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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 19:58:42 -0700
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+<title>The Project Gutenberg eBook of Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster Band., by Friedrich Gerstäcker</title>
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+<h1>The Project Gutenberg eBook, Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster
+Band., by Friedrich Gerstäcker</h1>
+<pre>
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at <a href = "http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a></pre>
+<p>Title: Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster Band.</p>
+<p>Author: Friedrich Gerstäcker</p>
+<p>Release Date: June 28, 2010 [eBook #33017]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK AMERIKANISCHE WALD- UND STROMBILDER. ERSTER BAND.***</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<h3>E-text prepared by richyfourtytwo, Delphine Lettau,<br />
+ and the Project Gutenberg Online Distributed Proofreading Team<br />
+ (http://www.pgdp.net)</h3>
+<p>&nbsp;</p>
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+<p>&nbsp;</p>
+
+<h2>Amerikanische</h2>
+<h1>Wald- und Strombilder.</h1>
+<p>&nbsp;</p>
+<h4>Von</h4>
+
+<h3>Friedrich Gerstäcker.</h3>
+<p>&nbsp;</p>
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+<h4>Dritte Auflage.</h4>
+<div class="center">
+ <p class="noindent">
+ <span class="wide">Erster Band.</span>
+ </p>
+</div>
+<p>&nbsp;</p>
+<h3>Leipzig,</h3>
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+ <p class="noindent">Arnoldische Buchhandlung.
+ </p>
+</div>
+<h4>1862.</h4>
+<p>&nbsp;</p>
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+<p>&nbsp;</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" cellpadding="3" cellspacing="0" summary="contents">
+<tr><th colspan="2">Inhalt des ersten Bandes.</th></tr>
+<tr><td>&nbsp;</td></tr>
+<tr><td align="left"> <span class="ind1"><a href="#ch1">Der Leichenr&auml;uber</a></span></td></tr>
+<tr><td align="left"> <span class="ind1"><a href="#ch2">Nordamerikanische Jagd</a></span></td></tr>
+<tr><td align="left"> <span class="ind1"><a href="#ch3">Curtis Brautfahrt</a></span></td></tr>
+<tr><td align="left"> <span class="ind1"><a href="#ch4">Schulen in den Backwoods</a></span></td></tr>
+<tr><td align="left"> <span class="ind1"><a href="#ch5">Die Alligator-Jagd</a></span></td></tr>
+</table>
+</div>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="minimal" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h2><a name="ch1" id="ch1"></a><span class="wide">Die Leichenr&auml;uber.</span></h2>
+
+<p>Seit dem Krieg mit den Seminolen (1818)
+hatten sich die St&auml;mme der nordamerikanischen Indianer
+ziemlich still und ruhig verhalten und die
+Regierung selbst vermied nat&uuml;rlich Jedes, was wieder
+zu Reibungen und Streitigkeiten Anla&szlig; geben
+konnte. Nichts desto weniger und trotz tausend verschiedenen
+Freundschaftsversicherungen und geschlossenen
+B&uuml;ndnissen, dr&auml;ngte sie die armen Kinder der
+Wildni&szlig; immer weiter und weiter von den Gr&auml;bern
+ihrer V&auml;ter zur&uuml;ck, und nahm ihnen sogar, wenn
+ein paar trunkene H&auml;uptlinge vielleicht ihre Zustimmung
+gegeben, wieder Strecken hinweg, in deren
+<span class="wide">fortw&auml;hrendem</span> Besitz sie fr&uuml;here Pr&auml;sidenten
+best&auml;tigt hatten.</p>
+
+<p>Da standen, dieser Willk&uuml;hr m&uuml;de, im April
+des Jahres 1832 die Winnebagoes, die F&uuml;chse und
+Sioux's auf, und wollten unter ihrem tapferen H&auml;uptling
+<span class="wide">Black Hawk</span>&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">der schwarze Falke</span>&nbsp;&mdash;&nbsp;ihr
+sch&ouml;nes am oberen Mississippi gelegenes Besitzthum
+von den frechen Eindringlingen reinigen.
+Wohlbewaffnet und beritten richteten sie auch f&uuml;rchterliche
+Verw&uuml;stungen in den Grenzl&auml;ndern ihrer
+wei&szlig;en Unterdr&uuml;cker an; sie umzingelten und vernichteten
+ganze Ansiedlungen, mordeten und scalpirten
+jedes lebende Wesen und erf&uuml;llten den ganzen Staat
+mit Furcht und Beben.</p>
+
+<p>Die Regierung sah sich endlich gezwungen ernsthafte
+Maa&szlig;regeln zu ergreifen und Gewalt mit Gewalt
+zu vertreiben; denn die Indianer, von ihrem
+leichten Sieg berauscht, drohten auch die Nachbarstaaten
+mit ihren wilden Schaaren zu &uuml;berfluthen.
+Die Gener&auml;le Atkinson und Scott wurden deshalb
+mit der Vertheidigung der Grenzen beauftragt. Unter
+des Letzteren Truppen aber, die man in Buffalo
+an Bord von Dampfbooten schaffte, um sie in der
+dringenden Noth auch schnell dem Kriegsschauplatz
+zuf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, brach die Cholera aus&nbsp;&mdash;&nbsp;die
+&uuml;berm&auml;&szlig;ige Hitze und das Zusammendr&auml;ngen so vieler
+Menschen in einem kleinen Raum war die Ursache,
+entsetzliches Elend aber die Folge dieser Krankheit.
+Viele starben, Viele desertirten, und mu&szlig;ten
+dann, von Seuche und Hunger gleich aufgerieben, in
+den W&auml;ldern umkommen. General Atkinson dagegen
+traf durch forcirte M&auml;rsche an der M&uuml;ndung des
+oberen Iowa mit Black Hawks Kriegern&nbsp;&mdash;&nbsp;es war
+am 2. August&nbsp;&mdash;&nbsp;zusammen, schlug nach gl&uuml;cklichem
+Kampf die Indianer und nahm sogar ihren H&auml;uptling
+und dessen Sohn gefangen, die beide zuerst
+in Fort Monroe mehrere Monate festgehalten,
+dann aber durch alle Hauptst&auml;dte der vereinigten
+Staaten gef&uuml;hrt wurden, um ihnen die Macht zu
+zeigen, gegen die sie einen Krieg unternommen, und
+ihnen zugleich zu beweisen, wie th&ouml;richt, wie ganz
+hoffnungslos jedes weitere Auflehnen gegen solche
+ungeheure Streitkr&auml;fte sein m&uuml;&szlig;te.</p>
+
+<p>Black Hawk erschrack besonders &uuml;ber die f&uuml;r ihn
+so bedeutende Anzahl waffenf&auml;higer junger M&auml;nner,
+und kehrte, best&uuml;rzt &uuml;ber das was er gesehen, zu den
+Seinigen zur&uuml;ck. Er widersetzte sich auch von da an
+nicht l&auml;nger dem Beschlu&szlig; der Regierung, die, um
+einem zweiten Einfall der Wilden vorzubeugen, und
+sich zugleich das sch&ouml;ne Land vollkommen zu sichern,
+was jene bis jetzt noch immer bewohnten, s&auml;mmtliche
+St&auml;mme an das westliche Ufer des Mississippi
+schaffte.</p>
+
+<p>Jahre waren hiernach vergangen, die Jagdgr&uuml;nde
+jener tapferen Nationen w&uuml;hlte der Pflug auf, die
+Gebeine der Krieger bleichten neben denen des von
+ihnen selbst erlegten Wildes in Wald und Prairie,
+und nur noch einzelne und nicht oft die besseren
+der St&auml;mme waren zur&uuml;ckgeblieben und im weiten
+Land zerstreut, wo sie sich mit K&ouml;rbeflechten, oder
+auch mit der Jagd k&uuml;mmerlich ern&auml;hrten.</p>
+
+<p>In dieser Zeit also und etwa im Jahre 1845
+hatte sich auch ein alter Indianer, aus dem Stamme
+der Winnebagoes, dann und wann in Waterton, einem
+kleinen St&auml;dtchen am Forriver, eingefunden,
+und f&uuml;r Prairieh&uuml;hner oder einen gelegentlich erbeuteten
+Hirsch, Pulver, Blei, Whiskey und was er sonst
