nimmer)-406(da)-407(und)-407(ihre)]TJ -16.799 -13.549 Td [(St\344tte)-250(kennt)-250(sie)-250(nicht)-250(mehr.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([231])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.712 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-472(gehen)-471(daher)-472(wie)-471(ein)-472(Schemen)-472(und)-471(machen)-472(sich)-472(viel)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vergebliche)-250(Unruhe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-250(sammeln)-250(und)-250(wissen)-250(nicht,)-250(wer)-250(es)-250(kriegen)-250(wird.)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.844 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-421(ein)-421(Traum)-420(vergehet,)-464(so)-420(wird)-421(er)-421(auch)-421(nicht)-421(gefunden)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werden)-250(und)-250(wie)-250(ein)-250(Gesicht)-250(in)-250(der)-250(Nacht)-250(verschwindet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Unser)-828(Leben)-828(w\344hret)-828(siebenzig)-828(Jahre,)-973(und)-828(wenn)-828(es)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hochkommt,)-590(so)-523(sind)-522(es)-523(achtzig)-522(Jahr,)-590(und)-523(wenn)-522(es)-522(k\366stlich)]TJ 0 -13.55 Td [(gewesen)-288(ist,)-298(so)-289(ist)-288(es)-289(M\374he)-288(und)-289(Arbeit)-288(gewesen;)-308(denn)-288(es)-288(f\344hret)]TJ 0 -13.549 Td [(schnell)-250(dahin,)-250(als)-250(fl\366gen)-250(wir)-250(davon.)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.433 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -143.478 -13.9 Td [(Nicht)-250(traurig)-250(klang)-250(es.)-250(Nur)-250(weich)-250(und)-250(sehr)-250(leise.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-315(ist)-315(nicht)-315(todt)-315(und)-315(er)-315(hat)-315(nicht)-315(gelebt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.273 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.281 0 Td [(sagte)-315(der)-315(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -201.353 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-250(wurde)-250(nur)-250(geboren)-250(und)-250(nun)-250(ist)-250(er)-250(gestorben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 205.712 0 Td [(\034)]TJ -198.601 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-318(weiss,)-336(dass)-319(er)-318(nicht)-319(todt)-318(ist)-319(und)-318(nicht)-319(gelebt)-318(hat,)]TJ/F21 10.9091 Tf 233.095 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.318 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.549 Td [(Maria.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.369 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-212(lebt,)-220(ist)-213(unsterblich.)-237(Das)-212(Unsterbliche)-213(kann)-212(niemals)]TJ -36.212 -13.549 Td [(sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.233 0 Td [(\034)]TJ -22.278 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Niemals,)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -51.502 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht)-317(ist)-318(er)-317(auf)-318(einem)-317(andern)-317(Stern)-318(jetzt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 200.866 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.306 0 Td [(sagte)-317(Maria.)]TJ/F21 10.9091 Tf -225.971 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht)-376(ist)-375(er)-376(etwas)-376(sehr)-376(Hohes)-375(und)-376(Herrliches.)-627(Vielleicht)]TJ -4.844 -13.549 Td [(ein)-407(Fliegeneichen.)-720(Und)-406(der)-407(Wind)-407(f\374hrt)-406(es)-407(fort.)-720(Oder)-406(Gr\344ser)]TJ 0 -13.549 Td [(wachsen)-374(aus)-374(ihm,)-404(die)-374(bl\374hen)-374(und)-374(Samen)-374(tragen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 219.761 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.922 0 Td [(Sie)-374(l\344chelte)]TJ/F16 7.9701 Tf -301.439 0 Td [([232])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(und)-304(scheuchte)-304(die)-303(Fliegen.)-412(Die)-304(Sonne)-303(stand)-304(schon)-304(niedrig.)-411(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(breiter)-445(Lichtbalken)-446(vom)-445(Fenster)-445(her)-445(zog)-446(sich)-445(quer)-445(durch)-445(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Stube.)-261(Hunderte)-254(von)-254(glitzernden)-254(St\344ubchen)-254(tanzten)-254(und)-253(webten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-250(stiessen)-250(sich)-250(und)-250(kreisten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht,)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.585 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nur)-250(er)-250(ist)-250(nicht)-250(todt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.177 0 Td [(\034)]TJ -231.774 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-250(ist)-250(nicht)-250(todt.)-250(Sie)-250(denken)-250(es)-250(blos.)-250(Sie)-250(sind)-250(th\366richt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 233.639 0 Td [(\034)]TJ -238.483 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(blind.)-250(Sie)-250(sehen)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.178 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +741 0 obj << +/Type /Page +/Contents 742 0 R +/Resources 740 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +743 0 obj << +/D [741 0 R /XYZ 93.543 436.037 null] +>> endobj +744 0 obj << +/D [741 0 R /XYZ 153.801 162.038 null] +>> endobj +740 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +747 0 obj << +/Length 4805 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(137)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-249(sehen)-249(nicht,)-249(weil)-249(sie)-249(hochm\374thig)-249(sind)-249(und)-249(Scheuklappen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vor)-245(ihre)-244(Augen)-245(binden,)-246(um)-244(nicht)-245(zu)-245(sehen.)-248(Alles)-245(ist)-244(sch\366n.)-248(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(singt.)-250(Alles)-250(lebt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.52 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -59.564 -15.395 Td [(Und)-206(fr\366hlich)-206(sang)-207(sie)-206(in)-206(den)-207(Tag,)-215(der)-206(sich)-206(neigte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.406 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-206(denken,)]TJ -230.206 -13.55 Td [(dass)-199(die)-199(Sonne)-199(untergeht.)-232(Sie)-199(geht)-199(nur)-199(weiter.)-233(Sie)-199(sehen)-199(sie)-198(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-342(wird)-342(Nacht.)-527(Nach)-342(der)-342(Nacht)-342(kommt)-343(der)-342(Morgen.)-526(Ach,)-365(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen)-220(sind)-220(ungeduldig)-221(und)-220(unverst\344ndig!)-240(Wie)-220(kleine)-220(Kinder)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-347(sie,)-371(die)-347(weinen,)-372(wenn)-347(es)-347(dunkel)-347(wird.)-540(Still)-347(ist)-347(die)-347(Nacht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Lieblich)-250(und)-250(g\374tig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 83.335 0 Td [(\034)]TJ -71.379 -15.395 Td [(\023)-254(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.071 0 Td [(M\366chtest)-254(Du)-254(den)-255(wecken,)-255(der)-254(schl\344ft?)-263(Er)-254(schl\344ft)-254(sanft)-254(und)]TJ -25.027 -13.55 Td [(seine)-365(Lippen)-364(l\344cheln.)-593(M\366chtest)-365(Du)-364(purpurn)-365(haben,)-393(was)-364(weiss)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([233])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(ist?)-439(Zuckend)-313(und)-313(fiebrig,)-329(was)-313(so)-313(still)-313(ward?)-439(F\374hle,)-328(wie)-313(still)-313(es)]TJ 0 -13.549 Td [(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.036 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -1.081 -15.395 Td [(Sie)-302(entfernte)-302(mit)-302(ihrer)-303(Hand)-302(das)-302(Hemd)-302(des)-302(Todten)-302(und)-303(l)1(egte)]TJ -11.955 -13.549 Td [(ihre)-242(Hand)-243(auf)-242(sein)-242(Herz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.293 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-242(schl\344gt)-243(nicht)-242(mehr.)-247(H\366rt)-243(darum)-242(der)]TJ -114.137 -13.549 Td [(Ocean)-285(auf,)-293(seine)-285(Wellen)-285(zu)-285(w\344lzen?)-354(St\366rt)-285(es)-285(etwas)-285(im)-284(Wechsel)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-183(Tag)-182(und)-183(Nacht,)-196(vom)-182(Sommer)-183(zum)-182(Winter?)-228(Arme)-182(Menschen!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wie)-241(ihre)-241(Herzen)-241(winzig)-241(klein)-241(sind!)-247(Und)-241(Froschherzen)-240(sind)-241(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(kleiner.)-232(Aber)-196(eine)-197(Fliege)-196(hat)-196(auch)-197(ein)-196(Herz.)-232(In)-197(ihren)-196(Adern)-196(fliesst)]TJ 0 -13.549 Td [(Blut.)-575(Kleine)-359(Menschen,)-385(kleine)-359(Fliegen-)-358(und)-358(Froschmenschen!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wie)-250(sie)-250(klein)-250(sind!)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.112 0 Td [(\034)]TJ -70.157 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Deine)-250(Mutter)-250(weint.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.167 0 Td [(\034)]TJ -93.01 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-282(habe)-283(eine)-282(Blume)-282(gepfl\374ckt)-283(und)-282(der)-282(Stengel)-283(blutete.)-347(Das)]TJ -16.798 -13.55 Td [(ganze)-359(W\374rzelchen)-360(starb.)-579(Sie)-359(muss)-360(nun)-359(sterben.)-579(Sieh,)-387(wie)-359(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\344tter)-250(h\344ngen!)-250(Wie)-250(sie)-250(traurig)-250(ist!)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.788 0 Td [(\034)]TJ -139.833 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)-250(k\366nnte)-250(sie)-250(wieder)-250(einpflanzen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 156.022 0 Td [(\034)]TJ -160.865 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wozu?)-543(Es)-348(giebt)-348(so)-347(viele)-348(Blumen.)-543(Sie)-348(wird)-348(Staub)-348(werden,)]TJ -16.798 -13.549 Td [(eine)-220(sch\366nere)-221(Blume)-220(vielleicht.)-241(Vielleicht)-220(wird)-220(sie)-221(eine)-220(K\366nigin.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-250(m\366chte)-250(gar)-250(nicht)-250(wieder)-250(eine)-250(arme,)-250(kleine)-250(Blume)-250(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 254.803 0 Td [(\034)]TJ -242.848 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(draussen)-250(verstehen)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.269 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 133.956 0 Td [([234])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -15.396 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-292(verstehen)-291(es)-292(nicht.)-374(Sie)-292(sind)-292(ungeduldig,)-302(dumme,)-302(kleine)]TJ -16.798 -13.549 Td [(Kinder.)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.021 0 Td [(\034)]TJ -21.066 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(ungl\374cklich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.753 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +746 0 obj << +/Type /Page +/Contents 747 0 R +/Resources 745 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +748 0 obj << +/D [746 0 R /XYZ 193.334 378.991 null] +>> endobj +749 0 obj << +/D [746 0 R /XYZ 46.771 108.943 null] +>> endobj +745 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +752 0 obj << +/Length 5655 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(138)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ungl\374ck)-238(ist)-237(Ungeduld)-238(und)-238(Eigensinn.)-246(Es)-237(giebt)-238(keine)-238(Gefahr,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wenn)-457(Du)-456(auf)-457(dem)-456(Wasser)-457(liegst)-456(und)-457(Dich)-456(treiben)-457(l\344sst.)-869(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(tr\344gt)-443(Dich)-442(mit)-443(sich.)-828(G)-200(e)-200(g)-200(e)-200(n)-443(die)-442(Fluth)-443(bist)-443(Du)-442(ohnm\344chtig.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-276(verschlingt)-276(Dich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.949 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.464 0 Td [(Du)-276(kannst)-276(die)-276(Augen)-276(schliessen)-275(und)-276(die)]TJ -104.413 -13.55 Td [(Arme)-190(falten.)-229(So)-190(leicht)]TJ/F21 10.9091 Tf 96.878 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.522 0 Td [(leicht)-189(schwimmt)-190(es)-190(sich!)]TJ/F21 10.9091 Tf 108.702 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.522 0 Td [(E)-200(r)-190(schwimmt)]TJ -220.624 -13.549 Td [(jetzt.)-347(Er)-282(tobt)-283(nicht)-282(mehr.)-347(Er)-282(ist)-283(nicht)-282(todt)-282(und)-283(ich)-282(lebe)-282(nicht.)-347(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(Alles)-250(Eins)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.917 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Alles)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.938 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.081 -14.531 Td [(Die)-437(Abendd\344mmerung)-437(war)-436(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 136.085 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-437(Zimmer)-437(gekrochen.)-810(Alles)]TJ -151.673 -13.549 Td [(l\366ste)-247(sich)-248(auf,)-248(schien)-247(zu)-248(schwimmen,)-248(emporgetragen)-247(zu)-247(werden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Schatten!)-1110(Schatten!)-537(...)-1109(Wenn)-537(Du)-537(aus)-536(der)-537(Ferne)-537(viele)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Stimmen)-279(h\366rst,)-287(ist)-279(es)-279(Alles)-280(nur)-279(ein)-279(Ton.)-338(Wir)-279(sind)-279(zu)-280(nah.)-337(Nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-275(Gedanke,)-281(der)-275(gedacht)-275(worden)-275(ist,)-281(verschwindet.)-325(Was)-275(in)-274(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Schooss)-356(der)-356(Zeiten)-357(gesenkt)-356(war,)-383(tr\344gt)-356(Frucht)-356(und)-356(bl\374ht)-356(in)-356(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeiten)-372(ewiglich.)-617(Das)-372(Leben)-373(der)-372(Zeiten)-372(ist)-372(die)-373(Ewigkeit.)-616(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-250(Lebens)-250(Leben)-250(ist)-250(Gott.)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.105 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -110.15 -14.532 Td [(Da)-219(legte)-219(er)-219(die)-218(Hand)-219(auf)-219(die)-219(Stirn)-219(des)-219(Todten.)-239(Er)-219(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.868 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Leb)]TJ -263.666 -13.549 Td [(wohl!)-306(Ich)-268(sehe)-269(Di)1(ch)-269(jetzt)-268(nicht.)-306(Aber)-268(ich)-269(werde)-268(Dich)-269(sehen.)-305(Du)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([235])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(bist)-205(nicht)-205(todt.)-235(Das)-205(Leben)-205(ist)-205(in)-205(Dir)-205(nicht)-205(todt.)-235(Was)-205(Du)-205(mir)-205(davon)]TJ 0 -13.549 Td [(gegeben)-254(hast,)-255(trage)-255(ich)-254(in)-254(mir.)-262(Und)-254(diese)-255(Alle)-254(tragen)-254(etwas.)-262(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Andre)-322(liegt)-323(geh\374tet)-322(wie)-322(ein)-323(kostbarer)-322(Schatz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 206.458 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.971 0 Td [(Den)-322(Winden)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.746 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.549 Td [(der)-262(Erde)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.252 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.317 0 Td [(dem)-262(Wasser)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.753 0 Td [(\034)-262(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 16.022 0 Td [(er)-262(schlug)-263(die)-262(Zeichen)-262(durch)-263(die)-262(Luft.)]TJ/F21 10.9091 Tf -118.344 -13.55 Td [(\023)-388(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.532 0 Td [(Gott,)-423(der)-388(des)-388(Lebens)-388(Ursprung)-388(ist,)-423(von)-388(dem)-388(es)-388(fliesst)-388(und)]TJ -14.532 -13.549 Td [(zur\374ck)-332(fliesst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.512 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.078 0 Td [(Komm)-332(jetzt,)-353(dass)-332(wir)-332(ihn)-332(rasch)-333(begraben)-332(und)]TJ -76.59 -13.549 Td [(ein)-250(Ende)-250(machen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.858 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.903 -14.531 Td [(So)-263(gingen)-262(sie)-263(Beide)-262(hinaus,)-266(Maria)-262(und)-263(er,)-266(schlossen)-262(die)-263(Th\374r)]TJ -11.955 -13.549 Td [(hinter)-364(sich,)-392(da)-364(der)-363(Todte)-364(lag.)-591(Es)-364(war)-363(dunkel)-364(bei)-364(dem)-363(Todten.)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-191(merkte)-192(jetzt)-191(deutlich)-191(den)-192(Geruch)-191(der)-192(Verwesung,)-203(in)-191(dem)-191(der)]TJ 0 -13.549 Td [(welkenden)-200(Blumen,)-211(etwas)-200(von)-200(Blut,)-211(Fleischfaser)-200(und)-200(schlechten,)]TJ 0 -13.549 Td [(geringen)-278(Stoffen.)-333(Schlaff,)-285(mit)-277(geschlossnen)-278(Kelchen)-278(hingen)-277(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\374then.)-250(Die)-250(Fliegen)-250(schwirrten.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Die)-183(Andern,)-196(da)-182(sie)-183(diese)-183(Beiden)-182(so)-183(ruhig)-183(sahen,)-196(meinten)-182(sie,)-197(es)]TJ -11.955 -13.549 Td [(w\344re)-283(ein)-283(Wunder)-283(geschehen,)-291(dass)-283(der)-283(Todte)-283(lebte.)-349(Sie)-282(dr\344ngten)]TJ 0 -13.55 Td [(nach)-208(in)-207(die)-208(Th\374r)-207(und)-208(Martha)-208(rief)-207(mit)-208(lauter)-207(Stimme)-208(ihren)-207(Bruder:)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Du)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(sage)-250(ob)-250(Du)-250(lebst?)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.258 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +751 0 obj << +/Type /Page +/Contents 752 0 R +/Resources 750 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +753 0 obj << +/D [751 0 R /XYZ 235.23 298.442 null] +>> endobj +750 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +756 0 obj << +/Length 4479 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(139)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Aber)-411(Maria)-410(sagte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.5 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lass)-411(ihn.)-732(Er)-410(ist)-411(nicht)-410(todt.)-732(Doch)-411(wir)]TJ -105.3 -13.549 Td [(m\374ssen)-362(ihn)-362(begraben,)-389(denn)-362(es)-362(ist)-361(Abend)-362(und)-362(die)-362(Leiche)-361(f\344ngt)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([236])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(schon)-270(an)-271(stinkend)-270(zu)-271(werden.)-311(Es)-270(w\344re)-270(uns)-271(sch\344dlich,)-275(ungesund,)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-250(Schlafen)-250(in)-250(der)-250(Kammer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 131.181 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.226 -14.841 Td [(Martha)-220(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.968 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-220(sollen)-219(wir)-220(ihn)-219(begraben,)-226(so)-220(er)-219(doch)-220(nicht)]TJ -84.767 -13.549 Td [(todt)-250(ist?)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.854 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -22.899 -14.84 Td [(Sie)-414(sah)-413(den)-414(Fremden)-414(hart)-413(an,)-455(weil)-414(sie)-413(ihm)-414(z\374rnte,)-455(dass)-413(er)]TJ -11.955 -13.55 Td [(ihren)-237(Bruder)-236(nicht)-237(erweckt)-237(hatte,)-239(wie)-237(er)-236(wohl)-237(konnte)-237(nach)-236(ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Glauben.)-571(Sie)-357(mussten)-357(Noth)-357(leiden)-357(forthin.)-570(Ihre)-357(Mutter)-357(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-320(St\374tze)-319(sein)-320(f\374r)-320(ihr)-319(Alter.)-459(Er)-320(aber)-320(l\344chelte)-320(nur,)-337(winkte)-319(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Hand)-250(und)-250(ging)-250(hinweg)-250(ohne)-250(ein)-250(Wort.)]TJ 11.955 -14.84 Td [(Dies)-442(nahmen)-443(Viele)-442(ihm)-442(\374bel,)-490(Martha)-443(und)-442(die)-442(Frauen,)-490(die)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Neugierigen,)-250(die)-250(auf)-250(ein)-250(Zeichen)-250(gewartet)-250(hatten.)]TJ 11.955 -14.84 Td [(Maria)-228(aber)-229(war)-229(nicht)-228(traurig.)-243(Sie)-228(sang)-229(und)-228(schritt)-229(leicht)-229(dahi)1(n.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Wenn)-322(man)-322(sie)-323(fragte,)-340(ob)-322(sie)-322(nicht)-323(Leid)-322(tr\374ge)-322(um)-322(ihren)-322(Bruder,)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-250(sie:)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.038 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(warte)-251(auf)-250(ihn.)-251(Ich)-251(weiss,)-250(dass)-251(er)-250(nicht)-251(todt)-250(ist.)-251(Ich)]TJ -47.882 -13.55 Td [(werde)-292(ihn)-292(sehen.)-377(Es)-292(ist)-292(in)-292(sehr)-292(kurzer)-292(Zeit)-293(vor\374ber)]TJ/F21 10.9091 Tf 228.194 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.641 0 Td [(Alles.)-376(Ich)]TJ -236.835 -13.549 Td [(bin)-274(eilig,)-280(die)-273(Blume)-274(zu)-274(fassen,)-280(meine)-274(Pflanzen)-274(zu)-274(w\344ssern,)-279(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(wachsen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -43.179 -14.84 Td [(Einige)-333(sagten:)-417(Es)-333(ist)-333(Gleichg\374ltigkeit,)-354(Andre:)-417(Gr\366sse.)-500(Aber)]TJ -11.955 -13.55 Td [(es)-285(war)-286(nichts)-285(von)-286(Beiden.)-356(Sie)-286(wusste)-285(nur)-286(und)-285(sie)-286(fand,)-294(dass)-285(die)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([237])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(Tage)-250(zu)-250(kurz)-250(sind)-250(zum)-250(Weinen.)]TJ 11.955 -14.84 Td [(Denn)-303(die)-304(Nacht)-303(kommt)-303(schnell)-303(herbei,)-317(da)-303(Niemand)-304(schaffen)]TJ -11.955 -13.549 Td [(kann.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 116.929 180.736 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 162.278 Td [(Nun)-428(war)-429(aber)-428(in)-429(dieser)-428(Gegend)-429(eine)-428(Jungfrau,)-474(die)-428(nie)-428(ein)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Mann)-250(ber\374hrt)-250(hatte.)]TJ 11.956 -14.84 Td [(So)-183(rein)-183(war)-184(diese)-183(Jungfrau,)-197(dass)-183(nicht)-183(ein)-183(unkeuscher)-183(Gedanke)]TJ -11.956 -13.549 Td [(oder)-392(Abdruck)-393(ihr)-392(Gehirn)-392(kreuzte.)-677(Selbst)-393(in)-392(ihre)-392(unbewussten)]TJ 0 -13.549 Td [(Tr\344ume)-503(kam)-504(eine)-503(solche)-504(Vorstellung)-503(nicht,)-567(eine)-503(Hitze)-503(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(Beunruhigung.)-521(Sie)-340(h\344tte)-340(nackt)-341(vor)-340(M\344nnern)-340(hergehen)-340(k\366nnen,)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-290(dass)-290(sie)-290(sich)-290(gesch\344mt)-290(h\344tte.)-370(Man)-290(w\374rde)-290(vor)-290(ihren)-289(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-457(Wollust)-457(und)-457(S\374ndhaftigkeit)-457(der)-457(Welt)-457(ausbreiten)-457(k\366nnen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +755 0 obj << +/Type /Page +/Contents 756 0 R +/Resources 754 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +757 0 obj << +/D [755 0 R /XYZ 186.481 504.626 null] +>> endobj +758 0 obj << +/D [755 0 R /XYZ 181.67 240.735 null] +>> endobj +754 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +761 0 obj << +/Length 4416 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(140)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dass)-356(ihre)-357(Augen)-356(nichts)-357(gesehen)-356(h\344tten,)-383(die)-356(R\366the)-357(w\344re)-356(in)-356(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(weissen)-290(Wangen)-290(nicht)-290(gestiegen.)-370(Denn)-290(sie)-290(war)-290(rein)-290(in)-290(sich)-289(und)]TJ 0 -13.549 Td [(crystallen)-342(wie)-341(klares)-342(Wasser,)-364(der)-342(Spiegel)-341(des)-342(Bergsees,)-364(in)-341(den)]TJ 0 -13.549 Td [(nie)-401(eines)-401(Menschen)-401(Auge)-400(geblickt,)-439(nur)-401(der)-401(Himmel)-401(in)-400(seiner)]TJ 0 -13.55 Td [(Bl\344ue)-244(\374ber)-243(den)-244(Wolken,)-245(keusch)-244(wie)-243(die)-244(k\366nigliche)-243(Lilienbl\374the,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-253(sich)-253(erschliesst)-253(in)-253(der)-253(Nacht,)-254(in)-253(hundert)-253(Jahren)-253(ein)-253(Mal,)-253(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-247(Brunst)-248(der)-247(Sonne)-248(sie)-247(beleidigen)-247(k\366nnte,)-248(Unreines,)-248(das)-247(st\344ubt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(fliegt)-250(im)-250(Tage.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([238])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.004 Td [(Dieser)-422(Jungfrau,)-464(so)-422(Einer)-422(mit)-421(schlechten)-422(oder)-421(unz\374chtigen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gedanken)-395(ihr)-395(nur)-394(nahte,)-431(musste)-395(er)-395(sein)-395(Antlitz)-395(verh\374llen)-394(und)]TJ 0 -13.55 Td [(fliehen)-398(wie)-398(vom)-398(Blitz)-398(getroffen.)-694(Die)-398(andern)-398(Frauen)-397(mochten)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-244(in)-245(ihrer)-244(N\344he)-244(aushalten)-245(mit)-244(ihren)-245(b\366sen)-244(Zungen,)-245(t\344glichem)]TJ 0 -13.549 Td [(Geklatsch)-541(von)-540(Heimlichkeit)-541(und)-540(Wollust.)-1122(Nur)-541(die)-540(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder)-351(gingen)-351(gern)-350(an)-351(ihrer)-351(Hand)-350(und)-351(mochten)-351(in)-351(ihre)-350(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen,)-238(die)-235(gleich)-235(klaren)-235(Sternen)-235(waren)-235(in)-235(der)-235(Winternacht,)-237(wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(unten)-402(der)-402(Boden)-402(weiss)-403(friert.)-706(Es)-402(war)-402(ein)-402(armer)-402(Bl\366dsinniger)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-493(Taubstummer,)-554(der)-493(mit)-494(ihr)-493(in)-493(ihrem)-493(Garten)-493(wohnte,)-554(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Dienstleistungen)-503(that,)-567(denn)-503(so)-503(furchtbar)-504(und)-503(streng)-503(war)-503(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Reinheit)-571(dieser)-570(Jungfrau,)-651(dass)-571(sie)-570(den)-571(Augen)-571(wehthat)-570(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonnengefunkel)-439(im)-439(Mittag,)-486(bl\344uliches)-439(Gletschereis,)-486(wenn)-438(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-376(der)-375(Strasse)-376(ging,)-407(die)-376(Menschen)-375(und)-376(Vor\374bergehenden)-375(zur)]TJ 0 -13.549 Td [(Seite)-359(schlichen)-359(wie)-360(scheue,)-386(gepr\374gelte)-359(Hunde)-360(oder)-359(W\366lfe.)-577(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-521(als)-466(ob)-467(sie)-466(nur)-467(Thiere)-467(waren)-466(gegen)-467(sie.)-899(Und)-467(wenn)-466(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(grosse)-257(Herren)-257(und)-256(F\374rsten)-257(hiessen,)-258(vor)-257(dem)-257(edlen)-257(Antlitz)-256(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungfrau)-250(wurden)-250(sie)-250(klein)-250(und)-250(unfrei.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Es)-338(gab)-337(Leute,)-360(vornehme)-337(Herren)-338(und)-337(L\374stlinge,)-360(in)-337(derselben)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stadt,)-279(die)-274(sich)-273(in)-274(ihr)-273(Haus)-274(geschlichen)-273(hatten)-274(in)-273(der)-274(Nacht.)-320(Und)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-440(hatten)-440(diese)-440(Jungfrau)-440(nackt)-440(gesehen,)-487(wie)-440(sie)-440(sich)-440(wusch.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([239])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Der)-433(Strahl)-433(ihrer)-433(Nacktheit)-433(war)-433(in)-433(ihre)-433(Augen)-433(gedrungen)-433(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwerter,)-265(dass)-262(sie)-263(laut)-262(aufschrieen,)-265(heulend)-262(hinausst\374rzten)-262(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Trunkene)-296(von)-296(zu)-296(starkem)-297(Wein)-296(oder)-296(die)-296(Tollheit)-296(verwirrt.)-388(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten)-254(Einer)-255(den)-254(Andern)-255(erw\374rgt)-254(in)-255(ihrer)-254(sch\344umenden)-254(Tollheit.)]TJ 0 -13.55 Td [(Und)-309(Einen)-308(hatte)-309(der)-309(Bl\366de)-308(gepackt)-309(und)-309(er)-308(hatte)-309(ihm)-309(das)-308(Haupt)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgeschlagen)-485(auf)-485(den)-485(Stein,)-544(dass)-485(das)-485(Gehirn)-485(weit)-485(\374ber)-485(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +760 0 obj << +/Type /Page +/Contents 761 0 R +/Resources 759 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +762 0 obj << +/D [760 0 R /XYZ 93.543 420.953 null] +>> endobj +763 0 obj << +/D [760 0 R /XYZ 189.75 147.437 null] +>> endobj +759 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +766 0 obj << +/Length 4405 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(141)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Strasse)-221(spritzte.)-240(Und)-220(Alle)-221(fanden,)-226(dass)-221(es)-221(die)-220(gerechte)-221(Strafe)-220(war)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-239(ihre)-238(Unreinheit,)-241(diese)-238(Jungfrau)-239(st\344rker)-238(war)-239(in)-238(ihrer)-238(Nacktheit)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(ein)-250(starker)-250(Mann)-250(in)-250(siebenfacher)-250(R\374stung.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Alle)-151(L\374ge)-150(und)-151(Verl\344umdung)-150(prallte)-151(von)-151(ihr)-150(ab)-151(wie)-150(Hagelschlag)]TJ -11.956 -13.55 Td [(am)-260(Felsen.)-279(Es)-259(ging)-260(die)-260(Sage,)-262(dass)-259(ein)-260(Gerichteter)-260(gestorben)-259(war)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-371(dem)-370(Strahl)-371(ihres)-371(Auges,)-401(der)-370(die)-371(Wahrheit)-371(erkannte,)-400(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-250(von)-250(dem)-250(Spruch)-250(des)-250(Richters,)-250(der)-250(ihn)-250(verdammte.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Aber)-492(die)-493(Armen)-492(hatten)-493(keine)-492(Furcht)-493(vor)-492(dieser)-492(Jungfrau.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Auch)-374(nicht)-374(die)-373(verachteten,)-405(gemiedenen)-374(Frauen)-374(und)-373(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-324(Orts,)-342(die)-324(unrein)-324(und)-324(h\344sslich)-324(geworden)-324(waren)-324(an)-324(Leib)-323(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Seele.)-578(Denn)-360(die)-359(Klarheit)-360(dieser)-359(Einen)-360(deckte)-359(sie)-360(Alle)-359(wie)-359(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(weisser,)-287(herrlicher)-279(Mantel,)-287(und)-279(war)-279(keine)-279(so)-280(elend,)-286(mit)-279(Aussatz)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([240])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(befleckt,)-262(dass)-260(nichts)-260(von)-259(dieser)-260(Glorie)-260(auf)-260(sie)-259(gefallen)-260(w\344re.)-279(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(wussten,)-403(dass)-373(sie)-372(die)-373(K\366nigin)-373(der)-372(Frauen)-373(war)-372(und)-373(priesen)-372(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kunst)-307(in)-306(der)-306(G\374te,)-321(die)-306(ein)-307(solches)-306(Wunder)-307(geschaffen,)-320(herrlich)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(unantastbar)-250(gemacht)-250(hatte)-250(vor)-250(allen)-250(Frauen)-250(und)-250(M\344nnern.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Man)-363(nannte)-363(sie)-363(nur)-362(die)-363(weisse)-363(Jungfrau.)-589(Es)-363(ging)-363(die)-363(S)1(age,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dass,)-357(wenn)-335(sie)-335(schlief,)-356(die)-336(Seraphim)-335(um)-335(ihr)-335(Lager)-335(standen)-335(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(gez\374ckten)-362(Schwertern,)-390(dass)-362(es)-362(aussah,)-390(als)-362(l\344ge)-362(sie)-362(auf)-362(blauen,)]TJ 0 -13.549 Td [(z\374ngelnden)-426(Flammen)-426(des)-425(Eises.)-778(Nur)-425(ein)-426(Mann,)-470(der)-426(gut)-425(und)]TJ 0 -13.55 Td [(keusch)-340(und)-340(edel)-340(war)-340(wie)-340(sie,)-363(konnte)-340(sie)-340(l\366sen)-340(und)-340(heimf\374hren)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(ihr)-250(Gemahl.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Und)-565(Viele)-564(hatten)-565(es)-565(versucht)-564(sie)-565(zu)-565(l\366sen,)-643(die)-564(edelsten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(J\374nglinge)-577(aus)-578(aller)-577(Herren)-578(L\344ndern,)-659(die)-578(St\344rksten)-577(und)-577(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\366nsten.)-236(Und)-207(Alle)-207(waren)-208(schamroth)-207(und)-207(betr\374bt)-207(weggegangen)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)-351(dem)-351(klaren)-351(Blick)-351(ihrer)-351(Augen,)-376(der)-351(keine)-351(L\374ge)-351(und)-351(keinen)]TJ 0 -13.55 Td [(Fleck)-373(zuliess,)-405(sie)-373(durchsah)-373(durch)-374(kunstvolle)-373(Verstrickung)-373(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Versch\366nung,)-525(bis)-470(wo)-470(die)-470(Unreinheit)-470(sass)-470(in)-470(ihrer)-470(Seele,)-524(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Blumen)-410(ihrer)-411(Sch\366nheit)-410(selbst)-410(wuchsen)-411(aus)-410(dem)-410(Sumpf)-410(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Unkeuschheit.)-241(Und)-223(war)-223(nicht)-223(Einer,)-228(der)-223(bestand)-222(vor)-223(ihr,)-229(so)-222(Viele)]TJ 0 -13.549 Td [(gekommen)-244(waren)-244(und)-244(gesungen)-244(hatten)-244(und)-244(gesprochen)-244(und)-243(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(gesehnt.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([241])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(So)-310(sagte)-310(man,)-326(dass)-310(sie)-310(niemals)-310(einen)-311(Mann)-310(haben)-310(w\374rde,)-326(es)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bestimmt)-380(war)-379(von)-380(Gott,)-412(dass)-379(sie)-380(als)-379(Jungfrau)-380(hingehen)-379(sollte,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +765 0 obj << +/Type /Page +/Contents 766 0 R +/Resources 764 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +767 0 obj << +/D [765 0 R /XYZ 233.036 367.17 null] +>> endobj +768 0 obj << +/D [765 0 R /XYZ 46.771 91.844 null] +>> endobj +764 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +772 0 obj << +/Length 4462 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(142)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(weil)-207(sie)-207(zu)-207(edel)-207(war,)-216(um)-207(ber\374hrt)-207(zu)-207(werden)-207(mit)-207(unreinen)-207(H\344nden,)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(klug)-250(f\374r)-250(die)-250(Klugheit)-250(der)-250(L\374ge)-250(und)-250(Arglist.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Und)-284(sie)-283(selber)-284(freute)-283(sich,)-292(dass)-284(es)-284(so)-283(war.)-351(Niemals)-283(w\374nschte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(oder)-301(fragte)-301(sie)-301(wie)-301(andre)-301(M\344dchen)-301(und)-301(schlief)-301(auf)-301(ihrem)-301(Lager)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-340(den)-340(zehn)-340(Seraphim,)-362(die)-340(um)-340(ihr)-340(Bett)-340(standen)-340(als)-339(strahlende)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344chter,)-274(bis)-269(der)-269(Morgen)-268(kam,)-274(klar)-269(wie)-269(ihr)-269(Erwachen,)-274(die)-268(junge)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonne)-250(gr\374sste)-250(die)-250(weisse)-250(Jungfrau.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Zu)-484(dieser)-483(nun)-484(geschah)-484(eine)-484(Stimme)-483(mitten)-484(in)-484(der)-483(Nacht:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Erhebe)-800(Dich)-799(und)-800(wache)-800(auf,)-937(denn)-800(der)-800(Br\344utigam)-799(ist)]TJ -4.844 -13.549 Td [(gekommen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.113 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.157 -14.777 Td [(Worauf)-184(sie)-184(stracks)-184(sich)-184(erhob)-184(wie)-184(sie)-184(war)-184(aus)-184(ihrem)-184(Schlaf)-183(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-272(ihrer)-272(Nacktheit.)-315(Und)-272(wusch)-272(ihren)-272(Leib)-272(und)-272(badete)-272(ihn)-272(rein)-271(in)]TJ 0 -13.549 Td [(crystallenem)-222(Wasser)-222(des)-221(Regens,)-228(in)-222(Tropfen)-221(aus)-222(Maiwolken,)-227(die)]TJ 0 -13.55 Td [(nie)-288(die)-288(Erde)-288(ber\374hrt)-288(und)-288(vielfach)-288(gefiltert)-288(in)-288(th\366nernen)-287(Kr\374gen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Oder)-359(Wasser,)-385(vom)-359(Schnee)-359(geschmolzen,)-385(wenn)-359(er)-358(jungfr\344ulich)]TJ 0 -13.549 Td [(ist,)-297(zu)-287(oberst)-288(ruht)-287(am)-288(Morgen,)-296(da)-288(noch)-287(kein)-288(Fuss)-287(getreten.)-362(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(wusch)-461(sich)-460(wohl)-461(und)-460(salbte)-461(sich)-460(mit)-461(k\366stlichen)-460(Salben,)-513(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Knospen)-222(der)-223(Rosen,)-228(welche)-222(noch)-223(nicht)-222(das)-223(Licht)-222(gesehen)-222(hatten,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([242])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(die)-275(sie)-275(gesammelt)-275(hatte)-275(in)-275(ihrer)-275(Knospe,)-281(und)-275(ersten)-275(Blumen)-274(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Fr\374hlings,)-297(wenn)-287(die)-287(Sonne)-288(noch)-287(nicht)-288(heiss)-287(genug)-287(ist,)-297(die)-287(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Schnee)-250(bl\374hen)-250(und)-250(lieblicher)-250(duften)-250(denn)-250(andre.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Und)-318(nahm)-317(ihr)-318(weisses)-318(Gewand.)-453(Das)-317(war)-318(gewebt)-318(ohne)-317(Stich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-431(Naht)-430(aus)-431(der)-431(allerfeinsten)-431(Seide,)-475(mit)-431(Lilien)-431(gestickt)-430(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gewirkt)-336(in)-337(silbernen)-336(F\344den.)-509(Alle)-336(Lilien)-337(standen)-336(weit)-336(offen)-336(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(prangenden)-435(Kelchen.)-806(Die)-435(F\344den)-435(verschlangen)-435(sich)-435(zwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(ihnen)-343(im)-343(kunstvollen)-342(Rhythmus,)-366(einer)-343(wunderbaren)-343(Weise)-342(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Lilien,)-501(die)-450(sie)-451(sangen.)-852(Kleiner)-450(wurden)-451(sie)-450(gegen)-451(den)-450(Saum)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-406(gereihten)-406(Ketten.)-717(Aber)-406(unter)-406(der)-405(Brust)-406(war)-406(nur)-406(noch)-405(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Lilie,)-427(die)-391(K\366nigin)-392(der)-391(Lilien,)-427(mit)-391(gebreiteten)-391(Schwertbl\344ttern,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-462(zitterten,)-514(schwollen)-462(in)-461(der)-462(Last,)-515(die)-461(auf)-462(ihnen)-462(lag.)-884(Nur)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungfrauen)-268(waren)-268(die)-268(Spinnerinnen)-268(gewesen,)-272(die)-268(es)-268(gewebt)-267(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gesponnen.)-339(Und)-279(man)-280(sagte,)-287(wenn)-280(eine)-279(Jungfrau,)-287(die)-280(nicht)-279(mehr)]TJ 0 -13.55 Td [(rein)-373(war,)-403(die)-372(Hand)-373(anlegte)-372(an)-373(dieses)-372(Gewand,)-403(dass)-373(die)-372(F\344den)]TJ 0 -13.549 Td [(blutroth)-341(wurden)-340(in)-341(ihren)-341(Fingern,)-363(und)-341(liefen)-340(aus)-341(ihren)-340(Fingern)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +771 0 obj << +/Type /Page +/Contents 772 0 R +/Resources 770 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +773 0 obj << +/D [771 0 R /XYZ 216.917 284.157 null] +>> endobj +770 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +776 0 obj << +/Length 4646 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(143)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wie)-317(Schlangen,)-333(wollten)-317(sich)-316(nicht)-317(halten)-317(und)-316(fassen)-317(lassen)-316(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Dieses)-472(nahm)-471(sie,)-527(legte)-472(es)-471(an)-472(und)-472(g\374rtete)-471(sich)-472(hoch)-471(unter)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([243])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(den)-447(Br\374sten)-448(mit)-447(goldnem)-448(G\374rtel.)-842(Edel)-447(war)-448(das)-447(Gold)-447(dieses)]TJ 0 -13.549 Td [(G\374rtels,)-186(aus)-170(einem)-171(St)1(\374cke)-171(geschmiedet,)-186(das)-170(nie)-170(zuvor)-170(zu)-170(anderem)]TJ 0 -13.55 Td [(Schmuck)-497(geschmiedet)-497(gewesen.)-992(Ein)-497(ritterlicher)-497(J\374ngling)-497(in)]TJ 0 -13.549 Td [(seiner)-414(Klostereinsamkeit)-414(hatte)-414(diesen)-414(G\374rtel)-414(geschmiedet.)-742(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(zeigte)-319(alle)-318(heiligen)-319(Frauen)-319(der)-318(Welt,)-336(die)-319(sich)-318(darauf)-319(die)-318(H\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(gaben.)-300(Und)-266(waren)-267(Diana,)-271(die)-266(G\366ttin,)-271(Jephta)]TJ/F21 10.9091 Tf 192.712 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-267(liebliche)-266(Tochter,)]TJ -196.344 -13.549 Td [(die)-348(griechische)-349(Iphigenia)-348(und)-348(Antigone,)-373(und)-349(die)-348(edle)-348(R\366merin)]TJ 0 -13.55 Td [(Cl\366lia)-351(in)-352(derselben)-351(Linie)-351(mit)-352(den)-351(M\344rtyrerinnen)-351(und)-351(Heiligen.)]TJ 0 -13.549 Td [(So)-480(legte)-480(eine)-479(ihre)-480(Hand)-480(auf)-480(die)-480(Schulter)-479(der)-480(Andern.)-939(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(sahen)-413(nach)-413(derselben)-413(Richtung,)-453(als)-413(ob)-413(von)-413(da)-413(der)-412(Br\344utigam)]TJ 0 -13.549 Td [(k\344me,)-642(und)-563(bildeten)-564(einen)-563(Ring)-563(durch)-564(die)-563(Zeiten,)-642(von)-563(den)]TJ 0 -13.549 Td [(\344ltesten)-350(bis)-349(zu)-350(den)-350(letzten,)-375(Jegliche)-349(eine)-350(Jungfrau)-350(und)-349(F\374rstin,)]TJ 0 -13.55 Td [(aus)-566(jungfr\344ulichem)-565(Golde)-566(von)-565(diesem)-566(untadeligen)-565(J\374ngling)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-615(edelstem)-614(Brautschmuck)-615(verbunden.)-1343(Welcher,)-706(als)-614(man)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-374(auf)-374(solchen)-374(vermeintlichen)-374(Fehler)-374(als)-374(heidnischen)-373(Irrthum)]TJ 0 -13.549 Td [(aufmerksam)-196(machte,)-208(nur)-196(l\344chelte,)-207(sagte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.043 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-196(Keuschheit)-197(ist)-196(eine)]TJ -180.886 -13.549 Td [(besondere)-376(Tugend.)-628(Diese)-376(f\374hrt)-376(auf)-376(dem)-376(geradesten)-376(Weg)-375(zum)]TJ 0 -13.55 Td [(Himmel.)-689(So)-396(ist)-396(eine)-396(reine)-396(Jungfrau)-397(in)-396(sich)-396(selbst)-396(aller)-396(Engel)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwester.)-684(Diese)-394(Verehrung)-395(ist)-395(allen)-394(V\366lkern)-395(gemeinsam.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Vom)-436(Jungfrauensohn)-435(ist)-436(das)-436(Heil)-436(gekommen.)-807(Solche)-435(stehen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([244])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(immerdar)-299(am)-299(n\344chsten)-299(im)-298(Licht,)-311(hundertvierundvierzigtausend,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-454(sich)-453(der)-454(Herr)-453(selbst)-454(erw\344hlt)-453(aus)-454(Zion.)]TJ/F21 10.9091 Tf 194.9 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.791 0 Td [(So)-454(sprach)-453(dieser)]TJ -204.691 -13.549 Td [(edle)-389(J\374ngling,)-423(erstaunte)-389(Alle)-389(und)-388(Niemand)-389(vermochte)-389(ihm)-388(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(antworten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.09 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.519 0 Td [(Das)-281(Schloss)-281(aber)-281(des)-280(G\374rtels)-281(stellte)-281(die)-281(Schlangen)]TJ -58.609 -13.549 Td [(dar,)-226(wie)-221(sie)-220(sich)-220(aufrichteten)-220(mit)-221(z\374ngelnden)-220(H\344uptern.)-240(War)-220(also)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-235(ihm)-234(geheimnissvoll)-235(und)-235(symbolisch)-235(der)-234(Fall)-235(und)-235(die)-234(Erl\366sung)]TJ 0 -13.549 Td [(verwoben,)-277(wie)-272(von)-272(dem)-272(Weibe)-271(und)-272(seiner)-272(Kraft)-272(Beides)-271(kommt,)]TJ 0 -13.549 Td [(Heil)-250(und)-250(Verf\374hrung.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Und)-271(sie)-271(nahm)-271(Spangen)-271(von)-271(Perlen,)-276(die)-271(nie)-271(das)-271(Licht)-271(gesehen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(haben)-259(und)-259(schloss)-259(sie)-259(um)-259(ihre)-259(Arme.)-277(Diese)-259(Perlen)-259(sind)-259(edler)-259(als)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-299(Gestein,)-310(aus)-299(dem)-298(Wasser)-299(gewoben,)-310(das)-299(eher)-298(war)-299(denn)-298(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +775 0 obj << +/Type /Page +/Contents 776 0 R +/Resources 774 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +777 0 obj << +/D [775 0 R /XYZ 278.631 488.622 null] +>> endobj +778 0 obj << +/D [775 0 R /XYZ 121.812 217.638 null] +>> endobj +774 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +781 0 obj << +/Length 4484 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(144)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Erde,)-344(und)-326(das)-325(h\366here)-326(Element)-325(ist,)-344(denn)-326(es)-325(dient)-326(nicht)-325(wie)-325(jene)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-242(Menschen.)-248(So)-242(zart)-243(sind)-242(sie,)-244(dass)-242(ihr)-242(Schein)-243(wechselt)-242(mit)-242(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Laune)-287(und)-287(St)1(immung)-287(des,)-296(der)-287(sie)-287(tr\344gt,)-296(und)-286(wo)-287(ein)-287(Kranker)-286(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-329(seinen)-330(Hals)-329(legt,)-349(werden)-329(sie)-329(tr\374be)-330(und)-329(schrumpfen)-329(ein)-329(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-290(Haut)-290(unter)-289(ihnen.)-370(Silberne)-290(Sohlen)-289(band)-290(sie)-290(unter)-290(ihre)-289(F\374sse)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-253(str\344hlte)-254(ihr)-253(Haar)-254(und)-253(flocht)-254(ihre)-253(Z\366pfe)-254(mit)-253(purpurner)-253(Binde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Denn)-235(ihr)-236(Haar)-235(war)-235(prachtvoll)-236(wie)-235(ein)-235(goldner)-236(Mantel,)-238(der)-235(sie)-235(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-203(die)-202(Knie)-203(umwallte,)-212(jeder)-202(einzelne)-203(Faden)-203(fein)-202(und)-203(gerundet)-202(wie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([245])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(aus)-344(gesponnener)-344(Sonne.)-532(Wenn)-344(sie)-344(zusammenfielen,)-367(war)-344(keine)]TJ 0 -13.55 Td [(M\344hne)-392(der)-392(rothen)-391(L\366win)-392(so)-392(voll.)-675(Sie)-392(wogen)-392(schwerer)-392(in)-391(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-250(wie)-250(Erntelast)-250(des)-250(vielk\366rnigen)-250(Weizens.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Ihre)-325(Brauen)-324(waren)-325(wie)-325(B\366gen)-325(der)-325(Nacht,)-343(darunter)-325(die)-324(lichte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Sonne)-330(sich)-329(verbirgt.)-489(Ihre)-329(Wimpern)-330(standen)-330(in)-329(Strahlen.)-489(In)-329(der)]TJ 0 -13.549 Td [(geraden)-452(Linie)-453(ihrer)-452(Nase)-453(mit)-452(athmenden)-453(N\374stern)-452(war)-452(St\344rke)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-378(Feuer.)-634(Der)-377(Hauch)-378(von)-378(ihren)-378(Lippen)-378(ging)-378(wie)-378(von)-377(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Blumenbeet,)-250(s\374sser)-250(denn)-250(Honig.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Es)-237(gab)-238(keine)-238(sch\366nere)-237(Jungfrau)-238(weit)-237(und)-238(breit)-237(im)-238(Lande.)-245(Und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(keine)-222(untadligere,)-227(von)-222(edlerem)-222(Geschlecht,)-228(obgleich)-222(sie)-222(arm)-221(war)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Haus)-250(hielt)-250(f\374r)-250(sich)-250(allein)-250(mit)-250(dem)-250(stummen)-250(Diener.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Zu)-585(diesem)-586(trat)-585(sie,)-669(mit)-585(der)-586(Leuchte)-585(in)-585(ihrer)-585(Hand,)-669(im)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brautschmuck)-531(wie)-531(sie)-531(war.)-1093(Und)-531(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.213 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Rege)-531(Dich)-531(und)]TJ -209.057 -13.549 Td [(\366ffne)-250(die)-250(Thore!)-250(Der)-250(Br\344utigam)-250(ist)-250(gekommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 206.324 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -194.368 -16.626 Td [(So)-373(gross)-372(aber)-373(war)-373(das)-373(Licht)-372(ihrer)-373(Sch\366nheit)-373(diesem)-372(bl\366den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Auge)-330(selbst,)-350(dass)-330(die)-330(Leuchte)-330(in)-330(ihrer)-330(Hand)-330(davon)-330(erstarb,)-350(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(d\374nkte,)-199(als)-187(ob)-187(es)-186(ganz)-187(dunkel)-187(war,)-199(ohne)-187(sie,)-199(die)-187(strahlte)-186(herrlicher)]TJ 0 -13.55 Td [(denn)-250(der)-250(Tag,)-250(der)-250(junge)-250(Mond)-250(selbst)-250(im)-250(Viertel)-250(seiner)-250(Geburt.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([246])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.625 Td [(So)-612(stand)-612(dieser)-612(auf,)-703(schlug)-612(die)-612(Thore)-612(auseinander,)-702(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(doppelt)-473(geschlossen)-473(waren,)-530(mit)-473(Riegeln)-473(versehen)-473(wegen)-473(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Bescheidenheit)-264(dieser)-264(Jungfrau,)-267(weil)-264(sie)-264(allein)-264(lebte,)-268(eine)-263(ledige)]TJ 0 -13.549 Td [(Magd,)-250(in)-250(einer)-250(grossen)-250(und)-250(gottlosen)-250(Stadt.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Alsbald)-342(hielt)-342(da)-342(draussen)-342(vor)-342(dem)-342(Thor)-342(ein)-342(herrlicher)-341(Prinz)]TJ -11.956 -13.55 Td [(auf)-332(einem)-331(weissen)-332(Pferde.)-494(Alle)-331(seine)-332(Diener)-331(hinter)-332(ihm)-331(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(weisse)-461(Pferde)-461(und)-461(silberne)-461(Helme,)-514(von)-461(denen)-461(das)-460(Licht)-461(lief)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +780 0 obj << +/Type /Page +/Contents 781 0 R +/Resources 779 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +782 0 obj << +/D [780 0 R /XYZ 212.861 423.331 null] +>> endobj +783 0 obj << +/D [780 0 R /XYZ 93.543 164.761 null] +>> endobj +779 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +786 0 obj << +/Length 4825 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(145)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(in)-308(weissen,)-323(bl\344ulichen)-308(Strahlen)-309(gleich)-308(denen)-308(des)-308(Wintermonds,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(er)-250(in)-250(seiner)-250(Vollendung)-250(ist.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Der)-212(Prinz)-213(war)-212(mit)-213(einem)-212(weissen)-212(Leibrock)-213(angethan)-212(und)-212(hatte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ein)-200(goldnes)-200(Schwert)-200(an)-200(seiner)-200(Seite)-200(und)-200(sein)-200(Helm)-200(war)-200(von)-200(Gold.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-328(Schabracke,)-347(darauf)-328(er)-327(sass,)-348(war)-327(purpurn.)-484(Ein)-327(scharlachnes)]TJ 0 -13.549 Td [(Stirnband)-225(g\374rtete)-224(sein)-225(Pferd)-224(zwischen)-225(den)-224(Ohren.)-242(Lichte)-224(Locken)]TJ 0 -13.549 Td [(fielen)-316(zu)-317(beiden)-316(Seiten)-316(auf)-317(seine)-316(Schultern)-316(herab.)-449(So)-316(strahlend)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-427(der)-427(Glanz)-427(seines)-427(Auges,)-471(dass)-427(dieser)-427(arme)-427(Knecht)-427(in)-427(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kniee)-411(sank)-411(und)-411(mit)-411(gehobnen)-412(Armen)-411(flehte.)-733(Er)-411(dachte,)-451(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(letztes)-301(St\374ndlein)-302(w\344re)-301(gekommen,)-314(und)-301(er)-302(k\366nnte)-301(nicht)-301(ertragen)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-250(viel)-250(Klarheit)-250(und)-250(\374bergrosse)-250(Herrlichkeit.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Worauf)-328(der)-329(Andre:)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.14 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374rchte)-328(Dich)-329(nicht!)-484(Lass)-329(mich)-328(ein)-328(und)]TJ -105.939 -13.549 Td [(heisse)-396(mein)-395(Braut)-396(den)-396(Tisch)-396(legen)-395(f\374r)-396(mich)-396(und)-396(sie.)-687(Ich)-395(bin)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([247])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(gekommen,)-250(heut)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.72 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(Hochzeit)-250(hier)-250(zu)-250(halten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.215 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.339 -14.367 Td [(Dies)-450(sagte)-451(er)-450(aber)-450(mit)-451(seltsam)-450(lieblicher)-451(Stimme,)-500(die)-450(wie)]TJ -11.956 -13.55 Td [(reines)-373(Silber)-373(klang.)-619(Alle)-373(Gl\366ckchen)-373(der)-373(Pferde)-373(l\344uteten)-373(dazu.)]TJ 0 -13.549 Td [(Seine)-250(Diener)-250(schlugen)-250(an)-250(ihre)-250(Schwerter)-250(und)-250(riefen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 230.847 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Heil!)]TJ/F21 10.9091 Tf 22.418 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -246.153 -14.367 Td [(Dieser)-805(arme)-805(Knecht)-804(schwur)-805(sp\344ter,)-944(dass)-805(in)-804(solchem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Augenblick)-485(der)-486(Himmel)-485(\374ber)-485(ihren)-486(H\344uptern)-485(offen)-485(gewesen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-208(eine)-208(Taube)-208(von)-207(oben)-208(aus)-208(der)-208(Klarheit)-208(herabgekommen)-207(w\344re,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-419(trug)-420(einen)-419(goldnen)-420(Ring)-419(in)-419(ihrem)-420(Schnabel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.855 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.029 0 Td [(Denn)-419(das)]TJ -237.884 -13.549 Td [(Merkw\374rdige)-232(war,)-236(dass)-232(er)-232(sprechen)-232(konnte)-232(seit)-232(dieser)-232(Nacht)-232(und)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-299(nachher.)-396(Und)-299(war)-299(in)-298(seinem)-299(Kopf)-299(wie)-299(andre)-298(Menschen,)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-166(dass)-166(er)-166(schwur)-166(zu)-166(seinem)-166(Eide,)-183(den)-166(Prinzen)-166(gesehen)-166(zu)-165(haben,)]TJ 0 -13.55 Td [(was)-152(ihm)-151(die)-151(andern)-152(Leute)-151(nicht)-152(glaubten,)-171(f\374r)-152(eine)-151(Blendung)-151(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(armseligen)-250(Gehirns)-250(hielten.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(So)-381(ritten)-382(Alle)-381(diese)-382(durch)-381(das)-382(Thor.)-644(So)-382(Viele)-381(ihrer)-381(waren,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schien)-473(es)-473(dennoch)-474(wunderbar,)-529(dass)-473(der)-473(Hof)-473(sie)-473(doch)-473(fassen)]TJ 0 -13.55 Td [(konnte.)-243(Und)-230(der)-230(arme)-230(Knecht)-230(schloss)-230(die)-230(Thore)-230(hinter)-230(ihnen)-229(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schob)-250(die)-250(Riegel)-250(vor.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Was)-229(sich)-228(nun)-229(begab,)-232(wusste)-229(er)-229(nicht)-228(mehr,)-233(denn)-228(er)-229(folgte)-228(dem)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Prinzen)-273(nicht)-272(in)-273(das)-273(Gemach,)-278(der)-273(ihm)-273(gebot:)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.539 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Folge)-273(mir)-272(nicht!)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.405 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 15.237 0 Td [([248])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Aber)-400(durch)-400(eine)-399(Luke)-400(im)-400(untersten)-400(Keller,)-437(wohin)-400(er)-400(sich)-399(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Angst)-271(gefl\374chtet)-271(und)-272(doch)-271(zitternd)-271(wieder)-271(auslugte,)-277(sah)-271(er,)-276(dass)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +785 0 obj << +/Type /Page +/Contents 786 0 R +/Resources 784 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +787 0 obj << +/D [785 0 R /XYZ 209.015 353.948 null] +>> endobj +788 0 obj << +/D [785 0 R /XYZ 209.015 353.948 null] +>> endobj +789 0 obj << +/D [785 0 R /XYZ 178.959 93.24 null] +>> endobj +784 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +792 0 obj << +/Length 4771 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(146)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(alle)-224(Ritter)-225(von)-224(ihren)-224(Pferden)-224(abgestiegen)-225(waren.)-241(Und)-224(sie)-224(standen)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-365(das)-365(Haus)-365(mit)-364(gezognen)-365(Schwertern,)-394(die)-365(gl\344nzten)-365(blau)-364(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Diamantlicht)-184(des)-184(Mondes.)-228(Und)-185(war)-184(so)-184(eine)-184(Kette)-184(von)-184(Schwertern)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-242(das)-242(Haus,)-244(dass)-242(es)-243(stand)-242(gleich)-242(einer)-242(Burg)-242(in)-242(uneinnehmbarer)]TJ 0 -13.55 Td [(Klarheit.)]TJ 11.956 -18.458 Td [(Drinnen)-309(aber)-308(in)-309(ihrem)-308(vertrauten)-309(Gemach)-308(hatte)-309(die)-308(Jungfrau)]TJ -11.956 -13.55 Td [(den)-463(Tisch)-462(gelegt.)-888(Sie)-463(nahm)-462(ein)-463(weisses)-462(Tuch)-463(von)-462(feinstem)]TJ 0 -13.549 Td [(Damast,)-224(das)-216(in)-217(der)-217(Truhe)-217(gelegen)-217(hatte)-217(mehr)-217(denn)-217(hundert)-216(Jahre.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-332(war)-332(nur)-331(weisser)-332(und)-332(feiner)-332(geworden)-332(von)-331(den)-332(Jahren.)-495(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-339(sich,)-360(dass)-339(zw\366lf)-338(Spinnerinnen)-339(daran)-338(gewebt)-339(zw\366lf)-338(Jahre.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-453(untadelige)-454(Jungfrauen,)-504(die)-454(der)-453(Welt)-454(entsagt,)-504(den)-453(Faden)]TJ 0 -13.55 Td [(zogen)-342(in)-341(stiller)-342(Klosterzelle.)-525(Danach)-341(hatten)-342(sie)-341(den)-342(Flachs)-341(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-382(Rasen)-383(gebleicht,)-415(wenn)-382(die)-382(M\344rzsonne)-383(schien,)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.108 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.625 0 Td [(diese)-382(ist)]TJ -243.733 -13.549 Td [(die)-299(fr\374heste)-300(unter)-299(den)-299(Sonnen,)-312(nicht)-299(geil)-300(wie)-299(die)-299(des)-299(Sommers,)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-488(blutig)-488(vom)-489(Herbststerben)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.134 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.78 0 Td [(es)-488(selbst)-488(gewebt)-488(mit)-489(ihren)]TJ -156.914 -13.549 Td [(H\344nden,)-497(ohne)-447(Eisen)-447(und)-447(Maschine,)-497(weil)-447(menschliche)-447(H\344nde)]TJ 0 -13.55 Td [(feiner)-225(sind)-224(und)-225(getreuer.)-241(Und)-225(Muster)-224(hineingezeichnet)-225(von)-224(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Gedanken,)-359(des)-338(Weibes)-337(Lust)-338(und)-337(Glorie.)-513(Die)-337(Aeltermutter)-337(Eva)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([249])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(im)-276(ersten)-275(Bilde,)-283(wie)-275(sie)-276(den)-276(Apfel)-275(reicht.)-327(Aber)-276(auch)-276(als)-275(Mutter,)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-362(ihren)-362(gesegneten)-362(Br\374sten)-362(es)-362(n\344hrend,)-390(das)-362(die)-361(Verheissung)]TJ 0 -13.549 Td [(birgt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.222 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.71 0 Td [(die)-482(Lebensgeb\344rerin.)-945(Rebekka)-482(am)-481(Brunnen,)-540(Rahel,)]TJ -39.932 -13.55 Td [(die)-423(Vielgeliebte,)-465(fr\374hgestorben,)-466(Mirjam,)-466(Deborah,)-465(begeisterte)]TJ 0 -13.549 Td [(Prophetinnen,)-172(Judith)-152(und)-153(Jael,)-171(Heroinen,)-172(Ruth,)-172(die)-152(Aehrenleserin,)]TJ 0 -13.549 Td [(Esther)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.437 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.019 0 Td [(aber)-510(auch)-510(sie,)-575(die)-510(die)-510(Raben)-510(scheuchte,)-575(die)-510(diese)]TJ -44.456 -13.549 Td [(frommen)-207(und)-207(einf\344ltigen)-208(Seelen)-207(w\374rdig)-207(gehalten)-207(des)-207(ruhmvollen)]TJ 0 -13.549 Td [(Reigens,)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.738 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.69 0 Td [(zwischen)-480(den)-480(Sieben)-480(die)-479(Mutter)-480(der)-480(Makkab\344er,)]TJ -54.428 -13.549 Td [(die)-368(W\366lfin)-368(Juda)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.267 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-398(Elisabeth,)-398(auch)-368(eine)-368(Mutter,)-398(Johannes)]TJ/F21 10.9091 Tf 182.539 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.649 0 Td [(des)]TJ -266.088 -13.55 Td [(T\344ufers,)-529(Hannah,)-530(die)-473(Greisin,)-530(vorahnend)-473(die)-473(Morgensch\366ne.)]TJ 0 -13.549 Td [(Endlich)-405(die)-406(Lieblichste)-405(von)-406(Allen,)-444(die)-405(Erf\374llung,)-445(wie)-405(um)-405(die)]TJ 0 -13.549 Td [(volle)-359(Rose)-359(der)-359(Kranz)-358(sich)-359(schliesst,)-386(Maria,)-387(die)-358(K\366nigin,)-386(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-318(Weibern)-318(Gebenedeite,)-335(an)-318(der)-318(Brust)-318(das)-318(Kindlein,)-335(dass)-318(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihm)-326(alle)-326(Strahlen)-326(ausgingen,)-344(die)-326(Andern)-326(ber\374hrten.)-477(Gleichsam)]TJ 0 -13.55 Td [(als)-223(w\344ren)-223(diese)-223(Bilder)-222(von)-223(Kraft)-223(und)-223(Unschuld)-223(nur)-223(ein)-223(Strahl)-222(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Tugenden,)-250(die)-250(sich)-250(in)-250(ihr)-250(wie)-250(in)-250(der)-250(Sonne)-250(vereinigten.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +791 0 obj << +/Type /Page +/Contents 792 0 R +/Resources 790 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 769 0 R +>> endobj +793 0 obj << +/D [791 0 R /XYZ 242.159 282.929 null] +>> endobj +790 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +796 0 obj << +/Length 4656 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(147)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Dies)-514(Tuch)-514(breitete)-513(sie)-514(sorgsam,)-580(die)-514(Falten)-514(gl\344ttend,)-579(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(freuend)-350(am)-349(Silberglanz)-350(des)-349(Linnens)-349(und)-350(der)-349(Kunst)-350(der)-349(Bilder.)]TJ 0 -13.549 Td [(Darauf)-297(nahm)-297(sie)-296(ein)-297(g\374ldnes)-297(Gef\344ss)-297(aus)-296(reinstem)-297(Gold,)-309(das)-296(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(zuvor)-158(zu)-157(andrem)-158(gedient)-157(hatte.)-219(Dadrin)-158(war)-157(in)-158(kunstvoller)-157(Pr\344gung)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([250])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(zu)-258(sehen,)-260(wie)-258(Abraham)-259(den)-258(Besuch)-258(der)-258(Engel)-258(empf\344ngt.)-274(Rechts)]TJ 0 -13.549 Td [(hebt)-197(er)-196(freudig)-197(preisend)-197(die)-196(H\344nde,)-208(ihnen)-196(entgegenzueilen.)-232(Links)]TJ 0 -13.549 Td [(sieht)-389(man)-389(schon)-389(r\374stige)-388(M\344gde)-389(das)-389(Federvieh)-389(rupfen,)-424(wie)-388(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-371(Butter)-371(stampfen)-371(im)-371(Troge,)-401(w\344hrend)-371(Sarah)-371(hinter)-371(der)-370(Th\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(verborgen)-178(steht,)-193(die)-178(Verheissung)-178(zu)-178(erlauschen,)-192(der)-178(kleine)-178(Ismael)]TJ 0 -13.55 Td [(arglos)-353(mit)-353(kindlichem)-353(Spielzeug)-353(sich)-353(tummelt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 215.36 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.306 0 Td [(Dieses)-353(f\374llte)]TJ -224.666 -13.549 Td [(sie)-356(mi)1(t)-356(funkelndem,)-382(edelstem)-355(Wein,)-382(der)-356(achtzig)-355(Jahre)-355(gelegen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-321(und)-322(mehr.)-464(Nur)-321(wenige)-322(Flaschen)-321(waren)-322(von)-321(diesem)-321(Wein)]TJ 0 -13.549 Td [(zuerst)-344(gezogen)-344(worden,)-368(gleichsam)-344(seine)-343(Seele.)-532(Ein)-344(Kaufmann)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-248(ihn)-247(mitgebracht)-248(von)-248(weit)-247(her.)-250(Er)-247(zeigte)-248(in)-248(seiner)-247(Mischung)]TJ 0 -13.55 Td [(Feuer)-242(des)-241(Blutes)-242(und)-242(Rosinfarbe)-241(von)-242(der)-242(Sonne.)-247(S\374ss)-242(war)-241(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Wein)-250(und)-250(st\344rker)-250(wie)-250(Stierblut)-250(in)-250(seiner)-250(S\374sse.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Danach)-151(nahm)-152(sie)-151(eine)-152(Schale)-151(von)-152(Silber,)-171(mit)-151(silbernen)-151(Henkeln)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-488(Kette.)-965(Eine)-488(l\344ndliche)-488(Ernte)-488(auf)-488(dem)-488(Felde)-488(war)-488(darauf)]TJ 0 -13.549 Td [(abgebildet,)-400(wie)-370(hier)-370(schon)-370(die)-370(Wagen)-370(hochbepackt)-370(fortfahren,)]TJ 0 -13.549 Td [(Schnitter)-442(und)-443(Schnitterinnen)-442(Garben)-442(bindend,)-491(alte)-442(Leute)-442(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder)-420(die)-421(Aehren)-420(nachlesen.)-761(Aber)-420(auf)-421(den)-420(Stoppeln)-420(tanzen)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-349(lustige)-349(M\344gde)-349(und)-348(Burschen.)-547(Sie)-349(legte)-349(das)-349(Brot)-348(hinein,)]TJ 0 -13.55 Td [(k\366stliches,)-209(feines)-199(Brot,)-209(das)-199(sie)-199(selbst)-199(mit)-199(ihren)-199(H\344nden)-199(gebacken.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([251])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Keine)-476(Maschine)-476(hatte)-476(daran)-476(mit)-476(geschaffen.)-928(Das)-476(Korn)-475(war)]TJ 0 -13.549 Td [(gerieben)-201(worden)-201(zwischen)-201(den)-201(Steinen.)-234(Es)-201(gab)-201(kein)-200(edleres)-201(Brot.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Sie)-336(hielt)-337(es)-336(verschlossen)-337(in)-336(einem)-337(kunstvollen)-336(Schrein,)-358(weil)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sie)-353(dachte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.437 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-353(weiss)-352(nicht,)-378(wann)-353(der)-352(Br\344utigam)-353(kommt.)-558(Ich)]TJ -57.281 -13.549 Td [(muss)-250(bereit)-250(sein)-250(zu)-250(der)-250(Zeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 123.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -111.055 -14.777 Td [(Solches)-441(stellte)-442(sie)-442(auf)-441(den)-442(Tisch,)-489(z\374ndete)-441(die)-442(Lampen)-441(an,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-304(zu)-303(beiden)-304(Seiten)-303(standen,)-317(gef\374llt)-304(mit)-303(Oel,)-317(und)-304(feine)-303(Kerzen)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-258(reinsten)-258(Wachs,)-260(die)-259(dufteten)-258(wie)-258(sie)-258(tropften.)-274(Die)-258(Leuchter)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-239(von)-238(edlen)-239(Metallen)-238(und)-239(trugen)-239(K\366pfe)-238(der)-239(heiligen)-238(Thiere,)]TJ 0 -13.549 Td [(Adler,)-250(L\366wen)-250(und)-250(verschlungne)-250(Leiber)-250(der)-250(Schlangen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Und)-411(sie)-411(nahm)-411(einen)-411(Teppich)-411(von)-411(purpurfarbner)-411(Seide,)-451(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +795 0 obj << +/Type /Page +/Contents 796 0 R +/Resources 794 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +797 0 obj << +/D [795 0 R /XYZ 73.33 477.528 null] +>> endobj +798 0 obj << +/D [795 0 R /XYZ 123.639 218.865 null] +>> endobj +794 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +802 0 obj << +/Length 4860 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(148)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(im)-345(Schrank)-346(gelegen,)-369(auf)-346(dem)-345(nie)-346(die)-345(Sonne)-346(geruht)-345(und)-345(keines)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen)-422(Fuss)-423(hatte)-422(ihn)-422(je)-423(betreten.)-767(Diesen)-422(breitete)-422(sie)-422(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-267(der)-267(Th\374r)-267(zum)-267(Sessel.)-300(Der)-267(Sessel)-267(aber)-267(war)-267(aus)-266(geschnitztem)]TJ 0 -13.549 Td [(Ebenholz.)-660(Die)-386(Schilder)-387(des)-387(Thierkreises)-386(wechselten)-387(sich)-386(dort)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-470(den)-470(vier)-470(H\366rnern)-471(des)-470(Mondes.)-910(Die)-470(Seitenlehnen)-470(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(Aronsst\344be)-581(und)-581(auf)-581(vier)-581(Klauen)-581(ruhten)-581(die)-581(F\374sse)-581(wie)-581(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(Widderklauen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([252])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.6 Td [(Und)-305(\366ffnete)-305(die)-305(Th\374re)-305(weit)-305(und)-305(neigte)-305(sich)-305(bis)-305(zur)-305(Erde)-305(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ber\374hrte)-287(den)-286(Fussboden)-287(mit)-287(ihrer)-287(Stirn.)-360(Und)-287(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.382 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-287(es)-286(Dir)]TJ -239.225 -13.55 Td [(recht)-224(ist,)-229(Deiner)-224(Seele)-223(gef\344llt,)-229(dass)-224(Du)-224(essen)-224(willst)-224(jetzt,)-229(Alles)-223(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(bereitet,)-250(mein)-250(s\374sser)-250(Herr!)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.724 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -103.768 -15.6 Td [(Darauf)-300(ging)-300(der)-300(Prinz)-300(ein)-300(in)-300(die)-300(Kammer)-300(und)-300(setzte)-300(sich)-300(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-250(geschnitzten)-250(Sitz)-250(am)-250(Tisch.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Sie)-254(aber)-254(schritt)-254(flugs)-254(und)-255(nahm)-254(seine)-254(Schuhe)-254(ab.)-262(Und)-254(brachte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ein)-314(Gef\344ss)-314(mit)-314(Wasser.)-442(Und)-314(rieb)-314(seine)-314(F\374sse)-314(mit)-314(Wasser.)-441(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(salbte)-290(sie)-290(mit)-289(duftender)-290(Salbe)-290(und)-290(trocknete)-290(sie)-289(in)-290(Linnen.)-369(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(setzte)-250(sich)-250(da)-250(zu)-250(seinen)-250(F\374ssen)-250(und)-250(sah)-250(ihn)-250(an.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Sprach)-250(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(kniest)-250(Du)-250(vor)-250(mir?)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -169.657 -15.6 Td [(Sie)-198(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.047 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mir)-198(ist)-198(sehr)-197(wohl)-198(so,)-209(mein)-197(allerliebster)-198(Herr!)-233(Lass)]TJ -66.847 -13.549 Td [(mich)-250(knieen)-250(so)-250(und)-250(Dir)-250(dienen)-250(allezeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 171.185 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -159.229 -15.601 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kennst)-250(Du)-250(mich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.353 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.454 -15.6 Td [(Sie)-281(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.932 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bist)-281(Du)-282(nicht)-281(der)-282(kommen)-282(soll?)-344(Ich)-282(kenne)-281(Dich)]TJ -68.732 -13.549 Td [(wohl,)-379(denn)-354(Du)-353(bist)-354(meiner)-353(Seele)-354(holdseligster)-353(Br\344utigam.)-560(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-413(nie)-413(einen)-413(andern)-413(Mann)-413(gesehen,)-454(noch)-413(im)-413(Traume)-413(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Zweiten)-285(gedacht.)-354(Die)-285(Th\374r)-285(meiner)-285(Kammer)-285(blieb)-284(verschlossen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Niemand)-250(sah)-250(das)-250(Geheimniss)-250(meines)-250(Hauses)-250(bis)-250(heute.)]TJ/F21 10.9091 Tf 241.178 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -313.933 0 Td [([253])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.6 Td [(Nun)-289(sagte)-290(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.613 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-289(Du)-290(nicht)-289(weisst,)-299(was)-290(Liebe)-289(ist,)-300(wie)-289(kannst)]TJ -79.413 -13.549 Td [(Du)-250(mich)-250(lieben?)]TJ/F21 10.9091 Tf 72.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -60.153 -15.6 Td [(Sie)-151(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.276 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-151(liebe)-150(Dich)-151(mehr)-151(als)-150(mein)-151(Leben.)-217(Ich)-151(liebe)-150(Dich)]TJ -66.076 -13.549 Td [(mehr)-336(als)-337(die)-336(Freiheit)-336(und)-336(den)-337(Frieden)-336(meiner)-336(Tage.)-509(Ueber)-336(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Scham)-225(meiner)-224(Jungfrauenschaft)-225(liebe)-225(ich)-224(Dich.)-242(Ich)-225(w\374rde)-224(meine)]TJ 0 -13.55 Td [(F\374sse)-406(in)-405(Flammen)-406(setzen,)-444(um)-406(Di)1(r)-406(zu)-406(folgen,)-444(meinen)-405(nackten)]TJ 0 -13.549 Td [(Leib)-250(untertauchen)-250(in)-250(die)-250(stinkende)-250(Faulheit)-250(des)-250(Sumpfes.)]TJ/F21 10.9091 Tf 250.276 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +801 0 obj << +/Type /Page +/Contents 802 0 R +/Resources 800 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +803 0 obj << +/D [801 0 R /XYZ 93.543 436.782 null] +>> endobj +804 0 obj << +/D [801 0 R /XYZ 93.543 164.947 null] +>> endobj +800 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +807 0 obj << +/Length 4965 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(149)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-290(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.553 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-290(Du)-289(so)-290(tapfer)-289(bist,)-300(weisst)-289(Du,)-300(dass)-289(Du)-290(sterben)]TJ -65.352 -13.549 Td [(musst?)-649(Denn)-383(die)-383(mich)-384(freien,)-416(werben)-383(um)-383(den)-383(Tod.)-649(Ihr)-383(Weg)]TJ 0 -13.549 Td [(geht)-526(\374ber)-526(Dornen.)-1077(Gl\374hende)-525(N\344gel)-526(m\374ssen)-526(in)-526(ihre)-525(H\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(eindringen;)-390(ihre)-343(Seiten)-343(werden)-343(sich)-344(\366ffnen)-343(und)-343(bluten.)-529(Sieben)]TJ 0 -13.55 Td [(Schwerter)-211(gehen)-211(ein)-211(durch)-211(Deine)-211(Seele.)-237(Sie)-211(werden)-211(Dein)-211(Fleisch)]TJ 0 -13.549 Td [(zerschneiden)-219(mit)-219(scharfer)-218(Schneide,)-225(in)-219(Deinem)-219(innersten)-218(Herzen)]TJ 0 -13.549 Td [(haften)-250(wie)-250(fressendes)-250(Feuer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.244 -14.531 Td [(Sie)-313(aber)-314(schlug)-313(ihr)-313(weisses)-314(Gewand)-313(auf)-313(und)-314(wies)-313(ihre)-313(junge)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brust,)-320(die)-307(weisser)-306(war)-306(wie)-306(die)-306(Seide)-307(des)-306(Kleides,)-320(unter)-306(der)-306(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Leben)-437(klopfte)-437(in)-436(hohen)-437(geduldigen)-437(Wogen.)-810(Und)-437(sie)-436(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stich)-250(zu!)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -31.975 -14.531 Td [(Er)-218(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.736 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-218(bist)-218(sehr)-218(sch\366n.)-240(Sch\366nheit)-218(ist)-218(der)-218(Stolz)-218(und)-218(die)]TJ -63.536 -13.549 Td [(Gnade)-228(des)-228(Weibes,)-232(und)-227(macht)-228(sie)-228(zur)-228(Freude)-228(des)-227(Mannes,)-232(seiner)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([254])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Augenweide,)-239(dass)-237(er)-236(sein)-237(Leben)-237(lieber)-236(l\344sst)-237(denn)-236(die)-237(S\374sse)-236(ihres)]TJ 0 -13.549 Td [(Leibes.)-668(Um)-389(Sch\366nheit)-390(wird)-389(ein)-389(Weib)-390(geliebt.)-668(Die)-389(Liebe)-389(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Mannes)-263(haftet)-262(an)-263(der)-263(Lieblichkeit,)-266(den)-262(Formen)-263(und)-263(der)-262(Feinheit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Glieder.)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.829 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Gieb)-250(mir)-250(Deine)-250(Sch\366nheit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.956 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -168.011 -14.531 Td [(Flugs)-282(legte)-281(sie)-282(nun)-282(ihr)-282(k\366nigliches)-281(Gewand)-282(ab.)-345(Sie)-282(nahm)-281(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Spangen)-236(von)-236(ihren)-237(Armen,)-239(die)-236(Perlen,)-239(die)-236(an)-236(ihrem)-236(Hals)-236(hingen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-206(purpurne)-206(Stirnbinde)-206(that)-206(sie)-207(zur)-206(Seite.)-235(Und)-206(nahm)-206(eine)-206(scharfe)]TJ 0 -13.55 Td [(Scheere)-367(und)-367(schnitt)-368(ihr)-367(goldnes)-367(Haar)-367(ab,)-397(wo)-367(es)-367(am)-367(dichtesten)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-272(hart)-272(im)-272(Nacken.)-315(Und)-272(Alles)-272(legte)-272(sie)-272(zusammen)-272(und)-272(vor)-271(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(hin,)-260(dass)-257(sie)-258(nun)-258(vor)-257(ihm)-258(stand)-258(im)-257(Untergewand,)-260(und)-258(ihre)-257(Arme)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-309(H\344nde)-309(waren)-308(unbedeckt.)-427(Sie)-308(fror)-309(in)-309(ihrem)-309(d\374nnen)-308(Linnen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dies)-313(Alles)-313(that)-313(sie)-313(in)-312(der)-313(gr\366ssten)-313(Freude,)-329(mit)-313(den)-312(herzlichsten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(z\344rtlichsten)-250(Liebesworten.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Er)-155(aber)-154(seufzte)-155(und)-155(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.797 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kummer)-155(wird)-155(\374ber)-154(Dich)-155(kommen,)]TJ -133.597 -13.549 Td [(Krankheit,)-529(Verfolgung,)-530(Nachtwachen.)-920(Deine)-474(Augen)-473(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(blind)-443(werden)-443(vom)-443(Weinen,)-491(Deine)-443(Wangen)-443(einfallen)-443(von)-442(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Sorge)-306(und)-306(t\344glichem)-306(M\374hsal)-306(des)-306(Daseins.)-418(Du)-306(bist)-306(sehr)-305(lieblich)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-355(jung.)-565(Du)-354(wirst)-355(h\344sslich)-355(sein)-355(und)-355(unansehnlich.)-565(Ein)-354(Spott)]TJ 0 -13.55 Td [(denen,)-250(die)-250(Dich)-250(priesen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 185.293 0 Td [([255])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(Sie)-293(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.299 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-293(bin)-292(gerne)-293(so,)-303(so)-293(Du)-293(mich)-293(siehst,)-303(ich)-293(Dir)-292(nur)]TJ -69.099 -13.549 Td [(wohlgefalle,)-234(der)-230(mein)-229(erw\344hlter)-230(Herr)-230(ist)-230(und)-230(lindester)-229(Gebieter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +806 0 obj << +/Type /Page +/Contents 807 0 R +/Resources 805 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +808 0 obj << +/D [806 0 R /XYZ 180.726 353.621 null] +>> endobj +809 0 obj << +/D [806 0 R /XYZ 46.771 91.855 null] +>> endobj +805 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +812 0 obj << +/Length 5059 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(150)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-191(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.3 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-191(bin)-192(arm)-191(gewesen)-192(und)-191(hatte)-192(kein)-191(Lager)-192(f\374r)-191(mein)]TJ -63.1 -13.549 Td [(Haupt)-349(des)-349(Abends.)-548(Meine)-349(Nahrung)-349(fand)-349(ich)-349(von)-349(den)-349(Feldern,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-270(wild)-271(wuchs,)-275(karge)-270(Barmherzigkeit)-271(gab.)-311(Du)-270(musst)-270(arm)-270(sein,)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-250(Frieden)-250(und)-250(Heimath)-250(wie)-250(ich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.916 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -141.96 -14.532 Td [(Sie)-592(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.084 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gleich)-592(heute)-591(will)-592(ich)-592(fortgehen,)-677(die)-592(Th\374r)]TJ -78.883 -13.549 Td [(verschliessen)-347(und)-347(mein)-347(Haus)-347(zumachen,)-371(es)-347(nicht)-346(wiedersehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wo)-378(ich)-377(still)-378(lebte)-378(und)-378(gl\374cklich.)-633(Meine)-377(Habe)-378(soll)-378(den)-377(Armen)]TJ 0 -13.549 Td [(geh\366ren.)-593(Ich)-364(nehme)-364(nichts)-364(denn)-364(einen)-364(Stab,)-393(Brot)-364(f\374r)-364(morgen,)]TJ 0 -13.549 Td [(diesen)-286(Schleier)-286(um)-285(mein)-286(Haupt,)-295(dass)-285(ich)-286(nicht)-286(zum)-286(Gesp\366tt)-285(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Gassenjungen)-187(werde,)-200(sie)-187(sagen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 139.222 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Es)-187(ziemt)-188(sich)-187(nicht)-187(einem)-187(Weib,)]TJ -142.855 -13.549 Td [(in)-266(Freiheit)-265(zu)-266(laufen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.408 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.531 0 Td [(So)-266(ich)-265(doch)-266(Deine)-266(verlobte)-265(Braut)-266(bin)-266(und)]TJ -97.939 -13.549 Td [(eines)-250(gr\366ssten)-250(K\366nigs)-250(Geehrte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -123.775 -14.531 Td [(Da)-328(seufzte)-328(er)-327(noch)-328(tiefer,)-347(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.064 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gerade)-328(schleierlos)-328(musst)]TJ -169.864 -13.549 Td [(Du)-202(gehen)-202(und)-202(unverh\374llt,)-212(nackt)-202(und)-202(in)-202(Bl\366sse.)-234(Ich)-202(brauche)-202(Deine)]TJ 0 -13.549 Td [(Scham,)-467(wie)-423(ich)-424(Dein)-423(Leben)-423(brauche,)-467(weil)-424(sie)-423(einer)-423(Jungfrau)]TJ 0 -13.55 Td [(theurer)-300(ist)-300(wie)-301(ihr)-300(Leben,)-312(sie)-301(es)-300(zehnfach)-300(lassen)-300(w\374rde)-300(um)-300(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Scham.)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.149 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(So)-250(gieb)-250(mir)-250(denn,)-250(was)-250(ich)-250(von)-250(Dir)-250(heische.)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.854 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -303.941 0 Td [([256])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(Da)-229(ward)-228(sie)-229(roth)-229(\374ber)-228(und)-229(\374ber,)-233(r\366ther)-228(wie)-229(die)-229(Purpurrose,)-233(die)]TJ -11.955 -13.549 Td [(zuerst)-364(der)-364(Sonne)-364(sich)-364(\366ffnet.)-591(Es)-364(war,)-393(als)-364(ob)-364(Flammen)-363(\374berall)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-322(ihrem)-322(Leibe)-323(schlugen)-322(und)-322(um)-322(sie)-322(brannten.)-467(Sie)-322(konnte)-322(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Augen)-191(nicht)-191(aufheben,)-203(denn)-191(ihre)-191(Lider)-191(waren)-191(schwer)-191(von)-191(Scham.)]TJ 0 -13.549 Td [(Vom)-377(Scheitel)-377(bis)-377(zur)-377(\344ussersten)-377(Spitze)-377(ihres)-377(Fusses)-377(f\374hlte)-377(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-427(lohenden)-427(Fluthen)-427(der)-428(Scham.)-781(Und)-427(sie)-427(stand)-427(zitternd)-427(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(knickenden)-448(Gliedern.)-844(Sie)-448(sprach)-447(leise:)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.541 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hier,)-497(Herr!)-844(Nimm)]TJ -192.385 -13.549 Td [(mich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.546 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -12.591 -14.531 Td [(Und)-348(seine)-349(Seele)-348(ward)-348(weich)-348(\374ber)-349(ihr,)-372(da)-349(sie)-348(vor)-348(ihm)-349(stand,)]TJ -11.955 -13.55 Td [(ohne)-431(Fehl)-431(und)-430(Flecken,)-476(weiss)-431(in)-431(ihrer)-431(purpurnen)-431(Scham)-430(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Eine,)-242(die)-240(im)-239(Feuer)-240(steht,)-242(die)-240(Flammen)-239(hoch)-240(um)-240(sie)-240(brennen,)-241(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(steht)-250(und)-250(flieht)-250(nicht.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Und)-197(er)-197(sprach)-196(langsam:)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.005 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-197(Scham)-197(ist)-196(die)-197(Tochter)-197(der)-197(S\374nde,)]TJ -120.804 -13.549 Td [(aber)-357(die)-356(Reinheit)-357(kennt)-356(keine)-357(Scham.)-570(Deshalb)-356(muss)-357(sie)-356(nackt)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen,)-379(dass)-353(die)-353(Menschen)-353(sie)-353(sehen)-353(und)-353(schamrot)-352(werden)-353(vor)]TJ 0 -13.55 Td [(ihrer)-265(strahlenden)-264(Nacktheit.)-294(Jede)-265(Fiber)-264(geh\366rt)-265(dem)-265(Ganzen.)-293(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Seele)-383(ist)-383(nicht)-383(edler)-383(denn)-383(der)-383(Leib.)-649(Aber)-383(der)-383(Leib)-383(muss)-383(edel)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +811 0 obj << +/Type /Page +/Contents 812 0 R +/Resources 810 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +813 0 obj << +/D [811 0 R /XYZ 141.296 312.973 null] +>> endobj +814 0 obj << +/D [811 0 R /XYZ 93.543 297.046 null] +>> endobj +810 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +817 0 obj << +/Length 4597 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(151)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sein,)-269(wenn)-265(ihn)-265(die)-265(Seele)-265(erkennt.)-295(Es)-265(giebt)-265(nicht)-265(Mann)-265(und)-265(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(Weib,)-448(nicht)-408(Hass)-408(und)-408(nicht)-408(Lust.)-725(Alles)-408(ist)-408(eins.)-724(Die)-408(Scham)]TJ 0 -13.549 Td [(ward)-332(gewebt)-331(zum)-332(schleiernden)-332(Schutze,)-352(den)-332(Schleier)-331(zerreisst,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([257])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(wer)-232(die)-232(Wahrheit)-233(erschaut,)-235(Wenigen)-233(zu)-232(erschauen)-232(nur)-232(und)-232(Allen)]TJ 0 -13.55 Td [(furchtbar!)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.391 0 Td [(\023)-343(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 18.396 0 Td [(Das)-343(ist)-343(das)-344(letzte)-343(der)-343(Geheimnisse.)-529(Ich)-343(sage)-344(es)]TJ -67.787 -13.549 Td [(Dir,)-226(weil)-221(Du)-220(meine)-220(Braut)-221(und)-220(Verlobte)-220(bist.)-240(Behalte)-221(es)-220(wohl)-220(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sage)-250(es)-250(Niemand.)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.648 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -64.692 -16.626 Td [(Danach)-302(k\374sste)-301(er)-302(sie.)-405(Er)-302(k\374sste)-302(ihre)-301(Augen,)-315(ihre)-302(Lippen)-301(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wangen.)-764(An)-421(ihren)-421(Schl\344fen)-421(k\374sste)-421(er)-421(sie.)-764(Und)-421(er)-421(nahm)-421(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-374(seinen)-374(linken)-373(Arm,)-405(der)-374(der)-374(Herzarm)-373(ist,)-405(und)-374(k\374sste)-374(sie)-373(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-415(beiden)-414(Rosen)-415(ihres)-415(Busens.)-744(Denn)-415(im)-414(Busen)-415(der)-415(Frau)-414(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-317(Weltkugel)-318(und)-317(der)-317(Apfel,)-334(Macht)-318(und)-317(Verderben.)-452(Und)-317(vom)]TJ 0 -13.55 Td [(Schoosse)-250(des)-250(Weibes)-250(kommt)-250(alles)-250(Lebendige,)-250(Segen)-250(und)-250(Fluch.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Darauf)-214(hielten)-213(sie)-214(zusammen)-214(das)-214(Mahl.)-238(Er)-213(reichte)-214(ihr)-214(das)-213(Brot)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-265(sie)-265(ass)-266(von)-265(seinem)-265(Brote.)-295(Er)-265(bot)-266(ihr)-265(den)-265(Wein)-265(und)-265(sie)-265(trank)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-357(ihm)-358(von)-357(dem)-357(Wein.)-572(Und)-357(assen)-358(von)-357(allen)-357(Dingen,)-384(die)-357(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Tische)-250(standen)-250(und)-250(wurden)-250(ganz)-250(fr\366hlich.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Wie)-320(nun)-320(die)-321(Morgenr\366the)-320(heraufkam,)-338(verliess)-320(er)-320(sie)-320(wieder.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Der)-456(bl\366de)-455(Knecht)-456(sah,)-507(wie)-455(sie)-456(die)-455(Riegel)-456(aufschloss.)-866(Denn)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-322(Eisenbarren)-323(waren)-322(viel)-322(zu)-322(schwer)-323(f\374r)-322(einer)-322(zarten)-322(Jungfrau)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nde.)-465(Dennoch)-322(that)-322(sie)-322(es)-322(mit)-322(Leichtigkeit.)-465(Sie)-322(war)-322(in)-321(ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Brautschmuck,)-204(weiss)-192(in)-192(ihrem)-193(weissen)-192(Kleide,)-204(mit)-192(der)-192(purpurnen)]TJ 0 -13.55 Td [(Stirnbinde.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([258])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -16.625 Td [(Er)-214(hielt)-215(sie)-214(in)-214(seinem)-215(Arm)-214(wie)-214(sein)-215(eheliches)-214(Weib.)-238(Sie)-214(k\374sste)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihm)-380(die)-380(Lippen)-380(und)-381(k\374sste)-380(seine)-380(Augen.)-640(Und)-380(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 250.947 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fahre)]TJ -255.79 -13.55 Td [(wohl,)-328(mein)-312(geliebter)-312(und)-312(seliger)-311(Herr!)-436(Ich)-312(warte)-312(und)-312(harre)-312(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Tages,)-250(da)-250(ich)-250(neben)-250(Dir)-250(das)-250(Brautbett)-250(besteige.)]TJ/F21 10.9091 Tf 205.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -193.757 -16.625 Td [(Das)-247(d\374nkte)-246(dem)-247(Knecht)-247(schier)-247(eine)-246(seltsame)-247(Rede)-247(f\374r)-247(eine)-246(so)]TJ -11.956 -13.55 Td [(untadelige)-242(Jungfrau.)-248(Aber)-242(sie)-243(stand)-242(ruhig)-243(und)-242(sah)-243(ihm)-242(zu,)-244(wie)-242(er)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-250(Pferd)-250(bestieg.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Danach)-517(ging)-516(sie)-517(wieder)-517(in)-516(ihr)-517(Haus,)-583(schlug)-517(ihre)-516(Sachen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zusammen,)-386(\374bergab)-359(Alles)-359(dem)-359(Knecht)-359(und)-359(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.615 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-359(gehe.)]TJ -239.459 -13.549 Td [(Ich)-250(habe)-250(viel)-250(zu)-250(thun.)-250(Und)-250(die)-250(Zeit)-250(ruft.)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.302 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +816 0 obj << +/Type /Page +/Contents 817 0 R +/Resources 815 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +818 0 obj << +/D [816 0 R /XYZ 229.586 491.077 null] +>> endobj +819 0 obj << +/D [816 0 R /XYZ 46.771 210.722 null] +>> endobj +815 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +822 0 obj << +/Length 4551 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(152)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Diese)-416(wurde)-416(eine)-417(sehr)-416(heilige)-416(und)-416(wunderbare)-417(Frau.)-748(Man)]TJ -11.956 -13.549 Td [(brachte)-335(viele)-335(Kranke)-336(zu)-335(ihr,)-356(die)-335(sie)-335(heilte,)-357(indem)-335(sie)-335(ihnen)-335(die)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nde)-261(auflegte.)-285(Und)-261(Einige)-262(wurden)-261(nicht)-262(geheilt,)-264(die)-261(ungl\344ubig)]TJ 0 -13.549 Td [(waren,)-390(sie)-361(versuchten.)-585(Solche)-362(trieb)-362(sie)-361(mit)-362(Schelten)-362(von)-361(ihrer)]TJ 0 -13.55 Td [(Th\374r:)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.62 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-186(Ihr)-187(th\366richt)-186(seid)-186(und)-187(t\374ckisch)-186(und)-187(so)-186(ganz)-186(schamlos!)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.322 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -16.004 Td [(Niemals)-291(aber)-291(sprach)-292(sie)-291(\374ber)-291(ihre)-291(Geheimnisse)-291(dieser)-291(Nacht.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Nur)-297(eine)-296(grosse,)-309(selige)-296(Freude)-297(war)-297(immer)-296(in)-297(ihr.)-390(Wie)-297(sie)-296(starb,)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-320(da)-319(eine)-320(Jungfrau,)-337(wo)-319(eine)-320(alte,)-337(blinde)-319(und)-320(kr\344nkliche)-319(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen)-251(war.)-253(Niemand)-251(hatte)-251(je)-251(eine)-251(sch\366nere)-251(Jungfrau)-251(gesehen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([259])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Diese,)-284(als)-277(man)-278(sie)-277(sehr)-277(genau)-277(sah,)-284(hatte)-278(an)-277(ihren)-277(H\344nden)-277(Stiche)]TJ 0 -13.55 Td [(als)-340(von)-339(rothen)-340(N\344gelmalen.)-518(Sie)-340(durchbohrten)-339(auch)-340(ihre)-339(F\374sse.)]TJ 0 -13.549 Td [(Eine)-406(offne)-406(Wunde)-406(war)-407(in)-406(ihrer)-406(Seite,)-445(von)-406(der)-406(das)-406(Blut)-406(floss.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-324(gewahrte)-324(auf)-324(ihrer)-324(Stirn)-324(Eindr\374cke,)-342(als)-324(ob)-324(Dornen)-324(um)-323(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Haupt)-268(gewunden)-269(gewesen)-268(und)-269(in)-268(die)-269(Haut)-268(eingedrungen)-268(waren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alles)-221(dies)-221(war)-221(sehr)-221(deutlich.)-241(Sie)-221(hatte)-221(es)-221(immer)-221(an)-221(sich)-221(getragen,)]TJ 0 -13.55 Td [(nur)-263(verborgen)-263(in)-263(ihrer)-263(Bescheidenheit)-263(vor)-262(den)-263(Menschen,)-267(da)-262(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-331(selbst)-330(nie)-331(f\374r)-330(solcher)-331(mystischen)-330(Ehrung)-331(w\374rdig)-330(gehalten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-313(best\344ndig)-313(sich)-313(selber)-313(schalt,)-329(dass)-313(sie)-313(schwach)-313(sei)-312(und)-313(arm)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-505(Glauben,)-568(nicht)-505(eifrig)-505(zu)-504(den)-505(Werken,)-568(wie)-505(es)-505(sich)-504(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(guten)-332(und)-332(getreuen)-332(Hausfrau)-332(geziemte,)-352(das)-332(Erbe)-332(zu)-332(verwalten,)]TJ 0 -13.55 Td [(w\344hrend)-309(der)-308(Herr)-309(und)-308(Ehgemahl)-309(abwesend)-308(ist.)-426(Als)-308(sie)-309(nun)-308(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-303(Sterbebett)-303(lag,)-317(blass)-303(und)-303(abgezehrt,)-316(sehr)-303(schw\344chlich)-303(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergrossen)-389(Leiden,)-423(that)-389(sie)-389(pl\366tzlich)-389(einen)-389(lauten)-389(Schrei)-388(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-236(seligster)-235(Freude.)-245(Die)-236(bei)-235(ihr)-236(waren,)-238(darunter)-236(der)-235(Knecht,)-238(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-188(einst)-187(bedient,)-200(sahen)-188(einen)-188(weissen)-187(strahlenden)-188(Engel)-188(als)-187(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(herrlichen)-272(Helden.)-316(Und)-272(er)-272(nahm)-272(sie)-272(bei)-272(der)-272(Hand)-272(und)-272(f\374hrte)-272(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-233(das)-233(Brautgemach,)-237(wo)-233(purpurne)-233(Rosen)-233(lagen)-233(auf)-233(silberweissen)]TJ 0 -13.549 Td [(Linnen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([260])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.004 Td [(Der)-448(Knecht,)-498(ein)-448(uralter)-448(Mann)-448(zu)-448(der)-449(Zeit,)-497(aber)-448(ganz)-449(klar)]TJ -11.955 -13.549 Td [(in)-332(seinem)-332(Kopf,)-352(vorsichtig)-332(und)-331(abw\344gend)-332(in)-332(aller)-332(seiner)-331(Rede,)]TJ 0 -13.549 Td [(schwor,)-257(dass)-256(es)-255(derselbe)-256(gewesen,)-257(der)-255(sie)-256(damals)-256(besucht.)-266(Viele)]TJ 0 -13.549 Td [(sprachen)-310(\374ber)-309(diese)-310(seltsamen)-309(Geschichten:)-369(Es)-309(ist)-310(ein)-309(Wunder,)]TJ 0 -13.55 Td [(Hysterie)-208(und)-207(Aberglaube.)-236(Und)-208(welche)-207(glaubten)-208(noch)-207(schlechtere)]TJ 0 -13.549 Td [(Dinge.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +821 0 obj << +/Type /Page +/Contents 822 0 R +/Resources 820 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 799 0 R +>> endobj +823 0 obj << +/D [821 0 R /XYZ 295.398 407.327 null] +>> endobj +824 0 obj << +/D [821 0 R /XYZ 93.543 149.794 null] +>> endobj +820 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +827 0 obj << +/Length 1789 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(dreizehnte)-250(Kapitel.)-14810(153)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Diesen)-391(ward)-390(die)-391(Zunge)-390(schwarz)-391(in)-391(ihrem)-390(Mund,)-426(und)-390(faule)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Worte)-403(kamen)-403(nur,)-441(dass)-403(selbst)-403(die,)-441(die)-403(sie)-403(sonst)-403(geh\366rt,)-441(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Abscheu)-216(vor)-215(ihnen)-215(hatten.)-239(Selbige)-215(schrieen)-216(laut)-215(auf:)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.989 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-215(Scham)]TJ -232.833 -13.549 Td [(ist)-271(todt!)-312(Die)-271(Scham)-271(ist)-270(todt!)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.503 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.797 0 Td [(st\374rzten)-271(sich)-271(unter)-270(Schweine,)-276(dass)]TJ -130.3 -13.55 Td [(man)-413(sie)-413(f\374r)-413(solche)-412(hielt,)-454(einsperren)-413(und)-413(schlagen)-413(musste)-412(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(niedrige)-339(Thiere.)-518(Ein)-339(Schrecken)-339(fuhr)-340(in)-339(alle)-339(Leute)-339(der)-339(Gegend.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-210(f\374rchteten)-210(das)-210(Grab)-210(und)-210(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.589 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lasst)-210(uns)-210(eine)-210(hohe)-210(Mauer)]TJ -165.433 -13.549 Td [(darum)-250(bauen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -48.328 -13.549 Td [(Nur)-277(die)-278(Jungfrauen)-277(kamen)-278(und)-277(brachten)-278(weisse)-277(Kr\344nze.)-332(Und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ward)-365(ein)-365(Heiligthum)-365(da)-364(f\374r)-365(untadelige)-365(Jungfrauen,)-394(die)-365(nie)-364(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-506(ber\374hrt)-506(hatte,)-570(und)-506(sehr)-506(stark)-506(waren,)-570(herrliche)-505(Thaten)]TJ 0 -13.549 Td [(vollbrachten)-250(vor)-250(allem)-250(Volk.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +826 0 obj << +/Type /Page +/Contents 827 0 R +/Resources 825 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +825 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +829 0 obj +<< /S /GoTo /D (index14) >> +endobj +832 0 obj +(Das vierzehnte Kapitel.) +endobj +835 0 obj << +/Length 3795 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([261])]TJ/F16 18.9589 Tf 123.541 -63.143 Td [(Das)-265(vierzehnte)-266(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.786 -31.247 Td [(Aber)-205(der)-204(ganze)-205(Jammer)-204(des)-205(Daseins)-204(fiel)-205(auf)-205(ihn)-204(eines)-205(Abends,)-213(da)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-215(schon)-214(dunkel)-215(war,)-222(er)-214(einsam)-215(sass)-215(im)-214(Staube)-215(neben)-215(der)-214(grossen)]TJ 0 -13.549 Td [(Heerstrasse.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Er)-253(dachte)-253(an)-253(die)-253(Jahrhunderte,)-253(die)-253(dahingegangen)-253(waren,)-253(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(dass)-317(sie)-318(alle)-317(f\374r)-317(nichts)-318(gewesen.)-452(Hunger,)-334(Hass)-317(und)-317(Kriegsl\344rm)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374llten)-402(die)-402(Welt.)-707(Jeden)-402(Tag)-402(unter)-402(dem)-402(richtenden)-402(Beil)-402(fielen)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344upter)-305(Unseliger,)-318(Unschuldige)-304(gingen)-305(hin)-304(und)-305(erw\374rgten)-304(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-250(in)-250(Angst)-250(und)-250(blutiger)-250(Noth)-250(ihres)-250(Leibes.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-197(Selbsts\374chtigen)-196(herrschten)-197(immer,)-207(die,)-208(die)-196(hart)-197(waren,)-207(nur)]TJ -11.956 -13.55 Td [(schufen)-254(f\374r)-253(sich)-254(selbst,)-254(ohne)-254(Sorge)-253(traten)-254(auf)-253(die)-254(nackten)-253(Leiber)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-422(Verzweifelten.)-764(Die,)-465(die)-421(dumm)-422(waren)-421(und)-422(nicht)-421(dachten,)]TJ 0 -13.549 Td [(schienen)-324(klug.)-472(Die)-324(feige)-325(waren,)-342(tapfer,)-343(und)-324(solche,)-342(die)-324(frassen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([262])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(wie)-308(die)-307(gefr\344ssige)-308(Raupe)-307(auf)-308(ihrem)-308(Blatt)-307(und)-308(fett)-307(wurden,)-322(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-262(frassen)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.732 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.313 0 Td [(aber)-262(der)-262(Baum)-262(selbst)-262(starb)]TJ/F21 10.9091 Tf 119.118 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)-265(galten)-262(f\374r)-262(die)-262(wahren)]TJ -181.618 -13.55 Td [(Guten.)-490(Man)-330(pries)-330(sie)-330(als)-330(Muster)-330(der)-330(Tugend,)-350(zeigte)-330(sie)-329(denen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-362(unvern\374nftig)-361(waren)-362(und)-362(eigengesinnt:)]TJ/F21 10.9091 Tf 191.829 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Seht,)-390(wie)-361(sie)-362(sind!)]TJ -196.673 -13.549 Td [(Wie)-315(sie)-316(nahrhaft)-315(werden)-316(und)-315(fett!)-447(Nehmt)-315(Euch)-316(ein)-315(Beispiel)-315(an)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrem)-339(Gedeihen,)-360(Ihr,)-361(die)-338(Ihr)-339(Fl\374gel)-338(habt,)-361(die)-338(zu)-339(schwach)-338(sind,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Sonne)-250(zustrebt,)-250(die)-250(Euch)-250(verbrennt!)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -161.335 -13.55 Td [(Diese)-152(aber)-152(waren)-153(die)-152(schlimmsten)-152(Feinde)-152(und)-153(sie)-152(galten)-152(f\374r)-152(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Hort)-162(aller)-163(Tugenden,)-180(hielten)-162(die)-163(Sitte)-162(hoch)-163(in)-162(ihrer)-162(heuchlerischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Klugheit,)-245(weil)-244(der)-244(losgelassne)-243(Wolf)-244(sie)-244(zerrissen)-244(h\344tte)-243(innerlich,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-427(standen)-426(auf)-427(dem)-427(Boden)-427(des)-426(Worts,)-471(weil)-427(es)-427(ihnen)-426(n\374tzte)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-359(ihre)-359(Zwecke,)-386(der)-358(Strom)-359(sie)-359(sonst)-359(fortgeschwemmt)-359(h\344tte)-358(in)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-250(Ueberschwellen.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Solcher)-414(aber)-413(waren)-414(Viele.)-741(Sie)-414(hielten)-413(die)-414(Gewalt)-414(und)-413(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Geld.)-275(Die)-259(Andern)-258(zerbrachen)-258(ihre)-259(Kr\344fte)-258(an)-259(denen,)-260(stiessen)-258(ihre)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +834 0 obj << +/Type /Page +/Contents 835 0 R +/Resources 833 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +836 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +830 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +837 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 196.292 364.224 null] +>> endobj +838 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 343.279 269.38 null] +>> endobj +833 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +841 0 obj << +/Length 4657 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierzehnte)-250(Kapitel.)-14810(155)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Stirnen)-275(blutig)-275(und)-275(sahen)-275(doch)-276(nicht)-275(was)-275(dar\374ber)-275(war,)-281(\374ber)-275(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(dummen)-177(Klugheit,)-191(die)-176(wahre)-177(Weisheit,)-191(\374ber)-177(ihrem)-176(Geiz)-177(die)-176(weite)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebe,)-360(\374ber)-338(ihrer)-338(Ungerechtigkeit)-338(die)-338(grosse)-338(Gerechtigkeit.)-513(So)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-305(diese)-305(ihre)-305(besten)-305(Kr\344fte)-305(verbrauchten,)-319(auch)-305(m\374de)-305(wurden,)]TJ 0 -13.55 Td [(dahingingen)-530(in)-530(Lastern,)-599(Leichtsinn)-530(und)-530(Unzucht.)-1090(Weil)-529(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([263])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.212 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Unser)-465(Leben)-464(ist)-465(kurz)-464(und)-465(wird)-464(uns)-465(zugetheilt)-464(in)]TJ -54.056 -13.549 Td [(kleinen)-245(Tropfen.)-248(Wir)-245(wollen)-245(es)-244(auf)-245(einmal)-245(leeren,)-246(damit)-245(wir)-244(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Rausch)-244(kennen)-244(in)-244(seiner)-244(Wollust.)-248(Und)-244(nachher)-244(hungrig)-244(sein)-244(und)]TJ 0 -13.549 Td [(frieren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -19.844 -14.368 Td [(Weil)-385(sie)-385(nicht)-385(warten)-385(konnten,)-419(bis)-385(der)-385(Wein)-385(reif)-385(ward)-384(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(duftig.)-318(Nicht)-273(schauen,)-278(bis)-273(sie)-273(die)-272(Ferne)-273(erkannten)-273(und)-272(Richtung)]TJ 0 -13.549 Td [(ihres)-362(Schiffens.)-584(Weil)-362(sie)-362(jung)-361(waren,)-390(das)-361(Blut)-362(siedend)-361(schoss)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-372(ihren)-373(Adern,)-402(das)-373(lind)-372(sein)-372(musste)-372(vom)-372(Denken,)-403(der)-372(weiten)]TJ 0 -13.55 Td [(Herzlichkeit)-250(ihres)-250(Liebens.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Diese)-493(aber)-494(auch)-493(liebten)-493(zu)-494(sehr)-493(sich)-494(selbst,)-554(dass)-493(sie)-493(wie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(brennende)-195(Fackeln)-194(sich)-195(verzehrten)-194(im)-195(Leeren.)-231(Die)-195(Licht)-194(gegeben)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tten,)-467(reines)-423(Feuer)-423(zum)-423(Leuchten,)-467(so)-423(sie)-423(doch)-423(nur)-423(geduldig)]TJ 0 -13.55 Td [(gewesen,)-250(sich)-250(selbst)-250(gereinigt)-250(h\344tten)-250(vom)-250(Unreinen.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Und)-384(die)-384(Andern,)-417(die)-384(gar)-384(kein)-384(Licht)-383(hatten,)-418(sondern)-384(dunkl)1(e)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kl\366tze)-649(blieben,)-750(die)-649(m\374hsam)-649(denen)-650(ihre)-649(schiefen)-649(Strahlen)]TJ 0 -13.549 Td [(auffingen,)-346(vom)-327(Scheiterhaufenleuchten)-327(der)-327(Grossen)-327(ihren)-327(Weg)]TJ 0 -13.55 Td [(suchten)-180(im)-179(Finstern,)-194(schnobernd)-180(wie)-179(die)-180(Schweine)-180(nach)-179(Tr\374ffeln,)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-329(niedrige)-328(Hunde)-329(auf)-329(der)-328(F\344hrte)-329(des)-329(Aases)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.227 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.04 0 Td [(spotteten)-329(\374ber)]TJ -218.267 -13.549 Td [(solche,)-197(zeigten)-185(auf)-184(sie)-184(in)-185(Schadenfreude:)]TJ/F21 10.9091 Tf 177.062 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-184(verzehren)-185(sich)-184(und)]TJ -181.905 -13.549 Td [(sind)-250(gar)-250(nicht,)-250(Rauch)-250(und)-250(Asche.)-250(Wir)-250(stehen)-250(fest)-250(und)-250(finden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 265.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 25.311 0 Td [([264])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.368 Td [(Denn)-255(sie)-255(brauchen)-255(nicht)-255(viel)-255(zu)-255(finden,)-256(wie)-255(der)-255(Wurm)-255(immer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(noch)-257(Nahrung)-257(findet)-256(in)-257(seinem)-257(Koth,)-258(dem)-257(Maulwurf)-257(die)-256(Larven)]TJ 0 -13.549 Td [(niemals)-250(fehlen)-250(in)-250(seiner)-250(niedrigen)-250(Dunkelheit.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Aber)-293(der)-293(Adler,)-304(der)-293(sehr)-293(hoch)-293(fliegt,)-303(hat)-293(oft)-293(sein)-293(Futter)-293(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(f\374r)-416(seine)-416(Jungen,)-457(wenn)-416(Alles)-416(unter)-416(dem)-416(Schnee)-416(vereist)-415(liegt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dem)-375(seltnen)-375(Vogel,)-406(der)-374(lieblich)-375(singt,)-406(stellen)-375(die)-374(Vogelsteller)]TJ 0 -13.549 Td [(nach.)-250(Sein)-250(gl\344nzendes)-250(Gefieder)-250(lockt)-250(Gel\374ste)-250(der)-250(R\344uber.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(So)-377(dass)-377(diese)-377(niemals)-377(aufkommen,)-409(die)-377(die)-377(Sch\366nheit)-376(nackt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gesehen)-201(hatten)-200(und)-201(priesen,)-210(weil)-200(ihre)-201(eignen)-200(Augen)-201(unrein)-200(waren)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +840 0 obj << +/Type /Page +/Contents 841 0 R +/Resources 839 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +842 0 obj << +/D [840 0 R /XYZ 71.011 463.978 null] +>> endobj +843 0 obj << +/D [840 0 R /XYZ 67.684 190.54 null] +>> endobj +839 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +846 0 obj << +/Length 4830 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(156)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-255(ihre)-256(Worte)-255(die)-255(Wollust)-255(verriethen.)-266(Die)-255(Andern)-256(aber,)-256(die)-255(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-273(sahen)-273(und)-274(von)-273(Wollust)-273(voll)-273(waren)-274(wie)-273(die)-273(geile)-273(Erde)-273(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Mist,)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.442 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.156 0 Td [(dass)-248(sie)-247(nicht)-248(einmal)-248(wussten,)-248(dass)-247(eine)-248(Keuschheit)-248(war,)]TJ -33.598 -13.549 Td [(den)-395(reinen)-395(Mond)-395(befleckt)-395(h\344tten)-395(in)-395(ihrer)-395(Unreinheit,)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.215 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.764 0 Td [(waren)]TJ -253.979 -13.55 Td [(gross)-250(und)-250(sprachen)-250(die)-250(Urtheile)-250(\374ber)-250(wichtige)-250(Dinge.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Und)-295(man)-295(nahm)-295(ihr)-294(Recht)-295(f\374r)-295(d)-200(a)-200(s)-295(Recht.)-385(Und)-295(ihre)-294(Wahrheit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(f\374r)-329(d)-200(i)-200(e)-328(Wahrheit,)-349(dass)-328(eine)-329(grosse)-329(Verwirrung)-328(war,)-349(die)-328(nichts)]TJ 0 -13.55 Td [(mehr)-250(sahen,)-250(in)-250(der)-250(Dunkelheit)-250(tappten)-250(wie)-250(Blinde)-250(und)-250(Trunkne.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([265])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -14.776 Td [(Alles)-296(dies)-296(that)-296(seinem)-296(Herzen)-296(sehr)-296(weh.)-388(Der)-296(Ekel)-296(am)-295(Leben)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stieg)-341(in)-341(ihm)-340(auf)-341(und)-341(w\374rgte)-341(ihn)-341(an)-340(der)-341(Kehle)-341(wie)-341(bittre)-340(Galle,)]TJ 0 -13.55 Td [(so)-452(dass)-452(er)-452(in)-453(sich)-452(selber)-452(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.309 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Besser)-452(w\344re)-452(die)-452(Welt)-452(gar)]TJ -162.152 -13.549 Td [(nicht,)-614(Feuer)-542(und)-541(Schwefel)-542(vom)-541(Himmel,)-615(denn)-541(dies!)-1124(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(besser)-429(ein)-429(dumpfes)-430(Thier,)-474(oder)-429(eine)-429(Pflanze,)-474(die)-429(w\344chst)-429(und)]TJ 0 -13.549 Td [(stirbt,)-481(denn)-434(dieses)-435(Halbe)-434(im)-435(Staube,)-481(dem)-434(niemals)-435(die)-434(Fl\374gel)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-314(Seele)-315(wachsen.)-443(Besser,)-330(viel,)-330(viel)-315(besser)-314(ein)-314(Niegewordnes,)]TJ 0 -13.55 Td [(Ungeschaffnes,)-269(als)-266(das)-265(niemals)-266(ganz)-265(wird,)-269(nicht)-266(leben)-265(kann)-265(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.778 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -46.823 -14.776 Td [(Seine)-193(Seele)-193(in)-193(ihm)-193(begann)-193(zu)-193(hadern)-193(mit)-192(Gott,)-205(dass)-193(er)-193(die)-193(G\374te)]TJ -11.955 -13.55 Td [(so)-214(klein)-213(geschaffen)-214(und)-214(die)-214(Gr\366sse)-213(niemals)-214(gut,)-221(die)-214(Reinheit)-213(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(verdarb)-348(an)-348(ihrer)-348(eignen)-348(Spiegelklarheit)-348(und)-348(die)-348(Unreinheit)-348(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-226(Schwert)-226(der)-226(Reue)-226(durchgestochen)-226(blieb,)-231(dass)-226(die)-226(Menschen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-158(drehten)-159(wie)-158(aufgespiesste,)-176(unselige)-159(Fliegen)-158(an)-158(ihrem)-158(Stachel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-299(Stachel)-298(war)-299(in)-299(ihrer)-298(eignen)-299(Brust)-299(und)-298(bohrte)-299(sich)-299(tiefer)-298(bei)]TJ 0 -13.55 Td [(jeder)-250(Drehung.)]TJ 11.955 -14.776 Td [(Und)-228(er)-229(sprach)-228(zu)-228(sich)-229(selbst:)]TJ/F21 10.9091 Tf 126.555 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wozu)-228(so)-229(viel)-228(Qual)-228(und)-229(Leiden?)]TJ -143.354 -13.549 Td [(Hast)-284(Du)-285(sie)-284(geschaffen)-284(aus)-284(Hass)-284(oder)-285(wurden)-284(sie)-284(empfangen)-284(in)]TJ 0 -13.549 Td [(G\374te?)-694(Ist)-398(Dein)-398(Zweck)-398(mit)-398(ihnen)-398(Gnade)-398(oder)-398(ist)-398(es)-397(Neid)-398(des)]TJ 0 -13.55 Td [(M\344chtigen,)-208(Allherrschenden)-198(gegen)-198(das)-197(Kleine,)-208(Auch-Strebende?)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([266])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Bist)-381(Du)-381(gut?)-643(Oder)-381(sind)-381(sie)-381(besser)-381(wie)-381(Du,)-414(und)-380(nur)-381(eine)-381(Zeit)]TJ 0 -13.549 Td [(ward)-264(Dir)-263(Macht)-264(gegeben,)-267(sie)-264(zu)-263(qu\344len,)-267(im)-264(Staub)-263(Gebannte,)-267(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ringen)-291(und)-291(stolz)-292(sind?)-373(Bist)-291(Du)-292(der)-291(Teufel?)-373(Der)-291(Ganz-M\344chtige)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht?)-239(Und)-217(es)-217(ist)-217(ein)-216(viel)-217(M\344chtigerer,)-224(Unbegreiflicherer)-217(Dir)-216(und)]TJ 0 -13.55 Td [(mir,)-356(und)-335(der)-335(in)-334(ihnen)-335(ist?)-504(Wird)-335(er)-335(triumphiren,)-356(klar)-335(sein)-334(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Tages?)-300(Und)-266(unsre)-267(G\374te)-266(war)-267(vor)-266(Ihm)-267(Halbheit?)-299(Unser)-267(Licht)-266(war)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +845 0 obj << +/Type /Page +/Contents 846 0 R +/Resources 844 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +847 0 obj << +/D [845 0 R /XYZ 93.543 419.736 null] +>> endobj +848 0 obj << +/D [845 0 R /XYZ 298.442 147.437 null] +>> endobj +844 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +851 0 obj << +/Length 4621 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierzehnte)-250(Kapitel.)-14810(157)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(D\344mmerung?)-632(Sage)-377(mir,)-409(wer)-377(Du)-378(bist?)-631(Wer)-378(ich)-377(bin)-377(f\374r)-377(Dich?)]TJ 0 -13.549 Td [(Dann)-224(lass)-224(mich)-223(mich)-224(hinlegen)-224(und)-224(sterben.)-241(Denn)-224(meine)-224(Seele)-223(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374de)-297(in)-298(mir.)-392(Das)-298(Licht)-297(des)-297(Tages)-298(thut)-297(meinen)-298(Augen)-297(weh)-297(und)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-316(L\344rm)-317(der)-316(noch)-317(Arbeitenden)-316(beleidigt)-316(mein)-317(Ohr.)-449(Ich)-316(gr\374sse)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(Nacht,)-250(die)-250(dunkel)-250(ist,)-250(wo)-250(gigantische)-250(Schatten)-250(schweigen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 269.356 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -257.4 -14.25 Td [(So)-412(sprach)-411(er)-412(zu)-411(sich)-412(selbst.)-734(Er)-412(sah)-411(die)-412(Nacht)-411(herkommen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-482(die)-482(Felder.)-945(Sie)-482(kam)-482(wie)-481(eine)-482(starke,)-540(riesige)-482(Frau)-481(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(einem)-320(schwarzen,)-337(sammetnen)-320(Mantel.)-460(Die)-320(B\344ume)-320(standen)-319(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(dunkle)-265(Keulen)-265(Gewaffneter)-265(und)-265(die)-265(Stimme)-265(des)-265(Wassers)-264(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(deutlicher,)-250(wie)-250(es)-250(hallend)-250(fiel)-250(mit)-250(ewig)-250(sich)-250(l\366senden)-250(Tropfen.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-235(sah)-234(in)-235(die)-234(Nacht)-235(und)-234(frug)-235(sie:)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.954 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bist)-235(Du,)-237(die)-235(kommen)-234(soll?)]TJ/F21 10.9091 Tf 116.033 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.25 Td [(Sie)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.901 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(war.)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.738 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 187.585 0 Td [([267])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.251 Td [(Pl\366tzlich)-211(hob)-211(sie)-211(ihren)-210(Mantel)-211(auf.)-237(Und)-211(es)-211(war)-211(ihm,)-219(als)-210(k\366nnte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-311(tief)-311(hineinsehen)-311(in)-311(die)-311(Nacht,)-327(die)-311(Nacht)-311(aller)-311(Zeiten,)-326(die)-311(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(Zeiten)-250(gewesen)-250(war.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Er)-384(sah)-385(die)-384(Nacht,)-418(die)-384(Nacht)-385(selbst,)-417(von)-385(der)-384(die)-384(Dunkelheit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kam)-250(und)-250(der)-250(Schatten.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Sie)-365(lag)-366(wie)-365(eine)-366(Sphynx,)-394(die)-365(ein)-366(Weib)-365(war,)-395(und)-365(ihre)-365(andre)]TJ -11.956 -13.55 Td [(H\344lfte)-382(war)-382(eine)-382(L\366win.)-647(Die)-382(Schultern)-382(des)-382(Weibes)-382(aber)-382(lagen)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-312(den)-312(Tatzen)-312(der)-312(L\366win)-312(und)-312(ihre)-312(Br\374ste)-312(starrten)-312(gerade)-312(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(gerichtete)-348(Schwerter.)-544(Zu)-348(beiden)-348(Seiten)-348(ihres)-348(Hauptes)-348(lief)-348(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nigliche)-276(Binde)-275(mit)-276(Streifen)-275(und)-276(Zeichen.)-326(Sie)-275(schnitt)-276(die)-275(Stirn)]TJ 0 -13.549 Td [(niedrig)-257(ab)-257(und)-257(ihre)-256(Augen)-257(standen)-257(weit)-257(offen,)-259(marmorne)-256(Augen)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-423(todten,)-465(runden)-423(B\344llen,)-466(die)-422(geradeaus)-423(sahen.)-768(Ihre)-422(Lippen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-405(geschlossen.)-715(Sie)-405(lag)-405(ruhig)-405(mit)-405(milchschweren)-404(Br\374sten)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(t\366dtlichen)-250(Tatzen.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Sie)-312(wechselte)-312(sich.)-437(Und)-312(wurde)-312(ein)-312(schauderhaftes)-312(Idol.)-436(Auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-327(Schultern)-326(eines)-327(eisernen)-327(geharnischten)-326(Mannes)-327(reckte)-326(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-426(Vogelkopf)-426(mit)-426(spitzem,)-470(gebognem,)-470(hackendem)-426(Schnabel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-271(kreisrundes)-271(Auge)-271(war)-271(eingesetzt)-271(aus)-271(blauem,)-276(hellem)-271(Email,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-345(der)-345(H\366he)-345(des)-345(Schnabels,)-368(da)-345(wo)-345(er)-345(anfing.)-535(Gen)-345(Osten)-344(stand)]TJ 0 -13.55 Td [(dieser)-332(Mann.)-496(Auf)-332(einem)-333(hohen)-332(Postament,)-352(die)-332(H\344nde)-332(auf)-332(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwert)-198(gelegt.)-232(Die)-198(Arme)-197(bildeten)-197(ein)-198(Viereck)-197(mit)-198(den)-197(Schultern)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([268])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(und)-332(staken)-332(in)-332(Schienen.)-496(Sein)-333(Schwert)-332(stand)-332(ganz)-332(gerade,)-352(breit)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +850 0 obj << +/Type /Page +/Contents 851 0 R +/Resources 849 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +852 0 obj << +/D [850 0 R /XYZ 46.771 364.663 null] +>> endobj +853 0 obj << +/D [850 0 R /XYZ 84.675 79.691 null] +>> endobj +849 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +856 0 obj << +/Length 4462 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(158)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wie)-278(eine)-278(Hand.)-333(Senkrechte)-278(Riefen)-278(liefen)-278(mitten)-278(durch,)-285(in)-277(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-204(Blut)-204(abtropfen)-205(konnte.)-234(Die)-205(Klauen)-204(seiner)-204(H\344nde)-204(krallten)-204(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-319(das)-318(Schwert.)-456(Der)-319(Leib)-319(und)-319(die)-318(Beine)-319(standen)-319(gerade,)-335(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(vorne,)-250(und)-250(der)-250(Vogelkopf)-250(mit)-250(dem)-250(Schnabel)-250(sah)-250(gegen)-250(Osten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Wie)-186(er)-185(diesen)-186(noch)-185(betrachtete)-186(und)-185(schaudernd)-186(ansah,)-198(geschah)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eine)-291(Stimme)-292(zu)-291(ihm,)-302(die)-291(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.595 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-291(ist)-292(die)-291(Gewalt.)-374(Ihr)-292(fielen)]TJ -151.439 -13.55 Td [(K\366nige)-337(zum)-336(Opfer.)-510(Sein)-337(Schnabel)-336(ist)-337(schwarz)-336(vom)-337(Geifer)-336(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebern.)-565(Sein)-355(Schwert)-356(roth)-355(vom)-355(Blut.)-565(Sein)-355(eiserner)-355(Leib)-355(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(gl\374hend)-250(vom)-250(Feuer)-250(verbrannter)-250(St\344dte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.575 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -158.619 -15.186 Td [(Das)-422(Symbol)-421(wechselte)-422(sich.)-765(Und)-422(es)-422(wurde)-422(eine)-421(schwarze)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Astarte,)-598(ganz)-529(aus)-529(schwarzem)-528(Metall,)-599(aus)-528(Stein)-529(oder)-528(Eisen,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-413(man)-413(geschw\344rzt)-414(hatte,)-454(und)-413(es)-413(gl\344nzte)-413(nun)-413(schw\344rzer)-413(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Ebenholz,)-356(gefettete)-335(Leiber)-335(der)-335(Neger.)-505(Sie)-335(stand)-335(ganz)-335(aufrecht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-493(Leib)-493(und)-493(die)-492(Beine)-493(waren)-493(mit)-493(Binden)-493(umwickelt.)-978(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(kreuzten)-533(sich)-533(und)-533(kamen)-533(wieder,)-604(von)-533(der)-533(H\374fth\366he)-533(bis)-533(an)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-509(Gliederung)-509(der)-509(Zehen.)-1028(Zeichen)-509(waren)-509(in)-509(diese)-509(Binden)]TJ 0 -13.549 Td [(gegraben,)-299(Striche,)-299(Muster,)-298(Rubinen,)-299(gr\374ne)-289(Smaragden)-289(und)-289(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(dunkle)-387(Saphire.)-660(Sie)-386(folgten)-387(sich)-387(rhythmisch)-386(und)-387(redeten)-386(eine)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([269])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(geheimnissvolle)-278(Sprache)-277(\374ber)-278(dem)-278(Schwarz,)-284(das)-278(kam)-278(und)-277(ging.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dieser)-195(ganze)-195(Theil)-195(des)-196(Leibes)-195(mit)-195(dem)-195(Bauch)-195(und)-195(den)-195(Schenkeln)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-455(sehr)-455(d\374nn)-455(und)-455(gerade)-455(wie)-455(bei)-455(einem)-455(unm\374ndigen,)-506(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(unentwickelten)-282(Kinde.)-348(Und)-282(dar\374ber)-283(dr\344ngten)-282(sich)-282(erschreckend)]TJ 0 -13.549 Td [(tausend)-289(Br\374ste.)-366(Eine)-289(Ueberf\374lle)-289(von)-288(Br\374sten,)-299(Beeren)-289(der)-288(reifen)]TJ 0 -13.549 Td [(Traube,)-372(Wellen,)-372(die)-347(sich)-348(stossen,)-372(str\366men.)-542(Man)-347(sah)-348(den)-347(Kopf)]TJ 0 -13.55 Td [(im)-384(Dunkeln,)-418(sehr)-384(hoch,)-417(mit)-384(harten)-384(Lippen,)-417(steinernen)-384(Augen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-367(hierarchische)-366(Binde,)-396(die)-367(zu)-366(beiden)-367(Seiten)-367(fiel.)-600(Die)-366(Br\374ste)]TJ 0 -13.549 Td [(gleissten,)-290(rieselten,)-289(Aepfel,)-290(Kugeln,)-290(geh\344rtete)-282(Spitzen,)-289(schwarz,)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-246(einem)-246(ungeheuerlichen,)-247(unirdischen)-246(Schwarz,)-246(Gr\374nschwarz)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-277(Schlangenh\344ute,)-284(Tollkirschen,)-284(verwester)-277(Ueberreste)-277(in)-277(ihrer)]TJ 0 -13.55 Td [(Zersetzung.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Und)-260(die)-260(Stimme)-260(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.03 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-260(ist)-260(die)-260(Wollust,)-263(die)-260(Verfluchte.)]TJ -125.83 -13.549 Td [(Alles)-552(stirbt)-552(in)-553(ihr.)-1156(Nur)-552(das)-552(Eine)-552(lebt.)-1157(Und)-552(es)-552(wird)-552(zur)]TJ 0 -13.55 Td [(Schauderhaftigkeit,)-410(zum)-378(Ungeth\374m.)-635(Unfruchtbar)-378(ist)-378(sie,)-410(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(ist)-250(von)-250(Eisen.)-250(Ihre)-250(Seele)-250(in)-250(ihr)-250(ist)-250(Mord.)]TJ/F21 10.9091 Tf 189.382 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +855 0 obj << +/Type /Page +/Contents 856 0 R +/Resources 854 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 828 0 R +>> endobj +857 0 obj << +/D [855 0 R /XYZ 355.999 284.566 null] +>> endobj +854 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +860 0 obj << +/Length 4740 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierzehnte)-250(Kapitel.)-14810(159)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Und)-282(diese)-283(wieder)-282(wechselte)-283(sich.)-347(Es)-283(wurde)-282(eine)-283(ganz)-282(weisse)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schlange.)-617(Sie)-372(trug)-373(ein)-372(Kr\366nchen)-372(auf)-373(dem)-372(Kopf.)-617(Sie)-372(bewegte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-237(rhythmisch)-238(zu)-237(einer)-238(Art)-237(Musik.)-246(Ihre)-238(Schuppen)-237(gl\344nzten)-237(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Perlmutter,)-291(wenn)-283(sie)-283(sich)-283(bewegte,)-291(und)-283(ihre)-283(Augen)-283(waren)-283(rothe)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([270])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Rubinen.)-285(Ein)-262(rosa)-262(Z\374ngelchen)-261(kam)-262(aus)-262(ihrem)-262(gespalteten)-261(Kopf.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-224(z\374ngelte)-224(damit)-224(und)-224(leckte)-224(sich)-223(zierlich)-224(wie)-224(Katzen)-224(thun.)-241(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(rollte)-341(sich)-340(zu)-341(Ringeln)-341(und)-340(lag)-341(ganz)-341(zusammengeringelt,)-363(als)-340(ob)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-248(schliefe.)-249(Aber)-248(sie)-248(schlief)-247(nicht.)-250(Ein)-247(Zittern)-248(von)-248(Gier)-248(und)-247(Gift)]TJ 0 -13.549 Td [(rann)-250(durch)-250(ihren)-250(Leib,)-250(der)-250(sich)-250(milchig)-250(bl\344hte)-250(unter)-250(dem)-250(Bauch.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Und)-410(die)-411(Stimme)-410(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.232 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-410(ist)-411(die)-410(falsche)-411(Weisheit)-410(der)]TJ -134.031 -13.549 Td [(Welt.)-655(Sie)-385(ist)-384(arglos)-385(und)-385(ungef\344hrlich)-385(anzuschauen.)-655(Aber)-384(das)]TJ 0 -13.549 Td [(feinste,)-379(siebenmal)-353(gefilterte)-353(Gift.)-559(Wer)-353(diese)-352(Schlange)-353(anr\374hrt,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-259(stirbt)-258(und)-259(f\374hlt)-259(nicht)-258(den)-259(kleinsten)-258(Schmerz,)-261(nicht)-259(wie)-258(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Nadelstich)-459(in)-459(die)-459(Hand,)-512(da)-459(man)-459(sich)-459(das)-459(Blut)-459(abwischt)-459(und)]TJ 0 -13.549 Td [(weitergeht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.775 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -36.819 -14.777 Td [(Danach)-260(sah)-261(er)-260(noch)-261(eine)-260(schwarze)-261(Kr\366te,)-263(die)-261(in)-260(ihrem)-260(Sumpf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sass)-296(und)-296(glotzte,)-308(Harpyen,)-307(die)-297(mit)-296(den)-296(Fl\374geln)-296(schlugen,)-307(B\344ren)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-395(W\366lfe.)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.122 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-395(sind)-394(die)-395(gew\366hnlichen)-395(S\374nden,)-431(Reichthum,)]TJ -62.965 -13.549 Td [(faules)-380(Leben,)-413(Unfrieden)-380(und)-380(Zankhaftigkeit)-380(der)-380(Weiber.)-640(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-306(sind)-306(nur)-306(h\344sslich.)-419(Und)-306(S\374nden)-306(der)-306(gew\366hnlichen)-306(Menge.)]TJ 0 -13.55 Td [(Denn)-450(vornehme)-449(Herzen)-450(werden)-450(von)-449(ihnen)-450(nicht)-450(ger\374hrt,)-499(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern)-468(aber)-467(sind)-468(die)-467(Vornehmen,)-522(die)-467(Grossen.)-903(Die)-467(Besten)]TJ 0 -13.549 Td [(verfallen)-250(ihnen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 68.466 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -56.51 -14.777 Td [(Diese)-335(Vision)-335(verschwand.)-505(Er)-335(blieb)-335(allein)-335(in)-335(der)-335(Nacht.)-505(Die)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([271])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(K\344lte)-471(war)-470(um)-471(ihn)-471(her)-470(und)-471(er)-470(fror.)-912(Die)-471(Gedanken)-470(huschten)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-544(seinem)-544(Kopf)-544(und)-543(schlugen)-544(an)-544(das)-544(Sch\344deldach)-544(wie)-543(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(klappenden)-458(Fl\374geln.)-873(Seine)-457(Seele)-458(war)-458(sehr)-457(matt)-458(in)-458(ihm.)-872(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.617 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-359(es)-359(so)-360(viele)-359(Uebel)-359(giebt,)-387(die)-359(S\374nde)-359(also)-360(gross)-359(und)]TJ -41.461 -13.549 Td [(m\344chtig)-295(ist)-295(f\374r)-295(die)-295(Besten,)-307(w\344re)-295(es)-295(nicht)-295(besser)-295(zu)-295(nehmen)-295(was)]TJ 0 -13.55 Td [(sch\366n)-352(ist,)-377(fr\366hlich)-352(sein)-352(im)-352(Tage)-352(und)-352(sterben,)-377(wenn)-352(es)-352(Zeit)-351(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Ungl\374ck)-250(kommt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.328 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -81.372 -14.776 Td [(Alsbald)-189(kam)-189(da)-189(ein)-190(Zug)-189(von)-189(lieblichen)-189(M\344dchen,)-201(die)-189(Cymbeln)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-256(Schalmeien)-255(trugen.)-267(Und)-255(hielten)-255(in)-256(ihren)-255(H\344nden)-256(Fl\366ten)-255(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Harfenspiele,)-358(harte)-337(H\366lzer,)-358(die)-337(sie)-336(schwirrend)-337(schwangen)-336(oder)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +859 0 obj << +/Type /Page +/Contents 860 0 R +/Resources 858 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +861 0 obj << +/D [859 0 R /XYZ 275.245 477.528 null] +>> endobj +862 0 obj << +/D [859 0 R /XYZ 259.774 202.861 null] +>> endobj +858 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +866 0 obj << +/Length 4468 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(160)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gegeneinanderschlugen)-234(im)-234(Tanze.)-245(Ihre)-234(Haare)-234(waren)-233(mit)-234(Blumen)]TJ 0 -13.549 Td [(gekr\344nzt.)-271(Die)-257(Blumen)-257(fielen)-257(gleich)-257(Sternen)-257(\374ber)-257(ihr)-257(Gelock.)-270(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(trugen)-353(Blumen)-352(in)-353(ihren)-352(Armen)-353(und)-353(hatten)-352(lichte)-353(Gew\344nder)-352(an)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-219(sangen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.643 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lasst)-219(uns)-220(fr\366hlich)-219(sein)-219(und)-219(singen!)-240(denn)-219(das)-220(Leben)]TJ -59.486 -13.55 Td [(ist)-232(kurz,)-236(die)-233(Jugend)-232(verfliegt)-233(schnell.)-244(Die)-232(Jugend)-233(ist)-232(die)-232(Lenzzeit)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-250(Leben)-250(und)-250(die)-250(Liebe)-250(ist)-250(der)-250(Sonnenschein)-250(am)-250(Maitag!)]TJ/F21 10.9091 Tf 250.571 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -238.615 -16.186 Td [(Dann)-451(kamen)-452(junge)-451(Knaben)-451(und)-451(holten)-452(sich)-451(diese,)-501(f\374hrten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sie)-437(weg)-437(zu)-436(bl\374henden)-437(Lauben)-437(und)-436(heimlichen)-437(Grotten.)-810(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(wandelten)-289(mit)-288(ihnen)-289(Arm)-288(in)-289(Arm,)-298(k\374ssten)-289(sich)-288(z\344rtlich,)-298(lachten)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(kosten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([272])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.186 Td [(Sie)-314(tanzten)-315(wilder.)-443(Die)-314(Lust)-315(stieg.)-443(Becher)-314(wurden)-314(gebracht.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ein)-170(J\374ngling)-170(erschien)-170(auf)-170(goldnem)-170(Wagen,)-186(den)-170(Pardel)-170(zogen,)-186(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Weinlaub)-326(umkr\344nzt.)-478(Und)-326(Alle)-326(schrieen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 183.564 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Heil!)-478(Heil!)-478(Bacchus)]TJ -188.407 -13.549 Td [(Evo\353!)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.095 -16.186 Td [(Der)-233(Jubel)-233(ihrer)-232(Freude)-233(scholl)-233(durch)-233(die)-232(Nacht.)-245(Sie)-232(schwangen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Fackeln.)-974(Es)-492(gab)-491(welche,)-552(die)-491(sich)-491(selbst)-492(durchstachen,)-551(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(Wunden)-212(schlugen)-211(mit)-212(kurzen)-212(Schwertern,)-219(denn)-212(sie)-212(wollten)-211(heute)]TJ 0 -13.549 Td [(sterben,)-250(weil)-250(sie)-250(doch)-250(morgen)-250(todt)-250(sind.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Und)-291(Einige)-291(wohnten)-290(in)-291(H\374ttchen)-291(und)-291(hatten)-291(Kinder)-290(gezeugt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-374(sie)-375(jauchzend)-374(emporhoben:)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.934 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-374(sind)-375(gl\374cklich.)-623(Und)-374(das)]TJ -149.777 -13.55 Td [(Leben)-250(ist)-250(kurz.)-250(Die)-250(Liebe)-250(ist)-250(reifes)-250(Erntegold)-250(im)-250(Sommer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 253.603 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -241.648 -16.186 Td [(Er)-244(sah)-244(eine)-245(junge,)-245(l\344chelnde)-244(Mutter,)-246(die)-244(ihr)-244(Kind)-244(an)-244(der)-245(Brust)]TJ -11.955 -13.549 Td [(hielt.)-358(Der)-286(Sommerhimmel)-286(lag)-286(in)-286(ihren)-286(Augen)-286(blau)-286(und)-286(satt.)-358(Ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Leib)-251(bl\374hte)-251(und)-251(entsandte)-251(W\344rme)-251(wie)-251(der)-251(Weizenacker)-251(im)-250(Juni.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-256(hatte)-256(um)-256(sie)-257(einen)-256(Rahmen)-256(gebaut)-256(in)-256(der)-256(halben)-256(Brusth\366he)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-332(eine)-332(goldne)-332(Aureole.)-496(Das)-332(Kind)-332(sog.)-496(Sie)-332(l\344chelte.)-496(Sie)-332(war)]TJ 0 -13.549 Td [(gl\374cklich.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Dies)-250(verschwand.)]TJ 0 -16.186 Td [(Er)-505(h\366rte)-504(neben)-505(sich)-504(die)-505(Stimme)-504(eines)-505(alten)-504(Mannes,)-569(der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(laut)-320(auflachte.)-461(Er)-320(sprach)-320(h\366hnisch:)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.027 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Diese)-320(sind)-320(Eintagsfliegen,)]TJ -164.871 -13.549 Td [(Jahrmarktsplunder.)-233(Sie)-198(glauben)-199(zu)-198(geniessen)-199(und)-198(geniessen)-198(doch)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([273])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(nicht.)-514(Sie)-338(sind)-338(nicht)-338(besser)-338(denn)-338(Schweine.)-514(Ihre)-338(Freuden)-338(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(Freuden)-290(des)-290(Magens)-290(und)-290(der)-290(Sinne.)-370(Aber)-290(der)-290(feine)-290(Magen)-290(sagt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +865 0 obj << +/Type /Page +/Contents 866 0 R +/Resources 864 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +867 0 obj << +/D [865 0 R /XYZ 93.543 393.497 null] +>> endobj +868 0 obj << +/D [865 0 R /XYZ 180.007 93.24 null] +>> endobj +864 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +871 0 obj << +/Length 4823 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierzehnte)-250(Kapitel.)-14810(161)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Pfui!)-258(zu)-252(ihren)-252(schalen)-253(Freuden.)-257(Der)-253(Sinn,)-253(der)-252(f\374hlen)-253(gelernt)-252(hat,)]TJ 0 -13.549 Td [(r\374hrt)-250(sich)-250(nicht)-250(mehr)-250(bei)-250(der)-250(Grobheit)-250(ihrer)-250(Eindr\374cke.)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.04 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -227.084 -14.777 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-250(Du)-250(Bessres)-250(gefunden?)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.273 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -172.374 -14.776 Td [(Damit)-291(sah)-291(er)-291(ihn)-290(an,)-302(der)-290(das)-291(gesagt)-291(hatte.)-373(Er)-291(sah,)-301(dass)-291(es)-290(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sehr)-302(alter)-302(Mann)-302(war,)-315(und)-301(Einer,)-315(der)-302(lange)-302(gewandert)-302(war.)-405(Sein)]TJ 0 -13.55 Td [(Haar)-306(und)-306(Bart)-307(hingen)-306(wild.)-418(Der)-307(Staub)-306(der)-306(Wege)-306(lagerte)-306(in)-306(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Runzeln)-198(seines)-197(Gesichts.)-233(Sie)-197(zogen)-198(sich)-197(tief)-197(eingegraben)-198(wie)-197(von)]TJ 0 -13.549 Td [(zahllosen)-380(Jahren)-379(gezeichnet.)-639(Die)-379(M\374digkeit)-380(einer)-379(ungeheuren)]TJ 0 -13.549 Td [(Anstrengung)-287(wohnte)-287(in)-287(den)-286(tiefen)-287(H\366hlen)-287(seiner)-287(Wangen.)-360(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(erkannte)-389(die)-389(Sonnen)-389(von)-388(brennenden)-389(Sommern,)-424(die)-389(\374ber)-388(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(Haupt)-543(dahingegangen)-543(waren)-543(und)-543(die)-543(Haare)-543(auf)-543(ihrer)-542(H\366he)]TJ 0 -13.549 Td [(gebleicht)-221(hatten)-221(zu)-221(Schnee.)-240(Seine)-221(Kleider)-221(waren)-221(fahl)-221(vom)-220(Staub.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-248(hingen)-247(zerrissen)-248(und)-248(schlugen)-248(in)-247(gefaserten)-248(Fetzen)-248(um)-247(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(mageren)-308(Kniee,)-323(die)-309(ausgearbeitet)-308(und)-308(knotig)-309(waren)-308(wie)-308(H\366lzer)]TJ 0 -13.549 Td [(eines)-323(uralten)-322(Baumes,)-341(von)-323(denen)-323(die)-322(Moose)-323(hingen)-323(in)-322(weissen)]TJ 0 -13.55 Td [(Flocken.)-284(Keine)-261(Unze)-262(Fleisch)-261(war)-261(mehr)-262(an)-261(diesen)-261(Knieen.)-284(Unter)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-255(braunen)-254(Haut)-255(traten)-255(die)-254(Knochen)-255(vor)-255(wie)-254(durchgeschubbert,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([274])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(gewetzt)-331(in)-331(einer)-332(unausgesetzten)-331(Reibung.)-494(Seine)-331(Nase)-331(bog)-331(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(scharf)-352(wie)-351(ein)-352(Adlerschnabel.)-556(Er)-351(hatte)-352(keinen)-352(Zahn)-352(in)-351(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Munde)-481(vor)-482(hohem)-481(Alter.)-944(Aber)-481(in)-482(seinen)-481(schwarzen)-481(Augen)]TJ 0 -13.55 Td [(glomm)-497(unausl\366schlich)-498(Feuer)-497(des)-498(Lebens.)-992(Sie)-498(brannten)-497(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Fackeln)-377(in)-376(einer)-377(sehr)-376(tiefen,)-409(n\344chtlichen)-376(Grotte.)-630(So)-377(stark)-376(war)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-311(Glanz)-311(ihres)-311(rothen)-311(Feuers,)-326(dass)-311(sie)-311(die)-310(H\366hlen)-311(ausgebrannt)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten)-416(um)-416(sich,)-457(die)-416(Brauen)-416(vorstanden)-416(wie)-416(Dachbalken)-415(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(einge\344scherten)-492(Hauses.)-975(Der)-492(Schnee)-491(vieler)-492(Winter)-492(hing)-491(von)]TJ 0 -13.55 Td [(seinen)-234(Brauen.)-245(Sein)-234(Haar)-235(war)-234(unbedeckt)-234(und)-235(flatterte)-234(im)-234(Winde.)]TJ 11.955 -14.776 Td [(Er)-585(hielt)-586(einen)-585(rohen)-586(Stab)-585(in)-586(der)-585(Hand)-586(aus)-585(Knoten)-585(des)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Dornstrauchs.)-548(Ueber)-349(seiner)-349(Schulter)-349(hing)-349(der)-350(Bettelsack.)-547(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-391(wanderte,)-427(st\374tzte)-391(er)-391(sich)-392(auf)-391(den)-391(Stock.)-674(Die)-391(Fetzen)-391(seines)]TJ 0 -13.55 Td [(zerlumptem)-250(Gewandes)-250(schlugen)-250(um)-250(seine)-250(schreitenden)-250(Lenden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-377(wandre)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.265 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.569 0 Td [(wandre)-377(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.401 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.958 0 Td [(sagte)-377(der)-377(alte)-377(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.51 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-377(weiss)]TJ -238.344 -13.549 Td [(nicht,)-296(wie)-287(lange)-287(ich)-287(wandre.)-361(Ich)-287(habe)-287(alle)-287(St\344dte)-287(der)-287(Menschen)]TJ 0 -13.55 Td [(gesehen,)-207(die)-196(W\374ste)-196(und)-196(die)-196(hohen)-196(Schneegebirge,)-207(wo)-196(der)-196(Schnee)]TJ 0 -13.549 Td [(ungest\366rt)-248(liegt)-247(wie)-248(der)-247(weisse)-248(Flaum)-248(auf)-247(dem)-248(k\366niglichen)-247(Lager)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +870 0 obj << +/Type /Page +/Contents 871 0 R +/Resources 869 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +872 0 obj << +/D [870 0 R /XYZ 153.001 298.933 null] +>> endobj +869 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +875 0 obj << +/Length 5030 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(162)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(der)-334(Jungfrau.)-502(Alle)-334(Thaten)-334(und)-334(Dinge)-334(der)-334(Menschen)-334(weiss)-334(ich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-281(habe)-282(ihre)-281(Weisheit)-281(geh\366rt,)-289(das)-282(Mitternacht\366l)-281(verbrannt)-281(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-261(B\374chern.)-284(Und)-261(ich)-262(habe)-261(dieses)-261(gefunden:)-273(dass)-261(sie)-261(gar)-261(nicht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([275])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(sind.)-483(All)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.119 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.205 0 Td [(ihre)-328(Weisheit)-327(ist)-328(Bilder)-327(von)-328(Worten,)-346(das)-328(Echo)-327(eines)]TJ -47.324 -13.55 Td [(Klingklang,)-284(und)-278(sie)-277(sind)-278(eine)-277(Spiegelung)-278(des)-277(Nichts)-278(im)-277(Leeren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dies)-343(weiss)-344(ich)-343(und)-344(bin)-343(stolz,)-367(dass)-343(ich)-344(es)-343(weiss)-344(und)-343(lache)-343(aller)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-207(Leiden)-207(und)-207(Busse.)-235(Es)-207(ist)-207(mir,)-215(als)-207(ob)-207(ich)-207(in)-207(einen)-207(Spiegel)-206(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Wassers)-233(sehe,)-236(der)-233(schnell)-233(verrinnt,)-236(oder)-233(Spiele)-233(des)-232(Guckkastens,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-281(man)-281(Kindern)-281(zeigt)-280(auf)-281(Jahrm\344rkten,)-289(Launen)-281(des)-281(Lichts)-280(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Wechselungen)-314(der)-314(Schatten!)-441(So)-314(man)-313(darauf)-314(pustet)-314(und)-314(mit)-313(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-250(hineinschl\344gt,)-250(ist)-250(es)-250(nichts.)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -131.673 -14.25 Td [(Er)-214(hauchte)-214(und)-214(schlug)-214(mit)-214(der)-214(Hand)-214(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.018 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-214(Hohle)-214(und)-214(lachte)-214(laut)]TJ -181.606 -13.55 Td [(auf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-250(Gott)-250(ist!)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.6 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(der)-250(Fremde.)]TJ/F21 10.9091 Tf -73.014 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eine)-245(Spiegelung)-245(der)-245(Spiegelbilder.)-248(Die)-245(Fratzen)-245(werfen)-245(ihren)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schatten)-389(und)-389(weil)-388(sie)-389(ihn)-389(von)-389(weit)-389(werfen,)-423(ist)-389(er)-389(gr\366sser)-388(und)]TJ 0 -13.549 Td [(dunkler.)-328(Wie)-276(die)-276(Wolken,)-282(die)-276(Du)-276(da)-276(oben)-276(siehst.)-328(Und)-276(wenn)-275(Du)]TJ 0 -13.549 Td [(hinkommst,)-353(sind)-333(es)-332(nicht)-333(Wolken,)-353(sondern)-333(leere)-332(Luft.)-498(Nur)-332(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonne)-250(und)-250(Spiegelung)-250(macht)-250(sie)-250(zu)-250(Wolken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 195.436 0 Td [(\034)]TJ -183.48 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Etwas)-250(muss)-250(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 74.847 0 Td [(\034)]TJ -79.691 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Etwas)-442(muss)-442(sein.)-825(Ich)-442(suche)-441(es)-442(im)-442(Unendlichen,)-490(tausend)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Jahre,)-265(Schatten,)-265(der)-262(ich)-262(bin,)-265(im)-262(Nichts,)-265(das)-262(sich)-262(bewegt)-262(und)-261(still)]TJ 0 -13.549 Td [(bleibt)-257(in)-256(der)-257(Bewegung.)-269(Bewegung)-257(ist)-257(Nichts.)-269(Und)-257(Stillstand)-256(ist)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([276])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(nicht.)-465(Um)-322(Sonnen)-322(drehen)-322(sich)-322(Welten.)-465(Aber)-322(die)-322(Sonne)-322(ist)-321(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-369(Schein)-368(andrer)-369(Sonne,)-398(und)-369(Welten)-368(sind)-369(Schattenflecken)-368(im)]TJ 0 -13.55 Td [(Leeren.)-250(Ich)-250(wandre)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.229 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(wandre)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.833 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(wandre.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.832 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -168.874 -14.25 Td [(Er)-351(fasste)-352(seinen)-351(Stab)-352(und)-351(ging)-351(weiter)-352(durch)-351(die)-351(Nacht.)-555(Die)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Eisenspitze)-431(seines)-432(starken)-431(Stockes)-432(klang)-431(hart)-432(auf)-431(dem)-431(harten)]TJ 0 -13.549 Td [(Kies.)-477(Die)-326(Fetzen)-326(seiner)-325(zerlumpten)-326(Kleider)-326(schlugen)-326(um)-325(seine)]TJ 0 -13.55 Td [(d\374rren)-250(schreitenden)-250(Lenden)-250(im)-250(Winde.)]TJ 11.955 -14.25 Td [(Und)-445(Einer)-446(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.628 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-445(ist)-446(der)-445(ewige)-445(Jude,)-495(Ahasver,)-494(der)]TJ -107.427 -13.549 Td [(Zweifel)-215(des)-215(Menschen,)-222(der)-215(nicht)-215(ruht.)-238(Ob)-215(er)-215(wohl)-215(sieht)-215(und)-215(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(sieht,)-384(das)-356(Gesehene)-357(selbst)-357(f\374r)-357(Hirngespinste)-356(erkl\344rt.)-571(So)-357(er)-356(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-301(in)-300(die)-301(Seite)-300(legte)-301(und)-300(die)-301(Wundenmale)-300(r\374hrte)-301(mit)-300(seinem)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +874 0 obj << +/Type /Page +/Contents 875 0 R +/Resources 873 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +876 0 obj << +/D [874 0 R /XYZ 93.543 491.077 null] +>> endobj +877 0 obj << +/D [874 0 R /XYZ 149.209 216.586 null] +>> endobj +873 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +880 0 obj << +/Length 2601 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(vierzehnte)-250(Kapitel.)-14810(163)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Finger,)-356(wird)-335(er)-334(sagen,)-356(dass)-335(das)-335(Blut)-335(Farbe)-334(ist)-335(und)-335(die)-335(Seite)-334(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(Seite)-357(einer)-356(Leiche.)-570(Dieser)-357(wird)-357(niemals)-356(selig)-357(und)-357(wandert)-356(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 10.299 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-323(Ende)-324(der)-323(Tage.)-470(Alsdann)-323(wird)-323(er)-323(blind)-324(werden,)-341(wenn)-323(Alle)]TJ -13.931 -13.549 Td [(sehen.)-244(Und)-231(in)-231(seiner)-232(Blindheit)-231(sehen,)-235(was)-231(in)-232(ihm)-231(war)-231(und)-231(immer)]TJ 0 -13.55 Td [(gewesen)-250(ist)-250(von)-250(Anbeginn.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.168 0 Td [(\034)]TJ -106.212 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Werden)-250(Alle)-250(finden?)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er)-250(eifrig.)]TJ/F21 10.9091 Tf -103.898 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle,)-250(die)-250(suchen.)-250(Bis)-250(auf)-250(Einen,)-250(der)-250(nicht)-250(sucht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 207.851 0 Td [(\034)]TJ -212.694 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lass)-250(mich)-250(den)-250(sehen,)-250(der)-250(nicht)-250(findet,)]TJ/F21 10.9091 Tf 165.425 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(bat)-250(er.)]TJ/F16 7.9701 Tf 101.229 0 Td [([277])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-333(ist)-333(zu)-333(schrecklich)-332(zu)-333(sehen)-333(f\374r)-333(menschliche)-333(Augen.)-499(Sie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(k\366nnen)-282(ihn)-282(nur)-282(ausdr\374cken)-282(in)-281(dem,)-290(was)-282(sie)-282(nicht)-282(kennen.)-346(Er)-281(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Nacht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.837 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -32.881 -13.549 Td [(Indem)-388(er)-388(das)-388(sagte,)-422(ward)-388(die)-388(Nacht)-388(noch)-388(tiefer.)-664(Sie)-388(drang)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-377(seine)-377(Seele)-377(ein)-377(wie)-377(das)-377(Gef\374hl)-377(eines)-377(hohlen,)-408(schrecklichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Abgrunds.)-303(So)-268(stark)-268(war)-268(der)-268(Schrecken)-268(der)-267(Finsterniss,)-273(dass)-267(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-442(Schweiss)-441(von)-442(der)-441(Stirne)-442(rann,)-489(und)-442(wie)-441(er)-442(fiel,)-489(waren)-441(es)]TJ 0 -13.549 Td [(Tropfen)-250(Blutes.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(...)-250(Damit)-250(kam)-250(die)-250(Morgenr\366the)-250(und)-250(die)-250(Sonne)-250(ging)-250(auf.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +879 0 obj << +/Type /Page +/Contents 880 0 R +/Resources 878 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +881 0 obj << +/D [879 0 R /XYZ 46.771 421.793 null] +>> endobj +878 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +882 0 obj +<< /S /GoTo /D (index15) >> +endobj +885 0 obj +(Das fuenfzehnte Kapitel.) +endobj +888 0 obj << +/Length 3617 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([278])]TJ/F16 18.9589 Tf 122.495 -68.984 Td [(Das)-265(f\374nfzehnte)-265(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.74 -37.089 Td [(Aber)-456(um)-457(diese)-456(Zeit)-456(war)-456(das)-456(Ger\374cht)-457(von)-456(ihm)-456(sehr)-456(gewaltig)]TJ 0 -13.549 Td [(geworden.)]TJ 11.956 -14.482 Td [(In)-1013(der)-1012(Hauptstadt)-1013(ersch\374tterten)-1013(die)-1013(Predigten)-1012(Fritz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kuhlemann)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.902 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-660(der)-578(mit)-578(starker)-578(Stimme)-578(sprach.)-1233(Er)-578(schonte)]TJ -54.535 -13.55 Td [(Niemand)-255(und)-255(rief)-256(laut)-255(zur)-255(Busse.)-266(Denn)-255(die)-255(Zeit)-255(war)-255(gekommen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-279(grosses)-278(Erwachen)-279(ging)-278(durch)-279(die)-278(V\366lker.)-336(Schweres)-278(Unheil,)]TJ 0 -13.549 Td [(Emp\366rung)-244(und)-245(Blutvergie\337en)-244(lag)-244(in)-245(der)-244(Luft,)-246(so)-244(die)-244(Machthaber)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-591(nicht)-591(bekehrten,)-677(die)-591(neue)-591(Lehre)-591(anerkannten)-591(von)-591(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Theilung)-530(der)-530(G\374ter,)-601(der)-530(Br\374derschaft)-530(aller)-530(Sterblichen.)-1090(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.105 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-227(ist)-226(Unrecht,)-231(dass)-227(Ihr)-226(Armeen)-227(habt,)-231(Einer)-227(den)-226(Andern)]TJ -38.949 -13.549 Td [(zu)-359(bekriegen,)-386(die)-359(Stimme)-358(des)-359(Volks)-359(zu)-359(ersticken,)-386(die)-358(m\344chtig)]TJ 0 -13.549 Td [(spricht.)-466(Solches)-322(thun)-322(die)-322(Thiere)-322(nicht,)-340(die)-322(von)-322(demselben)-321(Blut)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-284(gleicher)-285(Art)-284(sind.)-353(Seid)-284(Ihr)-285(nicht)-284(besser)-284(denn)-285(Thiere?)-352(Wehe)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-438(Reichen!)-816(Wehe)-438(denen,)-485(die)-439(Geld)-438(ansammeln)-439(und)-438(es)-438(auf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([279])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Wucherzinsen)-208(ausleihen!)-235(Die)-208(den)-208(Acker)-207(mit)-208(Schulden)-207(bedecken,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-303(er)-304(nicht)-303(Frucht)-303(bringen)-303(kann)-304(unter)-303(dem)-303(verfluchten)-303(Eisen!)]TJ 0 -13.549 Td [(Habt)-159(Ihr)-158(die)-159(Erde)-158(geschaffen,)-177(dass)-159(Ihr)-158(sie)-159(Euer)-159(nennt,)-176(Grenzpf\344hle)]TJ 0 -13.549 Td [(setzt)-478(so)-477(und)-478(so)-478(weit)-477(und)-478(Z\344une)-478(zieht,)-534(dass)-478(kein)-478(Andrer)-477(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(beschreite?)-456(Die)-319(Erde,)-336(die)-319(Luft)-319(und)-318(das)-319(Wasser)-319(sind)-319(des)-318(Herrn.)]TJ 0 -13.549 Td [(Euer)-250(aber)-250(ist)-250(Alles.)-250(Und)-250(Alle)-250(seid)-250(Ihr)-250(Eines)-250(Geschlechts.)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -235.571 -14.483 Td [(So)-354(gewaltig)-355(war)-354(seine)-354(Stimme,)-380(dass)-355(ihm)-354(die)-354(Leute)-354(zuliefen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-321(grossen)-321(Massen.)-464(Kein)-321(Raum)-322(und)-321(kein)-321(Saal)-321(vermochte)-321(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-435(Zahl)-435(seiner)-435(Zuh\366rer)-436(zu)-435(fassen.)-805(Wo)-435(man)-435(sie)-435(zur\374cktrieb,)]TJ 0 -13.55 Td [(kamen)-248(Neue.)-249(Das)-247(Volk)-248(ward)-248(drohend,)-248(dass)-247(man)-248(seinen)-247(Prediger)]TJ 0 -13.549 Td [(antaste.)-249(Dr\366hnend)-246(wie)-247(Schlachtdrommeten)-246(klang)-246(seine)-247(Rede.)-248(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(trug)-345(einen)-346(h\344renen)-345(Rock)-345(und)-345(n\344hrte)-345(sich)-346(nur)-345(von)-345(Nahrung)-345(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +887 0 obj << +/Type /Page +/Contents 888 0 R +/Resources 886 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 863 0 R +>> endobj +889 0 obj << +/D [887 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +883 0 obj << +/D [887 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +890 0 obj << +/D [887 0 R /XYZ 114.079 229.666 null] +>> endobj +886 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +893 0 obj << +/Length 4579 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfzehnte)-250(Kapitel.)-14699(165)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Pflanzen.)-253(Was)-251(er)-251(verzehrte,)-251(gewann)-251(er)-251(von)-251(seiner)-251(H\344nde)-251(Arbeit,)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-438(wilde)-437(Kraft)-438(des)-437(Volkes)-438(l)1(ebte)-438(in)-437(diesem)-438(Manne.)-812(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-440(vor)-440(ihnen)-440(stand,)-487(gewaltig)-440(mit)-440(d\374rren)-440(H\344nden)-440(und)-439(Armen,)]TJ 0 -13.549 Td [(gedachte)-417(man)-418(der)-417(alten)-418(Prediger)-417(in)-417(der)-418(W\374ste.)-752(Seine)-417(Augen)]TJ 0 -13.55 Td [(warfen)-359(Feuerflammen.)-576(Von)-359(vielem)-359(Denken)-359(und)-358(Nachtwachen)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-364(sein)-364(Haar)-365(grau)-364(geworden.)-592(Er)-365(trug)-364(keinen)-364(Hut)-364(auf)-364(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Haupte.)-242(Wenn)-227(er)-227(in)-227(einer)-227(Stadt)-226(fertig)-227(geworden)-227(war,)-232(wanderte)-226(er)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([280])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(die)-250(Nacht)-250(\374ber)-250(zu)-250(einer)-250(andern.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Ueberall)-754(gegen)-753(Ungerechtigkeit)-754(und)-753(List)-754(erscholl)-753(sein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zeugniss:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.533 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-451(nehmt)-450(dem)-451(Armen)-451(scheffelweis.)-852(Dann)-451(straft)]TJ -54.377 -13.55 Td [(und)-397(h\344ngt)-397(Ihr)-397(f\374r)-397(das,)-434(was)-397(er)-397(Euch)-397(wiedernimmt)-397(in)-397(K\366rnern.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr)-325(predigt)-324(Demuth)-325(und)-325(freut)-325(Euch)-324(an)-325(dem,)-343(der)-325(vor)-325(Euch)-324(steht)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-414(abgezognem)-415(Hut)-414(und)-415(zitternden)-414(Knieen.)-744(Vor)-414(Gott)-414(beugt)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr)-295(die)-295(Knie,)-307(auf)-295(dass)-295(vor)-295(Euch)-296(die)-295(Menschen)-295(knieen)-295(um)-295(Eurer)]TJ 0 -13.549 Td [(Gottesfurcht)-393(willen.)-678(Seinen)-393(heiligen)-392(Namen)-393(schreibt)-393(Ihr)-392(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(Eure)-349(schlechten)-349(Thaten,)-374(Kriege)-349(und)-349(H\344ndel,)-374(dass)-349(Eure)-349(Thaten)]TJ 0 -13.549 Td [(heilig)-276(stehen)-276(in)-276(seinem)-275(Namen.)-328(Ihr)-276(behauptet)-276(seine)-276(Weisheit)-275(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(wissen.)-673(Es)-391(ist)-391(Eure)-391(List,)-426(die)-391(Ihr)-391(fein)-391(und)-391(schneidend)-391(schleift)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-232(adamantnen)-232(Felsen)-232(Seiner)-232(Gerechtigkeit.)-244(Ihr)-232(zieht)-232(den)-232(Strick)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-515(zu,)-581(weil)-514(Euch)-515(das)-515(Lastvieh)-515(S\344cke)-514(tragen)-515(soll.)-1044(Dann)]TJ 0 -13.55 Td [(sprecht)-452(Ihr)-451(noch:)-654(Seht)-451(meine)-452(Langmuth)-452(und)-451(G\374tigkeit,)-502(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-451(nicht)-450(w\374rge,)-501(wo)-451(ich)-451(doch)-450(w\374rgen)-451(k\366nnte.)-852(Der)-450(Aermste)]TJ 0 -13.549 Td [(tr\344gt)-377(alle)-376(Beschwerde.)-630(Ihr)-376(wischt)-377(Euch)-376(die)-377(Stirn,)-408(sprecht)-376(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Eurem)-434(Schweiss,)-480(N\344chten,)-480(die)-434(Ihr)-434(hingebt)-434(f\374r)-434(Euer)-433(Rechnen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-298(Raffen)-297(in)-298(Keller,)-309(die)-298(Ihr)-298(auff\374l)1(lt)-298(f\374r)-298(Euch)-297(und)-298(Eure)-297(S\366hne.)]TJ 0 -13.549 Td [(O)-440(Ihr)-441(Heuchler)-440(und)-440(dreifachen)-440(Heuchler!)-821(die)-441(Ihr)-440(die)-440(Steine)]TJ 0 -13.55 Td [(verschluckt,)-309(die)-297(man)-296(gegen)-297(Euch)-297(wirft,)-309(Euch)-297(dadurch)-296(schwerer)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([281])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(macht,)-295(vom)-285(Gift,)-295(das)-286(Euch)-286(t\366dten)-285(m\374sste,)-295(fresst,)-295(bis)-286(Ihr)-285(giftfest)]TJ 0 -13.549 Td [(seid!)-248(Ihr)-246(seid)-245(erkannt)-245(in)-245(Eurer)-245(Nacktheit.)-249(In)-245(Eurer)-245(L\374ge)-245(steht)-245(Ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(frierend)-250(und)-250(ganz)-250(h\374lflos.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.701 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -100.746 -16.004 Td [(Also)-466(trieb)-466(er)-466(die)-467(Gegner)-466(vor)-466(sich)-466(her)-466(mit)-466(harten)-466(Worten.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Ein)-316(m\344chtiger)-316(Schrecken)-317(ging)-316(von)-316(ihm)-316(aus.)-449(Viele)-316(auch)-316(hingen)]TJ 0 -13.55 Td [(ihm)-372(an,)-402(Soldaten,)-403(die)-372(in)-372(der)-372(activen)-372(Armee)-372(standen,)-402(und)-372(man)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374rchtete,)-341(dass)-323(diese)-323(im)-323(Fall)-323(eines)-323(Kampfes)-323(ihre)-323(Waffen)-323(gegen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +892 0 obj << +/Type /Page +/Contents 893 0 R +/Resources 891 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +894 0 obj << +/D [892 0 R /XYZ 123.124 436.88 null] +>> endobj +895 0 obj << +/D [892 0 R /XYZ 60.702 163.441 null] +>> endobj +891 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +899 0 obj << +/Length 4541 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(166)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ihre)-212(Oberen)-212(kehren,)-220(gemeinsame)-212(Sache)-212(machen)-211(w\374rden)-212(mit)-212(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Volk,)-522(denn)-468(des)-467(grossen)-468(F\374hrers)-467(Wort)-468(war)-468(\374berzeugend.)-902(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(scheute)-291(sich)-290(nicht)-291(und)-291(nannte)-291(die)-290(Dinge)-291(mit)-291(deutlichem)-290(Namen)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-290(sie)-290(waren.)-371(Und)-290(Niemand)-291(war,)-300(der)-290(ihm)-290(widerstehen)-290(konnte,)]TJ 0 -13.55 Td [(weder)-250(mit)-250(feingedrehten)-250(Gr\374nden,)-250(noch)-250(mit)-250(Gewalt.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(So)-289(dass)-290(davon)-289(bewegt)-289(wurden)-289(bis)-290(in)-289(die)-289(h\366chsten)-289(Schichten,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Regierungen)-409(und)-409(Ministerien.)-726(Man)-409(liess)-409(ihm)-409(unter)-409(der)-408(Hand)]TJ 0 -13.549 Td [(anbieten,)-725(er)-630(sollte)-630(da)-630(eintreten)-630(in)-630(die)-630(Verwaltung.)-1390(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde)-294(Verbesserungen)-294(machen,)-306(Vorschl\344ge)-294(aufstellen,)-305(dass)-294(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Ungerechtigkeit)-311(beseitigt)-311(w\374rde,)-326(Zufriedenheit,)-326(genug)-311(zu)-311(essen)]TJ 0 -13.549 Td [(sei)-250(im)-250(Lande.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-436(aber)-436(schlug)-436(Alles)-437(aus)-436(und)-436(stiess)-436(diese)-436(in)-436(die)-436(Enge)-436(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([282])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(harten)-322(Worten:)-395(Dass)-322(sie)-323(halb)-322(w\344ren)-322(und)-322(niemals)-323(ganz,)-340(die)-322(den)]TJ 0 -13.549 Td [(zerrissenen)-210(Schlauch)-211(flicken)-210(wollten)-210(mit)-211(alten)-210(Lappen,)-218(klaffende)]TJ 0 -13.549 Td [(L\366cher)-301(verkleben)-302(mit)-301(Pappe)-302(von)-301(papiernen)-302(Acten,)-314(Kleister)-301(von)]TJ 0 -13.55 Td [(Speichel:)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.69 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-312(selbst)-313(m\374sst)-312(weg)-312(zun\344chst)-312(aus)-313(dem)-312(Platz,)-328(da)-312(Ihr)]TJ -49.533 -13.549 Td [(feststeht,)-472(damit)-427(frische)-427(Luft)-428(werde)-427(und)-427(Bewegung,)-472(das)-427(Neue)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-329(nicht)-329(zerbreche)-329(am)-329(harten)-329(Stein)-329(des)-330(Gewordenen,)-348(von)-329(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Verwesung)-250(das)-250(Leben)-250(Farbe)-250(und)-250(Geruch)-250(annehme.)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.266 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -211.31 -14.531 Td [(Dieses)-200(h\366rten)-201(sie)-200(ungern.)-233(Da)-201(er)-200(aber)-200(sehr)-201(laut)-200(sprach,)-210(das)-200(Volk)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihm)-367(anhing,)-396(machten)-366(sie)-367(einen)-367(andern)-367(Versuch.)-600(Er)-367(ward)-366(zum)]TJ 0 -13.549 Td [(F\374rsten)-241(befohlen,)-243(dass)-241(er)-242(diesen)-241(selbst)-241(spr\344che,)-243(vor)-241(der)-241(h\366chsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Majest\344t,)-246(so)-245(er)-245(dessen)-245(f\344hig)-245(sei,)-246(zeugte)-245(f\374r)-245(die)-245(Richtigkeit)-244(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Anspr\374che.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Dieser,)-498(der)-448(noch)-448(ein)-449(junger)-448(und)-448(rechtlicher)-448(Monarch)-448(war,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(empfing)-392(ihn)-392(freundlich.)-677(Er)-392(hatte)-392(auch)-392(gute)-392(Gedanken)-392(f\374r)-392(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Besserung)-191(und)-191(f\374r)-192(Alle,)-202(beklagte)-192(dass)-191(Vieles)-191(nicht)-191(zu)-191(seinem)-191(Ohr)]TJ 0 -13.549 Td [(kam,)-352(auf)-332(ihm)-332(aber)-332(als)-332(dem)-332(H\366chsten)-332(die)-332(Verantwortung)-331(ruhte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nur)-263(hoffte)-263(er)-262(zu)-263(Gott,)-266(dass)-263(ihm)-263(das)-263(nicht)-263(angerechnet)-262(w\374rde,)-266(da)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-245(sich)-246(nach)-245(besten)-245(Kr\344ften)-245(bestrebte,)-246(auch)-246(zu)-245(Gott)-245(betete,)-246(bevor)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-246(Urtheil)-245(abgab)-246(in)-245(den)-246(grossen)-246(Sachen,)-246(die)-246(\374ber)-245(Tod)-246(und)-245(Leben)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([283])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(waren)-250(und)-250(Leben)-250(und)-250(Tod)-250(vieler)-250(Tausende.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Zu)-176(ihm)-176(sprach)-175(der)-176(k\374hne)-176(Mann:)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.556 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mein)-176(F\374rst!)-225(Du)-176(bist)-176(ganz)-176(und)]TJ -155.355 -13.549 Td [(gar)-335(unf\344hig)-336(zu)-335(urtheilen,)-357(im)-335(Einzelnen,)-357(wie)-335(nun)-336(gar)-335(\374ber)-335(viele)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +898 0 obj << +/Type /Page +/Contents 899 0 R +/Resources 897 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +900 0 obj << +/D [898 0 R /XYZ 314.356 367.17 null] +>> endobj +901 0 obj << +/D [898 0 R /XYZ 307.615 107.772 null] +>> endobj +897 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +904 0 obj << +/Length 4672 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfzehnte)-250(Kapitel.)-14699(167)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Hunderte)-373(und)-373(Tausende.)-619(Siehst)-373(Du)-373(die)-373(Seelen)-373(der)-372(Menschen,)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-216(unschuldigen)-216(Kindlein)-216(an,)-222(wie)-216(es)-216(war,)-223(dass)-216(sie)-216(also)-215(schlecht)]TJ 0 -13.549 Td [(wurden)-197(und)-197(B\366ses)-197(thaten?)-233(Ob)-197(es)-197(eine)-197(Krankheit)-197(im)-197(Blut)-197(gewesen)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-268(mag,)-273(Schlechtigkeit,)-272(Ungerechtigkeit)-268(und)-268(Unsauberkeit)-268(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Welt,)-414(die)-382(Deines)-381(Volkes)-382(ist,)-414(davon)-382(Du)-381(Verantwortung)-381(tr\344gst?)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-476(Gericht)-476(wird)-475(gesprochen)-476(in)-476(des)-475(K\366nigs)-476(Namen.)-927(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-364(Krieg)-364(ist,)-392(erkl\344rst)-364(Du)-364(ihn.)-591(Der)-364(fremde)-364(F\374rst)-364(nimmt)-363(Deine)]TJ 0 -13.549 Td [(Erkl\344rung)-305(an.)-416(Ihr)-305(Beide)-305(steht)-305(f\374r)-305(Eure)-305(V\366lker,)-319(das)-305(Recht)-305(Eurer)]TJ 0 -13.549 Td [(Sache.)-734(Wie)-412(mag)-411(ein)-411(Einzelner)-412(solche)-411(Beschwerung)-411(ernstlich)]TJ 0 -13.55 Td [(\374bernehmen?)-245(Und)-236(wie)-236(Du)-236(zerbrechlich)-236(und)-236(von)-236(elendem)-236(Staube)]TJ 0 -13.549 Td [(bist,)-248(in)-248(Schmerzen)-248(geboren,)-248(krank)-248(eines)-247(Tages)-248(und)-248(einen)-247(andern)]TJ 0 -13.549 Td [(gesund,)-455(sterben)-414(musst)-414(und)-414(Dein)-414(Leib)-414(wird)-414(W\374rmerspeise,)-455(so)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-348(Deine)-348(Br\374der,)-373(nicht)-348(besser)-349(und)-348(nicht)-348(schlechter.)-544(Niemals)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-210(es)-209(Gottes)-209(Wille,)-218(dass)-210(der)-209(Eine)-210(herrlich)-209(gehen)-209(sollte)-210(in)-209(Purpur)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-206(Sammet,)-215(der)-206(Andre)-206(wie)-206(ein)-206(Vieh)-206(im)-206(Staub)-206(kriechen,)-214(und)-206(viel)]TJ 0 -13.549 Td [(weniger)-187(denn)-186(ein)-187(Vieh,)-199(da)-186(er)-187(nicht)-186(hat)-187(seine)-186(Bl\366sse)-187(zu)-186(bedecken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 15.237 0 Td [([284])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -16.004 Td [(Worauf)-244(der)-245(F\374rst)-244(sagte,)-246(dass)-244(er)-244(dies)-245(in)-244(der)-245(That)-244(beklage,)-245(auch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-397(selbst)-397(nicht)-397(f\374r)-398(besser)-397(hielte)-397(denn)-397(andre)-397(Menschen.)-691(Nur)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374sste)-372(Einer)-371(der)-372(M\344chtigste)-372(sein)-371(um)-372(der)-372(Ordnung)-371(willen.)-615(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde)-250(sonst)-250(Alles)-250(Unordnung)-250(und)-250(Anarchie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Unordnung)-290(und)-289(Anarchie)-290(ist)-289(schon)-290(in)-290(der)-289(Welt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 210.265 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.003 0 Td [(sprach)-290(der)]TJ -235.067 -13.55 Td [(Mann)-349(des)-349(Volkes)-349(traurig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.107 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Eine)-349(Nation)-349(steht)-349(gegen)-349(die)-350(andre.)]TJ -124.951 -13.549 Td [(Die)-310(stark)-311(sind,)-325(\374berw\344ltigen)-310(die)-311(Schwachen.)-431(Die)-310(schwach)-310(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(treten)-324(wider)-324(die)-324(Andern,)-343(die)-324(noch)-324(schw\344cher)-324(sind,)-342(Weiber)-324(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder.)-960(Es)-487(ist)-487(nicht)-486(mehr)-487(Gerechtigkeit)-487(denn)-487(unter)-486(L\344usen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-534(Ungeziefer,)-606(und)-534(was)-535(das)-534(Recht)-534(genannt)-535(wird,)-605(ist)-534(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(neue)-343(Waffe,)-365(die)-343(die)-342(Besitzenden)-343(geschmiedet)-342(haben,)-366(um)-342(ihren)]TJ 0 -13.55 Td [(Besitz)-451(festzuhalten)-450(und)-451(den)-450(Gar-nichts-Habenden)-451(zu)-450(wehren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Durch)-369(List,)-398(Ehrgeiz)-369(und)-369(Kriechen)-368(gelingt)-369(es)-369(denen)-368(manchmal)]TJ 0 -13.549 Td [(hineinzukommen.)-271(Diese)-257(S\366hne)-257(von)-257(Sklaven)-257(dr\374cken)-257(\344rger)-256(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-446(Herrengebornen,)-495(denn)-446(sie)-445(sind)-446(niedrig.)-838(Ihre)-446(Seelen)-445(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(niedrig)-337(wie)-337(der)-336(Staub,)-359(dem)-337(sie)-337(entkrochen)-336(sind.)-511(Der)-337(aber)-336(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(hohe)-401(Seele)-401(h\344tte,)-439(k\366nnte)-401(Niedriges)-401(nicht)-401(um)-401(sich)-401(dulden.)-703(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde)-238(ihm)-238(unertr\344glich)-238(sein,)-240(sein)-238(Ebenbild)-238(besudelt)-238(zu)-238(sehen)-238(im)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +903 0 obj << +/Type /Page +/Contents 904 0 R +/Resources 902 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +905 0 obj << +/D [903 0 R /XYZ 107.186 314.937 null] +>> endobj +902 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +908 0 obj << +/Length 4915 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(168)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Koth,)-233(schlechter)-228(denn)-228(der)-228(Fussboden)-228(unter)-229(seinen)-228(F\374ssen,)-232(den)-228(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([285])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(tritt.)-354(Ja,)-293(welcher)-284(ganz)-285(hoch)-285(d\344chte,)-293(steige)-284(hernieder)-285(von)-284(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Thron)-515(und)-514(w\374rfe)-515(\374ber)-515(ihre)-514(blutige)-515(Schmach)-515(den)-514(blutrothen)]TJ 0 -13.549 Td [(Purpur)-476(seiner)-477(Hoheit,)-533(wie)-476(unser)-476(h\366chster)-477(Herr)-476(Christus)-476(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(edelstes)-299(Blut)-299(vergossen)-299(hat)-299(f\374r)-299(uns)-299(Alle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 183.582 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.717 0 Td [(Und)-299(recht)-299(k\366niglich)]TJ -192.299 -13.549 Td [(handelte)-250(er,)-250(der)-250(so)-250(th\344te,)-250(f\374rstlich)-250(und)-250(kaiserlich!)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.589 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.633 -15.186 Td [(Da)-201(ward)-202(der)-201(junge)-202(F\374rst)-201(ungeduldig,)-212(hiess)-201(ihn)-202(fortf\374hren.)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.9 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ -266.699 -13.549 Td [(will)-311(Dich)-310(sp\344ter)-311(h\366ren,)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.969 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.233 0 Td [(sagte)-311(er.)-432(Die)-310(Rede)-311(hatte)-311(ihn)-311(unmuthig)]TJ -110.202 -13.549 Td [(gemacht.)-375(Aber)-291(Manches)-292(nahm)-291(er)-292(sich)-291(an,)-302(hiess)-291(auch)-292(den)-291(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(\366fter)-282(vor)-282(sich)-283(kommen,)-290(discutirte)-282(mit)-282(ihm.)-347(Aber)-282(auf)-282(seine)-282(Rede)]TJ 0 -13.549 Td [(kam)-358(er)-357(nicht)-358(zur\374ck.)-573(Er)-358(blieb)-357(traurig.)-573(Die)-358(Diener)-358(des)-357(K\366nigs)]TJ 0 -13.55 Td [(liessen)-429(den)-430(Demagogen)-429(nicht)-429(aus)-430(dem)-429(Gewahrsam,)-474(denn)-429(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufregung)-396(war)-397(gross)-396(in)-397(der)-396(Stadt)-396(und)-397(im)-396(Land.)-689(Viele)-396(zogen)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-374(die)-374(Strassen)-374(in)-373(Haufen,)-405(die)-374(Brot)-374(und)-374(Arbeit)-373(verlangten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-287(rief)-287(den)-287(Soldaten)-287(zu,)-296(dass)-287(es)-287(ihre)-287(Pflicht)-287(w\344re,)-296(die)-287(Waffen)]TJ 0 -13.549 Td [(niederzulegen,)-250(sich)-250(zu)-250(verbinden)-250(mit)-250(den)-250(Emp\366rten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Fritz)-250(Kuhlemann)-250(aber)-250(blieb)-250(im)-250(Gef\344ngniss.)]TJ 0 -15.186 Td [(Um)-364(dieselbe)-364(Zeit)-363(nun)-364(sprach)-364(man)-364(von)-364(einem)-363(wundersamen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Buch,)-505(das)-453(ein)-454(Unbekannter)-453(geschrieben)-454(hatte,)-504(oder)-454(doch)-453(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Bekannter,)-466(denn)-423(Viele)-422(vermeinten)-423(die)-422(Art)-423(und)-423(Redeweise)-422(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([286])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(erkennen)-588(eines)-588(gewissen)-588(Doctor)-589(Anton)-588(Rothe,)-672(der)-588(grosses)]TJ 0 -13.55 Td [(Aufsehen)-220(erregt)-219(hatte)-220(zu)-219(einer)-220(Zeit,)-226(dann)-219(lange)-220(Jahre)-219(verschollen)]TJ 0 -13.549 Td [(war.)-226(Man)-180(sagte,)-193(dass)-180(er)-179(sie)-179(in)-180(w\374sten)-179(Ausschweifungen)-179(verbracht)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-322(einem)-323(F\374rsten)-322(auf)-322(Reisen.)-467(Derselbe)-322(war)-323(blind)-322(und)-322(auf)-322(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Tod)-258(krank)-257(gewesen)-258(Monate)-258(lang.)-273(In)-258(diesen)-257(Wochen)-258(hatte)-258(er)-257(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Buch)-251(geschrieben.)-252(Er)-250(hatte)-251(es)-250(einem)-251(Knaben)-251(in)-250(die)-251(Hand)-250(dictirt,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-276(nicht)-277(schreiben)-276(konnte.)-329(Und)-276(siehe!)-329(die)-276(Zeichen)-276(standen)-276(fest)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-376(deutlich)-377(wie)-376(Buchstaben,)-408(dass)-376(Jeder)-377(sie)-376(lesen)-377(konnte,)-407(die)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-273(zu)-273(lesen)-273(verstanden)-272(und)-273(so)-273(nichts)-273(vom)-273(Lesen)-273(und)-272(Schreiben)]TJ 0 -13.549 Td [(wussten,)-276(als)-271(Kinder)-271(und)-271(ganz)-271(ungebildet)1(es)-271(Volk.)-313(Es)-271(hiess:)]TJ/F21 10.9091 Tf 260.034 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.549 Td [(Blinden,)-470(die)-426(sehen)-426(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.049 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.49 0 Td [(In)-426(wundervoller)-426(und)-426(deutlicher)-426(Weise)]TJ -107.539 -13.549 Td [(war)-278(geschrieben,)-284(wie)-278(Christus)-278(eintritt)-278(in)-277(alle)-278(Dinge)-278(dieser)-277(Welt,)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-256(Heilige)-256(und)-256(Kr\344ftige)-256(in)-256(der)-256(Verwesung,)-257(die)-256(linde)-256(Sonne,)-257(die)]TJ 0 -13.549 Td [(schafft)-319(und)-318(leuchtet.)-456(Und)-319(schied)-319(das)-318(Licht)-319(von)-319(der)-318(Finsterniss,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +907 0 obj << +/Type /Page +/Contents 908 0 R +/Resources 906 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +909 0 obj << +/D [907 0 R /XYZ 167.34 518.175 null] +>> endobj +910 0 obj << +/D [907 0 R /XYZ 172.007 255.831 null] +>> endobj +906 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +913 0 obj << +/Length 4371 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfzehnte)-250(Kapitel.)