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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:59:38 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen + +Author: Moritz von Prittwitz + +Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + + + + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + + + + + +Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen. + +von + +Moritz von Prittwitz + + + +Die neuern Verbesserungen im Geschützwesen sind zwar dienstlich noch +nicht veröffentlicht worden, aber bereits zur Kenntniß so vieler +preußischen und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mündlich, +schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: daß es an der Zeit +ist, gründlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der +Ingenieure die Frage zu erörtern, welchen Einfluß diese Verbesserungen +auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausüben werden, und +welche Maßregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen sind, +um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie so +erfolgreich als möglich entgegenzutreten. + +Es kann zuvörderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese +Verbesserungen an und für sich leugnen, heruntersetzen oder gering +schätzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu fest +und für die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in diesen +Verbesserungen zu erwarten als ein Rückschritt. + +Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu führen, in +wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, ja dieser +sogar vielleicht in höherm Grade als der Angriffs-Artillerie zu Gute +kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung _dieser_ Frage für +den vorliegenden Zweck wäre: so hat sie doch eben keinen Einfluß auf die +positiven Maßregeln, welche die Vertheidigung nunmehr wegen dieser +Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche den eigentlichen Gegenstand +der folgenden Blätter bilden. + +Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser Hinsicht +vorauszuschicken, die zur richtigen Würdigung alles Nachstehenden von +besondrer Wichtigkeit ist. + +Es giebt nämlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches +es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstört, unschädlich +gemacht, überwältigt oder überstiegen werden könnte. Dessenungeachtet +kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel sein +und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschächte beim +Angriff z. B. haben die Kontreminen entschieden von ihrer Wirksamkeit +verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand nehmen, sie in geeigneten +Fällen anzuwenden. Ein ähnliches Verhältniß tritt bei dem Mauerwerk ein, +wie wir dies später ausführlicher sehen werden. Bei Verbesserungen in +der Kriegskunst handelt es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen +immer nur darum: ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit +dem davon zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhältniß stehen? – bei +bereits bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mühe und +Kosten lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden, +oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande zu +belassen? + +Die Beantwortung dieser Fragen ist nun äußerst schwierig, weil es gar +keinen irgend brauchbaren Maaßstab giebt, um den Werth und die +Widerstandsfähigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger +Zuverlässigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen +Einsicht, man möchte sagen, dem Gefühl der Beurtheilenden überlassen und +darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser Art die +Ansichten Mehrerer übereinstimmen. Man kann deswegen nichts Besseres +thun, als die pro und contra in ausführlicher und unbeschränkter +Discussion zu erörtern und dann nach bestem Ermessen zu urtheilen oder +zu entscheiden. + + * * * * * + +In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der Verbesserung +des Geschützwesens sich ergebenden Veränderungen und Verbesserungen in +der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir die verschiedenen +Schußarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen an, die bisher +und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen worden ist, nämlich mit dem +Brescheschuß. + + + + +A. Brescheschuß. + + +1. Direkter Brescheschuß. + +Wir müssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und diejenige +auf größere Entfernungen. + +Wenn die gewöhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen sind, +ist die Breschelegung immer als eine Operation von kurzer Dauer +angesehen worden, so daß die größere Wirksamkeit der gezogenen Geschütze +hierbei von geringem Einfluß auf die Dauer der Belagerungen sein wird. + +In älterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine +unverhältnißmäßige Dicke gegeben, um sie widerstandsfähiger gegen den +Brescheschuß zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals – am +Wenigsten bei unsern neuern preußischen Festungs-Bauten geschehen, indem +man wohl erkannte, daß der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, mit den +erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhältniß stehe – (wie dies +auch bereits in meinen Beiträgen zur angewandten Befestigungskunst S. 6. +ausgesprochen ist). In dieser Beziehung ändert sich also durch die +Anwendung der gezogenen Geschütze nichts Wesentliches. + +Ebenso haben bekanntlich die Engländer bereits vor 50 Jahren im +spanischen Kriege den direkten Brescheschuß bis auf 800 Schritt +Entfernung mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die +mannigfaltigen Verhandlungen über diese Art des Brescheschießens nicht +zu wiederholen. Es wurde schon damals hervorgehoben, daß es mit dem +Brescheschießen allein nicht abgemacht sei; daß man vielmehr bis zur +Bresche approchiren müsse – und daß ein ohne gedeckte Annäherung +ausgeführter Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Außerdem +vertheidigten sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der +Entfernung gesehen werden konnten, noch mit großer Energie und wenn auch +im Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk +möglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Fälle genug +vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man trotz jener +allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk dem entfernten +feindlichen directen Schuß auszusetzen: + + entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle + überhaupt nicht fürchtete; + + oder, weil man durch ein überlegenes Geschützfeuer die Erbauung + und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmöglich zu machen + hoffte; + + oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu + erreichen, namentlich weil es an Platz fehlte, um besser + gedeckte Festungswerke aufzuführen, an Stellen, wo es darauf + ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen. + +Alle diese Verhältnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem +Unterschiede, daß das was sonst auf 800 Schritt ausführbar war, jetzt +auch auf die doppelte und größere Entfernung möglich ist. + +Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts geändert. Denn +sie ergeben, daß das Mauerwerk der Küstenforts von dem Feuer der Schiffe +durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschädigt wurde und wenn +die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf den Landfronten in einer +11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen wurden, und der +Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen solchen Widerstand leistete, +daß seine geringe Besatzung sich nur in Folge einer Kapitulation ergab, +so kann man unmöglich daraus folgern, daß fortan die Anwendung des +Mauerwerks in den Festungen ganz unzulässig sei. Es liegen uns in dieser +Beziehung auch zwei sehr wichtige und competente Zeugnisse vor. + +General Niel sagt nämlich in seiner Belagerung von Sebastopol, S. 443: + + »Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol + haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, daß die + Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei der + Vertheidigung der Festungen seien.« + + »Sebastopol, ein großes verschanztes Lager, vertheidigt durch + Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Stärke + von einer Geschützarmirung, wie man sie nur in einem großen + Kriegshafen finden kann, – und von einer zahlreichen Armee, die + immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Rußland + behalten hat. Wäre die Enceinte mit guten gemauerten Escarpen + versehen gewesen, hätte man darin Bresche legen und durch enge + Zugänge eindringen müssen, hinter denen die Spitzen unserer + Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben würden: _so wäre + Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung gewesen._« + + »Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit denen + einer gewöhnlichen Belagerung und man wird finden, daß am 8. + September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den größten + Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, welche der + Krönung des Glacis vorhergehen. Man war also noch gar nicht in + den Bereich der schwierigsten und mörderischsten Arbeiten einer + Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung vor, sich + darauf einzulassen, da die Gräben und Brustwehren der Enceinte + nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg gezeigt hat. Die + Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr darin, die russische + Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung eingerichteten + Terrain, als das materielle Hinderniß der Befestigung zu + überwältigen. Unsere letzten Parallelen waren 30 Meter[1] von + den angegriffenen Werken entfernt und man konnte daher sich + unerwartet auf den Feind werfen, den das Feuer unserer + Artillerie bis zum letzten Augenblick genöthigt hatte, Schutz + unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wäre man mit den + Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, würde man die russische + Armee nur veranlaßt haben, die Initiative des Angriffs zu + ergreifen.« + + [1] 95½ preuß. Fuß. + + »Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor einer + Leiterersteigung geschützt hätten, übte nicht weniger Einfluß + auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genöthigt, + fortwährend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu + halten, um einen Angriff zurückzuschlagen, mit dem sie vom + Beginn der Belagerung an bedroht waren.« – + +Ganz übereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene oberste +englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen »Military +opinions« (S. 190 bis 196) (Über Erdwerke und die Vertheidigung von +Sebastopol) aus. Er sagt: + + »Es sind kürzlich einige irrige Ansichten darüber in England in + Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht daran [?]) + daß die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptsächlich den + Vorzügen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und der + Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen + Ingenieure sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu + machen wußten.« + + »Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft + verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glänzenden + Vertheidigung von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung + gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis für ein System + gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.« + + »Die Russen waren genöthigt, ihre Vertheidigungswerke bei einer + unerwarteten Veranlassung rasch auszuführen und sie benutzten + dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fällen + angewandte Mittel, nämlich Erdwerke – nicht aus freier Wahl, + sondern weil ihnen nichts anderes übrig blieb und sie verdienen + in dieser Beziehung das größte Lob, – nicht aber wegen der + vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer + energischen Vertheidigung, trotz der Schwäche und + Unvollkommenheit solcher Werke.« + + »Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, außer seiner + großen Kostbarkeit, daß es aus der Entfernung in Bresche gelegt + werden kann und daß die abspringenden Steinstücke den + Vertheidigern gefährlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber + man muß sich klar machen, daß diese Übelstände nicht nothwendig + mit gemauerten Werken verbunden sind, daß vielmehr, wo diese + Übelstände vorkommen, dies daher rührt, daß die betreffenden + Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localität so + beschränkt ist, daß es für zweckmäßigere Anlagen, namentlich für + Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so daß bloß die + Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will man das + System der Anwendung von Erdwerken durchaus als eine neuere + Verbesserung ansehen, so muß man es mit dem in neuerer Zeit von + den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten System + vergleichen, daß die Brustwehren aus Erde bestehen und daß die + Escarpen von außen nicht gesehen seien, bis man an den Graben + gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei Übelstände + gehoben.« + + »Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine + senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren + müssen. Ist diese Mauer über 30 Fuß hoch und flankirt, dann ist + sie ein formidables Hinderniß und eine Ersteigung desselben (und + etwas anderes bleibt nicht übrig, so lange die Mauer nicht + zerstört ist) ein höchst gewagtes Unternehmen, was nur bei + vollständiger Überraschung oder großer Schwäche des + Vertheidigers gelingen kann.« + + »Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; aber + in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur + gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die + große Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der + Angreifer findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem + Platze nähern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere + Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben für den Sturm + doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, während Erdwerke auf + dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche darstellen.« + + »Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die Franzosen + hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und Opfern, ein + Logement 30 Yards[2] von dem Graben der feindlichen Werke sich + verschafft. Es steht fest, daß die Schwierigkeiten weiter + vorzugehen so groß für sie wurden, daß sie nicht näher an den + Platz heranrücken konnten, und doch, wäre der Platz auf die + gewöhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen, + hätten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe + anlegen müssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen, + welche für die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der + Platz genommen werden konnte, doch nicht genügenden Raum gewährt + haben würden. Ebenso wäre es bei den innern Retranchements + gewesen.« + + [2] 87⅓ preuß. Fuß. + + »Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der Regel vor + dem feindlichen Geschützfeuer aus der Entfernung gedeckt werden + soll, so giebt es doch Fälle, wo man davon absehen muß und auch + absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei Küstenbatterien. + Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein Felsen, oder schmaler + Terrainabschnitt sehr günstig, um die feindlichen Schiffe + abzuhalten, ist aber nur gerade groß genug für einen größern + oder kleinern Thurm. Um aber die nöthige Geschützzahl + aufzustellen, müssen mehrere Stockwerke und darum ein hohes + Gebäude angelegt werden. Solche Gebäude haben nun trotz der + ihnen anklebenden Mängel, die man auch nach Möglichkeit + beseitigen muß, oft eine sehr kräftige Wirkung, und es ist + durchaus ein Irrthum, daß sie durch Feuer von Schiffen so leicht + zerstört und zum Schweigen gebracht werden können.« + + »Aber auch außer den Fällen, wo Mauern dem Feuer der + Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch + zulässig, ja oft unvermeidlich.