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+<title>The Project Gutenberg eBook of Inselwelt. Erster Band., by Friedrich Gerstäcker</title>
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+<h1>The Project Gutenberg eBook, Inselwelt. Erster Band, by Friedrich
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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+with this eBook or online at <a href = "http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a></pre>
+<p>Title: Inselwelt. Erster Band.</p>
+<p> Indische Skizzen</p>
+<p>Author: Friedrich Gerstäcker</p>
+<p>Release Date: March 22, 2011 [eBook #35651]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK INSELWELT. ERSTER BAND.***</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<h3><b>E-text prepared by richyfourtytwo, bfx,<br />
+ and the Online Distributed Proofreading Team<br />
+ (http://www.pgdp.net)</b></h3>
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+<h1 style="margin-top:3em">Inselwelt.</h1>
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+<p class="front">Gesammelte Erz&auml;hlungen</p>
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+<p class="front"><span class="gesperrt"><b>Friedrich Gerst&auml;cker.</b></span></p>
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+<p class="front" style="margin-top:2em">Erster Band.</p>
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+<p>&nbsp;</p>
+<p class="front" style="margin-top:2em">Leipzig,</p>
+<p class="front"><span class="gesperrt">Arnoldische Buchhandlung.</span></p>
+<p class="front">1860.</p>
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+<hr style="visibility:hidden;" />
+
+<p class="front"><b>Inhaltsverzeichni&szlig; vom ersten Bande.</b></p>
+
+<table border="0" width="90%" summary="inhaltsverzeichnis">
+<tr>
+ <th colspan="2"><a href="#in_der_suedsee"><b><i>I.</i> In der S&uuml;dsee.</b></a></th>
+</tr>
+<tr><td>&nbsp;</td><td align="right">Seite</td></tr>
+
+<tr><td><a href="#der_wallfischfaenger">Der Wallfischf&auml;nger</a></td><td align="right">1</td></tr>
+<tr><td><a href="#die_bootsmannschaft">Die Bootsmannschaft</a></td><td align="right">82</td></tr>
+<tr><td><a href="#der_schooner">Der Schooner</a></td><td align="right">168</td></tr>
+
+<tr>
+ <th colspan="2"><a href="#im_ostindischen_archipel"><b><i>II.</i> Im Ostindischen Archipel.</b></a></th>
+</tr>
+
+<tr><td><a href="#der_balinese">Der Balinese</a></td><td align="right">249</td></tr>
+<tr><td><a href="#der_menschentiger">Der Menschentiger</a></td><td align="right">313</td></tr>
+<tr><td><a href="#der_khris">Der Khris</a></td><td align="right">374</td></tr>
+
+</table>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[S. 1]</a></span></p>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h2><a name="in_der_suedsee" id="in_der_suedsee"></a>I.<br/><br/><span class="gesperrt">In der S&uuml;dsee.</span></h2>
+
+<h3><a name="der_wallfischfaenger" id="der_wallfischfaenger"></a>Der Wallfischf&auml;nger.</h3>
+
+<h4>1.</h4>
+
+
+<p>In der weiten und bequemen Corallenbai von
+Monui, einer der Tonga-Inseln, ankerte im Januar
+des Jahres 18** ein englischer Wallfischf&auml;nger, die
+&bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo;, Provisionen, Holz und Erfrischungen
+einzunehmen, und da sich die Eingeborenen ziemlich
+freundlich gezeigt, hatte die Mannschaft in Abtheilungen
+Tag nach Tag Erlaubni&szlig; bekommen, an
+Land zu gehen und mit den Eingebornen zu verkehren.</p>
+
+<p>Der Capitain selber, ein junger Mann, der seine
+erste Reise als F&uuml;hrer eines Schiffes machte, war
+viel zu entz&uuml;ckt von dem wundervollen Land, das er
+betreten, seine Freiheit nicht ebenfalls soviel als m&ouml;glich
+ben&uuml;tzen zu sollen, und unter den freundlichen Menschen,
+von dem alten H&auml;uptling selber auf das herzlichste
+aufgenommen, vergingen die Tage in Zauberschnelle.
+<span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[S. 2]</a></span>Er schien zuletzt zwar ganz vergessen zu
+haben, da&szlig; er des Wallfischfanges wegen in diese
+Breiten gekommen und selber gehen m&uuml;&szlig;te die Fische
+aufzusuchen, wenn er &uuml;berhaupt deren fangen, und
+sein Schiff voll &Ouml;l bekommen wollte<a name="cortex1-1" href="#corr1-1" class="corr">.</a></p>
+
+<p>Die Scenerie allein trug aber nicht die Schuld.
+Hua, Toanonga's liebliches T&ouml;chterlein, hatte sein
+Herz mit einer Leidenschaft entflammt, der er sich
+selber im Anfang nicht klar bewu&szlig;t war, die aber mit
+jedem Tage mehr &Uuml;berhand gewann. Ja, je mehr
+ihm Gelegenheit geboten wurde, sich dem Gegenstand
+derselben zu n&auml;hern, und je weniger nah er doch demselben
+dadurch kam, verga&szlig; er zuletzt selbst seine
+Pflicht gegen sein Schiff sowohl, wie seine Mannschaft,
+um noch immer kurze Zeit l&auml;nger in der verf&uuml;hrerischen
+N&auml;he des holden M&auml;dchens zu weilen.</p>
+
+<p>Hua<a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>, nach ihrem heiteren, fr&ouml;hlichen Wesen so
+genannt, sah den fremden jungen Mann gern bei sich,
+der ihr, der Tonga-Sprache vollkommen m&auml;chtig,
+noch von fr&uuml;heren Reisen her, viel von fremden L&auml;ndern
+und V&ouml;lkern erz&auml;hlen, und mit dem sie lachen
+und sich freuen konnte. An eine ernstere Neigung
+dachte sie nicht, denn sie wu&szlig;te recht gut, da&szlig; solche
+Schiffe nur immer auf kurze Zeit an eine ihrer Inseln<span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[S. 3]</a></span>
+anlegten und dann wieder fortfuhren, vielleicht nie
+mehr zur&uuml;ckzukehren &ndash; was h&auml;tte ihr seine Liebe
+gen&uuml;tzt? &Uuml;berdem war sie <a name="cortex1-2" href="#corr1-2" class="corr">schon dem</a> jungen
+H&auml;uptling eines Nachbarstammes versprochen, der
+jeden Tag eintreffen konnte, sie abzuholen. Die Zeit
+bis dahin war ihr denn auch schon recht lang geworden,
+und etwas Erw&uuml;nschteres h&auml;tte gar nicht
+kommen k&ouml;nnen, als das fremde Schiff mit den
+wei&szlig;en, wunderlichen und doch so freundlichen
+M&auml;nnern.</p>
+
+<p>Toanonga befand sich am Besten dabei; der junge
+Engl&auml;nder brachte, um ihn sich beliebt zu machen
+jeden Tag neue Geschenke, und er sah sich dadurch
+bald in <a name="cortex1-3" href="#corr1-3" class="corr">dem</a> Besitz einer so bedeutenden Anzahl von
+N&auml;geln, <a name="cortex1-8" href="#corr1-8" class="corr">Glasperlen</a>, kleiner Spiegel, Messer, Beile,
+Kattun, und vor allem Andern Tabak, dessen Gebrauch
+er auch schon kennen gelernt, da&szlig; er schon anfing, sich
+als einen Capitalisten zu betrachten, der sich nun bald
+von seiner beschwerlichen H&auml;uptlingsschaft werde in
+das Privatleben zur&uuml;ckziehen k&ouml;nnen, von seinen Renten
+zu leben.</p>
+
+<p>So angenehm nun aber auch ein solches Leben der
+Mannschaft des Wallfischf&auml;ngers war, der sich, nach
+dem beschwerlichen Dienst an Bord, ein f&ouml;rmliches
+Paradies hier &ouml;ffnete, so bedenklich sch&uuml;ttelten die<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[S. 4]</a></span>
+<a name="cortex1-5" href="#corr1-5" class="corr">Officiere</a> &ndash; Harpuniere und Bootsteuerer &ndash; dar&uuml;ber
+den Kopf. Eine Zeitlang hatten sich diese wohl mit
+ruhigem Behagen dem Stillleben der Inseln hingegeben;
+als dies aber immer noch kein Ende zu nehmen
+schien, gedachten sie auch ihres eigenen Nutzens,
+und w&uuml;nschten ihr Gesch&auml;ft wieder aufzunehmen,
+wegen dem sie doch eigentlich an Bord gegangen waren:
+n&auml;mlich Geld durch den Fang der hier muthwillig
+vers&auml;umten Fische zu verdienen.</p>
+
+<p>Zuerst erinnerte der erste Harpunier den Capitain,
+da&szlig; es sp&auml;ter und sp&auml;ter in der Jahreszeit w&uuml;rde, und
+sie schon gar nicht mehr daran denken d&uuml;rften, ihrer
+ersten Absicht nach, Neuseeland anzulaufen. Die
+Mahnung half aber weiter nichts, als da&szlig; der Capitain
+noch einmal sechs Klaftern Holz bei den Eingebornen
+bestellte, zu denen diese, wie er recht gut
+wu&szlig;te, fast eben so viele Wochen brauchten, es zu
+schlagen, und doch hatten die Leute an Bord schon
+jetzt alle Winkel und Ecken davon vollgestaut, &ndash; doch
+traten endlich die Officiere zusammen und erkl&auml;rten
+ihrem Vorgesetzten, da&szlig; sie ihm allerdings gehorchen
+und so lange hier bleiben m&uuml;&szlig;ten, wie er es f&uuml;r gut
+f&auml;nde, da&szlig; sie aber bei ihrer Zur&uuml;ckkunft nach Liverpool
+jedenfalls Beschwerde oder vielmehr Klage auf
+Schadenersatz f&uuml;r vers&auml;umte Zeit gegen ihn einreichen<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[S. 5]</a></span>
+w&uuml;rden, wenn er jetzt nicht bald wieder die Anker
+lichte.</p>
+
+<p>Capitain Silwitch, so zum &Auml;u&szlig;ersten getrieben
+und sich seinen Leuten gegen&uuml;ber auch im Unrecht
+f&uuml;hlend, beschlo&szlig; nun einen entscheidenden Schritt zu
+thun, <a name="cortex1-4" href="#corr1-4" class="corr">und</a> Toanonga selber um die Hand seiner Tochter
+zu bitten. Einer ihrer heidnischen Trauungsceremonien
+konnte er sich, als h&ouml;chst unbedeutender
+Christ, leicht unterwerfen, und ehe er die Heimfahrt
+antrat, was noch ein paar Jahr dauern mochte, fand
+sich immer eine Gelegenheit, das M&auml;dchen, wenn auch
+nicht genau an diese, doch vielleicht an eine der
+Nachbarinseln wieder abzusetzen &ndash; <a name="cortex1-6" href="#corr1-6" class="corr">mit nach Hause</a>
+durfte er sie nat&uuml;rlich nicht nehmen.</p>
+
+<p>Toanonga sa&szlig; mit Hua auf einer gro&szlig;en, aus
+langem Gras feingeflochtenen Matte, vor seiner
+H&uuml;tte, im Schatten eines gewaltigen Toa-Baumes,
+der mit dem Duft seiner Bl&uuml;ten die ganze Nachbarschaft
+erf&uuml;llte. Es war ein reizender Platz, gerade
+an der M&uuml;ndung eines kleinen, aus den H&ouml;hlen k&uuml;hl
+und pl&auml;tschernd niedersprudelnden Bergbachs, der sich
+die klare Bahn unter wehenden Palmen und &uuml;ber
+moosiges Gestein brach und Blumen und Fr&uuml;chte als
+Tribut dem Meere zuf&uuml;hrte. M&auml;chtige Cocospalmen
+sch&uuml;ttelten ihre federartigen, rauschenden Kronen &uuml;ber<span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[S. 6]</a></span>
+seiner Fluth und die hohen, stattlichen Mapeb&auml;ume
+mit ihren breiten, magnolienartigen Bl&auml;ttern und
+wunderlich geformten St&auml;mmen<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> deckten und beschatteten
+niedere Haine fruchtbeladener Orangen und
+Citronen und duftender Bl&uuml;tenb&uuml;sche, die durch sie
+gegen die sengenden Strahlen der Sonne gesch&uuml;tzt
+wurden.</p>
+
+<p>Das Haus des H&auml;uptlings war nur wie das seiner
+geringsten Unterthanen aus trockenen, gelben
+Bambusst&auml;ben aufgerichtet, und mit Zuckerrohrbl&auml;ttern
+fest, aber doch luftig und vollkommen regendicht,<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[S. 7]</a></span>
+gedeckt. Ein kleiner dabei angelegter und mit
+dicht gesteckten d&uuml;nnen Stangen umz&auml;unter Garten
+(eine Quantit&auml;t wild herumlaufender Ferkel daraus
+fern zu halten, denen der Besuch des Hauses jedoch
+vollkommen frei zu stehen schien) enthielt Reihen gepflanzter
+Bananen und sogar einige Yams, und in
+feuchten Gruben gezogene Taro-Pflanzen, w&auml;hrend
+dichtgesteckte <a name="cortex1-7" href="#corr1-7" class="corr">Brotfruchtb&auml;ume</a>, die jedoch auch &uuml;berall
+wild gediehen, die Hauptnahrung der Insel anzeigten
+und ihre wohlth&auml;tigen &Auml;pfel vor die Th&uuml;r ihres
+Eigenth&uuml;mers niedersch&uuml;tteln.</p>
+
+<p>Toanonga schwelgte in der Verdauung eines eben
+genossenen vortrefflichen Fr&uuml;hst&uuml;cks, eines mit hei&szlig;en
+Steinen ger&ouml;steten Ferkels und <i>Me</i><a name="FNanchor_3_3" id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>, und dieser
+gleichsam eine h&ouml;here Weihe zu verleihen, hatte er
+einen Theil der erhaltenen Geschenke, besonders eine
+Anzahl N&auml;gel und Glasperlen, einige Uniformkn&ouml;pfe
+und vor allem Andern einen zerbrochenen Sporn, an
+dem das R&auml;dchen aber noch gut war und wirbelte,
+vortrefflich vor sich ausgebreitet und betrachtete sie
+mit augenscheinlicher Genugthuung und Freude.</p>
+
+<p>Capitain Silwitch h&auml;tte wirklich keinen gl&uuml;cklicheren<span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[S. 8]</a></span>
+Moment f&uuml;r seine Werbung treffen &ndash; und keinen
+ungl&uuml;cklicheren Erfolg haben k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Eine ganze Jagdtasche voll Geschenke f&uuml;r den
+K&ouml;nig; Gegenst&auml;nde, als ob ein Tr&ouml;dler seine Bude
+ausger&auml;umt und den Schutt zur&uuml;ckgeworfen, die
+Quantit&auml;t vielleicht an den Eisenh&auml;ndler zu verkaufen.
+Dazwischen fanden sich ein paar buntblitzende,
+blaue, gro&szlig;beerige Glaskorallen, von enormem Gewicht;
+ein kleiner, gesprungener Rasirspiegel, eine unechte
+goldene Quaste von irgend einer Gardine, ein
+Argentan-L&ouml;ffel und besonders eine plattirte Schuhschnalle
+bildeten aber die Hauptbestandtheile der
+Masse, die er, Hua dabei freundlich zul&auml;chelnd, vor
+dem erstaunten <i>Hou</i> &ndash; H&auml;uptling der Insel &ndash; und
+auf die Matten zu den Kn&ouml;pfen und Perlen sch&uuml;ttete.</p>
+
+<p>&bdquo;Tangaloa<a name="FNanchor_4_4" id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> segne mich!&ldquo; rief der w&uuml;rdige
+Toanonga, als er die unvermutheten Sch&auml;tze aus dem
+ganz unscheinbaren Lederbeutel auf sich f&ouml;rmlich herabregnen
+sah, ohne in dem Augenblicke eine Ahnung
+zu haben, welchem gl&uuml;cklichen Ereignisse er diese fabelhafte
+Freigebigkeit des fremden wei&szlig;en Mannes verdanke,
+&ndash; &bdquo;der Fremde hat sein ganzes Canoe gepl&uuml;ndert,<span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[S. 9]</a></span>
+die Augen seines Freundes mit seinen Sch&auml;tzen
+gl&uuml;cklich zu machen, Si-li-wi&ldquo; &ndash; (eine nat&uuml;rliche
+Verunstaltung des Namen Silwitch, da die Insulaner
+nur sehr schwer zwei Consonanten hinter einander in
+einer Silbe aussprechen k&ouml;nnen) &bdquo;soll <a name="cortex1-9a" href="#corr1-9" class="corr">Brotfrucht</a>
+und Cocosn&uuml;sse, Bananen und <a name="cortex1-9b" href="#corr1-9" class="corr">Turo</a>, Ferkel und Fische
+haben, so viel er will auf sein Schiff. Si-li-wi ist
+ein Ehrenmann und darf sich eine Gnade erbitten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und gebe Gott, da&szlig; du sie erf&uuml;llst, w&uuml;rdiger
+Greis,&ldquo; sagte der junge Mann halb lachend, halb
+verlegen, &bdquo;ich komme allerdings heute Morgen mit
+einer gro&szlig;en Bitte an dich, oder eigentlich an &ndash; Hua
+an deiner Seite, deren Erf&uuml;llung mich unendlich
+gl&uuml;cklich machen w&uuml;rde.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;An mich?&ldquo; fragte Hua err&ouml;thend, w&auml;hrend sie
+von ihrer Matte aufsprang und den Fremden &uuml;berrascht
+ansah; &bdquo;willst du noch mehr von den wunderlichen
+wei&szlig;- und rothgefleckten Corallen, die wir in der
+Bai da dr&uuml;ben gesucht? oder soll ich dir Perlen holen
+lassen, unten vom Grund herauf? Ich wei&szlig; auch &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Halt, halt, M&auml;dchen, mach mich nicht toll mit
+deinen freundlichen Worten!&ldquo; bat der junge Mann
+abwehrend. &bdquo;Es ist mehr als alles Das, und nun,
+Toanonga, soll es auch heraus, denn lange Reden bin
+ich doch nicht im Stande zu machen. Hier sind die<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[S. 10]</a></span>
+Geschenke, du sollst noch mehr haben, Tabak, Feuerwasser,
+Messer, Beile, Kattun &ndash; auch ein Gewehr
+hab' ich f&uuml;r dich bestimmt, das den Blitz und Donner
+in sich tr&auml;gt, und womit du deine Feinde besiegen und
+dir unterthan machen kannst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Mea fanna fonnua</i><a name="FNanchor_5_5" id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>?&ldquo; rief Toanonga rasch,
+der bei der Aussicht auf solchen Besitz alles Andere
+in dem Augenblick verga&szlig;. &bdquo;W&auml;re nicht &uuml;bel; Toanonga
+m&ouml;chte ungemein gern <i>Mea fanna fonnua</i>
+haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und du giebst mir Hua?&ldquo; rief der Engl&auml;nder
+rasch und freundlich.</p>
+
+<p>&bdquo;Hua?&ldquo; sagte der alte H&auml;uptling erstaunt, w&auml;hrend
+das M&auml;dchen best&uuml;rzt und err&ouml;thend dabei stand
+und kein Wort zu erwidern wagte. &bdquo;Hua geh&ouml;rt
+nicht mein, kann ich nicht vergeben; geh&ouml;rt <i>Tai
+manavachi</i>, ist <i>Tai manavachis <a name="cortex1-10" href="#corr1-10" class="corr">Ohana</a></i>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Ohana?</i>&ldquo; wiederholte der junge Mann best&uuml;rzt
+und erschreckt, denn das Wort bedeutet in der Tongasprache
+Braut sowohl als Frau. &bdquo;<i>Ohana?</i> &ndash; seit
+wann?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah, nicht so lange,&ldquo; sagte der Alte kopfsch&uuml;ttelnd
+und die vor ihm ausgebreiteten Geschenke ein wenig<span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[S. 11]</a></span>
+mehr nach sich her&uuml;ber schiebend, als ob er eine ungewisse
+Ahnung h&auml;tte, da&szlig; der Fremde, wenn er den
+angebotenen Tausch <span class="gesperrt">nicht</span> eingehen wolle, diese am
+Ende auch wieder zur&uuml;ckziehen k&ouml;nne. &bdquo;Mu&szlig; heute
+oder morgen kommen, sie zu holen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Holen? &ndash; wohin?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nach Tongatabu &ndash; gro&szlig;e Insel, gro&szlig;er H&auml;uptling,&ldquo;
+setzte der Alte mit einiger Selbstzufriedenheit
+hinzu; &bdquo;wird <i>Ohana</i> dort und bekommt gro&szlig;e Strecke
+Land.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Wird</span> <i>Ohana</i>?&ldquo; rief Silwitch aber, denn noch
+ein Strahl von Hoffnung d&auml;mmerte, also <span class="gesperrt">ist</span> sie noch
+nicht seine Frau, und wenn mich Hua lieber hat, als
+den braunen Burschen, da denk' ich, soll sie sich bei
+mir so wohl befinden, wie bei <i>Tai manavachi</i>, &ndash; Und
+was sagt Hua selber? &ndash; komm her M&auml;dchen
+und sag' deinem Vater, da&szlig; du mir gut bist und mich
+zum Mann haben willst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich dich zum Mann haben?&ldquo; lachte aber die
+Sch&ouml;ne schelmisch, w&auml;hrend ihr ein noch h&ouml;heres Roth
+Wangen und Nacken f&auml;rbte, &bdquo;und wer hat dir das gesagt,
+<i>Muli</i><a name="FNanchor_6_6" id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nenn' mich nicht <span class="gesperrt">fremd</span>, denn ich bin es nicht<span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[S. 12]</a></span>
+mehr!&ldquo; rief der Engl&auml;nder bittend. &bdquo;Wenn du es
+mir auch noch nicht mit klaren Worten gesagt, hat es
+doch jeder Zug deines Angesichts, selbst der Ton deiner
+Stimme, der Blick deines Auges schon gesprochen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und willst du hier bei uns bleiben auf der Insel,
+und dein Schiff verlassen?&ldquo; frug der alte H&auml;uptling
+vorsichtig.</p>
+
+<p>&bdquo;Mein Schiff verlassen? &ndash; jetzt? &ndash; nein, das
+geht nicht,&ldquo; sagte der Fremde rasch, &bdquo;ich mu&szlig; nach
+Norden hinauf und Fische fangen, aber im n&auml;chsten
+<i>Liha mua</i><a name="FNanchor_7_7" id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> komme ich zur&uuml;ck mit Hua, wieder
+bei Euch zu wohnen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mit Hua?&ldquo; rief der Alte erstaunt und mit
+eigenth&uuml;mlichen, halb ernsten, halb drolligen Zug um
+die Lippen &ndash; der tolle <i>Muli</i> w&auml;r's im Stande. &ndash;
+&bdquo;Wolltest du das M&auml;dchen mitnehmen auf dein
+Schiff?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig; will ich,&ldquo; rief der Seemann rasch, &bdquo;und
+sie soll's gut haben bei mir, und die Welt sehen.
+Toanonga, ich liebe deine Tochter so hei&szlig; und gl&uuml;hend,
+wie ich dir es gar nicht beschreiben kann, und du
+<span class="gesperrt">mu&szlig;t</span> sie mir zum Weibe geben.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[S. 13]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Mu&szlig;</span> ich, so?&ldquo; lachte der Alte gutm&uuml;thig;
+Hua aber, noch mehr err&ouml;thend, sagte leise und vorsichtig
+unter den halbgesenkten Wimpern zu ihm aufschauend.</p>
+
+<p>&bdquo;Und wenn Hua nun nicht will?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du nicht wollen, M&auml;dchen, und weshalb?&ldquo; rief
+der junge Mann bittend.</p>
+
+<p>&bdquo;Und <i>Tai manavachi</i>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah, <i>Tai manavachi</i>!&ldquo; rief der Engl&auml;nder
+ver&auml;chtlich, &bdquo;was schirt der <span class="gesperrt">mich</span> &ndash; er soll kommen
+und dich holen, wenn ich dich erst einmal habe.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er ist ein tapferer Krieger!&ldquo; rief aber der Alte jetzt
+rasch, &bdquo;und hat seinen Namen danach bekommen. &ndash; Schlimm
+f&uuml;r den Feind, dessen F&auml;hrte er folgt.&ldquo;</p>
+
+<p>Silwitch sch&uuml;ttelte den Kopf &auml;rgerlich.</p>
+
+<p>&bdquo;Damit kommen wir nicht weiter,&ldquo; rief er rasch;
+&bdquo;ich frage dich, Toanonga, ob du mir Hua zum Weibe
+geben willst?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Warum fr&auml;gst du nicht Hua selber, ob sie dich
+haben will?&ldquo; sagte der Alte mit seinem trocknen
+Lachen.</p>
+
+<p>&bdquo;Weil ich ihrer Liebe gewi&szlig; bin,&ldquo; rief der Engl&auml;nder
+leidenschaftlich; &bdquo;sie wird mit mir gehen,
+wenn <span class="gesperrt">du</span> ihr die Erlaubni&szlig; giebst!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Frag' sie,&ldquo; war Alles, was Toanonga erwiderte.<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[S. 14]</a></span>
+Der junge Engl&auml;nder wandte sich rasch dem sch&ouml;nen
+M&auml;dchen zu, und streckte den Arm nach ihr aus,
+aber Hua wich ihm rasch und entschlossen aus und
+rief:</p>
+
+<p>&bdquo;Nein &ndash; nein &ndash; ich bin die Braut eines Andern,
+fort mit dir, <i>Pagalangi</i><a name="FNanchor_8_8" id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a>, was willst du von
+mir?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hua!&ldquo; rief aber der junge Seemann erschreckt.
+&bdquo;Hua, ich kann nicht leben ohne dich und mu&szlig; dich
+mein nennen, wende dich nicht ab von mir und sei
+mein Weib.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du bist unser Freund gewesen,&ldquo; sagte das M&auml;dchen
+ernst und fast traurig mit dem Kopf sch&uuml;ttelnd,
+&bdquo;und wir haben dich und die Deinen freundlich aufgenommen,
+was willst du mehr? Ich passe nicht zu
+euch, zu euren Sitten, eurer Sprache, eurer Religion,
+nicht zu den wilden M&auml;nnern auf deinem Schiff.
+Ich will auf diesen Inseln bleiben, die meine Heimat
+sind.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Meine</span> Einwilligung hast du,&ldquo; lachte Toanonga
+in seiner trockenen Weise; &bdquo;ich hab' es dir vorher gesagt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Deine</span> Einwilligung hab' ich, Toanonga?&ldquo; rief<span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[S. 15]</a></span>
+Silwitch rasch und in furchtbarer Aufregung, durch
+den Spott vielleicht nur noch mehr gereizt.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, die hast du,&ldquo; nickte der Alte lachend, &bdquo;aber
+Hua will nicht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sei nicht so b&ouml;s, wei&szlig;er Mann,&ldquo; sagte aber das
+M&auml;dchen jetzt freundlich, ihm die Hand entgegenstreckend,
+&bdquo;sieh', was w&uuml;rde <i>Tai manavachi</i> sagen,
+wenn er k&auml;me und f&auml;nde mich als das Weib
+eines Andern; bliebest du selbst bei uns auf der
+Insel, die ich nun einmal nicht verlassen kann und
+will. Hua sieht dich gern, aber sie kann dir nie angeh&ouml;ren.&ldquo;</p>
+
+<p>Silwitch nahm die Hand und dr&uuml;ckte sie in heftiger
+Aufregung, barg dann die Augen kurze Zeit in
+seiner Linken, und Toanonga sah, wie er einen heftigen
+Kampf mit sich selber k&auml;mpfe; aber er bezwang sich
+und als er den Kopf wieder hob, sagte er ruhig und
+gefa&szlig;t:</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist gut, Hua; wenn du mich nicht haben
+willst, kann ich dich nicht zwingen, aber &ndash; ich hatte
+es gut mit dir gemeint und &ndash; du hast mir weh &ndash; recht
+weh gethan. Das ist jetzt vorbei und ich werde
+nun wieder fortsegeln von hier, und wahrscheinlich
+nie &ndash; nie wieder zur&uuml;ckkehren, nach <i>Monui</i> &ndash; Wirst
+du noch manchmal meiner dann gedenken?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[S. 16]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Wenn ich ein Segel am Horizonte sehe, werde
+ich w&uuml;nschen, da&szlig; es das deine ist,&ldquo; sagte Hua in ihrer
+einfachen Herzlichkeit, ihm treu und kindlich dabei in's
+Auge schauend.</p>
+
+<p>&bdquo;Und wann willst du gehen, <i>cowtangata</i><a name="FNanchor_9_9" id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a>?&ldquo;
+frug der Alte jetzt, anscheinend gleichg&uuml;ltig, aber vielleicht
+mit dem unbestimmten Wunsch, das Gespr&auml;ch
+auf einen fernen Gegenstand zu bringen, und nicht auf
+die noch vor ihm ausgebreiteten Geschenke zur&uuml;ckzuf&uuml;hren,
+die er eines nach dem <a name="cortex1-11" href="#corr1-11" class="corr">Andern</a>, vorsichtig und
+sorgf&auml;ltig hinter sich und aus Sicht brachte.</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wei&szlig; es noch nicht,&ldquo; erwiderte der Engl&auml;nder
+ruhig; &bdquo;ich habe noch Holz bei deinen Leuten bestellt,
+das ich zuerst an Bord nehmen m&ouml;chte. Willst
+du mich los sein?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, nein, bewahre!&ldquo; rief der H&auml;uptling rasch
+und erschreckt; &bdquo;du bist willkommen, so lange auf der
+Insel zu bleiben, wie es dir gef&auml;llt &ndash; nachher kannst
+du gehen. &ndash; Und wollen die <a name="cortex1-12" href="#corr1-12" class="corr"><i>Papalangis</i></a> selber ihr
+Holz schlagen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, ich habe deine Leute schon daf&uuml;r bezahlt,&ldquo;
+sagte der Engl&auml;nder, &bdquo;und glaube sie sind mitten in<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[S. 17]</a></span>
+der Arbeit; bis morgen Abend soll ich es an Bord
+haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist gut &ndash; ich will es dir w&uuml;nschen,&ldquo; erwiderte
+der Alte mit einem etwas zweideutigen L&auml;cheln.
+Ob es Silwitch aber bemerkte oder nicht, er schaute
+einen Augenblick sinnend vor sich nieder, nickte dann
+mit einem kaum unterdr&uuml;ckten Seufzer Hua, etwas
+lebendiger ihrem Vater zu, und schritt mit verschr&auml;nkten
+Armen und gebeugten Hauptes langsam dem
+Strande zu, wohin er sein Boot beordert hatte, ihn
+wieder an Bord zu rudern.</p>
+
+
+<h4>2.</h4>
+
+<p>Die Bootsmannschaft hatte sich indessen, auf
+ihren Capitain wartend, die Zeit bestm&ouml;glichst vertrieben,
+Cocosn&uuml;sse abgepfl&uuml;ckt, Orangen <a name="cortex1-13" href="#corr1-13" class="corr">ausgesogen</a>, getrunken,
+und sich dann, in den Schatten eines engverwachsenen
+Pandanus-Dickichts auf den br&ouml;cklichen,
+fast pulverisirten Corallenboden niedergeworfen, sich
+von den Anstrengungen des Fruchtsammelns zu erholen.</p>
+
+<p>Es waren lauter englische Matrosen, und nur ein
+Schotte unter ihnen, Namens Mac Kringo, scherzweise
+gew&ouml;hnlich Lord Douglas genannt. Das Gespr&auml;ch
+drehte sich aber nat&uuml;rlich um das herrliche<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[S. 18]</a></span>
+Leben, das sie hier gef&uuml;hrt und das, wie sie jetzt fast
+f&uuml;rchten mu&szlig;ten, bald ein Ende nehmen w&uuml;rde, wenn
+sich der Capitain nicht, trotz den Officieren, noch einmal
+anders bes&auml;nne und doch am Lande bliebe.</p>
+
+<p>&bdquo;Hol's der Teufel, Jungen!&ldquo; sagte der eine Matrose,
+den die andern seiner ungemein gro&szlig;en Vorliebe
+f&uuml;r Fische wegen und in einer sonderbaren Verwirrung
+der heiligen Schrift <span class="gesperrt">Jonas</span> nannten, &bdquo;wenn ich
+Capitain der &bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo; w&auml;re, ich wollte den
+Teufel thun und ihr Kupfer so rasch wieder gegen
+Eisschollen reiben, wo ich selber hier einen solchen
+capitalen Hafen gefunden h&auml;tte. Der B&ouml;se mag sich
+die Wallfische selbst fangen, wenn er sie haben will,
+ich bin nicht eigenn&uuml;tzig, und g&ouml;nne ihm gern den Verdienst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das glaub' ich, da&szlig; <span class="gesperrt">du</span> den Wallfischen das
+Wort redest, Jonas,&ldquo; lachte Mac Kringo, ihn von der
+Seite anblinzend, &bdquo;bei dir ist's alte Anh&auml;nglichkeit.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ah bah, mein <i>bonny scotsman</i>,&ldquo; brummte
+aber der Engl&auml;nder, &bdquo;wenn du nichts Besseres wei&szlig;t,
+so bleib mit deinen abgedroschenen Witzen zu Hause;
+die sind auf meinem Namen schon lange stumpf geworden.
+Gieb uns aus deinem allzeit fertigen Hirn
+einen Rath, wie wir anst&auml;ndiger Weise hier bleiben
+k&ouml;nnen, denn zum Weglaufen ist die Insel zu klein,<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[S. 19]</a></span>
+und ich will dir dann zugestehen, da&szlig; du wirklich
+Gr&uuml;tze im Kopfe hast. Bis dahin aber la&szlig; mich zufrieden,
+mit dem was du <span class="gesperrt">glaubst</span> oder nicht; sag'
+uns, was du <span class="gesperrt">wei&szlig;t</span>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Guter Rath w&auml;re da nicht das erstemal an Narren
+fortgeworfen,&ldquo; brummte der unh&ouml;fliche Schotte
+&auml;rgerlich in den Bart, &bdquo;und wenn der liebe Gott
+herunterk&auml;me und euch sagte, wie ihr's machen solltet,
+h&auml;ttet ihr noch drei Bedenken und f&uuml;nf Aber. Nein,
+geht mir fort; mit euch ist nichts anzufangen, und
+<span class="gesperrt">wenn</span> ich das w&uuml;&szlig;te, ich behielt's f&uuml;r mich.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn er was w&uuml;&szlig;te,&ldquo; spottete ein Anderer,
+&bdquo;<i>Legs</i>&ldquo; &ndash; &bdquo;Beine&ldquo; &ndash; von einem Paar etwas kurzer
+und eingebogener Extremit&auml;ten so genannt. &bdquo;Lord
+Douglas thut wahrhaftig, als <span class="gesperrt">ob</span> er etwas im Hinterhalt
+h&auml;tte und uns nun nicht f&uuml;r w&uuml;rdig hielt, die
+Geschichte mit anzuh&ouml;ren. Das ist das billigste
+Mittel jedenfalls, dick zu thun. Nein, Kinder, unsere
+Zeit ist abgelaufen und ich m&uuml;&szlig;te mich, nach allen
+Vorbereitungen zu urtheilen, sehr irren, wenn wir
+nicht schon morgen Abend um diese Zeit wieder unsere
+regelm&auml;&szlig;ige Wacht gehen und uns die H&auml;lse abdrehen,
+nach den Schwarzkitteln auszuschauen. Wasser
+und Provisionen sind genug an Bord, und auf
+das bestellte Holz kommts dann gerade auch nicht so<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[S. 20]</a></span>
+sehr an, ob wir das einwerfen oder nicht. Der Raum
+ist &uuml;berdies so voll, da&szlig; wir's eine Zeitlang mitten
+auf Deck und im Weg lassen m&uuml;&szlig;ten, und der erste
+Harpunier w&uuml;rfe die verfluchten Scheite eigenh&auml;ndig
+&uuml;ber Bord, wenn er sich ein einzigesmal die Schienbeine
+daran stie&szlig;e.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, auf <span class="gesperrt">unsere</span> Schienbeine w&uuml;rd' es da auch
+nicht besonders ankommen,&ldquo; knurrte ein Anderer, der
+den allerdings nicht empfehlenden Beinamen <i>Lemon</i><a name="FNanchor_10_10" id="FNanchor_10_10"></a><a href="#Footnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a>
+hatte, weil er fortw&auml;hrend und selbst bei seinem allerdings
+sehr seltenen Lachen genau solch ein Gesicht
+schnitt, als ob er ganz pl&ouml;tzlich aus Versehen in eine
+Citrone gebissen h&auml;tte. &bdquo;Es ist eine verw&uuml;nscht kuriose
+Einrichtung in der Welt, man mag's betrachten wie
+man will, und wir armen Matrosen ziehen immer den
+K&uuml;rzern. Schon beim Vertheilen, wir haben den
+hundertzwanzigsten, der Capitain hat den achtzehnten
+Theil, und wer f&auml;ngt die Fische, wir oder er?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, <span class="gesperrt">du</span> nicht, Lemon, mit deinem ewigen Raisonniren,&ldquo;
+brummte der Schotte, &bdquo;denn wenn dir nicht
+jedesmal beim Anrudern das Maul verboten w&uuml;rde,
+k&auml;men wir auch jedesmal zu sp&auml;t zum Zulangen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Zankt euch nicht noch den letzten Tag, den wir<span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[S. 21]</a></span>
+vielleicht an Land sind,&ldquo; fiel Jonas hier rasch ein, als
+er sah, da&szlig; Lemon boshaft darauf erwidern wollte;
+&bdquo;hier, mit festem Boden unter uns, sind wir doch
+Alle gleich, und die vom Lande fragen nicht darnach,
+ob wir an Bord den achtzehnten oder hundertachzigsten
+Theil bekommen. Jungens, Jungens, mir bricht das
+Herz ordentlich, wenn ich daran denke, da&szlig; wir hier
+fort sollen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Herzbrechen?&ldquo; knurrte Lemon, &bdquo;das w&auml;re der
+M&uuml;he werth; kommt auch gar nicht vor in der Welt,
+da&szlig; Einem das Herz bricht, und ich wei&szlig; nur einen
+einzigen Fall, wo wirklich einmal Jemand an gebrochenem
+Herzen gestorben ist.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aus <span class="gesperrt">deiner</span> Bekanntschaft?&ldquo; rief Jonas ungl&auml;ubig.</p>
+
+<p>&bdquo;Aus <span class="gesperrt">meiner</span> Bekanntschaft,&ldquo; erwiderte der
+Matrose ruhig; &bdquo;es war der &bdquo;lange Tom&ldquo;, wie wir
+ihn nannten, der hatte in Bristol, wo wir damals vor
+Anker lagen, mit einem andern Kameraden, ich wei&szlig;
+nicht mehr um was, gewettet, er wollte einen verdammt
+schweren Wurfanker von seinem Dock bis zu dem, wo
+unser Schiff lag, ohne abzusetzen, tragen &ndash; und er
+trug ihn auch, aber &ndash; er lebte keine f&uuml;nf Minuten
+mehr &ndash; der Anker hatte ihm das Herz gebrochen.&ldquo;</p>
+
+<p>Die Anderen lachten, der Schotte blinzte Jonas<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[S. 22]</a></span>
+aber heimlich und verstohlen mit den Augen an, und
+sah nach den Busch hin&uuml;ber, ein Zeichen, das dieser zu
+verstehen schien, denn er warf erst einen fl&uuml;chtigen
+Blick auf seine Kameraden, ob ihn Niemand beobachte,
+und nickte dann zur&uuml;ck, da&szlig; er kommen werde.</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn man's so bedenkt,&ldquo; sagte Legs nach einer
+kleinen Pause, die Augenbrauen fest zusammengezogen,
+und mit kleinen St&uuml;cken Coralle, die er vor
+sich aufnahm, nach einer noch unreifen, am Boden
+liegenden Orange werfend, &bdquo;wenn man's so bedenkt,
+was wir da drau&szlig;en in See f&uuml;r ein Hundeleben f&uuml;hren,
+Tag und Nacht in Arbeit und Gefahr, mit schlechter,
+salziger Schiffskost und knappem Grog, kein
+freundliches Gesicht zu sehen als Lemon's, am Tag
+in einer Hundek&auml;lte zu rudern, da&szlig; Einem die Arme
+mit den Wurzeln ausrei&szlig;en m&ouml;chten, und Nachts die
+verdammten St&uuml;cken Blubber<a name="FNanchor_11_11" id="FNanchor_11_11"></a><a href="#Footnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a> an Deck zu werfen
+und auszukochen; einmal halberfroren, einmal halb
+verbrannt, und wenn man nachher von einer dreij&auml;hrigen
+Reise zur&uuml;ck kommt, vielleicht noch mit zehn
+Pfund Sterling Schulden im Buch f&uuml;r Kleider und
+Schuhwerk, das man haben mu&szlig;te die Zeit &uuml;ber,
+und dem Schiff zu bezahlen hat, als ob sie von Gold<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[S. 23]</a></span>
+und Seide gewesen w&auml;ren, &ndash; nein, das soll verdammt
+sein. Und dann dagegen hier die rothen Schufte,
+was die f&uuml;r ein G&ouml;tterleben in all ihren Bequemlichkeiten
+f&uuml;hren; nicht r&uuml;hren thun sie die faulen Knochen,
+als vielleicht einmal auf einem <a name="cortex1-15" href="#corr1-15" class="corr">Brotfrucht-</a>
+oder Cocosnu&szlig;baum zu steigen, oder einen Fisch mit
+der Holzharpune aus dem seichten Wasser zu holen,
+die kleine Insel ist zum &Uuml;berlaufen voll von h&uuml;bschen
+M&auml;dchen und man kann den ganzen Tag in Hemds&auml;rmeln
+gehn. &ndash; Hol's der Henker, der liebe Gott
+h&auml;tte mir keinen gr&ouml;&szlig;eren Gefallen thun k&ouml;nnen, als
+mich ebenfalls braun anzustreichen &ndash; die Farbe h&auml;lt
+besser, und was spart man an &Uuml;berz&uuml;gen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich h&auml;tte auch nichts dagegen!&ldquo; rief ein Anderer,
+mit einer feinen, kreischenden Stimme dazwischen, der
+eigentlich Roberts hie&szlig;, seines Organes wegen aber
+gew&ouml;hnlich &bdquo;Pfeife&ldquo; genannt wurde, &bdquo;denn auf das
+Bischen Couleur wird Einem doch nichts zu Gute gethan;
+was will aber der Mensch machen? Wir m&uuml;ssen
+doch immer noch Gott danken, da&szlig; er nicht in den
+ganz schwarzen Topf gegriffen, denn dann w&auml;ren wir
+geleimt gewesen, zeitlebens.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah, was sind wir besser als Sclaven?&ldquo;
+brummte Legs; &bdquo;die k&ouml;nnen doch wenigstens heirathen
+und an Land bleiben, und was k&ouml;nnen wir? Hol der<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[S. 24]</a></span>
+Teufel das Seeleben; wenn man eine Weile drau&szlig;en
+ist, gew&ouml;hnt man sich zuletzt daran, und es kommt
+Einem sogar manchmal ganz h&uuml;bsch vor, wie man aber
+nur wieder den Fu&szlig; auf festes Land, und besonders
+auf <span class="gesperrt">solches</span> Land setzt, ist auch der Teufel los und es
+zwickt und rei&szlig;t Einen wieder, da&szlig; man sich ordentlich
+die Beine festhalten mu&szlig;, nicht davon zu laufen.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Schotte war indessen aufgestanden und
+am Strande hin, nach den einzelnen Cocospalmen
+hinaufschauend, als ob er sich eine Nu&szlig; aussuchen
+wolle, langsam in den dichten Busch geschlendert, der
+den Corallenboden begrenzte, und Jonas erhob sich
+ebenfalls, zog sich den Bund seiner Segeltuchhose auf,
+spuckte sein Priemchen aus und bi&szlig; ein frisches ab
+und setzte sich den auf der Erde verschobenen Hut
+wieder fester auf das in kleine, krause L&ouml;ckchen gedrehte
+Haar.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, dir wird wohl die Zeit lang,&ldquo; sagte Pfeife,
+sich noch bequemer ausstreckend und ein B&uuml;ndel
+Cocosnu&szlig;bast unter den Kopf schiebend, weicher darauf
+zu liegen, &bdquo;ich kann's abwarten &ndash; zum Henker,
+da&szlig; man nun nicht einmal das Gl&uuml;ck hat, an irgend
+einer solchen Corallenbank hier &ndash; und Zeug ist genug
+da &ndash; ordentlich auf den Strand und fest zu kommen.
+Das w&auml;re doch ein kapitaler Spa&szlig;, wenn wir nachher<span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[S. 25]</a></span>
+eine Colonie gr&uuml;ndeten und uns h&auml;uslich einrichteten
+&ndash; ich wei&szlig; auch, wen ich heirathete.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, wenn wir einmal auf den Strand kommen,&ldquo;
+knurrte Lemon dazwischen, &bdquo;so kannst du dich drauf
+verlassen, da&szlig; es auch im Schnee und Eis und ohne
+Fausthandschuh ist; unser Gl&uuml;ck kenne ich; rennen
+wir aber <span class="gesperrt">nicht</span> auf, so magst du Gift darauf nehmen,
+Kamerad, da&szlig; die &bdquo;<i><a name="cortex1-17" href="#corr1-17" class="corr">Lucy</a> Walker</i>&ldquo; droben noch drei
+volle Jahreszeiten<a name="FNanchor_12_12" id="FNanchor_12_12"></a><a href="#Footnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> herumschwimmt, und nachher
+immer noch nicht voll ist. Ich habe <span class="gesperrt">meine</span> Hoffnung
+jetzt auch nur auf n&auml;chsten Winter gesetzt, da wird
+&bdquo;der Alte&ldquo; schon daf&uuml;r sorgen, da&szlig; wir wieder hier
+anlaufen.&ldquo;</p>
+
+<p>Jonas hatte sich indessen, ohne weiter Theil an
+dem Gespr&auml;ch zu nehmen, ebenfalls langsam und
+scheinbar ohne besondern Zweck von der in dem
+Pandanusschatten gelagerten Gruppe entfernt, und
+hier an einem Busch sch&uuml;ttelnd, dort sich einen Zweig
+niederbiegend und vielleicht abbrechend, kam er nach
+und nach aus Sicht. Dann aber eine Richtung einschlagend,
+die ihn n&auml;her dorthin brachte, wo Mac
+Kringo vor ihm verschwunden war, traf er auch diesen
+bald, seiner harrend, unter einer kleinen Gruppe von<span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[S. 26]</a></span>
+Cocospalmen und Casuarinen, von wo aus er ihm
+winkte hinanzukommen.</p>
+
+<p>&bdquo;Was zum Teufel hast du denn nur, Douglas,&ldquo;
+sagte Jonas kopfsch&uuml;ttelnd, als er das geheimni&szlig;volle
+Wesen des Kommenden sah. &bdquo;Du willst doch nicht
+etwa auskneifen, mein Bursche? &ndash; das gib auf, denn
+du wei&szlig;t nicht, wie dick der Capitain mit dem alten
+H&auml;uptling ist, und wie er &uuml;berhaupt nur auf eine anst&auml;ndige
+Entschuldigung wartete, noch l&auml;nger hier liegen
+zu bleiben; der holte dich wieder und wenn er die
+ganze Jahreszeit darum vers&auml;umen sollte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schrei doch nicht, als ob du ein Segel drau&szlig;en
+bei einem steifen Nordwester anrufen m&uuml;&szlig;test, Mate,&ldquo;
+brummte der vorsichtige Schotte mit ged&auml;mpfter
+Stimme; &bdquo;es f&auml;llt mir nicht ein, solchen tollen Gedanken
+zu haben, aber &ndash; h&auml;ttest du was dagegen,
+Kamerad, wenn wir hier an Land blieben und <a name="cortex1-16" href="#corr1-16" class="corr">Brotfrucht</a>
+und Schweinefleisch r&ouml;steten, wie Christen, anstatt
+hinter den alten, schmierigen Fischen herzufahren,
+wie ein Trupp Narren, und f&uuml;r andere Leute, die zu
+klug sind, selber zu gehen, Brenn&ouml;l zu holen? &ndash;
+H&auml;ttest du was dagegen, mir zu helfen einen gescheuten
+Gedanken auszuf&uuml;hren, bei dem wir nicht die geringste
+Gefahr laufen, wenn wir &ndash; das Maul halten
+und unser eigenes Geheimni&szlig; bewahren k&ouml;nnen?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[S. 27]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Frag' mich, ob ich lieber Grog trinke, als Salzwasser,&ldquo;
+knurrte der Matrose; &bdquo;la&szlig; die Vorrede und
+komm zur Sache, wenn du wirklich was hast, denn
+der Alte kann alle Augenblicke herunter kommen und
+pfeifen und dann m&uuml;ssen wir fort.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, Jonas, ich will keine Umschweife machen,&ldquo;
+sagte der Schotte leise, vorsichtig noch einmal dabei
+den Blick umherwerfend, &bdquo;aber schweigen mu&szlig;t du k&ouml;nnen,
+denn ein Bischen Gefahr ist am Ende doch dabei.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Unsinn, &ndash; ich werde mir nicht selber die Schlinge
+machen, in die sie mich h&auml;ngen wollen,&ldquo; sagte der
+Matrose m&uuml;rrisch &uuml;ber die vielen Vorreden.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, gut denn,&ldquo; fl&uuml;sterte der Schotte, &bdquo;hast du
+die beiden Wraks gesehen, die vor Honolulu lagen,
+wie wir dort waren?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Wraks von den zwei Wallfischf&auml;ngern? &ndash;
+gleich am Eingang vom Hafen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dieselben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja wohl; und was ist mit denen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du wei&szlig;t, wie sie dorthin gekommen sind.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist Feuer an Bord ausgebrochen, und die
+Schiffe sind verbrannt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und die Mannschaft?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Blieb nachher an Land, bis sie sich auf andere
+Schiffe verdingte,&ldquo; brummte Jonas, &bdquo;so haben sie's<span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[S. 28]</a></span>
+mir da wenigstens erz&auml;hlt; aber was hat das mit
+uns zu thun.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wirst gleich h&ouml;ren, Kamerad; wer hat die
+Schiffe angesteckt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Angesteckt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nun ja, glaubst du, da&szlig; ein Schiff im Hafen
+so leicht von selber zu brennen anf&auml;ngt?&ldquo; lachte der
+Schotte, &bdquo;nein, wenn du's denn nicht wei&szlig;t, will ich
+dir's sagen; die Leute der beiden Wallfischf&auml;nger
+haben sich den Gefallen selber gethan, und was in der
+weiten Welt hindert uns hier, da&szlig; wir nicht dasselbe
+thun?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was uns hindert? &ndash; unser Hals,&ldquo; sagte Jonas
+kopfsch&uuml;ttelnd, dem die Idee zu rasch gekommen
+war, sie sogleich vollst&auml;ndig begreifen zu k&ouml;nnen, &bdquo;wei&szlig;t
+du, mein Junge, da&szlig; sie uns einfach an die Raanocke<a name="FNanchor_13_13" id="FNanchor_13_13"></a><a href="#Footnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a>
+aufh&auml;ngen, wenn sie uns dabei erwischen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn sie uns erwischen, ja,&ldquo; lachte der Schotte,
+&bdquo;wer hat denn aber die erwischt, die die Schiffe in der
+Bai von Honolulu angesteckt haben, heh? &ndash; Wer
+<span class="gesperrt">kann</span> uns denn nachher &uuml;berf&uuml;hren, wenn wir unsere<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[S. 29]</a></span>
+Sache nur einigerma&szlig;en klug anfangen. Nein, Jonas,
+mit einem Schwefelholz haben wir's in der Gewalt,
+uns einen Aufenthalt auf diesen Inseln zu
+sichern, so lang wie er uns behagt, und ich glaube,
+unser Alter selber w&auml;r' ganz damit einverstanden,
+wenn er sich's nur eben d&uuml;rfte merken lassen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber die Andern?&ldquo; sagte Jonas, schon halb unschl&uuml;ssig
+mit der verf&uuml;hrerischen Aussicht vor sich,
+dem traurigen Leben an Bord eines Wallfischf&auml;ngers
+auf so leichte Art pl&ouml;tzlich enthoben zu werden.</p>
+
+<p>&bdquo;W&uuml;rden uns auch nicht verrathen,&ldquo; meinte der
+Schotte, &bdquo;brauchen aber auch gar Nichts davon zu erfahren;
+Muth haben sie doch nicht genug, daf&uuml;r einzustehen,
+und ein Paar von ihnen trau' ich nicht eine
+Schiffsl&auml;nge aus Sicht; Pfeife besonders, der Hallunke,
+ist mir ein Dorn im Auge, und bleiben wir l&auml;nger
+hier, spiel' ich dem auch noch einmal einen Possen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und meinst du wirklich?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Meinen</span>, Jonas?&ldquo; rief Mac Kringo unwillig,
+&bdquo;was ist da noch zu meinen dabei? Etwas Einfacheres
+gibts auf der Welt nicht, und wenn du nur den zehnten
+Theil so viel Courage hast, wie ich dir fr&uuml;her zugetraut,
+so verlieren wir kein Wort weiter &uuml;ber die
+Sache, und schlafen morgen Abend hier in einem
+Bambushaus am Strand in &ndash; besserer Gesellschaft<span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[S. 30]</a></span>
+als dem dumpfigen Blubberloch von einem Logiskasten.
+&ndash; Nun, was sagst du, ja oder nein?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wann soll das geschehen?&ldquo; frug Jonas
+leise.</p>
+
+<p>&bdquo;Sobald wir die Gelegenheit dazu finden; wahrscheinlich
+heute Abend mit Dunkelwerden, wenn der
+Koch sein Schaffen<a name="FNanchor_14_14" id="FNanchor_14_14"></a><a href="#Footnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a> fertig hat. Sie sitzen dann
+Alle oben an Deck, die Officiere, die an Bord sind,
+kriechen auch nicht drau&szlig;en herum, und Einer kann
+unten Alles besorgen, w&auml;hrend der Andere nur oben
+Wache h&auml;lt, da&szlig; er ein paar Minuten ungest&ouml;rt
+bleibt; du magst Wache stehen, ich will selber das
+&Uuml;brige in Ordnung bringen. Bist du damit zufrieden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hol's der Teufel, ja!&ldquo; sagte Jonas, sich im
+Voraus bei dem Gedanken an den Erfolg die H&auml;nde
+reibend, &bdquo;stecken wir den alten Blubberkasten vor seinem
+Anker an. Wetter noch einmal, was der f&uuml;r
+eine famose Fackel machen wird!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber ruhig und keine Silbe zu &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Unsinn!&ldquo; brummte Jonas; &bdquo;werde mich h&uuml;ten
+&ndash; wenn wir aber nur unsere Sachen retten k&ouml;nnten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nimm dich in Acht!&ldquo; warnte ihn der Schotte,<span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[S. 31]</a></span>
+&bdquo;damit hat sich schon Mancher verrathen; wenns einmal
+brennt, ja, dann so schnell wie m&ouml;glich, und f&uuml;r
+ein Canoe in der N&auml;he will ich schon sorgen; aber
+vorher keine Hand anger&uuml;hrt. Wenn <span class="gesperrt">die</span> klug sind,
+da wollen wir nicht dumm sein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut denn, heute Abend &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>Ein gellender Pfiff von der Gegend her, in welcher
+ihr Boot lag, unterbrach ihr Gespr&auml;ch, und Mac
+Kringo dem Andern zuwinkend, da&szlig; er sich wieder
+dorthin begebe, wo er hergekommen, damit sie nicht
+zusammen zum Strand zur&uuml;ckkehrten, lief rasch durch
+eine kleine Lichtung hin, die freie Corallenbank weiter
+oben zu erreichen.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, hier Douglas, Seel&ouml;wen und Haifische,
+wo steckt Ihr?&ldquo; rief ihm der Capitain, der in seinem
+Boot stand und ungeduldig nach ihm ausgeschaut zu
+haben schien, schon von Weitem entgegen; &bdquo;was habt
+ihr im Busch zu thun, wenn ihr auf Bootswacht
+seid? &ndash; Wo ist Jonas?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wollte nur &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ach, da kommt er; herein mit euch, &ndash; Wetter
+noch einmal, das faule Leben hier an Land scheint
+euch zu behagen; wartet, ich will euch Beine machen,
+wenn ich euch wieder drau&szlig;en in See habe, da&szlig; die<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[S. 32]</a></span>
+Glieder gelenk werden. Auf euere Sitze da vorn &ndash;
+sind wir flott?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Alles in Ordnung, Sir &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sto&szlig;t ab denn, und legt euch in die Riemen<a name="FNanchor_15_15" id="FNanchor_15_15"></a><a href="#Footnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a>,
+meine Jungen. Ist schon Holz heut von Land an
+Bord geschafft?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, Sir!&ldquo; sagte Jonas, der gleich hinten im
+Boot vor dem Capitain sa&szlig;, w&auml;hrend die rasch eingesetzten
+Riemen das scharfgebaute Boot pfeilschnell
+durch den glatten Wasserspiegel trieben; &bdquo;haben
+nichts gesehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schon gut &ndash; macht nichts!&ldquo; lautete die kurze
+Antwort, und wenige Minuten sp&auml;ter lief das Boot
+unter die niederh&auml;ngende Fallreepstreppe. Der Capitain
+sprang an Bord und die Leute wollten damit
+unter ihre Krahnen gehn, es wie gew&ouml;hnlich aufzuheben,
+die Ordre aber lautete: es im Wasser zu lassen,
+da es wahrscheinlich gleich wieder gebraucht
+w&uuml;rde.</p>
+
+
+<h4>3.</h4>
+
+<p>Einer der Ungeduldigsten an Bord war der
+erste Harpunier, ein junger, kr&auml;ftiger Irl&auml;nder aus<span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[S. 33]</a></span>
+Galvay-Bai und dort erst kurz vor seiner Abreise verheirathet.
+Ihm brannte nat&uuml;rlich der Boden unter
+den F&uuml;&szlig;en, und er wollte das Schiff wieder in See
+haben, Beute zu machen und nach Hause zur&uuml;ckzukehren.
+Was half <span class="gesperrt">ihm</span> das m&uuml;&szlig;ige Leben hier an
+Land.</p>
+
+<p>Mit diesem hatte der Capitain, als er an Bord
+zur&uuml;ckkehrte, eine l&auml;ngere Unterredung, die den W&uuml;nschen
+des jungen Iren auch vollst&auml;ndig entsprochen
+haben mu&szlig;te, denn er kam bald nachher mit fr&ouml;hlichem
+Gesicht gleich hinter dem Capitain an Deck und beorderte
+seine Bootsmannschaft, sich fertig zu halten,
+kurz vor Sonnenuntergang an Land zu rudern, etwas
+dort abzuholen. Die vier Matrosen mit dem Bootsteurer,
+die er befehligte, waren ebenfalls seine Landsleute,
+und die Schiffsmannschaft hatte deshalb das
+Boot auch das Irische getauft.</p>
+
+<p>An Bord der &bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo; herrschte indessen
+rege Gesch&auml;ftigkeit; ein paar zum Ausbessern niedergeholte
+Segel wurden wieder angeschlagen, Taue gesplie&szlig;t,
+Pardunen angespannt, das Deck klar gemacht
+und &uuml;berhaupt Manches vorgenommen, das auf einen
+baldigen Aufbruch schlie&szlig;en lie&szlig;. Als zwei der
+Leute deshalb, Legs und Pfeife, dem Capitain selber,
+der mit raschen Schritten auf seinem Quarterdeck<span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[S. 34]</a></span>
+auf- und abging, um kurzen Urlaub an Land baten,
+der ihnen, in einzelnen Abtheilungen nat&uuml;rlich, fast
+noch gar nicht verweigert worden war, schlug es ihnen
+dieser rund ab und schickte sie wieder nach vorn an
+ihre Arbeit.</p>
+
+<p>&bdquo;Siehst du,&ldquo; fl&uuml;sterte da der Schotte seinem
+Kameraden Jonas, mit dem er oben in den Marsen
+etwas nachzusehen hatte, zu, &bdquo;siehst du, mein Junge,
+da&szlig; ich eine gute Nase habe? Es ist die h&ouml;chste Zeit
+f&uuml;r uns, unser kleines Gesch&auml;ft in Ordnung zu bringen,
+denn ich m&ouml;chte jetzt kein Maul voll Tabak gegen
+eine monatliche L&ouml;hnung wetten, da&szlig; wir nicht morgen
+Fr&uuml;h mit Tagesanbruch Anker auf und Segel gesetzt
+h&auml;tten. Der Alte dahinten zeigt wenigstens den
+besten Willen, aber wir Beide, denk' ich, sollen ihm
+noch einen Strich durch die Rechnung machen. Das
+w&auml;r' ein sch&ouml;ner Spa&szlig;, so auf einmal, ohne nur Abschied
+von unsern Freunden und M&auml;dchen am Land
+zu nehmen, wieder auf und davon und drau&szlig;en
+herumrackern; <i>nai my bonny child</i>, hier sind auch
+noch Leute, die ihre Stimme dabei abzugeben w&uuml;nschen,
+wenn sie auch nur eben den hundertzwanzigsten Theil
+bekommen von dem Fang und das Ganze mit ihrem
+Schwei&szlig; und Mark bezahlen sollen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Am Ende will er gar noch heut Abend fort,&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[S. 35]</a></span>
+sagte Jonas leise; &bdquo;nachher w&auml;ren wir aber die Angef&uuml;hrten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, das nicht,&ldquo; beruhigte ihn der Schotte;
+&bdquo;ich habe geh&ouml;rt, da&szlig; er sich das Irische Boot bestellt
+hat, gegen Sonnenuntergang mit an Land zu
+fahren, und dann kommt er immer vor vier Glasen<a name="FNanchor_16_16" id="FNanchor_16_16"></a><a href="#Footnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a>
+nicht wieder zur&uuml;ck; aber auf morgen Fr&uuml;h hat er's
+abgesehen. Er frug uns ja auch, als wir von Land
+zur&uuml;ckkamen, ob sie Holz an Bord gebracht h&auml;tten.
+Bah, so viel f&uuml;r deine Berechnungen,&ldquo; &ndash; und er
+schnalzte h&ouml;chst selbstzufrieden mit den Fingern.</p>
+
+<p>Jonas hatte indessen seine Arbeit oben beendet
+und mu&szlig;te hinunter, wohin ihm der Schotte bald
+nachher folgte; als sich aber die Sonne mehr und
+mehr dem Horizonte n&auml;herte, wurde auch das Boot
+des ersten Harpuniers, der vorher einen seiner Mannschaft<span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[S. 36]</a></span>
+nach oben zum Ausschauen geschickt hatte, niedergelassen,
+und Legs, der in den Besahnwanten etwas
+auszubessern hatte, sah mit Erstaunen, da&szlig; unter einer
+Matte, auf dem Boden des Bootes, als sie durch
+die Einsteigenden zur&uuml;ckgeschoben wurde, Waffen versteckt
+waren. Er hatte &ndash; beschw&ouml;ren h&auml;tt' er's
+wollen, &ndash; ein paar Gewehrl&auml;ufe darunter vorblitzen
+sehen? was zum Teufel war da wieder im Wind?</p>
+
+<p>Der Koch, die Abendmahlzeit noch vor Dunkelwerden
+am Deck beenden zu k&ouml;nnen, und nicht gezwungen
+zu sein, in das dumpfige Logis hinabzusteigen,
+war inde&szlig; in der Camb&uuml;se emsig besch&auml;ftigt gewesen
+Thee zu kochen und Bananen und Brotfrucht zu braten,
+die mit dem kalten Fleisch von Mittag her keine
+&uuml;ble Schiffskost abgaben. Nachdem er vorher bei dem
+jetzt commandirenden zweiten Harpunier die Erlaubni&szlig;
+eingeholt, rief sein gellender, wohlbekannter Ruf
+bald darauf die Leute s&auml;mmtlich nach vorn unter die
+Back, wo auf der Steuerbordseite des Schiffes die
+riesige kupferne Theekanne qualmte und der sonst in
+breiter h&ouml;lzerner Mulde pr&auml;sentirte harte Schiffszwieback
+jetzt fast vollkommen durch die nahrhafte, in
+Scheiben geschnittene und ger&ouml;stete Brotfrucht verdr&auml;ngt
+war.</p>
+
+<p>Der Schotte setzte sich auch mit hin auf Deck und<span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[S. 37]</a></span>
+schenkte sich seinen Thee in den breiten, niederen Blechbecher,
+der den Inhalt einer gew&ouml;hnlichen Theekanne
+h&auml;tte mit Bequemlichkeit fassen k&ouml;nnen, vermi&szlig;te
+dann aber sein Messer und stieg in den Raum hinunter,
+wo er es heute Morgen gebraucht und wahrscheinlich
+vergessen. Jonas indessen sa&szlig; noch nicht
+und hatte ein kleines Fa&szlig; mit seiner W&auml;sche zu der
+gro&szlig;en Luke gezogen, nahm die Hemden einzeln heraus,
+rang sie aus und legte sie auf das um den Vormast
+gehende Nagelbret.</p>
+
+<p>&bdquo;Komm her, Jonas,&ldquo; rief ihn Legs an, &bdquo;hat den
+ganzen Tag nichts gethan und jetzt, nun der Thee an
+Deck steht, f&auml;llt's ihm auf einmal ein, da&szlig; er Hemden
+in der Br&uuml;h hat. Die Bananen werden kalt und
+schmecken nachher schlecht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sie werden nachher gar nicht schmecken,&ldquo; lachte
+Pfeife mit seiner h&ouml;chsten Stimme, &bdquo;denn ich glaube
+wir werden damit eher fertig, wie er mit seinen Hemden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glaub's, wenn man sie euch vorstellte,&ldquo; brummte
+Jonas, mit einem halb verschluckten Fluch; &bdquo;aber der
+Koch hat noch mehr.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo!&ldquo; rief Pfeife aufspringend, &bdquo;da will ich
+mir gleich noch eine holen!&ldquo; und er kam mit seinem
+Blechteller zur Camb&uuml;se, den Versuch wenigstens zu
+machen.<span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[S. 38]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Sieh einmal das Wetter, das herauf kommt,&ldquo;
+rief ihm hier der Koch zu, der in der niederen Th&uuml;r
+stand und mit dem Arm nach Osten hin&uuml;ber deutete;
+&bdquo;zum Teufel das sieht schwarz aus, und sollte mich
+gar nicht wundern, wenn da eine t&uuml;chtige M&uuml;tze Wind
+drein st&auml;ke. Jedenfalls gibts Regen und wir thun
+besser die Luken zuzulegen; macht, da&szlig; ihr mit eurem
+Essen da vorn fertig werdet.&ldquo;</p>
+
+<p>Der zweite Harpunier hatte indessen mit dem
+Fernrohr auf dem Quarterdeck gestanden, und unverwandt
+nach der niedrig auslaufenden Landspitze geschaut,
+hinter der das Boot vorher verschwunden war.</p>
+
+<p>Mac Kringo stieg in diesem Augenblick die Luke
+herauf und als der Koch auch gerade zusprang, nahmen
+sie die beiden genau passenden und schlie&szlig;enden
+Lukendeckel, an den in den gegen&uuml;berliegenden Ecken
+angebrachten eisernen Ringen und hoben sie in die
+Falze.</p>
+
+<p>&bdquo;Koch!&ldquo; rief des Harpuniers Stimme in diesem
+Augenblicke von dem Quarterdeck aus.</p>
+
+<p>&bdquo;Ay, ay, Sir!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Rasch dein Essen wieder fort und in die Camb&uuml;se &ndash; <i>all
+hands on deck</i><a name="FNanchor_17_17" id="FNanchor_17_17"></a><a href="#Footnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a> &ndash; gro&szlig;e und Vor<span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[S. 39]</a></span>marsraae
+auf &ndash; rasch mit euch, meine Jungen, werft
+die Falle los! &ndash; Nun, was steht ihr da, wie verhagelt?
+die Marsraaen auf, und schnell, oder ich
+mache euch Beine!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Halloh, was ist nun los?&ldquo; rief aber Legs, der
+eben einen Teller voll gl&uuml;cklich erbeuteter hei&szlig;er Bananen
+in Sicherheit bringen wollte und jetzt nicht
+wu&szlig;te, wohin damit, &bdquo;was soll das hei&szlig;en?&ldquo; Es
+blieb ihm aber nicht lange Zeit zur Besinnung, die
+Befehle folgten zu rasch nacheinander, und w&auml;hrend
+unter dem Singen und Schreien der Mannschaft die
+schweren Raaen an ihren Ketten in die H&ouml;he klirrten,
+schob und schleppte der Koch rasch das Abendbrot der
+Leute bei Seite und jetzt vorn in das Logis hinunter,
+damit er die Sachen nur einmal vor der Hand aus
+dem Wege bek&auml;me.</p>
+
+<p>&bdquo;An die Winde mit euch, rasch da vorn und ein
+Bischen lebhaft!&ldquo; rief jetzt der Officier, der nach
+vorn und mitten zwischen die Leute gekommen war,
+von denen sich die meisten noch gar nicht von ihrer
+ersten &Uuml;berraschung erholen konnten, denn es fing
+ihnen jetzt wirklich an klar zu werden, da&szlig; sie ohne
+Weiteres in See hinaus und die Insel verlassen sollten;
+&bdquo;munter, meine Jungen, munter!&ldquo; rief der
+Harpunier, dabei auf die Back springend, die Leute<span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[S. 40]</a></span>
+besser &uuml;bersehen zu k&ouml;nnen, &bdquo;her mit eurem Pumpgeschirr,
+und nun la&szlig;t uns einmal sehn, wie rasch
+ihr den Anker herauf bekommen k&ouml;nnt. Wetter,
+Jungen, es sind nur f&uuml;nfundzwanzig Faden Kette aus,
+mit denen m&uuml;&szlig;t ihr ja nur so weglaufen k&ouml;nnen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Den Teufel, Douglas!&ldquo; fl&uuml;sterte Jonas, in
+Todesangst an den Schotten hintretend, diesem in's
+Ohr, &bdquo;hast du's gethan? &ndash; und jetzt sollen wir in
+See, das w&auml;re eine sch&ouml;ne Geschichte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, da ihr Beiden!&ldquo; rief in diesem Augenblick,
+und ehe noch der Schotte etwas erwidern konnte,
+der Officier, dessen Adlerblick die beiden M&uuml;&szlig;igg&auml;nger
+dort schon entdeckt hatte. &bdquo;Hier Douglas &ndash; herauf
+mit dir, mein Mann, und l&ouml;se das gro&szlig;e Marssegel,
+und du, Jonas, auf die Vormarsraae; marsch mit
+euch, und nachher die Bramsegel auch frei, und du
+Bill, hinaus mit dir, und mach den gro&szlig;en Cl&uuml;ver
+los. Auf mit dem Anker, auf meine Jungen! &ndash;
+<i>Oh joli men hoy!</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Widerspruch gegen die gegebenen Befehle war
+nicht m&ouml;glich, obgleich fast alle Matrosen erstaunt
+mit den K&ouml;pfen sch&uuml;ttelten und sich diese bald abdrehten,
+um zu sehen, ob ihr Capitain noch nicht bald an
+Bord k&auml;me, ohne den sie doch unm&ouml;glich in See gehen
+konnten. Einmal war es fast, als ob Mac Kringo<span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[S. 41]</a></span>
+z&ouml;gere, und er machte sogar eine Bewegung nach dem
+Harpunier zu, aber er besann sich in demselben Momente,
+als dieser ihm ein paar Kernfl&uuml;che &uuml;ber seine
+S&auml;umigkeit entgegendonnerte, und lief jetzt rasch die
+Wanten hinauf nach oben, den gegebenen Befehl zu
+erf&uuml;llen und die Segel zu l&ouml;sen, die sie vielleicht bald
+Alle dem Verderben entgegenf&uuml;hren w&uuml;rden. Gestehen
+<span class="gesperrt">durfte</span> er ja nicht was er gethan, er w&auml;re gebrandmarkt
+gewesen auf Lebenszeit, wenn man ihm
+wirklich das Leben geschenkt h&auml;tte, und die Kameraden &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;Ei, zum Teufel!&ldquo; zischte er dabei zwischen den
+zusammengebissenen Z&auml;hnen durch; &bdquo;kr&ouml;che ich jetzt
+zu Kreuz, die Schufte lie&szlig;en keinen guten Faden an
+mir, so lang sie mich h&auml;tten. Ich hab's nicht meinethalben
+allein gethan, so m&ouml;gen's die Anderen auch
+mit ausbaden.&ldquo;</p>
+
+<p>Die Ankerkette rasselte indessen, mit den raschen
+Schl&auml;gen des eisernen Pumpgeschirrs, schnell an Deck,
+der Anker hing schon und das Schiff trieb mit der
+ausgehenden Ebbe der M&uuml;ndung der Bai zu.</p>
+
+<p>&bdquo;Boot ahoy!&ldquo; rief da Einer der Leute an der
+Winde aus, der eben &uuml;ber die Monkeyrailing das
+rasch anrudernde Boot erkennen konnte, und der Harpunier<span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[S. 42]</a></span>
+drehte sich, das Teleskop, das er noch in der
+Hand hielt, darauf richtend, schnell danach um.</p>
+
+<p>&bdquo;Flink, meine Jungen, flink!&ldquo; rief er dabei; &bdquo;hier
+hat's Eile &ndash; Larbord Seite da, Einer von euch,
+werft die Brassen los &ndash; Koch! rasch dahinten, die
+Brassen von den N&auml;geln &ndash; Starbordseite gro&szlig;e und
+Fockbrassen &ndash; <i>belay that anchor</i><a name="FNanchor_18_18" id="FNanchor_18_18"></a><a href="#Footnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> &ndash; so, genug!
+&ndash; Marsbrassen &ndash; so, genug! und nun die Bramsegelschoten
+aus &ndash; so, genug! So, nun auf mit dem
+Anker, unter die Kl&uuml;sen mit ihm, so rasch ihr laufen
+k&ouml;nnt. &ndash; <i>Oh, joly men hoy!</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Der Schotte, der die Bramsegel gel&ouml;st hatte, kam
+jetzt rasch an den Wanten herunter, als ihn der Harpunier
+sah.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, da oben, Sir &ndash; da du einmal gerade
+unterwegs bist, wirf den Royal<a name="FNanchor_19_19" id="FNanchor_19_19"></a><a href="#Footnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a> los &ndash; heda &ndash;
+hast du's geh&ouml;rt, Bursche? hinauf mit dir, oder ich
+werde dir Beine machen. Wenn ich keinen von den
+Jungen gleich bei der Hand habe, wird es deinen faulen
+Knochen wohl auch nichts schaden, einmal nach
+oben zu gehen. &ndash; Alle Wetter, da sind sie &ndash; das war<span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[S. 43]</a></span>
+Zeit, da&szlig; wir fortkommen,&ldquo; unterbrach er sich rasch,
+als pl&ouml;tzlich eine f&ouml;rmliche kleine Flotte von Canoes
+um die Landspitze bog. Die Aufmerksamkeit der
+Leute wurde aber rasch von dieser ab an Bord ihres
+eigenen Schiffes gelenkt, wo jetzt das vom Land
+zur&uuml;ckkehrende Boot, um das sie sich bis daher gar
+nicht hatten k&uuml;mmern k&ouml;nnen, langseit legte, und im
+n&auml;chsten Augenblick, seinen Leuten voran, Capitain
+Silwitch an Bord sprang.</p>
+
+
+<h4>4.</h4>
+
+<p>Toanonga hatte an dem Nachmittag noch recht
+herzlich &uuml;ber den wilden, tollk&ouml;pfigen <a name="cortex1-18" href="#corr1-18" class="corr">Papalangi gelacht</a>,
+der da, aus irgend einem Land hergeregnet,
+gleich geglaubt, er k&ouml;nne so ohne weiteres die Tochter
+eines ersten H&auml;uptlings, aus dem Blut der Hau's
+oder ersten K&ouml;nige auf seine Arme packen und in die
+weite See damit hinein fahren, wohin es ihm gerade
+beliebe.</p>
+
+<p>&bdquo;Guter Bursch,&ldquo; sagt er dabei auf seine gem&uuml;thliche
+Weise hin, &bdquo;sehr guter Bursch; hat mir die ganze
+Tasche voll Sachen gebracht, und blieb' er hier bei
+uns, und <i>Tai manavachi</i> w&auml;re nicht da, und Hua
+wollte ihn &ndash; und er h&auml;tte noch mehr solche Sachen,
+und br&auml;chte alles Das, was er versprochen, wer wei&szlig;,<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[S. 44]</a></span>
+ob nicht dann der Pagalangi und Hua doch Mann
+und Frau geworden w&auml;ren.&ldquo;</p>
+
+<p>Der alte H&auml;uptling, still vor sich hinschmunzelnd,
+erging sich noch in einer Menge anderer M&ouml;glichkeiten,
+inde&szlig; er sich zugleich auf sehr angenehme Weise
+mit dem Sortiren der verschiedenen Arten Kn&ouml;pfe
+und N&auml;gel besch&auml;ftigte, als ein Bote, einer seiner
+jungen Leute, von einem anderen Theil der K&uuml;ste
+her&uuml;berkam und die Ankunft vieler Kriegscanoes,
+wahrscheinlich den jungen H&auml;uptling <i>Tai manavachi</i>
+f&uuml;hrend, meldete, der jetzt komme, seine Braut heimzuf&uuml;hren.
+&bdquo;Kommt gerade recht,&ldquo; murmelte der alte
+Mann zufrieden vor sich hin; &bdquo;tollk&ouml;pfiger Pagalangi
+h&auml;tte am Ende noch dumme Streiche gemacht, und
+Hua ist nirgends besser aufgehoben, wie bei ihrem
+Mann &ndash; aber was ist das?&ldquo; unterbrach er sich
+dann selbst, als ein Boot von dem drau&szlig;en in der
+Bai liegenden Schiff ab nach der n&auml;chsten Landspitze,
+wo gar keine Wohnungen lagen, hin&uuml;ber hielt. &bdquo;Was
+wollen die Fremden da dr&uuml;ben, wo Hua nur Abends
+mit ihren Frauen hin&uuml;bergeht? &ndash; Hm, hm, hm,
+wird sie noch einmal sprechen und fragen und gewinnen
+wollen &ndash; ja, zu sp&auml;t, <i>cowtangata</i>, zu sp&auml;t &ndash;
+wenn sie dich m&ouml;chte, h&auml;tte sie lange Ja gesagt.&ldquo;</p>
+
+<p>Eine Zeitlang blieb er so sinnend stehen und schien<span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[S. 45]</a></span>
+gewisserma&szlig;en zu erwarten, da&szlig; das Boot, wie jedes
+anderemal nach seinem gew&ouml;hnlichen und ihm eigentlich
+auch vorgezeichneten Landungsplatz her&uuml;ber halte,
+von wo der Capitain des Wallfischf&auml;ngers dann gew&ouml;hnlich
+allein nach der andern kleinen Bai hin&uuml;ber
+gegangen war. Da das aber heute Abend augenscheinlich
+nicht in der Absicht der Fremden lag, und
+Toanonga sich dadurch gewisserma&szlig;en, er wu&szlig;te selber
+eigentlich nicht recht warum, beunruhigt f&uuml;hlte, beschlo&szlig;
+er selber dort hin&uuml;ber zu gehen, und zu gleicher
+Zeit seiner Tochter die Ankunft ihres Br&auml;utigams zu
+melden.</p>
+
+<p>Mit einiger Beschwerde erhob er sich von seiner
+Matte, auf der er vorher jedoch sorgf&auml;ltig seine
+Sch&auml;tze in ein St&uuml;ck braungef&auml;rbtes und gedrucktes
+Gnatu<a name="FNanchor_20_20" id="FNanchor_20_20"></a><a href="#Footnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> eingeschlagen hatte, die er nun vor allen
+Dingen in seiner H&uuml;tte in Sicherheit brachte. Dann
+winkte er den beiden Burschen, ihm zu folgen, und
+mit diesen langsam ein kleines Dickicht von Fruchtb&auml;umen
+durchschreitend, das den Hang des H&uuml;gels
+nach dieser Seite zu bedeckte, stieg er die leise Abdachung<span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[S. 46]</a></span>
+hinan, die von ihrem Gipfel aus einen &Uuml;berblick nach
+der Nachbarbai, mit ihrem stillen Wasser und wehenden
+Palmen gew&auml;hrte.</p>
+
+<p>Hierher kam Hua jeden Abend mit <a name="cortex1-19" href="#corr1-19" class="corr">mehreren</a> ihrer
+Gespielinnen sich zu baden und auf der klaren Fluth,
+&uuml;ber den aufzweigenden Corallen hin in ihrem Canoe
+zu schaukeln. Silwitch hatte ihr da oft Gesellschaft
+geleistet und selige Stunden mit ihr vertr&auml;umt, w&auml;hrend
+das M&auml;dchen mit ihm plauderte und lachte, ihm
+die Legenden und M&auml;rchen ihres Volkes erz&auml;hlte und
+ihn neckte und seiner spottete, ihm aber nie eine Freiheit
+gegen sich selber gestattete. Nie durfte er auch
+nur den Arm um sie legen, oder sie gar k&uuml;ssen, und
+zehnmal war er in bitterem, verzehrendem Unmuth
+fest entschlossen gewesen, nie wiederzukehren und die
+gef&auml;hrliche N&auml;he der so sch&ouml;nen wie spr&ouml;den Maid
+auf immer zu fliehen, aber das herzliche, l&auml;chelnde
+&bdquo;<i>chio do fa<a name="FNanchor_21_21" id="FNanchor_21_21"></a><a href="#Footnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a>!</i>&ldquo; mit dem sie ihm beim Abschied
+jedesmal die Hand unaufgefordert reichte, zwang ihn
+auch wieder zur&uuml;ck in ihre N&auml;he, bis er zuletzt nicht
+einmal mehr den Gedanken fassen konnte, sie zu
+fliehen.</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[S. 47]</a></span></p>
+<p>Auch heute hatte sie sich, noch nicht von der Ankunft
+des Geliebten benachrichtigt, hierher zur&uuml;ckgezogen,
+und sein Canoe mu&szlig;te auch in der That diese
+Bai passiren, wenn er Toanonga's Wohnort erreichen
+wollte, da auf der andern Seite der Insel ein breiter
+Corallendamm das Umschiffen derselben im Binnenwasser
+unm&ouml;glich machte. Die M&auml;dchen sa&szlig;en zusammen
+im Schatten eines breit&auml;stigen Toabaumes,
+dem einzigen auf dem kleinen, hier absichtlich von
+Unterholz befreiten Raum, ihr Haar mit wohlriechendem
+Cocosnu&szlig;&ouml;l zu salben, als das Wallfischboot des
+Fremden um die Spitze der Bai scho&szlig; und die M&auml;dchen
+erschreckt aufspringen machte; nur Hua blieb
+ruhig sitzen und sagte lachend:</p>
+
+<p>&bdquo;Was f&uuml;rchtet ihr euch, tolle Dirnen, habt ihr
+den Pagalangi noch nie gesehen mit seinem Boot, und
+sieht er zu windw&auml;rts von der Landspitze da drau&szlig;en
+anders aus als zu leew&auml;rts? Er wird uns sein
+Lebewohl sagen wollen, denn die fremden M&auml;nner
+sind alle auf das Schiff zur&uuml;ckgefahren, und den ganzen
+Tag schon in den Seilen herumgeklettert. Er
+hat unsere besten W&uuml;nsche f&uuml;r sein Wohl &ndash; wir
+<span class="gesperrt">f&uuml;rchten</span> ihn nicht!</p>
+
+<p>&bdquo;Aber was suchen die Fremden <span class="gesperrt">hier</span>?&ldquo; rief eines
+der M&auml;dchen, sch&uuml;chtern zu ihrem Sitz zur&uuml;ckkehrend;<span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[S. 48]</a></span>
+&bdquo;komm, Hua, wir wollen in den Wald gehen,
+bis sie vorbeigerudert sind &ndash; siehst du, sie wollen
+landen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; sie, M&auml;dchen,&ldquo; sagte des H&auml;uptlings Tochter
+ver&auml;chtlich; &bdquo;wenn wir sie hier nicht l&auml;nger dulden
+wollen, schickt sie Hua wieder in See.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Chio do fa, Hua, chio do fa!</i>&ldquo; rief in dem
+Augenblick die lachende Stimme des jungen Capitains
+zu ihnen her&uuml;ber; &bdquo;wartest du hier auf mich, Maid,
+zur rechten Stunde? ich komme, ich komme.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nicht auf dich, Pagalangi,&ldquo; sagte das M&auml;dchen
+ruhig, sich halb von ihm abwendend; &bdquo;dieser Platz ist
+mein Eigenthum, und wer ihn betritt, kommt zu <span class="gesperrt">mir</span>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und sollen wir hier unser Haus bauen in sp&auml;terer
+Zeit?&ldquo; fl&uuml;sterte der junge Mann, n&auml;her zu ihr hintretend
+und die Hand ausstreckend, die ihrige zu ergreifen.</p>
+
+<p>&bdquo;Wir?&ldquo; wiederholte die Jungfrau erstaunt.</p>
+
+<p>&bdquo;Z&ouml;gert nicht l&auml;nger wie n&ouml;thig ist, <i>Captain
+dear</i>!&ldquo; rief aber in diesem Augenblick der Mate oder
+Harpunier warnend, &bdquo;ich habe da oben auf dem H&uuml;gel
+eine Gestalt gesehen und die Canoes, die wir von
+Deck aus sahen, k&ouml;nnten auch bald hier sein, wenn sie
+beabsichtigt h&auml;tten, hier herzulaufen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist wahr, George,&ldquo; rief der Capitain zur&uuml;ck,<span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[S. 49]</a></span>
+&bdquo;ich habe &uuml;berdies schon zuviel Zeit verloren,&ldquo; und
+sich rasch zu der Geliebten drehend, sagte er schmeichelnd:</p>
+
+<p>&bdquo;Komm mit mir, Hua &ndash; da drau&szlig;en liegt mein
+Schiff, in wenigen Minuten setzen wir die Segel und
+frisch und fr&ouml;hlich ziehen wir hinaus in die freie,
+offene See &ndash; meine Seele h&auml;ngt an dir, M&auml;dchen,
+und ich kann nicht ohne dich leben.</p>
+
+<p>&bdquo;Zur&uuml;ck, Pagalangi,&ldquo; rief aber Hua, zum erstenmal
+vielleicht erschreckt, als er dreister auf sie zutrat
+und seinen Arm um sie zu legen suchte; &bdquo;zur&uuml;ck,
+<i>taima tangata</i> &ndash; eines H&auml;uptlings Tochter ist f&uuml;r
+dich zu gut; such' dir ein Weib unter den Dirnen des
+Landes.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Meinest du, Herz?&ldquo; rief der junge Mann jetzt,
+dem Zorn und beleidigte Eitelkeit das Blut in die
+Wangen jagte, &bdquo;dann will ich doch sehen, ob du an
+Bord dieselbe Sprache hast!&ldquo; und mit raschem
+Sprung die Str&auml;ubende umfassend, ehe sie selbst im
+Stande war um Hilfe zu rufen, hob er sie vom Boden
+auf, und floh mit ihr dem vielleicht hundert
+Schritte davon entfernten Boote zu.</p>
+
+<p>&bdquo;Hilfe! Hilfe!&ldquo; schrie jetzt das arme M&auml;dchen,
+die erst in dem Entsetzen der Gefahr, als sie das Boot
+vor sich sah und ihr Schicksal ahnte, die Sprache<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[S. 50]</a></span>
+wieder fand. &bdquo;Hilfe, Toanonga, zu Hilfe &ndash; zu
+Hilfe deinem Kinde!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sie h&ouml;ren dich nicht, Liebchen,&ldquo; lachte aber der
+junge kecke Seemann, seine s&uuml;&szlig;e Last nur schneller
+dem Ziele zuf&uuml;hrend; &bdquo;dein Ruf dringt zu sp&auml;t an
+ihr Ohr.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Habt Acht, Capitain!&ldquo; rief aber in dem Augenblick
+der Harpunier, der mit dem Steuerriemen in der
+Hand hinten im Boot gestanden, den Befehl zum Absto&szlig;en
+zu geben, so rasch ihre Beute geborgen sei, und
+der jetzt zwei junge <a name="cortex1-20" href="#corr1-20" class="corr">Burschen</a> aus den n&auml;chsten B&uuml;schen
+herausbrechen und dem M&auml;dchenr&auml;uber folgen sah;
+&bdquo;habt Acht, sie sind hinter euch!&ldquo; Silwitch hatte aber,
+an keine Verfolgung denkend, nur Auge und Ohr f&uuml;r
+sein erobertes Gl&uuml;ck, und der junge, riesige Ire, die
+Gefahr von dem Haupt des Capitains abzuwenden,
+flog unbewaffnet wie er war, mit einem Satz so nahe
+er konnte, an Land, in die klare und hier seichte Fluth
+hinein, unbek&uuml;mmert, ob sie hier einem ungleichen
+Kampf entgegengingen, warfen sich auch die beiden
+jungen Indianer auf den Capitain, ihres H&auml;uptlings
+Tochter aus seinem Griff zu retten. Der Ire aber
+zwischen den Capitain und seine Verfolger springend,
+ergriff den ersten beim Arm und schleuderte ihn wie
+ein Kind zur Seite, w&auml;hrend er den Zweiten, st&auml;rkeren<span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[S. 51]</a></span>
+der einen Schlag nach ihm f&uuml;hren wollte, mit sicher
+gezieltem und ge&uuml;btem Sto&szlig; so derb zwischen die
+Augen traf, da&szlig; er bet&auml;ubt und regungslos zu Boden
+schlug.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun fort!&ldquo; rief er jetzt und stie&szlig;, in das Wasser
+springend, das Boot, in das der Capitain seine
+Beute schon hineingehoben, ab von den Corallen, und
+sich nachschwingend, w&auml;hrend zwei der Leute das
+M&auml;dchen hielten, und die andern den Capitain zu sich
+herein zogen, setzte er rasch und dringend hinzu: &bdquo;an
+eure Riemen, meine Bursche, an eure Riemen, f&uuml;r
+euer Leben, denn beim Teufel, dort kommt die ganze
+Canoeflotte hinter der Landspitze vor &ndash; an eure
+Pl&auml;tze und vorw&auml;rts! der Capitain wird die Dirne
+schon festhalten und du, Patrick, kannst ihr indessen
+ein wenig die F&uuml;&szlig;e zusammenbinden, da&szlig; sie nicht
+doch noch &uuml;ber Bord springt; erst aber ein Tuch
+&uuml;ber den Mund, da&szlig; sie das verdammte Schreien
+l&auml;&szlig;t. Und nun ein mit euren Rudern, und brecht sie,
+wenn ihr k&ouml;nnt!&ldquo;</p>
+
+<p>Das elastische Holz bog sich unter den kr&auml;ftigen
+Z&uuml;gen der, ein jubelndes Hurrah aussto&szlig;enden Matrosen,
+denn die kecke Entf&uuml;hrung hatte ihre ganze
+Sympathie, und das scharfgebaute Boot scho&szlig; sch&auml;umend
+durch die Wellen, dem nicht so gar weit davon<span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[S. 52]</a></span>
+ankernden Schiff zu. Die Fahrzeuge der Eingebornen
+dagegen, sieben vollbemannte und wunderlich geschm&uuml;ckte
+Kriegscanoes, die allerdings noch zu weit
+entfernt waren, den Hilferuf zu h&ouml;ren, konnten doch
+schon auf dem Corallensand des Strandes die hin und
+her laufenden dunklen Gestalten erkennen. Wenn sie
+deshalb auch vielleicht anf&auml;nglich die Absicht gehabt
+h&auml;tten, n&auml;her am Land zu bleiben, wo die ihnen hier
+g&uuml;nstige Str&ouml;mung auch die st&auml;rkste war, so schien
+das fremde Boot diesen Plan ge&auml;ndert zu haben.
+Sie hielten nun vor allen Dingen gerade auf die
+ziemlich in ihrem Cours, aber ihnen gegen&uuml;ber liegende
+Landspitze zu, wo sie die dunkle Gestalt eines Eingebornen
+entdecken konnten, von welcher sie jedenfalls
+Auskunft &uuml;ber das etwas verd&auml;chtige Benehmen des
+Bootes zu erhalten hofften.</p>
+
+<p>Die Gestalt am Ufer war aber Niemand anderer
+als Toanonga selber, und nach einigen rasch gewechselten
+Worten mit dem ersten, festlich geschm&uuml;ckten,
+aber mit wohl zwanzig Kriegern bemannten stattlichen
+Canoe gab dieser den ihm folgenden Fahrzeugen durch
+schrill gerufene Laute irgend einen Befehl, und quer
+hin&uuml;ber schneidend &uuml;ber die Bai, wo ihnen jetzt das die
+Segel setzende Schiff der <a name="cortex1-21" href="#corr1-21" class="corr">Papalangis</a> in Sicht kam, suchten
+sie augenscheinlich diesem die Bahn abzugewinnen.<span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[S. 53]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Anker klar, da vorn!&ldquo; rief die helle, fr&ouml;hliche
+Stimme des Capitains &uuml;ber Deck, als er kaum die
+Wanten seines Fahrzeugs erfa&szlig;te und die Railing
+&uuml;bersprungen hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;Alles klar, Sir!&ldquo; lautete der bestimmte Ruf des
+Harpuniers zur&uuml;ck.</p>
+
+<p>&bdquo;Her zu mir denn, mein Herz!&ldquo; jubelte er, als
+er die Arme ausstreckte, das ihm heraufgereichte und
+sich wild str&auml;ubende M&auml;dchen in Empfang zu nehmen;
+&bdquo;her zu mir, mein Herz, und nun hab' ich und halt'
+ich dich, und <i>Tai manavachi</i> mu&szlig; rasche Canoes
+und tapfere Krieger haben, wenn er dich wiederholen
+und aus meinen Armen rei&szlig;en will.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bind mich los, <i>tangata foi</i>!&ldquo; rief aber das
+sch&ouml;ne M&auml;dchen, als ihr das Tuch abgenommen war,
+das bis dahin ihren Mund bedeckt, in wildem Zorn:
+&bdquo;bind' mich los und gib mich frei, falscher, verr&auml;therischer
+Pagalangi, der du, wie der Dieb in der Nacht,
+dich in meines Vaters Haus geschlichen. Hotuas
+Fluch &uuml;ber dich und dein Schiff! Bind' mich los!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da&szlig; du mir &uuml;ber Bord spr&auml;ngst und den ganzen
+Spa&szlig; verd&uuml;rbest,&ldquo; lachte der junge Mann. &bdquo;Nein
+Herz, du bist jetzt vielleicht b&ouml;s auf mich, aber das
+wird sich schon geben; ich bin nicht so schlimm, wie du
+mich machst, und wir werden hoffentlich noch recht<span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[S. 54]</a></span>
+gute Freunde werden. Jetzt aber, wildes T&auml;ubchen,
+mu&szlig; ich dich auf kurze Zeit hinunter und aus dem
+Weg tragen,&ldquo; setzte er rasch hinzu, als ihn ein Blick
+&uuml;berzeugt hatte, wie die Canoes einen n&auml;heren, ihnen
+wohl genau bekannten Canal durch die Riffe annahmen,
+den Lauf des Schiffes abzuschneiden, das die
+breite Ausfahrt halten mu&szlig;te. Wenn er auch ihren
+Angriff nicht zu f&uuml;rchten brauchte, denn selbst vor
+Anker h&auml;tte er sich die Canoes abhalten k&ouml;nnen,
+wollte er doch, so lange das anging, jedes Blutvergie&szlig;en,
+wie jede weitere Feindseligkeit vermeiden.
