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--- /dev/null
+++ b/33541-8.txt
@@ -0,0 +1,1950 @@
+The Project Gutenberg EBook of Galgenlieder nebst dem 'Gingganz', by
+Christian Morgenstern
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Galgenlieder nebst dem 'Gingganz'
+
+Author: Christian Morgenstern
+
+Illustrator: Karl Walser
+
+Release Date: August 26, 2010 [EBook #33541]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GALGENLIEDER NEBST DEM 'GINGGANZ' ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Norbert H. Langkau
+
+
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+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Textes hinter die
+ Einleitung verschoben.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Buchstaben in Kurrentschrift wurden mit = markiert.
+ Buchstaben mit Makron wurden als [=x] formatiert.
+ ]
+
+
+
+
+ CHRISTIAN MORGENSTERN
+
+ GALGENLIEDER
+
+ NEBST DEM `GINGGANZ´
+
+ ZWEIUNDZWANZIGSTE AUFLAGE
+
+ VERLAG VON BRUNO CASSIRER
+ BERLIN 1917
+
+
+ DECKELZEICHNUNG
+ VON KARL WALSER
+
+
+ Dem Kinde im Manne.
+
+ `Im ächten Manne ist ein Kind versteckt:
+ das will spielen.´ Nietzsche.
+
+
+ Alle Rechte vorbehalten.
+
+
+
+
+Versuch einer Einleitung.
+
+
+Wir leben in einer bewegten Zeit. Ein Tag folgt dem andern, und neues
+Leben sproßt aus den Ruinen. Auf moralischem, medizinischem, poetischem,
+patriotischem Gebiete, in Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft,
+allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Tendenz. Symptom reiht sich an
+Symptom. Und solch ein Symptom war auch die Idee, welche eines schönen
+Tages des hinverflossenen Jahrhundertendes acht junge Männer,
+festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo immer, im Sinne der Zeit
+und auch wieder nicht im Sinne der Zeit -- diese Zeit, wie jede, als
+eine Zeit nicht nur der Bewegung schlechthin, sondern einer sowohl
+ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten
+Fortschritts nur zu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr
+gesehen -- die Singspielhalle, sozusagen, ihres Humors entgegenzustellen,
+zusammenschmiedete.
+
+Ein sonderbarer Kult vereinte sie. Zuvörderst wird das Licht verdreht,
+ein schwarzes Tuch dann aus dem Korb und übern Tisch gezogen, mit
+Schauderzeichen reich phosphoresziert, und bleich ein einzig Wachs
+inmitten der Idee des Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher
+Symbole. Dazu heißt der Erste Schuhu: der hängt zuhöchst und gibt den
+Klang zum Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verwest; der Dritte
+heißt Verreckerle: der reicht das Henkersmahl; der Vierte Veitstanz,
+zubenannt der Glöckner: der zieht den Armesünderstrang; der Fünfte
+Gurgeljochem: der schert den Lebensfaden durch; der Sechste Spinna,
+das Gespenst: der schlägt zwölf; der Siebente Stummer Hannes, zubenannt
+der Büchner; der singt Fisches Nachtgesang, und der Achte Faherügghh,
+mit dem Beinamen der Unselm: der kann das Simmaleins und spricht das
+große Lalul[=a]. Und es wird das Knochenklavier geschaffen und der
+Gelächtertrab und die Elementarsymphonie und der Huckepackdalbert und
+der Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie die Henkersmaid
+als Symbild von der Weisheit unverweslichem Begriff.
+
+Ein modulationsfähiger Keim.
+
+Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade damals und
+gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in denen das Herz der vom
+Geist der neuen Zeit am wunderlichsten beeindruckten Unvoreingenommenheit
+des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten pochte, ein besonders
+abwelthafter Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr
+excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten mehr
+geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich und in sich
+selber sei, indem sie »ihr Herze offenbart«, mit all den Widersprüchen,
+Knäueln, Gräueln, Grund- und Kraftsuppen ihres Wesens, als Schwan
+zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont ihres eigenen Chaos -- und
+sei es auch nur als ein Wesenstel ihrer selbst und sei es auch nur mit
+der lächelndsten Thräne im Wappen -- emporzusteigen sich zu entbrechen
+den Mut, was sage ich, die Verruchtheit hat.
+
+Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie unter
+Sternen, die, wie der Dichter sagt: »versengen, statt leuchten«,
+geboren sind, vertrocknet sind, behauptet wird, enthauptet werden, daß
+hier einem sozumaßen und im Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als
+Hydra gesehen, hydratherapeutischen Moment ersten Ranges -- immer
+angesichts dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden
+Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf eine, sagen wir,
+schwansinnige oder wesentielle Erweiterung des natürlichen Stoffgebietes
+zusamt mit der Freiheit des Individuums vor dem Gesetz ihrer Volksseele
+zu verraten sich zu entbrechen den Mut, was sage ich, die Verruchtheit
+haben wird, einem Moment, wie ihm in Handel, Wandel, Kunst und
+Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Frequenz den Arm
+bieten, und welches bei allem, ja vielleicht gerade trotz allem, als ein
+mehr oder minder modulationsfähiger Ausdruck einer ganz bestimmten und
+im weitesten Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung
+kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen vermag --
+gegenübergestanden und beigewohnt werden zu dürfen gelten lassen zu
+müssen sein möchte.
