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+The Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogenen
+Geschützen, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
+
+
+
+
+
+Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen.
+
+von
+
+Moritz von Prittwitz
+
+
+
+Die neuern Verbesserungen im Geschützwesen sind zwar dienstlich noch
+nicht veröffentlicht worden, aber bereits zur Kenntniß so vieler
+preußischen und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mündlich,
+schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: daß es an der Zeit
+ist, gründlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der
+Ingenieure die Frage zu erörtern, welchen Einfluß diese Verbesserungen
+auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausüben werden, und
+welche Maßregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen sind,
+um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie so
+erfolgreich als möglich entgegenzutreten.
+
+Es kann zuvörderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese
+Verbesserungen an und für sich leugnen, heruntersetzen oder gering
+schätzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu fest
+und für die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in diesen
+Verbesserungen zu erwarten als ein Rückschritt.
+
+Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu führen, in
+wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, ja dieser
+sogar vielleicht in höherm Grade als der Angriffs-Artillerie zu Gute
+kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung _dieser_ Frage für
+den vorliegenden Zweck wäre: so hat sie doch eben keinen Einfluß auf die
+positiven Maßregeln, welche die Vertheidigung nunmehr wegen dieser
+Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche den eigentlichen Gegenstand
+der folgenden Blätter bilden.
+
+Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser Hinsicht
+vorauszuschicken, die zur richtigen Würdigung alles Nachstehenden von
+besondrer Wichtigkeit ist.
+
+Es giebt nämlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches
+es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstört, unschädlich
+gemacht, überwältigt oder überstiegen werden könnte. Dessenungeachtet
+kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel sein
+und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschächte beim
+Angriff z. B. haben die Kontreminen entschieden von ihrer Wirksamkeit
+verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand nehmen, sie in geeigneten
+Fällen anzuwenden. Ein ähnliches Verhältniß tritt bei dem Mauerwerk ein,
+wie wir dies später ausführlicher sehen werden. Bei Verbesserungen in
+der Kriegskunst handelt es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen
+immer nur darum: ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit
+dem davon zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhältniß stehen? -- bei
+bereits bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mühe und
+Kosten lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden,
+oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande zu
+belassen?
+
+Die Beantwortung dieser Fragen ist nun äußerst schwierig, weil es gar
+keinen irgend brauchbaren Maaßstab giebt, um den Werth und die
+Widerstandsfähigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger
+Zuverlässigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen
+Einsicht, man möchte sagen, dem Gefühl der Beurtheilenden überlassen und
+darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser Art die
+Ansichten Mehrerer übereinstimmen. Man kann deswegen nichts Besseres
+thun, als die pro und contra in ausführlicher und unbeschränkter
+Discussion zu erörtern und dann nach bestem Ermessen zu urtheilen oder
+zu entscheiden.
+
+ * * * * *
+
+In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der Verbesserung
+des Geschützwesens sich ergebenden Veränderungen und Verbesserungen in
+der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir die verschiedenen
+Schußarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen an, die bisher
+und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen worden ist, nämlich mit dem
+Brescheschuß.
+
+
+
+
+A. Brescheschuß.
+
+
+1. Direkter Brescheschuß.
+
+Wir müssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und diejenige
+auf größere Entfernungen.
+
+Wenn die gewöhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen sind,
+ist die Breschelegung immer als eine Operation von kurzer Dauer
+angesehen worden, so daß die größere Wirksamkeit der gezogenen Geschütze
+hierbei von geringem Einfluß auf die Dauer der Belagerungen sein wird.
+
+In älterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine
+unverhältnißmäßige Dicke gegeben, um sie widerstandsfähiger gegen den
+Brescheschuß zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals -- am
+Wenigsten bei unsern neuern preußischen Festungs-Bauten geschehen, indem
+man wohl erkannte, daß der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, mit den
+erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhältniß stehe -- (wie dies
+auch bereits in meinen Beiträgen zur angewandten Befestigungskunst S. 6.
+ausgesprochen ist). In dieser Beziehung ändert sich also durch die
+Anwendung der gezogenen Geschütze nichts Wesentliches.