« + + »So kommt es manchmal vor, daß ein befestigter Punkt nur + Sicherheit gegen einen Handstreich gewähren soll, wie z. B. in + allen Fällen, wo die Umstände nicht gestatten, Geschütz dagegen + in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes + erfüllt ist, sobald der Feind genöthigt wird, vielleicht mit + großer Schwierigkeit Geschütze dagegen aufzustellen, oder auch + zum Schluß der Kehlen der Außenwerke, wo es darauf ankommt, daß + das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder + eingeschossen werden kann. In allen diesen Fällen ist Mauerwerk + den Erdwällen vorzuziehen.« – + +Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten Escarpen +in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht unnütz finden +und den neuen preußischen Festungsanlagen nur an wenig Stellen den +Vorwurf machen können, Mauerwerk blosgegeben zu haben, wo es besser +durch Erdwälle gedeckt worden wäre. Letzteres findet namentlich bei +mehrern ältern Thurmforts statt, bei denen es allerdings wünschenswerth +sein wird, nachträglich noch entweder auf Verwandlung der gemauerten +Brustwehren in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Außen gesehenen +kasernirten Etage Bedacht zu nehmen. + +Ich bemerke in letzterer Beziehung, daß es da, wo Raum genug vorhanden +ist und die Höhenverhältnisse es gestatten, wohlfeiler und zweckmäßiger +sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten und lieber den +vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhöhen. + +Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, würde demnächst auch zu +untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten Batterie +auf Tafel 80 B. meiner Beiträge etc. oder eine ähnliche Konstruktion in +Anwendung kommen könnte, namentlich wenn die Bedeckung der Erdscharten +mittelst Eisenbahnschienen, sich bewähren sollte, und dadurch die +Möglichkeit gegeben wäre, das ganze Mauerwerk, auch über den Scharten, +mit Erde zu decken.[3] Eine Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint +dagegen nach den auf S. 46 meiner Beiträge beschriebenen Versuchen mit +hölzernen bedeckten Geschützständen, nicht rathsam. + + [3] Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei + fremdherrlichen Offizieren haben dieselben neuerdings in England + Versuchen mit gezogenen Geschützen von schwerem Kaliber gegen + Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr günstige Resultate + ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese vor einer + Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal über einander + gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen + (wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12′ Länge, 8″ Breite, 4″ + Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen bekleidet. Das + Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. Der Unternehmer (aus + Wales) war seiner Sache so sicher, daß er sich hinter diese + Eisenwand während der Versuche stellen zu wollen erklärte. Er + behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht mehr, als eine Mauer + und war bereit für die Befestigung von Antwerpen dergleichen + Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere Kenntniß zu nehmen, + gestattete er nicht. Es scheint, daß durch die Nuthen und Federn + der Stoß des Geschosses sich auf die ganze Fläche des Eisens + vertheilt. + + Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewähren, so steht + eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten und würde darin + ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel gegen den Brescheschuß + gegeben sein. + +Ich gehe nunmehr über zu dem + + +2. indirekten Brescheschuß. + +Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, daß es +möglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen kann, aus +größerer Entfernung durch flache Bogenschüsse zu zerstören. (Siehe meine +Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S. 88. ff.) Dies Verfahren +erregte schon damals großes Aufsehen und gab zu vielfachen Discussionen +Veranlassung, als deren Endergebniß sich Folgendes herausstellte: + + a) daß dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter + Umständen sehr wohl anwendbar erscheine; + + b) daß es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen + und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlängerung + der auf die letztern treffenden Gräben aufstellen kann, mit + gutem Erfolge werde gebraucht werden können; + + c) daß dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige + Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschießen + aus der Nähe, sonst aber die übrigen langwierigen + Belagerungsoperationen und Annäherungsarbeiten nicht erspart; + + d) daß das Brescheschießen aus der Entfernung, außerdem, daß die + Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig sei, dem + Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen will und ihm + gestatte, geeignete Gegenmaßregeln zu treffen, Abschnitte + anzulegen, die Bresche zu unterminiren, und dergleichen, so daß + dies neue Brescheverfahren nur denjenigen schlechtern Festungen + besonders gefährlich werden wird, bei welchen ein sogenannter + beschleunigter Angriff stattfinden kann. + +Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge Anwendung +von gezogenen Geschützen, hat sich nun in diesen Verhältnissen nichts +Wesentliches geändert und es steht daher keineswegs zu besorgen, daß +dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle bringen werde, wie +dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach vorausgesetzt +wird: denn es verkürzt, wie gesagt, nur _eine_ der verschiedenen +Angriffsoperationen und zwar in einem Verhältniß, das in der +Wirklichkeit gewiß ein ganz anderes und um viele Procente geringeres, +als das auf unsern Exercierplätzen erzielte sein wird, wo weder das +Feuer der Festung, noch die Unkenntniß der Entfernungen und Wirkungen +störend influirt. + +Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, daß, wie Einige +behaupten, die vergrößerte Wirkung der Geschütze auch eine viel +entferntere Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch +(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzögern werde, weil +ich glaube, daß die Entfernung der ersten Parallele größtentheils von +andern Umständen abhängig ist. + +Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung nicht auch +Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei bereits +vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens zu vernichten +oder wenigstens zu ermäßigen. Um dies besser zu übersehen, müssen wir +die drei Fälle unterscheiden, welche hauptsächlich vorkommen können, +nämlich das indirekte Brescheschießen + + a) gegen Escarpenmauern quer über den Graben, + + b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der Länge + der Festungsgräben nach getroffen werden können, + + c) gegen Reduits hinter deckenden Wällen oder Glaciscreten. + + +#ad a.# + +_Gegen Escarpen quer über die Festungsgräben._ + +Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten Escarpen – +Wassergräben ausgenommen – nicht entbehren kann. + +Um sie vor dem indirekten Brescheschuß zu sichern, wird es vor Allem +rathsam sein, sie überall mit Contrescarpen zu versehen und demnächst +die Gräben möglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg nicht zu breit +zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer unter möglichst +steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7° beträgt, wegen des +dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung des indirekten +Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der Sache, schon bedenklich +macht. + +Daß die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, wenigstens +ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, durfte +nach den Jülicher Versuchen als feststehend anzusehen sein. + +Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, daß auch die Dächer +der freistehenden Mauern nicht von Außen gesehen werden können, damit +der Feind an denselben nicht die Wirkung seines Brescheschießens +erkennen könne. Auch bei vielen bereits vorhandenen Anlagen wird sich +diese Verbesserung noch nachträglich anbringen lassen. + +Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei ihrer +jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, daß man sie durch Wände von +Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den Escarpenmauern oder +auch auf der Contrescarpe anbrächte, ehe sie an die Mauer gelangen: +allein es würde dann der Artillerie gewiß sehr bald gelingen, die +Explosion so zu verzögern, daß sie erst stattfände, nachdem die Mauer +getroffen ist. + + +#ad b.# + +_Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der Länge der +Festungsgräben nach._ + +Für Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, in meinen +Beiträgen (Seite 123) bereits ausführlich behandelte, aber leider auch +bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz sich geltend +machen, daß man dem Feinde immer so viel als möglich gerade Fronten und +keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants entgegensetzen müsse, +vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug verdiene, bei dem die +Verlängerungen der Gräben so nahe wie möglich der Festung liegen, so daß +der Feind immer nur erst bei größerer Annäherung in diesen +Verlängerungen seine indirekten Contrebatterien aufstellen kann. + +Demnächst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon häufig +geschehen ist, in vielen Fällen zweckmäßig an den Saillants angebracht +werden können. + +Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer noch +anzuwendendes Hülfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien in den +ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar den Nachtheil, +daß auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstört werden können, +ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist immer eine zeitraubende +Operation, die erst in Anwendung kommen kann, wenn der Feind mit seinen +Approchen bis an die Glaciscrete gelangt ist. + +Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und dergleichen +vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umständen in +Anwendung kommen können, obgleich sie großen Einschränkungen aus andern +Ursachen unterliegt. + +Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch für bereits +fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote ständen, fragte es sich +immer noch, ob man wegen der Möglichkeit solcher indirekten +Contrebatterien unter allen Umständen die gewöhnlichen Grabencaponieren +aufgeben müsse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung ist +das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen Angriff und +erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch Grabencaponieren, dann +muß man sich es schon gefallen lassen, daß im Laufe einer förmlichen +Belagerung, ein oder zwei Flanken durch indirekten Schuß unbrauchbar +gemacht werden, was sonst allerdings nur durch direkte in ihrer +Ausführung und Anwendung viel schwierigere Contrebatterien zu geschehen +pflegt. Der Feind muß dann immer noch erst den Sturm wagen. + +Übrigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der +Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der +Breschbatterien, weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer +zum Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstören; der +Zustand der Scharten aber von Außen fast gar nicht zu beurtheilen sein +wird. + +Schließlich bemerke ich, daß die von einer Seite vorgeschlagene Erhöhung +der Wälle und der bedeckten Wege an den Stellen, über welche die +Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, einerseits +wegen der dadurch bedingten partiellen Erhöhungen der Feuerlinie nicht +ausführbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens nur unbedeutend +vergrößern würde, so daß von diesem Mittel jedenfalls abstrahirt werden +muß. + + +#ad c.# + +_Gegen Reduits._ + +Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er die vordere +Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter Linie +entgegenzusetzen. – Die Anlage von Reduits gilt daher als eine +wesentliche Verstärkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, indem +es bei einem solchen kaum denkbar ist, daß nachdem der Feind die vordere +Vertheidigungslinie überwältigt hat, er noch so viel Kraft besitzen +sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderniß zu besiegen. +Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die erste Bedingung ist, den +Feind zu einem förmlichen Angriff zu nöthigen: so werden auch jetzt noch +die Reduits diesen Zweck zu erfüllen vollkommen im Stande sein, indem es +nicht wohl denkbar ist, daß der Feind ohne förmliche Belagerungsarbeiten, +Batteriebau und dergleichen, ein oder mehrere Reduits sollte außer +Thätigkeit setzen können. + +Gegen den förmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, wenn der +Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand des +zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern pflegt. + +Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet ist, und +zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger für die Reduits in den +Waffenplätzen, muß ich hier wieder auf den oben ausgeführten Satz +zurückkommen, daß darum ein Vertheidigungsmittel noch nicht zu verwerfen +ist, weil es der Feind überwältigen kann. Es kommt vielmehr immer darauf +an, daß der Widerstand, den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch +im angemessenen Verhältniß stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den +meisten Reduits der Fall sein, trotz der unverkennbaren großen +Wirksamkeit des indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie +werden nach wie vor allen Anlagen eine große Sicherheit gegen den +gewaltsamen Angriff gewähren und wenn sie diesen Zweck erfüllt haben, +dann mag immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschuß +gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch +diejenigen Schwierigkeiten für den Feind, um solche Breschen benutzen zu +können, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen +kennen gelernt haben. – + +Daß man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen müsse, ist +daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den Ergebnissen unserer +verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann. + +Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der Wirksamkeit +des indirekten Schusses möglichst entziehen müssen. Dies wird geschehen, +wenn wir + + a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, daß die + indirekten Batterien gegen sie in der Verlängerung von Gräben + oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden können. + Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben als nothwendig + hervorgehobene, möglichst frontale Anlage unserer + Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in den eingehenden + Waffenplätzen werden Traversen Abhülfe gewähren; + + b) wenn wir die Reduits immer so nahe als möglich an die + deckenden Brustwehren heranrücken, so daß der Einfallwinkel der + feindlichen Geschosse wo möglich größer als 7° wird. + + Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige + Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des vorliegenden + Walls wird durch leichte Rückenwehren von Brettern, Balken und + doppelten Flechtzäunen auf der Contrescarpe oder dem Revers des + Wallgangs größtentheils unschädlich gemacht werden können. – + + c) Wenn wir diese Reduits nicht zu groß machen (indem ihre Größe + nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr den durch + sie gewährten bombensichern Raum uns auf andere Weise + beschaffen, indem wir + + d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhältnißmäßig + mit geringen Kosten diesen Zweck erfüllen und den Nutzen haben, + in unmittelbarster Nähe der Breschen, einer bereitstehenden + Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen Action, ein + geschütztes Unterkommen zu gewähren; und indem wir + + e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns an + Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt + werden können, also unter den Wällen der Werke etc. + +Hiernach wird es z. B. nach einer vom General Todleben mir angedeuteten +Idee zulässig sein, hinter den Profilmauern eines größern Werks zwei +kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem Feuer das Innere des +vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den indirekten Batterien des +Feindes mit Erfolg gefaßt werden zu können. + +Schließlich bemerke ich noch, daß durch die bisherigen Versuche durchaus +noch nicht erwiesen ist, daß in größern Reduits (Defensivkasernen) wo +kein nachstürzender oder dahinter liegender Wall vorhanden ist, +überhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d. h. eine solche, in +welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil dürfte dies in +Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. – + +Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, die +Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaßen über die Wirkungen des +verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, wenn +ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschätze. Wir wollen +nun sehen, ob die gezogenen Geschütze den Festungswerken nicht +vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und nachtheiliger werden +können. Ich gehe nämlich über zu dem + + + + +B. Demontirschuß. + + +So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches +Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschützen des Angriffs und der +Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen: + + a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig + ergänzen, der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer + gleich von Hause aus Geschütze gegen die Festung aufstellen + kann, je eher wird er ein Übergewicht über dieselbe erlangen + und behaupten und dies Übergewicht wird bei gezogenen + Geschützen an und für sich viel bedeutender und intensiver + sein. Daraus folgt + + α) daß das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen die + Angriffsartillerie nur durch eine sehr starke + Geschütz-Dotirung der Festungen einigermaßen wird erlangt + werden können und + + β) daß nur _große_ Festungen noch der feindlichen Artillerie + allenfalls gewachsen sein werden, kleine Festungen dagegen + jetzt in einer noch viel nachtheiligeren Lage sich der + Angriffs-Artillerie gegenüber befinden, als es schon bei dem + bisherigen Zustande des Geschützwesens der Fall war. Kleine + Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder bedeutend zu + erweitern. + +Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien in +Bezug auf den Demontirschuß ist die, daß + + b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung + haben wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt + und sich auch theoretisch darthun läßt, immer große Vortheile + gewährt. Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird + man daher stets bedacht sein müssen, sich diesen wesentlichen + Vortheil durch hohe Erdwälle (Kavaliere) zu verschaffen. + (Vergleiche auch meine Beiträge zur angewandten + Befestigungskunst S. 34. Ich habe darum auch bereits oben + empfohlen, freiliegende Reduits nicht abzutragen, sondern + lieber die vorliegenden Wälle zu erhöhen.) + + + + +C. Der Ricochettschuß. + + +Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschuß, +sondern jeden Schuß oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und +Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgänge der +Länge nach über die deckende Brustwehr der anliegenden Face hinweg im +flachen oder stärkern Bogen geschleudert werden. So weit mir bekannt, +haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch Shrapnels aus +glatten Geschützen auf diese Weise gegen offene Wälle angewandt, ganz +günstige Resultate gegeben, und wenn auch diese Art von Feuer aus +gezogenen Geschützen und aus großen Entfernungen bisher noch nicht +ausgebildet worden ist: so steht dies doch für die Folge zu erwarten und +die Wirkung eines solchen Feuers kann nicht zweifelhaft sein, während +zugleich eine Erwiederung desselben von Seiten der Festung, indem man +die Parallelen des Angreifers – wie es auch in der Belagerung von +Sebastopol versucht wurde – echarpirend beschießt, doch bei Weitem +nicht ebenso erfolgreich wirken kann. + +Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken kein +anderes Mittel geben, als Vervielfältigung der Traversen, – wie sie +auch in Sebastopol stattfand – und wo möglich, nachträgliche +Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, daß +dieses Mittel der eigentlichen Geschützaufstellung sehr viel Raum +entzieht und daher ebenfalls nur bei geräumigen Festungen anwendbar, in +kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausführbar ist – ein +Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen. + +Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach +hervorgehobene frontale Lage der Wälle dem Angriff gegenüber empfehlen. + + + + +D. Der Enfilirschuß. + + +Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen +Schußarten und flachen Bogenwürfe zusammenfassen, welche, außer den +bereits gedachten, aus großen Entfernungen gegen die Werke oder das +Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebäude, nach +verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhöhten Punkten aus, +gerichtet werden können. + +Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, daß +Angriffsbatterien auf größern Entfernungen (über 1200 bis 1500 Schritt +hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die Einführung der +Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschüttert und wir sehen +bereits in Sebastopol den Geschützkampf erfolgreich in großen +Entfernungen eröffnet. Die gezogenen Geschütze werden dies in noch +höherm Grade geschehen lassen und dominirende Höhen, die bisher +unbeachtet geblieben sind, werden künftig von großem Einfluß auf die +Vertheidigung sein. Ich erkenne an, daß dieser Umstand für mehrere von +unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von großer Bedeutung ist +– einer größern vielleicht, als der verbesserte Brescheschuß – und es +wird daher ein Gegenstand von der größten Wichtigkeit sein, daß das +Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja bis 5000 Schritt untersucht und +die Haupthöhen desselben durch Nivellements ermittelt und gemessen +werden, indem, wie schon eine flüchtige Besichtigung zeigt, manche +bisher unbeachteten Höhen künftig durch Seiten- und Rückenfeuer die +Vertheidigungsfähigkeit einzelner unserer Werke auf das Nachtheiligste +beeinträchtigen möchten. Als Gegenmittel gegen diesen Übelstand +erscheint einerseits die Vervielfältigung von Traversen, andererseits +die Anlage weit vorgeschobener Werke geboten, beides Maßregeln, die zwar +mehr oder weniger ausführbar sein werden, unter allen Umständen aber, +namentlich die Letztere, – die reiflichste Erwägung erfordern, die +daher den betreffenden Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und +Festungs-Bau-Direktoren im Verein mit den Artillerie-Offizieren der +Plätze nur auf’s Angelegentlichste empfohlen werden kann. + +In Bezug auf die Sicherung der großen Pulvermagazine gegen das direkte +und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits eine +Berichterstattung erfolgt, worüber die höhere Entscheidung abgewartet +werden muß. – + +Es ist nicht zu verkennen, daß die Befestigungskunst – wie es in der +Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen – sich gegenüber den jetzigen +wesentlichen Verbesserungen des Geschützwesens und der Feuerwaffen +überhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen Verbesserungen +schwer Schritt halten zu können, einerseits, weil die Gegenmaßregeln +ihrer Natur nach überhaupt erst ermittelt werden müssen und nur nach und +nach Eingang finden können, andererseits weil die vorhandenen, auf +hundertjährige Dauer und länger, angelegten Befestigungen diesen +Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen können und eine Umformung +derselben nur in viel längern Zeiträumen und mit viel größerem +Kostenaufwand möglich ist, als z. B. die Umformung der Artillerie, der +Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher nichts übrig bleiben, als daß +er diese Neuerungen und Verbesserungen aufmerksam verfolge. – Daß er +ferner auf’s Reiflichste erwäge, welche Veränderungen die bisherigen +Begriffe von Defilement, Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil, +Developpement und Größe der Festungen etc. erleiden werden und erleiden +müssen, – daß er bemüht sei, danach die alten Befestigungen zu +verbessern und umzuformen und die neuen von Hause aus anzulegen – +endlich, daß er sich bewußt werde, welche andere Mittel in seiner +reichen Rüstkammer als: die Wassergräben, Contrescarpen, +Reversgallerien, Traversen, Cavaliere und vor Allem die Contreminen, das +Infanteriefeuer und die active Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen, +um auch ferner noch den Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als +Schutzwaffe, aber als eine sehr hülfreiche, ja unentbehrliche, +erscheinen zu lassen, welche noch immer Hülfs- und Vertheidigungsmittel +genug besitzt, um nicht, wie Einige vielleicht meinen mögen, schon beim +ersten Schuß eines gezogenen Feld-Sechspfünders die Vertheidigung der +Festungen muthlos aufzugeben. + +Berlin, den 24. November 1860. + + v. _Prittwitz_, + Generallieutenant. + + + +Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im +»Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps.«, 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI. +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere +Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten. + +Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und +Ue wurden durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für »etc.« wurde +durch etc. ersetzt. Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt: + +Sperrung: _gesperrter Text_ +Antiquaschrift: #Antiquatext# + + +Transcriber’s Notes: This article has originally been published in 1861 +in »Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps.«, 25th year of publication, volume 49, chapters X and +XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor +irregularities in the spelling have been retained. + +The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue +have been replaced by Ä, Ö, Ü. The ligature for "etc." has been replaced +by etc. Marked-up text has been replaced by: + +Spaced-out: _spaced out text_ +Antiqua: #text in Antiqua font# + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogene + Geschützen, by Moritz von Prittwitz + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + +***** This file should be named 33491-0.txt or 33491-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/3/4/9/33491/ + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Die Festungen gegenber den gezogenen Geschtzen + +Author: Moritz von Prittwitz + +Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + + + + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + + + + + +Die Festungen gegenber den gezogenen Geschtzen. + +von + +Moritz von Prittwitz + + + +Die neuern Verbesserungen im Geschtzwesen sind zwar dienstlich noch +nicht verffentlicht worden, aber bereits zur Kenntni so vieler +preuischen und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mndlich, +schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: da es an der Zeit +ist, grndlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der +Ingenieure die Frage zu errtern, welchen Einflu diese Verbesserungen +auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausben werden, und +welche Maregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen sind, +um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie so +erfolgreich als mglich entgegenzutreten. + +Es kann zuvrderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese +Verbesserungen an und fr sich leugnen, heruntersetzen oder gering +schtzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu fest +und fr die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in diesen +Verbesserungen zu erwarten als ein Rckschritt. + +Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu fhren, in +wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, ja dieser +sogar vielleicht in hherm Grade als der Angriffs-Artillerie zu Gute +kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung _dieser_ Frage fr +den vorliegenden Zweck wre: so hat sie doch eben keinen Einflu auf die +positiven Maregeln, welche die Vertheidigung nunmehr wegen dieser +Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche den eigentlichen Gegenstand +der folgenden Bltter bilden. + +Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser Hinsicht +vorauszuschicken, die zur richtigen Wrdigung alles Nachstehenden von +besondrer Wichtigkeit ist. + +Es giebt nmlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches +es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstrt, unschdlich +gemacht, berwltigt oder berstiegen werden knnte. Dessenungeachtet +kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel sein +und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschchte beim +Angriff z.B. haben die Kontreminen entschieden von ihrer Wirksamkeit +verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand nehmen, sie in geeigneten +Fllen anzuwenden. Ein hnliches Verhltni tritt bei dem Mauerwerk ein, +wie wir dies spter ausfhrlicher sehen werden. Bei Verbesserungen in +der Kriegskunst handelt es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen +immer nur darum: ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit +dem davon zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhltni stehen? -- bei +bereits bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mhe und +Kosten lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden, +oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande zu +belassen? + +Die Beantwortung dieser Fragen ist nun uerst schwierig, weil es gar +keinen irgend brauchbaren Maastab giebt, um den Werth und die +Widerstandsfhigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger +Zuverlssigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen +Einsicht, man mchte sagen, dem Gefhl der Beurtheilenden berlassen und +darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser Art die +Ansichten Mehrerer bereinstimmen. Man kann deswegen nichts Besseres +thun, als die pro und contra in ausfhrlicher und unbeschrnkter +Discussion zu errtern und dann nach bestem Ermessen zu urtheilen oder +zu entscheiden. + + * * * * * + +In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der Verbesserung +des Geschtzwesens sich ergebenden Vernderungen und Verbesserungen in +der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir die verschiedenen +Schuarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen an, die bisher +und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen worden ist, nmlich mit dem +Brescheschu. + + + + +A. Brescheschu. + + +1. Direkter Brescheschu. + +Wir mssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und diejenige +auf grere Entfernungen. + +Wenn die gewhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen sind, +ist die Breschelegung immer als eine Operation von kurzer Dauer +angesehen worden, so da die grere Wirksamkeit der gezogenen Geschtze +hierbei von geringem Einflu auf die Dauer der Belagerungen sein wird. + +In lterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine +unverhltnimige Dicke gegeben, um sie widerstandsfhiger gegen den +Brescheschu zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals -- am +Wenigsten bei unsern neuern preuischen Festungs-Bauten geschehen, indem +man wohl erkannte, da der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, mit den +erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhltni stehe -- (wie dies +auch bereits in meinen Beitrgen zur angewandten Befestigungskunst S.6. +ausgesprochen ist). In dieser Beziehung ndert sich also durch die +Anwendung der gezogenen Geschtze nichts Wesentliches. + +Ebenso haben bekanntlich die Englnder bereits vor 50 Jahren im +spanischen Kriege den direkten Brescheschu bis auf 800 Schritt +Entfernung mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die +mannigfaltigen Verhandlungen ber diese Art des Brescheschieens nicht +zu wiederholen. Es wurde schon damals hervorgehoben, da es mit dem +Brescheschieen allein nicht abgemacht sei; da man vielmehr bis zur +Bresche approchiren msse -- und da ein ohne gedeckte Annherung +ausgefhrter Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Auerdem +vertheidigten sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der +Entfernung gesehen werden konnten, noch mit groer Energie und wenn auch +im Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk +mglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Flle genug +vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man trotz jener +allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk dem entfernten +feindlichen directen Schu auszusetzen: + + entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle + berhaupt nicht frchtete; + + oder, weil man durch ein berlegenes Geschtzfeuer die Erbauung + und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmglich zu machen + hoffte; + + oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu + erreichen, namentlich weil es an Platz fehlte, um besser + gedeckte Festungswerke aufzufhren, an Stellen, wo es darauf + ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen. + +Alle diese Verhltnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem +Unterschiede, da das was sonst auf 800 Schritt ausfhrbar war, jetzt +auch auf die doppelte und grere Entfernung mglich ist. + +Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts gendert. Denn +sie ergeben, da das Mauerwerk der Kstenforts von dem Feuer der Schiffe +durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschdigt wurde und wenn +die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf den Landfronten in einer +11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen wurden, und der +Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen solchen Widerstand leistete, +da seine geringe Besatzung sich nur in Folge einer Kapitulation ergab, +so kann man unmglich daraus folgern, da fortan die Anwendung des +Mauerwerks in den Festungen ganz unzulssig sei. Es liegen uns in dieser +Beziehung auch zwei sehr wichtige und competente Zeugnisse vor. + +General Niel sagt nmlich in seiner Belagerung von Sebastopol, S.443: + + Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol + haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, da die + Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei der + Vertheidigung der Festungen seien. + + Sebastopol, ein groes verschanztes Lager, vertheidigt durch + Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Strke + von einer Geschtzarmirung, wie man sie nur in einem groen + Kriegshafen finden kann, -- und von einer zahlreichen Armee, die + immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Ruland + behalten hat. Wre die Enceinte mit guten gemauerten Escarpen + versehen gewesen, htte man darin Bresche legen und durch enge + Zugnge eindringen mssen, hinter denen die Spitzen unserer + Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben wrden: _so wre + Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung gewesen._ + + Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit denen + einer gewhnlichen Belagerung und man wird finden, da am 8. + September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den grten + Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, welche der + Krnung des Glacis vorhergehen. Man war also noch gar nicht in + den Bereich der schwierigsten und mrderischsten Arbeiten einer + Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung vor, sich + darauf einzulassen, da die Grben und Brustwehren der Enceinte + nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg gezeigt hat. Die + Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr darin, die russische + Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung eingerichteten + Terrain, als das materielle Hinderni der Befestigung zu + berwltigen. Unsere letzten Parallelen waren 30 Meter[1] von + den angegriffenen Werken entfernt und man konnte daher sich + unerwartet auf den Feind werfen, den das Feuer unserer + Artillerie bis zum letzten Augenblick genthigt hatte, Schutz + unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wre man mit den + Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, wrde man die russische + Armee nur veranlat haben, die Initiative des Angriffs zu + ergreifen. + + [1] 95-1/2 preu. Fu. + + Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor einer + Leiterersteigung geschtzt htten, bte nicht weniger Einflu + auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genthigt, + fortwhrend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu + halten, um einen Angriff zurckzuschlagen, mit dem sie vom + Beginn der Belagerung an bedroht waren. -- + +Ganz bereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene oberste +englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen Military +opinions (S.190 bis 196) (ber Erdwerke und die Vertheidigung von +Sebastopol) aus. Er sagt: + + Es sind krzlich einige irrige Ansichten darber in England in + Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht daran [?]) + da die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptschlich den + Vorzgen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und der + Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen + Ingenieure sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu + machen wuten. + + Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft + verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glnzenden + Vertheidigung von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung + gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis fr ein System + gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht. + + Die Russen waren genthigt, ihre Vertheidigungswerke bei einer + unerwarteten Veranlassung rasch auszufhren und sie benutzten + dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fllen + angewandte Mittel, nmlich Erdwerke -- nicht aus freier Wahl, + sondern weil ihnen nichts anderes brig blieb und sie verdienen + in dieser Beziehung das grte Lob, -- nicht aber wegen der + vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer + energischen Vertheidigung, trotz der Schwche und + Unvollkommenheit solcher Werke. + + Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, auer seiner + groen Kostbarkeit, da es aus der Entfernung in Bresche gelegt + werden kann und da die abspringenden Steinstcke den + Vertheidigern gefhrlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber + man mu sich klar machen, da diese belstnde nicht nothwendig + mit gemauerten Werken verbunden sind, da vielmehr, wo diese + belstnde vorkommen, dies daher rhrt, da die betreffenden + Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localitt so + beschrnkt ist, da es fr zweckmigere Anlagen, namentlich fr + Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so da blo die + Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will man das + System der Anwendung von Erdwerken durchaus als eine neuere + Verbesserung ansehen, so mu man es mit dem in neuerer Zeit von + den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten System + vergleichen, da die Brustwehren aus Erde bestehen und da die + Escarpen von auen nicht gesehen seien, bis man an den Graben + gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei belstnde + gehoben. + + Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine + senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren + mssen. Ist diese Mauer ber 30 Fu hoch und flankirt, dann ist + sie ein formidables Hinderni und eine Ersteigung desselben (und + etwas anderes bleibt nicht brig, so lange die Mauer nicht + zerstrt ist) ein hchst gewagtes Unternehmen, was nur bei + vollstndiger berraschung oder groer Schwche des + Vertheidigers gelingen kann. + + Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; aber + in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur + gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die + groe Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der + Angreifer findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem + Platze nhern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere + Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben fr den Sturm + doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, whrend Erdwerke auf + dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche darstellen. + + Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die Franzosen + hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und Opfern, ein + Logement 30 Yards[2] von dem Graben der feindlichen Werke sich + verschafft. Es steht fest, da die Schwierigkeiten weiter + vorzugehen so gro fr sie wurden, da sie nicht nher an den + Platz heranrcken konnten, und doch, wre der Platz auf die + gewhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen, + htten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe + anlegen mssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen, + welche fr die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der + Platz genommen werden konnte, doch nicht gengenden Raum gewhrt + haben wrden. Ebenso wre es bei den innern Retranchements + gewesen. + + [2] 87-1/3 preu. Fu. + + Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der Regel vor + dem feindlichen Geschtzfeuer aus der Entfernung gedeckt werden + soll, so giebt es doch Flle, wo man davon absehen mu und auch + absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei Kstenbatterien. + Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein Felsen, oder schmaler + Terrainabschnitt sehr gnstig, um die feindlichen Schiffe + abzuhalten, ist aber nur gerade gro genug fr einen grern + oder kleinern Thurm. Um aber die nthige Geschtzzahl + aufzustellen, mssen mehrere Stockwerke und darum ein hohes + Gebude angelegt werden. Solche Gebude haben nun trotz der + ihnen anklebenden Mngel, die man auch nach Mglichkeit + beseitigen mu, oft eine sehr krftige Wirkung, und es ist + durchaus ein Irrthum, da sie durch Feuer von Schiffen so leicht + zerstrt und zum Schweigen gebracht werden knnen. + + Aber auch auer den Fllen, wo Mauern dem Feuer der + Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch + zulssig, ja oft unvermeidlich. + + So kommt es manchmal vor, da ein befestigter Punkt nur + Sicherheit gegen einen Handstreich gewhren soll, wie z.B. in + allen Fllen, wo die Umstnde nicht gestatten, Geschtz dagegen + in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes + erfllt ist, sobald der Feind genthigt wird, vielleicht mit + groer Schwierigkeit Geschtze dagegen aufzustellen, oder auch + zum Schlu der Kehlen der Auenwerke, wo es darauf ankommt, da + das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder + eingeschossen werden kann. In allen diesen Fllen ist Mauerwerk + den Erdwllen vorzuziehen. -- + +Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten Escarpen +in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht unntz finden +und den neuen preuischen Festungsanlagen nur an wenig Stellen den +Vorwurf machen knnen, Mauerwerk blosgegeben zu haben, wo es besser +durch Erdwlle gedeckt worden wre. Letzteres findet namentlich bei +mehrern ltern Thurmforts statt, bei denen es allerdings wnschenswerth +sein wird, nachtrglich noch entweder auf Verwandlung der gemauerten +Brustwehren in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Auen gesehenen +kasernirten Etage Bedacht zu nehmen. + +Ich bemerke in letzterer Beziehung, da es da, wo Raum genug vorhanden +ist und die Hhenverhltnisse es gestatten, wohlfeiler und zweckmiger +sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten und lieber den +vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhhen. + +Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, wrde demnchst auch zu +untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten Batterie +auf Tafel 80 B. meiner Beitrge etc. oder eine hnliche Konstruktion in +Anwendung kommen knnte, namentlich wenn die Bedeckung der Erdscharten +mittelst Eisenbahnschienen, sich bewhren sollte, und dadurch die +Mglichkeit gegeben wre, das ganze Mauerwerk, auch ber den Scharten, +mit Erde zu decken.[3] Eine Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint +dagegen nach den auf S.46 meiner Beitrge beschriebenen Versuchen mit +hlzernen bedeckten Geschtzstnden, nicht rathsam. + + [3] Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei + fremdherrlichen Offizieren haben dieselben neuerdings in England + Versuchen mit gezogenen Geschtzen von schwerem Kaliber gegen + Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr gnstige Resultate + ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese vor einer + Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal ber einander + gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen + (wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12' Lnge, 8" Breite, 4" + Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen bekleidet. Das + Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. Der Unternehmer (aus + Wales) war seiner Sache so sicher, da er sich hinter diese + Eisenwand whrend der Versuche stellen zu wollen erklrte. Er + behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht mehr, als eine Mauer + und war bereit fr die Befestigung von Antwerpen dergleichen + Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere Kenntni zu nehmen, + gestattete er nicht. Es scheint, da durch die Nuthen und Federn + der Sto des Geschosses sich auf die ganze Flche des Eisens + vertheilt. + + Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewhren, so steht + eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten und wrde darin + ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel gegen den Brescheschu + gegeben sein. + +Ich gehe nunmehr ber zu dem + + +2. indirekten Brescheschu. + +Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, da es +mglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen kann, aus +grerer Entfernung durch flache Bogenschsse zu zerstren. (Siehe meine +Beitrge zur angewandten Befestigungskunst S.88.ff.) Dies Verfahren +erregte schon damals groes Aufsehen und gab zu vielfachen Discussionen +Veranlassung, als deren Endergebni sich Folgendes herausstellte: + + a) da dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter + Umstnden sehr wohl anwendbar erscheine; + + b) da es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen + und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlngerung + der auf die letztern treffenden Grben aufstellen kann, mit + gutem Erfolge werde gebraucht werden knnen; + + c) da dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige + Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschieen + aus der Nhe, sonst aber die brigen langwierigen + Belagerungsoperationen und Annherungsarbeiten nicht erspart; + + d) da das Brescheschieen aus der Entfernung, auerdem, da die + Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig sei, dem + Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen will und ihm + gestatte, geeignete Gegenmaregeln zu treffen, Abschnitte + anzulegen, die Bresche zu unterminiren, und dergleichen, so da + dies neue Brescheverfahren nur denjenigen schlechtern Festungen + besonders gefhrlich werden wird, bei welchen ein sogenannter + beschleunigter Angriff stattfinden kann. + +Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge Anwendung +von gezogenen Geschtzen, hat sich nun in diesen Verhltnissen nichts +Wesentliches gendert und es steht daher keineswegs zu besorgen, da +dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle bringen werde, wie +dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach vorausgesetzt +wird: denn es verkrzt, wie gesagt, nur _eine_ der verschiedenen +Angriffsoperationen und zwar in einem Verhltni, das in der +Wirklichkeit gewi ein ganz anderes und um viele Procente geringeres, +als das auf unsern Exercierpltzen erzielte sein wird, wo weder das +Feuer der Festung, noch die Unkenntni der Entfernungen und Wirkungen +strend influirt. + +Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, da, wie Einige +behaupten, die vergrerte Wirkung der Geschtze auch eine viel +entferntere Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch +(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzgern werde, weil +ich glaube, da die Entfernung der ersten Parallele grtentheils von +andern Umstnden abhngig ist. + +Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung nicht auch +Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei bereits +vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens zu vernichten +oder wenigstens zu ermigen. Um dies besser zu bersehen, mssen wir +die drei Flle unterscheiden, welche hauptschlich vorkommen knnen, +nmlich das indirekte Brescheschieen + + a) gegen Escarpenmauern quer ber den Graben, + + b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der Lnge + der Festungsgrben nach getroffen werden knnen, + + c) gegen Reduits hinter deckenden Wllen oder Glaciscreten. + + +#ad a.