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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:59:43 -0700 |
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| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:59:43 -0700 |
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diff --git a/33541-8.txt b/33541-8.txt new file mode 100644 index 0000000..88b4dd5 --- /dev/null +++ b/33541-8.txt @@ -0,0 +1,1950 @@ +The Project Gutenberg EBook of Galgenlieder nebst dem 'Gingganz', by +Christian Morgenstern + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Galgenlieder nebst dem 'Gingganz' + +Author: Christian Morgenstern + +Illustrator: Karl Walser + +Release Date: August 26, 2010 [EBook #33541] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GALGENLIEDER NEBST DEM 'GINGGANZ' *** + + + + +Produced by Jana Srna and Norbert H. Langkau + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Textes hinter die + Einleitung verschoben. + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert. + Buchstaben in Kurrentschrift wurden mit = markiert. + Buchstaben mit Makron wurden als [=x] formatiert. + ] + + + + + CHRISTIAN MORGENSTERN + + GALGENLIEDER + + NEBST DEM `GINGGANZ´ + + ZWEIUNDZWANZIGSTE AUFLAGE + + VERLAG VON BRUNO CASSIRER + BERLIN 1917 + + + DECKELZEICHNUNG + VON KARL WALSER + + + Dem Kinde im Manne. + + `Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: + das will spielen.´ Nietzsche. + + + Alle Rechte vorbehalten. + + + + +Versuch einer Einleitung. + + +Wir leben in einer bewegten Zeit. Ein Tag folgt dem andern, und neues +Leben sproßt aus den Ruinen. Auf moralischem, medizinischem, poetischem, +patriotischem Gebiete, in Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft, +allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Tendenz. Symptom reiht sich an +Symptom. Und solch ein Symptom war auch die Idee, welche eines schönen +Tages des hinverflossenen Jahrhundertendes acht junge Männer, +festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo immer, im Sinne der Zeit +und auch wieder nicht im Sinne der Zeit -- diese Zeit, wie jede, als +eine Zeit nicht nur der Bewegung schlechthin, sondern einer sowohl +ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten +Fortschritts nur zu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr +gesehen -- die Singspielhalle, sozusagen, ihres Humors entgegenzustellen, +zusammenschmiedete. + +Ein sonderbarer Kult vereinte sie. Zuvörderst wird das Licht verdreht, +ein schwarzes Tuch dann aus dem Korb und übern Tisch gezogen, mit +Schauderzeichen reich phosphoresziert, und bleich ein einzig Wachs +inmitten der Idee des Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher +Symbole. Dazu heißt der Erste Schuhu: der hängt zuhöchst und gibt den +Klang zum Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verwest; der Dritte +heißt Verreckerle: der reicht das Henkersmahl; der Vierte Veitstanz, +zubenannt der Glöckner: der zieht den Armesünderstrang; der Fünfte +Gurgeljochem: der schert den Lebensfaden durch; der Sechste Spinna, +das Gespenst: der schlägt zwölf; der Siebente Stummer Hannes, zubenannt +der Büchner; der singt Fisches Nachtgesang, und der Achte Faherügghh, +mit dem Beinamen der Unselm: der kann das Simmaleins und spricht das +große Lalul[=a]. Und es wird das Knochenklavier geschaffen und der +Gelächtertrab und die Elementarsymphonie und der Huckepackdalbert und +der Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie die Henkersmaid +als Symbild von der Weisheit unverweslichem Begriff. + +Ein modulationsfähiger Keim. + +Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade damals und +gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in denen das Herz der vom +Geist der neuen Zeit am wunderlichsten beeindruckten Unvoreingenommenheit +des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten pochte, ein besonders +abwelthafter Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr +excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten mehr +geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich und in sich +selber sei, indem sie »ihr Herze offenbart«, mit all den Widersprüchen, +Knäueln, Gräueln, Grund- und Kraftsuppen ihres Wesens, als Schwan +zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont ihres eigenen Chaos -- und +sei es auch nur als ein