+brauchen mochte, eingetauscht. Eines Tages aber,
+ob er nun des Guten ein Bischen zu viel gethan,
+oder sonst vielleicht schon vorher krank gewesen, hatte
+er kaum das gew&ouml;hnliche Gesch&auml;ft beendet, und einen
+Theil seines Whiskeys getrunken, als er krampfhafte
+Zuf&auml;lle bekam, zu Boden st&uuml;rzte und wenige Minuten
+darauf den Geist aufgab.</p>
+
+<p>Allerdings wurde der Doktor&nbsp;&mdash;&nbsp;der einzige im
+kleinen St&auml;dtchen und zwar ein Ire&nbsp;&mdash;&nbsp;augenblicklich
+gerufen&nbsp;&mdash;&nbsp;jede H&uuml;lfe kam jedoch zu sp&auml;t, der
+arme alte Mann hatte geendet, und in einem roh
+gezimmerten Sarge trug man ihn etwa eine englische
+Meile von der Stadt fort, wo ein alter &raquo;Indianischer
+Mound&laquo; oder Erdh&uuml;gel lag, der stets von
+dort vorbeikommenden Wilden besucht ward und der
+Begr&auml;bni&szlig;ort eines gro&szlig;en H&auml;uptlings der &raquo;F&uuml;chse&laquo;
+sein sollte. Dort, aus einer Art Zartgef&uuml;hl, das
+dem armen alten Indianer gerade da seine Grabst&auml;tte
+anwies, grub man ihm sein letztes Bett, und
+bald verrieth nichts weiter, als die frisch aufgesch&uuml;ttete
+Erde, den stillen Ruheort eines alten Mannes,
+der doch wenigstens in dem Lande schlafen durfte,
+in dem sein Stamm einst geherrscht und gl&uuml;cklich
+gewesen war.</p>
+
+<p>Eine Person lebte aber in Waterton, die alles
+M&ouml;gliche gethan hatte, um dieses Begr&auml;bni&szlig; zu
+hintertreiben, und diese Person war eben der, schon
+fr&uuml;her erw&auml;hnte kleine irische Doktor, der&nbsp;&mdash;&nbsp;zum
+Nutzen der Menschheit, wie er behauptete&nbsp;&mdash;&nbsp;seit
+dem Tode des Indianers nicht ablie&szlig; mit Bitten
+und Versprechungen, den Leichnam ausgeliefert zu
+bekommen, damit er ihn seciren und dadurch vielleicht
+wichtige Entdeckungen in diesem Zweige der
+Wissenschaft machen k&ouml;nne.&nbsp;&mdash;&nbsp;So lautete n&auml;mlich
+der Grund, den er angab, eigentlich w&uuml;nschte er
+aber nur das Skelett zu besitzen, f&uuml;r das er in
+New-York einen bedeutenden Preis zu bekommen
+wu&szlig;te.</p>
+
+<p>Nun h&auml;tten sich die guten Wolferinen<a href="#fn1"><small><sup>1</sup></small></a> wohl
+allerdings sehr wenig daraus gemacht, was aus dem
+Leichnam eines Indianers wurde, die sie, der ver&uuml;bten
+Gr&auml;uel wegen, s&auml;mmtlich in die h&ouml;llischen
+Regionen w&uuml;nschten; eben diese Greuelscenen waren
+aber auch noch zu frisch in ihrem Ged&auml;chtni&szlig;, und
+nicht mit Unrecht f&uuml;rchteten sie, wenn so etwas von
+ihrem Ort bekannt geworden w&auml;re, die Rache der
+&uuml;brigen Wilden, die, wenn auch nicht offen ausgef&uuml;hrt,
+ihrem kleinen unbesch&uuml;tzten Flecken um so verderblicher
+werden konnte.</p>
+
+<p>Überdies war der alte &raquo;<span class="wide">Salomo</span>&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;wie sie
+ihn genannt hatten, obgleich er sich keineswegs zur
+christlichen Religion bekannt&nbsp;&mdash;&nbsp;so lange Jahre
+dort aus- und eingegangen, da&szlig; wirklich eine Art
+Freundschaft zwischen ihnen aufgesprungen schien,
+und zugleich mit der Scheu, die <span class="wide">alle</span> <ins title="original has Hinderw&auml;dler">Hinterw&auml;ldler</ins>
+vor dem Zerschneiden und Zerlegen eines menschlichen
+Leichnams haben, widersetzten sie sich einstimmig
+der Bitte des Doktors. Der Indianer wurde
+begraben und damit glaubten sie die Sache abgemacht.</p>
+
+<p>Dem war aber nicht so; Doktor Mac Botherme
+sah allerdings, da&szlig; hier mit weiteren Protestationen
+Nichts mehr auszurichten sei, eins aber blieb ihm
+noch, und zwar die List. Schon in Irland hatte
+er manchen Leichnam stehlen helfen, und wenn auch
+<span class="wide">die</span> Zeit viele viele Jahre lang hinter ihm lag&nbsp;&mdash;&nbsp;Jahre,
+in denen er noch kr&auml;ftig und jung gewesen&nbsp;&mdash;&nbsp;so
+wu&szlig;te er auch daf&uuml;r, da&szlig; das Ausgraben eines
+K&ouml;rpers mitten im Wald, wo er Entdeckung gar
+nicht zu f&uuml;rchten brauchte, mit viel weniger Schwierigkeiten
+und Gefahr verkn&uuml;pft sei&nbsp;&mdash;&nbsp;ja, w&auml;re es
+nicht des unbemerkten Heimschaffens der Leiche und
+vielleicht der halbunbewu&szlig;ten Furcht vor Indianern
+wegen gewesen, er h&auml;tte das ganze Abenteuer allein
+bestehen k&ouml;nnen; so aber mu&szlig;te er sich nach einem
+Geh&uuml;lfen umsehen, und den fand er augenblicklich in
+seinem eigenen Diener, einem erst in demselben Monat
+eingewanderten, noch rohen, oder wie sie in
+Amerika sagen, <span class="wide">wilden</span> Irl&auml;nder, den er leicht,
+durch Versprechung eines guten Lohnes, dahin zu
+bewegen hoffte ihm beizustehn, wie auch sp&auml;ter &uuml;ber
+die ganze Sache reinen Mund zu halten.</p>
+
+<p>Um aber nun mit dem Doktor, der so k&uuml;hne
+Absichten hatte und einer ganzen Gemeinde und den
+Schrecknissen des Grabes trotzen wollte, etwas n&auml;her
+bekannt zu werden, mu&szlig; ich den guten Mann
+wohl bei dem Leser in Lebensgr&ouml;&szlig;e einf&uuml;hren.</p>
+
+<p>Doktor Mac Botherme war ein kleines korpulentes
+Wesen, mit rothen Backen, etwas echauffirter
+Nase, kleinen grauen Augen, grauen Augenbraunen
+und pechschwarzem Haar, welches letztere ihm &uuml;brigens
+ein keineswegs nordl&auml;ndisches Aussehen verliehen
+haben w&uuml;rde, w&auml;ren nicht die aufgest&uuml;lpten
+Geruchswerkzeuge, wie das ganze fr&ouml;hliche, breitgedr&uuml;ckte
+Antlitz des immer munteren Doktors zu
+sichere B&uuml;rgen der &raquo;gr&uuml;nen Insel&laquo; gewesen. Nach
+seiner, dem Leser eben mitgetheilten Absicht, m&ouml;chte
+dieser jedoch verleitet werden, den Doktor f&uuml;r ein
+Wunder von Muth, Entschlossenheit und Charakterfestigkeit
+zu halten, da er trotz der verweigerten
+Einwilligung von Waterton dennoch auf seiner
+Absicht bestand, und jetzt sogar eine Leiche bei Nacht
+Nebel stehlen wollte&nbsp;&mdash;&nbsp;ein Gesch&auml;ft, vor dem
+selbst der k&uuml;hnste J&auml;ger jener W&auml;lder zur&uuml;ckgeschreckt
+sein w&uuml;rde. Dem war aber gar nicht so.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Doktor Mac Botherme hatte allerdings, was
+auch schon sein &raquo;Gesch&auml;ft&laquo; mit sich brachte, keine
+Furcht vor Leichen&nbsp;&mdash;&nbsp;der menschliche K&ouml;rper war
+ihm etwa dasselbe, was einem eifrigen Botaniker die
+Pflanze ist, die er zerlegt und nach ihren inneren
+Theilen classificirt; er w&uuml;rde also auch das Stehlen
+der Leiche an sich selbst als etwas sehr unschuldiges,
+ja vielleicht Interessantes betrachtet haben, w&auml;re nicht
+noch ein anderer Umstand dazu gekommen, der allerdings
+der ganzen Sache eine Schattenseite gab,
+und ihn sogar mit einem Gef&uuml;hl erf&uuml;llte, das, er
+mochte sich dagegen str&auml;uben so viel er wollte&nbsp;&mdash;&nbsp;der
+<span class="wide">Furcht</span> ungemein &auml;hnlich sah.</p>
+
+<p>Die Leiche lag n&auml;mlich im Wald&nbsp;&mdash;&nbsp;eine Meile
+von jeder menschlichen Wohnung entfernt, und erst
+vor wenigen Tagen hatten die J&auml;ger von Waterton
+gerade dort einen Panther gejagt und <span class="wide">nicht</span> erwischt.