# + +_Gegen Escarpen quer ber die Festungsgrben._ + +Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten Escarpen -- +Wassergrben ausgenommen -- nicht entbehren kann. + +Um sie vor dem indirekten Brescheschu zu sichern, wird es vor Allem +rathsam sein, sie berall mit Contrescarpen zu versehen und demnchst +die Grben mglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg nicht zu breit +zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer unter mglichst +steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7 betrgt, wegen des +dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung des indirekten +Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der Sache, schon bedenklich +macht. + +Da die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, wenigstens +ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, durfte +nach den Jlicher Versuchen als feststehend anzusehen sein. + +Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, da auch die Dcher +der freistehenden Mauern nicht von Auen gesehen werden knnen, damit +der Feind an denselben nicht die Wirkung seines Brescheschieens +erkennen knne. Auch bei vielen bereits vorhandenen Anlagen wird sich +diese Verbesserung noch nachtrglich anbringen lassen. + +Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei ihrer +jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, da man sie durch Wnde von +Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den Escarpenmauern oder +auch auf der Contrescarpe anbrchte, ehe sie an die Mauer gelangen: +allein es wrde dann der Artillerie gewi sehr bald gelingen, die +Explosion so zu verzgern, da sie erst stattfnde, nachdem die Mauer +getroffen ist. + + +#ad b.# + +_Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der Lnge der +Festungsgrben nach._ + +Fr Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, in meinen +Beitrgen (Seite 123) bereits ausfhrlich behandelte, aber leider auch +bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz sich geltend +machen, da man dem Feinde immer so viel als mglich gerade Fronten und +keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants entgegensetzen msse, +vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug verdiene, bei dem die +Verlngerungen der Grben so nahe wie mglich der Festung liegen, so da +der Feind immer nur erst bei grerer Annherung in diesen +Verlngerungen seine indirekten Contrebatterien aufstellen kann. + +Demnchst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon hufig +geschehen ist, in vielen Fllen zweckmig an den Saillants angebracht +werden knnen. + +Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer noch +anzuwendendes Hlfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien in den +ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar den Nachtheil, +da auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstrt werden knnen, +ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist immer eine zeitraubende +Operation, die erst in Anwendung kommen kann, wenn der Feind mit seinen +Approchen bis an die Glaciscrete gelangt ist. + +Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und dergleichen +vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umstnden in +Anwendung kommen knnen, obgleich sie groen Einschrnkungen aus andern +Ursachen unterliegt. + +Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch fr bereits +fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote stnden, fragte es sich +immer noch, ob man wegen der Mglichkeit solcher indirekten +Contrebatterien unter allen Umstnden die gewhnlichen Grabencaponieren +aufgeben msse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung ist +das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen Angriff und +erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch Grabencaponieren, dann +mu man sich es schon gefallen lassen, da im Laufe einer frmlichen +Belagerung, ein oder zwei Flanken durch indirekten Schu unbrauchbar +gemacht werden, was sonst allerdings nur durch direkte in ihrer +Ausfhrung und Anwendung viel schwierigere Contrebatterien zu geschehen +pflegt. Der Feind mu dann immer noch erst den Sturm wagen. + +brigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der +Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der +Breschbatterien, weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer +zum Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstren; der +Zustand der Scharten aber von Auen fast gar nicht zu beurtheilen sein +wird. + +Schlielich bemerke ich, da die von einer Seite vorgeschlagene Erhhung +der Wlle und der bedeckten Wege an den Stellen, ber welche die +Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, einerseits +wegen der dadurch bedingten partiellen Erhhungen der Feuerlinie nicht +ausfhrbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens nur unbedeutend +vergrern wrde, so da von diesem Mittel jedenfalls abstrahirt werden +mu. + + +#ad c.# + +_Gegen Reduits._ + +Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er die vordere +Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter Linie +entgegenzusetzen. -- Die Anlage von Reduits gilt daher als eine +wesentliche Verstrkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, indem +es bei einem solchen kaum denkbar ist, da nachdem der Feind die vordere +Vertheidigungslinie berwltigt hat, er noch so viel Kraft besitzen +sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderni zu besiegen. +Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die erste Bedingung ist, den +Feind zu einem frmlichen Angriff zu nthigen: so werden auch jetzt noch +die Reduits diesen Zweck zu erfllen vollkommen im Stande sein, indem es +nicht wohl denkbar ist, da der Feind ohne frmliche Belagerungsarbeiten, +Batteriebau und dergleichen, ein oder mehrere Reduits sollte auer +Thtigkeit setzen knnen. + +Gegen den frmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, wenn der +Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand des +zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern pflegt. + +Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet ist, und +zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger fr die Reduits in den +Waffenpltzen, mu ich hier wieder auf den oben ausgefhrten Satz +zurckkommen, da darum ein Vertheidigungsmittel noch nicht zu verwerfen +ist, weil es der Feind berwltigen kann. Es kommt vielmehr immer darauf +an, da der Widerstand, den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch +im angemessenen Verhltni stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den +meisten Reduits der Fall sein, trotz der unverkennbaren groen +Wirksamkeit des indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie +werden nach wie vor allen Anlagen eine groe Sicherheit gegen den +gewaltsamen Angriff gewhren und wenn sie diesen Zweck erfllt haben, +dann mag immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschu +gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch +diejenigen Schwierigkeiten fr den Feind, um solche Breschen benutzen zu +knnen, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen +kennen gelernt haben. -- + +Da man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen msse, ist +daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den Ergebnissen unserer +verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann. + +Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der Wirksamkeit +des indirekten Schusses mglichst entziehen mssen. Dies wird geschehen, +wenn wir + + a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, da die + indirekten Batterien gegen sie in der Verlngerung von Grben + oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden knnen. + Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben als nothwendig + hervorgehobene, mglichst frontale Anlage unserer + Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in den eingehenden + Waffenpltzen werden Traversen Abhlfe gewhren; + + b) wenn wir die Reduits immer so nahe als mglich an die + deckenden Brustwehren heranrcken, so da der Einfallwinkel der + feindlichen Geschosse wo mglich grer als 7 wird. + + Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige + Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des vorliegenden + Walls wird durch leichte Rckenwehren von Brettern, Balken und + doppelten Flechtzunen auf der Contrescarpe oder dem Revers des + Wallgangs grtentheils unschdlich gemacht werden knnen. -- + + c) Wenn wir diese Reduits nicht zu gro machen (indem ihre Gre + nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr den durch + sie gewhrten bombensichern Raum uns auf andere Weise + beschaffen, indem wir + + d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhltnimig + mit geringen Kosten diesen Zweck erfllen und den Nutzen haben, + in unmittelbarster Nhe der Breschen, einer bereitstehenden + Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen Action, ein + geschtztes Unterkommen zu gewhren; und indem wir + + e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns an + Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt + werden knnen, also unter den Wllen der Werke etc. + +Hiernach wird es z.B. nach einer vom General Todleben mir angedeuteten +Idee zulssig sein, hinter den Profilmauern eines grern Werks zwei +kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem Feuer das Innere des +vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den indirekten Batterien des +Feindes mit Erfolg gefat werden zu knnen. + +Schlielich bemerke ich noch, da durch die bisherigen Versuche durchaus +noch nicht erwiesen ist, da in grern Reduits (Defensivkasernen) wo +kein nachstrzender oder dahinter liegender Wall vorhanden ist, +berhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d.h. eine solche, in +welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil drfte dies in +Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. -- + +Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, die +Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaen ber die Wirkungen des +verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, wenn +ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschtze. Wir wollen +nun sehen, ob die gezogenen Geschtze den Festungswerken nicht +vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und nachtheiliger werden +knnen. Ich gehe nmlich ber zu dem + + + + +B. Demontirschu. + + +So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches +Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschtzen des Angriffs und der +Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen: + + a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig + ergnzen, der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer + gleich von Hause aus Geschtze gegen die Festung aufstellen + kann, je eher wird er ein bergewicht ber dieselbe erlangen + und behaupten und dies bergewicht wird bei gezogenen + Geschtzen an und fr sich viel bedeutender und intensiver + sein. Daraus folgt + + [alpha]) da das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen + die Angriffsartillerie nur durch eine sehr starke + Geschtz-Dotirung der Festungen einigermaen wird erlangt + werden knnen und + + [beta]) da nur _groe_ Festungen noch der feindlichen + Artillerie allenfalls gewachsen sein werden, kleine + Festungen dagegen jetzt in einer noch viel nachtheiligeren + Lage sich der Angriffs-Artillerie gegenber befinden, als es + schon bei dem bisherigen Zustande des Geschtzwesens der + Fall war. Kleine Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder + bedeutend zu erweitern. + +Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien in +Bezug auf den Demontirschu ist die, da + + b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung + haben wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt + und sich auch theoretisch darthun lt, immer groe Vortheile + gewhrt. Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird + man daher stets bedacht sein mssen, sich diesen wesentlichen + Vortheil durch hohe Erdwlle (Kavaliere) zu verschaffen. + (Vergleiche auch meine Beitrge zur angewandten + Befestigungskunst S. 34. Ich habe darum auch bereits oben + empfohlen, freiliegende Reduits nicht abzutragen, sondern + lieber die vorliegenden Wlle zu erhhen.) + + + + +C. Der Ricochettschu. + + +Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschu, +sondern jeden Schu oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und +Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgnge der +Lnge nach ber die deckende Brustwehr der anliegenden Face hinweg im +flachen oder strkern Bogen geschleudert werden. So weit mir bekannt, +haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch Shrapnels aus +glatten Geschtzen auf diese Weise gegen offene Wlle angewandt, ganz +gnstige Resultate gegeben, und wenn auch diese Art von Feuer aus +gezogenen Geschtzen und aus groen Entfernungen bisher noch nicht +ausgebildet worden ist: so steht dies doch fr die Folge zu erwarten und +die Wirkung eines solchen Feuers kann nicht zweifelhaft sein, whrend +zugleich eine Erwiederung desselben von Seiten der Festung, indem man +die Parallelen des Angreifers -- wie es auch in der Belagerung von +Sebastopol versucht wurde -- echarpirend beschiet, doch bei Weitem +nicht ebenso erfolgreich wirken kann. + +Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken kein +anderes Mittel geben, als Vervielfltigung der Traversen, -- wie sie +auch in Sebastopol stattfand -- und wo mglich, nachtrgliche +Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, da +dieses Mittel der eigentlichen Geschtzaufstellung sehr viel Raum +entzieht und daher ebenfalls nur bei gerumigen Festungen anwendbar, in +kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausfhrbar ist -- ein +Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen. + +Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach +hervorgehobene frontale Lage der Wlle dem Angriff gegenber empfehlen. + + + + +D. Der Enfilirschu. + + +Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen +Schuarten und flachen Bogenwrfe zusammenfassen, welche, auer den +bereits gedachten, aus groen Entfernungen gegen die Werke oder das +Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebude, nach +verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhhten Punkten aus, +gerichtet werden knnen. + +Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, da +Angriffsbatterien auf grern Entfernungen (ber 1200 bis 1500 Schritt +hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die Einfhrung der +Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschttert und wir sehen +bereits in Sebastopol den Geschtzkampf erfolgreich in groen +Entfernungen erffnet. Die gezogenen Geschtze werden dies in noch +hherm Grade geschehen lassen und dominirende Hhen, die bisher +unbeachtet geblieben sind, werden knftig von groem Einflu auf die +Vertheidigung sein. Ich erkenne an, da dieser Umstand fr mehrere von +unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von groer Bedeutung ist +-- einer grern vielleicht, als der verbesserte Brescheschu -- und es +wird daher ein Gegenstand von der grten Wichtigkeit sein, da das +Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja bis 5000 Schritt untersucht und +die Haupthhen desselben durch Nivellements ermittelt und gemessen +werden, indem, wie schon eine flchtige Besichtigung zeigt, manche +bisher unbeachteten Hhen knftig durch Seiten- und Rckenfeuer die +Vertheidigungsfhigkeit einzelner unserer Werke auf das Nachtheiligste +beeintrchtigen mchten. Als Gegenmittel gegen diesen belstand +erscheint einerseits die Vervielfltigung von Traversen, andererseits +die Anlage weit vorgeschobener Werke geboten, beides Maregeln, die zwar +mehr oder weniger ausfhrbar sein werden, unter allen Umstnden aber, +namentlich die Letztere, -- die reiflichste Erwgung erfordern, die +daher den betreffenden Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und +Festungs-Bau-Direktoren im Verein mit den Artillerie-Offizieren der +Pltze nur auf's Angelegentlichste empfohlen werden kann. + +In Bezug auf die Sicherung der groen Pulvermagazine gegen das direkte +und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits eine +Berichterstattung erfolgt, worber die hhere Entscheidung abgewartet +werden mu. -- + +Es ist nicht zu verkennen, da die Befestigungskunst -- wie es in der +Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen -- sich gegenber den jetzigen +wesentlichen Verbesserungen des Geschtzwesens und der Feuerwaffen +berhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen Verbesserungen +schwer Schritt halten zu knnen, einerseits, weil die