Wesenstel ihrer selbst und sei es auch nur mit +der lächelndsten Thräne im Wappen -- emporzusteigen sich zu entbrechen +den Mut, was sage ich, die Verruchtheit hat. + +Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie unter +Sternen, die, wie der Dichter sagt: »versengen, statt leuchten«, +geboren sind, vertrocknet sind, behauptet wird, enthauptet werden, daß +hier einem sozumaßen und im Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als +Hydra gesehen, hydratherapeutischen Moment ersten Ranges -- immer +angesichts dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden +Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf eine, sagen wir, +schwansinnige oder wesentielle Erweiterung des natürlichen Stoffgebietes +zusamt mit der Freiheit des Individuums vor dem Gesetz ihrer Volksseele +zu verraten sich zu entbrechen den Mut, was sage ich, die Verruchtheit +haben wird, einem Moment, wie ihm in Handel, Wandel, Kunst und +Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung, dieselbe Frequenz den Arm +bieten, und welches bei allem, ja vielleicht gerade trotz allem, als ein +mehr oder minder modulationsfähiger Ausdruck einer ganz bestimmten und +im weitesten Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung +kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen vermag -- +gegenübergestanden und beigewohnt werden zu dürfen gelten lassen zu +müssen sein möchte. + + Hochachtungsvoll! + + Jeremias Müller. + + + + +Inhaltsverzeichnis. + + + Seite + + Bundeslied 3 + Sophie 4 + Nein! 5 + Gebet 6 + Lalul[=a] 7 + Zwölf-Elf 8 + Mondschaf 10 + Lunovis 11 + Ralf 12 + Fisches Nachtgesang 13 + Frühlingslied 14 + Hemmed 15 + Problem 16 + + Trichter 18 + Tanz 19 + Knie 20 + Seufzer 21 + Bim, Bam, Bum 22 + Wiesel 24 + Schaukelstuhl 25 + Wurm 26 + Kunkel 27 + Mitternachtsmaus 28 + Himmel und Erde 29 + Mondendinge 30 + + Gingganz 32 + Lattenzaun 33 + Flaschen 34 + Blonder Korke 35 + Würfel 36 + Kronprätendenten 37 + Weste 38 + + Philanthropisch 40 + Mond 41 + Westküsten 42 + Unter Zeiten 45 + Schwarzkünstler 46 + Palmström 48 + Traum der Magd 49 + + Nasob[=e]m 51 + Anto-logie 52 + Hystrix 54 + Probe 56 + Ameisen 58 + Gaul 60 + Pudel 62 + Huhn 63 + Möwen 64 + Igel und Agel 65 + Werwolf 66 + Fingur 68 + Km 21 69 + Waldgeiß 70 + + Purzelbaum 71 + Wurzeln 72 + + + + + Laß die Moleküle rasen, + was sie auch zusammenknobeln! + Laß das Tüfteln, laß das Hobeln, + heilig halte die Ekstasen. + + + + +Bundeslied der Galgenbrüder. + + + O schauerliche Lebenswirrn, + wir hängen hier am roten Zwirn! + Die Unke unkt, die Spinne spinnt, + und schiefe Scheitel kämmt der Wind. + + O Greule, Greule, wüste Greule! + Du bist verflucht! so sagt die Eule. + Der Sterne Licht am Mond zerbricht. + Doch dich zerbrach's noch immer nicht. + + O Greule, Greule, wüste Greule! + Hört ihr den Ruf der Silbergäule? + Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz! + da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's! + + + + +Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid. + + + Sophie, mein Henkersmädel, + komm, küsse mir den Schädel! + Zwar ist mein Mund + ein schwarzer Schlund -- + doch du bist gut und edel! + + Sophie, mein Henkersmädel, + komm, streichle mir den Schädel! + Zwar ist mein Haupt + des Haars beraubt -- + doch du bist gut und edel! + + Sophie, mein Henkersmädel, + komm, schau mir in den Schädel! + Die Augen zwar, + sie fraß der Aar -- + doch du bist gut und edel! + + + + +Nein! + + + Pfeift der Sturm? + Keift ein Wurm? + Heulen + Eulen + hoch vom Turm? + + Nein! + + Es ist des Galgenstrickes + dickes + Ende, welches ächzte, + gleich als ob + im Galopp + eine müdgehetzte Mähre + nach dem nächsten Brunnen lechzte + (der vielleicht noch ferne wäre). + + + + +Das Gebet. + + + Die Rehlein beten zur Nacht, + hab acht! + + Halb neun! + + Halb zehn! + + Halb elf! + + Halb zwölf! + + Zwölf! + + Die Rehlein beten zur Nacht, + hab acht! + Sie falten die kleinen Zehlein, + die Rehlein. + + + + +Das große Lalul[=a]. + + + Kroklokwafzi? Se[=m]eme[=m]i! + Seiokrontro -- prafriplo: + Bifzi, bafzi; hulale[=m]i: + quasti basti bo ... + Lalu lalu lalu lalu la! + + Hontraruru miromente + zasku zes rü rü? + Entepente, leiolente + klekwapufzi lü? + Lalu lalu lalu lalu la! + + Simarar kos malzipempu + silzuzankunkrei (;)! + Marjomar dos: Quempu Lempu + Siri Suri Sei []! + Lalu lalu lalu lalu la! + + + + +Der Zwölf-Elf. + + + Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand: + Da schlägt es Mitternacht im Land. + + Es lauscht der Teich mit offnem Mund. + Ganz leise heult der Schluchtenhund. + + Die Dommel reckt sich auf im Rohr. + Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor. + + Der Schneck horcht auf in seinem Haus. + Desgleichen die Kartoffelmaus. + + Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast + auf einem windgebrochnen Ast. + + Sophie, die Maid, hat ein Gesicht: + Das Mondschaf geht zum Hochgericht. + + Die Galgenbrüder wehn im Wind. + Im fernen Dorfe schreit ein Kind. + + Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund + als Neuvermählte auf den Mund. + + Hingegen tief im finstern Wald + ein Nachtmahr seine Fäuste ballt: + + Dieweil ein später Wanderstrumpf + sich nicht verlief in Teich und Sumpf. + + Der Rabe Ralf ruft schaurig: `Kra! + Das End ist da! Das End ist da!´ + + Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand: + Und wieder schläft das ganze Land. + + + + +Das Mondschaf. + + + Das Mondschaf steht auf weiter Flur. + Es harrt und harrt der großen Schur. + Das Mondschaf. + + Das Mondschaf rupft sich einen Halm + und geht dann heim auf seine Alm. + Das Mondschaf. + + Das Mondschaf spricht zu sich im Traum: + `Ich bin des Weltalls dunkler Raum.´ + Das Mondschaf. + + Das Mondschaf liegt am Morgen tot. + Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot. + Das Mondschaf. + + + + +Lunovis. + + + Lunovis in planitie stat + Cultrumque magn' expectitat. + Lunovis. + + Lunovis herba rapta it + In montes, unde cucurrit. + Lunovis. + + Lunovis habet somnium: + Se culmen rer' ess' omnium. + Lunovis. + + Lunovis mane mortuumst. + Sol ruber atque ips' albumst. + Lunovis. + + + + +Der Rabe Ralf. + + + Der Rabe Ralf + will will hu hu + dem niemand half + still still du du + half sich allein + am Rabenstein + will will still still + hu hu + + Die Nebelfrau + will will hu hu + nimmt's nicht genau + still still du du + sie sagt nimm nimm + 's ist nicht so schlimm + will will still still + hu hu + + Doch als ein Jahr + will will hu hu + vergangen war + still still du du + da lag im Rot + der Rabe tot + will will still still + du du + + + + +Fisches Nachtgesang. + + + - + U U + - - - + U U U U + - - - + U U U U + - - - + U U U U + - - - + U U U U + - - - + U U + - + + + + +Galgenbruders Frühlingslied. + + + Es lenzet auch auf unserm Spahn, + o selige Epoche! + Ein Hälmlein will zum Lichte nahn + aus einem Astwurmloche. + + Es schaukelt bald im Winde hin + Und schaukelt bald drin her. + Mir ist beinah, ich wäre wer, + der ich doch nicht mehr bin .. + + + + +Das Hemmed. + + + Kennst du das einsame Hemmed? + Flattertata, flattertata. + + Der's trug, ist baß verdämmet! + Flattertata, flattertata. + + Es knattert und rattert im Winde. + Windurudei, windurudei. + + Es weint wie ein kleines Kinde. + Windurudei, windurudei. + + Das ist das einsame + Hemmed. + + + + +Das Problem. + + + Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem + und sprach: Ich heiße unbequem. + Als hieß' ich etwa Drei-Vier + statt Sieben -- Gott verzeih mir! + + Und siehe da, der Zwölf-Elf nannt' sich + von jenem Tag ab Dreiundzwanzig. + + + + +II. + + + + +Die Trichter. + + + Zwei Trichter wandeln durch die Nacht. + Durch ihres Rumpfs verengten Schacht + fließt weißes Mondlicht + still und heiter + auf ihren + Waldweg + u. s. + w. + + + + +Der Tanz. + + + Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule + trafen sich im Schatten einer Säule, + die im Geiste ihres Schöpfers stand. + Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze + reichten sich die zwei zum Tanze + Fuß und Hand. + + Und auf seinen dreien rosa Beinen + hüpfte das Vierviertelschwein graziös, + und die Auftakteul' auf ihrem einen + wiegte rhythmisch ihr Gekrös. + Und der Schatten fiel, + und der Pflanze Spiel + klang verwirrend melodiös. + + Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen, + und die Säule schwand, wie sie gekommen war; + und so mußte denn auch unser Paar + wieder in sein Nichts zurücke reisen. + Einen letzten Strich + tat der Geigerich -- + und dann war nichts weiter zu beweisen. + + + + +Das Knie. + + + Ein Knie geht einsam durch die Welt. + Es ist ein Knie, sonst nichts! + Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt! + Es