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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 19:59:38 -0700
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+The Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogenen
+Geschützen, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
+
+
+
+
+
+Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen.
+
+von
+
+Moritz von Prittwitz
+
+
+
+Die neuern Verbesserungen im Geschützwesen sind zwar dienstlich noch
+nicht veröffentlicht worden, aber bereits zur Kenntniß so vieler
+preußischen und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mündlich,
+schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: daß es an der Zeit
+ist, gründlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der
+Ingenieure die Frage zu erörtern, welchen Einfluß diese Verbesserungen
+auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausüben werden, und
+welche Maßregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen sind,
+um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie so
+erfolgreich als möglich entgegenzutreten.
+
+Es kann zuvörderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese
+Verbesserungen an und für sich leugnen, heruntersetzen oder gering
+schätzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu fest
+und für die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in diesen
+Verbesserungen zu erwarten als ein Rückschritt.
+
+Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu führen, in
+wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, ja dieser
+sogar vielleicht in höherm Grade als der Angriffs-Artillerie zu Gute
+kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung _dieser_ Frage für
+den vorliegenden Zweck wäre: so hat sie doch eben keinen Einfluß auf die
+positiven Maßregeln, welche die Vertheidigung nunmehr wegen dieser
+Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche den eigentlichen Gegenstand
+der folgenden Blätter bilden.
+
+Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser Hinsicht
+vorauszuschicken, die zur richtigen Würdigung alles Nachstehenden von
+besondrer Wichtigkeit ist.
+
+Es giebt nämlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches
+es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstört, unschädlich
+gemacht, überwältigt oder überstiegen werden könnte. Dessenungeachtet
+kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel sein
+und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschächte beim
+Angriff z. B. haben die Kontreminen entschieden von ihrer Wirksamkeit
+verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand nehmen, sie in geeigneten
+Fällen anzuwenden. Ein ähnliches Verhältniß tritt bei dem Mauerwerk ein,
+wie wir dies später ausführlicher sehen werden. Bei Verbesserungen in
+der Kriegskunst handelt es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen
+immer nur darum: ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit
+dem davon zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhältniß stehen? – bei
+bereits bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mühe und
+Kosten lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden,
+oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande zu
+belassen?
+
+Die Beantwortung dieser Fragen ist nun äußerst schwierig, weil es gar
+keinen irgend brauchbaren Maaßstab giebt, um den Werth und die
+Widerstandsfähigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger
+Zuverlässigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen
+Einsicht, man möchte sagen, dem Gefühl der Beurtheilenden überlassen und
+darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser Art die
+Ansichten Mehrerer übereinstimmen. Man kann deswegen nichts Besseres
+thun, als die pro und contra in ausführlicher und unbeschränkter
+Discussion zu erörtern und dann nach bestem Ermessen zu urtheilen oder
+zu entscheiden.
+
+ * * * * *
+
+In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der Verbesserung
+des Geschützwesens sich ergebenden Veränderungen und Verbesserungen in
+der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir die verschiedenen
+Schußarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen an, die bisher
+und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen worden ist, nämlich mit dem
+Brescheschuß.
+
+
+
+
+A. Brescheschuß.
+
+
+1. Direkter Brescheschuß.
+
+Wir müssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und diejenige
+auf größere Entfernungen.
+
+Wenn die gewöhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen sind,
+ist die Breschelegung immer als eine Operation von kurzer Dauer
+angesehen worden, so daß die größere Wirksamkeit der gezogenen Geschütze
+hierbei von geringem Einfluß auf die Dauer der Belagerungen sein wird.
+
+In älterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine
+unverhältnißmäßige Dicke gegeben, um sie widerstandsfähiger gegen den
+Brescheschuß zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals – am
+Wenigsten bei unsern neuern preußischen Festungs-Bauten geschehen, indem
+man wohl erkannte, daß der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, mit den
+erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhältniß stehe – (wie dies
+auch bereits in meinen Beiträgen zur angewandten Befestigungskunst S. 6.
+ausgesprochen ist). In dieser Beziehung ändert sich also durch die
+Anwendung der gezogenen Geschütze nichts Wesentliches.
+
+Ebenso haben bekanntlich die Engländer bereits vor 50 Jahren im
+spanischen Kriege den direkten Brescheschuß bis auf 800 Schritt
+Entfernung mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die
+mannigfaltigen Verhandlungen über diese Art des Brescheschießens nicht
+zu wiederholen. Es wurde schon damals hervorgehoben, daß es mit dem
+Brescheschießen allein nicht abgemacht sei; daß man vielmehr bis zur
+Bresche approchiren müsse – und daß ein ohne gedeckte Annäherung
+ausgeführter Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Außerdem
+vertheidigten sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der
+Entfernung gesehen werden konnten, noch mit großer Energie und wenn auch
+im Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk
+möglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Fälle genug
+vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man trotz jener
+allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk dem entfernten
+feindlichen directen Schuß auszusetzen:
+
+ entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle
+ überhaupt nicht fürchtete;
+
+ oder, weil man durch ein überlegenes Geschützfeuer die Erbauung
+ und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmöglich zu machen
+ hoffte;
+
+ oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu
+ erreichen, namentlich weil es an Platz fehlte, um besser
+ gedeckte Festungswerke aufzuführen, an Stellen, wo es darauf
+ ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen.
+
+Alle diese Verhältnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem
+Unterschiede, daß das was sonst auf 800 Schritt ausführbar war, jetzt
+auch auf die doppelte und größere Entfernung möglich ist.
+
+Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts geändert. Denn
+sie ergeben, daß das Mauerwerk der Küstenforts von dem Feuer der Schiffe
+durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschädigt wurde und wenn
+die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf den Landfronten in einer
+11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen wurden, und der
+Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen solchen Widerstand leistete,
+daß seine geringe Besatzung sich nur in Folge einer Kapitulation ergab,
+so kann man unmöglich daraus folgern, daß fortan die Anwendung des
+Mauerwerks in den Festungen ganz unzulässig sei. Es liegen uns in dieser
+Beziehung auch zwei sehr wichtige und competente Zeugnisse vor.
+
+General Niel sagt nämlich in seiner Belagerung von Sebastopol, S. 443:
+
+ »Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol
+ haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, daß die
+ Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei der
+ Vertheidigung der Festungen seien.«
+
+ »Sebastopol, ein großes verschanztes Lager, vertheidigt durch
+ Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Stärke
+ von einer Geschützarmirung, wie man sie nur in einem großen
+ Kriegshafen finden kann, – und von einer zahlreichen Armee, die
+ immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Rußland
+ behalten hat. Wäre die Enceinte mit guten gemauerten Escarpen
+ versehen gewesen, hätte man darin Bresche legen und durch enge
+ Zugänge eindringen müssen, hinter denen die Spitzen unserer
+ Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben würden: _so wäre
+ Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung gewesen._«
+
+ »Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit denen
+ einer gewöhnlichen Belagerung und man wird finden, daß am 8.
+ September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den größten
+ Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, welche der
+ Krönung des Glacis vorhergehen. Man war also noch gar nicht in
+ den Bereich der schwierigsten und mörderischsten Arbeiten einer
+ Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung vor, sich
+ darauf einzulassen, da die Gräben und Brustwehren der Enceinte
+ nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg gezeigt hat. Die
+ Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr darin, die russische
+ Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung eingerichteten
+ Terrain, als das materielle Hinderniß der Befestigung zu
+ überwältigen. Unsere letzten Parallelen waren 30 Meter[1] von
+ den angegriffenen Werken entfernt und man konnte daher sich
+ unerwartet auf den Feind werfen, den das Feuer unserer
+ Artillerie bis zum letzten Augenblick genöthigt hatte, Schutz
+ unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wäre man mit den
+ Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, würde man die russische
+ Armee nur veranlaßt haben, die Initiative des Angriffs zu
+ ergreifen.«
+
+ [1] 95½ preuß. Fuß.
+
+ »Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor einer
+ Leiterersteigung geschützt hätten, übte nicht weniger Einfluß
+ auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genöthigt,
+ fortwährend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu
+ halten, um einen Angriff zurückzuschlagen, mit dem sie vom
+ Beginn der Belagerung an bedroht waren.« –
+
+Ganz übereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene oberste
+englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen »Military
+opinions« (S. 190 bis 196) (Über Erdwerke und die Vertheidigung von
+Sebastopol) aus. Er sagt:
+
+ »Es sind kürzlich einige irrige Ansichten darüber in England in
+ Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht daran [?])
+ daß die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptsächlich den
+ Vorzügen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und der
+ Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen
+ Ingenieure sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu
+ machen wußten.«
+
+ »Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft
+ verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glänzenden
+ Vertheidigung von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung
+ gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis für ein System
+ gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.«
+
+ »Die Russen waren genöthigt, ihre Vertheidigungswerke bei einer
+ unerwarteten Veranlassung rasch auszuführen und sie benutzten
+ dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fällen
+ angewandte Mittel, nämlich Erdwerke – nicht aus freier Wahl,
+ sondern weil ihnen nichts anderes übrig blieb und sie verdienen
+ in dieser Beziehung das größte Lob, – nicht aber wegen der
+ vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer
+ energischen Vertheidigung, trotz der Schwäche und
+ Unvollkommenheit solcher Werke.«
+
+ »Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, außer seiner
+ großen Kostbarkeit, daß es aus der Entfernung in Bresche gelegt
+ werden kann und daß die abspringenden Steinstücke den
+ Vertheidigern gefährlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber
+ man muß sich klar machen, daß diese Übelstände nicht nothwendig
+ mit gemauerten Werken verbunden sind, daß vielmehr, wo diese
+ Übelstände vorkommen, dies daher rührt, daß die betreffenden
+ Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localität so
+ beschränkt ist, daß es für zweckmäßigere Anlagen, namentlich für
+ Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so daß bloß die
+ Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will man das
+ System der Anwendung von Erdwerken durchaus als eine neuere
+ Verbesserung ansehen, so muß man es mit dem in neuerer Zeit von
+ den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten System
+ vergleichen, daß die Brustwehren aus Erde bestehen und daß die
+ Escarpen von außen nicht gesehen seien, bis man an den Graben
+ gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei Übelstände
+ gehoben.«
+
+ »Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine
+ senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren
+ müssen. Ist diese Mauer über 30 Fuß hoch und flankirt, dann ist
+ sie ein formidables Hinderniß und eine Ersteigung desselben (und
+ etwas anderes bleibt nicht übrig, so lange die Mauer nicht
+ zerstört ist) ein höchst gewagtes Unternehmen, was nur bei
+ vollständiger Überraschung oder großer Schwäche des
+ Vertheidigers gelingen kann.«
+
+ »Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; aber
+ in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur
+ gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die
+ große Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der
+ Angreifer findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem
+ Platze nähern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere
+ Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben für den Sturm
+ doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, während Erdwerke auf
+ dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche darstellen.«
+
+ »Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die Franzosen
+ hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und Opfern, ein
+ Logement 30 Yards[2] von dem Graben der feindlichen Werke sich
+ verschafft. Es steht fest, daß die Schwierigkeiten weiter
+ vorzugehen so groß für sie wurden, daß sie nicht näher an den
+ Platz heranrücken konnten, und doch, wäre der Platz auf die
+ gewöhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen,
+ hätten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe
+ anlegen müssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen,
+ welche für die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der
+ Platz genommen werden konnte, doch nicht genügenden Raum gewährt
+ haben würden. Ebenso wäre es bei den innern Retranchements
+ gewesen.«
+
+ [2] 87⅓ preuß. Fuß.
+
+ »Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der Regel vor
+ dem feindlichen Geschützfeuer aus der Entfernung gedeckt werden
+ soll, so giebt es doch Fälle, wo man davon absehen muß und auch
+ absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei Küstenbatterien.
+ Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein Felsen, oder schmaler
+ Terrainabschnitt sehr günstig, um die feindlichen Schiffe
+ abzuhalten, ist aber nur gerade groß genug für einen größern
+ oder kleinern Thurm. Um aber die nöthige Geschützzahl
+ aufzustellen, müssen mehrere Stockwerke und darum ein hohes
+ Gebäude angelegt werden. Solche Gebäude haben nun trotz der
+ ihnen anklebenden Mängel, die man auch nach Möglichkeit
+ beseitigen muß, oft eine sehr kräftige Wirkung, und es ist
+ durchaus ein Irrthum, daß sie durch Feuer von Schiffen so leicht
+ zerstört und zum Schweigen gebracht werden können.«
+
+ »Aber auch außer den Fällen, wo Mauern dem Feuer der
+ Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch
+ zulässig, ja oft unvermeidlich.«
+
+ »So kommt es manchmal vor, daß ein befestigter Punkt nur
+ Sicherheit gegen einen Handstreich gewähren soll, wie z. B. in
+ allen Fällen, wo die Umstände nicht gestatten, Geschütz dagegen
+ in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes
+ erfüllt ist, sobald der Feind genöthigt wird, vielleicht mit
+ großer Schwierigkeit Geschütze dagegen aufzustellen, oder auch
+ zum Schluß der Kehlen der Außenwerke, wo es darauf ankommt, daß
+ das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder
+ eingeschossen werden kann. In allen diesen Fällen ist Mauerwerk
+ den Erdwällen vorzuziehen.« –
+
+Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten Escarpen
+in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht unnütz finden
+und den neuen preußischen Festungsanlagen nur an wenig Stellen den
+Vorwurf machen können, Mauerwerk blosgegeben zu haben, wo es besser
+durch Erdwälle gedeckt worden wäre. Letzteres findet namentlich bei
+mehrern ältern Thurmforts statt, bei denen es allerdings wünschenswerth
+sein wird, nachträglich noch entweder auf Verwandlung der gemauerten
+Brustwehren in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Außen gesehenen
+kasernirten Etage Bedacht zu nehmen.
+
+Ich bemerke in letzterer Beziehung, daß es da, wo Raum genug vorhanden
+ist und die Höhenverhältnisse es gestatten, wohlfeiler und zweckmäßiger
+sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten und lieber den
+vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhöhen.
+
+Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, würde demnächst auch zu
+untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten Batterie
+auf Tafel 80 B. meiner Beiträge etc. oder eine ähnliche Konstruktion in
+Anwendung kommen könnte, namentlich wenn die Bedeckung der Erdscharten
+mittelst Eisenbahnschienen, sich bewähren sollte, und dadurch die
+Möglichkeit gegeben wäre, das ganze Mauerwerk, auch über den Scharten,
+mit Erde zu decken.[3] Eine Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint
+dagegen nach den auf S. 46 meiner Beiträge beschriebenen Versuchen mit
+hölzernen bedeckten Geschützständen, nicht rathsam.
+
+ [3] Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei
+ fremdherrlichen Offizieren haben dieselben neuerdings in England
+ Versuchen mit gezogenen Geschützen von schwerem Kaliber gegen
+ Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr günstige Resultate
+ ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese vor einer
+ Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal über einander
+ gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen
+ (wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12′ Länge, 8″ Breite, 4″
+ Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen bekleidet. Das
+ Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. Der Unternehmer (aus
+ Wales) war seiner Sache so sicher, daß er sich hinter diese
+ Eisenwand während der Versuche stellen zu wollen erklärte. Er
+ behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht mehr, als eine Mauer
+ und war bereit für die Befestigung von Antwerpen dergleichen
+ Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere Kenntniß zu nehmen,
+ gestattete er nicht. Es scheint, daß durch die Nuthen und Federn
+ der Stoß des Geschosses sich auf die ganze Fläche des Eisens
+ vertheilt.