Gegenmaregeln +ihrer Natur nach berhaupt erst ermittelt werden mssen und nur nach und +nach Eingang finden knnen, andererseits weil die vorhandenen, auf +hundertjhrige Dauer und lnger, angelegten Befestigungen diesen +Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen knnen und eine Umformung +derselben nur in viel lngern Zeitrumen und mit viel grerem +Kostenaufwand mglich ist, als z.B. die Umformung der Artillerie, der +Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher nichts brig bleiben, als da +er diese Neuerungen und Verbesserungen aufmerksam verfolge. -- Da er +ferner auf's Reiflichste erwge, welche Vernderungen die bisherigen +Begriffe von Defilement, Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil, +Developpement und Gre der Festungen etc. erleiden werden und erleiden +mssen, -- da er bemht sei, danach die alten Befestigungen zu +verbessern und umzuformen und die neuen von Hause aus anzulegen -- +endlich, da er sich bewut werde, welche andere Mittel in seiner +reichen Rstkammer als: die Wassergrben, Contrescarpen, +Reversgallerien, Traversen, Cavaliere und vor Allem die Contreminen, das +Infanteriefeuer und die active Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen, +um auch ferner noch den Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als +Schutzwaffe, aber als eine sehr hlfreiche, ja unentbehrliche, +erscheinen zu lassen, welche noch immer Hlfs- und Vertheidigungsmittel +genug besitzt, um nicht, wie Einige vielleicht meinen mgen, schon beim +ersten Schu eines gezogenen Feld-Sechspfnders die Vertheidigung der +Festungen muthlos aufzugeben. + +Berlin, den 24. November 1860. + + v. _Prittwitz_, + Generallieutenant. + + + +Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im +Archiv fr die Offiziere der Kniglich Preuischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps., 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI. +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere +Unregelmigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten. + +Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und +Ue wurden durch , , ersetzt. Die Fraktur-Ligatur fr etc. wurde +durch etc. ersetzt. Textauszeichnungen wurden folgendermaen ersetzt: + +Sperrung: _gesperrter Text_ +Antiquaschrift: #Antiquatext# + + +Transcriber's Notes: This article has originally been published in 1861 +in Archiv fr die Offiziere der Kniglich Preuischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps., 25th year of publication, volume 49, chapters X and +XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor +irregularities in the spelling have been retained. + +The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue +have been replaced by , , . The ligature for "etc." has been replaced +by etc. Marked-up text has been replaced by: + +Spaced-out: _spaced out text_ +Antiqua: #text in Antiqua font# + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenber den gezogenen +Geschtzen, by Moritz von Prittwitz + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + +***** This file should be named 33491-8.txt or 33491-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/3/4/9/33491/ + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen + +Author: Moritz von Prittwitz + +Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + + + + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + + + + + +</pre> + + + + +<h1><span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span>Die Festungen gegenüber den gezogenen +Geschützen.</h1> + +<p class="writtenby">von</p> + +<p class="author">Moritz von Prittwitz</p> + + +<p><span class="dropcap">D</span>ie neuern Verbesserungen im Geschützwesen sind zwar dienstlich noch +nicht veröffentlicht worden, aber bereits zur Kenntniß so vieler preußischen +und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mündlich, +schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: daß es an der Zeit +ist, gründlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der Ingenieure +die Frage zu erörtern, welchen Einfluß diese Verbesserungen +auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausüben werden, und +welche Maßregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen +sind, um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie +so erfolgreich als möglich entgegenzutreten.</p> + +<p>Es kann zuvörderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese +Verbesserungen an und für sich leugnen, heruntersetzen oder gering +schätzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu +fest und für die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in +diesen Verbesserungen zu erwarten als ein Rückschritt.</p> + +<p>Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu +führen, in wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, +ja dieser sogar vielleicht in höherm Grade als der Angriffs-Artillerie +zu Gute kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung +<em class="gesperrt">dieser</em> Frage für den vorliegenden Zweck wäre: so hat sie doch eben +keinen Einfluß auf die positiven Maßregeln, welche die Vertheidigung +nunmehr wegen dieser Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche +den eigentlichen Gegenstand der folgenden Blätter bilden.</p> + +<p>Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser +Hinsicht vorauszuschicken, die zur richtigen Würdigung alles Nachstehenden +von besondrer Wichtigkeit ist.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span>Es giebt nämlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches +es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstört, unschädlich +gemacht, überwältigt oder überstiegen werden könnte. Dessenungeachtet +kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel +sein und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschächte +beim Angriff z. B. haben die Kontreminen entschieden von +ihrer Wirksamkeit verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand +nehmen, sie in geeigneten Fällen anzuwenden. Ein ähnliches Verhältniß +tritt bei dem Mauerwerk ein, wie wir dies später ausführlicher +sehen werden. Bei Verbesserungen in der Kriegskunst handelt +es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen immer nur darum: +ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit dem davon +zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhältniß stehen? – bei bereits +bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mühe und Kosten +lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden, +oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande +zu belassen?</p> + +<p>Die Beantwortung dieser Fragen ist nun äußerst schwierig, weil +es gar keinen irgend brauchbaren Maaßstab giebt, um den Werth und +die Widerstandsfähigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger +Zuverlässigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen Einsicht, +man möchte sagen, dem Gefühl der Beurtheilenden überlassen +und darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser +Art die Ansichten Mehrerer übereinstimmen. Man kann deswegen +nichts Besseres thun, als die pro und contra in ausführlicher und unbeschränkter +Discussion zu erörtern und dann nach bestem Ermessen +zu urtheilen oder zu entscheiden.</p> + +<div class="tb"><hr /></div> + +<p>In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der +Verbesserung des Geschützwesens sich ergebenden Veränderungen und +Verbesserungen in der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir +die verschiedenen Schußarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen +an, die bisher und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen +worden ist, nämlich mit dem Brescheschuß.</p> + + + + +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span><a name="A_Brescheschuss" id="A_Brescheschuss"></a>A. Brescheschuß.</h2> + + +<h3>1. Direkter Brescheschuß.</h3> + +<p>Wir müssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und +diejenige auf größere Entfernungen.</p> + +<p>Wenn die gewöhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen +sind, ist die Breschelegung immer als eine Operation von +kurzer Dauer angesehen worden, so daß die größere Wirksamkeit der +gezogenen Geschütze hierbei von geringem Einfluß auf die Dauer der +Belagerungen sein wird.</p> + +<p>In älterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine +unverhältnißmäßige Dicke gegeben, um sie widerstandsfähiger gegen +den Brescheschuß zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals +– am Wenigsten bei unsern neuern preußischen Festungs-Bauten geschehen, +indem man wohl erkannte, daß der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, +mit den erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhältniß +stehe – (wie dies auch bereits in meinen Beiträgen zur angewandten +Befestigungskunst S. 6. ausgesprochen ist). In dieser Beziehung +ändert sich also durch die Anwendung der gezogenen Geschütze nichts +Wesentliches.</p> + +<p>Ebenso haben bekanntlich die Engländer bereits vor 50 Jahren im spanischen +Kriege den direkten Brescheschuß bis auf 800 Schritt Entfernung mit +Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die mannigfaltigen Verhandlungen +über diese Art des Brescheschießens nicht zu wiederholen. Es +wurde schon damals hervorgehoben, daß es mit dem Brescheschießen +allein nicht abgemacht sei; daß man vielmehr bis zur Bresche approchiren +müsse – und daß ein ohne gedeckte Annäherung ausgeführter +Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Außerdem vertheidigten +sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der Entfernung gesehen +werden konnten, noch mit großer Energie und wenn auch im +Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk +möglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Fälle genug +vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man +trotz jener allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk +dem entfernten feindlichen directen Schuß auszusetzen:</p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span></p> + +<div class="listlevel"> +<p>entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle +überhaupt nicht fürchtete;</p> + +<p>oder, weil man durch ein überlegenes Geschützfeuer die Erbauung +und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmöglich zu +machen hoffte;</p> + +<p>oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu erreichen, +namentlich weil es an Platz fehlte, um besser gedeckte +Festungswerke aufzuführen, an Stellen, wo es darauf +ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen.</p> +</div> + +<p>Alle diese Verhältnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem Unterschiede, +daß das was sonst auf 800 Schritt ausführbar war, jetzt +auch auf die doppelte und größere Entfernung möglich ist.</p> + +<p>Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts geändert. +Denn sie ergeben, daß das Mauerwerk der Küstenforts von dem +Feuer der Schiffe durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschädigt +wurde und wenn die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf +den Landfronten in einer 11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen +wurden, und der Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen +solchen Widerstand leistete, daß seine geringe Besatzung sich nur in +Folge einer Kapitulation ergab, so kann man unmöglich daraus folgern, +daß fortan die Anwendung des Mauerwerks in den Festungen +ganz unzulässig sei. Es liegen uns in dieser Beziehung auch zwei +sehr wichtige und competente Zeugnisse vor.</p> + +<p>General Niel sagt nämlich in seiner Belagerung von Sebastopol, +S. 443:</p> + +<div class="blockquot"><p>„Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol +haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, +daß die Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei +der Vertheidigung der Festungen seien.“</p> + +<p>„Sebastopol, ein großes verschanztes Lager, vertheidigt durch +Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Stärke +von einer Geschützarmirung, wie man sie nur in einem großen +Kriegshafen finden kann, – und von einer zahlreichen Armee, +die immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Rußland +behalten hat. Wäre die Enceinte mit guten gemauerten +Escarpen versehen gewesen, hätte man darin Bresche legen und +<span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span>durch enge Zugänge eindringen müssen, hinter denen die Spitzen +unserer Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben würden: +<em class="gesperrt">so wäre Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung +gewesen</em>.“</p> + +<p>„Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit +denen einer gewöhnlichen Belagerung und man wird finden, daß +am 8. September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den +größten Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, +welche der Krönung des Glacis vorhergehen. Man war also +noch gar nicht in den Bereich der schwierigsten und mörderischsten +Arbeiten einer Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung +vor, sich darauf einzulassen, da die Gräben und Brustwehren +der Enceinte nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg +gezeigt hat. Die Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr +darin, die russische Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung +eingerichteten Terrain, als das materielle Hinderniß der +Befestigung zu überwältigen. Unsere letzten Parallelen waren +30 Meter<a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> von den angegriffenen Werken entfernt und man +konnte daher sich unerwartet auf den Feind werfen, den das +Feuer unserer Artillerie bis zum letzten Augenblick genöthigt +hatte, Schutz unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wäre man +mit den Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, würde man die +russische Armee nur veranlaßt haben, die Initiative des Angriffs +zu ergreifen.“</p></div> + +<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> 95½ preuß. Fuß.</p></div> + +<div class="blockquot"><p>„Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor +einer Leiterersteigung geschützt hätten, übte nicht weniger Einfluß +auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genöthigt, +fortwährend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu +halten, um einen Angriff zurückzuschlagen, mit dem sie vom Beginn +der Belagerung an bedroht waren.“ –</p></div> + +<p>Ganz übereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene +oberste englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen +„Military opinions“ (S. 190 bis 196) (Über Erdwerke und +die Vertheidigung von Sebastopol) aus. Er sagt:</p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span></p> +<div class="blockquot"><p>„Es sind kürzlich einige irrige Ansichten darüber in England +in Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht +daran [?]) daß die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptsächlich +den Vorzügen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und +der Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen Ingenieure +sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu machen +wußten.“</p> + +<p>„Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft +verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glänzenden Vertheidigung +von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung +gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis für ein System +gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.“</p> + +<p>„Die Russen waren genöthigt, ihre Vertheidigungswerke bei +einer unerwarteten Veranlassung rasch auszuführen und sie benutzten +dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fällen angewandte +Mittel, nämlich Erdwerke – nicht aus freier Wahl, +sondern weil ihnen nichts anderes übrig blieb und sie verdienen +in dieser Beziehung das größte Lob, – nicht aber wegen der +vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer +energischen Vertheidigung, trotz der Schwäche und Unvollkommenheit +solcher Werke.