-14699(169)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-431(ging)-431(grausam)-430(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.307 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-431(Gericht)-431(mit)-430(dem,)-476(was)-431(sch\366n)-431(gewesen)]TJ -98.939 -13.549 Td [(war)-492(und)-492(herrlich,)-553(zeigte)-492(es)-492(klar)-492(wie)-492(es)-492(war)-492(in)-492(entsetzlicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Todtenlarve,)-228(dass)-221(ein)-222(Schauder)-222(die)-222(Menschheit)-222(erfasste,)-227(Manche)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(fliegendem)-250(Entsetzen)-250(das)-250(Werk)-250(ihrer)-250(H\344nde)-250(zerbrachen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([287])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.532 Td [(Und)-323(schied)-323(\374berall)-323(die)-324(Finsterniss)-323(vom)-323(Licht,)-341(die)-323(Gedanken)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-245(der)-245(Form,)-245(den)-245(Geist)-245(vom)-244(K\366rperlichen,)-246(das)-245(heilsam)-245(und)-244(gut)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen)-250(f\374r)-250(eine)-250(kindlichere)-250(Zeit.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Und)-269(pries)-270(die)-269(G\374te,)-274(die)-269(reine)-270(Unschuld,)-274(die)-269(Schwachheit,)-274(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-248(Heldenthum)-247(ist.)-250(Wie)-247(Alles)-248(ewig)-248(ist)-247(und)-248(Bestand)-248(hat,)-248(das)-247(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-179(Liebe)-179(geboren)-178(ist.)-227(Das)-178(Andre)-179(ist)-179(Staub)-179(und)-178(Schlacke.)-227(Es)-178(muss)]TJ 0 -13.55 Td [(verbrennen)-216(und)-217(immer)-216(mehr)-216(wegbrennen)-217(in)-216(immer)-216(reinerem)-216(und)]TJ 0 -13.549 Td [(st\344rkerem)-244(Licht,)-244(bis)-244(nichts)-243(mehr)-244(bleibt,)-245(als)-243(das)-243(unaussprechliche)]TJ 0 -13.549 Td [(wunderbare)-225(Licht)-225(in)-225(Gott.)-242(Einige)-225(sehen)-225(es)-225(schon)-226(im)-225(Leibe.)-241(Viele)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-383(erst)-383(nach)-383(diesem)-383(Leben.)-649(In)-383(Allen)-383(ist)-383(der)-383(Funke)-383(und)-383(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Abbild.)-465(Sie)-322(leiden)-322(und)-322(brennen.)-465(Das)-322(Feuer)-322(des)-322(Leidens)-322(ist)-321(die)]TJ 0 -13.55 Td [(L\344uterung.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-511(aber)-512(das)-511(Buch)-511(geschrieben)-512(in)-511(den)-511(unaussprechlichen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Qualen)-251(seines)-251(Leibes)-250(und)-251(Gewissens,)-251(dem)-251(war)-251(es)-251(wie)-250(Schuppen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-295(den)-294(Augen)-295(gefallen.)-384(Er)-294(sah)-295(nun)-295(und)-294(niemals)-295(wieder)-294(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-291(Flecken)-291(in)-291(sein)-291(Auge)-291(kommen.)-373(Ganz)-291(kleine)-291(Kindlein)-290(sahen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-296(selbst.)-387(Ihre)-296(Augen)-296(sind)-296(stet,)-307(flackern)-296(nicht)-296(unruhig)-296(wie)-295(die)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(Menschen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Aber)-260(ein)-260(solch)-259(wundersames)-260(Buch)-260(war)-260(nicht)-260(geschrieben)-259(seit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-273(Welt)-274(stand.)-320(Und)-273(zeigte)-274(den)-273(Strom)-273(des)-274(Lichts)-273(von)-273(Gott,)-279(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Licht)-314(ausgehend,)-330(durch)-314(alle)-315(Zeiten)-314(und)-314(Alter,)-330(wie)-314(er)-314(Form)-314(und)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([288])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Blut)-163(geworden)-163(in)-163(Golgatha,)-181(und)-163(floss)-163(in)-163(herrlicher,)-180(schimmernder)]TJ 0 -13.55 Td [(Fluth.)-1130(Um)-543(die)-543(H\344upter)-543(der)-544(Heiligen,)-616(niedrige)-543(Stirnen)-543(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Suchenden,)-365(Bibelerforscher,)-365(Bastillest\374rmer.)-343(...)-526(Immer)-342(mit)-342(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(fehlender)-250(Sicherheit)-250(der)-250(Gang)-250(zum)-250(Licht.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Das)-367(endete)-368(ausbrechend)-367(mit)-368(der)-367(grossen)-368(Apotheose:)-484(Friede)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auf)-433(Erden)-432(und)-433(den)-432(Menschen)-433(ein)-432(Wohlgefallen.)-797(Gold)]TJ/F21 10.9091 Tf 255.916 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.172 0 Td [(das)]TJ -266.088 -13.549 Td [(Reichste,)-335(daran)-318(des)-317(Menschen)-318(Herz)-318(h\344ngt,)-335(Weihrauch,)-335(der)-317(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Aufschwung)-299(der)-298(Seele)-299(begleitet,)-310(und)-299(Myrrhen,)-310(die)-299(feinste,)-310(edle)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\374the)-250(der)-250(sch\366nen)-250(K\374nste.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +912 0 obj << +/Type /Page +/Contents 913 0 R +/Resources 911 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +914 0 obj << +/D [912 0 R /XYZ 46.771 475.149 null] +>> endobj +915 0 obj << +/D [912 0 R /XYZ 125.604 189.067 null] +>> endobj +911 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +918 0 obj << +/Length 4223 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(170)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Dies)-428(Buch)-428(war)-428(in)-428(der)-428(wunderbarsten)-428(Sprache)-428(geschrieben,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-364(wie)-364(Gesang)-364(ging.)-592(Die)-365(Worte)-364(waren)-364(einfach)-364(und)-364(tief,)-392(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-493(Weisesten)-493(davor)-493(ehrf\374rchtig)-493(standen)-493(und)-493(die)-493(Einf\344ltigen)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-594(fassen)-594(konnten.)-1283(Die)-594(Kraft)-595(dieser)-594(Worte)-594(war)-594(wie)-594(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(zweischneidendes)-394(Schwert)-394(und)-393(ihre)-394(S\374sse)-394(s\374sser)-394(denn)-393(Honig,)]TJ 0 -13.549 Td [(feinster)-250(Duft)-250(der)-250(Blumen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ein)-274(solches)-274(Buch)-274(war)-274(nicht)-274(geschrieben)-274(worden)-274(und)-274(es)-274(stand)]TJ -11.956 -13.549 Td [(leuchtend)-443(und)-443(in)-443(Erz)-443(gegraben,)-492(was)-443(man)-443(an)-443(ihm)-443(drehte)-443(und)]TJ 0 -13.549 Td [(deutete.)-1162(Im)-554(Gegentheil,)-630(seine)-554(Strahlen)-554(wurden)-554(rother)-554(und)]TJ 0 -13.55 Td [(inbr\374nstiger.)-510(Alle)-336(rothe)-337(Wuth)-336(und)-337(Finsterniss)-336(der)-337(Welt)-336(konnte)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(leuchtende)-250(Buch)-250(nicht)-250(umstossen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([289])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(Wie)-565(auf)-564(das)-565(Volk)-564(die)-565(Rede)-564(des)-565(grossen)-564(Socialisten,)-643(so)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wirkte)-352(das)-352(Buch)-351(auf)-352(die)-352(Gebildeten.)-555(Es)-352(gab)-352(vornehme)-351(Herren)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-618(Grafen,)-710(die)-618(ihre)-618(G\374ter)-618(abgaben)-618(und)-618(niederstiegen)-618(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-476(Geringen.)-927(Die)-476(Frauen)-476(richteten)-476(sich)-476(auf)-476(in)-475(leuchtender)]TJ 0 -13.55 Td [(Keuschheit.)-1221(Was)-573(man)-574(als)-573(Notwendigkeit)-574(mit)-573(Widerwillen)]TJ 0 -13.549 Td [(geleistet,)-495(wurde)-446(wieder)-447(die)-446(herrlichste)-446(der)-446(Tugenden.)-838(Maler)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-301(Bildner)-301(ergriffen)-301(begeistert)-301(Pinsel)-301(und)-301(Meissel.)-403(Es)-301(war)-301(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Wettlauf)-352(nach)-352(der)-352(leuchtenden)-352(Sch\366nheit,)-378(wie)-352(er)-352(nie)-352(gewesen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ahnend)-194(standen)-195(die)-194(V\366lker)-194(vor)-194(den)-195(Werken)-194(der)-194(Geweihten,)-205(denn)]TJ 0 -13.55 Td [(solche)-250(Sch\366nheit)-250(war)-250(nicht)-250(gesehen)-250(worden.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Und)-225(jubelnd)-225(noch)-225(einmal)-225(schwang)-225(der)-225(Sang)-225(des)-224(Unbekannten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-362(auf,)-390(im)-362(schwindelnden)-362(Adlerflug)-362(der)-362(Seele,)-390(das)-361(Hohelied)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-230(Lichts,)-234(das)-230(Neue)-230(Jerusalem,)-234(die)-230(Stadt,)-234(die)-230(den)-230(Schatten)-229(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(kennt.)-609(Die)-370(Farben)-370(steigen)-370(an)-369(in)-370(Tonleitern,)-400(Symphonieen)-369(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Glanzes)-200(schwingen)-199(sich)-200(schwirrend,)-210(der)-199(trunkne)-200(Pinsel,)-210(in)-199(Sonne)]TJ 0 -13.55 Td [(getaucht,)-204(stolzirt)-192(im)-192(t\366nenden)-192(Reigengesang)-192(der)-192(Edelsteine.)-230(Zum)]TJ 0 -13.549 Td [(schmetternden)-250(Tedeum)-250(vereinen)-250(sich)-250(die)-250(Lichtspender.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-395(erste)-395(Grund)-396(war)-395(ein)-395(Jaspis,)-431(der)-396(andre)-395(ein)-395(Saphir,)-432(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dritte)-250(ein)-250(Chalcedonier,)-250(der)-250(vierte)-250(ein)-250(Smaragd.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([290])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-243(f\374nfte)-243(ein)-244(Sardonyx,)-244(der)-243(sechste)-244(ein)-243(Sarder,)-244(der)-244(siebente)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ein)-346(Chrysolith,)-371(der)-346(achte)-346(ein)-346(Beryll,)-370(der)-347(neunte)-346(ein)-346(Topas,)-370(der)]TJ 0 -13.55 Td [(zehnte)-371(ein)-371(Chrysopras,)-401(der)-370(elfte)-371(ein)-371(Hyacinth,)-401(der)-371(zw\366lfte)-370(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Amethyst.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +917 0 obj << +/Type /Page +/Contents 918 0 R +/Resources 916 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 896 0 R +>> endobj +919 0 obj << +/D [917 0 R /XYZ 93.543 381.603 null] +>> endobj +920 0 obj << +/D [917 0 R /XYZ 93.543 118.943 null] +>> endobj +916 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +923 0 obj << +/Length 4635 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfzehnte)-250(Kapitel.)-14699(171)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-191(die)-192(zw\366lf)-191(Thore)-191(waren)-191(zw\366lf)-192(Perlen)-191(und)-191(ein)-191(jeglich)-192(Thor)]TJ -16.799 -13.549 Td [(war)-248(von)-248(einer)-249(Perle;)-248(und)-248(die)-249(Gassen)-248(der)-248(Stadt)-248(waren)-248(lauter)-248(Gold)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(ein)-250(durchscheinend)-250(Glas.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-419(ich)-419(sah)-420(keinen)-419(Tempel)-419(darinnen,)-462(denn)-419(der)-419(Herr,)-462(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(allm\344chtige)-250(Gott)-250(ist)-250(ihr)-250(Tempel)-250(und)-250(das)-250(Lamm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-320(die)-319(Stadt)-320(bedarf)-319(keiner)-320(Sonne,)-337(noch)-319(des)-320(Mondes,)-337(dass)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-287(ihr)-287(scheinen,)-296(denn)-286(die)-287(Herrlichkeit)-287(Gottes)-287(erleuchtet)-287(sie)-286(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(Leuchte)-250(ist)-250(das)-250(Lamm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-267(die)-267(Heiden,)-271(die)-267(da)-267(selig)-267(werden,)-272(wandeln)-267(in)-267(demselben)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Licht;)-510(und)-423(die)-424(K\366nige)-423(auf)-423(Erden)-424(werden)-423(ihre)-423(Herrlichkeit)-423(in)]TJ 0 -13.549 Td [(dieselbige)-250(bringen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-317(ihre)-317(Thore)-317(werden)-316(nicht)-317(verschlossen)-317(des)-317(Tages,)-334(denn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(da)-250(wird)-250(keine)-250(Nacht)-250(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.186 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -99.23 -14.25 Td [(...)-255(Und)-252(es)-252(war)-251(ein)-252(J\374ngling)-252(in)-251(einer)-252(Stadt)-252(desselbigen)-251(Landes,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-258(hatte)-257(die)-258(Sch\366nheit)-258(gesucht)-257(sein)-258(Leben)-257(lang.)-273(Denn)-258(er)-257(dachte)]TJ 0 -13.55 Td [(richtig,)-443(dass,)-443(wer)-405(die)-404(Wahrheit)-405(findet,)-443(der)-404(Sch\366nheit)-405(nahe)-404(ist)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([291])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-279(es)-278(keine)-279(andre)-278(Wahrheit)-278(giebt)-279(denn)-278(in)-279(der)-278(Vollkommenheit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-401(Sch\366nheit.)-703(Erst)-401(hatte)-401(er)-401(sie)-401(gesucht)-401(in)-401(der)-401(Sch\366nheit)-400(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Gedankens.)-229(Dann)-188(hatte)-188(er)-187(zu)-188(der)-188(Sch\366nheit)-187(des)-188(Fleisches)-187(gebetet,)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-203(der)-202(lebendige)-203(Leib)-202(ist)-203(mehr)-203(denn)-202(der)-203(Schatten)-202(und)-203(die)-202(Form)]TJ 0 -13.55 Td [(h\366her)-248(denn)-247(das)-248(Wort;)-248(aber)-247(das)-248(Alter)-247(und)-248(die)-247(Unvollkommenheit)]TJ 0 -13.549 Td [(nehmen)-250(alle)-250(Sch\366nheit)-250(hinweg.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Dieser)-329(kam)-328(zu)-329(Ihm,)-348(da)-329(Er)-329(auf)-329(einem)-328(sehr)-329(hohen)-329(Berge)-328(war.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Die)-307(ganze)-306(Nacht)-307(war)-306(er)-306(den)-307(Berg)-306(hinaufgeklettert.)-420(Die)-306(Dornen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten)-234(seine)-234(H\344nde)-234(zerrissen,)-237(dass)-234(sie)-234(bluteten.)-245(Er)-234(war)-233(gestolpert)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-408(Finstern.)-723(Die)-408(Steine)-408(hatten)-408(seine)-407(Kniee)-408(zerschlagen,)-447(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-336(matt)-336(und)-336(wund)-336(geworden)-337(waren)-336(unter)-336(ihm.)-508(Oft)-336(war)-336(er)-336(irre)]TJ 0 -13.549 Td [(gegangen.)-779(Lichter)-427(hatten)-426(ihn)-427(genarrt)-426(im)-427(Finstern.)-779(Im)-426(Nebel)]TJ 0 -13.55 Td [(tastete)-357(er)-356(sich)-357(vorw\344rts)-356(mit)-357(H\344nden)-357(und)-356(F\374ssen.)-570(Seine)-356(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-250(wie)-250(blind,)-250(dass)-250(er)-250(die)-250(Hand)-250(nicht)-250(sah)-250(vor)-250(seinen)-250(Augen.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Er)-325(sah)-325(nicht)-325(das)-325(Gesicht)-325(dessen,)-344(der)-325(vor)-325(ihm)-325(stand.)-475(Aber)-325(er)]TJ -11.956 -13.55 Td [(fiel)-304(vor)-304(ihm)-304(nieder)-304(und)-304(hob)-304(die)-304(H\344nde)-304(hoch.)-412(Flehte)-304(ihn)-303(an)-304(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bat:)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.934 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lass)-221(mich)-221(sehen)-222(die)-221(grosse)-221(Sch\366nheit)-221(Deines)-222(Antlitzes)-221(und)]TJ -23.778 -13.549 Td [(sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.233 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +922 0 obj << +/Type /Page +/Contents 923 0 R +/Resources 921 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +924 0 obj << +/D [922 0 R /XYZ 317.092 311.43 null] +>> endobj +925 0 obj << +/D [922 0 R /XYZ 262.631 106.79 null] +>> endobj +921 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +929 0 obj << +/Length 4881 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(172)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-232(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.966 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-232(will)-232(sie)-233(Dir)-232(zeigen.)-244(Aber)-232(h\374te)-232(Dich)-232(wohl,)-236(dass)]TJ/F16 7.9701 Tf -136.521 0 Td [([292])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(der)-287(Schrecken)-287(Dich)-287(nicht)-286(niederst\374rzt)-287(vom)-287(Felsen.)-361(Denn)-286(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\366nheit)-250(ist)-250(schrecklich)-250(wie)-250(der)-250(Adler.)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.557 -14.368 Td [(Und)-436(er)-437(sah)-436(ein)-437(Unendliches,)-483(Furchtbares.)-810(Das)-436(fuhr)-436(dahin)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-256(seinem)-257(Haupte.)-269(Kreisende)-256(Sterne)-256(sassen)-257(in)-256(Seinen)-256(Lenden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wolken)-286(bildeten)-287(den)-286(Saum)-287(Seines)-286(Kleides.)-360(Seine)-286(Stimme)-286(glich)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-529(Donner)-528(und)-529(das)-528(Zucken)-529(Seiner)-529(Brauen)-528(war)-529(der)-528(Blitz.)]TJ 0 -13.549 Td [(Zugleich)-250(geschah)-250(ein)-250(Windesbrausen)-250(wie)-250(von)-250(tausend)-250(Winden.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Er)-266(fiel)-265(auf)-266(den)-266(Boden)-266(wie)-265(bet\344ubt)-266(und)-266(der)-265(Blitz)-266(fuhr)-266(\374ber)-265(ihn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hin.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Danach)-405(h\366rte)-405(er)-405(Schalmeien.)-715(Die)-405(kamen)-405(sehr)-405(lieblich)-405(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(klingend)-257(aus)-258(goldner)-257(Ferne.)-273(Er)-257(sah)-258(einen)-257(J\374ngling)-258(ganz)-257(nackt)-257(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-331(jungen)-332(Herrlichkeit)-331(seiner)-331(prangenden)-331(Glieder.)-494(Der)-331(Bogen)]TJ 0 -13.549 Td [(hing)-242(\374ber)-243(seiner)-242(Schulter)-242(und)-243(die)-242(Leyer)-242(lehnte)-243(zu)-242(seinen)-242(F\374ssen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-434(Ges\344nge)-434(seiner)-434(Leyer)-434(waren)-434(lockender)-434(wie)-433(Goldklingen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Wo)-288(er)-287(hintrat,)-298(bl\374hten)-287(Veilchen.)-364(Die)-287(wilden)-288(Thiere)-288(des)-287(Waldes)]TJ 0 -13.549 Td [(kamen)-372(angezogen)-372(von)-372(dem)-372(Wunder)-372(seiner)-372(Laute.)]TJ/F21 10.9091 Tf 230.709 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.513 0 Td [(Aber)-372(das)]TJ -240.222 -13.549 Td [(Antlitz)-250(des)-250(J\374nglings)-250(blieb)-250(marmorn.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Danach)-223(sprach)-224(eine)-223(andre)-223(Stimme:)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.502 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kennst)-223(Du)-224(mich?)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.771 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.281 0 Td [(Er)-223(sah)]TJ -253.354 -13.55 Td [(einen)-212(Mann)-212(am)-212(Kreuze)-212(h\344ngen.)-237(Sein)-212(Antlitz)-212(hing)-212(auf)-212(seine)-212(Brust)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-329(seine)-330(Arme)-329(blieben)-329(ausgestreckt;)-369(denn)-330(die)-329(Schwere)-329(seines)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([293])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(K\366rpers)-418(war)-417(zu)-418(gross)-417(f\374r)-417(seine)-418(Arme.)-752(Dornen)-418(kr\366nten)-417(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stirn.)-406(Das)-302(Blut)-302(troff)-302(von)-302(den)-302(Dornenmalen.)-406(Es)-302(floss)-302(aus)-301(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(ge\366ffneten)-331(Seite.)-495(Die)-331(N\344gel)-331(gingen)-332(durch)-331(sein)-332(Fleisch)-331(und)-331(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Stricke)-362(schnitten)-362(tiefe)-362(Wundenst)1(riemen.)-586(Aber)-362(der)-362(Mund)-361(blieb)]TJ 0 -13.549 Td [(weit)-355(gezerrt.)-566(Der)-356(Mund)-355(schrie)-355(in)-356(seiner)-355(Qual)-355(und)-356(rief:)]TJ/F21 10.9091 Tf 252.757 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mich)]TJ -257.601 -13.549 Td [(d\374rstet)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.648 -14.367 Td [(Seine)-393(Thr\344nen)-393(tropften)-393(sehr)-393(schnell,)-429(er)-393(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 218.875 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr!)-679(Ich)]TJ -235.674 -13.55 Td [(kenne)-156(Dich.)-218(Du)-156(bist)-156(sch\366n)-155(und)-156(der)-156(Edel)1(ste)-156(unter)-156(den)-155(Geschaffnen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-213(ich)-214(habe)-213(eine)-214(Sch\366nheit)-213(getr\344umt,)-221(gr\366sser)-213(denn)-214(Deine.)-237(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(bitte)-250(Dich,)-250(dass)-250(Du)-250(mir)-250(zeigest)-250(Deine)-250(letzte)-250(Sch\366nheit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 254.814 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -242.858 -14.367 Td [(Aber)-328(der)-328(Mann)-328(am)-328(Kreuz)-328(schien)-328(zu)-328(l\344cheln.)-484(Seine)-327(Wunden)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wurden)-229(Rosen)-228(und)-229(die)-228(Rosen)-229(fielen)-228(im)-229(rothen,)-233(duftenden)-228(Regen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-308(Dornen)-307(um)-308(seine)-307(Stirn)-308(waren)-307(Strahlen,)-322(die)-307(aus)-308(seiner)-307(Stirn)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +928 0 obj << +/Type /Page +/Contents 929 0 R +/Resources 927 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +930 0 obj << +/D [928 0 R /XYZ 283.212 518.175 null] +>> endobj +931 0 obj << +/D [928 0 R /XYZ 113.5 243.918 null] +>> endobj +927 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +934 0 obj << +/Length 2277 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(f\374nfzehnte)-250(Kapitel.)-14699(173)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(brachen)-287(wie)-287(Sonnengluth.)-360(Vom)-286(Gold)-287(dieser)-287(Strahlen)-287(wurde)-286(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt)-265(warm)-266(und)-265(t\366nend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.742 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.349 0 Td [(Aber)-265(die)-266(Schlange)-265(war)-265(der)-265(Strick,)-269(der)]TJ -115.091 -13.549 Td [(ringelnd)-250(niedersank.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Und)-347(das)-347(Kreuz)-347(wurde)-347(der)-348(Baum,)-371(der)-347(Baum)-347(des)-347(Lebens)-347(aus)]TJ -11.956 -13.55 Td [(dem)-322(Paradiese.)-468(Und)-322(Er)-323(streckte)-322(seine)-323(Hand)-322(aus)-323(und)-322(brach)-322(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-486(die)-486(Frucht)-486(der)-487(Erkenntniss,)-545(die)-486(roth)-486(war)-486(vom)-486(Blut)-486(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebens,)-354(in)-332(der)-333(Form)-333(des)-333(Apfels,)-353(der)-333(den)-333(Samen)-332(birgt.)-499(Und)-332(Er)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([294])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(reichte)-250(sie)-250(ihm)-250(hin)-250(und)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 136.953 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Iss!)]TJ/F21 10.9091 Tf 15.752 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -145.593 -13.549 Td [(Da)-250(fiel)-250(der)-250(hin)-250(wie)-250(sinnlos.)]TJ 0 -13.55 Td [(Als)-422(man)-423(diesen)-422(aufhob,)-465(waren)-423(seine)-422(Augen)-422(blind.)-767(Er)-422(sah)]TJ -11.956 -13.549 Td [(niemals)-297(wieder)-298(und)-297(seine)-298(Haare)-297(waren)-297(weiss)-298(geworden)-297(wie)-297(die)]TJ 0 -13.549 Td [(eines)-455(sehr)-456(alten)-455(Mannes.)-866(Aber)-455(er)-456(hatte)-455(die)-455(Dinge)-455(geschaut,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-274(unbeschreiblich)-275(sind,)-280(frohlockte)-275(in)-274(seinem)-275(Herzen)-274(und)-274(pries)]TJ 0 -13.549 Td [(jeden)-291(Tag)-290(Gott,)-301(bis)-291(an)-291(seinen)-291(Tod,)-300(der)-291(bald)-291(kam.)-372(Denn)-291(er)-290(hatte)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-402(einer)-402(Stunde)-403(das)-402(ganze)-402(Leben)-402(gesehen)-402(und)-402(allen)-402(Kreislauf)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-286(Gewordnen.)-358(Und)-286(die)-286(Fibern)-286(und)-286(Hirne)-286(der)-286(Sterblichen)-285(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(schwach.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +933 0 obj << +/Type /Page +/Contents 934 0 R +/Resources 932 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +935 0 obj << +/D [933 0 R /XYZ 84.86 436.88 null] +>> endobj +932 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +936 0 obj +<< /S /GoTo /D (index16) >> +endobj +939 0 obj +(Das sechzehnte Kapitel.) +endobj +942 0 obj << +/Length 3263 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([295])]TJ/F16 18.9589 Tf 121.449 -63.032 Td [(Das)-265(sechzehnte)-264(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -48.694 -31.247 Td [(Aber)-211(seine)-211(Feinde)-211(waren)-210(sehr)-211(th\344tig)-211(und)-211(machten)-211(b\366ses)-210(Geschrei)]TJ 0 -13.549 Td [(wider)-250(ihn.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Denn)-422(es)-421(war)-422(grosse)-422(Aufregung)-422(im)-421(Lande.)-766(Die)-421(Hungrigen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-378(Arbeitslosen)-378(thaten)-378(sich)-378(zusammen)-378(auf)-378(den)-377(Landstrassen,)]TJ 0 -13.55 Td [(zogen)-405(hin)-406(und)-405(her)-406(und)-405(forderten)-406(Brot)-405(mit)-406(lauter)-405(Stimme.)-716(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(kam)-456(auch)-457(vor)-456(in)-456(abgelegenen)-457(Gegenden,)-508(dass)-456(man)-456(Fabriken)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-428(Lagerr\344ume)-427(verw\374stete,)-472(L\344den)-428(der)-427(B\344cker)-428(und)-427(Fleischer)]TJ 0 -13.549 Td [(pl\374nderte.)-1560(Wo)-687(man)-687(auf)-686(der)-687(einen)-687(Seite)-687(die)-686(Emp\366rung)]TJ 0 -13.549 Td [(niedergeschlagen)-412(mit)-412(Blei)-412(und)-411(Kanonen,)-453(schlugen)-412(am)-411(andern)]TJ 0 -13.55 Td [(Ort)-250(die)-250(Flammen)-250(wieder)-250(auf.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Auch)-376(bestand)-377(eine)-376(Art)-376(Verbindung)-377(zwischen)-376(den)-376(Arbeitern)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aller)-703(L\344nder,)-816(dass)-703(sie)-703(sich)-703(zusammenthun)-703(und)-703(Gewalten)]TJ 0 -13.549 Td [(umst\374rzen)-273(wollten.)-318(Die)-273(Einen)-273(gaben)-273(Geldmittel)-273(f\374r)-273(die)-272(Andern,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-294(feierten.)-382(Man)-294(vereinigte)-294(sich)-294(in)-294(Kongressen,)-305(Zeitungen)-294(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([296])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Druckschriften)-250(riefen)-250(auf)-250(zum)-250(allgemeinen)-250(Ausstand.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(So)-285(dass)-286(eine)-285(grosse)-285(Bewegung,)-294(niemals)-286(Ruhe)-285(war)-285(im)-285(Lande,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(denn)-480(Viele)-480(auch)-481(der)-480(Gelehrten)-480(und)-480(Gebildeten)-480(nahmen)-480(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-527(Sache)-527(an,)-597(forderten,)-596(die)-528(Einen)-527(eine)-527(Bodenreform,)-596(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-565(den)-565(Grundbesitz)-565(allgemein)-565(machen)-565(sollte,)-644(Andre)-565(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Verstaatlichung)-317(der)-317(grossen)-318(Betriebe)-317(und)-317(Waarenh\344user.)-451(Viele)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-419(gar)-419(die)-418(ganze)-419(Theilung,)-461(wie)-419(es)-418(die)-419(armen)-419(Leute)-419(auf)-418(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Programm)-370(geschrieben)-371(hatten.)-610(Und)-370(waren)-371(bereit)-370(f\374r)-370(ihr)-370(Theil)]TJ 0 -13.549 Td [(anzufangen,)-373(mitzugehen)-348(mit)-348(diesen.)-545(Es)-348(gab)-348(selbst)-348(Priester)-348(der)]TJ 0 -13.549 Td [(herrschenden)-226(Kirchen,)-230(die)-226(k\374hn)-225(ihren)-226(Mund)-226(aufthaten;)-233(forderten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-448(Reichen)-448(auf)-448(abzulassen)-447(von)-448(Habsucht)-448(und)-448(Wollust.)-843(Die)]TJ 0 -13.55 Td [(Armen)-210(aber)-209(nannten)-210(sie)-209(das)-210(Volk)-209(Gottes)-210(und)-210(riefen)-209(aus,)-218(dass)-209(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Sache)-250(gerecht)-250(sei.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +941 0 obj << +/Type /Page +/Contents 942 0 R +/Resources 940 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +943 0 obj << +/D [941 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +937 0 obj << +/D [941 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +944 0 obj << +/D [941 0 R /XYZ 110.082 242.282 null] +>> endobj +940 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +947 0 obj << +/Length 4773 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechzehnte)-250(Kapitel.)-14588(175)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(So)-249(befand)-249(sich)-249(Alles)-249(in)-249(Unordnung.)-250(Einige)-249(zogen)-249(hierhin,)-249(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Andern)-279(dorthin.)-336(Welche)-278(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.177 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Morgen)-279(wird)-278(die)-279(Befreiung)]TJ -160.02 -13.549 Td [(kommen.)-946(Sie)-482(wird)-482(kommen)-482(durch)-482(Waffengewalt,)-540(denn)-481(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-300(Viele.)-401(Sie)-301(aber)-300(sind)-301(Wenige.)-401(So)-300(wir)-300(dazu)-301(kommen)-300(uns)-300(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(messen)-162(im)-161(Kampf)-162(und)-162(zusammenhalten,)-179(sind)-162(wir)-162(ihnen)-161(\374berlegen)]TJ 0 -13.549 Td [(zehnfach)-211(und)-211(hundertfach.)-237(Es)-212(kann)-211(uns)-211(nicht)-211(fehlen.)-237(Wir)-211(m\374ssen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([297])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(nur)-396(einstehen)-396(Einer)-396(f\374r)-396(den)-396(Andern)-396(und)-396(unser)-396(Pulver)-395(trocken)]TJ 0 -13.549 Td [(halten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.389 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -17.433 -14.531 Td [(Gerade)-1035(dies)-1034(aber)-1035(zeigte)-1035(sich)-1035(schwierig,)-1231(dass)-1034(sie)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zusammenhielten.)-1104(Denn)-535(von)-535(den)-534(F\374hrern)-535(suchte)-535(ein)-534(Jeder)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-275(Seine.)-323(Sie)-275(stritten)-274(her)-274(und)-275(hin)-274(\374ber)-275(die)-274(einzelnen)-275(S\344tze.)-323(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Rivalit\344t)-281(der)-281(Nationen)-281(machte)-280(sich)-281(geltend,)-289(auch)-281(eine)-281(Frage)-280(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschlechter,)-371(da)-347(die)-347(M\344nner)-347(die)-347(Weiber)-347(nicht)-347(wollten)-347(als)-346(voll)]TJ 0 -13.549 Td [(gelten)-416(lassen,)-458(diese)-416(aber)-416(wiederum)-416(sprechen)-416(und)-416(Herren)-416(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(wollten)-250(wie)-250(Jene.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(In)-628(den)-627(gelehrten)-628(B\374chern)-627(und)-628(Bl\344ttern)-627(stritten)-628(sie)-627(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gleichfalls.)-790(Der)-430(Eine)-430(warf)-430(dem)-430(Andern)-430(niedre)-430(Beweggr\374nde)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-386(T\374cken)-387(vor.)-659(Es)-386(waren)-387(nicht)-386(Zwei,)-421(die)-386(dieselbe)-386(Meinung)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten.)-340(Die)-280(es)-280(wohl)-280(meinten,)-287(waren)-280(schwach)-280(und)-280(tr\344umten.)-339(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern)-250(aber)-250(w\374hlten)-250(und)-250(zeigten)-250(sich)-250(sehr)-250(th\344tig.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Das)-386(ganz)-386(rohe)-387(Volk)-386(dr\344ngte)-386(zu)-386(Thaten.)-659(Sie)-386(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 252.921 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.55 Td [(ist)-457(besser)-457(wir)-457(sterben,)-509(als)-457(wir)-457(tragen)-457(dies)-458(Leben)-457(l\344nger,)-508(das)]TJ 0 -13.549 Td [(schlimmer)-340(ist)-340(wie)-340(der)-339(Tod,)-363(und)-340(setzen)-340(Kinder)-339(in)-340(die)-340(Welt,)-362(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Last)-250(weiterzutragen)-250(mit)-250(gekr\374mmtem)-250(Nacken)-250(wie)-250(wir.)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.04 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -227.084 -14.531 Td [(Diese)-343(waren)-343(nicht)-343(viel)-343(besser)-343(wie)-343(die)-343(Thiere.)-529(Sie)-343(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lasst)-217(uns)-216(trinken!)-239(Wenn)-217(wir)-216(uns)-217(Muth)-217(getrunken)-216(haben,)-223(wollen)]TJ -4.844 -13.55 Td [(wir)-233(gehen)-234(und)-233(todtschlagen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 123.37 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.389 0 Td [(Und)-233(schlugen)-234(blindlings)-233(drauf)-233(los,)]TJ/F16 7.9701 Tf 160.265 0 Td [([298])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(wen)-327(sie)-326(fanden.)-480(Die)-326(man)-326(ihrerseits)-327(schlug)-326(und)-327(gefangen)-326(setzte)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(wilde)-250(Raubthiere.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Auch)-499(zu)-499(dem)-500(Fremden)-499(kamen)-499(Etliche)-499(von)-500(Solchen.)-997(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.182 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sei)-280(Du)-280(unser)-280(F\374hrer!)-339(Sage)-280(uns,)-287(was)-280(wir)-280(thun)-280(sollen.)]TJ -50.026 -13.549 Td [(Wir)-253(wollen)-254(hinter)-253(Dir)-253(herziehen)-254(und)-253(Du)-253(sollst)-254(unser)-253(F\374rst)-253(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(Diese)-299(sah)-299(er)-299(an.)-396(Er)-299(sah,)-311(dass)-299(ihre)-299(Gesichter)-299(entstellt)-299(waren)-298(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Lastern.)-669(Der)-389(Geist)-390(des)-389(Branntweins)-389(war)-390(in)-389(ihren)-390(Augen.)-668(Ihr)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +946 0 obj << +/Type /Page +/Contents 947 0 R +/Resources 945 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +948 0 obj << +/D [946 0 R /XYZ 88.446 450.429 null] +>> endobj +949 0 obj << +/D [946 0 R /XYZ 111.363 161.968 null] +>> endobj +945 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +952 0 obj << +/Length 5215 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(176)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Athem)-220(roch)-220(schlecht)-220(vom)-220(giftigen)-220(Fusel,)-226(der)-220(sie)-220(verbrannte.)-240(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-248(Bewegungen)-247(waren)-247(obsc\366n.)-250(Sie)-247(schrieen)-248(nach)-247(Weibern)-247(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Trunk.)-325(So)-275(sie)-275(solche)-275(hatten,)-281(nahmen)-275(sie)-274(ihren)-275(Theil,)-282(soffen)-274(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(voll.)-250(Nicht)-250(anders)-250(waren)-250(sie)-250(denn)-250(Schweine.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Und)-250(er)-250(antwortete)-250(ihnen)-250(kein)-250(Wort.)]TJ 0 -14.095 Td [(Sie)-199(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.365 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-199(verachtest)-199(uns,)-209(weil)-199(wir)-199(schmutzig)-199(sind)-199(und)]TJ -77.164 -13.549 Td [(\374bel)-343(riechen.)-530(Sind)-343(wir)-343(nicht)-343(ebenso)-343(gut)-343(und)-343(besser)-343(denn)-343(Jene,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(sich)-250(mit)-250(Seife)-250(und)-250(Salben)-250(waschen,)-250(s\374sse)-250(Weine)-250(trinken?)]TJ/F21 10.9091 Tf 266.018 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -254.062 -14.095 Td [(Er)-254(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.401 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-254(seid)-255(nicht)-254(besser.)-263(Ihre)-255(H\344nde)-254(sind)-254(gewaschen.)]TJ -64.201 -13.549 Td [(Sie)-255(brauchen)-255(nicht)-256(rohe)-255(Worte.)-265(Sie)-256(essen)-255(und)-255(trinken)-255(ihr)-255(Maass.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihre)-155(Leidenschaften)-156(sind)-155(in)-155(ihren)-155(H\344nden)-156(wie)-155(gute)-155(und)-155(gehorsame)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([299])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Pferde.)-320(Sie)-273(wissen)-274(genug,)-279(um)-273(voraus)-273(zu)-274(denken)-273(und)-273(rechnen)-273(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnen.)-479(Ihr)-327(Wissen)-326(giebt)-326(ihnen)-327(die)-326(Grenze)-327(und)-326(Wirkung)-326(ihres)]TJ 0 -13.549 Td [(Thuns.)-250(Ihr)-250(seid)-250(ganz)-250(schlecht)-250(und)-250(ganz)-250(nutzlos.)]TJ/F21 10.9091 Tf 206.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -194.979 -14.095 Td [(Dann)-322(sprachen)-321(Einige:)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.22 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-322(bist)-321(Du)-322(also)-321(ein)-322(Vornehmer)-321(und)]TJ -122.02 -13.549 Td [(h\344ltst)-250(es)-250(mit)-250(den)-250(Reichen)-250(und)-250(M\344chtigen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 183.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.055 -14.095 Td [(Er)-333(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.972 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-333(M\344chtigen)-333(und)-333(Reichen)-333(haben)-333(andre)-333(Laster)]TJ -66.772 -13.549 Td [(wie)-294(Ihr.)-383(Sie)-294(l\374gen,)-305(wo)-295(Ihr)-294(roh)-294(seid.)-383(Wenn)-294(Ihr)-294(fresst,)-305(kitzeln)-294(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-381(Gaumen)-382(mit)-381(scharfen)-381(und)-382(unnat\374rlichen)-381(Sachen.)-644(Wo)-381(Ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-235(Augenblick)-234(folgt,)-238(rechnen)-235(sie)-235(mit)-234(List)-235(und)-235(legen)-234(Schlingen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-438(Armer)-438(sorgt)-438(nicht)-437(so)-438(um)-438(Leib)-438(und)-438(Blut,)-485(l\344sst)-438(wohl)-437(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(Leben.)-566(Der)-355(Reiche)-356(zittert)-355(f\374r)-355(seine)-356(G\374ter.)-566(Nichts)-355(Lieberes)-355(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-318(als)-319(das)-318(Leben,)-336(dass)-318(er)-318(sich)-319(Aerzte)-318(sucht,)-336(es)-318(zu)-318(verl\344ngern,)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-351(im)-350(Tode)-351(mit)-351(Denkm\344lern)-351(und)-350(Bilds\344ulen)-351(sich)-351(ehrt,)-376(so)-350(er)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-299(todt)-298(ist,)-311(nichts)-298(wie)-299(Staub)-299(und)-298(W\374rmer.)-396(Der)-298(Arme)-299(ist)-298(weit)]TJ 0 -13.549 Td [(ab)-216(vom)-215(Reiche)-216(Gottes,)-223(weil)-216(er)-215(arm)-216(ist.)-239(Aber)-215(der)-216(Reiche)-216(ist)-215(weiter)]TJ 0 -13.549 Td [(entfernt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.655 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -24.699 -14.095 Td [(Sie)-250(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.199 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sage)-250(uns,)-250(was)-250(ist)-250(das)-250(Reich)-250(Gottes?)]TJ/F21 10.9091 Tf 156.043 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -222.086 -14.095 Td [(Er)-594(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.502 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-594(Ihr)-593(Gl\374ck)-594(nennt,)-679(Frieden)-594(in)-593(uns)-594(und)]TJ -75.301 -13.549 Td [(ausserhalb.)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.775 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -121.53 0 Td [([300])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.095 Td [(Sie)-329(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.794 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wer)-329(hat)-330(das)-329(Gl\374ck?)-488(Und)-329(wie)-329(sagst)-330(Du,)-349(dass)]TJ -80.594 -13.549 Td [(der)-250(Arme)-250(ihm)-250(n\344her)-250(ist)-250(als)-250(der)-250(Reiche?)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.564 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -158.608 -14.095 Td [(Er)-243(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.146 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-243(Reiche)-243(hat)-243(viele)-244(Bed\374rfnisse.)-247(So)-244(er)-243(nicht)-243(sein)]TJ -63.945 -13.549 Td [(festes)-326(Haus)-326(hat,)-345(Pferde)-326(und)-326(Dienerschaft,)-345(ein)-326(k\366stliches)-326(Essen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +951 0 obj << +/Type /Page +/Contents 952 0 R +/Resources 950 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 926 0 R +>> endobj +953 0 obj << +/D [951 0 R /XYZ 337.213 381.047 null] +>> endobj +954 0 obj << +/D [951 0 R /XYZ 93.543 121.332 null] +>> endobj +950 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +957 0 obj << +/Length 5439 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechzehnte)-250(Kapitel.)-14588(177)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wie)-303(mag)-302(er)-303(sich)-302(freuen?)-408(Der)-303(Arme)-302(bedarf)-303(des)-302(Allen)-303(nicht.)-407(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-293(freiem)-292(Himmel)-293(n\344chtigt,)-303(braucht)-293(kein)-292(Dach.)-378(Der)-293(am)-292(Brot)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-335(satt)-334(isst,)-356(bedarf)-334(des)-335(Fleisches)-334(nicht.)-503(Wem)-335(Wasser)-334(gen\374gt,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-250(soll)-250(ihm)-250(der)-250(Wein?)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.015 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.059 -13.996 Td [(Sie)-442(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.468 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-442(ist)-441(ganz)-442(th\366richt.)-824(Wir)-442(wollen)-441(Alle)-442(in)]TJ -84.268 -13.549 Td [(Schl\366ssern)-250(wohnen,)-250(Fleisch)-250(essen)-250(und)-250(Wein)-250(trinken)-250(alle)-250(Tage.)]TJ/F21 10.9091 Tf 272.684 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -260.728 -13.996 Td [(Er)-263(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.689 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Seht)-263(zu,)-267(wo)-263(Ihr)-263(es)-263(findet,)]TJ/F21 10.9091 Tf 110.13 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.714 0 Td [(wandte)-263(sich)-263(von)-264(ihnen)]TJ -182.333 -13.549 Td [(und)-250(sprach)-250(nicht)-250(mehr.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Zu)-286(ihm)-287(kamen)-286(Andre,)-296(die)-286(sich)-287(klug)-286(d\374nkten,)-296(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 246.867 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)]TJ -263.666 -13.55 Td [(wissen)-301(sehr)-300(wohl,)-314(dass)-300(Du)-301(recht)-301(hast.)-402(Alles)-300(ist)-301(in)-301(der)-300(Klugheit,)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-367(Witz)-366(des)-367(Menschen.)-600(Mit)-367(ihm)-366(erfindet)-367(er,)-396(verbindet)-366(Meere)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-289(Erdtheile.)-368(Sieh)-289(das)-289(System,)-299(das)-289(wir)-289(aufgebaut)-289(haben,)-299(darin)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Gl\374ck)-250(ist)-250(und)-250(Wohlleben)-250(f\374r)-250(Alle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.341 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -154.386 -13.996 Td [(Er)-365(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.016 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Der)-365(Stein)-365(ist)-364(geduldig.)-595(Er)-365(tr\344gt)-365(die)-364(Marke,)-394(die)]TJ -67.815 -13.549 Td [(man)-397(ihm)-397(eingr\344bt.)-691(Wie)-397(wollt)-397(Ihr)-397(solches)-396(zeichnen)-397(in)-397(Fleisch)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([301])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(und)-353(Blut?)-560(Die)-354(Kr\344fte)-353(der)-353(Natur)-354(gehorchen)-353(Gesetzen.)-560(Wer)-353(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-266(Gesetze)-266(ablauscht,)-270(der)-265(ist)-266(ihr)-266(Herr;)-274(weil)-266(er)-266(ihr)-266(folgt)-266(in)-265(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Zwecken,)-226(nur)-220(ihr)-220(Diener)-220(ist,)-226(den)-220(sie)-220(tr\344gt.)-240(Kennst)-220(Du)-220(das)-220(Gesetz,)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-396(den)-396(Knaben)-395(leitet)-396(zum)-396(rothen)-396(Mord)-396(oder)-396(die)-395(tugendsame)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungfrau)-250(zur)-250(Buhlschaft?)]TJ/F21 10.9091 Tf 109.668 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -97.713 -13.995 Td [(Sie)-250(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.2 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-250(kennen)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -156.327 -13.996 Td [(Er)-335(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.052 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-335(giebt)-336(kein)-335(Gesetz,)-357(das)-335(gut)-336(ist)-335(f\374r)-335(Alle.)-506(Aber)]TJ -66.85 -13.549 Td [(das)-250(Gute)-250(ist)-250(in)-250(Allem.)-250(So)-250(Jeder)-250(gut)-250(thut,)-250(ist)-250(Alles)-250(gut.)]TJ/F21 10.9091 Tf 232.734 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.779 -13.996 Td [(Das)-518(verstanden)-518(sie)-517(nicht)-518(und)-518(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.143 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-518(wird)-518(immer)]TJ -209.942 -13.549 Td [(Schlechte)-250(geben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.919 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.964 -13.995 Td [(Er)-250(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-250(lange)-250(es)-250(sie)-250(giebt,)-250(ist)-250(Nichts)-250(gut.)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.454 0 Td [(\034)]TJ -207.556 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-434(sollen)-433(wir)-433(gar)-434(nichts)-433(thun,)-480(die)-433(H\344nde)-434(in)-433(den)-434(Schooss)]TJ -16.798 -13.549 Td [(legen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.472 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragten)-250(sie)-250(nun.)]TJ -24.088 -13.996 Td [(Er)-166(sprach)-166(zu)-166(dem,)-183(der)-166(das)-166(sagte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.828 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Thue)-166(Du)-166(f\374r)-166(Dich!)-222(M\344chtiger)]TJ -154.627 -13.549 Td [(denn)-251(viele)-250(Worte)-251(spricht)-251(das)-250(Beispiel.)-252(Eine)-251(That)-251(wiegt)-250(schwerer)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-195(tausend)-195(Gleichnisse.)-232(Einer,)-206(der)-195(stirbt)-194(f\374r)-195(sein)-195(Leben,)-206(schafft)]TJ 0 -13.549 Td [(zehnfaches)-250(Leben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.174 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -69.219 -13.996 Td [(Aber)-297(es)-297(gefiel)-298(Keinem,)-309(was)-297(er)-297(sagte.)-392(Sie)-297(murrten)-297(gegen)-298(ihn:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.955 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-378(haben)-378(wir)-377(l\344ngst)-378(gewusst.)-634(Diese)-377(Weisheit)-378(ist)-378(so)-378(alt)-377(wie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +956 0 obj << +/Type /Page +/Contents 957 0 R +/Resources 955 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +958 0 obj << +/D [956 0 R /XYZ 186.469 326.701 null] +>> endobj +955 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +962 0 obj << +/Length 4750 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(178)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-331(Sonne.)-495(Es)-331(ist)-332(nichts)-331(gekommen)-331(aus)-332(ihr)-331(und)-332(hat)-331(sich)-331(nichts)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([302])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ge\344ndert,)-250(seit)-250(die)-250(Sonne)-250(scheint.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.586 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.63 -14.368 Td [(Er)-349(aber)-348(ward)-349(traurig)-348(in)-349(seinem)-348(Herzen,)-373(dachte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 216.845 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-348(dass)-349(Ihr)]TJ -233.645 -13.549 Td [(hasstet)-385(oder)-385(liebtet!)-656(Aber)-385(es)-385(ist)-386(nur)-385(Erde)-385(in)-385(Euch)-385(oder)-385(kalter)]TJ 0 -13.549 Td [(Verstand.)-676(Ihr)-391(seht)-392(die)-392(Sonne)-392(nicht)-392(vor)-392(so)-392(vielem)-391(k\374nstlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Licht.)-553(Rom)-351(war)-350(besser)-351(und)-351(Babylon)-351(war)-351(edler.)-553(Im)-350(blutrothen)]TJ 0 -13.549 Td [(Blut)-245(m\374sst)-244(Ihr)-245(roth)-244(werden!)-249(Von)-244(den)-245(Flammen)-244(Eurer)-245(St\344dte)-244(und)]TJ 0 -13.55 Td [(H\344user)-256(werden)-257(in)-256(Euch)-257(Flammen)-256(aufschlagen!)-270(O)-256(Ihr)-256(armseliges)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschlecht)-390(in)-389(Eurem)-390(Reichthum!)-668(W\374rmer)-390(und)-389(Elende)-390(in)-389(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 276.997 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.549 Td [(Eurer)-250(Kunst!)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -44.695 -14.367 Td [(Da)-254(er)-254(weiterging,)-255(fand)-254(er)-254(einen)-254(sehr)-254(alten)-254(Mann.)-262(Der)-254(sass)-253(vor)]TJ -11.956 -13.55 Td [(seiner)-250(H\374tte)-250(in)-250(der)-250(Abendsonne.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Wie)-250(er)-250(vorbeiging,)-250(gr\374sste)-250(ihn)-250(der)-250(alte)-250(Mann.)]TJ 0 -14.367 Td [(Er)-429(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.106 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lass)-429(mich)-428(trinken)-429(und)-429(gieb)-428(mir)-429(zu)-429(essen)-428(von)]TJ -69.905 -13.55 Td [(Deinem)-250(Mahle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.866 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -55.91 -14.367 Td [(Da)-211(gab)-211(ihm)-211(der)-211(alte)-211(Mann)-211(frisches)-211(Wasser,)-219(Brot)-211(und)-211(eine)-211(reife)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Frucht)-250(von)-250(den)-250(Fruchtb\344umen,)-250(die)-250(vor)-250(seiner)-250(H\374tte)-250(wuchsen.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Der)-327(alte)-327(Mann)-328(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.184 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dies)-327(ist)-327(meine)-328(Nahrung)-327(Winter)-327(und)]TJ -120.984 -13.549 Td [(Sommer.)-251(Ich)-250(nehme)-250(niemals)-251(andre.)-251(Fleisch)-250(und)-250(Blutiges)-250(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-362(\374ber)-362(meine)-361(Lippen.)-586(Und)-361(Frucht)-362(der)-362(Traube)-362(nicht,)-389(deren)]TJ 0 -13.549 Td [(Saft)-314(gegohren)-314(ist.)-441(Ich)-314(bin)-314(stark)-314(damit)-313(und)-314(gesund.)-442(Nichts)-313(fehlt)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([303])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(mir.)-836(Ein)-446(Arzt)-445(hat)-446(meine)-445(H\374tte)-446(nicht)-445(betreten,)-495(seit)-445(ich)-445(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebensweise)-295(annahm.)-386(Winter)-295(und)-295(Sommer)-295(stehe)-295(ich)-295(zeitig)-295(auf.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-453(trage)-452(mein)-453(Holz)-452(selbst)-453(und)-453(reinige)-452(meine)-453(H\374tte.)-857(Meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Mahlzeit)-286(bereite)-286(ich)-286(mir)-285(mit)-286(meinen)-286(H\344nden.)-358(Ein)-286(wollner)-285(Rock)]TJ 0 -13.549 Td [(gen\374gt)-313(mir,)-329(wenn)-314(es)-313(kalt)-313(ist,)-329(und)-313(ein)-314(leinener)-313(f\374r)-313(den)-313(Sommer.)]TJ 0 -13.55 Td [(Wasser)-432(reicht)-433(mir)-432(die)-433(Quelle)-432(vor)-432(meiner)-433(H\374tte.)-797(Mit)-432(meinen)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nden)-456(habe)-456(ich)-457(diese)-456(Fruchtb\344ume)-456(gepflanzt,)-508(die)-456(um)-456(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Haus)-439(stehen.)-817(Mein)-439(Acker,)-486(den)-439(ich)-439(selbst)-438(bestelle,)-487(giebt)-438(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(mein)-300(Brot.)-398(Meine)-300(Thiere)-299(sind)-300(meine)-300(Freunde.)-398(Sie)-300(h\366ren)-299(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stimme.)-302(Wenn)-267(ich)-267(einsam)-267(bin,)-271(leisten)-268(sie)-267(mir)-267(Gesellschaft.)-301(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(N\366the)-182(sind)-183(meine)-182(N\366the.)-227(Das)-183(Kalb,)-196(das)-182(geboren)-182(wird,)-196(geh\366rt)-182(mir,)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-259(es)-259(zu)-259(seiner)-259(Mutter)-260(l\344uft.)-277(Sie)-259(kennen)-259(keine)-259(Scheu)-259(und)-259(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Furcht.)-494(Selbst)-331(die)-332(wilden)-331(Thiere)-331(des)-332(Waldes)-331(kennen)-331(mich)-331(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +961 0 obj << +/Type /Page +/Contents 962 0 R +/Resources 960 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +963 0 obj << +/D [961 0 R /XYZ 145.882 518.175 null] +>> endobj +964 0 obj << +/D [961 0 R /XYZ 294.119 242.282 null] +>> endobj +960 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +967 0 obj << +/Length 4810 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechzehnte)-250(Kapitel.)-14588(179)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(kommen)-288(zu)-287(meiner)-288(H\374tte,)-297(wenn)-288(sie)-287(Futter)-288(suchen.)-363(Die)-287(scheuen)]TJ 0 -13.549 Td [(V\366gel)-259(unter)-259(dem)-259(Himmel)-258(setzen)-259(sich)-259(auf)-259(meine)-259(Hand,)-261(wenn)-258(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(ausstrecke,)-250(und)-250(erz\344hlen)-250(ihre)-250(unschuldigen)-250(Geschichten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 261.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -249.797 -14.531 Td [(Damit)-527(streckte)-527(er)-527(seine)-528(Hand)-527(aus.)-1081(Kleine)-527(Meislein)-527(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Rothkelchen,)-248(die)-247(h\374pften)-247(und)-247(liefen,)-248(kamen)-247(kecklich,)-248(flogen)-247(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-273(Finger.)-320(Sie)-273(pickten)-273(an)-274(seinen)-273(Lippen,)-279(als)-273(ob)-273(sie)-273(anfragen)]TJ 0 -13.549 Td [(wollten,)-446(setzten)-407(sich)-406(auf)-407(seine)-407(Schulter)-406(und)-407(klappten)-407(mit)-406(den)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([304])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Fl\374geln.)-706(Rehe)-403(aus)-402(dem)-402(Walde)-402(traten)-402(heraus)-402(ohne)-402(Scheu)-402(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nahmen)-454(ihr)-453(Futter)-454(aus)-453(seiner)-454(Hand.)-860(Die)-454(furchtsamen)-453(Hasen)]TJ 0 -13.55 Td [(machten)-250(friedliche)-250(M\344nnchen,)-250(putzten)-250(und)-250(\374berschlugen)-250(sich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle)-502(sind)-503(meine)-502(Br\374der,)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.092 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.323 0 Td [(sagte)-502(der)-502(alte)-503(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.7 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Meine)]TJ -252.758 -13.549 Td [(Kinder,)-246(weil)-245(sie)-244(schw\344cher)-245(und)-245(unkluger)-245(sind)-245(wie)-244(ich.)-249(Aber)-244(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Unklugheit)-386(ist)-387(nur)-386(scheinbar.)-660(Sie)-386(wissen)-387(sehr)-386(gut,)-421(wie)-386(sie)-386(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(leben)-280(haben,)-286(wo)-280(sie)-279(ihre)-280(Nahrung)-279(finden.)-339(Sie)-279(wissen)-280(auch,)-286(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-351(etwas)-351(Andres)-351(ist)-351(wie)-351(hienieden;)-402(nur)-351(sie)-351(w)-200(i)-200(s)-200(s)-200(e)-200(n)-351(es)-351(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sorgen)-250(nicht.)-250(H\366re!)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.524 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -72.568 -14.531 Td [(Im)-433(Busch)-432(schlug)-433(die)-433(Nachtigall)-432(eine)-433(sehnende)-433(Weise.)-797(So)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lieblich,)-450(so)-410(voll)-410(Klage)-410(und)-410(schmelzendem,)-450(lockendem)-410(Zuruf!)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-250(Reh)-250(sah)-250(ihn)-250(an)-250(mit)-250(treuen,)-250(verst\344ndigen)-250(Augen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-375(ist)-375(nicht)-376(nur)-375(die)-375(Brunst,)-407(die)-375(sie)-375(lebendig)-375(macht)-375(f\374r)-376(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Fortsetzung)-280(dieses)-280(armen,)-287(kleinen,)-288(lebendigen)-280(Lebens.)-340(Weil)-279(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374hlen,)-202(dass)-189(sie)-190(in)-190(einer)-189(Kette)-190(sind,)-201(Alle)-190(zum)-190(Lobe)-189(Gottes,)-202(den)-189(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(preisen)-206(aus)-207(ihren)-206(kleinen)-207(Kehlen,)-215(mit)-206(dem)-207(stummen)-206(Bl\374hen)-206(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Kelche,)-287(t\344glich.)-340(Das)-280(sind)-280(die)-280(Unschuldigen)-280(der)-280(Natur.)-340(Ich)-279(liebe)]TJ 0 -13.549 Td [(sie,)-277(obgleich)-271(die)-271(Menschen)-271(sie)-271(verachten,)-277(sich)-271(kl\374ger)-271(d\374nken)-271(in)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrem)-250(Stolz,)-250(ihrer)-250(Gesch\344ftigkeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 145.735 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 145.289 0 Td [([305])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(Er)-232(aber)-233(erstaunte)-232(sich,)-236(so)-232(viel)-233(Weisheit)-232(und)-233(Demuth)-232(zu)-232(finden)]TJ -11.956 -13.55 Td [(in)-350(einem)-351(alten)-350(Mann.)-551(Ein)-351(wundersamer)-350(Mann)-350(war)-351(er,)-375(mit)-350(der)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen,)-404(viereckigen)-373(Stirn,)-404(die)-374(das)-373(Denken)-373(ausgearbeitet)-373(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-191(einen)-190(Marmorblock.)-230(Sein)-191(Haar)-191(und)-190(Bart)-191(war)-190(langgewachsen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-224(sah)-224(aus)-224(wie)-223(ein)-224(Bauer)-224(und)-224(war)-224(doch)-224(ein)-223(Herr.)-242(Ruhende)-223(St\344rke)]TJ 0 -13.549 Td [(lag)-289(in)-288(ihm,)-299(der)-289(Blick,)-298(der)-289(\374ber)-288(Viele)-289(sieht.)-366(Aber)-289(er)-289(blieb)-288(milde.)]TJ 0 -13.55 Td [(Seine)-379(Hand)-379(koste)-379(den)-378(Flaum)-379(des)-379(Rehs,)-411(wo)-379(es)-379(weich)-379(ist)-378(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Hals)-250(des)-250(Thiers.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +966 0 obj << +/Type /Page +/Contents 967 0 R +/Resources 965 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +968 0 obj << +/D [966 0 R /XYZ 46.771 435.898 null] +>> endobj +969 0 obj << +/D [966 0 R /XYZ 46.771 173.139 null] +>> endobj +965 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +972 0 obj << +/Length 5259 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(180)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-280(fuhr)-280(fort:)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.751 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fr\374her)-280(war)-280(ich)-280(auch)-280(wie)-280(die)-280(andern)-280(Menschen.)]TJ -73.55 -13.549 Td [(Hochm\374thig)-316(und)-316(gesch\344ftig,)-333(verzagt)-316(in)-316(meinem)-316(Thun,)-332(wenn)-316(es)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-276(ging)-276(wie)-276(ich)-276(wollte.)-328(Gesch\344fte)-276(der)-276(K\366nige)-276(wollte)-276(ich)-275(thun)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-220(F\374rstenh\366fen.)-240(Ich)-220(wollte)-220(weise)-220(sein)-220(wie)-220(ihre)-220(Weisesten,)-226(lustig)]TJ 0 -13.55 Td [(leben)-215(wie)-215(die)-215(Lustigen)-215(und)-216(Tollen.)-238(Ich)-215(habe)-215(ihre)-215(B\374cher)-215(gelesen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-342(habe)-341(Frauen)-342(gek\374sst.)-524(Ich)-341(habe)-342(um)-341(Reichthum)-342(gesorgt)-341(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gerafft.)-319(Alles)-274(ist)-273(eitel.)-319(Gl\374cklich)-273(ist,)-279(der)-273(Niemandes)-274(bedarf,)-278(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Alles)-250(zu)-250(geben)-250(hat)-250(den)-250(Andern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(...)-493(Ich)-331(habe)-330(ihre)-331(K\374nste)-331(getrieben.)-493(Mir)-331(gefiel)-331(das)-331(schlanke)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Spiel)-473(der)-473(W\366rter,)-529(dass)-473(sie)-473(sich)-473(verwirrten)-473(und)-473(kreuzten)-473(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(blanke)-414(Schwerter)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.349 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.974 0 Td [(auseinander)-414(sinken)-415(und)-414(zur)-414(Erde)-415(flattern,)]TJ -92.323 -13.549 Td [(harmlose)-283(Strohhalme.)-349(Farben)-284(liebte)-283(ich,)-291(die)-283(die)-283(Worte)-283(lebendig)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([306])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(machen)-342(wie)-342(von)-342(getrunknem)-341(Blut,)-365(T\366ne,)-365(die)-342(rufen,)-365(die)-341(locken)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-412(befehlen,)-452(weinen)-412(machen)-412(und)-412(lachen,)-452(wie)-412(es)-412(der)-411(Zauber)]TJ 0 -13.549 Td [(verf\374gt,)-410(der)-377(sie)-378(Alle)-377(regiert.)]TJ/F21 10.9091 Tf 134 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.574 0 Td [(Ich)-378(berauschte)-377(mich)-378(selbst)-377(am)]TJ -143.574 -13.55 Td [(Wohlklang)-181(meiner)-181(T\366ne.)-227(Wollust)-180(war)-181(in)-181(der)-181(Farbe)-181(meiner)-180(Bilder.)]TJ 0 -13.549 Td [(Meine)-282(Worte)-281(waren)-282(klingelnd)-282(wie)-281(Schlittenklang,)-290(t\366nende)-281(Erze)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-354(hallende)-355(Schellen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 107.49 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.319 0 Td [(Alles)-354(ist)-354(eitel.)-563(E)-200(i)-200(n)-200(e)-354(Kunst)-355(giebt)-354(es)]TJ -116.809 -13.549 Td [(zu)-274(thun,)-280(was)-273(recht)-274(ist.)-321(Eine)-274(Farbe)-274(der)-274(Wahrheit.)-321(Einen)-274(Ton,)-279(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Verlornen,)-250(den)-250(wir)-250(wiedergefunden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.433 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -146.477 -14.532 Td [(Er)-388(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.767 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Welches)-388(ist)-388(der)-387(Ton,)-423(den)-387(Du)-388(wiedergefunden?)]TJ -68.567 -13.549 Td [(Lass)-250(mich)-250(h\366ren,)-250(dass)-250(ich)-250(weiss,)-250(ob)-250(es)-250(der)-250(rechte)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 229.353 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -217.397 -14.531 Td [(Der)-376(alte)-376(Mann)-376(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.852 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vor)-376(langen)-376(Jahrhunderten)-377(klang)-376(er)]TJ -123.652 -13.549 Td [(am)-355(See.)-564(Am)-354(See,)-381(der)-355(zwischen)-354(den)-355(Bergen)-355(liegt,)-380(Genezareth.)]TJ 0 -13.549 Td [(Was)-238(da)-238(gesprochen)-238(in)-238(himmlischen)-239(T\366nen,)-240(durch)-238(die)-238(Zeiten)-238(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Alter)-346(klingt)-346(es)-345(als)-346(Wahrsang.)-538(Wir)-346(z\344hlen)-345(die)-346(Jahre.)-538(Der)-345(Sang)]TJ 0 -13.55 Td [(ging)-380(verloren)-380(in)-381(Schwertschlag)-380(und)-380(Goldklink.)-640(In)-380(blinkenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Fabeln)-230(von)-231(Wissen)-230(und)-231(Kunst.)]TJ/F21 10.9091 Tf 136.037 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.968 0 Td [(Es)-230(giebt)-231(nur)-230(den.)-244(Niemals)-230(ward)]TJ -144.005 -13.549 Td [(er)-250(vollkommen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.088 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.132 -14.531 Td [(Er)-261(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.631 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Der)-261(Sang)-262(ist)-261(der)-262(rechte,)-264(den)-261(Du)-262(gefunden.)-284(In)-261(ihm)]TJ -64.431 -13.549 Td [(liegt)-250(Alles.)-250(Erf\374llung)-250(und)-250(Leben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.229 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -216.984 0 Td [([307])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-215(ihm)-215(liegt)-215(Antwort,)-222(Weisheit)-215(und)-215(Einfalt.)-238(Dreierlei)-216(seh)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.522 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.978 0 Td [(ich)]TJ -267.299 -13.55 Td [(die)-251(Zeiten)-250(zu)-251(deuten:)-251(Dass)-251(Einige)-251(weigern)-250(Kriegsdienst)-251(zu)-250(thun,)]TJ 0 -13.549 Td [(Verfolgung)-206(erleiden,)-215(Gef\344ngniss)-206(und)-206(Tod.)-235(Dass)-206(Viele)-206(erkannten,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +971 0 obj << +/Type /Page +/Contents 972 0 R +/Resources 970 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +973 0 obj << +/D [971 0 R /XYZ 336.602 368.152 null] +>> endobj +974 0 obj << +/D [971 0 R /XYZ 93.543 105.393 null] +>> endobj +970 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +977 0 obj << +/Length 1404 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(sechzehnte)-250(Kapitel.)-14588(181)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ihr)-224(Wissen)-224(ist)-224(eitel)-225(im)-224(weiseren)-224(Wissen.)-241(Dass)-224(Keuschheit)-224(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-423(oberste)-424(Tugend,)-466(die)-424(Frauen)-423(erwachen,)-467(die)-423(stark)-423(sind)-423(und)]TJ 0 -13.549 Td [(k\374nden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.414 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.463 0 Td [(Der)-276(bedarf)-275(nicht)-276(der)-276(Sch\344tze,)-282(der)-276(die)-276(Perle)-275(gefunden.)]TJ -46.877 -13.549 Td [(Der)-206(Tod)-206(ist)-205(ihm)-206(Freund,)-215(der)-205(das)-206(Leben)-206(erkannt.)-235(Ich)-206(sitze)-206(hier)-205(und)]TJ 0 -13.55 Td [(warte)-250(des)-250(Todes.)-250(Des)-250(F\374hrers)-250(harr)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.651 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(ich,)-250(der)-250(einf\374hrt)-250(zum)-250(Tage.)]TJ/F21 10.9091 Tf 118.756 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -262.811 -13.549 Td [(So)-351(nahmen)-352(sie)-351(Abschied.)-554(Der)-351(alte)-351(Mann)-352(sass)-351(ganz)-351(still)-351(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-303(Bank)-303(vor)-302(seiner)-303(H\374tte.)-408(Um)-303(ihn)-303(liefen)-303(die)-302(Thiere,)-316(weideten,)]TJ 0 -13.549 Td [(piepten.)-250(Er)-250(sah)-250(in)-250(die)-250(rothe,)-250(sinkende)-250(Sonne.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-250(Sonne)-250(sank.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +976 0 obj << +/Type /Page +/Contents 977 0 R +/Resources 975 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +975 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +978 0 obj +<< /S /GoTo /D (index17) >> +endobj +981 0 obj +(Das siebzehnte Kapitel.) +endobj +984 0 obj << +/Length 3430 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([308])]TJ/F16 18.9589 Tf 123.013 -68.625 Td [(Das)-265(siebzehnte)-265(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.258 -36.73 Td [(Dies)-250(geschah,)-250(als)-250(eine)-250(Emp\366rung)-250(kam)-250(im)-250(Lande.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Die)-196(Armen)-195(wollten)-196(nicht)-196(Hunger)-196(leiden)-195(und)-196(arm)-196(sein)-196(mehr.)-231(Es)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gab)-268(eine)-269(grosse)-268(Anzahl)-269(der)-268(Arbeitslosen)-269(auf)-268(allen)-268(Landstrassen,)]TJ 0 -13.55 Td [(weil)-427(die)-428(Zeiten)-427(schlecht)-428(waren.)-782(Man)-427(hatte)-428(eine)-427(solche)-427(F\374lle)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-338(G\374ter)-337(in)-338(den)-337(vergangenen)-338(Jahren)-338(auf)-337(den)-338(Markt)-337(geworfen,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-262(Niemand)-263(mehr)-262(Waaren)-262(kaufen)-262(wollte.)-287(Das)-263(Korn)-262(lag)-262(in)-262(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Speichern)-359(und)-359(verdarb.)-578(Das)-359(Fleisch)-359(wurde)-359(zu)-359(theuren)-359(Preisen)]TJ 0 -13.549 Td [(verkauft,)-396(weil)-368(die)-367(H\344ndler)-367(nicht)-367(wussten)-367(was)-367(zu)-367(thun)-367(mit)-367(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Massen)-429(ihres)-429(Viehs,)-474(Einige)-430(riethen)-429(es)-429(todtzuschlagen)-429(und)-429(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(vergraben.)-322(W\344hrend)-274(die)-273(Armen)-274(Hunger)-274(litten.)-322(Sie)-274(zogen)-273(umher)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-241(grossen)-241(Banden,)-242(Weiber)-241(und)-241(Kinder,)-243(m\374ssig)-241(vom)-241(Morgen)-240(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-232(Abend,)-235(denn)-231(sie)-232(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.497 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-232(n\374tzt)-231(es,)-235(so)-232(wir)-231(doch)-232(keine)]TJ/F16 7.9701 Tf -216.096 0 Td [([309])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Arbeit)-406(finden.)-718(Lasst)-406(uns)-406(essen)-406(und)-406(trinken)-406(und)-406(todtschlagen,)]TJ 0 -13.55 Td [(denn)-250(morgen)-250(sind)-250(wir)-250(todt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 117.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -105.917 -14.41 Td [(Gegen)-590(diese)-591(schickte)-590(man)-590(grosse)-591(Mengen)-590(Soldaten)-590(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Militair.)-857(Sie)-452(vertilgten)-453(Viele)-452(von)-452(ihnen)-453(und)-452(schlugen)-452(sie)-452(in)]TJ 0 -13.55 Td [(blutigen)-519(Schlachten,)-586(dass)-519(das)-519(Blut)-519(auf)-519(dem)-518(Strassenpflaster)]TJ 0 -13.549 Td [(floss,)-248(die)-248(K\366pfe)-247(der)-248(Fallenden)-248(sich)-247(zerschlugen)-248(am)-248(harten)-247(Stein.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr)-396(Gehirn)-396(st\374rzte)-396(aus)-396(den)-396(Sch\344deln)-396(gleich)-396(Wasser)-396(aus)-396(festen)]TJ 0 -13.549 Td [(T\366pfen.)-434(Von)-312(Geschrei)-311(und)-311(Wehklagen)-312(war)-311(die)-312(Luft)-311(erf\374llt)-311(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(einem)-250(Schlachthause.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Es)-412(kam)-412(aber)-412(auch)-412(vor,)-453(dass)-412(welche)-412(von)-412(den)-412(Soldaten)-412(ihre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Helme)-193(und)-192(R\366cke)-193(wegwarfen,)-204(zu)-193(den)-193(Feinden)-192(\374bergingen,)-204(neben)]TJ 0 -13.549 Td [(welchen)-291(sie)-292(k\344mpften)-291(auf)-292(hohen)-291(Barrikaden,)-302(in)-291(engen)-291(Strassen,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-240(man)-241(versperrt)-240(hatte)-240(mit)-241(umgest\374rzten)-240(Wagen,)-242(Matratzen)-240(und)]TJ 0 -13.549 Td [(M\366belst\374cken)-250(aus)-250(den)-250(H\344usern.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +983 0 obj << +/Type /Page +/Contents 984 0 R +/Resources 982 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 959 0 R +>> endobj +985 0 obj << +/D [983 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +979 0 obj << +/D [983 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +986 0 obj << +/D [983 0 R /XYZ 283.139 257.554 null] +>> endobj +982 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +989 0 obj << +/Length 4665 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(183)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-181(Kampf)-182(wurde)-181(noch)-181(blutiger)-182(dadurch.)-227(Die)-181(Andern)-181(machten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Jagd)-431(auf)-431(ihre)-431(fr\374heren)-432(Kameraden,)-476(schlugen)-431(sie)-431(todt)-431(wie)-431(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Hunde.)-784(Es)-428(gab)-427(keinen)-428(Pardon)-428(mehr)-428(auf)-428(beiden)-428(Seiten.)-783(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Gemetzel)-504(war)-503(furchtbar,)-567(dass)-504(alle)-504(H\344user)-503(gef\374llt)-504(waren)-503(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(Sterbenden)-421(und)-421(Verwundeten.)-763(Selbst)-421(die)-421(Leichen)-421(verschonte)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-632(nicht,)-728(\374bte)-632(an)-632(ihnen)-633(grausame)-632(Verst\374mmelung,)-727(dass)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([310])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(viele)-459(zarte)-460(Frauen)-459(und)-460(M\344dchen)-459(den)-460(Verstand)-459(verloren)-459(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Grauen)-535(des)-536(Anblicks.)-1106(Die)-535(Leute,)-607(die)-535(sich)-535(verloren)-535(sahen,)]TJ 0 -13.549 Td [(t\366dteten)-291(sich)-292(lieber)-291(selber,)-302(ehe)-291(sie)-291(sich)-292(dem)-291(Feind)-291(\374bergaben)-291(in)]TJ 0 -13.55 Td [(seiner)-299(Grausamkeit,)-312(der)-299(sie)-299(einschloss,)-311(zusammenpackte)-299(in)-299(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Gef\344ngnissen,)-222(get\366dtet)-214(zu)-215(werden)-215(oder)-214(gerichtet)-215(zum)-215(Leben,)-221(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-332(der)-332(Richter)-331(recht)-332(befand.)-496(Es)-331(waren)-332(junge)-332(Leute)-332(unter)-331(ihnen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-353(achtzehn)-353(und)-353(zwanzig)-353(Jahren,)-379(denen)-353(der)-353(Tod)-353(liebli)1(ch)-353(und)]TJ 0 -13.549 Td [(glorreich)-250(d\374nkte)-250(gegen)-250(Zuchthausarbeit)-250(und)-250(Ketten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Solches)-402(kam)-402(auch)-402(vor)-402(den)-402(K\366nig)-402(und)-402(verdross)-402(ihn)-402(sehr)-402(in)]TJ -11.956 -13.55 Td [(seinem)-359(Herzen,)-386(bek\374mmerte)-360(ihn,)-386(dass)-359(er)-359(keine)-359(Ruhe)-359(fand,)-386(oft)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(schlafen)-250(konnte)-250(in)-250(der)-250(Nacht.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(So)-193(liess)-192(er)-193(sich)-192(den)-193(grossen)-193(Prediger)-192(der)-193(Socialisten)-192(holen,)-204(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-191(noch)-191(immer)-191(im)-191(Gef\344ngniss)-190(hielt.)-231(Denn)-191(wiewohl)-191(keine)-190(Ursache)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-362(ihn)-361(vorlag,)-390(wollte)-361(man)-362(ihn)-361(doch)-362(nicht)-362(freilassen.)-584(Seine)]TJ 0 -13.55 Td [(Name)-220(ward)-220(geschrieen)-221(auf)-220(den)-220(Strassen.)-240(Viele)-220(behaupteten,)-226(dass)]TJ 0 -13.549 Td [(geheime)-310(Verbindung)-311(bestand)-310(zwischen)-310(ihm)-311(im)-310(Gef\344ngniss)-310(und)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-189(Anh\344ngern)-189(ausserhalb.)-229(Diese)-189(forderten)-189(laut,)-201(dass)-189(man)-188(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-219(Process)-219(machte,)-225(ein)-219(Exempel)-219(statuirte)-219(zur)-219(Abschreckung)-219(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Andern,)-459(weil)-418(er)-417(wohlbekannt)-418(war,)-459(sein)-418(Name)-417(als)-418(eine)-417(Fahne)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([311])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(diente,)-250(der)-250(sie)-250(Alle)-250(folgten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Dieser)-350(sprach)-349(unerschrocken)-350(vor)-349(dem)-350(K\366nig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 208.935 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-350(ist)-349(Deine)]TJ -225.735 -13.549 Td [(Schuld)-283(so)-283(gut)-283(wie)-283(dieser,)-291(wenn)-283(sie)-283(jetzt)-283(blutgierige)-283(Thiere)-283(sind.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr)-250(habt)-250(sie)-250(gehalten)-250(als)-250(Thiere)-250(in)-250(Unwissenheit)-250(und)-250(Rohheit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 267.24 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -255.284 -14.531 Td [(Der)-344(K\366nig)-343(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.399 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-344(will)-343(ihnen)-344(ja)-344(geben.)-531(Aber)-343(ich)-344(kann)]TJ -104.199 -13.549 Td [(ihnen)-250(nicht)-250(Alles)-250(geben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.048 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -94.092 -14.531 Td [(Er)-244(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.157 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-244(ist)-244(viel)-243(wichtiger,)-246(dass)-243(Du)-244(giebst,)-245(denn)-244(was)-244(sie)]TJ -63.956 -13.55 Td [(nehmen.)-579(So)-359(lange)-360(Einer)-359(hat,)-387(werden)-360(sie)-359(unzufrieden)-360(sein.)-578(So)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-341(Keiner)-340(hat,)-363(sich)-341(sorge,)-363(wie)-341(er)-340(seine)-341(Habe)-341(halte,)-363(sind)-340(Alle)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +988 0 obj << +/Type /Page +/Contents 989 0 R +/Resources 987 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +990 0 obj << +/D [988 0 R /XYZ 178.951 450.429 null] +>> endobj +991 0 obj << +/D [988 0 R /XYZ 145.416 191.031 null] +>> endobj +987 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +995 0 obj << +/Length 4844 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(184)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zufrieden.)-250(Ausserdem)-250(dass)-250(es)-250(Deiner)-250(eignen)-250(Seele)-250(gut)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 252.065 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -240.109 -14.367 Td [(Davon)-276(wollte)-276(er)-277(nichts)-276(h\366ren,)-283(schickte)-276(ihn)-276(immer)-276(und)-276(immer)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wieder)-426(weg.)-777(Aber)-426(wenn)-425(seine)-426(Bek\374mmerniss)-426(gross)-426(war)-425(und)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-220(Seele)-219(sehr)-220(unruhig)-220(in)-219(ihm,)-226(schickte)-220(er)-219(von)-220(Neuem)-220(und)-219(liess)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-275(holen.)-326(Und)-275(wollte)-275(nichts)-275(h\366ren,)-282(wenn)-275(seine)-275(R\344the)-275(dr\344ngten,)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-283(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.444 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-283(haben)-282(den)-283(Beweis)-282(und)-283(den.)-348(Sein)-282(Kopf)-283(muss)]TJ -65.288 -13.549 Td [(fallen,)-250(denn)-250(er)-250(ist)-250(ein)-250(Hochverr\344ther.)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.255 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -148.299 -14.368 Td [(So)-894(dass)-895(ein)-894(Gerede)-895(ging)-894(im)-894(ganzen)-895(Land:)]TJ/F21 10.9091 Tf 247.478 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(Drechslergeselle)-487(ist)-487(mehr)-487(denn)-486(unser)-487(K\366nig.)-961(Der)-487(Sohn)-486(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Gosse)-250(giebt)-250(die)-250(Gesetze)-250(im)-250(Staat.)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.04 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -218.795 0 Td [([312])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.368 Td [(Sie)-354(verbreiteten)-354(dies)-354(Ger\374cht)-355(mit)-354(Fleiss)-354(bis)-354(zu)-354(den)-354(fremden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(K\366nigen,)-446(dass)-407(diese)-406(Briefe)-407(schrieben,)-446(sich)-407(dar\374ber)-406(bewegten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-319(sagten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.396 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-319(hat)-319(keine)-318(Macht)-319(mehr)-319(in)-319(seinem)-318(eignen)-319(Staat.)]TJ -62.24 -13.549 Td [(Sie)-465(ist)-465(in)-464(die)-465(H\344nde)-465(dieses)-465(Aufr\374hrers)-464(gegeben,)-519(der)-465(ihn)-464(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Narrenseil)-191(f\374hrt,)-203(eine)-190(Herrschaft)-191(der)-191(Bettler)-191(errichtet)-191(\374ber)-190(seinem)]TJ 0 -13.55 Td [(Thron.)]TJ/F21 10.9091 Tf 29.389 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -17.433 -14.367 Td [(Seine)-519(R\344the)-519(beeilten)-518(sich,)-586(dieses)-519(Gerede)-519(wieder)-519(vor)-518(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(F\374rsten)-274(zu)-274(bringen,)-280(denn)-274(sie)-274(wussten,)-280(dass)-274(solches)-274(ihn)-273(wurmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-401(ihm)-401(fressen)-401(musste)-401(wie)-400(gl\374hendes)-401(Eisen.)-703(Er)-401(hielt)-401(viel)-400(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(seine)-222(W\374rde,)-228(die)-222(er)-222(von)-222(seinen)-222(V\344tern)-222(ererbt)-223(hatte,)-227(und)-222(war)-222(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-225(junger)-226(F\374rst,)-230(solchen)-226(Tand)-225(der)-225(Majest\344t)-226(gewohnt)-225(von)-225(Jugend)]TJ 0 -13.549 Td [(auf.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Sie)-697(neigten)-696(sich)-697(bis)-697(zur)-696(Erde)-697(vor)-697(ihm,)-808(leckten)-696(seine)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Schuhsohlen,)-518(w\344hrend)-464(sie)-465(ihm)-464(grobe)-464(Schmeicheleien)-464(sagten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dein)-331(Angesicht)-332(ist)-331(strahlender)-332(wie)-331(die)-331(Sonne.)-495(Wer)-331(in)-331(seinem)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Schatten)-257(lebt,)-260(muss)-257(sterben)-258(und)-257(verk\374mmern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.496 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.652 0 Td [(Sie)-257(priesen)-258(seine)]TJ -207.148 -13.549 Td [(Weisheit,)-246(die)-244(gr\366sser)-245(sei)-244(denn)-245(die)-245(aller)-244(Gelehrten)-245(und)-244(Weisesten)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-197(Land.)-233(Aber)-197(seine)-197(Macht)-197(war)-198(gr\366sser)-197(als)-197(aller)-197(K\366nige)-197(ringsum.)]TJ 0 -13.55 Td [(So)-244(er)-244(nur)-244(wollte,)-245(war)-244(er)-244(der)-244(Herr)-244(der)-244(Welt.)-248(Das)-244(Wort)-244(aus)-243(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Munde)-319(blieb)-319(Gesetz.)-456(Der)-319(blutige)-319(Kriegsruhm)-319(seiner)-318(Vorfahren)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde)-250(ihm)-250(folgen)-250(auf)-250(allen)-250(seinen)-250(Fahrten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([313])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.367 Td [(Zur)-313(selben)-312(Zeit)-313(versuchten)-313(sie)-312(geflissentlich)-313(den)-312(Reformator)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zu)-481(verringern:)]TJ/F21 10.9091 Tf 71.797 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-481(ist)-482(dieser)-481(Mann?)-945(Ein)-481(Niedriggeborner)]TJ -76.64 -13.549 Td [(und)-317(Aufgeblasner,)-333(der)-317(seinen)-317(eignen)-317(Vortheil)-317(sucht)-317(in)-317(dem)-316(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +994 0 obj << +/Type /Page +/Contents 995 0 R +/Resources 993 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +996 0 obj << +/D [994 0 R /XYZ 93.543 392.218 null] +>> endobj +997 0 obj << +/D [994 0 R /XYZ 234.566 175.354 null] +>> endobj +998 0 obj << +/D [994 0 R /XYZ 93.543 105.23 null] +>> endobj +993 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1001 0 obj << +/Length 4621 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(185)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Crapule.)-244(Wie)-231(wagt)-232(er)-232(zu)-231(Dir)-232(zu)-231(sprechen,)-236(den)-231(Gott)-232(selbst)-231(gesalbt)]TJ 0 -13.549 Td [(hat!)-431(K\366nige)-311(sind)-310(gewesen)-311(von)-310(Anbeginn)-310(der)-311(Zeiten.)-431(Wer)-310(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-468(Macht)-467(haben,)-522(wenn)-467(Du)-468(sie)-467(nicht)-468(h\344ltst?)-902(Vielschw\344tzer,)]TJ 0 -13.549 Td [(armselige,)-445(kleine)-405(Kr\344mer)-406(und)-406(Pillendreher?)-717(Man)-406(denkt,)-444(dass)]TJ 0 -13.55 Td [(Du)-508(ihn)-508(f\374rchtest.)-1025(Der)-508(Aufruhr)-509(zieht)-508(neues)-508(Blut)-508(aus)-508(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Gegenwart,)-246(weil)-244(Keiner)-244(denkt,)-246(dass)-244(Du)-244(ihn)-245(angreifen)-244(wirst,)-245(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Dein)-184(Schweigen)-184(Recht)-184(giebt.)-228(Du)-184(selbst)-184(bist)-184(ersch\374ttert)-184(in)-183(Deinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Innern,)-335(glaubst)-317(nicht)-318(an)-318(Dein)-318(heiliges)-317(Richteramt,)-335(dass)-318(Du)-317(bist)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-400(der)-400(Gnade)-400(Gottes,)-437(der)-400(H\366chste)-400(der)-400(Sterblichen,)-438(ihnen)-399(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(Dienst)-250(und)-250(Anbetung)-250(gesetzt)-250(von)-250(oben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 172.102 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -160.146 -14.367 Td [(So)-570(peinigten)-571(sie)-570(die)-570(Seele)-571(des)-570(F\374rsten,)-651(beugten)-570(sich)-570(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-566(Staub,)-646(gaben)-566(grosse)-567(Feste.)-1199(B\366ller)-566(donnerten,)-645(Fahnen)]TJ 0 -13.549 Td [(wehten.)-302(Man)-267(brachte)-268(k\366stliche)-267(Geschenke)-267(von)-268(Silber)-267(und)-267(Gold.)]TJ 0 -13.55 Td [(Alle)-303(Truppen)-302(in)-303(gl\344nzenden)-303(Uniformen)-302(mit)-303(blinkenden)-302(Waffen)]TJ 0 -13.549 Td [(defilirten.)-400(Das)-300(Zucken)-299(seiner)-300(Wimpern)-300(war)-300(f\374r)-300(sie)-300(Gesetz.)-399(Wo)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(auftrat,)-250(folgten)-250(seinem)-250(Tritt)-250(Tausende.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([314])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.367 Td [(So)-356(dass)-356(sein)-356(Herz)-355(wieder)-356(stark)-356(wurde)-356(in)-356(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 211.819 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-356(ist)-356(Alles)]TJ -228.618 -13.55 Td [(zum)-400(Besten)-400(eingerichtet.)-701(Da)-400(sieh)-400(doch!)-700(Und)-400(h\366re)-400(den)-400(Jubel)]TJ 0 -13.549 Td [(meines)-250(Volkes)-250(bei)-250(meinem)-250(Einzug.)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.833 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -142.877 -14.367 Td [(Der)-232(Gefangene)-232(aber)-233(blieb)-232(fest.)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.47 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-232(ist)-232(nicht)-233(gut.)-244(Von)-232(Dir)-232(wird)]TJ -152.27 -13.55 Td [(gefordert)-250(werden)-250(Gut)-250(und)-250(B\366se.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.269 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.313 -14.367 Td [(Dass)-170(sie)-171(sich)-170(nicht)-170(einigen)-170(konnten,)-187(der)-170(K\366nig)-170(ihn)-170(wegschickte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(im)-250(Aerger.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Diesem)-250(stiess)-250(ein)-250(ganz)-250(seltsames)-250(Begebniss)-250(zu.)]TJ 0 -14.367 Td [(Als)-391(er)-391(nach)-391(seinem)-391(Jugendfreund)-391(Johannes)-390(fragte,)-427(der)-390(sein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bester)-234(Geselle)-233(gewesen)-234(war,)-237(Rathgeber)-233(in)-234(allen)-233(Dingen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 245.239 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.003 0 Td [(und)-234(er)]TJ -253.242 -13.549 Td [(hatte)-347(keinen)-347(lieberen)-347(Freund)-348(wie)-347(ihn)-347(oder)-347(einen,)-371(der)-347(gerechter)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-359(und)-360(weiser,)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.972 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.374 0 Td [(sagte)-359(man)-359(ihm,)-387(dass)-359(dieser)-360(sein)-359(Haus)-359(nicht)]TJ -85.346 -13.549 Td [(verlassen)-355(habe,)-382(hielt)-355(sich)-355(eingeschlossen)-355(in)-355(seinem)-355(Hause)-355(und)]TJ 0 -13.549 Td [(antwortete)-244(Niemandem,)-244(nicht)-244(seinen)-243(Eltern,)-245(die)-244(i)1(hn)-244(mit)-243(Thr\344nen)]TJ 0 -13.549 Td [(beschworen,)-438(noch)-400(seinen)-400(Freunden,)-437(die)-400(um)-400(ihn)-400(sorgten,)-437(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-353(den)-353(Vorgesetzten,)-378(die)-353(ihn)-352(zu)-353(den)-353(Pflichten)-353(seines)-352(Amtes)]TJ 0 -13.55 Td [(ermahnten.)-627(So)-376(dass)-376(Jedermann)-375(anfing)-376(an)-376(seinem)-376(Verstand)-375(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(zweifeln,)-466(die)-422(seltsamsten)-423(Ger\374chte)-422(\374ber)-423(ihn)-422(umgingen)-423(in)-422(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1000 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1001 0 R +/Resources 999 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1002 0 obj << +/D [1000 0 R /XYZ 46.771 311.741 null] +>> endobj +999 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1005 0 obj << +/Length 4401 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(186)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Stadt.)-266(Nur)-255(eine)-255(schlechte,)-256(wilde)-256(Katze)-255(h\344tte)-255(er)-255(mit)-255(sich)-255(gebracht)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-526(dem)-526(Walde.)-1079(Er)-526(gab)-526(ihr)-526(zu)-526(essen)-526(und)-526(beobachtete)-526(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([315])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(lange)-407(auf)-408(ihren)-407(Raubg\344ngen.)-722(Des)-407(Abends)-408(kam)-407(sie)-407(sehr)-407(nahe)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-414(Feuer)-413(und)-414(schlief)-414(da)-413(zusammengerollt)-414(mit)-413(eingezogenen)]TJ 0 -13.55 Td [(Krallen,)-448(w\344hrend)-408(er)-408(wachend)-408(dachte,)-447(das)-408(Oel)-408(nicht)-408(ausgehen)]TJ 0 -13.549 Td [(liess)-215(Tag)-215(und)-216(Nacht.)-238(Ganz)-215(verwildert)-216(war)-215(er)-215(in)-215(seinem)-215(Aeussern,)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-396(langh\344ngendem)-395(Bart)-396(und)-396(Haaren,)-432(dass)-395(alle)-396(seine)-395(Freunde)]TJ 0 -13.549 Td [(anfingen,)-284(an)-277(eine)-277(Verwirrtheit)-277(zu)-277(glauben,)-284(grosse)-277(und)-277(ber\374hmte)]TJ 0 -13.549 Td [(Aerzte)-311(herbeizogen)-311(aus)-312(der)-311(Stadt)-311(und)-311(Gegend.)-434(Sie)-311(stellten)-311(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(viele)-421(Fragen,)-464(betasteten)-421(seinen)-421(Puls)-421(und)-421(die)-421(Zunge.)-762(Aber)-421(er)]TJ 0 -13.549 Td [(antwortete)-442(ihnen)-443(gar)-442(nichts.)-827(Sie)-442(konnten)-443(kein)-442(Zeichen)-442(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Krankheit)-250(an)-250(ihm)-250(finden.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Es)-379(war)-380(ein)-380(junges)-379(M\344dchen)-380(in)-379(der)-380(Stadt,)-411(die)-380(Tochter)-379(eines)]TJ -11.956 -13.549 Td [(angesehenen)-487(und)-487(gr\344flichen)-487(Hauses,)-546(wohl)-487(angeschrieben)-487(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(Hofe.)-727(Diese)-409(hatte)-409(schon)-409(lange)-409(im)-409(Geheimen)-409(eine)-409(Zuneigung)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-380(dem)-381(jungen)-380(Prediger,)-413(wie)-381(kindliche,)-413(unschuldige)-380(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hlen,)-718(ohne)-625(davon)-625(zu)-625(sprechen)-624(oder)-625(gar)-625(demjenigen)-624(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeichen)-476(zu)-475(geben.)-926(Nur)-476(fehlte)-475(sie)-476(niemals)-475(in)-476(seiner)-475(Kirche,)]TJ 0 -13.549 Td [(jedes)-362(kleine)-362(Geschenk)-363(oder)-362(zuf\344llig)-362(von)-362(seiner)-362(Hand)-362(Ber\374hrte)]TJ 0 -13.549 Td [(hob)-426(sie)-426(sorgf\344ltig)-426(auf.)-777(Traf)-426(sie)-426(ihn)-426(unversehens,)-470(stieg)-425(sofort)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-408(hohe)-409(R\366the)-408(der)-409(Scham)-408(ihr)-409(in)-408(die)-409(Stirn,)-448(denn)-408(sie)-408(sch\344mte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-377(ihrer)-377(Sehnsucht)-377(nach)-376(dem)-377(Mann,)-409(in)-377(der)-377(Keuschheit)-376(ihres)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([316])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Leibes,)-441(w\344hrend)-402(ihre)-403(Liebe)-402(doch)-403(zugleich)-402(ihr)-403(h\366chste)-402(Freude)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-453(Seligkeit)-454(war,)-504(also)-453(trefflich)-454(erschien)-453(er,)-504(wohlgelobt)-453(und)]TJ 0 -13.549 Td [(hochgehalten)-362(vor)-362(allen)-361(Menschen.)-586(Und)-361(war)-362(nicht,)-390(der)-362(an)-361(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(r\374hren)-250(konnte,)-250(weder)-250(die)-250(Frechen,)-250(noch)-250(die)-250(L\374gner.)]TJ 11.956 -16.003 Td [(So)-346(liebte)-346(sie)-345(allein)-346(im)-346(Garten)-346(sich)-345(zu)-346(ergehen,)-370(oder)-346(in)-345(ihrer)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Stube)-516(lange)-516(zu)-516(sitzen)-515(mit)-516(dem)-516(offnen)-516(Fenster)-516(im)-515(Fr\374hling.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonst)-539(war)-539(sie)-539(sanft)-539(und)-539(freundlich)-539(zu)-539(Jedermann,)-611(ein)-539(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(liebliches,)-323(junges)-308(M\344dchen,)-323(obgleich)-308(zart,)-323(zierlich)-308(gebildet)-308(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-264(Maiblume,)-268(mit)-264(zu)-264(schweren)-264(blonden)-264(Haaren,)-267(einer)-264(weissen)]TJ 0 -13.549 Td [(Haut,)-374(unter)-350(der)-349(man)-349(die)-350(blauen)-349(Adern)-349(sah.)-549(Ihre)-349(Eltern,)-374(ob)-349(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(gleich)-191(ihre)-190(geheime)-191(Zuneigung)-191(ahnten,)-203(sagten)-190(sie)-191(ihr)-191(doch)-190(nichts.)]TJ 0 -13.549 Td [(Weil)-346(sie)-346(so)-346(jung)-345(war,)-370(wollten)-346(sie)-346(sie)-346(nicht)-346(erschrecken,)-369(indem)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1004 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1005 0 R +/Resources 1003 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1006 0 obj << +/D [1004 0 R /XYZ 236.703 504.626 null] +>> endobj +1007 0 obj << +/D [1004 0 R /XYZ 352.966 231.187 null] +>> endobj +1003 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1010 0 obj << +/Length 4878 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(187)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sie)-237(an)-238(die)-237(Geheimnisse)-238(des)-237(Geschlechts)-238(in)-237(ihr)-238(r\374hrten.)-245(Vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(hofften)-341(sie)-341(auch,)-363(dass)-341(sp\344ter)-341(sich)-341(finden)-340(w\374rde,)-364(was)-341(noch)-340(fern)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-263(und)-264(Zeit)-263(hatte.)-290(Selbst)-263(die)-264(alten)-263(Eltern)-263(des)-264(von)-263(ihr)-263(Verehrten)]TJ 0 -13.549 Td [(wollten)-313(ihr)-313(sehr)-312(wohl,)-329(empfingen)-313(sie)-312(oft)-313(und)-313(seine)-313(Mutter)-312(liess)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-302(an)-302(ihrer)-301(Seite)-302(sitzen.)-406(Denn)-301(sie)-302(war)-302(ein)-302(sehr)-302(anmuthiges)-301(und)]TJ 0 -13.549 Td [(feines)-329(Kind,)-348(lind)-329(und)-329(kosend)-329(wie)-329(ein)-329(fr\374her)-329(Lenzmorgen)-328(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(Aprilschauern.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Diese)-465(Jungfrau,)-518(als)-465(sie)-465(von)-465(der)-465(Krankheit)-465(ihres)-464(Geliebten)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([317])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(h\366rte,)-317(dass)-303(Niemand)-304(zu)-303(ihm)-304(sprechen)-303(k\366nnte,)-317(er)-304(allein)-303(sass)-303(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-418(h\344sslichen)-417(Katze,)-459(machte)-418(sie)-418(sich)-417(allein)-418(auf,)-459(ohne)-417(irgend)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-302(Menschen)-301(etwas)-302(zu)-301(sagen.)-405(Sie)-301(zog)-302(ihr)-301(weisses)-302(Kleid)-301(an,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-306(ihr)-307(ihre)-306(Eltern)-306(geschenkt)-306(hatten)-306(zu)-307(dem)-306(ersten)-306(grossen)-306(Fest)]TJ 0 -13.55 Td [(am)-293(Hofe,)-304(band)-294(ihre)-293(Haare)-293(auf,)-304(machte)-294(sich)-293(zurecht)-293(also)-293(h\374bsch)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-193(zierlich,)-204(als)-193(sie)-193(vermochte)-192(in)-193(ihrer)-193(Jugend)-193(und)-192(Unschuld,)-204(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ging)-325(zu)-324(ihrem)-325(Johannes)-325(hinauf)-324(in)-325(die)-324(Kammer,)-344(wo)-324(er)-325(sass)-324(und)]TJ 0 -13.549 Td [(br\374tete.)-242(Und)-227(die)-226(Katze)-226(hockte)-227(neben)-226(ihm)-227(am)-226(Feuer,)-231(blinzelte)-226(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\374nlichen)-219(Augen,)-225(putzte)-219(sich)-219(zierlich)-219(und)-219(schlug)-219(mit)-219(den)-219(Pfoten)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-304(die)-304(Luft)-304(nach)-304(Fliegen.)-412(So)-304(satt)-304(war)-304(sie)-304(geworden)-304(von)-304(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 259.75 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.949 0 Td [(der)]TJ -266.699 -13.549 Td [(Milch)-231(und)-231(dem)-231(guten)-230(Fressen,)-235(dass)-231(ihr)-231(K\366rper)-231(rund)-231(erschien)-230(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-321(Ball.)-463(Er)-322(selbst)-321(war)-321(ganz)-321(eingefallen.)-463(Seine)-321(Backen)-321(zeigten)]TJ 0 -13.549 Td [(tiefe)-367(L\366cher)-367(wie)-367(die)-367(eines)-367(Todtkranken.)-601(Er)-367(starrte)-367(aus)-366(hohlen)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen)-256(und)-255(rieb)-256(die)-256(mageren)-255(Finger)-256(hin)-256(und)-255(her,)-257(eine)-256(Hand)-255(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(andern.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(So)-441(erschien)-441(vor)-441(ihm)-441(die)-441(Jungfrau)-441(in)-441(all)]TJ/F21 10.9091 Tf 183.956 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.443 0 Td [(ihrer)-441(Scham)-441(und)]TJ -204.355 -13.549 Td [(Lieblichkeit.)-447(Aber)-316(er)-315(sah)-316(sie)-315(gar)-316(nicht,)-332(fuhr)-316(fort)-315(zu)-316(starren)-315(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Finger)-250(gegeneinander)-250(zu)-250(reiben.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Sprach)-285(sie)-285(zu)-285(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 85.536 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lieber)-285(Herr!)-355(Was)-285(fehlt)-285(Euch?)-355(Alle)-285(Eure)]TJ/F16 7.9701 Tf 188.688 0 Td [([318])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(Freunde)-377(sind)-378(in)-377(Sorge.)-632(Eure)-378(Eltern)-377(weinen.)-632(Vielen)-378(ist)-377(es)-377(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(grosses)-371(K\374mmerniss,)-401(Euch)-371(also)-371(schwerkrank)-371(und)-371(schweigsam)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-250(wissen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -33.492 -14.776 Td [(Darauf)-346(sah)-346(er)-346(sie)-346(wirklich)-346(an,)-370(aber)-346(immer)-346(noch)-346(ohne)-346(sie)-345(zu)]TJ -11.955 -13.549 Td [(sehen,)-370(gleichsam)-347(als)-346(schaute)-346(er)-347(durch)-346(sie)-346(hindurch,)-371(da,)-370(wo)-346(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(war,)-292(blieb)-283(nichts.)]TJ/F21 10.9091 Tf 79.778 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bist)-283(Du)-284(eine)-283(Katze?)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.647 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.935 0 Td [(sagte)-283(er)-284(zu)-283(ihr.)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.131 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gehst)]TJ -255.178 -13.549 Td [(Du)-372(des)-372(Nachts)-372(auf)-372(Raub)-372(aus,)-403(wenn)-372(es)-372(d\344mmrig)-372(ist?)-616(Hast)-372(Du)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1009 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1010 0 R +/Resources 1008 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1011 0 obj << +/D [1009 0 R /XYZ 247.462 518.175 null] +>> endobj +1012 0 obj << +/D [1009 0 R /XYZ 284.987 422.103 null] +>> endobj +1013 0 obj << +/D [1009 0 R /XYZ 253.777 162.214 null] +>> endobj +1008 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1016 0 obj << +/Length 5453 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(188)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Junge,)-250(die)-250(Du)-250(s\344ugst)-250(mit)-250(Deinem)-250(Blute?)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -164.095 -14.163 Td [(Solche)-238(Rede)-238(erschreckte)-238(sie.)-246(Sie)-238(konnte)-238(nicht)-238(anders)-237(glauben,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-404(dass)-403(es)-404(der)-403(Wahnsinn)-404(sei,)-442(der)-403(aus)-404(ihm)-403(redete.)-711(So)-403(kamen)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-463(die)-462(Thr\344nen)-463(in)-463(die)-462(Augen.)-888(Sie)-463(sprach)-463(mit)-462(thr\344nenvoller)]TJ 0 -13.549 Td [(Stimme:)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.781 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lieber)-299(Herr!)-397(Wollt)-300(doch)-299(zu)-299(Euch)-299(kommen)-299(und)-299(Euch)]TJ -45.625 -13.55 Td [(bedenken.)-444(Ich)-315(bin)-315(die)-315(Jungfrau)-315(Ottilia,)-331(die)-314(Ihr)-315(wohl)-315(kennt.)-444(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-329(hierhergekommen,)-348(weil)-329(mich)-328(die)-329(Sorge)-329(um)-328(Euch)-329(trieb)-328(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(Sehnsucht)-250(zu)-250(Euch)-250(getragen)-250(lange)-250(unter)-250(meinem)-250(Herzen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 265.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -253.735 -14.163 Td [(Denn)-361(jetzt)-360(in)-361(seiner)-361(schweren)-360(Krankheit)-361(dachte)-361(sie,)-388(dass)-360(es)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wohl)-283(Zeit)-283(sein)-283(m\374sste,)-291(ihr)-283(Geheimniss)-283(preiszugeben.)-349(Sie)-282(wollte)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-362(aufr\374tteln.)-585(Sie)-361(f\374hlte,)-390(dass)-361(es)-362(f\374r)-362(sein)-361(Leben)-362(wichtig)-361(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(er)-250(sprach.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([319])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Er)-285(aber)-285(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 70.281 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehnsucht)-285(ist)-285(nichts.)-354(Auch)-285(Nachtwachen)-285(ist)]TJ -87.081 -13.549 Td [(nicht)-250(viel,)-250(Fasten)-250(und)-250(Hungerleiden.)-250(Ich)-250(sehne,)-250(sehne)-250(mich)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 268.745 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -256.789 -14.163 Td [(So)-293(kam)-292(sie)-293(noch)-292(n\344her)-293(an)-292(ihn)-293(heran,)-303(nahm)-293(ihn)-292(in)-293(ihre)-292(Arme.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Denn)-307(ob)-307(sie)-308(gleich)-307(ein)-307(Kind)-307(war)-307(und)-307(noch)-308(sehr)-307(jung,)-321(f\374hlte)-307(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-349(in)-348(ihrer)-349(grossen,)-373(reifen)-348(Liebe,)-373(dass)-349(sie)-348(ihn)-349(retten)-348(musste,)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-242(diesem)-242(ein)-241(Ende)-242(gefunden)-242(w\374rde)-242(um)-242(jeden)-241(Preis.)-248(Und)-241(nahm)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-282(Hand.)-346(Aber)-282(seine)-282(Hand)-282(war)-282(kalt)-282(wie)-282(Eis.)-346(Sie)-281(k\374sste)-282(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Lippen.)-393(Diese)-297(Lippen)-298(waren)-298(trocken)-297(und)-298(ohne)-297(Athem,)-310(fast)-297(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(eines)-250(Sterbenden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehnt)-370(Ihr)-369(Euch)-370(nach)-370(Liebe,)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.282 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.876 0 Td [(sprach)-370(die)-369(Jungfrau,)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.125 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(so)-370(will)]TJ -249.925 -13.55 Td [(ich)-272(sie)-273(Euch)-272(geben,)-278(warm)-273(und)-272(geduldig,)-278(wie)-272(ein)-273(Weib)-272(zu)-272(geben)]TJ 0 -13.549 Td [(vermag.)-230(Folgt)-190(mir)-189(nach)-190(draussen,)-202(Lieber!)-229(Seht,)-202(die)-190(Sonne)-189(scheint)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(die)-250(V\366gel)-250(singen)-250(freundlich)-250(dem)-250(w\344rmenden)-250(Licht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -232.244 -14.163 Td [(Damit)-462(zog)-463(sie)-462(den)-462(Vorhang)-463(vom)-462(Fenster,)-516(dass)-462(die)-462(Sonne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(warm)-362(hereinschien.)-586(Denn)-362(die)-362(Fenster)-362(waren)-362(verschlossen)-362(und)]TJ 0 -13.549 Td [(verhangen)-356(gewesen)-355(die)-356(ganze)-356(Zeit,)-382(und)-356(schwere,)-382(eiskalte)-355(Luft)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-250(die)-250(des)-250(Grabes)-250(im)-250(Zimmer.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Er)-271(fuhr)-271(mit)-271(der)-271(Hand)-271(\374ber)-271(die)-271(Stirn:)]TJ/F21 10.9091 Tf 161.429 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Liebe)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.796 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.411 0 Td [(Liebe)-271(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.977 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.8 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.55 Td [(er.)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.756 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-202(ist)-202(Liebe)-202(einer)-201(Stunde,)-212(W\344rme)-202(des)-202(Lenztags.)-234(Ich)-201(m\366chte)]TJ/F16 7.9701 Tf -91.355 0 Td [([320])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(die)-250(Sonne)-250(selbst)-250(sehen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.931 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(Sehnsucht)-250(nach)-250(dem)-250(Tode.)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.538 0 Td [(\034)]TJ -257.695 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-392(Tod)-391(kommt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.117 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.117 0 Td [(sprach)-392(sie)-391(freundlich)-392(und)-392(ohne)-391(Z\374rnen,)]TJ -102.033 -13.549 Td [(obgleich)-303(ihr)-302(Herz)-303(aufschwoll,)-316(ihr)-302(weh)-303(war)-303(zum)-302(Sterben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 253.979 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1015 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1016 0 R +/Resources 1014 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1017 0 obj << +/D [1015 0 R /XYZ 93.543 365.539 null] +>> endobj +1018 0 obj << +/D [1015 0 R /XYZ 194.871 107.403 null] +>> endobj +1014 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1021 0 obj << +/Length 5518 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(189)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(erst)-353(ist)-354(das)-353(Leben.)-560(Seht,)-379(lieber)-353(Herr!)-560(Alle)-353(Kn\366splein)-353(strecken)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(zarten)-250(Bl\344tter.)-250(Alle)-250(leben)-250(und)-250(athmen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -174.066 -14.368 Td [(Sie)-275(nahm)-274(ihn)-275(noch)-275(fester)-274(in)-275(ihre)-275(Arme)-274(und)-275(legte)-275(seinen)-274(Kopf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auf)-355(ihr)-355(Herz,)-380(dass)-355(er)-355(ihr)-355(Herz)-354(athmen)-355(f\374hlte,)-381(die)-355(W\344rme)-354(ihres)]TJ 0 -13.549 Td [(Busens)-235(ihn)-234(umfing.)]TJ/F21 10.9091 Tf 87.495 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-235(lebst)-234(jetzt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.572 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.404 0 Td [(sagte)-235(er)-234(langsam.)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.774 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-235(Du)]TJ -242.932 -13.549 Td [(wirst)-307(todt)-307(sein.)-422(W\374rmer)-307(werden)-307(in)-307(Dir)-308(wachsen,)-321(Du)-307(stinkst)-307(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(Er)-389(schleuderte)-389(seine)-389(H\344nde)-389(fort,)-424(als)-389(ob)-389(er)-389(W\374rmer)-389(von)-389(ihnen)]TJ 0 -13.55 Td [(abschlenkerte.)-250(Seine)-250(N\374stern)-250(zogen)-250(sich)-250(zusammen)-250(im)-250(Ekel.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Dieses)-323(junge)-324(Kind)-323(in)-324(ihrer)-323(Einfalt)-323(und)-324(grossen)-323(Liebe)-323(schrak)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht)-209(zur\374ck:)]TJ/F21 10.9091 Tf 59.323 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-209(werde)-210(auch)-209(mit)-209(Euch)-209(sterben,)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.798 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.126 0 Td [(sagte)-209(sie,)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.921 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)]TJ -261.856 -13.549 Td [(sp\344ter.)-451(Es)-317(ist)-318(noch)-317(lange)-317(hin.)-451(Dann)-317(giebt)-317(es)-317(ein)-317(ewiges)-317(Leben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Wir)-317(werden)-318(vereint)-317(sein.)-452(Alles)-317(Fragen,)-334(alle)-318(Sehnsucht)-317(h\366rt)-317(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-250(Himmel.)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.735 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.779 -14.367 Td [(Diese)-208(einfachen)-208(Worte)-208(machten)-208(einen)-208(schrecklichen)-207(Eindruck)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auf)-421(den)-421(Kranken.)-764(Er)-421(sprang)-421(pl\366tzlich)-421(auf,)-464(fasste)-421(ihre)-421(beiden)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([321])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(H\344nde)-317(in)-317(den)-317(Gelenken,)-334(dr\374ckte)-317(sie)-317(zusammen)-317(wie)-316(in)-317(eisernen)]TJ 0 -13.549 Td [(Ringen)-225(und)-226(schrie:)]TJ/F21 10.9091 Tf 84.474 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-225(ist)-226(nicht)-225(wahr.)-242(Es)-225(giebt)-226(keinen)-225(Himmel,)]TJ -89.318 -13.549 Td [(es)-349(giebt)-348(keinen)-349(Gott)-349(und)-349(keinen)-348(Teufel.)-547(Es)-348(giebt)-349(nur)-349(Aas)-348(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Maden.)-250(Diese)-250(Maden)-250(sind)-250(wir.)-250(Ekelhafte,)-250(stinkende)-250(Maden!)]TJ/F21 10.9091 Tf 262.975 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -251.019 -14.368 Td [(Er)-449(fing)-450(an)-450(sich)-449(die)-450(Kleider)-449(vom)-450(Leibe)-449(zu)-450(reissen,)-499(roh)-449(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lachen,)-430(h\344ssliche,)-430(unfl\344thige)-394(Worte)-394(auszustossen,)-430(derselbe,)-429(so)]TJ 0 -13.549 Td [(fein,)-215(so)-207(anmuthig)-206(und)-207(wohlgebildet)-206(fr\374her.)-236(Aber)-206(die)-207(Schwere)-206(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Geheimnisse)-321(war)-322(zu)-321(viel)-322(gewesen.)-464(Im)-321(Rathen)-322(\374ber)-321(ihnen)-321(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-281(seinen)-280(Verstand)-281(verloren.)-341(Er)-281(war)-281(jetzt)-280(nicht)-281(viel)-280(mehr)-281(als)-280(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Thier.)-250(Er)-250(raste)-250(und)-250(fletschte)-250(die)-250(Z\344hne.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Dieser)-310(Jungfrau,)-326(als)-310(sie)-310(Solches)-311(mit)-310(ansah,)-325(war)-311(es)-310(zuviel)-310(f\374r)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihr)-285(z\344rtliches)-286(und)-285(noch)-285(so)-285(kindliches)-286(Herz.)-356(Sie)-285(f\374hlte)-285(wie)-285(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(grossen)-423(Sprung)-422(durch)-423(sie)-423(hindurch,)-465(der)-423(durch)-423(ihre)-422(Gedanken)]TJ 0 -13.55 Td [(ging,)-250(ihr)-250(Besinnen)-250(und)-250(Wollen.)-250(Sie)-250(fiel)-250(ohnm\344chtig)-250(hin.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Dann)-366(st\374rzte)-366(er)-366(sich)-366(auf)-366(sie.)-599(Er)-366(riss)-366(sie)-366(an)-366(den)-366(Haaren.)-598(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zerriss)-254(ihre)-254(Kleider,)-255(zerfleischt)1(e)-254(ihr)-254(Gesicht)-254(mit)-254(den)-254(N\344geln,)-254(trat)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-377(beleidigte)-376(sie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.322 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)]TJ/F21 10.9091 Tf 16.828 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.563 0 Td [(Ihr)-377(seid)-376(der)-377(Fluch)-376(der)-377(Welt,)]TJ/F21 10.9091 Tf 127.482 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.951 0 Td [(stiess)]TJ -256.99 -13.55 Td [(er)-348(hervor.)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.401 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)-348(habt)-348(uns)-348(zu)-347(Grunde)-348(gerichtet.)-544(Das)-348(Weib!)-543(Das)]TJ/F16 7.9701 Tf 236.78 0 Td [([322])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Weib!)-364(Warum)-288(habt)-287(Ihr)-288(den)-288(Apfel)-288(gegessen)-288(und)-288(nur)-288(zur)-287(H\344lfte?)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1020 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1021 0 R +/Resources 1019 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1024 0 R +>> endobj +1022 0 obj << +/D [1020 0 R /XYZ 182.83 326.032 null] +>> endobj +1023 0 obj << +/D [1020 0 R /XYZ 256.488 79.691 null] +>> endobj +1019 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1027 0 obj << +/Length 4675 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(190)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Warum)-377(macht)-376(Ihr)-377(das)-377(Leben)-377(neu)-376(und)-377(es)-377(ist)-377(kein)-376(Leben?)-630(Ihr!)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihr!)-385(Der)-295(Schmutz)-294(seid)-295(Ihr,)-306(der)-295(Schlamm!)-385(Wir)-295(sind)-295(G\366tter.)-384(Wir)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-319(reine)-319(Geister.)-457(Die)-318(Engel)-319(des)-319(Lichts)-319(sind)-319(wir.)-457(Ihr)-319(habt)-318(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-231(Koth)-231(verkehrt.)-243(Ich)-231(habe)-231(die)-230(andre)-231(H\344lfte)-231(wiedergefunden,)-234(die,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-314(Ihr)-314(selbst)-314(verzehrt)-314(habt.)-442(Ich)-314(bin)-314(Eines)-314(Geschlechts.)-442(Ich)-314(bin)]TJ 0 -13.549 Td [(androgyn.)-250(Ich)-250(bin)-250(Gott!)-250(Gott!)-250(Gott!)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -150.142 -14.25 Td [(Die)-590(Katze)-590(mit)-591(gestr\344ubten)-590(Haaren,)-675(auf)-590(dem)-590(Kaminsims)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hockend,)-537(sah)-480(zu.)-938(Ihre)-480(Augen)-480(funkelten)-479(b\366sartig.)-939(Sie)-479(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(beide)-532(Vorderkrallen)-533(vorgebogen.)-1097(Als)-532(er)-532(die)-532(Halbgestorbne)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ckstiess,)-250(sprang)-250(sie)-250(ihr)-250(an)-250(die)-250(Kehle)-250(und)-250(biss)-250(sie)-250(todt.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Die)-330(Andern)-331(fanden)-330(diesen)-331(jungen)-330(Mann,)-351(der)-331(das)-330(todte)-330(Kind)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-352(seinen)-352(Knieen)-351(hielt.)-556(Er)-351(hatte)-352(ihr)-352(die)-352(Haare)-351(wohlgeordnet)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-251(Fr\374hlingsbl\374then)-250(hineingestreut.)-252(Ihr)-251(weisses)-250(Kleid)-251(war)-250(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-311(gebreitet)-312(wie)-311(ein)-311(Leintuch.)-434(Aus)-312(der)-311(rothen)-311(Halswunde)-311(troff)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Blut.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Die)-250(Katze)-250(hatte)-250(es)-250(an)-250(ihren)-250(Pfoten.)-250(Und)-250(leckte)-250(sie)-250(putzend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-384(viel)-385(Sch\366nheit,)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.633 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.036 0 Td [(sagte)-384(er,)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.373 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(so)-384(viel)-385(Unschuld)-384(und)-384(G\374te.)]TJ -155.685 -13.55 Td [(Das)-250(ist)-250(nun)-250(Alles)-250(dahin)]TJ/F21 10.9091 Tf 104.542 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(dahin.)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -212.446 0 Td [([323])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.25 Td [(Und)-398(weinte)-399(\374ber)-398(die)-399(junge,)-435(s\374sse)-399(Maid,)-436(nahm)-398(ihre)-398(H\344nde,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(k\374sste)-386(sie.)-659(Und)-386(k\374sste)-386(ihre)-387(weissen,)-420(kleinen)-386(F\374sschen)-386(in)-386(den)]TJ 0 -13.55 Td [(seidnen)-415(Schuhen,)-456(die)-415(sie)-415(angezogen,)-456(ihn)-415(zu)-415(ehren.)-745(Denn)-414(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(dachte)-247(in)-247(ihrem)-247(kindlichem)-247(Herzen:)-249(Vielleicht,)-247(dass)-247(dieses)-247(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Brauttag)-344(wird,)-367(der)-343(ihr)-344(Todestag)-344(geworden,)-367(des)-343(schrecklichsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Todes.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Dann)-268(seufzte)-269(er)-269(sehr)-268(tief,)-273(sagte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 141.723 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-269(vergehen)-268(die)-269(Blumen.)-305(O)]TJ -158.523 -13.549 Td [(s\374sse)-183(Blume!)-227(Blume)-183(der)-182(Unschuld,)-196(der)-183(G\374te)-182(und)-183(des)-182(Verzeihens!)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-332(h\344tte)-332(liebliche,)-353(kleine)-332(Kinder)-332(gehabt.)-496(Ihre)-332(Enkel)-332(h\344tten)-332(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(gesegnet.)-710(Keinem)-404(hast)-403(Du)-404(je)-403(Unrecht)-404(gethan.)-710(Kein)-403(unreiner)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-217(unfreundlicher)-217(Gedanke)-217(hat)-217(Dich)-217(best\374rzt.)-239(Kein)-217(Anblick)-217(der)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344sslichkeit)-328(Deinen)-328(Sonnenweg)-328(gekreuzt.)-483(Weint)-328(nicht)-328(um)-327(sie,)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-250(ihr)-250(ist)-250(wohl.)-250(Warum)-250(weint)-250(Ihr?)]TJ/F21 10.9091 Tf 159.066 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -147.11 -14.251 Td [(Er)-260(begriff)-260(es)-260(nicht,)-263(dass)-260(sie)-260(weinten,)-262(versank)-260(in)-260(tiefes)-260(Br\374ten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Da)-347(Etliche)-347(die)-347(Katze)-347(todtgeschlagen)-347(hatten,)-371(nahm)-347(er)-347(den)-346(Balg)]TJ 0 -13.549 Td [(auf,)-536(streichelte)-479(ihr)-479(zerr\374ttetes)-479(Fell)-479(und)-479(bettete)-479(sie)-479(neben)-479(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1026 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1027 0 R +/Resources 1025 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1024 0 R +>> endobj +1028 0 obj << +/D [1026 0 R /XYZ 93.543 284.935 null] +>> endobj +1025 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1031 0 obj << +/Length 4431 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(191)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Jungfrau.)-426(Die)-309(Hand)-308(der)-309(Jungfrau)-308(lag)-309(auf)-309(dem)-308(runden)-309(Kopf)-308(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Thieres.)-325(Beide)-275(waren)-275(weiss,)-281(Eine)-275(wie)-275(die)-274(Andre,)-282(von)-274(zierlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gliedern,)-250(weich)-250(anzusehen)-250(und)-250(z\344rtlich)-250(in)-250(ihrer)-250(Geberde.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Dies)-252(that)-251(er.)-255(Niemand)-252(konnte)-251(ihn)-252(hindern.)-255(Denn)-251(es)-252(war)-251(etwas)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([324])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Besondres)-330(in)-331(seinem)-330(Wesen,)-350(weit)-330(weg,)-351(als)-330(ob)-330(er)-330(erhaben)-330(w\344re)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-319(alles)-318(Lob)-319(oder)-318(Anschuldigung)-319(der)-319(Welt.)-455(Und)-319(that,)-336(was)-318(er)]TJ 0 -13.549 Td [(wollte.)-237(Denn)-210(es)-211(war)-210(Niemand,)-218(der)-211(ihm)-210(zuwider)-211(sein)-210(konnte,)-218(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(erkl\344ren)-250(mochte,)-250(warum)-250(er)-250(so)-250(that.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Etliche)-337(forderten,)-358(dass)-336(er)-337(vor)-336(Gericht)-337(gestellt)-336(w\374rde)-337(um)-336(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Todes)-479(willen)-479(der)-478(Jungfrau.)-936(Ihre)-479(Eltern)-479(waren)-479(reiche)-478(Leute,)]TJ 0 -13.549 Td [(wohlangesehen)-362(bei)-362(Hofe.)-585(Andre)-362(sagten,)-389(er)-362(sei)-362(nicht)-362(richtig)-361(in)]TJ 0 -13.55 Td [(seinem)-213(Gem\374th,)-221(das)-214(viele)-213(Lernen)-213(habe)-214(ihn)-213(verwirrt.)-238(Diese)-213(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(wohl)-250(recht.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Da)-355(nun)-354(aber)-355(auch)-355(Etliche)-354(der)-355(Jungfrau)-355(nachsagten,)-381(dass)-354(sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-291(Recht)-291(zu)-292(Schaden)-291(gekommen)-291(sei,)-302(weil)-291(sie)-291(zu)-291(einem)-291(Manne)]TJ 0 -13.55 Td [(gegangen)-234(um)-234(die)-234(einsame)-233(Stunde,)-237(wurden)-234(sie)-234(bestraft.)-245(Denn)-233(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-239(den)-239(Staub)-239(auf)-239(ihr)-239(Grab)-239(warf,)-241(darin)-239(sie)-239(begraben)-239(war)-239(mit)-239(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Katze,)-313(bl\374hten)-301(daraus)-300(Lilien)-301(auf.)-402(Also)-300(dass)-301(das)-300(ganze)-301(Grab)-300(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Liliengarten)-240(war.)-246(Die)-240(Lilien)-240(wuchsen)-240(ohne)-240(Unterschied)-240(\374ber)-239(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Jungfrau)-212(und)-213(\374ber)-212(der)-212(Katze.)-238(Und)-212(war)-212(grosses)-213(Wunder)-212(vor)-212(allem)]TJ 0 -13.55 Td [(Volk.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-294(schwieg)-294(zu)-294(Allem.)-382(Da)-294(er)-294(vom)-294(Kirchhof)-294(zur\374ckkam,)-305(legte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-312(sein)-312(Kleid)-312(nicht)-312(ab)-312(und)-312(zog)-312(seine)-312(Schuhe)-312(nicht)-312(aus.)-436(Aber)-312(er)]TJ 0 -13.549 Td [(setzte)-250(sich)-250(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.168 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(Fenster)-250(und)-250(sah)-250(in)-250(die)-250(Nacht.)]TJ/F16 7.9701 Tf 229.224 0 Td [([325])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.368 Td [(So)-277(sass)-276(er)-277(viele)-277(Tage.)-330(Alle,)-284(die)-276(ihn)-277(mit)-277(Thr\344nen)-276(beschworen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seine)-377(Eltern,)-408(die)-377(klagten,)-408(die)-377(Freunde,)-409(die)-376(ihn)-377(lieb)-377(hatten,)-408(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Richter,)-295(die)-286(ihn)-286(ausfragten,)-295(das)-286(Volk,)-295(das)-286(gegen)-286(ihn)-286(l\344rmte,)-294(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-305(gar)-305(nicht.)-415(Er)-305(nahm)-305(nicht)-305(Speise)-305(und)-306(Trank,)-318(sah)-305(in)-305(die)-305(Nacht)]TJ 0 -13.55 Td [(gen)-250(Osten)-250(gerichtet)-250(und)-250(wartete)-250(auf)-250(den)-250(Morgen.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Zu)-261(diesem,)-265(da)-261(er)-262(noch)-261(in)-262(diesem)-262(Zustand)-261(war,)-264(kam)-262(der)-261(F\374rst,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(weil)-203(er)-203(sein)-202(Freund)-203(gewesen)-203(und)-203(der)-203(Vertraute)-202(seiner)-203(Jugend,)-212(der)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-327(guten)-327(Rath)-326(gegeben)-327(in)-327(allen)-327(Dingen.)-480(Sein)-327(Wort)-327(stand)-326(fest)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-305(ein)-305(Fels.)-416(Und)-305(es)-305(war)-305(eine)-305(Regel)-305(der)-306(Gerechtigkeit,)-318(gerecht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(sein)-250(wie)-250(Johannes.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1030 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1031 0 R +/Resources 1029 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1024 0 R +>> endobj +1032 0 obj << +/D [1030 0 R /XYZ 245.258 476.709 null] +>> endobj +1033 0 obj << +/D [1030 0 R /XYZ 124.695 230.369 null] +>> endobj +1034 0 obj << +/D [1030 0 R /XYZ 46.771 203.172 null] +>> endobj +1029 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1037 0 obj << +/Length 4735 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(192)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-355(F\374rst,)-381(da)-356(er)-355(ihn)-355(so)-355(bleich)-355(sah)-355(mit)-355(grossen,)-381(unirdischen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(blauen)-320(Augen,)-337(erschrak)-319(er)-320(wie)-320(alle)-319(die)-320(Andern,)-337(sprach)-320(zu)-319(ihm:)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Warum)-330(sitzt)-329(Du)-330(und)-329(schaust)-330(in)-329(die)-330(Nacht?)-489(Denn)-329(es)-330(ist)-329(Nacht)]TJ -4.844 -13.549 Td [(draussen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.898 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.942 -14.368 Td [(Er)-252(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.312 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-252(ist)-251(wohl)-252(Nacht)-252(jetzt.)-255(Aber)-251(der)-252(Morgen)-252(kommt.)]TJ -64.112 -13.549 Td [(Ich)-250(warte)-250(auf)-250(die)-250(Sonne.)]TJ/F21 10.9091 Tf 106.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -94.375 -14.368 Td [(Und)-249(wandte)-250(seine)-249(Augen)-250(wieder)-249(gen)-250(Osten,)-250(sass)-249(und)-249(wartete.)]TJ 0 -14.367 Td [(Dann)-459(ver\344nderte)-460(sich)-459(sein)-460(Benehmen.)-878(Er)-459(wurde)-459(eilfertig,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(th\344tig,)-175(voller)-156(Freude,)-174(scheerte)-156(sich)-156(und)-156(legte)-156(ordentliche)-155(Kleidung)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)-482(Seinen)-327(Dienern)-327(gab)-328(er)-327(gute)-327(Vermahnung,)-347(dankte)-327(ihnen)-327(f\374r)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([326])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Alles,)-304(was)-294(sie)-294(ihm)-293(gethan)-294(hatten.)-380(Als)-294(seine)-293(alten)-294(Eltern)-293(kamen,)]TJ 0 -13.549 Td [(tr\366stete)-294(er)-294(sie)-294(mit)-294(freundlichen)-294(und)-294(sonderlichen)-294(Worten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 256.39 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Seid)]TJ -261.234 -13.549 Td [(froh,)-469(liebe)-426(Eltern,)-469(denn)-426(es)-425(ist)-425(bald)-426(Zeit)-425(f\374r)-426(uns)-425(Alle,)-469(vereint)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-346(sein.)-538(Ich)-346(habe)-346(Eure)-346(weissen)-346(Haare)-346(lieb,)-370(Eure)-346(Thr\344nen)-346(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-395(Lindigkeit,)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.648 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.153 0 Td [(k\374sste)-395(ihre)-395(H\344nde.)-685(Einen)-395(jungen)-395(Bruder)-395(der)]TJ -76.801 -13.55 Td [(Jungfrau,)-371(fast)-346(ein)-346(Knabe)-347(noch,)-370(den)-347(er)-346(oft)-347(geliebkost,)-370(befahl)-346(er)]TJ 0 -13.549 Td [(ihnen)-405(als)-405(Sohn,)-443(segnete)-405(diesen)-405(und)-405(liess)-405(ihn)-405(nicht)-405(von)-404(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Seite.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Es)-296(war)-296(aber)-296(schon)-296(die)-296(siebente)-296(Nacht.)-388(Danach)-296(als)-296(die)-295(Sonne)]TJ -11.956 -13.55 Td [(aufging,)-251(that)-250(er)-251(einen)-250(lauten)-251(Schrei:)]TJ/F21 10.9091 Tf 158.499 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-251(Sonne!)-251(Die)-251(Sonne!)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.528 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.577 0 Td [(...)]TJ -272.448 -13.549 Td [(fiel)-250(hin)-250(und)-250(war)-250(todt.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Dies)-512(verbreitete)-512(grossen)-512(Schrecken)-512(\374ber)-512(Alle,)-577(die)-512(es)-512(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(angesehen)-503(hatten.)-1011(Der)-503(F\374rst)-504(blieb)-503(sehr)-504(bedr\374ckt)-503(in)-503(seinem)]TJ 0 -13.55 Td [(Gem\374th,)-377(wurde)-351(nicht)-352(froh,)-376(griff)-352(Dieses)-351(auf)-352(und)-351(Jenes,)-377(liess)-351(es)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-250(fallen)-250(in)-250(der)-250(wandernden)-250(Unruhe)-250(seiner)-250(Gedanken.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Es)-632(war)-631(aber)-632(sehr)-631(schw\374l)-632(im)-632(Gemach,)-726(unleidlich,)-727(vom)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sengenden)-405(Brand)-405(der)-405(Sommersonne.)-715(Seit)-405(Wochen)-405(prallte)-405(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonne.)-234(Man)-204(konnte)-203(keine)-203(Frische)-204(finden,)-212(weder)-204(auf)-203(der)-203(Terrasse,)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-181(in)-181(den)-180(G\344rten.)-227(Die)-181(ganze)-181(Luft)-180(schien)-181(mit)-181(Feuer)-181(ges\344ttigt)-180(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([327])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(verschlang)-297(sich)-297(schwer)-298(wie)-297(stagnirendes)-297(Wasser,)-309(das)-297(Uebelkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(hervorruft,)-312(eine)-299(Umwendung)-300(im)-299(Magen.)-399(Jeden)-299(Abend)-300(sah)-299(man)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-189(Horizont)-188(Feuerspiele,)-201(vom)-189(Licht,)-201(das)-188(niemals)-189(ganz)-188(unterging,)]TJ 0 -13.55 Td [(weil)-220(es)-219(in)-220(den)-220(Ausstr\366mungen)-219(der)-220(Erde)-219(selbst)-220(war,)-226(der)-219(lagernden)]TJ 0 -13.549 Td [(Hitze,)-250(die)-250(nie)-250(ein)-250(Regen)-250(erfrischte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1036 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1037 0 R +/Resources 1035 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1024 0 R +>> endobj +1038 0 obj << +/D [1036 0 R /XYZ 183.799 393.778 null] +>> endobj +1039 0 obj << +/D [1036 0 R /XYZ 127.182 133.888 null] +>> endobj +1035 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1042 0 obj << +/Length 4386 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(193)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Man)-378(sprach)-379(von)-378(einem)-378(Brand)-379(der)-378(Welt.)-635(Hass)-378(und)-378(Aufruhr)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlugen)-306(sehr)-306(hohe)-307(Wogen.)-418(Die)-307(sengende)-306(Hitze)-306(blies)-306(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.417 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-306(Hirn)]TJ -253.05 -13.549 Td [(der)-459(Menge)-459(wahnwitzige)-459(Gedanken)-459(von)-459(Tod)-459(und)-459(Orgie.)-877(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 44.531 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lasst)-250(uns)-250(sterben)-250(und)-250(saufen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.16 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -165.579 -15.186 Td [(Auf)-544(seinem)-544(purpurnen)-544(Lager)-544(ruhte)-544(der)-544(K\366nig.)-1132(Aber)-544(er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(w\344lzte)-309(sich)-308(rastlos,)-324(die)-308(Kissen)-309(aufwerfend)-309(und)-308(niederdr\374ckend.)]TJ 0 -13.55 Td [(Seine)-479(Finger)-479(stachen)-479(in)-479(weichen)-479(Atlas.)-937(Seine)-479(Augenh\366hlen)]TJ 0 -13.549 Td [(schienen)-481(verbrannt)-481(von)-481(der)-481(Hitze,)-539(der)-481(Schlaflosigkeit)-480(langer)]TJ 0 -13.549 Td [(N\344chte,)-686(die)-598(seine)-599(Lider)-598(mit)-599(Braun)-599(gemalt)-598(h\344tte,)-686(dass)-598(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Pupillen)-226(wie)-227(Kohlenfunken)-226(gl\374hten)-227(in)-226(einem)-227(Haufen)-226(von)-226(Asche.)]TJ 0 -13.549 Td [(Von)-278(den)-278(aufgesprungnen,)-285(ged\366rrten)-278(Lippen)-278(hauchte)-277(Glutathem.)]TJ 0 -13.55 Td [(Das)-479(innere)-479(Zittern)-480(schlug)-479(und)-479(sch\374ttelte)-479(ihn)-479(wie)-479(eine)-479(ferne,)]TJ 0 -13.549 Td [(aufreizende)-286(Musik.)-359(Er)-286(hatte)-286(Fieber)-286(und)-286(der)-286(k\374hlende)-286(Trank)-286(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Arztes)-250(gab)-250(keine)-250(Labe.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([328])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.186 Td [(Durch)-212(die)-213(weiten)-212(Hallen)-213(des)-212(Palastes)-212(trieb)-213(das)-212(ruhelose)-212(Fieber)]TJ -11.955 -13.549 Td [(den)-250(jungen)-250(F\374rsten.)]TJ 11.955 -15.186 Td [(Alle)-360(W\344nde)-360(waren)-361(mit)-360(wundervollen)-360(Fresken)-360(und)-360(Gobelins)]TJ -11.955 -13.549 Td [(verziert,)-560(Grossthaten)-497(seines)-498(Hauses,)-560(Schlachten,)-559(Kr\366nungen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Staatsakte.)-232(Auf)-198(feurigen,)-208(sich)-197(b\344umenden)-197(Schlachtrossen)-197(stiegen)]TJ 0 -13.549 Td [(junge)-306(Helden,)-321(lockenumwallte,)-320(im)-306(flatternden)-307(Helmbusch.)-418(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgestreckte)-491(Schwert)-491(deutete)-490(nach)-491(vorne.)-973(Der)-490(Brustpanzer)]TJ 0 -13.55 Td [(gleisste.)-732(Unter)-410(den)-411(Hufen)-410(wand)-411(sich)-410(formlos,)-451(ein)-410(Gequ\344ltes,)]TJ 0 -13.549 Td [(Bezwungnes,)-466(der)-424(Drache,)-466(der)-423(Lindwurm)-424(der)-423(Unordnung,)-466(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Feind.)-225(Andre)-176(waren)-175(ernsthafter.)-226(Sie)-175(standen)-176(gerade,)-190(hierarchisch,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-370(M\344ntel)-370(flossen)-370(in)-370(weiten)-370(priesterlichen)-370(Falten.)-610(Eine)-370(Hand)]TJ 0 -13.549 Td [(hielt)-385(den)-386(Apfel,)-419(das)-386(Sinnbild)-385(der)-386(Gewalt,)-419(die)-385(andre)-386(den)-385(Stab.)]TJ 0 -13.55 Td [(Ueber)-352(der)-351(Stirn)-352(gleisste)-352(mystisch)-351(der)-352(Goldreif.)-555(Das)-352(waren)-351(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Sagenhaften,)-481(die)-435(grossen)-435(Gr\374nder,)-482(die)-435(K\366nige,)-481(Hirten,)-481(V\344ter)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-385(Geschlechter.)-656(Sie)-385(h\374teten)-386(und)-385(herrschten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 215.308 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.657 0 Td [(Es)-385(gab)-386(ganz)]TJ -224.965 -13.549 Td [(geharnischte)-545(unter)-544(ihnen,)-618(schwarz)-545(in)-545(schwarzen)-544(R\374stungen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wo)-437(das)-437(Gesicht)-437(klein,)-483(vogelartig)-437(schien)-437(unter)-437(dem)-437(Eisen)-436(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Sturmhaube.)-457(Ihre)-318(Nasen)-319(bogen)-319(sich)-319(wie)-319(Raubthierschn\344bel.)-456(In)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-265(schweifenden)-264(Linie)-265(des)-265(Bartes)-264(wohnte)-265(die)-264(Grausamkeit.)-294(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hielten)-188(das)-188(Schwert)-188(in)-188(eiserner)-188(Faust.)-229(Der)-188(Fuss)-188(im)-188(Stahlschuh)-188(trat)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1041 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1042 0 R 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[(schauten)-378(mit)-378(Schatten)-378(des)-378(Wahnsinns)-378(in)-378(erschrocknen)-377(Augen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Heuchlerische)-268(mit)-268(t\374ckischem)-269(Fuchsunterbau)-268(des)-268(Gesichts.)-304(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Scapulier)-448(hing)-448(an)-447(ihrer)-448(H\374fte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.8 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.34 0 Td [(Die)-448(Carreaus)-448(der)-447(Gem\344lde)]TJ -158.14 -13.549 Td [(zeigten)-477(kleine)-476(Pl\344ne)-477(der)-477(St\344dte,)-533(Festungsbauten)-477(in)-476(Miniatur.)]TJ 0 -13.549 Td [(Fr\366hliche)-183(K\366nige)-184(trugen)-183(zierliche,)-197(gestickte)-183(Hoftracht.)-228(Der)-183(Falke)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-319(der)-318(Faust)-319(zeigte)-319(den)-318(J\344ger,)-336(das)-319(l\344chelnde)-318(Auge)-319(den)-318(Freund)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-374(Damen.)-623(Und)-374(Kolosse)-374(folgten:)-498(Wandelnde)-374(Fleischmassen,)]TJ 0 -13.549 Td [(doppelte)-573(und)-574(dreifache)-573(Kinne,)-654(bartlose,)-654(saftige)-573(Lippen)-573(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Woll\374stlinge,)-171(kleine,)-170(feuchte,)-171(in)-151(Fett)-150(vergrabne)-151(Augen,)-171(das)-150(Ganze)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-324(Gold,)-342(Purpurstickerei)-324(\374berladen,)-342(unter)-324(enormen)-323(Perr\374cken,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-276(sie)-276(grotesk)-276(und)-275(\374bermenschlich)-276(machten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.315 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.464 0 Td [(Alles)-276(das)-276(wurde)]TJ -209.779 -13.549 Td [(blasser.)-1243(Ein)-580(Gedanke)-581(war)-581(hineingekommen,)-664(eine)-580(gewisse)]TJ 0 -13.549 Td [(Traurigkeit,)-524(Schrecken)-469(bei)-469(Einigen,)-523(Resignation)-469(der)-469(Andern,)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-447(der)-446(gegebenen)-447(Maske,)-496(derselben)-446(Decoration)-447(von)-446(Gold,)]TJ 0 -13.549 Td [(Kronen,)-222(L\366wen,)-223(Hermelinfalten,)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.516 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.806 0 Td [(der)-216(Mensch,)-222(etwas)-216(Einzelnes,)]TJ -152.322 -13.55 Td [(Abgel\366stes,)-246(Pers\366nliches.)-248(D)-200(e)-200(r)-245(war)-245(gestorben)-245(in)-245(der)-245(Verachtung)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([330])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(der)-379(Menschen,)-411(nachdem)-379(er)-379(sie)-379(gegeisselt)-379(und)-379(geg\344ngelt)-378(hatte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dieser)-226(hatte)-225(die)-226(Verbannung)-225(gekannt,)-231(das)-225(Ungl\374ck,)-231(den)-225(Verrath,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-266(Dem\374thigung.)-298(Jener)-266(Junggestorbne)-266(wollte)-266(und)-266(konnte)-265(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sein)-343(Nachfolger)-342(hatte)-343(gewogen)-342(und)-343(klug)-342(gerechnet.)-528(Unter)-342(der)]TJ 0 -13.55 Td [(gesuchten)-405(Bonhomie,)-443(dem)-405(fast)-405(gem\374thlichen)-405(L\344cheln,)-443(lauerte)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-430(Tigerzug.)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.343 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.144 0 Td [(Sie)-430(hatten)-430(gewusst)-430(und)-429(durften)-430(nicht)-430(sagen.)]TJ -79.487 -13.549 Td [(Einige)-389(hatten)-390(sagen)-389(gewollt.)-669(Aber)-389(sie)-389(waren)-390(todt.)-668(Sie)-389(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(traurig)-309(und)-308(ungl\374cklich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.065 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.821 0 Td [(Ueber)-309(die)-308(ging)-309(man)-308(schnell)-309(hinweg,)]TJ -119.886 -13.549 Td [(wie)-329(\374ber)-328(Kranke,)-348(deren)-329(Krankheit)-329(gef\344hrlich)-328(ist)-329(und)-328(anstecken)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnte.)]TJ 11.955 -18.459 Td [(Er)-549(war)-550(der)-549(Letzte.)-1148(Er)-549(war)-550(ein)-549(Ende)-549(ihrer)-550(Rasse.)-1148(Sie)]TJ -11.955 -13.549 Td [(betrachteten)-239(ihn)-240(Alle:)-244(Die)-240(herrischen)-239(Augen,)-242(die)-239(ruhigen,)-241(satten,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-294(anklagenden,)-305(flackernden)-294(...)-382(Zehn)-294(Jahrhunderte!)-382(Er)-293(war)-294(da.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-413(diese)-413(Jahrhunderte)-412(waren)-413(in)-413(seinem)-413(Blut,)-453(ein)-413(St\374ck)-412(von)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1045 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1046 0 R +/Resources 1044 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1024 0 R +>> endobj +1047 0 obj << +/D [1045 0 R /XYZ 184.193 518.175 null] +>> endobj +1048 0 obj << +/D [1045 0 R /XYZ 323.282 260.74 null] +>> endobj +1044 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1051 0 obj << +/Length 4444 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(195)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ihm.)-525(Es)-341(war)-342(sein)-341(Leben,)-365(was)-341(er)-342(schon)-342(vorher)-341(gelebt)-342(hatte.)-524(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(erschien)-270(ihm)-270(furchtbar)-270(auf)-270(einmal)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.652 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.399 0 Td [(ein)-270(so)-270(langes)-270(Leben!)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.006 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.399 0 Td [(eine)]TJ -262.456 -13.549 Td [(Kette,)-250(eine)-250(erstickende)-250(Last,)-250(dr\374ckende)-250(Schwere)-250(...)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Eine)-428(goldne)-429(Sonne)-428(war)-429(im)-428(Plafond)-429(des)-428(Saals)-429(gemalt.)-785(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schickte)-392(ihre)-393(Strahlen)-392(nach)-393(allen)-392(Seiten.)-678(Kreisrund)-392(war)-392(diese)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([331])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Sonne,)-512(ohne)-460(Schatten,)-513(und)-460(ihre)-460(Strahlen)-460(standen)-460(gerade)-459(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(geschliffne)-194(Schwerter.)-232(Goldne)-194(Leisten)-194(liefen)-194(am)-194(Gesims)-194(entlang.)]TJ 0 -13.549 Td [(In)-377(unnat\374rlicher,)-408(\374ppiger)-377(F\374lle)-377(dr\344ngten)-377(sich)-377(Beeren,)-408(Fr\374chte,)]TJ 0 -13.549 Td [(Blumen,)-339(die)-322(Ecken)-321(hielten)-321(Adler,)-340(Greifen)-321(und)-321(Wappenschilder)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-374(anspringenden)-375(L\366wen.)-622(An)-375(den)-374(Fenstern)-374(fielen)-374(senkrechte)]TJ 0 -13.549 Td [(Purpurdraperieen.)-1108(Sie)-536(fielen)-537(in)-536(runden,)-607(tiefen)-536(Falten)-536(einer)]TJ 0 -13.55 Td [(Tuba.)-246(Dunkler,)-242(lichtlos)-239(erschien)-239(der)-239(Sammet)-239(in)-239(den)-239(W\366lbungen,)]TJ 0 -13.549 Td [(tiefroth)-481(gl\374hend)-481(in)-481(den)-482(Schatten)-481(zwischen)-481(den)-481(Falten.)-943(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Priesterm\344ntel)-432(fielen)-432(sie,)-478(rothe)-432(G\374sse)-432(von)-432(Blut,)-477(gleichm\344ssig)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgegossen)-410(in)-409(immerw\344hrendem)-410(str\366menden)-409(Fliessen.)-728(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(Gold,)-241(zur\374ckgeworfen)-238(im)-239(Glanz)-239(von)-238(hundert)-239(Spiegeln,)-240(ertr\344nkte)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-184(im)-184(Purpur,)-198(ohne)-184(ihn)-184(zu)-184(erw\344rmen,)-198(der)-184(alles)-184(Licht)-184(verschlang,)]TJ 0 -13.549 Td [(dunkler)-581(wurde,)-663(satt,)-663(brutal,)-663(sich)-581(triumphirend)-580(breitete,)-663(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Vampyr,)-250(der)-250(Oger)-250(der)-250(Farben.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Und)-161(er)-160(sah)-161(eine)-161(Jungfrau,)-178(wunderbarer)-161(denn)-161(sterbliche)-160(Weiber,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(\374ber)-250(die)-250(Gr\366sse)-250(der)-250(Frauen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Ganz)-317(von)-317(Gold)-317(erschien)-316(diese)-317(Jungfrau,)-334(leuchtender)-317(wie)-316(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(leuchtende)-342(Sonne.)-527(Das)-342(Gold)-342(schmiegte)-343(sich)-342(um)-342(ihre)-342(Schenkel)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-516(schmalen)-516(geh\344mmerten)-516(Ringen)-516(von)-516(seltner)-516(Feinheit.)-1047(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(umschloss)-281(ihre)-281(Arme)-281(wie)-280(in)-281(einem)-281(Handschuh.)-343(Die)-281(Spitzen)-280(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([332])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Finger)-296(waren)-296(von)-296(dunklerem)-296(Golde)-296(wie)-296(in)-296(Goldstaub)-295(gepudert.)]TJ 0 -13.55 Td [(Es)-178(schuppte)-178(sich)-178(\374ber)-178(ihrem)-178(Leib)-178(in)-178(gleissender)-177(Schuppenbr\344une.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-600(ihre)-599(Br\374ste)-600(waren)-600(aus)-600(reinem,)-687(geschmiedetem)-599(Gold,)]TJ 0 -13.549 Td [(aufrechtstehend)-449(mit)-449(geschliffnen)-448(Spitzen)-449(wie)-449(Schwerter.)-846(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(trug)-281(einen)-280(goldnen)-281(Helm)-281(auf)-281(dem)-280(Haupte.)-342(Der)-281(war)-281(geformt)-280(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(\374berragender)-313(Spitze)-312(wie)-313(ein)-312(Helm)-313(der)-312(Pallas,)-328(aufrechtgestellter)]TJ 0 -13.55 Td [(Fittich)-264(eines)-264(Adlers.)-293(Er)-264(stieg)-264(sehr)-264(tief)-264(in)-265(die)-264(Stirn.)-292(Die)-264(Stirn)-264(war)]TJ 0 -13.549 Td [(gebunden)-172(mit)-172(einer)-173(purpurnen)-172(Binde.)-224(Purpurstreifen)-172(fielen)-172(nieder)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-215(ihrer)-214(Schulter)-215(und)-215(hingen)-214(nieder)-215(zu)-215(ihren)-214(Beinen)-215(wie)-214(Lazzis,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1050 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1051 0 R +/Resources 1049 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1052 0 obj << +/D [1050 0 R /XYZ 236.443 462.342 null] +>> endobj +1053 0 obj << +/D [1050 0 R /XYZ 277.679 188.085 null] +>> endobj +1049 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1057 0 obj << +/Length 4375 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(196)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Striemen)-251(geschnittnen)-251(Leders,)-251(die)-251(ben\344ht)-251(waren)-251(mit)-250(Edelsteinen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-448(Streifen)-448(und)-448(Kreisen.)-843(Bei)-448(jeder)-448(Bewegung)-448(funkelten)-447(und)]TJ 0 -13.549 Td [(blitzten)-318(die)-317(Steine,)-335(dass)-318(man)-318(nicht)-317(hinsehen)-318(konnte,)-335(die)-317(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(geblendet)-342(bluteten)-343(vom)-342(spr\374henden)-342(Glanz)-342(der)-342(Steine.)-527(Sie)-342(trug)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-476(ihrer)-476(Hand)-476(zwei)-476(st\344hlerne)-476(Schwerter.)-928(Schellen)-476(waren)-475(an)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-419(Gelenken)-418(befestigt,)-461(die)-419(klirrten)-419(und)-419(klangen.)-756(Der)-418(Arm)]TJ 0 -13.549 Td [(reckte)-357(sich)-357(frei)-357(aus)-356(den)-357(Purpurstreifen)-357(der)-357(Schulter.)-571(Wenn)-356(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-382(bewegte,)-415(klatschten)-383(und)-382(fielen)-382(die)-382(purpurnen)-382(Streifen)-382(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Peitschenb\344nder.)-494(Die)-332(Schwerter)-331(kreuzten)-332(sich)-331(in)-332(der)-331(Luft)-331(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(ihrem)-250(Haupte)-250(und)-250(beschrieben)-250(Kreise,)-250(und)-250(fielen)-250(herunter.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([333])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.776 Td [(Die)-496(Haare)-495(dieser)-496(Jungfrau)-496(waren)-495(schwarz)-496(mit)-495(st\344hlernem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Glanz)-419(wie)-420(des)-419(Rabenfittichs,)-462(roth)-420(vom)-419(aufsteigenden)-419(Gleisch)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-311(Flammen.)-434(Ihre)-311(Augen)-311(waren)-312(gr\374n)-311(wie)-311(Smaragden)-311(im)-311(Ring)]TJ 0 -13.549 Td [(schwarzer)-373(Diamanten,)-405(die)-373(purpurne)-373(Lichter)-374(schossen,)-404(dass)-373(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Glanz)-493(unertr\344glich)-493(war)-493(f\374r)-493(den,)-553(der)-493(hineinsehen)-493(wollte,)-553(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Blick)-320(gebannt)-319(sass)-320(in)-319(ihnen,)-337(h\344ngen)-320(blieb)-319(wie)-320(die)-319(Motte)-320(in)-319(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Flamme.)-394(Aber)-298(ihr)-298(Mund)-298(war)-298(Blut.)-394(Die)-298(R\366the)-298(ihrer)-298(Lippen)-298(war)]TJ 0 -13.55 Td [(r\366ther)-429(denn)-430(die)-429(vom)-429(Blute,)-474(als)-429(ob)-430(sie)-429(Blut)-429(getrunken)-429(h\344tten,)]TJ 0 -13.549 Td [(uners\344ttlich)-278(gierig,)-285(frisches)-278(Blut)-278(jeden)-278(Tages.)-334(Ihre)-278(Z\344hne)-277(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(Raubthierz\344hne,)-590(spitz)-522(mit)-522(geschliffnen)-522(Spitzen.)-1066(Z\344hne,)-589(die)]TJ 0 -13.549 Td [(bissen)-227(in)-226(Fleisch,)-231(das)-227(blutete.)-242(Dieses)-227(Blut)-226(tranken)-227(ihre)-226(t\366dtlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Lippen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Und)-237(er)-236(wusste,)-239(dass)-237(diese)-237(Jungfrau)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.572 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(die)-237(Macht)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.785 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.424 0 Td [(hiess,)-239(Helena)]TJ -222.58 -13.549 Td [(von)-307(Troja,)-322(Judith)-307(und)-308(Herodias,)-321(Cleopatra,)-322(die)-307(Aegypterin.)-422(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-362(von)-362(k\366niglichem)-362(Geschlecht,)-390(eine)-362(einzige)-362(Jungfrau)-362(in)-362(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt)-292(und)-292(gab)-292(mehr)-292(Wollust)-293(denn)-292(Jede.)-376(Und)-292(es)-292(hatte)-292(sie)-292(nie)-292(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Mann)-281(besessen.)-345(Alle,)-289(die)-282(sie)-281(freiten,)-289(waren)-282(gestorben.)-344(Sie)-281(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-239(Blut)-239(getrunken.)-246(Und)-239(es)-239(war)-239(ihr)-239(Blut)-239(und)-239(ihre)-239(Kraft,)-241(die)-239(sie)-239(so)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366n)-301(machte,)-315(unwiderstehlich)-301(und)-301(herrlich)-301(vor)-302(den)-301(Sinnen)-301(der)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344nner.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([334])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.777 Td [(Und)-250(sie)-250(tanzte)-250(vor)-250(ihm.)]TJ 0 -14.776 Td [(Sie)-368(tanzte.)-604(Sehr)-368(langsam)-368(wandte)-368(sie)-368(sich)-368(und)-368(ihre)-368(Schulter)]TJ -11.956 -13.55 Td [(kehrte)-497(an)-496(ihren)-497(Platz)-496(zur\374ck.)-990(Sie)-496(hob)-497(den)-496(Arm.)-990(Und)-496(der)]TJ 0 -13.549 Td [(andre)-497(Arm)-498(stieg)-497(rund)-497(auf,)-560(die)-497(Brust)-497(aus)-498(den)-497(H\374ften)-497(reckte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1056 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1057 0 R +/Resources 1055 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1058 0 obj << +/D [1056 0 R /XYZ 93.543 393.865 null] +>> endobj +1059 0 obj << +/D [1056 0 R /XYZ 93.543 122.695 null] +>> endobj +1055 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1062 0 obj << +/Length 4462 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(197)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sich)-379(in)-378(langsamer,)-411(schwellender)-379(Anstrengung.)-636(Einen)-378(Moment)]TJ 0 -13.549 Td [(blieb)-458(sie)-459(weit)-458(vorgeschoben,)-511(keuchend,)-511(wie)-458(eine)-458(gez\374ngelte,)]TJ 0 -13.549 Td [(gef\344hrliche)-376(Schlange,)-408(w\344hrend)-375(die)-376(Beine)-376(angenagelt)-376(warteten,)]TJ 0 -13.549 Td [(zitternd,)-473(gezwungen.)-786(Im)-429(Kopf,)-473(zur\374ckgebogen,)-474(schlugen)-428(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Lider.)-1072(Der)-524(Hals)-523(strebte)-524(weiss,)-593(liliensehns\374chtig)-524(unter)-523(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(blutigen,)-260(d\374rstenden)-258(Bogen)-258(der)-258(Lippen)-258(...)-274(Eine)-258(Woge)-258(schien)-257(die)]TJ 0 -13.549 Td [(harte)-272(Linie)-271(der)-272(Schultern)-271(zu)-272(verwirren.)-314(Das)-272(Kinn)-271(sank)-272(zur)-271(Seite)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(einem)-250(Seufzer.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Kriegerische,)-287(wilde)-279(Musik)-279(schien)-280(sie)-279(zu)-279(wecken.)-338(Sie)-279(richtete)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-382(auf)-383(ganz)-382(erzitternd.)-648(Man)-382(sah)-383(das)-382(Erzittern)-383(vom)-382(Fuss)-382(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(zur)-343(Helmspitze)-342(laufen,)-366(wie)-342(eines)-343(Uhrwerks,)-365(dessen)-343(Feder)-342(man)]TJ 0 -13.549 Td [(ber\374hrt)-328(hat,)-347(das)-327(sich)-328(in)-327(Gang)-328(setzt.)-483(Die)-327(H\374ften)-328(kr\374mmten)-327(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(abgezeichnet)-365(zum)-364(Sprunge.)-594(Ganz)-365(vorgeneigt,)-393(das)-364(Kinn)-365(in)-364(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Luft,)-408(beide)-377(H\344nde)-377(flach)-376(ausgespreizt,)-409(dass)-376(die)-377(ganze)-377(Last)-376(des)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366rpers)-291(auf)-290(der)-290(Zehe)-291(ruhte,)-301(horchte)-290(sie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 180.693 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.623 0 Td [(Sie)-291(b\374ckte)-290(sich)-290(noch)]TJ -189.316 -13.549 Td [(tiefer.)-243(Die)-227(Spitzen)-228(der)-227(Br\374ste)-228(schienen)-228(den)-227(Schooss)-228(zu)-227(ber\374hren.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([335])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Sie)-268(kroch.)-305(Sie)-268(schnellte)-269(sich.)-304(Sie)-268(stiess)-269(einen)-268(rauhen)-268(Schrei)-268(aus.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-313(Finger)-313(griffen)-314(krallend)-313(in)-313(die)-313(Leere.)-440(Hart)-313(\374ber)-313(dem)-313(Boden)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-206(im)-205(Anzug)-206(einer)-205(Armbrust,)-215(bohrte)-205(der)-206(Ellbogen,)-214(ein)-205(Tremolo,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-296(nicht)-296(nachliess,)-308(rascher)-296(und)-296(rascher)-297(wurde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 212.171 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.685 0 Td [(Sie)-296(war)-296(wach)]TJ -220.856 -13.549 Td [(geworden.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Ihre)-257(Zunge)-257(gegen)-258(ihren)-257(Gaumen)-257(gab)-257(einen)-258(Lockton.)-271(Sie)-257(warf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-247(nach)-248(rechts.)-249(Sie)-247(schnellte)-248(ihre)-247(Schultern)-248(nach)-247(links)-247(hin\374ber.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-392(Hals)-392(im)-392(scharfen,)-428(zuckenden)-392(R\374cken)-392(gab)-392(das)-392(Tempo)-392(an.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-295(Fuss)-294(stahl)-295(sich)-294(tastend)-295(vor.)-383(Der)-295(andre)-294(folgte)-295(in)-294(sch\374rfender)]TJ 0 -13.549 Td [(Schleife.)-541(Ihre)-346(Kniee)-347(tanzten.)-541(Sie)-346(gaukelte)-347(in)-347(den)-347(H\374ften.)-540(Die)]TJ 0 -13.55 Td [(Erde)-250(liess)-250(sie.)-250(Sie)-250(flog)-250(auf,)-250(ihr)-250(gellendes)-250(Tambourin)-250(sch\374ttelnd.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Das)-351(war)-350(die)-351(Bewegung.)-552(Die)-350(Erde)-351(belebt)-350(durch)-351(den)-350(Willen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(unsterbliche)-218(Kunst)-217(des)-218(Ausdrucks.)-239(Es)-218(giebt)-218(keine)-217(Schwere.)-239(Kein)]TJ 0 -13.55 Td [(Gesetz)-370(der)-369(Unwandelbarkeit)-370(hemmt.)-608(Der)-369(K\366rper)-370(spricht.)-608(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Formen)-250(singen,)-250(das)-250(Fleisch)-250(hat)-250(Seele.)]TJ/F21 10.9091 Tf 167.258 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Sie)-250(tanzte.)]TJ -163.484 -14.776 Td [(Sie)-351(marschirte)-351(in)-352(einem)-351(t\366nenden,)-376(triumphirenden)-351(Marsche.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Ihre)-404(Sohlen)-405(stampften)-404(den)-404(Boden)-404(wie)-405(Schlachtrosse,)-442(schwere)]TJ 0 -13.549 Td [(Kolonnen)-553(Gepanzerter.)-1160(Der)-554(Leib)-553(zwischen)-553(den)-553(stelzenden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1061 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1062 0 R +/Resources 1060 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1063 0 obj << +/D [1061 0 R /XYZ 273.122 313.71 null] +>> endobj +1060 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1066 0 obj << +/Length 4305 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(198)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(S\344ulen)-407(der)-407(Beine)-407(schien)-407(getragen)-407(wie)-407(eine)-407(kostbare)-407(Last,)-446(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Altartisch)-229(k\366stlicher)-229(G\374ter,)-233(der)-228(avancirte,)-233(langsam,)-233(feierlich,)-233(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([336])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(der)-306(Feierlichkeit)-307(und)-306(Langsamkeit)-307(einer)-306(Procession.)-419(Ihre)-306(Arme)]TJ 0 -13.549 Td [(blieben)-272(steif)-272(wie)-272(die)-272(Arme)-272(einer)-272(Statue,)-277(einer)-272(ehernen)-272(Jungfrau,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-346(zermalmt,)-370(was)-345(sie)-346(an)-346(ihren)-346(Busen)-346(dr\374ckt.)-537(Sie)-346(n\344herte)-345(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-286(ein)-285(Traumbild,)-295(ein)-286(schrecklicher)-285(Alpdruck)-286(der)-285(Fiebernacht,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-224(schwarze)-224(Venus)-223(der)-224(Aegypter,)-229(der)-224(Leben)-224(gegeben)-223(ist.)-224(...)-241(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-192(Elephanten)-193(zur)-192(Schlacht)-193(ruft,)-204(in)-192(kurzen)-193(St\366ssen,)-203(antworteten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Schellen)-250(und)-250(Schwerter.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Sie)-718(tanzte.)-1655(Sie)-718(stiess)-718(kurze,)-835(wilde)-718(Schreie)-718(aus)-718(wie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(M\366wengekreische)-407(\374ber)-408(dem)-407(Sturmmeer.)-722(Ihre)-407(Arme)-407(schlugen)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-442(Luft)-442(aufgescheucht.)-826(Ihre)-442(F\374sse)-442(suchten)-442(mit)-442(gekr\374mmten)]TJ 0 -13.549 Td [(Spitzen)-326(im)-326(sich)-325(steigernden)-326(Zittern,)-345(der)-326(Furcht,)-345(des)-325(Wunsches,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-193(Raserei.)-232(Sie)-193(drehte)-193(sich.)-231(Ihre)-194(Haare)-193(peitschten)-194(den)-193(Boden)-193(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-399(aufgespanntes,)-437(schwarzes)-400(Pfauenrad.)-698(Die)-399(unteren)-399(Glieder)]TJ 0 -13.549 Td [(schienen)-359(sich)-359(zu)-359(verschieben)-359(mit)-359(den)-359(Gelenken)-359(der)-359(oberen)-358(im)]TJ 0 -13.549 Td [(verzweifelten)-418(Wunsche)-418(der)-418(Verm\344hlung.)-754(Losgel\366st)-417(zwischen)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-479(H\374ften,)-537(eine)-479(Bl\374the)-479(im)-479(Sturmwind,)-537(schwankte)-479(und)-479(bog)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-355(die)-356(Taille.)-566(Sie)-355(zerbrach)-355(sich,)-382(knickte.)-566(Mit)-355(irrem)-355(Klopfen)]TJ 0 -13.549 Td [(huschten)-172(die)-171(Finger)-172(in)-171(der)-172(Leere.)-223(Kleine)-172(Wehmuthsrufe)-171(schrillten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Schellen,)-250(Klagegezwitscher)-250(flatternder,)-250(fremder)-250(V\366gelchen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([337])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.186 Td [(Diese)-173(Drehung)-173(wurde)-173(schneller,)-189(schwindelnd)-173(schnell.)-224(Schnell,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wie)-333(von)-332(R\344dern,)-353(Maschinen,)-354(St\344hlernem.)-497(Man)-333(unterschied)-332(die)]TJ 0 -13.549 Td [(T\366ne)-432(der)-433(Schellen)-432(und)-433(Castagnetten)-432(nicht)-432(mehr.)-798(Es)-432(war)-432(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Wirbel,)-586(ein)-520(z\374gelloser)-519(Tanz,)-586(Sichineinanderverschlingen)-519(der)]TJ 0 -13.549 Td [(T\366ne.)-630(Die)-376(Arme)-377(waren)-376(die)-377(Fl\374gel)-376(einer)-377(Windm\374hle,)-408(die)-376(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(schwangen)-230(im)-230(Drehen.)-243(Roth)-230(und)-230(goldne)-230(Streifen.)-243(Sie)-230(peitschten,)]TJ 0 -13.549 Td [(flogen.)-401(Die)-301(Felder)-300(wurden)-301(Kreise.)-401(Vom)-301(Boden,)-313(Kreisel)-300(gleich,)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-359(an)-359(derselben)-359(Stelle,)-386(wirbelten)-359(die)-359(Fussspitzen.)-577(Sie)-358(war)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-394(Kreisel)-393(im)-394(Ganzen,)-429(mit)-394(der)-393(weiten)-394(Fl\344che)-393(nach)-394(oben,)-429(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Rad,)-301(eine)-291(Blume,)-300(eine)-291(Libelle)-291(aufgespiesst)-290(an)-291(einer)-291(Nadel,)-300(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(rothgoldne)-332(Rose,)-354(\374ber)-332(der)-332(das)-333(Gesicht)-332(schwebte,)-353(unbeweglich,)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ckgebogen)-172(mit)-171(l\344chelnden)-172(Lippen)-172(unter)-171(dem)-172(goldnen)-171(Helme.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Sie)-481(drehte)-480(sich,)-539(drehte.)-942(Sie)-480(war)-481(die)-481(Sonne.)-941(Rothgoldne)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1065 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1066 0 R +/Resources 1064 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1067 0 obj << +/D [1065 0 R /XYZ 115.962 504.626 null] +>> endobj +1068 0 obj << +/D [1065 0 R /XYZ 93.543 243.176 null] +>> endobj +1064 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1071 0 obj << +/Length 4726 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(siebzehnte)-250(Kapitel.)-14754(199)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sonne.)-669(Die)-390(Lazzi)-389(waren)-390(Strahlen.)-669(Strahlen)-389(waren)-390(ihre)-389(Arme)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-342(Beine.)-524(Die)-341(Br\374ste)-342(waren)-341(die)-342(Scheibe,)-364(die)-342(stille)-341(stand,)-364(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(metallnen,)-327(weissgl\374henden)-311(Spitzen.)-434(Sie)-312(stachen)-311(wie)-311(brennende)]TJ 0 -13.549 Td [(Eisennadeln.)-706(Ein)-401(Athem)-402(von)-402(Blut)-402(und)-402(Hitze)-402(schlug)-402(\374ber)-401(ihn)]TJ 0 -13.55 Td [(hin.)-325(Immer)-275(wieder)-275(Hitze)-275(und)-276(Blut,)-281(roth)-275(und)-275(gold,)-281(nur)-275(noch)-275(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Farbe)-299(bildend,)-310(die)-299(der)-298(Wollust,)-311(der)-298(Frau,)-311(der)-298(Bewegung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 255.567 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.71 0 Td [(Der)]TJ/F16 7.9701 Tf 26.747 0 Td [([338])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Lustwille)-238(des)-237(Feuers,)-240(der)-238(die)-237(Erde)-238(dreht,)-240(in)-238(den)-237(Adern)-238(kocht)-237(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Gluthsud.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Das)-154(war)-153(keine)-154(Frau)-154(mehr,)-172(die)-154(Frau)-154(nicht.)-218(Das)-153(war)-154(die)-153(Schlange,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(spiegelnd)-316(in)-316(allen)-317(Farben)-316(des)-316(Universums,)-333(die)-316(glorreiche,)-332(erste)]TJ 0 -13.549 Td [(Schlange,)-366(sie,)-365(die)-343(herrlicher)-343(war)-342(denn)-343(alle)-342(Thiere.)-528(Sie)-342(richtete)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-395(zischend)-395(auf)-395(mit)-395(ihrem)-395(ganz)-395(weissen)-394(Leibe,)-432(der)-394(goldnen)]TJ 0 -13.549 Td [(Krone)-211(und)-210(der)-211(blutrothen,)-218(d\374rstenden)-211(Zunge:)-230(Und)-210(wirst)-211(wie)-210(Gott)]TJ 0 -13.55 Td [(sein)-250(...)-250(Wie)-250(Gott.)-250(Wie)-250(Gott.)-250(...)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-201(hielt)-202(sich)-201(nicht)-202(mehr:)]TJ/F21 10.9091 Tf 105.79 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sei)-201(mein!)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.59 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.041 0 Td [(schrie)-201(er)-202(auf.)]TJ/F21 10.9091 Tf 58.132 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sei)-201(mein!)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.591 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.368 Td [(Diesen)-265(Abend)-265(unterzeichnete)-266(der)-265(K\366nig)-265(das)-265(Todesurtheil)-265(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(grossen)-393(Demagogen.)-678(Er)-393(wurde)-392(im)-393(Gef\344ngniss)-393(hingerichtet)-392(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-406(Fr\374he,)-444(ehe)-406(die)-406(Sonne)-406(aufging,)-444(ohne)-406(dass)-406(Unruhen)-405(darum)]TJ 0 -13.549 Td [(entstanden)-250(in)-250(der)-250(Stadt.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Diesem)-301(in)-302(seiner)-302(letzt)1(en)-302(Nacht,)-314(da)-302(er)-301(auf)-302(den)-301(Tod)-302(m\374de)-301(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-355(das)-356(Sterben)-355(nahe)-356(f\374hlte,)-381(wurde)-356(eine)-355(wunderbare)-355(Tr\366stung)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(Theil.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-227(sah)-227(pl\366tzlich)-227(an)-227(sein)-226(Lager)-227(treten)-227(eine)-227(Frau,)-232(eine)-226(vornehme)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Dame,)-319(in)-305(der)-305(Tracht)-305(einer)-305(Reiterin.)-415(Sie)-305(reichte)-305(ihm)-305(einen)-305(Krug)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-214(Wasser)-214(von)-214(ihrer)-214(Schulter)-214(und)-214(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 184.388 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Trinke,)-221(mein)-214(Bruder.)]TJ -189.231 -13.549 Td [(Einmal)-235(habe)-235(ich)-235(Dich)-236(im)-235(Leibe)-235(gesehen)-235(und)-235(ich)-235(wusste,)-238(dass)-235(Du)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([339])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mein)-318(Bruder)-317(warst.)-453(Jetzt)-318(weiss)-317(ich)-318(es)-318(besser)-317(und)-318(Niemand)-317(soll)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-250(mehr)-250(trennen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.469 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.513 -14.368 Td [(Er)-507(erkannte,)-571(dass)-507(es)-506(dieselbe)-507(Dame)-507(war,)-571(die)-507(ihn)-506(damals)]TJ -11.956 -13.549 Td [(angesehen)-573(hatte)-573(im)-574(Wagen,)-653(da)-574(er)-573(noch)-573(irre)-573(ging)-573(und)-573(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Mordgedanken)-603(rang,)-691(auch)-603(diejenige,)-691(die)-603(zu)-603(dem)-602(Fremden)]TJ 0 -13.549 Td [(gesprochen)-475(hatte)-476(am)-475(Brunnen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 150.177 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.641 0 Td [(Es)-475(befand)-476(sich)-475(aber,)-532(dass)]TJ -160.818 -13.55 Td [(diese)-294(edle)-294(Frau)-295(und)-294(Gr\344fin)-294(gestorben)-294(war)-294(in)-294(derselbigen)-294(Nacht,)]TJ 0 -13.549 Td [(also)-191(eine)-192(mysteri\366se)-191(Geschwisterschaft)-191(gewesen)-191(zwischen)-191(ihnen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1070 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1071 0 R +/Resources 1069 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1072 0 obj << +/D [1070 0 R /XYZ 311.048 450.429 null] +>> endobj +1073 0 obj << +/D [1070 0 R /XYZ 222.876 175.354 null] +>> endobj +1069 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1076 0 obj << +/Length 2456 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(200)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-180(Vielen)-179(unbegreiflich)-180(d\374nkte)-180(zwischen)-179(einem)-180(niedrigen)-179(Mann,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(damals)-250(so)-250(niedrig)-250(gewesen,)-250(und)-250(einer)-250(hochgebornen)-250(Dame.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Mit)-433(dieser)-433(Neuigkeit)-433(von)-433(seinem)-433(Tode)-433(kamen)-433(Etliche)-433(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sagten)-250(sie)-250(dem)-250(Fremden.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Er)-252(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.328 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-252(war)-252(ein)-252(Starker,)-253(stark)-252(vor)-252(allen)-252(Menschen,)-253(den)]TJ -64.127 -13.549 Td [(selbst)-284(die)-285(K\366nige)-284(h\366rten.)-354(Er)-284(ist)-284(nun)-285(dahin)-284(und)-285(nichts)-284(bleibt)-284(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-250(\374brig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.458 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -33.502 -13.549 Td [(Sie)-236(sprachen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.972 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hat)-236(er)-236(denn)-236(nicht)-236(recht)-236(gethan)-236(mit)-236(dem,)-239(was)-236(er)]TJ -77.771 -13.549 Td [(forderte,)-250(da)-250(er)-250(von)-250(den)-250(K\366nigen)-250(und)-250(M\344chtigen)-250(forderte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 249.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -237.971 -13.55 Td [(Er)-404(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.291 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-404(K\366nige)-404(und)-403(M\344chtigen)-404(sind)-404(nicht)-404(die,)-442(die)]TJ -69.091 -13.549 Td [(geben)-323(k\366nnen.)-469(Von)-323(innen)-323(muss)-323(es)-323(kommen,)-341(was)-323(die)-323(Welt)-323(neu)]TJ 0 -13.549 Td [(gebiert.)-482(Wenn)-327(die)-327(Bettler)-327(die)-327(Letzten)-328(sind,)-346(werden)-327(die)-327(K\366nige)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([340])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(die)-321(Ersten)-320(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 73.536 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.952 0 Td [(Es)-321(ist)-320(aber)-321(auch)-320(m\366glich,)-338(dass)-321(es)-320(von)-321(einem)]TJ -82.488 -13.549 Td [(K\366nig)-250(k\344me.)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.357 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(...)]TJ -51.972 -13.55 Td [(Sie)-347(wollten,)-372(dass)-347(er)-347(dies)-347(noch)-347(n\344her)-348(erkl\344rte.)-541(Aber)-347(er)-348(sagte)]TJ -11.955 -13.549 Td [(nichts)-250(und)-250(ging)-250(weit)-250(fort)-250(in)-250(eine)-250(einsame)-250(Gegend.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1075 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1076 0 R +/Resources 1074 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1054 0 R +>> endobj +1077 0 obj << +/D [1075 0 R /XYZ 178.339 369.134 null] +>> endobj +1074 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1078 0 obj +<< /S /GoTo /D (index18) >> +endobj +1081 0 obj +(Das achtzehnte Kapitel.) +endobj +1084 0 obj << +/Length 3404 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([341])]TJ/F16 18.9589 Tf -241.284 -68.984 Td [(Das)-265(achtzehnte)-265(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.74 -37.089 Td [(Ueber)-152(dem)-151(Schlachtfeld)-151(war)-152(die)-151(Sonne)-152(untergegangen,)-171(eine)-151(rothe,)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374de)-291(Sonne)-291(des)-291(Sp\344therbstes,)-301(die)-291(zerfliesst)-291(in)-291(einem)-291(Blutmeer.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-399(sah)-399(nur)-399(noch)-399(Streifen)-399(von)-399(ihr)-399(wie)-399(lange)-398(Wundenstriche,)]TJ 0 -13.549 Td [(rothe,)-621(zerflatternde)-547(im)-547(Grauen.)-1141(Sie)-547(wurden)-547(dunkler.)-1141(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Finsterniss)-466(schien)-465(in)-466(sie)-465(einzudringen,)-520(vage)-465(Gr\374ne,)-519(Violette.)]TJ 0 -13.55 Td [(Alles)-250(starb)-250(in)-250(einem)-250(brandigen)-250(Nebel.)]TJ 11.956 -14.482 Td [(Zweimal)-159(\374ber)-158(den)-159(Acker)-159(waren)-159(die)-158(Heere)-159(dahingestampft.)-219(Erst)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-281(Fl\374chtenden,)-290(Fussvolk)-281(und)-281(Reiterei)-282(durcheinander)-281(in)-281(wilder)]TJ 0 -13.549 Td [(Panik.)-807(Oft)-436(gingen)-436(die)-436(Letzten)-436(\374ber)-435(die)-436(Ersten.)-807(Dazwischen)]TJ 0 -13.55 Td [(schob)-561(man)-560(Gesch\374tze,)-638(Munitionswaggons.)-1182(Wo)-560(die)-560(Pferde)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-581(gen\374gten,)-664(halfen)-581(M\344nner)-581(mit.)-1244(Andre)-581(hatte)-581(man)-581(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Stich)-294(lassen)-293(m\374ssen.)-381(Sie)-293(lagen)-294(in)-293(unnat\374rlichen)-294(Positionen,)-304(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgereckten)-162(H\344lsen,)-179(zerbrochnen)-162(R\344dern,)-180(unsch\344dlich)-161(gemachte)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([342])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(Eisenungeth\374me,)-176(S\344ttel,)-175(Flinten,)-176(Uniformst\374cke,)-175(Leichen.)-219(Zuerst)]TJ 0 -13.55 Td [(hatten)-255(die)-255(Pferde)-255(versucht,)-257(sie)-255(nicht)-255(zu)-255(treten.)-266(Aber)-255(man)-255(spornte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-205(an.)-235(Es)-205(galt)-205(das)-205(Leben.)-235(Die)-205(zu)-205(schwach)-205(oder)-205(verwundet)-205(waren,)]TJ 0 -13.549 Td [(blieben)-176(zur\374ck.)-225(Eine)-177(Zeitlang)-176(hatten)-176(sie)-176(sich)-176(fortgeschleppt.)-225(Oder)]TJ 0 -13.549 Td [(Andre)-235(zogen)-235(sie)-234(mit.)-245(Dann)-235(hatte)-235(man)-235(sie)-235(verlassen.)-245(Sie)-234(schrieen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Manche)-182(versuchten)-182(noch)-182(zu)-182(kriechen,)-196(sich)-182(weiter)-182(fortzubewegen,)]TJ 0 -13.549 Td [(anzukrampfen.)-629(Sie)-377(gaben)-376(es)-377(bald)-376(auf.)-629(Die)-377(gingen)-376(hin.)-629(Dann)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-332(nur)-331(noch)-332(ein)-332(einziges,)-352(zielloses)-332(Trappeln)-332(von)-331(Zweibeinen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Vierbeinigen,)-250(R\344dern,)-250(die)-250(liefen,)-250(liefen)-250(...)]TJ 11.955 -14.482 Td [(Man)-256(ertheilte)-256(noch)-257(Commandos.)-268(Berittne)-256(Offiziere)-256(sprengten)]TJ -11.955 -13.55 Td [(ab)-487(und)-487(zu.)-960(In)-487(einigen)-487(Abtheilungen)-487(herrschte)-487(eine)-486(gewisse)]TJ 0 -13.549 Td [(Ordnung.)-1410(Sie)-637(hielten)-636(sich)-637(von)-636(den)-637(andern)-637(getrennt)-636(und)]TJ 0 -13.549 Td [(marschirten)-281(rhythmisch.)]TJ/F21 10.9091 Tf 110.124 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.52 0 Td [(Man)-281(sah)-281(sehr)-281(hohe)-281(Offiziere)-281(mit)-281(den)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1083 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1084 0 R +/Resources 1082 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1085 0 obj << +/D [1083 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1079 0 obj << +/D [1083 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1086 0 obj << +/D [1083 0 R /XYZ 139.851 243.215 null] +>> endobj +1082 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1090 0 obj << +/Length 4321 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(202)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Abzeichen)-219(ihres)-219(Ranges,)-226(einen)-219(alten)-219(General)-219(auf)-219(seinem)-219(weissen)]TJ 0 -13.549 Td [(Pferde.)-527(Sein)-342(Gesicht)-342(war)-342(vollst\344ndig)-343(schwarz)-342(vom)-342(Pulver)-342(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Staub.)-694(Er)-398(opferte)-398(sich)-399(auf.)-694(Er)-398(war)-398(\374berall.)-694(Man)-398(h\366rte)-398(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stimme)-239(wie)-240(die)-239(eines)-240(Hirten.)-246(Einige)-240(junge)-239(Rekruten)-239(acclamirten)]TJ 0 -13.55 Td [(ihn.)-631(Man)-378(wusste,)-408(dass)-378(dieser)-377(ein)-377(Held)-377(war.)-631(Er)-377(konnte)-377(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-341(\344ndern,)-364(die)-341(Eile)-342(des)-341(R\374ckzugs)-341(nahm)-341(zu.)-524(Sie)-341(f\374hlten)-341(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([343])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Athem)-217(des)-217(verfolgenden)-216(Feindes)-217(im)-217(Nacken.)-239(Einige)-217(hatten)-216(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(weggeworfen)-204(und)-204(liefen)-205(laut)-204(schreiend.)-235(Sie)-204(wussten)-204(nicht,)-213(wohin)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-419(liefen.)-756(Nur)-418(eine)-419(Angst)-419(beherrschte)-418(sie,)-461(sich)-419(zu)-418(verlieren,)]TJ 0 -13.55 Td [(zur\374ckzubleiben,)-414(einzeln)-381(zu)-381(sein,)-414(getrennt)-381(von)-381(der)-382(Horde,)-413(die)]TJ 0 -13.549 Td [(rannte,)-261(galoppirte.)-276(Sie)-259(hatten)-258(sich)-259(wie)-259(M\344nner)-259(geschlagen,)-260(Tage)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-344(Wochen)-344(lang,)-367(an)-344(diesem)-344(Tage.)-532(Das)-344(war)-344(Alles,)-368(was)-343(blieb,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-289(Gruselgef\374hl,)-299(die)-290(Empfindung)-289(der)-289(Ohnmacht)-289(des)-289(Einzelnen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(dem)-250(des)-250(Ganzen,)-250(des)-250(Geschlagnen,)-250(Besiegten.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Sie)-250(liefen,)-250(liefen)-250(f\374r)-250(ihr)-250(Leben.)]TJ 0 -14.777 Td [(Diesen)-605(nach)-605(brauste)-606(der)-605(Sieger.)-1316(Da)-605(waren)-605(die)-605(Pferde)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zuvorderst.)-1432(Sie)-644(griffen)-645(m\344chtig)-644(aus)-644(in)-644(weiten,)-742(jagenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Spr\374ngen.)-1000(Ihre)-500(Reiter)-500(feuerten)-501(sie)-500(an,)-562(wie)-500(man)-500(Jagdhunde)]TJ 0 -13.549 Td [(anfeuert,)-384(eine)-357(Meute)-357(auf)-357(der)-357(F\344hrte.)-571(Diese)-357(sassen)-357(aufrecht)-357(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Sattel,)-470(zur\374ckgeworfen.)-778(In)-426(ihnen)-426(lebte)-426(nur)-426(noch)-426(die)-426(Lust)-425(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(fangen,)-294(zu)-285(stechen,)-294(abzuthun,)-293(Feuer)-285(des)-285(Kampfes)-285(und)-285(der)-285(Stolz)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-289(Sieges.)-368(Ein)-289(ganz)-289(junger)-290(K\374rassier)-289(fiel)-289(auf,)-299(ein)-289(Knabe)-289(noch,)]TJ 0 -13.549 Td [(bartlos.)-487(Er)-329(sah)-329(aus)-329(wie)-329(ein)-329(r\344chender)-329(Engel)-329(mit)-329(schrecklichen,)]TJ 0 -13.549 Td [(offenen)-250(Augen,)-250(den)-250(Mund)-250(d\374rstend)-250(emporgehoben.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([344])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.777 Td [(Das)-288(Fussvolk)-288(folgte)-288(langsam.)-364(Diese)-288(installirten)-288(sich)-288(auf)-288(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schlachtfeld.)-472(Sie)-324(bezogen)-324(Vierecke)-324(und)-324(Gassen.)-472(Man)-324(pflanzte)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-272(Gesch\374tze)-271(auf)-272(in)-272(einer)-271(Art)-272(Park.)-315(Feuer)-271(zum)-272(Kochen)-271(wurden)]TJ 0 -13.549 Td [(angez\374ndet.)-249(Alle)-247(diese)-247(Menschen)-246(rieselten)-247(von)-247(Schweiss,)-247(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-458(Tod)-458(erm\374det.)-875(Sie)-458(schliefen,)-510(eh)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.796 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.63 0 Td [(sie)-458(noch)-458(daran)-458(dachten,)]TJ -171.426 -13.55 Td [(zu)-516(essen.)-1049(Mit)-516(ge\366ffnetem)-516(Munde,)-582(in)-517(der)-516(Stellung,)-582(die)-516(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(gerade)-399(innehatten.)-699(Zwischen)-399(Ueberresten)-399(des)-400(Tages,)-436(Leichen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Pferde\344sern.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Die)-538(Barmherzigkeit)-538(begann)-539(ihr)-538(Werk.)-1115(Man)-538(sah)-538(sie)-538(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Laternen)-527(herumgehen,)-596(irrenden)-527(Gl\374hw\374rmchen)-526(vergleichbar,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1089 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1090 0 R +/Resources 1088 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1091 0 obj << +/D [1089 0 R /XYZ 119.684 450.429 null] +>> endobj +1092 0 obj << +/D [1089 0 R /XYZ 93.543 201.711 null] +>> endobj +1093 0 obj << +/D [1089 0 R /XYZ 112.634 94.468 null] +>> endobj +1088 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1096 0 obj << +/Length 4577 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achtzehnte)-250(Kapitel.)