+So denn die geraubte Braut, die sich vergebens seinem
+Griff zu entwinden suchte, in die Arme fassend,
+trug er sie in die Caj&uuml;te hinunter, deren Th&uuml;re er
+rasch hinter ihr abschlo&szlig;.</p>
+
+<p>Keine Zeit war es jetzt f&uuml;r ihn, die Z&uuml;rnende zu
+bes&auml;nftigen, das Schiff trieb mit dem sch&auml;umenden
+Corallendamme mehr und mehr entgegen, und n&auml;her
+und n&auml;her kamen die Canoes dem Feinde.</p>
+
+<p>Die Commando's am Bord den Steuernden zuzurufen,
+erforderten jetzt die ganze Aufmerksamkeit
+der Mannschaft, die an den Brassen, jeder an seinem
+Posten, stand, etwa gegebene Befehle zu anderer
+Stellung der Segel so rasch als m&ouml;glich auszuf&uuml;hren,
+w&auml;hrend der Capitain selber vorn von der Back aus,<span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[S. 55]</a></span>
+durch zwischen ihm und dem Steuernden aufgestellte
+Harpuniere, den Lauf des Fahrzeugs mit seiner
+Stimme lenkte. Die &bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo; war &uuml;brigens
+ein treffliches Seeboot und gehorchte dem Steuer
+rasch; so umschifften sie denn auch, mit der jetzt immer
+frischer einsetzenden Brise, die so scharf von Osten
+her&uuml;berkam, da&szlig; sie <a name="cortex1-22" href="#corr1-22" class="corr">in</a> eine B&ouml; auszuarten drohte, die
+gef&auml;hrlichen Klippen, die ihnen rechts und links sch&auml;umende
+Brandungswellen her&uuml;berrollten und jetzt, von
+keiner Gefahr weiter bedroht, und gerade, als die
+Sonne in dem noch klaren Westen verschwand und die
+von gegen&uuml;ber aufsteigenden Wetterwolken mit ihrem
+rosigsten Lichte &uuml;bergo&szlig;, breitete sich die freie, offene
+See vor ihnen aus.</p>
+
+<p>&bdquo;Freie Bahn!&ldquo; rief da der junge Capitain in
+lustigstem &Uuml;bermuth, seinen Hut gegen die noch
+immer unverdrossen heransch&auml;umenden Canoes schwenkend,
+inde&szlig; der Bug seines eigenen Fahrzeugs, die
+Segel von der frisch und stark aufkommenden Brise
+gebl&auml;ht, durch die krystallene Fluth scho&szlig; und die
+klaren Wellen zu beiden Borden spritzend abwarf. &ndash;
+&bdquo;Freie Bahn! und nun auf Wiedersehn, vielleicht f&uuml;r
+n&auml;chstes Jahr. Armer <i>Tai manavachi</i>!&ldquo; setzte er
+dann l&auml;chelnd hinzu, als er noch einen Blick auf die
+Canoes warf, ehe er von der Back hinunter sprang,<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[S. 56]</a></span>
+&bdquo;wenn du wirklich da drin bist, thust du mir wahrhaftig
+leid, so, nur wenige Minuten, die Zeit, vers&auml;umt
+zu haben. H&auml;ttest du nicht so lange Siesta
+gehalten, vielleicht l&auml;ge die Braut jetzt in deinen Armen,
+statt in meiner Caj&uuml;te. Zu sp&auml;t nun deine
+Anstrengungen, mein Tapferer, zieh deine Ruder ein,
+tollk&ouml;pfiger Bursch, oder das Wetter da dr&uuml;ben schneidet
+dir auch zum Land zur&uuml;ck die Stra&szlig;e ab?</p>
+
+<p>Nun, meinetwegen,&ldquo; setzte er nach einer kleinen
+Pause hinzu, w&auml;hrenddem er zu seinem Erstaunen
+sah, wie die Canoes wirklich die Passage in offener
+See forcirten und dem drohenden Himmel und der
+trostlosen Aussicht auf Erfolg zum Trotz die Verfolgung
+noch nicht aufgegeben zu haben schienen, &bdquo;wenn
+ihr's nicht besser haben wollt, so kann mir's recht
+sein; Nebenbuhler sind &uuml;berdies gef&auml;hrliche Gesellen,&ldquo;
+und an Deck hinunterspringend und die jetzt zur&uuml;ckbleibenden
+Canoes keines Blickes weiter w&uuml;rdigend,
+ging er wieder nach aft (hinten), dort die n&ouml;thigen
+Befehle zu geben, einen Theil der Segel wieder zu
+bergen und f&uuml;r ein doch m&ouml;gliches Unwetter, das in
+diesen Breiten oft einen furchtbaren Charakter annehmen
+kann, wenigstens vorbereitet zu sein.</p>
+
+<p>Die &bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo; lie&szlig; die Insel, jetzt vor dem
+Wind laufend, rasch hinter sich, und vor ihnen war<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[S. 57]</a></span>
+an dem, im Abendschein klar abgeschnittenen Horizont
+kein Land mehr sichtbar.</p>
+
+
+<h4>5.</h4>
+
+<p>&bdquo;Zum Teufel noch einmal, Legs,&ldquo; sagte Pfeife mit
+seiner feinen, quitschigen Stimme, als die eine Wacht
+ins Logis beordert war, rasch ihr <a name="cortex1-23" href="#corr1-23" class="corr">Abendbrot</a> einzunehmen,
+um an Deck bereit zu sein, wenn das Wetter
+die ganze Mannschaft oben verlangte, indem er an
+seinen indessen kalt gewordenen Bananen kaute, &bdquo;das
+riecht mir schon seit einer Weile so verdammt brandig
+hier unten &ndash; hast du noch Nichts gemerkt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mir ist's auch schon so vorgekommen,&ldquo; rief der
+Schotte jetzt rasch, der in t&ouml;dlicher Ungeduld wie auf
+Kohlen gestanden und nur nicht gewagt hatte, selber
+das erste Wort dar&uuml;ber zu sagen. W&auml;re er sich seines
+Verbrechens nicht bewu&szlig;t gewesen, w&uuml;rde er gar nicht
+daran gedacht haben, in der ersten Entdeckung ein
+Zeichen zur Anklage zu finden; &bdquo;wei&szlig; der Henker, wo's
+herkommt, aber es riecht versengt und wir lassen
+Spunt lieber einmal nachsehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wo?&ldquo; frug <span class="gesperrt">Spunt</span>, wie der B&ouml;ttcher auf
+Wallfischf&auml;ngern gew&ouml;hnlich genannt wird.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, hier unten in den Ecken, oder wenn da
+nichts ist, unter Deck,&ldquo; sagte Douglas ausweichend.<span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[S. 58]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Na, hier werdet Ihr doch wohl auch selber die
+Nasen in die unteren Koyen bringen k&ouml;nnen,&ldquo; knurrte
+der B&ouml;ttcher, der eben an einer h&ouml;chst wohlschmeckenden
+Schweinsrippe kaute, &bdquo;Spunt &ndash; immer nur
+Spunt; Spunt mu&szlig; bei Allem dabei sein und damit
+seid Ihr gleich fertig.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Alle an Deck!&ldquo; schrie da die gellende Stimme
+des Harpuniers, der zugleich mit einer aufgegriffenen
+Handspake auf die Logisluke schlug, seinen Worten
+gr&ouml;&szlig;eren Nachdruck zu geben; &bdquo;Alle an Deck da unten
+und reefen<a name="FNanchor_22_22" id="FNanchor_22_22"></a><a href="#Footnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a>, herauf mit Euch, herauf!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mr. Mate!&ldquo; rief der Schotte jetzt, der zuerst
+die kleine schmale Leiter heraufsprang, w&auml;hrend Legs
+und Pfeife indessen noch &uuml;berall in den Ecken herumvisitirten
+und rochen, dem unverkennbar brandigen
+Duft auf die Spur zu kommen, &bdquo;da unten &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Reefen!&ldquo; schrie ihn aber der Harpunier an, nicht
+gewohnt, irgend eine Einrede zu gestatten; &bdquo;Reefen,
+hast du's geh&ouml;rt, tauber Schotte? &ndash; nach oben, wohin
+du geh&ouml;rst, oder ich <span class="gesperrt">bring</span> dich hinauf mein Bursche!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da unten riechts &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Will er das Maul halten und gehorchen, wenn
+ich ihm etwas sage?&ldquo; rief aber der rauhe Geselle, die<span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[S. 59]</a></span>
+hingeworfene Handspeiche in zorniger Drohung wieder
+aufgreifend.</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Feuer</span> ist irgendwo unten!&ldquo; knurrte aber der
+Schotte fest entschlossen, sich diesmal nicht einsch&uuml;chtern
+zu lassen und das Hauptwort gleich vorr&uuml;ckend,
+den <a name="cortex1-24" href="#corr1-24" class="corr">Officier</a> &uuml;ber die Wichtigkeit der Einrede nicht in
+Zweifel zu lassen; &bdquo;es riecht brandig und mu&szlig; irgendwo
+brennen, und wenn <span class="gesperrt">ihr's</span> wollt brennen lassen,
+kann's mir recht sein.&ldquo; Und damit, als ob er Alles
+gethan, was von ihm konnte verlangt werden, sprang
+er auf die Railing und lief, die Wanten fassend, an
+diesen hinauf, den gegebenen Befehl auszuf&uuml;hren.</p>
+
+<p>&bdquo;Wo brennt's?&ldquo; rief der Harpunier aber rasch,
+die Handspake niederwerfend, dem jetzt ebenfalls heraufkommenden
+Pfeife an; &bdquo;was ist da wieder los? &ndash;
+was habt ihr da unten wieder angerichtet?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wir?&ldquo; schrie Pfeife, den Officier erstaunt ansehend;
+&bdquo;angerichtet? Unser angerichtetes Essen haben
+wir unten stehen lassen, um schnell herauf zu kommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der schottische Dickkopf da oben sprach von
+Feuer,&ldquo; rief der Harpunier nach oben sehend; &bdquo;na,
+komm du mir nur wieder herunter!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, brandig riecht's unten,&ldquo; bet&auml;tigte dies aber
+ebenfalls der Matrose, &bdquo;und Spunt hat's jetzt auch
+herausbekommen und schniffelt in allen Koyen herum.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[S. 60]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Er soll nachher einmal unter Deck nachsehn,&ldquo;
+sagte der Harpunier; &bdquo;jetzt rasch nach oben, <i>boys</i>,
+legt euch aus, da&szlig; wir die Segel klein bekommen,&ldquo;
+und zu dem Cl&uuml;verfall springend, warf er dieses selbst
+los, da&szlig; der schwere, lange Cl&uuml;ver in seinem Stag
+niederschnurrte, nachher bei mehr Mu&szlig;e auf dem
+Cl&uuml;verbaum festgeschn&uuml;rt zu werden.</p>
+
+<p>Bis jetzt wehte nur noch erst eine steife Brise, die
+aber, wie schon gesagt, leicht in einem Sturm ausarten
+konnte, und Capitain Silwitch wollte sein Schiff
+keiner unn&ouml;thigen Gefahr aussetzen. Durch die dichtgereeften
+Segel wurde aber auch ein Fortgang gehemmt,
+und wenn sie auch noch rasch genug durchs
+Wasser liefen, die ihnen trotzdem hartn&auml;ckig folgenden
+Canoes, behielten sie doch, so lange n&auml;mlich die jetzt
+rasch einsetzende Nacht nicht ihren Schleier &uuml;ber das
+sch&auml;umende Meer warf, deutlich von Deck aus
+in Sicht.</p>
+
+<p>Der Harpunier hatte indessen &uuml;ber dem ihm gemeldeten
+brandigen Geruch die seine ganze Th&auml;tigkeit
+in Anspruch nehmende Besch&auml;ftigung des Segelreefens
+vergessen, und Capitain Silwitch, der bis dahin an
+Deck geblieben war, das aufsteigende Wetter und dessen
+St&auml;rke abzuwarten, wollte sich eben vor einem, in
+diesem Augenblick beginnenden t&uuml;chtigen Schauer <span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[S. 61]</a></span>froh
+vielleicht, einen Vorwand zu haben &ndash; in die
+Caj&uuml;te hinabziehn, als Spunt nach dem Quarterdeck
+hinter kam und mit abgezogener M&uuml;tze seinem Officier
+meldete, der Feuergeruch w&uuml;rde st&auml;rker, und es w&auml;re
+n&ouml;thig, da&szlig; sie unten nachs&auml;hen.</p>
+
+<p>&bdquo;Was gibt's?&ldquo; rief Capitain Silwitch, schon
+auf der Caj&uuml;tstreppe und noch mit dem Kopf &uuml;ber die
+Seitenrailing derselben schauend; &bdquo;was will der
+Mann, Sir?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Leute wollen vorn einen brandigen Geruch
+bemerkt haben,&ldquo; rapporte der Harpunier, &bdquo;Spunt mag
+wohl einmal nach unten gehen und nachsehen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Einen brandigen Geruch? &ndash; wo?&ldquo; rief der
+Capitain, rasch wieder an Deck springend, denn mit
+Feuer an Bord eines Schiffes ist nicht zu spa&szlig;en.
+&bdquo;<i>Damn it,</i>, mir ist's auch schon vorher einmal so vorgekommen.
+Rei&szlig;t die Luken auf, B&ouml;ttcher, rasch, und
+seht nach; das h&auml;ttet Ihr schon lange thun k&ouml;nnen.&ldquo;</p>
+
+<p>Der B&ouml;ttcher ging schnell zur&uuml;ck, von wo er gekommen,
+den Befehl auszuf&uuml;hren, als ihm auch schon
+der Ruf von mehreren Stimmen &bdquo;Feuer! Feuer!&ldquo;
+entgegen schallte, unter dem Luckendeckel hervor hatte
+Lemon, von oben herunter kommend, den feinen blauen
+Rauch herausquellen sehen, und als er zusprang, mit
+Spunt zusammen die eine H&auml;lfte des Deckels abzuheben,<span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[S. 62]</a></span>
+schlug ihnen der dicke, schwere Qualm in furchtbarer
+Wirklichkeit entgegen.</p>
+
+<p>&bdquo;Feuer!&ldquo; gellte der Angstschrei der Leute &uuml;ber
+Deck, &bdquo;Feuer! Boote nieder &ndash; Boote in See &ndash; wir
+sind verloren!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Teufel!&ldquo; schrie der Capitain, in grimmer Wuth
+das Deck stampfend; &bdquo;Teufel &ndash; und gerade jetzt; so,
+hinunter Einer von euch, und seht, ob noch zu l&ouml;schen
+ist &ndash; heda, B&ouml;ttcher &ndash; Zimmermann!&ldquo;</p>
+
+<p>Die Leute schienen aber alle den Kopf derma&szlig;en
+verloren zu haben, da&szlig; sie gar nicht wu&szlig;ten, wo angreifen,
+wo helfen, und nur der Schotte, dem laut
+lamentirenden Jonas einen Sto&szlig; in die Rippen gebend,
+sprang zum Rand der Luke, und suchte, mit den F&uuml;&szlig;en
+unten nach den Einschnitten an der mittleren St&uuml;tze
+f&uuml;hlend, in den Rauch hinein seine Bahn. Aber auch
+er mu&szlig;te es aufgeben, und den einen Arm emporwerfend,
+streckte er diesen, schon halb bet&auml;ubt von dem
+Rauch, nach Hilfe aus, und wurde rasch wieder an
+Deck gezogen, w&auml;hrend der Capitain und Harpunier
+jetzt den Luckendeckel wieder zuwarfen, das Feuer,
+vielleicht in dem furchtbaren selbsterzeugten Qualm
+zu ersticken.</p>
+
+<p>Was da unten brannte, und wie das Feuer ausgekommen,<span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[S. 63]</a></span>
+war etwas, dem sie jetzt auch nicht einmal
+eine Vermuthung g&ouml;nnen konnten.</p>
+
+<p>&bdquo;Wasser und Provisionen herbei!&ldquo; rief die Stentorstimme
+des Capitains &uuml;ber Deck durch den L&auml;rm;
+&bdquo;jede Bootsmannschaft ihr Boot so schnell als m&ouml;glich
+verproviantirt und an Lanzen noch hinein was ihr
+habt. &ndash; Hier Mr. Fergusen,&ldquo; wandte er sich dann
+rasch an den ersten Harpunier, &bdquo;sie besorgen die
+Instrumente in ihr Boot, Sextant, Compa&szlig; und
+Chronometer &ndash; haben sie nach dem Barometer gesehen,
+wie er steht?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er ist wieder gestiegen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Desto besser, ein Sturm jetzt und wir w&auml;ren
+verloren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und glauben Sie nicht, da&szlig; wir das Schiff noch
+retten k&ouml;nnen?&ldquo; frug der <a name="cortex1-24b" href="#corr1-24b" class="corr">Harpurnier</a>, selbst mit wenig
+Hoffnung im Ton.</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Wie?</span>&ldquo; entgegnete der <a name="cortex1-24c" href="#corr1-24c" class="corr">Capitain eint&ouml;nig</a>, &bdquo;ich
+begreife nicht, da&szlig; es so lange unentdeckt bleiben
+konnte &ndash; fr&uuml;her w&auml;re Hilfe vielleicht m&ouml;glich gewesen,
+was sollen wir jetzt thun?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn man nur wenigstens w&uuml;&szlig;te, <span class="gesperrt">was</span> brennt,&ldquo;
+sagte der Harpunier.</p>
+
+<p>&bdquo;Das Schlimmste, was brennen kann,&ldquo; erwiederte
+der Capitain, der seine Kaltbl&uuml;tigkeit wieder gewonnen,<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[S. 64]</a></span>
+&bdquo;das &Ouml;l, haben sie das nicht an dem Qualm gesehen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dann sind wir verloren!&ldquo; rief der Harpunier.</p>
+
+<p>&bdquo;Wir? &ndash; das Schiff. &ndash; Mit den Booten k&ouml;nnen
+wir leicht eine andere Insel erreichen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber die Canoes hinter uns, &ndash; h&auml;tten wir nur
+die verdammte Dirne an Land gelassen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Teufel, an die Canoes h&auml;tt' ich gar nicht mehr
+gedacht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn wir jetzt unsern Cours &auml;nderten,&ldquo; rief der
+Harpunier rasch, &bdquo;es ist dunkel und in kurzer Zeit &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wird die Flamme lichterloh hier am Deck emporleuchten &ndash; unsere
+einzige Hoffnung ist, ihnen vorher
+mit den Booten aus dem Wege zu kommen. So, rasch
+hinein &ndash; mit dem Seitenwind laufen wir dann ein
+St&uuml;ck nach Norden hinauf und sind morgen Fr&uuml;h
+hoffentlich, wenn die Sonne aufgeht, aus Sicht.&ldquo;</p>
+
+<p>Die Mannschaft hatte indessen in wilder Hast
+Alles herbeigeschleppt, was an Provisionen aus der
+ihnen ge&ouml;ffneten und von dem Feuer noch nicht angegriffenen
+Proviantkammer zu erreichen war. Die
+kleinen, &uuml;berdies immer bereiteten Wasserf&auml;sser f&uuml;r
+jedes Boot waren gef&uuml;llt und standen am Deck, jeden
+Augenblick hinuntergelassen zu werden, da man die
+oben in der Schwebe h&auml;ngenden Boote, Ungl&uuml;ck zu<span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[S. 65]</a></span>
+verh&uuml;ten, nicht so schwer beladen durfte, ehe sie auf
+dem Wasser ruhten.</p>
+
+<p>Der zweite Harpunier war inde&szlig; beordert, Munition
+und Gewehre aus der vordern Caj&uuml;te herbeizuschaffen,
+die Leute zu bewaffnen, und <a name="cortex1-24d" href="#corr1-24d" class="corr">Capitain Silwitch</a>
+sprang jetzt selber in seine Caj&uuml;te hinunter, die Gefangene
+herauf zu holen, ehe sich das Feuer dorthinein
+etwa die Bahn gebrochen h&auml;tte.</p>
+
+<p>Vor allen Dingen seine Papiere und Geld zu sich
+steckend, f&uuml;r alle F&auml;lle ger&uuml;stet zu sein, trat er zu Hua,
+die noch gebunden und regungslos in dem Sopha
+lehnte, auf das er sie gelegt.</p>
+
+<p>&bdquo;M&auml;dchen, herauf mit dir!&ldquo; rief er ihr zu, nach
+ihren Armen f&uuml;hlend, ihre Banden zu l&ouml;sen. &bdquo;Das
+Schiff brennt und wir m&uuml;ssen fl&uuml;chten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hotuas Fluch hat dich getroffen,&ldquo; lachte aber die
+Jungfrau zornig auf, &bdquo;seiner Rache bist du verfallen.
+Schon seit ich in deiner Macht bin, hab' ich den grimmen
+Feind gewittert, der in den Eingeweiden deines
+Schiffes w&uuml;hlt &ndash; er ist von Minute zu Minute
+m&auml;chtiger geworden und da drinnen kannst du
+das fr&ouml;hliche Knistern h&ouml;ren, wie er sich die Bahn
+gr&auml;bt ins Freie. Du bist verloren und der Sturm
+drau&szlig;en l&auml;&szlig;t dir die Wahl jetzt zwischen Feuer und
+Wasser &ndash; zu verderben, wohin du dich wendest.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[S. 66]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Noch nicht, mein Herz,&ldquo; lachte aber der Seemann
+in fester, trotziger Entschlossenheit, &bdquo;so lange
+jene Canoes drau&szlig;en in solchem Wetter leben k&ouml;nnen,
+brauchen wir auch in einem t&uuml;chtigen, regelrechten
+Boot nicht viel zu f&uuml;rchten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Canoes? &ndash; was f&uuml;r Canoes?&ldquo; frug Hua rasch
+aufhorchend.</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist gut, mein Schatz,&ldquo; sagte der Seemann
+ausweichend, den das Wort schon gereute, das er gesprochen;
+&bdquo;euere Fischercanoes mein' ich. Und nun
+komm!&ldquo; und ihre Banden mit einem Messer durchschneidend,
+f&uuml;hrte er das M&auml;dchen, die ihm jetzt
+willig folgte, an Deck hinauf. Der Rauch unten
+verstattete ihnen schon kaum noch das Athmen, w&auml;hrend
+rasch die Nacht einbrach und ihren dunklen
+Schleier &uuml;ber das Meer legte.</p>
+
+<p>Der erste Harpunier hatte inde&szlig; die Mannschaft
+in ihre verschiedenen Boote gewiesen, w&auml;hrend er das
+eigene f&uuml;r sich und seine Leute wie f&uuml;r den Capitain
+mit seiner Gefangenen freibehielt, auch die Instrumente
+und einen Theil der Waffen da hineinstaute.
+Die &uuml;brigen sollten flott werden, so rasch sie k&ouml;nnten.
+An der Starbordseite hatte sich schon die Flamme
+durch das d&uuml;nne Deck die Bahn gebrochen, und einmal
+nur erst ein wirkliches Luftloch f&uuml;r die Gluth ge&ouml;ffnet,<span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[S. 67]</a></span>
+und jeden Augenblick konnte dann das ganze
+Schiff in Flammen stehn. Die Boote blieben jetzt
+ihre einzige Rettung.</p>
+
+<p>Als sie das Deck erreichten, schaute Hua rasch
+und sp&auml;hend umher, und horchte in peinlicher Angst
+in die Nacht hinaus, aber nichts lie&szlig; sich weder erkennen
+noch h&ouml;ren und ihr n&auml;chster Blick, mit kalter
+Entschlossenheit nur einen Erfolg zur Flucht, sei diese
+so verzweifelt wie sie wolle, berechnend, musterte die
+Mannschaft der verschiedenen Boote erst und fiel dann
+auf das wild erregte Meer. Tief aufseufzend hob
+sich da ihre Brust, als sie das Trostlose eines jeden
+solchen Versuchs f&uuml;hlte, und schaudernd wandte sie
+sich ab von dem Manne, der sie Allem entrissen, was
+ihr lieb und theuer war auf der Welt, und der sie
+jetzt umfa&szlig;te, sie wieder in das Boot zu heben, dem
+einen Element vertrauend, was das andere entfesselt
+bedrohte.</p>
+
+<p>Ihr Fu&szlig; z&ouml;gerte auch, als sie das Deck verlassen
+sollte; zog sie den Tod nicht solchem Leben vor? &ndash;
+Aber <span class="gesperrt">die Canoes</span>? &ndash; das eine Wort, so unbestimmt
+und vague, hatte neue Hoffnungen in ihr geweckt.
+Wurden sie verfolgt, so lag Rettung im Bereich der
+M&ouml;glichkeit, denn ihre Landsleute sind ber&uuml;hmt selbst
+unter den k&uuml;hnen Nachbargruppen im Bau trefflicher<span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[S. 68]</a></span>
+Canoes, mit denen sie hunderte von Meilen weit die
+See befahren und nicht selten sogar St&uuml;rmen
+trotzen.</p>
+
+<p>&bdquo;Komm, komm, mein T&auml;ubchen,&ldquo; mahnte sie aber
+der Engl&auml;nder, ihr Str&auml;uben f&uuml;hlend, &bdquo;du kennst die
+Gefahr nicht, der wir hier mit jeder Secunde <a name="cortex1-25" href="#corr1-25" class="corr">Z&ouml;gern</a>
+ausgesetzt sind; an ein verw&uuml;nschtes Fa&szlig; Pulver unter
+Deck hab' ich bis jetzt noch gar nicht gedacht &ndash;
+&uuml;ber Bord Leute, &uuml;ber Bord in euere Boote, wenn
+euch euer Leben lieb ist!&ldquo; und das M&auml;dchen auffassend,
+schwang er sich in demselben Moment &uuml;ber
+die Railing, als das Boot, von beiden Krahnen gesenkt,
+niederfiel auf das Wasser und noch von dem
+rasch die Fluth durchschneidenden Schiff den nachst&uuml;rzenden
+Wellen immer wieder entf&uuml;hrt wurde.</p>
+
+<p>Lemon behauptete inde&szlig; das Ruder in all seiner
+sauert&ouml;pfigen Hartn&auml;ckigkeit, denn das Schiff mu&szlig;te
+die Bahn halten, bis s&auml;mmtliche Boote frei waren.
+Eine Handspeiche neben sich, die er zuletzt in's Rad
+stecken wollte, es auf seiner Stelle zu halten, wenn er
+seinen Posten verlassen mu&szlig;te, stand er mit unersch&uuml;tterter
+Ruhe den jetzt aus mehren Stellen an
+Deck brechenden Krater unter sich beobachtend und
+anscheinend vollkommen gleichgiltig, da&szlig; Alle das
+Schiff verlie&szlig;en und ihn allein auf dem brennenden<span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[S. 69]</a></span>
+Sarg zur&uuml;cklie&szlig;en. Rechts und links glitten schon
+die gl&uuml;cklich niedergelassenen Boote, mit ihren Segeln
+gesetzt, ab von dem seinem Geschick verfallenen Schiff,
+und nur noch das eigene hing unter den Krahnen.</p>
+
+<p>Eine helle Flammens&auml;ule stieg in diesem Augenblick
+mit blendendem Strahl hoch auf in die Nacht;
+ein Theil des Decks war eingest&uuml;rzt und die Gluth
+brach lodernd hinaus in's Freie.</p>
+
+<p>&bdquo;Nieder mit euch, nieder!&ldquo; schrie des Capitains
+Stimme &uuml;ber das Wasser, der mit dem eigenen Boot
+dicht im Fahrwasser seines Schiffes folgte; &bdquo;nieder,
+oder ihr seid verloren!&ldquo;</p>
+
+<p>Der Schotte und Pfeife standen an den Tauen,
+vierten, auf den jetzt rasch gegebenen Befehl des
+Harpuniers, das Boot nieder, langseits dem Schiff
+und sprangen dann rasch hinein, Jonas und der ihm
+aus einem andern Boote beigegebene Legs mit Spunt,
+dem B&ouml;ttcher, reichten ihnen die schon bereit liegenden
+kleinen F&auml;sser mit Wasser und Proviant nach,
+und ihnen mit dem Harpunier folgend, war Lemon
+der letzte Mann an Bord.</p>
+
+<p>&bdquo;Komm von Bord, Sir!&ldquo; rief sein Officier,
+&bdquo;schnell! um dein Leben!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Werdet doch wohl warten, bis ich komme?&ldquo;
+knurrte der sauert&ouml;pfische Gast in voller Ruhe, und<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[S. 70]</a></span>
+die Handspeiche einschiebend und ein dort liegendes
+Fall darumschlagend, da&szlig; sie nicht wieder herausrutschen
+konnte, blieb er noch einen Moment stehen,
+das Deck kopfsch&uuml;ttelnd zu &uuml;berschauen und stieg dann
+rasch an der Seite nieder, von halbwegs ab auf eine
+der <i>thwarts</i> oder Bootb&auml;nke springend. Das Boot
+hatte inde&szlig; seine Segel schon gesetzt, l&ouml;ste das
+Springtau und kam frei, und allein fort scho&szlig; der
+brennende Kolo&szlig;, wie ein <a name="cortex1-26" href="#corr1-26" class="corr">angeschossener</a> Eber seine
+wilde unbewu&szlig;te Bahn, die Todeswunde im Herzen,
+da er nicht mehr entfliehen konnte in toller, blindst&uuml;rmender
+Wuth.</p>
+
+<p>&bdquo;Habt Acht auf eure Segel!&ldquo; rief ihnen der Capitain
+zu, der mit seinem rascheren Boot gerade an
+ihnen vor&uuml;berscho&szlig;, w&auml;hrend die jetzt vollkommen
+ausgebrochene Gluth am Bord der armen &bdquo;<i>Lucy
+Walker</i>&ldquo; einen hellen Schein &uuml;ber das Wasser warf
+und alle Gegenst&auml;nde deutlich erkennen lie&szlig;; &bdquo;das
+obere Fall da hat sich umgeschlagen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wirf es her&uuml;ber, Jonas!&ldquo; rief der Harpunier,
+der den Steuerriemen in der Hand hielt, &bdquo;wirf es
+her&uuml;ber, Mann, aber rasch, denn das Segel fa&szlig;t
+jetzt den Wind nicht genug, und wenn uns die n&auml;chste
+Welle erwischt, f&uuml;llen wir &ndash; Pest und Tod &ndash; werft
+einen Theil der <a name="cortex1-27" href="#corr1-27" class="corr">Ladung</a> &uuml;ber Bord, wir gehen ja fast<span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[S. 71]</a></span>
+bis an den Rand im Wasser und sind verloren, wenn
+uns eine einzige Welle &uuml;berw&auml;scht.&ldquo;</p>
+
+<p>Jonas, &uuml;berhaupt etwas &auml;ngstlicher Natur, und
+mit dem b&ouml;sen Gewissen, Mitwisser der That zu sein,
+die sie Alle jetzt in Todesgefahr gebracht, stand zitternd
+von seinem Sitz auf, dem Befehl Folge zu leisten,
+w&auml;hrend Andere noch unschl&uuml;ssig zwischen den
+eingestauten Sachen w&auml;hlten, was sie hinauswerfen
+sollten.</p>
+
+<p>&bdquo;Rasch, Leute, rasch, <i>damn it</i>, ihr steht da, als
+ob euch der Compa&szlig; gebrochen w&auml;re; fa&szlig;t zu!&ldquo;</p>
+
+<p>Ein schriller, jubelnder Schrei gellte in diesem
+Augenblick in so furchtbarer Wildheit &uuml;ber das Wasser,
+da&szlig; sich die Leute erschreckt danach wandten, und
+Jonas das schon gefa&szlig;te Tau seiner Hand wieder
+entgleiten lie&szlig;.</p>
+
+<p>&bdquo;Teufel!&ldquo; fluchte der Harpunier, &bdquo;die Wilden!&ldquo;
+und in demselben Moment fast antwortete von dem
+vor ihnen dahinschie&szlig;enden Boot des Capitains aus
+ein lauter, weit schallender Hilferuf Huas, dem
+herausfordernden Schlachtschrei ihrer Landsleute.</p>
+
+<p>&bdquo;Wahr' dein Segel, Mann, wahr' dein Segel!&ldquo;
+kreischte der Harpunier, als dieses, durch das verworfene
+Tau eingepre&szlig;t, den Wind nicht fa&szlig;te und zu
+flappen anfing.<span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[S. 72]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Eure Riemen, Boys, eure Riemen!&ldquo; gellte die
+entsetzte Stimme des Harpuniers, als die ihnen folgende
+Welle drohend hinter ihnen dreinst&uuml;rmte. Die
+Leute griffen auch fast mechanisch nach den Rudern &ndash; aber
+zu sp&auml;t; hoch &uuml;ber ihnen stand die gl&auml;serne,
+von dem jetzt helllodernden Schiff noch grell beleuchtete
+See &ndash; wenige Secunden fast war es, als ob sie
+in der Luft, &uuml;ber der sicher gefa&szlig;ten Beute hing und
+jetzt ein gellender Aufschrei und die Mannschaft des
+geschwemmten, &uuml;berladenen Bootes, rang mit der
+sch&auml;umenden Fluth.</p>
+
+
+<h4>6.</h4>
+
+<p>Durch die tanzenden Wogen, &uuml;ber die leuchtende
+quillende Fluth schossen die dunklen Canoes der Eingebornen,
+die Mattensegel geschwellt, heran, und im
+Bug des vordersten stand eine hohe, edle Gestalt mit
+wehendem Haar und H&uuml;ftentuch, die weite See mit
+dem Adlerblick &uuml;berfliegend, wo ihn die st&uuml;rzende
+Woge auf ihren Kamm hob und in jagender Schnelle
+voranri&szlig;.</p>
+
+<p>Es war der junge H&auml;uptling <i>Tai manavachi</i>,
+der dem Tod selbst trotzend, seine kleine Flotte dem
+frechen R&auml;uber in Nacht und Wetter nachf&uuml;hrte und
+verzweifelnd schon die trostlose Jagd hatte aufgeben<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[S. 73]</a></span>
+wollen, als der Feuerschein des fremden Schiffes jubelnd
+von ihm entdeckt wurde. Auch auf den andern
+Canoes hatten sie schnell die Wahrheit des Unfalls
+ihrer Feinde begriffen, und der gellende Jubelruf, der
+Schlachtenschrei ihres Stammes, mit dem sie ihre
+Lanzen und Speere fester packten, war es, der das
+Blut des sonst wahrlich unerschrockenen jungen Engl&auml;nders
+in den Adern gerinnen machte.</p>
+
+<p>Hua aber hatte in jauchzender Seeligkeit die
+N&auml;he der Freunde geh&ouml;rt, und wenn auch der antwortende
+Schrei zu schwach war, gegen den Wind an
+die Retter zu erreichen, wu&szlig;te sie doch nun, da&szlig; die
+Ihren, den Wogen trotzend, mit k&uuml;hnem Muth ihren
+Spuren gefolgt waren, und die einzelnen Boote ihnen
+jetzt gar nicht mehr entgehen konnten.</p>
+
+<p>&bdquo;Ruhig, mein T&auml;ubchen, ruhig!&ldquo; warnte sie aber
+drohend der neben ihr stehende Capitain; &bdquo;die Nacht
+ist dunkel und deine Stimme dringt doch nicht zu ihnen
+hin&uuml;ber, aber auch der Gefahr wollen wir uns nicht
+aussetzen und &ndash; ich m&ouml;chte dir kein Leides thun &ndash;
+aber wirst du noch einmal laut, so mu&szlig; ich dich wieder
+binden und knebeln, so weh mir das selber th&auml;te.&ldquo;</p>
+
+<p>Hua blickte wild und trotzig zu ihm empor, aber
+sie war auch schlau genug, nicht nutzlos den Zorn
+Derer zu reizen, in deren Gewalt sie sich noch befand,<span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[S. 74]</a></span>
+und kauerte von jetzt an still und schweigend im Boot,
+aber ihre Blicke forschten, die Sehkraft bis zum
+Schmerze angestrengt, in die Nacht hinaus, die
+Freunde zu entdecken.</p>
+
+<p>Ein blendendes Licht breitete sich in dem Augenblicke
+&uuml;ber die See, und als sie rasch die Blicke dem
+brennenden Schiffe zuwandten, sahen sie einen hellen
+Strahl von seinem Deck emporschie&szlig;en und ein
+dumpfer Krach verk&uuml;ndete die Explosion des Pulvers.
+Das F&auml;&szlig;chen hatte aber zu hoch unter Deck gelegen,
+dem Rumpf des Schiffes weiteren Schaden zu thun,
+als das Deck oben zu sprengen und den Besahnmast
+zu splittern, der jetzt in lichten Flammen einen Moment
+zur Seite schwankte, und dann schwerf&auml;llig und
+tausend und tausend Funken emporwerfend, &uuml;ber
+Bord in See schlug.</p>
+
+<p>&bdquo;Mein armes Schiff!&ldquo; seufzte der Capitain und
+blickte traurig her&uuml;ber, da traf ein anderer Ton sein
+Ohr und &bdquo;ein Schu&szlig;!&ldquo; rief fast die ganze Bootsmannschaft
+wie aus einem Munde.</p>
+
+<p>&bdquo;Ein Schu&szlig;!&ldquo; &ndash; Ein Schiff war in der N&auml;he,
+das ihre Noth erkannt, und das Signal gab zur Rettung
+&ndash; ein Schu&szlig;, und von Gefahr umringt, zeigte
+sich Hilfe. Der Schall kam aber vom S&uuml;den herauf,
+und sie mu&szlig;ten ihren Cours jetzt &auml;ndern, die Boote<span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[S. 75]</a></span>
+deshalb zusammenrufend &ndash; das Sinken des einen
+war in der Erregung des Augenblicks von den andern
+gar nicht bemerkt &ndash; legten sie rasch &uuml;ber den andern
+Bug, schr&auml;g von den Wellen abschneidend und konnten
+der Richtung, die ihnen jetzt ein zweiter und dann
+bald darauf folgender dritter Signalschu&szlig; angab, genau
+folgen. Einmal an Bord und die Canoes, denen
+sie bis dahin zu entgehen hofften, waren ihnen nicht
+mehr gef&auml;hrlich.</p>
+
+<p><i>Tai manavachi</i> kam inde&szlig; mit gebl&auml;hten Segeln
+und sieben vollbemannten gro&szlig;en Kriegscanoes
+durch die Wellen sch&auml;umend an; ein Brautzug hatte
+es werden sollen und war eine Jagd geworden auf den
+R&auml;uber seines Theuersten, was er auf dieser Welt
+kannte, und wie die jetzt schon sehr gem&auml;&szlig;igte, aber
+doch noch immer frische Brise mit den flatternden,
+wehenden Zierrathen am Bug der schlanken, wunderlich
+geschnitzten Fahrzeuge schlug und spielte, standen
+die wilden, trotzigen, kriegerischen Gestalten, hinaus
+in die Nacht sp&auml;hend, am Bord, die gefl&uuml;chteten
+Boote zu erkennen und zu verfolgen.</p>
+
+<p>Ein Hilferuf traf ihr Ohr, neben ihnen im Wasser
+schrie sie ein Schwimmender an um Rettung, und
+treibende Ruder und Sitze verriethen ihnen rasch genug
+das Schicksal wenigstens eines der Boote. Einen<span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[S. 76]</a></span>
+&auml;ngstlich suchenden Blick warf der junge H&auml;uptling
+umher &ndash; wenn gerade dies Boot &ndash; doch nein, sein
+Herz zog ihn weiter, und nur dem n&auml;chsten Canoe ein
+paar Worte zurufend, das rasch zur Seite scho&szlig; und
+seinen Bug gegen die n&auml;chsten Wellen anwarf, hier
+zu halten und die Verungl&uuml;ckten aufzunehmen, verfolgten
+die R&auml;cher unaufgehalten ihre Bahn.</p>
+
+<p>Da dr&ouml;hnte auch zu ihnen der Krach des explodirenden
+Pulvers her&uuml;ber, aber mehr als das, der
+helle, blitz&auml;hnliche Strahl verrieth ihnen die wei&szlig;
+leuchtenden Segel der Fl&uuml;chtigen, und als gleich darauf
+die fernen Kanonenschl&auml;ge irgend eines zuf&auml;llig
+in die N&auml;he gekommenen Fahrzeugs an ihr Ohr
+schlugen, zuckte ein triumphirendes L&auml;cheln &uuml;ber das
+Antlitz des jungen wilden Kriegers. Er kannte die
+Lage der Feinde, und da&szlig; sie jetzt hin&uuml;berhalten
+<span class="gesperrt">m&uuml;&szlig;ten</span>, dem Schiffe zu, wo sich ihnen allein noch
+Rettung bot. Dorthin aber war er im Stande
+ihnen den Weg abzuschneiden und wu&szlig;te sie jetzt in
+seiner Macht.</p>
+
+<p>Capitain Silwitch hatte sich indessen wohl gescheut,
+den hellen Wasserstreifen zu durchfahren, den
+das jetzt bis in die Masten hinauf brennende Fahrzeug
+zwischen sich und seinen Verfolgern lie&szlig;, aber er
+durfte auch keine Zeit vers&auml;umen, denn der Feind<span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[S. 77]</a></span>
+mu&szlig;te gewaltig schnelle und t&uuml;chtige Canoes haben,
+da&szlig; er es nur gewagt hatte, ihnen bis hier heraus zu
+folgen. So, auf ihre eigenen guten Boote vertrauend,
+hielten sie gerade nach S&uuml;den hinunter und
+einmal wieder weit genug von dem hellen Schein entfernt,
+hofften sie auch in der Dunkelheit der Nacht
+dem Feinde entgehen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Ein neuer Signalschu&szlig; des fremden Fahrzeugs,
+dessen Capitain den Booten die Stellung seines
+Schiffes zu zeigen w&uuml;nschte, t&ouml;nte schon um vieles
+n&auml;her, und Capitain Silwitch h&auml;tte jetzt gern ein Gewehr
+abgefeuert, dem ziemlich unter dem Wind befindlichen
+Fremden die Richtung anzudeuten, in der
+sie sich selbst befanden, mu&szlig;te er nicht zugleich f&uuml;rchten,
+dadurch auch den vielleicht n&auml;hergekommenen
+Verfolgern die Stelle zu verrathen.</p>
+
+<p>Sein Boot, das gr&ouml;&szlig;te Segel f&uuml;hrend, war das
+erste, die andern vielleicht in zwei- und dreihundert
+Schritt Entfernung folgend, und Einer der Bootssteuerer
+war vorn in dem Bug postirt, scharf auszuschauen,
+ob er nicht vielleicht doch gegen den etwas
+helleren Horizont das jetzt keinesfalls so weit mehr
+entfernte Schiff entdecken k&ouml;nne.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, Capitain!&ldquo; rief dieser pl&ouml;tzlich, &bdquo;da vorn<span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[S. 78]</a></span>
+sah ich eben etwas Dunkles, als sich das Boot auf
+der Welle hob, es sah aus wie ein Boot.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hab' Acht, wenn es wiederkommt,&ldquo; lautete die
+Antwort. Die n&auml;chste Woge, jetzt nicht mehr durch
+den Wind gepeitscht, aber noch immer in schwerer
+D&auml;mmung, kam hinter ihnen drein, und rechts und
+links von dem Boot ihren zischenden, gl&uuml;henden
+Schaum ausgie&szlig;end, hob sie das schlanke Fahrzeug
+auf ihren Nacken &uuml;ber die n&auml;chsten Wellen. Ehe
+aber nur der Mann eine weitere Meldung machen
+konnte, schallte ein gellender Jubelruf, schrill und
+furchtbar an ihr Ohr, und:</p>
+
+<p>&bdquo;Hierher, hierher, Tangata Tonga!&ldquo; jauchzte die
+emporspringende Maid den Rettern entgegen. &ndash;
+&bdquo;Hierher zu Hilfe!&ldquo; und die Arme emporschlagend,
+wollte sie sich eben in die sch&auml;umende See werfen,
+als Silwitch seinen linken Arm um sie schlang und
+die sich wild gegen ihn Str&auml;ubende festhielt und zu
+sich zog. Aber <i>Tai manavachi</i> hatte den Ruf geh&ouml;rt
+und erkannt, und w&auml;hrend die Europ&auml;er in wilder
+Hast ihre Waffen aufgriffen und der Bug des
+Bootes, wie selber ein lebendiges Wesen, vor der
+N&auml;he <a name="cortex1-28" href="#corr1-28" class="corr">des</a> Feindes zur&uuml;ckscheuchend abfiel von seinem
+Cours, scho&szlig; auch das m&auml;chtige dunkle Canoe heran,
+und zwanzig drohende Gestalten, unter denen her jetzt<span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[S. 79]</a></span>
+die andern Canoes pre&szlig;ten und ihren antwortenden
+Jubelruf durch die Luft sandten, streckten die Arme
+aus, die Larbordseite des eingeholten Bootes zu fassen
+und zu halten. Durch die zerrissenen Wolken trat in
+diesem Augenblick die bleiche Mondessichel und warf
+ihr fahles silbernes Licht auf die wogende See.</p>
+
+<p>&bdquo;Ergib dich, Pagalangi, ergieb dich!&ldquo; schrie da
+der junge H&auml;uptling, der die Gestalt der Geliebten
+in dessen Arm sich winden sah; &bdquo;ergieb dich, denn
+ihr seid in meiner Hand!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Zur&uuml;ck! oder Hua ist eine Leiche!&ldquo; donnerte ihm
+aber des Wei&szlig;en Ruf entgegen, der sein Messer aus
+der Scheide ri&szlig; und es &uuml;ber dem M&auml;dchen zuckte &ndash;
+er sah doch, da&szlig; hier Widerstand vergebens war, und
+wollte das letzte Mittel versuchen, sich und die Seinen
+vor Gefangenschaft oder Tod zu retten, dachte
+aber gar nicht daran, der armen, durch ihn verrathenen
+Maid ein Leides zu thun, und fl&uuml;sterte ihr rasch und
+beruhigend in's Ohr:</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;rchte dich nicht, Hua &ndash; dieser Arm sollte eher
+verdorren, ehe er <span class="gesperrt">dich</span> tr&auml;fe; und wenn sie mich
+t&ouml;dteten, ich h&auml;tte keine Waffe f&uuml;r dich!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">F&uuml;rchten?</span>&ldquo; rief aber die Jungfrau, wild und
+zornig ihm in's Auge schauend; &bdquo;f&uuml;rchten? sto&szlig; zu,
+Pagalangi, wenn du Muth hast, aber du bist verloren.<span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[S. 80]</a></span>
+Hierher, <i>Tai manavachi,</i>!&ldquo; schrie sie dann
+in trotziger K&uuml;hnheit nach dem Geliebten hin&uuml;ber;
+&bdquo;hier ist der R&auml;uber deiner Braut &ndash; triff ihn sicher
+und kehre dich nicht an mich!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hua, Hua!&ldquo; rief aber der junge H&auml;uptling, den
+Arm bittend und sch&uuml;tzend gegen sie ausstreckend;
+&bdquo;gib sie frei, Fremder, wirf das Messer von dir und
+deine Boote m&ouml;gen ungehindert von mir jenes Schiff
+suchen &ndash; sch&auml;dige ihr aber nur eine Locke ihres Hauptes,
+und zerrei&szlig;en will ich dich auf langsamem
+Feuer!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du sicherst mir unser Leben und unsere Freiheit?&ldquo;
+rief der Europ&auml;er.</p>
+
+<p>&bdquo;Ich geb' dir mein Wort!&ldquo; rief der H&auml;uptling
+stolz, w&auml;hrend die beiden Fahrzeuge jetzt rasch und
+sch&auml;umend neben einander hinschossen und die Matrosen
+ihre freilich von Seewasser durchn&auml;&szlig;ten Musketen
+und die gef&auml;hrlicheren Wallfischlanzen aufgegriffen
+hatten, dem grimmen Feind im Nothfall
+trotzig die Stirn zu bieten.</p>
+
+<p>&bdquo;So geh', Hua!&ldquo; sagte Silwitch traurig, sie freigebend
+aus seinen Armen; &bdquo;geh' und vergi&szlig; den
+Fremden, der dir weh that, weil er dich so unendlich
+liebte.&ldquo;</p>
+
+<p>Hua erwiderte keine Silbe, aber ihr Fu&szlig; stand<span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[S. 81]</a></span>
+auf dem Rand des Bootes und als der Bug des jetzt
+dicht an sie hinanschie&szlig;enden Canoes rasch vor&uuml;berglitt,
+sprang sie mit k&uuml;hnem Satz hin&uuml;ber und in die
+Arme ihres aufjauchzenden Geliebten.</p>
+
+<p>Fast &uuml;ber ihren K&ouml;pfen hin dr&ouml;hnte in dem Augenblick
+der schmetternde Schlag eines Kanonenschusses
+und als sie &uuml;berrascht emporschauten, war das fremde
+Schiff, dem das brennende Fahrzeug als Mark gedient,
+so nahe an sie herangekommen, da&szlig; das Canoe
+selbst seinen Bug herumwerfen mu&szlig;te, nicht &uuml;berfahren
+zu werden.</p>
+
+<p>&bdquo;Teufel!&ldquo; schrie Silwitch, ingrimmig mit dem
+Fu&szlig;e stampfend, &bdquo;so dicht am Ziel und doch zu sp&auml;t!&ldquo;
+Aber in die Nacht hinein, rasch und pl&ouml;tzlich wie sie
+gekommen, verschwanden die Canoes. H&ouml;hnisch noch
+schlug ihr gellender Triumphschrei an sein Ohr, und
+Hua war auf immer f&uuml;r ihn verloren.</p>
+
+<p>Das fremde Schiff, ein Bremer Wallfischf&auml;nger,
+bra&szlig;te seine Segel back, als es die gesuchten Boote
+so dicht unter seinem Bug sah, Taue wurden &uuml;bergeworfen,
+die Mannschaft aufzuholen und die Schiffbr&uuml;chigen
+sahen sich bald Alle an sicherem Bord.
+Nur ein Boot fehlte noch; auf und ab kreuzte das
+Schiff, von Zeit zu Zeit noch einen Schu&szlig; feuernd
+nach dem vermi&szlig;ten Boot &ndash; umsonst. Bis Tagesanbruch<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[S. 82]</a></span>
+hielt es auf der Stelle, und als die Sonne
+sich &uuml;ber den Horizont hob, wurden die Tops bemannt,
+von oben aus vielleicht etwas zu ersp&auml;hen &ndash;
+es lie&szlig; sich Nichts erkennen. Nur in blauer Ferne
+lag das Land, kein Boot, kein Segel war weiter am
+Horizont zu sehen und mit scharfangebra&szlig;ten Segeln,
+dicht am Wind, hielt das deutsche Schiff mit der geborgenen
+Mannschaft der &bdquo;<i>Lucy Walker</i>&ldquo; nach
+Norden auf, den Sandwichs-Inseln zu.</p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Die Muntere.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_2" id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Die s&uuml;dseel&auml;ndische Kastanie, <i>tuscarpus edulis</i>, ist ein
+stattlicher, m&auml;chtiger Baum mit immer gr&uuml;nen Bl&auml;ttern und
+der Kastanie &auml;hnlichen, doch stachellosen Fr&uuml;chten, aber das
+Eigenth&uuml;mliche an ihm ist der Stamm, der etwa zehn oder
+zw&ouml;lf Fu&szlig; hoch aufsteigt, ehe er auszweigt, und bis zum 7.
+oder 8. Jahre ziemlich glatt bleibt, dann sich aber auf eine
+h&ouml;chst wunderbare Weise vergr&ouml;&szlig;ert. An vier, f&uuml;nf und mehr
+Stellen desselben, von oben nach unten, von der Wurzel bis
+zum Stamme laufend, erhebt sich die Rinde und w&auml;chst &ndash; der
+Baum beh&auml;lt seine St&auml;rke und diese Streifen heben sich mehr
+und mehr, bis sie zuletzt f&ouml;rmlicher, mit grauer Rinde bedeckten,
+nicht selten ganz regelm&auml;&szlig;igen Planken gleichen, die, nur
+wenige Zoll stark, oft zwei, drei, ja vier Fu&szlig; breit, wie die
+Schaufeln eines Rades vom Baume abstehen. Je &auml;lter der
+Baum dabei wird, desto knorriger wird er, durch kranke
+Flecke ziehen sich diese bretartigen Ausw&uuml;chse hie und da zusammen
+und er sieht dann allem Andern &auml;hnlicher, als einem
+Baum.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_3" id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> <i>Me</i>, die Brotfrucht.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4_4" id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Tangaloa ist einer ihrer Hauptg&ouml;tter, der die Tonga-Inseln
+beim Fischen mit einem Haken aus dem Meere gezogen
+haben soll.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5_5" id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">[5]</span></a> <i>Mea fanna fonnua</i>, auch Kanone, w&ouml;rtlich eine Waffe,
+die gegen das Land schie&szlig;t.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_6_6" id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Fremder.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_7_7" id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">[7]</span></a> Januar.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_8_8" id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Engl&auml;nder oder &uuml;berhaupt Wei&szlig;er.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_9_9" id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Freund.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_10_10" id="Footnote_10_10"></a><a href="#FNanchor_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Citrone.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_11_11" id="Footnote_11_11"></a><a href="#FNanchor_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Der Wallfischspeck</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_12_12" id="Footnote_12_12"></a><a href="#FNanchor_12_12"><span class="label">[12]</span></a> Die Jahreszeit des Fischfangs, also volle Jahre.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_13_13" id="Footnote_13_13"></a><a href="#FNanchor_13_13"><span class="label">[13]</span></a> Die Raanocke, das &auml;u&szlig;erste Ende der Raaen oder
+Querbalken, an denen die Segel befestigt sind. Auf der See
+werden bei etwa stattfindenden Executionen die Verurtheilten
+daran aufgezogen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_14_14" id="Footnote_14_14"></a><a href="#FNanchor_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Essen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_15_15" id="Footnote_15_15"></a><a href="#FNanchor_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Ruder.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_16_16" id="Footnote_16_16"></a><a href="#FNanchor_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Die Zeiteintheilung an Bord eines Schiffes geschieht
+nach Glasen, von den fr&uuml;heren Sandgl&auml;sern so genannt.
+Jede Wacht von vier Stunden hat acht Glasen; diese zu bezeichnen,
+wird jede halbe Stunde, bis die Wacht aus ist, einmal
+mehr mit dem Kl&ouml;ppel an die Glocke geschlagen, so da&szlig;,
+von zw&ouml;lf Uhr z. B. an gerechnet, halb ein Uhr einmal angeschlagen
+wird, um ein Uhr zweimal, halb zwei Uhr dreimal,
+um zwei Uhr viermal u.&nbsp;s.&nbsp;f. bis vier Uhr, was man durch
+acht Schl&auml;ge oder Glasen angiebt. Ein viertel auf F&uuml;nf beginnt
+dann wieder mit <span class="gesperrt">einem</span> Schlag, da&szlig; vier Glasen
+Abends also zehn Uhr bedeuten w&uuml;rde.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_17_17" id="Footnote_17_17"></a><a href="#FNanchor_17_17"><span class="label">[17]</span></a> Die ganze Mannschaft an Deck.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_18_18" id="Footnote_18_18"></a><a href="#FNanchor_18_18"><span class="label">[18]</span></a> Haltet mit dem Anker.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_19_19" id="Footnote_19_19"></a><a href="#FNanchor_19_19"><span class="label">[19]</span></a> Royal oder Oberbramsegel, das oberste leichte Segel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_20_20" id="Footnote_20_20"></a><a href="#FNanchor_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Eine zu Zeug verarbeitete und von der Rinde des
+chinesischen Maulbeerbaumes bereitete und gedruckte Masse.
+Ungedruckt hat sie den Namen Tapa.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_21_21" id="Footnote_21_21"></a><a href="#FNanchor_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Der Gru&szlig; und Abschied der Tonga-Inseln.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_22_22" id="Footnote_22_22"></a><a href="#FNanchor_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Segel verk&uuml;rzen.</p></div>
+</div>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h3><a name="die_bootsmannschaft" id="die_bootsmannschaft"></a>Die Bootsmannschaft.</h3>
+
+<h4>1.</h4>
+
+
+<p>Nur <span class="gesperrt">einen</span> Theil der Mannschaft lie&szlig; das
+wackere Schiff zur&uuml;ck, denn wie vorher erw&auml;hnt,
+schlug auf der Flucht eines der Wallfischboote um,
+und die Indianer nahmen die Meisten der Schwimmenden
+in das f&uuml;r sie zur&uuml;ckgelassene Canoe.</p>
+
+<p>Den Morgen trotzend, blieb das schlanke Fahrzeug
+an der Stelle halten, wo es die ersten Opfer
+des Wracks getroffen, und der phosphorisirende
+Schaum der z&uuml;ngelnden Wellen half ihnen getreulich
+die dunklen, in Wasser schwimmenden Gestalten zu
+erkennen, so da&szlig; sechs Verungl&uuml;ckte nach und nach
+ihrem nassen Grab entrissen wurden.<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[S. 83]</a></span></p>
+
+<p>Wohl kreuzten sie noch eine Weile dort auf und
+ab, zu sehen, ob noch ein Anderer ihre H&uuml;lfe in Anspruch
+nehmen w&uuml;rde. &ndash; Aber Alles blieb stumm
+und still auf der kochenden Fluth. Der schrille Ruf
+einer aufgescheuchten M&ouml;we t&ouml;nte hier und da durch
+die Dunkelheit, oder der Schaum zischte in dem schweren
+Niederschlagen eines sich &uuml;berst&uuml;rzenden Wogenkammes
+&ndash; sonst war Alles ruhig wie das Grab.</p>
+
+<p>Da dr&ouml;hnte der Signalschu&szlig; des fremden Schiffes
+durch die Nacht, dem der h&ouml;hnende Jubelruf der
+<a name="cortex1-29" href="#corr1-29" class="corr">Tonga-Insulaner</a> antwortete, und dorthin schwang im
+Nu der Bug des fl&uuml;chtigen Canoes, die Freunde einzuholen
+und sich ihnen wieder anzuschlie&szlig;en.</p>
+
+<p>Den Gefangenen befahl inde&szlig; ein federgeschm&uuml;ckter
+dunkler Krieger, sich mitten in das Boot zu
+legen, und wenn sie seine Worte auch nicht verstanden,
+lie&szlig; ihnen doch die drohende Geberde und gehobene
+Waffe keinen Zweifel &uuml;ber seine Absicht. An Widerstand
+war &uuml;berhaupt nicht zu denken, und so gehorchten
+sie denn schweigend dem Befehl.</p>
+
+<p>Das Fahrzeug war allerdings eines jener ger&auml;umigen,
+au&szlig;erordentlich langen und trefflich gebauten
+Kriegscanoes; gl&uuml;cklicher Weise aber nicht f&uuml;r
+den Krieg, sondern nur f&uuml;r die Brautfahrt, mit vielleicht
+halber Mannschaft besetzt, so da&szlig; sie ohne Gefahr<span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[S. 84]</a></span>
+f&uuml;r sich selber die Schiffbr&uuml;chigen &ndash; und jetzt
+Gefangenen &ndash; aufnehmen konnten. Nichts desto weniger
+mu&szlig;ten sich diese vollkommen ruhig verhalten und
+lagen, auf dem Boden des Canoes lang ausgestreckt,
+eng und gedr&uuml;ckt genug, immer Zwei neben einander.</p>
+
+<p>Der Wind heulte mit erneuter Wuth &uuml;ber die
+aufgeregte See; die Blitze zuckten, und der Donner
+prasselte in wilden j&auml;hen Schl&auml;gen schallend drein,
+w&auml;hrend das schlanke Fahrzeug mit vollgebl&auml;htem
+Segel mit den Wogen b&auml;umte und sank, und gar nicht
+selten z&uuml;ngelnde Spritzwellen &uuml;ber Bord nahm.</p>
+
+<p>Jonas, der eine der Geretteten, f&uuml;hlte dabei wohl,
+da&szlig; er eng genug zusammen gepre&szlig;t einen seiner
+Kameraden neben sich hatte, war aber noch nicht im
+Stande gewesen, heraus zu bekommen, wer das sei,
+und auch bis zu diesem Augenblicke viel zu sehr mit
+sich selber besch&auml;ftigt gewesen, besondere Nachforschung
+zu halten. Jetzt aber verrieth ihm ein au&szlig;ergew&ouml;hnlich
+greller und langanhaltender Blitz das
+Gesicht seines Nebenmannes, und er erkannte den
+kleinen Legs.</p>
+
+<p>Legs lag, seine kurzen, etwas gebogenen Beine
+fest angezogen, auf dem R&uuml;cken, schlo&szlig; die Augen und
+schien mit auf der Brust gefalteten H&auml;nden vollst&auml;ndig
+sich in sein Schicksal zu ergeben.<span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[S. 85]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Legs,&ldquo; fl&uuml;sterte da Jonas, der neben ihm auf
+dem Bauch lag, und sich nur mit einiger Schwierigkeit
+nach ihm herumdrehen konnte, &bdquo;Legs bist du
+das?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wollte, ich w&auml;r's nicht,&ldquo; st&ouml;hnte der arme
+Teufel, ohne jedoch die Augen dabei zu &ouml;ffnen &ndash;
+&bdquo;das ist eine sch&ouml;ne Lage hier f&uuml;r einen ordentlichen
+Christen, wo einem das verdammte Seewasser am
+Nacken hinein und am ganzen R&uuml;cken hinunter l&auml;uft
+&ndash; das halbe Boot mu&szlig; voll sein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das sei Gott geklagt,&ldquo; st&ouml;hnte Jonas, &bdquo;ich kann
+den Mund schon kaum &uuml;ber Wasser halten, und habe
+mir den Hals beinah abgedreht. Wenn ich nur
+wenigstens auch auf den R&uuml;cken l&auml;ge, wie du &ndash; so
+wie ich mich aber r&uuml;hre, hauen mir vielleicht die verw&uuml;nschten
+braunen Bestien Eins &uuml;ber. Pr&auml;chtige
+Gelegenheit f&uuml;r einen Menschen hier, als Ballast f&uuml;r
+die wilden Hallunken im Boot zu liegen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Jedenfalls wollen sie uns erst einweichen,&ldquo; st&ouml;hnte
+Legs in wahrhaft stoischem Gleichmuth, &bdquo;um uns
+nachher eher gar zu bekommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Teufel w&auml;ren's im Stande, uns auch noch
+zu braten,&ldquo; seufzte Jonas, &bdquo;und wenn ich das gewi&szlig;
+w&uuml;&szlig;te, h&auml;tt' ich gro&szlig;e Lust, das ganze Ding hier umzuwerfen
+und uns alle mit einander auszusch&uuml;tten.<span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[S. 86]</a></span>
+Eben so gern oder noch lieber von einem verdammten
+Haifisch auf einmal verschluckt, wie von solch einer
+nichtsw&uuml;rdigen Rothhaut st&uuml;ckweis ger&ouml;stet zu werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und daran ist nur der vermaledeite Capitain
+schuld,&ldquo; brummte Legs, &bdquo;der das M&auml;dchen &ndash; Heiland
+was f&uuml;r ein Donner! &ndash; der das M&auml;dchen h&auml;tte da
+lassen sollen, wo sie der liebe Gott hingesetzt. Jetzt
+haben wir die Geschichte &ndash; den Teufel zu zahlen und
+kein Pech hei&szlig;, und Legs wird wieder, wie gew&ouml;hnlich,
+die Suppe ausessen m&uuml;ssen, die Andere f&uuml;r ihn eingebrockt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na,&ldquo; brummte Jonas, &bdquo;<span class="gesperrt">du</span> sitzest dieses Mal nicht
+allein an der Sch&uuml;ssel, und wenn&ldquo; &ndash; der Satz wurde
+auf gewaltsame Weise unterbrochen, denn das Boot stieg
+in dem Augenblicke mit dem Bug auf die Spitze einer
+Woge, und das zur&uuml;ckschie&szlig;ende, darin befindliche
+Seewasser f&uuml;llte den ge&ouml;ffneten Mund des armen
+Teufels derma&szlig;en, da&szlig; er durch Sprudeln und
+Spucken kaum wieder Luft und Athem bekommen
+konnte.</p>
+
+<p>Seine Lage wurde jetzt auch so unertr&auml;glich, ja,
+gef&auml;hrlich, da das Canoe reichlich Wasser eingenommen
+hatte, da&szlig; er sich gewaltsam begann umzudrehen
+und Legs dadurch erbarmungslos gegen die Seitenwand
+dr&uuml;ckte. Legs &uuml;brigens, keineswegs in der<span class="pagenum"><a name="Page_87" id="Page_87">[S. 87]</a></span>
+Stimmung, sich das Mindeste gefallen zu lassen,
+fluchte laut und wurde nur zum Schweigen gebracht,
+als er die drohend &uuml;ber sich gebeugte Gestalt eines der
+Wilden erblickte. Beim Leuchten eines Blitzes erkannte
+er aber den dunkeln Feind, wie den, mit der
+Waffe oder einem Ruder gehobenen Arm, und kniff
+mit einem kurzen Sto&szlig;seufzer beide Augen fest zusammen.</p>
+
+<p>Die Gefangenen konnten jetzt h&ouml;ren, da&szlig; sich ihr
+Fahrzeug wieder der kleinen Canoeflotte angeschlossen
+hatte, und dadurch gewannen sie wenigstens <span class="gesperrt">einen</span>
+Vortheil. Die Indianer n&auml;mlich wandten nun ihre
+Aufmerksamkeit wieder dem eigenen Boote zu und begannen
+das &uuml;bergeschlagene Wasser auszusch&ouml;pfen &ndash;
+nicht etwa aus Mitleid f&uuml;r die am Boden liegenden
+Wei&szlig;en, sondern nur um <a name="cortex1-31" href="#corr1-31" class="corr">ihr</a> Canoe zu erleichtern
+und in dem Wettlauf, der Insel zu, nicht zur&uuml;ckzubleiben.</p>
+
+<p>Die Lage der auf dem Boden des Canoes ausgestreckten
+Gefangenen war dadurch um ein Wesentliches
+verbessert, und wenn die z&uuml;rnenden Elemente
+ihre Herzen auch noch mit banger Furcht erf&uuml;llten,
+schienen sie doch wenigstens f&uuml;r den Augenblick der
+Gefahr enthoben zu sein, selbst in dem Boote zu ertrinken.
+Das war aber auch f&uuml;r jetzt der ganze Vortheil,<span class="pagenum"><a name="Page_88" id="Page_88">[S. 88]</a></span>
+den sie davon hatten, denn mitten im Sturme
+und Ungewitter schossen die Boote dahin, und Jonas,
+der einmal den Kopf hob, zu sehen, wo sie eigentlich
+w&auml;ren, begriff gar nicht, wie ihre Sieger in der stockfinstern
+Nacht nur &uuml;berhaupt einen Cours halten
+konnten. &ndash; Verfehlten sie aber das Land &ndash; ein
+Fleckchen Erde von wenigen Quadrat-Meilen in dem
+weiten Ocean &ndash; und hielten sie jetzt hinaus in die
+offene See, was sollte dann zuletzt aus ihnen werden?</p>
+
+<p>So sch&auml;umten sie in toller Flucht durch die aufger&uuml;ttelten
+Wogen. Der Sturm hatte schon ausgetobt,
+und nur noch mattleuchtende Blitze am nordwestlichen
+Himmel verriethen, welche Bahn er
+genommen; die See ging aber nichts desto weniger
+noch hohl, und es erforderte die ganze Geschicklichkeit
+und Kaltbl&uuml;tigkeit der Insulaner, ihre Fahrzeuge flott
+und unbesch&auml;digt zu halten.</p>
+
+<p>Die englischen Matrosen hatten dabei keine Ahnung,
+in welcher Richtung das Land lag, welche Richtung
+sie selber steuerten. Das vordere Canoe schien jedoch dieselbe
+anzugeben, und ein in kurzen Zwischenr&auml;umen dort
+ausgesto&szlig;ener und langgezogener Schrei &ndash; der wie ein
+Weheruf &uuml;ber die <a name="cortex2-1" href="#corr2-1" class="corr">Fluth</a> schallte &ndash; hielt die verschiedenen
+Canoes zusammen. So viel entging ihnen aber nicht,
+da&szlig; der Wind ihnen nur wenig g&uuml;nstig sei, denn das<span class="pagenum"><a name="Page_89" id="Page_89">[S. 89]</a></span>
+Mattensegel war scharf angebra&szlig;t und die zu windw&auml;rts
+&uuml;berschlagenden Wellen verriethen ebenfalls, da&szlig;
+sie so dicht wie m&ouml;glich am Winde l&auml;gen, gegen die hohe
+See also schwerlich raschen Fortgang machen w&uuml;rden.</p>
+
+<p>Stunde nach Stunde verging auch, und noch war
+ihnen keine Nacht im Leben so lang vorgekommen wie
+diese, die gar kein Ende nehmen wollte. Da pl&ouml;tzlich
+hallte ein wilder, jubelnder Ton &uuml;ber das Wasser,
+und als Jonas erstaunt den Kopf hob und danach
+aushorchte, herrschte in dem Augenblicke Todtenstille
+rings umher. Ihm selber aber war es, als ob er in
+der Ferne und zwar gerade voraus die Brandung
+h&ouml;ren k&ouml;nne, wie sie sich tosend &uuml;ber den Riffen dieser
+Inseln bricht; und als ob auch die Indianer diesem
+willkommenen Laute &ndash; dem Zeichen des nahen Landes
+&ndash; gelauscht, so brach jetzt donnernd ihr Jubelruf
+durch die Nacht.</p>
+
+<p>Doch nicht allein der Brandung jauchzten sie entgegen,
+noch ein anderes, willkommneres Zeichen hatten
+sie erblickt, und zwar einen rothen Feuerschein, der
+mit seinem flackernden Licht zu ihnen her&uuml;ber gl&uuml;hte.
+Das war das Zeichen des befreundeten Stammes auf
+Monui, der das Feuer auf einer der vorragendsten
+Bergkuppen entz&uuml;ndet und unterhalten hatte, den k&uuml;hnen
+Schiffern als Leitstern zu dienen.<span class="pagenum"><a name="Page_90" id="Page_90">[S. 90]</a></span></p>
+
+<p>Auf dem vorderen Boot hatten sie es zuerst entdeckt,
+und in froher Lust stimmten die H&auml;uptlinge,
+die sich im ersten Boot mit ihrem jungen F&uuml;hrer
+<i>Tai manavachi</i> befanden, den Siegesgesang ihrer
+Heimat an.</p>
+
+<p>Kaum aber trug die Brise die geliebte Weise zu
+den anderen Canoes hin&uuml;ber, als diese jauchzend einfielen
+und der donnernde Chor das rauschende Brechen
+der Wogen selber &uuml;bert&auml;ubte.</p>
+
+<p>Im Osten d&auml;mmerte dabei der Tag &ndash; immer
+breiter, immer lichter wurde der Streifen, und nur
+kurze Zeit noch verflo&szlig;, bis sie die d&uuml;stern Umrisse
+des nicht mehr so fernen Landes deutlich vor ihrem
+Bug erkennen konnten.</p>
+
+<p>Legs, so theilnahmlos er sich bis jetzt gegen alles
+gezeigt, was ihn umgab, hatte doch nicht umhin gekonnt,
+mit dem d&auml;mmernden Tag einen Ausguck zu
+halten. Kaum drehte er aber den Kopf herum, als
+er auch schon die zackigen Umrisse der nicht mehr fernen
+K&uuml;ste am Horizont erkannte, und wieder in seine
+alte Lage zur&uuml;ckfallend, brummte er halb laut vor
+sich hin:</p>
+
+<p>&bdquo;Na ja &ndash; da sind wir wieder. Die rothen Canaillen
+m&uuml;ssen Nasen wie die Sp&uuml;rhunde haben, da&szlig;
+sie in der Nacht ihren Cours halten konnten &ndash; und<span class="pagenum"><a name="Page_91" id="Page_91">[S. 91]</a></span>
+jetzt freue dich, Benjamin, und steh bei den Fallen,
+denn ich will ein Landlubber sein, wenn ich nicht schon
+das Feuer rieche, an dem wir geschmort werden sollen.
+&ndash; Jonas! &ndash; he, Jonas! &ndash; schl&auml;fst du!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schlafen?&ldquo; knurrte der Angeredete, &bdquo;da soll
+einer auch schlafen, wenn diese rothen Heiden einen
+Spektakel machen, da&szlig; die Fische auf dem Grunde
+auseinander fahren. Mir ist &uuml;berhaupt nichts
+weniger als schl&auml;frig zu Muthe. H&ouml;rst du die Brandung?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah, schon seit einer halben Stunde,&ldquo; sagte
+Legs. &bdquo;Wir werden gleich Anker werfen. Schildkr&ouml;ten
+und Seeschlangen, wie sich die guten Leute
+auf Monui freuen werden, uns wieder zu sehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, kann ich mir etwa denken,&ldquo; brummte Jonas,
+&bdquo;und so eine d&uuml;rre Spiere, wie du bist, kann lachen!
+Die hat verdammt wenig dabei zu bef&uuml;rchten; aber
+wenn ich <span class="gesperrt">meine</span> Rippen und Arme und Beine anf&uuml;hle,
+ist mir's schon immer, als ob ich ausgenommen
+und mit hei&szlig;en Steinen gef&uuml;llt und sauber in
+Bananenbl&auml;tter eingepackt in einem von ihren verw&uuml;nschten
+Back&ouml;fen schwitzte. Meine einzige Hoffnung
+ist nur jetzt noch die, da&szlig; ich vor lauter Gift
+und Galle ganz bitter schmecken und vollst&auml;ndig ungenie&szlig;bar
+sein werde.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_92" id="Page_92">[S. 92]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Na, ihr habt euch ja alle so schrecklich danach
+gesehnt, an Bord bleiben zu k&ouml;nnen,&ldquo; meinte Legs,
+&bdquo;jetzt k&ouml;nnt ihr das Vergn&uuml;gen genie&szlig;en.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und du wohl nicht?&ldquo; sagte Jonas, den Kopf
+rasch nach ihm hinumdrehend, &ndash; &bdquo;aber meinetwegen,&ldquo;
+setzte er, wieder in seine alte Lage zur&uuml;cksinkend, hinzu
+&ndash; &bdquo;mir ist's recht, und, wenn sie uns nicht geradezu
+todtschlagen und auffressen, befinden wir uns dann
+am Ende noch immer besser hier, als auf dem blutigen
+Blubberkocher der <i>Lucy Walker</i>, die jetzt wenigstens
+ihre Thranf&auml;sser sicher auf Meeresgrund gel&ouml;scht hat.&ldquo;</p>
+
+<p>Erschreckt schaute er in die H&ouml;he, denn wie er gerade
+aufsah, hing anscheinend dicht &uuml;ber ihnen eine
+m&auml;chtige Woge mit silberblitzendem Kamm, die im
+n&auml;chsten Augenblick &uuml;ber ihnen zusammenbrechen und
+ihr schwankes Fahrzeug rettungslos begraben mu&szlig;te.
+&ndash; Aber die Woge blieb stehen, und der Jubel der
+Eingeborenen sagte ihm bald, da&szlig; es die Brandung
+gewesen sei, die &uuml;ber den Riffen ihre ewigen Sturzwellen
+th&uuml;rmt &ndash; da&szlig; sie die Einfahrt in das glatte
+Binnenwasser gl&uuml;cklich erreicht, und nur noch kaum
+eine englische Meile von dem gestern Abends mit so
+ganz anderen Erwartungen verlassenen Lande entfernt
+seien.</p>
+
+<p>Vom Ufer aus begr&uuml;&szlig;te sie auch schon das<span class="pagenum"><a name="Page_93" id="Page_93">[S. 93]</a></span>
+Jubelgeschrei der Wilden, die alle mit einander am
+Strande versammelt schienen, die gl&uuml;cklich und siegreich
+Heimgekehrten zu begr&uuml;&szlig;en.</p>
+
+<p>Die gefangenen Matrosen hoben wohl die K&ouml;pfe
+und blickten dort hin&uuml;ber, aber der Jubel galt <span class="gesperrt">ihnen</span>
+nicht, das wu&szlig;ten sie recht gut, und mi&szlig;muthig, und
+Manche wohl mit &auml;ngstlich pochendem Herzen sanken
+sie in ihre fr&uuml;heren Stellungen zur&uuml;ck, die Landung
+und damit den Befehl zum Aufstehen zu erwarten.</p>
+
+<p>Die Indianer, in deren Gewalt sie sich befanden,
+hatten sich &uuml;brigens die ganze Zeit entsetzlich wenig
+um sie gek&uuml;mmert, und nur nicht gelitten, da&szlig; sie sich
+bewegten. Au&szlig;erdem hatten die Gefangenen aber
+auch keine Ahnung, was aus ihrem Capitain und der
+&uuml;brigen Mannschaft geworden sein konnte. Ob die
+Wilden ihre Kameraden gefangen oder s&auml;mmtlich erschlagen
+und nur <span class="gesperrt">sie</span> vielleicht f&uuml;r ein ganz besonderes
+Festmahl aufgespart hatten, oder ob sie von dem
+Schiff, dessen Sch&uuml;sse sie geh&ouml;rt, gerettet worden &ndash;
+sie wu&szlig;ten's nicht und &ndash; k&uuml;mmerten sich auch in der
+That nicht viel darum. In diesem Augenblicke hatte
+Jeder zu viel mit sich selber und seiner eigenen Haut
+zu thun, um besonders viel auf den Nachbar zu
+denken.</p>
+
+<p>Von der frischen Brise getrieben, schossen die<span class="pagenum"><a name="Page_94" id="Page_94">[S. 94]</a></span>
+wackeren Canoes inde&szlig; dem Landungsplatze entgegen,
+und der Federschmuck, mit dem die hochgeschwungenen
+Buge geziert waren, flatterte lustig im frischen
+Winde. Jetzt formten sie sich in langer Reihe, das
+Boot ihres jungen H&auml;uptlings mit Hua in seinen
+Armen voran, die anderen ihm folgend in wildem
+Jubel und mit Siegesliedern, und als die scharfgebauten
+Schn&auml;bel den Corallensand ber&uuml;hrten, da stie&szlig;en
+die am Ufer versammelten Insulaner ein solches
+tolles entsetzliches Geschrei aus, da&szlig; die Luft ordentlich
+erbebte und die Gefangenen in banger Ahnung
+zusammenschauderten.</p>
+
+
+<h4>2.</h4>
+
+<p>Wohl waren sie an dem Raub des M&auml;dchens
+vollkommen unschuldig, w&uuml;rden aber diese Barbaren
+darauf R&uuml;cksicht nehmen? Sie geh&ouml;rten mit zu dem
+Schiff, das die Gastfreundschaft der Eingeborenen in
+so undankbarer, b&ouml;ser Weise vergolten, und was der
+Capitain ges&uuml;ndigt, konnte jetzt wahrscheinlich die
+Mannschaft entgelten.</p>
+
+<p>Im Anfang nahm aber Niemand von ihnen auch
+nur die mindeste Notiz. Die Mannschaft der Canoes
+sprang, so wie ihre Fahrzeuge Grund ber&uuml;hrten,
+&uuml;ber Bord und an Land, und schaute sich nicht ein<span class="pagenum"><a name="Page_95" id="Page_95">[S. 95]</a></span>mal
+nach den Europ&auml;ern um. Diese blieben auch
+noch immer, eines weiteren Befehls gew&auml;rtig, im
+Boote und richteten sich nur jetzt halb auf, dem wilden
+Toben am Lande zuzusehen.</p>
+
+<p>&bdquo;Guten Morgen, Lemon,&ldquo; sagte da Jonas, als er
+den also benannten Kameraden dicht neben sich erblickte
+&ndash; &bdquo;auch mit angekommen? &ndash; und Spund,
+Pfeife und Lord Douglas sind auch mit da?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die ganze blutige Gesellschaft,&ldquo; knurrte Lemon
+mit einem Gesicht, als ob er sich und die ganze &uuml;brige
+Welt h&auml;tte vergiften k&ouml;nnen. &bdquo;Jetzt haben wir die
+Bescheerung!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wo ist unser zweiter Harpunier?&ldquo; fragte
+Jonas, sich nach diesem unter den Gefangenen umsehend,
+&bdquo;denn <span class="gesperrt">unser</span> Boot ist doch wenigstens hier
+beisammen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das ist dem zweiten <a name="cortex2-2" href="#corr2-2" class="corr">Harpunier</a> seine Sache!&ldquo;
+knurrte Lemon. &bdquo;Wahrscheinlich fr&uuml;hst&uuml;ckt er heute
+Morgen mit irgend einem Haifisch &ndash; hol' ihn der
+Teufel!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, Mates, an Land!&ldquo; rief da der Schotte
+Mac Kringo seinen Kameraden zu &ndash; &bdquo;seht ihr nicht,
+wie uns das dicke Rothfell da dr&uuml;ben zuwinkt und
+schreit? &ndash; Sie wollen die Canoes wahrscheinlich auf
+die Corallen ziehen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_96" id="Page_96">[S. 96]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Na dann <i>look out for a squall</i>!&ldquo; murmelte
+Jonas vor sich hin, indem er langsam den voransteigenden
+Gef&auml;hrten folgte. &bdquo;Jetzt wird die Bombe
+platzen.&ldquo;</p>
+
+<p>Seine Bef&uuml;rchtung zeigte sich indessen, wenigstens
+f&uuml;r den Augenblick, unbegr&uuml;ndet, denn die Insulaner,
+die f&uuml;r jetzt noch viel zu sehr mit dem geretteten
+M&auml;dchen, der Tochter des H&auml;uptlings, zu thun hatten,
+thaten gar nicht, als ob die wei&szlig;en M&auml;nner auch
+nur auf der Welt w&auml;ren. Ohne selbst bei dem <a name="cortex2-3" href="#corr2-3" class="corr">Aufslandziehen</a>
+der Boote ihre H&uuml;lfe in Anspruch zu nehmen,
+lie&szlig; man den kleinen Trupp der eingebrachten
+Europ&auml;er unbeachtet, selbst unbewacht am Ufer
+stehen, und Alles dr&auml;ngte sich jetzt nur um Hua her,
+M&auml;nner, Frauen und Kinder, sie zu bewillkommnen,
+sie zu umarmen.</p>
+
+<p>In vielen Augen standen sogar Freudenthr&auml;nen,
+mit denen sie das geliebte und schon fast verloren gegebene
+Kind begr&uuml;&szlig;ten.</p>
+
+<p>W&auml;hrend aber noch ein Theil der Insulaner so
+umhersprang und jubelte oder sich wieder und wieder
+die Abenteuer der letzten Nacht von den Freunden
+erz&auml;hlen lie&szlig;, gingen andere mehr praktisch auf die
+n&auml;chsten Bed&uuml;rfnisse der Neuangekommenen ein, die
+jedenfalls nach ihrer langen gef&auml;hrlichen Fahrt<span class="pagenum"><a name="Page_97" id="Page_97">[S. 97]</a></span>
+Hunger haben mu&szlig;ten. Im Schatten der n&auml;chsten
+Palmen wurden ihre gew&ouml;hnlichen Kochgruben zum
+R&ouml;sten der Ferkel rasch hergerichtet, Brotfr&uuml;chte,
+Bananen und Fische herzugeschafft und Alles geordnet,
+ein baldiges und reichliches Mahl zu versprechen.</p>
+
+<p>Die Frauen verrichteten dabei gar keine oder nur
+die leichteste Arbeit, pfl&uuml;ckten breite Bl&auml;tter, besonders
+von den Hibiscusb&auml;umen, die zu Tischt&uuml;chern und
+Servietten dienen sollten, holten in leeren Cocosn&uuml;ssen
+Seewasser herbei, das die Stelle des Salzes
+vertrat, und pfl&uuml;ckten Fr&uuml;chte von den n&auml;chsten B&uuml;schen,
+welche dann die Knaben zu den beabsichtigten
+E&szlig;pl&auml;tzen trugen.</p>
+
+<p>Die Europ&auml;er standen indessen noch immer auf
+einem Trupp und leise fl&uuml;sternd zusammen, sahen zu,
+wie die Ferkel ausgenommen und ger&ouml;stet wurden,
+und wie die G&auml;ste schon Miene machten, ihre verschiedenen,
+ihnen durch den Rang angewiesenen Pl&auml;tze
+einzunehmen.</p>
+
+<p>Da trat pl&ouml;tzlich Toanonga, der H&auml;uptling der
+Insel und Vater Hua's, aus dem Kreis der Seinen,
+wackelte gem&uuml;thlich auf die Matrosen zu, vor denen
+er, beide H&auml;nde auf seine H&uuml;ften legend, stehen blieb,
+und sagte:<span class="pagenum"><a name="Page_98" id="Page_98">[S. 98]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;<i>Chio do fa</i>, ihr M&auml;nner &ndash; <i>chio do fa</i> &ndash; ihr
+seid nicht lange fortgeblieben und habt sch&ouml;ne Streiche
+mit eurem gro&szlig;en Canoe gemacht. Wi<a name="FNanchor_23_23" id="FNanchor_23_23"></a><a href="#Footnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a>! &ndash; Wi,
+ihr Burschen, war das der Dank, da&szlig; ihr so viel
+Brotfrucht und Cocosn&uuml;sse und Bananen und Ferkel
+hier bekommen habt und so freundlich von uns aufgenommen
+worden seid? &ndash; Wi! sch&auml;mt euch &ndash; und
+wie ihr jetzt da steht! &ndash; Toanonga m&ouml;chte nicht in
+eurer Haut stecken, nicht um alle Glasperlen der ganzen
+Welt.&ldquo;</p>
+
+<p>Wenn die Meisten der Schaar auch nicht die
+Worte verstanden, f&uuml;hlten doch Alle deutlich genug,
+<span class="gesperrt">was</span> der Mann eigentlich zu ihnen sagte, was er
+sagen und denken mu&szlig;te &ndash; und er hatte Recht. Die
+armen Teufel befanden sich so unbehaglich wie m&ouml;glich
+und sahen, nach einem sp&auml;tern Vergleich Spund's,
+wirklich gerade so aus, wie ein Hund, den man beim
+Stehlen erwischt.</p>
+
+<p>Der alte w&uuml;rdige Insulaner war dabei sehr ernst
+und finster geworden, und Spund, der Furchtsamste
+der Schaar, that schon einen Schritt vor, ihm wo
+m&ouml;glich zu F&uuml;&szlig;en zu fallen und um Gnade zu bitten.
+Mac Kringo jedoch, der Einzige von ihnen, der die<span class="pagenum"><a name="Page_99" id="Page_99">[S. 99]</a></span>
+Landessprache verstand und darin verkehren konnte,
+w&auml;hrend die &Uuml;brigen bis jetzt nur Worte davon begriffen,
+trat da vor und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;Du hast Recht, Toanonga, es war ein schlechter
+Streich, den dir der Capitain gespielt &ndash; aber was
+k&ouml;nnen <span class="gesperrt">wir</span> daf&uuml;r? Waren <span class="gesperrt">wir</span> in dem Boot, das
+deine Tochter vom Lande stahl? Nicht ein Einziger.
+Frag sie selber, und sie mu&szlig; dir meine Worte best&auml;tigen.
+Du bist deshalb auch zu vern&uuml;nftig, uns das entgelten
+zu lassen, was ein Anderer verbrochen hat.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schweig du, bis du gefragt wirst, mein Bursche,&ldquo;
+rief aber Toanonga, der es f&uuml;r unter seiner W&uuml;rde
+hielt, sich mit einer untergeordneten Person &ndash; und
+er wu&szlig;te recht gut, da&szlig; die Matrosen das an Bord
+der Schiffe waren &ndash; in ein Argument einzulassen.
+&bdquo;Ihr steckt alle mit einander unter einer Decke, und
+wenn <span class="gesperrt">du</span> in dem Boote gewesen w&auml;rest, w&uuml;rdest du
+eben so gut gerudert haben, und wie die Anderen es
+gethan, sobald es dir dein Capitain befohlen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Tai halla! tai halla!</i> &ndash; gewi&szlig;!&ldquo; schrieen
+jetzt eine Menge junger Burschen, die sich herbeigedr&auml;ngt,
+so wie sie sahen, da&szlig; ihr H&auml;uptling mit den
+Papalangis sprach, und wilde Ausrufe, hier und da
+auch mit Verw&uuml;nschungen gemischt, kreuzten toll und
+laut durch einander.<span class="pagenum"><a name="Page_100" id="Page_100">[S. 100]</a></span></p>
+
+<p>Da hob Toanonga nur den Arm auf, und im
+Augenblick verstummte der L&auml;rm. Auf ein zweites,
+eben so gebieterisches Zeichen bem&auml;chtigte sich aber
+eine Anzahl kleiner Burschen der M&auml;nner und suchte
+sie unter Lachen und Schreien von ihrer Stelle hinweg
+und dem Holzrand zuzuf&uuml;hren.</p>
+
+<p>Widerstand w&auml;re unter allen Umst&auml;nden fruchtlos
+gewesen, und die Leute wollten dem Befehle schon
+ruhig gehorchen. Spund jedoch, der glaubte, da&szlig; es
+jetzt an ihr Leben ginge, dr&auml;ngte sich bis zu Toanonga
+hin, und vor diesem richtig auf die Kniee fallend, bat
+er den alten ehrlichen H&auml;uptling im breitesten Irisch
+um sein Leben.</p>
+
+<p>&Uuml;ber das Gesicht des Alten stahl sich aber ein
+gutm&uuml;thiges L&auml;cheln, denn es that ihm wohl, nicht
+allein den Wei&szlig;en gegen&uuml;ber seine Autorit&auml;t gezeigt
+zu haben, sondern sich auch von ihnen gef&uuml;rchtet zu
+sehen. Er war aber viel zu weichherzig, ihnen irgend
+ein Leid anzuthun. Seine Tochter hatte er wieder
+zur&uuml;ck, das Schiff, welches ihm hatte Schaden zuf&uuml;gen
+wollen, war verbrannt, und die paar davon an
+seine Insel verschlagenen Wei&szlig;en dachte er nicht f&uuml;r
+Vergangenes zu bestrafen. Die jungen Burschen
+hatten im Gegentheil die Papalangis nur eben zum
+Fr&uuml;hst&uuml;ck f&uuml;hren sollen, das etwas abseits von den<span class="pagenum"><a name="Page_101" id="Page_101">[S. 101]</a></span>
+Eingebornen f&uuml;r sie hergerichtet worden, und als
+ihnen dies jetzt von dem alten H&auml;uptling erkl&auml;rt
+wurde, war dem armen Teufel eine gro&szlig;e Last von der
+Seele gew&auml;lzt.</p>
+
+<p>Der leichte Muth, den Matrosen vor allen &uuml;brigen
+Menschen so besonders eigen, gewann auch bald
+bei ihnen wieder die &Uuml;berhand, und als sie jetzt in
+einem kleinen Dickicht von Pandanus, Casuarinen
+und einzelnen hochst&auml;mmigen Cocospalmen, unbel&auml;stigt
+von einem der Eingeborenen, um das reichliche
+Mahl sa&szlig;en, kehrte die, wenn auch nicht fr&ouml;hliche,
+doch sorglose Laune rasch zur&uuml;ck.</p>
+
+<p>&bdquo;Und da h&auml;tten wir endlich unseren Wunsch erf&uuml;llt,&ldquo;
+brach Legs zuerst das Schweigen, &bdquo;da s&auml;&szlig;en
+wir auf dem Trocknen mit Schweinebraten und
+Brotfrucht, statt Salzfleisches und Schiffszwiebacks,
+und Cocosmilch, statt faulen Wassers und d&uuml;nnen
+Grogs. Jungens, wenn die Sache nicht schlimmer
+wird, so k&ouml;nnen wir es hier ruhig aushalten, und
+wenn erst ein paar Tage vor&uuml;ber sind, da&szlig; von der
+fatalen M&auml;dchengeschichte nicht weiter gesprochen
+wird, so d&uuml;rfen wir am Ende gar noch unserem
+Sch&ouml;pfer danken, uns aus dem alten verbrannten
+Kasten hieher zur&uuml;ckgef&uuml;hrt zu haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sei nicht zu sicher, mein Bursche,&ldquo; brummte<span class="pagenum"><a name="Page_102" id="Page_102">[S. 102]</a></span>
+jedoch der Schotte, &bdquo;wir wissen noch gar nicht, ob
+uns der Brand des Schiffes zum Heil ausschlagen
+wird; denn ehe wir es uns versehen, kann uns die
+braune Rotte &uuml;ber dem Halse sein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der liebe Gott hat es jedenfalls gethan,&ldquo; best&auml;tigte
+aber auch Spund, eben mit einem delicat gebackenen
+Rippenst&uuml;ck besch&auml;ftigt, und Spund geh&ouml;rte
+&uuml;berhaupt &ndash; wo es ihm gerade pa&szlig;te &ndash; einer streng
+religi&ouml;sen und zwar methodistischen Richtung an.
+&bdquo;Der liebe Gott hat es gethan, und da&szlig; er euch
+nichtsnutziges Gesindel ebenfalls in seinen erbarmenden
+Schutz genommen, ist nur wieder einer von
+seinen unbegreiflichen, aber sicher zum Heil f&uuml;hrenden
+Wegen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na, wir wollen hier nicht untersuchen, ob wir es
+verdient oder nicht verdient haben,&ldquo; sagte da <span class="gesperrt">Pfeife</span>,
+&bdquo;hier sind wir aber einmal, durch die g&uuml;tige F&uuml;rsehung
+von dem Wassertode und vielleicht noch vor
+Schlimmerem bewahrt, und wie ich die Insulaner bis
+jetzt gefunden, so glaube ich kaum, da&szlig; uns noch eine
+Gefahr f&uuml;r unser Leben droht. H&auml;tten sie B&ouml;ses mit
+uns im Sinne, so brauchten sie uns nur einfach ersaufen
+zu lassen; kein Mensch h&auml;tte ihnen dabei einen
+Vorwurf machen k&ouml;nnen. Kalter, berechneter Blutdurst
+liegt aber nicht in ihrer Natur, und da sie uns<span class="pagenum"><a name="Page_103" id="Page_103">[S. 103]</a></span>
+nicht im ersten Augenblicke die Sch&auml;del eingeschlagen
+haben, so denk' ich, d&uuml;rfen wir f&uuml;r unsere Sicherheit
+auch weiter nichts f&uuml;rchten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich m&ouml;chte nur wissen,&ldquo; knurrte da Lemon, einen
+Seitenblick nach dem B&ouml;ttcher werfend, &bdquo;warum
+Spund um Gnade gebeten hat, wie sie uns zum
+Fr&uuml;hst&uuml;ck riefen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; du nur dein Spotten, Lemon,&ldquo; brummte,
+als die Anderen lachten, der also geneckte &ndash; &bdquo;Gnade
+haben wir alle n&ouml;thig, und ob das, was der Alte
+sagte, auf Tongaisch hie&szlig;: Gieb ihnen ein Spanferkel
+und Brotfrucht, oder schneid' ihnen den Hals
+ab, hast du so wenig gewu&szlig;t wie ich. Wenn ich nur
+jetzt erst eine Ahnung h&auml;tte, wie wir diesen Heiden
+wieder entgingen und von der Insel fortk&auml;men!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Fort?&ldquo; rief Legs erstaunt aus &ndash; &bdquo;wer will
+denn wieder fort? &ndash; ich wahrhaftig nicht. Ich danke
+meinem Schutzgeist, der mich hergebracht hat, und
+denke gar nicht daran, wieder an Bord irgend eines
+anderen blutigen Schiffes zur&uuml;ck zu gehen. M&ouml;gen
+die Thran sieden, die ein Vergn&uuml;gen daran finden;
+<span class="gesperrt">ich</span> befinde mich wohl wo ich gerade bin, und denke
+B&uuml;rger und Einwohner, wie sie bei uns sagen, auf
+Monui zu werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da kommt der Alte wieder,&ldquo; unterbrach Mac<span class="pagenum"><a name="Page_104" id="Page_104">[S. 104]</a></span>
+Kringo das Gespr&auml;ch &ndash; &bdquo;nehmt euch zusammen,
+Jungens, und macht ihn nicht b&ouml;se. Er hat uns nun
+einmal in der Tasche, und wir m&uuml;ssen sehen, da&szlig; wir
+ihn zum Freund behalten.&ldquo;</p>
+
+<p>Von Toanonga schien ihnen aber nichts Feindseliges
+zu drohen.</p>
+
+<p>Der gutm&uuml;thige alte Mann, ohne jedoch seiner
+W&uuml;rde im Mindesten etwas zu vergeben, mochte sich
+im Gegentheil in dem Bewu&szlig;tsein behaglich f&uuml;hlen,
+der Protector dieser von ihm abh&auml;ngigen Papalangis
+zu sein. Mac Kringo hatte ihn auch darin bald
+durchschaut und sein Betragen schon ganz darnach
+geregelt.</p>
+
+<p>Er stand auf, sobald sich der alte H&auml;uptling ihrem
+E&szlig;platz n&auml;herte, begr&uuml;&szlig;te ihn ehrfurchtsvoll und
+fragte ihn, was zu seinen Befehlen st&auml;nde, und
+Toanonga, den das sichtlich erfreute, winkte ihm
+huldreich mit der Hand und bedeutete ihm dann,
+da&szlig; er sich freuen w&uuml;rde, wenn die Fremden seinen
+Leuten keinen Anla&szlig; zu Klagen geben wollten. Sie
+seien allerdings f&uuml;r jetzt noch Gefangene, bis das
+Gericht der Egis oder H&auml;uptlinge &uuml;ber sie entschieden
+h&auml;tte; denn dem, was diese &uuml;ber sie beschlie&szlig;en w&uuml;rden,
+m&uuml;&szlig;ten sie sich allerdings f&uuml;gen; aber er hoffe,
+da&szlig; sie mit ihrer Lage zufrieden sein sollten. Das<span class="pagenum"><a name="Page_105" id="Page_105">[S. 105]</a></span>
+h&auml;nge jedoch, wie schon gesagt, lediglich von ihrem
+eigenen Betragen ab. F&uuml;r jetzt sei ihnen eine leerstehende
+H&uuml;tte, die er Mac Kringo an einer vorragenden
+Landzunge zeigte, zum Wohnort angewiesen;
+dorthin w&uuml;rden sie auch geschickt bekommen, was sie
+zum Leben brauchten. &ndash; Au&szlig;erdem sei ihnen aber
+f&uuml;r jetzt der Verkehr mit den Eingeborenen, besonders
+den Frauen, untersagt, und er erwarte, da&szlig;
+sie jenen Platz nicht verlassen w&uuml;rden, bis sie abgeholt
+w&uuml;rden.</p>
+
+<p>Damit, und als ob er sich jetzt genug mit den
+Leuten eingelassen, machte er eine h&ouml;chst w&uuml;rdevolle,
+wie verabschiedende Bewegung mit der einen Hand,
+drehte sich dann ab, und verlie&szlig; die dar&uuml;ber etwas
+verdutzten Matrosen, ohne irgend einen Einwand anzuh&ouml;ren
+oder nur zu erwarten.</p>
+
+
+<h4>3.</h4>
+
+<p>Die Leute waren &uuml;ber diese Ank&uuml;ndigung, die
+ihnen Mac Kringo gewissenhaft &uuml;bersetzte, allerdings
+etwas best&uuml;rzt. Da&szlig; sie erst noch einem Gericht der
+Egis unterworfen werden sollten, hatten sie nicht
+mehr geglaubt. Wer wu&szlig;te denn, was diese &uuml;ber sie
+beschlie&szlig;en w&uuml;rden? und da&szlig; ihnen nicht alle Insulaner<span class="pagenum"><a name="Page_106" id="Page_106">[S. 106]</a></span>
+so freundlich gesinnt und auch nicht so gutm&uuml;thig
+waren, wie der alte Toanonga, hatten sie
+lange schon gemerkt.</p>
+
+<p>&Uuml;brigens wurden sie bald gewahr, wie die Ausf&uuml;hrung
+der Anordnung auf dem Fu&szlig;e folge; denn
+kaum hatte der H&auml;uptling sie verlassen, als sich ein
+junger Bursch ihnen als Begleiter vorstellte, sie nach
+ihrem vor der Hand einzunehmenden Hause oder
+Gef&auml;ngni&szlig; abzuf&uuml;hren. Da&szlig; sie ihm gehorchen mu&szlig;ten,
+verstand sich von selbst.</p>
+
+<p>Merkw&uuml;rdig blieb aber dabei wie sehr sie von
+den &uuml;brigen Eingebornen ignorirt wurden. Man that
+vollkommen, als ob sie gar nicht auf der Insel seien,
+und w&auml;hrend die M&auml;nner, die ihnen auf dem schmalen
+Pfade begegneten, &uuml;ber sie hinweg in die Wipfel
+der Cocospalmen starrten, gerade als wenn sie dort
+in diesem Augenblick etwas h&ouml;chst Interessantes entdeckt
+h&auml;tten, glitten die M&auml;dchen und Frauen und
+Kinder, die sie unterwegs trafen, scheu in das Dickicht,
+dr&uuml;ckten sich dort hinter einen Busch oder Stamm
+und lie&szlig;en sie ungegr&uuml;&szlig;t vor&uuml;ber ziehen.</p>
+
+<p>Alle die frohen und leichtherzigen Hoffnungen,
+die ihnen das Fr&uuml;hst&uuml;ck gebracht, zerst&ouml;rte denn auch
+dieses unheimliche Betragen wieder. Sie kamen sich
+vor wie Ausgesto&szlig;ene, Verfehmte, die Jeder mied,<span class="pagenum"><a name="Page_107" id="Page_107">[S. 107]</a></span>
+und still und schweigend wanderten sie zuletzt ihre
+Bahn, dem etwa eine halbe Stunde Wegs entfernten
+Orte ihrer Bestimmung entgegen.</p>
+
+<p>Der Platz dort gefiel ihnen aber gar nicht. Eine
+schmale, an manchen Stellen kaum zwanzig Schritt
+breite Landzunge &ndash; eigentlich nur ein mit Vegetation
+bedeckter Corallenstreifen &ndash; lief zu dem Platz aus,
+auf dem eine alte, halb verfallene Bambush&uuml;tte
+stand, und wenn die Eingeborenen wirklich etwas B&ouml;ses
+gegen sie im Sinne hatten, waren sie dort ohne Waffen,
+ohne Boot, vollst&auml;ndig in ihre H&auml;nde gegeben.</p>
+
+<p>Daran lie&szlig; sich aber nichts mehr &auml;ndern, der Befehl
+lautete: sie dort abzuliefern, oder vielmehr sie
+dort sich selber zu &uuml;berlassen, und der Erfolg bewies,
+wie klug der alte Toanonga die Stelle ausgew&auml;hlt.