ist ein Knie, sonst nichts. + + Im Kriege ward einmal ein Mann + erschossen um und um. + Das Knie allein blieb unverletzt -- + als wär's ein Heiligtum. + + Seitdem geht's einsam durch die Welt. + Es ist ein Knie, sonst nichts. + Es ist kein Baum, es ist kein Zelt. + Es ist ein Knie, sonst nichts. + + + + +Der Seufzer. + + + Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis + und träumte von Liebe und Freude. + Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß + glänzten die Stadtwallgebäude. + + Der Seufzer dacht' an ein Maidelein + und blieb erglühend stehen. + Da schmolz die Eisbahn unter ihm -- + und er sank -- und ward nimmer gesehen. + + + + +Bim, Bam, Bum. + + + Ein Glockenton fliegt durch die Nacht, + als hätt' er Vogelflügel, + er fliegt in römischer Kirchentracht + wohl über Tal und Hügel. + + Er sucht die Glockentönin BIM, + die ihm vorausgeflogen; + d. h. die Sache ist sehr schlimm, + sie hat ihn nämlich betrogen. + + `O komm´ so ruft er, `komm, dein BAM + erwartet dich voll Schmerzen. + Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm, + dein BAM liebt dich von Herzen!´ + + Doch BIM, daß ihr's nur alle wißt, + hat sich dem BUM ergeben; + der ist zwar auch ein guter Christ, + allein das ist es eben. + + Der BAM fliegt weiter durch die Nacht + wohl über Wald und Lichtung. + Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht, + er fliegt in falscher Richtung. + + + + +Das æsthetische Wiesel. + + + Ein Wiesel + saß auf einem Kiesel + inmitten Bachgeriesel. + + Wißt ihr + weshalb? + + Das Mondkalb + verriet es mir + im Stillen: + + Das raffinier- + te Tier + tat's um des Reimes willen. + + + + +Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse. + + + `Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl + und wackel im Winde, im Winde. + + Auf der Terrasse, da ist es kuhl, + und ich wackel im Winde, im Winde. + + Und ich wackel und nackel den ganzen Tag. + Und es nackelt und rackelt die Linde. + Wer weiß, was sonst wohl noch wackeln mag + im Winde, im Winde, im Winde.´ + + + + +Die Beichte des Wurms. + + + Es lebt in einer Muschel + ein Wurm gar seltner Art; + der hat mir mit Getuschel + sein Herze offenbart. + + Sein armes kleines Herze, + hei, wie das flog und schlug! + Ihr denket wohl, ich scherze? + Ach, denket nicht so klug. + + Es lebt in einer Muschel + ein Wurm gar seltner Art; + der hat mir mit Getuschel + sein Herze offenbart. + + + + +Das Weiblein mit der Kunkel. + + + Um stille Stübel schleicht des Monds + barbarisches Gefunkel -- + im Gäßchen hoch im Norden wohnt's, + das Weiblein mit der Kunkel. + + Es spinnt und spinnt. Was spinnt es wohl? + Es spinnt und spintisieret ... + Es trägt ein weißes Kamisol, + das seinen Körper zieret. + + Um stille Stübel schleicht des Monds + barbarisches Gefunkel -- + im Gäßchen hoch im Norden wohnt's, + Das Weiblein mit der Kunkel. + + + + +Die Mitternachtsmaus. + + + Wenn's mitternächtigt und nicht Mond + noch Stern das Himmelshaus bewohnt, + läuft zwölfmal durch das Himmelshaus + die Mitternachtsmaus. + + Sie pfeift auf ihrem kleinen Maul, -- + im Traume brüllt der Höllengaul ... + Doch ruhig läuft ihr Pensum aus + die Mitternachtsmaus. + + Ihr Herr, der große weiße Geist, + ist nämlich solche Nacht verreist. + Wohl ihm! Es hütet ihm sein Haus + die Mitternachtsmaus. + + + + +Himmel und Erde. + + + Der Nachtwindhund weint wie ein Kind, + dieweil sein Fell von Regen rinnt. + + Jetzt jagt er wild das Neumondweib, + das hinflieht mit gebognem Leib. + + Tief unten geht, ein dunkler Punkt, + querüberfeld ein Forstadjunkt. + + + + +Mondendinge. + + + Dinge gehen vor im Mond, + die das Kalb selbst nicht gewohnt. + + Tulemond und Mondamin + liegen heulend auf den Knien. + + Heulend fletschen sie die Zähne + auf der schwefligen Hyäne. + + Aus den Kratern aber steigt + Schweigen, das sie überschweigt. + + Dinge gehen vor im Mond, + die das Kalb selbst nicht gewohnt. + + Tulemond und Mondamin + liegen heulend auf den Knien ... + + + + +III. + +Der Gingganz und Verwandtes. + + + + +Der Gingganz. + + + Ein Stiefel wandern und sein Knecht + von Knickebühl gen Entenbrecht. + + Urplötzlich auf dem Felde drauß + begehrt der Stiefel: Zieh mich aus! + + Der Knecht drauf: Es ist nicht an dem; + doch sagt mir, lieber Herre, --: wem? + + Dem Stiefel gibt es einen Ruck: + Fürwahr, beim heiligen Nepomuk, + + ich GING GANZ in Gedanken hin ... + Du weißt, daß ich ein andrer bin, + + seitdem ich meinen Herrn verlor ... + Der Knecht wirft beide Arm' empor, + + als wollt' er sagen: Laß doch, laß! + Und weiter zieht das Paar fürbaß. + + + + +Der Lattenzaun. + + + Es war einmal ein Lattenzaun, + mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. + + Ein Architekt, der dieses sah, + stand eines Abends plötzlich da -- + + und nahm den Zwischenraum heraus + und baute draus ein großes Haus. + + Der Zaun indessen stand ganz dumm, + mit Latten ohne was herum, + + Ein Anblick gräßlich und gemein. + Drum zog ihn der Senat auch ein. + + Der Architekt jedoch entfloh + nach Afri -- od -- Ameriko. + + + + +Die beiden Flaschen. + + + Zwei Flaschen stehn auf einer Bank, + die eine dick, die andre schlank. + Sie möchten gerne heiraten. + Doch wer soll ihnen beiraten? + + Mit ihrem Doppel-Auge leiden + sie auf zum blauen Firmament .. + Doch niemand kommt herabgerennt + und kopuliert die beiden. + + + + +Das Lied vom blonden Korken. + + + Ein blonder Korke spiegelt sich + in einem Lacktablett -- + allein er säh' sich dennoch nich', + selbst wenn er Augen hätt'! + + Das macht, dieweil er senkrecht steigt + zu seinem Spiegelbild! + Wenn man ihn freilich seitwärts neigt, + zerfällt, was oben gilt. + + O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich + im, sagen wir, -- im All! + Und senkrecht! -- wärest du dann nicht + ganz in demselben Fall? + + + + +Der Würfel. + + + Ein Würfel sprach zu sich: Ich bin + mir selbst nicht völlig zum Gewinn! + + Denn meines Wesens sechste Seite, + und sei es auch Ein Auge bloß + sieht immerdar, statt in die Weite, + der Erde ewig dunklen Schoß. + + Als dies die Erde, drauf er ruhte, + vernommen, ward ihr schlimm zu Mute. + + Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel, + weil dein Gesäß mich just bedeckt! + Ich bin so licht wie ein Karfunkel, + sobald du dich hinweggefleckt. + + Der Würfel, innerlichst beleidigt, + hat sich nicht weiter drauf verteidigt. + + + + +Kronprätendenten. + + + -- `Ich bin der Graf von Réaumur + und hass' euch wie die Schande! + Dient nur dem Celsio für und für, + Ihr Apostatenbande!´ + + Im Winkel König Fahrenheit + hat still sein Mus gegessen. + -- `Ach Gott, sie war doch schön, die Zeit, + die man nach mir gemessen!´ + + + + +Die Weste. + + + Es lebt in Süditalien eine Weste + an einer Kirche dämmrigem Altar. + Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste. + Doch wie in Adam schon Herr Hæckel war, + (zum Beispiel bloß), so steckt in diesem Reste + Brokat voll Silberblümlein wunderbar + schon heut der krause Übergang verborgen + vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen. + + + + +IV. + + + + +Philanthropisch. + + + Ein nervöser Mensch auf einer Wiese + wäre besser ohne sie daran; + darum seh' er, wie er ohne diese + (meistens mindstens) leben kann. + + Kaum daß er gelegt sich auf die Gräser, + naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm, + naht der Tausendfuß und Ohrenbläser, + und die Hummel ruft zum Sturm. + + Ein nervöser Mensch auf einer Wiese + tut drum besser, wieder aufzustehn + und dafür in andre Paradiese + (beispielshalber: weg) zu gehn. + + + + +Der Mond. + + + Als Gott den lieben Mond erschuf, + gab er ihm folgenden Beruf: + + Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen + sich deutschen Lesern zu bequemen, + + ein =A= formierend und ein =Z= -- + daß keiner groß zu denken hätt'. + + Befolgend dies ward der Trabant + ein völlig deutscher Gegenstand. + + + + +Die Westküsten. + + + Die Westküsten traten eines Tages zusammen + und erklärten, sie seien keine Westküsten, + weder Ostküsten noch Westküsten -- + `daß sie nicht wüßten!