+Der Panther mu&szlig;te also noch nothwendiger Weise
+im Walde sein, denn es war nicht einmal auf ihn
+geschossen worden, so da&szlig; man sich vielleicht damit
+h&auml;tte beruhigen k&ouml;nnen, er sei verwundet und sp&auml;ter
+irgendwo verendet.</p>
+
+<p>Au&szlig;erdem schienen auch die Einreden der Bewohner
+von Waterton einen nicht unbedeutenden
+Eindruck auf ihn gemacht zu haben, da&szlig; sich n&auml;mlich
+in letzter Zeit wieder mehrere Indianer, und
+zwar von den Winnebagoes eben in der Gegend
+gezeigt h&auml;tten, die, wenn sie von dem Leichenraub
+eines ihres Stammes h&ouml;ren sollten, nie im Leben
+eine solche That vergessen, sondern sie an dem Th&auml;ter
+und seiner ganzen Nachbarschaft r&auml;chen w&uuml;rden,
+indem sie, wenn sie nicht dieser selbst habhaft w&uuml;rden,
+doch wenigstens ihre Maisfelder und H&auml;user in
+Brand steckten und ihnen vielleicht auch noch au&szlig;erdem
+mit heimlicher Kugel im Walde auflauerten.</p>
+
+<p>Das Alles blieb zu bedenken, die Versuchung
+zeigte sich aber hier zu stark, Mac Botherme konnte
+nicht widerstehen, und beschlo&szlig; nun, der &auml;u&szlig;eren
+Vorsicht und der Bequemlichkeit im Allgemeinen
+wegen seinen eben angenommenen Diener Patrik
+O'Flaherti zu Schutz und H&uuml;lfe <span class="wide">mit</span>zunehmen und
+die Sache wo m&ouml;glich vollkommen geheim zu halten.</p>
+
+<p>O'Flaherti, ein wahres Muster eines Irl&auml;nders
+der niederen Klassen, mit brennendrothem Haar und
+ordentlich Funken spr&uuml;hender Nase&nbsp;&mdash;&nbsp;starkknochig
+und keck, mit unverw&uuml;stlichem Humor und nicht zu
+erm&uuml;dender Dienstfertigkeit, war denn auch, besonders
+noch durch die zugesicherte reichliche Belohnung gelockt,
+gern bereit, dem Doktor, wie er sich ausdr&uuml;ckte,
+&raquo;durch dick und d&uuml;nn zu folgen,&laquo; hei&szlig;t das, wenn
+sie es nur &raquo;mit wirklich todten&laquo; Personen zu thun
+h&auml;tten, und nicht etwa gar der Geist des &raquo;seligen
+Rothfells&laquo; neben dem Grabe s&auml;&szlig;e und aus seinem
+Tomahawk schlechten Tabak rauche.</p>
+
+<p>Auch hatte Patrik&nbsp;&mdash;&nbsp;der sonst <span class="wide">keinen</span> Menschen
+f&uuml;rchtete, eine nicht unbedeutende Scheu vor den
+Wilden selbst, da ihm schon in der Heimath die
+f&uuml;rchterlichsten Schilderungen von diesen gemacht
+waren, die dort als Cannibalen und wahre Teufel
+verschrieen wurden. Das was er, in Illinois angekommen,
+hie und da &uuml;ber die letzten Einf&auml;lle und
+Gr&auml;uelscenen geh&ouml;rt, diente ebenfalls nicht dazu, ihm
+einen besseren Begriff von ihnen beizubringen, und
+so &auml;u&szlig;erte er denn auch diese Bef&uuml;rchtung ziemlich
+frei und offen gegen seinen neuen Herrn. Mac
+Botherme, obgleich er Ihm im Innern vollkommen
+recht gab, h&uuml;tete sich jedoch wohl, ihm davon etwas
+merken zu lassen; im Gegentheil suchte er mit dem
+unbefangensten L&auml;cheln von der Welt jede etwa aufsteigende
+Furcht in ihm zu beschwichtigen.</p>
+
+<p>Das gelang ihm denn auch vollkommen, und
+die Ausf&uuml;hrung des Unternehmens wurde auf den
+n&auml;chsten Abend festgesetzt, da an diesem, als an einem
+Sonntag, nicht zu f&uuml;rchten war, da&szlig; vielleicht
+irgend Jemand von Waterton auf der Jagd drau&szlig;en
+sei, und zuf&auml;llig in die N&auml;he des Indianischen Mound
+kommen k&ouml;nnte. Alle n&ouml;thigen Vorbereitungen wurden
+nun getroffen, und der Plan schien sich auch
+leicht und gefahrlos ausf&uuml;hren zu lassen.</p>
+
+<p>Der Doktor bewohnte n&auml;mlich ein eigenes
+kleines Haus mit zwei Abtheilungen, in deren einer er
+und der Diener schlief, w&auml;hrend er die andere zu
+seinem Wohn- und Studierzimmer erhoben hatte. In
+das erstere nun sollte die Leiche geschafft und dort
+zubereitet werden, bis sich sp&auml;ter einmal eine Gelegenheit
+fand, das hergerichtete Gerippe ohne Aufsehen
+an den Ort seiner Bestimmung zu bef&ouml;rdern.</p>
+
+<p>Patrik mu&szlig;te sich dabei Hacke und Schaufel zurecht
+legen, und der Doktor nahm die alte Muskete
+vom Haken, schnallte seinen breiten, bis dahin zu
+Schutz und Trutz &uuml;ber dem Bett h&auml;ngenden Hirschf&auml;nger
+um, steckte ein Brecheisen und kleines Beil
+zu sich, um ohne weitere M&uuml;he den Sarg &ouml;ffnen
+zu k&ouml;nnen, und w&auml;hrend er noch das Letzte&nbsp;&mdash;&nbsp;einen
+gro&szlig;en grauen Leinwandsack &uuml;ber seine Schultern
+hing, um darin den Leichnam desto leichter fortschaffen
+zu k&ouml;nnen, brachen an dem bezeichneten Abend
+die Beiden, als der Mond eben unterging (und das
+war etwa gerade um neun Uhr) vorsichtig auf,
+wobei sie, um jedes Aufsehen zu vermeiden und
+nicht etwa von einem noch zuf&auml;llig auf der Stra&szlig;e
+Weilenden bemerkt zu werden, das kleine Haus umgingen,
+die n&auml;chste Fenz, die des Gastwirths Maisfeld
+einschlo&szlig;, &uuml;bersprangen, und dann durch dieses
+hin, und von den hohen breitbl&auml;ttrigen Maisst&ouml;cken
+vollkommen verdeckt, dem Walde zueilten.</p>
+
+<p>Es war dies allerdings ein ziemlich bedeutender
+Umweg, den sie machten; sie hatten ja aber die
+ganze Nacht vor sich, und setzten so, leise und ger&auml;uschlos,
+ihren dunkeln unheimlichen Weg fort.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Indessen sa&szlig;en in der Schenke von Waterton
+die vier einzigen <span class="wide">nicht</span> religi&ouml;sen M&auml;nner, die, au&szlig;er
+dem Doktor und Patrik in dem kleinen St&auml;dtchen
+zu finden waren, fr&ouml;hlich beisammen, und thaten
+dem erst frisch von Vincennes eingetroffenem Biere
+alle nur m&ouml;gliche Ehre an. Diese vier waren aber
+erstlich James Glassy, der Wirth selbst, ein seit der
+fr&uuml;hsten Gr&uuml;ndung von Waterton hier eingewanderter
+Pennsylvanier, und kurzweg von seinen Bekannten
+und G&auml;sten <span class="wide">Jim</span> genannt, dann <span class="wide">Josy,</span> der
+Schmied, <span class="wide">Weppel,</span> der Schulmeister, und <span class="wide">Shark,</span>
+der Kr&auml;mer.</p>
+
+<p>Eines nur, wie sie so friedlich und heiter bei
+einander sa&szlig;en, wirkte h&ouml;chst st&ouml;rend auf ihre Unterhaltung
+ein, und zwar ein Umstand, der vielleicht
+zugleich wieder die Dauer ihrer Eintracht verb&uuml;rgte
+&nbsp;&mdash;&nbsp;sie waren alle viere Demokraten, hatten f&uuml;r Polk
+gestimmt, und im Ganzen eine so genau &uuml;bereinstimmende
+Meinung in Allem was Politik betraf,
+da&szlig; Weppel der Schulmeister mehrere Male in aller
+Verzweiflung erkl&auml;rte, er werde n&auml;chstens <span class="wide">gegen</span>
+seine Überzeugung des Whigticket stimmen, blos um
+einmal in einer so verw&uuml;nscht langweiligen Gesellschaft
+widersprechen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Die Politik war deshalb auch fast ganz aus
+ihrer Unterhaltung verbannt, und Jim hatte eben
+einen Bericht gegeben, wie viel Bienenb&auml;ume er im
+letzten Monat gefunden, w&auml;hrend sich Josy seines
+Gl&uuml;cks auf der Jagd r&uuml;hmte, mit dem er in voriger
+Woche zwei Hirsche und drei Truth&uuml;hner geschossen
+und Shark behauptete dabei, er w&uuml;rde auch einen
+Hirsch und noch dazu einen recht feisten Bock erlegt
+haben, w&auml;re ihm nicht gerade, als er die B&uuml;chse
+heben wollte, so eine verw&uuml;nschte Rothhaut in die
+Quere gekommen, die ein paar Sekunden fr&uuml;her geknallt,
+und dadurch ein ungemein delikates St&uuml;ck
+Wildpret f&uuml;r sich gewonnen h&auml;tte.</p>
+
+<p>&raquo;Wir sollten es &uuml;berhaupt gar nicht mehr dulden,&laquo;
+fuhr jetzt Weppel auf, &raquo;da&szlig; diese schleichenden
+Hallunken, diese Indianer, hier immer um die
+Ansiedlung herum kriechen&nbsp;&mdash;&nbsp;in Arkansas leiden
+sie's auch nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;ich hielt im vorigen Jahr am
+Mulberry Schule, und da fingen sie einmal einen
+ganzen Trupp von ihnen auf&nbsp;&mdash;&nbsp;es waren ihrer
+vierzehn oder f&uuml;nfzehn&nbsp;&mdash;&nbsp;nahmen ihnen die Jagdbeute
+ab und jagten sie aus dem County.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja,&laquo; sagte Shark geheimni&szlig;voll&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das hat
+aber auch hier eine andere Bewandtni&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;wi&szlig;t Ihr
+denn nicht, was man sich in Vincennes &uuml;ber Waterton
+erz&auml;hlt?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;In Vincennes?&laquo; frug ungl&auml;ubig Josy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;was
+wissen sie denn in Vincennes von uns, wovon wir
+hier an Ort und Stelle noch nicht einmal etwas
+geh&ouml;rt haben sollten&nbsp;&mdash;&nbsp;Unsinn&nbsp;&mdash;&nbsp;w&auml;re doch verdammt
+neugierig <span class="wide">das</span> zu erfahren!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Was sie in Vincennes wissen, will ich Euch
+sagen,&laquo; fuhr Shark fort, trank sein Blechmaas aus,
+das ihm von der aufmerksamen Wirthin augenblicklich
+wieder gef&uuml;llt wurde, r&uuml;ckte sich seinen Stuhl
+ein bischen n&auml;her zum Tisch, putzte das Licht,
+stemmte beide Ellbogen auf, st&uuml;tzte gegen die zur&uuml;ckgestreckten
+Daumen das spitze Kinn, und sagte dann
+nach allen diesen Vorbereitungen mit leise fl&uuml;sternder
+Stimme:</p>
+
+<p>&raquo;Sie glauben, es w&auml;re hier nicht ganz richtig.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Nicht ganz richtig?&laquo; frugen die drei &uuml;brigen
+wie aus einem Munde.</p>
+
+<p>&raquo;Nein&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte der Kr&auml;mer&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;nicht ganz
+richtig&nbsp;&mdash;&nbsp;oder eigentlich <span class="wide">gar</span> nicht richtig, denn die
+Indianer schn&uuml;ffelten blos deshalb hier noch in der
+N&auml;he herum, weil sie auf der Stelle, wo Waterton
+jetzt st&uuml;nde, einen Schatz vergraben h&auml;tten, den sie
+heben m&uuml;&szlig;ten, ehe sie s&auml;mmtlich das Land verlassen
+d&uuml;rften.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Einen Schatz?&laquo; rief die junge Wirthin, erstaunt
+n&auml;her tretend.</p>
+
+<p>&raquo;Ja, einen Schatz von Gold, Silber und allerlei
+kostbaren Steinen und Schmucksachen&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;fuhr
+der Kr&auml;mer eben so geheimni&szlig;voll wieder fort.</p>
+
+<p>&raquo;Aber wo sollten sie denn das Alles hergekriegt
+haben,&laquo; sagte der Wirth ungl&auml;ubig&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das was
+die Indianer f&uuml;r kostbar halten, ist f&uuml;r uns Wei&szlig;e
+keinen Pfifferling werth&nbsp;&mdash;&nbsp;das sind gew&ouml;hnlich immer
+nur Muschelst&uuml;ckchen, die an den Wampum gen&auml;ht
+werden, rothe Erde, um Pfeifen d'raus zu machen,
+und allerlei seltene Federn, die man in New-York
+f&uuml;r einen Spottpreis kaufen kann.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wo sie's hergekriegt haben sollen?&laquo; rief Shark
+in allem Eifer;&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;haben sie denn nicht von jeher
+die wei&szlig;en Ansiedlungen &uuml;berfallen, und da geraubt
+und fortgeschleppt, was ihnen unter die H&auml;nde kam?