+Eine einzige Schildwacht n&auml;mlich, auf den schmalsten
+Theil der Landzunge postirt, konnte jede
+ihrer Bewegungen &uuml;berwachen, und da&szlig; sie sich
+dieser nicht mit Gewalt widersetzen durften, wu&szlig;ten
+sie recht gut.</p>
+
+<p>So vergingen ihnen acht volle Tage, in denen die
+Langeweile sie bald umbrachte. Der alte H&auml;uptling
+hatte ihnen allerdings ein paar h&ouml;lzerne Harpunen
+geschickt, um sich ihre Fische selbst damit zu fangen,
+und ein altes, sehr kleines Canoe war ihnen ebenfalls<span class="pagenum"><a name="Page_108" id="Page_108">[S. 108]</a></span>
+gegeben worden. Der Raum aber, in dem sie
+umherfahren konnten, blieb immer sehr beschr&auml;nkt, da
+ein bis an die Oberfl&auml;che steigender Coralleng&uuml;rtel
+die ganze Landzunge einfa&szlig;te. &Uuml;brigens wu&szlig;ten sie
+mit der leichten Harpune nicht ordentlich umzugehen
+und fingen wenig oder gar nichts damit.</p>
+
+<p>Nichts desto weniger litten sie keinen Mangel,
+denn jeden Morgen brachten <a name="cortex2-4" href="#corr2-4" class="corr">ihnen</a> ein paar Eingeborene
+Brotfrucht und Cocosn&uuml;sse, mit denen sie sich freilich
+vor der Hand begn&uuml;gen mu&szlig;ten. Die aber,
+die ihnen die Lebensmittel ablieferten, lie&szlig;en sich auf
+gar keine Unterhaltung mit den Gefangenen ein.
+Die von Mac Kringo an sie gerichteten Fragen
+beantworteten sie kurz oder gar nicht, und nur das
+eine Wort <i>mawquaw</i> &ndash; &bdquo;wartet!&ldquo; h&ouml;rten sie alle
+Tage.</p>
+
+<p>Die Eingeborenen hatten allerdings in der Zeit
+mehr zu thun, als sich mit den gefangenen Europ&auml;ern
+einzulassen. Die Verbindung Hua's mit <i>Tai manavachi</i>
+wurde gefeiert &ndash; wie Mac Kringo doch herausbekommen
+hatte &ndash; und das <i>Cava</i>-Trinken besch&auml;ftigte
+sie fast ausschlie&szlig;lich den ganzen Tag. Der L&auml;rm
+ihrer T&auml;nze und S&auml;nge schallte auch oft, von der
+Brise getragen, bis zu den armen Gefangenen her&uuml;ber;
+das war aber auch alles, was sie von der Feierlichkeit<span class="pagenum"><a name="Page_109" id="Page_109">[S. 109]</a></span>
+genossen, denn die wei&szlig;en Tuas<a name="FNanchor_24_24" id="FNanchor_24_24"></a><a href="#Footnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a> durften nicht Theil
+nehmen an einem Feste des ersten H&auml;uptlings.</p>
+
+<p>Am neunten Tage Morgens war Alles vor&uuml;ber,
+und <i>Tai manavachi</i> f&uuml;hrte seine junge Frau auf
+seiner kleinen Flotte mit hinweg, der eigenen Heimat
+zu. Die Insulaner gaben ihnen noch eine lange
+Strecke das Geleit; dann kehrten sie zur&uuml;ck, und es
+war jetzt pl&ouml;tzlich so still auf Monui geworden, da&szlig; die
+sonst so lebendige Insel fast wie ausgestorben schien.</p>
+
+<p>Um Mittag herum waren die jungen Leute allerdings
+schon wieder zur&uuml;ckgekehrt, aber bei den
+Matrosen lie&szlig; sich Niemand blicken als ihr gew&ouml;hnlicher
+Bote, der die Lebensmittel brachte.</p>
+
+<p>Spund, vor allen Anderen, war damit nun allerdings
+vollkommen einverstanden. Er lag den ganzen
+Tag im Schatten einer m&auml;chtigen, unfern von ihrer
+H&uuml;tte wachsenden Cocospalme, seinen Platz nur eben
+so viel ver&auml;ndernd, wie sich die Sonne drehte. Auch<span class="pagenum"><a name="Page_110" id="Page_110">[S. 110]</a></span>
+Jonas und Lemon schienen sich in diesem Leben wohl
+zu f&uuml;hlen. Mac Kringo dagegen verlangte es nach
+einer Besch&auml;ftigung, und w&auml;hrend er die Morgenstunden
+darauf verwandte, meist verungl&uuml;ckte Versuche
+im Fischfang zu machen, benutzte er den Nachmittag,
+ein Kartenspiel aus Holz zu fabriciren. Er hatte
+n&auml;mlich eine Holzart dort gefunden, die sich ziemlich
+leicht spaltete, und war mit wahrhaft eiserner Geduld
+daran gegangen, mit seinem Taschenmesser, an dem
+sich eine kleine S&auml;ge befand, einen Stamm abzuschneiden
+und d&uuml;nne Scheiben davon herzurichten.
+Wenn die Sache auch au&szlig;erordentlich langsam ging,
+war es f&uuml;r ihn doch eine Besch&auml;ftigung und versprach
+sp&auml;ter sogar eine Unterhaltung.</p>
+
+<p>Legs hatte ihm im Anfange aufmerksam zugesehen.
+So lange er selber nichts zu thun brauchte, war es
+ihm recht, wenn ein Anderer arbeitete. Endlich aber bekam
+er auch selbst das Zusehen satt, nahm eine Harpune
+und schlenderte langsam hinaus, den Strand entlang.</p>
+
+<p>Dort versuchte er allerdings erst eine Weile, ein
+paar der in dem krystallklaren Wasser umherschwimmenden
+Fische zu harpuniren; im <span class="gesperrt">tiefen</span>
+Wasser &uuml;berstach er sie aber jedes Mal, und im seichten
+stie&szlig; er die Harpune so oft und vergebens gegen
+die harten Corallen, da&szlig; er bald die beinernen, &uuml;berdies<span class="pagenum"><a name="Page_111" id="Page_111">[S. 111]</a></span>
+nicht sehr dauerhaften Spitzen abgebrochen hatte,
+das unn&uuml;tze Holz dann zu Boden und sich selber unter
+einen breit&auml;stigen Pandanusbaum warf, den Sonnen-Untergang
+hier in aller Ruhe abzuwarten.</p>
+
+<p>Eine halbe Stunde mochte er etwa so gelegen
+haben, und er fing schon an schl&auml;frig zu werden.
+Die Augenlider wurden ihm schwer, und er war eben
+im Begriff, wirklich einzuschlafen, als er unfern von
+sich und schon halb tr&auml;umend etwas auf dem Wasser
+pl&auml;tschern h&ouml;rte.</p>
+
+<p><i>There she blows</i>, murmelte er halblaut vor sich
+hin, denn im Geist sa&szlig; er oben im Top vom Vormast
+auf der <i>Lucy Walker</i>, nach Wallfischen ausschauend,
+und das Pl&auml;tschern kam ihm wie das Blasen
+der Fische vor. Da es sich jedoch wiederholte,
+wurde er auch endlich wach, schlug die m&uuml;den Augen
+auf und sah pl&ouml;tzlich, kaum hundert Schritt von sich
+entfernt, eines der wunderh&uuml;bschen Tonga-M&auml;dchen
+auf den Corallen im Wasser stehen.</p>
+
+<p>Der ganze weibliche Theil der Bev&ouml;lkerung hatte
+sich nun bis jetzt &ndash; den Befehlen des H&auml;uptlings
+nach &ndash; so fern von den Papalangis gehalten, da&szlig;
+ihnen die ganzen neun Tage hindurch keine einzige nur
+in Sicht gekommen. Um so mehr wunderte sich
+jetzt Legs, eine von ihnen so ganz in der N&auml;he, und<span class="pagenum"><a name="Page_112" id="Page_112">[S. 112]</a></span>
+zwar auf dem den Wei&szlig;en angewiesenen Fischgrunde
+zu sehen.</p>
+
+<p>Das M&auml;dchen erweckte aber auch noch au&szlig;erdem
+seine Neugierde, was sie dort eigentlich treibe, denn
+sie stand in dem seichten Wasser, das ihr bis &uuml;ber die
+Knie ging, vollkommen ruhig, und schlug nur manchmal
+mit der rechten, flachen Hand darauf, da&szlig; es
+weit hinausschallte. &ndash; Auf solche Art konnte sie doch
+keine Fische fangen.</p>
+
+<p>Nun war ihnen allerdings streng untersagt worden,
+mit den Eingeborenen, besonders mit den Frauen,
+zu verkehren, wenn die aber selber zu <span class="gesperrt">ihnen</span> kamen,
+glaubte Legs auch keiner Verantwortung unterworfen
+zu sein. Jedenfalls hatten sie die Erlaubni&szlig;, dort,
+wo sich die Dirne befand, zu fischen, und wenn er
+davon Gebrauch machte und das M&auml;dchen da drau&szlig;en
+zuf&auml;llig fand, war es nicht seine Schuld. Froh auch,
+etwas gefunden zu haben, die langweiligen Stunden
+rascher zu vertreiben, griff er die weggeworfene und
+jetzt vollkommen nutzlose Harpune wieder auf, um die
+Waffe wenigstens als Beweis seiner Besch&auml;ftigung
+bei sich zu haben, glitt dann unter seinem Baume vor
+und langsam in das seichte warme Wasser hinein und
+nahm jetzt eine solche Richtung, da&szlig; er dem M&auml;dchen
+da drau&szlig;en, wenn sie wieder zum Ufer zur&uuml;ck wollte,<span class="pagenum"><a name="Page_113" id="Page_113">[S. 113]</a></span>
+leicht den Weg abschneiden konnte. Er glaubte n&auml;mlich,
+da&szlig; sie nur hier herausgekommen w&auml;re, weil sie
+keinen der Fremden in der N&auml;he vermuthet h&auml;tte.</p>
+
+<p>So wenig als m&ouml;glich Ger&auml;usch machend, n&auml;herte
+er sich dabei langsam dem jungen Ding, das viel zu
+sehr da drau&szlig;en besch&auml;ftigt schien, um auf irgend
+etwas Anderes zu achten. Der Boden aber, auf dem
+er ging, war nicht eben. Die Corallen bildeten allerdings
+hier einen ziemlich festen, bei niederem Wasser
+etwa zwei Fu&szlig; tiefen Grund; hier und da waren
+aber doch durch ihre Verzweigungen nicht ausgef&uuml;llte
+L&ouml;cher geblieben. Legs watete dort hinaus, achtete
+aber mehr auf das M&auml;dchen als den Grund, auf dem
+er hinschritt, versah eines von jenen L&ouml;chern und
+schlug so lang &ndash; oder vielmehr so kurz er war, aufs
+Wasser.</p>
+
+<p>Etwas best&uuml;rzt, raffte er sich allerdings wieder
+gleich empor und erwartete jetzt nichts Anderes, als
+die erschreckte Sch&ouml;ne dem Lande zufliehen zu sehen.
+Das M&auml;dchen aber, das sich nun nach dem Ger&auml;usch
+umgedreht hatte, blieb lachend stehen und schien sich
+nicht im Geringsten zu f&uuml;rchten, ja, ihn sogar zu erwarten.</p>
+
+<p>Legs, mit einem Kernfluch &uuml;ber seine eigene Ungeschicklichkeit,
+lie&szlig; sich denn auch nicht lange n&ouml;thigen<span class="pagenum"><a name="Page_114" id="Page_114">[S. 114]</a></span>
+und watete, nur allerdings vorsichtiger geworden,
+langsam auf die Sch&ouml;ne zu, die indessen ihre wunderliche
+Besch&auml;ftigung ruhig und unbek&uuml;mmert fortsetzte.</p>
+
+<p>Mit der Sprache der Leute konnte der Matrose
+nun allerdings noch nicht zu Stande kommen; einzelne
+W&ouml;rter und Benennungen hatte er sich aber
+doch gemerkt, besonders den Gru&szlig; der Insulaner,
+ihr herzlich klingendes und so oft geh&ouml;rtes <i>chio do
+fa</i>, das er auch vor der Hand zur Einleitung f&uuml;r ein
+weiteres Gespr&auml;ch verwandte.</p>
+
+<p><i>Chio do fa</i>, l&auml;chelte das h&uuml;bsche Kind zur&uuml;ck,
+und Legs, um weitere Vocabeln verlegen, fa&szlig;te sich
+endlich ein Herz und fragte auf gut Englisch, was sie
+da mache.</p>
+
+<p>Das M&auml;dchen, eines der h&uuml;bschesten der Insel,
+mit weiter keiner Bekleidung als einer wunderlich geflochtenen,
+schmalen Matte um die H&uuml;ften und einem
+kurzen St&uuml;ck Tapa &uuml;ber den Schultern, das die Bewegung
+ihrer Arme keineswegs beeintr&auml;chtigte, sch&uuml;ttelte
+aber als Antwort nur lachend mit dem Kopf &ndash;
+ein Zeichen, da&szlig; sie nicht verstehe, was er sage.</p>
+
+<p>Legs fand jetzt, da&szlig; er das Englische aufgeben
+und sich mehr auf Zeichen beschr&auml;nken m&uuml;sse. De&szlig;halb
+auf das Wasser deutend und mit der Hand ihre
+bisherige Bewegung nachahmend, sah er sie dabei so<span class="pagenum"><a name="Page_115" id="Page_115">[S. 115]</a></span>
+komisch fragend an, da&szlig; das junge Ding in fr&ouml;hlichem
+&Uuml;bermuth wieder laut aufjubelte und dabei ein paar
+Reihen Z&auml;hne zeigte, die ihr wie Perlen zwischen
+den rosigen Lippen lagen. Jedenfalls hatte sie aber
+verstanden, was er meinte, denn sie nickte ihm freundlich
+zu und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Ang-a!</i>&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Ang-a</i> &ndash; ja wohl,&ldquo; brummte Legs vor sich hin
+&ndash; &bdquo;jetzt bin ich so klug wie vorher. Was ist
+<i><a name="cortex2-5" href="#corr2-5" class="corr">Ang-a</a></i>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<i><span class="gesperrt">Ang-a!</span></i>&ldquo; wiederholte aber das M&auml;dchen
+lauter als vorher und wie erstaunt, da&szlig; der Fremde
+nicht wissen solle, was <i>Ang-a</i> sei. Trotzdem sch&uuml;ttelte
+Legs noch immer bedeutend mit dem Kopf, und
+da sie wohl merken mu&szlig;te, da&szlig; ihm die so deutlich gegebene
+Erkl&auml;rung doch noch immer nicht gen&uuml;ge, setzte
+sie l&auml;chelnd hinzu &ndash; &bdquo;<i>mawquaw!</i>&ldquo;</p>
+
+<p><span class="gesperrt">Das</span> Wort verstand Legs. Die vollen neun
+Tage hindurch hatten sie das jeden Morgen von dem
+Burschen geh&ouml;rt, der ihnen das Essen brachte &ndash;
+warte ein wenig! &ndash; und als er darauf rasch und befriedigt
+mit dem Kopfe nickte, drehte sich die Kleine
+von ihm ab und schlug aufs Neue, wie vorher, das
+stille Wasser mit der flachen Hand.</p>
+
+<p>Er sah jetzt, da&szlig; sie im linken Arm ein kleines<span class="pagenum"><a name="Page_116" id="Page_116">[S. 116]</a></span>
+B&uuml;ndel mit St&uuml;cken ger&ouml;steter Brotfrucht und anderen
+Lebensmitteln trug &ndash; aber wozu? &ndash; Wollte sie
+so lange hier drau&szlig;en im Wasser stehen bleiben, da&szlig;
+sie sich ihr Mittagsessen gleich mit herausgenommen?
+&ndash; Er war dabei n&auml;her zu ihr hinan getreten, und
+der weiche, elastische K&ouml;rper des M&auml;dchens, so in
+Arms Bereich von ihm gebracht, schimmerte ihm so
+verf&uuml;hrerisch aus der leichten Umh&uuml;llung entgegen,
+da&szlig; er allen Warnungen zum Trotz seinen Arm langsam
+ausstreckte und um ihre Taille legte.</p>
+
+<p>Die Insulanerin nahm jedoch nicht die geringste
+Notiz davon, und Legs war selber so erstaunt &uuml;ber
+den g&uuml;nstigen Erfolg seiner K&uuml;hnheit, da&szlig; er ein paar
+Minuten regungslos in dieser Stellung verharrte,
+ohne sich nat&uuml;rlich weiter um das zu k&uuml;mmern, was
+auf dem Wasser vorging.</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Gia-hi!</i>&ldquo; sagte da pl&ouml;tzlich die braune Sch&ouml;ne,
+indem sie ein St&uuml;ck der Brotfrucht nahm und neben
+sich ins Wasser warf.</p>
+
+<p>Legs konnte nicht umhin, den Kopf nach jener
+Richtung zu drehen, denn er sah sich dort pl&ouml;tzlich
+etwas bewegen. Im n&auml;chsten Augenblicke erkannte
+er aber auch zu seinem Entsetzen die Finne eines gar
+nicht etwa so sehr kleinen Haifisches, der sich in demselben
+Moment etwas auf die Seite warf und mit<span class="pagenum"><a name="Page_117" id="Page_117">[S. 117]</a></span>
+dem ge&ouml;ffneten, bis &uuml;ber die Oberfl&auml;che reichenden
+Rachen das St&uuml;ck Brotfrucht aufschnappte und verschlang.
+So nahe war ihnen die Bestie gekommen,
+da&szlig; er sie h&auml;tte mit der Hand auf den Kopf schlagen
+k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Ang-a!</i>&ldquo; lachte das M&auml;dchen noch einmal laut
+auf, indem sie dem Ungeth&uuml;m einen neuen Leckerbissen
+zuwarf.</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Ang-a <span class="gesperrt">hell</span>!</i>&ldquo; schrie aber Legs, der im Todesschreck
+einen Schritt zur&uuml;ckprallte, denn selbst der beherzte
+Matrose f&uuml;rchtet nichts mehr auf der Welt als
+den Hai, seinen &auml;rgsten Feind. &bdquo;Das ist ein <span class="gesperrt">Hai</span>,
+bei allem, was da schwimmt!&ldquo;</p>
+
+<p>Unwillk&uuml;rlich dr&uuml;ckte er sich dabei hinter das kecke,
+wilde Ding, das sich ein solch gef&auml;hrlich Spielzeug
+ausgesucht. Die Insulanerin aber, mit einem schelmischen
+Blick auf den Fremden, dessen Entsetzen ihr
+nicht entgangen war, lie&szlig; das n&auml;chste St&uuml;ck Brotfrucht
+dicht neben sich und mehr nach r&uuml;ckw&auml;rts fallen,
+so da&szlig; der Fisch in seinem n&auml;chsten Sprung danach
+in Wirklichkeit Legs' etwas ausgebogene Extremit&auml;ten
+streifte.</p>
+
+<p>Das war diesem aber au&szlig;er dem Spa&szlig;, denn
+w&auml;hrend der Fisch in die H&ouml;he schnappte, den f&uuml;r ihn
+hingeworfenen Bissen zu ergreifen, wu&szlig;te Legs jetzt<span class="pagenum"><a name="Page_118" id="Page_118">[S. 118]</a></span>
+wirklich nicht, ob der Angriff ihm oder der Brotfrucht
+galt, stie&szlig; einen lauten Schrei aus und that, so weit
+er springen konnte, einen Satz zur&uuml;ck. Dabei fiel er
+aber wieder, so lang er war, ins Wasser und schlug
+jetzt aus Leibeskr&auml;ften mit Armen und Beinen um
+sich, um durch lautes Pl&auml;tschern und L&auml;rmmachen,
+als <span class="gesperrt">einziges</span> H&uuml;lfsmittel, den furchtbaren Feind
+fern von sich zu halten.</p>
+
+<p>Er h&ouml;rte dabei nicht das laute glockenrein klingende
+Lachen der jungen Dirne, sah nicht, da&szlig; der Hai,
+durch das ungewohnte Ger&auml;usch erschreckt, schon lange
+wieder hinaus aus der seichten <a name="cortex2-6" href="#corr2-6" class="corr">Fluth</a> und durch irgend
+ein Loch der Corallenw&auml;nde in tieferes Wasser gefahren
+war. Nur mit jeder, von ihm selbst aufgeschlagenen
+Welle, w&auml;hrend er sich in aller Hast dem
+sicheren Ufer zuarbeitete, f&uuml;rchtete er das gefr&auml;&szlig;ige
+Ungeheuer dicht hinter sich, das vielleicht nur auf
+einen g&uuml;nstigen Moment wartete, ihn zu ergreifen,
+und w&auml;lzte sich solcher Art schreiend und mit Armen
+und Beinen schlagend, bis zum n&auml;chsten Landvorsprung
+hin.</p>
+
+<p>Einen solchen furchtbaren L&auml;rm hatte er dabei
+gemacht, da&szlig; seine Kameraden erschreckt aufsprangen
+und der Richtung zueilten, von der sie die H&uuml;lferufe
+geh&ouml;rt. Nicht wenig erstaunt waren sie aber, Legs<span class="pagenum"><a name="Page_119" id="Page_119">[S. 119]</a></span>
+in solcher Aufregung ankommen und das M&auml;dchen
+drau&szlig;en im Wasser so herzlich lachen zu sehen, ohne
+da&szlig; sie auch nur die geringste Ursache f&uuml;r Eines oder
+das Andere erkennen konnten.</p>
+
+<p>Von den Eingeborenen waren indessen ebenfalls
+Einige durch den L&auml;rm herbeigerufen worden. Diese
+erriethen &uuml;brigens, wie es schien, was da drau&szlig;en
+vorgefallen, denn sie am&uuml;sirten sich unter einander
+vortrefflich, ohne jedoch den Wei&szlig;en dabei zu nahe zu
+kommen.</p>
+
+<p>Jedenfalls verhinderte sie ein strenges Verbot
+ihres H&auml;uptlings, sie w&uuml;rden diese Gelegenheit sonst
+gewi&szlig; nicht vers&auml;umt haben, sich nach Herzenslust
+&uuml;ber den Fremden lustig zu machen.</p>
+
+<p>Legs behielt deshalb auch volle Freiheit, sein
+Abenteuer den Kameraden nach seiner eigenen Art zu
+erz&auml;hlen, und demnach war er drau&szlig;en beim Fischen
+von einem furchtbar gro&szlig;en Hai angegriffen und verfolgt
+worden und nur durch seine Geistesgegenwart
+der Gefahr entgangen, von dem Ungeheuer erfa&szlig;t und
+unter Wasser gezogen zu werden. Mac Kringo
+sch&uuml;ttelte freilich dazu den Kopf und fragte, wie es
+denn k&auml;me, da&szlig; der Hai nicht das M&auml;dchen da drau&szlig;en
+angegriffen, und warum die Dirne so entsetzlich
+gelacht h&auml;tte. Legs jedoch meinte, die Braunfelle<span class="pagenum"><a name="Page_120" id="Page_120">[S. 120]</a></span>
+h&auml;tten gut lachen; an die ginge ein Hai gar nicht,
+und da sie sich selber sicher w&uuml;&szlig;ten, so w&auml;re es keine
+Kunst, sich &uuml;ber einen Anderen lustig zu machen.</p>
+
+<p>Die Aufmerksamkeit der Matrosen sollte aber bald
+auf etwas Anderes gerichtet werden, denn ein Bote
+von Toanonga kam gegen Abend, ihnen anzuzeigen,
+da&szlig; sie sich am n&auml;chsten Morgen bereit halten sollten,
+zu der Rathsversammlung der H&auml;uptlinge abgeholt
+zu werden.</p>
+
+<p>Weiteres war nun aus dem Burschen nicht
+heraus zu bekommen. Entweder wu&szlig;te er selber
+nicht mehr, oder durfte nicht mehr sagen. Den Seeleuten
+war aber bei der ganzen Sache nicht wohl zu
+Muthe, denn die Vorladung, wie die ganze Versammlung
+wurde gar so feierlich gehalten.</p>
+
+<p>Was wollten sie denn eigentlich noch mit
+ihnen? Da&szlig; sie an dem Raub der H&auml;uptlingstochter
+unschuldig waren, wu&szlig;te der alte Toanonga so gut
+wie sie selber, und konnte man sie also deshalb noch
+bestrafen? &ndash; Wenn man sie also nicht bestrafen
+wollte, wozu dann eine Rathsversammlung halten?</p>
+
+<p>Jonas schlug jetzt vor, da&szlig; sie suchen sollten, sich
+in der Nacht eines Canoes zu bem&auml;chtigen und damit
+aufs Gerathewohl in See zu gehen. Inseln l&auml;gen
+doch noch mehrere dort herum, und eine oder die<span class="pagenum"><a name="Page_121" id="Page_121">[S. 121]</a></span>
+andere w&uuml;rden sie schon finden, wenn sie nicht gar
+unterwegs ein Schiff antr&auml;fen, <a name="cortex1-30" href="#corr1-30" class="corr">das</a> sie aufnehmen
+k&ouml;nnte. Das war aber ein verzweifelter Plan; denn
+erstens wu&szlig;ten sie, da&szlig; sie streng bewacht wurden,
+dann hatten sie gar keine Waffen, um sich, wenn angegriffen,
+zu vertheidigen, und ohne Provision und
+Instrumente in See zu gehen, wo ihnen der n&auml;chste
+Sturm au&szlig;erdem verderblich werden mu&szlig;te, w&auml;re
+mehr als Tollk&uuml;hnheit, es w&auml;re einfach Wahnsinn
+gewesen.</p>
+
+<p>Mac Kringo, der &uuml;berhaupt als Dolmetscher ein
+gewisses Ansehen bei den Kameraden gewonnen hatte,
+stimmte gleich dagegen und erkl&auml;rte, da&szlig; <span class="gesperrt">er</span> auf keinen
+Fall sich bei einem solchen verzweifelten Unternehmen
+betheiligen w&uuml;rde. H&auml;tten sie jetzt die ganze lange
+Zeit nutzlos verstreichen lassen, so bliebe ihnen nun
+auch weiter nichts &uuml;brig, als das Letzte abzuwarten,
+und da&szlig; sie nichts dabei f&uuml;r ihr Leben zu f&uuml;rchten
+h&auml;tten, glaube er ihnen mit Bestimmtheit versichern
+zu k&ouml;nnen. Die Eingeborenen seien viel zu gutm&uuml;thig,
+ihnen mit vorbedachter Grausamkeit etwas
+zu Leide zu thun, und seiner Meinung nach w&auml;re die
+ganze Geschichte weiter nichts, als eine Idee des alten
+Toanonga, der sich, den Europ&auml;ern gegen&uuml;ber, gern
+ein wenig wichtig machen wolle. Das Ganze w&uuml;rde<span class="pagenum"><a name="Page_122" id="Page_122">[S. 122]</a></span>
+darauf hinaus laufen, da&szlig; man ihnen vorhalte, wie
+gut und gro&szlig;m&uuml;thig die Bewohner von Tonga, und
+wie schlecht die Papalangis seien, und zuletzt w&uuml;rde
+man sie auf der Insel ruhig gew&auml;hren lassen, zu treiben
+was ihnen gerade beliebe.</p>
+
+<p>Ob er nun das Richtige getroffen oder nicht,
+blieb sich gleich; darin hatte er jedenfalls Recht, da&szlig;
+ein Fluchtversuch jetzt im letzten Augenblick Wahnsinn
+gewesen w&auml;re, und die Bootsmannschaft entschlo&szlig; sich
+denn auch endlich, das Resultat, wie es auch ausfallen
+m&ouml;ge, geduldig abzuwarten.</p>
+
+
+<h4>4.</h4>
+
+<p>Der n&auml;chste Morgen kam, und die Leute versuchten,
+soweit ihnen das irgend m&ouml;glich war, <span class="gesperrt">Toilette</span>
+zu machen. Damit sah es aber entsetzlich windig
+aus, denn bei ihrer Flucht von Bord hatten sie nur
+das Nothwendigste mitnehmen k&ouml;nnen, und bei dem
+Sinken des Bootes auch selbst das noch verloren.
+Nur Mac Kringo und Legs besa&szlig;en H&uuml;te, nur
+Spund und Jonas Jacken, und ihre Schuhe waren
+von dem scharfen Corallenboden, auf dem sie <span class="gesperrt">ohne</span>
+Schuhe gar nicht gehen konnten, schon so mitgenommen
+worden, da&szlig; sie kaum noch zusammen
+hielten.<span class="pagenum"><a name="Page_123" id="Page_123">[S. 123]</a></span></p>
+
+<p>Die einzige Verbesserung, die sie mit sich vornehmen
+konnten, war die, da&szlig; sie ihre Hemden auswuschen,
+um wenigstens mit reiner W&auml;sche vor den
+H&auml;uptlingen zu erscheinen, und was eine Kopfbedeckung
+betraf, so hatten die, welche mit einer solchen nicht
+mehr versehen waren, darin die Mode der Eingeborenen
+nachgeahmt und sich eine Art Kopfschutz aus
+den Bl&auml;ttern der Cocospalme gefertigt, der die
+Augen wenigstens gegen das blendende Sonnenlicht
+schirmte.</p>
+
+<p>Nur Pfeife, einer gewissen Phantasie dabei folgend,
+war daran gegangen, einen wirklichen Hut zu
+flechten &ndash; was die Matrosen meist verstehen und sich
+oft ihre Strohh&uuml;te selber machen. Das Cocosblatt
+zeigte sich aber nicht geschmeidig genug dazu, und
+wenn er auch wirklich eine Art Hut zusammen
+brachte, so hatte derselbe doch eine so wunderliche
+Form bekommen, da&szlig; selbst Lemon lachte, als er ihn
+zum ersten Male sah.</p>
+
+<p>Die ersten Morgenstunden vergingen &uuml;brigens,
+ohne da&szlig; sie zu der erwarteten Zusammenkunft w&auml;ren
+abgerufen worden. Nur ihr Fr&uuml;hst&uuml;ck erhielten sie
+wie gew&ouml;hnlich, dann war Alles still &ndash; nicht einmal
+ein Fischer-Canoe sahen sie in dem Binnenwasser
+der Riffe, so hatte die heute gehaltene Rathsversammlung<span class="pagenum"><a name="Page_124" id="Page_124">[S. 124]</a></span>
+das Interesse der Insulaner in Anspruch genommen.</p>
+
+<p>Endlich kam der, eines Theils gef&uuml;rchtete, andern
+Theils aber auch wieder sehnlichst erwartete Bote;
+denn selbst die schlimmste Wirklichkeit kann in manchen
+F&auml;llen oft weniger peinlich sein, als diese ewig
+z&ouml;gernde Ungewi&szlig;heit, in der sich des Menschen Herz
+in solchem Falle verzehrt.</p>
+
+<p>Ein junger Bursch, der auf der Insel Constabel-Dienste
+versah, sich sonst aber in nichts von den
+&Uuml;brigen auszeichnete, als wo m&ouml;glich noch fauler
+als der Rest zu sein, kam endlich und meldete den
+Papalangis, da&szlig; Toanonga und die Versammlung
+der Egis sie erwarte.</p>
+
+<p>Mac Kringo theilte den &Uuml;brigen die Botschaft
+mit, und Lemon brummte halblaut vor sich hin: Die
+Egis sollen verdammt sein!</p>
+
+<p>Das nahm der Botschafter aber entsetzlich &uuml;bel;
+denn wenn er auch kein Englisch verstand, hatten die
+Eingeborenen jenes Wort &bdquo;verdammt&ldquo; doch so oft von
+dort landenden Fremden geh&ouml;rt, um zu wissen, da&szlig;
+es etwas sehr B&ouml;ses und H&auml;&szlig;liches bedeute. Er
+hielt deshalb auch dem kleinen sauert&ouml;pfischen Burschen
+eine lange und heftige Strafpredigt, die dieser<span class="pagenum"><a name="Page_125" id="Page_125">[S. 125]</a></span>
+jedoch mit weiter nichts als einem noch viel
+m&uuml;rrischeren &bdquo;Geh zum Teufel&ldquo; erwiderte.</p>
+
+<p>Mac Kringo gab sich freilich alle M&uuml;he, den
+Frieden wieder herzustellen und den Eingeborenen zu
+bes&auml;nftigen, indem er ihn zu &uuml;berzeugen suchte, da&szlig; er
+den Papalangi ganz falsch verstanden habe. Der
+Bursche wu&szlig;te aber recht gut, was er selber geh&ouml;rt
+hatte, und der Zug setzte sich endlich, von ihm angef&uuml;hrt,
+langsam in Bewegung.</p>
+
+<p>&bdquo;H&ouml;rt einmal, Kameraden,&ldquo; sagte da Mac Kringo
+als sie schon unterwegs waren, indem er sich gegen
+die kleine Schaar wandte, &bdquo;ich habe euch schon versichert,
+da&szlig; ich nicht glaube, wir h&auml;tten irgend etwas
+von dem rothen Gesindel zu f&uuml;rchten. Sollten sie
+uns aber <span class="gesperrt">doch</span> zu Leib wollen, und es ist immer gut,
+auch auf das Schlimmste vorbereitet zu sein, dann
+wollen wir uns auch nicht wie die Schafe zur Schlachtbank
+f&uuml;hren lassen, sondern lieber wie englische Matrosen
+sterben und noch so vielen der rothen Brotfruchtfresser,
+wie m&ouml;glich, die Sch&auml;del einschlagen.
+Seid ihr damit einverstanden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig;,&ldquo; rief Pfeife f&uuml;r die &Uuml;brigen; &bdquo;irgend
+etwas wird man ja dort schon finden, womit man zuschlagen
+kann, und wenn das <span class="gesperrt">nicht</span> w&auml;re, so hat<span class="pagenum"><a name="Page_126" id="Page_126">[S. 126]</a></span>
+jeder seine F&auml;uste und sein Messer bei der Hand, die
+lumpigen Schufte nach Herzenslust zu bearbeiten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut,&ldquo; sagte Mac Kringo. &bdquo;In dem Falle liegt
+unsere einzige Aussicht auf Erfolg aber nur darin,
+da&szlig; wir uns nicht <span class="gesperrt">trennen</span> lassen, sondern fest zusammen
+halten. Sechs handfeste Burschen wie wir
+k&ouml;nnen es dann auch schon mit einem Schock solchen
+weichlichen Gesindels aufnehmen, und im schlimmsten
+Falle arbeiten wir uns zu einem Canoe durch, pl&uuml;ndern
+einen Brotfruchtbaum und ein paar Cocospalmen
+und gehen in See.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das sind sch&ouml;ne Aussichten!&ldquo; seufzte Spund,
+&bdquo;und bedenkt nur dabei, da&szlig; wir sie durch Widersetzlichkeit
+immer noch erbitterter machen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn <span class="gesperrt">du</span> dich willst fressen lassen,&ldquo; kreischte
+Pfeife, &bdquo;so hat nat&uuml;rlich Niemand was dawider. Ich
+danke aber daf&uuml;r, und wenn sie uns wirklich einmal
+zu Leib wollen, so liegt nachher verw&uuml;nscht wenig
+daran, ob wir sie dabei in guter oder b&ouml;ser Laune
+behalten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Pst &ndash; da sind sie!&ldquo; fl&uuml;sterte aber in diesem
+Augenblicke Mac Kringo, der durch die B&uuml;sche hin
+die hellen buntfarbigen Kleider der Eingeborenen
+schon erkannt hatte. &bdquo;Jetzt haltet euch ruhig, und im
+Nothfalle fest zusammen. Unsere Messer haben wir<span class="pagenum"><a name="Page_127" id="Page_127">[S. 127]</a></span>
+doch wenigstens alle im G&uuml;rtel, und was sie auch vorhaben,
+sie sollen uns wenigstens nicht unvorbereitet
+finden.&ldquo;</p>
+
+<p>Weiteres Gespr&auml;ch war jetzt auch unm&ouml;glich geworden,
+denn wie sie den n&auml;chsten Busch umschritten,
+sahen sie sich pl&ouml;tzlich der ganzen Versammlung
+gegen&uuml;ber, die sie sich allerdings nicht so zahlreich gedacht.
+Die Einwohnerschaft der ganzen Insel schien
+aber hier versammelt und der gro&szlig;e weite Raum vor
+Toanonga's H&uuml;tte, in dem die Egis den Mittelpunkt
+bildeten, schw&auml;rmte ordentlich von braunen lebendigen
+Gestalten beiderlei Geschlechts.</p>
+
+<p>Inmitten des Platzes stand ein riesiger Tamarindenbaum,
+um den herum neun hochst&auml;mmige
+Cocospalmen angepflanzt schienen. Dadurch erhielten
+sie dem Platz den Schatten, die Sonne mochte
+stehen, wo sie wollte<a name="FNanchor_25_25" id="FNanchor_25_25"></a><a href="#Footnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a>, und konnten ihre Versammlungen
+zu jeder beliebigen Tageszeit halten.</p>
+
+<p>Dort waren feine Matten ausgebreitet, welche
+die Bewohner aller der S&uuml;dsee-Inseln so trefflich zu
+flechten verstehen, und die Egis von Monui bildeten,<span class="pagenum"><a name="Page_128" id="Page_128">[S. 128]</a></span>
+mit Toanonga in der Reihe sitzend, einen vollkommenen
+Kreis.</p>
+
+<p>In demselben nahmen die verschiedenen H&auml;uptlinge
+ihre Pl&auml;tze ein, aber keineswegs nach Gutd&uuml;nken,
+sondern sie waren ihnen vorher von dem Ceremonienmeister
+angewiesen worden. Toanonga behauptete
+den Ehrenplatz und sa&szlig;, den R&uuml;cken seinem Hause
+zugedreht, mit dem Gesicht der reizenden Bai zugewandt,
+die hier durch rechts und links auslaufende
+Landzungen gebildet <a name="cortex2-7" href="#corr2-7" class="corr">wurde</a>. Zu beiden Seiten dann
+von ihm ab kamen ihm zun&auml;chst die Angesehendsten
+und vom edelsten Blut, bis sich mit den geringeren
+H&auml;uptlingen der Kreis ihm gegen&uuml;ber wieder
+schlo&szlig;.</p>
+
+<p>Um die Egis aber her, und zwar so gedr&auml;ngt, da&szlig;
+sie fast deren R&uuml;cken ber&uuml;hrten, sa&szlig;en<a name="FNanchor_26_26" id="FNanchor_26_26"></a><a href="#Footnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> die &uuml;brigen
+Eingeborenen, M&auml;nner und Frauen, bunt durch
+einander, und wer dem Kreise nicht so nahe kommen
+konnte, zu h&ouml;ren was da verhandelt wurde, lie&szlig; es
+sich wenigstens von den n&auml;her Sitzenden mittheilen.</p>
+
+<p>Au&szlig;erhalb dieses fast dicht geschlossenen Kreises
+hatten die Kinder ihren Tummelplatz gew&auml;hlt, sich
+haschend und &uuml;berschlagend, und mit den nackten<span class="pagenum"><a name="Page_129" id="Page_129">[S. 129]</a></span>
+F&uuml;&szlig;en auf dem scharfen Corallensande allerlei wilde
+Lust treibend.</p>
+
+<p>Die Berathung war indessen nicht gleich von Anfang
+an so &ouml;ffentlich &ndash; wenn auch im Freien &ndash;
+verhandelt worden. Bis die Egis unter sich einig
+geworden, hatte man das Volk in ehrerbietiger Ferne
+gehalten, und erst als die Hauptsache vor&uuml;ber war,
+lie&szlig; man die Neugierigen hinzu. Wollte jedoch
+der alte Toanonga die Galerieen wieder ger&auml;umt
+haben, so brauchte er nur ein Zeichen zu geben, und
+Keiner h&auml;tte daran gedacht, sich dem Befehle zu
+widersetzen.</p>
+
+<p>Jetzt &uuml;brigens, da die gefangenen Fremden in
+Sicht kamen, wurde eine andere Ordnung n&ouml;thig, um
+sie w&uuml;rdig zu empfangen, und einer der als Constabel
+agirenden Burschen schrie deshalb den Zuh&ouml;rern zu,
+Raum zu geben. Diese mu&szlig;ten auch schon wissen,
+um was es sich handle, denn sie wichen nach rechts
+und links zur&uuml;ck, die Fronte gegen die Bai offen lassend,
+w&auml;hrend die mit dem R&uuml;cken nach dem Wasser
+zu sitzenden H&auml;uptlinge ebenfalls aufstanden.</p>
+
+<p>Gesch&auml;ftige H&auml;nde ergriffen dabei rasch ihre Matten,
+und trugen sie hinter Toanonga und die ihm zun&auml;chst
+sitzenden H&auml;uptlinge, wo sie mit ihnen eine
+zweite Reihe bildeten. Dadurch war der Raum vor<span class="pagenum"><a name="Page_130" id="Page_130">[S. 130]</a></span>
+dem alten H&auml;uptling frei geworden, an beiden Seiten
+aber kauerte die Einwohnerschaft von Monui.</p>
+
+<p>&bdquo;Mate,&ldquo; sagte da Legs, indem er seinen Hosenbund
+etwas h&ouml;her &uuml;ber die H&uuml;ften heraufzog und aus
+alter Gewohnheit &ndash; denn Tabak hatte schon lange
+Keiner von ihnen mehr &ndash; auf die Erde <a name="cortex2-8" href="#corr2-8" class="corr">spuckte</a> &ndash;
+&bdquo;die Geschichte wird feierlich &ndash; was sagest <span class="gesperrt">du</span> dazu.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mein Leben lang will ich keine Schiffsplanke
+betreten,&ldquo; murmelte Pfeife zwischen den Z&auml;hnen durch,
+&bdquo;wenn ich nicht w&uuml;nsche, da&szlig; ich hier fort w&auml;re. Da
+stehen ein paar Hundert breitschulterige Kerle herum,
+mit den Waffen vielleicht hinter den n&auml;chsten B&uuml;schen
+versteckt, was sollen wir Sechs gegen die ausrichten?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah, <span class="gesperrt">so</span> viel f&uuml;r die ganze Band',&ldquo; brummte
+der, fast um einen Kopf kleinere Matrose. &bdquo;Meinen
+Hals setz' ich zum Pfand, da&szlig; die Kerle nicht einmal
+die Courage haben, uns etwas am Zeuge zu flicken.
+Ja, wenn wir Einer oder Zwei w&auml;ren, aber einer
+ganzen Bootsmannschaft &ndash; wenn auch unserem
+Harpunier und Bootsteuerer der Hals voll Wasser
+gelaufen ist &ndash; kommen sie schon nicht zu nah.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du, der Alte f&auml;ngt an,&ldquo; fl&uuml;sterte da Pfeife, indem
+er den Kameraden in die Seite stie&szlig;, &bdquo;jetzt bin
+ich neugierig.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga hatte indessen &ndash; die H&auml;nde in voller<span class="pagenum"><a name="Page_131" id="Page_131">[S. 131]</a></span>
+Ruhe auf seinem Bauch gefaltet &ndash; die ankommenden
+Papalangis Einen nach dem Andern aufmerksam gemustert.
+Als sie aber auf Anordnung eines der
+Leute vor ihm niedergesessen oder vielmehr gekauert
+waren, und sich halb sch&uuml;chtern im Gef&uuml;hl der sie
+umgebenden Menschenmenge, halb wieder trotzig und
+im schlimmsten Falle zum &Auml;u&szlig;ersten entschlossen, im
+Kreise umsahen, nickte er ihnen mit seinem gutm&uuml;thigen
+L&auml;cheln zu und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Chio do fa, Papalangis &ndash; chio do fa!</i>&ldquo;</p>
+
+
+<h4>5.</h4>
+
+<p>Die Leute, die aus dem freundlichen Gesicht des
+Alten neuen Muth sch&ouml;pften, erwiderten den Gru&szlig;
+rasch, und dieser fuhr, den Kopf dabei langsam auf
+und ab neigend, einer in Bewegung gesetzten Pagoge
+nicht ganz un&auml;hnlich, fort:</p>
+
+<p>&bdquo;Ich habe euch rufen lassen, Freunde, um mit
+euch ein ernstes Wort &uuml;ber euch und eure Zukunft zu
+sprechen. Du da vorn, wie hei&szlig;est du gleich? &ndash;
+verstehst ja wohl unsere Sprache genug, den Anderen
+wieder zu erz&auml;hlen, was ich dir gesagt habe?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mac Kringo hei&szlig;e ich,&ldquo; erwiderte der also angeredete
+Schotte, indem er den Kopf etwas neigte.<span class="pagenum"><a name="Page_132" id="Page_132">[S. 132]</a></span>
+&bdquo;Rede nur, Toanonga; ich verstehe Alles, und es soll
+kein Wort davon verloren gehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, Freund &ndash; desto besser. So passe wohl
+auf, denn es kommt f&uuml;r euch viel darauf an, da&szlig; du
+auch eben recht verstehest.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du wei&szlig;t, unter welchen Umst&auml;nden wir euch
+auf diese Insel zur&uuml;ckbekommen haben. Es war nicht
+unser Wunsch, und wir h&auml;tten euch lieber in eurem
+gro&szlig;en Canoe fortsegeln sehen. Du wei&szlig;t auch, da&szlig;
+ihr oder euer Capitain &ndash; das bleibt sich gleich, denn
+ihr geh&ouml;rtet zusammen und standet einander bei &ndash;
+mir hier, der ich euch alle freundlich aufgenommen,
+ein gro&szlig;es Leid anthun wolltet. Das war eure
+Dankbarkeit, ich will euch das aber nicht so &uuml;bel nehmen,
+denn ihr Papalangis wi&szlig;t es vielleicht nicht
+besser, und wenn ihr erst einmal eine Zeit lang zwischen
+uns gelebt habt, werdet ihr schon gescheidtere
+und bessere Menschen werden. Trotzdem nun hat
+der wackere und tapfere <i>Tai manavachi</i>, w&auml;hrend
+er eurem b&ouml;sen Capitain mitten im Sturm seine
+Braut wieder abnahm, euch, seine Feinde, die ihr
+verungl&uuml;ckt waret, aus dem Meer gerettet und ans
+Land gebracht, und euch auch weiter nicht das geringste
+Leid zugef&uuml;gt. Er hatte eurem Capitain versprochen,
+euch ungestraft ziehen zu lassen, wenn er Hua, die<span class="pagenum"><a name="Page_133" id="Page_133">[S. 133]</a></span>
+damals noch in eurem Canoe war, kein Leid zuf&uuml;gen
+wollte, und da euer Capitain sie darauf frei lie&szlig;,
+glaubte er auch an euch sein Wort halten zu m&uuml;ssen.
+&ndash; <i>Tai manavachi</i> ist ein gro&szlig;er und edler H&auml;uptling,
+und sein gegebenes Wort war heilig. Die Hotuas
+hatten es geh&ouml;rt, und er wu&szlig;te, da&szlig; er es nicht
+brechen durfte. So &ndash; sag' jetzt deinen Freunden
+erst einmal, was ich mit dir gesprochen.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac folgte dem Befehl und &uuml;bersetzte den &Uuml;brigen
+die kurze und einfache Rede. Die Matrosen h&ouml;rten
+ihm aufmerksam zu, bis ihn Legs endlich unterbrach
+und ausrief:</p>
+
+<p>&bdquo;Schon gut, schon gut, das ist eine alte Geschichte,
+und das Meiste davon wissen wir schon. Er soll
+uns ein frisches Garn spinnen. Hol' der B&ouml;se die
+Saalbadereien!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nur Geduld, Mate!&ldquo; rief aber auch Jonas;
+&bdquo;wenn einer ein Schiff vom Stapel lassen will, mu&szlig;
+er erst sehen, ob Alles dicht und in Ordnung ist. Er
+hat jetzt die Geschichte kalfatert und Masten eingesetzt
+und Takelwerk angeschlagen. Pa&szlig; einmal auf,
+jetzt wird er die Segel setzen und 14 Knoten die
+Stunde gehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Haben sie Alles verstanden,&ldquo; fragte Toanonga.</p>
+
+<p>&bdquo;Alles,&ldquo; sagte der Schotte, der klug genug war,<span class="pagenum"><a name="Page_134" id="Page_134">[S. 134]</a></span>
+den Alten so viel als m&ouml;glich bei guter Laune zu erhalten,
+&bdquo;und sie bitten dich fortzufahren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sch&ouml;n,&ldquo; erwiderte der alte H&auml;uptling, zufrieden
+dabei mit dem Kopfe nickend: &bdquo;Ich mu&szlig; dir nun
+sagen, da&szlig; ich im Anfang gar keine Lust hatte, euch
+hier auf der Insel zu behalten. Ihr waret Kriegsgefangene
+von <i>Tai manavachi</i> und ich wollte, er
+sollte euch mit hin&uuml;ber nach Tonga nehmen. <i>Tai
+manavachi</i> hat aber ein gro&szlig;es Herz. Er sagte,
+da&szlig; seine jungen Leute sehr zornig auf euch w&auml;ren,
+und er nicht wisse, ob er dann sein Wort halten
+k&ouml;nne: euch kein Leid zuzuf&uuml;gen. &Uuml;berdies k&ouml;nnte
+er euch auch nicht gebrauchen und wolle nichts mehr
+mit euch zu thun haben.&ldquo;</p>
+
+<p>Sehr freundlich von <i>Tai manavachi</i>, dachte
+Mac Kringo, erwiderte aber laut kein Wort und verzog
+keine Miene, und der Alte fuhr nach kurzer Pause
+fort:</p>
+
+<p>&bdquo;Da ihm aber nach unseren Gesetzen nun das
+Recht &uuml;ber euch zusteht, so haben wir, die Egis des
+Landes, uns die Sache &uuml;berlegt, euch ihm abgekauft
+und beschlossen, euch hier auf Monui zu behalten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Abgekauft?</span>&ldquo; rief Mac Kringo erstaunt.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, Freund,&ldquo; sagte der Alte, ganz unbefangen und
+freundlich dabei l&auml;chelnd, &bdquo;<span class="gesperrt">abgekauft</span>. Nicht etwa,<span class="pagenum"><a name="Page_135" id="Page_135">[S. 135]</a></span>
+denn ich w&uuml;&szlig;te nicht, was ich mit euch anfangen
+sollte, sondern die Egis, und zu welchem Zwecke, will
+ich dir gleich auseinandersetzen, wenn du den &Uuml;brigen
+erst meine Worte erkl&auml;rt hast.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo that das diesmal schnell genug, denn
+die Nachricht hatte ihn selber &uuml;berrascht, Legs aber
+rief lachend aus:</p>
+
+<p>&bdquo;Da h&auml;tte ich den Alten f&uuml;r gescheidter gehalten.
+Wer <span class="gesperrt">uns</span> kauft, ist b&ouml;s angef&uuml;hrt, denn ich will verdammt
+sein, wenn ich selbst mein <span class="gesperrt">eigener Herr</span> sein
+m&ouml;chte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was wollen sie da mit uns machen?&ldquo; fragte
+Spund erschreckt; &bdquo;da sollen wir wohl <span class="gesperrt">arbeiten</span>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah!&ldquo; lachte Jonas; &bdquo;die Arbeit, die <span class="gesperrt">die</span> faulen
+Burschen hier zu verrichten haben, k&ouml;nnte man recht
+gut vor dem Fr&uuml;hst&uuml;ck fertig bringen, ehe der Kaffee
+kalt wird; &ndash; Lumpenvolk das, einen wei&szlig;en Christenmenschen
+zu <span class="gesperrt">kaufen</span>! Aber so viel wei&szlig; ich, da&szlig; ich
+mich schon dumm genug anstellen werde.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und dazu brauchst du dich auch gar nicht zu
+verstellen,&ldquo; brummte Lemon. &bdquo;So viel ist aber sicher,
+und Legs hat Recht, ich h&auml;tte die Rothh&auml;ute auch
+f&uuml;r gescheidter gehalten, als da&szlig; sie Kerle wie Spund
+und Pfeife kauften.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na, sei du nur &ndash;&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_136" id="Page_136">[S. 136]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Ruhig!&ldquo; unterbrach aber Mac Kringo die Kameraden;
+&bdquo;ist das jetzt eine Zeit zum Necken? H&ouml;rt
+erst, was der Alte weiter zu sagen hat, nachher k&ouml;nnen
+wir dar&uuml;ber reden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Was</span> sagen sie?&ldquo; fragte Toanonga.</p>
+
+<p>&bdquo;Sie lassen dich nur bitten, fortzufahren,&ldquo; erwiderte
+Mac Kringo.</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, sehr gut,&ldquo; nickte der Alte wieder, w&auml;hrend
+jetzt besonders die Frauen unter den Zuh&ouml;rern sich
+vordr&auml;ngten, als ob sie kein Wort von dem verlieren
+wollten, was da verhandelt w&uuml;rde. &bdquo;Die Egis haben
+euch also, wie ich dir schon vorher erz&auml;hlt, gekauft,
+und eigentlich blieb ihm nichts Anderes &uuml;brig; denn
+was sollten wir mit euch machen? ihr habt keinen
+Tabak, keine Glasperlen, keine Beile, kein Zeug, f&uuml;r
+das wir euch zu einer weiten Seefahrt ausr&uuml;sten
+k&ouml;nnten, und ihr werdet doch wohl einsehen, da&szlig; wir
+euch das nicht auch noch obendrein schenken k&ouml;nnen,
+weil ihr eines Egi Tochter habt entf&uuml;hren wollen und
+dabei verungl&uuml;ckt seid.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber wir k&ouml;nnen uns vielleicht selber ein Boot
+bauen oder ein Canoe aushauen,&ldquo; unterbrach ihn jetzt
+Mac Kringo, dem der Gedanke nicht recht behagen
+wollte, den rothen Gesellen k&auml;uflich &uuml;berlassen zu
+sein.<span class="pagenum"><a name="Page_137" id="Page_137">[S. 137]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Womit?&ldquo; fragte ihn aber ganz trocken der
+Alte. &bdquo;Habt ihr selber Beile? Habt ihr Segel und
+Ruder? Habt ihr Proviant? Nein, Freund; wir
+haben schon Schaden genug durch euch gelitten und
+wollen jetzt auch einigen Nutzen aus euch ziehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber was sollen wir thun?&ldquo; fragte der Schotte
+ungeduldig.</p>
+
+<p>&bdquo;Das wirst du gleich h&ouml;ren,&ldquo; lautete die ruhige
+Antwort des Alten. &bdquo;Die Egis haben euch allerdings
+gekauft, aber mit G&uuml;tern, die dem Lande selber
+geh&ouml;ren, deshalb k&ouml;nnen sie auch nicht und wollen sie
+nicht eure Dienste f&uuml;r <span class="gesperrt">sich</span> in Anspruch nehmen.
+Krieg haben wir jetzt nicht; wir leben mit allen benachbarten
+Inseln in Frieden, und <i>Tai manavachi</i>
+ist unser m&auml;chtiger Bundesgenosse geworden. W&auml;re
+das nicht der Fall, so w&uuml;rden wir euch vielleicht in
+unseren Canoes verwenden k&ouml;nnen, deren Behandlung
+ihr bald lernen w&uuml;rdet. &Uuml;berhaupt seid ihr Wei&szlig;en
+entsetzlich unwissende Menschen, f&uuml;r die es ein gro&szlig;es
+Gl&uuml;ck ist, da&szlig; sie nach unserer Insel gekommen sind
+&ndash; ihr k&ouml;nnt nicht einmal Fische fangen. Doch das
+alles werdet ihr wohl nach und nach begreifen, wenn
+ihr erst einmal selber f&uuml;r euch und die Euren sorgen
+m&uuml;&szlig;t.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn wir das aber alles nicht k&ouml;nnen und<span class="pagenum"><a name="Page_138" id="Page_138">[S. 138]</a></span>
+verstehen,&ldquo; brummte Mac Kringo, &bdquo;was wollt ihr
+denn mit uns machen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du bist entsetzlich ungeduldig,&ldquo; sagte Toanonga,
+&bdquo;ich war ja eben im Begriff, dir das zu erkl&auml;ren.
+Vor allen Dingen wollte ich dir nur erst begreiflich
+machen, da&szlig; wir uns den Kopf zerbrochen haben, euch
+eine ordentliche Stellung hier anzuweisen, und ich
+selber habe da endlich einen Vorschlag gemacht, dem
+die anderen Egis nach reiflicher &Uuml;berlegung beigepflichtet
+sind. Unser Entschlu&szlig; deshalb ist der folgende:
+Auf Monui leben, seit unsrem letzten Krieg
+im vorigen Jahre, einige Frauen ohne M&auml;nner. Diese
+haben also auch niemanden mehr, der f&uuml;r sie sorgt,
+und mu&szlig;ten deshalb von den Egis oder vielmehr von
+dem Lande selber erhalten werden. Unter unsern Einwohnern
+hat sich aber bis jetzt noch niemand gefunden,
+der sie wieder heirathen wollte; der M&auml;nner sind auch
+durch die vielen Kriege weniger geworden, und diese
+Frauen begannen f&uuml;r uns eine Last zu werden.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo hatte die Einleitung in immer wachsendem
+Staunen zugeh&ouml;rt, denn er begriff gar nicht,
+was ihre Verh&auml;ltnisse mit dem der Wittwen auf Monui
+zu thun haben k&ouml;nnten. Eben so wu&szlig;te er recht
+gut, da&szlig; in diesem gesegneten Lande niemand dem
+Andern zur Last sein <span class="gesperrt">konnte</span>, denn wo die Leute eben<span class="pagenum"><a name="Page_139" id="Page_139">[S. 139]</a></span>
+so gen&uuml;gsam von Brotfrucht und Wasser oder Cocosn&uuml;ssen
+lebten und von allem diesem &uuml;brig genug f&uuml;r
+s&auml;mmtliche Bewohner war, konnte auch von keinem
+Nahrungsmangel die Rede sein. Er sch&uuml;ttelte deshalb
+ungl&auml;ubig mit dem Kopf und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;Hatten sie denn keine Brotfrucht, die sie essen,
+keine Fische, die sie fangen konnten?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du verstehst mich nicht,&ldquo; erwiderte ruhig Toanonga.
+&bdquo;Zu essen haben sie allerdings genug, Dank
+den Hotuas<a name="FNanchor_27_27" id="FNanchor_27_27"></a><a href="#Footnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a>, die unsere Inseln mit Allem reichlich
+gesegnet haben. Frauen verlangen aber nicht blo&szlig;
+zu essen, sie m&uuml;ssen auch einen Besch&uuml;tzer haben, denn
+sie f&uuml;rchten sich, allein in ihren H&uuml;tten zu wohnen.
+Wir haben ihnen deshalb bis jetzt ein gro&szlig;es Haus
+einger&auml;umt, in dem sie zusammen leben konnten, aber
+sie wollten sich dort nicht mit einander vertragen.
+Sie haben sich gezankt und Streitigkeiten unter
+einander angefangen, die dann von den Egis wieder
+geschlichtet werden mu&szlig;ten, und es ist kein Friede
+zwischen ihnen geworden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Segne meine Seele,&ldquo; knurrte Lemon, &bdquo;das ist
+ein langer Palaver, und mir schlafen die Beine schon
+ein. Was sagt er, Lord Douglas?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_140" id="Page_140">[S. 140]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Pst &ndash; warte nur noch einen Augenblick,&ldquo; beschwichtigte
+ihn der Schotte, der zu begreifen begann,
+was man von ihnen verlange, und ein heimliches Lachen
+kaum unterdr&uuml;cken konnte.</p>
+
+<p>&bdquo;Damit das anders werde,&ldquo; fuhr Toanonga langsam
+und bed&auml;chtig fort, &bdquo;haben wir <span class="gesperrt">euch</span> ausersehen,
+und eurem Schutz sollen diese Frauen &uuml;bergeben werden.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo glaubte noch immer, der Alte wollte
+sich einen Spa&szlig; mit ihnen machen; dazu aber sah er
+doch viel zu ernsthaft aus, und er fragte jetzt, immer
+noch seinen Ohren nicht recht trauend &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Wir?</span>&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, <span class="gesperrt">Ihr</span>,&ldquo; erwiderte Toanonga, gravit&auml;tisch mit
+dem Kopfe nickend. &bdquo;<span class="gesperrt">Ihr</span> sollt sie <span class="gesperrt">heirathen</span>,
+dann zieht ihr Jeder wieder in ein besonderes Haus,
+und der ewige Scandal h&ouml;rt einmal auf. Es ziemt
+sich auch nicht, da&szlig; die Frauen die Felder bestellen,
+<i>gumala</i> und <i>ufi</i><a name="FNanchor_28_28" id="FNanchor_28_28"></a><a href="#Footnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a> darin zu ziehen. Das ist des
+Mannes Sache, und ihr werdet das fortan &uuml;bernehmen.
+Du wei&szlig;t jetzt unseren Willen und wirst
+ihn deinen Freunden mittheilen. Hast du mich verstanden?&ldquo;</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_141" id="Page_141">[S. 141]</a></span></p>
+<p>&bdquo;Gewi&szlig;,&ldquo; rief Mac Kringo rasch, und mu&szlig;te an
+sich halten, da&szlig; er nicht gerade hinaus lachte, denn
+die Sache kam ihm doch zu komisch vor.</p>
+
+<p>&bdquo;Was will er?&ldquo; fragte aber jetzt auch Spund,
+der sich vor Neugierde kaum lassen konnte.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, Messmates,&ldquo; redete da Mac Kringo die
+Kameraden an, indem er sich gegen sie wandte und so
+ernsthaft wie nur irgend m&ouml;glich dabei auszusehen
+versuchte, &bdquo;jetzt <span class="gesperrt">ist</span> die Bombe endlich geplatzt, und
+so viel kann ich euch vor der Hand sagen: geh&auml;ngt
+werden wir <span class="gesperrt">nicht</span>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber was ist's? &ndash; was will das alte dicke
+Rothfell? &ndash; wozu haben sie uns gekauft?&ldquo; fragten
+die &Uuml;brigen durch einander.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, es ist freilich was Erschreckliches,&ldquo; schmunzelte
+Mac Kringo, indem er die ziemlich abgerissene
+Schaar vor sich &uuml;berblickte, &bdquo;und wenn man euch hier
+nach einander ansieht, sollte man eigentlich kaum glauben,
+da&szlig; ihr recht dazu passen w&uuml;rdet.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na, zum Teufel, Lord Douglas,&ldquo; rief jetzt aber
+auch Jonas, den bei der langen Vorbereitung schon
+ganz unheimlich zu Muthe wurde &ndash; &bdquo;so schie&szlig; einmal
+los! Was sollen wir denn thun?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wir sollen <span class="gesperrt">heirathen</span>,&ldquo; antwortete Mac Kringo
+mit einem so ernsthaften Gesicht, als ihm das irgend<span class="pagenum"><a name="Page_142" id="Page_142">[S. 142]</a></span>
+m&ouml;glich war; die f&uuml;nf Seelen brachen aber in ein
+schallendes Gel&auml;chter aus, das, merkw&uuml;rdiger Weise,
+auch die als Zuschauer umherkauernden Indianer
+anstecken mu&szlig;te. Was sich wenigstens an jungen
+M&auml;nnern dort hinzugedr&auml;ngt, stimmte pl&ouml;tzlich aus
+vollem Herzen in das Lachen mit ein, und die bis zu
+diesem Augenblicke noch so ernste Rathsversammlung
+schien in diesem Ausbruch unerwarteter Fr&ouml;hlichkeit
+ihren ganzen Respect zu verlieren.</p>
+
+<p>Da hob Toanonga den Arm empor, und w&auml;hrend
+die Insulaner augenblicklich schwiegen, f&uuml;hlten selbst
+die Seeleute, da&szlig; sie den alten H&auml;uptling, in dessen
+Gewalt sie sich doch nun einmal befanden, nicht &auml;rgerlich
+machen durften.</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du deinen Freunden gesagt, was ich dir mitgetheilt?&ldquo;
+fragte der Alte &ndash; &bdquo;und weshalb lachen sie?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sie freuen sich, da&szlig; du so gn&auml;dig mit ihnen verfahren
+willst,&ldquo; erwiderte Mac Kringo, rasch gefa&szlig;t.
+&bdquo;Es gef&auml;llt ihnen hier auf der Insel, und sie wollen
+gern bei euch bleiben. Die Hauptsache freilich, da&szlig;
+du uns jetzt die Frauen zeigest, die wir nehmen sollen,
+damit wir unsere Wahl treffen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist gut &ndash; das hat noch Zeit,&ldquo; erwiderte der
+H&auml;uptling. &bdquo;Vor allen Dingen m&ouml;chte ich erfahren,
+wer ihr eigentlich selber seid.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_143" id="Page_143">[S. 143]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Wir?</span>&ldquo; sagte Mac Kringo erstaunt &ndash; &bdquo;nun,
+Seeleute.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja &ndash; das wei&szlig; ich,&ldquo; erwiderte Toanonga,
+&bdquo;denn ihr seid alle auf dem gro&szlig;en Canoe gekommen.
+Aber ich wei&szlig; auch, da&szlig; ihr auf euren Canoes verschiedene
+Besch&auml;ftigungen habt. Euer Capitain hat
+mir erz&auml;hlt, da&szlig; es Unterh&auml;uptlinge darauf gibt, dann
+aber auch Leute, die das Holz bearbeiten und Boote
+machen, solche, die gro&szlig;e F&auml;sser arbeiten, solche, die
+Eisen h&auml;mmern, solche, die mit Tauen und Segeln
+umzugehen wissen, und so weiter; Was seid <span class="gesperrt">ihr</span>
+also? Was bist <span class="gesperrt">du</span> gewesen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Ich?</span>&ldquo; erwiderte Mac Kringo, der recht gut
+einsah, da&szlig; er sich hier in den Augen der Eingeborenen,
+ohne da&szlig; seine Kameraden das Geringste davon zu erfahren
+brauchten, einen h&ouml;heren Rang und dadurch
+mehr Ansehen geben konnte. &bdquo;<span class="gesperrt">Ich</span> war ein Unterh&auml;uptling.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das habe ich mir gedacht,&ldquo; sagte Toanonga,
+&bdquo;und die Anderen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hm,&ldquo; brummte der Schotte, &bdquo;das m&ouml;gen sie dir
+lieber selber sagen,&ldquo; und sich dann zu den Kameraden
+wendend, &uuml;bersetzte er ihnen rasch, da&szlig; der Alte ihren
+Stand am Bord zu wissen w&uuml;nsche.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, ich bin B&ouml;ttcher!&ldquo; rief Spund.<span class="pagenum"><a name="Page_144" id="Page_144">[S. 144]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Allerdings,&ldquo; nickte Mac Kringo &ndash; &bdquo;der hier,
+Toanonga, ist der Mann, der die gro&szlig;en F&auml;sser
+macht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut &ndash; sehr gut!&ldquo; rief der H&auml;uptling, &bdquo;er mag
+deren hier f&uuml;r uns machen, Cocosnu&szlig;&ouml;l hinein zu
+thun &ndash; und weiter?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du, Jonas<a name="cortex2-9" href="#corr2-9" class="corr">,</a> hast dem Zimmermann ja manchmal
+geholfen,&ldquo; redete diesen der Schotte an. &bdquo;Soll ich
+dich als Zimmermann auff&uuml;hren? die Rothh&auml;ute
+haben nachher mehr Respect.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Meinetwegen,&ldquo; antwortete Jonas, &bdquo;viel zu zimmern
+werde ich hier doch nicht bekommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und dies, Toanonga,&ldquo; sagte der Schotte, &bdquo;ist der
+Mann, der das Holz behaut.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sehr gut! La&szlig; die Zwei bei Seite sitzen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, Lemon,&ldquo; wandte sich der Schotte jetzt an
+diesen, &bdquo;soll ich dich als Schmied vorstellen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schmied,&ldquo; brummte der Matrose, &bdquo;ich habe in
+meinem Leben keinen Hammer in der Hand gehabt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was thut das,&ldquo; lachte Mac Kringo, &bdquo;du wirst
+auch hier weder Hammer noch Ambo&szlig; finden, um
+dadurch in Verlegenheit zu kommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dann meinetwegen,&ldquo; sagte Lemon, &bdquo;so lange sie
+kein Handwerkszeug haben, will ich wohl ihr Schmied
+sein, wenn sie dann nur Frieden geben.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_145" id="Page_145">[S. 145]</a></span></p>
+
+<p>Toanonga wurde jetzt also auch mit dieser neuen
+Eigenschaft bekannt gemacht, schien sich aber &uuml;ber eine
+solche Entdeckung noch mehr zu freuen, als &uuml;ber die
+anderen Handwerker. Er machte sogar Miene, von
+seinem Sitze aufzustehen, besann sich aber doch noch
+in Zeiten, da&szlig; sich das nicht recht f&uuml;r ihn schicken
+w&uuml;rde. Dem also entdeckten Schmiede winkte er
+jedoch sehr gn&auml;dig mit der Hand und befahl ihm, als
+besondere Auszeichnung, da&szlig; er an seine Seite k&auml;me.</p>
+
+<p>Lemon wu&szlig;te nicht recht, was er aus der ganzen
+Sache machen solle, und schnitt ein bitterb&ouml;ses Gesicht,
+folgte aber nichts desto weniger dem Befehle.</p>
+
+<p>Fast alle Matrosen sind halbe Segelmacher, und
+Pfeife wurde deshalb von dem Schotten als solcher
+vorgestellt. Jetzt blieb also nur noch Legs f&uuml;r ein
+selbst zu erw&auml;hlendes Metier, und da die Leute gemerkt
+hatten, da&szlig; ihnen das mehr Ansehen gab,
+wollte nat&uuml;rlich Keiner mehr gemeiner Matrose sein.</p>
+
+<p>&bdquo;Hol's der Henker,&ldquo; sagte Legs, &bdquo;wenn ihr Alles
+weggenommen habt, bleibt nichts weiter f&uuml;r mich
+&uuml;brig, wie Koch. Stell mich dem alten runzeligen
+Rothfell deshalb als Koch vor, Lord Douglas.&ldquo;</p>
+
+<p>Das geschah; diese Entdeckung schien aber die
+beabsichtigte Wirkung nicht hervorzubringen; denn
+Toanonga sah den kleinen Burschen mit einem halb<span class="pagenum"><a name="Page_146" id="Page_146">[S. 146]</a></span>
+mitleidigen, halb geringsch&auml;tzigen Blicke an und
+wiederholte mehrmals das ihm von Mac Kringo genannte
+Gesch&auml;ft des Mannes:</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Tangata fe-umu, Tangata fe-umu</i>,&ldquo; wobei er
+den dicken Kopf von einer Schulter auf die andere
+warf.</p>
+
+<p>&bdquo;Na? steht das dem Alten nicht an,&ldquo; fragte
+Legs, etwas best&uuml;rzt &uuml;ber diese augenscheinlichen Beweise
+des Mi&szlig;fallens &ndash; &bdquo;was schneidet er denn f&uuml;r
+Gesichter?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; nur gehen, Legs,&ldquo; beschwichtigte ihn aber der
+Schotte, &bdquo;ob es ihm recht ist oder nicht, bleibt sich
+gleich. Er wei&szlig; nun alles, was er wissen will, und
+jetzt, denke ich, werden uns die Frauen vorgef&uuml;hrt
+werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Ich</span> wei&szlig;, wen ich nehme,&ldquo; schmunzelte da Legs,
+der an das wundersch&ouml;ne M&auml;dchen dachte, das er
+drau&szlig;en im Wasser gefunden. &bdquo;Nachher kann ich's
+hier schon eine Weile auf der Insel aushalten. Wenn
+wir nur Tabak h&auml;tten!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sprich mir nur nicht von Tabak,&ldquo; brummte
+Spund, &bdquo;ich bin froh, wenn ich ihn einmal einen
+Augenblick vergessen habe. Wie ich das Wort nur
+nennen h&ouml;re, l&auml;uft mir das Wasser schon im Maul
+zusammen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_147" id="Page_147">[S. 147]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, da kommen die Frauen!&ldquo; rief Legs, der
+indessen &uuml;berall umher geschaut hatte, das M&auml;dchen
+von gestern unter der Schaar heraus zu finden, sie
+aber bis dahin noch nicht entdecken konnte, &bdquo;na, nu
+wird's losgehen.&ldquo;</p>
+
+
+<h4>6.</h4>
+
+<p>Legs hatte ganz recht gesehen. Unter den Frauen
+entstand in diesem Augenblicke eine auffallend lebhafte
+Bewegung, und w&auml;hrend bis dahin die M&auml;nner
+haupts&auml;chlich den innern Ring der Zuschauer gebildet
+hatten, dr&auml;ngte sich jetzt der weibliche Theil der Bev&ouml;lkerung
+vor, um an der Verhandlung und ihrem
+weiteren Verfolge vielleicht th&auml;tigen Antheil zu
+nehmen.</p>
+
+<p>Jedenfalls geschah dieses auf ein Zeichen, vielleicht
+auf einen Befehl Toanonga's, der indessen seine Augen
+aufmerksam im Kreise umhergehen lie&szlig; und die
+ihm n&auml;her dr&auml;ngenden Frauen zu mustern schien.
+War das wirklich der Fall gewesen, so kam er damit
+bald zu einem Resultate; denn er sah nach wenigen
+Minuten schon wieder still und nachdenkend vor sich
+nieder, nur dann und wann nach den Egis hin&uuml;berhorchend,
+die indessen eine desto lebhaftere Debatte
+f&uuml;hrten.<span class="pagenum"><a name="Page_148" id="Page_148">[S. 148]</a></span></p>
+
+<p>Sie sprachen aber so rasch, da&szlig; Mac Kringo nur
+einzelne Worte davon verstehen konnte. Der alte
+How oder K&ouml;nig schien jedoch mit allem, was sie sagten,
+einverstanden; nur einmal protestirte er, und
+die Sache mu&szlig;te den neben ihm sitzenden Lemon betreffen,
+auf den er wiederholt deutete. Lemon merkte
+ebenfalls etwas &Auml;hnliches, und der m&uuml;rrische Blick,
+mit dem er den Alten betrachtete, hatte etwas unendlich
+Komisches. Toanonga nahm aber weiter nicht
+die geringste Notiz von ihm, und die &uuml;brigen Egis
+schienen sich endlich seiner ausgesprochenen Meinung
+zu f&uuml;gen.</p>
+
+<p>&bdquo;Ma Kino,&ldquo; sagte da pl&ouml;tzlich der Alte, indem
+er sich an den Schotten wandte, &bdquo;ich und die Egis
+sind dar&uuml;ber einig geworden, wie sie euch versorgen
+wollen, und ich will dich kurz mit ihrem Entschlu&szlig;
+bekannt machen, welche Frauen euch zugetheilt werden
+sollen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Zugetheilt?&ldquo; fragte der Schotte rasch, &bdquo;das ist
+in unserem Lande nicht Sitte und meine Kameraden
+sind v&ouml;llig damit einverstanden, da&szlig; wir uns lieber
+die, welche uns am besten gefallen, aussuchen wollen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das glaube ich euch recht gern,&ldquo; sagte der alte
+Toanonga gutm&uuml;thig, w&auml;hrend die zun&auml;chst sitzenden
+Frauen unter einander kicherten und fl&uuml;sterten.<span class="pagenum"><a name="Page_149" id="Page_149">[S. 149]</a></span>
+&bdquo;Wenn aber hier &uuml;berhaupt eine <span class="gesperrt">Wahl</span> Statt finden
+sollte, so w&auml;ren es unsere <span class="gesperrt">Frauen</span>, die dazu ein Recht
+h&auml;tten. Von <span class="gesperrt">euch</span> kann gar keine Rede sein. Da die
+Frauen aber in Gesch&auml;ftssachen sehr kurzsichtig sind,
+und die M&auml;nner f&uuml;r sie denken m&uuml;ssen, so haben die
+Egis das &uuml;bernommen, und du wirst jetzt h&ouml;ren, was
+wir dar&uuml;ber beschlossen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber meine Kameraden werden damit nicht einverstanden
+sein,&ldquo; warf Mac Kringo ein.</p>
+
+<p>&bdquo;Bah &ndash; ich habe dich f&uuml;r einen vern&uuml;nftigen
+Papalangi gehalten,&ldquo; sagte kopfsch&uuml;ttelnd der Alte.
+&bdquo;Was wollt ihr denn thun? &ndash; haben wir euch nicht
+gekauft? &ndash; K&ouml;nnten wir euch nicht die Sch&auml;del einschlagen,
+wenn wir sonst Lust dazu h&auml;tten, und habt
+ihr das etwa nicht auch verdient? &ndash; Wer k&uuml;mmerte
+sich hier um euch, wenn wir euch in ein durchl&ouml;chertes
+Canoe setzten und euch hinaus in die Bai ziehen lie&szlig;en,
+dort nach Gefallen zu sinken oder zu schwimmen,
+he? also sprich nicht solch dummes Zeug und sei gescheidt.
+Wenn <span class="gesperrt">ihr</span> etwas an der Sache &auml;ndern k&ouml;nntet,
+so h&auml;tten wir euch um Rath gefragt. Da das
+nicht der Fall war, so habt ihr f&uuml;r jetzt weiter nichts
+zu thun als zu gehorchen.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Alte sprach diese Worte mit seiner gewohnten,
+gutm&uuml;thigen Freundlichkeit, aber doch auch mit so<span class="pagenum"><a name="Page_150" id="Page_150">[S. 150]</a></span>
+viel Entschiedenheit im Ton, da&szlig; Mac Kringo bald
+merkte, wie sie mit ihm und den Eingeborenen &uuml;berhaupt
+standen. Die Schaar der Insulaner war sich,
+den unbewaffneten Wei&szlig;en gegen&uuml;ber, ihres &Uuml;bergewichts
+wohl bewu&szlig;t, und an Widersetzlichkeit von ihrer
+Seite war in der That nicht zu denken. Klug genug
+also, die nicht f&uuml;r den Augenblick zu reizen, die einmal die
+Gewalt in H&auml;nden hatten, beschlo&szlig; Mac Kringo, sich
+vor der Hand allem zu f&uuml;gen, was sie &uuml;ber ihn und
+die Kameraden verh&auml;ngen w&uuml;rden. Mit der Zeit
+kam dann auch Rath, und sie fanden vielleicht Mittel
+und Wege, sich einer ihnen l&auml;stig werdenden Gefangenschaft
+zu entziehen.</p>
+
+<p>Toanonga k&uuml;mmerte sich indessen wenig um das,
+was sein Dolmetscher etwa denken oder beabsichtigen
+mochte. Er hatte ihn mit dem Willen der Egis, der
+vor allen Dingen auch der seinige war, bekannt gemacht,
+und da&szlig; der durchgef&uuml;hrt werden mu&szlig;te, verstand
+sich von selbst.</p>
+
+<p>&bdquo;Ma Kino,&ldquo; begann er deshalb nach kurzer
+Pause, denn das Wort Mac Kringo konnte er nicht
+gut aussprechen, indem er den vor ihm sitzenden
+Schotten fest und scharf ansah, &bdquo;du bist, wie du sagst,
+auf eurem gro&szlig;en Canoe ein Egi gewesen, und es ist
+deshalb auch in der Ordnung, da&szlig; mit dir der Anfang<span class="pagenum"><a name="Page_151" id="Page_151">[S. 151]</a></span>
+gemacht wird. Die Anderen kommen nachher in der
+Reihenfolge, die ihnen geb&uuml;hrt. Da du nun unsere
+Sprache verstehst, gedenke ich dich in meiner N&auml;he zu
+behalten, welcher Ehre du dich hoffentlich w&uuml;rdig
+machen wirst, und zu dem Zweck und um dich auch
+zugleich recht wohnlich bei uns einzurichten, habe ich
+dir eine passende Frau bestimmt, die du gut behandeln
+und f&uuml;r die du sorgen wirst. Hast du mich
+verstanden?&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo nickte schweigend mit dem Kopf, denn
+der Alte fing an, ihm in seiner Ruhe und Bestimmtheit
+zu imponiren. Die Ver&auml;nderung fiel ihm auch
+auf, wie sich Toanonga jetzt und damals benahm,
+als ihr Capitain noch mit seiner ganzen Schiffsmannschaft
+hier lag. Damals war er ihnen weit
+mehr als Freund und guter Bursche entgegengekommen,
+w&auml;hrend er jetzt, von seinem ganzen Stamme
+umgeben und den wenigen Wei&szlig;en gegen&uuml;ber, nicht
+ernst und w&uuml;rdevoll genug aussehen konnte. Doch
+das alles zuckte ihm nur in fl&uuml;chtigen Gedanken durch
+das Hirn, denn der gegenw&auml;rtige Moment war f&uuml;r
+ihn selber viel zu entscheidend, um sich mit anderen
+Beobachtungen aufzuhalten.</p>
+
+<p>Toanonga winkte n&auml;mlich einer Frau, die, nicht
+mehr ganz jung, aber doch noch in den besten Jahren,<span class="pagenum"><a name="Page_152" id="Page_152">[S. 152]</a></span>
+den Kopf gebeugt, in dem vorderen Ringe sa&szlig;. Auf
+das Zeichen, das sie unter den gesenkten Augenlidern
+vor gesehen haben mu&szlig;te, richtete sich aber etwas auf
+und sah Toanonga an. &ndash; Mac Kringo war f&uuml;r sie
+gar nicht da.</p>
+
+<p>&bdquo;Mefo Hupe,&ldquo; sagte Toanonga, die Frau anredend,
+&bdquo;du bekommst hier einen Versorger. Ma
+Kino wird mit dir in deine H&uuml;tte ziehen und das Feld
+f&uuml;r dich und deine Kinder bearbeiten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Deine Kinder?&ldquo; rief der Schotte erstaunt, w&auml;hrend
+die Frau wieder, als Zeichen des Gehorsams,
+den Kopf senkte, &bdquo;sind denn Kinder auch dabei?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Allerdings,&ldquo; erwiderte freundlich der alte How,
+&bdquo;und um so viel besser f&uuml;r dich, denn du hast gleich
+eine Familie, in der du zu Hause bist. Mefo Hupe
+war die Frau eines tapferen Egi's, Luttanaki mit
+Namen, der in dem letzten Kampfe gegen die <a name="cortex2-10" href="#corr2-10" class="corr">Hapai-Leute</a>
+get&ouml;dtet wurde. Er hatte vorher sieben <a name="cortex2-11" href="#corr2-11" class="corr">Hapai-Krieger</a>
+mit eigener Hand erschlagen; du wirst deshalb
+nicht verfehlen, die Frau ehrerbietig zu behandeln.
+Geh jetzt in deine Wohnung, Mefo Hupe, und
+bereite dich zu der &uuml;blichen Feierlichkeit vor.&ldquo;</p>
+
+<p>Die Frau stand auf und verlie&szlig;, ohne auch nur
+einen Blick auf ihren k&uuml;nftigen Gatten zu werfen, die
+Versammlung, und Mac Kringo wu&szlig;te wirklich kaum,<span class="pagenum"><a name="Page_153" id="Page_153">[S. 153]</a></span>
+ob das hier alles nur ein Scherz sein sollte, oder ob
+die Insulaner wirklich Ernst machten. An dem Letzteren
+brauchte er aber kaum zu zweifeln, denn Toanonga
+sah gar nicht wie Spa&szlig;en aus. Wie er sich
+aber noch &uuml;berlegte, ob es nicht vielleicht schicklich
+w&auml;re, da&szlig; er wenigstens ein paar Worte mit seiner
+k&uuml;nftigen Frau spr&auml;che, wandte sich der Alte schon
+wieder an ihn, und zwar um zwischen ihm und dem
+jetzt an die Reihe kommenden Lemon zu dolmetschen.</p>
+
+<p>Nun war dem How oder K&ouml;nig dieser Insel
+nichts erw&uuml;nschter, als einen Schmied unter den
+Papalangis gefunden zu haben; denn den gro&szlig;en
+Nutzen, den ihnen eiserne Werkzeuge gew&auml;hrten, hatte
+er schon lange kennen gelernt. Diesen beschlo&szlig; er deshalb
+auch unter seine ganz besondere Protection zu
+nehmen und f&uuml;r sich selber zu benutzen. Da&szlig; ein
+Schmied auch Werkzeug haben mu&szlig;, ehe er eine Arbeit
+liefern kann, fiel ihm nicht ein. Der Fremde
+war nun einmal ein Schmied, und damit die Sache
+abgethan.</p>
+
+<p>F&uuml;r Lemon hatte er deshalb auch eine der j&uuml;ngsten
+zu vergebenden Frauen bestimmt, und Mac
+Kringo mu&szlig;te ihn mit dem seiner harrenden Gl&uuml;cke
+bekannt machen. Toanonga erstaunte aber nicht
+wenig, als der Matrose, der die ganze Sache immer<span class="pagenum"><a name="Page_154" id="Page_154">[S. 154]</a></span>
+noch f&uuml;r einen schlechten Spa&szlig; hielt und m&uuml;rrischer
+als je war, ein Gesicht zu der Er&ouml;ffnung schnitt, als
+ob er den Dolmetscher h&auml;tte umbringen k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>&bdquo;Unsinn!&ldquo; knurrte er dabei, &bdquo;la&szlig; dich doch nicht
+von dem alten Rothfell zum Narren haben, Lord
+<a name="cortex2-12" href="#corr2-12" class="corr">Douglas</a>!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber er ist in vollem Ernst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah &ndash; Dummheiten &ndash; sag ihm nur, ich wollte
+keine Frau haben. Erstlich m&ouml;cht' ich &uuml;berhaupt
+nicht heirathen, und dann &ndash; h&auml;tte ich auch schon zwei
+Frauen in England.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Zwei?&ldquo; rief der Schotte &uuml;berrascht.</p>
+
+<p>&bdquo;Na, wenn die Erste nicht in der Zeit gestorben,&ldquo;
+brummte der sauert&ouml;pfische Gesell &ndash; &bdquo;ich habe mich
+wenigstens nie darum bek&uuml;mmert, und wei&szlig; jetzt nicht
+einmal wo meine <span class="gesperrt">zweite</span> ist.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was sagt er,&ldquo; fragte Toanonga, der sich den
+sichtbaren Unwillen des Fremden nicht erkl&auml;ren
+konnte.</p>
+
+<p>&bdquo;Hm,&ldquo; meinte Mac Kringo &ndash; &bdquo;er &ndash; er sagt, er
+h&auml;tte schon eine Frau, und nach unseren Gesetzen
+d&uuml;rfen wir nicht mehr nehmen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Oh &ndash; weiter nichts?&ldquo; lachte Toanonga gutm&uuml;thig,
+&bdquo;da sag' ihm nur, da&szlig; er sich deshalb keine
+Sorgen mache, denn hier sind wir auf Monui, und<span class="pagenum"><a name="Page_155" id="Page_155">[S. 155]</a></span>
+ich selber habe <span class="gesperrt">neun</span> Frauen. Doch das findet sich
+alles; ich erlaube ihm, da&szlig; er die Frau nimmt, die
+ich ihm gebe, und an das Andere hat er sich nicht zu
+kehren. Au&szlig;erdem wird er seine H&uuml;tte auf meinem
+Grund und Boden haben und unter meinem ganz besonderen
+Schutze stehen. Sag' ihm das!&ldquo;</p>
+
+<p>Die zweite Frau stand auf ein Zeichen Toanonga's
+ebenfalls auf und verlie&szlig; den Kreis. Lemon aber,
+den Mac Kringo den neuen und versch&auml;rften Befehl
+&uuml;bersetzt hatte, konnte von dem Schotten nur mit
+M&uuml;he beruhigt werden, da&szlig; er sich hier nicht gleich
+vor der ganzen Versammlung widersetzte. Die ihm
+bestimmte Frau hatte er nicht einmal angesehn.</p>
+
+<p>Toanonga aber nahm weiter keine Notiz von ihm,
+da er noch die Verlobungen der vier anderen Wei&szlig;en
+zu beseitigen hatte. Mit diesen verfuhr er jedoch
+ziemlich summarisch, wenigstens nahm er Jonas,
+Pfeife und Spund zusammen, zeigte dabei auf drei
+neben ihm sitzende Frauen, von denen zwei kleine Kinder
+auf dem Schoo&szlig; hatten, und lie&szlig; die drei Matrosen
+durch Mac Kringo bedeuten, da&szlig; sie dieselben zu
+Frauen bekommen sollten, wie sie gerade in der
+Reihe s&auml;&szlig;en. Als Empfehlung wahrscheinlich bemerkte
+er nur nebenbei, da&szlig; die eine vier, die andere
+drei und die dritte f&uuml;nf Kinder habe.<span class="pagenum"><a name="Page_156" id="Page_156">[S. 156]</a></span></p>
+
+<p>Auf eine Antwort der betreffenden Personen wartete
+er ebenfalls nicht. Kam es doch hier nur darauf
+an, da&szlig; er eben seinen Willen kund that und die verschiedenen
+Partieen gewisser Ma&szlig;en einander vorstellte.</p>
+
+<p>Jetzt war nur noch Legs &uuml;brig, der bis dahin vergebens
+gesucht hatte, Mac Kringo zu bewegen, ein gut
+Wort f&uuml;r ihn in Betreff des M&auml;dchens einzulegen,
+das er mit vielem Vergn&uuml;gen heirathen wolle. Mac
+Kringo aber war bis dahin von Toanonga viel zu sehr
+in Anspruch genommen worden, ihm willfahren zu
+k&ouml;nnen und erst jetzt, da der alte H&auml;uptling den
+sechsten Mann fast vergessen zu haben schien, hielt
+er es an der Zeit, die Aufmerksamkeit des Alten auf
+ihn zu lenken.</p>
+
+<p>&bdquo;Hier, How,&ldquo; sagte er dabei, &bdquo;ist noch Einer, der
+dir gern eine Bitte vortragen m&ouml;chte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Der?</span>&ldquo; sagte Toanonga, indem er einen fast
+ver&auml;chtlichen Blick nach der Stelle hin&uuml;ber warf, wo
+Legs sa&szlig;, ohne diesen selbst anzusehen &ndash; &bdquo;der ist gut
+f&uuml;r nichts &ndash; das ist blos der Koch<a name="FNanchor_29_29" id="FNanchor_29_29"></a><a href="#Footnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der soll also gar keine Frau haben?&ldquo; fragte<span class="pagenum"><a name="Page_157" id="Page_157">[S. 157]</a></span>
+Mac Kringo, und bereuete schon, da&szlig; er sich nicht selber
+als Koch anstatt als Egi angegeben hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;O ja,&ldquo; erwiderte aber Toanonga &ndash; &bdquo;es waren
+sieben Frauen da, f&uuml;r euch sechs. &ndash; Der Koch bekommt
+die beiden letzten. Sind ein Bischen alt und
+nicht gerade h&uuml;bsch, haben aber zusammen sieben Kinder
+&ndash; gut genug f&uuml;r den Koch. Die da dr&uuml;ben sind's.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo mu&szlig;te an sich halten, da&szlig; er nicht
+laut auf lachte. Legs g&ouml;nnte er &uuml;brigens die beiden;
+denn der kleine Bursche war, trotz seiner ansehnlichen
+Statur, immer der gewesen, der sich schon an Bord
+am unb&auml;ndigsten gezeigt und nicht selten Streit angefangen
+hatte. Unendlich komisch kam es ihm dabei
+vor, sich den etwas krummbeinigen Kameraden als
+doppelten Familienvater zu denken, und da&szlig; seine Ehe
+interessant und keineswegs langweilig werden w&uuml;rde,
+daf&uuml;r b&uuml;rgten die Gesichter der beiden Frauen.
+Schienen sie doch selbst in diesem Augenblick schon
+nicht &uuml;bel Lust zu haben, einander in die Haare zu gerathen.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, Lord Douglas, was sagt er?&ldquo; fragte Legs,
+der sich schon so mit dem Gedanken vertraut gemacht
+hatte, ein wackerer B&uuml;rger von Monui zu werden,
+da&szlig; er die Zeit kaum erwarten konnte. &bdquo;Soll ich
+den kleinen Wildfang zur Frau haben? Hol's der<span class="pagenum"><a name="Page_158" id="Page_158">[S. 158]</a></span>
+Teufel, wir passen auch in der Figur zusammen und
+m&uuml;ssen ein pr&auml;chtiges Paar geben!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Legs,&ldquo; erwiderte aber Mac Kringo, der sich nicht
+enthalten konnte, bei dieser Bemerkung einen Blick
+nach den gebogenen Extremit&auml;ten des Seemanns
+hinunter zu werfen, &bdquo;es thut mir leid, da&szlig; der Alte
+deine W&uuml;nsche nicht ber&uuml;cksichtigen kann. Ob die
+fragliche Sch&ouml;ne schon versprochen ist, oder ob er vielleicht
+selber ein Auge auf sie geworfen hat und sie
+zu seiner zehnten Frau machen will, wei&szlig; ich nicht.