´ + + Sie wollten wieder ihre Freiheit haben + und für immer das Joch des Namens abschütteln, + womit eine Horde von Menschenbütteln + sich angemaßt habe, sie zu begaben. + + Doch wie sich befreien, wie sich erretten + aus diesen widerwärtigen Ketten? + Ihr Westküsten, fing eine an zu spotten, + gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten? + + Und wenn schon! rief eine andre schrill. + Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will? -- + Dann blieben aber immer noch die Atlanten -- + meinte eine von den asiatischen Tanten. + + Schließlich, wie immer in solchen Fällen, + tat man eine Resolution aufstellen. + Fünfhundert Tintenfische wurden aufgetrieben, + und mit ihnen wurde folgendes geschrieben: + + Wir Westküsten erklären hiermit einstimmig, + daß es uns nicht gibt, und zeichnen hochachtungsvoll: + Die vereinigten Westküsten der Erde. -- + Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde. + + Sie riefen den Walfisch, doch er tat's nicht achten; + sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten; + sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht; + sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht. + + Ja, wieso denn, wieso? schrie die Küste von Ecuador: + Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor? + Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh: + Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu. + + Da war's den Küsten, als säh'n sie sich im Spiegel; + ganz seltsam erschien ihnen plötzlich ihr Gewiegel. + Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land. + Und die Resolution, die blieb unversandt. + + + + +Unter Zeiten. + + + Das Perfekt und das Imperfekt + tranken Sekt. + Sie stießen aufs Futurum an + (was man wohl gelten lassen kann). + + Plusquamper und Exaktfutur + blinzten nur. + + + + +Unter Schwarzkünstlern. + + + Eines Mittags las man: + `Pfiffe zu mieten gesucht! + Hundertweis, zu jedem Preis! + Victor Emanuel Wasmann!´ + + Um sechs Uhr kam der erste Pfiff + von einem alten Kohlenschiff. + Um acht Uhr waren's tausend schon. + Um neun Uhr eine halbe Million. + + Victor Emanuel Wasmann schlug + die Türe zu: Nun ist's genug! + Hört zu, ihr Pfiffe! + Ich habe einen Feind (hört! hört!), + der mir des nachts die Ruhe stört, -- + auf den sollt ihr marschieren! + + Er hat Gelächter angestellt, + die schickt er nachts mir an mein Bett, + da hocken sie auf der Decke, + mit Flügeln weiß und Flügeln rot, + und krähn und flattern mich zu Tod. -- + Doch alles hat sein Ende. + + Die Pfiffe pfiffen wie Ein Mann; + empfingen ihren Sold sodann. + (Ein Schusterjungenpfiff sogar + bot Wasmann sich als Bravo dar.) + + Drauf ließ er sie durchs Ofenloch .. + Doch lange stand er brütend noch, + schrieb Zeichen, hob die Hand und schwur, + ein schwarzer Meister der Natur ... + + * + + Bald nach diesem ging + ein Herr Axel Ring + kurzerhand + außer Land. -- + + Wasmann hatte gesiegt. + + + + +Palmström. + + + Palmström steht an einem Teiche + und entfaltet groß ein rotes Taschentuch: + Auf dem Tuch ist eine Eiche + dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch. + + Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen, -- + er gehört zu jenen Käuzen, + die oft unvermittelt-nackt + Ehrfurcht vor dem Schönen packt. + + Zärtlich faltet er zusammen, + was er eben erst entbreitet. + Und kein Fühlender wird ihn verdammen, + weil er ungeschneuzt entschreitet. + + + + +Der Traum der Magd. + + + Am Morgen spricht die Magd ganz wild: + Ich hab heut nacht ein Kind gestillt -- + + ein Kind mit einem Käs als Kopf -- + und einem Horn am Hinterschopf! + + Das Horn, o denkt euch, war aus Salz + und ging zu essen, und dann -- + + `Halt's -- + halt's Maul!´ so spricht die Frau, `und geh + an deinen Dienst, Zä-zi-li-[=e]!´ + + + + +V. + + + + +Das Nasob[=e]m. + + + Auf seinen Nasen schreitet + einher das Nasob[=e]m, + von seinem Kind begleitet. + Es steht noch nicht im Brehm. + + Es steht noch nicht im Meyer. + Und auch im Brockhaus nicht. + Es trat aus meiner Leyer + zum ersten Mal ans Licht. + + Auf seinen Nasen schreitet + (wie schon gesagt) seitdem, + von seinem Kind begleitet, + einher das Nasob[=e]m. + + + + +_Anto_-logie. + + + Im Anfang lebte, wie bekannt, + als größter Säuger der _Gig_-ant. + + Wobei _gig_ eine Zahl ist, die + es nicht mehr gibt, -- so groß war sie! + + Doch jene Größe schwand wie Rauch. + Zeit gab's genug -- und Zahlen auch. + + Bis eines Tags, ein winzig Ding, + der _Zwölef_-ant das Reich empfing. + + Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb? -- + Sein Bein wird im Museum gelb. + + Zwar gab die gütige Natur + den _Elef_-anten uns dafur. + + Doch ach, der Pulverpavian, + der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn, + + erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen, + zum _Zehen_-anten zu verblassen. + + O `Klub zum Schutz der wilden Tiere´, + hilf, daß der Mensch nicht ruiniere + + die Sprossen dieser Riesenleiter, + die