+
+ Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewähren, so steht
+ eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten und würde darin
+ ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel gegen den Brescheschuß
+ gegeben sein.
+
+Ich gehe nunmehr über zu dem
+
+
+2. indirekten Brescheschuß.
+
+Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, daß es
+möglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen kann, aus
+größerer Entfernung durch flache Bogenschüsse zu zerstören. (Siehe meine
+Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S. 88. ff.) Dies Verfahren
+erregte schon damals großes Aufsehen und gab zu vielfachen Discussionen
+Veranlassung, als deren Endergebniß sich Folgendes herausstellte:
+
+ a) daß dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter
+ Umständen sehr wohl anwendbar erscheine;
+
+ b) daß es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen
+ und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlängerung
+ der auf die letztern treffenden Gräben aufstellen kann, mit
+ gutem Erfolge werde gebraucht werden können;
+
+ c) daß dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige
+ Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschießen
+ aus der Nähe, sonst aber die übrigen langwierigen
+ Belagerungsoperationen und Annäherungsarbeiten nicht erspart;
+
+ d) daß das Brescheschießen aus der Entfernung, außerdem, daß die
+ Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig sei, dem
+ Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen will und ihm
+ gestatte, geeignete Gegenmaßregeln zu treffen, Abschnitte
+ anzulegen, die Bresche zu unterminiren, und dergleichen, so daß
+ dies neue Brescheverfahren nur denjenigen schlechtern Festungen
+ besonders gefährlich werden wird, bei welchen ein sogenannter
+ beschleunigter Angriff stattfinden kann.
+
+Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge Anwendung
+von gezogenen Geschützen, hat sich nun in diesen Verhältnissen nichts
+Wesentliches geändert und es steht daher keineswegs zu besorgen, daß
+dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle bringen werde, wie
+dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach vorausgesetzt
+wird: denn es verkürzt, wie gesagt, nur _eine_ der verschiedenen
+Angriffsoperationen und zwar in einem Verhältniß, das in der
+Wirklichkeit gewiß ein ganz anderes und um viele Procente geringeres,
+als das auf unsern Exercierplätzen erzielte sein wird, wo weder das
+Feuer der Festung, noch die Unkenntniß der Entfernungen und Wirkungen
+störend influirt.
+
+Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, daß, wie Einige
+behaupten, die vergrößerte Wirkung der Geschütze auch eine viel
+entferntere Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch
+(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzögern werde, weil
+ich glaube, daß die Entfernung der ersten Parallele größtentheils von
+andern Umständen abhängig ist.
+
+Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung nicht auch
+Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei bereits
+vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens zu vernichten
+oder wenigstens zu ermäßigen. Um dies besser zu übersehen, müssen wir
+die drei Fälle unterscheiden, welche hauptsächlich vorkommen können,
+nämlich das indirekte Brescheschießen
+
+ a) gegen Escarpenmauern quer über den Graben,
+
+ b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der Länge
+ der Festungsgräben nach getroffen werden können,
+
+ c) gegen Reduits hinter deckenden Wällen oder Glaciscreten.
+
+
+#ad a.#
+
+_Gegen Escarpen quer über die Festungsgräben._
+
+Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten Escarpen –
+Wassergräben ausgenommen – nicht entbehren kann.
+
+Um sie vor dem indirekten Brescheschuß zu sichern, wird es vor Allem
+rathsam sein, sie überall mit Contrescarpen zu versehen und demnächst
+die Gräben möglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg nicht zu breit
+zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer unter möglichst
+steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7° beträgt, wegen des
+dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung des indirekten
+Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der Sache, schon bedenklich
+macht.
+
+Daß die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, wenigstens
+ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, durfte
+nach den Jülicher Versuchen als feststehend anzusehen sein.
+
+Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, daß auch die Dächer
+der freistehenden Mauern nicht von Außen gesehen werden können, damit
+der Feind an denselben nicht die Wirkung seines Brescheschießens
+erkennen könne. Auch bei vielen bereits vorhandenen Anlagen wird sich
+diese Verbesserung noch nachträglich anbringen lassen.
+
+Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei ihrer
+jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, daß man sie durch Wände von
+Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den Escarpenmauern oder
+auch auf der Contrescarpe anbrächte, ehe sie an die Mauer gelangen:
+allein es würde dann der Artillerie gewiß sehr bald gelingen, die
+Explosion so zu verzögern, daß sie erst stattfände, nachdem die Mauer
+getroffen ist.
+
+
+#ad b.#
+
+_Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der Länge der
+Festungsgräben nach._
+
+Für Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, in meinen
+Beiträgen (Seite 123) bereits ausführlich behandelte, aber leider auch
+bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz sich geltend
+machen, daß man dem Feinde immer so viel als möglich gerade Fronten und
+keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants entgegensetzen müsse,
+vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug verdiene, bei dem die
+Verlängerungen der Gräben so nahe wie möglich der Festung liegen, so daß
+der Feind immer nur erst bei größerer Annäherung in diesen
+Verlängerungen seine indirekten Contrebatterien aufstellen kann.
+
+Demnächst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon häufig
+geschehen ist, in vielen Fällen zweckmäßig an den Saillants angebracht
+werden können.
+
+Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer noch
+anzuwendendes Hülfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien in den
+ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar den Nachtheil,
+daß auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstört werden können,
+ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist immer eine zeitraubende
+Operation, die erst in Anwendung kommen kann, wenn der Feind mit seinen
+Approchen bis an die Glaciscrete gelangt ist.
+
+Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und dergleichen
+vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umständen in
+Anwendung kommen können, obgleich sie großen Einschränkungen aus andern
+Ursachen unterliegt.
+
+Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch für bereits
+fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote ständen, fragte es sich
+immer noch, ob man wegen der Möglichkeit solcher indirekten
+Contrebatterien unter allen Umständen die gewöhnlichen Grabencaponieren
+aufgeben müsse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung ist
+das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen Angriff und
+erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch Grabencaponieren, dann
+muß man sich es schon gefallen lassen, daß im Laufe einer förmlichen
+Belagerung, ein oder zwei Flanken durch indirekten Schuß unbrauchbar
+gemacht werden, was sonst allerdings nur durch direkte in ihrer
+Ausführung und Anwendung viel schwierigere Contrebatterien zu geschehen
+pflegt. Der Feind muß dann immer noch erst den Sturm wagen.
+
+Übrigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der
+Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der
+Breschbatterien, weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer
+zum Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstören; der
+Zustand der Scharten aber von Außen fast gar nicht zu beurtheilen sein
+wird.
+
+Schließlich bemerke ich, daß die von einer Seite vorgeschlagene Erhöhung
+der Wälle und der bedeckten Wege an den Stellen, über welche die
+Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, einerseits
+wegen der dadurch bedingten partiellen Erhöhungen der Feuerlinie nicht
+ausführbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens nur unbedeutend
+vergrößern würde, so daß von diesem Mittel jedenfalls abstrahirt werden
+muß.
+
+
+#ad c.#
+
+_Gegen Reduits._
+
+Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er die vordere
+Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter Linie
+entgegenzusetzen. – Die Anlage von Reduits gilt daher als eine
+wesentliche Verstärkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, indem
+es bei einem solchen kaum denkbar ist, daß nachdem der Feind die vordere
+Vertheidigungslinie überwältigt hat, er noch so viel Kraft besitzen
+sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderniß zu besiegen.
+Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die erste Bedingung ist, den
+Feind zu einem förmlichen Angriff zu nöthigen: so werden auch jetzt noch
+die Reduits diesen Zweck zu erfüllen vollkommen im Stande sein, indem es
+nicht wohl denkbar ist, daß der Feind ohne förmliche Belagerungsarbeiten,
+Batteriebau und dergleichen, ein oder mehrere Reduits sollte außer
+Thätigkeit setzen können.
+
+Gegen den förmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, wenn der
+Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand des
+zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern pflegt.
+
+Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet ist, und
+zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger für die Reduits in den
+Waffenplätzen, muß ich hier wieder auf den oben ausgeführten Satz
+zurückkommen, daß darum ein Vertheidigungsmittel noch nicht zu verwerfen
+ist, weil es der Feind überwältigen kann. Es kommt vielmehr immer darauf
+an, daß der Widerstand, den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch
+im angemessenen Verhältniß stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den
+meisten Reduits der Fall sein, trotz der unverkennbaren großen
+Wirksamkeit des indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie
+werden nach wie vor allen Anlagen eine große Sicherheit gegen den
+gewaltsamen Angriff gewähren und wenn sie diesen Zweck erfüllt haben,
+dann mag immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschuß
+gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch
+diejenigen Schwierigkeiten für den Feind, um solche Breschen benutzen zu
+können, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen
+kennen gelernt haben. –
+
+Daß man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen müsse, ist
+daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den Ergebnissen unserer
+verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann.
+
+Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der Wirksamkeit
+des indirekten Schusses möglichst entziehen müssen. Dies wird geschehen,
+wenn wir
+
+ a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, daß die
+ indirekten Batterien gegen sie in der Verlängerung von Gräben
+ oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden können.
+ Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben als nothwendig
+ hervorgehobene, möglichst frontale Anlage unserer
+ Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in den eingehenden
+ Waffenplätzen werden Traversen Abhülfe gewähren;
+
+ b) wenn wir die Reduits immer so nahe als möglich an die
+ deckenden Brustwehren heranrücken, so daß der Einfallwinkel der
+ feindlichen Geschosse wo möglich größer als 7° wird.
+
+ Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige
+ Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des vorliegenden
+ Walls wird durch leichte Rückenwehren von Brettern, Balken und
+ doppelten Flechtzäunen auf der Contrescarpe oder dem Revers des
+ Wallgangs größtentheils unschädlich gemacht werden können. –
+
+ c) Wenn wir diese Reduits nicht zu groß machen (indem ihre Größe
+ nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr den durch
+ sie gewährten bombensichern Raum uns auf andere Weise
+ beschaffen, indem wir
+
+ d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhältnißmäßig
+ mit geringen Kosten diesen Zweck erfüllen und den Nutzen haben,
+ in unmittelbarster Nähe der Breschen, einer bereitstehenden
+ Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen Action, ein
+ geschütztes Unterkommen zu gewähren; und indem wir
+
+ e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns an
+ Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt
+ werden können, also unter den Wällen der Werke etc.
+
+Hiernach wird es z. B. nach einer vom General Todleben mir angedeuteten
+Idee zulässig sein, hinter den Profilmauern eines größern Werks zwei
+kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem Feuer das Innere des
+vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den indirekten Batterien des
+Feindes mit Erfolg gefaßt werden zu können.
+
+Schließlich bemerke ich noch, daß durch die bisherigen Versuche durchaus
+noch nicht erwiesen ist, daß in größern Reduits (Defensivkasernen) wo
+kein nachstürzender oder dahinter liegender Wall vorhanden ist,
+überhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d. h. eine solche, in
+welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil dürfte dies in
+Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. –
+
+Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, die
+Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaßen über die Wirkungen des
+verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, wenn
+ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschätze. Wir wollen
+nun sehen, ob die gezogenen Geschütze den Festungswerken nicht
+vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und nachtheiliger werden
+können. Ich gehe nämlich über zu dem
+
+
+
+
+B. Demontirschuß.
+
+
+So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches
+Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschützen des Angriffs und der
+Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen:
+
+ a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig
+ ergänzen, der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer
+ gleich von Hause aus Geschütze gegen die Festung aufstellen
+ kann, je eher wird er ein Übergewicht über dieselbe erlangen
+ und behaupten und dies Übergewicht wird bei gezogenen
+ Geschützen an und für sich viel bedeutender und intensiver
+ sein. Daraus folgt
+
+ α) daß das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen die
+ Angriffsartillerie nur durch eine sehr starke
+ Geschütz-Dotirung der Festungen einigermaßen wird erlangt
+ werden können und
+
+ β) daß nur _große_ Festungen noch der feindlichen Artillerie
+ allenfalls gewachsen sein werden, kleine Festungen dagegen
+ jetzt in einer noch viel nachtheiligeren Lage sich der
+ Angriffs-Artillerie gegenüber befinden, als es schon bei dem
+ bisherigen Zustande des Geschützwesens der Fall war. Kleine
+ Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder bedeutend zu
+ erweitern.
+
+Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien in
+Bezug auf den Demontirschuß ist die, daß
+
+ b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung
+ haben wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt
+ und sich auch theoretisch darthun läßt, immer große Vortheile
+ gewährt. Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird
+ man daher stets bedacht sein müssen, sich diesen wesentlichen
+ Vortheil durch hohe Erdwälle (Kavaliere) zu verschaffen.
+ (Vergleiche auch meine Beiträge zur angewandten
+ Befestigungskunst S. 34. Ich habe darum auch bereits oben
+ empfohlen, freiliegende Reduits nicht abzutragen, sondern
+ lieber die vorliegenden Wälle zu erhöhen.)
+
+
+
+
+C. Der Ricochettschuß.
+
+
+Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschuß,
+sondern jeden Schuß oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und
+Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgänge der
+Länge nach über die deckende Brustwehr der anliegenden Face hinweg im
+flachen oder stärkern Bogen geschleudert werden. So weit mir bekannt,
+haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch Shrapnels aus
+glatten Geschützen auf diese Weise gegen offene Wälle angewandt, ganz
+günstige Resultate gegeben, und wenn auch diese Art von Feuer aus
+gezogenen Geschützen und aus großen Entfernungen bisher noch nicht
+ausgebildet worden ist: so steht dies doch für die Folge zu erwarten und
+die Wirkung eines solchen Feuers kann nicht zweifelhaft sein, während
+zugleich eine Erwiederung desselben von Seiten der Festung, indem man
+die Parallelen des Angreifers – wie es auch in der Belagerung von
+Sebastopol versucht wurde – echarpirend beschießt, doch bei Weitem
+nicht ebenso erfolgreich wirken kann.
+
+Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken kein
+anderes Mittel geben, als Vervielfältigung der Traversen, – wie sie
+auch in Sebastopol stattfand – und wo möglich, nachträgliche
+Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, daß
+dieses Mittel der eigentlichen Geschützaufstellung sehr viel Raum
+entzieht und daher ebenfalls nur bei geräumigen Festungen anwendbar, in
+kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausführbar ist – ein
+Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen.
+
+Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach
+hervorgehobene frontale Lage der Wälle dem Angriff gegenüber empfehlen.
+
+
+
+
+D. Der Enfilirschuß.
+
+
+Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen
+Schußarten und flachen Bogenwürfe zusammenfassen, welche, außer den
+bereits gedachten, aus großen Entfernungen gegen die Werke oder das
+Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebäude, nach
+verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhöhten Punkten aus,
+gerichtet werden können.