+Er wird dich aber, in R&uuml;cksicht deiner Verdienste,
+entsch&auml;digen, und du sollst zwei andere daf&uuml;r bekommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Zwei?</span>&ldquo; rief Legs erstaunt auffahrend.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, mein Junge; die beiden Sch&ouml;nheiten da
+dr&uuml;ben mit der braunen, etwas runzeligen Haut und
+den Unmassen Blumen und bunten Lappen um sich
+her gesteckt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mach keinen dummen Spa&szlig;!&ldquo; rief Legs &auml;rgerlich,
+indem er einen halb zornigen, halb scheuen Blick
+nach den beiden Unholdinnen hin&uuml;berwarf.</p>
+
+<p>&bdquo;Na, wahrhaftig, mein Junge,&ldquo; sagte aber Mac
+Kringo gutm&uuml;thig, &bdquo;es ist dem Alten da dr&uuml;ben
+grimmiger Ernst, und nach Tisch, so viel ich verstanden
+habe, werden wir alle zusammengesplie&szlig;t<span class="pagenum"><a name="Page_159" id="Page_159">[S. 159]</a></span>
+werden. Von uns hat Jeder schon seinen Theil angewiesen
+bekommen, wie du ja auch geh&ouml;rt hast, und
+die Beiden sind mit sieben dazu geh&ouml;renden Kindern
+f&uuml;r dich aufgehoben. Na, hoffentlich f&uuml;hrt ihr eine
+recht gl&uuml;ckliche Ehe zusammen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Verdammt will ich sein,&ldquo; rief aber Legs, in
+allem Eifer in die H&ouml;he springend, &bdquo;wenn ich mich
+solcher Art zum Narren halten lasse. Sollte der
+alte Holzkopf aber wirklich im Ernst meinen, da&szlig; ich
+mich dazu herg&auml;be, ein Alt-Weiber-Spittel und eine
+Klein-Kinder-Bewahr-Anstalt auf der Insel anzulegen,
+so kannst du ihm nur sagen, Lord Douglas,
+da&szlig; er sich da verw&uuml;nscht in der Person geirrt hat.
+Wenn er einen von uns dazu haben wolle, so konnte
+er Spund nehmen, mich aber soll er ungeschoren lassen,
+so viel wei&szlig; ich.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was willst du machen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was ich machen will? dem den Sch&auml;del einschlagen,
+der mir irgendwie zu nahe kommt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Unsinn!&ldquo; sagte Mac Kringo ruhig, &bdquo;du siehst,
+da&szlig; wir Andern uns alle in das Unvermeidliche gef&uuml;gt
+haben, und du allein kannst nicht gegen die ganze
+Insel anspringen. Bietet sich einmal eine g&uuml;nstige
+Gelegenheit, dann kannst du dich darauf verlassen,
+da&szlig; Keiner von uns s&auml;umen wird, sie zu benutzen, und<span class="pagenum"><a name="Page_160" id="Page_160">[S. 160]</a></span>
+je fester wir dann zusammen halten, desto besser. Bis
+dahin aber bleibt uns nichts Anderes &uuml;brig, als uns
+denen zu f&uuml;gen, die f&uuml;r den Augenblick das Heft in
+H&auml;nden halten. Zeigst du dich ihnen widersp&auml;nstig,
+so ist gar nicht abzusehen <span class="gesperrt">was</span> sie mit dir anfangen,
+und wenn sie dich selbst todtschl&uuml;gen, kann sie kein
+Mensch daran verhindern und w&uuml;rde sich Niemand
+sp&auml;ter darum k&uuml;mmern.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und die beiden Vogelscheuchen sollt' ich heirathen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du kommst in eine ganz anst&auml;ndige Familie,&ldquo;
+lachte Mac Kringo &ndash; &bdquo;aber jetzt pa&szlig; auf, der Alte
+entl&auml;&szlig;t die Versammlung und wird noch Auftr&auml;ge
+f&uuml;r mich haben. Halt' dich indessen zu Spund und
+den Anderen, damit ihr zusammen seid, wenn man
+uns verlangt.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga winkte ihm auch wirklich in diesem
+Augenblick, denn es galt nichts Geringeres, als die
+n&ouml;thigen Vorbereitungen f&uuml;r die Trauungs-Ceremonie
+der Fremden zu treffen, die auf den Inseln au&szlig;erordentlich
+streng genommen werden. Da&szlig; diese alle
+heidnischer Art waren, versteht sich von selbst; den
+Wei&szlig;en konnten sie aber nicht erlassen werden, da
+nur <span class="gesperrt">durch</span> dieselben ihre Ehen geheiligt und gesetzlich
+wurden.<span class="pagenum"><a name="Page_161" id="Page_161">[S. 161]</a></span></p>
+
+
+<h4>7.</h4>
+
+<p>Die verschiedenen Br&auml;ute hatte man indessen
+schon entfernt, um sie f&uuml;r die Feierlichkeit anzukleiden,
+und Toanonga &uuml;bergab jetzt die Fremden einer Anzahl
+seiner jungen Leute, sie etwas anst&auml;ndig und passend
+auszustatten.</p>
+
+<p>Ihre Kleider waren n&auml;mlich durch ihren letzten
+Ungl&uuml;cksfall so arg mitgenommen worden, da&szlig; sie ihre
+Bl&ouml;&szlig;e kaum mehr bedeckten; besonders hingen ihnen
+die Hemden in Lumpen von den Schultern. Toanonga
+lie&szlig; deshalb Jedem ein St&uuml;ck Tapa<a name="FNanchor_30_30" id="FNanchor_30_30"></a><a href="#Footnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a> reichen, und
+die Insulaner wiesen sie dabei auf das freundlichste
+an, wie sie sich mit Blumen und einigen anderen
+Schlingpflanzen w&uuml;rdig schm&uuml;cken konnten. Nur
+Mac Kringo jedoch, der klug genug war, ihnen zu
+Willen zu sein, und Spund, der dem Frieden noch
+immer nicht traute und Alles geduldig mit sich geschehen
+lie&szlig;, f&uuml;gten sich dem Vorschlage. Die &Uuml;brigen
+mit Lemon an der Spitze verweigerten jede solche
+Aufmerksamkeit f&uuml;r ihre zuk&uuml;nftigen Frauen.</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_162" id="Page_162">[S. 162]</a></span></p>
+<p>Von den Eingeborenen hatten sie aber in der
+That nichts mehr zu bef&uuml;rchten, denn von dem Augenblick
+an, wo Toanonga und das Gericht der Egis
+ihre Aufnahme erkl&auml;rt und dadurch geheiligt hatte,
+betrachteten die Leute sie als Freunde und als ihres
+Gleichen, und brachten ihnen jetzt sogar von verschiedenen
+Seiten Lebensmittel herbei, damit sie sich
+erholen und st&auml;rken konnten.</p>
+
+<p>Nach der einfachen Sitte dieser St&auml;mme hatten
+sie aber auch in der That weit mehr gethan, als irgend
+ein civilisirtes Volk, sei es noch so fromm und
+christlich, an ihrer Stelle gethan haben w&uuml;rde. Die
+Leute, die ihnen, trotz aller empfangenen Wohlthaten
+und trotz der fr&uuml;heren freundlichen Aufnahme, vors&auml;tzlich
+B&ouml;ses zugef&uuml;gt und im Begriff gewesen waren,
+dem alten H&auml;uptling der Insel sein liebstes
+Kind zu stehlen, strafte man nicht allein nicht, als man sie
+in H&auml;nden hatte, sondern man nahm sie sogar als
+gleichberechtigt mit den &uuml;brigen Bewohnern des Landes
+auf, gestattete ihnen den Besitz von Grund und
+Boden, und lie&szlig; sie unmittelbar in die Familien des
+Landes eintreten.</p>
+
+<p>Es ist wahr, der erste Antrag einzelner H&auml;uptlinge
+hatte dahin gelautet, kurzen Proze&szlig; mit ihnen
+zu machen und die Gefangenen das b&uuml;&szlig;en zu lassen,<span class="pagenum"><a name="Page_163" id="Page_163">[S. 163]</a></span>
+was der Capitain oder H&auml;uptling derselben verbrochen,
+wie diese St&auml;mme auch fast immer ihre Kriegsgefangenen
+t&ouml;dten. Toanonga aber, neben seiner angeborenen
+und nat&uuml;rlichen Gutm&uuml;thigkeit, war klug genug
+gewesen, auf einen Ausweg zu sinnen, durch den
+er die Gefangenen und ihre Kr&auml;fte f&uuml;r die Insel verwerthen
+konnte. Was h&auml;tte er oder einer der anderen
+Insulaner davon gehabt, wenn man die Wei&szlig;en vor
+den Kopf schlug oder in die See warf? &ndash; gar nichts.
+Die letzten Kriege hatten ihnen dagegen mehr waffenf&auml;hige
+M&auml;nner gekostet, als die kleine Insel entbehren
+konnte, und jetzt halfen sie sich mit den Fremden so
+gut, wie sie eben konnten und so weit diese reichten.</p>
+
+<p>Mit dieser Aufnahme in ihren Staats- und
+Familienkreis war aber auch jeder Ha&szlig;, jedes Gef&uuml;hl
+der Rache oder Feindseligkeit gegen die Fremden aus
+ihrem Herzen geschwunden. Es waren eben keine
+Fremden mehr, denn sie geh&ouml;rten von da an mit zu
+Monui so gut wie einer der dort Geborenen.</p>
+
+<p>&Auml;hnliches findet man fast unter allen wilden
+St&auml;mmen, die sehr h&auml;ufig einzelne aus ihren Kriegsgefangenen,
+w&auml;hrend sie die &uuml;brigen mit durchdachter
+Grausamkeit zu Tode martern, zur&uuml;ckbehalten und
+mit der gr&ouml;&szlig;ten Herzlichkeit in ihre Familien als
+S&ouml;hne aufnehmen.<span class="pagenum"><a name="Page_164" id="Page_164">[S. 164]</a></span></p>
+
+<p>Anders betrachteten dieses allerdings die Matrosen,
+die sich durch solche gezwungene Heirathen auf
+das schlimmste mi&szlig;handelt glaubten. Legs verlangte
+auch von den &Uuml;brigen, als die Eingeborenen ihre
+Versammlung aufgehoben und die Papalangis sich
+selber &uuml;berlassen hatten, da&szlig; sie sich gemeinschaftlich
+solchem Urtheilsspruch widersetzen sollten. Waffen
+h&auml;tten sie dabei wohl auch bekommen k&ouml;nnen, sobald
+sie nur in des alten Toanonga H&uuml;tte einbrachen.
+In der ersten &Uuml;berraschung w&auml;re ihnen das jedenfalls
+gelungen, und dort wurden, wie sie von fr&uuml;her wu&szlig;ten,
+eine Anzahl von Beilen und Keulen aufbewahrt.</p>
+
+<p>Hiergegen, als ein ganz wahnsinniges Unternehmen,
+das jedenfalls den Untergang Aller zur
+Folge haben mu&szlig;te, stimmte aber Mac Kringo, von
+Spund und Jonas unterst&uuml;tzt, auf das entschiedenste,
+und da Lemon und Pfeife ihren Zustand ebenfalls
+noch nicht so unertr&auml;glich fanden, um gleich zu einem
+so verzweifelten Mittel zu greifen, so wurde Legs vollst&auml;ndig
+&uuml;berstimmt.</p>
+
+<p>Die Ceremonie nahm indessen ihren Anfang und
+wurde, trotzdem, da&szlig; man mit den Fremden nicht
+eben viel Umst&auml;nde n&ouml;thig glaubte, doch ziemlich
+feierlich betrieben.</p>
+
+<p>Hier zeigte sich auch wieder die Gutm&uuml;thigkeit der<span class="pagenum"><a name="Page_165" id="Page_165">[S. 165]</a></span>
+Insulaner. Diese wu&szlig;ten nat&uuml;rlich, da&szlig; die Wei&szlig;en
+als Schiffbr&uuml;chige an ihre Insel gekommen waren
+und gar nichts zum Leben N&ouml;thiges gerettet hatten,
+und brachten ihnen jetzt eine Menge Geschenke, um
+sie zu ihrem neu zu errichtenden Haushalt auszustatten:
+Tapa zum Kleiden und starke Matten zum
+Schlafen, Fischer-Ger&auml;thschaften und sogar Waffen,
+wie Keulen und Bogen und Pfeile, um bei einem
+m&ouml;glichen Angriff eines Feindes in die Reihen der
+Krieger mit eintreten zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Als die Fremden nun mit allem ausger&uuml;stet waren,
+was sie zu ihrem anst&auml;ndigen Erscheinen unter
+den Insulanern gebrauchten, denn um ihre Lebensbed&uuml;rfnisse
+durften sie keine Sorgen haben, versammelten
+sich, wie es schien, fast alle Bewohner der Insel,
+um an der Festlichkeit Theil zu nehmen. Die sieben
+Br&auml;ute waren schon in das f&uuml;r die Trauung bestimmte
+Haus abgeholt, und Toanonga, an der Spitze seiner
+Egis, winkte die Fremden heran und &uuml;berlieferte ihnen,
+mit einigen mahnenden Worten, sich gut zu betragen
+und ihrem neuen Vaterlande Ehre zu machen,
+ihre k&uuml;nftigen Frauen, die sich dann aber augenblicklich
+wieder in ihre verschiedenen Wohnungen zur&uuml;ckzogen.
+Den Fremden dagegen wurde bedeutet,
+zur&uuml;ckzubleiben, um an einem <i>Cava</i>-Fest &ndash; der<span class="pagenum"><a name="Page_166" id="Page_166">[S. 166]</a></span>
+Hauptsache bei der ganzen Feierlichkeit &ndash; Theil zu
+nehmen.</p>
+
+<p>Diese <i>Cava</i><a name="FNanchor_31_31" id="FNanchor_31_31"></a><a href="#Footnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a>-Partie schien auch erst die vorhergegangene
+einfache Formalit&auml;t der Heirath zu best&auml;tigen
+und zu kr&auml;ftigen; denn dadurch, da&szlig; die
+H&auml;uptlinge es der M&uuml;he werth hielten, eine solche
+anzuordnen und die Fremden daran Theil nehmen zu
+lassen, heiligten sie den eben geschlossenen Bund, der
+jetzt ohne Toanonga's Bewilligung nicht wieder gel&ouml;st
+werden konnte.</p>
+
+<p>Einen schweren Stand hatten die Seeleute aber
+erst noch bei dem <i>Cava</i>-Fest, denn die Bereitung dieses
+Trankes kannte Keiner von ihnen, nicht einmal
+Mac Kringo. Pfeife besonders, als er merkte, was
+dort vorging, wurde stein&uuml;bel, und Legs wollte schon
+aufspringen und hinauslaufen. Der Schotte aber,
+der sich leicht denken konnte, da&szlig; etwas Derartiges<span class="pagenum"><a name="Page_167" id="Page_167">[S. 167]</a></span>
+von den jetzt nur freundlich gesinnten Eingeborenen
+als die gr&ouml;&szlig;te Beleidigung angesehen werden w&uuml;rde,
+bewog sie mit gro&szlig;er M&uuml;he, sitzen zu bleiben und auch
+dieses noch &uuml;ber sich ergehen zu lassen. Sp&auml;ter konnten
+sie ja solchen Einladungen schon weit eher ausweichen.
+Spund stimmte ihm darin auch vollkommen
+bei, und w&auml;hrend die Anderen, als die Schale an sie
+kam, nur so thaten, als ob sie schluckten, nahm er,
+seinen Willen und Gehorsam zu zeigen, einen langen
+und herzhaften Schluck.</p>
+
+<p>Das sollte er aber schwer b&uuml;&szlig;en. Kaum hatte er
+die Mischung hinunter, als sich ihm der Magen gewaltsam
+umdrehte, und er mu&szlig;te, unter dem Gel&auml;chter
+der Eingeborenen, von seinen Kameraden hinausgeschafft
+werden.</p>
+
+<p>Damit war indessen auch jedem Anspruch, den
+die Egis noch an sie machen konnten, Gen&uuml;ge geleistet.
+W&auml;hrend die Insulaner noch bei ihrer Cava-Partie
+blieben, deren Freuden sie sich oft bis in sp&auml;ter Nacht
+hingeben, wurden die Seeleute, jetzt jeder Aufsicht und
+&Uuml;berwachung enthoben, von jungen Leuten in die
+ihnen zugewiesenen Wohnungen abgef&uuml;hrt und durften
+sich von dem Augenblick an als B&uuml;rger von Monui
+betrachten.<span class="pagenum"><a name="Page_168" id="Page_168">[S. 168]</a></span></p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_23_23" id="Footnote_23_23"></a><a href="#FNanchor_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Wie: Pfui &ndash; sch&auml;me dich.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_24_24" id="Footnote_24_24"></a><a href="#FNanchor_24_24"><span class="label">[24]</span></a> Tuas werden die zur niedrigsten Classe geh&ouml;rigen Bewohner
+der Insel genannt. &Uuml;berhaupt besteht auf den
+Tonga-Inseln &ndash; wenn man es nicht gerade Kastengeist nennen
+will &ndash; eine strenge Absonderung der verschiedenen
+Gesellschaftsschichten, die kaum schroffer in dem alten durch
+und durch civilisirten Europa sein kann. Mesalliancen
+kommen &auml;u&szlig;erst selten vor, und bei jedem Festmahl wird die
+Rangordnung durch besondere Ceremonienmeister unerbittlich
+aufrecht erhalten.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_25_25" id="Footnote_25_25"></a><a href="#FNanchor_25_25"><span class="label">[25]</span></a> Die Tonga-Inseln liegen, wie bekannt, innerhalb der
+Wendekreise S. Br. Die gr&ouml;&szlig;te Zeit im Jahre haben sie
+also die Sonne um Mittag im <span class="gesperrt">Norden</span>, einen kleinen Theil
+des Jahres aber, etwa um M&auml;rz, im <span class="gesperrt">S&uuml;den</span>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_26_26" id="Footnote_26_26"></a><a href="#FNanchor_26_26"><span class="label">[26]</span></a> In der N&auml;he der H&auml;uptlinge gilt es nicht f&uuml;r schicklich,
+zu <span class="gesperrt">stehen</span>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_27_27" id="Footnote_27_27"></a><a href="#FNanchor_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Hotuas sind die obersten G&ouml;tter.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_28_28" id="Footnote_28_28"></a><a href="#FNanchor_28_28"><span class="label">[28]</span></a> S&uuml;&szlig;e Kartoffeln und Yams.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_29_29" id="Footnote_29_29"></a><a href="#FNanchor_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Auf den Tonga-Inseln ist der Koch der verachtetste
+unter den verschiedenen Handwerkern.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_30_30" id="Footnote_30_30"></a><a href="#FNanchor_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Tapa ist das aus der Rinde verschiedener B&auml;ume ausgeschlagene
+Zeug, das die Frauen auf allen S&uuml;dsee-Inseln
+selber verfertigen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_31_31" id="Footnote_31_31"></a><a href="#FNanchor_31_31"><span class="label">[31]</span></a> Die <i>Cava</i> ist die Wurzel einer pfefferartigen Pflanze
+(auf den &uuml;brigen Inseln Ava genannt), aus der ein g&auml;hrendes
+und besonders bei festlichen Gelegenheiten benutztes Getr&auml;nk
+bereitet wird. Nur die Art der Zubereitung ist f&uuml;r den nicht
+daran Gew&ouml;hnten widerlich und abschreckend, indem die
+Wurzeln von den daran Theil nehmenden Eingeborenen <span class="gesperrt">gekaut</span>
+und dann in eine Sch&uuml;ssel gelegt werden, wo man sie
+nachher mit Wasser &uuml;bergie&szlig;t. Dieses Wasser, nachdem es
+den Saft aus den Wurzeln gezogen hat, wird als eine Delicatesse
+getrunken.</p></div>
+</div>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h3><a name="der_schooner" id="der_schooner"></a>Der Schooner.</h3>
+
+<h4>1.</h4>
+
+
+<p>Die Brotfrucht war zum zweiten Male gereift,
+und die B&auml;ume standen mit diesem wunderbaren Geschenk
+beladen, das ein g&uuml;tiger Himmel den gl&uuml;cklichen
+Bewohnern jener Inseln gespendet. &Uuml;berall auf
+Monui herrschte &Uuml;berflu&szlig;, und die leichtherzigen
+Eingeborenen h&auml;tten jeden Tag als Fest feiern k&ouml;nnen.
+Das rege, th&auml;tige Leben auf der Insel galt aber
+einem andern Zweck, und nicht zu Lust und Frieden
+sammelten sich die M&auml;nner in h&auml;ufigen Berathungen
+und suchten aus allen Ecken die fast vergessenen Waffen
+wieder hervor.</p>
+
+<p>Was hilft den Menschen ein Paradies, wenn sie
+darin nicht ihre Leidenschaft z&auml;hmen k&ouml;nnen! Was
+hilft ihnen der &Uuml;berflu&szlig; an allem zum Leben N&ouml;thigen,
+wenn sie sich mit dem, womit Gott sie in so
+reichem Maa&szlig;e &uuml;bersch&uuml;ttet, nicht begn&uuml;gen k&ouml;nnen
+oder wollen! Die S&uuml;dsee-Inseln sind uns darin ein
+lebendiges Beispiel. Hier bringt die Natur alles hervor,
+was der Mensch zum Leben braucht. Ohne Arbeit,
+ohne Anstrengung, von einer wundervollen Scenerie
+umgeben, in ihrem Familienleben gl&uuml;cklich, von
+Krankheiten wenig heimgesucht, k&ouml;nnten diese Menschen<span class="pagenum"><a name="Page_169" id="Page_169">[S. 169]</a></span>
+ein wahrhaft gl&uuml;ckliches Dasein f&uuml;hren &ndash; wenn
+sie eben den Anderen das g&ouml;nnten, was sie selber so
+reichlich besitzen. Selbst in diesem reizenden Lande
+schlummern aber die Leidenschaften nicht, und Herrschsucht,
+Ehrgeiz und Aberglauben lassen sie das nicht
+friedlich genie&szlig;en, wonach sie in ihrer unmittelbaren
+Umgebung nur die Hand auszustrecken brauchten, um
+es zu erreichen.</p>
+
+<p>So hatten auch die Bewohner von Monui fast
+zwei Jahre in Frieden mit den Nachbar-Inseln gelebt.
+Kaum aber waren die Wunden der letzten K&auml;mpfe
+oberfl&auml;chlich verharrscht, als sie des ruhigen Lebens
+schon wieder &uuml;berdr&uuml;ssig wurden.</p>
+
+<p>Von Hapai aus war ihnen bis jetzt n&auml;mlich,
+einem alten Abkommen nach, ein j&auml;hrlicher, h&ouml;chst unbedeutender
+Tribut von Gnatu<a name="FNanchor_32_32" id="FNanchor_32_32"></a><a href="#Footnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> und Cava-Wurzeln
+bezahlt worden, und das Ganze mehr eine Form gewesen,
+als da&szlig; sie je einen wirklichen Nutzen davon
+gehabt. Diesen Tribut hatten die Hapai-Insulaner
+in diesem Jahre nicht bezahlt, und auf eine Mahnung
+deshalb die Bewohner von Monui wissen lassen, sie
+hielten sich nicht mehr f&uuml;r daran gebunden. Das<span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[S. 170]</a></span>
+Ganze betraf auch in der That nur eine religi&ouml;se Ceremonie,
+die auf Monui schon lange abgeschafft worden.
+Wie das aber mit alten Verpflichtungen manchmal
+so geht, waren diese Geschenke noch eine Zeit
+lang beibehalten, bis es die Hapai-Leute selber m&uuml;de
+wurden.</p>
+
+<p>Monui allein h&auml;tte mit ihnen auch keinen Krieg
+anfangen k&ouml;nnen, das wu&szlig;ten sie recht gut; jetzt aber,
+da der tapfere <i>Tai manavachi</i> Toanonga's Schwiegersohn
+geworden war, beschlossen die Egis oder
+H&auml;uptlinge, dessen H&uuml;lfe in Anspruch zu nehmen und
+mit Speer und Keule das einzutreiben, zu dessen Besitz
+sie sich berechtigt glaubten. Ihrer Meinung nach
+war es ihnen zur Ehrensache geworden, die paar
+Kleinigkeiten nicht aufzugeben; was k&uuml;mmerte es sie,
+da&szlig; sie um ein paar St&uuml;ck Gnatu und einen Korb
+voll Wurzeln den Frieden ihres Landes und ihr Familiengl&uuml;ck
+in die Schanze schlugen!</p>
+
+<p>M&ouml;glich ist dabei, da&szlig; sie durch die Verst&auml;rkung
+der sechs Papalangis auf ihrer Insel noch mehr in
+ihrem kriegerischen Entschlu&szlig; best&auml;rkt wurden. Von
+einem Wallfischf&auml;nger, der vor einigen Monaten bei
+ihnen angelegt, hatte Toanonga zugleich mit einigem
+Handwerkszeug auch mehrere Musketen und Munition
+dazu eingehandelt, und allerdings konnten ihm<span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[S. 171]</a></span>
+da die Wei&szlig;en, die mit solchen Waffen ordentlich umzugehen
+wu&szlig;ten, eine wichtige H&uuml;lfe leisten. Als jenes
+Schiff anlegte, wu&szlig;te der alte schlaue H&auml;uptling,
+au&szlig;er dem Schotten, alle seine Gefangenen fern davon
+zu halten. Er lie&szlig; auch gar kein Boot ans Ufer,
+sondern trieb den Tauschhandel, nur von Mac Kringo
+begleitet, durch seine Canoes.</p>
+
+<p>So wurden denn jetzt auf Monui die Kriegsr&uuml;stungen
+mit m&ouml;glichstem Eifer betrieben, und ein
+Canoe war schon an <i>Tai manavachi</i> abgeschickt worden,
+ihn zu einer bestimmten Zeit nach Hapai zu bestellen,
+auf welche Insel sie ihre Angriffe vereint
+machen wollten. Die sechs Europ&auml;er hatten inde&szlig;
+ihre Wohnungen auf Monui so zerstreut angewiesen
+bekommen, da&szlig; sie einander nur selten zu sehen bekamen.
+Mac Kringo und Lemon behielt Toanonga jedoch,
+wie schon fr&uuml;her erw&auml;hnt, in seiner N&auml;he. Mac
+Kringo lebte &uuml;berhaupt dabei am unabh&auml;ngigsten, da
+er sich wohlweislich f&uuml;r einen Egi seines Schiffes ausgegeben.</p>
+
+<p>In der That h&auml;tte er auch mit dem neulich dort
+angelaufenen Wallfischf&auml;nger wieder in See gehen
+k&ouml;nnen; denn so bald er es verlangt, w&uuml;rde ihn der
+Capitain schwerlich ausgeliefert haben. Einesteils
+mochte er aber die Kameraden nicht im Stich lassen,<span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[S. 172]</a></span>
+und anderntheils war ihm das bequeme, m&uuml;&szlig;ige Leben
+am Lande noch viel zu neu, um es gleich wieder mit
+der harten Arbeit am Bord eines Wallfischf&auml;ngers zu
+vertauschen. In den letzten Monaten aber, und besonders
+seit er erfahren, da&szlig; sie sich alle mit an einem
+Kriegszuge betheiligen sollten, bei dem sie nicht das
+mindeste Interesse hatten und ihr Leben um nichts aufs
+Spiel setzen mu&szlig;ten, fing er doch an, sich wieder hier
+fort zu sehnen, und bereute schon, die letztgebotene
+Gelegenheit nicht benutzt zu haben.</p>
+
+<p>Alle Matrosen machen es so, besonders die in der
+S&uuml;dsee kreuzenden. So lange sie an Bord sind, verw&uuml;nschen
+sie ihr Schicksal, f&uuml;hlen eine ungeheure
+Sehnsucht nach festem Lande und benutzen regelm&auml;&szlig;ig
+die erste, beste Gelegenheit, zu desertiren. So wie sie
+aber eine Weile auf dem festen Lande gelebt haben,
+auf das sie sich vorher so sehr gew&uuml;nscht, wird ihnen
+die Sache langweilig, und sie ruhen nicht, bis sie
+wieder das Deck eines Fahrzeuges unter den F&uuml;&szlig;en
+f&uuml;hlen.</p>
+
+<p>Mac Kringo besonders hatte sich in der letzten
+Zeit viel mit allerlei Planen zu ihrer Flucht besch&auml;ftigt,
+die aber jetzt viel schwieriger auszuf&uuml;hren
+schienen, als je. Da die Insulaner n&auml;mlich einen
+&Uuml;berfall auf Hapai beabsichtigten, und die Drohung,<span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[S. 173]</a></span>
+den Tribut von dort gewaltsam einzufordern, schon
+hin&uuml;ber gesandt hatten, mu&szlig;ten sie auch von daher
+ein Gleiches f&uuml;rchten, und bewachten deshalb alle
+Landungspl&auml;tze Tag und Nacht auf das Sorgf&auml;ltigste.
+Wie sollte da ein Canoe unbemerkt, unverfolgt entkommen?</p>
+
+<p>Der Schotte gab &uuml;brigens deshalb die Hoffnung
+nicht auf, und war ziemlich fest entschlossen, die erste
+passende Gelegenheit zu benutzen. So schlenderte er
+eines Tages durch die Berge der nicht sehr gro&szlig;en
+aber wundersch&ouml;nen Insel, und zwar in der Absicht,
+den h&ouml;chsten Gipfel ihrer Anh&ouml;hen zu besteigen und
+von dort aus zu schauen, ob er nicht in irgend einer
+Richtung hin eine andere Insel erkennen k&ouml;nne. Gelang
+es ihnen nur, auf eine solche zu entkommen, wo
+sie nicht mehr als gekaufte Gefangene betrachtet wurden,
+so durften sie von dort auch weit eher hoffen,
+entweder von einem Schiff erl&ouml;st zu werden oder
+vielleicht in einem Canoe Neuseeland oder Australien
+zu erreichen.</p>
+
+<p>Der Schotte konnte seinen Weg ziemlich ungehindert
+verfolgen, denn Monui war noch nicht so durch
+die aus Brasilien nach diesen Inseln gebrachten
+Guiaven-B&uuml;sche &uuml;berwuchert worden, wie es einige
+der Gesellschafts-Inseln sind. Die schlanken Palmen<span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[S. 174]</a></span>
+und andere hochst&auml;mmige Waldb&auml;ume hielten hier
+das kleine Holz noch ziemlich unter, und die W&auml;lder
+in der N&auml;he des Strandes waren verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig
+licht. Erst auf den H&ouml;hen wurden die B&uuml;sche dichter,
+und als Mac Kringo einmal die verschiedenen Anpflanzungen
+von s&uuml;&szlig;en Kartoffeln und Yams im
+R&uuml;cken hatte, mu&szlig;te er sich schon sorgf&auml;ltiger seinen
+Weg suchen.</p>
+
+<p>Da h&ouml;rte er pl&ouml;tzlich, in nicht gar weiter Entfernung
+von sich, die regelm&auml;&szlig;igen Schl&auml;ge eines Beils,
+denen er eine Weile horchte, denn er hatte keine besondere
+Lust, hier mit einem Eingeborenen zusammen
+zu treffen. Das anhaltende Arbeiten des Holzhackenden
+&uuml;berzeugte ihn aber bald, da&szlig; das kein Indianer sei,
+und ziemlich erfreut, einen seiner Kameraden da zu
+finden, dr&auml;ngte er sich rasch durch das Geb&uuml;sch der
+Richtung zu, von der das Ger&auml;usch her&uuml;ber t&ouml;nte.</p>
+
+<p>Er hatte sich auch nicht geirrt; denn vorsichtig
+aus einem kleinen Dickicht herausschauend, erkannte
+er bald seinen fr&uuml;heren Kameraden Jonas, und zwar
+emsig besch&auml;ftigt, einen starken, hochst&auml;mmigen Baum
+zu f&auml;llen.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo! Jonas!&ldquo; rief er ihn endlich an, nachdem
+er dem Eifrigen eine kleine Weile zugeschaut, &bdquo;du arbeitest
+ja, als wenn du die Geschichte im Accord h&auml;ttest.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[S. 175]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Lord Douglas! so wahr ich lebe!&ldquo; rief der
+Matrose erfreut, indem er seinen alten Kameraden
+erkannte. &bdquo;Wo kommst du her, mein Bursche? Es ist
+eine halbe Ewigkeit, da&szlig; wir einander nicht gesehen
+haben, und es thut dem Auge ordentlich wohl, eine
+wei&szlig;e Haut unter diesen Rothfellen zu treffen. Jetzt
+kann man doch wieder einmal ein vern&uuml;nftiges Wort
+Englisch sprechen, denn die Zunge habe ich mir schon
+fast mit dem Radebrechen ihrer vermaledeiten
+Sprache abgedreht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber du siehst gut aus!&ldquo; rief ihm der Schotte
+entgegen. &bdquo;Das Leben als gl&uuml;cklicher Familienvater
+scheint dir vortrefflich zu bekommen! Wie befinden sich
+die jungen Jonasse?&ldquo;</p>
+
+<p>Der Matrose antwortete mit einem l&auml;sterlichen
+Fluche.</p>
+
+<p>&bdquo;Da kannst du auch noch lachen?&ldquo; setzte er dann
+hinzu, &bdquo;aber es ist wahrhaftig ein Scandal, einem
+ehrlichen Christenmenschen eine solche dunkelbraune
+Eheh&auml;lfte und ein Nest voll junger Heiden aufzuh&auml;ngen.
+Verdammt will ich sein, wenn ich das diesem
+alten, wackeligen Toanonga nicht gedenke.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du nichts von Legs geh&ouml;rt?&ldquo; fragte der
+Schotte.</p>
+
+<p>Jonas lachte.<span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[S. 176]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Das ist das Einzige, was mich noch tr&ouml;stet,&ldquo;
+schmunzelte er mit einem breiten Grinsen &uuml;ber das
+Gesicht: &bdquo;der gro&szlig;m&auml;ulige kleine Bursche ist noch
+schlimmer <a name="cortex3-3" href="#corr3-3" class="corr">angekommen als</a> wir.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wie vertr&auml;gt er sich mit seinen Frauen? Er
+mu&szlig; ja doch in deiner N&auml;he wohnen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja wohl, unsere beiden H&auml;user stehen kaum
+f&uuml;nfhundert Schritt aus einander,&ldquo; lachte Jonas,
+&bdquo;und ich habe in der ersten Zeit immer ganz genau
+h&ouml;ren k&ouml;nnen, wenn er sich mit seiner Familie
+unterhielt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und jetzt nicht mehr?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Jetzt haben sie ihn unter. Die ersten Wochen
+pr&uuml;gelte er seine Frauen abwechselnd, und, wie ich
+glaube, nach jeder Mahlzeit, wahrscheinlich um sich
+etwas Bewegung zu machen. Das bekamen sie aber
+bald satt, und nahmen sich H&uuml;lfstruppen ins Haus.
+Ein ganzer Schwarm Vettern und Basen, und was
+wei&szlig; ich, wer sonst noch! quartierte sich bei ihm ein
+und zehrte von ihm, und als er die eines sch&ouml;nen
+Morgens hinauswerfen wollte, fielen sie &uuml;ber ihn her
+und pr&uuml;gelten ihn, von den beiden Frauen redlich
+dabei unterst&uuml;tzt, windelweich. Ich h&ouml;rte den L&auml;rm
+und lief hin&uuml;ber; da man sich aber nicht in fremde
+Familienstreitigkeiten mischen soll, st&ouml;rte ich sie auch<span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[S. 177]</a></span>
+nicht in ihrem Vergn&uuml;gen und ging wieder zu Hause.
+&ndash; Was macht denn Lemon?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Lemon,&ldquo; sagte der Schotte, &bdquo;kommt aus dem
+grimmigsten &Auml;rger gar nicht heraus, aber nur deshalb,
+weil es ihm so gut geht, und er gar nicht wei&szlig;,
+wor&uuml;ber er vern&uuml;nftiger Weise schimpfen <span class="gesperrt">k&ouml;nnte</span>.
+Er hat mir noch heute Morgens versichert: er wollte
+lieber auf dem schmierigsten Wallfischf&auml;nger Tag und
+Nacht Thran auskochen, ehe er noch acht Tage auf
+der Insel bliebe.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wenn wir heute wieder an Bord s&auml;&szlig;en,
+w&auml;re er der Erste, der sich fortw&uuml;nschte. Wei&szlig;t du
+nichts von Pfeife?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Keine Silbe. Seit sechs Monaten, glaube ich,
+habe ich den mit keinem Auge gesehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wo steckt Spund?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Spund wohnt auch eine Strecke von uns entfernt,
+kommt aber doch manchmal hinauf, da er f&uuml;r
+den Alten zu arbeiten hat. Er besch&auml;ftigt sich &uuml;brigens
+jetzt eifrig mit der Bekehrung seiner Familie, die
+er absolut zu Christen machen will, und behauptet:
+der liebe Gott h&auml;tte ihn nur zu dem Zweck auf die
+Insel gesetzt, den Heiden das Evangelium zu bringen.
+Auch mit dem alten Toanonga hat er schon ein paar
+Versuche gemacht, der ist aber so z&auml;h wie Leder und<span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[S. 178]</a></span>
+l&auml;&szlig;t sich auf nichts ein. Wie das Schiff neulich da
+war, ruhte Spund sogar nicht eher, als bis ich ihm
+eine Bibel von Bord mitbrachte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein Schiff war da?&ldquo; rief Jonas erstaunt, &bdquo;und
+davon haben wir kein Wort erfahren?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, der Alte hat sich wohl geh&uuml;tet, da&szlig; Ihr's
+gewahr wurdet!&ldquo; lachte der Schotte. &bdquo;Die Boote
+durften nicht einmal an's Land, womit der Capitain
+auch vollkommen einverstanden schien; denn er f&uuml;rchtete
+wahrscheinlich, da&szlig; ihm welche von seinen Leuten
+durchbrennen w&uuml;rden. Lemon ist &uuml;brigens mit dem
+Schiff der schlimmste Streich passirt, denn er hat
+Schmiedewerkzeug gekriegt, und soll nun arbeiten und
+kann nicht. Das Einzige, was er mit M&uuml;he und
+Noth fertig bringt, sind Pfeilspitzen, die er gar kl&auml;glich
+aus N&auml;geln zurecht h&auml;mmert.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;H&ouml;r' einmal, Lord Douglas,&ldquo; sagte er da, nachdem
+er eine Weile stillschweigend vor sich hingesehen,
+&bdquo;ich glaube doch beinahe, da&szlig; wir damals mit dem
+&ndash; mit dem Feuer, du wei&szlig;t schon &ndash; einen dummen
+Streich gemacht!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Je weniger wir dann davon reden, desto besser
+ist's,&ldquo; meinte der Schotte, &bdquo;denn geschehene Dinge
+sind nun einmal nicht zu &auml;ndern. Was hatten wir
+denn auf dem blutigen Blubberkasten, da&szlig; wir nicht,<span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[S. 179]</a></span>
+wenn wir's hier einmal satt bekommen, auf jedem
+anderen Schiffe eben so gut wiederfinden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das ist schon wahr, und wenn wir's h&auml;tten
+haben k&ouml;nnen, wie wir's uns im Anfang gedacht, w&auml;r'
+ich der Letzte, der die Ver&auml;nderung bereute; aber gleich
+als Versorger von einer Frau und vier Kindern hingestellt
+zu werden, das hei&szlig;t die H&auml;uslichkeit doch ein
+Bi&szlig;chen &uuml;bertreiben. Wer steht uns au&szlig;erdem daf&uuml;r,
+da&szlig; wir nicht, wenn ihnen hier wieder ein halb
+Dutzend Ehem&auml;nner wegsterben, vielleicht noch Jeder
+ein oder zwei Frauen zugelegt bekommen, und dann
+sieh Legs an, wie's dem jetzt geht! &ndash; Hast du denn
+schon von dem neuen Kriegszug geh&ouml;rt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig;; sie r&uuml;sten schon mit aller Macht, und die
+Geschichte wird n&auml;chstens losgehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na, ja,&ldquo; sagte Jonas, &bdquo;und wir sollen auch
+dabei sein und unsere Haut zu Markte tragen; das ist
+aber gegen den Contrakt, und ich m&uuml;&szlig;te mich sehr
+irren, wenn ich nicht gerade in der Zeit sterbenskrank
+w&uuml;rde.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo! ein Segel!&ldquo; rief da Mac Kringo pl&ouml;tzlich,
+der, w&auml;hrend Jonas sprach, durch die B&uuml;sche hin auf
+das Meer hinausgesehen hatte. &bdquo;Das Wei&szlig;e dort
+dr&uuml;ben <span class="gesperrt">mu&szlig;</span> ein Segel sein!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig; ist das ein Segel!&ldquo; best&auml;tigte Jonas,<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[S. 180]</a></span>
+nachdem er eine Weile &ndash; seine Augen mit der Hand
+gegen die Sonne sch&uuml;tzend &ndash; nach der angedeuteten
+Richtung hinausgeschaut hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;Das mu&szlig; aber noch weit sein, denn es kommt
+mir so klein vor. Kannst du ausmachen, nach welcher
+Richtung es steht?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Spitz jedenfalls, und am Ende nach uns zu, denn
+wenn es hier vorbeigesegelt w&auml;re, h&auml;tten wir es schon
+fr&uuml;her sehen m&uuml;ssen. &ndash; Das kann auch kein Wallfischf&auml;nger
+sein, man kann ja den ganzen Rumpf
+erkennen, und doch zeigt er nicht viel Segel.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Am Ende ist das einer der kleinen Schooner,&ldquo;
+sagte der Schotte, &bdquo;die zwischen den Inseln herumkreuzen
+und Cocos&ouml;l und Perlmutterschalen eintauschen.
+Das w&auml;re am Ende eine Gelegenheit, von
+hier fortzukommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber wer wei&szlig;, wie wir es nachher finden?&ldquo;
+meinte Jonas, &bdquo;und solche kleine Fahrzeuge haben
+auch selten viel Platz an Bord. Ja, wenn man w&uuml;&szlig;te,
+da&szlig; man damit nach Australien k&ouml;nnte! Dort soll ein
+t&uuml;chtiger Arbeiter in ein paar Jahren ein reicher
+Mann werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Auf einen Wallfischf&auml;nger gehe ich nicht wieder,
+so viel wei&szlig; ich,&ldquo; sagte der Schotte; &bdquo;hol' der Teufel
+das Hundeleben, die Pferdearbeit, und die Capitaine,<span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[S. 181]</a></span>
+die wahrhaftig gar nicht wissen, wie sie einen armen
+Teufel von Matrosen nur genug qu&auml;len und schinden
+sollen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wahrhaftig, das Schiff h&auml;lt gerade auf uns zu!&ldquo;
+rief jetzt Jonas, der indessen keinen Blick von dem
+fernen Segel verwandt hatte. &bdquo;Hinunter m&ouml;chte ich doch
+jedenfalls, wenn es vielleicht ein Boot ans Land schickte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;H&ouml;r einmal, Jonas, ich will dir was sagen,&ldquo;
+meinte der Schotte, nachdem beide eine Weile schweigend
+das ansegelnde Fahrzeug betrachtet hatten.
+&bdquo;Wozu ich selber Lust habe, wei&szlig; ich in dem Augenblicke
+selbst noch nicht, und um zu einem Entschlu&szlig; zu
+kommen, mu&szlig; man nat&uuml;rlich doch erst wissen, was
+das f&uuml;r ein Fahrzeug ist und wohin es geht. Jedenfalls
+wollen wir aber unten in der N&auml;he sein, wenn
+es wirklich landet oder wenigstens ein Boot her&uuml;berschickt;
+denn in die Corallenriffe wird es sich keinesfalls
+hereingetrauen. Wann glaubst du, da&szlig; es heran
+sein kann?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Heute Abend kaum mehr,&ldquo; sagte Jonas, &bdquo;der
+Wind ist fast ganz eingeschlafen, und es kann nur
+langsam vorw&auml;rtsr&uuml;cken. Hat es &uuml;brigens Lust,
+Monui anzulaufen, so k&ouml;nnen wir uns fest darauf
+verlassen, da&szlig; es morgen fr&uuml;h mit Tagesanbruch vor
+den Riffen liegt.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[S. 182]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Gut, dann sei du morgen, gleich nach Tagesanbruch,
+unten bei Toanonga; eine Ausrede wirst du
+schon finden; bringe aber Legs mit, denn es ist am
+Ende besser, da&szlig; wir so viel als m&ouml;glich von uns beisammen
+sind.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn wir nur w&uuml;&szlig;ten, wo Pfeife steckt!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Den hat der Alte jedenfalls in die N&auml;he der
+Canoes gesetzt,&ldquo; sagte Mac Kringo, &bdquo;das Segelwerk
+derselben in Ordnung zu bringen, und Spund wird
+dort wohl mit ihm zusammengekommen sein. Spund
+sehe ich aber jedenfalls heute Abend, denn Toanonga
+hat ihn hinbestellt, etwas mit ihm zu besprechen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Verstehen sie denn einander?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Vortrefflich! Spund, in der festen &Uuml;berzeugung,
+da&szlig; er die Leute hier bekehren mu&szlig;, hat das Unglaubliche
+geleistet und spricht die Sprache schon fast so gut
+wie ich; dem Alten wird er aber langweilig, weil er
+ihn nie zufrieden l&auml;&szlig;t.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Seit wann ist denn da die Fr&ouml;mmigkeit bei ihm
+zum Durchbruch gekommen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ach, du wei&szlig;t ja,&ldquo; lachte der Schotte, &bdquo;da&szlig; er uns
+schon immer am Bord Predigten gehalten hat; es ist
+einmal seine schwache Seite. Aber ich will machen,
+da&szlig; ich wieder hinunter komme, denn er m&ouml;chte fr&uuml;her
+dort sein, und ich finde ihn nachher nicht mehr.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[S. 183]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Wird aber der Alte nichts merken, wenn wir dort
+alle zusammentreffen?&ldquo; fragte Jonas.</p>
+
+<p>&bdquo;Hm!&ldquo; meinte der Schotte, &bdquo;besser ist es freilich,
+wir lassen uns nicht gleich alle zusammen sehen, wenn
+wir nur in der N&auml;he sind. Legs mag deshalb auf die
+Landspitze hinaus gehen, wo wir damals die Woche
+gesessen haben, und dorthin soll Spund auch Pfeife
+schicken, wenn er ihn auftreiben kann. Wir &Uuml;brigen
+m&uuml;ssen dann sehen, wie wir uns am besten in der
+N&auml;he halten. Wirst du &uuml;brigens fortgeschickt, so
+widersprich nicht, sondern geh' in den Wald hinein,
+als ob du nach Hause wolltest, und sieh dann zu, da&szlig;
+du ebenfalls unbemerkt zu den Andern auf die Landspitze
+kommst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und sollen wir Waffen mitbringen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn es <span class="gesperrt">heimlich</span> geschehen kann, ja! Man
+wei&szlig; nie, was vorf&auml;llt; die Eingeborenen gehen ja
+auch jetzt alle schwer bewaffnet umher; aber je weniger
+ihr euch damit sehen la&szlig;t, desto besser ist es.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, das w&auml;re also abgemacht. Auf Wiedersehen
+morgen! Hol's der Teufel! es ist doch endlich
+einmal eine Abwechselung in diesem so verzweifelt
+langweiligen Leben. Ob wir nun dableiben oder nicht,
+jedenfalls k&ouml;nnen wir doch von dem Schiff etwas
+Tabak bekommen, und ich kann dir versichern, ich<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[S. 184]</a></span>
+habe einen ordentlichen Hei&szlig;hunger darauf. Donnerwetter,
+da f&auml;llt mir ein! hast du denn neulich von
+dem Wallfischf&auml;nger keinen mitgebracht?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein verw&uuml;nscht kleines St&uuml;ckchen,&ldquo; sagte z&ouml;gernd
+der Schotte. &bdquo;Die Leute waren schon drei Jahre aus,
+und der Capitain hielt sie furchtbar knapp mit Tabak.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du welchen bei dir?&ldquo; fragte Jonas gierig.</p>
+
+<p>&bdquo;Hm, ich wei&szlig; selber nicht einmal &ndash; einen Mund
+voll h&ouml;chstens.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Junge, Junge! und da l&auml;&szlig;t du mich hier die
+ganze Zeit mit trockenem Maule stehen! Du wirst
+doch wahrhaftig mit mir theilen?&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo suchte eine lange Weile in seinen
+Taschen, endlich brachte er ein kleines St&uuml;ckchen
+heraus, da&szlig; er indessen m&uuml;hsam von einem gr&ouml;&szlig;ern
+<span class="gesperrt">in</span> der Tasche abgedreht.</p>
+
+<p>&bdquo;Das ist alles, was ich noch habe, kaum ein
+Bissen, aber schneide dir die H&auml;lfte herunter, da&szlig; du
+wenigstens einmal wieder den Geschmack davon bekommst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hurrah! Tabak!&ldquo; schrie Jonas, der das St&uuml;ck
+schon vorher mit den Blicken verschlang. &bdquo;Junge,
+wenn ich meine Familie gegen Tabak und Grog eintauschen
+k&ouml;nnte, so wollte ich mir kein besseres Leben,
+wie das hier auf der Insel, w&uuml;nschen. Na, vielleicht<span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[S. 185]</a></span>
+bekommen wir morgen einen ordentlichen Vorrath.
+So viel wei&szlig; ich, ich packe meiner Frau ganze Toilette
+morgen ein, um wenigstens zum Tauschen irgend
+etwas bei der Hand zu haben. Und nun <i>good-bye</i>!
+mit Tagesanbruch morgen fr&uuml;h bin ich unten bei
+Toanonga's Haus.&ldquo;</p>
+
+<p>Damit winkte er dem Freunde einen kurzen Gru&szlig;
+zu und verschwand bald in den B&uuml;schen. Mac Kringo
+verharrte noch eine Weile auf seiner Stelle, sich &uuml;ber
+die Richtung des Segels gr&ouml;&szlig;ere Gewi&szlig;heit zu verschaffen.
+Es blieb aber bald keinem Zweifel mehr
+unterworfen, da&szlig; es wirklich n&auml;her kam. Mit <span class="gesperrt">dem</span>
+Winde h&auml;tte es auch gar nicht von ihnen fortsegeln
+k&ouml;nnen, und dar&uuml;ber beruhigt, stieg er den Weg zur&uuml;ck
+ins Thal, den er vorher herauf gekommen.</p>
+
+
+<h4>2.</h4>
+
+<p>Mit Tagesanbruch am n&auml;chsten Morgen herrschte
+an der Landung von Monui ein au&szlig;erordentlich reges
+Leben und Treiben. Schon gestern Abends hatten
+die Insulaner von ihrem Strand aus das nahende
+Segel erkannt, und Fr&uuml;chte und Gem&uuml;se wurden gepfl&uuml;ckt
+und ausgegraben und alle m&ouml;glichen anderen
+Gegenst&auml;nde hervorgesucht, um, sobald das fremde
+Fahrzeug herank&auml;me, einen lebhaften Tauschhandel mit<span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[S. 186]</a></span>
+ihm zu er&ouml;ffnen. War doch schon vieles, was ihnen
+die wei&szlig;en M&auml;nner bringen konnten, auf der sonst so
+einfachen Insel zum Bed&uuml;rfni&szlig; geworden, w&auml;hrend
+sie jetzt bei dem bevorstehenden Krieg auch noch hofften,
+mehr Feuerwaffen und Munition und damit den
+gewissen Sieg &uuml;ber die feindlichen St&auml;mme zu erlangen.</p>
+
+<p>Mac Kringo hatte Spund noch am vorigen
+Abend getroffen und ihm seinen Plan mitgetheilt. Zu
+seinem Erstaunen schien der w&uuml;rdige Bursche aber
+nicht die mindeste Lust zu haben, darauf einzugehen.
+Seit er n&auml;mlich die Bibel erhalten und flei&szlig;ig darin
+gelesen hatte, war das, was bei ihm fr&uuml;her nur eine
+Art von stiller Neigung gewesen, zur wirklich fixen
+Idee geworden, da&szlig; er n&auml;mlich berufen sei, diese
+Heiden zu Christen zu machen.</p>
+
+<p>Vergebens suchte ihm der Schotte eine solche
+Idee auszureden und ihm begreiflich zu machen, da&szlig;
+er ganz gewi&szlig; ein t&uuml;chtiger Matrose und B&ouml;ttcher
+sei, h&ouml;chst wahrscheinlich aber einen nur sehr mittelm&auml;&szlig;igen
+Prediger abgeben w&uuml;rde. Spund lie&szlig; sich
+nicht irre machen; entgegnete, da&szlig; Petrus auch nur
+ein Fischer gewesen sei, also auch nicht einmal ein
+B&ouml;ttcher, und Alles nur eben auf den Beruf ankomme.
+Dabei war er fest &uuml;berzeugt, da&szlig; ihr Schiff,<span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[S. 187]</a></span>
+die &bdquo;<i>Lucy Walker</i>,&ldquo; nur seinetwegen verbrannt sei,
+um ihn hier, an dieser f&uuml;r ihn bestimmten Stelle festzuhalten,
+und die &Uuml;brigen &ndash; Mac Kringo wie die
+anderen Kameraden &ndash; konnten Gott danken, da&szlig; sie
+mit ihm in einem Boote gewesen seien, sonst w&auml;ren
+sie auch zu Grunde gegangen.</p>
+
+<p>&Uuml;ber den Brand des Fahrzeuges h&auml;tte ihm nun
+allerdings der Schotte einen besseren Aufschlu&szlig; geben
+k&ouml;nnen, und schien einmal nicht &uuml;bel Lust dazu zu
+haben, &uuml;berlegte sich aber doch die Sache anders und
+schwieg. Vergebens waren aber alle Versuche seinerseits,
+den Kameraden von dem einmal gefa&szlig;ten Vorsatz
+abzubringen. Nur dazu verstand er sich, ihren
+Planen, wenn sie wirklich fliehen wollten, kein Hinderni&szlig;
+in den Weg zu legen, ja, sie eher nach besten
+Kr&auml;ften zu f&ouml;rdern. Und das geschah noch in seinem
+eigenen Interesse; denn von dem Christenthum der
+Kameraden hielt er au&szlig;erordentlich wenig und f&uuml;rchtete
+eher, in seinen neuen und frommen Planen durch
+die Anderen gest&ouml;rt und verspottet zu werden. Je
+fr&uuml;her sie also die Insel verlie&szlig;en und ihm das Feld
+r&auml;umten, desto eher durfte er hoffen, ein Resultat zu
+erreichen.</p>
+
+<p>Das Fahrzeug war indessen mit der frischen
+Morgenbrise rasch n&auml;her gekommen, und es lie&szlig; sich<span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[S. 188]</a></span>
+jetzt deutlich erkennen, da&szlig; es keineswegs ein gro&szlig;er
+Wallfischf&auml;nger, sondern, wie die beiden Matrosen gestern
+Abends richtig gesehen hatten, nur ein kleiner
+Schooner von vielleicht hundert oder hundertzwanzig
+Tonnen war. Im Anfang hatten die Insulaner auch
+ihre Canoes bereit gehalten, mit denen sie das fremde
+Fahrzeug anlaufen wollten, und Mac Kringo &uuml;berlegte
+sich schon dabei, ob es in dem Falle nicht m&ouml;glich
+sein w&uuml;rde, ein Canoe selbst mit Gewalt zu nehmen
+und einen offenen Fluchtversuch zu wagen. Da
+&auml;nderten die Indianer pl&ouml;tzlich ihren Plan. So wie
+das Fahrzeug nahe genug kam, die St&auml;rke desselben
+deutlich erkennen zu k&ouml;nnen, hatte Toanonga seine
+Egis zu einer raschen Berathung zusammenberufen.
+Die Unterredung mu&szlig;te auch sehr wichtig sein, denn
+sie besprachen sich lange und heimlich mit einander,
+und als sich ihnen der Schotte n&auml;hern wollte, wurde
+er zur&uuml;ckgewiesen.</p>
+
+<p>Das sah nun allerdings aus, als ob die Indianer
+etwas im Schilde f&uuml;hrten; aber was konnten sie beabsichtigen?
+einen offenen Angriff? Ihre Canoes lagen
+s&auml;mmtlich in einer kleinen, durch Mangrove-B&uuml;sche
+gesch&uuml;tzten Bai, um aber mit ihnen hinaus
+in See zu kommen, mu&szlig;ten sie &uuml;ber das offene, wohl
+eine halbe Stunde breite Binnenwasser, das zwischen<span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[S. 189]</a></span>
+den Corallenriffen und dem Ufer lag, und nur ein
+einziger schmaler Weg blieb ihnen durch die Riffe
+und die dar&uuml;ber st&uuml;rzende Brandung ins Freie. Das
+fremde Fahrzeug h&auml;tte also in einem solchen Falle
+entweder Zeit genug behalten, sich gegen einen solchen
+Angriff zu r&uuml;sten oder demselben auch, mit der jetzt
+frisch wehenden Brise, leicht entgehen k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Das schien aber auch nicht in der Absicht der
+Eingeborenen zu liegen, denn ihre Canoes wurden
+nicht ger&uuml;stet. Nur ein einzelnes, ganz kleines ruderte,
+von zwei Insulanern bemannt, hinaus, der
+Einfahrt zu.</p>
+
+<p>Bis jetzt hatte sich nun allerdings Mac Kringo
+als Dolmetscher der Insel betrachtet, und da&szlig; Toanonga
+diesmal seine H&uuml;lfe nicht in Anspruch nehmen
+wollte, machte ihn stutzig. Jedenfalls aber bekam er
+dadurch einen Vorwand, den alten H&auml;uptling nach
+der Ursache zu fragen, und ging deshalb langsam auf
+ihn zu. Hatte er ein Geheimni&szlig;, so wollte er es bald
+aus ihm heraus bekommen.</p>
+
+<p>Jonas war vor einer Viertelstunde, der gestrigen
+Verabredung gem&auml;&szlig;, richtig eingetroffen, von dem
+Alten aber augenblicklich wieder fortgeschickt worden
+und befand sich jetzt mit Legs auf der Landzunge und
+ziemlich in der N&auml;he. Nur von Pfeife hatte der<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[S. 190]</a></span>
+Schotte nichts erfahren k&ouml;nnen. Spund wu&szlig;te seiner
+Aussage nach allerdings die Stelle, wo seine Wohnung
+stand, wollte ihn aber in den letzten vier Wochen mit
+keinem Auge gesehen haben und behauptete nur, da&szlig;
+er einige Mal l&auml;ngere Unterredungen mit Toanonga
+selber gehabt.</p>
+
+<p>Der alte H&auml;uptling sa&szlig; wie gew&ouml;hnlich vor seiner
+H&uuml;tte und nickte dem Schotten, als er ihn kommen
+sah, freundlich und herablassend zu.</p>
+
+<p>&bdquo;Willst du keinen Handel mit dem Schiff treiben,
+Toanonga?&ldquo; fragte ihn dieser, als er, neben <a name="cortex3-1" href="#corr3-1" class="corr">ihm</a> angekommen,
+sich bei ihm niedergelassen hatte. &bdquo;Brauchst
+du keinen Tabak und keine Beile mehr?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Je nun, Ma Kino,&ldquo; schmunzelte der Alte, &bdquo;k&ouml;nnen
+immer Alles gebrauchen. &ndash; Wenn Papalangis
+aber mit Toanonga handeln wollen, m&ouml;gen sie selber
+her&uuml;berkommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber ein Canoe ist doch schon zu ihnen hin&uuml;bergefahren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja,&ldquo; sagte der Alte gleichg&uuml;ltig, &bdquo;habe es auch
+gesehen; sind neugierige junge Leute, die vielleicht
+einmal zuschauen wollen, was die Papalangis an
+Bord haben.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo wu&szlig;te recht gut, da&szlig; sich der Alte
+nur so stellte, als ob jenes Canoe aus freien St&uuml;cken<span class="pagenum"><a name="Page_191" id="Page_191">[S. 191]</a></span>
+dort hin&uuml;ber gefahren sei. Ohne seine Erlaubni&szlig;
+durfte n&auml;mlich gar kein Fahrzeug das Binnenwasser
+verlassen, mit irgend einem Schiffe Handel zu treiben.
+Er lie&szlig; sich jedoch nichts merken und antwortete nur
+ruhig:</p>
+
+<p>&bdquo;Sie werden aber nicht verstehen, was die Papalangis
+zu ihnen sagen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah!&ldquo; lachte der Alte, &bdquo;ist auch nicht n&ouml;thig!
+was werden die Papalangis viel sagen? Aber wei&szlig;t
+du, Ma Kino, was das f&uuml;r ein Schiff ist? doch keines,
+das herumf&auml;hrt, Wallfische zu fangen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich glaube kaum,&ldquo; sagte der Schotte, &bdquo;und denke
+eher, da&szlig; es zu euch kommt Cocosnu&szlig;&ouml;l einzutauschen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hm, das habe ich mir auch gedacht! Ob sie
+wohl Kanonen an Bord haben?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Jedenfalls,&ldquo; meinte Mac Kringo, der dadurch
+alle etwaigen Gel&uuml;ste des H&auml;uptlings auf das Schiff
+abzuwenden suchte. &bdquo;Bewaffnet sind derartige Schiffe
+immer gut, denn sie wissen nie, ob sie Freunde oder
+Feinde auf den Inseln finden.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga erwiderte nichts hierauf, sondern sah
+eine Weile nachdenkend vor sich nieder; endlich <a name="cortex3-5" href="#corr3-5" class="corr">sagte</a> er:</p>
+
+<p>&bdquo;W&auml;r' ein vortrefflich Ding, wenn wir auch Kanonen
+h&auml;tten; was meinst du, Ma Kino? k&ouml;nnten
+nach Hapai hin&uuml;berfahren und die ganze Insel wegnehmen.<span class="pagenum"><a name="Page_192" id="Page_192">[S. 192]</a></span>
+Bum &ndash; bum! wie die Hapai-Burschen
+laufen w&uuml;rden, wenn Toanonga mit solchen gro&szlig;en
+Dingern zu ihnen k&auml;me!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Papalangis verkaufen nur nicht gern ihre
+Kanonen,&ldquo; meinte der Schotte, &bdquo;sie brauchen sie immer
+selber und k&ouml;nnen hier keine anderen daf&uuml;r wieder bekommen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;W&auml;r' auch gar nicht n&ouml;thig,&ldquo; sagte Toanonga
+finster, &bdquo;brauchen hier nicht herzukommen und
+Tonga-Leute todt zu schie&szlig;en &ndash; Tonga-Leute gehen
+auch nicht zu den Papalangis und fangen dort
+Krieg an.&ldquo;</p>
+
+<p>Wieder machte er eine Pause, und Mac Kringo
+schwieg ebenfalls, da er nicht recht wu&szlig;te, was er
+ihm darauf erwidern sollte! Jedenfalls merkte er aber,
+da&szlig; der Alte etwas auf dem Herzen habe und nur
+nicht recht mit der Sprache herauswollte.</p>
+
+<p>&bdquo;Sag einmal, Ma Kino,&ldquo; fuhr da endlich Toanonga
+fort, &bdquo;gef&auml;llt es dir auf Monui?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mir? gewi&szlig;!&ldquo; erwiderte durch die Frage etwas
+&uuml;berrascht der Schotte, denn bis jetzt hatte sich der
+alte H&auml;uptling entsetzlich wenig darum gek&uuml;mmert,
+ob ihnen das Leben dort zusagte oder nicht.</p>
+
+<p>&bdquo;Und m&ouml;chtest du wieder hinaus und Wallfische
+fangen?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_193" id="Page_193">[S. 193]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Ich danke sch&ouml;n, wenn es nicht sein <span class="gesperrt">mu&szlig;</span>, gewi&szlig;
+nicht!&ldquo; lachte der Matrose.</p>
+
+<p>Toanonga schien mit der Antwort zufrieden, denn
+er nickte leise vor sich hin.</p>
+
+<p>&bdquo;Gut,&ldquo; sagte er dann, &bdquo;und wenn wir jetzt so ein
+paar Kanonen und solch ein gro&szlig;es Schiff h&auml;tten,
+dann k&ouml;nnten wir's bald noch besser bekommen. Wenn
+Ma Kino mit nach Hapai geht und dort viel Beute
+macht, kann er sich Frauen nehmen, so viel er will,
+die M&auml;dchen von Hapai sind jung und sch&ouml;n.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wo, zum Henker! will der Alte hinaus?&ldquo; dachte
+der Schotte. &bdquo;Hat er doch am Ende Absichten auf
+das Schiff, und sollen wir ihm die Castanien aus dem
+Feuer holen? darin irrst du dich aber, mein Bursche,
+denn was <span class="gesperrt">du</span> wegschenkst, ist auch gew&ouml;hnlich nicht
+werth, da&szlig; man es aufhebt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Pfeife ist ein guter Bursche,&ldquo; sprang da pl&ouml;tzlich
+Toanonga auf ein anderes Thema &uuml;ber, &bdquo;und Spund
+sehr gut, nur ein Bi&szlig;chen dumm, Jonas nicht viel
+werth, Schmied gar nicht, und Koch ganz schlechter
+Kerl &ndash; werde ihm noch zwei Frauen geben, wenn er
+mit denen nicht Frieden h&auml;lt.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo lachte, denn er dachte in dem Augenblicke
+daran, was ihm Jonas gestern Abends erz&auml;hlt<span class="pagenum"><a name="Page_194" id="Page_194">[S. 194]</a></span>
+und welche schwere Zeit der arme Legs schon jetzt mit
+seinen Frauen hatte. Die Gelegenheit war aber auch
+zu g&uuml;nstig, etwas von Pfeife's Aufenthalt zu erfahren,
+und er fragte deshalb den Alten, wo er stecke und was
+er treibe.</p>
+
+<p>&bdquo;Pfeife,&ldquo; sagte Toanonga, der nur die Spitznamen
+der Matrosen erfahren hatte und sie danach nannte,
+&bdquo;Pfeife geht es sehr gut. Braver Papalangi, arbeitet
+flei&szlig;ig und macht Segel f&uuml;r die Canoes, und Lemon
+hilft ihm.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Lemon ist bei ihm?&ldquo; rief Mac Kringo schnell.</p>
+
+<p>Toanonga antwortete ihm nicht darauf, denn seine
+Aufmerksamkeit wurde in diesem Augenblicke zu sehr
+durch den Schooner in Anspruch genommen. Dieser
+kreuzte jetzt dicht vor den Riffen und hatte gerade das
+zu ihm ausgekommene Canoe langseit genommen.
+Mac Kringo lag auch nichts daran, sich jetzt noch l&auml;nger
+hier aufzuhalten, denn er wu&szlig;te Alles, was er
+wissen wollte, und da Toanonga das Gespr&auml;ch nicht
+wieder aufnahm, erhob er sich und verlie&szlig; langsam,
+als ob er in den Wald wieder hineinschlendern wollte,
+den Platz. Sobald er dem Alten &uuml;brigens aus
+Sicht war, eilte er, jeden gebahnten Weg vermeidend,
+so rasch er konnte, der Landspitze zu, auf der er die
+Kameraden wu&szlig;te. Diesen mu&szlig;te er seine Vermuthungen<span class="pagenum"><a name="Page_195" id="Page_195">[S. 195]</a></span>
+mittheilen und gemeinschaftlich mit ihnen
+einen Plan berathen.</p>
+
+
+<h4>3.</h4>
+
+<p>Mac Kringo hatte geglaubt, seinen Weg ziemlich
+unbemerkt verfolgen zu k&ouml;nnen. Das, sah er bald,
+war nicht m&ouml;glich, denn von allen Seiten kamen Insulaner
+und besonders Frauen herbei, und zwar die
+letzteren nur aus Neugierde, einen so seltenen Gegenstand,
+wie ein fremdes Schiff, zu betrachten. Im Anfange
+suchte er ihnen auszuweichen, da er aber dadurch
+Verdacht zu erregen f&uuml;rchtete, folgte er zuletzt
+dem offenen Fu&szlig;weg und unterhielt sich mit denen,
+die ihm begegneten. Allerdings wurde er einige
+Male gefragt, warum er nicht am Strand bliebe und
+wohin er wolle; er gab aber ausweichende Antworten
+und meinte, es w&uuml;rde wohl noch eine Weile dauern,
+bis die Wei&szlig;en ans Land k&auml;men, und er k&ouml;nne vielleicht
+indessen selber einige Yams aus einem dort in
+der N&auml;he liegenden und ihm geh&ouml;renden Felde holen,
+um sie nachher gegen Tabak einzutauschen.</p>
+
+<p>So kam er endlich zu dem Geb&uuml;sch, das die Landspitze
+begr&auml;nzte, und einmal dort, traf er auch Niemanden
+mehr, denn die da drau&szlig;en stehende H&uuml;tte
+lag unbewohnt. Nur die Fischer &uuml;bernachteten<span class="pagenum"><a name="Page_196" id="Page_196">[S. 196]</a></span>
+manchmal in derselben, wenn sie von dort aus mit
+der Morgend&auml;mmerung auf den Fang gehen wollten.</p>
+
+<p>An der bezeichneten Stelle fand er &uuml;brigens die
+ihn schon ungeduldig erwartenden Kameraden und zu
+seiner Freude auch Lemon, den Jonas in der N&auml;he
+der Canoes angetroffen und dorthin bestellt hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;Donnerwetter! da&szlig; ist gut, da&szlig; du kommst,
+Lord Douglas!&ldquo; schrie ihm Legs, der eine m&auml;chtige
+Kriegskeule in der Hand trug, schon von Weitem
+entgegen. &bdquo;Ich wei&szlig; hier ganz in der N&auml;he ein kleines
+Canoe, und in einer halben Stunde k&ouml;nnen wir
+drau&szlig;en an Bord und in Sicherheit sein. Hol'
+der Teufel das Hundeleben auf der Insel! Ich
+hab's zum Sterben satt und will mein Lebtag an
+Monui denken.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Unsinn!&ldquo; sagte aber Jonas, &bdquo;wenn wir jetzt hier
+mit einem Canoe abfahren, schneiden sie uns den
+Weg ab, ehe wir halb aus der Bai hinaus sind, und
+dann d&uuml;rfen wir uns nur jeden Gedanken an Flucht
+vergehen lassen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wo ist Pfeife?&ldquo; fragte Mac Kringo, &bdquo;den d&uuml;rfen
+wir doch auf keinen Fall zur&uuml;ck lassen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Pfeife steckt dr&uuml;ben bei den Canoes,&ldquo; rief Lemon,
+&bdquo;und n&auml;ht Segel. Da m&uuml;ssen wir Spund aber auch
+mitnehmen, und wenn wir warten wollen, bis wir<span class="pagenum"><a name="Page_197" id="Page_197">[S. 197]</a></span>
+erst alle Sechse einmal zusammen haben, k&ouml;nnen wir
+uns auch darauf verlassen, da&szlig; wir sitzen bleiben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Jungens,&ldquo; sagte da Mac Kringo, der indessen
+gesucht hatte, durch die dichten Mangrove-B&uuml;sche
+einen &Uuml;berblick nach der innern Bai zu gewinnen,
+&bdquo;mit eurem Plane ist es nichts. Da drau&szlig;en f&auml;hrt
+eben das Schiffsboot, von dem Canoe begleitet, das
+heute Morgen hinausgegangen ist, durch die Riffe,
+und das anzurufen, dazu sind wir zu weit entfernt,
+und es w&uuml;rde auch die Insulaner augenblicklich aufmerksam
+machen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und weshalb brauchen wir es anzurufen?&ldquo; rief
+Legs &auml;rgerlich, &bdquo;la&szlig; die immer fahren. Wenn wir
+nur erst einmal an Bord sind, sollen uns die Rothfelle
+wahrhaftig nicht wieder herunter bringen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du redest, wie du's verstehst,&ldquo; erwiderte ruhig
+der Schotte, &bdquo;und glaubst du denn, Toanonga hat
+nicht Verstand genug, die Wei&szlig;en in dem Falle als Gei&szlig;el
+an Land zu behalten? So wie der merkte, da&szlig;
+wir ihm durchs Netz gingen, machte er die Klappe
+zu und h&auml;tte die Anderen fest, und der Capitain von
+dem Schooner wird uns wahrhaftig nicht mit in See
+nehmen und seine eigenen Leute daf&uuml;r zur&uuml;ck lassen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dann ist die ganze Geschichte wieder faul!&ldquo;
+fluchte Legs; &bdquo;das kommt aber von dem ewigen Tr&ouml;deln<span class="pagenum"><a name="Page_198" id="Page_198">[S. 198]</a></span>
+und Berathen her! Erst hat <span class="gesperrt">der</span> ein Bedenken
+und dann <span class="gesperrt">der</span>, und dabei bleiben wir richtig jedesmal
+in der Falle sitzen. Das sag' ich euch, wenn sich mir
+irgend eine Gelegenheit zur Flucht bietet, auf euch
+warte ich nicht, denn mit euren &uuml;berklugen und ewigen
+Bedenklichkeiten kommt ihr &uuml;berall zu kurz.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Renn' du nur mit dem Kopf gegen die Wand,&ldquo;
+sagte Mac Kringo ruhig, &bdquo;so wirst du schon bei Zeiten
+finden, wo du bleibst. &Uuml;brigens sei so gut und
+schrei nicht so, denn wir sind keineswegs so weit vom
+Wege entfernt, und deine und Pfeife's Stimme h&ouml;rt
+man eine Meile durch den Wald.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na gut,&ldquo; sagte Legs, der Warnung jedoch Folge
+leistend und nicht so laut als vorher, &bdquo;wenn du denn
+so genau wei&szlig;t, was wir thun und lassen m&uuml;ssen, so
+erz&auml;hl' uns auch jetzt, was nun werden soll und was
+du im Sinne hast!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, wenn ich &uuml;berhaupt etwas im Sinne h&auml;tte!&ldquo;
+entgegnete Mac Kringo, &bdquo;dar&uuml;ber scheinen wir allerdings
+einig zu sein, da&szlig; wir hier fort wollen, um auf
+irgend einer andern Insel als freie M&auml;nner auftreten
+zu k&ouml;nnen. Ob das aber mit diesem Schiffe geschehen
+kann, ist noch die Frage. Wir wissen ja nicht einmal,
+ob der Capitain Platz f&uuml;r uns an Bord und &uuml;berhaupt
+Lust hat, sich mit uns einzulassen. Manche<span class="pagenum"><a name="Page_199" id="Page_199">[S. 199]</a></span>
+dieser Herren sind verdammt mi&szlig;trauisch, und h&uuml;ten
+sich, besonders in der N&auml;he von Australien, englische
+Matrosen in gr&ouml;&szlig;erer Zahl aufzunehmen. Sie trauen
+nicht, ob es nicht am Ende statt verungl&uuml;ckter oder
+entlaufener Seeleute entsprungene Str&auml;flinge aus den
+dortigen Colonien sind.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, wozu sind wir aber dann hier zusammengekommen?&ldquo;
+rief Lemon. &bdquo;Wenn wir nicht wenigstens
+einen Versuch machen, f&auml;hrt das Boot wieder
+ab, und wir bleiben so klug wie vorher.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Lord Douglas steckt &uuml;berhaupt immer voller
+Plane, aus denen nie etwas wird!&ldquo; rief Legs &auml;rgerlich.
+&bdquo;Wie klug konnte er damals sprechen, als die
+<i>Lucy Walker</i> noch hier lag! und w&auml;re das Feuer
+nicht da zuf&auml;llig ausgebrochen, so schw&auml;mmen wir jetzt
+wieder ganz ruhig mit dem alten Kasten im Eismeer
+umher und ruderten mit Fausthandschuhen hinter
+schmierigen Wallfischen drein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, aber&ldquo; ... wollte Jonas etwas darauf entgegnen,
+der Schotte unterbrach ihn jedoch und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn wir mit dem Maul hier wegzubringen
+w&auml;ren, Legs, dann glaube ich allerdings, da&szlig; du uns
+allein helfen k&ouml;nntest. Jetzt aber sei so gut und la&szlig;
+uns mit deinem Unsinn zufrieden, und h&ouml;rt erst einmal
+meinen Vorschlag. Wi&szlig;t ihr dann was Besseres,<span class="pagenum"><a name="Page_200" id="Page_200">[S. 200]</a></span>
+so soll es mich freuen, ich bin gern erb&ouml;tig, euch Folge
+zu leisten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Na, da komm endlich einmal klar, und reib' nicht
+so lange auf dem Sand herum!&ldquo; rief Lemon; &bdquo;die
+Zeit vergeht, und wir haben wahrhaftig keine &uuml;brig.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So h&ouml;rt,&ldquo; sagte Mac Kringo, &bdquo;ich mu&szlig; vor
+allen Dingen jetzt zum Alten, um dort zu dolmetschen,
+wenn die Fremden nichts von der Tonga-Sprache
+verstehen. Dort will ich mit dem Steuermann oder
+wer nun gerade an Land gekommen ist, schon Gelegenheit
+finden, ein paar Worte allein zu sprechen.
+Wollen sie uns mitnehmen, dann findet sich auch eine
+Gelegenheit, fortzukommen, und in dem Fall habe ich
+selber nichts dagegen, da&szlig; wir es zum &Auml;u&szlig;ersten
+treiben und Gewalt brauchen, wenn wir eben auf
+keine andere Weise fortkommen k&ouml;nnen. K&ouml;nnen sie
+uns freilich nicht mitnehmen, dann bleibt es f&uuml;r uns
+das Beste, uns so ruhig wie m&ouml;glich zu verhalten.
+Jeder geht nachher wieder seiner Besch&auml;ftigung nach,
+und wir warten eine g&uuml;nstige Gelegenheit ab.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Doch wie dem auch sei, von da dr&uuml;ben werde ich
+euch ein Zeichen geben, damit ihr wi&szlig;t, was ihr zu
+thun habt. Seht ihr jene in die Bai auslaufende
+spitze Corallenbank, auf der ein einzelner Pfahl steckt?
+&ndash; <span class="gesperrt">Die</span> behaltet im Auge. Rudert das Boot dorthin,<span class="pagenum"><a name="Page_201" id="Page_201">[S. 201]</a></span>
+und winken sie euch von Bord aus, so gilt das
+als ein Zeichen, da&szlig; sie uns mitnehmen k&ouml;nnen, dann
+kommt so rasch ihr k&ouml;nnt an die Landung, bringt auch
+irgend eine Waffe mit, im Nothfall unseren Weg mit
+Gewalt zu erzwingen. Bekommt ihr aber von dem
+Boot <span class="gesperrt">kein</span> Zeichen, dann hei&szlig;t das so viel, da&szlig; sie
+uns nicht haben wollen, und dann versteht es sich
+von selbst, da&szlig; wir f&uuml;r jetzt jeden Fluchtversuch aufgeben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das klingt doch endlich einmal wie Vernunft,&ldquo;
+brummte Legs. &bdquo;Nun mach' aber, da&szlig; du fortkommst,
+denn mir brennt der Boden schon unter den F&uuml;&szlig;en.
+Ha, ha, ha, wie sich meine Familie freuen wird, wenn
+ich heute nicht zum Essen komme.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was wird aus Pfeife?&ldquo; fragte Jonas.</p>
+
+<p>&bdquo;Ihr habt ja Zeit genug, dem unsern Plan mitzutheilen,&ldquo;
+entgegnete der Schotte; &bdquo;kommt ihr mit
+dem Canoe, so nehmt ihn ein; im andern Falle sagt
+ihm nur Bescheid, aber kommt mir nicht Alle in einem
+Klumpen, sondern vertheilt euch h&uuml;bsch, da&szlig; die Insulaner
+nichts merken. Es mu&szlig; aussehen, als ob ihr
+nur zuf&auml;llig an den Strand kommt. Und jetzt <i>good-bye</i>!
+wenn das Gl&uuml;ck gut geht, sehen wir uns vielleicht
+an Bord wieder!&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_202" id="Page_202">[S. 202]</a></span></p>
+
+<p>Toanonga hatte indessen in aller Ruhe der Ankunft
+eines Bootes von dem fremden Fahrzeug entgegengesehen,
+und an ihm bemerkte man nicht das
+Geringste von der Aufregung, die unter den Egis
+selber zu herrschen schien. Da&szlig; diese dagegen etwas
+Besonderes und Au&szlig;ergew&ouml;hnliches erwarteten, war
+augenscheinlich. Waffen wurden herbeigebracht und
+in der N&auml;he versteckt, und in Toanonga's Hause selber
+die bis dahin eingepackten Musketen hervorgesucht
+und geladen, ohne da&szlig; sich jedoch der alte H&auml;uptling
+im Geringsten selbst darum bem&uuml;ht h&auml;tte. Er lie&szlig;
+das alles seine H&auml;uptlinge besorgen, und wenn man
+ihn so dasitzen sah, w&uuml;rde man kaum geglaubt haben,
+da&szlig; all das th&auml;tige Leben um ihn her nur einzig und
+allein von ihm selber ausgegangen sei.</p>
+
+<p>Um die Papalangis hatte sich indessen Niemand
+bek&uuml;mmert, und eigentlich war es Toanonga ganz
+recht, da&szlig; sie sich gerade jetzt nicht am Strand befanden.
+Spund allein kam endlich langsam dort herauf
+geschlendert, und ohne sich an die geheimni&szlig;volle Gesch&auml;ftigkeit
+der Insulaner zu kehren oder selbst besonders
+auf das Schiff zu achten, das ihn doch
+eigentlich h&auml;tte interessiren m&uuml;ssen, schien er ein ganz
+anderes Ziel im Auge zu haben.<span class="pagenum"><a name="Page_203" id="Page_203">[S. 203]</a></span></p>
+
+<p>Feierlich schritt er auf den alten H&auml;uptling zu,
+mit dem er sich in seiner Sprache schon recht gut
+unterhalten konnte. Wenn es auch manchmal ein
+wenig verkehrt herauskam, verstand doch Toanonga
+immer, was er eigentlich sagen wollte.</p>
+
+<p>&bdquo;Ah Spund,&ldquo; redete ihn der H&auml;uptling freundlich
+an, &bdquo;es ist gut, da&szlig; du gerade kommst. Ma Kino
+steckt wer wei&szlig; wo im Busch, und wenn Papalangis
+ans Land kommen, mu&szlig; doch Jemand da sein, der
+mit ihnen spricht; Papalangis schrecklich dummes
+Volk! m&uuml;ssen erst immer zu Tonga-Inseln kommen,
+um die Sprache zu lernen!&ldquo;</p>
+
+<p>Spund lie&szlig; sich ohne Weiteres neben dem alten
+H&auml;uptling nieder und sagte.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, Toanonga, Papalangis m&ouml;gen in Manchem
+dumm sein, aber sie haben doch wenigstens den rechten
+Glauben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glauben? Glauben haben wir auch!&ldquo; sagte
+Toanonga. &bdquo;Ich glaube, da&szlig; da dr&uuml;ben von dem
+fremden Schiff gerade jetzt ein Boot abst&ouml;&szlig;t und zu
+uns her&uuml;ber kommen wird.&ldquo;</p>
+
+<p>Spund seufzte tief auf.</p>
+
+<p>&bdquo;Ach,&ldquo; st&ouml;hnte er, &bdquo;da&szlig; du nur immer an irdische
+Dinge denken willst, Toanonga! Wei&szlig;t du denn, was
+uns bevorsteht, wenn wir pl&ouml;tzlich sterben?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_204" id="Page_204">[S. 204]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Sterben? wer denkt an Sterben!&ldquo; lachte Toanonga.
+&bdquo;Wenn das kommt, ist es Zeit genug, und
+dann gehen wir hin&uuml;ber nach Bolutu<a name="FNanchor_33_33" id="FNanchor_33_33"></a><a href="#Footnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a> und werden
+Hotuas.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, Hotuas!&ldquo; &auml;chzte Spund, &bdquo;man wird euch
+behotuan! Sieh, Toanonga!&ldquo; setzte er dann gutm&uuml;thig
+hinzu, &bdquo;du bist sonst ein braver Mann, und ich mag<span class="pagenum"><a name="Page_205" id="Page_205">[S. 205]</a></span>
+dich gern leiden, und deshalb thut es mir immer leid,
+wenn ich dich ansehe, und wei&szlig;, in welcher entsetzlichen
+Gefahr du schwebst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gefahr?&ldquo; sagte der alte H&auml;uptling, und sah
+rasch und mi&szlig;trauisch in die Augen des Seemannes,
+&bdquo;und was wei&szlig;t du von Gefahr?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wei&szlig;, was hier in dem Buche steht,&ldquo; sagte
+Spund, auf die Bibel zeigend, die er sorgf&auml;ltig unter
+dem linken Arme trug. &bdquo;Und da&szlig; wir einmal an
+einen sehr b&ouml;sen Platz kommen, wenn wir uns hier
+nicht zum rechten Glauben bekehren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So?&ldquo; l&auml;chelte Toanonga, vollkommen beruhigt,
+denn die Bekehrungsversuche des Matrosen hatten ihn
+bisher au&szlig;erordentlich gleichg&uuml;ltig gelassen. Er selber
+versuchte &uuml;brigens nie einen der Wei&szlig;en zu der Annahme
+seines eigenen Glaubens zu bewegen, weil er
+sich nicht denken konnte, da&szlig; Papalangis auf Bolutu
+zugelassen w&uuml;rden. Was h&auml;tte es ihm also geholfen,
+seine Zeit damit zu vergeuden? Seine augenscheinliche
+Gleichg&uuml;ltigkeit gegen die Schrecken nach dem
+Tode reizte den Matrosen aber nur noch mehr, ihm
+nachdr&uuml;cklich in das Gewissen zu reden, und das Buch
+vor sich auf die gekreuzten Beine legend, rief er aus:</p>
+
+<p>&bdquo;So? du sagst ganz ruhig: so? wenn wir aber
+sterben, werden wir nicht mehr <span class="gesperrt">so</span> sagen; dann kommen<span class="pagenum"><a name="Page_206" id="Page_206">[S. 206]</a></span>
+wir an einen Ort, wo da ist Heulen und Z&auml;hneklappern
+und ein schreckliches Feuer, in dem wir gebrannt
+werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ist das euer Glaube?&ldquo; fragte Toanonga, &bdquo;und
+kommen die Papalangis wirklich an solchen Platz?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Allerdings!&ldquo; rief Spund, der jetzt endlich des
+H&auml;uptlings Aufmerksamkeit dahin gelenkt hatte, wohin
+er sie haben wollte. &bdquo;Wenn wir nicht fromm
+und gottesf&uuml;rchtig auf dieser Erde leben, wenn wir
+nicht an Gott glauben, wenn wir s&uuml;ndhafte, schlechte
+Menschen sind und uns nicht zu dem bekennen, was
+in diesem Buche steht, dann erleiden wir furchtbare
+Strafen, Strafen, wo einem jetzt schon die Haut
+schaudert, wenn man nur daran denkt. Und was
+sagst du nun, Toanonga?&ldquo;</p>
+
+<p>Der alte H&auml;uptling hatte ihm aufmerksam zugeh&ouml;rt
+und nickte dabei langsam mit dem Kopfe.</p>
+
+<p>&bdquo;Hm, hm, hm!&ldquo; sagte er dann, &bdquo;<span class="gesperrt">das ist sehr
+schlimm f&uuml;r Papalangis!</span>&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;r Papalangis?&ldquo; rief Spund &uuml;berrascht, den
+diese Wendung ganz au&szlig;er Fassung brachte.</p>
+
+<p>Toanonga deutete aber mit ausgestreckten Armen
+auf die Bai, auf der das Boot der Wei&szlig;en jetzt, von
+einem Canoe begleitet, schon heranglitt, und das Gespr&auml;ch
+war dadurch nat&uuml;rlich abgebrochen.<span class="pagenum"><a name="Page_207" id="Page_207">[S. 207]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Verdammter, dickk&ouml;pfiger Heide!&ldquo; murmelte
+aber Spund in sehr unchristlicher Entr&uuml;stung halblaut
+und &auml;rgerlich vor sich hin. &bdquo;Na, da&szlig; du einmal den
+ganzen Weg bergunter gehst, wenn du stirbst, darauf
+kannst du dich doch fest verlassen.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga nahm aber nicht mehr die geringste
+Notiz von ihm.</p>
+
+<p>Einer der Egis war wieder zu ihm getreten und
+hatte ihm etwas ins Ohr gefl&uuml;stert, und der alte
+H&auml;uptling stand auf, die Fremden zu begr&uuml;&szlig;en.</p>
+
+<p>Die Leute im Boot lie&szlig;en sich jetzt deutlich erkennen.
+Am Steuer sa&szlig; ein Europ&auml;er, die vier Rudernden
+waren aber sogenannte Kanakas, Eingeborene
+der Sandwichs-Inseln, die jedoch mit den Riemen
+ganz vortrefflich umzugehen wu&szlig;ten. Einige der
+Insulaner liefen ihnen entgegen, und halfen ihnen
+das Boot auf den Corallensand ziehen, w&auml;hrend sie
+mit den Fremden ihre Begr&uuml;&szlig;ungen wechselten. Die
+Sandwichs-Insulaner haben jedoch eine von den
+Tonga's sehr verschiedene Sprache, und die Indianer
+konnten sich nicht unter einander verst&auml;ndigen, w&auml;hrend
+der Fremde die Tonga-Sprache vollkommen gut
+und flie&szlig;end redete.</p>
+
+<p>Es war eine breitschulterige, kr&auml;ftige und &auml;chte
+Seemanns-Gestalt, die den Engl&auml;nder nicht verl&auml;ugnen<span class="pagenum"><a name="Page_208" id="Page_208">[S. 208]</a></span>
+konnte, mit blauen, klaren Augen, wettergebr&auml;unten
+Z&uuml;gen und festgelocktem hellbraunem Haar.
+Er ging auch ohne Weiteres auf Toanonga, den er
+bald als den How der Insel erkannt hatte, zu,
+sch&uuml;ttelte ihm die Hand und redete ihn mit dem
+&uuml;blichen Gru&szlig;e der Insel an. Auf Spund, der mit
+der Bibel unter dem Arm nicht weit davon stand,
+warf er nur einen fl&uuml;chtigen und wie &uuml;berraschten
+Blick &ndash; denn der Bursche sah in seiner halb indianischen
+halb Matrosen-Tracht, mit dem dicken Buch
+unterm Arm und dem gar nicht recht dazu passenden
+breiten Gesicht, komisch genug aus. Er nickte ihm aber
+nur zu und achtete weiter nicht auf ihn. Hatte er doch
+lange genug die verschiedenen Inselgruppen besucht,
+um daran gewohnt zu sein, Missionare und weggelaufene
+Matrosen auf ihnen zu finden, wenn er auch
+nicht gleich wu&szlig;te, zu welcher der beiden so verschiedenen
+Classen der Wei&szlig;e hier geh&ouml;ren mochte.</p>
+
+<p>Seine Absicht war, wie er Toanonga gleich von
+vorn herein erkl&auml;rte, Alles von Cocosnu&szlig;&ouml;l, was auf
+der Insel vorr&auml;thig sei, aufzukaufen und daf&uuml;r
+Waaren, wie sie die Insulaner gerade gebrauchten,
+einzutauschen.</p>
+
+<p>Toanonga h&ouml;rte ihm aufmerksam zu und sagte ihm
+dann, da&szlig; er die n&ouml;thigen Befehle dazu geben werde.<span class="pagenum"><a name="Page_209" id="Page_209">[S. 209]</a></span>
+Damit lie&szlig; er den Fremden stehen und wandte sich
+seinen eigenen Leuten wieder zu, wo bald einer der
+jungen Bursche, der mit dem Canoe drau&szlig;en an Bord
+des Fahrzeugs gewesen war, an seine Seite glitt.</p>
+
+<p>&bdquo;Nu, Tibi&ndash;ano,&ldquo; sagte da der Alte, als er weit
+genug von dem Fremden entfernt war, um nicht von
+ihm geh&ouml;rt zu werden, &bdquo;wie viel Wei&szlig;e sind drau&szlig;en
+auf dem gro&szlig;en Canoe?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Noch f&uuml;nf, Toanonga;&ldquo; lautete die Antwort,
+&bdquo;au&szlig;er dem hier und noch drei Kanakas. Der hier
+Capitain.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ah, vortrefflich!&ldquo; nickte Toanonga, &bdquo;sehr gut
+das! und haben sie Kanonen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Zwei; nicht sehr gro&szlig;e.&ldquo;</p>
+
+<p>Der alte H&auml;uptling schmunzelte vergn&uuml;gt vor sich
+hin, und warf dabei vorsichtig den Blick umher, sich
+zu &uuml;berzeugen, ob seine Anordnungen ausgef&uuml;hrt
+w&uuml;rden. Neben dem Schiffsboot standen zwei der
+Egis und sechs oder acht andere Insulaner, w&auml;hrend
+die Kanakas, von einem der Monui-Leute gef&uuml;hrt, zu
+einer kleinen Gruppe von Cocospalmen gegangen
+waren, dort eine Anzahl N&uuml;sse herunter zu werfen.
+Der Capitain des Schooners stand neben Spund, der
+ihm gerade Bericht &uuml;ber den Untergang der <i>Lucy
+Walker</i> abstattete.<span class="pagenum"><a name="Page_210" id="Page_210">[S. 210]</a></span></p>
+
+<p>Eben jetzt kam Mac Kringo aus dem n&auml;chsten
+Pandanus-Dickicht und ging auf den Capitain zu.
+Zu seinem Erstaunen sah er aber, da&szlig; nicht allein
+eine Menge Indianer bewaffnet waren, sondern ein
+Theil von ihnen sogar im Dickicht versteckt blieb.
+Mit den Sitten der Insulaner bekannt, zweifelte er
+keinen Augenblick daran, da&szlig; sie irgend etwas B&ouml;ses
+gegen die Fremden beabsichtigen, und je eher er deshalb
+den Bedrohten warnen konnte, desto besser.</p>
+
+<p>Der Fremde war indessen mit Spund in ziemlich
+lebhaftem Gespr&auml;ch schr&auml;g an der Corallenbank
+hinausgeschritten. Toanonga hatte ihm eben gewinkt,
+zu ihm zu kommen. Dort aber, wo der Corallensand
+aufh&ouml;rte und der Fruchtboden begann, stand ein kleiner
+Streifen von Casuarinen mit ein paar Pandanus-B&auml;umen
+und einem Unterwuchs von einzelnen niederen
+B&uuml;schen. Im Schatten derselben lagen etwa
+acht oder neun Insulaner. So wie jedoch der Capitain
+an ihnen vor&uuml;berschritt und hinter dem kleinen
+Buschstreifen vom Bord seines eigenen Schiffes aus
+nicht mehr gesehen werden konnte, sprangen diese
+pl&ouml;tzlich empor und warfen sich auf ihn.</p>
+
+<p>&Uuml;berrascht wie er war, gelang es dabei Zweien,
+sich seines linken Armes zu bem&auml;chtigen, aber sicher
+zu ihrem Schaden, denn mit dem rechten schlug er sie<span class="pagenum"><a name="Page_211" id="Page_211">[S. 211]</a></span>
+mit zwei rasch gef&uuml;hrten St&ouml;&szlig;en, auch schon im n&auml;chsten
+Augenblick bewu&szlig;tlos zu Boden. Die &Uuml;berzahl
+war jedoch zu gro&szlig;; ehe er sich gegen die Anderen
+wenden konnte, hingen diese &uuml;berall um ihn her, und
+trotz seinem w&uuml;thenden Str&auml;uben fand er sich bald
+gebunden und in der Gewalt der Feinde.</p>
+
+<p>Spund war ein h&ouml;chst &uuml;berraschter Zeuge des
+Ganzen gewesen, und Alles so schnell gekommen, da&szlig;
+er wirklich gar nicht einmal daran dachte, dem Landsmann
+beizustehen.</p>
+
+<p>Mac Kringo, der ebenfalls in der N&auml;he war, hatte
+allerdings etwas &Auml;hnliches gef&uuml;rchtet, aber er &uuml;bersah
+auch mit einem Blick, da&szlig; sie hier mit Gewalt
+gegen die &Uuml;bermacht der Eingeborenen nichts ausrichten
+konnten und verhielt sich deshalb gleichfalls
+ganz ruhig.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, ihr Halunken!&ldquo; schrie dabei der Engl&auml;nder
+in der Tonga-Sprache, &bdquo;ist das eure Gastfreundschaft,
+mit der ihr einen Fremden bewillkommt, und ihm
+vorher euer verr&auml;therisches <i>chio do fa</i> entgegen ruft?
+und ihr da,&ldquo; wandte er sich gegen die Wei&szlig;en, als er
+Mac Kringo gerade erblickte, &bdquo;<span class="gesperrt">zwei</span> Engl&auml;nder und
+lassen mich hier von den verdammten Rothfellen mi&szlig;handeln?
+Ihr seid sch&ouml;ne Canaillen! h&auml;tte ich nur
+<span class="gesperrt">Einen</span> von meinen wei&szlig;en Leuten hier an Land, ein<span class="pagenum"><a name="Page_212" id="Page_212">[S. 212]</a></span>
+ganzes Schock dieser braunen Schufte w&auml;re mir nicht
+zu nahe gekommen.&ldquo;</p>
+
+<p>Die Kanakas hatten allerdings ihrem Capitain im
+Anfang zu H&uuml;lfe springen wollen, da sie aber von
+allen Seiten kriegerische und bewehrte Gestalten auftauchen
+sahen, wichen sie scheu zur&uuml;ck, es ihrem F&uuml;hrer
+&uuml;berlassend, sich allein aus dieser Verlegenheit
+heraus zu arbeiten.</p>
+
+<p>Vollkommen ruhig bei diesem pl&ouml;tzlich hereingebrochenen
+Kampfe war Toanonga geblieben, der nun
+erst, als er den Wei&szlig;en gebunden und unsch&auml;dlich gemacht
+sah, zu ihm trat.</p>
+
+<p>&bdquo;Ist das die Freundschaft, die du mir durch dein
+Canoe hast anbieten lassen, wortbr&uuml;chiger H&auml;uptling?&ldquo;
+rief ihm der gereizte Engl&auml;nder entgegen.</p>
+
+<p>&bdquo;Ruhig, mein Freund!&ldquo; suchte ihn indessen Toanonga
+zu beschwichtigen. &bdquo;Du bist jetzt in unserer
+Gewalt, und es ist au&szlig;erordentlich leichtsinnig von
+dir, durch nutzloses Schimpfen einen m&auml;chtigeren
+Feind zu reizen. Wenn wir dir h&auml;tten ein Leids zuf&uuml;gen
+wollen, so brauchten wir dir nur den Sch&auml;del
+einzuschlagen, und die Sache w&auml;re abgemacht gewesen.