-14699(203)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(weissgekleidete)-180(Geh\374lfen,)-194(rothe)-180(Kreuze)-180(auf)-180(den)-180(Aermeln,)-193(dunkle)]TJ 0 -13.549 Td [(Gestalten)-290(der)-290(Aerzte.)-370(In)-290(der)-290(Eile)-290(wurden)-290(Tische)-289(aufgeschlagen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbandzeug)-250(entrollt,)-250(in)-250(dem)-250(Schwestern)-250(hantirten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Ein)-393(Zelt)-393(war)-392(hergerichtet.)-679(Da)-393(schnitten,)-428(s\344gten,)-428(verbanden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-470(Aerzte)-471(die)-470(ganze)-470(Nacht.)-911(Wenn)-471(Einige)-470(vor)-470(Ersch\366pfung)]TJ 0 -13.549 Td [(umsanken,)-270(traten)-265(Andre)-266(ein.)-296(Aber)-266(der)-266(Aelteste)-265(wurde)-266(nie)-265(m\374de.)]TJ 0 -13.55 Td [(Bis)-423(\374ber)-423(die)-423(Ellenbogen)-423(im)-423(Blut,)-466(mit)-423(triefender)-423(Sch\374rze,)-466(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(kurzes)-250(Wort)-250(hier)-250(und)-250(da,)-250(that)-250(er)-250(seine)-250(Arbeit.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Auf)-225(dem)-224(Schlachtfeld)-225(selbst,)-230(einem)-224(kleinen)-225(H\374gel)-224(gegen\374ber,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hatte)-414(der)-413(siegende)-414(Feldherr)-413(sein)-414(Hauptquartier)-413(aufgeschlagen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([345])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Auch)-410(da)-409(ging)-410(es)-409(lautlos)-410(zu.)-728(Adjutanten)-409(glitten)-410(wie)-409(Schatten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-371(sah)-371(es)-370(ihnen)-371(an,)-401(sie)-371(kamen)-371(sich)-371(ausserordentlich)-370(wichtig)]TJ 0 -13.549 Td [(vor.)-373(Jetzt)-291(gingen)-292(die)-291(Depeschen)-291(in)-291(ihre)-291(Hauptstadt.)-373(Sie)-291(w\374rden)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-390(Helden)-389(des)-390(Tages)-389(sein.)-668(Man)-390(sprach)-389(von)-390(ihnen.)-668(Mancher)]TJ 0 -13.55 Td [(schwebte)-268(sich)-267(schon)-268(wieder)-268(im)-267(gl\344nzenden)-268(Salon)-267(vor,)-272(m\344nnlich)]TJ 0 -13.549 Td [(ernst)-289(in)-290(hochgeschlossner)-289(Uniform,)-299(die)-289(z\344rtliche)-289(Huldigung)-289(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\366nheit)-284(entgegennehmend.)-351(Man)-284(w\374rde)-284(sagen,)-292(dass)-284(der)-283(Feind)]TJ 0 -13.549 Td [(tapfer)-226(war,)-231(der)-225(Krieg)-226(ein)-226(grosses)-226(Ungl\374ck)-226(sei.)]TJ/F21 10.9091 Tf 201.098 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.918 0 Td [(Je)-226(n\344her)-226(sie)-226(dem)]TJ -209.016 -13.549 Td [(General)-178(kamen,)-192(seiner)-178(Person)-178(und)-178(seinem)-178(Rang,)-193(desto)-177(ernsthafter)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-220(wichtiger)-220(wurden)-219(sie.)-240(Sie)-220(befahlen)-220(gleichg\374ltige)-220(Dinge,)-225(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Tasse)-204(Thee)-205(oder)-204(kalte)-205(Zunge,)-213(mit)-205(der)-204(Miene)-205(von)-204(Diplomaten,)-213(die)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-276(Sein)-275(und)-276(Nichtsein)-276(von)-275(Staaten)-276(entscheiden.)-327(Niemand)-275(war)]TJ 0 -13.549 Td [(heiter)-251(oder)-251(betrank)-250(sich.)-253(Das)-250(war)-251(f\374r)-251(die)-251(Troupiers)-251(draussen,)-250(die)]TJ 0 -13.549 Td [(gew\366hnliche)-278(Mittelsorte,)-285(das)-278(Kanonenfutter.)-334(Der)-278(General)-277(liebte)]TJ 0 -13.55 Td [(dergleichen)-298(nicht.)-392(Man)-298(entsann)-298(sich)-297(nie,)-310(ihn)-297(lachen)-298(gesehen)-297(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(haben.)-611(Die)-370(Soldaten)-370(liebten)-371(ihn.)-610(Er)-371(war)-370(einfach)-370(und)-370(gerecht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-330(ist)-330(ein)-331(sichrer)-330(Weg)-330(zum)-330(Herzen)-331(des)-330(gemeinen)-330(Mannes;)-370(er)]TJ 0 -13.549 Td [(erkennt)-304(die)-304(Com\366dianten)-304(sofort,)-317(sogenannte)-304(Liebensw\374rdigkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-176(ihm)-176(als)-177(Laune)-176(verd\344chtig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.589 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.377 0 Td [(Niemals)-176(sah)-176(man)-177(diesen)-176(Feldherrn)]TJ/F16 7.9701 Tf 158.058 0 Td [([346])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Vorlieben)-250(haben.)-250(Er)-250(liebte)-250(seine)-250(Soldaten.)-250(Er)-250(that)-250(seine)-250(Pflicht.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Der)-419(General)-419(war)-419(allein.)-758(Er)-419(hatte)-419(seine)-419(Berichte)-419(abgefasst,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlicht,)-609(ohne)-537(Zus\344tze)-538(und)-537(Phrasen,)-609(wie)-538(es)-537(seine)-537(Art)-537(war.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-424(Schlacht)-424(war)-425(gewonnen,)-467(die)-425(Verfolgung)-424(im)-424(Gange.)-772(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kreisbewegung,)-562(durch)-500(die)-500(er)-500(den)-500(Feind)-500(in)-500(die)-500(Mitte)-499(nahm,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1095 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1096 0 R +/Resources 1094 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1097 0 obj << +/D [1095 0 R /XYZ 223.835 392.959 null] +>> endobj +1098 0 obj << +/D [1095 0 R /XYZ 179.737 135.525 null] +>> endobj +1094 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1101 0 obj << +/Length 4464 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(204)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ihn)-443(dann)-443(von)-442(allen)-443(Seiten)-443(zugleich)-443(zermalmte,)-491(hatte)-443(sich)-442(als)]TJ 0 -13.549 Td [(vollkommner)-250(Erfolg)-250(bewiesen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-375(war)-374(ein)-375(Greis)-375(von)-375(beinah)-374(achtzig)-375(Jahren.)-624(Aber)-375(ein)-374(sehr)]TJ -11.956 -13.549 Td [(starker)-282(Greis.)-346(Man)-282(sah)-282(es)-282(seinem)-282(Gesicht)-282(an,)-290(dass)-282(er)-282(das)-282(Klima)]TJ 0 -13.55 Td [(aller)-458(Zonen)-457(getragen)-458(hatte.)-873(Sein)-458(Ruhm)-457(stand)-458(ehern)-458(wie)-457(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Felsen.)-234(Unersch\374tterlich)-203(wie)-203(sein)-203(Ruhm)-203(war)-203(seine)-202(Gerechtigkeit.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dieser)-327(Mann)-328(verzieh)-327(nicht.)-482(Er)-328(strafte)-327(auch)-327(nie)-328(ungerecht,)-346(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-498(die)-499(Macht)-498(dazu)-499(hatte.)-995(Seine)-498(Siege)-498(waren)-499(wie)-498(die)-498(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Richtschwerts,)-312(das)-299(aufgehoben)-300(ist)-299(und)-299(f\344llt.)-399(Er)-299(besass)-299(keinerlei)]TJ 0 -13.55 Td [(Eitelkeit,)-466(keine)-422(Leidenschaften)-423(und)-422(Schw\344chen.)-768(Sein)-422(junger,)]TJ 0 -13.549 Td [(einziger)-353(Sohn)-353(war)-353(gefallen)-353(in)-353(diesem)-353(selben)-353(Krieg,)-378(gegen)-353(den)]TJ 0 -13.549 Td [(General,)-307(den)-295(er)-295(heute)-295(vernichtet)-295(hatte.)-386(Dies)-295(erbitterte)-295(ihn)-295(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-250(machte)-250(ihn)-250(auch)-250(nicht)-250(weicher.)]TJ/F21 10.9091 Tf 152.389 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Er)-250(war)-250(ein)-250(grosser)-250(Mann.)]TJ -148.615 -14.531 Td [(In)-289(dem)-290(engen)-289(Zelt)-290(war)-289(es)-290(heiss.)-368(Ein)-290(fader)-289(Geruch)-290(war)-289(in)-289(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([347])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Luft,)-242(von)-240(Pulver,)-241(zu)-240(vielen)-240(Menschen,)-241(stehendem)-240(Blut.)-247(Selbst)-239(in)]TJ 0 -13.55 Td [(dieser)-250(Nachtk\374hle)-250(machte)-250(er)-250(sich)-250(bemerkbar.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-252(Adjutant)-252(schlief)-252(im)-252(Vorzimmer)-252(auf)-252(einem)-252(Stuhle.)-256(Es)-251(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ein)-240(junger)-240(Edelmann)-241(aus)-240(einer)-240(sehr)-240(vornehmen)-240(Familie,)-242(\344usserst)]TJ 0 -13.549 Td [(correct)-596(immer)-597(mit)-596(blendend)-596(weisser)-597(W\344sche)-596(und)-596(gefeilten)]TJ 0 -13.549 Td [(N\344geln.)-248(Wenn)-245(er)-244(den)-245(General)-244(gesehen)-245(h\344tte,)-245(wie)-245(er)-244(aufspringen,)]TJ 0 -13.55 Td [(eilig)-331(sich)-332(neben)-331(ihn)-331(rangiren)-332(w\374rde:)-412(Excellenz)-332(befehlen)-331(dies)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(geruhen)-209(das)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.239 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(!)-236(Jetzt)-209(im)-209(Schlaf)-209(sah)-209(er)-209(dumm)-209(aus)-209(wie)-209(ein)-209(Hammel.)]TJ -59.693 -13.549 Td [(Er)-250(tr\344umte)-250(nicht)-250(einmal.)-250(Er)-250(dachte)-250(an)-250(gar)-250(nichts.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-373(schritt)-373(\374ber)-373(mehrere)-374(Schl\344fer.)-619(Die)-373(Wachen)-373(pr\344sentirten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Es)-465(waren)-466(Soldaten)-465(von)-466(seinem)-465(Leibregiment,)-519(seinem)-465(eignen)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimathsregiment.)-247(Dieses)-240(Regiment)-241(hatte)-240(eine)-241(lange,)-242(glorreiche)]TJ 0 -13.55 Td [(Geschichte.)-231(Er)-193(dachte)-194(daran,)-204(dass)-193(sie)-194(heut)]TJ/F21 10.9091 Tf 179.8 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.741 0 Td [(sehr)-193(schwere)-194(Verluste)]TJ -185.541 -13.549 Td [(gehabt)-268(hatten.)-303(Es)-268(that)-267(ihm)-268(weh.)-303(Er)-268(verabscheute)-268(den)-267(Gedanken.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-410(hatten)-410(verloren.)-730(Tausende)-410(waren)-410(geblieben,)-450(Freund)-410(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Feind.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Da)-516(bivouakirten)-516(auch)-516(andre,)-583(frische)-516(Regimenter,)-582(die)-516(erst)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eben)-308(auf)-308(dem)-308(Schlachtfeld)-308(angekommen)-309(waren,)-322(noch)-308(nicht)-308(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(am)-487(Triumphe)-487(theilgenommen)-487(hatten.)-961(Diese)-487(waren)-486(pr\344chtig.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-306(Metall)-307(der)-306(sauber)-307(zusammengestellten)-306(Waffen)-306(blinkte.)-419(Sie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1100 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1101 0 R +/Resources 1099 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1102 0 obj << +/D [1100 0 R /XYZ 293.823 340.072 null] +>> endobj +1099 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1105 0 obj << +/Length 4159 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achtzehnte)-250(Kapitel.)-14699(205)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(schliefen)-311(in)-311(ihren)-310(Uniformen)-311(bis)-311(an)-311(den)-311(Hals)-310(zugekn\366pft,)-326(noch)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([348])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(im)-295(Schlafe)-295(stramm)-295(und)-296(gerade.)-385(Alles)-295(ausgew\344hlte)-295(junge)-295(Leute.)]TJ 0 -13.549 Td [(Man)-362(hatte)-361(sie)-362(noch)-362(immer)-361(gut)-362(gen\344hrt.)-585(Die)-362(Landsleute)-361(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(ihnen)-342(zugetrunken)-343(auf)-342(dem)-343(Marsche.)-527(Sie)-343(f\374rchteten)-342(sich)-342(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-231(schliefen)-231(mit)-231(einem)-231(leichtsinnigen)-231(Soldatenliedchen)-231(auf)-230(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Lippen.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(F\374r)-250(ein)-250(andres)-250(Mal)-250(reservirte)-250(man)-250(diese.)]TJ 0 -14.368 Td [(Er)-265(ging)-266(\374ber)-265(das)-266(Feld.)-296(Der)-265(Boden)-265(war)-266(hartgestampft,)-269(wie)-265(um)]TJ -11.956 -13.549 Td [(niemals)-293(wieder)-292(weich)-293(zu)-293(werden.)-378(Man)-293(konnte)-292(nicht)-293(sagen,)-303(was)]TJ 0 -13.549 Td [(vorher)-224(darauf)-223(gewachsen)-224(war,)-229(Gras,)-229(G\344rten)-224(oder)-224(Weizen.)-241(Er)-223(war)]TJ 0 -13.549 Td [(Stein)-276(jetzt,)-284(zerh\344mmert,)-283(geschmiedet)-276(von)-277(Millionen)-276(F\374ssen)-276(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Hufen.)-335(Im)-278(Ring)-278(die)-279(Berge)-278(behielten)-278(ihre)-279(alte)-278(Form)-278(von)-278(Wellen,)]TJ 0 -13.549 Td [(R\374cken.)-1033(Ihre)-510(Abh\344nge)-511(waren)-511(mit)-511(Leichen)-511(ged\374ngt.)-1032(Jeder)]TJ 0 -13.549 Td [(Einzelne)-366(war)-366(f\374r)-367(sich)-366(getrennt)-366(mit)-366(ungeheuerster)-366(Anstrengung)]TJ 0 -13.549 Td [(genommen)-298(worden.)-394(Den)-298(ganzen)-298(Tag)-298(hatten)-298(ihre)-298(Flanken)-298(Feuer)]TJ 0 -13.549 Td [(gespieen.)-242(Es)-226(brachte)-225(sie)-226(nicht)-226(aus)-225(dem)-226(Gleichgewicht.)-242(Sie)-225(waren)]TJ 0 -13.55 Td [(Ewige,)-250(Steinerne.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Er)-385(sah)-384(einen)-385(prachtvollen)-385(Menschen)-384(zu)-385(seinen)-385(F\374ssen)-384(lang)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ausgestreckt.)-235(Der)-204(war)-204(mausetodt,)-213(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 154.76 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-204(Herz)-204(geschossen.)-235(Ein)-204(ganz)]TJ -158.393 -13.549 Td [(junger)-386(Mensch,)-421(wie)-386(ein)-386(Achilles.)-659(Er)-387(bewunderte)-386(das)-386(Viereck)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-320(Schultern,)-337(dieses)-320(herrlichen)-320(Brustkastens.)-460(Das)-320(Gesicht)-319(war)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([349])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ganz)-278(unentstellt.)-334(Er)-277(lag)-278(da)-278(wie)-278(auf)-278(dem)-278(Paradebett,)-285(ein)-277(gef\344llter)]TJ 0 -13.549 Td [(Eichstamm.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Vierzig)-353(Jahre)-353(und)-353(f\374nfzig)-354(h\344tte)-353(er)-353(noch)-353(leben)-353(k\366nnen.)-559(Und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(er,)-368(der)-344(General,)-368(war)-344(achtzig,)-368(ein)-345(kleiner,)-368(m\374der,)-367(gebrechlicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Greis.)-250(Der)-250(Krieg)-250(blieb)-250(eine)-250(schreckliche)-250(Sache.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Von)-527(der)-527(einen)-527(Seite)-527(aus)-527(den)-527(Geb\374schen)-527(kam)-527(Wimmern.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schwerverwundete)-1161(hatten)-1162(sich)-1161(da)-1161(hingeschleppt,)-1389(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Sanit\344tscolonnen)-359(hatten)-359(sie)-359(noch)-358(nicht)-359(entdeckt.)-577(Es)-359(klang)-358(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(Hundegewinsel.)-543(Manchmal)-348(stockte)-347(sein)-348(Fuss)-347(wie)-348(in)-348(Leim.)-542(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(zog)-250(ihn)-250(mit)-250(einer)-250(Art)-250(Ekel)-250(zur\374ck.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Gr\344sslich)-530(waren)-531(die)-530(Pferdecadaver.)-1091(Sie)-531(hatten)-530(nicht)-530(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(W\374rde,)-447(die)-408(der)-408(Mensch)-407(unwillk\374rlich)-408(im)-408(Tode)-407(bewahrt,)-447(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-355(Menschenthum)-355(ihm)-355(gew\344hrt.)-565(Und)-355(etwas)-355(Schrecklicheres.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1104 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1105 0 R +/Resources 1103 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1106 0 obj << +/D [1104 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1107 0 obj << +/D [1104 0 R /XYZ 286.952 244.736 null] +>> endobj +1103 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1110 0 obj << +/Length 4658 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(206)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Als)-391(ob)-391(sie)-392(fragen)-391(wollten:)-532(Warum?)-674(Das)-391(stupide,)-426(bl\366dsinnige)]TJ 0 -13.549 Td [(Warum?)-267(der)-256(Unbewussten.)-267(Gigantisch)-256(waren)-256(sie)-256(mit)-255(h\344ngenden)]TJ 0 -13.549 Td [(B\344uchen,)-265(unter)-262(denen)-262(Pf\374hle)-262(standen,)-265(in)-262(der)-262(Ungeschicklichkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-379(leblosen)-378(vier)-379(Beine,)-411(gebrochnen,)-411(vorgequollnen,)-410(fischigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Augen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.294 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.585 0 Td [(w\344hrend)-745(die)-746(Menschen)-745(sehr)-746(klein)-745(erschienen,)]TJ -54.879 -13.549 Td [(holzpuppenhaft.)-597(Wo)-366(Granaten)-365(crepirt)-366(waren,)-395(lagen)-365(abgerissne)]TJ 0 -13.549 Td [(St\374cke,)-322(groteske)-308(Nacktheiten)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.329 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.813 0 Td [(beinah)-308(l\344cherlich.)-424(Wie)-307(h\344sslich)]TJ -141.142 -13.549 Td [(der)-250(Tod)-250(war!)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([350])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.004 Td [(Freund)-383(und)-383(Feind)-383(lagerten)-382(durcheinander.)-649(Es)-383(war)-383(gar)-382(kein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Unterschied)-294(mehr.)-382(Die)-294(meisten)-294(zeigten)-294(diesen)-294(selben)-294(Ausdruck)]TJ 0 -13.55 Td [(dummen)-334(Schreckens.)-503(Man)-334(konnte)-334(fast)-334(sagen)-334(betr\374bter)-334(Kinder,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-453(man)-452(mitten)-453(im)-452(Spiel)-452(unterbrochen)-453(hatte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 214.412 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.391 0 Td [(Er)-452(wunderte)]TJ -224.803 -13.549 Td [(sich)-524(fast,)-593(so)-524(wenig)-524(edle)-524(und)-524(heroische)-524(Gesichter)-524(zu)-524(sehen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dieser)-419(junge)-419(Mann)-420(war)-419(beinah)-419(der)-419(Einzige)-420(gewesen,)-461(der)-419(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Vorstellung)-450(entsprach,)-500(die)-450(man)-450(wohl)-450(in)-450(Heldengedichten)-450(hat)]TJ 0 -13.55 Td [(oder)-463(auf)-464(Denkm\344lern,)-517(wenn)-463(\374ber)-463(dem)-464(gefallnen)-463(Krieger)-463(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Genius)-366(die)-367(Fahne)-366(schwingt.)-599(Dann)-366(sagte)-366(er)-367(sich:)]TJ/F21 10.9091 Tf 223.922 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-366(k\366nnte)]TJ -228.765 -13.549 Td [(es)-362(auch)-361(anders)-362(sein?)-585(Was)-362(sind)-361(diese)-362(Leute?)-585(Wo)-362(kommen)-361(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(her?)-798(Was)-432(wissen)-433(sie)-433(von)-432(den)-433(grossen)-432(Ideen)-433(des)-432(Vaterlands,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-427(Herrschaft,)-472(der)-427(Volksehre,)-471(f\374r)-427(die)-428(sie)-427(sich)-427(schlagen?)-781(Es)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-458(sonderbar,)-511(dass)-459(sie)-458(sich)-458(\374berhaupt)-459(schlagen,)-510(Heerdenzug,)]TJ 0 -13.549 Td [(Schafsintelligenz.)-250(Was)-250(sind)-250(sie?)-250(Was)-250(ist)-250(ihr)-250(Werth?)]TJ/F21 10.9091 Tf 225.414 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -213.458 -16.004 Td [(An)-368(dem)-369(H\374gel)-368(war)-368(der)-369(Kampf)-368(am)-368(heissesten)-369(gewesen.)-604(Da)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lagen)-251(Leichen)-251(dicht)-251(wie)-251(abgem\344hte)-251(Schwaden.)-253(Immer)-250(dieselben)]TJ 0 -13.549 Td [(Uniformen.)-1086(Nach)-528(ihrer)-528(Lage)-529(und)-528(Fallrichtung)-529(konnte)-528(man)]TJ 0 -13.549 Td [(deutlich)-348(die)-348(Stellung)-348(des)-348(Feindes)-348(erkennen.)-544(Der)-348(ganze)-347(Kampf)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-436(da)-437(aufgezeichnet)-436(in)-436(menschlichen)-436(Ueberresten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 243.754 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.214 0 Td [(Etwas)]TJ -253.968 -13.55 Td [(Dunkles)-386(verschwand)-385(im)-386(Schatten.)-656(Abgehackte)-386(Finger,)-419(nackte)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([351])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Todte)-276(verriethen)-275(unmenschliche)-275(Hantirung.)-327(Mit)-275(einer)-276(Geste)-275(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Ekels)-417(wandte)-418(er)-417(sich)-418(ab.)-752(Leichenraben!)-752(Schakale)]TJ/F21 10.9091 Tf 236.385 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.008 0 Td [(das)-417(rief)]TJ -246.393 -13.549 Td [(ihm)-270(einen)-270(Spion)-269(zur\374ck,)-275(den)-270(er)-269(den)-270(Tag)-270(zuvor)-270(hatte)-269(erschiessen)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen.)-970(Seine)-490(Frau)-490(hatte)-490(f\374r)-490(ihn)-490(gefleht)-490(und)-490(gebettelt,)-550(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(elende,)-442(zerrissne)-404(Schlumpe.)-711(Sie)-403(hatte)-404(ein)-404(Kind)-403(an)-404(der)-403(Brust,)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-304(h\344ngenden,)-316(welken,)-317(ekelhaften)-304(Brust.)-410(Die)-304(Andern)-303(hingen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1109 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1110 0 R +/Resources 1108 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1087 0 R +>> endobj +1111 0 obj << +/D [1109 0 R /XYZ 93.543 423.189 null] +>> endobj +1112 0 obj << +/D [1109 0 R /XYZ 253.606 147.437 null] +>> endobj +1108 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1115 0 obj << +/Length 4632 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achtzehnte)-250(Kapitel.)-14699(207)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(in)-467(ihren)-467(R\366cken.)-900(Nat\374rlich)-467(war)-467(die)-467(Gerechtigkeit)-466(vollzogen)]TJ 0 -13.549 Td [(worden.)-250(Ein)-250(Schuft!)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.895 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(er)-250(hatte)-250(eine)-250(Frau)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.763 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(kleine)-250(Kinder)-250(...)]TJ -174.066 -15.186 Td [(Ein)-808(Windzug)-808(hatte)-809(sich)-808(erhoben)-808(und)-808(kam)-808(\374ber)-808(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schlachtfeld,)-422(ein)-388(trauervoller,)-423(trauriger)-388(Wind)-388(der)-387(Feuchtigkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-342(tappenden)-343(Fl\374geln.)-526(Er)-343(brachte)-342(ein)-342(R\366cheln)-342(mit.)-527(Gar)-342(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(boshaft)-356(oder)-357(zornig.)-569(Ganz)-356(sanft.)-570(Aber)-356(es)-356(setzte)-357(nicht)-356(aus.)-569(Es)]TJ 0 -13.55 Td [(erhob)-258(sich)-258(wieder)-259(in)-258(weiten)-258(Entfernungen.)-275(Und)-258(starb)-258(im)-258(Winde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Vielleicht)-263(war)-263(es)-263(mehr)-263(ein)-263(Geist)-263(der)-263(Klage,)-266(als)-263(die)-263(Klage)-263(selbst.)]TJ 0 -13.549 Td [(Vielleicht)-412(war)-413(es)-412(die)-412(Hallucination)-413(des)-412(Orts.)-737(Dieser)-412(Ort)-412(war)]TJ 0 -13.549 Td [(traurig.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Vielleicht)-449(litten)-449(sie)-449(gar)-449(nicht.)-847(Es)-449(war)-449(nur)-449(das)-448(R\344derwerk)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-586(Maschine,)-671(das)-586(auslief.)]TJ/F21 10.9091 Tf 139.271 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.851 0 Td [(Eine)-586(Fratze)-587(grinste)-586(ihn)-587(an,)]TJ -151.122 -13.549 Td [(schauerlich,)-401(idiot,)-401(mit)-370(heraush\344ngender)-371(Zunge)-371(und)-370(glotzenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen.)-1003(Der)-501(auch)-501(war)-501(f\374r)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.168 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-501(Vaterland)-501(gestorben.)-1003(Welches)]TJ -128.801 -13.55 Td [(zusammengew\374rfelte)-504(Material,)-567(diese)-503(Haufen)-504(der)-504(Todten!)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 7.9701 Tf 15.848 0 Td [([352])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Ernsthafte)-356(Familienv\344ter)-355(mit)-356(Vollb\344rten.)-567(Sie)-356(hatten)-356(zur)-355(Waffe)]TJ 0 -13.549 Td [(gegriffen,)-453(weil)-412(man)-412(sie)-413(angriff.)-736(Ihre)-412(Besch\344ftigung)-413(war,)-452(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Acker)-305(zu)-305(bauen,)-319(St\344dte)-305(aufzurichten.)-415(Ruinirte)-305(j)1(unge)-305(Lebeleute.)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbrechervolk,)-256(Jugend)-255(aus)-255(allerlei)-255(L\344ndern,)-256(die)-255(mit)-254(lachendem)]TJ 0 -13.55 Td [(Mund)-304(in)-304(Abenteuer)-304(rennt.)-412(Jetzt)-304(war)-304(Alles)-304(dasselbe.)-412(Alles)-303(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgeh\366rt,)-445(die)-405(Sorge,)-445(der)-406(Leichtsinn,)-444(die)-406(Liebschaft.)-717(Was)-405(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-298(Leben?)-394(Was)-298(ist)-298(alle)-298(M\374he,)-310(die)-298(man)-298(aufgewendet)-298(hat,)-310(es)-297(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\374tzen?)-310(Diese)-270(ewige)-270(Erneuerung,)-275(zu)-270(der)-270(alle)-270(lebenden)-270(Wesen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(gezogen)-250(f\374hlen?)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Er)-472(rief)-471(sich)-472(die)-471(grossen)-472(Momente)-471(seiner)-472(Existenz)-471(zur\374ck.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-351(Befreiung,)-377(der)-351(schreckliche)-351(Zug)-352(durch)-351(Schneegebirge,)-376(die)]TJ 0 -13.549 Td [(athemlose)-257(Erregung,)-258(als)-257(ein)-256(Volk)-257(mit)-257(Thr\344nen)-256(und)-257(Gebeten)-256(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(folgte)-370(wie)-370(die)-370(verwittwete)-371(Mutter)-370(ihrem)-370(Erstgebornen)-370(...)-610(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-284(ihm)-284(entgegenst\374rzten,)-292(vom)-284(Hunger)-283(ausgemergelt)-284(...)-351(M\344nner)]TJ 0 -13.549 Td [(weinten)-306(wie)-306(kleine)-306(Kinder.)-418(Sie)-306(k\374ssten)-306(ihm)-306(die)-306(H\344nde.)-418(Er)-306(war)]TJ 0 -13.549 Td [(Gott,)-418(der)-384(Retter!)-653(Sein)-384(Einzug)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.905 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.646 0 Td [(das)-384(ganze)-384(Land)-385(schwoll)-384(ihm)]TJ -150.551 -13.549 Td [(entgegen)-256(wie)-257(eine)-256(zitternde,)-258(erwartungsvolle)-256(Geliebte.)-269(Er)-256(sah)-256(es)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-208(seinen)-207(F\374ssen.)-236(Sie)-208(k\374ssten)-208(ihm)-207(die)-208(F\374sse,)-216(die)-208(Steigb\374gel.)-235(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(Ehren)-355(und)-355(allen)-354(Ruhm)-355(hatte)-355(er)-355(gekostet.)-564(Er)-355(war)-355(alt)-354(geworden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1114 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1115 0 R +/Resources 1113 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R 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[(Der)-400(General)-399(zitterte.)-700(Es)-399(war)-400(ein)-400(ganz)-400(junger)-399(Bauernknabe)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-412(den)-412(Feinden,)-453(erb\344rmlich)-412(jung,)-453(viel)-412(zu)-413(jung.)-736(Ein)-412(spitzes,)]TJ 0 -13.549 Td [(blasses)-239(Gesicht,)-241(zwei)-239(Augen,)-241(\374berirdisch.)-246(Der)-239(Schuss)-239(musste)-238(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Unterleib)-306(sitzen.)-418(Er)-306(litt.)-418(Er)-306(streckte)-306(die)-306(Arme)-306(aus.)-418(Er)-306(rief)-306(nach)]TJ 0 -13.55 Td [(seiner)-250(Mutter.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Da)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.163 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.899 0 Td [(da)-499(war)-499(die)-499(ganze)-499(Trag\366die)-499(des)-499(Krieges,)-561(die)-499(ewige)]TJ -41.018 -13.549 Td [(Feindschaft,)-324(die)-310(Mutter,)-324(die)-309(immer)-310(wieder)-309(gebiert,)-324(n\344hrt,)-324(hofft.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-250(man)-250(nimmt)-250(ihr)-250(immer)-250(wieder,)-250(t\366dtet,)-250(vernichtet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mama)-250(...)-250(Mama)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schluchzte)-250(der)-250(kleine)-250(Bauernjunge.)]TJ -92.705 -15.6 Td [(Er)-227(war)-227(vielleicht)-227(ein)-226(Held.)-243(Er)-227(wusste)-226(es)-227(nicht)-227(mehr.)-242(Vielleicht)]TJ -11.956 -13.55 Td [(w\344re)-173(er)-172(ein)-173(Mann)-172(geworden,)-188(h\344tte)-172(get\366dtet,)-188(geherrscht,)-188(vernichtet)]TJ 0 -13.549 Td [(seinerseits.)-250(Er)-250(fror.)-250(Er)-250(hatte)-250(Schmerzen.)-250(Er)-250(f\374rchtete)-250(sich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mama)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(er.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.8 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mama)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -126.621 -15.6 Td [(Und)-481(er)-481(dachte)-481(an)-480(eine)-481(andre)-481(Mutter,)-539(diese)-481(eine)-480(tragische)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Mutter,)-285(schwarz)-278(in)-278(schwarzen)-278(Schleiern.)-334(Die)-278(eigne)-278(j\344he)-278(Wunde)]TJ 0 -13.55 Td [(fing)-356(an)-356(zu)-356(bluten.)-567(Sie)-356(hatte)-356(nicht)-355(geweint.)-568(Sie)-356(hatte)-356(ihn)-355(nicht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([354])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(gebeten)-322(zu)-323(bleiben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.199 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott)-322(segne)-323(Dich!)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.11 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.36 0 Td [(sagte)-322(sie)-323(und)-322(hatte)-323(ihn)]TJ -180.512 -13.549 Td [(gek\374sst.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Und)-445(\374ber)-445(ihr)-445(wieder)-444(stand)-445(eine)-445(noch)-445(gr\366ssere,)-493(tragischere)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Mutter.)-229(Eine)-186(K\366nigin)]TJ/F21 10.9091 Tf 94.735 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.485 0 Td [(sein)-186(Land,)-199(sein)-186(ganzes)-186(Land)-186(in)-187(Trauer.)-228(Es)]TJ -102.22 -13.55 Td [(schickte)-204(seine)-205(S\366hne,)-213(ohne)-204(zu)-204(klagen,)-214(bleich)-204(und)-204(erhaben.)-235(Er)-204(gab)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-289(die)-289(Andre)-290(gab)-289(...)-368(Opfergabe,)-299(hinter)-289(der)-289(die)-289(M\374tter)-289(standen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-388(vielfach)-388(Gestorbnen,)-423(die)-388(zehnmal)-388(Gekreuzigten)]TJ/F21 10.9091 Tf 236.33 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.689 0 Td [(Sie,)-423(die)]TJ -246.019 -13.549 Td [(wahren)-250(Leidenden,)-250(die)-250(wahre)-250(Gr\366sse,)-250(Lebenstr\344gerinnen)-250(...)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Und)-221(ein)-222(andres)-221(erstaunliches)-222(Ph\344nomen)-221(machte)-222(ihn)-221(betroffen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(An)-312(einem)-312(Dornstrauch,)-327(der)-312(Blut)-312(trug,)-328(weil)-312(ihn)-312(die)-311(Fl\374chtenden)]TJ 0 -13.55 Td [(gestreift,)-390(halb)-363(zerstampft,)-390(niedergetreten,)-390(ein)-362(elender)-362(Stummel)]TJ 0 -13.549 Td [(nur,)-227(ein)-222(einziges)-222(noch)-222(lebendiges)-222(H\366lzchen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.386 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.874 0 Td [(bl\374hte)-222(eine)-222(weisse)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1119 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1120 0 R +/Resources 1118 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R +>> endobj +1121 0 obj << +/D [1119 0 R /XYZ 93.543 515.797 null] +>> endobj +1122 0 obj << +/D [1119 0 R /XYZ 197.374 232.834 null] +>> endobj +1118 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1125 0 obj << +/Length 4125 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(achtzehnte)-250(Kapitel.)-14699(209)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Blume.)-309(Sie)-270(musste)-269(sich)-270(erst)-270(eben)-269(erschlossen)-270(haben.)-309(Sie)-269(duftete)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(sie)-250(bl\374hte)-250(...)]TJ 3.774 -16.626 Td [(Er)-316(sah)-316(die)-315(Mutter)-316(der)-316(M\374tter.)-447(Er)-316(sah)-316(die)-316(Natur)-316(treibend)-315(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(unverletzt,)-243(trotz)-240(Brand,)-243(Tod)-241(und)-241(Blutregen,)-242(den)-241(Acker,)-243(der)-240(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Frucht)-271(tr\344gt,)-277(den)-271(Baum,)-277(in)-271(dem)-271(die)-272(S\344fte)-271(steigen,)-277(das)-271(Thier,)-276(das)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-250(Jungen)-250(s\344ugt)-250(...)]TJ 11.956 -16.626 Td [(W\374stes)-536(Gel\344rme)-537(unterbrach)-536(ihn.)-1109(Da)-536(hinten)-536(im)-536(Bivouak)]TJ -11.956 -13.549 Td [(feierte)-306(man)-306(den)-307(Sieg.)-418(Sie)-306(zechten)-307(und)-306(brachten)-306(Toaste)-306(aus;)-334(die)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([355])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(triumphirten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 60.621 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.388 0 Td [(Jetzt)-269(musste)-269(die)-269(Kunde)-269(auch)-269(in)-269(der)-269(Heimat)-269(sein.)]TJ -69.009 -13.55 Td [(Man)-417(liess)-418(die)-417(Glocken)-418(l\344uten)-417(und)-417(steckte)-418(die)-417(Fahnen)-417(heraus.)]TJ 0 -13.549 Td [(Leute)-204(auf)-204(der)-204(Strasse)-204(umarmten)-204(sich)-205(mit)-204(der)-204(Siegesbotschaft.)-234(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(wirres)-292(Freudengel\344rm)-291(schien)-292(sein)-291(Ohr)-292(zu)-291(erreichen,)-302(ein)-291(Beifall,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-312(von)-311(weit)-312(kam,)-327(seinen)-311(Namen)-312(rief)-311(\374ber)-312(die)-311(Meere.)-435(Das)-311(war)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Sieg.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Und)-686(Andres)-686(stieg)-687(auf,)-795(undeutlicher:)-1122(Fl\374che,)-795(Thr\344nen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Racheschw\374re)-250(...)-250(Sie)-250(auch)-250(wussten)-250(jetzt.)-250(Sie)-250(beteten.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Derselbe)-947(Gott)-946(war)-947(\374ber)-947(ihnen)-947(Beiden,)-1120(unerbittlich,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gleichg\374ltig.)-835(Er)-445(sprach)-444(nicht)-445(und)-445(h\366rte)-445(nicht.)-835(Der)-445(Gott)-444(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Weltgeschichte,)-524(der)-470(Eherne)-469(der)-470(Nationen,)-524(dem)-470(Babylon)-469(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Rom)-516(gesunken)-517(war.)-1048(Alexander)-517(und)-516(Napoleon)-516(waren)-516(gross)]TJ 0 -13.55 Td [(geworden)-370(und)-371(fielen.)-611(Vae)-370(victis!)-611(und)-370(Ave)-371(Caesar!)]TJ/F21 10.9091 Tf 239.834 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.494 0 Td [(Es)-370(war)]TJ -249.328 -13.549 Td [(Alles)-250(dasselbe)-250(...)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Die)-316(Landschaft)-317(war)-316(flacher)-316(hier.)-449(Eine)-317(K\374hle)-316(wurde)-316(deutlich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(f\374hlbar.)-349(Er)-283(schritt)-283(eiliger)-283(vorw\344rts.)-349(Eine)-283(Bewegung)-283(des)-282(Bodens)]TJ 0 -13.549 Td [(schien)-588(ihn)-588(mit)-588(fortzuziehen,)-672(ein)-588(m\344chtiges)-588(Einathmen)-587(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausstossen)-496(wieder.)-988(Alles)-495(ging)-496(und)-496(kam.)-988(Aber)-496(das)-495(Gehen)]TJ 0 -13.549 Td [(schien)-420(noch)-421(kr\344ftiger)-420(wie)-420(das)-420(Kommen.)-761(Im)-420(Werden)-420(verging)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([356])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Alles.)-242(Ein)-227(T\366dtliches,)-231(Best\344ndiges,)-232(Festes)-226(war)-227(in)-227(der)-226(Bewegung.)]TJ 0 -13.55 Td [(Alles)-250(starb.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Er)-243(war)-243(am)-243(Strand.)-247(Der)-243(Sand)-243(machte)-243(diesen)-243(Erdstreifen)-242(heller.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Dahinter)-405(lag)-404(es)-405(grau,)-443(unruhig,)-443(sich)-404(anw\344lzend)-405(und)-404(weichend.)]TJ 0 -13.55 Td [(Salzathem)-312(stieg.)-434(Das)-312(Meer)-311(fluthete)-312(und)-312(ebbte,)-326(endlos,)-327(schwarz)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-250(dem)-250(schwarzen)-250(Himmel)-250(ohne)-250(Sterne.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1124 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1125 0 R +/Resources 1123 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R +>> endobj +1126 0 obj << +/D [1124 0 R /XYZ 199.821 417.178 null] +>> endobj +1127 0 obj << +/D [1124 0 R /XYZ 294.074 150.514 null] +>> endobj +1123 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1130 0 obj << +/Length 1383 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(210)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Und)-263(er)-263(sah)-262(etwas)-263(Andres.)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.489 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.322 0 Td [(Ein)-263(Schatten?)-288(Ein)-263(Seufzer?)-263(...)-288(Es)]TJ -135.767 -13.549 Td [(war)-288(schon)-287(vor\374ber.)-363(Die)-288(Hallucination)-287(des)-288(Elends,)-297(ein)-288(Geist)-287(des)]TJ 0 -13.549 Td [(blutigen)-350(Schlachtfelds,)-374(das)-350(da)-349(hinten)-350(d\374nstend)-350(lag:)-449(ein)-349(blasser)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-382(trug)-381(ein)-382(Kreuz.)-645(Das)-382(Kreuz)-381(war)-382(riesengross,)-415(aus)-381(rohem)]TJ 0 -13.55 Td [(Holz)-370(geschnitten.)-611(Der)-371(eine)-370(Arm)-370(des)-371(Querbalkens)-370(ragte)-370(gegen)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-301(Himmel.)-404(Das)-302(Ende)-301(schleppte)-301(lang)-302(nach)-301(auf)-301(den)-301(schwarzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Wellen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.96 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(er)-250(wandelte)-250(auf)-250(dem)-250(Meer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 138.742 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -176.161 -13.549 Td [(In)-407(diesem)-408(Augenblick,)-447(ganz)-407(deutlich)-407(wie)-408(in)-407(Metall)-407(geritzt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kr\344hte)-250(ein)-250(Hahn.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Es)-250(war)-250(Nacht.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1129 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1130 0 R +/Resources 1128 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R +>> endobj +1128 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1131 0 obj +<< /S /GoTo /D (index19) >> +endobj +1134 0 obj +(Das neunzehnte Kapitel.) +endobj +1137 0 obj << +/Length 3935 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.7 Td [([357])]TJ/F16 18.9589 Tf -243.904 -63.032 Td [(Das)-264(neunzehnte)-264(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -47.12 -31.247 Td [(Der)-414(Amtsgerichtsrath)-414(war)-413(durchaus)-414(nicht)-414(der)-414(Meinung)-413(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(j\374ngeren)-250(Collegen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-393(Narr,)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.151 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.128 0 Td [(sagte)-393(er,)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.582 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(und)-393(nicht)-393(schlimmer)-392(wie)-393(Andre,)-429(die)]TJ -115.503 -13.549 Td [(lose)-250(rumlaufen.)-250(Lassen)-250(Sie)-250(ihn)-250(laufen,)-250(Salvatius!)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.305 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.349 -13.55 Td [(Der)-651(Andre)-651(machte)-650(Vorstellungen.)-1453(Er)-651(war)-651(ein)-650(hagrer,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(d\374nner)-204(Herr)-203(und)-204(neigte)-203(zu)-203(einer)-204(pessimistischen)-203(Weltauffassung,)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344hrend)-496(der)-497(Gerichtsrath)-496(in)-496(seiner)-496(rosigen,)-558(beh\344bigen)-496(F\374lle)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-476(Alles)-476(rosig)-475(sah.)-927(Die)-476(Specialit\344t)-476(dieses)-476(Ersteren)-475(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(Majest\344tsbeleidigungen.)-1009(Er)-504(sah)-503(diese)-503(\374berall.)-1009(Er)-503(roch)-503(sie,)]TJ 0 -13.55 Td [(witterte,)-745(zog)-645(sie)-646(hervor)-646(aus)-645(den)-646(gr\366bsten)-645(Verwicklungen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Irgendwie)-286(wurden)-285(alle)-286(Verbrechen)-285(das)-286(bei)-285(ihm.)-357(Sie)-285(waren)-286(es)-285(ja)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-335(insofern,)-355(als)-335(die)-335(Majest\344t)-334(f\374r)-335(ihn)-335(die)-334(Autorit\344t)-335(Gottes)-334(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(Erden)-250(vertrat.)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.706 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Er)-250(war)-250(schlimmer)-250(wie)-250(ein)-250(r\366mischer)-250(Statthalter.)]TJ/F16 7.9701 Tf 220.136 0 Td [([358])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(I)-250(bewahre!)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.937 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.566 0 Td [(sagte)-249(der)-250(Amtsgerichtsrath.)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.387 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wo)-250(wollen)-249(Sie)-250(das)]TJ -198.533 -13.55 Td [(nun)-224(wieder)-224(rausschinden?)-242(Schliesslich,)-229(wenn)-224(wir)-224(das)-224(Vaterunser)]TJ 0 -13.549 Td [(beten,)-303(ist)-293(das)-292(auch)-293(eine)-292(Majest\344tsbeleidigung.)]TJ/F21 10.9091 Tf 206.224 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.646 0 Td [(Dreck)-293(sind)-292(wir)]TJ -214.87 -13.549 Td [(Alle.)]TJ/F21 10.9091 Tf 21.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -9.557 -13.549 Td [(Der)-240(D\374nne)-241(blinzte,)-242(unangenehm)-240(ber\374hrt.)-247(Der)-240(Assessor)-240(drehte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-370(Daumen.)-609(Er)-369(lernte)-370(noch.)-609(Dann)-370(war)-369(er)-370(von)-370(Berlin)-369(hierher)]TJ 0 -13.55 Td [(versetzt,)-297(konnte)-288(nur)-288(jeden)-287(Sonnabend)-288(nach)-288(Hause.)-363(Er)-288(lebte)-287(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonnabend)-337(zu)-338(Sonnabend.)-512(Auch)-338(hatte)-337(er)-338(die)-337(Absicht,)-359(Carriere)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-387(machen.)-662(Deshalb)-387(achtete)-387(er)-387(abwechselnd)-387(auf)-387(seine)-387(beiden)]TJ 0 -13.549 Td [(Vorgesetzten.)-229(Der)-186(Dicke)-187(gefiel)-186(ihm)-187(um)-186(seines)-187(heiteren)-186(Cynismus)]TJ 0 -13.549 Td [(willen.)-246(Aber)-238(der)-238(Eifer)-238(des)-238(Andern)-238(imponirte)-238(ihm.)-246(So)-238(wurde)-237(man)]TJ 0 -13.549 Td [(was.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Der)-357(gelbe)-358(Herr)-357(behauptete,)-385(dass)-357(Unruhen)-358(k\344men,)-384(die)-357(Leute)]TJ -11.956 -13.549 Td [(liefen)-267(zusammen;)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.442 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(na,)-271(und)-267(wenn)-266(die)-267(Lausewenzel)-267(des)-267(Sonntags)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1136 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1137 0 R +/Resources 1135 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R +>> endobj +1138 0 obj << +/D [1136 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1132 0 obj << +/D [1136 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1139 0 obj << +/D [1136 0 R /XYZ 46.771 255.831 null] +>> endobj +1135 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1142 0 obj << +/Length 5310 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(212)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ein)-211(bischen)-211(weniger)-212(s\366ffen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 120.813 0 Td [(\034)-211(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.905 0 Td [(Ueberdies)-211(hatte)-211(der)-211(Pfarrer)-212(Gentz)]TJ -135.718 -13.549 Td [(eine)-250(Denunciation)-250(eingereicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nur)-199(weil)-199(er)-198(ihm)-199(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.363 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-199(Handwerk)-199(pfuscht,)-209(seine)-199(Kunden)-198(stiehlt.)]TJ -98.794 -13.549 Td [(Die)-191(Pfaffen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.092 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.542 0 Td [(Das)-191(hackte)-192(sich)-191(am)-191(liebsten)-192(gegenseitig)-191(die)-191(Augen)]TJ -63.634 -13.549 Td [(aus.)-219(Dadran)-157(sehen)-157(Sie)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.966 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-157(schon.)-219(Predigte)-156(er)-157(den)-157(leibhaftigen)-157(Satan,)]TJ -97.599 -13.549 Td [(ginge)-193(es)-194(noch.)-231(Dann)-193(h\344tten)-193(sie)-194(Wasser)-193(auf)-193(ihre)-193(M\374hlen.)-231(Dasselbe)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([359])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(sagen)-379(wie)-378(die)-379(Herren)-378(Pastoren!)-636(Die)-378(verbrennten)-379(uns)-378(Christus)]TJ 0 -13.55 Td [(heute)-250(noch.)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -38.336 -14.25 Td [(Der)-174(Assessor)-173(lachte.)-225(Die)-173(Ausf\344lle)-174(gegen)-173(die)-174(Clerisei)-174(am\374sirten)]TJ -11.955 -13.549 Td [(ihn.)-609(Er)-369(konnte)-370(auch)-369(die)-370(Pfaffen)-369(nicht)-370(leiden.)-608(Trotzdem)]TJ/F21 10.9091 Tf 257.813 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.486 0 Td [(ein)]TJ -267.299 -13.55 Td [(leichter)-285(Anflug)-284(von)-285(Semitismus)-284(haftete)-285(ihm)-285(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.599 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.559 0 Td [(deswegen)-285(war)]TJ -218.158 -13.549 Td [(er)-250(kirchlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-293(beleidigen)-293(einen)-293(hochachtbaren)-293(Stand,)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.996 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.041 0 Td [(sagte)-293(der)-293(Gelbe)]TJ -211.836 -13.55 Td [(bitter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.178 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-393(Geistlichkeit)-394(hat)-393(eine)-394(Pflicht)-393(im)-394(Staate.)-680(Sie)-393(sind)]TJ -38.021 -13.549 Td [(gleichsam)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.964 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(die)-250(Gewissenspolizei.)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.138 0 Td [(\034)]TJ -138.329 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-364(verlasse)-363(mich)-364(lieber)-364(auf)-364(unsern)-363(Pommer\344nicke.)-592(Sehen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie,)-359(zum)-337(Ketzerrichter)-337(bin)-337(ich)-338(nun)-337(mal)-337(verdorben.)-511(Aber)-337(wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(Einer)-277(lange)-277(Finger)-277(macht,)-284(gar)-277(zu)-277(\374berm\374thig)-277(wird,)-283(dann)-277(giebt)]TJ/F21 10.9091 Tf 272.754 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)]TJ -276.386 -13.549 Td [(was)-250(drauf.)-250(Das)-250(h\344lt)-250(die)-250(Gesellschaft)-250(zusammen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.04 0 Td [(\034)]TJ -197.085 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(giebt)-250(sehr)-250(Vieles,)-250(was)-250(vielleicht)-250(schlimmer)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.254 0 Td [(\034)]TJ -222.098 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-151(\374berlasse)-151(ich)-151(feineren)-151(Nasen.)-217(Es)-151(w\344re)-151(doch)-152(ungem\374thlich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schliesslich,)-521(allein)-467(als)-467(Krone)-466(\374brig)-467(zu)-467(bleiben)-467(und)-467(am)-466(Ende)]TJ 0 -13.549 Td [(entdeckte)-506(man)-506(in)-506(sich)-506(selbst)-506(unerlaubte)-505(Magenbeschwerden.)]TJ 0 -13.55 Td [(Eine)-237(gewisse)-237(mittlere)-237(Dickh\344utigkeit)-237(macht)-237(allein)-237(das)-237(Leben)-236(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(diesem)-450(mangelhaften)-449(Planeten)-449(f\374r)-450(sich)-449(und)-450(Andre)-449(ertr\344glich.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([360])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(So)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.52 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-522(Rhinoceros)-522(ist)-522(das)-522(philosophische)-522(Vieh.)-1065(Alle)-522(Stoiker)]TJ -15.153 -13.549 Td [(bleiben)-250(Waisenknaben)-250(dagegen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.914 -14.251 Td [(Der)-598(Dicke)-598(ging)-598(seinen)-598(Amtsgesch\344ften)-598(nach,)-685(ohne)-598(sich)]TJ -11.955 -13.549 Td [(dadurch)-452(den)-452(Appetit)-452(verderben)-452(zu)-452(lassen.)-856(Selbstm\366rder,)-502(die)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-524(zu)-523(recognosciren)-524(hatte,)-592(theilte)-524(er)-523(in)-524(Krammetsv\366gel)-523(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Rohrdommeln)-356(ein,)-382(Erh\344ngte)-356(oder)-356(Ertr\344nkte.)-568(Eigentlich)-356(war)-355(er)]TJ 0 -13.549 Td [(beliebt.)-532(Er)-345(vertrat)-344(eine)-344(praktische)-344(Nothwendigkeit.)-532(Die)-344(armen)]TJ 0 -13.55 Td [(Teufel)-254(liessen)-253(die)-254(K\366pfe)-254(h\344ngen)-253(und)-254(ergaben)-254(sich)-253(in)-254(ihre)-253(Strafe.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-383(begr\374sste)-383(die)-382(R\374ckf\344lligen)-383(auch)-383(stets)-383(wieder)-383(mit)-382(derselben)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1141 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1142 0 R +/Resources 1140 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1117 0 R +>> endobj +1143 0 obj << +/D [1141 0 R /XYZ 93.543 449.728 null] +>> endobj +1144 0 obj << +/D [1141 0 R /XYZ 276.21 188.786 null] +>> endobj +1140 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1147 0 obj << +/Length 4627 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunzehnte)-250(Kapitel.)-14421(213)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Jovialit\344t.)-218(Unter)-153(der)-153(Hand)-154(war)-153(er)-153(wohlth\344tig.)-218(Manches)-153(arme)-153(Weib)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-244(sich)-244(seine)-244(Mark)-244(f\374nfzig)-244(oder)-244(drei)-244(Mark)-244(Conventionalstrafe)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-393(Holzsammeln,)-430(Beerensuchen)-393(von)-394(ihm)-393(zugesteckt)-393(gesehen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Eine)-294(gewisse)-294(r\374de)-294(Ausdrucksweise)-294(ging)-294(dabei)-294(mit)-294(in)-294(den)-293(Kauf.)]TJ 0 -13.55 Td [(Er)-250(nannte)-250(das)-250(patriarchalisches)-250(Regime.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Ganz)-666(anders)-667(der)-666(Gelbe.)-1499(Die)-666(Angeklagten)-666(waren)-666(von)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vornherein)-578(seine)-578(pers\366nlichen)-578(Feinde.)-1234(Er)-578(suchte)-578(sie)-577(noch)]TJ 0 -13.55 Td [(privatim)-405(m\366glichst)-405(zu)-405(zerknirschen.)-714(Nichts)-405(konnte)-405(ihm)-404(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(Freude)-287(machen,)-296(als)-287(solche,)-296(die)-287(sich)-287(erh\344ngten,)-296(Weiber,)-297(die)-286(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-442(Zuckungen)-442(auf)-443(der)-442(Erde)-442(wanden.)-826(In)-442(Alimentationsklagen)]TJ 0 -13.549 Td [(trat)-485(er)-485(nie)-485(ein,)-544(ohne)-485(das)-485(Frauenzimmer)-485(vorher)-485(gr\374ndlich)-485(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([361])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(verdonnern.)-244(Ueberhaupt)-232(Unsittlichkeit!)-244(Er)-231(hatte)-232(dann)-232(ein)-231(Gef\374hl)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-560(lieben)-561(Gottes,)-638(eines)-560(Rhadamanthus.)-1181(Zum)-560(allgemeinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Besten)-558(musste)-557(man)-558(unbarmherzig)-557(sein,)-634(w\344hrend)-558(der)-557(Dicke)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-497(vorgenommen)-496(hatte,)-559(dann)-497(lieber)-496(nach)-497(der)-497(andern)-496(Seite)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(s\374ndigen,)-250(die)-250(Sittlichkeitsfrage)-250(von)-250(vornherein)-250(ironisirte.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Die)-297(leichtherzige)-297(Auffassung)-297(des)-297(Collegen)-297(hatte)-297(den)-296(Andern)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ge\344rgert.)-286(Er)-262(fand)-262(den)-262(Fremden)-262(im)-262(Gegentheil)-262(h\366chst)-261(gef\344hrlich,)]TJ 0 -13.549 Td [(staatsaufl\366send.)-667(Dabei)-389(blieb)-388(der)-389(Kerl)-389(heimlich,)-424(verstockt.)-666(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(liess)-250(sich)-250(nicht)-250(fangen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-499(sind)-499(Communist?)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.289 0 Td [(fragte)-499(ihn)-499(der)-499(Vorsitzende.)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.971 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)]TJ -266.688 -13.549 Td [(predigen)-250(den)-250(Communismus?)]TJ/F21 10.9091 Tf 130.298 0 Td [(\034)]TJ -118.342 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(mein)-250(ist,)-250(ist)-250(meines)-250(Bruders.)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.356 0 Td [(\034)]TJ -151.199 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(er)-250(es)-250(nicht)-250(giebt?)]TJ/F21 10.9091 Tf 103.004 0 Td [(\034)]TJ -107.847 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(nicht)-250(an)-250(mir)-250(zu)-250(fordern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.982 0 Td [(\034)]TJ -134.825 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-357(habe)-358(geh\366rt,)-384(dass)-357(Sie)-358(aufl\366sende)-357(Tendenzen)-357(gegen)-358(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ehe)-250(predigen?)-250(Wie)-250(denken)-250(Sie)-250(dar\374ber?)]TJ/F21 10.9091 Tf 175.397 0 Td [(\034)]TJ -163.441 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-250(die)-250(Ehe)-250(ist)-250(unheilig,)-250(die)-250(Unkeuschheit)-250(macht)-250(sie)-250(so.)]TJ/F21 10.9091 Tf 252.403 0 Td [(\034)]TJ -257.246 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-628(ist)-627(denn)-628(aber)-628(eine)-627(Ehe)-628(m\366glich)-628(ohne)-628(physischen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Umgang?)]TJ/F21 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ -30.459 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-208(w\344re)-208(allerdings)-208(die)-208(Radicalcur)-208(f\374r)-208(alle)-208(unsre)-209(Gebresten,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 15.237 0 Td [([362])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sagte)-531(der)-532(dicke)-531(Amtsgerichtsrath.)-1094(Er)-531(fand)-532(die)-531(Idee)-531(h\366chst)]TJ 0 -13.549 Td [(spasshaft.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Man)-210(wollte)-211(wissen,)-218(ob)-211(er)-210(sich)-210(weigerte,)-219(Milit\344rdienst)-210(zu)-210(thun?)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1146 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1147 0 R +/Resources 1145 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1148 0 obj << +/D [1146 0 R /XYZ 197.614 382.237 null] +>> endobj +1149 0 obj << +/D [1146 0 R /XYZ 249.706 107.236 null] +>> endobj +1145 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1153 0 obj << +/Length 4924 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(214)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-266(mich)-266(Keiner)-266(angreift,)-269(wozu)-266(brauche)-266(ich)-266(Soldaten?)-298(Wenn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-300(angegriffen)-300(werde,)-312(ist)-300(es)-300(mir)-300(besser,)-312(Unrecht)-300(zu)-300(dulden,)-312(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Unrecht)-250(zu)-250(thun)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.197 0 Td [(\034)]TJ -69.241 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(bricht)-250(den)-250(Gehorsam)-250(gegen)-250(das)-250(Gesetz.)]TJ/F21 10.9091 Tf 192.371 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -197.214 -14.78 Td [(Er)-246(wies)-247(auf)-246(ein)-247(Cruzifix,)-247(das)-246(neben)-247(dem)-246(Richterstuhl)-246(hing,)-247(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eidesleistungen)-326(gebraucht)-326(wurde:)]TJ/F21 10.9091 Tf 153.887 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-326(Er)-326(Euch)-325(Gesetz)-326(ist,)-345(was)]TJ -158.731 -13.549 Td [(braucht)-250(Ihr)-250(Gesetze?)]TJ/F21 10.9091 Tf 90.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -78.306 -14.78 Td [(Sie)-250(fragten:)]TJ/F21 10.9091 Tf 53.323 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-250(bezeichnen)-250(Sie)-250(als)-250(sein)-250(Gesetz?)]TJ/F21 10.9091 Tf 160.254 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -218.421 -14.78 Td [(Er)-189(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.258 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-189(steht)-189(geschrieben:)-219(Wer)-189(gestohlen)-189(hat,)-201(der)-189(stehle)]TJ -63.058 -13.549 Td [(nicht)-400(wieder,)-438(sondern)-400(schaffe)-400(mit)-400(seinen)-400(H\344nden,)-437(auf)-400(dass)-400(er)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-184(zu)-185(geben)-184(dem)-184(D\374rftigen.)-228(Du)-185(sollst)-184(Deinem)-184(Bruder)-184(vergeben)]TJ 0 -13.549 Td [(sieben)-253(mal)-253(siebenzig)-252(mal.)-259(Und)-253(was)-252(Du)-253(nicht)-253(gethan)-253(hast)-252(diesem)]TJ 0 -13.55 Td [(Geringsten)-250(Einem,)-250(das)-250(hast)-250(Du)-250(mir)-250(nicht)-250(gethan.)]TJ/F21 10.9091 Tf 212.4 0 Td [(\034)]TJ -200.444 -14.779 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-291(geschriebnes)-291(Recht)-290(muss)-291(sein)-291(um)-291(der)-291(Ordnung)-291(willen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(warfen)-250(sie)-250(ein.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([363])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.779 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-530(sehe)-529(nur)-530(Unordnung.)-1089(Ihr)-530(habt)-529(t\344glich)-530(zu)-530(thun)-530(mit)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Solchen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 37.877 0 Td [(\034)]TJ -25.921 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(sind)-250(Ausnahmen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 95.444 0 Td [(\034)]TJ -100.287 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-210(Andern)-210(bleiben)-209(in)-210(der)-210(Regel,)-218(weil)-209(sie)-210(den)-210(Vortheil)-210(davon)]TJ -16.799 -13.549 Td [(haben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 28.779 0 Td [(\034)]TJ -16.823 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-756(ist)-757(scharf)-756(wie)-756(ein)-757(alter)-756(Fuchs,)]TJ/F21 10.9091 Tf 174.021 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.094 0 Td [(schmunzelte)-756(der)]TJ -203.914 -13.549 Td [(Amtsrichter.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ohne)-400(Zwang)-400(ist)-400(in)-400(menschlichen)-400(Dingen)-400(kein)-401(dauerhafter)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Zustand)-250(m\366glich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.364 0 Td [(\034)]TJ -64.408 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-166(Zwang)-166(trifft)-167(nur)-166(die)-166(Aeusserung.)-222(Er)-166(\344ndert)-166(die)-167(Gesinnung)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht.)-271(Die)-257(m\344chtig)-257(genug)-257(sind,)-259(verachten)-257(ihn,)-259(und)-257(diese)-257(sind)-257(die)]TJ 0 -13.549 Td [(st\344rksten,)-250(die)-250(das)-250(Beispiel)-250(geben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 144.829 0 Td [(\034)]TJ -132.873 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-304(hat)-304(er,)-318(den)-304(Teufel!)-413(nicht)-304(Unrecht.)-413(Unsre)-304(Banquiers)-305(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Minister)-250(k\366nnten)-250(davon)-250(ein)-250(Liedchen)-250(singen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 197.553 0 Td [(\034)]TJ -185.598 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Glauben)-232(Sie,)-236(dass)-232(dieser)-232(Zustand)-233(ohne)-232(Gesetzlosigkeit,)-236(ohne)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mord)-250(und)-250(Todtschlag)-250(je)-250(m\366glich)-250(sein)-250(wird?)]TJ/F21 10.9091 Tf 191.498 0 Td [(\034)]TJ -179.543 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-250(Jeder)-250(sich)-250(selbst)-250(Gesetz)-250(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.851 0 Td [(\034)]TJ -152.695 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dann)-250(hat)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.687 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(gute)-250(Weile.)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.262 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1152 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1153 0 R +/Resources 1151 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1154 0 obj << +/D [1152 0 R /XYZ 93.543 322.192 null] +>> endobj +1151 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1157 0 obj << +/Length 4593 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunzehnte)-250(Kapitel.)-14421(215)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-426(Gelbe)-427(wollte)-426(wissen,)-471(ob)-427(er)-426(Seine)-427(Majest\344t)-426(den)-426(K\366nig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anerkennte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-427(Unordnung)-427(ist,)-472(ist)-427(es)-427(gut,)-472(dass)-427(Einer)-427(sei.)-781(So)-428(aber)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Ordnung)-250(ist,)-250(wozu)-250(ist)-250(ein)-250(Herr?)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.553 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 153.471 0 Td [([364])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.958 Td [(Der)-163(Feierliche)-164(fand,)-181(dass)-163(darin)-164(doch)-163(eine)-164(Majest)1(\344tsbeleidigung)]TJ -11.956 -13.549 Td [(l\344ge,)-250(zum)-250(Mindesten)-250(Zweideutigkeit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Glauben)-250(Sie)-250(an)-250(Gott?)]TJ/F21 10.9091 Tf 93.622 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -98.465 -13.959 Td [(Er)-466(glaubte)-466(nat\374rlich)-467(nicht.)-898(Der)-467(Pfarrer)-466(hatte)-466(es)-466(haarklein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bewiesen,)-687(Ausspr\374che)-600(zusammengestellt.)-1298(Ein)-600(ganz)-599(hohler)]TJ 0 -13.549 Td [(Pantheismus)-250(war)-250(vielleicht)-250(vorhanden.)]TJ 11.956 -13.959 Td [(Der)-307(Assessor)-306(fand,)-321(ein)-307(paar)-306(Monate)-307(k\366nnten)-307(nichts)-306(schaden.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Man)-250(musste)-250(sich)-250(schneidig)-250(zeigen.)]TJ 11.956 -13.958 Td [(Der)-227(joviale)-227(Amtsrichter)-227(war)-228(dagegen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 166.408 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-227(hat)-227(nicht)-227(gestohlen,)]TJ -183.208 -13.549 Td [(thut)-250(Keinem)-250(was)-250(zu)-250(Leide.)-250(Lassen)-250(Sie)-250(ihn)-250(laufen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 217.233 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -205.277 -13.959 Td [(Der)-546(Assessor)-546(langweilte)-545(sich.)-1138(Er)-545(fand,)-620(dass)-546(es)-546(f\374r)-545(ihn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374berhaupt)-263(nicht)-262(der)-263(M\374he)-263(werth)-263(sei,)-265(sich)-263(mit)-263(einem)-262(abgerissnen)]TJ 0 -13.549 Td [(Strolch)-540(l\344nger)-539(zu)-540(besch\344ftigen.)-1118(Man)-540(hatte)-539(genug)-540(zu)-539(thun,)]TJ 0 -13.549 Td [(Beleidigungen)-506(socialistischer)-506(Redacteure)-506(aufzunehmen.)-1017(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(machte)-369(einen)-368(guten)-369(Eindruck)-369(nach)-369(oben.)-606(Er)-368(sah)-369(sich)-369(gern)-368(als)]TJ 0 -13.55 Td [(Pr\344sidenten)-371(des)-372(Reichsgerichts)-371(in)-371(scharfer,)-402(schneidender)-371(Rede)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-259(Gesellschaft)-260(retten.)-278(Das)-259(war)-259(vornehm)-260(gewesen)-259(seit)-259(Jeffrey)]TJ/F21 10.9091 Tf 272.754 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.549 Td [(Zeiten.)-250(Aus)-250(diesem)-250(Grunde)-250(opinirte)-250(er)-250(auch)-250(gegen)-250(Dreyfus.)]TJ 11.956 -13.958 Td [(Den)-1374(Vorsitzenden)-1374(verfolgte)-1375(die)-1374(fixe)-1374(Idee)-1374(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Majest\344tsbeleidigung:)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.929 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ob)-221(man)-221(die)-221(Steuer)-221(zahlen)-221(sollte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.33 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.255 0 Td [(wollte)]TJ/F16 7.9701 Tf 37.666 0 Td [([365])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.55 Td [(er)-250(wissen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-409(sie)-409(f\374r)-408(das)-409(Allgemeine,)-448(so)-409(ist)-409(es)-409(billig,)-448(dass)-409(ein)-409(Jeder)]TJ -16.798 -13.549 Td [(trage.)-250(Ist)-250(sie)-250(nicht,)-250(so)-250(mag)-250(der)-250(tragen,)-250(der)-250(sie)-250(braucht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 233.279 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -221.324 -13.958 Td [(Sie)-257(stellten)-258(ihm)-257(eine)-257(Menge)-258(Fragen,)-259(woher)-257(er)-258(k\344me,)-259(was)-257(sein)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Name)-278(und)-279(Stand)-278(sei?)-336(Auch)-278(\374ber)-278(seine)-279(Geldverh\344ltnisse)-278(wollten)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(wissen?)-250(Wovon)-250(er)-250(sich)-250(ern\344hrte?)]TJ 11.955 -13.958 Td [(Auf)-250(dieses)-250(Alles)-250(antwortete)-250(er)-250(nicht.)]TJ 0 -13.959 Td [(Nun)-351(fingen)-352(sie)-351(an,)-377(Erkundigungen)-351(anderweitig)-352(einzuzi)1(ehen.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Es)-367(gab)-367(Leute,)-396(die)-368(es)-367(beschworen,)-396(dass)-367(er)-367(ein)-367(Joseph)-367(Sch\344ppli)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-587(Bing)-587(in)-587(W\374rttemberg)-587(sei,)-671(der)-587(schon)-587(in)-586(seiner)-587(Jugend)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1156 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1157 0 R +/Resources 1155 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1158 0 obj << +/D [1156 0 R /XYZ 46.771 474.74 null] +>> endobj +1159 0 obj << +/D [1156 0 R /XYZ 46.771 203.271 null] +>> endobj +1155 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1162 0 obj << +/Length 5132 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(216)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(geistesgest\366rt)-371(gewesen,)-402(seinen)-371(Eltern)-371(davongelaufen)-371(und)-371(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(verschwunden)-250(war.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Man)-429(that)-428(noch)-429(ein)-429(Uebriges.)-786(Da)-428(die)-429(alte)-429(Mutter)-428(Sch\344ppli)]TJ -11.956 -13.549 Td [(noch)-251(lebte,)-250(beschloss)-251(man)-251(ihn)-250(mit)-251(dieser)-250(zu)-251(confrontiren,)-251(sie)-250(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(Gerichtskosten)-250(herkommen)-250(zu)-250(lassen.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Der)-206(Erfolg)-206(schien)-207(allen)-206(Zweiflern)-206(Recht)-207(zu)-206(geben.)-235(Es)-206(erschien)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vor)-290(Gericht)-289(eine)-290(uralte)-290(verhutzelte)-289(Bauersfrau,)-300(ganz)-289(benommen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-308(der)-308(Wichtigkeit)-307(und)-308(W\374rde)-308(des)-308(Orts,)-322(diesen)-308(vielen)-307(Augen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-409(auf)-410(sie)-409(gerichtet)-409(waren.)-728(Sie)-409(versuchte)-409(abwechselnd)-409(ihren)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([366])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(mitgebrachten)-301(Korb)-302(mit)-301(Esswaaren)-302(zu)-301(sichern,)-315(aus)-301(den)-301(Mienen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-152(Umstehenden)-152(zu)-152(errathen,)-171(was)-152(man)-152(mit)-152(ihr)-152(vorhatte.)-217(Nat\374rlich)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-431(sie)-431(ihren)-431(besten)-432(Sonntagsstaat)-431(angelegt.)-793(Man)-431(hatte)-431(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Gef\374hl)-402(eines)-403(alten)-402(Nacht-)-403(oder)-402(Erdthiers,)-441(pl\366tzlich)-402(an)]TJ/F21 10.9091 Tf 245.335 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-402(Licht)]TJ -248.967 -13.549 Td [(gebracht,)-250(das)-250(in)-250(die)-250(Sonne)-250(blinzelt,)-250(sich)-250(verkriechen)-250(m\366chte.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Sie)-380(erkannte)-380(ihn)-380(sofort:)]TJ/F21 10.9091 Tf 111.919 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-380(mein)-380(Sohn)-379(Joseph!)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.881 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.988 0 Td [(schrie)-380(sie.)]TJ/F21 10.9091 Tf -235.588 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mein)-351(armer)-351(Sohn!)-552(Du)-351(b\366ses)-351(Kind!)-553(Bist)-351(Du)-351(mir)-350(fortgelaufen)]TJ -4.844 -13.549 Td [(und)-250(wo)-250(hast)-250(Du)-250(Dich)-250(umgetrieben)-250(so)-250(lange?)]TJ/F21 10.9091 Tf 193.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -181.648 -16.626 Td [(Auf)-293(dies)-293(Alles)-293(antwortete)-292(er)-293(k\374hl,)-304(aber)-293(freundlich:)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.003 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-293(irrst,)]TJ -243.802 -13.549 Td [(Frau!)-250(Ich)-250(bin)-250(Dein)-250(Sohn)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 133.32 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -121.364 -16.626 Td [(Nun)-399(gerieth)-400(die)-399(Alte)-399(ganz)-400(ausser)-399(sich:)]TJ/F21 10.9091 Tf 181.787 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-399(mein)-400(Sohn?)]TJ -198.586 -13.549 Td [(Was?)-242(Habe)-225(ich)-225(Dich)-225(nicht)-226(in)-225(Schmerzen)-225(geboren?)-242(So)-225(sp\344t)-225(kamst)]TJ 0 -13.549 Td [(Du,)-480(dass)-435(die)-434(Wehmutter)-434(es)-435(aufgab.)-802(Wir)-435(dachten,)-480(ich)-434(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-330(lebendig)-329(bleiben.)-489(Dann)-330(war)-329(es)-330(ein)-329(grosses,)-350(starkes)-329(Kind,)]TJ 0 -13.55 Td [(zehn)-403(Pfund)-402(schwer,)-441(dass)-403(alle)-402(Nachbarinnen)-403(\374ber)-403(das)-402(Wunder)]TJ 0 -13.549 Td [(schrieen.)-452(Hinterher)-318(kam)-317(das)-318(mit)-317(dem)-317(schwachen)-318(Kopf,)-334(wo)-317(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-384(anzufangen)-384(war.)-652(Nicht)-384(mal)-384(zum)-384(Viehh\374ten)-384(taugte)-384(das.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Geben)-261(Sie)]TJ/F21 10.9091 Tf 45.261 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-261(nur)-261(auf,)-263(Sch\344pplerin,)]TJ/F21 10.9091 Tf 98.851 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.479 0 Td [(sagte)-261(der)-261(Herr)-261(Pfarrer.)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.967 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Den)]TJ -262.456 -13.549 Td [(hat)-250(sich)-250(der)-250(Herrgott)-250(gezeichnet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.08 0 Td [(\030\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -214.836 0 Td [([367])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.626 Td [(Sie)-439(fing)-439(pl\366tzlich)-438(an)-439(zu)-439(weinen)-439(und)-438(wurde)-439(z\344rtlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.068 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bin)]TJ -264.866 -13.549 Td [(ich)-353(nicht)-352(doch)-353(gut)-352(zu)-353(Dir)-352(gewesen?)-558(Hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 184.874 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.479 0 Td [(Dich)-353(trocken)-352(gelegt)]TJ -192.353 -13.549 Td [(jede)-309(Nacht,)-323(wenn)-308(Du)-309(schrieest?)-425(Und)-309(wie)-308(Du)-309(krank)-308(warst,)-323(hab)]TJ/F21 10.9091 Tf 276.997 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.55 Td [(ich)-372(Dir)-372(Hirsenbrei)-372(gekocht.)-615(Du)-372(assest)-372(so)-372(gern)-372(Hirsenbrei)-371(und)]TJ 0 -13.549 Td [(getrocknete)-408(Pflaumen.)-726(Daf\374r)-408(liessest)-408(Du)-409(gerade)-408(Dein)-408(Leben.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1161 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1162 0 R +/Resources 1160 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1163 0 obj << +/D [1161 0 R /XYZ 290.945 403.629 null] +>> endobj +1164 0 obj << +/D [1161 0 R /XYZ 93.543 134.586 null] +>> endobj +1160 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1167 0 obj << +/Length 5061 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunzehnte)-250(Kapitel.)-14421(217)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Mein)-338(Joseph!)-513(Mein)-337(Seppli!)-513(Mein)-338(eigner)-338(Herzbub!)-513(Und)-337(willst)]TJ 0 -13.549 Td [(nun)-250(Deine)-250(eigne)-250(alte)-250(Mutter)-250(nicht)-250(kennen?)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -174.066 -14.095 Td [(Er)-484(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.932 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-485(nun)-484(sind)-485(die)-484(Weiber.)-954(Weil)-484(sie)-485(Dir)-484(Brot)]TJ -71.732 -13.549 Td [(gegeben)-341(und)-340(den)-341(Leib)-340(gewaschen,)-364(bilden)-340(sie)-341(sich)-341(ein,)-363(dass)-340(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(Dir)-205(eine)-205(Seele)-205(geschaffen,)-214(einen)-205(unsterblichen)-205(Menschen)-205(aus)-204(Dir)]TJ 0 -13.549 Td [(gemacht)-225(haben.)-242(O)-225(kleine)-225(Kinder)-225(im)-225(grauen)-226(Haar!)-241(Th\366rinnen,)-230(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Ihr)-250(M\374tter)-250(seid!)]TJ/F21 10.9091 Tf 69.077 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.121 -14.094 Td [(Danach,)-212(wie)-202(er)-203(sah,)-212(dass)-202(Einige)-202(diese)-203(Rede)-202(hart)-203(fanden,)-211(Andre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sie)-202(richtig)-203(nannten,)-212(die)-202(Alte)-202(aber)-203(schluchzte)-202(und)-203(lamentirte,)-211(sagte)]TJ 0 -13.55 Td [(er:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dennoch)-394(ist)-395(die)-394(Mutter)-394(immer)-394(verehrungsw\374rdig.)-683(Sie)-395(hat)]TJ -16.799 -13.55 Td [(gelitten.)-853(Sie)-451(hat)-451(leibliche)-451(Schmerzen)-451(gelitten,)-501(wie)-451(das)-451(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(zur)-363(Welt)-364(kam.)-590(Alle)-363(Noth)-364(und)-363(Last)-364(tr\344gt)-363(sie)-363(mit)-364(ihm)-363(in)-363(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwachheit.)-247(Danach)-242(wird)-242(es)-242(zum)-242(Manne)-242(und)-242(l\344sst)-242(sie.)-248(So)-241(ist)-242(es)]TJ 0 -13.549 Td [(wohl)-243(ihres)-243(und)-243(doch)-243(nicht)-243(ihrs.)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.461 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.105 0 Td [(Sie)-243(leidet)-243(im)-243(Fleische)-243(um)-243(einer)]TJ -145.566 -13.549 Td [(unsterblichen)-436(Seele)-436(willen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 130.731 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.211 0 Td [(Viele)-436(schelten)-436(dies)-436(Geschlecht)]TJ/F16 7.9701 Tf 150.082 0 Td [([368])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(schwach.)-509(Es)-337(ist)-336(aber)-336(nicht)-337(so,)-358(da)-336(sich)-336(in)-337(ihrem)-336(Leibe)-336(sichtlich)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(heilige)-250(Wunder)-250(der)-250(Erl\366sung)-250(zeigt.)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.269 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -158.313 -14.094 Td [(Und)-341(war)-342(g\374tig)-341(zu)-342(der)-341(alten)-342(Frau,)-364(tr\366stete)-342(sie)-341(und)-341(hinterliess)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sie)-250(mit)-250(Gaben,)-250(die)-250(seine)-250(Freunde)-250(f\374r)-250(ihn)-250(sandten.)]TJ 11.956 -14.094 Td [(Vielen)-244(war)-243(das)-244(wieder)-243(ein)-244(Zeichen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 157.143 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-244(weiss)-243(sehr)-244(wohl,)-245(dass)]TJ -173.943 -13.55 Td [(er)-282(ihr)-281(Sohn)-282(ist.)-345(W\374rde)-282(er)-281(sie)-282(ehren,)-290(wenn)-281(sie)-282(nicht)-282(seine)-281(Mutter)]TJ 0 -13.549 Td [(ist?)]TJ/F21 10.9091 Tf 15.153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -3.197 -14.094 Td [(Er)-410(sprach:)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.493 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-410(wenn)-410(sie)-410(es)-410(w\344re?)-730(Was)-410(ist)-410(eine)-410(Mutter?)]TJ -69.293 -13.55 Td [(Hat)-284(sie)-283(mir)-284(meine)-284(Gedanken)-283(gegeben?)-351(Tr\344gt)-284(sie)-284(Schmerzen)-283(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(mich?)-242(Und)-225(f\374hlt)-224(sie)-225(mit)-225(meinem)-225(F\374hlen?)-242(Der)-225(Antheil)-225(der)-224(Mutter)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(vom)-250(Fleisch.)-250(Wir)-250(sind)-250(aber)-250(nicht)-250(Fleisch,)-250(sondern)-250(Geist.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 10.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Vor)-236(Augen)-237(siehet)-236(diese)-236(Art,)-239(was)-236(wahrscheinlich)-236(ist.)]TJ/F21 10.9091 Tf 227.977 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.032 0 Td [(Das)]TJ -263.667 -13.549 Td [(Wahre)-337(aber)-336(siehet)-337(sie)-337(nicht.)-510(Wenn)-336(sie)-337(es)-337(s\344hen,)-358(w\374rde)-337(es)-336(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen)-250(verbrennen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.335 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Aber)-250(die)-250(Blinden)-250(haben)-250(auch)-250(Augen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 161.781 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -244.342 -14.095 Td [(Danach)-376(schwieg)-376(er)-376(und)-376(sagte)-376(nichts)-376(mehr)-376(\374ber)-376(diesen)-376(F)1(all,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erkl\344rte)-250(sich)-250(auch)-250(nicht)-250(deutlicher.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Dieser)-321(Umstand)-320(der)-321(Recognoscirung)-321(durch)-320(die)-321(eigne)-320(Mutter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(beruhigte)-291(die)-292(Richter)-291(ganz)-291(und)-292(gar.)-374(Sie)-291(dachten)-291(nun)-292(wohl,)-301(dass)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1166 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1167 0 R +/Resources 1165 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1168 0 obj << +/D [1166 0 R /XYZ 78.888 313.301 null] +>> endobj +1165 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1171 0 obj << +/Length 4918 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(218)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(er)-262(ein)-262(Narr)-263(und)-262(Kranker)-262(sei.)-287(Uebrigens)-262(bildete)-262(nicht)-262(die)-262(Familie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([369])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(die)-418(Grundlage)-418(und)-417(Urform)-418(jedes)-418(gesunden)-417(Staatsorganismus?)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-321(heiligste)-320(Gut)-321(der)-321(Nation?)-462(Einer,)-339(der)-320(nicht)-321(mal)-321(die)-320(Familie)]TJ 0 -13.549 Td [(anerkannte,)-624(leugnete)-549(das)-550(Bestehende)-549(durch)-549(diese)-549(Thatsache)]TJ 0 -13.55 Td [(schon.)]TJ/F21 10.9091 Tf 33.28 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.973 0 Td [(Der)-323(Gelbe)-322(war)-323(f\374r)-322(mindestens)-323(zwei)-322(Jahre)-323(und)-322(kurzen)]TJ -42.253 -13.549 Td [(Process.)-599(Aber)-366(die)-366(Herren)-367(am\374sirten)-366(sich)-366(zu)-367(gut)-366(bei)-366(dem)-366(Fall.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-271(machte)-271(ihnen)-271(Spass,)-276(ihn)-271(auszuhorchen)-271(\374ber)-271(seine)-271(Ansichten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Was)-287(er)-287(von)-287(ihrer)-287(Justiz)-287(denke?)-361(Ob)-287(er)-287(mehr)-287(f\374r)-287(deutsches)-287(Recht)]TJ 0 -13.549 Td [(sei)-309(oder)-310(f\374r)-309(r\366misches?)-427(Auch)-310(fanden)-309(sie)-309(verzwickte)-309(Streitf\344lle,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-258(er)-257(entscheiden)-258(sollte.)-272(Und)-258(ob)-257(er)-258(die)-257(Todesstrafe)-258(billigte)-257(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(missbilligte?)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Es)-262(war)-262(ein)-263(f\366rmlicher)-262(Sport)-262(unter)-262(ihnen)-263(geworden.)-286(Der)-262(dicke)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Amtsgerichtsrath)-405(war)-405(der)-406(Lustigste.)-715(Er)-405(nannte)-405(ihn)-405(scherzhaft)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-281(Christus)-280(und)-281(sich)-280(Pontius)-281(Pilatus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 182.386 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.515 0 Td [(Der)-281(Assessor)-280(dachte)]TJ -190.901 -13.549 Td [(an)-389(Berlin)-390(und)-389(die)-390(Blumens\344le.)-668(Er)-389(war)-390(weit)-389(weg.)-668(Der)-389(grosse)]TJ 0 -13.549 Td [(Gelehrte)-425(fand,)-468(dass)-424(dergleichen)-425(die)-424(K\366pfe)-425(verwirrte.)-773(Er)-424(war)]TJ 0 -13.55 Td [(sehr)-433(gegen)-432(Verwirrung)-433(der)-433(K\366pfe.)-798(Er)-432(hatte)-433(alle)-433(Materien)-432(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Schubf\344cher)-242(und)-242(Unterschubf\344cher)-241(eingetheilt,)-244(und)-242(man)-241(wusste,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-438(sein)-438(Urtheil)-438(unbestechlich)-438(war.)-814(Ueberdies)-438(f)-200(a)-200(n)-200(d)-438(er)-438(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Majest\344tsbeleidigung.)-250(Die)-250(Majest\344tsbeleidigung)-250(lag)-250(sonnenklar.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([370])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Besonders)-285(konnte)-284(ihn)-285(eine)-285(Behauptung)-284(des)-285(Jovialen)-284(irritiren,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dass)-245(der)-244(Fremde)-245(eigentlich)-244(ein)]TJ/F21 10.9091 Tf 135.742 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(genialer)-245(Kerl)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.192 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.512 0 Td [(sei,)-246(ein)-244(religi\366ses)]TJ -205.289 -13.549 Td [(Genie.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Genies)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.289 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.45 0 Td [(Genies)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.289 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.449 0 Td [(die)-183(h\344tte)-183(man)-183(auch)-182(Alle)-183(einstecken)-183(sollen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 179.51 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Auch)-250(Goethe?)]TJ/F21 10.9091 Tf 62.706 0 Td [(\034)]TJ -67.55 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-404(ist)-404(Goethe?)-711(Ein)-404(Kerl,)-442(der)-404(keinen)-404(Patriotismus)-404(hatte,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einen)-250(unmoralischen)-250(Lebenswandel)-250(f\374hrte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.833 0 Td [(\034)]TJ -175.878 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-250(ist)-250(aber)-250(doch)-250(Excellenz)-250(geworden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 162.982 0 Td [(\034)]TJ -167.826 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-636(kommt)-635(ja)-636(vor.)-1407(Im)-636(Grunde)-635(ist)-636(das)-636(Alles)-636(h\366herer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Anarchismus,)-629(selbstverfertigte)-554(Autorit\344ten,)-629(Parven\374gewalten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sehen)-733(Sie)-734(selbst)-733(Bismarck)-733(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 147.45 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.843 0 Td [(Der)-733(eminente)-734(Jurist)-733(war)]TJ -160.293 -13.55 Td [(ultramontan.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-749(Pommer\344nicke!)]TJ/F21 10.9091 Tf 99.056 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.015 0 Td [(Der)-749(dicke)-749(Polizeidiener)-749(bildete)]TJ -128.87 -13.549 Td [(das)-557(besondere)-557(Steckenpferd)-557(seines)-557(humoristisch)-557(veranlagten)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1170 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1171 0 R +/Resources 1169 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1150 0 R +>> endobj +1172 0 obj << +/D [1170 0 R /XYZ 163.141 518.175 null] +>> endobj +1173 0 obj << +/D [1170 0 R /XYZ 93.543 257.748 null] +>> endobj +1169 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1176 0 obj << +/Length 4392 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunzehnte)-250(Kapitel.)-14421(219)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Vorgesetzten.)-336(In)-279(seinen)-279(Mussestunden)-279(schlachtete)-279(er)-278(Schweine,)]TJ 0 -13.549 Td [(lieh)-695(Geld)-696(auf)-695(Wucherzinsen)-695(und)-696(f\374llte)-695(in)-695(seiner)-695(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Methodistengemeinde)-250(ein)-250(kirchliches)-250(Amt)-250(aus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Pommer\344nicke)-1478(ist)-1479(nothwendig,)-1786(existenzberechtigt.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Pommer\344nicke)-250(i)-200(s)-200(t!)]TJ/F21 10.9091 Tf 86.477 0 Td [(\034)]TJ -74.521 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-678(Fleisch)-677(und)-678(Fett)-677(gewordene)-678(Potenz)-677(des)-678(mittleren)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Gerechtigkeitsgef\374hls.)-250(E)-200(s)-750(l)-200(e)-200(b)-200(e)-250(Pommer\344nicke!)]TJ/F21 10.9091 Tf 218.989 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 72.035 0 Td [([371])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-493(sind)-493(ein)-494(Farceur.)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.642 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.224 0 Td [(Der)-493(Gelbe)-493(grollte)-493(und)-494(kollerte)-493(in)]TJ -124.665 -13.549 Td [(sich)-584(hinein.)-1251(Er)-584(hasste,)-667(wenn)-584(man)-584(irgend)-583(etwas,)-668(das)-583(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(einer)-489(Staatseinrichtung)-489(zusammenhing,)-549(nicht)-489(ernsthaft)-489(nahm.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-334(war)-335(immer)-334(ernsthaft.)-502(Lachen)-335(war)-334(eine)-334(Frechheit)-334(eigentlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Anarchismus,)-429(Majest\344tsbeleidigung.)-679(Nur)-393(piet\344tlose)-393(Menschen)]TJ 0 -13.549 Td [(lachten.)]TJ 11.956 -15.857 Td [(Der)-427(Assessor)-427(hatte)-427(Besuch)-428(von)-427(Berlin.)-781(Diese)-427(Damen)-427(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Herren)-492(w\374nschten)-491(innig)-492(ein)-491(Zuchthaus)-491(zu)-492(besichtigen.)-974(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Sociale)-250(war)-250(Mode.)-250(Man)-250(verst\344ndigte)-250(sich)-250(mit)-250(dem)-250(Director.)]TJ 11.956 -15.857 Td [(Auch)-250(der)-250(Amtsrichter)-250(und)-250(sein)-250(Freund)-250(waren)-250(mit.)]TJ 0 -15.856 Td [(Alles)-471(interessirte)-472(ausnehmend.)-914(Die)-472(Hunderte)-471(von)-471(kleinen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zellen)-505(mit)-505(starken)-505(Eisenbarren)-505(vor)-505(den)-505(hohen)-504(Fensterluken,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-597(Arbeitssaal,)-685(die)-597(Kirche,)-684(wo)-597(die)-598(einzelnen)-597(Sitze)-597(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(Brettw\344nde)-620(abgetheilt)-620(waren,)-712(um)-620(eine)-620(Communication)-619(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Str\344flinge)-161(miteinander)-160(zu)-161(verhindern,)-178(der)-161(gepflasterte)-160(Hofstreifen)]TJ 0 -13.549 Td [(zwischen)-250(Steinw\344nden,)-250(in)-250(dem)-250(sie)-250(ihre)-250(Spazierg\344nge)-250(machen.)]TJ 11.956 -15.857 Td [(Alles)-433(war)-433(musterhaft)-433(eingerichtet,)-478(beinah)-433(comfortabel,)-478(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lazareth,)-255(Apotheke,)-255(Badeanstalt.)-262(Und)-254(diese)-254(wohlthuende)-254(Stille!)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(F\366rmlich)-250(nervenberuhigend,)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(meinte)-250(die)-250(Mama.)]TJ -124.681 -15.857 Td [(Der)-242(Herr)-242(erkundigte)-243(sich,)-244(ob)-242(und)-242(unter)-242(welchen)-242(Bedingungen)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([372])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(gepr\374gelt)-287(werden)-287(d\374rfte?)-361(Er)-287(liess)-287(sich)-287(die)-287(Einrichtung)-286(erkl\344ren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-234(war)-234(sehr)-233(\374berzeugt)-234(von)-234(der)-234(Zweckm\344ssigkeit)-234(solcher)-233(Strafen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-309(affenartige)-308(Gehorsam,)-324(mit)-308(dem)-309(die)-309(Str\344flinge)-308(aufsprangen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Antwort)-716(gaben,)-833(imponirte)-716(ihm.)-1647(Er)-716(war)-716(selbst)-716(Besitzer)]TJ 0 -13.55 Td [(eines)-483(grossen)-484(industriellen)-483(Etablissements.)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.653 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-483(haben)-484(Sie)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.258 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.549 Td [(bequemer!)]TJ/F21 10.9091 Tf 46.648 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(meinte)-250(er)-250(scherzend.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1175 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1176 0 R +/Resources 1174 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1177 0 obj << +/D [1175 0 R /XYZ 46.771 429.887 null] +>> endobj +1178 0 obj << +/D [1175 0 R /XYZ 269.223 147.437 null] +>> endobj +1174 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1182 0 obj << +/Length 4563 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(220)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-388(jungen)-388(Damen)-388(interessirten)-388(haupts\344chlich)-388(die)-387(Insassen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Besonders)-298(ganz)-297(schwere)-298(Verbrecher.)-392(Sie)-297(waren)-298(fast)-297(entt\344uscht,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-225(ihre)-224(Unthaten)-225(nicht)-224(noch)-224(viel)-225(furchtbarer)-224(waren.)-242(Und)-224(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(Frauen)-230(da?)-244(Sie)-230(baten)-231(und)-230(flehten,)-234(wenigstens)-231(einen)-230(Ausblick)-230(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-205(im)-205(Hofe)-205(Promenirenden)-205(thun)-205(zu)-205(d\374rfen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 190.185 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.691 0 Td [(Es)-205(war)-205(so)-205(am\374sant,)]TJ -197.876 -13.549 Td [(durch)-401(die)-401(kleinen)-401(Gitterfenster)-401(zu)-401(gucken,)-439(gerade)-401(als)-401(ob)-401(man)]TJ 0 -13.549 Td [(wilde)-292(Thiere)-293(beobachtete.)-377(So)-292(Einer)-292(konnte)-293(doch)-292(jeden)-292(Moment)]TJ 0 -13.549 Td [(ausbrechen)-250(und)-250(ihnen)-250(mit)-250(der)-250(Hand)-250(an)-250(die)-250(Gurgel)-250(fahren.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Dass)-350(Alle)-351(glattgeschoren)-350(und)-351(rasirt)-350(waren,)-376(wunderte)-350(sie)-350(am)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meisten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 39.384 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-248(sehen)-247(ja)-248(fast)-247(wie)-248(katholische)-247(Priester)-248(aus,)]TJ/F21 10.9091 Tf 199.164 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.544 0 Td [(meinte)]TJ -250.936 -13.549 Td [(ein)-250(Offizier.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Von)-786(da)-785(kam)-786(man)-786(auf)-786(physische)-785(Eigenth\374mlichkeiten,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Abnormit\344ten)-443(der)-442(Verbrecher)-443(zu)-442(sprechen.)-827(Der)-443(Assessor)-442(als)]TJ 0 -13.549 Td [(moderner)-436(Mann)-436(hatte)-436(sich)-435(mit)-436(Anthropometrie)-436(befasst.)-807(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(citirte)-520(Charcot,)-588(Tarbe,)-589(Lombroso.)-1061(Es)-520(stand)-521(ja)-520(beinah)-520(fest,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([373])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(dass)-255(alle)-255(Verbrechen)-255(Wahnsinn)-254(seien,)-257(erbliche)-254(Belastung,)-256(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(Alkoholismus)-268(hervorgerufen:)]TJ/F21 10.9091 Tf 132.093 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Man)-268(m\374sste)-268(die)-269(Leute)-268(einfach)-268(in)]TJ -136.937 -13.55 Td [(Irrenanstalten)-250(unterbringen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 121.178 0 Td [(\034)]TJ -109.222 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oder)-250(blenden,)-250(verst\374mmeln,)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schlug)-250(Einer)-250(vor.)]TJ -136.636 -14.368 Td [(Man)-445(rechnete)-445(genau)-444(aus,)-494(wieviel)-445(ein)-445(solcher)-444(Zuchth\344usler)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-211(Staat)-211(j\344hrlich)-210(kostete.)-237(Davon)-211(konnte)-211(fast)-211(schon)-211(ein)-210(ehrlicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeiter)-311(satt)-312(werden.)-434(Zudem)-311(dr\374ckte)-312(ihre)-311(Arbeit)-312(die)-311(Preise)-311(der)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-342(Freiheit)-342(Arbeitenden)-342(herab.)-526(Nun)-342(ja,)-365(das)-342(jetzige)-342(System)-341(war)]TJ 0 -13.549 Td [(dumm.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Der)-345(Amtsgerichtsrath)-345(erz\344hlte)-346(von)-345(einer)-345(Hinrichtung,)-369(der)-345(er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-199(ganz)-200(junger)-199(Mensch)-199(aus)-200(professionellen)-199(und)-199(psychologischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gr\374nden)-387(beigewohnt)-387(hatte.)-660(Es)-386(handelte)-387(sich)-387(um)-387(irgend)-386(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-255(entsetzlichen)-255(M\366rder,)-256(einen)-255(Zwanzigj\344hrigen,)-256(der)-255(eine)-255(alte)]TJ 0 -13.55 Td [(Frau,)-341(seine)-322(eigne)-323(Grossmutter,)-340(mit)-323(der)-322(Axt)-323(todtgeschlagen)-322(und)]TJ 0 -13.549 Td [(zerst\374ckelt)-352(hatte.)-555(Er)-352(war)-352(nach)-351(vollbrachter)-352(That)-352(ruhig)-352(noch)-351(in)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-226(Caf\351)-226(gegangen,)-231(um)-226(eine)-227(Parthie)-226(Billard)-226(zu)-226(spielen.)-242(Da)-226(war)-226(er)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-250(arretirt)-250(worden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-402(\344rgerte)-402(mich,)]TJ/F21 10.9091 Tf 77.546 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.231 0 Td [(blieb)-402(seine)-402(stereotype)-403(Antwort)-402(auf)-402(alle)]TJ -103.576 -13.549 Td [(Fragen)-375(nach)-374(den)-375(Beweggr\374nden)-374(seines)-374(Verbrechens.)-624(Er)-374(blieb)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1181 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1182 0 R +/Resources 1180 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1183 0 obj << +/D [1181 0 R /XYZ 202.934 326.85 null] +>> endobj +1184 0 obj << +/D [1181 0 R /XYZ 289.149 216.82 null] +>> endobj +1185 0 obj << +/D [1181 0 R /XYZ 233.445 134.706 null] +>> endobj +1180 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1188 0 obj << +/Length 4352 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(neunzehnte)-250(Kapitel.)-14421(221)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ganz)-177(stumpfsinnig,)-191(ass)-177(und)-177(trank)-177(und)-176(ergab)-177(sich)-177(in)-177(sein)-176(Schicksal.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([374])]TJ/F21 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-202(gut.)-233(Diesen)-202(Kerl)-201(habe)-202(ich)-201(genau)-202(beobachtet.)-234(Er)-201(hatte)-202(nur)]TJ -16.799 -13.549 Td [(etwas)-295(Verbl\374fftes,)-306(wie)-295(Einer,)-306(der)-295(eben)-295(aus)-295(dem)-295(Schlaf)-294(geweckt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-316(noch)-316(nicht)-316(vollst\344ndig)-317(wach)-316(geworden)-316(ist.)-448(Alle)-316(Reden)-316(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Pastors,)-411(der)-379(Gerichtsbeamten)-379(liess)-379(er)-379(ruhig)-379(\374ber)-379(sich)-378(ergehen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Noch)-458(zuletzt)-458(forderte)-458(er)-457(eine)-458(Cigarette.)]TJ/F21 10.9091 Tf 191.115 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.449 0 Td [(Alles)-458(hatte)-458(etwas)]TJ -201.564 -13.549 Td [(Eiliges,)-380(Unvorbereitetes,)-380(Gesudeltes,)-380(obgleich)-354(es)-354(feierlich)-353(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(sollte,)-206(eindrucksvoll,)-206(wirksam.)-231(Dieser)-195(Mann)-195(starb)-195(wie)-195(ein)-194(Ochse,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-367(geschlachtet)-368(wird.)-602(Ich)-368(hatte)-367(nur)-368(den)-367(Eindruck)-367(stupidester,)]TJ 0 -13.55 Td [(verantwortungsloser)-250(Dummheit.)]TJ/F21 10.9091 Tf 141.197 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -129.241 -13.549 Td [(Man)-706(kam)-706(auf)-705(die)-706(politischen)-706(Verbrecher)-706(zu)-705(sprechen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Verbrecher)-452(aus)-452(Mitleid,)-502(Nihilisten)-452(und)-452(Fenier.)-856(Jeder)-451(wusste)]TJ 0 -13.549 Td [(curiose)-516(Facta:)-783(Dieser)-516(hatte)-516(jedes)-516(St\374ck)-516(Brot)-516(mit)-516(Aermeren)]TJ 0 -13.549 Td [(getheilt.)-1030(Ein)-510(Andrer)-510(schrieb)-510(die)-510(sentimentalsten)-510(Verse)-509(und)]TJ 0 -13.55 Td [(p\344ppelte)-493(kranke)-492(Hunde)-493(auf.)-977(Ein)-493(Dritter)-492(wieder)-493(besass)-492(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Geliebte,)-435(die)-397(mit)-398(ihm)-398(sterben)-397(wollte,)-435(Freunde,)-434(die)-398(um)-398(ihn)-397(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(r\344chen)-312(ihr)-313(eignes)-312(Leben)-312(dran)-312(setzten.)-437(Manche)-312(waren)-312(M\344rtyrer,)]TJ 0 -13.549 Td [(Helden.)-250(Sp\344tere)-250(Jahrhunderte)-250(hatten)-250(ihnen)-250(Denksteine)-250(gesetzt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-607(Contrast)-606(brachte)-607(den)-607(Gerichtsrath)-606(auf)-607(einen)-606(andern)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Fall.)]TJ/F21 10.9091 Tf 25.263 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da)-337(haben)-336(wir)-337(nun)-336(heute)-337(eine)-336(Frau)-337(im)-337(hochschwangeren)]TJ/F16 7.9701 Tf 260.917 0 Td [([375])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Zustand,)-230(die)-226(beim)-225(J\344ten)-226(im)-225(Garten)-225(ein)-226(Gericht)-225(Bohnen)-225(gestohlen)]TJ 0 -13.549 Td [(hat.)-827(Die)-442(Frau)-443(bekam)-442(f\374r)-442(ihre)-443(Arbeit)-442(f\374nfundsiebzig)-442(Pfennig)]TJ 0 -13.549 Td [(Tagelohn.)-1593(Sie)-697(war)-698(hungri)1(g.)-1593(Das)-697(Gericht)-698(Bohnen)-697(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-428(Werth)-428(von)-428(f\374nfundzwanzig)-428(Pfennigen.)-784(Die)-428(eigentliche)]TJ 0 -13.55 Td [(wirkliche)-358(Gemeinheit)-359(ist)-358(die)-358(Anzeige)-359(der)-358(Gartenbesitzerin,)-385(als)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-451(Arbeitgeberin,)-502(die)-451(sie)-452(seit)-451(sechs)-451(Jahren)-452(besch\344ftigt.)-853(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(\344rztliche)-491(Wissenschaft,)-552(die)-491(Menschlichkeit)-492(sprechen)-491(sie)-491(frei.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dennoch)-443(m\374ssen)-443(wir)-442(sie)-443(verurtheilen,)-491(weil)-443(es)-443(der)-442(Buchstabe)]TJ 0 -13.549 Td [(will,)-250(weil)-250(es)-250(gedruckt)-250(steht.)-250(Wo)-250(bleibt)-250(nun)-250(da)-250(die)-250(Vernunft?)]TJ/F21 10.9091 Tf 261.174 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -249.218 -13.549 Td [(Der)-843(Amtsgerichtsrath)-844(zuckte)-843(die)-843(beh\344bigen)-843(Schultern.)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Schliesslich,)-250(meine)-250(Herrschaften)]TJ/F21 10.9091 Tf 146.029 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(was)-250(ist)-250(Vernunft?)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.952 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1187 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1188 0 R +/Resources 1186 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1189 0 obj << +/D [1187 0 R /XYZ 46.771 515.797 null] +>> endobj +1190 0 obj << +/D [1187 0 R /XYZ 234.057 260.74 null] +>> endobj +1186 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1191 0 obj +<< /S /GoTo /D (index20) >> +endobj +1194 0 obj +(Das zwanzigste Kapitel.) +endobj +1197 0 obj << +/Length 3483 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([376])]TJ/F16 18.9589 Tf 120.921 -68.984 Td [(Das)-264(zwanzigste)-265(Kapitel.)]TJ/F16 10.9091 Tf -48.166 -37.089 Td [(Der)-200(ber\374hmte)-200(Professor)-201(wusch)-200(sich)-200(die)-200(H\344nde.)-234(Er)-200(that)-200(das)-200(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-211(besondrer)-212(Umst\344ndlichkeit)-211(und)-211(Sorgfalt,)-219(schon)-212(um)-211(des)-211(guten)]TJ 0 -13.549 Td [(Beispiels)-404(willen.)-714(Man)-404(musste)-404(ein)-405(Beispiel)-404(geben.)-713(Uebrigens)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-250(er)-250(ber\374hmt)-250(sch\366ne)-250(H\344nde.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.483 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-261(giebt)-261(nichts,)-264(was)-261(auf)-261(das)-261(Gehirn)-262(sch\344dlicher)-261(einwirkt,)-264(als)]TJ -16.799 -13.549 Td [(religi\366se)-355(Wahnvorstellungen,)]TJ/F21 10.9091 Tf 129.612 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.717 0 Td [(sagte)-355(der)-355(grosse)-355(Mann.)]TJ/F21 10.9091 Tf 110.185 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schon)]TJ -253.357 -13.549 Td [(das)-470(Bed\374rfniss)-470(einer)-470(Religion)-469(\374berhaupt.)-910(Ich)-470(will)-470(nicht)-469(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-482(hochl\366blichen)-482(Consistorium)-482(in)-482(Conflict)-482(kommen)-481(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-380(den)-380(neuesten)-379(Paragraphen)-380(der)-380(Lex)-380(eingesteckt)-380(werden)-379(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.55 Td [(Der)-709(Geheimrath)-710(geruhte)-709(zuweilen)-709(dergleichen)-709(Witze,)-824(die)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-520(auf)-520(br\374llenden)-520(Applaus)-520(rechnen)-520(konnten)-520(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 248.895 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-520(ist)]TJ -253.739 -13.549 Td [(bekannt,)-589(dass)-521(Mohammed)-521(epileptisch)-521(war,)-589(an)-521(der)-521(Fallsucht)]TJ 0 -13.549 Td [(litt.)-1576(Christus)-692(hatte)-692(in)-692(seiner)-692(Jugend)-692(die)-692(Satzungen)-692(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([377])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Ess\344er)-358(angenommen,)-386(unter)-358(denen)-358(die)-359(Forderung)-358(der)-358(absoluten)]TJ 0 -13.55 Td [(geschlechtlichen)-356(Enthaltsamkeit,)-382(neben)-356(strictem)-356(Vegetarismus,)]TJ 0 -13.549 Td [(Fasten,)-460(Waschungen)-417(aller)-418(orientalischen)-418(Kulte,)-460(obenan)-417(stand.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nun)-358(weiss)-359(heutzutage)-358(Jedermann,)-385(dass)-359(die)-358(Unterdr\374ckung)-358(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Paarungstriebes)-381(die)-380(Ursache)-381(zahlreicher)-381(Verbrechen,)-413(in)-380(vielen)]TJ 0 -13.549 Td [(F\344llen)-280(des)-280(Irrsinns)-280(ist.)-340(Chassez)-280(le)-280(naturel,)-287(il)-280(reviendra)-280(au)-280(galop.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-427(Natur,)-471(meine)-427(Herren!)-781(Die)-427(Wissenschaft)-427(ist)-427(die)-427(erkannte)]TJ 0 -13.55 Td [(Natur.)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.568 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -15.612 -14.482 Td [(Der)-670(Professor)-670(hatte)-670(seine)-670(H\344nde)-670(fertig)-670(gewaschen)-670(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sorgf\344ltig)-308(abgetrocknet.)-423(Er)-308(stand)-308(jetzt,)-322(die)-308(Fingerspitzen)-307(beider)]TJ 0 -13.55 Td [(gegeneinander)-290(gepresst.)-370(Er)-290(wusste,)-300(dass)-290(er)-290(keinen)-290(Widerspruch)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-377(erwarten)-377(hatte.)-630(Er)-377(war)-377(nicht)-376(an)-377(Widerspruch)-377(gew\366hnt.)-630(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(verachtete)-250(ihn.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1196 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1197 0 R +/Resources 1195 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1198 0 obj << +/D [1196 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1192 0 obj << +/D [1196 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1199 0 obj << +/D [1196 0 R /XYZ 360.242 243.215 null] +>> endobj +1195 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1202 0 obj << +/Length 5027 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zwanzigste)-250(Kapitel.)-14532(223)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-445(ist)-444(eine)-445(Schande)-445(f\374r)-445(unser)-444(Jahrhundert,)-494(dass)-445(derartige)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Erscheinungen)-241(noch)-242(m\366glich)-241(sind,)]TJ/F21 10.9091 Tf 150.614 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.477 0 Td [(fuhr)-241(er)-242(streng)-241(fort,)]TJ/F21 10.9091 Tf 82.346 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(dass)-241(der)]TJ -245.28 -13.549 Td [(Aberglaube)-321(eine)-320(solche)-321(Macht)-320(auf)-321(die)-320(Gem\374ther)-321(noch)-320(aus\374ben)]TJ 0 -13.549 Td [(kann.)-1072(Allein)-524(die)-523(Ignoranz)-524(ist)-524(daran)-524(schuld,)-592(systematisches)]TJ 0 -13.55 Td [(Zur\374cksetzen)-629(des)-629(Wissenschaftlichen,)-723(des)-629(Positiven)-629(in)-628(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erziehung)-446(gegen)-446(Abstractionen,)-496(sogenannte)-446(Moral.)-838(Ich)-446(bitte)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie,)-345(meine)-326(Herren!)-478(Was)-326(ist)-326(Moral?)-478(Moral)-326(ist)-326(die)-326(Anforderung)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-180(Magens)-180(in)-179(Einklang)-180(gebracht)-180(mit)-179(dem,)-194(was)-180(von)-180(aussen)-179(diesen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([378])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Magen)-312(befriedigen)-311(kann.)-435(Unsre)-312(Moral,)-327(gesellschaftliche)-311(Moral)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-662(das)-661(geregelte)-662(Productions-)-662(und)-661(Consumtionsverh\344ltniss.)]TJ 0 -13.549 Td [(Moral)-581(endlich)-580(ist)-581(eine)-580(Sache)-581(des)-581(Bluts,)-663(der)-580(Hirnpartikeln,)]TJ 0 -13.549 Td [(Zellenconglomerat.)-250(Die)-250(Zelle)-250(ist)-250(Alles.)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.28 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -158.324 -14.777 Td [(Der)-309(grosse)-308(Mann)-309(sah)-308(sich)-309(triumphirend)-309(um.)-426(Er)-308(wusste,)-323(dass)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-258(etwas)-257(Grosses)-258(gesagt)-258(hatte.)]TJ/F21 10.9091 Tf 133.887 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-258(es)-257(\374brigens)-258(die)-258(Seele)-258(selber)]TJ -138.73 -13.549 Td [(ist)-422(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.099 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.452 0 Td [(fuhr)-422(er)-423(leutseliger)-422(fort.)]TJ/F21 10.9091 Tf 112.772 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-422(ist)-423(Seele,)-465(als)-423(das)-422(vitale)]TJ -150.167 -13.549 Td [(Princip)-418(der)-418(Zellenschwingung)-418(auf)-418(das)-418(Abstracte)-418(angewendet?)]TJ 0 -13.549 Td [(In)-495(den)-495(ersten)-495(Zeiten)-494(brauchte)-495(man)-495(Kutscher)-495(und)-495(Pferde)-494(f\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-415(Wagen.)-745(Dann)-415(machte)-415(man)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.584 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-415(mit)-415(Dampf.)-745(Jetzt)-415(treibt)-415(die)]TJ -146.217 -13.549 Td [(Electricit\344t)-481(ohne)-481(\344usserlich)-481(sichtbaren)-481(Fortbewegungsapparat.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-477(Grieche)-476(des)-476(Alcibiades)-477(h\344tte)-476(an)-477(D\344monen)-476(geglaubt,)-533(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(M\366nch)-287(des)-286(Mittelalters)-287(an)-287(den)-287(Teufel,)-295(ein)-287(von)-287(den)-286(Missionaren)]TJ 0 -13.549 Td [(bekehrter)-547(Wilder)-547(an)-547(Gott.)]TJ/F21 10.9091 Tf 134.254 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.421 0 Td [(Wir)-547(wissen,)-621(weil)-547(wir)-547(sehen.)]TJ -145.675 -13.55 Td [(Wo)-413(wir)-413(nicht)-413(mehr)-412(sinnlich)-413(wahrnehmen,)-454(haben)-413(wir)-413(nur)-412(ein:)]TJ 0 -13.549 Td [(Ignorabimus.)]TJ/F21 10.9091 Tf 57.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -45.917 -14.776 Td [(Der)-372(Professor)-371(verbeugte)-372(sich)-372(gegen)-371(sein)-372(Publikum.)-615(Er)-371(war)]TJ -11.956 -13.55 Td [(eilig.)-1011(Eine)-503(hohe)-504(Pers\366nlichkeit)-504(verlangte)-503(seine)-504(Autorit\344t)-503(in)]TJ 0 -13.549 Td [(schwierigen)-437(Nervenleiden.)]TJ/F21 10.9091 Tf 127.825 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Grosse)-437(Ueberreizung,)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.157 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.611 0 Td [(decretirte)]TJ -239.437 -13.549 Td [(der)-217(Professor.)-239(Ruhe,)-224(frische)-217(Luft,)-224(blutbildende)-217(Nahrung,)-223(Pepton:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([379])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Hygieia.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Das)-338(hatte)-338(er)-338(selbst)-338(erfunden)-338(und)-338(sich)-338(patentiren)-338(lassen.)-513(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Professor)-250(verstand)-250(auch)-250(das.)-250(Er)-250(war)-250(ein)-250(wirklich)-250(grosser)-250(Mann.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Dabei)-204(machte)-203(er)-204(sich)-204(niemals)-204(durch)-203(Propaganda)-204(missliebig.)-234(In)]TJ -11.956 -13.55 Td [(seinem)-218(Wahlkreis)-217(w\344hlte)-218(er)-217(conservativ.)]TJ/F21 10.9091 Tf 178.422 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374r)-218(die)-217(Crapule)-218(ist)-217(das)]TJ -183.265 -13.549 Td [(gut)-339(und)-339(sch\366n.)-516(Halbbildung)-339(bleibt)-339(das)-339(Allergef\344hrlichste.)-516(Das)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1201 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1202 0 R +/Resources 1200 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1203 0 obj << +/D [1201 0 R /XYZ 63.274 423.331 null] +>> endobj +1204 0 obj << +/D [1201 0 R /XYZ 192.094 327.259 null] +>> endobj +1205 0 obj << +/D [1201 0 R /XYZ 63.071 149.892 null] +>> endobj +1200 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1208 0 obj << +/Length 4514 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(224)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(fehlte)-335(uns)-336(gerade)-335(noch,)-356(dass)-336(jeder)-335(Apothekerlehrling)-335(auf)-335(eigne)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-250(Experimente)-250(anstellte.)-250(Die)-250(Laien)-250(sind)-250(eben)-250(Laien.)]TJ/F21 10.9091 Tf 244.494 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -232.538 -14.777 Td [(Es)-215(war)-214(eine)-215(Lieblingsredensart)-214(von)-215(ihm,)-222(dass)-214(in)-215(der)-214(modernen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesellschaft)-425(die)-424(Autorit\344t)-425(des)-424(Arztes)-425(die)-424(des)-425(Priesters)-424(ersetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(habe.)-422(Die)-307(Wissenschaft)-308(war)-307(eine)-307(Macht,)-322(die)-307(Macht.)-422(Eigentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(verachtete)-409(er)-409(alle)-410(Andern,)-449(die)-409(vielleicht)-409(momentan)-409(viel)-409(L\344rm)]TJ 0 -13.549 Td [(machten,)-417(sich)-383(wichtiger)-383(d\374nkten.)-650(Sie)-383(hatten)-383(das)-383(nicht)-383(n\366thig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Alles)-251(das)-251(sind)-251(Blasen,)-251(fl\374chtige)-251(G\344hrungserscheinungen)-251(an)-251(der)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Oberfl\344che,)-221(die)-213(die)-213(Grundbedingungen)-213(ganz)-213(unangetastet)-213(lassen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-325(ist)-324(das)-325(eben)-324(wie)-325(der)-325(Unterschied,)-343(ob)-325(ich)-324(mit)-325(meinen)-324(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(sehe)-300(oder)-299(durch)-300(ein)-299(sehr)-300(scharfes,)-311(vollkommenes)-300(Instrument.)]TJ/F21 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Der)-341(gr\366sste)-342(Geist,)-364(ein)-341(K\366nig,)-364(ein)-342(Eroberer)-341(ist)-341(doch)-341(schlie\337lich)]TJ 0 -13.55 Td [(nur)-318(ein)-319(Laie,)-335(ein)-319(Decadent,)-335(ein)-319(Entarteter)-318(vielleicht.)-455(Er)-318(betrifft)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([380])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(uns)-357(eigentlich)-356(darum)-356(gar)-357(nicht,)-383(\344ndert)-357(aber)-356(auch)-356(gar)-357(nichts)-356(an)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-416(Marche)-416(du)-416(jeu,)-457(den)-416(einmal)-416(gewonnenen)-416(und)-416(festgelegten)]TJ 0 -13.549 Td [(Resultaten.)-250(W)-200(i)-200(r)-250(passen)-250(ihn)-250(ein,)-250(nicht)-250(er)-250(uns.)]TJ/F21 10.9091 Tf 196.462 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -184.506 -14.777 Td [(Er)-871(machte)-872(einen)-872(abschneidenden)-871(Eindruck,)-1027(wenn)-871(er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dergleichen)-269(sagte,)-274(inmitten)-269(seiner)-269(Arbeitss\344le)-269(und)-268(Laboratorien,)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-482(ihren)-482(kahlen,)-539(weissgestrichnen)-482(W\344nden,)-540(wo)-481(Instrumente)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-393(Pr\344parate)-393(standen.)-678(Alle)-393(diese)-393(Instrumente)-393(waren)-392(tadellos)]TJ 0 -13.55 Td [(gehalten)-297(und)-298(blinkten)-297(in)-298(der)-297(Sonne.)-392(Man)-298(sah)-297(alle)-298(Stoffe)-297(in)-297(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(primitivsten)-330(Elemente)-330(zerlegt.)-490(Diese)-330(geistvollen)-330(Einrichtungen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-344(Neuerfindungen)-344(arbeiteten)-343(mit)-344(erstaunlicher)-344(Pr\344cision)-343(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Genauigkeit.)-789(Der)-430(Mann)-430(passte)-430(in)-429(dieses)-430(Milieu.)-789(Zusammen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten)-251(sie)-250(eine)-251(gewisse)-250(Gr\366sse.)-252(Sein)-251(Colleg)-250(war)-251(immer)-250(gedr\344ngt)]TJ 0 -13.549 Td [(voll.)-551(Es)-350(gab)-351(eine)-350(ganze)-351(neue)-350(Generation)-350(von)-351(Jugend,)-375(die)-350(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-417(Stolz)-417(seine)-418(Sch\374ler)-417(nannten.)-752(Er)-417(hatte)-417(sein)-417(ganzes)-417(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(geforscht)-320(und)-320(gearbeitet.)-461(Arbeit)-320(und)-320(Forschung)-320(waren)-320(ihm)-320(das)]TJ 0 -13.549 Td [(H\366chste.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Man)-353(warf)-352(ihm)-353(den)-352(grossen,)-378(weltumwendenden)-353(Einfluss)-352(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Christentums)-256(vor.)-268(Er)-256(hatte)-256(einen)-256(j\374ngeren)-256(Freund)-256(und)-256(Collegen,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(sich)-250(gern)-250(mit)-250(dem)-250(Philosophischen)-250(befasste.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([381])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-344(sind)-345(Epidemieen,)-367(die)-345(ganze)-344(Zeitalter)-344(erfassen,)-368(wie)-345(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Blattern,)-412(die)-379(Beulenpest.)-639(Uebrigens,)-412(was)-379(rechnen)-380(diese)-379(zwei-)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1207 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1208 0 R +/Resources 1206 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1179 0 R +>> endobj +1209 0 obj << +/D [1207 0 R /XYZ 111.558 354.357 null] +>> endobj +1210 0 obj << +/D [1207 0 R /XYZ 93.543 92.09 null] +>> endobj +1206 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1213 0 obj << +/Length 5178 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zwanzigste)-250(Kapitel.)-14532(225)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(oder)-339(dreitausend)-338(Jahre)-339(gegen)-339(die)-338(Tausende)-339(von)-338(Jahrtausenden,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-271(die)-272(Erdoberfl\344che)-271(gebraucht)-272(hat,)-276(sich)-272(zu)-271(bilden,)-277(ein)-271(einziger)]TJ 0 -13.549 Td [(Diamant)-367(zu)-368(seiner)-367(Crystallisation)-367(bedurfte!)-602(Das)-367(ist)-367(Alles)-367(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(gleichg\374ltig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.851 0 Td [(\034)]TJ -42.895 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-757(haben)-757(sich)-758(doch)-757(Menschen)-757(daf\374r)-757(schlachten)-758(und)]TJ -16.799 -13.55 Td [(verbrennen)-250(lassen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.186 0 Td [(\034)]TJ -69.23 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Menschen)-180(haben)-180(von)-181(jeher)-180(eine)-180(grosse)-180(Vorliebe)-180(daf\374r)-181(gehabt,)]TJ -16.799 -13.55 Td [(sich)-347(um)-346(hohle)-347(T\366pfe)-347(die)-346(Sch\344del)-347(zu)-347(zerschlagen.)-540(Wie)-346(Hamlet)]TJ 0 -13.549 Td [(sagt:)-332(Worte)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.672 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.631 0 Td [(Worte)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.438 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.632 0 Td [(Worte.)-374(Uebrigens)-291(dieser)-291(Hamlet)-291(ist)-291(sehr)]TJ -102.373 -13.549 Td [(interessant.)-394(In)-298(seinen)-298(Reflexionen)-298(auf)-298(dem)-298(Kirchhof)-298(finden)-297(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-265(Anf\344nge)-264(der)-265(Naturphilosophie.)-293(Sie)-265(erinnern)-264(sich)-265(des)-264(Passus)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-250(C\344sar)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.931 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(Staub?)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.665 0 Td [(\034)]TJ -72.273 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Trotzdem)-250(stach)-250(er)-250(sich)-250(um)-250(ein)-250(Phantom.)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.04 0 Td [(\034)]TJ -180.883 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hamlet)-340(war)-340(eben)-339(ein)-340(K\374nstler,)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.523 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.551 0 Td [(sagte)-340(der)-340(Professor)-339(beinah)]TJ -162.873 -13.549 Td [(mitleidig.)]TJ/F21 10.9091 Tf 48.766 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Shakespeare)-369(war)-370(ein)-369(grosser)-370(Dichter.)-608(Die)-369(grossen)]TJ -53.61 -13.55 Td [(Dichter)-319(sind)-319(immer)-319(sehr)-318(miserable)-319(Naturforscher.)-457(Nehmen)-318(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(Goethe!)-250(Die)-250(Phantasie)]TJ/F21 10.9091 Tf 100.888 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(die)-250(Phantasie!)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.506 0 Td [(\034)]TJ -158.619 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-225(Phantasie)-225(kann)-225(doch)-225(aber)-225(auch)-225(immer)-225(nur)-226(Vorstellungen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(von)-356(Existirendem)-355(weiterspinnen.)-566(Sie)-356(m\374ssen)-355(irgendwie)-356(in)-355(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([382])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Natur)-250(mit)-250(vorhanden)-250(sein.)]TJ/F21 10.9091 Tf 113.924 0 Td [(\034)]TJ -101.968 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-506(der)-505(Natur)-506(ist)-506(noch)-506(Vieles.)]TJ/F21 10.9091 Tf 137.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.36 0 Td [(Der)-506(Professor)-505(zuckte)-506(die)]TJ -164.719 -13.549 Td [(Achseln.)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-250(wissen)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.472 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -122.564 -14.163 Td [(Aber)-498(der)-497(Freund)-498(ereiferte)-497(sich.)-993(Er)-498(war)-497(jung.)-993(Er)-497(neigte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zur)-551(Phantastik.)]TJ/F21 10.9091 Tf 80.707 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.466 0 Td [(Jemand)-551(Andres)-551(war)-551(miteingetreten.)-1153(Es)]TJ -92.173 -13.549 Td [(war)-440(die)-441(junge)-440(Frau)-441(des)-440(Professors.)-821(Sie)-440(war)-441(noch)-440(sehr)-440(jung,)]TJ 0 -13.55 Td [(gl\374cklich)-240(verheirathet)-241(und)-240(sollte)-241(zum)-240(ersten)-241(Mal)-240(Mutter)-240(werden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-522(sprach)-521(wenig.)-1065(Es)-522(war)-522(etwas)-521(Schleppendes,)-590(Sachtes)-521(in)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-382(Bewegungen.)-646(Sie)-382(trug)-382(den)-382(Nacken)-382(gesenkt)-382(wie)-382(eine)-382(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(beschwerte)-270(Aehre.)-311(Der)-270(Professor)-270(schob)-271(ihr)-270(sorgsam)-270(einen)-270(Stuhl)]TJ 0 -13.549 Td [(zurecht.)-434(Sie)-311(sah)-312(nur)-311(dankbar)-311(l\344chelnd)-312(zu)-311(ihm)-311(auf,)-327(und)-311(blieb)-311(so)]TJ 0 -13.55 Td [(sitzen,)-250(ihre)-250(Hand)-250(in)-250(seiner.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-309(k\366nnte)-310(doch)-309(aber)-310(eine)-309(Zeit)-309(kommen,)-325(dass)-309(wir)-310(w\374ssten,)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.55 Td [(argumentirte)-457(der)-457(Freund.)]TJ/F21 10.9091 Tf 122.77 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-457(w\344re)-457(es)-456(nicht)-457(denkbar,)-509(dass)]TJ -127.613 -13.549 Td [(besonders)-427(begnadete)-426(Genies,)-471(sagen)-427(wir)-427(Shakespeare,)-470(Goethe,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1212 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1213 0 R +/Resources 1211 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1214 0 obj << +/D [1212 0 R /XYZ 199.176 271.221 null] +>> endobj +1211 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1218 0 obj << +/Length 4978 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(226)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Christus,)-432(Vieles)-396(vorgeahnt)-395(haben?)-687(Auch)-396(Geheimnisse)-395(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(verloren)-618(gingen?)-1355(Waren)-618(doch)-618(schon)-618(die)-618(Ph\344nomene)-618(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Hypnotismus,)-533(der)-476(Autosuggestion)-476(den)-476(Alten)-476(bekannt?)-928(Dass)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-362(mit)-362(ihnen)-362(die)-362(Wunder)-362(der)-362(biblischen)-362(Geschichte)-362(erkl\344ren)]TJ 0 -13.55 Td [(k\366nnte?)]TJ/F21 10.9091 Tf 34.539 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -107.294 0 Td [([383])]TJ/F21 10.9091 Tf 84.711 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-155(weiss)-155(es)-154(nicht.)-219(Das)-154(erscheinen)-155(mir)-155(wieder)-155(Speculationen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -15.857 Td [(Der)-596(Andre)-596(war)-597(begeistert,)-683(einmal)-596(lancirt:)]TJ/F21 10.9091 Tf 209.457 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Denken)-596(Sie)]TJ -226.257 -13.549 Td [(sich)-459(auf)-460(diesem)-459(rein)-459(empirischen)-460(Wege)-459(die)-459(Vereinigung)-459(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Uebersinnlichen)-590(mit)-590(der)-590(Wissenschaft)-590(wiederhergestellt,)-674(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Fortschritt)-654(den)-655(Aufschritt!)-1463(Die)-654(Natur,)-755(die)-655(wir)-654(arm)-654(und)]TJ 0 -13.55 Td [(n\374chtern)-478(auffassen,)-536(tausendmal)-478(reicher,)-536(\374ppiger,)-535(woll\374stiger.)]TJ 0 -13.549 Td [(Eine)-466(beseelte)-466(Natur.)-899(Die)-466(S)-200(e)-200(e)-200(l)-200(e,)-521(die)-466(wir)-466(suchen,)-520(nach)-466(der)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-287(verhungern,)-296(unsre)-287(K\374nstler,)-296(unsre)-287(grossen)-287(Energieen,)-296(unsre)]TJ 0 -13.549 Td [(Jugend)]TJ/F21 10.9091 Tf 32.926 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.476 0 Td [(da)-185(h\344tten)-185(wir)-186(die)-185(Seele!)-228(Im)-185(Christentum)-186(die)-185(Darwinsche)]TJ -40.402 -13.549 Td [(Theorie,)-596(Lombroso,)-596(Krafft-Ebing,)-596(kein)-526(Gut)-527(und)-527(kein)-526(B\366se,)]TJ 0 -13.549 Td [(Tolstoi)-194(nicht)-195(mehr)-194(pathologisch,)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.234 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.574 0 Td [(unser)-194(ewiges,)-206(elendes,)-205(billiges)]TJ/F21 10.9091 Tf -149.808 -13.55 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(pathologisch)]TJ/F21 10.9091 Tf 55.756 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(!)]TJ/F21 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -54.7 -15.856 Td [(Er)-225(gestikulirte)-224(heftig,)-230(den)-225(Spr\374ngen)-224(seiner)-225(Gedanken)-225(folgend.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Er)-399(war)-399(ein)-399(sch\366ner,)-436(feuriger)-399(Mensch,)-436(fuhr)-399(sich)-399(mit)-399(der)-399(Hand)]TJ 0 -13.55 Td [(durch)-250(die)-250(dichten)-250(Haarb\374schel.)]TJ 11.955 -15.856 Td [(Die)-211(junge)-212(Frau)-211(des)-211(Professors)-212(hatte)-211(aufmerksam)-211(zugeh\366rt.)-238(Sie)]TJ -11.955 -13.549 Td [(sagte)-223(nichts,)-228(sie)-223(dachte.)-241(Ein)-223(sehr)-223(s\374sser,)-228(sehns\374chtiger)-223(Friede)-222(lag)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-250(ihrem)-250(Gesicht.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.955 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-254(sind)-253(ein)-254(Dichter,)]TJ/F21 10.9091 Tf 89.202 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.61 0 Td [(sagte)-254(der)-253(Professor.)]TJ/F21 10.9091 Tf 88.659 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Enfin)-254(...)-260(Wie)-254(wir)]TJ -207.113 -13.549 Td [(uns)-344(drehen)-343(und)-344(wenden:)]TJ/F21 10.9091 Tf 114.174 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ein)-344(Mensch,)-367(der)-343(speculirt)]TJ/F21 10.9091 Tf 115.419 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.381 0 Td [(...)-531(Carpe)]TJ/F16 7.9701 Tf -313.363 0 Td [([384])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(diem.)-250(Es)-250(giebt)-250(keine)-250(Weisheit)-250(als)-250(diese.)]TJ/F21 10.9091 Tf 173.313 0 Td [(\034)]TJ -161.358 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Zarathustra?)-934(Zarathustra!)-933(Auch)-478(blos)-478(ein)-478(pathologisches)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Problem)-359(jetzt)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.583 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.367 0 Td [(der)-359(Weisheit)-358(letzter)-359(Schluss,)-386(das)-359(Endglied)-358(der)]TJ -72.95 -13.549 Td [(grossen)-250(Kette.)]TJ/F21 10.9091 Tf 65.158 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.187 0 Td [(Dionysos!)-251(Die)-251(Entfesslung)-250(aller)-251(Kr\344fte.)-251(Fl\374gel!)]TJ -73.345 -13.55 Td [(Fl\374gel!)-250(Fl\374gel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 65.76 0 Td [(\034)]TJ -53.805 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-250(m\374ssen)-250(uns)-250(an)-250(die)-250(Erde,)-250(an)-250(das)-250(Normale)-250(halten.)]TJ/F21 10.9091 Tf 228.741 0 Td [(\034)]TJ -233.585 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-317(das)-317(heutzutage)-317(Uebernormale,)-334(das)-317(Unternormale?)-451(Wo)]TJ -16.799 -13.549 Td [(bringen)-250(wir)-250(das)-250(unter?)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.855 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1217 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1218 0 R +/Resources 1216 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1219 0 obj << +/D [1217 0 R /XYZ 93.543 463.88 null] +>> endobj +1220 0 obj << +/D [1217 0 R /XYZ 322.355 378.068 null] +>> endobj +1221 0 obj << +/D [1217 0 R /XYZ 207.717 181.458 null] +>> endobj +1216 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1224 0 obj << +/Length 1488 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(zwanzigste)-250(Kapitel.)-14532(227)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Das)-324(offne)-323(Gesicht)-324(des)-323(Freundes)-324(gl\374hte.)-471(Er)-324(stand)-323(da)-324(in)-323(einer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Pose)-250(des)-250(Kampfes)-250(mit)-250(gereckten)-250(F\344usten.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-333(junge)-333(Frau)-333(sah)-332(von)-333(einem)-333(der)-333(M\344nner)-333(zum)-333(andern.)-498(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(litt)-417(nicht.)-751(Aber)-417(sie)-417(war)-417(m\374de)]TJ/F21 10.9091 Tf 142.138 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.004 0 Td [(von)-417(einer)-417(s\374ssen)-417(M\374digkeit.)]TJ -152.142 -13.55 Td [(Das)-328(beschwerte)-328(sie,)-347(aber)-328(machte)-328(sie)-328(froh.)]TJ/F21 10.9091 Tf 191.135 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.032 0 Td [(Ihre)-328(Augen)-328(hatten)]TJ -200.167 -13.549 Td [(sich)-319(verschleiert.)-455(Es)-318(war,)-336(als)-318(ob)-319(sie)-318(s\344he,)-336(in)-319(etwas)-318(sehr)-318(Helles,)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\344nzendes)-274(s\344he.)-321(Aber)-274(sie)-274(sprach)-274(nicht.)-321(Ein)-274(tr\344umendes)-273(F\374hlen)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(in)-250(ihrem)-250(Sehen.)-250(...)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-471(Professor)-472(machte)-471(eine)-472(abschneidende)-471(Handbewegung:)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(In)-250(unsern)-250(Irrenh\344usern.)]TJ/F21 10.9091 Tf 101.476 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1223 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1224 0 R +/Resources 1222 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1222 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1225 0 obj +<< /S /GoTo /D (index21) >> +endobj +1228 0 obj +(Ende.) +endobj +1231 0 obj << +/Length 3265 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([385])]TJ/F16 18.9589 Tf 191.22 -67.94 Td [(Ende.)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.465 -36.155 Td [(Weitab)-719(von)-718(der)-719(Stadt)-719(lag)-718(die)-719(Irrenanstalt,)-836(ein)-718(Complex)]TJ 0 -13.549 Td [(langgestreckter,)-460(gelber)-419(H\344user,)-460(am)-418(Rande)-418(des)-418(Kiefernwaldes.)]TJ 0 -13.549 Td [(Von)-219(der)-219(Chaussee)-219(f\374hrte)-219(eine)-219(Fahrstrasse,)-225(alleeartig)-219(mit)-218(B\344umen)]TJ 0 -13.55 Td [(bestanden.)-363(Rechts)-288(und)-287(links)-288(lagen)-287(Felder.)-363(Die)-288(leichter)-287(Kranken)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-588(Unbemittelten)-588(arbeiteten)-589(dort)-588(unter)-588(der)-588(Aufsicht)-588(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344rters.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Man)-423(sah)-424(sie)-423(Kohlstr\374nke)-424(ausreissen,)-466(Gr\344ben)-424(ziehen,)-466(j\344ten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Manchmal)-250(lachte)-250(einer)-250(seltsam,)-250(kichernd,)-250(unmotivirt.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Die)-313(Vor\374bergehenden)-313(auf)-313(der)-313(Chaussee)-313(blieben)-313(wohl)-312(stehen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-314(sahen)-314(sie)-314(an.)-442(Sie)-314(stiessen)-314(sich)-314(mit)-314(den)-314(Ellenbogen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 251.568 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Irre!)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.374 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(Das)-390(interessirte)-389(sie.)-668(Sie)-390(fanden)-389(es)-390(auch)-389(ein)-390(bischen)-389(komisch.)]TJ 0 -13.549 Td [(Jedenfalls)-513(erwarteten)-513(sie)-513(Au\337erordentliches.)-1039(Vielleicht)-513(dass)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([386])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Einer)-421(sich)-420(auf)-421(seinen)-421(W\344rter)-421(st\374rzte)-420(und)-421(ihn)-421(erdrosselte)-420(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-250(Aehnliches.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(An)-204(der)-204(Chaussee)-204(lagen)-204(die)-204(W\344rterh\344user.)-235(Sie)-204(sahen)-203(schmutzig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(grau)-419(aus)-420(mit)-419(kahlen)-420(Fenstern.)-758(Es)-420(war)-419(einsam)-420(hier)-419(und)-419(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(behaglich.)-440(Der)-313(fegende)-313(Wind)-314(\374ber)-313(die)-313(Ebene)-314(traf)-313(sie)-313(von)-313(allen)]TJ 0 -13.549 Td [(Seiten.)-250(Alles)-250(das)-250(hatte)-250(etwas)-250(Trauriges.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Noch)-505(weiter)-505(ab)-505(lag)-505(ein)-505(Oeconomiegeb\344ude.)-1015(Es)-505(war)-505(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einer)-622(hohen)-623(rothen)-622(Backsteinmauer)-623(umgeben.)-1367(Man)-622(h\366rte)]TJ 0 -13.549 Td [(G\344nsegeschnatter.)-472(Ein)-324(fauliger)-324(Gestank)-324(von)-324(D\374nger)-324(verpestete)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(Luft,)-250(die)-250(scharf)-250(war,)-250(prickelnd,)-250(wie)-250(im)-250(Winter)-250(schon.)]TJ 11.956 -14.295 Td [(Alle)-555(Felder)-555(lagen)-555(unter)-555(D\374nger)-555(und)-555(waren)-555(kahl.)-1165(Auch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(der)-423(Rasen)-422(am)-423(Feldrain)-422(sah)-423(verbrannt)-423(aus.)-767(Ueber)-423(der)-422(ganzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Landschaft)-734(lagerte)-734(die)-734(\374ble)-734(Laune)-734(des)-734(Novembers,)-854(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stimmung)-588(des)-587(Unbehagens)-588(und)-588(der)-588(Trostlosigkeit,)-672(die)-587(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1230 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1231 0 R +/Resources 1229 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1232 0 obj << +/D [1230 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1226 0 obj << +/D [1230 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1233 0 obj << +/D [1230 0 R /XYZ 355.388 258.071 null] +>> endobj +1229 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1236 0 obj << +/Length 4536 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Ende.)-21919(229)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(blaugr\374ne)-300(Saum)-301(der)-300(Kiefernw\344lder)-301(nicht)-300(unterbrach.)-401(Sie)-300(zogen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-296(nach)-296(allen)-296(Seiten.)-388(Sie)-296(schienen)-296(das)-296(nat\374rliche)-296(Moos)-296(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(graubraunen)-204(Erde,)-212(stumpf,)-213(ohne)-204(Leben)-203(und)-204(Wechsel,)-212(langweilig.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-250(ist)-250(kein)-250(Wald.)-250(Das)-250(ist)-250(Haide.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Das)-836(Mittelgeb\344ude)-836(in)-836(der)-836(Anstalt)-836(selbst)-836(enthielt)-836(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wohnungen)-181(des)-182(Directors,)-195(der)-181(Ober\344rzte.)-227(Man)-182(hatte)-181(eine)-181(Kapelle)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-571(die)-572(Irren,)-652(Gesellschaftss\344le,)-652(Bibliothek-)-571(und)-571(Musiksaal.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([387])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Die)-662(R\344ume)-663(waren)-662(mit)-663(dem)-662(neuesten)-662(Comfort,)-766(Gas,)-765(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Centralheizung)-261(ausgestattet.)-284(Die)-262(vergitterten)-261(Fenster)-261(zeigte)-261(man)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-250(nach)-250(dem)-250(Garten)-250(zu,)-250(auf)-250(der)-250(R\374ckseite.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Alles)-264(war)-265(beinah)-264(elegant.)-294(Man)-264(versicherte)-265(gern,)-268(dass)-264(sich)-264(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kranken)-292(da)-293(au\337erordentlich)-292(wohl)-293(f\374hlten.)-377(Sie)-293(w\374rden)-292(gar)-292(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-245(wo)-244(anders)-245(leben)-245(m\366gen,)-246(selbst)-244(wenn)-245(man)-245(sie)-244(liesse.)-248(Dies)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(Wohlthat)-250(f\374r)-250(\374berreizte)-250(Nerven.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Die)-489(Aerzte)-489(sagten)-490(immer:)]TJ/F21 10.9091 Tf 128.17 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-489(Kranken.)]TJ/F21 10.9091 Tf 61.376 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.18 0 Td [(Der)-489(Ausdruck)]TJ -216.526 -13.549 Td [(Verr\374ckte)-621(oder)-622(Irrsinnige)-621(beleidigte)-621(sie)-621(fast.)-1364(Noch)-621(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-689(dumme)-689(Aberglauben)-689(des)-689(Publikums.)-1567(Das)-689(war)-688(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Krankheit)-715(so)-716(gut)-715(wie)-715(jede)-715(andre,)-832(mit)-715(ganz)-715(bestimmten,)]TJ 0 -13.55 Td [(anatomisch)-171(nachweisbaren)-170(Ver\344nderungen)-171(im)-171(Gehirn,)-186(St\366rungen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-194(Sensoriums)-194(und)-193(der)-194(Motilit\344t)-194(verbunden.)-231(Mit)-194(der)-193(m\366nchisch-)]TJ 0 -13.549 Td [(moralistischen)-682(Betrachtungsweise)-682(solcher)-682(Erscheinungen)-682(in)]TJ 0 -13.549 Td [(fr\374heren)-259(Jahrhunderten)-260(hatte)-259(man)-259(ja)-259(Gott)-259(sei)-260(Dank!)-277(aufger\344umt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufgekl\344rte)-437(Leute)-437(traten)-437(gern)-438(dagegen)-437(auf.)-811(Sie)-437(waren)-437(sogar)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-365(Gesellschaften)-365(in)-365(der)-365(Anstalt)-365(gewesen)-365(und)-365(hatten)-365(sich)-365(sehr)]TJ 0 -13.55 Td [(gut)-399(unterhalten.)-695(Oder)-399(zum)-398(Gottesdienst)-399(am)-398(Sonntag.)-696(Es)-398(gab)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-525(hinter)-526(den)-525(Mauern)-525(sehr)-526(geistreiche)-525(und)-525(gebildete)-525(Leute.)]TJ 0 -13.549 Td [(Diese)-164(Legenden)-164(von)-164(Zwangsjacken,)-181(Tollwuth,)-181(rohen,)-181(pr\374gelnden)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344rtern)-259(erz\344hlten)-260(sich)-259(K\366chinnen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 155.405 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.283 0 Td [(Es)-259(war)-259(wirklich)-260(angenehm)]TJ/F16 7.9701 Tf 127.336 0 Td [([388])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(da)-327(zu)-326(existiren.)-481(Aufgekl\344rte)-326(Leute)-327(versicherten,)-346(dass)-327(sie)-326(sofort)]TJ 0 -13.55 Td [(bei)-192(der)-192(ersten)-192(St\366rung)-192(ihres)-192(Nervensystems)-192(in)-192(eine)-192(solche)-192(Anstalt)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen)-250(w\374rden.)-250(Es)-250(war)-250(das)-250(einzig)-250(wahre)-250(Mittel,)-250(sich)-250(zu)-250(curiren.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Von)-230(Zeit)-230(zu)-229(Zeit)-230(erschoss)-230(sich)-230(ein)-230(Arzt.)-243(Er)-230(hatte)-230(an)-230(sich)-229(selbst)]TJ -11.956 -13.55 Td [(die)-255(Fortschritte)-255(der)-255(Krankheit)-255(beobachtet)-255(und)-255(genau)-254(festgestellt:)]TJ 0 -13.549 Td [(Noch)-262(so)-261(und)-262(so)-261(lange.)-285(Dann)-262(greift)-261(man)-262(zur)-261(Pistole)-262(......)]TJ/F21 10.9091 Tf 243.681 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kranke)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1235 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1236 0 R +/Resources 1234 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1237 0 obj << +/D [1235 0 R /XYZ 144.197 435.653 null] +>> endobj +1238 0 obj << +/D [1235 0 R /XYZ 46.771 148.665 null] +>> endobj +1234 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1241 0 obj << +/Length 4663 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(230)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(eben.)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.324 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -11.368 -14.531 Td [(Es)-574(gab)-575(so)-574(viel)-575(Krankheitsursachen)-574(im)-575(modernen)-574(Leben:)]TJ -11.956 -13.549 Td [(L\344rm,)-638(Pferdebahngebimmel,)-638(electrische)-561(Bahnen,)-638(der)-560(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344rter)-404(werdende)-404(Kampf)-404(um)]TJ/F21 10.9091 Tf 125.298 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-404(Dasein,)-442(Rastlosigkeit.)-712(Die)-404(Zeit)]TJ -128.931 -13.55 Td [(verbrauchte)-439(die)-439(Menschen.)-818(Da)-439(hinten)-439(lagen)-439(die)-439(Ungeth\374me,)]TJ 0 -13.549 Td [(Grossst\344dte,)-596(die)-528(sie)-527(schickten.)-1081(Hier)-527(war)]TJ/F21 10.9091 Tf 194.302 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-527(still.)-1081(Gesunder)]TJ -197.935 -13.549 Td [(Kiefernadelduft.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-239(gab)-239(sehr)-240(interessante)-239(Sujets)-239(unter)-239(den)-240(Internen:)-244(Einige,)-241(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(am)-370(Verfolgungswahn)-369(litten;)-429(eine)-370(\344ltere)-369(adelige)-370(Dame)-369(glaubte,)]TJ 0 -13.549 Td [(dass)-247(man)-248(sie)-247(in)-248(ihrem)-247(Standesgef\374hl)-247(beleidigen)-248(wollte;)-248(dann)-247(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Mann,)-186(der)-171(einen)-170(Schatz)-170(gefunden)-171(hatte;)-197(Einer,)-186(der)-170(sich)-170(einbildete,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-513(Kaiser)-512(Napoleon)-513(zu)-513(sein;)-644(besonders)-512(scherzhaft)-513(war)-512(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sogenannte)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.582 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gott)-321(Ra)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.018 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-339(eine)-321(Pers\366nlichkeit,)-338(die)-321(pl\366tzlich)-321(mitten)]TJ/F16 7.9701 Tf -170.042 0 Td [([389])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(im)-199(Gespr\344ch)-199(abbrach,)-209(die)-199(Kiefern)-199(auf-)-199(und)-199(zuschnappte,)-209(als)-199(ob)-199(er)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-254(verschl\344nge.)-262(Alle)-254(diese)-254(waren)-254(ungef\344hrlich,)-255(lebten)-254(beinah)]TJ 0 -13.55 Td [(gl\374cklich.)-448(Da)-316(waren)-316(welche,)-332(die)-316(die)-316(griechischen)-316(Trag\366dien)-315(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Ursprache)-250(lasen,)-250(sich)-250(mit)-250(Forschungen)-250(besch\344ftigten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Auch)-181(die)-181(Bl\366dsinnigen)-180(litten)-181(ja)-181(nicht.)-227(Diese)-181(Menschen)-180(wurden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Thiere.)-231(Die)-193(Hauptsache)-194(f\374r)-193(sie)-193(war)-194(Essen)-193(und)-193(Trinken.)-231(Sie)-193(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(keine)-387(Ahnung)-386(von)-387(ihrer)-387(Degradation.)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.46 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.673 0 Td [(Das)-387(Publikum)-386(macht)]TJ -186.133 -13.55 Td [(sich)-250(so)-250(falsche)-250(Vorstellungen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-539(war)-539(unangenehm,)-611(dass)-539(einmal)-539(eine)-539(\344ltere)-539(Dame)-539(eine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(H\344kelnadel)-257(verschluckt)-258(hatte.)-271(Nat\374rlich)-258(war)-257(es)-257(den)-257(W\344rterinnen)]TJ 0 -13.549 Td [(streng)-343(verboten)-342(gewesen,)-366(Derartiges)-343(zu)-342(arbeiten,)-366(oder)-343(dass)-342(die)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344rter)-306(an)-307(Kranke)-306(Schnaps)-307(verkauften.)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.365 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.798 0 Td [(So)-306(etwas)-307(kam)-306(\374berall)]TJ -185.163 -13.549 Td [(vor.)-272(Man)-258(konnte)-257(nicht)-257(vorsichtig)-258(genug)-257(sein)-257(in)-258(der)-257(Auswahl)-257(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Materials.)-250(Das)-250(war)-250(die)-250(wichtigste)-250(Frage.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-192(war)-191(ein)-192(sehr)-191(friedlicher)-192(Platz.)-230(Im)-192(Sommer,)-203(wenn)-192(Alles)-191(gr\374n)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ist,)-408(war)-376(es)-377(noch)-376(viel)-377(sch\366ner,)-408(beinah)-376(heiter.)-629(Der)-376(Kiefernwald)]TJ 0 -13.549 Td [(erstickt.)-244(Man)-231(hatte)-232(die)-231(Gitter)-231(sehr)-232(weit)-231(vorgeschoben,)-235(immerhin.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-189(man)-189(musste)-189(sich)-188(gegen)-189(die)-189(Neugier)-189(des)-189(Publikums)-188(sch\374tzen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-465(Leute,)-519(die)-465(da)-465(wohnten,)-518(waren)-465(Stille.)-895(Ihre)-465(Angeh\366rigen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([390])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(bezahlten)-274(f\374r)-274(sie,)-280(erster,)-279(zweiter)-274(oder)-274(dritter)-274(Klasse,)-280(je)-273(nachdem)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-276(verm\366gend)-276(waren.)-327(Erster)-276(Klasse)-276(hatte)-276(man)-276(nat\374rlich)-275(bessres)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1240 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1241 0 R +/Resources 1239 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1215 0 R +>> endobj +1242 0 obj << +/D [1240 0 R /XYZ 197.253 353.621 null] +>> endobj +1243 0 obj << +/D [1240 0 R /XYZ 333.275 106.79 null] +>> endobj +1244 0 obj << +/D [1240 0 R /XYZ 259.05 93.24 null] +>> endobj +1239 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1247 0 obj << +/Length 4592 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Ende.)-21919(231)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Essen)-504(und)-503(mehr)-504(Luxus.)-1011(Die)-504(ganz)-504(Unbemittelten)-503(\374bernahm)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-385(Staat.)-653(Sie)-385(machten)-384(auch)-384(allerlei)-385(Arbeiten.)-653(Wohlwollende)]TJ 0 -13.549 Td [(Besucher)-547(kauften)-547(von)-548(diesen)-547(Arbeiten.)-1141(Alle)-547(waren)-547(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(entz\374ckt)-345(von)-344(der)-344(Reinlichkeit,)-369(Vortrefflichkeit)-344(und)-344(practischen)]TJ 0 -13.55 Td [(Anlage)-253(der)-252(Anstalt.)-258(Wirklich!)-258(Die)-253(da)-253(hinein)-252(kamen,)-254(waren)-252(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-372(bedauern.)-618(Sie)-372(waren)-373(in)-372(einem)-372(Hafen)-373(f\366rmlich.)-617(Die)-372(Bilder)]TJ 0 -13.549 Td [(grosser)-274(\304rzte)-275(und)-274(Philanthropen)-275(schm\374ckten)-274(das)-274(Wartezimmer.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-216(war)-216(ein)-216(Segen,)-223(dass)-216(die)-216(Wissenschaft)-216(dies)-216(\374bernommen)-216(hatte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wenn)-250(man)-250(dachte,)-250(welche)-250(Zust\344nde)-250(fr\374her)-250(herrschten!)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Man)-392(konnte)-392(seine)-392(theuersten)-392(Angeh\366rigen)-392(mit)-392(der)-392(gr\366ssten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Seelenruhe)-250(dalassen.)-250(Was)-250(sollte)-250(man)-250(denn)-250(auch)-250(thun?)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ab)-331(und)-332(zu)-331(dann)-331(ein)-332(Begr\344bniss.)-494(Ernst,)-352(ohne)-331(Prunk.)-494(Es)-332(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vor\374ber.)-490(Er)-330(oder)-330(sie)-330(waren)]TJ/F21 10.9091 Tf 124.857 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(erl\366st)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.24 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-490(Eine)-330(grosse)-330(Last)-330(war)-330(von)]TJ -158.784 -13.549 Td [(den)-409(Schultern)-409(ihrer)-408(Familie)-409(genommen.)-726(Fast)-409(konnte)-409(man)-408(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(beneiden)-323(um)-323(den)-324(Frieden.)-469(Man)-323(musste)-324(zur\374ck.)-469(In)-323(den)-323(Kampf.)]TJ 0 -13.55 Td [(In)]TJ/F21 10.9091 Tf 9.088 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(Laute.)]TJ -0.764 -14.531 Td [(Sie)-219(waren)-219(nicht)-219(sehr)-219(interessant.)-240(Etwas)-219(zwischen)-219(Kindern)-218(und)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([391])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Thieren.)-658(Sogar)-386(ihre)-386(Leiden)-386(waren)-386(halb)-386(komisch,)-419(eingebildete)]TJ 0 -13.549 Td [(Leiden.)-463(Man)-321(giebt)-321(ihnen)-321(Alles)-321(zu)-321(wie)-321(Kranken.)-463(Jedermann)-321(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(gut)-250(und)-250(wohlwollend)-250(gegen)-250(diese)-250(Ungl\374cklichen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Bei)-153(Vielen)-154(ist)-153(die)-154(Krankheitsanlage)-153(erblich.)-218(Sie)-153(sind)-154(idiot,)-172(ganz)]TJ -11.956 -13.55 Td [(harmlos.)-234(Man)-201(muss)-201(sie)-201(einschliessen,)-211(wenn)-201(sie)-201(gemeingef\344hrlich)]TJ 0 -13.549 Td [(werden.)-920(Jedermann)-473(kennt)-474(solche)-473(Erscheinungen)-473(in)-473(D\366rfern,)]TJ 0 -13.549 Td [(abgelegenen)-543(Gebirgsh\366fen.)-1128(Man)-543(nannte)-543(sie)]TJ/F21 10.9091 Tf 213.825 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gottes)-543(Narr)]TJ/F21 10.9091 Tf 54.39 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(Fexe,)-554(Gezeichnete.)-981(Heilbar)-493(sind)-494(solche)-493(secund\344ren)-493(Formen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-674(Geisteskrankheiten)-675(selten.)-1523(Dann)-675(giebt)-674(es)-674(Wahnsinn,)]TJ 0 -13.55 Td [(Schwermuth.)-873(Diese)-457(Leute)-458(k\366nnen)-458(ganz)-457(lichte)-458(Zeiten)-457(haben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-330(kehren)-329(wohl)-330(von)-329(Zeit)-330(zu)-329(Zeit)-330(wieder)-329(in)-330(ihre)-329(Familien,)-349(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Umgebung)-415(zur\374ck.)-744(Aber)-415(irgendwie)-414(tragen)-415(sie)-415(eine)-415(Kette)-414(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Fuss.)-250(Eine)-250(Schraube)-250(bleibt)-250(locker.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Immer)-431(wieder)-431(wollten)-431(die)-432(Damen)-431(wissen,)-476(ob)-431(die)-431(Kranken)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-388(f\374hlen)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.193 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-423(sich)-388(ihrer)-388(mentalen)-388(Abirrung)-388(bewusst)-388(sind,)-422(unter)]TJ -50.881 -13.55 Td [(dem)-704(Stigma)-705(leiden?)-1613(Man)-704(las)-705(dar\374ber)-704(so)-704(Schauerliches)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-708(Romanen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 78.447 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.173 0 Td [(Nur)-707(die)-708(Melancholischen)-707(leiden.)-1623(Sie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1246 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1247 0 R +/Resources 1245 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1248 0 obj << +/D [1246 0 R /XYZ 272.9 298.442 null] +>> endobj +1245 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1252 0 obj << +/Length 4183 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(232)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(empfinden)-554(wirkliche)-554(neuralgische,)-630(acute)-554(Schmerzen.)-1161(Ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(hoffnungslos)-352(sind)-352(die)-351(mit)-352(fixen)-352(Ideen)-352(Behafteten,)-377(oder)-351(solche,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-448(religi\366se)-449(Wahnvorstellungen)-448(haben.)-845(Sie)-448(hatten)-448(eine)-448(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(feine,)-259(dreissigj\344hrige)-258(Dame)-257(aus)-258(gutem)-257(Hause,)-260(die)-257(an)-257(erotischem)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([392])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Wahnsinn)-250(litt.)-250(Eine)-250(Dame,)-250(sonst)-250(sehr)-250(scheu)-250(und)-250(wohlerzogen!)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Man)-192(rief)-192(ber\374hmte)-191(Beispiele)-192(zur\374ck:)-221(Torquato)-192(Tasso,)-203(Johanna)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-428(Castilien,)-472(Ludwig)-427(von)-428(Bayern.)-783(War)-428(Hamlet)-427(wahnsinnig)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen,)-250(oder)-250(K\366nig)-250(Lear?)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Aber)-307(ein)-308(Thema)-307(interessirte)-308(sie)-307(Alle.)-423(Sie)-307(hatten)-308(ein)-307(wirklich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(interessantes)-189(Sujet,)-202(einen)-189(Clou.)-229(Das)-190(kitzelte)-189(nicht)-189(nur)-189(die)-189(Damen.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Die)-313(erste)-313(Intelligenz)-313(der)-313(Zeit,)-329(die)-313(brillanteste,)-328(genialste.)-439(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Mann,)-504(dessen)-454(Adlerflug)-453(die)-453(Welt)-454(erst)-453(schweigend,)-504(dann)-453(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374thenden)-157(Verw\374nschungen)-157(in)-157(gl\374hender)-157(Bewunderung)-157(verfolgt)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Jetzt,)-344(wo)-325(er)-326(wahnsinnig)-325(war,)-344(konnte)-326(man)-325(ihn)-325(ja)-325(ungehindert)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bewundern.)-240(Niemand)-221(hatte)-221(mehr)-221(eine)-221(Concurrenz)-221(zu)-220(bef\374rchten,)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-534(schneidenden)-533(Hohn)-534(schlimmer)-533(als)-534(seine)-533(Verachtung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aus)-334(dem)-334(L\366wenfell)-334(des)-334(grossen)-334(Mannes)-334(hatte)-334(man)-334(sich)-334(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Fellchen)-500(geschnitten,)-562(die)-500(so)-500(gut)-499(standen.)-1000(Was)-500(konnte)-499(man)]TJ 0 -13.55 Td [(da)-568(interpretiren,)-647(insinuiren,)-647(Kapital)-568(schlagen.)-1203(Aus)-567(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(ungeheuren)-184(Brachfeld,)-196(das)-184(er)-183(mit)-184(den)-183(Sch\344tzen)-184(einer)-183(ungehobnen)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt)-216(hinterlassen.)-239(Seine)-216(Fehler)-216(und)-216(Extravaganzen)-216(vermied)-216(man)]TJ 0 -13.549 Td [(nat\374rlich.)-234(Er)-202(war)-202(ja)-201(eben)-202(bekanntlich)-202(...)-234(Ein)-202(Strich)-202(\374ber)-202(die)-201(Stirne)]TJ 0 -13.549 Td [(vollendete)-250(den)-250(Gedanken.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([393])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.368 Td [(O)-496(ja!)-990(F\374r)-497(den)-496(interessirte)-497(man)-496(sich.)-990(Gedichte,)-558(Blumen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wurden)-537(f\374r)-537(ihn)-536(gesandt.)-1110(Alle)-537(Augenblicke)-537(standen)-537(in)-536(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeitungen)-463(gef\344lschte)-462(Interviews.)-888(Es)-463(bildete)-463(den)-462(best\344ndigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Aerger)-454(der)-453(Aerzte.)-861(Sie)-454(hatten)-454(es)-453(doch)-454(so)-454(klar)-453(gesagt:)-657(Eine)]TJ 0 -13.55 Td [(organische)-450(Krankheit,)-499(colossale)-450(Ueberanstrengung,)-499(versch\344rft)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-407(Schlafmittel,)-446(Narcotica.)]TJ/F21 10.9091 Tf 143.19 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.891 0 Td [(Es)-407(wurde)-406(Zeit,)-446(dass)-407(endlich)]TJ -153.081 -13.549 Td [(einmal)-250(mit)-250(dem)-250(alten)-250(Aberglauben)-250(aufger\344umt)-250(wurde.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Fromme)-384(Leute)-385(betrachteten)-384(diesen)-384(Irrsinn)-385(als)-384(eine)-384(gerechte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Strafe)-278(des)-279(Himmels.)-335(In)-278(ihren)-278(Augen)-279(war)-278(er)-278(der)-279(Antichri)1(st.)-335(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(sah)-224(Gottes)-224(Gericht)-224(recht)-223(deutlich!)-242(Der)-224(Titan,)-229(der)-224(Ihn)-223(anzugreifen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1251 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1252 0 R +/Resources 1250 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1253 0 obj << +/D [1251 0 R /XYZ 216.808 477.528 null] +>> endobj +1254 0 obj << +/D [1251 0 R /XYZ 93.543 203.129 null] +>> endobj +1250 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1257 0 obj << +/Length 4970 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Ende.)-21919(233)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gewagt,)-225(Felsbl\366cke)-218(gegen)-218(Ihn)-219(geschleudert)-218(und)-218(jetzt)-218(ohnm\344chtig)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-381(gebrochen)-382(im)-381(Stuhl)-381(sass)-381(in)-381(einer)-382(Irrenhauszelle:)]TJ/F21 10.9091 Tf 243.755 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-381(bin)]TJ -248.599 -13.549 Td [(dumm.)-250(Ich)-250(bin)-250(dumm.)]TJ/F21 10.9091 Tf 97.277 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -85.321 -14.531 Td [(Selbst)-229(die,)-233(die)-229(nicht)-228(so)-229(weit)-229(gingen,)-233(moralisirten)-229(\374ber)-229(den)-229(Fal)1(l)]TJ -11.956 -13.55 Td [(auf)-173(ihre)-173(Weise.)]TJ/F21 10.9091 Tf 67.104 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bleib)]TJ/F21 10.9091 Tf 23.64 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.519 0 Td [(im)-173(Land)-173(und)-173(n\344hr)]TJ/F21 10.9091 Tf 75.346 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.519 0 Td [(Dich)-173(redlich.)]TJ/F21 10.9091 Tf 56.116 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.73 0 Td [(Hier)-173(sah)]TJ -244.817 -13.549 Td [(man,)-213(wohin)-204(das)-204(Gegentheil)-204(f\374hrte:)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.754 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(die)-204(grosse)-204(Kunst)-204(macht)-204(Dich)]TJ -156.598 -13.549 Td [(rasend.)]TJ/F21 10.9091 Tf 31.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.002 0 Td [(Wozu)-290(auch?)-368(Wenn)-290(man)-289(arbeitete,)-300(recht)-289(that,)-299(kam)-290(man)]TJ -39.202 -13.549 Td [(immer)-326(noch)-326(zurecht)-326(auf)-326(dieser)-326(Welt.)-478(Der)-326(religi\366se)-325(Aberglaube)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-311(zu)-310(missbilligen.)-433(Ebenso)-310(wie)-311(die)-311(rohe)-310(Ausschweifung.)-432(Das)]TJ 0 -13.55 Td [(Leben)-461(fand)-461(schon)-461(immer)-461(die)-461(Mittellinie.)-883(Es)-461(ist)-461(gut)-461(auf)-461(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([394])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Mittellinie)-250(bleiben.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Es)-215(war)-216(ja)-215(freilich)-216(wahr,)-222(dass)-216(jeder)-215(Esel)-216(ebenso)-215(gut)-215(wahnsinnig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(werden)-268(konnte.)-304(Sie)-268(blieben)-267(doch)-268(\374berzeugt,)-273(dass)-268(M\374ller)-268(es)-267(zum)]TJ 0 -13.549 Td [(Beispiel)-251(nie)-250(w\374rde,)-251(und)-251(Buchholz)-250(ebenfalls)-251(nicht.)-252(Diese)-250(w\374rden)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-213(auch)-212(nie)-213(das)-213(Leben)-212(nehmen)-213(oder)-213(mit)-212(der)-213(Polizei)-213(in)-212(Conflicte)]TJ 0 -13.55 Td [(gerathen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Die)-249(Fachleute)-250(bem\374hten)-249(sich)-249(vergebens,)-250(das)-249(ganz)-249(Nat\374rliche,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(rein)-479(Anatomische)-480(des)-479(Vorgangs)-479(auseinander)-479(zu)-480(setzen.)-937(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(junger)-575(Arzt)-576(zeigte)-575(zur)-576(Exemplificirung)-575(sorgf\344ltig)-575(pr\344parirte)]TJ 0 -13.549 Td [(Pl\344ttchen,)-274(auf)-269(denen)-269(man)-269(den)-269(Verlauf)-269(der)-269(Aederchen)-269(im)-269(Gehirn)]TJ 0 -13.55 Td [(normal)-539(und)-539(anormal)-539(verfolgen)-539(konnte.)-1117(Ordentlich)-538(niedlich)]TJ 0 -13.549 Td [(anzusehen)-429(waren)-430(diese)-429(Pr\344parate,)-474(etwa)-429(wie)-429(Blumenbl\344ttchen,)]TJ 0 -13.549 Td [(fettig-weiss)-356(und)-355(rosig)-356(durchzeichnet.)]TJ/F21 10.9091 Tf 170.829 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.335 0 Td [(Einige)-356(Damen)-355(grauten)]TJ -180.164 -13.549 Td [(sich)-295(davor,)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.691 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.668 0 Td [(immer)-295(zur\374ck)-294(in)-295(der)-294(Cultur,)-306(diese)-295(Frauenzimmer!)]TJ -60.359 -13.549 Td [(Der)-473(junge)-473(Gelehrte)-473(liebte)-473(seine)-473(Pl\344ttchen.)-919(Er)-473(zitterte,)-528(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Schatz)-350(zu)-351(bereichern.)-551(F\374r)-350(ihn)-351(war)-350(auch)-350(dieser)-351(Kranke)-350(nur)-350(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Object.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ganz)-687(Intime)-687(waren)-687(zuweilen)-687(zugelassen)-687(worden.)-1560(Sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erz\344hlten,)-701(dass)-611(der)-611(grosse)-610(Philosoph)-611(im)-611(Rollstuhl)-611(auf)-610(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Terrasse)-424(gesessen.)-771(Er)-423(sah)-424(in)-424(die)-423(sinkende)-424(Sonne.)-771(Er)-423(schien)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)]TJ/F21 10.9091 Tf 27.177 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(friedlich)]TJ/F21 10.9091 Tf 36.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-691(der)-604(kranke)-603(Adler.)-1310(Man)-603(nahm)-603(ein)-603(ganz)]TJ/F16 7.9701 Tf 217.199 0 Td [([395])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.55 Td [(angenehmes)-348(Gef\374hl)-348(mit)-348(fort)-348(der)-348(allgemeinen)-348(R\374hrung)-348(und)-348(der)]TJ 0 -13.549 Td [(eignen)-250(speciellen)-250(Empf\344nglichkeit)-250(f\374r)-250(sch\366ne)-250(Emotionen.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Uebrigens)-298(hatte)-299(er)]TJ/F21 10.9091 Tf 81.028 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-298(gut.)-395(Erster)-298(Klasse)-299(sogar.)-395(Mancher)-298(hatte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1256 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1257 0 R +/Resources 1255 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1258 0 obj << +/D [1256 0 R /XYZ 167.471 395.25 null] +>> endobj +1259 0 obj << +/D [1256 0 R /XYZ 151.378 107.772 null] +>> endobj +1255 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1262 0 obj << +/Length 4490 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(234)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(es)-250(nicht)-250(so.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Was)-447(dachte)-448(er)-447(in)-447(den)-448(langen)-447(vierundzwanzig)-447(Stunden)-447(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Tages)-355(seit)-355(sieben)-355(Jahren?)-566(Die)-355(Aerzte)-355(versicherten,)-381(Nichts.)-565(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344chelte.)-908(Er)-469(wartete)-469(...)-907(Es)-469(war)-470(doch)-469(furchtbar.)-907(Der)-469(Mann)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-401(jauchzenden)-401(Lachens,)-438(der)-401(sich)-400(selbst)-401(die)-401(Stirn)-401(mit)-400(Rosen)]TJ 0 -13.549 Td [(bekr\344nzt)-313(und)-312(das)-313(schwache)-312(Mitleid)-313(verachtete.)]TJ/F21 10.9091 Tf 212.37 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.864 0 Td [(Nun,)-328(das)-313(war)]TJ -221.234 -13.549 Td [(immer)-250(schon)-250(Wahnsinn)-250(gewesen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Den)-491(Schluss)-491(der)-491(Besichtigung)-491(bildete)-491(immer)-491(die)-490(Kapelle.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Nur)-670(ein)-670(steinernes)-670(Kreuz)-671(stand)-670(hinter)-670(dem)-670(Altar.)-1510(Eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebens\344hnlichkeit,)-183(Blut)-167(und)-167(Nacktheit,)-183(h\344tte)-167(die)-167(Kranken)-166(gest\366rt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Man)-331(musste)-331(vorsichtig)-331(sein.)-494(Eine)-331(Frau)-331(in)-331(schwarzen)-331(Schleiern)]TJ 0 -13.549 Td [(weinte)-301(zu)-300(seinen)-301(F\374ssen.)-402(Sie)-301(bildete)-300(sich)-301(ein,)-313(die)-301(Piet\340)-301(zu)-300(sein.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sieben)-303(Schwerter)-304(des)-303(Weltwehs)-304(gingen)-303(durch)-304(ihren)-303(Busen.)-410(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(weinte)-288(immer)]TJ/F21 10.9091 Tf 63.843 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.593 0 Td [(immer.)-363(Eine)-288(vornehme)-287(Frau)-288(aus)-287(reichen,)-297(guten)]TJ -72.436 -13.549 Td [(Verh\344ltnissen,)-281(Mutter)-275(und)-275(Gattin.)]TJ/F21 10.9091 Tf 151.377 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.453 0 Td [(Man)-275(liess)-275(sie,)-281(weil)-275(sie)-274(ganz)]TJ -159.83 -13.55 Td [(sanft)-250(und)-250(ungef\344hrlich)-250(war.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ein)-612(engelsch\366nes,)-703(bl\366dsinniges)-612(Kind,)-702(das)-612(zwischen)-612(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([396])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(B\344nken)-709(hantirte,)-823(nickte)-708(und)-709(lachte)-708(geheimnissvoll.)-1625(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschlechter)-203(schienen)-203(hier)-203(seltsam)-203(verwoben.)-234(Man)-203(wusste)-203(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(ob)-240(es)-241(ein)-240(Knabe)-240(oder)-240(ein)-241(M\344dchen)-240(war.)-247(Die)-240(Aerzte)-240(erkl\344rten)-240(ihn)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374r)-357(einen)-357(Adolescent)-357(von)-357(sechzehn)-357(Jahren.)-571(Er)-357(lief)-357(\374berall)-356(frei)]TJ 0 -13.549 Td [(umher.)-248(Die)-242(Kapelle)-243(war)-243(sein)-242(Lieblingsaufenthalt.)-248(Er)-243(bildete)-242(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(ein,)-382(ein)-356(Chorknabe)-355(zu)-356(sein,)-382(schwang)-356(sein)-355(R\344ucherfass,)-382(b\374ckte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-399(und)-398(nickte)-399(und)-398(k\374sste)-399(dann)-399(mit)-398(Inbrunst)-399(die)-398(Altarstufen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dieser)-402(J\374ngling)-403(war)-402(immer)-402(gl\374cklich,)-441(von)-402(einer)-402(Serenit\344t)-402(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Cherubim.)-250(Jeder)-250(verw\366hnte)-250(und)-250(liebte)-250(ihn.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Auch)-422(von)-421(dem)-422(neuen)-422(Patienten)-421(wurde)-422(gesprochen,)-464(diesem)]TJ/F21 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fremden)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.935 0 Td [(der)-833(Zeitungen)-834(und)-833(Verhandlungen,)-980(der)-833(sich)]TJ -57.561 -13.549 Td [(einbildete,)-250(Christus)-250(zu)-250(sein.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-659(Arzt)-660(erkl\344rte,)-761(dass)-660(dies)-659(eine)-659(h\344ufig)-659(vorkommende)]TJ -11.956 -13.549 Td [(specielle)-362(Form)-362(des)-362(religi\366sen)-361(Wahnsinns)-362(sei:)]TJ/F21 10.9091 Tf 207.914 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-362(haben)-362(hier)]TJ -212.758 -13.549 Td [(Chiliasten,)-547(Gott)-487(Vater,)-546(eine)-488(Jungfrau)-487(Maria,)-546(Apostel)-487(Paulus)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-303(Petrus.)-411(In)-303(Wahrheit)-304(ist)-303(dieser)-304(Mensch)-303(ein)-303(schwachsinniger)]TJ 0 -13.549 Td [(Zimmermannssohn)-521(aus)-520(dem)-521(W\374rttembergischen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 234.958 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.134 0 Td [(Braucht)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1261 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1262 0 R +/Resources 1260 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1263 0 obj << +/D [1261 0 R /XYZ 311.15 298.442 null] +>> endobj +1260 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1266 0 obj << +/Length 4194 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Ende.)-21919(235)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(man)-645(b\374ndigere)-645(Beweise,)-744(dass)-646(es)-645(Zeit)-645(ist,)-744(mit)-645(dem)-645(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Priesterhocuspocus)-250(aufzuh\366ren?)]TJ/F21 10.9091 Tf 140.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.913 -14.619 Td [(Eine)-250(der)-250(Damen)-250(sah)-250(ihn)-250(lange)-250(an:)]TJ/F21 10.9091 Tf 149.967 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(hat)-250(sch\366ne)-250(Augen)-250(...)]TJ/F21 10.9091 Tf 102.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 22.16 0 Td [([397])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.619 Td [(Die)-262(Besucher)-262(gingen)-262(wieder.)-287(Es)-262(fing)-262(auch)-262(schon)-262(an)-262(d\344mmrig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-250(werden.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 116.929 444.074 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 140.315 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 425.91 Td [(Dann)-264(begab)-264(sich)-265(etwas)-264(Schreckliches,)-268(niemals)-264(Gekl\344rtes,)-267(vor)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-225(denen,)-230(die)-225(es)-225(sp\344ter)-225(sich)-225(erz\344hlten,)-230(die)-225(Haare)-225(sich)-224(str\344ubten,)]TJ 0 -13.55 Td [(wo)-286(die)-285(Vern\374nftigsten)-286(den)-285(ewigen)-286(Bl\366dsinn)-285(der)-286(Dinge)-285(zugeben)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374ssen)-509(und)-509(stumpfe)-509(Hirne)-509(peitschende)-509(Schauer)-509(der)-508(Unwelt)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hlen.)]TJ 11.956 -14.619 Td [(In)-559(der)-559(Kapelle)-559(fand)-560(man)-559(den)-559(Wahnsinnigen,)-636(den)-559(Ewig-)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stummen,)-756(den)-655(zum)-654(untersten)-655(Abgrund)-654(Geketteten.)-1464(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(erfuhr)-677(niemals,)-784(was)-677(ihn)-677(dahingetrieben,)-783(wer)-677(den)-677(Andern)]TJ 0 -13.55 Td [(herf\374hrte,)-530(welcher)-474(furchtbare)-474(Auftritt)-474(stattgefunden)-474(zwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(diesen)-250(Beiden,)-250(deren)-250(Einen)-250(Keiner)-250(kannte.)]TJ 11.956 -14.619 Td [(Der)-449(Irre)-449(hatte)-450(den)-449(Fremden)-449(an)-449(das)-450(Kreuz)-449(gebunden.)-847(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stricke)-362(waren)-362(seine)-362(Kleider,)-389(die)-362(er)-362(sich)-362(abgerissen)-362(hatte.)-585(Aus)]TJ 0 -13.549 Td [(zertr\374mmertem)-234(Holzger\344th,)-238(B\344nken)-234(und)-234(St\374hlen,)-238(hatte)-234(er)-234(N\344gel,)]TJ 0 -13.549 Td [(Eisentheile,)-206(geklaubt.)-232(Dieser)-195(ganz)-195(nackte,)-206(misshandelte)-195(Leib)-195(war)]TJ 0 -13.55 Td [(buchst\344blich)-359(zerstossen,)-386(zerschunden,)-386(erw\374rgt)-358(damit.)-577(Er)-358(stach)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-316(ihm)-316(in)-316(die)-316(Stirne.)-448(Er)-316(schrie,)-332(er)-316(lachte.)-448(Mit)-316(einem)-316(schweren)]TJ 0 -13.549 Td [(zugespitzten)-251(Holzst\374ck)-251(sah)-251(man)-251(ihn)-251(grosse)-251(Streiche)-251(f\374hren)-250(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-417(Seite)-418(unter)-417(der)-417(Brust,)-459(von)-418(wo)-417(dickes,)-459(schw\344rzliches)-417(Blut)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([398])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(troff:)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(hast)-250(die)-250(Welt)-250(zerst\366rt!)-250(Du!)-250(Du!...)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.843 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Sch\366nheit)-250(hast)-250(Du)-250(get\366dtet,)-250(den)-250(Ruhm,)-250(die)-250(Lust!)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.843 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-388(leben)-388(noch,)-422(aber)-388(Du)-388(hast)-388(sie)-387(vergiftet.)-664(Du)-388(hast)-388(ihnen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(das)-415(Gift)-415(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 49.659 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-415(Herz)-415(getr\344ufelt.)-745(Schlange)-415(Du!)-745(Erste)-415(Schlange!)]TJ -53.292 -13.55 Td [(Verfluchte!)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mit)-503(Deinen)-503(zerrissnen)-503(H\344nden)-503(hast)-503(Du)-503(die)-503(Kraft)-503(unsrer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(H\344nde)-250(zerbrochen.)]TJ/F21 10.9091 Tf 11.956 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Deine)-250(F\374sse,)-250(die)-250(angenagelt)-250(sind,)-250(haben)-250(uns)-250(festgebohrt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1265 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1266 0 R +/Resources 1264 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1267 0 obj << +/D [1265 0 R /XYZ 46.771 487.629 null] +>> endobj +1268 0 obj << +/D [1265 0 R /XYZ 46.771 193.434 null] +>> endobj +1264 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1271 0 obj << +/Length 4306 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(236)-19420(Der)-250(Fremde)]TJ +0 g 0 G +/F21 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aus)-250(Deiner)-250(Seite)-250(fliesst)-250(unser)-250(Lebensblut.)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.843 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-208(Stricke)-207(umw\374rgen)-208(unsre)-208(Leiber)-207(und)-208(machen)-208(sie)-208(h\344sslich.)]TJ/F21 10.9091 Tf -4.843 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-172(Deiner)-171(Stirn)-172(die)-172(Dornen)-171(sind)-172(in)-172(unsre)-171(Hirne)-172(gedrungen)-172(...)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Die)-250(Dornen)-250(von)-250(Deiner)-250(Stirn!)-250(Die)-250(Dornen!)]TJ/F21 10.9091 Tf 187.833 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(...)]TJ -183.448 -15.601 Td [(Seine)-360(Stimme)-361(erstarb)-360(in)-361(wimmernder)-360(Klage.)-582(Er)-360(hatte)-360(seine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Haare)-387(gepackt)-386(zu)-387(beiden)-386(Seiten)-387(des)-386(Kopfes.)-660(Ganz)-387(nackt,)-420(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(blutigen)-353(H\344nden,)-379(\374ber)-353(und)-353(\374ber)-353(mit)-353(Blut)-353(beschmiert,)-378(raufte)-353(er)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(aus)-250(in)-250(vollen)-250(F\344usten.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Und)-346(es)-346(war)-346(eine)-346(Aehnlichkeit,)-370(eine)-346(furchtbare,)-369(schauerliche)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Br\374derlichkeit)-213(in)-213(diesen)-214(beiden)-213(gemarterten,)-220(verrenkten)-213(Leibern,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([399])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(dem)-353(todten)-353(und)-353(dem)-353(lebendigen,)-378(dem,)-379(der)-353(vollendet)-353(hatte)-352(und)]TJ 0 -13.549 Td [(dem,)-223(der)-216(niemals)-215(vollenden)-216(w\374rde,)-216(...)-239(seinen)-216(Gliedern)-215(gekr\374mmt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-355(schlaff)-354(geworden)-354(durch)-355(das)-354(Sitzen,)-381(die)-354(Schreibtischarbeit,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-273(H\344nden)-273(zu)-273(fein)-273(und)-272(zu)-273(lang,)-279(die)-273(nicht)-273(mehr)-273(fassen)-272(konnten,)]TJ 0 -13.549 Td [(verkr\374ppelten,)-413(zagen)-380(F\374ssen,)-414(die)-380(das)-380(Gehen)-381(verlernt.)-641(Viel)-380(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(hoch)-323(war)-323(diese)-322(Stirn,)-341(blass)-323(vom)-323(Gedanken,)-341(vorgeschoben)-322(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-182(ganze)-183(\374brige)-182(Gesicht)-183(mit)-182(allen)-183(Organen)-182(der)-183(Sinne.)-227(Die)-182(wirren)]TJ 0 -13.549 Td [(Haare)-250(bildeten)-250(eine)-250(f\374rchterliche,)-250(struppige)-250(Aureole.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Er)-398(riss)-399(seine)-398(Brust)-399(auf,)-435(als)-399(ob)-398(er)-399(sein)-398(Herz)-398(packte,)-436(es)-398(ihm)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hinschleuderte)-250(in)-250(Hohn)-250(und)-250(Verzweiflung:)]TJ/F21 10.9091 Tf 189.36 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Teufel!)-250(Teufel!)]TJ/F21 10.9091 Tf 66.938 0 Td [(\034)]TJ -249.186 -15.601 Td [(\023)-488(\023)-487(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 32.321 0 Td [(Der)-488(Bl\366dsinnige)-487(lachte,)-547(sein)-488(leises,)-547(triumphirendes)]TJ -44.277 -13.549 Td [(Lachen.)-1188(Er)-562(that,)-641(als)-562(ob)-563(er)-562(sein)-563(Weihrauchfass)-562(schw\344nge,)]TJ 0 -13.549 Td [(b\374ckte)-337(sich)-336(und)-337(k\374sste)-336(die)-336(Altarstufen.)-510(Die)-336(Frau)-337(in)-336(schwarzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Trauerkleidern)-429(weinte.)-786(Ein)-429(monotones,)-473(endloses,)-473(zweckloses)]TJ 0 -13.549 Td [(Weinen)-250(...)]TJ 11.956 -15.601 Td [(Der)-226(Sohn)-226(des)-226(Menschen,)-230(vom)-226(Kreuz,)-231(todt,)-231(mitleidig,)-230(erhaben,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sah)-250(herab.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Der)-259(Kopf)-259(hatte)-259(sich)-258(etwas)-259(zur)-259(Seite)-259(geneigt.)-277(Die)-259(Augen)-258(unter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-276(bleichen)-276(Lidern)-276(waren)-276(gebrochen.)-328(Aber)-276(die)-276(Lippen)-275(standen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([400])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ein)-248(wenig)-248(ge\366ffnet,)-248(als)-248(ob)-248(Ihn)-248(d\374rstete.)-250(Er)-248(hielt)-248(die)-247(beiden)-248(Arme)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-370(oben)-371(ausgebreitet.)-611(Aus)-370(seiner)-370(ge\366ffneten)-371(Seite)-370(unter)-370(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Brust)-250(floss)-250(das)-250(Blut.)]TJ 11.956 -15.6 Td [(Das)-250(Blut)-250(floss.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1270 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1271 0 R +/Resources 1269 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1249 0 R +>> endobj +1272 0 obj << +/D [1270 0 R /XYZ 241.609 388.028 null] +>> endobj +1273 0 obj << +/D [1270 0 R /XYZ 224.33 122.39 null] +>> endobj +1269 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1276 0 obj << +/Length 787 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Ende.)-21919(237)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Es)-217(tropfte)-217(auf)-217(die)-217(grauen,)-224(breiten)-217(Steinfliesen)-217(des)-217(Fussbodens.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-283(Fliesen)-283(blieben)-284(grau)-283(und)-283(steinern.)-350(Eine)-283(rothe,)-291(schmerzliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Lache)-267(hatte)-267(sich)-266(auf)-267(ihnen)-267(gebildet.)-300(Der)-267(Stein)-267(f\344rbte)-267(sich)-266(violett)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-250(ihr.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Best\344ndig)-237(aus)-237(dem)-237(blutenden,)-240(durchbohrten)-237(Herzen)-237(fielen)-237(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Tropfen.)]TJ/F16 9.8629 Tf 64.832 -32.458 Td [(Druck)-265(von)-265(Ramm)-265(&)-266(Seemann)-265(in)-265(Leipzig.