+
+ Hochachtungsvoll!
+
+ Jeremias Müller.
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis.
+
+
+ Seite
+
+ Bundeslied 3
+ Sophie 4
+ Nein! 5
+ Gebet 6
+ Lalul[=a] 7
+ Zwölf-Elf 8
+ Mondschaf 10
+ Lunovis 11
+ Ralf 12
+ Fisches Nachtgesang 13
+ Frühlingslied 14
+ Hemmed 15
+ Problem 16
+
+ Trichter 18
+ Tanz 19
+ Knie 20
+ Seufzer 21
+ Bim, Bam, Bum 22
+ Wiesel 24
+ Schaukelstuhl 25
+ Wurm 26
+ Kunkel 27
+ Mitternachtsmaus 28
+ Himmel und Erde 29
+ Mondendinge 30
+
+ Gingganz 32
+ Lattenzaun 33
+ Flaschen 34
+ Blonder Korke 35
+ Würfel 36
+ Kronprätendenten 37
+ Weste 38
+
+ Philanthropisch 40
+ Mond 41
+ Westküsten 42
+ Unter Zeiten 45
+ Schwarzkünstler 46
+ Palmström 48
+ Traum der Magd 49
+
+ Nasob[=e]m 51
+ Anto-logie 52
+ Hystrix 54
+ Probe 56
+ Ameisen 58
+ Gaul 60
+ Pudel 62
+ Huhn 63
+ Möwen 64
+ Igel und Agel 65
+ Werwolf 66
+ Fingur 68
+ Km 21 69
+ Waldgeiß 70
+
+ Purzelbaum 71
+ Wurzeln 72
+
+
+
+
+ Laß die Moleküle rasen,
+ was sie auch zusammenknobeln!
+ Laß das Tüfteln, laß das Hobeln,
+ heilig halte die Ekstasen.
+
+
+
+
+Bundeslied der Galgenbrüder.
+
+
+ O schauerliche Lebenswirrn,
+ wir hängen hier am roten Zwirn!
+ Die Unke unkt, die Spinne spinnt,
+ und schiefe Scheitel kämmt der Wind.
+
+ O Greule, Greule, wüste Greule!
+ Du bist verflucht! so sagt die Eule.
+ Der Sterne Licht am Mond zerbricht.
+ Doch dich zerbrach's noch immer nicht.
+
+ O Greule, Greule, wüste Greule!
+ Hört ihr den Ruf der Silbergäule?
+ Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!
+ da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's!
+
+
+
+
+Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid.
+
+
+ Sophie, mein Henkersmädel,
+ komm, küsse mir den Schädel!
+ Zwar ist mein Mund
+ ein schwarzer Schlund --
+ doch du bist gut und edel!
+
+ Sophie, mein Henkersmädel,
+ komm, streichle mir den Schädel!
+ Zwar ist mein Haupt
+ des Haars beraubt --
+ doch du bist gut und edel!
+
+ Sophie, mein Henkersmädel,
+ komm, schau mir in den Schädel!
+ Die Augen zwar,
+ sie fraß der Aar --
+ doch du bist gut und edel!
+
+
+
+
+Nein!
+
+
+ Pfeift der Sturm?
+ Keift ein Wurm?
+ Heulen
+ Eulen
+ hoch vom Turm?
+
+ Nein!
+
+ Es ist des Galgenstrickes
+ dickes
+ Ende, welches ächzte,
+ gleich als ob
+ im Galopp
+ eine müdgehetzte Mähre
+ nach dem nächsten Brunnen lechzte
+ (der vielleicht noch ferne wäre).
+
+
+
+
+Das Gebet.
+
+
+ Die Rehlein beten zur Nacht,
+ hab acht!
+
+ Halb neun!
+
+ Halb zehn!
+
+ Halb elf!
+
+ Halb zwölf!
+
+ Zwölf!
+
+ Die Rehlein beten zur Nacht,
+ hab acht!
+ Sie falten die kleinen Zehlein,
+ die Rehlein.
+
+
+
+
+Das große Lalul[=a].
+
+
+ Kroklokwafzi? Se[=m]eme[=m]i!
+ Seiokrontro -- prafriplo:
+ Bifzi, bafzi; hulale[=m]i:
+ quasti basti bo ...
+ Lalu lalu lalu lalu la!
+
+ Hontraruru miromente
+ zasku zes rü rü?
+ Entepente, leiolente
+ klekwapufzi lü?
+ Lalu lalu lalu lalu la!
+
+ Simarar kos malzipempu
+ silzuzankunkrei (;)!
+ Marjomar dos: Quempu Lempu
+ Siri Suri Sei []!
+ Lalu lalu lalu lalu la!
+
+
+
+
+Der Zwölf-Elf.
+
+
+ Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
+ Da schlägt es Mitternacht im Land.
+
+ Es lauscht der Teich mit offnem Mund.
+ Ganz leise heult der Schluchtenhund.
+
+ Die Dommel reckt sich auf im Rohr.
+ Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.
+
+ Der Schneck horcht auf in seinem Haus.
+ Desgleichen die Kartoffelmaus.
+
+ Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
+ auf einem windgebrochnen Ast.