+
+Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, daß
+Angriffsbatterien auf größern Entfernungen (über 1200 bis 1500 Schritt
+hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die Einführung der
+Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschüttert und wir sehen
+bereits in Sebastopol den Geschützkampf erfolgreich in großen
+Entfernungen eröffnet. Die gezogenen Geschütze werden dies in noch
+höherm Grade geschehen lassen und dominirende Höhen, die bisher
+unbeachtet geblieben sind, werden künftig von großem Einfluß auf die
+Vertheidigung sein. Ich erkenne an, daß dieser Umstand für mehrere von
+unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von großer Bedeutung ist
+– einer größern vielleicht, als der verbesserte Brescheschuß – und es
+wird daher ein Gegenstand von der größten Wichtigkeit sein, daß das
+Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja bis 5000 Schritt untersucht und
+die Haupthöhen desselben durch Nivellements ermittelt und gemessen
+werden, indem, wie schon eine flüchtige Besichtigung zeigt, manche
+bisher unbeachteten Höhen künftig durch Seiten- und Rückenfeuer die
+Vertheidigungsfähigkeit einzelner unserer Werke auf das Nachtheiligste
+beeinträchtigen möchten. Als Gegenmittel gegen diesen Übelstand
+erscheint einerseits die Vervielfältigung von Traversen, andererseits
+die Anlage weit vorgeschobener Werke geboten, beides Maßregeln, die zwar
+mehr oder weniger ausführbar sein werden, unter allen Umständen aber,
+namentlich die Letztere, – die reiflichste Erwägung erfordern, die
+daher den betreffenden Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und
+Festungs-Bau-Direktoren im Verein mit den Artillerie-Offizieren der
+Plätze nur auf’s Angelegentlichste empfohlen werden kann.
+
+In Bezug auf die Sicherung der großen Pulvermagazine gegen das direkte
+und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits eine
+Berichterstattung erfolgt, worüber die höhere Entscheidung abgewartet
+werden muß. –
+
+Es ist nicht zu verkennen, daß die Befestigungskunst – wie es in der
+Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen – sich gegenüber den jetzigen
+wesentlichen Verbesserungen des Geschützwesens und der Feuerwaffen
+überhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen Verbesserungen
+schwer Schritt halten zu können, einerseits, weil die Gegenmaßregeln
+ihrer Natur nach überhaupt erst ermittelt werden müssen und nur nach und
+nach Eingang finden können, andererseits weil die vorhandenen, auf
+hundertjährige Dauer und länger, angelegten Befestigungen diesen
+Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen können und eine Umformung
+derselben nur in viel längern Zeiträumen und mit viel größerem
+Kostenaufwand möglich ist, als z. B. die Umformung der Artillerie, der
+Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher nichts übrig bleiben, als daß
+er diese Neuerungen und Verbesserungen aufmerksam verfolge. – Daß er
+ferner auf’s Reiflichste erwäge, welche Veränderungen die bisherigen
+Begriffe von Defilement, Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil,
+Developpement und Größe der Festungen etc. erleiden werden und erleiden
+müssen, – daß er bemüht sei, danach die alten Befestigungen zu
+verbessern und umzuformen und die neuen von Hause aus anzulegen –
+endlich, daß er sich bewußt werde, welche andere Mittel in seiner
+reichen Rüstkammer als: die Wassergräben, Contrescarpen,
+Reversgallerien, Traversen, Cavaliere und vor Allem die Contreminen, das
+Infanteriefeuer und die active Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen,
+um auch ferner noch den Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als
+Schutzwaffe, aber als eine sehr hülfreiche, ja unentbehrliche,
+erscheinen zu lassen, welche noch immer Hülfs- und Vertheidigungsmittel
+genug besitzt, um nicht, wie Einige vielleicht meinen mögen, schon beim
+ersten Schuß eines gezogenen Feld-Sechspfünders die Vertheidigung der
+Festungen muthlos aufzugeben.
+
+Berlin, den 24. November 1860.
+
+ v. _Prittwitz_,
+ Generallieutenant.
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im
+»Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.«, 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI.
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere
+Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten.
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und
+Ue wurden durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für »etc.« wurde
+durch etc. ersetzt. Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext#
+
+
+Transcriber’s Notes: This article has originally been published in 1861
+in »Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.«, 25th year of publication, volume 49, chapters X and
+XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor
+irregularities in the spelling have been retained.
+
+The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue
+have been replaced by Ä, Ö, Ü. The ligature for "etc." has been replaced
+by etc. Marked-up text has been replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font#
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogene
+ Geschützen, by Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
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+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
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+
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+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
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+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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+The Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenber den gezogenen
+Geschtzen, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Festungen gegenber den gezogenen Geschtzen
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
+
+
+
+
+
+Die Festungen gegenber den gezogenen Geschtzen.
+
+von
+
+Moritz von Prittwitz
+
+
+
+Die neuern Verbesserungen im Geschtzwesen sind zwar dienstlich noch
+nicht verffentlicht worden, aber bereits zur Kenntni so vieler
+preuischen und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mndlich,
+schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: da es an der Zeit
+ist, grndlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der
+Ingenieure die Frage zu errtern, welchen Einflu diese Verbesserungen
+auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausben werden, und
+welche Maregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen sind,
+um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie so
+erfolgreich als mglich entgegenzutreten.
+
+Es kann zuvrderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese
+Verbesserungen an und fr sich leugnen, heruntersetzen oder gering
+schtzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu fest
+und fr die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in diesen
+Verbesserungen zu erwarten als ein Rckschritt.
+
+Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu fhren, in
+wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie, ja dieser
+sogar vielleicht in hherm Grade als der Angriffs-Artillerie zu Gute
+kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung _dieser_ Frage fr
+den vorliegenden Zweck wre: so hat sie doch eben keinen Einflu auf die
+positiven Maregeln, welche die Vertheidigung nunmehr wegen dieser
+Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche den eigentlichen Gegenstand
+der folgenden Bltter bilden.
+
+Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser Hinsicht
+vorauszuschicken, die zur richtigen Wrdigung alles Nachstehenden von
+besondrer Wichtigkeit ist.
+
+Es giebt nmlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches
+es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstrt, unschdlich
+gemacht, berwltigt oder berstiegen werden knnte. Dessenungeachtet
+kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel sein
+und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschchte beim
+Angriff z.B. haben die Kontreminen entschieden von ihrer Wirksamkeit
+verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand nehmen, sie in geeigneten
+Fllen anzuwenden. Ein hnliches Verhltni tritt bei dem Mauerwerk ein,
+wie wir dies spter ausfhrlicher sehen werden. Bei Verbesserungen in
+der Kriegskunst handelt es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen
+immer nur darum: ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit
+dem davon zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhltni stehen? -- bei
+bereits bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mhe und
+Kosten lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden,
+oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande zu
+belassen?
+
+Die Beantwortung dieser Fragen ist nun uerst schwierig, weil es gar
+keinen irgend brauchbaren Maastab giebt, um den Werth und die
+Widerstandsfhigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger
+Zuverlssigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen
+Einsicht, man mchte sagen, dem Gefhl der Beurtheilenden berlassen und
+darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser Art die
+Ansichten Mehrerer bereinstimmen. Man kann deswegen nichts Besseres
+thun, als die pro und contra in ausfhrlicher und unbeschrnkter
+Discussion zu errtern und dann nach bestem Ermessen zu urtheilen oder
+zu entscheiden.
+
+ * * * * *
+
+In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der Verbesserung
+des Geschtzwesens sich ergebenden Vernderungen und Verbesserungen in
+der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir die verschiedenen
+Schuarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen an, die bisher
+und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen worden ist, nmlich mit dem
+Brescheschu.
+
+
+
+
+A. Brescheschu.
+
+
+1. Direkter Brescheschu.
+
+Wir mssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und diejenige
+auf grere Entfernungen.
+
+Wenn die gewhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen sind,
+ist die Breschelegung immer als eine Operation von kurzer Dauer
+angesehen worden, so da die grere Wirksamkeit der gezogenen Geschtze
+hierbei von geringem Einflu auf die Dauer der Belagerungen sein wird.
+
+In lterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine
+unverhltnimige Dicke gegeben, um sie widerstandsfhiger gegen den
+Brescheschu zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals -- am
+Wenigsten bei unsern neuern preuischen Festungs-Bauten geschehen, indem
+man wohl erkannte, da der dadurch zu erzielende Zeitgewinn, mit den
+erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhltni stehe -- (wie dies
+auch bereits in meinen Beitrgen zur angewandten Befestigungskunst S.6.
+ausgesprochen ist). In dieser Beziehung ndert sich also durch die
+Anwendung der gezogenen Geschtze nichts Wesentliches.
+
+Ebenso haben bekanntlich die Englnder bereits vor 50 Jahren im
+spanischen Kriege den direkten Brescheschu bis auf 800 Schritt
+Entfernung mit Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die
+mannigfaltigen Verhandlungen ber diese Art des Brescheschieens nicht
+zu wiederholen. Es wurde schon damals hervorgehoben, da es mit dem
+Brescheschieen allein nicht abgemacht sei; da man vielmehr bis zur
+Bresche approchiren msse -- und da ein ohne gedeckte Annherung
+ausgefhrter Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Auerdem
+vertheidigten sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der
+Entfernung gesehen werden konnten, noch mit groer Energie und wenn auch
+im Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk
+mglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Flle genug
+vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man trotz jener
+allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk dem entfernten
+feindlichen directen Schu auszusetzen:
+
+ entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle
+ berhaupt nicht frchtete;
+
+ oder, weil man durch ein berlegenes Geschtzfeuer die Erbauung
+ und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmglich zu machen
+ hoffte;
+
+ oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu
+ erreichen, namentlich weil es an Platz fehlte, um besser
+ gedeckte Festungswerke aufzufhren, an Stellen, wo es darauf
+ ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen.
+
+Alle diese Verhltnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem
+Unterschiede, da das was sonst auf 800 Schritt ausfhrbar war, jetzt
+auch auf die doppelte und grere Entfernung mglich ist.
+
+Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts gendert. Denn
+sie ergeben, da das Mauerwerk der Kstenforts von dem Feuer der Schiffe
+durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschdigt wurde und wenn
+die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf den Landfronten in einer
+11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen wurden, und der
+Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen solchen Widerstand leistete,
+da seine geringe Besatzung sich nur in Folge einer Kapitulation ergab,
+so kann man unmglich daraus folgern, da fortan die Anwendung des
+Mauerwerks in den Festungen ganz unzulssig sei. Es liegen uns in dieser
+Beziehung auch zwei sehr wichtige und competente Zeugnisse vor.
+
+General Niel sagt nmlich in seiner Belagerung von Sebastopol, S.443:
+
+ Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol
+ haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen, da die
+ Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei der
+ Vertheidigung der Festungen seien.
+
+ Sebastopol, ein groes verschanztes Lager, vertheidigt durch
+ Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Strke
+ von einer Geschtzarmirung, wie man sie nur in einem groen
+ Kriegshafen finden kann, -- und von einer zahlreichen Armee, die
+ immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Ruland
+ behalten hat. Wre die Enceinte mit guten gemauerten Escarpen
+ versehen gewesen, htte man darin Bresche legen und durch enge
+ Zugnge eindringen mssen, hinter denen die Spitzen unserer
+ Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben wrden: _so wre
+ Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung gewesen._
+
+ Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit denen
+ einer gewhnlichen Belagerung und man wird finden, da am 8.
+ September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den grten
+ Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren, welche der
+ Krnung des Glacis vorhergehen. Man war also noch gar nicht in
+ den Bereich der schwierigsten und mrderischsten Arbeiten einer
+ Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung vor, sich
+ darauf einzulassen, da die Grben und Brustwehren der Enceinte
+ nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg gezeigt hat. Die
+ Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr darin, die russische
+ Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung eingerichteten
+ Terrain, als das materielle Hinderni der Befestigung zu
+ berwltigen. Unsere letzten Parallelen waren 30 Meter[1] von
+ den angegriffenen Werken entfernt und man konnte daher sich
+ unerwartet auf den Feind werfen, den das Feuer unserer
+ Artillerie bis zum letzten Augenblick genthigt hatte, Schutz
+ unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wre man mit den
+ Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, wrde man die russische
+ Armee nur veranlat haben, die Initiative des Angriffs zu
+ ergreifen.
+
+ [1] 95-1/2 preu. Fu.
+
+ Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor einer
+ Leiterersteigung geschtzt htten, bte nicht weniger Einflu
+ auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genthigt,
+ fortwhrend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu
+ halten, um einen Angriff zurckzuschlagen, mit dem sie vom
+ Beginn der Belagerung an bedroht waren. --
+
+Ganz bereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene oberste
+englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen Military
+opinions (S.190 bis 196) (ber Erdwerke und die Vertheidigung von
+Sebastopol) aus. Er sagt:
+
+ Es sind krzlich einige irrige Ansichten darber in England in
+ Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht daran [?])
+ da die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptschlich den
+ Vorzgen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und der
+ Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen
+ Ingenieure sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu
+ machen wuten.
+
+ Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft
+ verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glnzenden
+ Vertheidigung von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung
+ gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis fr ein System
+ gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.
+
+ Die Russen waren genthigt, ihre Vertheidigungswerke bei einer
+ unerwarteten Veranlassung rasch auszufhren und sie benutzten
+ dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fllen
+ angewandte Mittel, nmlich Erdwerke -- nicht aus freier Wahl,
+ sondern weil ihnen nichts anderes brig blieb und sie verdienen
+ in dieser Beziehung das grte Lob, -- nicht aber wegen der
+ vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer
+ energischen Vertheidigung, trotz der Schwche und
+ Unvollkommenheit solcher Werke.
+
+ Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, auer seiner
+ groen Kostbarkeit, da es aus der Entfernung in Bresche gelegt
+ werden kann und da die abspringenden Steinstcke den
+ Vertheidigern gefhrlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber
+ man mu sich klar machen, da diese belstnde nicht nothwendig
+ mit gemauerten Werken verbunden sind, da vielmehr, wo diese
+ belstnde vorkommen, dies daher rhrt, da die betreffenden
+ Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localitt so
+ beschrnkt ist, da es fr zweckmigere Anlagen, namentlich fr
+ Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so da blo die
+ Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will man das
+ System der Anwendung von Erdwerken durchaus als eine neuere
+ Verbesserung ansehen, so mu man es mit dem in neuerer Zeit von
+ den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten System
+ vergleichen, da die Brustwehren aus Erde bestehen und da die
+ Escarpen von auen nicht gesehen seien, bis man an den Graben
+ gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei belstnde
+ gehoben.
+
+ Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine
+ senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren
+ mssen. Ist diese Mauer ber 30 Fu hoch und flankirt, dann ist
+ sie ein formidables Hinderni und eine Ersteigung desselben (und
+ etwas anderes bleibt nicht brig, so lange die Mauer nicht
+ zerstrt ist) ein hchst gewagtes Unternehmen, was nur bei
+ vollstndiger berraschung oder groer Schwche des
+ Vertheidigers gelingen kann.
+
+ Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden; aber
+ in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur
+ gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die
+ groe Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der
+ Angreifer findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem
+ Platze nhern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere
+ Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben fr den Sturm
+ doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, whrend Erdwerke auf
+ dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche darstellen.