+
+Ebenso haben bekanntlich die Engländer bereits vor 50 Jahren im
+spanischen Kriege den direkten Brescheschuß bis auf 800 Schritt
+Entfernung mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die
+mannigfaltigen Verhandlungen über diese Art des Brescheschießens nicht
+zu wiederholen. Es wurde schon damals hervorgehoben, daß es mit dem
+Brescheschießen allein nicht abgemacht sei; daß man vielmehr bis zur
+Bresche approchiren müsse -- und daß ein ohne gedeckte Annäherung
+ausgeführter Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Außerdem
+vertheidigten sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der
+Entfernung gesehen werden konnten, noch mit großer Energie und wenn auch
+im Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk
+möglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Fälle genug
+vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man trotz jener
+allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk dem entfernten
+feindlichen directen Schuß auszusetzen:
+
+ entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle
+ überhaupt nicht fürchtete;
+
+ oder, weil man durch ein überlegenes Geschützfeuer die Erbauung
+ und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmöglich zu machen
+ hoffte;
+
+ oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu
+ erreichen, namentlich weil es an Platz fehlte, um besser
+ gedeckte Festungswerke aufzuführen, an Stellen, wo es darauf
+ ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen.
+
+Alle diese Verhältnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem
+Unterschiede, daß das was sonst auf 800 Schritt ausführbar war, jetzt
+auch auf die doppelte und größere Entfernung möglich ist.
+
+Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts geändert. Denn
+sie ergeben, daß das Mauerwerk der Küstenforts von dem Feuer der Schiffe
+durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschädigt wurde und wenn
+die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf den Landfronten in einer
+11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen wurden, und der
+Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen solchen Widerstand leistete,
+daß seine geringe Besatzung sich nur in Folge einer Kapitulation ergab,
+so kann man unmöglich daraus folgern, daß fortan die Anwendung des
+Mauerwerks in den Festungen ganz unzulässig sei. Es liegen uns in dieser
+Beziehung auch zwei sehr wichtige und competente Zeugnisse vor.
+
+General Niel sagt nämlich in seiner Belagerung von Sebastopol, S. 443:
+
+ »Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol
+ haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, daß die
+ Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei der
+ Vertheidigung der Festungen seien.«
+
+ »Sebastopol, ein großes verschanztes Lager, vertheidigt durch
+ Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Stärke
+ von einer Geschützarmirung, wie man sie nur in einem großen
+ Kriegshafen finden kann, -- und von einer zahlreichen Armee, die
+ immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Rußland
+ behalten hat. Wäre die Enceinte mit guten gemauerten Escarpen
+ versehen gewesen, hätte man darin Bresche legen und durch enge
+ Zugänge eindringen müssen, hinter denen die Spitzen unserer
+ Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben würden: _so wäre
+ Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung gewesen._«
+
+ »Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit denen
+ einer gewöhnlichen Belagerung und man wird finden, daß am 8.
+ September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den größten
+ Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, welche der
+ Krönung des Glacis vorhergehen. Man war also noch gar nicht in
+ den Bereich der schwierigsten und mörderischsten Arbeiten einer
+ Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung vor, sich
+ darauf einzulassen, da die Gräben und Brustwehren der Enceinte
+ nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg gezeigt hat. Die
+ Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr darin, die russische
+ Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung eingerichteten
+ Terrain, als das materielle Hinderniß der Befestigung zu
+ überwältigen. Unsere letzten Parallelen waren 30 Meter[1] von
+ den angegriffenen Werken entfernt und man konnte daher sich
+ unerwartet auf den Feind werfen, den das Feuer unserer
+ Artillerie bis zum letzten Augenblick genöthigt hatte, Schutz
+ unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wäre man mit den
+ Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, würde man die russische
+ Armee nur veranlaßt haben, die Initiative des Angriffs zu
+ ergreifen.«
+
+ [1] 95-1/2 preuß. Fuß.
+
+ »Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor einer
+ Leiterersteigung geschützt hätten, übte nicht weniger Einfluß
+ auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genöthigt,
+ fortwährend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu
+ halten, um einen Angriff zurückzuschlagen, mit dem sie vom
+ Beginn der Belagerung an bedroht waren.« --
+
+Ganz übereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene oberste
+englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen »Military
+opinions« (S. 190 bis 196) (Über Erdwerke und die Vertheidigung von
+Sebastopol) aus. Er sagt:
+
+ »Es sind kürzlich einige irrige Ansichten darüber in England in
+ Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht daran [?])