+
+ Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
+ Das Mondschaf geht zum Hochgericht.
+
+ Die Galgenbrüder wehn im Wind.
+ Im fernen Dorfe schreit ein Kind.
+
+ Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
+ als Neuvermählte auf den Mund.
+
+ Hingegen tief im finstern Wald
+ ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:
+
+ Dieweil ein später Wanderstrumpf
+ sich nicht verlief in Teich und Sumpf.
+
+ Der Rabe Ralf ruft schaurig: `Kra!
+ Das End ist da! Das End ist da!´
+
+ Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
+ Und wieder schläft das ganze Land.
+
+
+
+
+Das Mondschaf.
+
+
+ Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
+ Es harrt und harrt der großen Schur.
+ Das Mondschaf.
+
+ Das Mondschaf rupft sich einen Halm
+ und geht dann heim auf seine Alm.
+ Das Mondschaf.
+
+ Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
+ `Ich bin des Weltalls dunkler Raum.´
+ Das Mondschaf.
+
+ Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
+ Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot.
+ Das Mondschaf.
+
+
+
+
+Lunovis.
+
+
+ Lunovis in planitie stat
+ Cultrumque magn' expectitat.
+ Lunovis.
+
+ Lunovis herba rapta it
+ In montes, unde cucurrit.
+ Lunovis.
+
+ Lunovis habet somnium:
+ Se culmen rer' ess' omnium.
+ Lunovis.
+
+ Lunovis mane mortuumst.
+ Sol ruber atque ips' albumst.
+ Lunovis.
+
+
+
+
+Der Rabe Ralf.
+
+
+ Der Rabe Ralf
+ will will hu hu
+ dem niemand half
+ still still du du
+ half sich allein
+ am Rabenstein
+ will will still still
+ hu hu
+
+ Die Nebelfrau
+ will will hu hu
+ nimmt's nicht genau
+ still still du du
+ sie sagt nimm nimm
+ 's ist nicht so schlimm
+ will will still still
+ hu hu
+
+ Doch als ein Jahr
+ will will hu hu
+ vergangen war
+ still still du du
+ da lag im Rot
+ der Rabe tot
+ will will still still
+ du du
+
+
+
+
+Fisches Nachtgesang.
+
+
+ -
+ U U
+ - - -
+ U U U U
+ - - -
+ U U U U
+ - - -
+ U U U U
+ - - -
+ U U U U
+ - - -
+ U U
+ -
+
+
+
+
+Galgenbruders Frühlingslied.
+
+
+ Es lenzet auch auf unserm Spahn,
+ o selige Epoche!
+ Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
+ aus einem Astwurmloche.
+
+ Es schaukelt bald im Winde hin
+ Und schaukelt bald drin her.
+ Mir ist beinah, ich wäre wer,
+ der ich doch nicht mehr bin ..
+
+
+
+
+Das Hemmed.
+
+
+ Kennst du das einsame Hemmed?
+ Flattertata, flattertata.
+
+ Der's trug, ist baß verdämmet!
+ Flattertata, flattertata.
+
+ Es knattert und rattert im Winde.
+ Windurudei, windurudei.
+
+ Es weint wie ein kleines Kinde.
+ Windurudei, windurudei.
+
+ Das ist das einsame
+ Hemmed.
+
+
+
+
+Das Problem.
+
+
+ Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem
+ und sprach: Ich heiße unbequem.
+ Als hieß' ich etwa Drei-Vier
+ statt Sieben -- Gott verzeih mir!
+
+ Und siehe da, der Zwölf-Elf nannt' sich
+ von jenem Tag ab Dreiundzwanzig.
+
+
+
+
+II.
+
+
+
+
+Die Trichter.
+
+
+ Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
+ Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
+ fließt weißes Mondlicht
+ still und heiter
+ auf ihren
+ Waldweg
+ u. s.
+ w.
+
+
+
+
+Der Tanz.
+
+
+ Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
+ trafen sich im Schatten einer Säule,
+ die im Geiste ihres Schöpfers stand.
+ Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
+ reichten sich die zwei zum Tanze
+ Fuß und Hand.
+
+ Und auf seinen dreien rosa Beinen
+ hüpfte das Vierviertelschwein graziös,
+ und die Auftakteul' auf ihrem einen
+ wiegte rhythmisch ihr Gekrös.
+ Und der Schatten fiel,
+ und der Pflanze Spiel
+ klang verwirrend melodiös.
+
+ Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen,
+ und die Säule schwand, wie sie gekommen war;
+ und so mußte denn auch unser Paar
+ wieder in sein Nichts zurücke reisen.
+ Einen letzten Strich
+ tat der Geigerich --
+ und dann war nichts weiter zu beweisen.
+
+
+
+
+Das Knie.
+
+
+ Ein Knie geht einsam durch die Welt.
+ Es ist ein Knie, sonst nichts!
+ Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
+ Es ist ein Knie, sonst nichts.
+
+ Im Kriege ward einmal ein Mann
+ erschossen um und um.
+ Das Knie allein blieb unverletzt --
+ als wär's ein Heiligtum.
+
+ Seitdem geht's einsam durch die Welt.
+ Es ist ein Knie, sonst nichts.
+ Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
+ Es ist ein Knie, sonst nichts.
+
+
+
+
+Der Seufzer.