+
+ Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die Franzosen
+ hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und Opfern, ein
+ Logement 30 Yards[2] von dem Graben der feindlichen Werke sich
+ verschafft. Es steht fest, da die Schwierigkeiten weiter
+ vorzugehen so gro fr sie wurden, da sie nicht nher an den
+ Platz heranrcken konnten, und doch, wre der Platz auf die
+ gewhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen,
+ htten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe
+ anlegen mssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen,
+ welche fr die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der
+ Platz genommen werden konnte, doch nicht gengenden Raum gewhrt
+ haben wrden. Ebenso wre es bei den innern Retranchements
+ gewesen.
+
+ [2] 87-1/3 preu. Fu.
+
+ Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der Regel vor
+ dem feindlichen Geschtzfeuer aus der Entfernung gedeckt werden
+ soll, so giebt es doch Flle, wo man davon absehen mu und auch
+ absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei Kstenbatterien.
+ Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein Felsen, oder schmaler
+ Terrainabschnitt sehr gnstig, um die feindlichen Schiffe
+ abzuhalten, ist aber nur gerade gro genug fr einen grern
+ oder kleinern Thurm. Um aber die nthige Geschtzzahl
+ aufzustellen, mssen mehrere Stockwerke und darum ein hohes
+ Gebude angelegt werden. Solche Gebude haben nun trotz der
+ ihnen anklebenden Mngel, die man auch nach Mglichkeit
+ beseitigen mu, oft eine sehr krftige Wirkung, und es ist
+ durchaus ein Irrthum, da sie durch Feuer von Schiffen so leicht
+ zerstrt und zum Schweigen gebracht werden knnen.
+
+ Aber auch auer den Fllen, wo Mauern dem Feuer der
+ Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch
+ zulssig, ja oft unvermeidlich.
+
+ So kommt es manchmal vor, da ein befestigter Punkt nur
+ Sicherheit gegen einen Handstreich gewhren soll, wie z.B. in
+ allen Fllen, wo die Umstnde nicht gestatten, Geschtz dagegen
+ in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes
+ erfllt ist, sobald der Feind genthigt wird, vielleicht mit
+ groer Schwierigkeit Geschtze dagegen aufzustellen, oder auch
+ zum Schlu der Kehlen der Auenwerke, wo es darauf ankommt, da
+ das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder
+ eingeschossen werden kann. In allen diesen Fllen ist Mauerwerk
+ den Erdwllen vorzuziehen. --
+
+Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten Escarpen
+in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht unntz finden
+und den neuen preuischen Festungsanlagen nur an wenig Stellen den
+Vorwurf machen knnen, Mauerwerk blosgegeben zu haben, wo es besser
+durch Erdwlle gedeckt worden wre. Letzteres findet namentlich bei
+mehrern ltern Thurmforts statt, bei denen es allerdings wnschenswerth
+sein wird, nachtrglich noch entweder auf Verwandlung der gemauerten
+Brustwehren in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Auen gesehenen
+kasernirten Etage Bedacht zu nehmen.
+
+Ich bemerke in letzterer Beziehung, da es da, wo Raum genug vorhanden
+ist und die Hhenverhltnisse es gestatten, wohlfeiler und zweckmiger
+sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten und lieber den
+vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhhen.
+
+Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, wrde demnchst auch zu
+untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten Batterie
+auf Tafel 80 B. meiner Beitrge etc. oder eine hnliche Konstruktion in
+Anwendung kommen knnte, namentlich wenn die Bedeckung der Erdscharten
+mittelst Eisenbahnschienen, sich bewhren sollte, und dadurch die
+Mglichkeit gegeben wre, das ganze Mauerwerk, auch ber den Scharten,
+mit Erde zu decken.[3] Eine Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint
+dagegen nach den auf S.46 meiner Beitrge beschriebenen Versuchen mit
+hlzernen bedeckten Geschtzstnden, nicht rathsam.
+
+ [3] Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei
+ fremdherrlichen Offizieren haben dieselben neuerdings in England
+ Versuchen mit gezogenen Geschtzen von schwerem Kaliber gegen
+ Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr gnstige Resultate
+ ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese vor einer
+ Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal ber einander
+ gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen
+ (wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12' Lnge, 8" Breite, 4"
+ Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen bekleidet. Das
+ Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich. Der Unternehmer (aus
+ Wales) war seiner Sache so sicher, da er sich hinter diese
+ Eisenwand whrend der Versuche stellen zu wollen erklrte. Er
+ behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht mehr, als eine Mauer
+ und war bereit fr die Befestigung von Antwerpen dergleichen
+ Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere Kenntni zu nehmen,
+ gestattete er nicht. Es scheint, da durch die Nuthen und Federn
+ der Sto des Geschosses sich auf die ganze Flche des Eisens
+ vertheilt.
+
+ Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewhren, so steht
+ eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten und wrde darin
+ ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel gegen den Brescheschu
+ gegeben sein.
+
+Ich gehe nunmehr ber zu dem
+
+
+2. indirekten Brescheschu.
+
+Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt, da es
+mglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen kann, aus
+grerer Entfernung durch flache Bogenschsse zu zerstren. (Siehe meine
+Beitrge zur angewandten Befestigungskunst S.88.ff.) Dies Verfahren
+erregte schon damals groes Aufsehen und gab zu vielfachen Discussionen
+Veranlassung, als deren Endergebni sich Folgendes herausstellte:
+
+ a) da dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter
+ Umstnden sehr wohl anwendbar erscheine;
+
+ b) da es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen
+ und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlngerung
+ der auf die letztern treffenden Grben aufstellen kann, mit
+ gutem Erfolge werde gebraucht werden knnen;
+
+ c) da dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige
+ Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschieen
+ aus der Nhe, sonst aber die brigen langwierigen
+ Belagerungsoperationen und Annherungsarbeiten nicht erspart;
+
+ d) da das Brescheschieen aus der Entfernung, auerdem, da die
+ Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig sei, dem
+ Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen will und ihm
+ gestatte, geeignete Gegenmaregeln zu treffen, Abschnitte
+ anzulegen, die Bresche zu unterminiren, und dergleichen, so da
+ dies neue Brescheverfahren nur denjenigen schlechtern Festungen
+ besonders gefhrlich werden wird, bei welchen ein sogenannter
+ beschleunigter Angriff stattfinden kann.
+
+Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge Anwendung
+von gezogenen Geschtzen, hat sich nun in diesen Verhltnissen nichts
+Wesentliches gendert und es steht daher keineswegs zu besorgen, da
+dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle bringen werde, wie
+dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach vorausgesetzt
+wird: denn es verkrzt, wie gesagt, nur _eine_ der verschiedenen
+Angriffsoperationen und zwar in einem Verhltni, das in der
+Wirklichkeit gewi ein ganz anderes und um viele Procente geringeres,
+als das auf unsern Exercierpltzen erzielte sein wird, wo weder das
+Feuer der Festung, noch die Unkenntni der Entfernungen und Wirkungen
+strend influirt.
+
+Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, da, wie Einige
+behaupten, die vergrerte Wirkung der Geschtze auch eine viel
+entferntere Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch
+(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzgern werde, weil
+ich glaube, da die Entfernung der ersten Parallele grtentheils von
+andern Umstnden abhngig ist.
+
+Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung nicht auch
+Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei bereits
+vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens zu vernichten
+oder wenigstens zu ermigen. Um dies besser zu bersehen, mssen wir
+die drei Flle unterscheiden, welche hauptschlich vorkommen knnen,
+nmlich das indirekte Brescheschieen
+
+ a) gegen Escarpenmauern quer ber den Graben,
+
+ b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der Lnge
+ der Festungsgrben nach getroffen werden knnen,
+
+ c) gegen Reduits hinter deckenden Wllen oder Glaciscreten.
+
+
+#ad a.#
+
+_Gegen Escarpen quer ber die Festungsgrben._
+
+Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten Escarpen --
+Wassergrben ausgenommen -- nicht entbehren kann.
+
+Um sie vor dem indirekten Brescheschu zu sichern, wird es vor Allem
+rathsam sein, sie berall mit Contrescarpen zu versehen und demnchst
+die Grben mglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg nicht zu breit
+zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer unter mglichst
+steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7 betrgt, wegen des
+dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung des indirekten
+Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der Sache, schon bedenklich
+macht.
+
+Da die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten, wenigstens
+ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten, durfte
+nach den Jlicher Versuchen als feststehend anzusehen sein.
+
+Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, da auch die Dcher
+der freistehenden Mauern nicht von Auen gesehen werden knnen, damit
+der Feind an denselben nicht die Wirkung seines Brescheschieens
+erkennen knne. Auch bei vielen bereits vorhandenen Anlagen wird sich
+diese Verbesserung noch nachtrglich anbringen lassen.
+
+Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei ihrer
+jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, da man sie durch Wnde von
+Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den Escarpenmauern oder
+auch auf der Contrescarpe anbrchte, ehe sie an die Mauer gelangen:
+allein es wrde dann der Artillerie gewi sehr bald gelingen, die
+Explosion so zu verzgern, da sie erst stattfnde, nachdem die Mauer
+getroffen ist.
+
+
+#ad b.#
+
+_Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der Lnge der
+Festungsgrben nach._
+
+Fr Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte, in meinen
+Beitrgen (Seite 123) bereits ausfhrlich behandelte, aber leider auch
+bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz sich geltend
+machen, da man dem Feinde immer so viel als mglich gerade Fronten und
+keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants entgegensetzen msse,
+vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug verdiene, bei dem die
+Verlngerungen der Grben so nahe wie mglich der Festung liegen, so da
+der Feind immer nur erst bei grerer Annherung in diesen
+Verlngerungen seine indirekten Contrebatterien aufstellen kann.
+
+Demnchst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon hufig
+geschehen ist, in vielen Fllen zweckmig an den Saillants angebracht
+werden knnen.
+
+Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer noch
+anzuwendendes Hlfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien in den
+ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar den Nachtheil,
+da auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstrt werden knnen,
+ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist immer eine zeitraubende
+Operation, die erst in Anwendung kommen kann, wenn der Feind mit seinen
+Approchen bis an die Glaciscrete gelangt ist.
+
+Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und dergleichen
+vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umstnden in
+Anwendung kommen knnen, obgleich sie groen Einschrnkungen aus andern
+Ursachen unterliegt.
+
+Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch fr bereits
+fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote stnden, fragte es sich
+immer noch, ob man wegen der Mglichkeit solcher indirekten
+Contrebatterien unter allen Umstnden die gewhnlichen Grabencaponieren
+aufgeben msse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung ist
+das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen Angriff und
+erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch Grabencaponieren, dann
+mu man sich es schon gefallen lassen, da im Laufe einer frmlichen
+Belagerung, ein oder zwei Flanken durch indirekten Schu unbrauchbar
+gemacht werden, was sonst allerdings nur durch direkte in ihrer
+Ausfhrung und Anwendung viel schwierigere Contrebatterien zu geschehen
+pflegt. Der Feind mu dann immer noch erst den Sturm wagen.
+
+brigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der
+Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der
+Breschbatterien, weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer
+zum Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstren; der
+Zustand der Scharten aber von Auen fast gar nicht zu beurtheilen sein
+wird.
+
+Schlielich bemerke ich, da die von einer Seite vorgeschlagene Erhhung
+der Wlle und der bedeckten Wege an den Stellen, ber welche die
+Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen, einerseits
+wegen der dadurch bedingten partiellen Erhhungen der Feuerlinie nicht
+ausfhrbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens nur unbedeutend
+vergrern wrde, so da von diesem Mittel jedenfalls abstrahirt werden
+mu.
+
+
+#ad c.#
+
+_Gegen Reduits._
+
+Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er die vordere
+Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter Linie
+entgegenzusetzen. -- Die Anlage von Reduits gilt daher als eine
+wesentliche Verstrkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff, indem
+es bei einem solchen kaum denkbar ist, da nachdem der Feind die vordere
+Vertheidigungslinie berwltigt hat, er noch so viel Kraft besitzen
+sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderni zu besiegen.
+Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die erste Bedingung ist, den
+Feind zu einem frmlichen Angriff zu nthigen: so werden auch jetzt noch
+die Reduits diesen Zweck zu erfllen vollkommen im Stande sein, indem es
+nicht wohl denkbar ist, da der Feind ohne frmliche Belagerungsarbeiten,
+Batteriebau und dergleichen, ein oder mehrere Reduits sollte auer
+Thtigkeit setzen knnen.
+
+Gegen den frmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil, wenn der
+Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand des
+zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern pflegt.
+
+Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet ist, und
+zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger fr die Reduits in den
+Waffenpltzen, mu ich hier wieder auf den oben ausgefhrten Satz
+zurckkommen, da darum ein Vertheidigungsmittel noch nicht zu verwerfen
+ist, weil es der Feind berwltigen kann. Es kommt vielmehr immer darauf
+an, da der Widerstand, den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch
+im angemessenen Verhltni stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den
+meisten Reduits der Fall sein, trotz der unverkennbaren groen
+Wirksamkeit des indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie
+werden nach wie vor allen Anlagen eine groe Sicherheit gegen den
+gewaltsamen Angriff gewhren und wenn sie diesen Zweck erfllt haben,
+dann mag immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschu
+gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch
+diejenigen Schwierigkeiten fr den Feind, um solche Breschen benutzen zu
+knnen, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen
+kennen gelernt haben. --
+
+Da man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen msse, ist
+daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den Ergebnissen unserer
+verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann.
+
+Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der Wirksamkeit
+des indirekten Schusses mglichst entziehen mssen. Dies wird geschehen,
+wenn wir
+
+ a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, da die
+ indirekten Batterien gegen sie in der Verlngerung von Grben
+ oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden knnen.
+ Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben als nothwendig
+ hervorgehobene, mglichst frontale Anlage unserer
+ Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in den eingehenden
+ Waffenpltzen werden Traversen Abhlfe gewhren;
+
+ b) wenn wir die Reduits immer so nahe als mglich an die
+ deckenden Brustwehren heranrcken, so da der Einfallwinkel der
+ feindlichen Geschosse wo mglich grer als 7 wird.
+
+ Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige
+ Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des vorliegenden
+ Walls wird durch leichte Rckenwehren von Brettern, Balken und
+ doppelten Flechtzunen auf der Contrescarpe oder dem Revers des
+ Wallgangs grtentheils unschdlich gemacht werden knnen. --
+
+ c) Wenn wir diese Reduits nicht zu gro machen (indem ihre Gre
+ nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr den durch
+ sie gewhrten bombensichern Raum uns auf andere Weise
+ beschaffen, indem wir
+
+ d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhltnimig
+ mit geringen Kosten diesen Zweck erfllen und den Nutzen haben,
+ in unmittelbarster Nhe der Breschen, einer bereitstehenden
+ Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen Action, ein
+ geschtztes Unterkommen zu gewhren; und indem wir
+
+ e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns an
+ Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt
+ werden knnen, also unter den Wllen der Werke etc.
+
+Hiernach wird es z.B. nach einer vom General Todleben mir angedeuteten
+Idee zulssig sein, hinter den Profilmauern eines grern Werks zwei
+kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem Feuer das Innere des
+vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den indirekten Batterien des
+Feindes mit Erfolg gefat werden zu knnen.