+ daß die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptsächlich den
+ Vorzügen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und der
+ Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen
+ Ingenieure sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu
+ machen wußten.«
+
+ »Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft
+ verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glänzenden
+ Vertheidigung von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung
+ gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis für ein System
+ gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.«
+
+ »Die Russen waren genöthigt, ihre Vertheidigungswerke bei einer
+ unerwarteten Veranlassung rasch auszuführen und sie benutzten
+ dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fällen
+ angewandte Mittel, nämlich Erdwerke -- nicht aus freier Wahl,
+ sondern weil ihnen nichts anderes übrig blieb und sie verdienen
+ in dieser Beziehung das größte Lob, -- nicht aber wegen der
+ vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer
+ energischen Vertheidigung, trotz der Schwäche und
+ Unvollkommenheit solcher Werke.«
+
+ »Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, außer seiner
+ großen Kostbarkeit, daß es aus der Entfernung in Bresche gelegt
+ werden kann und daß die abspringenden Steinstücke den
+ Vertheidigern gefährlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber
+ man muß sich klar machen, daß diese Übelstände nicht nothwendig
+ mit gemauerten Werken verbunden sind, daß vielmehr, wo diese
+ Übelstände vorkommen, dies daher rührt, daß die betreffenden
+ Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localität so
+ beschränkt ist, daß es für zweckmäßigere Anlagen, namentlich für
+ Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so daß bloß die
+ Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will man das
+ System der Anwendung von Erdwerken durchaus als eine neuere
+ Verbesserung ansehen, so muß man es mit dem in neuerer Zeit von
+ den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten System
+ vergleichen, daß die Brustwehren aus Erde bestehen und daß die
+ Escarpen von außen nicht gesehen seien, bis man an den Graben
+ gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei Übelstände
+ gehoben.«
+
+ »Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine
+ senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren
+ müssen. Ist diese Mauer über 30 Fuß hoch und flankirt, dann ist
+ sie ein formidables Hinderniß und eine Ersteigung desselben (und
+ etwas anderes bleibt nicht übrig, so lange die Mauer nicht
+ zerstört ist) ein höchst gewagtes Unternehmen, was nur bei
+ vollständiger Überraschung oder großer Schwäche des
+ Vertheidigers gelingen kann.«
+
+ »Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; aber
+ in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur
+ gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die
+ große Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der
+ Angreifer findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem
+ Platze nähern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere
+ Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben für den Sturm
+ doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, während Erdwerke auf
+ dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche darstellen.«
+
+ »Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die Franzosen
+ hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und Opfern, ein
+ Logement 30 Yards[2] von dem Graben der feindlichen Werke sich
+ verschafft. Es steht fest, daß die Schwierigkeiten weiter
+ vorzugehen so groß für sie wurden, daß sie nicht näher an den
+ Platz heranrücken konnten, und doch, wäre der Platz auf die
+ gewöhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen,
+ hätten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe
+ anlegen müssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen,
+ welche für die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der
+ Platz genommen werden konnte, doch nicht genügenden Raum gewährt
+ haben würden. Ebenso wäre es bei den innern Retranchements
+ gewesen.«
+
+ [2] 87-1/3 preuß. Fuß.
+
+ »Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der Regel vor
+ dem feindlichen Geschützfeuer aus der Entfernung gedeckt werden
+ soll, so giebt es doch Fälle, wo man davon absehen muß und auch
+ absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei Küstenbatterien.
+ Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein Felsen, oder schmaler
+ Terrainabschnitt sehr günstig, um die feindlichen Schiffe
+ abzuhalten, ist aber nur gerade groß genug für einen größern
+ oder kleinern Thurm. Um aber die nöthige Geschützzahl
+ aufzustellen, müssen mehrere Stockwerke und darum ein hohes
+ Gebäude angelegt werden. Solche Gebäude haben nun trotz der
+ ihnen anklebenden Mängel, die man auch nach Möglichkeit
+ beseitigen muß, oft eine sehr kräftige Wirkung, und es ist
+ durchaus ein Irrthum, daß sie durch Feuer von Schiffen so leicht
+ zerstört und zum Schweigen gebracht werden können.«
+
+ »Aber auch außer den Fällen, wo Mauern dem Feuer der
+ Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch
+ zulässig, ja oft unvermeidlich.«
+
+ »So kommt es manchmal vor, daß ein befestigter Punkt nur
+ Sicherheit gegen einen Handstreich gewähren soll, wie z. B. in
+ allen Fällen, wo die Umstände nicht gestatten, Geschütz dagegen
+ in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes
+ erfüllt ist, sobald der Feind genöthigt wird, vielleicht mit
+ großer Schwierigkeit Geschütze dagegen aufzustellen, oder auch
+ zum Schluß der Kehlen der Außenwerke, wo es darauf ankommt, daß
+ das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder
+ eingeschossen werden kann. In allen diesen Fällen ist Mauerwerk
+ den Erdwällen vorzuziehen.« --
+
+Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten Escarpen
+in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht unnütz finden
+und den neuen preußischen Festungsanlagen nur an wenig Stellen den
+Vorwurf machen können, Mauerwerk blosgegeben zu haben, wo es besser
+durch Erdwälle gedeckt worden wäre. Letzteres findet namentlich bei
+mehrern ältern Thurmforts statt, bei denen es allerdings wünschenswerth
+sein wird, nachträglich noch entweder auf Verwandlung der gemauerten
+Brustwehren in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Außen gesehenen
+kasernirten Etage Bedacht zu nehmen.