+
+
+ Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
+ und träumte von Liebe und Freude.
+ Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
+ glänzten die Stadtwallgebäude.
+
+ Der Seufzer dacht' an ein Maidelein
+ und blieb erglühend stehen.
+ Da schmolz die Eisbahn unter ihm --
+ und er sank -- und ward nimmer gesehen.
+
+
+
+
+Bim, Bam, Bum.
+
+
+ Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
+ als hätt' er Vogelflügel,
+ er fliegt in römischer Kirchentracht
+ wohl über Tal und Hügel.
+
+ Er sucht die Glockentönin BIM,
+ die ihm vorausgeflogen;
+ d. h. die Sache ist sehr schlimm,
+ sie hat ihn nämlich betrogen.
+
+ `O komm´ so ruft er, `komm, dein BAM
+ erwartet dich voll Schmerzen.
+ Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
+ dein BAM liebt dich von Herzen!´
+
+ Doch BIM, daß ihr's nur alle wißt,
+ hat sich dem BUM ergeben;
+ der ist zwar auch ein guter Christ,
+ allein das ist es eben.
+
+ Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
+ wohl über Wald und Lichtung.
+ Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
+ er fliegt in falscher Richtung.
+
+
+
+
+Das æsthetische Wiesel.
+
+
+ Ein Wiesel
+ saß auf einem Kiesel
+ inmitten Bachgeriesel.
+
+ Wißt ihr
+ weshalb?
+
+ Das Mondkalb
+ verriet es mir
+ im Stillen:
+
+ Das raffinier-
+ te Tier
+ tat's um des Reimes willen.
+
+
+
+
+Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse.
+
+
+ `Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl
+ und wackel im Winde, im Winde.
+
+ Auf der Terrasse, da ist es kuhl,
+ und ich wackel im Winde, im Winde.
+
+ Und ich wackel und nackel den ganzen Tag.
+ Und es nackelt und rackelt die Linde.
+ Wer weiß, was sonst wohl noch wackeln mag
+ im Winde, im Winde, im Winde.´
+
+
+
+
+Die Beichte des Wurms.
+
+
+ Es lebt in einer Muschel
+ ein Wurm gar seltner Art;
+ der hat mir mit Getuschel
+ sein Herze offenbart.
+
+ Sein armes kleines Herze,
+ hei, wie das flog und schlug!
+ Ihr denket wohl, ich scherze?
+ Ach, denket nicht so klug.
+
+ Es lebt in einer Muschel
+ ein Wurm gar seltner Art;
+ der hat mir mit Getuschel
+ sein Herze offenbart.
+
+
+
+
+Das Weiblein mit der Kunkel.
+
+
+ Um stille Stübel schleicht des Monds
+ barbarisches Gefunkel --
+ im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
+ das Weiblein mit der Kunkel.
+
+ Es spinnt und spinnt. Was spinnt es wohl?
+ Es spinnt und spintisieret ...
+ Es trägt ein weißes Kamisol,
+ das seinen Körper zieret.
+
+ Um stille Stübel schleicht des Monds
+ barbarisches Gefunkel --
+ im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
+ Das Weiblein mit der Kunkel.
+
+
+
+
+Die Mitternachtsmaus.
+
+
+ Wenn's mitternächtigt und nicht Mond
+ noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
+ läuft zwölfmal durch das Himmelshaus
+ die Mitternachtsmaus.
+
+ Sie pfeift auf ihrem kleinen Maul, --
+ im Traume brüllt der Höllengaul ...
+ Doch ruhig läuft ihr Pensum aus
+ die Mitternachtsmaus.
+
+ Ihr Herr, der große weiße Geist,
+ ist nämlich solche Nacht verreist.
+ Wohl ihm! Es hütet ihm sein Haus
+ die Mitternachtsmaus.
+
+
+
+
+Himmel und Erde.
+
+
+ Der Nachtwindhund weint wie ein Kind,
+ dieweil sein Fell von Regen rinnt.
+
+ Jetzt jagt er wild das Neumondweib,
+ das hinflieht mit gebognem Leib.
+
+ Tief unten geht, ein dunkler Punkt,
+ querüberfeld ein Forstadjunkt.
+
+
+
+
+Mondendinge.
+
+
+ Dinge gehen vor im Mond,
+ die das Kalb selbst nicht gewohnt.
+
+ Tulemond und Mondamin
+ liegen heulend auf den Knien.
+
+ Heulend fletschen sie die Zähne
+ auf der schwefligen Hyäne.
+
+ Aus den Kratern aber steigt
+ Schweigen, das sie überschweigt.
+
+ Dinge gehen vor im Mond,
+ die das Kalb selbst nicht gewohnt.
+
+ Tulemond und Mondamin
+ liegen heulend auf den Knien ...
+
+
+
+
+III.
+
+Der Gingganz und Verwandtes.
+
+
+
+
+Der Gingganz.
+
+
+ Ein Stiefel wandern und sein Knecht
+ von Knickebühl gen Entenbrecht.
+
+ Urplötzlich auf dem Felde drauß
+ begehrt der Stiefel: Zieh mich aus!
+
+ Der Knecht drauf: Es ist nicht an dem;
+ doch sagt mir, lieber Herre, --: wem?