+
+Schlielich bemerke ich noch, da durch die bisherigen Versuche durchaus
+noch nicht erwiesen ist, da in grern Reduits (Defensivkasernen) wo
+kein nachstrzender oder dahinter liegender Wall vorhanden ist,
+berhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d.h. eine solche, in
+welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil drfte dies in
+Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. --
+
+Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein, die
+Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaen ber die Wirkungen des
+verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen, wenn
+ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschtze. Wir wollen
+nun sehen, ob die gezogenen Geschtze den Festungswerken nicht
+vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und nachtheiliger werden
+knnen. Ich gehe nmlich ber zu dem
+
+
+
+
+B. Demontirschu.
+
+
+So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches
+Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschtzen des Angriffs und der
+Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen:
+
+ a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig
+ ergnzen, der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer
+ gleich von Hause aus Geschtze gegen die Festung aufstellen
+ kann, je eher wird er ein bergewicht ber dieselbe erlangen
+ und behaupten und dies bergewicht wird bei gezogenen
+ Geschtzen an und fr sich viel bedeutender und intensiver
+ sein. Daraus folgt
+
+ [alpha]) da das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen
+ die Angriffsartillerie nur durch eine sehr starke
+ Geschtz-Dotirung der Festungen einigermaen wird erlangt
+ werden knnen und
+
+ [beta]) da nur _groe_ Festungen noch der feindlichen
+ Artillerie allenfalls gewachsen sein werden, kleine
+ Festungen dagegen jetzt in einer noch viel nachtheiligeren
+ Lage sich der Angriffs-Artillerie gegenber befinden, als es
+ schon bei dem bisherigen Zustande des Geschtzwesens der
+ Fall war. Kleine Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder
+ bedeutend zu erweitern.
+
+Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien in
+Bezug auf den Demontirschu ist die, da
+
+ b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung
+ haben wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt
+ und sich auch theoretisch darthun lt, immer groe Vortheile
+ gewhrt. Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird
+ man daher stets bedacht sein mssen, sich diesen wesentlichen
+ Vortheil durch hohe Erdwlle (Kavaliere) zu verschaffen.
+ (Vergleiche auch meine Beitrge zur angewandten
+ Befestigungskunst S. 34. Ich habe darum auch bereits oben
+ empfohlen, freiliegende Reduits nicht abzutragen, sondern
+ lieber die vorliegenden Wlle zu erhhen.)
+
+
+
+
+C. Der Ricochettschu.
+
+
+Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschu,
+sondern jeden Schu oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und
+Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgnge der
+Lnge nach ber die deckende Brustwehr der anliegenden Face hinweg im
+flachen oder strkern Bogen geschleudert werden. So weit mir bekannt,
+haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch Shrapnels aus
+glatten Geschtzen auf diese Weise gegen offene Wlle angewandt, ganz
+gnstige Resultate gegeben, und wenn auch diese Art von Feuer aus
+gezogenen Geschtzen und aus groen Entfernungen bisher noch nicht
+ausgebildet worden ist: so steht dies doch fr die Folge zu erwarten und
+die Wirkung eines solchen Feuers kann nicht zweifelhaft sein, whrend
+zugleich eine Erwiederung desselben von Seiten der Festung, indem man
+die Parallelen des Angreifers -- wie es auch in der Belagerung von
+Sebastopol versucht wurde -- echarpirend beschiet, doch bei Weitem
+nicht ebenso erfolgreich wirken kann.
+
+Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken kein
+anderes Mittel geben, als Vervielfltigung der Traversen, -- wie sie
+auch in Sebastopol stattfand -- und wo mglich, nachtrgliche
+Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen, da
+dieses Mittel der eigentlichen Geschtzaufstellung sehr viel Raum
+entzieht und daher ebenfalls nur bei gerumigen Festungen anwendbar, in
+kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausfhrbar ist -- ein
+Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen.
+
+Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach
+hervorgehobene frontale Lage der Wlle dem Angriff gegenber empfehlen.
+
+
+
+
+D. Der Enfilirschu.
+
+
+Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen
+Schuarten und flachen Bogenwrfe zusammenfassen, welche, auer den
+bereits gedachten, aus groen Entfernungen gegen die Werke oder das
+Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebude, nach
+verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhhten Punkten aus,
+gerichtet werden knnen.
+
+Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen, da
+Angriffsbatterien auf grern Entfernungen (ber 1200 bis 1500 Schritt
+hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die Einfhrung der
+Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschttert und wir sehen
+bereits in Sebastopol den Geschtzkampf erfolgreich in groen
+Entfernungen erffnet. Die gezogenen Geschtze werden dies in noch
+hherm Grade geschehen lassen und dominirende Hhen, die bisher
+unbeachtet geblieben sind, werden knftig von groem Einflu auf die
+Vertheidigung sein. Ich erkenne an, da dieser Umstand fr mehrere von
+unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von groer Bedeutung ist
+-- einer grern vielleicht, als der verbesserte Brescheschu -- und es
+wird daher ein Gegenstand von der grten Wichtigkeit sein, da das
+Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja bis 5000 Schritt untersucht und
+die Haupthhen desselben durch Nivellements ermittelt und gemessen
+werden, indem, wie schon eine flchtige Besichtigung zeigt, manche
+bisher unbeachteten Hhen knftig durch Seiten- und Rckenfeuer die
+Vertheidigungsfhigkeit einzelner unserer Werke auf das Nachtheiligste
+beeintrchtigen mchten. Als Gegenmittel gegen diesen belstand
+erscheint einerseits die Vervielfltigung von Traversen, andererseits
+die Anlage weit vorgeschobener Werke geboten, beides Maregeln, die zwar
+mehr oder weniger ausfhrbar sein werden, unter allen Umstnden aber,
+namentlich die Letztere, -- die reiflichste Erwgung erfordern, die
+daher den betreffenden Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und
+Festungs-Bau-Direktoren im Verein mit den Artillerie-Offizieren der
+Pltze nur auf's Angelegentlichste empfohlen werden kann.
+
+In Bezug auf die Sicherung der groen Pulvermagazine gegen das direkte
+und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits eine
+Berichterstattung erfolgt, worber die hhere Entscheidung abgewartet
+werden mu. --
+
+Es ist nicht zu verkennen, da die Befestigungskunst -- wie es in der
+Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen -- sich gegenber den jetzigen
+wesentlichen Verbesserungen des Geschtzwesens und der Feuerwaffen
+berhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen Verbesserungen
+schwer Schritt halten zu knnen, einerseits, weil die Gegenmaregeln
+ihrer Natur nach berhaupt erst ermittelt werden mssen und nur nach und
+nach Eingang finden knnen, andererseits weil die vorhandenen, auf
+hundertjhrige Dauer und lnger, angelegten Befestigungen diesen
+Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen knnen und eine Umformung
+derselben nur in viel lngern Zeitrumen und mit viel grerem
+Kostenaufwand mglich ist, als z.B. die Umformung der Artillerie, der
+Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher nichts brig bleiben, als da
+er diese Neuerungen und Verbesserungen aufmerksam verfolge. -- Da er
+ferner auf's Reiflichste erwge, welche Vernderungen die bisherigen
+Begriffe von Defilement, Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil,
+Developpement und Gre der Festungen etc. erleiden werden und erleiden
+mssen, -- da er bemht sei, danach die alten Befestigungen zu
+verbessern und umzuformen und die neuen von Hause aus anzulegen --
+endlich, da er sich bewut werde, welche andere Mittel in seiner
+reichen Rstkammer als: die Wassergrben, Contrescarpen,
+Reversgallerien, Traversen, Cavaliere und vor Allem die Contreminen, das
+Infanteriefeuer und die active Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen,
+um auch ferner noch den Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als
+Schutzwaffe, aber als eine sehr hlfreiche, ja unentbehrliche,
+erscheinen zu lassen, welche noch immer Hlfs- und Vertheidigungsmittel
+genug besitzt, um nicht, wie Einige vielleicht meinen mgen, schon beim
+ersten Schu eines gezogenen Feld-Sechspfnders die Vertheidigung der
+Festungen muthlos aufzugeben.
+
+Berlin, den 24. November 1860.
+
+ v. _Prittwitz_,
+ Generallieutenant.
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im
+Archiv fr die Offiziere der Kniglich Preuischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps., 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI.
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere
+Unregelmigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten.
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und
+Ue wurden durch , , ersetzt. Die Fraktur-Ligatur fr etc. wurde
+durch etc. ersetzt. Textauszeichnungen wurden folgendermaen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext#
+
+
+Transcriber's Notes: This article has originally been published in 1861
+in Archiv fr die Offiziere der Kniglich Preuischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps., 25th year of publication, volume 49, chapters X and
+XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor
+irregularities in the spelling have been retained.
+
+The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue
+have been replaced by , , . The ligature for "etc." has been replaced
+by etc. Marked-up text has been replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font#
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenber den gezogenen
+Geschtzen, by Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+The Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogenen
+Geschützen, by Moritz von Prittwitz
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Die Festungen gegenüber den gezogenen Geschützen
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+Author: Moritz von Prittwitz
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+Release Date: August 22, 2010 [EBook #33491]
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+Language: German
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
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+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
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+<h1><span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span>Die Festungen gegenüber den gezogenen
+Geschützen.</h1>
+
+<p class="writtenby">von</p>
+
+<p class="author">Moritz von Prittwitz</p>
+
+
+<p><span class="dropcap">D</span>ie neuern Verbesserungen im Geschützwesen sind zwar dienstlich noch
+nicht veröffentlicht worden, aber bereits zur Kenntniß so vieler preußischen
+und fremden Militairs gelangt, und so vielfach mündlich,
+schriftlich und in gedruckten Memoiren besprochen: daß es an der Zeit
+ist, gründlich und mit ruhiger Besonnenheit auch von Seiten der Ingenieure
+die Frage zu erörtern, welchen Einfluß diese Verbesserungen
+auf die Konstruction neuer Befestigungsanlagen ausüben werden, und
+welche Maßregeln in unsern bereits fertigen Festungen zu ergreifen
+sind, um den Wirkungen einer solchen verbesserten Angriffsartillerie
+so erfolgreich als möglich entgegenzutreten.</p>
+
+<p>Es kann zuvörderst durchaus nicht davon die Rede sein, diese
+Verbesserungen an und für sich leugnen, heruntersetzen oder gering
+schätzen zu wollen. Dazu stehen die bereits erlangten Resultate zu
+fest und für die Folge ist jedenfalls eher ein weiterer Fortschritt in
+diesen Verbesserungen zu erwarten als ein Rückschritt.</p>
+
+<p>Ebenso wenig kann es hier darauf ankommen, den Nachweis zu
+führen, in wie weit diese Verbesserungen auch der Festungs-Artillerie,
+ja dieser sogar vielleicht in höherm Grade als der Angriffs-Artillerie
+zu Gute kommen werden. Denn so wichtig auch die Beantwortung
+<em class="gesperrt">dieser</em> Frage für den vorliegenden Zweck wäre: so hat sie doch eben
+keinen Einfluß auf die positiven Maßregeln, welche die Vertheidigung
+nunmehr wegen dieser Verbesserungen zu ergreifen hat, und welche
+den eigentlichen Gegenstand der folgenden Blätter bilden.</p>
+
+<p>Es ist jedoch nothwendig, eine allgemeine Bemerkung in dieser
+Hinsicht vorauszuschicken, die zur richtigen Würdigung alles Nachstehenden
+von besondrer Wichtigkeit ist.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span>Es giebt nämlich kein fortifikatorisches Vertheidigungsmittel, welches
+es auch sei, das nicht endlich durch den Feind zerstört, unschädlich
+gemacht, überwältigt oder überstiegen werden könnte. Dessenungeachtet
+kann dasselbe immer noch ein sehr wirksames Vertheidigungsmittel
+sein und bleiben. Seit Anwendung der Druckkugeln und Minenschächte
+beim Angriff z.&nbsp;B. haben die Kontreminen entschieden von
+ihrer Wirksamkeit verloren. Dennoch wird kein Ingenieur Anstand
+nehmen, sie in geeigneten Fällen anzuwenden. Ein ähnliches Verhältniß
+tritt bei dem Mauerwerk ein, wie wir dies später ausführlicher
+sehen werden. Bei Verbesserungen in der Kriegskunst handelt
+es sich also in Bezug auf die Befestigungsanlagen immer nur darum:
+ob die Kosten einer neuen fortifikatorischen Anlage mit dem davon
+zu erzielenden Nutzen im richtigen Verhältniß stehen? – bei bereits
+bestehenden fortifikatorischen Anlagen: ob es der Mühe und Kosten
+lohnt, diese oder jene Summe auf ihre Verbesserung zu verwenden,
+oder ob es vorzuziehen sei, diese Anlagen in ihrem jetzigen Zustande
+zu belassen?</p>
+
+<p>Die Beantwortung dieser Fragen ist nun äußerst schwierig, weil
+es gar keinen irgend brauchbaren Maaßstab giebt, um den Werth und
+die Widerstandsfähigkeit einer fortifikatorischen Anlage nur mit einiger
+Zuverlässigkeit zu messen. Es ist dabei Alles der individuellen Einsicht,
+man möchte sagen, dem Gefühl der Beurtheilenden überlassen
+und darum werden auch niemals bei fortifikatorischen Fragen dieser
+Art die Ansichten Mehrerer übereinstimmen. Man kann deswegen
+nichts Besseres thun, als die pro und contra in ausführlicher und unbeschränkter
+Discussion zu erörtern und dann nach bestem Ermessen
+zu urtheilen oder zu entscheiden.</p>
+
+<div class="tb"><hr /></div>
+
+<p>In Bezug auf die vorliegende Frage werden wir die aus der
+Verbesserung des Geschützwesens sich ergebenden Veränderungen und
+Verbesserungen in der Befestigung am Klarsten erkennen, wenn wir
+die verschiedenen Schußarten einzeln betrachten. Ich fange mit derjenigen
+an, die bisher und in neuester Zeit vorzugsweise besprochen
+worden ist, nämlich mit dem Brescheschuß.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span><a name="A_Brescheschuss" id="A_Brescheschuss"></a>A. Brescheschuß.</h2>
+
+
+<h3>1. Direkter Brescheschuß.</h3>
+
+<p>Wir müssen hier unterscheiden: die Breschelegung auf nahe und
+diejenige auf größere Entfernungen.</p>
+
+<p>Wenn die gewöhnlichen Breschbatterien einmal zum Feuern gekommen
+sind, ist die Breschelegung immer als eine Operation von
+kurzer Dauer angesehen worden, so daß die größere Wirksamkeit der
+gezogenen Geschütze hierbei von geringem Einfluß auf die Dauer der
+Belagerungen sein wird.</p>
+
+<p>In älterer Zeit hat man wohl mitunter den Escarpenmauern eine
+unverhältnißmäßige Dicke gegeben, um sie widerstandsfähiger gegen
+den Brescheschuß zu machen. In neuerer Zeit ist dies aber niemals
+– am Wenigsten bei unsern neuern preußischen Festungs-Bauten geschehen,
+indem man wohl erkannte, daß der dadurch zu erzielende Zeitgewinn,
+mit den erforderlichen Kosten durchaus in keinem Verhältniß
+stehe – (wie dies auch bereits in meinen Beiträgen zur angewandten
+Befestigungskunst S.&nbsp;6. ausgesprochen ist). In dieser Beziehung
+ändert sich also durch die Anwendung der gezogenen Geschütze nichts
+Wesentliches.</p>
+
+<p>Ebenso haben bekanntlich die Engländer bereits vor 50 Jahren im spanischen
+Kriege den direkten Brescheschuß bis auf 800 Schritt Entfernung mit
+Erfolg in Anwendung gebracht. Ich brauche die mannigfaltigen Verhandlungen
+über diese Art des Brescheschießens nicht zu wiederholen. Es
+wurde schon damals hervorgehoben, daß es mit dem Brescheschießen
+allein nicht abgemacht sei; daß man vielmehr bis zur Bresche approchiren
+müsse – und daß ein ohne gedeckte Annäherung ausgeführter
+Sturm stets ein sehr blutiger sein werde. Außerdem vertheidigten
+sich auch diejenigen Festungen, deren Mauern aus der Entfernung gesehen
+werden konnten, noch mit großer Energie und wenn auch im
+Allgemeinen die Nothwendigkeit anerkannt wurde, das Mauerwerk
+möglichst dem feindlichen Feuer zu entziehen, so kamen doch Fälle genug
+vor, (auch bei unsern neuern Festungs-Bauten) in welchen man
+trotz jener allbekannten Erfahrungen keinen Anstand nahm, Mauerwerk
+dem entfernten feindlichen directen Schuß auszusetzen:</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span></p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>entweder, weil man ein Breschelegen an der blosgegebenen Stelle
+überhaupt nicht fürchtete;</p>
+
+<p>oder, weil man durch ein überlegenes Geschützfeuer die Erbauung
+und das Feuer der feindlichen Breschbatterie unmöglich zu
+machen hoffte;</p>
+
+<p>oder endlich, weil es kein anderes Mittel gab, den Zweck zu erreichen,
+namentlich weil es an Platz fehlte, um besser gedeckte
+Festungswerke aufzuführen, an Stellen, wo es darauf
+ankam, gewisse Terraintheile unter Feuer zu nehmen.</p>
+</div>
+
+<p>Alle diese Verhältnisse bestehen auch jetzt noch, nur mit dem Unterschiede,
+daß das was sonst auf 800 Schritt ausführbar war, jetzt
+auch auf die doppelte und größere Entfernung möglich ist.</p>
+
+<p>Auch die Erfahrungen bei Sebastopol haben hierin nichts geändert.