stets noch weiter führt und weiter! + + Wie dankbar wird der Ant dir sein, + läßt du ihn wachsen und gedeihn, -- + + bis er dereinst im Nebel hinten + als _Nulel_-ant wird stumm verschwinden. + + + + +Die Hystrix. + + + Das hinterindische Stachelschwein + (hystrix grotei Gray), + das hinterindische Stachelschwein + aus Siam, das tut weh. + + Entdeckst du wo im Walde drauß + bei Siam seine Spur, + dann tritt es manchmal, sagt man, aus + den Schranken der Natur. + + Dann gibt sein Zorn ihm so Gewalt, + daß, eh' du dich versiehst, + es seine Stacheln jung und alt + auf deinen Leib verschießt. + + Von oben bis hinab sodann + stehst du gespickt am Baum, + ein heiliger Sebastian, + und traust den Augen kaum. + + Die Hystrix aber geht hinweg, + an Leib und Seele wüst. + Sie sitzt im Dschungel im Versteck + und büßt. + + + + +Die Probe. + + + Zu einem seltsamen Versuch + erstand ich mir ein Nadelbuch. + + Und zu dem Buch ein altes zwar, + doch äußerst kühnes Dromedar. + + Ein Reicher auch daneben stand, + zween Säcke Gold in jeder Hand. + + Der Reiche ging alsdann herfür + und klopfte an die Himmelstür. + + Drauf Petrus sprach: `Geschrieben steht, + daß ein Kamel weit eher geht + + durchs Nadelöhr, als Du, du Heid, + durch diese Türe groß und breit!´ + + Ich, glaubend fest an Gottes Wort, + ermunterte das Tier sofort, + + ihm zeigend hinterm Nadelöhr + ein Zuckerhörnchen als Douceur. + + Und in der Tat! Das Vieh ging durch, + obzwar sich quetschend wie ein Lurch! + + Der Reiche aber sah ganz stier + und sagte nichts als: Wehe mir! + + + + +Im Jahre 19000. + + + Die Ameisen oder Emsen + sind so weit jetzt, daß sie Gemsen + sich als Sklaven halten (aus + Gründen ihres Körperbaus). + + Da sie selber sehr viel kleiner, + so bedienen sie sich einer + Gemse oder zweier Gemsen + zu Gebirgspartien, die Emsen. + + Ist sodann ein Adlernest + abgesucht bis auf den Rest, + gehn sie endlich, zog der Weih + schon den Ameisbären bei, + + wieder ihm aus Horst und Rock -- + und besteigen ihren Bock, + der sie, wie ein Stein, der springt, + heim zu ihrem Hügel bringt. + + Angepflöckt, so stehn die Gemsen + in der Nähe dort der Emsen, + bei den Läusen u. s. w. + und verwünschen ihre Reiter. + + + + +Der Gaul. + + + Es läutet beim Professor Stein. + Die Köchin rupft die Hühner. + Die Minna geht: Wer kann das sein? -- + Ein Gaul steht vor der Türe. + + Die Minna wirft die Türe zu. + Die Köchin kommt: Was gibt's denn? + Das Fräulein kommt im Morgenschuh. + Es kommt die ganze Familie. + + `Ich bin, verzeihn Sie´, spricht der Gaul, + `der Gaul vom Tischler Bartels. + Ich brachte Ihnen dazumaul + die Tür- und Fensterrahmen!´ + + Die vierzehn Leute samt dem Mops, + sie stehn, als ob sie träumten. + Das kleinste Kind tut einen Hops, + die andern stehn wie Bäume. + + Der Gaul, da keiner ihn versteht, + schnalzt blos mal mit der Zunge, + dann kehrt er still sich ab und geht + die Treppe wieder hinunter. + + Die dreizehn schaun auf ihren Herrn, + ob er nicht sprechen möchte. + Das war, spricht der Professor Stein, + ein unerhörtes Erlebnis!.. + + + + +Der heroische Pudel. + + + Ein schwarzer Pudel, dessen Haar + des abends noch wie Kohle war, + betrübte sich so höllenheiß, + weil seine Dame Flügel spielte, + trotzdem er heulte; daß (o Preis + dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!) + er beim Gekräh der Morgenhähne + aufstand als wie ein hoher Greis -- + mit einer silberweißen Mähne. + + + + +Das Huhn. + + + In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut, + geht ein Huhn + hin und her ... + Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r? + Wird dem Huhn + man nichts tun? + Hoffen wir es! Sagen wir es laut: + daß ihm unsre Sympathie gehört, + selbst an dieser Stätte, wo es -- `stört´! + + + + +Möwenlied. + + + Die Möwen sehen alle aus, + als ob sie Emma hießen. + Sie tragen einen weißen Flaus + und sind mit Schrot zu schießen. + + Ich schieße keine Möwe tot, + ich laß sie lieber leben -- + und füttre sie mit Roggenbrot + und rötlichen Zibeben. + + O Mensch, du wirst nie nebenbei + der Möwe Flug erreichen. + Wofern du Emma heißest, sei + zufrieden, ihr zu gleichen. + + + + +Igel und Agel. + + + Ein Igel saß auf einem Stein + und blies auf einem Stachel sein. + Schalmeiala, schalmeialü! + Da kam sein Feinslieb Agel + und tat ihm schnigel schnagel + zu seinen Melodein. + Schnigula schnagula + schnaguleia lü! + + Das Tier verblies sein Flötenhemd ... + `Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?