+Wenn du dich aber ruhig verh&auml;ltst und das thust,
+was wir von dir verlangen, so hast du nicht allein f&uuml;r
+dich oder die Deinen nichts zu f&uuml;rchten, sondern kannst<span class="pagenum"><a name="Page_213" id="Page_213">[S. 213]</a></span>
+auch nach einiger Zeit deine Reise ungehindert fortsetzen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was verlangst du von mir?&ldquo; fragte der
+Fremde. &bdquo;Wenn es etwas ist, das ich erf&uuml;llen kann,
+w&auml;r' es doch wohl vern&uuml;nftiger gewesen, mich auf
+andere Weise darum zu fragen, als so &uuml;ber mich herzufallen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da&szlig; du es erf&uuml;llen <span class="gesperrt">kannst</span>, wu&szlig;te ich vorher,&ldquo;
+erwiderte vorsichtig Toanonga, &bdquo;nur darauf kam es
+an, ob du es erf&uuml;llen <span class="gesperrt">wolltest</span>, und ich hielt es deshalb
+f&uuml;r besser, mir eben diesen guten Willen vorher
+zu sichern.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Eine verdammt sch&ouml;ne Art!&ldquo; fluchte der Capitain,
+&bdquo;wenn du dich nur nicht darin geirrt hast!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich glaube kaum,&ldquo; sagte vollkommen gleichm&uuml;thig
+der H&auml;uptling. &bdquo;Wie hei&szlig;est du?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Jacobs,&ldquo; brummte der Fremde verdrie&szlig;lich.</p>
+
+<p>&bdquo;Und dein Schiff?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bonito.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sehr gut. Nun sieh, wir brauchen hier auf
+Monui dein Schiff und deine Kanonen, um nach
+Hapai hin&uuml;ber zu fahren, und die H&auml;uptlinge zu z&uuml;chtigen,
+die ihre Verbindlichkeiten gegen uns nicht erf&uuml;llt
+haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mein Schiff!&ldquo; schrie Jacobs wild emporzuckend,<span class="pagenum"><a name="Page_214" id="Page_214">[S. 214]</a></span>
+&bdquo;den Teufel auch! das brauche ich selber! und
+wenn ihr das haben wollt, so holt es Euch
+drau&szlig;en; seid aber versichert, da&szlig; euch mein Steuermann
+auf eine Art empf&auml;ngt, die euch nicht behagen
+wird.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das habe ich mir etwa gedacht,&ldquo; lachte der
+Alte, &bdquo;und dich hier festgehalten, um uns die M&uuml;he
+zu ersparen. Du bist in unserer Gewalt, wie du
+recht gut wei&szlig;t, und meine Egis haben beschlossen,
+dir das Leben zu nehmen, wenn du nicht nach unserem
+Willen thust. F&uuml;gst du dich aber in das, was du
+doch nicht mehr verhindern kannst, so verspreche ich
+dir, da&szlig; wir dein Schiff allerdings jetzt nehmen und
+deine Kanonen gebrauchen werden, da&szlig; du es aber
+wieder bekommen sollst, wenn wir in Hapai gesiegt
+haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der Teufel trau' euch!&ldquo; rief Jacobs, &bdquo;und im
+allerg&uuml;nstigsten Falle h&auml;tte ich ein paar Monate von
+meiner besten Zeit verloren. Nein! Thut mit mir,
+was ihr wollt, aber das Schiff bekommt ihr nicht.
+Und darauf verla&szlig;t euch, da&szlig; mein Bruder, der
+Steuermann an Bord des Bonito ist, blutige Rache
+nehmen wird, wenn ihr mir ein Leides thut.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sei vern&uuml;nftig, Freund! Was kann er uns zuf&uuml;gen?&ldquo;
+sagte Toanonga, &bdquo;er mu&szlig; froh sein, wenn<span class="pagenum"><a name="Page_215" id="Page_215">[S. 215]</a></span>
+er unseren Canoes entgeht. Du hast nur noch f&uuml;nf
+wei&szlig;e M&auml;nner an Bord, und der Wind drau&szlig;en wird
+schon schw&auml;cher. Wenn wir noch ein paar Stunden
+warten und rudern dann hinaus, so k&ouml;nnt ihr nicht
+einmal fort, und dann ist das Schiff unser, und du
+bekommst nie etwas davon wieder.&ldquo;</p>
+
+<p>Jacobs wollte heftig darauf erwidern, Mac Kringo
+aber, der indessen hinzugetreten war, blinzelte ihm
+heimlich zu und sagte dann zu dem Alten:</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; mich mit ihm reden, Toanonga; er wird
+Vernunft annehmen, wenn er einsieht, da&szlig; er doch
+nichts daran &auml;ndern kann.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga sah den Schotten etwas &uuml;berrascht
+an, denn er hatte sein Kommen gar nicht bemerkt
+und mochte ihm auch vielleicht nicht so ganz trauen.
+Da er die Fremden aber ganz in seiner Gewalt
+wu&szlig;te, schien er dem Vorschlage nach einiger &Uuml;berlegung
+beizustimmen.</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, Ma Kino,&ldquo; sagte er, &bdquo;sprich du mit ihm.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was willst du, da&szlig; er thun soll?&ldquo; fragte
+der Schotte.</p>
+
+<p>&bdquo;Er soll hinausschicken und die anderen wei&szlig;en
+M&auml;nner an Land rufen. Er mag ihnen sagen lassen,
+da&szlig; sie Messer und Tabak mitbringen, um daf&uuml;r
+Cocos&ouml;l einzutauschen!&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_216" id="Page_216">[S. 216]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Da&szlig; ich ein Esel w&auml;re!&ldquo; rief Jacobs. &bdquo;Ich soll
+mir selber die H&auml;nde binden, nicht wahr?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Seid ihr der Capitain des Schooners?&ldquo; fragte
+ihn der Schotte in englischer Sprache.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja wohl, der bin ich. Waret ihr mit auf der
+<i>Lucy Walker</i>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja. &ndash; Wie viel Wei&szlig;e habt ihr noch am Bord,
+auf die ihr euch fest verlassen k&ouml;nnt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;nf, mit dem Steuermann.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Den Steuermann k&ouml;nnen wir nicht rechnen,&ldquo;
+sagte der Schotte, &bdquo;der mu&szlig; an Bord bleiben.
+Wissen die anderen Vier mit Gewehren umzugehen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Vortrefflich. Drei sind Franzosen von Taiti,
+und der Vierte ist ein Deutscher. Aber glaubt ihr
+wirklich, da&szlig; die Rothfelle ihre Drohung ausf&uuml;hren
+w&uuml;rden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich f&uuml;rchte fast, ja. Sie sind sonst gutm&uuml;thig
+und friedlich genug, aber jetzt gerade zu einem Kriege
+ger&uuml;stet, und ich m&ouml;chte euch nicht rathen, sie zum
+&Auml;u&szlig;ersten zu treiben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber wenn ich das Boot ans Ufer kommen lasse,
+bin ich verloren, denn sobald sie ihre Canoes hinausschicken,
+kann mein Steuermann mit den paar Kanakas
+das Fahrzeug nicht allein halten.</p>
+
+<p>&bdquo;Habt ihr Musketen an Bord?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_217" id="Page_217">[S. 217]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig;.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo schwieg eine Weile und sah nachdenkend
+vor sich nieder. Toanonga aber, der ein paar
+Schritte davon entfernt mit einem H&auml;uptling sprach,
+wurde schon ungeduldig und drehte sich nach ihnen um.</p>
+
+<p>&bdquo;So wie so ist es eine verzweifelte Geschichte,&ldquo;
+sagte da der Schotte. &bdquo;Gebt ihr euch ihnen nicht gutwillig,
+so brauchen sie Gewalt, und euer eigenes
+Leben ist dann in ihren H&auml;nden. Mit so schwacher
+Besatzung h&auml;ttet ihr nicht so leicht an Land kommen
+sollen. Trotzdem ist es doch am Ende noch m&ouml;glich,
+sie anzuf&uuml;hren, wenn ihr euch verpflichten wollt, uns
+Europ&auml;er von dieser Insel mit fortzunehmen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wie viel seid Ihr?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sechs; und so t&uuml;chtige Matrosen, wie ihr euch
+w&uuml;nschen k&ouml;nnt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber hier stehen wenigstens sechszig bewaffnete
+Insulaner um uns her.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Deshalb m&uuml;ssen wir euere vier Leute noch vom
+Boot zu H&uuml;lfe haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und dann sollen wir uns mit Gewalt durchschlagen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen es versuchen! Ich wei&szlig; wenigstens
+keine andere M&ouml;glichkeit, euch zu helfen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und wer b&uuml;rgt mir daf&uuml;r, Freund, da&szlig; <span class="gesperrt">ihr</span> es<span class="pagenum"><a name="Page_218" id="Page_218">[S. 218]</a></span>
+ehrlich mit mir meint?&ldquo; sagte Jacobs. &bdquo;Ihr habt
+mich hier ohne Warnung den Rothfellen in die H&auml;nde
+laufen lassen, und wie kann ich wissen, ob ihr nicht
+mit ihnen unter Einer Decke steckt!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das Mi&szlig;trauen mu&szlig; ich euch allerdings zu
+Gute halten,&ldquo; sagte Mac Kringo, &bdquo;und wenn ihr
+meinem ehrlichen Gesicht nicht glaubt, habe ich keine
+weitere B&uuml;rgschaft f&uuml;r euch, als die Versicherung,
+da&szlig; uns allen, oder wenigstens F&uuml;nfen von uns, der
+Boden hier unter den F&uuml;&szlig;en brennt, und wir Gott
+danken wollen, wenn wir die Insel im R&uuml;cken haben.
+Jetzt thut was ihr wollt; wenn ihr einen anderen
+Rath wi&szlig;t, euch zu helfen, so ist es mir lieb, wo nicht,
+so sagt mir euere Meinung bald, denn wie ich sehe,
+f&auml;ngt der Alte da hinten an, die Geduld zu verlieren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ihr habt Recht,&ldquo; sagte Jacobs nach kurzer
+Pause, &bdquo;es ist das die einzige Rettung. Im allerschlimmsten
+Falle kann dann mein Bruder, der
+Steuermann, doch am Ende noch mit den paar Kanakas
+und dem Fahrzeug entkommen, sobald er merkt,
+da&szlig; f&uuml;r uns Alles verloren ist. Aber auf welche
+Art kann ich ihm Kunde schicken? Wenn die Insulaner
+wenigstens meine Leute zur&uuml;ckrudern lie&szlig;en!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich glaube schwerlich, da&szlig; Toanonga das zugiebt,&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_219" id="Page_219">[S. 219]</a></span>
+sagte der Schotte, &bdquo;denn der g&uuml;nstige Erfolg
+seiner ganzen List beruht nur darauf, da&szlig; die am
+Bord keinen Verdacht sch&ouml;pfen. Aber da kommt er
+selber, jetzt wollen wir gleich h&ouml;ren, wie er sich die
+Sache weiter ausgedacht hat.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga war wirklich ungeduldig geworden,
+denn da er sich nun einmal mit dem Gedanken vertraut
+gemacht hatte, das Schiff den Fremden wegzunehmen
+und zu seinen eigenen Zwecken zu verwenden,
+erschien es ihm h&ouml;chst r&uuml;cksichtslos von dem Papalangi,
+da&szlig; er ihn auch noch so lange darauf warten
+lie&szlig;.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun mach rasch, Ma Kino,&ldquo; sagte er, als er
+zu ihm trat, &bdquo;meine Leute wollen nicht l&auml;nger warten,
+und wir haben auch keine Zeit zu verlieren, denn der
+Tag vergeht. Was sagt der Papalangi?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er f&uuml;gt sich deinem Willen,&ldquo; erwiderte der
+Schotte; &bdquo;wenn ihr keinem von ihnen ein Leides
+thun und ihnen das Fahrzeug, sobald ihr es gebraucht
+habt, zur&uuml;ckgeben wollt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nun versteht sich, versteht sich,&ldquo; erwiderte der
+Alte, ungeduldig mit dem Kopfe sch&uuml;ttelnd.</p>
+
+<p>&bdquo;Aber der Steuermann hat Antheil an dem Fahrzeug,&ldquo;
+fuhr Mac Kringo fort, &bdquo;und wird es nicht
+gutwillig hergeben wollen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_220" id="Page_220">[S. 220]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Nicht gutwillig hergeben wollen?&ldquo; lachte Toanonga,
+&bdquo;wenn wir die Wei&szlig;en erst an Land haben,
+brauchen wir ihn nicht lange zu fragen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber wie willst du die an Land bekommen, Toanonga?&ldquo;
+fragte der Schotte. &bdquo;Wer soll hin&uuml;berfahren,
+sie zu holen? Denn eine Flagge haben wir
+nicht hier, ihnen ein Zeichen damit zu geben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du hast Recht,&ldquo; sagte Toanonga, und sah
+sinnend vor sich nieder. Den Papalangi selber durfte
+er nicht schicken, der w&auml;re nat&uuml;rlich nicht wieder gekommen,
+und die Kanakas durfte er auch nicht hin&uuml;ber
+lassen, da die ja Zeuge des &Uuml;berfalls ihres
+Capitains gewesen waren.</p>
+
+<p>Mac Kringo, wie einem der anderen Wei&szlig;en
+auf der Insel traute er ebenfalls nicht, und das Einzige
+blieb, da&szlig; er ein paar von seinen eigenen Leuten
+hin&uuml;ber rudern lie&szlig;. Dabei konnte er sich aber nicht
+verhehlen, da&szlig; die Fremden kaum einem Befehl Folge
+leisten w&uuml;rden, der ihnen von den Eingeborenen einer
+fremden Insel gebracht wurde. Ein paar Mal kam
+ihm freilich der Gedanke, ohne Weiteres mit seinem
+Canoe hinauszufahren und den Schooner, der doch
+nicht ohne seinen Capitain absegeln konnte, zu entern;
+aber er f&uuml;rchtete die Kanonen und durfte seine kriegsf&auml;higen,
+jungen Leute, gerade im Begriff, einen<span class="pagenum"><a name="Page_221" id="Page_221">[S. 221]</a></span>
+Kriegszug zu unternehmen, nicht also gef&auml;hrden; so
+lange er deshalb hoffen durfte, seinen Plan mit List
+durchzusetzen, wollte er jede Gewaltthat gern vermeiden.</p>
+
+<p>&bdquo;Spricht jemand bei euch an Bord die Tonga-Sprache?&ldquo;
+fragte da Mac Kringo, w&auml;hrend der Alte
+noch mit sich zu Rathe ging, den fremden Capitain
+in englischer Sprache.</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, kein Mensch,&ldquo; sagte dieser.</p>
+
+<p>&bdquo;Desto besser,&ldquo; nickte der Schotte und fuhr dann,
+zu Toanonga gewendet, fort: &bdquo;Darf ich dir einen
+Vorschlag machen, die Leute an Bord das wissen zu
+lassen, was du willst?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Allerdings, sehr gern!&ldquo; rief der Alte, dem damit
+ein gro&szlig;er Gefallen geschehen w&auml;re.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun gut, so schicke Spund mit zwei Tongaleuten
+hin&uuml;ber.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Spund?&ldquo; fragte Toanonga, und sch&uuml;ttelte bedenklich
+mit dem Kopf.</p>
+
+<p>&bdquo;Spund ist eine gute, ehrliche Haut,&ldquo; beruhigte
+ihn der Schotte, &bdquo;und wenn du dem drohest, du w&uuml;rdest
+ihm den Sch&auml;del einschlagen, sowie er das Geringste verriethe,
+warnte er seinen eigenen Vater nicht. Au&szlig;erdem
+braucht er gar nichts zu bestellen, denn du wei&szlig;t, da&szlig;
+die Papalangis die Kunst verstehen, auf ein wei&szlig;es<span class="pagenum"><a name="Page_222" id="Page_222">[S. 222]</a></span>
+St&uuml;ck Zeug Zeichen zu malen, die einem Anderen
+sagen, was er wissen soll.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da kann der Fremde aber darauf setzen, was
+er will!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er mag es in der Tonga-Sprache thun, und du
+kannst dich dann selber &uuml;berzeugen, da&szlig; er nichts sagt,
+als was du von ihm verlangst.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga begriff noch nicht recht, wie das Ganze
+gemeint sei. Auf Spund glaubte er sich &uuml;brigens
+am ersten verlassen zu k&ouml;nnen, und wollte jetzt wenigstens
+sehen, was die Fremden im Sinne h&auml;tten. Er
+gab auch des Gefangenen H&auml;nde frei, und dieser ging
+rasch auf Mac Kringo's Plan ein, nahm seine Brieftafel
+aus der Tasche, ri&szlig; ein Blatt heraus und schrieb
+darauf in der Tonga-Sprache: Schicke mir augenblicklich
+die vier Papalangis her&uuml;ber und la&szlig; sie
+Messer und Tabak mitbringen; darunter aber setzte er
+in Englisch nur die Worte: Verrath! schicke die vier
+Matrosen gut bewaffnet!</p>
+
+<p>Toanonga hatte neben ihm gestanden und ihm
+aufmerksam zugesehen, war aber sehr erstaunt, da&szlig; der
+Fremde so rasch damit fertig wurde.</p>
+
+<p>&bdquo;Und da sollen sie jetzt wissen, was das bedeutet?&ldquo;
+fragte er lachend. &bdquo;Nun wartet, das wollen
+wir gleich erfahren. Geh' einmal weg, Ma<span class="pagenum"><a name="Page_223" id="Page_223">[S. 223]</a></span>
+Kino, der Fremde soll mir allein sagen, was er darauf
+gemalt hat.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Schotte trat zur&uuml;ck, und Jacobs las Toanonga
+die im Tonga-Dialekt geschriebenen Worte
+langsam vor. Darauf ging der H&auml;uptling mit dem
+Zettel zu Mac Kringo, und war aufs &Auml;u&szlig;erste erstaunt,
+als dieser ihm jede Silbe genau wiederholte,
+wobei sich dieser jedoch wohl h&uuml;tete, das Englische
+mitzulesen. Toanonga traute aber noch immer nicht;
+denn die Beiden konnten sich auch &uuml;ber diese Worte
+vorher verst&auml;ndigt haben. Er ging also wieder zu
+Jacobs zur&uuml;ck und fl&uuml;sterte ihm zu, die beiden Worte
+<span class="gesperrt">Monui</span> und <span class="gesperrt">Toanonga</span> aufzuzeichnen. Davon
+konnte Mac Kringo jetzt nichts wissen, als er aber
+diesem das Blatt zeigte, und der die Worte ohne
+Schwierigkeit ablas, kannte sein Erstaunen keine
+Gr&auml;nzen. Besonders konnte er sich gar nicht denken,
+da&szlig; er Monui gleich erkannt habe, da die f&uuml;nf sehr
+auff&auml;lligen Bergspitzen der Insel gar nicht darin zu
+unterscheiden waren.</p>
+
+<p>Er machte den Versuch auch noch mit ein paar
+andern Worten, und w&uuml;rde sich wahrscheinlich den
+ganzen Tag damit unterhalten haben, h&auml;tte die Zeit
+nicht gedr&auml;ngt. Von dem also abgefa&szlig;ten Briefe
+versprach er sich aber einen au&szlig;erordentlichen Erfolg,<span class="pagenum"><a name="Page_224" id="Page_224">[S. 224]</a></span>
+nahm Spund zur Seite und fl&uuml;sterte lange und heimlich
+mit ihm. Spund schien auch mit Allem einverstanden
+und nickte in Einem fort mit dem Kopfe. Die
+beiden Insulaner, die vorher mit dem Canoe an Bord
+gewesen waren, wurden dann in dem Boot der Wei&szlig;en
+mit Spund abgeschickt, und dieser w&uuml;rdige Mann war
+jetzt nur in Verlegenheit, wohin er mit seinem Buche
+indessen sollte. An Land durfte er es nicht lassen;
+denn die Eingeborenen, die es sich einmal in den
+Kopf gesetzt, da&szlig; es Beschw&ouml;rungen und Zauberformeln
+enthalte, hatten ihm schon eine Menge Bl&auml;tter
+herausgerissen, wo sie deren nur habhaft werden
+konnten. Mac Kringo wollte er es auch nicht anvertrauen,
+und beschlo&szlig; deshalb, es lieber mitzunehmen.</p>
+
+<p>Der Schotte stand mit vorn am Bug, als sie das
+auf den Corallensand gezogene Boot wieder in tiefes
+Wasser schoben. Wie Spund aber bei ihm vorbei
+an Bord stieg, fl&uuml;sterte er ihm zu. &bdquo;Bringe H&uuml;lfe,
+oder wir sind verloren!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, aber!&ldquo; rief Spund ganz verbl&uuml;fft, da er der
+erhaltenen Befehle Toanongas gedachte. Mac Kringo
+lie&szlig; sich jedoch auf keine weitere Erkl&auml;rung ein, im
+n&auml;chsten Augenblick war das Boot flott, und die beiden
+Indianer ruderten es rasch dem Eingang der Bai
+entgegen.<span class="pagenum"><a name="Page_225" id="Page_225">[S. 225]</a></span></p>
+
+
+<h4>5.</h4>
+
+<p>Mac Kringo war jetzt mit seinem Plan im
+Reinen; die Kameraden durften keinen Fluchtversuch
+im Canoe machen, so lange noch der Capitain des
+Schooners am Ufer gefangen gehalten wurde. Ihre
+einzige Rettung lag im Gegentheil darin, da&szlig; sie mit
+der Verst&auml;rkung vom Schooner, die jedenfalls Gewehre
+mitbrachte, ihre eigene Schaar herbeizogen, und
+dann den Indianern weit eher die Spitze bieten konnten.
+Langsam ging er deshalb auf die, seinen Schiffsgenossen
+schon im Voraus bezeichnete Corallenbank
+hinaus, blieb dort einen Augenblick stehen, und kehrte
+dann zum Ufer zur&uuml;ck. Er wu&szlig;te jetzt, da&szlig; er die
+Kameraden bald in der N&auml;he hatte, und gelang es
+ihnen dann, sich bei dem Boote zusammen zu dr&auml;ngen
+und dieses in Besitz zu nehmen, so durften sie hoffen,
+ihre Flucht gl&uuml;cklich zu bewerkstelligen.</p>
+
+<p>Allerdings waren alle in der N&auml;he wohnenden Indianer
+an der Landung versammelt, da Toanonga
+seine Leute zusammen halten wollte, um die vier Matrosen
+in Empfang zu nehmen. Gelang es ihnen
+jedoch, das Boot zu besetzen, so hatten sie dadurch
+auch wieder den Vortheil, da&szlig; die Indianer die wohl
+eine Viertelstunde entfernt liegenden Canoes nicht so<span class="pagenum"><a name="Page_226" id="Page_226">[S. 226]</a></span>
+rasch erreichen konnten und ihnen einen t&uuml;chtigen
+Vorsprung lassen mu&szlig;ten. In dem Bewu&szlig;tsein
+freilich, da&szlig; sich jetzt der entscheidende Augenblick
+n&auml;herte, und da&szlig; ihnen entweder Freiheit winkte,
+oder im Falle des Mi&szlig;lingens die gr&ouml;&szlig;te Gefahr von
+den gereizten Eingeborenen drohe, schlug ihm das
+Herz st&uuml;rmisch und &auml;ngstlich in der Brust. Die Minuten
+dehnten sich ihm zu Stunden aus, und in der
+Unruhe, in der er sich befand, schritt er den B&uuml;schen
+zu, vielleicht einem der Kameraden zu begegnen und
+ihm Vorsicht zu empfehlen.</p>
+
+<p>Dort kam er an Toanonga's Haus vorbei, und
+wenn die Eingebornen auch eines H&auml;uptlings Wohnung
+nicht betreten d&uuml;rfen, besonders wenn sich die Frauen
+darin aufhalten, ohne von ihnen dazu aufgefordert
+zu sein, hatte man es mit ihm, der als ein H&auml;uptling
+der Wei&szlig;en und als ein Fremdling betrachtet wurde,
+nie so genau genommen. Im Gegentheil war er von
+Anfang an den Frauen stets willkommen gewesen, da
+er, der Sprache m&auml;chtig, ihnen viel vom Lande und
+von den Frauen der Papalangis erz&auml;hlen konnte. So
+trat er auch jetzt einen Augenblick hinein, um die ihm
+nachschauenden Indianer glauben zu machen, er
+schlendre nur wie gew&ouml;hnlich absichtslos in der Nachbarschaft
+umher.<span class="pagenum"><a name="Page_227" id="Page_227">[S. 227]</a></span></p>
+
+<p>Hatte er sich aber wirklich dort nur ein paar Minuten
+aufhalten wollen, so &auml;nderte er bald seinen
+Plan; denn seinem scharfen in dem inneren Raum
+umhergeworfenen Blick entgingen nicht die in einer
+Ecke lehnenden sechs oder acht Musketen, die hier
+jedenfalls zu pl&ouml;tzlichem Gebrauch bereit gelegt schienen.
+Den Frauen kam er dabei sehr erw&uuml;nscht, denn
+diese brannten vor Neugierde, etwas N&auml;heres &uuml;ber
+das zu h&ouml;ren, was au&szlig;en vorging. Etwas Au&szlig;ergew&ouml;hnliches
+war jedenfalls im Werke, dar&uuml;ber konnten
+sie sich nicht t&auml;uschen, w&auml;ren die Gewehre auch
+nicht hervorgeholt worden. Toanonga hatte ihnen
+jedoch nicht eine Silbe davon erz&auml;hlen wollen, und
+Niemanden sahen sie deshalb jetzt gerade lieber als
+Mac Kringo.</p>
+
+<p>Aber von dem Schotten bekamen sie im Anfang
+nur verworrene und unzusammenh&auml;ngende Antworten;
+denn in dessen Kopfe bildete sich ein neuer Plan, ob
+er sich mit den Kameraden nicht vielleicht dieser Gewehre
+bem&auml;chtigen k&ouml;nnte. Nirgends aber entdeckte
+er die dazu geh&ouml;rige Munition, und mi&szlig;lang der
+Versuch, so waren sie alle verloren. Trotzdem gelang
+es ihm aber doch vielleicht, die Waffen wenigstens
+f&uuml;r die Insulaner unbrauchbar zu machen, und
+dar&uuml;ber mit sich im Reinen, begann er pl&ouml;tzlich eine<span class="pagenum"><a name="Page_228" id="Page_228">[S. 228]</a></span>
+lebendige Erz&auml;hlung. Er beschrieb den Frauen, wie
+sie nun bald in Besitz eines gro&szlig;en Schiffes mit Kanonen
+sein w&uuml;rden, mit dem sie nach <a name="cortex3-2" href="#corr3-2" class="corr">Hapai</a> hin&uuml;berfahren
+und die dortigen Insulaner z&uuml;chtigen k&ouml;nnten.
+Dabei schilderte er mit lebhaften Gestikulationen ihre
+Landung dort und ihren Angriff, und erfa&szlig;te dazu,
+um das anschaulicher zu machen, eines der Gewehre.
+Die Frauen, die den Knall dieser f&uuml;r sie furchtbaren
+Waffen kannten, wandten erschreckt die K&ouml;pfe und
+baten ihn, die Muskete hinzulegen. Mac Kringo
+that das, aber nicht ohne vorher den Stein aus dem
+Schlosse entfernt zu haben, den er geschickt in seine
+eigene Tasche schob. Immer aufs Neue kam er dabei auf
+den Angriff zur&uuml;ck, bis er von s&auml;mmtlichen Gewehren
+die Steine entfernt hatte. Die Frauen aber sch&ouml;pften
+nat&uuml;rlich keinen Verdacht, denn sie konnten nicht
+wissen, da&szlig; der Papalangi in solcher Schnelligkeit und
+vor ihren Augen im Stande sein sollte, die Waffen
+vollst&auml;ndig unbrauchbar zu machen.</p>
+
+<p>Dar&uuml;ber war wohl eine halbe Stunde vergangen,
+und der Schotte sah jetzt durch die offenen Bambusst&auml;be
+der H&uuml;tte, da&szlig; Jonas drau&szlig;en angekommen und
+von Toanonga gesehen war. Das Boot mu&szlig;te auch
+den dicht vor der Einfahrt kreuzenden Schooner schon
+erreicht haben, und es dr&auml;ngte ihn, zu wissen, ob die<span class="pagenum"><a name="Page_229" id="Page_229">[S. 229]</a></span>
+&uuml;brigen Kameraden in der N&auml;he und seines Rufs gew&auml;rtig
+seien.</p>
+
+<p>Sein erster Blick, so wie er ins Freie trat, war
+nach dem Schiffe hin&uuml;ber. Dieses hatte eben gewendet
+und hielt von den Riffen ab, denn der Wind war
+so schwach geworden, da&szlig; die Mannschaft an Bord
+nicht mit Unrecht f&uuml;rchten mochte, auf die Corallen
+getrieben zu werden. Aber das Boot war schon auf
+dem R&uuml;ckweg, und die n&auml;chste halbe Stunde brachte
+ihnen entweder H&uuml;lfe oder sah sie schlimmer in Gefangenschaft
+als je.</p>
+
+<p>Toanonga schien inde&szlig; gar nicht mit der Ankunft
+des andern Wei&szlig;en einverstanden, ging auch ohne weitere
+Umst&auml;nde auf Jonas zu und fragte ihn, was er
+da schon wieder wolle.</p>
+
+<p>&bdquo;Was ich da will?&ldquo; entgegnete dieser etwas verbl&uuml;fft,
+&bdquo;Tabak, bei Gott, wenn das Boot landet,
+denn ich denke, es ist lange genug, da&szlig; wir keinen gesehen
+haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, Freund,&ldquo; entgegnete Toanonga ruhig, &bdquo;du
+sollst Tabak haben, jetzt aber geh hin, wo du hergekommen
+bist, und la&szlig; dich nicht eher wieder hier
+sehen, als bis ich dich rufe.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber ...&ldquo; sagte der Matrose, der jetzt nicht
+wu&szlig;te, ob er dem erhaltenen Befehle folgen solle oder<span class="pagenum"><a name="Page_230" id="Page_230">[S. 230]</a></span>
+nicht. Der alte H&auml;uptling lie&szlig; ihn jedoch gar nicht
+ausreden.</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du geh&ouml;rt, was ich mit dir gesprochen?&ldquo;
+fragte er, und zwar viel ernster, als er ihn noch je
+gesehen. &bdquo;Komm her, Ma Kino, schicke mir den
+Zimmermann einmal fort; ich habe gesagt, er soll
+weggehen, und ich will ihn hier nicht l&auml;nger sehen.&ldquo;</p>
+
+<p>Mac Kringo war, schon nichts Gutes ahnend,
+herangetreten. Wollten sie sich aber jetzt schon dem
+Befehl widersetzen, so mu&szlig;te er f&uuml;rchten, da&szlig; ihr
+ganzer Plan scheitern w&uuml;rde. Unter einer Viertelstunde
+konnte das Boot n&auml;mlich nicht heran sein, und
+bis dahin w&uuml;rden die Eingeborenen sie leicht bew&auml;ltigt
+haben.</p>
+
+<p>&bdquo;Komm, Jonas,&ldquo; sagte er deshalb zu dem Kameraden,
+&bdquo;geh zur&uuml;ck in den Busch, es hilft jetzt
+nichts, wir m&uuml;ssen ihm gehorchen &ndash; aber nicht zu
+weit fort. Wo sind die Anderen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nicht hundert Schritte von hier, wo da dr&uuml;ben
+die rothen Blumen stehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Desto besser, in einer Viertelstunde kann das
+Boot da sein; so wie ihr mich aber H&uuml;lfe schreien
+h&ouml;rt, kommt herbei, so rasch euch eure F&uuml;&szlig;e tragen.&ldquo;</p>
+
+<p>Jonas ging fort. Toanonga hatte jedoch ihrem
+Gespr&auml;ch mit unruhigem Blicke gelauscht. Es gefiel<span class="pagenum"><a name="Page_231" id="Page_231">[S. 231]</a></span>
+ihm nicht, da&szlig; sich die Beiden jetzt gerade in ihrer
+Sprache so lange unterhielten, und nat&uuml;rlich w&auml;re
+es ihm sehr unbequem gewesen, Leute in der N&auml;he zu
+haben, die am Ende den andern Wei&szlig;en h&auml;tten beistehen
+k&ouml;nnen. &Uuml;brigens lie&szlig; er sich gegen Mac
+Kringo nichts merken, nahm eine junge neben ihm
+am Boden liegende Cocosnu&szlig; auf und sagte zu dem
+Schotten. &bdquo;Hast du ein Messer bei dir?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja wohl,&ldquo; erwiderte rasch dieser, dem daran
+lag, Toanonga nicht auch gegen sich mi&szlig;trauisch zu
+machen. &bdquo;Soll ich sie dir &ouml;ffnen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; nur sein,&ldquo; erwiderte der Alte, &bdquo;ich thue es
+selber.&ldquo; Damit nahm er das Messer und stach ein
+St&uuml;ck aus der weichen Schale der Nu&szlig; heraus, trank
+den Saft und warf die Schale bei Seite. Mac
+Kringo streckte die Hand aus, das Messer wieder zur&uuml;ck
+zu empfangen, Toanonga aber schob es mit vollkommener
+Gem&uuml;thsruhe in sein eigenes Lendentuch
+und sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;Warte noch ein wenig, Ma Kino, du brauchst
+es doch jetzt nicht, nachher sollst du es wieder bekommen.
+Sieh, das Boot ist schon beinahe am Ufer, und
+unsere Freunde werden gleich da sein.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Schotte bi&szlig; die Z&auml;hne auf einander vor
+Wuth, von der alten Rothhaut auf eine solche Art<span class="pagenum"><a name="Page_232" id="Page_232">[S. 232]</a></span>
+um seine einzige Waffe gebracht zu sein. Im ersten
+Augenblick hatte er auch nicht &uuml;bel Lust, auf ihn zu
+springen und es ihm mit Gewalt zu entrei&szlig;en. Gerade
+jetzt aber kamen vier der Egis an ihm vorbei
+und gingen nach der Landung hinunter, w&auml;hrend sich
+von den &uuml;brigen Seiten die Insulaner ebenfalls herbeizogen,
+die ankommenden Wei&szlig;en gleich in Empfang
+zu nehmen. Wenn er sich nun doch mit den Kameraden
+in die H&uuml;tte warf und die dort liegenden Gewehre
+aufgriff &ndash; es war das vielleicht die letzte H&uuml;lfe,
+und in dem ersten panischen Schrecken der Eingeborenen
+durfte er hoffen, das rasch herbeischie&szlig;ende
+Boot zu erreichen. Aber auch zu jenen Waffen war
+ihm der Weg abgeschnitten, denn eine Anzahl dunkler
+Krieger sammelte sich eben vor dem Eingang der
+H&uuml;tte.</p>
+
+<p>Da sah er, wie Toanonga langsam auf den Capitain
+des Schooners zuschritt und neben ihm stehen
+blieb, und in der Todesangst, seinen ganzen Plan
+gescheitert zu sehen, griff er zu dem letzten verzweifelten
+Mittel. Er schritt auf die Beiden zu und
+fragte den Engl&auml;nder mit vor innerer Aufregung
+bebender Stimme, ob er keine Wehr, kein Messer,
+kein Pistol bei sich habe.</p>
+
+<p>&bdquo;Nichts,&ldquo; sagte dieser, &bdquo;als meine H&auml;nde; ich<span class="pagenum"><a name="Page_233" id="Page_233">[S. 233]</a></span>
+habe keine Gefahr gef&uuml;rchtet, und als ich vom Bord
+ging, nur mein kleines Taschen-Teleskop eingesteckt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bei Gott, das thuts!&ldquo; lachte Mac Kringo wild
+vor sich hin. &bdquo;Zieht es heimlich in der Tasche aus,
+<a name="cortex3-6" href="#corr3-6" class="corr">fasst</a> dann den Alten, haltet es ihm vor den Kopf, und
+droht ihm, da&szlig; ihr ihn &uuml;ber den Haufen schie&szlig;en
+wollt, so wie er sich r&uuml;hrt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mit dem Teleskop?&ldquo; fragte der Capitain &uuml;berrascht.</p>
+
+<p>&bdquo;Was wissen die von einem Teleskop?&ldquo; rief Mac
+Kringo, &bdquo;sie sehen das blitzende Metall und halten
+das &ndash; aber wir vers&auml;umen die Zeit, es ist kein Augenblick
+mehr zu verlieren.&ldquo;</p>
+
+<p>Toanonga hatte den Schotten, w&auml;hrend er sprach,
+aufmerksam betrachtet, als ob er den Sinn der ihm
+fremden Worte errathen wolle. Das Boot war aber
+kaum noch hundert Schritte vom Ufer entfernt, und
+die rudernden Matrosen hatten in diesem Augenblicke
+ihre Riemen eingeworfen, weil sie wahrscheinlich
+nicht n&auml;her an die vielen Eingeborenen fahren
+wollten.</p>
+
+<p>Toanonga wandte sich, dort hinunter zu gehen,
+als er pl&ouml;tzlich die Hand des Fremden auf seiner
+Schulter f&uuml;hlte. Erstaunt drehte er den Kopf nach
+ihm um, stie&szlig; aber ein &uuml;berraschtes und erschrecktes<span class="pagenum"><a name="Page_234" id="Page_234">[S. 234]</a></span>
+<i>Oiau!</i> aus, als er pl&ouml;tzlich vor seinen Augen das unbekannte
+drohende Instrument erblickte.</p>
+
+<p>&bdquo;R&uuml;hre dich, und du bist des Todes!&ldquo; schrie dabei
+der Engl&auml;nder, und &bdquo;H&uuml;lfe! H&uuml;lfe!&ldquo; t&ouml;nte Mac
+Kringo's gellende Stimme &uuml;ber den Platz.</p>
+
+<p>Die ihm n&auml;chsten Insulaner wollten herzuspringen,
+ihrem H&auml;uptling beizustehen. Mit ausgebreiteten
+Armen warf sich ihnen aber Mac Kringo entgegen
+und rief. &bdquo;Halt! halt! um Toanonga's willen, er
+bringt ihn um, so wie ihr euch ihm naht!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hurrah, Jungen! Hurrah!&ldquo; t&ouml;nte in diesem
+Augenblicke Legs' Jubelruf durch den L&auml;rm, &bdquo;hier
+sind die Burschen! Nieder mit den Rothfellen!&ldquo;</p>
+
+<p>&Uuml;berrascht wandten die Insulaner dorthin den
+Kopf, als vom Wasser her schnell hinter einander
+zwei Sch&uuml;sse fielen und die Kugeln dicht &uuml;ber ihnen
+in die St&auml;mme der Palmen schlugen. Jacobs stie&szlig;
+zugleich einen scharfen, <a name="cortex3-4" href="#corr3-4" class="corr">eigenth&uuml;mlichen</a> Schrei aus,
+ein Zeichen f&uuml;r seine Leute, und w&auml;hrend die beiden
+Tonga-Insulaner, die mit im Boot waren, erschreckt
+&uuml;ber Bord sprangen und dem Lande zu schwammen,
+griffen zwei der Leute wieder zu den Rudern, und die
+andern Beiden stie&szlig;en Patronen in ihre abgeschossenen
+Gewehre nieder.</p>
+
+<p>Mac Kringo war aber indessen auch nicht m&uuml;&szlig;ig<span class="pagenum"><a name="Page_235" id="Page_235">[S. 235]</a></span>
+gewesen. Mit raschem Griff hatte er sich wieder in
+den Besitz seines Messers gesetzt, und sein scharfer
+Pfiff zeigte den Gef&auml;hrten die Stelle, auf der er sich
+befand. Panischer Schrecken schien indessen die Insulaner
+erfa&szlig;t zu haben, die mit dem bedrohten How
+vor sich und den Feinden an beiden Seiten nicht wu&szlig;ten,
+welcher Gefahr sie zuerst begegnen sollten.</p>
+
+<p>&bdquo;Nach dem Boot! Nach dem Boot!&ldquo; rief Mac
+Kringo, der recht gut f&uuml;hlte, da&szlig; sie diesen ersten
+Moment der Best&uuml;rzung benutzen mu&szlig;ten, und mit
+der Rechten Toanonga's Arm ergreifend, w&auml;hrend er
+in der linken das gez&uuml;ckte Messer hielt, folgte Jacobs
+an der andern Seite seinem Beispiel. Dieser hielt
+aber sein Teleskop noch immer drohend vor, in dessen
+blitzender N&auml;he der erschreckte H&auml;uptling sein Leben
+aufs &Auml;u&szlig;erste gef&auml;hrdet glaubte.</p>
+
+<p>Auch die am Ufer postirten Indianer hatten best&uuml;rzt
+Raum gegeben, da sie nur unbewaffnete Wei&szlig;e
+zu empfangen gedachten, keineswegs aber darauf vorbereitet
+waren, den auf sie gerichteten Gewehren zu
+begegnen. Das Boot ber&uuml;hrte in diesem Augenblick
+den Strand, und Spund, der nur ein halb freiwilliger
+Theilnehmer des Angriffs gewesen war, sprang in
+demselben Moment ans Land, als Legs mit Jonas,
+Pfeife und Lemon durch die Schaar der am Ufer gedr&auml;ngten<span class="pagenum"><a name="Page_236" id="Page_236">[S. 236]</a></span>
+M&auml;nner und Frauen hindurchbrach, den
+sicheren Bord zu erreichen. Rechts und links theilten
+sie dabei Keulenschl&auml;ge aus, und Jonas, Pfeife
+und Lemon erfa&szlig;ten schon den Rand des Bootes und
+schwangen sich hinein, als zwei der Frauen sich pl&ouml;tzlich
+und <a name="cortex3-7" href="#corr3-7" class="corr">r&uuml;cksichtslos</a> auf Legs warfen und ihn schreiend
+zur&uuml;ckhielten.</p>
+
+<p>&bdquo;Du bist unser, du darfst nicht fort!&ldquo; schrien sie
+dabei, und eine ergriff die kurze Kriegskeule, die er
+gef&uuml;hrt, und ri&szlig; sie ihm aus den H&auml;nden, w&auml;hrend
+sich die andere an seinen Hals h&auml;ngte und laute Wehklagen
+dabei ausstie&szlig;.</p>
+
+<p>Mac Kringo und Jacobs hatten inde&szlig; den ihnen
+Schutz gebenden H&auml;uptling bis fast zum Boote geschleppt.
+Jetzt aber brach auch die Wuth der Eingeborenen
+aus, die wahrscheinlich glauben mochten,
+die Papalangis wollten ihren How gefangen mit fortf&uuml;hren.
+Mit wildem Aufschrei st&uuml;rmten sie herbei,
+und eben von Toanonga's Hause wieder kam ein kleiner
+Trupp von Kriegern mit den dort aufgegriffenen
+Musketen gesprungen.</p>
+
+<p>&bdquo;Hieher, Legs! hieher Spund!&ldquo; schrie da Mac
+Kringo, indem er Toanonga los lie&szlig; und an Jacobs'
+Seite mit fl&uuml;chtigen S&auml;tzen zum Boot hinunter floh.</p>
+
+<p>&bdquo;Bestien!&ldquo; knirschte auch Legs zwischen den zusammengebissenen<span class="pagenum"><a name="Page_237" id="Page_237">[S. 237]</a></span>
+Z&auml;hnen hindurch, und ohne die geringste
+R&uuml;cksicht auf das zarte Geschlecht versetzte er
+den beiden Frauen ein paar so wohl gezielte Schl&auml;ge
+zwischen die Augen, da&szlig; sie mit einem Weheruf zur&uuml;cktaumelten.
+Im n&auml;chsten Augenblicke war er frei und
+rannte an Toanonga vor&uuml;ber dem Boote zu. Die
+Eingeborenen aber, die jetzt ihren H&auml;uptling au&szlig;er
+Gefahr sahen, sandten ihnen einen Hagel von Pfeilen
+nach, w&auml;hrend die mit Musketen Bewaffneten anlegten,
+aber vergebens die H&auml;hne schnappen lie&szlig;en.</p>
+
+<p>Diese vorbeschriebenen Scenen waren blitzesschnell
+auf einander gefolgt. In demselben Moment aber,
+in dem Legs seinen beiden Frauen entsprang, war
+Spund vollst&auml;ndig einig mit sich geworden, seine Kameraden
+allein fl&uuml;chten zu lassen. Zu seinem Entsetzen
+hatte er n&auml;mlich die halbe Mi&szlig;handlung bemerkt,
+die Toanonga, den er sehr sch&auml;tzte, erlitten, und
+eilte jetzt rasch auf ihn zu, ihm seine H&uuml;lfe anzubieten.
+Toanonga dagegen hielt gerade Spund f&uuml;r den &auml;rgsten
+Verr&auml;ther von Allen, da er, anstatt die Wei&szlig;en
+in seine H&auml;nde zu liefern, die Leute an Bord jedenfalls
+gewarnt und sie bewaffnet her&uuml;ber gebracht hatte.
+So ruhig und leidenschaftlos er sich deshalb auch
+sonst benahm, so zornig und emp&ouml;rt war er jetzt. War
+nicht die H&auml;uptlingsw&uuml;rde in ihm gesch&auml;ndet? hatten<span class="pagenum"><a name="Page_238" id="Page_238">[S. 238]</a></span>
+die Wei&szlig;en nicht gewagt, Hand an ihn, den How dieser
+Insel, zu legen? Deshalb also dem ihm n&auml;chsten
+Krieger eine Keule entrei&szlig;end, f&uuml;hrte er einen so gutgemeinten
+und raschen Schlag nach dem Sch&auml;del des
+armen Teufels, da&szlig; er ihm jedenfalls verderblich geworden
+w&auml;re. Zu seinem Gl&uuml;ck schleppte Spund aber
+noch immer das Buch mit sich herum, da&szlig; er fast unwillk&uuml;rlich
+mit beiden H&auml;nden empor hob, als er die
+Keule niedersausen sah. Allerdings brach der dicke
+Band die Gewalt des Schlages in etwas; derselbe
+war aber zu kr&auml;ftig gef&uuml;hrt worden, um sich ganz aufhalten
+zu lassen, und wie das getroffene Buch auf
+Spund's Kopf niederprallte, warf es den B&ouml;ttcher
+hinterr&uuml;cks auf die scharfen Corallen.</p>
+
+<p>Toanonga sah ihn st&uuml;rzen, k&uuml;mmerte sich aber
+nicht weiter um ihn, denn wichtigere Sachen erforderten
+seine Aufmerksamkeit. &bdquo;Nach den Canoes, nach
+den Canoes!&ldquo; donnerte seine Stimme die Bai entlang,
+und w&auml;hrend die mit den Musketen bewehrten Insulaner
+noch immer umsonst versuchten, die verst&uuml;mmelten
+Waffen abzudr&uuml;cken, sprang die Mehrzahl der
+jungen Leute fl&uuml;chtigen Fu&szlig;es am Wasserrand hin,
+die Canoes zu erreichen. Konnten sie doch dem schwer
+geladenen Boot der Papalangis noch immer den Weg
+abschneiden.<span class="pagenum"><a name="Page_239" id="Page_239">[S. 239]</a></span></p>
+
+<p>Einzelne waren jedoch noch zu Toanonga's Schutze
+zur&uuml;ckgeblieben und ein paar von diesen sprangen auf
+Spund zu, den also Niedergeworfenen v&ouml;llig abzufertigen.
+Mac Kringo hatte aber im Boot die Gefahr
+des Kameraden gesehen, und w&auml;hrend die Mannschaft
+desselben das halb auf den Strand gerathene Fahrzeug
+zur&uuml;ck in ein tiefes Wasser dr&uuml;ckte, griff er eine
+der Musketen auf und feuerte sie &uuml;ber die K&ouml;pfe der
+Insulaner in die Luft. Das rettete Spund. Bei
+dem Schu&szlig; fuhren die Wilden unwillk&uuml;rlich zur&uuml;ck,
+w&auml;hrend derselbe auf den Matrosen gerade die entgegengesetzte
+Wirkung hervorbrachte. Mit einem
+Satze war er in die H&ouml;he, und Buch wie Glaubenseifer
+hinter sich lassend, warf er sich Hals &uuml;ber Kopf
+in das Wasser hinein, den Kameraden zu folgen. Der
+mit so grimmer Wuth nach ihm gef&uuml;hrte Schlag des
+alten H&auml;uptlings hatte ihn, wenn auch nicht besch&auml;digt,
+doch so erschreckt, da&szlig; er gar nicht daran dachte,
+einen zweiten derartigen Angriff abzuwarten.</p>
+
+
+<h4>6.</h4>
+
+<p>Die Engl&auml;nder kletterten, so wie das Boot flott
+war, hinein und griffen die Ruder auf, w&auml;hrend die
+Mannschaft des Schooners mit den Gewehren im
+Anschlag stehen blieb, ihren R&uuml;ckzug zu decken. Das<span class="pagenum"><a name="Page_240" id="Page_240">[S. 240]</a></span>
+Boot ging aber durch die vermehrte Besetzung ziemlich
+schwer im Wasser und machte keineswegs so raschen
+Fortgang, wie Mac Kringo gehofft hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;Teufel noch einmal!&ldquo; fl&uuml;sterte er Lemon, der auf
+der Ruderbank vor ihm sa&szlig;, zu, &bdquo;die Rothfelle bekommen
+doch am Ende Zeit, uns mit ihren Canoes den
+Weg abzuschneiden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn ich ihnen den Spa&szlig; nicht verdorben h&auml;tte!&ldquo;
+lachte aber Lemon ingrimmig vor sich hin. &bdquo;In alle
+die Canoes, die dort lagen, habe ich ein wunderh&uuml;bsches
+Loch hineingebohrt, und bis sie die jetzt wieder
+aussch&ouml;pfen und flott machen, sind wir lange drau&szlig;en.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das war gescheidt, mein Bursche!&ldquo; rief der
+Schotte, &bdquo;hehehe, wie sie uns verw&uuml;nschen werden,
+wenn sie den Streich merken! Das war aber auch
+n&ouml;thig; denn das alte runde Ding hier schleicht gerade
+so durchs Wasser, als wenn wir in einem Sp&uuml;lfa&szlig;
+s&auml;&szlig;en.&ldquo;</p>
+
+<p>Ein paar Sch&uuml;sse wurden in diesem Augenblicke
+vom Ufer ihnen nachgefeuert. Entweder hatten die
+Insulaner den Verlust der Steine bemerkt und ersetzt,
+oder noch andere Musketen gehabt. Keine der Kugeln
+traf jedoch das Boot; eine zischte vor&uuml;ber, und
+die anderen fielen schon zu kurz.</p>
+
+<p>Sie n&auml;herten sich jetzt dem schmalen Eingang<span class="pagenum"><a name="Page_241" id="Page_241">[S. 241]</a></span>
+der Riffe, als sie die ersten Canoes der Verfolger aus
+einer gesch&uuml;tzten Bucht vorschie&szlig;en sahen. Durch
+Lemon's List waren sie aber hinl&auml;nglich aufgehalten
+worden, um den Fl&uuml;chtigen einen ziemlichen
+Vorsprung zu gestatten, und da Leute genug im Boot
+sa&szlig;en, einander abzul&ouml;sen, so lie&szlig;en sie die Ruder aus
+Leibeskr&auml;ften arbeiten.</p>
+
+<p>Die Indianer schienen ihre Canoes auch nicht alle
+auf einmal flott bekommen zu haben; denn als das
+Boot die Riffe verlie&szlig;, folgten ihnen erst zwei, und
+ein drittes wurde eben sichtbar; dann entzog die &uuml;ber
+die Corallen st&uuml;rzende Brandung das innere Wasser
+der Bai ihren Blicken, und sie konnten nichts weiter
+von dem, was dort vorging, erkennen.</p>
+
+<p>Der Schooner lag etwa eine halbe englische Meile
+weiter drau&szlig;en. Der Steuermann hatte aber vom
+Masttop aus die Flucht des Bootes und die verfolgenden
+Canoes bemerkt, ja, sogar die Sch&uuml;sse von dort
+her&uuml;ber geh&ouml;rt und, trotz der Gefahr, die ihm selber
+von den Riffen drohte, die Segel backgebra&szlig;t, seine
+Leute erst wieder aufzunehmen. Noch waren diese
+auch eine ziemliche Strecke vom Schooner entfernt,
+als die ersten Canoes schon im Eingang der Bai sichtbar
+wurden und mit rei&szlig;ender Schnelle n&auml;her kamen;
+aber &uuml;berholen konnten sie das Boot nicht mehr. Jetzt<span class="pagenum"><a name="Page_242" id="Page_242">[S. 242]</a></span>
+lief es langseit, und wenige Secunden sp&auml;ter kletterten
+schon die Matrosen mit lautem Jubelruf an den ihnen
+zugeworfenen Tauen empor.</p>
+
+<p>Alle wu&szlig;ten aber, da&szlig; sie sich trotzdem nicht eher
+f&uuml;r gerettet halten konnten, als bis sie die Insel
+windw&auml;rts brachten und die drohenden Riffe hinter
+sich lie&szlig;en. Die Segel flogen deshalb herum, um
+auch den geringsten Luftzug zu fangen, den ihnen die
+schwache Brise bot, und w&auml;hrend der Bug nach Westen
+abfiel, an den Riffen hinzulaufen, sprang Mac Kringo
+an der Want des Vordermastes empor, einen &Uuml;berblick
+nach der Insel zu gewinnen.</p>
+
+<p>Er kannte n&auml;mlich das Binnenwasser von Monui
+genau und wu&szlig;te, da&szlig; gerade nach Westen zu den
+&uuml;brigen Canoes ein anderer Pa&szlig; blieb. Den mu&szlig;ten
+sie nehmen, wenn sie ihnen den Weg abschneiden
+wollten; und da&szlig; der Schooner nicht nach Osten
+entkommen konnte, war den Eingeborenen bekannt genug.
+In dieser Vermuthung hatte er sich denn auch
+nicht geirrt, denn oben kaum angelangt, erkannte er
+schon sieben stark bemannte Canoes, die &uuml;ber die
+glatte Bai her&uuml;berschossen und denen der Schooner
+gar nicht mehr vorbeilaufen konnte.</p>
+
+<p>Es blieb ihnen jetzt nichts Anderes &uuml;brig, als sich
+zu einem Kampfe zu r&uuml;sten; denn da&szlig; die Insulaner,<span class="pagenum"><a name="Page_243" id="Page_243">[S. 243]</a></span>
+solcher Art um die schon sicher geglaubte Beute betrogen,
+ihren Angriff mit erbitterter Wuth machen
+w&uuml;rden, lie&szlig; sich denken. Jacobs erfuhr &uuml;brigens
+kaum die neue Gefahr, die ihm drohte, als er auch
+mit gutem Muth den Befehl gab, das Deck zum
+Kampfe klar zu machen. Die vier Kanakas hatte er
+allerdings an Land zur&uuml;ck lassen m&uuml;ssen &ndash; und den
+Sandwichs-Insulanern schien diese Gelegenheit sehr
+erw&uuml;nscht gekommen zu sein &ndash;, daf&uuml;r war aber seine
+Mannschaft durch sechs t&uuml;chtige Matrosen verst&auml;rkt
+worden, und mit den zwei kleinen Kanonen, die er am
+Bord f&uuml;hrte, hoffte er sich die Wilden schon vom
+Leibe zu halten.</p>
+
+<p>Mac Kringo that es freilich leid, da&szlig; er jetzt vielleicht
+gen&ouml;thigt sein sollte, auf die zu schie&szlig;en, die ihn
+doch eigentlich freundlich aufgenommen. Dabei wu&szlig;te
+er aber recht gut, da&szlig; sie keine Gnade zu erwarten
+h&auml;tten, wenn sie zum zweiten Male in die H&auml;nde der
+Eingeborenen fielen, und der Selbsterhaltung mu&szlig;te
+jede andere R&uuml;cksicht weichen.</p>
+
+<p>Ihre einzige Hoffnung war noch, da&szlig; die Brise
+st&auml;rker werden sollte, wo sie den Canoes dann bald
+entgangen w&auml;ren. Im Gegentheil schien aber der
+Wind fast ganz einzuschlafen, und mit der Ungewi&szlig;heit,
+nach welcher Richtung hin hier die Str&ouml;mung<span class="pagenum"><a name="Page_244" id="Page_244">[S. 244]</a></span>
+ging, donnerte ihnen die Brandung schon drohend in
+das Ohr. Der Capitain lie&szlig; allerdings das Senkblei
+werfen, aber sie fanden, obgleich gar nicht mehr
+so weit von den Riffen entfernt, keinen Grund.</p>
+
+<p>Gerade vor ihnen lief eine Corallenspitze ziemlich
+hoch nach Norden hinauf, und wenn sie diese umschiffen
+konnten, hofften sie an den dort mehr ablaufenden
+Riffen eher hinunter zu k&ouml;nnen. Gerade dort
+aber wurden jetzt die ersten Canoes sichtbar, w&auml;hrend
+die drei, die ihnen gefolgt waren, ihren Angriff nur
+zu verz&ouml;gern schienen, bis sie von ihren Freunden
+unterst&uuml;tzt werden konnten.</p>
+
+<p>Der Capitain des Schooners hatte nicht gern die
+Feindseligkeiten er&ouml;ffnen wollen, jetzt aber sah er ein,
+da&szlig; ihm keine weitere Wahl blieb; denn einen Erfolg
+konnte er sich nur, bei der gro&szlig;en &Uuml;bermacht der Insulaner,
+in dem Falle versprechen, wenn es ihm gelang,
+sie etwas einzusch&uuml;chtern. Die vorn am Bug
+stehende Kanone wurde deshalb gerichtet, Jacobs ergriff
+selbst die Lunte, und die Kugel schlug gleich darauf
+so gl&uuml;cklich ein, da&szlig; sie das geschnitzte Hintertheil
+eines der Canoes wegri&szlig; und, wie es schien, den
+Steuernden besch&auml;digte.</p>
+
+<p>Das lie&szlig;en sich die Insulaner &uuml;brigens zur Warnung
+dienen; denn w&auml;hrend sie bis jetzt ihre Fahrzeuge<span class="pagenum"><a name="Page_245" id="Page_245">[S. 245]</a></span>
+auf einem Trupp zusammen gehalten hatten,
+vertheilten sie dieselben, und es schien, da&szlig; sie einen
+Angriff von allen Seiten und zu gleicher Zeit beabsichtigten.</p>
+
+<p>&bdquo;Da kommt die Brise!&ldquo; rief da pl&ouml;tzlich der
+Steuermann des Schooners, der seinen Stand an der
+hinteren Kanone bekommen hatte, und als sich alle
+Blicke dorthin wandten, sahen sie, wie sich in der That
+die Oberfl&auml;che der See nach Osten zu dunkel f&auml;rbte
+und kr&auml;uselte. Aber die Canoes mochten das ebenfalls
+bemerkt haben und wu&szlig;ten jetzt, da&szlig; sie ihren
+Angriff keinen Augenblick mehr verz&ouml;gern durften.
+Die Ruderer strengten alle ihre Kr&auml;fte an, die verschiedenen,
+ihnen angewiesenen Pl&auml;tze so rasch als
+m&ouml;glich einzunehmen, und dies erreicht, glitten sie von
+allen Seiten zugleich heran.</p>
+
+<p>Die Mannschaft des Schooners erwartete sie mit
+klopfenden Herzen, denn &uuml;ber das ganze Fahrzeug zerstreut,
+konnten sie kaum mehr als einen Mann jedem
+Canoe zur Abwehr entgegen stellen. N&auml;her und n&auml;her
+kam auch der dunkle Wasserstreifen geflogen.
+Schon konnten sie erkennen, wie sich die kleinen Wellen
+tanzend hoben, und jetzt &ndash; jetzt schlugen die Segel
+flappend gegen den Mast und &ndash; bl&auml;hten aus.
+Vorn unter dem Bug kr&auml;uselte und sch&auml;umte das<span class="pagenum"><a name="Page_246" id="Page_246">[S. 246]</a></span>
+klare Wasser, und w&auml;hrend sie sich den vorderen Canoes
+rasch n&auml;herten, lie&szlig;en sie die hinteren zur&uuml;ck.</p>
+
+<p>&bdquo;Alle nach vorn, Jungens!&ldquo; jubelte da Jacobs'
+Stimme &uuml;ber Deck. &bdquo;Das kam zur rechten Zeit!
+und Bill, du h&auml;ltst den Schooner gerade auf das
+gr&ouml;&szlig;te Canoe da vorne mitten darauf!&ldquo;</p>
+
+<p>Immer st&auml;rker wurde die Brise, schon begann sich
+das schlanke Fahrzeug ein wenig zu neigen, und die
+hinter ihm befindlichen Canoes durften nicht mehr
+hoffen zur rechten Zeit heran zu kommen. Trotzdem
+gaben die vorderen den Angriff nicht auf. Sie wu&szlig;ten
+wie wenig Leute ihnen die Papalangis entgegenstellen
+konnten, und da&szlig; die erste Kanonenkugel keinen gr&ouml;&szlig;eren
+Schaden angerichtet, hatte ihren Muth noch
+eher erh&ouml;ht. Noch ging das Fahrzeug auch nicht
+rasch genug durchs Wasser, da&szlig; sie nicht h&auml;tten anlaufen
+und entern k&ouml;nnen; aber mit immer gr&ouml;&szlig;erer
+Anstrengung mu&szlig;ten die an der Seite Befindlichen
+arbeiten, um nicht zur&uuml;ckgelassen zu werden. Vor
+dem Schooner hatten sich jetzt vier Canoes gesammelt,
+und als er heran kam, wichen sie eben genug aus, ihn
+hindurch zu lassen. Gegen den Wind, wu&szlig;ten sie
+recht gut, konnte er nicht weiter aufluven, und unter
+dem Wind lagen die Corallen.</p>
+
+<p>Jacobs kannte seinen Schooner, der nur aber bei<span class="pagenum"><a name="Page_247" id="Page_247">[S. 247]</a></span>
+mittelm&auml;&szlig;iger Brise mit vier und einem halben Strich
+ganz vortrefflich segelte und dem Wind ordentlich in
+die Z&auml;hne lief. So wie er deshalb die Absicht der
+Eingeborenen merkte, war auch sein Plan gefa&szlig;t.</p>
+
+<p>&bdquo;Gebt Feuer,&ldquo; rief er, so wie ihr das Wei&szlig;e von
+ihren Augen sehen k&ouml;nnt!&ldquo; und dann selber an sein
+Steuer springend, lie&szlig; er sein Fahrzeug trotz der Corallen
+wohl zwei Strich abfallen. Den von rechts
+herbeikommenden Canoes wich er dadurch aus und
+&uuml;berraschte die beiden an der linken Seite so vollkommen,
+da&szlig; der Bug des Bonito das Hintertheil des
+einen ergriff und &uuml;bersegelte. Die Mannschaft desselben
+hielt sich allerdings zum Theil selbst an dem
+vorderen Tauwerk des Schooners und suchte an Bord
+zu klettern. Nachdem die Matrosen aber ihre Gewehre
+in die n&auml;chsten Canoes abschossen und dort
+Verwirrung verbreitet hatten, drehten sie die Musketen
+um, und wo sich ein Kopf &uuml;ber der Schanzkleidung
+zeigte, traf ihn auch ein wohlgezielter Schlag.</p>
+
+<p>Noch heulten und tobten die Eingeborenen in
+wilder Wuth um sie her, als der Bug des Schooners
+schon wieder scharf gegen den Wind aufluvte. Im
+n&auml;chsten Moment schossen sie so dicht an der Corallenspitze
+vor&uuml;ber, da&szlig; sie mit einem Steine h&auml;tten in die
+Brandung werfen k&ouml;nnen, und lie&szlig;en jetzt die letzten<span class="pagenum"><a name="Page_248" id="Page_248">[S. 248]</a></span>
+Canoes, die dieser Gefahr selber entgehen mu&szlig;ten,
+zur&uuml;ck. &ndash; Noch wenige Secunden, und sie waren gerettet,
+jede Gefahr lag hinter ihnen, und Bill, der
+Steuermann, sprang mit seiner Lunte an die hinterste
+Kanone, den Feinden noch eine Kugel zur&uuml;ck zu schicken.
+Das aber litt Jacobs nicht.</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig; sie laufen, mein Junge,&ldquo; sagte er, indem er
+den Arm des Steuermannes zur&uuml;ckhielt. &bdquo;Sie werden
+Noth genug haben, von der Ecke dort weg zukommen;
+vor <span class="gesperrt">uns</span> aber liegt die blaue weite See, und mit dem
+Bewu&szlig;tsein, all jenen Gefahren so gl&uuml;cklich entgangen
+zu sein, mag ich kein Menschenleben mehr zerst&ouml;ren.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_249" id="Page_249">[S. 249]</a></span></p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_32_32" id="Footnote_32_32"></a><a href="#FNanchor_32_32"><span class="label">[32]</span></a> Das aus einer Art Baumrinde bereitete und gedruckte
+Zeug. Das ungedruckte hei&szlig;t Tapa.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_33_33" id="Footnote_33_33"></a><a href="#FNanchor_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Bolutu ist nach dem Glauben der Tonga-Inseln der
+Aufenthalt der Seligen. Sie denken sich diesen Ort als eine
+gro&szlig;e, wunderbar sch&ouml;ne Insel, mit allen Fr&uuml;chten reich gesegnet,
+die weit gegen Nord-Westen liegt &ndash; so weit in der
+That, da&szlig; sie dieselbe mit ihren Canoes nicht erreichen k&ouml;nnen.
+Dort werden ihre Seelen zu Hotuas oder g&ouml;ttergleichen
+Geistern, die auch &ndash; besonders die Seelen der H&auml;uptlinge &ndash;
+im Stande sind, Einflu&szlig; auf das Leben der Sterblichen auszu&uuml;ben.
+Sie erz&auml;hlen sich, da&szlig; einmal ein Boot von den
+Tonga-Inseln dorthin verschlagen sei, und die Leute w&auml;ren
+ans Land gesprungen und h&auml;tten sich von den prachtvollen
+Fr&uuml;chten pfl&uuml;cken wollen; sie h&auml;tten aber keine ergreifen
+k&ouml;nnen; denn unter ihren H&auml;nden wurden sie zu Luft. Auch
+durch die B&auml;ume, die dort wuchsen, konnten sie gerade hindurchgehen.
+Sie standen leibhaftig vor ihnen, bildeten aber
+keinen festen K&ouml;rper. Ein Hotua kam da zu ihnen und ermahnte
+sie, die Insel so rasch als m&ouml;glich zu verlassen, und
+voll Angst schifften sie sich augenblicklich wieder ein. Der
+Wind blies auch so g&uuml;nstig und scharf, da&szlig; sie Tonga schon
+nach einigen Tagen erreichten; aber am Ufer angekommen,
+mu&szlig;ten sie alle sterben. Ihre K&ouml;rper hatten die Luft von
+Bolutu nicht vertragen k&ouml;nnen. An eine Strafe nach dem
+Tode glauben die Tonga-Insulaner nicht.</p></div>
+</div>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h2><a name="im_ostindischen_archipel" id="im_ostindischen_archipel"></a>II.<br/><br/>Im Ostindischen Archipel.</h2>
+
+<h3><a name="der_balinese" id="der_balinese">Der Balinese.</a></h3>
+
+
+<p>&Ouml;stlich von Java, und von dieser Insel nur durch
+einen schmalen Seearm getrennt, liegt das zwar kleine,
+aber wundersch&ouml;ne, gebirgige Eiland <span class="gesperrt">Bali,</span>, von einem
+kriegerischen, kr&auml;ftigen, arbeitsamen Volke bewohnt
+und bis in seine Berge hinauf vortrefflich cultivirt
+und angebaut.</p>
+
+<p>Trotz seiner N&auml;he bei dem schon l&auml;ngst den Holl&auml;ndern
+unterworfenen Java hatte es sich dennoch bis
+zur neueren Zeit seine vollkommene Unabh&auml;ngigkeit zu
+bewahren gewu&szlig;t, und erst in den letzten Jahren gelang
+es den Holl&auml;ndern, theils durch Verrath unter
+den Eingeborenen, theils durch ihre Truppen unter
+dem Commando Sr. Hoheit des Herzogs Bernhard
+von Weimar, die Rajahs Balis wenigstens dahin zu
+bringen, da&szlig; sie ihre Oberherrschaft anerkannten.</p>
+
+<p>Die Balinesen sind, was die Mission&auml;re &bdquo;blinde
+Heiden&ldquo; nennen, d.&nbsp;h. sie haben ihre eigenen G&ouml;tter<span class="pagenum"><a name="Page_250" id="Page_250">[S. 250]</a></span>
+(Brachma, Schiwa und Wischnu) und ihren eigenen
+Glauben, den sie sich entschieden weigern abzulegen.
+Ihre Javanischen Nachbarn gingen ihnen darin allerdings
+schon seit l&auml;ngerer Zeit mit gutem Beispiel
+voran, indem sie zum Islam &uuml;bertraten. Von den
+muhamedanischen Priestern besonders, aber auch dann
+und wann von christlichen Mission&auml;ren sind schon verschiedene
+Versuche gemacht, sie das abschw&ouml;ren zu
+machen, was andere Nationen eine <span class="gesperrt">Irrlehre</span> nennen.
+Bis jetzt war es jedoch vergeblich, und wenn es irgend
+noch eines Beweises bed&uuml;rfte, da&szlig; die christliche Religion
+keineswegs unumg&auml;nglich nothwendig dazu ist,
+ein wildes Volk zu civilisiren, so liefern diese Balinesen
+als <span class="gesperrt">Heiden</span>, und ihre Nachbarn, die Javanen, als
+<span class="gesperrt">Muhamedaner</span> davon den schlagendsten Beweis.</p>
+
+<p>Was die Cultur Balis' betrifft, so l&auml;&szlig;t diese
+nichts zu w&uuml;nschen &uuml;brig. Jedes Pl&auml;tzchen, das
+Frucht liefern kann, ist benutzt, und die Balinesen
+bauen sogar weit mehr, als sie zu ihrem eigenen Bedarf
+brauchen. Manches Schiff hat dort schon f&uuml;r
+den europ&auml;ischen Markt seine Ladung von Reis,
+Zucker, Kaffee und anderen Produkten eingenommen,
+w&auml;hrend hunderte von Prauen (die inl&auml;ndischen Fahrzeuge)
+der benachbarten Inseln, ja selbst bis von
+China her&uuml;ber, in stetem und lebendigem Verkehr mit<span class="pagenum"><a name="Page_251" id="Page_251">[S. 251]</a></span>
+dem kleinen Reiche stehen. Die Balinesen haben dabei
+ihre eigenen Rajahs oder F&uuml;rsten, und die dem
+Lande dienlichen Gesetze werden mit unnachsichtlicher
+Strenge von ihren weltlichen und geistlichen Oberh&auml;uptern
+in Kraft gehalten. Auf allen schweren Vergehen,
+selbst auf Diebstahl, steht Todesstrafe. &ndash;
+Au&szlig;erdem sind sie aber auch noch in vielen K&uuml;nsten
+geschickt und erfahren. Vorz&uuml;glich ihre Stahl- und
+Goldarbeiten, ihre Korbflechtereien und Webereien
+sind ber&uuml;hmt in der ganzen Inselgruppe des ostindischen
+Archipels. Ihre Landestracht ist dabei anst&auml;ndig
+und geschmackvoll, und dem Klima vollkommen
+angemessen.</p>
+
+<p>So viel als kurze Einleitung f&uuml;r den Leser, der
+die kleine Insel bis jetzt vielleicht kaum dem Namen
+nach oder doch nur nach Beschreibungen kannte, welche
+ihre Bewohner beinah wie eine R&auml;uber- und Piratenbande
+erscheinen lie&szlig;. Jede Sache hat freilich ihre
+zwei Seiten.</p>
+
+
+<h4>1.</h4>
+
+<p>Es war im September des Jahres 184*, als in
+dem s&uuml;dlichsten Rayat von Bali, in Badong, ein
+junger Bergbewohner r&uuml;stig aus der fruchtbaren
+Hochebene nieder der S&uuml;d-West-K&uuml;ste der Insel und<span class="pagenum"><a name="Page_252" id="Page_252">[S. 252]</a></span>
+der Bai von Balikota zu stieg. Wohl f&uuml;hrte eine
+breite, gut unterhaltene und fahrbare Stra&szlig;e von
+Badong zu dem kleinen St&auml;dtchen Kota an dieser Bai
+hinab. Der junge Balinese h&auml;tte aber, um auf sie
+zu gelangen, zu weit westlich aus dem Wege gehen
+m&uuml;ssen, und da er &uuml;berdies auch nicht gewohnt war,
+einer breiten, bequemen Stra&szlig;e zu folgen, so suchte er
+sich lieber in gerader Richtung die n&auml;here, wenn auch
+nicht eben so glatte Bahn.</p>
+
+<p>Diese f&uuml;hrte ihn durch weite mit Mais und
+Zuckerrohr bepflanzte Fl&auml;chen und an den schmalen
+D&auml;mmen bew&auml;sserter Reisfelder hin, zu den R&auml;ndern
+steiler, dichtbewaldeter Ravinen, die das Land durchschnitten
+und mit ihrer wilden &uuml;ppigen Vegetation in
+die urbar gemachten und in vollkommenster Cultur gehaltenen
+Felder gar wunderlich hinein griffen.</p>
+
+<p>Der Thau lag noch in voller funkelnder Pracht
+auf den Bl&auml;ttern und Bl&uuml;then, und hing in schweren
+Tropfen an den blitzenden Halmen, das saftige Gr&uuml;n
+der H&auml;nge mit zauberhaftem Schimmer &uuml;bergie&szlig;end.
+Hoch und k&uuml;hn daraus hervor ragte die stolze Cocospalme,
+die K&ouml;nigin der W&auml;lder, mit ihrer schwankenden,
+zitternden Blattkrone, die der S&uuml;dost-Monsoon
+hier nur in leichtem S&auml;useln erreichen konnte, und
+die <a name="cortex4-1" href="#corr4-1" class="corr">Arekapalme</a> streckte aus kleinen Fruchtdickichten<span class="pagenum"><a name="Page_253" id="Page_253">[S. 253]</a></span>
+den schlanken, zierlichen, pfeilartigen Stamm. Tief und
+schattig in den reizenden Hainen lagen die Bambush&uuml;tten
+der Eingeborenen gar still versteckt, und die
+dunklen R&auml;nder derselben wurden nur hie und da durch
+die purpurrothe Bl&uuml;thenmasse des Tjanging<a name="FNanchor_34_34" id="FNanchor_34_34"></a><a href="#Footnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a> unterbrochen,
+der mit seinen unregelm&auml;&szlig;ig und reich &uuml;ber
+die Landschaft gestreuten B&auml;umen der ganzen Scenerie
+eine eigene wunderbare F&auml;rbung gab.</p>
+
+<p>Wo der junge Eingeborene seinen Pfad suchte,
+war noch wenig Leben. Hie und da arbeiteten erst
+einzelne Gruppen in den Feldern, meistens Frauen,
+die mit der Hand den reifen Reis abschnitten und auf
+die R&auml;nder trugen. Der Sikup<a name="FNanchor_35_35" id="FNanchor_35_35"></a><a href="#Footnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a> strich noch einsam
+nach Beute &uuml;ber die stille Gegend. Hie und da
+stand auch wohl ein einsiedlerischer Tjanga mit den
+langen Beinen und riesigem, fast unverh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig
+gro&szlig;em Schnabel am Rande der Reisfelder und trat
+dem rasch Heranschreitenden mehr, wie es schien, aus<span class="pagenum"><a name="Page_254" id="Page_254">[S. 254]</a></span>
+H&ouml;flichkeit, als aus besonderer Sorge f&uuml;r seine eigene
+Sicherheit ein paar Fu&szlig; aus dem Weg. Oder eine
+Schaar wilder Pfauen, die an dem Rand der Ravine
+gesessen und sich gesonnt hatte, b&auml;umte auf und schaute
+mit den langen H&auml;lsen neugierig nach dem einzelnen
+Wanderer nieder.</p>
+
+<p>Dieser aber war viel zu sehr mit sich selber und
+seinen eigenen Gedanken besch&auml;ftigt, um solchen, &uuml;berdies
+durchaus gew&ouml;hnlichen Gegenst&auml;nden auch nur
+einen Blick zu widmen. Rasch nur suchte er durch
+manche sich ihm in den Weg stellende Hindernisse seine
+Bahn, und hielt zum ersten Male an, als er eine
+Art Absatz oder Terrasse des Hanges erreicht hatte,
+von der aus sich eine weite Aussicht nach S&uuml;den und
+S&uuml;dwest &uuml;ber die K&uuml;ste und das ferne Meer gewinnen
+lie&szlig;.</p>
+
+<p>&Uuml;ber Geb&uuml;sch und Palmen hin, die den steilen,
+tiefablaufenden Hang bedeckten, konnte er den breiten
+Cocoshain &uuml;berschauen, der das kleine St&auml;dtchen
+Kota mit der ganzen dortigen K&uuml;ste umg&uuml;rtete, w&auml;hrend
+das blaue freundliche Meer an dessen anderer
+Seite den Strand besch&auml;umte. Massen kleinerer Segel,
+meist inl&auml;ndische Prauen, hie und da aber auch
+chinesische Dschunken, kreuzten durch das stille, von
+einer leichten Brise kaum bewegte Wasser, und nur<span class="pagenum"><a name="Page_255" id="Page_255">[S. 255]</a></span>
+ein einziges europ&auml;isches Schiff lag gerade &uuml;ber der
+Corallenbank und durch die s&uuml;dlich auslaufende Spitze
+des Landes (von den Engl&auml;ndern Tafelhoek genannt)
+gegen den S&uuml;dost-Monsoon gesch&uuml;tzt, drau&szlig;en vor
+Anker. Seine Segel waren zwar noch fest, aber es
+schien ziemlich schwer geladen und ging tief im Wasser,
+w&auml;hrend einzelne Boote noch immer mehr Fracht
+hin&uuml;ber brachten. Die holl&auml;ndische Flagge wehte
+von des Fremden Gaffel.</p>
+
+<p>Der junge Balinese blieb hier stehen und schaute
+lange und sinnend in das freundliche Thal hinab, das
+sich seinen Blicken &ouml;ffnete. Aber seine Gedanken waren
+nicht mehr freundlicher Art. So frisch und froh
+vorher sein Auge dem niederen Lande entgegengeleuchtet
+hatte, so zog sich jetzt seine Stirn in d&uuml;stere, krause
+Falten, und mit untergeschlagenen Armen schaute er
+schweigend zu dem fremden, unwillkommenen Gast, zu
+der ihm verha&szlig;ten, feindlichen Flagge hin&uuml;ber.</p>
+
+<p>Es war eine edle, sch&ouml;ne, schlanke und doch so
+kr&auml;ftige Gestalt, wie sie unter der einzelnen wehenden
+Palme stand. Und Hoheit und Schmerz lag in den
+Z&uuml;gen, als ob der z&uuml;rnende Gott der Berge selbst
+aus seines Waldes Schatten getreten sei und jetzt den
+Feind seines Landes, seines Volkes vor sich erblicke.
+Die Z&uuml;ge seines Gesichts konnten fast griechisch genannt<span class="pagenum"><a name="Page_256" id="Page_256">[S. 256]</a></span>
+werden. Die leicht gebogene Nase, die hohe
+Stirn, die schwellenden und doch zart geschnittenen
+Lippen schienen kaum einem indischen Stamme anzugeh&ouml;ren;
+aber die dunkle Bronzefarbe der Haut, die
+dunklen feurigen Augen, das lange, rabenschwarze
+aber weichlockige Haar verriethen den Sohn dieser
+K&uuml;ste, das Kind dieser Berge. Er ging ganz in die Landestracht
+gekleidet. Um den Kopf trug er fast turban&auml;hnlich
+ein dunkelfarbiges, mit rothen und gelben
+Streifen durchzogenes Tuch, nur da&szlig; oben die &uuml;ppige
+Masse seines schwarzen, langen Haares herausquoll.
+Um seine H&uuml;ften, bis fast zu den Knieen niederreichend,
+schlang sich ein gleiches von &auml;hnlicher Farbe,
+der sogenannte Kammen, und der Sappot, eine Art
+schottischer Plaid, aber auch aus inl&auml;ndischem Zeug
+gewebt, hing ihm in leichtem, malerischem Wurfe &uuml;ber
+die Schulter, mit dem einen langen Zipfel die rechte
+Brust bedeckend.</p>
+
+<p>In dem Kammen stak vorn, wie bei allen Balinesen,
+die Kompec oder Sirihtasche (zum Betelkauen)
+aus feingeflochtenem und buntgef&auml;rbtem Bambus verfertigt,
+und hinten, wie bei den S&uuml;damerikanern, der
+lange Dolch oder Khris (im Balinesischen Radotan)
+in h&ouml;lzerner, wunderlich geformter und mit Goldpl&auml;ttchen
+zierlich ausgelegter Scheide, w&auml;hrend der<span class="pagenum"><a name="Page_257" id="Page_257">[S. 257]</a></span>
+Griff aus einem dunklen fein gravirten Metall bestand
+und ebenfalls mit Gold eingelegt war. An den
+F&uuml;&szlig;en trug er zierlich gen&auml;hte Ledersandalen mit
+einem schmalen, goldgestickten Band quer &uuml;ber den
+Spann her&uuml;ber. Sonst waren Arme und Beine nackt,
+aber voll und kr&auml;ftig geformt, und nur um das Gelenk
+der linken Hand schlang sich ihm ein fast weibischer
+Schmuck, ein schmales Armband aus den purpurrothen,
+steinharten und herzf&ouml;rmigen Beeren einer
+Akazienart aufgereiht und zum schmalen Bande zusammengeflochten.</p>
+
+<p>Als einzige Waffe hielt die Hand dabei ein langes
+d&uuml;nnes Blasrohr, aus hartem schwerem Holz gebohrt,
+von etwa f&uuml;nf Fu&szlig; L&auml;nge, an das oben mit Streifen
+Rattan (spanischem Rohr) eine eiserne Lanzenspitze
+so an der Seite befestigt war, da&szlig; sie dem Schu&szlig; des
+Pfeils oder Bolzens nicht hinderlich sein konnte. Der
+K&ouml;cher, der die kleinen aus Bambus gefertigten, mit
+einer Pflanzenmark-Mundspitze versehenen und mit
+Gift bestrichenen Pfeile trug, stak ebenfalls in Kammen,
+an der linken Seite.</p>
+
+<p>Die Waffe stemmte er jetzt auf einen Stein, und
+mit dem linken Arm sich daran st&uuml;tzend, da&szlig; sein
+Haupt sich sinnend an die Lanzenspitze legte, murmelte
+er mit leiser, halbunterdr&uuml;ckter Stimme vor sich hin:<span class="pagenum"><a name="Page_258" id="Page_258">[S. 258]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Wieder so ein Schiff mit seiner stolzen dreifarbigen
+Fahne, wieder und wieder eins, in Handel und
+Freundschaft scheinbar, und <span class="gesperrt">uns</span> zum Nutzen, wie sie
+sagen, heimlich aber nur sich und ihr r&auml;uberisches
+Ziel im Auge. Halb <span class="gesperrt">sind</span> wir ja schon besiegt,&ldquo; setzte
+er mit finsterem Grimm hinzu, die Worte durch die
+zusammengepre&szlig;ten Z&auml;hne zischend, &bdquo;und wenn nicht
+noch der wackere Dewa Argo dem Treiben fest entgegenst&uuml;nde
+und mit aller ihm zu Gebote stehenden
+Macht an unsern Sitten und Gesetzen hielte, den
+Fremden keinen Fu&szlig; breit Boden weiter g&ouml;nnend, wie
+s&auml;h's um Bali aus! Hielt er die Hand nicht &uuml;ber
+unser Land gestreckt, wie bald w&uuml;rden die Fremden,
+die Brachma verdammen m&ouml;ge, das Land &uuml;berschwemmen
+und den ganzen Fluch ihres Geschlechts
+&uuml;ber uns bringen. In den Th&auml;lern w&uuml;thet schon die
+furchtbare Radjadja<a name="FNanchor_36_36" id="FNanchor_36_36"></a><a href="#Footnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a>, und die Leichen ihrer Opfer
+verpesten die Luft.&ldquo;</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_259" id="Page_259">[S. 259]</a></span></p>
+<p>&bdquo;Die alten Prophezeihungen werden wahr,&ldquo; fuhr
+der Einsame in seinem Selbstgespr&auml;ch inzwischen fort.
+&bdquo;Der wei&szlig;e Jakal hat den schwarzen &uuml;berlistet und
+w&uuml;thet in seinem Jagdgrund, w&auml;hrend unsere G&ouml;tter
+ihr Haupt abwenden, um die Schmach ihrer muthlosen
+Kinder nicht zu schauen. &bdquo;Der wei&szlig;e Tiger
+wird kommen und uns verschlingen, wenn wir ihm
+nicht gehorchen,&ldquo; sagt der Orakelspruch jenes weisen
+Rajah, der tausende von Armen schon entnervt und die
+Herzen mit Angst und Muthlosigkeit gef&uuml;llt hat. Ei, er
+m&ouml;chte kommen und es versuchen, und unsere Lanzen
+und Pfeilspitzen w&uuml;rden sein Herz finden, da&szlig; sein
+Blut den Boden d&uuml;ngte. Aber nur zusammen m&uuml;&szlig;ten
+wir stehen, in innigem B&uuml;ndni&szlig;, nicht jeder
+Rajah f&uuml;r sich selber aus kleinlicher, erb&auml;rmlicher
+Furcht das B&uuml;ndni&szlig; des Feindes suchen, um von sich
+selber dessen Rache abzuwenden, f&uuml;r sich selber die
+Regierung zu erhalten. Das Wohl der V&ouml;lker, l&uuml;gen
+sie dabei, h&auml;tten sie im Auge, und nur ihr eigener
+Ehrgeiz macht sie blind gegen Ehre und Pflicht, und
+treibt sie, die V&ouml;lker, die ihrem Schutz durch Brachma
+anvertraut, nichtsw&uuml;rdig zu verrathen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_260" id="Page_260">[S. 260]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Wie stehen wir jetzt dem Feinde gegen&uuml;ber? &ndash;
+Unsere Prauen liegen m&uuml;ssig am Strande, unsere
+Arme werden durch gef&auml;hrliche Unterhandlungen gefesselt
+gehalten, und die Flagge jener Fremden weht
+stolz unseren Tempeln entgegen, und sch&auml;ndet uns
+und unsere G&ouml;tter. Fluch &uuml;ber solche Unth&auml;tigkeit,
+&uuml;ber das Zaudern und Z&ouml;gern und W&auml;hlen und
+F&uuml;rchten. Wenn das so fort geht, wird der Name
+Balinese bald gleichbedeutend werden mit Sklave und
+Feigling. O mein sch&ouml;nes, armes Vaterland!&ldquo;</p>
+
+<p>Er stand noch lange da, seinen finsteren, schmerzlichen
+Gedanken sich &uuml;berlassend, als sein Auge pl&ouml;tzlich
+auf das Armband fiel, das er am linken Handgelenke
+trug, und ein freundlicherer Ausdruck seine
+sch&ouml;nen und edlen Z&uuml;ge belebte.</p>
+
+<p>&bdquo;Kassiar,&ldquo; murmelte er leise, indem ein fl&uuml;chtiges
+L&auml;cheln &uuml;ber sein Antlitz glitt, &bdquo;Kassiar, du Blume
+des Thales, dich wenigstens will ich dem giftigen Einflu&szlig;
+jener Fremden entrei&szlig;en und mit mir in meine
+Berge f&uuml;hren. Dort bieten wir dem fremden Einflu&szlig;
+Trotz, und kommt einmal die Zeit, in der mein Vaterland
+den Fluch erkennt, den es sich selber muthwillig
+aufzuladen scheint, dann brechen wir hervor,
+und unser Schlachtschrei soll die Feinde zur&uuml;ck auf
+ihre Schiffe schrecken. &ndash; Kassiar!&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_261" id="Page_261">[S. 261]</a></span></p>
+
+<p>Und mit dem Namen der Geliebten auf den Lippen,
+griff er die Lanze auf, und sprang mit leichtem
+Schritt den Hang hinab, der Richtung Kota's zu.
+Hier mu&szlig;te er freilich noch ein breites mit Zuckerrohr
+bepflanztes Feld durchschneiden, das n&ouml;rdlich von
+dem kleinen in die Tanjong-Bai ausm&uuml;ndenden Kali
+oder Flusse lag. Eine Br&uuml;cke gab es &uuml;ber den Strom
+nicht, aber eine Cocospalme, die dicht am Uferrand
+gestanden, war von dem angeschwellten Wasser unterw&uuml;hlt
+hin&uuml;bergest&uuml;rzt, da&szlig; ihr Wipfel eben das jenseitige
+Ufer ber&uuml;hrte. Auf dieser lief er hin&uuml;ber,
+dr&auml;ngte sich durch den morastigen, mit niedrigen
+B&uuml;schen bedeckten Uferstrich, der die n&ouml;rdliche Seite
+der von Tuban nach Kota f&uuml;hrenden Stra&szlig;e und den
+Palmenwald begrenzte, und fand sich bald im Schatten
+der wundervollen Punjannjo's, der Cocospalmen,
+wo er auf glattem, ebenem Wege r&uuml;stig dahin schritt.</p>
+
+
+<h4>2.</h4>
+
+<p>Wie das &uuml;ber ihm rauschte und zitterte, in einsamer,
+wundervoller Waldespracht! &ndash; Wie das
+fl&uuml;sterte und raschelte, und mit den langen, herrlichen
+Bl&auml;ttern wehte und ineinandergriff! &ndash; Hier war nichts
+Fremdes, nichts Verha&szlig;tes mehr; das war sein eigenes,
+sch&ouml;nes Vaterland, die Cocospalme seines Stammes<span class="pagenum"><a name="Page_262" id="Page_262">[S. 262]</a></span>
+Bild, und wie das Herz ihm wieder aufging in Stolz
+und Lust und die Sehnsucht nach der Geliebten es
+rascher schlagen machte, wurde sein Schritt auch
+leichter und elastischer, und freundlich nickte er den
+Leuten zu, die er am Wege traf, und die Reis und
+andere Feldfr&uuml;chte, oder Matten und K&ouml;rbe in die
+Stadt zu Markte trugen.</p>
+
+<p>Schon hatte er hier die G&auml;rten erreicht, die theils
+mit der rothbl&uuml;henden Butju (<i>rosa sinensis</i>), theils
+mit der Buntaja (einer sehr giftigen Rankenpflanze,
+welche durch blo&szlig;e Ber&uuml;hrung schon Entz&uuml;ndungen
+und Anschwellungen bewirkt) eingez&auml;unt waren, und
+hie und da schaute aus dem dunklen Laub einzelner
+Kaffee- und Muskatnu&szlig;b&uuml;sche, oder zwischen den hochgezogenen
+Sirih-Ranken die stille, lauschige Bambush&uuml;tte
+der Eingeborenen hervor, w&auml;hrend die Cocospalmen
+in einem dichten Hain ihre Kronen in einander
+legten und k&uuml;hlen Schatten auf den zwischen ihnen
+durchf&uuml;hrenden Weg warfen.</p>
+
+<p>Jetzt hatte er die ersten Wohnungen der Stadt
+erreicht; rechts am Wege leuchtete ihm schon das helle
+Dach des Gustis &ndash; des Dorfoberhauptes &ndash; entgegen,
+und von dort hinauf, der Cocosnu&szlig;&ouml;lm&uuml;hle zu,
+die von den Wei&szlig;en angelegt worden, gleich &uuml;ber dem
+breiten Platz, der sich dort ausdehnte &ndash; wie rasch<span class="pagenum"><a name="Page_263" id="Page_263">[S. 263]</a></span>
+das Herz ihm an zu pochen fing &ndash; dort wohnte
+Kassiar, und mit fast kindischer, jubelnder Lust malte
+er sich schon im Geiste die &Uuml;berraschung der Geliebten
+aus, die keine Ahnung von seiner N&auml;he hatte.</p>
+
+<p>Mehrere junge M&auml;dchen waren ihm begegnet;
+manche aufgeputzt, wie zu einem ihrer Feste, andere
+in das einfach gewebte Zeug des Landes gekleidet.
+Aber er achtete ihrer nicht; sein Auge suchte zwischen
+den an ihm vorbeigleitenden D&auml;chern hin, die wohlbekannte
+Gruppe schlanker Arekapalmen, die das Haus
+der Geliebten umstanden, und jetzt &ndash; schon wollte er
+um des Gustis Garten in die Stra&szlig;e einbiegen, denn
+dort ragten die schlanken Wipfel gr&uuml;&szlig;end und freundlich
+nickend schon hervor, &ndash; da schritt ein junges
+M&auml;dchen die Stra&szlig;e herab, und sein Fu&szlig; haftete wie
+angewurzelt an dem Boden fest.</p>
+
+<p>Das war Kassiar &ndash; und wieder war sie's nicht.
+Die lieben dunklen Augen geh&ouml;rten freilich ihr &ndash;
+der schlanke Wuchs, der leichte elastische Gang, dem
+Kiedang ihrer W&auml;lder gleich &ndash; und dennoch schien
+sie ihm vollkommen fremd, denn Tracht und Sitte,
+wie er's bis jetzt an ihr gewohnt gewesen, glich sich
+gar nicht mehr. Das dunkle volle Haar war mit
+Blumen, rothen Beeren und kleinen farbigen Muscheln
+geschm&uuml;ckt, wie den Putz &auml;hnlich auch andere eingeborene<span class="pagenum"><a name="Page_264" id="Page_264">[S. 264]</a></span>
+M&auml;dchen trugen, aber in den Ohren hingen ihr
+goldene Zierrathen, wie sie die verha&szlig;ten Wei&szlig;en mit
+her&uuml;ber gebracht, den weichen runden Arm umschlo&szlig;
+ein goldenes, steinbesetztes Band, und um die Schultern
+lag ihr ein himmelblau und roth gestreiftes seidenes
+Tuch und hing mit dem einen Zipfel vorn &uuml;ber
+die linke Brust herab. Leichten Schrittes kam sie den
+Weg herab, der nach dem Strande nieder f&uuml;hrte, und
+wenn ihr Blick auch auf den jungen Krieger &uuml;ber die
+Stra&szlig;e her&uuml;ber fiel, war sie doch zu sehr mit ihren
+eigenen Gedanken besch&auml;ftigt, um viel auf ihn zu
+achten. So wollte sie eben an ihm vor&uuml;ber eilen, als
+sein Ruf sie aufhielt und rasch nach ihm her&uuml;ber sehen
+machte.</p>
+
+<p>&bdquo;Kassiar!&ldquo; &ndash; Der eine Blick gen&uuml;gte &ndash; zitternd
+und erschreckt, die H&auml;nde vorgestreckt, ihre Farbe, die
+selbst unter der zarten aber dunklen Haut sichtbar
+wurde, kommend und schwindend, die Arme halb nach
+dem geliebten Manne ausgestreckt, halb ihn damit abwehrend,
+stand das junge M&auml;dchen einer sch&ouml;nen
+Statue gleich da.</p>
+
+<p>&bdquo;<a name="cortex4-1b" href="#corr4-1b" class="corr">Glentek</a>!&ldquo; hauchte sie dabei, &bdquo;wo kommst du her,
+oder liegt dein K&ouml;rper oben in den Bergen, von scharfer
+Waffe oder Tigerzahn zerrissen, und nur dein
+Geist hat mich hier aufgesucht?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_265" id="Page_265">[S. 265]</a></span></p>
+
+<p>Glentek barg einen Augenblick die Stirne in der
+Hand und strich sich die langen Haare dann zur&uuml;ck,
+indem er seinen Blick dabei scheu und erstaunt auf die
+Jungfrau heftete.</p>
+
+<p>&bdquo;Und das ist Kassiar?&ldquo; sagte er endlich halblaut
+und sch&uuml;chtern, indem er langsam &uuml;ber die Stra&szlig;e
+hin&uuml;ber schritt und vor dem zitternden M&auml;dchen stehen
+blieb; &bdquo;ist das das Weib, das ich mir in die Berge
+holen wollte, um sie der Gefahr hier zu entziehen, die
+ihr von Fremden und fremdem Glanz und Luxus
+droht? &ndash; Es ist zu sp&auml;t, wie ich sehe, und Kassiar
+hat nicht allein Glentek vergessen, sondern auch ihr
+Vaterland. Wie sie sich da aufgeputzt, mag sie wohl
+einem der fremden M&auml;nner f&uuml;r kurze Zeit gefallen;
+werden aber die jungen Leute von Bali ihr wieder
+ihre Heldenlieder singen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glentek!&ldquo; bat das M&auml;dchen, ihm die Hand entgegen
+streckend mit herzlichem, flehendem Ton, &bdquo;ist
+<span class="gesperrt">das</span> dein Gru&szlig;, mit dem du mich nach so langer Zeit
+der Trennung empf&auml;ngst, und hast du in den Bergen
+oben deine Kassiar so ganz vergessen &ndash; so ganz vergessen
+und verlernt sie zu lieben?&ldquo;</p>
+
+<p>Glentek erwiderte nichts darauf, aber sein Blick
+hing noch immer fest und vorwurfsvoll an dem bunten,
+fremdl&auml;ndischen Staat, der die Geliebte schm&uuml;ckte,<span class="pagenum"><a name="Page_266" id="Page_266">[S. 266]</a></span>
+an den goldenen Ringen im Ohr und um den Arm,
+an dem seidenen Tuch, das ihre Schultern umschlo&szlig;.