+
+ Dem Stiefel gibt es einen Ruck:
+ Fürwahr, beim heiligen Nepomuk,
+
+ ich GING GANZ in Gedanken hin ...
+ Du weißt, daß ich ein andrer bin,
+
+ seitdem ich meinen Herrn verlor ...
+ Der Knecht wirft beide Arm' empor,
+
+ als wollt' er sagen: Laß doch, laß!
+ Und weiter zieht das Paar fürbaß.
+
+
+
+
+Der Lattenzaun.
+
+
+ Es war einmal ein Lattenzaun,
+ mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
+
+ Ein Architekt, der dieses sah,
+ stand eines Abends plötzlich da --
+
+ und nahm den Zwischenraum heraus
+ und baute draus ein großes Haus.
+
+ Der Zaun indessen stand ganz dumm,
+ mit Latten ohne was herum,
+
+ Ein Anblick gräßlich und gemein.
+ Drum zog ihn der Senat auch ein.
+
+ Der Architekt jedoch entfloh
+ nach Afri -- od -- Ameriko.
+
+
+
+
+Die beiden Flaschen.
+
+
+ Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
+ die eine dick, die andre schlank.
+ Sie möchten gerne heiraten.
+ Doch wer soll ihnen beiraten?
+
+ Mit ihrem Doppel-Auge leiden
+ sie auf zum blauen Firmament ..
+ Doch niemand kommt herabgerennt
+ und kopuliert die beiden.
+
+
+
+
+Das Lied vom blonden Korken.
+
+
+ Ein blonder Korke spiegelt sich
+ in einem Lacktablett --
+ allein er säh' sich dennoch nich',
+ selbst wenn er Augen hätt'!
+
+ Das macht, dieweil er senkrecht steigt
+ zu seinem Spiegelbild!
+ Wenn man ihn freilich seitwärts neigt,
+ zerfällt, was oben gilt.
+
+ O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich
+ im, sagen wir, -- im All!
+ Und senkrecht! -- wärest du dann nicht
+ ganz in demselben Fall?
+
+
+
+
+Der Würfel.
+
+
+ Ein Würfel sprach zu sich: Ich bin
+ mir selbst nicht völlig zum Gewinn!
+
+ Denn meines Wesens sechste Seite,
+ und sei es auch Ein Auge bloß
+ sieht immerdar, statt in die Weite,
+ der Erde ewig dunklen Schoß.
+
+ Als dies die Erde, drauf er ruhte,
+ vernommen, ward ihr schlimm zu Mute.
+
+ Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,
+ weil dein Gesäß mich just bedeckt!
+ Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
+ sobald du dich hinweggefleckt.
+
+ Der Würfel, innerlichst beleidigt,
+ hat sich nicht weiter drauf verteidigt.
+
+
+
+
+Kronprätendenten.
+
+
+ -- `Ich bin der Graf von Réaumur
+ und hass' euch wie die Schande!
+ Dient nur dem Celsio für und für,
+ Ihr Apostatenbande!´
+
+ Im Winkel König Fahrenheit
+ hat still sein Mus gegessen.
+ -- `Ach Gott, sie war doch schön, die Zeit,
+ die man nach mir gemessen!´
+
+
+
+
+Die Weste.
+
+
+ Es lebt in Süditalien eine Weste
+ an einer Kirche dämmrigem Altar.
+ Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste.
+ Doch wie in Adam schon Herr Hæckel war,
+ (zum Beispiel bloß), so steckt in diesem Reste
+ Brokat voll Silberblümlein wunderbar
+ schon heut der krause Übergang verborgen
+ vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen.
+
+
+
+
+IV.
+
+
+
+
+Philanthropisch.
+
+
+ Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
+ wäre besser ohne sie daran;
+ darum seh' er, wie er ohne diese
+ (meistens mindstens) leben kann.
+
+ Kaum daß er gelegt sich auf die Gräser,
+ naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
+ naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
+ und die Hummel ruft zum Sturm.
+
+ Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
+ tut drum besser, wieder aufzustehn
+ und dafür in andre Paradiese
+ (beispielshalber: weg) zu gehn.
+
+
+
+
+Der Mond.
+
+
+ Als Gott den lieben Mond erschuf,
+ gab er ihm folgenden Beruf:
+
+ Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
+ sich deutschen Lesern zu bequemen,
+
+ ein =A= formierend und ein =Z= --
+ daß keiner groß zu denken hätt'.
+
+ Befolgend dies ward der Trabant
+ ein völlig deutscher Gegenstand.
+
+
+
+
+Die Westküsten.
+
+
+ Die Westküsten traten eines Tages zusammen
+ und erklärten, sie seien keine Westküsten,
+ weder Ostküsten noch Westküsten --
+ `daß sie nicht wüßten!´
+
+ Sie wollten wieder ihre Freiheit haben
+ und für immer das Joch des Namens abschütteln,
+ womit eine Horde von Menschenbütteln
+ sich angemaßt habe, sie zu begaben.
+
+ Doch wie sich befreien, wie sich erretten
+ aus diesen widerwärtigen Ketten?
+ Ihr Westküsten, fing eine an zu spotten,
+ gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?
+
+ Und wenn schon! rief eine andre schrill.
+ Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will? --
+ Dann blieben aber immer noch die Atlanten --
+ meinte eine von den asiatischen Tanten.