+
+Ich bemerke in letzterer Beziehung, daß es da, wo Raum genug vorhanden
+ist und die Höhenverhältnisse es gestatten, wohlfeiler und zweckmäßiger
+sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten und lieber den
+vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhöhen.
+
+Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, würde demnächst auch zu
+untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten Batterie
+auf Tafel 80 B. meiner Beiträge etc. oder eine ähnliche Konstruktion in
+Anwendung kommen könnte, namentlich wenn die Bedeckung der Erdscharten
+mittelst Eisenbahnschienen, sich bewähren sollte, und dadurch die
+Möglichkeit gegeben wäre, das ganze Mauerwerk, auch über den Scharten,
+mit Erde zu decken.[3] Eine Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint
+dagegen nach den auf S. 46 meiner Beiträge beschriebenen Versuchen mit
+hölzernen bedeckten Geschützständen, nicht rathsam.
+
+ [3] Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei
+ fremdherrlichen Offizieren haben dieselben neuerdings in England
+ Versuchen mit gezogenen Geschützen von schwerem Kaliber gegen
+ Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr günstige Resultate
+ ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese vor einer
+ Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal über einander
+ gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen
+ (wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12' Länge, 8" Breite, 4"
+ Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen bekleidet. Das
+ Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. Der Unternehmer (aus
+ Wales) war seiner Sache so sicher, daß er sich hinter diese
+ Eisenwand während der Versuche stellen zu wollen erklärte. Er
+ behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht mehr, als eine Mauer
+ und war bereit für die Befestigung von Antwerpen dergleichen
+ Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere Kenntniß zu nehmen,
+ gestattete er nicht. Es scheint, daß durch die Nuthen und Federn
+ der Stoß des Geschosses sich auf die ganze Fläche des Eisens
+ vertheilt.
+
+ Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewähren, so steht
+ eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten und würde darin
+ ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel gegen den Brescheschuß
+ gegeben sein.
+
+Ich gehe nunmehr über zu dem
+
+
+2. indirekten Brescheschuß.
+
+Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, daß es
+möglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen kann, aus
+größerer Entfernung durch flache Bogenschüsse zu zerstören. (Siehe meine
+Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S. 88. ff.) Dies Verfahren
+erregte schon damals großes Aufsehen und gab zu vielfachen Discussionen
+Veranlassung, als deren Endergebniß sich Folgendes herausstellte:
+
+ a) daß dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter
+ Umständen sehr wohl anwendbar erscheine;
+
+ b) daß es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen
+ und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlängerung
+ der auf die letztern treffenden Gräben aufstellen kann, mit
+ gutem Erfolge werde gebraucht werden können;
+
+ c) daß dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige
+ Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschießen
+ aus der Nähe, sonst aber die übrigen langwierigen
+ Belagerungsoperationen und Annäherungsarbeiten nicht erspart;
+
+ d) daß das Brescheschießen aus der Entfernung, außerdem, daß die
+ Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig sei, dem
+ Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen will und ihm
+ gestatte, geeignete Gegenmaßregeln zu treffen, Abschnitte
+ anzulegen, die Bresche zu unterminiren, und dergleichen, so daß
+ dies neue Brescheverfahren nur denjenigen schlechtern Festungen
+ besonders gefährlich werden wird, bei welchen ein sogenannter
+ beschleunigter Angriff stattfinden kann.