+Endlich sagte er langsam und traurig:</p>
+
+<p>&bdquo;Dich vergessen, Kassiar? &ndash; M&auml;chtiger Brachma,
+mein Herz verg&auml;&szlig;e ebenso leicht zu schlagen, mein Ohr
+den Ruf des Vaterlandes zu h&ouml;ren! Dich vergessen,
+Kassiar? &ndash; Und bin ich deinetwegen nicht drei Tage
+gewandert und die letzte Nacht, um nur recht bald
+dein liebes Antlitz wieder zu schauen, deine Hand in
+der meinen zu f&uuml;hlen, dem Fl&uuml;stern deiner Worte zu
+lauschen? Die Sterne haben mir von dir gesprochen,
+wenn sie vom dunklen Himmel niederfunkelten, der
+Wasserfall rauschte mir deinen Namen Tage lang,
+N&auml;chte lang, und meiner Palmen Wipfel kannten keinen
+andern Laut. &ndash; Dich vergessen, Kassiar? &ndash;
+Jeder Vogel zwitscherte mir das liebe Wort, in jedem
+Tropfen perlenden Thaues sah ich dein Bild, und nur
+die Sehnsucht nach dir hielt Schritt mit der wachsenden
+Liebe &ndash; und jetzt &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und jetzt, Glentek?&ldquo; sagte das M&auml;dchen und
+streckte ihm freundlich die Hand entgegen, &bdquo;war das
+nun der ganze Gru&szlig;, den du deiner Kassiar bieten
+konntest?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wei&szlig; nicht,&ldquo; entgegnete der junge Krieger
+leise und mit tief bewegter Stimme, &bdquo;ich wei&szlig; ja gar<span class="pagenum"><a name="Page_267" id="Page_267">[S. 267]</a></span>
+nicht, ob es noch <span class="gesperrt">meine</span> Kassiar ist. Die Augen
+lachen mich noch so freundlich an, wie vordem, wenn
+auch nicht so offen, so treuherzig mehr. Die s&uuml;&szlig;e
+Stimme ist es immer noch, aber der &auml;u&szlig;ere Tand,
+der sie umschlossen h&auml;lt, der Schmuck des Fremden,
+der ihre schlanken Glieder entstellt, anstatt sie zu zieren
+&ndash; der ist mir fremd, der verh&uuml;llt mir Kassiar,
+da&szlig; mein Auge das alte Herz nicht mehr darunter
+finden kann. Und ich wei&szlig; nicht, <span class="gesperrt">wem</span> es jetzt entgegenschl&auml;gt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du b&ouml;ser Glentek,&ldquo; l&auml;chelte die Maid, seine
+Hand ergreifend und ihr Haupt an seine Schulter
+lehnend, &bdquo;<span class="gesperrt">du</span> wei&szlig;t nicht, wem es schl&auml;gt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Von wem ist denn der Putz &ndash; von wem das
+Tuch?&ldquo; sagte der junge Balinese noch immer nicht
+beruhigt.</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn es dich &auml;rgert, nehm ich's ab und trag's
+im Leben nicht wieder,&ldquo; rief schnell Kassiar, das Tuch
+von ihren Schultern ziehend.</p>
+
+<p>&bdquo;Und wer gab es dir?&ldquo; fragte Glentek finster.
+&bdquo;Kassiar ist nicht so reich, da&szlig; sie der Fremden kostbarste
+Stoffe mit Reis und Kaffee kaufen k&ouml;nnte.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du brauchst mich deshalb nicht so finster anzusehen,
+Glentek,&ldquo; sagte, mit einem halbscheuen Blick
+zu ihm empor, das junge M&auml;dchen. &bdquo;Du wei&szlig;t,<span class="pagenum"><a name="Page_268" id="Page_268">[S. 268]</a></span>
+da&szlig; &ndash; da&szlig; die Fremden jetzt alles thun, der Balinesen
+guten Willen zu erkaufen und sie zu Freunden
+sich zu machen &ndash; und da &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und da?&ldquo; wiederholte Glentek finster, aber seine
+Frage wurde &uuml;berh&ouml;rt.</p>
+
+<p>Rasches, donnerndes Pferdegestampf schallte die
+Stra&szlig;e nieder, die von Tuban her&uuml;ber f&uuml;hrte, und
+als sich die beiden jungen Leute darnach umsahen, kam
+ein kleiner Trupp Europ&auml;er, mit einer Dame an der
+Spitze, an deren Seite ein paar eingeborene Rajahs
+und auch der Gusti von Kota dahin sprengten. Sie
+wollten quer &uuml;ber den mit Waringhis bewachsenen
+Platz hin&uuml;ber nach eines Holl&auml;nders Wohnung, die
+dort lag. Die Dame warf auch nur im Vorbeisprengen
+einen fl&uuml;chtigen Blick auf das junge Paar,
+als sie pl&ouml;tzlich ihrem Pferd rasch in die Z&uuml;gel griff,
+da&szlig; es aufb&auml;umte und sch&auml;umend in sein Gebi&szlig;
+knirschte und zur&uuml;cklenkte, wo jene Beiden standen.</p>
+
+<p>&bdquo;Mein Tuch!&ldquo; rief sie dabei; &bdquo;beim Himmel, die
+Dirne dort h&auml;lt mein gestohlenes Tuch!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber, liebes Kind!&ldquo; rief ihr Gatte, der Capitain
+des auf der Rhede liegenden holl&auml;ndischen Schiffes,
+&bdquo;mach' hier keine Scene. Reite hin&uuml;ber zum Haus,
+ich werde das Tuch reclamiren und sehen, wie es sich
+damit verh&auml;lt.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_269" id="Page_269">[S. 269]</a></span></p>
+
+<p>Die Dame aber, taub gegen die Vorstellungen,
+rief gereizt:</p>
+
+<p>&bdquo;Da&szlig; mir die Diebin in die Hecken schl&uuml;pft und
+sich nicht wieder an der K&uuml;ste sehen l&auml;&szlig;t, nicht wahr.
+Mich hat ein gl&uuml;cklicher Zufall hierher gef&uuml;hrt, und
+den will ich benutzen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was ist &ndash; was gibt's?&ldquo; rief der Gusti, der
+ebenfalls sein Pferd rasch parirt hatte und gerade an
+ihre Seite sprengte, als sie vor dem trotzig zu ihnen
+aufschauenden Glentek und dem M&auml;dchen hielten.</p>
+
+<p>&bdquo;Das Tuch ist, glaub' ich, gestohlen und Madame
+hat es wieder erkannt,&ldquo; dolmetschte ein anderer Europ&auml;er
+dem eingeborenen Richter in balinesischer
+Sprache.</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Gestohlen?</span>&ldquo; schrie Glentek, der die Worte geh&ouml;rt
+hatte, wild emporfahrend, und seine Hand zuckte
+wie unwillk&uuml;rlich nach dem Radotan.</p>
+
+<p>&bdquo;Ruhig, mein Bursche!&ldquo; rief aber finster der
+Gusti; &bdquo;die Sache wird sich finden. &ndash; Her das Tuch,
+Kassiar &ndash; z&ouml;gerst du, Dirne?&ldquo;</p>
+
+<p>Kassiar hatte erbleichend die Beschuldigung geh&ouml;rt,
+und ihr Auge haftete eine Weile in Angst und
+Schrecken auf dem einen Fremden, dem Capitain des
+Schiffs, als ob sie von ihm Schutz und Entschuldigung
+erwarten d&uuml;rfe. Der Gusti hatte ihr inde&szlig; das<span class="pagenum"><a name="Page_270" id="Page_270">[S. 270]</a></span>
+Tuch aus der Hand genommen und der wei&szlig;en Frau
+hingereicht, damit sich diese &uuml;berzeugen k&ouml;nne, ob es
+wirklich das ihre sei.</p>
+
+<p>&bdquo;Gewi&szlig; &ndash; gewi&szlig;!&ldquo; rief aber diese, als sie es auf
+dem Pferd mit der einen Hand in die H&ouml;he hob und
+einen forschenden Blick darauf geworfen. &bdquo;Das ist
+mein Tuch, das ich seit Jahren nicht mehr getragen
+und in meines Mannes Sekret&auml;r liegen hatte. Als
+ich aber neulich zuf&auml;llig einmal darnach fragte und es
+zu sehen verlangte, war es verschwunden. Niemand
+konnte sich erkl&auml;ren wie, und jetzt tr&auml;gt es die Dirne
+in der Hand.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und hast du keine Vertheidigung f&uuml;r dich,
+Kassiar?&ldquo; rief mit unterdr&uuml;ckter Stimme, aber in
+Todesangst der junge Bergbewohner. &bdquo;L&auml;&szlig;t du die
+Fremden dich eine <span class="gesperrt">Diebin</span> nennen, und wirfst ihnen
+die L&uuml;ge nicht zur&uuml;ck in ihr Gesicht?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Woher hast du das Tuch?&ldquo; fragte jetzt der Gusti
+das zitternde und mit niedergeschlagenen Augen vor
+ihm stehende M&auml;dchen. &bdquo;Nun, wirst du deinem Richter
+antworten, Dirne?&ldquo;</p>
+
+<p>Wieder hob sich der Blick Kassiars scheu und
+fl&uuml;chtig zu dem Fremden empor, aber nur einen
+Moment weilte er dort. Erbleichend wandte sie
+ihr Haupt ab, dem Geliebten zu, und barg ihr<span class="pagenum"><a name="Page_271" id="Page_271">[S. 271]</a></span>
+Antlitz dann, wie ihre Schuld bekennend, in den
+H&auml;nden.</p>
+
+<p>&bdquo;Man wird dich reden machen,&ldquo; sagte indessen
+ruhig der Gusti. &bdquo;Cheh Lascie, Maras, f&uuml;hrt sie
+in mein Haus und haltet sie dort bewacht, bis ich
+selbst hin&uuml;ber komme.&ldquo;</p>
+
+<p>Und seinem Pferd die Sporen gebend, winkte er
+der &uuml;brigen Gesellschaft freundlich, ihren Weg fortzusetzen.
+Die kleine Cavalcade sprengte auch gleich
+darauf wieder dem Hause des Holl&auml;nders zu, wo sie
+zahlreiche Diener empfingen, ihnen die Pferde abnahmen
+und sie in die Halle geleiteten. Sie waren
+alle dort zu Tische geladen, ebenso der Gusti von
+Kota, und es wurde neun Uhr Abends, ehe dieser
+wieder in seine Wohnung hin&uuml;ber ging, um der Verhafteten
+f&uuml;r die Nacht in einem der Gef&auml;ngnisse einen
+Platz anzuweisen. Das Hauptverh&ouml;r sollte am n&auml;chsten
+Morgen sein.</p>
+
+
+<h4>3.</h4>
+
+<p>Der n&auml;chste Morgen kam, und Maderai, der
+Gusti von Kota, hatte seinen Platz zwischen den
+&uuml;brigen Richtern eingenommen, w&auml;hrend das Volk
+in neugierigem, dichtem Schwarm den weiten Raum
+der gro&szlig;en Bambush&uuml;tte f&uuml;llte. Jedes Schmuckes<span class="pagenum"><a name="Page_272" id="Page_272">[S. 272]</a></span>
+baar, die Haare glatt und schlicht herabgek&auml;mmt, die
+Schultern mit einem dunklen selbstgewebten Zeug bedeckt,
+ohne Goldringe in den Ohren oder um die
+Arme, stand das wundersch&ouml;ne M&auml;dchen seitw&auml;rts in
+einer kleinen Einfriedigung von Bambusst&auml;ben und
+harrte der Kl&auml;gerin, die vorgefordert war, gegen das
+des Diebstahls beschuldigte M&auml;dchen aufzutreten.
+Das verh&auml;ngni&szlig;volle Tuch hing an einem Stab neben
+des Gusti Sitz. Immer aber noch erschien die Kl&auml;gerin
+nicht, und drau&szlig;en das Schiff in der Bai, das
+seine Segel heute Morgen schon gel&ouml;st, seine Flagge
+aufgehi&szlig;t und seine Boote an Bord genommen hatte,
+war augenscheinlich im Begriff, ihre K&uuml;ste zu verlassen.
+Lie&szlig;en die Wei&szlig;en also die Klage gegen
+das M&auml;dchen fallen, so war sie frei. Von den
+Eingeborenen konnte ihr Niemand die Schuld beweisen.</p>
+
+<p>Da senkte sich wieder eins der Boote zum Wasser
+nieder, deutlich konnte man, selbst von hier aus, erkennen,
+wie der Capitain mit seiner Frau hineinstieg,
+die hellen Kleider der Europ&auml;erin, die noch einmal
+an Land kam, um eins der eingeborenen M&auml;dchen
+verurtheilen zu lassen, schimmerten bis hier her&uuml;ber,
+und langsam und regelm&auml;&szlig;ig fielen die Ruder ein, das
+scharfgebaute Boot zum Ufer treibend, das bald seinen<span class="pagenum"><a name="Page_273" id="Page_273">[S. 273]</a></span>
+scharfen Bug an dem Corallensand des Strandes
+scheuerte.</p>
+
+<p>Capitain Van Soeken kam aber nicht freiwillig
+heute Morgen zum Gericht. Das Schiff lag zur
+Abfahrt bereit mit Fracht und Wasser an Bord,
+Wind und Str&ouml;mung waren g&uuml;nstig, seine Papiere
+in Ordnung und selbst den Anker hatte er schon fr&uuml;h
+am Morgen heben lassen, um jeden Augenblick die
+Segel loswerfen und in See gehen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>&bdquo;Was liegt denn an dem Tuch?&ldquo; sagte er beschwichtigend,
+als seine Frau am fr&uuml;hen Morgen
+darauf drang, hin&uuml;ber zu rudern an Land und es
+beim Gusti, mit Hinterlegung ihrer Klage, abzuholen.
+&bdquo;Du mochtest es so nicht mehr tragen, und kommen
+wir nach Amsterdam zur&uuml;ck, so sollst du dir eins daf&uuml;r
+aussuchen, wie es dein Herz verlangt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mir liegt nichts an dem Tuch,&ldquo; entgegnete aber,
+den Blick fest und mi&szlig;trauisch auf den Gatten geheftet,
+die Frau. &bdquo;Mir ist's der Sache selber wegen, die
+Diebin zu bestrafen. Drei- oder viermal hab' ich sie
+schon hier an Bord gesehen; was hatte sie anders hier
+zu thun, wenn nicht &ndash; Gelegenheit auszusp&uuml;ren?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sie kam mit den andern M&auml;dchen,&ldquo; sagte kopfsch&uuml;ttelnd
+der Capitain, &bdquo;lieber Gott, bei dem Volke
+mu&szlig; man der Neugierde auch etwas zu gut halten.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_274" id="Page_274">[S. 274]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Und wie kam sie in die Kaj&uuml;te hinunter und in
+den Sekret&auml;r?&ldquo; rief Madame, die Worte scharf betonend.
+&bdquo;Van Soeken, hier liegt, wie ich fast f&uuml;rchte,
+ein Geheimni&szlig; zu Grunde, das die Schuld der Dirne
+um ein gewaltiges vergr&ouml;&szlig;ert &ndash; und <span class="gesperrt">verringert</span>.
+Ich gebe dir mein Wort &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber liebes, gutes Kind,&ldquo; bat sie der Capitain, &bdquo;sei
+doch vern&uuml;nftig, und setze dir nicht eine Menge th&ouml;richter
+Sachen muthwillig in den Kopf. Wenn wir hin&uuml;ber
+k&ouml;nnten zum Verh&ouml;r, w&uuml;rde ich dir rasch beweisen,
+wie das Ganze ein einfacher Diebstahl ist, wegen dem
+ich dich aber <span class="gesperrt">recht herzlich</span> bitte, kein gro&szlig;es Aufheben
+zu machen und die Sache lieber fallen zu lassen. Du
+wei&szlig;t, wie furchtbar streng die Eingeborenen jeden Diebstahl
+unter sich strafen, wie die Frauen schwere jahrelange
+Gef&auml;ngni&szlig;strafe in niederen Bambusk&auml;figen und
+Verbannung, die M&auml;nner den Tod zu gew&auml;rtigen
+haben. Die Eingeborenen sind dabei so unendlich
+freundlich und gastfrei gegen uns gewesen; la&szlig; uns
+nicht mit einer solchen Erinnerung, einer solchen Kleinigkeit
+wegen, von ihnen scheiden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn wir hin&uuml;ber <span class="gesperrt">k&ouml;nnten</span>, sagst du?&ldquo; rief die
+Frau. &bdquo;So willst du <span class="gesperrt">nicht</span> gehen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber siehst du denn nicht, da&szlig; unser Fahrzeug
+segelfertig liegt und ich wahrhaftig vor meinen Leuten<span class="pagenum"><a name="Page_275" id="Page_275">[S. 275]</a></span>
+nicht verantworten kann, die sch&ouml;ne Zeit zu vers&auml;umen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das Schiff ist dein &ndash; ist unser Eigenthum, wir
+k&ouml;nnen damit thun, was wir wollen. &ndash; Aber ich sehe
+schon, wie es ist. &ndash; R&uuml;cksicht auf die Leute willst du
+nehmen &ndash; auf dein Weib nicht. Und soll ich dir sagen,
+weshalb du dich f&uuml;rchtest, das Land wieder und
+jenen Gerichtshof zu betreten?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;rchten? &ndash; Aber, bestes Kind &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Soll</span> ich's dir sagen, oder glaubst du gar, ich
+sei blind und h&auml;tte den Blick nicht gesehen, den das
+M&auml;dchen gestern auf dich warf, als ich sie des Diebstahls
+beschuldigte?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Auf mich?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Auf <span class="gesperrt">dich</span>, hab' ich gesagt, und wagtest du
+heute, der Dirne mit einer <span class="gesperrt">Klage</span> gegen&uuml;ber zu
+treten, w&uuml;rfe sie dir entgegen, da&szlig; <span class="gesperrt">du</span> ihr das Tuch
+<span class="gesperrt">geschenkt</span>.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber liebe, beste Marie!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das Tuch <span class="gesperrt">geschenkt</span>, sag' ich!&ldquo; rief die Frau,
+mehr und mehr in eifers&uuml;chtigen Zorn gerathend, da
+die augenscheinliche Verlegenheit des Mannes ihren
+Verdacht nur mehr und mehr best&auml;tigte. &bdquo;Und wenn
+du mir das Gegentheil jetzt nicht <span class="gesperrt">beweisest</span>, so
+schw&ouml;r' ich dir, so wahr ich Marie hei&szlig;e und das Ungl&uuml;ck<span class="pagenum"><a name="Page_276" id="Page_276">[S. 276]</a></span>
+habe, dein Weib zu sein, das Schiff hier zu verlassen
+und am Lande Schutz zu suchen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber Marie, so nimm doch nur Vernunft an!&ldquo;
+bat der Capitain.</p>
+
+<p>&bdquo;Und weigerst du dich, auch <span class="gesperrt">mich</span> an Land zu
+setzen, dann, bei dem ewigen Gott, spring ich &uuml;ber
+Bord und mache diesem Leben, das doch von da an
+nur Qual und Elend f&uuml;r mich haben m&uuml;&szlig;te, ein
+rasches Ende. &ndash; Verrathen und betrogen &ndash; lieber
+nicht leben, als mit <span class="gesperrt">der</span> Gewi&szlig;heit dem Grabe langsamer
+aber ebenso sicher entgegen sehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber so sprich doch nur vern&uuml;nftig!&ldquo; rief Van
+Soeken, so gewisserma&szlig;en zur Verzweiflung getrieben.
+&bdquo;Wenn dir das Schiff selber so wenig am Herzen
+liegt, einer solchen Bagatelle, einer wahnsinnigen
+Idee wegen Wind und Str&ouml;mung zu vers&auml;umen, gut,
+so sag' mir wenigstens, was du verlangst und eile damit.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was ich verlange?&ldquo; rief rasch triumphirend die
+Frau, &bdquo;augenblicklich mit dir an Land zu fahren und
+Zeuge der Gerichtsverhandlung zu sein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Du</span> mit mir? weshalb? &ndash; Einer gen&uuml;gt vollkommen,
+und wenn du es verlangst und wenn es dich
+beruhigt, will ich hin&uuml;ber fahren, die Klage einlegen
+und dir das Tuch, an dem dein Herz so h&auml;ngt, zur&uuml;ckbringen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_277" id="Page_277">[S. 277]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Du allein? &ndash; Das glaub' ich dir!&ldquo; l&auml;chelte die
+Frau den Gatten h&auml;misch an. &bdquo;Wenn du mich hier
+an Bord w&uuml;&szlig;test, w&auml;r' das Gesch&auml;ft da dr&uuml;ben wohl
+bald und gl&uuml;cklich abgemacht. Fort mit dir! <span class="gesperrt">Euch
+allen</span> ist nicht zu trauen, und wo der Eine den Andern
+unterst&uuml;tzen kann, thut er's mit Freuden, gilt es
+ja doch nur, das arme, verrathene Weib zu t&auml;uschen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So komm denn, meinetwegen,&ldquo; sprach der Capitain,
+der keinen Ausweg weiter sah, der peinlichen
+Geschichte zu entgehen, &bdquo;du bist auch im Stande, eher
+den <span class="gesperrt">L&uuml;gen</span> der Dirne zu glauben, wenn sie sich irgend
+eine Ausflucht suchen sollte, als deinem Mann. Aber
+komm, du sollst wenigstens sehen, da&szlig; <span class="gesperrt">ich</span> deine
+wahnsinnige Anklage nicht f&uuml;rchte und mit gutem Gewissen
+dem Verh&ouml;r entgegen gehe. Ist mein Boot
+noch unten, Steuermann?&ldquo; rief er dann mit lauter
+Stimme dem vorn am Anker stehenden <a name="cortex4-2" href="#corr4-2" class="corr">Officier</a>
+hin&uuml;ber.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, Mynheer,&ldquo; lautete die Antwort zur&uuml;ck; &bdquo;soll
+gleich aufgeholt werden. Alles fertig.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Halt! &ndash; wir fahren noch einmal an Land.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Noch einmal an Land?&ldquo; brummte der Steuermann
+nicht wenig erstaunt, &bdquo;na, da bitt' ich zu gr&uuml;&szlig;en,
+Ebbe und Brise, wie sie im Buche stehen, alles klar,
+und noch einmal an Land? Wo so eine Sch&uuml;rze an<span class="pagenum"><a name="Page_278" id="Page_278">[S. 278]</a></span>
+Bord ist, h&ouml;rt doch der ordentliche Dienst gleich auf.
+Hol's der Teufel, m&ouml;chte nur wissen, was jetzt wieder
+im Wind ist.&ldquo;</p>
+
+<p>Das Brummen half ihm aber nichts. Die J&ouml;lle
+wurde langseits gehalten, der Kaj&uuml;tsjunge hing die
+Treppe wieder aus, und wenige Minuten sp&auml;ter
+schnitten die Ruder in die klare Fluth und trieben das
+schlanke Boot pfeilschnell dem Lande zu.</p>
+
+
+<h4>4.</h4>
+
+<p>Lautes Murmeln durchlief die Versammlung der
+Eingeborenen, zu denen sich auch jetzt der auf Bali
+wohnende Europ&auml;er eingefunden hatte, um Zeuge der
+Verhandlung zu sein.</p>
+
+<p>&bdquo;Dort kommt der Fremde mit der wei&szlig;en Frau
+&ndash; arme Kassiar &ndash; wie viel lange Jahre wird sie in
+dem K&auml;fig sitzen m&uuml;ssen, des bunten Lappens wegen
+&ndash; und wie bleich sie aussieht und geknickt! &ndash; Wie
+rachs&uuml;chtig die Fremden sind und wie habgierig &ndash;
+arme Kassiar!&ldquo;</p>
+
+<p>Zwischen den Eingeborenen lehnte ein junger
+Mann an einer der h&ouml;lzernen St&uuml;tzen des Hauses.
+Er ging in die Tracht der Bergbewohner gekleidet,
+mit dem Radotan im G&uuml;rtel, und sein Blasrohr mit
+der Lanzenspitze im Arm. Aber er sprach mit Niemand;<span class="pagenum"><a name="Page_279" id="Page_279">[S. 279]</a></span>
+kein Laut kam &uuml;ber seine Lippen, kein Ton des
+Mitleidens mit dem Opfer, oder des Hasses gegen die
+Kl&auml;ger. Es war Glentek, und als Kassiars Blick ihn
+dort ersp&auml;ht, wo er stand, hatte ihr Auge den Boden
+gesucht und sich noch nicht wieder von dort gehoben.</p>
+
+<p>Jetzt traten die Fremden in den Saal. Der
+Holl&auml;nder war ihnen entgegen gegangen, die Dame
+zu dem f&uuml;r sie bestimmten Sitz zu f&uuml;hren. Der Gusti
+nickte ihnen freundlich zu, und als das Ger&auml;usch verstummt
+war, das ihr Betreten des Raumes verursacht
+hatte, erhob sich der Gusti von seinem Sitz,
+&uuml;berflog mit fl&uuml;chtigem, aber strengem Blick die Versammlung,
+und begann dann mit seiner lauten, klangvollen
+Stimme die Anrede.</p>
+
+<p>&bdquo;M&auml;nner von Bali! wir sind versammelt, die
+Anklage einer wei&szlig;en Frau zu h&ouml;ren gegen eine unseres
+Stammes, die des Diebstahls bez&uuml;chtigt wird.
+Ihr wi&szlig;t, wie streng unsere Gesetze sind, wie sie den
+Diebstahl beim Mann mit dem Tode, bei der Frau
+mit schwerem Kerker strafen, und ihr werdet Zeugen
+sein, da&szlig; den Fremden Gerechtigkeit werde in unserm
+Lande.&ldquo;</p>
+
+<p>Nach dieser Einleitung forderte er den der Bali-Sprache
+vollkommen m&auml;chtigen Europ&auml;er, der sich
+erboten hatte, f&uuml;r die Dame zu dollmetschen, auf,<span class="pagenum"><a name="Page_280" id="Page_280">[S. 280]</a></span>
+seine Klage vorzubringen und hier, &ouml;ffentlich vor Gericht,
+zu best&auml;tigen, da&szlig; das Tuch der Europ&auml;erin und
+von Bord des Schiffes entwendet sei. Sie habe dabei
+anzugeben, ob es dort offen gelegen, oder aus einem
+verschlossenen Raum genommen wurde, was die
+Strafe f&uuml;r das Vergehen noch versch&auml;rfen w&uuml;rde.</p>
+
+<p>Die Klage lautete jetzt, von dem Dollmetscher in
+balinesischer Sprache vorgetragen, auf allerdings erschwerende
+Umst&auml;nde, da das Tuch von Bord, und
+zwar aus einem verschlossenen Kasten gestohlen sei.
+Hiergegen trat aber der Capitain selber auf, indem
+er erkl&auml;rte, er habe mehrere jener St&uuml;cke Zeug vor
+einiger Zeit aus seinem Kasten genommen und
+drau&szlig;en liegen lassen. Das Tuch k&ouml;nne darunter gewesen
+sein.</p>
+
+<p>Kassiar wurde jetzt gefragt, wie sie zu dem Tuch
+gekommen sei, ob sie es wirklich heimlich von Bord
+genommen, oder irgend etwas vorzubringen habe, was
+zu ihrer Entschuldigung in der Sache reden k&ouml;nne.
+Zitternd stand das M&auml;dchen von ihrem Sitze auf.
+Mehrere Minuten gebrauchte sie, sich so weit zu sammeln,
+da&szlig; sie den Blick zu ihrer Kl&auml;gerin erheben
+konnte. Neben dieser stand der Capitain, und ihr
+Auge schweifte kurze Zeit von Van Soeken zu dessen
+Gattin und zur&uuml;ck, bis es sich endlich auf den Seemann<span class="pagenum"><a name="Page_281" id="Page_281">[S. 281]</a></span>
+heftete. Dieser aber konnte dem Blick, so viel
+M&uuml;he er sich auch gab, nicht begegnen. Langsam erhob
+sich dabei ihr Arm, bis er auf den Kl&auml;ger deutete,
+und eine Weile stand sie so, einer wundersch&ouml;nen
+Statue gleich, kein Glied des K&ouml;rpers regend, nicht
+mit den Wimpern zuckend, dem Manne gegen&uuml;ber.
+Auch die Frau des Capitains war <a name="cortex4-3" href="#corr4-3" class="corr">aufgesprungen</a>, der
+n&auml;chste Moment sollte vielleicht schon ihren l&auml;ngst gefa&szlig;ten
+Verdacht best&auml;tigen, und ihr Auge flog wild,
+in fast peinlicher Spannung, von den Lippen des
+M&auml;dchens zu den unverkennbar bleichen Z&uuml;gen des
+Gatten.</p>
+
+<p>&bdquo;Ihr wollt wissen, woher das Tuch in meine
+Hand gekommen?&ldquo; sagte da endlich Kassiar mit leiser,
+wunderbar ruhiger Stimme, ohne ihre Stellung auch
+nur mit dem Zucken einer Muskel zu ver&auml;ndern, &ndash;
+&bdquo;und jene Frau dort klagt Kassiar des Diebstahls an
+&ndash; so h&ouml;rt denn &ndash; ich habe jenes Tuch &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>Dicht hinter dem Holl&auml;nder hob sich in diesem
+Augenblick die schlanke Gestalt Glenteks still und
+ruhig empor, und auch sein Blick hing in athemloser
+Spannung an den Lippen der Angeschuldigten. Da
+traf ihn Kassiars Auge, und pl&ouml;tzlich in sich zusammenbrechend,
+ihr Antlitz in den H&auml;nden bergend, rief
+sie mit markdurchschneidender Stimme aus:<span class="pagenum"><a name="Page_282" id="Page_282">[S. 282]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Gestohlen!</span>&ldquo; und sank bewu&szlig;tlos auf den Boden
+nieder.</p>
+
+<p>&bdquo;Armes Kind &ndash; arme Kassiar!&ldquo; klang es von
+den Lippen der Eingeborenen, und einige der Frauen
+dr&auml;ngten sich durch die Wachen, die Ohnm&auml;chtige zu
+unterst&uuml;tzen und ins Leben zur&uuml;ckzurufen.</p>
+
+<p>&bdquo;Das Gest&auml;ndni&szlig; gen&uuml;gt,&ldquo; sagte da der Gusti
+ernst, der sich ebenfalls von seinem Sitze erhoben
+hatte, indem er das neben ihm h&auml;ngende Tuch von
+dem Stabe herunter nahm und einem seiner Diener
+&uuml;bergab, damit er es der Europ&auml;erin, als ihr Eigenthum,
+zur&uuml;ckbringe. &ndash; &bdquo;Das ungl&uuml;ckliche, junge
+M&auml;dchen mag inde&szlig; der Sorgfalt der Frauen &uuml;berlassen
+bleiben, bis es sich erholt hat, dann aber der
+Obhut der Gef&auml;ngni&szlig;w&auml;rter &uuml;bergeben werden. In
+dem Krankeng b&uuml;&szlig;e sie f&uuml;nf Jahre lang.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Halt!&ldquo; rief da eine ernste, klangvolle Stimme
+in den Tumult von T&ouml;nen hinein, der diesem Urtheilsspruch
+folgte, &bdquo;halt, h&ouml;rt erst mich. &ndash; Das
+M&auml;dchen ist unschuldig!&ldquo;</p>
+
+<p>Wunderbar war die Wirkung, die diese wenigen
+Worte auf die Versammelten aus&uuml;bten, und selbst die
+Ohnm&auml;chtige schienen sie ins Leben zur&uuml;ckgerufen zu
+haben. Zu gleicher Zeit sprang Glentek, der junge
+Krieger aus den Bergen, die Ballustrade, die ihn von<span class="pagenum"><a name="Page_283" id="Page_283">[S. 283]</a></span>
+dem innern Raume trennte, mit einem Satz &uuml;berspringend,
+in diesen hinein und ging mit leichtem
+Schritt dem Gusti zu, vor dem er, auf seine kurze
+Lanze gest&uuml;tzt und das Haupt vor ihm beugend, ehrerbietig,
+doch fest entschlossen stehen blieb.</p>
+
+<p>&bdquo;Wer bist du?&ldquo; fragte dieser freundlich den ihm
+fremden Krieger, indem sein Auge mit Wohlgefallen
+auf den schlanken, kr&auml;ftigen Gliedern, wie den offenen
+Z&uuml;gen des J&uuml;nglings hafteten. &bdquo;Was wei&szlig;t du von
+der Schuld des M&auml;dchens hier, das ihr Vergehen
+schon offen eingestanden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich selber bin der Dieb,&ldquo; sagte der Eingeborene,
+und wenn auch seine Lippen bei der L&uuml;ge zitterten und
+seine Wangen sich entf&auml;rbten, begegnete er fest und unersch&uuml;ttert
+dabei dem Blick des erstaunt zu ihm niederschauenden
+Richters.</p>
+
+<p>&bdquo;Du w&auml;rst der Dieb?&ldquo; sagte da der alte Gusti nach
+langer, peinlicher Pause, inde&szlig; er sorgf&auml;ltiger als vorher
+noch die edle Gestalt des jungen Eingebornen gemustert
+hatte und ernst und zweifelnd dabei mit dem Kopfe
+sch&uuml;ttelte; &bdquo;wer bist du und woher stammst du?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich hei&szlig;e Glentek und meines Vaters Haus
+liegt in dem Hochland von Benoi.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bist du mit dem Rajah Glentek dort verwandt?&ldquo;
+rief rasch und erschreckt der Gusti.<span class="pagenum"><a name="Page_284" id="Page_284">[S. 284]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Er ist mein Vater,&ldquo; erwiderte mit kaum h&ouml;rbarer
+Stimme der junge Balinese.</p>
+
+<p>&bdquo;Ungl&uuml;cklicher!&ldquo; rief der Gusti da, die Hand abwehrend
+vor sich ausstreckend, &bdquo;wozu bekennst du
+dich? Und wei&szlig;t du, welche Strafe <span class="gesperrt">dir</span> bevorst&auml;nde?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Der Tod!</span>&ldquo; sagte Glentek ruhig und unersch&uuml;ttert
+&ndash; &bdquo;ich wei&szlig; es, Gusti; aber ein Glentek
+kann nicht dulden, da&szlig; ein Weib <span class="gesperrt">seinetwegen</span> unschuldig
+leide.&ldquo;</p>
+
+<p>Ein wildes Gemurmel durchlief wieder die Schaar
+der Eingeborenen, und der Holl&auml;nder war zu seinen
+Freunden hin&uuml;ber getreten, diesen die Wendung mitzutheilen,
+welche die Sache zu nehmen schien.</p>
+
+<p>&bdquo;Wie kann der Bursche dort der Dieb sein?&ldquo; rief
+da Mevrouw Van Soeken rasch und z&uuml;rnend, &bdquo;ich
+habe ihn noch nie an Bord gesehen. Er hat, so viel
+ich wei&szlig;, das Schiff in seinem Leben nicht betreten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das ist eine Liebesgeschichte,&ldquo; sagte der Holl&auml;nder
+kopfsch&uuml;ttelnd, &bdquo;ich glaube selbst nicht, da&szlig; der
+junge Bursche mit der ganzen Geschichte etwas zu
+thun gehabt, und will dem Gusti wenigstens meine
+Meinung dar&uuml;ber sagen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du siehst nun, liebes Kind,&ldquo; fl&uuml;sterte der Capitain,
+dem sich bei dieser Wendung eine gro&szlig;e Last von
+der Seele w&auml;lzte, der Gattin zu, &bdquo;da&szlig; dein Verdacht<span class="pagenum"><a name="Page_285" id="Page_285">[S. 285]</a></span>
+vollkommen grundlos war. Der Bursche dort ist sehr
+wahrscheinlich der Br&auml;utigam, vielleicht der Mann
+der Dirne, der jetzt bekennt, das Tuch entwandt zu
+haben, um der Geliebten ein seiner Meinung nach
+kostbares Geschenk damit zu machen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wir wollen sehen, wir wollen sehen!&ldquo; murmelte
+Madame in fast fieberhafter Aufregung. &bdquo;Aber &ndash;
+sie k&ouml;nnen ihn doch nicht deshalb ermorden?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der Balinesen Strafe auf Diebstahl ist der
+Tod,&ldquo; sagte der Capitain gleichg&uuml;ltig. &bdquo;Ich glaube
+nicht, da&szlig; sie mit ihm eine Ausnahme machen werden.
+Doch will ich sehen, was sich bei dem Gusti f&uuml;r ihn
+thun l&auml;&szlig;t. Lieber Gott, wenn wir jetzt nur nicht
+Wind und Str&ouml;mung damit vers&auml;umten!&ldquo;</p>
+
+<p>Der Gusti h&ouml;rte aufmerksam an, was ihm der
+Wei&szlig;e als Aussage der Kl&auml;gerin mittheilte, und
+wandte sich dann langsam und ernst an den J&uuml;ngling.</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du das Schiff dort drau&szlig;en je betreten,
+Glentek?&ldquo; fragte er ihn, und sein Auge haftete dabei
+fest und pr&uuml;fend auf den Z&uuml;gen des jungen Mannes.</p>
+
+<p>&bdquo;K&ouml;nnt' ich das Tuch sonst entwendet haben?&ldquo;
+entgegnete dieser finster.</p>
+
+<p>&bdquo;Zu welcher Zeit war das?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bei Nacht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bei Nacht, und die Wachen entdeckten dich nicht?&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_286" id="Page_286">[S. 286]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Die stumpfsinnigen Europ&auml;er sind nicht so schlau,
+da&szlig; sie ein Balinese nicht betr&uuml;gen k&ouml;nnte,&ldquo; rief aber
+der Krieger zornig, &bdquo;Glenteks Fu&szlig; ber&uuml;hrt den Boden,
+wie des Nachtvogels Fl&uuml;gel die Luft. Nicht der Tiger
+h&ouml;rt ihn, wenn er im Teing Dickicht ihn beschleicht,
+nicht der scheue Hirsch im Alang Alang.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glentek!&ldquo; rief da Kassiars Stimme mit herzzerrei&szlig;endem
+Ton ihn an. &bdquo;O glaubt ihm nicht,
+<span class="gesperrt">meinet</span>wegen will er dem ehrlosen Tode trotzen. So
+edel jeder Tropfen Blutes in ihm, er <span class="gesperrt">l&uuml;gt</span>, wenn er
+sich meinetwegen schuldig nennt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;H&ouml;rst du das M&auml;dchen?&ldquo; sagte der Gusti auf
+die Jungfrau zeigend, die sich in angstvoller Hast jetzt
+vom Boden hob und, die Haare aus der Stirn
+streichend, auf den J&uuml;ngling zust&uuml;rzte, vor ihm zu
+Boden sank, seine Knie umfa&szlig;te und bittend ausrief:</p>
+
+<p>&bdquo;O Glentek, Glentek, kannst du deiner Kassiar
+verzeihen?&ldquo;</p>
+
+<p>Starr und regungslos blieb der Krieger stehen,
+und nur ein eigener Ausdruck von Schmerz und Liebe
+durchzuckte seine Z&uuml;ge. Doch auch diese Schw&auml;che,
+wenn es je etwas derartiges gewesen, schwand im
+Augenblick. Eisern wie vorher blieb das Antlitz der
+edlen, dunklen Gestalt, und er sagte finster:</p>
+
+<p>&bdquo;Hat das Wort einer Dirne hier Gewicht gegen<span class="pagenum"><a name="Page_287" id="Page_287">[S. 287]</a></span>
+die Aussage Glenteks von Benoi? &ndash; Ihr seid M&auml;nner,
+und euch gegen&uuml;ber erkl&auml;re ich, da&szlig; ich jenes
+Tuch vom Bord des Schiffes heimlich entwendet habe.
+Wie und weshalb, darauf weigere ich die Antwort.
+Jetzt thut mit mir nach dem Gesetz.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Darnach bleibt nichts mehr zu erf&uuml;llen als der
+Richterspruch,&ldquo; sprach feierlich und ernst der Gusti.
+&bdquo;Glentek von Benoi, bereite dich zum Tode, denn du
+hast keine Viertelstunde mehr zu leben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich bin bereit,&ldquo; erwiderte ruhig und mit fester
+Stimme der junge Balinese.</p>
+
+<p>&bdquo;Halt &ndash; das geht nicht &ndash; das kann nicht sein!&ldquo;
+rief aber hier der Capitain, der ebenfalls hinzugetreten
+war, und genug vom Balinesischen verstand, den Sinn
+des eben hier Verhandelten zu begreifen.</p>
+
+<p>&bdquo;Wei&szlig; der Europ&auml;er etwas, das die Schuld von
+den H&auml;nden des Verurtheilten nimmt?&ldquo; sagte der
+Gusti rasch.</p>
+
+<p>&bdquo;Nein, das nicht,&ldquo; versetzte halb scheu und doch
+auch wieder entschlossen der Capitain; &bdquo;aber &ndash; giebt es
+nichts in euren Gesetzen, das im Stande ist, den Urtheilsspruch
+zu mildern? &ndash; Kann das Verbrechen
+nicht durch irgend eine Bu&szlig;e &ndash; durch Geld vielleicht
+&ndash; ges&uuml;hnt werden? Ich mag die K&uuml;ste hier nicht verlassen
+und das Blut eines ihrer Kinder, die mich alle<span class="pagenum"><a name="Page_288" id="Page_288">[S. 288]</a></span>
+so freundlich hier empfangen haben, mit hinaus nehmen
+auf das blaue Wasser.&ldquo; &ndash;</p>
+
+<p>Aus der Schaar der Eingeborenen war indessen
+auf des Gusti Wink ein Einzelner, der sich sonst in
+nichts von den &Uuml;brigen unterschied, heraus und vor
+den Verurtheilten getreten. Hier zog er langsam sein
+Messer, den balinesischen Radotan, aus dem G&uuml;rtel
+und wartete der weiteren Befehle seines Oberen.</p>
+
+<p>&bdquo;Unsere Gesetze,&ldquo; sagte der Gusti ernst, &bdquo;verlangen
+f&uuml;r solchen Diebstahl den <span class="gesperrt">Tod</span> des Misseth&auml;ters.
+Aber das Verbrechen ist an einem Fremden
+ver&uuml;bt, und wenn er selbst auf Milderung besteht,
+<span class="gesperrt">giebt</span> es einen Ausweg.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gott sei Dank!&ldquo; rief der Capitain, als er die
+Worte vernahm. &bdquo;Nennt mir die Summe. Ich will
+lieber einen gro&szlig;en Verlust leiden, als Blut &ndash; dies
+Blut auf meiner Seele wissen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Summe ist nicht so gro&szlig;,&ldquo; erwiderte der
+Gusti, &bdquo;und ebenfalls durch unsere Gesetze vorgeschrieben.
+Wenn der Fremde zwei S&auml;cke Kupfer (der
+Sack etwa drei&szlig;ig Gulden) zahlt und sich verbindlich
+macht, den Verurtheilten, der von da an sein Sklave
+ist, mit fortzuf&uuml;hren und nie wieder an diese K&uuml;ste
+zur&uuml;ck zu bringen, von der er verbannt ist f&uuml;r immerdar,
+so ist sein Leben gerettet.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_289" id="Page_289">[S. 289]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Verbannt &ndash; <span class="gesperrt">ich</span> von Bali, von meinem Vaterland?&ldquo;
+rief da Glentek, wild emporfahrend und die
+Waffe, die er in seinen H&auml;nden trug, fester fassend &ndash;
+&bdquo;nie, nie im Leben! Ihr m&ouml;gt mich t&ouml;dten &ndash; ich habe
+den Tod verdient und mag nicht l&auml;nger leben, aber
+<span class="gesperrt">verbannen</span> k&ouml;nnt und <span class="gesperrt">d&uuml;rft</span> ihr mich nicht. Ein
+Sklavenleben f&uuml;r Glentek, fern von der Heimath, fern
+von meiner Palmen Wehen? &ndash; Nie &ndash; nie und
+nimmer!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich zahle die zwei S&auml;cke Kupfer!&ldquo; rief aber rasch
+der Capitain. &ndash; &bdquo;Gebt mir einen eurer Leute mit an
+Bord, Gusti, der mag sie zur&uuml;ckbringen, und mein
+Freund dort b&uuml;rgt euch indessen daf&uuml;r. &ndash; La&szlig;t den
+Verklagten hier und seiner Wege gehen. Er hat
+Strafe genug durch die Angst ausgestanden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Sein Urtheilsspruch ist gef&auml;llt,&ldquo; entgegnete finster
+der Gusti. &bdquo;Lie&szlig;en wir um geringe Geldstrafe den
+Diebstahl frei, ihr Wei&szlig;en selber w&auml;ret die Ersten,
+die Klage auf Klage h&auml;uften und uns am Ende zw&auml;ngen,
+unsere Gesetze zu &auml;ndern. Aber nicht allein das
+Verbrechen,&ldquo; setzte er mit einem ernsten Blick auf den
+jungen Mann hinzu, &bdquo;nein auch der <span class="gesperrt">Wille</span> der Menschen
+mag seine Geltung finden. Er, dessen Adern
+noch junges, rasches Blut durchstr&ouml;mt, <span class="gesperrt">wollte</span> den
+Tod, und seines Vaters wegen freut es mich, da&szlig; ich<span class="pagenum"><a name="Page_290" id="Page_290">[S. 290]</a></span>
+die Strafe in Verbannung mildern darf. Wer sich
+aber einmal eines solchen Verbrechens selbst geziehen,
+kann nicht in unserer Gemeinschaft lebend bleiben. Er
+hat sich selbst gerichtet.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Gusti!</span>&ldquo; rief der Gefangene, sich stolz, ja selbst
+drohend gegen den Richter wendend.</p>
+
+<p>Der alte Mann aber, ohne die Bewegung weiter
+zu beachten, sch&uuml;ttelte nur langsam mit dem Kopf und
+sagte wieder finster:</p>
+
+<p>&bdquo;Sendet das Geld an Land und nehmt daf&uuml;r den
+Gefangenen hier mit in See. Vielleicht macht ihr
+noch einmal einen t&uuml;chtigen Matrosen aus ihm. &ndash;
+Kein Wort weiter,&ldquo; setzte er rasch und fast &auml;ngstlich
+hinzu, als sich der Verurtheilte noch einmal an ihn
+wenden wollte; &ndash; &bdquo;ich habe den Urtheilsspruch gef&auml;llt;
+an meinen Leuten hier liegt es jetzt, ihn ausgef&uuml;hrt
+zu sehen.&ldquo;</p>
+
+<p>Und mit den Worten verlie&szlig; er rasch das Haus.</p>
+
+<p>Gegen den Spruch des Gusti gab es keine
+Appellation. Wenn aber ein Wesen in dem weiten
+dichtgedr&auml;ngten Raum in steigendem Interesse, in
+erwachender Hoffnung und endlich in jubelnder Lust
+der Wendung gefolgt war, die das Todesurtheil
+nahm, so war das Kassiar, die Angeklagte. Nur so
+lange des Gusti Gegenwart ihr Herz mit Scheu und<span class="pagenum"><a name="Page_291" id="Page_291">[S. 291]</a></span>
+Angst erf&uuml;llte, wagte sie nicht zu sprechen, wagte sie
+nicht, ihren Gef&uuml;hlen Worte zu geben. Jetzt aber,
+als er den R&uuml;cken gewandt und in der zusammendr&auml;ngenden
+Masse der &Uuml;brigen verschwunden war, hob
+sie sich vom Boden auf, flog auf Glentek zu und bedeckte
+seine H&auml;nde und Knie mit K&uuml;ssen. Aber Glenteks
+Geist war weit von da, in seinen Bergen, die er
+von nun an nie wieder betreten sollte. &ndash; Sein Auge
+blickte stier in die Leere und krampfhaft hielt inde&szlig;
+die Rechte das treue Rohr, die Linke seinen Radotan
+gefa&szlig;t.</p>
+
+<p>&bdquo;Glentek, Glentek,&ldquo; bat da Kassiar, noch immer
+zu seinen F&uuml;&szlig;en hingeschmiegt, &ndash; &bdquo;o sage, da&szlig; du
+mir nicht z&uuml;rnst, sage, da&szlig; du mich nicht hassest und
+ich dir folgen darf, wohin dein Schritt sich wendet &ndash;
+weit &uuml;ber das Meer, an ferne, w&uuml;ste K&uuml;sten, in
+nebelbedeckte L&auml;nder, in &ouml;de Steppen, wohin es ist,
+wenn nur dein Blick mir dort wieder freundlich l&auml;chelt,
+wenn nur dein Liebeslaut wie fr&uuml;her zu meinem Herzen
+dringt.&ldquo;</p>
+
+<p>Glentek h&ouml;rte sie nicht. &ndash; Still und regungslos
+stand er da und vor seinen Augen wehten die Farnpalmen
+seiner Berge, vor seinen Ohren rauschten die
+wilden pl&auml;tschernden Quellen und t&ouml;nte der schrille
+Ruf des wilden Huhns, der gellende Schrei des Tigers.<span class="pagenum"><a name="Page_292" id="Page_292">[S. 292]</a></span></p>
+
+<p>Da ber&uuml;hrte eine Hand leicht seine Schulter, und
+als ob ihn ein elektrischer Schlag getroffen h&auml;tte,
+zuckte er empor und sah wild um sich her.</p>
+
+<p>&bdquo;Es wird Zeit, Glentek,&ldquo; sagte da die freundliche
+Stimme des Holl&auml;nders, der gut genug mit den
+Sitten der Eingeborenen bekannt war, um zu wissen,
+da&szlig; den Meisten Verbannung viel f&uuml;rchterlicher ist
+als der Tod, und der Mitleid mit dem jungen Burschen
+f&uuml;hlte. &ndash; &bdquo;Der Capitain will segeln, und du
+wei&szlig;t, da&szlig; dir die Gesetze deines eigenen Landes nicht
+gestatten, l&auml;nger &ndash; lebendig &ndash; auf diesem Boden zu
+weilen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Es ist gut,&ldquo; entgegnete Glentek, der sich rasch
+sammelte und jetzt wohl f&uuml;hlte, da&szlig; er sich dem Unvermeidlichen
+auch wie ein Mann f&uuml;gen m&uuml;sse. &bdquo;Es
+ist gut &ndash; ich bin bereit.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und darf ich mit dir gehen, mein Glentek &ndash;
+darf ich dir folgen, wohin dein Fu&szlig; sich wendet?&ldquo; bat
+das M&auml;dchen, noch immer an seine Knie geschmiegt.</p>
+
+<p>Der junge Bursche sch&uuml;ttelte langsam mit dem Kopf.</p>
+
+<p>&bdquo;Fahre wohl, Kassiar,&ldquo; sagte er ernst aber ohne
+Bitterkeit im Ton, indem er leise mit seiner Hand ihr
+Haupt ber&uuml;hrte. &bdquo;Unsere Wege trennen sich hier.
+Ich tr&auml;umte einst von einem Gl&uuml;ck an deiner Seite
+&ndash; das ist vorbei.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_293" id="Page_293">[S. 293]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Glentek!&ldquo; klagte in herzzerrei&szlig;endem Tone das
+arme Kind.</p>
+
+<p>&bdquo;Lebewohl!&ldquo; sprach der J&uuml;ngling und schob leise
+die Hand, die sein Gewand noch immer fest gefa&szlig;t
+hielt, zur&uuml;ck. Kassiar gehorchte der Bewegung und
+lie&szlig; ihn los, w&auml;hrend sie flehend die Arme zu ihm
+<a name="cortex4-4" href="#corr4-4" class="corr">ausstreckte</a>, aber er wandte sich langsam von ihr ab
+und schritt, dem Winken des Europ&auml;ers folgend, ohne
+auch nur noch einmal den Blick zur&uuml;ckzuwerfen, dem
+Strande zu.</p>
+
+
+<h4>5.</h4>
+
+<p>F&uuml;nf Jahre waren nach den im vorigen Kapitel
+beschriebenen Vorg&auml;ngen verflossen, und manches hatte
+sich indessen auf Bali ver&auml;ndert. Den Holl&auml;ndern
+war der kriegerische Geist des Nachbarvolkes, der auch
+oft in &uuml;berm&uuml;thigen, seer&auml;uberischen Thaten ausbrach,
+schon lange l&auml;stig geworden, und sie hatten gesucht die
+Rajahs von Bali f&uuml;r sich zu gewinnen, da&szlig; sie wenigstens
+ihre Oberherrschaft <span class="gesperrt">anerkannten</span>, wenn sie
+auch jetzt keine anderen Schritte weiter thaten. Dem
+entgegen stand aber stets der einflu&szlig;reichste Mann
+von Bali, der alte Dewa Argo, der Oberpriester der
+Insel. Dieser trat mit allen Kr&auml;ften f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit
+der Insel in die Schranken, wollte von<span class="pagenum"><a name="Page_294" id="Page_294">[S. 294]</a></span>
+keinen Vertr&auml;gen mit den Fremden wissen und behauptete,
+da&szlig; sie selbst noch so viel Gewalt wie
+F&auml;higkeit h&auml;tten, ihre Insel zu regieren und in Ordnung
+zu halten. Allen versuchten Bestechungen blieb
+er ebenfalls unzug&auml;nglich, bis ihn ein pl&ouml;tzlicher Tod
+j&auml;hlings hinwegraffte. Die allgemeine Stimmung
+sagte, er sei durch Gift gestorben.</p>
+
+<p>Schon vorher hatten die Holl&auml;nder versucht, sich
+die Insel durch die Gewalt der Waffen zu unterwerfen.
+In offener Schlacht und im niedern K&uuml;stenland
+waren die Insulaner, obgleich sie sich mit wilder
+Tapferkeit den &uuml;berlegenen Waffen der Feinde entgegenwarfen,
+auch besiegt worden, in ihren Bergen
+h&auml;tten sie sich aber noch lange und f&uuml;r immer halten
+k&ouml;nnen. Die Holl&auml;nder sahen das auch recht gut ein.
+Um das Leben ihrer eigenen Leute zu schonen, die bei
+einem fortgesetzten Kampf mit den z&auml;hen Bergv&ouml;lkern
+den Gefahren des Klimas nicht allein, sondern auch
+den furchtbaren Strapazen und Entbehrungen ausgesetzt
+bleiben mu&szlig;ten, begannen sie nach des Dewa
+Argo Tode friedliche Verhandlungen mit den Rajahs,
+die ihnen jetzt nicht mehr so feindlich entgegen standen.
+Diese wu&szlig;ten sie gr&ouml;&szlig;tentheils f&uuml;r sich zu gewinnen,
+brachen dadurch die Einigkeit derselben und r&uuml;ckten
+ihrem Ziele, das sie mit ihren Gesch&uuml;tzen und<span class="pagenum"><a name="Page_295" id="Page_295">[S. 295]</a></span>
+Bajonetten vielleicht im Leben nicht, oder doch nur
+mit furchtbaren und unverh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;igen Opfern
+erreicht h&auml;tten, durch Geduld und Schlauheit n&auml;her
+und n&auml;her.</p>
+
+<p>Der Gusti von Kota, einer der den Holl&auml;ndern
+am meisten geneigten Balinesen und der intime
+Freund des jetzt dort installirten holl&auml;ndischen Consuls,
+sa&szlig; in dieser Zeit Morgens nach dem Fr&uuml;hst&uuml;ck, und
+eben aus einer langen europ&auml;ischen Pfeife rauchend, in
+seinem Hause, als ein Eingeborener in schmutzigen,
+zerrissenen Kammen, den Oberleib nothd&uuml;rftig durch
+den ebenfalls zerfetzten Sappot bedeckt, selbst ohne
+Kopftuch, die wilden langen Haare nur durch Bast
+auf seinem Scheitel zusammengebunden, die Veranda
+betrat, und ohne sich vorher bei dem Richter anmelden
+zu lassen, ja ohne, wie es die Sitte gebot, auf
+der Erde knieend seinen Befehl zu erwarten, rasch an
+den Wachen vor&uuml;ber in das Zimmer schritt, in dem
+der Gusti sonst die kleineren Verh&ouml;re abzuhalten und
+Bittende zu empfangen pflegte.</p>
+
+<p>Der junge Eingeborene glich aber keinem Bittenden.
+Den Radotan ausgenommen, der im Kammen
+stak, war er allerdings v&ouml;llig unbewaffnet, doch seine
+ganze Haltung war trotz der zerrissenen Kleidung so
+k&uuml;hn und edel, da&szlig; selbst die Gerichtsdiener, die das<span class="pagenum"><a name="Page_296" id="Page_296">[S. 296]</a></span>
+Haus umlagerten und den Hofstaat des Gustis bildeten,
+nicht wagten, ihn zur&uuml;ck zu halten. Nur an
+die Th&uuml;r dr&auml;ngten sie sich, um dem leisesten Ruf ihres
+Gebieters rasche Folge leisten zu k&ouml;nnen, wenn der
+Fremde, den Niemand von ihnen kannte, etwa gar
+Unehrerbietiges oder B&ouml;ses im Schilde f&uuml;hren sollte.
+Da&szlig; er ein Recht hatte, aufgerichtet zu ihrem Gusti
+hineinzutreten, konnten sie nicht bezweifeln, er h&auml;tte
+es sonst nicht gewagt, da ihm die Strafe gleich auf
+dem Fu&szlig;e folgen m&uuml;&szlig;te.</p>
+
+<p>Der Gusti lehnte auf seinem mit weichen Kissen
+der Dapatwolle belegten Bambussopha und hob sich
+allerdings &uuml;berrascht empor, als er die wilde Gestalt
+so k&uuml;hn und trotzig zu sich eintreten sah.</p>
+
+<p>&bdquo;Ist das Landessitte?&ldquo; sagte er strafend, indem
+er den Fremden dabei mit forschendem Blick musterte,
+&bdquo;in solcher Art den Gusti aufzusuchen? &ndash; Waren
+keine Diener an der Th&uuml;r, die dich melden konnten?
+Bist du hier zu Hause, auf deiner eigenen Schwelle,
+da&szlig; du die schuldige Ehrfurcht vergissest, die dem
+Obern geb&uuml;hrt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Verzeih den raschen Eintritt, Gusti!&ldquo; rief mit
+tiefbewegter aber unterdr&uuml;ckter Stimme, vielleicht um
+nicht von den au&szlig;enstehenden Dienern geh&ouml;rt zu werden,
+der Fremde. &bdquo;Aber der Zweck, um den ich<span class="pagenum"><a name="Page_297" id="Page_297">[S. 297]</a></span>
+komme, mag mich entschuldigen, mein Name dir b&uuml;rgen,
+da&szlig; ich als Gleicher dir nahen darf. Kennst du
+mich noch?&ldquo;</p>
+
+<p>Der Gusti musterte die edlen, aber wild verst&ouml;rten
+Z&uuml;ge des Fremden, die fahlen Wangen und eingefallenen
+Augen, dann sagte er kopfsch&uuml;ttelnd:</p>
+
+<p>&bdquo;Nein. Zu viele Gestalten ziehen an meinem Blick
+vor&uuml;ber. Dein Antlitz ist mir bekannt, und doch wei&szlig; ich
+nicht, wo ich zum letzten Mal dich sah. Dein Name?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glentek von Benoi.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glentek?&ldquo; rief der Richter, erschreckt von seinem
+Sitz emporspringend. &bdquo;Ungl&uuml;cklicher, was treibt dich
+wieder her zu uns? &ndash; Wei&szlig;t du nicht, da&szlig; dein
+Leben in dem Augenblick verfallen ist, wo du des Landes
+K&uuml;ste wieder betrittst, das dich <a name="cortex4-5" href="#corr4-5" class="corr">verbannte</a> und von
+sich stie&szlig;?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wei&szlig; es,&ldquo; sagte Glentek ruhig, &bdquo;mein Leben
+aber w&auml;re von geringem Werth f&uuml;r das, was jetzt
+mich herf&uuml;hrt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Kassiar?&ldquo; rief der Richter, und ein Zug des
+Mitleidens zuckte &uuml;ber das sonst so starre strenge
+Antlitz des Mannes. &bdquo;Sie ist todt, Glentek. Der
+Gram um dich vielleicht, vielleicht die Reue hat sie
+das erste Jahr hinweggerafft. Die k&uuml;hle Erde deckt
+ihr gebrochenes Herz.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_298" id="Page_298">[S. 298]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Arme Kassiar!&ldquo; seufzte Glentek leise. &ndash; &bdquo;Doch
+ihr ist wohl &ndash; wohler als mir, der ich f&uuml;nf Jahre
+der Verzweiflung fern von meinem Vaterland gelebt.
+Nein, Gusti, nicht die Liebe zu dem M&auml;dchen f&uuml;hrt
+mich an diesen Strand zur&uuml;ck, &ndash; seit jenem Tag
+schon war sie f&uuml;r mich begraben, und was ich seitdem
+erlebt, hat mir bewiesen, da&szlig; Kassiar Glenteks von
+Benoi doch nicht w&uuml;rdig war. Sie ruhe sanft; ich
+habe ihr verziehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was trieb sonst dich her?&ldquo; fragte erstaunt
+der Gusti.</p>
+
+<p>&bdquo;Mein Vaterland!&ldquo; rief der Balinese mit vor
+innerer Bewegung fast erstickter Stimme. &bdquo;Ich habe
+ertragen,&ldquo; fuhr er nach einer kleinen Pause, in der
+er sich gewaltsam sammelte, ruhiger aber immer noch
+in gro&szlig;er Aufregung fort, &ndash; &bdquo;ertragen die langen
+Jahre hindurch, was nur ein Mensch ertragen kann.
+Die Feinde &ndash; denn unsere <span class="gesperrt">Feinde</span> sind jene M&auml;nner,
+deren Flaggen jetzt von vielen Schiffen im Hafen
+drau&szlig;en wehen, wenn sie auch freundlich und mit
+glei&szlig;nerischer Zunge zu uns kommen &ndash; die Feinde
+halten uns nun einmal f&uuml;r eine untergeordnete Ra&ccedil;e
+bestimmt zu gehorchen und ihnen Sch&auml;tze anzusammeln,
+die sie weit &uuml;berm Meere dr&uuml;ben dann verprassen.
+Ich bin dort gewesen, ich habe ihre Macht<span class="pagenum"><a name="Page_299" id="Page_299">[S. 299]</a></span>
+und Gr&ouml;&szlig;e gesehen, ihre zahlreichen Schiffe, ihre
+zahllosen Mannschaften, ihre k&uuml;nstlichen m&ouml;rderischen
+Waffen, die Wagen, die mit Blitzesschnelle das Land
+durchfliegen, ihre H&auml;user, in denen sie tausende von
+Menschen zu <span class="gesperrt">einem</span> Zweck besch&auml;ftigen. &ndash; Aber ich
+habe auch ihre Waarenpl&auml;tze gesehen, in denen sie die
+Produkte einer <span class="gesperrt">Welt</span> aufh&auml;ufen, und dort begriffen,
+wie ein Volk, das erst so weit gegangen, das solche
+Bed&uuml;rfnisse f&uuml;r sein <span class="gesperrt">Leben</span> hat, nicht stehen bleiben
+kann und wird, mehr und mehr zu gewinnen, mehr
+und mehr an sich zu rei&szlig;en. Die Holl&auml;nder haben
+das Geld und die Macht in H&auml;nden, und <span class="gesperrt">Freundschaft</span>
+zwischen einem solchen Staat und uns ist nicht
+mehr denkbar. Der Schwache wird und mu&szlig; des
+St&auml;rkeren Beute werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber was hat das alles mit <span class="gesperrt">dir</span> zu thun?&ldquo; sprach
+der Gusti, erstaunt den Beredten anschauend. &bdquo;Ich
+wei&szlig; das alles,&ldquo; f&uuml;gte er mit Stolz hinzu, &bdquo;es ist ein
+m&auml;chtiges Volk und unser Freund, &ndash; und um mir
+das zu sagen, brauchtest du dein Leben nicht zu
+wagen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mein <span class="gesperrt">Leben</span>!&ldquo; rief der Balinese wieder, ver&auml;chtlich
+mit dem Fu&szlig;e den Boden stampfend. &bdquo;Was
+gilt mein Leben hier, wo Balis Heil das Losungswort
+sein mu&szlig;? H&ouml;re mich weiter. &ndash; Ich wanderte, lebte<span class="pagenum"><a name="Page_300" id="Page_300">[S. 300]</a></span>
+f&uuml;nf lange Jahre zwischen ihnen und lernte ihre
+Sprache, lernte lesen und schreiben mit <span class="gesperrt">ihren</span> Zeichen
+und Worten und eine neue Welt er&ouml;ffnete sich mir.
+Nicht mehr auf Andere brauchte ich mich zu verlassen,
+um Nachricht aus der Heimath zu vernehmen. &ndash; Mit
+eigenen Augen konnte ich in all den Bl&auml;ttern, die t&auml;glich
+dort im Volk verbreitet werden, selber lesen, wie
+sich mein Volk hier wacker allen Eingriffen in seine
+Rechte, die jene Fremden wagten, widersetzt. O wie
+mir das Herz pochte, als ich die Kunde mit eigenen
+Augen sah, da&szlig; meine Landsleute mit Lanze, Bogen
+und Blasrohr herab ins flache Land gestiegen waren,
+dem Feind die nackte Brust entgegenzuwerfen und ihn
+zur&uuml;ck ins Meer zu treiben! O wie das da im Herzen
+stach und brannte, da&szlig; ich nicht Theil nehmen durfte
+an ihren K&auml;mpfen, an ihren Siegen, da&szlig; ich <span class="gesperrt">verbannt</span>
+von Bali war, ein Ausgesto&szlig;ener von meiner
+Mutter Erde, und doch f&uuml;r sie die hei&szlig;e, brennende
+Liebe im Innern tragend! So war mir zu Muth, als
+ich von Balis Siegen las. Wie aber, als ich von
+unserer Niederlage h&ouml;rte, von Vortheilen, die die
+Holl&auml;nder &uuml;ber uns gewonnen, von Bedingungen, die
+uns vorgelegt w&auml;ren, ihren Frieden anzunehmen und
+ihre Oberherrschaft anzuerkennen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mich litt es nicht mehr in Europa. &ndash; L&auml;ngst<span class="pagenum"><a name="Page_301" id="Page_301">[S. 301]</a></span>
+schon hatt' ich die Summe, die jener Wei&szlig;e f&uuml;r mich
+gezahlt, abverdient &ndash; mehr noch vielleicht, als er mir
+dankte. Ich rettete sein Weib bei einer Landung mit
+dem Boot in einer Stadt im brittischen Indien, und
+wenn ich das Verh&auml;ltni&szlig; recht begreife, in dem die
+beiden Gatten mit einander leben, so glaub' ich, hab'
+ich mich f&uuml;r vergangenes Leid ger&auml;cht. So, frei von
+ihm, schiffte ich mich auf einem andern Fahrzeug ein,
+das mich nach Soerabaja an der Javanischen K&uuml;ste
+brachte, und hier &ndash; Brachma versenge mich, wenn
+mich die Nachricht nicht wie ein Todessto&szlig; im Herzen
+traf &ndash; h&ouml;rte ich, da&szlig; das einzige Herz von Bali, das
+voll Kraft und Vaterlandsliebe im Stande war, die
+feindlichen und eifers&uuml;chtigen Rajahs mit starker
+Hand zusammenzuhalten, da&szlig; das einzige Herz in
+Bali, das, von reiner Liebe f&uuml;r die Heimath beseelt,
+auch die Gefahr begriff, in der wir schwebten, da&szlig;
+der Dewa Argo von feiger, verr&auml;therischer Hand vergiftet
+und der Fremde im Begriff sei, mit vorgesch&uuml;tzter
+Freundschaft mein Vaterland zu unterwerfen.
+Wohl h&ouml;rte ich von tapferen Schaaren, die aus den
+Bergen mit Radotan und Speer hernieder stiegen,
+dem Feinde zu begegnen. Aber die <span class="gesperrt">Seele</span> fehlt, die
+jetzt die Massen im Z&uuml;gel halten k&ouml;nnte. Mein Vater
+selber ist alt; viele der anderen Rajahs standen schon<span class="pagenum"><a name="Page_302" id="Page_302">[S. 302]</a></span>
+fr&uuml;her im Verdacht, mit fremdem Gelde, wenn nicht
+gekauft, doch arg geblendet zu sein. Dumpfe Ger&uuml;chte
+gingen dabei umher, da&szlig; Bali Priester nach Indien
+abgesandt habe, die Lehre des Islam zu pr&uuml;fen und
+zu bestimmen, ob wir selber den alten G&ouml;ttern treulos
+werden sollten. Da litt es mich nicht mehr in
+Feindes Land; die Gefahr, die meinem Leben drohte,
+durfte mich nicht schrecken. Mein Leben geh&ouml;rt ja
+Bali, mein Arm, mein Herz. &ndash; F&uuml;r das ersparte
+Geld erhandelte ich mir ein kleines Boot, setzte meine
+Segel und steuerte, selig in dem Gedanken, welchem
+Ziel ich entgegenflog, der vaterl&auml;ndischen K&uuml;ste wieder
+zu. In Tabannar wollt' ich landen und von dort
+meine Heimat erreichen, als mich der Sturm erfa&szlig;te,
+der vor wenigen Tagen diese K&uuml;ste peitschte, und mich
+herunter in die Bai warf. Mein Kahn f&uuml;llte sich und
+sank unfern von Sersek, und mit Schwimmen rettete
+ich mich wieder an die K&uuml;ste, die mich vor so viel
+Jahren einst als Verbrecher von sich stie&szlig;.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was suchst du hier, Verblendeter?&ldquo; fragte
+der Gusti, der der leidenschaftlichen Erz&auml;hlung des
+Fl&uuml;chtlings ernst und kopfsch&uuml;ttelnd gelauscht hatte.</p>
+
+<p>&bdquo;Was ich suche?&ldquo; rief aber Glentek staunend aus.
+&bdquo;Ein Heer, dem Feind zu begegnen! &ndash; Die Schaaren
+der Unseren suche ich, die sich um die wehenden Lanzen<span class="pagenum"><a name="Page_303" id="Page_303">[S. 303]</a></span>
+ihrer Rajahs gesammelt haben, die P&auml;sse unserer
+Berge zu besetzen und Tod und Verderben in die
+Reihen der Feinde zu schleudern, wenn sie es wagen
+sollten, uns da anzugreifen. &ndash; Dich hab' ich aufgesucht
+vor allen anderen, weil ich wohl wu&szlig;te, Gusti,
+du w&uuml;rdest den Sohn deines Freundes, wenn du ihn
+einst auch zum Tode verurtheilen mu&szlig;test, nicht <span class="gesperrt">verrathen</span>,
+und dich bitte ich jetzt, mir die P&auml;sse zu
+nennen, in denen die Unseren stehen, da&szlig; ich im
+Stande bin, mich ihnen anzuschlie&szlig;en. Gram und
+Leid haben mir so tiefe Furchen in die Haut gegraben,
+da&szlig; ich nicht f&uuml;rchte, dort erkannt zu werden, &ndash; nur
+meinen Vater will ich sehen, und dann ja gern das
+Leben, das doch dem Vaterland geh&ouml;rt, f&uuml;r dieses
+opfern.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du tr&auml;umst, Glentek,&ldquo; entgegnete ihm da ruhig
+der Gusti. &ndash; &bdquo;Was sprichst du von ger&uuml;steten Schaaren,
+von Feinden und Gefahren, die dem Lande
+drohen? Bali hat sich seit langer Zeit keines so ungetr&uuml;bten
+Friedens erfreut als gerade jetzt. Nicht
+geschlagen, wenn auch in kleinen Gefechten besiegt,
+haben unsere Rajahs doch eingesehen, da&szlig; es f&uuml;r das
+Volk besser sei, sich die Freundschaft des m&auml;chtigen
+Nachbars zu erhalten. Dessen Truppen sind jetzt nach
+Java zur&uuml;ckgezogen, die wenigen ausgenommen, die er<span class="pagenum"><a name="Page_304" id="Page_304">[S. 304]</a></span>
+zum Schutz seines Handels hier zur&uuml;ckgelassen. Kein
+Blut wird mehr auf Bali vergossen werden, eingebildeter,
+th&ouml;richter Rechte oder Vorurtheile wegen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Kein Blut auf Bali vergossen?&ldquo; rief Glentek,
+einen Schritt entsetzt zur&uuml;cktretend, &bdquo;und ist der Mord
+des Dewa Argo denn ger&auml;cht?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der <span class="gesperrt">Mord</span> des Dewa Argo? Wer sagt dir, da&szlig;
+ein Mord geschehen sei? Der Dewa Argo starb nat&uuml;rlichen
+Tod.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und Bali ist nicht in Aufruhr?&ldquo; rief Glentek,
+kaum seinen Sinnen trauend; &bdquo;die Krieger ziehen nicht
+in Schaaren, um endlich den letzten Feind von unserem
+Boden zu vertreiben?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du tr&auml;umst, sag' ich dir!&ldquo; sprach kopfsch&uuml;ttelnd
+der Gusti. &bdquo;Bali ist ruhig, und wenn du hier her&uuml;ber
+kamst, die Hoffnung auf blutige K&auml;mpfe im Herzen
+tragend, so hast du dich zu unserem Heil get&auml;uscht.
+Es w&auml;re dir besser gewesen, du h&auml;ttest Bali nie wieder
+gesehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Friede und Freundschaft mit den M&ouml;rdern des
+Hohenpriesters!&ldquo; schrie da Glentek, sich mit blitzenden
+Augen emporrichtend. &bdquo;Ha, Gusti, da kennst du nicht
+die Stimme der Gebirge und ihren Geist! Hier im
+flachen Lande, unter Malayen und Chinesen magst
+du, an sklavische Sitten gew&ouml;hnt, dich auch dem Willen<span class="pagenum"><a name="Page_305" id="Page_305">[S. 305]</a></span>
+fremder Eroberer haben f&uuml;gen lernen, aber besser
+kenne ich dort <span class="gesperrt">mein</span> Volk. Mein Ruf soll durch die
+Berge schallen, mein wohlbekanntes Flammenzeichen
+die Br&uuml;der zusammenrufen und wenn sie in jubelnden
+Schw&auml;rmen aus den Kl&uuml;ften und Schluchten unserer
+bergigen Heimath niederbrechen &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wahnsinniger, halt ein!&ldquo; rief der Gusti, von seinem
+Lager emporspringend und den Arm in Zorn und
+Abscheu gegen ihn ausstreckend. &bdquo;Krieg und Verderben
+willst du aufs Neue in diese Th&auml;ler bringen, in denen
+der Schlachtenschrei kaum erstorben, das Blut kaum
+ausgetrocknet und verdampft ist? Das Messer des
+Richters h&auml;ngt &uuml;ber dir, und du wagst es, uns mit
+Meuterei zu drohen! &ndash; Wei&szlig;t du, da&szlig; ein Wort von
+mir dich den drau&szlig;en nur darauf harrenden Dienern
+in die H&auml;nde wirft?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Glaubst du, den Glentek fingen sie lebendig?&ldquo;
+lachte da der junge Balinese wild auf, &bdquo;wenn er sich
+nicht geben will? Denkst du, dieser Radotan w&auml;re
+nicht im Stande, sich die Bahn zu brechen? Und zehn
+Fu&szlig; Vorsprung dann, mit all deinem Schwarm von
+Dienern auf den Fersen, br&auml;chte mich nicht in wenigen
+Minuten in die Dickichte dieser W&auml;lder und unerreichbar
+frei von euren Sclaven? H&auml;ltst du es mit
+den, dann schlimm f&uuml;r dich, wenn wir als r&auml;chendes<span class="pagenum"><a name="Page_306" id="Page_306">[S. 306]</a></span>
+Gericht wieder von den Bergen und &uuml;ber dich hereinbrechen!
+Kein Erbarmen hast du dann von uns zu
+hoffen. Und nun thue dein Schlimmstes, denn in wenigen
+Minuten bin ich frei.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Verblendeter!&ldquo; sagte aber der Gusti, ohne seine
+Stellung auch nur um eines Zolles Breite zu ver&auml;ndern.
+&bdquo;Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r Bali kommt dein wilder
+Schlachtenschrei zu sp&auml;t. Schon vor zwei Monaten
+ist der Handels- und <a name="cortex4-6" href="#corr4-6" class="corr">Schutz-</a> und Trutz-Vertrag mit
+Holland abgeschlossen, und w&auml;hrend wir die Oberherrschaft
+der Fremden, die uns nun doch einmal in
+den Waffen und an Macht &uuml;berlegen sind, anerkennen
+mu&szlig;ten, haben wir uns heilig verpflichtet, die Waffen
+nicht mehr gegen sie zu ergreifen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Die Oberherrschaft der Fremden anerkannt? &ndash;
+verpflichtet die Waffen nicht mehr aufzugreifen gegen
+den Feind des Vaterlands?&ldquo; rief Glentek entsetzt und
+seinen Ohren kaum trauend &ndash; &bdquo;das ist <span class="gesperrt">Landesverrath</span>!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein Friedensb&uuml;ndni&szlig; ist geschlossen;&ldquo; erwiderte
+der Gusti, &bdquo;und wer eine Waffe hebt, das zu brechen,
+den trifft nach unserem Gesetze der Tod.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Der Tod!</span>&ldquo; wiederholte Glentek in hohlem
+geisterhaftem Ton, und sein Schultertuch um das
+Haupt ziehend, blieb er viele Minuten lang zerknirscht,<span class="pagenum"><a name="Page_307" id="Page_307">[S. 307]</a></span>
+vernichtet stehen. Alles war verloren, worauf er
+noch seine Hoffnung gesetzt &ndash; ihre Schwerter in die
+Scheiden zur&uuml;ckgesto&szlig;en, ihre H&auml;nde selber durch das
+Friedensb&uuml;ndni&szlig; gekettet.</p>
+
+<p>Der Gusti f&uuml;hlte Mitleid mit dem J&uuml;ngling, und
+das eigene Mi&szlig;trauen vielleicht, ob jenes B&uuml;ndni&szlig;
+f&uuml;r Bali so segensreich wirken k&ouml;nne, wie er es einst
+gehofft, mochte ihn mit antreiben, die junge Kraft
+dem Vaterlande zu erhalten, sie nicht muthwillig zu
+zerst&ouml;ren.</p>
+
+<p>&bdquo;Du warst im Irrthum, Glentek,&ldquo; sagte er, aufstehend
+und freundlich seine Schulter ber&uuml;hrend, &bdquo;als
+du das Land in Waffen w&auml;hntest. Es ist tiefer Friede,
+und wir k&ouml;nnen und wollen uns nicht l&auml;nger mit dem
+m&auml;chtigen Gegner messen, dessen Gesch&uuml;tze unsere
+jungen Leute zu Hunderten niederm&auml;hten. Die alten
+Gesetze dieses Landes sind aber noch in Kraft geblieben
+und denen w&auml;rst du verfallen, entdeckte au&szlig;er mir
+auch noch ein anderer deinen Namen &ndash; deine Schuld.
+Tritt hier hinein und erfrische deinen K&ouml;rper erst mit
+den Speisen, die hier stehen, und dann geh' hinunter
+zum Strand. &ndash; Gerade dem Wrack gegen&uuml;ber, das
+an der K&uuml;ste liegt, findest du ein kleines gr&uuml;n gemaltes
+Boot. Es ist mein Eigenthum. Nimm es und
+kehre damit nach Java zur&uuml;ck.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_308" id="Page_308">[S. 308]</a></span></p>
+
+<p>Glentek schwieg, und ohne seine Stellung zu ver&auml;ndern,
+barg er noch immer das Antlitz in dem
+Sappot. Als er die Arme endlich sinken lie&szlig;, war
+sein Gesicht fahl und todten&auml;hnlich geworden, und er
+sagte mit leiser, aber fest entschlossener Stimme: &bdquo;Ich
+bleibe hier!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ungl&uuml;cklicher!&ldquo; schrie aber der Gusti, &bdquo;willst du
+denn muthwillig in dein Verderben rennen? T&auml;usche
+dich nicht, ich selber, wenn ich es wollte, k&ouml;nnte dich
+nicht sch&uuml;tzen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das sollst du auch nicht, Gusti!&ldquo; sagte da der
+J&uuml;ngling pl&ouml;tzlich, und ein eigenes wildes Feuer
+gl&uuml;hte aus den rastlos umherblitzenden Augen. &bdquo;Ich
+sehe, wie es ist; mein Vaterland ist verrathen und
+verkauft, unsere Tempel werden zerst&ouml;rt, unsere
+Priester und Rajahs vertrieben, unser freier Boden
+selbst wird unter das Joch gedr&uuml;ckt, und ehe ein Jahrzehnt
+vergeht, weht von diesen Bergen die verha&szlig;te
+dreifarbige Fahne. Stirb Glentek, stirb, du nicht
+allein bist Sclave, dein ganzes Volk hat sich verkauft
+&ndash; verrathen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wahnsinniger!&ldquo; rief der Gusti, seinen Arm ergreifend.
+&bdquo;Du wirst dich selbst den H&auml;schern &uuml;berliefern,
+die deinen Namen drau&szlig;en vor der Th&uuml;r
+geh&ouml;rt.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_309" id="Page_309">[S. 309]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Zur&uuml;ck von mir!&ldquo; schrie aber Glentek, aus dessen
+Augen ein rothes wildes Feuer zu gl&uuml;hen schien. &ndash;
+&bdquo;Zur&uuml;ck! &ndash; Den H&auml;schern &uuml;berliefern? &ndash; Hahaha,
+sie sollen's wagen, den Tiger zu halten, wenn er im
+Ansprung ist! <span class="gesperrt">Uhi!</span>&ldquo; schrie er da pl&ouml;tzlich mit wildgellendem
+Ton, indem er mit der Rechten den Radotan
+aus der Scheide ri&szlig;, w&auml;hrend die Linke den Bast
+aus seinem Haar warf, da&szlig; die langen rabenschwarzen
+Locken ihm wild die Schultern und Stirn umflatterten.
+&ndash; &bdquo;<span class="gesperrt">Uhi!</span> Glentek ist frei, aus den Bergen
+st&uuml;rzt sich der Strom ins flache Land, von Stein
+zu Stein den Abgrund niederspringend, aus dem
+Dickicht schnellt sich der Tiger seiner Beute zu. Die
+Anaconda liegt im Palmenwipfel und schie&szlig;t, dem
+Pfeil gleich, von der H&ouml;he nieder auf ihren Raub, und
+so bricht Glentek jetzt hinaus in's Freie &ndash; <span class="gesperrt">uhi!</span>
+Dewa Argo, wo sind deine M&ouml;rder, wo die feigen
+Schurken, die dich verrathen haben? &ndash; Ich komme,
+ich komme dich zu r&auml;chen!&ldquo;</p>
+
+<p>Entsetzt war der Gusti zur&uuml;ckgesprungen und hatte
+die eigene Waffe von der Seite gerissen, um sich zu
+vertheidigen. Aber ihm galt der Angriff nicht, und
+mitten hinein zwischen die H&auml;scher, die jetzt die Th&uuml;r
+aufgerissen, den Rasenden zu fassen, sprang Glentek,
+den geflammten Radotan in der Faust. &ndash; &bdquo;Da und<span class="pagenum"><a name="Page_310" id="Page_310">[S. 310]</a></span>
+da!&ldquo; schrie er, nach links und rechts hin&uuml;bersto&szlig;end,
+&bdquo;habt ihr Stahl &ndash; theilt euch drein, <span class="gesperrt">uhi!</span>&ldquo; Und wie
+die beiden zum Tod getroffen zusammenbrachen, flog
+der Rasende mit einem Satz &uuml;ber sie fort dem Ausgang
+zu und auf die Stra&szlig;e hinaus.</p>
+
+<p>Wunderbarer Weise kommt dieser Zustand, der
+in seinem ganzen Wesen die vollkommenste &Auml;hnlichkeit
+mit der beschriebenen Berserkerwuth unserer Vorfahren
+hat und im Norden jetzt ganz verschwunden
+scheint, sehr h&auml;ufig auf den Inseln des indischen Archipels
+vor. Das Volk schreit dann Amok, Amok (ein
+Wahnsinniger), und alles, was nicht bewaffnet ist,
+flieht scheu zur Seite, w&auml;hrend die Bewaffneten den
+W&uuml;thenden so rasch wie m&ouml;glich zu t&ouml;dten suchen &ndash;
+wie man bei uns einen tollen Hund unsch&auml;dlich machen
+w&uuml;rde. Dieser Zustand von Raserei endet jedesmal
+mit dem Tode des Ungl&uuml;cklichen, den er erfa&szlig;t hat.</p>
+
+<p>&bdquo;Amok, Amok!&ldquo; schrie das Volk drau&szlig;en und stob
+auseinander. Die Fruchtverk&auml;ufer lie&szlig;en ihre K&ouml;rbe
+fallen und flohen in die Seitenstra&szlig;en hinein, die
+Reistr&auml;ger lie&szlig;en ihre zusammengedrehten B&uuml;ndel im
+Stich, die Frauen rafften ihre Kinder auf und flohen
+in die n&auml;chsten H&auml;user, deren Th&uuml;ren zugeschlossen
+wurden; einzelne junge Burschen fl&uuml;chteten sogar vor
+der furchtbaren, den Weg niederrasenden Gestalt in<span class="pagenum"><a name="Page_311" id="Page_311">[S. 311]</a></span>
+Areka- und Cocospalmen hinauf, um dem unmittelbaren
+Anprall zu entgehen.</p>
+
+<p>Vom Hause des Gusti sprang der Ungl&uuml;ckliche
+aber, unbek&uuml;mmert um das ihm folgende Geschrei,
+quer &uuml;ber den Marktplatz fort, mitten zwischen die
+Chinesen hinein, die hier feil hielten und Tische und
+St&auml;nde &uuml;berst&uuml;rzend zur Seite stoben. F&uuml;nf oder
+sechs von ihnen verwundete oder t&ouml;dtete der Rasende,
+wild und r&uuml;cksichtslos nur nach allem sto&szlig;end, was
+ihm in den Weg kam, gerade wie ein toller Hund
+schnappt und um sich bei&szlig;t, und &uuml;bersprang jetzt, ohne
+Achtung auf Weg und Steg, einzelne der Butju und
+giftigen Buntajahecken, deren stachliche Zweige ihn
+blutig rissen.</p>
+
+<p>Der Schrei Amok zuckte indessen wie ein Blitz
+durch die Stadt, auch den Entferntesten Warnung
+gebend, und von allen Seiten st&uuml;rmten Bewaffnete
+herbei, den Rasenden unsch&auml;dlich zu machen und sich
+selbst, wie Frauen und Kinder von der Gefahr zu befreien.</p>
+
+<p>Glentek hatte unter der Zeit die einzelnen Hecken
+&uuml;bersprungen. &ndash; Er f&uuml;hlte es nicht, da&szlig; ihm die
+Glieder brannten von dem Gift, und mit gez&uuml;cktem
+Messer floh er jetzt gerade &uuml;ber den n&auml;chsten offenen
+Zaun, in dem sich die Netzlegereien und Webereien<span class="pagenum"><a name="Page_312" id="Page_312">[S. 312]</a></span>
+befanden. &bdquo;Amok, Amok!&ldquo; t&ouml;nte der Schrei hinter
+ihm her, und die Weber und Netzstricker flohen entsetzt
+zur Seite. Nur ein junger Bursche, ein Knabe
+von kaum mehr als zehn oder zw&ouml;lf Jahren, fa&szlig;te keck
+und rasch ein quer &uuml;ber den Platz liegendes Seil von
+Cocosbast, das an der andern Seite an einem Pflock
+befestigt war, und hob es in die H&ouml;he. Der Rasende
+st&uuml;rmte heran, die Haare hingen ihm wild &uuml;ber das
+Gesicht nieder, und mit der blanken Waffe stie&szlig; er
+blind in die Luft. Da blieb sein Fu&szlig; in dem ausgespannten
+Seile h&auml;ngen, und w&auml;hrend er der L&auml;nge
+nach zu Boden schlug, entfiel seiner Hand die Waffe.
+Zwar raffte er sich im Augenblick wieder empor, aber
+ehe er den Radotan wieder ergreifen konnte, fielen die
+Weber und Netzstricker mit ihren B&auml;umen und eigenen
+Messern &uuml;ber ihn her. &ndash; &bdquo;Amok, Amok!&ldquo; schrie
+die Schaar. Glentek griff des einen Arm, brach ihn
+mit Gewalt ab im Gelenk und warf sich dann auf
+einen andern, um ihn mit den Z&auml;hnen zu fassen und
+zu zerfleischen. Aber ein furchtbarer Schlag, der ihn
+&uuml;ber die Stirn traf, warf ihn bewu&szlig;tlos zur&uuml;ck und
+zu Boden, und im n&auml;chsten Augenblick suchten die
+Waffen Aller seinen K&ouml;rper &ndash; w&uuml;hlten in seiner
+Leiche.</p>
+
+<p>Unten am Strand, zwischen diesem, dem Fahrweg,<span class="pagenum"><a name="Page_313" id="Page_313">[S. 313]</a></span>
+der von Kota nach dem Banksal f&uuml;hrt, und den
+beiden malayischen Begr&auml;bni&szlig;pl&auml;tzen, steht eine einzelne,
+vom Wetter zerrissene, von unz&auml;hligen Orchideen
+&uuml;berwachsene und von Pandanus und wilden
+Strandgew&auml;chsen dicht umgebene Cocospalme. Unter
+der ruht der K&ouml;rper Glenteks von Benoi. Sein Land
+ist allerdings in Frieden mit den Fremden, die Waffen
+sind begraben und Friedenstraktate unterzeichnet worden.
+Aber die Macht und der Einflu&szlig; der Holl&auml;nder
+wachsen dort von Tag zu Tag, ihre Flagge weht schon
+am Strand, und nicht lange wird es dauern, so flattert
+sie auch von den Bergen des einst freien Volkes.</p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_34_34" id="Footnote_34_34"></a><a href="#FNanchor_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Tjanging, der westindische Corallenbaum, der in der
+letzten H&auml;lfte des Jahres in Bali in Bl&uuml;the steht, und dann
+gar keine Bl&auml;tter tr&auml;gt, so da&szlig; ihn nur die langen, purpurrothen
+und b&uuml;schelartig zusammenstehenden Kelche seiner Blumen
+vollkommen bedecken.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_35_35" id="Footnote_35_35"></a><a href="#FNanchor_35_35"><span class="label">[35]</span></a> Eine rothe Falkenart mit wei&szlig;er Brust, welche die
+Balinesen wahrscheinlich Sikup, den Soldaten, nennen, weil
+ihre Krieger ein &auml;hnliches Schild vorn tragen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_36_36" id="Footnote_36_36"></a><a href="#FNanchor_36_36"><span class="label">[36]</span></a> Die Radjadja ist n&auml;mlich die Blatternkrankheit, die
+von den Europ&auml;ern nach Bali gebracht wurde. Die Seuche
+forderte dort ungeheure Opfer und trat mit seltener B&ouml;sartigkeit
+auf. Einem <a name="cortex4-7" href="#corr4-7" class="corr">eigenth&uuml;mlichen</a> Aberglauben nach beerdigen
+die Balinesen die an dieser Krankheit Gestorbenen
+nicht wie ihre anderen Todten, sondern bedecken nur die K&ouml;rper
+leicht mit Erde und lassen Kopf und F&uuml;&szlig;e frei. Es ist
+leicht begreiflich, wie in dem hei&szlig;en Klima Bali's die
+Verwesung so vieler menschlicher K&ouml;rper die Ansteckung der
+Seuche nur vermehren und die Luft im wahren Sinne des
+Wortes verpesten mu&szlig;te.</p></div>
+</div>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h3><a name="der_menschentiger" id="der_menschentiger"></a>Der Menschentiger.</h3>
+
+<h4>1.</h4>
+
+
+<p>In den <a name="cortex5-1" href="#corr5-1" class="corr">Preanger</a> Regentschaften auf Java in
+Tji-dasang, einem kleinen Dorf oder Kampong, hatte
+sich schon seit einiger Zeit, und mit Bewilligung der
+holl&auml;ndischen Beh&ouml;rden, ein chinesischer Kaufmann
+niedergelassen, der mit den Eingeborenen in seiner
+Nachbarschaft nicht allein einen eintr&auml;glichen Tauschhandel
+trieb, sondern auch ein ziemlich gro&szlig;es, dort
+in der N&auml;he gelegenes Gut gepachtet hatte, und Kaffee,
+Reis und andere Landesprodukte selber darauf zog.<span class="pagenum"><a name="Page_314" id="Page_314">[S. 314]</a></span></p>
+
+<p>Im Handel mit den Eingeborenen nahm er alles
+an, was ihm diese bringen konnten: eingekochten
+Arenzucker und geflochtene Matten, H&uuml;te, ge&bdquo;badek&ldquo;te<a name="FNanchor_37_37" id="FNanchor_37_37"></a><a href="#Footnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a>
+T&uuml;cher und Sarongs, gewebte Zeuge, H&uuml;hner, Wild,
+Cocos&ouml;l, kurz alles M&ouml;gliche. Er selber brachte ihnen
+dabei eine Masse Dinge von Batavia mit, die sie oft
+noch nicht einmal dem Namen nach kannten, lehrte sie
+Spiegel und Schmuck, bunte Kattune und andere
+Sachen kennen und that, als Vertreter der Civilisation
+in dieser Berggegend, sein M&ouml;glichstes, die einfachen
+Menschen mit so viel neuen Bed&uuml;rfnissen bekannt zu
+machen, als irgend anging.</p>
+
+<p>Die Chinesen sind im Ganzen, wie sonst auch nur
+zu h&auml;ufig ihre Moralit&auml;t beschaffen sein mag, ein ungemein
+flei&szlig;iges und unternehmendes Volk, und so
+geschah es denn auch hier, da&szlig; Schang-hai, wie er
+nach seinem Geburtsort hie&szlig;, obgleich er nur ein sehr<span class="pagenum"><a name="Page_315" id="Page_315">[S. 315]</a></span>
+kleines Kapital und einen geringen Waarenvorrath
+mit in die Berge gebracht hatte, bald sein Verm&ouml;gen
+verzehn-, ja verhundertfachte und f&uuml;r einen der Reichsten
+in der dortigen Gegend, jedenfalls unter den Eingeborenen
+galt.</p>
+
+<p>Die Javanen sind ziemlich abergl&auml;ubischer Natur
+und haben, wenn sie sich auch meist zum Islam bekennen,
+doch noch manches von ihren alten heidnischen
+&Uuml;berlieferungen beibehalten, an denen sie mit au&szlig;erordentlicher
+Hartn&auml;ckigkeit h&auml;ngen. Es kommt dazu,
+da&szlig; dergleichen Aberglauben meistens von der wilden,
+sie umgebenden Natur nicht nur beg&uuml;nstigt, sondern
+oft auch durch sie begr&uuml;ndet wird. So schrieben sie
+auch Schang-hai, dessen rasch wachsenden Reichthum
+sie nat&uuml;rlich nicht allein von seinem Unternehmungsgeist
+und seiner Schlauheit abh&auml;ngig glaubten, ebenfalls
+bald geheime Kr&auml;fte und K&uuml;nste zu. Da&szlig; er sich
+gern im Wald aufhielt und oft Tage lang ausblieb
+&ndash; wobei er in Wirklichkeit nur kleine geheimgehaltene
+Gesch&auml;ftsreisen machte &ndash; konnte sie nur noch mehr
+darin best&auml;rken. Ebenso schien er nicht die mindeste
+Furcht vor den in jener Gegend noch in ziemlicher
+Anzahl sich aufhaltenden Tigern zu haben, und das
+war ihnen besonders verd&auml;chtig.</p>
+
+<p>Der Tiger, wie die Gefahr, der sie von diesen<span class="pagenum"><a name="Page_316" id="Page_316">[S. 316]</a></span>
+wilden Bestien stets ausgesetzt waren, spielte &uuml;berhaupt
+in ihrem ganzen Leben eine sehr bedeutende Rolle,
+und wunderliche Sagen &uuml;ber das geheimni&szlig;volle
+Treiben dieser Thiere, das sie nur aus seinen furchtbaren
+Angriffen und blutd&uuml;rstigen Verheerungen, wie
+aus seiner r&uuml;cksichtslosen Grausamkeit kannten, waren
+dort &uuml;berall im Umlauf.</p>
+
+<p>Eine der bekannteren ist die vom <span class="gesperrt">Menschentiger</span>,
+die in mancher Hinsicht unserer deutschen
+Sage vom <span class="gesperrt">Wehrwolf</span> entspricht.</p>
+
+<p>Es soll n&auml;mlich im Wald, nur von wenigen Auserw&auml;hlten
+gekannt, ein Kraut wachsen, da&szlig; die wunderbarsten
+Kr&auml;fte besitzt. Der Genu&szlig; der Wurzel besonders
+verwandelt den Menschen in einen Tiger, und
+zwar in der w&ouml;rtlichen Bedeutung des Wortes, in
+all seiner z&auml;hnefletschenden gestreiften Furchtbarkeit,
+und nur der Genu&szlig; einer anderen heilwirkenden Wurzel
+ist im Stande, ihm seine menschliche Gestalt zur&uuml;ckzugeben.