+wird denn nicht sogar behauptet, da&szlig; es in dem
+Alleghany-Gebirge Stellen gebe, wo das Gold
+klumpenweis l&auml;ge, und da&szlig; es die Indianer wohl
+gefunden und mitgenommen, aber nicht gewu&szlig;t
+h&auml;tten, was sie damit anfangen sollten, bis sie es
+sp&auml;ter durch die Gier der Europ&auml;er erfahren! Nein,
+die Sch&auml;tze sind da, das ist gewi&szlig;, und da&szlig; sie
+hier in der N&auml;he liegen m&ouml;gen, vielleicht gerade
+hier unter uns, wo wir jetzt sitzen, das ist auch m&ouml;glich.
+Was <span class="wide">h&auml;tten</span> denn auch wirklich die rothen
+Hallunken immer hier herum zu suchen? gestern bin
+ich wieder Dreien begegnet, wie ich, um ein Eichh&ouml;rnchen
+zu schie&szlig;en, in den Wald ging.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;<span class="wide">Die</span> sind nach Vincennes zu,&laquo; unterbrach ihn
+hier die Wirthin, &raquo;sie wollten auch blos eine Parthie
+Otterfelle verkaufen und dachten gewi&szlig; wenig genug
+an Sch&auml;tze.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;So?&laquo; rief der Kr&auml;mer pikirt.&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Otterfelle
+verkaufen, als ob sie deshalb nach Vincennes zu
+gehen brauchten. Da gibt es auch in Waterton
+Leute, die Geld genug haben, ihnen ein paar lumpige
+Otterfelle abzukaufen. Nein, das hat einen anderen
+Grund, und wir werden's schon noch erfahren.
+Deshalb war ich &uuml;brigens auch so dagegen, da&szlig; der
+kleine Doktor den Indianer zerschneiden sollte&nbsp;&mdash;&nbsp;der
+Teufel hole die rothen Schurken, vielleicht h&auml;tten sie
+das als eine Ausrede genommen, uns die H&auml;user
+&uuml;ber dem Kopf angesteckt, und hier mitgenommen,
+was sie mitzunehmen w&uuml;nschten.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja, das sag' ich auch&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;meinte Josy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das
+w&auml;re auf keinen Fall gegangen; ich wei&szlig; noch
+recht gut, wie sie's ein Mal in Greentown einem
+Deutschen machten, der auch das Gerippe von einem
+am Mississippi begrabenen H&auml;uptling hatte stehlen
+wollen&nbsp;&mdash;&nbsp;sie erwischten ihn dabei&nbsp;&mdash;&nbsp;zogen ihm
+den Scalp ab, und lie&szlig;en ihn laufen&nbsp;&mdash;&nbsp;drei Stunden
+drauf war er todt. Ich habe die Geschichte Mac
+Botherme zur Warnung erz&auml;hlt.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja, und nachher haben sie noch f&uuml;nf aus derselben
+Ansiedlung erschossen,&laquo; sagte Weppel&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich
+kann mich recht gut darauf besinnen, denn ich kam
+acht Tage sp&auml;ter durch Greentown.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Und dann war Salomo auch ein herzensguter
+Mensch&laquo; sagte Mrs. Glassy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;gar nicht wie die
+anderen Indianer&nbsp;&mdash;&nbsp;&uuml;berall gef&auml;llig und immer
+freundlich&nbsp;&mdash;&nbsp;es h&auml;tte mir in der Seele weh gethan,
+wenn er nicht einmal ruhig im Grabe geblieben,
+sondern von dem&nbsp;&mdash;&nbsp;Irl&auml;nder da, zerschnitten w&auml;re.
+Soviel wei&szlig; ich&nbsp;&mdash;&nbsp;wenn der hier in Waterton
+Menschen die Eingeweide herausnimmt und an ihnen
+herumsticht als wie an einem anderen St&uuml;ck Vieh,
+dann mag er mir nur hier aus dem Hause bleiben,
+dann dank' ich ihm f&uuml;r seinen Besuch&nbsp;&mdash;&nbsp;ich ekelte
+mich zu Tode.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Na, das w&auml;re nun das Wenigste,&laquo; lachte ihr
+Mann&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das w&auml;scht sich Alles wieder ab, und
+was Salomo betrifft, so ist Einer von den Moccasinzertretern
+so schlimm wie der andere&nbsp;&mdash;&nbsp;je freundlicher
+sie sich stellen, desto mehr mu&szlig; man sich vor
+ihnen in Acht nehmen. Aber darin hat Shark recht
+&nbsp;&mdash;&nbsp;ich m&ouml;chte nachher nicht mehr vor die Th&uuml;r
+gehen, wenn es unter dem Stamm bekannt w&uuml;rde,
+wir h&auml;tten hier in Waterton Einen von ihnen nicht
+allein nicht begraben, sondern sogar noch zerschnitten
+&nbsp;&mdash;&nbsp;am Ende glaubten sie gar, wir w&auml;ren Menschenfresser.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Brrr,&laquo; sagte Mrs. Glassy, und sch&uuml;ttelte sich
+bei dem Gedanken.</p>
+
+<p>&raquo;Ja Kinder,&laquo; meinte Mr. Weppel, als er jetzt
+aufstand und ans Fenster trat, um hinaus auf die
+menschenleere Stra&szlig;e zu sehen&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;was Besonderes
+ist hier nicht weiter zu bekommen, und da will ich
+denn lieber zu Hause gehen&nbsp;&mdash;&nbsp;meine Alte m&ouml;chte
+doch sonst brummen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wie viel Uhr hat's denn?&laquo; frug Jim&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;es
+mu&szlig; ja noch fr&uuml;h sein.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Es ist gerade neun vorbei,&laquo; sagte der Schullehrer,
+&raquo;der Mond dr&uuml;ckt sich auch da dr&uuml;ben in's
+Nest&nbsp;&mdash;&nbsp;morgen mu&szlig; ich um sieben wieder auf den
+Beinen sein und Schule geben&nbsp;&mdash;&nbsp;also gute Nacht,
+meine Herren.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wartet Weppel,&laquo; rief Shark, w&auml;hrend er aufstand
+und nach seinem eignen Hute griff&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich
+gehe mit&nbsp;&mdash;&nbsp;ich mu&szlig; so ein Bischen in's Freie,
+habe in der Stubenluft ordentlich Kopfweh bekommen.
+Aber wer klopft da drau&szlig;en&nbsp;&mdash;&nbsp;ist denn zugeschlossen?&laquo;</p>
+
+<p>Die Th&uuml;re war inwendig eingeklingt und Mrs.
+Glassy &ouml;ffnete sie schnell, h&auml;tte aber fast einen lauten
+Angstschrei ausgesto&szlig;en, als pl&ouml;tzlich, halbgeb&uuml;ckt,
+den rabenschwarzen runden Wollkopf entbl&ouml;&szlig;t, ein
+kleiner, etwa zw&ouml;lfj&auml;hriger Negerknabe in's Zimmer
+glitt, der, augenscheinliche Angst in den dunklen
+Z&uuml;gen, die M&auml;nner der Reihe nach ansah, und
+nicht zu wissen schien, ob er mit der Sprache heraus
+sollte.</p>
+
+<p>&raquo;Jesus im Himmel!&laquo; sagte Mrs. Glassy, indem
+sie &uuml;berrascht einen Schritt zur&uuml;cktrat, &raquo;habe ich
+doch wahrhaftig geglaubt, es w&auml;re ein Indianer,
+der da den Kopf zur Th&uuml;re herein streckte. Was
+willst du denn noch so sp&auml;t, Sip? schickt dich dein
+Master?&laquo;</p>
+
+<p>Sip war ein freier Negerknabe, der sich bei dem
+Baptistenprediger vermiethet hatte, und auch dann
+und wann, besonders wenn sein Herr nach irgend
+einem benachbarten Flecken zum Predigen gegangen
+war, allerhand kleine Auftr&auml;ge und Wege f&uuml;r das
+Wirthshaus besorgte, wo er sich nur zu gern mit
+einem paar Centen und einem Schluck Whiskey
+daf&uuml;r belohnen lie&szlig;.&nbsp;&mdash;&nbsp;Jetzt verrieth sein ganzes
+Wesen aber mehr Furcht und Besorgni&szlig;, und mit
+leiser, bebender Stimme stotterte er:</p>
+
+<p>&raquo;Ne&nbsp;&mdash;&nbsp;ne&nbsp;&mdash;&nbsp;nein, Missus&nbsp;&mdash;&nbsp;Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;Massa
+nicht, a&nbsp;&mdash;&nbsp;aber&nbsp;&mdash;&nbsp;ich ha&nbsp;&mdash;&nbsp;habe wa&nbsp;&mdash;&nbsp;wa&nbsp;&mdash;&nbsp;
+was geh&ouml;rt&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Du hast was geh&ouml;rt?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja&nbsp;&mdash;&nbsp;Mi&nbsp;&mdash;&nbsp;Missus&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;fuhr der Kleine
+&auml;ngstlich fort&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;w&nbsp;&mdash;&nbsp;w&nbsp;&mdash;&nbsp;wie ich durch Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;Massa Glassys Me&nbsp;&mdash;&nbsp;Melonengarten
+ging&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sirrah, du Schuft,&laquo; unterbrach ihn hier Mr.