+
+Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge Anwendung
+von gezogenen Geschützen, hat sich nun in diesen Verhältnissen nichts
+Wesentliches geändert und es steht daher keineswegs zu besorgen, daß
+dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle bringen werde, wie
+dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach vorausgesetzt
+wird: denn es verkürzt, wie gesagt, nur _eine_ der verschiedenen
+Angriffsoperationen und zwar in einem Verhältniß, das in der
+Wirklichkeit gewiß ein ganz anderes und um viele Procente geringeres,
+als das auf unsern Exercierplätzen erzielte sein wird, wo weder das
+Feuer der Festung, noch die Unkenntniß der Entfernungen und Wirkungen
+störend influirt.
+
+Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, daß, wie Einige
+behaupten, die vergrößerte Wirkung der Geschütze auch eine viel
+entferntere Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch
+(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzögern werde, weil
+ich glaube, daß die Entfernung der ersten Parallele größtentheils von
+andern Umständen abhängig ist.
+
+Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung nicht auch
+Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei bereits
+vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens zu vernichten
+oder wenigstens zu ermäßigen. Um dies besser zu übersehen, müssen wir
+die drei Fälle unterscheiden, welche hauptsächlich vorkommen können,
+nämlich das indirekte Brescheschießen
+
+ a) gegen Escarpenmauern quer über den Graben,
+
+ b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der Länge
+ der Festungsgräben nach getroffen werden können,
+
+ c) gegen Reduits hinter deckenden Wällen oder Glaciscreten.
+
+
+#ad a.#
+
+_Gegen Escarpen quer über die Festungsgräben._
+
+Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten Escarpen --
+Wassergräben ausgenommen -- nicht entbehren kann.
+
+Um sie vor dem indirekten Brescheschuß zu sichern, wird es vor Allem
+rathsam sein, sie überall mit Contrescarpen zu versehen und demnächst
+die Gräben möglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg nicht zu breit
+zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer unter möglichst
+steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7° beträgt, wegen des
+dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung des indirekten
+Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der Sache, schon bedenklich
+macht.
+
+Daß die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, wenigstens
+ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, durfte
+nach den Jülicher Versuchen als feststehend anzusehen sein.
+
+Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, daß auch die Dächer
+der freistehenden Mauern nicht von Außen gesehen werden können, damit
+der Feind an denselben nicht die Wirkung seines Brescheschießens
+erkennen könne. Auch bei vielen bereits vorhandenen Anlagen wird sich
+diese Verbesserung noch nachträglich anbringen lassen.
+
+Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei ihrer
+jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, daß man sie durch Wände von
+Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den Escarpenmauern oder
+auch auf der Contrescarpe anbrächte, ehe sie an die Mauer gelangen:
+allein es würde dann der Artillerie gewiß sehr bald gelingen, die
+Explosion so zu verzögern, daß sie erst stattfände, nachdem die Mauer
+getroffen ist.
+
+
+#ad b.#
+
+_Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der Länge der
+Festungsgräben nach._
+
+Für Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, in meinen
+Beiträgen (Seite 123) bereits ausführlich behandelte, aber leider auch
+bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz sich geltend
+machen, daß man dem Feinde immer so viel als möglich gerade Fronten und
+keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants entgegensetzen müsse,
+vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug verdiene, bei dem die
+Verlängerungen der Gräben so nahe wie möglich der Festung liegen, so daß
+der Feind immer nur erst bei größerer Annäherung in diesen
+Verlängerungen seine indirekten Contrebatterien aufstellen kann.
+
+Demnächst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon häufig
+geschehen ist, in vielen Fällen zweckmäßig an den Saillants angebracht
+werden können.
+
+Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer noch
+anzuwendendes Hülfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien in den
+ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar den Nachtheil,
+daß auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstört werden können,
+ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist immer eine zeitraubende
+Operation, die erst in Anwendung kommen kann, wenn der Feind mit seinen
+Approchen bis an die Glaciscrete gelangt ist.
+
+Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und dergleichen
+vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umständen in
+Anwendung kommen können, obgleich sie großen Einschränkungen aus andern
+Ursachen unterliegt.
+
+Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch für bereits
+fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote ständen, fragte es sich
+immer noch, ob man wegen der Möglichkeit solcher indirekten
+Contrebatterien unter allen Umständen die gewöhnlichen Grabencaponieren
+aufgeben müsse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung ist
+das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen Angriff und
+erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch Grabencaponieren, dann
+muß man sich es schon gefallen lassen, daß im Laufe einer förmlichen
+Belagerung, ein oder zwei Flanken durch indirekten Schuß unbrauchbar
+gemacht werden, was sonst allerdings nur durch direkte in ihrer
+Ausführung und Anwendung viel schwierigere Contrebatterien zu geschehen
+pflegt. Der Feind muß dann immer noch erst den Sturm wagen.