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1275 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1276 0 R +/Resources 1274 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1277 0 R +>> endobj +1274 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1280 0 obj << +/Length 32 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +endstream +endobj +1279 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1280 0 R +/Resources 1278 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1277 0 R +>> endobj +1278 0 obj << +/ProcSet [ /PDF ] +>> endobj +1283 0 obj << +/Length 1108 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([401])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -8.185 Td [(Von)-250(demselben)-250(Verfasser)-250(ist)-250(erschienen:)]TJ/F23 10.9091 Tf 17.749 -21.538 Td [(Ein)-250(Narr.)]TJ/F16 10.9091 Tf 47.574 0 Td [(Roman.)-10486(Mk.)-1096(3.)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.65 0 Td [(\023)]TJ/F23 10.9091 Tf -234.224 -13.549 Td [(Die)-250(Jungen.)]TJ/F16 10.9091 Tf 57.883 0 Td [(Roman.)-9541(")-2327(3.)]TJ/F21 10.9091 Tf 176.341 0 Td [(\023)]TJ/F23 10.9091 Tf -234.224 -13.549 Td [(Misere.)]TJ/F16 10.9091 Tf 37.56 0 Td [(Roman.)-11404(")-2327(3.)]TJ/F21 10.9091 Tf 196.664 0 Td [(\023)]TJ/F23 10.9091 Tf -234.224 -13.549 Td [(Nixchen.)]TJ/F16 10.9091 Tf 44.168 0 Td [(Ein)-266(Beitrag)-267(zur)-266(Psychologie)-266(der)]TJ -44.168 -13.55 Td [(h\366heren)-250(Tochter.)-250(F\374nfte)-250(Auflage.)]TJ 196.207 13.55 Td [(")-2327(1.50)]TJ/F23 10.9091 Tf -196.207 -27.099 Td [(H\344usliches)-560(Gl\374ck.)]TJ/F16 10.9091 Tf 100.529 0 Td [(Aus)-560(den)-561(Papieren)]TJ -100.529 -13.549 Td [(eines)-250(Ehemannes.)]TJ 196.207 13.549 Td [(")-2327(1.50)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1282 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1283 0 R +/Resources 1281 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1277 0 R +>> endobj +1284 0 obj << +/D [1282 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1281 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F23 1285 0 R /F21 29 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1288 0 obj << +/Length 32 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +endstream +endobj +1287 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1288 0 R +/Resources 1286 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1277 0 R +>> endobj +1286 0 obj << +/ProcSet [ /PDF ] +>> endobj +1289 0 obj +<< /S /GoTo /D (index22) >> +endobj +1292 0 obj +(Bemerkungen zur Textgestalt) +endobj +1317 0 obj << +/Length 6699 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 18.9589 Tf 74.775 479.321 Td [(Bemerkungen)-258(zur)-259(Textgestalt)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.004 -32.422 Td [(Variierende)-929(Schreibweisen)-928(wurden)-929(nicht)-928(korrigiert,)-1098(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausnahme)-250(folgender)-250(offensichtlicher)-250(Druckfehler:)]TJ 21.819 -19.004 Td [(Seite)-250(7:)]TJ/F21 10.9091 Tf 35.76 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(wei)]TJ/F21 10.9091 Tf 15.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert)-250(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.502 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(weit)]TJ/F21 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -139.058 -13.549 Td [(Seite)-250(15:)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(neber)]TJ/F21 10.9091 Tf 24.229 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert)-250(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.501 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(neben)]TJ/F21 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -160.254 -13.549 Td [(Seite)-250(49:)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(erwartefe)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.182 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(ge\344ndert)-250(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.502 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(erwartete)]TJ/F21 10.9091 Tf 40.582 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.738 -13.55 Td [(Seite)-250(58:)]TJ/F21 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Krankeit)]TJ/F21 10.9091 Tf 38.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert)-250(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 51.501 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Krankheit)]TJ/F21 10.9091 Tf 43.625 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.77 -13.549 Td [(Seite)-250(71:)-250(Punkt)-250(ge\344ndert)-250(in)-250(Komma)-250(hinter)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.959 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ausgebr\374tet)]TJ/F21 10.9091 Tf 50.291 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -242.094 -13.549 Td [(Seite)-274(118:)]TJ/F21 10.9091 Tf 47.467 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gattenadjudanten)]TJ/F21 10.9091 Tf 76.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.837 0 Td [(ge\344ndert)-274(in)]TJ/F21 10.9091 Tf 52.034 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gattenadjutan-)]TJ -193.979 -13.549 Td [(ten)]TJ/F21 10.9091 Tf 13.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -13.331 -13.549 Td [(Seite)-250(167:)-250(Anf\374hrungszeichen)-250(erg\344nzt)-250(hinter)]TJ/F21 10.9091 Tf 197.836 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Worte!)]TJ/F21 10.9091 Tf 30.895 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -233.574 -13.549 Td [(Seite)-250(194:)-250(Anf\374hrungszeichen)-250(erg\344nzt)-250(vor)]TJ/F21 10.9091 Tf 186.927 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihr)]TJ/F21 10.9091 Tf 12.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(und)]TJ/F21 10.9091 Tf 19.091 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)]TJ/F21 10.9091 Tf 7.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -243.872 -13.55 Td [(Seite)-250(247:)-250(doppeltes)]TJ/F21 10.9091 Tf 91.21 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td 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Gutenberg</publisher> + <date value="2011-05-25">May 25, 2011</date> + <idno type='etext-no'>36227</idno> + <availability> + <p>This eBook is for the use of anyone anywhere + at no cost and with almost no restrictions whatsoever. + You may copy it, give it away or re-use it under + the terms of the Project Gutenberg License online at + www.gutenberg.org/license</p> + </availability> + </publicationStmt> + <sourceDesc> + <bibl> + <title>Der Fremde. Ein Gleichniss</title> + <author><name reg="Kahlenberg, Hans von">Hans von Kahlenberg</name></author> + <imprint> + <pubPlace>Dresden und Leipzig</pubPlace> + <publisher>Verlag von Carl Reissner</publisher> + <date>1901</date> +</imprint> + </bibl> + </sourceDesc> + </fileDesc> + <encodingDesc> + </encodingDesc> + <profileDesc> + <langUsage> + <language id="de" /> + </langUsage> + </profileDesc> + <revisionDesc> + <change> + <date value="2011-05-25">May 25, 2011</date> + <respStmt> + <resp>Produced by <name>Norbert H. Langkau</name> + and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net</resp> + </respStmt> + <item>Project Gutenberg TEI edition 1</item> + </change> + </revisionDesc> + </teiHeader> + + <pgExtensions> + <pgStyleSheet> + .bold { font-weight: bold } + .gesperrt { letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em } + head { text-align: center } + </pgStyleSheet> + </pgExtensions> + +<text lang="de"> +<front> + <div> + <divGen type="pgheader" /> + </div> + <titlePage rend="text-align: center; page-break-before: always"> +<pb/><anchor id='Pga001'/> +<docTitle> + <titlePart type="main" rend="font-size: xx-large">Der Fremde.</titlePart> + <lb/><lb/> + <titlePart type="sub" rend="font-size: large">Ein Gleichniss</titlePart> +</docTitle> + <lb/><lb/> + <byline>von</byline> + <lb/> + <docAuthor rend="font-size: x-large">Hans von Kahlenberg.</docAuthor> +<lb/><lb/><lb/> +<docImprint> + <pubPlace>Dresden und Leipzig.</pubPlace> + <lb/> + <publisher rend="gesperrt">Verlag von Carl Reissner.</publisher> + <lb/> + <docDate>1901.</docDate> +</docImprint> + + </titlePage> +</front> +<body><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='1'/><anchor id='Pgp001'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das erste Kapitel.</head> + +<p> +Es war Weihnachtsabend. +</p> + +<p> +Das Wetter war schlecht gewesen seit +Wochen schon, keine Kälte, aber beständig sickerte +von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. +Der Himmel schien sehr nah an die Erde gerückt, +die Grenzlinien beider vermischten sich in diesem +Grau, das Alles einhüllte, auflöste, aus der Erde +kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender +Schicht. Wie durch einen Schleier gewahrte man +die nächsten Gegenstände, kahle Baumstümpfe +verkümmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, +und Telegraphenstangen. Sie folgten sich in regelmässigen +Abständen wie Schildwachen einer ungezählten +einzingelnden Armee, die man nicht sah, +die da im Nebel lauerte, wo er sich zu verdicken +schien, braun wurde, mit schwarzen Ausströmungen, +<pb n='2'/><anchor id='Pgp002'/>die sehr lange Linien durch die Luft zogen und +hängen blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack +in die scharfe Kälte, den Moorgeruch +der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte +sie der Regen, unbarmherziges, Alles +durchdringendes Gewässer, in dem die letzten +Lebensreste des Sommers sich auflösten, verfaulten.... +Irgendwo da – sehr weit ab noch +– vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hörte man +Eisenbahnzüge kreischen; sie glitten rasch auf +rohaufgeworfenen Dämmen mit Alarmrufen der +Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille +und der Nebel herrschten wieder, eine unheimliche, +lastende Stille, hinter der das überreizte Ohr +Lärm zu vernehmen glaubte – des Meers, oder +einer Schlacht. Ein heissrer Athem streifte von da +zuweilen: Menagerie, Küchengeruch, Schweiss, – +diese undefinierbare Atmosphäre, die die Nähe +einer grossen Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, +überquälten Lungen des zusammengepressten +Menschheitsorganismus, wo die natürliche Luft +nicht genügt, verbraucht lasten bleibt, in einem +Nebel, der nicht weggeht, sich erhitzt am Abend +von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen +aus athmenden Brüsten. +</p> + +<pb n='3'/><anchor id='Pgp003'/> + +<p> +Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. +Ihre ganze Oberschicht bestand aus einem weichen, +feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel ansetzte, +sofort krustete; und vor allem war er +kalt, von einer Kälte des Eiswassers, unterer +Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne +sahen. Er trug sich schwer; auf der Höhe des +Strassendammes zog er sich endlos hin, kleine +Teiche bildend, Runzeln und Ränder, die Spuren +unzähliger Menschenfüsse, Pferdehufe, die da gegangen +waren. +</p> + +<p> +Manchmal schleppte sich ein Lastwagen müde +vorüber. Die Räder knatterten auf dem harten +Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von +oben bis unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten +die Pferde. Unter seiner gelben Plancapotte liess +der Fuhrmann misstönige Laute des Unbehagens +vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er +hatte Eile anzukommen, sich von Neuem zu füllen +mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit +wegnahm, die sich in grauer Schicht aus diesem +sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. Auch +raschere Gefährte rollten vorüber, Bäcker- oder +Fleischerwagen aus den Vororten mit warmgekleideten, +wohlgenährten Insassen. Jetzt liessen +<pb n='4'/><anchor id='Pgp004'/>sie die Gäule ausgreifen, um nach Hause zu +kommen, knallten mit der Peitsche im Vorgefühl +der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter +Abendbrottische. +</p> + +<p> +Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten +früher Feierabend gemacht wegen des Festes, und +es wurde spät. Da und dort an den Bahnkörpern +entzündeten sich Lichter. Sie konnten nicht ankämpfen +und blieben wie blasse Wasserflecken in +dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel +wurde, vom Weissgrau des sonnenlosen Tages +zum Schwarz der Winternacht, die da über die +Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, +bis auf die Chaussee, die sich hinzog ohne Bäume, +ein endloser Landstreifen durch die Oede. +</p> + +<p> +Zwei Handwerksburschen zogen auf der Chaussee +entlang. Es waren Arbeitslose. Der Eine war ein +Böttchergesell aus Greifenberg in Pommern, der +Andere zog schon seit lange so. Er hatte Drechseln +gelernt. Aber das Handwerk warf nichts ab; vielleicht +war ihm auch nach und nach die Gewohnheit +der regelmässigen Arbeit verloren gegangen. +Er war der bedeutend Aeltere. Die Beiden hatten +sich in der Herberge zur Heimath in Bernau kennen +gelernt und zogen nun auf Berlin zu, die grosse +<pb n='5'/><anchor id='Pgp005'/>Metropole der Arbeit und des Verdienstes, um da +ihr Glück zu versuchen. +</p> + +<p> +Der Jüngere war ängstlich; dennoch voll guter +Hoffnungen. Er begriff es nicht, dass ein Mensch, +der arbeitsam und mässig war, arbeiten wollte, +keine Arbeit finden sollte. Er glaubte an ein +vorübergehendes Missgeschick. Berlin sollte ihm +Glück bringen, obwohl es ihm Furcht einflösste. +</p> + +<p> +Er war ein Junge, der zu Hause aus ganz +kleinen, aber geordneten Verhältnissen kam. Sein +Vater war beim Torfstechen ertrunken. Er hatte +für die Mutter und drei kleine Geschwister mitsorgen +müssen; alles das hielt sich über Wasser, +lebte sehr respektabel. Er war ein Kind geblieben, +mit runden, erstaunten Augen, die vergebens +den Nebel zu durchforschen schienen, etwas +ängstlich vor dem Gefährten an seiner Seite, aber +doch gefügig gegenüber dessen grösserer Welterfahrung, +beeindruckt vom Cynismus seiner Reden +und Handlungen. +</p> + +<p> +Der war ein ziemlich wüster Gesell, der durch +die halbe Welt gerollt war. Man wusste nicht, +woher er kam, und er sprach nicht davon. Seine +Papiere wiesen allerlei Bestrafungen auf, für Diebstähle, +Widersetzlichkeiten. Das hatte ihn nicht +<pb n='6'/><anchor id='Pgp006'/>gebrochen. Es lag Hohn und Trotz gegen die +Gesellschaft in seiner Art, das Bewusstsein eines +Ichs, der Kraft, in diesem Menschen, der mit +klaffenden Schuhen über die Landstrasse stapfte, +Hass gegen die Kälte, der er den Alkohol entgegensetzte, +den brennenden Rausch, der besser +hitzt wie Feuer. +</p> + +<p> +Ein gewisser Galgenhumor kam über ihn, +während sein Gefährte ängstlich in seine blaugefrornen +Finger pustete, die besten Stellen im +Matsch aussuchte, um seine Füsse zu schonen, +vor allem die Schuhe, die trotzdem schon barsten, +Wasser einliessen, das sickerte, quietschte zwischen +den Sohlen. +</p> + +<p> +Der Kumpan sah es mit gutmüthigem Spott: +„Gieb’s nur auf, kleiner Richard! Das nützt Dir +nichts. Das frisst sich durch Pelz und Wolle, +um so mehr durch Lumpen und Löcher. Dagegen +giebt’s nur eins!“ +</p> + +<p> +Er bot dem Andern die Flasche, die der ängstlich +zurückwies. So leerte er sie selbst auf einen +Zug. +</p> + +<p> +„Das giebt wenigstens Muck! Das ist die +einzige vernünftige Erfindung in diesem elenden +Hundedasein. Sie sagen, der Teufel hat sie +ge<pb n='7'/><anchor id='Pgp007'/>macht. Mich dünkt, der Teufel, das ist der einzige +wahre Heilige in der ganzen Muschpoke. +Er ist mein Schutzpatron. Es lebe der heilige +Satanas!“ +</p> + +<p> +Der Kleine sah sich scheu um, ob Jemand +die Lästrung hörte. Er war fromm erzogen, gewohnt +in die Kirche zu gehen des Sonntags. Die +Mutter sass da und die andern alten Weiber in +schwarzen, gehäkelten Kopftüchern mit dem goldbedruckten +Gesangbuch. – Es war hart, dass +man keine Arbeit fand. Aber er vertraute auf +Gott. Und Berlin war nah, wo Tausende arbeiteten +und assen. Sehr müde war er und <anchor id="corr007"/><corr sic="wei">weit</corr> +konnte es nicht mehr sein. +</p> + +<p> +Es war, als ob Fritz Kuhlemann seine Gedanken +errieth: „Ja, das ist fein, nach Hause zu +kommen, wenn Einem die Olle schon in der Thür +entgegenläuft! Der Junge hängt sich uns an den +Rock. Auf dem Tisch dampft ein guter Happenpappen. +Die Stube ist schon abgeschlossen, weil +da der Christbaum steht. – So gut wird’s uns +nicht bei meinem Freund Matzke. Eine fidele +Bude, und Mädels auch die schwere Menge! Ich +möchte wissen, ob die rothe Lene noch da ist?“ ... +Er vertiefte sich in diese Erinnerungen, Saufgelage, +<pb n='8'/><anchor id='Pgp008'/>Prügeleien, Dirnen,... während der Andre neben +ihm hertrottete. Er war sehr müde. Er hätte am +liebsten geweint, aber er schämte sich. +</p> + +<p> +„Du bist auch noch so ein Grüner. Dich +werden sie schon erst hochnehmen! Wenn Du +denkst, mit Gottvertrauen und Dummheit kommt +man durch die Welt! Das ist gut für die, die +mit einem silbernen Löffel im Munde geboren +sind. Unsereiner, wenn der nicht eine Nase zehnmal +so fein hat und Krallen zehnmal so lang, – +dann kannst Du Dich man gleich am nächsten +Laternenpfosten aufhängen lassen. Da drinne, da +verstehen sie’s! Ist schon Mancher wie die reine +Unschuld vom Lande eingewandert. Und wie er +wieder rausgekommen ist! Per Schub mit zwei +Gensdarmen neben sich. Auf Sonnenburg zu, oder +Plötzensee. Ich kannte Einen, den haben sie gehetzt +wie das liebe Vieh. In den Weiden und +Binsen unten bei Tegel. Jede Nacht die Jagd +und den ganzen Tag lang. Ob das noch ein +Mensch ist! – Todtgeschlagen hatte er Einen. +Todtschlagen – das ist auch dumm. Alles todtschlagen, +kurz und klein! Dann wär’s noch was.“ +</p> + +<p> +Nun ermannte sich der Andre. „Es giebt doch +aber auch noch gute Menschen auf der Welt.“ +</p> + +<pb n='9'/><anchor id='Pgp009'/> + +<p> +„Hast Du je Einen gesehn, dem’s auch gut +gegangen ist dabei? Die Schlechten, die kommen +auf, die sind hoch. Verfluchte Schweinerei!“ +</p> + +<p> +„Man kann’s. Wenn man ehrlich ist und +arbeitet.“ +</p> + +<p> +„Versuch’s doch! Geh hin! Biete Deine Arbeit +an. Lauf rum! Verkauf Dich für vier Groschen +den Tag. Sieh doch, ob Dich Einer nimmt! En +Vieh und en Esel. – Aber ein Stück Mensch! +Und dann fallen Einem die Lumpen immer mehr +vom Leib. Der Schutzmann hält die Augen drauf. +Und wenn Du mal auf einer Bank, unter der +Brücke einschläfst, hat er Dich am Kragen. Dann +geht’s auf die Wache. Na, und wenn die erst +ihren Stempel draufgesetzt haben! Die grosse +Klappe – oder der Strick vorher und das stille +Wasser!“ +</p> + +<p> +Der Andre war dem Weinen sehr nahe. Es +war die grosse Müdigkeit und die Aufregung vor +dieser Stadt, die sich näherte, wie das Verhängniss, +unsichtbar, in dem Nebel, der immer dicker +wurde. Ein Wagen, der vorüberfuhr, eine Equipage +oder geschlossene Droschke, bespritzte sie +von oben bis unten. +</p> + +<p> +Kuhlemann sprang mit einem Fluch zur Seite: +<pb n='10'/><anchor id='Pgp010'/>„Verdammte Protzenbande! Ich gönnt’s Euch! Ich +gönnt’s Euch! Frisst sich satt von unserm Mark +und Knochen. Sauft sich voll von unserm Blut, +bis sie besoffen sind und speien!“ +</p> + +<p> +Sie waren jetzt in der Gegend der Fabriken. +Von beiden Seiten reihten sich dunkle, niedrige +Schuppen um gemauerte Schlote, mit Latten eingezingelte +Höfe. Man sah die schwarzen Eisenconstructionen +zum Heben, die achatne Spiegelung +der Fensterscheiben, ungeheure, stumpfe Massen +aufgeschichteten Materials, die warteten, sich zersetzten. +Aber Alles lag ganz still wegen des +Festes, Alles war sehr schwarz. Der Kohlengeruch +wurde bemerkbarer. Auf ihren Schienensträngen +eilten die Züge der Vororte mit roten +und grünen Lichtern, wie grosse Schlangen mit +Augen, in die schweigende Ebene ausgeschickt. +</p> + +<p> +Der kleine Richard war vollkommen kaput. +„Ach mein Gott!“ schluchzte er auf. „Mein Gott!“ +</p> + +<p> +„An den glaubst Du auch noch?“ Die Nachwirkung +des Schnapses begann sich bei Fritz +Kuhlemann zu äussern. Er sah roth jetzt und +schrie mit erhobner Stimme: „Die olle Finte, die +uns die Pfaffen aufgebunden haben, damit wir +kuschen und nicht Muck sagen! Ich sage Dir, +<pb n='11'/><anchor id='Pgp011'/>wenn’s den giebt da oben, dann kann er sich +begraben lassen für das, was er gemacht hat. +Ich lach’ ihm in’s Gesicht. Ich schlag’ ihm die +Faust in’s Gesicht für sein feines Zauberkunststück +hier!“ +</p> + +<p> +Die Lästrung verhallte in der Dunkelheit, die +sich nicht rührte. Ein Wind schien sich erhoben +zu haben, strich mit schriller Klage über die +Telegraphendrähte, durch die Löcher der Jacke, in +der der Kleine sich zusammendrückte. Alles blieb +so, die schwarzen Fabrikgebäude, die Dunkelheit, +die Kälte.... Und in der Ferne das Verhängniss, +das anzog, sich näherte, etwas Schwarzes, Compactes, +mit Augen ... Berlin, die Grossstadt. +</p> + +<p> +„Guten Abend!“ sagte eine Stimme neben +ihnen. +</p> + +<p> +Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen +sein. Er war wohl von rückwärts nahe gekommen. +Sie hatten ihn nicht gehört, weil der weiche Schmutz +alle Schritte erstickte. Und es war finster. +</p> + +<p> +Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte +in ihrer eigenen Grösse sein, nicht über Mittelgrösse. +Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht +gut und nicht schlecht, die eines Mannes, der +Arbeit gethan hat und weit gewandert ist. +</p> + +<pb n='12'/><anchor id='Pgp012'/> + +<p> +„Guten Abend!“ sagte der Fremde noch +einmal. +</p> + +<p> +Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen +Stimme, die aus dem Nebel zu kommen +schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung +lag in dem Klang der Stimme. +</p> + +<p> +„Guten Abend!“ sagte der kleine Richard. +</p> + +<p> +Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen +Gruss. +</p> + +<p> +Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er +ging denselben Schritt wie sie. Nur war es dem +Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so träfe. +Er empfand das angenehm. +</p> + +<p> +„Es ist spät,“ sagte der Fremde. „Und es ist +kalt hier aussen.“ +</p> + +<p> +„Das ist nun nicht gerade etwas Neues, was +Du uns sagst,“ höhnte Fritz Kuhlemann. „Wenn +Du eine Pulle in Deiner Tasche hast und etwas +Warmes drin, thätest Du uns einen grösseren Gefallen, +wenn Du uns theilen liessest.“ +</p> + +<p> +„Ich habe keinen Wein und keinen Branntwein,“ +sagte der Fremde. „Ich komme von weit. +Und es ist spät.“ +</p> + +<p> +„Sehr spät, um den Christbaum zu schmücken +und den Aufbau fertig zu stellen. Aber vielleicht +<pb n='13'/><anchor id='Pgp013'/>sind Sie hier herum Hausbesitzer oder haben eine +Villa gemiethet und die liebe Familie erwartet +Sie?“ +</p> + +<p> +„Ich habe kein Haus.“ +</p> + +<p> +„Dann würde ich Dir rathen, Freund, dass +Du Dir Geld in die Tasche thust. Denn umsonst +giebt’s hier nichts auf dieser faulen Welt. Und +zumal in Berlin, wohin wir unsre Schritte jetzt +lenken. Mein Freund Matzke kann sehr eklig +werden gegen flaue Kunden. Also, Freundchen, +wenn Deine Tasche wohlgefüllt ist, öffne sie und +spendire Deinen guten Freunden, die im Dalles +sind, in der That nicht wissen, wo sie ihr Haupt +niederlegen sollen.“ +</p> + +<p> +„Ich habe kein Geld Dir zu geben,“ sagte +der Fremde. Er sagte es traurig, mit seiner +sanften, klingenden Stimme, die von sehr weit +herzukommen schien. +</p> + +<p> +Der Rothe lachte: „Du bist ein famoser Bruder, +das muss ich sagen! Schleichst hier auf nächtlichen +Wegen und schlängelst Dich an andre Leute +ran. Denkst Du, wir können einen Zaungast +brauchen? Lass doch mal sehen, wie Du aussiehst +bei dieser noblen Beleuchtung!“ +</p> + +<p> +Die kleine Laterne eines Zimmerhofs warf einen +<pb n='14'/><anchor id='Pgp014'/>zweifelhaften Schein. Der rohe Bursche drehte den +Fremden um. Er stiess ihm die Schulter gegen +den Lichtfleck. +</p> + +<p> +Er sah ein blasses Gesicht. Ein bescheidner +Bart umrahmte den unteren Theil. Es war das +Gesicht eines Mannes von etwa zweiunddreissig +Jahren. Der Fremde hatte seltsame Augen und +sah ihn ernsthaft und traurig an. +</p> + +<p> +„Lass doch den Mann!“ sagte der kleine +Richard müde. +</p> + +<p> +Selbst der Rothe war betroffen. „Teufel auch!“ +knurrte er in den Bart. „Wo hab’ ich das Gesicht +schon gesehen? Du bist ein seltsamer Heiliger, +Du!... So eine Sorte Wanderprediger wohl? Ich +habe mal Einen gekannt. Er war mit uns in der +Herberge. Des Abends las er seine Bibel. Er that +das alle Abend. Er sah dabei aus wie Du. Er +sagte nichts.“ +</p> + +<p> +Der Fremde sagte auch nichts. +</p> + +<p> +... „Er hat mir den Fuss kurirt und eingewickelt. +Ich wusste, wo er sein Geld hatte. Ich +hab’s ihm gelassen.“ +</p> + +<p> +Das Gesicht des Fremden schien berauschend +auf ihn zu wirken. Er verwirrte sich in wilden +Erinnerungen.... „Ein Mädchen ... Ich drängte +<pb n='15'/><anchor id='Pgp015'/>sie gegen das Thor. Was hatte die dumme Liese +sich anzustellen? Sie war doch genau wie die +Andern. Hexe! – Weibervolk, die sind Alle +nichts wert. +</p> + +<p> +„... In ihrer Karosse sah ich sie mal. Eine +vornehme Dame. O sehr vornehm! Vornehmer +wie eine Prinzessin. Sie sass in ihrer Karosse +und wartete. Ich wollte sie ermorden. Weil ich +hungrig war und kein Bett hatte. Sie war reich +und sass im Wagen. Sie sah mich an. – Ich +fasste an den Hut und schlich mich fort. ... +Nachher brachte mir der Diener ein Goldstück. +Das warf ich ihm nach in den Dreck gegen seine +unverschämten Kalbswaden. +</p> + +<p> +„... Weisst Du, wo ich herkomme? In der +Gosse haben sie mich gefunden <anchor id="corr015"/><corr sic="neber">neben</corr> einer todten +Katze und einem Kohlstrunk. Meine Eltern wollten +nichts wissen von der Rabenbrut. Dann haben +sie mich so rumgestossen. Die hohe Polizei! Das +ist eine zarte Nährmutter. Glaube mir, Bruder, +es ist eine lustige Welt! Man muss sie nur lustig +zu nehmen wissen.“ +</p> + +<p> +Er lachte roh auf. Der kleine Richard zitterte +vor Kälte. Er fühlte glühende Zangen in seinen +Eingeweiden. Seine Zähne schlugen aufeinander. +</p> + +<pb n='16'/><anchor id='Pgp016'/> + +<p> +„Nimm diesen Mantel,“ sagte der Fremde +freundlich. +</p> + +<p> +Es war ein alter, fadenscheiniger Ueberzieher, +wie ihn arme Leute tragen, auch zu dünn für den +Winter. Der Junge wickelte sich mechanisch gehorchend +hinein. Er fühlte die Hand des Fremden, +die glättete, um ihn streichelte. Eine Art magnetischer +Beruhigung ging von ihr aus. Es erinnerte +ihn an die Berührung seiner Mutter. „Aber Du?“ +fragte er wie betäubt. +</p> + +<p> +„Ich friere nicht,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Dann musst Du von seltsamem Stoff gemacht +sein,“ bemerkte Kuhlemann. „Dies verfluchte Wetter +macht Einem die Blutstropfen im Leibe gefrieren.“ +</p> + +<p> +In der That war es jetzt ganz empfindlich +kalt. Der Wind pfiff mit scharfem Eishauch. Unter +seinem Mantel glühte der Junge. Er wusste nicht +mehr, wo er war. Er phantasirte. +</p> + +<p> +Er war bei sich zu Hause. In der kleinen +Küche war es stickend warm. Solch’ eine fröhliche +Wärme! Der ganze Heerd glühte, rothglühend +mit hüpfenden, spritzenden Lichtern, obgleich es +dunkel war, um Petroleum zu sparen. Aus dem +Suppentopf stiegen weisse, nahrhafte Wolken. Ein +Duft von Aepfeln kam aus der Röhre; man hörte ihre +<pb n='17'/><anchor id='Pgp017'/>feinen, braunen Häute britzelnd zerspringen.... +Er war da. Er war ein Knabe, er hielt die +kleine Schwester auf den Knieen. Er fühlte deutlich +den warmen, pulsenden Körper. Das Kind +hatte die Aermchen um seinen Hals gelegt. Sie +warteten auf die Mutter. Er erzählte ihr von +Weihnachten. +</p> + +<p> +Von einem alten Mann mit weissem Bart erzählte +er ihr. Er trug einen grossen Sack mit +Aepfeln und Nüssen über der Schulter. Er hatte +ein rothes, freundliches Gesicht, und eine Birkenruthe +hielt er in der Hand. Wenn man seine +Sprüche nicht wusste, gab es Schläge. <hi rend='gesperrt'>Sie</hi> waren +gute Kinder, sie konnten ihre Sprüche. Das kleine +Mädchen hatte die Hände gefaltet und wiederholte +sie mit halblauter Stimme. Die ganze Geschichte, +die freundliche Lehrerin in der Kleinkinderschule +hatte sie ihr vorgesprochen. Der grosse Bruder, +der schon klug war und lesen konnte, half ein: +</p> + +<p> +„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot +vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt +geschätzet würde. +</p> + +<p> +„Und diese Schatzung war die allererste und +geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in +Syrien war. +</p> + +<pb n='18'/><anchor id='Pgp018'/> + +<p> +„Und Jedermann ging, dass er sich schätzen +liesse, ein Jeglicher in seine Stadt. +</p> + +<p> +„Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, +aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur +Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum, +dass er vom Hause und Geschlechte Davids war. +</p> + +<p> +„Auf dass er sich schätzen liesse mit Maria, +seinem vertrauten Weib, die war schwanger. +</p> + +<p> +„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte +ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, +denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ +</p> + +<p> +„... Denn sie hatten sonst keinen Raum in +der Herberge“ ... wiederholte der kleine Handwerksbursche +mit glühenden Lippen auf der eisigen +Landstrasse. +</p> + +<p> +Dann fing er auf einmal mit leiser Stimme +an zu singen: „O du fröhliche! O du selige! +Gnadenbringende Weihnachtszeit!“ +</p> + +<p> +„Nanu?“ sagte der Rothe grob. „Bei dem +ist’s wohl nicht recht helle? Singt der Mensch +hier auf der Landstrasse wie eine Lerche! Du hast +doch wohl einen heimlichen Trunk zuviel gethan? +So’n verfluchter Duckmäuser!“ +</p> + +<p> +Aber der Kleine hörte ihn nicht. Er war ganz +<pb n='19'/><anchor id='Pgp019'/>glücklich. Er hielt seine kleine Schwester. Es war +so warm in der Küche. Er fing an, an seinen +Kleidern zu reissen. – Auf allen Kirchthürmen +begannen die Glocken zu läuten. Die kleine Küche +war voll vom hellen Schein. Sie hatte überhaupt +keine Decke mehr, keine Balken und angeblakten +Kalkwände. Da war der Himmel. Er war ganz +offen und die Engel sangen. Sie sangen: „Ehre +sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und +den Menschen ein Wohlgefallen!“ +</p> + +<p> +Sie sangen sehr laut mit hellen, schmetternden +Stimmen. Alles hallte davon wider. Dieser Gesang +erfüllte das ganze Gewölbe des Himmels, +der eine grosse, dunkelblaue Glocke war, in der +goldne Sterne schwangen und spannen. Sie drehten +sich sehr rasch mit langen, lichten Streifen hinter +sich her in der Bahn ihrer Schwingung, die feurige +Ringe bildete, Kreise und Sphären. Die ganze +Glocke drehte sich, sang und schwang. +</p> + +<p> +Der kleine Handwerksbursche sang laut, vorwärts +stolpernd im schleimigen Strassenkoth, zwischen +den schwarzen Fabrikschuppen mit hohen +Schloten, vor der Stadt, die rings umher anfing +sich zu entzünden, wie ein Halbkreis der Hölle mit +feurigen Augen. +</p> + +<pb n='20'/><anchor id='Pgp020'/> + +<p> +„Bist Du verrückt?“ schnauzte ihn der Andre an. +</p> + +<p> +„Dein Gefährte ist sehr krank,“ sagte der +Fremde sanft. +</p> + +<p> +So war es. Alles hatte bei dem Kleinen zusammengewirkt: +die langen Wochen der Angst +und schlechter Ernährung, der unheimliche Gefährte, +der Weihnachtsabend. +</p> + +<p> +Er fuhr fort zu singen. Er wehrte sich gegen +den Andern in seinem Fieberrausche: „Lass mich! +Du erfrierst mir das Herz. Du stösst mir glühende +Messer in’s Weiche. Du bist schlecht und roh! +Schlecht! Schlecht! Du bist der Teufel!“ +</p> + +<p> +Er war wie ein Rasender. Er fing an mit +beiden Armen um sich zu schlagen. Er bäumte +sich wie ein scheugewordenes Pferd. Er wollte +plötzlich nicht weitergehen. Er liess sich wie ein +Sack zur Erde fallen. +</p> + +<p> +„Halloh!“ sagte der Rothe. „Das ist eine +schöne Geschichte. Nun stirbt uns der hier im +Dreck. Das hetzt uns die Grünröcke gleich auf die +Hacken.“ +</p> + +<p> +„Hilf mir ihn aufheben!“ sagte der Fremde. +„Er darf nicht sterben so.“ +</p> + +<p> +Sie hoben ihn auf. Auch der Rothe that +seine Pflicht, sanft genug für seine rauhen, +frost<pb n='21'/><anchor id='Pgp021'/>geschwollenen Fäuste. Die Mütze war dem Kleinen +vom Kopf gefallen, Koth hatte sich in die blonden +Locken gesetzt. Er entfernte ihn mit einem grimmigen +Scherz: „Das würde seiner Liebsten nicht +gefallen.“ +</p> + +<p> +Es lag da ein Steinhaufen am Chausseerand +aufgeschüttet. Der Fremde hatte sich darauf gesetzt, +der Junge lag in seinem Schooss mit dem +Kopf an seiner Brust. Er lag ganz still und +lächelte. +</p> + +<p> +„Ich kenne Dich wohl,“ sagte der Junge. Er +sprach mit erstaunlicher Geläufigkeit, in einer hellen, +klingenden Stimme des Entzückens, wie wenn Alles, +was in ihm schweigsam und gefroren gewesen war, +sich jetzt löste, aufthaute. +</p> + +<p> +„O, ich kenne Dich ganz gut. Du bist mein +alter Lehrer in Greifenberg, der freundlich zu uns +war. Wenn man’s gut gemacht hatte, strich er +mit der Hand über den Kopf. Manchmal durfte +ich ihm die Bücher nach Hause tragen. Dann bekam +ich einen Apfel.... Er war alt und arm, +und hatte viele Kinder, wie wir.“ +</p> + +<p> +„Nette Suse!“ murmelte der Rothe. „So ’ne +weisse Wassersuppe!“ +</p> + +<p> +Der Fremde sass ganz still und hielt den Kopf +<pb n='22'/><anchor id='Pgp022'/>des Jungen. Der lachte, er griff ihm mit der +Hand in den Bart. „Du bist mein Vater, der gestorben +ist,“ sagte der Junge. „Er ging des +Morgens sehr früh fort. Dann trat er leise auf +und zog sich im Dunkeln an, damit wir nicht aufwachen +sollten. Es war noch sehr früh und sehr +kalt draussen. Im Bett war es warm. Der Winter +hatte grosse, weisse Eisblumen vor das Fenster +gemalt. Wie hinter einer Wattenwand schlief +sich’s da.... Dann ging er fort einen Morgen +und kam nicht wieder. +</p> + +<p> +„... ‚Nun bist Du der Mann in der Familie, +Richard,‘ sagte die Mutter. ‚Versprich mir’s, dass +Du immer für die Schwestern sorgst, wenn Du +gross bist und viel Geld verdienst.‘ +</p> + +<p> +„Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen +für die Schwester. Meine Schwester soll nicht +weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! +Es ist so kalt ... kalt ...“ +</p> + +<p> +„Gott wird für sie sorgen,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Der Rothe lachte. +</p> + +<p> +„Es giebt keinen Gott,“ sagte der Junge unruhig. +„Alle sagen, er ist nicht und dass es nur +eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und +krank wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute +<pb n='23'/><anchor id='Pgp023'/>haben es gut in der Welt und sind geehrt. Die +Andern holt der Teufel.“ +</p> + +<p> +„Amen!“ machte Fritz Kuhlemann. +</p> + +<p> +„Es giebt keinen Teufel,“ sagte der Fremde +ruhig. „Gott kennt keine reichen Leute und keine +armen. Er liebt Alle.“ +</p> + +<p> +Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend. +</p> + +<p> +„Ich habe Schmerzen,“ wimmerte der kleine +Handwerksbursche. „Es zerreisst mir die Glieder. +In meinem Kopf geht es wie eine Säge. Alle Knochen +krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!“ +</p> + +<p> +Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, +zwischen den Schmutzlachen, all’ dieser triefenden +Feuchtigkeit, die von den Dächern rieselte, die +Kleider festklebte am erstarrten Körper. +</p> + +<p> +„Ich habe Hunger,“ klagte der Sterbende. +</p> + +<p> +Der Fremde legte ihm die Hand auf die Stirn. +</p> + +<p> +Bald glätteten sich die Züge. Sie wurden heiter, +fast strahlend. „... Eine Ruhe kommt langsam, +das ist der Schlaf. Es kommt wie ein Schatten +über eine grüne Wiese. Es ist weiss und breitet +die Arme aus. Ah, mir ist wohl!“ ... +</p> + +<p> +Er nestelte sich dichter an die Brust des +Andern. Der Fremde beugte sich über ihn und +küsste ihn auf die Stirn. +</p> + +<pb n='24'/><anchor id='Pgp024'/> + +<p> +Fritz Kuhlemann kam mit einem Blechgefäss +voll Wasser. Er hatte es beim Eindringen in +einen Zimmerhof gefunden. Ein wütender Hund +war gegen ihn angekläfft, hatte ihm die Hose +zerrissen. Seine Hand blutete vom Zerschlagen +des Eises. Er sah schrecklich aus. +</p> + +<p> +„Er braucht es nicht. Er ist todt,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p> +In der That war der Junge todt. Er sah aus +wie ein schlafendes Kind. Ein süsser Ausdruck +war in seinem Gesicht. +</p> + +<p> +„Gestorben wie ein Hund! Wie ein Hund!“ +</p> + +<p> +„Er ist kein Hund. Er ist schön.“ +</p> + +<p> +„Und Du? Wer bist Du?“ +</p> + +<p> +„Kennst Du mich nicht, Fritz Kuhlemann?“ +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<p> +Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, +heller Mond, den man niemals erwartet hätte aus +diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem +Schein im Grau, das jetzt ganz ungefährlich erschien, +die einförmige, milde Trauerfarbe der Nacht, +eine sanfte Schwermuth der tieferen Töne und +Farben des Lebens. Im Mondschein stand der +Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, das leise +fluthete. +</p> + +<pb n='25'/><anchor id='Pgp025'/> + +<p> +Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten +fast aus ihren Höhlen, die Stirn unter den wüsten, +rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar. +</p> + +<p> +Der Fremde sah ihn an. +</p> + +<p> +„Du hast ihn geliebt, den da“ ... sagte der +Fremde. „Er war oft müde. Du gingst langsamer +um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit +er besser läge. Manchmal hast Du ihm Brod +gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und der +Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du +ihm brachtest. – Ich kenne Dich, Fritz Kuhlemann.“ +</p> + +<p> +„Teufel!“ stiess der Andre hervor. +</p> + +<p> +„Du hast ihn sehr gekränkt,“ fuhr der Fremde +fort. „Aber Dein Herz war wund, als es ihm +harte Worte gab. Der Pflug war über Deine +Seele gegangen und hat sie zerrissen, eh’ sie +wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh’ Du +hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann.“ +</p> + +<p> +„Herr ... Herr ...“ stammelte der Bursche. +</p> + +<p> +„Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, +die Dich in die Gosse legte, weil sie kein Brot +hatte, Dich zu füttern, als ihr Herz sich in ihr +wand in Angst über der Qual ihrer Eingeweide. +<pb n='26'/><anchor id='Pgp026'/>Der, der Dich zeugte in einer Stunde, wo er sich +selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, +der die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die +Liebe ist Schmerz. Im Schmerz der Liebe liegt +der Urgrund alles Geborenen.“ +</p> + +<p> +„Wer bist Du?“ schrie der Andre auf. +</p> + +<p> +Er hatte sich auf ihn gestürzt. Sie rangen +miteinander, Leib gegen Leib. Der Mond stand +am Himmel, kalt und bläulich. Dann sah man +nur noch ihre beiden Gesichter, das des Fremden, +das ruhig war, blass und ein wenig traurig, das +des Mannes, der in grossen Tropfen schwitzte, +dunkel blutrünstig mit roth durchschossenen Augäpfeln. +Er athmete in schweren, keuchenden Stössen. +</p> + +<p> +Plötzlich fielen seine Hände: „Mach’, was Du +willst! Tödte mich auch! Tödte mich!“ +</p> + +<p> +„Geh voran! Ich folge Dir!“ sagte der Fremde. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='27'/><anchor id='Pgp027'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das zweite Kapitel.</head> + +<p> +Eine rothe Laterne hing über der Thür der +Destille. Die Thür war schräg eingestellt nach +der Strassenecke zu. Drei schlechte Eisenstufen +führten hinauf. Sie hallten und dröhnten, wenn +schwere, nägelbeschlagene Schuhe darauf traten. +Nach der andern Seite leuchtete ein grosses Fenster. +Eine breite, grüne Aufschrift zog sich quer darüber +hin, auf der zu lesen stand, dass der Pfiff Bier +fünf Pfennige kostete. Sonst Reklamen in grossen +Lettern von Wein, Bier, Rum, Punsch, Zettel in +lebhaften Farben so zusammengestellt, dass sie +sich möglichst schnitten, das Auge herausforderten. +Aber der Strassenstaub hatte sie ausgebleicht, +Alles war von derselben schmutziggrauen Schleimschicht +überzogen. Die Fenster hingen schief in +ihren Rahmen. Gegen das Haus lagen schwarze, +<pb n='28'/><anchor id='Pgp028'/>faulende Holzplanken aufgeschichtet von irgend +einem Neubau, der nie fertig wurde. Die Fenster +nach der Strasse zu waren durch schwere Rollbretter +geschützt. In den oberen Stockwerken hatte +man die Jalousien heruntergelassen. Nur die Laterne +blinkte wie ein trübes, rothes Auge durch +die Nacht. +</p> + +<p> +Es war Weihnachtsnacht. Man war lustig. +Die Frau des Destillateurs hatte Fische in süsser +Sauce gemacht, von denen man für fünfzig Pfennige +ein Gericht bekam. Dazu gab es Punsch. +Auch ein Weihnachtsbaum war geschmückt, auf +den sie stolz waren. Mit Papierblumen und ein +paar dicken Stearinlichtern prangte er. Im Nebenraum +zwischen alten Lumpen schliefen die beiden +kleinen Mädchen, die Kinder des Ehepaars. Sie +hielten die Holzpuppen, die ihnen bescheert worden +waren. Man hatte ihnen auch Punsch gegeben. +Sie schliefen ganz fest mit feuerroten Backen, im +Luftzug ihres Athems leise zitternden, langen +Wimpern. +</p> + +<p> +August Matzke war ein schwerer Mann, erst +an die Vierzig, obgleich er älter aussah, ganz +und gar ruinirt, vergiftet durch den Trunk. Er +war schon zweimal wegen Delirium tremens im +<pb n='29'/><anchor id='Pgp029'/>Krankenhaus gewesen. Alle hofften, dass das +sein Ende bedeutete. Aber er kam zurück, graublass, +verblödet, schrecklicher als vorher. Dieser +Mann hatte mit Auszeichnung seine Dienstzeit absolvirt +und war zum Sergeanten aufgerückt. Bei +einer Schiessübung kam er durch Unvorsichtigkeit +um ein Auge. Er erhielt die Verstümmelungszulage +und nahm seinen Abschied. Die Frau war +aus ganz gutem Hause, eine Süddeutsche von zierlichen +Formen, freundlichem, einnehmendem Wesen. +Sie hatten ein ganz hübsches kleines Kapital gehabt, +als sie heiratheten, und fingen nach seiner +Verabschiedung eine Gastwirthschaft an. Man +sagte, dass die sehr zuvorkommenden Manieren +seiner Frau gegen Fremde ihn zuerst an die +Flasche getrieben hatten. Jetzt war er unheilbar; +das Geld ihrer Liebhaber hielt die Wirthschaft flott. +Sie liessen sich nicht scheiden, weil er ihr dann +ihr Eingebrachtes auszahlen musste. Er schlug sie. +Sie insultirte ihn. Dann kam wieder anfallweise +die alte Verliebtheit; sie schliefen zusammen. +Zwischen alledem, Schlägen, Zänken, Liebkosungen, +wuchsen die Kinder auf, behend und geschmeidig +wie kleine Katzen, beide der Mutter auffallend ähnlich, +schon spürend, horchend, zwischentragend.... +</p> + +<pb n='30'/><anchor id='Pgp030'/> + +<p> +Kuhlemann wurde mit lärmender Freude begrüsst. +Matzke hatte schon schwer gesoffen und +sah schief. Es war da noch ein älterer Mann +mit breitem, krummem Rücken, der stumm in sich +hineintrank. Ein junger Tapezier mit aufgebürstetem +Lieutenantsschnurrbart spielte den Forschen, +zog die Andern auf und scharmuzirte mit Frau +Matzke. Ein Dienstmädchen aus dem Hause, eine +grobe, gewöhnliche Person, kam zuweilen, um sich +auch einen Schnaps stossen zu lassen, die Neuigkeiten +zu hören. Ein paar zerlesene Nummern +des Vorwärts und des Lokalanzeigers lagen auf +dem Tisch. Im Hintergrund stand ein Klavier. +Matzke als alter Soldat war Patriot und kaisertreu, +er hielt das socialdemokratische Blatt um +seiner Kunden willen. Er selbst liebte patriotische +Lieder und erging sich, wenn er voll war, sehr +gern in hochtrabenden Erinnerungen an Gravelotte +und Sedan, „unsern ollen Kaiser Willem“ und +Prinz Friedrich Karl, auf deren Wohl er dann die +ganze Gesellschaft anzustossen zwang. Heute war +er noch nicht ganz so weit. +</p> + +<p> +Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor +Fritz Kuhlemann aufgestellt und eins vor dem +Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch +<pb n='31'/><anchor id='Pgp031'/>setzte. Das grosse Dienstmädchen strebte neugierig +näher. Sie war ein durchaus anständiges +Mädchen und stolz auf ihre Anständigkeit, aber +sie hatte es doch gern, wenn man sie kitzelte, +Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel foppte +sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen +sollte. Er wollte dann von ihrem Gelde seine +Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das +amüsirte sie königlich. +</p> + +<p> +„Ich möchte nur um ein Glas Wasser bitten +und ein Stück Brot, wenn ich es haben kann,“ +sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber +der Bitte. Matzke schoss aus seinen geschwollenen +Augen einen trüben, gehässigen Blick. +</p> + +<p> +„Wer’n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. +Wer nich Soldat jewesen is, der is überhaupt kein +Mann nich, sag ick!“ +</p> + +<p> +Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend +gegen den Tapezier, der sich damit belustigte, ihn +aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre +Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, +denn er blinzte ihr zu. Die grosse Hanne juchzte +lärmend auf. +</p> + +<p> +„Un eene volle Pulle liebt er ooch, was ’n +<pb n='32'/><anchor id='Pgp032'/>rechter Mann is? Was Aujust? Tapfre, olle +Kriegsgurgel?“ +</p> + +<p> +Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that +aber Bescheid. In der Hülflosigkeit seines benebelten +Gehirns gegen die Kniffe und Finten des +Andern blieb ihm nur dies eine Bedürfniss, zuzuschlagen, +seine Fäuste zu gebrauchen. +</p> + +<p> +„Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, +denn würden sie schon fertig mit det Jesindel!“ +</p> + +<p> +„Und Du wärst der commandirende Jeneral +von det Janze! Herr Aujust Matzke mit dem +schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste.“ +</p> + +<p> +Der Tapezier amüsirte sich königlich. Frau +Matzke zog verächtlich die Lippen. Das Dienstmädchen +bog sich vor Vergnügen. +</p> + +<p> +„Ick sage: Wer seinen Kaiser nich ehrt, der +is kein deutscher Mann, der jehört in den Schweinestall.“ +</p> + +<p> +„Sieh man zu, dass Du nich selber zuerst +reinbummelst, oller Freund. Wer so schwach uff +seine eijnen Beene steht, sollte man ja nich so +forsch jejen Andre losziehen.“ +</p> + +<p> +„Ick nich fest uff meine Beene! Ick bin Dein +oller Freund nich. Ick will Dich lehren, mir +Aujust zu heissen. Aujust Dir wat in Deine +<pb n='33'/><anchor id='Pgp033'/>unjewaschne Schnauze. Du – Du – Hurenjäger +Du!“ +</p> + +<p> +Er hatte sich schwerfällig erhoben und griff +nach der Stuhllehne, um sich daran festzuhalten. +Der Tapezier lachte, er gehörte zu Frau Matzke’s +eleganten Freunden, die den Haushalt im Gang +erhielten. Der Mann in der braunen Weste rührte +sich nicht. +</p> + +<p> +„Aber August! so lass doch!“ machte die +Frau gelangweilt. Sie zwinkerte Wernicke zu, +Hanne in ihrer sicheren Ecke am Büffet erstickte +fast vor unterdrückter Heiterkeit. Sie fand das +einen ausgezeichneten Spass. +</p> + +<p> +Nun wandte sich der Wüthende gegen sie, die +Ehebrecherin, in den unfläthigsten Ausdrücken. +„Ick will Dir ... Ick will Dir ... Hure ... +Hure ... Hure!“ Er sah schrecklich aus mit den +sabbernden Lippen, seinen blutunterschossenen +Augen, von denen das eine, künstliche, immer +gerade blieb, glotzend, ungeheuerlich. Das Wort +in seinem dumpfen Laut des Stiergebrülls wiederholte +sich. Er packte sein schweres Bierseidel; +es flog dicht an ihrem Kopf vorbei in die Fensterscheibe, +die splitternd zerbrach. Der Ton schien +ihn vollends wahnsinnig zu machen. Er ergriff +<pb n='34'/><anchor id='Pgp034'/>eins der Seidel nach dem andern und fensterte +sie in das Glas. Leere und halbvolle Flaschen +flogen nach. Man hörte die Scherben auf dem +Strassenpflaster sich knisternd zusammenhäufen. +Gleichzeitig drang die kalte, klare Winterluft ein. +Der Tapezier weidete sich an seinem Heldenstück. +Hanne kreischte, die Hände vor den Ohren, dachte +aber nicht daran zu flüchten. Der andre Gast +blieb ganz stumpfsinnig. +</p> + +<p> +„Das giebt ein nettes Christkindchen für morgen. +Na, ich bin nur froh, dass ich die Rechnung +nicht zu bezahlen brauche.“ Der junge Mann griff +nach seinem Hut und Paletot, einem eleganten Paletot +mit Sammetaufschlag und hellem Futter. Er hing +ihn immer so, dass man das Futter sah. „Ich +gehe jetzt, Frau Matzke. Adieu auch. Ich werde +erwartet.“ +</p> + +<p> +Sie sagte nichts. In der Thür drückte sie ihm +die Hand sehr stark, ihre Nüstern bebten. „Nimm +Dich in acht!“ ... +</p> + +<p> +Durch den Thürspalt nach der Kammer guckten +die beiden Kinder. Der Lärm des klirrenden +Glases hatte sie aufgeweckt. Sie witterten eine +Scene, und waren nun dabei, neugierig, erwartungsvoll. +</p> + +<pb n='35'/><anchor id='Pgp035'/> + +<p> +Matzke hatte seine letzte Bierflasche dem Abgehenden +gegen die Thür nachgeschleudert. Sie +zerbrach auf dem Fussboden in ihrer braunen +Sauce. Frau Matzke fing ruhig an, die Unordnung +des Fensters zu repariren. Sie steckte eine +weisse Bettplane auf; sie kannte das schon. +</p> + +<p> +„Nanu? Hier is wohl Polterabend heut’?“ +sagte eine lustige Stimme. +</p> + +<p> +Es war ein Mädchen. Sie trug gescheitelte +Haare und ein einfaches Umschlagetüchelchen. An +einer gewissen Unordnung des lose gewundenen +Nackenknotens, der zerschlissenen, rothen Seidentaille +erkannte man die Leichtfertigkeit ihres Berufs. +</p> + +<p> +„Ich konnte nicht früher kommen, habe auch +den Kindern noch was mitgebracht.“ +</p> + +<p> +„Ach Lene! Lenchen!“ In ihren Hemden +drängten sie sich um sie. Das Mädchen küsste +sie leidenschaftlich. Frau Matzke sah zu. +</p> + +<p> +Fritz Kuhlemann lachte. „Geht’s Geschäft auch +heut’ Abend?“ fragte er boshaft. Der Fuhrmann +starrte sie an. Lene Hoff war der eigentliche +Grund, weshalb er jeden Abend kam. Er hätte +nie gewagt, es ihr zu sagen, ausserdem wusste +er ja, dass sie unter Sittenkontrolle stand. Die +grosse Hanne zog eine höhnische Fluntsch. Sie +<pb n='36'/><anchor id='Pgp036'/>hatte das Mädchen nicht begrüsst, als sie eintrat, +stand jetzt, einen Arm in die Hüfte gestützt, und +musterte sie von oben bis unten. Dann drehte +sie sich nach der Thür zu: „Ich muss jetzt raufgehen. +Es ist meine Zeit.“ Sie beschäftigte sich +sehr viel mit der jungen Prostituirten, ihren Toiletten, +ihrem Thun und Lassen. In ihren Gedanken +stand sie weit unter ihr; sie war ein +anständiges Mädchen. +</p> + +<p> +Lene pustete sich in die Finger. Sie war +immer ein bischen genirt, so lange die Grosse da +war. „Kalt ist’s. So’n Weihnachten! Lustig sein! +Wir wollen Klavier spielen.“ +</p> + +<p> +Sie hatte sich an’s Klavier gesetzt. Ein Tanz +wirbelte hervor unter ihren flinken Fingern. +</p> + +<p> +Niemand tanzte. +</p> + +<p> +„Das ist nichts.“ Sie stand wieder auf, schloss +den Deckel. Sie näherte sich Fritz Kuhlemann, +kraute mit der Hand den untern Teil seines rothen +Schopfes: „Na Du?“ ... Die ganze gewerbsmässige +Schmeichelei ihres Berufs lag in dem Ton, +vielleicht noch mehr. „Bist so eklig heut’, geh! +Spendirst mir nicht mal was?“ +</p> + +<p> +„Seh’ ich Dir nach Spendiren aus?“ Man +hörte die Leidenschaft aus seiner Stimme. Diese +<pb n='37'/><anchor id='Pgp037'/>Liebkosung einer Frau stachelte ihn. Er verschlang +sie mit den Augen. +</p> + +<p> +Sie hatte sich auf seinen Schoss gesetzt. +„Armer Kerl! Keine Chance. So viel Pech gehabt.“ +Er zerdrückte ihr die Lippen mit einem +brutalen Kuss. „Du – frech biste!“ +</p> + +<p> +Sie sah den Fuhrmann an. Dieser Mann +hätte sie geheirathet. Er hatte vier Kinder zu Haus. +Aber ihr graute vor der Langeweile. Ihr Vogelgehirn +arbeitete schon auf einer andern Spur wieder, +sie hatte den Fremden entdeckt. +</p> + +<p> +„Wer is denn der?“ fragte sie Frau Matzke. +</p> + +<p> +Die Frau zuckte die Achseln. +</p> + +<p> +„War der Josef hier heute?“ +</p> + +<p> +„Er ist eben fort.“ +</p> + +<p> +„Ach darum ...“ Das Mädchen kannte die +Leidenschaft der Freundin. Der schöne Tapezier +hätte ihr auch gefallen. Sie seufzte. +</p> + +<p> +„Oed’ ist’s heute. Ich bin vorher gegangen +und hab’ mir die Christbäume angesehen. Christbäume, +das ist so rührend. Einen ganz grossen +sah ich mit Lametta wie Haare. Das möcht’ ich +haben.“ +</p> + +<p> +Sie hatte sich wieder an’s Klavier gesetzt. Ein +Weihnachtslied klang aus den Tasten. +</p> + +<pb n='38'/><anchor id='Pgp038'/> + +<p> +„Hübsch war das, die Engelchen und Schäfchen +in der Krippe. Ich hab’ das mal gesehen, wie +ich klein war. In der Kirche.“ +</p> + +<p> +Sie wandte sich wieder an Kuhlemann. „Sag’ +mal, Du hast nicht einen Nickel für mich? Zu +einer neuen Schleife für den Ball am Sonntag. +Kommste mit zum Ball, Schätzchen?“ +</p> + +<p> +Er drehte ein zerfetztes Portemonnaie um vor +ihren Augen: „Da sieh.“ ... Der Fuhrmann warf +einen Thaler auf den Tisch. Hart klang das +Metall auf der Holzplatte. Alle sahen auf. Frau +Matzke hatte ihren Besen, mit dem sie die Scherben +zusammenfegte, hingestellt. +</p> + +<p> +Die Lene war näher gekommen wie ein naschhaftes +Kind. Der Thaler lag da, und blinkte – +brutal, schmutzig gleissend. Sie sog lang den +Athem ein. +</p> + +<p> +„Du rührst nicht dran!“ schrie Fritz Kuhlemann. +</p> + +<p> +„Wenn man selber keinen Pfennig hat, hat +man nichts dreinzureden,“ entschied Frau Matzke +schneidend. +</p> + +<p> +Der Andre wartete, schwerfällig, lauernd, wie +ein Jäger, der das Wild in der Falle hat. +</p> + +<p> +„Ich schlag’ ihn todt!“ +</p> + +<pb n='39'/><anchor id='Pgp039'/> + +<p> +Ein scharfes Lachen der Frau traf den Burschen +wie ein Hieb. +</p> + +<p> +Das Mädchen war wie ein lüsternes Mäuschen +noch näher gekrochen. Die feinen Zähne blinkten +zwischen ihren gespitzten Lippen hervor. +</p> + +<p> +Der Trunkenbold machte einen scheusslichen +Witz: „Wer das Geld hat, hat das Recht,“ bestimmte +Frau Matzke. +</p> + +<p> +Sie streckte die Hand aus. +</p> + +<p> +Ein gurgelnder Laut wie Tigergebrüll entrang +sich der Brust des Burschen. +</p> + +<p> +Der Fremde hatte die Hand auf den Tisch gelegt. +Diese feine, blasse, bläulich geäderte, abgezehrte +Hand bedeckte das Geldstück. Sie bildete +eine Weisse auf der mit Bier- und Fettflecken besudelten +Tischplatte. +</p> + +<p> +„Komm’ zu mir!“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Er hatte sich aufgerichtet. Er stand ganz +gerade. Die andere Hand, die nicht das Geldstück +deckte, streckte sich gebietend vor. +</p> + +<p> +„Komm hierher!“ befahl der Fremde. +</p> + +<p> +Sie kam. Sie gehorchte. Wie mit durchgeschnittnen +Flechsen schleppte sie sich. Sie kroch. +Plötzlich schlug sie beide Hände vor’s Gesicht, mit +einem dumpfen Schmerzenslaut sank sie in die Knie. +</p> + +<pb n='40'/><anchor id='Pgp040'/> + +<p> +„Nimm Dein Geld!“ +</p> + +<p> +Der Fremde hatte den Thaler ergriffen. Er +schleuderte ihn nach der Thür. Das Silber schlug +hart auf, kugelte sich im Weiterrollen. Der Fuhrmann +bückte sich gierig danach und verschwand. +</p> + +<p> +Fritz Kuhlemann stand mit unter der Brust +gekrampfter Hand. Es war der Blick des Mörders, +mit dem er sah, der Bestie, des wilden +Thieres. +</p> + +<p> +„Geh!“ +</p> + +<p> +Er ging. +</p> + +<p> +Der Trunkenbold lachte auf mit einem hässlichen +Gluckser. „Ein Schmatzchen, Haseken. +Du – Du ...“ Er griff schwankend in die Luft. +Es reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er +schwer zusammen. +</p> + +<p> +„Leg ihn schlafen,“ sagte der Fremde. Das +Weib schnellte gegen ihn an wie eine gereizte +Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse +einen verächtlichen Fussstoss. „Vieh!“ +</p> + +<p> +Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachsüchtigen +Püffen und Tritten, dann nahm sie ihren +Besen und kehrte wüthend. +</p> + +<p> +Die kühle Nachtluft strich durch den schweren +Fuseldunst. Alle Lampen brannten. An den +<pb n='41'/><anchor id='Pgp041'/>Wänden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder +mit Emblemen der Arbeit, eine schwere +Faust, die den Hammer emporhält, einem Tischler +an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unfläthigkeiten +angeschrieben. Dazwischen machte +sich ein widerliches, süsses Moschusparfüm fühlbar, +der von dem Mädchen ausging. Sie hatte +die Hände vom Gesicht genommen. Sie schielte +zwischen den Fingern wie ein unartiges, gescholtnes +Kind. Es erschreckte sie, dass sie so +allein waren. Sie begriff nicht. „Sie sollen nicht +weggehen! Der Dicke würde mich heirathen. Vier +Göhren hat er zu Haus. Hundertundfünfzig Mark +im Monat und die ganze Einrichtung. – So Einer; +der’s Einem hinterher alle Tage vorwirft! Zweiundvierzig +Jahre ist er schon, krumm wie’n oller +Zumpelbär. Der drückt Einen ja todt. Taps, +dämlicher!“ +</p> + +<p> +Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Mähne +schüttelnd, die Augen eingekniffen. +</p> + +<p> +„Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. +Gestärkte Hemden trägt er sogar am Alltag. Er +kriegt auch einen guten Lohn bei Krüger. Er ist +der Erste da, der Alles allein macht. – Dieser +Fritze! Das ist so komisch. Komisch ist der!“ +</p> + +<pb n='42'/><anchor id='Pgp042'/> + +<p> +Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden +Trillern. Sie lachte, dass ihr die Augen +übergingen. Ihr ganzer Körper krampfte sich +unter dem Lachen. +</p> + +<p> +„Alle Leute haben mich gern, weil ich immer +lustig bin. Und Kinder! – das is immer Leneken +hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im +Haus, die lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr +Kaffee und Chocolade. O, ich thue auch das Meine. +</p> + +<p> +„... Wie die vornehmen Damen, die aus +dem Wagen steigen, die Näsen kraus ziehen.... +Beten und trocknes Brot und Arbeit. Als ob wir’s +nicht wüssten, wie die’s treiben! +</p> + +<p> +„Warum ist denn Unsereins schlecht? Weil’s +einen schlechten Rock anhat, einen billigen Hut +trägt. Die sind nicht besser wie wir! Pfui!“ +</p> + +<p> +Sie spuckte aus. +</p> + +<p> +„Einen Spatz hatte ich mal, den ich unter’m +Baum fand. Hier im Kleid unter der Brust trug +ich ihn. Den schlugen mir die Jungen todt. +</p> + +<p> +„Schweine sind die Männer! Ach, solche +Hunde! Hunde! Nicht mal Geld geben sie Einem. +Aber schlagen! Sie stehlen’s noch von uns.“ Ihre +Fäuste krampften sich megärenartig. Das junge +Gesicht wurde erdfahl, verzerrt. +</p> + +<pb n='43'/><anchor id='Pgp043'/> + +<p> +„Ich hab’ Klavier spielen gelernt. O, ich hatte +mal Einen in der Georgenstrasse. Der war sehr +gebildet. Sogar Verse hat er auf mich gemacht. +‚Du hast ja die schönsten Augen, Feinsliebchen, +was willst Du noch mehr?‘“ +</p> + +<p> +Sie wiederholte die Worte liebkosend, den Oberkörper +wiegend wie im Tanze. Sie blähte sich eitel. +</p> + +<p> +„Warum sprichst Du nicht mit mir? Wenn +ich einen Vater gehabt hätte, eine Mutter, kleine +Kinder – – – +</p> + +<p> +„Ich bin ganz zufrieden. Was kommt auch +drauf an? Man schlägt’s so um die Ohren. Lustig +gelebt und fröhlich gestorben, das ist dem Teufel +die Rechnung verdorben. +</p> + +<p> +„Tanzen, Zuckerzeug, fein riechen! Hübsche +Kleider! +</p> + +<p> +„Eine Freundin von mir ist im Spital gestorben, +Becker’s Lene, die lange. Sterben ist +grässlich. Huh! Huh!“ +</p> + +<p> +Sie fing wieder an, ihr Gesicht zu verstecken. +Sie rutschte auf den Knieen hin und her. Sie +gab kleine Töne von sich, wie ein gescheuchter, +flatternder Vogel. „Du machst mir Angst. Sprich +doch. Guck mich nicht an! Guck mich nicht an!“ +</p> + +<p> +Sie streckte beide Arme aus, wie unter dem +<pb n='44'/><anchor id='Pgp044'/>Schrecken einer Erscheinung. Sie bog den Kopf +zurück. Ihre Augen weiteten sich starr. „Ich bin +mal in der Wiese gewesen. Blumen wuchsen so +reinlich mit weissen Gesichtchen. Auf dem Teich +fuhren Schwäne. Grüner Wasserliesch schwamm. +Wo sie fuhren, wurden dunkle, tiefe Flecken. Das +hörte man gar nicht. Ueberall theilte sich der +Sumpf. Klar war’s und dunkel ... +</p> + +<p> +„Ich will Dir noch etwas sagen, was kein +Mensch weiss. Ich hätte ein Kindchen gehabt, +aber es ist nicht zur Welt gekommen. So gross +war’s, todt und feucht. Es hätte nicht gelebt und +nichts zu essen gehabt. Mein kleines Bübchen! +Mein todtes, kleines Kindchen! +</p> + +<p> +„Manchmal denk’ ich, die Sterne, wenn die +so funkeln, dass man dort sein könnte. Alles +weiss an mir runter.“ ... Sie strich an sich +herunter mit glättenden Händen. Sie strich, als +ob sie all’ ihre Gewänder abstreifen wollte. Wie +im Fieber gingen die dünnen streichenden Hände. +... Das Hälschen über den zarten, fallenden +Brüsten reckte sich wie ein Lilienstengel. Eine +Bläue war in den Augen, die nicht mehr vom +Leben war. Die Lippen seufzten wie die Jemandes, +der trinkt. Sie trank – trank – trank. +</p> + +<pb n='45'/><anchor id='Pgp045'/> + +<p> +Der Fremde sagte nichts. Seine Hand legte +sich auf diese junge, noch weisse Stirn. Zart und +gütig lag sie, ganz leise. +</p> + +<p> +Unter der Hand sank die Frau zusammen. Sie +wurde klein. Sie wurde ein Wurm, der sich am +Boden schleppte. +</p> + +<p> +Sie weinte. Sie drückte sich ganz dicht an +seine Füsse. Ihre Thränen tropften auf seine +Füsse. Ihre blonden Haare hatten sich gelöst und +fielen über ihr gebeugtes Haupt und seine benetzten +Füsse. Er rührte sich nicht. Sie weinte – +weinte. +</p> + +<p> +Frau Matzke war mit dem Besen in der Hand +in der Schlafzimmerthür erschienen. Sie stand da +mit einem harten, steinernen Ausdruck, unbeweglich. +Man hörte das tiefe, röchelnde Schnarchen +des Trunkenbolds, unschuldige, tiefe Athemzüge +der Kinder. +</p> + +<p> +Jemand wartete in der Strasse mit einem +weissen, elenden Gesicht. Er hatte die ganze Nacht +gewartet. Nun war es Morgen. +</p> + +<p> +Der Fremde rief den Burschen. Draussen begann +schwerfällig, schlafbetäubt das Leben sich zu +regen. Lastkarren fuhren müde. Einzelne dunkle +Gestalten huschten. Man sah die lange graue +<pb n='46'/><anchor id='Pgp046'/>Breite der Strasse mit Häusern zu beiden Seiten, +unzähligen Fenstern und Thürluken, unter dem +trüben Himmel, von dem es leise wie Thau tropfte. +</p> + +<p> +Der Fremde wies auf die weinende Frau: +„Geht!“ +</p> + +<p> +Sie gingen. Sie geknickt, an seine Schulter +gelehnt mit schwankenden, irren Schritten. Er hochgehobenen +Hauptes, sehr ernst und sehr gerade. +</p> + +<p> +Frau Matzke in der Thür ihres Hauses sah sie +sich entfernen. Sie sagte gar nichts. Sie nahm +ihren Besen wieder auf und fegte. Man sah die +Silhouette ihres gebückten Rückens, die wüthende +Wucht der Besenstösse, mit denen sie den Staub +aufwarf und in die Schaufel schob. +</p> + +<p> +Sie fegte. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='47'/><anchor id='Pgp047'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das dritte Kapitel.</head> + +<p> +Man fürchtete, dass der Zudrang zu der Versammlung +ein sehr grosser würde. In Folge +dessen war die Schutzmannschaft reichlich aufgeboten. +Man gab Achtung, den Saal auf die +Minute eine Viertelstunde vor der anberaumten +Zeit zu schliessen. Viele sahen sich so ausgeschlossen, +auch ergab das einen Vorwand, die +Galerie nicht freizugeben. Man führte den Krieg +mit diesen kleinen Mitteln seit einiger Zeit, obgleich +eigentlich das Verhältniss ein gutes, fast +behagliches war. Sie kannten sich so genau, +die Gewohnheit des häufigen Zusammentreffens +hatte einen förmlichen kleinen Comment herausgebildet, +bis auf die ganz regelmässig wiederkehrenden +Witze. Man hätte sich fast vermisst, +wenn man sich nicht vorgefunden hätte. Der +<pb n='48'/><anchor id='Pgp048'/>Riesenhund des Wirths trieb seine Allotria dazwischen +mit einer ganz kleinen Hündin, einer +proletarischen Mischung aller Rassen, die von jeder +die Hässlichkeiten angenommen hatte. – Ueberdies +waren es genau dieselben Typen, die da +Wache gingen, als Ueberwachte eintraten, Blonde, +nicht schlecht genährte, bourgeoise Ruhe und Anständigkeit, +dazwischen einige knallfarbige, federbewallte +Hüte der Genossinnen. Die Frauen überhaupt +drängten sich vor, zeigten sich aufgeregter +als die Männer; es war bekannt, dass einige +der Führerinnen eine Zunge führten, die ihre +männlichen Kollegen im Schach hielt. +</p> + +<p> +Einige Parteiveteraninnen hatten sich an den +Eingang des Saals postirt. Da Viele noch immer +aus- und eingingen, deckten sie die Thür mit ihren +breiten Rückseiten. Sie warben für ihren Verein, +überwachten den Verkauf der Zeitungen und Broschüren, +die auf kleinen Tischchen aufgeschichtet +lagen. Dazwischen wurden Bons zur Unterstützung +armer Abgeordneter feilgeboten. Die Kellner circulirten +mit Bierseideln. Alle rauchten, sprachen +durcheinander. Von weitem, mit den schwarzbehuteten +Köpfen, die auf- und untertauchten, ergab +das den Eindruck eines heftig bewegten Sees, +<pb n='49'/><anchor id='Pgp049'/>der gegen die Tribüne andrängte, sich staute. +Man <anchor id="corr049"/><corr sic="erwartefe">erwartete</corr> den Anfang der Versammlung und +wurde ungeduldig. Die dichten Rauchschwaden +brachten eine lila mystificirende Beleuchtung mit +in das ordinäre, gelbe Gaslicht. – Es waren da +Leute, die ruhig ihre Butterbrote und Häringe verzehrten, +Andre sprachen von Parteiangelegenheiten, +ihren kleinen und kleinsten Privataffairen. +Ein junger Mann mit einem rothen Shlips und +einem Apostelkopf stand neben der Thür. Er sah +krank aus und blickte mit glänzenden, unirdischen +Augen in das Leere, als ob er etwas Wunderbares +sähe. +</p> + +<p> +Die Parteiveteraninnen behaupteten, dass unter +den Anwesenden Spitzel wären. Sie versuchten +sie ausfindig zu machen, mit den Fingern zu +zeigen. Einige Studenten waren augenscheinlich +für einen Ulk hergekommen. Es waren Fremde +da, die Keiner kannte, und eine junge Dame in +eleganter Kleidung ganz allein, die man ansah, +was sie da suche. Im Ganzen war es eine sehr +guterzogene Menge, friedlich, ohne Aufregung, +fast bourgeoismässig. +</p> + +<p> +Der Saal war der banale grosse Festsaal der +mittleren Restaurants, weiss mit Gold, rothsammetner +<pb n='50'/><anchor id='Pgp050'/>Rampe. Da wurde auch Theater gespielt und getanzt. +Es war nicht schlechter wie für die Bourgeois +bei ähnlichen Gelegenheiten, man war höflich +und kam in weissen Handschuhen. +</p> + +<p> +Auch das Thema der Einberufung bot nichts +Besondres. Es war die jährlich wiederkehrende +Einbringung der Militairvorlage von Seiten der +Regierung. Man wusste im Voraus, dass sie +durchgehen würde. Der Protest geschah rein berufsmässig, +aus Princip. Und man wusste, dass +es für Jahre so gehen würde. Die Aufregungen, +das Märtyrerthum, aber auch die Hoffnungen der +ersten Jahre waren verschwunden. Die junge Partei +hatte zu leben gelernt, fast konnte man sagen, +Manieren gelernt. Man nahm, was man kriegen +konnte. Man war stark, zahlreich, wohlorganisirt, +das Odium war weggenommen, ebenso der Heldennimbus. +Man hatte nicht mehr die Angst zu +sterben, aber auch nicht die Aussicht zu siegen; +man „entwickelte sich“. +</p> + +<p> +Zurufe begrüssten den Eintritt des grossen +Mannes, in Wahrheit eines ganz kleinen Männchens. +Alles das ging rasch, wenig theatermässig. +Nur das Antlitz des Johannes leuchtete auf. Er +drängte sich an den Bewunderten, um seine Hand +<pb n='51'/><anchor id='Pgp051'/>zu schütteln. Eine Leibgarde, die Veteraninnen, +hatten ihn sofort eingezingelt, beinah protzenhaft, +mit dieser Miene: „Wir gehören zum Haus“, die +Unberufene einschüchtert. Nun wurden die Formalitäten +rasch erledigt. Einige Witze fielen gegen +die Polizei, die die Galerie gesperrt hielt. Man +kannte sich zu gut, sehr alte Feinde, Gladiatoren, +die sich jeden Tag treffen und beinah Freundschaft +gemacht haben. Der Saal war voll zum +Ersticken. Es waren Männer zumeist, Männer +mittleren Alters. Die Jugend, wie überall, zog +es vor, sich zu amüsiren. Oder man liebte +Radauversammlungen in Rixdorf, Charlottenburg, +den Vororten. Dies war eine wohlgeschulte, ausgediente +Armee, ihr Capitain der sprach. +</p> + +<p> +Der grosse Mann auch war alt geworden, sehr +alt. Das Feuer, das seine Jugend gefährlich und +unwiderstehlich gemacht, hatte sich gewöhnt, für +den Hausbedarf zu brodeln. Er wusste sich zu +beherrschen jetzt, dessen Leidenschaftlichkeit einst +sein Ruhm und sein Fluch gewesen war. – Im +gleichmässigen Tonfall flossen die Sätze, periodisch, +deutlich hörbar in der geübten Stimme des +Redners bis an’s äusserste Ende des Saals. So +war er sachlich geworden, ein Typus, wie so +<pb n='52'/><anchor id='Pgp052'/>mancher Andre, den die Gegner fast vermissen, +sich mit Rührung seinen leeren Platz zeigen, wenn +er nicht mehr da ist: So focht er, und so führt’ +ich meine Klinge. – Auch die Rede hielt sich +genau in den Grenzen. Ein Rückblick auf die +immer sich steigernden Forderungen, die Entwicklung +des Militarismus in Europa. Das neue +Friedensmanifest des Zaren erregte Ironie. Man +brauchte die Armeeen für die Söhne der oberen +Zehntausend, das Niederhalten der revolutionären +Bewegung. Wieder der gefährliche, ironische Beifall. +Sie wussten das wohl – sie! +</p> + +<p> +Nur einmal erhob sich die Stimmung zu einer +gewissen Grösse. Der Redner hatte Aeusserungen +zur Philosophie des Krieges angeführt, von Moltke, +Treitschke, General von Boguslawski. Dann wurden +statistisch die Verluste in der Industrie seit +siebzig nachgewiesen. Eine halbe Million! Mehr +wie alle Kriege! Wir brauchen keine künstliche, +gewaltsame Schöpfung, um uns männlich und +kraftvoll zu erhalten. – Ein Ausruf begleitete +diese lange Liste von Blut, Verstümmelung, +Asphyxie, Marter, – ein Schrei des Schmerzes, +aber auch der Kraft, imponirend in dieser friedlichen, +mittelmässigen Masse. <hi rend='gesperrt'>Sie</hi> waren + die<pb n='53'/><anchor id='Pgp053'/>jenigen, die sein mussten. Sie würden sein. Da +war die Grösse der Partei, das Selbstbewusstsein +des thätigen, unreflektirenden Lebens, die Haupterrungenschaft +der modernen, demokratischen Zeit. +Und das wird bleiben. +</p> + +<p> +Ein früherer Pastor sprach nach dem grossen +Mann. Er hatte seine Stellung aufgegeben um +seiner politischen Meinung willen, verwahrte sich +aber ebenso gegen die Partei. Er entwickelte des +Längeren seine Ansichten. Er glaubte an Gott, +war königstreu. Seinen Traum bildete eine Art +christlich-sociales Königtum. Man hörte zu, nicht +gerade unhöflich, aber ohne Interesse, leicht ironisch. +Und er war confus, quasselte. Es lag +etwas Gefährliches in dieser höflichen Ironie selbst. +Man hatte das zu oft gehört. Man glaubte +sowas nicht mehr. +</p> + +<p> +Den Beschluss machte ein Anarchist. Er hatte +wenig Glück, die Parteiveteraninnen protestirten +von vornherein. Die Rede war ein krauses +Sammelsurium, eine Gesellschaftsordnung auf nur +natürlicher Grundlage, freie Geschlechtswahl, mit +einer seltsamen Verquickung von naturphilosophischen +Dingen, abstrusem Mysticismus. Man rief +ihm Schweigen zu, pfiff, trampelte mit den Füssen: +<pb n='54'/><anchor id='Pgp054'/>„Schliess auf! Halt’ die Schnauze!“ Man wollte +das nicht, man war Polizei für sich selbst. Wenn +Einer das Martyrium der Lächerlichkeit auf sich +nehmen wollte, desto schlimmer für ihn selbst. +Sie schüttelten sich das von den Rockschössen. +Sie hielten auf ihre neue, sauererworbene Respektabilität. +</p> + +<p> +Der Verhöhnte stand einen Augenblick, blass, +mit einem kränklichen Lächeln, stotternd. Dann +stieg er unter allgemeinem Gelächter die Tribüne +herunter. +</p> + +<p> +Die Versammlung löste sich auf in bester +Ordnung. Der Abgeordnete wechselte mit den +Polizisten einen Gruss. Er war sorgfältig in einen +gestrickten Wollshawl eingewickelt, er litt an +Katarrhen. Der Sergeant lächelte gutmütig mit +Bezug auf den letzten Redner. „Verrückter Kunde! +Wir lassen ihn laufen“ ... Sie hatten ihn schon +so oft eingesteckt. Da war nichts zu machen. +Und er war ungefährlich. – Beide Gewalthaber +schieden im besten Einvernehmen. Hätten sich die +Machtverhältnisse eines Tages umgedreht, diese +Gegensätze würden ruhig in ihren beiderseitigen +Functionen bleiben können. Es wäre dasselbe +gewesen. +</p> + +<pb n='55'/><anchor id='Pgp055'/> + +<p> +Der Pastor vereinigte sich mit dem berühmten +Führer. Er sprach eifrig auf ihn ein. Mit einer +gewissen Nachsicht des alten Praktikers unterbrach +ihn der Andre nicht. Schliesslich – diese Leute +thaten seine Arbeit. +</p> + +<p> +Am Strassenausgang stand ein Fremder. Er +stand da und sah sie an. +</p> + +<p> +Sie sahen ihn Beide, der grosse Mann und +der Pastor. Auch die Polizisten sahen ihn. +</p> + +<p> +„Wer war der Mann?“ fragte der Pastor. +</p> + +<p> +Der Abgeordnete zuckte die Achseln. „Ich +kenne ihn nicht.“ Er hatte Eile, nach Hause zu +kommen. Er musste sich schonen. +</p> + +<p> +„Ein grosser Mann,“ sagte der Johannes +ekstatisch. Ihn fror. Er stand da am Ausgang +und hatte die Hände in die Taschen gesteckt und +sah ihm nach. Seine Backenknochen glühten. Er +musste husten in sein Taschentuch. Wenn er es +wieder herunternahm, war es immer voll Blut. +Er wusste das schon. „Was er sagt ist wahr. +Er versteht’s.“ +</p> + +<p> +„Ein grosser Mann,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Die ganze Masse schob an ihnen vorüber. +Die Veteraninnen sprachen sehr laut. Sie hatten +die Kasse abgeschlossen und entrüsteten sich über +<pb n='56'/><anchor id='Pgp056'/>wieder einmal constatirte Gnietschigkeit. Eine +wollte sich noch zu Hause Puffer backen. Sie +gaben Parolen aus für den nächsten Tag und +Rendezvous in den Vereinen. Die Studenten +wollten noch zum Bier, die eingenommene Quantität +hatte ihnen nicht genügt. Man war froh, +sich zu bewegen, die Beine auseinander zu setzen, +nachdem man drinne eingepökelt gewesen war +wie Pökelhäringe. Einige Damen riefen nach +einer Droschke, sie gehörten zur Frauenbewegung +und besuchten dergleichen aus Princip. Man +truppte zufrieden nach Haus. Man hatte seine +Pflicht gethan und ihr Häuptling hatte seine Sache +gut gemacht. Es gab Keinen, der über diesen +Mann ging, und die immer zunehmende Stimmenzahl +bei den Wahlen. Das war das grosse Kampfmittel. +Es liess sich nachrechnen, wie das stieg +von fünf Jahren zu den nächsten fünf Jahren. +</p> + +<p> +Dann kam auch der Anarchist. Er trug einen +ganz dünnen, kleinen Sommerpaletot und ging, +als ob er gar nicht wüsste, wo er wäre. Seine +vagen, schweifenden Augen trafen den Fremden +und den Johannes. Es lag eine nachdenkliche, +zärtliche Wehmuth in dem Blick, eine Bitte, oder +als ob er sich entschuldigen wollte, dass er +an<pb n='57'/><anchor id='Pgp057'/>fragte – aber man wusste nicht, ob er überhaupt +wirklich sah. Er war noch nicht alt, aber er sah +hungrig aus, mehr vom Hunger des Geistes, als +vom leiblichen Hunger. So hatte er etwas von +einem Kind, oder auch von einem hülflosen getretnen +Thier. Er seufzte und blickte in das +Laternenlicht. „Es ist schon elf Uhr,“ sagte der +Anarchist. +</p> + +<p> +Er schauerte und kroch tiefer in seinen Ueberzieherkragen. +Er hatte einen sehr weichen, hellen +gelben Hut auf, der in weitem Rand von seinem +Kopf abstand. Seine Haare fielen gerade über +seine Ohren und waren lange nicht geschnitten. +Wenn er sprach, lächelte er jedesmal, ein schüchternes +Lächeln, wie von Einem, der im Unrecht ist +und doch etwas Gutes und Wichtiges sagen möchte. +Dann hatte er ungeschickte Bewegungen, wie von +einem Wurm, und hüpfte zuweilen auf einem Fuss, +als ob er stolperte. +</p> + +<p> +Der Johannes ging auf der andern Seite. Er +hustete. Er war ganz selig im Gedanken an +diesen grossen Mann, dessen Hand er gedrückt +hatte, der so gut sprach, eine Stimme war, auf +die man hörte, für die armen Leute. Die gebildeten, +sachlichen Sätze hatten ihm imponirt. Sicher! +<pb n='58'/><anchor id='Pgp058'/>Das wandte sich zum Bessern, wenn einfache +Gerber- und Brauergesellen sprachen wie der! +Er trug seine rothe Cravatte wie ein Triumphzeichen. +Mehr konnte er nicht thun. Aber das +Blut seines Herzens war darin. Er fühlte seine +Lungen brennen und flattern unter ihr. +</p> + +<p> +„Es ist immer am schlimmsten des Abends,“ +entschuldigte er sich. +</p> + +<p> +„Das thut der Rauch. Sie sollten nicht rauchen +im Saal. Es strengt auch die Stimme an, wenn +man sprechen muss. Und er hat zwei Stunden +gesprochen. Das ist bewunderungswürdig für solch’ +einen Mann!“ +</p> + +<p> +Er war rührend in seiner Zärtlichkeit für diese +Stimme, den Mann, der sprach, während er nur +husten konnte, unnütz sein Blut ausspie, in das +Taschentuch, das sich färbte, klebrig wurde zwischen +seinen dünnen, fiebernden Fingern. Sie +waren gelb wie aus Wachs und gezeichnet von +aussen durch die harte Arbeit, roher, oberflächlicher, +als durch die <anchor id="corr058"/><corr sic="Krankeit">Krankheit</corr> von innen, die sie +zehrte, fein machte, spiritualisirte. +</p> + +<p> +„Wir werden es ja nie erleben,“ sagte er +friedlich. „Aber die Andern, die nach uns kommen! +Einen Tag haben wir genug Stimmen im Reichstag. +<pb n='59'/><anchor id='Pgp059'/>Sie können nicht mehr an gegen uns. Dann wird +Alles gut sein. Wir werden die Gesetze machen. +Es giebt keine Kriege mehr. Alle Völker sind +Brüder. Man arbeitet. Man lebt“ ... Er hustete +heftiger wieder, sich abwendend, um den Andern +den Anblick seiner Schwäche zu ersparen. +</p> + +<p> +„Ich – ich hasse die reichen Leute nicht. Sie +wissen es nicht besser. Es sind Viele, die es gut +meinen. Man wird Gesetze finden. Das geht +ganz von selbst, ohne Revolution und Blutvergiessen. +Die Soldaten sind ja auch auf unsrer +Seite. Nur Zeit braucht’s. Man hört. Man liest +Bücher. Die Vernunft muss ja ihren Weg finden. +Es ist nur schlecht eingerichtet. Man hat die Religion +gehabt, den Aberglauben. Die Menschen +sehen jetzt, wie es wirklich ist. Man kommt vorwärts. +Man bildet sich. Alles geht gut. Die +Gerechtigkeit muss aufkommen.“ +</p> + +<p> +Alle diese kleinen Sätze sagte er ruhig, sanft, +ohne Aufregung, von Hustenanfällen unterbrochen, +die ihn quälten, seinen Körper schmerzhaft zusammenkrümmten, +wie aufgespiesst an einer +glühenden Nadel. +</p> + +<p> +Sie gingen in dem Strassengetriebe vorwärts. +Es trieb sie ohne ihren Willen. Vielleicht wussten +<pb n='60'/><anchor id='Pgp060'/>sie gar nicht, wohin sie gingen. Eine alte Frau +in einer schwarzen Pelerine wackelte vor ihnen +her, enorm wie eine wandelnde Glocke. Einige +hatten Regenschirme aufgespannt. Sie sprachen von +Geld: „Wenn man dreissig Pfennige die Stunde +verdient, aber fünfundvierzig müsste man haben.“ +Ein junges Mädchen trug einen grossen Carton. +Sie trippelte und sah hinter sich nach drei jungen +Burschen, die sich lärmend stiessen. +</p> + +<p> +Die Laternen schwammen wie gelbe, ausgeflossene +Dotterflecken, schaukelnd. Der Schmutz +mit dem geschmolzenen Schnee bildete eine bräunliche, +zähe Masse. Eine leere Droschke fuhr sehr +dicht am Trottoir, als ob der Kutscher Kunden suchte. +In den Destillationen discutirte man oder spielte +Billard. Man sah die grauen Hauswände feuchtigkeitstriefend +mit Ladenschildern und Plakaten, +Pferdebahnen, die klingelnd trotteten mit müden, +geduldigen Pferden. Aber Alles ungewiss, wie +verwischt, unruhig, in Schatten ... +</p> + +<p> +„Man müsste es machen wie die Thiere,“ +sagte der Anarchist. „Thiere sind klüger wie +Menschen. Sie haben keine Gesetze und keinen +Staat. – Aber es giebt auch eine Seele. Ich habe +Todte gesehen, die wiedergekommen sind und mit +<pb n='61'/><anchor id='Pgp061'/>den Händen in der Luft zeichneten. Nun, ich habe +die Königin Luise gesehen. Sie ist zu mir gekommen +am Weihnachtsabend und hat mir eine +weisse Rose geschenkt. Eine weisse Rose, die duftete. +Sie kommt oft zu mir. Der Kaiser Friedrich kommt +auch, und Napoleon und der Kaiser Alexander. +Ich weiss nicht, warum sie zu mir kommen. Aber +sie kommen.“ +</p> + +<p> +Er lachte, ein kleines, ungewisses, eitles, ungläubiges +Lachen. Es sollte um Entschuldigung +bitten für ihn. Im Grunde war er stolz. Es gab +so viel Dinge. Er wusste nicht ... +</p> + +<p> +„Man fühlt sie, wenn man nicht viel gegessen +hat. Und Jeder fühlt sie auch nicht. Manche +Menschen schlafen auch die ganze Nacht. Ich zum +Beispiel, ich kann sehr oft nicht schlafen. Dann +denke ich über Alles nach. O, es giebt sehr viele +Sachen! Wenn man wüsste ... Vielleicht ist es +auch nicht gut. Man muss essen. +</p> + +<p> +„... Die Thiere sind klug. Und die Kinder. +Sie wissen alles Mögliche, diese Kleinen. Aber +sie können nichts sagen. Die Todten können auch +nichts sagen. Viele glauben nicht, dass es ein +Leben nach dem Tode giebt. Nun, diesen kann +man auch nichts sagen. Das ist Alles Gnade, +<pb n='62'/><anchor id='Pgp062'/>wem es gezeigt wird. Und Viele wollen auch +nicht sehen. Ich, ich glaube zum Beispiel an eine +Seele.“ ... +</p> + +<p> +Nervös, schüchtern sagte er das, mit einer +schweren, etwas singenden Stimme. Er war wohl +gewöhnt, dass man ihn oft für verrückt hielt. +Vielleicht war er auch etwas blödsinnig. Aber +das waren seine Geheimnisse. Er war stolz auf +sie andrerseits. Oft erfüllte ihn eine schlechte +Eitelkeit. Er kam sich dann besser wie andre +Leute vor, eine strahlende und durchgeistigte Persönlichkeit. +Häufig war er auch traurig und verachtete +sich. Er hatte oft nichts zu essen. Der Hunger +und die Gedanken hielten ihn wach des Nachts. +</p> + +<p> +Sie waren so auf einem freien Platz angelangt, +wo die Strasse aufhörte. Gerade über diesem Platz +stand der Mond. Aber er war hinter den Wolken. +Die Wolken umwellten ihn, zogen rasch über ihn +her. Manchmal versteckten sie ihn ganz. Dann +war es noch dunkler, wo er stand. Oder er war +am Rande ein heller Fleck. Selbst wenn er ganz +von ihnen befreit war, zeigte sein Rund schwarze +Flecken wie Wollfasern, hingeworfene Schwämme. +Diese Wolken zogen sehr rasch und wechselten +ihre Form fortwährend. Manchmal waren sie +<pb n='63'/><anchor id='Pgp063'/>Kameele, hüpfende Känguruhs oder grosse Schildkröten. +Oder auch nur Dämpfe, gezupfte Watte. +Auf dem Trottoir kämpften die Laternenstrahlen. +Aber das Gas war unruhig im Winde, flackerte +hin und her. Metall blinkte zuweilen oder eine +Fensterscheibe funkelte schwarz polirt. Weisse +Kanten von Gesims oder Mauern leuchteten urplötzlich +auf im Dunkeln. Festes schien zu gleiten +und Unbewegliches bewegt. Ringsum schlief die +Stadt, Dach an Dach und Schornstein über Schornstein. +Aber das fratzenhafte, lügnerische Wesen +liess sie nicht schlafen. Es webte und irrte. +</p> + +<p> +Eine letzte Pferdebahn hielt am äussersten +Ende des Platzes. Die Pferde waren noch nicht +eingespannt. Sie stand unbeweglich. Der Kutscher +mochte wohl einen Schlaf halten im Innern des +Wagens, bis seine Zeit war. +</p> + +<p> +Sie waren alle Drei stehen geblieben. +</p> + +<p> +Die beiden Männer sahen den Fremden an. +Sie sahen ihn an, als ob sie warteten. Sie standen +da und warteten, fröstelnd, etwas benommen, +zwinkernd in das Halblicht ... +</p> + +<p> +Der Eine war halb aufgefressen vom physischen +Leiden. Den Andern trieb die Rastlosigkeit vorbei +und weiter. +</p> + +<pb n='64'/><anchor id='Pgp064'/> + +<p> +Alle Beide hatten dieselben cernirten, etwas +blöden Augen von einem unbestimmten, sanften +Grau mit grünlichen Lichtern, Augen von Nachtthieren, +die man mit einiger Ueberraschung entdeckt, +weil ihr Funkeln irreführte im Dunkeln, – +Schultern, die getragen hatten, und zu hohe, weitoffene +Stirnen über fliehenden, demüthigen Unterpartien +gutartiger Hunde. +</p> + +<p> +Sie warteten. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='65'/><anchor id='Pgp065'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das vierte Kapitel.</head> + +<p> +Er ging auf’s Land. +</p> + +<p> +Er kam durch Dörfer, die sich lang hinstreckten +in einer einzigen Strasse. Oder eine +andre zweigte sich ab vom Mündungsplatz, sehr +ausgefahren, in einer flachen Tränke endigend am +Waldrand, gleich sehr einfachen, primitiven Verdauungsorganen +ganz untergeordneter Thiere. Es +gab ärmliche Häuser, abseits im Koth stehend mit +zerfallnen Stacketen und windschiefen Mauern, +wohlgebaute, schmucke, die steinerne Treppen vor +der Thür hatten; weisse Gardinen umrahmten +die Fenster über blühenden Töpfen. Recht in der +Mitte war die Kirche gebaut. Ueberall hatte man +da zuerst die Todten begraben, eh’ man anfing +sie hinauszutragen weit abseits in gleichgültiges +Flachland. Uralter Epheu kletterte empor nach +<pb n='66'/><anchor id='Pgp066'/>dem verwitterten Holzthurm. Eine runde Zifferscheibe +zeigte die Stunde mit eingerostetem eisernen +Finger. Des Abends riefen die Glocken und +antworteten sich. Vor dem Wirthshaus stand +irgend ein hundertjähriger Baum, eine Ulme oder +Linde. Sehr oft war sie schon ganz zerfressen, +eine Seite fehlte, dass man hineinsehen konnte, +wie in einen hohlen Ring. Aber oben trieben die +Aeste noch grüne Ruthen. Die Alten betrachteten +sie sorgenvoll, aber die Jungen dachten, dass sie +etwas Heiliges wäre und das Glück ihres Dorfes +davon abhinge. Die Hühner scharrten in den +Fahrgeleisen. Das Vieh wohnte friedlich neben +den Menschen. Die Kühe tranken aus der steinernen +Tränke am Brunnen. Sie auch waren +heilig, freundlich, der Reichthum ihres Besitzers, +und sahen mit ruhigen Augen wie Berechtigte, +die ihren Weg kennen. Kleine Kinder liefen dem +Wandrer nach in ihren Holzschuhen. Oder sie +nahmen die Schuhe in die Hand und folgten so +auf den blossen Füssen. Sie liefen mit, so lange +sie Lust hatten, und kehrten dann um, wenn sie +müde waren. Sie standen, den Finger im Mund, +mit grossen Augen, sagten gar nichts, und sahen +ihm nach. +</p> + +<pb n='67'/><anchor id='Pgp067'/> + +<p> +In den Feldern war man an der Arbeit. +Männer stiessen die Pflugschar, langsam, sehr +langsam hinter dem Pferdegespann, das sich wie +ein Schattenriss abhob vom grauen Frühlingshimmel. +Die Erde wellte sich hier in grossen +Hügeln, wie Wogen eines Meers, das die Fluth +verlassen hat. Man sah den Pflug mit dem Gespann +aufsteigen und niedersinken. Manchmal war +er in den Schluchten ganz verschwunden; er kroch +langsam und steil hinan in runder Schwingung um +die Schwellung des Bodens. Rhythmisch drehte +und wandte er sich, dem stärkeren Rhythmus der +Erdmassen folgend. Ins Graue, Harte schnitten +die blanken Schaufeln, es aufwerfend in blanker, +oben gekräuselter Scholle. Sehr dunkles Bauernbrot +hat diese Farbe. Es duftete vom Frischgebacknen. +Die Pferde schritten geduldig. Sorgsam, +merkend auf Zahl und Curve der Furchen +lenkte der Pflüger. – Sie waren geschritten so +seit Jahren. Ihre Väter hatten gepflügt. Die Erde +war da, und die Menschen waren vergangen, zur +Erde gekehrt wieder. +</p> + +<p> +Geheimnissvoll in verschwiegenen Furchen +keimte die Saat; kleine, schüchterne Hälmchen aus +dem festen, lagernden Erdreich. Krähen strichen +<pb n='68'/><anchor id='Pgp068'/>kraxend über die Felder. Ganz oben zogen +Schwärme wilder Gänse in mystischer Keilreihe +mit schrillem fernen Kreischen. Der Wind klang +wie brauendes Tosen und Kollern, Kobolde und +Trollen aus dem Norden, Vorgeborner, Eddabewohner. +</p> + +<p> +Er kam durch Bergland. Da waren die Menschen +arm und wenige. +</p> + +<p> +Sie wohnten dicht zusammengedrückt in Thälern +oder an den Abhängen. Die Berge reckten sich +hoch, Kuppe an Kuppe. Runde, langgestreckte, +mit breitem, fichtenbestandnem Rücken, oder sie +trugen Laubwälder, braun und grün, die ihre +Umrisse verbargen. Fast kahle gab es, von Gestrüpp, +ganz jungen Hölzern bestanden, zwischen +denen man Korn gesät hatte, um den Boden fruchtbar +zu machen. Schneisen öffneten Ausluge in +grüne Wirrnisse, neue Seitenthäler und auf hohe +ernste Wände. Am Wege rankte Brombeergesträuch +und man sah zwischen Farrenkräuter wie in grüne, +niedrige Dome unter den hohen, wo Elfen hätten +spaziren können, Thau schlürfen aus blauen Glockenblumenkelchen +oder Honig melken aus den gelben +Blüthenrüsseln der wilden Bienensaug. Holz schlug +man da in grossen geschichteten Würfeln. Jedes +<pb n='69'/><anchor id='Pgp069'/>Stück trug den Stempel, die Nummer. Manchmal +aus einem verwachsenen Seitenweg zwischen den +hohen Gräsern kam ein Arbeiter, der seiner Heimath +zustrebte, Bergleute oder Hausirer, stille +Leute und gewohnt im Dunkeln zu finden. +</p> + +<p> +Durch fruchtbare Ebenen kam er, wo Dorf an +Dorf sich drängte, Hof neben Hof, stattliche Höfe +mit rothen Ziegeldächern und steinernen Ställen, +weiter Einfriedigung für das Gelände. Obstgärten +bildeten den Reichthum der Gegend. Selbst das +Vieh war schöner, fett und glatthäutig, wie die +Leute, die in steifen Trachten gingen, mit seltsamen +Hauben und Mützen, weiten Röcken und +verschnürten Stiefeln. Die Kinder truppten zur +Schule steif und artig. Alles war numerirt und +eingetragen vom Landrathsamt. Man sah die +neue Bahn ohne Ehrfurcht. Man wusste, was +man werth war, und wünschte nicht, dass eine +Vermischung stattfand. +</p> + +<p> +... Manchmal ging er sehr früh am Tage. +Alles war grau, grau wie im Wasser gewaschen +und noch nicht getrocknet wieder. Die Feuchtigkeit +sass in der Erde wie in einem Schwamm. +Die Luft war zu schwer noch, dass sie ausdampfen +konnte. Kleine Kiesel blinkten gewaschen, braun +<pb n='70'/><anchor id='Pgp070'/>mit stumpfen Steingries in der Mitte. An jedem +Grashalm hing ein Tropfen. Unzählige, unendlich +winzige Tröpfchen bildeten einen feinen, weiss-grauen +Seidenschleier auf seiner klebrigen, mit +kleinen Härchen besetzten Oberfläche. Die Kräuter +streiften feucht beim Durchschreiten. Man fühlte +die Erde sich ansetzen und schwer werden unter +den Schuhen. Der Wind blies mit einem Geruch +von frischer Wäsche. Zwischen rothen Steinfassungen +einer Brücke floss breit ausgelaufen ein +Mühlbach. Niemand wusste, ob es regnen würde, +aber inwendig war ein Tropfen und Sickern, die +Thätigkeit des Wassers, das filterte, sich einsackte. +</p> + +<p> +Der Wind erhob sich in den Pappelkronen. +Sie verbeugten sich und neigten ihre schlanken +Ruthen gegeneinander. Die Ruthen rieben sich +und wechselten sehr schnell in der Berührung, +wie Tasten eines Klaviers, die man nacheinander +anklinkt, ein Spiel der Stäbe, die Zeichen geben, +eine Botschaft weitertragen. Die ganze lange Reihe +hindurch lief die Bewegung. Sie schüttelten die +Köpfe, rauschten und raunten. +</p> + +<p> +Erst kam es nur wie ein feiner, leichter Wasserstaub, +ein Schleier im Gesicht, den der Wind nach +<pb n='71'/><anchor id='Pgp071'/>Laune vor- und zurücktrieb. Graue Huschen zogen +rasch wie Watteballen in der Luft. Dann wurde +es wie ein leises Stossen, wie wenn es in einem +Kessel anfing langsam zu kochen. Man hörte +das Klatschen auf nackte glatte Häute der Blätter. +Aber es kam noch nicht durch. Sie schützten wie +ein Regenschirm. Es rieselte, rauschte, tropfte, +plätscherte ... Es regnete. +</p> + +<p> +Im Frühlingsregen ging man wie in einer +grauen Tarnkappe. Alles erschien ohne Farbe, +sehr jung noch, wie eben <anchor id="corr071"/><corr sic="ausgebrütet.">ausgebrütet,</corr> als ob die +Eihäutchen noch herum wären, eine Fötuslandschaft. +Das Nass begoss, trieb, schwellte. Unter +den Fusssohlen sickerten Lachen. Alles Grün wurde +grell, fast giftig. Die Blumenkronen schienen +grösser, vom Wasser beschwert. Fast schwarz +glichen die Baumrinden aufgebrochner Erde. Ein +lauer Schweissgeruch des Brütens lagerte. Unter +den Steinen höhlten sich Löcher. Alle Steine +schienen dunkler. Ihre weissen Aederchen und +Brüche zeigten sich sehr deutlich. Die Steine waren +nicht steinern und die Tropfen schlugen sie. +</p> + +<p> +Dann kam ein gelber Schein von irgendwoher. +Er flatterte auf wie ein Vogel. Es war ein Spiel +der Lichter ohne eine Quelle des Lichts, ohne dass +<pb n='72'/><anchor id='Pgp072'/>man wusste, woher die Strahlen kamen. Grosse +Flecken von Klarheit rissen ein und vergrösserten +sich im Grau. Alles ging sehr rasch, wie das +Anschlagen eines Instruments, ein Finger, der +sehr schnell über Saiten läuft. Es giebt einen +Klingklang hier und da, aber noch keine Melodie. +Die Regenstriche schienen blank und sprühend. +Einen Moment funkelte Alles. Ein Regenbogen +stand sicher geschwungen über der Landschaft, +ein zweiter verschwamm zitternd im Grauen. +</p> + +<p> +Die Vögel fingen schüchtern wieder an zu +piepen. +</p> + +<p> +... Man sah keinen Menschen des Abends. +Ueber die Felder zogen Nebel. Am Waldrand +schien sich’s zu brauen, zusammenzurotten. Man +unterschied die einzelnen Bäume nicht mehr. Es +waren Alles Rundungen, wie Hammelrücken, Riste +flockiger Widder sehr eng zusammengepresst. Das +wiederholte sich unendlich. Es schien wie ein +Meer, das da angewachsen, festgenagelt war, +dunkel, drohend, gierig, immer dieselbe Form in +immer tieferen Schatten, Röthen, Violetten, die der +Tag nicht kannte. Das drang vorwärts, frass sich +weiter, eine schlechte Anziehung schien von ihm +auszugehen, etwas von Hexenkraft, +Räthselhaftig<pb n='73'/><anchor id='Pgp073'/>keit, Unerlöstem. Sehr sanft schmiegten sich die +Saaten. – Ein Reh trat heraus. Es äugte mit +merkenden Lichtern, spitzte die Horcher, eh’ es +sich zum Aesen bückte. Dann kamen mehrere. +Man glaubte den leichten Anschlag ihrer Hufe auf +dem Rasen zu hören, wie sie sich bewegten, +malmten. Nun wurde Einem wohler. +</p> + +<p> +... Die Kastanien trieben eidicke Knospen. +Blättchen an Blättchen faltete sich in drängender +Enge, rundlich, breiter am Grunde und spitz zulaufend +im Abschluss. Der klebrige Lebenssaft +hielt sie alle zusammen. Zartbraun waren die +äussren, wie dünne abfallende Schalen, die ihren +Dienst gethan haben. Die inneren blieben weiss +und lichtgelb, wie feines Fleisch der Eier, das +man isst. +</p> + +<p> +Er fand einen jungen Mann unter dem +Kastanienbaum. Er hielt ein Buch auf seinen +Knieen, aber er las nicht. +</p> + +<p> +Er sprach zu ihm: „Warum liest Du nicht in +Deinem Buch, das Du hältst?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Dieses Buch habe ich gelesen, +viele Bücher, alle Bücher der Welt, die ich finden +konnte. Ihre Worte sind Buchstaben und ihr +<pb n='74'/><anchor id='Pgp074'/>Wissen ist Worte. Jetzt lese ich gar nichts mehr. +Ich bin nur hier und studire den Baum. +</p> + +<p> +„Recht herrlich anzusehen ist dieser Baum. +Aufgepflanzt auf starken Wurzeln, unter der Erde +gegründet wie über ihr. Der Mittelstamm reckt +sich stolz und gerade. Jedes Jahr weitet sich +der Ring. Eine Schnur fügt sich mystisch zur +Schnur der gewesnen, die die Vergangenheit +zeichnen, und jene Zukünftiges. So entsendet er +Aeste ringsum im Kreise nach allen vier Richtungen +der Sonne, dass die Sonne sie bescheine +und wachsen macht. Kleine Zweige schiessen auf +von den grossen, aus knorrigen Höhlen, wo das +Geheimniss der Geburt sich erneuert. Diese wieder +theilen sich in fächernde Finger. +</p> + +<p> +„Keine Regel scheint in dem Ganzen und stolz +giebt er die Rundung des Erdballs wieder. Fast +flach breiten sich die untern tragenden Aeste. Die +mittleren reichen an den Kreis des Aequators. +Zum Pole der Spitze fügen sich in schärferer +Steigung die oberen. +</p> + +<p> +„Und Alles lebt. Die Wurzel entsendet die +Kräfte, die die Aeste leiten. Zur äussersten Spitze +des ärmlichsten Stieles steigt pulsender Saft, der +schwärt und gebiert. Ohne Ende ist dieses Leben, +<pb n='75'/><anchor id='Pgp075'/>grossmüthig und doch sparsam. Es scheint zu +schlafen und wirkt doch in der Stille. Prangend +steht es in der Blüthe und sicher reift doch die +Frucht. Es giebt kein Meistern an seiner Form +und Bestimmung. Denn Alles ist meisterlich von +Anfang gegründet wie es sein muss, bis er stirbt, +sein Tag um ist, da er lebte.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Bist Du also weit und hast Du +dies Alles erkannt, so will ich Dir mehr sagen, +das wichtiger ist denn Werden und Sterben. Lass +Dein Buch und den Baum und folge mir.“ +</p> + +<p> +So folgte ihm dieser. +</p> + +<p> +Zwei Brüder, Maurermeister, lebten in einer +kleinen Stadt. Sie lebten dort schlicht und redlich, +waren verheirathet und hatten Kinder. Ihr +Gut mehrten sie täglich und sie hatten zusammen +ein schönes Haus gebaut, dass sie dort auf ihrem +Eignen sässen und ihre Tage friedlich endeten. +</p> + +<p> +Sprach der Eine zum Andern: „Was hilft es +uns nun, dass unser Gut sich mehrt von der +Arbeit unsrer Hände, unser Haus fest und stattlich +steht? Wir müssen doch sterben. Die Zeit +reisst es ein, was wir gebaut haben.“ +</p> + +<p> +Der Andre sprach zu seinem Bruder: „Ich +kenne einen Fremden, der Worte weiss stärker +<pb n='76'/><anchor id='Pgp076'/>wie das Leben. Was er meint, bindet keine Zeit. +Mauern fassen es nicht, die stärker sind wie unsre.“ +</p> + +<p> +Er sprach, der der ältre Bruder war und der +Weiseste von Beiden: „Diesen Mann muss ich +hören. Und wenn ich alle meine Güter dahintenlasse, +was das Herz froh macht, ein Weib und +junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich habe, +was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest +wird, ist mehr denn Häuser bauen, die der Sturm +einreisst.“ +</p> + +<p> +Diese Beiden gingen und suchten den Fremden +auf. +</p> + +<p> +Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet +von allen Menschen und von nachdenklicher Gemüthsart, +wie es das Handwerk mit sich bringt. +Denn ein Maurermeister in seinem Handwerk, so +er es recht versteht und ernst nimmt, ist etwas +vom lieben Gott und Schöpfer selbst, der die Welt +geschaffen hat. Er hält in seiner Hand Thon und +Mörtel. Was er baut, soll für Jahre und Jahrzehnte +sein, wohlgegründet und ausgemessen in +allen seinen Theilen, dass nicht das Hohe auf das +Niedrige falle, der Boden nachgiebt unter zu +schwerer Belastung von Schnörkeln, Pfeilern, buntausgemalten +Fenstern. +</p> + +<pb n='77'/><anchor id='Pgp077'/> + +<p> +Alle diese und Andre, an der Landstrasse, +sah und fand der Fremde. +</p> + +<p> +Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an +einem Wegrain oder auf der Rasenhöhe über dem +Teich, sprach er zu ihnen. +</p> + +<p> +Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums +und wie die gering sind und Knechte, die +streben und hochstehen. +</p> + +<p> +Von den Thörichten des Herzens und den +Armen im Geist sagte er ihnen süsse, geheimnissvolle +Worte. Und von der Güte der Unklugen, +die weiser ist denn Weisheit und stärker denn +Stärke aller Gewaffneten und Starken. +</p> + +<p> +Kleine Kinder umstanden seine Kniee und +sahen zu ihm auf mit grossen, unbewussten, +gläubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen +Meditationen. Mütter hielten sich lächelnd an mit +ihren Säuglingen an der Brust, die nach der nährenden +Zitze lallend griffen, sie patschten mit ihren +rosigen Händchen. +</p> + +<p> +„Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist über +dem Gesetz. Alles Gesetz ist in ihr.“ +</p> + +<p> +„Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn +Deins ist wie Deines Bruders und Deines Bruders +wie Deins.“ +</p> + +<pb n='78'/><anchor id='Pgp078'/> + +<p> +„Die Unkeuschheit ist nicht in der That. In +der Scham schon ist Sünde. Der Gedanke der +Wollust schlägt und beschädigt.“ +</p> + +<p> +„Nicht das Wort ist Lüge, der Eid betheuert +nicht. Eure Rede sei klar, weil Euer Denken +Wahrheit ist.“ +</p> + +<p> +„Der Hass, der keinen Widerstand findet, erlahmt +in ihm selbst, wie der Stein, der geworfen +wird und in’s Wasser fällt.“ +</p> + +<p> +„Und widerstrebet dem Uebel nicht.“ +</p> + +<p> +Die kleinen Blumen blühten mit tiefen, duftenden +Kelchen. Feiner wie köstlichste Seide waren +ihre Blättchen. Die Staubfäden standen wie brennende +Kerzen, Goldkrystalle edelster Kronleuchter. +Auf grünen Stengeln trugen sie ihre Häupter wie +Kronen. Die Luft war schwanger von ihren Düften +und die Winde trugen ihre Samen. Die Vögel +kamen sorglos und pickten ihre Nahrung. Im Gras +athmeten Cicaden und Mückchen, Käfer, Gewürme +– ein tausendfältiges Leben. +</p> + +<p> +„Warum sorget Ihr Euch? Alles Leben findet +seine Nahrung. Alles Lebendige erfüllt seine Bestimmung +des Lebens. Ihr sorget und sammelt +Schätze. Die Motten zerfressen sie und der Rost, +die Diebe graben danach und stehlen.“ +</p> + +<pb n='79'/><anchor id='Pgp079'/> + +<p> +„Der Reiche ist arm und der Arme ist reich. +Stark ist, wer fest steht in sich selbst. Der weise +geworden ist in Gott, dem haben Stürme, Hass +der Menschen und Noth nichts an. Die Welt ist +dem Menschen gegeben. Ueber der Welt steht +der Mensch, der die Welt in sich trägt. Gott ist +in Euch und Ihr seid Gottes. Erwacht zu Eurer +Herrlichkeit! Ein königliches Volk, ohne Könige, +Herren Alle und Freie, die Ihrer selbst Herr geworden +sind.“ +</p> + +<p> +Sehr schön war er mit seiner strahlenden Stirn, +dem melodienreichen Mund, dem die Worte entströmten, +die Hände lang und fein mit heilender +Berührung. Seine Worte klangen lieblich wie +Musik. Und in ihnen war die Tiefe. Der blaue +Himmel spannte sich über ihn, blau, ganz blau, +in immer lichterem Blau bis zur lächelnden Sonne, +über die Erde gestellt mit grünsammetnem Rain, +– einen König im schlichten Bettlergewand, einen +Gebietenden auf dem Feldstein seines Throns. +</p> + +<p> +Die Leute kamen von weit, ihn zu hören. +</p> + +<p> +Etliche sagten: „Es sind Gedichte. Wir haben +das schon oft gehört, so oder so.“ – Aber sie +hatten viel zu thun und gingen. +</p> + +<p> +Viele sagten: „Das ist Alles Lüge. Träumereien +<pb n='80'/><anchor id='Pgp080'/>sind das.“ – Sie erklärten lange, wie es besser +zu machen sei mit dem Aufhören der Militairlasten +oder einer neuen Steuerordnung oder indem +man die Güter anders vertheilte. +</p> + +<p> +Sie waren die Klügsten. Aber die Meisten +gingen hin und thaten weiter, wie sie vorher gethan +hatten. +</p> + +<p> +Und war Niemand, der ihn verstand. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='81'/><anchor id='Pgp081'/> +<index index="toc"/><index index="pdf" level1="Das fuenfte Kapitel."/> +<head>Das fünfte Kapitel.</head> + +<p> +Es begab sich, da er müde war, setzte er sich +nieder an einem Brunnen. +</p> + +<p> +Ein sehr lieblicher Platz war es. Weidenzweige +hingen tief wie feine wehende Schleier. In der gemauerten +Höhlung hörte man es murmeln vom +schwärzlichen, verborgnen Wasser. Alles Gras +ringsum war grün, sammetgrün mit Schatten, wie +der Wind es wehte oder die Sonne fiel. Eine Stille +war in der Luft, diese Klage der Feuchtigkeit, die +der Nacht vorangeht, denn es war Abenddämmerung. +Nur die Heimchen zirpten. Man hörte das +Locken der Vögel, aber befriedigt, nur mehr wie ein +Glucksen. Die Winde auch kamen sacht, mit etwas +lebhafterem Rauschen oben in den Baumkronen. +</p> + +<p> +Er setzte sich auf die Steinbrüstung des +Brunnens. +</p> + +<pb n='82'/><anchor id='Pgp082'/> + +<p> +Eine Frau kam. Sie ging langsam und hielt +eine Reitgerte in der Hand. Der Saum ihrer grauen +Amazone fegte schleppend den Boden. Sie führte +ein weisses Pferd am Zügel. Es trat so leicht +auf, dass man seinen Hufschlag nicht hörte, den +Kopf hielt es gesenkt, als wollte es sich bemühen, +die Saatsprossen zu erhaschen, und schnoberte +leise aus rosa feinen Nüstern. Ein Windspiel +sprang auf ihrer andern Seite. Es streckte zuweilen +wie liebkosend seinen schmalen spitzen +Kopf in ihre hängende Hand. Sie ging in tiefen +Gedanken. Ihre Haare waren in dicken Flechten +gewunden, weit unten im Nacken aufgesteckt, als +ob sie zu schwer wären für ihren schmalen Kopf. +Sie ging sehr langsam und hielt die Augen zur +Erde gerichtet, wie wenn sie suchte. Sie suchte +mit der schwanken zitternden Spitze der Reitgerte +auf dem Boden. Der Hund lief neben ihr und +sah sie an. Er versuchte ihre Augen zu fangen. +Aber sie antworteten seinem Blick nicht. Sie ging +und führte das weisse Pferd am Zügel. Ganz +weiss, mit gesenktem Kopf folgte es, ein edles, +geduldiges, sehr feines Thier. +</p> + +<p> +Gerade über die Wiese kam sie, zu der Quelle, +wo der Fremde sass. +</p> + +<pb n='83'/><anchor id='Pgp083'/> + +<p> +Sie seufzte. Gegenüber am Brunnen sass der +Fremde. Und sie sah ihn nicht. +</p> + +<p> +Sie hob die Augen auf und sah ihn. +</p> + +<p> +„Warum bist Du unglücklich?“ fragte der +Fremde. +</p> + +<p> +„Ich bin unglücklich, weil ich glücklich bin. +Ich habe Alles, was die Menschen Glück nennen. +Ich wohne in einem Schloss im Reichthum. Meine +Eltern hielten alle Sorge fern von mir. Ich habe +einen Mann, der mich anbetet, gute Kinder. Doch +bin ich unglücklich. Ich gehe zu diesem Brunnen, +um Ruhe zu finden, weil mein Schmerz sich auflöst +in dem der Natur, der über diesem Ort +lagert. – Warum ist sie unglücklich?“ +</p> + +<p> +„Weil sie sterblich ist und vergänglich.“ +</p> + +<p> +Die junge Frau seufzte tiefer. Die Zweige +der Weiden rauschten auf wie leichte, faltige +Frauengewänder und fielen zusammen. Der Hund +schob liebkosend seine kalte Nase ein. Ueber die +Felder trug der Wind die Klage der Weiden und +geheimnissvoll in der Tiefe gluckste und murmelte +das Wasser. „Sind wir es nicht auch? Vergänglich +und sterblich? Der Tod ist in Allem. Das +Schöne hat keine Dauer. Die Leidenschaft flieht. +Der Tag unsrer Kraft ist der unsrer Güte. Wenn +<pb n='84'/><anchor id='Pgp084'/>wir krank sind, sind wir selbstsüchtig, schlecht, +Andre quälend und gequält von ihnen. Aller +Anstrengung Ende ist der Tod.“ +</p> + +<p> +„Es giebt etwas über dem Tod,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p> +„Es giebt etwas,“ sagte sie in sehr tiefen +Gedanken. „Ja, es muss etwas geben. Man +denkt nicht daran, wenn man glücklich ist. – +All’ diese Tiefen – diese Schmerzen! Diese +Schmerzen müssen unsterblich sein.“ +</p> + +<p> +„Die Schmerzen sind unsterblich.“ +</p> + +<p> +„Die Ahnung des Unendlichen – diese Sehnsucht +hinaus! Es ist das Beste, was wir haben. +– Es ist sehr schmerzlich.“ +</p> + +<p> +„Leiden ist schön.“ +</p> + +<p> +„Ja, es ist schön. Ich möchte nicht ohne es +sein. – Doch die Andern sind glücklicher. Warum +gab man es uns nicht wie dem Thier zu leben? +wenn es aus ist, Sterben ohne Bewusstsein?“ +</p> + +<p> +„Nichts stirbt. Alles Leben lebt unvergänglich.“ +</p> + +<p> +„Sie auch, diese Bäume? Die Wehmuth dieser +Felder? Es gäbe eine Vollkommenheit für sie? +Eine Erfüllung? Wo ist sie?“ +</p> + +<p> +„Ahnst Du sie nicht? – Sieh in die Weite!“ ... +</p> + +<p> +„Manchmal ahne ich sie. Etwas wie einen +<pb n='85'/><anchor id='Pgp085'/>Zusammenklang, einen verlornen, fernen. Ich +weiss nicht. ... Es ist das Leiden, die Sünde: +Einer hat Einen getödtet. Man tödtet ihn wieder. +Er leidet. Ist er nicht erlöst? ... Aber es sind +so viele Andre. Sie gehen hin und leben, correct, +alltäglich“ ... +</p> + +<p> +„Sie sind weitab.“ +</p> + +<p> +Sie sprach wie im Traume. Der Hund, zu +ihren Füssen gelagert, sah sie an mit treuen, +klugen Augen. So beweglich waren sie, dass die +Lichter fortwährend wechselten wie in einem Spiegel. +Im Grase weidete das weisse Pferd. Man hörte +es die zarten Halme abrupfen, sie zermalmen +zwischen starken, höckrigen Zähnen. Und von +Zeit zu Zeit wieherte es leise, wie wenn es antwortete, +als röche es den Frühling. +</p> + +<p> +„Ja, ja,“ sagte sie athemlos. „Ich weiss nicht. +Aber es muss auch sein. Man quält auch Thiere. +Sie leiden und sie ahnen. ... Was ist es?“ +</p> + +<p> +„Wenn Du wüsstest, wäre es das?“ +</p> + +<p> +Sie schüttelte den Kopf. „Nein, man muss es +finden, selber in sich finden. Dann ist es der +Friede. Ein Glück über dem Glück, Erfolg und +Schande, Reichthum und Armuth, – das ist Alles +so gleichgültig. Es ist über dem Allen.“ +</p> + +<pb n='86'/><anchor id='Pgp086'/> + +<p> +Sie sah den Fremden an. Die junge Frau +mit zarten, spielenden Fingern strich langsam die +Säume ihres Kleides entlang. Ihre Augen verschleierten +sich in dem Schleier, der über die +Felder ging. Es war, als ob die Farbe der +Felder in sie eindränge und es bliebe nur <hi rend='gesperrt'>eine</hi> +Farbe in ihren Augen und in der der wehenden +Saaten. In der Curve ihrer Schultern fand sich +die gesenkte Kruppe des weissen Pferdes. Die +graue Seidenhaut des Windspiels schmiegte sich +wollüstig, verloren in die Kleiderfalten. Das Wasser +fiel in kleinen plätschernden Cascaden, oder es +ruhte sich lange aus, in Pausen, wo nur das +Unterirdische murmelte, die kleine Stimme von +Tropfen, die höhlen, klopfen. +</p> + +<p> +„Manchmal fühle ich, als ob ich gar nicht +mehr Ich bin. Eine hässliche Kröte. Eine Tigerkatze. +Ich bin ein Wesen, was vor vielen tausend +Jahren war und hundertmal gestorben ist. Ein +Thier und ein Gott. Vom Thier zu Gott. Das ist +der Weg.“ +</p> + +<p> +„So ist es.“ +</p> + +<p> +„Ja, ich habe gelebt,“ sagte sie sehr leise, +liebkosend. „Ich habe gemordet. Ich habe +ge<pb n='87'/><anchor id='Pgp087'/>sündigt und triumphirt. Vielleicht habe ich am +Märtyrerpfahl gestanden. Und es machte mir +Freude, meine weisse, feine Hand in Blut zu +tauchen, bis sie roth war. – Ich sah einen Mann +einmal. Er war ein Strolch und ein Mörder. Er +auch, war ein König. In seinem Auge las ich +den Stolz der Starken. Wir kannten uns so gut, +wie wir uns sahen. ... Das ist seltsam.“ +</p> + +<p> +„Nichts ist seltsam.“ +</p> + +<p> +„Nichts! Nichts!“ wiederholte sie inbrünstig. +Eine feine Röthe schlug von ihrem Hals auf wie +Sonne unter Lilienblättern. „Gar nichts ist seltsam. +Manchmal in Büchern, in der sehr grossen +Kunst fühlt man es. – Ich habe es in Felsbrüchen +gesehen, in dem spitzen Speerschaft irgend eines +Grashalms. Es giebt Worte, Reime. ... Goethe +hat sie. Und Shakespeare, wenn Ophelia wahnsinnige, +kleine Lieder singt. Ich kenne chinesische +alte Götzenbilder und Michelangelo’s Grabfiguren +am Mediceer-Denkmal. ... In der Marseillaise +hört man die Tuba der Erzengel. Warum ist +Lucrezia Borgia süss wie Nachtigallsang am Maiabend +und Napoleon gekreuzigt wie der von Golgatha +... Es ist so schwer zu denken ...“ Sie +presste die weiche kleine Hand gegen die Stirn, +<pb n='88'/><anchor id='Pgp088'/>an der die Schläfen flogen wie unter Hämmern +einer Schmiede. +</p> + +<p> +„Warum denkst Du?“ fragte er gütig. +</p> + +<p> +„... Wenn man nicht denken brauchte! Alles +weiss man. Nur weil man versucht, sein Wissen +zu erklären, <hi rend='gesperrt'>ein</hi> Wissen für Alle, Gesetze sucht, +weiss man nicht mehr. Kinder wissen. Und Frauen! +Ah, Frauen wissen eher wie Männer! Sie fühlen. +Es ist ihr Körper, der in ihrem Willen ist, ... +weil Frauen lieben.“ +</p> + +<p> +„Und Gott?“ fragte er. +</p> + +<p> +„Gott auch liebt,“ sagte sie träumend. „Er +hasst nicht. Das Gute ist dasselbe wie das Böse. +Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die +Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. +Es ist nichts gut und nichts schlecht. +Es ist wie es ist.“ +</p> + +<p> +Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die müde +Traurigkeit erschien wieder in ihrer Haltung, dem +Körper, der sich zurückbog, während die Linie des +Halses straff wurde. +</p> + +<p> +„... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht +in der Kirche zu beten. Die Sehnsucht erstickte +mich.... Hier ist es besser.“ +</p> + +<p> +„Es ist besser hier.“ +</p> + +<pb n='89'/><anchor id='Pgp089'/> + +<p> +„Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles +müsste mit hinein. Viel, viel mehr als die alte +Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist +weit – weit ...“ +</p> + +<p> +Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten +wallten die Nebel. Es glitt über die Felder. Das +Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe +schien weitgerückt, aufgesogen im Allen ... +</p> + +<p> +Eine Fledermaus strich leise mit unhörbaren, +schwarzen, tappenden Schwingen. Näher und +wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. +Sehr deutlich sah man die feinen Krallennägel, +zwischen denen die Flughäute angemacht waren +gleich Stofffächern eines Regenschirms, den kleinen, +platten Kopf mit spitzen Zähnchen, die nach Insekten +schnappten, sie rasch zerrissen. Eine Eidechse +kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie +blieb da wie angewachsen, horchend. In der +Saat putzten sich die Hasen und machten Männchen. +Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten +und hamsterten leise in sich hinein wie Geizhälse. +Ein Fuchs schlich auf Raub mit vorgestreckter spitzer +Schnauze und fuchtelnder Ruthe. +</p> + +<p> +Ganz fern quakten Frösche im Feuchten. Von +allen Wiesen stieg der Athem auf. +</p> + +<pb n='90'/><anchor id='Pgp090'/> + +<p> +Sehr lange sassen sie. +</p> + +<p> +Sie erhob sich langsam. Das weisse Pferd +kam ohne Ruf. Der Hund witterte in die Richtung +mit angelegten Ohren, aufmerksam, zitternd. +</p> + +<p> +„Gehe in Frieden,“ sagte der Fremde, „Du +bist näher wie die Andern.“ +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='91'/><anchor id='Pgp091'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das sechste Kapitel.</head> + +<p> +Nun hatte die Frau des Landraths eine Idee. +</p> + +<p> +Das Gerücht von ihm war nämlich sehr +stark geworden in dieser Gegend, so dass viele +Leute aus Neugier kamen, um ihn zu sehen. Viele +logen und erzählten seltsame Geschichten von +Wundern und Kranken, die geheilt worden waren. +Und die Menschen liefen hin. Sie blieben da und +folgten ihm etliche Tage und warteten auf ein +Zeichen. Wenn nichts geschah, was ihre Hoffnungen +erfüllte, gingen sie nach Hause, ihren Geschäften +nach. Diese sagten stets, dass Alles gelogen +war. Sie bewiesen sonnenklar, dass solche +Wunder unmöglich und gegen die Natur seien, +warteten doch darauf und würden sie bestritten +haben, wenn sie geschehen wären. Die Zeitungen +bemächtigten sich des Stoffes. Sie hofften ihre +<pb n='92'/><anchor id='Pgp092'/>Leser zu amüsiren. Einmal tauchte er hier auf +und einmal da. Es machte den Reportern Spass, +gerade die abenteuerlichsten Geschichten zusammenzutragen, +gefälschte Interviews und lange Extrakte +aus Reden, die er niemals gehalten hatte. Auskunft +war da ertheilt über Himmel und Hölle mit +genauer Beschreibung der Lage und Gliederung +der Letzteren, eines jeden Pfeilers, auf dem Gottes +Thron stand. Einige brachten sogar ein ganzes +Nationale, dass er der Sohn eines Zimmermanns +Joseph Schäppli aus Bing an der Enz in Württemberg +sei. Dieser Sohn hatte für einen Narren gegolten +in seiner Jugend. Im Ort gab es viel zu +erzählen von seinen sonderbaren Thaten und Reden. +Dann war er verschwunden, als er etwa dreissig +Jahr alt war. Etliche sagten, er wäre in der Enz +ertrunken, Andre, dass er in die Wälder gegangen +wäre und dort als ein Waldmensch und +Einsiedler hauste. Sie behaupteten, dieser selbe +Zimmermannssohn aus Bing sei es, der jetzt aufgetaucht +wäre und predigte. Seine eignen Eltern +sollten es beschworen haben. Ein besonders eifriger +Neuigkeitenvertreiber hatte sogar seine Mutter +aufgesucht und wusste, dass sie eine Haube trug +und in ihrer Jugend Visionen gehabt hatte. Das +<pb n='93'/><anchor id='Pgp093'/>war übrigens nichts Seltnes bei diesem schwäbischen +Gebirgsvolk, arbeitsam und verständig, aber +von schweifender Phantasie, mit einer beständigen +Sehnsucht im Herzen, die die Berge wachhielten, +oder auch der alte Schatz von Legenden, einstiger +Herrlichkeit und Weltgrösse, die in diesen Stämmen +lebendig geblieben waren trotz des neuen deutschen +Reichs, Lutherthum und Schulbehörden. Wieder +Andre hielten ihn für einen Wanderprediger aus +den norwegischen Bergen. Es gab ihnen Gelegenheit, +über mystische Schwärmer, Tolstoi und +Ibsen zu reden, den Geist des Urchristenthums, +der sich dort in einigen weltabgeschiedenen Gemeinden +rein erhalten hatte. Diese verbreiteten, +dass er der Sohn eines schottischen Lords oder +vornehmen Grafen wäre. Es that ihnen wohl, +das zu glauben. +</p> + +<p> +Und gewaltig erschütterte Alle Fritz Kuhlemann’s +Stimme, eines einfachen Arbeiters und +verlorenen Gesellen, der in den grossen Städten +auftrat und forderte Busse zu thun: Im Namen +Jesu des Lebendigen, der Fleisch war und unter +ihnen wandelte. „Denn die Zeit ist gekommen.“ +</p> + +<p> +Das Volk lief ihm zu. Etliche erwarteten Lohnerhöhungen, +Gaben der Reichen. Andre rechneten +<pb n='94'/><anchor id='Pgp094'/>auf die Revolution, wo er ihr Häuptling werden +sollte. Denn seine Rede klang gewaltig. Es war +in ihr der rothe Hass der Ungerechtigkeit und eine +neue strahlende Liebe, weit wie die Sonne, die +über Gerechte und Ungerechte scheint, aber wild +auch und schöpferisch, wie die des Mannes zum +Weibe. Es gab Viele, die sich betroffen fühlten +unter den Vornehmen und Reichen, zu sich selbst +sagten: Wir können nicht wohlleben und in +Wagen fahren, wo unser Bruder hungert und nicht +hat, da er sein Haupt hinlegen soll? – Denn so +sprach er: „Nicht ausser Euch, sondern in Euch +richtet auf das Reich Gottes! Denn das ist Gottes +in Euch, dass Ihr Liebe gebet. Das Andre, Neid, +Geiz, Hoffarth, ist des Thieres und des Teufels. +Und Ihr seid Alle Gottes.“ +</p> + +<p> +Viele kamen auch zu ihm und sagten: Wir +wollen sehen, ehe wir glauben. Er sagte ihnen: +Seht die Werke an in seinem Namen gethan und +thut wie Er. – Aber das gefiel diesen nicht. +</p> + +<p> +Es gab Viele unter den reichen und vornehmen +Leuten, die den Fremden auch gern gesehen hätten. +Aber sie wollten sich nicht lächerlich machen. Auch +fürchteten sie in der Oeffentlichkeit ihre Namen +zu compromittiren. +</p> + +<pb n='95'/><anchor id='Pgp095'/> + +<p> +Diese Landräthin, deren Mann zugleich Reichstagsabgeordneter +war, hatte eine grosse Gesellschaft +zu geben. Sie war eine kluge Dame aus +reichsgräflichem Hause, die sich viel einbildete auf +ihre Bildung, dass auf ihren Gesellschaften immer +etwas Besonderes, Geistiges und Interessantes war. +Da bei vielen ihrer Freundinnen und Nebenbuhlerinnen +Theosophie in Mode war, dachte sie, es +würde sehr interessant sein, den Fremden einzuladen, +ihn ihren Gästen gleichsam als Curiosität +und zur Unterhaltung vorzuführen. +</p> + +<p> +Gleichzeitig that sie damit einem Mann einen +Gefallen, der ihr selbst und ihrem Landrath sehr +nützlich war, in einem Kreis, wo er vermöge seines +Namens und Reichthums eine höchste und selbstverständliche +Stellung einnahm, die sie als arme +Beamte und Frischnobilitirte sich nur mühsam erobern +konnten, mit allen Mitteln suchen mussten +zu befestigen. Dieser Mann war der alte Prinz +Schönheim-Wagram-Trauttenberg, Minister unter +der liberalen Aera Friedrich Wilhelms des Vierten. +Er hatte in seiner Jugend mit der Revolution und +dem Dilettantismus coquettirt, dabei als Lebemann +und Schöngeist sich ein Renommee erworben. Seine +„Briefe eines Diplomaten“ erregten das grösste +<pb n='96'/><anchor id='Pgp096'/>Aufsehen seiner Zeit. Er war der Erste gewesen, +der mit der Tradition brach, dass Heuchelei und +geheimnissvolle Zugeknöpftheit unentbehrliche Attribute +der Staatsklugheit bildeten. Unter einem fast +ruchlosen, scheinbar offenherzigsten Cynismus verbarg +er füchsische Verschlagenheit, die Raubthierkralle +eines Cäsar Borgia im Sammethandschuh. +Man nannte ihn den Fürsten Talleyrand der Provinz. +Seine Stellung dort war unerschütterlich +selbst nach seiner officiellen Niederlage als Staatsmann, +seitdem neue Systeme und Principien ihn +und sein System hinweggefegt hatten. Die Landräthin +gehörte zu seinen Protegees. Nicht, dass +ihre spärlichen Reize den alten Viveur in Versuchung +geführt hätten. Nach einem galanten +Sabbath ohne Gleichen hatte das Küchenpersonal +und noch tiefer hinab, bei ihm endgültig die Palme +davongetragen. Er bezeugte diese Vorliebe sehr +ungenirt. Aber er liebte es immer, seinen Finger +mit in der Pastete zu haben, die Landräthin und +ihr strebsamer Gatte erschienen ihm als gefügige +Werkzeuge für seine kleinen Pläne, die er durchaus +nicht aufgegeben hatte, nur versteckt hielt +unter witzelnder Indifferenz. Das Renommee eines +mystischen Einflusses erfreute ihn. Er fand es +<pb n='97'/><anchor id='Pgp097'/>vornehmer, hinter den Coulissen zu operiren, als +vorne auf der Bühne die grossen Schreie auszustossen: +heutzutage weiss man von jeder Macht die +Adresse. Jeder trägt seine Befugnisse und Eigenschaften +wie aufgeklebte Etiketten mit sich herum: +Büreau für Stellenbesetzung, Vermittlung von +Börsengeschäften, Vademecum für Hoflieferanten. +Früher ging das in’s Geheimnissvolle wie der +liebe Gott. Und hielt die Bande in Schrecken. +Man weiss zu gut, was wir <hi rend='gesperrt'>nicht</hi> können. Darum +will jetzt Jeder Alles besser wissen. +</p> + +<p> +Das Neueste in dem sehr beweglichen Geiste +und fieberhaften Lebensbezeugungsdrang des Prinzen +war ein Werk über Buddhismus, den er für +die Religion der Religionen hielt. Sie passte in +den Cynismus des alten Diplomaten, diese Idee +des Jenseits von Gut und Böse, der souveränen +Verachtung aller Moralsysteme. Viele zweifelten +an seiner Gelehrsamkeit, sie war etwas zusammengewürfelt +nach der Mode des Ancien Régime. Er +besass diese Eigenheit der Regierenden, dass er +über Alles reden und geistreich reden konnte. +Trotzdem wurde sein wirkliches Wissen bestritten. +Er selbst vermied Gelehrte, sein eigentliches und +Hauptpublikum blieben Damen. Nur der Doctor +<pb n='98'/><anchor id='Pgp098'/>Rothe konnte es mit ihm aushalten. Dies war +um so verwunderlicher, als der junge Mann thatsächlich +ein sehr bedeutender Kopf war. Seine +Examina hatten das Staunen seiner Lehrer erregt. +Professoren und Mitschüler erwarteten von Anton +Rothe etwas ganz Außerordentliches, den Aufgang +eines neuen Sterns am Himmel der Gelehrtenwelt. +Einen Stürmer und Dränger sahen die Andern in +ihm, einen grossen Künstler. Er hatte alle ihre +Erwartungen getäuscht, war mit sechsundzwanzig +Jahren als Privatsecretair in die Dienste des +Fürsten getreten, der ihn in einer Art Auerbach-Keller +kennen gelernt hatte, und diesem seitdem +auf allen seinen Reisen gefolgt. Legenden von +geheimen, raffinirtesten Ausschweifungen, denen +sich Herr und Diener auf solchen Weltreisen in +afrikanischen Lasterhöhlen, den Schmutzpfühlen +überseeischer Hafenstädte hingegeben hätten, konnten +allein diese seltsame Anziehung zwischen dem +beinah achtzigjährigen Weltmann und dem zweiunddreissigjährigen, +prachtvollen, genialen Menschen +erklären. Man hatte das ungleiche Paar +Faust und Mephisto getauft, der äussere Eindruck +entsprach der Vorstellung, neben dem ernsthaften, +schönen jungen Mann, schwerer germanischer Typus, +<pb n='99'/><anchor id='Pgp099'/>das sardonische, zahnlose Affengesicht des Alten, +der es liebte, von seinen literarischen Speichelleckern +als Voltaire bezeichnet zu werden. +</p> + +<p> +Dies waren die Hauptpersönlichkeiten, denen +die Gräfin den Fremden vorführen wollte. Sie +hatte eigentlich eine Abneigung gegen den Doctor +wegen seiner bürgerlichen Abkunft und sonstigen +Anrüchigkeit. Aber die allgemeine Werthschätzung, +deren er sich erfreute, seine sagenhafte Allmächtigkeit +bei dem Fürsten zwang sie, freundlich gegen +ihn zu sein. Ihre Sauersüsse bei solchen Gelegenheiten +amüsirte dann den Alten: „Es ist +wunderbar, wie diese Frau aus Ehrgeiz sich zu +beherrschen weiss. Da sagt man, nur Männer +hätten eine Hundenatur. Sie schlagen uns noch +auf allen Punkten.“ +</p> + +<p> +Der Landrath, ihr Mann, that immer, was sie +wollte: „Wenn Du meinst, Amélie.“ ... Sie +schrieb also ein Billetchen an den Fremden des +Inhalts, dass eine distinguirte Reunion im Schlosse +von X., Datum und Stunde, von seinem Geist und +Wirken gehört, den Wunsch hätte, ihn zu kennen +und sich belehren zu lassen. – Höflichkeit bei +solchen Gelegenheiten ist immer angebracht. Sie +kostet nicht viel und leistet dasselbe wie baares +<pb n='100'/><anchor id='Pgp100'/>Geld. Uebrigens lag der Gräfin wirklich an dieser +Attraction für ihren Rout. Boshafte Leute waren +hier wieder der Meinung, dass diese berühmten +gräflichen „geistigen Attractions“ vieles Andre, +weniger Attractive verbergen sollten, zum Beispiel +eine entschiedene Dürftigkeit des Vorgesetzten, und +den Umstand, dass der Champagner immer ausserordentlich +spät, im letzten Augenblick servirt wurde. +</p> + +<p> +Der Diener fand den Fremden unter einem +Apfelbaum, wo er sich ruhte. Zwei schwarze +Amseln liefen nach Würmern pickend neben ihm +im Grase. Es schien, als ob diese Thiere ihn +fragten und er ihnen antwortete. Der Mann schwor +nachher auf die Hexerei. +</p> + +<p> +„Ich werde kommen,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Die Gräfin, die es nie verschmähte, auch ihre +Kammerdiener auszufragen, merkte sich diesen +kleinen interessanten Zug. Sie hatte eine sozusagen +symbolistische Toilette gemacht: Weiss, sehr +in’s Crême spielend, mit schwarzen Jetkettenschnüren +viermal um den Hals. +</p> + +<p> +Der Landrath war etwas sorgenvoll: seine +Stellung und quasi officielle Sanction ... „Das +verstehst Du nicht, mein Freund,“ sagte sie milde, +aber fest. – „Man wird sich erdrücken.“ +</p> + +<pb n='101'/><anchor id='Pgp101'/> + +<p> +Man erdrückte sich. +</p> + +<p> +Die Gräfin war allgegenwärtig. Es galt, ihren +Gästen das Ausserordentliche ihres Schrittes klar +zu machen, diese Einladung an den Fremden, mit +der sie ihren geistreichen Freunden einen Gefallen +thun wollte, und sich gleichzeitig möglichst gegen +üble Folgen schützen, da man es ihr nach oben +hin falsch auslegen konnte. +</p> + +<p> +Gegen die Einen, die sie für freie Geister hielt, +war sie frivol, für die Andern ernsthaft, priesterlich. +Allerliebst reumüthig, bescheiden, entschuldigte +sie sich gegen den Superintendenten, einigen +alten Damen gegenüber. „Ich bin so eine moderne +Ketzerin. Es ist doch auch, damit Sie selbst +den Unsinn sehen ...“ +</p> + +<p> +„Interessant“ war ihr Wort. Dafür liess sie +sich einen scherzhaften Fächerschlag auf den Arm +von der alten Baronin Rehden gefallen. Die Superintendentin +bat sie um ihr Recept für schwarzen +Johannisbeergelee. Dabei vergass sie niemals dem +Prinzen zuzulächeln: „Wie werden wir uns nachher +über alle diese mokiren. Wir Beide verstehen +uns, dass Alles nur eine Farce ist.“ ... +</p> + +<p> +„Ist sie nun nicht bewundrungswürdig?“ fragte +der Prinz seinen Adjutanten. „Diese Frau wäre +<pb n='102'/><anchor id='Pgp102'/>bei August dem Starken die Orczelska, bei Ludwig +dem Vierzehnten Maintenon, bei Alexander +Krüdener gewesen. Für die Tochter der Herodias +reicht’s leider nicht. Sie hätte auch da ihr Bestes +gethan und man würde ihr wahrscheinlich das Haupt +bewilligt haben, wenn auch aus andern Gründen.“ +</p> + +<p> +Der junge Mann antwortete nicht. Er betrachtete +den Fremden, der allein an einem Ende +des Saales stand. +</p> + +<p> +Er stand ganz ruhig in seinem einfachen Anzug +zwischen den plaudernden, lachenden, zischelnden +Gruppen. Fortwährend drängten sich die Diener +durch unter irgend einem Vorwand, um ihn anzustarren. +</p> + +<p> +„Eigentlich eine tolle Idee der guten Gräfin,“ +sagte die alte Baronin Steuben, sich Luft zufächelnd. +Sie war eine wirkliche grosse Dame und verachtete +die kleinen Trics und Kniffe der Andern. +</p> + +<p> +Ein junges Mädchen erstaunte, dass er keinen +Frack trüge. Der Prinz bemühte sich, der kleinen +Frau eines Rittergutsbesitzers einzureden, dass es +sehr möglich sein könnte, dieser wäre wirklich +Christus. Die kleine Frau begriff nicht. Ihre +Augen vergrösserten sich unmässig. Sie stand +buchstäblich mit offenem Mund. +</p> + +<pb n='103'/><anchor id='Pgp103'/> + +<p> +In einer Gruppe junger Damen und Offiziere +hatte man beschlossen, den geheimnissvollen Gast +direct zu attaquiren. Ein kleiner, kecker Dragoner +war ausgesandt worden als Avantgarde. Man +setzte ihm zu von allen Seiten. Und er that auch, +als ob er etwas besonders Gefährliches unternähme, +hegte noch Skrupel über die Anrede. „‚Meister‘ +ist ja wohl das Officielle?“ ... +</p> + +<p> +„Ach gehen Sie!“ +</p> + +<p> +Aller Augen folgten ihm, wie er gesucht +dandyhaft quer durch den Saal chassirte. Die +jungen Damen kicherten. +</p> + +<p> +„Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle.“ Der +junge Mann verbeugte sich, forcirt vorschriftsmässig +die Hacken zusammenschlagend. +</p> + +<p> +Der Fremde sah ihn an. „Ich möchte mir +eine Frage erlauben, Herr ...“ Er zögerte vor +dem Namen, um dem Andern zu markiren, dass +er seine Vorstellung erwartete. „Halten Sie es +für Ihren und dem christlichen Grundgedanken +entsprechend, Kriegsdienste zu nehmen?“ +</p> + +<p> +Der Fremde antwortete nicht. +</p> + +<p> +„Ich betrachte die Frage ganz ernsthaft. Es +steht doch in der Bibel: Du sollst nicht tödten. +Wir versprechen unsre Feinde zu lieben, Böses +<pb n='104'/><anchor id='Pgp104'/>mit Gutem zu vergelten. Christus nimmt Petrus +das Schwert aus der Hand. Dennoch zwingt uns +das Gesetz.“ +</p> + +<p> +„Welches Gesetz?“ fragte der Fremde. +</p> + +<p> +„Nun, das bürgerliche, das des Staats, dem +wir angehören.“ +</p> + +<p> +„Du gehörst nicht dem Staat, der Staat gehört +Dir,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Aber das Staatsgesetz bestraft mich. Ich +werde schuldig gefunden und verurtheilt, wenn ich +mich weigre ihm zu folgen. Gehorsam gegen das +Gesetz ist uns ebenfalls anbefohlen. Was soll ich +thun?“ +</p> + +<p> +„Was Du willst,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was +ich will.“ Der junge Offizier war in einen gewissen +Eifer gerathen, er nahm sich vor, den +Punkt bis zu Ende zu verfechten. „Wenn mein +Wille gegen das steht, was ich soll?“ +</p> + +<p> +„Du sollst wollen.“ +</p> + +<p> +„Man zwingt mich. Ich komme in’s Gefängniss. +Man behandelt mich als Verbrecher. Was +bin ich, Einer gegen so Viele?“ +</p> + +<p> +„Viele Einzelne sind Viele.“ +</p> + +<p> +„... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch +<pb n='105'/><anchor id='Pgp105'/>Quäker leisten ja keine Kriegsdienste, glaube ich? +Interessant, sehr interessant!“ sagte die Gräfin. +</p> + +<p> +„Jedes Land hat alle seine Kräfte nöthig gegen +den äusseren Feind!“ sagte der Candidat der Theologie, +der zugleich Reserveoffizier war. „Ein Land, +das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Körper +ohne Widerstandskraft. Es entmannt eine Nation, +sie ist dann nicht fähig, ihre Ehre zu vertheidigen. +Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums.“ +</p> + +<p> +Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in +einem besonderen schnarrenden Ton. Er war auch +<hi rend='gesperrt'>für</hi> das Duell und fing ein längeres Gespräch mit +dem Lieutenant darüber an, „zum Beispiel, wenn +Einer mich mit meiner Frau betrügt. Dann greift +schließlich jeder Holzknecht zur Axt.“ +</p> + +<p> +„Aber der Holzknecht ist ein Mörder und +kriegt seine fünf Jahr Zuchthaus,“ sagte der Prinz +freundschaftlich. „Das ist der ganze Unterschied, +mein braver Langenhahn.“ +</p> + +<p> +Natürlich müssten gewisse Formalitäten beobachtet +werden; der Candidat gab das zu. Der +Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen +und Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, +immer gerade mit diesem Falle des Ehemanns +<pb n='106'/><anchor id='Pgp106'/>gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen +gerechnet. +</p> + +<p> +„Ich fände es doch einfacher für ihn, Beide +todtzuschlagen,“ sagte der Doctor. +</p> + +<p> +„O, aber lieber Doctor! Das nun wieder!“ ... +Die Gräfin flatterte skandalisirt. +</p> + +<p> +„Es wäre das Logische. Entweder wir haben +Faustrecht oder wir haben keins. Diese Mittelzustände +machen unsre heilige Civilisation so +ungeniessbar.“ +</p> + +<p> +„Das ist nun doch schrecklich, Doctor, was Sie +sagen!“ Die Baronin schüttelte vorwurfsvoll den +Kopf. Ihr gefiel der junge Mann, seine schöne Stirn. +</p> + +<p> +„Erlauben Sie. Es ist in Allem so. Besonders +was die Frauen angeht. Entweder eine Frau ist ein +für sich selbst verantwortliches Wesen, ein Mensch, +eine Seele, oder sie ist Sache. Mein Eigenthum. Mein +Stück Kuhfleisch. Dann der Sack und der Bosporus.“ +</p> + +<p> +„Aber es giebt doch Mitteldinge.“ +</p> + +<p> +„Die sind dann einfach absurd. Ich schlage +mich – aber ich gebe ihm dieselbe Chance. Ich +sage, sie weiss nicht was sie thut, und lade ihr die +volle Verantwortung auf. Wir können eben nie +etwas reinlich durchführen.“ +</p> + +<p> +„Dann wären wir Teufel.“ +</p> + +<pb n='107'/><anchor id='Pgp107'/> + +<p> +„Oder Engel. Sie haben die Wahl.“ +</p> + +<p> +„Ich glaube, <hi rend='gesperrt'>Sie</hi> haben schon gewählt!“ Sie +wollte damit discret auf Einiges hindeuten, was +über seine Reisen zu ihren Ohren gedrungen war. +</p> + +<p> +„Vielleicht doch noch nicht so ganz,“ sagte der +junge Mann kalt. +</p> + +<p> +„Es giebt auch noch ein Drittes.“ +</p> + +<p> +– „Sagen Sie mal, sind Sie glücklich?“ +</p> + +<p> +„Befehlen Sie Thee oder Kaffee, Baronin?“ +</p> + +<p> +Jemand, ein älteres Fräulein, sagte, dass alle +Völker eine Familie wären, Deutsche, Franzosen, +Juden. Sie hatte „Die Waffen nieder!“ der Baronin +Suttner gelesen und schwärmte für Völkerverbrüderung. +</p> + +<p> +„Das ist doch eine etwas grosse Familie,“ +sagte der Lieutenant von Detten zu seiner hübschen +Nachbarin. „Ich goutire Juden nur allenfalls +als Schwiegerväter.“ +</p> + +<p> +Der Candidat fand, man dürfte nicht Antisemit +sein vom Vernunftstandpunkt aus. Aber man +wäre es physisch. +</p> + +<p> +Der Superintendent drohte ihm mit dem Finger: +„Wir sind Alle Brüder und unser Herr Christus +kam von den Juden.“ +</p> + +<p> +Der Prinz erzählte eine amüsante Anekdote +<pb n='108'/><anchor id='Pgp108'/>von einem Orientalen, einem befreundeten Pascha, +der alle Hufthiere verabscheute, weil er selbst einen +Klumpfuss hatte. +</p> + +<p> +Der Blaustrumpf unterhielt sich über Frauenfrage +mit einem Gymnasialprofessor. Er hatte +einen schmutzigen Hemdkragen an und kaute seine +Nägel: „Nun gewiss, auch Frauen haben eine +Seele,“ sagte der Professor zerstreut. „Das heisst +– Seele! –“ er lachte sardonisch. Er hatte +Lust, auf den Fussboden zu spucken. Aber er +besann sich. Man hatte ihn eingeladen, weil er +in den Wahlvereinen wichtig war. +</p> + +<p> +„Man muss das schwache Gefäss in Geduld +tragen,“ sagte der Superintendent. „Wir haben +ja auch aus der ersten christlichen Kirche schöne +Beispiele: Tabbea, Phoebe, die der Apostel erwähnt. +Echt evangelische Frauengestalten.“ +</p> + +<p> +„Darf man heirathen?“ fragte ein sehr junges +Mädchen. „Es steht doch in der Bibel, nicht +heirathen ist besser?“ +</p> + +<p> +„Dann würde aber die Welt aussterben?“ +</p> + +<p> +„Und das wäre sehr schade,“ sagte der Prinz +ernsthaft. Der Superintendent witterte römische +Ketzereien. Er wies auf das grosse Exempel +Martin Luther’s und seinen gesegneten Ehestand. +<pb n='109'/><anchor id='Pgp109'/>Die Superintendentin sass steif mit einer spitzen Nase. +Sie dachte an den übriggebliebenen Gänsebraten +für morgen, ob ihr die Mägde nicht drangingen. +Der Prinz machte confiscirte Witze und trieb den +Superintendenten in die Enge mit einigen fröhlichen +Vierzeilern von Martin „Nonnenfreund“. Die Lieutenants +secundirten, der alte Herr wehrte sich tapfer. +Sein Gesicht wurde schweissroth vor Anstrengung: +„Ein echter deutscher Mann! Ein Mann nach dem +Herzen Gottes!“ +</p> + +<p> +„Ein Bismarck!“ +</p> + +<p> +Der Candidat schwärmte für Bismarck. Die +Gesellschaft verhielt sich etwas ablehnend. Für +die Offiziere war er eigentlich ein Rebell, ein unruhiger +Kopf, der die Consigne brach. Die Gräfin +brachte rasch das Thema auf etwas Anderes, um +ihren Mann aus der Verlegenheit zu retten. Der +Candidat war oft recht taktlos. +</p> + +<p> +Einige Leute wollten Fragen stellen: Werde +ich eine grosse Carriere machen? Siegt mein Gaul +beim nächsten Rennen? Wann werde ich meine +Schulden bezahlen? Die jungen Mädchen hätten +gern gewusst, ob „er“ ihnen treu war? Wird +der Bestimmte mich zum Cotillon engagiren? – +Die Meisten hatten so eine Art +Taschenspieler<pb n='110'/><anchor id='Pgp110'/>vorstellung, Tischrücken, Kartenlegen oder Aehnliches +erwartet und waren enttäuscht. +</p> + +<p> +Der Superintendent hatte den Fremden mit +Beschlag belegt. Er hatte eine Broschüre über das +Glaubensbekenntnis, Harnack und die Agende +veröffentlicht und wollte jetzt dem Andern auf +den Zahn fühlen über diese wichtigen Punkte. +Sein Grundsatz war, dass Kirche und Staat zusammengehen +müssten in den jetzigen socialen +Wirren. Vernünftige Reform. Aber die feste Hand +von oben. Und vor allem musste die Autorität +gewahrt werden. Das Patriarchalische ist das +einzig Wahre. Dabei hatte er einen Geschmack +für weltliche schöne Literatur, citirte Classiker und +bekannte sich zur Goethe’schen Schule. +</p> + +<p> +Der Candidat war ein Heisssporn. Er war für +ein sociales Kaiserthum, eine Art Theokratie unter +von oben inspirirtem Oberhaupt mit unumschränkter +Autorität. „Die Idee des Gottesgnadenthums muss +wieder herrschend werden.“ Dieser Ausdruck gefiel +ihm. Ihn zog das Katholische an. Er war für +High-Church-Reforms. Allenfalls für einen deutschen +Papst, grössere Prunkentfaltung. Er selbst mit einer +edelsteinbedeckten Brust hohe Kirchenakte celebrirend +– das hätte seiner Neigung entsprochen. +</p> + +<pb n='111'/><anchor id='Pgp111'/> + +<p> +Wenn der Superintendent das Presbyterianische, +die Selbstverwaltung der Gemeinden betonte, betrachtete +er ihn fast als eine Art Hochverräther. +Dieser im Gegentheil versprach sich nicht viel von +den jungen Leuten. Er war mehr für die kleinen +Lokalpäpstchen. Man lebte in Frieden und that +sein Möglichstes. Die Frau Superintendent liess +bei sich nähen und war im Vorstand aller Wohlthätigkeitsvereine. +Alles das, diese kleinen Spiele +und Gegenspiele, die er witterte, erheiterte den +Prinzen. Er hatte die „Baalspfaffen“ speciell auf +dem Korn und liebte es, an ihren Bäffchen sein +Müthchen zu kühlen. Er erzählte die bekannte +Anekdote von Friedrich dem Grossen: „Der Pfaff +soll sein Maul halten, mein Reich ist nicht von +dieser Welt,“ mit der die Kinder der Welt die +Pfarrer anöden. Der Doctor secundirte ihm eifrig, +ebenfalls einige von den Lieutenants. Alle waren +für apostolische Einfachheit, den Stab und einen +Rock: er hatte nicht, da er sein Haupt niederlegen +sollte. +</p> + +<p> +„Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!“ Der +Superintendent hielt seine halbgeleerte Kaffeetasse +in der Hand, in der er den dicken, bräunlichen +Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein +<pb n='112'/><anchor id='Pgp112'/>bischen viel Zucker; bei andern Leuten kostete es +nichts. „Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, +dass die Gläubigen sich kasteien. Das ist eine +ganz irrige Auffassung, katholische Ketzerei: hat +er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das +Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete +Gegenwart den heiligen Ehestand ausgezeichnet.“ +</p> + +<p> +„Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, +Maria oder Magdalena?“ Dies war ein vorlauter +Lieutenant. +</p> + +<p> +„Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem +heiligen Amt. Und wir müssen nicht vergessen, +dass er in verhältnissmässig jungen Jahren –“ +</p> + +<p> +„Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden +dazu,“ sagte der Prinz. „Das ist auch eine Auffassung.“ +</p> + +<p> +Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel. +</p> + +<p> +„Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, +meine Herren! ... Sie müssen selbst einsehen ...“ +</p> + +<p> +Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er +mochte begreifen, dass sein Scherz etwas zu +weit gegangen war: „Darum keine Feindschaft +nicht. Ich weiss ja, wir brauchen das für die +Dummen.“ +</p> + +<pb n='113'/><anchor id='Pgp113'/> + +<p> +Der Candidat ärgerte sich. Die Kirche musste +eine ganz andre Gewalt wieder haben. Und es +wäre in der That gut gewesen für die Stellung +des Priesters – er sagte immer „Priester“, er +fand, dass das nach mehr klang – wenn das +Cölibat innegehalten würde. Wenigstens für die +höheren und höchsten Kirchenämter. Vieles in der +römischen Kirche war sehr beherzigenswerth. +</p> + +<p> +Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser +Meinung, übrigens war sie jetzt die tonangebende. +„Die militairische Organisation muss durchgeführt +werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles.“ +</p> + +<p> +Ein Umschlag in der Meinungsäusserung war +eingetreten. +</p> + +<p> +„Ich hatte einen famosen Pastor, bei dem ich +im Quartier lag,“ versicherte ein Lieutenant. +„Wirklich ein famoser Kerl!“ +</p> + +<p> +„Ach, und die schöne Kirchenmusik!“ +</p> + +<p> +„Und Weihnachten!“ sagte eine andre junge +Dame. „Es ist so tief und bedeutungsvoll.“ +</p> + +<p> +„Ich fände es doch schrecklich zum Beispiel, +sich nicht in der Kirche trauen zu lassen,“ sagte +der Doctor. +</p> + +<p> +„O, pfui!“ machten Alle. Sie wussten nicht +recht, ob er es im Ernst meinte. Der Doctor war +<pb n='114'/><anchor id='Pgp114'/>ein schrecklicher Mensch, sehr interessant. Sie +waren Alle fest entschlossen, ihn nie zu heirathen, +wenn er um Eine von ihnen anhielte; aber er +hielt nie an. +</p> + +<p> +Ein junges Mädchen war sehr traurig. Sie +fühlte dunkel, dass dieser Mensch etwas Extraes +war, klüger und stärker als die Andern. Warum +lachte er höhnisch und sagte scharfe Worte, die +weh thaten? – Ein alter Herr war da, der an +Gesichtszucken litt, seine Hände sonderbar und +krampfig bewegte. Sie sah, dass Einige dies beobachteten, +darüber lachten. – Sie fühlte sich abgestossen, +elend. Dieses junge Mädchen war sehr +jung noch, ein halbes Kind fast. Niemand bekümmerte +sich um sie. +</p> + +<p> +Der Fürst unterhielt sich mit dem Fremden. +Die Gräfin Thornhill fand ihn sehr interessant. +Sie behauptete, sie sähe deutlich einen breiten, +blauen Schein um seine Stirn. Sie nannte das +das Fluidum. Das Fluidum, das von dem Fremden +ausging, war erstaunlich. Die Gräfin Thornhill +galt für eine Heilige. Es kamen sehr einflussreiche +Leute zu ihren spiritistischen Reunions; so geschahen +wirklich manchmal Wunder da. +</p> + +<p> +Der Assessor von Brincken bestritt sehr +ernst<pb n='115'/><anchor id='Pgp115'/>haft, dass er keineswegs nicht an Wunder glaubte. +„Ich war früher wie Sie. Aber seit ich Frau +Gräfin kenne ...“ Sie hatte ihn bekehrt. „Es +giebt eben doch mehr Dinge zwischen Himmel und +Erde, als unsre Schulweisheit sich träumen lässt.“ +Der Assessor war sehr zugeknöpft über diese +Dinge. Er war eben ein Eingeweihter. Den Doctor +schnitt er: „Ein gefährlicher Charakter! Ich würde +mich nicht wundern, den Burschen eines Tages +auf den Barrikaden zu sehen.“ Auch der Fürst +war ihm unsympathisch: „Er ist frivol, er schadet.“ +Der Assessor war für’s Correcte, sein Vater war +erst geadelt worden; da ist es der sicherste und +geradeste Weg. +</p> + +<p> +Der Doctor beobachtete seinen Patron und den +Fremden. Er sah das breite Faungrinsen des +Alten. Er kannte diese kühle Manier, mit der +er die teuflischsten Dinge sagte, dies freche +Augurenzwinkern des Eingeweihten, das dem +Andern gleichsam die Replik über dem Kopf wegnahm: +Wir Beide wollen uns doch nichts vormachen. +Du denkst darin ebenso wie ich. Die +Andern sind Dummköpfe. – Er hielt sich noch +ganz gerade, zu gerade. Der weisse Schnurrbart +stand steif aufgewichst. Die Backen waren roth +<pb n='116'/><anchor id='Pgp116'/>geschminkt, die Augen glänzten, um die Brauen +sorgfältig geschwärzt. Auf der schwarzseidigen +Frackfläche bildete der grosse Stern mit dem +Ordensband einen markanten Fleck. Seine Hand +trug kostbare Ringe. Er war stolz auf diese +lange, magre, aristokratische Hand, gebrauchte sie, +um seine Bartspitzen zu liebkosen. Es war eine +Lieblingsredensart von ihm: „Profile giebt’s wohl +noch allenfalls, aber Hände! Hände! – Wir sind +Alle Ouvriers geworden.“ Tadellos zog sich die +Scheitelspur. Er war der König des Kreises; er +dominirte. +</p> + +<p> +Anton Rothe allein und sein vertrauter Kammerdiener +wussten, was das Alles kostete, dies Gerüst, +das noch immer zusammenhielt, zu neuen +Blendungen, neuen Ausschweifungen. Er und nur +er kannte die erstaunliche Lebens- und Genusskraft +des Skeletts, die standhielt, in einer kalten +Douche sich neu schmiedete, wenn er selbst, der +Junge, erschöpft war, rasend, zum Selbstmord +angeekelt. +</p> + +<p> +Er dachte an eine junge Dame. Sie war arm +gewesen und stolz. Ein herrliches Weib! Mit +solcher geht man in unbebaute Colonien und hat +Kinder und stirbt vor dem Feind für seinen Herd. +<pb n='117'/><anchor id='Pgp117'/>Er hatte für ihn geboten auf sie. Der Kampf reizte +ihn. Er bot höher und höher. Weil sie arm war +und Hungers starb, hatte sie angenommen. Nur +darum. Er wusste es. – Sie sagte nur ein Wort: +Schurke! Er hatte gelächelt. +</p> + +<p> +Warum fiel ihm das jetzt ein? +</p> + +<p> +Ein Hass kam über ihn, ein glühender, fressender +Mörderhass gegen dies miserable Kunststück +der Hypercivilisation, diesen Fetzen von Haut und +ausgedörrten Knochen, den er schütteln konnte, +der ihn hielt wie eine Viper unter seinem kalten, +grausamen Willen, seine Intelligenz zerbrach wie +morschen Baumbast unter der polirten Stahlschneide +seiner frechen Philosophie der Verneinung. +</p> + +<p> +Plötzlich sah er den Alten blass werden. Seine +Farbe wechselte sich in Leichenfarbe. Er war ein +grinsender Todtenschädel. Unter dem weissen, gestärkten +Vorhemd schien die Brust einzuschrumpfen. +Es war hohl dahinter. Er lehnte sich gegen die +Portiere. +</p> + +<p> +Anton Rothe war im Nu an seiner Seite. +</p> + +<p> +„Es ist nichts. Eine kleine Uebelkeit. Der +verdammte Büchsenhummer ...“ Er war wieder +ganz höflicher Weltmann, als die Gräfin, nun auch +besorgt, herbeieilte. Gleichzeitig wurden die Klänge +<pb n='118'/><anchor id='Pgp118'/>der Polonaise laut, die den Ball eröffnen sollte: +„Wir werden noch manche Polonaise zusammen +führen.“ +</p> + +<p> +Der kalte Schweiss stand auf seiner Stirn. Er +zitterte, lächelte mit bläulichen, lallenden Lippen. +</p> + +<p> +Anton Rothe hob ihn wie ein Kind in den +Wagen. Er selbst sprang auf den Bock. Niemand +achtete auf den Andern in einem allgemeinen Hin- und +Hergelaufe, während drinnen zur Tanzmusik +die geschmückten Paare sich ordneten. Es wetterleuchtete. +Lichter leckten auf in bläulichen, breiten +Zungen, duckten sich wieder, huschten auf einer +andern Seite spielerisch entlang. – Sie fuhren die +schwarzen Trakehner, das berühmteste Viergespann +der Gegend, auf das königliche und kaiserliche +Marställe fabelhafte Summen geboten hatten. Der +Fürst liebte sein Leben, aber er hielt auf Rasse. +</p> + +<p> +Die Gräfin stand am Schlage mit ihrem <anchor id="corr118"/><corr sic="Gattenadjudanten">Gattenadjutanten</corr>. +Der Greis, jetzt wohl eingehüllt in +seine Zobelpelze, bückte sich noch hinaus: „O +nichts, nichts, schöne Frau – meine kluge Freundin. +Der Fremde – der Fremde ... Cocasse! Ein +sonderbarer Kunde, Ihr Fremder ...“ +</p> + +<p> +Anton Rothe hob die Peitsche und zog die +Pferde an. Sie waren unruhig und warfen die +<pb n='119'/><anchor id='Pgp119'/>Köpfe, als ob sie das Gewitter röchen. Es lag +Phosphorgeschmack in der Luft. Man öffnete das +grosse Hofthor. Einen Moment stand der ganze +Horizont in Flammen, ehe es sich wieder hinter +ihnen schloss. Sie waren ganz schwarz wie auf +Feuer gezeichnet, eine schwarze Kutsche mit +schwarzen Pferden und einem kohlschwarzen Kutscher +auf dem Bock. ... +</p> + +<p> +Er wusste, er fuhr einen Sterbenden. +</p> + +<p> +Der Fremde war verschwunden. +</p> + +<p> +Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe +stand das kleine Mädchen. Sie mochte nicht tanzen. +Sie weinte. Sie fühlte sich sehr traurig. ... +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='120'/><anchor id='Pgp120'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das siebente Kapitel.</head> + +<p> +Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann +den Sterbenden. +</p> + +<p> +Es gab einen kürzeren Weg über die Berge +durch eine seichte Furth im Flusse. Schmuggler +benutzten ihn für lichtscheuen Handel. Man vermied +ihn am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war +Wahnsinn. +</p> + +<p> +Das Gewitter näherte sich. Es war ein Sausen +in der Luft, das die Bäume zur Erde bog. Kiefern +und magere Birken, die an den Abhängen wuchsen +im beständigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind +fing sich in den gewundenen Schluchten der Thäler. +Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener +Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysteriösen +Anziehungskraft aufgetrieben, begann zu +brüllen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen +<pb n='121'/><anchor id='Pgp121'/>Kruppen, die zu den Steinen hinüberleckten. Bewegungslos, +weiss lagen noch die schimmernden +Ränder. Runde Backen von Kieseln gleissten. +Aber die Schilfe rauschten und raunten. Während +von weiter, über dem Gebirge unheilschwangere +Laute eines brauenden, überkochenden Hexenkessels +kamen, jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der +peitschenden Bewegung der Bäume eine fratzenhafte +Mischung von Licht und Schatten verursachten. +Alles in Galoppade, die Kutsche einhüllend, +die wie ein Gespann der Hölle dahinsauste. +Inwendig den Sterbenden. Ueber den +Hälsen der Pferde, halb hängend in der Luft, den +Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine +knatterten, Funken aufsprühten. +</p> + +<p> +Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, +senkrecht, elegant, halb spielerisch, ein +Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. +Die Pferde bäumten sich. Er riss sie zurück. Sie +rasten vorwärts wie der Teufel. +</p> + +<p> +Drinnen hörte er den Sterbenden röcheln. Er +schrie. Er flehte. Das Gehör des Fahrenden, unnatürlich +angespannt, vernahm jeden Laut. Er +fühlte die schweissfeuchten, huschenden Finger, die +sich anklammern wollten, das Fenster +niederzu<pb n='122'/><anchor id='Pgp122'/>lassen versuchten. Der hülflose Körper verweigerte +die Anstrengung. – „Hülfe! Hülfe!“ keuchte der +drinnen. +</p> + +<p> +Er lachte laut auf. Er klopfte mit dem Peitschenstock +an das Fenster und schrie: „Hoho!“ Er sah +den drinnen sich verzerren in Todesangst, die +künstlichen Zähne heruntergefallen, die Augen vorgequollen, +in weissgrünem Schweiss. +</p> + +<p> +Er jauchzte wilder. Der Ton brachte die Pferde +ausser sich. Sie flogen vor ihm her wie Raben +im Dampf. +</p> + +<p> +Es fiel ihm ein, wie er ein Hirtenjunge gewesen +war, den Berg hinuntersprang, mit dem +schäumenden Sturzbach um die Wette. Manchmal +kamen Steine. Der Bach sprang klaftertief mit +sprühendem Gischt, der Junge sprang noch über +Bach und Stein hinweg. Seine nackten Sohlen +tanzten in dem grünen, eiskalten Wasser, das +nach ihm aufleckte, nach den weissen, zappelnden +Füssen. Er wusste, dass sie Feinde waren, er +und der Bach. Trotzdem konnte er ihn nicht kriegen; +trotzdem liebte er ihn. +</p> + +<p> +Er liebte den Bergwind, der die Bäume zerbrach, +um seine Schutzhütte tobte, diesen grossen +Ton der Wuth, der Unterwelt, Gewaltigerer gegen +<pb n='123'/><anchor id='Pgp123'/>die dumme Ordnung, die banale Heiterkeit der +Sonne. Von sehr hoch sah er winzige abgetheilte +Felder. Häuser wie Schneckenhäuser angeklebt, +ängstlich. Sie hatten Mühlräder eingesetzt, um das +Wasser zu nützen und bepackte Postwagen keuchten +schwerfällig die Strassen hinauf. Manchmal kamen +Städter mit dünnen Beinen, wischten sich den +Schweiss ab und lächelten höflich. Er stand vor +ihnen wie ein kleiner Wildling. Er verachtete sie. +</p> + +<p> +Wie er sie verachtete! Sie vermeinten, dass +der Berggeist sie foppte, wenn er schallend hinter +ihnen her lachte, weil sie sich verliefen und ängstlich +suchten. Hässliche alte Weiber traten ihnen +entgegen aus Versenkungen, die sie nie gesehen +hatten, murmelten ihnen Verwünschungen nach, +die sie nicht verstanden, für Segenswünsche hielten +als Entgelt ihrer blanken Nickelstücke. +</p> + +<p> +Ab und zu stürzte auch mal Einer wirklich +ab, mit der Brille, dem Photographierkasten. Das +war dann ein grosses Unglück. Herren vom Gericht +kamen, Leidtragende, wichtig thuend. Sie +trugen gar nicht wirklich Leid. Sie freuten sich +heimlich. Er gönnte es ihnen. Was kamen sie +herauf mit ihren dünnen Beinen, ihren Glatzen und +Gläsern, ihrem Geld. +</p> + +<pb n='124'/><anchor id='Pgp124'/> + +<p> +Freilich ihr Geld! Er wusste bald, was es werth +war, dass er ein Lump war mit seinen Fäusten, +seinem prachtvollen Krauskopf und weissen starken +Zähnen, wenn er es nicht hatte. Dafür gab man +ihm Hutfedern, blanke Stiefel, die gleissten in der +Sonne. Sonst musste er hungern. Anton Rothe +wollte Geld. +</p> + +<p> +In der Schule verschlang er seine Bücher. Er +zeigte einen Heisshunger nach Wissen, der die +Lehrer erstaunte, unbedeutende eingesumpfte Dorfmenschen, +die sie waren. Das peinigte ihn. Er +brachte seine Nächte zu, schwierige Aufgaben sich +auszudenken und zu lösen, mehr zu erfahren, +mehr – mehr! Mit einer wahren Wuth riss er +jetzt an den Thoren der Erkenntniss, der vorher +in scheue Wildheit sich eingeschlossen hatte. +</p> + +<p> +Und er hatte Glück. +</p> + +<p> +Der Patron des Gutes nahm sich seiner an, +ein wohlthätiger und gelehrter Mann, sehr reich. +Er liess ihn studiren. Vielleicht wollte er sich +einen brauchbaren Präceptor seiner Söhne erziehen. +Es ist immer angenehm, einen Clienten +zu haben, Wohlthun ist ein Vergnügen für +reiche Leute. +</p> + +<p> +Die Freude an seiner Wohlthat war kurz. Der +<pb n='125'/><anchor id='Pgp125'/>Junge entlief zwischen die rotheste Rotte. Er hielt +zündende Reden, schrieb Zeitungsartikel, die die +Presse in Bewegung setzten. Er wurde selbst +Arbeiter. Seine Fäuste zwangen das Eisen wie +sein Geist den Stoff – ein interessanter junger +Mann, dem man eine Zukunft prophezeite! +</p> + +<p> +Er verliebte sich. Irgend eine gleichgültige, +hellblonde Tochter seines Patrons. Sie liess ihn +lächelnd sich glühend erklären und heirathete kaltblütig +und vernünftig ihren Dragonerlieutenant. – +Nun fing er an wie ein grosser Herr zu leben, +machte wahnsinnige Schulden. Alles musste ihm +den einen Zweck, Geld zu machen, dienen, seine +Feder, seine Talente, skrupelloseste Börsenmachinationen. +Summen glitten zwischen seinen Fingern. +Auf Reisen im Orient machte er die Bekanntschaft +des Prinzen. Seitdem waren die Beiden unzertrennliche +Begleiter. +</p> + +<p> +Bergabwärts raste das Gespann. Er hatte die +Peitsche fortgeworfen, die Zügel losgelassen. Er +kutschirte mit gekreuzten Armen wie im Circus. +Er hätte wie eine Katze den Pferden auf den +Rücken springen mögen, mit seinem Athem an +ihren Ohren, wie Cowboys, Uncultivirte reiten. +</p> + +<p> +Hinter ihm zerbrach splitternd das Fensterglas: +<pb n='126'/><anchor id='Pgp126'/>„Hülfe! Hülfe!“ klang es gellend, kreischend, nicht +mehr menschlich. +</p> + +<p> +Er schlug ein teuflisches Gelächter auf. Sie +rasten weiter. +</p> + +<p> +Wie Rabenfittiche sausten die Rappen durch +die Luft. Die Luft litt unter dem Ansturm und +pfiff schmerzhaft. In Peitschenhieben traf sie die +Flanken der Wüthenden. Ihre Nüstern schnoben +Feuer. Von ihren Hufen sprühte der Stein in +knisternden Funken. Das Heulen der Winde +wurde grässlicher. Sie fingen sich, drehten sich, +verschlangen einander in kreisenden Strudeln. +Regenhuschen stoben auf. Irgendwo musste es +schon giessen in Strömen. Es schlug prasselnd +gegen das Fenster. Die krampfende Hand im +Rahmen verschwand. – Dadrinnen war die Sündfluth. +</p> + +<p> +Irgend etwas war zerbrochen. Ein Hinterrad. +Die Pferde rasten weiter mit dem geschleiften +Kasten, der knackte in allen seinen Fugen, aufsprang, +fiel, kratzte, quietschte, mit dem dumpfen +Geräusch von Schlittenkufen auf dem Trocknen. +</p> + +<p> +Dadrinne war ein Skelett, ein nicht mehr +menschliches Ding, getödtet von Furcht, und doch +lebend, das agonisirte. Es dachte an diese +schreck<pb n='127'/><anchor id='Pgp127'/>liche Angst und Hülflosigkeit, dass er ihn hielt in +seiner starken Hand, stark wie die Lawine! +</p> + +<p> +Vor ihnen knatterte der Fluss. Der Regen +prasselte. Er schlug hernieder wie in Ruthenbündeln. +Haarscharf wendend, zeigten sich im +Blitzlicht zerrissne Sprünge, schweflig gähnend, +dass die Pferde zur Seite schnellten, grausend. +</p> + +<p> +„Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur +Hölle!“ +</p> + +<p> +Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit +blutenden Flanken, schaumbedeckt, keuchten wie +apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der gefallne +Engel, lenkte sie selbst im höhnenden Rausch +seiner Kraft und seines Stolzes. Es war unmöglich, +dass sie so ankamen, der Wagen musste +sich überschlagen, zerschellen. +</p> + +<p> +Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten +den Boden, dass die Geleise rauchten, die Räder +sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen +losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit +feuchten Haaren, Rübezahl der Berggeist mit dem +Barte, das ganze Heer der Wilden, Eingebannten. +</p> + +<p> +„Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, +Gesindel!“ +</p> + +<p> +Drinnen war es still. Er hörte nichts mehr. +<pb n='128'/><anchor id='Pgp128'/>Der Wagen schlug auf wie ein klappender Kasten, +nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unförmiges, +das die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach +dem man sich nicht umsah, immer zwischen ihren +Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf. +</p> + +<p> +Und nun, ganz deutlich, vernahm man die +Stimme des Flusses, zwischen allen diesen Bächen, +Wässern, die neben ihnen gossen, vom Walde +und Wolkenbruch angeschwollen. Er röhrte wie +ein Hirsch in Wollust. Er war allmächtig. Bäume, +mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten +sich blitzgeschwind. Die Steine seiner Tiefe kollerten +polternd übereinander. „Ihr denkt, ich drehe +Euch Eure Mühlen, schaffe Euer Licht, trage Eure +Brücken – Euer Diener, Euer gehorsamer! Euer +Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse Euch!“ +</p> + +<p> +Er fühlte sich stolz, alle Demüthigung dieser +vielen Jahre fortgeschwemmt, zerbrochen der Zaum, +den er im Munde getragen. Bücken, heucheln und +lügen! – Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. +Er war stark. +</p> + +<p> +Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, +über ihm und in ihm, Satan mit prachtvollem +Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. +Nichts! Nichts gegen ihn! +</p> + +<pb n='129'/><anchor id='Pgp129'/> + +<p> +Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme +fuchtelnd in der Luft, Laute südlicher, infernalischer +Idiome, die den Blutdurst rufen, Tänzer zu +den tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und +die Frauen willenlos machen unter dem Gluthhauch +der Brunst. Alles das hatte er gesehen +und genossen im delirirenden Suchen nach Genuss, +unter der platzenden Sonne des Mittags. +</p> + +<p> +Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem +sich die Hunde abwenden mit Grauen, sein leeres +Hirn zerschellt an den Steinwänden. Nichts drin, +das Grinsen selbst des Todtenschädels zerstört im +grösseren Grausen, dieser zersplitterten Knochen, +zerschundnen Häute unter dem Orden, dem Frack. +</p> + +<p> +„Geht! Geht, meine Engel! Fliegt, meine +Feuerrosse! Springt an, meine Wildlinge!“ +</p> + +<p> +Senkrecht weiter ging es in toller Flucht. Ein +Rudel Wild hatte sich da zusammengedrängt im +Hohlweg, Schutz suchend in scheuem Schrecken. +Mitten unter sie sprangen die tollgewordenen +Rappen. Ein Gekreisch der Stummen, die nie +sprechen, fuhr auf, Blutgeruch, warme Spritzer ... +Die Klage erstarb im Tannenwald. +</p> + +<p> +Und jetzt setzte der Donner ein. Ein Trommelrollen +wie von tausend Tambouren. Der Wirbel +<pb n='130'/><anchor id='Pgp130'/>ging über den ganzen Himmel hin, zornig und +rufend ... und verhallte. +</p> + +<p> +Er war jetzt ganz frei. Er führte die wilden +Rosse seines Lebenswagens gegen den Abgrund. +Eine jauchzende Kraft kam über ihn. +</p> + +<p> +„Wir können nicht leben wie wir wollen. +Aber wir können sterben und den Tod verachten, +denn wir wissen, dass er kein Tod ist. Nur ein +leeres Schreckgespenst, ein lächerlicher Schwindel +gar nicht existirender Gewalten. Taschenspielerkunststück +Derer, die sich schwach fühlen!“ +</p> + +<p> +Der Donner, ein zweites Mal, gab Antwort, +ein Tiger mit ungeheurem hängenden Bauch, der +über weite Flächen springt; im Sprunge brüllt +er ... +</p> + +<p> +... „Der Schwarze Bock in Purpurfinsterniss +erscheint“ ... +</p> + +<p> +Höllengeschichten fielen ihm ein. In Pariser +Schlammpfühlen, affreuse Weiber, schwarze +Messen, wo man mit dem Blut der Wollust die +Todten beschwor, Hüftenverrenkungen in Bauchtänzen +geschlechtsloser Vorstadtbajaderen, Augen, +die über der Verwesung schwammen wie fischige +Perlen in perlmutternem Glanze.... Diese ganze +Civilisation, impotent und pervers, in den letzten +<pb n='131'/><anchor id='Pgp131'/>Zügen röchelnd, mit Haschisch und Qualen sich +aufpeitschend zu neuen Sensationen, ein zweites, +neues, junges, greisenhaft altes Rom, wo die +Messalinen ordinaire Cocotten sind, die Neros +und Heliogabals, Boulevardbummler, verwöhnte +Muttersöhnchen, Sprösslinge jüdischer Banquiers +und christlicher Prostituirter. Wie gemein! Wie +gemein! +</p> + +<p> +Ein Gelächter schüttelte ihn wie im Krampf. +Der Hut war ihm vom Kopf geschlagen. Er riss +sich den Rock auf. Er drängte sich nackt, hoch, +dem Tod und dem Nachtwind entgegen. +</p> + +<p> +Ein Schrei gellte auf von irgendwo. Vielleicht +ein Wandrer? Der Chausseewärter? Die wilde +Jagd stob vorüber. +</p> + +<p> +Er fühlte die feuchten wehenden Haare der +Hexen hinter sich, ein lascives Gelächter nackter +Trollen und Faune. Sie ritten mit entsetzlichen, +unbeschreibbaren Gesten. Die Jungen waren hübsch +mit traurigen Augen. Die Aeltern waren noch +schrecklicher, schwarz, Aeser geworden in der +lebendigen Verwesung ihres Lasters. +</p> + +<p> +Er wusste nicht mehr, was er hinter sich herzog. +Einen Cadaver. Ein Aas in Fetzen. Einen +Lumpen ... +</p> + +<pb n='132'/><anchor id='Pgp132'/> + +<p> +Er hörte nur noch das Brüllen des Wassers, +fühlte die Feuchtigkeit. Steine rollten mit ihm +bergab. Sie hüpften, kugelten, kollerten, surrten. +Hohhi hoh! Er hetzte die Rappen zum Todessprung. +</p> + +<p> +Plötzlich standen sie kerzengerade. Der ganze +Himmel flammte im Feuer. Er schien zusammenzukrachen +von allen Seiten, zu bersten, zu +schüttern, zu schwingen ... +</p> + +<p> +Wie ein eiserner Vorhang, ganz von Eisen, +schwarz, und schwer vom Gewicht aller Himmelsgewölbe +klappte der Donnerschlag. +</p> + +<p> +Dann nichts mehr. Dunkelheit. +</p> + +<p> +Eine Hand hielt seine Hand gefasst. Er versuchte +die andre gegen seine Stirn zu führen. Sie +war warm vom Blut. „Wohin führst Du mich?“ +</p> + +<p> +„Wohin Du nicht gewollt hast – <hi rend='gesperrt'>Paulus</hi>!“ +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='133'/><anchor id='Pgp133'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das achte Kapitel.</head> + +<p> +Der Superintendent war doch in einer gewissen +Erregung. Der „geniale“ Streich der Gräfin +hatte ihn etwas verletzt, trotzdem sie es seitdem +wieder gut zu machen versuchte, die Frau Superintendentin +in ihrem eignen Wagen mitnahm. +</p> + +<p> +Man sprach viel von dem Fremden. Die Baronin +hatte überall von dem Odschein erzählt. +Man brachte das Neuaufblühen des Socialismus +mit ihm in Verbindung. Zeitungen, die der Kirche +übelwollten, erzählten kleine Anekdoten. Ein +wissenschaftlicher Aufsatz behandelte die Frage +ganz ernsthaft, er war von einem modernen +Schriftsteller verfasst, der sich bis dahin hauptsächlich +mit Ehebruchsdramen und Erotik beschäftigt +hatte, nun alles Heil im Mysticismus sah. Unter +den schönen Seelen der Stadt bestand eine +ge<pb n='134'/><anchor id='Pgp134'/>wisse Erregung. Ein junger Hülfsprediger wurde +sehr populär. „Er ist so tief,“ sagten diese Damen. +Unglücklicher Weise bildeten diese Damen eine +Macht. Es wurmte den alten Herrn, dass sie ihn +für „nüchtern und protestantisch“ hielten. Niemand +sieht seine Kirche gern leer. +</p> + +<p> +Er hatte natürlich zunächst an eine Denunciation +nach oben gedacht, das war wohl seine +Pflicht eigentlich. Aber ein zweischneidiges Mittel. +Man konnte finden, dass er eine Schwindelaffaire +zu sehr aufbauschte. Andrerseits hielt man es +wohl gar für Eifersucht, die Pfaffen kriegten es +mit der Angst. Ein jovialer Reitergeneral, Durchlaucht, +hatte ihn schon gefragt: „Was würden Sie +jetzt mit dem neuen Christus machen? Da können +Sie einpacken, Pasterchen!“ Er durfte sich solche +Jovialitäten erlauben. Dafür wurde der Superintendent +immer eingeladen. Er war Burgpfaffe +bei den Herren Offizieren. +</p> + +<p> +Dann die katholische Concurrenz – die rührte +sich nicht. Man wusste ja, da war Alles Mysterium. +Es gab geheime Winke von oben. Vielleicht +war ihnen die Geschichte nicht unangenehm. +Sie hatten ja zum Schluss immer den Vortheil, +weil sie abwarten und schweigen durften. Schweigen +<pb n='135'/><anchor id='Pgp135'/>und abwarten dürfen war eine grosse Sache. Das +ist der Vortheil der alten historischen Gewalten; +man, als Parvenü, musste auf dem Posten sein, +Schritt halten, die Vereinigung mit der Wissenschaft +nicht fallen lassen. +</p> + +<p> +Die Wissenschaft hatte dem geistlichen Herrn +schon manche schwere Stunde bereitet. Es war +eine Universität in der Stadt, dadurch beständige +Kabbeleien. Die Herren passten Einem auf die +Finger. Von Hölle und persönlichem Teufel durfte +man schon gar nicht reden; obgleich diese Dinge +für die Plebs noch immer zogen. Dann waren +die schönen Seelen, die Einen nüchtern fanden, +zur Weihnachts- und Ostermesse in den Dom liefen +oder mit mystisch angehauchten Hülfsgeistlichen +Conventikel abhielten. +</p> + +<p> +Der Superintendent war ein geplagter Mann. +</p> + +<p> +Uebrigens grollte die Superintendentin. Sie +fand, dass er als <hi rend='gesperrt'>Mann</hi> dem Unfug mit einem +Schlag ein Ende machen musste. Die Superintendentin +appellirte oft an den Mann. Sie selbst war +ein Charakter. Dann hatte man die Sanitätsräthin +über sie placirt; so gut wie die Sanitätsräthin +war sie allemal. Der Sanitätsrath war ein Cyniker. +Das Interessanteste an Tolstoi wäre seine Diät, +<pb n='136'/><anchor id='Pgp136'/>sagte er. Er erlaubte sich dann sogar Anspielungen +auf die gar nicht Tolstoi’sche Diät in der Superintendentur. +– Man hatte etwas auszustehen als +Mann Gottes in diesem ungläubigen Jahrhundert. +</p> + +<p> +Und oft dachte der Superintendent mit Seufzen +an die Zeiten, als noch ein kirchlicher Fingerzeig +genügt hatte, um Unbefugte auf den Scheiterhaufen +zu schicken, Calvin über dem fröhlichen Genf seine +Ruthe schwang. +</p> + +<p> +Der saubereingebundne Band seiner Predigten +1897–1900 tröstete ihn dann. Ein Geschenk der +Frau Superintendentin. Sie hatte sie selbst nachgeschrieben. +– So hatte doch auch der Fortschritt, +selbst die Buchdruckerkunst, diese Teufelserfindung, +sein Gutes. +</p> + +<p> +Der Superintendent hatte den Fremden zu einer +Besprechung zu sich eingeladen. Die Einladung +war in ganz höflichen Worten erfolgt. Erstens, +die christliche Milde auch gegen den irrenden +Bruder, dann existirte ja auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, +die vorfordern konnte, nicht mehr. +</p> + +<p> +Er erklärte sich die Sache so: Ein ungebildeter +Mann, ein Handwerker – der Superintendent +betonte das „ungebildet“ –, von Mysticismus, +sitzender Lebensweise angekränkelt, hatte sich in +<pb n='137'/><anchor id='Pgp137'/>diese Dinge vertieft. Voraussichtlich würde er ihm +lange confuse Reden halten, von einer Mission, +Erscheinungen. Man kannte das, und seine +Wirkung auf das ungebildete Volk. Gerade weil +ihnen das Alltägliche nicht gut genug war, sie +das Ruhige und Vernünftige nicht thun wollten, +liefen sie nach dem Wunderbaren. Der Hirte kannte +seine Heerde. +</p> + +<p> +Man würde mit diesem Manne vernünftig +sprechen, seine Absurditäten nachweisen, selbst +wenn man ihn nicht überzeugte. Heilsarmee, +tausendjährige Reichsgeschichten waren ja Mode +jetzt. Dieser Hang hatte ihm schon viel Sorge +gemacht. Er witterte die alte Hure von Rom, das +babylonische Weib, das von Neuem seine Netze +auswarf. Und man musste so vorsichtig sein wegen +der Behörden, durfte das Unkraut nicht ausjäten. +</p> + +<p> +Der Superintendent hatte sich zu dieser Besprechung +noch einen Confrater eingeladen, der +Consistorialrath war, Professor an der theologischen +Fakultät, Kirchenhistoriker. Man war so zu +Zweien, stärkte sich vorher weidlich an gutem +Tabak und bessrem Wein und konnte die möglichen +Ergebnisse gleich erörtern, während die +Frau Superintendentin mit der Consistorialräthin +<pb n='138'/><anchor id='Pgp138'/>Kaffee trank. Dabei hatte man dann auch allerlei +interessante Fälle und Ketzereien zu erörtern. +</p> + +<p> +Der Superintendent war dafür, den Fremden +nicht gleich vor den Kopf zu stossen, ihn im +Gegentheil leutselig, als gewissermaassen zum Fach +gehörig, zu behandeln. +</p> + +<p> +„Es ist ja auch möglich, dass ein Laie durch +Nachdenken, besondre Gnade, ungewöhnliche Einsicht +in göttliche Dinge erlangt und Beherzigenswerthes +von sich giebt. Der Fall wäre denkbar. +Ich kannte einen Schuster, der über die Gnadenwege +und Melchisedek, den König von Salem, +stritt wie der gewiegteste Theologe.“ +</p> + +<p> +Der Confrater schüttelte lächelnd den Kopf: +„Wir haben das Beispiel der Wiedertäufer, der +Methodisten in England. Die theologisch geschulte +Intelligenz fehlt, das Reguläre, Feste, darum +Lebensfähige.“ +</p> + +<p> +„Aber es waren doch in den Irrthümern dieser +Leute – allerdings gleich Körnern in der Spreu +verborgen – auch einige unbestreitbare evangelische +Wahrheiten enthalten.“ +</p> + +<p> +„Das ist eine gefährliche Ansicht. Jesuitisch – +so gewissermaassen: der Zweck heiligt das Mittel, +lieber Bruder.“ +</p> + +<pb n='139'/><anchor id='Pgp139'/> + +<p> +Dieser Herr war bekannt dafür, dass er die +feinste Nase in Deutschland hatte, um die Jesuiten +zu riechen. Das war sein rother Lappen, auf den +er überall losging, ihn überall herausfand, wie +der Spürhund die Fährte. „Hat uns nicht Martinus +von dem Aberglauben befreit? Und sagt +nicht der Herr selbst: Ihr, die Ihr Zeichen und +Wunder sehen wollt ...“ Der Confrater hob +warnend den Finger. +</p> + +<p> +„Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdrücklich +die Möglichkeit solcher zu. Nicht nur im übertragenen, +sondern auch im wörtlichsten Sinn.“ +</p> + +<p> +„Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, +Freund, Vermessenheit! Es ist die grosse +Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft +mit der Religion zu vereinigen.“ +</p> + +<p> +„Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht +wissen.“ +</p> + +<p> +„Da haben wir uns dann wohl in Demuth +mit der beschränkten Einsicht hienieden zu genügen. +Das ist eine gefährliche Bahn, lieber Bruder. +Eine Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er +in der Lauheit uns legt, dem vollständigen, rationalistischen +Ablehnen des Wunderbaren und Unfasslichen. +‚Wir sehen jetzt durch einen Spiegel +<pb n='140'/><anchor id='Pgp140'/>in einem dunklen Wort. Dann aber von Angesicht +zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise. +Dann aber werde ich erkennen, gleich wie +ich erkannt bin.‘“ +</p> + +<p> +Hier meldete das Dienstmädchen, dass ein +fremder Mann in der guten Stube wartete. Sie +war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm +wirklich die gute Stube gebührte und wartete auf +Bescheid. – Man hörte eine Thür sich öffnen und +vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo +die Frau Superintendentin mit ihrer Freundin sass. +</p> + +<p> +Der Superintendent empfing den Gast dem +Programm gemäss mit demonstrativer Herzlichkeit. +„Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein +Lieber! Ich habe Sie hergebeten mit diesem meinem +sehr geschätzten und verehrten Collegen, um mich +mit Ihnen über Ihre religiösen Ansichten zu unterhalten. +Das ist immer lehrreich für einen Diener +am Wort, gewissermaassen ja auch meine geistliche +Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier +sind, mein Gast und in aller Güte. – Ich vermuthe, +Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht +aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr +in der Form des täglichen Brotes gleichsam, nicht +nur an Sonntagen in der Kirche, näher gebracht +<pb n='141'/><anchor id='Pgp141'/>werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil +des täglichen Lebens werden, und Sie denken, +dass dazu Predigt und persönliche Ansprache, +selbst Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste +ist. Es wären dies wohl gleichsam die Principien, +auf die sich die mir sehr interessante moderne +Agitation der Heilsarmee stützt. Ich möchte, dass +Sie mir nun in kurzen Worten das Dogmatische +Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, +auf die Sie persönlich den Hauptnachdruck legen, +entwickelten.“ +</p> + +<p> +„Ich habe keine.“ +</p> + +<p> +„Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehören +Sie doch irgend einem Bekenntniss an, oder haben +sich in Ihrem Innern für ein solches entschieden? +Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die +Augsburger Confession? Folgen Sie eher Luther? +Jedenfalls doch – und das ist wohl kaum eine +Frage – stehen Sie mit uns auf dem Boden des +apostolischen Glaubensbekenntnisses?“ +</p> + +<p> +Der Superintendent sah ihn streng an. +</p> + +<p> +Der Confrater nahm eine Prise. +</p> + +<p> +„Ich kenne es nicht,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +Der Superintendent war roth geworden wie +ein Mohnkopf. „Aber – aber – das ist die +<pb n='142'/><anchor id='Pgp142'/>Hauptsache. Das ist Christenthum, die geheiligte +Norm, für die unsre Väter, die erste Christenheit +gelitten und gestritten haben. Das Andre ist leere +Phantastik, giebt der weitesten Irrung Spielraum, +der Regellosigkeit.“ +</p> + +<p> +„Es giebt das Leben.“ +</p> + +<p> +„Welch’ ein Irrthum! Welch’ ein verhängnissvoller +und weittragender Irrthum!“ rief der Superintendent +warm. „Es wäre ja denkbar, dass ein +Mensch, der ganz ausserhalb der christlichen Heilssphäre +stände, den Namen Christi nie gehört hat, +auf rein deduktivem, moralphilosophischem Wege +zu einer der christlichen durchaus ähnlichen Ethik +gekommen wäre, wenn hier eben blos die Ethik +das Entscheidende wäre. Denken Sie, dass das +ganz denkbar sein könnte?“ +</p> + +<p> +„Es ist denkbar,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Stoiker,“ nickte der Confrater. „Griechische +Philosophen der nachplatonischen Schule! Das sind +die Argumente, die schon die französische Revolution +gebrauchte.“ +</p> + +<p> +„Sie würden doch nicht sagen, dass ein solcher +Mensch ein Christ wäre, mit uns Theil hätte an +der Erlösung durch den Leib des Herrn?“ +</p> + +<p> +„Ich würde es sagen.“ +</p> + +<pb n='143'/><anchor id='Pgp143'/> + +<p> +„Und wie wird er dastehen im nächsten Leben, +wenn Christus die Seinen um sich versammelt, +die im Blut des Lammes Gewaschenen, auf seinen +Namen Getauften eingehen, und die Andern abgetheilt +werden zur Linken?“ Der Superintendent +wischte sich den Schweiss. Er schnappte nach Luft +wie ein Fisch auf dem Trocknen. +</p> + +<p> +„Ich weiss es nicht.“ +</p> + +<p> +„Eine Art Allheilslehre,“ beruhigte der Confrater. +Das Wortspiel zwischen „Leere“ und „Lehre“ +amüsirte ihn. „Socialistische Moral des Christenthums. +Das ist blos die Frucht. Der Glaube ist +das Erste.“ +</p> + +<p> +„Ich glaube, dass die That das Erste ist.“ +</p> + +<p> +Jetzt sah der Superintendent wieder Fahrwasser. +Er war ganz erfreut. „Das ist die Lehre von den +Werken, das Katholische, Papistische, wogegen +schon Lutherus sich auflehnte. Wir können aus +uns selbst nicht gerecht werden.“ +</p> + +<p> +„Wir können wollen.“ +</p> + +<p> +„Und die Rückfälle? Das menschliche Gesetz +bestraft sie. Wie wird sie Gott nicht strafen?“ +</p> + +<p> +„Wie soll Gott sie strafen, wenn sie in sich +selbst ihre Strafe tragen?“ +</p> + +<p> +„Fatalismus,“ notirte der Confrater. +</p> + +<pb n='144'/><anchor id='Pgp144'/> + +<p> +„Die Bösen! Die Bösen, Mann! Wie erklären +Sie die Bösen?“ +</p> + +<p> +„Es ist ihr Unglück.“ +</p> + +<p> +Dem Superintendenten wurde in der That die +Halsbinde zu eng: „Unglück? Und der, der kämpft, +das Gute will, Gutes thut? Sollen die Guten keinen +Vortheil vor den Schlechten haben?“ +</p> + +<p> +„Sie sind glücklich.“ +</p> + +<p> +Der Confrater mischte sich jetzt ein: „Sehr +interessant. In der That höchst interessant. Das +ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. +Wenn man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt +ist! Haben Sie irgend welche Verbindung mit +diesen Religionsgesellschaften gehabt? – Es +könnte doch sein in irgend einer corrupten Form“ +– (dies für den Collegen) –, „Bücher darüber +gelesen?“ +</p> + +<p> +Der Fremde sah den Confrater an. „Alles ist +Verbindung,“ sagte er. +</p> + +<p> +„Natürlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!“ +Der Professor rieb sich die Hände höchst befriedigt. +„Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben +sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie +ihn doch, ob er an die Seelenwanderung glaubt? +Gerade für die populäre, gewissermaassen kindliche +<pb n='145'/><anchor id='Pgp145'/>Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. +Sie finden das im Volk in tausend +Märchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwölfen, +Schwanenjungfrauen, sprechenden Bäumen. Selbst +in dem indianischen Märchen des Hiawatha von +Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkörperung +des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, +... Es ist Alles dasselbe.“ +</p> + +<p> +„Aber das ist nicht das Schlimme, das ist +das Gefährliche nicht!“ platzte der Superintendent +los. „Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom +Nirwana, der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, +der stumpfsinnige Fatalismus des Orients +wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller +Cultur, allen Fortschritts, aller Humanität. Das ist +Heidenthum! Heidenthum! Das Christentum ist +Kampfesmuth, Streben, Krieg!“ +</p> + +<p> +„Auf den Krieg folgt der Friede.“ +</p> + +<p> +„Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen +Kämpfer sein.“ +</p> + +<p> +„Krieg in uns, Friede nach aussen.“ +</p> + +<p> +„Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. +Unser Leben ist Ringen und Unruhe. Da oben +erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade.“ +</p> + +<p> +Der Fremde lächelte. +</p> + +<pb n='146'/><anchor id='Pgp146'/> + +<p> +Der Superintendent war auf einem Lieblingsthema. +„Der wahre Christ ist vor Allem ein +Streiter. Seine Feinde sind der Satan, die Sünde +in uns und ausser uns. Wir sind arme Sünder.“ +</p> + +<p> +„Wenn wir siegen?“ +</p> + +<p> +„Selbst wenn wir unser eignes Fleisch überwunden +haben. Die Sünde in der Welt bleibt. +Sie greift uns an. Wir haben uns zu wehren +gegen sie.“ +</p> + +<p> +„Sie existirt nicht gegen uns, wenn sie in uns +nicht ist.“ +</p> + +<p> +Der Confrater nickte von Antwort zu Antwort +mehr befriedigt. +</p> + +<p> +„Wir kommen jetzt auf das Fakirwesen, Hallucinationen +der Märtyrer.“ +</p> + +<p> +„Sie wollen das nicht sagen? Das ist Vermessenheit, +mein Lieber! Unser Fleisch bleibt der +Anfechtung unterworfen, so lange wir im Fleisch +wandeln. Wer da meint, er stehe, der sehe wohl +zu, dass er nicht falle. Der Ehrgeiz – die böse +Lust – Reichthum. Selbst ich –“, hier fasste +der Superintendent den Fremden beinah am Rockknopf, +„– selbst ich, der ich ein Diener am +göttlichen Wort bin und alle seine Schlingen +kenne – ich habe meine Momente der Schwäche, +<pb n='147'/><anchor id='Pgp147'/>der Anfechtung. Ich habe Versuchungen zu bestehen +... Das ist unchristlich, Mann! Stützen +Sie den Glauben! Sprechen Sie gegen die Gottlosigkeit! +Auf dem Lande. Unsre Bauern haben +dicke Nacken. Stolz und Habsucht sitzen da steif +drin. Gott sei Dank! sind sie noch gläubig. Die +Grundvesten unsres Glaubens sind unangetastet. +Die moderne Anarchie und Zweifelsucht ist da +noch nicht eingedrungen. Das geht immer Hand +in Hand. Das bedeutet die Emanzipation des +Fleisches. Wir würden uns wie Schweine im Koth +wälzen. Im Koth! Sehen Sie das alte Rom! +Babylon! Die antike Welt vor Christo.“ +</p> + +<p> +„Sie hat Christus hervorgebracht.“ +</p> + +<p> +„Christus ist das ganz Vollkommene, Gute. +Das Fleisch ist das Böse. So kämpfen diese +beiden Gewalten. Bis das Gericht kommt, das +Gute siegreich bleibt im unschuldigen Blute des +Lammes, das Böse im Abgrund verschlossen wird +mit adamantnen Ketten. – Das ist der uralte +Kampf.“ +</p> + +<p> +„Demiurgos, Ahriman und Ormuzd,“ bestätigte +der Confrater. „Lehre von der primären +Theilung der Gewalten.“ +</p> + +<p> +Die Frau Superintendent hatte schon mehrmals +<pb n='148'/><anchor id='Pgp148'/>merklich und merklicher an die Thür geklopft. +Jetzt steckte sie ihre Haube selbst durch den Spalt. +„Excellenz von Koschemann ist für den Bazar gekommen. +Wenn Du einen Augenblick Zeit hättest, +lieber Willibald ...“ +</p> + +<p> +„Auch ich bin ein Soldat des Herrn. Sehen +wir zu, dass wir gut kämpfen. Und das Heil +finden, das es für uns nicht giebt, denn allein im +gesegneten Blut des Lammes dereinst, das unsre +Sünden abwäscht weiss wie Schnee.“ +</p> + +<p> +Der Fremde war entlassen. +</p> + +<p> +Der Confrater sah ganz klar. „Gnostiker, +die alte Geschichte. Das hat immer angefangen +mit der Antastung des Buchstabens. Der Buchstabe, +mein Freund! Das Wort sie sollen lassen +stahn! ... Und jetzt lass uns zu unsern liebenswürdigen +Damen gehen.“ +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='149'/><anchor id='Pgp149'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das neunte Kapitel.