+Glassy entr&uuml;stet&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;was hast du in Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;Ma
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Massa Glassys Melonengarten zu suchen? Hab
+ich dir kleinen schwarzen Hallunken nicht verboten,
+meine Melonen auch nur &uuml;ber die Fenz her&uuml;ber anzusehn?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Aber so la&szlig;t ihn doch nur erst erz&auml;hlen, was
+er gesehen hat?&laquo; lachte Weppel&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;der arme
+Bursche bringt ja sonst keine Sylbe mehr vor Angst
+und Stottern heraus.&laquo; Sip schien auch wirklich
+dadurch, da&szlig; er sich hier so urpl&ouml;tzlich selbst verrathen
+hatte, ganz consternirt zu sein und stotterte
+eine solche Menge wirres Zeug hervor, da&szlig; ihn
+Mrs. Glassy erst wieder beruhigen mu&szlig;te, bis er
+sich nur wenigstens in so weit verst&auml;ndlich machen
+konnte, da&szlig; sie begriffen, was er eigentlich wolle.</p>
+
+<p>Der Inhalt seiner Mittheilung bezog sich &uuml;brigens
+n&auml;her auf ihr kaum unterbrochenes Gespr&auml;ch,
+als sie im Anfang vermuthet, denn Sip erz&auml;hlte
+ihnen jetzt, da&szlig; er <span class="wide">durch</span> eben den fraglichen Melonengarten,
+aber blos <span class="wide">durch</span>gegangen sei, um
+schneller nach Waterton zu kommen, als er dicht an
+der Fenz hin zwei M&auml;nner gesehen habe, von denen
+der Eine eine Flinte, der andere aber Hacken und
+Spaten getragen. Nicht weit von ihm seien sie eine
+Weile stehen geblieben und er h&auml;tte deutlich die
+Stimme des kleinen irischen Doktors erkennen k&ouml;nnen,
+der mit seinem Diener davon gesprochen, den
+todten Indianer in einen Sack zu stecken und zu
+Hause zu tragen.</p>
+
+<p>Sip war eben nur de&szlig;halb so erschreckt &uuml;ber das
+Ganze, weil er seinen eigenen Master schon vor dem
+Begr&auml;bni&szlig; des Indianers sagen geh&ouml;rt, sie d&uuml;rften
+es unm&ouml;glich wagen, die Rache der noch in der
+Gegend umherstreifenden Indianer zu erwecken, denn
+solche Menschen, die Nichts weiter zu verlieren
+h&auml;tten, und dabei vielleicht noch gar eine gerechte
+Vergeltung f&uuml;r erlittene Unbill auszu&uuml;ben glaubten,
+seien zu Allem f&auml;hig und w&uuml;rden die Wei&szlig;en nachher
+ruhig todtschlagen, das, was sie bes&auml;&szlig;en, rauben,
+und die Neger&nbsp;&mdash;&nbsp;eine Hauptsache f&uuml;r <span class="wide">Sip,</span> in Gefangenschaft
+schleppen.</p>
+
+<p>So unausf&uuml;hrbar nun auch das Letztere gewesen
+w&auml;re, da die Indianer, nach einem ausgef&uuml;hrten Gewaltstreich,
+nur nach Canada hoffen durften zu entkommen,
+so glaubte doch Sip, mit der Geographie
+des Landes wenig bekannt, seine Existenz auf das
+Äu&szlig;erste gef&auml;hrdet, und bat jetzt die M&auml;nner mit
+thr&auml;nenden Augen, sie m&ouml;chten doch nur um Gotteswillen
+nicht zugeben, da&szlig; die b&ouml;sen Menschen ihr
+Vorhaben ausf&uuml;hrten.</p>
+
+<p>&raquo;Hm,&laquo; sagte nach langer Pause Weppel, als
+Sip geendet und sch&uuml;chtern in eine Ecke zur&uuml;ckgetreten
+war&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;der verw&uuml;nschte kleine Doktor wird uns am
+Ende noch zu schaffen machen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ei potz Hammer und Zangen,&laquo; rief Josy&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wir wollen ihm nach&nbsp;&mdash;&nbsp;wer f&uuml;rchtet sich denn vor
+seiner alten Muskete, die nie im Leben losgeht, und
+mit der er oft Stundenlang zwischen den Eichh&ouml;rnchen
+drau&szlig;en herumschnappt. Wir wollen doch einmal
+sehen, ob der Fremde hier nach Waterton gekommen
+sein soll, um uns hier, wider Willen, in Gefahr von
+Leib und Leben zu bringen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nein, das seh' ich auch nicht ein!&laquo; sagte Weppel
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;er hat bei uns um den Leichnam angehalten
+&nbsp;&mdash;&nbsp;er ist ihm abgeschlagen, und wenn er ihn
+jetzt <span class="wide">stehlen</span> will, so brauchen wir das nicht zu
+leiden.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Leiden?&laquo; donnerte der kr&auml;ftige Schmied dazwischen
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;der Teufel brauchts zu leiden&nbsp;&mdash;&nbsp;aber wir
+nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;hol' doch den ganzen Irl&auml;nder der B&ouml;se&nbsp;&mdash;&nbsp;
+mag er zu seinem eigenen Land zur&uuml;ckgehen, wo's
+keine Fr&ouml;sche und Schlangen giebt, wenn er aber
+<span class="wide">hier</span> leben will, so soll er sich auch den Gesetzen des
+Landes f&uuml;gen, oder&nbsp;&mdash;&nbsp;ich will ihn mit ein paar
+H&auml;mmern bekannt machen, zu denen er lieber Alles
+in der Welt, als zum zweiten Mal den Ambos abgeben
+sollte. Kommt, wir wollen ihm nach, und wenn
+<span class="wide">ich</span> ihn nicht vom Leichenstehlen curire, so hei&szlig;t mich
+einen Holzkopf.&laquo;</p>
+
+<p>Der ehrliche Schmied dr&uuml;ckte sich den Hut fest
+in die Stirn, und schien, ohne alle weiteren Umst&auml;nde,
+seine Absicht auch ausf&uuml;hren zu wollen; Shark stellte
+sich ihm aber entgegen, erfa&szlig;te seinen Arm und sagte,
+w&auml;hrend er sich mit der Linken leise das glatt-rasirte
+Kinn strich:</p>
+
+<p>&raquo;Gentlemen, die Sache hat zwei Seiten&nbsp;&mdash;&nbsp;der
+Indianer geh&ouml;rt nicht mehr in den Staat&nbsp;&mdash;&nbsp;er liegt
+auf <span class="wide">Congre&szlig;land</span> begraben und <span class="wide">wir</span> haben eben
+so viel und so wenig Recht darauf, als der Doktor
+&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">gesetzlich</span> k&ouml;nnen wir ihm also gar Nichts
+anhaben. Treten wir dabei die Sache breit, und
+fangen wir Streit an, so wird, mehr als n&ouml;thig ist,
+davon gesprochen und die Aufmerksamkeit der Indianer
+noch st&auml;rker nach Waterton gelenkt, als das bis
+jetzt schon geschehen;&nbsp;&mdash;&nbsp;lie&szlig;e sich das Ganze nicht
+auf irgend eine andere Art beilegen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ist er denn aber auch nach dem indianischen
+Grabe?&laquo; frug Mrs. Glassy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das liegt doch gerade
+in ganz entgegengesetzter Richtung!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nun nat&uuml;rlich wird er nicht bei Nacht und
+Nebel mit Hacken und Spaten mitten durch die Stadt
+laufen,&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte der Schulmeister&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;so gescheidt
+ist er auch. Ich habe mir's aber gedacht, ich habe
+mir's wahrhaftig gedacht.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ach was <span class="wide">denken,</span>&laquo; fiel der Schmied hier &auml;rgerlich
+ein&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;hol' der Teufel das Denken, wir gehen
+hin, hauen ihm die Jacke voll, da&szlig; er das Wiederkommen
+vergi&szlig;t und machen ihm dadurch begreiflich,
+da&szlig; er sich, wenn er einmal in Amerika leben
+will, auch so betragen soll, wie's die Amerikaner
+verlangen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Meine Herrn!&laquo; unterbrach ihn hier Shark&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;dagegen mu&szlig; ich zweierlei einwenden&nbsp;&mdash;&nbsp;erstlich
+habe ich einen f&uuml;rchterlich hohlen Zahn, der schon
+jetzt wieder anf&auml;ngt wehzuthun, und den ich mir
+vom Doktor morgen wollte herausrei&szlig;en lassen, und
+dann&nbsp;&mdash;&nbsp;k&ouml;nnte die verw&uuml;nschte Flinte <span class="wide">doch</span> einmal
+losgehen&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">die</span> Art Schie&szlig;eisen wartet gew&ouml;hnlich
+den Zeitpunkt ab, wo sie eigentlich nicht feuern
+sollte, und dann feuert sie erst recht. In dem einen
+Falle br&auml;che er mir, um sich zu r&auml;chen, vielleicht die
+halbe Kinnlade aus, im anderen k&ouml;nnte er, was
+noch schlimmer w&auml;re, einen von uns todtschie&szlig;en;
+ich schlage also vor, da&szlig; wir uns auf etwas Besseres
+besinnen.&nbsp;&mdash;&nbsp;Wie w&auml;re es zum Beispiel, wenn wir
+ihm den ersten Neger verspr&auml;chen, der in der Ansiedlung
+stirbt.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Oh Go&nbsp;&mdash;&nbsp;Golly, Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;Ma&nbsp;&mdash;&nbsp;Massa!&laquo;