+
+Übrigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der
+Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der
+Breschbatterien, weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer
+zum Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstören; der
+Zustand der Scharten aber von Außen fast gar nicht zu beurtheilen sein
+wird.
+
+Schließlich bemerke ich, daß die von einer Seite vorgeschlagene Erhöhung
+der Wälle und der bedeckten Wege an den Stellen, über welche die
+Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, einerseits
+wegen der dadurch bedingten partiellen Erhöhungen der Feuerlinie nicht
+ausführbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens nur unbedeutend
+vergrößern würde, so daß von diesem Mittel jedenfalls abstrahirt werden
+muß.
+
+
+#ad c.#
+
+_Gegen Reduits._
+
+Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er die vordere
+Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter Linie
+entgegenzusetzen. -- Die Anlage von Reduits gilt daher als eine
+wesentliche Verstärkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, indem
+es bei einem solchen kaum denkbar ist, daß nachdem der Feind die vordere
+Vertheidigungslinie überwältigt hat, er noch so viel Kraft besitzen
+sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderniß zu besiegen.
+Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die erste Bedingung ist, den
+Feind zu einem förmlichen Angriff zu nöthigen: so werden auch jetzt noch
+die Reduits diesen Zweck zu erfüllen vollkommen im Stande sein, indem es
+nicht wohl denkbar ist, daß der Feind ohne förmliche Belagerungsarbeiten,
+Batteriebau und dergleichen, ein oder mehrere Reduits sollte außer
+Thätigkeit setzen können.
+
+Gegen den förmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, wenn der
+Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand des
+zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern pflegt.
+
+Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet ist, und
+zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger für die Reduits in den
+Waffenplätzen, muß ich hier wieder auf den oben ausgeführten Satz
+zurückkommen, daß darum ein Vertheidigungsmittel noch nicht zu verwerfen
+ist, weil es der Feind überwältigen kann. Es kommt vielmehr immer darauf
+an, daß der Widerstand, den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch
+im angemessenen Verhältniß stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den
+meisten Reduits der Fall sein, trotz der unverkennbaren großen
+Wirksamkeit des indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie
+werden nach wie vor allen Anlagen eine große Sicherheit gegen den
+gewaltsamen Angriff gewähren und wenn sie diesen Zweck erfüllt haben,
+dann mag immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschuß
+gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch
+diejenigen Schwierigkeiten für den Feind, um solche Breschen benutzen zu
+können, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen
+kennen gelernt haben. --
+
+Daß man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen müsse, ist
+daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den Ergebnissen unserer
+verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann.
+
+Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der Wirksamkeit
+des indirekten Schusses möglichst entziehen müssen. Dies wird geschehen,
+wenn wir
+
+ a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, daß die
+ indirekten Batterien gegen sie in der Verlängerung von Gräben
+ oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden können.
+ Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben als nothwendig
+ hervorgehobene, möglichst frontale Anlage unserer
+ Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in den eingehenden
+ Waffenplätzen werden Traversen Abhülfe gewähren;
+
+ b) wenn wir die Reduits immer so nahe als möglich an die
+ deckenden Brustwehren heranrücken, so daß der Einfallwinkel der
+ feindlichen Geschosse wo möglich größer als 7° wird.
+
+ Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige
+ Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des vorliegenden
+ Walls wird durch leichte Rückenwehren von Brettern, Balken und
+ doppelten Flechtzäunen auf der Contrescarpe oder dem Revers des
+ Wallgangs größtentheils unschädlich gemacht werden können. --
+
+ c) Wenn wir diese Reduits nicht zu groß machen (indem ihre Größe
+ nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr den durch
+ sie gewährten bombensichern Raum uns auf andere Weise
+ beschaffen, indem wir
+
+ d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhältnißmäßig
+ mit geringen Kosten diesen Zweck erfüllen und den Nutzen haben,
+ in unmittelbarster Nähe der Breschen, einer bereitstehenden
+ Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen Action, ein
+ geschütztes Unterkommen zu gewähren; und indem wir
+
+ e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns an
+ Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt
+ werden können, also unter den Wällen der Werke etc.
+
+Hiernach wird es z. B. nach einer vom General Todleben mir angedeuteten
+Idee zulässig sein, hinter den Profilmauern eines größern Werks zwei
+kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem Feuer das Innere des
+vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den indirekten Batterien des
+Feindes mit Erfolg gefaßt werden zu können.