+Denn sie ergeben, daß das Mauerwerk der Küstenforts von dem
+Feuer der Schiffe durchaus nicht auf eine bemerkenswerthe Weise beschädigt
+wurde und wenn die von Weitem gesehenen Mauerwerke auf
+den Landfronten in einer 11monatlichen Belagerung endlich zusammengeschossen
+wurden, und der Malakoff bei dem letzten Sturm noch einen
+solchen Widerstand leistete, daß seine geringe Besatzung sich nur in
+Folge einer Kapitulation ergab, so kann man unmöglich daraus folgern,
+daß fortan die Anwendung des Mauerwerks in den Festungen
+ganz unzulässig sei. Es liegen uns in dieser Beziehung auch zwei
+sehr wichtige und competente Zeugnisse vor.</p>
+
+<p>General Niel sagt nämlich in seiner Belagerung von Sebastopol,
+S.&nbsp;443:</p>
+
+<div class="blockquot"><p>„Betroffen von der langen Dauer der Belagerung von Sebastopol
+haben einige fremde Offiziere die Ansicht ausgesprochen,
+daß die Mauerescarpen von keinem unbestrittenen Nutzen bei
+der Vertheidigung der Festungen seien.“</p>
+
+<p>„Sebastopol, ein großes verschanztes Lager, vertheidigt durch
+Erdbefestigungen von starkem Profil, zog seine vornehmste Stärke
+von einer Geschützarmirung, wie man sie nur in einem großen
+Kriegshafen finden kann, – und von einer zahlreichen Armee,
+die immer ihre freien Verbindungen mit dem Innern von Rußland
+behalten hat. Wäre die Enceinte mit guten gemauerten
+Escarpen versehen gewesen, hätte man darin Bresche legen und
+<span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span>durch enge Zugänge eindringen müssen, hinter denen die Spitzen
+unserer Angriffs-Colonnen eine Armee gefunden haben würden:
+<em class="gesperrt">so wäre Sebastopol eine nicht zu erobernde Festung
+gewesen</em>.“</p>
+
+<p>„Man vergleiche die Angriffsarbeiten vor Sebastopol mit
+denen einer gewöhnlichen Belagerung und man wird finden, daß
+am 8. September, dem Tage des letzten Sturmes, nach den
+größten Anstrengungen nur erst die Cheminements fertig waren,
+welche der Krönung des Glacis vorhergehen. Man war also
+noch gar nicht in den Bereich der schwierigsten und mörderischsten
+Arbeiten einer Belagerung gelangt und es lag auch keine Veranlassung
+vor, sich darauf einzulassen, da die Gräben und Brustwehren
+der Enceinte nicht sturmfrei waren, wie es der Erfolg
+gezeigt hat. Die Schwierigkeit bestand vielmehr eben so sehr
+darin, die russische Armee auf einem seit lange zur Vertheidigung
+eingerichteten Terrain, als das materielle Hinderniß der
+Befestigung zu überwältigen. Unsere letzten Parallelen waren
+30 Meter<a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> von den angegriffenen Werken entfernt und man
+konnte daher sich unerwartet auf den Feind werfen, den das
+Feuer unserer Artillerie bis zum letzten Augenblick genöthigt
+hatte, Schutz unter zahlreichen Blendungen zu suchen. Wäre man
+mit den Angriffsarbeiten weiter vorgegangen, würde man die
+russische Armee nur veranlaßt haben, die Initiative des Angriffs
+zu ergreifen.“</p></div>
+
+<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> 95½ preuß. Fuß.</p></div>
+
+<div class="blockquot"><p>„Das Fehlen der Escarpenmauern, welche den Platz vor
+einer Leiterersteigung geschützt hätten, übte nicht weniger Einfluß
+auf die Vertheidigung aus, denn die Belagerten waren genöthigt,
+fortwährend in den Kehlen ihrer Werke starke Reserven bereit zu
+halten, um einen Angriff zurückzuschlagen, mit dem sie vom Beginn
+der Belagerung an bedroht waren.“ –</p></div>
+
+<p>Ganz übereinstimmend hiermit spricht sich der so kriegserfahrene
+oberste englische Ingenieur-General Sir John Fox Burgoyne in seinen
+„Military opinions“ (S.&nbsp;190 bis 196) (Über Erdwerke und
+die Vertheidigung von Sebastopol) aus. Er sagt:</p>
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span></p>
+<div class="blockquot"><p>„Es sind kürzlich einige irrige Ansichten darüber in England
+in Umlauf gekommen, (denn im Auslande denkt man nicht
+daran [?]) daß die lange Vertheidigung von Sebastopol hauptsächlich
+den Vorzügen der Erdwerke vor gemauerten Werken, und
+der Geschicklichkeit zuzuschreiben ist, mit welcher die russischen Ingenieure
+sich diese vermeintliche Entdeckung zu Nutze zu machen
+wußten.“</p>
+
+<p>„Schon vor einigen Jahren wurde dieser Gegenstand lebhaft
+verhandelt und verfochten, und jetzt, wo bei der glänzenden Vertheidigung
+von Sebastopol dergleichen Erdwerke in Anwendung
+gekommen sind, soll daraus ein siegreicher Beweis für ein System
+gezogen werden, was damit durchaus in keiner Verbindung steht.“</p>
+
+<p>„Die Russen waren genöthigt, ihre Vertheidigungswerke bei
+einer unerwarteten Veranlassung rasch auszuführen und sie benutzten
+dazu das seit unvordenklichen Zeiten in solchen Fällen angewandte
+Mittel, nämlich Erdwerke – nicht aus freier Wahl,
+sondern weil ihnen nichts anderes übrig blieb und sie verdienen
+in dieser Beziehung das größte Lob, – nicht aber wegen der
+vorurtheilsfreien Anwendung von Erdwerken, sondern wegen ihrer
+energischen Vertheidigung, trotz der Schwäche und Unvollkommenheit
+solcher Werke.“</p>
+
+<p>„Die Hauptargumente gegen das Mauerwerk sind, außer
+seiner großen Kostbarkeit, daß es aus der Entfernung in Bresche
+gelegt werden kann und daß die abspringenden Steinstücke den
+Vertheidigern gefährlicher sind, als Voll- und Hohlkugeln. Aber
+man muß sich klar machen, daß diese Übelstände nicht nothwendig
+mit gemauerten Werken verbunden sind, daß vielmehr, wo
+diese Übelstände vorkommen, dies daher rührt, daß die betreffenden
+Festungsanlagen von sehr altem Datum sind, oder die Localität
+so beschränkt ist, daß es für zweckmäßigere Anlagen, namentlich
+für Senkung des Mauerwerks unter den Horizont, so daß
+bloß die Brustwehr zu sehen ist, an Platz mangelt. Denn will
+man das System der Anwendung von Erdwerken durchaus als
+eine neuere Verbesserung ansehen, so muß man es mit dem in
+neuerer Zeit von den Ingenieuren immer als Regel aufgestellten
+System vergleichen, daß die Brustwehren aus Erde bestehen und
+<span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span>daß die Escarpen von außen nicht gesehen seien, bis man an
+den Graben gelangt. Hierdurch werden die oben gedachten zwei
+Übelstände gehoben.“</p>
+
+<p>„Eine der wesentlichsten Vertheidigungsmittel ist immer eine
+senkrechte Wand oder Mauer, welche die Angreifer passiren müssen.
+Ist diese Mauer über 30 Fuß hoch und flankirt, dann ist sie ein
+formidables Hinderniß und eine Ersteigung desselben (und etwas
+anderes bleibt nicht übrig, so lange die Mauer nicht zerstört
+ist) ein höchst gewagtes Unternehmen, was nur bei vollständiger
+Überraschung oder großer Schwäche des Vertheidigers gelingen
+kann.“</p>
+
+<p>„Daraus folgt die Nothwendigkeit, eine Bresche zu bilden;
+aber in solche gute gedeckte Werke kann die Bresche (direkt) nur
+gelegt werden, mittelst Batterien auf der Contrescarpe und die
+große Zunahme der Schwierigkeiten ist bekannt, welche der Angreifer
+findet, je mehr sich seine Approchen und Batterien dem
+Platze nähern. Und wenn denn auch wirklich eine oder mehrere
+Breschen zu Stande gekommen sind, haben dieselben für den
+Sturm doch nur immer eine begrenzte Ausdehnung, während
+Erdwerke auf dem ganzen Umkreis des Platzes eine solche Bresche
+darstellen.“</p>
+
+<p>„Wenden wir das Vorstehende auf Sebastopol an. Die
+Franzosen hatten endlich nach ungeheueren Anstrengungen und
+Opfern, ein Logement 30 Yards<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> von dem Graben der feindlichen
+Werke sich verschafft. Es steht fest, daß die Schwierigkeiten
+weiter vorzugehen so groß für sie wurden, daß sie nicht näher an
+den Platz heranrücken konnten, und doch, wäre der Platz auf die
+gewöhnliche Weise mit permanenten Werken befestigt gewesen,
+hätten sie nothwendig Breschbatterien auf der Contrescarpe anlegen
+müssen, um Breschen von einiger Ausdehnung zu erlangen,
+welche für die starken Angriffskolonnen, durch welche allein der
+Platz genommen werden konnte, doch nicht genügenden Raum gewährt
+haben würden. Ebenso wäre es bei den innern Retranchements
+gewesen.“</p></div>
+
+<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_2_2" id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> 87⅓ preuß. Fuß.</p></div>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span></p>
+<div class="blockquot"><p>„Obgleich bei Befestigungsanlagen das Mauerwerk in der
+Regel vor dem feindlichen Geschützfeuer aus der Entfernung gedeckt
+werden soll, so giebt es doch Fälle, wo man davon absehen
+muß und auch absehen kann. Namentlich ist dies der Fall bei
+Küstenbatterien. Denn manchmal liegt eine kleine Insel, ein
+Felsen, oder schmaler Terrainabschnitt sehr günstig, um die feindlichen
+Schiffe abzuhalten, ist aber nur gerade groß genug für
+einen größern oder kleinern Thurm. Um aber die nöthige Geschützzahl
+aufzustellen, müssen mehrere Stockwerke und darum ein
+hohes Gebäude angelegt werden. Solche Gebäude haben nun
+trotz der ihnen anklebenden Mängel, die man auch nach Möglichkeit
+beseitigen muß, oft eine sehr kräftige Wirkung, und es ist
+durchaus ein Irrthum, daß sie durch Feuer von Schiffen so leicht
+zerstört und zum Schweigen gebracht werden können.“</p>
+
+<p>„Aber auch außer den Fällen, wo Mauern dem Feuer der
+Schiffs-Artillerie ausgesetzt werden, sind sie auch sonst noch zulässig,
+ja oft unvermeidlich.“</p>
+
+<p>„So kommt es manchmal vor, daß ein befestigter Punkt nur
+Sicherheit gegen einen Handstreich gewähren soll, wie z.&nbsp;B. in
+allen Fällen, wo die Umstände nicht gestatten, Geschütz dagegen
+in Anwendung zu bringen. Ebenso wenn der Zweck des Werkes
+erfüllt ist, sobald der Feind genöthigt wird, vielleicht mit großer
+Schwierigkeit Geschütze dagegen aufzustellen, oder auch zum
+Schluß der Kehlen der Außenwerke, wo es darauf ankommt, daß
+das Mauerwerk von unserer eigenen Artillerie wieder eingeschossen
+werden kann. In allen diesen Fällen ist Mauerwerk den Erdwällen
+vorzuziehen.“ –</p></div>
+
+<p>Nach solchen Zeugnissen wird man die Anwendung von gemauerten
+Escarpen in den Festungen auch jetzt noch gerechtfertigt und nicht
+unnütz finden und den neuen preußischen Festungsanlagen nur an wenig
+Stellen den Vorwurf machen können, Mauerwerk blosgegeben zu
+haben, wo es besser durch Erdwälle gedeckt worden wäre. Letzteres
+findet namentlich bei mehrern ältern Thurmforts statt, bei denen es
+allerdings wünschenswerth sein wird, nachträglich noch
+<span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span>entweder auf Verwandlung der gemauerten Brustwehren
+in Erdbrustwehren, oder auf Deckung der von Außen gesehenen
+kasernirten Etage
+Bedacht zu nehmen.</p>
+
+<p>Ich bemerke in letzterer Beziehung, daß es da, wo Raum genug
+vorhanden ist und die Höhenverhältnisse es gestatten, wohlfeiler und
+zweckmäßiger sein wird, die obere kasemattirte Etage beizubehalten
+und lieber den vorliegenden deckenden Wall cavalierartig zu erhöhen.</p>
+
+<p>Bei einem Umbau oder Neubau solcher Kasematten, würde demnächst
+auch zu untersuchen sein, ob nicht die Konstruktion der kasemattirten
+Batterie auf Tafel 80&nbsp;B. meiner Beiträge etc. oder eine
+ähnliche Konstruktion in Anwendung kommen könnte, namentlich wenn
+die Bedeckung der Erdscharten mittelst Eisenbahnschienen, sich bewähren
+sollte, und dadurch die Möglichkeit gegeben wäre, das ganze
+Mauerwerk, auch über den Scharten, mit Erde zu decken.<a name="FNanchor_3_3" id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> Eine
+Eindeckung der Scharten mit Balken erscheint dagegen nach den auf
+<span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span>S.&nbsp;46 meiner Beiträge beschriebenen Versuchen mit hölzernen bedeckten
+Geschützständen, nicht rathsam.</p>
+
+<div class="footnote"><p class="noindent"><a name="Footnote_3_3" id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Nach einer mir gewordnen Mittheilung von zwei fremdherrlichen
+Offizieren haben dieselben neuerdings in England Versuchen
+mit gezogenen Geschützen von schwerem Kaliber gegen
+Bekleidungen von Eisen beigewohnt, welche sehr günstige Resultate
+ergaben. So weit sie beobachten konnten, bestand diese
+vor einer Mauer angebrachte Bekleidung aus horizontal über
+einander gelegten, mit einer Nuthe und Feder versehenen, Eisenschienen
+(wahrscheinlich Puddlingsstahl) von 12′ Länge, 8″ Breite,
+4″ Dicke. Die Schartenwangen waren ebenfalls mit Eisen
+bekleidet. Das Mauerwerk zeigte sich als ganz entbehrlich.