+schrie Sip entsetzt, &raquo;was hat a&nbsp;&mdash;&nbsp;a&nbsp;&mdash;&nbsp;arme Nigger
+gethan,&nbsp;&mdash;&nbsp;N&nbsp;&mdash;&nbsp;nein&nbsp;&mdash;&nbsp;Sip we&nbsp;&mdash;&nbsp;we&nbsp;&mdash;&nbsp;
+wei&szlig; 'was Be&nbsp;&mdash;&nbsp;Besseres!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Heraus denn damit, du schwarze Nothflagge
+du&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;lachte Weppel&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;heraus mit dem Be&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Besseren!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Massa Bo&nbsp;&mdash;&nbsp;Botherme, f&uuml;&nbsp;&mdash;&nbsp;f&uuml;&nbsp;&mdash;&nbsp;f&uuml;rchtet
+Indian&nbsp;&mdash;&nbsp;i&nbsp;&mdash;&nbsp;i&nbsp;&mdash;&nbsp;ich schreie ge&nbsp;&mdash;&nbsp;gerad wie
+Indian&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;und ohne eine weitere Aufforderung abzuwarten,
+stie&szlig; der kleine Neger pl&ouml;tzlich in so t&auml;uschender
+Nachahmung und so scharf und gellend den
+trotzigen Schlachtschrei der Winnebagoes aus, da&szlig;
+Mrs. Glassy entsetzt zusammenfuhr, und selbst die
+M&auml;nner &uuml;berrascht, emporfuhren. Shark hatte aber
+im Augenblick begriffen, was der Knabe meinte, und
+rief jetzt jubelnd aus:</p>
+
+<p>&raquo;Bei Gott, Kinder, ich hab's&nbsp;&mdash;&nbsp;Sip hat recht,
+das ist ein kapitaler Einfall&nbsp;&mdash;&nbsp;wir wollen Indianer
+spielen. Dunkel ist's, der Mond ist unter, da brauchen
+wir nur Jeder eine wei&szlig;e wollene Decke umzuh&auml;ngen,
+und unsere Garderobe ist fertig. Drau&szlig;en
+schleichen wir uns denn an das Grab hinan und
+wenn Sip hier zu schreien anf&auml;ngt, und wir anderen
+einstimmen, dann denk' ich, soll der gute Doktor
+glauben, alle drei ausgewanderten St&auml;mme s&auml;&szlig;en ihm
+auf dem Nacken.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Da m&ouml;chten wir aber auch unsere B&uuml;chsen mitnehmen,&laquo;
+meinte Josy, dem der Einfall zu behagen
+schien, denn er schmunzelte ganz wohlgef&auml;llig vor
+sich hin.</p>
+
+<p>&raquo;I Gott bewahre!&laquo; sagte der etwas &auml;ngstliche
+Kr&auml;mer, &raquo;wozu? der Wald ist dicht verwachsen, und
+so ein Ding k&ouml;nnte unterwegs einmal losgehen. Es
+soll ja auch gar kein Ernst aus der Sache gemacht
+werden.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wenn sich aber der Doktor zur Wehre setzt&laquo;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;meinte Weppel.</p>
+
+<p>&raquo;Nein, daf&uuml;r steh' ich,&laquo; lachte der Wirth&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;wenn der die B&uuml;sche rascheln und nachher den &auml;chten
+Schlachtschrei h&ouml;rt, dann m&ouml;chte ich meinen Hals
+darauf verwetten, da&szlig; er Fersengeld giebt, als ob der
+B&ouml;se hinter ihm w&auml;re.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Aber reinen Mund m&uuml;ssen wir halten,&laquo; meinte
+Shark&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;sonst holt er ihn sp&auml;ter am Ende doch
+noch.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wenn der <span class="wide">einmal</span> verjagt ist, kommt er sobald
+nicht wieder&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte Glassy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;&uuml;brigens
+ist's einerlei, ob wir bei <span class="wide">dem</span> einen &auml;chten oder
+un&auml;chten Schlachtschrei haben&nbsp;&mdash;&nbsp;der versteht ihn
+doch nicht zu unterscheiden&nbsp;&mdash;&nbsp;was hilft auch der
+Kuh Muskate&nbsp;&mdash;&nbsp;doch gleich viel, jetzt nur fort,
+da&szlig; wir nicht zu sp&auml;t kommen. Er ist, wie Sip
+sagt, durch die Felder gegangen, da mu&szlig; er einen
+weiten Umweg machen, bis er an den oberen Baum
+kommt, der &uuml;ber den Flu&szlig; liegt, sonst kann er nicht
+hin&uuml;ber. Wir k&ouml;nnen indessen hier gleich &uuml;ber die
+Br&uuml;cke und auf der breiten Stra&szlig;e fortgehen, dadurch
+schneiden wir wenigstens eine halbe Stunde Weges
+ab. Du Frauchen, magst uns aber indessen einen
+hei&szlig;en Punsch brauen, wenn wir wieder kommen,
+werden wir ihn brauchen k&ouml;nnen, und jetzt ihr Herren
+&nbsp;&mdash;&nbsp;an's Werk.&laquo;</p>
+
+<p>Es war Nacht&nbsp;&mdash;&nbsp;droben vom Himmel blitzten
+in unendlicher Pracht die sch&ouml;nen herrlichen Sterne
+vom Firmamente nieder&nbsp;&mdash;&nbsp;ein leiser S&uuml;dwind strich
+fast ger&auml;uschlos &uuml;ber die weite Prairie daher, nur
+das schwankende Gras bog er nieder, da&szlig; die hellen,
+daran blitzenden Thauperlen schwer hinab auf den
+feuchten Boden fielen.&nbsp;&mdash;&nbsp;Sobald er aber das Flu&szlig;thal
+erreichte, wo die hohen, kr&auml;ftigen B&auml;ume standen,
+da gewann er auch neue Macht, da schien er
+sich recht fest und trotzig zusammenzunehmen, und
+hinein warf er sich in die Wipfel, und rauschte und
+brauste hindurch, als ob er ihnen Wunder was Wichtiges
+zu sagen habe. Die aber sch&uuml;ttelten leise und
+altklug mit den K&ouml;pfen&nbsp;&mdash;&nbsp;sie wu&szlig;ten recht gut, da&szlig;
+von dort her, aus dem weichlichen S&uuml;den, nichts
+Derbes und T&uuml;chtiges herkommen k&ouml;nne. &raquo;Ja,&laquo;
+sagten sie, &raquo;wenn er von da dr&uuml;ben her&uuml;ber, &uuml;ber
+die Seen her, bliese, von den starren Eisgletschern
+nieder, dann w&auml;r's noch der M&uuml;he werth, sich dagegen
+zu stemmen, oder einander die Arme zu reichen,
+zu H&uuml;lfe und Schutz, so aber&nbsp;&mdash;&nbsp;la&szlig;t ihn weiter
+ziehen, Schwestern&nbsp;&mdash;&nbsp;es ist ein S&uuml;dl&auml;nder&nbsp;&mdash;&nbsp;er
+tritt patzig auf, fl&uuml;stert einem Jeden etwas Sch&ouml;nes
+in's Ohr, und ist dann eben so leicht verschwunden,
+wie er gekommen.&laquo;</p>
+
+<p>So allerlei altkluges Zeug schwatzten die Zweige
+und der Schuhu sa&szlig; mitten drinn und schaute g&auml;hnend
+in das noch vom letzten Herbst dort unten liegende
+gelbe Laub, ob nicht etwa irgend ein leckerer
+Bissen in Gestalt eines kleinen Kaninchens oder auch
+einer fetten Maus, vorbeischleiche und ihm die unbequemere
+Suche erspare.</p>
+
+<p>Die Natur feierte ihren Sabath&nbsp;&mdash;&nbsp;heilige Ruhe
+lag &uuml;ber der ganzen Welt, sogar die Fr&ouml;sche riefen
+ihr monotones Lied nur ganz leise und sch&uuml;chtern
+ab, anstatt wie sonst so recht aus voller Kehle hineinzuquaken
+in die stille&nbsp;&mdash;&nbsp;hehre Nacht. Tiefe
+Dunkelheit lagerte auf dem Walde, selbst die Sterne
+konnten nicht mit ihrem matten Licht durch die dicht
+verwachsenen Zweige dringen; nur da, wo sich der
+kleine Flu&szlig; seine unregelm&auml;&szlig;ige, zickzack laufende
+Bahn durch den fetten Boden brach, hatten sich die
+Riesenwipfel getrennt und die freundlichen Himmelsk&ouml;rper
+spiegelten sich in der klaren Fluth und schienen
+auf den leichtgekr&auml;uselten Wogen zu schwimmen und
+zu tanzen.</p>
+
+<p>Aber auch noch ein anderer Fleck lag in der waldigen
+Niederung, wo das blasse Sternenlicht seinen
+matten, d&auml;mmernden Eingang fand&nbsp;&mdash;&nbsp;es war dies
+eine jener tausend kleinen Waldbl&ouml;&szlig;en, die durch die
+ganzen westlichen W&auml;lder zerstreut sind und nur Gras
+und Blumen erzeugen, w&auml;hrend der sie umschlie&szlig;ende
+Boden die kr&auml;ftigsten, stattlichsten B&auml;ume tr&auml;gt,
+und es schien fast, als ob nur wenige jener ungeheueren
+St&auml;mme hier herausgerissen seien, und das
+weite, die enge, nackte Stelle umkreisende Waldmeer
+schon im Begriff w&auml;re, sich wieder &uuml;ber derselben zu
+schlie&szlig;en.</p>
+
+<p>Der freie Raum mochte kaum sechzig Fu&szlig; im
+Durchschnitt haben; seinen Mittelpunkt bildete aber
+ein niederer, vielleicht sieben Fu&szlig; hoher H&uuml;gel, der,
+mit dichtem Gras bewachsen, nur auf dem Gipfel
+eine Wunde trug, wo der Rasen frisch aufgerissen
+schien und die in spitzem Kamm festgeschlagene Erde
+den Ort verrieth, unter dem der starre K&ouml;rper eines
+Menschen ausruhe von allen irdischen Lasten und
+Leiden.</p>
+
+<p>Heimlich und still lag der schaurige Platz inmitten
+des gr&uuml;nenden Waldes, und nur der Wolf
+hatte ihn, als er seine erste Runde beging, umschlichen,
+und von dem frischen Grabe aus seinen
+Nachtgru&szlig; hinauf geheult zu den Sternen&nbsp;&mdash;&nbsp;die Spuren
+seiner scharfen Krallen bezeichneten noch den weichen
+Grund.</p>
+
+<p>Aber was hob sich dort, dunkel und ungewi&szlig;,
+im matten Licht, dicht zu H&auml;upten des Grabes?