´ + Schalmeiala, schalmeialü --. + Feins Agel ging zum Nachbar, ach! + Den Igel aber hat der Bach + zum Weiher fortgeschwemmt. + Wigula wagula + waguleia wü + tü tü .. + + + + +Der Werwolf. + + + Ein Werwolf eines Nachts entwich + von Weib und Kind und sich begab + an eines Dorfschullehrers Grab + und bat ihn: Bitte, beuge mich! + + Der Dorfschulmeister stieg hinauf + auf seines Blechschilds Messingknauf + und sprach zum Wolf, der seine Pfoten + geduldig kreuzte vor dem Toten: + + `Der Werwolf´ -- sprach der gute Mann, + `des Weswolfs, Genitiv sodann, + `dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt, + `den Wenwolf, -- damit hat's ein End'.´ + + Dem Werwolf schmeichelten die Fälle, + er rollte seine Augenbälle. + Indessen, bat er, füge doch + zur Einzahl auch die Mehrzahl noch! + + Der Dorfschulmeister aber mußte + gestehn, daß er von ihr nichts wußte. + Zwar Wölfe gäb's in großer Schar, + doch `_Wer_´ gäb's nur im Singular. + + Der Wolf erhob sich tränenblind -- + er hatte ja doch Weib und Kind!! + Doch da er kein Gelehrter eben, + so schied er dankend und ergeben. + + + + +Die Fingur. + + + Es lacht die Nachtalp-Henne, + es weint die Windhorn-Gans, + es bläst der schwarze Senne + zum Tanz. + + Ein Uhu-Tauber turtelt + nach seiner Uhuin. + Ein kleiner Sechs-Elf hurtelt + von Busch zu Busch dahin .. + + Und Wiedergänger gehen, + und Raben rufen kolk, + und aus den Teichen sehen + die Fingur und ihr Volk ... + + + + +Km 21. + + + Ein Rabe saß auf einem Meilenstein + und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein .. + + Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein, + Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein. + + Vorüber zottelte das Zapfenschwein, + der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein. + + `Er ist besessen!´ -- kam man überein. + `Man führe ihn hinweg von diesem Stein!´ + + Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs. + Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs. + + Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein + Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein .. + + + + +Geiß und Schleiche. + + + Die Schleiche singt ihr Nachtgebet, + die Waldgeiß staunend vor ihr steht. + + Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart, + wie ein Magister hochgelahrt. + + Sie weiß nicht, was die Schleiche singt, + sie hört nur, daß es lieblich klingt. + + Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald. + Die Geiß geht sinnend durch den Wald. + + + + +Der Purzelbaum. + + + Ein Purzelbaum trat vor mich hin + und sagte: `Du nur siehst mich + und weißt, was für ein Baum ich bin: + Ich schieße nicht, man schießt mich. + + Und trag' ich Frucht? Ich glaube kaum; + auch bin ich nicht verwurzelt. + Ich bin nur noch ein Purzeltraum, + sobald ich hingepurzelt.´ + + Jenun, so sprach ich, bester Schatz, + du bist doch klug und siehst uns; -- + nun, auch für uns besteht der Satz: + wir schießen nicht, es schießt uns. + + Auch Wurzeln treibt man nicht so bald, + und Früchte nun erst recht nicht. + Geh heim in deinen Purzelwald, + und lästre dein Geschlecht nicht. + + + + +Die zwei Wurzeln. + + + Zwei Tannenwurzeln groß und alt + unterhalten sich im Wald. + + Was droben in den Wipfeln rauscht, + das wird hier unten ausgetauscht. + + Ein altes Eichhorn sitzt dabei + und strickt wohl Strümpfe für die zwei. + + Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag. + Das ist genug für einen Tag. + + + + +Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + der _Zwölef-ant_ das Reich empfing. + der _Zwölef_-ant das Reich empfing. + + Das Huhn + Das Huhn. + + Km 21 + Km 21. + + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Galgenlieder nebst dem 'Gingganz', by +Christian Morgenstern + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GALGENLIEDER NEBST DEM 'GINGGANZ' *** + +***** This file should be named 33541-8.txt or 33541-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/3/5/4/33541/ + +Produced by Jana Srna and Norbert H. Langkau + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit http://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. 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