+
+Schließlich bemerke ich noch, daß durch die bisherigen Versuche durchaus
+noch nicht erwiesen ist, daß in größern Reduits (Defensivkasernen) wo
+kein nachstürzender oder dahinter liegender Wall vorhanden ist,
+überhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d. h. eine solche, in
+welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil dürfte dies in
+Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. --
+
+Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, die
+Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaßen über die Wirkungen des
+verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, wenn
+ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschätze. Wir wollen
+nun sehen, ob die gezogenen Geschütze den Festungswerken nicht
+vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und nachtheiliger werden
+können. Ich gehe nämlich über zu dem
+
+
+
+
+B. Demontirschuß.
+
+
+So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches
+Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschützen des Angriffs und der
+Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen:
+
+ a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig
+ ergänzen, der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer
+ gleich von Hause aus Geschütze gegen die Festung aufstellen
+ kann, je eher wird er ein Übergewicht über dieselbe erlangen
+ und behaupten und dies Übergewicht wird bei gezogenen
+ Geschützen an und für sich viel bedeutender und intensiver
+ sein. Daraus folgt
+
+ [alpha]) daß das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen
+ die Angriffsartillerie nur durch eine sehr starke
+ Geschütz-Dotirung der Festungen einigermaßen wird erlangt
+ werden können und
+
+ [beta]) daß nur _große_ Festungen noch der feindlichen
+ Artillerie allenfalls gewachsen sein werden, kleine
+ Festungen dagegen jetzt in einer noch viel nachtheiligeren
+ Lage sich der Angriffs-Artillerie gegenüber befinden, als es
+ schon bei dem bisherigen Zustande des Geschützwesens der
+ Fall war. Kleine Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder
+ bedeutend zu erweitern.
+
+Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien in
+Bezug auf den Demontirschuß ist die, daß
+
+ b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung
+ haben wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt
+ und sich auch theoretisch darthun läßt, immer große Vortheile
+ gewährt. Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird
+ man daher stets bedacht sein müssen, sich diesen wesentlichen
+ Vortheil durch hohe Erdwälle (Kavaliere) zu verschaffen.
+ (Vergleiche auch meine Beiträge zur angewandten
+ Befestigungskunst S. 34. Ich habe darum auch bereits oben
+ empfohlen, freiliegende Reduits nicht abzutragen, sondern
+ lieber die vorliegenden Wälle zu erhöhen.)
+
+
+
+
+C. Der Ricochettschuß.
+
+
+Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschuß,
+sondern jeden Schuß oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und
+Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgänge der
+Länge nach über die deckende Brustwehr der anliegenden Face hinweg im
+flachen oder stärkern Bogen geschleudert werden. So weit mir bekannt,
+haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch Shrapnels aus
+glatten Geschützen auf diese Weise gegen offene Wälle angewandt, ganz
+günstige Resultate gegeben, und wenn auch diese Art von Feuer aus
+gezogenen Geschützen und aus großen Entfernungen bisher noch nicht
+ausgebildet worden ist: so steht dies doch für die Folge zu erwarten und
+die Wirkung eines solchen Feuers kann nicht zweifelhaft sein, während
+zugleich eine Erwiederung desselben von Seiten der Festung, indem man
+die Parallelen des Angreifers -- wie es auch in der Belagerung von
+Sebastopol versucht wurde -- echarpirend beschießt, doch bei Weitem
+nicht ebenso erfolgreich wirken kann.
+
+Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken kein
+anderes Mittel geben, als Vervielfältigung der Traversen, -- wie sie
+auch in Sebastopol stattfand -- und wo möglich, nachträgliche
+Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, daß
+dieses Mittel der eigentlichen Geschützaufstellung sehr viel Raum
+entzieht und daher ebenfalls nur bei geräumigen Festungen anwendbar, in
+kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausführbar ist -- ein
+Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen.
+
+Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach
+hervorgehobene frontale Lage der Wälle dem Angriff gegenüber empfehlen.
+
+
+
+
+D. Der Enfilirschuß.
+
+
+Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen
+Schußarten und flachen Bogenwürfe zusammenfassen, welche, außer den
+bereits gedachten, aus großen Entfernungen gegen die Werke oder das
+Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebäude, nach
+verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhöhten Punkten aus,
+gerichtet werden können.