+War es ein Stein der Erinnerung, den die Bewohner
+von Waterton dem fremden Krieger gesetzt?
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Hatten sie soweit sein Andenken geehrt, um sogar
+den Platz zu bezeichnen, wo Einer der von ihnen
+Vertriebenen sein Haupt berge unter den B&auml;umen,
+deren Schatten ihn fr&uuml;her erquickte? Ach nein&nbsp;&mdash;&nbsp;
+nein&nbsp;&mdash;&nbsp;nicht Liebe war's, die das erkaltete Herz
+hier einscharrte in seine irdene Urne&nbsp;&mdash;&nbsp;den Leichnam
+aus dem Weg zu schaffen, hatten sie gemeint;
+so schnell und bequem das geschehen konnte, so schnell
+geschah es&nbsp;&mdash;&nbsp;da&szlig; sie das indianische Grab dazu
+gew&auml;hlt, war die einzige Freundlichkeit, die sie der
+Race selbst bewiesen.</p>
+
+<p>Und jener Stein?&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>H&auml;ttest du die dunkelgl&uuml;henden Augen gesehen,
+wie sie unter der fest und stolz emporsteigenden Adlersfeder
+vorfunkelten&nbsp;&mdash;&nbsp;h&auml;ttest du den leisen monotonen
+Sang geh&ouml;rt, mit dem er, wie in kaum vernehmbaren
+Fl&uuml;stern, die Todtenklage &uuml;ber den Geschiedenen
+murmelte, du h&auml;ttest nicht nach einem
+<span class="wide">Stein</span> gefragt&nbsp;&mdash;&nbsp;ein <span class="wide">lebendes</span> Monument seines
+Stammes, kauerte der H&auml;uptling, im vollen Schmuck
+des Kriegers, &uuml;ber dem Grab&nbsp;&mdash;&nbsp;seines <span class="wide">Vaters,</span>
+und w&auml;hrend die Linke fast bis zum Handgelenk in
+den weichen lockeren Boden sank, hielt er die Rechte
+starr und regungslos zu den Sternen gestreckt, als
+ob er K&ouml;rper und Seele des Verblichenen herauf
+und hernieder ziehen wolle zu sich, dem allein Zur&uuml;ckgebliebenen.</p>
+
+<p>Da pl&ouml;tzlich hob er rasch und lauschend das
+dunkle Haupt&nbsp;&mdash;&nbsp;die hohe Feder schwankte von der
+fast unwillk&uuml;hrlichen Bewegung, und mehrere Secunden
+lang schien er mit der gespanntesten Aufmerksamkeit
+einem noch fernen aber seinen scharfen Sinnen
+nicht entgangenen Ger&auml;usch zu horchen.</p>
+
+<p>Es kam n&auml;her&nbsp;&mdash;&nbsp;er unterschied Stimmen&nbsp;&mdash;&nbsp;
+er vernahm das Krachen und Knicken niedergebrochener
+d&uuml;rrer Zweige, und sich jetzt vorsichtig erhebend
+&nbsp;&mdash;&nbsp;das Antlitz fortw&auml;hrend der Stelle zugewandt,
+von der die st&ouml;renden Laute t&ouml;nten, glitt er
+leise zur&uuml;ck in den sch&uuml;tzenden Schatten der B&auml;ume und
+verschwand im n&auml;chsten Augenblick in ihrem Dunkel.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&raquo;Ich sage dir Patrik&nbsp;&mdash;&nbsp;du bist ein Esel!&laquo; rief
+Doktor Mac Botherme, als er wenigstens zum f&uuml;nfzigsten
+Mal &uuml;ber die im Wege liegenden Äste gestolpert
+und gest&uuml;rzt war, und eben wieder, die
+Schienbeine reibend, aufstand&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;du schwatzt ja
+Zeug, was einen vern&uuml;nftigen Christenmenschen in
+seiner eigenen Wohnung zur Verzweiflung bringen
+k&ouml;nnte, geschweige denn hier, in diesem verfluchten
+Wirrwarr von knochenzerbrechenden B&auml;umen&nbsp;&mdash;&nbsp;Herr
+Gott!&laquo; unterbrach er sich hier selbst in halbverbissenem
+Schmerzschrei, als er eben wieder mit dem Gesicht
+in einer der scharfdornigen Schlingpflanzen h&auml;ngen
+geblieben war, und sich nun sorgf&auml;ltig mit der flachen
+Hand &uuml;ber Stirn und Backen fuhr, um zu f&uuml;hlen,
+ob er nicht blute.</p>
+
+<p>&raquo;Aber Doktor Mac Botherme&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;fuhr der dadurch
+unger&uuml;hrte Patrik in seinem breiten irischen
+Dialekte und in der eben erst unterbrochenen Rede
+fort, indem er stehen blieb, Hacken und Spaten auf
+die Erde niedersetzte und sich &auml;ngstlich dabei nach allen
+Seiten hin umsah&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ist es denn nicht meiner
+Mutter Sohn, den sie alle Augenblicke bald rechts,
+bald links festhalten, als ob sie sagen wollten: &raquo;Patrik,
+mein Herzchen, mein Juwel, gehe nicht weiter&nbsp;&mdash;&nbsp;
+gehe keinen Schritt weiter, in dieser gesegneten Nacht
+&nbsp;&mdash;&nbsp;es kostet sonst deine Seele&nbsp;&mdash;&nbsp;du bist ein verlorenes
+Schaaf.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Du bist ein <span class="wide">geborener Ochse</span>&nbsp;&mdash;&nbsp;Patrik,
+mein Herzchen!&laquo; rief der Doktor &auml;rgerlich, dem die
+Angst seines Gef&auml;hrten keineswegs gelegen kam. &raquo;Hab'
+ich dir nicht schon zehntausend Mal gesagt, da&szlig; es
+die Zweige und wilden Rebenst&ouml;cke sind, in denen du
+h&auml;ngen bleibst;&nbsp;&mdash;&nbsp;wenn du dich nicht jedesmal
+b&uuml;cktest und an zu beten fingst, so k&ouml;nntest du's selber
+sehen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Arrah Sir&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;seufzte der sich hier h&ouml;chst
+unbehaglich befindende Ire, &raquo;mag's mir die Mutter
+Maria vergeben, da&szlig; ich mich bei Nacht in solch
+heidnischen Wald getraut habe; aber so viel wei&szlig; ich
+&nbsp;&mdash;&nbsp;bin ich erst einmal wieder in der Stadt&nbsp;&mdash;&nbsp;keine
+Seele kriegt mich zum zweiten Mal in eine solche
+Gegend.&nbsp;&mdash;&nbsp;Und nun auch erst noch Leichen ausgraben&laquo;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;fuhr er mit weinerlicher Stimme fort,
+als der Doktor indessen, sich wenig um seine Klagen
+k&uuml;mmernd, die Gegend recognoscirte, in der sie sich
+befanden;&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Leichen ausscharren, wie's die wilden
+Bestien in Afrika machen sollen&nbsp;&mdash;&nbsp;und Leichen zu
+Haus tragen und kochen, wie ein anderes ehrliches
+St&uuml;ck Rindfleisch&nbsp;&mdash;&nbsp;o J&auml;ses, o J&auml;ses, wenn uns
+heute der B&ouml;se nicht holt, dann giebt's gar keinen!&laquo;</p>
+
+<p>Patrik hatte in aller Verzweiflung sein Handwerkszeug
+fallen lassen, und kauerte sich, die H&auml;nde
+&uuml;ber die Knie gefaltet, &auml;ngstlich nieder. Mac Botherme
+kannte aber den Geist, der seine Geister<span class="wide">furcht</span> zu
+bannen vermochte&nbsp;&mdash;&nbsp;aus seiner Tasche holte er die
+mit Leder &uuml;berzogene Feldflasche vor, zog den St&ouml;psel
+ab und hielt sie mit ausgestrecktem Arm dem Muthlosen
+entgegen.</p>
+
+<p>&raquo;Hier Patrik!&laquo; sagte er dabei&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;deine Einbildungskraft
+wird trocken&nbsp;&mdash;&nbsp;gie&szlig; ihr ein wenig
+Bergthau auf die Wurzeln&nbsp;&mdash;&nbsp;nachher erholt sie
+sich wieder, und&nbsp;&mdash;&nbsp;bedenke, da&szlig; du, wenn du mir
+jetzt getreulich beistehst, nach gl&uuml;cklich abgelaufenem
+Abenteuer zwei Dollar baar Geld und&nbsp;&mdash;&nbsp;zwei
+Gallonen&nbsp;&mdash;&nbsp;sage zwei Gallonen Whiskey erh&auml;ltst,
+und den zwar vom besten!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;<i>Honey my dear!</i>&laquo; sagte Patrik, der schon bei
+dem Abziehen des St&ouml;pfels den Kopf gehoben und
+einen fl&uuml;chtigen aber sehns&uuml;chtigen Blick nach der
+Flasche hin&uuml;bergeworfen hatte.&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Doktor Mac Botherme
+ist der Mann, der einem armen gedr&uuml;ckten
+Menschen wieder Muth einsprechen kann in der
+Noth. Doktor Mac Botherme ist ein ordentlicher
+wirklicher Christ, wie Vater O'Rhoole sagte, wenn
+er Sonntags den Beichtpfennig kriegte.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sei nur jetzt ruhig, Patrik!&laquo; beschwichtigte ihn
+der Doktor, und warf einen scheuen Blick umher
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wir k&ouml;nnen nicht mehr weit von der Stelle