“</p> + +<p>„Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, außer +seiner großen Kostbarkeit, daß es aus der Entfernung in Bresche +gelegt werden kann und daß die abspringenden Steinstücke den +Vertheidigern gefährlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber +man muß sich klar machen, daß diese Übelstände nicht nothwendig +mit gemauerten Werken verbunden sind, daß vielmehr, wo +diese Übelstände vorkommen, dies daher rührt, daß die betreffenden +Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localität +so beschränkt ist, daß es für zweckmäßigere Anlagen, namentlich +für Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so daß +bloß die Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will +man das System der Anwendung von Erdwerken durchaus als +eine neuere Verbesserung ansehen, so muß man es mit dem in +neuerer Zeit von den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten +System vergleichen, daß die Brustwehren aus Erde bestehen und +<span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span>daß die Escarpen von außen nicht gesehen seien, bis man an +den Graben gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei +Übelstände gehoben.“</p> + +<p>„Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine +senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren müssen. +Ist diese Mauer über 30 Fuß hoch und flankirt, dann ist sie ein +formidables Hinderniß und eine Ersteigung desselben (und etwas +anderes bleibt nicht übrig, so lange die Mauer nicht zerstört +ist) ein höchst gewagtes Unternehmen, was nur bei vollständiger +Überraschung oder großer Schwäche des Vertheidigers gelingen +kann.“</p> + +<p>„Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; +aber in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur +gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die +große Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der Angreifer +findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem +Platze nähern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere +Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben für den +Sturm doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, während +Erdwerke auf dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche +darstellen.“</p> + +<p>„Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die +Franzosen hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und +Opfern, ein Logement 30 Yards<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> von dem Graben der feindlichen +Werke sich verschafft. Es steht fest, daß die Schwierigkeiten +weiter vorzugehen so groß für sie wurden, daß sie nicht näher an +den Platz heranrücken konnten, und doch, wäre der Platz auf die +gewöhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen, +hätten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe anlegen +müssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen, +welche für die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der +Platz genommen werden konnte, doch nicht genügenden Raum gewährt +haben würden. Ebenso wäre es bei den innern Retranchements +gewesen.“</p></div> + +<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_2_2" id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> 87⅓ preuß. Fuß.</p></div> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span></p> +<div class="blockquot"><p>„Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der +Regel vor dem feindlichen Geschützfeuer aus der Entfernung gedeckt +werden soll, so giebt es doch Fälle, wo man davon absehen +muß und auch absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei +Küstenbatterien. Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein +Felsen, oder schmaler Terrainabschnitt sehr günstig, um die feindlichen +Schiffe abzuhalten, ist aber nur gerade groß genug für +einen größern oder kleinern Thurm. Um aber die nöthige Geschützzahl +aufzustellen, müssen mehrere Stockwerke und darum ein +hohes Gebäude angelegt werden. Solche Gebäude haben nun +trotz der ihnen anklebenden Mängel, die man auch nach Möglichkeit +beseitigen muß, oft eine sehr kräftige Wirkung, und es ist +durchaus ein Irrthum, daß sie durch Feuer von Schiffen so leicht +zerstört und zum Schweigen gebracht werden können.“</p> + +<p>„Aber auch außer den Fällen, wo Mauern dem Feuer der +Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch zulässig, +ja oft unvermeidlich.“</p> + +<p>„So kommt es manchmal vor, daß ein befestigter Punkt nur +Sicherheit gegen einen Handstreich gewähren soll, wie z. B. in +allen Fällen, wo die Umstände nicht gestatten, Geschütz dagegen +in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes +erfüllt ist, sobald der Feind genöthigt wird, vielleicht mit großer +Schwierigkeit Geschütze dagegen aufzustellen, oder auch zum +Schluß der Kehlen der Außenwerke, wo es darauf ankommt, daß +das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder eingeschossen +werden kann. In allen diesen Fällen ist Mauerwerk den Erdwällen +vorzuziehen.“ –</p></div> + +<p>Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten +Escarpen in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht +unnütz finden und den neuen preußischen Festungsanlagen nur an wenig +Stellen den Vorwurf machen können, Mauerwerk blosgegeben zu +haben, wo es besser durch Erdwälle gedeckt worden wäre. Letzteres +findet namentlich bei mehrern ältern Thurmforts statt, bei denen es +allerdings wünschenswerth sein wird, nachträglich noch +<span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span>entweder auf Verwandlung der gemauerten Brustwehren +in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Außen gesehenen +kasernirten Etage +Bedacht zu nehmen.</p> + +<p>Ich bemerke in letzterer Beziehung, daß es da, wo Raum genug +vorhanden ist und die Höhenverhältnisse es gestatten, wohlfeiler und +zweckmäßiger sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten +und lieber den vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhöhen.</p> + +<p>Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, würde demnächst +auch zu untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten +Batterie auf Tafel 80 B. meiner Beiträge etc. oder eine +ähnliche Konstruktion in Anwendung kommen könnte, namentlich wenn +die Bedeckung der Erdscharten mittelst Eisenbahnschienen, sich bewähren +sollte, und dadurch die Möglichkeit gegeben wäre, das ganze +Mauerwerk, auch über den Scharten, mit Erde zu decken.<a name="FNanchor_3_3" id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> Eine +Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint dagegen nach den auf +<span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span>S. 46 meiner Beiträge beschriebenen Versuchen mit hölzernen bedeckten +Geschützständen, nicht rathsam.</p> + +<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_3_3" id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei fremdherrlichen +Offizieren haben dieselben neuerdings in England Versuchen +mit gezogenen Geschützen von schwerem Kaliber gegen +Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr günstige Resultate +ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese +vor einer Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal über +einander gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen +(wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12′ Länge, 8″ Breite, +4″ Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen +bekleidet. Das Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. +Der Unternehmer (aus Wales) war seiner Sache so sicher, daß +er sich hinter diese Eisenwand während der Versuche stellen zu +wollen erklärte. Er behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht +mehr, als eine Mauer und war bereit für die Befestigung von +Antwerpen dergleichen Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere +Kenntniß zu nehmen, gestattete er nicht. Es scheint, daß durch +die Nuthen und Federn der Stoß des Geschosses sich auf die +ganze Fläche des Eisens vertheilt.</p> + +<p>Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewähren, +so steht eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten +und würde darin ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel +gegen den Brescheschuß gegeben sein.</p></div> + +<p>Ich gehe nunmehr über zu dem</p> + + +<h3>2. indirekten Brescheschuß.</h3> + +<p>Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, +daß es möglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen +kann, aus größerer Entfernung durch flache Bogenschüsse zu zerstören. +(Siehe meine Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S. 88. ff.) +Dies Verfahren erregte schon damals großes Aufsehen und gab zu +vielfachen Discussionen Veranlassung, als deren Endergebniß sich +Folgendes herausstellte:</p> + +<div class="listlevel"> +<p>a) daß dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter Umständen +sehr wohl anwendbar erscheine;</p> + +<p>b) daß es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen +und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlängerung +der auf die letztern treffenden Gräben aufstellen kann, +mit gutem Erfolge werde gebraucht werden können;</p> + +<p>c) daß dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige +Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschießen +aus der Nähe, sonst aber die übrigen langwierigen +Belagerungsoperationen und Annäherungsarbeiten nicht +erspart;</p> + +<p>d) daß das Brescheschießen aus der Entfernung, außerdem, daß +die Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig +sei, dem Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen +will und ihm gestatte, geeignete Gegenmaßregeln zu +treffen, Abschnitte anzulegen, die Bresche zu unterminiren, +und dergleichen, so daß dies neue Brescheverfahren nur denjenigen +schlechtern Festungen besonders gefährlich werden +wird, bei welchen ein sogenannter beschleunigter Angriff +stattfinden kann.</p> +</div> + +<p>Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge +Anwendung von gezogenen Geschützen, hat sich nun in diesen Verhältnissen +nichts Wesentliches geändert und es steht daher keineswegs +<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span>zu besorgen, daß dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle +bringen werde, wie dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach +vorausgesetzt wird: denn es verkürzt, wie gesagt, nur <em class="gesperrt">eine</em> der +verschiedenen Angriffsoperationen und zwar in einem Verhältniß, +das in der Wirklichkeit gewiß ein ganz anderes und um viele Procente +geringeres, als das auf unsern Exercierplätzen erzielte sein wird, +wo weder das Feuer der Festung, noch die Unkenntniß der Entfernungen +und Wirkungen störend influirt.</p> + +<p>Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, daß, wie Einige +behaupten, die vergrößerte Wirkung der Geschütze auch eine viel entferntere +Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch +(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzögern werde, +weil ich glaube, daß die Entfernung der ersten Parallele größtentheils +von andern Umständen abhängig ist.</p> + +<p>Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung +nicht auch Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei +bereits vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens +zu vernichten oder wenigstens zu ermäßigen. Um dies besser zu übersehen, +müssen wir die drei Fälle unterscheiden, welche hauptsächlich +vorkommen können, nämlich das indirekte Brescheschießen</p> + +<div class="listlevel"> +<p>a) gegen Escarpenmauern quer über den Graben,</p> + +<p>b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der +Länge der Festungsgräben nach getroffen werden können,</p> + +<p>c) gegen Reduits hinter deckenden Wällen oder Glaciscreten.</p> +</div> + + +<h4><em class="antiqua">ad a.</em><br /> + +<em class="gesperrt">Gegen Escarpen quer über die Festungsgräben.</em></h4> + +<p>Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten +Escarpen – Wassergräben ausgenommen – nicht entbehren kann.</p> + +<p>Um sie vor dem indirekten Brescheschuß zu sichern, wird es vor +Allem rathsam sein, sie überall mit Contrescarpen zu versehen und +demnächst die Gräben möglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg +nicht zu breit zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer +unter möglichst steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7° beträgt, +<span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span>wegen des dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung +des indirekten Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der +Sache, schon bedenklich macht.</p> + +<p>Daß die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, +wenigstens ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, +durfte nach den Jülicher Versuchen als feststehend anzusehen +sein.</p> + +<p>Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, daß auch +die Dächer der freistehenden Mauern nicht von Außen gesehen werden +können, damit der Feind an denselben nicht die Wirkung seines +Brescheschießens erkennen könne. Auch bei vielen bereits vorhandenen +Anlagen wird sich diese Verbesserung noch nachträglich anbringen +lassen.</p> + +<p>Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei +ihrer jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, daß man sie durch +Wände von Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den +Escarpenmauern oder auch auf der Contrescarpe anbrächte, ehe sie an +die Mauer gelangen: allein es würde dann der Artillerie gewiß sehr +bald gelingen, die Explosion so zu verzögern, daß sie erst stattfände, +nachdem die Mauer getroffen ist.</p> + + +<h4><em class="antiqua">ad b.</em><br /> + +<em class="gesperrt">Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der +Länge der Festungsgräben nach.</em></h4> + +<p>Für Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, +in meinen Beiträgen (Seite 123) bereits ausführlich behandelte, aber +leider auch bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz +sich geltend machen, daß man dem Feinde immer so viel als möglich +gerade Fronten und keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants +entgegensetzen müsse, vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug +verdiene, bei dem die Verlängerungen der Gräben so nahe wie +möglich der Festung liegen, so daß der Feind immer nur erst bei größerer +Annäherung in diesen Verlängerungen seine indirekten Contrebatterien +aufstellen kann.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span>Demnächst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon häufig +geschehen ist, in vielen Fällen zweckmäßig an den Saillants angebracht +werden können.</p> + +<p>Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer +noch anzuwendendes Hülfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien +in den ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar +den Nachtheil, daß auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstört +werden können, ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist +immer eine zeitraubende Operation, die erst in Anwendung kommen +kann, wenn der Feind mit seinen Approchen bis an die Glaciscrete +gelangt ist.</p> + +<p>Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und +dergleichen vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umständen +in Anwendung kommen können, obgleich sie großen Einschränkungen +aus andern Ursachen unterliegt.</p> + +<p>Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch für bereits +fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote ständen, fragte +es sich immer noch, ob man wegen der Möglichkeit solcher indirekten +Contrebatterien unter allen Umständen die gewöhnlichen Grabencaponieren +aufgeben müsse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung +ist das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen +Angriff und erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch +Grabencaponieren, dann muß man sich es schon gefallen lassen, daß +im Laufe einer förmlichen Belagerung, ein oder zwei Flanken durch +indirekten Schuß unbrauchbar gemacht werden, was sonst allerdings +nur durch direkte in ihrer Ausführung und Anwendung viel schwierigere +Contrebatterien zu geschehen pflegt. Der Feind muß dann immer +noch erst den Sturm wagen.</p> + +<p>Übrigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der +Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der Breschbatterien, +weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer zum +Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstören; der Zustand +der Scharten aber von Außen fast gar nicht zu beurtheilen +sein wird.