+Diese Menschentiger sind dann die
+gierigsten, grausamsten Bestien in der ganzen Thierwelt,
+und besonders dem Menschen gef&auml;hrlich. Dabei
+haben sie ihren Menschenverstand bewahrt und wissen
+jeder ihnen drohenden Gefahr auch auf das
+Schlaueste und Geschickteste zu entgehen.</p>
+
+<p>Auch in der N&auml;he von Tji-dasang hatten die Tiger,<span class="pagenum"><a name="Page_317" id="Page_317">[S. 317]</a></span>
+trotz der vom Staat ausgesetzten Pr&auml;mien von f&uuml;nfzehn
+Gulden, sehr &uuml;berhand genommen, und besonders
+in einzelnen Kampongs gro&szlig;e Verw&uuml;stungen unter
+den Heerden angerichtet, ja gar nicht selten sogar die
+mit dem Auskochen von Arenzucker besch&auml;ftigten Arbeiter
+&uuml;berfallen und zu Holz geschleppt. Wohl waren
+die Eingeborenen au&szlig;erordentlich th&auml;tig gewesen,
+durch Fallen und Gruben einen Theil dieser gef&auml;hrlichen
+Raubthiere in ihre Gewalt zu bekommen und
+unsch&auml;dlich zu machen; aber dies gelang ihnen bei nur
+sehr wenigen, und J&auml;ger sind die Malayen und Javanen
+&uuml;berhaupt nicht. Sie wissen zum Beispiel gar
+nicht mit Schie&szlig;gewehren umzugehen, und wenn sie auch
+dann und wann einmal in Begleitung der Holl&auml;nder
+eine solche Waffe f&uuml;hren, gef&auml;hrden sie sich selbst und
+ihre Nachbarn weit mehr damit, als das Wild.
+Selbst Bogen und Pfeile f&uuml;hren sie nur zum Spiel,
+und ihre eigentlichen Waffen sind die Lanze, eine auf
+einen Bambus befestigte damascirte Stahlspitze, und
+der stets an der Seite getragene Klewang, eine Art
+kurzes Schwert, das ihnen haupts&auml;chlich dazu dient,
+sich in den Dickichten Bahn zu hauen. Dazu ist es
+freilich auch dadurch vortrefflich geeignet, da&szlig; es vorn
+an der Spitze am schwersten ist und daher zum Hiebe
+die n&ouml;thige Wucht erh&auml;lt. Den Khris oder Dolch<span class="pagenum"><a name="Page_318" id="Page_318">[S. 318]</a></span>
+haben sie fast alle im G&uuml;rtel stecken; die Lanze tragen
+sie dagegen nur ausnahmsweise, auf der Jagd und
+bei besonders festlichen Gelegenheiten.</p>
+
+<p>Die Chinesen auf Java sind indessen noch viel
+weniger J&auml;ger, und f&uuml;hren selbst nicht einmal eine
+Waffe &ndash; es m&uuml;&szlig;te denn hie und da einmal heimlich
+geschehen, wozu sich aber wieder die leichte Nationalkleidung
+nicht eignet, die sie nach einem Gesetz der
+Holl&auml;nder auf Java tragen <span class="gesperrt">m&uuml;ssen</span>.</p>
+
+<p>Schang-hai war unverheirathet. Wie sich indessen
+seine Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse von Tag zu Tag besserten,
+f&uuml;hlte er auch das Bed&uuml;rfni&szlig;, eine Lebensgef&auml;hrtin
+zu w&auml;hlen und sich damit endlich einmal eine
+&bdquo;h&auml;usliche Bequemlichkeit&ldquo; zu schaffen. Es fing an
+ihm ungenehm zu werden, in seinem Hause allein zu
+sitzen, und als er alle seine &uuml;brigen Gesch&auml;fte besorgt
+hatte, glaubte er sich auch diesen &bdquo;Luxus&ldquo; &ndash; wie er
+es bis dahin genannt &ndash; gestatten zu d&uuml;rfen.</p>
+
+<p>Das w&auml;re nun allerdings vortrefflich gewesen, wenn
+er daran schon vor einer l&auml;ngeren Reihe von Jahren gedacht
+und es ausgef&uuml;hrt h&auml;tte. Leider hatte aber der Chinese
+seine besten Lebensjahre damit verschwendet, Reichth&uuml;mer
+aufzuh&auml;ufen, und da er nie, selbst nicht in seiner
+Jugend, auf K&ouml;rpersch&ouml;nheit Anspruch machen durfte,
+so konnte ihm das Alter in dieser Hinsicht noch weniger<span class="pagenum"><a name="Page_319" id="Page_319">[S. 319]</a></span>
+g&uuml;nstig sein. Schang-hai war mit einem Wort ein kleiner,
+dicker, h&auml;&szlig;licher, unansehnlicher Chinese, dessen Zopf
+sich schon grau zu f&auml;rben begann, und die kleinen, etwas
+feuchten, brennend schwarzen Augen bekamen durch
+einen schielenden Blick selbst einen widerw&auml;rtigen, absto&szlig;enden
+Ausdruck. Nichts desto weniger wu&szlig;te er,
+was ihm auch der Spiegel &uuml;ber seine eigene Pers&ouml;nlichkeit
+sagte, doch recht gut, da&szlig; in der Welt mit
+Geld vieles, wenn nicht alles zu erreichen ist, und
+vielleicht war dies auch die Ursache, da&szlig; er seine beste
+Lebenszeit ebenso sorglos und unbek&uuml;mmert hatte verstreichen
+lassen.</p>
+
+<p>Da er dabei vern&uuml;nftig genug war, bei einer Heirath
+nicht an die Vergr&ouml;&szlig;erung seines Reichthums zu
+denken, sondern sich bereits entschlossen hatte, ein
+armes, aber h&uuml;bsches junges M&auml;dchen zu seiner Gattin
+zu erheben, so brauchte er, zumal da ihn die etwas
+wunderlichen gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse des Landes,
+in dem er sich befand, darin beg&uuml;nstigten, an einem
+Erfolg nicht einen Augenblick zu zweifeln. Die Eltern,
+die eine unbeschr&auml;nkte Gewalt &uuml;ber ihre Kinder, besonders
+&uuml;ber ihre T&ouml;chter besitzen, verkaufen dieselben
+meist an gute &bdquo;Partieen&ldquo;, denn eine <span class="gesperrt">Heirath</span> kann
+man ein solches Eheb&uuml;ndni&szlig; kaum nennen. Der
+Mi&szlig;brauch geht darin so weit, da&szlig; die Europ&auml;er auf<span class="pagenum"><a name="Page_320" id="Page_320">[S. 320]</a></span>
+Java sich oft M&auml;dchen auf eine bestimmte Reihe von
+Jahren f&uuml;r eine zwischen beiden Theilen bestimmte
+Summe ins Haus kaufen und dabei nicht einmal
+eine Ceremonie f&uuml;r n&ouml;thich halten.</p>
+
+<p>Das war &uuml;brigens Schang-hai's Absicht nicht.
+Er wollte sich wirklich eine Frau nehmen, die ihm
+dann nicht bei der ersten passenden oder unpassenden
+Gelegenheit wieder davonlaufen und der Unbequemlichkeit
+der Wahl aufs Neue aussetzen konnte. Sein
+Auge fiel dabei auf die Tochter eines armen Javanen,
+den er sich in der letzten Zeit besonders verpflichtet
+und ihn so in H&auml;nden hatte, da&szlig; er &uuml;berhaupt gar
+nicht seine Einwilligung h&auml;tte verweigern k&ouml;nnen &ndash;
+wenn ihm das &uuml;berhaupt in den Sinn gekommen.
+Kelah, wie der Eingeborene hie&szlig;, dachte aber auch
+nicht einmal an etwas derartiges, und wenn er den
+kleinen dicken Chinesen mit dem &bdquo;falschen Blick&ldquo; auch
+sicherlich mehr f&uuml;rchtete als liebte, f&uuml;hlte er sich doch
+durch den eines Tages ganz unerwartet gestellten Antrag
+viel zu sehr geehrt, als da&szlig; er mit seiner Einwilligung
+als Vater auch nur einen Augenblick h&auml;tte
+z&ouml;gern k&ouml;nnen. Was Laykas, die Tochter, anbetraf,
+so war es eine Sache, die sich ganz von selbst verstand,
+da&szlig; sie weiter nichts zu thun hatte, als den ihr vom
+Vater gegebenen Befehlen zu folgen. H&auml;tte das<span class="pagenum"><a name="Page_321" id="Page_321">[S. 321]</a></span>
+M&auml;dchen denn auch ein gr&ouml;&szlig;eres Gl&uuml;ck, eine gr&ouml;&szlig;ere
+Ehre tr&auml;umen k&ouml;nnen? Da&szlig; Laykas den Chinesen
+<span class="gesperrt">lieben</span> sollte, verlangte kein Mensch von ihr &ndash; nicht
+einmal ihr Br&auml;utigam selber, und da&szlig; sie diesen jetzt,
+wie alle Kinder und M&auml;dchen des Kampongs, <span class="gesperrt">f&uuml;rchtete</span>,
+und ebenso gern einem Tiger als ihm in den
+Weg gelaufen w&auml;re, wenn er einmal die Stra&szlig;e herab
+kam, war eine Sache, die sich jedenfalls &ndash; wenn sie
+nur erst einmal seine Frau war &ndash; von selber gab.
+Ihr Schicksal sollte ihr aber nicht lange verborgen, ja
+nicht einmal Raum zum &Uuml;berlegen bleiben.</p>
+
+<p>Schang-hai hatte n&auml;mlich schon seit einer Woche,
+ohne irgend Jemand zu sagen weshalb, die Vorbereitungen
+zu der Festlichkeit herrichten lassen, die er auf
+das Gl&auml;nzendste auszustatten gedachte. Der reiche
+Chinese wollte den Eingeborenen einmal zeigen, was
+er im Stande sei an Glanz und Pracht in diesen Bergen
+zu leisten. Das Anhalten um die Braut selber
+verschob er nat&uuml;rlich als eine Sache, die in wenigen
+Minuten abgemacht werden konnte, bis zum letzten
+Augenblick. Bedurfte es ja doch unter solchen Umst&auml;nden
+auch nur eigentlich des Befehls, sie in sein
+Haus zu f&uuml;hren.<span class="pagenum"><a name="Page_322" id="Page_322">[S. 322]</a></span></p>
+
+
+<h4>2.</h4>
+
+<p>Eines hatte er dabei &uuml;bersehen oder, wenn es ihm
+je eingefallen, so gering angeschlagen, da&szlig; es eine
+weitere Beachtung nicht verdiente, &ndash; da&szlig; n&auml;mlich
+seine von ihm ausersehene Braut schon eine andere
+fr&uuml;here Zuneigung haben k&ouml;nne. Das Herz eines
+jungen M&auml;dchens fragt ja auch nicht immer erst die
+Eltern, ehe es sich zu einem andern Herzen hingezogen
+f&uuml;hlt. Darauf kam hier aber gar nichts an; das Herz
+verlangte Schang-hai &uuml;berhaupt nicht weiter, als es
+eben zu seiner bequemen H&auml;uslichkeit unumg&auml;nglich
+n&ouml;thig war; er wollte die Hand des M&auml;dchens, und
+die geh&ouml;rte bis jetzt noch Niemand.</p>
+
+<p>Laykas war eine wunderliebliche Maid, und der
+alte Chinese hatte keinen schlechten Geschmack in ihrer
+Wahl bewiesen. Schlank und voll von K&ouml;rper, mit
+Reizen, die von der dunklen Bronzefarbe der Haut
+eher noch erh&ouml;ht als vermindert wurden, mit einem
+Antlitz von fast griechischer Sch&ouml;nheit, wie man es
+da oben in den Bergen auch gar nicht so selten findet,
+die dunklen Wangen von so sanfter Frische, da&szlig; das
+steigende und schwindende Blut deutlich auf ihnen
+sichtbar ward, mit feurigen offenen Augen und H&auml;nden
+und F&uuml;&szlig;en, um die sie manche stolze Wei&szlig;e beneidet<span class="pagenum"><a name="Page_323" id="Page_323">[S. 323]</a></span>
+haben w&uuml;rde, war sie die Zierde ihres Stammes,
+der Stolz ihrer Eltern, und selig w&auml;re der Mann
+unter ihren Landsleute gewesen, den sie einst mit ihrer
+Liebe begl&uuml;ckt h&auml;tte.</p>
+
+<p>Leichten und frohen Herzens hatte sie sich dabei
+willig und gern jeder noch so schweren Arbeit in ihrer
+Eltern Hause unterzogen. Nie kam eine Klage &uuml;ber
+ihre Lippen, und ein freundliches Wort, einen freundlichen
+Blick hatte sie f&uuml;r alle &ndash; konnte sie den Sturm
+ahnen, der sich &uuml;ber ihrem Haupte zusammenzog?</p>
+
+<p>So kam sie auch heute, singend und mit den Kindern
+lachend, die neben ihr herliefen, den Berg herauf,
+denn sie hatte unten im Thale, in den breiten, hohen
+Bambusst&ouml;cken<a name="FNanchor_38_38" id="FNanchor_38_38"></a><a href="#Footnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a> Wasser heraufgeholt. Nur einen
+Sarong<a name="FNanchor_39_39" id="FNanchor_39_39"></a><a href="#Footnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a> von blau und rothem, selbstge&bdquo;badek&ldquo;tem
+Stoff, der ihr bis zur halben Wade niederhing und
+die zarten feingeformten Kn&ouml;chel zeigte, trug sie um
+die schlanke H&uuml;fte festgesteckt; der Oberk&ouml;rper, wie
+das in den Preanger Regentschaften meist Sitte ist,
+war vollkommen nackt, und die schwere Wucht des
+rabenschwarzen Haares hielt sie mit einer gro&szlig;en
+Schildplattnadel befestigt. Die beiden mit Wasser
+gef&uuml;llten Bambusst&ouml;cke, die wohl bei drei Fu&szlig; L&auml;nge,
+f&uuml;nf Zoll und mehr im Durchmesser haben mochten,
+trug sie an einem Querstock, an dem sie vorn und
+hinten herunterhingen, auf der Schulter, und trotz
+der gar nicht unbedeutenden Last war doch der Schritt
+des jungen, frischen, kr&auml;ftigen M&auml;dchens leicht und
+elastisch.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_324" id="Page_324">[S. 324]</a></span></p><p>In der Th&uuml;r der H&uuml;tte begegnete ihr aber schon
+der Vater, der eben, noch freudestrahlend, von Tji-dasang
+zur&uuml;ckgekehrt war und den Augenblick nicht
+erwarten zu k&ouml;nnen schien, wo er der Tochter die
+Freudenbotschaft mittheilen sollte.</p>
+
+<p>&bdquo;Was hast du, Vater?&ldquo; rief das M&auml;dchen, dem
+die fr&ouml;hliche Bewegung in dem sonst ziemlich m&uuml;rrischen,
+einsilbigen Alten nicht entgangen war, und
+mitten im Gang hielt sie, die H&auml;nde zur St&uuml;tze auf
+die H&uuml;ften stemmend, an, da&szlig; die beiden Bambusr&ouml;hren
+langsam her&uuml;ber und hin&uuml;ber schwankten.
+&bdquo;Was hast du, Vater? Es ist doch nicht &ndash;&ldquo; und das
+Blut scho&szlig; ihr in diesem Augenblick vor freudigem<span class="pagenum"><a name="Page_325" id="Page_325">[S. 325]</a></span>
+Schreck in Wangen und Schl&auml;fe, als sie daran dachte,
+da&szlig; vielleicht Maono, der brave arme Bursch, hier
+bei ihrem Vater gewesen w&auml;re und &ndash; sie konnte keinen
+Gedanken ausdenken, so wirr und toll schwirrten
+ihr die Vermuthungen durch den Kopf. Und so treu
+und rein war dabei der Jungfrau Seele, da&szlig; kein
+schlimmer Verdacht, keine Furcht den Spiegel ihres
+Herzens tr&uuml;ben machte. Lachte doch ihr Vater, und
+das konnte ja nur Gutes f&uuml;r die Tochter deuten.</p>
+
+<p>&bdquo;Freu' dich mit mir, Laykas!&ldquo; rief ihr dieser, als
+er sie halten sah, entgegen, &bdquo;freu' dich mit deinen
+Eltern, denn dein und ihr Gl&uuml;ck ist gemacht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Maono?&ldquo; war alles, was Laykas herausbringen
+konnte, und sie f&uuml;hlte dabei, wie roth sie wurde.</p>
+
+<p>&bdquo;Maono?&ldquo; meinte der Alte, ver&auml;chtlich mit den
+Schultern zuckend, w&auml;hrend sich doch ein verschmitztes
+L&auml;cheln &uuml;ber seine Z&uuml;ge stahl, &bdquo;wer ist Maono? So
+viel f&uuml;r den! Hat er doch nicht Reis genug f&uuml;r den
+morgenden Tag und steckt nicht umsonst da mitten im
+Walde, um von Fr&uuml;chten und Waldfleisch sein Leben
+zu fristen! Laykas ist f&uuml;r etwas Besseres aufbewahrt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;r <span class="gesperrt">Besseres</span>, Vater?&ldquo; sagte das M&auml;dchen
+leise, und die mit Wasser gef&uuml;llten Bambus wurden
+ihr in dem Augenblick so schwer, als ob sie sich in<span class="pagenum"><a name="Page_326" id="Page_326">[S. 326]</a></span>
+Blei verwandelt h&auml;tten. Kaum konnte sie mit ihnen
+den letzten Gang bis zur H&uuml;tte ersteigen. &bdquo;F&uuml;r was
+Besseres, Vater?&ldquo; wiederholte sie hier noch einmal.
+&bdquo;Ich verlange nichts Besseres von Allah &ndash; m&ouml;ge er
+es mir gew&auml;hren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nichts Besseres?&ldquo; lachte aber der Alte und
+konnte sich gar nicht wieder zufrieden geben. &bdquo;Wenn
+die Kinder nicht wissen, was ihnen gut ist, m&uuml;ssen's
+die Alten soviel besser verstehen. Aber h&ouml;r', Laykas
+was ich dir sagen will, und fasse dich, denn solche
+Freude und Ehre wirst du nicht erwartet haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Freude? &ndash; Ehre?&ldquo; rief das arme M&auml;dchen erstaunt
+und eingesch&uuml;chtert, denn bei all den Vorbereitungen
+begann ihr nichts Gutes zu ahnen.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, ich will dich nicht l&auml;nger zappeln lassen,&ldquo;
+schmunzelte der Alte; &bdquo;so h&ouml;re denn, <span class="gesperrt">Schang-hai</span>
+hat dich von mir zum Weib begehrt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schang-hai?&ldquo; rief Laykas, und der Stab glitt
+von ihrer Schulter nieder, da&szlig; die beiden Bambus
+umfielen und das Wasser in sprudelndem Quell wieder
+den Berg hinunterschickten.</p>
+
+<p>&bdquo;Ja &ndash; der reiche Schang-hai,&ldquo; erwiderte mit
+selbstzufriedenem L&auml;cheln der Javane, den Schreck der
+Tochter nat&uuml;rlich der Freude und &Uuml;berraschung zuschreibend.
+&bdquo;Aber l&auml;&szlig;t du nicht das ganze Wasser<span class="pagenum"><a name="Page_327" id="Page_327">[S. 327]</a></span>
+wieder den Berg hinunterlaufen, Laykas? Nun la&szlig;
+nur sein, von jetzt an wirst du Diener haben, die das
+f&uuml;r dich thun. Allah segne mich! H&auml;tte ich doch nie
+geglaubt, die Freude an meinem Kind &ndash; und nur
+eine Tochter &ndash; zu erleben! Aber morgen mit dem
+Fr&uuml;hsten gehst du zum Bach hinab und badest dich,
+bindest dann deinen besten Sarong um, und wenn die
+Sonne &uuml;ber die Palmen steigt, werde ich dich zu
+deinem Br&auml;utigam f&uuml;hren!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Br&auml;utigam?&ldquo; st&ouml;hnte Laykas, ihr Antlitz in den
+H&auml;nden bergend und dann mit stierem, entsetztem Blick
+zu dem Vater aufschauend; &bdquo;Schang-hai &ndash; der
+furchtbare, entsetzliche Mensch, mein &ndash; mein <span class="gesperrt">Br&auml;utigam</span>?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nun ja, <span class="gesperrt">h&uuml;bsch</span> ist er gerade nicht,&ldquo; lachte der
+Alte gutm&uuml;thig, &bdquo;darauf kommt auch nicht viel an.
+Aber <span class="gesperrt">reich</span> ist er &ndash; steinreich, und dein Vater braucht
+jetzt nicht Haus und Feld aufzugeben und wieder in
+den Wald hineinzuziehen, wie ich es thun m&uuml;&szlig;te,
+wenn Schang-hai nur daran d&auml;chte, seine Forderung
+einzutreiben. &ndash; Du bist ein braves Kind, mein Herz,
+und machst deinen Eltern viele, viele Freude.&ldquo;</p>
+
+<p>Laykas erwiderte kein Wort; wo sie stand, kauerte
+sie sich auf den Boden nieder und legte den Kopf auf
+ihren Arm. Sie wu&szlig;te, ihr Schicksal war besiegelt,<span class="pagenum"><a name="Page_328" id="Page_328">[S. 328]</a></span>
+ihres Vaters Wille Gesetz, und kannte den Alten zu
+gut, um auch nur einen Augenblick daran zu zweifeln,
+da&szlig; er Ernst, bittern Ernst aus seiner Drohung
+machen w&uuml;rde. Sie war das Weib des gef&uuml;rchteten
+Schang-hai, dessen N&auml;he allein sie schon mit Entsetzen
+erf&uuml;llte, und wenn die morgende Sonne &uuml;ber die
+Wipfel ihrer B&auml;ume schien, &ndash; ein Schauder &uuml;berrieselte
+sie &ndash; f&uuml;hrte sie ihr Vater in die Arme des
+Schrecklichen, der von da an Macht und Gewalt &uuml;ber
+sie haben sollte ihr Leben lang.</p>
+
+<p>Kelah betrachtete die ineinandergeknickte Gestalt
+der Tochter wenige Minuten schweigend. Er mochte
+wohl ahnen, was in ihr vorging, kannte er doch den
+Abscheu, den alle Kinder &ndash; ja fast alle Erwachsene
+in den Bergen vor dem alten Chinesen hatten, und
+f&uuml;rchtete er ihn doch selbst weit mehr als er ihn liebte.
+Die Sache war aber einmal abgemacht und nichts
+weiter daran zu thun, und die Tochter mochte jetzt,
+ehe er weiter mit ihr dar&uuml;ber sprach, mit dem Gedanken
+ein wenig vertraut werden. Da&szlig; sie sich seinem
+Willen nicht widersetzte, verstand sich von selbst. Er
+ging deshalb in sein Haus zur&uuml;ck, um f&uuml;r sich selber
+auf den morgenden Tag seinen besten Staat, Kopftuch
+und Sarong, die rothe Kattunjacke und seinen sch&ouml;nsten
+Khris hervorzusuchen. Es war ja auch eigentlich<span class="pagenum"><a name="Page_329" id="Page_329">[S. 329]</a></span>
+bei der ganzen Sache nichts weiter zu besprechen und
+alles N&ouml;thige so gut wie abgemacht.</p>
+
+<p>Staunend sahen inde&szlig; Laykas' Geschwister die
+Trauer der Schwester, &uuml;ber deren Ursache sie sich
+nicht Rechenschaft zu geben wu&szlig;ten. Was es bedeute,
+des Schang-hai Frau zu sein, wu&szlig;ten sie noch nicht,
+und darum brauchte Laykas doch nicht das m&uuml;hsam
+heraufgetragene Wasser wieder den Berg hinunterlaufen
+und den Kopf h&auml;ngen zu lassen. Nur ein unbestimmtes
+Gef&uuml;hl sagte ihnen, da&szlig; mit der geliebten
+Schwester doch eigentlich Alles wohl nicht so sei, wie
+es sein solle, und wie der Vater nur erst einmal ins
+Haus gegangen war, dr&auml;ngten sie sich &auml;ngstlich sch&uuml;chtern
+um sie her, zupften sie am Sarong und baten sie
+leise und schmeichelnd aufzustehen und sie wieder anzusehen
+wie vorher.</p>
+
+<p>Das Zureden der Kinder aber weckte den bis dahin
+gewaltsam zur&uuml;ckgedr&auml;ngten Schmerz der Jungfrau.
+Alles, was sie bis dahin lieb gehabt, an dem
+ihr Herz gehangen, sollte sie jetzt verlassen und daf&uuml;r
+das Furchtbarste eintauschen, was ihrer Seele nur in
+Schrecken und Entsetzen vorschwebte &ndash; das Weib des
+Mannes zu werden, von dem sie jetzt nicht einmal
+wu&szlig;te, ob sie ihn mehr f&uuml;rchtete oder mehr verabscheute.
+Ihre Thr&auml;nen flossen unaufhaltsam, und der<span class="pagenum"><a name="Page_330" id="Page_330">[S. 330]</a></span>
+ganze zarte K&ouml;rper zitterte in der furchtbaren, kaum
+mehr geb&auml;ndigten Bewegung.</p>
+
+<p>Die Sonne sank, und sie sa&szlig; noch immer auf der
+Stelle &ndash; die Kinder waren zum Haus hinaufgelaufen,
+dem Vater zu sagen, da&szlig; Laykas krank w&auml;re und
+weinte. Dieser bedeutete sie aber, die Schwester zufrieden
+zu lassen, sie w&uuml;rde schon wieder von selber
+froh und heiter werden.</p>
+
+<p>Als es dunkelte, ging endlich die Mutter zu ihr
+hinaus.</p>
+
+<p>&bdquo;Laykas,&ldquo; sagte sie freundlich, die Hand auf ihre
+Schulter legend, &bdquo;komm herein ins Haus &ndash; der
+Vater wird sonst b&ouml;se, und der Thau f&auml;llt auch
+schon stark.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mutter,&ldquo; st&ouml;hnte das arme Kind und fa&szlig;te
+die Hand der Frau; &bdquo;ich kann nicht &ndash; ich <span class="gesperrt">kann</span> nicht
+das Weib Schang-hai's werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der Vater hat's gesagt,&ldquo; seufzte die Frau leise
+und mitleidig, das zu ihr gewendete, von Thr&auml;nen
+&uuml;berstr&ouml;mte Gesicht des M&auml;dchens streichelnd. &bdquo;Du
+wei&szlig;t, was der sagt, m&uuml;ssen wir thun. Mir w&auml;r's
+auch lieber, ein armer Javane h&auml;tte sein Jawort erhalten,
+als der alte reiche S&uuml;nder, aber &ndash; was geschehen,
+ist nun einmal nicht zu &auml;ndern. So komm,
+Laykas, komm mit ins Haus und fasse Muth.<span class="pagenum"><a name="Page_331" id="Page_331">[S. 331]</a></span>
+Es wird vielleicht noch Alles besser gehen, als wir
+jetzt denken.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und Maono?&ldquo; seufzte das M&auml;dchen mit angstgepre&szlig;ter,
+zitternder Stimme.</p>
+
+<p>&bdquo;Wer kann's &auml;ndern?&ldquo; meinte die Mutter, mit
+den Achseln zuckend. &bdquo;Unser Geschlecht ist dazu bestimmt,
+Leiden zu ertragen, und wir d&uuml;rfen nicht
+murren. Es ist Allahs Wille. Der arme Bursch
+thut mir auch leid,&ldquo; setzte sie leise hinzu, &bdquo;aber was
+kann er gegen den reichen Chinesen in die Wagschale
+werfen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und opfert er jetzt nicht sein Leben, die Nachbarschaft
+von den gef&auml;hrlichen Tigern zu befreien?&ldquo; rief
+Laykas. &bdquo;Haust er jetzt nicht allein und abgeschieden
+mitten im Wald in steter Gefahr, von den Bestien
+selber erfa&szlig;t zu werden, nur um eine kleine Summe
+zu erschwingen, da&szlig; wir zusammen den Hausstand beginnen
+k&ouml;nnten, gegen den selbst der Vater bis jetzt
+nichts einzuwenden gehabt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das ist alles wahr, mein Kind,&ldquo; sagte die
+Mutter, das aufgeregte M&auml;dchen freundlich beg&uuml;tigend,
+&bdquo;aber damals hatte Schang-hai noch nicht um
+dich gefreit, und du wei&szlig;t selber, welche gro&szlig;e H&uuml;lfe
+der f&uuml;r uns ist. Das einzige Reisfeld, von dem wir
+unsere Nahrung ziehen, ist in den H&auml;nden deines<span class="pagenum"><a name="Page_332" id="Page_332">[S. 332]</a></span>
+k&uuml;nftigen Mannes, selbst die Arenpalmen um unsere
+H&uuml;tte her geh&ouml;rten nicht mehr unser, wenn es Schang-hai
+gefiele, sie zu fordern. Die B&uuml;ffel, die unser Feld
+bearbeiten, haben wir von ihm geborgt, er kann sie
+jeden Augenblick zur&uuml;ckfordern. Die Weide selbst, auf
+die wir sie treiben, geh&ouml;rt dem Chinesen, und schon
+lange habe ich mir gedacht, da&szlig; er nicht umsonst so
+nachsichtig und g&uuml;tig mit uns gewesen und seinen
+Lohn wohl eines Tages einfordern w&uuml;rde. &ndash; Und
+doch hab' ich ihm unrecht damit gethan, denn er hat
+dich zum <span class="gesperrt">Weibe</span> begehrt, und damit uns armen,
+niederen Leuten, wie auch dir, die gr&ouml;&szlig;te Ehre erwiesen,
+die ein so hochstehender Mann Jemand nur erweisen
+kann.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ehre &ndash; Ehre!&ldquo; jammerte das arme M&auml;dchen,
+&bdquo;mir bringt diese Ehre den Tod &ndash; und Maono, armer
+Maono!&ldquo;</p>
+
+<p>Sie stand langsam auf, sch&uuml;ttelte die Thr&auml;nen
+von ihren Wimpern und folgte der Mutter langsam in
+das Haus, wo sie den Vater schon behaglich auf seiner
+Matte ausgestreckt und seine Pfeife rauchend fanden.</p>
+
+
+<h4>3.</h4>
+
+<p>Laykas ging ruhig in die Ecke, in der ihr Lager
+auf einem niederen Bambusgestell bereitet war, und<span class="pagenum"><a name="Page_333" id="Page_333">[S. 333]</a></span>
+wenn sich der Alte auch ein paarmal nach ihr umdrehte
+und sie augenscheinlich anzureden w&uuml;nschte,
+unterlie&szlig; er es doch jedesmal wieder. Sie mochte sich
+die Sache die Nacht &uuml;ber durchdenken, wenn sie nur
+morgen dann ein fr&ouml;hliches Gesicht zeigte &ndash; nur bis
+die Feierlichkeit &uuml;berstanden war. Nachher mochte
+Schang-hai allein sehen, wie er mit ihr fertig wurde.</p>
+
+<p>Nach und nach wurde es still in dem kleinen
+dunklen Raum; drau&szlig;en rauschten die Palmen ihr
+fl&uuml;sterndes Nachtlied durch den Wald und der unten
+vorbeispringende Bergstrom sandte das Ger&auml;usch des
+fallenden Wassers in leisem, dumpfem Murmeln bis
+hierher. Dann und wann vielleicht unterbrach der
+gellende Schrei eines Nachtvogels die heilige Stille,
+und einmal t&ouml;nte dumpf und hohl das gierige Gebr&uuml;ll
+eines Tigers vom Wald her&uuml;ber. Dann war alles
+wieder still. Laykas konnte ihr Herz schlagen h&ouml;ren,
+wie es mit &auml;ngstlichem Klopfen ihr den Schlaf von
+den Lidern trieb.</p>
+
+<p>Und morgen? &ndash; Der Kopf brannte ihr im
+Fieber, wenn sie an den morgenden Tag dachte! So
+mu&szlig;te dem ungl&uuml;cklichen Verbrecher zu Muthe sein,
+der mit der n&auml;chsten Sonne zum Richtplatz gef&uuml;hrt
+werden sollte und jetzt, an Ketten, im festen, verschlossenen
+Raum, des Henkers harrte, der ihn hinaus<span class="pagenum"><a name="Page_334" id="Page_334">[S. 334]</a></span>
+zum Galgen f&uuml;hren sollte. &ndash; Und <span class="gesperrt">war</span> sie denn eingeschlossen
+und gefesselt? &ndash; Als ob ein scharfer Khris
+ihr Herz getroffen, so fuhr sie bei dem Gedanken
+empor. &ndash; Flucht &ndash; Flucht vor der Gefahr war noch
+m&ouml;glich &ndash; aber wohin? &ndash;</p>
+
+<p>Wohin? &ndash; Gleichviel, und wenn in den Tod!
+Lieber die Glieder im tiefen Strom gebettet, als in
+das Haus jenes furchtbaren Menschen! Lieber von
+den Tatzen des gierigen Tigers zerrissen, als von den
+Armen des Gef&uuml;rchteten umschlungen! Und hatte sie
+denn nicht des Vaters Spruch dem Tode schon geweiht?
+War denn das <span class="gesperrt">Leben</span>, wenn sie Tage, vielleicht
+gar Wochen, Jahre in jenem furchtbaren Elend
+vergehen &ndash; sterben mu&szlig;te?</p>
+
+<p>In immer rascheren Schl&auml;gen pochte ihr Herz,
+das die fest darauf gepre&szlig;te Hand nicht mehr zu b&auml;ndigen
+vermochte, und der Athem stockte ihr, als sie
+sich leise und ger&auml;uschlos auf ihrem Lager aufrichtete,
+um auf den Schlaf der Ihrigen zu lauschen. &ndash; Sie
+athmeten tief und ruhig &ndash; ihr Vater tr&auml;umte wohl
+gar von dem &bdquo;Gl&uuml;ck und Heil&ldquo;, das er mit der Tochter
+Opfer &uuml;ber seine H&uuml;tte gebracht, und sah im Geist
+sich schon geachtet und geehrt &ndash; ja warum nicht auch
+<span class="gesperrt">gef&uuml;rchtet</span> von den Nachbarn. &ndash; Fort! &ndash; Das
+war der einzige Gedanke, der sie jetzt trieb. &ndash; Fort<span class="pagenum"><a name="Page_335" id="Page_335">[S. 335]</a></span>
+aus der Heimath &ndash; aus der Eltern Haus, von dem
+Herzen der Mutter fort, an der sie mit inniger Liebe
+hing, von den Geschwistern, f&uuml;r die sie ihr Leben gern
+geopfert h&auml;tte &ndash; denn das war mehr als Tod, was
+man von ihr verlangte!</p>
+
+<p>In der H&uuml;tte war es vollkommen dunkel; nur
+durch einen Spalt der geflochtenen Bambuswand
+schaute hell und blinkend ein Stern herein. Ger&auml;uschlos
+glitt sie von ihrem Lager nieder und &uuml;ber den
+Boden hin. H&auml;tten sie selbst gewacht, sie w&uuml;rden die
+Flucht des M&auml;dchens nicht vernommen haben. Wie
+sie die Th&uuml;re erreichte, richtete sie sich auf und blieb
+an der Schwelle stehen. Ohne Abschied sollte sie
+fort, von allen, die ihrem Herzen theuer waren &ndash;
+ohne ein freundliches Wort von der Mutter, ohne
+eine Umarmung von den Geschwistern? &ndash; Aber sie
+durfte nicht z&ouml;gern &ndash; der Vater regte sich auf seinem
+Lager. Wenn sie jetzt entdeckt wurde, ehe sie das
+Freie erreicht hatte, war sie verloren.</p>
+
+<p>Sie &ouml;ffnete den h&ouml;lzernen Dr&uuml;cker der Th&uuml;r so
+leise als m&ouml;glich, und stand im n&auml;chsten Augenblick
+auf der Schwelle. Rasch fiel die Th&uuml;r wieder hinter
+ihr ins Schlo&szlig;, und w&auml;hrend sie im Haus drin Stimmen
+zu h&ouml;ren glaubte, glitt sie &uuml;ber den kleinen freien
+Platz, der ihre Wohnung umgab, hinweg und in den<span class="pagenum"><a name="Page_336" id="Page_336">[S. 336]</a></span>
+Schatten eines dichten Mangustengeb&uuml;sches hinein,
+das, mit anderen Fruchtb&auml;umen wechselnd, bis zum
+Rand der Reisfelder lief. In dunkler Nacht brauchte
+sie hier keine Verfolgung mehr zu f&uuml;rchten &ndash; sie war
+gerettet.</p>
+
+<p>Gerettet? &ndash; Guter Gott &ndash; wie hatten noch
+gestern Abend diese B&auml;ume, unter denen sie jetzt
+stand und die ihrer Eltern Haus umgaben, diese Palmen
+und Pisang so traulich, so heimlich gerauscht,
+wie lieb war jedes Blatt ihr da gewesen, und jetzt!
+&ndash; Stand sie nicht so wenige Stunden sp&auml;ter wie eine
+Fremde in dem trauten Hain, und lag die Welt, nur
+wenige Schritte von dem Vaterhaus entfernt, nicht
+pl&ouml;tzlich so kalt und &ouml;de um sie her, als ob sie, inmitten
+all des Gl&uuml;ckes und Segens, das Gottes Hand
+dar&uuml;ber hingestreut, doch weiter nichts als eine Ausgesto&szlig;ene
+w&auml;re?</p>
+
+<p>Wohin jetzt? &ndash; Wie sie zuerst den Gedanken an
+Flucht erfa&szlig;te, war es der Tod, den sie suchen wollte,
+um sich von aller Noth, von allem Elend zu befreien.
+Jetzt aber, wo der Himmel wieder hell und klar mit
+all seinen tausend und tausend Sternen &uuml;ber ihr
+blitzte, wie sie wieder das Fl&uuml;stern der B&auml;ume, das
+Murmeln des Baches h&ouml;rte, da klammerte das jugendliche
+Leben sich auch wieder fest und innig an die Welt,<span class="pagenum"><a name="Page_337" id="Page_337">[S. 337]</a></span>
+und unwillk&uuml;rlich fast, ehe sie sich nur selber eines bestimmten
+Ziels bewu&szlig;t war, floh ihr Fu&szlig; jetzt von
+der Richtung fort, in der der rei&szlig;ende und tiefe Bergstrom
+lag. In der Flucht aber, mit der freien Bewegung
+ihrer Glieder den K&ouml;rper von der frischen
+Nachtluft gek&uuml;hlt, mit dem Bewu&szlig;tsein, jetzt zum
+erstenmal in ihrem Leben selbstst&auml;ndig, unabh&auml;ngig,
+ja sogar der Willk&uuml;r ihres Vaters entgegen zu handeln,
+kr&auml;ftigte sich auch der Muth des armen fl&uuml;chtigen
+Kindes. Ihr Auge blitzte k&uuml;hner und entschlossener,
+ihre kleine Hand ballte sich fast krampfhaft
+und die fest zusammengepre&szlig;ten Z&auml;hne, die keck und
+trotzig aufgeworfenen Lippen verriethen das zu seinem
+Selbstbewu&szlig;tsein erwachte Weib.</p>
+
+<p>Unschl&uuml;ssig hatte sie allerdings noch einen Augenblick
+gestanden, als sie das n&auml;chste Thal erreichte.
+Aber nicht mehr &uuml;ber das Ziel, dem sie zufliehen wollte,
+war sie in Ungewi&szlig;heit &ndash; <span class="gesperrt">das</span> sollte Batavia sein,
+so fern dasselbe auch lag, denn dort zwischen den Fremden,
+von denen sie schon soviel erz&auml;hlen geh&ouml;rt, durfte
+sie am leichtesten hoffen, unentdeckt zu bleiben.
+Arbeiten wollte sie ja, was ihre Kr&auml;fte nur vermochten,
+und von fr&uuml;h bis sp&auml;t; war sie das schwerste
+M&uuml;hen doch von Kindesbeinen auf gewohnt! &ndash; Dorthin
+reichte auch nicht der Arm Schang-hai's, und einmal<span class="pagenum"><a name="Page_338" id="Page_338">[S. 338]</a></span>
+nur aus dem Distrikt hinaus, indem der Schreckliche
+zu herrschen schien, glaubte sie nichts mehr von
+ihm f&uuml;rchten zu d&uuml;rfen.</p>
+
+<p>Aber sollte sie ihre Berge verlassen, ohne ein Wort
+des Abschieds von dem Geliebten? &ndash; Sollte er denn
+nicht einmal wissen, wohin sie den Fu&szlig; gewandt? &ndash;
+Schreiben, wie es die Wei&szlig;en und Chinesen thaten,
+konnte sie nicht, und wie h&auml;tte ihn je eine m&uuml;ndliche
+Botschaft erreicht, die nicht zugleich ihren neuen
+Aufenthalt zu verrathen drohte? Dort dr&uuml;ben, wo
+der dunkle Waldesschatten, vom Mond nur schwach
+beschienen, lag, oben am H&uuml;gelhang, mitten im wilden
+Dickicht, hauste er, und durfte sie dorthin, allein, bei
+Nacht den Fu&szlig; zu setzen wagen? &ndash; Jene Gegend war
+ihrer Tiger wegen gef&uuml;rchtet, und grade deshalb hatte
+sich Maono dort niedergelassen, um desto eifriger den
+Fang betreiben zu k&ouml;nnen und sein h&ouml;chstes Ziel, den
+Besitz seines treuen M&auml;dchens, zu erreichen. Wohl
+getraute sie sich den Pfad zu finden, der zu der einsamen
+H&uuml;tte f&uuml;hrte &ndash; denn mit der Mutter war sie
+vor noch gar nicht so langer Zeit einmal am Tage
+dort gewesen, um Arekan&uuml;sse zu holen. Wie aber
+durfte sie der Gefahr trotzen, von den lauernden Bestien
+&uuml;berrascht zu werden? Nachts und im Dunkel,
+ob der Mond am Himmel steht oder nicht, kommt der<span class="pagenum"><a name="Page_339" id="Page_339">[S. 339]</a></span>
+Tiger aus seinen Dickichten, in denen er den Tag &uuml;ber
+versteckt gelegen, hervor und schleicht ins Freie hinaus,
+seine Beute zu erlegen. Ein Rind, das er trifft, ein
+Pferd, ein St&uuml;ck Wild, es ist ihm alles willkommen,
+und gleich gierig st&uuml;rzt er &uuml;ber alles her. Die Bestien
+aber, welche schon einmal in fr&uuml;herer Zeit
+Menschenfleisch gekostet, und denen dasselbe wohl geschmeckt
+haben mochte, ziehen von da an diese Beute
+jeder andern vor. Das sind dann die gef&auml;hrlichsten
+Raubthiere, und dem Menschen mit ihrer furchtbaren
+Kraft, ihrer List und Blutgier vor allen anderen
+furchtbar. Der Javane nennt diese denn auch in
+ganz besonderer Auszeichnung &bdquo;die Menschenfresser.&ldquo;</p>
+
+<p>Laykas z&ouml;gerte, aber es war nur ein Augenblick.
+Wie klein schien ihr diese Gefahr gegen die andere,
+der sie sich erst gewaltsam durch die Flucht entzogen!
+Stieg nicht der Mond gerade in all seiner Pracht und
+Klarheit, fast gef&uuml;llt, am &ouml;stlichen Himmel empor?
+Der leuchtete ihrem Pfad &ndash; er und die Liebe sollten
+sie f&uuml;hren! Und hatte sie Maono von ihrem Plan in
+Kenntni&szlig; gesetzt, wu&szlig;te <span class="gesperrt">er</span>, und nur er allein, wohin
+sie sich gewandt, und weshalb sie den verzweifelten
+Schritt gethan, dann konnte sie auch mit fr&ouml;hlichem
+Muth, mit leichtem Herzen ihren weiten, m&uuml;hseligen
+Marsch durch fremde unbekannte Distrikte, zu fremden<span class="pagenum"><a name="Page_340" id="Page_340">[S. 340]</a></span>
+Menschen, in eine ihr fremde Welt antreten, und das
+arme h&uuml;lflose M&auml;dchen sah, trotz der Gefahren, die
+&uuml;berall ihre Bahn umlauerten, mit froher, ruhiger
+Zuversicht der ungewissen Zukunft entgegen.</p>
+
+<p>Wie sie freilich in dem fernen Batavia, wenn sie
+es erst gl&uuml;cklich erreicht, ihr Leben fristen sollte, war
+ihr jetzt selber noch nicht klar. Nur das f&uuml;hlte sie,
+da&szlig; sie arbeiten konnte und wollte, und aus ihrer Gegend
+selbst waren ja schon in fr&uuml;herer Zeit Einzelne
+dorthin ausgewandert, und mit Geld und guten kostbaren
+Kleidern zur&uuml;ckgekehrt &ndash; warum sollte es <span class="gesperrt">ihr</span>
+dort fehlen?</p>
+
+<p>R&uuml;stig schritt sie, nur dann und wann einen scheuen
+Blick zur&uuml;ckwerfend, ob sie nicht verfolgt w&uuml;rde, ihrem
+schmalen Pfade entlang, der sie, sobald sie das Fruchtdickicht
+ihrer eigenen Heimat verlassen, am H&uuml;gelhang
+hin, und zwischen einer Anzahl von Reisfeldern
+hindurchf&uuml;hrte. Es war ein beschwerlicher Weg, bei
+dem unsicheren Licht des kaum aufgegangenen Mondes
+die schmalen schl&uuml;pfrigen Raine zwischen den unter
+Wasser gesetzten Reisfeldern einzuhalten, aber sie
+kannte hier jeden Fu&szlig; breit Boden und wu&szlig;te, da&szlig; sie
+rascher vorw&auml;rts eilen konnte, sobald sie nur einmal
+die steinigen H&uuml;gelh&auml;nge, in denen ihr jetziges Ziel lag,
+erreicht hatte.<span class="pagenum"><a name="Page_341" id="Page_341">[S. 341]</a></span></p>
+
+<p>Hier begann freilich auch das Geb&uuml;sch, wilder
+Pisang, prachtvolle Farn- und einzelne Arekapalmen,
+mit einem dichten Unterholz anderer Laubb&auml;ume &ndash;
+hier begann f&uuml;r sie die Gefahr in den Hinterhalt
+eines der furchtbaren Raubthiere, und der blutgierigen
+Bestie in den Rachen zu laufen, und als sie den d&uuml;steren
+Waldesschatten erreichte, in den der Mond jetzt
+seine wunderlichen Lichter warf, blickte sie im Anfang
+scheu und rasch umher und hielt auch wohl den fl&uuml;chtigen
+Schritt pl&ouml;tzlich an, um irgend einem fremdartigen
+Ger&auml;usch, einem Rascheln im Busch besser
+zu lauschen, das ihr Herz schneller klopfen machte.
+Das aber waren immer nur Momente; ihre Flucht
+hielt es nicht auf, und eine Ravine kreuzend, erreichte
+sie jetzt wieder, kaum noch tausend Schritt von der
+H&uuml;tte entfernt, in der Maono seine Wohnung aufgeschlagen,
+einen offenen Strich Landes, durch den die
+breite, gut in Stand gehaltene Stra&szlig;e am Rand der
+Ravine hin lief. Diese Stra&szlig;e f&uuml;hrte von Tji-dasang
+aus zuerst nach dem gro&szlig;en Gut eines Chinesen, und
+stand weiter unten mit der Javanischen Hauptpoststra&szlig;e,
+die durch die ganze Insel l&auml;uft, in Verbindung.
+Diese Stra&szlig;e mu&szlig;te sie ebenfalls kreuzen, der Pfad
+aber, den sie kannte, und der durch die ihr gegen&uuml;berliegende
+Dickung f&uuml;hrte, lag etwas weiter oben, gerade<span class="pagenum"><a name="Page_342" id="Page_342">[S. 342]</a></span>
+an der Stelle, wo eine wohl drei&szlig;ig Fu&szlig; hohe Farnpalme
+ihren federnartigen Wipfel &uuml;ber dem Fuhrweg
+schaukelte. Gerade durch den Wald zu brechen w&auml;re
+ihr, selbst am hellen Tag nicht m&ouml;glich gewesen, so
+dicht in einander flocht diese gewaltige Vegetation ihre
+Zweige und Lianen, und rasch der Stra&szlig;e aufw&auml;rts
+folgend, sah sie schon von weitem den Schatten der
+Palme &uuml;ber die wei&szlig;e Stra&szlig;e hin&uuml;ber h&auml;ngen, als sie,
+dicht neben sich im Weg sich etwas regen sah.</p>
+
+<p>Mit einem halben, kaum unterdr&uuml;ckten Aufschrei
+flog sie zur&uuml;ck, und wie gel&auml;hmt erstarrten ihr in dem
+Moment, vor dem entsetzlichen, jede Willenskraft vernichtenden
+Schreck die Glieder, denn vor ihr stand,
+halb scheu unter seinen gro&szlig;en Hut zur&uuml;ckgedr&uuml;ckt,
+und doch auch wieder fast eben so &uuml;berrascht, wie sie
+selber, auf sie schauend, der furchtbare <a name="cortex5-2" href="#corr5-2" class="corr">Schang-hai</a>.
+Die kleine, breite, wie zum Sprung ineinandergepre&szlig;te
+Gestalt war nicht zu verkennen, und seine Augen schienen
+wie gl&uuml;hende Lichter nach ihr her&uuml;ber zu funkeln.</p>
+
+<p>&bdquo;Allah sch&uuml;tze mich!&ldquo; st&ouml;hnte die Jungfrau. Als
+ob aber mit den herausgesto&szlig;enen Worten der Zauber
+gebrochen w&auml;re, der sie bis dahin gefangen gehalten,
+so floh sie jetzt, einem aufgescheuchten Reh gleich, mit
+Blitzesschnelle der Farnpalme zu, und dort mit einem
+Sprung den weiten Graben &uuml;berfliegend, in den Wald<span class="pagenum"><a name="Page_343" id="Page_343">[S. 343]</a></span>
+hinein. Scheu drehte sie den Kopf zur&uuml;ck &ndash; sie h&ouml;rte
+Schritte hinter sich &ndash; das Laub raschelte, und kaum
+ihrer Sinne noch m&auml;chtig, verfolgte sie ihre Flucht in
+wilder Hast immer den Pfad entlang, bis sie sich endlich
+an der wohlbekannten Gruppe von Arekapalmen
+fand. Wieder glaubte sie ein dumpfes Ger&auml;usch hinter
+sich zu h&ouml;ren, aber durch die Palmen hin kannte
+sie einen n&auml;heren Pfad zur H&uuml;tte, und glitt wie eine
+Schlange in den dunklen Schatten des dichten Unterwuchses
+von Pisang- und Cacaob&uuml;schen hinein. Jetzt
+hatte sie das Bambushaus erreicht &ndash; die hohen Stufen
+flog sie hinan, pre&szlig;te den Dr&uuml;cker nieder, und als
+dieser dem Griff nachgab, und die Th&uuml;r sich in ihren
+Angeln drehte, brach sie, nicht mehr im Stande die
+furchtbare Aufregung der letzten Stunden zu ertragen,
+auf der Schwelle ohnm&auml;chtig zusammen.</p>
+
+
+<h4>4.</h4>
+
+<p>Mitten im wilden, dichten Wald auf Java, findet
+der Wanderer oder J&auml;ger, wenn er sich durch einen
+halbverwachsenen alten Pfad Bahn gehauen, manchmal
+weite Gruppen schlanker hochst&auml;mmiger Cocos-
+und Arekapalmen in der tiefsten Wildni&szlig; stehn. Sonst
+sind dies stets, besonders die letzteren, sichere Zeichen
+von der N&auml;he menschlicher Wohnungen, und noch<span class="pagenum"><a name="Page_344" id="Page_344">[S. 344]</a></span>
+mehr best&auml;tigen gew&ouml;hnlich schattige Fruchtdistrikte
+von Mangusten-, Romboutan-, Nangka- und Manga-B&auml;umen,
+und wie die wundervollen B&auml;ume alle hei&szlig;en,
+solche Vermuthung, und scheinen dem Fremden wie
+bittend die beladenen Zweige entgegenzustrecken, da&szlig;
+er sie nur in etwas von ihrem dr&uuml;ckenden Reichthum
+befreien m&ouml;ge. Und doch w&uuml;rde in den meisten F&auml;llen
+der mit dem Land Unbekannte kaum ein Merkmal
+finden, da&szlig; solche Stelle je bewohnt gewesen und noch
+andere Gesch&ouml;pfe als Tiger und Rhinoceros hier dem
+weichen Boden ihre F&auml;hrten eingedr&uuml;ckt.</p>
+
+<p>Und dennoch standen dort fr&uuml;her die leichten
+H&uuml;tten der Eingeborenen, deren Spur jetzt freilich
+der Zahn der Zeit vom Boden vertilgt, und ihre letzten
+&Uuml;berreste unter der verwesenden dichten Laubdecke
+dieser &uuml;ppigen Vegetation begraben hat. Nur
+die Natur selber blieb ewig jung, und h&ouml;her und kr&auml;ftiger
+noch hoben die Palmen ihre wehenden Kronen
+empor, und schauten stolz und k&uuml;hn aus dem dichten
+Laubmeer hervor, das sie ringsum &uuml;berragten.</p>
+
+<p>Unter diesen Palmen und dem wilden Gewirr von
+Pisang, Farren, Lianen und andern Fruchtb&uuml;schen hat
+in fr&uuml;herer Zeit einmal ein urbargemachtes Feld gelegen
+und des Menschen flei&szlig;ige Hand dem Boden
+Nahrung f&uuml;r sich abgezwungen. Kaum aber wurden<span class="pagenum"><a name="Page_345" id="Page_345">[S. 345]</a></span>
+die Menschen wieder abgezogen, so forderte der Wald
+sein Eigenthum mit herrischer Gewalt zur&uuml;ck, streute
+seinen Saamen dar&uuml;ber hin, und trieb die alten, bis
+dahin nur mit Noth und M&uuml;he zur&uuml;ckgehaltenen
+Wurzeln auf's neue in kr&auml;ftigen Sch&ouml;&szlig;lingen empor.
+Was dabei die Vegetation allein zu leisten vermag,
+beweisen schon die Pisang oder Bananenst&auml;mme; denn
+in sechs Monaten treiben diese einen Stamm von
+Beinesdicke, um im n&auml;chsten Jahr den Boden damit
+zu d&uuml;ngen, und f&uuml;nf oder sechs &auml;hnlichen Sch&ouml;&szlig;lingen
+Saft und Nahrung zu geben.</p>
+
+<p>Solche &bdquo;todte Kampongs&ldquo; sind fast immer, und
+mit nur wenigen Ausnahmen, in fr&uuml;herer Zeit der
+&uuml;berhand nehmenden Tiger wegen von ihren Bewohnern
+ger&auml;umt worden, die lieber ihre Fruchtb&auml;ume
+und das m&uuml;hsam bestellte Feld im Stich lie&szlig;en, um
+nur der gef&auml;hrlichen Gesellschaft zu entgehen. Weiter
+dem bebauten Lande zogen sie dann zu, und wenn sie
+da auch ihre Arbeit von vorn beginnen, und das
+Wachsen neu gepflanzter Palmen und Fruchtb&auml;ume
+erwarten mu&szlig;ten, waren doch ihre Familien auch mehr
+gesichert, und Frau und Kinder brauchten nicht mehr,
+selbst in der Th&uuml;r der H&uuml;tte, wie das im Walde oft
+der Fall gewesen, den Angriff des gierigen R&auml;ubers
+zu f&uuml;rchten. Von den verlassenen Pl&auml;tzen aber nahm<span class="pagenum"><a name="Page_346" id="Page_346">[S. 346]</a></span>
+der F&uuml;rst der Javanischen Waldung, der K&ouml;nigstiger,
+Besitz, und in der neu und dicht aufschie&szlig;enden Wildni&szlig;
+konnte er seine Tage sicher und ungest&ouml;rt vertr&auml;umen,
+um dann erst Abends mit der D&auml;mmerung seiner
+Beute nachzugehn.</p>
+
+<p>Auch diese Stelle, durch die der Fu&szlig; der armen
+ge&auml;ngstigten Maid geflohen, war ein solcher &bdquo;todter
+Kampong,&ldquo; und die Tiger hatten sich in der Nachbarschaft
+so vermehrt, da&szlig; sie sogar von dort aus die dicht
+besiedelten Nachbard&ouml;rfer aufsuchten und Schrecken
+und Entsetzen unter den Bewohnern verbreiteten.
+Nicht allein sah sich die holl&auml;ndische Regierung dadurch
+gen&ouml;thigt, in der letzten Zeit einen erh&ouml;hten
+Preis auf die Einbringung oder T&ouml;dtung dieser gef&auml;hrlichen
+Raubthiere zu setzen, sondern die Eingeborenen
+selber waren zusammengetreten und sicherten
+noch besonders dem gl&uuml;cklichen Erleger eines Tigers
+reiche Belohnung zu. Konnten sie doch nur auf solche
+Art hoffen, von ihnen befreit zu werden, und ihre
+grimmen Reih'n gelichtet zu sehn.</p>
+
+<p>Bei den Eingeborenen ging aber dabei nicht allein
+das Ger&uuml;cht, sondern war in ihrem angsterf&uuml;llten
+Hirn, von abergl&auml;ubischer Furcht gestachelt, zur festen
+&Uuml;berzeugung herangewachsen, da&szlig; zwischen ihnen ein
+<span class="gesperrt">Menschentiger</span> sein entsetzlich Wesen treibe. Zu<span class="pagenum"><a name="Page_347" id="Page_347">[S. 347]</a></span>
+viele Menschen, und zwar lauter Javanen, waren gerade
+in den letzten Monaten im Wald und selbst bei
+ihrer Arbeit auf den dicht am Wald liegenden Feldern
+zerrissen worden, von denen man viele unversehrt, nur
+mit zerrissener Kehle wieder aufgefunden. Unter ihnen
+hatte jedenfalls ein solches Ungeheuer gew&uuml;thet, und
+der Preis, den die Eingeborenen unter sich auf den
+Fang desselben gesetzt, w&auml;re hoch genug gewesen, den
+gl&uuml;cklichen J&auml;ger zum reichsten Mann des Kampongs
+zu machen, &ndash; nur da&szlig; sich der &bdquo;Menschentiger&ldquo; eben
+nicht fangen <span class="gesperrt">lie&szlig;</span>.</p>
+
+<p>Diese hohen ausgesetzten Preise waren denn auch
+die Ursache gewesen, da&szlig; sich Maono, ein junger kr&auml;ftiger
+Sundanese &ndash; wie die Bewohner der &ouml;stlichen
+Gebirgsh&auml;lfte von Java im Gegensatz zu den westlichen,
+den Javanen, eigentlich hei&szlig;en &ndash; dem gef&auml;hrlichsten
+Handwerk, das seine Berge kennen, dem Tigerfang
+ausschlie&szlig;lich zugewandt. Er hatte es aber
+nicht aus Gierde nach Sch&auml;tzen gethan, denn der
+wackere Bursch bedurfte deren f&uuml;r sich selber nicht;
+sondern nur um sein M&auml;dchen, seine Laykas, dem
+dr&auml;ngenden Vater abzukaufen, und f&uuml;r sich selber
+dann, an ihrer Seite, ein neues stilles Leben zu beginnen,
+w&auml;hlte er sein gef&auml;hrliches Gesch&auml;ft, durch
+das allein er hoffen durfte, in kurzer Zeit ein kleines<span class="pagenum"><a name="Page_348" id="Page_348">[S. 348]</a></span>
+Capital zur&uuml;ckzulegen &ndash; wenn ihn nicht die Tiger
+selbst zerrissen. Ohne Laykas aber konnte er sich das
+Leben doch nicht denken, und was galt ihm jetzt die
+Gefahr, der er sich hier jede Stunde aussetzte, wenn
+er damit die Hoffnung gewann, ihren Besitz zu erkaufen!
+Dieser Platz schien ihm dabei vor allen andern
+passend, sein Vorhaben auszuf&uuml;hren, und in dem
+Dickicht selber, in dem er sich mit seinem Klevang
+einen kleinen Raum freigeschlagen, errichtete er aus
+Bambusst&auml;ben seine feste H&uuml;tte, deckte sie mit den
+Fasern der Arekapalme und Bambuslaub zu festen
+Matten geflochten, und stellte Fallen, legte Gruben
+an und fing in rascher Reihenfolge f&uuml;nf starke Tiger,
+die er allein mit seiner Lanze in der Grube t&ouml;dtete.</p>
+
+<p>Maono war an dem Abend erst mit der D&auml;mmerung
+nach Hause gekommen. Vor einigen Tagen fast
+selber von einem riesigen Tiger &uuml;berrascht, dessen
+Wechsel er in dem Pfad, nahe bei seiner H&uuml;tte gesp&uuml;rt,
+hatte er kurz vor Dunkelwerden eine neue Grube
+beendet und mit der Lockspeise belegt, und sich jetzt,
+m&uuml;de und ersch&ouml;pft vom schweren Graben und Balkenschleppen,
+auf sein Lager geworfen. Aber sein Schlaf,
+fortw&auml;hrend von Gefahr umgeben, war nur leicht,
+und wie der Griff seiner Th&uuml;re niederklappte, diese
+sich &ouml;ffnete und eine dunkle Gestalt auf seiner<span class="pagenum"><a name="Page_349" id="Page_349">[S. 349]</a></span>
+Schwelle zusammenbrach, griff er die Lanze auf, die
+immer dicht neben ihm an seinem Lager lehnte, und
+fuhr, sprungfertig wie der Tiger selber, empor, dessen
+Angriff er fast f&uuml;rchtete.</p>
+
+<p>Aber Alles blieb ruhig &ndash; drau&szlig;en rauschte der
+Wald, die Fr&ouml;sche quackten in dem nahen Sumpf,
+und laut und donnernd schlug pl&ouml;tzlich ein wild dr&ouml;hnendes
+Gebr&uuml;ll an sein Ohr.</p>
+
+<p>&bdquo;Ha?&ldquo; lachte der junge kecke J&auml;ger vor sich hin,
+&bdquo;hast du das Weite wieder gesucht, mein Bursche,
+wie du das Lager des Feinds gewittert? &ndash; Aber
+nein &ndash; das konnte der Tiger nicht sein, denn der steckt
+noch dort im Alang Alang<a name="FNanchor_40_40" id="FNanchor_40_40"></a><a href="#Footnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> drau&szlig;en, und folgt vielleicht
+jetzt gerade meiner ihm gelegten Witterung.
+Aber die Th&uuml;r &ouml;ffnete sich doch, und ich d&auml;chte, ich
+h&auml;tte vorhin einen dunklen Schatten dort gesehen.&ldquo;
+Vorsichtig, mit vorgehaltener, zur Vertheidigung oder
+zum Angriff bereiter Lanze n&auml;herte er sich langsam
+der Th&uuml;r; der Mondenschein fiel hell und voll darauf,
+und bald erkannte sein scharfes Auge eine da kauernde
+menschliche Gestalt.</p>
+
+<p>&bdquo;Der Menschentiger!&ldquo; knirschte er zwischen den<span class="pagenum"><a name="Page_350" id="Page_350">[S. 350]</a></span>
+Z&auml;hnen durch, und die krampfhaft gepackte Lanze
+dr&auml;ngte sich fast unwillk&uuml;rlich zur&uuml;ck, zum Todessto&szlig;
+ausholend. &ndash; Aber das sah nicht wie ein Angriff
+aus; die Arme fortgestreckt vom K&ouml;rper lag die dunkle
+Gestalt still und regungslos zu seinen F&uuml;&szlig;en &ndash; in
+seiner Gewalt. So h&auml;tte sich ihm das Ungeheuer,
+das er mehr f&uuml;rchtete als alle Tiger der Welt, im
+Leben nicht preis gegeben. Das war ein Mensch.
+Und als er endlich, noch immer scheu und vorsichtig
+und sprungbereit dem fremden Wesen n&auml;her trat, und
+sich langsam und scheu niederbog, um es mit der Hand
+zu ber&uuml;hren, da f&uuml;hlte er unter den Fingern das
+weiche warme zarte Fleisch und wu&szlig;te jetzt, da&szlig; es
+ein jedenfalls im Wald verirrtes Weib sein mu&szlig;te,
+das vor den Tigern fl&uuml;chtend, hier bei ihm Schutz gesucht.</p>
+
+<p>Er stellte die Lanze neben die Th&uuml;r, und beugte
+sich nieder, die Arme aufzuheben und in die H&uuml;tte zu
+tragen, als der bewu&szlig;tlose K&ouml;rper wieder Leben gewann.
+Die erste Bewegung aber war der scheu nach
+r&uuml;ckw&auml;rts gedrehte Kopf, ob der Entsetzliche ihr folge
+und &ndash; &bdquo;Laykas!&ldquo; schrie Maono, und schlang staunend
+und erschreckt den Arm um die Geliebte.</p>
+
+<p>&bdquo;Sch&uuml;tze mich, Maono!&ldquo; war aber alles, was
+Laykas im Anfang &uuml;ber die bleichen Lippen bringen<span class="pagenum"><a name="Page_351" id="Page_351">[S. 351]</a></span>
+konnte, und zugleich dr&auml;ngte sie sich jetzt scheu von der
+Th&uuml;r hinweg.</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;rchte dich nicht, mein Herz,&ldquo; sagte Maono
+freundlich ihre Angst beschwichtigend. &bdquo;Wenn ich auch
+nicht begreife, wie du in Nacht und Dunkel den Weg
+&ndash; Allah sch&uuml;tze mich!&ldquo; rief er pl&ouml;tzlich, in Todesschreck
+emporfahrend &ndash; &bdquo;wie bist du denn zu dieser
+H&uuml;tte gekommen? Den Pfad entlang?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Den Pfad entlang, bis zum Pinangdickicht, und
+dann in wilder Flucht durch die St&auml;mme und Dornen
+durch, die mir die Haut zerfleischten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dich hat dein guter Geist beschirmt,&ldquo; sprach
+Maono, liebkosend ihr die Haare aus der feuchten
+Stirn streichend. &bdquo;Aber um deiner Liebe willen,
+Laykas, was f&uuml;hrt dich in der Nacht in dieses Dickicht,
+das selbst die M&auml;nner deines Kampongs nur am hellen
+Tag in Trupps betreten? Wenn du nun in die Klauen
+einer der gierigen Bestien gefallen w&auml;rst? Wie elend
+w&auml;re ich gewesen, ob ich auch deinen Tod blutig an
+ihnen ger&auml;cht! Oder droht dir Gefahr von anderer
+Seite, als den wilden Thieren dieser Waldung?&ldquo;</p>
+
+<p>Das M&auml;dchen hatte sprechen, hatte dem Geliebten
+die Vorg&auml;nge des letzten Abends erz&auml;hlen, und dann
+ruhig von ihm Abschied nehmen wollen, um ins weite
+ferne Land hinaus zu ziehn. Das Schreckbild aber,<span class="pagenum"><a name="Page_352" id="Page_352">[S. 352]</a></span>
+das in der letzten Stunde wie aus dem Boden herausgewachsen,
+vom Mondlicht bleich beschienen, vor ihrem
+entsetzten Blicke aufgetaucht war, hatte ihre Sinne
+und Gedanken so bet&auml;ubt, verwirrt, da&szlig; nur das eine
+Wort Raum in ihnen fand. &ndash; &bdquo;Schang-hai!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ha! &ndash; was mit dem?&ldquo; fuhr Maono auf,
+&bdquo;dr&auml;ngte der alte S&uuml;nder deinen Vater zum &Auml;u&szlig;ersten?
+Den Tod &uuml;ber ihn! Aber nicht lange mehr, so
+hat Maono Geld und wird &ndash;.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dort &ndash; dort &ndash; hinter mir!&ldquo; st&ouml;hnte Laykas
+und deutete mit zitterndem Arm durch die noch offene
+Th&uuml;r hinaus ins Freie, &bdquo;er folgt mir &ndash; sch&uuml;tze mich!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wer? &ndash; Schang-hai?&ldquo; rief Maono mit weit
+ge&ouml;ffneten stieren Augen, indem ein furchtbarer Verdacht
+vor seiner mit all den Schreckbildern blinden
+Aberglaubens gef&uuml;llten Seele emporstieg. &bdquo;Schang-hai
+&ndash; jetzt im Wald? &ndash; Auf deiner F&auml;hrte?&ldquo; Und
+rasch und unwillk&uuml;rlich suchte die Hand die fort gestellte
+Waffe.</p>
+
+<p>Nur mit unendlicher M&uuml;he bezwang sich das
+arme, zum Tod ersch&ouml;pfte M&auml;dchen endlich soweit,
+dem J&uuml;ngling zuerst die Vorg&auml;nge der letzten Viertelstunde,
+die pl&ouml;tzliche Erscheinung des Chinesen und
+ihre wilde Flucht zu erz&auml;hlen, denn in des Geliebten
+N&auml;he f&uuml;hlte sie sich wenigstens vor augenblicklicher<span class="pagenum"><a name="Page_353" id="Page_353">[S. 353]</a></span>
+Verfolgung sicher. Dann aber, wie sie sich mehr und
+mehr erhohlte, und Maono jetzt die Th&uuml;re schlo&szlig;, auf
+dem kleinen Herd ein prasselndes Feuer von d&uuml;rren
+Bambusst&auml;ben entz&uuml;ndete, das Licht und W&auml;rme verbreitete,
+und dann seine Matte zur Flamme zog, da&szlig;
+sie ihnen als Sitz diene, da ging sie auch auf die Vorg&auml;nge
+des letzten Abends zur&uuml;ck, sagte, was ihr mit
+der heutigen Sonne gedroht und sie zur Flucht getrieben,
+und bat den Geliebten jetzt mit leiser &auml;ngstlicher
+Stimme sie am n&auml;chsten Morgen nur wenigstens
+bis durch den Wald zu geleiten, damit sie nicht
+etwa nach ihr ausgeschickten Verfolgern in die H&auml;nde
+fiele, und vor allem &ndash; dem furchtbaren Schang-hai
+nicht wieder begegnete.</p>
+
+<p>Maono hatte mit keinem Laut, keinem Wort ihre
+ganze leidenschaftliche Erz&auml;hlung unterbrochen &ndash; nur
+seine Augen funkelten, seine Glieder zitterten, und
+wie unwillk&uuml;rlich suchte oft die Rechte, w&auml;hrend er
+mit der Linken die an ihm lehnende Geliebte umfa&szlig;t
+hielt, den im G&uuml;rtel steckenden Khris. Laykas f&uuml;r
+ihn verloren, einem Ungeheuer verkauft oder in die
+Fremde hinausgesto&szlig;en &ndash; es blieb sich fast gleich,
+und keine H&uuml;lfe &ndash; keine Rettung aus dieser furchtbaren
+Noth! Blieb Laykas hier, so wu&szlig;te er recht
+gut, da&szlig; schon am n&auml;chsten Morgen, noch dazu, da<span class="pagenum"><a name="Page_354" id="Page_354">[S. 354]</a></span>
+Schang-hai die Richtung ihrer Flucht wissen mu&szlig;te,
+Boten nach ihr ausgesendet w&uuml;rden, um sie zur&uuml;ckzufordern;
+und setzte die Ungl&uuml;ckliche auch ihre Flucht
+fort, was half es ihr &ndash; allein da drau&szlig;en im Wald
+&ndash; allein in der Welt? &ndash;.</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Allein?</span>&ldquo; rief er da pl&ouml;tzlich, und richtete sich
+rasch und hoch empor, &bdquo;nein Laykas, nicht allein la&szlig;
+ich dich mehr hinaus in die fremde Welt, nicht allein
+selbst durch diese gef&auml;hrdeten Waldungen mehr. <span class="gesperrt">Ich</span>
+fliehe mit dir &ndash; die Berge kenn' ich alle, von den
+Reisfeldern, die an ihrem Fu&szlig;e liegen, bis zu den
+nackten Lavagipfeln ihrer gl&uuml;henden Krater, und nicht
+nach Batavia gehen wir dann, zu den fremden Wei&szlig;en
+und ihren verdorbenen Sitten, wo dein Vater auch
+unsere Spur wieder auffinden und uns zur&uuml;ckfordern
+k&ouml;nnte in das alte Leid. Gerade Nord hinauf ziehen
+wir; in Indramaju lebt mir ein Bruder, und von
+dort f&uuml;hr' ich dich in dessen Prau hinauf nach den
+&bdquo;tausend Inseln.&ldquo; Dorthin wagen sie nicht uns &ndash;.&ldquo;
+Er hielt pl&ouml;tzlich inne, denn gar nicht weit von der
+H&uuml;tte entfernt t&ouml;nte so dr&ouml;hnend, da&szlig; das Laub auf
+dem Dach zu zittern schien, das tiefe furchtbare Gebr&uuml;ll
+eines Tigers her&uuml;ber, dem sich ein wilder, gellender
+Schrei, wie fast aus gequ&auml;lter Menschenbrust
+kommend, beimischte.<span class="pagenum"><a name="Page_355" id="Page_355">[S. 355]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Der ist in der Grube!&ldquo; jubelte Maono, in seiner
+Jagdlust fast die augenblickliche Gefahr der Geliebten
+vergessend, und mit dem rasch aufgegriffenen Speer
+sprang er der Th&uuml;r der H&uuml;tte zu.</p>
+
+<p>&bdquo;Maono!&ldquo; bat aber Laykas, &auml;ngstlich seinen Arm
+ergreifend, &bdquo;gehe nicht fort von mir. La&szlig; mich nicht
+hier allein, ich w&uuml;rde vor Angst vergehen. Und wenn
+nun Schang-hai wirklich meinen Schritten gefolgt
+w&auml;re.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;W&auml;re er's nur!&ldquo; zischte Maono, den Speer fester
+packend, zwischen den Z&auml;hnen durch. &bdquo;Aber horch,
+Laykas &ndash; h&ouml;rtest du nicht jetzt &ndash;?&ldquo; &ndash; Er hatte die
+Th&uuml;r aufgesto&szlig;en und horchte, halb unschl&uuml;ssig, ob er
+gehen oder bleiben solle, in die Nacht hinaus.</p>
+
+<p>&bdquo;Ich h&ouml;re nichts als das Rascheln des Windes im
+Wipfel der B&auml;ume,&ldquo; fl&uuml;sterte die Jungfrau; &bdquo;es ist
+so furchtbar todt und still da drau&szlig;en!&ldquo;</p>
+
+
+<h4>5.</h4>
+
+<p>Maono stand noch lange und lauschte in den
+Wald hinein. Es dr&auml;ngte ihn hinaus, um nachzusehen,
+ob er den grimmen Feind gefangen, und doch
+konnte er die Maid hier nicht allein zur&uuml;cklassen. So
+verging die Nacht. Mehr aber befestigte sich auch
+dabei in ihm der einmal gefa&szlig;te Entschlu&szlig;, die Geliebte<span class="pagenum"><a name="Page_356" id="Page_356">[S. 356]</a></span>
+nicht allein ziehen zu lassen, sondern mit ihr den
+fernen, nicht unter Holl&auml;ndischer Botm&auml;&szlig;igkeit stehenden
+Inseln zuzufliehen.</p>
+
+<p>&bdquo;Und nun komm mein Lieb!&ldquo; sagte der junge
+J&auml;ger, als das erste d&auml;mmernde Licht im Osten sichtbar
+wurde und rasch wachsend seinen grauen Silberschein
+in die d&uuml;steren Waldesschatten warf. Er band
+sich dabei sein Kopftuch fester um die langen schwarzen
+Haare, steckte seine Waffen in den Sarang, band
+etwas Reis in ein Tuch, das sich das M&auml;dchen um
+die Schulter kn&uuml;pfte, und mit den unter den Fu&szlig; geschn&uuml;rten
+Sandalen trat er hinaus vor seine Th&uuml;r,
+Laykas an der Hand. Erst freilich wollte er noch
+seine Gruben untersuchen, wenn er die gemachte
+Beute auch einem Andern &uuml;berlassen mu&szlig;te, und rasch
+schritt er jetzt den schmalen Pfad voran, der Stelle zu,
+von wo, wie er glaubte, das letzte w&uuml;thende Gebr&uuml;ll
+her&uuml;ber geschallt.</p>
+
+<p>Es war dies eben die letzte Grube, die er gegraben,
+und schon von weitem, so viel es ihm das matte Licht
+des jungen Morgens zu sehen gestattete, erkannte er
+die eingebrochenen Zweige der Decke, das sichere Zeichen
+einer gefangenen Beute.</p>
+
+<p>&bdquo;Ich hab' ihn!&ldquo; fl&uuml;sterte er halb zur&uuml;ckgewandt,
+mit blitzenden Augen seinem M&auml;dchen zu &bdquo;ich hab'<span class="pagenum"><a name="Page_357" id="Page_357">[S. 357]</a></span>
+ihn! &ndash; Da drinn wird er kauern scheu und t&uuml;ckisch
+und lauernd, die glutrothen Augen in Furcht und
+Ha&szlig; zu mir aufgedreht, wenn ich die Decke hebe.
+Warte, Gesell, das soll meine letzte Arbeit hier im
+Lande sein, dir den Speer noch in den Leib zu werfen
+&ndash; dann mag er verbluten da unten, und die Geier
+sich sein Fleisch zu Neste tragen.&ldquo;</p>
+
+<p>Er bog sich nieder, den Hauptzweig der Decke von
+der Grube zur&uuml;ckzuwerfen, als Laykas sch&uuml;chtern
+fragte:</p>
+
+<p>&bdquo;Und wird er nicht herausspringen k&ouml;nnen, wenn
+du die Decke wegnimmst?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nicht von dort,&ldquo; lachte nun der junge Mann,
+&bdquo;die Grube ist tief, und der Boden durch eingetriebene
+St&auml;be in der Mitte der Art bedeckt, da&szlig; seine Hintertatzen
+nicht einmal einen festen Anhalt fassen k&ouml;nnen
+&ndash; siehst du dort?&ldquo; &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;H&uuml;lfe!&ldquo; t&ouml;nte in demselben Augenblick eine
+Menschenstimme kl&auml;glich zu ihm herauf, &bdquo;rettet
+mich!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein Menschentiger!&ldquo; schrie der Sundanese in
+jubelnder Luft emporspringend, &bdquo;ich hab' ihn, ich hab'
+ihn! &ndash; Nun Laykas, gehn wir nicht fort, nun braucht
+Maono nicht zu fliehn, und wenn ich deinem Vater mit
+vollen H&auml;nden Geld in's Haus geschleppt, dann mag<span class="pagenum"><a name="Page_358" id="Page_358">[S. 358]</a></span>
+der alte t&uuml;ckische Chinese nur heimziehen nach seinem
+Zopf- und Opiumland.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber Maono,&ldquo; bat Laykas in Todesangst, &bdquo;da
+unten in der Grube liegt ein Mensch.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein Mensch? &ndash; Ein Tiger ist's; ich hab' ihn
+selbst gesehn, seine funkelnden Augen, seine streifige
+Haut, seine fletschenden Z&auml;hne! &ndash; Er hat die Wurzel
+nicht, da&szlig; er sich wieder verwandeln kann. Da &ndash;
+sieh dort!&ldquo; rief er, w&auml;hrend er die &uuml;bergelegten Zweige
+mit der Hand bei Seite ri&szlig;, &bdquo;siehst du die lauernde,
+kauernde Gestalt? &ndash; Siehst du, wie er sich sprungfertig
+hinein in die Ecke, und doch das breite boshafte
+Gesicht scheu zu Boden dr&uuml;ckt, weil er sich sch&auml;mt im
+Sonnenscheine ertappt zu sein?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;H&uuml;lfe!&ldquo; t&ouml;nte da wieder leise und &auml;ngstlich, da&szlig;
+sie geh&ouml;rt w&uuml;rde, dicht <span class="gesperrt">unter</span> ihnen eine Menschenstimme,
+und wie Maono, jetzt selber erschreckt, die ihm
+n&auml;chsten Zweige bei Seite ri&szlig;, erkannte er in immer
+steigendem Erstaunen erst eine menschliche Gestalt,
+fest und &auml;ngstlich in eine Ecke gedr&uuml;ckt, die chinesische
+Tracht derselben, und jetzt, als sich das Antlitz des da
+unten in so furchtbarer Nachbarschaft kauernden
+langsam zu ihm aufdrehte, die scheuen, widerw&auml;rtigen
+Z&uuml;ge seines Nebenbuhlers.</p>
+
+<p>&bdquo;Schang-hai!&ldquo; jauchzte aber der junge Sundanese,<span class="pagenum"><a name="Page_359" id="Page_359">[S. 359]</a></span>
+als er seinen Verdacht in solcher Weise gerechtfertigt
+und bewiesen sah, ohne daran zu denken, dem
+also Gefangenen H&uuml;lfe zu leisten. &bdquo;Hab' ich also
+recht gehabt? &ndash; Bist du mir auf die Lockspeise gesprungen
+und hast die Grube drunter nicht gemerkt?
+&ndash; Deine Wurzel hilft dir jetzt nichts mehr, ob du da
+unten auch noch so kl&auml;glich thust! Hat doch der ganze
+Kampong schon die langen Jahre Verdacht auf dich
+gehabt, und endlich, endlich halt' ich dich!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Schang-hai!&ldquo; st&ouml;hnte auch Laykas und barg,
+zusammenschaudernd vor dem furchtbaren Gedanken,
+da&szlig; sie dem Entsetzlichen hatte sollen zu eigen sein,
+ihr Antlitz in den H&auml;nden. Zu sehr theilte sie &uuml;brigens
+den Aberglauben ihres Volkes, um nicht aus
+vollem Herzen alles zu glauben, was an dunklen Ger&uuml;chten
+ihren Stamm durchlief. Und h&auml;tte der Mensch
+da unten in der Grube auch neben dem Tiger aushalten
+k&ouml;nnen, w&auml;re er nicht seines Gleichen gewesen?
+&ndash; Nimmermehr! Das Raubthier w&uuml;rde ihn hundertmal
+zerrissen haben.</p>
+
+<p>Wunderbar war es jetzt zu sehn, wie sich der Tiger
+in der Ecke der Grube vor dem hellen Sonnenstrahl,
+wie dem Laut der Menschenstimme immer mehr
+und mehr zusammendr&uuml;ckte, und w&auml;hrend Maono in
+jubelnder Lust oben stand, den Triumph so gl&uuml;cklichen<span class="pagenum"><a name="Page_360" id="Page_360">[S. 360]</a></span>
+Fanges feiernd, erhob jetzt der ungl&uuml;ckliche Chinese
+drunten mehr und mehr die Stimme und bat den Eingeborenen,
+ihn doch nur um Allahs Willen, wenn er
+<span class="gesperrt">seine</span> G&ouml;tter nicht anerkenne, aus seiner furchtbaren
+drohenden Lage zu befreien. Er versprach, ihn dabei
+zum reichen angesehenen Mann zu machen &ndash; versprach
+auf Laykas, deren Stimme er ebenfalls erkannt,
+zu verzichten &ndash; er h&auml;tte seine eigene Seligkeit
+verpf&auml;ndet, wenn man es von ihm in diesem
+Augenblick verlangt, um nur von der entsetzlichen
+Todesgefahr befreit zu sein, nur seine Spanne Leben
+zu retten.</p>
+
+<p>Eine ebenso gro&szlig;e Gefahr drohte ihm aber in diesem
+Augenblick gerade von daher, von wo er Rettung
+erhoffte. Maono n&auml;mlich, in der festen &Uuml;berzeugung,
+da&szlig; der gefangene Chinese wirklich ein <span class="gesperrt">Menschentiger</span>
+sei, der nur, als er sich ertappt sah, seine
+menschliche Gestalt wieder angenommen, beschlo&szlig;
+ohne Weiteres, die Gegend von diesem Ungeheuer zu
+befreien. W&auml;hrend der Chinese deshalb unten bat
+und flehte, befestigte Maono oben ganz ruhig und
+unbefangen die lange feste Leine am oberen Theil seiner
+Lanze, um diese nach dem Wurf wieder zur&uuml;ckziehen
+zu k&ouml;nnen, und trat dann an den Rand der
+Grube, die Waffe zum Todeswurf erhoben.<span class="pagenum"><a name="Page_361" id="Page_361">[S. 361]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Vorbereitung zum Tode,&ldquo; sagte er dabei ruhig,
+&bdquo;brauchst du drunten wohl nicht, denn wer in Nacht
+und Finsterni&szlig; in <span class="gesperrt">solcher</span> Verwandlung umherschleicht,
+wei&szlig; genau, was ihm bevorsteht, wenn man
+ihn endlich einmal ertappt. So nimm denn &ndash;&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Halt ein &ndash; halt ein!&ldquo; schrie aber der Ungl&uuml;ckliche,
+der die drohende Bewegung bemerkt, in Todesangst.
+&bdquo;Ich schenke dir H&uuml;tte und Felder von Laykas'
+Vater, mit all den Thieren, die ihm zugeh&ouml;ren. Ich
+schenke dir sechs meiner besten B&uuml;ffel und die zwei
+gro&szlig;en Reisfelder, die hinter deinem neuen Hause
+liegen. &ndash; Ich schenke dir vier S&auml;cke Deute au&szlig;erdem
+und all die Arenpalmen, die auf dem Grundst&uuml;ck
+stehen, und du magst Laykas zur Frau nehmen, &ndash;
+aber wirf den Speer weg, um meines Lebens willen
+&ndash; wirf den Speer fort und reich' mir die Schnur
+herunter! Der Tiger dort in der Ecke wirft immer
+gierigere Blicke auf mich &ndash; ich bin verloren, wenn du
+mich nicht rettest.&ldquo;</p>
+
+<p>Maono warf <span class="gesperrt">nicht</span>; diese ungeheuern Versprechungen,
+die ihm der Gefangene machte, brachten
+seinen Entschlu&szlig;, ihn zu t&ouml;dten und seinen Fangpreis
+daf&uuml;r einzuziehen, doch zum Wanken. Er war damit
+reicher als er es je gehofft, und in der Gewalt behielt
+er den Chinesen ja noch immer.<span class="pagenum"><a name="Page_362" id="Page_362">[S. 362]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Und wirst du halten, was du da gelobt?&ldquo; fragte
+er z&ouml;gernd.</p>
+
+<p>&bdquo;Rette mich, und ich gebe dir mehr, als ich dir
+versprochen,&ldquo; winselte der Ungl&uuml;ckliche.</p>
+
+<p>&bdquo;Du willst ihn nicht t&ouml;dten?&ldquo; fragte Laykas erstaunt,
+&bdquo;wenn du ihn aufziehst, wird er seine Tigergestalt
+wieder annehmen und uns Beide vernichten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dagegen giebt es ein Mittel,&ldquo; lachte der junge
+Sundanese, indem er jetzt, von einem neuen Plan ergriffen
+und rasch entschlossen, die starke Schnur von
+der Lanze warf, w&auml;hrend er dem M&auml;dchen die Waffe
+reichte. &bdquo;Da, Laykas,&ldquo; sprach er dabei, &bdquo;nimm du den
+Speer und fass' ihn fest, indessen ich den Burschen in
+die H&ouml;he ziehe. Bleibt er, was er ist, so werd' ich
+schon allein mit ihm fertig, denkt er aber zu seiner
+alten List zu greifen, so bald er sich im Freien wei&szlig;,
+siehst du das geringste Zeichen der gelben Streifen an
+den Seiten, der vorgestreckten Tatzen &ndash; dann st&ouml;&szlig;t
+du ihm die Lanze bis ans Heft ins Herz, und mit meinem
+Khris schick' ich ihn rasch wieder in die Grube
+zur&uuml;ck. Und jetzt fass' an da unten!&ldquo; rief er, ohne sich
+weiter um den daneben liegenden Tiger zu bek&uuml;mmern,
+dem Chinesen zu, indem er ihm die Leine niederwarf.
+&bdquo;Schling' dir die Schnur um den Leib und
+ich ziehe dich herauf zu mir.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_363" id="Page_363">[S. 363]</a></span></p>
+
+<p><a name="cortex5-2b" href="#corr5-2" class="corr">Schang-hai</a> befolgte mit zitternden H&auml;nden den
+gegebenen Befehl, scheu dabei den Blick fortw&auml;hrend
+nach der kauernden, aber regungslosen Bestie gewandt.
+St&auml;rker funkelten dabei die Augen des Tigers,
+als er seinen Mitgefangenen sich bewegen sah, fester
+dr&uuml;ckte er sich zur&uuml;ck, auf die Hintertatzen zum Sprung
+zur&uuml;ckgebogen. Die t&uuml;ckischen Augen gl&auml;nzten in
+einem gr&uuml;nen Feuer, die kurzen spitzen Ohren waren
+dicht an den Kopf zur&uuml;ckgelegt und die grimmen
+fletschenden blendendwei&szlig;en Z&auml;hne zeigten sich in ihrer
+vollen furchtbaren Pracht. &ndash; Trotzdem wagte er den
+Sprung nicht und schien nur einen Angriff auf sich
+selber zu erwarten, dem er, so ger&uuml;stet, begegnen
+wollte.</p>
+
+<p>Es war ein merkw&uuml;rdiger Anblick, die Gruppe zu
+beobachten, die in diesem Augenblick oben an der
+Grube stand. Der Chinese, der sich die Schnur um
+den Leib gekn&uuml;pft und mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en, wenn
+auch noch immer scheu den Kopf nach der ihm n&auml;chsten
+Gefahr zur&uuml;ckdrehend, nachgeholfen, hatte eben mit
+den H&auml;nden den obern Rand erreicht. Maono lehnte,
+den linken Arm zum bessern Halt um eine schlanke
+d&uuml;nne Arekapalme geschlagen, den Fu&szlig; gegen ihre
+Wurzel gestemmt, das Seil in der Hand dort und
+zog aus allen Kr&auml;ften den schweren kleinen Chinesen<span class="pagenum"><a name="Page_364" id="Page_364">[S. 364]</a></span>
+aufw&auml;rts, und neben ihm, die gef&auml;llte Lanze zum
+Sto&szlig; bereit in der Hand, mit funkelnden und doch in
+&auml;ngstlicher Scheu blitzenden Augen, halb Muth, halb
+Furcht in den belebten Z&uuml;gen, stand das wundersch&ouml;ne
+M&auml;dchen, nackt bis zum G&uuml;rtel, die schwarzen langen
+Locken ihre Schultern umflatternd, die Verwandlung
+des Ungeheuers mit jedem Augenblick erwartend.</p>
+
+<p>Aber von dem armen kleinen Chinesen brauchten
+sie nichts zu f&uuml;rchten, und kaum hatte er den obern
+Rand vollst&auml;ndig erreicht und sich in scheuer Angst
+einen Schritt davon hinweggeschleppt, als er, zum
+Tode ersch&ouml;pft und von dem Entsetzen der letzten
+Stunden aufgerieben, bewu&szlig;tlos neben der Grube zu
+Boden brach und es ruhig geschehen lie&szlig;, da&szlig; ihm der
+Sundanese Arme und F&uuml;&szlig;e mit derselben Leine fest
+zusammenschn&uuml;rte, an der er ihn heraufgezogen.</p>
+
+
+<h4>6.</h4>
+
+<p>Unschl&uuml;ssig, was nun zu beginnen und welcher
+Weg am besten einzuschlagen, entschlo&szlig; sich Maono
+endlich dazu, H&uuml;lfe vom n&auml;chsten Kampong herbeizuholen.
+Die M&auml;nner dort sollten entscheiden, ob der
+also ertappte und &uuml;berf&uuml;hrte Chinese als ein entdeckter
+&bdquo;Menschentiger&ldquo; noch den Tod verdiene, wonach der
+Kampong selber den auf solchen Fang gesetzten Lohn<span class="pagenum"><a name="Page_365" id="Page_365">[S. 365]</a></span>
+gezahlt h&auml;tte, oder ob er mit dem versprochenen L&ouml;segeld
+freikomme, die Gegend aber auf immer verlassen
+solle. &ndash; Das schien ihm nach kurzer &Uuml;berlegung das
+Beste; h&auml;tten doch sonst die Nachbarn gar am Ende
+glauben k&ouml;nnen, er habe den Mann aus Eifersucht
+schuldlos ermordet. Laykas deshalb mit der Waffe
+bei dem Gebundenen zur&uuml;cklassend, damit sie ihm
+dieselbe ins Herz sto&szlig;e, sobald er den Geringsten Versuch
+mache, sich zu befreien, eilte er jetzt so rasch er
+konnte, den schmalen Pfad entlang, der aus dem
+Walde auf die Stra&szlig;e f&uuml;hrte, um von dort aus <a name="cortex5-3" href="#corr5-3" class="corr">den
+Kampong</a> Tji-dasang zu erreichen.</p>
+
+<p>Die M&uuml;he wurde ihm &uuml;brigens erspart; denn da
+er die Lichtung erreichte, fand er sich einer Schaar
+von M&auml;nnern, Laykas Vater, Kelah, an der Spitze,
+gegen&uuml;ber, die bis hierher der Spur des fl&uuml;chtigen
+M&auml;dchens gefolgt waren, und jetzt eben unschl&uuml;ssig
+auf der stark betretenen Stra&szlig;e standen, welcher
+Richtung sie von hier aus folgen sollten.</p>
+
+<p>Maonos Ruf brachte sie bald an seine Seite, und
+mit wenigen fl&uuml;chtigen Worten schilderte er jetzt Kelah
+die Vorg&auml;nge der letzten Nacht, den Fang des so gef&uuml;rchteten
+Menschentigers, mit einer m&auml;chtigen Tigerin
+zusammen. Ohne weiter eine Antwort abzuwarten,
+wandte er sich dann und schritt, von allen in schweigender<span class="pagenum"><a name="Page_366" id="Page_366">[S. 366]</a></span>
+Scheu gefolgt, den Pfad zur&uuml;ck, den er gekommen,
+bis zu der Stelle, wo er den Gefangenen unter
+Laykas Aufsicht zur&uuml;ckgelassen.</p>
+
+<p>Schang-hai hatte sich inde&szlig; von seiner Ohnmacht
+erholt, und das junge M&auml;dchen, das neben ihm die
+Wacht hielt, mit den flehendsten Worten gebeten, ihn
+loszubinden. Laykas w&uuml;rde aber ebenso bald, ja vielleicht
+noch eher daran gedacht haben, den in der Grube
+gefangenen Tiger als den Gebundenen an ihrer Seite
+zu befreien, und der mit Ha&szlig; und Furcht gemischte
+Blick, mit dem sie der geringsten seiner Bewegungen
+folgte, wie die oft drohend gehobene Lanze verrieth
+ihm, da&szlig; er von ihr nichts zu hoffen hatte. Endlich
+schlug das Ger&auml;usch von Stimmen an sein Ohr, und
+mit einem leise, aber aus vollem Herzen gemurmelten
+Dank erkannte er den alten Kelah neben Maono an
+der Spitze des Zugs.</p>
+
+<p>Hatte er &uuml;brigens gehofft, bei diesem unbedingten
+Schutz zu finden, so war er dabei im Irrthum und
+der alte Sundanese viel zu schlau, um nicht im Augenblick
+zu &uuml;bersehen, wie die Sache stand. Einestheils
+stak er selbst zu tief in dem Aberglauben seines Volkes,
+um auch nur einen Augenblick zu zweifeln, da&szlig; der
+Chinese das wirklich sei, dessen ihn Maono beschuldigt
+hatte. Wenn er aber die Versprechungen hielt, die<span class="pagenum"><a name="Page_367" id="Page_367">[S. 367]</a></span>
+er dem jungen Mann gethan und die ihm dieser
+unterwegs schon mitgetheilt, so stand er auch ganz
+anders neben dem Chinesen. Wie h&auml;tte er &uuml;berhaupt
+nach der jetzt gemachten Entdeckung noch daran denken
+d&uuml;rfen, ihm die Tochter zur Frau zu geben! Hierbei
+hatte er &uuml;brigens zwischen den anderen, weit mehr
+angesehenen Eingeborenen auch nur eine ganz untergeordnete
+Stimme, und Schang-hai fand bald, da&szlig; er
+zuerst einem f&ouml;rmlichen Verh&ouml;r Rede stehen mu&szlig;te,
+ehe er hoffen durfte, selbst von diesen Leuten, die ihn
+sonst mit der h&ouml;flichsten, oft kriechenden Artigkeit behandelten,
+in Freiheit gesetzt zu werden.</p>
+
+<p>Er erz&auml;hlte jetzt &ndash; immer noch mit gebundenen
+H&auml;nden, obgleich seinen F&uuml;&szlig;en Freiheit gegeben war,
+da&szlig; er erst sp&auml;t Abends von der Plantage seines Landsmannes
+nach Tji-dasang hatte zur&uuml;ckkehren wollen,
+als er pl&ouml;tzlich eine Gestalt vor sich auf dem Weg gesehn,
+und wie er im Schatten eines Baumes stehn geblieben,
+beim hellen Licht des Mondes Laykas, seine
+<span class="gesperrt">Braut</span> erkannt habe. Bei seinem Anblick sei sie in
+den Wald, und zwar den Fu&szlig;pfad hinein geflohen,
+der nach Maonos H&uuml;tte zu f&uuml;hrte; und nicht gesonnen,
+sie dort zu lassen, ohne seine, durch Einwilligung des
+Vaters gewonnenen Rechte auf sie geltend zu machen,
+sei er ihr dorthin gefolgt. Wie sie selber den Pfad<span class="pagenum"><a name="Page_368" id="Page_368">[S. 368]</a></span>
+entlang gekommen, wisse er nicht, aber er sei, als er dem
+dunklen Gang gefolgt, in die hier verborgene Grube
+gest&uuml;rzt. Um H&uuml;lfe zu rufen, habe er sich nicht getraut,
+aus Furcht, vielleicht eines der gef&auml;hrlichen
+Raubthiere herbeizulocken, bis gegen Morgen die Tigerin,
+wahrscheinlich auf seiner Spur folgend, zu ihm
+hineingebrochen w&auml;re. Jetzt habe er mit gellender
+Stimme um H&uuml;lfe geschrieen und die Bestie, dadurch
+vielleicht ge&auml;ngstigt, den entgegengesetzten Winkel behauptet,
+ohne ihm ein Leides zu thun. Erst am Morgen
+sei Maono gekommen, der aber h&auml;tte ihn f&uuml;r
+einen Menschentiger gehalten und beinahe umgebracht,
+wenn er sich nicht sein Leben mit schweren Versprechungen
+erkauft.</p>
+
+<p>Schang-hai schien auch die ganze Sache wirklich
+f&uuml;r abgemacht zu halten und nicht einmal daran zu
+denken, die gegebenen Versprechungen zu erf&uuml;llen.