+
+ Schließlich, wie immer in solchen Fällen,
+ tat man eine Resolution aufstellen.
+ Fünfhundert Tintenfische wurden aufgetrieben,
+ und mit ihnen wurde folgendes geschrieben:
+
+ Wir Westküsten erklären hiermit einstimmig,
+ daß es uns nicht gibt, und zeichnen hochachtungsvoll:
+ Die vereinigten Westküsten der Erde. --
+ Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde.
+
+ Sie riefen den Walfisch, doch er tat's nicht achten;
+ sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten;
+ sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;
+ sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht.
+
+ Ja, wieso denn, wieso? schrie die Küste von Ecuador:
+ Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?
+ Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:
+ Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu.
+
+ Da war's den Küsten, als säh'n sie sich im Spiegel;
+ ganz seltsam erschien ihnen plötzlich ihr Gewiegel.
+ Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.
+ Und die Resolution, die blieb unversandt.
+
+
+
+
+Unter Zeiten.
+
+
+ Das Perfekt und das Imperfekt
+ tranken Sekt.
+ Sie stießen aufs Futurum an
+ (was man wohl gelten lassen kann).
+
+ Plusquamper und Exaktfutur
+ blinzten nur.
+
+
+
+
+Unter Schwarzkünstlern.
+
+
+ Eines Mittags las man:
+ `Pfiffe zu mieten gesucht!
+ Hundertweis, zu jedem Preis!
+ Victor Emanuel Wasmann!´
+
+ Um sechs Uhr kam der erste Pfiff
+ von einem alten Kohlenschiff.
+ Um acht Uhr waren's tausend schon.
+ Um neun Uhr eine halbe Million.
+
+ Victor Emanuel Wasmann schlug
+ die Türe zu: Nun ist's genug!
+ Hört zu, ihr Pfiffe!
+ Ich habe einen Feind (hört! hört!),
+ der mir des nachts die Ruhe stört, --
+ auf den sollt ihr marschieren!
+
+ Er hat Gelächter angestellt,
+ die schickt er nachts mir an mein Bett,
+ da hocken sie auf der Decke,
+ mit Flügeln weiß und Flügeln rot,
+ und krähn und flattern mich zu Tod. --
+ Doch alles hat sein Ende.
+
+ Die Pfiffe pfiffen wie Ein Mann;
+ empfingen ihren Sold sodann.
+ (Ein Schusterjungenpfiff sogar
+ bot Wasmann sich als Bravo dar.)
+
+ Drauf ließ er sie durchs Ofenloch ..
+ Doch lange stand er brütend noch,
+ schrieb Zeichen, hob die Hand und schwur,
+ ein schwarzer Meister der Natur ...
+
+ *
+
+ Bald nach diesem ging
+ ein Herr Axel Ring
+ kurzerhand
+ außer Land. --
+
+ Wasmann hatte gesiegt.
+
+
+
+
+Palmström.
+
+
+ Palmström steht an einem Teiche
+ und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
+ Auf dem Tuch ist eine Eiche
+ dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
+
+ Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen, --
+ er gehört zu jenen Käuzen,
+ die oft unvermittelt-nackt
+ Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
+
+ Zärtlich faltet er zusammen,
+ was er eben erst entbreitet.
+ Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
+ weil er ungeschneuzt entschreitet.
+
+
+
+
+Der Traum der Magd.
+
+
+ Am Morgen spricht die Magd ganz wild:
+ Ich hab heut nacht ein Kind gestillt --
+
+ ein Kind mit einem Käs als Kopf --
+ und einem Horn am Hinterschopf!
+
+ Das Horn, o denkt euch, war aus Salz
+ und ging zu essen, und dann --
+
+ `Halt's --
+ halt's Maul!´ so spricht die Frau, `und geh
+ an deinen Dienst, Zä-zi-li-[=e]!´
+
+
+
+
+V.
+
+
+
+
+Das Nasob[=e]m.
+
+
+ Auf seinen Nasen schreitet
+ einher das Nasob[=e]m,
+ von seinem Kind begleitet.
+ Es steht noch nicht im Brehm.
+
+ Es steht noch nicht im Meyer.
+ Und auch im Brockhaus nicht.
+ Es trat aus meiner Leyer
+ zum ersten Mal ans Licht.
+
+ Auf seinen Nasen schreitet
+ (wie schon gesagt) seitdem,
+ von seinem Kind begleitet,
+ einher das Nasob[=e]m.
+
+
+
+
+_Anto_-logie.
+
+
+ Im Anfang lebte, wie bekannt,
+ als größter Säuger der _Gig_-ant.
+
+ Wobei _gig_ eine Zahl ist, die
+ es nicht mehr gibt, -- so groß war sie!
+
+ Doch jene Größe schwand wie Rauch.
+ Zeit gab's genug -- und Zahlen auch.
+
+ Bis eines Tags, ein winzig Ding,
+ der _Zwölef_-ant das Reich empfing.
+
+ Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb? --
+ Sein Bein wird im Museum gelb.
+
+ Zwar gab die gütige Natur
+ den _Elef_-anten uns dafur.
+
+ Doch ach, der Pulverpavian,
+ der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,
+
+ erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen,
+ zum _Zehen_-anten zu verblassen.