</p> + +<p>Schließlich bemerke ich, daß die von einer Seite vorgeschlagene +Erhöhung der Wälle und der bedeckten Wege an den Stellen, über +<span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span>welche die Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, +einerseits wegen der dadurch bedingten partiellen Erhöhungen der +Feuerlinie nicht ausführbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens +nur unbedeutend vergrößern würde, so daß von diesem Mittel +jedenfalls abstrahirt werden muß.</p> + + +<h4><em class="antiqua">ad c.</em><br /> + +<em class="gesperrt">Gegen Reduits.</em></h4> + +<p>Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er +die vordere Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter +Linie entgegenzusetzen. – Die Anlage von Reduits gilt daher als +eine wesentliche Verstärkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, +indem es bei einem solchen kaum denkbar ist, daß nachdem der +Feind die vordere Vertheidigungslinie überwältigt hat, er noch so viel +Kraft besitzen sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderniß +zu besiegen. Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die +erste Bedingung ist, den Feind zu einem förmlichen Angriff zu nöthigen: +so werden auch jetzt noch die Reduits diesen Zweck zu erfüllen +vollkommen im Stande sein, indem es nicht wohl denkbar ist, daß der +Feind ohne förmliche Belagerungsarbeiten, Batteriebau und dergleichen, +ein oder mehrere Reduits sollte außer Thätigkeit setzen können.</p> + +<p>Gegen den förmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, +wenn der Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand +des zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern +pflegt.</p> + +<p>Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet +ist, und zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger +für die Reduits in den Waffenplätzen, muß ich hier wieder auf den +oben ausgeführten Satz zurückkommen, daß darum ein Vertheidigungsmittel +noch nicht zu verwerfen ist, weil es der Feind überwältigen +kann. Es kommt vielmehr immer darauf an, daß der Widerstand, +den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch im angemessenen +Verhältniß stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den meisten Reduits +der Fall sein, trotz der unverkennbaren großen Wirksamkeit des +indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie werden nach wie +<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span>vor allen Anlagen eine große Sicherheit gegen den gewaltsamen Angriff +gewähren und wenn sie diesen Zweck erfüllt haben, dann mag +immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschuß +gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch +diejenigen Schwierigkeiten für den Feind, um solche Breschen benutzen +zu können, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen +kennen gelernt haben. –</p> + +<p>Daß man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen +müsse, ist daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den +Ergebnissen unserer verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann.</p> + +<p>Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der +Wirksamkeit des indirekten Schusses möglichst entziehen müssen. Dies +wird geschehen, wenn wir</p> + +<div class="listlevel"> +<p>a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, daß die indirekten +Batterien gegen sie in der Verlängerung von Gräben +oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden +können. Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben +als nothwendig hervorgehobene, möglichst frontale Anlage +unserer Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in +den eingehenden Waffenplätzen werden Traversen Abhülfe +gewähren;</p> + +<p>b) wenn wir die Reduits immer so nahe als möglich an die +deckenden Brustwehren heranrücken, so daß der Einfallwinkel +der feindlichen Geschosse wo möglich größer als 7° wird.</p> + +<p class="itemcont">Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige +Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des +vorliegenden Walls wird durch leichte Rückenwehren von +Brettern, Balken und doppelten Flechtzäunen auf der +Contrescarpe oder dem Revers des Wallgangs größtentheils +unschädlich gemacht werden können. –</p> + +<p>c) Wenn wir diese Reduits nicht zu groß machen (indem ihre +Größe nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr +den durch sie gewährten bombensichern Raum uns auf andere +Weise beschaffen, indem wir</p> + +<p>d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhältnißmäßig +mit geringen Kosten diesen Zweck erfüllen und den +<span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span>Nutzen haben, in unmittelbarster Nähe der Breschen, einer +bereitstehenden Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen +Action, ein geschütztes Unterkommen zu gewähren; und indem wir</p> + +<p>e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns +an Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt +werden können, also unter den Wällen der Werke etc.</p> +</div> + +<p>Hiernach wird es z. B. nach einer vom General Todleben mir +angedeuteten Idee zulässig sein, hinter den Profilmauern eines größern +Werks zwei kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem +Feuer das Innere des vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den +indirekten Batterien des Feindes mit Erfolg gefaßt werden zu +können.</p> + +<p>Schließlich bemerke ich noch, daß durch die bisherigen Versuche +durchaus noch nicht erwiesen ist, daß in größern Reduits (Defensivkasernen) +wo kein nachstürzender oder dahinter liegender Wall vorhanden +ist, überhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d. h. +eine solche, in welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil dürfte +dies in Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. –</p> + +<p>Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, +die Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaßen über die Wirkungen +des verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, +wenn ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschätze. +Wir wollen nun sehen, ob die gezogenen Geschütze den Festungswerken +nicht vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und +nachtheiliger werden können. Ich gehe nämlich über zu dem</p> + + + + +<h2><a name="B_Demontirschuss" id="B_Demontirschuss"></a>B. Demontirschuß.</h2> + + +<p>So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches +Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschützen des Angriffs +und der Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen:</p> + +<div class="listlevel"> +<p>a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig ergänzen, +der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer gleich von +Hause aus Geschütze gegen die Festung aufstellen kann, je eher +wird er ein Übergewicht über dieselbe erlangen und behaupten +<span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span>und dies Übergewicht wird bei gezogenen Geschützen an und für +sich viel bedeutender und intensiver sein. Daraus folgt</p> + +<div class="listlevel"> +<p><i>α)</i> daß das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen die Angriffsartillerie +nur durch eine sehr starke Geschütz-Dotirung +der Festungen einigermaßen wird erlangt werden können und</p> + +<p><i>β)</i> daß nur <em class="gesperrt">große</em> Festungen noch der feindlichen Artillerie +allenfalls gewachsen sein werden, kleine Festungen dagegen +jetzt in einer noch viel nachtheiligeren Lage sich der Angriffs-Artillerie +gegenüber befinden, als es schon bei dem bisherigen +Zustande des Geschützwesens der Fall war. Kleine +Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder bedeutend zu +erweitern.</p></div> +</div> + +<p>Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien +in Bezug auf den Demontirschuß ist die, daß</p> + +<div class="listlevel"> +<p>b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung haben +wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt und sich +auch theoretisch darthun läßt, immer große Vortheile gewährt. +Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird man +daher stets bedacht sein müssen, sich diesen wesentlichen Vortheil +durch hohe Erdwälle (Kavaliere) zu verschaffen. (Vergleiche auch +meine Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S. 34. Ich +habe darum auch bereits oben empfohlen, freiliegende Reduits +nicht abzutragen, sondern lieber die vorliegenden Wälle zu erhöhen.)</p> +</div> + + + + +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span><a name="C_Der_Ricochettschuss" id="C_Der_Ricochettschuss"></a>C. Der Ricochettschuß.</h2> + + +<p>Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschuß, +sondern jeden Schuß oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und +Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgänge +der Länge nach über die deckende Brustwehr der anliegenden Face +hinweg im flachen oder stärkern Bogen geschleudert werden. So weit +mir bekannt, haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch +Shrapnels aus glatten Geschützen auf diese Weise gegen offene +Wälle angewandt, ganz günstige Resultate gegeben, und wenn auch +diese Art von Feuer aus gezogenen Geschützen und aus großen Entfernungen +bisher noch nicht ausgebildet worden ist: so steht dies doch +für die Folge zu erwarten und die Wirkung eines solchen Feuers +kann nicht zweifelhaft sein, während zugleich eine Erwiederung desselben +von Seiten der Festung, indem man die Parallelen des Angreifers +– wie es auch in der Belagerung von Sebastopol versucht +wurde – echarpirend beschießt, doch bei Weitem nicht ebenso erfolgreich +wirken kann.</p> + +<p>Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken +kein anderes Mittel geben, als Vervielfältigung der Traversen, +– wie sie auch in Sebastopol stattfand – und wo möglich, nachträgliche +<span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span>Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, +daß dieses Mittel der eigentlichen Geschützaufstellung sehr viel Raum +entzieht und daher ebenfalls nur bei geräumigen Festungen anwendbar, +in kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausführbar ist – +ein Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen.</p> + +<p>Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach +hervorgehobene frontale Lage der Wälle dem Angriff gegenüber +empfehlen.</p> + + + + +<h2><a name="D_Der_Enfilirschuss" id="D_Der_Enfilirschuss"></a>D. Der Enfilirschuß.</h2> + + +<p>Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen +Schußarten und flachen Bogenwürfe zusammenfassen, welche, außer +den bereits gedachten, aus großen Entfernungen gegen die Werke oder +das Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebäude, nach +verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhöhten Punkten aus, +gerichtet werden können.</p> + +<p>Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, +daß Angriffsbatterien auf größern Entfernungen (über 1200 bis 1500 +Schritt hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die +Einführung der Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschüttert +und wir sehen bereits in Sebastopol den Geschützkampf erfolgreich in +großen Entfernungen eröffnet. Die gezogenen Geschütze werden dies +in noch höherm Grade geschehen lassen und dominirende Höhen, die +bisher unbeachtet geblieben sind, werden künftig von großem Einfluß +auf die Vertheidigung sein. Ich erkenne an, daß dieser Umstand für +mehrere von unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von +großer Bedeutung ist – einer größern vielleicht, als der verbesserte +Brescheschuß – und es wird daher ein Gegenstand von der größten +Wichtigkeit sein, daß das Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja +bis 5000 Schritt untersucht und die Haupthöhen desselben durch Nivellements +ermittelt und gemessen werden, indem, wie schon eine +flüchtige Besichtigung zeigt, manche bisher unbeachteten Höhen künftig +durch Seiten- und Rückenfeuer die Vertheidigungsfähigkeit einzelner +unserer Werke auf das Nachtheiligste beeinträchtigen möchten. Als +Gegenmittel gegen diesen Übelstand erscheint einerseits die Vervielfältigung +<span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span>von Traversen, andererseits die Anlage weit vorgeschobener +Werke geboten, beides Maßregeln, die zwar mehr oder weniger ausführbar +sein werden, unter allen Umständen aber, namentlich die Letztere, +– die reiflichste Erwägung erfordern, die daher den betreffenden +Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und Festungs-Bau-Direktoren +im Verein mit den Artillerie-Offizieren der Plätze nur auf’s Angelegentlichste +empfohlen werden kann.</p> + +<p>In Bezug auf die Sicherung der großen Pulvermagazine gegen +das direkte und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits +eine Berichterstattung erfolgt, worüber die höhere Entscheidung abgewartet +werden muß. –</p> + +<p>Es ist nicht zu verkennen, daß die Befestigungskunst – wie es in +der Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen – sich gegenüber +den jetzigen wesentlichen Verbesserungen des Geschützwesens und der +Feuerwaffen überhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen +Verbesserungen schwer Schritt halten zu können, einerseits, weil die +Gegenmaßregeln ihrer Natur nach überhaupt erst ermittelt werden +müssen und nur nach und nach Eingang finden können, andererseits +weil die vorhandenen, auf hundertjährige Dauer und länger, angelegten +Befestigungen diesen Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen können +und eine Umformung derselben nur in viel längern Zeiträumen +und mit viel größerem Kostenaufwand möglich ist, als z. B. die Umformung +der Artillerie, der Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher +nichts übrig bleiben, als daß er diese Neuerungen und Verbesserungen +aufmerksam verfolge. – Daß er ferner auf’s Reiflichste erwäge, +welche Veränderungen die bisherigen Begriffe von Defilement, +Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil, Developpement und Größe +der Festungen etc. erleiden werden und erleiden müssen, – daß er bemüht +sei, danach die alten Befestigungen zu verbessern und umzuformen und +die neuen von Hause aus anzulegen – endlich, daß er sich bewußt +werde, welche andere Mittel in seiner reichen Rüstkammer als: die +Wassergräben, Contrescarpen, Reversgallerien, Traversen, Cavaliere +und vor Allem die Contreminen, das Infanteriefeuer und die active +Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen, um auch ferner noch den +Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als Schutzwaffe, aber +<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span>als eine sehr hülfreiche, ja unentbehrliche, erscheinen zu lassen, welche +noch immer Hülfs- und Vertheidigungsmittel genug besitzt, um nicht, +wie Einige vielleicht meinen mögen, schon beim ersten Schuß eines +gezogenen Feld-Sechspfünders die Vertheidigung der Festungen muthlos +aufzugeben.</p> + +<p>Berlin, den 24. November 1860.</p> + +<p class="signature"><span style="padding-right: 1.5ex">v. <em class="gesperrt">Prittwitz</em>,</span><br /> +Generallieutenant.</p> + + + + +<div class="note"> +<p>Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im +„Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps.“, 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI. +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere +Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten.</p> + +<p>Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und +Ue wurden durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für „etc.“ wurde +durch etc. ersetzt.</p> +</div> + + +<div class="note"> +<p>Transcriber’s Notes: This article has originally been published in 1861 +in “Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und +Ingenieur-Corps.”, 25th year of publication, volume 49, chapters X and +XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor +irregularities in the spelling have been retained.</p> + +<p>The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue +have been replaced by Ä, Ö, Ü. The ligature for “etc.” has been replaced +by etc.</p> +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogene + Geschützen, by Moritz von Prittwitz + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER *** + +***** This file should be named 33491-h.htm or 33491-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/3/4/9/33491/ + +Produced by Markus Brenner and Irma Spehar. + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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