+Der Unternehmer (aus Wales) war seiner Sache so sicher, daß
+er sich hinter diese Eisenwand während der Versuche stellen zu
+wollen erklärte. Er behauptete, eine solche Eisenwand koste nicht
+mehr, als eine Mauer und war bereit für die Befestigung von
+Antwerpen dergleichen Eisenbekleidungen zu liefern. Genauere
+Kenntniß zu nehmen, gestattete er nicht. Es scheint, daß durch
+die Nuthen und Federn der Stoß des Geschosses sich auf die
+ganze Fläche des Eisens vertheilt.</p>
+
+<p>Sollte sich eine derartige Benutzung des Eisens bewähren,
+so steht eine ausgedehntere Anwendung desselben zu erwarten
+und würde darin ein ganz wesentliches Vertheidigungsmittel
+gegen den Brescheschuß gegeben sein.</p></div>
+
+<p>Ich gehe nunmehr über zu dem</p>
+
+
+<h3>2. indirekten Brescheschuß.</h3>
+
+<p>Schon im Jahre 1824 hatten die Woolwicher Versuche gezeigt,
+daß es möglich sei, Festungsmauern, auch wenn man sie nicht sehen
+kann, aus größerer Entfernung durch flache Bogenschüsse zu zerstören.
+(Siehe meine Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S.&nbsp;88.&nbsp;ff.)
+Dies Verfahren erregte schon damals großes Aufsehen und gab zu
+vielfachen Discussionen Veranlassung, als deren Endergebniß sich
+Folgendes herausstellte:</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>a) daß dies indirekte Brescheverfahren allerdings unter Umständen
+sehr wohl anwendbar erscheine;</p>
+
+<p>b) daß es namentlich auch gegen alle kasemattirte Flankirungen
+und flankirende Linien, wenn der Feind sich in die Verlängerung
+der auf die letztern treffenden Gräben aufstellen kann,
+mit gutem Erfolge werde gebraucht werden können;</p>
+
+<p>c) daß dieses neue Verfahren zwar die meist sehr schwierige
+Erbauung der Contre- und Breschbatterien und das Brescheschießen
+aus der Nähe, sonst aber die übrigen langwierigen
+Belagerungsoperationen und Annäherungsarbeiten nicht
+erspart;</p>
+
+<p>d) daß das Brescheschießen aus der Entfernung, außerdem, daß
+die Beurtheilung der Gangbarkeit der Bresche sehr schwierig
+sei, dem Vertheidiger den Punkt bezeichne, wo man eindringen
+will und ihm gestatte, geeignete Gegenmaßregeln zu
+treffen, Abschnitte anzulegen, die Bresche zu unterminiren,
+und dergleichen, so daß dies neue Brescheverfahren nur denjenigen
+schlechtern Festungen besonders gefährlich werden
+wird, bei welchen ein sogenannter beschleunigter Angriff
+stattfinden kann.</p>
+</div>
+
+<p>Durch die neuern Verbesserungen in diesem Verfahren, in Folge
+Anwendung von gezogenen Geschützen, hat sich nun in diesen Verhältnissen
+nichts Wesentliches geändert und es steht daher keineswegs
+<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span>zu besorgen, daß dasselbe die Festungen so ohne Weiteres zum Falle
+bringen werde, wie dies, namentlich von artilleristischer Seite, mehrfach
+vorausgesetzt wird: denn es verkürzt, wie gesagt, nur <em class="gesperrt">eine</em> der
+verschiedenen Angriffsoperationen und zwar in einem Verhältniß,
+das in der Wirklichkeit gewiß ein ganz anderes und um viele Procente
+geringeres, als das auf unsern Exercierplätzen erzielte sein wird,
+wo weder das Feuer der Festung, noch die Unkenntniß der Entfernungen
+und Wirkungen störend influirt.</p>
+
+<p>Ich will nicht einmal ein Gewicht darauf legen, daß, wie Einige
+behaupten, die vergrößerte Wirkung der Geschütze auch eine viel entferntere
+Anlage der ersten Parallele nothwendig machen und dadurch
+(wie bei Sebastopol) den feindlichen Angriff sehr verzögern werde,
+weil ich glaube, daß die Entfernung der ersten Parallele größtentheils
+von andern Umständen abhängig ist.</p>
+
+<p>Es kommt nun darauf an, zu untersuchen, ob die Vertheidigung
+nicht auch Mittel hat, sowohl bei neuanzulegenden Festungen, als bei
+bereits vorhandenen, die Wirkung des in Rede stehenden Verfahrens
+zu vernichten oder wenigstens zu ermäßigen. Um dies besser zu übersehen,
+müssen wir die drei Fälle unterscheiden, welche hauptsächlich
+vorkommen können, nämlich das indirekte Brescheschießen</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>a) gegen Escarpenmauern quer über den Graben,</p>
+
+<p>b) gegen Flankenkasematten und flankirende Linien, die der
+Länge der Festungsgräben nach getroffen werden können,</p>
+
+<p>c) gegen Reduits hinter deckenden Wällen oder Glaciscreten.</p>
+</div>
+
+
+<h4><em class="antiqua">ad a.</em><br />
+
+<em class="gesperrt">Gegen Escarpen quer über die Festungsgräben.</em></h4>
+
+<p>Wir haben schon oben gesehen, warum man die gemauerten
+Escarpen – Wassergräben ausgenommen – nicht entbehren kann.</p>
+
+<p>Um sie vor dem indirekten Brescheschuß zu sichern, wird es vor
+Allem rathsam sein, sie überall mit Contrescarpen zu versehen und
+demnächst die Gräben möglichst eng und tief, auch den bedeckten Weg
+nicht zu breit zu machen, damit die einfallenden Geschosse die Mauer
+unter möglichst steilem Winkel treffen, der, wenn er mehr als 7° beträgt,
+<span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span>wegen des dann erforderlichen Munitionsaufwandes die Anwendung
+des indirekten Brescheschusses nach dem jetzigen Stande der
+Sache, schon bedenklich macht.</p>
+
+<p>Daß die freistehenden Mauern bei wesentlich geringern Kosten,
+wenigstens ebenso gut widerstehen, als Futtermauern und Dechargenkasematten,
+durfte nach den Jülicher Versuchen als feststehend anzusehen
+sein.</p>
+
+<p>Sehr zu beachten wird es bei Neuanlagen ferner sein, daß auch
+die Dächer der freistehenden Mauern nicht von Außen gesehen werden
+können, damit der Feind an denselben nicht die Wirkung seines
+Brescheschießens erkennen könne. Auch bei vielen bereits vorhandenen
+Anlagen wird sich diese Verbesserung noch nachträglich anbringen
+lassen.</p>
+
+<p>Es ist davon die Rede gewesen, die Wirkung der Geschosse bei
+ihrer jetzigen Einrichtung dadurch zu paralisiren, daß man sie durch
+Wände von Balken, Brettern oder Flechtwerk, die man vor den
+Escarpenmauern oder auch auf der Contrescarpe anbrächte, ehe sie an
+die Mauer gelangen: allein es würde dann der Artillerie gewiß sehr
+bald gelingen, die Explosion so zu verzögern, daß sie erst stattfände,
+nachdem die Mauer getroffen ist.</p>
+
+
+<h4><em class="antiqua">ad b.</em><br />
+
+<em class="gesperrt">Gegen kasemattirte Flanken und flankirende Linien, der
+Länge der Festungsgräben nach.</em></h4>
+
+<p>Für Neuanlagen wird in Folge dessen der seit lange anerkannte,
+in meinen Beiträgen (Seite 123) bereits ausführlich behandelte, aber
+leider auch bei unsern Neuanlagen sehr wenig beachtete Grundsatz
+sich geltend machen, daß man dem Feinde immer so viel als möglich
+gerade Fronten und keine Saillants, am wenigsten spitze Saillants
+entgegensetzen müsse, vielmehr das Polygonaltracee immer den Vorzug
+verdiene, bei dem die Verlängerungen der Gräben so nahe wie
+möglich der Festung liegen, so daß der Feind immer nur erst bei größerer
+Annäherung in diesen Verlängerungen seine indirekten Contrebatterien
+aufstellen kann.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span>Demnächst werden die Grabencaponieren, wie es auch schon häufig
+geschehen ist, in vielen Fällen zweckmäßig an den Saillants angebracht
+werden können.</p>
+
+<p>Ein drittes sehr wirksames auch bei fertigen Festungen fast immer
+noch anzuwendendes Hülfsmittel sind Reverskasematten und Gallerien
+in den ausspringenden Winkeln der Contrescarpe. Sie haben zwar
+den Nachtheil, daß auch sie durch die feindlichen Angriffsminen zerstört
+werden können, ehe sie in Wirksamkeit treten. Allein dies ist
+immer eine zeitraubende Operation, die erst in Anwendung kommen
+kann, wenn der Feind mit seinen Approchen bis an die Glaciscrete
+gelangt ist.</p>
+
+<p>Die Anwendung von Erdmasken, halben Koffers, Diamants und
+dergleichen vor den flankirenden Batterien wird ebenfalls unter Umständen
+in Anwendung kommen können, obgleich sie großen Einschränkungen
+aus andern Ursachen unterliegt.</p>
+
+<p>Aber selbst wenn uns diese einfachen und wirksamen, auch für bereits
+fertige Werke anwendbare Mittel nicht zu Gebote ständen, fragte
+es sich immer noch, ob man wegen der Möglichkeit solcher indirekten
+Contrebatterien unter allen Umständen die gewöhnlichen Grabencaponieren
+aufgeben müsse? Ich glaube es nicht. Eine gute Grabenvertheidigung
+ist das wichtigste Sicherungsmittel gegen einen gewaltsamen
+Angriff und erreicht man diesen Zweck am Einfachsten durch
+Grabencaponieren, dann muß man sich es schon gefallen lassen, daß
+im Laufe einer förmlichen Belagerung, ein oder zwei Flanken durch
+indirekten Schuß unbrauchbar gemacht werden, was sonst allerdings
+nur durch direkte in ihrer Ausführung und Anwendung viel schwierigere
+Contrebatterien zu geschehen pflegt. Der Feind muß dann immer
+noch erst den Sturm wagen.</p>
+
+<p>Übrigens wird die Wirkung der indirekten Contrebatterien in der
+Wirklichkeit, noch schwerer zu beurtheilen sein, als die der Breschbatterien,
+weil ihr Zweck nicht der ist, die ganze Escarpenmauer zum
+Einsturz zu bringen, sondern blos die Scharten zu zerstören; der Zustand
+der Scharten aber von Außen fast gar nicht zu beurtheilen
+sein wird.</p>
+
+<p>Schließlich bemerke ich, daß die von einer Seite vorgeschlagene
+Erhöhung der Wälle und der bedeckten Wege an den Stellen, über
+<span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span>welche die Geschosse der indirekten Contrebatterien hinwegstreichen,
+einerseits wegen der dadurch bedingten partiellen Erhöhungen der
+Feuerlinie nicht ausführbar sein, andernseits den Einfallswinkel meistens
+nur unbedeutend vergrößern würde, so daß von diesem Mittel
+jedenfalls abstrahirt werden muß.</p>
+
+
+<h4><em class="antiqua">ad c.</em><br />
+
+<em class="gesperrt">Gegen Reduits.</em></h4>
+
+<p>Der Zweck der Reduits ist immer der, dem Feinde, nachdem er
+die vordere Linie genommen hat, noch einen Widerstand in zweiter
+Linie entgegenzusetzen. – Die Anlage von Reduits gilt daher als
+eine wesentliche Verstärkung, namentlich gegen den gewaltsamen Angriff,
+indem es bei einem solchen kaum denkbar ist, daß nachdem der
+Feind die vordere Vertheidigungslinie überwältigt hat, er noch so viel
+Kraft besitzen sollte, auch noch in demselben Anlauf das zweite Hinderniß
+zu besiegen. Da nun bei allen Befestigungsanlagen es die
+erste Bedingung ist, den Feind zu einem förmlichen Angriff zu nöthigen:
+so werden auch jetzt noch die Reduits diesen Zweck zu erfüllen
+vollkommen im Stande sein, indem es nicht wohl denkbar ist, daß der
+Feind ohne förmliche Belagerungsarbeiten, Batteriebau und dergleichen,
+ein oder mehrere Reduits sollte außer Thätigkeit setzen können.</p>
+
+<p>Gegen den förmlichen Angriff leisten die Reduits weniger, weil,
+wenn der Angreifer erst die vordere Linie genommen hat, der Widerstand
+des zweiten Hindernisses meist nicht mehr lange zu dauern
+pflegt.</p>
+
+<p>Nachdem hiermit das Wesen der Reduits im Allgemeinen angedeutet
+ist, und zwar gilt das eben Gesagte auch mehr oder weniger
+für die Reduits in den Waffenplätzen, muß ich hier wieder auf den
+oben ausgeführten Satz zurückkommen, daß darum ein Vertheidigungsmittel
+noch nicht zu verwerfen ist, weil es der Feind überwältigen
+kann. Es kommt vielmehr immer darauf an, daß der Widerstand,
+den es zu leisten vermag, mit seinen Kosten noch im angemessenen
+Verhältniß stehe. Und dies wird auch jetzt noch bei den meisten Reduits
+der Fall sein, trotz der unverkennbaren großen Wirksamkeit des
+indirekten Brescheschusses gegen dieselben: denn sie werden nach wie
+<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span>vor allen Anlagen eine große Sicherheit gegen den gewaltsamen Angriff
+gewähren und wenn sie diesen Zweck erfüllt haben, dann mag
+immer eins und das andere von ihnen dem indirekten Brescheschuß
+gleich beim Beginn der Belagerung unterliegen, wobei immer noch
+diejenigen Schwierigkeiten für den Feind, um solche Breschen benutzen
+zu können, bestehen, die wir schon eben bei den Escarpen im Allgemeinen
+kennen gelernt haben. –</p>
+
+<p>Daß man die Reduits ganz aufgeben und gar keine mehr anlegen
+müsse, ist daher eine Folgerung, die meines Erachtens aus den
+Ergebnissen unserer verbesserten Artillerie nicht gezogen werden kann.</p>
+
+<p>Allerdings werden wir bei der Neuanlage von Reduits sie der
+Wirksamkeit des indirekten Schusses möglichst entziehen müssen. Dies
+wird geschehen, wenn wir</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>a) diesen Reduits niemals eine solche Lage geben, daß die indirekten
+Batterien gegen sie in der Verlängerung von Gräben
+oder Linien des bedeckten Weges aufgestellt werden
+können. Hierzu wird wesentlich beitragen die schon oben
+als nothwendig hervorgehobene, möglichst frontale Anlage
+unserer Befestigungs-Linien. Bei vorhandenen Reduits in
+den eingehenden Waffenplätzen werden Traversen Abhülfe
+gewähren;</p>
+
+<p>b) wenn wir die Reduits immer so nahe als möglich an die
+deckenden Brustwehren heranrücken, so daß der Einfallwinkel
+der feindlichen Geschosse wo möglich größer als 7° wird.</p>
+
+<p class="itemcont">Die einer solchen Lage zum Vorwurf gemachte nachtheilige
+Wirkung der Steinsplitter auf die Vertheidiger des
+vorliegenden Walls wird durch leichte Rückenwehren von
+Brettern, Balken und doppelten Flechtzäunen auf der
+Contrescarpe oder dem Revers des Wallgangs größtentheils
+unschädlich gemacht werden können. –</p>
+
+<p>c) Wenn wir diese Reduits nicht zu groß machen (indem ihre
+Größe nicht ihrer Wirksamkeit proportional ist) vielmehr
+den durch sie gewährten bombensichern Raum uns auf andere
+Weise beschaffen, indem wir</p>
+
+<p>d) namentlich die Hohltraversen vermehren, welche verhältnißmäßig
+mit geringen Kosten diesen Zweck erfüllen und den
+<span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span>Nutzen haben, in unmittelbarster Nähe der Breschen, einer
+bereitstehenden Truppe bis zum Augenblicke der wirklichen
+Action, ein geschütztes Unterkommen zu gewähren; und indem wir</p>
+
+<p>e) einen Theil des erforderlichen bombensicheren Raums uns
+an Stellen schaffen, die vom feindlichen Feuer nicht beunruhigt
+werden können, also unter den Wällen der Werke etc.</p>
+</div>
+
+<p>Hiernach wird es z.&nbsp;B. nach einer vom General Todleben mir
+angedeuteten Idee zulässig sein, hinter den Profilmauern eines größern
+Werks zwei kleine Reduits anzubringen, die mit kreuzendem
+Feuer das Innere des vorliegenden Werks bestreichen, ohne von den
+indirekten Batterien des Feindes mit Erfolg gefaßt werden zu
+können.</p>
+
+<p>Schließlich bemerke ich noch, daß durch die bisherigen Versuche
+durchaus noch nicht erwiesen ist, daß in größern Reduits (Defensivkasernen)
+wo kein nachstürzender oder dahinter liegender Wall vorhanden
+ist, überhaupt eine brauchbare Bresche zu erlangen sei, d.&nbsp;h.