</head> + +<p> +Und er ward im Geist entrückt in eine fremde +Stadt. +</p> + +<p> +Die Glocken läuteten. Eine ungeheure, unzählbare +Anzahl von Glocken. Es waren dumpfe, +grosse darunter, die mit der Stimme des Erzes +riefen, der Kanonen, furchtbarer Ereignisse, Krieg, +Pest und Feuersbrunst. So stark riefen sie, dass +Niemand ihren Klang in der Nähe aushalten konnte, +die Luft ihn lange behielt, ehe er verhallte. Sie +schwangen in furchtbaren Höhen und thronten +einsam in Kammern weit über den Köpfen der +Menschen. Die ihre Stricke bewegten, sassen sehr +niedrig auf schwebenden Balken und wurden beinah +gespalten von der Heftigkeit des Klanges. +Diese Glocken läutete man nur bei ganz grossen +Gelegenheiten. Wenn sie klangen, sahen die Leute +<pb n='150'/><anchor id='Pgp150'/>auf und sagten: Es ist das oder das. Sie meinten +ein sehr hohes Fest, ein grosses Unglück oder eine +grosse Freude. Die ganze Stadt und das Land +ringsum kannte den Klang dieser Glocken. Man +war stolz darauf und fürchtete sie auch. +</p> + +<p> +Andre waren milder, mittlere. Die läutete +man alle Sonntage. Man hörte sie auch weit, +über ein ganzes Stadttheil oder eine Strasse. Ein +Klang von Silber war in ihrem Erz, der sprach +von Güte und Milde. Sie lockten, und schreckten +nicht, läuteten regelmäßig mit kräftigen, hallenden +Schlägen, wie die Stimme eines Predigers, die +klangvoll spricht in schönen, malenden Worten. +</p> + +<p> +Und es waren ganz kleine, die einzeln riefen +wie einzelne, verlorene Stimmen. In mancher war +ein sehr helles, feines Klingeln oder zitterndes +Wimmern, die eilige Angst einer Agonie, oder +der sanfte Schmelz einer Frauenstimme, sehr weit +fortgetragen auf himmelansteigenden Trillern zu +reinen Aetherhöhen. Der pure Goldklang ganz +feiner Eliteseelen, die um den Thron Gottes lobpreisen, +und ein kleines, gleichgültiges, hastendes +Bimmeln, in dem Viele sich vereinten, wie das +der Pferdebahnwagen, dieser Schellenbeutel, die +herumgegeben werden in den Gemeinden zwischen +<pb n='151'/><anchor id='Pgp151'/>den Pausen des Gottesdienstes – lästig fast, nur +die Ohren füllend, das zum Alltagslärm gehörte, +ihn irritirend machte. +</p> + +<p> +Alle Glocken läuteten. Die grossen gaben den +Ton an. Die mittleren fielen ein wie ein gutgeschulter +Chor. Die ganz kleinen waren Geräusche, +oder Stimmen junger Kinder. Alle läuteten. +Die Luft war sehr voll und schwang von +ihrem Klange. Und die andern Stimmen des +Lebens schwiegen. +</p> + +<p> +In den Kirchen und Domen drängte sich die +Menge. Es war halbdunkel in diesen Hallen, +dass man die Einzelnen in den Tausenden nicht +erkennen konnte, Männer oder Frauen, reiche, +gutgekleidete Leute oder ganz Arme. Ihre Gesichter +bildeten blasse Flecken im Dämmer, wie +aufgewandte Kelche von Blumen, die ihr Athmen +wie ein Duft umwallte. Die übrige Schwere des +Körpers blieb unbestimmt, ertrunken in unruhigem +Schattenspiel der Vielen, dem lastenden, schweren +Dunkel dieser Steine, ungeheurer Steinmassen der +Gewölbe und Mauern. +</p> + +<p> +Säulen standen wie Baumstämme ohne Aeste +mit schweren Blättern und Steingewinden um ihre +Kronen, während feine, tiefe Rillen an ihnen +<pb n='152'/><anchor id='Pgp152'/>hinabliefen, von Regentropfen gegraben oder ewig +fliessenden. Von stützenden, lastbaren Pfeilern +schwangen sich die Wölbungen auf, Bogen und +Brücken, gespreizte Fittiche des Adlers, kühn und +immer kühner bis zum schwindelnden Ansturm +der Kuppel, die den Stein zerbrach, die Schwere +des Materials aufhob im ungeheuren, athemlosen +Aufschwung der Seelen. +</p> + +<p> +Der Schritt klang hohl vom Echo der Millionen +Schritte, die da schliefen in tausendjährigen Steinquadern. +Von schlanken, weissen Kerzen stiegen +gelbe, zitternde Flammen, umgekehrte Herzen, +blauen Schein der Sehnsucht ausathmend. Ein +Duft von Weihrauch, Wachs und Thränen lag +schwer in Nebeln und wallenden Wogen. +</p> + +<p> +Man sah Altäre sich golden recken, Gold vom +Fuss bis zur Spitze, in immer feineren Säulchen, +Treppen, Bögen, inkrustirt mit bunten Edelsteinen, +die Lichter gaben im Dunkeln wie Schlangenhäute, +Augen seltsamer Reptile und Käfer, Wunder von +goldnen und silbernen Spitzen, Rosen und Blumen, +eingefrorne Rhythmen, mystische Zeichen und Runen +aufsteigend wie Gedichte. Eine unverwelkliche +Pflanzung aus menschlichen Herzen, mirakulöse +Flora des Glaubens, hierher geflüchtet in eine +<pb n='153'/><anchor id='Pgp153'/>heilige Grotte, unter dem Dämmerlicht der bunten +Gläser, gefärbt mit ihrem Blute: Roth, welches die +Liebe und der Tod ist, Blau des Glaubens, festruhendes +warmes Grün der Hoffnung und des +Lebens. Und Krämpfe, furchtbare Leiden, zerschnitten +den himmlischen Dreiklang: Gelb der +Pein und des Geizes, in den Gewändern der Aeltesten +und Schreiber; Violett der Eifersucht, das +zugleich die heilige Farbe der priesterlichen Macht +und der Ehrfurcht ist; ein helles, gefiltertes Rosa, +welches gemartertes Fleisch der Gequälten vorstellt +und auch die liebliche Unschuld des Kindes. Alle +spiegelnd, irrend, flehend um das klare Gold des +Triumphes, Farbe der Sonne, wo die Mutter thront +mit dem Kinde, die Heiligen knieen in seliger, +weltentrückter Anbetung. +</p> + +<p> +Wie ewige Pfeiler standen sie da, die Starken, +der Apostel heilige Zwölfzahl, wunderbar die +Reihe der Monde, des Sternkreises wiederholend, +Propheten, Sybillen – die wussten und aushielten. +Märtyrer öffneten blutrothe Wunden, +Laurentius auf dem flammenden Bett, Sebastian +mit durchbohrter Brust, Agnes, ganz nackt, nur +in den strahlenden Mantel ihrer Haare gehüllt, +unter den Augen der Wollust, – aufgerissne +<pb n='154'/><anchor id='Pgp154'/>Seiten, furchtbare Verrenkungen der Gefolterten, +Striemen der Gegeisselten. Die Heiligenscheine +dominirten über verklärten Stirnen. Die weisse +Taube des Geistes schwingt sich glorreich auf über +Blut, Flammen und Qual. +</p> + +<p> +Sie singen. Aus den Tiefen hebt es sich. Von +der geknickten, schwarzen, wimmelnden Masse +– De Profundis. Langgetragen, hohle Rufe wie +Appellrufe in der Noth, schneidender Wehschrei +der Gequälten, zitternd, sehr hoch schwebend, wie +ein Weib schreit in Kindesnöthen: Miserere – +Miserere ... Dumpfer Trommelschlag. Vokale +fast Alles, sonore, volltönige, die nicht fallen – +Ora pro nobis, aufsteigend zu männlichem Muth, +Schlachtgesang, bis zum jauchzenden, hellen Posaunenstoss +der Befreiten, gellend fast, schmetternd +in Siegeszuversicht: Tedeum laudamus. +</p> + +<p> +Die Stimmen schweigen. Das Wort allein +spricht. In marmornen Worten, Sätze, die feststehen +wie die Welt. Rollende Vokale, geheimnissvoll, +kräftig, wie die die schufen, – das grösste +Mysterium der Menschheit, Wein und Brot, uralte +Mysterien, heiligste Symbole des sacrosancten +Lebens. +</p> + +<p> +Ueber der Menge, die kniet, hungernd, brünstig, +<pb n='155'/><anchor id='Pgp155'/>erhebt der Priester das Allerheiligste. Er selbst +ist weiss, ganz weiss. Er ist hundertjährig. – +Es giebt einen goldnen Schein wie die Sonne. +</p> + +<p> +In einem ungeheuren wehen Seufzer hebt sie +sich, es zu empfangen – das Opfer von Gott +angeboten. Blut und Fleisch, für das andre Opfer +des Fleisches und des Blutes, des Lebens, an das +grosse Leben, das prangend weggeht über den +Tod, Jammer und Kleinheit. +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<p> +... Ein enger Holzpfad im Gebirge. Das +Gebirge liegt verschneit seit Wochen. Bis an die +Knie hoch steigt der Schnee. Die Tannenzweige +brechen unter seiner Last. Gleich Zuckerhüten +ragen die Baumwipfel aus der Weisse. Man +unterscheidet nur höhere und niedrigere Lagen, +Steine sind Schneekuppen. Gleichmässig ist er im +Grunde, hart, vereist, eingestampft. Aber die Oberschicht +ist federweich, eine Hand hoch, glitzernd, +feiner wie der Flaum auf Brüsten der Eidergänse, +mit Seidenreflexen. +</p> + +<p> +Unter dem Schnee begraben liegen Moos, +Gräser und Gesträuche. Er stäubt in Puder von +den überlasteten Zweigen. Kleine Aeste und Holzstückchen, +die sich ablösen, versinken lautlos. Die +<pb n='156'/><anchor id='Pgp156'/>Lücke, die sie verursachen, schliesst sofort die +streichelnde Sammethand. Der ganze Wald leuchtet +weiss, blauweiss vom Schimmer des jungfräulichen +Schnees. Der Fuss versinkt in ihm wie in Daunenteppichen. +Ohne Kühle fast. Aber er hebt sich +schwer heraus. Das Leder des Stiefels wird hart +und spröde von der Feuchtigkeit, die nirgends das +Wasser zeigt. +</p> + +<p> +Und immer fällt der Schnee. Man sieht keine +Spuren des Wildes. Es ist erfroren, festgefroren +wie stehende, steinerne Bildsäulen in Mauern von +schmeichelnden Krystallen oder es verkriecht sich +im inneren Tann, wo das Dach der Zweige es +schützt, karge Nahrung sich findet an Sprossen +und Rinde. Der Schnee füllt die Fahrgeleise des +Weges aus. Er steigt zu seinen Rändern und +vermischt sie. Wie Gespinnste in seinem Innern +ziehen sich dürre Bastadern der Farne und Heidelbeerbüsche. +– Die Stille ist sehr tief und der +Schnee fällt. +</p> + +<p> +Durch den tiefen Schnee sucht sich der kleine +Priester seinen Weg. Er trägt die letzte Tröstung +zu einem Sterbenden. +</p> + +<p> +Der Tod ist rasch gekommen. Ein blutjunger +Bursch, der Spielmann Anderl. Heute hatte sein +<pb n='157'/><anchor id='Pgp157'/>Schatz Hochzeit gemacht mit einem Andern. Der +Spielmann war zurückgesprungen über die Berge, +das fressende Gift im Leibe und den Kopf im +Feuer. „Geht’s schlecht, so geht’s schlecht, geht’s +gut, kürz’ ich mir den Weg um Stunden.“ +</p> + +<p> +Am Hornbiehel war er abgestürzt. Jetzt lag +er im Todeskampf in der Holzschlägerhütte. +</p> + +<p> +Durch Schnee und Nebel im beeisten Gebirge +kämpfte sich der kleine Priester zu dem Sterbenden. +</p> + +<p> +Er war noch sehr jung, noch nicht lange da +oben. Man nahm für die Stelle die ganz Unbedeutenden, +die Bescheidenen, die nicht Carriere +machen würden. Niemals hatte er daran gedacht, +ein Findelkind, das man den Priestern übergeben. +Regelmäßig liefen die kargen Beiträge für ihn ein, +von einem Büreau bezahlt an eine Kasse, ohne +Persönlichkeit, ohne Namen. +</p> + +<p> +Er hatte niemals eine andre Heimath gekannt +als das Kloster. Da war seine Stätte, am Altar. +Der liebte ihn und der hatte ihn nicht zurückgestossen. +Mit weissen Blumen umkränzte er ihn. +Er sang. Er schwang seine Weihrauchschale, weissgekleidet +als Chorknabe, Diener am heiligsten +Messopfer, eh’ er selbst daran theilgenommen. +<pb n='158'/><anchor id='Pgp158'/>So war er aufgewachsen, in dieser Atmosphäre +der Liebe, Weiss und Gold, den heiligen Farben +der Unschuld und des Triumphes. Ohne einen +andern Gedanken. Er liebte Alles. +</p> + +<p> +Es war um ihn wie der weiche, milde Schein, +der vom linnengedeckten Altar ausging, der Lampe, +die ewig brannte in all dieser Weisse, dieser Stille. +In lasterverzerrten Zügen sah er das Leid. In +ihrem Hochmuth die Angst. In ihrer Schönheit, +rührender als ihre Schönheit, den Tod. +</p> + +<p> +Wie auf weissen Rosen ging er mit nackten +Füssen, lächelnd das Heilige tragend gleich Engelknaben. +Und vor seiner demüthigen Stirn neigten +sich die Stolzen. Die Bescheidnen fassten Muth. +Alles liebte ihn. Es war, wie wenn die Vögel +süsser sangen, wenn er vorbeischritt im Klostergarten. +Sie waren zutraulich und pickten von +seinen Händen. Die Blumen, die er pflanzte, +gediehen. Ruhig und majestätisch entfalteten sie +sich. Die Sonne schien nicht zu heiss auf sie. +Irgendwie hörte der Sturm auf um ihre schlanken +Stengel. +</p> + +<p> +Es gab alte Mönche im Kloster, die das Leben +gekannt hatten. Es hatte harte Narben gegraben +in ihre Seele. Sie liebten ihn, die alten Wunden +<pb n='159'/><anchor id='Pgp159'/>brannten nicht, wenn er da war. Nur eine Gabe +besass er, die lieblichste David’s, der Musik. Die +Töne wurden lind unter seiner Hand und wenn +er spielte, hörte der Tumult auf in leidenschaftdurchwühlten +Herzen. +</p> + +<p> +Niemals war er stolz gewesen oder ungütig. +Ein Kind Jesu! Er trug diesen Namen, halb der +Schande, wie eine feine, goldne Aureole. +</p> + +<p> +Die Grossen übersahen ihn und für die Klugen +war er nichts. Er hatte keine Disputationen geschrieben +über Fragen des Glaubens. Die weltliche +Macht der Kirche liess ihn kalt. Der Beifall +einer Menge hätte ihn schüchtern gemacht. +</p> + +<p> +Aber er liebte die kleinen Kinder. Sehr alte, +hülflose Leute waren ihm ehrwürdig. Er richtete +die geknickten Halme auf und ihn erbarmte der +Vogel unter dem Himmel. +</p> + +<p> +Tapfer kämpfte der kleine Priester durch den +Schnee. Der Schnee fiel in weichen, grossen, +fasernden Flocken aus Wolken, die selbst Schneesäcke +waren. Sie hingen so niedrig, dass man +nicht sah, wo sie aufhörten und das Gestöber anfing. +Ihre Vorräthe schienen unendlich, als ob ein +ganzer Himmel voll von Schnee hinter ihnen läge. +Er leerte sich langsam. Von den Schichten bauten +<pb n='160'/><anchor id='Pgp160'/>sich Mauern ihm entgegen. Nichts konnte mehr +welchen aufnehmen. Aus dem Ueberfluss wallten +neue Hügel über. – Diese Flocken lösten sich +nicht auf. Sie schwebten und drehten sich langsam +in der Luft und blieben hängen wie im +Festen, Gesättigten. Man dachte an Nesterbauen +dabei, Eiderdaunen, in die man sehr tief einsank. +Und es war gar nicht kalt. Der Schnee +schien wie eine schützende Schicht zwischen der +Kälte und der Erde. Es war wunderbar, wie +lautlos er fiel. Und überall, wo er fiel, hörten +die Contouren auf, alles Steife, Eckige, Nackte. +Wie ein liebevoller Pelzmantel hüllte er sie ein, +dass sie nicht mehr froren, zeigten. Er fiel ... +fiel ... +</p> + +<p> +Der kleine Priester fror gar nicht. Im Gegentheil, +ihm war warm. Er trug das Allerheiligste +unter seiner Soutane, gegen die Brust gepresst. +Und es war ihm, als wäre es da eingedrungen. +Es sass da und brannte. Goldne Strahlen warf +es. Immer grösser, immer weiter. In der Mitte +war ein blutrothes, glühendes Herz und sein +Scheinen war wie Karfunkel. Es leuchtete weit +durch den nächtlichen Wald. +</p> + +<p> +„Das ist, als ob ich ein Licht bei mir trage,“ +<pb n='161'/><anchor id='Pgp161'/>sagte der kleine Priester. „Wie seltsam das ist! +Und wie schön!“ +</p> + +<p> +Schön war es in der That. Alle Bäume +standen wie schwarze Säulen, ganz gerade mit +seltsamem Ast- und Aderwerk. Ihre Zweige verbanden +sich. Sie kreuzten sich und rankten ineinander +geheimnissvoll in Rosetten, Sternen, wie +ein Kirchendach. Er ging ganz leise, wie auf +weichen, weissen Rosen. Er zertrat sie nicht. Sie +richteten sich auf unter seinem Fusstritt. Sie dufteten +sehr süss, Ambra, Weihrauch und Myrrhen, +die mystischen Düfte der Kirche, die Seele darstellend, +die sich spiritualisirt in Sehnsucht. +</p> + +<p> +Jetzt fing es auch an zu läuten. Zwischen +den hohen Bäumen schwangen die Glocken. Sie +hingen da in Stricken von einem Baum zum +andern. Und sie schwangen, schwangen. Wunderbare +Melodieen waren die Melodieen der hohen, +ernsten Bäume. Den kleinen Priester erstaunten +sie. „Ich habe es doch oft rauschen hören im +Walde. Niemals wusste ich, was es war. Aber +jetzt weiss ich es.“ +</p> + +<p> +Und er hörte kleine, liebliche Stimmen. Das +waren die der todten Blumen unter dem Schnee. +Er hatte gedacht, dass sie todt wären. Sie +<pb n='162'/><anchor id='Pgp162'/>waren nicht todt, sie warteten nur auf den +Frühling, lagen warm und weich gebettet unter +dem Schnee, der sie zudeckte und fiel – fiel. +</p> + +<p> +Die Schneeflocken selbst sangen. Sie fassten +sich an und tanzten. Es war richtiger Rhythmus +in ihrer Bewegung. Dazu klangen sie. Und dann +waren sie Engelsköpfchen mit weichen, flaumigen, +ganz jungen Flügeln. Das sind die Seelen der +todten Kinderchen, die sterben, ehe sie zum Bewusstsein +ihrer Seele erwachen. +</p> + +<p> +Er hatte nie gewusst, wo diese todten Seelen +hinkommen. Jetzt wusste er es. Sie waren glücklich +und deckten die kleinen Blumen zu, dass sie +gut schliefen, nicht erfroren im harten Winter. +</p> + +<p> +Er musste über einen Bach, der ganz zugefroren +war. Aber das Wasser war auch nicht +todt, es schlief nur in der Tiefe. Er hörte es +singen geschäftig am Werke, in kleine Röhrchen +tausend Tröpfchen zu giessen, die Erde aufzuweichen. +Es wird Frühling! Es wird Frühling! +</p> + +<p> +Auf einmal war es Frühling. +</p> + +<p> +Er wandelte in einem grünen Dom. Wände +von lichterem Grün schoben sich zwischen die +andern, hohen. Alle regten tausend Blättchen. +Einige waren fast durchsichtig vom Licht, das sie +<pb n='163'/><anchor id='Pgp163'/>golden durchglühte. Die Andern blieben im +Schatten beinah schwarz, oder ihre Ränder zeichneten +sich wie in hellem Feuer gezogen. Atlasglänzend +lief es entlang am Buchenstamm wie +feinste Haut des Apfelschimmels, röthlich schwelend +an der rissigen Kiefernborke. Die Birken standen +ganz weiss mit gesenkten, wehenden Zweigen, +ein kleines, zitterndes Herz jedes Blättchen, Jungfrauen +vergleichbar in der Schönheit ihrer Haare +im Mai. Pelze hatten die Haselnussblätter. Die +Erlen bogen sich, schwärzliche, schuppige Schlangenleiber, +dem Sumpf entsprossen, mit klebrigem, +bitterschmeckendem, starkgerieftem Blattgrund. – +Und da oben über dem Blätterdach stand die +Sonne, goldne, warme Frühlingssonne. +</p> + +<p> +Er wandelte mit nackten Füssen auf einem +Blumenteppich. Wo er hintrat, blühten die Blumen. +Sie blühten auf wie Kissen unter seinen Füssen, +nur Blumen ohne Blätter und Stengel. Vögel +sangen, goldne Vögel mit silbernen Schwingen, +die Stimme des Windes, der Erde und des Wassers, +Alle priesen Gott. +</p> + +<p> +Er sah auf und die Sonne war Gott. Seine +Strahlen fielen warm über Alles. Er war gut – gut. +</p> + +<p> +„Ihr könnt mich nicht verstehen so. So gross +<pb n='164'/><anchor id='Pgp164'/>und gut bin ich. Darum bin ich das Grösste und +das Gute, was Ihr verstehen könnt.“ +</p> + +<p> +Er verstand sehr wohl, wie gut Er war. Und +dass Er tausendmal besser und grösser sein musste, +als er verstehen konnte. +</p> + +<p> +Aber es war da eine Brücke aus den Strahlen, +die von Seiner Brust ausgingen, und den weissen, +funkelnden Sonnenstrahlen mit Perlen und Emeralden +und köstlichen Topasen geschmückt, die das +Licht gebiert im Wasser, aus der Tiefe. Auf der +schritt er. +</p> + +<p> +Durch das Blaue schritt er gerade in die strahlende +Sonne hinein. Er wusste, dass sie Feuer +war, aber sie brannte nicht. Sie war auch nicht +golden. Sie war weiss, von einer lichten, unbeschreiblichen +Klarheit, lichter denn das Mondlicht +im Kerne der junggebornen Mondsichel, und +Atlasschimmer aus keuschen Lilienkelchen. +</p> + +<p> +Er sah eine Frau in der obersten Klarheit. +Sie hielt einen Lilienstengel in der Hand. Er +wusste, dass es seine Mutter war, die er nie gekannt +und verloren hatte. Jetzt erkannte er sie +gleich. Sie lächelte ihm zu. +</p> + +<p> +„Ich komme. Ich komme,“ sagte der kleine +Priester begeistert. +</p> + +<p> +Auch ein ganz weisses Lamm sah er. Er +<pb n='165'/><anchor id='Pgp165'/>freute sich, dass es da war. Er hatte die Thiere +immer geliebt. Er hoffte, dass es auch für sie +einen Himmel gab. Dies wusste er nun auch. +</p> + +<p> +Alle Bäume waren eitel lichtes Silber. Ihre +Früchte waren Diamanten und Perlen. Weisse +Schneelilien sprangen auf, die süss dufteten. +Man konnte in die Erde sehen, tief hinein, denn +sie war weiss und durchsichtig wie Milchglas, +Opale, in denen das Sternenlicht floss. Es war +dies innere Licht, von dem sie leuchtete, denn es +gab nicht Schatten mehr. Wo Festes gewesen war, +wurde es weich und floss im Schimmer, der löste. +</p> + +<p> +Und er war ganz weiss, er selbst. Seine +Finger waren weisse Strahlen. Aus seiner Brust +schien die Klarheit, Alles, wo sie hinfiel, ward weiss. +</p> + +<p> +Er trat in das kleine Stübchen der Holzschlägerhütte. +Dies war ein elendes winziges Gelass. +Blut lag da auf der Bettdecke, Blut auf +dem Fussboden, Blut über den hastig hingeworfenen +Kleidern. Man hatte die Fiedel gerettet. +Aber der Kasten war zerschlagen im Falle. Die +Saiten hingen wirr und ungesträngt. +</p> + +<p> +Die Augen des Sterbenden waren weitgeöffnet. +Ein Ausdruck des Schreckens lag darin, und Brennen, +als ob er sähe und Furcht hatte. Er phantasirte: +<pb n='166'/><anchor id='Pgp166'/>„Hast Du die Frauen gesehen, wenn sie zur Kirche +schreiten? Ihre Hacken schlagen kurz auf und ihre +Hüften tanzen unter den runden Röcken, die der +Wind hin- und herschlägt. Wenn der Sechzehnender +durch das Unterholz bricht und der Stolz +des Waldes ist in seiner keilenden Brust! Hei! +Der Zug der Burschen, der zum Schützenfest zieht. +Alle Fiedeln spielen auf und die Schenkel stampfen. +Wie Herrenblick, der zwingt, trifft der nie +fehlende Bolzen. – Ich sage Dir, es ist nichts, +was über des Weibes Anmuth geht, denn ihre +Falschheit! Wie ich sie geliebt habe und wie ich +sie hasse! Ihre Augenbrauen, die wie Bögen der +Krönung sind, darunter triumphirende Heere einziehen. +Ihre Augen locken und ertränken wie +der wilde Bergsee. – Das ist roth – roth Alles +– vor meinen brennenden Augen!“ +</p> + +<p> +Der kleine Priester strich mit der Hand über +die Augen. Sie schlossen sich. Sie brannten +nicht mehr. +</p> + +<p> +„Ich habe die Erde gerochen am Frühlingsmorgen, +wenn sie dampfend aufbricht, ehe der +Tag kommt. Tausend Würzbäche strömen, wo +die tausendjährige Edelfichte krachend niederschlägt. +Gefährlich wie Blutdunst ist der umnebelnde Duft +<pb n='167'/><anchor id='Pgp167'/>des Weines, der zu Kopfe steigt und die Fäuste +straff macht. Aber der Frauen Athem ist röther +wie Blut. Wie Weizenacker frisch geöffnet ist der +Leib des Weibes. – Es ist die Schwüle der Sommererde, +die die Todten nicht schlafen lässt.“ +</p> + +<p> +Er strich mit der Hand über die Nasenlöcher. +Leise fuhr der tröstende Finger die zitternden, +hastenden Nüstern entlang. Der Geruch war fort. +</p> + +<p> +„Hast Du auf Deinen Lippen ihre Küsse gefühlt? +Wenn sie schwören und lügen. Worte, +die fallen wie der Wasserfall, lieblicher denn +Nachtigallentriller. – Worte! Worte! <anchor id="corr167"/><corr sic="Worte!">Worte!“</corr> +</p> + +<p> +Er strich über die Lippen und sie schlossen +sich. Sie wurden stumm und weich. +</p> + +<p> +„Ich habe sie mit meiner Hand gehalten. Ich +lasse sie nicht. – Wenn man das Messer sehr +fest packt und rothes Herzblut springt herüber ... +Weisst Du, dass ich mein Messer unter meiner +Hand hatte? Sie haben mir gesagt, dass ich das +Holz sprechen machen konnte, die Saiten riefen +unter meinen Fingern wie mit Menschenstimmen. +Ich will spielen. Sie sollen tanzen. Sie sollen +lachen und schreien. Ich will den Ton finden, +der die Todten tanzen macht. Die Todten haben +Knochenhände und lassen nicht los.“ +</p> + +<pb n='168'/><anchor id='Pgp168'/> + +<p> +Die gekrampften Finger lösen sich unter den +andern streichenden, gleitenden. Die Hände fielen. +Sie lagen ruhig und straff. +</p> + +<p> +„Meine Füsse tragen mich nicht mehr. Aber +sie haben mich getragen durch die Nacht. Im +Tanze. Wer kann tanzen wie ich, der Spielmann +Anderl! Wenn der Boden knackt, die Dirne hoch +anfliegt zur schwelenden Decke. Ich kann springen! +Der Teufel ist in meinen Füssen. Ich springe mit +dem Teufel zur Hölle!“ +</p> + +<p> +Er berührte die Füsse an ihren Sohlen. Er +salbte den rechten. Er salbte auch den linken. +Die Füsse lagen still. +</p> + +<p> +Der ganze Mann war weiss und still jetzt. +</p> + +<p> +Der kleine Priester hatte die Fiedel genommen, +das Holz zeigte keinen Sprung, die Saiten fügten +sich wie von selbst und erklangen: +</p> + +<p> +„Wenn Eure Sünde gleich blutroth ist, soll +sie doch schneeweiss werden,“ sang der kleine +Priester. „Und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, +soll sie doch wie Wolle werden. +</p> + +<p> +„Und heute noch wirst Du mit mir im Paradiese +sein!“ schloss der kleine Priester. +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<p> +In der Holzschlägerhütte lag der Wilddieb todt. +<pb n='169'/><anchor id='Pgp169'/>Er lag mit gefalteten Händen und lächelnden +Lippen. Eine weisse Kerze brannte. Das blasse +goldne Herz stand zitternd aufrecht im Dunkel, +das der Schnee warf. +</p> + +<p> +Der Schnee fiel. +</p> + +<p> +Unter der weissen Schneedecke, das Allerheiligste +gegen seine Brust gepresst, schlief der +kleine Priester. +</p> + +<p> +Der Schnee fiel ... fiel. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='170'/><anchor id='Pgp170'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das zehnte Kapitel.</head> + +<p> +Nun war aber in einer Stadt ein junger +Mann, der sich dem geistlichen Stande gewidmet +hatte. +</p> + +<p> +Nie war für ihn die Frage gewesen, irgend +ein anderes Amt zu erwählen. Von früh auf +zeigte er sich in geistlichen Dingen wohlbewandert, +geneigt darüber nachzudenken, die Texte auszulegen +in ihrem deutlichen Sinne. Dabei war er +von mässiger und strenger Lebensweise. Er hatte +sich Jahre lang nur von Pflanzennahrung erhalten. +Sein Geld gab er den Armen und lebte wie der +Aermsten Einer mitten unter ihnen. Zudem voll +Würde in aller Gütigkeit, dass er die Spötter +<pb n='171'/><anchor id='Pgp171'/>zurückwies, Niemand ihm etwas anhaben konnte. +Im Gegentheil, es war eine gemeine Rede in der +Stadt, wenn man Jemand etwas Gutes wünschte, +und diese Leute waren älter, dass man ihnen +einen Sohn wünschte wie Johannes. Seine alten +Eltern, denen er zuerst ein Kummer gewesen, +dass er also herausging aus der Bahn, die sie +selbst gegangen, ein Amt erwählte, das ihnen +fremdartig war und nicht so angesehen in ihrer +Meinung wie ihr eignes vor den Leuten, priesen +Gott alle Tage, der ihnen ein solches Kind gegeben, +von dem sie Ehre hatten jede Stunde, +der als ein Muster stand unter jungen Leuten, +in frühen Jahren Ruhm erwarb wie Andre, die +Jahre lang gedient, Last und Mühsal getragen +hatten. +</p> + +<p> +Selbst solche, die ihm heimlich entgegenstanden, +weil er sie strafte in ihren Sünden, wagten nicht, +ihn offen zu missbilligen, denn sein Ansehen war +gross unter allen Leuten, und seine Rede gewaltig. +Dazu, weil er eines vornehmen Mannes Sohn +war, trug das zu seinem Ruhm bei. Das Gerücht +drang bis an den Hof. Er musste predigen dort +und ward als Hofprediger angestellt auf den +eignen Wunsch des Fürsten, der gern seine Predigt +<pb n='172'/><anchor id='Pgp172'/>hörte, auch manches Gespräch mit ihm pflog. Er +war selbst von ernster und redlicher Gemüthsart, +dachte viel nach über die Pflichten und Vorrechte +seines Amtes. Wenn er sich beunruhigt fühlte +in seinem Gemüth, liess er oft den jungen Prediger +rufen, dass diese wie Freunde und treue +Gesellen wurden, sein Einfluss also gross war im +Lande. +</p> + +<p> +Aber Niemand neidete ihm denselben. Er war +wohlgeachtet von Hohen und Geringen. Gegen +Arm und Reich hielt er sich gleich. Kein Rang +und kein klingender Lohn konnte ihn bestechen +in seiner Entscheidung. Wiewohl es ihm freigestanden +hätte, ein Weib zu wählen, Niemand +ihm seine beste Tochter geweigert hätte, zog er +es doch vor, einzeln zu bleiben, dass keine weltliche +Lust oder Sorge ihn abzöge von seinem +geistlichen Amt, welches er als das höchste erachtete +in der Welt, ihm selbst von Gott anvertraut, +davon er Rechenschaft abzulegen hatte dereinst +vor Seinem strengen Richterstuhl. Es gab +keinen geachteteren und würdigeren jungen Mann +weit und breit. Sein Ruf stand fest wie ein +Felsen. Sein Wort war für Viele Recht und Unrecht, +klarer und unzweifelhafter wie geschriebnes +<pb n='173'/><anchor id='Pgp173'/>Gesetz. Wenn sich Einige verwunderten, dass er +trotz seiner Jugend so geachtet war und solchen +Einfluss besass, verwies man nur auf sein Leben, +das schlichter war wie manchen Arbeiters und +keusch wie vielfach geschliffener Stahl vor Aller +Augen. +</p> + +<p> +Derselbe, als er eines Tages allein spazieren +ging vor der Stadt, wo die Stadt schon aufhörte, +blühende Sträucher standen und Fruchtbäume im +Laub – wie er oftmals that in seinen tiefen Gedanken, +um klar zu werden vor sich selber –, +freute er sich am Gesang der Vögel, wie sie alle +einträchtig sangen und war keiner grösser und +mehr geachtet denn der andre in ihrem Singen. +Jeder hatte seine besondre Gabe und Tugenden. +Die, die nichts empfingen, kleine graue Meislein +und Spatzen, zwitscherten just so munter ihre zwei +Pieptöne, wie die Andern kunstreiche Triller und +Solfeggien. Sorgten nicht um den Tag, bauten +sich Nestlein, setzten ihre Kinder in die Welt, dass +die Sonne sie grosszog, sie satt würden von dem, +was flog und kroch in der Luft, auf der Erde. +</p> + +<p> +Die Schwalben flogen auf und nieder. Sie +wiegten sich in der Luft und beschrieben Wellenlinien. +Manchmal strichen sie so niedrig, dass +<pb n='174'/><anchor id='Pgp174'/>ihre Schwingen fast die Erde berührten. Dann +hoben sie sich wieder, blieben segelnd im Blauen. +Aus dem Gras der Böschung dufteten Veilchen. +Libellen schwirrten aus der Wasserrichtung von der +andern Seite. Es roch fischig von da, Teichgeruch, +nach sich zersetzender Pflanzenfaser. +</p> + +<p> +Wie er nun also ging und sich freute, die +Vöglein lieblich und fröhlich sangen, sah er eine +magere, gelbgefleckte Katze, die Jagd machte, auf +einem der Bäume. Leise schlich sie auf unhörbaren, +tastenden Zehen. Ihr Kopf war lang vorgestreckt, +die kugelige Stirn mit spitzen Oehrchen. +In den Flanken sassen tiefe Löcher von der Anstrengung +des Dehnens. Die Rippen flogen kurzathmend +in der Aufregung der Jagd. Auch war +sie mager, schlechtgenährt und struppig, wie eine +Katze, die wohl schon lange heimlos geirrt ist, +keinen Herrn mehr hat, sondern der Wildniss +preisgegeben ist. So war sie ausgegangen auf +die Jagd, da es dämmrig wurde, sass auf dem +Baum und hob ihre Kralle über dem Nestchen. +</p> + +<p> +Da Johannes solches sah, ergrimmte er in +seinem Herzen. Es dauerten ihn die unschuldigen +Vöglein um dieser schlechten Katze willen. Er +nahm einen Stein, zielte und warf. Und traf so +<pb n='175'/><anchor id='Pgp175'/>gut, dass er die Katze hart schlug in ihrer Seite, +wo es weich ist, die Knochen nicht schützen. Sie +stiess einen schrillen, klagenden Schrei aus und +fiel herab vom Baum, lag da auf der Erde, das +Blut floss von ihrer getroffenen Seite, schrie ganz +jämmerlich wie ein kleines, wehleidiges Kind, versuchte +sich zu lecken, vorwärts zu strecken mit +strebenden Vorderfüssen und schwachem, nachschleppendem +Rücken. Und lag im Staube, blutend. +</p> + +<p> +Da fing ihn an zu gereuen, was er gethan +hatte. Er kam herzu, um der Katze aufzuhelfen. +Wie er sie genau betrachtete, sah er, dass diese +Katze heute oder den Tag zuvor Junge geworfen +haben musste, denn die Haut ihres Bauches hing +ganz lose unter den vorstehenden Rippen, dass +sie fast auf dem Boden schleppte. Die Oeffnung +des Afters war unnatürlich weit, noch vom geronnenen +Blute verklebt. Man sah die Zitzen, +die weit, aber schlaff, ohne Milch sich sackten. +Denn sie war sehr erschöpft und hatte gehungert +seit langen Tagen. Nun lag sie im Staub und +blutete. Niemand würde diesem Nest voll kleiner +Katzen in irgend einer verlassnen Scheune oder +auf einem Heuboden Nahrung bringen. Sie würden +warten und miauen, elendiglich verhungern, um +<pb n='176'/><anchor id='Pgp176'/>ihre Mutter, die nicht kam, den spitzen, harten +Stein, den er geworfen und sie getroffen hatte, +da sie ging Jagd zu machen auf Vögel für ihre +Kleinen, die hungerten. +</p> + +<p> +Er stand nun da vor der Katze und sah sie +an. Die Katze sah auf zu ihm mit schiefen, +wilden Augen, ob er ihr helfen würde oder sie +weiterquälen? Sie wusste nicht, dass es sein Stein +gewesen, der sie getroffen hatte. Aber sie hatte +Angst vor den Menschen, die stark sind, war da +wie ein wildes Ding, das man eingefangen hat. +Und es kann sich nicht wehren, denn all’ sein +Gift, scharfe Zähne und Krallen, die ihm ja nützlich +sind gegen die Kleinen und ganz Schwachen, +werden ohnmächtig und nützen ihm nichts. Es +wartet, dass man es vollendet. +</p> + +<p> +Da er noch stand, dieses Thier ihn ansah und +er über solches dachte in seinem Herzen, kam ein +fremder Mann des Wegs. Er nahm die Katze, die +nach ihm fauchte, wusch ihre Wunden sorgfältig +mit Wasser und gab ihr zu trinken aus einer +Flasche, die er bei sich führte. Dazu, um das +Wasser zu finden, hatte er hinabsteigen müssen +zum Fluss. Wie der wieder heraufkam und die +Katze auf seinen Arm nahm, biss ihn das Vieh +<pb n='177'/><anchor id='Pgp177'/>in die Hand und entsprang zwischen die Weidengebüsche. +</p> + +<p> +Da dieser nun die Schramme an seiner Hand +besah, das Blut abtrocknete mit seinem Tuch, +sprach Johannes zu ihm: „Wie magst Du dem +schädlichen Raubzeug helfen? Sein Leben ist der +Tod Vieler. So es verreckt, wem schadet es? Ein +werthloses Vieh! Tückisch und voll Argheit.“ Das +sagte er aber, den Andern zu versuchen, denn in +seinem Herzen gereute ihn der Katze. Er wusste +wohl, dass es ihre Natur ist, Vögel und Mäuse +zu fangen. Er fragte sich nur: Warum ist das +in der Natur, und hätte gern eine Antwort gewusst. +</p> + +<p> +Der fremde Mann sprach: „Ich helfe jeglicher +Creatur. Sie war hungrig und litt. So war es +meine Schuld, ihr zu geben, sie zu heilen.“ +</p> + +<p> +„Sie wird hingehen und neues Uebel stiften, +tödten und quälen.“ +</p> + +<p> +„Der Tod ist kein Uebel,“ sagte der fremde +Mann. „Der Geist, der widerstehet dem Uebel, +der ist vom Uebel.“ +</p> + +<p> +Diese Antwort verstand Johannes nicht, aber +sie quälte ihn in seinem Herzen. Er sprach: +„Deute mir das!“ +</p> + +<pb n='178'/><anchor id='Pgp178'/> + +<p> +Der Andre sprach: „So Dich Jemand schlägt +und Du schlägst ihn wieder, so ist der Schlag +Dir nicht Unehre, aber dass Du zurückschlägst und +also Böses vergiltst mit Bösem. So ist das Böse +an sich nicht böse, aber es böse <hi rend='gesperrt'>macht</hi> in seiner +Wirkung, sind Böse.“ +</p> + +<p> +Johannes sprach: „Soll ich einen Mann nicht +tödten, der Andre tödtet? Würde Mord und Todtschlag +nicht überhandnehmen in der Welt, so +Solches ungestraft bliebe? Jeder thun könnte, +was ihm gefällt, sein böser Muth ihm eingiebt +gegen seinen Nächsten?“ +</p> + +<p> +Der Fremde sprach: „So es sein böser Muth +thut, ist es seine Natur. Alles, was in der Natur +ist, ist von Gott. Der Mensch kann nichts dagegen. +So Du aber schlägst <hi rend='gesperrt'>gegen</hi> Deine Natur, ist es +Dir Sünde, grösseres Unrecht denn dess, der Dich +geschlagen.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „So werden alle Bösen fortab +triumphiren und straflos sein. Die Guten müssen +nur dulden und ertragen.“ +</p> + +<p> +Der Fremde sprach: „Dulden und ertragen ist +nicht böse. Selig sind, die das erkannt haben! +Aber es ist dem Menschen schwer, zu erkennen, +und Wenige sind, die es fassen hier im Leibe. +<pb n='179'/><anchor id='Pgp179'/>Das Fleisch ist schwach in ihnen. Der Tod scheint +bitter dem, der kräftig ist und sich bewegt.“ +</p> + +<p> +„Der Tod ist immer bitter,“ sagte Johannes. +„Das ist auch gegen die Natur des Menschen.“ +</p> + +<p> +„Weil sie die Natur nur halb erkannt haben,“ +sagte der Fremde. „Sie wissen, dass sie sterben +müssen, aber sie wissen nicht, was hinterher +kommt. Sie sehen, so lange es hell ist. Aber +die Nacht lebt auch, hat Farben und Formen. +Nur sie sehen sie nicht. Sie nennen das Eine +Leben und das Andre Tod. Und der Tod ist +Leben, eins so gut wie das Andre. Alles ist +Leben. Es ist ein Neugebären in jeglichem Sterben.“ +</p> + +<p> +Der Fremde sagte ihm ein andres Gleichniss +und sprach: „Die Menschen rechnen die That, die +Gedanken sehen sie nicht. Sie können die Gesinnung +nicht lesen, die im Herzen ist. Die That +ist nicht besser wie der Gedanke. Sondern er +war der Erstgeborne und wirkt weiter. Die Sünde +ist geboren, ehe die That That wird. Es ist nicht +mehr Sünde im Thun wie im Wollen. Zu diesem +aber sprach die Schlange. – Und der Stolz ist +der Urgrund alles Uebels.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Wie deutest Du das?“ +</p> + +<pb n='180'/><anchor id='Pgp180'/> + +<p> +Der Fremde sprach: „Da der Mensch anfing +zu mischen von seinem Willen in den grossen +Gang des Wollens, der der reine Strom und Urquell +des Lebens ist. Er sprach – und er sollte +hören. Er dachte, wo er sehen sollte. Ein +Kleines, Staubgebornes, Willkürliches will stehen, +wo das Grosse, Ewige, Gesetzte steht.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Widerspricht nicht Solches der eignen +Adligkeit und Freiwilligkeit des Menschen?“ +</p> + +<p> +Darauf antwortete der Fremde: „Mit nichten. +Sondern ist es nicht edler, das Gesetz in sich +selbst zu erkennen und ihm folgen, als sich von +aussen verschreiben lassen, Buchstaben zu gehorchen. +Das ist Sklaventhum. Das Andre Adliger +und Freigeborner.“ +</p> + +<p> +Johannes sprach: „Wie kann das Gesetz für +Alle dasselbe sein, so doch der Menschen viele +sind und Millionen, Jeder anders geht wie der +Andre?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es ist auch nicht dasselbe Gesetz +für Alle. Händewaschen ist nicht dasselbe, Kleidertrachten +und Fasten ist nicht dasselbe, Götter von +Stein und Götter von Erzen. – Aber Alle, die +suchen, finden wohl den Weg.“ +</p> + +<p> +Da erschrak Johannes in seinem Herzen und +<pb n='181'/><anchor id='Pgp181'/>sprach: „Die alten Weisen haben wohl gelehrt. +Sie dachten, sie hätten die Weisheit gefunden. +Und waren Edle. Tiefe Worte kamen von ihren +Lippen. Buddha und Mohammed sind gekommen. +– Wie sagst Du, Einer ist wie der Andre?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Alle diese sind gegangen und +haben gefunden. Unschuldige Kindlein finden auch, +kleine Blumen und Kräuter. Es führen viele Wege. +Aber unselig sind, die stehen bleiben und nicht +gehen um der Dornen willen und Steinblöcke.“ +</p> + +<p> +Damit wollte er weitergehen. Aber der Andre +hielt ihn an in grosser Angst seines Herzens, +flehte ihn an und bat: „Gieb mir ein Zeichen.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Kein andres Zeichen habe ich als +dies: Die Blinden werden nicht blind sein, ob sie +gleich blind sind. Die Lahmen werden gehen +können und eilen, ob sie lahm sind, festgekettet +an ihr Lager. Die Armen sind reich und ihr +Reichthum ist köstlicher denn aller Reichen. Die +Todten sterben nicht und leben, ob sie gleich gestorben +sind. – Ein Kind findet es in seiner +Einfalt. Den Weisen und Mächtigen aber bleibt +es verborgen.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Sage mir nun noch dies Eine. So +Einer Sünde gethan hat, ist er nicht schlimmer +<pb n='182'/><anchor id='Pgp182'/>denn Einer, der keine gethan hat? Warum denn +sollten wir nicht Alle sündigen und froh sein?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „So Du sie thust, ist es Dir Sünde. +Die Andern aber gehen auch nicht verloren. Der +Hochmuth ist das Aergste der Uebel. Freude war +über den, der Busse thut vor neunundneunzig Gerechten. +Der verloren war und heim kam, fand +über dem der zu Hause geblieben, niemals irrte.“ +</p> + +<p> +So liess er diesen und ging von ihm weiter +in der Abenddämmerung. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='183'/><anchor id='Pgp183'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das elfte Kapitel.</head> + +<p> +Es war Fritz Kuhlemann, der ihm diese Botschaft +schickte: +</p> + +<p> +„Die ausgehen sollten, wohnen in reichen +Häusern. In steinernen Kirchen ist das Wort verschlossen +für blöde Mengen am Sonntagmorgen. +Die Mächtigen missbrauchen Deine Worte für ihre +Zwecke. Man führt Kriege in Deinem Namen. +Ungerechtes Gericht ist gesprochen unter dem +Zeichen der Liebe. Der Arme geht hungrig. Der +Niedrige ist verachtet. Der Sünder stirbt nachher +wie zuvor. Was ist Deine Heilsbotschaft an die +Welt?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Siehe zu, was ich thue: +</p> + +<p> +„Soll ich Krieg führen, um die Welt zu überzeugen? +Der Hass wäre schlimmer denn zuvor. +Die Sklaven von heute wären grausamere Herren, +als die Herren von gestern. +</p> + +<pb n='184'/><anchor id='Pgp184'/> + +<p> +„Soll ich Gesetze geben, neue Ordnung erfinden? +Dies Gesetz wäre gut, aber die Menschen +sind schlecht. Unter der guten Ordnung bliebe +die wilde Wüste. +</p> + +<p> +„Vielen ist es gesagt, aber Wenige hören. +Allen ist es ein Schlachtwort und Wenigen Frieden. +Einige finden, weil sie von Anfang an hatten, +und Viele, die suchen, finden niemals. Schrecklich +und scharf ist es, wie ein Schwert, das +durchbohrt, süsse Milch, die ganz junge Kinder +trinken.“ +</p> + +<p> +Er war aber auf einem Schiff, wo er dies +sagte, dass er sich übersetzen liesse von einem +Ufer zum andern. Und es war ein Mann neben +ihm, der ein Tuch mit Samenkörnern eingebunden +hatte, die er säen wollte auf seinem Acker. +</p> + +<p> +Er sprach zu ihm: „Gieb mir von Deinen +Körnern.“ +</p> + +<p> +Der Mann sprach: „Nimm so viele, wie Du +willst?“ +</p> + +<p> +Er nahm eine Handvoll und streute sie auf +das Wasser. +</p> + +<p> +Sprach der Mann zu ihm: „Wie kannst Du +solches thun, so doch das Wasser die Samen nicht +hält und austreibt?“ +</p> + +<pb n='185'/><anchor id='Pgp185'/> + +<p> +Er sprach: „Sollen sie keimen, wird es sie +schon tragen, wo sie Wurzel finden. Die Erde +ist nicht besser denn das Wasser. Wo ein Same +leben soll, müssen tausende sterben.“ +</p> + +<p> +Und es war ein Buckliger auf demselben Schiff, +der war ganz verwachsen. Alle Knochen seines +Leibes standen schief und sein Gesicht war scheusslich +anzusehen mit schielenden Augen und einer +platten, queren Nase. +</p> + +<p> +Derselbe sprach zu ihm: „Meister, es ist recht, +was Du sagst, dass alle Menschen gleich sind, +und ist nicht Einer schön und der Andre hässlich, +Jener klug und Dieser thöricht. So sage auch +diesen, dass sie mich schön finden, und lobe +meine Verwachsenheit, die keine Missgestaltung +mehr ist.“ +</p> + +<p> +Er sprach zu ihm: „Was habe ich mit Dir zu +schaffen? Ganz hässlich bist Du und schauerlich +anzusehen. Was wagst Du zu hoffen von der +Schönheit, die Du beleidigst, und woher kommt +Dir der Muth, der Du feige bist und ganz +niedrig.“ +</p> + +<p> +Trieb ihn von sich mit harten Worten und sah +wieder in den Fluss, darin die Landschaft sich +spiegelte im klaren Wasser. +</p> + +<pb n='186'/><anchor id='Pgp186'/> + +<p> +Aber sie hörten es nicht gern. Die, die das +hörten, fuhren fort, das Volk zu reizen zur Gewalt, +um die Machthaber umzustürzen, oder +System und Lehrsätze zu erfinden, die Alles gerecht +machen sollten, dass Jeder seine Fülle hätte, +kein Unfrieden mehr sei in der Welt. Diesen +liefen Viele zu. Sie hatten ein grosses Gefolge +hinter sich, die sagten: „Morgen kommt der +grosse Zusammensturz. Wir werden dann essen, +die wir jetzt hungrig sind. Wir werden herrschen, +die dienen. Wir sind Viele und sie sind Wenige. +Lasst uns uns zusammenrotten und laut schreien, +dass wir sie übertäuben und ihre Stimmen mit +unseren Stimmen, die zahlreicher sind und lauter +schreien.“ +</p> + +<p> +Gewaltig erscholl die Stimme Fritz Kuhlemann’s +aus der grossen Stadt. „Gebt Eure Güter und +verlasst Eure stolzen Paläste! Gebt Eure Macht +auf, Ihr Herren und Regierenden! Lasst uns gute +Gesetze haben und nicht mehr unsre Frauen und +Mädchen verkaufen zu Laster und Unzucht! Wir +wollen keine Kriege mehr und keine Hungersnoth. +Wir wollen Alle arbeiten und essen. Einer soll +sein wie der Andre, Keiner König und Keiner ein +Bettler. Unsre Frauen sollen gleichgeachtet sein +<pb n='187'/><anchor id='Pgp187'/>wie wir und unsre Töchter wie unsre Söhne. Wir +wollen glücklich sein auf dieser Welt und Kinder +zeugen. – Denn was nachher kommt, wissen wir +nicht, Niemand kann an gegen den Tod.“ +</p> + +<p> +Ein junger Mann kam zu dem Fremden. Er +wollte mit ihm über seinen Seelenzustand sprechen. +</p> + +<p> +Er sagte: „Ich habe immer ein untadeliges Leben +geführt. Von Lastern und verbotnen Dingen habe +ich mich ferngehalten. Ich habe versucht, meinen +Geist zu bilden mit allem Wissen und der Bildung +unsrer Zeit. Ich habe meine Lehrer in Ehrfurcht +gehalten und meinen Eltern gehorcht. Gegen +Niedrigstehende bemühe ich mich höflich und gerecht +zu sein. Es fehlt meinen Leuten an nichts. +Sie haben ihre Gebühr und über Gebühr. Ich bin +allgemein angesehen und hochgeachtet. Wenn ich +ein Weib nehmen will, wird Niemand zögern, +mir seine beste Tochter anzuvertrauen. Ich werde +sie unschuldig, wohlgebildet und von gutem Ruf +nehmen, wie ich selber bin. Es klebt kein Stäubchen +an meinem Vermögen. Alles ist auf ehrliche +Weise erworben und von meinen Voreltern langsam +erarbeitet. Kein Blutrichter fände einen Flecken +daran. Niemand ist von mir um einen Pfennig +betrogen. Dem Staat zahle ich pünklich, was ihm +<pb n='188'/><anchor id='Pgp188'/>zukommt. Ich betheilige mich an allen Wohlfahrtseinrichtungen +und gemeinnützigen Anstalten. Die +Leute auf meiner Besitzung sind glücklich gepriesen +von Allen. Sprich nun selbst, bin ich vollkommen +so und nach Deinem Sinn?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Du sagst, dass Du Güter hast. +Nimm Deine Güter, den letzten Pfennig, den Du +besitzest, und gieb ihn den Armen, den Bettlern +und den Hunden.“ +</p> + +<p> +Der junge Mann ward sehr traurig und ging +von ihm. Er sah ihm lange nach, denn er war +ein trefflicher junger Mann, licht und schön von +Ansehen, der das Gute suchte. +</p> + +<p> +Darauf sprach er: „Der Reichthum ist schlimmer +denn die Wollust, die Wollust giebt für Andre. +Er denkt nur an sich. Auch thut der wohl eher +Busse, der grobe Sünde thut, denn der angesehen +ist vor aller Welt und niemals fiel. Ach es ist +schwer! schwer für einen Menschen, der viele +Güter hat, dass er das Gute finde!“ +</p> + +<p> +Nun sprach Jemand aus seiner Umgebung zu +ihm: „Was nützt es den Armen, so Einer giebt? +Es käme wenig auf Alle. Morgen wäre dasselbe +wieder, dass Einige nichts hätten und Andre mehr.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es ist nicht um der Armen willen. +<pb n='189'/><anchor id='Pgp189'/>Wenn er es auf’s Meer würfe, die Wellen trügen +es fort, wäre es ihm ebenso gut. Siehst Du nicht, +dass seine Güter wie eine Mauer stehen zwischen +seinem Thun und dem freien Wollen seiner Seele? +Alle seine Liebe bleibt eingeschlossen und wird +ersticken in ihm, ohnmächtig und schlaff werden. +Nur weil er reich ist. – Der Arme liebt wohl +leichter. Er hat dafür Neid und Niedrigkeit als +seine Feinde. Die Seelen, auf denen das Joch +lange liegt, werden niedrig. Und die wahre Liebe +ist stolz und eine Königin. Aber die begehren, +sind Sklaven. Nur der nichts mehr begehrt, ist +ein Vornehmer und ein Fürst.“ +</p> + +<p> +Wenige verstanden dies und Viele murrten +darüber. Einige sagten, er liebt nur die Armen. +Die Andern fanden, dass er ein Reactionär sei +und es mit den Hohen nicht verderben wollte. +</p> + +<p> +Es gefiel ihnen auch sehr, ihm schwierige +Fragen zu stellen, weil sie ihn fangen wollten in +den Antworten. Und er schickte sie ihnen zurück, +fragte: Was <hi rend='gesperrt'>willst</hi> Du thun?, dass sie selber +sich antworten mussten, beschämt standen in ihrer +Nacktheit und List. +</p> + +<p> +So war ein Mann, der ein Eheweib hatte, die +ihn betrog. +</p> + +<pb n='190'/><anchor id='Pgp190'/> + +<p> +Er kam zu ihm und fragte, ob er ihr verzeihen +sollte? „Das Gesetz erlaubt mir, mich von +ihr zu trennen, sie zu strafen an Gut und Habe. +Die allgemeine Meinung und meine Stärke würden +mir wohl gestatten, sie zu tödten. Das erste ist +Gerechtigkeit, das zweite Rache.“ +</p> + +<p> +„Und Deine Liebe?“ +</p> + +<p> +„Aber sie hat meine Liebe verrathen. Alle +Zärtlichkeiten, die ich ihr erwiesen habe, sind vergessen. +Sie hat Kinder von mir gehabt. Ich habe +ihr Ehre gezollt als dem Oberhaupt meines Hauses. +Ihre Schönheit erfreute mich. Ich gab ihr genug, +um sich zu schmücken. Keiner ihrer Wünsche, den +es in meiner Macht war zu erfüllen, blieb unerfüllt. +Ich liebte ihren Verstand, ihre Art sich auszudrücken, +die Weichheit ihrer Stimme, die Liebesbezeugungen, +die sie mir erwies, und dadurch +Neigungen in mir erweckte, ihre Schüchternheit und +Hülflosigkeit selbst.“ +</p> + +<p> +„Und ihre Seele? – Hast Du ihre Seele geliebt? +Was in ihr schwach war und arm und nach +Hülfe schrie? Ihre Zögerungen, den Glauben an +Dich, Deine Vollkommenheit, die nicht war, diese +verzweifelte Liebe, die im Fleisch suchte, was in +Deiner Seele fern von ihr war, – Deine Seele, +<pb n='191'/><anchor id='Pgp191'/>die sich nicht mit ihr vereinigen konnte. Die sie +in die Arme eines Andern fliehen machte, der sie +noch unglücklicher liess? – Diese arme, nackte +frierende, beschämte Seele, hast Du sie geliebt?“ +</p> + +<p> +Auch der verstand ihn nicht. Viele Leute sagten +nun: „Er ist nachsichtig für die Sünden des Fleisches. +Huren und Lüstlinge sind ihm recht.“ +</p> + +<p> +„Die Sünden der Wollust sind traurig,“ sagte +er. „Sie tragen ihre Strafe in sich. In dieser +Traurigkeit, die nachher kommt von der Unvollkommenheit +der Liebe, dass es nur wieder Unvollkommnes +ist, was sie gebärt. Die Unreinheit +ist das Gift, das Alles vergiftet, das ihr naht. +Es giebt keine Schönheit mehr für den, der faul +sieht. Sie lieben nicht, die sich der Leidenschaft +hingegeben haben. Das ist eine eiternde Krankheit, +Würmerfrass der Seele.“ +</p> + +<p> +„So wäre es also besser, ganz keusch zu sein, +keine Kinder mehr zu zeugen und dass die Welt +aufhörte?“ fragte Einer. Er war ein Mann, der +im Laster gelebt hatte, und er wollte ihm eine +Falle stellen, um zu sagen: „Welch’ ein Unsinn!“ +</p> + +<p> +Er sah ihn lange an. „Was weisst Du von +der Keuschheit? Das ist die weisse Blume des +Paradieses, das erste Gewebe aus den Strahlen +<pb n='192'/><anchor id='Pgp192'/>der Morgenröthe. Wenige sind ihrer theilhaftig. +Und ob sie nackt gingen durch den eklen Sumpf, +er befleckte sie nicht. Alle Schande und Schmach +kann ihnen nichts anhaben, <hi rend='gesperrt'>denn sie schämen +sich nicht</hi>. Das ist das Höchste, sich nicht zu +schämen. Weil die Scham in uns ist von der +Sünde.“ +</p> + +<p> +Aber Viele wollten, dass er sich deutlicher erklärte. +</p> + +<p> +Er that es nicht: „Vielleicht begreifen nur sie +es, die das Andre gekannt haben, durchgegangen +sind durch den feurigen Ofen und im Feuer wieder +rein wurden. Die irdische unvollkommene Liebe +ist in sich ein Abbild der andern. Sie giebt die +Sehnsucht. Die Sehnsucht schafft neues Leben – +immer neues! Sie sind wohl die Unglücklichsten, +die nie geliebt haben. Sie sind unfruchtbar.“ +</p> + +<p> +Manche hätten gehofft, dass er mehr darüber +sagte. Aber er hielt seinen Mund geschlossen +und sprach nicht mehr den Tag. +</p> + +<p> +So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen +Fragen. „Ich habe meinem Nachbar Geld geliehen. +Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im +Recht oder ich?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Warum forderst Du es?“ +</p> + +<pb n='193'/><anchor id='Pgp193'/> + +<p> +Es entstand da ein ganz lächerlicher Disput +über die Ehre. „Wenn Einer mich geschlagen hat, +muss ich ihn wieder schlagen?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Ein Schlag und noch ein Schlag +sind zwei Schläge. Machst Du ein Loch damit zu, +dass Du es doppelt weit einschlägst?“ +</p> + +<p> +Aber in seinem Herzen wurde es traurig über +sie. Und er that seinen Mund auf und fing an +zu wehklagen. +</p> + +<p> +„Arme! die Ihr reich seid, und Eure Güter +fressen Euch selbst, Geiz, Neid und Habsucht! +Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, +der zu wenig hat, und für jedes Ueberflüssige, +das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein Andrer +Mangel. +</p> + +<p> +„Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhäuser +und sammelt für Wohlfahrtsanstalten: Dies +thue ich – und wollt Lob Eurer Nachbarn und +Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr +nicht genommen habt zuvor, was brauchet Ihr zu +geben? +</p> + +<p> +„Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet +für die Freiheit Eurer Brüder, Gesetze, Unterricht +und Bürgerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, +wenn Ihr nicht Unfreie gemacht hättet zuvor, Eure +<pb n='194'/><anchor id='Pgp194'/>Seelen nicht in Banden wären des Geizes, des +Trotzes, des Hochmuths, der Lüge, der Trägheit +und der feigen Angst? +</p> + +<p> +„Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch +hochbaut vor den Leuten, dass sie Euch anstaunen +möchten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom +Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag +kommt, dass man Euren Leib zu Grabe trägt, +Eure Seele war todt in Euch lange vorher. +</p> + +<p> +<anchor id="corr194"/><corr sic="Ihr">„Ihr</corr> denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr +nicht mehr. Das Gesuchte ist weiter von Euch, +denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft +die äussre Wunde zu und der Brand frisst fort +inwendig. Ihr seid stolz in Eurer Erkenntniss, +Eurem Wissen, köstlichen Kleidern um Eure Nacktheit. +Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der +Frost. Ihr erstarrt unter dem faulen Schimmer. +Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure +Grösse die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen +aufwirft. +</p> + +<p> +<anchor id="corr194a"/><corr sic="O">„O</corr> Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Ungläubigen! +Wie unglücklich seid Ihr in Eurem Glücke! +Wie erbärmlich in Eurem Stolz! +</p> + +<p> +„Die Kinder und Unmündigen werden wissen +vor Euch, die Kleinen, die Ihr verachtet habt. Das +<pb n='195'/><anchor id='Pgp195'/>Lamm wird stärker sein denn der Löwe, der laut +brüllt. Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares +wird Königreiche leiten, die der Eisenfuss zertritt. +</p> + +<p> +„Wehe Euch! Wehe Euch! +</p> + +<p> +„Die Pflanzen wissen, die Felsstücke. Die +Wasser, die ihren Weg laufen. Alle Sterne, die +gehen in ihrer Bahn. +</p> + +<p> +„Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. +Ihr könnt nicht, die Ihr stark seid. Die wollen, +werden niemals erreichen. Die kämpfen, siegen +nicht.“ +</p> + +<p> +Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn +zu erhaschen. Aber er ging mitten durch sie +hindurch und entwischte ihnen immer. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='196'/><anchor id='Pgp196'/> +<index index="toc"/><index index="pdf" level1="Das zwoelfte Kapitel."/> +<head>Das zwölfte Kapitel.</head> + +<p> +Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht. +</p> + +<p> +Er war aber ein sehr vornehmer Mann +des Landes, der Vornehmste und Reichste im +ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel +verhüllt, dass Niemand sein Gesicht erkennen +konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine +Gestalt, dass es unmöglich war zu sagen, ob er +klein gewachsen war oder gross, breit oder schlank. +Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. +Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener +hütete sein Pferd, während er hinaufgegangen war, +mit ihm zu sprechen in der Nacht. +</p> + +<p> +Die Nacht war stürmisch und sehr finster. +Man hörte den Wind brausen. Er trieb die nassen +Zweige der Bäume in grossen Packen gegen die +Fenster, dass es klatschte und prasselte. Der Wind +<pb n='197'/><anchor id='Pgp197'/>war gewaltig. Er fuhr über die Erde in einem +weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe +die Erde fegte. Oben blies er in die Wolken. +Sie flohen eilig wie wollige, furchtsame Schafe +durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse +Fetzen und jagte sie fort. Er freute sich, dass +er so allein draussen war zu herrschen, orgelte +sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes +und der Herausforderung über die Erde. +</p> + +<p> +Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens +und war über die See gefahren und sein +Mantel hatte die Kämme der Wogen aufgepeitscht, +dass sie nach ihm schnappten und sich überschlugen +in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, +graue Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die +grossen Wogen unter dem Winde. Aber sie fingen +ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal +packte er sie und wirbelte sie im Tanze, rund, +rund, um einen spitzen, kreiselnden Trichter in +der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt +sie in glatten, gekeilten Furchen wie der +scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann entschlüpfte +er ihnen wieder, sich überschlagend in +der Luft. Sie machten verzweifelte Sprünge und +warfen sich ihm nach an den Strand wie +un<pb n='198'/><anchor id='Pgp198'/>gefüge Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden +Leibern. +</p> + +<p> +Aber er lachte nur und schrie lauter und floh +davon. +</p> + +<p> +Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, +den die Menschen gebaut hatten, um der Fluth +zu wehren, dass der Leuchtthurmwächter erschrak +in seinem Herzen: Ich will die Laterne fester +stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er blies dem +Wächter die Capotte vom Gesicht und schrie laut +auf vor seinem Fenster, wie ein Meervogel mit +schwarzen, schlagenden Flügeln. Dann fuhr er +weiter. +</p> + +<p> +Er blies in die weissen Segel der kleinen +Fischerbarken, dass sie umschlugen vor dem +Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. +Und er probte den stolzen Oceandampfer, der +ruhig weiterschiffte in seiner geraden, majestätischen +Bahn. +</p> + +<p> +Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und +machten die Läden fester zu. Sie dachten mit +Sorge an die Schindeln auf ihren Dächern, die +schlechten Strohdecken der Scheunen. Der Wind +fegte die Schindeln herunter. Er hob das Strohdach +auf und fuhr in die Scheune, dass Alles +auf<pb n='199'/><anchor id='Pgp199'/>stob, durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel +in den Hühnerstall fährt. +</p> + +<p> +Hui – hui – machte der Sturmwind. +</p> + +<p> +Im Gebirge köpfte er die Tannen und schleuderte +sie kopfüber den Abhang hinunter. Von der +offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss +er grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die +blanken Eisenbahnschienen mitten auf den Damm. +Er polterte an den Pfeilern der Brücken und +peitschte die Weidenruthen am Ufer, die sich bis +auf die Erde bogen, der Wind ist ihr Herr. Er +war furchtbar. +</p> + +<p> +Ueber die Städte der Menschen fuhr er. Sie +schlossen die Läden vor und zogen sich die Nachtmützen +tiefer über die Ohren: Es ist Sturm draussen +und gut, dass wir nicht im Freien sind. – Wo +er Einen fand, der draussen war, schüttelte er ihm +die armseligen Fetzen vom Leib und kältete ihn +durch, dass der Frost in ihm blieb. Denn der +Sturmwind war schrecklich und ein Feind der +Menschen. +</p> + +<p> +Durch den Sturm und die Nacht ritt der einsame +Reiter. Sein Gesicht war dicht verhüllt im +Mantel. Sein Pferd schritt schnell, ausgreifend, +mit der Regelmässigkeit schöner, geübter Edelthiere. +<pb n='200'/><anchor id='Pgp200'/>Der Sturm versuchte ihm den Mantel vom Gesicht +zu zerren. Aber er hüllte sich nur noch dichter +hinein. Ganz schwarz sah er aus. Wie ein +schwarzer Schatten ritt er durch die Nacht unter +dem heulenden Sturmwind. Der Diener folgte, +stumm, wachsam, in einiger Entfernung. +</p> + +<p> +Der Reiter hörte dem Concert des Windes zu. +Es war ihm, als bildete es eine sehr hohe, erhabne +und brausende Melodie. Aber er war zu +weit entfernt und zu niedrig. Er konnte nicht +verstehen, was der Sturmwind sang. +</p> + +<p> +Es war ein Lied vom Krieg, von Trompetenrufen +und Pferdegetrappel, von wehenden Fahnen, +Kanonendonner und knatterndem Gewehrfeuer – +dann der Hurrahschrei des Siegers. Einer ritt +allein im strahlenden Adlerhelm. Die Sonne seines +Helms warf Strahlen. Ein weisses Pferd schritt +unter ihm. Alle schrieen: Heil! Heil dem Sieger, +dem grossen König unter den Menschen, dem Gewaltigen! +</p> + +<p> +... Es war der Orgelklang eines Doms. Alle +Glocken läuteten. Festguirlanden hingen. Frauen +wehten mit ihren Tüchern. Weissgekleidete Mädchen +trugen Blumen und sangen. Endlos war +der Zug der Festtheilnehmer. – Der Hermelin +<pb n='201'/><anchor id='Pgp201'/>hing um seine Schultern. In schweren Falten +umfloss ihn der Purpur. Er schritt die Stufen +zum Altar hinan. Hinter ihm rauschte der Mantel. +Das Schwert stiess klirrend gegen den Marmor +und der Priester im Ornat hob die lichte Krone, +den wundersamen Reifen ohne Anfang, ohne Ende, +wie die Schlange, die den Weltkreis hält, funkelnd +im Schmuck der Edelgesteine – des Rubins, der +das Blut ist, Topase, köstlicher als Gold, der Herrschaft, +und Smaragden, funkelnde grüne Augen +der Edelkatze. – Und er war es, der gross und +reich war, der König war. +</p> + +<p> +Lieder von Ruhm und Macht sang der Sturmwind. +Der einsame Reiter in der Mitternacht +hörte ihm zu. Er hatte sein Gesicht im Mantel +verhüllt und ritt schnell, dass Niemand ihn kennen +konnte. +</p> + +<p> +Als ein Fremder zu dem Fremden kam er +mitten in der Nacht. +</p> + +<p> +Draussen tobte und fauchte der Sturmwind. +Er strich dahin mit dem tiefen, surrenden Ton zu +stark gespannter Saiten. Die Luft schwang und +zitterte nach seinem Röhren. Die Erde aus ihren +Eingeweiden antwortete gleich dem vibrirenden +Resonnanzboden einer Violine. +</p> + +<pb n='202'/><anchor id='Pgp202'/> + +<p> +„Es ist Sturmwind und sehr finster,“ sagte +der schwarze Reiter. „Ich bin zu Dir gekommen, +um mit Dir zu sprechen über Dinge, die gefährlich +sind zu nennen und sehr geheim. Darum +komme ich in der Nacht. Sie ist furchtbar, diese +Nacht!“ +</p> + +<p> +„Es giebt einen Morgen,“ sagte der Fremde. +„Das Licht wird sehr hell kommen. Wir werden +Morgen haben bald.“ +</p> + +<p> +„Ich darf den Morgen nicht sehen. Ich habe +grosse Eile, und dass ich hier bin, darf Keiner +wissen. Das Licht nicht und nicht der weisse +Nebel des Morgens, der dem Hahnschrei vorangeht. +Durch die Nacht und den Sturm bin ich +gekommen, weil es Nacht ist und Sturm in mir. +Hörst Du die Weisen draussen? Es sind alle +Geister der tollen Vergangenheit, die los sind. +Sie singen mir von Stolz und Sieg und Macht. +Ich sehe sie Alle, die dies Haus umkreisen und +mit mir hierhergezogen sind. Sie tragen Rüstungen +von Eisen und gehen langsam vorüber. Die Letzten +haben Purpurmäntel und Einige reiten auf herrlichen +Pferden. Einer trägt sein Haupt unter seinem +Arm. – Warum sind sie grauenhaft und traurig +wie diese?“ +</p> + +<pb n='203'/><anchor id='Pgp203'/> + +<p> +„Sie haben getödtet,“ sagte der Fremde. „Sie +haben genommen. Sie haben gerächt und gerichtet.“ +</p> + +<p> +„Aber Viele haben Gutes gethan. Sie haben +Ordnung gestiftet. Sie haben geschafft. Die Kraft +ihres Hirns haben sie gegeben und die Stärke +ihres Arms. Sie waren Väter und Erbauer.“ +</p> + +<p> +„Des Vaters Amt ist ein schweres. Viele führt +in die Irre, der als ein Führer selber irrt. So er +dieser Geringsten einen ärgert, besser wäre es +ihm, er verlöre Leben und Leib. Der Baumeister, +der nur einen Stein falsch wählt, gefährdet den +Bau.“ +</p> + +<p> +„Das ist schrecklich. – Sie waren Erwählte +unter den Menschen. Die Gnade von oben hat +ihnen geholfen.“ +</p> + +<p> +„Es ist schwer, dass ein Reicher das Himmelreich +finde,“ sagte der Fremde. „Die Gnade wird +dem Demüthigen.“ +</p> + +<p> +„Man kann demüthig vor Gott sein und stolz +vor den Menschen. Gott hat Könige eingesetzt.“ +</p> + +<p> +„Einen. Er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen +sollte und ward in der Krippe gebettet.“ +</p> + +<p> +„Du denkst also, dass es ein Unrecht ist, ein +Grosser dieser Welt zu sein?“ +</p> + +<pb n='204'/><anchor id='Pgp204'/> + +<p> +„Es stehet geschrieben: Wer unter Euch will +ein Herr sein, der sei Aller Knecht.“ +</p> + +<p> +„Das ist bildlich gemeint,“ sagte der Reiter. +„Wer dem Ganzen dient, ist Aller Knecht.“ +</p> + +<p> +„... Und er nahm seinen Schurz und wusch +ihnen die Füsse,“ sagte der Fremde milde. +</p> + +<p> +„Das ist doch auch nur symbolisch.“ +</p> + +<p> +„Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?“ +Der Fremde lächelte – ein trauriges Lächeln. +Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert +gleichsam, wie lange gestorben, die lebte. +</p> + +<p> +Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. +Der Sturmwind draussen blies zum Umwerfen. Und +es war sehr finstre Nacht. +</p> + +<p> +„Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art +Kreuz. Wir hängen am Kreuz. Jeder, der den +Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich +zu kämpfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, +die furchtbare Verantwortung. – Auf Einen fällt der +Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom Unrecht. +Für dieses schwere Amt müsste man Vorrechte +haben. Wer wollte freiwillig es auf sich nehmen?“ +</p> + +<p> +„Glaubst Du, dass es Keiner möchte?“ +</p> + +<p> +Der Reiter verwirrte sich. „Es muss doch sein, +um der Ordnung willen. Es ist besser, dass das +<pb n='205'/><anchor id='Pgp205'/>Festgefügte bleibt. Einer, um den kein Kampf +ist, der den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. +Das Alles haftet dem Emporgekommenen an. Der +Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?“ +</p> + +<p> +„Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr +denn zehntausend Legionen Engel. Er liess sich +binden und kreuzigen.“ +</p> + +<p> +„Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, +das ist göttlich.“ +</p> + +<p> +Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt +das Haupt geneigt. Es waren auf seiner Stirn +rothe Spuren wie von Schärfen, Spitzen, die eingedrungen +waren. Er hatte Narben in den Händen. +Ein Schmerz, wie von einer schweren, nie geheilten +Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte +die Hand in seine Seite. Er seufzte. +</p> + +<p> +„Und wenn ich es thäte?“ fuhr der Reiter +fort. „Wer hätte den Vortheil? Ein Andrer, der +käme und schlimmer wäre, vielleicht weniger tief +angelegt, – ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem +wäre geholfen? Und was ist Einer?“ +</p> + +<p> +„Einer war und er that.“ +</p> + +<p> +„Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser +geworden? Die Formen der Unterdrückung haben +gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind +<pb n='206'/><anchor id='Pgp206'/>sie darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, +Ungerechtigkeit verschwunden? Er war Gottes Sohn +und starb vergebens. Wer bin ich?“ +</p> + +<p> +Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. +Er stiess hinein wie in eine Trompete. Ein Fensterglas +zersplitterte. Es klang wie Gelächter, das +Lachen von tausend Kobolden und Dämonen. Der +Fremde antwortete nicht. +</p> + +<p> +„... Es könnte sein, dass Umwälzungen +kämen,“ sagte der Reiter, „allgemeine, durch einen +Umschwung des Denkens erzielte, langsam vorbereitete. +Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. +Wem ist es gegeben zu erforschen? Man muss +bleiben, wo man hingestellt ist, sich genügen +lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist +unvollkommen. Langsam nur geht die Zeit. Ich +bin nicht ein Erlöser. Nicht ein Genie ... Ich +thue meine Pflicht.“ +</p> + +<p> +Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. +Er rief nach seinem Pferde. Diese ritten hinaus +wieder in die Nacht. +</p> + +<p> +Ueber ihren Häuptern fegte der Sturmwind. +Er sang wilde, triumphirende Weisen. +</p> + +<p> +Hoiho – hoiho – triumphirte der Sturmwind. +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<pb n='207'/><anchor id='Pgp207'/> + +<p> +Er ging allein fort, bis er an einen grossen +Wald kam und setzte sich daselbst auf einen +Stein. +</p> + +<p> +Es war ein sehr alter Wald aus lauter hundertjährigen +Bäumen, Eichen mit seltsamen verknoteten, +verknöcherten Stämmen, die da wie Vorweltriesen +standen. Unten waren sie schon abgestorben, aber +oben trieben immer wieder frische grüne Zweige +mit krausen Blättern und Eicheln. In einige war +der Blitz gefahren. Sie trugen seine Spur wie +ein breites kohlschwarzes Band vom Wipfel zur +Wurzel. Da war alles Leben versengt, aber die +andre Seite grünte noch und breitete Aeste. Alle +standen da in einem geheimnissvollen Kreisring. +Nicht zu nahe bei einander, weil sie sich sonst +gestört hätten im Wachsthum. Um den engeren +Ring lief jedesmal ein weiterer. Seine Stämme +standen in den Zwischenräumen zwischen denen +des Ersten, so dass es von innen anzusehen war +wie eine hölzerne geschlossene Ringwand, aus +lauter Stäben, dass man nicht unterscheiden konnte, +wo der Wald aufhörte oder anfing. Aber zwischen +den einzelnen Kronen fiel breit der blaue Himmel +durch. Der Boden war mit hohem, grünem, sehr +feinem Gras bewachsen. Man konnte gehen in +<pb n='208'/><anchor id='Pgp208'/>den Abständen der Ringe wie in einer Wandelbahn. +Es war schattig und doch hell. +</p> + +<p> +Die Rinde dieser Bäume war rauh, borkig, mit +starken, eingeborstnen Abschilferungen wie die +mächtigen Dickhäuter. Moose wuchsen aus ihr +in grauen Hängebärten. Knoten und Buckel hatte +das Alter gebildet, schwärzliche Warzen, in denen +die Säfte sich schwärend stauten. Die Aeste +kamen wieder, verrankten und verschlangen sich +in seltsamer Weise. Keine Regel schien da mehr +zu herrschen, nur Laune, grimmige, kauzige Spottsucht +des Alters. Die Wurzeln liefen sehr lang +mit Knollen und Armen. Sie verästelten und +verwoben sich auch ineinander. Einige Stämme +hatte man abgehauen. Aber die Stümpfe waren +geblieben. In deutlichen Ringen stand ihr Leben +geschrieben. Kleines Buschwerk, Gepilze, schoss +und trieb um die Todten. Man sah ihre Wurzeln, +die weiss wurden, abstarben. Doch mächtig +mit starken Fibern und Adern wie Gespinnste +einer untergegangenen Hexenwelt. +</p> + +<p> +Grosse Steine von alten Heidenzeiten her lagen +in der Runde. Jedermann wusste, dass man +diese Steine nicht anrühren durfte. Es lagen +grosse Helden der Heiden darunter begraben und +<pb n='209'/><anchor id='Pgp209'/>sie waren blos verzaubert und nahmen es übel, +wenn man sie reizte. Dann kamen sie hervor +aus ihrem Grabe, schlugen mit ihrer Zauberkraft +Mensch und Vieh. Manche erzählten, dass sie +zu Zeiten ein weisses Ross da hätten grasen +sehen, ohne Zaum und Sattel, von wunderbarer +Farbe und Sanftmuth. Aber wenn man es anrufen +und fangen wollte, wurde es schwarz, +Feuer sprühte aus seinen Nüstern. Das war das +Schlachtross des Heidenkönigs. Auch von einer +wundersamen Frau erzählten sie. Er hielt sie dort +gefangen mit sich im Tode, die im Leben seine +Braut nicht gewesen war. Denn zu den Zeiten +waren Männer; solcher liess ein Weib nicht und +ob er sie im Sturm geraubt. Der alte Heidenkönig +hielt sie im Grabe, und des Nachts stand sie auf +und ging zu ihrer eigentlichen Heimath und ihren +Kindern, dem weisen, guten König, dem sie angehörte. +– Aber des Nachts und wenn es finster +war, hielt sie der Andre, der sie geraubt mit +seinem Leben. Und man fand, dass es so recht +war im Volke, weil er den Blutpreis gezahlt um +sie. Es war darum im Herzen der schönen Frau, +dass sie nicht widerstehen konnte, wenn er sie +zu sich rief auf sein höllisches Bett des Nachts. +</p> + +<pb n='210'/><anchor id='Pgp210'/> + +<p> +Aber sie war unselig und klagte. Oft hörte +man ihre Klage widerhallen im Mittag, zu Stunden +des Tags, wenn die Luft lau und lind war. +Sie klagte, dass der gute König, ihr Mann, gestorben +war, alle ihre Kinder und späte Enkelkinder. +Ihre Seelen waren zu Gott oder zum +Teufel, je nachdem sie thaten, recht oder unrecht +gehandelt im Leben. Sie auch war längst todt im +Leibe; nur ihre Seele konnte nicht sterben um +der sündigen Leidenschaft willen, die sie festhielt +an dem starken Helden. +</p> + +<p> +Aus solchen Klagen der weissen Frau hatte +man ein Lied gemacht. Knechte und Mägde +sangen es oft bei ihrer Arbeit. Es war ein Lied +des Landes geworden, von der armen Seele, die +nicht sterben konnte, weil sie noch immer liebte. +Ihre Liebe war vom Teufel und starb doch nicht. +Weil er so stark gewesen war und so schön, der +tapferste Held der Heiden und ein Wunder, der +König, vor den Leuten. +</p> + +<p> +Jedermann wusste, dass sie nie den Frieden +finden konnte. Sie war wie eine unselige Seele +zwischen Himmel und Erde. Der Heidenheld küsste +sie heiss und wach wieder, jede Nacht, wenn sie +müde war und kalt, endlich sterben wollte. +</p> + +<pb n='211'/><anchor id='Pgp211'/> + +<p> +Der Fremde sass auf dem Stein und schrieb +in den Sand mit seinem Stabe. Er folgte den +krausen Runen der Wurzeln. Buchstaben und +Worte bildeten sie, seltsame Worte von tiefer +Meinung. Er folgte ihnen in jede ihrer fliehenden +Curven, bis sie sich die Hände reichen, neues +Spinnen begann. Wo sie aufhörten im Baumstamm, +wurden sie sehr stark, wie starke Leiber +mannbarer Männer, und standen wie Thürme, die +nichts umwirft. Der Blitz war an ihrer Seite +hinabgefahren. Er auch hatte seine Schrift gelassen. +Da war die Schrift des Blitzes, der Jahre, +des Regens, uralter Zeiten. +</p> + +<p> +Ein Salamander schlüpfte zwischen den Wurzeln +vor, schwarz und gelb gesprenkelt. Er sah +den Fremden an mit blanken, klugen Aeugelchen, +die wie Kugeln aus seinem platten Kopfe sprangen. +Man sagt von ihm, dass er fest bleibt im Feuer. +Wer den Salamanderkönig fängt, steht unversehrt +mit ihm mitten in den Flammen, alle Schätze +der feurigen Tiefe sind sein. – Denn der Molch +ist der König des Feuers, derer, die hämmern +ohne Unterlass im Gestein, Zwerge, neidischer, +ungefüger Riesen und Drachen. Rothes Gold hüten +sie, funkelndes Edelgestein, unerhörte Schätze, von +<pb n='212'/><anchor id='Pgp212'/>denen die Menschen blind werden und roth sehen +in bebender Gier. +</p> + +<p> +Eine schwarze Amsel kam und lief emsig hin +und her. Sie blieb stehen und horchte. Dann lief +sie wieder, pickte anklopfend, neigte den Kopf und +hob ihn. Man sagt, dass diese Amsel Alles weiss, +die Sprache der Vögel und der Bäume, wie die +tiefsten Sorgen und Geheimnisse des menschlichen +Herzens. Wer ihrer Weisheit zuhört, vergisst +Essen und Trinken. Wenn er zu sich kommt, ist +sein Haar weiss und sein Herz vertrocknet in ihm, +wo er jung war, lieben und lachen konnte, da er +zum ersten Mal die teuflische Weisheit der Amsel +und ihren Spruch vernommen. +</p> + +<p> +Zwischen den Stämmen wob eine Kreuzspinne. +Sie wob emsig, klebrige Fäden ziehend und feuchtend +mit hebenden Beinchen. Nach rechts und nach +links und in Strahlen von ihrem Mittelpunkt aus. +Dann verbanden die Strahlen wieder andre kreuzende +Fäden. Auf und ab wob die Spinne netzend und +anziehend, wie sie Faden auf Faden spann. Die +Kreuzspinne dachte: „Dies Gewebe ist meine Welt. +Ich habe es Alles allein gemacht aus mir selbst. +Hier hänge ich zwischen Himmel und Erde. Sie +können mir nichts anhaben von oben oder unten. +<pb n='213'/><anchor id='Pgp213'/>Denn ich bin die Sonne, die scheint in der Mitte. +Alles, was auf ihren Strahlen läuft oder sie kreuzt, +ist mein. Sein Blut nährt mich. Ich werde fett +und satt von ihrem Blut. Ich bin die fetteste +Kreuzspinne im ganzen Wald. Mein Gewebe ist +unzerreissbarer wie die starken Bastfäden der +Bäume.“ +</p> + +<p> +Der Fremde sass und zeichnete im Sand. +</p> + +<p> +Alsbald kam des Wegs ein sehr alter Mann, +dem der Wald gehörte. Er war so alt, dass er +nicht mehr gerade gehen konnte, sondern sich auf +einen Stock stützen musste. Aber sein Rücken war +breit und mächtig in dieser Krümmung, als ob er +eine Weltlast tragen könnte. Sein Haar und Bart +war schlohweiss, von Schnee, der nie mehr schmilzt +in ewigem Winter. In seine Haut hatten die Jahre +Furchen gegraben wie in einen Acker. Zäh und +hart war sie, von der Sonne vielfach verbrannt, +dass ihre Farbe der ungegerbten Leders glich oder +Pergamenten uralter Schriften. Wo die Adern sich +unter ihr kreuzten, bildeten sie starke, hervortretende +Knoten. Sie liefen auf seinen Händen +wie Stricke, versteinerte Gänge einstiger Canäle, +in denen kein Blut mehr fliesst. Wohl hundertjährig +war dieser Mann. Aber seine Augen +<pb n='214'/><anchor id='Pgp214'/>glühten und leuchteten vom Feuer, das nicht stirbt. +Wie Steine waren sie, die erstarren machen die, +die darauf sehen, stählerne Spiegel, dass die Seele +und die geheimsten Gedanken des Mannes, den +er anblickte, offen lagen gleich einer Thür ohne +Hüter vor dem Alten mit den furchtbaren Augen. +Wenn er die Brauen zusammenzog, war sein Zorn +so schrecklich, dass die stärksten Herzen zusammenschmolzen +vor ihm, ihr Wille war unter seinem +Willen wie eine zappelnde Maus, eine winzige, +verwickelte und verwirrte Fliege. +</p> + +<p> +Wer diesem Mann nahte, der verfiel ihm mit +Leib und Seele. Und er nahm ihre Leiber und +sog ihre Seelen ein. Darum war er gross und +stark, wunderbar vor Allen und sehr alt, so dass +die Leute ringsum sagten: Er wird nicht sterben. +Er aber wusste sehr gut, dass er sterben musste. +Darum hütete er den tausendjährigen Wald, liess +keinen Stamm schlagen, dass er stehen sollte, grünen +und Früchte tragen tausend Jahre nach ihm. +</p> + +<p> +Der alte Mann ging auf seinen Stock gestützt +und sein Hund folgte ihm. Es war ein grosser, +grauer Hund vom Geschlecht der Bulldoggen, die +keine Furcht haben vor Mensch oder Thier, riesenhaft +und ausgezeichnet unter Seinesgleichen, schwer +<pb n='215'/><anchor id='Pgp215'/>tretend und sehr alt schon, wie sein Herr war +unter seinen Gesellen, Herren und Fürsten ringsher. +Etwas vom Ausdruck des Mannes war im +Ausdruck des Hundes. Diese Beiden verstanden +sich ohne Wort oder Zeichen. Wo sein Herr ging, +folgte ihm der Hund. Wenn er des Nachts schlief, +lagerte sich der Geselle vor seinem Lager. Es war +unmöglich zu diesem Lager zu gelangen, ohne +den Leib des Hundes zu berühren, der aufsprang, +in einem einzigen Gurgelgriff den Eindringling +beendigt hätte, dann legte er sich wieder nieder +und leckte seine Tatzen. Denn so furchtbar und +gefährlich dieser Hund war für Menschen und Thier, +so gehorsam und gefügig war er seinem Herrn, +dass er das Wunderbare seines Eindrucks erhöhte, +der Ruhm des Hundes gross war wie der seines +Herrn, in dieser Gegend, wo man sie für Könige +hielt und Wesen über dem Maasse des Irdischen +und Staubgewordnen. +</p> + +<p> +Der alte Mann war vor dem Fremden stehen +geblieben und sah ihn an. So gross war das +Feuer der Sehkraft in den Augen dieses alten +Mannes, dass es wie Flammen züngelte und +emporschlug an dem Andern. Einen Sterblichen +hätte dieses Feuer verbrannt. Aber der Fremde +<pb n='216'/><anchor id='Pgp216'/>sass ganz still, zeichnete mit seinem Stab im +Sande. +</p> + +<p> +„Wer bist Du?“ fragte der alte Mann, dem +der Wald gehörte. +</p> + +<p> +„Ich bin Der, der gewesen ist und nicht +stirbt.“ +</p> + +<p> +„Nichts ist gewesen von Anfang, und Alles +stirbt,“ sagte der alte Mann. „Es ist Niemand, +der nicht stirbt.“ +</p> + +<p> +„Nichts, das gewesen ist, stirbt,“ sagte der +Fremde. +</p> + +<p> +„Buddha ist gestorben, Alexander und Cäsar. +Was ist geblieben von ihrer Weisheit, ihrem +Glanz, ihrer Stärke?“ +</p> + +<p> +„Die Amsel, die läuft. Der Molch, der wacht. +Die Spinne, die spinnt.“ +</p> + +<p> +„Du sprichst sehr thöricht,“ sagte der alte +Mann. „Jene waren Helden und Weise. Diese +sind arme, geringe Thiere.“ +</p> + +<p> +„War ihre Weisheit vorsichtiger denn die des +Vogels? Ihr Reichthum grösser denn der der +Eidechse? Ihr Werk bleibender als das der +Spinne?“ +</p> + +<p> +„Sie rechnet nach Tagen. Wir zählen Aeonen. +Sein Reichthum ist Spukwesen. Die Weisheit des +<pb n='217'/><anchor id='Pgp217'/>Vogels ist der rohe Instinkt der Natur. Wir finden +die schwersten Regeln und lösen das Innere der +Menschheitsgeschichte.“ +</p> + +<p> +„Euer Wesen ist Spuk und Eure Weisheit ist +Spreu. Sieh, wie ich es zerreisse!“ +</p> + +<p> +Der Fremde schlug mit der Hand in das Spinngewebe +und zerriss es. Die grosse Spinne fiel. +Er setzte den Fuss darauf und zertrat sie. Der +Salamander duckte sich unter die Wurzeln. Die +Amsel entfloh hüpfend. +</p> + +<p> +„Ich fürchte den Tod nicht,“ sagte der alte +Mann stolz. „Ich habe das Leben getragen und +es ist schlimmer zu tragen als der Tod. Allen +Reichthum und alle Macht habe ich gehabt. Und +ich war ein Sklave, ärmer wie der ärmste Tagelöhner. +Der Tag, da ich vor meinem Hause stand +und Kohl pflanzte, war mein glücklichster Tag. +Kaiser und Könige habe ich gekannt. Ich habe +an ihrem Tisch gesessen und mit ihnen gegessen. +Sie waren wie die Gummibälle in meiner Hand, +Seifenblasen, die die Kinder auftreiben und zerblasen. +– An meinem Stab bin ich hierhergegangen. +Ich habe die ganze Welt besessen +und konnte mein Thor zumachen vor der Welt, +Eifersucht, Noth, Neid, Hass habe ich getragen, +<pb n='218'/><anchor id='Pgp218'/>Undank, der schlimmer ist wie der giftige Zahn +der Natter. Er hat mich nicht angefochten, mehr +denn Jubel, Ruhm, Liebe der Weiber, flüchtige +Tropfen des Blüthenöls, die verfliegen. – Hier +bin ich ein sehr alter Mann. Die Zeit habe ich +ausgehalten und ich grüsse den Tod, denn ich bin +müde vom Leben. In mir ist Alles todt, was +lebendig gewesen. Ich liebe die Welt nicht und +ich hasse sie nicht. Alles ist eins, und so gut +als wäre es nie gewesen. Wenn etwas nachher +ist, werde ich es tragen. Niemals werde ich glücklich +sein und niemals klagen. Ich bin vom Geschlecht +der Riesen hier, der Tausendjährigen. – +Was bist Du gekommen mich zu stören in meiner +Oede? +</p> + +<p> +„... Ich habe Zeichen am Himmel gesehen,“ +sagte der alte Mann, „und Götter. Es waren +andre Götter vor ihnen, grösser und gewaltiger +als Du. Sie hassten und liebten, sie sangen und +schlugen. Vielleicht schlafen sie, vielleicht sind +sie todt. Lass mich schlafen bei meinen todten +Göttern! – Sie rafften und wussten und sammelten +Schätze und schufen Welten für Zeiten und +Jahre. Sie waren Götter und sind wie Menschen. +Ich gehöre zu ihnen. Du bist nicht meiner.“ +</p> + +<pb n='219'/><anchor id='Pgp219'/> + +<p> +„Du wirst mich kennen.“ +</p> + +<p> +Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen +und beschattete seine Augen mit der Hand. Wie +ein Schatten ging es über seine Augen. +</p> + +<p> +„Ich träumte von Einem ... Es ist lange, +lange her. Der da kommen sollte ... Ich weiss +nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? +Du bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod +gesehen. Du bist ein König und kommst im +Kleide des Bettlers. Du könntest tödten und +Du streckst die Hand aus, um zu bitten. ..... +Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie +wir?“ +</p> + +<p> +„Ich bin für Dich gestorben. Aus Liebe zu +Dir bin ich Fleisch geworden und ich habe gelitten. +Es ist die Liebe, die mich lebendig macht +vor Deinen Augen.“ +</p> + +<p> +Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen +drohten den Fremden zu verschlingen. Sie bohrten +sich sehr tief in sein Gesicht und schienen seine +Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: +„Wohl – wohl – Du bist gut und barmherzig. +Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. +Ueber Schuld und Nacht – – Kannst Du lieben +dahinüber?“ +</p> + +<pb n='220'/><anchor id='Pgp220'/> + +<p> +„Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin +in der Hölle gewesen.“ +</p> + +<p> +„In der Hölle ... In der Hölle ...“ Der alte +Mann beugte sich noch weiter vor. Seine Augen +schienen sich hineinzufressen in die des Andern, +zu ringen – zu ertrinken. Er athmete hart. +</p> + +<p> +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen +Himmel, die Starken schmachten in Ketten und +Banden – –“ +</p> + +<p> +„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen +Himmel, die Starken schmachten in Ketten und +Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der +Stolzesten Stolzer ... Einer – –“ +</p> + +<p> +„Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. +Sieh mich an und verstehe!“ +</p> + +<p> +Der alte Mann hatte einen Schritt vorwärts +gemacht. Wie ein Blitz an der Eiche glitt er hernieder. +So fiel er um und war todt. +</p> + +<p> +Der Fremde drückte ihm die Augen zu. Er +machte das Zeichen des Kreuzes über ihn. Er lag +da in seiner ganzen, riesigen Länge, die tausendjährige +Eiche, die tausend Jahre gestanden hat +und fällt. Der Hund hielt die Wache neben dem +Leichnam. Er sass still und gerade, den Kopf +hochgerichtet, die Vorderpfoten nebeneinander +ge<pb n='221'/><anchor id='Pgp221'/>stellt, wie steinerne und eherne Hunde sitzen auf +alten Grabmälern. +</p> + +<p> +Der Salamander lugte aus seiner Wurzelspalte. +Die Amsel hüpfte und beschrieb seltsame Kreise. +Die Spinne wob ihr Netz. +</p> + +<p> +Niemals wieder im Zauberwald hörte man die +Klage der weissen Frau. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='222'/><anchor id='Pgp222'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das dreizehnte Kapitel.</head> + +<p> +Es begab sich aber, dass Einer gestorben war, +den er lieb hatte. Dessen Verwandte und +Freunde kamen zu ihm und sagten: „Dein Freund +ist todt. Er hat Dich geliebt und liebt nicht mehr. +Er hat gesprochen und nun schweigt er. Er ging +und wandelte unter uns und er ist nun starr und +stumm wie ein Stein. Bald wird die Verwesung +eintreten an seinem Leichnam. Wir werden ihn +begraben und unter die Erde senken müssen. Die +Würmer werden ihn zerfressen, sein Fleisch, das +faul und stinkend wird, die Knochen, dass von +ihm nichts übrig bleibt. Pilze und lange Gräser +werden wachsen aus seinem Grab. Wo sein Hirn +war, werden die Maden nisten. Ekle Larven +werden kriechen in der Höhle seines Mundes, der +lieblich tönte von holdseliger Rede, weil er lebte. +<pb n='223'/><anchor id='Pgp223'/>Seine Mutter wird Niemand haben, der ihr Trost +bringt. Sie ist alt und kann nicht mehr ausgehen +auf Arbeit. Seine Schwestern werden sitzen und +verwelken in ihrer Jungfrauenschaft. Denn wer +wird sie wollen, wo der Bruder fehlt, der Brot +gab und Schutz? Ein grosses Unglück ist es für +Alle. Du konntest helfen und halfst nicht. Nun +ist er todt. So Du nicht eilig kommst, wirst Du +die Leiche nicht mehr sehen im Tode. Der Dir +lieb war, geht ein wie Gras, das verdorrt.“ +</p> + +<p> +Dies Alles hörte er mit an, sagte nichts. Danach +stand er auf und ging sehr eilig, dass er +den Todten noch sähe auf seiner Bahre, die Hand +auf sein Antlitz legte, ehe sie ihn zuschlossen im +Sarge. +</p> + +<p> +Im Hause fand er Alles in schwerer Trauer. +In einer Stube sass die alte Mutter und wehklagte +laut. Alle Weiber des Orts waren um sie, +weinten und halfen ihr ihre Thränen trocknen. +Während sie laut die Tugenden des Todten rühmten, +der ein vortrefflicher Sohn gewesen, voll Eifer und +Zuverlässigkeit gegen seine betagte Mutter, der er +die Hälfte seines Verdienstes gab, dass sie friedlich +und in Eintracht lebten in ihrem Häuschen und satt +zu essen gehabt von dem, was er heimbrachte. +</p> + +<pb n='224'/><anchor id='Pgp224'/> + +<p> +So trostlos war die alte Frau, dass sie ihre +Haare zerrauft hatte. Ihre Kleider hingen unordentlich +um ihren Leib, denn sie hatte sie +mehrere Tage und Nächte nicht abgenommen, +während er krank lag. Ihre Augen waren geröthet +vom Nachtwachen, ihre Backen eingefallen +von Kummer, jämmerlich und hülflos die ganze +Erscheinung. Sie weinte laut, schrie und wollte +sich nicht trösten lassen. Es war ihr einziger +Sohn gewesen, der todt lag. Sie hatte nur diesen +und würde kinderlos bleiben hinfort. Ihre Töchter +konnten in die Ferne ziehen als Mägde. Manchmal +würden ihr die Nachbarn eine Unterstützung +bringen als einer Bettlerin und Ueberlästigen. Sie +würde an der Thür stehen, wo sie früher als +Herrin gewaltet, ärmlich sitzen, wo sie im Mutterstolz +geschritten neben ihrem Sohn. +</p> + +<p> +Die eine Schwester Martha ging ab und zu. +Sie brachte warme Getränke, Wecken und Kuchen +für die Leidtragenden, während die Männer Bier +aus Krügen tranken, Branntwein hingestellt war +in Flaschen. Das gebot die Sitte. Diese Martha +hatte das Hauswesen unter sich und war sehr +tüchtig darin. Ihre Wecken und Kuchen waren +berühmt im Dorfe. Das Bier, das sie selbst braute, +<pb n='225'/><anchor id='Pgp225'/>schmeckte kräftig und süss, wie irgend ein gekauftes. +Alle assen und tranken reichlich, lobten +Martha, ihre Ordnung und Führung des Hauswesens, +wie sie Alles eingeleitet und gerichtet in +dieser traurigen Gelegenheit. Sie war bald hier +und bald dort, füllte die Tassen und Krüge, schalt +auf die Kinder, die anfingen das Brot zu verstreuen, +sich die Gesichter zu beschmieren mit Mus +unter dem Tisch. Sie nahm einen Besen und +fegte sie damit hinaus Alle zusammen und gab +ihnen Schläge auf ihre kleinen Röckchen. Alle +fanden, dass sie recht that, diese Martha ein sehr +tüchtiges Frauenzimmer sei. Es war ein oberster +Bauer im Dorf, der sich vornahm, sie als Haushälterin +zu dingen. Der Wirth vom Krug wollte +sie gleichfalls. Dieser war ein Wittmann und +konnte heirathen. So dass wenig Noth war um +Martha, selbst wenn sie keine Aussteuer hatte, +der Bruder fehlte, sie wegzugeben. +</p> + +<p> +Maria aber, die andre Schwester, sass zu +Häupten des Todten in dem kleinen Verschlag +nebenan. Sie hatte einen blühenden Kirschenzweig +abgebrochen und wehrte damit den Fliegen, +die kommen wollten, sich auf das Antlitz des +Todten zu setzen. Wenn eine Fliege kam, scheuchte +<pb n='226'/><anchor id='Pgp226'/>sie sie sacht hinweg mit ihrem blühenden Zweig, +ohne sie zu tödten, dass sie aufflog und summend +gegen das Fenster stiess. Sie hatte Wiesenblumen +gepflückt, ganze Armladungen voll, und sie zu +beiden Seiten des Bettes geschichtet. Wie auf +einem lichten Frühlingsanger lag der Todte, weil +er jung war, wohlgewachsen und schön vor andern +Jünglingen. +</p> + +<p> +Martha schalt über das unnöthige Heu, das +die Kühe fressen könnten. Sie fand, dass die +Schwester ihr helfen sollte in der Wirthschaft und +bei der Bedienung der Gäste. Aber Maria blieb +sitzen bei dem Todten. Sie hatte ihren Zweig in +der Hand und scheuchte sacht die Fliegen, während +sie vor sich hinsang. +</p> + +<p> +Diese Maria hatte die Gabe der Lieder. Im +Hause war sie nicht so geschickt wie Martha, von +weniger flinken Fingern, so dass jene oft schalt +und ihr Vorwürfe machte. Sie konnte auch nicht +ansehen, dass man Thiere und Vögel schlachtete, +wie Martha es that, trefflich davon zu kochen verstand. +Manchmal hatte sie der Schwester die +blinkenden Fische wieder aus dem Netz genommen +und heimlich zurückgetragen in’s Wasser. Martha +hatte gezankt, ihre Hand geschlagen. Sie fand, +<pb n='227'/><anchor id='Pgp227'/>dass sie unnütz war und träge in der Arbeit. +Obgleich sie sehr schön war, höchst lieblich anzusehen, +fragte sie nicht nach den jungen Leuten +im Dorf, die zwar gekommen wären, unter ihren +Fenstern von Liebe zu schwätzen, auch wohl ihre +Armuth übersehen hätten um ihrer grossen Schönheit +willen. Ihre Schönheit war wie die einer +Königin, nicht eines Bauernmädchens. Wenn sie +durch das Dorf zum Brunnen ging, liefen die +Kinder ihr nach, die Kühe kamen mit breiten, +weissen Stirnen, sich streicheln zu lassen von ihr, +zu saufen aus ihrem Eimer. Man sagte, dass in +ihrer Hand Heilkraft wäre, die Pflanzen, die sie +eingesetzt hatte, schlugen an und blühten. Ihre +Lieder schläferten ein trotziges Kind ein. Das wilde +Blut wurde ruhig. Man vergass die Sorgen des +Lebens, wurde einfach, Lilien auf dem Felde, die +blühen in ihrer stillen Pracht, und kleine Vöglein, +die zwitschernd flogen ohne Sorge und Noth. +</p> + +<p> +Sie sass und störte mit ihrem Zweig die Fliegen. +Sie sang leise. Sie war gar nicht traurig. Ihr +schönes Gesicht blieb ruhig wie zuvor. Sie weinte +auch nicht; man sah keine Unordnung in ihrem +Haar oder Kleid. Keine Herdröthe lag auf ihren +Backen, wie bei Martha, die fliegend stob, scheltend, +<pb n='228'/><anchor id='Pgp228'/>zählend, weinend wieder zwischendurch über den +Bruder, der fehlte, die Sorge, die in den Haushalt +gekommen dadurch. Besonders beklagte sie +sich, dass Er, der sein Freund war, nicht dagewesen +war bei Zeiten. Er hätte ihm ein Heilmittel +geben können, wenigstens doch Trost spenden an +seinem Bett, eine Hülfe sein den geplagten Frauen. +</p> + +<p> +Es kamen immer mehr Menschen, denn die +Zeit des Begräbnisses war nahe. Alle assen und +tranken. Es war eine grosse Unordnung. Man +hörte das Klagen der alten Frauen, die die Tugenden +des Todten aufzählten, die Kinder spielten und +trieben allerlei Schabernack. In den Ställen brüllte +das Vieh, das man vergessen hatte über dem +Trubel, vor seinen Krippen. +</p> + +<p> +Mitten hinein da trat der Fremde. Martha +stürzte sich sofort auf ihn und erzählte die näheren +Einzelheiten von der Krankheit und dem Tod. +Die alte Mutter erhob ihre Stimme sehr hoch in +Schluchzen. Alle sahen ihn an und drängten sich +um ihn, denn sie wussten, dass der Verstorbne +ihm sehr lieb gewesen war. Sie wunderten sich, +was er thun würde. Einige dachten auch, er hätte +ihm helfen können: Was ist an ihm, so er nicht +mal diesen retten konnte, den er lieb hatte? Die +<pb n='229'/><anchor id='Pgp229'/>Andern glaubten beinah an ein Wunder: Jetzt +ist die Gelegenheit für ihn. Wir müssen sehen, +was er thut. Sie waren ganz bereit zu glauben, +wenn er den Todten erweckte, obgleich sie natürlich +nicht zugaben, dass so etwas möglich wäre. +Es war eine Aufregung in der ganzen Gesellschaft +und Alle sahen auf ihn. +</p> + +<p> +Er sprach: „Führt mich zu ihm!“ +</p> + +<p> +Martha führte ihn in den Verschlag. Alle +drängten nach durch die niedrige Thür. Aber er +hiess sie die Thüre schliessen. +</p> + +<p> +So schloss sie die Thür. Draussen warteten +die Andern. Nur die alte Frau fuhr fort laut zu +wehklagen, ihre Tage zu verfluchen, dass sie lieber +ihm nachfahren wollte in die Grube, der ihr Leben +gewesen, der Trost ihres hülflosen Alters. +</p> + +<p> +Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte +sich die Vorhänge fortzuziehen: „Sieh ihn Dir +genau an und merke die Zeichen des Uebels, an +dem er gestorben ist.“ Sie beschrieb sie genau. +„Nun ist es zu spät. Wenn Du bei Zeiten gekommen +wärst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist +es auch nicht zu spät? Du weisst sehr Vieles, und +es ist Dir Macht gegeben über Kunst der gewöhnlichen +Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!“ +</p> + +<pb n='230'/><anchor id='Pgp230'/> + +<p> +Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte +in ihrem Herzen: „Wenn es doch möglich wäre? +Warum sollte es ganz unmöglich sein?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Lass mich allein mit ihm.“ +</p> + +<p> +So ging sie hinaus und schloss die Thür +hinter sich. +</p> + +<p> +Es war Niemand im Zimmer, denn er und +Maria. Und die Leiche zwischen ihnen, von der +sie die Fliegen wehrte mit ihrem blühenden Zweig. +Denn sie hatten ihn viele Tage liegen lassen um +des Fremden willen. Der Leichnam fing schon an +sich zu zersetzen. Ein Geruch der Fäulniss war +mit im Zimmer zwischen dem frischen, kühlen +der Blumen, die Maria gesammelt hatte. +</p> + +<p> +Er war an das Lager getreten und sah den +Todten an. +</p> + +<p> +„Er ist nicht todt,“ sagte er. +</p> + +<p> +„Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schläft +blos,“ sagte Maria. Sie fuhr fort den Fliegen zu +wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, +sang sie, von der Spreu im Winde: +</p> + +<p> +„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, +er blühet wie eine Blume auf dem Felde. +</p> + +<p> +„Wenn der Wind darüber geht, ist sie nimmer +da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. +</p> + +<pb n='231'/><anchor id='Pgp231'/> + +<p> +„Sie gehen daher wie ein Schemen und machen +sich viel vergebliche Unruhe. +</p> + +<p> +„Sie sammeln und wissen nicht, wer es +kriegen wird. +</p> + +<p> +„Wie ein Traum vergehet, so wird er auch +nicht gefunden werden und wie ein Gesicht in der +Nacht verschwindet. +</p> + +<p> +„Unser Leben währet siebenzig Jahre, und +wenn es hochkommt, so sind es achtzig Jahr, und +wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und +Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als +flögen wir davon.“ +</p> + +<p> +Nicht traurig klang es. Nur weich und sehr +leise. +</p> + +<p> +„Er ist nicht todt und er hat nicht gelebt,“ +sagte der Fremde. „Er wurde nur geboren und +nun ist er gestorben.“ +</p> + +<p> +„Ich weiss, dass er nicht todt ist und nicht +gelebt hat,“ sagte Maria. „Was lebt, ist unsterblich. +Das Unsterbliche kann niemals sterben.“ +</p> + +<p> +„Niemals,“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Vielleicht ist er auf einem andern Stern jetzt,“ +sagte Maria. „Vielleicht ist er etwas sehr Hohes +und Herrliches. Vielleicht ein Fliegeneichen. Und +der Wind führt es fort. Oder Gräser wachsen aus +<pb n='232'/><anchor id='Pgp232'/>ihm, die blühen und Samen tragen.“ Sie lächelte +und scheuchte die Fliegen. Die Sonne stand schon +niedrig. Ein breiter Lichtbalken vom Fenster her +zog sich quer durch die Stube. Hunderte von +glitzernden Stäubchen tanzten und webten. Sie +stiessen sich und kreisten. +</p> + +<p> +„Vielleicht,“ sagte der Fremde. „Nur er ist +nicht todt.“ +</p> + +<p> +„Er ist nicht todt. Sie denken es blos. Sie +sind thöricht.“ +</p> + +<p> +„Und blind. Sie sehen nicht.“ +</p> + +<p> +„Sie sehen nicht, weil sie hochmüthig sind +und Scheuklappen vor ihre Augen binden, um +nicht zu sehen. Alles ist schön. Alles singt. +Alles lebt.“ +</p> + +<p> +Und fröhlich sang sie in den Tag, der sich +neigte: „Sie denken, dass die Sonne untergeht. +Sie geht nur weiter. Sie sehen sie nicht. Es wird +Nacht. Nach der Nacht kommt der Morgen. Ach, +die Menschen sind ungeduldig und unverständig! +Wie kleine Kinder sind sie, die weinen, wenn es +dunkel wird. Still ist die Nacht. Lieblich und +gütig.“ +</p> + +<p> +– „Möchtest Du den wecken, der schläft? +Er schläft sanft und seine Lippen lächeln. Möchtest +<pb n='233'/><anchor id='Pgp233'/>Du purpurn haben, was weiss ist? Zuckend und +fiebrig, was so still ward? Fühle, wie still +es ist.“ +</p> + +<p> +Sie entfernte mit ihrer Hand das Hemd des +Todten und legte ihre Hand auf sein Herz. „Es +schlägt nicht mehr. Hört darum der Ocean auf, +seine Wellen zu wälzen? Stört es etwas im +Wechsel von Tag und Nacht, vom Sommer zum +Winter? Arme Menschen! Wie ihre Herzen winzig +klein sind! Und Froschherzen sind noch kleiner. +Aber eine Fliege hat auch ein Herz. In ihren Adern +fliesst Blut. Kleine Menschen, kleine Fliegen- und +Froschmenschen! Wie sie klein sind!“ +</p> + +<p> +„Deine Mutter weint.“ +</p> + +<p> +„Ich habe eine Blume gepflückt und der Stengel +blutete. Das ganze Würzelchen starb. Sie muss +nun sterben. Sieh, wie die Blätter hängen! Wie +sie traurig ist!“ +</p> + +<p> +„Man könnte sie wieder einpflanzen.“ +</p> + +<p> +„Wozu? Es giebt so viele Blumen. Sie wird +Staub werden, eine schönere Blume vielleicht. +Vielleicht wird sie eine Königin. Sie möchte gar +nicht wieder eine arme, kleine Blume sein.“ +</p> + +<p> +„Die draussen verstehen es nicht.“ +</p> + +<pb n='234'/><anchor id='Pgp234'/> + +<p> +„Die verstehen es nicht. Sie sind ungeduldig, +dumme, kleine Kinder.“ +</p> + +<p> +„Und unglücklich.“ +</p> + +<p> +„Unglück ist Ungeduld und Eigensinn. Es +giebt keine Gefahr, wenn Du auf dem Wasser +liegst und Dich treiben lässt. Es trägt Dich mit sich. +<hi rend='gesperrt'>Gegen</hi> die Fluth bist Du ohnmächtig. Sie verschlingt +Dich. – Du kannst die Augen schliessen +und die Arme falten. So leicht – leicht schwimmt +es sich! – <hi rend='gesperrt'>Er</hi> schwimmt jetzt. Er tobt nicht mehr. +Er ist nicht todt und ich lebe nicht. Es ist Alles +Eins – Alles ...“ +</p> + +<p> +Die Abenddämmerung war in’s Zimmer gekrochen. +Alles löste sich auf, schien zu schwimmen, +emporgetragen zu werden. +</p> + +<p> +„Schatten! Schatten! ... Wenn Du aus der +Ferne viele Stimmen hörst, ist es Alles nur ein +Ton. Wir sind zu nah. Nicht ein Gedanke, der +gedacht worden ist, verschwindet. Was in den +Schooss der Zeiten gesenkt war, trägt Frucht und +blüht in den Zeiten ewiglich. Das Leben der +Zeiten ist die Ewigkeit. Und alles Lebens Leben +ist Gott.“ +</p> + +<p> +Da legte er die Hand auf die Stirn des Todten. +Er sprach: „Leb wohl! Ich sehe Dich jetzt nicht. +<pb n='235'/><anchor id='Pgp235'/>Aber ich werde Dich sehen. Du bist nicht todt. +Das Leben ist in Dir nicht todt. Was Du mir +davon gegeben hast, trage ich in mir. Und diese +Alle tragen etwas. Das Andre liegt gehütet wie +ein kostbarer Schatz. – Den Winden – der +Erde – dem Wasser“ – er schlug die Zeichen +durch die Luft. – „Gott, der des Lebens Ursprung +ist, von dem es fliesst und zurück fliesst. +– Komm jetzt, dass wir ihn rasch begraben und +ein Ende machen.“ +</p> + +<p> +So gingen sie Beide hinaus, Maria und er, +schlossen die Thür hinter sich, da der Todte lag. +Es war dunkel bei dem Todten. Man merkte +jetzt deutlich den Geruch der Verwesung, in dem +der welkenden Blumen, etwas von Blut, Fleischfaser +und schlechten, geringen Stoffen. Schlaff, +mit geschlossnen Kelchen hingen die Blüthen. Die +Fliegen schwirrten. +</p> + +<p> +Die Andern, da sie diese Beiden so ruhig +sahen, meinten sie, es wäre ein Wunder geschehen, +dass der Todte lebte. Sie drängten nach in die +Thür und Martha rief mit lauter Stimme ihren +Bruder: „Du – Du – sage ob Du lebst?“ +</p> + +<p> +Aber Maria sagte: „Lass ihn. Er ist nicht +todt. Doch wir müssen ihn begraben, denn es +<pb n='236'/><anchor id='Pgp236'/>ist Abend und die Leiche fängt schon an stinkend +zu werden. Es wäre uns schädlich, ungesund, +zum Schlafen in der Kammer.“ +</p> + +<p> +Martha sprach: „Wie sollen wir ihn begraben, +so er doch nicht todt ist?“ +</p> + +<p> +Sie sah den Fremden hart an, weil sie ihm +zürnte, dass er ihren Bruder nicht erweckt hatte, +wie er wohl konnte nach ihrem Glauben. Sie +mussten Noth leiden forthin. Ihre Mutter würde +ohne Stütze sein für ihr Alter. Er aber lächelte +nur, winkte mit der Hand und ging hinweg ohne +ein Wort. +</p> + +<p> +Dies nahmen Viele ihm übel, Martha und die +Frauen, die Neugierigen, die auf ein Zeichen gewartet +hatten. +</p> + +<p> +Maria aber war nicht traurig. Sie sang und +schritt leicht dahin. Wenn man sie fragte, ob sie +nicht Leid trüge um ihren Bruder, sagte sie: „Ich +warte auf ihn. Ich weiss, dass er nicht todt ist. +Ich werde ihn sehen. Es ist in sehr kurzer Zeit +vorüber – Alles. Ich bin eilig, die Blume zu +fassen, meine Pflanzen zu wässern, dass sie +wachsen.“ +</p> + +<p> +Einige sagten: Es ist Gleichgültigkeit, Andre: +Grösse. Aber es war nichts von Beiden. Sie +<pb n='237'/><anchor id='Pgp237'/>wusste nur und sie fand, dass die Tage zu kurz +sind zum Weinen. +</p> + +<p> +Denn die Nacht kommt schnell herbei, da Niemand +schaffen kann. +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<p> +Nun war aber in dieser Gegend eine Jungfrau, +die nie ein Mann berührt hatte. +</p> + +<p> +So rein war diese Jungfrau, dass nicht ein +unkeuscher Gedanke oder Abdruck ihr Gehirn +kreuzte. Selbst in ihre unbewussten Träume kam +eine solche Vorstellung nicht, eine Hitze oder Beunruhigung. +Sie hätte nackt vor Männern hergehen +können, ohne dass sie sich geschämt hätte. +Man würde vor ihren Augen alle Wollust und +Sündhaftigkeit der Welt ausbreiten können, dass +ihre Augen nichts gesehen hätten, die Röthe wäre +in ihre weissen Wangen nicht gestiegen. Denn +sie war rein in sich und crystallen wie klares +Wasser, der Spiegel des Bergsees, in den nie +eines Menschen Auge geblickt, nur der Himmel +in seiner Bläue über den Wolken, keusch wie die +königliche Lilienblüthe, die sich erschliesst in der +Nacht, in hundert Jahren ein Mal, weil die Brunst +der Sonne sie beleidigen könnte, Unreines, das +stäubt und fliegt im Tage. +</p> + +<pb n='238'/><anchor id='Pgp238'/> + +<p> +Dieser Jungfrau, so Einer mit schlechten oder +unzüchtigen Gedanken ihr nur nahte, musste er +sein Antlitz verhüllen und fliehen wie vom Blitz +getroffen. Die andern Frauen mochten nicht in +ihrer Nähe aushalten mit ihren bösen Zungen, +täglichem Geklatsch von Heimlichkeit und Wollust. +Nur die kleinen Kinder gingen gern an ihrer Hand +und mochten in ihre Augen sehen, die gleich +klaren Sternen waren in der Winternacht, wenn +unten der Boden weiss friert. Es war ein armer +Blödsinniger und Taubstummer, der mit ihr in +ihrem Garten wohnte, ihr Dienstleistungen that, +denn so furchtbar und streng war die Reinheit +dieser Jungfrau, dass sie den Augen wehthat wie +Sonnengefunkel im Mittag, bläuliches Gletschereis, +wenn sie auf der Strasse ging, die Menschen und +Vorübergehenden zur Seite schlichen wie scheue, +geprügelte Hunde oder Wölfe. Es war, als ob +sie nur Thiere waren gegen sie. Und wenn sie +grosse Herren und Fürsten hiessen, vor dem edlen +Antlitz dieser Jungfrau wurden sie klein und +unfrei. +</p> + +<p> +Es gab Leute, vornehme Herren und Lüstlinge, +in derselben Stadt, die sich in ihr Haus geschlichen +hatten in der Nacht. Und sie hatten diese +Jung<pb n='239'/><anchor id='Pgp239'/>frau nackt gesehen, wie sie sich wusch. Der Strahl +ihrer Nacktheit war in ihre Augen gedrungen wie +Schwerter, dass sie laut aufschrieen, heulend hinausstürzten +wie Trunkene von zu starkem Wein oder +die Tollheit verwirrt. Und hatten Einer den Andern +erwürgt in ihrer schäumenden Tollheit. Und Einen +hatte der Blöde gepackt und er hatte ihm das +Haupt aufgeschlagen auf den Stein, dass das Gehirn +weit über die Strasse spritzte. Und Alle +fanden, dass es die gerechte Strafe war für ihre +Unreinheit, diese Jungfrau stärker war in ihrer +Nacktheit wie ein starker Mann in siebenfacher +Rüstung. +</p> + +<p> +Alle Lüge und Verläumdung prallte von ihr ab +wie Hagelschlag am Felsen. Es ging die Sage, +dass ein Gerichteter gestorben war von dem Strahl +ihres Auges, der die Wahrheit erkannte, mehr +denn von dem Spruch des Richters, der ihn verdammte. +</p> + +<p> +Aber die Armen hatten keine Furcht vor dieser +Jungfrau. Auch nicht die verachteten, gemiedenen +Frauen und Mädchen des Orts, die unrein und +hässlich geworden waren an Leib und Seele. +Denn die Klarheit dieser Einen deckte sie Alle +wie ein weisser, herrlicher Mantel, und war keine +<pb n='240'/><anchor id='Pgp240'/>so elend, mit Aussatz befleckt, dass nichts von +dieser Glorie auf sie gefallen wäre. Sie wussten, +dass sie die Königin der Frauen war und priesen +die Kunst in der Güte, die ein solches Wunder +geschaffen, herrlich und unantastbar gemacht hatte +vor allen Frauen und Männern. +</p> + +<p> +Man nannte sie nur die weisse Jungfrau. Es +ging die Sage, dass, wenn sie schlief, die Seraphim +um ihr Lager standen mit gezückten Schwertern, +dass es aussah, als läge sie auf blauen, züngelnden +Flammen des Eises. Nur ein Mann, der gut +und keusch und edel war wie sie, konnte sie +lösen und heimführen als ihr Gemahl. +</p> + +<p> +Und Viele hatten es versucht sie zu lösen, die +edelsten Jünglinge aus aller Herren Ländern, die +Stärksten und die Schönsten. Und Alle waren +schamroth und betrübt weggegangen vor dem +klaren Blick ihrer Augen, der keine Lüge und +keinen Fleck zuliess, sie durchsah durch kunstvolle +Verstrickung und Verschönung, bis wo die Unreinheit +sass in ihrer Seele, die Blumen ihrer +Schönheit selbst wuchsen aus dem Sumpf ihrer +Unkeuschheit. Und war nicht Einer, der bestand +vor ihr, so Viele gekommen waren und gesungen +hatten und gesprochen und sich gesehnt. +</p> + +<pb n='241'/><anchor id='Pgp241'/> + +<p> +So sagte man, dass sie niemals einen Mann +haben würde, es bestimmt war von Gott, dass +sie als Jungfrau hingehen sollte, weil sie zu edel +war, um berührt zu werden mit unreinen Händen, +zu klug für die Klugheit der Lüge und Arglist. +</p> + +<p> +Und sie selber freute sich, dass es so war. +Niemals wünschte oder fragte sie wie andre Mädchen +und schlief auf ihrem Lager mit den zehn +Seraphim, die um ihr Bett standen als strahlende +Wächter, bis der Morgen kam, klar wie ihr Erwachen, +die junge Sonne grüsste die weisse +Jungfrau. +</p> + +<p> +Zu dieser nun geschah eine Stimme mitten in +der Nacht: „Erhebe Dich und wache auf, denn der +Bräutigam ist gekommen!“ +</p> + +<p> +Worauf sie stracks sich erhob wie sie war aus +ihrem Schlaf und in ihrer Nacktheit. Und wusch +ihren Leib und badete ihn rein in crystallenem +Wasser des Regens, in Tropfen aus Maiwolken, +die nie die Erde berührt und vielfach gefiltert in +thönernen Krügen. Oder Wasser, vom Schnee +geschmolzen, wenn er jungfräulich ist, zu oberst +ruht am Morgen, da noch kein Fuss getreten. +Und wusch sich wohl und salbte sich mit köstlichen +Salben, von Knospen der Rosen, welche +<pb n='242'/><anchor id='Pgp242'/>noch nicht das Licht gesehen hatten, die sie gesammelt +hatte in ihrer Knospe, und ersten Blumen +des Frühlings, wenn die Sonne noch nicht heiss +genug ist, die unter dem Schnee blühen und lieblicher +duften denn andre. +</p> + +<p> +Und nahm ihr weisses Gewand. Das war gewebt +ohne Stich und Naht aus der allerfeinsten +Seide, mit Lilien gestickt und gewirkt in silbernen +Fäden. Alle Lilien standen weit offen mit prangenden +Kelchen. Die Fäden verschlangen sich zwischen +ihnen im kunstvollen Rhythmus, einer wunderbaren +Weise der Lilien, die sie sangen. Kleiner +wurden sie gegen den Saum in gereihten Ketten. +Aber unter der Brust war nur noch eine Lilie, +die Königin der Lilien, mit gebreiteten Schwertblättern, +die zitterten, schwollen in der Last, die +auf ihnen lag. Nur Jungfrauen waren die Spinnerinnen +gewesen, die es gewebt und gesponnen. +Und man sagte, wenn eine Jungfrau, die nicht +mehr rein war, die Hand anlegte an dieses Gewand, +dass die Fäden blutroth wurden in ihren +Fingern, und liefen aus ihren Fingern wie Schlangen, +wollten sich nicht halten und fassen lassen +von ihr. +</p> + +<p> +Dieses nahm sie, legte es an und gürtete sich +<pb n='243'/><anchor id='Pgp243'/>hoch unter den Brüsten mit goldnem Gürtel. Edel +war das Gold dieses Gürtels, aus einem Stücke +geschmiedet, das nie zuvor zu anderem Schmuck +geschmiedet gewesen. Ein ritterlicher Jüngling in +seiner Klostereinsamkeit hatte diesen Gürtel geschmiedet. +Er zeigte alle heiligen Frauen der +Welt, die sich darauf die Hände gaben. Und +waren Diana, die Göttin, Jephta’s liebliche Tochter, +die griechische Iphigenia und Antigone, und die +edle Römerin Clölia in derselben Linie mit den +Märtyrerinnen und Heiligen. So legte eine ihre +Hand auf die Schulter der Andern. Alle sahen +nach derselben Richtung, als ob von da der Bräutigam +käme, und bildeten einen Ring durch die +Zeiten, von den ältesten bis zu den letzten, Jegliche +eine Jungfrau und Fürstin, aus jungfräulichem +Golde von diesem untadeligen Jüngling zu +edelstem Brautschmuck verbunden. Welcher, als +man ihn auf solchen vermeintlichen Fehler als +heidnischen Irrthum aufmerksam machte, nur +lächelte, sagte: „Die Keuschheit ist eine besondere +Tugend. Diese führt auf dem geradesten Weg +zum Himmel. So ist eine reine Jungfrau in sich +selbst aller Engel Schwester. Diese Verehrung ist +allen Völkern gemeinsam. – Vom +Jungfrauen<pb n='244'/><anchor id='Pgp244'/>sohn ist das Heil gekommen. Solche stehen immerdar +am nächsten im Licht, hundertvierundvierzigtausend, +die sich der Herr selbst erwählt aus Zion.“ +So sprach dieser edle Jüngling, erstaunte Alle und +Niemand vermochte ihm zu antworten. – Das +Schloss aber des Gürtels stellte die Schlangen dar, +wie sie sich aufrichteten mit züngelnden Häuptern. +War also in ihm geheimnissvoll und symbolisch +der Fall und die Erlösung verwoben, wie von dem +Weibe und seiner Kraft Beides kommt, Heil und +Verführung. +</p> + +<p> +Und sie nahm Spangen von Perlen, die nie +das Licht gesehen haben und schloss sie um ihre +Arme. Diese Perlen sind edler als alles Gestein, +aus dem Wasser gewoben, das eher war denn +die Erde, und das höhere Element ist, denn es +dient nicht wie jene den Menschen. So zart sind +sie, dass ihr Schein wechselt mit der Laune und +Stimmung des, der sie trägt, und wo ein Kranker +sie um seinen Hals legt, werden sie trübe und +schrumpfen ein wie die Haut unter ihnen. Silberne +Sohlen band sie unter ihre Füsse und strählte ihr +Haar und flocht ihre Zöpfe mit purpurner Binde. +Denn ihr Haar war prachtvoll wie ein goldner +Mantel, der sie bis in die Knie umwallte, jeder +<pb n='245'/><anchor id='Pgp245'/>einzelne Faden fein und gerundet wie aus gesponnener +Sonne. Wenn sie zusammenfielen, war +keine Mähne der rothen Löwin so voll. Sie +wogen schwerer in der Hand wie Erntelast des +vielkörnigen Weizens. +</p> + +<p> +Ihre Brauen waren wie Bögen der Nacht, +darunter die lichte Sonne sich verbirgt. Ihre +Wimpern standen in Strahlen. In der geraden +Linie ihrer Nase mit athmenden Nüstern war Stärke +und Feuer. Der Hauch von ihren Lippen ging +wie von einem Blumenbeet, süsser denn Honig. +</p> + +<p> +Es gab keine schönere Jungfrau weit und breit +im Lande. Und keine untadligere, von edlerem +Geschlecht, obgleich sie arm war und Haus hielt +für sich allein mit dem stummen Diener. +</p> + +<p> +Zu diesem trat sie, mit der Leuchte in ihrer +Hand, im Brautschmuck wie sie war. Und sprach: +„Rege Dich und öffne die Thore! Der Bräutigam +ist gekommen.“ +</p> + +<p> +So gross aber war das Licht ihrer Schönheit +diesem blöden Auge selbst, dass die Leuchte in +ihrer Hand davon erstarb, ihn dünkte, als ob es +ganz dunkel war, ohne sie, die strahlte herrlicher +denn der Tag, der junge Mond selbst im Viertel +seiner Geburt. +</p> + +<pb n='246'/><anchor id='Pgp246'/> + +<p> +So stand dieser auf, schlug die Thore auseinander, +die doppelt geschlossen waren, mit Riegeln +versehen wegen der Bescheidenheit dieser Jungfrau, +weil sie allein lebte, eine ledige Magd, in einer +grossen und gottlosen Stadt. +</p> + +<p> +Alsbald hielt da draussen vor dem Thor ein +herrlicher Prinz auf einem weissen Pferde. Alle +seine Diener hinter ihm hatten weisse Pferde und +silberne Helme, von denen das Licht lief in weissen, +bläulichen Strahlen gleich denen des Wintermonds, +wenn er in seiner Vollendung ist. +</p> + +<p> +Der Prinz war mit einem weissen Leibrock +angethan und hatte ein goldnes Schwert an seiner +Seite und sein Helm war von Gold. Die Schabracke, +darauf er sass, war purpurn. Ein scharlachnes +Stirnband gürtete sein Pferd zwischen den +Ohren. Lichte Locken fielen zu beiden Seiten auf +seine Schultern herab. So strahlend war der +Glanz seines Auges, dass dieser arme Knecht in +die Kniee sank und mit gehobnen Armen flehte. +Er dachte, sein letztes Stündlein wäre gekommen, +und er könnte nicht ertragen so viel Klarheit und +übergrosse Herrlichkeit. +</p> + +<p> +Worauf der Andre: „Fürchte Dich nicht! Lass +mich ein und heisse mein Braut den Tisch legen +<pb n='247'/><anchor id='Pgp247'/><anchor id="corr247"/><corr sic="legen für">für</corr> mich und sie. Ich bin gekommen, heut’ +Hochzeit hier zu halten.“ +</p> + +<p> +Dies sagte er aber mit seltsam lieblicher +Stimme, die wie reines Silber klang. Alle Glöckchen +der Pferde läuteten dazu. Seine Diener +schlugen an ihre Schwerter und riefen: „Heil!“ +</p> + +<p> +Dieser arme Knecht schwur später, dass in +solchem Augenblick der Himmel über ihren Häuptern +offen gewesen und eine Taube von oben aus +der Klarheit herabgekommen wäre, die trug einen +goldnen Ring in ihrem Schnabel. – Denn das +Merkwürdige war, dass er sprechen konnte seit +dieser Nacht und immer nachher. Und war in +seinem Kopf wie andre Menschen, nur dass er +schwur zu seinem Eide, den Prinzen gesehen zu +haben, was ihm die andern Leute nicht glaubten, +für eine Blendung seines armseligen Gehirns +hielten. +</p> + +<p> +So ritten Alle diese durch das Thor. So Viele +ihrer waren, schien es dennoch wunderbar, dass +der Hof sie doch fassen konnte. Und der arme +Knecht schloss die Thore hinter ihnen und schob +die Riegel vor. +</p> + +<p> +Was sich nun begab, wusste er nicht mehr, +denn er folgte dem Prinzen nicht in das Gemach, +<pb n='248'/><anchor id='Pgp248'/>der ihm gebot: „Folge mir nicht!“ Aber durch +eine Luke im untersten Keller, wohin er sich vor +Angst geflüchtet und doch zitternd wieder auslugte, +sah er, dass alle Ritter von ihren Pferden +abgestiegen waren. Und sie standen um das +Haus mit gezognen Schwertern, die glänzten blau +wie Diamantlicht des Mondes. Und war so eine +Kette von Schwertern um das Haus, dass es stand +gleich einer Burg in uneinnehmbarer Klarheit. +</p> + +<p> +Drinnen aber in ihrem vertrauten Gemach hatte +die Jungfrau den Tisch gelegt. Sie nahm ein +weisses Tuch von feinstem Damast, das in der +Truhe gelegen hatte mehr denn hundert Jahre. +Es war nur weisser und feiner geworden von den +Jahren. Man sagte sich, dass zwölf Spinnerinnen +daran gewebt zwölf Jahre. Alle untadelige Jungfrauen, +die der Welt entsagt, den Faden zogen +in stiller Klosterzelle. Danach hatten sie den Flachs +auf dem Rasen gebleicht, wenn die Märzsonne +schien, – diese ist die früheste unter den Sonnen, +nicht geil wie die des Sommers, oder blutig vom +Herbststerben – es selbst gewebt mit ihren Händen, +ohne Eisen und Maschine, weil menschliche Hände +feiner sind und getreuer. Und Muster hineingezeichnet +von ihren Gedanken, des Weibes Lust und +<pb n='249'/><anchor id='Pgp249'/>Glorie. Die Aeltermutter Eva im ersten Bilde, wie +sie den Apfel reicht. Aber auch als Mutter, mit +ihren gesegneten Brüsten es nährend, das die Verheissung +birgt, – die Lebensgebärerin. Rebekka +am Brunnen, Rahel, die Vielgeliebte, frühgestorben, +Mirjam, Deborah, begeisterte Prophetinnen, Judith +und Jael, Heroinen, Ruth, die Aehrenleserin, +Esther – aber auch sie, die die Raben scheuchte, +die diese frommen und einfältigen Seelen würdig +gehalten des ruhmvollen Reigens, – zwischen den +Sieben die Mutter der Makkabäer, die Wölfin +Juda’s, Elisabeth, auch eine Mutter, Johannes’ +des Täufers, Hannah, die Greisin, vorahnend die +Morgenschöne. Endlich die Lieblichste von Allen, +die Erfüllung, wie um die volle Rose der Kranz +sich schliesst, Maria, die Königin, unter den +Weibern Gebenedeite, an der Brust das Kindlein, +dass von Ihm alle Strahlen ausgingen, die Andern +berührten. Gleichsam als wären diese Bilder von +Kraft und Unschuld nur ein Strahl der Tugenden, +die sich in ihr wie in der Sonne vereinigten. +</p> + +<p> +Dies Tuch breitete sie sorgsam, die Falten +glättend, sich freuend am Silberglanz des Linnens +und der Kunst der Bilder. Darauf nahm sie ein +güldnes Gefäss aus reinstem Gold, das nie zuvor +<pb n='250'/><anchor id='Pgp250'/>zu andrem gedient hatte. Dadrin war in kunstvoller +Prägung zu sehen, wie Abraham den Besuch +der Engel empfängt. Rechts hebt er freudig +preisend die Hände, ihnen entgegenzueilen. Links +sieht man schon rüstige Mägde das Federvieh +rupfen, wie sie die Butter stampfen im Troge, +während Sarah hinter der Thür verborgen steht, +die Verheissung zu erlauschen, der kleine Ismael +arglos mit kindlichem Spielzeug sich tummelt. – +Dieses füllte sie mit funkelndem, edelstem Wein, +der achtzig Jahre gelegen hatte und mehr. Nur +wenige Flaschen waren von diesem Wein zuerst +gezogen worden, gleichsam seine Seele. Ein Kaufmann +hatte ihn mitgebracht von weit her. Er +zeigte in seiner Mischung Feuer des Blutes und +Rosinfarbe von der Sonne. Süss war dieser Wein +und stärker wie Stierblut in seiner Süsse. +</p> + +<p> +Danach nahm sie eine Schale von Silber, mit +silbernen Henkeln und Kette. Eine ländliche Ernte +auf dem Felde war darauf abgebildet, wie hier +schon die Wagen hochbepackt fortfahren, Schnitter +und Schnitterinnen Garben bindend, alte Leute und +Kinder die Aehren nachlesen. Aber auf den +Stoppeln tanzen schon lustige Mägde und Burschen. +Sie legte das Brot hinein, köstliches, feines +<pb n='251'/><anchor id='Pgp251'/>Brot, das sie selbst mit ihren Händen gebacken. +Keine Maschine hatte daran mit geschaffen. Das +Korn war gerieben worden zwischen den Steinen. +Es gab kein edleres Brot. +</p> + +<p> +Sie hielt es verschlossen in einem kunstvollen +Schrein, weil sie dachte: „Ich weiss nicht, wann +der Bräutigam kommt. Ich muss bereit sein zu +der Zeit.“ +</p> + +<p> +Solches stellte sie auf den Tisch, zündete die +Lampen an, die zu beiden Seiten standen, gefüllt +mit Oel, und feine Kerzen vom reinsten Wachs, +die dufteten wie sie tropften. Die Leuchter waren +von edlen Metallen und trugen Köpfe der heiligen +Thiere, Adler, Löwen und verschlungne Leiber der +Schlangen. +</p> + +<p> +Und sie nahm einen Teppich von purpurfarbner +Seide, der im Schrank gelegen, auf dem +nie die Sonne geruht und keines Menschen Fuss +hatte ihn je betreten. Diesen breitete sie aus von +der Thür zum Sessel. Der Sessel aber war aus +geschnitztem Ebenholz. Die Schilder des Thierkreises +wechselten sich dort mit den vier Hörnern +des Mondes. Die Seitenlehnen waren Aronsstäbe +und auf vier Klauen ruhten die Füsse wie auf +Widderklauen. +</p> + +<pb n='252'/><anchor id='Pgp252'/> + +<p> +Und öffnete die Thüre weit und neigte sich +bis zur Erde und berührte den Fussboden mit +ihrer Stirn. Und sprach: „So es Dir recht ist, +Deiner Seele gefällt, dass Du essen willst jetzt, +Alles ist bereitet, mein süsser Herr!“ +</p> + +<p> +Darauf ging der Prinz ein in die Kammer +und setzte sich auf den geschnitzten Sitz am +Tisch. +</p> + +<p> +Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe +ab. Und brachte ein Gefäss mit Wasser. Und +rieb seine Füsse mit Wasser. Und salbte sie mit +duftender Salbe und trocknete sie in Linnen. Und +setzte sich da zu seinen Füssen und sah ihn an. +</p> + +<p> +Sprach er: „Warum kniest Du vor mir?“ +</p> + +<p> +Sie sprach: „Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster +Herr! Lass mich knieen so und Dir dienen +allezeit.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Kennst Du mich?“ +</p> + +<p> +Sie sprach: „Bist Du nicht der kommen soll? +Ich kenne Dich wohl, denn Du bist meiner Seele +holdseligster Bräutigam. Ich habe nie einen andern +Mann gesehen, noch im Traume eines Zweiten +gedacht. Die Thür meiner Kammer blieb verschlossen. +Niemand sah das Geheimniss meines +Hauses bis heute.“ +</p> + +<pb n='253'/><anchor id='Pgp253'/> + +<p> +Nun sagte er: „So Du nicht weisst, was Liebe +ist, wie kannst Du mich lieben?“ +</p> + +<p> +Sie sprach: „Ich liebe Dich mehr als mein +Leben. Ich liebe Dich mehr als die Freiheit und +den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner +Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich würde meine +Füsse in Flammen setzen, um Dir zu folgen, +meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende +Faulheit des Sumpfes.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Da Du so tapfer bist, weisst Du, +dass Du sterben musst? Denn die mich freien, +werben um den Tod. Ihr Weg geht über Dornen. +Glühende Nägel müssen in ihre Hände eindringen; +ihre Seiten werden sich öffnen und bluten. Sieben +Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden +Dein Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, +in Deinem innersten Herzen haften wie fressendes +Feuer.“ +</p> + +<p> +Sie aber schlug ihr weisses Gewand auf und +wies ihre junge Brust, die weisser war wie die +Seide des Kleides, unter der das Leben klopfte +in hohen geduldigen Wogen. Und sie sprach: +„Stich zu!“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Du bist sehr schön. Schönheit ist +der Stolz und die Gnade des Weibes, und macht +<pb n='254'/><anchor id='Pgp254'/>sie zur Freude des Mannes, seiner Augenweide, +dass er sein Leben lieber lässt denn die Süsse +ihres Leibes. Um Schönheit wird ein Weib geliebt. +Die Liebe des Mannes haftet an der Lieblichkeit, +den Formen und der Feinheit der Glieder. +– Gieb mir Deine Schönheit.“ +</p> + +<p> +Flugs legte sie nun ihr königliches Gewand ab. +Sie nahm die Spangen von ihren Armen, die +Perlen, die an ihrem Hals hingen, die purpurne +Stirnbinde that sie zur Seite. Und nahm eine +scharfe Scheere und schnitt ihr goldnes Haar ab, +wo es am dichtesten war hart im Nacken. Und +Alles legte sie zusammen und vor ihn hin, dass +sie nun vor ihm stand im Untergewand, und +ihre Arme und Hände waren unbedeckt. Sie fror +in ihrem dünnen Linnen. Dies Alles that sie in +der grössten Freude, mit den herzlichsten und +zärtlichsten Liebesworten. +</p> + +<p> +Er aber seufzte und sprach: „Kummer wird +über Dich kommen, Krankheit, Verfolgung, Nachtwachen. +Deine Augen werden blind werden vom +Weinen, Deine Wangen einfallen von der Sorge +und täglichem Mühsal des Daseins. Du bist sehr +lieblich und jung. Du wirst hässlich sein und unansehnlich. +Ein Spott denen, die Dich priesen.“ +</p> + +<pb n='255'/><anchor id='Pgp255'/> + +<p> +Sie sprach: „Ich bin gerne so, so Du mich +siehst, ich Dir nur wohlgefalle, der mein erwählter +Herr ist und lindester Gebieter.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Ich bin arm gewesen und hatte +kein Lager für mein Haupt des Abends. Meine +Nahrung fand ich von den Feldern, was wild +wuchs, karge Barmherzigkeit gab. Du musst arm +sein, ohne Frieden und Heimath wie ich.“ +</p> + +<p> +Sie sprach: „Gleich heute will ich fortgehen, +die Thür verschliessen und mein Haus zumachen, +es nicht wiedersehen, wo ich still lebte und glücklich. +Meine Habe soll den Armen gehören. Ich +nehme nichts denn einen Stab, Brot für morgen, +diesen Schleier um mein Haupt, dass ich nicht +zum Gespött der Gassenjungen werde, sie sagen: +‚Es ziemt sich nicht einem Weib, in Freiheit zu +laufen.‘ So ich doch Deine verlobte Braut bin und +eines grössten Königs Geehrte.“ +</p> + +<p> +Da seufzte er noch tiefer, sprach: „Gerade +schleierlos musst Du gehen und unverhüllt, nackt +und in Blösse. Ich brauche Deine Scham, wie ich +Dein Leben brauche, weil sie einer Jungfrau theurer +ist <anchor id="corr255"/><corr sic="wir">wie</corr> ihr Leben, sie es zehnfach lassen würde +um ihre Scham. – So gieb mir denn, was ich +von Dir heische.“ +</p> + +<pb n='256'/><anchor id='Pgp256'/> + +<p> +Da ward sie roth über und über, röther wie +die Purpurrose, die zuerst der Sonne sich öffnet. +Es war, als ob Flammen überall aus ihrem Leibe +schlugen und um sie brannten. Sie konnte die +Augen nicht aufheben, denn ihre Lider waren +schwer von Scham. Vom Scheitel bis zur äussersten +Spitze ihres Fusses fühlte sie die lohenden Fluthen +der Scham. Und sie stand zitternd mit knickenden +Gliedern. Sie sprach leise: „Hier, Herr! +Nimm mich.“ +</p> + +<p> +Und seine Seele ward weich über ihr, da sie +vor ihm stand, ohne Fehl und Flecken, weiss in +ihrer purpurnen Scham wie Eine, die im Feuer +steht, die Flammen hoch um sie brennen, und +sie steht und flieht nicht. +</p> + +<p> +Und er sprach langsam: „Die Scham ist die +Tochter der Sünde, aber die Reinheit kennt keine +Scham. Deshalb muss sie nackt gehen, dass die +Menschen sie sehen und schamrot werden vor +ihrer strahlenden Nacktheit. Jede Fiber gehört +dem Ganzen. Die Seele ist nicht edler denn der +Leib. Aber der Leib muss edel sein, wenn ihn +die Seele erkennt. Es giebt nicht Mann und nicht +Weib, nicht Hass und nicht Lust. Alles ist eins. +Die Scham ward gewebt zum schleiernden Schutze, +<pb n='257'/><anchor id='Pgp257'/>den Schleier zerreisst, wer die Wahrheit erschaut, +Wenigen zu erschauen nur und Allen furchtbar! +– – Das ist das letzte der Geheimnisse. Ich +sage es Dir, weil Du meine Braut und Verlobte +bist. Behalte es wohl und sage es Niemand.“ +</p> + +<p> +Danach küsste er sie. Er küsste ihre Augen, +ihre Lippen und Wangen. An ihren Schläfen +küsste er sie. Und er nahm sie in seinen linken +Arm, der der Herzarm ist, und küsste sie auf die +beiden Rosen ihres Busens. Denn im Busen der +Frau ist die Weltkugel und der Apfel, Macht und +Verderben. Und vom Schoosse des Weibes kommt +alles Lebendige, Segen und Fluch. +</p> + +<p> +Darauf hielten sie zusammen das Mahl. Er +reichte ihr das Brot und sie ass von seinem Brote. +Er bot ihr den Wein und sie trank mit ihm von +dem Wein. Und assen von allen Dingen, die +auf dem Tische standen und wurden ganz fröhlich. +</p> + +<p> +Wie nun die Morgenröthe heraufkam, verliess +er sie wieder. Der blöde Knecht sah, wie sie die +Riegel aufschloss. Denn die Eisenbarren waren +viel zu schwer für einer zarten Jungfrau Hände. +Dennoch that sie es mit Leichtigkeit. Sie war in +ihrem Brautschmuck, weiss in ihrem weissen Kleide, +mit der purpurnen Stirnbinde. +</p> + +<pb n='258'/><anchor id='Pgp258'/> + +<p> +Er hielt sie in seinem Arm wie sein eheliches +Weib. Sie küsste ihm die Lippen und küsste seine +Augen. Und sprach: „Fahre wohl, mein geliebter +und seliger Herr! Ich warte und harre des Tages, +da ich neben Dir das Brautbett besteige.“ +</p> + +<p> +Das dünkte dem Knecht schier eine seltsame +Rede für eine so untadelige Jungfrau. Aber sie +stand ruhig und sah ihm zu, wie er sein Pferd +bestieg. +</p> + +<p> +Danach ging sie wieder in ihr Haus, schlug +ihre Sachen zusammen, übergab Alles dem Knecht +und sprach: „Ich gehe. Ich habe viel zu thun. +Und die Zeit ruft.“ +</p> + +<p> +Diese wurde eine sehr heilige und wunderbare +Frau. Man brachte viele Kranke zu ihr, die +sie heilte, indem sie ihnen die Hände auflegte. +Und Einige wurden nicht geheilt, die ungläubig +waren, sie versuchten. Solche trieb sie mit Schelten +von ihrer Thür: „Wie Ihr thöricht seid und tückisch +und so ganz schamlos!“ +</p> + +<p> +Niemals aber sprach sie über ihre Geheimnisse +dieser Nacht. Nur eine grosse, selige Freude +war immer in ihr. Wie sie starb, war da eine +Jungfrau, wo eine alte, blinde und kränkliche +Frau gewesen war. Niemand hatte je eine schönere +<pb n='259'/><anchor id='Pgp259'/>Jungfrau gesehen. Diese, als man sie sehr +genau sah, hatte an ihren Händen Stiche als von +rothen Nägelmalen. Sie durchbohrten auch ihre +Füsse. Eine offne Wunde war in ihrer Seite, von +der das Blut floss. Man gewahrte auf ihrer Stirn +Eindrücke, als ob Dornen um ihr Haupt gewunden +gewesen und in die Haut eingedrungen waren. +Alles dies war sehr deutlich. Sie hatte es immer +an sich getragen, nur verborgen in ihrer Bescheidenheit +vor den Menschen, da sie sich selbst +nie für solcher mystischen Ehrung würdig gehalten. +Und beständig sich selber schalt, dass sie schwach +sei und arm im Glauben, nicht eifrig zu den +Werken, wie es sich einer guten und getreuen +Hausfrau geziemte, das Erbe zu verwalten, während +der Herr und Ehgemahl abwesend ist. Als +sie nun auf dem Sterbebett lag, blass und abgezehrt, +sehr schwächlich vom übergrossen Leiden, +that sie plötzlich einen lauten Schrei wie von +seligster Freude. Die bei ihr waren, darunter der +Knecht, der sie einst bedient, sahen einen weissen +strahlenden Engel als einen herrlichen Helden. +Und er nahm sie bei der Hand und führte sie in +das Brautgemach, wo purpurne Rosen lagen auf +silberweissen Linnen. +</p> + +<pb n='260'/><anchor id='Pgp260'/> + +<p> +Der Knecht, ein uralter Mann zu der Zeit, +aber ganz klar in seinem Kopf, vorsichtig und +abwägend in aller seiner Rede, schwor, dass es +derselbe gewesen, der sie damals besucht. Viele +sprachen über diese seltsamen Geschichten: Es ist +ein Wunder, Hysterie und Aberglaube. Und welche +glaubten noch schlechtere Dinge. +</p> + +<p> +Diesen ward die Zunge schwarz in ihrem +Mund, und faule Worte kamen nur, dass selbst +die, die sie sonst gehört, einen Abscheu vor ihnen +hatten. Selbige schrieen laut auf: „Die Scham ist +todt! Die Scham ist todt!“ stürzten sich unter +Schweine, dass man sie für solche hielt, einsperren +und schlagen musste wie niedrige Thiere. Ein +Schrecken fuhr in alle Leute der Gegend. Und +fürchteten das Grab und sagten: „Lasst uns eine +hohe Mauer darum bauen!“ +</p> + +<p> +Nur die Jungfrauen kamen und brachten weisse +Kränze. Und ward ein Heiligthum da für untadelige +Jungfrauen, die nie ein Mann berührt hatte, und +sehr stark waren, herrliche Thaten vollbrachten +vor allem Volk. +</p> +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='261'/><anchor id='Pgp261'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das vierzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Aber der ganze Jammer des Daseins fiel auf +ihn eines Abends, da es schon dunkel war, +er einsam sass im Staube neben der grossen +Heerstrasse. +</p> + +<p> +Er dachte an die Jahrhunderte, die dahingegangen +waren, und dass sie alle für nichts <anchor id="corr261"/><corr sic="gegewesen">gewesen</corr>. +Hunger, Hass und Kriegslärm füllten +die Welt. Jeden Tag unter dem richtenden Beil +fielen Häupter Unseliger, Unschuldige gingen hin +und erwürgten sich selbst in Angst und blutiger +Noth ihres Leibes. +</p> + +<p> +Die Selbstsüchtigen herrschten immer, die, die +hart waren, nur schufen für sich selbst, ohne Sorge +traten auf die nackten Leiber der Verzweifelten. +Die, die dumm waren und nicht dachten, schienen +klug. Die feige waren, tapfer, und solche, die +<pb n='262'/><anchor id='Pgp262'/>frassen wie die gefrässige Raupe auf ihrem Blatt +und fett wurden, weil sie frassen – aber der +Baum selbst starb –, galten für die wahren Guten. +Man pries sie als Muster der Tugend, zeigte sie +denen, die unvernünftig waren und eigengesinnt: +„Seht, wie sie sind! Wie sie nahrhaft werden und +fett! Nehmt Euch ein Beispiel an ihrem Gedeihen, +Ihr, die Ihr Flügel habt, die zu schwach sind, der +Sonne zustrebt, die Euch verbrennt!“ +</p> + +<p> +Diese aber waren die schlimmsten Feinde und +sie galten für den Hort aller Tugenden, hielten +die Sitte hoch in ihrer heuchlerischen Klugheit, +weil der losgelassne Wolf sie zerrissen hätte +innerlich, und standen auf dem Boden des Worts, +weil es ihnen nützte für ihre Zwecke, der Strom +sie sonst fortgeschwemmt hätte in seinem Ueberschwellen. +</p> + +<p> +Solcher aber waren Viele. Sie hielten die Gewalt +und das Geld. Die Andern zerbrachen ihre +Kräfte an denen, stiessen ihre Stirnen blutig und +sahen doch nicht was darüber war, über ihrer +dummen Klugheit, die wahre Weisheit, über ihrem +Geiz die weite Liebe, über ihrer Ungerechtigkeit +die grosse Gerechtigkeit. So dass diese ihre besten +Kräfte verbrauchten, auch müde wurden, +dahin<pb n='263'/><anchor id='Pgp263'/>gingen in Lastern, Leichtsinn und Unzucht. Weil +sie sprachen: „Unser Leben ist kurz und wird uns +zugetheilt in kleinen Tropfen. Wir wollen es auf +einmal leeren, damit wir den Rausch kennen in +seiner Wollust. Und nachher hungrig sein und +frieren.“ +</p> + +<p> +Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein +reif ward und duftig. Nicht schauen, bis sie die +Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. +Weil sie jung waren, das Blut siedend schoss in +ihren Adern, das lind sein musste vom Denken, +der weiten Herzlichkeit ihres Liebens. +</p> + +<p> +Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, +dass sie wie brennende Fackeln sich verzehrten +im Leeren. Die Licht gegeben hätten, reines Feuer +zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, +sich selbst gereinigt hätten vom Unreinen. +</p> + +<p> +Und die Andern, die gar kein Licht hatten, +sondern dunkle Klötze blieben, die mühsam denen +ihre schiefen Strahlen auffingen, vom Scheiterhaufenleuchten +der Grossen ihren Weg suchten +im Finstern, schnobernd wie die Schweine nach +Trüffeln, oder niedrige Hunde auf der Fährte des +Aases – spotteten über solche, zeigten auf sie +in Schadenfreude: „Die verzehren sich und sind +<pb n='264'/><anchor id='Pgp264'/>gar nicht, Rauch und Asche. Wir stehen fest und +finden.“ +</p> + +<p> +Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie +der Wurm immer noch Nahrung findet in seinem +Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen +in seiner niedrigen Dunkelheit. +</p> + +<p> +Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft +sein Futter nicht für seine Jungen, wenn Alles +unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, +der lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein +glänzendes Gefieder lockt Gelüste der Räuber. +</p> + +<p> +So dass diese niemals aufkommen, die die +Schönheit nackt gesehen hatten und priesen, weil +ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte +die Wollust verriethen. Die Andern aber, die +gar nicht sahen und von Wollust voll waren wie +die geile Erde vom Mist, – dass sie nicht einmal +wussten, dass eine Keuschheit war, den reinen +Mond befleckt hätten in ihrer Unreinheit, – waren +gross und sprachen die Urtheile über wichtige +Dinge. +</p> + +<p> +Und man nahm ihr Recht für <hi rend='gesperrt'>das</hi> Recht. Und +ihre Wahrheit für <hi rend='gesperrt'>die</hi> Wahrheit, dass eine grosse +Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der +Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne. +</p> + +<pb n='265'/><anchor id='Pgp265'/> + +<p> +Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der +Ekel am Leben stieg in ihm auf und würgte ihn +an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich +selber sprach: „Besser wäre die Welt gar nicht, +Feuer und Schwefel vom Himmel, denn dies! Und +besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die +wächst und stirbt, denn dieses Halbe im Staube, +dem niemals die Flügel der Seele wachsen. Besser, +viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, +als das niemals ganz wird, nicht leben kann und +nicht sterben.“ +</p> + +<p> +Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, +dass er die Güte so klein geschaffen und die +Grösse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an +ihrer eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit +mit dem Schwert der Reue durchgestochen blieb, +dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, +unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel +war in ihrer eignen Brust und bohrte sich tiefer +bei jeder Drehung. +</p> + +<p> +Und er sprach zu sich selbst: „Wozu so viel +Qual und Leiden? Hast Du sie geschaffen aus +Hass oder wurden sie empfangen in Güte? Ist +Dein Zweck mit ihnen Gnade oder ist es Neid +des Mächtigen, Allherrschenden gegen das Kleine, +<pb n='266'/><anchor id='Pgp266'/>Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie +besser wie Du, und nur eine Zeit ward Dir Macht +gegeben, sie zu quälen, im Staub Gebannte, die +ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der +Ganz-Mächtige nicht? Und es ist ein viel Mächtigerer, +Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in +ihnen ist? Wird er triumphiren, klar sein eines +Tages? Und unsre Güte war vor Ihm Halbheit? +Unser Licht war Dämmerung? Sage mir, wer Du +bist? Wer ich bin für Dich? Dann lass mich mich +hinlegen und sterben. Denn meine Seele ist müde +in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen +weh und der Lärm der noch Arbeitenden beleidigt +mein Ohr. Ich grüsse die Nacht, die dunkel ist, +wo gigantische Schatten schweigen.“ +</p> + +<p> +So sprach er zu sich selbst. Er sah die Nacht +herkommen über die Felder. Sie kam wie eine +starke, riesige Frau mit einem schwarzen, sammetnen +Mantel. Die Bäume standen wie dunkle +Keulen Gewaffneter und die Stimme des Wassers +wurde deutlicher, wie es hallend fiel mit ewig +sich lösenden Tropfen. +</p> + +<p> +Er sah in die Nacht und frug sie: „Bist Du, +die kommen soll?“ +</p> + +<p> +Sie sprach: „Ich war.“ +</p> + +<pb n='267'/><anchor id='Pgp267'/> + +<p> +Plötzlich hob sie ihren Mantel auf. Und es +war ihm, als könnte er tief hineinsehen in die +Nacht, die Nacht aller Zeiten, die vor den Zeiten +gewesen war. +</p> + +<p> +Er sah die Nacht, die Nacht selbst, von der die +Dunkelheit kam und der Schatten. +</p> + +<p> +Sie lag wie eine Sphynx, die ein Weib war, +und ihre andre Hälfte war eine Löwin. Die Schultern +des Weibes aber lagen über den Tatzen der +Löwin und ihre Brüste starrten gerade wie gerichtete +Schwerter. Zu beiden Seiten ihres Hauptes +lief eine königliche Binde mit Streifen und Zeichen. +Sie schnitt die Stirn niedrig ab und ihre Augen +standen weit offen, marmorne Augen mit todten, +runden Bällen, die geradeaus sahen. Ihre Lippen +waren geschlossen. Sie lag ruhig mit milchschweren +Brüsten über tödtlichen Tatzen. +</p> + +<p> +Sie wechselte sich. Und wurde ein schauderhaftes +Idol. Auf den Schultern eines eisernen +geharnischten Mannes reckte sich ein Vogelkopf +mit spitzem, gebognem, hackendem Schnabel. Ein +kreisrundes Auge war eingesetzt aus blauem, +hellem Email, in der Höhe des Schnabels, da wo +er anfing. Gen Osten stand dieser Mann. Auf +einem hohen Postament, die Hände auf sein Schwert +<pb n='268'/><anchor id='Pgp268'/>gelegt. Die Arme bildeten ein Viereck mit den +Schultern und staken in Schienen. Sein Schwert +stand ganz gerade, breit wie eine Hand. Senkrechte +Riefen liefen mitten durch, in denen das +Blut abtropfen konnte. Die Klauen seiner Hände +krallten sich um das Schwert. Der Leib und die +Beine standen gerade, nach vorne, und der Vogelkopf +mit dem Schnabel sah gegen Osten. +</p> + +<p> +Wie er diesen noch betrachtete und schaudernd +ansah, geschah eine Stimme zu ihm, die sprach: +„Das ist die Gewalt. Ihr fielen Könige zum Opfer. +Sein Schnabel ist schwarz vom Geifer der Lebern. +Sein Schwert roth vom Blut. Sein eiserner Leib +wird glühend vom Feuer verbrannter Städte.“ +</p> + +<p> +Das Symbol wechselte sich. Und es wurde eine +schwarze Astarte, ganz aus schwarzem Metall, +aus Stein oder Eisen, das man geschwärzt hatte, +und es glänzte nun schwärzer wie Ebenholz, gefettete +Leiber der Neger. Sie stand ganz aufrecht. +Der Leib und die Beine waren mit Binden umwickelt. +Sie kreuzten sich und kamen wieder, von +der Hüfthöhe bis an die Gliederung der Zehen. +Zeichen waren in diese Binden gegraben, Striche, +Muster, Rubinen, grüne Smaragden und sehr dunkle +Saphire. Sie folgten sich rhythmisch und redeten +<pb n='269'/><anchor id='Pgp269'/>eine geheimnissvolle Sprache über dem Schwarz, +das kam und ging. Dieser ganze Theil des Leibes +mit dem Bauch und den Schenkeln war sehr dünn +und gerade wie bei einem unmündigen, ganz unentwickelten +Kinde. Und darüber drängten sich erschreckend +tausend Brüste. Eine Ueberfülle von +Brüsten, Beeren der reifen Traube, Wellen, die +sich stossen, strömen. Man sah den Kopf im +Dunkeln, sehr hoch, mit harten Lippen, steinernen +Augen, die hierarchische Binde, die zu beiden +Seiten fiel. Die Brüste gleissten, rieselten, Aepfel, +Kugeln, gehärtete Spitzen, schwarz, von einem ungeheuerlichen, +unirdischen Schwarz, Grünschwarz +der Schlangenhäute, Tollkirschen, verwester Ueberreste +in ihrer Zersetzung. +</p> + +<p> +Und die Stimme sprach: „Das ist die Wollust, +die Verfluchte. Alles stirbt in ihr. Nur das Eine +lebt. Und es wird zur Schauderhaftigkeit, zum +Ungethüm. Unfruchtbar ist sie, denn sie ist von +Eisen. Ihre Seele in ihr ist Mord.“ +</p> + +<p> +Und diese wieder wechselte sich. Es wurde +eine ganz weisse Schlange. Sie trug ein Krönchen +auf dem Kopf. Sie bewegte sich rhythmisch zu +einer Art Musik. Ihre Schuppen glänzten wie +Perlmutter, wenn sie sich bewegte, und ihre Augen +<pb n='270'/><anchor id='Pgp270'/>waren rothe Rubinen. Ein rosa Züngelchen kam +aus ihrem gespalteten Kopf. Sie züngelte damit +und leckte sich zierlich wie Katzen thun. Und +rollte sich zu Ringeln und lag ganz zusammengeringelt, +als ob sie schliefe. Aber sie schlief +nicht. Ein Zittern von Gier und Gift rann durch +ihren Leib, der sich milchig blähte unter dem Bauch. +</p> + +<p> +Und die Stimme sprach: „Das ist die falsche +Weisheit der Welt. Sie ist arglos und ungefährlich +anzuschauen. Aber das feinste, siebenmal +gefilterte Gift. Wer diese Schlange anrührt, der +stirbt und fühlt nicht den kleinsten Schmerz, nicht +wie einen Nadelstich in die Hand, da man sich +das Blut abwischt und weitergeht.“ +</p> + +<p> +Danach sah er noch eine schwarze Kröte, die +in ihrem Sumpf sass und glotzte, Harpyen, die +mit den Flügeln schlugen, Bären und Wölfe. „Das +sind die gewöhnlichen Sünden, Reichthum, faules +Leben, Unfrieden und Zankhaftigkeit der Weiber. +Alle diese sind nur hässlich. Und Sünden der +gewöhnlichen Menge. Denn vornehme Herzen +werden von ihnen nicht gerührt, die Andern aber +sind die Vornehmen, die Grossen. Die Besten verfallen +ihnen.“ +</p> + +<p> +Diese Vision verschwand. Er blieb allein in +<pb n='271'/><anchor id='Pgp271'/>der Nacht. Die Kälte war um ihn her und er fror. +Die Gedanken huschten in seinem Kopf und schlugen +an das Schädeldach wie mit klappenden Flügeln. +Seine Seele war sehr matt in ihm. Er sprach: +„So es so viele Uebel giebt, die Sünde also gross +und mächtig ist für die Besten, wäre es nicht besser +zu nehmen was schön ist, fröhlich sein im Tage +und sterben, wenn es Zeit ist, das Unglück +kommt?“ +</p> + +<p> +Alsbald kam da ein Zug von lieblichen Mädchen, +die Cymbeln und Schalmeien trugen. Und +hielten in ihren Händen Flöten und Harfenspiele, +harte Hölzer, die sie schwirrend schwangen oder +gegeneinanderschlugen im Tanze. Ihre Haare waren +mit Blumen gekränzt. Die Blumen fielen gleich +Sternen über ihr Gelock. Sie trugen Blumen in +ihren Armen und hatten lichte Gewänder an und +sangen: „Lasst uns fröhlich sein und singen! +denn das Leben ist kurz, die Jugend verfliegt +schnell. Die Jugend ist die Lenzzeit im Leben und +die Liebe ist der Sonnenschein am Maitag!“ +</p> + +<p> +Dann kamen junge Knaben und holten sich +diese, führten sie weg zu blühenden Lauben und +heimlichen Grotten. Und wandelten mit ihnen Arm +in Arm, küssten sich zärtlich, lachten und kosten. +</p> + +<pb n='272'/><anchor id='Pgp272'/> + +<p> +Sie tanzten wilder. Die Lust stieg. Becher +wurden gebracht. Ein Jüngling erschien auf goldnem +Wagen, den Pardel zogen, von Weinlaub umkränzt. +Und Alle schrieen: „Heil! Heil! Bacchus +Evoë!“ +</p> + +<p> +Der Jubel ihrer Freude scholl durch die Nacht. +Sie schwangen Fackeln. Es gab welche, die sich +selbst durchstachen, sich Wunden schlugen mit +kurzen Schwertern, denn sie wollten heute sterben, +weil sie doch morgen todt sind. +</p> + +<p> +Und Einige wohnten in Hüttchen und hatten +Kinder gezeugt, die sie jauchzend emporhoben: +„Wir sind glücklich. Und das Leben ist kurz. Die +Liebe ist reifes Erntegold im Sommer.“ +</p> + +<p> +Er sah eine junge, lächelnde Mutter, die ihr +Kind an der Brust hielt. Der Sommerhimmel lag +in ihren Augen blau und satt. Ihr Leib blühte +und entsandte Wärme wie der Weizenacker im +Juni. Man hatte um sie einen Rahmen gebaut +in der halben Brusthöhe wie eine goldne Aureole. +Das Kind sog. Sie lächelte. Sie war glücklich. +</p> + +<p> +Dies verschwand. +</p> + +<p> +Er hörte neben sich die Stimme eines alten +Mannes, der laut auflachte. Er sprach höhnisch: +„Diese sind Eintagsfliegen, Jahrmarktsplunder. +<pb n='273'/><anchor id='Pgp273'/>Sie glauben zu geniessen und geniessen doch nicht. +Sie sind nicht besser denn Schweine. Ihre Freuden +sind Freuden des Magens und der Sinne. Aber +der feine Magen sagt Pfui! zu ihren schalen +Freuden. Der Sinn, der fühlen gelernt hat, rührt +sich nicht mehr bei der Grobheit ihrer Eindrücke.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Hast Du Bessres gefunden?“ +</p> + +<p> +Damit sah er ihn an, der das gesagt hatte. +Er sah, dass es ein sehr alter Mann war, und +Einer, der lange gewandert war. Sein Haar und +Bart hingen wild. Der Staub der Wege lagerte +in den Runzeln seines Gesichts. Sie zogen sich +tief eingegraben wie von zahllosen Jahren gezeichnet. +Die Müdigkeit einer ungeheuren Anstrengung +wohnte in den tiefen Höhlen seiner +Wangen. Man erkannte die Sonnen von brennenden +Sommern, die über sein Haupt dahingegangen +waren und die Haare auf ihrer Höhe gebleicht +hatten zu Schnee. Seine Kleider waren fahl vom +Staub. Sie hingen zerrissen und schlugen in gefaserten +Fetzen um seine mageren Kniee, die +ausgearbeitet und knotig waren wie Hölzer eines +uralten Baumes, von denen die Moose hingen in +weissen Flocken. Keine Unze Fleisch war mehr +an diesen Knieen. Unter der braunen Haut traten +<pb n='274'/><anchor id='Pgp274'/>die Knochen vor wie durchgeschubbert, gewetzt in +einer unausgesetzten Reibung. Seine Nase bog +sich scharf wie ein Adlerschnabel. Er hatte keinen +Zahn in seinem Munde vor hohem Alter. Aber +in seinen schwarzen Augen glomm unauslöschlich +Feuer des Lebens. Sie brannten wie Fackeln in +einer sehr tiefen, nächtlichen Grotte. So stark war +der Glanz ihres rothen Feuers, dass sie die Höhlen +ausgebrannt hatten um sich, die Brauen vorstanden +wie Dachbalken eines eingeäscherten Hauses. Der +Schnee vieler Winter hing von seinen Brauen. Sein +Haar war unbedeckt und flatterte im Winde. +</p> + +<p> +Er hielt einen rohen Stab in der Hand aus +Knoten des Dornstrauchs. Ueber seiner Schulter +hing der Bettelsack. Wie er wanderte, stützte er +sich auf den Stock. Die Fetzen seines zerlumptem +Gewandes schlugen um seine schreitenden Lenden. +</p> + +<p> +„Ich wandre – wandre ...“ sagte der alte +Mann. „Ich weiss nicht, wie lange ich wandre. +Ich habe alle Städte der Menschen gesehen, die +Wüste und die hohen Schneegebirge, wo der Schnee +ungestört liegt wie der weisse Flaum auf dem +königlichen Lager der Jungfrau. Alle Thaten und +Dinge der Menschen weiss ich. Ich habe ihre +Weisheit gehört, das Mitternachtöl verbrannt über +<pb n='275'/><anchor id='Pgp275'/>ihren Büchern. Und ich habe dieses gefunden: +dass sie gar nicht sind. All’ ihre Weisheit ist +Bilder von Worten, das Echo eines Klingklang, +und sie sind eine Spiegelung des Nichts im Leeren. +Dies weiss ich und bin stolz, dass ich es weiss +und lache aller ihrer Leiden und Busse. Es ist +mir, als ob ich in einen Spiegel des Wassers +sehe, der schnell verrinnt, oder Spiele des Guckkastens, +wie man Kindern zeigt auf Jahrmärkten, +Launen des Lichts und Wechselungen der Schatten! +So man darauf pustet und mit der Hand hineinschlägt, +ist es nichts.“ +</p> + +<p> +Er hauchte und schlug mit der Hand in’s Hohle +und lachte laut auf. +</p> + +<p> +„Aber Gott ist!“ sagte der Fremde. +</p> + +<p> +„Eine Spiegelung der Spiegelbilder. Die Fratzen +werfen ihren Schatten und weil sie ihn von weit +werfen, ist er grösser und dunkler. Wie die Wolken, +die Du da oben siehst. Und wenn Du hinkommst, +sind es nicht Wolken, sondern leere Luft. Nur die +Sonne und Spiegelung macht sie zu Wolken.“ +</p> + +<p> +„Etwas muss sein.“ +</p> + +<p> +„Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, +tausend Jahre, Schatten, der ich bin, im +Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der +<pb n='276'/><anchor id='Pgp276'/>Bewegung. Bewegung ist Nichts. Und Stillstand +ist nicht. Um Sonnen drehen sich Welten. Aber +die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und +Welten sind Schattenflecken im Leeren. Ich wandre +– wandre – wandre.“ ... +</p> + +<p> +Er fasste seinen Stab und ging weiter durch +die Nacht. Die Eisenspitze seines starken Stockes +klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen +seiner zerlumpten Kleider schlugen um seine +dürren schreitenden Lenden im Winde. +</p> + +<p> +Und Einer sprach: „Das ist der ewige Jude, +Ahasver, der Zweifel des Menschen, der nicht ruht. +Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene +selbst für Hirngespinste erklärt. So er die Hand +in die Seite legte und die Wundenmale rührte mit +seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut Farbe +ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser +wird niemals selig und wandert bis an’s Ende +der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn +Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in +ihm war und immer gewesen ist von Anbeginn.“ +</p> + +<p> +„Werden Alle finden?“ fragte er eifrig. +</p> + +<p> +„Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht +sucht.“ +</p> + +<p> +„Lass mich den sehen, der nicht findet,“ bat er. +</p> + +<pb n='277'/><anchor id='Pgp277'/> + +<p> +„Es ist zu schrecklich zu sehen für menschliche +Augen. Sie können ihn nur ausdrücken in dem, +was sie nicht kennen. Er ist die Nacht.“ +</p> + +<p> +Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. +Sie drang in seine Seele ein wie das Gefühl eines +hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der +Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss +von der Stirne rann, und wie er fiel, waren es +Tropfen Blutes. +</p> + +<p> +... Damit kam die Morgenröthe und die Sonne +ging auf. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='278'/><anchor id='Pgp278'/> +<index index="toc"/><index index="pdf" level1="Das fuenfzehnte Kapitel."/> +<head>Das fünfzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Aber um diese Zeit war das Gerücht von ihm +sehr gewaltig geworden. +</p> + +<p> +In der Hauptstadt erschütterten die Predigten +Fritz Kuhlemann’s, der mit starker Stimme sprach. +Er schonte Niemand und rief laut zur Busse. Denn +die Zeit war gekommen. Ein grosses Erwachen +ging durch die Völker. Schweres Unheil, Empörung +und Blutvergießen lag in der Luft, so die +Machthaber sich nicht bekehrten, die neue Lehre +anerkannten von der Theilung der Güter, der +Brüderschaft aller Sterblichen. Er sprach: „Es ist +Unrecht, dass Ihr Armeen habt, Einer den Andern +zu bekriegen, die Stimme des Volks zu ersticken, +die mächtig spricht. Solches thun die Thiere nicht, +die von demselben Blut und gleicher Art sind. +Seid Ihr nicht besser denn Thiere? Wehe den +<pb n='279'/><anchor id='Pgp279'/>Reichen! Wehe denen, die Geld ansammeln und +es auf Wucherzinsen ausleihen! Die den Acker +mit Schulden bedecken, dass er nicht Frucht bringen +kann unter dem verfluchten Eisen! Habt Ihr die +Erde geschaffen, dass Ihr sie Euer nennt, Grenzpfähle +setzt so und so weit und Zäune zieht, +dass kein Andrer sie beschreite? Die Erde, die +Luft und das Wasser sind des Herrn. Euer aber +ist Alles. Und Alle seid Ihr Eines Geschlechts.“ +</p> + +<p> +So gewaltig war seine Stimme, dass ihm die +Leute zuliefen in grossen Massen. Kein Raum und +kein Saal vermochte mehr die Zahl seiner Zuhörer +zu fassen. Wo man sie zurücktrieb, kamen Neue. +Das Volk ward drohend, dass man seinen Prediger +antaste. Dröhnend wie Schlachtdrommeten +klang seine Rede. Er trug einen härenen Rock +und nährte sich nur von Nahrung der Pflanzen. +Was er verzehrte, gewann er von seiner Hände +Arbeit, denn wilde Kraft des Volkes lebte in +diesem Manne. Wenn er vor ihnen stand, gewaltig +mit dürren Händen und Armen, gedachte +man der alten Prediger in der Wüste. Seine +Augen warfen Feuerflammen. Von vielem Denken +und Nachtwachen war sein Haar grau geworden. +Er trug keinen Hut auf seinem Haupte. Wenn er +<pb n='280'/><anchor id='Pgp280'/>in einer Stadt fertig geworden war, wanderte er +die Nacht über zu einer andern. +</p> + +<p> +Ueberall gegen Ungerechtigkeit und List erscholl +sein Zeugniss: „Ihr nehmt dem Armen +scheffelweis. Dann straft und hängt Ihr für das, +was er Euch wiedernimmt in Körnern. Ihr predigt +Demuth und freut Euch an dem, der vor +Euch steht mit abgezognem Hut und zitternden +Knieen. Vor Gott beugt Ihr die Knie, auf dass +vor Euch die Menschen knieen um Eurer Gottesfurcht +willen. Seinen heiligen Namen schreibt Ihr +über Eure schlechten Thaten, Kriege und Händel, +dass Eure Thaten heilig stehen in seinem Namen. +Ihr behauptet seine Weisheit zu wissen. Es ist +Eure List, die Ihr fein und schneidend schleift am +adamantnen Felsen Seiner Gerechtigkeit. Ihr zieht +den Strick nicht zu, weil Euch das Lastvieh Säcke +tragen soll. Dann sprecht Ihr noch: Seht meine +Langmuth und Gütigkeit, dass ich nicht würge, +wo ich doch würgen könnte. Der Aermste trägt +alle Beschwerde. Ihr wischt Euch die Stirn, sprecht +von Eurem Schweiss, Nächten, die Ihr hingebt für +Euer Rechnen und Raffen in Keller, die Ihr auffüllt +für Euch und Eure Söhne. O Ihr Heuchler +und dreifachen Heuchler! die Ihr die Steine +ver<pb n='281'/><anchor id='Pgp281'/>schluckt, die man gegen Euch wirft, Euch dadurch +schwerer macht, vom Gift, das Euch tödten müsste, +fresst, bis Ihr giftfest seid! Ihr seid erkannt in +Eurer Nacktheit. In Eurer Lüge steht Ihr frierend +und ganz hülflos.“ +</p> + +<p> +Also trieb er die Gegner vor sich her mit +harten Worten. Ein mächtiger Schrecken ging von +ihm aus. Viele auch hingen ihm an, Soldaten, +die in der activen Armee standen, und man +fürchtete, dass diese im Fall eines Kampfes ihre +Waffen gegen ihre Oberen kehren, gemeinsame +Sache machen würden mit dem Volk, denn des +grossen Führers Wort war überzeugend. Er scheute +sich nicht und nannte die Dinge mit deutlichem +Namen wie sie waren. Und Niemand war, der +ihm widerstehen konnte, weder mit feingedrehten +Gründen, noch mit Gewalt. +</p> + +<p> +So dass davon bewegt wurden bis in die +höchsten Schichten, Regierungen und Ministerien. +Man liess ihm unter der Hand anbieten, er sollte +da eintreten in die Verwaltung. Man würde Verbesserungen +machen, Vorschläge aufstellen, dass +die Ungerechtigkeit beseitigt würde, Zufriedenheit, +genug zu essen sei im Lande. +</p> + +<p> +Er aber schlug Alles aus und stiess diese in +<pb n='282'/><anchor id='Pgp282'/>die Enge mit harten Worten: Dass sie halb wären +und niemals ganz, die den zerrissenen Schlauch +flicken wollten mit alten Lappen, klaffende Löcher +verkleben mit Pappe von papiernen Acten, Kleister +von Speichel: „Ihr selbst müsst weg zunächst aus +dem Platz, da Ihr feststeht, damit frische Luft +werde und Bewegung, das Neue sich nicht zerbreche +am harten Stein des Gewordenen, von der +Verwesung das Leben Farbe und Geruch annehme.“ +</p> + +<p> +Dieses hörten sie ungern. Da er aber sehr +laut sprach, das Volk ihm anhing, machten sie +einen andern Versuch. Er ward zum Fürsten befohlen, +dass er diesen selbst spräche, vor der +höchsten Majestät, so er dessen fähig sei, zeugte +für die Richtigkeit seiner Ansprüche. +</p> + +<p> +Dieser, der noch ein junger und rechtlicher +Monarch war, empfing ihn freundlich. Er hatte +auch gute Gedanken für die Besserung und für Alle, +beklagte dass Vieles nicht zu seinem Ohr kam, +auf ihm aber als dem Höchsten die Verantwortung +ruhte. Nur hoffte er zu Gott, dass ihm das nicht +angerechnet würde, da er sich nach besten Kräften +bestrebte, auch zu Gott betete, bevor er Urtheil +abgab in den grossen Sachen, die über +<pb n='283'/><anchor id='Pgp283'/>Tod und Leben waren und Leben und Tod vieler +Tausende. +</p> + +<p> +Zu ihm sprach der kühne Mann: „Mein Fürst! +Du bist ganz und gar unfähig zu urtheilen, im +Einzelnen, wie nun gar über viele Hunderte und +Tausende. Siehst Du die Seelen der Menschen, +vom unschuldigen Kindlein an, wie es war, dass +sie also schlecht wurden und Böses thaten? Ob +es eine Krankheit im Blut gewesen sein mag, +Schlechtigkeit, Ungerechtigkeit und Unsauberkeit +der Welt, die Deines Volkes ist, davon Du Verantwortung +trägst? Das Gericht wird gesprochen +in des Königs Namen. Wenn ein Krieg ist, erklärst +Du ihn. Der fremde Fürst nimmt Deine +Erklärung an. Ihr Beide steht für Eure Völker, +das Recht Eurer Sache. Wie mag ein Einzelner +solche Beschwerung ernstlich übernehmen? Und +wie Du zerbrechlich und von elendem Staube bist, +in Schmerzen geboren, krank eines Tages und +einen andern gesund, sterben musst und Dein +Leib wird Würmerspeise, so sind Deine Brüder, +nicht besser und nicht schlechter. Niemals war es +Gottes Wille, dass der Eine herrlich gehen sollte +in Purpur und Sammet, der Andre wie ein +Vieh im Staub kriechen, und viel weniger denn +<pb n='284'/><anchor id='Pgp284'/>ein Vieh, da er nicht hat seine Blösse zu bedecken.“ +</p> + +<p> +Worauf der Fürst sagte, dass er dies in der +That beklage, auch sich selbst nicht für besser +hielte denn andre Menschen. Nur müsste Einer +der Mächtigste sein um der Ordnung willen. Es +würde sonst Alles Unordnung und Anarchie. +</p> + +<p> +„Unordnung und Anarchie ist schon in der +Welt,“ sprach der Mann des Volkes traurig. „Eine +Nation steht gegen die andre. Die stark sind, +überwältigen die Schwachen. Die schwach sind +treten wider die Andern, die noch schwächer sind, +Weiber und Kinder. Es ist nicht mehr Gerechtigkeit +denn unter Läusen und Ungeziefer, und was das +Recht genannt wird, ist eine neue Waffe, die die +Besitzenden geschmiedet haben, um ihren Besitz +festzuhalten und den Gar-nichts-Habenden zu +wehren. Durch List, Ehrgeiz und Kriechen gelingt +es denen manchmal hineinzukommen. Diese Söhne +von Sklaven drücken ärger denn die Herrengebornen, +denn sie sind niedrig. Ihre Seelen sind niedrig +wie der Staub, dem sie entkrochen sind. Der aber +eine hohe Seele hätte, könnte Niedriges nicht um +sich dulden. Es würde ihm unerträglich sein, sein +Ebenbild besudelt zu sehen im Koth, schlechter +<pb n='285'/><anchor id='Pgp285'/>denn der Fussboden unter seinen Füssen, den er +tritt. Ja, welcher ganz hoch dächte, steige hernieder +von seinem Thron und würfe über ihre +blutige Schmach den blutrothen Purpur seiner +Hoheit, wie unser höchster Herr Christus sein +edelstes Blut vergossen hat für uns Alle. – Und +recht königlich handelte er, der so thäte, fürstlich +und kaiserlich!“ +</p> + +<p> +Da ward der junge Fürst ungeduldig, hiess +ihn fortführen. „Ich will Dich später hören,“ +sagte er. Die Rede hatte ihn unmuthig gemacht. +Aber Manches nahm er sich an, hiess auch den +Mann öfter vor sich kommen, discutirte mit ihm. +Aber auf seine Rede kam er nicht zurück. Er +blieb traurig. Die Diener des Königs liessen den +Demagogen nicht aus dem Gewahrsam, denn die +Aufregung war gross in der Stadt und im Land. +Viele zogen durch die Strassen in Haufen, die Brot +und Arbeit verlangten. Man rief den Soldaten +zu, dass es ihre Pflicht wäre, die Waffen niederzulegen, +sich zu verbinden mit den Empörten. +</p> + +<p> +Fritz Kuhlemann aber blieb im Gefängniss. +</p> + +<p> +Um dieselbe Zeit nun sprach man von einem +wundersamen Buch, das ein Unbekannter geschrieben +hatte, oder doch ein Bekannter, denn +<pb n='286'/><anchor id='Pgp286'/>Viele vermeinten die Art und Redeweise zu erkennen +eines gewissen Doctor Anton Rothe, der +grosses Aufsehen erregt hatte zu einer Zeit, dann +lange Jahre verschollen war. Man sagte, dass +er sie in wüsten Ausschweifungen verbracht mit +einem Fürsten auf Reisen. Derselbe war blind +und auf den Tod krank gewesen Monate lang. +In diesen Wochen hatte er das Buch geschrieben. +Er hatte es einem Knaben in die Hand dictirt, +der nicht schreiben konnte. Und siehe! die Zeichen +standen fest und deutlich wie Buchstaben, dass +Jeder sie lesen konnte, die die zu lesen verstanden +und so nichts vom Lesen und Schreiben +wussten, als Kinder und ganz ungebildetes Volk. +Es hiess: „Die Blinden, die sehen ...“ In +wundervoller und deutlicher Weise war geschrieben, +wie Christus eintritt in alle Dinge dieser +Welt, das Heilige und Kräftige in der Verwesung, +die linde Sonne, die schafft und leuchtet. Und +schied das Licht von der Finsterniss, und ging +grausam in’s Gericht mit dem, was schön gewesen +war und herrlich, zeigte es klar wie es war in +entsetzlicher Todtenlarve, dass ein Schauder die +Menschheit erfasste, Manche in fliegendem Entsetzen +das Werk ihrer Hände zerbrachen. +</p> + +<pb n='287'/><anchor id='Pgp287'/> + +<p> +Und schied überall die Finsterniss vom Licht, +die Gedanken von der Form, den Geist vom +Körperlichen, das heilsam und gut gewesen für +eine kindlichere Zeit. +</p> + +<p> +Und pries die Güte, die reine Unschuld, die +Schwachheit, die das Heldenthum ist. Wie Alles +ewig ist und Bestand hat, das aus der Liebe geboren +ist. Das Andre ist Staub und Schlacke. +Es muss verbrennen und immer mehr wegbrennen +in immer reinerem und stärkerem Licht, bis nichts +mehr bleibt, als das unaussprechliche wunderbare +Licht in Gott. Einige sehen es schon im Leibe. +Viele aber erst nach diesem Leben. In Allen ist +der Funke und das Abbild. Sie leiden und brennen. +Das Feuer des Leidens ist die Läuterung. +</p> + +<p> +Der aber das Buch geschrieben in den unaussprechlichen +Qualen seines Leibes und Gewissens, +dem war es wie Schuppen von den Augen gefallen. +Er sah nun und niemals wieder würde +ein Flecken in sein Auge kommen. Ganz kleine +Kindlein sahen von selbst. Ihre Augen sind stet, +flackern nicht unruhig wie die der Menschen. +</p> + +<p> +Aber ein solch wundersames Buch war nicht +geschrieben seit die Welt stand. Und zeigte den +Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, +<pb n='288'/><anchor id='Pgp288'/>durch alle Zeiten und Alter, wie er Form und +Blut geworden in Golgatha, und floss in herrlicher, +schimmernder Fluth. Um die Häupter der +Heiligen, niedrige Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, +Bastillestürmer. ... Immer mit nie +fehlender Sicherheit der Gang zum Licht. +</p> + +<p> +Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: +Friede auf Erden und den Menschen ein +Wohlgefallen. Gold – das Reichste, daran des +Menschen Herz hängt, Weihrauch, der den Aufschwung +der Seele begleitet, und Myrrhen, die +feinste, edle Blüthe der schönen Künste. +</p> + +<p> +Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache +geschrieben, die wie Gesang ging. Die Worte +waren einfach und tief, dass die Weisesten davor +ehrfürchtig standen und die Einfältigen sie fassen +konnten. Die Kraft dieser Worte war wie ein +zweischneidendes Schwert und ihre Süsse süsser +denn Honig, feinster Duft der Blumen. +</p> + +<p> +Ein solches Buch war nicht geschrieben worden +und es stand leuchtend und in Erz gegraben, +was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, +seine Strahlen wurden rother und inbrünstiger. +Alle rothe Wuth und Finsterniss der Welt konnte +das leuchtende Buch nicht umstossen. +</p> + +<pb n='289'/><anchor id='Pgp289'/> + +<p> +Wie auf das Volk die Rede des grossen +Socialisten, so wirkte das Buch auf die Gebildeten. +Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre +Güter abgaben und niederstiegen zu den Geringen. +Die Frauen richteten sich auf in leuchtender Keuschheit. +Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen +geleistet, wurde wieder die herrlichste der +Tugenden. Maler und Bildner ergriffen begeistert +Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach +der leuchtenden Schönheit, wie er nie gewesen. +Ahnend standen die Völker vor den Werken der +Geweihten, denn solche Schönheit war nicht gesehen +worden. +</p> + +<p> +Und jubelnd noch einmal schwang der Sang +des Unbekannten sich auf, im schwindelnden Adlerflug +der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue +Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. +Die Farben steigen an in Tonleitern, Symphonieen +des Glanzes schwingen sich schwirrend, der trunkne +Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im tönenden +Reigengesang der Edelsteine. Zum schmetternden +Tedeum vereinen sich die Lichtspender. +</p> + +<p> +„Der erste Grund war ein Jaspis, der andre +ein Saphir, der dritte ein Chalcedonier, der vierte +ein Smaragd. +</p> + +<pb n='290'/><anchor id='Pgp290'/> + +<p> +„Der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein +Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein +Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein +Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwölfte +ein Amethyst. +</p> + +<p> +„Und die zwölf Thore waren zwölf Perlen und +ein jeglich Thor war von einer Perle; und die +Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend +Glas. +</p> + +<p> +„Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn +der Herr, der allmächtige Gott ist ihr Tempel und +das Lamm. +</p> + +<p> +„Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des +Mondes, dass sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit +Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das +Lamm. +</p> + +<p> +„Und die Heiden, die da selig werden, wandeln +in demselben Licht; und die Könige auf Erden +werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. +</p> + +<p> +„Und ihre Thore werden nicht verschlossen des +Tages, denn da wird keine Nacht sein.“ +</p> + +<p> +... Und es war ein Jüngling in einer Stadt +desselbigen Landes, der hatte die Schönheit gesucht +sein Leben lang. Denn er dachte richtig, +dass, wer die Wahrheit findet, der Schönheit nahe +<pb n='291'/><anchor id='Pgp291'/>ist und es keine andre Wahrheit giebt denn in +der Vollkommenheit der Schönheit. Erst hatte er +sie gesucht in der Schönheit des Gedankens. Dann +hatte er zu der Schönheit des Fleisches gebetet, +denn der lebendige Leib ist mehr denn der Schatten +und die Form höher denn das Wort; aber das +Alter und die Unvollkommenheit nehmen alle +Schönheit hinweg. +</p> + +<p> +Dieser kam zu Ihm, da Er auf einem sehr +hohen Berge war. Die ganze Nacht war er den +Berg hinaufgeklettert. Die Dornen hatten seine +Hände zerrissen, dass sie bluteten. Er war gestolpert +im Finstern. Die Steine hatten seine Kniee +zerschlagen, dass sie matt und wund geworden +waren unter ihm. Oft war er irre gegangen. +Lichter hatten ihn genarrt im Finstern. Im Nebel +tastete er sich vorwärts mit Händen und Füssen. +Seine Augen waren wie blind, dass er die Hand +nicht sah vor seinen Augen. +</p> + +<p> +Er sah nicht das Gesicht dessen, der vor ihm +<anchor id="corr291"/><corr sic="tand">stand</corr>. Aber er fiel vor ihm nieder und hob die +Hände hoch. Flehte ihn an und bat: „Lass mich +sehen die grosse Schönheit Deines Antlitzes und +sterben.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Ich will sie Dir zeigen. Aber +<pb n='292'/><anchor id='Pgp292'/>hüte Dich wohl, dass der Schrecken Dich nicht +niederstürzt vom Felsen. Denn meine Schönheit +ist schrecklich wie der Adler.“ +</p> + +<p> +Und er sah ein Unendliches, Furchtbares. Das +fuhr dahin über seinem Haupte. Kreisende Sterne +sassen in Seinen Lenden. Wolken bildeten den +Saum Seines Kleides. Seine Stimme glich dem +Donner und das Zucken Seiner Brauen war der +Blitz. Zugleich geschah ein Windesbrausen wie +von tausend Winden. +</p> + +<p> +Er fiel auf den Boden wie betäubt und der +Blitz fuhr über ihn hin. +</p> + +<p> +Danach hörte er Schalmeien. Die kamen sehr +lieblich und klingend aus goldner Ferne. Er sah +einen Jüngling ganz nackt in der jungen Herrlichkeit +seiner prangenden Glieder. Der Bogen +hing über seiner Schulter und die Leyer lehnte zu +seinen Füssen. Die Gesänge seiner Leyer waren +lockender wie Goldklingen. Wo er hintrat, blühten +Veilchen. Die wilden Thiere des Waldes kamen +angezogen von dem Wunder seiner Laute. – Aber +das Antlitz des Jünglings blieb marmorn. +</p> + +<p> +Danach sprach eine andre Stimme: „Kennst +Du mich?“ Er sah einen Mann am Kreuze +hängen. Sein Antlitz hing auf seine Brust und +<pb n='293'/><anchor id='Pgp293'/>seine Arme blieben ausgestreckt; denn die Schwere +seines Körpers war zu gross für seine Arme. +Dornen krönten seine Stirn. Das Blut troff von +den Dornenmalen. Es floss aus seiner geöffneten +Seite. Die Nägel gingen durch sein Fleisch und +die Stricke schnitten tiefe Wundenstriemen. Aber +der Mund blieb weit gezerrt. Der Mund schrie +in seiner Qual und rief: „Mich dürstet ...“ +</p> + +<p> +Seine Thränen tropften sehr schnell, er sprach: +„Herr! Ich kenne Dich. Du bist schön und der +Edelste unter den Geschaffnen. Aber ich habe eine +Schönheit geträumt, grösser denn Deine. Und ich +bitte Dich, dass Du mir zeigest Deine letzte +Schönheit.“ +</p> + +<p> +Aber der Mann am Kreuz schien zu lächeln. +Seine Wunden wurden Rosen und die Rosen fielen +im rothen, duftenden Regen. Die Dornen um +seine Stirn waren Strahlen, die aus seiner Stirn +brachen wie Sonnengluth. Vom Gold dieser Strahlen +wurde die Welt warm und tönend. – Aber die +Schlange war der Strick, der ringelnd niedersank. +</p> + +<p> +Und das Kreuz wurde der Baum, der Baum +des Lebens aus dem Paradiese. Und Er streckte +seine Hand aus und brach von ihm die Frucht +der Erkenntniss, die roth war vom Blut des Lebens, +<pb n='294'/><anchor id='Pgp294'/>in der Form des Apfels, der den Samen birgt. +Und Er reichte sie ihm hin und sprach: „Iss!“ +</p> + +<p> +Da fiel der hin wie sinnlos. +</p> + +<p> +Als man diesen aufhob, waren seine Augen +blind. Er sah niemals wieder und seine Haare +waren weiss geworden wie die eines sehr alten +Mannes. Aber er hatte die Dinge geschaut, die +unbeschreiblich sind, frohlockte in seinem Herzen +und pries jeden Tag Gott, bis an seinen Tod, der +bald kam. Denn er hatte in einer Stunde das +ganze Leben gesehen und allen Kreislauf des +Gewordnen. Und die Fibern und Hirne der Sterblichen +sind schwach. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='295'/><anchor id='Pgp295'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das sechzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Aber seine Feinde waren sehr thätig und +machten böses Geschrei wider ihn. +</p> + +<p> +Denn es war grosse Aufregung im Lande. +Die Hungrigen und Arbeitslosen thaten sich zusammen +auf den Landstrassen, zogen hin und her +und forderten Brot mit lauter Stimme. Es kam +auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man +Fabriken und Lagerräume verwüstete, Läden der +Bäcker und Fleischer plünderte. Wo man auf der +einen Seite die Empörung niedergeschlagen mit +Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die +Flammen wieder auf. +</p> + +<p> +Auch bestand eine Art Verbindung zwischen +den Arbeitern aller Länder, dass sie sich zusammenthun +und Gewalten umstürzen wollten. +Die Einen gaben Geldmittel für die Andern, die +<pb n='296'/><anchor id='Pgp296'/>feierten. Man vereinigte sich in Kongressen, +Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen +Ausstand. +</p> + +<p> +So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe +war im Lande, denn Viele auch der Gelehrten und +Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, +die Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz +allgemein machen sollte, Andre eine Verstaatlichung +der grossen Betriebe und Waarenhäuser. +Viele aber gar die ganze Theilung, wie +es die armen Leute auf ihr Programm geschrieben +hatten. Und waren bereit für ihr Theil anzufangen, +mitzugehen mit diesen. Es gab selbst Priester +der herrschenden Kirchen, die kühn ihren Mund +aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen +von Habsucht und Wollust. Die Armen aber +nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, dass +ihre Sache gerecht sei. +</p> + +<p> +So befand sich Alles in Unordnung. Einige +zogen hierhin, die Andern dorthin. Welche +sprachen: „Morgen wird die Befreiung kommen. +Sie wird kommen durch Waffengewalt, denn wir +sind Viele. Sie aber sind Wenige. So wir dazu +kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, +sind wir ihnen überlegen zehnfach +<pb n='297'/><anchor id='Pgp297'/>und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir +müssen nur einstehen Einer für den Andern und +unser Pulver trocken halten.“ +</p> + +<p> +Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass +sie zusammenhielten. Denn von den Führern +suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und +hin über die einzelnen Sätze. Die Rivalität der +Nationen machte sich geltend, auch eine Frage +der Geschlechter, da die Männer die Weiber nicht +wollten als voll gelten lassen, diese aber wiederum +sprechen und Herren sein wollten wie Jene. +</p> + +<p> +In den gelehrten Büchern und Blättern stritten +sie sich gleichfalls. Der Eine warf dem Andern +niedre Beweggründe und Tücken vor. Es waren +nicht Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es +wohl meinten, waren schwach und träumten. Die +Andern aber wühlten und zeigten sich sehr thätig. +</p> + +<p> +Das ganz rohe Volk drängte zu Thaten. Sie +sprachen: „Es ist besser wir sterben, als wir +tragen dies Leben länger, das schlimmer ist wie +der Tod, und setzen Kinder in die Welt, die Last +weiterzutragen mit gekrümmtem Nacken wie wir.“ +</p> + +<p> +Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. +Sie sprachen: „Lasst uns trinken! Wenn wir uns +Muth getrunken haben, wollen wir gehen und +<pb n='298'/><anchor id='Pgp298'/>todtschlagen!“ Und schlugen blindlings drauf los, +wen sie fanden. Die man ihrerseits schlug und +gefangen setzte wie wilde Raubthiere. +</p> + +<p> +Auch zu dem Fremden kamen Etliche von +Solchen. Sie sprachen: „Sei Du unser Führer! +Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter +Dir herziehen und Du sollst unser Fürst sein.“ +Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter entstellt +waren von Lastern. Der Geist des Branntweins +war in ihren Augen. Ihr Athem roch +schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. +Alle ihre Bewegungen waren obscön. Sie schrieen +nach Weibern und Trunk. So sie solche hatten, +nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht +anders waren sie denn Schweine. +</p> + +<p> +Und er antwortete ihnen kein Wort. +</p> + +<p> +Sie sprachen: „Du verachtest uns, weil wir +schmutzig sind und übel riechen. Sind wir +nicht ebenso gut und besser denn Jene, die +sich mit Seife und Salben waschen, süsse Weine +trinken?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Ihr seid nicht besser. Ihre Hände +sind gewaschen. Sie brauchen nicht rohe Worte. +Sie essen und trinken ihr Maass. Ihre Leidenschaften +sind in ihren Händen wie gute und +ge<pb n='299'/><anchor id='Pgp299'/>horsame Pferde. Sie wissen genug, um voraus +zu denken und rechnen zu können. Ihr Wissen +giebt ihnen die Grenze und Wirkung ihres Thuns. +Ihr seid ganz schlecht und ganz nutzlos.“ +</p> + +<p> +Dann sprachen Einige: „So bist Du also ein +Vornehmer und hältst es mit den Reichen und +Mächtigen?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Die Mächtigen und Reichen haben +andre Laster wie Ihr. Sie lügen, wo Ihr roh seid. +Wenn Ihr fresst, kitzeln sie ihre Gaumen mit +scharfen und unnatürlichen Sachen. Wo Ihr dem +Augenblick folgt, rechnen sie mit List und legen +Schlingen. Ein Armer sorgt nicht so um Leib +und Blut, lässt wohl sein Leben. Der Reiche +zittert für seine Güter. Nichts Lieberes ist ihm +als das Leben, dass er sich Aerzte sucht, es zu +verlängern, noch im Tode mit Denkmälern und +Bildsäulen sich ehrt, so er doch todt ist, nichts +wie Staub und Würmer. Der Arme ist weit ab vom +Reiche Gottes, weil er arm ist. Aber der Reiche +ist weiter entfernt.“ +</p> + +<p> +Sie sprachen: „Sage uns, was ist das Reich +Gottes?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Was Ihr Glück nennt, Frieden in +uns und ausserhalb.“ +</p> + +<pb n='300'/><anchor id='Pgp300'/> + +<p> +Sie sprachen: „Wer hat das Glück? Und wie +sagst Du, dass der Arme ihm näher ist als der +Reiche?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Der Reiche hat viele Bedürfnisse. +So er nicht sein festes Haus hat, Pferde und +Dienerschaft, ein köstliches Essen, wie mag er sich +freuen? Der Arme bedarf des Allen nicht. Der +unter freiem Himmel nächtigt, braucht kein Dach. +Der am Brot sich satt isst, bedarf des Fleisches +nicht. Wem Wasser genügt, was soll ihm der +Wein?“ +</p> + +<p> +Sie sprachen: „Das ist ganz thöricht. Wir +wollen Alle in Schlössern wohnen, Fleisch essen +und Wein trinken alle Tage.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Seht zu, wo Ihr es findet,“ wandte +sich von ihnen und sprach nicht mehr. +</p> + +<p> +Zu ihm kamen Andre, die sich klug dünkten, +sprachen: „Wir wissen sehr wohl, dass Du recht +hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des +Menschen. Mit ihm erfindet er, verbindet Meere +und Erdtheile. Sieh das System, das wir aufgebaut +haben, darin das Glück ist und Wohlleben +für Alle.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Der Stein ist geduldig. Er trägt +die Marke, die man ihm eingräbt. Wie wollt +<pb n='301'/><anchor id='Pgp301'/>Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die +Kräfte der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr +ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr Herr; weil er +ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, +den sie trägt. Kennst Du das Gesetz, das den +Knaben leitet zum rothen Mord oder die tugendsame +Jungfrau zur Buhlschaft?“ +</p> + +<p> +Sie sprachen: „Wir kennen es nicht.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es giebt kein Gesetz, das gut ist +für Alle. Aber das Gute ist in Allem. So Jeder +gut thut, ist Alles gut.“ +</p> + +<p> +Das verstanden sie nicht und sprachen: „Es +wird immer Schlechte geben.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „So lange es sie giebt, ist Nichts +gut.“ +</p> + +<p> +„So sollen wir gar nichts thun, die Hände in +den Schooss legen?“ fragten sie nun. +</p> + +<p> +Er sprach zu dem, der das sagte: „Thue Du +für Dich! Mächtiger denn viele Worte spricht +das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn +tausend Gleichnisse. Einer, der stirbt für sein +Leben, schafft zehnfaches Leben.“ +</p> + +<p> +Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie +murrten gegen ihn: „Das haben wir längst gewusst. +Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. +<pb n='302'/><anchor id='Pgp302'/>Es ist nichts gekommen aus ihr und hat sich nichts +geändert, seit die Sonne scheint.“ +</p> + +<p> +Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: +„O dass Ihr hasstet oder liebtet! Aber es ist nur +Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die +Sonne nicht vor so vielem künstlichen Licht. Rom +war besser und Babylon war edler. Im blutrothen +Blut müsst Ihr roth werden! Von den Flammen +Eurer Städte und Häuser werden in Euch Flammen +aufschlagen! O Ihr armseliges Geschlecht in Eurem +Reichthum! Würmer und Elende in all’ Eurer +Kunst!“ +</p> + +<p> +Da er weiterging, fand er einen sehr alten Mann. +Der sass vor seiner Hütte in der Abendsonne. +</p> + +<p> +Wie er vorbeiging, grüsste ihn der alte Mann. +</p> + +<p> +Er sprach: „Lass mich trinken und gieb mir +zu essen von Deinem Mahle.“ +</p> + +<p> +Da gab ihm der alte Mann frisches Wasser, +Brot und eine reife Frucht von den Fruchtbäumen, +die vor seiner Hütte wuchsen. +</p> + +<p> +Der alte Mann sprach: „Dies ist meine Nahrung +Winter und Sommer. Ich nehme niemals +andre. Fleisch und Blutiges kommt nicht über +meine Lippen. Und Frucht der Traube nicht, deren +Saft gegohren ist. Ich bin stark damit und +ge<pb n='303'/><anchor id='Pgp303'/>sund. Nichts fehlt mir. Ein Arzt hat meine +Hütte nicht betreten, seit ich diese Lebensweise +annahm. Winter und Sommer stehe ich zeitig auf. +Ich trage mein Holz selbst und reinige meine +Hütte. Meine Mahlzeit bereite ich mir mit meinen +Händen. Ein wollner Rock genügt mir, wenn es +kalt ist, und ein leinener für den Sommer. Wasser +reicht mir die Quelle vor meiner Hütte. Mit meinen +Händen habe ich diese Fruchtbäume gepflanzt, die +um mein Haus stehen. Mein Acker, den ich selbst +bestelle, giebt mir mein Brot. Meine Thiere sind +meine Freunde. Sie hören meine Stimme. Wenn +ich einsam bin, leisten sie mir Gesellschaft. Ihre +Nöthe sind meine Nöthe. Das Kalb, das geboren +wird, gehört mir, wie es zu seiner Mutter läuft. +Sie kennen keine Scheu und keine Furcht. Selbst +die wilden Thiere des Waldes kennen mich und +kommen zu meiner Hütte, wenn sie Futter suchen. +Die scheuen Vögel unter dem Himmel setzen sich +auf meine Hand, wenn ich sie ausstrecke, und erzählen +ihre unschuldigen Geschichten.“ +</p> + +<p> +Damit streckte er seine Hand aus. Kleine +Meislein und Rothkelchen, die hüpften und liefen, +kamen kecklich, flogen auf seinen Finger. Sie +pickten an seinen Lippen, als ob sie anfragen +<pb n='304'/><anchor id='Pgp304'/>wollten, setzten sich auf seine Schulter und klappten +mit den Flügeln. Rehe aus dem Walde traten +heraus ohne Scheu und nahmen ihr Futter aus +seiner Hand. Die furchtsamen Hasen machten friedliche +Männchen, putzten und überschlugen sich. +</p> + +<p> +„Alle sind meine Brüder,“ sagte der alte +Mann. „Meine Kinder, weil sie schwächer und +unkluger sind wie ich. Aber ihre Unklugheit ist +nur scheinbar. Sie wissen sehr gut, wie sie zu +leben haben, wo sie ihre Nahrung finden. Sie wissen +auch, dass noch etwas Andres ist wie hienieden; +nur sie <hi rend='gesperrt'>wissen</hi> es und sorgen nicht. Höre!“ +</p> + +<p> +Im Busch schlug die Nachtigall eine sehnende +Weise. So lieblich, so voll Klage und schmelzendem, +lockendem Zuruf! Das Reh sah ihn an mit +treuen, verständigen Augen. +</p> + +<p> +„Es ist nicht nur die Brunst, die sie lebendig +macht für die Fortsetzung dieses armen, kleinen, +lebendigen Lebens. Weil sie fühlen, dass sie in +einer Kette sind, Alle zum Lobe Gottes, den +sie preisen aus ihren kleinen Kehlen, mit dem +stummen Blühen ihrer Kelche, täglich. Das sind +die Unschuldigen der Natur. Ich liebe sie, obgleich +die Menschen sie verachten, sich klüger dünken in +ihrem Stolz, ihrer Geschäftigkeit.“ +</p> + +<pb n='305'/><anchor id='Pgp305'/> + +<p> +Er aber erstaunte sich, so viel Weisheit und +Demuth zu finden in einem alten Mann. Ein +wundersamer Mann war er, mit der grossen, +viereckigen Stirn, die das Denken ausgearbeitet +hatte wie einen Marmorblock. Sein Haar und +Bart war langgewachsen. Er sah aus wie ein +Bauer und war doch ein Herr. Ruhende Stärke +lag in ihm, der Blick, der über Viele sieht. Aber +er blieb milde. Seine Hand koste den Flaum des +Rehs, wo es weich ist unter dem Hals des Thiers. +</p> + +<p> +Er fuhr fort: „Früher war ich auch wie die +andern Menschen. Hochmüthig und geschäftig, +verzagt in meinem Thun, wenn es nicht ging wie +ich wollte. Geschäfte der Könige wollte ich thun +an Fürstenhöfen. Ich wollte weise sein wie ihre +Weisesten, lustig leben wie die Lustigen und Tollen. +Ich habe ihre Bücher gelesen. Ich habe Frauen +geküsst. Ich habe um Reichthum gesorgt und gerafft. +Alles ist eitel. Glücklich ist, der Niemandes +bedarf, und Alles zu geben hat den Andern. +</p> + +<p> +„... Ich habe ihre Künste getrieben. Mir gefiel +das schlanke Spiel der Wörter, dass sie sich +verwirrten und kreuzten wie blanke Schwerter – +auseinander sinken und zur Erde flattern, harmlose +Strohhalme. Farben liebte ich, die die Worte +<pb n='306'/><anchor id='Pgp306'/>lebendig machen wie von getrunknem Blut, Töne, +die rufen, die locken und befehlen, weinen machen +und lachen, wie es der Zauber verfügt, der sie +Alle regiert. – Ich berauschte mich selbst am +Wohlklang meiner Töne. Wollust war in der Farbe +meiner Bilder. Meine Worte waren klingelnd wie +Schlittenklang, tönende Erze und hallende Schellen. +– Alles ist eitel. <hi rend='gesperrt'>Eine</hi> Kunst giebt es zu thun, +was recht ist. Eine Farbe der Wahrheit. Einen +Ton, des Verlornen, den wir wiedergefunden.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Welches ist der Ton, den Du +wiedergefunden? Lass mich hören, dass ich weiss, +ob es der rechte ist.“ +</p> + +<p> +Der alte Mann sprach: „Vor langen Jahrhunderten +klang er am See. Am See, der zwischen +den Bergen liegt, Genezareth. Was da gesprochen +in himmlischen Tönen, durch die Zeiten und Alter +klingt es als Wahrsang. Wir zählen die Jahre. +Der Sang ging verloren in Schwertschlag und Goldklink. +In blinkenden Fabeln von Wissen und +Kunst. – Es giebt nur den. Niemals ward er +vollkommen.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Der Sang ist der rechte, den Du +gefunden. In ihm liegt Alles. Erfüllung und +Leben.“ +</p> + +<pb n='307'/><anchor id='Pgp307'/> + +<p> +„In ihm liegt Antwort, Weisheit und Einfalt. +Dreierlei seh’ ich die Zeiten zu deuten: Dass +Einige weigern Kriegsdienst zu thun, Verfolgung +erleiden, Gefängniss und Tod. Dass Viele erkannten, +ihr Wissen ist eitel im weiseren Wissen. +Dass Keuschheit wieder die oberste Tugend, die +Frauen erwachen, die stark sind und künden. – +Der bedarf nicht der Schätze, der die Perle gefunden. +Der Tod ist ihm Freund, der das Leben +erkannt. Ich sitze hier und warte des Todes. Des +Führers harr’ ich, der einführt zum Tage.