+
+ O `Klub zum Schutz der wilden Tiere´,
+ hilf, daß der Mensch nicht ruiniere
+
+ die Sprossen dieser Riesenleiter,
+ die stets noch weiter führt und weiter!
+
+ Wie dankbar wird der Ant dir sein,
+ läßt du ihn wachsen und gedeihn, --
+
+ bis er dereinst im Nebel hinten
+ als _Nulel_-ant wird stumm verschwinden.
+
+
+
+
+Die Hystrix.
+
+
+ Das hinterindische Stachelschwein
+ (hystrix grotei Gray),
+ das hinterindische Stachelschwein
+ aus Siam, das tut weh.
+
+ Entdeckst du wo im Walde drauß
+ bei Siam seine Spur,
+ dann tritt es manchmal, sagt man, aus
+ den Schranken der Natur.
+
+ Dann gibt sein Zorn ihm so Gewalt,
+ daß, eh' du dich versiehst,
+ es seine Stacheln jung und alt
+ auf deinen Leib verschießt.
+
+ Von oben bis hinab sodann
+ stehst du gespickt am Baum,
+ ein heiliger Sebastian,
+ und traust den Augen kaum.
+
+ Die Hystrix aber geht hinweg,
+ an Leib und Seele wüst.
+ Sie sitzt im Dschungel im Versteck
+ und büßt.
+
+
+
+
+Die Probe.
+
+
+ Zu einem seltsamen Versuch
+ erstand ich mir ein Nadelbuch.
+
+ Und zu dem Buch ein altes zwar,
+ doch äußerst kühnes Dromedar.
+
+ Ein Reicher auch daneben stand,
+ zween Säcke Gold in jeder Hand.
+
+ Der Reiche ging alsdann herfür
+ und klopfte an die Himmelstür.
+
+ Drauf Petrus sprach: `Geschrieben steht,
+ daß ein Kamel weit eher geht
+
+ durchs Nadelöhr, als Du, du Heid,
+ durch diese Türe groß und breit!´
+
+ Ich, glaubend fest an Gottes Wort,
+ ermunterte das Tier sofort,
+
+ ihm zeigend hinterm Nadelöhr
+ ein Zuckerhörnchen als Douceur.
+
+ Und in der Tat! Das Vieh ging durch,
+ obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
+
+ Der Reiche aber sah ganz stier
+ und sagte nichts als: Wehe mir!
+
+
+
+
+Im Jahre 19000.
+
+
+ Die Ameisen oder Emsen
+ sind so weit jetzt, daß sie Gemsen
+ sich als Sklaven halten (aus
+ Gründen ihres Körperbaus).
+
+ Da sie selber sehr viel kleiner,
+ so bedienen sie sich einer
+ Gemse oder zweier Gemsen
+ zu Gebirgspartien, die Emsen.
+
+ Ist sodann ein Adlernest
+ abgesucht bis auf den Rest,
+ gehn sie endlich, zog der Weih
+ schon den Ameisbären bei,
+
+ wieder ihm aus Horst und Rock --
+ und besteigen ihren Bock,
+ der sie, wie ein Stein, der springt,
+ heim zu ihrem Hügel bringt.
+
+ Angepflöckt, so stehn die Gemsen
+ in der Nähe dort der Emsen,
+ bei den Läusen u. s. w.
+ und verwünschen ihre Reiter.
+
+
+
+
+Der Gaul.
+
+
+ Es läutet beim Professor Stein.
+ Die Köchin rupft die Hühner.
+ Die Minna geht: Wer kann das sein? --
+ Ein Gaul steht vor der Türe.
+
+ Die Minna wirft die Türe zu.
+ Die Köchin kommt: Was gibt's denn?
+ Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
+ Es kommt die ganze Familie.
+
+ `Ich bin, verzeihn Sie´, spricht der Gaul,
+ `der Gaul vom Tischler Bartels.
+ Ich brachte Ihnen dazumaul
+ die Tür- und Fensterrahmen!´
+
+ Die vierzehn Leute samt dem Mops,
+ sie stehn, als ob sie träumten.
+ Das kleinste Kind tut einen Hops,
+ die andern stehn wie Bäume.
+
+ Der Gaul, da keiner ihn versteht,
+ schnalzt blos mal mit der Zunge,
+ dann kehrt er still sich ab und geht
+ die Treppe wieder hinunter.
+
+ Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,
+ ob er nicht sprechen möchte.
+ Das war, spricht der Professor Stein,
+ ein unerhörtes Erlebnis!..
+
+
+
+
+Der heroische Pudel.
+
+
+ Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
+ des abends noch wie Kohle war,
+ betrübte sich so höllenheiß,
+ weil seine Dame Flügel spielte,
+ trotzdem er heulte; daß (o Preis
+ dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
+ er beim Gekräh der Morgenhähne
+ aufstand als wie ein hoher Greis --
+ mit einer silberweißen Mähne.
+
+
+
+
+Das Huhn.
+
+
+ In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut,
+ geht ein Huhn
+ hin und her ...
+ Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r?
+ Wird dem Huhn
+ man nichts tun?
+ Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
+ daß ihm unsre Sympathie gehört,
+ selbst an dieser Stätte, wo es -- `stört´!