+
+Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, daß
+Angriffsbatterien auf größern Entfernungen (über 1200 bis 1500 Schritt
+hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die Einführung der
+Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschüttert und wir sehen
+bereits in Sebastopol den Geschützkampf erfolgreich in großen
+Entfernungen eröffnet. Die gezogenen Geschütze werden dies in noch
+höherm Grade geschehen lassen und dominirende Höhen, die bisher
+unbeachtet geblieben sind, werden künftig von großem Einfluß auf die
+Vertheidigung sein. Ich erkenne an, daß dieser Umstand für mehrere von
+unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von großer Bedeutung ist
+-- einer größern vielleicht, als der verbesserte Brescheschuß -- und es
+wird daher ein Gegenstand von der größten Wichtigkeit sein, daß das
+Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja bis 5000 Schritt untersucht und
+die Haupthöhen desselben durch Nivellements ermittelt und gemessen
+werden, indem, wie schon eine flüchtige Besichtigung zeigt, manche
+bisher unbeachteten Höhen künftig durch Seiten- und Rückenfeuer die
+Vertheidigungsfähigkeit einzelner unserer Werke auf das Nachtheiligste
+beeinträchtigen möchten. Als Gegenmittel gegen diesen Übelstand
+erscheint einerseits die Vervielfältigung von Traversen, andererseits
+die Anlage weit vorgeschobener Werke geboten, beides Maßregeln, die zwar
+mehr oder weniger ausführbar sein werden, unter allen Umständen aber,
+namentlich die Letztere, -- die reiflichste Erwägung erfordern, die
+daher den betreffenden Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und
+Festungs-Bau-Direktoren im Verein mit den Artillerie-Offizieren der
+Plätze nur auf's Angelegentlichste empfohlen werden kann.
+
+In Bezug auf die Sicherung der großen Pulvermagazine gegen das direkte
+und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits eine
+Berichterstattung erfolgt, worüber die höhere Entscheidung abgewartet
+werden muß. --
+
+Es ist nicht zu verkennen, daß die Befestigungskunst -- wie es in der
+Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen -- sich gegenüber den jetzigen
+wesentlichen Verbesserungen des Geschützwesens und der Feuerwaffen
+überhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen Verbesserungen
+schwer Schritt halten zu können, einerseits, weil die Gegenmaßregeln
+ihrer Natur nach überhaupt erst ermittelt werden müssen und nur nach und
+nach Eingang finden können, andererseits weil die vorhandenen, auf
+hundertjährige Dauer und länger, angelegten Befestigungen diesen
+Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen können und eine Umformung
+derselben nur in viel längern Zeiträumen und mit viel größerem
+Kostenaufwand möglich ist, als z. B. die Umformung der Artillerie, der
+Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher nichts übrig bleiben, als daß
+er diese Neuerungen und Verbesserungen aufmerksam verfolge. -- Daß er
+ferner auf's Reiflichste erwäge, welche Veränderungen die bisherigen
+Begriffe von Defilement, Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil,
+Developpement und Größe der Festungen etc. erleiden werden und erleiden
+müssen, -- daß er bemüht sei, danach die alten Befestigungen zu
+verbessern und umzuformen und die neuen von Hause aus anzulegen --
+endlich, daß er sich bewußt werde, welche andere Mittel in seiner
+reichen Rüstkammer als: die Wassergräben, Contrescarpen,
+Reversgallerien, Traversen, Cavaliere und vor Allem die Contreminen, das
+Infanteriefeuer und die active Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen,
+um auch ferner noch den Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als
+Schutzwaffe, aber als eine sehr hülfreiche, ja unentbehrliche,
+erscheinen zu lassen, welche noch immer Hülfs- und Vertheidigungsmittel
+genug besitzt, um nicht, wie Einige vielleicht meinen mögen, schon beim
+ersten Schuß eines gezogenen Feld-Sechspfünders die Vertheidigung der
+Festungen muthlos aufzugeben.
+
+Berlin, den 24. November 1860.
+
+ v. _Prittwitz_,
+ Generallieutenant.
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im
+»Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.«, 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI.
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere
+Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten.
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und
+Ue wurden durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für »etc.« wurde
+durch etc. ersetzt. Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext#
+
+
+Transcriber's Notes: This article has originally been published in 1861
+in »Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.«, 25th year of publication, volume 49, chapters X and
+XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor
+irregularities in the spelling have been retained.
+
+The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue
+have been replaced by Ä, Ö, Ü. The ligature for "etc." has been replaced
+by etc. Marked-up text has been replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font#
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogenen
+Geschützen, by Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
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+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
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+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.