“ +</p> + +<p> +So nahmen sie Abschied. Der alte Mann +sass ganz still auf der Bank vor seiner Hütte. +Um ihn liefen die Thiere, weideten, piepten. Er +sah in die rothe, sinkende Sonne. +</p> + +<p> +Die Sonne sank. +</p> +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='308'/><anchor id='Pgp308'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das siebzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Dies geschah, als eine Empörung kam im +Lande. +</p> + +<p> +Die Armen wollten nicht Hunger leiden und +arm sein mehr. Es gab eine grosse Anzahl der +Arbeitslosen auf allen Landstrassen, weil die +Zeiten schlecht waren. Man hatte eine solche +Fülle der Güter in den vergangenen Jahren auf +den Markt geworfen, dass Niemand mehr Waaren +kaufen wollte. Das Korn lag in den Speichern +und verdarb. Das Fleisch wurde zu theuren Preisen +verkauft, weil die Händler nicht wussten was zu +thun mit den Massen ihres Viehs, Einige riethen +es todtzuschlagen und zu vergraben. Während die +Armen Hunger litten. Sie zogen umher in grossen +Banden, Weiber und Kinder, müssig vom Morgen +bis zum Abend, denn sie sprachen: „Was nützt +<pb n='309'/><anchor id='Pgp309'/>es, so wir doch keine Arbeit finden. Lasst uns +essen und trinken und todtschlagen, denn morgen +sind wir todt.“ +</p> + +<p> +Gegen diese schickte man grosse Mengen Soldaten +und Militair. Sie vertilgten Viele von ihnen +und schlugen sie in blutigen Schlachten, dass das +Blut auf dem Strassenpflaster floss, die Köpfe der +Fallenden sich zerschlugen am harten Stein. Ihr +Gehirn stürzte aus den Schädeln gleich Wasser +aus festen Töpfen. Von Geschrei und Wehklagen +war die Luft erfüllt wie in einem Schlachthause. +</p> + +<p> +Es kam aber auch vor, dass welche von den +Soldaten ihre Helme und Röcke wegwarfen, zu den +Feinden übergingen, neben welchen sie kämpften +auf hohen Barrikaden, in engen Strassen, die man +versperrt hatte mit umgestürzten Wagen, Matratzen +und Möbelstücken aus den Häusern. +</p> + +<p> +Der Kampf wurde noch blutiger dadurch. Die +Andern machten Jagd auf ihre früheren Kameraden, +schlugen sie todt wie die Hunde. Es gab +keinen Pardon mehr auf beiden Seiten. Das Gemetzel +war furchtbar, dass alle Häuser gefüllt +waren mit Sterbenden und Verwundeten. Selbst +die Leichen verschonte man nicht, übte an ihnen +<pb n='310'/><anchor id='Pgp310'/>grausame Verstümmelung, dass viele zarte Frauen +und Mädchen den Verstand verloren vom Grauen +des Anblicks. Die Leute, die sich verloren sahen, +tödteten sich lieber selber, ehe sie sich dem Feind +übergaben in seiner Grausamkeit, der sie einschloss, +zusammenpackte in den Gefängnissen, getödtet zu +werden oder gerichtet zum Leben, wie es der Richter +recht befand. Es waren junge Leute unter ihnen +von achtzehn und zwanzig Jahren, denen der Tod +lieblich und glorreich dünkte gegen Zuchthausarbeit +und Ketten. +</p> + +<p> +Solches kam auch vor den König und verdross +ihn sehr in seinem Herzen, bekümmerte ihn, dass +er keine Ruhe fand, oft nicht schlafen konnte in +der Nacht. +</p> + +<p> +So liess er sich den grossen Prediger der +Socialisten holen, den er noch immer im Gefängniss +hielt. Denn wiewohl keine Ursache gegen +ihn vorlag, wollte man ihn doch nicht freilassen. +Seine Name ward geschrieen auf den Strassen. +Viele behaupteten, dass geheime Verbindung bestand +zwischen ihm im Gefängniss und seinen +Anhängern ausserhalb. Diese forderten laut, dass +man ihm den Process machte, ein Exempel statuirte +zur Abschreckung der Andern, weil er +wohl<pb n='311'/><anchor id='Pgp311'/>bekannt war, sein Name als eine Fahne diente, +der sie Alle folgten. +</p> + +<p> +Dieser sprach unerschrocken vor dem König. +„Es ist Deine Schuld so gut wie dieser, wenn +sie jetzt blutgierige Thiere sind. Ihr habt sie gehalten +als Thiere in Unwissenheit und Rohheit.“ +</p> + +<p> +Der König sprach: „Ich will ihnen ja geben. +Aber ich kann ihnen nicht Alles geben.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es ist viel wichtiger, dass Du +giebst, denn was sie nehmen. So lange Einer +hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner +hat, sich sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle +zufrieden. Ausserdem dass es Deiner eignen +Seele gut ist.“ +</p> + +<p> +Davon wollte er nichts hören, schickte ihn +immer und immer wieder weg. Aber wenn seine +Bekümmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig +in ihm, schickte er von Neuem und liess ihn +holen. Und wollte nichts hören, wenn seine Räthe +drängten, sie sprachen: „Wir haben den Beweis +und den. Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein +Hochverräther.“ +</p> + +<p> +So dass ein Gerede ging im ganzen Land: +„Der Drechslergeselle ist mehr denn unser König. +Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat.“ +</p> + +<pb n='312'/><anchor id='Pgp312'/> + +<p> +Sie verbreiteten dies Gerücht mit Fleiss bis zu +den fremden Königen, dass diese Briefe schrieben, +sich darüber bewegten. Alle sagten: „Er hat keine +Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in +die Hände dieses Aufrührers gegeben, der ihn am +Narrenseil führt, eine Herrschaft der Bettler errichtet +über seinem Thron.“ +</p> + +<p> +Seine Räthe beeilten sich, dieses Gerede wieder +vor den Fürsten zu bringen, denn sie wussten, +dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste +wie glühendes Eisen. Er hielt viel auf seine +Würde, die er von seinen Vätern ererbt hatte, +und war noch ein junger Fürst, solchen Tand der +Majestät gewohnt von Jugend auf. +</p> + +<p> +Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten +seine Schuhsohlen, während sie ihm grobe Schmeicheleien +sagten. „Dein Angesicht ist strahlender +wie die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss +sterben und <anchor id="corr312"/><corr sic="verkümmern.">verkümmern.“</corr> Sie priesen seine Weisheit, +die grösser sei denn die aller Gelehrten und +Weisesten im Land. Aber seine Macht war grösser +als aller Könige ringsum. So er nur wollte, war er +der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde +blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren +würde ihm folgen auf allen seinen Fahrten. +</p> + +<pb n='313'/><anchor id='Pgp313'/> + +<p> +Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich +den Reformator zu verringern: „Wer ist dieser +Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, +der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. +Wie wagt er zu Dir zu sprechen, den Gott +selbst gesalbt hat! Könige sind gewesen von Anbeginn +der Zeiten. Wer wird die Macht haben, +wenn Du sie nicht hältst? Vielschwätzer, armselige, +kleine Krämer und Pillendreher? Man +denkt, dass Du ihn fürchtest. Der Aufruhr zieht +neues Blut aus seiner Gegenwart, weil Keiner +denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein +Schweigen Recht giebt. Du selbst bist erschüttert +in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein heiliges +Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, +der Höchste der Sterblichen, ihnen zu Dienst und +Anbetung gesetzt von oben.“ +</p> + +<p> +So peinigten sie die Seele des Fürsten, beugten +sich in den Staub, gaben grosse Feste. Böller +donnerten, Fahnen wehten. Man brachte köstliche +Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in +glänzenden Uniformen mit blinkenden Waffen defilirten. +Das Zucken seiner Wimpern war für +sie Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt +Tausende. +</p> + +<pb n='314'/><anchor id='Pgp314'/> + +<p> +So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: +„Es ist Alles zum Besten eingerichtet. Da sieh +doch! Und höre den Jubel meines Volkes bei +meinem Einzug.“ +</p> + +<p> +Der Gefangene aber blieb fest. „Es ist nicht +gut. Von Dir wird gefordert werden Gut und +Böse.“ +</p> + +<p> +Dass sie sich nicht einigen konnten, der König +ihn wegschickte im Aerger. +</p> + +<p> +Diesem stiess ein ganz seltsames Begebniss zu. +</p> + +<p> +Als er nach seinem Jugendfreund Johannes +fragte, der sein bester Geselle gewesen war, Rathgeber +in allen Dingen, – und er hatte keinen +lieberen Freund wie ihn oder einen, der gerechter +war und weiser, – sagte man ihm, dass dieser +sein Haus nicht verlassen habe, hielt sich eingeschlossen +in seinem Hause und antwortete Niemandem, +nicht seinen Eltern, die ihn mit Thränen +beschworen, noch seinen Freunden, die um ihn +sorgten, auch nicht den Vorgesetzten, die ihn zu +den Pflichten seines Amtes ermahnten. So dass +Jedermann anfing an seinem Verstand zu zweifeln, +die seltsamsten Gerüchte über ihn umgingen in +der Stadt. Nur eine schlechte, wilde Katze hätte +er mit sich gebracht aus dem Walde. Er gab ihr +<pb n='315'/><anchor id='Pgp315'/>zu essen und beobachtete sie lange auf ihren +Raubgängen. Des Abends kam sie sehr nahe +zum Feuer und schlief da zusammengerollt mit +eingezogenen Krallen, während er wachend dachte, +das Oel nicht ausgehen liess Tag und Nacht. Ganz +verwildert war er in seinem Aeussern, mit langhängendem +Bart und Haaren, dass alle seine +Freunde anfingen, an eine Verwirrtheit zu glauben, +grosse und berühmte Aerzte herbeizogen aus +der Stadt und Gegend. Sie stellten ihm viele +Fragen, betasteten seinen Puls und die Zunge. +Aber er antwortete ihnen gar nichts. Sie konnten +kein Zeichen einer Krankheit an ihm finden. +</p> + +<p> +Es war ein junges Mädchen in der Stadt, die +Tochter eines angesehenen und gräflichen Hauses, +wohl angeschrieben bei Hofe. Diese hatte schon +lange im Geheimen eine Zuneigung zu dem jungen +Prediger, wie kindliche, unschuldige Mädchen fühlen, +ohne davon zu sprechen oder gar demjenigen ein +Zeichen zu geben. Nur fehlte sie niemals in seiner +Kirche, jedes kleine Geschenk oder zufällig von +seiner Hand Berührte hob sie sorgfältig auf. Traf +sie ihn unversehens, stieg sofort die hohe Röthe +der Scham ihr in die Stirn, denn sie schämte sich +ihrer Sehnsucht nach dem Mann, in der Keuschheit +<pb n='316'/><anchor id='Pgp316'/>ihres Leibes, während ihre Liebe doch zugleich +ihr höchste Freude und Seligkeit war, also trefflich +erschien er, wohlgelobt und hochgehalten vor +allen Menschen. Und war nicht, der an ihm rühren +konnte, weder die Frechen, noch die Lügner. +</p> + +<p> +So liebte sie allein im Garten sich zu ergehen, +oder in ihrer Stube lange zu sitzen mit dem +offnen Fenster im Frühling. Sonst war sie sanft +und freundlich zu Jedermann, ein sehr liebliches, +junges Mädchen, obgleich zart, zierlich gebildet +wie eine Maiblume, mit zu schweren blonden +Haaren, einer weissen Haut, unter der man die +blauen Adern sah. Ihre Eltern, ob sie gleich ihre +geheime Zuneigung ahnten, sagten sie ihr doch +nichts. Weil sie so jung war, wollten sie sie +nicht erschrecken, indem sie an die Geheimnisse +des Geschlechts in ihr <anchor id="corr316"/><corr sic="rührten,">rührten.</corr> Vielleicht hofften +sie auch, dass später sich finden würde, was noch +fern war und Zeit hatte. Selbst die alten Eltern +des von ihr Verehrten wollten ihr sehr wohl, empfingen +sie oft und seine Mutter liess sie an ihrer +Seite sitzen. Denn sie war ein sehr anmuthiges und +feines Kind, lind und kosend wie ein früher Lenzmorgen +unter Aprilschauern. +</p> + +<p> +Diese Jungfrau, als sie von der Krankheit ihres +<pb n='317'/><anchor id='Pgp317'/>Geliebten hörte, dass Niemand zu ihm sprechen +könnte, er allein sass mit der hässlichen Katze, +machte sie sich allein auf, ohne irgend einem +Menschen etwas zu sagen. Sie zog ihr weisses +Kleid an, das ihr ihre Eltern geschenkt hatten zu +dem ersten grossen Fest am Hofe, band ihre +Haare auf, machte sich zurecht also hübsch und +zierlich, als sie vermochte in ihrer Jugend und +Unschuld, und ging zu ihrem Johannes hinauf in +die Kammer, wo er sass und brütete. Und die +Katze hockte neben ihm am Feuer, blinzelte mit +grünlichen Augen, putzte sich zierlich und schlug +mit den Pfoten in die Luft nach Fliegen. So satt +war sie geworden von all’ der Milch und dem +guten Fressen, dass ihr Körper rund erschien wie +ein Ball. Er selbst war ganz eingefallen. Seine +Backen zeigten tiefe Löcher wie die eines Todtkranken. +Er starrte aus hohlen Augen und rieb +die mageren Finger hin und her, eine Hand über +der andern. +</p> + +<p> +So erschien vor ihm die Jungfrau in all’ ihrer +Scham und Lieblichkeit. Aber er sah sie gar +nicht, fuhr fort zu starren und die Finger gegeneinander +zu reiben. +</p> + +<p> +Sprach sie zu ihm: „Lieber Herr! Was fehlt +<pb n='318'/><anchor id='Pgp318'/>Euch? Alle Eure Freunde sind in Sorge. Eure +Eltern weinen. Vielen ist es ein grosses Kümmerniss, +Euch also schwerkrank und schweigsam zu +wissen.“ +</p> + +<p> +Darauf sah er sie wirklich an, aber immer +noch ohne sie zu sehen, gleichsam als schaute er +durch sie hindurch, da, wo sie war, blieb nichts. +„Bist Du eine Katze?“ sagte er zu ihr. „Gehst +Du des Nachts auf Raub aus, wenn es dämmrig +ist? Hast Du Junge, die Du säugst mit Deinem +Blute?“ +</p> + +<p> +Solche Rede erschreckte sie. Sie konnte nicht +anders glauben, als dass es der Wahnsinn sei, +der aus ihm redete. So kamen ihr die Thränen +in die Augen. Sie sprach mit thränenvoller +Stimme: „Lieber Herr! Wollt doch zu Euch +kommen und Euch bedenken. Ich bin die Jungfrau +Ottilia, die Ihr wohl kennt. Ich bin hierhergekommen, +weil mich die Sorge um Euch trieb +und ich Sehnsucht zu Euch getragen lange unter +meinem Herzen.“ +</p> + +<p> +Denn jetzt in seiner schweren Krankheit dachte +sie, dass es wohl Zeit sein müsste, ihr Geheimniss +preiszugeben. Sie wollte ihn aufrütteln. Sie fühlte, +dass es für sein Leben wichtig war, wenn er sprach. +</p> + +<pb n='319'/><anchor id='Pgp319'/> + +<p> +Er aber sprach: „Sehnsucht ist nichts. Auch +Nachtwachen ist nicht viel, Fasten und Hungerleiden. +Ich sehne, sehne mich ...“ +</p> + +<p> +So kam sie noch näher an ihn heran, nahm +ihn in ihre Arme. Denn ob sie gleich ein Kind +war und noch sehr jung, fühlte sie doch in ihrer +grossen, reifen Liebe, dass sie ihn retten musste, +aus diesem ein Ende gefunden würde um jeden +Preis. Und nahm seine Hand. Aber seine Hand +war kalt wie Eis. Sie küsste seine Lippen. Diese +Lippen waren trocken und ohne Athem, fast wie +die eines Sterbenden. +</p> + +<p> +„Sehnt Ihr Euch nach Liebe,“ sprach die Jungfrau, +„so will ich sie Euch geben, warm und geduldig, +wie ein Weib zu geben vermag. Folgt +mir nach draussen, Lieber! Seht, die Sonne scheint +und die Vögel singen freundlich dem wärmenden +Licht.“ +</p> + +<p> +Damit zog sie den Vorhang vom Fenster, dass +die Sonne warm hereinschien. Denn die Fenster +waren verschlossen und verhangen gewesen die +ganze Zeit, und schwere, eiskalte Luft wie die +des Grabes im Zimmer. +</p> + +<p> +Er fuhr mit der Hand über die Stirn: „Liebe +– Liebe ...“ sagte er. „Das ist Liebe einer +<pb n='320'/><anchor id='Pgp320'/>Stunde, Wärme des Lenztags. Ich möchte die +Sonne selbst sehen. – Ich habe Sehnsucht nach +dem Tode.“ +</p> + +<p> +„Der Tod kommt,“ sprach sie freundlich und +ohne Zürnen, obgleich ihr Herz aufschwoll, ihr +weh war zum Sterben. „Aber erst ist das Leben. +Seht, lieber Herr! Alle Knösplein strecken ihre +zarten Blätter. Alle leben und athmen.“ +</p> + +<p> +Sie nahm ihn noch fester in ihre Arme und +legte seinen Kopf auf ihr Herz, dass er ihr Herz +athmen fühlte, die Wärme ihres Busens ihn umfing. +„Du lebst jetzt,“ sagte er langsam. „Aber +Du wirst todt sein. Würmer werden in Dir +wachsen, Du stinkst ...“ Er schleuderte seine +Hände fort, als ob er Würmer von ihnen abschlenkerte. +Seine Nüstern zogen sich zusammen +im Ekel. +</p> + +<p> +Dieses junge Kind in ihrer Einfalt und grossen +Liebe schrak nicht zurück: „Ich werde auch mit +Euch sterben,“ sagte sie, „aber später. Es ist +noch lange hin. Dann giebt es ein ewiges Leben. +Wir werden vereint sein. Alles Fragen, alle Sehnsucht +hört auf im Himmel.“ +</p> + +<p> +Diese einfachen Worte machten einen schrecklichen +Eindruck auf den Kranken. Er sprang +<pb n='321'/><anchor id='Pgp321'/>plötzlich auf, fasste ihre beiden Hände in den +Gelenken, drückte sie zusammen wie in eisernen +Ringen und schrie: „Das ist nicht wahr. Es giebt +keinen Himmel, es giebt keinen Gott und keinen +Teufel. Es giebt nur Aas und Maden. Diese +Maden sind wir. Ekelhafte, stinkende Maden!“ +</p> + +<p> +Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu +reissen, roh zu lachen, hässliche, unfläthige Worte +auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig und +wohlgebildet früher. Aber die Schwere der Geheimnisse +war zu viel gewesen. Im Rathen über +ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war +jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und +fletschte die Zähne. +</p> + +<p> +Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, +war es zuviel für ihr zärtliches und noch so +kindliches Herz. Sie fühlte wie einen grossen +Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken +ging, ihr Besinnen und Wollen. Sie fiel +ohnmächtig hin. +</p> + +<p> +Dann stürzte er sich auf sie. Er riss sie an +den Haaren. Er zerriss ihre Kleider, zerfleischte +ihr Gesicht mit den Nägeln, trat und beleidigte +sie. „Ihr – Ihr seid der Fluch der Welt,“ stiess +er hervor. „Ihr habt uns zu Grunde gerichtet. +<pb n='322'/><anchor id='Pgp322'/>Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den +Apfel gegessen und nur zur Hälfte? Warum +macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? +Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! +Wir sind Götter. Wir sind reine Geister. Die +Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth +verkehrt. Ich habe die andre Hälfte wiedergefunden, +die, die Ihr selbst verzehrt habt. Ich +bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin +Gott! Gott! Gott!“ ... +</p> + +<p> +Die Katze mit gesträubten Haaren, auf dem +Kaminsims hockend, sah zu. Ihre Augen funkelten +bösartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. +Als er die Halbgestorbne zurückstiess, sprang sie +ihr an die Kehle und biss sie todt. +</p> + +<p> +Die Andern fanden diesen jungen Mann, der +das todte Kind über seinen Knieen hielt. Er hatte +ihr die Haare wohlgeordnet und Frühlingsblüthen +hineingestreut. Ihr weisses Kleid war über sie +gebreitet wie ein Leintuch. Aus der rothen Halswunde +troff das Blut. +</p> + +<p> +Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte +sie putzend. +</p> + +<p> +„So viel Schönheit,“ sagte er, „so viel Unschuld +und Güte. Das ist nun Alles dahin – dahin.“ +</p> + +<pb n='323'/><anchor id='Pgp323'/> + +<p> +Und weinte über die junge, süsse Maid, nahm +ihre Hände, küsste sie. Und küsste ihre weissen, +kleinen Füsschen in den seidnen Schuhen, die sie +angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem +kindlichem Herzen: Vielleicht, dass dieses mein +Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des +schrecklichsten Todes. +</p> + +<p> +Dann seufzte er sehr tief, sagte: „So vergehen +die Blumen. O süsse Blume! Blume der +Unschuld, der Güte und des Verzeihens! Sie hätte +liebliche, kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel hätten +sie gesegnet. Keinem hast Du je Unrecht gethan. +Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich +bestürzt. Kein Anblick der Hässlichkeit Deinen +Sonnenweg gekreuzt. Weint nicht um sie, denn +ihr ist wohl. Warum weint Ihr?“ +</p> + +<p> +Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank +in tiefes Brüten. Da Etliche die Katze todtgeschlagen +hatten, nahm er den Balg auf, streichelte +ihr zerrüttetes Fell und bettete sie neben +die Jungfrau. Die Hand der Jungfrau lag auf +dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, +Eine wie die Andre, von zierlichen Gliedern, weich +anzusehen und zärtlich in ihrer Geberde. +</p> + +<p> +Dies that er. Niemand konnte ihn hindern. +<pb n='324'/><anchor id='Pgp324'/>Denn es war etwas Besondres in seinem Wesen, +weit weg, als ob er erhaben wäre über alles Lob +oder Anschuldigung der Welt. Und that, was er +wollte. Denn es war Niemand, der ihm zuwider +sein konnte, oder erklären mochte, warum er so that. +</p> + +<p> +Etliche forderten, dass er vor Gericht gestellt +würde um des Todes willen der Jungfrau. Ihre +Eltern waren reiche Leute, wohlangesehen bei +Hofe. Andre sagten, er sei nicht richtig in seinem +Gemüth, das viele Lernen habe ihn verwirrt. Diese +hatten wohl recht. +</p> + +<p> +Da nun aber auch Etliche der Jungfrau nachsagten, +dass sie mit Recht zu Schaden gekommen +sei, weil sie zu einem Manne gegangen um die +einsame Stunde, wurden sie bestraft. Denn wie +man den Staub auf ihr Grab warf, darin sie begraben +war mit der Katze, blühten daraus Lilien +auf. Also dass das ganze Grab ein Liliengarten +war. Die Lilien wuchsen ohne Unterschied über +der Jungfrau und über der Katze. Und war grosses +Wunder vor allem Volk. +</p> + +<p> +Er schwieg zu <anchor id="corr324"/><corr sic="Alllem">Allem</corr>. Da er vom Kirchhof +zurückkam, legte er sein Kleid nicht ab und zog +seine Schuhe nicht aus. Aber er setzte sich an’s +Fenster und sah in die Nacht. +</p> + +<pb n='325'/><anchor id='Pgp325'/> + +<p> +So sass er viele Tage. Alle, die ihn mit +Thränen beschworen, seine Eltern, die klagten, +die Freunde, die ihn lieb hatten, die Richter, die +ihn ausfragten, das Volk, das gegen ihn lärmte, +sah er gar nicht. Er nahm nicht Speise und +Trank, sah in die Nacht gen Osten gerichtet und +wartete auf den Morgen. +</p> + +<p> +Zu diesem, da er noch in diesem Zustand +war, kam der Fürst, weil er sein Freund gewesen +und der Vertraute seiner Jugend, der ihm guten +Rath gegeben in allen Dingen. Sein Wort stand +fest wie ein Fels. Und es war eine Regel der +Gerechtigkeit, gerecht zu sein wie Johannes. +</p> + +<p> +Der Fürst, da er ihn so bleich sah mit grossen, +unirdischen, blauen Augen, erschrak er wie alle +die Andern, sprach zu ihm: „Warum sitzt Du +und schaust in die Nacht? Denn es ist Nacht +draussen.“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es ist wohl Nacht jetzt. Aber der +Morgen kommt. Ich warte auf die Sonne.“ +</p> + +<p> +Und wandte seine Augen wieder gen Osten, +sass und wartete. +</p> + +<p> +Dann veränderte sich sein Benehmen. Er +wurde eilfertig, thätig, voller Freude, scheerte sich +und legte ordentliche Kleidung an. Seinen Dienern +<pb n='326'/><anchor id='Pgp326'/>gab er gute Vermahnung, dankte ihnen für Alles, +was sie ihm gethan hatten. Als seine alten Eltern +kamen, tröstete er sie mit freundlichen und sonderlichen +Worten: „Seid froh, liebe Eltern, denn es +ist bald Zeit für uns Alle, vereint zu sein. Ich +habe Eure weissen Haare lieb, Eure Thränen sind +mir Lindigkeit,“ küsste ihre Hände. Einen jungen +Bruder der Jungfrau, fast ein Knabe noch, den +er oft geliebkost, befahl er ihnen als Sohn, +segnete diesen und liess ihn nicht von seiner +Seite. +</p> + +<p> +Es war aber schon die siebente Nacht. Danach +als die Sonne aufging, that er einen lauten +Schrei: „Die Sonne! Die Sonne!“ ... fiel hin +und war todt. +</p> + +<p> +Dies verbreitete grossen Schrecken über Alle, +die es mit angesehen hatten. Der Fürst blieb +sehr bedrückt in seinem Gemüth, wurde nicht +froh, griff Dieses auf und Jenes, liess es wieder +fallen in der wandernden Unruhe seiner Gedanken. +</p> + +<p> +Es war aber sehr schwül im Gemach, unleidlich, +vom sengenden Brand der Sommersonne. +Seit Wochen prallte die Sonne. Man konnte keine +Frische finden, weder auf der Terrasse, noch in +<pb n='327'/><anchor id='Pgp327'/>den Gärten. Die ganze Luft schien mit Feuer gesättigt +und verschlang sich schwer wie stagnirendes +Wasser, das Uebelkeit hervorruft, eine Umwendung +im Magen. Jeden Abend sah man am +Horizont Feuerspiele, vom Licht, das niemals ganz +unterging, weil es in den Ausströmungen der +Erde selbst war, der lagernden Hitze, die nie ein +Regen erfrischte. +</p> + +<p> +Man sprach von einem Brand der Welt. Hass +und Aufruhr schlugen sehr hohe Wogen. Die +sengende Hitze blies in’s Hirn der Menge wahnwitzige +Gedanken von Tod und Orgie. Sie sprachen: +„Lasst uns sterben und saufen.“ +</p> + +<p> +Auf seinem purpurnen Lager ruhte der König. +Aber er wälzte sich rastlos, die Kissen aufwerfend +und niederdrückend. Seine Finger stachen in weichen +Atlas. Seine Augenhöhlen schienen verbrannt von +der Hitze, der Schlaflosigkeit langer Nächte, die +seine Lider mit Braun gemalt hätte, dass die +Pupillen wie Kohlenfunken glühten in einem Haufen +von Asche. Von den aufgesprungnen, gedörrten +Lippen hauchte Glutathem. Das innere Zittern +schlug und schüttelte ihn wie eine ferne, aufreizende +Musik. Er hatte Fieber und der kühlende Trank +des Arztes gab keine Labe. +</p> + +<pb n='328'/><anchor id='Pgp328'/> + +<p> +Durch die weiten Hallen des Palastes trieb das +ruhelose Fieber den jungen Fürsten. +</p> + +<p> +Alle Wände waren mit wundervollen Fresken +und Gobelins verziert, Grossthaten seines Hauses, +Schlachten, Krönungen, Staatsakte. Auf feurigen, +sich bäumenden Schlachtrossen stiegen junge Helden, +lockenumwallte, im flatternden Helmbusch. Das +ausgestreckte Schwert deutete nach vorne. Der +Brustpanzer gleisste. Unter den Hufen wand sich +formlos, ein Gequältes, Bezwungnes, der Drache, +der Lindwurm der Unordnung, der Feind. Andre +waren ernsthafter. Sie standen gerade, hierarchisch, +die Mäntel flossen in weiten priesterlichen Falten. +Eine Hand hielt den Apfel, das Sinnbild der Gewalt, +die andre den Stab. Ueber der Stirn gleisste +mystisch der Goldreif. Das waren die Sagenhaften, +die grossen Gründer, die Könige, Hirten, Väter +der Geschlechter. Sie hüteten und herrschten. – +Es gab ganz geharnischte unter ihnen, schwarz in +schwarzen Rüstungen, wo das Gesicht klein, vogelartig +schien unter dem Eisen der Sturmhaube. Ihre +Nasen bogen sich wie Raubthierschnäbel. In der +schweifenden Linie des Bartes wohnte die Grausamkeit. +Sie hielten das Schwert in eiserner Faust. +Der Fuss im Stahlschuh trat auf graslose Wüste. +<pb n='329'/><anchor id='Pgp329'/>Einige beteten. Ganz junge Knaben waren, denen +die schweren Gewänder zu schwer erschienen, zu +weit der gezackte Goldreif über zarten, bläulich +geäderten Stirnen. Sie verblühten in kaum erschlossner +Knospe. Melancholische schauten mit +Schatten des Wahnsinns in erschrocknen Augen. +Heuchlerische mit tückischem Fuchsunterbau des +Gesichts. Das Scapulier hing an ihrer Hüfte. – +Die Carreaus der Gemälde zeigten kleine Pläne +der Städte, Festungsbauten in Miniatur. Fröhliche +Könige trugen zierliche, gestickte Hoftracht. Der +Falke auf der Faust zeigte den Jäger, das lächelnde +Auge den Freund der Damen. Und Kolosse folgten: +Wandelnde Fleischmassen, doppelte und dreifache +Kinne, bartlose, saftige Lippen der Wollüstlinge, +kleine, feuchte, in Fett vergrabne Augen, das +Ganze mit Gold, Purpurstickerei überladen, unter +enormen Perrücken, die sie grotesk und übermenschlich +machten. – Alles das wurde blasser. +Ein Gedanke war hineingekommen, eine gewisse +Traurigkeit, Schrecken bei Einigen, Resignation der +Andern, unter der gegebenen Maske, derselben +Decoration von Gold, Kronen, Löwen, Hermelinfalten, +– der Mensch, etwas Einzelnes, Abgelöstes, +Persönliches. <hi rend='gesperrt'>Der</hi> war gestorben in der +<pb n='330'/><anchor id='Pgp330'/>Verachtung der Menschen, nachdem er sie gegeisselt +und gegängelt hatte. Dieser hatte die +Verbannung gekannt, das Unglück, den Verrath, +die Demüthigung. Jener Junggestorbne wollte +und konnte nicht. Sein Nachfolger hatte gewogen +und klug gerechnet. Unter der gesuchten Bonhomie, +dem fast gemüthlichen Lächeln, lauerte der +Tigerzug. – Sie hatten gewusst und durften nicht +sagen. Einige hatten sagen gewollt. Aber sie +waren todt. Sie waren traurig und unglücklich. – +Ueber die ging man schnell hinweg, wie über +Kranke, deren Krankheit gefährlich ist und anstecken +könnte. +</p> + +<p> +Er war der Letzte. Er war ein Ende ihrer +Rasse. Sie betrachteten ihn Alle: Die herrischen +Augen, die ruhigen, satten, die anklagenden, +flackernden ... Zehn Jahrhunderte! Er war da. +Alle diese Jahrhunderte waren in seinem Blut, +ein Stück von ihm. Es war sein Leben, was er +schon vorher gelebt hatte. Es erschien ihm furchtbar +auf einmal – ein so langes Leben! – +eine Kette, eine erstickende Last, drückende +Schwere ... +</p> + +<p> +Eine goldne Sonne war im Plafond des Saals +gemalt. Sie schickte ihre Strahlen nach allen Seiten. +<pb n='331'/><anchor id='Pgp331'/>Kreisrund war diese Sonne, ohne Schatten, und ihre +Strahlen standen gerade wie geschliffne Schwerter. +Goldne Leisten liefen am Gesims entlang. In unnatürlicher, +üppiger Fülle drängten sich Beeren, +Früchte, Blumen, die Ecken hielten Adler, Greifen +und Wappenschilder mit anspringenden Löwen. +An den Fenstern fielen senkrechte Purpurdraperieen. +Sie fielen in runden, tiefen Falten einer +Tuba. Dunkler, lichtlos erschien der Sammet in +den Wölbungen, tiefroth glühend in den Schatten +zwischen den Falten. Wie Priestermäntel fielen sie, +rothe Güsse von Blut, gleichmässig ausgegossen +in immerwährendem strömenden Fliessen. Alles +Gold, zurückgeworfen im Glanz von hundert Spiegeln, +ertränkte sich im Purpur, ohne ihn zu erwärmen, +der alles Licht verschlang, dunkler wurde, +satt, brutal, sich triumphirend breitete, ein Vampyr, +der Oger der Farben. +</p> + +<p> +Und er sah eine Jungfrau, wunderbarer denn +sterbliche Weiber, und über die Grösse der Frauen. +</p> + +<p> +Ganz von Gold erschien diese Jungfrau, leuchtender +wie die leuchtende Sonne. Das Gold +schmiegte sich um ihre Schenkel in schmalen gehämmerten +Ringen von seltner Feinheit. Es umschloss +ihre Arme wie in einem Handschuh. Die +<pb n='332'/><anchor id='Pgp332'/>Spitzen der Finger waren von dunklerem Golde +wie in Goldstaub gepudert. Es schuppte sich über +ihrem Leib in gleissender Schuppenbräune. Aber +ihre Brüste waren aus reinem, geschmiedetem Gold, +aufrechtstehend mit geschliffnen Spitzen wie Schwerter. +Sie trug einen goldnen Helm auf dem Haupte. +Der war geformt mit überragender Spitze wie ein +Helm der Pallas, aufrechtgestellter Fittich eines +Adlers. Er stieg sehr tief in die Stirn. Die Stirn +war gebunden mit einer purpurnen Binde. Purpurstreifen +fielen nieder von ihrer Schulter und hingen +nieder zu ihren Beinen wie Lazzis, Striemen geschnittnen +Leders, die benäht waren mit Edelsteinen +in Streifen und Kreisen. Bei jeder Bewegung +funkelten und blitzten die Steine, dass +man nicht hinsehen konnte, die Augen geblendet +bluteten vom sprühenden Glanz der Steine. Sie +trug in ihrer Hand zwei stählerne Schwerter. +Schellen waren an ihren Gelenken befestigt, die +klirrten und klangen. Der Arm reckte sich frei +aus den Purpurstreifen der Schulter. Wenn sie +ihn bewegte, klatschten und fielen die purpurnen +Streifen wie Peitschenbänder. Die Schwerter +kreuzten sich in der Luft über ihrem Haupte und +beschrieben Kreise, und fielen herunter. +</p> + +<pb n='333'/><anchor id='Pgp333'/> + +<p> +Die Haare dieser Jungfrau waren schwarz mit +stählernem Glanz wie des Rabenfittichs, roth vom +aufsteigenden Gleisch der Flammen. Ihre Augen +waren grün wie Smaragden im Ring schwarzer +Diamanten, die purpurne Lichter schossen, dass +ihr Glanz unerträglich war für den, der hineinsehen +wollte, der Blick gebannt sass in ihnen, +hängen blieb wie die Motte in der Flamme. Aber +ihr Mund war Blut. Die Röthe ihrer Lippen war +röther denn die vom Blute, als ob sie Blut getrunken +hätten, unersättlich gierig, frisches Blut +jeden Tages. Ihre Zähne waren Raubthierzähne, +spitz mit geschliffnen Spitzen. Zähne, die bissen +in Fleisch, das blutete. Dieses Blut tranken ihre +tödtlichen Lippen. +</p> + +<p> +Und er wusste, dass diese Jungfrau „die +Macht“ hiess, Helena von Troja, Judith und Herodias, +Cleopatra, die Aegypterin. Sie war von +königlichem Geschlecht, eine einzige Jungfrau in +der Welt und gab mehr Wollust denn Jede. Und +es hatte sie nie ein Mann besessen. Alle, die +sie freiten, waren gestorben. Sie hatte ihr Blut +getrunken. Und es war ihr Blut und ihre Kraft, +die sie so schön machte, unwiderstehlich und herrlich +vor den Sinnen der Männer. +</p> + +<pb n='334'/><anchor id='Pgp334'/> + +<p> +Und sie tanzte vor ihm. +</p> + +<p> +Sie tanzte. Sehr langsam wandte sie sich und +ihre Schulter kehrte an ihren Platz zurück. Sie +hob den Arm. Und der andre Arm stieg rund +auf, die Brust aus den Hüften reckte sich in langsamer, +schwellender Anstrengung. Einen Moment +blieb sie weit vorgeschoben, keuchend, wie eine +gezüngelte, gefährliche Schlange, während die Beine +angenagelt warteten, zitternd, gezwungen. Im +Kopf, zurückgebogen, schlugen die Lider. Der +Hals strebte weiss, liliensehnsüchtig unter dem +blutigen, dürstenden Bogen der Lippen ... Eine +Woge schien die harte Linie der Schultern zu +verwirren. Das Kinn sank zur Seite mit einem +Seufzer. +</p> + +<p> +Kriegerische, wilde Musik schien sie zu wecken. +Sie richtete sich auf ganz erzitternd. Man sah +das Erzittern vom Fuss bis zur Helmspitze laufen, +wie eines Uhrwerks, dessen Feder man berührt +hat, das sich in Gang setzt. Die Hüften krümmten +sich abgezeichnet zum Sprunge. Ganz vorgeneigt, +das Kinn in der Luft, beide Hände flach ausgespreizt, +dass die ganze Last des Körpers auf der +Zehe ruhte, horchte sie. – Sie bückte sich noch +tiefer. Die Spitzen der Brüste schienen den Schooss +<pb n='335'/><anchor id='Pgp335'/>zu berühren. Sie kroch. Sie schnellte sich. Sie +stiess einen rauhen Schrei aus. Die Finger griffen +krallend in die Leere. Hart über dem Boden wie +im Anzug einer Armbrust, bohrte der Ellbogen, +ein Tremolo, das nicht nachliess, rascher und rascher +wurde. – Sie war wach geworden. +</p> + +<p> +Ihre Zunge gegen ihren Gaumen gab einen +Lockton. Sie warf sich nach rechts. Sie schnellte ihre +Schultern nach links hinüber. Der Hals im scharfen, +zuckenden Rücken gab das Tempo an. Ein Fuss +stahl sich tastend vor. Der andre folgte in schürfender +Schleife. Ihre Kniee tanzten. Sie gaukelte +in den Hüften. Die Erde liess sie. Sie flog auf, +ihr gellendes Tambourin schüttelnd. +</p> + +<p> +Das war die Bewegung. Die Erde belebt +durch den Willen, unsterbliche Kunst des Ausdrucks. +Es giebt keine Schwere. Kein Gesetz der +Unwandelbarkeit hemmt. Der Körper spricht. Die +Formen singen, das Fleisch hat Seele. – Sie +tanzte. +</p> + +<p> +Sie marschirte in einem tönenden, triumphirenden +Marsche. Ihre Sohlen stampften den Boden +wie Schlachtrosse, schwere Kolonnen Gepanzerter. +Der Leib zwischen den stelzenden Säulen der Beine +schien getragen wie eine kostbare Last, ein +Altar<pb n='336'/><anchor id='Pgp336'/>tisch köstlicher Güter, der avancirte, langsam, +feierlich, mit der Feierlichkeit und Langsamkeit +einer Procession. Ihre Arme blieben steif wie die +Arme einer Statue, einer ehernen Jungfrau, die +zermalmt, was sie an ihren Busen drückt. Sie +näherte sich wie ein Traumbild, ein schrecklicher +Alpdruck der Fiebernacht, die schwarze Venus der +Aegypter, der Leben gegeben ist. ... Wie man +Elephanten zur Schlacht ruft, in kurzen Stössen, +antworteten die Schellen und Schwerter. +</p> + +<p> +Sie tanzte. Sie stiess kurze, wilde Schreie aus +wie Möwengekreische über dem Sturmmeer. Ihre +Arme schlugen die Luft aufgescheucht. Ihre Füsse +suchten mit gekrümmten Spitzen im sich steigernden +Zittern, der Furcht, des Wunsches, der Raserei. +Sie drehte sich. Ihre Haare peitschten den Boden +wie ein aufgespanntes, schwarzes Pfauenrad. Die +unteren Glieder schienen sich zu verschieben mit +den Gelenken der oberen im verzweifelten Wunsche +der Vermählung. Losgelöst zwischen den Hüften, +eine Blüthe im Sturmwind, schwankte und bog +sich die Taille. Sie zerbrach sich, knickte. Mit +irrem Klopfen huschten die Finger in der Leere. +Kleine Wehmuthsrufe schrillten die Schellen, Klagegezwitscher +flatternder, fremder Vögelchen. +</p> + +<pb n='337'/><anchor id='Pgp337'/> + +<p> +Diese Drehung wurde schneller, schwindelnd +schnell. Schnell, wie von Rädern, Maschinen, +Stählernem. Man unterschied die Töne der Schellen +und Castagnetten nicht mehr. Es war ein Wirbel, +ein zügelloser Tanz, Sichineinanderverschlingen der +Töne. Die Arme waren die Flügel einer Windmühle, +die sich schwangen im Drehen. Roth und +goldne Streifen. Sie peitschten, flogen. Die Felder +wurden Kreise. Vom Boden, Kreisel gleich, immer +an derselben Stelle, wirbelten die Fussspitzen. +Sie war ein Kreisel im Ganzen, mit der weiten +Fläche nach oben, ein Rad, eine Blume, eine +Libelle aufgespiesst an einer Nadel, eine rothgoldne +Rose, über der das Gesicht schwebte, unbeweglich, +zurückgebogen mit lächelnden Lippen +unter dem goldnen Helme. +</p> + +<p> +Sie drehte sich, drehte. Sie war die Sonne. +Rothgoldne Sonne. Die Lazzi waren Strahlen. +Strahlen waren ihre Arme und Beine. Die Brüste +waren die Scheibe, die stille stand, mit metallnen, +weissglühenden Spitzen. Sie stachen wie brennende +Eisennadeln. Ein Athem von Blut und Hitze +schlug über ihn hin. Immer wieder Hitze und +Blut, roth und gold, nur noch eine Farbe bildend, +die der Wollust, der Frau, der Bewegung. – +<pb n='338'/><anchor id='Pgp338'/>Der Lustwille des Feuers, der die Erde dreht, in +den Adern kocht wie Gluthsud. +</p> + +<p> +Das war keine Frau mehr, die Frau nicht. +Das war die Schlange, spiegelnd in allen Farben +des Universums, die glorreiche, erste Schlange, sie, +die herrlicher war denn alle Thiere. Sie richtete +sich zischend auf mit ihrem ganz weissen Leibe, +der goldnen Krone und der blutrothen, dürstenden +Zunge: Und wirst wie Gott sein ... Wie Gott. +Wie Gott. ... +</p> + +<p> +Er hielt sich nicht mehr: „Sei mein!“ schrie +er auf. „Sei mein!“ +</p> + +<p> +Diesen Abend unterzeichnete der König das +Todesurtheil des grossen Demagogen. Er wurde +im Gefängniss hingerichtet in der Frühe, ehe die +Sonne aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden +in der Stadt. +</p> + +<p> +Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den +Tod müde war und das Sterben nahe fühlte, wurde +eine wunderbare Tröstung zu Theil. +</p> + +<p> +Er sah plötzlich an sein Lager treten eine +Frau, eine vornehme Dame, in der Tracht einer +Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser +von ihrer Schulter und sprach: „Trinke, mein +Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe gesehen +<pb n='339'/><anchor id='Pgp339'/>und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. +Jetzt weiss ich es besser und Niemand soll uns +mehr trennen.“ +</p> + +<p> +Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die +ihn damals angesehen hatte im Wagen, da er +noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch +diejenige, die zu dem Fremden gesprochen hatte +am Brunnen. – Es befand sich aber, dass diese +edle Frau und Gräfin gestorben war in derselbigen +Nacht, also eine mysteriöse Geschwisterschaft gewesen +zwischen ihnen, die Vielen unbegreiflich +dünkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals +so niedrig gewesen, und einer hochgebornen +Dame. +</p> + +<p> +Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen +Etliche und sagten sie dem Fremden. +</p> + +<p> +Er sprach: „Er war ein Starker, stark vor +allen Menschen, den selbst die Könige hörten. Er +ist nun dahin und nichts bleibt von ihm übrig.“ +</p> + +<p> +Sie sprachen: „Hat er denn nicht recht gethan +mit dem, was er forderte, da er von den Königen +und Mächtigen forderte?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Die Könige und Mächtigen sind +nicht die, die geben können. Von innen muss es +kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die +<pb n='340'/><anchor id='Pgp340'/>Bettler die Letzten sind, werden die Könige die +Ersten sein. – Es ist aber auch möglich, dass +es von einem König käme.“ ... +</p> + +<p> +Sie wollten, dass er dies noch näher erklärte. +Aber er sagte nichts und ging weit fort in eine +einsame Gegend. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='341'/><anchor id='Pgp341'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das achtzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Ueber dem Schlachtfeld war die Sonne untergegangen, +eine rothe, müde Sonne des Spätherbstes, +die zerfliesst in einem Blutmeer. Man +sah nur noch Streifen von ihr wie lange Wundenstriche, +rothe, zerflatternde im Grauen. Sie wurden +dunkler. Die Finsterniss schien in sie einzudringen, +vage Grüne, Violette. Alles starb in +einem brandigen Nebel. +</p> + +<p> +Zweimal über den Acker waren die Heere +dahingestampft. Erst die Flüchtenden, Fussvolk +und Reiterei durcheinander in wilder Panik. Oft +gingen die Letzten über die Ersten. Dazwischen +schob man Geschütze, Munitionswaggons. Wo die +Pferde nicht genügten, halfen Männer mit. Andre +hatte man im Stich lassen müssen. Sie lagen in +unnatürlichen Positionen, mit aufgereckten Hälsen, +<pb n='342'/><anchor id='Pgp342'/>zerbrochnen Rädern, unschädlich gemachte Eisenungethüme, +Sättel, Flinten, Uniformstücke, Leichen. +Zuerst hatten die Pferde versucht, sie nicht zu +treten. Aber man spornte sie an. Es galt das +Leben. Die zu schwach oder verwundet waren, +blieben zurück. Eine Zeitlang hatten sie sich fortgeschleppt. +Oder Andre zogen sie mit. Dann +hatte man sie verlassen. Sie schrieen. Manche +versuchten noch zu kriechen, sich weiter fortzubewegen, +anzukrampfen. Sie gaben es bald auf. +Die gingen hin. Dann war nur noch ein einziges, +zielloses Trappeln von Zweibeinen, Vierbeinigen, +Rädern, die liefen, liefen ... +</p> + +<p> +Man ertheilte noch Commandos. Berittne +Offiziere sprengten ab und zu. In einigen Abtheilungen +herrschte eine gewisse Ordnung. Sie +hielten sich von den andern getrennt und marschirten +rhythmisch. – Man sah sehr hohe Offiziere +mit den Abzeichen ihres Ranges, einen alten +General auf seinem weissen Pferde. Sein Gesicht +war vollständig schwarz vom Pulver und Staub. +Er opferte sich auf. Er war überall. Man hörte +seine Stimme wie die eines Hirten. Einige junge +Rekruten acclamirten ihn. Man wusste, dass +dieser ein Held war. Er konnte nichts mehr +<pb n='343'/><anchor id='Pgp343'/>ändern, die Eile des Rückzugs nahm zu. Sie +fühlten den Athem des verfolgenden Feindes im +Nacken. Einige hatten Alles weggeworfen und +liefen laut schreiend. Sie wussten nicht, wohin +sie liefen. Nur eine Angst beherrschte sie, sich +zu verlieren, zurückzubleiben, einzeln zu sein, getrennt +von der Horde, die rannte, galoppirte. Sie +hatten sich wie Männer geschlagen, Tage und +Wochen lang, an diesem Tage. Das war Alles, +was blieb, ein Gruselgefühl, die Empfindung der +Ohnmacht des Einzelnen in dem des Ganzen, des +Geschlagnen, Besiegten. +</p> + +<p> +Sie liefen, liefen für ihr Leben. +</p> + +<p> +Diesen nach brauste der Sieger. Da waren die +Pferde zuvorderst. Sie griffen mächtig aus in +weiten, jagenden Sprüngen. Ihre Reiter feuerten +sie an, wie man Jagdhunde anfeuert, eine Meute +auf der Fährte. Diese sassen aufrecht im Sattel, +zurückgeworfen. In ihnen lebte nur noch die Lust +zu fangen, zu stechen, abzuthun, Feuer des +Kampfes und der Stolz des Sieges. Ein ganz +junger Kürassier fiel auf, ein Knabe noch, bartlos. +Er sah aus wie ein rächender Engel mit +schrecklichen, offenen Augen, den Mund dürstend +emporgehoben. +</p> + +<pb n='344'/><anchor id='Pgp344'/> + +<p> +Das Fussvolk folgte langsam. Diese installirten +sich auf dem Schlachtfeld. Sie bezogen +Vierecke und Gassen. Man pflanzte die Geschütze +auf in einer Art Park. Feuer zum Kochen wurden +angezündet. Alle diese Menschen rieselten +von Schweiss, waren zu Tod ermüdet. Sie schliefen, +eh’ sie noch daran dachten, zu essen. Mit geöffnetem +Munde, in der Stellung, die sie gerade +innehatten. Zwischen Ueberresten des Tages, +Leichen und <anchor id="corr344"/><corr sic="Perdeäsern">Pferdeäsern</corr>. +</p> + +<p> +Die Barmherzigkeit begann ihr Werk. Man +sah sie mit Laternen herumgehen, irrenden Glühwürmchen +vergleichbar, weissgekleidete Gehülfen, +rothe Kreuze auf den Aermeln, dunkle Gestalten +der Aerzte. In der Eile wurden Tische aufgeschlagen, +Verbandzeug entrollt, in dem Schwestern +hantirten. +</p> + +<p> +Ein Zelt war hergerichtet. Da schnitten, sägten, +verbanden die Aerzte die ganze Nacht. Wenn +Einige vor Erschöpfung umsanken, traten Andre +ein. Aber der Aelteste wurde nie müde. Bis +über die Ellenbogen im Blut, mit triefender Schürze, +ein kurzes Wort hier und da, that er seine Arbeit. +</p> + +<p> +Auf dem Schlachtfeld selbst, einem kleinen Hügel +gegenüber, hatte der siegende Feldherr sein +Haupt<pb n='345'/><anchor id='Pgp345'/>quartier aufgeschlagen. Auch da ging es lautlos +zu. Adjutanten glitten wie Schatten. Man sah es +ihnen an, sie kamen sich ausserordentlich wichtig +vor. Jetzt gingen die Depeschen in ihre Hauptstadt. +Sie würden die Helden des Tages sein. +Man sprach von ihnen. Mancher schwebte sich +schon wieder im glänzenden Salon vor, männlich +ernst in hochgeschlossner Uniform, die zärtliche +Huldigung der Schönheit entgegennehmend. Man +würde sagen, dass der Feind tapfer war, der +Krieg ein grosses Unglück sei. – Je näher sie +dem General kamen, seiner Person und seinem +Rang, desto ernsthafter und wichtiger wurden sie. +Sie befahlen gleichgültige Dinge, eine Tasse Thee +oder kalte Zunge, mit der Miene von Diplomaten, +die über Sein und Nichtsein von Staaten entscheiden. +Niemand war heiter oder betrank sich. +Das war für die Troupiers draussen, die gewöhnliche +Mittelsorte, das Kanonenfutter. Der General +liebte dergleichen nicht. Man entsann sich nie, +ihn lachen gesehen zu haben. Die Soldaten liebten +ihn. Er war einfach und gerecht. Das ist ein +sichrer Weg zum Herzen des gemeinen Mannes; +er erkennt die Comödianten sofort, sogenannte +Liebenswürdigkeit ist ihm als Laune verdächtig. – +<pb n='346'/><anchor id='Pgp346'/>Niemals sah man diesen Feldherrn Vorlieben haben. +Er liebte seine Soldaten. Er that seine Pflicht. +</p> + +<p> +Der General war allein. Er hatte seine Berichte +abgefasst, schlicht, ohne Zusätze und Phrasen, +wie es seine Art war. Die Schlacht war gewonnen, +die Verfolgung im Gange. Die Kreisbewegung, +durch die er den Feind in die Mitte nahm, ihn +dann von allen Seiten zugleich zermalmte, hatte +sich als vollkommner Erfolg bewiesen. +</p> + +<p> +Er war ein Greis von beinah achtzig Jahren. +Aber ein sehr starker Greis. Man sah es seinem +Gesicht an, dass er das Klima aller Zonen getragen +hatte. Sein Ruhm stand ehern wie ein +Felsen. Unerschütterlich wie sein Ruhm war seine +Gerechtigkeit. Dieser Mann verzieh nicht. Er +strafte auch nie ungerecht, weil er die Macht dazu +hatte. Seine Siege waren wie die eines Richtschwerts, +das aufgehoben ist und fällt. Er besass +keinerlei Eitelkeit, keine Leidenschaften und +Schwächen. Sein junger, einziger Sohn war gefallen +in diesem selben Krieg, gegen den General, +den er heute vernichtet hatte. Dies erbitterte ihn +nicht. Es machte ihn auch nicht weicher. – Er +war ein grosser Mann. +</p> + +<p> +In dem engen Zelt war es heiss. Ein fader +<pb n='347'/><anchor id='Pgp347'/>Geruch war in der Luft, von Pulver, zu vielen +Menschen, stehendem Blut. Selbst in dieser Nachtkühle +machte er sich bemerkbar. +</p> + +<p> +Der Adjutant schlief im Vorzimmer auf einem +Stuhle. Es war ein junger Edelmann aus einer +sehr vornehmen Familie, äusserst correct immer +mit blendend weisser Wäsche und gefeilten Nägeln. +Wenn er den General gesehen hätte, wie er aufspringen, +eilig sich neben ihn rangiren würde: +Excellenz befehlen dies – geruhen das –! Jetzt +im Schlaf sah er dumm aus wie ein Hammel. Er +träumte nicht einmal. Er dachte an gar nichts. +</p> + +<p> +Er schritt über mehrere Schläfer. Die Wachen +präsentirten. Es waren Soldaten von seinem Leibregiment, +seinem eignen Heimathsregiment. Dieses +Regiment hatte eine lange, glorreiche Geschichte. +Er dachte daran, dass sie heut’ sehr schwere Verluste +gehabt hatten. Es that ihm weh. Er verabscheute +den Gedanken. Alle hatten verloren. +Tausende waren geblieben, Freund und Feind. +</p> + +<p> +Da bivouakirten auch andre, frische Regimenter, +die erst eben auf dem Schlachtfeld angekommen +waren, noch nicht mit am Triumphe theilgenommen +hatten. Diese waren prächtig. Das Metall der +sauber zusammengestellten Waffen blinkte. Sie +<pb n='348'/><anchor id='Pgp348'/>schliefen in ihren Uniformen bis an den Hals zugeknöpft, +noch im Schlafe stramm und gerade. +Alles ausgewählte junge Leute. Man hatte sie +noch immer gut genährt. Die Landsleute hatten +ihnen zugetrunken auf dem Marsche. Sie fürchteten +sich nicht und schliefen mit einem leichtsinnigen +Soldatenliedchen auf den Lippen. +</p> + +<p> +Für ein andres Mal reservirte man diese. +</p> + +<p> +Er ging über das Feld. Der Boden war hartgestampft, +wie um niemals wieder weich zu werden. +Man konnte nicht sagen, was vorher darauf gewachsen +war, Gras, Gärten oder Weizen. Er war +Stein jetzt, zerhämmert, geschmiedet von Millionen +Füssen und Hufen. Im Ring die Berge behielten +ihre alte Form von Wellen, Rücken. Ihre Abhänge +waren mit Leichen gedüngt. Jeder Einzelne war +für sich getrennt mit ungeheuerster Anstrengung +genommen worden. Den ganzen Tag hatten ihre +Flanken Feuer gespieen. Es brachte sie nicht aus +dem Gleichgewicht. Sie waren Ewige, Steinerne. +</p> + +<p> +Er sah einen prachtvollen Menschen zu seinen +Füssen lang ausgestreckt. Der war mausetodt, in’s +Herz geschossen. Ein ganz junger Mensch, wie +ein Achilles. Er bewunderte das Viereck der +Schultern, dieses herrlichen Brustkastens. Das +Ge<pb n='349'/><anchor id='Pgp349'/>sicht war ganz unentstellt. Er lag da wie auf dem +Paradebett, ein gefällter Eichstamm. +</p> + +<p> +Vierzig Jahre und fünfzig hätte er noch leben +können. Und er, der General, war achtzig, ein +kleiner, müder, gebrechlicher Greis. Der Krieg blieb +eine schreckliche Sache. +</p> + +<p> +Von der einen Seite aus den Gebüschen kam +Wimmern. Schwerverwundete hatten sich da hingeschleppt, +die Sanitätscolonnen hatten sie noch +nicht entdeckt. Es klang wie Hundegewinsel. +Manchmal stockte sein Fuss wie in Leim. Er zog +ihn mit einer Art Ekel zurück. +</p> + +<p> +Grässlich waren die Pferdecadaver. Sie hatten +nicht die Würde, die der Mensch unwillkürlich im +Tode bewahrt, oder sein Menschenthum ihm gewährt. +Und etwas Schrecklicheres. Als ob sie +fragen wollten: Warum? Das stupide, blödsinnige +Warum? der Unbewussten. Gigantisch waren sie +mit hängenden Bäuchen, unter denen Pfühle standen, +in der Ungeschicklichkeit der leblosen vier Beine, +gebrochnen, vorgequollnen, fischigen Augen, – +während die Menschen sehr klein erschienen, holzpuppenhaft. +Wo Granaten crepirt waren, lagen +abgerissne Stücke, groteske Nacktheiten – beinah +lächerlich. Wie hässlich der Tod war! +</p> + +<pb n='350'/><anchor id='Pgp350'/> + +<p> +Freund und Feind lagerten durcheinander. Es +war gar kein Unterschied mehr. Die meisten zeigten +diesen selben Ausdruck dummen Schreckens. Man +konnte fast sagen betrübter Kinder, die man mitten +im Spiel unterbrochen hatte. – Er wunderte sich +fast, so wenig edle und heroische Gesichter zu +sehen. Dieser junge Mann war beinah der Einzige +gewesen, der der Vorstellung entsprach, die +man wohl in Heldengedichten hat oder auf Denkmälern, +wenn über dem gefallnen Krieger der +Genius die Fahne schwingt. Dann sagte er sich: +„Wie könnte es auch anders sein? Was sind diese +Leute? Wo kommen sie her? Was wissen sie +von den grossen Ideen des Vaterlands, der Herrschaft, +der Volksehre, für die sie sich schlagen? +Es ist sonderbar, dass sie sich überhaupt schlagen, +Heerdenzug, Schafsintelligenz. Was sind sie? Was +ist ihr Werth?“ +</p> + +<p> +An dem Hügel war der Kampf am heissesten +gewesen. Da lagen Leichen dicht wie abgemähte +Schwaden. Immer dieselben Uniformen. Nach +ihrer Lage und Fallrichtung konnte man deutlich +die Stellung des Feindes erkennen. Der ganze +Kampf war da aufgezeichnet in menschlichen Ueberresten. +– Etwas Dunkles verschwand im Schatten. +<pb n='351'/><anchor id='Pgp351'/>Abgehackte Finger, nackte Todte verriethen unmenschliche +Hantirung. Mit einer Geste des Ekels +wandte er sich ab. Leichenraben! Schakale – +das rief ihm einen Spion zurück, den er den Tag +zuvor hatte erschiessen lassen. Seine Frau hatte +für ihn gefleht und gebettelt, eine elende, zerrissne +Schlumpe. Sie hatte ein Kind an der Brust, +einer hängenden, welken, ekelhaften Brust. Die +Andern hingen in ihren Röcken. Natürlich war +die Gerechtigkeit vollzogen worden. Ein Schuft! – +er hatte eine Frau – kleine Kinder ... +</p> + +<p> +Ein Windzug hatte sich erhoben und kam über +das Schlachtfeld, ein trauervoller, trauriger Wind +der Feuchtigkeit mit tappenden Flügeln. Er brachte +ein Röcheln mit. Gar nicht boshaft oder zornig. +Ganz sanft. Aber es setzte nicht aus. Es erhob +sich wieder in weiten Entfernungen. Und starb +im Winde. Vielleicht war es mehr ein Geist der +Klage, als die Klage selbst. Vielleicht war es die +Hallucination des Orts. Dieser Ort war traurig. +</p> + +<p> +Vielleicht litten sie gar nicht. Es war nur das +Räderwerk der Maschine, das auslief. – Eine +Fratze grinste ihn an, schauerlich, idiot, mit +heraushängender Zunge und glotzenden Augen. +Der auch war für’s Vaterland gestorben. Welches +<pb n='352'/><anchor id='Pgp352'/>zusammengewürfelte Material, diese Haufen der +Todten! – Ernsthafte Familienväter mit Vollbärten. +Sie hatten zur Waffe gegriffen, weil man sie angriff. +Ihre Beschäftigung war, den Acker zu bauen, +Städte aufzurichten. Ruinirte junge Lebeleute. Verbrechervolk, +Jugend aus allerlei Ländern, die mit +lachendem Mund in Abenteuer rennt. Jetzt war +Alles dasselbe. Alles hatte aufgehört, die Sorge, +der Leichtsinn, die Liebschaft. Was ist das Leben? +Was ist alle Mühe, die man aufgewendet hat, es +zu schützen? Diese ewige Erneuerung, zu der alle +lebenden Wesen sich gezogen fühlen? +</p> + +<p> +Er rief sich die grossen Momente seiner Existenz +zurück. Die Befreiung, der schreckliche Zug durch +Schneegebirge, die athemlose Erregung, als ein +Volk mit Thränen und Gebeten ihm folgte wie +die verwittwete Mutter ihrem Erstgebornen ... +Wie sie ihm entgegenstürzten, vom Hunger ausgemergelt ... +Männer weinten wie kleine Kinder. +Sie küssten ihm die Hände. Er war Gott, der Retter! +Sein Einzug – das ganze Land schwoll ihm entgegen +wie eine zitternde, erwartungsvolle Geliebte. +Er sah es zu seinen Füssen. Sie küssten ihm die +Füsse, die Steigbügel. Alle Ehren und allen Ruhm +hatte er gekostet. Er war alt geworden und traurig. +</p> + +<pb n='353'/><anchor id='Pgp353'/> + +<p> +Er blieb plötzlich stehen. Das Röcheln war +ganz deutlich geworden. Es klang wie das Weinen +einer Kinderstimme. Dann in einer andern +Sprache, doch sehr vernehmlich, hörte er: „Mama +... Mama ...“ +</p> + +<p> +Der General zitterte. Es war ein ganz junger +Bauernknabe von den Feinden, erbärmlich jung, +viel zu jung. Ein spitzes, blasses Gesicht, zwei +Augen, überirdisch. Der Schuss musste im Unterleib +sitzen. Er litt. Er streckte die Arme aus. +Er rief nach seiner Mutter. +</p> + +<p> +Da – da war die ganze Tragödie des Krieges, +die ewige Feindschaft, die Mutter, die immer +wieder gebiert, nährt, hofft. Und man nimmt ihr +immer wieder, tödtet, vernichtet. +</p> + +<p> +„Mama ... Mama ...“ schluchzte der kleine +Bauernjunge. +</p> + +<p> +Er war vielleicht ein Held. Er wusste es nicht +mehr. Vielleicht wäre er ein Mann geworden, +hätte getödtet, geherrscht, vernichtet seinerseits. +Er fror. Er hatte Schmerzen. Er fürchtete sich. +</p> + +<p> +„Mama ...“ rief er. „Mama ...“ +</p> + +<p> +Und er dachte an eine andre Mutter, diese eine +tragische Mutter, schwarz in schwarzen Schleiern. +Die eigne jähe Wunde fing an zu bluten. Sie +<pb n='354'/><anchor id='Pgp354'/>hatte nicht geweint. Sie hatte ihn nicht gebeten +zu bleiben. „Gott segne Dich!“ sagte sie und +hatte ihn geküsst. +</p> + +<p> +Und über ihr wieder stand eine noch grössere, +tragischere Mutter. Eine Königin – sein Land, +sein ganzes Land in Trauer. Es schickte seine +Söhne, ohne zu klagen, bleich und erhaben. Er +gab und die Andre gab ... Opfergabe, hinter +der die Mütter standen, die vielfach Gestorbnen, +die zehnmal Gekreuzigten – Sie, die wahren Leidenden, +die wahre Grösse, Lebensträgerinnen ... +</p> + +<p> +Und ein andres erstaunliches Phänomen machte +ihn betroffen. An einem Dornstrauch, der Blut +trug, weil ihn die Flüchtenden gestreift, halb zerstampft, +niedergetreten, ein elender Stummel nur, +ein einziges noch lebendiges Hölzchen, – blühte +eine weisse Blume. Sie musste sich erst eben erschlossen +haben. Sie duftete – sie blühte ... +</p> + +<p> +Er sah die Mutter der Mütter. Er sah die +Natur treibend und unverletzt, trotz Brand, Tod +und Blutregen, den Acker, der seine Frucht trägt, +den Baum, in dem die Säfte steigen, das Thier, +das seine Jungen säugt ... +</p> + +<p> +Wüstes Gelärme unterbrach ihn. Da hinten +im Bivouak feierte man den Sieg. Sie zechten +<pb n='355'/><anchor id='Pgp355'/>und brachten Toaste aus; die triumphirten. – +Jetzt musste die Kunde auch in der Heimat sein. +Man liess die Glocken läuten und steckte die +Fahnen heraus. Leute auf der Strasse umarmten +sich mit der Siegesbotschaft. Ein wirres Freudengelärm +schien sein Ohr zu erreichen, ein Beifall, +der von weit kam, seinen Namen rief über die +Meere. Das war der Sieg. +</p> + +<p> +Und Andres stieg auf, undeutlicher: Flüche, +Thränen, Racheschwüre ... Sie auch wussten jetzt. +Sie beteten. +</p> + +<p> +Derselbe Gott war über ihnen Beiden, unerbittlich, +gleichgültig. Er sprach nicht und hörte +nicht. Der Gott der Weltgeschichte, der Eherne der +Nationen, dem Babylon und Rom gesunken war. +Alexander und Napoleon waren gross geworden +und fielen. Vae victis! und Ave Caesar! – Es +war Alles dasselbe ... +</p> + +<p> +Die Landschaft war flacher hier. Eine Kühle +wurde deutlich fühlbar. Er schritt eiliger vorwärts. +Eine Bewegung des Bodens schien ihn mit fortzuziehen, +ein mächtiges Einathmen und Ausstossen +wieder. Alles ging und kam. Aber das Gehen +schien noch kräftiger wie das Kommen. Im Werden +<pb n='356'/><anchor id='Pgp356'/>verging Alles. Ein Tödtliches, Beständiges, Festes +war in der Bewegung. Alles starb. +</p> + +<p> +Er war am Strand. Der Sand machte diesen +Erdstreifen heller. Dahinter lag es grau, unruhig, +sich anwälzend und weichend. Salzathem stieg. +Das Meer fluthete und ebbte, endlos, schwarz +unter dem schwarzen Himmel ohne Sterne. +</p> + +<p> +Und er sah etwas Andres. – Ein Schatten? +Ein Seufzer? ... Es war schon vorüber. Die +Hallucination des Elends, ein Geist des blutigen +Schlachtfelds, das da hinten dünstend lag: ein +blasser Mann trug ein Kreuz. Das Kreuz war +riesengross, aus rohem Holz geschnitten. Der eine +Arm des Querbalkens ragte gegen den Himmel. +Das Ende schleppte lang nach auf den schwarzen +Wellen. „Und er wandelte auf dem Meer.“ ... +</p> + +<p> +In diesem Augenblick, ganz deutlich wie in +Metall geritzt, krähte ein Hahn. +</p> + +<p> +Es war Nacht. +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='357'/><anchor id='Pgp357'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das neunzehnte Kapitel.</head> + +<p> +Der Amtsgerichtsrath war durchaus nicht der +Meinung seines jüngeren Collegen. +</p> + +<p> +„Ein Narr,“ sagte er, „und nicht schlimmer +wie Andre, die lose rumlaufen. Lassen Sie ihn +laufen, Salvatius!“ +</p> + +<p> +Der Andre machte Vorstellungen. Er war ein +hagrer, dünner Herr und neigte zu einer pessimistischen +Weltauffassung, während der Gerichtsrath +in seiner rosigen, behäbigen Fülle auch Alles +rosig sah. Die Specialität dieses Ersteren waren +Majestätsbeleidigungen. Er sah diese überall. Er +roch sie, witterte, zog sie hervor aus den gröbsten +Verwicklungen. Irgendwie wurden alle Verbrechen +das bei ihm. Sie waren es ja auch insofern, als +die Majestät für ihn die Autorität Gottes auf +<pb n='358'/><anchor id='Pgp358'/>Erden vertrat. – Er war schlimmer wie ein römischer +Statthalter. +</p> + +<p> +„I bewahre!“ sagte der Amtsgerichtsrath. „Wo +wollen Sie das nun wieder rausschinden? Schliesslich, +wenn wir das Vaterunser beten, ist das auch +eine Majestätsbeleidigung. – Dreck sind wir Alle.“ +</p> + +<p> +Der Dünne blinzte, unangenehm berührt. Der +Assessor drehte die Daumen. Er lernte noch. +Dann war er von Berlin hierher versetzt, konnte +nur jeden Sonnabend nach Hause. Er lebte von +Sonnabend zu Sonnabend. Auch hatte er die +Absicht, Carriere zu machen. Deshalb achtete er +abwechselnd auf seine beiden Vorgesetzten. Der +Dicke gefiel ihm um seines heiteren Cynismus +willen. Aber der Eifer des Andern imponirte ihm. +So wurde man was. +</p> + +<p> +Der gelbe Herr behauptete, dass Unruhen +kämen, die Leute liefen zusammen; „na, und +wenn die Lausewenzel des Sonntags ein bischen +weniger söffen?“ – Ueberdies hatte der Pfarrer +Gentz eine Denunciation eingereicht. +</p> + +<p> +„Nur weil er ihm in’s Handwerk pfuscht, seine +Kunden stiehlt. Die Pfaffen! – Das hackte sich am +liebsten gegenseitig die Augen aus. Dadran sehen +Sie’s schon. Predigte er den leibhaftigen Satan, +<pb n='359'/><anchor id='Pgp359'/>ginge es noch. Dann hätten sie Wasser auf ihre +Mühlen. Dasselbe sagen wie die Herren Pastoren! +Die verbrennten uns Christus heute noch.“ +</p> + +<p> +Der Assessor lachte. Die Ausfälle gegen die +Clerisei amüsirten ihn. Er konnte auch die Pfaffen +nicht leiden. Trotzdem – ein leichter Anflug +von Semitismus haftete ihm an – deswegen war +er kirchlich. +</p> + +<p> +„Sie beleidigen einen hochachtbaren Stand,“ +sagte der Gelbe bitter. „Die Geistlichkeit hat eine +Pflicht im Staate. Sie sind gleichsam – die Gewissenspolizei.“ +</p> + +<p> +„Ich verlasse mich lieber auf unsern Pommeränicke. +Sehen Sie, zum Ketzerrichter bin ich nun +mal verdorben. Aber wenn Einer lange Finger +macht, gar zu übermüthig wird, dann giebt’s was +drauf. Das hält die Gesellschaft zusammen.“ +</p> + +<p> +„Es giebt sehr Vieles, was vielleicht schlimmer +ist.“ +</p> + +<p> +„Das überlasse ich feineren Nasen. Es wäre +doch ungemüthlich schliesslich, allein als Krone +übrig zu bleiben und am Ende entdeckte man in +sich selbst unerlaubte Magenbeschwerden. Eine +gewisse mittlere Dickhäutigkeit macht allein das +Leben auf diesem mangelhaften Planeten für sich +<pb n='360'/><anchor id='Pgp360'/>und Andre erträglich. So’n Rhinoceros ist das +philosophische Vieh. Alle Stoiker bleiben Waisenknaben +dagegen.“ +</p> + +<p> +Der Dicke ging seinen Amtsgeschäften nach, +ohne sich dadurch den Appetit verderben zu lassen. +Selbstmörder, die er zu recognosciren hatte, theilte +er in Krammetsvögel und Rohrdommeln ein, Erhängte +oder Ertränkte. Eigentlich war er beliebt. +Er vertrat eine praktische Nothwendigkeit. Die +armen Teufel liessen die Köpfe hängen und ergaben +sich in ihre Strafe. Er begrüsste die Rückfälligen +auch stets wieder mit derselben Jovialität. +Unter der Hand war er wohlthätig. Manches arme +Weib hatte sich seine Mark fünfzig oder drei Mark +Conventionalstrafe für Holzsammeln, Beerensuchen +von ihm zugesteckt gesehen. Eine gewisse rüde +Ausdrucksweise ging dabei mit in den Kauf. Er +nannte das patriarchalisches Regime. +</p> + +<p> +Ganz anders der Gelbe. Die Angeklagten +waren von vornherein seine persönlichen Feinde. +Er suchte sie noch privatim möglichst zu zerknirschen. +Nichts konnte ihm mehr Freude machen, +als solche, die sich erhängten, Weiber, die sich in +Zuckungen auf der Erde wanden. In Alimentationsklagen +trat er nie ein, ohne das +Frauen<pb n='361'/><anchor id='Pgp361'/>zimmer vorher gründlich zu verdonnern. Ueberhaupt +Unsittlichkeit! Er hatte dann ein Gefühl des +lieben Gottes, eines Rhadamanthus. Zum allgemeinen +Besten musste man unbarmherzig sein, +während der Dicke sich vorgenommen hatte, dann +lieber nach der andern Seite zu sündigen, die +Sittlichkeitsfrage von vornherein ironisirte. +</p> + +<p> +Die leichtherzige Auffassung des Collegen hatte +den Andern geärgert. Er fand den Fremden im +Gegentheil höchst gefährlich, staatsauflösend. Dabei +blieb der Kerl heimlich, verstockt. Er liess sich +nicht fangen. +</p> + +<p> +„Sie sind Communist?“ fragte ihn der Vorsitzende. +„Sie predigen den Communismus?“ +</p> + +<p> +„Was mein ist, ist meines Bruders.“ +</p> + +<p> +„Wenn er es nicht giebt?“ +</p> + +<p> +„Es ist nicht an mir zu fordern.“ +</p> + +<p> +„Ich habe gehört, dass Sie auflösende Tendenzen +gegen die Ehe predigen? Wie denken Sie +darüber?“ +</p> + +<p> +„Nicht die Ehe ist unheilig, die Unkeuschheit +macht sie so.“ +</p> + +<p> +„Wie ist denn aber eine Ehe möglich ohne +physischen Umgang?“ +</p> + +<p> +„Das wäre allerdings die Radicalcur für alle +<pb n='362'/><anchor id='Pgp362'/>unsre Gebresten,“ sagte der dicke Amtsgerichtsrath. +Er fand die Idee höchst spasshaft. +</p> + +<p> +Man wollte wissen, ob er sich weigerte, Militärdienst +zu thun? +</p> + +<p> +„So mich Keiner angreift, wozu brauche ich +Soldaten? Wenn ich angegriffen werde, ist es +mir besser, Unrecht zu dulden, als Unrecht zu +thun ...“ +</p> + +<p> +„Das bricht den Gehorsam gegen das Gesetz.“ +</p> + +<p> +Er wies auf ein Cruzifix, das neben dem +Richterstuhl hing, zu Eidesleistungen gebraucht +wurde: „So Er Euch Gesetz ist, was braucht Ihr +Gesetze?“ +</p> + +<p> +Sie fragten: „Was bezeichnen Sie als sein +Gesetz?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Es steht geschrieben: Wer gestohlen +hat, der stehle nicht wieder, sondern +schaffe mit seinen Händen, auf dass er habe zu +geben dem Dürftigen. Du sollst Deinem Bruder +vergeben sieben mal siebenzig mal. Und was Du +nicht gethan hast diesem Geringsten Einem, das +hast Du mir nicht gethan.“ +</p> + +<p> +„Ein geschriebnes Recht muss sein um der +Ordnung willen,“ warfen sie ein. +</p> + +<pb n='363'/><anchor id='Pgp363'/> + +<p> +„Ich sehe nur Unordnung. Ihr habt täglich +zu thun mit Solchen.“ +</p> + +<p> +„Das sind Ausnahmen.“ +</p> + +<p> +„Die Andern bleiben in der Regel, weil sie +den Vortheil davon haben.“ +</p> + +<p> +„Er ist scharf wie ein alter Fuchs,“ schmunzelte +der Amtsrichter. +</p> + +<p> +„Ohne Zwang ist in menschlichen Dingen kein +dauerhafter Zustand möglich.“ +</p> + +<p> +„Der Zwang trifft nur die Aeusserung. Er +ändert die Gesinnung nicht. Die mächtig genug +sind, verachten ihn, und diese sind die stärksten, +die das Beispiel geben.“ +</p> + +<p> +„Da hat er, den Teufel! nicht Unrecht. Unsre +Banquiers und Minister könnten davon ein Liedchen +singen.“ +</p> + +<p> +„Glauben Sie, dass dieser Zustand ohne Gesetzlosigkeit, +ohne Mord und Todtschlag je möglich +sein wird?“ +</p> + +<p> +„Wenn Jeder sich selbst Gesetz ist.“ +</p> + +<p> +„Dann hat’s gute Weile.“ +</p> + +<p> +Der Gelbe wollte wissen, ob er Seine Majestät +den König anerkennte? +</p> + +<p> +„Wenn Unordnung ist, ist es gut, dass Einer +sei. So aber Ordnung ist, wozu ist ein Herr?“ +</p> + +<pb n='364'/><anchor id='Pgp364'/> + +<p> +Der Feierliche fand, dass darin doch eine +Majestätsbeleidigung läge, zum Mindesten Zweideutigkeit. +</p> + +<p> +„Glauben Sie an Gott?“ +</p> + +<p> +Er glaubte natürlich nicht. Der Pfarrer hatte +es haarklein bewiesen, Aussprüche zusammengestellt. +Ein ganz hohler Pantheismus war vielleicht +vorhanden. +</p> + +<p> +Der Assessor fand, ein paar Monate könnten +nichts schaden. Man musste sich schneidig zeigen. +</p> + +<p> +Der joviale Amtsrichter war dagegen: „Er hat +nicht gestohlen, thut Keinem was zu Leide. Lassen +Sie ihn laufen!“ +</p> + +<p> +Der Assessor langweilte sich. Er fand, dass +es für ihn überhaupt nicht der Mühe werth sei, +sich mit einem abgerissnen Strolch länger zu beschäftigen. +Man hatte genug zu thun, Beleidigungen +socialistischer Redacteure aufzunehmen. +Das machte einen guten Eindruck nach oben. Er +sah sich gern als Präsidenten des Reichsgerichts +in scharfer, schneidender Rede die Gesellschaft +retten. Das war vornehm gewesen seit Jeffrey’s +Zeiten. Aus diesem Grunde opinirte er auch +gegen Dreyfus. +</p> + +<p> +Den Vorsitzenden verfolgte die fixe Idee der +<pb n='365'/><anchor id='Pgp365'/>Majestätsbeleidigung: „Ob man die Steuer zahlen +sollte?“ wollte er wissen. +</p> + +<p> +„Ist sie für das Allgemeine, so ist es billig, +dass ein Jeder trage. Ist sie nicht, so mag der +tragen, der sie braucht.“ +</p> + +<p> +Sie stellten ihm eine Menge Fragen, woher +er käme, was sein Name und Stand sei? Auch +über seine Geldverhältnisse wollten sie wissen? +Wovon er sich ernährte? +</p> + +<p> +Auf dieses Alles antwortete er nicht. +</p> + +<p> +Nun fingen sie an, Erkundigungen anderweitig +einzuziehen. Es gab Leute, die es beschworen, +dass er ein Joseph Schäppli aus Bing in Württemberg +sei, der schon in seiner Jugend geistesgestört +gewesen, seinen Eltern davongelaufen und dann +verschwunden war. +</p> + +<p> +Man that noch ein Uebriges. Da die alte +Mutter Schäppli noch lebte, beschloss man ihn +mit dieser zu confrontiren, sie auf Gerichtskosten +herkommen zu lassen. +</p> + +<p> +Der Erfolg schien allen Zweiflern Recht zu +geben. Es erschien vor Gericht eine uralte verhutzelte +Bauersfrau, ganz benommen von der +Wichtigkeit und Würde des Orts, diesen vielen +Augen, die auf sie gerichtet waren. Sie versuchte +<pb n='366'/><anchor id='Pgp366'/>abwechselnd ihren mitgebrachten Korb mit Esswaaren +zu sichern, aus den Mienen der Umstehenden +zu errathen, was man mit ihr vorhatte. +Natürlich hatte sie ihren besten Sonntagsstaat angelegt. +Man hatte das Gefühl eines alten Nacht- +oder Erdthiers, plötzlich an’s Licht gebracht, das +in die Sonne blinzelt, sich verkriechen möchte. +</p> + +<p> +Sie erkannte ihn sofort: „O mein Sohn Joseph!“ +schrie sie. „Mein armer Sohn! Du böses +Kind! Bist Du mir fortgelaufen und wo hast Du +Dich umgetrieben so lange?“ +</p> + +<p> +Auf dies Alles antwortete er kühl, aber freundlich: +„Du irrst, Frau! Ich bin Dein Sohn nicht.“ +</p> + +<p> +Nun gerieth die Alte ganz ausser sich: „Nicht +mein Sohn? Was? Habe ich Dich nicht in +Schmerzen geboren? So spät kamst Du, dass die +Wehmutter es aufgab. Wir dachten, ich würde +nicht lebendig bleiben. Dann war es ein grosses, +starkes Kind, zehn Pfund schwer, dass alle Nachbarinnen +über das Wunder schrieen. Hinterher +kam das mit dem schwachen Kopf, wo gar nichts +anzufangen war. Nicht mal zum Viehhüten taugte +das. ‚Geben Sie’s nur auf, Schäpplerin,‘ sagte +der Herr Pfarrer. ‚Den hat sich der Herrgott gezeichnet.‘“ +</p> + +<pb n='367'/><anchor id='Pgp367'/> + +<p> +Sie fing plötzlich an zu weinen und wurde +zärtlich. „Bin ich nicht doch gut zu Dir gewesen? +Hab’ Dich trocken gelegt jede Nacht, wenn Du +schrieest? Und wie Du krank warst, hab’ ich Dir +Hirsenbrei gekocht. Du assest so gern Hirsenbrei +und getrocknete Pflaumen. Dafür liessest Du gerade +Dein Leben. Mein Joseph! Mein Seppli! +Mein eigner Herzbub! Und willst nun Deine eigne +alte Mutter nicht kennen?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „So nun sind die Weiber. Weil +sie Dir Brot gegeben und den Leib gewaschen, +bilden sie sich ein, dass sie Dir eine Seele geschaffen, +einen unsterblichen Menschen aus Dir +gemacht haben. O kleine Kinder im grauen Haar! +Thörinnen, die Ihr Mütter seid!“ +</p> + +<p> +Danach, wie er sah, dass Einige diese Rede +hart fanden, Andre sie richtig nannten, die Alte +aber schluchzte und lamentirte, sagte er: +</p> + +<p> +„Dennoch ist die Mutter immer verehrungswürdig. +Sie hat gelitten. Sie hat leibliche +Schmerzen gelitten, wie das Kind zur Welt kam. +Alle Noth und Last trägt sie mit ihm in seiner +Schwachheit. Danach wird es zum Manne und +lässt sie. So ist es wohl ihres und doch nicht +ihrs. – Sie leidet im Fleische um einer +unsterb<pb n='368'/><anchor id='Pgp368'/>lichen Seele willen. – Viele schelten dies Geschlecht +schwach. Es ist aber nicht so, da sich in +ihrem Leibe sichtlich das heilige Wunder der Erlösung +zeigt.“ +</p> + +<p> +Und war gütig zu der alten Frau, tröstete sie +und hinterliess sie mit Gaben, die seine Freunde +für ihn sandten. +</p> + +<p> +Vielen war das wieder ein Zeichen: „Er weiss +sehr wohl, dass er ihr Sohn ist. Würde er sie +ehren, wenn sie nicht seine Mutter ist?“ +</p> + +<p> +Er sprach: „Und wenn sie es wäre? Was +ist eine Mutter? Hat sie mir meine Gedanken +gegeben? Trägt sie Schmerzen für mich? Und +fühlt sie mit meinem Fühlen? Der Antheil der +Mutter ist vom Fleisch. Wir sind aber nicht +Fleisch, sondern Geist. +</p> + +<p> +... „Vor Augen siehet diese Art, was wahrscheinlich +ist. – Das Wahre aber siehet sie nicht. +Wenn sie es sähen, würde es ihre Augen verbrennen. +– Aber die Blinden haben auch Augen.“ +</p> + +<p> +Danach schwieg er und sagte nichts mehr über +diesen Fall, erklärte sich auch nicht deutlicher. +</p> + +<p> +Dieser Umstand der Recognoscirung durch die +eigne Mutter beruhigte die Richter ganz und gar. +Sie dachten nun wohl, dass er ein Narr und +<pb n='369'/><anchor id='Pgp369'/>Kranker sei. Uebrigens bildete nicht die Familie +die Grundlage und Urform jedes gesunden Staatsorganismus? +Das heiligste Gut der Nation? Einer, +der nicht mal die Familie anerkannte, leugnete +das Bestehende durch diese Thatsache schon. – +Der Gelbe war für mindestens zwei Jahre und +kurzen Process. Aber die Herren amüsirten sich +zu gut bei dem Fall. Es machte ihnen Spass, +ihn auszuhorchen über seine Ansichten. Was er +von ihrer Justiz denke? Ob er mehr für deutsches +Recht sei oder für römisches? Auch fanden +sie verzwickte Streitfälle, die er entscheiden sollte. +Und ob er die Todesstrafe billigte oder missbilligte? +</p> + +<p> +Es war ein förmlicher Sport unter ihnen geworden. +Der dicke Amtsgerichtsrath war der +Lustigste. Er nannte ihn scherzhaft seinen Christus +und sich Pontius Pilatus. – Der Assessor dachte +an Berlin und die Blumensäle. Er war weit weg. +Der grosse Gelehrte fand, dass dergleichen die +Köpfe verwirrte. Er war sehr gegen Verwirrung +der Köpfe. Er hatte alle Materien in Schubfächer +und Unterschubfächer eingetheilt, und man wusste, +dass sein Urtheil unbestechlich war. Ueberdies +<hi rend='gesperrt'>fand</hi> er die Majestätsbeleidigung. Die Majestätsbeleidigung +lag sonnenklar. +</p> + +<pb n='370'/><anchor id='Pgp370'/> + +<p> +Besonders konnte ihn eine Behauptung des +Jovialen irritiren, dass der Fremde eigentlich ein +„genialer Kerl“ sei, ein religiöses Genie. +</p> + +<p> +„Genies – Genies – die hätte man auch +Alle einstecken sollen.“ +</p> + +<p> +„Auch Goethe?“ +</p> + +<p> +„Was ist Goethe? Ein Kerl, der keinen Patriotismus +hatte, einen unmoralischen Lebenswandel +führte.“ +</p> + +<p> +„Er ist aber doch Excellenz geworden.“ +</p> + +<p> +„Es kommt ja vor. Im Grunde ist das Alles +höherer Anarchismus, selbstverfertigte Autoritäten, +Parvenügewalten. Sehen Sie selbst Bismarck ...“ +Der eminente Jurist war ultramontan. +</p> + +<p> +„Aber Pommeränicke!“ Der dicke Polizeidiener +bildete das besondere Steckenpferd seines humoristisch +veranlagten Vorgesetzten. In seinen Mussestunden +schlachtete er Schweine, lieh Geld auf +Wucherzinsen und füllte in seiner kleinen Methodistengemeinde +ein kirchliches Amt aus. +</p> + +<p> +„Pommeränicke ist nothwendig, existenzberechtigt. +Pommeränicke <hi rend='gesperrt'>ist</hi>!“ +</p> + +<p> +„Die Fleisch und Fett gewordene Potenz des +mittleren Gerechtigkeitsgefühls. <hi rend='gesperrt'>Es lebe</hi> Pommeränicke!“ +</p> + +<pb n='371'/><anchor id='Pgp371'/> + +<p> +„Sie sind ein Farceur.“ Der Gelbe grollte und +kollerte in sich hinein. Er hasste, wenn man +irgend etwas, das mit einer Staatseinrichtung zusammenhing, +nicht ernsthaft nahm. Er war immer +ernsthaft. Lachen war eine Frechheit eigentlich. +Anarchismus, Majestätsbeleidigung. Nur pietätlose +Menschen lachten. +</p> + +<p> +Der Assessor hatte Besuch von Berlin. Diese +Damen und Herren wünschten innig ein Zuchthaus +zu besichtigen. Das Sociale war Mode. Man verständigte +sich mit dem Director. +</p> + +<p> +Auch der Amtsrichter und sein Freund waren mit. +</p> + +<p> +Alles interessirte ausnehmend. Die Hunderte +von kleinen Zellen mit starken Eisenbarren vor +den hohen Fensterluken, der Arbeitssaal, die +Kirche, wo die einzelnen Sitze durch Brettwände +abgetheilt waren, um eine Communication der +Sträflinge miteinander zu verhindern, der gepflasterte +Hofstreifen zwischen Steinwänden, in +dem sie ihre Spaziergänge machen. +</p> + +<p> +Alles war musterhaft eingerichtet, beinah comfortabel, +mit Lazareth, Apotheke, Badeanstalt. Und +diese wohlthuende Stille! „Förmlich nervenberuhigend,“ +meinte die Mama. +</p> + +<p> +Der Herr erkundigte sich, ob und unter welchen +<pb n='372'/><anchor id='Pgp372'/>Bedingungen geprügelt werden dürfte? Er liess sich +die Einrichtung erklären. Er war sehr überzeugt von +der Zweckmässigkeit solcher Strafen. Der affenartige +Gehorsam, mit dem die Sträflinge aufsprangen, +Antwort gaben, imponirte ihm. Er war selbst +Besitzer eines grossen industriellen Etablissements. +„Da haben Sie’s bequemer!“ meinte er scherzend. +</p> + +<p> +Die jungen Damen interessirten hauptsächlich +die Insassen. Besonders ganz schwere Verbrecher. +Sie waren fast enttäuscht, dass ihre Unthaten nicht +noch viel furchtbarer waren. Und waren Frauen +da? Sie baten und flehten, wenigstens einen +Ausblick auf die im Hofe Promenirenden thun zu +dürfen. – Es war so amüsant, durch die kleinen +Gitterfenster zu gucken, gerade als ob man wilde +Thiere beobachtete. So Einer konnte doch jeden +Moment ausbrechen und ihnen mit der Hand an +die Gurgel fahren. +</p> + +<p> +Dass Alle glattgeschoren und rasirt waren, +wunderte sie am meisten. „Die sehen ja fast wie +katholische Priester aus,“ meinte ein Offizier. +</p> + +<p> +Von da kam man auf physische Eigenthümlichkeiten, +Abnormitäten der Verbrecher zu sprechen. +Der Assessor als moderner Mann hatte sich mit +Anthropometrie befasst. Man citirte Charcot, Tarbe, +<pb n='373'/><anchor id='Pgp373'/>Lombroso. Es stand ja beinah fest, dass alle Verbrechen +Wahnsinn seien, erbliche Belastung, durch +Alkoholismus hervorgerufen: „Man müsste die +Leute einfach in Irrenanstalten unterbringen.“ +</p> + +<p> +„Oder blenden, verstümmeln,“ schlug Einer vor. +</p> + +<p> +Man rechnete genau aus, wieviel ein solcher +Zuchthäusler dem Staat jährlich kostete. Davon +konnte fast schon ein ehrlicher Arbeiter satt werden. +Zudem drückte ihre Arbeit die Preise der in Freiheit +Arbeitenden herab. Nun ja, das <anchor id="corr373"/><corr sic="jetsige">jetzige</corr> System +war dumm. +</p> + +<p> +Der Amtsgerichtsrath erzählte von einer Hinrichtung, +der er als ganz junger Mensch aus professionellen +und psychologischen Gründen beigewohnt +hatte. Es handelte sich um irgend einen +ganz entsetzlichen Mörder, einen Zwanzigjährigen, +der eine alte Frau, seine eigne Grossmutter, <anchor id="corr373a"/><corr sic="mi">mit</corr> +der Axt todtgeschlagen und zerstückelt hatte. Er +war nach vollbrachter That ruhig noch in ein Café +gegangen, um eine Parthie Billard zu spielen. Da +war er auch arretirt worden. +</p> + +<p> +„Sie ärgerte mich,“ blieb seine stereotype +Antwort auf alle Fragen nach den Beweggründen +seines Verbrechens. Er blieb ganz stumpfsinnig, +ass und trank und ergab sich in sein Schicksal. +</p> + +<pb n='374'/><anchor id='Pgp374'/> + +<p> +„Nun gut. Diesen Kerl habe ich genau beobachtet. +Er hatte nur etwas Verblüfftes, wie +Einer, der eben aus dem Schlaf geweckt und noch +nicht vollständig wach geworden ist. Alle Reden +des Pastors, der Gerichtsbeamten liess er ruhig +über sich ergehen. Noch zuletzt forderte er eine +Cigarette. – Alles hatte etwas Eiliges, Unvorbereitetes, +Gesudeltes, obgleich es feierlich sein +sollte, eindrucksvoll, wirksam. Dieser Mann starb +wie ein Ochse, der geschlachtet wird. Ich hatte +nur den Eindruck stupidester, verantwortungsloser +Dummheit.“ +</p> + +<p> +Man kam auf die politischen Verbrecher zu +sprechen, Verbrecher aus Mitleid, Nihilisten und +Fenier. Jeder wusste curiose Facta: Dieser hatte +jedes Stück Brot mit Aermeren getheilt. Ein +Andrer schrieb die sentimentalsten Verse und +päppelte kranke Hunde auf. Ein Dritter wieder +besass eine Geliebte, die mit ihm sterben wollte, +Freunde, die um ihn zu rächen ihr eignes Leben +dran setzten. Manche waren Märtyrer, Helden. +Spätere Jahrhunderte hatten ihnen Denksteine gesetzt. +</p> + +<p> +Der Contrast brachte den Gerichtsrath auf einen +andern Fall. „Da haben wir nun heute eine Frau +<pb n='375'/><anchor id='Pgp375'/>im hochschwangeren Zustand, die beim Jäten im +Garten ein Gericht Bohnen gestohlen hat. Die +Frau bekam für ihre Arbeit fünfundsiebzig Pfennig +Tagelohn. Sie war hungrig. Das Gericht Bohnen +hat einen Werth von fünfundzwanzig Pfennigen. +Die eigentliche wirkliche Gemeinheit ist die Anzeige +der Gartenbesitzerin, als der Arbeitgeberin, +die sie seit sechs Jahren beschäftigt. Die ärztliche +Wissenschaft, die Menschlichkeit sprechen sie frei. +Dennoch müssen wir sie verurtheilen, weil es der +Buchstabe will, weil es gedruckt steht. Wo bleibt +nun da die Vernunft?“ +</p> + +<p> +Der Amtsgerichtsrath zuckte die behäbigen +Schultern. „Schliesslich, meine Herrschaften – +was ist Vernunft?“ +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='376'/><anchor id='Pgp376'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Das zwanzigste Kapitel.</head> + +<p> +Der berühmte Professor wusch sich die Hände. +Er that das immer mit besondrer Umständlichkeit +und Sorgfalt, schon um des guten Beispiels +willen. Man musste ein Beispiel geben. +Uebrigens hatte er berühmt schöne Hände. +</p> + +<p> +„Es giebt nichts, was auf das Gehirn schädlicher +einwirkt, als religiöse Wahnvorstellungen,“ +sagte der grosse Mann. „Schon das Bedürfniss +einer Religion überhaupt. Ich will nicht mit einem +hochlöblichen Consistorium in Conflict kommen +oder auf den neuesten Paragraphen der Lex eingesteckt +werden ...“ Der Geheimrath geruhte +zuweilen dergleichen Witze, die immer auf brüllenden +Applaus rechnen konnten ... „Es ist bekannt, +dass Mohammed epileptisch war, an der Fallsucht +litt. Christus hatte in seiner Jugend die Satzungen +<pb n='377'/><anchor id='Pgp377'/>der Essäer angenommen, unter denen die Forderung +der absoluten geschlechtlichen Enthaltsamkeit, +neben strictem Vegetarismus, Fasten, Waschungen +aller orientalischen Kulte, obenan stand. Nun +weiss heutzutage Jedermann, dass die Unterdrückung +des Paarungstriebes die Ursache zahlreicher +Verbrechen, in vielen Fällen des Irrsinns +ist. Chassez le naturel, il reviendra au galop. +Die Natur, meine Herren! Die Wissenschaft ist die +erkannte Natur.“ +</p> + +<p> +Der Professor hatte seine Hände fertig gewaschen +und sorgfältig abgetrocknet. Er stand +jetzt, die Fingerspitzen beider gegeneinander gepresst. +Er wusste, dass er keinen Widerspruch +zu erwarten hatte. Er war nicht an Widerspruch +gewöhnt. Er verachtete ihn. +</p> + +<p> +„Es ist eine Schande für unser Jahrhundert, +dass derartige Erscheinungen noch möglich sind,“ +fuhr er streng fort, „dass der Aberglaube eine +solche Macht auf die Gemüther noch ausüben kann. +Allein die Ignoranz ist daran schuld, systematisches +Zurücksetzen des Wissenschaftlichen, des +Positiven in der Erziehung gegen Abstractionen, +sogenannte Moral. Ich bitte Sie, meine Herren! +Was ist Moral? Moral ist die Anforderung des +<pb n='378'/><anchor id='Pgp378'/>Magens in Einklang gebracht mit dem, was von +aussen diesen Magen befriedigen kann. Unsre +Moral, gesellschaftliche Moral ist das geregelte Productions- +und Consumtionsverhältniss. Moral endlich +ist eine Sache des Bluts, der Hirnpartikeln, +Zellenconglomerat. Die Zelle ist Alles.“ +</p> + +<p> +Der grosse Mann sah sich triumphirend um. +Er wusste, dass er etwas Grosses gesagt hatte. +„Wie es übrigens die Seele selber ist ...“ fuhr +er leutseliger fort. <anchor id="corr378"/><corr sic="Was">„Was</corr> ist Seele, als das vitale +Princip der Zellenschwingung auf das Abstracte +angewendet? In den ersten Zeiten brauchte man +Kutscher und Pferde für die Wagen. Dann machte +man’s mit Dampf. Jetzt treibt die Electricität +ohne äusserlich sichtbaren Fortbewegungsapparat. +Ein Grieche des Alcibiades hätte an Dämonen geglaubt, +ein Mönch des Mittelalters an den Teufel, +ein von den Missionaren bekehrter Wilder an +Gott. – Wir wissen, weil wir sehen. Wo wir +nicht mehr sinnlich wahrnehmen, haben wir nur +ein: Ignorabimus.“ +</p> + +<p> +Der Professor verbeugte sich gegen sein Publikum. +Er war eilig. Eine hohe Persönlichkeit +verlangte seine Autorität in schwierigen Nervenleiden. +„Grosse Ueberreizung,“ decretirte der +<pb n='379'/><anchor id='Pgp379'/>Professor. Ruhe, frische Luft, blutbildende Nahrung, +Pepton: Hygieia. +</p> + +<p> +Das hatte er selbst erfunden und sich patentiren +lassen. Der Professor verstand auch das. Er +war ein wirklich grosser Mann. +</p> + +<p> +Dabei machte er sich niemals durch Propaganda +missliebig. In seinem Wahlkreis wählte +er conservativ. „Für die Crapule ist das gut und +schön. Halbbildung bleibt das Allergefährlichste. +Das fehlte uns gerade noch, dass jeder Apothekerlehrling +auf eigne Hand Experimente anstellte. +Die Laien sind eben Laien.“ +</p> + +<p> +Es war eine Lieblingsredensart von ihm, dass +in der modernen Gesellschaft die Autorität des +Arztes die des Priesters ersetzt habe. Die Wissenschaft +war eine Macht, die Macht. Eigentlich +verachtete er alle Andern, die vielleicht momentan +viel Lärm machten, sich wichtiger dünkten. Sie +hatten das nicht nöthig. „Alles das sind Blasen, +flüchtige Gährungserscheinungen an der Oberfläche, +die die Grundbedingungen ganz unangetastet lassen. +Es ist das eben wie der Unterschied, ob ich mit +meinen Augen sehe oder durch ein sehr scharfes, +vollkommenes Instrument. – Der grösste Geist, +ein König, ein Eroberer ist doch schließlich nur +<pb n='380'/><anchor id='Pgp380'/>ein Laie, ein Decadent, ein Entarteter vielleicht. +Er betrifft uns eigentlich darum gar nicht, ändert +aber auch gar nichts an der Marche du jeu, den +einmal gewonnenen und festgelegten Resultaten. +<hi rend='gesperrt'>Wir</hi> passen ihn ein, nicht er uns.“ +</p> + +<p> +Er machte einen abschneidenden Eindruck, wenn +er dergleichen sagte, inmitten seiner Arbeitssäle +und Laboratorien, mit ihren kahlen, weissgestrichnen +Wänden, wo Instrumente und Präparate standen. +Alle diese Instrumente waren tadellos gehalten +und blinkten in der Sonne. Man sah alle Stoffe +in ihre primitivsten Elemente zerlegt. Diese geistvollen +Einrichtungen und Neuerfindungen arbeiteten +mit erstaunlicher Präcision und Genauigkeit. Der +Mann passte in dieses Milieu. Zusammen hatten +sie eine gewisse Grösse. Sein Colleg war immer +gedrängt voll. Es gab eine ganze neue Generation +von Jugend, die sich mit Stolz seine Schüler +nannten. Er hatte sein ganzes Leben geforscht +und gearbeitet. Arbeit und Forschung waren ihm +das Höchste. +</p> + +<p> +Man warf ihm den grossen, weltumwendenden +Einfluss des Christentums vor. Er hatte einen +jüngeren Freund und Collegen, der sich gern mit +dem Philosophischen befasste. +</p> + +<pb n='381'/><anchor id='Pgp381'/> + +<p> +„Das sind Epidemieen, die ganze Zeitalter +erfassen, wie die Blattern, die Beulenpest. Uebrigens, +was rechnen diese zwei- oder dreitausend +Jahre gegen die Tausende von Jahrtausenden, die +die Erdoberfläche gebraucht hat, sich zu bilden, +ein einziger Diamant zu seiner Crystallisation bedurfte! +Das ist Alles sehr gleichgültig.“ +</p> + +<p> +„Es haben sich doch Menschen dafür schlachten +und verbrennen lassen.“ +</p> + +<p> +„Menschen haben von jeher eine grosse Vorliebe +dafür gehabt, sich um hohle Töpfe die Schädel +zu zerschlagen. Wie Hamlet sagt: Worte – +Worte – Worte. Uebrigens dieser Hamlet ist +sehr interessant. In seinen Reflexionen auf dem +Kirchhof finden Sie alle Anfänge der Naturphilosophie. +Sie erinnern sich des Passus von Cäsar’s +Staub?“ +</p> + +<p> +„Trotzdem stach er sich um ein Phantom.“ +</p> + +<p> +„Hamlet war eben ein Künstler,“ sagte der +Professor beinah mitleidig. „Shakespeare war ein +grosser Dichter. Die grossen Dichter sind immer +sehr miserable Naturforscher. Nehmen wir Goethe! +Die Phantasie – die Phantasie!“ +</p> + +<p> +„Die Phantasie kann doch aber auch immer +nur Vorstellungen von Existirendem weiterspinnen. +<pb n='382'/><anchor id='Pgp382'/>Sie müssen irgendwie in der Natur mit vorhanden +sein.“ +</p> + +<p> +„In der Natur ist noch Vieles.“ Der Professor +zuckte die Achseln. „Wir wissen es nicht.“ +</p> + +<p> +Aber der Freund ereiferte sich. Er war jung. +Er neigte zur Phantastik. – Jemand Andres war +miteingetreten. Es war die junge Frau des Professors. +Sie war noch sehr jung, glücklich verheirathet +und sollte zum ersten Mal Mutter werden. +Sie sprach wenig. Es war etwas Schleppendes, +Sachtes in ihren Bewegungen. Sie trug den Nacken +gesenkt wie eine zu beschwerte Aehre. Der Professor +schob ihr sorgsam einen Stuhl zurecht. Sie +sah nur dankbar lächelnd zu ihm auf, und blieb +so sitzen, ihre Hand in seiner. +</p> + +<p> +„Es könnte doch aber eine Zeit kommen, dass +wir wüssten,“ argumentirte der Freund. „Und +wäre es nicht denkbar, dass besonders begnadete +Genies, sagen wir Shakespeare, Goethe, Christus, +Vieles vorgeahnt haben? Auch Geheimnisse +wieder verloren gingen? Waren doch schon die +Phänomene des Hypnotismus, der Autosuggestion +den Alten bekannt? Dass man mit ihnen +die Wunder der biblischen Geschichte erklären +könnte?“ +</p> + +<pb n='383'/><anchor id='Pgp383'/> + +<p> +„Ich weiss es nicht. Das erscheinen mir wieder +Speculationen.“ +</p> + +<p> +Der Andre war begeistert, einmal lancirt: +„Denken Sie sich auf diesem rein empirischen +Wege die Vereinigung des Uebersinnlichen mit der +Wissenschaft wiederhergestellt, im Fortschritt den +Aufschritt! Die Natur, die wir arm und nüchtern +auffassen, tausendmal reicher, üppiger, <anchor id="corr383"/><corr sic="wollüstiger">wollüstiger.</corr> +Eine beseelte Natur. Die <hi rend='gesperrt'>Seele</hi>, die wir suchen, +nach der wir verhungern, unsre Künstler, unsre +grossen Energieen, unsre Jugend – da hätten +wir die Seele! Im Christentum die Darwinsche +Theorie, Lombroso, Krafft-Ebing, kein Gut und +kein Böse, Tolstoi nicht mehr pathologisch, – +unser ewiges, elendes, billiges ‚pathologisch‘!“ +</p> + +<p> +Er gestikulirte heftig, den Sprüngen seiner Gedanken +folgend. Er war ein schöner, feuriger +Mensch, fuhr sich mit der Hand durch die dichten +Haarbüschel. +</p> + +<p> +Die junge Frau des Professors hatte aufmerksam +zugehört. Sie sagte nichts, sie dachte. Ein +sehr süsser, sehnsüchtiger Friede lag auf ihrem +Gesicht. +</p> + +<p> +„Sie sind ein Dichter,“ sagte der Professor. +„Enfin ... Wie wir uns drehen und wenden: +<pb n='384'/><anchor id='Pgp384'/>‚Ein Mensch, der speculirt‘ ... Carpe diem. Es +giebt keine Weisheit als diese.“ +</p> + +<p> +„Zarathustra? Zarathustra! Auch blos ein +pathologisches Problem jetzt – der Weisheit letzter +Schluss, das Endglied der grossen Kette. – Dionysos! +Die Entfesslung aller Kräfte. Flügel! Flügel! +Flügel!“ +</p> + +<p> +„Wir müssen uns an die Erde, an das Normale +halten.“ +</p> + +<p> +„Und das heutzutage Uebernormale, das Unternormale? +Wo bringen wir das unter?“ +</p> + +<p> +Das offne Gesicht des Freundes glühte. Er +stand da in einer Pose des Kampfes mit gereckten +Fäusten. +</p> + +<p> +Die junge Frau sah von einem der Männer +zum andern. Sie litt nicht. Aber sie war müde +– von einer süssen Müdigkeit. Das beschwerte +sie, aber machte sie froh. – Ihre Augen hatten +sich verschleiert. Es war, als ob sie sähe, in etwas +sehr Helles, Glänzendes sähe. Aber sie sprach nicht. +Ein träumendes Fühlen war in ihrem Sehen. ... +</p> + +<p> +Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: +„In unsern Irrenhäusern.“ +</p> + +</div><div type="chapter" rend="page-break-before: always"> +<pb n='385'/><anchor id='Pgp385'/> +<index index="toc"/><index index="pdf"/> +<head>Ende.</head> + +<p> +Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, +ein Complex langgestreckter, gelber Häuser, +am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee +führte eine Fahrstrasse, alleeartig mit Bäumen bestanden. +Rechts und links lagen Felder. Die +leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort +unter der Aufsicht eines Wärters. +</p> + +<p> +Man sah sie Kohlstrünke ausreissen, Gräben +ziehen, jäten. Manchmal lachte einer seltsam, +kichernd, unmotivirt. +</p> + +<p> +Die Vorübergehenden auf der Chaussee blieben +wohl stehen und sahen sie an. Sie stiessen sich +mit den Ellenbogen. „Irre!“ Das interessirte sie. +Sie fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls +erwarteten sie Außerordentliches. Vielleicht +<pb n='386'/><anchor id='Pgp386'/>dass Einer sich auf seinen Wärter stürzte und ihn +erdrosselte oder etwas Aehnliches. +</p> + +<p> +An der Chaussee lagen die Wärterhäuser. Sie +sahen schmutzig grau aus mit kahlen Fenstern. +Es war einsam hier und nicht behaglich. Der +fegende Wind über die Ebene traf sie von allen +Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges. +</p> + +<p> +Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebäude. +Es war mit einer hohen rothen Backsteinmauer +umgeben. Man hörte Gänsegeschnatter. Ein fauliger +Gestank von Dünger verpestete die Luft, die +scharf war, prickelnd, wie im Winter schon. +</p> + +<p> +Alle Felder lagen unter Dünger und waren +kahl. Auch der Rasen am Feldrain sah verbrannt +aus. Ueber der ganzen Landschaft lagerte die +üble Laune des Novembers, eine Stimmung des +Unbehagens und der Trostlosigkeit, die der blaugrüne +Saum der Kiefernwälder nicht unterbrach. +Sie zogen sich nach allen Seiten. Sie schienen +das natürliche Moos dieser graubraunen Erde, +stumpf, ohne Leben und Wechsel, langweilig. Das +ist kein Wald. Das ist Haide. +</p> + +<p> +Das Mittelgebäude in der Anstalt selbst enthielt +die Wohnungen des Directors, der Oberärzte. +Man hatte eine Kapelle für die Irren, +Gesell<pb n='387'/><anchor id='Pgp387'/>schaftssäle, Bibliothek- und Musiksaal. Die Räume +waren mit dem neuesten Comfort, Gas, und Centralheizung +ausgestattet. Die vergitterten Fenster zeigte +man nur nach dem Garten zu, auf der Rückseite. +</p> + +<p> +Alles war beinah elegant. Man versicherte gern, +dass sich die Kranken da außerordentlich wohl +fühlten. Sie würden gar nicht wieder wo anders +leben mögen, selbst wenn man sie liesse. Dies +war Wohlthat für überreizte Nerven. +</p> + +<p> +Die Aerzte sagten immer: „Die Kranken.“ Der +Ausdruck Verrückte oder Irrsinnige beleidigte sie +fast. Noch mehr der dumme Aberglauben des +Publikums. Das war eine Krankheit so gut wie +jede andre, mit ganz bestimmten, anatomisch nachweisbaren +Veränderungen im Gehirn, Störungen +des Sensoriums und der Motilität verbunden. Mit +der mönchisch-moralistischen Betrachtungsweise solcher +Erscheinungen in früheren Jahrhunderten hatte +man ja Gott sei Dank! aufgeräumt. Aufgeklärte +Leute traten gern dagegen auf. Sie waren sogar +zu Gesellschaften in der Anstalt gewesen und +hatten sich sehr gut unterhalten. Oder zum Gottesdienst +am Sonntag. Es gab da hinter den Mauern +sehr geistreiche und gebildete Leute. Diese Legenden +von Zwangsjacken, Tollwuth, rohen, prügelnden +<pb n='388'/><anchor id='Pgp388'/>Wärtern erzählten sich Köchinnen. – Es war wirklich +angenehm da zu existiren. Aufgeklärte Leute +versicherten, dass sie sofort bei der ersten Störung +ihres Nervensystems in eine solche Anstalt gehen +würden. Es war das einzig wahre Mittel, sich +zu curiren. +</p> + +<p> +Von Zeit zu Zeit erschoss sich ein Arzt. Er +hatte an sich selbst die Fortschritte der Krankheit +beobachtet und genau festgestellt: Noch so und +so lange. Dann greift man zur Pistole ...... +„Kranke eben.“ +</p> + +<p> +Es gab so viel Krankheitsursachen im modernen +Leben: Lärm, Pferdebahngebimmel, electrische +Bahnen, der immer härter werdende Kampf um’s +Dasein, Rastlosigkeit. Die Zeit verbrauchte die +Menschen. Da hinten lagen die Ungethüme, Grossstädte, +die sie schickten. Hier war’s still. Gesunder +Kiefernadelduft. +</p> + +<p> +Es gab sehr interessante Sujets unter den Internen: +Einige, die am Verfolgungswahn litten; +eine ältere adelige Dame glaubte, dass man sie +in ihrem Standesgefühl beleidigen wollte; dann +der Mann, der einen Schatz gefunden hatte; Einer, +der sich einbildete, der Kaiser Napoleon zu sein; +besonders scherzhaft war der sogenannte „Gott Ra“, +<pb n='389'/><anchor id='Pgp389'/>eine Persönlichkeit, die plötzlich mitten im Gespräch +abbrach, die Kiefern auf- und zuschnappte, als ob +er etwas verschlänge. Alle diese waren ungefährlich, +lebten beinah glücklich. Da waren welche, +die die griechischen Tragödien in der Ursprache +lasen, sich mit Forschungen beschäftigten. +</p> + +<p> +Auch die Blödsinnigen litten ja nicht. Diese +Menschen wurden Thiere. Die Hauptsache für sie +war Essen und Trinken. Sie hatten keine Ahnung +von ihrer Degradation. – Das Publikum macht +sich so falsche Vorstellungen. +</p> + +<p> +Es war unangenehm, dass einmal eine ältere +Dame eine Häkelnadel verschluckt hatte. Natürlich +war es den Wärterinnen streng verboten gewesen, +Derartiges zu arbeiten, oder dass die Wärter an +Kranke Schnaps verkauften. – So etwas kam +überall vor. Man konnte nicht vorsichtig genug +sein in der Auswahl des Materials. Das war die +wichtigste Frage. +</p> + +<p> +Es war ein sehr friedlicher Platz. Im Sommer, +wenn Alles grün ist, war es noch viel schöner, +beinah heiter. Der Kiefernwald erstickt. Man +hatte die Gitter sehr weit vorgeschoben, immerhin. +Und man musste sich gegen die Neugier des Publikums +<anchor id="corr389"/><corr sic="schüfzen">schützen</corr>. Die Leute, die da wohnten, waren +<pb n='390'/><anchor id='Pgp390'/>Stille. Ihre Angehörigen bezahlten für sie, erster, +zweiter oder dritter Klasse, je nachdem sie vermögend +waren. Erster Klasse hatte man natürlich +bessres Essen und mehr Luxus. Die ganz +Unbemittelten übernahm der Staat. Sie machten +auch allerlei Arbeiten. Wohlwollende Besucher +kauften von diesen Arbeiten. Alle waren immer +entzückt von der Reinlichkeit, Vortrefflichkeit und +practischen Anlage der Anstalt. Wirklich! Die da +hinein kamen, waren nicht zu bedauern. Sie waren +in einem Hafen förmlich. Die Bilder grosser Ärzte +und Philanthropen schmückten das Wartezimmer. +Es war ein Segen, dass die Wissenschaft dies +übernommen hatte. Wenn man dachte, welche +Zustände früher herrschten! +</p> + +<p> +Man konnte seine theuersten Angehörigen mit +der grössten Seelenruhe dalassen. Was sollte +man denn auch thun? +</p> + +<p> +Ab und zu dann ein Begräbniss. Ernst, ohne +Prunk. Es war vorüber. Er oder sie waren +„erlöst“. Eine grosse Last war von den Schultern +ihrer Familie genommen. Fast konnte man sie +beneiden um den Frieden. Man musste zurück. +In den Kampf. In’s Laute. +</p> + +<p> +Sie waren nicht sehr interessant. Etwas zwischen +<pb n='391'/><anchor id='Pgp391'/>Kindern und Thieren. Sogar ihre Leiden waren +halb komisch, eingebildete Leiden. Man giebt +ihnen Alles zu wie Kranken. Jedermann ist gut +und wohlwollend gegen diese Unglücklichen. +</p> + +<p> +Bei Vielen ist die Krankheitsanlage erblich. +Sie sind idiot, ganz harmlos. Man muss sie einschliessen, +wenn sie gemeingefährlich werden. +Jedermann kennt solche Erscheinungen in Dörfern, +abgelegenen Gebirgshöfen. Man nannte sie „Gottes +Narr“, Fexe, Gezeichnete. Heilbar sind solche secundären +Formen der Geisteskrankheiten selten. +Dann giebt es Wahnsinn, Schwermuth. Diese Leute +können ganz lichte Zeiten haben. Sie kehren wohl +von Zeit zu Zeit wieder in ihre Familien, ihre +Umgebung zurück. Aber irgendwie tragen sie eine +Kette am Fuss. Eine Schraube bleibt locker. +</p> + +<p> +Immer wieder wollten die Damen wissen, ob +die Kranken „es fühlen“, sich ihrer mentalen +Abirrung bewusst sind, unter dem Stigma leiden? +Man las darüber so Schauerliches in Romanen. – +Nur die Melancholischen leiden. Sie empfinden +wirkliche neuralgische, acute Schmerzen. Ganz +hoffnungslos sind die mit fixen Ideen Behafteten, +oder solche, die religiöse Wahnvorstellungen haben. +Sie hatten eine sehr feine, dreissigjährige Dame +<pb n='392'/><anchor id='Pgp392'/>aus gutem Hause, die an erotischem Wahnsinn litt. +Eine Dame, sonst sehr scheu und wohlerzogen! +</p> + +<p> +Man rief berühmte Beispiele zurück: Torquato +Tasso, Johanna von Castilien, Ludwig von Bayern. +War Hamlet wahnsinnig gewesen, oder König Lear? +</p> + +<p> +Aber ein Thema interessirte sie Alle. Sie hatten +ein wirklich interessantes Sujet, einen Clou. Das +kitzelte nicht nur die Damen. +</p> + +<p> +Die erste Intelligenz der Zeit, die brillanteste, +genialste. Der Mann, dessen Adlerflug die Welt erst +schweigend, dann mit wüthenden Verwünschungen +in glühender Bewunderung verfolgt hatte. +</p> + +<p> +Jetzt, wo er wahnsinnig war, konnte man ihn +ja ungehindert bewundern. Niemand hatte mehr +eine Concurrenz zu befürchten, seinen schneidenden +Hohn schlimmer als seine Verachtung. Aus +dem Löwenfell des grossen Mannes hatte man +sich kleine Fellchen geschnitten, die so gut standen. +Was konnte man da interpretiren, insinuiren, Kapital +schlagen. Aus diesem ungeheuren Brachfeld, +das er mit den Schätzen einer ungehobnen Welt +hinterlassen. Seine Fehler und Extravaganzen vermied +man natürlich. Er war ja eben bekanntlich ... +Ein Strich über die Stirne vollendete den +Gedanken. +</p> + +<pb n='393'/><anchor id='Pgp393'/> + +<p> +O ja! Für den interessirte man sich. Gedichte, +Blumen wurden für ihn gesandt. Alle Augenblicke +standen in den Zeitungen gefälschte Interviews. +Es bildete den beständigen Aerger der +Aerzte. Sie hatten es doch so klar gesagt: Eine +organische Krankheit, colossale Ueberanstrengung, +verschärft durch Schlafmittel, Narcotica. – Es +wurde Zeit, dass endlich einmal mit dem alten +Aberglauben aufgeräumt wurde. +</p> + +<p> +Fromme Leute betrachteten diesen Irrsinn als +eine gerechte Strafe des Himmels. In ihren Augen +war er der Antichrist. Man sah Gottes Gericht +recht deutlich! Der Titan, der Ihn anzugreifen gewagt, +Felsblöcke gegen Ihn geschleudert und jetzt +ohnmächtig und gebrochen im Stuhl sass in einer +Irrenhauszelle: „Ich bin dumm. Ich bin dumm.“ +</p> + +<p> +Selbst die, die nicht so weit gingen, moralisirten +über den Fall auf ihre Weise. „Bleib’ im +Land und nähr’ Dich redlich.“ Hier sah man, +wohin das Gegentheil führte: „die grosse Kunst +macht Dich rasend.“ Wozu auch? Wenn man +arbeitete, recht that, kam man immer noch zurecht +auf dieser Welt. Der religiöse Aberglaube +war zu missbilligen. Ebenso wie die rohe +Ausschweifung. Das Leben fand schon immer +<pb n='394'/><anchor id='Pgp394'/>die Mittellinie. Es ist gut auf der Mittellinie +bleiben. +</p> + +<p> +Es war ja freilich wahr, dass jeder Esel ebenso +gut wahnsinnig werden konnte. Sie blieben doch +überzeugt, dass Müller es zum Beispiel nie würde, +und Buchholz ebenfalls nicht. Diese würden sich +auch nie das Leben nehmen oder mit der Polizei +in Conflicte gerathen. +</p> + +<p> +Die Fachleute bemühten sich vergebens, das +ganz Natürliche, rein Anatomische des Vorgangs +auseinander zu setzen. Ein junger Arzt zeigte +zur Exemplificirung sorgfältig präparirte Plättchen, +auf denen man den Verlauf der Aederchen im +Gehirn normal und anormal verfolgen konnte. +Ordentlich niedlich anzusehen waren diese Präparate, +etwa wie Blumenblättchen, fettig-weiss und +rosig durchzeichnet. – Einige Damen grauten sich +davor, – immer zurück in der Cultur, diese Frauenzimmer! +Der junge Gelehrte liebte seine Plättchen. +Er zitterte, ihren Schatz zu bereichern. Für ihn +war auch dieser Kranke nur ein Object. +</p> + +<p> +Ganz Intime waren zuweilen zugelassen worden. +Sie erzählten, dass der grosse Philosoph im Rollstuhl +auf der Terrasse gesessen. Er sah in die +sinkende Sonne. Er schien ganz „friedlich“, der +<pb n='395'/><anchor id='Pgp395'/>kranke Adler. Man nahm ein ganz angenehmes +Gefühl mit fort der allgemeinen Rührung und +der eignen speciellen Empfänglichkeit für schöne +Emotionen. +</p> + +<p> +Uebrigens hatte er’s gut. Erster Klasse sogar. +Mancher hatte es nicht so. +</p> + +<p> +Was dachte er in den langen vierundzwanzig +Stunden des Tages seit sieben Jahren? Die Aerzte +versicherten, Nichts. Er lächelte. Er wartete ... +Es war doch furchtbar. Der Mann des jauchzenden +Lachens, der sich selbst die Stirn mit Rosen +bekränzt und das schwache Mitleid verachtete. – +Nun, das war immer schon Wahnsinn gewesen. +</p> + +<p> +Den Schluss der Besichtigung bildete immer +die Kapelle. Nur ein steinernes Kreuz stand hinter +dem Altar. Eine Lebensähnlichkeit, Blut und Nacktheit, +hätte die Kranken gestört. Man musste vorsichtig +sein. Eine Frau in schwarzen Schleiern +weinte zu seinen Füssen. Sie bildete sich ein, die +Pietà zu sein. Sieben Schwerter des Weltwehs +gingen durch ihren Busen. Sie weinte immer – +immer. Eine vornehme Frau aus reichen, guten +Verhältnissen, Mutter und Gattin. – Man liess +sie, weil sie ganz sanft und ungefährlich war. +</p> + +<p> +Ein engelschönes, blödsinniges Kind, das +<pb n='396'/><anchor id='Pgp396'/>zwischen den Bänken hantirte, nickte und lachte +geheimnissvoll. Die Geschlechter schienen hier +seltsam verwoben. Man wusste nicht, ob es ein +Knabe oder ein Mädchen war. Die Aerzte erklärten +ihn für einen Adolescent von sechzehn +Jahren. Er lief überall frei umher. Die Kapelle +war sein Lieblingsaufenthalt. Er bildete sich ein, +ein Chorknabe zu sein, schwang sein Räucherfass, +bückte sich und nickte und küsste dann mit Inbrunst +die Altarstufen. Dieser Jüngling war immer +glücklich, von einer Serenität der Cherubim. Jeder +verwöhnte und liebte ihn. +</p> + +<p> +Auch von dem neuen Patienten wurde gesprochen, +diesem „Fremden“ der Zeitungen und Verhandlungen, +der sich einbildete, Christus zu sein. +</p> + +<p> +Der Arzt erklärte, dass dies eine häufig vorkommende +specielle Form des religiösen Wahnsinns +sei: „Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, +eine Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. +In Wahrheit ist dieser Mensch ein schwachsinniger +Zimmermannssohn aus dem Württembergischen. – +Braucht man bündigere Beweise, dass es Zeit ist, +mit dem alten Priesterhocuspocus aufzuhören?“ +</p> + +<p> +Eine der Damen sah ihn lange an: „Er hat +schöne Augen ...“ +</p> + +<pb n='397'/><anchor id='Pgp397'/> + +<p> +Die Besucher gingen wieder. Es fing auch +schon an dämmrig zu werden. +</p> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 50%" /> + +<p> +Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals +Geklärtes, vor dem denen, die es später sich erzählten, +die Haare sich sträubten, wo die Vernünftigsten +den ewigen Blödsinn der Dinge zugeben +müssen und stumpfe Hirne peitschende +Schauer der Unwelt fühlen. +</p> + +<p> +In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, +den Ewig-Stummen, den zum untersten Abgrund +Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, +wer den Andern herführte, welcher +furchtbare Auftritt stattgefunden zwischen diesen +Beiden, deren Einen Keiner kannte. +</p> + +<p> +Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. +Die Stricke waren seine Kleider, die er sich +abgerissen hatte. Aus zertrümmertem Holzgeräth, +Bänken und Stühlen, hatte er Nägel, Eisentheile, +geklaubt. Dieser ganz nackte, misshandelte Leib +war buchstäblich zerstossen, zerschunden, erwürgt +damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, +er lachte. Mit einem schweren zugespitzten Holzstück +sah man ihn grosse Streiche führen nach +<pb n='398'/><anchor id='Pgp398'/>der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwärzliches +Blut troff: +</p> + +<p> +„Du hast die Welt zerstört! Du! Du!... +</p> + +<p> +„Die Schönheit hast Du getödtet, den Ruhm, +die Lust! +</p> + +<p> +„Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. +Du hast ihnen das Gift in’s Herz geträufelt. Schlange +Du! Erste Schlange! Verfluchte! +</p> + +<p> +„Mit Deinen zerrissnen Händen hast Du die +Kraft unsrer Hände zerbrochen. +</p> + +<p> +„Deine Füsse, die angenagelt sind, haben uns +festgebohrt. +</p> + +<p> +„Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut. +</p> + +<p> +„Die Stricke umwürgen unsre Leiber und machen +sie hässlich. +</p> + +<p> +„Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre +Hirne gedrungen ... Die Dornen von Deiner Stirn! +Die Dornen!“ ... +</p> + +<p> +Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. +Er hatte seine Haare gepackt zu beiden Seiten des +Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Händen, über +und über mit Blut beschmiert, raufte er sie aus +in vollen Fäusten. +</p> + +<p> +Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, +schauerliche Brüderlichkeit in diesen beiden +ge<pb n='399'/><anchor id='Pgp399'/>marterten, verrenkten Leibern, dem todten und +dem lebendigen, dem, der vollendet hatte und +dem, der niemals vollenden würde, ... seinen +Gliedern gekrümmt und schlaff geworden durch +das Sitzen, die Schreibtischarbeit, den Händen zu +fein und zu lang, die nicht mehr fassen konnten, +verkrüppelten, zagen Füssen, die das Gehen verlernt. +Viel zu hoch war diese Stirn, blass vom +Gedanken, vorgeschoben über das ganze übrige +Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die +wirren Haare bildeten eine fürchterliche, struppige +Aureole. +</p> + +<p> +Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz +packte, es ihm hinschleuderte in Hohn und Verzweiflung: +„Teufel! Teufel!“ +</p> + +<p> +– – – Der Blödsinnige lachte, sein leises, +triumphirendes Lachen. Er that, als ob er sein +Weihrauchfass schwänge, bückte sich und küsste +die Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern +weinte. Ein monotones, endloses, zweckloses +Weinen ... +</p> + +<p> +Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, +mitleidig, erhaben, sah herab. +</p> + +<p> +Der Kopf hatte sich etwas zur Seite geneigt. +Die Augen unter den bleichen Lidern waren +ge<pb n='400'/><anchor id='Pgp400'/>brochen. Aber die Lippen standen ein wenig +geöffnet, als ob Ihn dürstete. Er hielt die beiden +Arme nach oben ausgebreitet. Aus seiner geöffneten +Seite unter der Brust floss das Blut. +</p> + +<p> +Das Blut floss. +</p> + +<p> +Es tropfte auf die grauen, breiten Steinfliesen +des Fussbodens. Die Fliesen blieben grau und +steinern. Eine rothe, schmerzliche Lache hatte +sich auf ihnen gebildet. Der Stein färbte sich +violett unter ihr. +</p> + +<p> +Beständig aus dem blutenden, durchbohrten +Herzen fielen die Tropfen. +</p> + +<p rend="margin-top: 4; text-align: center; font-size: small"> +Druck von Ramm & Seemann in Leipzig. +</p> + +</div></body> + <back> + <div rend="page-break-before: always"> +<pb n='401'/><anchor id='Pgp401'/> + +<p> +Von demselben Verfasser ist erschienen: +</p> +<table rend="tblcolumns: 'lw(55m) l l'; latexcolumns: 'p{6.5cm}ll'"> + <row> + <cell><hi rend="bold">Ein Narr.</hi> Roman.</cell> + <cell>Mk.</cell> + <cell>3.–</cell> + </row> + <row> + <cell><hi rend="bold">Die Jungen.</hi> Roman.</cell> + <cell>"</cell> + <cell>3.–</cell> + </row> + <row> + <cell><hi rend="bold">Misere.</hi> Roman.</cell> + <cell>"</cell> + <cell>3.–</cell> + </row> + <row> + <cell><hi rend="bold">Nixchen.</hi> Ein Beitrag zur Psychologie + der höheren Tochter. Fünfte Auflage.</cell> + <cell>"</cell> + <cell>1.50</cell> + </row> + <row> + <cell><hi rend="bold">Häusliches Glück.</hi> Aus den Papieren + eines Ehemannes.</cell> + <cell>"</cell> + <cell>1.50</cell> + </row> +</table> + </div> + <div rend="page-break-before: right; x-class: boxed"> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Bemerkungen zur Textgestalt</head> + + <pgIf output="txt"> + <then> + <p>Im Original gesperrt gesetzte Passagen sind durch Unterstrich (_) gekennzeichnet, + Fettdruck durch Sternchen (*).</p> + </then> + <else> + </else> + </pgIf> + <p>Variierende Schreibweisen wurden nicht korrigiert, mit Ausnahme folgender + offensichtlicher Druckfehler:</p> + <list> + <item><ref target="corr007">Seite 7</ref>: „wei“ geändert in „weit“</item> + <item><ref target="corr015">Seite 15</ref>: „neber“ geändert in „neben“</item> + <item><ref target="corr049">Seite 49</ref>: „erwartefe“ geändert in „erwartete“</item> + <item><ref target="corr058">Seite 58</ref>: „Krankeit“ geändert in „Krankheit“</item> + <item><ref target="corr071">Seite 71</ref>: Punkt geändert in Komma hinter „ausgebrütet“</item> + <item><ref target="corr118">Seite 118</ref>: „Gattenadjudanten“ geändert in „Gattenadjutanten“</item> + <item><ref target="corr167">Seite 167</ref>: Anführungszeichen ergänzt hinter „Worte!“</item> + <item><ref target="corr194">Seite 194</ref>: Anführungszeichen ergänzt vor „Ihr“ + und <ref target="corr194a">„O“</ref></item> + <item><ref target="corr247">Seite 247</ref>: doppeltes „legen“ entfernt</item> + <item><ref target="corr255">Seite 255</ref>: „wir“ geändert in „wie“</item> + <item><ref target="corr261">Seite 261</ref>: „gegewesen“ geändert in „gewesen“</item> + <item><ref target="corr291">Seite 291</ref>: „tand“ geändert in „stand“</item> + <item><ref target="corr312">Seite 312</ref>: Anführungszeichen ergänzt hinter „verkümmern.“</item> + <item><ref target="corr316">Seite 316</ref>: Komma geändert in Punkt hinter „rührten“</item> + <item><ref target="corr324">Seite 324</ref>: „Alllem“ geändert in „Allem“</item> + <item><ref target="corr344">Seite 344</ref>: „Perdeäsern“ geändert in „Pferdeäsern“</item> + <item><ref target="corr373">Seite 373</ref>: „jetsige“ geändert in „jetzige“, + „mi“ in <ref target="corr373a">„mit“</ref></item> + <item><ref target="corr378">Seite 378</ref>: Anführungszeichen ergänzt vor „Was“</item> + <item><ref target="corr383">Seite 383</ref>: Punkt ergänzt hinter „wollüstiger“</item> + <item><ref target="corr389">Seite 389</ref>: „schüfzen“ geändert in „schützen“</item> + </list> + </div> + <div rend="page-break-before: right"> + <divGen type="pgfooter" /> + </div> + </back> + </text> +</TEI.2> diff --git a/36227.txt b/36227.txt new file mode 100644 index 0000000..03d021f --- /dev/null +++ b/36227.txt @@ -0,0 +1,8636 @@ +The Project Gutenberg EBook of Der Fremde by Hans von Kahlenberg + + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no +restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Der Fremde + +Author: Hans von Kahlenberg + +Release Date: May 25, 2011 [Ebook #36227] + +Language: German + +Character set encoding: US-ASCII + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + + + Der Fremde. + + Ein Gleichniss + + von + +Hans von Kahlenberg. + + +Dresden und Leipzig. +_Verlag von Carl Reissner._ +1901. + + + + + + + DAS ERSTE KAPITEL. + + +Es war Weihnachtsabend. + +Das Wetter war schlecht gewesen seit Wochen schon, keine Kaelte, aber +bestaendig sickerte von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. Der +Himmel schien sehr nah an die Erde gerueckt, die Grenzlinien beider +vermischten sich in diesem Grau, das Alles einhuellte, aufloeste, aus der +Erde kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender Schicht. Wie durch +einen Schleier gewahrte man die naechsten Gegenstaende, kahle Baumstuempfe +verkuemmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, und Telegraphenstangen. +Sie folgten sich in regelmaessigen Abstaenden wie Schildwachen einer +ungezaehlten einzingelnden Armee, die man nicht sah, die da im Nebel +lauerte, wo er sich zu verdicken schien, braun wurde, mit schwarzen +Ausstroemungen, die sehr lange Linien durch die Luft zogen und haengen +blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack in die scharfe Kaelte, den +Moorgeruch der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte sie der +Regen, unbarmherziges, Alles durchdringendes Gewaesser, in dem die letzten +Lebensreste des Sommers sich aufloesten, verfaulten.... Irgendwo da - sehr +weit ab noch - vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hoerte man Eisenbahnzuege +kreischen; sie glitten rasch auf rohaufgeworfenen Daemmen mit Alarmrufen +der Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille und der Nebel +herrschten wieder, eine unheimliche, lastende Stille, hinter der das +ueberreizte Ohr Laerm zu vernehmen glaubte - des Meers, oder einer Schlacht. +Ein heissrer Athem streifte von da zuweilen: Menagerie, Kuechengeruch, +Schweiss, - diese undefinierbare Atmosphaere, die die Naehe einer grossen +Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, ueberquaelten Lungen des +zusammengepressten Menschheitsorganismus, wo die natuerliche Luft nicht +genuegt, verbraucht lasten bleibt, in einem Nebel, der nicht weggeht, sich +erhitzt am Abend von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen aus +athmenden Bruesten. + +Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. Ihre ganze Oberschicht +bestand aus einem weichen, feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel +ansetzte, sofort krustete; und vor allem war er kalt, von einer Kaelte des +Eiswassers, unterer Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne sahen. +Er trug sich schwer; auf der Hoehe des Strassendammes zog er sich endlos +hin, kleine Teiche bildend, Runzeln und Raender, die Spuren unzaehliger +Menschenfuesse, Pferdehufe, die da gegangen waren. + +Manchmal schleppte sich ein Lastwagen muede vorueber. Die Raeder knatterten +auf dem harten Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von oben bis +unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten die Pferde. Unter seiner +gelben Plancapotte liess der Fuhrmann misstoenige Laute des Unbehagens +vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er hatte Eile anzukommen, sich von +Neuem zu fuellen mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit wegnahm, +die sich in grauer Schicht aus diesem sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. +Auch raschere Gefaehrte rollten vorueber, Baecker- oder Fleischerwagen aus +den Vororten mit warmgekleideten, wohlgenaehrten Insassen. Jetzt liessen +sie die Gaeule ausgreifen, um nach Hause zu kommen, knallten mit der +Peitsche im Vorgefuehl der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter +Abendbrottische. + +Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten frueher Feierabend gemacht wegen +des Festes, und es wurde spaet. Da und dort an den Bahnkoerpern entzuendeten +sich Lichter. Sie konnten nicht ankaempfen und blieben wie blasse +Wasserflecken in dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel wurde, vom +Weissgrau des sonnenlosen Tages zum Schwarz der Winternacht, die da ueber +die Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, bis auf die +Chaussee, die sich hinzog ohne Baeume, ein endloser Landstreifen durch die +Oede. + +Zwei Handwerksburschen zogen auf der Chaussee entlang. Es waren +Arbeitslose. Der Eine war ein Boettchergesell aus Greifenberg in Pommern, +der Andere zog schon seit lange so. Er hatte Drechseln gelernt. Aber das +Handwerk warf nichts ab; vielleicht war ihm auch nach und nach die +Gewohnheit der regelmaessigen Arbeit verloren gegangen. Er war der +bedeutend Aeltere. Die Beiden hatten sich in der Herberge zur Heimath in +Bernau kennen gelernt und zogen nun auf Berlin zu, die grosse Metropole +der Arbeit und des Verdienstes, um da ihr Glueck zu versuchen. + +Der Juengere war aengstlich; dennoch voll guter Hoffnungen. Er begriff es +nicht, dass ein Mensch, der arbeitsam und maessig war, arbeiten wollte, +keine Arbeit finden sollte. Er glaubte an ein voruebergehendes +Missgeschick. Berlin sollte ihm Glueck bringen, obwohl es ihm Furcht +einfloesste. + +Er war ein Junge, der zu Hause aus ganz kleinen, aber geordneten +Verhaeltnissen kam. Sein Vater war beim Torfstechen ertrunken. Er hatte fuer +die Mutter und drei kleine Geschwister mitsorgen muessen; alles das hielt +sich ueber Wasser, lebte sehr respektabel. Er war ein Kind geblieben, mit +runden, erstaunten Augen, die vergebens den Nebel zu durchforschen +schienen, etwas aengstlich vor dem Gefaehrten an seiner Seite, aber doch +gefuegig gegenueber dessen groesserer Welterfahrung, beeindruckt vom Cynismus +seiner Reden und Handlungen. + +Der war ein ziemlich wuester Gesell, der durch die halbe Welt gerollt war. +Man wusste nicht, woher er kam, und er sprach nicht davon. Seine Papiere +wiesen allerlei Bestrafungen auf, fuer Diebstaehle, Widersetzlichkeiten. Das +hatte ihn nicht gebrochen. Es lag Hohn und Trotz gegen die Gesellschaft in +seiner Art, das Bewusstsein eines Ichs, der Kraft, in diesem Menschen, der +mit klaffenden Schuhen ueber die Landstrasse stapfte, Hass gegen die Kaelte, +der er den Alkohol entgegensetzte, den brennenden Rausch, der besser hitzt +wie Feuer. + +Ein gewisser Galgenhumor kam ueber ihn, waehrend sein Gefaehrte aengstlich in +seine blaugefrornen Finger pustete, die besten Stellen im Matsch +aussuchte, um seine Fuesse zu schonen, vor allem die Schuhe, die trotzdem +schon barsten, Wasser einliessen, das sickerte, quietschte zwischen den +Sohlen. + +Der Kumpan sah es mit gutmuethigem Spott: "Gieb's nur auf, kleiner Richard! +Das nuetzt Dir nichts. Das frisst sich durch Pelz und Wolle, um so mehr +durch Lumpen und Loecher. Dagegen giebt's nur eins!" + +Er bot dem Andern die Flasche, die der aengstlich zurueckwies. So leerte er +sie selbst auf einen Zug. + +"Das giebt wenigstens Muck! Das ist die einzige vernuenftige Erfindung in +diesem elenden Hundedasein. Sie sagen, der Teufel hat sie gemacht. Mich +duenkt, der Teufel, das ist der einzige wahre Heilige in der ganzen +Muschpoke. Er ist mein Schutzpatron. Es lebe der heilige Satanas!" + +Der Kleine sah sich scheu um, ob Jemand die Laestrung hoerte. Er war fromm +erzogen, gewohnt in die Kirche zu gehen des Sonntags. Die Mutter sass da +und die andern alten Weiber in schwarzen, gehaekelten Kopftuechern mit dem +goldbedruckten Gesangbuch. - Es war hart, dass man keine Arbeit fand. Aber +er vertraute auf Gott. Und Berlin war nah, wo Tausende arbeiteten und +assen. Sehr muede war er und weit konnte es nicht mehr sein. + +Es war, als ob Fritz Kuhlemann seine Gedanken errieth: "Ja, das ist fein, +nach Hause zu kommen, wenn Einem die Olle schon in der Thuer entgegenlaeuft! +Der Junge haengt sich uns an den Rock. Auf dem Tisch dampft ein guter +Happenpappen. Die Stube ist schon abgeschlossen, weil da der Christbaum +steht. - So gut wird's uns nicht bei meinem Freund Matzke. Eine fidele +Bude, und Maedels auch die schwere Menge! Ich moechte wissen, ob die rothe +Lene noch da ist?" ... Er vertiefte sich in diese Erinnerungen, +Saufgelage, Pruegeleien, Dirnen,... waehrend der Andre neben ihm +hertrottete. Er war sehr muede. Er haette am liebsten geweint, aber er +schaemte sich. + +"Du bist auch noch so ein Gruener. Dich werden sie schon erst hochnehmen! +Wenn Du denkst, mit Gottvertrauen und Dummheit kommt man durch die Welt! +Das ist gut fuer die, die mit einem silbernen Loeffel im Munde geboren sind. +Unsereiner, wenn der nicht eine Nase zehnmal so fein hat und Krallen +zehnmal so lang, - dann kannst Du Dich man gleich am naechsten +Laternenpfosten aufhaengen lassen. Da drinne, da verstehen sie's! Ist schon +Mancher wie die reine Unschuld vom Lande eingewandert. Und wie er wieder +rausgekommen ist! Per Schub mit zwei Gensdarmen neben sich. Auf Sonnenburg +zu, oder Ploetzensee. Ich kannte Einen, den haben sie gehetzt wie das liebe +Vieh. In den Weiden und Binsen unten bei Tegel. Jede Nacht die Jagd und +den ganzen Tag lang. Ob das noch ein Mensch ist! - Todtgeschlagen hatte er +Einen. Todtschlagen - das ist auch dumm. Alles todtschlagen, kurz und +klein! Dann waer's noch was." + +Nun ermannte sich der Andre. "Es giebt doch aber auch noch gute Menschen +auf der Welt." + +"Hast Du je Einen gesehn, dem's auch gut gegangen ist dabei? Die +Schlechten, die kommen auf, die sind hoch. Verfluchte Schweinerei!" + +"Man kann's. Wenn man ehrlich ist und arbeitet." + +"Versuch's doch! Geh hin! Biete Deine Arbeit an. Lauf rum! Verkauf Dich +fuer vier Groschen den Tag. Sieh doch, ob Dich Einer nimmt! En Vieh und en +Esel. - Aber ein Stueck Mensch! Und dann fallen Einem die Lumpen immer mehr +vom Leib. Der Schutzmann haelt die Augen drauf. Und wenn Du mal auf einer +Bank, unter der Bruecke einschlaefst, hat er Dich am Kragen. Dann geht's auf +die Wache. Na, und wenn die erst ihren Stempel draufgesetzt haben! Die +grosse Klappe - oder der Strick vorher und das stille Wasser!" + +Der Andre war dem Weinen sehr nahe. Es war die grosse Muedigkeit und die +Aufregung vor dieser Stadt, die sich naeherte, wie das Verhaengniss, +unsichtbar, in dem Nebel, der immer dicker wurde. Ein Wagen, der +vorueberfuhr, eine Equipage oder geschlossene Droschke, bespritzte sie von +oben bis unten. + +Kuhlemann sprang mit einem Fluch zur Seite: "Verdammte Protzenbande! Ich +goennt's Euch! Ich goennt's Euch! Frisst sich satt von unserm Mark und +Knochen. Sauft sich voll von unserm Blut, bis sie besoffen sind und +speien!" + +Sie waren jetzt in der Gegend der Fabriken. Von beiden Seiten reihten sich +dunkle, niedrige Schuppen um gemauerte Schlote, mit Latten eingezingelte +Hoefe. Man sah die schwarzen Eisenconstructionen zum Heben, die achatne +Spiegelung der Fensterscheiben, ungeheure, stumpfe Massen aufgeschichteten +Materials, die warteten, sich zersetzten. Aber Alles lag ganz still wegen +des Festes, Alles war sehr schwarz. Der Kohlengeruch wurde bemerkbarer. +Auf ihren Schienenstraengen eilten die Zuege der Vororte mit roten und +gruenen Lichtern, wie grosse Schlangen mit Augen, in die schweigende Ebene +ausgeschickt. + +Der kleine Richard war vollkommen kaput. "Ach mein Gott!" schluchzte er +auf. "Mein Gott!" + +"An den glaubst Du auch noch?" Die Nachwirkung des Schnapses begann sich +bei Fritz Kuhlemann zu aeussern. Er sah roth jetzt und schrie mit erhobner +Stimme: "Die olle Finte, die uns die Pfaffen aufgebunden haben, damit wir +kuschen und nicht Muck sagen! Ich sage Dir, wenn's den giebt da oben, dann +kann er sich begraben lassen fuer das, was er gemacht hat. Ich lach' ihm +in's Gesicht. Ich schlag' ihm die Faust in's Gesicht fuer sein feines +Zauberkunststueck hier!" + +Die Laestrung verhallte in der Dunkelheit, die sich nicht ruehrte. Ein Wind +schien sich erhoben zu haben, strich mit schriller Klage ueber die +Telegraphendraehte, durch die Loecher der Jacke, in der der Kleine sich +zusammendrueckte. Alles blieb so, die schwarzen Fabrikgebaeude, die +Dunkelheit, die Kaelte.... Und in der Ferne das Verhaengniss, das anzog, +sich naeherte, etwas Schwarzes, Compactes, mit Augen ... Berlin, die +Grossstadt. + +"Guten Abend!" sagte eine Stimme neben ihnen. + +Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen sein. Er war wohl von +rueckwaerts nahe gekommen. Sie hatten ihn nicht gehoert, weil der weiche +Schmutz alle Schritte erstickte. Und es war finster. + +Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte in ihrer eigenen Groesse sein, +nicht ueber Mittelgroesse. Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht gut und +nicht schlecht, die eines Mannes, der Arbeit gethan hat und weit gewandert +ist. + +"Guten Abend!" sagte der Fremde noch einmal. + +Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen Stimme, die aus dem Nebel +zu kommen schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung lag in dem Klang +der Stimme. + +"Guten Abend!" sagte der kleine Richard. + +Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen Gruss. + +Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er ging denselben Schritt wie +sie. Nur war es dem Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so traefe. Er +empfand das angenehm. + +"Es ist spaet," sagte der Fremde. "Und es ist kalt hier aussen." + +"Das ist nun nicht gerade etwas Neues, was Du uns sagst," hoehnte Fritz +Kuhlemann. "Wenn Du eine Pulle in Deiner Tasche hast und etwas Warmes +drin, thaetest Du uns einen groesseren Gefallen, wenn Du uns theilen +liessest." + +"Ich habe keinen Wein und keinen Branntwein," sagte der Fremde. "Ich komme +von weit. Und es ist spaet." + +"Sehr spaet, um den Christbaum zu schmuecken und den Aufbau fertig zu +stellen. Aber vielleicht sind Sie hier herum Hausbesitzer oder haben eine +Villa gemiethet und die liebe Familie erwartet Sie?" + +"Ich habe kein Haus." + +"Dann wuerde ich Dir rathen, Freund, dass Du Dir Geld in die Tasche thust. +Denn umsonst giebt's hier nichts auf dieser faulen Welt. Und zumal in +Berlin, wohin wir unsre Schritte jetzt lenken. Mein Freund Matzke kann +sehr eklig werden gegen flaue Kunden. Also, Freundchen, wenn Deine Tasche +wohlgefuellt ist, oeffne sie und spendire Deinen guten Freunden, die im +Dalles sind, in der That nicht wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen +sollen." + +"Ich habe kein Geld Dir zu geben," sagte der Fremde. Er sagte es traurig, +mit seiner sanften, klingenden Stimme, die von sehr weit herzukommen +schien. + +Der Rothe lachte: "Du bist ein famoser Bruder, das muss ich sagen! +Schleichst hier auf naechtlichen Wegen und schlaengelst Dich an andre Leute +ran. Denkst Du, wir koennen einen Zaungast brauchen? Lass doch mal sehen, +wie Du aussiehst bei dieser noblen Beleuchtung!" + +Die kleine Laterne eines Zimmerhofs warf einen zweifelhaften Schein. Der +rohe Bursche drehte den Fremden um. Er stiess ihm die Schulter gegen den +Lichtfleck. + +Er sah ein blasses Gesicht. Ein bescheidner Bart umrahmte den unteren +Theil. Es war das Gesicht eines Mannes von etwa zweiunddreissig Jahren. +Der Fremde hatte seltsame Augen und sah ihn ernsthaft und traurig an. + +"Lass doch den Mann!" sagte der kleine Richard muede. + +Selbst der Rothe war betroffen. "Teufel auch!" knurrte er in den Bart. "Wo +hab' ich das Gesicht schon gesehen? Du bist ein seltsamer Heiliger, Du!... +So eine Sorte Wanderprediger wohl? Ich habe mal Einen gekannt. Er war mit +uns in der Herberge. Des Abends las er seine Bibel. Er that das alle +Abend. Er sah dabei aus wie Du. Er sagte nichts." + +Der Fremde sagte auch nichts. + +... "Er hat mir den Fuss kurirt und eingewickelt. Ich wusste, wo er sein +Geld hatte. Ich hab's ihm gelassen." + +Das Gesicht des Fremden schien berauschend auf ihn zu wirken. Er verwirrte +sich in wilden Erinnerungen.... "Ein Maedchen ... Ich draengte sie gegen das +Thor. Was hatte die dumme Liese sich anzustellen? Sie war doch genau wie +die Andern. Hexe! - Weibervolk, die sind Alle nichts wert. + +"... In ihrer Karosse sah ich sie mal. Eine vornehme Dame. O sehr vornehm! +Vornehmer wie eine Prinzessin. Sie sass in ihrer Karosse und wartete. Ich +wollte sie ermorden. Weil ich hungrig war und kein Bett hatte. Sie war +reich und sass im Wagen. Sie sah mich an. - Ich fasste an den Hut und +schlich mich fort. ... Nachher brachte mir der Diener ein Goldstueck. Das +warf ich ihm nach in den Dreck gegen seine unverschaemten Kalbswaden. + +"... Weisst Du, wo ich herkomme? In der Gosse haben sie mich gefunden +neben einer todten Katze und einem Kohlstrunk. Meine Eltern wollten nichts +wissen von der Rabenbrut. Dann haben sie mich so rumgestossen. Die hohe +Polizei! Das ist eine zarte Naehrmutter. Glaube mir, Bruder, es ist eine +lustige Welt! Man muss sie nur lustig zu nehmen wissen." + +Er lachte roh auf. Der kleine Richard zitterte vor Kaelte. Er fuehlte +gluehende Zangen in seinen Eingeweiden. Seine Zaehne schlugen aufeinander. + +"Nimm diesen Mantel," sagte der Fremde freundlich. + +Es war ein alter, fadenscheiniger Ueberzieher, wie ihn arme Leute tragen, +auch zu duenn fuer den Winter. Der Junge wickelte sich mechanisch gehorchend +hinein. Er fuehlte die Hand des Fremden, die glaettete, um ihn streichelte. +Eine Art magnetischer Beruhigung ging von ihr aus. Es erinnerte ihn an die +Beruehrung seiner Mutter. "Aber Du?" fragte er wie betaeubt. + +"Ich friere nicht," sagte der Fremde. + +"Dann musst Du von seltsamem Stoff gemacht sein," bemerkte Kuhlemann. +"Dies verfluchte Wetter macht Einem die Blutstropfen im Leibe gefrieren." + +In der That war es jetzt ganz empfindlich kalt. Der Wind pfiff mit +scharfem Eishauch. Unter seinem Mantel gluehte der Junge. Er wusste nicht +mehr, wo er war. Er phantasirte. + +Er war bei sich zu Hause. In der kleinen Kueche war es stickend warm. +Solch' eine froehliche Waerme! Der ganze Heerd gluehte, rothgluehend mit +huepfenden, spritzenden Lichtern, obgleich es dunkel war, um Petroleum zu +sparen. Aus dem Suppentopf stiegen weisse, nahrhafte Wolken. Ein Duft von +Aepfeln kam aus der Roehre; man hoerte ihre feinen, braunen Haeute britzelnd +zerspringen.... Er war da. Er war ein Knabe, er hielt die kleine Schwester +auf den Knieen. Er fuehlte deutlich den warmen, pulsenden Koerper. Das Kind +hatte die Aermchen um seinen Hals gelegt. Sie warteten auf die Mutter. Er +erzaehlte ihr von Weihnachten. + +Von einem alten Mann mit weissem Bart erzaehlte er ihr. Er trug einen +grossen Sack mit Aepfeln und Nuessen ueber der Schulter. Er hatte ein +rothes, freundliches Gesicht, und eine Birkenruthe hielt er in der Hand. +Wenn man seine Sprueche nicht wusste, gab es Schlaege. _Sie_ waren gute +Kinder, sie konnten ihre Sprueche. Das kleine Maedchen hatte die Haende +gefaltet und wiederholte sie mit halblauter Stimme. Die ganze Geschichte, +die freundliche Lehrerin in der Kleinkinderschule hatte sie ihr +vorgesprochen. Der grosse Bruder, der schon klug war und lesen konnte, +half ein: + +"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus +ausging, dass alle Welt geschaetzet wuerde. + +"Und diese Schatzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius +Landpfleger in Syrien war. + +"Und Jedermann ging, dass er sich schaetzen liesse, ein Jeglicher in seine +Stadt. + +"Da machte sich auch auf Joseph aus Galilaea, aus der Stadt Nazareth, in +das juedische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, darum, dass +er vom Hause und Geschlechte Davids war. + +"Auf dass er sich schaetzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weib, die +war schwanger. + +"Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn +in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." + +"... Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" ... wiederholte +der kleine Handwerksbursche mit gluehenden Lippen auf der eisigen +Landstrasse. + +Dann fing er auf einmal mit leiser Stimme an zu singen: "O du froehliche! O +du selige! Gnadenbringende Weihnachtszeit!" + +"Nanu?" sagte der Rothe grob. "Bei dem ist's wohl nicht recht helle? Singt +der Mensch hier auf der Landstrasse wie eine Lerche! Du hast doch wohl +einen heimlichen Trunk zuviel gethan? So'n verfluchter Duckmaeuser!" + +Aber der Kleine hoerte ihn nicht. Er war ganz gluecklich. Er hielt seine +kleine Schwester. Es war so warm in der Kueche. Er fing an, an seinen +Kleidern zu reissen. - Auf allen Kirchthuermen begannen die Glocken zu +laeuten. Die kleine Kueche war voll vom hellen Schein. Sie hatte ueberhaupt +keine Decke mehr, keine Balken und angeblakten Kalkwaende. Da war der +Himmel. Er war ganz offen und die Engel sangen. Sie sangen: "Ehre sei Gott +in der Hoehe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" + +Sie sangen sehr laut mit hellen, schmetternden Stimmen. Alles hallte davon +wider. Dieser Gesang erfuellte das ganze Gewoelbe des Himmels, der eine +grosse, dunkelblaue Glocke war, in der goldne Sterne schwangen und +spannen. Sie drehten sich sehr rasch mit langen, lichten Streifen hinter +sich her in der Bahn ihrer Schwingung, die feurige Ringe bildete, Kreise +und Sphaeren. Die ganze Glocke drehte sich, sang und schwang. + +Der kleine Handwerksbursche sang laut, vorwaerts stolpernd im schleimigen +Strassenkoth, zwischen den schwarzen Fabrikschuppen mit hohen Schloten, +vor der Stadt, die rings umher anfing sich zu entzuenden, wie ein Halbkreis +der Hoelle mit feurigen Augen. + +"Bist Du verrueckt?" schnauzte ihn der Andre an. + +"Dein Gefaehrte ist sehr krank," sagte der Fremde sanft. + +So war es. Alles hatte bei dem Kleinen zusammengewirkt: die langen Wochen +der Angst und schlechter Ernaehrung, der unheimliche Gefaehrte, der +Weihnachtsabend. + +Er fuhr fort zu singen. Er wehrte sich gegen den Andern in seinem +Fieberrausche: "Lass mich! Du erfrierst mir das Herz. Du stoesst mir +gluehende Messer in's Weiche. Du bist schlecht und roh! Schlecht! Schlecht! +Du bist der Teufel!" + +Er war wie ein Rasender. Er fing an mit beiden Armen um sich zu schlagen. +Er baeumte sich wie ein scheugewordenes Pferd. Er wollte ploetzlich nicht +weitergehen. Er liess sich wie ein Sack zur Erde fallen. + +"Halloh!" sagte der Rothe. "Das ist eine schoene Geschichte. Nun stirbt uns +der hier im Dreck. Das hetzt uns die Gruenroecke gleich auf die Hacken." + +"Hilf mir ihn aufheben!" sagte der Fremde. "Er darf nicht sterben so." + +Sie hoben ihn auf. Auch der Rothe that seine Pflicht, sanft genug fuer +seine rauhen, frostgeschwollenen Faeuste. Die Muetze war dem Kleinen vom +Kopf gefallen, Koth hatte sich in die blonden Locken gesetzt. Er entfernte +ihn mit einem grimmigen Scherz: "Das wuerde seiner Liebsten nicht +gefallen." + +Es lag da ein Steinhaufen am Chausseerand aufgeschuettet. Der Fremde hatte +sich darauf gesetzt, der Junge lag in seinem Schooss mit dem Kopf an +seiner Brust. Er lag ganz still und laechelte. + +"Ich kenne Dich wohl," sagte der Junge. Er sprach mit erstaunlicher +Gelaeufigkeit, in einer hellen, klingenden Stimme des Entzueckens, wie wenn +Alles, was in ihm schweigsam und gefroren gewesen war, sich jetzt loeste, +aufthaute. + +"O, ich kenne Dich ganz gut. Du bist mein alter Lehrer in Greifenberg, der +freundlich zu uns war. Wenn man's gut gemacht hatte, strich er mit der +Hand ueber den Kopf. Manchmal durfte ich ihm die Buecher nach Hause tragen. +Dann bekam ich einen Apfel.... Er war alt und arm, und hatte viele Kinder, +wie wir." + +"Nette Suse!" murmelte der Rothe. "So 'ne weisse Wassersuppe!" + +Der Fremde sass ganz still und hielt den Kopf des Jungen. Der lachte, er +griff ihm mit der Hand in den Bart. "Du bist mein Vater, der gestorben +ist," sagte der Junge. "Er ging des Morgens sehr frueh fort. Dann trat er +leise auf und zog sich im Dunkeln an, damit wir nicht aufwachen sollten. +Es war noch sehr frueh und sehr kalt draussen. Im Bett war es warm. Der +Winter hatte grosse, weisse Eisblumen vor das Fenster gemalt. Wie hinter +einer Wattenwand schlief sich's da.... Dann ging er fort einen Morgen und +kam nicht wieder. + +"... 'Nun bist Du der Mann in der Familie, Richard,' sagte die Mutter. +'Versprich mir's, dass Du immer fuer die Schwestern sorgst, wenn Du gross +bist und viel Geld verdienst.' + +"Ich verdiene nichts. Ich kann nicht sorgen fuer die Schwester. Meine +Schwester soll nicht weinen und hungern wie die Andern, nicht frieren! Es +ist so kalt ... kalt ..." + +"Gott wird fuer sie sorgen," sagte der Fremde. + +Der Rothe lachte. + +"Es giebt keinen Gott," sagte der Junge unruhig. "Alle sagen, er ist nicht +und dass es nur eine Kinderfabel ist. Wer nicht arbeiten kann und krank +wird, der stirbt und verdirbt. Reiche Leute haben es gut in der Welt und +sind geehrt. Die Andern holt der Teufel." + +"Amen!" machte Fritz Kuhlemann. + +"Es giebt keinen Teufel," sagte der Fremde ruhig. "Gott kennt keine +reichen Leute und keine armen. Er liebt Alle." + +Wieder lachte der Rothe, scharf und schrillend. + +"Ich habe Schmerzen," wimmerte der kleine Handwerksbursche. "Es zerreisst +mir die Glieder. In meinem Kopf geht es wie eine Saege. Alle Knochen +krachen. Ach, das ist die Folter! Wasser! Wasser!" + +Es war kein Brunnen zu sehen ringsum, zwischen den Schmutzlachen, all' +dieser triefenden Feuchtigkeit, die von den Daechern rieselte, die Kleider +festklebte am erstarrten Koerper. + +"Ich habe Hunger," klagte der Sterbende. + +Der Fremde legte ihm die Hand auf die Stirn. + +Bald glaetteten sich die Zuege. Sie wurden heiter, fast strahlend. "... Eine +Ruhe kommt langsam, das ist der Schlaf. Es kommt wie ein Schatten ueber +eine gruene Wiese. Es ist weiss und breitet die Arme aus. Ah, mir ist +wohl!" ... + +Er nestelte sich dichter an die Brust des Andern. Der Fremde beugte sich +ueber ihn und kuesste ihn auf die Stirn. + +Fritz Kuhlemann kam mit einem Blechgefaess voll Wasser. Er hatte es beim +Eindringen in einen Zimmerhof gefunden. Ein wuetender Hund war gegen ihn +angeklaefft, hatte ihm die Hose zerrissen. Seine Hand blutete vom +Zerschlagen des Eises. Er sah schrecklich aus. + +"Er braucht es nicht. Er ist todt," sagte der Fremde. + +In der That war der Junge todt. Er sah aus wie ein schlafendes Kind. Ein +suesser Ausdruck war in seinem Gesicht. + +"Gestorben wie ein Hund! Wie ein Hund!" + +"Er ist kein Hund. Er ist schoen." + +"Und Du? Wer bist Du?" + +"Kennst Du mich nicht, Fritz Kuhlemann?" + + ------------------------------------- + +Der Mond war aufgegangen, ein ganz klarer, heller Mond, den man niemals +erwartet haette aus diesem Nebel. Er stand ruhig mit sattem, blauem Schein +im Grau, das jetzt ganz ungefaehrlich erschien, die einfoermige, milde +Trauerfarbe der Nacht, eine sanfte Schwermuth der tieferen Toene und Farben +des Lebens. Im Mondschein stand der Fremde. Er stand ohne Hut, im Licht, +das leise fluthete. + +Der Mann starrte ihn an. Seine Augen traten fast aus ihren Hoehlen, die +Stirn unter den wuesten, rothen Haarzotteln arbeitete furchtbar. + +Der Fremde sah ihn an. + +"Du hast ihn geliebt, den da" ... sagte der Fremde. "Er war oft muede. Du +gingst langsamer um seinetwillen. Du schliefst schlecht, damit er besser +laege. Manchmal hast Du ihm Brod gegeben, wenn Du selbst keins hattest. Und +der Hund hat Dich zerrissen um das Wasser, das Du ihm brachtest. - Ich +kenne Dich, Fritz Kuhlemann." + +"Teufel!" stiess der Andre hervor. + +"Du hast ihn sehr gekraenkt," fuhr der Fremde fort. "Aber Dein Herz war +wund, als es ihm harte Worte gab. Der Pflug war ueber Deine Seele gegangen +und hat sie zerrissen, eh' sie wild klang und falsch. Du hast geliebt, eh' +Du hasstest.... Ich kenne Dich wohl, Fritz Kuhlemann." + +"Herr ... Herr ..." stammelte der Bursche. + +"Und sie haben Alle geliebt. Deine Mutter, die Dich in die Gosse legte, +weil sie kein Brot hatte, Dich zu fuettern, als ihr Herz sich in ihr wand +in Angst ueber der Qual ihrer Eingeweide. Der, der Dich zeugte in einer +Stunde, wo er sich selbst vergessen, der niemals sich vergass. Gott, der +die Welt gemacht hat, weil er liebte. Die Liebe ist Schmerz. Im Schmerz +der Liebe liegt der Urgrund alles Geborenen." + +"Wer bist Du?" schrie der Andre auf. + +Er hatte sich auf ihn gestuerzt. Sie rangen miteinander, Leib gegen Leib. +Der Mond stand am Himmel, kalt und blaeulich. Dann sah man nur noch ihre +beiden Gesichter, das des Fremden, das ruhig war, blass und ein wenig +traurig, das des Mannes, der in grossen Tropfen schwitzte, dunkel +blutruenstig mit roth durchschossenen Augaepfeln. Er athmete in schweren, +keuchenden Stoessen. + +Ploetzlich fielen seine Haende: "Mach', was Du willst! Toedte mich auch! +Toedte mich!" + +"Geh voran! Ich folge Dir!" sagte der Fremde. + + + + + + DAS ZWEITE KAPITEL. + + +Eine rothe Laterne hing ueber der Thuer der Destille. Die Thuer war schraeg +eingestellt nach der Strassenecke zu. Drei schlechte Eisenstufen fuehrten +hinauf. Sie hallten und droehnten, wenn schwere, naegelbeschlagene Schuhe +darauf traten. Nach der andern Seite leuchtete ein grosses Fenster. Eine +breite, gruene Aufschrift zog sich quer darueber hin, auf der zu lesen +stand, dass der Pfiff Bier fuenf Pfennige kostete. Sonst Reklamen in +grossen Lettern von Wein, Bier, Rum, Punsch, Zettel in lebhaften Farben so +zusammengestellt, dass sie sich moeglichst schnitten, das Auge +herausforderten. Aber der Strassenstaub hatte sie ausgebleicht, Alles war +von derselben schmutziggrauen Schleimschicht ueberzogen. Die Fenster hingen +schief in ihren Rahmen. Gegen das Haus lagen schwarze, faulende +Holzplanken aufgeschichtet von irgend einem Neubau, der nie fertig wurde. +Die Fenster nach der Strasse zu waren durch schwere Rollbretter geschuetzt. +In den oberen Stockwerken hatte man die Jalousien heruntergelassen. Nur +die Laterne blinkte wie ein truebes, rothes Auge durch die Nacht. + +Es war Weihnachtsnacht. Man war lustig. Die Frau des Destillateurs hatte +Fische in suesser Sauce gemacht, von denen man fuer fuenfzig Pfennige ein +Gericht bekam. Dazu gab es Punsch. Auch ein Weihnachtsbaum war geschmueckt, +auf den sie stolz waren. Mit Papierblumen und ein paar dicken +Stearinlichtern prangte er. Im Nebenraum zwischen alten Lumpen schliefen +die beiden kleinen Maedchen, die Kinder des Ehepaars. Sie hielten die +Holzpuppen, die ihnen bescheert worden waren. Man hatte ihnen auch Punsch +gegeben. Sie schliefen ganz fest mit feuerroten Backen, im Luftzug ihres +Athems leise zitternden, langen Wimpern. + +August Matzke war ein schwerer Mann, erst an die Vierzig, obgleich er +aelter aussah, ganz und gar ruinirt, vergiftet durch den Trunk. Er war +schon zweimal wegen Delirium tremens im Krankenhaus gewesen. Alle hofften, +dass das sein Ende bedeutete. Aber er kam zurueck, graublass, verbloedet, +schrecklicher als vorher. Dieser Mann hatte mit Auszeichnung seine +Dienstzeit absolvirt und war zum Sergeanten aufgerueckt. Bei einer +Schiessuebung kam er durch Unvorsichtigkeit um ein Auge. Er erhielt die +Verstuemmelungszulage und nahm seinen Abschied. Die Frau war aus ganz gutem +Hause, eine Sueddeutsche von zierlichen Formen, freundlichem, einnehmendem +Wesen. Sie hatten ein ganz huebsches kleines Kapital gehabt, als sie +heiratheten, und fingen nach seiner Verabschiedung eine Gastwirthschaft +an. Man sagte, dass die sehr zuvorkommenden Manieren seiner Frau gegen +Fremde ihn zuerst an die Flasche getrieben hatten. Jetzt war er unheilbar; +das Geld ihrer Liebhaber hielt die Wirthschaft flott. Sie liessen sich +nicht scheiden, weil er ihr dann ihr Eingebrachtes auszahlen musste. Er +schlug sie. Sie insultirte ihn. Dann kam wieder anfallweise die alte +Verliebtheit; sie schliefen zusammen. Zwischen alledem, Schlaegen, Zaenken, +Liebkosungen, wuchsen die Kinder auf, behend und geschmeidig wie kleine +Katzen, beide der Mutter auffallend aehnlich, schon spuerend, horchend, +zwischentragend.... + +Kuhlemann wurde mit laermender Freude begruesst. Matzke hatte schon schwer +gesoffen und sah schief. Es war da noch ein aelterer Mann mit breitem, +krummem Ruecken, der stumm in sich hineintrank. Ein junger Tapezier mit +aufgebuerstetem Lieutenantsschnurrbart spielte den Forschen, zog die Andern +auf und scharmuzirte mit Frau Matzke. Ein Dienstmaedchen aus dem Hause, +eine grobe, gewoehnliche Person, kam zuweilen, um sich auch einen Schnaps +stossen zu lassen, die Neuigkeiten zu hoeren. Ein paar zerlesene Nummern +des Vorwaerts und des Lokalanzeigers lagen auf dem Tisch. Im Hintergrund +stand ein Klavier. Matzke als alter Soldat war Patriot und kaisertreu, er +hielt das socialdemokratische Blatt um seiner Kunden willen. Er selbst +liebte patriotische Lieder und erging sich, wenn er voll war, sehr gern in +hochtrabenden Erinnerungen an Gravelotte und Sedan, "unsern ollen Kaiser +Willem" und Prinz Friedrich Karl, auf deren Wohl er dann die ganze +Gesellschaft anzustossen zwang. Heute war er noch nicht ganz so weit. + +Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor Fritz Kuhlemann aufgestellt +und eins vor dem Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch setzte. Das +grosse Dienstmaedchen strebte neugierig naeher. Sie war ein durchaus +anstaendiges Maedchen und stolz auf ihre Anstaendigkeit, aber sie hatte es +doch gern, wenn man sie kitzelte, Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel +foppte sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen sollte. Er wollte +dann von ihrem Gelde seine Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das +amuesirte sie koeniglich. + +"Ich moechte nur um ein Glas Wasser bitten und ein Stueck Brot, wenn ich es +haben kann," sagte der Fremde. + +Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber der Bitte. Matzke schoss aus +seinen geschwollenen Augen einen trueben, gehaessigen Blick. + +"Wer'n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. Wer nich Soldat jewesen is, +der is ueberhaupt kein Mann nich, sag ick!" + +Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend gegen den Tapezier, der sich +damit belustigte, ihn aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre +Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, denn er blinzte ihr zu. +Die grosse Hanne juchzte laermend auf. + +"Un eene volle Pulle liebt er ooch, was 'n rechter Mann is? Was Aujust? +Tapfre, olle Kriegsgurgel?" + +Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that aber Bescheid. In der +Huelflosigkeit seines benebelten Gehirns gegen die Kniffe und Finten des +Andern blieb ihm nur dies eine Beduerfniss, zuzuschlagen, seine Faeuste zu +gebrauchen. + +"Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, denn wuerden sie schon +fertig mit det Jesindel!" + +"Und Du waerst der commandirende Jeneral von det Janze! Herr Aujust Matzke +mit dem schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste." + +Der Tapezier amuesirte sich koeniglich. Frau Matzke zog veraechtlich die +Lippen. Das Dienstmaedchen bog sich vor Vergnuegen. + +"Ick sage: Wer seinen Kaiser nich ehrt, der is kein deutscher Mann, der +jehoert in den Schweinestall." + +"Sieh man zu, dass Du nich selber zuerst reinbummelst, oller Freund. Wer +so schwach uff seine eijnen Beene steht, sollte man ja nich so forsch +jejen Andre losziehen." + +"Ick nich fest uff meine Beene! Ick bin Dein oller Freund nich. Ick will +Dich lehren, mir Aujust zu heissen. Aujust Dir wat in Deine unjewaschne +Schnauze. Du - Du - Hurenjaeger Du!" + +Er hatte sich schwerfaellig erhoben und griff nach der Stuhllehne, um sich +daran festzuhalten. Der Tapezier lachte, er gehoerte zu Frau Matzke's +eleganten Freunden, die den Haushalt im Gang erhielten. Der Mann in der +braunen Weste ruehrte sich nicht. + +"Aber August! so lass doch!" machte die Frau gelangweilt. Sie zwinkerte +Wernicke zu, Hanne in ihrer sicheren Ecke am Bueffet erstickte fast vor +unterdrueckter Heiterkeit. Sie fand das einen ausgezeichneten Spass. + +Nun wandte sich der Wuethende gegen sie, die Ehebrecherin, in den +unflaethigsten Ausdruecken. "Ick will Dir ... Ick will Dir ... Hure ... +Hure ... Hure!" Er sah schrecklich aus mit den sabbernden Lippen, seinen +blutunterschossenen Augen, von denen das eine, kuenstliche, immer gerade +blieb, glotzend, ungeheuerlich. Das Wort in seinem dumpfen Laut des +Stiergebruells wiederholte sich. Er packte sein schweres Bierseidel; es +flog dicht an ihrem Kopf vorbei in die Fensterscheibe, die splitternd +zerbrach. Der Ton schien ihn vollends wahnsinnig zu machen. Er ergriff +eins der Seidel nach dem andern und fensterte sie in das Glas. Leere und +halbvolle Flaschen flogen nach. Man hoerte die Scherben auf dem +Strassenpflaster sich knisternd zusammenhaeufen. Gleichzeitig drang die +kalte, klare Winterluft ein. Der Tapezier weidete sich an seinem +Heldenstueck. Hanne kreischte, die Haende vor den Ohren, dachte aber nicht +daran zu fluechten. Der andre Gast blieb ganz stumpfsinnig. + +"Das giebt ein nettes Christkindchen fuer morgen. Na, ich bin nur froh, +dass ich die Rechnung nicht zu bezahlen brauche." Der junge Mann griff +nach seinem Hut und Paletot, einem eleganten Paletot mit Sammetaufschlag +und hellem Futter. Er hing ihn immer so, dass man das Futter sah. "Ich +gehe jetzt, Frau Matzke. Adieu auch. Ich werde erwartet." + +Sie sagte nichts. In der Thuer drueckte sie ihm die Hand sehr stark, ihre +Nuestern bebten. "Nimm Dich in acht!" ... + +Durch den Thuerspalt nach der Kammer guckten die beiden Kinder. Der Laerm +des klirrenden Glases hatte sie aufgeweckt. Sie witterten eine Scene, und +waren nun dabei, neugierig, erwartungsvoll. + +Matzke hatte seine letzte Bierflasche dem Abgehenden gegen die Thuer +nachgeschleudert. Sie zerbrach auf dem Fussboden in ihrer braunen Sauce. +Frau Matzke fing ruhig an, die Unordnung des Fensters zu repariren. Sie +steckte eine weisse Bettplane auf; sie kannte das schon. + +"Nanu? Hier is wohl Polterabend heut'?" sagte eine lustige Stimme. + +Es war ein Maedchen. Sie trug gescheitelte Haare und ein einfaches +Umschlagetuechelchen. An einer gewissen Unordnung des lose gewundenen +Nackenknotens, der zerschlissenen, rothen Seidentaille erkannte man die +Leichtfertigkeit ihres Berufs. + +"Ich konnte nicht frueher kommen, habe auch den Kindern noch was +mitgebracht." + +"Ach Lene! Lenchen!" In ihren Hemden draengten sie sich um sie. Das Maedchen +kuesste sie leidenschaftlich. Frau Matzke sah zu. + +Fritz Kuhlemann lachte. "Geht's Geschaeft auch heut' Abend?" fragte er +boshaft. Der Fuhrmann starrte sie an. Lene Hoff war der eigentliche Grund, +weshalb er jeden Abend kam. Er haette nie gewagt, es ihr zu sagen, +ausserdem wusste er ja, dass sie unter Sittenkontrolle stand. Die grosse +Hanne zog eine hoehnische Fluntsch. Sie hatte das Maedchen nicht begruesst, +als sie eintrat, stand jetzt, einen Arm in die Huefte gestuetzt, und +musterte sie von oben bis unten. Dann drehte sie sich nach der Thuer zu: +"Ich muss jetzt raufgehen. Es ist meine Zeit." Sie beschaeftigte sich sehr +viel mit der jungen Prostituirten, ihren Toiletten, ihrem Thun und Lassen. +In ihren Gedanken stand sie weit unter ihr; sie war ein anstaendiges +Maedchen. + +Lene pustete sich in die Finger. Sie war immer ein bischen genirt, so +lange die Grosse da war. "Kalt ist's. So'n Weihnachten! Lustig sein! Wir +wollen Klavier spielen." + +Sie hatte sich an's Klavier gesetzt. Ein Tanz wirbelte hervor unter ihren +flinken Fingern. + +Niemand tanzte. + +"Das ist nichts." Sie stand wieder auf, schloss den Deckel. Sie naeherte +sich Fritz Kuhlemann, kraute mit der Hand den untern Teil seines rothen +Schopfes: "Na Du?" ... Die ganze gewerbsmaessige Schmeichelei ihres Berufs +lag in dem Ton, vielleicht noch mehr. "Bist so eklig heut', geh! Spendirst +mir nicht mal was?" + +"Seh' ich Dir nach Spendiren aus?" Man hoerte die Leidenschaft aus seiner +Stimme. Diese Liebkosung einer Frau stachelte ihn. Er verschlang sie mit +den Augen. + +Sie hatte sich auf seinen Schoss gesetzt. "Armer Kerl! Keine Chance. So +viel Pech gehabt." Er zerdrueckte ihr die Lippen mit einem brutalen Kuss. +"Du - frech biste!" + +Sie sah den Fuhrmann an. Dieser Mann haette sie geheirathet. Er hatte vier +Kinder zu Haus. Aber ihr graute vor der Langeweile. Ihr Vogelgehirn +arbeitete schon auf einer andern Spur wieder, sie hatte den Fremden +entdeckt. + +"Wer is denn der?" fragte sie Frau Matzke. + +Die Frau zuckte die Achseln. + +"War der Josef hier heute?" + +"Er ist eben fort." + +"Ach darum ..." Das Maedchen kannte die Leidenschaft der Freundin. Der +schoene Tapezier haette ihr auch gefallen. Sie seufzte. + +"Oed' ist's heute. Ich bin vorher gegangen und hab' mir die Christbaeume +angesehen. Christbaeume, das ist so ruehrend. Einen ganz grossen sah ich mit +Lametta wie Haare. Das moecht' ich haben." + +Sie hatte sich wieder an's Klavier gesetzt. Ein Weihnachtslied klang aus +den Tasten. + +"Huebsch war das, die Engelchen und Schaefchen in der Krippe. Ich hab' das +mal gesehen, wie ich klein war. In der Kirche." + +Sie wandte sich wieder an Kuhlemann. "Sag' mal, Du hast nicht einen Nickel +fuer mich? Zu einer neuen Schleife fuer den Ball am Sonntag. Kommste mit zum +Ball, Schaetzchen?" + +Er drehte ein zerfetztes Portemonnaie um vor ihren Augen: "Da sieh." ... +Der Fuhrmann warf einen Thaler auf den Tisch. Hart klang das Metall auf +der Holzplatte. Alle sahen auf. Frau Matzke hatte ihren Besen, mit dem sie +die Scherben zusammenfegte, hingestellt. + +Die Lene war naeher gekommen wie ein naschhaftes Kind. Der Thaler lag da, +und blinkte - brutal, schmutzig gleissend. Sie sog lang den Athem ein. + +"Du ruehrst nicht dran!" schrie Fritz Kuhlemann. + +"Wenn man selber keinen Pfennig hat, hat man nichts dreinzureden," +entschied Frau Matzke schneidend. + +Der Andre wartete, schwerfaellig, lauernd, wie ein Jaeger, der das Wild in +der Falle hat. + +"Ich schlag' ihn todt!" + +Ein scharfes Lachen der Frau traf den Burschen wie ein Hieb. + +Das Maedchen war wie ein luesternes Maeuschen noch naeher gekrochen. Die +feinen Zaehne blinkten zwischen ihren gespitzten Lippen hervor. + +Der Trunkenbold machte einen scheusslichen Witz: "Wer das Geld hat, hat +das Recht," bestimmte Frau Matzke. + +Sie streckte die Hand aus. + +Ein gurgelnder Laut wie Tigergebruell entrang sich der Brust des Burschen. + +Der Fremde hatte die Hand auf den Tisch gelegt. Diese feine, blasse, +blaeulich geaederte, abgezehrte Hand bedeckte das Geldstueck. Sie bildete +eine Weisse auf der mit Bier- und Fettflecken besudelten Tischplatte. + +"Komm' zu mir!" sagte der Fremde. + +Er hatte sich aufgerichtet. Er stand ganz gerade. Die andere Hand, die +nicht das Geldstueck deckte, streckte sich gebietend vor. + +"Komm hierher!" befahl der Fremde. + +Sie kam. Sie gehorchte. Wie mit durchgeschnittnen Flechsen schleppte sie +sich. Sie kroch. Ploetzlich schlug sie beide Haende vor's Gesicht, mit einem +dumpfen Schmerzenslaut sank sie in die Knie. + +"Nimm Dein Geld!" + +Der Fremde hatte den Thaler ergriffen. Er schleuderte ihn nach der Thuer. +Das Silber schlug hart auf, kugelte sich im Weiterrollen. Der Fuhrmann +bueckte sich gierig danach und verschwand. + +Fritz Kuhlemann stand mit unter der Brust gekrampfter Hand. Es war der +Blick des Moerders, mit dem er sah, der Bestie, des wilden Thieres. + +"Geh!" + +Er ging. + +Der Trunkenbold lachte auf mit einem haesslichen Gluckser. "Ein +Schmatzchen, Haseken. Du - Du ..." Er griff schwankend in die Luft. Es +reichte nicht mehr, wie ein Bleisack sank er schwer zusammen. + +"Leg ihn schlafen," sagte der Fremde. Das Weib schnellte gegen ihn an wie +eine gereizte Viper. Dann gab sie der schnarchenden Masse einen +veraechtlichen Fussstoss. "Vieh!" + +Sie stiess ihn gegen die Kammer mit rachsuechtigen Pueffen und Tritten, dann +nahm sie ihren Besen und kehrte wuethend. + +Die kuehle Nachtluft strich durch den schweren Fuseldunst. Alle Lampen +brannten. An den Waenden hingen patriotische Bilder, Reklameschilder mit +Emblemen der Arbeit, eine schwere Faust, die den Hammer emporhaelt, einem +Tischler an der Hobelbank. Jemand hatte allerlei Unflaethigkeiten +angeschrieben. Dazwischen machte sich ein widerliches, suesses +Moschusparfuem fuehlbar, der von dem Maedchen ausging. Sie hatte die Haende +vom Gesicht genommen. Sie schielte zwischen den Fingern wie ein unartiges, +gescholtnes Kind. Es erschreckte sie, dass sie so allein waren. Sie +begriff nicht. "Sie sollen nicht weggehen! Der Dicke wuerde mich heirathen. +Vier Goehren hat er zu Haus. Hundertundfuenfzig Mark im Monat und die ganze +Einrichtung. - So Einer; der's Einem hinterher alle Tage vorwirft! +Zweiundvierzig Jahre ist er schon, krumm wie'n oller Zumpelbaer. Der drueckt +Einen ja todt. Taps, daemlicher!" + +Sie lachte leichtfertig, ihre blonde Maehne schuettelnd, die Augen +eingekniffen. + +"Der Andre, Wernicke, der ist ein ganz Feiner. Gestaerkte Hemden traegt er +sogar am Alltag. Er kriegt auch einen guten Lohn bei Krueger. Er ist der +Erste da, der Alles allein macht. - Dieser Fritze! Das ist so komisch. +Komisch ist der!" + +Ihr Lachen rang sich auf in hellen, klingenden Trillern. Sie lachte, dass +ihr die Augen uebergingen. Ihr ganzer Koerper krampfte sich unter dem +Lachen. + +"Alle Leute haben mich gern, weil ich immer lustig bin. Und Kinder! - das +is immer Leneken hier, Leneken da! Wir haben eine alte Frau im Haus, die +lahm ist und zu Bett liegt. Ich bringe ihr Kaffee und Chocolade. O, ich +thue auch das Meine. + +"... Wie die vornehmen Damen, die aus dem Wagen steigen, die Naesen kraus +ziehen.... Beten und trocknes Brot und Arbeit. Als ob wir's nicht wuessten, +wie die's treiben! + +"Warum ist denn Unsereins schlecht? Weil's einen schlechten Rock anhat, +einen billigen Hut traegt. Die sind nicht besser wie wir! Pfui!" + +Sie spuckte aus. + +"Einen Spatz hatte ich mal, den ich unter'm Baum fand. Hier im Kleid unter +der Brust trug ich ihn. Den schlugen mir die Jungen todt. + +"Schweine sind die Maenner! Ach, solche Hunde! Hunde! Nicht mal Geld geben +sie Einem. Aber schlagen! Sie stehlen's noch von uns." Ihre Faeuste +krampften sich megaerenartig. Das junge Gesicht wurde erdfahl, verzerrt. + +"Ich hab' Klavier spielen gelernt. O, ich hatte mal Einen in der +Georgenstrasse. Der war sehr gebildet. Sogar Verse hat er auf mich +gemacht. 