+
+
+
+
+Möwenlied.
+
+
+ Die Möwen sehen alle aus,
+ als ob sie Emma hießen.
+ Sie tragen einen weißen Flaus
+ und sind mit Schrot zu schießen.
+
+ Ich schieße keine Möwe tot,
+ ich laß sie lieber leben --
+ und füttre sie mit Roggenbrot
+ und rötlichen Zibeben.
+
+ O Mensch, du wirst nie nebenbei
+ der Möwe Flug erreichen.
+ Wofern du Emma heißest, sei
+ zufrieden, ihr zu gleichen.
+
+
+
+
+Igel und Agel.
+
+
+ Ein Igel saß auf einem Stein
+ und blies auf einem Stachel sein.
+ Schalmeiala, schalmeialü!
+ Da kam sein Feinslieb Agel
+ und tat ihm schnigel schnagel
+ zu seinen Melodein.
+ Schnigula schnagula
+ schnaguleia lü!
+
+ Das Tier verblies sein Flötenhemd ...
+ `Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?´
+ Schalmeiala, schalmeialü --.
+ Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
+ Den Igel aber hat der Bach
+ zum Weiher fortgeschwemmt.
+ Wigula wagula
+ waguleia wü
+ tü tü ..
+
+
+
+
+Der Werwolf.
+
+
+ Ein Werwolf eines Nachts entwich
+ von Weib und Kind und sich begab
+ an eines Dorfschullehrers Grab
+ und bat ihn: Bitte, beuge mich!
+
+ Der Dorfschulmeister stieg hinauf
+ auf seines Blechschilds Messingknauf
+ und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
+ geduldig kreuzte vor dem Toten:
+
+ `Der Werwolf´ -- sprach der gute Mann,
+ `des Weswolfs, Genitiv sodann,
+ `dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
+ `den Wenwolf, -- damit hat's ein End'.´
+
+ Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
+ er rollte seine Augenbälle.
+ Indessen, bat er, füge doch
+ zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
+
+ Der Dorfschulmeister aber mußte
+ gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
+ Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
+ doch `_Wer_´ gäb's nur im Singular.
+
+ Der Wolf erhob sich tränenblind --
+ er hatte ja doch Weib und Kind!!
+ Doch da er kein Gelehrter eben,
+ so schied er dankend und ergeben.
+
+
+
+
+Die Fingur.
+
+
+ Es lacht die Nachtalp-Henne,
+ es weint die Windhorn-Gans,
+ es bläst der schwarze Senne
+ zum Tanz.
+
+ Ein Uhu-Tauber turtelt
+ nach seiner Uhuin.
+ Ein kleiner Sechs-Elf hurtelt
+ von Busch zu Busch dahin ..
+
+ Und Wiedergänger gehen,
+ und Raben rufen kolk,
+ und aus den Teichen sehen
+ die Fingur und ihr Volk ...
+
+
+
+
+Km 21.
+
+
+ Ein Rabe saß auf einem Meilenstein
+ und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein ..
+
+ Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
+ Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.
+
+ Vorüber zottelte das Zapfenschwein,
+ der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.
+
+ `Er ist besessen!´ -- kam man überein.
+ `Man führe ihn hinweg von diesem Stein!´
+
+ Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs.
+ Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.
+
+ Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein
+ Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein ..
+
+
+
+
+Geiß und Schleiche.
+
+
+ Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
+ die Waldgeiß staunend vor ihr steht.
+
+ Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart,
+ wie ein Magister hochgelahrt.
+
+ Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
+ sie hört nur, daß es lieblich klingt.
+
+ Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
+ Die Geiß geht sinnend durch den Wald.
+
+
+
+
+Der Purzelbaum.
+
+
+ Ein Purzelbaum trat vor mich hin
+ und sagte: `Du nur siehst mich
+ und weißt, was für ein Baum ich bin:
+ Ich schieße nicht, man schießt mich.
+
+ Und trag' ich Frucht? Ich glaube kaum;
+ auch bin ich nicht verwurzelt.
+ Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
+ sobald ich hingepurzelt.´
+
+ Jenun, so sprach ich, bester Schatz,
+ du bist doch klug und siehst uns; --
+ nun, auch für uns besteht der Satz:
+ wir schießen nicht, es schießt uns.
+
+ Auch Wurzeln treibt man nicht so bald,
+ und Früchte nun erst recht nicht.
+ Geh heim in deinen Purzelwald,
+ und lästre dein Geschlecht nicht.
+
+
+
+
+Die zwei Wurzeln.
+
+
+ Zwei Tannenwurzeln groß und alt
+ unterhalten sich im Wald.
+
+ Was droben in den Wipfeln rauscht,
+ das wird hier unten ausgetauscht.
+
+ Ein altes Eichhorn sitzt dabei
+ und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
+
+ Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
+ Das ist genug für einen Tag.
+
+
+
+
+Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ der _Zwölef-ant_ das Reich empfing.
+ der _Zwölef_-ant das Reich empfing.
+
+ Das Huhn
+ Das Huhn.
+
+ Km 21
+ Km 21.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Galgenlieder nebst dem 'Gingganz', by
+Christian Morgenstern
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GALGENLIEDER NEBST DEM 'GINGGANZ' ***
+
+***** This file should be named 33541-8.txt or 33541-8.zip *****
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+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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