+Er verlangte jetzt mit finsterer Miene losgebunden zu
+werden, und drohte widrigenfalls das ganze Verfahren
+dem holl&auml;ndischen Residenten (der obersten Gerichtsperson
+des Distrikts nach dem Gouverneur) anzuzeigen.
+Wenn er sich aber so weit sicher glaubte,
+hatte er sich doch geirrt. Die Eingeborenen, die fast
+s&auml;mmtlich in dem letzten Jahr einen n&auml;heren oder
+entfernteren Verwandten durch die Raubthiere, und wie<span class="pagenum"><a name="Page_369" id="Page_369">[S. 369]</a></span>
+sie fest glaubten, haupts&auml;chlich durch einen &bdquo;Menschentiger&ldquo;
+eingeb&uuml;&szlig;t, gedachten alle der dunklen wilden
+Erz&auml;hlungen, die schon seit langen Jahren ihre Nachbarschaft
+&uuml;ber den kleinen Chinesen durchlaufen, und
+waren nicht gesonnen, den scheinbaren Beweis seiner
+Schuld so leicht und rasch wieder aus den H&auml;nden zu
+lassen. Der Vorschlag wurde deshalb auch ohne
+Weiteres gemacht und ihm nicht einmal von Kelah
+widersprochen, in einer Art Gottesurtheil den Verd&auml;chtigen
+zu pr&uuml;fen. Er sollte n&auml;mlich wieder in die
+Grube hinunter, und zwar gerade <span class="gesperrt">auf</span> die Tigerin geworfen
+werden. Griff ihn die dann an, so wollten sie
+suchen, ihn so rasch wie m&ouml;glich wieder herauf zu ziehen
+und er durfte frei ausgehen, lie&szlig; sie ihn aber unbel&auml;stigt,
+wie sie es die ganze Nacht gethan, so war
+es ein sicheres Zeichen, da&szlig; er zu ihrem Geschlecht geh&ouml;rte,
+und dann sollte er, wie die wilde Bestie selber,
+mit Lanzen get&ouml;dtet werden. Seine Erz&auml;hlung, wie
+er in die Grube gekommen, glaubte ihm Niemand,
+und selbst die jetzt darum befragte Laykas erz&auml;hlte,
+da&szlig; er unter der Palme am Weg wie ein Tiger gekauert,
+und sie seine Spr&uuml;nge hinter sich her, wie die
+des wilden Raubthiers, geh&ouml;rt und erkannt h&auml;tte.</p>
+
+<p>Der alte Kelah selbst sch&auml;mte sich, da&szlig; er einem
+solchen Ungeheuer seine Tochter versprochen. Durfte<span class="pagenum"><a name="Page_370" id="Page_370">[S. 370]</a></span>
+Schang-hai doch jetzt nie daran denken, seine Schuld
+von ihm einzufordern, und so stimmte er auf das
+eifrigste f&uuml;r dessen Tod. &Uuml;berhaupt thaten das alle,
+die dem Chinesen eine bedeutende Summe schuldig
+waren.</p>
+
+<p>Man band ihm jetzt die H&auml;nde los und die Schnur
+wieder um den Leib, wie ihn Maono vorher heraufgezogen,
+und Laykas selber stand in sprachloser Erwartung
+dabei, ob die Tigerin da unten den verkappten
+Gef&auml;hrten erkennen oder in wilder Wuth &uuml;ber ihn
+herfallen w&uuml;rde. Schang-hai hatte aber keineswegs
+Lust, eins von beiden Resultaten, beide gleich schrecklich
+f&uuml;r den Ungl&uuml;cklichen, abzuwarten. Mit Drohungen
+war inde&szlig; nichts auszurichten und sein Leben
+soweit gef&auml;hrdet, da&szlig; der n&auml;chste Augenblick schon jeden
+zu sp&auml;t kommenden Entschlu&szlig; nutzlos gemacht h&auml;tte.
+Er lag auf der Folter &ndash; ein Leugnen h&auml;tte ihn zu
+der wilden Bestie hinunter geworfen, die schon bereit
+lag ihn, als einen vermutheten Angreifer, mit Klauen
+und Z&auml;hnen zu empfangen. Nur eine Rettung blieb
+f&uuml;r ihn &ndash; er kannte seine Leute, und mit bleichen,
+zitternden Lippen rief er: &bdquo;Halt!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hinunter mit ihm!&ldquo; t&ouml;nte Kehlahs heisere
+Stimme. &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;La&szlig;t mich reden,&ldquo; bat aber der Chinese, &bdquo;was<span class="pagenum"><a name="Page_371" id="Page_371">[S. 371]</a></span>
+n&uuml;tzt euch mein Tod &ndash; was mein Gest&auml;ndni&szlig;, <span class="gesperrt">da&szlig;</span>
+ich ein Menschentiger sei &ndash;.&ldquo; &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;Er bekennt es!&ldquo; rief jubelnd Maono, und die
+Andern sahen mit scheuem, erschrecktem Blick auf den
+Ungl&uuml;cklichen. Dieser aber, den augenblicklichen
+Vortheil der wenigstens gestatteten Rede benutzend,
+fuhr rasch und &auml;ngstlich fort. &bdquo;Wenn ihr mich t&ouml;dtet,
+verf&auml;llt mein Hab und Gut dem Staat &ndash; den Holl&auml;ndern.
+Ich habe keine Kinder &ndash; keine Verwandte
+&ndash; in meinen B&uuml;chern sind alle meine Schuldner angegeben.
+Die wei&szlig;en M&auml;nner werden sie einzutreiben
+wissen. Schenkt mir das Leben und ich will nicht
+allein Maono geben, was ich ihm versprochen habe
+&ndash; ich erlasse auch euch, die ihr hier seid, was ich
+noch sonst von euch zu fordern h&auml;tte, und will selber
+in den n&auml;chsten Tagen dieses Land verlassen. &ndash; Seid
+ihr das zufrieden?&ldquo;</p>
+
+<p>Ein Streit entstand jetzt unter den Sundanesen.
+Ein Theil, und zwar die, die ihm bis dahin noch am
+freundlichsten gewesen, riefen jetzt, da sie sein geglaubtes
+Gest&auml;ndni&szlig; geh&ouml;rt, da&szlig; er get&ouml;dtet werden m&uuml;sse,
+denn er habe bekannt, da&szlig; er ein Menschentiger sei,
+und in der n&auml;chsten Nacht werde er, wenn man ihn
+freilasse, nur soviel w&uuml;thender &uuml;ber sie herfallen, um
+die jetzige Mi&szlig;handlung zu r&auml;chen. Andere dagegen,<span class="pagenum"><a name="Page_372" id="Page_372">[S. 372]</a></span>
+mit dem erlangten Gewinn zufrieden und doch auch
+vielleicht nicht ganz sicher, wie die Wei&szlig;en den <span class="gesperrt">Mord</span>
+ansehn w&uuml;rden, stimmten daf&uuml;r, ihn unter der Bedingung,
+da&szlig; er binnen drei Tagen den Distrikt verlasse,
+die drei N&auml;chte aber den Fu&szlig; nicht &uuml;ber seine
+Schwelle setze, frei zu geben.</p>
+
+<p>Der Chinese versprach alles. Neben ihm lauerte
+der nackte Tod, in den ihn der tolle Aberglauben dieser
+Menschen jauchzend hineingeworfen h&auml;tte &ndash; und
+vor ihm lag das Leben!</p>
+
+<p>Seine Banden wurden jetzt gel&ouml;st, und w&auml;hrend
+Kelah, etwas verlegen allerdings, aber doch auch au&szlig;er
+Stande, anders zu handeln, dem jungen wackeren
+Maono in derselben Zeit etwa die Tochter zusagte,
+als er sie, nach der Absicht des vorigen Abends, hatte
+in das Haus des jetzt ge&auml;chteten Chinesen f&uuml;hren
+wollen, schlich dieser, in scheuer Angst, da&szlig; seine Freilassung
+die hinter ihm her jauchzende und tobende
+Schaar doch am Ende noch gereuen k&ouml;nne, den Wald
+entlang, bis er die Stra&szlig;e erreichte, und eilte dann,
+so rasch ihn seine F&uuml;&szlig;e trugen, der eigenen Wohnung
+zu.</p>
+
+<p>Das Jauchzen, das Schang-hai geh&ouml;rt, galt freilich
+nicht ihm, sondern dem Tod des gefangenen Tigers,
+auf den die jungen Bursche jetzt ihre Khrise und<span class="pagenum"><a name="Page_373" id="Page_373">[S. 373]</a></span>
+Klewangs schleuderten, bis Maono das vor Wuth
+und Schmerzen sch&auml;umende, br&uuml;llende Thier mit dem
+sicheren Wurf seiner Lanze erlegte.</p>
+
+<p>Mit Blitzesschnelle durchlief inde&szlig; die Kunde von
+dem gefangenen Menschentiger, und dem Versprechen,
+das Schang-hai, sein Leben zu retten, gegeben, den
+<a name="cortex5-4" href="#corr5-4" class="corr">Kampong</a>. Ein holl&auml;ndischer Unterbeamter, der sich gerade
+dort aufhielt, ging allerdings hierauf zu Schang-hai,
+forderte ihn auf, in seinem Besitzthum zu bleiben
+und sicherte ihm den vollen Schutz der holl&auml;ndischen
+Gesetze zu, nach denen selbst die abgezwungenen Versprechungen
+nicht bindend waren. Schang-hai aber,
+der dem Tod unter den H&auml;nden der Eingeborenen zu
+nahe gewesen, als da&szlig; er ihnen noch einmal h&auml;tte
+trauen m&ouml;gen, und recht gut wu&szlig;te, da&szlig; ihn auf den
+Verdacht hin, in dem er jetzt einmal unter den Sundanesen
+stand, alle Gesetze der Welt vor einem heimlichen
+Angriff nicht sch&uuml;tzen konnten, zog es vor, mit
+einem kleinen Verlust seiner G&uuml;ter sein gegebenes
+Versprechen zu halten. Ein anderer Chinese &uuml;bernahm
+seinen Pacht und kaufte ihm auch sein Waarenlager
+ab, und am dritten Morgen &ndash; die N&auml;chte hielt
+er sich in seinem Haus fest eingeschlossen, &ndash; verlie&szlig;
+er unter einer erbetenen und erhaltenen Bedeckung
+malayischen, dort in der N&auml;he stationirten Milit&auml;rs<span class="pagenum"><a name="Page_374" id="Page_374">[S. 374]</a></span>
+die Preanger Regentschaften, um in ihre Grenzen
+wahrscheinlich nie mehr zur&uuml;ckzukehren.</p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_37_37" id="Footnote_37_37"></a><a href="#FNanchor_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Badek hei&szlig;t auf Java eine eigenth&uuml;mliche Art, wei&szlig;es
+Zeug in den verschiedenartigsten Mustern zu drucken und zu
+f&auml;rben. Es wird n&auml;mlich zu dem Zweck die Zeichnung aus
+<span class="gesperrt">freier Hand</span> mit einer kleinen Kupferr&ouml;hre, aus der hei&szlig;es
+Wachs sickert, auf das Tuch <span class="gesperrt">an beiden Seiten</span> aufgetragen
+und dieses dann erst gef&auml;rbt, wonach die Stellen, auf denen
+kein Wachs liegt, die Farbe annehmen. Bei schwierigen und
+theuern Mustern geschieht dies m&uuml;hsame Auftragen der Zeichnung
+verschiedene Male, um ebensoviele Farben herauszubringen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_38_38" id="Footnote_38_38"></a><a href="#FNanchor_38_38"><span class="label">[38]</span></a> In den Javanischen Bergen dient der schilfartige
+Bambus zu sehr verschiedenartigen Verrichtungen und besonders
+benutzen die Frauen die st&auml;rksten, oft vier bis f&uuml;nf
+Zoll im Durchmesser haltenden St&ouml;cke, das Wasser darin zu
+tragen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_39_39" id="Footnote_39_39"></a><a href="#FNanchor_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Ein rock&auml;hnliches St&uuml;ck Tuch von vielleicht drei Fu&szlig;
+Breite, unten und oben gleich weit, das &uuml;ber den H&uuml;ften eng
+zusammengezogen und durch einen in das Zeug hineingesteckten
+knoten gehalten wird. Es wird von beiden Geschlechtern getragen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_40_40" id="Footnote_40_40"></a><a href="#FNanchor_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Alang Alang, das hohe schilfige Gras, das in der Wildni&szlig;
+fast alle offenen Stellen ausf&uuml;llt und der Lieblingsplatz
+der Raubthiere ist.</p></div>
+</div>
+
+
+<hr style="width: 65%;" />
+<h3><a name="der_khris" id="der_khris"></a>Der Khris<a name="FNanchor_41_41" id="FNanchor_41_41"></a><a href="#Footnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a>.</h3>
+
+
+<p>Am Kali Besaar<a name="FNanchor_42_42" id="FNanchor_42_42"></a><a href="#Footnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a> in Batavia, dem gro&szlig;en
+Handels-Viertel des Ostens, wo die Ostindische
+Maatschappy ihre gewaltigen Niederlagen, und der
+Batavische Kaufmann sein Comtoir und Waarenlager
+hat, war heute ein regeres Gedr&auml;nge als gew&ouml;hnlich.
+Die Menschenstr&ouml;mung, die sonst mehr an beiden
+Ufern des kleinen Flusses ziemlich gleich vertheilt auf-
+und abwogte, schien gerade heute auch mehr dem
+Mittelpunkt der Hauptstra&szlig;e zuzupressen. Dort hatte
+sich unter den Bambus Schuppen und zwischen den
+aufgefahrenen Cabriolets und Cabs der Kaufleute,
+eine Masse Chinesischer und Javanischer Fruchtverk&auml;ufer
+angesammelt und hielt ihre duftigen saftigen
+Waaren, vor den gl&uuml;henden Sonnenstrahlen durch
+das h&ouml;lzerne Dach gesch&uuml;tzt, feil.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_375" id="Page_375">[S. 375]</a></span></p>
+
+<p>Es war eine Auction in einem der gro&szlig;en, d&uuml;steren
+Geb&auml;ude, und zwar nicht von importirten Europ&auml;ischen
+Waaren oder veralteten G&uuml;tern, oder von inl&auml;ndischen
+Producten, wie sie die Maatschappy oft h&auml;lt &ndash; oder
+gar von spanischen Dollarn, wie sie vor noch gar nicht
+so langer Zeit hier ebenfalls stattgefunden, sondern
+nur von Naturalien, Waffen, Vogelb&auml;lgen, Ger&auml;thschaften,
+Anz&uuml;gen, Instrumenten etc. etc. der benachbarten
+Inseln, die den Nachla&szlig; eines verstorbenen Deutschen
+Naturforschers bildeten, und jetzt hier, da kein
+Testament &uuml;ber die Sammlung selber disponirte,
+&ouml;ffentlich versteigert werden sollten. Alles das, woran
+ein t&uuml;chtiger, wackerer, muthiger Mann seine ganze
+Lebenszeit gesetzt, es zusammenzubringen und der Nachwelt
+aufzubewahren, sollte hier, wie das eine Menschenherz
+zu schlagen aufgeh&ouml;rt, in wenig Stunden wieder
+in alle Winde zerstreut und verworfen werden, und
+lachend und erz&auml;hlend, zankend und schreiend, dr&auml;ngten
+sich inde&szlig; die Fremden aus und ein, besahen die
+Sch&auml;tze, die ihren Augen preis gegeben waren und die
+nur Wenige von ihnen zu w&uuml;rdigen wu&szlig;ten, und packten
+das Gekaufte gleichg&uuml;ltig in ihre Cabriolets, es
+Abends mit nach Haus zu nehmen.</p>
+
+<p>Hier standen ein Paar Holl&auml;nder zusammen, die
+einen Bogen spannten und einen der Pfeile in die<span class="pagenum"><a name="Page_376" id="Page_376">[S. 376]</a></span>
+Luft hinaufschnellten, zu sehen, wie weit er tragen
+w&uuml;rde, dort arbeitete sich ein Anderer, mit einem ausgestopften
+Affen unter dem Arm, aus dem Gedr&auml;nge,
+und wurde von seinen Bekannten jubelnd empfangen.
+Inl&auml;ndische Diener schleppten Lasten von fremdartigen
+Ger&auml;thschaften und Schilden und Speeren heran,
+Andere trugen Sch&auml;del von Tigern und Krokodillen,
+und an einen Bambusstab geschlungen, den sie auf den
+Schultern trugen, keuchten zwei Javanen mit einem
+Elephantensch&auml;del herbei, ihn zum Zierrath in das
+Landhaus des in Weltevreden oder Kramat wohnenden
+gl&uuml;cklichen K&auml;ufers hinaufzuschaffen.</p>
+
+<p>Zwei Wei&szlig;e, der Capitain eines vor einiger Zeit
+eingelaufenen Holl&auml;ndischen Kauffahrers, und ein
+Amerikanischer Kaufmann, der sich schon seit l&auml;ngeren
+Jahren in Batavia niedergelassen, waren ebenfalls
+durch das rege Leben und Treiben angelockt worden,
+das Haus zu betreten und die ausgestellten Sachen
+in Augenschein zu nehmen. Es kostete freilich M&uuml;he,
+bis sie sich durch das Gedr&auml;nge von Chinesen, Javanen
+und Europ&auml;ern, die in allen Sprachen der Welt hier
+durch einander schrieen, Bahn machten. Endlich aber
+erreichten sie doch den weiten luftigen Raum, in dem
+die Waaren, theils an den W&auml;nden h&auml;ngend, theils
+auf den Seitentischen ausgelegt, wirr und unordentlich,<span class="pagenum"><a name="Page_377" id="Page_377">[S. 377]</a></span>
+wie man sie eben aus den Kisten gepackt, aufgeschichtet
+und zerstreut lagen. Auf den Tischen herum
+springende Chinesen schienen dabei das Ganze zu
+&uuml;berwachen, auf die Gebote zu horchen, das Erstandene
+auszuliefern, und das Geld daf&uuml;r in Empfang
+zu nehmen, wobei sie noch au&szlig;erdem auf die Finger
+ihrer Landsleute zu passen hatten, die in dieser Hinsicht
+in eben keinem besondern Rufe stehen.</p>
+
+<p>Die Auction selber fand, von einem Liplap<a name="FNanchor_43_43" id="FNanchor_43_43"></a><a href="#Footnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a> gef&uuml;hrt,
+in Holl&auml;ndischer und Malayischer Sprache zugleich
+statt, und ganze B&uuml;ndel seltener Speere und
+Pfeile, B&ouml;gen, Schilde, Schmuck von Muscheln und
+Z&auml;hnen, geflochtene Ger&auml;thschaften, geschnittene Gef&auml;&szlig;e
+und k&uuml;nstlich und sauber verfertigte Zierrathen,
+wie Kasten mit ausgestopften Vogelb&auml;lgen und Thieren,
+mit Schmetterlingen und K&auml;fern, Sammlungen von
+Fr&uuml;chten, Conchilien und Mineralien, wurden um
+einen Spottpreis, oft gleich nach dem ersten fl&uuml;chtigen
+Gebot, den K&auml;ufern zugeschlagen.</p>
+
+<p>Die beiden M&auml;nner hatten sich endlich mit nicht
+geringer M&uuml;he dorthin Bahn gemacht, wo eine Anzahl
+sehr sch&ouml;ner Waffen, besonders Khrise, auf einem
+kleinen Seitentische lagen, und eben, dem Wunsch eines<span class="pagenum"><a name="Page_378" id="Page_378">[S. 378]</a></span>
+Franzosen nach, zum Kaufe ausgeboten wurden.
+Manche davon waren sehr k&uuml;nstlich, ja kostbar gearbeitet,
+und mit Gold und Steinen eingelegt, wie mit
+herrlichen damascirten Klingen; andere wieder einfach
+und derb gearbeitet, mit glatter h&ouml;lzerner Scheide und
+nicht selten mit dem Haarb&uuml;schel der erlegten Feinde
+geziert, wie es auf Borneo die Sitte der Krieger ist.
+Der Franzose erstand eine ziemliche Anzahl derselben
+um einen ziemlich hohen Preis, w&auml;hrend ein dicht neben
+ihm stehender Javane die einzelnen Waffen, jede
+besonders, aus der Scheide zog und aufmerksam betrachtete,
+ohne jedoch darauf mit zu bieten.</p>
+
+<p>Der Holl&auml;ndische Capitain hatte indessen dem ganzen
+Handel ziemlich gleichg&uuml;ltig zugeschaut, bis der
+Franzose seine Eink&auml;ufe gemacht und den Platz mit
+den Erstandenen Waffen ger&auml;umt hatte. Auch der
+Javane schien genug von dem ganzen Treiben gesehn
+zu haben, zog seinen Sarong fester um sich und verlie&szlig;
+das Zimmer. Indessen entdeckte der Chinesische
+Aufseher unter den &uuml;brigen Sachen noch einen zur&uuml;ckgebliebenen
+Khris und legte ihn auf den Tisch des
+Verk&auml;ufers.</p>
+
+<p>&bdquo;Ach wahrhaftig, da ist <span class="gesperrt">noch</span> einer!&ldquo; rief dieser,
+&bdquo;nun, meine Herren, wer bietet darauf, denn unser
+Khrisk&auml;ufer ist fort &ndash; noch ein werthvolles St&uuml;ck,<span class="pagenum"><a name="Page_379" id="Page_379">[S. 379]</a></span>
+mit pr&auml;chtigen Granaten besetzt und fein damascirter
+Klinge &ndash; drei&szlig;ig Gulden zum Ersten, drei&szlig;ig
+Gulden zum Ersten sag' ich, die Waffe ist hundert
+werth&ldquo; &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;Ein und drei&szlig;ig Gulden,&ldquo; bot der Holl&auml;ndische
+Capitain.</p>
+
+<p>&bdquo;Ein und drei&szlig;ig Gulden, guter Gott, ein Spottpreis,&ldquo;
+sagte der Auctionator, &ndash; &bdquo;ein und drei&szlig;ig
+Gulden zum Ersten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Vierzig!&ldquo; bot ein daneben stehender Engl&auml;nder.
+&bdquo;F&uuml;nf und vierzig!&ldquo; der Capitain wieder, und erstand
+zuletzt die wirklich sch&ouml;ne und geschmackvoll, wenn auch
+einfach gearbeitete Waffe, bis zu sieben und achtzig
+Gulden hinaufgetrieben. Augenscheinlich lag ihm aber
+sehr wenig daran, und sie in seine Tasche schiebend,
+sah er dem Verkauf der &uuml;brigen Sachen noch eine
+kurze Weile zu, ergriff dann den Arm des Amerikaners
+wieder, und verlie&szlig; den durch die zahlreiche Menschenmenge
+doch schw&uuml;l und dumpfig gewordenen Raum,
+die freie Luft zu erreichen.</p>
+
+<p>&bdquo;Man sollte doch wahrhaftig schon aus Grundsatz
+nie eine Auction betreten,&ldquo; sagte er hier, als er
+die Waffe wieder vorzog und betrachtete, &bdquo;wenn man
+nicht irgend etwas Bestimmtes kaufen will und wirklich
+braucht. So fest ich mir vorgenommen hatte,<span class="pagenum"><a name="Page_380" id="Page_380">[S. 380]</a></span>
+mein gutes Geld nicht muthwillig an irgend einen
+nutzlosen Gegenstand zu verschleudern, hab' ich mich
+doch hier wieder mit dem Ding da anf&uuml;hren lassen,
+und bin um ein St&uuml;ck Eisen reicher, und um sieben
+und achtzig Gulden &auml;rmer geworden, als ich vorher
+war.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Amerikaner hatte den Khris indessen aus
+der Scheide gezogen und pr&uuml;fend betrachtet und sagte
+lachend:</p>
+
+<p>&bdquo;Lieber Freund, das geht uns oft so auf der Welt,
+und wir vor allen Anderen k&ouml;nnen uns gratuliren,
+da&szlig; die Menschen im Allgemeinen eben nicht das nur
+kaufen, was sie gerade nothwendig brauchen, denn
+unser ganzer Handelsstand beruht darauf, da&szlig; sie das
+eben <span class="gesperrt">nicht</span> thun. Der Mensch bedarf zu seinem
+Leben wirklich <span class="gesperrt">n&ouml;thig</span> entsetzlich wenig, und wollte er
+sich darauf beschr&auml;nken, wie sollte es dann mit Handel
+und Wandel, um Schifffahrt und Verkehr aussehen.
+Der Luxus gerade, f&uuml;r den wir civilisirte Menschen
+gar keine Grenze mehr haben, weil er mit unserem
+einfachsten Leben schon so fest verwachsen ist, h&auml;lt die
+Sache in Gang, und bleibt eben nur so lange wirklich
+Luxus, als wir auch ihn nicht &bdquo;nothwendig brauchen,&ldquo;
+wo er dann zum <span class="gesperrt">Bed&uuml;rfni&szlig;</span> und zu dem wird, was
+wir eben zum Leben haben m&uuml;ssen.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_381" id="Page_381">[S. 381]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Nun aber der Khris hier ist doch wirklich Luxus&ldquo;,
+lachte der Capitain.</p>
+
+<p>&bdquo;F&uuml;r Sie in diesem Augenblick, ja, aber wie lange
+vielleicht, und Sie brauchen ihn nicht allein nothwendig,
+sondern m&uuml;ssen sogar noch eine Menge anderer &auml;hnlicher
+Sachen dazu haben, ein &bdquo;<span class="gesperrt">Naturalien-Cabinet</span>&ldquo;
+zu vervollst&auml;ndigen. Mit <span class="gesperrt">einer</span> Sache
+mu&szlig; der Mensch anfangen, und das Eine zieht eben
+das Andere nach. Sehn Sie zum Beispiel den Javanen
+an; mit einer Handvoll Reis h&auml;lt er seine
+Mahlzeit; eine Bambush&uuml;tte, die ihn eben nothd&uuml;rftig
+gegen Thau und Regen sch&uuml;tzt, gen&uuml;gt ihm zur Wohnung,
+ein St&uuml;ck Baumwollenzeug und ein Strohhut
+zur Kleidung, und was f&uuml;r einen Gefallen glauben
+Sie wohl, da&szlig; Sie einem solchen Menschen mit einer
+Astrallampen oder mit irgend einer Europ&auml;ischen
+Zimmer-Verzierung erweisen w&uuml;rden? Gehen Sie
+aber zu einem der unter Holl&auml;ndischen Einflu&szlig; stehenden
+H&auml;uptlinge, und Sie werden Astrallampen und
+Zimmer-Verzierungen, Teppiche, Kronleuchter, Wandgem&auml;lde
+etc. etc. im wahren &Uuml;berflu&szlig; als <span class="gesperrt">nothwendiges
+Bed&uuml;rfni&szlig;</span> finden. Die Khrise spielen
+&uuml;brigens in dem Leben der Javanen eine sehr bedeutende
+Rolle, und einzelne von ihnen erben von Vater
+zum Sohn und Enkel herab, und d&uuml;rfen nimmer verkauft<span class="pagenum"><a name="Page_382" id="Page_382">[S. 382]</a></span>
+werden. Viele davon sind jedoch in den letzten
+Kriegen in den Besitz der Wei&szlig;en gekommen, und
+&ouml;fters ist es vorgekommen, da&szlig; Javanische H&auml;uptlinge,
+die ihre Stammwaffe in fremden H&auml;nden fanden, bedeutende
+Summen gegeben haben, sie wieder zu erlangen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ich wollte, ein solcher Javanischer H&auml;uptling
+h&auml;tte Lust zu <span class="gesperrt">diesem</span> Khris&ldquo;, lachte der Capitain, die
+Waffe aus der Scheide ziehend und in der Sonne
+blitzen lassend, &bdquo;mit einigen Prozenten Gewinn k&ouml;nnte
+er ungemein leicht wieder Eigenth&uuml;mer derselben
+werden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dort steht gleich Einer,&ldquo; sagte der Yankee, &bdquo;und
+wenn ich nicht irre sogar derselbe, der da dr&uuml;ben im
+Verkaufslokal die Waffen so genau betrachtete. Der
+kann uns wenigstens sagen, was das Messer wirklich
+werth ist, und wir erfahren dann gleich, ob Sie einen
+guten Kauf gemacht haben. Heh, Freund, komm einmal
+hier her, und sage, wie dir der Khris da gef&auml;llt.&ldquo;</p>
+
+<p>Der also Angeredete, der unfern von ihnen mit
+untergeschlagenen Armen an einem Pfeiler lehnte,
+war ein schlanker, stattlicher Bursch von ungef&auml;hr
+zwei bis drei und zwanzig Jahren, und die dunklere
+Hautfarbe, wie die edelgeschnittenen Z&uuml;ge und blitzenden
+Augen verriethen allerdings den Javanen, der sich<span class="pagenum"><a name="Page_383" id="Page_383">[S. 383]</a></span>
+von den Sunda'nern (wie die Bewohner der &ouml;stlichen
+Insel genannt werden) wesentlich unterscheidet. So
+knechtisch diese aber den Holl&auml;ndern, ihren jetzigen
+Herren, gegen&uuml;ber sind, so wenig nahm der Bursche
+hier Notiz von der Anrede, die er jedenfalls geh&ouml;rt
+haben mu&szlig;te. Mit eben nicht ganz freundlichem Blick
+die Gestalten der beiden M&auml;nner nur fl&uuml;chtig &uuml;berfliegend,
+wandte er den Kopf halb zur Seite, und schien
+keineswegs gesonnen, auch nur ein Glied zu r&uuml;hren,
+der Aufforderung Folge zu leisten.</p>
+
+<p>&bdquo;Hallo, der ist unabh&auml;ngig,&ldquo; lachte der Amerikaner
+vor sich hin, &bdquo;und wir werden zu <span class="gesperrt">ihm</span> gehen m&uuml;ssen,
+wenn wir etwas von ihm wissen wollen. &ndash; Heda,
+Freund!&ldquo; setzte er dann in Malayischer Sprache
+hinzu, die Waffe dabei aus des Capitains Hand nehmend
+und auf den Javanen zugehend, &bdquo;kannst du mir
+sagen, was das Messer hier einmal gekostet?&ldquo;</p>
+
+<p>Der Javane zog die Brauen finster zusammen,
+richtete sich dann stolz und trotzig empor, und wollte
+sich eben, ohne ein Wort auf die Anfrage zu erwidern,
+von den ihm jedenfalls verha&szlig;ten Wei&szlig;en abwenden,
+als sein Auge auf den Khris fiel und er in demselben
+Moment auch wie unwillk&uuml;hrlich den Arm danach
+ausstreckte. Das Blut scho&szlig; ihm dabei in die Schl&auml;fe
+und er suchte fest und forschend den Blick des Fremden,<span class="pagenum"><a name="Page_384" id="Page_384">[S. 384]</a></span>
+als ob er dessen Absicht in seinem Antlitz lesen
+wollte. Aber es war auch wirklich nur ein Moment,
+der Arm glitt zur&uuml;ck in seine alte Stellung, ebenso
+der K&ouml;rper, der sich wieder nachl&auml;ssig gegen den Pfeiler
+dr&uuml;ckte; nur den Blick konnte er nicht losrei&szlig;en
+von der Waffe, und der Amerikaner mu&szlig;te seine
+Frage wiederholen, ehe er sie nur verstand.</p>
+
+<p>&bdquo;Wei&szlig; ich nicht,&ldquo; sagte er dann, finster den Kopf
+zur Seite werfend, &bdquo;ist ein alter Khris &ndash; wollt Ihr
+ihn verkaufen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Junge, Junge<a name="FNanchor_44_44" id="FNanchor_44_44"></a><a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a>,&ldquo; sagte der Yankee, der schon
+lange im Ostindischen Archipel wohnte und die Sitten
+und Gebr&auml;uche der Eingeborenen genau kannte, in
+Holl&auml;ndischer Sprache zu dem Capitain, &bdquo;der Bursche
+da wei&szlig; mehr von dem Khris, als er uns jetzt verrathen
+mag, und giebt sich umsonst die gr&ouml;&szlig;te M&uuml;he,
+gleichg&uuml;ltig dabei zu bleiben. Au&szlig;erdem ist das auch
+gar kein gew&ouml;hnlicher Eingeborener, wie ich im Anfang
+geglaubt. Was f&uuml;r einen kostbaren Sarong er tr&auml;gt,
+und welch' ein prachtvolles golddurchwirktes Kopftuch
+&ndash; hm, hm, wenn der ihn haben will, soll er t&uuml;chtig
+daf&uuml;r bezahlen.&ldquo;</p>
+
+<p>Des Javanen Auge war indessen bei den ihm<span class="pagenum"><a name="Page_385" id="Page_385">[S. 385]</a></span>
+unverst&auml;ndlichen Worten forschend von dem Antlitz
+des einen der Fremden zu dem des anderen geflogen,
+ohne da&szlig; er jedoch seine Stellung auch nur um eines
+Haares Breite ver&auml;ndert h&auml;tte, nur als der Amerikaner
+schwieg, &ouml;ffnete er die Lippen wieder, als ob er die
+letzte Frage wiederholen wolle, zwang aber das Wort
+zur&uuml;ck, das Anerbieten lieber von Jenen zu erwarten.</p>
+
+<p>&bdquo;Fordert nur nicht <span class="gesperrt">zu</span> viel,&ldquo; lachte der Capitain;
+&bdquo;wenn er wirklich Lust zum Kaufen hat, wollen wir
+ihn wenigstens nicht kopfscheu machen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nur nicht &auml;ngstlich,&ldquo; entgegnete ihm der Freund,
+&bdquo;entweder liegt ihm daran, den Khris zu bekommen,
+dann ist kaum ein Preis zu hoch, den wir fordern
+<span class="gesperrt">k&ouml;nnen</span>, oder es liegt ihm Nichts daran, was ich aber
+nach seinem ganzen Betragen kaum glaube, und dann
+wissen wir wenigstens, woran wir sind &ndash; la&szlig;t mich
+nur machen;&ldquo; und sich dann an den Javanen wendend,
+sagte er, indem er den Khris wieder aus der Scheide
+zog und die grau damascirte Klinge in der Sonne
+blitzen lie&szlig;, &bdquo;k&ouml;nntet ihr uns nicht wenigstens sagen,
+was so ein Ding in eurer Gegend kostet, wenn man
+'s machen lie&szlig;, und von welcher Insel es &uuml;berhaupt
+stammt, &ndash; von Java, oder vielleicht von Macassar
+oder Sumatra?&ldquo;</p>
+
+<p>Der Javane streckte langsam die Hand nach dem<span class="pagenum"><a name="Page_386" id="Page_386">[S. 386]</a></span>
+Khris aus, nahm die Waffe, betrachtete, ohne mehr
+als einen fl&uuml;chtigen Blick auf den Griff zu wenden,
+die Damascirung des Stahls mit pr&uuml;fendem Auge,
+und gab ihn dann ruhig zur&uuml;ck &ndash; <a name="cortex6-1a" href="#corr6-1" class="corr">kein</a> Muskel seines
+Gesichts <a name="cortex6-1b" href="#corr6-1" class="corr">verrieth</a> mehr, da&szlig; er irgend einen Antheil an
+der Waffe nehme.</p>
+
+<p>&bdquo;Und was ist er werth?&ldquo; sagte der Capitain ungeduldig.</p>
+
+<p>&bdquo;Mit funfzig Gulden ist Geld und Arbeit daran
+bezahlt,&ldquo; brach jetzt der Eingeborene mit tiefer klangvoller
+Stimme das Schweigen.</p>
+
+<p>&bdquo;Funfzig Gulden? Nun ja,&ldquo; fluchte der Capitain wieder
+in seiner eigenen Sprache, &bdquo;da habe ich wenigstens
+sieben und drei&szlig;ig Gulden zum Fenster hinausgeworfen,
+&ndash; hol' der Teufel die Auctionen. Und den Braunen habt
+ihr auch mit seiner Kauflust in falschem Verdacht gehabt.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dann hat er den Khris jedenfalls im Anfang f&uuml;r
+einen Anderen gehalten,&ldquo; sagte der Kaufmann, &bdquo;aber
+das schadet nichts; es ist immer ein sch&ouml;nes, sauber gearbeitetes
+St&uuml;ck, f&uuml;r das euch ein Naturalien-Cabinet
+in der alten Welt leicht den vollen Preis wieder zahlt,
+solltet ihr es doch einmal verkaufen wollen.&ldquo; Und sich
+ohne weiteren Gru&szlig; oder fernere Notiz von dem Javanen
+zu nehmen, von diesem abwendend, fa&szlig;te er den
+Arm des Capitains, und wollte mit ihm an dem Kali<span class="pagenum"><a name="Page_387" id="Page_387">[S. 387]</a></span>
+Besaar hinauf und der Br&uuml;cke zugehn, die unter dem
+Chinesischen Viertel nach dem andern Ufer hin&uuml;berf&uuml;hrte,
+als der Eingeborene ruhig sagte:</p>
+
+<p>&bdquo;Wollt ihr den Khris verkaufen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ja, wenn wir einen guten Preis daf&uuml;r bekommen,&ldquo;
+erwiderte ihm der Kaufmann, sich halb nach ihm
+zur&uuml;ckwendend &ndash;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was nennt ihr einen guten Preis?&ldquo; frug
+der Eingeborene wieder.</p>
+
+<p>&bdquo;Fordert hundert Gulden,&ldquo; sagte der Capitain,
+der etwas vom Malayischen verstand, es aber nicht
+soviel sprach, sich in einen Handel einzulassen.</p>
+
+<p>&bdquo;Nur langsam,&ldquo; entgegnete aber der vorsichtigere
+Kaufmann, &bdquo;der Bursche f&auml;ngt an, w&auml;rmer zu werden;
+schon da&szlig; er nach dem Preis des Khrises fragte,
+wo er oben im Auctionszimmer die anderen wirklich
+sch&ouml;nen Waffen keines Gebots gew&uuml;rdigt hatte, ist ein
+gutes Zeichen; wir wollen ihm da nicht vorgreifen
+und uns selber die H&auml;nde binden &ndash; <span class="gesperrt">er</span> mag sagen,
+was er geben will, nachher steht es uns frei, sein Gebot
+anzunehmen oder zu verweigern.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und was nennt ihr einen guten Preis?&ldquo; wiederholte
+der Javane, der entweder ungeduldig wurde,
+oder auch glauben mochte, die Wei&szlig;en h&auml;tten seine
+Frage nicht verstanden.<span class="pagenum"><a name="Page_388" id="Page_388">[S. 388]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Sag' du selber, was du geben willst,&ldquo; erwiderte
+ihm jetzt der Amerikaner, indem er den Khris noch
+einmal aus der Scheide zog, fl&uuml;chtig betrachtete,
+zur&uuml;ckstie&szlig; und nachl&auml;ssig in die Tasche schob, &bdquo;ich
+habe ihn erst gekauft und m&ouml;chte mich nicht gern gleich
+wieder von ihm trennen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Dort unten?&ldquo; frug der Javane, mit dem Arm
+nach dem Auctionshause deutend, &bdquo;ich habe ihn dort
+nicht gefunden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Also hat er ihn gesucht &ndash;&ldquo;, lachte der Yankee
+still vor sich hin, &bdquo;das steigert den Preis, Kamerad;
+<span class="gesperrt">die</span> Bemerkung war dir nicht n&uuml;tzlich &ndash; nun,
+was willst du geben?&ldquo; setzte er dann auf Malayisch
+hinzu.</p>
+
+<p>&bdquo;Der Khris ist funfzig Gulden werth,&ldquo; sagte der
+Javane gleichg&uuml;ltig, &bdquo;ich gebe funfzig.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und <span class="gesperrt">ich</span> habe sieben und achtzig daf&uuml;r gezahlt,&ldquo;
+rief der Capitain rasch auf Holl&auml;ndisch.</p>
+
+<p>&bdquo;Nur ruhig,&ldquo; beschwichte ihn der Kaufmann, &bdquo;wir
+fangen eben erst an. &ndash; Funfzig Gulden sind ein kleiner
+Preis, Freund, daf&uuml;r k&ouml;nntest du kaum die Scheide
+bekommen, und du wirst verschiedene Male funfzig
+Gulden neben einander legen m&uuml;ssen, wenn du die
+Waffe haben willst. Du mu&szlig;t mehr bieten.&ldquo;</p>
+
+<p>Der Javane schien keine besondere Lust dazu zu<span class="pagenum"><a name="Page_389" id="Page_389">[S. 389]</a></span>
+haben, und erst, als sich die M&auml;nner wieder zum Gehen
+wandten, sagte er langsam:</p>
+
+<p>&bdquo;Und was hast du daf&uuml;r bezahlt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das kann dir gleichg&uuml;ltig sein,&ldquo; lautete die Antwort,
+&bdquo;mehr &uuml;brigens, als du zu glauben scheinst.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So geb' ich dir f&uuml;nf und siebenzig.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Auch das reicht noch nicht,&ldquo; erwiderte der Yankee,
+und der Javane z&ouml;gerte augenscheinlich mehr zu bieten,
+lie&szlig; sich aber die Waffe noch einmal zeigen, betrachtete
+besonders die Damascirung wieder genau und pr&uuml;fend,
+und bot dann hundert. Der Kaufmann kannte &uuml;brigens
+seinen Vortheil, und trieb den Eingeborenen,
+ohne sich darauf einzulassen, einen eigenen Preis zu
+nennen, endlich bis zu zwei- und dann zu dreihundert
+Gulden hinauf, und als ihn der Capitain jetzt selber
+bat, doch nur um Gotteswillen zuzuschlagen, da er ein
+weit besseres Gesch&auml;ft damit gemacht habe, als er je
+erwartet, erkl&auml;rte er vollkommen ruhig, &bdquo;der Eingeborene
+m&uuml;sse erst so viele <span class="gesperrt">tausend</span> Gulden bieten,
+wie er jetzt Hunderte genannt, und <span class="gesperrt">dann</span> selbst w&uuml;rde
+er sich noch besinnen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Aber das ist Wahnsinn,&ldquo; rief der Capitain.</p>
+
+<p>&bdquo;Und doch nicht ganz,&ldquo; lachte der Amerikaner,
+&bdquo;lehren Sie mich die Burschen kennen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er wird zuletzt gar nichts weiter bieten,&ldquo; rief der<span class="pagenum"><a name="Page_390" id="Page_390">[S. 390]</a></span>
+Capitain ungeduldig werdend, &bdquo;und ich behalte den
+Khris.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn Sie das f&uuml;rchten,&ldquo; sagte der Kaufmann,
+&bdquo;so &uuml;berlassen Sie <span class="gesperrt">mir</span> die Waffe um den Preis, und
+den weiteren Handel mit dem Manne.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Von Herzen gern,&ldquo; rief der Seemann, &bdquo;ich m&ouml;chte
+&uuml;berdies nicht gern mehr damit zu thun haben.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Also die Sache ist abgemacht? ich zahle Ihnen
+dreihundert Gulden und der Khris ist mein?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Mit dem gr&ouml;&szlig;ten Vergn&uuml;gen!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Willst du dreihundert Gulden f&uuml;r den Khris?&ldquo;
+frug der Javane jetzt wieder, der indessen ein ungeduldiger
+Zuh&ouml;rer der in einer ihm fremden Sprache
+gef&uuml;hrten Verhandlung gewesen war, &bdquo;es ist viel Geld
+f&uuml;r das Messer.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und doch lange nicht genug, Freund,&ldquo; sagte der
+jetzige Eigenth&uuml;mer der Waffe, &bdquo;du mu&szlig;t h&ouml;her, weit
+h&ouml;her bieten, wenn du es in deinen G&uuml;rtel schieben
+willst &ndash; aber ich habe jetzt nicht l&auml;nger Zeit, und behalte
+auch am Ende lieber den Khris, als da&szlig; ich ihn
+um einen solchen Spottpreis verschleudere. Was liegt
+mir an den Paar hundert Gulden.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So <span class="gesperrt">nenne</span> deinen Preis,&ldquo; rief der Javane, die
+Lippen fest zusammengebissen und einen finsteren
+Blick auf den Europ&auml;er schie&szlig;end, &bdquo;ich kenne die Familie,<span class="pagenum"><a name="Page_391" id="Page_391">[S. 391]</a></span>
+aus der die Waffe stammt, und wenn es meine
+Kr&auml;fte nicht &uuml;bersteigt, m&ouml;chte ich sie ihr wieder bringen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du giebst mir doch nicht was ich daf&uuml;r fordere,&ldquo;
+sagte der Kaufmann kopfsch&uuml;ttelnd.</p>
+
+<p>&bdquo;Fordere,&ldquo; rief der Javane, in kaum zu m&auml;&szlig;igender
+Ungeduld mit dem Fu&szlig; den Boden stampfend.</p>
+
+<p>&bdquo;Gut &ndash; hast du Lust dreitausend Gulden an den
+Stahl zu wenden?&ldquo; frug jetzt der Amerikaner, und
+der Capitain wandte sich von ihm ab, denn er sch&auml;mte
+sich selber der rasenden Forderung. Der Javane aber
+knirschte die Z&auml;hne zusammen und sagte finster:</p>
+
+<p>&bdquo;Dreitausend Gulden f&uuml;r das Messer? &ndash; du
+tr&auml;umst, Wei&szlig;er, aber ich gebe dir tausend, und du
+hast den zwanzigfachen Werth.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Ah bah,&ldquo; lachte der Kaufmann, &bdquo;ob ich die habe
+oder nicht, die machen mich nicht reich noch arm, und
+ich sehe schon, du hast keine Lust zum Handel, so <i>tabee</i>
+&ndash;&ldquo; und sich abdrehend von ihm, ergriff er wieder den
+Arm des Seemanns und schritt mit diesem langsam
+die Stra&szlig;e hinauf.</p>
+
+<p>&bdquo;Und sie wollen die tausend Gulden nicht nehmen?&ldquo;
+frug ihn dieser, jetzt wirklich zum &Auml;u&szlig;ersten erstaunt,
+&bdquo;Wetter noch einmal, in f&uuml;nf Minuten siebenhundert
+Gulden zu verdienen &ndash;&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_392" id="Page_392">[S. 392]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Nicht wahr das ist nicht schlecht?&ldquo; lachte der
+Amerikaner, &bdquo;wenn man seine Zeit nur ein paar Jahr
+auf &auml;hnliche Weise verwerthen k&ouml;nnte, lie&szlig;e sich schon
+ein ganz h&uuml;bsches Verm&ouml;gen zusammen scharren. Aber,
+Scherz bei Seite, Freund, der Zufall hat uns hier einen
+gl&uuml;cklichen Streich gespielt, und der Javane <span class="gesperrt">mu&szlig;</span> den
+Khris kaufen, wir m&ouml;gen fordern was wir wollen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Mu&szlig;</span> ihn kaufen?&ldquo; frug der Capitain erstaunt,
+&bdquo;wer soll ihn zwingen?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Seine eigene Sitte,&ldquo; rief der Yankee; &bdquo;schon aus
+fr&uuml;herer Zeit wei&szlig; ich &auml;hnliche Beispiele, und es giebt
+ein altes Gesetz unter diesen St&auml;mmen, da&szlig; sie den
+Khris ihrer Vorfahren, den sie an <a name="cortex6-2" href="#corr6-2" class="corr">eigenth&uuml;mlichen</a>,
+nur ihnen deutlichen Zeichen in der Damascirung kennen,
+wenn sie ihn verlieren und in fremden H&auml;nden
+wiederfinden, um <span class="gesperrt">jeden</span> Preis wieder an sich bringen
+<span class="gesperrt">m&uuml;ssen</span>. Ich war selber dabei, wie ein Javane einst
+f&uuml;r eine solche Klinge mit vollkommen werthlosem
+Heft zweitausend Gulden bezahlte, und <span class="gesperrt">vier</span>tausend
+gegeben haben w&uuml;rde, wenn er sie nicht anders bekommen
+h&auml;tte. Dasselbe ist hier der Fall, und umsonst
+bot der Bursche wahrhaftig nicht tausend Gulden
+f&uuml;r den Stahl. Nein, um hundert, wenn er sich
+klug dabei anstellte, h&auml;tte er den Khris vielleicht kaufen
+k&ouml;nnen, denn was kann man weiter damit thun,<span class="pagenum"><a name="Page_393" id="Page_393">[S. 393]</a></span>
+als ihn an die Wand h&auml;ngen, aber um <span class="gesperrt">tausend</span> kauft
+er ihn jetzt nicht, soviel ist sicher, und an mir soll's
+nicht liegen, wenn ich ihn jetzt nicht so weit hinaufschraube,
+als das Gewinde reicht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Da&szlig; er Ihnen dann nur nicht abf&auml;llt,&ldquo; sagte
+kopfsch&uuml;ttelnd der Capitain, &bdquo;und &uuml;berdies thut mir
+der arme Teufel leid. Wenn der Khris nun einmal
+in seine Familie geh&ouml;rt und sein Herz so daran h&auml;ngt,
+weshalb ihm den Wiedergewinn so entsetzlich, und auch
+ungerecht erschweren.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Oh, hol' die braunen Hallunken der Teufel,&ldquo;
+fluchte der Amerikaner, &bdquo;ich kann schon die <span class="gesperrt">Farbe</span>
+nicht leiden, und das Gesindel tr&auml;gt dabei noch die
+Nase &uuml;berhoch. Wo sie <span class="gesperrt">uns</span> betr&uuml;gen k&ouml;nnen, thun
+sie es auch, und wenn wir aus ihnen den gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen
+Nutzen herauspressen, &uuml;ben wir nicht mehr als unser
+Recht der Selbstvertheidigung. Au&szlig;erdem f&uuml;ttert
+und erh&auml;lt die Holl&auml;ndische Regierung nicht allein diese
+Faullenzer, sondern zahlt ihnen auch noch rasende
+Gehalte, die sie doch in Schmuck, nutzlosen Juwelen
+und Harems verschwenden. Es ist nicht mehr als
+Christenpflicht, ihnen einen kleinen Theil derselben
+wieder abzunehmen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn er Sie aber jetzt mit dem Gebot gehen
+l&auml;&szlig;t?&ldquo; sagte der Capitain.<span class="pagenum"><a name="Page_394" id="Page_394">[S. 394]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Da hinten kommt er schon,&ldquo; lachte der Amerikaner
+still vor sich hin, &bdquo;dessen sind wir sicher, und bis der
+Khris nicht in seinen H&auml;nden ist, verl&auml;&szlig;t der meine
+Spur nicht wieder.&ldquo;</p>
+
+<p>Als sie die Biegung &uuml;ber die Br&uuml;cke machten, und
+links wieder nach den Waarenh&auml;usern des Kali Besaar
+einbogen, konnten sie auch wirklich, ohne den Kopf besonders
+nach ihm umzudrehen, den Javanen erkennen,
+der bis dahin regungslos an dem Pfeiler lehnen geblieben
+war, als ob er die R&uuml;ckkehr der M&auml;nner erwarten
+wolle. Da sie aber <span class="gesperrt">nicht</span> kamen, schien er
+jetzt selber zu f&uuml;rchten, da&szlig; sie ihm entgehen k&ouml;nnten.</p>
+
+<p>Der Amerikaner hatte auch in der That ganz recht
+vermuthet; der Khris, den der Capitain so zuf&auml;llig
+in der Auction erstanden, geh&ouml;rte wirklich der Familie
+jenes Javanen; die geheimni&szlig;vollen Zeichen der Damascirung
+lie&szlig;en diesen nicht einen Augenblick dar&uuml;ber
+in Zweifel, und er <span class="gesperrt">mu&szlig;te</span> ihn wiederhaben. Aber
+wie? Hatten die gierigen, ehrgeizigen Wei&szlig;en ihn nicht
+Alles dessen beraubt, was er sein eigen nannte? war
+er nicht ein halber Bettler und Fl&uuml;chtling fast auf
+demselben Boden, den er fr&uuml;her als F&uuml;rst beherrscht,
+und wu&szlig;te er sich nicht dabei noch mi&szlig;trauisch &uuml;berwacht,
+weil die Regierung recht gut sowohl den Einflu&szlig;,
+den er fr&uuml;her ausge&uuml;bt, wie auch den starren<span class="pagenum"><a name="Page_395" id="Page_395">[S. 395]</a></span>
+Sinn kannte, der sich der fremden Herrschaft nicht
+gutwillig und geduldig beugen wollte? Sein Pferd,
+ein wackerer Macassar-Hengst, und eine Handvoll Juwelen,
+die ihm sein Vater hinterlassen, war Alles,
+was er noch sein nannte; aber selbst das, wenn er
+es jetzt rasch verkaufen mu&szlig;te, brachte ihm kaum die
+ganze, von dem gierigen Wei&szlig;en geforderte Summe,
+und was blieb ihm zuletzt &uuml;brig? &ndash; In finsterem
+Br&uuml;ten folgte er den beiden M&auml;nnern, die, ohne anscheinend
+weiter auf ihn Acht zu geben, vor einem der
+Gesch&auml;ftslokale stehen geblieben waren und den Herankommenden
+den R&uuml;cken zukehrten. Der Amerikaner
+hatte dem holl&auml;ndischen Capitain eben die verabredeten
+dreihundert Gulden f&uuml;r die Waffe, f&uuml;r die er so viele
+Tausende zu gewinnen hoffte, ausgeliefert, und besah
+jetzt gerade wieder l&auml;chelnd den unscheinbaren Stahl,
+als der Javane zu ihm herantrat, die Hand auf seine
+Schulter legte und leise sagte.</p>
+
+<p>&bdquo;Ich gebe dir zweitausend Gulden f&uuml;r die Waffe,
+und einen besseren Khris als diesen hier. La&szlig; ihn
+mir. Ich habe mein Herz einmal darauf gesetzt, und
+m&ouml;chte ihn mein nennen, wenn es auch th&ouml;richt ist.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Du bist ein wackerer Bieter,&ldquo; lachte der Amerikaner,
+&bdquo;aber <span class="gesperrt">mein</span> Herz h&auml;ngt besonderer Weise auch
+daran, und wir m&uuml;ssen nun sehen, welches schwerer<span class="pagenum"><a name="Page_396" id="Page_396">[S. 396]</a></span>
+ist, deines oder meines. Um zweitausend Gulden gebe
+ich ihn <a name="cortex6-3" href="#corr6-3" class="corr">nicht</a> her, hast du vielleicht Lust <span class="gesperrt">dreitausend</span> dagegen
+zu wenden?&ldquo;</p>
+
+<p>Der Javane bi&szlig; seine Unterlippe, da&szlig; der Eindruck
+der scharfen Z&auml;hne darin zur&uuml;ckblieb; er f&uuml;hlte,
+da&szlig; der Fremde die Beweggr&uuml;nde kannte, die ihn trieben,
+<span class="gesperrt">wu&szlig;te</span>, da&szlig; er entschlossen sei seinen Vortheil zu wahren,
+und z&ouml;gerte dennoch mit dem Gebot, da&szlig; ihn zum
+Bettler machen mu&szlig;te. Aber es blieb ihm keine andere
+Wahl; der heilige Khris war eines <span class="gesperrt">Fremden</span> Eigenthum,
+und die Geister der Verstorbenen h&auml;tten den Frevel
+ger&auml;cht, wenn er die Waffe in jenes H&auml;nden lie&szlig;.</p>
+
+<p>&bdquo;Gut,&ldquo; sagte er endlich, w&auml;hrend ein schwerer
+Seufzer sich seiner Brust entrang, &bdquo;sei hier an dieser
+Stelle eine Stunde vor Sonnenuntergang, ich bringe
+dir das Geld; und seinen Sarong fester um sich herziehend,
+und ohne sich weiter nach den M&auml;nnern umzusehen,
+schritt er die Stra&szlig;e rasch zur&uuml;ck.&ldquo;</p>
+
+<p>Um die Lippen des Amerikaners zuckte ein
+triumphirendes L&auml;cheln, der holl&auml;ndische Capitain aber
+theilte seine Gef&uuml;hle nicht und <a name="cortex6-4" href="#corr6-4" class="corr">sagte</a> ernst:</p>
+
+<p>&bdquo;Sie sind zu weit gegangen, Goodwin; dem armen
+Teufel wird es blutsauer werden, das Geld aufzubringen,
+und h&auml;tt' ich <span class="gesperrt">das</span> vorher gewu&szlig;t, w&uuml;rd' ich
+es nicht geduldet haben.&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_397" id="Page_397">[S. 397]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Das kann ich mir denken,&ldquo; lachte der Kaufmann,
+&bdquo;es thut Ihnen jetzt leid, da&szlig; Sie mir nicht geglaubt,
+und f&uuml;rchteten, er liefe Ihnen mit dem Dreihundert-Gulden-Gebot
+davon. Hatt' ich Ihnen nicht vorher
+gesagt, da&szlig; er so viele <span class="gesperrt">Tausende</span> daf&uuml;r geben
+w&uuml;rde?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Er bezahlt das Messer theuer genug damit,&ldquo; sagte
+der Holl&auml;nder.</p>
+
+<p>&bdquo;Und bekommt es noch nicht einmal daf&uuml;r,&ldquo; rief
+der Amerikaner lachend.</p>
+
+<p>&bdquo;Bekommt es nicht daf&uuml;r?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Nein; er mu&szlig; und wird mehr geben; hol's der
+Teufel, ich habe den Burschen jetzt einmal in H&auml;nden,
+und will ihn pressen, so lange noch ein Gulden aus
+ihm herauszubringen ist. Solche Gelegenheit kommt
+mir sobald nicht wieder, und wer sie nicht benutzte,
+w&auml;re ein Thor.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Lieber Goodwin,&ldquo; sagte der Holl&auml;nder ernst,
+&bdquo;ich verdiene auch gern Geld, und brauche es vielleicht
+so n&ouml;thig, wie jeder Andere, aber &ndash; auf solche
+Weise &ndash;!&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Bah,&ldquo; rief der Amerikaner, sich von dem Holl&auml;nder
+abwendend; &bdquo;<span class="gesperrt">Sie</span> haben mehr als <i>200</i> Procent
+f&uuml;r den Khris genommen, <span class="gesperrt">ich</span> gehe in die Tausende;
+der einzige Unterschied liegt in der Summe,<span class="pagenum"><a name="Page_398" id="Page_398">[S. 398]</a></span>
+und moralische Bedenklichkeiten w&auml;ren Unsinn. Aber
+das ist Nebensache und abgemacht; <span class="gesperrt">wann</span> gehen Sie
+an Bord, da&szlig; ich Ihnen noch das N&ouml;thige besorgen
+kann?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Heute Abend vor Sonnenuntergang,&ldquo; erwiderte
+der Holl&auml;nder, &bdquo;soeben habe ich die Nachricht bekommen,
+da&szlig; die letzte Praue drau&szlig;en l&ouml;scht und das Wasser
+an Bord gekommen ist. Meine Papiere sind s&auml;mmtlich
+in Ordnung, also hindert mich Nichts, mit dem
+Landwind morgen fr&uuml;h unter Segel zu gehen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Apropos, Sie wollten mir ja noch eins von den
+Schachspielen verkaufen, die Sie von China mitgebracht
+haben,&ldquo; sagte der Amerikaner.</p>
+
+<p>&bdquo;Es steht Ihnen gern zu Diensten, aber ich habe
+keins an Land.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gut, dann begleite ich Sie heute Abend an Bord
+und hole es selber; und nun auf Wiedersehen, denn
+ich habe noch Manches zu besorgen.&ldquo;</p>
+
+<p>Die beiden M&auml;nner trennten sich hier, ihren verschiedenen
+Besch&auml;ftigungen nachzugehen, und wir wollen
+indessen dem Javanen folgen, der, nur das eine
+Ziel vor Augen, in wilder Hast zur&uuml;ck in seine Wohnung
+eilte, sein Pferd, seine Juwelen zu verkaufen,
+um zur rechten Zeit an dem bezeichneten Platz zu sein.</p>
+
+<p>K&auml;ufer fand er allerdings daf&uuml;r; der schlaue<span class="pagenum"><a name="Page_399" id="Page_399">[S. 399]</a></span>
+Chinese ist stets bereit, einen vortheilhaften Handel
+einzugehen, und Geld auf Waaren als Pfand vorzuschie&szlig;en,
+oder auch diese selber anzukaufen, wenn er
+den sicheren Gewinn voraussehen kann. Aber die
+z&auml;hen Gesellen wollten die Juwelen nicht nach ihrem
+Werth, nur nach dem Dr&auml;ngen des Augenblicks bezahlen,
+und der Javane, dem es schon &uuml;berdies die
+Seele zerschnitt, um den Nachla&szlig; seines Vaters mit
+gierigen M&auml;klern zu feilschen, mu&szlig;te von Einem derselben
+zum Andern laufen, die von dem Amerikaner
+geforderte Summe endlich zusammenzubringen.</p>
+
+<p>Als die Sonne noch eine Stunde hoch am Firmamente
+stand, eilte er mit dem Rest seines Verm&ouml;gens,
+zu Fu&szlig; und mit triefender Stirne, dem bestimmten
+Platz an Kali Besaar zu, und fand den Amerikaner
+dort schon seiner wartend, dicht am Flusse stehen.</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du den Khris?&ldquo; frug der H&auml;uptling leise,
+als er zu ihm trat, und die Rolle mit Holl&auml;ndischen
+Banknoten aus seinem G&uuml;rtel nahm.</p>
+
+<p>&bdquo;Ah, <i>tabe&eacute;</i>, mein brauner Freund,&ldquo; lachte der
+Amerikaner, als er seiner ansichtig wurde, &bdquo;bist du
+wieder da? ein Paar Minuten sp&auml;ter, und du h&auml;ttest
+mich nicht mehr getroffen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du den Khris?&ldquo; sagte der Javane, ohne
+den Gru&szlig; weiter zu erwidern.<span class="pagenum"><a name="Page_400" id="Page_400">[S. 400]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Den Khris? &ndash; allerdings, hier ist er, mein
+brauner Tuwan.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und hier ist dein Geld daf&uuml;r &ndash; gieb mir die
+Waffe,&ldquo; sagte der Javane, ihm mit der linken Hand
+die Banknoten reichend und die rechte nach dem Messer
+ausstreckend.</p>
+
+<p>&bdquo;Halt, nicht so schnell,&ldquo; entgegnete ihm aber ruhig
+der Kaufmann, &bdquo;wie viel hast du in dem Bananenblatt
+da eingewickelt?&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Was du verlangt hast &ndash; dreitausend Gulden,&ldquo;
+sagte der Eingeborene, mit finster zusammengezogenen
+Brauen, &bdquo;es ist mir schwer genug geworden, es zu
+schaffen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;M&ouml;glich,&ldquo; lachte der Amerikaner, &bdquo;aber f&uuml;r <span class="gesperrt">dreitausend</span>
+Gulden gebe ich den Khris nicht her.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hast du ihn mir nicht um den Preis verkauft?&ldquo;
+rief der Javane, mit zornfunkelnden Augen emporfahrend,
+w&auml;hrend die Rechte fast unwillk&uuml;rlich nach
+dem Griff der eigenen Waffe fuhr, die er im G&uuml;rtel
+trug.</p>
+
+<p>&bdquo;Nur ruhig, Freund,&ldquo; entgegnete ihm aber mit
+einem ver&auml;chtlichen L&auml;cheln &uuml;ber die drohende Bewegung
+der kaltbl&uuml;tige Yankee, &bdquo;ich habe dich blo&szlig; gefragt,
+<span class="gesperrt">ob du Lust h&auml;ttest, dreitausend Gulden
+an den Stahl zu wenden</span>, dir aber nicht gesagt,<span class="pagenum"><a name="Page_401" id="Page_401">[S. 401]</a></span>
+mit keinem Worte, da&szlig; ich ihn daf&uuml;r lassen w&uuml;rde &ndash;
+Giebst du aber <span class="gesperrt">vier</span>tausend, soll er dein sein.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;<span class="gesperrt">Vier</span>tausend,&ldquo; rief der Javane, die Z&auml;hne zusammenknirschend,
+&bdquo;was ich an mir trage, ist mein
+ganzes Verm&ouml;gen, ich habe nicht tausend Deute mehr,
+sie zuzulegen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Das thut mir leid,&ldquo; sagte der Amerikaner achselzuckend,
+&bdquo;dann f&uuml;rcht' ich, werd' ich den Khris behalten
+m&uuml;ssen.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Der Khris ist <span class="gesperrt">mein</span>!&ldquo; zischte da der Javane
+zwischen den zusammengebissenen Z&auml;hnen durch, &bdquo;du
+<span class="gesperrt">darfst</span> ihn mir nicht vorenthalten. Hier ist dein Geld,
+es ist mein Alles, und ich g&ouml;nne es dir, verdank' ich
+dir dann doch die Waffe meiner Ahnen, aber &ndash; weigere
+mir sie nicht.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Hm, ich dachte, du wolltest ihn nur f&uuml;r einen
+<span class="gesperrt">Freund</span> haben,&ldquo; lachte der Yankee, &bdquo;h&auml;tte ich das gewu&szlig;t,
+w&auml;r' er mir nicht einmal um <span class="gesperrt">vier</span>tausend feil;
+aber ein Mann ein Wort, und schaffst du mir <span class="gesperrt">die</span>
+Summe, magst du ihn haben, unter dem aber um
+keinen Deut.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Gib mir den Khris und nimm dein Geld,&ldquo;
+dr&auml;ngte der Eingeborene, &bdquo;ich <span class="gesperrt">kann</span> dir, bei Allah,
+nicht mehr geben; treibe mich nicht zum &Auml;u&szlig;ersten.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Wo du die <span class="gesperrt">Drei</span>tausend aufgetrieben hast,&ldquo;<span class="pagenum"><a name="Page_402" id="Page_402">[S. 402]</a></span>
+spottete der Amerikaner, &bdquo;wird dir auch wohl noch
+ein viertes zu Gebote stehen. Es ist mein letztes
+Wort, und jetzt la&szlig; mich zufrieden, denn ich mu&szlig; an
+Bord eines der Schiffe auf der Rhede fahren. Wenn
+du das Geld zusammen hast, so komm' morgen fr&uuml;h
+in das Amsterdam-Hotel.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Und du verweigerst mir ihn f&uuml;r dreitausend
+Gulden,&ldquo; frug der Javane mit leiser, von innerem
+Grimm fast erstickter Stimme; der Amerikaner
+aber, der an der ganzen Aufregung des Mannes
+wohl sah, da&szlig; er sein Spiel gewonnen habe,
+antwortete ihm gar nicht darauf, sondern schritt, sich
+von ihm abwendend, langsam am Ufer des Flusses
+nieder. &ndash; Er h&auml;tte vielleicht besser gethan, ihm den
+Dolch zu geben.</p>
+
+<p>Etwas weiter unten stand sein Cabriolet, der
+braune Kutscher mit dem runden, backsch&uuml;sself&ouml;rmigen,
+vergoldeten Hut hatte ihn kommen sehen, und fuhr
+mitten in die Stra&szlig;e; Goodwin stieg langsam ein
+und einen fl&uuml;chtigen Blick zur&uuml;ckwerfend, suchte sein
+Auge die Gestalt des eben verlassenen Eingeborenen.
+Dieser aber war nirgends mehr zu sehen und der
+Yankee, dem Kutscher in ein paar Malayischen Worten
+das Steueramt am Kali Besaar als Bestimmungsort
+nennend, lehnte sich nachl&auml;ssig in dem kleinen<span class="pagenum"><a name="Page_403" id="Page_403">[S. 403]</a></span>
+Fuhrwerk zur&uuml;ck, still vor sich hinl&auml;chelnd &uuml;ber den
+vortheilhaften Handel.</p>
+
+<p>Als sie den Ort erreichten, an dem s&auml;mmtliche
+Boote anlegen m&uuml;ssen, die den schmalen, zum Hafen
+f&uuml;hrenden Canal passiren, ob sie nun ein- oder ausw&auml;rts
+gehen, war die J&ouml;lle des Holl&auml;ndischen Capitains
+noch nicht gekommen, und der Yankee ging eine
+ziemlich lange Weile mit wachsender Ungeduld am
+Strande auf und ab.</p>
+
+<p>Den Canal herunter kam eine kleine Praue von
+vier Malayen gerudert. Ein f&uuml;nfter lag lang ausgestreckt
+und in einen schmutzigen alten Sarong geh&uuml;llt,
+im Spiegel des schlanken Fahrzeugs. Die Praue
+glitt dicht und langsam am Steindamm des Steueramts
+hin, dem dort postirten Beamten &ndash; einem Liplap
+&ndash; zu zeigen, da&szlig; sie nichts einer Abgabe Unterliegendes
+im Boote h&auml;tten. In der That war sie auch vollkommen
+leer, und nur ein Paar Fruchtb&uuml;ndel Bananen
+oder Pisang, ein Dutzend Cocosn&uuml;sse und ein Paar
+K&ouml;rbe mit Reis und anderen Fr&uuml;chten lagen im Vordertheil
+derselben. Ein weiteres Anhalten war deshalb nicht
+n&ouml;thig und das Fahrzeug trieb langsam vorbei.</p>
+
+<p>&bdquo;Nun, kann der faule Bursche da hinten nicht
+aufsitzen, wenn er die Steuer passirt?&ldquo; rief der Liplap
+m&uuml;rrisch.<span class="pagenum"><a name="Page_404" id="Page_404">[S. 404]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Ist krank,&ldquo; sagte der eine Malaye, w&auml;hrend
+er sein Ruder einsetzte, und gleich darauf scho&szlig; das
+scharf gebaute Boot, die Str&ouml;mung der Ebbe wieder
+erreichend, rasch das enge Fahrwasser hinab.</p>
+
+<p>Der Amerikaner hatte die Leute halten sehen,
+aber nicht weiter auf sie geachtet, denn das schon ungeduldig
+erwartete Boot kam endlich den Canal nieder,
+hielt einige Sekunden an dem Steinwerft, wo es den
+Yankee an Bord nahm und passirte dann, da der Capitain
+nur H&uuml;hner, Fr&uuml;chte und einige andere Sachen
+zur Verproviantirung seines Schiffes bei sich f&uuml;hrte,
+unbehindert nach au&szlig;en.</p>
+
+<p>Auf der Rhede &uuml;berholten sie die Praue mit den
+f&uuml;nf Malayen &ndash; der eine Bursche lag noch immer
+auf seiner Bank ausgestreckt, und die &uuml;brigen Ruderer
+schienen es auch nicht besonders eilig zu haben, denn
+sie trieben mit der ausgehenden Str&ouml;mung langsam
+zwischen die dort vor Anker liegenden Schiffe hinein.</p>
+
+<p>Die Sonne war indessen untergegangen und
+Goodwin blieb mehrere Stunden an Bord des Holl&auml;nders,
+theils die bald eintretende Fluth, theils den
+Aufgang des Mondes abzuwarten, der Capitain frug
+ihn einmal nach seinem Handel mit dem Javanen,
+der Amerikaner aber gab eine ausweichende Antwort,
+besorgte, was er noch an Bord zu besorgen hatte, und<span class="pagenum"><a name="Page_405" id="Page_405">[S. 405]</a></span>
+verlie&szlig; dann mit den Malayischen Bootsleuten, die
+jedes Europ&auml;ische Fahrzeug f&uuml;r die Dauer seines
+Aufenthalts auf der Rhede von Batavia miethet, das
+Schiff, an Land zur&uuml;ckzukehren.</p>
+
+<p>Ein aufsteigendes Gewitter schickte eben eine frische
+Brise vom Ufer her&uuml;ber, und die Malayen mu&szlig;ten zu
+den Rudern greifen, dieser entgegenzuarbeiten; die
+See war aber noch vollkommen ruhig, und der Mond
+schien hell und klar auf die leicht gekr&auml;uselte, blitzende
+Fluth.</p>
+
+<p>Die Lastprauen, die &uuml;ber Tag den Schiffen ihre
+Ladung zuf&uuml;hren, waren schon s&auml;mmtlich in den Canal
+zur&uuml;ckgekehrt; nur hie und da glitt noch ein einzelnes
+versp&auml;tetes Boot, eigentlich gegen das Gesetz, und
+dann und wann von dem Wachtschiff angerufen,
+durch die dort ankernden gewaltigen Fahrzeuge, und
+der regelm&auml;&szlig;ige Schlag der Ruder klang weit hin
+durch die Nacht. &ndash; Ihnen gerade entgegen kam jetzt
+ein solches und der Amerikaner, der hinten am Ruder
+sa&szlig;, sah es pl&ouml;tzlich so dicht vor sich auftauchen, da&szlig;
+er kaum Zeit behielt, den Bug seines eigenen Bootes
+herumzuwerfen, um nicht mit dem des fremden zusammenzurennen.</p>
+
+<p>&bdquo;Holla, da vorn, zum Teufel, weshalb pa&szlig;t ihr
+nicht auf!&ldquo; rief er auf Englisch &auml;rgerlich den Begegnenden<span class="pagenum"><a name="Page_406" id="Page_406">[S. 406]</a></span>
+zu. Das fremde Boot ver&auml;nderte seinen
+Cours aber nicht um eines Haares Breite, ja, folgte
+eher noch etwas der abweichenden Bewegung des anderen,
+dessen Planken es jetzt ber&uuml;hrte und scheuerte.
+Die Malayen behielten in der That kaum Zeit, ihre
+Ruder aus den Dollen zu werfen und in Sicherheit
+zu bringen.</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Tab&eacute;e Tuwan</i><a name="FNanchor_45_45" id="FNanchor_45_45"></a><a href="#Footnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a>!&ldquo; rief dabei zu gleicher Zeit
+eine trotzige Stimme, die des Amerikaners Blut zu
+Eis erstarren machte, und eine dunkle Gestalt sprang,
+w&auml;hrend zwei der fremden Bootsleute ihr folgten,
+und die beiden Fahrzeuge fest zusammenhielten, mit
+wildem Satz auf den Amerikaner zu.</p>
+
+<p>&bdquo;H&uuml;lfe! M&ouml;rder &ndash; R&auml;uber!&ldquo; schrie dieser und
+ri&szlig; den Khris, den er in seiner Tasche trug, heraus,
+sich gegen den auf ihn einspringenden Feind zu vertheidigen.
+Ehe er aber den Stahl aus der h&ouml;lzernen
+Scheide bringen konnte, hatte des Javanen schm&auml;chtige
+doch elastische Gestalt sich &uuml;ber ihn geworfen und den
+Khris gefa&szlig;t.</p>
+
+<p>&bdquo;H&uuml;lfe, M&ouml;rder!&ldquo; t&ouml;nte wieder der gellende Ruf
+des &Uuml;berfallenen, der jetzt in wilder Wuth sich von
+dem Griff des Feindes zu befreien suchte, und mit der<span class="pagenum"><a name="Page_407" id="Page_407">[S. 407]</a></span>
+rechten Faust wohl gut gemeinte, aber erfolglose St&ouml;&szlig;e
+nach dessen Kopf f&uuml;hrte.</p>
+
+<p>&bdquo;Meinen Khris will ich,&ldquo; knirschte der Javane
+dabei zwischen den zusammengebissenen Z&auml;hnen durch,
+&bdquo;gieb meinen Khris, oder du bist ein Kind des Todes.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Verdammte braune Bestie, eher mein Leben!&ldquo;
+schrie der Yankee, jetzt zu wilder Wuth entflammt,
+&bdquo;warte Hallunke, <span class="gesperrt">das</span> zahlst du mir theuer. Hierher,
+Malayen, helft mir den Schurken binden.&ldquo;</p>
+
+<p>Auf den benachbarten Schiffen, die den L&auml;rm und
+das H&uuml;lferufen geh&ouml;rt, wurde es laut, und das Knarren
+der Bl&ouml;cke auf dem n&auml;chsten verrieth dem ge&uuml;bten
+Ohr des Eingeborenen, wie ein Boot niedergelassen
+wurde. Auch aus der Gegend, wo das Wachtschiff
+lag, t&ouml;nten rasche Ruderschl&auml;ge her&uuml;ber, die das Ohr
+des Amerikaners ebenfalls trafen.</p>
+
+<p>&bdquo;Zu H&uuml;lfe hierher &ndash; hurrah meine Bursche,
+ich halte die Canaille!&ldquo; schrie dieser jubelnd auf, &bdquo;hierher,
+ohoy.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;So hab' deinen Willen!&ldquo; zischte es in des
+Amerikaners Ohren, und ein gellender Angstschrei
+antwortete der schlangen&auml;hnlichen Bewegung des
+Javanen, der sich im n&auml;chsten Augenblicke aus den
+Armen des Wei&szlig;en wand, und zur&uuml;ck in sein eigenes
+Fahrzeug sprang.<span class="pagenum"><a name="Page_408" id="Page_408">[S. 408]</a></span></p>
+
+<p>&bdquo;Her zu mir!&ldquo; rief er dabei seiner Bootsmannschaft
+zu, &bdquo;und nun fort!&ldquo; und blitzschnell folgten die
+braunen gewandten Gestalten dem Befehl, w&auml;hrend
+des Amerikaners Malayen starr und entsetzt zur&uuml;ckblieben,
+und kein Glied zur Vertheidigung des angegriffenen
+Wei&szlig;en zu r&uuml;hren wagten.</p>
+
+<p>&bdquo;Halt dort &ndash; was f&uuml;r ein Boot ist das?&ldquo; rief
+da eine tiefe Stimme &uuml;ber das Wasser, und die rasch
+eingesetzten und wieder gehobenen Ruder blitzten im
+Mondenlicht.</p>
+
+<p>&bdquo;Segel auf!&ldquo; rief der Javane dagegen seinen Leuten
+zu, denen er jetzt selber ganz kaltbl&uuml;tig half, das
+Mattensegel zu setzen. Kaum aber hob sich dies mit
+seiner breiten Fl&auml;che &uuml;ber Deck, als es der immer
+sch&auml;rfer einsetzende Wind auch schon fa&szlig;te, und das
+schlanke Boot vor sich hintrieb.</p>
+
+<p>&bdquo;Halt da, sag' ich!&ldquo; schrie die n&auml;her und n&auml;her
+kommende Stimme in malayischer Sprache, w&auml;hrend
+von der andern Seite ebenfalls ein Boot her&uuml;ber
+scho&szlig;, &bdquo;euer Segel nieder, oder ich gebe Feuer.&ldquo;</p>
+
+<p>&bdquo;Feuert!&ldquo; lachte der Javane trotzig zur&uuml;ck, &bdquo;feuert
+so viel ihr m&ouml;gt!&ldquo; und das Steuer ergreifend, lenkte
+er den scharf gebauten Bug des kleinen Fahrzeugs gerade
+vor den Wind, da&szlig; das riesige Segel weit ausbl&auml;hte<span class="pagenum"><a name="Page_409" id="Page_409">[S. 409]</a></span>
+und die Fluth vorn wild und sch&auml;umend emporspritzte.</p>
+
+<p>Drei, vier Sch&uuml;sse fielen jetzt hinter ihm her, aber
+sie erreichten das Boot nicht. Trotzdem gab das
+Wachtboot die Verfolgung nicht auf, sondern setzte
+jetzt ebenfalls ein Segel, den frischen Wind zu benutzen.
+Der commandirende <a name="cortex6-5" href="#corr6-5" class="corr">Officier</a> rief indessen dem zweiten
+herbeieilenden Boote, das von einem englischen Kriegsschiffe
+abgeschickt worden, zu, das andere, auf dem
+Wasser treibende Fahrzeug anzulaufen und zu untersuchen.
+&ndash; Es war das Boot des Amerikaners, in dem
+die Malayen noch nicht wieder zu den Rudern gegriffen
+hatten, denn sie waren um die <span class="gesperrt">Leiche</span> des
+wei&szlig;en Mannes besch&auml;ftigt. H&uuml;lfe konnten sie ihm
+freilich nicht mehr bringen; der scharfe Khris hatte
+sein Herz mit furchtbarer Sicherheit getroffen.</p>
+
+<p>&Uuml;ber die See sch&auml;umte indessen, des Verfolgers
+spottend, die fl&uuml;chtige Praue des Javanen den &bdquo;tausend
+Inseln&ldquo; zu, in deren Bereich sich das Wachtboot
+nicht einmal allein hineinwagen durfte, und wo auch
+weitere Verfolgung zwischen den vielen kleinen Inseln
+nutzlos gewesen w&auml;re. Nach zweist&uuml;ndigem Rennen
+mu&szlig;te es die Jagd aufgeben und kehrte langsam und
+unverrichteter Sache zu seinem Stationsschiff auf der
+Rhede zur&uuml;ck.</p>
+
+<div class="footnotes"><h4>Fu&szlig;noten:</h4>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_41_41" id="Footnote_41_41"></a><a href="#FNanchor_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Ein eigenth&uuml;mlich geformter Javanischer Dolch.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_42_42" id="Footnote_42_42"></a><a href="#FNanchor_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Ein kleines Bergwasser, das einged&auml;mmt durch Batavia
+flie&szlig;t und von den Eingeborenen Kali Besaar, der gro&szlig;e
+Strom, genannt wird.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_43_43" id="Footnote_43_43"></a><a href="#FNanchor_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Mischling der Europ&auml;ischen mit der indischen Race.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_44_44" id="Footnote_44_44"></a><a href="#FNanchor_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Eine gew&ouml;hnliche unter den Holl&auml;ndern gebr&auml;uchliche
+gem&uuml;thliche Anrede zwischen vertrauten Bekannten.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_45_45" id="Footnote_45_45"></a><a href="#FNanchor_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Ich gr&uuml;&szlig;e euch, Herr!</p></div>
+</div>
+
+
+<div style="background:#888888;padding:10px;margin-top:2em;">
+<h3>Hinweise zur Transkription:</h3>
+
+<p>Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Gro&szlig;geschriebene
+Umlaute waren im Original als Ae, Oe und Ue abgedruckt und wurden durch
+&Auml;, &Ouml; und &Uuml; ersetzt. Offensichtliche Fehler und uneinheitliche
+Schreibweisen wurden korrigiert, bei Zweifeln wurde der Originaltext
+beibehalten. Die zahlreichen Korrekturen bei falsch gesetzten oder
+fehlenden Anf&uuml;hrungszeichen sind in der folgenden Liste der Korrekturen
+nicht aufgef&uuml;hrt.</p>
+
+<p>Liste der Korrekturen:</p>
+
+
+<table border="1" summary="korrekturen">
+<tr><th colspan="3">Der Wallfischf&auml;nger</th></tr>
+
+<tr>
+<th>&nbsp;</th>
+<th>Original</th>
+<th>Korrektur</th>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-1">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-1"></a>sein Schiff voll &Ouml;l bekommen wollte</td>
+<td>sein Schiff voll &Ouml;l bekommen wollte<span class="u">.</span></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-2"></a>&uuml;berdem war sie schon <span class="u">mit</span> dem jungen H&auml;uptling eines Nachbarstammes versprochen</td>
+<td>&uuml;berdem war sie schon dem jungen H&auml;uptling eines Nachbarstammes versprochen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-3"></a> er sah sich dadurch bald in de<span class="u">n</span> Besitz</td>
+<td>er sah sich dadurch bald in de<span class="u">m</span> Besitz</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-4"></a><span class="u">n</span>nd Toanonga selber um die Hand seiner Tochter zu bitten.</td>
+<td><span class="u">u</span>nd Toanonga selber um die Hand seiner Tochter zu bitten.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-5">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-5"></a>so bedenklich sch&uuml;ttelten die Offi<span class="u">z</span>iere</td>
+<td>so bedenklich sch&uuml;ttelten die Offi<span class="u">c</span>iere</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-6">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-6"></a>mit zu Hause durfte er sie nat&uuml;rlich nicht nehmen.</td>
+<td>mit <span class="u">nach</span> Hause durfte er sie nat&uuml;rlich nicht nehmen.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-7">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-7"></a>dichtgesteckte Bro<span class="u">d</span>fruchtb&auml;ume</td>
+<td>dichtgesteckte Bro<span class="u">t</span>fruchtb&auml;ume</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-8">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-8"></a>Gasperlen</td>
+<td>G<span class="u">l</span>asperlen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-9a">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-9"></a>soll Bro<span class="u">d</span>frucht und Cocosn&uuml;sse, Bananen und T<span class="u">u</span>ro</td>
+<td>soll Bro<span class="u">t</span>frucht und Cocosn&uuml;sse, Bananen und T<span class="u">a</span>ro</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-10">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-10"></a>ist Tai manavachis <span class="u">o</span>hana.</td>
+<td>ist Tai manavachis <span class="u">O</span>hana.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-11">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-11"></a>eines nach dem <span class="u">a</span>ndern</td>
+<td>
+ eines nach dem <span class="u">A</span>ndern</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-12">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-12"></a>Und wollen die Pagalangis selber ihr Holz schlagen?&ldquo;</td>
+<td>
+ Und wollen die Papalangis selber ihr Holz schlagen?&ldquo;</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-13">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-13"></a>Orangen a<span class="u">n</span>sgesogen</td>
+<td>Orangen a<span class="u">u</span>sgesogen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-15">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-15"></a>auf einem Bro<span class="u">dt</span>frucht- oder Cocosnu&szlig;baum</td>
+<td>auf einem Bro<span class="u">t</span>frucht- oder Cocosnu&szlig;baum</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-16">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-16"></a>Bro<span class="u">d</span>frucht und Schweinefleisch r&ouml;steten</td>
+<td>
+ Bro<span class="u">t</span>frucht und Schweinefleisch r&ouml;steten</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-17">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-17"></a>die Luc<span class="u">i</span> Walker droben noch drei volle Jahreszeiten</td>
+<td>
+ die Luc<span class="u">y</span> Walker droben noch drei volle Jahreszeiten</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-18">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-18"></a>tollk&ouml;pfigen Pa<span class="u">g</span>alangi <span class="u">ge</span>gelacht</td>
+<td>tollk&ouml;pfigen Pa<span class="u">p</span>alangi gelacht</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-19">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-19"></a>Hierher kam Hua jeden Abend mit mehren ihrer Gespielinnen</td>
+<td>
+ Hierher kam Hua jeden Abend mit mehr<span class="u">er</span>en ihrer Gespielinnen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-20">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-20"></a>zwei junge Bursche</td>
+<td>
+ zwei junge Bursche<span class="u">n</span></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-21">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-21"></a>das die Segel setzende Schiff der Pa<span class="u">g</span>alangis</td>
+<td>
+ das die Segel setzende Schiff der Pa<span class="u">p</span>alangis</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-22">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-22"></a>da&szlig; sie eine B&ouml; auszuarten drohte</td>
+<td>
+ da&szlig; sie <span class="u">in</span> eine B&ouml; auszuarten drohte</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-23">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-23"></a>rasch ihr Abendbro<span class="u">d</span> einzunehmen</td>
+<td>
+ rasch ihr Abendbro<span class="u">t</span> einzunehmen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-24">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-24"></a>den Offi<span class="u">z</span>ier &uuml;ber die Wichtigkeit der Einrede</td>
+<td>
+ den Offi<span class="u">c</span>ier &uuml;ber die Wichtigkeit der Einrede</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-24b">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-24b"></a>frug der Harpu<span class="u">r</span>nier, selbst mit wenig Hoffnung im Ton</td>
+<td>frug der Harpunier, selbst mit wenig Hoffnung im Ton</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-24c">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-24c"></a>entgegnete der Capit<span class="u">&auml;</span>n eint&ouml;nig</td>
+<td>entgegnete der Capit<span class="u">ai</span>n eint&ouml;nig</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-24d">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-24d"></a>Capit<span class="u">&auml;</span>n Silwitch sprang jetzt selber</td>
+<td>Capit<span class="u">ai</span>n Silwitch sprang jetzt selber</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-25">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-25"></a>der wir hier mit jeder Secunde <span class="u">Z</span>&ouml;gern ausgesetzt sind</td>
+<td>der wir hier mit jeder Secunde <span class="u">z</span>&ouml;gern ausgesetzt sind</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-26">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-26"></a>angesch<span class="u">l</span>ossener Eber</td>
+<td>
+ angeschossener Eber</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-27">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-27"></a>werft einen Theil der La<span class="u">n</span>dung &uuml;ber Bord</td>
+<td>werft einen Theil der Ladung &uuml;ber Bord</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-28">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-28"></a>vor der N&auml;he Feindes</td>
+<td>
+ vor der N&auml;he <span class="u">des</span> Feindes</td>
+</tr>
+
+
+
+
+<tr><th colspan="3">Die Bootsmannschaft</th></tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-29">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-29"></a>der h&ouml;hnende Jubelruf der <span class="u">J</span>onga-Insulaner antwortete</td>
+<td>der h&ouml;hnende Jubelruf der <span class="u">T</span>onga-Insulaner antwortete</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-30">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-30"></a>ein Schiff antr&auml;fen, da<span class="u">&szlig;</span> sie aufnehmen k&ouml;nnte.</td>
+<td>ein Schiff antr&auml;fen, da<span class="u">s</span> sie aufnehmen k&ouml;nnte.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex1-31">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr1-31"></a>um ihr<span class="u">e</span> Canoe zu erleichtern</td>
+<td>um ihr Canoe zu erleichtern</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-1">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-1"></a>der wie ein Weheruf &uuml;ber die Flut schallte</td>
+<td>der wie ein Weheruf &uuml;ber die Flut<span class="u">h</span> schallte</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-2"></a>Das ist dem zweiten H<span class="u">aa</span>rpunier seine Sache!</td>
+<td>Das ist dem zweiten H<span class="u">a</span>rpunier seine Sache!</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-3"></a>Auslandziehen</td>
+<td>Au<span class="u">fs</span>landziehen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-4"></a>jeden Morgen brachten ihn ein paar Eingeborene</td>
+<td>jeden Morgen brachten ihn<span class="u">en</span> ein paar Eingeborene</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-5">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-5"></a>Was ist An<span class="u">-g</span>a?</td>
+<td>Was ist An<span class="u">g-</span>a?</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-6">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-6"></a>hinaus aus der seichten Flut</td>
+<td>hinaus aus der seichten Flut<span class="u">h</span></td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-7">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-7"></a>die hier durch rechts und links auslaufende Landzungen gebildet w<span class="u">e</span>rde.</td>
+<td>die hier durch rechts und links auslaufende Landzungen gebildet w<span class="u">u</span>rde.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-8">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-8"></a>auf die Erde spukte --</td>
+<td>auf die Erde spu<span class="u">c</span>kte --</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-9">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-9"></a>&bdquo;Du, Jonas hast dem Zimmermann</td>
+<td>&bdquo;Du, Jonas<span class="u">,</span> hast dem Zimmermann</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-10">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-10"></a>gegen die Ha<span class="u">g</span>ai-Leute</td>
+<td>gegen die Ha<span class="u">p</span>ai-Leute</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-11">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-11"></a>sieben Ha<span class="u">g</span>ai-Krieger</td>
+<td>sieben Ha<span class="u">p</span>ai-Krieger</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex2-12">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr2-12"></a>von dem alten Rothfell zum Narren haben, Lord Do<span class="u">n</span>glas!</td>
+<td>von dem alten Rothfell zum Narren haben, Lord Do<span class="u">u</span>glas!</td>
+</tr>
+
+
+<tr><th colspan="3">Der Schooner</th></tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-1">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-1"></a>neben ih<span class="u">n</span> angekommen</td>
+<td>neben ih<span class="u">m</span> angekommen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-2"></a>nach Ha<span class="u">g</span>ai hin&uuml;berfahren</td>
+<td>nach Ha<span class="u">p</span>ai hin&uuml;berfahren</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-3"></a>noch schlimmer angekommen<span class="u">,</span> als wir.</td>
+<td>noch schlimmer angekommen als wir.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-4"></a>einen scharfen, eigent&uuml;mlichen Schrei</td>
+<td>einen scharfen, eigent<span class="u">h</span>&uuml;mlichen Schrei</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-5">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-5"></a>endlich sagt er:</td>
+<td>endlich sagt<span class="u">e</span> er:</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-6">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-6"></a>fa<span class="u">s</span>t dann den Alten</td>
+<td>fa<span class="u">ss</span>t dann den Alten</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex3-7">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr3-7"></a>als zwei der Frauen sich pl&ouml;tzlich und r&uuml;sichtslos auf Legs warfen</td>
+<td>als zwei der Frauen sich pl&ouml;tzlich und r&uuml;<span class="u">ck</span>sichtslos auf Legs warfen</td>
+</tr>
+
+<tr><th colspan="3">Der Balinese</th></tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-1">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-1"></a>die Are<span class="u">c</span>apalme streckte aus kleinen Fruchtdickichten</td>
+<td>die Are<span class="u">k</span>apalme streckte aus kleinen Fruchtdickichten</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-1b">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-1b"></a>&bdquo;Glente<span class="u">c</span>k!&ldquo; hauchte sie dabei,</td>
+<td>&bdquo;Glentek!&ldquo; hauchte sie dabei,</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-2"></a>am Anker stehenden Offi<span class="u">z</span>ier</td>
+<td>am Anker stehenden Offi<span class="u">c</span>ier</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-3"></a>Auch die Frau des Capitains war a<span class="u">n</span>fgesprungen,</td>
+<td>Auch die Frau des Capitains war a<span class="u">u</span>fgesprungen,</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-4"></a>w&auml;hrend sie flehend die Arme zu ihm au<span class="u">f</span>streckte</td>
+<td>w&auml;hrend sie flehend die Arme zu ihm au<span class="u">s</span>streckte</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-5">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-5"></a>verb nnte</td>
+<td>verb<span class="u">a</span>nnte</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-6">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-6"></a>Handels- und Schutz und Trutz-Vertrag</td>
+<td>Handels- und Schutz<span class="u">-</span> und Trutz-Vertrag</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex4-7">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr4-7"></a>Einem eigent&uuml;mlichen Aberglauben nach</td>
+<td>Einem eigent<span class="u">h</span>&uuml;mlichen Aberglauben nach</td>
+</tr>
+
+
+<tr><th colspan="3">Der Menschentiger</th></tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex5-1">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr5-1"></a>In den Prea<span class="u">u</span>ger Regentschaften auf Java</td>
+<td>In den Prea<span class="u">n</span>ger Regentschaften auf Java</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex5-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr5-2"></a>der furchtbare Schanghai</td>
+<td>der furchtbare Schang<span class="u">-</span>hai<span class="u">-</span>hai</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex5-2b">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr5-2b"></a>Schanghai befolgte mit zitternden H&auml;nden den gegebenen Befehl</td>
+<td>Schang<span class="u">-</span>hai befolgte mit zitternden H&auml;nden den gegebenen Befehl</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex5-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr5-3"></a>um von dort aus de<span class="u">m</span> K<span class="u">o</span>mp<span class="u">a</span>ng Tji-dasang zu erreichen.</td>
+<td>um von dort aus de<span class="u">n</span> K<span class="u">a</span>mp<span class="u">o</span>ng Tji-dasang zu erreichen.</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex5-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr5-4"></a>sein Leben zu retten, gegeben, den K<span class="u">o</span>mp<span class="u">a</span>ng.</td>
+<td>sein Leben zu retten, gegeben, den K<span class="u">a</span>mp<span class="u">o</span>ng.</td>
+</tr>
+
+
+<tr><th colspan="3">Der Khris</th></tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex6-1a">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr6-1"></a>keine Muskel seines Gesichts verrieh mehr</td>
+<td>kein Muskel seines Gesichts verrie<span class="u">th</span> mehr</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex6-2">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr6-2"></a>den sie an eigent&uuml;mlichen, nur ihnen deutlichen Zeichen</td>
+<td>den sie an eigent<span class="u">h</span>&uuml;mlichen, nur ihnen deutlichen Zeichen</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex6-3">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr6-3"></a>Um zweitausend Gulden gebe ich ihn her</td>
+<td>Um zweitausend Gulden gebe ich ihn <span class="u">nicht</span> her</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex6-4">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr6-4"></a>und sagte erst:</td>
+<td>und sagte er<span class="u">n</span>st:</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td><a href="#cortex6-5">Zum&nbsp;Text</a></td>
+<td><a name="corr6-5"></a>Der commandirende Offi<span class="u">z</span>ier</td>
+<td>Der commandirende Offi<span class="u">c</span>ier</td>
+</tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="full" />
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK INSELWELT. ERSTER BAND.***</p>
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+<a href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a>
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
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+
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+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
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