'Du hast ja die schoensten Augen, Feinsliebchen, was willst Du +noch mehr?'" + +Sie wiederholte die Worte liebkosend, den Oberkoerper wiegend wie im Tanze. +Sie blaehte sich eitel. + +"Warum sprichst Du nicht mit mir? Wenn ich einen Vater gehabt haette, eine +Mutter, kleine Kinder - - - + +"Ich bin ganz zufrieden. Was kommt auch drauf an? Man schlaegt's so um die +Ohren. Lustig gelebt und froehlich gestorben, das ist dem Teufel die +Rechnung verdorben. + +"Tanzen, Zuckerzeug, fein riechen! Huebsche Kleider! + +"Eine Freundin von mir ist im Spital gestorben, Becker's Lene, die lange. +Sterben ist graesslich. Huh! Huh!" + +Sie fing wieder an, ihr Gesicht zu verstecken. Sie rutschte auf den Knieen +hin und her. Sie gab kleine Toene von sich, wie ein gescheuchter, +flatternder Vogel. "Du machst mir Angst. Sprich doch. Guck mich nicht an! +Guck mich nicht an!" + +Sie streckte beide Arme aus, wie unter dem Schrecken einer Erscheinung. +Sie bog den Kopf zurueck. Ihre Augen weiteten sich starr. "Ich bin mal in +der Wiese gewesen. Blumen wuchsen so reinlich mit weissen Gesichtchen. Auf +dem Teich fuhren Schwaene. Gruener Wasserliesch schwamm. Wo sie fuhren, +wurden dunkle, tiefe Flecken. Das hoerte man gar nicht. Ueberall theilte +sich der Sumpf. Klar war's und dunkel ... + +"Ich will Dir noch etwas sagen, was kein Mensch weiss. Ich haette ein +Kindchen gehabt, aber es ist nicht zur Welt gekommen. So gross war's, todt +und feucht. Es haette nicht gelebt und nichts zu essen gehabt. Mein kleines +Buebchen! Mein todtes, kleines Kindchen! + +"Manchmal denk' ich, die Sterne, wenn die so funkeln, dass man dort sein +koennte. Alles weiss an mir runter." ... Sie strich an sich herunter mit +glaettenden Haenden. Sie strich, als ob sie all' ihre Gewaender abstreifen +wollte. Wie im Fieber gingen die duennen streichenden Haende. ... Das +Haelschen ueber den zarten, fallenden Bruesten reckte sich wie ein +Lilienstengel. Eine Blaeue war in den Augen, die nicht mehr vom Leben war. +Die Lippen seufzten wie die Jemandes, der trinkt. Sie trank - trank - +trank. + +Der Fremde sagte nichts. Seine Hand legte sich auf diese junge, noch +weisse Stirn. Zart und guetig lag sie, ganz leise. + +Unter der Hand sank die Frau zusammen. Sie wurde klein. Sie wurde ein +Wurm, der sich am Boden schleppte. + +Sie weinte. Sie drueckte sich ganz dicht an seine Fuesse. Ihre Thraenen +tropften auf seine Fuesse. Ihre blonden Haare hatten sich geloest und fielen +ueber ihr gebeugtes Haupt und seine benetzten Fuesse. Er ruehrte sich nicht. +Sie weinte - weinte. + +Frau Matzke war mit dem Besen in der Hand in der Schlafzimmerthuer +erschienen. Sie stand da mit einem harten, steinernen Ausdruck, +unbeweglich. Man hoerte das tiefe, roechelnde Schnarchen des Trunkenbolds, +unschuldige, tiefe Athemzuege der Kinder. + +Jemand wartete in der Strasse mit einem weissen, elenden Gesicht. Er hatte +die ganze Nacht gewartet. Nun war es Morgen. + +Der Fremde rief den Burschen. Draussen begann schwerfaellig, schlafbetaeubt +das Leben sich zu regen. Lastkarren fuhren muede. Einzelne dunkle Gestalten +huschten. Man sah die lange graue Breite der Strasse mit Haeusern zu beiden +Seiten, unzaehligen Fenstern und Thuerluken, unter dem trueben Himmel, von +dem es leise wie Thau tropfte. + +Der Fremde wies auf die weinende Frau: "Geht!" + +Sie gingen. Sie geknickt, an seine Schulter gelehnt mit schwankenden, +irren Schritten. Er hochgehobenen Hauptes, sehr ernst und sehr gerade. + +Frau Matzke in der Thuer ihres Hauses sah sie sich entfernen. Sie sagte gar +nichts. Sie nahm ihren Besen wieder auf und fegte. Man sah die Silhouette +ihres gebueckten Rueckens, die wuethende Wucht der Besenstoesse, mit denen sie +den Staub aufwarf und in die Schaufel schob. + +Sie fegte. + + + + + + DAS DRITTE KAPITEL. + + +Man fuerchtete, dass der Zudrang zu der Versammlung ein sehr grosser wuerde. +In Folge dessen war die Schutzmannschaft reichlich aufgeboten. Man gab +Achtung, den Saal auf die Minute eine Viertelstunde vor der anberaumten +Zeit zu schliessen. Viele sahen sich so ausgeschlossen, auch ergab das +einen Vorwand, die Galerie nicht freizugeben. Man fuehrte den Krieg mit +diesen kleinen Mitteln seit einiger Zeit, obgleich eigentlich das +Verhaeltniss ein gutes, fast behagliches war. Sie kannten sich so genau, +die Gewohnheit des haeufigen Zusammentreffens hatte einen foermlichen +kleinen Comment herausgebildet, bis auf die ganz regelmaessig +wiederkehrenden Witze. Man haette sich fast vermisst, wenn man sich nicht +vorgefunden haette. Der Riesenhund des Wirths trieb seine Allotria +dazwischen mit einer ganz kleinen Huendin, einer proletarischen Mischung +aller Rassen, die von jeder die Haesslichkeiten angenommen hatte. - +Ueberdies waren es genau dieselben Typen, die da Wache gingen, als +Ueberwachte eintraten, Blonde, nicht schlecht genaehrte, bourgeoise Ruhe +und Anstaendigkeit, dazwischen einige knallfarbige, federbewallte Huete der +Genossinnen. Die Frauen ueberhaupt draengten sich vor, zeigten sich +aufgeregter als die Maenner; es war bekannt, dass einige der Fuehrerinnen +eine Zunge fuehrten, die ihre maennlichen Kollegen im Schach hielt. + +Einige Parteiveteraninnen hatten sich an den Eingang des Saals postirt. Da +Viele noch immer aus- und eingingen, deckten sie die Thuer mit ihren +breiten Rueckseiten. Sie warben fuer ihren Verein, ueberwachten den Verkauf +der Zeitungen und Broschueren, die auf kleinen Tischchen aufgeschichtet +lagen. Dazwischen wurden Bons zur Unterstuetzung armer Abgeordneter +feilgeboten. Die Kellner circulirten mit Bierseideln. Alle rauchten, +sprachen durcheinander. Von weitem, mit den schwarzbehuteten Koepfen, die +auf- und untertauchten, ergab das den Eindruck eines heftig bewegten Sees, +der gegen die Tribuene andraengte, sich staute. Man erwartete den Anfang der +Versammlung und wurde ungeduldig. Die dichten Rauchschwaden brachten eine +lila mystificirende Beleuchtung mit in das ordinaere, gelbe Gaslicht. - Es +waren da Leute, die ruhig ihre Butterbrote und Haeringe verzehrten, Andre +sprachen von Parteiangelegenheiten, ihren kleinen und kleinsten +Privataffairen. Ein junger Mann mit einem rothen Shlips und einem +Apostelkopf stand neben der Thuer. Er sah krank aus und blickte mit +glaenzenden, unirdischen Augen in das Leere, als ob er etwas Wunderbares +saehe. + +Die Parteiveteraninnen behaupteten, dass unter den Anwesenden Spitzel +waeren. Sie versuchten sie ausfindig zu machen, mit den Fingern zu zeigen. +Einige Studenten waren augenscheinlich fuer einen Ulk hergekommen. Es waren +Fremde da, die Keiner kannte, und eine junge Dame in eleganter Kleidung +ganz allein, die man ansah, was sie da suche. Im Ganzen war es eine sehr +guterzogene Menge, friedlich, ohne Aufregung, fast bourgeoismaessig. + +Der Saal war der banale grosse Festsaal der mittleren Restaurants, weiss +mit Gold, rothsammetner Rampe. Da wurde auch Theater gespielt und getanzt. +Es war nicht schlechter wie fuer die Bourgeois bei aehnlichen Gelegenheiten, +man war hoeflich und kam in weissen Handschuhen. + +Auch das Thema der Einberufung bot nichts Besondres. Es war die jaehrlich +wiederkehrende Einbringung der Militairvorlage von Seiten der Regierung. +Man wusste im Voraus, dass sie durchgehen wuerde. Der Protest geschah rein +berufsmaessig, aus Princip. Und man wusste, dass es fuer Jahre so gehen +wuerde. Die Aufregungen, das Maertyrerthum, aber auch die Hoffnungen der +ersten Jahre waren verschwunden. Die junge Partei hatte zu leben gelernt, +fast konnte man sagen, Manieren gelernt. Man nahm, was man kriegen konnte. +Man war stark, zahlreich, wohlorganisirt, das Odium war weggenommen, +ebenso der Heldennimbus. Man hatte nicht mehr die Angst zu sterben, aber +auch nicht die Aussicht zu siegen; man "entwickelte sich". + +Zurufe begruessten den Eintritt des grossen Mannes, in Wahrheit eines ganz +kleinen Maennchens. Alles das ging rasch, wenig theatermaessig. Nur das +Antlitz des Johannes leuchtete auf. Er draengte sich an den Bewunderten, um +seine Hand zu schuetteln. Eine Leibgarde, die Veteraninnen, hatten ihn +sofort eingezingelt, beinah protzenhaft, mit dieser Miene: "Wir gehoeren +zum Haus", die Unberufene einschuechtert. Nun wurden die Formalitaeten rasch +erledigt. Einige Witze fielen gegen die Polizei, die die Galerie gesperrt +hielt. Man kannte sich zu gut, sehr alte Feinde, Gladiatoren, die sich +jeden Tag treffen und beinah Freundschaft gemacht haben. Der Saal war voll +zum Ersticken. Es waren Maenner zumeist, Maenner mittleren Alters. Die +Jugend, wie ueberall, zog es vor, sich zu amuesiren. Oder man liebte +Radauversammlungen in Rixdorf, Charlottenburg, den Vororten. Dies war eine +wohlgeschulte, ausgediente Armee, ihr Capitain der sprach. + +Der grosse Mann auch war alt geworden, sehr alt. Das Feuer, das seine +Jugend gefaehrlich und unwiderstehlich gemacht, hatte sich gewoehnt, fuer den +Hausbedarf zu brodeln. Er wusste sich zu beherrschen jetzt, dessen +Leidenschaftlichkeit einst sein Ruhm und sein Fluch gewesen war. - Im +gleichmaessigen Tonfall flossen die Saetze, periodisch, deutlich hoerbar in +der geuebten Stimme des Redners bis an's aeusserste Ende des Saals. So war +er sachlich geworden, ein Typus, wie so mancher Andre, den die Gegner fast +vermissen, sich mit Ruehrung seinen leeren Platz zeigen, wenn er nicht mehr +da ist: So focht er, und so fuehrt' ich meine Klinge. - Auch die Rede hielt +sich genau in den Grenzen. Ein Rueckblick auf die immer sich steigernden +Forderungen, die Entwicklung des Militarismus in Europa. Das neue +Friedensmanifest des Zaren erregte Ironie. Man brauchte die Armeeen fuer +die Soehne der oberen Zehntausend, das Niederhalten der revolutionaeren +Bewegung. Wieder der gefaehrliche, ironische Beifall. Sie wussten das wohl +- sie! + +Nur einmal erhob sich die Stimmung zu einer gewissen Groesse. Der Redner +hatte Aeusserungen zur Philosophie des Krieges angefuehrt, von Moltke, +Treitschke, General von Boguslawski. Dann wurden statistisch die Verluste +in der Industrie seit siebzig nachgewiesen. Eine halbe Million! Mehr wie +alle Kriege! Wir brauchen keine kuenstliche, gewaltsame Schoepfung, um uns +maennlich und kraftvoll zu erhalten. - Ein Ausruf begleitete diese lange +Liste von Blut, Verstuemmelung, Asphyxie, Marter, - ein Schrei des +Schmerzes, aber auch der Kraft, imponirend in dieser friedlichen, +mittelmaessigen Masse. _Sie_ waren diejenigen, die sein mussten. Sie wuerden +sein. Da war die Groesse der Partei, das Selbstbewusstsein des thaetigen, +unreflektirenden Lebens, die Haupterrungenschaft der modernen, +demokratischen Zeit. Und das wird bleiben. + +Ein frueherer Pastor sprach nach dem grossen Mann. Er hatte seine Stellung +aufgegeben um seiner politischen Meinung willen, verwahrte sich aber +ebenso gegen die Partei. Er entwickelte des Laengeren seine Ansichten. Er +glaubte an Gott, war koenigstreu. Seinen Traum bildete eine Art +christlich-sociales Koenigtum. Man hoerte zu, nicht gerade unhoeflich, aber +ohne Interesse, leicht ironisch. Und er war confus, quasselte. Es lag +etwas Gefaehrliches in dieser hoeflichen Ironie selbst. Man hatte das zu oft +gehoert. Man glaubte sowas nicht mehr. + +Den Beschluss machte ein Anarchist. Er hatte wenig Glueck, die +Parteiveteraninnen protestirten von vornherein. Die Rede war ein krauses +Sammelsurium, eine Gesellschaftsordnung auf nur natuerlicher Grundlage, +freie Geschlechtswahl, mit einer seltsamen Verquickung von +naturphilosophischen Dingen, abstrusem Mysticismus. Man rief ihm Schweigen +zu, pfiff, trampelte mit den Fuessen: "Schliess auf! Halt' die Schnauze!" +Man wollte das nicht, man war Polizei fuer sich selbst. Wenn Einer das +Martyrium der Laecherlichkeit auf sich nehmen wollte, desto schlimmer fuer +ihn selbst. Sie schuettelten sich das von den Rockschoessen. Sie hielten auf +ihre neue, sauererworbene Respektabilitaet. + +Der Verhoehnte stand einen Augenblick, blass, mit einem kraenklichen +Laecheln, stotternd. Dann stieg er unter allgemeinem Gelaechter die Tribuene +herunter. + +Die Versammlung loeste sich auf in bester Ordnung. Der Abgeordnete +wechselte mit den Polizisten einen Gruss. Er war sorgfaeltig in einen +gestrickten Wollshawl eingewickelt, er litt an Katarrhen. Der Sergeant +laechelte gutmuetig mit Bezug auf den letzten Redner. "Verrueckter Kunde! Wir +lassen ihn laufen" ... Sie hatten ihn schon so oft eingesteckt. Da war +nichts zu machen. Und er war ungefaehrlich. - Beide Gewalthaber schieden im +besten Einvernehmen. Haetten sich die Machtverhaeltnisse eines Tages +umgedreht, diese Gegensaetze wuerden ruhig in ihren beiderseitigen +Functionen bleiben koennen. Es waere dasselbe gewesen. + +Der Pastor vereinigte sich mit dem beruehmten Fuehrer. Er sprach eifrig auf +ihn ein. Mit einer gewissen Nachsicht des alten Praktikers unterbrach ihn +der Andre nicht. Schliesslich - diese Leute thaten seine Arbeit. + +Am Strassenausgang stand ein Fremder. Er stand da und sah sie an. + +Sie sahen ihn Beide, der grosse Mann und der Pastor. Auch die Polizisten +sahen ihn. + +"Wer war der Mann?" fragte der Pastor. + +Der Abgeordnete zuckte die Achseln. "Ich kenne ihn nicht." Er hatte Eile, +nach Hause zu kommen. Er musste sich schonen. + +"Ein grosser Mann," sagte der Johannes ekstatisch. Ihn fror. Er stand da +am Ausgang und hatte die Haende in die Taschen gesteckt und sah ihm nach. +Seine Backenknochen gluehten. Er musste husten in sein Taschentuch. Wenn er +es wieder herunternahm, war es immer voll Blut. Er wusste das schon. "Was +er sagt ist wahr. Er versteht's." + +"Ein grosser Mann," sagte der Fremde. + +Die ganze Masse schob an ihnen vorueber. Die Veteraninnen sprachen sehr +laut. Sie hatten die Kasse abgeschlossen und entruesteten sich ueber wieder +einmal constatirte Gnietschigkeit. Eine wollte sich noch zu Hause Puffer +backen. Sie gaben Parolen aus fuer den naechsten Tag und Rendezvous in den +Vereinen. Die Studenten wollten noch zum Bier, die eingenommene Quantitaet +hatte ihnen nicht genuegt. Man war froh, sich zu bewegen, die Beine +auseinander zu setzen, nachdem man drinne eingepoekelt gewesen war wie +Poekelhaeringe. Einige Damen riefen nach einer Droschke, sie gehoerten zur +Frauenbewegung und besuchten dergleichen aus Princip. Man truppte +zufrieden nach Haus. Man hatte seine Pflicht gethan und ihr Haeuptling +hatte seine Sache gut gemacht. Es gab Keinen, der ueber diesen Mann ging, +und die immer zunehmende Stimmenzahl bei den Wahlen. Das war das grosse +Kampfmittel. Es liess sich nachrechnen, wie das stieg von fuenf Jahren zu +den naechsten fuenf Jahren. + +Dann kam auch der Anarchist. Er trug einen ganz duennen, kleinen +Sommerpaletot und ging, als ob er gar nicht wuesste, wo er waere. Seine +vagen, schweifenden Augen trafen den Fremden und den Johannes. Es lag eine +nachdenkliche, zaertliche Wehmuth in dem Blick, eine Bitte, oder als ob er +sich entschuldigen wollte, dass er anfragte - aber man wusste nicht, ob er +ueberhaupt wirklich sah. Er war noch nicht alt, aber er sah hungrig aus, +mehr vom Hunger des Geistes, als vom leiblichen Hunger. So hatte er etwas +von einem Kind, oder auch von einem huelflosen getretnen Thier. Er seufzte +und blickte in das Laternenlicht. "Es ist schon elf Uhr," sagte der +Anarchist. + +Er schauerte und kroch tiefer in seinen Ueberzieherkragen. Er hatte einen +sehr weichen, hellen gelben Hut auf, der in weitem Rand von seinem Kopf +abstand. Seine Haare fielen gerade ueber seine Ohren und waren lange nicht +geschnitten. Wenn er sprach, laechelte er jedesmal, ein schuechternes +Laecheln, wie von Einem, der im Unrecht ist und doch etwas Gutes und +Wichtiges sagen moechte. Dann hatte er ungeschickte Bewegungen, wie von +einem Wurm, und huepfte zuweilen auf einem Fuss, als ob er stolperte. + +Der Johannes ging auf der andern Seite. Er hustete. Er war ganz selig im +Gedanken an diesen grossen Mann, dessen Hand er gedrueckt hatte, der so gut +sprach, eine Stimme war, auf die man hoerte, fuer die armen Leute. Die +gebildeten, sachlichen Saetze hatten ihm imponirt. Sicher! Das wandte sich +zum Bessern, wenn einfache Gerber- und Brauergesellen sprachen wie der! Er +trug seine rothe Cravatte wie ein Triumphzeichen. Mehr konnte er nicht +thun. Aber das Blut seines Herzens war darin. Er fuehlte seine Lungen +brennen und flattern unter ihr. + +"Es ist immer am schlimmsten des Abends," entschuldigte er sich. + +"Das thut der Rauch. Sie sollten nicht rauchen im Saal. Es strengt auch +die Stimme an, wenn man sprechen muss. Und er hat zwei Stunden gesprochen. +Das ist bewunderungswuerdig fuer solch' einen Mann!" + +Er war ruehrend in seiner Zaertlichkeit fuer diese Stimme, den Mann, der +sprach, waehrend er nur husten konnte, unnuetz sein Blut ausspie, in das +Taschentuch, das sich faerbte, klebrig wurde zwischen seinen duennen, +fiebernden Fingern. Sie waren gelb wie aus Wachs und gezeichnet von aussen +durch die harte Arbeit, roher, oberflaechlicher, als durch die Krankheit +von innen, die sie zehrte, fein machte, spiritualisirte. + +"Wir werden es ja nie erleben," sagte er friedlich. "Aber die Andern, die +nach uns kommen! Einen Tag haben wir genug Stimmen im Reichstag. Sie +koennen nicht mehr an gegen uns. Dann wird Alles gut sein. Wir werden die +Gesetze machen. Es giebt keine Kriege mehr. Alle Voelker sind Brueder. Man +arbeitet. Man lebt" ... Er hustete heftiger wieder, sich abwendend, um den +Andern den Anblick seiner Schwaeche zu ersparen. + +"Ich - ich hasse die reichen Leute nicht. Sie wissen es nicht besser. Es +sind Viele, die es gut meinen. Man wird Gesetze finden. Das geht ganz von +selbst, ohne Revolution und Blutvergiessen. Die Soldaten sind ja auch auf +unsrer Seite. Nur Zeit braucht's. Man hoert. Man liest Buecher. Die Vernunft +muss ja ihren Weg finden. Es ist nur schlecht eingerichtet. Man hat die +Religion gehabt, den Aberglauben. Die Menschen sehen jetzt, wie es +wirklich ist. Man kommt vorwaerts. Man bildet sich. Alles geht gut. Die +Gerechtigkeit muss aufkommen." + +Alle diese kleinen Saetze sagte er ruhig, sanft, ohne Aufregung, von +Hustenanfaellen unterbrochen, die ihn quaelten, seinen Koerper schmerzhaft +zusammenkruemmten, wie aufgespiesst an einer gluehenden Nadel. + +Sie gingen in dem Strassengetriebe vorwaerts. Es trieb sie ohne ihren +Willen. Vielleicht wussten sie gar nicht, wohin sie gingen. Eine alte Frau +in einer schwarzen Pelerine wackelte vor ihnen her, enorm wie eine +wandelnde Glocke. Einige hatten Regenschirme aufgespannt. Sie sprachen von +Geld: "Wenn man dreissig Pfennige die Stunde verdient, aber fuenfundvierzig +muesste man haben." Ein junges Maedchen trug einen grossen Carton. Sie +trippelte und sah hinter sich nach drei jungen Burschen, die sich laermend +stiessen. + +Die Laternen schwammen wie gelbe, ausgeflossene Dotterflecken, schaukelnd. +Der Schmutz mit dem geschmolzenen Schnee bildete eine braeunliche, zaehe +Masse. Eine leere Droschke fuhr sehr dicht am Trottoir, als ob der +Kutscher Kunden suchte. In den Destillationen discutirte man oder spielte +Billard. Man sah die grauen Hauswaende feuchtigkeitstriefend mit +Ladenschildern und Plakaten, Pferdebahnen, die klingelnd trotteten mit +mueden, geduldigen Pferden. Aber Alles ungewiss, wie verwischt, unruhig, in +Schatten ... + +"Man muesste es machen wie die Thiere," sagte der Anarchist. "Thiere sind +klueger wie Menschen. Sie haben keine Gesetze und keinen Staat. - Aber es +giebt auch eine Seele. Ich habe Todte gesehen, die wiedergekommen sind und +mit den Haenden in der Luft zeichneten. Nun, ich habe die Koenigin Luise +gesehen. Sie ist zu mir gekommen am Weihnachtsabend und hat mir eine +weisse Rose geschenkt. Eine weisse Rose, die duftete. Sie kommt oft zu +mir. Der Kaiser Friedrich kommt auch, und Napoleon und der Kaiser +Alexander. Ich weiss nicht, warum sie zu mir kommen. Aber sie kommen." + +Er lachte, ein kleines, ungewisses, eitles, unglaeubiges Lachen. Es sollte +um Entschuldigung bitten fuer ihn. Im Grunde war er stolz. Es gab so viel +Dinge. Er wusste nicht ... + +"Man fuehlt sie, wenn man nicht viel gegessen hat. Und Jeder fuehlt sie auch +nicht. Manche Menschen schlafen auch die ganze Nacht. Ich zum Beispiel, +ich kann sehr oft nicht schlafen. Dann denke ich ueber Alles nach. O, es +giebt sehr viele Sachen! Wenn man wuesste ... Vielleicht ist es auch nicht +gut. Man muss essen. + +"... Die Thiere sind klug. Und die Kinder. Sie wissen alles Moegliche, +diese Kleinen. Aber sie koennen nichts sagen. Die Todten koennen auch nichts +sagen. Viele glauben nicht, dass es ein Leben nach dem Tode giebt. Nun, +diesen kann man auch nichts sagen. Das ist Alles Gnade, wem es gezeigt +wird. Und Viele wollen auch nicht sehen. Ich, ich glaube zum Beispiel an +eine Seele." ... + +Nervoes, schuechtern sagte er das, mit einer schweren, etwas singenden +Stimme. Er war wohl gewoehnt, dass man ihn oft fuer verrueckt hielt. +Vielleicht war er auch etwas bloedsinnig. Aber das waren seine Geheimnisse. +Er war stolz auf sie andrerseits. Oft erfuellte ihn eine schlechte +Eitelkeit. Er kam sich dann besser wie andre Leute vor, eine strahlende +und durchgeistigte Persoenlichkeit. Haeufig war er auch traurig und +verachtete sich. Er hatte oft nichts zu essen. Der Hunger und die Gedanken +hielten ihn wach des Nachts. + +Sie waren so auf einem freien Platz angelangt, wo die Strasse aufhoerte. +Gerade ueber diesem Platz stand der Mond. Aber er war hinter den Wolken. +Die Wolken umwellten ihn, zogen rasch ueber ihn her. Manchmal versteckten +sie ihn ganz. Dann war es noch dunkler, wo er stand. Oder er war am Rande +ein heller Fleck. Selbst wenn er ganz von ihnen befreit war, zeigte sein +Rund schwarze Flecken wie Wollfasern, hingeworfene Schwaemme. Diese Wolken +zogen sehr rasch und wechselten ihre Form fortwaehrend. Manchmal waren sie +Kameele, huepfende Kaenguruhs oder grosse Schildkroeten. Oder auch nur +Daempfe, gezupfte Watte. Auf dem Trottoir kaempften die Laternenstrahlen. +Aber das Gas war unruhig im Winde, flackerte hin und her. Metall blinkte +zuweilen oder eine Fensterscheibe funkelte schwarz polirt. Weisse Kanten +von Gesims oder Mauern leuchteten urploetzlich auf im Dunkeln. Festes +schien zu gleiten und Unbewegliches bewegt. Ringsum schlief die Stadt, +Dach an Dach und Schornstein ueber Schornstein. Aber das fratzenhafte, +luegnerische Wesen liess sie nicht schlafen. Es webte und irrte. + +Eine letzte Pferdebahn hielt am aeussersten Ende des Platzes. Die Pferde +waren noch nicht eingespannt. Sie stand unbeweglich. Der Kutscher mochte +wohl einen Schlaf halten im Innern des Wagens, bis seine Zeit war. + +Sie waren alle Drei stehen geblieben. + +Die beiden Maenner sahen den Fremden an. Sie sahen ihn an, als ob sie +warteten. Sie standen da und warteten, froestelnd, etwas benommen, +zwinkernd in das Halblicht ... + +Der Eine war halb aufgefressen vom physischen Leiden. Den Andern trieb die +Rastlosigkeit vorbei und weiter. + +Alle Beide hatten dieselben cernirten, etwas bloeden Augen von einem +unbestimmten, sanften Grau mit gruenlichen Lichtern, Augen von +Nachtthieren, die man mit einiger Ueberraschung entdeckt, weil ihr Funkeln +irrefuehrte im Dunkeln, - Schultern, die getragen hatten, und zu hohe, +weitoffene Stirnen ueber fliehenden, demuethigen Unterpartien gutartiger +Hunde. + +Sie warteten. + + + + + + DAS VIERTE KAPITEL. + + +Er ging auf's Land. + +Er kam durch Doerfer, die sich lang hinstreckten in einer einzigen Strasse. +Oder eine andre zweigte sich ab vom Muendungsplatz, sehr ausgefahren, in +einer flachen Traenke endigend am Waldrand, gleich sehr einfachen, +primitiven Verdauungsorganen ganz untergeordneter Thiere. Es gab aermliche +Haeuser, abseits im Koth stehend mit zerfallnen Stacketen und windschiefen +Mauern, wohlgebaute, schmucke, die steinerne Treppen vor der Thuer hatten; +weisse Gardinen umrahmten die Fenster ueber bluehenden Toepfen. Recht in der +Mitte war die Kirche gebaut. Ueberall hatte man da zuerst die Todten +begraben, eh' man anfing sie hinauszutragen weit abseits in gleichgueltiges +Flachland. Uralter Epheu kletterte empor nach dem verwitterten Holzthurm. +Eine runde Zifferscheibe zeigte die Stunde mit eingerostetem eisernen +Finger. Des Abends riefen die Glocken und antworteten sich. Vor dem +Wirthshaus stand irgend ein hundertjaehriger Baum, eine Ulme oder Linde. +Sehr oft war sie schon ganz zerfressen, eine Seite fehlte, dass man +hineinsehen konnte, wie in einen hohlen Ring. Aber oben trieben die Aeste +noch gruene Ruthen. Die Alten betrachteten sie sorgenvoll, aber die Jungen +dachten, dass sie etwas Heiliges waere und das Glueck ihres Dorfes davon +abhinge. Die Huehner scharrten in den Fahrgeleisen. Das Vieh wohnte +friedlich neben den Menschen. Die Kuehe tranken aus der steinernen Traenke +am Brunnen. Sie auch waren heilig, freundlich, der Reichthum ihres +Besitzers, und sahen mit ruhigen Augen wie Berechtigte, die ihren Weg +kennen. Kleine Kinder liefen dem Wandrer nach in ihren Holzschuhen. Oder +sie nahmen die Schuhe in die Hand und folgten so auf den blossen Fuessen. +Sie liefen mit, so lange sie Lust hatten, und kehrten dann um, wenn sie +muede waren. Sie standen, den Finger im Mund, mit grossen Augen, sagten gar +nichts, und sahen ihm nach. + +In den Feldern war man an der Arbeit. Maenner stiessen die Pflugschar, +langsam, sehr langsam hinter dem Pferdegespann, das sich wie ein +Schattenriss abhob vom grauen Fruehlingshimmel. Die Erde wellte sich hier +in grossen Huegeln, wie Wogen eines Meers, das die Fluth verlassen hat. Man +sah den Pflug mit dem Gespann aufsteigen und niedersinken. Manchmal war er +in den Schluchten ganz verschwunden; er kroch langsam und steil hinan in +runder Schwingung um die Schwellung des Bodens. Rhythmisch drehte und +wandte er sich, dem staerkeren Rhythmus der Erdmassen folgend. Ins Graue, +Harte schnitten die blanken Schaufeln, es aufwerfend in blanker, oben +gekraeuselter Scholle. Sehr dunkles Bauernbrot hat diese Farbe. Es duftete +vom Frischgebacknen. Die Pferde schritten geduldig. Sorgsam, merkend auf +Zahl und Curve der Furchen lenkte der Pflueger. - Sie waren geschritten so +seit Jahren. Ihre Vaeter hatten gepfluegt. Die Erde war da, und die Menschen +waren vergangen, zur Erde gekehrt wieder. + +Geheimnissvoll in verschwiegenen Furchen keimte die Saat; kleine, +schuechterne Haelmchen aus dem festen, lagernden Erdreich. Kraehen strichen +kraxend ueber die Felder. Ganz oben zogen Schwaerme wilder Gaense in +mystischer Keilreihe mit schrillem fernen Kreischen. Der Wind klang wie +brauendes Tosen und Kollern, Kobolde und Trollen aus dem Norden, +Vorgeborner, Eddabewohner. + +Er kam durch Bergland. Da waren die Menschen arm und wenige. + +Sie wohnten dicht zusammengedrueckt in Thaelern oder an den Abhaengen. Die +Berge reckten sich hoch, Kuppe an Kuppe. Runde, langgestreckte, mit +breitem, fichtenbestandnem Ruecken, oder sie trugen Laubwaelder, braun und +gruen, die ihre Umrisse verbargen. Fast kahle gab es, von Gestruepp, ganz +jungen Hoelzern bestanden, zwischen denen man Korn gesaet hatte, um den +Boden fruchtbar zu machen. Schneisen oeffneten Ausluge in gruene Wirrnisse, +neue Seitenthaeler und auf hohe ernste Waende. Am Wege rankte +Brombeergestraeuch und man sah zwischen Farrenkraeuter wie in gruene, +niedrige Dome unter den hohen, wo Elfen haetten spaziren koennen, Thau +schluerfen aus blauen Glockenblumenkelchen oder Honig melken aus den gelben +Bluethenruesseln der wilden Bienensaug. Holz schlug man da in grossen +geschichteten Wuerfeln. Jedes Stueck trug den Stempel, die Nummer. Manchmal +aus einem verwachsenen Seitenweg zwischen den hohen Graesern kam ein +Arbeiter, der seiner Heimath zustrebte, Bergleute oder Hausirer, stille +Leute und gewohnt im Dunkeln zu finden. + +Durch fruchtbare Ebenen kam er, wo Dorf an Dorf sich draengte, Hof neben +Hof, stattliche Hoefe mit rothen Ziegeldaechern und steinernen Staellen, +weiter Einfriedigung fuer das Gelaende. Obstgaerten bildeten den Reichthum +der Gegend. Selbst das Vieh war schoener, fett und glatthaeutig, wie die +Leute, die in steifen Trachten gingen, mit seltsamen Hauben und Muetzen, +weiten Roecken und verschnuerten Stiefeln. Die Kinder truppten zur Schule +steif und artig. Alles war numerirt und eingetragen vom Landrathsamt. Man +sah die neue Bahn ohne Ehrfurcht. Man wusste, was man werth war, und +wuenschte nicht, dass eine Vermischung stattfand. + +... Manchmal ging er sehr frueh am Tage. Alles war grau, grau wie im Wasser +gewaschen und noch nicht getrocknet wieder. Die Feuchtigkeit sass in der +Erde wie in einem Schwamm. Die Luft war zu schwer noch, dass sie +ausdampfen konnte. Kleine Kiesel blinkten gewaschen, braun mit stumpfen +Steingries in der Mitte. An jedem Grashalm hing ein Tropfen. Unzaehlige, +unendlich winzige Troepfchen bildeten einen feinen, weiss-grauen +Seidenschleier auf seiner klebrigen, mit kleinen Haerchen besetzten +Oberflaeche. Die Kraeuter streiften feucht beim Durchschreiten. Man fuehlte +die Erde sich ansetzen und schwer werden unter den Schuhen. Der Wind blies +mit einem Geruch von frischer Waesche. Zwischen rothen Steinfassungen einer +Bruecke floss breit ausgelaufen ein Muehlbach. Niemand wusste, ob es regnen +wuerde, aber inwendig war ein Tropfen und Sickern, die Thaetigkeit des +Wassers, das filterte, sich einsackte. + +Der Wind erhob sich in den Pappelkronen. Sie verbeugten sich und neigten +ihre schlanken Ruthen gegeneinander. Die Ruthen rieben sich und wechselten +sehr schnell in der Beruehrung, wie Tasten eines Klaviers, die man +nacheinander anklinkt, ein Spiel der Staebe, die Zeichen geben, eine +Botschaft weitertragen. Die ganze lange Reihe hindurch lief die Bewegung. +Sie schuettelten die Koepfe, rauschten und raunten. + +Erst kam es nur wie ein feiner, leichter Wasserstaub, ein Schleier im +Gesicht, den der Wind nach Laune vor- und zuruecktrieb. Graue Huschen zogen +rasch wie Watteballen in der Luft. Dann wurde es wie ein leises Stossen, +wie wenn es in einem Kessel anfing langsam zu kochen. Man hoerte das +Klatschen auf nackte glatte Haeute der Blaetter. Aber es kam noch nicht +durch. Sie schuetzten wie ein Regenschirm. Es rieselte, rauschte, tropfte, +plaetscherte ... Es regnete. + +Im Fruehlingsregen ging man wie in einer grauen Tarnkappe. Alles erschien +ohne Farbe, sehr jung noch, wie eben ausgebruetet, als ob die Eihaeutchen +noch herum waeren, eine Foetuslandschaft. Das Nass begoss, trieb, schwellte. +Unter den Fusssohlen sickerten Lachen. Alles Gruen wurde grell, fast +giftig. Die Blumenkronen schienen groesser, vom Wasser beschwert. Fast +schwarz glichen die Baumrinden aufgebrochner Erde. Ein lauer +Schweissgeruch des Bruetens lagerte. Unter den Steinen hoehlten sich Loecher. +Alle Steine schienen dunkler. Ihre weissen Aederchen und Brueche zeigten +sich sehr deutlich. Die Steine waren nicht steinern und die Tropfen +schlugen sie. + +Dann kam ein gelber Schein von irgendwoher. Er flatterte auf wie ein +Vogel. Es war ein Spiel der Lichter ohne eine Quelle des Lichts, ohne dass +man wusste, woher die Strahlen kamen. Grosse Flecken von Klarheit rissen +ein und vergroesserten sich im Grau. Alles ging sehr rasch, wie das +Anschlagen eines Instruments, ein Finger, der sehr schnell ueber Saiten +laeuft. Es giebt einen Klingklang hier und da, aber noch keine Melodie. Die +Regenstriche schienen blank und spruehend. Einen Moment funkelte Alles. Ein +Regenbogen stand sicher geschwungen ueber der Landschaft, ein zweiter +verschwamm zitternd im Grauen. + +Die Voegel fingen schuechtern wieder an zu piepen. + +... Man sah keinen Menschen des Abends. Ueber die Felder zogen Nebel. Am +Waldrand schien sich's zu brauen, zusammenzurotten. Man unterschied die +einzelnen Baeume nicht mehr. Es waren Alles Rundungen, wie Hammelruecken, +Riste flockiger Widder sehr eng zusammengepresst. Das wiederholte sich +unendlich. Es schien wie ein Meer, das da angewachsen, festgenagelt war, +dunkel, drohend, gierig, immer dieselbe Form in immer tieferen Schatten, +Roethen, Violetten, die der Tag nicht kannte. Das drang vorwaerts, frass +sich weiter, eine schlechte Anziehung schien von ihm auszugehen, etwas von +Hexenkraft, Raethselhaftigkeit, Unerloestem. Sehr sanft schmiegten sich die +Saaten. - Ein Reh trat heraus. Es aeugte mit merkenden Lichtern, spitzte +die Horcher, eh' es sich zum Aesen bueckte. Dann kamen mehrere. Man glaubte +den leichten Anschlag ihrer Hufe auf dem Rasen zu hoeren, wie sie sich +bewegten, malmten. Nun wurde Einem wohler. + +... Die Kastanien trieben eidicke Knospen. Blaettchen an Blaettchen faltete +sich in draengender Enge, rundlich, breiter am Grunde und spitz zulaufend +im Abschluss. Der klebrige Lebenssaft hielt sie alle zusammen. Zartbraun +waren die aeussren, wie duenne abfallende Schalen, die ihren Dienst gethan +haben. Die inneren blieben weiss und lichtgelb, wie feines Fleisch der +Eier, das man isst. + +Er fand einen jungen Mann unter dem Kastanienbaum. Er hielt ein Buch auf +seinen Knieen, aber er las nicht. + +Er sprach zu ihm: "Warum liest Du nicht in Deinem Buch, das Du haeltst?" + +Er sprach: "Dieses Buch habe ich gelesen, viele Buecher, alle Buecher der +Welt, die ich finden konnte. Ihre Worte sind Buchstaben und ihr Wissen ist +Worte. Jetzt lese ich gar nichts mehr. Ich bin nur hier und studire den +Baum. + +"Recht herrlich anzusehen ist dieser Baum. Aufgepflanzt auf starken +Wurzeln, unter der Erde gegruendet wie ueber ihr. Der Mittelstamm reckt sich +stolz und gerade. Jedes Jahr weitet sich der Ring. Eine Schnur fuegt sich +mystisch zur Schnur der gewesnen, die die Vergangenheit zeichnen, und jene +Zukuenftiges. So entsendet er Aeste ringsum im Kreise nach allen vier +Richtungen der Sonne, dass die Sonne sie bescheine und wachsen macht. +Kleine Zweige schiessen auf von den grossen, aus knorrigen Hoehlen, wo das +Geheimniss der Geburt sich erneuert. Diese wieder theilen sich in +faechernde Finger. + +"Keine Regel scheint in dem Ganzen und stolz giebt er die Rundung des +Erdballs wieder. Fast flach breiten sich die untern tragenden Aeste. Die +mittleren reichen an den Kreis des Aequators. Zum Pole der Spitze fuegen +sich in schaerferer Steigung die oberen. + +"Und Alles lebt. Die Wurzel entsendet die Kraefte, die die Aeste leiten. +Zur aeussersten Spitze des aermlichsten Stieles steigt pulsender Saft, der +schwaert und gebiert. Ohne Ende ist dieses Leben, grossmuethig und doch +sparsam. Es scheint zu schlafen und wirkt doch in der Stille. Prangend +steht es in der Bluethe und sicher reift doch die Frucht. Es giebt kein +Meistern an seiner Form und Bestimmung. Denn Alles ist meisterlich von +Anfang gegruendet wie es sein muss, bis er stirbt, sein Tag um ist, da er +lebte." + +Er sprach: "Bist Du also weit und hast Du dies Alles erkannt, so will ich +Dir mehr sagen, das wichtiger ist denn Werden und Sterben. Lass Dein Buch +und den Baum und folge mir." + +So folgte ihm dieser. + +Zwei Brueder, Maurermeister, lebten in einer kleinen Stadt. Sie lebten dort +schlicht und redlich, waren verheirathet und hatten Kinder. Ihr Gut +mehrten sie taeglich und sie hatten zusammen ein schoenes Haus gebaut, dass +sie dort auf ihrem Eignen saessen und ihre Tage friedlich endeten. + +Sprach der Eine zum Andern: "Was hilft es uns nun, dass unser Gut sich +mehrt von der Arbeit unsrer Haende, unser Haus fest und stattlich steht? +Wir muessen doch sterben. Die Zeit reisst es ein, was wir gebaut haben." + +Der Andre sprach zu seinem Bruder: "Ich kenne einen Fremden, der Worte +weiss staerker wie das Leben. Was er meint, bindet keine Zeit. Mauern +fassen es nicht, die staerker sind wie unsre." + +Er sprach, der der aeltre Bruder war und der Weiseste von Beiden: "Diesen +Mann muss ich hoeren. Und wenn ich alle meine Gueter dahintenlasse, was das +Herz froh macht, ein Weib und junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich +habe, was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest wird, ist mehr denn +Haeuser bauen, die der Sturm einreisst." + +Diese Beiden gingen und suchten den Fremden auf. + +Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet von allen Menschen und von +nachdenklicher Gemuethsart, wie es das Handwerk mit sich bringt. Denn ein +Maurermeister in seinem Handwerk, so er es recht versteht und ernst nimmt, +ist etwas vom lieben Gott und Schoepfer selbst, der die Welt geschaffen +hat. Er haelt in seiner Hand Thon und Moertel. Was er baut, soll fuer Jahre +und Jahrzehnte sein, wohlgegruendet und ausgemessen in allen seinen +Theilen, dass nicht das Hohe auf das Niedrige falle, der Boden nachgiebt +unter zu schwerer Belastung von Schnoerkeln, Pfeilern, buntausgemalten +Fenstern. + +Alle diese und Andre, an der Landstrasse, sah und fand der Fremde. + +Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an einem Wegrain oder auf der +Rasenhoehe ueber dem Teich, sprach er zu ihnen. + +Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums und wie die gering sind und +Knechte, die streben und hochstehen. + +Von den Thoerichten des Herzens und den Armen im Geist sagte er ihnen +suesse, geheimnissvolle Worte. Und von der Guete der Unklugen, die weiser +ist denn Weisheit und staerker denn Staerke aller Gewaffneten und Starken. + +Kleine Kinder umstanden seine Kniee und sahen zu ihm auf mit grossen, +unbewussten, glaeubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen +Meditationen. Muetter hielten sich laechelnd an mit ihren Saeuglingen an der +Brust, die nach der naehrenden Zitze lallend griffen, sie patschten mit +ihren rosigen Haendchen. + +"Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist ueber dem Gesetz. Alles Gesetz ist in +ihr." + +"Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn Deins ist wie Deines Bruders und +Deines Bruders wie Deins." + +"Die Unkeuschheit ist nicht in der That. In der Scham schon ist Suende. Der +Gedanke der Wollust schlaegt und beschaedigt." + +"Nicht das Wort ist Luege, der Eid betheuert nicht. Eure Rede sei klar, +weil Euer Denken Wahrheit ist." + +"Der Hass, der keinen Widerstand findet, erlahmt in ihm selbst, wie der +Stein, der geworfen wird und in's Wasser faellt." + +"Und widerstrebet dem Uebel nicht." + +Die kleinen Blumen bluehten mit tiefen, duftenden Kelchen. Feiner wie +koestlichste Seide waren ihre Blaettchen. Die Staubfaeden standen wie +brennende Kerzen, Goldkrystalle edelster Kronleuchter. Auf gruenen Stengeln +trugen sie ihre Haeupter wie Kronen. Die Luft war schwanger von ihren +Dueften und die Winde trugen ihre Samen. Die Voegel kamen sorglos und +pickten ihre Nahrung. Im Gras athmeten Cicaden und Mueckchen, Kaefer, +Gewuerme - ein tausendfaeltiges Leben. + +"Warum sorget Ihr Euch? Alles Leben findet seine Nahrung. Alles Lebendige +erfuellt seine Bestimmung des Lebens. Ihr sorget und sammelt Schaetze. Die +Motten zerfressen sie und der Rost, die Diebe graben danach und stehlen." + +"Der Reiche ist arm und der Arme ist reich. Stark ist, wer fest steht in +sich selbst. Der weise geworden ist in Gott, dem haben Stuerme, Hass der +Menschen und Noth nichts an. Die Welt ist dem Menschen gegeben. Ueber der +Welt steht der Mensch, der die Welt in sich traegt. Gott ist in Euch und +Ihr seid Gottes. Erwacht zu Eurer Herrlichkeit! Ein koenigliches Volk, ohne +Koenige, Herren Alle und Freie, die Ihrer selbst Herr geworden sind." + +Sehr schoen war er mit seiner strahlenden Stirn, dem melodienreichen Mund, +dem die Worte entstroemten, die Haende lang und fein mit heilender +Beruehrung. Seine Worte klangen lieblich wie Musik. Und in ihnen war die +Tiefe. Der blaue Himmel spannte sich ueber ihn, blau, ganz blau, in immer +lichterem Blau bis zur laechelnden Sonne, ueber die Erde gestellt mit +gruensammetnem Rain, - einen Koenig im schlichten Bettlergewand, einen +Gebietenden auf dem Feldstein seines Throns. + +Die Leute kamen von weit, ihn zu hoeren. + +Etliche sagten: "Es sind Gedichte. Wir haben das schon oft gehoert, so oder +so." - Aber sie hatten viel zu thun und gingen. + +Viele sagten: "Das ist Alles Luege. Traeumereien sind das." - Sie erklaerten +lange, wie es besser zu machen sei mit dem Aufhoeren der Militairlasten +oder einer neuen Steuerordnung oder indem man die Gueter anders vertheilte. + +Sie waren die Kluegsten. Aber die Meisten gingen hin und thaten weiter, wie +sie vorher gethan hatten. + +Und war Niemand, der ihn verstand. + + + + + + DAS FUeNFTE KAPITEL. + + +Es begab sich, da er muede war, setzte er sich nieder an einem Brunnen. + +Ein sehr lieblicher Platz war es. Weidenzweige hingen tief wie feine +wehende Schleier. In der gemauerten Hoehlung hoerte man es murmeln vom +schwaerzlichen, verborgnen Wasser. Alles Gras ringsum war gruen, sammetgruen +mit Schatten, wie der Wind es wehte oder die Sonne fiel. Eine Stille war +in der Luft, diese Klage der Feuchtigkeit, die der Nacht vorangeht, denn +es war Abenddaemmerung. Nur die Heimchen zirpten. Man hoerte das Locken der +Voegel, aber befriedigt, nur mehr wie ein Glucksen. Die Winde auch kamen +sacht, mit etwas lebhafterem Rauschen oben in den Baumkronen. + +Er setzte sich auf die Steinbruestung des Brunnens. + +Eine Frau kam. Sie ging langsam und hielt eine Reitgerte in der Hand. Der +Saum ihrer grauen Amazone fegte schleppend den Boden. Sie fuehrte ein +weisses Pferd am Zuegel. Es trat so leicht auf, dass man seinen Hufschlag +nicht hoerte, den Kopf hielt es gesenkt, als wollte es sich bemuehen, die +Saatsprossen zu erhaschen, und schnoberte leise aus rosa feinen Nuestern. +Ein Windspiel sprang auf ihrer andern Seite. Es streckte zuweilen wie +liebkosend seinen schmalen spitzen Kopf in ihre haengende Hand. Sie ging in +tiefen Gedanken. Ihre Haare waren in dicken Flechten gewunden, weit unten +im Nacken aufgesteckt, als ob sie zu schwer waeren fuer ihren schmalen Kopf. +Sie ging sehr langsam und hielt die Augen zur Erde gerichtet, wie wenn sie +suchte. Sie suchte mit der schwanken zitternden Spitze der Reitgerte auf +dem Boden. Der Hund lief neben ihr und sah sie an. Er versuchte ihre Augen +zu fangen. Aber sie antworteten seinem Blick nicht. Sie ging und fuehrte +das weisse Pferd am Zuegel. Ganz weiss, mit gesenktem Kopf folgte es, ein +edles, geduldiges, sehr feines Thier. + +Gerade ueber die Wiese kam sie, zu der Quelle, wo der Fremde sass. + +Sie seufzte. Gegenueber am Brunnen sass der Fremde. Und sie sah ihn nicht. + +Sie hob die Augen auf und sah ihn. + +"Warum bist Du ungluecklich?" fragte der Fremde. + +"Ich bin ungluecklich, weil ich gluecklich bin. Ich habe Alles, was die +Menschen Glueck nennen. Ich wohne in einem Schloss im Reichthum. Meine +Eltern hielten alle Sorge fern von mir. Ich habe einen Mann, der mich +anbetet, gute Kinder. Doch bin ich ungluecklich. Ich gehe zu diesem +Brunnen, um Ruhe zu finden, weil mein Schmerz sich aufloest in dem der +Natur, der ueber diesem Ort lagert. - Warum ist sie ungluecklich?" + +"Weil sie sterblich ist und vergaenglich." + +Die junge Frau seufzte tiefer. Die Zweige der Weiden rauschten auf wie +leichte, faltige Frauengewaender und fielen zusammen. Der Hund schob +liebkosend seine kalte Nase ein. Ueber die Felder trug der Wind die Klage +der Weiden und geheimnissvoll in der Tiefe gluckste und murmelte das +Wasser. "Sind wir es nicht auch? Vergaenglich und sterblich? Der Tod ist in +Allem. Das Schoene hat keine Dauer. Die Leidenschaft flieht. Der Tag unsrer +Kraft ist der unsrer Guete. Wenn wir krank sind, sind wir selbstsuechtig, +schlecht, Andre quaelend und gequaelt von ihnen. Aller Anstrengung Ende ist +der Tod." + +"Es giebt etwas ueber dem Tod," sagte der Fremde. + +"Es giebt etwas," sagte sie in sehr tiefen Gedanken. "Ja, es muss etwas +geben. Man denkt nicht daran, wenn man gluecklich ist. - All' diese Tiefen +- diese Schmerzen! Diese Schmerzen muessen unsterblich sein." + +"Die Schmerzen sind unsterblich." + +"Die Ahnung des Unendlichen - diese Sehnsucht hinaus! Es ist das Beste, +was wir haben. - Es ist sehr schmerzlich." + +"Leiden ist schoen." + +"Ja, es ist schoen. Ich moechte nicht ohne es sein. - Doch die Andern sind +gluecklicher. Warum gab man es uns nicht wie dem Thier zu leben? wenn es +aus ist, Sterben ohne Bewusstsein?" + +"Nichts stirbt. Alles Leben lebt unvergaenglich." + +"Sie auch, diese Baeume? Die Wehmuth dieser Felder? Es gaebe eine +Vollkommenheit fuer sie? Eine Erfuellung? Wo ist sie?" + +"Ahnst Du sie nicht? - Sieh in die Weite!" ... + +"Manchmal ahne ich sie. Etwas wie einen Zusammenklang, einen verlornen, +fernen. Ich weiss nicht. ... Es ist das Leiden, die Suende: Einer hat Einen +getoedtet. Man toedtet ihn wieder. Er leidet. Ist er nicht erloest? ... Aber +es sind so viele Andre. Sie gehen hin und leben, correct, alltaeglich" ... + +"Sie sind weitab." + +Sie sprach wie im Traume. Der Hund, zu ihren Fuessen gelagert, sah sie an +mit treuen, klugen Augen. So beweglich waren sie, dass die Lichter +fortwaehrend wechselten wie in einem Spiegel. Im Grase weidete das weisse +Pferd. Man hoerte es die zarten Halme abrupfen, sie zermalmen zwischen +starken, hoeckrigen Zaehnen. Und von Zeit zu Zeit wieherte es leise, wie +wenn es antwortete, als roeche es den Fruehling. + +"Ja, ja," sagte sie athemlos. "Ich weiss nicht. Aber es muss auch sein. +Man quaelt auch Thiere. Sie leiden und sie ahnen. ... Was ist es?" + +"Wenn Du wuesstest, waere es das?" + +Sie schuettelte den Kopf. "Nein, man muss es finden, selber in sich finden. +Dann ist es der Friede. Ein Glueck ueber dem Glueck, Erfolg und Schande, +Reichthum und Armuth, - das ist Alles so gleichgueltig. Es ist ueber dem +Allen." + +Sie sah den Fremden an. Die junge Frau mit zarten, spielenden Fingern +strich langsam die Saeume ihres Kleides entlang. Ihre Augen verschleierten +sich in dem Schleier, der ueber die Felder ging. Es war, als ob die Farbe +der Felder in sie eindraenge und es bliebe nur _eine_ Farbe in ihren Augen +und in der der wehenden Saaten. In der Curve ihrer Schultern fand sich die +gesenkte Kruppe des weissen Pferdes. Die graue Seidenhaut des Windspiels +schmiegte sich wolluestig, verloren in die Kleiderfalten. Das Wasser fiel +in kleinen plaetschernden Cascaden, oder es ruhte sich lange aus, in +Pausen, wo nur das Unterirdische murmelte, die kleine Stimme von Tropfen, +die hoehlen, klopfen. + +"Manchmal fuehle ich, als ob ich gar nicht mehr Ich bin. Eine haessliche +Kroete. Eine Tigerkatze. Ich bin ein Wesen, was vor vielen tausend Jahren +war und hundertmal gestorben ist. Ein Thier und ein Gott. Vom Thier zu +Gott. Das ist der Weg." + +"So ist es." + +"Ja, ich habe gelebt," sagte sie sehr leise, liebkosend. "Ich habe +gemordet. Ich habe gesuendigt und triumphirt. Vielleicht habe ich am +Maertyrerpfahl gestanden. Und es machte mir Freude, meine weisse, feine +Hand in Blut zu tauchen, bis sie roth war. - Ich sah einen Mann einmal. Er +war ein Strolch und ein Moerder. Er auch, war ein Koenig. In seinem Auge las +ich den Stolz der Starken. Wir kannten uns so gut, wie wir uns sahen. ... +Das ist seltsam." + +"Nichts ist seltsam." + +"Nichts! Nichts!" wiederholte sie inbruenstig. Eine feine Roethe schlug von +ihrem Hals auf wie Sonne unter Lilienblaettern. "Gar nichts ist seltsam. +Manchmal in Buechern, in der sehr grossen Kunst fuehlt man es. - Ich habe es +in Felsbruechen gesehen, in dem spitzen Speerschaft irgend eines Grashalms. +Es giebt Worte, Reime. ... Goethe hat sie. Und Shakespeare, wenn Ophelia +wahnsinnige, kleine Lieder singt. Ich kenne chinesische alte Goetzenbilder +und Michelangelo's Grabfiguren am Mediceer-Denkmal. ... In der +Marseillaise hoert man die Tuba der Erzengel. Warum ist Lucrezia Borgia +suess wie Nachtigallsang am Maiabend und Napoleon gekreuzigt wie der von +Golgatha ... Es ist so schwer zu denken ..." Sie presste die weiche kleine +Hand gegen die Stirn, an der die Schlaefen flogen wie unter Haemmern einer +Schmiede. + +"Warum denkst Du?" fragte er guetig. + +"... Wenn man nicht denken brauchte! Alles weiss man. Nur weil man +versucht, sein Wissen zu erklaeren, _ein_ Wissen fuer Alle, Gesetze sucht, +weiss man nicht mehr. Kinder wissen. Und Frauen! Ah, Frauen wissen eher +wie Maenner! Sie fuehlen. Es ist ihr Koerper, der in ihrem Willen ist, ... +weil Frauen lieben." + +"Und Gott?" fragte er. + +"Gott auch liebt," sagte sie traeumend. "Er hasst nicht. Das Gute ist +dasselbe wie das Boese. Alles ist ein Leben und es dreht die Welt. Die +Thaten, die gethan werden, sind seine Aeusserungen. Es ist nichts gut und +nichts schlecht. Es ist wie es ist." + +Er antwortete nicht. Sie seufzte. Die muede Traurigkeit erschien wieder in +ihrer Haltung, dem Koerper, der sich zurueckbog, waehrend die Linie des +Halses straff wurde. + +"... Sie haben Kirchen gebaut. Ich habe versucht in der Kirche zu beten. +Die Sehnsucht erstickte mich.... Hier ist es besser." + +"Es ist besser hier." + +"Sie sind zu eng, die Kirchen. Dies Alles muesste mit hinein. Viel, viel +mehr als die alte Geschichte. Und die neuen Geschichten. Das ist weit - +weit ..." + +Sie zeigte mit ihrer Hand. Von allen Seiten wallten die Nebel. Es glitt +ueber die Felder. Das Entfernteste verlor sich im Ferneren und das Nahe +schien weitgerueckt, aufgesogen im Allen ... + +Eine Fledermaus strich leise mit unhoerbaren, schwarzen, tappenden +Schwingen. Naeher und wieder weiter, geheimnissvolle Kreise ziehend. Sehr +deutlich sah man die feinen Krallennaegel, zwischen denen die Flughaeute +angemacht waren gleich Stofffaechern eines Regenschirms, den kleinen, +platten Kopf mit spitzen Zaehnchen, die nach Insekten schnappten, sie rasch +zerrissen. Eine Eidechse kam hervor unter der Brunnenmauer. Sie blieb da +wie angewachsen, horchend. In der Saat putzten sich die Hasen und machten +Maennchen. Sie ohrfeigten einander mit harten, flinken Pfoten und +hamsterten leise in sich hinein wie Geizhaelse. Ein Fuchs schlich auf Raub +mit vorgestreckter spitzer Schnauze und fuchtelnder Ruthe. + +Ganz fern quakten Froesche im Feuchten. Von allen Wiesen stieg der Athem +auf. + +Sehr lange sassen sie. + +Sie erhob sich langsam. Das weisse Pferd kam ohne Ruf. Der Hund witterte +in die Richtung mit angelegten Ohren, aufmerksam, zitternd. + +"Gehe in Frieden," sagte der Fremde, "Du bist naeher wie die Andern." + + + + + + DAS SECHSTE KAPITEL. + + +Nun hatte die Frau des Landraths eine Idee. + +Das Geruecht von ihm war naemlich sehr stark geworden in dieser Gegend, so +dass viele Leute aus Neugier kamen, um ihn zu sehen. Viele logen und +erzaehlten seltsame Geschichten von Wundern und Kranken, die geheilt worden +waren. Und die Menschen liefen hin. Sie blieben da und folgten ihm etliche +Tage und warteten auf ein Zeichen. Wenn nichts geschah, was ihre +Hoffnungen erfuellte, gingen sie nach Hause, ihren Geschaeften nach. Diese +sagten stets, dass Alles gelogen war. Sie bewiesen sonnenklar, dass solche +Wunder unmoeglich und gegen die Natur seien, warteten doch darauf und +wuerden sie bestritten haben, wenn sie geschehen waeren. Die Zeitungen +bemaechtigten sich des Stoffes. Sie hofften ihre Leser zu amuesiren. Einmal +tauchte er hier auf und einmal da. Es machte den Reportern Spass, gerade +die abenteuerlichsten Geschichten zusammenzutragen, gefaelschte Interviews +und lange Extrakte aus Reden, die er niemals gehalten hatte. Auskunft war +da ertheilt ueber Himmel und Hoelle mit genauer Beschreibung der Lage und +Gliederung der Letzteren, eines jeden Pfeilers, auf dem Gottes Thron +stand. Einige brachten sogar ein ganzes Nationale, dass er der Sohn eines +Zimmermanns Joseph Schaeppli aus Bing an der Enz in Wuerttemberg sei. Dieser +Sohn hatte fuer einen Narren gegolten in seiner Jugend. Im Ort gab es viel +zu erzaehlen von seinen sonderbaren Thaten und Reden. Dann war er +verschwunden, als er etwa dreissig Jahr alt war. Etliche sagten, er waere +in der Enz ertrunken, Andre, dass er in die Waelder gegangen waere und dort +als ein Waldmensch und Einsiedler hauste. Sie behaupteten, dieser selbe +Zimmermannssohn aus Bing sei es, der jetzt aufgetaucht waere und predigte. +Seine eignen Eltern sollten es beschworen haben. Ein besonders eifriger +Neuigkeitenvertreiber hatte sogar seine Mutter aufgesucht und wusste, dass +sie eine Haube trug und in ihrer Jugend Visionen gehabt hatte. Das war +uebrigens nichts Seltnes bei diesem schwaebischen Gebirgsvolk, arbeitsam und +verstaendig, aber von schweifender Phantasie, mit einer bestaendigen +Sehnsucht im Herzen, die die Berge wachhielten, oder auch der alte Schatz +von Legenden, einstiger Herrlichkeit und Weltgroesse, die in diesen Staemmen +lebendig geblieben waren trotz des neuen deutschen Reichs, Lutherthum und +Schulbehoerden. Wieder Andre hielten ihn fuer einen Wanderprediger aus den +norwegischen Bergen. Es gab ihnen Gelegenheit, ueber mystische Schwaermer, +Tolstoi und Ibsen zu reden, den Geist des Urchristenthums, der sich dort +in einigen weltabgeschiedenen Gemeinden rein erhalten hatte. Diese +verbreiteten, dass er der Sohn eines schottischen Lords oder vornehmen +Grafen waere. Es that ihnen wohl, das zu glauben. + +Und gewaltig erschuetterte Alle Fritz Kuhlemann's Stimme, eines einfachen +Arbeiters und verlorenen Gesellen, der in den grossen Staedten auftrat und +forderte Busse zu thun: Im Namen Jesu des Lebendigen, der Fleisch war und +unter ihnen wandelte. "Denn die Zeit ist gekommen." + +Das Volk lief ihm zu. Etliche erwarteten Lohnerhoehungen, Gaben der +Reichen. Andre rechneten auf die Revolution, wo er ihr Haeuptling werden +sollte. Denn seine Rede klang gewaltig. Es war in ihr der rothe Hass der +Ungerechtigkeit und eine neue strahlende Liebe, weit wie die Sonne, die +ueber Gerechte und Ungerechte scheint, aber wild auch und schoepferisch, wie +die des Mannes zum Weibe. Es gab Viele, die sich betroffen fuehlten unter +den Vornehmen und Reichen, zu sich selbst sagten: Wir koennen nicht +wohlleben und in Wagen fahren, wo unser Bruder hungert und nicht hat, da +er sein Haupt hinlegen soll? - Denn so sprach er: "Nicht ausser Euch, +sondern in Euch richtet auf das Reich Gottes! Denn das ist Gottes in Euch, +dass Ihr Liebe gebet. Das Andre, Neid, Geiz, Hoffarth, ist des Thieres und +des Teufels. Und Ihr seid Alle Gottes." + +Viele kamen auch zu ihm und sagten: Wir wollen sehen, ehe wir glauben. Er +sagte ihnen: Seht die Werke an in seinem Namen gethan und thut wie Er. - +Aber das gefiel diesen nicht. + +Es gab Viele unter den reichen und vornehmen Leuten, die den Fremden auch +gern gesehen haetten. Aber sie wollten sich nicht laecherlich machen. Auch +fuerchteten sie in der Oeffentlichkeit ihre Namen zu compromittiren. + +Diese Landraethin, deren Mann zugleich Reichstagsabgeordneter war, hatte +eine grosse Gesellschaft zu geben. Sie war eine kluge Dame aus +reichsgraeflichem Hause, die sich viel einbildete auf ihre Bildung, dass +auf ihren Gesellschaften immer etwas Besonderes, Geistiges und +Interessantes war. Da bei vielen ihrer Freundinnen und Nebenbuhlerinnen +Theosophie in Mode war, dachte sie, es wuerde sehr interessant sein, den +Fremden einzuladen, ihn ihren Gaesten gleichsam als Curiositaet und zur +Unterhaltung vorzufuehren. + +Gleichzeitig that sie damit einem Mann einen Gefallen, der ihr selbst und +ihrem Landrath sehr nuetzlich war, in einem Kreis, wo er vermoege seines +Namens und Reichthums eine hoechste und selbstverstaendliche Stellung +einnahm, die sie als arme Beamte und Frischnobilitirte sich nur muehsam +erobern konnten, mit allen Mitteln suchen mussten zu befestigen. Dieser +Mann war der alte Prinz Schoenheim-Wagram-Trauttenberg, Minister unter der +liberalen Aera Friedrich Wilhelms des Vierten. Er hatte in seiner Jugend +mit der Revolution und dem Dilettantismus coquettirt, dabei als Lebemann +und Schoengeist sich ein Renommee erworben. Seine "Briefe eines Diplomaten" +erregten das groesste Aufsehen seiner Zeit. Er war der Erste gewesen, der +mit der Tradition brach, dass Heuchelei und geheimnissvolle Zugeknoepftheit +unentbehrliche Attribute der Staatsklugheit bildeten. Unter einem fast +ruchlosen, scheinbar offenherzigsten Cynismus verbarg er fuechsische +Verschlagenheit, die Raubthierkralle eines Caesar Borgia im +Sammethandschuh. Man nannte ihn den Fuersten Talleyrand der Provinz. Seine +Stellung dort war unerschuetterlich selbst nach seiner officiellen +Niederlage als Staatsmann, seitdem neue Systeme und Principien ihn und +sein System hinweggefegt hatten. Die Landraethin gehoerte zu seinen +Protegees. Nicht, dass ihre spaerlichen Reize den alten Viveur in +Versuchung gefuehrt haetten. Nach einem galanten Sabbath ohne Gleichen hatte +das Kuechenpersonal und noch tiefer hinab, bei ihm endgueltig die Palme +davongetragen. Er bezeugte diese Vorliebe sehr ungenirt. Aber er liebte es +immer, seinen Finger mit in der Pastete zu haben, die Landraethin und ihr +strebsamer Gatte erschienen ihm als gefuegige Werkzeuge fuer seine kleinen +Plaene, die er durchaus nicht aufgegeben hatte, nur versteckt hielt unter +witzelnder Indifferenz. Das Renommee eines mystischen Einflusses erfreute +ihn. Er fand es vornehmer, hinter den Coulissen zu operiren, als vorne auf +der Buehne die grossen Schreie auszustossen: heutzutage weiss man von jeder +Macht die Adresse. Jeder traegt seine Befugnisse und Eigenschaften wie +aufgeklebte Etiketten mit sich herum: Buereau fuer Stellenbesetzung, +Vermittlung von Boersengeschaeften, Vademecum fuer Hoflieferanten. Frueher +ging das in's Geheimnissvolle wie der liebe Gott. Und hielt die Bande in +Schrecken. Man weiss zu gut, was wir _nicht_ koennen. Darum will jetzt +Jeder Alles besser wissen. + +Das Neueste in dem sehr beweglichen Geiste und fieberhaften +Lebensbezeugungsdrang des Prinzen war ein Werk ueber Buddhismus, den er fuer +die Religion der Religionen hielt. Sie passte in den Cynismus des alten +Diplomaten, diese Idee des Jenseits von Gut und Boese, der souveraenen +Verachtung aller Moralsysteme. Viele zweifelten an seiner Gelehrsamkeit, +sie war etwas zusammengewuerfelt nach der Mode des Ancien Regime. Er besass +diese Eigenheit der Regierenden, dass er ueber Alles reden und geistreich +reden konnte. Trotzdem wurde sein wirkliches Wissen bestritten. Er selbst +vermied Gelehrte, sein eigentliches und Hauptpublikum blieben Damen. Nur +der Doctor Rothe konnte es mit ihm aushalten. Dies war um so +verwunderlicher, als der junge Mann thatsaechlich ein sehr bedeutender Kopf +war. Seine Examina hatten das Staunen seiner Lehrer erregt. Professoren +und Mitschueler erwarteten von Anton Rothe etwas ganz Ausserordentliches, +den Aufgang eines neuen Sterns am Himmel der Gelehrtenwelt. Einen Stuermer +und Draenger sahen die Andern in ihm, einen grossen Kuenstler. Er hatte alle +ihre Erwartungen getaeuscht, war mit sechsundzwanzig Jahren als +Privatsecretair in die Dienste des Fuersten getreten, der ihn in einer Art +Auerbach-Keller kennen gelernt hatte, und diesem seitdem auf allen seinen +Reisen gefolgt. Legenden von geheimen, raffinirtesten Ausschweifungen, +denen sich Herr und Diener auf solchen Weltreisen in afrikanischen +Lasterhoehlen, den Schmutzpfuehlen ueberseeischer Hafenstaedte hingegeben +haetten, konnten allein diese seltsame Anziehung zwischen dem beinah +achtzigjaehrigen Weltmann und dem zweiunddreissigjaehrigen, prachtvollen, +genialen Menschen erklaeren. Man hatte das ungleiche Paar Faust und +Mephisto getauft, der aeussere Eindruck entsprach der Vorstellung, neben +dem ernsthaften, schoenen jungen Mann, schwerer germanischer Typus, das +sardonische, zahnlose Affengesicht des Alten, der es liebte, von seinen +literarischen Speichelleckern als Voltaire bezeichnet zu werden. + +Dies waren die Hauptpersoenlichkeiten, denen die Graefin den Fremden +vorfuehren wollte. Sie hatte eigentlich eine Abneigung gegen den Doctor +wegen seiner buergerlichen Abkunft und sonstigen Anruechigkeit. Aber die +allgemeine Werthschaetzung, deren er sich erfreute, seine sagenhafte +Allmaechtigkeit bei dem Fuersten zwang sie, freundlich gegen ihn zu sein. +Ihre Sauersuesse bei solchen Gelegenheiten amuesirte dann den Alten: "Es ist +wunderbar, wie diese Frau aus Ehrgeiz sich zu beherrschen weiss. Da sagt +man, nur Maenner haetten eine Hundenatur. Sie schlagen uns noch auf allen +Punkten." + +Der Landrath, ihr Mann, that immer, was sie wollte: "Wenn Du meinst, +Amelie." ... Sie schrieb also ein Billetchen an den Fremden des Inhalts, +dass eine distinguirte Reunion im Schlosse von X., Datum und Stunde, von +seinem Geist und Wirken gehoert, den Wunsch haette, ihn zu kennen und sich +belehren zu lassen. - Hoeflichkeit bei solchen Gelegenheiten ist immer +angebracht. Sie kostet nicht viel und leistet dasselbe wie baares Geld. +Uebrigens lag der Graefin wirklich an dieser Attraction fuer ihren Rout. +Boshafte Leute waren hier wieder der Meinung, dass diese beruehmten +graeflichen "geistigen Attractions" vieles Andre, weniger Attractive +verbergen sollten, zum Beispiel eine entschiedene Duerftigkeit des +Vorgesetzten, und den Umstand, dass der Champagner immer ausserordentlich +spaet, im letzten Augenblick servirt wurde. + +Der Diener fand den Fremden unter einem Apfelbaum, wo er sich ruhte. Zwei +schwarze Amseln liefen nach Wuermern pickend neben ihm im Grase. Es schien, +als ob diese Thiere ihn fragten und er ihnen antwortete. Der Mann schwor +nachher auf die Hexerei. + +"Ich werde kommen," sagte der Fremde. + +Die Graefin, die es nie verschmaehte, auch ihre Kammerdiener auszufragen, +merkte sich diesen kleinen interessanten Zug. Sie hatte eine sozusagen +symbolistische Toilette gemacht: Weiss, sehr in's Creme spielend, mit +schwarzen Jetkettenschnueren viermal um den Hals. + +Der Landrath war etwas sorgenvoll: seine Stellung und quasi officielle +Sanction ... "Das verstehst Du nicht, mein Freund," sagte sie milde, aber +fest. - "Man wird sich erdruecken." + +Man erdrueckte sich. + +Die Graefin war allgegenwaertig. Es galt, ihren Gaesten das Ausserordentliche +ihres Schrittes klar zu machen, diese Einladung an den Fremden, mit der +sie ihren geistreichen Freunden einen Gefallen thun wollte, und sich +gleichzeitig moeglichst gegen ueble Folgen schuetzen, da man es ihr nach oben +hin falsch auslegen konnte. + +Gegen die Einen, die sie fuer freie Geister hielt, war sie frivol, fuer die +Andern ernsthaft, priesterlich. Allerliebst reumuethig, bescheiden, +entschuldigte sie sich gegen den Superintendenten, einigen alten Damen +gegenueber. "Ich bin so eine moderne Ketzerin. Es ist doch auch, damit Sie +selbst den Unsinn sehen ..." + +"Interessant" war ihr Wort. Dafuer liess sie sich einen scherzhaften +Faecherschlag auf den Arm von der alten Baronin Rehden gefallen. Die +Superintendentin bat sie um ihr Recept fuer schwarzen Johannisbeergelee. +Dabei vergass sie niemals dem Prinzen zuzulaecheln: "Wie werden wir uns +nachher ueber alle diese mokiren. Wir Beide verstehen uns, dass Alles nur +eine Farce ist." ... + +"Ist sie nun nicht bewundrungswuerdig?" fragte der Prinz seinen Adjutanten. +"Diese Frau waere bei August dem Starken die Orczelska, bei Ludwig dem +Vierzehnten Maintenon, bei Alexander Kruedener gewesen. Fuer die Tochter der +Herodias reicht's leider nicht. Sie haette auch da ihr Bestes gethan und +man wuerde ihr wahrscheinlich das Haupt bewilligt haben, wenn auch aus +andern Gruenden." + +Der junge Mann antwortete nicht. Er betrachtete den Fremden, der allein an +einem Ende des Saales stand. + +Er stand ganz ruhig in seinem einfachen Anzug zwischen den plaudernden, +lachenden, zischelnden Gruppen. Fortwaehrend draengten sich die Diener durch +unter irgend einem Vorwand, um ihn anzustarren. + +"Eigentlich eine tolle Idee der guten Graefin," sagte die alte Baronin +Steuben, sich Luft zufaechelnd. Sie war eine wirkliche grosse Dame und +verachtete die kleinen Trics und Kniffe der Andern. + +Ein junges Maedchen erstaunte, dass er keinen Frack truege. Der Prinz +bemuehte sich, der kleinen Frau eines Rittergutsbesitzers einzureden, dass +es sehr moeglich sein koennte, dieser waere wirklich Christus. Die kleine +Frau begriff nicht. Ihre Augen vergroesserten sich unmaessig. Sie stand +buchstaeblich mit offenem Mund. + +In einer Gruppe junger Damen und Offiziere hatte man beschlossen, den +geheimnissvollen Gast direct zu attaquiren. Ein kleiner, kecker Dragoner +war ausgesandt worden als Avantgarde. Man setzte ihm zu von allen Seiten. +Und er that auch, als ob er etwas besonders Gefaehrliches unternaehme, hegte +noch Skrupel ueber die Anrede. "'Meister' ist ja wohl das Officielle?" ... + +"Ach gehen Sie!" + +Aller Augen folgten ihm, wie er gesucht dandyhaft quer durch den Saal +chassirte. Die jungen Damen kicherten. + +"Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle." Der junge Mann verbeugte sich, +forcirt vorschriftsmaessig die Hacken zusammenschlagend. + +Der Fremde sah ihn an. "Ich moechte mir eine Frage erlauben, Herr ..." Er +zoegerte vor dem Namen, um dem Andern zu markiren, dass er seine +Vorstellung erwartete. "Halten Sie es fuer Ihren und dem christlichen +Grundgedanken entsprechend, Kriegsdienste zu nehmen?" + +Der Fremde antwortete nicht. + +"Ich betrachte die Frage ganz ernsthaft. Es steht doch in der Bibel: Du +sollst nicht toedten. Wir versprechen unsre Feinde zu lieben, Boeses mit +Gutem zu vergelten. Christus nimmt Petrus das Schwert aus der Hand. +Dennoch zwingt uns das Gesetz." + +"Welches Gesetz?" fragte der Fremde. + +"Nun, das buergerliche, das des Staats, dem wir angehoeren." + +"Du gehoerst nicht dem Staat, der Staat gehoert Dir," sagte der Fremde. + +"Aber das Staatsgesetz bestraft mich. Ich werde schuldig gefunden und +verurtheilt, wenn ich mich weigre ihm zu folgen. Gehorsam gegen das Gesetz +ist uns ebenfalls anbefohlen. Was soll ich thun?" + +"Was Du willst," sagte der Fremde. + +"Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was ich will." Der junge Offizier +war in einen gewissen Eifer gerathen, er nahm sich vor, den Punkt bis zu +Ende zu verfechten. "Wenn mein Wille gegen das steht, was ich soll?" + +"Du sollst wollen." + +"Man zwingt mich. Ich komme in's Gefaengniss. Man behandelt mich als +Verbrecher. Was bin ich, Einer gegen so Viele?" + +"Viele Einzelne sind Viele." + +"... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch Quaeker leisten ja keine +Kriegsdienste, glaube ich? Interessant, sehr interessant!" sagte die +Graefin. + +"Jedes Land hat alle seine Kraefte noethig gegen den aeusseren Feind!" sagte +der Candidat der Theologie, der zugleich Reserveoffizier war. "Ein Land, +das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Koerper ohne Widerstandskraft. Es +entmannt eine Nation, sie ist dann nicht faehig, ihre Ehre zu vertheidigen. +Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums." + +Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in einem besonderen schnarrenden +Ton. Er war auch _fuer_ das Duell und fing ein laengeres Gespraech mit dem +Lieutenant darueber an, "zum Beispiel, wenn Einer mich mit meiner Frau +betruegt. Dann greift schliesslich jeder Holzknecht zur Axt." + +"Aber der Holzknecht ist ein Moerder und kriegt seine fuenf Jahr Zuchthaus," +sagte der Prinz freundschaftlich. "Das ist der ganze Unterschied, mein +braver Langenhahn." + +Natuerlich muessten gewisse Formalitaeten beobachtet werden; der Candidat gab +das zu. Der Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen und +Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, immer gerade mit diesem Falle des +Ehemanns gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen gerechnet. + +"Ich faende es doch einfacher fuer ihn, Beide todtzuschlagen," sagte der +Doctor. + +"O, aber lieber Doctor! Das nun wieder!" ... Die Graefin flatterte +skandalisirt. + +"Es waere das Logische. Entweder wir haben Faustrecht oder wir haben keins. +Diese Mittelzustaende machen unsre heilige Civilisation so ungeniessbar." + +"Das ist nun doch schrecklich, Doctor, was Sie sagen!" Die Baronin +schuettelte vorwurfsvoll den Kopf. Ihr gefiel der junge Mann, seine schoene +Stirn. + +"Erlauben Sie. Es ist in Allem so. Besonders was die Frauen angeht. +Entweder eine Frau ist ein fuer sich selbst verantwortliches Wesen, ein +Mensch, eine Seele, oder sie ist Sache. Mein Eigenthum. Mein Stueck +Kuhfleisch. Dann der Sack und der Bosporus." + +"Aber es giebt doch Mitteldinge." + +"Die sind dann einfach absurd. Ich schlage mich - aber ich gebe ihm +dieselbe Chance. Ich sage, sie weiss nicht was sie thut, und lade ihr die +volle Verantwortung auf. Wir koennen eben nie etwas reinlich durchfuehren." + +"Dann waeren wir Teufel." + +"Oder Engel. Sie haben die Wahl." + +"Ich glaube, _Sie_ haben schon gewaehlt!" Sie wollte damit discret auf +Einiges hindeuten, was ueber seine Reisen zu ihren Ohren gedrungen war. + +"Vielleicht doch noch nicht so ganz," sagte der junge Mann kalt. + +"Es giebt auch noch ein Drittes." + +- "Sagen Sie mal, sind Sie gluecklich?" + +"Befehlen Sie Thee oder Kaffee, Baronin?" + +Jemand, ein aelteres Fraeulein, sagte, dass alle Voelker eine Familie waeren, +Deutsche, Franzosen, Juden. Sie hatte "Die Waffen nieder!" der Baronin +Suttner gelesen und schwaermte fuer Voelkerverbruederung. + +"Das ist doch eine etwas grosse Familie," sagte der Lieutenant von Detten +zu seiner huebschen Nachbarin. "Ich goutire Juden nur allenfalls als +Schwiegervaeter." + +Der Candidat fand, man duerfte nicht Antisemit sein vom Vernunftstandpunkt +aus. Aber man waere es physisch. + +Der Superintendent drohte ihm mit dem Finger: "Wir sind Alle Brueder und +unser Herr Christus kam von den Juden." + +Der Prinz erzaehlte eine amuesante Anekdote von einem Orientalen, einem +befreundeten Pascha, der alle Hufthiere verabscheute, weil er selbst einen +Klumpfuss hatte. + +Der Blaustrumpf unterhielt sich ueber Frauenfrage mit einem +Gymnasialprofessor. Er hatte einen schmutzigen Hemdkragen an und kaute +seine Naegel: "Nun gewiss, auch Frauen haben eine Seele," sagte der +Professor zerstreut. "Das heisst - Seele! -" er lachte sardonisch. Er +hatte Lust, auf den Fussboden zu spucken. Aber er besann sich. Man hatte +ihn eingeladen, weil er in den Wahlvereinen wichtig war. + +"Man muss das schwache Gefaess in Geduld tragen," sagte der Superintendent. +"Wir haben ja auch aus der ersten christlichen Kirche schoene Beispiele: +Tabbea, Phoebe, die der Apostel erwaehnt. Echt evangelische +Frauengestalten." + +"Darf man heirathen?" fragte ein sehr junges Maedchen. "Es steht doch in +der Bibel, nicht heirathen ist besser?" + +"Dann wuerde aber die Welt aussterben?" + +"Und das waere sehr schade," sagte der Prinz ernsthaft. Der Superintendent +witterte roemische Ketzereien. Er wies auf das grosse Exempel Martin +Luther's und seinen gesegneten Ehestand. Die Superintendentin sass steif +mit einer spitzen Nase. Sie dachte an den uebriggebliebenen Gaensebraten fuer +morgen, ob ihr die Maegde nicht drangingen. Der Prinz machte confiscirte +Witze und trieb den Superintendenten in die Enge mit einigen froehlichen +Vierzeilern von Martin "Nonnenfreund". Die Lieutenants secundirten, der +alte Herr wehrte sich tapfer. Sein Gesicht wurde schweissroth vor +Anstrengung: "Ein echter deutscher Mann! Ein Mann nach dem Herzen Gottes!" + +"Ein Bismarck!" + +Der Candidat schwaermte fuer Bismarck. Die Gesellschaft verhielt sich etwas +ablehnend. Fuer die Offiziere war er eigentlich ein Rebell, ein unruhiger +Kopf, der die Consigne brach. Die Graefin brachte rasch das Thema auf etwas +Anderes, um ihren Mann aus der Verlegenheit zu retten. Der Candidat war +oft recht taktlos. + +Einige Leute wollten Fragen stellen: Werde ich eine grosse Carriere +machen? Siegt mein Gaul beim naechsten Rennen? Wann werde ich meine +Schulden bezahlen? Die jungen Maedchen haetten gern gewusst, ob "er" ihnen +treu war? Wird der Bestimmte mich zum Cotillon engagiren? - Die Meisten +hatten so eine Art Taschenspielervorstellung, Tischruecken, Kartenlegen +oder Aehnliches erwartet und waren enttaeuscht. + +Der Superintendent hatte den Fremden mit Beschlag belegt. Er hatte eine +Broschuere ueber das Glaubensbekenntnis, Harnack und die Agende +veroeffentlicht und wollte jetzt dem Andern auf den Zahn fuehlen ueber diese +wichtigen Punkte. Sein Grundsatz war, dass Kirche und Staat zusammengehen +muessten in den jetzigen socialen Wirren. Vernuenftige Reform. Aber die +feste Hand von oben. Und vor allem musste die Autoritaet gewahrt werden. +Das Patriarchalische ist das einzig Wahre. Dabei hatte er einen Geschmack +fuer weltliche schoene Literatur, citirte Classiker und bekannte sich zur +Goethe'schen Schule. + +Der Candidat war ein Heisssporn. Er war fuer ein sociales Kaiserthum, eine +Art Theokratie unter von oben inspirirtem Oberhaupt mit unumschraenkter +Autoritaet. "Die Idee des Gottesgnadenthums muss wieder herrschend werden." +Dieser Ausdruck gefiel ihm. Ihn zog das Katholische an. Er war fuer +High-Church-Reforms. Allenfalls fuer einen deutschen Papst, groessere +Prunkentfaltung. Er selbst mit einer edelsteinbedeckten Brust hohe +Kirchenakte celebrirend - das haette seiner Neigung entsprochen. + +Wenn der Superintendent das Presbyterianische, die Selbstverwaltung der +Gemeinden betonte, betrachtete er ihn fast als eine Art Hochverraether. +Dieser im Gegentheil versprach sich nicht viel von den jungen Leuten. Er +war mehr fuer die kleinen Lokalpaepstchen. Man lebte in Frieden und that +sein Moeglichstes. Die Frau Superintendent liess bei sich naehen und war im +Vorstand aller Wohlthaetigkeitsvereine. Alles das, diese kleinen Spiele und +Gegenspiele, die er witterte, erheiterte den Prinzen. Er hatte die +"Baalspfaffen" speciell auf dem Korn und liebte es, an ihren Baeffchen sein +Muethchen zu kuehlen. Er erzaehlte die bekannte Anekdote von Friedrich dem +Grossen: "Der Pfaff soll sein Maul halten, mein Reich ist nicht von dieser +Welt," mit der die Kinder der Welt die Pfarrer anoeden. Der Doctor +secundirte ihm eifrig, ebenfalls einige von den Lieutenants. Alle waren +fuer apostolische Einfachheit, den Stab und einen Rock: er hatte nicht, da +er sein Haupt niederlegen sollte. + +"Aber erlauben Sie! Erlauben Sie!" Der Superintendent hielt seine +halbgeleerte Kaffeetasse in der Hand, in der er den dicken, braeunlichen +Zuckerseim hin- und herschob. Er nahm gern ein bischen viel Zucker; bei +andern Leuten kostete es nichts. "Unser Herr hat durchaus nicht gewollt, +dass die Glaeubigen sich kasteien. Das ist eine ganz irrige Auffassung, +katholische Ketzerei: hat er doch selbst auf der Hochzeit zu Kana das +Wasser in Wein gewandelt, durch seine gesegnete Gegenwart den heiligen +Ehestand ausgezeichnet." + +"Er hat doch aber selbst nicht geheirathet, Maria oder Magdalena?" Dies +war ein vorlauter Lieutenant. + +"Diese Ausnahme lag doch wohl in seinem heiligen Amt. Und wir muessen nicht +vergessen, dass er in verhaeltnissmaessig jungen Jahren -" + +"Sie meinen, er ist nicht alt genug geworden dazu," sagte der Prinz. "Das +ist auch eine Auffassung." + +Diese Bemerkung erregte allgemeinen Jubel. + +"Das ist profan! Das ist profan! ... Wirklich, meine Herren! ... Sie +muessen selbst einsehen ..." + +Der Prinz klopfte ihm auf die Schulter. Er mochte begreifen, dass sein +Scherz etwas zu weit gegangen war: "Darum keine Feindschaft nicht. Ich +weiss ja, wir brauchen das fuer die Dummen." + +Der Candidat aergerte sich. Die Kirche musste eine ganz andre Gewalt wieder +haben. Und es waere in der That gut gewesen fuer die Stellung des Priesters +- er sagte immer "Priester", er fand, dass das nach mehr klang - wenn das +Coelibat innegehalten wuerde. Wenigstens fuer die hoeheren und hoechsten +Kirchenaemter. Vieles in der roemischen Kirche war sehr beherzigenswerth. + +Der Landrath verstand ihn. Er war auch dieser Meinung, uebrigens war sie +jetzt die tonangebende. "Die militairische Organisation muss durchgefuehrt +werden, mehr Disciplin! Diese Disciplin ist Alles." + +Ein Umschlag in der Meinungsaeusserung war eingetreten. + +"Ich hatte einen famosen Pastor, bei dem ich im Quartier lag," versicherte +ein Lieutenant. "Wirklich ein famoser Kerl!" + +"Ach, und die schoene Kirchenmusik!" + +"Und Weihnachten!" sagte eine andre junge Dame. "Es ist so tief und +bedeutungsvoll." + +"Ich faende es doch schrecklich zum Beispiel, sich nicht in der Kirche +trauen zu lassen," sagte der Doctor. + +"O, pfui!" machten Alle. Sie wussten nicht recht, ob er es im Ernst +meinte. Der Doctor war ein schrecklicher Mensch, sehr interessant. Sie +waren Alle fest entschlossen, ihn nie zu heirathen, wenn er um Eine von +ihnen anhielte; aber er hielt nie an. + +Ein junges Maedchen war sehr traurig. Sie fuehlte dunkel, dass dieser Mensch +etwas Extraes war, klueger und staerker als die Andern. Warum lachte er +hoehnisch und sagte scharfe Worte, die weh thaten? - Ein alter Herr war da, +der an Gesichtszucken litt, seine Haende sonderbar und krampfig bewegte. +Sie sah, dass Einige dies beobachteten, darueber lachten. - Sie fuehlte sich +abgestossen, elend. Dieses junge Maedchen war sehr jung noch, ein halbes +Kind fast. Niemand bekuemmerte sich um sie. + +Der Fuerst unterhielt sich mit dem Fremden. Die Graefin Thornhill fand ihn +sehr interessant. Sie behauptete, sie saehe deutlich einen breiten, blauen +Schein um seine Stirn. Sie nannte das das Fluidum. Das Fluidum, das von +dem Fremden ausging, war erstaunlich. Die Graefin Thornhill galt fuer eine +Heilige. Es kamen sehr einflussreiche Leute zu ihren spiritistischen +Reunions; so geschahen wirklich manchmal Wunder da. + +Der Assessor von Brincken bestritt sehr ernsthaft, dass er keineswegs +nicht an Wunder glaubte. "Ich war frueher wie Sie. Aber seit ich Frau +Graefin kenne ..." Sie hatte ihn bekehrt. "Es giebt eben doch mehr Dinge +zwischen Himmel und Erde, als unsre Schulweisheit sich traeumen laesst." Der +Assessor war sehr zugeknoepft ueber diese Dinge. Er war eben ein +Eingeweihter. Den Doctor schnitt er: "Ein gefaehrlicher Charakter! Ich +wuerde mich nicht wundern, den Burschen eines Tages auf den Barrikaden zu +sehen." Auch der Fuerst war ihm unsympathisch: "Er ist frivol, er schadet." +Der Assessor war fuer's Correcte, sein Vater war erst geadelt worden; da +ist es der sicherste und geradeste Weg. + +Der Doctor beobachtete seinen Patron und den Fremden. Er sah das breite +Faungrinsen des Alten. Er kannte diese kuehle Manier, mit der er die +teuflischsten Dinge sagte, dies freche Augurenzwinkern des Eingeweihten, +das dem Andern gleichsam die Replik ueber dem Kopf wegnahm: Wir Beide +wollen uns doch nichts vormachen. Du denkst darin ebenso wie ich. Die +Andern sind Dummkoepfe. - Er hielt sich noch ganz gerade, zu gerade. Der +weisse Schnurrbart stand steif aufgewichst. Die Backen waren roth +geschminkt, die Augen glaenzten, um die Brauen sorgfaeltig geschwaerzt. Auf +der schwarzseidigen Frackflaeche bildete der grosse Stern mit dem +Ordensband einen markanten Fleck. Seine Hand trug kostbare Ringe. Er war +stolz auf diese lange, magre, aristokratische Hand, gebrauchte sie, um +seine Bartspitzen zu liebkosen. Es war eine Lieblingsredensart von ihm: +"Profile giebt's wohl noch allenfalls, aber Haende! Haende! - Wir sind Alle +Ouvriers geworden." Tadellos zog sich die Scheitelspur. Er war der Koenig +des Kreises; er dominirte. + +Anton Rothe allein und sein vertrauter Kammerdiener wussten, was das Alles +kostete, dies Geruest, das noch immer zusammenhielt, zu neuen Blendungen, +neuen Ausschweifungen. Er und nur er kannte die erstaunliche Lebens- und +Genusskraft des Skeletts, die standhielt, in einer kalten Douche sich neu +schmiedete, wenn er selbst, der Junge, erschoepft war, rasend, zum +Selbstmord angeekelt. + +Er dachte an eine junge Dame. Sie war arm gewesen und stolz. Ein +herrliches Weib! Mit solcher geht man in unbebaute Colonien und hat Kinder +und stirbt vor dem Feind fuer seinen Herd. Er hatte fuer ihn geboten auf +sie. Der Kampf reizte ihn. Er bot hoeher und hoeher. Weil sie arm war und +Hungers starb, hatte sie angenommen. Nur darum. Er wusste es. - Sie sagte +nur ein Wort: Schurke! Er hatte gelaechelt. + +Warum fiel ihm das jetzt ein? + +Ein Hass kam ueber ihn, ein gluehender, fressender Moerderhass gegen dies +miserable Kunststueck der Hypercivilisation, diesen Fetzen von Haut und +ausgedoerrten Knochen, den er schuetteln konnte, der ihn hielt wie eine +Viper unter seinem kalten, grausamen Willen, seine Intelligenz zerbrach +wie morschen Baumbast unter der polirten Stahlschneide seiner frechen +Philosophie der Verneinung. + +Ploetzlich sah er den Alten blass werden. Seine Farbe wechselte sich in +Leichenfarbe. Er war ein grinsender Todtenschaedel. Unter dem weissen, +gestaerkten Vorhemd schien die Brust einzuschrumpfen. Es war hohl dahinter. +Er lehnte sich gegen die Portiere. + +Anton Rothe war im Nu an seiner Seite. + +"Es ist nichts. Eine kleine Uebelkeit. Der verdammte Buechsenhummer ..." Er +war wieder ganz hoeflicher Weltmann, als die Graefin, nun auch besorgt, +herbeieilte. Gleichzeitig wurden die Klaenge der Polonaise laut, die den +Ball eroeffnen sollte: "Wir werden noch manche Polonaise zusammen fuehren." + +Der kalte Schweiss stand auf seiner Stirn. Er zitterte, laechelte mit +blaeulichen, lallenden Lippen. + +Anton Rothe hob ihn wie ein Kind in den Wagen. Er selbst sprang auf den +Bock. Niemand achtete auf den Andern in einem allgemeinen Hin- und +Hergelaufe, waehrend drinnen zur Tanzmusik die geschmueckten Paare sich +ordneten. Es wetterleuchtete. Lichter leckten auf in blaeulichen, breiten +Zungen, duckten sich wieder, huschten auf einer andern Seite spielerisch +entlang. - Sie fuhren die schwarzen Trakehner, das beruehmteste Viergespann +der Gegend, auf das koenigliche und kaiserliche Marstaelle fabelhafte Summen +geboten hatten. Der Fuerst liebte sein Leben, aber er hielt auf Rasse. + +Die Graefin stand am Schlage mit ihrem Gattenadjutanten. Der Greis, jetzt +wohl eingehuellt in seine Zobelpelze, bueckte sich noch hinaus: "O nichts, +nichts, schoene Frau - meine kluge Freundin. Der Fremde - der Fremde ... +Cocasse! Ein sonderbarer Kunde, Ihr Fremder ..." + +Anton Rothe hob die Peitsche und zog die Pferde an. Sie waren unruhig und +warfen die Koepfe, als ob sie das Gewitter roechen. Es lag Phosphorgeschmack +in der Luft. Man oeffnete das grosse Hofthor. Einen Moment stand der ganze +Horizont in Flammen, ehe es sich wieder hinter ihnen schloss. Sie waren +ganz schwarz wie auf Feuer gezeichnet, eine schwarze Kutsche mit schwarzen +Pferden und einem kohlschwarzen Kutscher auf dem Bock. ... + +Er wusste, er fuhr einen Sterbenden. + +Der Fremde war verschwunden. + +Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe stand das kleine Maedchen. Sie +mochte nicht tanzen. Sie weinte. Sie fuehlte sich sehr traurig. ... + + + + + + DAS SIEBENTE KAPITEL. + + +Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann den Sterbenden. + +Es gab einen kuerzeren Weg ueber die Berge durch eine seichte Furth im +Flusse. Schmuggler benutzten ihn fuer lichtscheuen Handel. Man vermied ihn +am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war Wahnsinn. + +Das Gewitter naeherte sich. Es war ein Sausen in der Luft, das die Baeume +zur Erde bog. Kiefern und magere Birken, die an den Abhaengen wuchsen im +bestaendigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind fing sich in den gewundenen +Schluchten der Thaeler. Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener +Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysterioesen Anziehungskraft +aufgetrieben, begann zu bruellen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen +Kruppen, die zu den Steinen hinueberleckten. Bewegungslos, weiss lagen noch +die schimmernden Raender. Runde Backen von Kieseln gleissten. Aber die +Schilfe rauschten und raunten. Waehrend von weiter, ueber dem Gebirge +unheilschwangere Laute eines brauenden, ueberkochenden Hexenkessels kamen, +jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der peitschenden Bewegung der Baeume +eine fratzenhafte Mischung von Licht und Schatten verursachten. Alles in +Galoppade, die Kutsche einhuellend, die wie ein Gespann der Hoelle +dahinsauste. Inwendig den Sterbenden. Ueber den Haelsen der Pferde, halb +haengend in der Luft, den Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine +knatterten, Funken aufspruehten. + +Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, senkrecht, elegant, halb +spielerisch, ein Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. Die Pferde +baeumten sich. Er riss sie zurueck. Sie rasten vorwaerts wie der Teufel. + +Drinnen hoerte er den Sterbenden roecheln. Er schrie. Er flehte. Das Gehoer +des Fahrenden, unnatuerlich angespannt, vernahm jeden Laut. Er fuehlte die +schweissfeuchten, huschenden Finger, die sich anklammern wollten, das +Fenster niederzulassen versuchten. Der huelflose Koerper verweigerte die +Anstrengung. - "Huelfe! Huelfe!" keuchte der drinnen. + +Er lachte laut auf. Er klopfte mit dem Peitschenstock an das Fenster und +schrie: "Hoho!" Er sah den drinnen sich verzerren in Todesangst, die +kuenstlichen Zaehne heruntergefallen, die Augen vorgequollen, in weissgruenem +Schweiss. + +Er jauchzte wilder. Der Ton brachte die Pferde ausser sich. Sie flogen vor +ihm her wie Raben im Dampf. + +Es fiel ihm ein, wie er ein Hirtenjunge gewesen war, den Berg +hinuntersprang, mit dem schaeumenden Sturzbach um die Wette. Manchmal kamen +Steine. Der Bach sprang klaftertief mit spruehendem Gischt, der Junge +sprang noch ueber Bach und Stein hinweg. Seine nackten Sohlen tanzten in +dem gruenen, eiskalten Wasser, das nach ihm aufleckte, nach den weissen, +zappelnden Fuessen. Er wusste, dass sie Feinde waren, er und der Bach. +Trotzdem konnte er ihn nicht kriegen; trotzdem liebte er ihn. + +Er liebte den Bergwind, der die Baeume zerbrach, um seine Schutzhuette +tobte, diesen grossen Ton der Wuth, der Unterwelt, Gewaltigerer gegen die +dumme Ordnung, die banale Heiterkeit der Sonne. Von sehr hoch sah er +winzige abgetheilte Felder. Haeuser wie Schneckenhaeuser angeklebt, +aengstlich. Sie hatten Muehlraeder eingesetzt, um das Wasser zu nuetzen und +bepackte Postwagen keuchten schwerfaellig die Strassen hinauf. Manchmal +kamen Staedter mit duennen Beinen, wischten sich den Schweiss ab und +laechelten hoeflich. Er stand vor ihnen wie ein kleiner Wildling. Er +verachtete sie. + +Wie er sie verachtete! Sie vermeinten, dass der Berggeist sie foppte, wenn +er schallend hinter ihnen her lachte, weil sie sich verliefen und +aengstlich suchten. Haessliche alte Weiber traten ihnen entgegen aus +Versenkungen, die sie nie gesehen hatten, murmelten ihnen Verwuenschungen +nach, die sie nicht verstanden, fuer Segenswuensche hielten als Entgelt +ihrer blanken Nickelstuecke. + +Ab und zu stuerzte auch mal Einer wirklich ab, mit der Brille, dem +Photographierkasten. Das war dann ein grosses Unglueck. Herren vom Gericht +kamen, Leidtragende, wichtig thuend. Sie trugen gar nicht wirklich Leid. +Sie freuten sich heimlich. Er goennte es ihnen. Was kamen sie herauf mit +ihren duennen Beinen, ihren Glatzen und Glaesern, ihrem Geld. + +Freilich ihr Geld! Er wusste bald, was es werth war, dass er ein Lump war +mit seinen Faeusten, seinem prachtvollen Krauskopf und weissen starken +Zaehnen, wenn er es nicht hatte. Dafuer gab man ihm Hutfedern, blanke +Stiefel, die gleissten in der Sonne. Sonst musste er hungern. Anton Rothe +wollte Geld. + +In der Schule verschlang er seine Buecher. Er zeigte einen Heisshunger nach +Wissen, der die Lehrer erstaunte, unbedeutende eingesumpfte Dorfmenschen, +die sie waren. Das peinigte ihn. Er brachte seine Naechte zu, schwierige +Aufgaben sich auszudenken und zu loesen, mehr zu erfahren, mehr - mehr! Mit +einer wahren Wuth riss er jetzt an den Thoren der Erkenntniss, der vorher +in scheue Wildheit sich eingeschlossen hatte. + +Und er hatte Glueck. + +Der Patron des Gutes nahm sich seiner an, ein wohlthaetiger und gelehrter +Mann, sehr reich. Er liess ihn studiren. Vielleicht wollte er sich einen +brauchbaren Praeceptor seiner Soehne erziehen. Es ist immer angenehm, einen +Clienten zu haben, Wohlthun ist ein Vergnuegen fuer reiche Leute. + +Die Freude an seiner Wohlthat war kurz. Der Junge entlief zwischen die +rotheste Rotte. Er hielt zuendende Reden, schrieb Zeitungsartikel, die die +Presse in Bewegung setzten. Er wurde selbst Arbeiter. Seine Faeuste zwangen +das Eisen wie sein Geist den Stoff - ein interessanter junger Mann, dem +man eine Zukunft prophezeite! + +Er verliebte sich. Irgend eine gleichgueltige, hellblonde Tochter seines +Patrons. Sie liess ihn laechelnd sich gluehend erklaeren und heirathete +kaltbluetig und vernuenftig ihren Dragonerlieutenant. - Nun fing er an wie +ein grosser Herr zu leben, machte wahnsinnige Schulden. Alles musste ihm +den einen Zweck, Geld zu machen, dienen, seine Feder, seine Talente, +skrupelloseste Boersenmachinationen. Summen glitten zwischen seinen +Fingern. Auf Reisen im Orient machte er die Bekanntschaft des Prinzen. +Seitdem waren die Beiden unzertrennliche Begleiter. + +Bergabwaerts raste das Gespann. Er hatte die Peitsche fortgeworfen, die +Zuegel losgelassen. Er kutschirte mit gekreuzten Armen wie im Circus. Er +haette wie eine Katze den Pferden auf den Ruecken springen moegen, mit seinem +Athem an ihren Ohren, wie Cowboys, Uncultivirte reiten. + +Hinter ihm zerbrach splitternd das Fensterglas: "Huelfe! Huelfe!" klang es +gellend, kreischend, nicht mehr menschlich. + +Er schlug ein teuflisches Gelaechter auf. Sie rasten weiter. + +Wie Rabenfittiche sausten die Rappen durch die Luft. Die Luft litt unter +dem Ansturm und pfiff schmerzhaft. In Peitschenhieben traf sie die Flanken +der Wuethenden. Ihre Nuestern schnoben Feuer. Von ihren Hufen spruehte der +Stein in knisternden Funken. Das Heulen der Winde wurde graesslicher. Sie +fingen sich, drehten sich, verschlangen einander in kreisenden Strudeln. +Regenhuschen stoben auf. Irgendwo musste es schon giessen in Stroemen. Es +schlug prasselnd gegen das Fenster. Die krampfende Hand im Rahmen +verschwand. - Dadrinnen war die Suendfluth. + +Irgend etwas war zerbrochen. Ein Hinterrad. Die Pferde rasten weiter mit +dem geschleiften Kasten, der knackte in allen seinen Fugen, aufsprang, +fiel, kratzte, quietschte, mit dem dumpfen Geraeusch von Schlittenkufen auf +dem Trocknen. + +Dadrinne war ein Skelett, ein nicht mehr menschliches Ding, getoedtet von +Furcht, und doch lebend, das agonisirte. Es dachte an diese schreckliche +Angst und Huelflosigkeit, dass er ihn hielt in seiner starken Hand, stark +wie die Lawine! + +Vor ihnen knatterte der Fluss. Der Regen prasselte. Er schlug hernieder +wie in Ruthenbuendeln. Haarscharf wendend, zeigten sich im Blitzlicht +zerrissne Spruenge, schweflig gaehnend, dass die Pferde zur Seite +schnellten, grausend. + +"Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur Hoelle!" + +Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit blutenden Flanken, +schaumbedeckt, keuchten wie apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der +gefallne Engel, lenkte sie selbst im hoehnenden Rausch seiner Kraft und +seines Stolzes. Es war unmoeglich, dass sie so ankamen, der Wagen musste +sich ueberschlagen, zerschellen. + +Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten den Boden, dass die Geleise +rauchten, die Raeder sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen +losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit feuchten Haaren, +Ruebezahl der Berggeist mit dem Barte, das ganze Heer der Wilden, +Eingebannten. + +"Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, Gesindel!" + +Drinnen war es still. Er hoerte nichts mehr. Der Wagen schlug auf wie ein +klappender Kasten, nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unfoermiges, das +die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach dem man sich nicht umsah, +immer zwischen ihren Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf. + +Und nun, ganz deutlich, vernahm man die Stimme des Flusses, zwischen allen +diesen Baechen, Waessern, die neben ihnen gossen, vom Walde und Wolkenbruch +angeschwollen. Er roehrte wie ein Hirsch in Wollust. Er war allmaechtig. +Baeume, mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten sich blitzgeschwind. +Die Steine seiner Tiefe kollerten polternd uebereinander. "Ihr denkt, ich +drehe Euch Eure Muehlen, schaffe Euer Licht, trage Eure Bruecken - Euer +Diener, Euer gehorsamer! Euer Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse +Euch!" + +Er fuehlte sich stolz, alle Demuethigung dieser vielen Jahre fortgeschwemmt, +zerbrochen der Zaum, den er im Munde getragen. Buecken, heucheln und luegen! +- Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. Er war stark. + +Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, ueber ihm und in ihm, Satan mit +prachtvollem Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. Nichts! +Nichts gegen ihn! + +Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme fuchtelnd in der Luft, Laute +suedlicher, infernalischer Idiome, die den Blutdurst rufen, Taenzer zu den +tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und die Frauen willenlos machen +unter dem Gluthhauch der Brunst. Alles das hatte er gesehen und genossen +im delirirenden Suchen nach Genuss, unter der platzenden Sonne des +Mittags. + +Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem sich die Hunde abwenden mit Grauen, +sein leeres Hirn zerschellt an den Steinwaenden. Nichts drin, das Grinsen +selbst des Todtenschaedels zerstoert im groesseren Grausen, dieser +zersplitterten Knochen, zerschundnen Haeute unter dem Orden, dem Frack. + +"Geht! Geht, meine Engel! Fliegt, meine Feuerrosse! Springt an, meine +Wildlinge!" + +Senkrecht weiter ging es in toller Flucht. Ein Rudel Wild hatte sich da +zusammengedraengt im Hohlweg, Schutz suchend in scheuem Schrecken. Mitten +unter sie sprangen die tollgewordenen Rappen. Ein Gekreisch der Stummen, +die nie sprechen, fuhr auf, Blutgeruch, warme Spritzer ... Die Klage +erstarb im Tannenwald. + +Und jetzt setzte der Donner ein. Ein Trommelrollen wie von tausend +Tambouren. Der Wirbel ging ueber den ganzen Himmel hin, zornig und +rufend ... und verhallte. + +Er war jetzt ganz frei. Er fuehrte die wilden Rosse seines Lebenswagens +gegen den Abgrund. Eine jauchzende Kraft kam ueber ihn. + +"Wir koennen nicht leben wie wir wollen. Aber wir koennen sterben und den +Tod verachten, denn wir wissen, dass er kein Tod ist. Nur ein leeres +Schreckgespenst, ein laecherlicher Schwindel gar nicht existirender +Gewalten. Taschenspielerkunststueck Derer, die sich schwach fuehlen!" + +Der Donner, ein zweites Mal, gab Antwort, ein Tiger mit ungeheurem +haengenden Bauch, der ueber weite Flaechen springt; im Sprunge bruellt er ... + +... "Der Schwarze Bock in Purpurfinsterniss erscheint" ... + +Hoellengeschichten fielen ihm ein. In Pariser Schlammpfuehlen, affreuse +Weiber, schwarze Messen, wo man mit dem Blut der Wollust die Todten +beschwor, Hueftenverrenkungen in Bauchtaenzen geschlechtsloser +Vorstadtbajaderen, Augen, die ueber der Verwesung schwammen wie fischige +Perlen in perlmutternem Glanze.... Diese ganze Civilisation, impotent und +pervers, in den letzten Zuegen roechelnd, mit Haschisch und Qualen sich +aufpeitschend zu neuen Sensationen, ein zweites, neues, junges, +greisenhaft altes Rom, wo die Messalinen ordinaire Cocotten sind, die +Neros und Heliogabals, Boulevardbummler, verwoehnte Muttersoehnchen, +Sproesslinge juedischer Banquiers und christlicher Prostituirter. Wie +gemein! Wie gemein! + +Ein Gelaechter schuettelte ihn wie im Krampf. Der Hut war ihm vom Kopf +geschlagen. Er riss sich den Rock auf. Er draengte sich nackt, hoch, dem +Tod und dem Nachtwind entgegen. + +Ein Schrei gellte auf von irgendwo. Vielleicht ein Wandrer? Der +Chausseewaerter? Die wilde Jagd stob vorueber. + +Er fuehlte die feuchten wehenden Haare der Hexen hinter sich, ein lascives +Gelaechter nackter Trollen und Faune. Sie ritten mit entsetzlichen, +unbeschreibbaren Gesten. Die Jungen waren huebsch mit traurigen Augen. Die +Aeltern waren noch schrecklicher, schwarz, Aeser geworden in der +lebendigen Verwesung ihres Lasters. + +Er wusste nicht mehr, was er hinter sich herzog. Einen Cadaver. Ein Aas in +Fetzen. Einen Lumpen ... + +Er hoerte nur noch das Bruellen des Wassers, fuehlte die Feuchtigkeit. Steine +rollten mit ihm bergab. Sie huepften, kugelten, kollerten, surrten. Hohhi +hoh! Er hetzte die Rappen zum Todessprung. + +Ploetzlich standen sie kerzengerade. Der ganze Himmel flammte im Feuer. Er +schien zusammenzukrachen von allen Seiten, zu bersten, zu schuettern, zu +schwingen ... + +Wie ein eiserner Vorhang, ganz von Eisen, schwarz, und schwer vom Gewicht +aller Himmelsgewoelbe klappte der Donnerschlag. + +Dann nichts mehr. Dunkelheit. + +Eine Hand hielt seine Hand gefasst. Er versuchte die andre gegen seine +Stirn zu fuehren. Sie war warm vom Blut. "Wohin fuehrst Du mich?" + +"Wohin Du nicht gewollt hast - _Paulus_!" + + + + + + DAS ACHTE KAPITEL. + + +Der Superintendent war doch in einer gewissen Erregung. Der "geniale" +Streich der Graefin hatte ihn etwas verletzt, trotzdem sie es seitdem +wieder gut zu machen versuchte, die Frau Superintendentin in ihrem eignen +Wagen mitnahm. + +Man sprach viel von dem Fremden. Die Baronin hatte ueberall von dem +Odschein erzaehlt. Man brachte das Neuaufbluehen des Socialismus mit ihm in +Verbindung. Zeitungen, die der Kirche uebelwollten, erzaehlten kleine +Anekdoten. Ein wissenschaftlicher Aufsatz behandelte die Frage ganz +ernsthaft, er war von einem modernen Schriftsteller verfasst, der sich bis +dahin hauptsaechlich mit Ehebruchsdramen und Erotik beschaeftigt hatte, nun +alles Heil im Mysticismus sah. Unter den schoenen Seelen der Stadt bestand +eine gewisse Erregung. Ein junger Huelfsprediger wurde sehr populaer. "Er +ist so tief," sagten diese Damen. Ungluecklicher Weise bildeten diese Damen +eine Macht. Es wurmte den alten Herrn, dass sie ihn fuer "nuechtern und +protestantisch" hielten. Niemand sieht seine Kirche gern leer. + +Er hatte natuerlich zunaechst an eine Denunciation nach oben gedacht, das +war wohl seine Pflicht eigentlich. Aber ein zweischneidiges Mittel. Man +konnte finden, dass er eine Schwindelaffaire zu sehr aufbauschte. +Andrerseits hielt man es wohl gar fuer Eifersucht, die Pfaffen kriegten es +mit der Angst. Ein jovialer Reitergeneral, Durchlaucht, hatte ihn schon +gefragt: "Was wuerden Sie jetzt mit dem neuen Christus machen? Da koennen +Sie einpacken, Pasterchen!" Er durfte sich solche Jovialitaeten erlauben. +Dafuer wurde der Superintendent immer eingeladen. Er war Burgpfaffe bei den +Herren Offizieren. + +Dann die katholische Concurrenz - die ruehrte sich nicht. Man wusste ja, da +war Alles Mysterium. Es gab geheime Winke von oben. Vielleicht war ihnen +die Geschichte nicht unangenehm. Sie hatten ja zum Schluss immer den +Vortheil, weil sie abwarten und schweigen durften. Schweigen und abwarten +duerfen war eine grosse Sache. Das ist der Vortheil der alten historischen +Gewalten; man, als Parvenue, musste auf dem Posten sein, Schritt halten, +die Vereinigung mit der Wissenschaft nicht fallen lassen. + +Die Wissenschaft hatte dem geistlichen Herrn schon manche schwere Stunde +bereitet. Es war eine Universitaet in der Stadt, dadurch bestaendige +Kabbeleien. Die Herren passten Einem auf die Finger. Von Hoelle und +persoenlichem Teufel durfte man schon gar nicht reden; obgleich diese Dinge +fuer die Plebs noch immer zogen. Dann waren die schoenen Seelen, die Einen +nuechtern fanden, zur Weihnachts- und Ostermesse in den Dom liefen oder mit +mystisch angehauchten Huelfsgeistlichen Conventikel abhielten. + +Der Superintendent war ein geplagter Mann. + +Uebrigens grollte die Superintendentin. Sie fand, dass er als _Mann_ dem +Unfug mit einem Schlag ein Ende machen musste. Die Superintendentin +appellirte oft an den Mann. Sie selbst war ein Charakter. Dann hatte man +die Sanitaetsraethin ueber sie placirt; so gut wie die Sanitaetsraethin war sie +allemal. Der Sanitaetsrath war ein Cyniker. Das Interessanteste an Tolstoi +waere seine Diaet, sagte er. Er erlaubte sich dann sogar Anspielungen auf +die gar nicht Tolstoi'sche Diaet in der Superintendentur. - Man hatte etwas +auszustehen als Mann Gottes in diesem unglaeubigen Jahrhundert. + +Und oft dachte der Superintendent mit Seufzen an die Zeiten, als noch ein +kirchlicher Fingerzeig genuegt hatte, um Unbefugte auf den Scheiterhaufen +zu schicken, Calvin ueber dem froehlichen Genf seine Ruthe schwang. + +Der saubereingebundne Band seiner Predigten 1897-1900 troestete ihn dann. +Ein Geschenk der Frau Superintendentin. Sie hatte sie selbst +nachgeschrieben. - So hatte doch auch der Fortschritt, selbst die +Buchdruckerkunst, diese Teufelserfindung, sein Gutes. + +Der Superintendent hatte den Fremden zu einer Besprechung zu sich +eingeladen. Die Einladung war in ganz hoeflichen Worten erfolgt. Erstens, +die christliche Milde auch gegen den irrenden Bruder, dann existirte ja +auch eine geistliche Gerichtsbarkeit, die vorfordern konnte, nicht mehr. + +Er erklaerte sich die Sache so: Ein ungebildeter Mann, ein Handwerker - der +Superintendent betonte das "ungebildet" -, von Mysticismus, sitzender +Lebensweise angekraenkelt, hatte sich in diese Dinge vertieft. +Voraussichtlich wuerde er ihm lange confuse Reden halten, von einer +Mission, Erscheinungen. Man kannte das, und seine Wirkung auf das +ungebildete Volk. Gerade weil ihnen das Alltaegliche nicht gut genug war, +sie das Ruhige und Vernuenftige nicht thun wollten, liefen sie nach dem +Wunderbaren. Der Hirte kannte seine Heerde. + +Man wuerde mit diesem Manne vernuenftig sprechen, seine Absurditaeten +nachweisen, selbst wenn man ihn nicht ueberzeugte. Heilsarmee, +tausendjaehrige Reichsgeschichten waren ja Mode jetzt. Dieser Hang hatte +ihm schon viel Sorge gemacht. Er witterte die alte Hure von Rom, das +babylonische Weib, das von Neuem seine Netze auswarf. Und man musste so +vorsichtig sein wegen der Behoerden, durfte das Unkraut nicht ausjaeten. + +Der Superintendent hatte sich zu dieser Besprechung noch einen Confrater +eingeladen, der Consistorialrath war, Professor an der theologischen +Fakultaet, Kirchenhistoriker. Man war so zu Zweien, staerkte sich vorher +weidlich an gutem Tabak und bessrem Wein und konnte die moeglichen +Ergebnisse gleich eroertern, waehrend die Frau Superintendentin mit der +Consistorialraethin Kaffee trank. Dabei hatte man dann auch allerlei +interessante Faelle und Ketzereien zu eroertern. + +Der Superintendent war dafuer, den Fremden nicht gleich vor den Kopf zu +stossen, ihn im Gegentheil leutselig, als gewissermaassen zum Fach +gehoerig, zu behandeln. + +"Es ist ja auch moeglich, dass ein Laie durch Nachdenken, besondre Gnade, +ungewoehnliche Einsicht in goettliche Dinge erlangt und Beherzigenswerthes +von sich giebt. Der Fall waere denkbar. Ich kannte einen Schuster, der ueber +die Gnadenwege und Melchisedek, den Koenig von Salem, stritt wie der +gewiegteste Theologe." + +Der Confrater schuettelte laechelnd den Kopf: "Wir haben das Beispiel der +Wiedertaeufer, der Methodisten in England. Die theologisch geschulte +Intelligenz fehlt, das Regulaere, Feste, darum Lebensfaehige." + +"Aber es waren doch in den Irrthuemern dieser Leute - allerdings gleich +Koernern in der Spreu verborgen - auch einige unbestreitbare evangelische +Wahrheiten enthalten." + +"Das ist eine gefaehrliche Ansicht. Jesuitisch - so gewissermaassen: der +Zweck heiligt das Mittel, lieber Bruder." + +Dieser Herr war bekannt dafuer, dass er die feinste Nase in Deutschland +hatte, um die Jesuiten zu riechen. Das war sein rother Lappen, auf den er +ueberall losging, ihn ueberall herausfand, wie der Spuerhund die Faehrte. "Hat +uns nicht Martinus von dem Aberglauben befreit? Und sagt nicht der Herr +selbst: Ihr, die Ihr Zeichen und Wunder sehen wollt ..." Der Confrater hob +warnend den Finger. + +"Nichtsdestoweniger giebt die Schrift ausdruecklich die Moeglichkeit solcher +zu. Nicht nur im uebertragenen, sondern auch im woertlichsten Sinn." + +"Wir sollen Gott nicht versuchen. Vermessenheit, Freund, Vermessenheit! Es +ist die grosse Aufgabe der modernen Theologie, die Wissenschaft mit der +Religion zu vereinigen." + +"Es wird immer Vieles bleiben, was wir nicht wissen." + +"Da haben wir uns dann wohl in Demuth mit der beschraenkten Einsicht +hienieden zu genuegen. Das ist eine gefaehrliche Bahn, lieber Bruder. Eine +Schlinge des Argen, ebenso gut wie die er in der Lauheit uns legt, dem +vollstaendigen, rationalistischen Ablehnen des Wunderbaren und +Unfasslichen. 'Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort. +Dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stueckweise. +Dann aber werde ich erkennen, gleich wie ich erkannt bin.'" + +Hier meldete das Dienstmaedchen, dass ein fremder Mann in der guten Stube +wartete. Sie war augenscheinlich etwas in Zweifel, ob ihm wirklich die +gute Stube gebuehrte und wartete auf Bescheid. - Man hoerte eine Thuer sich +oeffnen und vorsichtig wieder einklinken aus dem Zimmer, wo die Frau +Superintendentin mit ihrer Freundin sass. + +Der Superintendent empfing den Gast dem Programm gemaess mit demonstrativer +Herzlichkeit. "Nun, lieber Freund? Nehmen Sie Platz, mein Lieber! Ich habe +Sie hergebeten mit diesem meinem sehr geschaetzten und verehrten Collegen, +um mich mit Ihnen ueber Ihre religioesen Ansichten zu unterhalten. Das ist +immer lehrreich fuer einen Diener am Wort, gewissermaassen ja auch meine +geistliche Pflicht, obgleich Sie ganz als Freund hier sind, mein Gast und +in aller Guete. - Ich vermuthe, Sie gehen von der sehr richtigen Ansicht +aus, dass das Evangelium den Laien wieder mehr in der Form des taeglichen +Brotes gleichsam, nicht nur an Sonntagen in der Kirche, naeher gebracht +werden muss. Es soll wieder ein Bestandtheil des taeglichen Lebens werden, +und Sie denken, dass dazu Predigt und persoenliche Ansprache, selbst +Aufsuchen des Einzelnen, das Geeignetste ist. Es waeren dies wohl gleichsam +die Principien, auf die sich die mir sehr interessante moderne Agitation +der Heilsarmee stuetzt. Ich moechte, dass Sie mir nun in kurzen Worten das +Dogmatische Ihrer Lehre, den festen Kern der Heilswahrheiten, auf die Sie +persoenlich den Hauptnachdruck legen, entwickelten." + +"Ich habe keine." + +"Sie verstehen mich nicht. Jedenfalls gehoeren Sie doch irgend einem +Bekenntniss an, oder haben sich in Ihrem Innern fuer ein solches +entschieden? Wenn Sie Protestant sind, halten Sie sich an die Augsburger +Confession? Folgen Sie eher Luther? Jedenfalls doch - und das ist wohl +kaum eine Frage - stehen Sie mit uns auf dem Boden des apostolischen +Glaubensbekenntnisses?" + +Der Superintendent sah ihn streng an. + +Der Confrater nahm eine Prise. + +"Ich kenne es nicht," sagte der Fremde. + +Der Superintendent war roth geworden wie ein Mohnkopf. "Aber - aber - das +ist die Hauptsache. Das ist Christenthum, die geheiligte Norm, fuer die +unsre Vaeter, die erste Christenheit gelitten und gestritten haben. Das +Andre ist leere Phantastik, giebt der weitesten Irrung Spielraum, der +Regellosigkeit." + +"Es giebt das Leben." + +"Welch' ein Irrthum! Welch' ein verhaengnissvoller und weittragender +Irrthum!" rief der Superintendent warm. "Es waere ja denkbar, dass ein +Mensch, der ganz ausserhalb der christlichen Heilssphaere staende, den Namen +Christi nie gehoert hat, auf rein deduktivem, moralphilosophischem Wege zu +einer der christlichen durchaus aehnlichen Ethik gekommen waere, wenn hier +eben blos die Ethik das Entscheidende waere. Denken Sie, dass das ganz +denkbar sein koennte?" + +"Es ist denkbar," sagte der Fremde. + +"Stoiker," nickte der Confrater. "Griechische Philosophen der +nachplatonischen Schule! Das sind die Argumente, die schon die +franzoesische Revolution gebrauchte." + +"Sie wuerden doch nicht sagen, dass ein solcher Mensch ein Christ waere, mit +uns Theil haette an der Erloesung durch den Leib des Herrn?" + +"Ich wuerde es sagen." + +"Und wie wird er dastehen im naechsten Leben, wenn Christus die Seinen um +sich versammelt, die im Blut des Lammes Gewaschenen, auf seinen Namen +Getauften eingehen, und die Andern abgetheilt werden zur Linken?" Der +Superintendent wischte sich den Schweiss. Er schnappte nach Luft wie ein +Fisch auf dem Trocknen. + +"Ich weiss es nicht." + +"Eine Art Allheilslehre," beruhigte der Confrater. Das Wortspiel zwischen +"Leere" und "Lehre" amuesirte ihn. "Socialistische Moral des Christenthums. +Das ist blos die Frucht. Der Glaube ist das Erste." + +"Ich glaube, dass die That das Erste ist." + +Jetzt sah der Superintendent wieder Fahrwasser. Er war ganz erfreut. "Das +ist die Lehre von den Werken, das Katholische, Papistische, wogegen schon +Lutherus sich auflehnte. Wir koennen aus uns selbst nicht gerecht werden." + +"Wir koennen wollen." + +"Und die Rueckfaelle? Das menschliche Gesetz bestraft sie. Wie wird sie Gott +nicht strafen?" + +"Wie soll Gott sie strafen, wenn sie in sich selbst ihre Strafe tragen?" + +"Fatalismus," notirte der Confrater. + +"Die Boesen! Die Boesen, Mann! Wie erklaeren Sie die Boesen?" + +"Es ist ihr Unglueck." + +Dem Superintendenten wurde in der That die Halsbinde zu eng: "Unglueck? Und +der, der kaempft, das Gute will, Gutes thut? Sollen die Guten keinen +Vortheil vor den Schlechten haben?" + +"Sie sind gluecklich." + +Der Confrater mischte sich jetzt ein: "Sehr interessant. In der That +hoechst interessant. Das ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. Wenn +man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt ist! Haben Sie irgend welche +Verbindung mit diesen Religionsgesellschaften gehabt? - Es koennte doch +sein in irgend einer corrupten Form" - (dies fuer den Collegen) -, "Buecher +darueber gelesen?" + +Der Fremde sah den Confrater an. "Alles ist Verbindung," sagte er. + +"Natuerlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!" Der Professor rieb sich die +Haende hoechst befriedigt. "Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben +sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie ihn doch, ob er an die +Seelenwanderung glaubt? Gerade fuer die populaere, gewissermaassen kindliche +Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. Sie finden das im +Volk in tausend Maerchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwoelfen, +Schwanenjungfrauen, sprechenden Baeumen. Selbst in dem indianischen Maerchen +des Hiawatha von Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkoerperung +des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, ... Es ist Alles dasselbe." + +"Aber das ist nicht das Schlimme, das ist das Gefaehrliche nicht!" platzte +der Superintendent los. "Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom Nirwana, +der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, der stumpfsinnige Fatalismus +des Orients wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller Cultur, allen +Fortschritts, aller Humanitaet. Das ist Heidenthum! Heidenthum! Das +Christentum ist Kampfesmuth, Streben, Krieg!" + +"Auf den Krieg folgt der Friede." + +"Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen Kaempfer sein." + +"Krieg in uns, Friede nach aussen." + +"Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. Unser Leben ist Ringen und +Unruhe. Da oben erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade." + +Der Fremde laechelte. + +Der Superintendent war auf einem Lieblingsthema. "Der wahre Christ ist vor +Allem ein Streiter. Seine Feinde sind der Satan, die Suende in uns und +ausser uns. Wir sind arme Suender." + +"Wenn wir siegen?" + +"Selbst wenn wir unser eignes Fleisch ueberwunden haben. Die Suende in der +Welt bleibt. Sie greift uns an. Wir haben uns zu wehren gegen sie." + +"Sie existirt nicht gegen uns, wenn sie in uns nicht ist." + +Der Confrater nickte von Antwort zu Antwort mehr befriedigt. + +"Wir kommen jetzt auf das Fakirwesen, Hallucinationen der Maertyrer." + +"Sie wollen das nicht sagen? Das ist Vermessenheit, mein Lieber! Unser +Fleisch bleibt der Anfechtung unterworfen, so lange wir im Fleisch +wandeln. Wer da meint, er stehe, der sehe wohl zu, dass er nicht falle. +Der Ehrgeiz - die boese Lust - Reichthum. Selbst ich -", hier fasste der +Superintendent den Fremden beinah am Rockknopf, "- selbst ich, der ich ein +Diener am goettlichen Wort bin und alle seine Schlingen kenne - ich habe +meine Momente der Schwaeche, der Anfechtung. Ich habe Versuchungen zu +bestehen ... Das ist unchristlich, Mann! Stuetzen Sie den Glauben! Sprechen +Sie gegen die Gottlosigkeit! Auf dem Lande. Unsre Bauern haben dicke +Nacken. Stolz und Habsucht sitzen da steif drin. Gott sei Dank! sind sie +noch glaeubig. Die Grundvesten unsres Glaubens sind unangetastet. Die +moderne Anarchie und Zweifelsucht ist da noch nicht eingedrungen. Das geht +immer Hand in Hand. Das bedeutet die Emanzipation des Fleisches. Wir +wuerden uns wie Schweine im Koth waelzen. Im Koth! Sehen Sie das alte Rom! +Babylon! Die antike Welt vor Christo." + +"Sie hat Christus hervorgebracht." + +"Christus ist das ganz Vollkommene, Gute. Das Fleisch ist das Boese. So +kaempfen diese beiden Gewalten. Bis das Gericht kommt, das Gute siegreich +bleibt im unschuldigen Blute des Lammes, das Boese im Abgrund verschlossen +wird mit adamantnen Ketten. - Das ist der uralte Kampf." + +"Demiurgos, Ahriman und Ormuzd," bestaetigte der Confrater. "Lehre von der +primaeren Theilung der Gewalten." + +Die Frau Superintendent hatte schon mehrmals merklich und merklicher an +die Thuer geklopft. Jetzt steckte sie ihre Haube selbst durch den Spalt. +"Excellenz von Koschemann ist fuer den Bazar gekommen. Wenn Du einen +Augenblick Zeit haettest, lieber Willibald ..." + +"Auch ich bin ein Soldat des Herrn. Sehen wir zu, dass wir gut kaempfen. +Und das Heil finden, das es fuer uns nicht giebt, denn allein im gesegneten +Blut des Lammes dereinst, das unsre Suenden abwaescht weiss wie Schnee." + +Der Fremde war entlassen. + +Der Confrater sah ganz klar. "Gnostiker, die alte Geschichte. Das hat +immer angefangen mit der Antastung des Buchstabens. Der Buchstabe, mein +Freund! Das Wort sie sollen lassen stahn! ... Und jetzt lass uns zu unsern +liebenswuerdigen Damen gehen." + + + + + + DAS NEUNTE KAPITEL. + + +Und er ward im Geist entrueckt in eine fremde Stadt. + +Die Glocken laeuteten. Eine ungeheure, unzaehlbare Anzahl von Glocken. Es +waren dumpfe, grosse darunter, die mit der Stimme des Erzes riefen, der +Kanonen, furchtbarer Ereignisse, Krieg, Pest und Feuersbrunst. So stark +riefen sie, dass Niemand ihren Klang in der Naehe aushalten konnte, die +Luft ihn lange behielt, ehe er verhallte. Sie schwangen in furchtbaren +Hoehen und thronten einsam in Kammern weit ueber den Koepfen der Menschen. +Die ihre Stricke bewegten, sassen sehr niedrig auf schwebenden Balken und +wurden beinah gespalten von der Heftigkeit des Klanges. Diese Glocken +laeutete man nur bei ganz grossen Gelegenheiten. Wenn sie klangen, sahen +die Leute auf und sagten: Es ist das oder das. Sie meinten ein sehr hohes +Fest, ein grosses Unglueck oder eine grosse Freude. Die ganze Stadt und das +Land ringsum kannte den Klang dieser Glocken. Man war stolz darauf und +fuerchtete sie auch. + +Andre waren milder, mittlere. Die laeutete man alle Sonntage. Man hoerte sie +auch weit, ueber ein ganzes Stadttheil oder eine Strasse. Ein Klang von +Silber war in ihrem Erz, der sprach von Guete und Milde. Sie lockten, und +schreckten nicht, laeuteten regelmaessig mit kraeftigen, hallenden Schlaegen, +wie die Stimme eines Predigers, die klangvoll spricht in schoenen, malenden +Worten. + +Und es waren ganz kleine, die einzeln riefen wie einzelne, verlorene +Stimmen. In mancher war ein sehr helles, feines Klingeln oder zitterndes +Wimmern, die eilige Angst einer Agonie, oder der sanfte Schmelz einer +Frauenstimme, sehr weit fortgetragen auf himmelansteigenden Trillern zu +reinen Aetherhoehen. Der pure Goldklang ganz feiner Eliteseelen, die um den +Thron Gottes lobpreisen, und ein kleines, gleichgueltiges, hastendes +Bimmeln, in dem Viele sich vereinten, wie das der Pferdebahnwagen, dieser +Schellenbeutel, die herumgegeben werden in den Gemeinden zwischen den +Pausen des Gottesdienstes - laestig fast, nur die Ohren fuellend, das zum +Alltagslaerm gehoerte, ihn irritirend machte. + +Alle Glocken laeuteten. Die grossen gaben den Ton an. Die mittleren fielen +ein wie ein gutgeschulter Chor. Die ganz kleinen waren Geraeusche, oder +Stimmen junger Kinder. Alle laeuteten. Die Luft war sehr voll und schwang +von ihrem Klange. Und die andern Stimmen des Lebens schwiegen. + +In den Kirchen und Domen draengte sich die Menge. Es war halbdunkel in +diesen Hallen, dass man die Einzelnen in den Tausenden nicht erkennen +konnte, Maenner oder Frauen, reiche, gutgekleidete Leute oder ganz Arme. +Ihre Gesichter bildeten blasse Flecken im Daemmer, wie aufgewandte Kelche +von Blumen, die ihr Athmen wie ein Duft umwallte. Die uebrige Schwere des +Koerpers blieb unbestimmt, ertrunken in unruhigem Schattenspiel der Vielen, +dem lastenden, schweren Dunkel dieser Steine, ungeheurer Steinmassen der +Gewoelbe und Mauern. + +Saeulen standen wie Baumstaemme ohne Aeste mit schweren Blaettern und +Steingewinden um ihre Kronen, waehrend feine, tiefe Rillen an ihnen +hinabliefen, von Regentropfen gegraben oder ewig fliessenden. Von +stuetzenden, lastbaren Pfeilern schwangen sich die Woelbungen auf, Bogen und +Bruecken, gespreizte Fittiche des Adlers, kuehn und immer kuehner bis zum +schwindelnden Ansturm der Kuppel, die den Stein zerbrach, die Schwere des +Materials aufhob im ungeheuren, athemlosen Aufschwung der Seelen. + +Der Schritt klang hohl vom Echo der Millionen Schritte, die da schliefen +in tausendjaehrigen Steinquadern. Von schlanken, weissen Kerzen stiegen +gelbe, zitternde Flammen, umgekehrte Herzen, blauen Schein der Sehnsucht +ausathmend. Ein Duft von Weihrauch, Wachs und Thraenen lag schwer in Nebeln +und wallenden Wogen. + +Man sah Altaere sich golden recken, Gold vom Fuss bis zur Spitze, in immer +feineren Saeulchen, Treppen, Boegen, inkrustirt mit bunten Edelsteinen, die +Lichter gaben im Dunkeln wie Schlangenhaeute, Augen seltsamer Reptile und +Kaefer, Wunder von goldnen und silbernen Spitzen, Rosen und Blumen, +eingefrorne Rhythmen, mystische Zeichen und Runen aufsteigend wie +Gedichte. Eine unverwelkliche Pflanzung aus menschlichen Herzen, +mirakuloese Flora des Glaubens, hierher gefluechtet in eine heilige Grotte, +unter dem Daemmerlicht der bunten Glaeser, gefaerbt mit ihrem Blute: Roth, +welches die Liebe und der Tod ist, Blau des Glaubens, festruhendes warmes +Gruen der Hoffnung und des Lebens. Und Kraempfe, furchtbare Leiden, +zerschnitten den himmlischen Dreiklang: Gelb der Pein und des Geizes, in +den Gewaendern der Aeltesten und Schreiber; Violett der Eifersucht, das +zugleich die heilige Farbe der priesterlichen Macht und der Ehrfurcht ist; +ein helles, gefiltertes Rosa, welches gemartertes Fleisch der Gequaelten +vorstellt und auch die liebliche Unschuld des Kindes. Alle spiegelnd, +irrend, flehend um das klare Gold des Triumphes, Farbe der Sonne, wo die +Mutter thront mit dem Kinde, die Heiligen knieen in seliger, +weltentrueckter Anbetung. + +Wie ewige Pfeiler standen sie da, die Starken, der Apostel heilige +Zwoelfzahl, wunderbar die Reihe der Monde, des Sternkreises wiederholend, +Propheten, Sybillen - die wussten und aushielten. Maertyrer oeffneten +blutrothe Wunden, Laurentius auf dem flammenden Bett, Sebastian mit +durchbohrter Brust, Agnes, ganz nackt, nur in den strahlenden Mantel ihrer +Haare gehuellt, unter den Augen der Wollust, - aufgerissne Seiten, +furchtbare Verrenkungen der Gefolterten, Striemen der Gegeisselten. Die +Heiligenscheine dominirten ueber verklaerten Stirnen. Die weisse Taube des +Geistes schwingt sich glorreich auf ueber Blut, Flammen und Qual. + +Sie singen. Aus den Tiefen hebt es sich. Von der geknickten, schwarzen, +wimmelnden Masse - De Profundis. Langgetragen, hohle Rufe wie Appellrufe +in der Noth, schneidender Wehschrei der Gequaelten, zitternd, sehr hoch +schwebend, wie ein Weib schreit in Kindesnoethen: Miserere - Miserere ... +Dumpfer Trommelschlag. Vokale fast Alles, sonore, volltoenige, die nicht +fallen - Ora pro nobis, aufsteigend zu maennlichem Muth, Schlachtgesang, +bis zum jauchzenden, hellen Posaunenstoss der Befreiten, gellend fast, +schmetternd in Siegeszuversicht: Tedeum laudamus. + +Die Stimmen schweigen. Das Wort allein spricht. In marmornen Worten, +Saetze, die feststehen wie die Welt. Rollende Vokale, geheimnissvoll, +kraeftig, wie die die schufen, - das groesste Mysterium der Menschheit, Wein +und Brot, uralte Mysterien, heiligste Symbole des sacrosancten Lebens. + +Ueber der Menge, die kniet, hungernd, bruenstig, erhebt der Priester das +Allerheiligste. Er selbst ist weiss, ganz weiss. Er ist hundertjaehrig. - +Es giebt einen goldnen Schein wie die Sonne. + +In einem ungeheuren wehen Seufzer hebt sie sich, es zu empfangen - das +Opfer von Gott angeboten. Blut und Fleisch, fuer das andre Opfer des +Fleisches und des Blutes, des Lebens, an das grosse Leben, das prangend +weggeht ueber den Tod, Jammer und Kleinheit. + + ------------------------------------- + +... Ein enger Holzpfad im Gebirge. Das Gebirge liegt verschneit seit +Wochen. Bis an die Knie hoch steigt der Schnee. Die Tannenzweige brechen +unter seiner Last. Gleich Zuckerhueten ragen die Baumwipfel aus der Weisse. +Man unterscheidet nur hoehere und niedrigere Lagen, Steine sind +Schneekuppen. Gleichmaessig ist er im Grunde, hart, vereist, eingestampft. +Aber die Oberschicht ist federweich, eine Hand hoch, glitzernd, feiner wie +der Flaum auf Bruesten der Eidergaense, mit Seidenreflexen. + +Unter dem Schnee begraben liegen Moos, Graeser und Gestraeuche. Er staeubt in +Puder von den ueberlasteten Zweigen. Kleine Aeste und Holzstueckchen, die +sich abloesen, versinken lautlos. Die Luecke, die sie verursachen, schliesst +sofort die streichelnde Sammethand. Der ganze Wald leuchtet weiss, +blauweiss vom Schimmer des jungfraeulichen Schnees. Der Fuss versinkt in +ihm wie in Daunenteppichen. Ohne Kuehle fast. Aber er hebt sich schwer +heraus. Das Leder des Stiefels wird hart und sproede von der Feuchtigkeit, +die nirgends das Wasser zeigt. + +Und immer faellt der Schnee. Man sieht keine Spuren des Wildes. Es ist +erfroren, festgefroren wie stehende, steinerne Bildsaeulen in Mauern von +schmeichelnden Krystallen oder es verkriecht sich im inneren Tann, wo das +Dach der Zweige es schuetzt, karge Nahrung sich findet an Sprossen und +Rinde. Der Schnee fuellt die Fahrgeleise des Weges aus. Er steigt zu seinen +Raendern und vermischt sie. Wie Gespinnste in seinem Innern ziehen sich +duerre Bastadern der Farne und Heidelbeerbuesche. - Die Stille ist sehr tief +und der Schnee faellt. + +Durch den tiefen Schnee sucht sich der kleine Priester seinen Weg. Er +traegt die letzte Troestung zu einem Sterbenden. + +Der Tod ist rasch gekommen. Ein blutjunger Bursch, der Spielmann Anderl. +Heute hatte sein Schatz Hochzeit gemacht mit einem Andern. Der Spielmann +war zurueckgesprungen ueber die Berge, das fressende Gift im Leibe und den +Kopf im Feuer. "Geht's schlecht, so geht's schlecht, geht's gut, kuerz' ich +mir den Weg um Stunden." + +Am Hornbiehel war er abgestuerzt. Jetzt lag er im Todeskampf in der +Holzschlaegerhuette. + +Durch Schnee und Nebel im beeisten Gebirge kaempfte sich der kleine +Priester zu dem Sterbenden. + +Er war noch sehr jung, noch nicht lange da oben. Man nahm fuer die Stelle +die ganz Unbedeutenden, die Bescheidenen, die nicht Carriere machen +wuerden. Niemals hatte er daran gedacht, ein Findelkind, das man den +Priestern uebergeben. Regelmaessig liefen die kargen Beitraege fuer ihn ein, +von einem Buereau bezahlt an eine Kasse, ohne Persoenlichkeit, ohne Namen. + +Er hatte niemals eine andre Heimath gekannt als das Kloster. Da war seine +Staette, am Altar. Der liebte ihn und der hatte ihn nicht zurueckgestossen. +Mit weissen Blumen umkraenzte er ihn. Er sang. Er schwang seine +Weihrauchschale, weissgekleidet als Chorknabe, Diener am heiligsten +Messopfer, eh' er selbst daran theilgenommen. So war er aufgewachsen, in +dieser Atmosphaere der Liebe, Weiss und Gold, den heiligen Farben der +Unschuld und des Triumphes. Ohne einen andern Gedanken. Er liebte Alles. + +Es war um ihn wie der weiche, milde Schein, der vom linnengedeckten Altar +ausging, der Lampe, die ewig brannte in all dieser Weisse, dieser Stille. +In lasterverzerrten Zuegen sah er das Leid. In ihrem Hochmuth die Angst. In +ihrer Schoenheit, ruehrender als ihre Schoenheit, den Tod. + +Wie auf weissen Rosen ging er mit nackten Fuessen, laechelnd das Heilige +tragend gleich Engelknaben. Und vor seiner demuethigen Stirn neigten sich +die Stolzen. Die Bescheidnen fassten Muth. Alles liebte ihn. Es war, wie +wenn die Voegel suesser sangen, wenn er vorbeischritt im Klostergarten. Sie +waren zutraulich und pickten von seinen Haenden. Die Blumen, die er +pflanzte, gediehen. Ruhig und majestaetisch entfalteten sie sich. Die Sonne +schien nicht zu heiss auf sie. Irgendwie hoerte der Sturm auf um ihre +schlanken Stengel. + +Es gab alte Moenche im Kloster, die das Leben gekannt hatten. Es hatte +harte Narben gegraben in ihre Seele. Sie liebten ihn, die alten Wunden +brannten nicht, wenn er da war. Nur eine Gabe besass er, die lieblichste +David's, der Musik. Die Toene wurden lind unter seiner Hand und wenn er +spielte, hoerte der Tumult auf in leidenschaftdurchwuehlten Herzen. + +Niemals war er stolz gewesen oder unguetig. Ein Kind Jesu! Er trug diesen +Namen, halb der Schande, wie eine feine, goldne Aureole. + +Die Grossen uebersahen ihn und fuer die Klugen war er nichts. Er hatte keine +Disputationen geschrieben ueber Fragen des Glaubens. Die weltliche Macht +der Kirche liess ihn kalt. Der Beifall einer Menge haette ihn schuechtern +gemacht. + +Aber er liebte die kleinen Kinder. Sehr alte, huelflose Leute waren ihm +ehrwuerdig. Er richtete die geknickten Halme auf und ihn erbarmte der Vogel +unter dem Himmel. + +Tapfer kaempfte der kleine Priester durch den Schnee. Der Schnee fiel in +weichen, grossen, fasernden Flocken aus Wolken, die selbst Schneesaecke +waren. Sie hingen so niedrig, dass man nicht sah, wo sie aufhoerten und das +Gestoeber anfing. Ihre Vorraethe schienen unendlich, als ob ein ganzer +Himmel voll von Schnee hinter ihnen laege. Er leerte sich langsam. Von den +Schichten bauten sich Mauern ihm entgegen. Nichts konnte mehr welchen +aufnehmen. Aus dem Ueberfluss wallten neue Huegel ueber. - Diese Flocken +loesten sich nicht auf. Sie schwebten und drehten sich langsam in der Luft +und blieben haengen wie im Festen, Gesaettigten. Man dachte an Nesterbauen +dabei, Eiderdaunen, in die man sehr tief einsank. Und es war gar nicht +kalt. Der Schnee schien wie eine schuetzende Schicht zwischen der Kaelte und +der Erde. Es war wunderbar, wie lautlos er fiel. Und ueberall, wo er fiel, +hoerten die Contouren auf, alles Steife, Eckige, Nackte. Wie ein +liebevoller Pelzmantel huellte er sie ein, dass sie nicht mehr froren, +zeigten. Er fiel ... fiel ... + +Der kleine Priester fror gar nicht. Im Gegentheil, ihm war warm. Er trug +das Allerheiligste unter seiner Soutane, gegen die Brust gepresst. Und es +war ihm, als waere es da eingedrungen. Es sass da und brannte. Goldne +Strahlen warf es. Immer groesser, immer weiter. In der Mitte war ein +blutrothes, gluehendes Herz und sein Scheinen war wie Karfunkel. Es +leuchtete weit durch den naechtlichen Wald. + +"Das ist, als ob ich ein Licht bei mir trage," sagte der kleine Priester. +"Wie seltsam das ist! Und wie schoen!" + +Schoen war es in der That. Alle Baeume standen wie schwarze Saeulen, ganz +gerade mit seltsamem Ast- und Aderwerk. Ihre Zweige verbanden sich. Sie +kreuzten sich und rankten ineinander geheimnissvoll in Rosetten, Sternen, +wie ein Kirchendach. Er ging ganz leise, wie auf weichen, weissen Rosen. +Er zertrat sie nicht. Sie richteten sich auf unter seinem Fusstritt. Sie +dufteten sehr suess, Ambra, Weihrauch und Myrrhen, die mystischen Duefte der +Kirche, die Seele darstellend, die sich spiritualisirt in Sehnsucht. + +Jetzt fing es auch an zu laeuten. Zwischen den hohen Baeumen schwangen die +Glocken. Sie hingen da in Stricken von einem Baum zum andern. Und sie +schwangen, schwangen. Wunderbare Melodieen waren die Melodieen der hohen, +ernsten Baeume. Den kleinen Priester erstaunten sie. "Ich habe es doch oft +rauschen hoeren im Walde. Niemals wusste ich, was es war. Aber jetzt weiss +ich es." + +Und er hoerte kleine, liebliche Stimmen. Das waren die der todten Blumen +unter dem Schnee. Er hatte gedacht, dass sie todt waeren. Sie waren nicht +todt, sie warteten nur auf den Fruehling, lagen warm und weich gebettet +unter dem Schnee, der sie zudeckte und fiel - fiel. + +Die Schneeflocken selbst sangen. Sie fassten sich an und tanzten. Es war +richtiger Rhythmus in ihrer Bewegung. Dazu klangen sie. Und dann waren sie +Engelskoepfchen mit weichen, flaumigen, ganz jungen Fluegeln. Das sind die +Seelen der todten Kinderchen, die sterben, ehe sie zum Bewusstsein ihrer +Seele erwachen. + +Er hatte nie gewusst, wo diese todten Seelen hinkommen. Jetzt wusste er +es. Sie waren gluecklich und deckten die kleinen Blumen zu, dass sie gut +schliefen, nicht erfroren im harten Winter. + +Er musste ueber einen Bach, der ganz zugefroren war. Aber das Wasser war +auch nicht todt, es schlief nur in der Tiefe. Er hoerte es singen +geschaeftig am Werke, in kleine Roehrchen tausend Troepfchen zu giessen, die +Erde aufzuweichen. Es wird Fruehling! Es wird Fruehling! + +Auf einmal war es Fruehling. + +Er wandelte in einem gruenen Dom. Waende von lichterem Gruen schoben sich +zwischen die andern, hohen. Alle regten tausend Blaettchen. Einige waren +fast durchsichtig vom Licht, das sie golden durchgluehte. Die Andern +blieben im Schatten beinah schwarz, oder ihre Raender zeichneten sich wie +in hellem Feuer gezogen. Atlasglaenzend lief es entlang am Buchenstamm wie +feinste Haut des Apfelschimmels, roethlich schwelend an der rissigen +Kiefernborke. Die Birken standen ganz weiss mit gesenkten, wehenden +Zweigen, ein kleines, zitterndes Herz jedes Blaettchen, Jungfrauen +vergleichbar in der Schoenheit ihrer Haare im Mai. Pelze hatten die +Haselnussblaetter. Die Erlen bogen sich, schwaerzliche, schuppige +Schlangenleiber, dem Sumpf entsprossen, mit klebrigem, bitterschmeckendem, +starkgerieftem Blattgrund. - Und da oben ueber dem Blaetterdach stand die +Sonne, goldne, warme Fruehlingssonne. + +Er wandelte mit nackten Fuessen auf einem Blumenteppich. Wo er hintrat, +bluehten die Blumen. Sie bluehten auf wie Kissen unter seinen Fuessen, nur +Blumen ohne Blaetter und Stengel. Voegel sangen, goldne Voegel mit silbernen +Schwingen, die Stimme des Windes, der Erde und des Wassers, Alle priesen +Gott. + +Er sah auf und die Sonne war Gott. Seine Strahlen fielen warm ueber Alles. +Er war gut - gut. + +"Ihr koennt mich nicht verstehen so. So gross und gut bin ich. Darum bin +ich das Groesste und das Gute, was Ihr verstehen koennt." + +Er verstand sehr wohl, wie gut Er war. Und dass Er tausendmal besser und +groesser sein musste, als er verstehen konnte. + +Aber es war da eine Bruecke aus den Strahlen, die von Seiner Brust +ausgingen, und den weissen, funkelnden Sonnenstrahlen mit Perlen und +Emeralden und koestlichen Topasen geschmueckt, die das Licht gebiert im +Wasser, aus der Tiefe. Auf der schritt er. + +Durch das Blaue schritt er gerade in die strahlende Sonne hinein. Er +wusste, dass sie Feuer war, aber sie brannte nicht. Sie war auch nicht +golden. Sie war weiss, von einer lichten, unbeschreiblichen Klarheit, +lichter denn das Mondlicht im Kerne der junggebornen Mondsichel, und +Atlasschimmer aus keuschen Lilienkelchen. + +Er sah eine Frau in der obersten Klarheit. Sie hielt einen Lilienstengel +in der Hand. Er wusste, dass es seine Mutter war, die er nie gekannt und +verloren hatte. Jetzt erkannte er sie gleich. Sie laechelte ihm zu. + +"Ich komme. Ich komme," sagte der kleine Priester begeistert. + +Auch ein ganz weisses Lamm sah er. Er freute sich, dass es da war. Er +hatte die Thiere immer geliebt. Er hoffte, dass es auch fuer sie einen +Himmel gab. Dies wusste er nun auch. + +Alle Baeume waren eitel lichtes Silber. Ihre Fruechte waren Diamanten und +Perlen. Weisse Schneelilien sprangen auf, die suess dufteten. Man konnte in +die Erde sehen, tief hinein, denn sie war weiss und durchsichtig wie +Milchglas, Opale, in denen das Sternenlicht floss. Es war dies innere +Licht, von dem sie leuchtete, denn es gab nicht Schatten mehr. Wo Festes +gewesen war, wurde es weich und floss im Schimmer, der loeste. + +Und er war ganz weiss, er selbst. Seine Finger waren weisse Strahlen. Aus +seiner Brust schien die Klarheit, Alles, wo sie hinfiel, ward weiss. + +Er trat in das kleine Stuebchen der Holzschlaegerhuette. Dies war ein elendes +winziges Gelass. Blut lag da auf der Bettdecke, Blut auf dem Fussboden, +Blut ueber den hastig hingeworfenen Kleidern. Man hatte die Fiedel +gerettet. Aber der Kasten war zerschlagen im Falle. Die Saiten hingen wirr +und ungestraengt. + +Die Augen des Sterbenden waren weitgeoeffnet. Ein Ausdruck des Schreckens +lag darin, und Brennen, als ob er saehe und Furcht hatte. Er phantasirte: +"Hast Du die Frauen gesehen, wenn sie zur Kirche schreiten? Ihre Hacken +schlagen kurz auf und ihre Hueften tanzen unter den runden Roecken, die der +Wind hin- und herschlaegt. Wenn der Sechzehnender durch das Unterholz +bricht und der Stolz des Waldes ist in seiner keilenden Brust! Hei! Der +Zug der Burschen, der zum Schuetzenfest zieht. Alle Fiedeln spielen auf und +die Schenkel stampfen. Wie Herrenblick, der zwingt, trifft der nie +fehlende Bolzen. - Ich sage Dir, es ist nichts, was ueber des Weibes Anmuth +geht, denn ihre Falschheit! Wie ich sie geliebt habe und wie ich sie +hasse! Ihre Augenbrauen, die wie Boegen der Kroenung sind, darunter +triumphirende Heere einziehen. Ihre Augen locken und ertraenken wie der +wilde Bergsee. - Das ist roth - roth Alles - vor meinen brennenden Augen!" + +Der kleine Priester strich mit der Hand ueber die Augen. Sie schlossen +sich. Sie brannten nicht mehr. + +"Ich habe die Erde gerochen am Fruehlingsmorgen, wenn sie dampfend +aufbricht, ehe der Tag kommt. Tausend Wuerzbaeche stroemen, wo die +tausendjaehrige Edelfichte krachend niederschlaegt. Gefaehrlich wie Blutdunst +ist der umnebelnde Duft des Weines, der zu Kopfe steigt und die Faeuste +straff macht. Aber der Frauen Athem ist roether wie Blut. Wie Weizenacker +frisch geoeffnet ist der Leib des Weibes. - Es ist die Schwuele der +Sommererde, die die Todten nicht schlafen laesst." + +Er strich mit der Hand ueber die Nasenloecher. Leise fuhr der troestende +Finger die zitternden, hastenden Nuestern entlang. Der Geruch war fort. + +"Hast Du auf Deinen Lippen ihre Kuesse gefuehlt? Wenn sie schwoeren und +luegen. Worte, die fallen wie der Wasserfall, lieblicher denn +Nachtigallentriller. - Worte! Worte! Worte!" + +Er strich ueber die Lippen und sie schlossen sich. Sie wurden stumm und +weich. + +"Ich habe sie mit meiner Hand gehalten. Ich lasse sie nicht. - Wenn man +das Messer sehr fest packt und rothes Herzblut springt herueber ... Weisst +Du, dass ich mein Messer unter meiner Hand hatte? Sie haben mir gesagt, +dass ich das Holz sprechen machen konnte, die Saiten riefen unter meinen +Fingern wie mit Menschenstimmen. Ich will spielen. Sie sollen tanzen. Sie +sollen lachen und schreien. Ich will den Ton finden, der die Todten tanzen +macht. Die Todten haben Knochenhaende und lassen nicht los." + +Die gekrampften Finger loesen sich unter den andern streichenden, +gleitenden. Die Haende fielen. Sie lagen ruhig und straff. + +"Meine Fuesse tragen mich nicht mehr. Aber sie haben mich getragen durch +die Nacht. Im Tanze. Wer kann tanzen wie ich, der Spielmann Anderl! Wenn +der Boden knackt, die Dirne hoch anfliegt zur schwelenden Decke. Ich kann +springen! Der Teufel ist in meinen Fuessen. Ich springe mit dem Teufel zur +Hoelle!" + +Er beruehrte die Fuesse an ihren Sohlen. Er salbte den rechten. Er salbte +auch den linken. Die Fuesse lagen still. + +Der ganze Mann war weiss und still jetzt. + +Der kleine Priester hatte die Fiedel genommen, das Holz zeigte keinen +Sprung, die Saiten fuegten sich wie von selbst und erklangen: + +"Wenn Eure Suende gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiss werden," +sang der kleine Priester. "Und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll +sie doch wie Wolle werden. + +"Und heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein!" schloss der kleine +Priester. + + ------------------------------------- + +In der Holzschlaegerhuette lag der Wilddieb todt. Er lag mit gefalteten +Haenden und laechelnden Lippen. Eine weisse Kerze brannte. Das blasse goldne +Herz stand zitternd aufrecht im Dunkel, das der Schnee warf. + +Der Schnee fiel. + +Unter der weissen Schneedecke, das Allerheiligste gegen seine Brust +gepresst, schlief der kleine Priester. + +Der Schnee fiel ... fiel. + + + + + + DAS ZEHNTE KAPITEL. + + +Nun war aber in einer Stadt ein junger Mann, der sich dem geistlichen +Stande gewidmet hatte. + +Nie war fuer ihn die Frage gewesen, irgend ein anderes Amt zu erwaehlen. Von +frueh auf zeigte er sich in geistlichen Dingen wohlbewandert, geneigt +darueber nachzudenken, die Texte auszulegen in ihrem deutlichen Sinne. +Dabei war er von maessiger und strenger Lebensweise. Er hatte sich Jahre +lang nur von Pflanzennahrung erhalten. Sein Geld gab er den Armen und +lebte wie der Aermsten Einer mitten unter ihnen. Zudem voll Wuerde in aller +Guetigkeit, dass er die Spoetter zurueckwies, Niemand ihm etwas anhaben +konnte. Im Gegentheil, es war eine gemeine Rede in der Stadt, wenn man +Jemand etwas Gutes wuenschte, und diese Leute waren aelter, dass man ihnen +einen Sohn wuenschte wie Johannes. Seine alten Eltern, denen er zuerst ein +Kummer gewesen, dass er also herausging aus der Bahn, die sie selbst +gegangen, ein Amt erwaehlte, das ihnen fremdartig war und nicht so +angesehen in ihrer Meinung wie ihr eignes vor den Leuten, priesen Gott +alle Tage, der ihnen ein solches Kind gegeben, von dem sie Ehre hatten +jede Stunde, der als ein Muster stand unter jungen Leuten, in fruehen +Jahren Ruhm erwarb wie Andre, die Jahre lang gedient, Last und Muehsal +getragen hatten. + +Selbst solche, die ihm heimlich entgegenstanden, weil er sie strafte in +ihren Suenden, wagten nicht, ihn offen zu missbilligen, denn sein Ansehen +war gross unter allen Leuten, und seine Rede gewaltig. Dazu, weil er eines +vornehmen Mannes Sohn war, trug das zu seinem Ruhm bei. Das Geruecht drang +bis an den Hof. Er musste predigen dort und ward als Hofprediger +angestellt auf den eignen Wunsch des Fuersten, der gern seine Predigt +hoerte, auch manches Gespraech mit ihm pflog. Er war selbst von ernster und +redlicher Gemuethsart, dachte viel nach ueber die Pflichten und Vorrechte +seines Amtes. Wenn er sich beunruhigt fuehlte in seinem Gemueth, liess er +oft den jungen Prediger rufen, dass diese wie Freunde und treue Gesellen +wurden, sein Einfluss also gross war im Lande. + +Aber Niemand neidete ihm denselben. Er war wohlgeachtet von Hohen und +Geringen. Gegen Arm und Reich hielt er sich gleich. Kein Rang und kein +klingender Lohn konnte ihn bestechen in seiner Entscheidung. Wiewohl es +ihm freigestanden haette, ein Weib zu waehlen, Niemand ihm seine beste +Tochter geweigert haette, zog er es doch vor, einzeln zu bleiben, dass +keine weltliche Lust oder Sorge ihn abzoege von seinem geistlichen Amt, +welches er als das hoechste erachtete in der Welt, ihm selbst von Gott +anvertraut, davon er Rechenschaft abzulegen hatte dereinst vor Seinem +strengen Richterstuhl. Es gab keinen geachteteren und wuerdigeren jungen +Mann weit und breit. Sein Ruf stand fest wie ein Felsen. Sein Wort war fuer +Viele Recht und Unrecht, klarer und unzweifelhafter wie geschriebnes +Gesetz. Wenn sich Einige verwunderten, dass er trotz seiner Jugend so +geachtet war und solchen Einfluss besass, verwies man nur auf sein Leben, +das schlichter war wie manchen Arbeiters und keusch wie vielfach +geschliffener Stahl vor Aller Augen. + +Derselbe, als er eines Tages allein spazieren ging vor der Stadt, wo die +Stadt schon aufhoerte, bluehende Straeucher standen und Fruchtbaeume im Laub - +wie er oftmals that in seinen tiefen Gedanken, um klar zu werden vor sich +selber -, freute er sich am Gesang der Voegel, wie sie alle eintraechtig +sangen und war keiner groesser und mehr geachtet denn der andre in ihrem +Singen. Jeder hatte seine besondre Gabe und Tugenden. Die, die nichts +empfingen, kleine graue Meislein und Spatzen, zwitscherten just so munter +ihre zwei Pieptoene, wie die Andern kunstreiche Triller und Solfeggien. +Sorgten nicht um den Tag, bauten sich Nestlein, setzten ihre Kinder in die +Welt, dass die Sonne sie grosszog, sie satt wuerden von dem, was flog und +kroch in der Luft, auf der Erde. + +Die Schwalben flogen auf und nieder. Sie wiegten sich in der Luft und +beschrieben Wellenlinien. Manchmal strichen sie so niedrig, dass ihre +Schwingen fast die Erde beruehrten. Dann hoben sie sich wieder, blieben +segelnd im Blauen. Aus dem Gras der Boeschung dufteten Veilchen. Libellen +schwirrten aus der Wasserrichtung von der andern Seite. Es roch fischig +von da, Teichgeruch, nach sich zersetzender Pflanzenfaser. + +Wie er nun also ging und sich freute, die Voeglein lieblich und froehlich +sangen, sah er eine magere, gelbgefleckte Katze, die Jagd machte, auf +einem der Baeume. Leise schlich sie auf unhoerbaren, tastenden Zehen. Ihr +Kopf war lang vorgestreckt, die kugelige Stirn mit spitzen Oehrchen. In +den Flanken sassen tiefe Loecher von der Anstrengung des Dehnens. Die +Rippen flogen kurzathmend in der Aufregung der Jagd. Auch war sie mager, +schlechtgenaehrt und struppig, wie eine Katze, die wohl schon lange heimlos +geirrt ist, keinen Herrn mehr hat, sondern der Wildniss preisgegeben ist. +So war sie ausgegangen auf die Jagd, da es daemmrig wurde, sass auf dem +Baum und hob ihre Kralle ueber dem Nestchen. + +Da Johannes solches sah, ergrimmte er in seinem Herzen. Es dauerten ihn +die unschuldigen Voeglein um dieser schlechten Katze willen. Er nahm einen +Stein, zielte und warf. Und traf so gut, dass er die Katze hart schlug in +ihrer Seite, wo es weich ist, die Knochen nicht schuetzen. Sie stiess einen +schrillen, klagenden Schrei aus und fiel herab vom Baum, lag da auf der +Erde, das Blut floss von ihrer getroffenen Seite, schrie ganz jaemmerlich +wie ein kleines, wehleidiges Kind, versuchte sich zu lecken, vorwaerts zu +strecken mit strebenden Vorderfuessen und schwachem, nachschleppendem +Ruecken. Und lag im Staube, blutend. + +Da fing ihn an zu gereuen, was er gethan hatte. Er kam herzu, um der Katze +aufzuhelfen. Wie er sie genau betrachtete, sah er, dass diese Katze heute +oder den Tag zuvor Junge geworfen haben musste, denn die Haut ihres +Bauches hing ganz lose unter den vorstehenden Rippen, dass sie fast auf +dem Boden schleppte. Die Oeffnung des Afters war unnatuerlich weit, noch +vom geronnenen Blute verklebt. Man sah die Zitzen, die weit, aber schlaff, +ohne Milch sich sackten. Denn sie war sehr erschoepft und hatte gehungert +seit langen Tagen. Nun lag sie im Staub und blutete. Niemand wuerde diesem +Nest voll kleiner Katzen in irgend einer verlassnen Scheune oder auf einem +Heuboden Nahrung bringen. Sie wuerden warten und miauen, elendiglich +verhungern, um ihre Mutter, die nicht kam, den spitzen, harten Stein, den +er geworfen und sie getroffen hatte, da sie ging Jagd zu machen auf Voegel +fuer ihre Kleinen, die hungerten. + +Er stand nun da vor der Katze und sah sie an. Die Katze sah auf zu ihm mit +schiefen, wilden Augen, ob er ihr helfen wuerde oder sie weiterquaelen? Sie +wusste nicht, dass es sein Stein gewesen, der sie getroffen hatte. Aber +sie hatte Angst vor den Menschen, die stark sind, war da wie ein wildes +Ding, das man eingefangen hat. Und es kann sich nicht wehren, denn all' +sein Gift, scharfe Zaehne und Krallen, die ihm ja nuetzlich sind gegen die +Kleinen und ganz Schwachen, werden ohnmaechtig und nuetzen ihm nichts. Es +wartet, dass man es vollendet. + +Da er noch stand, dieses Thier ihn ansah und er ueber solches dachte in +seinem Herzen, kam ein fremder Mann des Wegs. Er nahm die Katze, die nach +ihm fauchte, wusch ihre Wunden sorgfaeltig mit Wasser und gab ihr zu +trinken aus einer Flasche, die er bei sich fuehrte. Dazu, um das Wasser zu +finden, hatte er hinabsteigen muessen zum Fluss. Wie der wieder heraufkam +und die Katze auf seinen Arm nahm, biss ihn das Vieh in die Hand und +entsprang zwischen die Weidengebuesche. + +Da dieser nun die Schramme an seiner Hand besah, das Blut abtrocknete mit +seinem Tuch, sprach Johannes zu ihm: "Wie magst Du dem schaedlichen +Raubzeug helfen? Sein Leben ist der Tod Vieler. So es verreckt, wem +schadet es? Ein werthloses Vieh! Tueckisch und voll Argheit." Das sagte er +aber, den Andern zu versuchen, denn in seinem Herzen gereute ihn der +Katze. Er wusste wohl, dass es ihre Natur ist, Voegel und Maeuse zu fangen. +Er fragte sich nur: Warum ist das in der Natur, und haette gern eine +Antwort gewusst. + +Der fremde Mann sprach: "Ich helfe jeglicher Creatur. Sie war hungrig und +litt. So war es meine Schuld, ihr zu geben, sie zu heilen." + +"Sie wird hingehen und neues Uebel stiften, toedten und quaelen." + +"Der Tod ist kein Uebel," sagte der fremde Mann. "Der Geist, der +widerstehet dem Uebel, der ist vom Uebel." + +Diese Antwort verstand Johannes nicht, aber sie quaelte ihn in seinem +Herzen. Er sprach: "Deute mir das!" + +Der Andre sprach: "So Dich Jemand schlaegt und Du schlaegst ihn wieder, so +ist der Schlag Dir nicht Unehre, aber dass Du zurueckschlaegst und also +Boeses vergiltst mit Boesem. So ist das Boese an sich nicht boese, aber es +boese _macht_ in seiner Wirkung, sind Boese." + +Johannes sprach: "Soll ich einen Mann nicht toedten, der Andre toedtet? +Wuerde Mord und Todtschlag nicht ueberhandnehmen in der Welt, so Solches +ungestraft bliebe? Jeder thun koennte, was ihm gefaellt, sein boeser Muth ihm +eingiebt gegen seinen Naechsten?" + +Der Fremde sprach: "So es sein boeser Muth thut, ist es seine Natur. Alles, +was in der Natur ist, ist von Gott. Der Mensch kann nichts dagegen. So Du +aber schlaegst _gegen_ Deine Natur, ist es Dir Suende, groesseres Unrecht +denn dess, der Dich geschlagen." + +Er sprach: "So werden alle Boesen fortab triumphiren und straflos sein. Die +Guten muessen nur dulden und ertragen." + +Der Fremde sprach: "Dulden und ertragen ist nicht boese. Selig sind, die +das erkannt haben! Aber es ist dem Menschen schwer, zu erkennen, und +Wenige sind, die es fassen hier im Leibe. Das Fleisch ist schwach in +ihnen. Der Tod scheint bitter dem, der kraeftig ist und sich bewegt." + +"Der Tod ist immer bitter," sagte Johannes. "Das ist auch gegen die Natur +des Menschen." + +"Weil sie die Natur nur halb erkannt haben," sagte der Fremde. "Sie +wissen, dass sie sterben muessen, aber sie wissen nicht, was hinterher +kommt. Sie sehen, so lange es hell ist. Aber die Nacht lebt auch, hat +Farben und Formen. Nur sie sehen sie nicht. Sie nennen das Eine Leben und +das Andre Tod. Und der Tod ist Leben, eins so gut wie das Andre. Alles ist +Leben. Es ist ein Neugebaeren in jeglichem Sterben." + +Der Fremde sagte ihm ein andres Gleichniss und sprach: "Die Menschen +rechnen die That, die Gedanken sehen sie nicht. Sie koennen die Gesinnung +nicht lesen, die im Herzen ist. Die That ist nicht besser wie der Gedanke. +Sondern er war der Erstgeborne und wirkt weiter. Die Suende ist geboren, +ehe die That That wird. Es ist nicht mehr Suende im Thun wie im Wollen. Zu +diesem aber sprach die Schlange. - Und der Stolz ist der Urgrund alles +Uebels." + +Er sprach: "Wie deutest Du das?" + +Der Fremde sprach: "Da der Mensch anfing zu mischen von seinem Willen in +den grossen Gang des Wollens, der der reine Strom und Urquell des Lebens +ist. Er sprach - und er sollte hoeren. Er dachte, wo er sehen sollte. Ein +Kleines, Staubgebornes, Willkuerliches will stehen, wo das Grosse, Ewige, +Gesetzte steht." + +Er sprach: "Widerspricht nicht Solches der eignen Adligkeit und +Freiwilligkeit des Menschen?" + +Darauf antwortete der Fremde: "Mit nichten. Sondern ist es nicht edler, +das Gesetz in sich selbst zu erkennen und ihm folgen, als sich von aussen +verschreiben lassen, Buchstaben zu gehorchen. Das ist Sklaventhum. Das +Andre Adliger und Freigeborner." + +Johannes sprach: "Wie kann das Gesetz fuer Alle dasselbe sein, so doch der +Menschen viele sind und Millionen, Jeder anders geht wie der Andre?" + +Er sprach: "Es ist auch nicht dasselbe Gesetz fuer Alle. Haendewaschen ist +nicht dasselbe, Kleidertrachten und Fasten ist nicht dasselbe, Goetter von +Stein und Goetter von Erzen. - Aber Alle, die suchen, finden wohl den Weg." + +Da erschrak Johannes in seinem Herzen und sprach: "Die alten Weisen haben +wohl gelehrt. Sie dachten, sie haetten die Weisheit gefunden. Und waren +Edle. Tiefe Worte kamen von ihren Lippen. Buddha und Mohammed sind +gekommen. - Wie sagst Du, Einer ist wie der Andre?" + +Er sprach: "Alle diese sind gegangen und haben gefunden. Unschuldige +Kindlein finden auch, kleine Blumen und Kraeuter. Es fuehren viele Wege. +Aber unselig sind, die stehen bleiben und nicht gehen um der Dornen willen +und Steinbloecke." + +Damit wollte er weitergehen. Aber der Andre hielt ihn an in grosser Angst +seines Herzens, flehte ihn an und bat: "Gieb mir ein Zeichen." + +Er sprach: "Kein andres Zeichen habe ich als dies: Die Blinden werden +nicht blind sein, ob sie gleich blind sind. Die Lahmen werden gehen koennen +und eilen, ob sie lahm sind, festgekettet an ihr Lager. Die Armen sind +reich und ihr Reichthum ist koestlicher denn aller Reichen. Die Todten +sterben nicht und leben, ob sie gleich gestorben sind. - Ein Kind findet +es in seiner Einfalt. Den Weisen und Maechtigen aber bleibt es verborgen." + +Er sprach: "Sage mir nun noch dies Eine. So Einer Suende gethan hat, ist er +nicht schlimmer denn Einer, der keine gethan hat? Warum denn sollten wir +nicht Alle suendigen und froh sein?" + +Er sprach: "So Du sie thust, ist es Dir Suende. Die Andern aber gehen auch +nicht verloren. Der Hochmuth ist das Aergste der Uebel. Freude war ueber +den, der Busse thut vor neunundneunzig Gerechten. Der verloren war und +heim kam, fand ueber dem der zu Hause geblieben, niemals irrte." + +So liess er diesen und ging von ihm weiter in der Abenddaemmerung. + + + + + + DAS ELFTE KAPITEL. + + +Es war Fritz Kuhlemann, der ihm diese Botschaft schickte: + +"Die ausgehen sollten, wohnen in reichen Haeusern. In steinernen Kirchen +ist das Wort verschlossen fuer bloede Mengen am Sonntagmorgen. Die Maechtigen +missbrauchen Deine Worte fuer ihre Zwecke. Man fuehrt Kriege in Deinem +Namen. Ungerechtes Gericht ist gesprochen unter dem Zeichen der Liebe. Der +Arme geht hungrig. Der Niedrige ist verachtet. Der Suender stirbt nachher +wie zuvor. Was ist Deine Heilsbotschaft an die Welt?" + +Er sprach: "Siehe zu, was ich thue: + +"Soll ich Krieg fuehren, um die Welt zu ueberzeugen? Der Hass waere schlimmer +denn zuvor. Die Sklaven von heute waeren grausamere Herren, als die Herren +von gestern. + +"Soll ich Gesetze geben, neue Ordnung erfinden? Dies Gesetz waere gut, aber +die Menschen sind schlecht. Unter der guten Ordnung bliebe die wilde +Wueste. + +"Vielen ist es gesagt, aber Wenige hoeren. Allen ist es ein Schlachtwort +und Wenigen Frieden. Einige finden, weil sie von Anfang an hatten, und +Viele, die suchen, finden niemals. Schrecklich und scharf ist es, wie ein +Schwert, das durchbohrt, suesse Milch, die ganz junge Kinder trinken." + +Er war aber auf einem Schiff, wo er dies sagte, dass er sich uebersetzen +liesse von einem Ufer zum andern. Und es war ein Mann neben ihm, der ein +Tuch mit Samenkoernern eingebunden hatte, die er saeen wollte auf seinem +Acker. + +Er sprach zu ihm: "Gieb mir von Deinen Koernern." + +Der Mann sprach: "Nimm so viele, wie Du willst?" + +Er nahm eine Handvoll und streute sie auf das Wasser. + +Sprach der Mann zu ihm: "Wie kannst Du solches thun, so doch das Wasser +die Samen nicht haelt und austreibt?" + +Er sprach: "Sollen sie keimen, wird es sie schon tragen, wo sie Wurzel +finden. Die Erde ist nicht besser denn das Wasser. Wo ein Same leben soll, +muessen tausende sterben." + +Und es war ein Buckliger auf demselben Schiff, der war ganz verwachsen. +Alle Knochen seines Leibes standen schief und sein Gesicht war scheusslich +anzusehen mit schielenden Augen und einer platten, queren Nase. + +Derselbe sprach zu ihm: "Meister, es ist recht, was Du sagst, dass alle +Menschen gleich sind, und ist nicht Einer schoen und der Andre haesslich, +Jener klug und Dieser thoericht. So sage auch diesen, dass sie mich schoen +finden, und lobe meine Verwachsenheit, die keine Missgestaltung mehr ist." + +Er sprach zu ihm: "Was habe ich mit Dir zu schaffen? Ganz haesslich bist Du +und schauerlich anzusehen. Was wagst Du zu hoffen von der Schoenheit, die +Du beleidigst, und woher kommt Dir der Muth, der Du feige bist und ganz +niedrig." + +Trieb ihn von sich mit harten Worten und sah wieder in den Fluss, darin +die Landschaft sich spiegelte im klaren Wasser. + +Aber sie hoerten es nicht gern. Die, die das hoerten, fuhren fort, das Volk +zu reizen zur Gewalt, um die Machthaber umzustuerzen, oder System und +Lehrsaetze zu erfinden, die Alles gerecht machen sollten, dass Jeder seine +Fuelle haette, kein Unfrieden mehr sei in der Welt. Diesen liefen Viele zu. +Sie hatten ein grosses Gefolge hinter sich, die sagten: "Morgen kommt der +grosse Zusammensturz. Wir werden dann essen, die wir jetzt hungrig sind. +Wir werden herrschen, die dienen. Wir sind Viele und sie sind Wenige. +Lasst uns uns zusammenrotten und laut schreien, dass wir sie uebertaeuben +und ihre Stimmen mit unseren Stimmen, die zahlreicher sind und lauter +schreien." + +Gewaltig erscholl die Stimme Fritz Kuhlemann's aus der grossen Stadt. +"Gebt Eure Gueter und verlasst Eure stolzen Palaeste! Gebt Eure Macht auf, +Ihr Herren und Regierenden! Lasst uns gute Gesetze haben und nicht mehr +unsre Frauen und Maedchen verkaufen zu Laster und Unzucht! Wir wollen keine +Kriege mehr und keine Hungersnoth. Wir wollen Alle arbeiten und essen. +Einer soll sein wie der Andre, Keiner Koenig und Keiner ein Bettler. Unsre +Frauen sollen gleichgeachtet sein wie wir und unsre Toechter wie unsre +Soehne. Wir wollen gluecklich sein auf dieser Welt und Kinder zeugen. - Denn +was nachher kommt, wissen wir nicht, Niemand kann an gegen den Tod." + +Ein junger Mann kam zu dem Fremden. Er wollte mit ihm ueber seinen +Seelenzustand sprechen. + +Er sagte: "Ich habe immer ein untadeliges Leben gefuehrt. Von Lastern und +verbotnen Dingen habe ich mich ferngehalten. Ich habe versucht, meinen +Geist zu bilden mit allem Wissen und der Bildung unsrer Zeit. Ich habe +meine Lehrer in Ehrfurcht gehalten und meinen Eltern gehorcht. Gegen +Niedrigstehende bemuehe ich mich hoeflich und gerecht zu sein. Es fehlt +meinen Leuten an nichts. Sie haben ihre Gebuehr und ueber Gebuehr. Ich bin +allgemein angesehen und hochgeachtet. Wenn ich ein Weib nehmen will, wird +Niemand zoegern, mir seine beste Tochter anzuvertrauen. Ich werde sie +unschuldig, wohlgebildet und von gutem Ruf nehmen, wie ich selber bin. Es +klebt kein Staeubchen an meinem Vermoegen. Alles ist auf ehrliche Weise +erworben und von meinen Voreltern langsam erarbeitet. Kein Blutrichter +faende einen Flecken daran. Niemand ist von mir um einen Pfennig betrogen. +Dem Staat zahle ich puenklich, was ihm zukommt. Ich betheilige mich an +allen Wohlfahrtseinrichtungen und gemeinnuetzigen Anstalten. Die Leute auf +meiner Besitzung sind gluecklich gepriesen von Allen. Sprich nun selbst, +bin ich vollkommen so und nach Deinem Sinn?" + +Er sprach: "Du sagst, dass Du Gueter hast. Nimm Deine Gueter, den letzten +Pfennig, den Du besitzest, und gieb ihn den Armen, den Bettlern und den +Hunden." + +Der junge Mann ward sehr traurig und ging von ihm. Er sah ihm lange nach, +denn er war ein trefflicher junger Mann, licht und schoen von Ansehen, der +das Gute suchte. + +Darauf sprach er: "Der Reichthum ist schlimmer denn die Wollust, die +Wollust giebt fuer Andre. Er denkt nur an sich. Auch thut der wohl eher +Busse, der grobe Suende thut, denn der angesehen ist vor aller Welt und +niemals fiel. Ach es ist schwer! schwer fuer einen Menschen, der viele +Gueter hat, dass er das Gute finde!" + +Nun sprach Jemand aus seiner Umgebung zu ihm: "Was nuetzt es den Armen, so +Einer giebt? Es kaeme wenig auf Alle. Morgen waere dasselbe wieder, dass +Einige nichts haetten und Andre mehr." + +Er sprach: "Es ist nicht um der Armen willen. Wenn er es auf's Meer wuerfe, +die Wellen truegen es fort, waere es ihm ebenso gut. Siehst Du nicht, dass +seine Gueter wie eine Mauer stehen zwischen seinem Thun und dem freien +Wollen seiner Seele? Alle seine Liebe bleibt eingeschlossen und wird +ersticken in ihm, ohnmaechtig und schlaff werden. Nur weil er reich ist. - +Der Arme liebt wohl leichter. Er hat dafuer Neid und Niedrigkeit als seine +Feinde. Die Seelen, auf denen das Joch lange liegt, werden niedrig. Und +die wahre Liebe ist stolz und eine Koenigin. Aber die begehren, sind +Sklaven. Nur der nichts mehr begehrt, ist ein Vornehmer und ein Fuerst." + +Wenige verstanden dies und Viele murrten darueber. Einige sagten, er liebt +nur die Armen. Die Andern fanden, dass er ein Reactionaer sei und es mit +den Hohen nicht verderben wollte. + +Es gefiel ihnen auch sehr, ihm schwierige Fragen zu stellen, weil sie ihn +fangen wollten in den Antworten. Und er schickte sie ihnen zurueck, fragte: +Was _willst_ Du thun?, dass sie selber sich antworten mussten, beschaemt +standen in ihrer Nacktheit und List. + +So war ein Mann, der ein Eheweib hatte, die ihn betrog. + +Er kam zu ihm und fragte, ob er ihr verzeihen sollte? "Das Gesetz erlaubt +mir, mich von ihr zu trennen, sie zu strafen an Gut und Habe. Die +allgemeine Meinung und meine Staerke wuerden mir wohl gestatten, sie zu +toedten. Das erste ist Gerechtigkeit, das zweite Rache." + +"Und Deine Liebe?" + +"Aber sie hat meine Liebe verrathen. Alle Zaertlichkeiten, die ich ihr +erwiesen habe, sind vergessen. Sie hat Kinder von mir gehabt. Ich habe ihr +Ehre gezollt als dem Oberhaupt meines Hauses. Ihre Schoenheit erfreute +mich. Ich gab ihr genug, um sich zu schmuecken. Keiner ihrer Wuensche, den +es in meiner Macht war zu erfuellen, blieb unerfuellt. Ich liebte ihren +Verstand, ihre Art sich auszudruecken, die Weichheit ihrer Stimme, die +Liebesbezeugungen, die sie mir erwies, und dadurch Neigungen in mir +erweckte, ihre Schuechternheit und Huelflosigkeit selbst." + +"Und ihre Seele? - Hast Du ihre Seele geliebt? Was in ihr schwach war und +arm und nach Huelfe schrie? Ihre Zoegerungen, den Glauben an Dich, Deine +Vollkommenheit, die nicht war, diese verzweifelte Liebe, die im Fleisch +suchte, was in Deiner Seele fern von ihr war, - Deine Seele, die sich +nicht mit ihr vereinigen konnte. Die sie in die Arme eines Andern fliehen +machte, der sie noch ungluecklicher liess? - Diese arme, nackte frierende, +beschaemte Seele, hast Du sie geliebt?" + +Auch der verstand ihn nicht. Viele Leute sagten nun: "Er ist nachsichtig +fuer die Suenden des Fleisches. Huren und Luestlinge sind ihm recht." + +"Die Suenden der Wollust sind traurig," sagte er. "Sie tragen ihre Strafe +in sich. In dieser Traurigkeit, die nachher kommt von der Unvollkommenheit +der Liebe, dass es nur wieder Unvollkommnes ist, was sie gebaert. Die +Unreinheit ist das Gift, das Alles vergiftet, das ihr naht. Es giebt keine +Schoenheit mehr fuer den, der faul sieht. Sie lieben nicht, die sich der +Leidenschaft hingegeben haben. Das ist eine eiternde Krankheit, +Wuermerfrass der Seele." + +"So waere es also besser, ganz keusch zu sein, keine Kinder mehr zu zeugen +und dass die Welt aufhoerte?" fragte Einer. Er war ein Mann, der im Laster +gelebt hatte, und er wollte ihm eine Falle stellen, um zu sagen: "Welch' +ein Unsinn!" + +Er sah ihn lange an. "Was weisst Du von der Keuschheit? Das ist die weisse +Blume des Paradieses, das erste Gewebe aus den Strahlen der Morgenroethe. +Wenige sind ihrer theilhaftig. Und ob sie nackt gingen durch den eklen +Sumpf, er befleckte sie nicht. Alle Schande und Schmach kann ihnen nichts +anhaben, _denn sie schaemen sich nicht_. Das ist das Hoechste, sich nicht zu +schaemen. Weil die Scham in uns ist von der Suende." + +Aber Viele wollten, dass er sich deutlicher erklaerte. + +Er that es nicht: "Vielleicht begreifen nur sie es, die das Andre gekannt +haben, durchgegangen sind durch den feurigen Ofen und im Feuer wieder rein +wurden. Die irdische unvollkommene Liebe ist in sich ein Abbild der +andern. Sie giebt die Sehnsucht. Die Sehnsucht schafft neues Leben - immer +neues! Sie sind wohl die Ungluecklichsten, die nie geliebt haben. Sie sind +unfruchtbar." + +Manche haetten gehofft, dass er mehr darueber sagte. Aber er hielt seinen +Mund geschlossen und sprach nicht mehr den Tag. + +So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen Fragen. "Ich habe meinem +Nachbar Geld geliehen. Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im +Recht oder ich?" + +Er sprach: "Warum forderst Du es?" + +Es entstand da ein ganz laecherlicher Disput ueber die Ehre. "Wenn Einer +mich geschlagen hat, muss ich ihn wieder schlagen?" + +Er sprach: "Ein Schlag und noch ein Schlag sind zwei Schlaege. Machst Du +ein Loch damit zu, dass Du es doppelt weit einschlaegst?" + +Aber in seinem Herzen wurde es traurig ueber sie. Und er that seinen Mund +auf und fing an zu wehklagen. + +"Arme! die Ihr reich seid, und Eure Gueter fressen Euch selbst, Geiz, Neid +und Habsucht! Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, der zu wenig +hat, und fuer jedes Ueberfluessige, das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein +Andrer Mangel. + +"Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhaeuser und sammelt fuer +Wohlfahrtsanstalten: Dies thue ich - und wollt Lob Eurer Nachbarn und +Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr nicht genommen habt zuvor, +was brauchet Ihr zu geben? + +"Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet fuer die Freiheit Eurer +Brueder, Gesetze, Unterricht und Buergerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, +wenn Ihr nicht Unfreie gemacht haettet zuvor, Eure Seelen nicht in Banden +waeren des Geizes, des Trotzes, des Hochmuths, der Luege, der Traegheit und +der feigen Angst? + +"Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch hochbaut vor den Leuten, +dass sie Euch anstaunen moechten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom +Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag kommt, dass man Euren Leib zu +Grabe traegt, Eure Seele war todt in Euch lange vorher. + +"Ihr denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr nicht mehr. Das Gesuchte +ist weiter von Euch, denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft die +aeussre Wunde zu und der Brand frisst fort inwendig. Ihr seid stolz in +Eurer Erkenntniss, Eurem Wissen, koestlichen Kleidern um Eure Nacktheit. +Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der Frost. Ihr erstarrt unter dem +faulen Schimmer. Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure Groesse +die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen aufwirft. + +"O Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Unglaeubigen! Wie ungluecklich seid Ihr +in Eurem Gluecke! Wie erbaermlich in Eurem Stolz! + +"Die Kinder und Unmuendigen werden wissen vor Euch, die Kleinen, die Ihr +verachtet habt. Das Lamm wird staerker sein denn der Loewe, der laut bruellt. +Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares wird Koenigreiche leiten, die der +Eisenfuss zertritt. + +"Wehe Euch! Wehe Euch! + +"Die Pflanzen wissen, die Felsstuecke. Die Wasser, die ihren Weg laufen. +Alle Sterne, die gehen in ihrer Bahn. + +"Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. Ihr koennt nicht, die Ihr stark +seid. Die wollen, werden niemals erreichen. Die kaempfen, siegen nicht." + +Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn zu erhaschen. Aber er ging +mitten durch sie hindurch und entwischte ihnen immer. + + + + + + DAS ZWOeLFTE KAPITEL. + + +Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht. + +Er war aber ein sehr vornehmer Mann des Landes, der Vornehmste und +Reichste im ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhuellt, dass +Niemand sein Gesicht erkennen konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine +Gestalt, dass es unmoeglich war zu sagen, ob er klein gewachsen war oder +gross, breit oder schlank. Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. +Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener huetete sein Pferd, +waehrend er hinaufgegangen war, mit ihm zu sprechen in der Nacht. + +Die Nacht war stuermisch und sehr finster. Man hoerte den Wind brausen. Er +trieb die nassen Zweige der Baeume in grossen Packen gegen die Fenster, +dass es klatschte und prasselte. Der Wind war gewaltig. Er fuhr ueber die +Erde in einem weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe die Erde +fegte. Oben blies er in die Wolken. Sie flohen eilig wie wollige, +furchtsame Schafe durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse Fetzen +und jagte sie fort. Er freute sich, dass er so allein draussen war zu +herrschen, orgelte sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes und der +Herausforderung ueber die Erde. + +Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens und war ueber die See gefahren +und sein Mantel hatte die Kaemme der Wogen aufgepeitscht, dass sie nach ihm +schnappten und sich ueberschlugen in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, graue +Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die grossen Wogen unter dem Winde. +Aber sie fingen ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal packte er sie +und wirbelte sie im Tanze, rund, rund, um einen spitzen, kreiselnden +Trichter in der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt sie in +glatten, gekeilten Furchen wie der scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann +entschluepfte er ihnen wieder, sich ueberschlagend in der Luft. Sie machten +verzweifelte Spruenge und warfen sich ihm nach an den Strand wie ungefuege +Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden Leibern. + +Aber er lachte nur und schrie lauter und floh davon. + +Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, den die Menschen gebaut hatten, +um der Fluth zu wehren, dass der Leuchtthurmwaechter erschrak in seinem +Herzen: Ich will die Laterne fester stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er +blies dem Waechter die Capotte vom Gesicht und schrie laut auf vor seinem +Fenster, wie ein Meervogel mit schwarzen, schlagenden Fluegeln. Dann fuhr +er weiter. + +Er blies in die weissen Segel der kleinen Fischerbarken, dass sie +umschlugen vor dem Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. Und +er probte den stolzen Oceandampfer, der ruhig weiterschiffte in seiner +geraden, majestaetischen Bahn. + +Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und machten die Laeden fester zu. +Sie dachten mit Sorge an die Schindeln auf ihren Daechern, die schlechten +Strohdecken der Scheunen. Der Wind fegte die Schindeln herunter. Er hob +das Strohdach auf und fuhr in die Scheune, dass Alles aufstob, +durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel in den Huehnerstall faehrt. + +Hui - hui - machte der Sturmwind. + +Im Gebirge koepfte er die Tannen und schleuderte sie kopfueber den Abhang +hinunter. Von der offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss er +grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die blanken Eisenbahnschienen +mitten auf den Damm. Er polterte an den Pfeilern der Bruecken und peitschte +die Weidenruthen am Ufer, die sich bis auf die Erde bogen, der Wind ist +ihr Herr. Er war furchtbar. + +Ueber die Staedte der Menschen fuhr er. Sie schlossen die Laeden vor und +zogen sich die Nachtmuetzen tiefer ueber die Ohren: Es ist Sturm draussen +und gut, dass wir nicht im Freien sind. - Wo er Einen fand, der draussen +war, schuettelte er ihm die armseligen Fetzen vom Leib und kaeltete ihn +durch, dass der Frost in ihm blieb. Denn der Sturmwind war schrecklich und +ein Feind der Menschen. + +Durch den Sturm und die Nacht ritt der einsame Reiter. Sein Gesicht war +dicht verhuellt im Mantel. Sein Pferd schritt schnell, ausgreifend, mit der +Regelmaessigkeit schoener, geuebter Edelthiere. Der Sturm versuchte ihm den +Mantel vom Gesicht zu zerren. Aber er huellte sich nur noch dichter hinein. +Ganz schwarz sah er aus. Wie ein schwarzer Schatten ritt er durch die +Nacht unter dem heulenden Sturmwind. Der Diener folgte, stumm, wachsam, in +einiger Entfernung. + +Der Reiter hoerte dem Concert des Windes zu. Es war ihm, als bildete es +eine sehr hohe, erhabne und brausende Melodie. Aber er war zu weit +entfernt und zu niedrig. Er konnte nicht verstehen, was der Sturmwind +sang. + +Es war ein Lied vom Krieg, von Trompetenrufen und Pferdegetrappel, von +wehenden Fahnen, Kanonendonner und knatterndem Gewehrfeuer - dann der +Hurrahschrei des Siegers. Einer ritt allein im strahlenden Adlerhelm. Die +Sonne seines Helms warf Strahlen. Ein weisses Pferd schritt unter ihm. +Alle schrieen: Heil! Heil dem Sieger, dem grossen Koenig unter den +Menschen, dem Gewaltigen! + +... Es war der Orgelklang eines Doms. Alle Glocken laeuteten. +Festguirlanden hingen. Frauen wehten mit ihren Tuechern. Weissgekleidete +Maedchen trugen Blumen und sangen. Endlos war der Zug der Festtheilnehmer. +- Der Hermelin hing um seine Schultern. In schweren Falten umfloss ihn der +Purpur. Er schritt die Stufen zum Altar hinan. Hinter ihm rauschte der +Mantel. Das Schwert stiess klirrend gegen den Marmor und der Priester im +Ornat hob die lichte Krone, den wundersamen Reifen ohne Anfang, ohne Ende, +wie die Schlange, die den Weltkreis haelt, funkelnd im Schmuck der +Edelgesteine - des Rubins, der das Blut ist, Topase, koestlicher als Gold, +der Herrschaft, und Smaragden, funkelnde gruene Augen der Edelkatze. - Und +er war es, der gross und reich war, der Koenig war. + +Lieder von Ruhm und Macht sang der Sturmwind. Der einsame Reiter in der +Mitternacht hoerte ihm zu. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhuellt und +ritt schnell, dass Niemand ihn kennen konnte. + +Als ein Fremder zu dem Fremden kam er mitten in der Nacht. + +Draussen tobte und fauchte der Sturmwind. Er strich dahin mit dem tiefen, +surrenden Ton zu stark gespannter Saiten. Die Luft schwang und zitterte +nach seinem Roehren. Die Erde aus ihren Eingeweiden antwortete gleich dem +vibrirenden Resonnanzboden einer Violine. + +"Es ist Sturmwind und sehr finster," sagte der schwarze Reiter. "Ich bin +zu Dir gekommen, um mit Dir zu sprechen ueber Dinge, die gefaehrlich sind zu +nennen und sehr geheim. Darum komme ich in der Nacht. Sie ist furchtbar, +diese Nacht!" + +"Es giebt einen Morgen," sagte der Fremde. "Das Licht wird sehr hell +kommen. Wir werden Morgen haben bald." + +"Ich darf den Morgen nicht sehen. Ich habe grosse Eile, und dass ich hier +bin, darf Keiner wissen. Das Licht nicht und nicht der weisse Nebel des +Morgens, der dem Hahnschrei vorangeht. Durch die Nacht und den Sturm bin +ich gekommen, weil es Nacht ist und Sturm in mir. Hoerst Du die Weisen +draussen? Es sind alle Geister der tollen Vergangenheit, die los sind. Sie +singen mir von Stolz und Sieg und Macht. Ich sehe sie Alle, die dies Haus +umkreisen und mit mir hierhergezogen sind. Sie tragen Ruestungen von Eisen +und gehen langsam vorueber. Die Letzten haben Purpurmaentel und Einige +reiten auf herrlichen Pferden. Einer traegt sein Haupt unter seinem Arm. - +Warum sind sie grauenhaft und traurig wie diese?" + +"Sie haben getoedtet," sagte der Fremde. "Sie haben genommen. Sie haben +geraecht und gerichtet." + +"Aber Viele haben Gutes gethan. Sie haben Ordnung gestiftet. Sie haben +geschafft. Die Kraft ihres Hirns haben sie gegeben und die Staerke ihres +Arms. Sie waren Vaeter und Erbauer." + +"Des Vaters Amt ist ein schweres. Viele fuehrt in die Irre, der als ein +Fuehrer selber irrt. So er dieser Geringsten einen aergert, besser waere es +ihm, er verloere Leben und Leib. Der Baumeister, der nur einen Stein falsch +waehlt, gefaehrdet den Bau." + +"Das ist schrecklich. - Sie waren Erwaehlte unter den Menschen. Die Gnade +von oben hat ihnen geholfen." + +"Es ist schwer, dass ein Reicher das Himmelreich finde," sagte der Fremde. +"Die Gnade wird dem Demuethigen." + +"Man kann demuethig vor Gott sein und stolz vor den Menschen. Gott hat +Koenige eingesetzt." + +"Einen. Er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegen sollte und ward in der +Krippe gebettet." + +"Du denkst also, dass es ein Unrecht ist, ein Grosser dieser Welt zu +sein?" + +"Es stehet geschrieben: Wer unter Euch will ein Herr sein, der sei Aller +Knecht." + +"Das ist bildlich gemeint," sagte der Reiter. "Wer dem Ganzen dient, ist +Aller Knecht." + +"... Und er nahm seinen Schurz und wusch ihnen die Fuesse," sagte der +Fremde milde. + +"Das ist doch auch nur symbolisch." + +"Du glaubst, dass das Kreuz ein Symbol ist?" Der Fremde laechelte - ein +trauriges Laecheln. Man sah eine Qual von zweitausend Jahren, versteinert +gleichsam, wie lange gestorben, die lebte. + +Der Reiter sah ihn ungewiss an. Er zitterte. Der Sturmwind draussen blies +zum Umwerfen. Und es war sehr finstre Nacht. + +"Gewissermaassen ja. Das Leben ist eine Art Kreuz. Wir haengen am Kreuz. +Jeder, der den Kampf des Lebens ficht. Auch Unsereiner hat in sich zu +kaempfen, mehr denn Andre. Du sagtest schon, die furchtbare Verantwortung. +- Auf Einen faellt der Fehler. Es ist schwer, Recht zu scheiden vom +Unrecht. Fuer dieses schwere Amt muesste man Vorrechte haben. Wer wollte +freiwillig es auf sich nehmen?" + +"Glaubst Du, dass es Keiner moechte?" + +Der Reiter verwirrte sich. "Es muss doch sein, um der Ordnung willen. Es +ist besser, dass das Festgefuegte bleibt. Einer, um den kein Kampf ist, der +den Ehrgeiz nicht kennt, Neid, Niedrigkeit. Das Alles haftet dem +Emporgekommenen an. Der Purpurgeborne kennt es nicht. Ist er nicht edler?" + +"Gottes Sohn hatte zu seiner Rechten mehr denn zehntausend Legionen Engel. +Er liess sich binden und kreuzigen." + +"Er war der Edelste. Das ist nicht menschlich, das ist goettlich." + +Eine lange Pause entstand. Der Fremde hielt das Haupt geneigt. Es waren +auf seiner Stirn rothe Spuren wie von Schaerfen, Spitzen, die eingedrungen +waren. Er hatte Narben in den Haenden. Ein Schmerz, wie von einer schweren, +nie geheilten Wunde schien in seiner Seite zu wohnen. Er legte die Hand in +seine Seite. Er seufzte. + +"Und wenn ich es thaete?" fuhr der Reiter fort. "Wer haette den Vortheil? +Ein Andrer, der kaeme und schlimmer waere, vielleicht weniger tief angelegt, +- ein Leichtfertiger. Ein Tyrann. Wem waere geholfen? Und was ist Einer?" + +"Einer war und er that." + +"Selbst dieser Eine ...? Ist die Welt besser geworden? Die Formen der +Unterdrueckung haben gewechselt. Vielleicht sind sie weniger roh. Sind sie +darum weniger grausam? Ist Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit verschwunden? Er +war Gottes Sohn und starb vergebens. Wer bin ich?" + +Der Wind hatte einen neuen Einlass gefunden. Er stiess hinein wie in eine +Trompete. Ein Fensterglas zersplitterte. Es klang wie Gelaechter, das +Lachen von tausend Kobolden und Daemonen. Der Fremde antwortete nicht. + +"... Es koennte sein, dass Umwaelzungen kaemen," sagte der Reiter, +"allgemeine, durch einen Umschwung des Denkens erzielte, langsam +vorbereitete. Vielleicht kommt es so? Ich weiss nicht. Wem ist es gegeben +zu erforschen? Man muss bleiben, wo man hingestellt ist, sich genuegen +lassen, sein Bestes zu thun. Unsre Einsicht ist unvollkommen. Langsam nur +geht die Zeit. Ich bin nicht ein Erloeser. Nicht ein Genie ... Ich thue +meine Pflicht." + +Er hatte seinen Mantel wieder umgenommen. Er rief nach seinem Pferde. +Diese ritten hinaus wieder in die Nacht. + +Ueber ihren Haeuptern fegte der Sturmwind. Er sang wilde, triumphirende +Weisen. + +Hoiho - hoiho - triumphirte der Sturmwind. + + ------------------------------------- + +Er ging allein fort, bis er an einen grossen Wald kam und setzte sich +daselbst auf einen Stein. + +Es war ein sehr alter Wald aus lauter hundertjaehrigen Baeumen, Eichen mit +seltsamen verknoteten, verknoecherten Staemmen, die da wie Vorweltriesen +standen. Unten waren sie schon abgestorben, aber oben trieben immer wieder +frische gruene Zweige mit krausen Blaettern und Eicheln. In einige war der +Blitz gefahren. Sie trugen seine Spur wie ein breites kohlschwarzes Band +vom Wipfel zur Wurzel. Da war alles Leben versengt, aber die andre Seite +gruente noch und breitete Aeste. Alle standen da in einem geheimnissvollen +Kreisring. Nicht zu nahe bei einander, weil sie sich sonst gestoert haetten +im Wachsthum. Um den engeren Ring lief jedesmal ein weiterer. Seine Staemme +standen in den Zwischenraeumen zwischen denen des Ersten, so dass es von +innen anzusehen war wie eine hoelzerne geschlossene Ringwand, aus lauter +Staeben, dass man nicht unterscheiden konnte, wo der Wald aufhoerte oder +anfing. Aber zwischen den einzelnen Kronen fiel breit der blaue Himmel +durch. Der Boden war mit hohem, gruenem, sehr feinem Gras bewachsen. Man +konnte gehen in den Abstaenden der Ringe wie in einer Wandelbahn. Es war +schattig und doch hell. + +Die Rinde dieser Baeume war rauh, borkig, mit starken, eingeborstnen +Abschilferungen wie die maechtigen Dickhaeuter. Moose wuchsen aus ihr in +grauen Haengebaerten. Knoten und Buckel hatte das Alter gebildet, +schwaerzliche Warzen, in denen die Saefte sich schwaerend stauten. Die Aeste +kamen wieder, verrankten und verschlangen sich in seltsamer Weise. Keine +Regel schien da mehr zu herrschen, nur Laune, grimmige, kauzige Spottsucht +des Alters. Die Wurzeln liefen sehr lang mit Knollen und Armen. Sie +veraestelten und verwoben sich auch ineinander. Einige Staemme hatte man +abgehauen. Aber die Stuempfe waren geblieben. In deutlichen Ringen stand +ihr Leben geschrieben. Kleines Buschwerk, Gepilze, schoss und trieb um die +Todten. Man sah ihre Wurzeln, die weiss wurden, abstarben. Doch maechtig +mit starken Fibern und Adern wie Gespinnste einer untergegangenen +Hexenwelt. + +Grosse Steine von alten Heidenzeiten her lagen in der Runde. Jedermann +wusste, dass man diese Steine nicht anruehren durfte. Es lagen grosse +Helden der Heiden darunter begraben und sie waren blos verzaubert und +nahmen es uebel, wenn man sie reizte. Dann kamen sie hervor aus ihrem +Grabe, schlugen mit ihrer Zauberkraft Mensch und Vieh. Manche erzaehlten, +dass sie zu Zeiten ein weisses Ross da haetten grasen sehen, ohne Zaum und +Sattel, von wunderbarer Farbe und Sanftmuth. Aber wenn man es anrufen und +fangen wollte, wurde es schwarz, Feuer spruehte aus seinen Nuestern. Das war +das Schlachtross des Heidenkoenigs. Auch von einer wundersamen Frau +erzaehlten sie. Er hielt sie dort gefangen mit sich im Tode, die im Leben +seine Braut nicht gewesen war. Denn zu den Zeiten waren Maenner; solcher +liess ein Weib nicht und ob er sie im Sturm geraubt. Der alte Heidenkoenig +hielt sie im Grabe, und des Nachts stand sie auf und ging zu ihrer +eigentlichen Heimath und ihren Kindern, dem weisen, guten Koenig, dem sie +angehoerte. - Aber des Nachts und wenn es finster war, hielt sie der Andre, +der sie geraubt mit seinem Leben. Und man fand, dass es so recht war im +Volke, weil er den Blutpreis gezahlt um sie. Es war darum im Herzen der +schoenen Frau, dass sie nicht widerstehen konnte, wenn er sie zu sich rief +auf sein hoellisches Bett des Nachts. + +Aber sie war unselig und klagte. Oft hoerte man ihre Klage widerhallen im +Mittag, zu Stunden des Tags, wenn die Luft lau und lind war. Sie klagte, +dass der gute Koenig, ihr Mann, gestorben war, alle ihre Kinder und spaete +Enkelkinder. Ihre Seelen waren zu Gott oder zum Teufel, je nachdem sie +thaten, recht oder unrecht gehandelt im Leben. Sie auch war laengst todt im +Leibe; nur ihre Seele konnte nicht sterben um der suendigen Leidenschaft +willen, die sie festhielt an dem starken Helden. + +Aus solchen Klagen der weissen Frau hatte man ein Lied gemacht. Knechte +und Maegde sangen es oft bei ihrer Arbeit. Es war ein Lied des Landes +geworden, von der armen Seele, die nicht sterben konnte, weil sie noch +immer liebte. Ihre Liebe war vom Teufel und starb doch nicht. Weil er so +stark gewesen war und so schoen, der tapferste Held der Heiden und ein +Wunder, der Koenig, vor den Leuten. + +Jedermann wusste, dass sie nie den Frieden finden konnte. Sie war wie eine +unselige Seele zwischen Himmel und Erde. Der Heidenheld kuesste sie heiss +und wach wieder, jede Nacht, wenn sie muede war und kalt, endlich sterben +wollte. + +Der Fremde sass auf dem Stein und schrieb in den Sand mit seinem Stabe. Er +folgte den krausen Runen der Wurzeln. Buchstaben und Worte bildeten sie, +seltsame Worte von tiefer Meinung. Er folgte ihnen in jede ihrer +fliehenden Curven, bis sie sich die Haende reichen, neues Spinnen begann. +Wo sie aufhoerten im Baumstamm, wurden sie sehr stark, wie starke Leiber +mannbarer Maenner, und standen wie Thuerme, die nichts umwirft. Der Blitz +war an ihrer Seite hinabgefahren. Er auch hatte seine Schrift gelassen. Da +war die Schrift des Blitzes, der Jahre, des Regens, uralter Zeiten. + +Ein Salamander schluepfte zwischen den Wurzeln vor, schwarz und gelb +gesprenkelt. Er sah den Fremden an mit blanken, klugen Aeugelchen, die wie +Kugeln aus seinem platten Kopfe sprangen. Man sagt von ihm, dass er fest +bleibt im Feuer. Wer den Salamanderkoenig faengt, steht unversehrt mit ihm +mitten in den Flammen, alle Schaetze der feurigen Tiefe sind sein. - Denn +der Molch ist der Koenig des Feuers, derer, die haemmern ohne Unterlass im +Gestein, Zwerge, neidischer, ungefueger Riesen und Drachen. Rothes Gold +hueten sie, funkelndes Edelgestein, unerhoerte Schaetze, von denen die +Menschen blind werden und roth sehen in bebender Gier. + +Eine schwarze Amsel kam und lief emsig hin und her. Sie blieb stehen und +horchte. Dann lief sie wieder, pickte anklopfend, neigte den Kopf und hob +ihn. Man sagt, dass diese Amsel Alles weiss, die Sprache der Voegel und der +Baeume, wie die tiefsten Sorgen und Geheimnisse des menschlichen Herzens. +Wer ihrer Weisheit zuhoert, vergisst Essen und Trinken. Wenn er zu sich +kommt, ist sein Haar weiss und sein Herz vertrocknet in ihm, wo er jung +war, lieben und lachen konnte, da er zum ersten Mal die teuflische +Weisheit der Amsel und ihren Spruch vernommen. + +Zwischen den Staemmen wob eine Kreuzspinne. Sie wob emsig, klebrige Faeden +ziehend und feuchtend mit hebenden Beinchen. Nach rechts und nach links +und in Strahlen von ihrem Mittelpunkt aus. Dann verbanden die Strahlen +wieder andre kreuzende Faeden. Auf und ab wob die Spinne netzend und +anziehend, wie sie Faden auf Faden spann. Die Kreuzspinne dachte: "Dies +Gewebe ist meine Welt. Ich habe es Alles allein gemacht aus mir selbst. +Hier haenge ich zwischen Himmel und Erde. Sie koennen mir nichts anhaben von +oben oder unten. Denn ich bin die Sonne, die scheint in der Mitte. Alles, +was auf ihren Strahlen laeuft oder sie kreuzt, ist mein. Sein Blut naehrt +mich. Ich werde fett und satt von ihrem Blut. Ich bin die fetteste +Kreuzspinne im ganzen Wald. Mein Gewebe ist unzerreissbarer wie die +starken Bastfaeden der Baeume." + +Der Fremde sass und zeichnete im Sand. + +Alsbald kam des Wegs ein sehr alter Mann, dem der Wald gehoerte. Er war so +alt, dass er nicht mehr gerade gehen konnte, sondern sich auf einen Stock +stuetzen musste. Aber sein Ruecken war breit und maechtig in dieser Kruemmung, +als ob er eine Weltlast tragen koennte. Sein Haar und Bart war schlohweiss, +von Schnee, der nie mehr schmilzt in ewigem Winter. In seine Haut hatten +die Jahre Furchen gegraben wie in einen Acker. Zaeh und hart war sie, von +der Sonne vielfach verbrannt, dass ihre Farbe der ungegerbten Leders glich +oder Pergamenten uralter Schriften. Wo die Adern sich unter ihr kreuzten, +bildeten sie starke, hervortretende Knoten. Sie liefen auf seinen Haenden +wie Stricke, versteinerte Gaenge einstiger Canaele, in denen kein Blut mehr +fliesst. Wohl hundertjaehrig war dieser Mann. Aber seine Augen gluehten und +leuchteten vom Feuer, das nicht stirbt. Wie Steine waren sie, die +erstarren machen die, die darauf sehen, staehlerne Spiegel, dass die Seele +und die geheimsten Gedanken des Mannes, den er anblickte, offen lagen +gleich einer Thuer ohne Hueter vor dem Alten mit den furchtbaren Augen. Wenn +er die Brauen zusammenzog, war sein Zorn so schrecklich, dass die +staerksten Herzen zusammenschmolzen vor ihm, ihr Wille war unter seinem +Willen wie eine zappelnde Maus, eine winzige, verwickelte und verwirrte +Fliege. + +Wer diesem Mann nahte, der verfiel ihm mit Leib und Seele. Und er nahm +ihre Leiber und sog ihre Seelen ein. Darum war er gross und stark, +wunderbar vor Allen und sehr alt, so dass die Leute ringsum sagten: Er +wird nicht sterben. Er aber wusste sehr gut, dass er sterben musste. Darum +huetete er den tausendjaehrigen Wald, liess keinen Stamm schlagen, dass er +stehen sollte, gruenen und Fruechte tragen tausend Jahre nach ihm. + +Der alte Mann ging auf seinen Stock gestuetzt und sein Hund folgte ihm. Es +war ein grosser, grauer Hund vom Geschlecht der Bulldoggen, die keine +Furcht haben vor Mensch oder Thier, riesenhaft und ausgezeichnet unter +Seinesgleichen, schwer tretend und sehr alt schon, wie sein Herr war unter +seinen Gesellen, Herren und Fuersten ringsher. Etwas vom Ausdruck des +Mannes war im Ausdruck des Hundes. Diese Beiden verstanden sich ohne Wort +oder Zeichen. Wo sein Herr ging, folgte ihm der Hund. Wenn er des Nachts +schlief, lagerte sich der Geselle vor seinem Lager. Es war unmoeglich zu +diesem Lager zu gelangen, ohne den Leib des Hundes zu beruehren, der +aufsprang, in einem einzigen Gurgelgriff den Eindringling beendigt haette, +dann legte er sich wieder nieder und leckte seine Tatzen. Denn so +furchtbar und gefaehrlich dieser Hund war fuer Menschen und Thier, so +gehorsam und gefuegig war er seinem Herrn, dass er das Wunderbare seines +Eindrucks erhoehte, der Ruhm des Hundes gross war wie der seines Herrn, in +dieser Gegend, wo man sie fuer Koenige hielt und Wesen ueber dem Maasse des +Irdischen und Staubgewordnen. + +Der alte Mann war vor dem Fremden stehen geblieben und sah ihn an. So +gross war das Feuer der Sehkraft in den Augen dieses alten Mannes, dass es +wie Flammen zuengelte und emporschlug an dem Andern. Einen Sterblichen +haette dieses Feuer verbrannt. Aber der Fremde sass ganz still, zeichnete +mit seinem Stab im Sande. + +"Wer bist Du?" fragte der alte Mann, dem der Wald gehoerte. + +"Ich bin Der, der gewesen ist und nicht stirbt." + +"Nichts ist gewesen von Anfang, und Alles stirbt," sagte der alte Mann. +"Es ist Niemand, der nicht stirbt." + +"Nichts, das gewesen ist, stirbt," sagte der Fremde. + +"Buddha ist gestorben, Alexander und Caesar. Was ist geblieben von ihrer +Weisheit, ihrem Glanz, ihrer Staerke?" + +"Die Amsel, die laeuft. Der Molch, der wacht. Die Spinne, die spinnt." + +"Du sprichst sehr thoericht," sagte der alte Mann. "Jene waren Helden und +Weise. Diese sind arme, geringe Thiere." + +"War ihre Weisheit vorsichtiger denn die des Vogels? Ihr Reichthum groesser +denn der der Eidechse? Ihr Werk bleibender als das der Spinne?" + +"Sie rechnet nach Tagen. Wir zaehlen Aeonen. Sein Reichthum ist Spukwesen. +Die Weisheit des Vogels ist der rohe Instinkt der Natur. Wir finden die +schwersten Regeln und loesen das Innere der Menschheitsgeschichte." + +"Euer Wesen ist Spuk und Eure Weisheit ist Spreu. Sieh, wie ich es +zerreisse!" + +Der Fremde schlug mit der Hand in das Spinngewebe und zerriss es. Die +grosse Spinne fiel. Er setzte den Fuss darauf und zertrat sie. Der +Salamander duckte sich unter die Wurzeln. Die Amsel entfloh huepfend. + +"Ich fuerchte den Tod nicht," sagte der alte Mann stolz. "Ich habe das +Leben getragen und es ist schlimmer zu tragen als der Tod. Allen Reichthum +und alle Macht habe ich gehabt. Und ich war ein Sklave, aermer wie der +aermste Tageloehner. Der Tag, da ich vor meinem Hause stand und Kohl +pflanzte, war mein gluecklichster Tag. Kaiser und Koenige habe ich gekannt. +Ich habe an ihrem Tisch gesessen und mit ihnen gegessen. Sie waren wie die +Gummibaelle in meiner Hand, Seifenblasen, die die Kinder auftreiben und +zerblasen. - An meinem Stab bin ich hierhergegangen. Ich habe die ganze +Welt besessen und konnte mein Thor zumachen vor der Welt, Eifersucht, +Noth, Neid, Hass habe ich getragen, Undank, der schlimmer ist wie der +giftige Zahn der Natter. Er hat mich nicht angefochten, mehr denn Jubel, +Ruhm, Liebe der Weiber, fluechtige Tropfen des Bluethenoels, die verfliegen. +- Hier bin ich ein sehr alter Mann. Die Zeit habe ich ausgehalten und ich +gruesse den Tod, denn ich bin muede vom Leben. In mir ist Alles todt, was +lebendig gewesen. Ich liebe die Welt nicht und ich hasse sie nicht. Alles +ist eins, und so gut als waere es nie gewesen. Wenn etwas nachher ist, +werde ich es tragen. Niemals werde ich gluecklich sein und niemals klagen. +Ich bin vom Geschlecht der Riesen hier, der Tausendjaehrigen. - Was bist Du +gekommen mich zu stoeren in meiner Oede? + +"... Ich habe Zeichen am Himmel gesehen," sagte der alte Mann, "und +Goetter. Es waren andre Goetter vor ihnen, groesser und gewaltiger als Du. +Sie hassten und liebten, sie sangen und schlugen. Vielleicht schlafen sie, +vielleicht sind sie todt. Lass mich schlafen bei meinen todten Goettern! - +Sie rafften und wussten und sammelten Schaetze und schufen Welten fuer +Zeiten und Jahre. Sie waren Goetter und sind wie Menschen. Ich gehoere zu +ihnen. Du bist nicht meiner." + +"Du wirst mich kennen." + +Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen und beschattete seine Augen +mit der Hand. Wie ein Schatten ging es ueber seine Augen. + +"Ich traeumte von Einem ... Es ist lange, lange her. Der da kommen +sollte ... Ich weiss nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? Du +bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod gesehen. Du bist ein Koenig und +kommst im Kleide des Bettlers. Du koenntest toedten und Du streckst die Hand +aus, um zu bitten. ..... Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie wir?" + +"Ich bin fuer Dich gestorben. Aus Liebe zu Dir bin ich Fleisch geworden und +ich habe gelitten. Es ist die Liebe, die mich lebendig macht vor Deinen +Augen." + +Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen drohten den Fremden zu +verschlingen. Sie bohrten sich sehr tief in sein Gesicht und schienen +seine Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: "Wohl - wohl - Du +bist gut und barmherzig. Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. +Ueber Schuld und Nacht - - Kannst Du lieben dahinueber?" + +"Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin in der Hoelle gewesen." + +"In der Hoelle ... In der Hoelle ..." Der alte Mann beugte sich noch weiter +vor. Seine Augen schienen sich hineinzufressen in die des Andern, zu +ringen - zu ertrinken. Er athmete hart. + +"Wo die Flammen steigen zum naechtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden - -" + +"Wo die Flammen steigen zum naechtlichen Himmel, die Starken schmachten in +Ketten und Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der Stolzesten +Stolzer ... Einer - -" + +"Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. Sieh mich an und verstehe!" + +Der alte Mann hatte einen Schritt vorwaerts gemacht. Wie ein Blitz an der +Eiche glitt er hernieder. So fiel er um und war todt. + +Der Fremde drueckte ihm die Augen zu. Er machte das Zeichen des Kreuzes +ueber ihn. Er lag da in seiner ganzen, riesigen Laenge, die tausendjaehrige +Eiche, die tausend Jahre gestanden hat und faellt. Der Hund hielt die Wache +neben dem Leichnam. Er sass still und gerade, den Kopf hochgerichtet, die +Vorderpfoten nebeneinander gestellt, wie steinerne und eherne Hunde sitzen +auf alten Grabmaelern. + +Der Salamander lugte aus seiner Wurzelspalte. Die Amsel huepfte und +beschrieb seltsame Kreise. Die Spinne wob ihr Netz. + +Niemals wieder im Zauberwald hoerte man die Klage der weissen Frau. + + + + + + DAS DREIZEHNTE KAPITEL. + + +Es begab sich aber, dass Einer gestorben war, den er lieb hatte. Dessen +Verwandte und Freunde kamen zu ihm und sagten: "Dein Freund ist todt. Er +hat Dich geliebt und liebt nicht mehr. Er hat gesprochen und nun schweigt +er. Er ging und wandelte unter uns und er ist nun starr und stumm wie ein +Stein. Bald wird die Verwesung eintreten an seinem Leichnam. Wir werden +ihn begraben und unter die Erde senken muessen. Die Wuermer werden ihn +zerfressen, sein Fleisch, das faul und stinkend wird, die Knochen, dass +von ihm nichts uebrig bleibt. Pilze und lange Graeser werden wachsen aus +seinem Grab. Wo sein Hirn war, werden die Maden nisten. Ekle Larven werden +kriechen in der Hoehle seines Mundes, der lieblich toente von holdseliger +Rede, weil er lebte. Seine Mutter wird Niemand haben, der ihr Trost +bringt. Sie ist alt und kann nicht mehr ausgehen auf Arbeit. Seine +Schwestern werden sitzen und verwelken in ihrer Jungfrauenschaft. Denn wer +wird sie wollen, wo der Bruder fehlt, der Brot gab und Schutz? Ein grosses +Unglueck ist es fuer Alle. Du konntest helfen und halfst nicht. Nun ist er +todt. So Du nicht eilig kommst, wirst Du die Leiche nicht mehr sehen im +Tode. Der Dir lieb war, geht ein wie Gras, das verdorrt." + +Dies Alles hoerte er mit an, sagte nichts. Danach stand er auf und ging +sehr eilig, dass er den Todten noch saehe auf seiner Bahre, die Hand auf +sein Antlitz legte, ehe sie ihn zuschlossen im Sarge. + +Im Hause fand er Alles in schwerer Trauer. In einer Stube sass die alte +Mutter und wehklagte laut. Alle Weiber des Orts waren um sie, weinten und +halfen ihr ihre Thraenen trocknen. Waehrend sie laut die Tugenden des Todten +ruehmten, der ein vortrefflicher Sohn gewesen, voll Eifer und +Zuverlaessigkeit gegen seine betagte Mutter, der er die Haelfte seines +Verdienstes gab, dass sie friedlich und in Eintracht lebten in ihrem +Haeuschen und satt zu essen gehabt von dem, was er heimbrachte. + +So trostlos war die alte Frau, dass sie ihre Haare zerrauft hatte. Ihre +Kleider hingen unordentlich um ihren Leib, denn sie hatte sie mehrere Tage +und Naechte nicht abgenommen, waehrend er krank lag. Ihre Augen waren +geroethet vom Nachtwachen, ihre Backen eingefallen von Kummer, jaemmerlich +und huelflos die ganze Erscheinung. Sie weinte laut, schrie und wollte sich +nicht troesten lassen. Es war ihr einziger Sohn gewesen, der todt lag. Sie +hatte nur diesen und wuerde kinderlos bleiben hinfort. Ihre Toechter konnten +in die Ferne ziehen als Maegde. Manchmal wuerden ihr die Nachbarn eine +Unterstuetzung bringen als einer Bettlerin und Ueberlaestigen. Sie wuerde an +der Thuer stehen, wo sie frueher als Herrin gewaltet, aermlich sitzen, wo sie +im Mutterstolz geschritten neben ihrem Sohn. + +Die eine Schwester Martha ging ab und zu. Sie brachte warme Getraenke, +Wecken und Kuchen fuer die Leidtragenden, waehrend die Maenner Bier aus +Kruegen tranken, Branntwein hingestellt war in Flaschen. Das gebot die +Sitte. Diese Martha hatte das Hauswesen unter sich und war sehr tuechtig +darin. Ihre Wecken und Kuchen waren beruehmt im Dorfe. Das Bier, das sie +selbst braute, schmeckte kraeftig und suess, wie irgend ein gekauftes. Alle +assen und tranken reichlich, lobten Martha, ihre Ordnung und Fuehrung des +Hauswesens, wie sie Alles eingeleitet und gerichtet in dieser traurigen +Gelegenheit. Sie war bald hier und bald dort, fuellte die Tassen und Kruege, +schalt auf die Kinder, die anfingen das Brot zu verstreuen, sich die +Gesichter zu beschmieren mit Mus unter dem Tisch. Sie nahm einen Besen und +fegte sie damit hinaus Alle zusammen und gab ihnen Schlaege auf ihre +kleinen Roeckchen. Alle fanden, dass sie recht that, diese Martha ein sehr +tuechtiges Frauenzimmer sei. Es war ein oberster Bauer im Dorf, der sich +vornahm, sie als Haushaelterin zu dingen. Der Wirth vom Krug wollte sie +gleichfalls. Dieser war ein Wittmann und konnte heirathen. So dass wenig +Noth war um Martha, selbst wenn sie keine Aussteuer hatte, der Bruder +fehlte, sie wegzugeben. + +Maria aber, die andre Schwester, sass zu Haeupten des Todten in dem kleinen +Verschlag nebenan. Sie hatte einen bluehenden Kirschenzweig abgebrochen und +wehrte damit den Fliegen, die kommen wollten, sich auf das Antlitz des +Todten zu setzen. Wenn eine Fliege kam, scheuchte sie sie sacht hinweg mit +ihrem bluehenden Zweig, ohne sie zu toedten, dass sie aufflog und summend +gegen das Fenster stiess. Sie hatte Wiesenblumen gepflueckt, ganze +Armladungen voll, und sie zu beiden Seiten des Bettes geschichtet. Wie auf +einem lichten Fruehlingsanger lag der Todte, weil er jung war, +wohlgewachsen und schoen vor andern Juenglingen. + +Martha schalt ueber das unnoethige Heu, das die Kuehe fressen koennten. Sie +fand, dass die Schwester ihr helfen sollte in der Wirthschaft und bei der +Bedienung der Gaeste. Aber Maria blieb sitzen bei dem Todten. Sie hatte +ihren Zweig in der Hand und scheuchte sacht die Fliegen, waehrend sie vor +sich hinsang. + +Diese Maria hatte die Gabe der Lieder. Im Hause war sie nicht so geschickt +wie Martha, von weniger flinken Fingern, so dass jene oft schalt und ihr +Vorwuerfe machte. Sie konnte auch nicht ansehen, dass man Thiere und Voegel +schlachtete, wie Martha es that, trefflich davon zu kochen verstand. +Manchmal hatte sie der Schwester die blinkenden Fische wieder aus dem Netz +genommen und heimlich zurueckgetragen in's Wasser. Martha hatte gezankt, +ihre Hand geschlagen. Sie fand, dass sie unnuetz war und traege in der +Arbeit. Obgleich sie sehr schoen war, hoechst lieblich anzusehen, fragte sie +nicht nach den jungen Leuten im Dorf, die zwar gekommen waeren, unter ihren +Fenstern von Liebe zu schwaetzen, auch wohl ihre Armuth uebersehen haetten um +ihrer grossen Schoenheit willen. Ihre Schoenheit war wie die einer Koenigin, +nicht eines Bauernmaedchens. Wenn sie durch das Dorf zum Brunnen ging, +liefen die Kinder ihr nach, die Kuehe kamen mit breiten, weissen Stirnen, +sich streicheln zu lassen von ihr, zu saufen aus ihrem Eimer. Man sagte, +dass in ihrer Hand Heilkraft waere, die Pflanzen, die sie eingesetzt hatte, +schlugen an und bluehten. Ihre Lieder schlaeferten ein trotziges Kind ein. +Das wilde Blut wurde ruhig. Man vergass die Sorgen des Lebens, wurde +einfach, Lilien auf dem Felde, die bluehen in ihrer stillen Pracht, und +kleine Voeglein, die zwitschernd flogen ohne Sorge und Noth. + +Sie sass und stoerte mit ihrem Zweig die Fliegen. Sie sang leise. Sie war +gar nicht traurig. Ihr schoenes Gesicht blieb ruhig wie zuvor. Sie weinte +auch nicht; man sah keine Unordnung in ihrem Haar oder Kleid. Keine +Herdroethe lag auf ihren Backen, wie bei Martha, die fliegend stob, +scheltend, zaehlend, weinend wieder zwischendurch ueber den Bruder, der +fehlte, die Sorge, die in den Haushalt gekommen dadurch. Besonders +beklagte sie sich, dass Er, der sein Freund war, nicht dagewesen war bei +Zeiten. Er haette ihm ein Heilmittel geben koennen, wenigstens doch Trost +spenden an seinem Bett, eine Huelfe sein den geplagten Frauen. + +Es kamen immer mehr Menschen, denn die Zeit des Begraebnisses war nahe. +Alle assen und tranken. Es war eine grosse Unordnung. Man hoerte das Klagen +der alten Frauen, die die Tugenden des Todten aufzaehlten, die Kinder +spielten und trieben allerlei Schabernack. In den Staellen bruellte das +Vieh, das man vergessen hatte ueber dem Trubel, vor seinen Krippen. + +Mitten hinein da trat der Fremde. Martha stuerzte sich sofort auf ihn und +erzaehlte die naeheren Einzelheiten von der Krankheit und dem Tod. Die alte +Mutter erhob ihre Stimme sehr hoch in Schluchzen. Alle sahen ihn an und +draengten sich um ihn, denn sie wussten, dass der Verstorbne ihm sehr lieb +gewesen war. Sie wunderten sich, was er thun wuerde. Einige dachten auch, +er haette ihm helfen koennen: Was ist an ihm, so er nicht mal diesen retten +konnte, den er lieb hatte? Die Andern glaubten beinah an ein Wunder: Jetzt +ist die Gelegenheit fuer ihn. Wir muessen sehen, was er thut. Sie waren ganz +bereit zu glauben, wenn er den Todten erweckte, obgleich sie natuerlich +nicht zugaben, dass so etwas moeglich waere. Es war eine Aufregung in der +ganzen Gesellschaft und Alle sahen auf ihn. + +Er sprach: "Fuehrt mich zu ihm!" + +Martha fuehrte ihn in den Verschlag. Alle draengten nach durch die niedrige +Thuer. Aber er hiess sie die Thuere schliessen. + +So schloss sie die Thuer. Draussen warteten die Andern. Nur die alte Frau +fuhr fort laut zu wehklagen, ihre Tage zu verfluchen, dass sie lieber ihm +nachfahren wollte in die Grube, der ihr Leben gewesen, der Trost ihres +huelflosen Alters. + +Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte sich die Vorhaenge fortzuziehen: +"Sieh ihn Dir genau an und merke die Zeichen des Uebels, an dem er +gestorben ist." Sie beschrieb sie genau. "Nun ist es zu spaet. Wenn Du bei +Zeiten gekommen waerst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist es auch nicht +zu spaet? Du weisst sehr Vieles, und es ist Dir Macht gegeben ueber Kunst +der gewoehnlichen Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!" + +Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte in ihrem Herzen: "Wenn es doch +moeglich waere? Warum sollte es ganz unmoeglich sein?" + +Er sprach: "Lass mich allein mit ihm." + +So ging sie hinaus und schloss die Thuer hinter sich. + +Es war Niemand im Zimmer, denn er und Maria. Und die Leiche zwischen +ihnen, von der sie die Fliegen wehrte mit ihrem bluehenden Zweig. Denn sie +hatten ihn viele Tage liegen lassen um des Fremden willen. Der Leichnam +fing schon an sich zu zersetzen. Ein Geruch der Faeulniss war mit im Zimmer +zwischen dem frischen, kuehlen der Blumen, die Maria gesammelt hatte. + +Er war an das Lager getreten und sah den Todten an. + +"Er ist nicht todt," sagte er. + +"Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schlaeft blos," sagte Maria. Sie +fuhr fort den Fliegen zu wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, +sang sie, von der Spreu im Winde: + +"Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er bluehet wie eine Blume auf dem +Felde. + +"Wenn der Wind darueber geht, ist sie nimmer da und ihre Staette kennt sie +nicht mehr. + +"Sie gehen daher wie ein Schemen und machen sich viel vergebliche Unruhe. + +"Sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. + +"Wie ein Traum vergehet, so wird er auch nicht gefunden werden und wie ein +Gesicht in der Nacht verschwindet. + +"Unser Leben waehret siebenzig Jahre, und wenn es hochkommt, so sind es +achtzig Jahr, und wenn es koestlich gewesen ist, so ist es Muehe und Arbeit +gewesen; denn es faehret schnell dahin, als floegen wir davon." + +Nicht traurig klang es. Nur weich und sehr leise. + +"Er ist nicht todt und er hat nicht gelebt," sagte der Fremde. "Er wurde +nur geboren und nun ist er gestorben." + +"Ich weiss, dass er nicht todt ist und nicht gelebt hat," sagte Maria. +"Was lebt, ist unsterblich. Das Unsterbliche kann niemals sterben." + +"Niemals," sagte der Fremde. + +"Vielleicht ist er auf einem andern Stern jetzt," sagte Maria. "Vielleicht +ist er etwas sehr Hohes und Herrliches. Vielleicht ein Fliegeneichen. Und +der Wind fuehrt es fort. Oder Graeser wachsen aus ihm, die bluehen und Samen +tragen." Sie laechelte und scheuchte die Fliegen. Die Sonne stand schon +niedrig. Ein breiter Lichtbalken vom Fenster her zog sich quer durch die +Stube. Hunderte von glitzernden Staeubchen tanzten und webten. Sie stiessen +sich und kreisten. + +"Vielleicht," sagte der Fremde. "Nur er ist nicht todt." + +"Er ist nicht todt. Sie denken es blos. Sie sind thoericht." + +"Und blind. Sie sehen nicht." + +"Sie sehen nicht, weil sie hochmuethig sind und Scheuklappen vor ihre Augen +binden, um nicht zu sehen. Alles ist schoen. Alles singt. Alles lebt." + +Und froehlich sang sie in den Tag, der sich neigte: "Sie denken, dass die +Sonne untergeht. Sie geht nur weiter. Sie sehen sie nicht. Es wird Nacht. +Nach der Nacht kommt der Morgen. Ach, die Menschen sind ungeduldig und +unverstaendig! Wie kleine Kinder sind sie, die weinen, wenn es dunkel wird. +Still ist die Nacht. Lieblich und guetig." + +- "Moechtest Du den wecken, der schlaeft? Er schlaeft sanft und seine Lippen +laecheln. Moechtest Du purpurn haben, was weiss ist? Zuckend und fiebrig, +was so still ward? Fuehle, wie still es ist." + +Sie entfernte mit ihrer Hand das Hemd des Todten und legte ihre Hand auf +sein Herz. "Es schlaegt nicht mehr. Hoert darum der Ocean auf, seine Wellen +zu waelzen? Stoert es etwas im Wechsel von Tag und Nacht, vom Sommer zum +Winter? Arme Menschen! Wie ihre Herzen winzig klein sind! Und Froschherzen +sind noch kleiner. Aber eine Fliege hat auch ein Herz. In ihren Adern +fliesst Blut. Kleine Menschen, kleine Fliegen- und Froschmenschen! Wie sie +klein sind!" + +"Deine Mutter weint." + +"Ich habe eine Blume gepflueckt und der Stengel blutete. Das ganze +Wuerzelchen starb. Sie muss nun sterben. Sieh, wie die Blaetter haengen! Wie +sie traurig ist!" + +"Man koennte sie wieder einpflanzen." + +"Wozu? Es giebt so viele Blumen. Sie wird Staub werden, eine schoenere +Blume vielleicht. Vielleicht wird sie eine Koenigin. Sie moechte gar nicht +wieder eine arme, kleine Blume sein." + +"Die draussen verstehen es nicht." + +"Die verstehen es nicht. Sie sind ungeduldig, dumme, kleine Kinder." + +"Und ungluecklich." + +"Unglueck ist Ungeduld und Eigensinn. Es giebt keine Gefahr, wenn Du auf +dem Wasser liegst und Dich treiben laesst. Es traegt Dich mit sich. _Gegen_ +die Fluth bist Du ohnmaechtig. Sie verschlingt Dich. - Du kannst die Augen +schliessen und die Arme falten. So leicht - leicht schwimmt es sich! - +_Er_ schwimmt jetzt. Er tobt nicht mehr. Er ist nicht todt und ich lebe +nicht. Es ist Alles Eins - Alles ..." + +Die Abenddaemmerung war in's Zimmer gekrochen. Alles loeste sich auf, schien +zu schwimmen, emporgetragen zu werden. + +"Schatten! Schatten! ... Wenn Du aus der Ferne viele Stimmen hoerst, ist es +Alles nur ein Ton. Wir sind zu nah. Nicht ein Gedanke, der gedacht worden +ist, verschwindet. Was in den Schooss der Zeiten gesenkt war, traegt Frucht +und blueht in den Zeiten ewiglich. Das Leben der Zeiten ist die Ewigkeit. +Und alles Lebens Leben ist Gott." + +Da legte er die Hand auf die Stirn des Todten. Er sprach: "Leb wohl! Ich +sehe Dich jetzt nicht. Aber ich werde Dich sehen. Du bist nicht todt. Das +Leben ist in Dir nicht todt. Was Du mir davon gegeben hast, trage ich in +mir. Und diese Alle tragen etwas. Das Andre liegt gehuetet wie ein +kostbarer Schatz. - Den Winden - der Erde - dem Wasser" - er schlug die +Zeichen durch die Luft. - "Gott, der des Lebens Ursprung ist, von dem es +fliesst und zurueck fliesst. - Komm jetzt, dass wir ihn rasch begraben und +ein Ende machen." + +So gingen sie Beide hinaus, Maria und er, schlossen die Thuer hinter sich, +da der Todte lag. Es war dunkel bei dem Todten. Man merkte jetzt deutlich +den Geruch der Verwesung, in dem der welkenden Blumen, etwas von Blut, +Fleischfaser und schlechten, geringen Stoffen. Schlaff, mit geschlossnen +Kelchen hingen die Bluethen. Die Fliegen schwirrten. + +Die Andern, da sie diese Beiden so ruhig sahen, meinten sie, es waere ein +Wunder geschehen, dass der Todte lebte. Sie draengten nach in die Thuer und +Martha rief mit lauter Stimme ihren Bruder: "Du - Du - sage ob Du lebst?" + +Aber Maria sagte: "Lass ihn. Er ist nicht todt. Doch wir muessen ihn +begraben, denn es ist Abend und die Leiche faengt schon an stinkend zu +werden. Es waere uns schaedlich, ungesund, zum Schlafen in der Kammer." + +Martha sprach: "Wie sollen wir ihn begraben, so er doch nicht todt ist?" + +Sie sah den Fremden hart an, weil sie ihm zuernte, dass er ihren Bruder +nicht erweckt hatte, wie er wohl konnte nach ihrem Glauben. Sie mussten +Noth leiden forthin. Ihre Mutter wuerde ohne Stuetze sein fuer ihr Alter. Er +aber laechelte nur, winkte mit der Hand und ging hinweg ohne ein Wort. + +Dies nahmen Viele ihm uebel, Martha und die Frauen, die Neugierigen, die +auf ein Zeichen gewartet hatten. + +Maria aber war nicht traurig. Sie sang und schritt leicht dahin. Wenn man +sie fragte, ob sie nicht Leid truege um ihren Bruder, sagte sie: "Ich warte +auf ihn. Ich weiss, dass er nicht todt ist. Ich werde ihn sehen. Es ist in +sehr kurzer Zeit vorueber - Alles. Ich bin eilig, die Blume zu fassen, +meine Pflanzen zu waessern, dass sie wachsen." + +Einige sagten: Es ist Gleichgueltigkeit, Andre: Groesse. Aber es war nichts +von Beiden. Sie wusste nur und sie fand, dass die Tage zu kurz sind zum +Weinen. + +Denn die Nacht kommt schnell herbei, da Niemand schaffen kann. + + ------------------------------------- + +Nun war aber in dieser Gegend eine Jungfrau, die nie ein Mann beruehrt +hatte. + +So rein war diese Jungfrau, dass nicht ein unkeuscher Gedanke oder Abdruck +ihr Gehirn kreuzte. Selbst in ihre unbewussten Traeume kam eine solche +Vorstellung nicht, eine Hitze oder Beunruhigung. Sie haette nackt vor +Maennern hergehen koennen, ohne dass sie sich geschaemt haette. Man wuerde vor +ihren Augen alle Wollust und Suendhaftigkeit der Welt ausbreiten koennen, +dass ihre Augen nichts gesehen haetten, die Roethe waere in ihre weissen +Wangen nicht gestiegen. Denn sie war rein in sich und crystallen wie +klares Wasser, der Spiegel des Bergsees, in den nie eines Menschen Auge +geblickt, nur der Himmel in seiner Blaeue ueber den Wolken, keusch wie die +koenigliche Lilienbluethe, die sich erschliesst in der Nacht, in hundert +Jahren ein Mal, weil die Brunst der Sonne sie beleidigen koennte, Unreines, +das staeubt und fliegt im Tage. + +Dieser Jungfrau, so Einer mit schlechten oder unzuechtigen Gedanken ihr nur +nahte, musste er sein Antlitz verhuellen und fliehen wie vom Blitz +getroffen. Die andern Frauen mochten nicht in ihrer Naehe aushalten mit +ihren boesen Zungen, taeglichem Geklatsch von Heimlichkeit und Wollust. Nur +die kleinen Kinder gingen gern an ihrer Hand und mochten in ihre Augen +sehen, die gleich klaren Sternen waren in der Winternacht, wenn unten der +Boden weiss friert. Es war ein armer Bloedsinniger und Taubstummer, der mit +ihr in ihrem Garten wohnte, ihr Dienstleistungen that, denn so furchtbar +und streng war die Reinheit dieser Jungfrau, dass sie den Augen wehthat +wie Sonnengefunkel im Mittag, blaeuliches Gletschereis, wenn sie auf der +Strasse ging, die Menschen und Voruebergehenden zur Seite schlichen wie +scheue, gepruegelte Hunde oder Woelfe. Es war, als ob sie nur Thiere waren +gegen sie. Und wenn sie grosse Herren und Fuersten hiessen, vor dem edlen +Antlitz dieser Jungfrau wurden sie klein und unfrei. + +Es gab Leute, vornehme Herren und Luestlinge, in derselben Stadt, die sich +in ihr Haus geschlichen hatten in der Nacht. Und sie hatten diese Jungfrau +nackt gesehen, wie sie sich wusch. Der Strahl ihrer Nacktheit war in ihre +Augen gedrungen wie Schwerter, dass sie laut aufschrieen, heulend +hinausstuerzten wie Trunkene von zu starkem Wein oder die Tollheit +verwirrt. Und hatten Einer den Andern erwuergt in ihrer schaeumenden +Tollheit. Und Einen hatte der Bloede gepackt und er hatte ihm das Haupt +aufgeschlagen auf den Stein, dass das Gehirn weit ueber die Strasse +spritzte. Und Alle fanden, dass es die gerechte Strafe war fuer ihre +Unreinheit, diese Jungfrau staerker war in ihrer Nacktheit wie ein starker +Mann in siebenfacher Ruestung. + +Alle Luege und Verlaeumdung prallte von ihr ab wie Hagelschlag am Felsen. Es +ging die Sage, dass ein Gerichteter gestorben war von dem Strahl ihres +Auges, der die Wahrheit erkannte, mehr denn von dem Spruch des Richters, +der ihn verdammte. + +Aber die Armen hatten keine Furcht vor dieser Jungfrau. Auch nicht die +verachteten, gemiedenen Frauen und Maedchen des Orts, die unrein und +haesslich geworden waren an Leib und Seele. Denn die Klarheit dieser Einen +deckte sie Alle wie ein weisser, herrlicher Mantel, und war keine so +elend, mit Aussatz befleckt, dass nichts von dieser Glorie auf sie +gefallen waere. Sie wussten, dass sie die Koenigin der Frauen war und +priesen die Kunst in der Guete, die ein solches Wunder geschaffen, herrlich +und unantastbar gemacht hatte vor allen Frauen und Maennern. + +Man nannte sie nur die weisse Jungfrau. Es ging die Sage, dass, wenn sie +schlief, die Seraphim um ihr Lager standen mit gezueckten Schwertern, dass +es aussah, als laege sie auf blauen, zuengelnden Flammen des Eises. Nur ein +Mann, der gut und keusch und edel war wie sie, konnte sie loesen und +heimfuehren als ihr Gemahl. + +Und Viele hatten es versucht sie zu loesen, die edelsten Juenglinge aus +aller Herren Laendern, die Staerksten und die Schoensten. Und Alle waren +schamroth und betruebt weggegangen vor dem klaren Blick ihrer Augen, der +keine Luege und keinen Fleck zuliess, sie durchsah durch kunstvolle +Verstrickung und Verschoenung, bis wo die Unreinheit sass in ihrer Seele, +die Blumen ihrer Schoenheit selbst wuchsen aus dem Sumpf ihrer +Unkeuschheit. Und war nicht Einer, der bestand vor ihr, so Viele gekommen +waren und gesungen hatten und gesprochen und sich gesehnt. + +So sagte man, dass sie niemals einen Mann haben wuerde, es bestimmt war von +Gott, dass sie als Jungfrau hingehen sollte, weil sie zu edel war, um +beruehrt zu werden mit unreinen Haenden, zu klug fuer die Klugheit der Luege +und Arglist. + +Und sie selber freute sich, dass es so war. Niemals wuenschte oder fragte +sie wie andre Maedchen und schlief auf ihrem Lager mit den zehn Seraphim, +die um ihr Bett standen als strahlende Waechter, bis der Morgen kam, klar +wie ihr Erwachen, die junge Sonne gruesste die weisse Jungfrau. + +Zu dieser nun geschah eine Stimme mitten in der Nacht: "Erhebe Dich und +wache auf, denn der Braeutigam ist gekommen!" + +Worauf sie stracks sich erhob wie sie war aus ihrem Schlaf und in ihrer +Nacktheit. Und wusch ihren Leib und badete ihn rein in crystallenem Wasser +des Regens, in Tropfen aus Maiwolken, die nie die Erde beruehrt und +vielfach gefiltert in thoenernen Kruegen. Oder Wasser, vom Schnee +geschmolzen, wenn er jungfraeulich ist, zu oberst ruht am Morgen, da noch +kein Fuss getreten. Und wusch sich wohl und salbte sich mit koestlichen +Salben, von Knospen der Rosen, welche noch nicht das Licht gesehen hatten, +die sie gesammelt hatte in ihrer Knospe, und ersten Blumen des Fruehlings, +wenn die Sonne noch nicht heiss genug ist, die unter dem Schnee bluehen und +lieblicher duften denn andre. + +Und nahm ihr weisses Gewand. Das war gewebt ohne Stich und Naht aus der +allerfeinsten Seide, mit Lilien gestickt und gewirkt in silbernen Faeden. +Alle Lilien standen weit offen mit prangenden Kelchen. Die Faeden +verschlangen sich zwischen ihnen im kunstvollen Rhythmus, einer +wunderbaren Weise der Lilien, die sie sangen. Kleiner wurden sie gegen den +Saum in gereihten Ketten. Aber unter der Brust war nur noch eine Lilie, +die Koenigin der Lilien, mit gebreiteten Schwertblaettern, die zitterten, +schwollen in der Last, die auf ihnen lag. Nur Jungfrauen waren die +Spinnerinnen gewesen, die es gewebt und gesponnen. Und man sagte, wenn +eine Jungfrau, die nicht mehr rein war, die Hand anlegte an dieses Gewand, +dass die Faeden blutroth wurden in ihren Fingern, und liefen aus ihren +Fingern wie Schlangen, wollten sich nicht halten und fassen lassen von +ihr. + +Dieses nahm sie, legte es an und guertete sich hoch unter den Bruesten mit +goldnem Guertel. Edel war das Gold dieses Guertels, aus einem Stuecke +geschmiedet, das nie zuvor zu anderem Schmuck geschmiedet gewesen. Ein +ritterlicher Juengling in seiner Klostereinsamkeit hatte diesen Guertel +geschmiedet. Er zeigte alle heiligen Frauen der Welt, die sich darauf die +Haende gaben. Und waren Diana, die Goettin, Jephta's liebliche Tochter, die +griechische Iphigenia und Antigone, und die edle Roemerin Cloelia in +derselben Linie mit den Maertyrerinnen und Heiligen. So legte eine ihre +Hand auf die Schulter der Andern. Alle sahen nach derselben Richtung, als +ob von da der Braeutigam kaeme, und bildeten einen Ring durch die Zeiten, +von den aeltesten bis zu den letzten, Jegliche eine Jungfrau und Fuerstin, +aus jungfraeulichem Golde von diesem untadeligen Juengling zu edelstem +Brautschmuck verbunden. Welcher, als man ihn auf solchen vermeintlichen +Fehler als heidnischen Irrthum aufmerksam machte, nur laechelte, sagte: +"Die Keuschheit ist eine besondere Tugend. Diese fuehrt auf dem geradesten +Weg zum Himmel. So ist eine reine Jungfrau in sich selbst aller Engel +Schwester. Diese Verehrung ist allen Voelkern gemeinsam. - Vom +Jungfrauensohn ist das Heil gekommen. Solche stehen immerdar am naechsten +im Licht, hundertvierundvierzigtausend, die sich der Herr selbst erwaehlt +aus Zion." So sprach dieser edle Juengling, erstaunte Alle und Niemand +vermochte ihm zu antworten. - Das Schloss aber des Guertels stellte die +Schlangen dar, wie sie sich aufrichteten mit zuengelnden Haeuptern. War also +in ihm geheimnissvoll und symbolisch der Fall und die Erloesung verwoben, +wie von dem Weibe und seiner Kraft Beides kommt, Heil und Verfuehrung. + +Und sie nahm Spangen von Perlen, die nie das Licht gesehen haben und +schloss sie um ihre Arme. Diese Perlen sind edler als alles Gestein, aus +dem Wasser gewoben, das eher war denn die Erde, und das hoehere Element +ist, denn es dient nicht wie jene den Menschen. So zart sind sie, dass ihr +Schein wechselt mit der Laune und Stimmung des, der sie traegt, und wo ein +Kranker sie um seinen Hals legt, werden sie truebe und schrumpfen ein wie +die Haut unter ihnen. Silberne Sohlen band sie unter ihre Fuesse und +straehlte ihr Haar und flocht ihre Zoepfe mit purpurner Binde. Denn ihr Haar +war prachtvoll wie ein goldner Mantel, der sie bis in die Knie umwallte, +jeder einzelne Faden fein und gerundet wie aus gesponnener Sonne. Wenn sie +zusammenfielen, war keine Maehne der rothen Loewin so voll. Sie wogen +schwerer in der Hand wie Erntelast des vielkoernigen Weizens. + +Ihre Brauen waren wie Boegen der Nacht, darunter die lichte Sonne sich +verbirgt. Ihre Wimpern standen in Strahlen. In der geraden Linie ihrer +Nase mit athmenden Nuestern war Staerke und Feuer. Der Hauch von ihren +Lippen ging wie von einem Blumenbeet, suesser denn Honig. + +Es gab keine schoenere Jungfrau weit und breit im Lande. Und keine +untadligere, von edlerem Geschlecht, obgleich sie arm war und Haus hielt +fuer sich allein mit dem stummen Diener. + +Zu diesem trat sie, mit der Leuchte in ihrer Hand, im Brautschmuck wie sie +war. Und sprach: "Rege Dich und oeffne die Thore! Der Braeutigam ist +gekommen." + +So gross aber war das Licht ihrer Schoenheit diesem bloeden Auge selbst, +dass die Leuchte in ihrer Hand davon erstarb, ihn duenkte, als ob es ganz +dunkel war, ohne sie, die strahlte herrlicher denn der Tag, der junge Mond +selbst im Viertel seiner Geburt. + +So stand dieser auf, schlug die Thore auseinander, die doppelt geschlossen +waren, mit Riegeln versehen wegen der Bescheidenheit dieser Jungfrau, weil +sie allein lebte, eine ledige Magd, in einer grossen und gottlosen Stadt. + +Alsbald hielt da draussen vor dem Thor ein herrlicher Prinz auf einem +weissen Pferde. Alle seine Diener hinter ihm hatten weisse Pferde und +silberne Helme, von denen das Licht lief in weissen, blaeulichen Strahlen +gleich denen des Wintermonds, wenn er in seiner Vollendung ist. + +Der Prinz war mit einem weissen Leibrock angethan und hatte ein goldnes +Schwert an seiner Seite und sein Helm war von Gold. Die Schabracke, darauf +er sass, war purpurn. Ein scharlachnes Stirnband guertete sein Pferd +zwischen den Ohren. Lichte Locken fielen zu beiden Seiten auf seine +Schultern herab. So strahlend war der Glanz seines Auges, dass dieser arme +Knecht in die Kniee sank und mit gehobnen Armen flehte. Er dachte, sein +letztes Stuendlein waere gekommen, und er koennte nicht ertragen so viel +Klarheit und uebergrosse Herrlichkeit. + +Worauf der Andre: "Fuerchte Dich nicht! Lass mich ein und heisse mein Braut +den Tisch legen fuer mich und sie. Ich bin gekommen, heut' Hochzeit hier zu +halten." + +Dies sagte er aber mit seltsam lieblicher Stimme, die wie reines Silber +klang. Alle Gloeckchen der Pferde laeuteten dazu. Seine Diener schlugen an +ihre Schwerter und riefen: "Heil!" + +Dieser arme Knecht schwur spaeter, dass in solchem Augenblick der Himmel +ueber ihren Haeuptern offen gewesen und eine Taube von oben aus der Klarheit +herabgekommen waere, die trug einen goldnen Ring in ihrem Schnabel. - Denn +das Merkwuerdige war, dass er sprechen konnte seit dieser Nacht und immer +nachher. Und war in seinem Kopf wie andre Menschen, nur dass er schwur zu +seinem Eide, den Prinzen gesehen zu haben, was ihm die andern Leute nicht +glaubten, fuer eine Blendung seines armseligen Gehirns hielten. + +So ritten Alle diese durch das Thor. So Viele ihrer waren, schien es +dennoch wunderbar, dass der Hof sie doch fassen konnte. Und der arme +Knecht schloss die Thore hinter ihnen und schob die Riegel vor. + +Was sich nun begab, wusste er nicht mehr, denn er folgte dem Prinzen nicht +in das Gemach, der ihm gebot: "Folge mir nicht!" Aber durch eine Luke im +untersten Keller, wohin er sich vor Angst gefluechtet und doch zitternd +wieder auslugte, sah er, dass alle Ritter von ihren Pferden abgestiegen +waren. Und sie standen um das Haus mit gezognen Schwertern, die glaenzten +blau wie Diamantlicht des Mondes. Und war so eine Kette von Schwertern um +das Haus, dass es stand gleich einer Burg in uneinnehmbarer Klarheit. + +Drinnen aber in ihrem vertrauten Gemach hatte die Jungfrau den Tisch +gelegt. Sie nahm ein weisses Tuch von feinstem Damast, das in der Truhe +gelegen hatte mehr denn hundert Jahre. Es war nur weisser und feiner +geworden von den Jahren. Man sagte sich, dass zwoelf Spinnerinnen daran +gewebt zwoelf Jahre. Alle untadelige Jungfrauen, die der Welt entsagt, den +Faden zogen in stiller Klosterzelle. Danach hatten sie den Flachs auf dem +Rasen gebleicht, wenn die Maerzsonne schien, - diese ist die frueheste unter +den Sonnen, nicht geil wie die des Sommers, oder blutig vom Herbststerben +- es selbst gewebt mit ihren Haenden, ohne Eisen und Maschine, weil +menschliche Haende feiner sind und getreuer. Und Muster hineingezeichnet +von ihren Gedanken, des Weibes Lust und Glorie. Die Aeltermutter Eva im +ersten Bilde, wie sie den Apfel reicht. Aber auch als Mutter, mit ihren +gesegneten Bruesten es naehrend, das die Verheissung birgt, - die +Lebensgebaererin. Rebekka am Brunnen, Rahel, die Vielgeliebte, +fruehgestorben, Mirjam, Deborah, begeisterte Prophetinnen, Judith und Jael, +Heroinen, Ruth, die Aehrenleserin, Esther - aber auch sie, die die Raben +scheuchte, die diese frommen und einfaeltigen Seelen wuerdig gehalten des +ruhmvollen Reigens, - zwischen den Sieben die Mutter der Makkabaeer, die +Woelfin Juda's, Elisabeth, auch eine Mutter, Johannes' des Taeufers, Hannah, +die Greisin, vorahnend die Morgenschoene. Endlich die Lieblichste von +Allen, die Erfuellung, wie um die volle Rose der Kranz sich schliesst, +Maria, die Koenigin, unter den Weibern Gebenedeite, an der Brust das +Kindlein, dass von Ihm alle Strahlen ausgingen, die Andern beruehrten. +Gleichsam als waeren diese Bilder von Kraft und Unschuld nur ein Strahl der +Tugenden, die sich in ihr wie in der Sonne vereinigten. + +Dies Tuch breitete sie sorgsam, die Falten glaettend, sich freuend am +Silberglanz des Linnens und der Kunst der Bilder. Darauf nahm sie ein +gueldnes Gefaess aus reinstem Gold, das nie zuvor zu andrem gedient hatte. +Dadrin war in kunstvoller Praegung zu sehen, wie Abraham den Besuch der +Engel empfaengt. Rechts hebt er freudig preisend die Haende, ihnen +entgegenzueilen. Links sieht man schon ruestige Maegde das Federvieh rupfen, +wie sie die Butter stampfen im Troge, waehrend Sarah hinter der Thuer +verborgen steht, die Verheissung zu erlauschen, der kleine Ismael arglos +mit kindlichem Spielzeug sich tummelt. - Dieses fuellte sie mit funkelndem, +edelstem Wein, der achtzig Jahre gelegen hatte und mehr. Nur wenige +Flaschen waren von diesem Wein zuerst gezogen worden, gleichsam seine +Seele. Ein Kaufmann hatte ihn mitgebracht von weit her. Er zeigte in +seiner Mischung Feuer des Blutes und Rosinfarbe von der Sonne. Suess war +dieser Wein und staerker wie Stierblut in seiner Suesse. + +Danach nahm sie eine Schale von Silber, mit silbernen Henkeln und Kette. +Eine laendliche Ernte auf dem Felde war darauf abgebildet, wie hier schon +die Wagen hochbepackt fortfahren, Schnitter und Schnitterinnen Garben +bindend, alte Leute und Kinder die Aehren nachlesen. Aber auf den Stoppeln +tanzen schon lustige Maegde und Burschen. Sie legte das Brot hinein, +koestliches, feines Brot, das sie selbst mit ihren Haenden gebacken. Keine +Maschine hatte daran mit geschaffen. Das Korn war gerieben worden zwischen +den Steinen. Es gab kein edleres Brot. + +Sie hielt es verschlossen in einem kunstvollen Schrein, weil sie dachte: +"Ich weiss nicht, wann der Braeutigam kommt. Ich muss bereit sein zu der +Zeit." + +Solches stellte sie auf den Tisch, zuendete die Lampen an, die zu beiden +Seiten standen, gefuellt mit Oel, und feine Kerzen vom reinsten Wachs, die +dufteten wie sie tropften. Die Leuchter waren von edlen Metallen und +trugen Koepfe der heiligen Thiere, Adler, Loewen und verschlungne Leiber der +Schlangen. + +Und sie nahm einen Teppich von purpurfarbner Seide, der im Schrank +gelegen, auf dem nie die Sonne geruht und keines Menschen Fuss hatte ihn +je betreten. Diesen breitete sie aus von der Thuer zum Sessel. Der Sessel +aber war aus geschnitztem Ebenholz. Die Schilder des Thierkreises +wechselten sich dort mit den vier Hoernern des Mondes. Die Seitenlehnen +waren Aronsstaebe und auf vier Klauen ruhten die Fuesse wie auf +Widderklauen. + +Und oeffnete die Thuere weit und neigte sich bis zur Erde und beruehrte den +Fussboden mit ihrer Stirn. Und sprach: "So es Dir recht ist, Deiner Seele +gefaellt, dass Du essen willst jetzt, Alles ist bereitet, mein suesser +Herr!" + +Darauf ging der Prinz ein in die Kammer und setzte sich auf den +geschnitzten Sitz am Tisch. + +Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe ab. Und brachte ein Gefaess +mit Wasser. Und rieb seine Fuesse mit Wasser. Und salbte sie mit duftender +Salbe und trocknete sie in Linnen. Und setzte sich da zu seinen Fuessen und +sah ihn an. + +Sprach er: "Warum kniest Du vor mir?" + +Sie sprach: "Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster Herr! Lass mich +knieen so und Dir dienen allezeit." + +Er sprach: "Kennst Du mich?" + +Sie sprach: "Bist Du nicht der kommen soll? Ich kenne Dich wohl, denn Du +bist meiner Seele holdseligster Braeutigam. Ich habe nie einen andern Mann +gesehen, noch im Traume eines Zweiten gedacht. Die Thuer meiner Kammer +blieb verschlossen. Niemand sah das Geheimniss meines Hauses bis heute." + +Nun sagte er: "So Du nicht weisst, was Liebe ist, wie kannst Du mich +lieben?" + +Sie sprach: "Ich liebe Dich mehr als mein Leben. Ich liebe Dich mehr als +die Freiheit und den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner +Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich wuerde meine Fuesse in Flammen setzen, +um Dir zu folgen, meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende +Faulheit des Sumpfes." + +Er sprach: "Da Du so tapfer bist, weisst Du, dass Du sterben musst? Denn +die mich freien, werben um den Tod. Ihr Weg geht ueber Dornen. Gluehende +Naegel muessen in ihre Haende eindringen; ihre Seiten werden sich oeffnen und +bluten. Sieben Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden Dein +Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, in Deinem innersten Herzen +haften wie fressendes Feuer." + +Sie aber schlug ihr weisses Gewand auf und wies ihre junge Brust, die +weisser war wie die Seide des Kleides, unter der das Leben klopfte in +hohen geduldigen Wogen. Und sie sprach: "Stich zu!" + +Er sprach: "Du bist sehr schoen. Schoenheit ist der Stolz und die Gnade des +Weibes, und macht sie zur Freude des Mannes, seiner Augenweide, dass er +sein Leben lieber laesst denn die Suesse ihres Leibes. Um Schoenheit wird ein +Weib geliebt. Die Liebe des Mannes haftet an der Lieblichkeit, den Formen +und der Feinheit der Glieder. - Gieb mir Deine Schoenheit." + +Flugs legte sie nun ihr koenigliches Gewand ab. Sie nahm die Spangen von +ihren Armen, die Perlen, die an ihrem Hals hingen, die purpurne Stirnbinde +that sie zur Seite. Und nahm eine scharfe Scheere und schnitt ihr goldnes +Haar ab, wo es am dichtesten war hart im Nacken. Und Alles legte sie +zusammen und vor ihn hin, dass sie nun vor ihm stand im Untergewand, und +ihre Arme und Haende waren unbedeckt. Sie fror in ihrem duennen Linnen. Dies +Alles that sie in der groessten Freude, mit den herzlichsten und +zaertlichsten Liebesworten. + +Er aber seufzte und sprach: "Kummer wird ueber Dich kommen, Krankheit, +Verfolgung, Nachtwachen. Deine Augen werden blind werden vom Weinen, Deine +Wangen einfallen von der Sorge und taeglichem Muehsal des Daseins. Du bist +sehr lieblich und jung. Du wirst haesslich sein und unansehnlich. Ein Spott +denen, die Dich priesen." + +Sie sprach: "Ich bin gerne so, so Du mich siehst, ich Dir nur wohlgefalle, +der mein erwaehlter Herr ist und lindester Gebieter." + +Er sprach: "Ich bin arm gewesen und hatte kein Lager fuer mein Haupt des +Abends. Meine Nahrung fand ich von den Feldern, was wild wuchs, karge +Barmherzigkeit gab. Du musst arm sein, ohne Frieden und Heimath wie ich." + +Sie sprach: "Gleich heute will ich fortgehen, die Thuer verschliessen und +mein Haus zumachen, es nicht wiedersehen, wo ich still lebte und +gluecklich. Meine Habe soll den Armen gehoeren. Ich nehme nichts denn einen +Stab, Brot fuer morgen, diesen Schleier um mein Haupt, dass ich nicht zum +Gespoett der Gassenjungen werde, sie sagen: 'Es ziemt sich nicht einem +Weib, in Freiheit zu laufen.' So ich doch Deine verlobte Braut bin und +eines groessten Koenigs Geehrte." + +Da seufzte er noch tiefer, sprach: "Gerade schleierlos musst Du gehen und +unverhuellt, nackt und in Bloesse. Ich brauche Deine Scham, wie ich Dein +Leben brauche, weil sie einer Jungfrau theurer ist wie ihr Leben, sie es +zehnfach lassen wuerde um ihre Scham. - So gieb mir denn, was ich von Dir +heische." + +Da ward sie roth ueber und ueber, roether wie die Purpurrose, die zuerst der +Sonne sich oeffnet. Es war, als ob Flammen ueberall aus ihrem Leibe schlugen +und um sie brannten. Sie konnte die Augen nicht aufheben, denn ihre Lider +waren schwer von Scham. Vom Scheitel bis zur aeussersten Spitze ihres +Fusses fuehlte sie die lohenden Fluthen der Scham. Und sie stand zitternd +mit knickenden Gliedern. Sie sprach leise: "Hier, Herr! Nimm mich." + +Und seine Seele ward weich ueber ihr, da sie vor ihm stand, ohne Fehl und +Flecken, weiss in ihrer purpurnen Scham wie Eine, die im Feuer steht, die +Flammen hoch um sie brennen, und sie steht und flieht nicht. + +Und er sprach langsam: "Die Scham ist die Tochter der Suende, aber die +Reinheit kennt keine Scham. Deshalb muss sie nackt gehen, dass die +Menschen sie sehen und schamrot werden vor ihrer strahlenden Nacktheit. +Jede Fiber gehoert dem Ganzen. Die Seele ist nicht edler denn der Leib. +Aber der Leib muss edel sein, wenn ihn die Seele erkennt. Es giebt nicht +Mann und nicht Weib, nicht Hass und nicht Lust. Alles ist eins. Die Scham +ward gewebt zum schleiernden Schutze, den Schleier zerreisst, wer die +Wahrheit erschaut, Wenigen zu erschauen nur und Allen furchtbar! - - Das +ist das letzte der Geheimnisse. Ich sage es Dir, weil Du meine Braut und +Verlobte bist. Behalte es wohl und sage es Niemand." + +Danach kuesste er sie. Er kuesste ihre Augen, ihre Lippen und Wangen. An +ihren Schlaefen kuesste er sie. Und er nahm sie in seinen linken Arm, der +der Herzarm ist, und kuesste sie auf die beiden Rosen ihres Busens. Denn im +Busen der Frau ist die Weltkugel und der Apfel, Macht und Verderben. Und +vom Schoosse des Weibes kommt alles Lebendige, Segen und Fluch. + +Darauf hielten sie zusammen das Mahl. Er reichte ihr das Brot und sie ass +von seinem Brote. Er bot ihr den Wein und sie trank mit ihm von dem Wein. +Und assen von allen Dingen, die auf dem Tische standen und wurden ganz +froehlich. + +Wie nun die Morgenroethe heraufkam, verliess er sie wieder. Der bloede +Knecht sah, wie sie die Riegel aufschloss. Denn die Eisenbarren waren viel +zu schwer fuer einer zarten Jungfrau Haende. Dennoch that sie es mit +Leichtigkeit. Sie war in ihrem Brautschmuck, weiss in ihrem weissen +Kleide, mit der purpurnen Stirnbinde. + +Er hielt sie in seinem Arm wie sein eheliches Weib. Sie kuesste ihm die +Lippen und kuesste seine Augen. Und sprach: "Fahre wohl, mein geliebter und +seliger Herr! Ich warte und harre des Tages, da ich neben Dir das +Brautbett besteige." + +Das duenkte dem Knecht schier eine seltsame Rede fuer eine so untadelige +Jungfrau. Aber sie stand ruhig und sah ihm zu, wie er sein Pferd bestieg. + +Danach ging sie wieder in ihr Haus, schlug ihre Sachen zusammen, uebergab +Alles dem Knecht und sprach: "Ich gehe. Ich habe viel zu thun. Und die +Zeit ruft." + +Diese wurde eine sehr heilige und wunderbare Frau. Man brachte viele +Kranke zu ihr, die sie heilte, indem sie ihnen die Haende auflegte. Und +Einige wurden nicht geheilt, die unglaeubig waren, sie versuchten. Solche +trieb sie mit Schelten von ihrer Thuer: "Wie Ihr thoericht seid und tueckisch +und so ganz schamlos!" + +Niemals aber sprach sie ueber ihre Geheimnisse dieser Nacht. Nur eine +grosse, selige Freude war immer in ihr. Wie sie starb, war da eine +Jungfrau, wo eine alte, blinde und kraenkliche Frau gewesen war. Niemand +hatte je eine schoenere Jungfrau gesehen. Diese, als man sie sehr genau +sah, hatte an ihren Haenden Stiche als von rothen Naegelmalen. Sie +durchbohrten auch ihre Fuesse. Eine offne Wunde war in ihrer Seite, von der +das Blut floss. Man gewahrte auf ihrer Stirn Eindruecke, als ob Dornen um +ihr Haupt gewunden gewesen und in die Haut eingedrungen waren. Alles dies +war sehr deutlich. Sie hatte es immer an sich getragen, nur verborgen in +ihrer Bescheidenheit vor den Menschen, da sie sich selbst nie fuer solcher +mystischen Ehrung wuerdig gehalten. Und bestaendig sich selber schalt, dass +sie schwach sei und arm im Glauben, nicht eifrig zu den Werken, wie es +sich einer guten und getreuen Hausfrau geziemte, das Erbe zu verwalten, +waehrend der Herr und Ehgemahl abwesend ist. Als sie nun auf dem Sterbebett +lag, blass und abgezehrt, sehr schwaechlich vom uebergrossen Leiden, that +sie ploetzlich einen lauten Schrei wie von seligster Freude. Die bei ihr +waren, darunter der Knecht, der sie einst bedient, sahen einen weissen +strahlenden Engel als einen herrlichen Helden. Und er nahm sie bei der +Hand und fuehrte sie in das Brautgemach, wo purpurne Rosen lagen auf +silberweissen Linnen. + +Der Knecht, ein uralter Mann zu der Zeit, aber ganz klar in seinem Kopf, +vorsichtig und abwaegend in aller seiner Rede, schwor, dass es derselbe +gewesen, der sie damals besucht. Viele sprachen ueber diese seltsamen +Geschichten: Es ist ein Wunder, Hysterie und Aberglaube. Und welche +glaubten noch schlechtere Dinge. + +Diesen ward die Zunge schwarz in ihrem Mund, und faule Worte kamen nur, +dass selbst die, die sie sonst gehoert, einen Abscheu vor ihnen hatten. +Selbige schrieen laut auf: "Die Scham ist todt! Die Scham ist todt!" +stuerzten sich unter Schweine, dass man sie fuer solche hielt, einsperren +und schlagen musste wie niedrige Thiere. Ein Schrecken fuhr in alle Leute +der Gegend. Und fuerchteten das Grab und sagten: "Lasst uns eine hohe Mauer +darum bauen!" + +Nur die Jungfrauen kamen und brachten weisse Kraenze. Und ward ein +Heiligthum da fuer untadelige Jungfrauen, die nie ein Mann beruehrt hatte, +und sehr stark waren, herrliche Thaten vollbrachten vor allem Volk. + + + + + + DAS VIERZEHNTE KAPITEL. + + +Aber der ganze Jammer des Daseins fiel auf ihn eines Abends, da es schon +dunkel war, er einsam sass im Staube neben der grossen Heerstrasse. + +Er dachte an die Jahrhunderte, die dahingegangen waren, und dass sie alle +fuer nichts gewesen. Hunger, Hass und Kriegslaerm fuellten die Welt. Jeden +Tag unter dem richtenden Beil fielen Haeupter Unseliger, Unschuldige gingen +hin und erwuergten sich selbst in Angst und blutiger Noth ihres Leibes. + +Die Selbstsuechtigen herrschten immer, die, die hart waren, nur schufen fuer +sich selbst, ohne Sorge traten auf die nackten Leiber der Verzweifelten. +Die, die dumm waren und nicht dachten, schienen klug. Die feige waren, +tapfer, und solche, die frassen wie die gefraessige Raupe auf ihrem Blatt +und fett wurden, weil sie frassen - aber der Baum selbst starb -, galten +fuer die wahren Guten. Man pries sie als Muster der Tugend, zeigte sie +denen, die unvernuenftig waren und eigengesinnt: "Seht, wie sie sind! Wie +sie nahrhaft werden und fett! Nehmt Euch ein Beispiel an ihrem Gedeihen, +Ihr, die Ihr Fluegel habt, die zu schwach sind, der Sonne zustrebt, die +Euch verbrennt!" + +Diese aber waren die schlimmsten Feinde und sie galten fuer den Hort aller +Tugenden, hielten die Sitte hoch in ihrer heuchlerischen Klugheit, weil +der losgelassne Wolf sie zerrissen haette innerlich, und standen auf dem +Boden des Worts, weil es ihnen nuetzte fuer ihre Zwecke, der Strom sie sonst +fortgeschwemmt haette in seinem Ueberschwellen. + +Solcher aber waren Viele. Sie hielten die Gewalt und das Geld. Die Andern +zerbrachen ihre Kraefte an denen, stiessen ihre Stirnen blutig und sahen +doch nicht was darueber war, ueber ihrer dummen Klugheit, die wahre +Weisheit, ueber ihrem Geiz die weite Liebe, ueber ihrer Ungerechtigkeit die +grosse Gerechtigkeit. So dass diese ihre besten Kraefte verbrauchten, auch +muede wurden, dahingingen in Lastern, Leichtsinn und Unzucht. Weil sie +sprachen: "Unser Leben ist kurz und wird uns zugetheilt in kleinen +Tropfen. Wir wollen es auf einmal leeren, damit wir den Rausch kennen in +seiner Wollust. Und nachher hungrig sein und frieren." + +Weil sie nicht warten konnten, bis der Wein reif ward und duftig. Nicht +schauen, bis sie die Ferne erkannten und Richtung ihres Schiffens. Weil +sie jung waren, das Blut siedend schoss in ihren Adern, das lind sein +musste vom Denken, der weiten Herzlichkeit ihres Liebens. + +Diese aber auch liebten zu sehr sich selbst, dass sie wie brennende +Fackeln sich verzehrten im Leeren. Die Licht gegeben haetten, reines Feuer +zum Leuchten, so sie doch nur geduldig gewesen, sich selbst gereinigt +haetten vom Unreinen. + +Und die Andern, die gar kein Licht hatten, sondern dunkle Kloetze blieben, +die muehsam denen ihre schiefen Strahlen auffingen, vom +Scheiterhaufenleuchten der Grossen ihren Weg suchten im Finstern, +schnobernd wie die Schweine nach Trueffeln, oder niedrige Hunde auf der +Faehrte des Aases - spotteten ueber solche, zeigten auf sie in +Schadenfreude: "Die verzehren sich und sind gar nicht, Rauch und Asche. +Wir stehen fest und finden." + +Denn sie brauchen nicht viel zu finden, wie der Wurm immer noch Nahrung +findet in seinem Koth, dem Maulwurf die Larven niemals fehlen in seiner +niedrigen Dunkelheit. + +Aber der Adler, der sehr hoch fliegt, hat oft sein Futter nicht fuer seine +Jungen, wenn Alles unter dem Schnee vereist liegt. Dem seltnen Vogel, der +lieblich singt, stellen die Vogelsteller nach. Sein glaenzendes Gefieder +lockt Gelueste der Raeuber. + +So dass diese niemals aufkommen, die die Schoenheit nackt gesehen hatten +und priesen, weil ihre eignen Augen unrein waren und ihre Worte die +Wollust verriethen. Die Andern aber, die gar nicht sahen und von Wollust +voll waren wie die geile Erde vom Mist, - dass sie nicht einmal wussten, +dass eine Keuschheit war, den reinen Mond befleckt haetten in ihrer +Unreinheit, - waren gross und sprachen die Urtheile ueber wichtige Dinge. + +Und man nahm ihr Recht fuer _das_ Recht. Und ihre Wahrheit fuer _die_ +Wahrheit, dass eine grosse Verwirrung war, die nichts mehr sahen, in der +Dunkelheit tappten wie Blinde und Trunkne. + +Alles dies that seinem Herzen sehr weh. Der Ekel am Leben stieg in ihm auf +und wuergte ihn an der Kehle wie bittre Galle, so dass er in sich selber +sprach: "Besser waere die Welt gar nicht, Feuer und Schwefel vom Himmel, +denn dies! Und besser ein dumpfes Thier, oder eine Pflanze, die waechst und +stirbt, denn dieses Halbe im Staube, dem niemals die Fluegel der Seele +wachsen. Besser, viel, viel besser ein Niegewordnes, Ungeschaffnes, als +das niemals ganz wird, nicht leben kann und nicht sterben." + +Seine Seele in ihm begann zu hadern mit Gott, dass er die Guete so klein +geschaffen und die Groesse niemals gut, die Reinheit sich verdarb an ihrer +eignen Spiegelklarheit und die Unreinheit mit dem Schwert der Reue +durchgestochen blieb, dass die Menschen sich drehten wie aufgespiesste, +unselige Fliegen an ihrem Stachel. Der Stachel war in ihrer eignen Brust +und bohrte sich tiefer bei jeder Drehung. + +Und er sprach zu sich selbst: "Wozu so viel Qual und Leiden? Hast Du sie +geschaffen aus Hass oder wurden sie empfangen in Guete? Ist Dein Zweck mit +ihnen Gnade oder ist es Neid des Maechtigen, Allherrschenden gegen das +Kleine, Auch-Strebende? Bist Du gut? Oder sind sie besser wie Du, und nur +eine Zeit ward Dir Macht gegeben, sie zu quaelen, im Staub Gebannte, die +ringen und stolz sind? Bist Du der Teufel? Der Ganz-Maechtige nicht? Und es +ist ein viel Maechtigerer, Unbegreiflicherer Dir und mir, und der in ihnen +ist? Wird er triumphiren, klar sein eines Tages? Und unsre Guete war vor +Ihm Halbheit? Unser Licht war Daemmerung? Sage mir, wer Du bist? Wer ich +bin fuer Dich? Dann lass mich mich hinlegen und sterben. Denn meine Seele +ist muede in mir. Das Licht des Tages thut meinen Augen weh und der Laerm +der noch Arbeitenden beleidigt mein Ohr. Ich gruesse die Nacht, die dunkel +ist, wo gigantische Schatten schweigen." + +So sprach er zu sich selbst. Er sah die Nacht herkommen ueber die Felder. +Sie kam wie eine starke, riesige Frau mit einem schwarzen, sammetnen +Mantel. Die Baeume standen wie dunkle Keulen Gewaffneter und die Stimme des +Wassers wurde deutlicher, wie es hallend fiel mit ewig sich loesenden +Tropfen. + +Er sah in die Nacht und frug sie: "Bist Du, die kommen soll?" + +Sie sprach: "Ich war." + +Ploetzlich hob sie ihren Mantel auf. Und es war ihm, als koennte er tief +hineinsehen in die Nacht, die Nacht aller Zeiten, die vor den Zeiten +gewesen war. + +Er sah die Nacht, die Nacht selbst, von der die Dunkelheit kam und der +Schatten. + +Sie lag wie eine Sphynx, die ein Weib war, und ihre andre Haelfte war eine +Loewin. Die Schultern des Weibes aber lagen ueber den Tatzen der Loewin und +ihre Brueste starrten gerade wie gerichtete Schwerter. Zu beiden Seiten +ihres Hauptes lief eine koenigliche Binde mit Streifen und Zeichen. Sie +schnitt die Stirn niedrig ab und ihre Augen standen weit offen, marmorne +Augen mit todten, runden Baellen, die geradeaus sahen. Ihre Lippen waren +geschlossen. Sie lag ruhig mit milchschweren Bruesten ueber toedtlichen +Tatzen. + +Sie wechselte sich. Und wurde ein schauderhaftes Idol. Auf den Schultern +eines eisernen geharnischten Mannes reckte sich ein Vogelkopf mit spitzem, +gebognem, hackendem Schnabel. Ein kreisrundes Auge war eingesetzt aus +blauem, hellem Email, in der Hoehe des Schnabels, da wo er anfing. Gen +Osten stand dieser Mann. Auf einem hohen Postament, die Haende auf sein +Schwert gelegt. Die Arme bildeten ein Viereck mit den Schultern und staken +in Schienen. Sein Schwert stand ganz gerade, breit wie eine Hand. +Senkrechte Riefen liefen mitten durch, in denen das Blut abtropfen konnte. +Die Klauen seiner Haende krallten sich um das Schwert. Der Leib und die +Beine standen gerade, nach vorne, und der Vogelkopf mit dem Schnabel sah +gegen Osten. + +Wie er diesen noch betrachtete und schaudernd ansah, geschah eine Stimme +zu ihm, die sprach: "Das ist die Gewalt. Ihr fielen Koenige zum Opfer. Sein +Schnabel ist schwarz vom Geifer der Lebern. Sein Schwert roth vom Blut. +Sein eiserner Leib wird gluehend vom Feuer verbrannter Staedte." + +Das Symbol wechselte sich. Und es wurde eine schwarze Astarte, ganz aus +schwarzem Metall, aus Stein oder Eisen, das man geschwaerzt hatte, und es +glaenzte nun schwaerzer wie Ebenholz, gefettete Leiber der Neger. Sie stand +ganz aufrecht. Der Leib und die Beine waren mit Binden umwickelt. Sie +kreuzten sich und kamen wieder, von der Huefthoehe bis an die Gliederung der +Zehen. Zeichen waren in diese Binden gegraben, Striche, Muster, Rubinen, +gruene Smaragden und sehr dunkle Saphire. Sie folgten sich rhythmisch und +redeten eine geheimnissvolle Sprache ueber dem Schwarz, das kam und ging. +Dieser ganze Theil des Leibes mit dem Bauch und den Schenkeln war sehr +duenn und gerade wie bei einem unmuendigen, ganz unentwickelten Kinde. Und +darueber draengten sich erschreckend tausend Brueste. Eine Ueberfuelle von +Bruesten, Beeren der reifen Traube, Wellen, die sich stossen, stroemen. Man +sah den Kopf im Dunkeln, sehr hoch, mit harten Lippen, steinernen Augen, +die hierarchische Binde, die zu beiden Seiten fiel. Die Brueste gleissten, +rieselten, Aepfel, Kugeln, gehaertete Spitzen, schwarz, von einem +ungeheuerlichen, unirdischen Schwarz, Gruenschwarz der Schlangenhaeute, +Tollkirschen, verwester Ueberreste in ihrer Zersetzung. + +Und die Stimme sprach: "Das ist die Wollust, die Verfluchte. Alles stirbt +in ihr. Nur das Eine lebt. Und es wird zur Schauderhaftigkeit, zum +Ungethuem. Unfruchtbar ist sie, denn sie ist von Eisen. Ihre Seele in ihr +ist Mord." + +Und diese wieder wechselte sich. Es wurde eine ganz weisse Schlange. Sie +trug ein Kroenchen auf dem Kopf. Sie bewegte sich rhythmisch zu einer Art +Musik. Ihre Schuppen glaenzten wie Perlmutter, wenn sie sich bewegte, und +ihre Augen waren rothe Rubinen. Ein rosa Zuengelchen kam aus ihrem +gespalteten Kopf. Sie zuengelte damit und leckte sich zierlich wie Katzen +thun. Und rollte sich zu Ringeln und lag ganz zusammengeringelt, als ob +sie schliefe. Aber sie schlief nicht. Ein Zittern von Gier und Gift rann +durch ihren Leib, der sich milchig blaehte unter dem Bauch. + +Und die Stimme sprach: "Das ist die falsche Weisheit der Welt. Sie ist +arglos und ungefaehrlich anzuschauen. Aber das feinste, siebenmal +gefilterte Gift. Wer diese Schlange anruehrt, der stirbt und fuehlt nicht +den kleinsten Schmerz, nicht wie einen Nadelstich in die Hand, da man sich +das Blut abwischt und weitergeht." + +Danach sah er noch eine schwarze Kroete, die in ihrem Sumpf sass und +glotzte, Harpyen, die mit den Fluegeln schlugen, Baeren und Woelfe. "Das sind +die gewoehnlichen Suenden, Reichthum, faules Leben, Unfrieden und +Zankhaftigkeit der Weiber. Alle diese sind nur haesslich. Und Suenden der +gewoehnlichen Menge. Denn vornehme Herzen werden von ihnen nicht geruehrt, +die Andern aber sind die Vornehmen, die Grossen. Die Besten verfallen +ihnen." + +Diese Vision verschwand. Er blieb allein in der Nacht. Die Kaelte war um +ihn her und er fror. Die Gedanken huschten in seinem Kopf und schlugen an +das Schaedeldach wie mit klappenden Fluegeln. Seine Seele war sehr matt in +ihm. Er sprach: "So es so viele Uebel giebt, die Suende also gross und +maechtig ist fuer die Besten, waere es nicht besser zu nehmen was schoen ist, +froehlich sein im Tage und sterben, wenn es Zeit ist, das Unglueck kommt?" + +Alsbald kam da ein Zug von lieblichen Maedchen, die Cymbeln und Schalmeien +trugen. Und hielten in ihren Haenden Floeten und Harfenspiele, harte Hoelzer, +die sie schwirrend schwangen oder gegeneinanderschlugen im Tanze. Ihre +Haare waren mit Blumen gekraenzt. Die Blumen fielen gleich Sternen ueber ihr +Gelock. Sie trugen Blumen in ihren Armen und hatten lichte Gewaender an und +sangen: "Lasst uns froehlich sein und singen! denn das Leben ist kurz, die +Jugend verfliegt schnell. Die Jugend ist die Lenzzeit im Leben und die +Liebe ist der Sonnenschein am Maitag!" + +Dann kamen junge Knaben und holten sich diese, fuehrten sie weg zu +bluehenden Lauben und heimlichen Grotten. Und wandelten mit ihnen Arm in +Arm, kuessten sich zaertlich, lachten und kosten. + +Sie tanzten wilder. Die Lust stieg. Becher wurden gebracht. Ein Juengling +erschien auf goldnem Wagen, den Pardel zogen, von Weinlaub umkraenzt. Und +Alle schrieen: "Heil! Heil! Bacchus Evoe!" + +Der Jubel ihrer Freude scholl durch die Nacht. Sie schwangen Fackeln. Es +gab welche, die sich selbst durchstachen, sich Wunden schlugen mit kurzen +Schwertern, denn sie wollten heute sterben, weil sie doch morgen todt +sind. + +Und Einige wohnten in Huettchen und hatten Kinder gezeugt, die sie +jauchzend emporhoben: "Wir sind gluecklich. Und das Leben ist kurz. Die +Liebe ist reifes Erntegold im Sommer." + +Er sah eine junge, laechelnde Mutter, die ihr Kind an der Brust hielt. Der +Sommerhimmel lag in ihren Augen blau und satt. Ihr Leib bluehte und +entsandte Waerme wie der Weizenacker im Juni. Man hatte um sie einen Rahmen +gebaut in der halben Brusthoehe wie eine goldne Aureole. Das Kind sog. Sie +laechelte. Sie war gluecklich. + +Dies verschwand. + +Er hoerte neben sich die Stimme eines alten Mannes, der laut auflachte. Er +sprach hoehnisch: "Diese sind Eintagsfliegen, Jahrmarktsplunder. Sie +glauben zu geniessen und geniessen doch nicht. Sie sind nicht besser denn +Schweine. Ihre Freuden sind Freuden des Magens und der Sinne. Aber der +feine Magen sagt Pfui! zu ihren schalen Freuden. Der Sinn, der fuehlen +gelernt hat, ruehrt sich nicht mehr bei der Grobheit ihrer Eindruecke." + +Er sprach: "Hast Du Bessres gefunden?" + +Damit sah er ihn an, der das gesagt hatte. Er sah, dass es ein sehr alter +Mann war, und Einer, der lange gewandert war. Sein Haar und Bart hingen +wild. Der Staub der Wege lagerte in den Runzeln seines Gesichts. Sie zogen +sich tief eingegraben wie von zahllosen Jahren gezeichnet. Die Muedigkeit +einer ungeheuren Anstrengung wohnte in den tiefen Hoehlen seiner Wangen. +Man erkannte die Sonnen von brennenden Sommern, die ueber sein Haupt +dahingegangen waren und die Haare auf ihrer Hoehe gebleicht hatten zu +Schnee. Seine Kleider waren fahl vom Staub. Sie hingen zerrissen und +schlugen in gefaserten Fetzen um seine mageren Kniee, die ausgearbeitet +und knotig waren wie Hoelzer eines uralten Baumes, von denen die Moose +hingen in weissen Flocken. Keine Unze Fleisch war mehr an diesen Knieen. +Unter der braunen Haut traten die Knochen vor wie durchgeschubbert, +gewetzt in einer unausgesetzten Reibung. Seine Nase bog sich scharf wie +ein Adlerschnabel. Er hatte keinen Zahn in seinem Munde vor hohem Alter. +Aber in seinen schwarzen Augen glomm unausloeschlich Feuer des Lebens. Sie +brannten wie Fackeln in einer sehr tiefen, naechtlichen Grotte. So stark +war der Glanz ihres rothen Feuers, dass sie die Hoehlen ausgebrannt hatten +um sich, die Brauen vorstanden wie Dachbalken eines eingeaescherten Hauses. +Der Schnee vieler Winter hing von seinen Brauen. Sein Haar war unbedeckt +und flatterte im Winde. + +Er hielt einen rohen Stab in der Hand aus Knoten des Dornstrauchs. Ueber +seiner Schulter hing der Bettelsack. Wie er wanderte, stuetzte er sich auf +den Stock. Die Fetzen seines zerlumptem Gewandes schlugen um seine +schreitenden Lenden. + +"Ich wandre - wandre ..." sagte der alte Mann. "Ich weiss nicht, wie lange +ich wandre. Ich habe alle Staedte der Menschen gesehen, die Wueste und die +hohen Schneegebirge, wo der Schnee ungestoert liegt wie der weisse Flaum +auf dem koeniglichen Lager der Jungfrau. Alle Thaten und Dinge der Menschen +weiss ich. Ich habe ihre Weisheit gehoert, das Mitternachtoel verbrannt ueber +ihren Buechern. Und ich habe dieses gefunden: dass sie gar nicht sind. All' +ihre Weisheit ist Bilder von Worten, das Echo eines Klingklang, und sie +sind eine Spiegelung des Nichts im Leeren. Dies weiss ich und bin stolz, +dass ich es weiss und lache aller ihrer Leiden und Busse. Es ist mir, als +ob ich in einen Spiegel des Wassers sehe, der schnell verrinnt, oder +Spiele des Guckkastens, wie man Kindern zeigt auf Jahrmaerkten, Launen des +Lichts und Wechselungen der Schatten! So man darauf pustet und mit der +Hand hineinschlaegt, ist es nichts." + +Er hauchte und schlug mit der Hand in's Hohle und lachte laut auf. + +"Aber Gott ist!" sagte der Fremde. + +"Eine Spiegelung der Spiegelbilder. Die Fratzen werfen ihren Schatten und +weil sie ihn von weit werfen, ist er groesser und dunkler. Wie die Wolken, +die Du da oben siehst. Und wenn Du hinkommst, sind es nicht Wolken, +sondern leere Luft. Nur die Sonne und Spiegelung macht sie zu Wolken." + +"Etwas muss sein." + +"Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, tausend Jahre, Schatten, +der ich bin, im Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der Bewegung. +Bewegung ist Nichts. Und Stillstand ist nicht. Um Sonnen drehen sich +Welten. Aber die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und Welten sind +Schattenflecken im Leeren. Ich wandre - wandre - wandre." ... + +Er fasste seinen Stab und ging weiter durch die Nacht. Die Eisenspitze +seines starken Stockes klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen seiner +zerlumpten Kleider schlugen um seine duerren schreitenden Lenden im Winde. + +Und Einer sprach: "Das ist der ewige Jude, Ahasver, der Zweifel des +Menschen, der nicht ruht. Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene +selbst fuer Hirngespinste erklaert. So er die Hand in die Seite legte und +die Wundenmale ruehrte mit seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut +Farbe ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser wird niemals selig +und wandert bis an's Ende der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn +Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in ihm war und immer +gewesen ist von Anbeginn." + +"Werden Alle finden?" fragte er eifrig. + +"Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht sucht." + +"Lass mich den sehen, der nicht findet," bat er. + +"Es ist zu schrecklich zu sehen fuer menschliche Augen. Sie koennen ihn nur +ausdruecken in dem, was sie nicht kennen. Er ist die Nacht." + +Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. Sie drang in seine Seele +ein wie das Gefuehl eines hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der +Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss von der Stirne rann, und +wie er fiel, waren es Tropfen Blutes. + +... Damit kam die Morgenroethe und die Sonne ging auf. + + + + + + DAS FUeNFZEHNTE KAPITEL. + + +Aber um diese Zeit war das Geruecht von ihm sehr gewaltig geworden. + +In der Hauptstadt erschuetterten die Predigten Fritz Kuhlemann's, der mit +starker Stimme sprach. Er schonte Niemand und rief laut zur Busse. Denn +die Zeit war gekommen. Ein grosses Erwachen ging durch die Voelker. +Schweres Unheil, Empoerung und Blutvergiessen lag in der Luft, so die +Machthaber sich nicht bekehrten, die neue Lehre anerkannten von der +Theilung der Gueter, der Bruederschaft aller Sterblichen. Er sprach: "Es ist +Unrecht, dass Ihr Armeen habt, Einer den Andern zu bekriegen, die Stimme +des Volks zu ersticken, die maechtig spricht. Solches thun die Thiere +nicht, die von demselben Blut und gleicher Art sind. Seid Ihr nicht besser +denn Thiere? Wehe den Reichen! Wehe denen, die Geld ansammeln und es auf +Wucherzinsen ausleihen! Die den Acker mit Schulden bedecken, dass er nicht +Frucht bringen kann unter dem verfluchten Eisen! Habt Ihr die Erde +geschaffen, dass Ihr sie Euer nennt, Grenzpfaehle setzt so und so weit und +Zaeune zieht, dass kein Andrer sie beschreite? Die Erde, die Luft und das +Wasser sind des Herrn. Euer aber ist Alles. Und Alle seid Ihr Eines +Geschlechts." + +So gewaltig war seine Stimme, dass ihm die Leute zuliefen in grossen +Massen. Kein Raum und kein Saal vermochte mehr die Zahl seiner Zuhoerer zu +fassen. Wo man sie zuruecktrieb, kamen Neue. Das Volk ward drohend, dass +man seinen Prediger antaste. Droehnend wie Schlachtdrommeten klang seine +Rede. Er trug einen haerenen Rock und naehrte sich nur von Nahrung der +Pflanzen. Was er verzehrte, gewann er von seiner Haende Arbeit, denn wilde +Kraft des Volkes lebte in diesem Manne. Wenn er vor ihnen stand, gewaltig +mit duerren Haenden und Armen, gedachte man der alten Prediger in der Wueste. +Seine Augen warfen Feuerflammen. Von vielem Denken und Nachtwachen war +sein Haar grau geworden. Er trug keinen Hut auf seinem Haupte. Wenn er in +einer Stadt fertig geworden war, wanderte er die Nacht ueber zu einer +andern. + +Ueberall gegen Ungerechtigkeit und List erscholl sein Zeugniss: "Ihr nehmt +dem Armen scheffelweis. Dann straft und haengt Ihr fuer das, was er Euch +wiedernimmt in Koernern. Ihr predigt Demuth und freut Euch an dem, der vor +Euch steht mit abgezognem Hut und zitternden Knieen. Vor Gott beugt Ihr +die Knie, auf dass vor Euch die Menschen knieen um Eurer Gottesfurcht +willen. Seinen heiligen Namen schreibt Ihr ueber Eure schlechten Thaten, +Kriege und Haendel, dass Eure Thaten heilig stehen in seinem Namen. Ihr +behauptet seine Weisheit zu wissen. Es ist Eure List, die Ihr fein und +schneidend schleift am adamantnen Felsen Seiner Gerechtigkeit. Ihr zieht +den Strick nicht zu, weil Euch das Lastvieh Saecke tragen soll. Dann +sprecht Ihr noch: Seht meine Langmuth und Guetigkeit, dass ich nicht wuerge, +wo ich doch wuergen koennte. Der Aermste traegt alle Beschwerde. Ihr wischt +Euch die Stirn, sprecht von Eurem Schweiss, Naechten, die Ihr hingebt fuer +Euer Rechnen und Raffen in Keller, die Ihr auffuellt fuer Euch und Eure +Soehne. O Ihr Heuchler und dreifachen Heuchler! die Ihr die Steine +verschluckt, die man gegen Euch wirft, Euch dadurch schwerer macht, vom +Gift, das Euch toedten muesste, fresst, bis Ihr giftfest seid! Ihr seid +erkannt in Eurer Nacktheit. In Eurer Luege steht Ihr frierend und ganz +huelflos." + +Also trieb er die Gegner vor sich her mit harten Worten. Ein maechtiger +Schrecken ging von ihm aus. Viele auch hingen ihm an, Soldaten, die in der +activen Armee standen, und man fuerchtete, dass diese im Fall eines Kampfes +ihre Waffen gegen ihre Oberen kehren, gemeinsame Sache machen wuerden mit +dem Volk, denn des grossen Fuehrers Wort war ueberzeugend. Er scheute sich +nicht und nannte die Dinge mit deutlichem Namen wie sie waren. Und Niemand +war, der ihm widerstehen konnte, weder mit feingedrehten Gruenden, noch mit +Gewalt. + +So dass davon bewegt wurden bis in die hoechsten Schichten, Regierungen und +Ministerien. Man liess ihm unter der Hand anbieten, er sollte da eintreten +in die Verwaltung. Man wuerde Verbesserungen machen, Vorschlaege aufstellen, +dass die Ungerechtigkeit beseitigt wuerde, Zufriedenheit, genug zu essen +sei im Lande. + +Er aber schlug Alles aus und stiess diese in die Enge mit harten Worten: +Dass sie halb waeren und niemals ganz, die den zerrissenen Schlauch flicken +wollten mit alten Lappen, klaffende Loecher verkleben mit Pappe von +papiernen Acten, Kleister von Speichel: "Ihr selbst muesst weg zunaechst aus +dem Platz, da Ihr feststeht, damit frische Luft werde und Bewegung, das +Neue sich nicht zerbreche am harten Stein des Gewordenen, von der +Verwesung das Leben Farbe und Geruch annehme." + +Dieses hoerten sie ungern. Da er aber sehr laut sprach, das Volk ihm +anhing, machten sie einen andern Versuch. Er ward zum Fuersten befohlen, +dass er diesen selbst spraeche, vor der hoechsten Majestaet, so er dessen +faehig sei, zeugte fuer die Richtigkeit seiner Ansprueche. + +Dieser, der noch ein junger und rechtlicher Monarch war, empfing ihn +freundlich. Er hatte auch gute Gedanken fuer die Besserung und fuer Alle, +beklagte dass Vieles nicht zu seinem Ohr kam, auf ihm aber als dem +Hoechsten die Verantwortung ruhte. Nur hoffte er zu Gott, dass ihm das +nicht angerechnet wuerde, da er sich nach besten Kraeften bestrebte, auch zu +Gott betete, bevor er Urtheil abgab in den grossen Sachen, die ueber Tod +und Leben waren und Leben und Tod vieler Tausende. + +Zu ihm sprach der kuehne Mann: "Mein Fuerst! Du bist ganz und gar unfaehig zu +urtheilen, im Einzelnen, wie nun gar ueber viele Hunderte und Tausende. +Siehst Du die Seelen der Menschen, vom unschuldigen Kindlein an, wie es +war, dass sie also schlecht wurden und Boeses thaten? Ob es eine Krankheit +im Blut gewesen sein mag, Schlechtigkeit, Ungerechtigkeit und Unsauberkeit +der Welt, die Deines Volkes ist, davon Du Verantwortung traegst? Das +Gericht wird gesprochen in des Koenigs Namen. Wenn ein Krieg ist, erklaerst +Du ihn. Der fremde Fuerst nimmt Deine Erklaerung an. Ihr Beide steht fuer +Eure Voelker, das Recht Eurer Sache. Wie mag ein Einzelner solche +Beschwerung ernstlich uebernehmen? Und wie Du zerbrechlich und von elendem +Staube bist, in Schmerzen geboren, krank eines Tages und einen andern +gesund, sterben musst und Dein Leib wird Wuermerspeise, so sind Deine +Brueder, nicht besser und nicht schlechter. Niemals war es Gottes Wille, +dass der Eine herrlich gehen sollte in Purpur und Sammet, der Andre wie +ein Vieh im Staub kriechen, und viel weniger denn ein Vieh, da er nicht +hat seine Bloesse zu bedecken." + +Worauf der Fuerst sagte, dass er dies in der That beklage, auch sich selbst +nicht fuer besser hielte denn andre Menschen. Nur muesste Einer der +Maechtigste sein um der Ordnung willen. Es wuerde sonst Alles Unordnung und +Anarchie. + +"Unordnung und Anarchie ist schon in der Welt," sprach der Mann des Volkes +traurig. "Eine Nation steht gegen die andre. Die stark sind, ueberwaeltigen +die Schwachen. Die schwach sind treten wider die Andern, die noch +schwaecher sind, Weiber und Kinder. Es ist nicht mehr Gerechtigkeit denn +unter Laeusen und Ungeziefer, und was das Recht genannt wird, ist eine neue +Waffe, die die Besitzenden geschmiedet haben, um ihren Besitz festzuhalten +und den Gar-nichts-Habenden zu wehren. Durch List, Ehrgeiz und Kriechen +gelingt es denen manchmal hineinzukommen. Diese Soehne von Sklaven druecken +aerger denn die Herrengebornen, denn sie sind niedrig. Ihre Seelen sind +niedrig wie der Staub, dem sie entkrochen sind. Der aber eine hohe Seele +haette, koennte Niedriges nicht um sich dulden. Es wuerde ihm unertraeglich +sein, sein Ebenbild besudelt zu sehen im Koth, schlechter denn der +Fussboden unter seinen Fuessen, den er tritt. Ja, welcher ganz hoch daechte, +steige hernieder von seinem Thron und wuerfe ueber ihre blutige Schmach den +blutrothen Purpur seiner Hoheit, wie unser hoechster Herr Christus sein +edelstes Blut vergossen hat fuer uns Alle. - Und recht koeniglich handelte +er, der so thaete, fuerstlich und kaiserlich!" + +Da ward der junge Fuerst ungeduldig, hiess ihn fortfuehren. "Ich will Dich +spaeter hoeren," sagte er. Die Rede hatte ihn unmuthig gemacht. Aber Manches +nahm er sich an, hiess auch den Mann oefter vor sich kommen, discutirte mit +ihm. Aber auf seine Rede kam er nicht zurueck. Er blieb traurig. Die Diener +des Koenigs liessen den Demagogen nicht aus dem Gewahrsam, denn die +Aufregung war gross in der Stadt und im Land. Viele zogen durch die +Strassen in Haufen, die Brot und Arbeit verlangten. Man rief den Soldaten +zu, dass es ihre Pflicht waere, die Waffen niederzulegen, sich zu verbinden +mit den Empoerten. + +Fritz Kuhlemann aber blieb im Gefaengniss. + +Um dieselbe Zeit nun sprach man von einem wundersamen Buch, das ein +Unbekannter geschrieben hatte, oder doch ein Bekannter, denn Viele +vermeinten die Art und Redeweise zu erkennen eines gewissen Doctor Anton +Rothe, der grosses Aufsehen erregt hatte zu einer Zeit, dann lange Jahre +verschollen war. Man sagte, dass er sie in wuesten Ausschweifungen +verbracht mit einem Fuersten auf Reisen. Derselbe war blind und auf den Tod +krank gewesen Monate lang. In diesen Wochen hatte er das Buch geschrieben. +Er hatte es einem Knaben in die Hand dictirt, der nicht schreiben konnte. +Und siehe! die Zeichen standen fest und deutlich wie Buchstaben, dass +Jeder sie lesen konnte, die die zu lesen verstanden und so nichts vom +Lesen und Schreiben wussten, als Kinder und ganz ungebildetes Volk. Es +hiess: "Die Blinden, die sehen ..." In wundervoller und deutlicher Weise +war geschrieben, wie Christus eintritt in alle Dinge dieser Welt, das +Heilige und Kraeftige in der Verwesung, die linde Sonne, die schafft und +leuchtet. Und schied das Licht von der Finsterniss, und ging grausam in's +Gericht mit dem, was schoen gewesen war und herrlich, zeigte es klar wie es +war in entsetzlicher Todtenlarve, dass ein Schauder die Menschheit +erfasste, Manche in fliegendem Entsetzen das Werk ihrer Haende zerbrachen. + +Und schied ueberall die Finsterniss vom Licht, die Gedanken von der Form, +den Geist vom Koerperlichen, das heilsam und gut gewesen fuer eine +kindlichere Zeit. + +Und pries die Guete, die reine Unschuld, die Schwachheit, die das +Heldenthum ist. Wie Alles ewig ist und Bestand hat, das aus der Liebe +geboren ist. Das Andre ist Staub und Schlacke. Es muss verbrennen und +immer mehr wegbrennen in immer reinerem und staerkerem Licht, bis nichts +mehr bleibt, als das unaussprechliche wunderbare Licht in Gott. Einige +sehen es schon im Leibe. Viele aber erst nach diesem Leben. In Allen ist +der Funke und das Abbild. Sie leiden und brennen. Das Feuer des Leidens +ist die Laeuterung. + +Der aber das Buch geschrieben in den unaussprechlichen Qualen seines +Leibes und Gewissens, dem war es wie Schuppen von den Augen gefallen. Er +sah nun und niemals wieder wuerde ein Flecken in sein Auge kommen. Ganz +kleine Kindlein sahen von selbst. Ihre Augen sind stet, flackern nicht +unruhig wie die der Menschen. + +Aber ein solch wundersames Buch war nicht geschrieben seit die Welt stand. +Und zeigte den Strom des Lichts von Gott, vom Licht ausgehend, durch alle +Zeiten und Alter, wie er Form und Blut geworden in Golgatha, und floss in +herrlicher, schimmernder Fluth. Um die Haeupter der Heiligen, niedrige +Stirnen der Suchenden, Bibelerforscher, Bastillestuermer. ... Immer mit nie +fehlender Sicherheit der Gang zum Licht. + +Das endete ausbrechend mit der grossen Apotheose: Friede auf Erden und den +Menschen ein Wohlgefallen. Gold - das Reichste, daran des Menschen Herz +haengt, Weihrauch, der den Aufschwung der Seele begleitet, und Myrrhen, die +feinste, edle Bluethe der schoenen Kuenste. + +Dies Buch war in der wunderbarsten Sprache geschrieben, die wie Gesang +ging. Die Worte waren einfach und tief, dass die Weisesten davor +ehrfuerchtig standen und die Einfaeltigen sie fassen konnten. Die Kraft +dieser Worte war wie ein zweischneidendes Schwert und ihre Suesse suesser +denn Honig, feinster Duft der Blumen. + +Ein solches Buch war nicht geschrieben worden und es stand leuchtend und +in Erz gegraben, was man an ihm drehte und deutete. Im Gegentheil, seine +Strahlen wurden rother und inbruenstiger. Alle rothe Wuth und Finsterniss +der Welt konnte das leuchtende Buch nicht umstossen. + +Wie auf das Volk die Rede des grossen Socialisten, so wirkte das Buch auf +die Gebildeten. Es gab vornehme Herren und Grafen, die ihre Gueter abgaben +und niederstiegen zu den Geringen. Die Frauen richteten sich auf in +leuchtender Keuschheit. Was man als Notwendigkeit mit Widerwillen +geleistet, wurde wieder die herrlichste der Tugenden. Maler und Bildner +ergriffen begeistert Pinsel und Meissel. Es war ein Wettlauf nach der +leuchtenden Schoenheit, wie er nie gewesen. Ahnend standen die Voelker vor +den Werken der Geweihten, denn solche Schoenheit war nicht gesehen worden. + +Und jubelnd noch einmal schwang der Sang des Unbekannten sich auf, im +schwindelnden Adlerflug der Seele, das Hohelied des Lichts, das Neue +Jerusalem, die Stadt, die den Schatten nicht kennt. Die Farben steigen an +in Tonleitern, Symphonieen des Glanzes schwingen sich schwirrend, der +trunkne Pinsel, in Sonne getaucht, stolzirt im toenenden Reigengesang der +Edelsteine. Zum schmetternden Tedeum vereinen sich die Lichtspender. + +"Der erste Grund war ein Jaspis, der andre ein Saphir, der dritte ein +Chalcedonier, der vierte ein Smaragd. + +"Der fuenfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein +Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein +Chrysopras, der elfte ein Hyacinth, der zwoelfte ein Amethyst. + +"Und die zwoelf Thore waren zwoelf Perlen und ein jeglich Thor war von einer +Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold als ein durchscheinend +Glas. + +"Und ich sah keinen Tempel darinnen, denn der Herr, der allmaechtige Gott +ist ihr Tempel und das Lamm. + +"Und die Stadt bedarf keiner Sonne, noch des Mondes, dass sie ihr +scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist +das Lamm. + +"Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselben Licht; und die +Koenige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. + +"Und ihre Thore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine +Nacht sein." + +... Und es war ein Juengling in einer Stadt desselbigen Landes, der hatte +die Schoenheit gesucht sein Leben lang. Denn er dachte richtig, dass, wer +die Wahrheit findet, der Schoenheit nahe ist und es keine andre Wahrheit +giebt denn in der Vollkommenheit der Schoenheit. Erst hatte er sie gesucht +in der Schoenheit des Gedankens. Dann hatte er zu der Schoenheit des +Fleisches gebetet, denn der lebendige Leib ist mehr denn der Schatten und +die Form hoeher denn das Wort; aber das Alter und die Unvollkommenheit +nehmen alle Schoenheit hinweg. + +Dieser kam zu Ihm, da Er auf einem sehr hohen Berge war. Die ganze Nacht +war er den Berg hinaufgeklettert. Die Dornen hatten seine Haende zerrissen, +dass sie bluteten. Er war gestolpert im Finstern. Die Steine hatten seine +Kniee zerschlagen, dass sie matt und wund geworden waren unter ihm. Oft +war er irre gegangen. Lichter hatten ihn genarrt im Finstern. Im Nebel +tastete er sich vorwaerts mit Haenden und Fuessen. Seine Augen waren wie +blind, dass er die Hand nicht sah vor seinen Augen. + +Er sah nicht das Gesicht dessen, der vor ihm stand. Aber er fiel vor ihm +nieder und hob die Haende hoch. Flehte ihn an und bat: "Lass mich sehen die +grosse Schoenheit Deines Antlitzes und sterben." + +Er sprach: "Ich will sie Dir zeigen. Aber huete Dich wohl, dass der +Schrecken Dich nicht niederstuerzt vom Felsen. Denn meine Schoenheit ist +schrecklich wie der Adler." + +Und er sah ein Unendliches, Furchtbares. Das fuhr dahin ueber seinem +Haupte. Kreisende Sterne sassen in Seinen Lenden. Wolken bildeten den Saum +Seines Kleides. Seine Stimme glich dem Donner und das Zucken Seiner Brauen +war der Blitz. Zugleich geschah ein Windesbrausen wie von tausend Winden. + +Er fiel auf den Boden wie betaeubt und der Blitz fuhr ueber ihn hin. + +Danach hoerte er Schalmeien. Die kamen sehr lieblich und klingend aus +goldner Ferne. Er sah einen Juengling ganz nackt in der jungen Herrlichkeit +seiner prangenden Glieder. Der Bogen hing ueber seiner Schulter und die +Leyer lehnte zu seinen Fuessen. Die Gesaenge seiner Leyer waren lockender +wie Goldklingen. Wo er hintrat, bluehten Veilchen. Die wilden Thiere des +Waldes kamen angezogen von dem Wunder seiner Laute. - Aber das Antlitz des +Juenglings blieb marmorn. + +Danach sprach eine andre Stimme: "Kennst Du mich?" Er sah einen Mann am +Kreuze haengen. Sein Antlitz hing auf seine Brust und seine Arme blieben +ausgestreckt; denn die Schwere seines Koerpers war zu gross fuer seine Arme. +Dornen kroenten seine Stirn. Das Blut troff von den Dornenmalen. Es floss +aus seiner geoeffneten Seite. Die Naegel gingen durch sein Fleisch und die +Stricke schnitten tiefe Wundenstriemen. Aber der Mund blieb weit gezerrt. +Der Mund schrie in seiner Qual und rief: "Mich duerstet ..." + +Seine Thraenen tropften sehr schnell, er sprach: "Herr! Ich kenne Dich. Du +bist schoen und der Edelste unter den Geschaffnen. Aber ich habe eine +Schoenheit getraeumt, groesser denn Deine. Und ich bitte Dich, dass Du mir +zeigest Deine letzte Schoenheit." + +Aber der Mann am Kreuz schien zu laecheln. Seine Wunden wurden Rosen und +die Rosen fielen im rothen, duftenden Regen. Die Dornen um seine Stirn +waren Strahlen, die aus seiner Stirn brachen wie Sonnengluth. Vom Gold +dieser Strahlen wurde die Welt warm und toenend. - Aber die Schlange war +der Strick, der ringelnd niedersank. + +Und das Kreuz wurde der Baum, der Baum des Lebens aus dem Paradiese. Und +Er streckte seine Hand aus und brach von ihm die Frucht der Erkenntniss, +die roth war vom Blut des Lebens, in der Form des Apfels, der den Samen +birgt. Und Er reichte sie ihm hin und sprach: "Iss!" + +Da fiel der hin wie sinnlos. + +Als man diesen aufhob, waren seine Augen blind. Er sah niemals wieder und +seine Haare waren weiss geworden wie die eines sehr alten Mannes. Aber er +hatte die Dinge geschaut, die unbeschreiblich sind, frohlockte in seinem +Herzen und pries jeden Tag Gott, bis an seinen Tod, der bald kam. Denn er +hatte in einer Stunde das ganze Leben gesehen und allen Kreislauf des +Gewordnen. Und die Fibern und Hirne der Sterblichen sind schwach. + + + + + + DAS SECHZEHNTE KAPITEL. + + +Aber seine Feinde waren sehr thaetig und machten boeses Geschrei wider ihn. + +Denn es war grosse Aufregung im Lande. Die Hungrigen und Arbeitslosen +thaten sich zusammen auf den Landstrassen, zogen hin und her und forderten +Brot mit lauter Stimme. Es kam auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man +Fabriken und Lagerraeume verwuestete, Laeden der Baecker und Fleischer +pluenderte. Wo man auf der einen Seite die Empoerung niedergeschlagen mit +Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die Flammen wieder auf. + +Auch bestand eine Art Verbindung zwischen den Arbeitern aller Laender, dass +sie sich zusammenthun und Gewalten umstuerzen wollten. Die Einen gaben +Geldmittel fuer die Andern, die feierten. Man vereinigte sich in +Kongressen, Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen +Ausstand. + +So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe war im Lande, denn Viele auch +der Gelehrten und Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, die +Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz allgemein machen sollte, +Andre eine Verstaatlichung der grossen Betriebe und Waarenhaeuser. Viele +aber gar die ganze Theilung, wie es die armen Leute auf ihr Programm +geschrieben hatten. Und waren bereit fuer ihr Theil anzufangen, mitzugehen +mit diesen. Es gab selbst Priester der herrschenden Kirchen, die kuehn +ihren Mund aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen von Habsucht +und Wollust. Die Armen aber nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, +dass ihre Sache gerecht sei. + +So befand sich Alles in Unordnung. Einige zogen hierhin, die Andern +dorthin. Welche sprachen: "Morgen wird die Befreiung kommen. Sie wird +kommen durch Waffengewalt, denn wir sind Viele. Sie aber sind Wenige. So +wir dazu kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, sind wir ihnen +ueberlegen zehnfach und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir muessen +nur einstehen Einer fuer den Andern und unser Pulver trocken halten." + +Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass sie zusammenhielten. Denn von +den Fuehrern suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und hin ueber die +einzelnen Saetze. Die Rivalitaet der Nationen machte sich geltend, auch eine +Frage der Geschlechter, da die Maenner die Weiber nicht wollten als voll +gelten lassen, diese aber wiederum sprechen und Herren sein wollten wie +Jene. + +In den gelehrten Buechern und Blaettern stritten sie sich gleichfalls. Der +Eine warf dem Andern niedre Beweggruende und Tuecken vor. Es waren nicht +Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es wohl meinten, waren schwach und +traeumten. Die Andern aber wuehlten und zeigten sich sehr thaetig. + +Das ganz rohe Volk draengte zu Thaten. Sie sprachen: "Es ist besser wir +sterben, als wir tragen dies Leben laenger, das schlimmer ist wie der Tod, +und setzen Kinder in die Welt, die Last weiterzutragen mit gekruemmtem +Nacken wie wir." + +Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. Sie sprachen: "Lasst uns +trinken! Wenn wir uns Muth getrunken haben, wollen wir gehen und +todtschlagen!" Und schlugen blindlings drauf los, wen sie fanden. Die man +ihrerseits schlug und gefangen setzte wie wilde Raubthiere. + +Auch zu dem Fremden kamen Etliche von Solchen. Sie sprachen: "Sei Du unser +Fuehrer! Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter Dir herziehen und +Du sollst unser Fuerst sein." Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter +entstellt waren von Lastern. Der Geist des Branntweins war in ihren Augen. +Ihr Athem roch schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. Alle ihre +Bewegungen waren obscoen. Sie schrieen nach Weibern und Trunk. So sie +solche hatten, nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht anders +waren sie denn Schweine. + +Und er antwortete ihnen kein Wort. + +Sie sprachen: "Du verachtest uns, weil wir schmutzig sind und uebel +riechen. Sind wir nicht ebenso gut und besser denn Jene, die sich mit +Seife und Salben waschen, suesse Weine trinken?" + +Er sprach: "Ihr seid nicht besser. Ihre Haende sind gewaschen. Sie brauchen +nicht rohe Worte. Sie essen und trinken ihr Maass. Ihre Leidenschaften +sind in ihren Haenden wie gute und gehorsame Pferde. Sie wissen genug, um +voraus zu denken und rechnen zu koennen. Ihr Wissen giebt ihnen die Grenze +und Wirkung ihres Thuns. Ihr seid ganz schlecht und ganz nutzlos." + +Dann sprachen Einige: "So bist Du also ein Vornehmer und haeltst es mit den +Reichen und Maechtigen?" + +Er sprach: "Die Maechtigen und Reichen haben andre Laster wie Ihr. Sie +luegen, wo Ihr roh seid. Wenn Ihr fresst, kitzeln sie ihre Gaumen mit +scharfen und unnatuerlichen Sachen. Wo Ihr dem Augenblick folgt, rechnen +sie mit List und legen Schlingen. Ein Armer sorgt nicht so um Leib und +Blut, laesst wohl sein Leben. Der Reiche zittert fuer seine Gueter. Nichts +Lieberes ist ihm als das Leben, dass er sich Aerzte sucht, es zu +verlaengern, noch im Tode mit Denkmaelern und Bildsaeulen sich ehrt, so er +doch todt ist, nichts wie Staub und Wuermer. Der Arme ist weit ab vom +Reiche Gottes, weil er arm ist. Aber der Reiche ist weiter entfernt." + +Sie sprachen: "Sage uns, was ist das Reich Gottes?" + +Er sprach: "Was Ihr Glueck nennt, Frieden in uns und ausserhalb." + +Sie sprachen: "Wer hat das Glueck? Und wie sagst Du, dass der Arme ihm +naeher ist als der Reiche?" + +Er sprach: "Der Reiche hat viele Beduerfnisse. So er nicht sein festes Haus +hat, Pferde und Dienerschaft, ein koestliches Essen, wie mag er sich +freuen? Der Arme bedarf des Allen nicht. Der unter freiem Himmel naechtigt, +braucht kein Dach. Der am Brot sich satt isst, bedarf des Fleisches nicht. +Wem Wasser genuegt, was soll ihm der Wein?" + +Sie sprachen: "Das ist ganz thoericht. Wir wollen Alle in Schloessern +wohnen, Fleisch essen und Wein trinken alle Tage." + +Er sprach: "Seht zu, wo Ihr es findet," wandte sich von ihnen und sprach +nicht mehr. + +Zu ihm kamen Andre, die sich klug duenkten, sprachen: "Wir wissen sehr +wohl, dass Du recht hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des Menschen. +Mit ihm erfindet er, verbindet Meere und Erdtheile. Sieh das System, das +wir aufgebaut haben, darin das Glueck ist und Wohlleben fuer Alle." + +Er sprach: "Der Stein ist geduldig. Er traegt die Marke, die man ihm +eingraebt. Wie wollt Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die Kraefte +der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr +Herr; weil er ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, den sie +traegt. Kennst Du das Gesetz, das den Knaben leitet zum rothen Mord oder +die tugendsame Jungfrau zur Buhlschaft?" + +Sie sprachen: "Wir kennen es nicht." + +Er sprach: "Es giebt kein Gesetz, das gut ist fuer Alle. Aber das Gute ist +in Allem. So Jeder gut thut, ist Alles gut." + +Das verstanden sie nicht und sprachen: "Es wird immer Schlechte geben." + +Er sprach: "So lange es sie giebt, ist Nichts gut." + +"So sollen wir gar nichts thun, die Haende in den Schooss legen?" fragten +sie nun. + +Er sprach zu dem, der das sagte: "Thue Du fuer Dich! Maechtiger denn viele +Worte spricht das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn tausend +Gleichnisse. Einer, der stirbt fuer sein Leben, schafft zehnfaches Leben." + +Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie murrten gegen ihn: "Das haben wir +laengst gewusst. Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. Es ist nichts +gekommen aus ihr und hat sich nichts geaendert, seit die Sonne scheint." + +Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: "O dass Ihr hasstet oder +liebtet! Aber es ist nur Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die +Sonne nicht vor so vielem kuenstlichen Licht. Rom war besser und Babylon +war edler. Im blutrothen Blut muesst Ihr roth werden! Von den Flammen Eurer +Staedte und Haeuser werden in Euch Flammen aufschlagen! O Ihr armseliges +Geschlecht in Eurem Reichthum! Wuermer und Elende in all' Eurer Kunst!" + +Da er weiterging, fand er einen sehr alten Mann. Der sass vor seiner Huette +in der Abendsonne. + +Wie er vorbeiging, gruesste ihn der alte Mann. + +Er sprach: "Lass mich trinken und gieb mir zu essen von Deinem Mahle." + +Da gab ihm der alte Mann frisches Wasser, Brot und eine reife Frucht von +den Fruchtbaeumen, die vor seiner Huette wuchsen. + +Der alte Mann sprach: "Dies ist meine Nahrung Winter und Sommer. Ich nehme +niemals andre. Fleisch und Blutiges kommt nicht ueber meine Lippen. Und +Frucht der Traube nicht, deren Saft gegohren ist. Ich bin stark damit und +gesund. Nichts fehlt mir. Ein Arzt hat meine Huette nicht betreten, seit +ich diese Lebensweise annahm. Winter und Sommer stehe ich zeitig auf. Ich +trage mein Holz selbst und reinige meine Huette. Meine Mahlzeit bereite ich +mir mit meinen Haenden. Ein wollner Rock genuegt mir, wenn es kalt ist, und +ein leinener fuer den Sommer. Wasser reicht mir die Quelle vor meiner +Huette. Mit meinen Haenden habe ich diese Fruchtbaeume gepflanzt, die um mein +Haus stehen. Mein Acker, den ich selbst bestelle, giebt mir mein Brot. +Meine Thiere sind meine Freunde. Sie hoeren meine Stimme. Wenn ich einsam +bin, leisten sie mir Gesellschaft. Ihre Noethe sind meine Noethe. Das Kalb, +das geboren wird, gehoert mir, wie es zu seiner Mutter laeuft. Sie kennen +keine Scheu und keine Furcht. Selbst die wilden Thiere des Waldes kennen +mich und kommen zu meiner Huette, wenn sie Futter suchen. Die scheuen Voegel +unter dem Himmel setzen sich auf meine Hand, wenn ich sie ausstrecke, und +erzaehlen ihre unschuldigen Geschichten." + +Damit streckte er seine Hand aus. Kleine Meislein und Rothkelchen, die +huepften und liefen, kamen kecklich, flogen auf seinen Finger. Sie pickten +an seinen Lippen, als ob sie anfragen wollten, setzten sich auf seine +Schulter und klappten mit den Fluegeln. Rehe aus dem Walde traten heraus +ohne Scheu und nahmen ihr Futter aus seiner Hand. Die furchtsamen Hasen +machten friedliche Maennchen, putzten und ueberschlugen sich. + +"Alle sind meine Brueder," sagte der alte Mann. "Meine Kinder, weil sie +schwaecher und unkluger sind wie ich. Aber ihre Unklugheit ist nur +scheinbar. Sie wissen sehr gut, wie sie zu leben haben, wo sie ihre +Nahrung finden. Sie wissen auch, dass noch etwas Andres ist wie hienieden; +nur sie _wissen_ es und sorgen nicht. Hoere!" + +Im Busch schlug die Nachtigall eine sehnende Weise. So lieblich, so voll +Klage und schmelzendem, lockendem Zuruf! Das Reh sah ihn an mit treuen, +verstaendigen Augen. + +"Es ist nicht nur die Brunst, die sie lebendig macht fuer die Fortsetzung +dieses armen, kleinen, lebendigen Lebens. Weil sie fuehlen, dass sie in +einer Kette sind, Alle zum Lobe Gottes, den sie preisen aus ihren kleinen +Kehlen, mit dem stummen Bluehen ihrer Kelche, taeglich. Das sind die +Unschuldigen der Natur. Ich liebe sie, obgleich die Menschen sie +verachten, sich klueger duenken in ihrem Stolz, ihrer Geschaeftigkeit." + +Er aber erstaunte sich, so viel Weisheit und Demuth zu finden in einem +alten Mann. Ein wundersamer Mann war er, mit der grossen, viereckigen +Stirn, die das Denken ausgearbeitet hatte wie einen Marmorblock. Sein Haar +und Bart war langgewachsen. Er sah aus wie ein Bauer und war doch ein +Herr. Ruhende Staerke lag in ihm, der Blick, der ueber Viele sieht. Aber er +blieb milde. Seine Hand koste den Flaum des Rehs, wo es weich ist unter +dem Hals des Thiers. + +Er fuhr fort: "Frueher war ich auch wie die andern Menschen. Hochmuethig und +geschaeftig, verzagt in meinem Thun, wenn es nicht ging wie ich wollte. +Geschaefte der Koenige wollte ich thun an Fuerstenhoefen. Ich wollte weise +sein wie ihre Weisesten, lustig leben wie die Lustigen und Tollen. Ich +habe ihre Buecher gelesen. Ich habe Frauen gekuesst. Ich habe um Reichthum +gesorgt und gerafft. Alles ist eitel. Gluecklich ist, der Niemandes bedarf, +und Alles zu geben hat den Andern. + +"... Ich habe ihre Kuenste getrieben. Mir gefiel das schlanke Spiel der +Woerter, dass sie sich verwirrten und kreuzten wie blanke Schwerter - +auseinander sinken und zur Erde flattern, harmlose Strohhalme. Farben +liebte ich, die die Worte lebendig machen wie von getrunknem Blut, Toene, +die rufen, die locken und befehlen, weinen machen und lachen, wie es der +Zauber verfuegt, der sie Alle regiert. - Ich berauschte mich selbst am +Wohlklang meiner Toene. Wollust war in der Farbe meiner Bilder. Meine Worte +waren klingelnd wie Schlittenklang, toenende Erze und hallende Schellen. - +Alles ist eitel. _Eine_ Kunst giebt es zu thun, was recht ist. Eine Farbe +der Wahrheit. Einen Ton, des Verlornen, den wir wiedergefunden." + +Er sprach: "Welches ist der Ton, den Du wiedergefunden? Lass mich hoeren, +dass ich weiss, ob es der rechte ist." + +Der alte Mann sprach: "Vor langen Jahrhunderten klang er am See. Am See, +der zwischen den Bergen liegt, Genezareth. Was da gesprochen in +himmlischen Toenen, durch die Zeiten und Alter klingt es als Wahrsang. Wir +zaehlen die Jahre. Der Sang ging verloren in Schwertschlag und Goldklink. +In blinkenden Fabeln von Wissen und Kunst. - Es giebt nur den. Niemals +ward er vollkommen." + +Er sprach: "Der Sang ist der rechte, den Du gefunden. In ihm liegt Alles. +Erfuellung und Leben." + +"In ihm liegt Antwort, Weisheit und Einfalt. Dreierlei seh' ich die Zeiten +zu deuten: Dass Einige weigern Kriegsdienst zu thun, Verfolgung erleiden, +Gefaengniss und Tod. Dass Viele erkannten, ihr Wissen ist eitel im weiseren +Wissen. Dass Keuschheit wieder die oberste Tugend, die Frauen erwachen, +die stark sind und kuenden. - Der bedarf nicht der Schaetze, der die Perle +gefunden. Der Tod ist ihm Freund, der das Leben erkannt. Ich sitze hier +und warte des Todes. Des Fuehrers harr' ich, der einfuehrt zum Tage." + +So nahmen sie Abschied. Der alte Mann sass ganz still auf der Bank vor +seiner Huette. Um ihn liefen die Thiere, weideten, piepten. Er sah in die +rothe, sinkende Sonne. + +Die Sonne sank. + + + + + + DAS SIEBZEHNTE KAPITEL. + + +Dies geschah, als eine Empoerung kam im Lande. + +Die Armen wollten nicht Hunger leiden und arm sein mehr. Es gab eine +grosse Anzahl der Arbeitslosen auf allen Landstrassen, weil die Zeiten +schlecht waren. Man hatte eine solche Fuelle der Gueter in den vergangenen +Jahren auf den Markt geworfen, dass Niemand mehr Waaren kaufen wollte. Das +Korn lag in den Speichern und verdarb. Das Fleisch wurde zu theuren +Preisen verkauft, weil die Haendler nicht wussten was zu thun mit den +Massen ihres Viehs, Einige riethen es todtzuschlagen und zu vergraben. +Waehrend die Armen Hunger litten. Sie zogen umher in grossen Banden, Weiber +und Kinder, muessig vom Morgen bis zum Abend, denn sie sprachen: "Was nuetzt +es, so wir doch keine Arbeit finden. Lasst uns essen und trinken und +todtschlagen, denn morgen sind wir todt." + +Gegen diese schickte man grosse Mengen Soldaten und Militair. Sie +vertilgten Viele von ihnen und schlugen sie in blutigen Schlachten, dass +das Blut auf dem Strassenpflaster floss, die Koepfe der Fallenden sich +zerschlugen am harten Stein. Ihr Gehirn stuerzte aus den Schaedeln gleich +Wasser aus festen Toepfen. Von Geschrei und Wehklagen war die Luft erfuellt +wie in einem Schlachthause. + +Es kam aber auch vor, dass welche von den Soldaten ihre Helme und Roecke +wegwarfen, zu den Feinden uebergingen, neben welchen sie kaempften auf hohen +Barrikaden, in engen Strassen, die man versperrt hatte mit umgestuerzten +Wagen, Matratzen und Moebelstuecken aus den Haeusern. + +Der Kampf wurde noch blutiger dadurch. Die Andern machten Jagd auf ihre +frueheren Kameraden, schlugen sie todt wie die Hunde. Es gab keinen Pardon +mehr auf beiden Seiten. Das Gemetzel war furchtbar, dass alle Haeuser +gefuellt waren mit Sterbenden und Verwundeten. Selbst die Leichen +verschonte man nicht, uebte an ihnen grausame Verstuemmelung, dass viele +zarte Frauen und Maedchen den Verstand verloren vom Grauen des Anblicks. +Die Leute, die sich verloren sahen, toedteten sich lieber selber, ehe sie +sich dem Feind uebergaben in seiner Grausamkeit, der sie einschloss, +zusammenpackte in den Gefaengnissen, getoedtet zu werden oder gerichtet zum +Leben, wie es der Richter recht befand. Es waren junge Leute unter ihnen +von achtzehn und zwanzig Jahren, denen der Tod lieblich und glorreich +duenkte gegen Zuchthausarbeit und Ketten. + +Solches kam auch vor den Koenig und verdross ihn sehr in seinem Herzen, +bekuemmerte ihn, dass er keine Ruhe fand, oft nicht schlafen konnte in der +Nacht. + +So liess er sich den grossen Prediger der Socialisten holen, den er noch +immer im Gefaengniss hielt. Denn wiewohl keine Ursache gegen ihn vorlag, +wollte man ihn doch nicht freilassen. Seine Name ward geschrieen auf den +Strassen. Viele behaupteten, dass geheime Verbindung bestand zwischen ihm +im Gefaengniss und seinen Anhaengern ausserhalb. Diese forderten laut, dass +man ihm den Process machte, ein Exempel statuirte zur Abschreckung der +Andern, weil er wohlbekannt war, sein Name als eine Fahne diente, der sie +Alle folgten. + +Dieser sprach unerschrocken vor dem Koenig. "Es ist Deine Schuld so gut wie +dieser, wenn sie jetzt blutgierige Thiere sind. Ihr habt sie gehalten als +Thiere in Unwissenheit und Rohheit." + +Der Koenig sprach: "Ich will ihnen ja geben. Aber ich kann ihnen nicht +Alles geben." + +Er sprach: "Es ist viel wichtiger, dass Du giebst, denn was sie nehmen. So +lange Einer hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner hat, sich +sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle zufrieden. Ausserdem dass es +Deiner eignen Seele gut ist." + +Davon wollte er nichts hoeren, schickte ihn immer und immer wieder weg. +Aber wenn seine Bekuemmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig in +ihm, schickte er von Neuem und liess ihn holen. Und wollte nichts hoeren, +wenn seine Raethe draengten, sie sprachen: "Wir haben den Beweis und den. +Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein Hochverraether." + +So dass ein Gerede ging im ganzen Land: "Der Drechslergeselle ist mehr +denn unser Koenig. Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat." + +Sie verbreiteten dies Geruecht mit Fleiss bis zu den fremden Koenigen, dass +diese Briefe schrieben, sich darueber bewegten. Alle sagten: "Er hat keine +Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in die Haende dieses Aufruehrers +gegeben, der ihn am Narrenseil fuehrt, eine Herrschaft der Bettler +errichtet ueber seinem Thron." + +Seine Raethe beeilten sich, dieses Gerede wieder vor den Fuersten zu +bringen, denn sie wussten, dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste +wie gluehendes Eisen. Er hielt viel auf seine Wuerde, die er von seinen +Vaetern ererbt hatte, und war noch ein junger Fuerst, solchen Tand der +Majestaet gewohnt von Jugend auf. + +Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten seine Schuhsohlen, waehrend +sie ihm grobe Schmeicheleien sagten. "Dein Angesicht ist strahlender wie +die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss sterben und verkuemmern." Sie +priesen seine Weisheit, die groesser sei denn die aller Gelehrten und +Weisesten im Land. Aber seine Macht war groesser als aller Koenige ringsum. +So er nur wollte, war er der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde +blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren wuerde ihm folgen auf +allen seinen Fahrten. + +Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich den Reformator zu +verringern: "Wer ist dieser Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, +der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. Wie wagt er zu Dir zu +sprechen, den Gott selbst gesalbt hat! Koenige sind gewesen von Anbeginn +der Zeiten. Wer wird die Macht haben, wenn Du sie nicht haeltst? +Vielschwaetzer, armselige, kleine Kraemer und Pillendreher? Man denkt, dass +Du ihn fuerchtest. Der Aufruhr zieht neues Blut aus seiner Gegenwart, weil +Keiner denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein Schweigen Recht giebt. +Du selbst bist erschuettert in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein +heiliges Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, der Hoechste der +Sterblichen, ihnen zu Dienst und Anbetung gesetzt von oben." + +So peinigten sie die Seele des Fuersten, beugten sich in den Staub, gaben +grosse Feste. Boeller donnerten, Fahnen wehten. Man brachte koestliche +Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in glaenzenden Uniformen mit +blinkenden Waffen defilirten. Das Zucken seiner Wimpern war fuer sie +Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt Tausende. + +So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: "Es ist Alles zum Besten +eingerichtet. Da sieh doch! Und hoere den Jubel meines Volkes bei meinem +Einzug." + +Der Gefangene aber blieb fest. "Es ist nicht gut. Von Dir wird gefordert +werden Gut und Boese." + +Dass sie sich nicht einigen konnten, der Koenig ihn wegschickte im Aerger. + +Diesem stiess ein ganz seltsames Begebniss zu. + +Als er nach seinem Jugendfreund Johannes fragte, der sein bester Geselle +gewesen war, Rathgeber in allen Dingen, - und er hatte keinen lieberen +Freund wie ihn oder einen, der gerechter war und weiser, - sagte man ihm, +dass dieser sein Haus nicht verlassen habe, hielt sich eingeschlossen in +seinem Hause und antwortete Niemandem, nicht seinen Eltern, die ihn mit +Thraenen beschworen, noch seinen Freunden, die um ihn sorgten, auch nicht +den Vorgesetzten, die ihn zu den Pflichten seines Amtes ermahnten. So dass +Jedermann anfing an seinem Verstand zu zweifeln, die seltsamsten Geruechte +ueber ihn umgingen in der Stadt. Nur eine schlechte, wilde Katze haette er +mit sich gebracht aus dem Walde. Er gab ihr zu essen und beobachtete sie +lange auf ihren Raubgaengen. Des Abends kam sie sehr nahe zum Feuer und +schlief da zusammengerollt mit eingezogenen Krallen, waehrend er wachend +dachte, das Oel nicht ausgehen liess Tag und Nacht. Ganz verwildert war er +in seinem Aeussern, mit langhaengendem Bart und Haaren, dass alle seine +Freunde anfingen, an eine Verwirrtheit zu glauben, grosse und beruehmte +Aerzte herbeizogen aus der Stadt und Gegend. Sie stellten ihm viele +Fragen, betasteten seinen Puls und die Zunge. Aber er antwortete ihnen gar +nichts. Sie konnten kein Zeichen einer Krankheit an ihm finden. + +Es war ein junges Maedchen in der Stadt, die Tochter eines angesehenen und +graeflichen Hauses, wohl angeschrieben bei Hofe. Diese hatte schon lange im +Geheimen eine Zuneigung zu dem jungen Prediger, wie kindliche, unschuldige +Maedchen fuehlen, ohne davon zu sprechen oder gar demjenigen ein Zeichen zu +geben. Nur fehlte sie niemals in seiner Kirche, jedes kleine Geschenk oder +zufaellig von seiner Hand Beruehrte hob sie sorgfaeltig auf. Traf sie ihn +unversehens, stieg sofort die hohe Roethe der Scham ihr in die Stirn, denn +sie schaemte sich ihrer Sehnsucht nach dem Mann, in der Keuschheit ihres +Leibes, waehrend ihre Liebe doch zugleich ihr hoechste Freude und Seligkeit +war, also trefflich erschien er, wohlgelobt und hochgehalten vor allen +Menschen. Und war nicht, der an ihm ruehren konnte, weder die Frechen, noch +die Luegner. + +So liebte sie allein im Garten sich zu ergehen, oder in ihrer Stube lange +zu sitzen mit dem offnen Fenster im Fruehling. Sonst war sie sanft und +freundlich zu Jedermann, ein sehr liebliches, junges Maedchen, obgleich +zart, zierlich gebildet wie eine Maiblume, mit zu schweren blonden Haaren, +einer weissen Haut, unter der man die blauen Adern sah. Ihre Eltern, ob +sie gleich ihre geheime Zuneigung ahnten, sagten sie ihr doch nichts. Weil +sie so jung war, wollten sie sie nicht erschrecken, indem sie an die +Geheimnisse des Geschlechts in ihr ruehrten. Vielleicht hofften sie auch, +dass spaeter sich finden wuerde, was noch fern war und Zeit hatte. Selbst +die alten Eltern des von ihr Verehrten wollten ihr sehr wohl, empfingen +sie oft und seine Mutter liess sie an ihrer Seite sitzen. Denn sie war ein +sehr anmuthiges und feines Kind, lind und kosend wie ein frueher Lenzmorgen +unter Aprilschauern. + +Diese Jungfrau, als sie von der Krankheit ihres Geliebten hoerte, dass +Niemand zu ihm sprechen koennte, er allein sass mit der haesslichen Katze, +machte sie sich allein auf, ohne irgend einem Menschen etwas zu sagen. Sie +zog ihr weisses Kleid an, das ihr ihre Eltern geschenkt hatten zu dem +ersten grossen Fest am Hofe, band ihre Haare auf, machte sich zurecht also +huebsch und zierlich, als sie vermochte in ihrer Jugend und Unschuld, und +ging zu ihrem Johannes hinauf in die Kammer, wo er sass und bruetete. Und +die Katze hockte neben ihm am Feuer, blinzelte mit gruenlichen Augen, +putzte sich zierlich und schlug mit den Pfoten in die Luft nach Fliegen. +So satt war sie geworden von all' der Milch und dem guten Fressen, dass +ihr Koerper rund erschien wie ein Ball. Er selbst war ganz eingefallen. +Seine Backen zeigten tiefe Loecher wie die eines Todtkranken. Er starrte +aus hohlen Augen und rieb die mageren Finger hin und her, eine Hand ueber +der andern. + +So erschien vor ihm die Jungfrau in all' ihrer Scham und Lieblichkeit. +Aber er sah sie gar nicht, fuhr fort zu starren und die Finger +gegeneinander zu reiben. + +Sprach sie zu ihm: "Lieber Herr! Was fehlt Euch? Alle Eure Freunde sind in +Sorge. Eure Eltern weinen. Vielen ist es ein grosses Kuemmerniss, Euch also +schwerkrank und schweigsam zu wissen." + +Darauf sah er sie wirklich an, aber immer noch ohne sie zu sehen, +gleichsam als schaute er durch sie hindurch, da, wo sie war, blieb nichts. +"Bist Du eine Katze?" sagte er zu ihr. "Gehst Du des Nachts auf Raub aus, +wenn es daemmrig ist? Hast Du Junge, die Du saeugst mit Deinem Blute?" + +Solche Rede erschreckte sie. Sie konnte nicht anders glauben, als dass es +der Wahnsinn sei, der aus ihm redete. So kamen ihr die Thraenen in die +Augen. Sie sprach mit thraenenvoller Stimme: "Lieber Herr! Wollt doch zu +Euch kommen und Euch bedenken. Ich bin die Jungfrau Ottilia, die Ihr wohl +kennt. Ich bin hierhergekommen, weil mich die Sorge um Euch trieb und ich +Sehnsucht zu Euch getragen lange unter meinem Herzen." + +Denn jetzt in seiner schweren Krankheit dachte sie, dass es wohl Zeit sein +muesste, ihr Geheimniss preiszugeben. Sie wollte ihn aufruetteln. Sie +fuehlte, dass es fuer sein Leben wichtig war, wenn er sprach. + +Er aber sprach: "Sehnsucht ist nichts. Auch Nachtwachen ist nicht viel, +Fasten und Hungerleiden. Ich sehne, sehne mich ..." + +So kam sie noch naeher an ihn heran, nahm ihn in ihre Arme. Denn ob sie +gleich ein Kind war und noch sehr jung, fuehlte sie doch in ihrer grossen, +reifen Liebe, dass sie ihn retten musste, aus diesem ein Ende gefunden +wuerde um jeden Preis. Und nahm seine Hand. Aber seine Hand war kalt wie +Eis. Sie kuesste seine Lippen. Diese Lippen waren trocken und ohne Athem, +fast wie die eines Sterbenden. + +"Sehnt Ihr Euch nach Liebe," sprach die Jungfrau, "so will ich sie Euch +geben, warm und geduldig, wie ein Weib zu geben vermag. Folgt mir nach +draussen, Lieber! Seht, die Sonne scheint und die Voegel singen freundlich +dem waermenden Licht." + +Damit zog sie den Vorhang vom Fenster, dass die Sonne warm hereinschien. +Denn die Fenster waren verschlossen und verhangen gewesen die ganze Zeit, +und schwere, eiskalte Luft wie die des Grabes im Zimmer. + +Er fuhr mit der Hand ueber die Stirn: "Liebe - Liebe ..." sagte er. "Das +ist Liebe einer Stunde, Waerme des Lenztags. Ich moechte die Sonne selbst +sehen. - Ich habe Sehnsucht nach dem Tode." + +"Der Tod kommt," sprach sie freundlich und ohne Zuernen, obgleich ihr Herz +aufschwoll, ihr weh war zum Sterben. "Aber erst ist das Leben. Seht, +lieber Herr! Alle Knoesplein strecken ihre zarten Blaetter. Alle leben und +athmen." + +Sie nahm ihn noch fester in ihre Arme und legte seinen Kopf auf ihr Herz, +dass er ihr Herz athmen fuehlte, die Waerme ihres Busens ihn umfing. "Du +lebst jetzt," sagte er langsam. "Aber Du wirst todt sein. Wuermer werden in +Dir wachsen, Du stinkst ..." Er schleuderte seine Haende fort, als ob er +Wuermer von ihnen abschlenkerte. Seine Nuestern zogen sich zusammen im Ekel. + +Dieses junge Kind in ihrer Einfalt und grossen Liebe schrak nicht zurueck: +"Ich werde auch mit Euch sterben," sagte sie, "aber spaeter. Es ist noch +lange hin. Dann giebt es ein ewiges Leben. Wir werden vereint sein. Alles +Fragen, alle Sehnsucht hoert auf im Himmel." + +Diese einfachen Worte machten einen schrecklichen Eindruck auf den +Kranken. Er sprang ploetzlich auf, fasste ihre beiden Haende in den +Gelenken, drueckte sie zusammen wie in eisernen Ringen und schrie: "Das ist +nicht wahr. Es giebt keinen Himmel, es giebt keinen Gott und keinen +Teufel. Es giebt nur Aas und Maden. Diese Maden sind wir. Ekelhafte, +stinkende Maden!" + +Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu reissen, roh zu lachen, +haessliche, unflaethige Worte auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig +und wohlgebildet frueher. Aber die Schwere der Geheimnisse war zu viel +gewesen. Im Rathen ueber ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war +jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und fletschte die Zaehne. + +Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, war es zuviel fuer ihr +zaertliches und noch so kindliches Herz. Sie fuehlte wie einen grossen +Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken ging, ihr Besinnen und +Wollen. Sie fiel ohnmaechtig hin. + +Dann stuerzte er sich auf sie. Er riss sie an den Haaren. Er zerriss ihre +Kleider, zerfleischte ihr Gesicht mit den Naegeln, trat und beleidigte sie. +"Ihr - Ihr seid der Fluch der Welt," stiess er hervor. "Ihr habt uns zu +Grunde gerichtet. Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den Apfel gegessen +und nur zur Haelfte? Warum macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? +Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! Wir sind Goetter. Wir sind +reine Geister. Die Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth +verkehrt. Ich habe die andre Haelfte wiedergefunden, die, die Ihr selbst +verzehrt habt. Ich bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin Gott! +Gott! Gott!" ... + +Die Katze mit gestraeubten Haaren, auf dem Kaminsims hockend, sah zu. Ihre +Augen funkelten boesartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. Als er +die Halbgestorbne zurueckstiess, sprang sie ihr an die Kehle und biss sie +todt. + +Die Andern fanden diesen jungen Mann, der das todte Kind ueber seinen +Knieen hielt. Er hatte ihr die Haare wohlgeordnet und Fruehlingsbluethen +hineingestreut. Ihr weisses Kleid war ueber sie gebreitet wie ein Leintuch. +Aus der rothen Halswunde troff das Blut. + +Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte sie putzend. + +"So viel Schoenheit," sagte er, "so viel Unschuld und Guete. Das ist nun +Alles dahin - dahin." + +Und weinte ueber die junge, suesse Maid, nahm ihre Haende, kuesste sie. Und +kuesste ihre weissen, kleinen Fuesschen in den seidnen Schuhen, die sie +angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem kindlichem Herzen: +Vielleicht, dass dieses mein Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des +schrecklichsten Todes. + +Dann seufzte er sehr tief, sagte: "So vergehen die Blumen. O suesse Blume! +Blume der Unschuld, der Guete und des Verzeihens! Sie haette liebliche, +kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel haetten sie gesegnet. Keinem hast Du je +Unrecht gethan. Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich +bestuerzt. Kein Anblick der Haesslichkeit Deinen Sonnenweg gekreuzt. Weint +nicht um sie, denn ihr ist wohl. Warum weint Ihr?" + +Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank in tiefes Brueten. Da +Etliche die Katze todtgeschlagen hatten, nahm er den Balg auf, streichelte +ihr zerruettetes Fell und bettete sie neben die Jungfrau. Die Hand der +Jungfrau lag auf dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, Eine wie +die Andre, von zierlichen Gliedern, weich anzusehen und zaertlich in ihrer +Geberde. + +Dies that er. Niemand konnte ihn hindern. Denn es war etwas Besondres in +seinem Wesen, weit weg, als ob er erhaben waere ueber alles Lob oder +Anschuldigung der Welt. Und that, was er wollte. Denn es war Niemand, der +ihm zuwider sein konnte, oder erklaeren mochte, warum er so that. + +Etliche forderten, dass er vor Gericht gestellt wuerde um des Todes willen +der Jungfrau. Ihre Eltern waren reiche Leute, wohlangesehen bei Hofe. +Andre sagten, er sei nicht richtig in seinem Gemueth, das viele Lernen habe +ihn verwirrt. Diese hatten wohl recht. + +Da nun aber auch Etliche der Jungfrau nachsagten, dass sie mit Recht zu +Schaden gekommen sei, weil sie zu einem Manne gegangen um die einsame +Stunde, wurden sie bestraft. Denn wie man den Staub auf ihr Grab warf, +darin sie begraben war mit der Katze, bluehten daraus Lilien auf. Also dass +das ganze Grab ein Liliengarten war. Die Lilien wuchsen ohne Unterschied +ueber der Jungfrau und ueber der Katze. Und war grosses Wunder vor allem +Volk. + +Er schwieg zu Allem. Da er vom Kirchhof zurueckkam, legte er sein Kleid +nicht ab und zog seine Schuhe nicht aus. Aber er setzte sich an's Fenster +und sah in die Nacht. + +So sass er viele Tage. Alle, die ihn mit Thraenen beschworen, seine Eltern, +die klagten, die Freunde, die ihn lieb hatten, die Richter, die ihn +ausfragten, das Volk, das gegen ihn laermte, sah er gar nicht. Er nahm +nicht Speise und Trank, sah in die Nacht gen Osten gerichtet und wartete +auf den Morgen. + +Zu diesem, da er noch in diesem Zustand war, kam der Fuerst, weil er sein +Freund gewesen und der Vertraute seiner Jugend, der ihm guten Rath gegeben +in allen Dingen. Sein Wort stand fest wie ein Fels. Und es war eine Regel +der Gerechtigkeit, gerecht zu sein wie Johannes. + +Der Fuerst, da er ihn so bleich sah mit grossen, unirdischen, blauen Augen, +erschrak er wie alle die Andern, sprach zu ihm: "Warum sitzt Du und +schaust in die Nacht? Denn es ist Nacht draussen." + +Er sprach: "Es ist wohl Nacht jetzt. Aber der Morgen kommt. Ich warte auf +die Sonne." + +Und wandte seine Augen wieder gen Osten, sass und wartete. + +Dann veraenderte sich sein Benehmen. Er wurde eilfertig, thaetig, voller +Freude, scheerte sich und legte ordentliche Kleidung an. Seinen Dienern +gab er gute Vermahnung, dankte ihnen fuer Alles, was sie ihm gethan hatten. +Als seine alten Eltern kamen, troestete er sie mit freundlichen und +sonderlichen Worten: "Seid froh, liebe Eltern, denn es ist bald Zeit fuer +uns Alle, vereint zu sein. Ich habe Eure weissen Haare lieb, Eure Thraenen +sind mir Lindigkeit," kuesste ihre Haende. Einen jungen Bruder der Jungfrau, +fast ein Knabe noch, den er oft geliebkost, befahl er ihnen als Sohn, +segnete diesen und liess ihn nicht von seiner Seite. + +Es war aber schon die siebente Nacht. Danach als die Sonne aufging, that +er einen lauten Schrei: "Die Sonne! Die Sonne!" ... fiel hin und war todt. + +Dies verbreitete grossen Schrecken ueber Alle, die es mit angesehen hatten. +Der Fuerst blieb sehr bedrueckt in seinem Gemueth, wurde nicht froh, griff +Dieses auf und Jenes, liess es wieder fallen in der wandernden Unruhe +seiner Gedanken. + +Es war aber sehr schwuel im Gemach, unleidlich, vom sengenden Brand der +Sommersonne. Seit Wochen prallte die Sonne. Man konnte keine Frische +finden, weder auf der Terrasse, noch in den Gaerten. Die ganze Luft schien +mit Feuer gesaettigt und verschlang sich schwer wie stagnirendes Wasser, +das Uebelkeit hervorruft, eine Umwendung im Magen. Jeden Abend sah man am +Horizont Feuerspiele, vom Licht, das niemals ganz unterging, weil es in +den Ausstroemungen der Erde selbst war, der lagernden Hitze, die nie ein +Regen erfrischte. + +Man sprach von einem Brand der Welt. Hass und Aufruhr schlugen sehr hohe +Wogen. Die sengende Hitze blies in's Hirn der Menge wahnwitzige Gedanken +von Tod und Orgie. Sie sprachen: "Lasst uns sterben und saufen." + +Auf seinem purpurnen Lager ruhte der Koenig. Aber er waelzte sich rastlos, +die Kissen aufwerfend und niederdrueckend. Seine Finger stachen in weichen +Atlas. Seine Augenhoehlen schienen verbrannt von der Hitze, der +Schlaflosigkeit langer Naechte, die seine Lider mit Braun gemalt haette, +dass die Pupillen wie Kohlenfunken gluehten in einem Haufen von Asche. Von +den aufgesprungnen, gedoerrten Lippen hauchte Glutathem. Das innere Zittern +schlug und schuettelte ihn wie eine ferne, aufreizende Musik. Er hatte +Fieber und der kuehlende Trank des Arztes gab keine Labe. + +Durch die weiten Hallen des Palastes trieb das ruhelose Fieber den jungen +Fuersten. + +Alle Waende waren mit wundervollen Fresken und Gobelins verziert, +Grossthaten seines Hauses, Schlachten, Kroenungen, Staatsakte. Auf +feurigen, sich baeumenden Schlachtrossen stiegen junge Helden, +lockenumwallte, im flatternden Helmbusch. Das ausgestreckte Schwert +deutete nach vorne. Der Brustpanzer gleisste. Unter den Hufen wand sich +formlos, ein Gequaeltes, Bezwungnes, der Drache, der Lindwurm der +Unordnung, der Feind. Andre waren ernsthafter. Sie standen gerade, +hierarchisch, die Maentel flossen in weiten priesterlichen Falten. Eine +Hand hielt den Apfel, das Sinnbild der Gewalt, die andre den Stab. Ueber +der Stirn gleisste mystisch der Goldreif. Das waren die Sagenhaften, die +grossen Gruender, die Koenige, Hirten, Vaeter der Geschlechter. Sie hueteten +und herrschten. - Es gab ganz geharnischte unter ihnen, schwarz in +schwarzen Ruestungen, wo das Gesicht klein, vogelartig schien unter dem +Eisen der Sturmhaube. Ihre Nasen bogen sich wie Raubthierschnaebel. In der +schweifenden Linie des Bartes wohnte die Grausamkeit. Sie hielten das +Schwert in eiserner Faust. Der Fuss im Stahlschuh trat auf graslose Wueste. +Einige beteten. Ganz junge Knaben waren, denen die schweren Gewaender zu +schwer erschienen, zu weit der gezackte Goldreif ueber zarten, blaeulich +geaederten Stirnen. Sie verbluehten in kaum erschlossner Knospe. +Melancholische schauten mit Schatten des Wahnsinns in erschrocknen Augen. +Heuchlerische mit tueckischem Fuchsunterbau des Gesichts. Das Scapulier +hing an ihrer Huefte. - Die Carreaus der Gemaelde zeigten kleine Plaene der +Staedte, Festungsbauten in Miniatur. Froehliche Koenige trugen zierliche, +gestickte Hoftracht. Der Falke auf der Faust zeigte den Jaeger, das +laechelnde Auge den Freund der Damen. Und Kolosse folgten: Wandelnde +Fleischmassen, doppelte und dreifache Kinne, bartlose, saftige Lippen der +Wolluestlinge, kleine, feuchte, in Fett vergrabne Augen, das Ganze mit +Gold, Purpurstickerei ueberladen, unter enormen Perruecken, die sie grotesk +und uebermenschlich machten. - Alles das wurde blasser. Ein Gedanke war +hineingekommen, eine gewisse Traurigkeit, Schrecken bei Einigen, +Resignation der Andern, unter der gegebenen Maske, derselben Decoration +von Gold, Kronen, Loewen, Hermelinfalten, - der Mensch, etwas Einzelnes, +Abgeloestes, Persoenliches. _Der_ war gestorben in der Verachtung der +Menschen, nachdem er sie gegeisselt und gegaengelt hatte. Dieser hatte die +Verbannung gekannt, das Unglueck, den Verrath, die Demuethigung. Jener +Junggestorbne wollte und konnte nicht. Sein Nachfolger hatte gewogen und +klug gerechnet. Unter der gesuchten Bonhomie, dem fast gemuethlichen +Laecheln, lauerte der Tigerzug. - Sie hatten gewusst und durften nicht +sagen. Einige hatten sagen gewollt. Aber sie waren todt. Sie waren traurig +und ungluecklich. - Ueber die ging man schnell hinweg, wie ueber Kranke, +deren Krankheit gefaehrlich ist und anstecken koennte. + +Er war der Letzte. Er war ein Ende ihrer Rasse. Sie betrachteten ihn Alle: +Die herrischen Augen, die ruhigen, satten, die anklagenden, +flackernden ... Zehn Jahrhunderte! Er war da. Alle diese Jahrhunderte +waren in seinem Blut, ein Stueck von ihm. Es war sein Leben, was er schon +vorher gelebt hatte. Es erschien ihm furchtbar auf einmal - ein so langes +Leben! - eine Kette, eine erstickende Last, drueckende Schwere ... + +Eine goldne Sonne war im Plafond des Saals gemalt. Sie schickte ihre +Strahlen nach allen Seiten. Kreisrund war diese Sonne, ohne Schatten, und +ihre Strahlen standen gerade wie geschliffne Schwerter. Goldne Leisten +liefen am Gesims entlang. In unnatuerlicher, ueppiger Fuelle draengten sich +Beeren, Fruechte, Blumen, die Ecken hielten Adler, Greifen und +Wappenschilder mit anspringenden Loewen. An den Fenstern fielen senkrechte +Purpurdraperieen. Sie fielen in runden, tiefen Falten einer Tuba. Dunkler, +lichtlos erschien der Sammet in den Woelbungen, tiefroth gluehend in den +Schatten zwischen den Falten. Wie Priestermaentel fielen sie, rothe Guesse +von Blut, gleichmaessig ausgegossen in immerwaehrendem stroemenden Fliessen. +Alles Gold, zurueckgeworfen im Glanz von hundert Spiegeln, ertraenkte sich +im Purpur, ohne ihn zu erwaermen, der alles Licht verschlang, dunkler +wurde, satt, brutal, sich triumphirend breitete, ein Vampyr, der Oger der +Farben. + +Und er sah eine Jungfrau, wunderbarer denn sterbliche Weiber, und ueber die +Groesse der Frauen. + +Ganz von Gold erschien diese Jungfrau, leuchtender wie die leuchtende +Sonne. Das Gold schmiegte sich um ihre Schenkel in schmalen gehaemmerten +Ringen von seltner Feinheit. Es umschloss ihre Arme wie in einem +Handschuh. Die Spitzen der Finger waren von dunklerem Golde wie in +Goldstaub gepudert. Es schuppte sich ueber ihrem Leib in gleissender +Schuppenbraeune. Aber ihre Brueste waren aus reinem, geschmiedetem Gold, +aufrechtstehend mit geschliffnen Spitzen wie Schwerter. Sie trug einen +goldnen Helm auf dem Haupte. Der war geformt mit ueberragender Spitze wie +ein Helm der Pallas, aufrechtgestellter Fittich eines Adlers. Er stieg +sehr tief in die Stirn. Die Stirn war gebunden mit einer purpurnen Binde. +Purpurstreifen fielen nieder von ihrer Schulter und hingen nieder zu ihren +Beinen wie Lazzis, Striemen geschnittnen Leders, die benaeht waren mit +Edelsteinen in Streifen und Kreisen. Bei jeder Bewegung funkelten und +blitzten die Steine, dass man nicht hinsehen konnte, die Augen geblendet +bluteten vom spruehenden Glanz der Steine. Sie trug in ihrer Hand zwei +staehlerne Schwerter. Schellen waren an ihren Gelenken befestigt, die +klirrten und klangen. Der Arm reckte sich frei aus den Purpurstreifen der +Schulter. Wenn sie ihn bewegte, klatschten und fielen die purpurnen +Streifen wie Peitschenbaender. Die Schwerter kreuzten sich in der Luft ueber +ihrem Haupte und beschrieben Kreise, und fielen herunter. + +Die Haare dieser Jungfrau waren schwarz mit staehlernem Glanz wie des +Rabenfittichs, roth vom aufsteigenden Gleisch der Flammen. Ihre Augen +waren gruen wie Smaragden im Ring schwarzer Diamanten, die purpurne Lichter +schossen, dass ihr Glanz unertraeglich war fuer den, der hineinsehen wollte, +der Blick gebannt sass in ihnen, haengen blieb wie die Motte in der Flamme. +Aber ihr Mund war Blut. Die Roethe ihrer Lippen war roether denn die vom +Blute, als ob sie Blut getrunken haetten, unersaettlich gierig, frisches +Blut jeden Tages. Ihre Zaehne waren Raubthierzaehne, spitz mit geschliffnen +Spitzen. Zaehne, die bissen in Fleisch, das blutete. Dieses Blut tranken +ihre toedtlichen Lippen. + +Und er wusste, dass diese Jungfrau "die Macht" hiess, Helena von Troja, +Judith und Herodias, Cleopatra, die Aegypterin. Sie war von koeniglichem +Geschlecht, eine einzige Jungfrau in der Welt und gab mehr Wollust denn +Jede. Und es hatte sie nie ein Mann besessen. Alle, die sie freiten, waren +gestorben. Sie hatte ihr Blut getrunken. Und es war ihr Blut und ihre +Kraft, die sie so schoen machte, unwiderstehlich und herrlich vor den +Sinnen der Maenner. + +Und sie tanzte vor ihm. + +Sie tanzte. Sehr langsam wandte sie sich und ihre Schulter kehrte an ihren +Platz zurueck. Sie hob den Arm. Und der andre Arm stieg rund auf, die Brust +aus den Hueften reckte sich in langsamer, schwellender Anstrengung. Einen +Moment blieb sie weit vorgeschoben, keuchend, wie eine gezuengelte, +gefaehrliche Schlange, waehrend die Beine angenagelt warteten, zitternd, +gezwungen. Im Kopf, zurueckgebogen, schlugen die Lider. Der Hals strebte +weiss, liliensehnsuechtig unter dem blutigen, duerstenden Bogen der +Lippen ... Eine Woge schien die harte Linie der Schultern zu verwirren. +Das Kinn sank zur Seite mit einem Seufzer. + +Kriegerische, wilde Musik schien sie zu wecken. Sie richtete sich auf ganz +erzitternd. Man sah das Erzittern vom Fuss bis zur Helmspitze laufen, wie +eines Uhrwerks, dessen Feder man beruehrt hat, das sich in Gang setzt. Die +Hueften kruemmten sich abgezeichnet zum Sprunge. Ganz vorgeneigt, das Kinn +in der Luft, beide Haende flach ausgespreizt, dass die ganze Last des +Koerpers auf der Zehe ruhte, horchte sie. - Sie bueckte sich noch tiefer. +Die Spitzen der Brueste schienen den Schooss zu beruehren. Sie kroch. Sie +schnellte sich. Sie stiess einen rauhen Schrei aus. Die Finger griffen +krallend in die Leere. Hart ueber dem Boden wie im Anzug einer Armbrust, +bohrte der Ellbogen, ein Tremolo, das nicht nachliess, rascher und rascher +wurde. - Sie war wach geworden. + +Ihre Zunge gegen ihren Gaumen gab einen Lockton. Sie warf sich nach +rechts. Sie schnellte ihre Schultern nach links hinueber. Der Hals im +scharfen, zuckenden Ruecken gab das Tempo an. Ein Fuss stahl sich tastend +vor. Der andre folgte in schuerfender Schleife. Ihre Kniee tanzten. Sie +gaukelte in den Hueften. Die Erde liess sie. Sie flog auf, ihr gellendes +Tambourin schuettelnd. + +Das war die Bewegung. Die Erde belebt durch den Willen, unsterbliche Kunst +des Ausdrucks. Es giebt keine Schwere. Kein Gesetz der Unwandelbarkeit +hemmt. Der Koerper spricht. Die Formen singen, das Fleisch hat Seele. - Sie +tanzte. + +Sie marschirte in einem toenenden, triumphirenden Marsche. Ihre Sohlen +stampften den Boden wie Schlachtrosse, schwere Kolonnen Gepanzerter. Der +Leib zwischen den stelzenden Saeulen der Beine schien getragen wie eine +kostbare Last, ein Altartisch koestlicher Gueter, der avancirte, langsam, +feierlich, mit der Feierlichkeit und Langsamkeit einer Procession. Ihre +Arme blieben steif wie die Arme einer Statue, einer ehernen Jungfrau, die +zermalmt, was sie an ihren Busen drueckt. Sie naeherte sich wie ein +Traumbild, ein schrecklicher Alpdruck der Fiebernacht, die schwarze Venus +der Aegypter, der Leben gegeben ist. ... Wie man Elephanten zur Schlacht +ruft, in kurzen Stoessen, antworteten die Schellen und Schwerter. + +Sie tanzte. Sie stiess kurze, wilde Schreie aus wie Moewengekreische ueber +dem Sturmmeer. Ihre Arme schlugen die Luft aufgescheucht. Ihre Fuesse +suchten mit gekruemmten Spitzen im sich steigernden Zittern, der Furcht, +des Wunsches, der Raserei. Sie drehte sich. Ihre Haare peitschten den +Boden wie ein aufgespanntes, schwarzes Pfauenrad. Die unteren Glieder +schienen sich zu verschieben mit den Gelenken der oberen im verzweifelten +Wunsche der Vermaehlung. Losgeloest zwischen den Hueften, eine Bluethe im +Sturmwind, schwankte und bog sich die Taille. Sie zerbrach sich, knickte. +Mit irrem Klopfen huschten die Finger in der Leere. Kleine Wehmuthsrufe +schrillten die Schellen, Klagegezwitscher flatternder, fremder Voegelchen. + +Diese Drehung wurde schneller, schwindelnd schnell. Schnell, wie von +Raedern, Maschinen, Staehlernem. Man unterschied die Toene der Schellen und +Castagnetten nicht mehr. Es war ein Wirbel, ein zuegelloser Tanz, +Sichineinanderverschlingen der Toene. Die Arme waren die Fluegel einer +Windmuehle, die sich schwangen im Drehen. Roth und goldne Streifen. Sie +peitschten, flogen. Die Felder wurden Kreise. Vom Boden, Kreisel gleich, +immer an derselben Stelle, wirbelten die Fussspitzen. Sie war ein Kreisel +im Ganzen, mit der weiten Flaeche nach oben, ein Rad, eine Blume, eine +Libelle aufgespiesst an einer Nadel, eine rothgoldne Rose, ueber der das +Gesicht schwebte, unbeweglich, zurueckgebogen mit laechelnden Lippen unter +dem goldnen Helme. + +Sie drehte sich, drehte. Sie war die Sonne. Rothgoldne Sonne. Die Lazzi +waren Strahlen. Strahlen waren ihre Arme und Beine. Die Brueste waren die +Scheibe, die stille stand, mit metallnen, weissgluehenden Spitzen. Sie +stachen wie brennende Eisennadeln. Ein Athem von Blut und Hitze schlug +ueber ihn hin. Immer wieder Hitze und Blut, roth und gold, nur noch eine +Farbe bildend, die der Wollust, der Frau, der Bewegung. - Der Lustwille +des Feuers, der die Erde dreht, in den Adern kocht wie Gluthsud. + +Das war keine Frau mehr, die Frau nicht. Das war die Schlange, spiegelnd +in allen Farben des Universums, die glorreiche, erste Schlange, sie, die +herrlicher war denn alle Thiere. Sie richtete sich zischend auf mit ihrem +ganz weissen Leibe, der goldnen Krone und der blutrothen, duerstenden +Zunge: Und wirst wie Gott sein ... Wie Gott. Wie Gott. ... + +Er hielt sich nicht mehr: "Sei mein!" schrie er auf. "Sei mein!" + +Diesen Abend unterzeichnete der Koenig das Todesurtheil des grossen +Demagogen. Er wurde im Gefaengniss hingerichtet in der Fruehe, ehe die Sonne +aufging, ohne dass Unruhen darum entstanden in der Stadt. + +Diesem in seiner letzten Nacht, da er auf den Tod muede war und das Sterben +nahe fuehlte, wurde eine wunderbare Troestung zu Theil. + +Er sah ploetzlich an sein Lager treten eine Frau, eine vornehme Dame, in +der Tracht einer Reiterin. Sie reichte ihm einen Krug mit Wasser von ihrer +Schulter und sprach: "Trinke, mein Bruder. Einmal habe ich Dich im Leibe +gesehen und ich wusste, dass Du mein Bruder warst. Jetzt weiss ich es +besser und Niemand soll uns mehr trennen." + +Er erkannte, dass es dieselbe Dame war, die ihn damals angesehen hatte im +Wagen, da er noch irre ging und mit Mordgedanken rang, auch diejenige, die +zu dem Fremden gesprochen hatte am Brunnen. - Es befand sich aber, dass +diese edle Frau und Graefin gestorben war in derselbigen Nacht, also eine +mysterioese Geschwisterschaft gewesen zwischen ihnen, die Vielen +unbegreiflich duenkte zwischen einem niedrigen Mann, der damals so niedrig +gewesen, und einer hochgebornen Dame. + +Mit dieser Neuigkeit von seinem Tode kamen Etliche und sagten sie dem +Fremden. + +Er sprach: "Er war ein Starker, stark vor allen Menschen, den selbst die +Koenige hoerten. Er ist nun dahin und nichts bleibt von ihm uebrig." + +Sie sprachen: "Hat er denn nicht recht gethan mit dem, was er forderte, da +er von den Koenigen und Maechtigen forderte?" + +Er sprach: "Die Koenige und Maechtigen sind nicht die, die geben koennen. Von +innen muss es kommen, was die Welt neu gebiert. Wenn die Bettler die +Letzten sind, werden die Koenige die Ersten sein. - Es ist aber auch +moeglich, dass es von einem Koenig kaeme." ... + +Sie wollten, dass er dies noch naeher erklaerte. Aber er sagte nichts und +ging weit fort in eine einsame Gegend. + + + + + + DAS ACHTZEHNTE KAPITEL. + + +Ueber dem Schlachtfeld war die Sonne untergegangen, eine rothe, muede Sonne +des Spaetherbstes, die zerfliesst in einem Blutmeer. Man sah nur noch +Streifen von ihr wie lange Wundenstriche, rothe, zerflatternde im Grauen. +Sie wurden dunkler. Die Finsterniss schien in sie einzudringen, vage +Gruene, Violette. Alles starb in einem brandigen Nebel. + +Zweimal ueber den Acker waren die Heere dahingestampft. Erst die +Fluechtenden, Fussvolk und Reiterei durcheinander in wilder Panik. Oft +gingen die Letzten ueber die Ersten. Dazwischen schob man Geschuetze, +Munitionswaggons. Wo die Pferde nicht genuegten, halfen Maenner mit. Andre +hatte man im Stich lassen muessen. Sie lagen in unnatuerlichen Positionen, +mit aufgereckten Haelsen, zerbrochnen Raedern, unschaedlich gemachte +Eisenungethueme, Saettel, Flinten, Uniformstuecke, Leichen. Zuerst hatten die +Pferde versucht, sie nicht zu treten. Aber man spornte sie an. Es galt das +Leben. Die zu schwach oder verwundet waren, blieben zurueck. Eine Zeitlang +hatten sie sich fortgeschleppt. Oder Andre zogen sie mit. Dann hatte man +sie verlassen. Sie schrieen. Manche versuchten noch zu kriechen, sich +weiter fortzubewegen, anzukrampfen. Sie gaben es bald auf. Die gingen hin. +Dann war nur noch ein einziges, zielloses Trappeln von Zweibeinen, +Vierbeinigen, Raedern, die liefen, liefen ... + +Man ertheilte noch Commandos. Berittne Offiziere sprengten ab und zu. In +einigen Abtheilungen herrschte eine gewisse Ordnung. Sie hielten sich von +den andern getrennt und marschirten rhythmisch. - Man sah sehr hohe +Offiziere mit den Abzeichen ihres Ranges, einen alten General auf seinem +weissen Pferde. Sein Gesicht war vollstaendig schwarz vom Pulver und Staub. +Er opferte sich auf. Er war ueberall. Man hoerte seine Stimme wie die eines +Hirten. Einige junge Rekruten acclamirten ihn. Man wusste, dass dieser ein +Held war. Er konnte nichts mehr aendern, die Eile des Rueckzugs nahm zu. Sie +fuehlten den Athem des verfolgenden Feindes im Nacken. Einige hatten Alles +weggeworfen und liefen laut schreiend. Sie wussten nicht, wohin sie +liefen. Nur eine Angst beherrschte sie, sich zu verlieren, +zurueckzubleiben, einzeln zu sein, getrennt von der Horde, die rannte, +galoppirte. Sie hatten sich wie Maenner geschlagen, Tage und Wochen lang, +an diesem Tage. Das war Alles, was blieb, ein Gruselgefuehl, die Empfindung +der Ohnmacht des Einzelnen in dem des Ganzen, des Geschlagnen, Besiegten. + +Sie liefen, liefen fuer ihr Leben. + +Diesen nach brauste der Sieger. Da waren die Pferde zuvorderst. Sie +griffen maechtig aus in weiten, jagenden Spruengen. Ihre Reiter feuerten sie +an, wie man Jagdhunde anfeuert, eine Meute auf der Faehrte. Diese sassen +aufrecht im Sattel, zurueckgeworfen. In ihnen lebte nur noch die Lust zu +fangen, zu stechen, abzuthun, Feuer des Kampfes und der Stolz des Sieges. +Ein ganz junger Kuerassier fiel auf, ein Knabe noch, bartlos. Er sah aus +wie ein raechender Engel mit schrecklichen, offenen Augen, den Mund +duerstend emporgehoben. + +Das Fussvolk folgte langsam. Diese installirten sich auf dem Schlachtfeld. +Sie bezogen Vierecke und Gassen. Man pflanzte die Geschuetze auf in einer +Art Park. Feuer zum Kochen wurden angezuendet. Alle diese Menschen +rieselten von Schweiss, waren zu Tod ermuedet. Sie schliefen, eh' sie noch +daran dachten, zu essen. Mit geoeffnetem Munde, in der Stellung, die sie +gerade innehatten. Zwischen Ueberresten des Tages, Leichen und +Pferdeaesern. + +Die Barmherzigkeit begann ihr Werk. Man sah sie mit Laternen herumgehen, +irrenden Gluehwuermchen vergleichbar, weissgekleidete Gehuelfen, rothe Kreuze +auf den Aermeln, dunkle Gestalten der Aerzte. In der Eile wurden Tische +aufgeschlagen, Verbandzeug entrollt, in dem Schwestern hantirten. + +Ein Zelt war hergerichtet. Da schnitten, saegten, verbanden die Aerzte die +ganze Nacht. Wenn Einige vor Erschoepfung umsanken, traten Andre ein. Aber +der Aelteste wurde nie muede. Bis ueber die Ellenbogen im Blut, mit +triefender Schuerze, ein kurzes Wort hier und da, that er seine Arbeit. + +Auf dem Schlachtfeld selbst, einem kleinen Huegel gegenueber, hatte der +siegende Feldherr sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auch da ging es +lautlos zu. Adjutanten glitten wie Schatten. Man sah es ihnen an, sie +kamen sich ausserordentlich wichtig vor. Jetzt gingen die Depeschen in +ihre Hauptstadt. Sie wuerden die Helden des Tages sein. Man sprach von +ihnen. Mancher schwebte sich schon wieder im glaenzenden Salon vor, +maennlich ernst in hochgeschlossner Uniform, die zaertliche Huldigung der +Schoenheit entgegennehmend. Man wuerde sagen, dass der Feind tapfer war, der +Krieg ein grosses Unglueck sei. - Je naeher sie dem General kamen, seiner +Person und seinem Rang, desto ernsthafter und wichtiger wurden sie. Sie +befahlen gleichgueltige Dinge, eine Tasse Thee oder kalte Zunge, mit der +Miene von Diplomaten, die ueber Sein und Nichtsein von Staaten entscheiden. +Niemand war heiter oder betrank sich. Das war fuer die Troupiers draussen, +die gewoehnliche Mittelsorte, das Kanonenfutter. Der General liebte +dergleichen nicht. Man entsann sich nie, ihn lachen gesehen zu haben. Die +Soldaten liebten ihn. Er war einfach und gerecht. Das ist ein sichrer Weg +zum Herzen des gemeinen Mannes; er erkennt die Comoedianten sofort, +sogenannte Liebenswuerdigkeit ist ihm als Laune verdaechtig. - Niemals sah +man diesen Feldherrn Vorlieben haben. Er liebte seine Soldaten. Er that +seine Pflicht. + +Der General war allein. Er hatte seine Berichte abgefasst, schlicht, ohne +Zusaetze und Phrasen, wie es seine Art war. Die Schlacht war gewonnen, die +Verfolgung im Gange. Die Kreisbewegung, durch die er den Feind in die +Mitte nahm, ihn dann von allen Seiten zugleich zermalmte, hatte sich als +vollkommner Erfolg bewiesen. + +Er war ein Greis von beinah achtzig Jahren. Aber ein sehr starker Greis. +Man sah es seinem Gesicht an, dass er das Klima aller Zonen getragen +hatte. Sein Ruhm stand ehern wie ein Felsen. Unerschuetterlich wie sein +Ruhm war seine Gerechtigkeit. Dieser Mann verzieh nicht. Er strafte auch +nie ungerecht, weil er die Macht dazu hatte. Seine Siege waren wie die +eines Richtschwerts, das aufgehoben ist und faellt. Er besass keinerlei +Eitelkeit, keine Leidenschaften und Schwaechen. Sein junger, einziger Sohn +war gefallen in diesem selben Krieg, gegen den General, den er heute +vernichtet hatte. Dies erbitterte ihn nicht. Es machte ihn auch nicht +weicher. - Er war ein grosser Mann. + +In dem engen Zelt war es heiss. Ein fader Geruch war in der Luft, von +Pulver, zu vielen Menschen, stehendem Blut. Selbst in dieser Nachtkuehle +machte er sich bemerkbar. + +Der Adjutant schlief im Vorzimmer auf einem Stuhle. Es war ein junger +Edelmann aus einer sehr vornehmen Familie, aeusserst correct immer mit +blendend weisser Waesche und gefeilten Naegeln. Wenn er den General gesehen +haette, wie er aufspringen, eilig sich neben ihn rangiren wuerde: Excellenz +befehlen dies - geruhen das -! Jetzt im Schlaf sah er dumm aus wie ein +Hammel. Er traeumte nicht einmal. Er dachte an gar nichts. + +Er schritt ueber mehrere Schlaefer. Die Wachen praesentirten. Es waren +Soldaten von seinem Leibregiment, seinem eignen Heimathsregiment. Dieses +Regiment hatte eine lange, glorreiche Geschichte. Er dachte daran, dass +sie heut' sehr schwere Verluste gehabt hatten. Es that ihm weh. Er +verabscheute den Gedanken. Alle hatten verloren. Tausende waren geblieben, +Freund und Feind. + +Da bivouakirten auch andre, frische Regimenter, die erst eben auf dem +Schlachtfeld angekommen waren, noch nicht mit am Triumphe theilgenommen +hatten. Diese waren praechtig. Das Metall der sauber zusammengestellten +Waffen blinkte. Sie schliefen in ihren Uniformen bis an den Hals +zugeknoepft, noch im Schlafe stramm und gerade. Alles ausgewaehlte junge +Leute. Man hatte sie noch immer gut genaehrt. Die Landsleute hatten ihnen +zugetrunken auf dem Marsche. Sie fuerchteten sich nicht und schliefen mit +einem leichtsinnigen Soldatenliedchen auf den Lippen. + +Fuer ein andres Mal reservirte man diese. + +Er ging ueber das Feld. Der Boden war hartgestampft, wie um niemals wieder +weich zu werden. Man konnte nicht sagen, was vorher darauf gewachsen war, +Gras, Gaerten oder Weizen. Er war Stein jetzt, zerhaemmert, geschmiedet von +Millionen Fuessen und Hufen. Im Ring die Berge behielten ihre alte Form von +Wellen, Ruecken. Ihre Abhaenge waren mit Leichen geduengt. Jeder Einzelne war +fuer sich getrennt mit ungeheuerster Anstrengung genommen worden. Den +ganzen Tag hatten ihre Flanken Feuer gespieen. Es brachte sie nicht aus +dem Gleichgewicht. Sie waren Ewige, Steinerne. + +Er sah einen prachtvollen Menschen zu seinen Fuessen lang ausgestreckt. Der +war mausetodt, in's Herz geschossen. Ein ganz junger Mensch, wie ein +Achilles. Er bewunderte das Viereck der Schultern, dieses herrlichen +Brustkastens. Das Gesicht war ganz unentstellt. Er lag da wie auf dem +Paradebett, ein gefaellter Eichstamm. + +Vierzig Jahre und fuenfzig haette er noch leben koennen. Und er, der General, +war achtzig, ein kleiner, mueder, gebrechlicher Greis. Der Krieg blieb eine +schreckliche Sache. + +Von der einen Seite aus den Gebueschen kam Wimmern. Schwerverwundete hatten +sich da hingeschleppt, die Sanitaetscolonnen hatten sie noch nicht +entdeckt. Es klang wie Hundegewinsel. Manchmal stockte sein Fuss wie in +Leim. Er zog ihn mit einer Art Ekel zurueck. + +Graesslich waren die Pferdecadaver. Sie hatten nicht die Wuerde, die der +Mensch unwillkuerlich im Tode bewahrt, oder sein Menschenthum ihm gewaehrt. +Und etwas Schrecklicheres. Als ob sie fragen wollten: Warum? Das stupide, +bloedsinnige Warum? der Unbewussten. Gigantisch waren sie mit haengenden +Baeuchen, unter denen Pfuehle standen, in der Ungeschicklichkeit der +leblosen vier Beine, gebrochnen, vorgequollnen, fischigen Augen, - waehrend +die Menschen sehr klein erschienen, holzpuppenhaft. Wo Granaten crepirt +waren, lagen abgerissne Stuecke, groteske Nacktheiten - beinah laecherlich. +Wie haesslich der Tod war! + +Freund und Feind lagerten durcheinander. Es war gar kein Unterschied mehr. +Die meisten zeigten diesen selben Ausdruck dummen Schreckens. Man konnte +fast sagen betruebter Kinder, die man mitten im Spiel unterbrochen hatte. - +Er wunderte sich fast, so wenig edle und heroische Gesichter zu sehen. +Dieser junge Mann war beinah der Einzige gewesen, der der Vorstellung +entsprach, die man wohl in Heldengedichten hat oder auf Denkmaelern, wenn +ueber dem gefallnen Krieger der Genius die Fahne schwingt. Dann sagte er +sich: "Wie koennte es auch anders sein? Was sind diese Leute? Wo kommen sie +her? Was wissen sie von den grossen Ideen des Vaterlands, der Herrschaft, +der Volksehre, fuer die sie sich schlagen? Es ist sonderbar, dass sie sich +ueberhaupt schlagen, Heerdenzug, Schafsintelligenz. Was sind sie? Was ist +ihr Werth?" + +An dem Huegel war der Kampf am heissesten gewesen. Da lagen Leichen dicht +wie abgemaehte Schwaden. Immer dieselben Uniformen. Nach ihrer Lage und +Fallrichtung konnte man deutlich die Stellung des Feindes erkennen. Der +ganze Kampf war da aufgezeichnet in menschlichen Ueberresten. - Etwas +Dunkles verschwand im Schatten. Abgehackte Finger, nackte Todte verriethen +unmenschliche Hantirung. Mit einer Geste des Ekels wandte er sich ab. +Leichenraben! Schakale - das rief ihm einen Spion zurueck, den er den Tag +zuvor hatte erschiessen lassen. Seine Frau hatte fuer ihn gefleht und +gebettelt, eine elende, zerrissne Schlumpe. Sie hatte ein Kind an der +Brust, einer haengenden, welken, ekelhaften Brust. Die Andern hingen in +ihren Roecken. Natuerlich war die Gerechtigkeit vollzogen worden. Ein +Schuft! - er hatte eine Frau - kleine Kinder ... + +Ein Windzug hatte sich erhoben und kam ueber das Schlachtfeld, ein +trauervoller, trauriger Wind der Feuchtigkeit mit tappenden Fluegeln. Er +brachte ein Roecheln mit. Gar nicht boshaft oder zornig. Ganz sanft. Aber +es setzte nicht aus. Es erhob sich wieder in weiten Entfernungen. Und +starb im Winde. Vielleicht war es mehr ein Geist der Klage, als die Klage +selbst. Vielleicht war es die Hallucination des Orts. Dieser Ort war +traurig. + +Vielleicht litten sie gar nicht. Es war nur das Raederwerk der Maschine, +das auslief. - Eine Fratze grinste ihn an, schauerlich, idiot, mit +heraushaengender Zunge und glotzenden Augen. Der auch war fuer's Vaterland +gestorben. Welches zusammengewuerfelte Material, diese Haufen der Todten! - +Ernsthafte Familienvaeter mit Vollbaerten. Sie hatten zur Waffe gegriffen, +weil man sie angriff. Ihre Beschaeftigung war, den Acker zu bauen, Staedte +aufzurichten. Ruinirte junge Lebeleute. Verbrechervolk, Jugend aus +allerlei Laendern, die mit lachendem Mund in Abenteuer rennt. Jetzt war +Alles dasselbe. Alles hatte aufgehoert, die Sorge, der Leichtsinn, die +Liebschaft. Was ist das Leben? Was ist alle Muehe, die man aufgewendet hat, +es zu schuetzen? Diese ewige Erneuerung, zu der alle lebenden Wesen sich +gezogen fuehlen? + +Er rief sich die grossen Momente seiner Existenz zurueck. Die Befreiung, +der schreckliche Zug durch Schneegebirge, die athemlose Erregung, als ein +Volk mit Thraenen und Gebeten ihm folgte wie die verwittwete Mutter ihrem +Erstgebornen ... Wie sie ihm entgegenstuerzten, vom Hunger ausgemergelt ... +Maenner weinten wie kleine Kinder. Sie kuessten ihm die Haende. Er war Gott, +der Retter! Sein Einzug - das ganze Land schwoll ihm entgegen wie eine +zitternde, erwartungsvolle Geliebte. Er sah es zu seinen Fuessen. Sie +kuessten ihm die Fuesse, die Steigbuegel. Alle Ehren und allen Ruhm hatte er +gekostet. Er war alt geworden und traurig. + +Er blieb ploetzlich stehen. Das Roecheln war ganz deutlich geworden. Es +klang wie das Weinen einer Kinderstimme. Dann in einer andern Sprache, +doch sehr vernehmlich, hoerte er: "Mama ... Mama ..." + +Der General zitterte. Es war ein ganz junger Bauernknabe von den Feinden, +erbaermlich jung, viel zu jung. Ein spitzes, blasses Gesicht, zwei Augen, +ueberirdisch. Der Schuss musste im Unterleib sitzen. Er litt. Er streckte +die Arme aus. Er rief nach seiner Mutter. + +Da - da war die ganze Tragoedie des Krieges, die ewige Feindschaft, die +Mutter, die immer wieder gebiert, naehrt, hofft. Und man nimmt ihr immer +wieder, toedtet, vernichtet. + +"Mama ... Mama ..." schluchzte der kleine Bauernjunge. + +Er war vielleicht ein Held. Er wusste es nicht mehr. Vielleicht waere er +ein Mann geworden, haette getoedtet, geherrscht, vernichtet seinerseits. Er +fror. Er hatte Schmerzen. Er fuerchtete sich. + +"Mama ..." rief er. "Mama ..." + +Und er dachte an eine andre Mutter, diese eine tragische Mutter, schwarz +in schwarzen Schleiern. Die eigne jaehe Wunde fing an zu bluten. Sie hatte +nicht geweint. Sie hatte ihn nicht gebeten zu bleiben. "Gott segne Dich!" +sagte sie und hatte ihn gekuesst. + +Und ueber ihr wieder stand eine noch groessere, tragischere Mutter. Eine +Koenigin - sein Land, sein ganzes Land in Trauer. Es schickte seine Soehne, +ohne zu klagen, bleich und erhaben. Er gab und die Andre gab ... +Opfergabe, hinter der die Muetter standen, die vielfach Gestorbnen, die +zehnmal Gekreuzigten - Sie, die wahren Leidenden, die wahre Groesse, +Lebenstraegerinnen ... + +Und ein andres erstaunliches Phaenomen machte ihn betroffen. An einem +Dornstrauch, der Blut trug, weil ihn die Fluechtenden gestreift, halb +zerstampft, niedergetreten, ein elender Stummel nur, ein einziges noch +lebendiges Hoelzchen, - bluehte eine weisse Blume. Sie musste sich erst eben +erschlossen haben. Sie duftete - sie bluehte ... + +Er sah die Mutter der Muetter. Er sah die Natur treibend und unverletzt, +trotz Brand, Tod und Blutregen, den Acker, der seine Frucht traegt, den +Baum, in dem die Saefte steigen, das Thier, das seine Jungen saeugt ... + +Wuestes Gelaerme unterbrach ihn. Da hinten im Bivouak feierte man den Sieg. +Sie zechten und brachten Toaste aus; die triumphirten. - Jetzt musste die +Kunde auch in der Heimat sein. Man liess die Glocken laeuten und steckte +die Fahnen heraus. Leute auf der Strasse umarmten sich mit der +Siegesbotschaft. Ein wirres Freudengelaerm schien sein Ohr zu erreichen, +ein Beifall, der von weit kam, seinen Namen rief ueber die Meere. Das war +der Sieg. + +Und Andres stieg auf, undeutlicher: Flueche, Thraenen, Racheschwuere ... Sie +auch wussten jetzt. Sie beteten. + +Derselbe Gott war ueber ihnen Beiden, unerbittlich, gleichgueltig. Er sprach +nicht und hoerte nicht. Der Gott der Weltgeschichte, der Eherne der +Nationen, dem Babylon und Rom gesunken war. Alexander und Napoleon waren +gross geworden und fielen. Vae victis! und Ave Caesar! - Es war Alles +dasselbe ... + +Die Landschaft war flacher hier. Eine Kuehle wurde deutlich fuehlbar. Er +schritt eiliger vorwaerts. Eine Bewegung des Bodens schien ihn mit +fortzuziehen, ein maechtiges Einathmen und Ausstossen wieder. Alles ging +und kam. Aber das Gehen schien noch kraeftiger wie das Kommen. Im Werden +verging Alles. Ein Toedtliches, Bestaendiges, Festes war in der Bewegung. +Alles starb. + +Er war am Strand. Der Sand machte diesen Erdstreifen heller. Dahinter lag +es grau, unruhig, sich anwaelzend und weichend. Salzathem stieg. Das Meer +fluthete und ebbte, endlos, schwarz unter dem schwarzen Himmel ohne +Sterne. + +Und er sah etwas Andres. - Ein Schatten? Ein Seufzer? ... Es war schon +vorueber. Die Hallucination des Elends, ein Geist des blutigen +Schlachtfelds, das da hinten duenstend lag: ein blasser Mann trug ein +Kreuz. Das Kreuz war riesengross, aus rohem Holz geschnitten. Der eine Arm +des Querbalkens ragte gegen den Himmel. Das Ende schleppte lang nach auf +den schwarzen Wellen. "Und er wandelte auf dem Meer." ... + +In diesem Augenblick, ganz deutlich wie in Metall geritzt, kraehte ein +Hahn. + +Es war Nacht. + + + + + + DAS NEUNZEHNTE KAPITEL. + + +Der Amtsgerichtsrath war durchaus nicht der Meinung seines juengeren +Collegen. + +"Ein Narr," sagte er, "und nicht schlimmer wie Andre, die lose rumlaufen. +Lassen Sie ihn laufen, Salvatius!" + +Der Andre machte Vorstellungen. Er war ein hagrer, duenner Herr und neigte +zu einer pessimistischen Weltauffassung, waehrend der Gerichtsrath in +seiner rosigen, behaebigen Fuelle auch Alles rosig sah. Die Specialitaet +dieses Ersteren waren Majestaetsbeleidigungen. Er sah diese ueberall. Er +roch sie, witterte, zog sie hervor aus den groebsten Verwicklungen. +Irgendwie wurden alle Verbrechen das bei ihm. Sie waren es ja auch +insofern, als die Majestaet fuer ihn die Autoritaet Gottes auf Erden vertrat. +- Er war schlimmer wie ein roemischer Statthalter. + +"I bewahre!" sagte der Amtsgerichtsrath. "Wo wollen Sie das nun wieder +rausschinden? Schliesslich, wenn wir das Vaterunser beten, ist das auch +eine Majestaetsbeleidigung. - Dreck sind wir Alle." + +Der Duenne blinzte, unangenehm beruehrt. Der Assessor drehte die Daumen. Er +lernte noch. Dann war er von Berlin hierher versetzt, konnte nur jeden +Sonnabend nach Hause. Er lebte von Sonnabend zu Sonnabend. Auch hatte er +die Absicht, Carriere zu machen. Deshalb achtete er abwechselnd auf seine +beiden Vorgesetzten. Der Dicke gefiel ihm um seines heiteren Cynismus +willen. Aber der Eifer des Andern imponirte ihm. So wurde man was. + +Der gelbe Herr behauptete, dass Unruhen kaemen, die Leute liefen zusammen; +"na, und wenn die Lausewenzel des Sonntags ein bischen weniger soeffen?" - +Ueberdies hatte der Pfarrer Gentz eine Denunciation eingereicht. + +"Nur weil er ihm in's Handwerk pfuscht, seine Kunden stiehlt. Die Pfaffen! +- Das hackte sich am liebsten gegenseitig die Augen aus. Dadran sehen +Sie's schon. Predigte er den leibhaftigen Satan, ginge es noch. Dann +haetten sie Wasser auf ihre Muehlen. Dasselbe sagen wie die Herren Pastoren! +Die verbrennten uns Christus heute noch." + +Der Assessor lachte. Die Ausfaelle gegen die Clerisei amuesirten ihn. Er +konnte auch die Pfaffen nicht leiden. Trotzdem - ein leichter Anflug von +Semitismus haftete ihm an - deswegen war er kirchlich. + +"Sie beleidigen einen hochachtbaren Stand," sagte der Gelbe bitter. "Die +Geistlichkeit hat eine Pflicht im Staate. Sie sind gleichsam - die +Gewissenspolizei." + +"Ich verlasse mich lieber auf unsern Pommeraenicke. Sehen Sie, zum +Ketzerrichter bin ich nun mal verdorben. Aber wenn Einer lange Finger +macht, gar zu uebermuethig wird, dann giebt's was drauf. Das haelt die +Gesellschaft zusammen." + +"Es giebt sehr Vieles, was vielleicht schlimmer ist." + +"Das ueberlasse ich feineren Nasen. Es waere doch ungemuethlich schliesslich, +allein als Krone uebrig zu bleiben und am Ende entdeckte man in sich selbst +unerlaubte Magenbeschwerden. Eine gewisse mittlere Dickhaeutigkeit macht +allein das Leben auf diesem mangelhaften Planeten fuer sich und Andre +ertraeglich. So'n Rhinoceros ist das philosophische Vieh. Alle Stoiker +bleiben Waisenknaben dagegen." + +Der Dicke ging seinen Amtsgeschaeften nach, ohne sich dadurch den Appetit +verderben zu lassen. Selbstmoerder, die er zu recognosciren hatte, theilte +er in Krammetsvoegel und Rohrdommeln ein, Erhaengte oder Ertraenkte. +Eigentlich war er beliebt. Er vertrat eine praktische Nothwendigkeit. Die +armen Teufel liessen die Koepfe haengen und ergaben sich in ihre Strafe. Er +begruesste die Rueckfaelligen auch stets wieder mit derselben Jovialitaet. +Unter der Hand war er wohlthaetig. Manches arme Weib hatte sich seine Mark +fuenfzig oder drei Mark Conventionalstrafe fuer Holzsammeln, Beerensuchen +von ihm zugesteckt gesehen. Eine gewisse ruede Ausdrucksweise ging dabei +mit in den Kauf. Er nannte das patriarchalisches Regime. + +Ganz anders der Gelbe. Die Angeklagten waren von vornherein seine +persoenlichen Feinde. Er suchte sie noch privatim moeglichst zu +zerknirschen. Nichts konnte ihm mehr Freude machen, als solche, die sich +erhaengten, Weiber, die sich in Zuckungen auf der Erde wanden. In +Alimentationsklagen trat er nie ein, ohne das Frauenzimmer vorher +gruendlich zu verdonnern. Ueberhaupt Unsittlichkeit! Er hatte dann ein +Gefuehl des lieben Gottes, eines Rhadamanthus. Zum allgemeinen Besten +musste man unbarmherzig sein, waehrend der Dicke sich vorgenommen hatte, +dann lieber nach der andern Seite zu suendigen, die Sittlichkeitsfrage von +vornherein ironisirte. + +Die leichtherzige Auffassung des Collegen hatte den Andern geaergert. Er +fand den Fremden im Gegentheil hoechst gefaehrlich, staatsaufloesend. Dabei +blieb der Kerl heimlich, verstockt. Er liess sich nicht fangen. + +"Sie sind Communist?" fragte ihn der Vorsitzende. "Sie predigen den +Communismus?" + +"Was mein ist, ist meines Bruders." + +"Wenn er es nicht giebt?" + +"Es ist nicht an mir zu fordern." + +"Ich habe gehoert, dass Sie aufloesende Tendenzen gegen die Ehe predigen? +Wie denken Sie darueber?" + +"Nicht die Ehe ist unheilig, die Unkeuschheit macht sie so." + +"Wie ist denn aber eine Ehe moeglich ohne physischen Umgang?" + +"Das waere allerdings die Radicalcur fuer alle unsre Gebresten," sagte der +dicke Amtsgerichtsrath. Er fand die Idee hoechst spasshaft. + +Man wollte wissen, ob er sich weigerte, Militaerdienst zu thun? + +"So mich Keiner angreift, wozu brauche ich Soldaten? Wenn ich angegriffen +werde, ist es mir besser, Unrecht zu dulden, als Unrecht zu thun ..." + +"Das bricht den Gehorsam gegen das Gesetz." + +Er wies auf ein Cruzifix, das neben dem Richterstuhl hing, zu +Eidesleistungen gebraucht wurde: "So Er Euch Gesetz ist, was braucht Ihr +Gesetze?" + +Sie fragten: "Was bezeichnen Sie als sein Gesetz?" + +Er sprach: "Es steht geschrieben: Wer gestohlen hat, der stehle nicht +wieder, sondern schaffe mit seinen Haenden, auf dass er habe zu geben dem +Duerftigen. Du sollst Deinem Bruder vergeben sieben mal siebenzig mal. Und +was Du nicht gethan hast diesem Geringsten Einem, das hast Du mir nicht +gethan." + +"Ein geschriebnes Recht muss sein um der Ordnung willen," warfen sie ein. + +"Ich sehe nur Unordnung. Ihr habt taeglich zu thun mit Solchen." + +"Das sind Ausnahmen." + +"Die Andern bleiben in der Regel, weil sie den Vortheil davon haben." + +"Er ist scharf wie ein alter Fuchs," schmunzelte der Amtsrichter. + +"Ohne Zwang ist in menschlichen Dingen kein dauerhafter Zustand moeglich." + +"Der Zwang trifft nur die Aeusserung. Er aendert die Gesinnung nicht. Die +maechtig genug sind, verachten ihn, und diese sind die staerksten, die das +Beispiel geben." + +"Da hat er, den Teufel! nicht Unrecht. Unsre Banquiers und Minister +koennten davon ein Liedchen singen." + +"Glauben Sie, dass dieser Zustand ohne Gesetzlosigkeit, ohne Mord und +Todtschlag je moeglich sein wird?" + +"Wenn Jeder sich selbst Gesetz ist." + +"Dann hat's gute Weile." + +Der Gelbe wollte wissen, ob er Seine Majestaet den Koenig anerkennte? + +"Wenn Unordnung ist, ist es gut, dass Einer sei. So aber Ordnung ist, wozu +ist ein Herr?" + +Der Feierliche fand, dass darin doch eine Majestaetsbeleidigung laege, zum +Mindesten Zweideutigkeit. + +"Glauben Sie an Gott?" + +Er glaubte natuerlich nicht. Der Pfarrer hatte es haarklein bewiesen, +Aussprueche zusammengestellt. Ein ganz hohler Pantheismus war vielleicht +vorhanden. + +Der Assessor fand, ein paar Monate koennten nichts schaden. Man musste sich +schneidig zeigen. + +Der joviale Amtsrichter war dagegen: "Er hat nicht gestohlen, thut Keinem +was zu Leide. Lassen Sie ihn laufen!" + +Der Assessor langweilte sich. Er fand, dass es fuer ihn ueberhaupt nicht der +Muehe werth sei, sich mit einem abgerissnen Strolch laenger zu beschaeftigen. +Man hatte genug zu thun, Beleidigungen socialistischer Redacteure +aufzunehmen. Das machte einen guten Eindruck nach oben. Er sah sich gern +als Praesidenten des Reichsgerichts in scharfer, schneidender Rede die +Gesellschaft retten. Das war vornehm gewesen seit Jeffrey's Zeiten. Aus +diesem Grunde opinirte er auch gegen Dreyfus. + +Den Vorsitzenden verfolgte die fixe Idee der Majestaetsbeleidigung: "Ob man +die Steuer zahlen sollte?" wollte er wissen. + +"Ist sie fuer das Allgemeine, so ist es billig, dass ein Jeder trage. Ist +sie nicht, so mag der tragen, der sie braucht." + +Sie stellten ihm eine Menge Fragen, woher er kaeme, was sein Name und Stand +sei? Auch ueber seine Geldverhaeltnisse wollten sie wissen? Wovon er sich +ernaehrte? + +Auf dieses Alles antwortete er nicht. + +Nun fingen sie an, Erkundigungen anderweitig einzuziehen. Es gab Leute, +die es beschworen, dass er ein Joseph Schaeppli aus Bing in Wuerttemberg +sei, der schon in seiner Jugend geistesgestoert gewesen, seinen Eltern +davongelaufen und dann verschwunden war. + +Man that noch ein Uebriges. Da die alte Mutter Schaeppli noch lebte, +beschloss man ihn mit dieser zu confrontiren, sie auf Gerichtskosten +herkommen zu lassen. + +Der Erfolg schien allen Zweiflern Recht zu geben. Es erschien vor Gericht +eine uralte verhutzelte Bauersfrau, ganz benommen von der Wichtigkeit und +Wuerde des Orts, diesen vielen Augen, die auf sie gerichtet waren. Sie +versuchte abwechselnd ihren mitgebrachten Korb mit Esswaaren zu sichern, +aus den Mienen der Umstehenden zu errathen, was man mit ihr vorhatte. +Natuerlich hatte sie ihren besten Sonntagsstaat angelegt. Man hatte das +Gefuehl eines alten Nacht- oder Erdthiers, ploetzlich an's Licht gebracht, +das in die Sonne blinzelt, sich verkriechen moechte. + +Sie erkannte ihn sofort: "O mein Sohn Joseph!" schrie sie. "Mein armer +Sohn! Du boeses Kind! Bist Du mir fortgelaufen und wo hast Du Dich +umgetrieben so lange?" + +Auf dies Alles antwortete er kuehl, aber freundlich: "Du irrst, Frau! Ich +bin Dein Sohn nicht." + +Nun gerieth die Alte ganz ausser sich: "Nicht mein Sohn? Was? Habe ich +Dich nicht in Schmerzen geboren? So spaet kamst Du, dass die Wehmutter es +aufgab. Wir dachten, ich wuerde nicht lebendig bleiben. Dann war es ein +grosses, starkes Kind, zehn Pfund schwer, dass alle Nachbarinnen ueber das +Wunder schrieen. Hinterher kam das mit dem schwachen Kopf, wo gar nichts +anzufangen war. Nicht mal zum Viehhueten taugte das. 'Geben Sie's nur auf, +Schaepplerin,' sagte der Herr Pfarrer. 'Den hat sich der Herrgott +gezeichnet.'" + +Sie fing ploetzlich an zu weinen und wurde zaertlich. "Bin ich nicht doch +gut zu Dir gewesen? Hab' Dich trocken gelegt jede Nacht, wenn Du +schrieest? Und wie Du krank warst, hab' ich Dir Hirsenbrei gekocht. Du +assest so gern Hirsenbrei und getrocknete Pflaumen. Dafuer liessest Du +gerade Dein Leben. Mein Joseph! Mein Seppli! Mein eigner Herzbub! Und +willst nun Deine eigne alte Mutter nicht kennen?" + +Er sprach: "So nun sind die Weiber. Weil sie Dir Brot gegeben und den Leib +gewaschen, bilden sie sich ein, dass sie Dir eine Seele geschaffen, einen +unsterblichen Menschen aus Dir gemacht haben. O kleine Kinder im grauen +Haar! Thoerinnen, die Ihr Muetter seid!" + +Danach, wie er sah, dass Einige diese Rede hart fanden, Andre sie richtig +nannten, die Alte aber schluchzte und lamentirte, sagte er: + +"Dennoch ist die Mutter immer verehrungswuerdig. Sie hat gelitten. Sie hat +leibliche Schmerzen gelitten, wie das Kind zur Welt kam. Alle Noth und +Last traegt sie mit ihm in seiner Schwachheit. Danach wird es zum Manne und +laesst sie. So ist es wohl ihres und doch nicht ihrs. - Sie leidet im +Fleische um einer unsterblichen Seele willen. - Viele schelten dies +Geschlecht schwach. Es ist aber nicht so, da sich in ihrem Leibe sichtlich +das heilige Wunder der Erloesung zeigt." + +Und war guetig zu der alten Frau, troestete sie und hinterliess sie mit +Gaben, die seine Freunde fuer ihn sandten. + +Vielen war das wieder ein Zeichen: "Er weiss sehr wohl, dass er ihr Sohn +ist. Wuerde er sie ehren, wenn sie nicht seine Mutter ist?" + +Er sprach: "Und wenn sie es waere? Was ist eine Mutter? Hat sie mir meine +Gedanken gegeben? Traegt sie Schmerzen fuer mich? Und fuehlt sie mit meinem +Fuehlen? Der Antheil der Mutter ist vom Fleisch. Wir sind aber nicht +Fleisch, sondern Geist. + +... "Vor Augen siehet diese Art, was wahrscheinlich ist. - Das Wahre aber +siehet sie nicht. Wenn sie es saehen, wuerde es ihre Augen verbrennen. - +Aber die Blinden haben auch Augen." + +Danach schwieg er und sagte nichts mehr ueber diesen Fall, erklaerte sich +auch nicht deutlicher. + +Dieser Umstand der Recognoscirung durch die eigne Mutter beruhigte die +Richter ganz und gar. Sie dachten nun wohl, dass er ein Narr und Kranker +sei. Uebrigens bildete nicht die Familie die Grundlage und Urform jedes +gesunden Staatsorganismus? Das heiligste Gut der Nation? Einer, der nicht +mal die Familie anerkannte, leugnete das Bestehende durch diese Thatsache +schon. - Der Gelbe war fuer mindestens zwei Jahre und kurzen Process. Aber +die Herren amuesirten sich zu gut bei dem Fall. Es machte ihnen Spass, ihn +auszuhorchen ueber seine Ansichten. Was er von ihrer Justiz denke? Ob er +mehr fuer deutsches Recht sei oder fuer roemisches? Auch fanden sie +verzwickte Streitfaelle, die er entscheiden sollte. Und ob er die +Todesstrafe billigte oder missbilligte? + +Es war ein foermlicher Sport unter ihnen geworden. Der dicke +Amtsgerichtsrath war der Lustigste. Er nannte ihn scherzhaft seinen +Christus und sich Pontius Pilatus. - Der Assessor dachte an Berlin und die +Blumensaele. Er war weit weg. Der grosse Gelehrte fand, dass dergleichen +die Koepfe verwirrte. Er war sehr gegen Verwirrung der Koepfe. Er hatte alle +Materien in Schubfaecher und Unterschubfaecher eingetheilt, und man wusste, +dass sein Urtheil unbestechlich war. Ueberdies _fand_ er die +Majestaetsbeleidigung. Die Majestaetsbeleidigung lag sonnenklar. + +Besonders konnte ihn eine Behauptung des Jovialen irritiren, dass der +Fremde eigentlich ein "genialer Kerl" sei, ein religioeses Genie. + +"Genies - Genies - die haette man auch Alle einstecken sollen." + +"Auch Goethe?" + +"Was ist Goethe? Ein Kerl, der keinen Patriotismus hatte, einen +unmoralischen Lebenswandel fuehrte." + +"Er ist aber doch Excellenz geworden." + +"Es kommt ja vor. Im Grunde ist das Alles hoeherer Anarchismus, +selbstverfertigte Autoritaeten, Parvenuegewalten. Sehen Sie selbst +Bismarck ..." Der eminente Jurist war ultramontan. + +"Aber Pommeraenicke!" Der dicke Polizeidiener bildete das besondere +Steckenpferd seines humoristisch veranlagten Vorgesetzten. In seinen +Mussestunden schlachtete er Schweine, lieh Geld auf Wucherzinsen und +fuellte in seiner kleinen Methodistengemeinde ein kirchliches Amt aus. + +"Pommeraenicke ist nothwendig, existenzberechtigt. Pommeraenicke _ist_!" + +"Die Fleisch und Fett gewordene Potenz des mittleren +Gerechtigkeitsgefuehls. _Es lebe_ Pommeraenicke!" + +"Sie sind ein Farceur." Der Gelbe grollte und kollerte in sich hinein. Er +hasste, wenn man irgend etwas, das mit einer Staatseinrichtung +zusammenhing, nicht ernsthaft nahm. Er war immer ernsthaft. Lachen war +eine Frechheit eigentlich. Anarchismus, Majestaetsbeleidigung. Nur +pietaetlose Menschen lachten. + +Der Assessor hatte Besuch von Berlin. Diese Damen und Herren wuenschten +innig ein Zuchthaus zu besichtigen. Das Sociale war Mode. Man verstaendigte +sich mit dem Director. + +Auch der Amtsrichter und sein Freund waren mit. + +Alles interessirte ausnehmend. Die Hunderte von kleinen Zellen mit starken +Eisenbarren vor den hohen Fensterluken, der Arbeitssaal, die Kirche, wo +die einzelnen Sitze durch Brettwaende abgetheilt waren, um eine +Communication der Straeflinge miteinander zu verhindern, der gepflasterte +Hofstreifen zwischen Steinwaenden, in dem sie ihre Spaziergaenge machen. + +Alles war musterhaft eingerichtet, beinah comfortabel, mit Lazareth, +Apotheke, Badeanstalt. Und diese wohlthuende Stille! "Foermlich +nervenberuhigend," meinte die Mama. + +Der Herr erkundigte sich, ob und unter welchen Bedingungen gepruegelt +werden duerfte? Er liess sich die Einrichtung erklaeren. Er war sehr +ueberzeugt von der Zweckmaessigkeit solcher Strafen. Der affenartige +Gehorsam, mit dem die Straeflinge aufsprangen, Antwort gaben, imponirte +ihm. Er war selbst Besitzer eines grossen industriellen Etablissements. +"Da haben Sie's bequemer!" meinte er scherzend. + +Die jungen Damen interessirten hauptsaechlich die Insassen. Besonders ganz +schwere Verbrecher. Sie waren fast enttaeuscht, dass ihre Unthaten nicht +noch viel furchtbarer waren. Und waren Frauen da? Sie baten und flehten, +wenigstens einen Ausblick auf die im Hofe Promenirenden thun zu duerfen. - +Es war so amuesant, durch die kleinen Gitterfenster zu gucken, gerade als +ob man wilde Thiere beobachtete. So Einer konnte doch jeden Moment +ausbrechen und ihnen mit der Hand an die Gurgel fahren. + +Dass Alle glattgeschoren und rasirt waren, wunderte sie am meisten. "Die +sehen ja fast wie katholische Priester aus," meinte ein Offizier. + +Von da kam man auf physische Eigenthuemlichkeiten, Abnormitaeten der +Verbrecher zu sprechen. Der Assessor als moderner Mann hatte sich mit +Anthropometrie befasst. Man citirte Charcot, Tarbe, Lombroso. Es stand ja +beinah fest, dass alle Verbrechen Wahnsinn seien, erbliche Belastung, +durch Alkoholismus hervorgerufen: "Man muesste die Leute einfach in +Irrenanstalten unterbringen." + +"Oder blenden, verstuemmeln," schlug Einer vor. + +Man rechnete genau aus, wieviel ein solcher Zuchthaeusler dem Staat +jaehrlich kostete. Davon konnte fast schon ein ehrlicher Arbeiter satt +werden. Zudem drueckte ihre Arbeit die Preise der in Freiheit Arbeitenden +herab. Nun ja, das jetzige System war dumm. + +Der Amtsgerichtsrath erzaehlte von einer Hinrichtung, der er als ganz +junger Mensch aus professionellen und psychologischen Gruenden beigewohnt +hatte. Es handelte sich um irgend einen ganz entsetzlichen Moerder, einen +Zwanzigjaehrigen, der eine alte Frau, seine eigne Grossmutter, mit der Axt +todtgeschlagen und zerstueckelt hatte. Er war nach vollbrachter That ruhig +noch in ein Cafe gegangen, um eine Parthie Billard zu spielen. Da war er +auch arretirt worden. + +"Sie aergerte mich," blieb seine stereotype Antwort auf alle Fragen nach +den Beweggruenden seines Verbrechens. Er blieb ganz stumpfsinnig, ass und +trank und ergab sich in sein Schicksal. + +"Nun gut. Diesen Kerl habe ich genau beobachtet. Er hatte nur etwas +Verbluefftes, wie Einer, der eben aus dem Schlaf geweckt und noch nicht +vollstaendig wach geworden ist. Alle Reden des Pastors, der Gerichtsbeamten +liess er ruhig ueber sich ergehen. Noch zuletzt forderte er eine Cigarette. +- Alles hatte etwas Eiliges, Unvorbereitetes, Gesudeltes, obgleich es +feierlich sein sollte, eindrucksvoll, wirksam. Dieser Mann starb wie ein +Ochse, der geschlachtet wird. Ich hatte nur den Eindruck stupidester, +verantwortungsloser Dummheit." + +Man kam auf die politischen Verbrecher zu sprechen, Verbrecher aus +Mitleid, Nihilisten und Fenier. Jeder wusste curiose Facta: Dieser hatte +jedes Stueck Brot mit Aermeren getheilt. Ein Andrer schrieb die +sentimentalsten Verse und paeppelte kranke Hunde auf. Ein Dritter wieder +besass eine Geliebte, die mit ihm sterben wollte, Freunde, die um ihn zu +raechen ihr eignes Leben dran setzten. Manche waren Maertyrer, Helden. +Spaetere Jahrhunderte hatten ihnen Denksteine gesetzt. + +Der Contrast brachte den Gerichtsrath auf einen andern Fall. "Da haben wir +nun heute eine Frau im hochschwangeren Zustand, die beim Jaeten im Garten +ein Gericht Bohnen gestohlen hat. Die Frau bekam fuer ihre Arbeit +fuenfundsiebzig Pfennig Tagelohn. Sie war hungrig. Das Gericht Bohnen hat +einen Werth von fuenfundzwanzig Pfennigen. Die eigentliche wirkliche +Gemeinheit ist die Anzeige der Gartenbesitzerin, als der Arbeitgeberin, +die sie seit sechs Jahren beschaeftigt. Die aerztliche Wissenschaft, die +Menschlichkeit sprechen sie frei. Dennoch muessen wir sie verurtheilen, +weil es der Buchstabe will, weil es gedruckt steht. Wo bleibt nun da die +Vernunft?" + +Der Amtsgerichtsrath zuckte die behaebigen Schultern. "Schliesslich, meine +Herrschaften - was ist Vernunft?" + + + + + + DAS ZWANZIGSTE KAPITEL. + + +Der beruehmte Professor wusch sich die Haende. Er that das immer mit +besondrer Umstaendlichkeit und Sorgfalt, schon um des guten Beispiels +willen. Man musste ein Beispiel geben. Uebrigens hatte er beruehmt schoene +Haende. + +"Es giebt nichts, was auf das Gehirn schaedlicher einwirkt, als religioese +Wahnvorstellungen," sagte der grosse Mann. "Schon das Beduerfniss einer +Religion ueberhaupt. Ich will nicht mit einem hochloeblichen Consistorium in +Conflict kommen oder auf den neuesten Paragraphen der Lex eingesteckt +werden ..." Der Geheimrath geruhte zuweilen dergleichen Witze, die immer +auf bruellenden Applaus rechnen konnten ... "Es ist bekannt, dass Mohammed +epileptisch war, an der Fallsucht litt. Christus hatte in seiner Jugend +die Satzungen der Essaeer angenommen, unter denen die Forderung der +absoluten geschlechtlichen Enthaltsamkeit, neben strictem Vegetarismus, +Fasten, Waschungen aller orientalischen Kulte, obenan stand. Nun weiss +heutzutage Jedermann, dass die Unterdrueckung des Paarungstriebes die +Ursache zahlreicher Verbrechen, in vielen Faellen des Irrsinns ist. Chassez +le naturel, il reviendra au galop. Die Natur, meine Herren! Die +Wissenschaft ist die erkannte Natur." + +Der Professor hatte seine Haende fertig gewaschen und sorgfaeltig +abgetrocknet. Er stand jetzt, die Fingerspitzen beider gegeneinander +gepresst. Er wusste, dass er keinen Widerspruch zu erwarten hatte. Er war +nicht an Widerspruch gewoehnt. Er verachtete ihn. + +"Es ist eine Schande fuer unser Jahrhundert, dass derartige Erscheinungen +noch moeglich sind," fuhr er streng fort, "dass der Aberglaube eine solche +Macht auf die Gemuether noch ausueben kann. Allein die Ignoranz ist daran +schuld, systematisches Zuruecksetzen des Wissenschaftlichen, des Positiven +in der Erziehung gegen Abstractionen, sogenannte Moral. Ich bitte Sie, +meine Herren! Was ist Moral? Moral ist die Anforderung des Magens in +Einklang gebracht mit dem, was von aussen diesen Magen befriedigen kann. +Unsre Moral, gesellschaftliche Moral ist das geregelte Productions- und +Consumtionsverhaeltniss. Moral endlich ist eine Sache des Bluts, der +Hirnpartikeln, Zellenconglomerat. Die Zelle ist Alles." + +Der grosse Mann sah sich triumphirend um. Er wusste, dass er etwas Grosses +gesagt hatte. "Wie es uebrigens die Seele selber ist ..." fuhr er +leutseliger fort. "Was ist Seele, als das vitale Princip der +Zellenschwingung auf das Abstracte angewendet? In den ersten Zeiten +brauchte man Kutscher und Pferde fuer die Wagen. Dann machte man's mit +Dampf. Jetzt treibt die Electricitaet ohne aeusserlich sichtbaren +Fortbewegungsapparat. Ein Grieche des Alcibiades haette an Daemonen +geglaubt, ein Moench des Mittelalters an den Teufel, ein von den +Missionaren bekehrter Wilder an Gott. - Wir wissen, weil wir sehen. Wo wir +nicht mehr sinnlich wahrnehmen, haben wir nur ein: Ignorabimus." + +Der Professor verbeugte sich gegen sein Publikum. Er war eilig. Eine hohe +Persoenlichkeit verlangte seine Autoritaet in schwierigen Nervenleiden. +"Grosse Ueberreizung," decretirte der Professor. Ruhe, frische Luft, +blutbildende Nahrung, Pepton: Hygieia. + +Das hatte er selbst erfunden und sich patentiren lassen. Der Professor +verstand auch das. Er war ein wirklich grosser Mann. + +Dabei machte er sich niemals durch Propaganda missliebig. In seinem +Wahlkreis waehlte er conservativ. "Fuer die Crapule ist das gut und schoen. +Halbbildung bleibt das Allergefaehrlichste. Das fehlte uns gerade noch, +dass jeder Apothekerlehrling auf eigne Hand Experimente anstellte. Die +Laien sind eben Laien." + +Es war eine Lieblingsredensart von ihm, dass in der modernen Gesellschaft +die Autoritaet des Arztes die des Priesters ersetzt habe. Die Wissenschaft +war eine Macht, die Macht. Eigentlich verachtete er alle Andern, die +vielleicht momentan viel Laerm machten, sich wichtiger duenkten. Sie hatten +das nicht noethig. "Alles das sind Blasen, fluechtige Gaehrungserscheinungen +an der Oberflaeche, die die Grundbedingungen ganz unangetastet lassen. Es +ist das eben wie der Unterschied, ob ich mit meinen Augen sehe oder durch +ein sehr scharfes, vollkommenes Instrument. - Der groesste Geist, ein +Koenig, ein Eroberer ist doch schliesslich nur ein Laie, ein Decadent, ein +Entarteter vielleicht. Er betrifft uns eigentlich darum gar nicht, aendert +aber auch gar nichts an der Marche du jeu, den einmal gewonnenen und +festgelegten Resultaten. _Wir_ passen ihn ein, nicht er uns." + +Er machte einen abschneidenden Eindruck, wenn er dergleichen sagte, +inmitten seiner Arbeitssaele und Laboratorien, mit ihren kahlen, +weissgestrichnen Waenden, wo Instrumente und Praeparate standen. Alle diese +Instrumente waren tadellos gehalten und blinkten in der Sonne. Man sah +alle Stoffe in ihre primitivsten Elemente zerlegt. Diese geistvollen +Einrichtungen und Neuerfindungen arbeiteten mit erstaunlicher Praecision +und Genauigkeit. Der Mann passte in dieses Milieu. Zusammen hatten sie +eine gewisse Groesse. Sein Colleg war immer gedraengt voll. Es gab eine +ganze neue Generation von Jugend, die sich mit Stolz seine Schueler +nannten. Er hatte sein ganzes Leben geforscht und gearbeitet. Arbeit und +Forschung waren ihm das Hoechste. + +Man warf ihm den grossen, weltumwendenden Einfluss des Christentums vor. +Er hatte einen juengeren Freund und Collegen, der sich gern mit dem +Philosophischen befasste. + +"Das sind Epidemieen, die ganze Zeitalter erfassen, wie die Blattern, die +Beulenpest. Uebrigens, was rechnen diese zwei- oder dreitausend Jahre +gegen die Tausende von Jahrtausenden, die die Erdoberflaeche gebraucht hat, +sich zu bilden, ein einziger Diamant zu seiner Crystallisation bedurfte! +Das ist Alles sehr gleichgueltig." + +"Es haben sich doch Menschen dafuer schlachten und verbrennen lassen." + +"Menschen haben von jeher eine grosse Vorliebe dafuer gehabt, sich um hohle +Toepfe die Schaedel zu zerschlagen. Wie Hamlet sagt: Worte - Worte - Worte. +Uebrigens dieser Hamlet ist sehr interessant. In seinen Reflexionen auf +dem Kirchhof finden Sie alle Anfaenge der Naturphilosophie. Sie erinnern +sich des Passus von Caesar's Staub?" + +"Trotzdem stach er sich um ein Phantom." + +"Hamlet war eben ein Kuenstler," sagte der Professor beinah mitleidig. +"Shakespeare war ein grosser Dichter. Die grossen Dichter sind immer sehr +miserable Naturforscher. Nehmen wir Goethe! Die Phantasie - die +Phantasie!" + +"Die Phantasie kann doch aber auch immer nur Vorstellungen von +Existirendem weiterspinnen. Sie muessen irgendwie in der Natur mit +vorhanden sein." + +"In der Natur ist noch Vieles." Der Professor zuckte die Achseln. "Wir +wissen es nicht." + +Aber der Freund ereiferte sich. Er war jung. Er neigte zur Phantastik. - +Jemand Andres war miteingetreten. Es war die junge Frau des Professors. +Sie war noch sehr jung, gluecklich verheirathet und sollte zum ersten Mal +Mutter werden. Sie sprach wenig. Es war etwas Schleppendes, Sachtes in +ihren Bewegungen. Sie trug den Nacken gesenkt wie eine zu beschwerte +Aehre. Der Professor schob ihr sorgsam einen Stuhl zurecht. Sie sah nur +dankbar laechelnd zu ihm auf, und blieb so sitzen, ihre Hand in seiner. + +"Es koennte doch aber eine Zeit kommen, dass wir wuessten," argumentirte der +Freund. "Und waere es nicht denkbar, dass besonders begnadete Genies, sagen +wir Shakespeare, Goethe, Christus, Vieles vorgeahnt haben? Auch +Geheimnisse wieder verloren gingen? Waren doch schon die Phaenomene des +Hypnotismus, der Autosuggestion den Alten bekannt? Dass man mit ihnen die +Wunder der biblischen Geschichte erklaeren koennte?" + +"Ich weiss es nicht. Das erscheinen mir wieder Speculationen." + +Der Andre war begeistert, einmal lancirt: "Denken Sie sich auf diesem rein +empirischen Wege die Vereinigung des Uebersinnlichen mit der Wissenschaft +wiederhergestellt, im Fortschritt den Aufschritt! Die Natur, die wir arm +und nuechtern auffassen, tausendmal reicher, ueppiger, wolluestiger. Eine +beseelte Natur. Die _Seele_, die wir suchen, nach der wir verhungern, +unsre Kuenstler, unsre grossen Energieen, unsre Jugend - da haetten wir die +Seele! Im Christentum die Darwinsche Theorie, Lombroso, Krafft-Ebing, kein +Gut und kein Boese, Tolstoi nicht mehr pathologisch, - unser ewiges, +elendes, billiges 'pathologisch'!" + +Er gestikulirte heftig, den Spruengen seiner Gedanken folgend. Er war ein +schoener, feuriger Mensch, fuhr sich mit der Hand durch die dichten +Haarbueschel. + +Die junge Frau des Professors hatte aufmerksam zugehoert. Sie sagte nichts, +sie dachte. Ein sehr suesser, sehnsuechtiger Friede lag auf ihrem Gesicht. + +"Sie sind ein Dichter," sagte der Professor. "Enfin ... Wie wir uns drehen +und wenden: 'Ein Mensch, der speculirt' ... Carpe diem. Es giebt keine +Weisheit als diese." + +"Zarathustra? Zarathustra! Auch blos ein pathologisches Problem jetzt - +der Weisheit letzter Schluss, das Endglied der grossen Kette. - Dionysos! +Die Entfesslung aller Kraefte. Fluegel! Fluegel! Fluegel!" + +"Wir muessen uns an die Erde, an das Normale halten." + +"Und das heutzutage Uebernormale, das Unternormale? Wo bringen wir das +unter?" + +Das offne Gesicht des Freundes gluehte. Er stand da in einer Pose des +Kampfes mit gereckten Faeusten. + +Die junge Frau sah von einem der Maenner zum andern. Sie litt nicht. Aber +sie war muede - von einer suessen Muedigkeit. Das beschwerte sie, aber machte +sie froh. - Ihre Augen hatten sich verschleiert. Es war, als ob sie saehe, +in etwas sehr Helles, Glaenzendes saehe. Aber sie sprach nicht. Ein +traeumendes Fuehlen war in ihrem Sehen. ... + +Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: "In unsern +Irrenhaeusern." + + + + + + ENDE. + + +Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, ein Complex langgestreckter, +gelber Haeuser, am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee fuehrte eine +Fahrstrasse, alleeartig mit Baeumen bestanden. Rechts und links lagen +Felder. Die leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort unter der +Aufsicht eines Waerters. + +Man sah sie Kohlstruenke ausreissen, Graeben ziehen, jaeten. Manchmal lachte +einer seltsam, kichernd, unmotivirt. + +Die Voruebergehenden auf der Chaussee blieben wohl stehen und sahen sie an. +Sie stiessen sich mit den Ellenbogen. "Irre!" Das interessirte sie. Sie +fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls erwarteten sie +Ausserordentliches. Vielleicht dass Einer sich auf seinen Waerter stuerzte +und ihn erdrosselte oder etwas Aehnliches. + +An der Chaussee lagen die Waerterhaeuser. Sie sahen schmutzig grau aus mit +kahlen Fenstern. Es war einsam hier und nicht behaglich. Der fegende Wind +ueber die Ebene traf sie von allen Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges. + +Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebaeude. Es war mit einer hohen rothen +Backsteinmauer umgeben. Man hoerte Gaensegeschnatter. Ein fauliger Gestank +von Duenger verpestete die Luft, die scharf war, prickelnd, wie im Winter +schon. + +Alle Felder lagen unter Duenger und waren kahl. Auch der Rasen am Feldrain +sah verbrannt aus. Ueber der ganzen Landschaft lagerte die ueble Laune des +Novembers, eine Stimmung des Unbehagens und der Trostlosigkeit, die der +blaugruene Saum der Kiefernwaelder nicht unterbrach. Sie zogen sich nach +allen Seiten. Sie schienen das natuerliche Moos dieser graubraunen Erde, +stumpf, ohne Leben und Wechsel, langweilig. Das ist kein Wald. Das ist +Haide. + +Das Mittelgebaeude in der Anstalt selbst enthielt die Wohnungen des +Directors, der Oberaerzte. Man hatte eine Kapelle fuer die Irren, +Gesellschaftssaele, Bibliothek- und Musiksaal. Die Raeume waren mit dem +neuesten Comfort, Gas, und Centralheizung ausgestattet. Die vergitterten +Fenster zeigte man nur nach dem Garten zu, auf der Rueckseite. + +Alles war beinah elegant. Man versicherte gern, dass sich die Kranken da +ausserordentlich wohl fuehlten. Sie wuerden gar nicht wieder wo anders leben +moegen, selbst wenn man sie liesse. Dies war Wohlthat fuer ueberreizte +Nerven. + +Die Aerzte sagten immer: "Die Kranken." Der Ausdruck Verrueckte oder +Irrsinnige beleidigte sie fast. Noch mehr der dumme Aberglauben des +Publikums. Das war eine Krankheit so gut wie jede andre, mit ganz +bestimmten, anatomisch nachweisbaren Veraenderungen im Gehirn, Stoerungen +des Sensoriums und der Motilitaet verbunden. Mit der +moenchisch-moralistischen Betrachtungsweise solcher Erscheinungen in +frueheren Jahrhunderten hatte man ja Gott sei Dank! aufgeraeumt. Aufgeklaerte +Leute traten gern dagegen auf. Sie waren sogar zu Gesellschaften in der +Anstalt gewesen und hatten sich sehr gut unterhalten. Oder zum +Gottesdienst am Sonntag. Es gab da hinter den Mauern sehr geistreiche und +gebildete Leute. Diese Legenden von Zwangsjacken, Tollwuth, rohen, +pruegelnden Waertern erzaehlten sich Koechinnen. - Es war wirklich angenehm da +zu existiren. Aufgeklaerte Leute versicherten, dass sie sofort bei der +ersten Stoerung ihres Nervensystems in eine solche Anstalt gehen wuerden. Es +war das einzig wahre Mittel, sich zu curiren. + +Von Zeit zu Zeit erschoss sich ein Arzt. Er hatte an sich selbst die +Fortschritte der Krankheit beobachtet und genau festgestellt: Noch so und +so lange. Dann greift man zur Pistole ...... "Kranke eben." + +Es gab so viel Krankheitsursachen im modernen Leben: Laerm, +Pferdebahngebimmel, electrische Bahnen, der immer haerter werdende Kampf +um's Dasein, Rastlosigkeit. Die Zeit verbrauchte die Menschen. Da hinten +lagen die Ungethueme, Grossstaedte, die sie schickten. Hier war's still. +Gesunder Kiefernadelduft. + +Es gab sehr interessante Sujets unter den Internen: Einige, die am +Verfolgungswahn litten; eine aeltere adelige Dame glaubte, dass man sie in +ihrem Standesgefuehl beleidigen wollte; dann der Mann, der einen Schatz +gefunden hatte; Einer, der sich einbildete, der Kaiser Napoleon zu sein; +besonders scherzhaft war der sogenannte "Gott Ra", eine Persoenlichkeit, +die ploetzlich mitten im Gespraech abbrach, die Kiefern auf- und +zuschnappte, als ob er etwas verschlaenge. Alle diese waren ungefaehrlich, +lebten beinah gluecklich. Da waren welche, die die griechischen Tragoedien +in der Ursprache lasen, sich mit Forschungen beschaeftigten. + +Auch die Bloedsinnigen litten ja nicht. Diese Menschen wurden Thiere. Die +Hauptsache fuer sie war Essen und Trinken. Sie hatten keine Ahnung von +ihrer Degradation. - Das Publikum macht sich so falsche Vorstellungen. + +Es war unangenehm, dass einmal eine aeltere Dame eine Haekelnadel +verschluckt hatte. Natuerlich war es den Waerterinnen streng verboten +gewesen, Derartiges zu arbeiten, oder dass die Waerter an Kranke Schnaps +verkauften. - So etwas kam ueberall vor. Man konnte nicht vorsichtig genug +sein in der Auswahl des Materials. Das war die wichtigste Frage. + +Es war ein sehr friedlicher Platz. Im Sommer, wenn Alles gruen ist, war es +noch viel schoener, beinah heiter. Der Kiefernwald erstickt. Man hatte die +Gitter sehr weit vorgeschoben, immerhin. Und man musste sich gegen die +Neugier des Publikums schuetzen. Die Leute, die da wohnten, waren Stille. +Ihre Angehoerigen bezahlten fuer sie, erster, zweiter oder dritter Klasse, +je nachdem sie vermoegend waren. Erster Klasse hatte man natuerlich bessres +Essen und mehr Luxus. Die ganz Unbemittelten uebernahm der Staat. Sie +machten auch allerlei Arbeiten. Wohlwollende Besucher kauften von diesen +Arbeiten. Alle waren immer entzueckt von der Reinlichkeit, Vortrefflichkeit +und practischen Anlage der Anstalt. Wirklich! Die da hinein kamen, waren +nicht zu bedauern. Sie waren in einem Hafen foermlich. Die Bilder grosser +Aerzte und Philanthropen schmueckten das Wartezimmer. Es war ein Segen, dass +die Wissenschaft dies uebernommen hatte. Wenn man dachte, welche Zustaende +frueher herrschten! + +Man konnte seine theuersten Angehoerigen mit der groessten Seelenruhe +dalassen. Was sollte man denn auch thun? + +Ab und zu dann ein Begraebniss. Ernst, ohne Prunk. Es war vorueber. Er oder +sie waren "erloest". Eine grosse Last war von den Schultern ihrer Familie +genommen. Fast konnte man sie beneiden um den Frieden. Man musste zurueck. +In den Kampf. In's Laute. + +Sie waren nicht sehr interessant. Etwas zwischen Kindern und Thieren. +Sogar ihre Leiden waren halb komisch, eingebildete Leiden. Man giebt ihnen +Alles zu wie Kranken. Jedermann ist gut und wohlwollend gegen diese +Ungluecklichen. + +Bei Vielen ist die Krankheitsanlage erblich. Sie sind idiot, ganz harmlos. +Man muss sie einschliessen, wenn sie gemeingefaehrlich werden. Jedermann +kennt solche Erscheinungen in Doerfern, abgelegenen Gebirgshoefen. Man +nannte sie "Gottes Narr", Fexe, Gezeichnete. Heilbar sind solche +secundaeren Formen der Geisteskrankheiten selten. Dann giebt es Wahnsinn, +Schwermuth. Diese Leute koennen ganz lichte Zeiten haben. Sie kehren wohl +von Zeit zu Zeit wieder in ihre Familien, ihre Umgebung zurueck. Aber +irgendwie tragen sie eine Kette am Fuss. Eine Schraube bleibt locker. + +Immer wieder wollten die Damen wissen, ob die Kranken "es fuehlen", sich +ihrer mentalen Abirrung bewusst sind, unter dem Stigma leiden? Man las +darueber so Schauerliches in Romanen. - Nur die Melancholischen leiden. Sie +empfinden wirkliche neuralgische, acute Schmerzen. Ganz hoffnungslos sind +die mit fixen Ideen Behafteten, oder solche, die religioese +Wahnvorstellungen haben. Sie hatten eine sehr feine, dreissigjaehrige Dame +aus gutem Hause, die an erotischem Wahnsinn litt. Eine Dame, sonst sehr +scheu und wohlerzogen! + +Man rief beruehmte Beispiele zurueck: Torquato Tasso, Johanna von Castilien, +Ludwig von Bayern. War Hamlet wahnsinnig gewesen, oder Koenig Lear? + +Aber ein Thema interessirte sie Alle. Sie hatten ein wirklich +interessantes Sujet, einen Clou. Das kitzelte nicht nur die Damen. + +Die erste Intelligenz der Zeit, die brillanteste, genialste. Der Mann, +dessen Adlerflug die Welt erst schweigend, dann mit wuethenden +Verwuenschungen in gluehender Bewunderung verfolgt hatte. + +Jetzt, wo er wahnsinnig war, konnte man ihn ja ungehindert bewundern. +Niemand hatte mehr eine Concurrenz zu befuerchten, seinen schneidenden Hohn +schlimmer als seine Verachtung. Aus dem Loewenfell des grossen Mannes hatte +man sich kleine Fellchen geschnitten, die so gut standen. Was konnte man +da interpretiren, insinuiren, Kapital schlagen. Aus diesem ungeheuren +Brachfeld, das er mit den Schaetzen einer ungehobnen Welt hinterlassen. +Seine Fehler und Extravaganzen vermied man natuerlich. Er war ja eben +bekanntlich ... Ein Strich ueber die Stirne vollendete den Gedanken. + +O ja! Fuer den interessirte man sich. Gedichte, Blumen wurden fuer ihn +gesandt. Alle Augenblicke standen in den Zeitungen gefaelschte Interviews. +Es bildete den bestaendigen Aerger der Aerzte. Sie hatten es doch so klar +gesagt: Eine organische Krankheit, colossale Ueberanstrengung, verschaerft +durch Schlafmittel, Narcotica. - Es wurde Zeit, dass endlich einmal mit +dem alten Aberglauben aufgeraeumt wurde. + +Fromme Leute betrachteten diesen Irrsinn als eine gerechte Strafe des +Himmels. In ihren Augen war er der Antichrist. Man sah Gottes Gericht +recht deutlich! Der Titan, der Ihn anzugreifen gewagt, Felsbloecke gegen +Ihn geschleudert und jetzt ohnmaechtig und gebrochen im Stuhl sass in einer +Irrenhauszelle: "Ich bin dumm. Ich bin dumm." + +Selbst die, die nicht so weit gingen, moralisirten ueber den Fall auf ihre +Weise. "Bleib' im Land und naehr' Dich redlich." Hier sah man, wohin das +Gegentheil fuehrte: "die grosse Kunst macht Dich rasend." Wozu auch? Wenn +man arbeitete, recht that, kam man immer noch zurecht auf dieser Welt. Der +religioese Aberglaube war zu missbilligen. Ebenso wie die rohe +Ausschweifung. Das Leben fand schon immer die Mittellinie. Es ist gut auf +der Mittellinie bleiben. + +Es war ja freilich wahr, dass jeder Esel ebenso gut wahnsinnig werden +konnte. Sie blieben doch ueberzeugt, dass Mueller es zum Beispiel nie wuerde, +und Buchholz ebenfalls nicht. Diese wuerden sich auch nie das Leben nehmen +oder mit der Polizei in Conflicte gerathen. + +Die Fachleute bemuehten sich vergebens, das ganz Natuerliche, rein +Anatomische des Vorgangs auseinander zu setzen. Ein junger Arzt zeigte zur +Exemplificirung sorgfaeltig praeparirte Plaettchen, auf denen man den Verlauf +der Aederchen im Gehirn normal und anormal verfolgen konnte. Ordentlich +niedlich anzusehen waren diese Praeparate, etwa wie Blumenblaettchen, +fettig-weiss und rosig durchzeichnet. - Einige Damen grauten sich davor, - +immer zurueck in der Cultur, diese Frauenzimmer! Der junge Gelehrte liebte +seine Plaettchen. Er zitterte, ihren Schatz zu bereichern. Fuer ihn war auch +dieser Kranke nur ein Object. + +Ganz Intime waren zuweilen zugelassen worden. Sie erzaehlten, dass der +grosse Philosoph im Rollstuhl auf der Terrasse gesessen. Er sah in die +sinkende Sonne. Er schien ganz "friedlich", der kranke Adler. Man nahm ein +ganz angenehmes Gefuehl mit fort der allgemeinen Ruehrung und der eignen +speciellen Empfaenglichkeit fuer schoene Emotionen. + +Uebrigens hatte er's gut. Erster Klasse sogar. Mancher hatte es nicht so. + +Was dachte er in den langen vierundzwanzig Stunden des Tages seit sieben +Jahren? Die Aerzte versicherten, Nichts. Er laechelte. Er wartete ... Es +war doch furchtbar. Der Mann des jauchzenden Lachens, der sich selbst die +Stirn mit Rosen bekraenzt und das schwache Mitleid verachtete. - Nun, das +war immer schon Wahnsinn gewesen. + +Den Schluss der Besichtigung bildete immer die Kapelle. Nur ein steinernes +Kreuz stand hinter dem Altar. Eine Lebensaehnlichkeit, Blut und Nacktheit, +haette die Kranken gestoert. Man musste vorsichtig sein. Eine Frau in +schwarzen Schleiern weinte zu seinen Fuessen. Sie bildete sich ein, die +Pieta zu sein. Sieben Schwerter des Weltwehs gingen durch ihren Busen. Sie +weinte immer - immer. Eine vornehme Frau aus reichen, guten Verhaeltnissen, +Mutter und Gattin. - Man liess sie, weil sie ganz sanft und ungefaehrlich +war. + +Ein engelschoenes, bloedsinniges Kind, das zwischen den Baenken hantirte, +nickte und lachte geheimnissvoll. Die Geschlechter schienen hier seltsam +verwoben. Man wusste nicht, ob es ein Knabe oder ein Maedchen war. Die +Aerzte erklaerten ihn fuer einen Adolescent von sechzehn Jahren. Er lief +ueberall frei umher. Die Kapelle war sein Lieblingsaufenthalt. Er bildete +sich ein, ein Chorknabe zu sein, schwang sein Raeucherfass, bueckte sich und +nickte und kuesste dann mit Inbrunst die Altarstufen. Dieser Juengling war +immer gluecklich, von einer Serenitaet der Cherubim. Jeder verwoehnte und +liebte ihn. + +Auch von dem neuen Patienten wurde gesprochen, diesem "Fremden" der +Zeitungen und Verhandlungen, der sich einbildete, Christus zu sein. + +Der Arzt erklaerte, dass dies eine haeufig vorkommende specielle Form des +religioesen Wahnsinns sei: "Wir haben hier Chiliasten, Gott Vater, eine +Jungfrau Maria, Apostel Paulus und Petrus. In Wahrheit ist dieser Mensch +ein schwachsinniger Zimmermannssohn aus dem Wuerttembergischen. - Braucht +man buendigere Beweise, dass es Zeit ist, mit dem alten Priesterhocuspocus +aufzuhoeren?" + +Eine der Damen sah ihn lange an: "Er hat schoene Augen ..." + +Die Besucher gingen wieder. Es fing auch schon an daemmrig zu werden. + + ------------------------------------- + +Dann begab sich etwas Schreckliches, niemals Geklaertes, vor dem denen, die +es spaeter sich erzaehlten, die Haare sich straeubten, wo die Vernuenftigsten +den ewigen Bloedsinn der Dinge zugeben muessen und stumpfe Hirne peitschende +Schauer der Unwelt fuehlen. + +In der Kapelle fand man den Wahnsinnigen, den Ewig-Stummen, den zum +untersten Abgrund Geketteten. Man erfuhr niemals, was ihn dahingetrieben, +wer den Andern herfuehrte, welcher furchtbare Auftritt stattgefunden +zwischen diesen Beiden, deren Einen Keiner kannte. + +Der Irre hatte den Fremden an das Kreuz gebunden. Die Stricke waren seine +Kleider, die er sich abgerissen hatte. Aus zertruemmertem Holzgeraeth, +Baenken und Stuehlen, hatte er Naegel, Eisentheile, geklaubt. Dieser ganz +nackte, misshandelte Leib war buchstaeblich zerstossen, zerschunden, +erwuergt damit. Er stach sie ihm in die Stirne. Er schrie, er lachte. Mit +einem schweren zugespitzten Holzstueck sah man ihn grosse Streiche fuehren +nach der Seite unter der Brust, von wo dickes, schwaerzliches Blut troff: + +"Du hast die Welt zerstoert! Du! Du!... + +"Die Schoenheit hast Du getoedtet, den Ruhm, die Lust! + +"Sie leben noch, aber Du hast sie vergiftet. Du hast ihnen das Gift in's +Herz getraeufelt. Schlange Du! Erste Schlange! Verfluchte! + +"Mit Deinen zerrissnen Haenden hast Du die Kraft unsrer Haende zerbrochen. + +"Deine Fuesse, die angenagelt sind, haben uns festgebohrt. + +"Aus Deiner Seite fliesst unser Lebensblut. + +"Die Stricke umwuergen unsre Leiber und machen sie haesslich. + +"Von Deiner Stirn die Dornen sind in unsre Hirne gedrungen ... Die Dornen +von Deiner Stirn! Die Dornen!" ... + +Seine Stimme erstarb in wimmernder Klage. Er hatte seine Haare gepackt zu +beiden Seiten des Kopfes. Ganz nackt, mit blutigen Haenden, ueber und ueber +mit Blut beschmiert, raufte er sie aus in vollen Faeusten. + +Und es war eine Aehnlichkeit, eine furchtbare, schauerliche Bruederlichkeit +in diesen beiden gemarterten, verrenkten Leibern, dem todten und dem +lebendigen, dem, der vollendet hatte und dem, der niemals vollenden +wuerde, ... seinen Gliedern gekruemmt und schlaff geworden durch das Sitzen, +die Schreibtischarbeit, den Haenden zu fein und zu lang, die nicht mehr +fassen konnten, verkrueppelten, zagen Fuessen, die das Gehen verlernt. Viel +zu hoch war diese Stirn, blass vom Gedanken, vorgeschoben ueber das ganze +uebrige Gesicht mit allen Organen der Sinne. Die wirren Haare bildeten eine +fuerchterliche, struppige Aureole. + +Er riss seine Brust auf, als ob er sein Herz packte, es ihm hinschleuderte +in Hohn und Verzweiflung: "Teufel! Teufel!" + +- - - Der Bloedsinnige lachte, sein leises, triumphirendes Lachen. Er that, +als ob er sein Weihrauchfass schwaenge, bueckte sich und kuesste die +Altarstufen. Die Frau in schwarzen Trauerkleidern weinte. Ein monotones, +endloses, zweckloses Weinen ... + +Der Sohn des Menschen, vom Kreuz, todt, mitleidig, erhaben, sah herab. + +Der Kopf hatte sich etwas zur Seite geneigt. Die Augen unter den bleichen +Lidern waren gebrochen. Aber die Lippen standen ein wenig geoeffnet, als ob +Ihn duerstete. Er hielt die beiden Arme nach oben ausgebreitet. Aus seiner +geoeffneten Seite unter der Brust floss das Blut. + +Das Blut floss. + +Es tropfte auf die grauen, breiten Steinfliesen des Fussbodens. Die +Fliesen blieben grau und steinern. Eine rothe, schmerzliche Lache hatte +sich auf ihnen gebildet. Der Stein faerbte sich violett unter ihr. + +Bestaendig aus dem blutenden, durchbohrten Herzen fielen die Tropfen. + + + + + Druck von Ramm & Seemann in Leipzig. + + + + + + +Von demselben Verfasser ist erschienen: + +*Ein Narr.* Roman. Mk. 3.- +*Die Jungen.* Roman. " 3.- +*Misere.* Roman. " 3.- +*Nixchen.* Ein Beitrag zur Psychologie der hoeheren " 1.50 +Tochter. Fuenfte Auflage. +*Haeusliches Glueck.* Aus den Papieren eines Ehemannes. " 1.50 + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Im Original gesperrt gesetzte Passagen sind durch Unterstrich (_) +gekennzeichnet, Fettdruck durch Sternchen (*). + +Variierende Schreibweisen wurden nicht korrigiert, mit Ausnahme folgender +offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 7: "wei" geaendert in "weit" + Seite 15: "neber" geaendert in "neben" + Seite 49: "erwartefe" geaendert in "erwartete" + Seite 58: "Krankeit" geaendert in "Krankheit" + Seite 71: Punkt geaendert in Komma hinter "ausgebruetet" + Seite 118: "Gattenadjudanten" geaendert in "Gattenadjutanten" + Seite 167: Anfuehrungszeichen ergaenzt hinter "Worte!" + Seite 194: Anfuehrungszeichen ergaenzt vor "Ihr" und "O" + Seite 247: doppeltes "legen" entfernt + Seite 255: "wir" geaendert in "wie" + Seite 261: "gegewesen" geaendert in "gewesen" + Seite 291: "tand" geaendert in "stand" + Seite 312: Anfuehrungszeichen ergaenzt hinter "verkuemmern." + Seite 316: Komma geaendert in Punkt hinter "ruehrten" + Seite 324: "Alllem" geaendert in "Allem" + Seite 344: "Perdeaesern" geaendert in "Pferdeaesern" + Seite 373: "jetsige" geaendert in "jetzige", "mi" in "mit" + Seite 378: Anfuehrungszeichen ergaenzt vor "Was" + Seite 383: Punkt ergaenzt hinter "wolluestiger" + Seite 389: "schuefzen" geaendert in "schuetzen" + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER FREMDE*** + + + + CREDITS + + +May 25, 2011 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Produced by Norbert H. 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To learn more about the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations +can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at +http://www.pglaf.org. + + + Section 3. + + + Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of +Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. +The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. +Its 501(c)(3) letter is posted at +http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. Contributions to the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full +extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. +S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +concept of a library of electronic works that could be freely shared with +anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright +notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance +with any particular paper edition. + +Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook +number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed +(zipped), HTML and others. + +Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the +old filename and etext number. 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