+eine solche, in welcher man sich festsetzen kann. Im Gegentheil dürfte
+dies in Ermangelung eines Erdwalls sehr schwierig sein. –</p>
+
+<p>Ich glaube, das Vorstehende wird wenigstens im Stande sein,
+die Ingenieure und Festungsvertheidiger einigermaßen über die Wirkungen
+des verbesserten direkten und indirekten Brescheschusses zu beruhigen,
+wenn ich auch die Wichtigkeit desselben keineswegs unterschätze.
+Wir wollen nun sehen, ob die gezogenen Geschütze den Festungswerken
+nicht vielleicht auf andere Weise ebenso nachtheilig und
+nachtheiliger werden können. Ich gehe nämlich über zu dem</p>
+
+
+
+
+<h2><a name="B_Demontirschuss" id="B_Demontirschuss"></a>B. Demontirschuß.</h2>
+
+
+<p>So weit ich die Sache zu beurtheilen vermag, wird hier ein ziemliches
+Gleichgewicht zwischen den gezogenen Geschützen des Angriffs
+und der Vertheidigung stattfinden, mit folgenden Modifikationen:</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>a) Der Angreifer kann seine demontirte Artillerie beliebig ergänzen,
+der Vertheidiger nicht. Je mehr daher der Angreifer gleich von
+Hause aus Geschütze gegen die Festung aufstellen kann, je eher
+wird er ein Übergewicht über dieselbe erlangen und behaupten
+<span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span>und dies Übergewicht wird bei gezogenen Geschützen an und für
+sich viel bedeutender und intensiver sein. Daraus folgt</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p><i>α)</i> daß das Gleichgewicht der Festungsartillerie gegen die Angriffsartillerie
+nur durch eine sehr starke Geschütz-Dotirung
+der Festungen einigermaßen wird erlangt werden können und</p>
+
+<p><i>β)</i> daß nur <em class="gesperrt">große</em> Festungen noch der feindlichen Artillerie
+allenfalls gewachsen sein werden, kleine Festungen dagegen
+jetzt in einer noch viel nachtheiligeren Lage sich der Angriffs-Artillerie
+gegenüber befinden, als es schon bei dem bisherigen
+Zustande des Geschützwesens der Fall war. Kleine
+Festungen sind daher ganz aufzugeben, oder bedeutend zu
+erweitern.</p></div>
+</div>
+
+<p>Die zweite Modifikation in jenem Gleichgewicht beider Artillerien
+in Bezug auf den Demontirschuß ist die, daß</p>
+
+<div class="listlevel">
+<p>b) der Vertheidiger in der Regel eine dominirende Aufstellung haben
+wird, die, wie die Geschichte aller Belagerungen lehrt und sich
+auch theoretisch darthun läßt, immer große Vortheile gewährt.
+Bei Anlage oder Verbesserung von Festungswerken wird man
+daher stets bedacht sein müssen, sich diesen wesentlichen Vortheil
+durch hohe Erdwälle (Kavaliere) zu verschaffen. (Vergleiche auch
+meine Beiträge zur angewandten Befestigungskunst S.&nbsp;34. Ich
+habe darum auch bereits oben empfohlen, freiliegende Reduits
+nicht abzutragen, sondern lieber die vorliegenden Wälle zu erhöhen.)</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span><a name="C_Der_Ricochettschuss" id="C_Der_Ricochettschuss"></a>C. Der Ricochettschuß.</h2>
+
+
+<p>Ich verstehe hierunter nicht nur den eigentlichen Ricochettschuß,
+sondern jeden Schuß oder flachen Bogenwurf, mittelst dessen Voll- und
+Hohlkugeln, sowie Shrapnels und Granaten gegen offene Wallgänge
+der Länge nach über die deckende Brustwehr der anliegenden Face
+hinweg im flachen oder stärkern Bogen geschleudert werden. So weit
+mir bekannt, haben nicht blos Granaten aus Haubitzen, sondern auch
+Shrapnels aus glatten Geschützen auf diese Weise gegen offene
+Wälle angewandt, ganz günstige Resultate gegeben, und wenn auch
+diese Art von Feuer aus gezogenen Geschützen und aus großen Entfernungen
+bisher noch nicht ausgebildet worden ist: so steht dies doch
+für die Folge zu erwarten und die Wirkung eines solchen Feuers
+kann nicht zweifelhaft sein, während zugleich eine Erwiederung desselben
+von Seiten der Festung, indem man die Parallelen des Angreifers
+– wie es auch in der Belagerung von Sebastopol versucht
+wurde – echarpirend beschießt, doch bei Weitem nicht ebenso erfolgreich
+wirken kann.</p>
+
+<p>Gegen ein solches Feuer wird es nun bei bereits fertigen Werken
+kein anderes Mittel geben, als Vervielfältigung der Traversen,
+– wie sie auch in Sebastopol stattfand – und wo möglich, nachträgliche
+<span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span>Anbringung von Hohltraversen. Aber es ist nicht zu verkennen,
+daß dieses Mittel der eigentlichen Geschützaufstellung sehr viel Raum
+entzieht und daher ebenfalls nur bei geräumigen Festungen anwendbar,
+in kleinen Festungen aber mehr oder weniger unausführbar ist –
+ein Argument mehr, gegen das Bestehen der kleinen Festungen.</p>
+
+<p>Bei neuen Anlagen wird sich dagegen auch hier die schon mehrfach
+hervorgehobene frontale Lage der Wälle dem Angriff gegenüber
+empfehlen.</p>
+
+
+
+
+<h2><a name="D_Der_Enfilirschuss" id="D_Der_Enfilirschuss"></a>D. Der Enfilirschuß.</h2>
+
+
+<p>Ich will unter dieser Bezeichnung zuletzt noch alle diejenigen
+Schußarten und flachen Bogenwürfe zusammenfassen, welche, außer
+den bereits gedachten, aus großen Entfernungen gegen die Werke oder
+das Innere der Festungen und die darin befindlichen Gebäude, nach
+verschiedenen Richtungen, und namentlich von erhöhten Punkten aus,
+gerichtet werden können.</p>
+
+<p>Man hatte bisher ziemlich allgemein den Grundsatz angenommen,
+daß Angriffsbatterien auf größern Entfernungen (über 1200 bis 1500
+Schritt hinaus) den Festungen wenig nachtheilig seien. Schon die
+Einführung der Bombenkanonen hat diesen Grundsatz sehr erschüttert
+und wir sehen bereits in Sebastopol den Geschützkampf erfolgreich in
+großen Entfernungen eröffnet. Die gezogenen Geschütze werden dies
+in noch höherm Grade geschehen lassen und dominirende Höhen, die
+bisher unbeachtet geblieben sind, werden künftig von großem Einfluß
+auf die Vertheidigung sein. Ich erkenne an, daß dieser Umstand für
+mehrere von unseren in unebenem Terrain gelegenen Festungen von
+großer Bedeutung ist – einer größern vielleicht, als der verbesserte
+Brescheschuß – und es wird daher ein Gegenstand von der größten
+Wichtigkeit sein, daß das Terrain vor unsern Festungen auf 4000 ja
+bis 5000 Schritt untersucht und die Haupthöhen desselben durch Nivellements
+ermittelt und gemessen werden, indem, wie schon eine
+flüchtige Besichtigung zeigt, manche bisher unbeachteten Höhen künftig
+durch Seiten- und Rückenfeuer die Vertheidigungsfähigkeit einzelner
+unserer Werke auf das Nachtheiligste beeinträchtigen möchten. Als
+Gegenmittel gegen diesen Übelstand erscheint einerseits die Vervielfältigung
+<span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span>von Traversen, andererseits die Anlage weit vorgeschobener
+Werke geboten, beides Maßregeln, die zwar mehr oder weniger ausführbar
+sein werden, unter allen Umständen aber, namentlich die Letztere,
+– die reiflichste Erwägung erfordern, die daher den betreffenden
+Herrn Inspekteuren, Platz-Ingenieuren und Festungs-Bau-Direktoren
+im Verein mit den Artillerie-Offizieren der Plätze nur auf’s Angelegentlichste
+empfohlen werden kann.</p>
+
+<p>In Bezug auf die Sicherung der großen Pulvermagazine gegen
+das direkte und indirekte Feuer solcher entfernten Batterien ist bereits
+eine Berichterstattung erfolgt, worüber die höhere Entscheidung abgewartet
+werden muß. –</p>
+
+<p>Es ist nicht zu verkennen, daß die Befestigungskunst – wie es in
+der Kriegskunst schon mehrmals vorgekommen – sich gegenüber
+den jetzigen wesentlichen Verbesserungen des Geschützwesens und der
+Feuerwaffen überhaupt in der schwierigen Lage befindet, mit diesen
+Verbesserungen schwer Schritt halten zu können, einerseits, weil die
+Gegenmaßregeln ihrer Natur nach überhaupt erst ermittelt werden
+müssen und nur nach und nach Eingang finden können, andererseits
+weil die vorhandenen, auf hundertjährige Dauer und länger, angelegten
+Befestigungen diesen Neuerungen nicht ohne Weiteres folgen können
+und eine Umformung derselben nur in viel längern Zeiträumen
+und mit viel größerem Kostenaufwand möglich ist, als z.&nbsp;B. die Umformung
+der Artillerie, der Feuerwaffen etc. Dem Ingenieur wird daher
+nichts übrig bleiben, als daß er diese Neuerungen und Verbesserungen
+aufmerksam verfolge. – Daß er ferner auf’s Reiflichste erwäge,
+welche Veränderungen die bisherigen Begriffe von Defilement,
+Kasematten, Flankirung, Tracee, Profil, Developpement und Größe
+der Festungen etc. erleiden werden und erleiden müssen, – daß er bemüht
+sei, danach die alten Befestigungen zu verbessern und umzuformen und
+die neuen von Hause aus anzulegen – endlich, daß er sich bewußt
+werde, welche andere Mittel in seiner reichen Rüstkammer als: die
+Wassergräben, Contrescarpen, Reversgallerien, Traversen, Cavaliere
+und vor Allem die Contreminen, das Infanteriefeuer und die active
+Vertheidigung, ihm noch zu Gebote stehen, um auch ferner noch den
+Dienst des Ingenieurs, wenn auch meist nur als Schutzwaffe, aber
+<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span>als eine sehr hülfreiche, ja unentbehrliche, erscheinen zu lassen, welche
+noch immer Hülfs- und Vertheidigungsmittel genug besitzt, um nicht,
+wie Einige vielleicht meinen mögen, schon beim ersten Schuß eines
+gezogenen Feld-Sechspfünders die Vertheidigung der Festungen muthlos
+aufzugeben.</p>
+
+<p>Berlin, den 24. November 1860.</p>
+
+<p class="signature"><span style="padding-right: 1.5ex">v. <em class="gesperrt">Prittwitz</em>,</span><br />
+Generallieutenant.</p>
+
+
+
+
+<div class="note">
+<p>Anmerkungen zur Transkription: Dieser Artikel erschien 1861 im
+„Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.“, 25. Jahrgang, 49. Band, Kapitel X und XI.
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, kleinere
+Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden beibehalten.</p>
+
+<p>Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Die Umlaute Ae, Oe und
+Ue wurden durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für „etc.“ wurde
+durch etc. ersetzt.</p>
+</div>
+
+
+<div class="note">
+<p>Transcriber’s Notes: This article has originally been published in 1861
+in “Archiv für die Offiziere der Königlich Preußischen Artillerie- und
+Ingenieur-Corps.”, 25th year of publication, volume 49, chapters X and
+XI. Obvious printing errors have been corrected, while minor
+irregularities in the spelling have been retained.</p>
+
+<p>The original book is printed in Fraktur font. The Umlauts Ae, Oe and Ue
+have been replaced by Ä, Ö, Ü. The ligature for “etc.” has been replaced
+by etc.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Festungen gegenüber den gezogene
+ Geschützen, by Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FESTUNGEN GEGENBER ***
+
+***** This file should be named 33491-h.htm or 33491-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/3/4/9/33491/
+
+Produced by Markus Brenner and Irma Spehar.
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+
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+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
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+
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+1.E.9.
+
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+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
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+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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