+sein, und je ruhiger wir das ganze Gesch&auml;ft abmachen,
+desto besser ists. Es&nbsp;&mdash;&nbsp;es k&ouml;nnte ja doch
+<i>per</i> Zufall so eine verw&uuml;nschte Rothhaut im Walde
+herumkriechen, und dann ist's immer besser, man
+schreit so wenig als m&ouml;glich. Komm Patrik&nbsp;&mdash;&nbsp;in
+einer Stunde kann unser ganzes Gesch&auml;ft abgemacht
+sein.&laquo;</p>
+
+<p>Er war im Begriff seinen Weg fortzusetzen, als
+Patrik, der indessen die Flasche an sich genommen
+hatte, pl&ouml;tzlich seinen Arm ergriff, und leise fl&uuml;sternd,
+aber mit &auml;ngstlicher Stimme sagte:</p>
+
+<p>&raquo;Und sind es wirklich die rothen, blutd&uuml;rstigen
+Deiwels, die einem rechtschaffenen Christen die
+Haut vom Kopfe ziehn und Geldbeutel d'raus
+machen? sinds die rothen Indianer, von denen Doktor
+Mac Botherme f&uuml;rchtete, da&szlig; sie hier herumschn&uuml;ffeln
+und Lust nach Paddy O'Flahertis Goldhaar haben
+k&ouml;nnten?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Rede nicht so albernes Zeug, Pat!&laquo; sagte der
+Doktor, und machte seinen Arm von dem des Dieners
+los&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;komm lieber, und sei gescheidt&nbsp;&mdash;&nbsp;denk
+an den Whiskey und an die Dollar, denn nicht der
+rothe Pfennig oder der klare Tropfen ist's, den Patrik
+O'Flaherti zu schmecken bekommt, wenn er jetzt
+noch lange mit Zweifeln und Reden die Zeit vertr&ouml;delt!&laquo;</p>
+
+<p>Der w&uuml;rdige Doktor hatte sich auf die Art mit
+Willen in eine Art Zorn hineinge&auml;rgert, damit er
+die eigene Furcht beschwichtige, und ohne eine weitere
+Einwendung abzuwarten, schritt er rasch vorw&auml;rts,
+und hatte so, wenn auch unbewu&szlig;t, die beste
+Methode gefunden, seinen Begleiter folgen zu machen,
+denn der w&auml;re nicht, um alle Versprechungen
+der Welt, allein im Walde zur&uuml;ckgeblieben. Nur
+wenige hundert Schritte brachten sie aber auch an
+das ersehnte Ziel, und Patrik sch&uuml;ttelte sich leise,
+da er den stillen heimlichen Fleck erblickte, dessen
+Ruhe sie mit frechen, unheiligen H&auml;nden entweihen
+wollten.</p>
+
+<p>&raquo;Patrik,&laquo; fl&uuml;sterte der Doktor&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das hier ist
+die Stelle&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">hier</span> ist das Grab&nbsp;&mdash;&nbsp;da gerade in der
+Mitte.&nbsp;&mdash;&nbsp;So, nun nimm deine Hacke und Spaten
+herunter und ich will indessen die Flinte laden gieb
+mir einmal das Pulverhorn&nbsp;&mdash;&nbsp;wir werden's
+hoffentlich nicht brauchen, aber der Henker traue doch
+dem Frieden&nbsp;&mdash;&nbsp;besser ist besser&nbsp;&mdash;&nbsp;nun? h&ouml;rst du
+nicht, Pat? das Pulverhorn will ich haben!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Und ist es das, was Ihr verlangt?&laquo; frug Patrik
+erstaunt, &raquo;steckt denn nicht Alles in Eurer eigenen
+Tasche?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Unsinn, Pat!&laquo; sagte der Doktor &auml;rgerlich, w&auml;hrend
+er sich jedoch die Taschen bef&uuml;hlte, ob er das
+Geforderte vielleicht dennoch in Gedanken eingesteckt
+habe.&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Unsinn Pat, <span class="wide">hier</span> ist's nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;und da
+nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;und da vorne auch nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;ich hab' es
+dir ja auch, einen Augenblick ehe wir fortgingen, in
+die Hand gegeben.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Segne Eure Seele Herr!&laquo; rief Patrik schnell
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;und ist es weiter Nichts wie das lange Kuhhorn
+mit dem gr&uuml;nen Bindfaden d'ran, was Ihr
+sucht?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nein, das gerade&nbsp;&mdash;&nbsp;hast du's?&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;O Misther&nbsp;&mdash;&nbsp;macht Euch keine Sorge de&szlig;halb,
+das h&auml;ngt ruhig am Nagel hinter der Th&uuml;r.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Holzkopf!&laquo; rief der Doktor entr&uuml;stet&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;hab'
+ich dir nicht noch ausdr&uuml;cklich befohlen&nbsp;&mdash;&nbsp;du solltest
+dich in Acht nehmen, da&szlig; es nicht na&szlig; w&uuml;rde.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Arrah, Ochone, Herr, und ist das nicht eben
+die Ursache, weshalb ich's hinter die Th&uuml;re hing?&laquo;
+erwiederte der unverw&uuml;stliche Ire&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wie h&auml;tt'
+ich's k&ouml;nnen trocken halten, wenn's heut' Abend
+regnete?&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&raquo;<i>O sancta simplicitas!</i>&laquo; murmelte der Doktor
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;da&nbsp;&mdash;&nbsp;jetzt sitzen wir in einer ganz gem&uuml;thlichen
+Patsche&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">wenn</span> nun die Indianer k&auml;men,
+Patrik, <span class="wide">wenn</span> sie nun k&auml;men?!&nbsp;&mdash;&nbsp;das war der
+d&uuml;mmste Streich, den deines Vaters Sohn seit
+langer Zeit gemacht&nbsp;&mdash;&nbsp;jetzt hab' ich doch das
+Schie&szlig;eisen mit geschleppt, da&szlig; mir die ganze linke
+Schulter so blau ist, wie ein deutscher Sonntagsrock.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Patrik, der ungef&auml;hr eben so viel vom Laden eines
+Gewehrs wie vom Clavierspielen verstand,
+konnte gar nicht begreifen, weshalb sein &raquo;Misther&laquo;
+so &auml;rgerlich sei&nbsp;&mdash;&nbsp;da sie ja doch den <span class="wide">Whiskey</span>
+nicht vergessen hatten; er begn&uuml;gte sich deshalb
+blo&szlig;, einfach mit dem Kopf zu sch&uuml;tteln, gehorchte
+nun aber auch eifrig dem in etwas barschen Ton
+gegebenen Befehl, &raquo;abzuladen&laquo; und die Arbeit zu beginnen.
+Er warf also die mitgebrachten Werkzeuge
+in's Gras nieder, nahm dann die breite Hacke auf,
+die er in der Hand wog und sich sch&uuml;chtern dabei
+umschaute, als wenn er nicht ganz sicher w&auml;re, wie
+er das Werkzeug zu gebrauchen h&auml;tte, zur Arbeit
+oder gar zur Vertheidigung, und schritt dann langsam,
+und augenscheinlich mit schwerem Herzen dem Mittelpunkt
+der kleinen Lichtung, dem Grabe zu, wo
+er stehen blieb und nun unruhig den Blick nach allen
+Seiten umherwarf.</p>
+
+<p>Der kleine Doktor hatte sich indessen des gro&szlig;en
+unbeh&uuml;lflichen Sacks entledigt, den er auseinander
+wickelte, dann das Beil und Brecheisen hervornahm,
+um sp&auml;ter, wenn der Sarg erst einmal zu Tage gef&ouml;rdert
+war, nicht weiter aufgehalten zu werden,
+und wandte sich nun an seinen Gef&auml;hrten, der noch
+immer keine Anstalt machte, zu beginnen.</p>
+
+<p>&raquo;Patrik&nbsp;&mdash;&nbsp;<i>honey</i>!&laquo; sagte der w&uuml;rdige Mann,
+w&auml;hrend er den Spaten aufnahm und den H&uuml;gel
+rasch hinanschritt, &raquo;Patrik mein Herzchen, komm und
+lass' uns munter an's Werk gehen.&nbsp;&mdash;&nbsp;Je l&auml;nger
+hier, je sp&auml;ter dort&nbsp;&mdash;&nbsp;hier ist das Grab und der
+rothe Bursche liegt starr und steif d'rin&nbsp;&mdash;&nbsp;denk' an
+den Whiskey, Paddy!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Und ist es nicht der Whiskey, der mich bis
+jetzt lebendig gehalten hat&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte Patrik und
+that einen herzhaften Zug aus der jetzt fast geleerten
+Flasche, die er aber sorgf&auml;ltig in seine eigene Tasche
+zur&uuml;ckschob&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;war es nicht die liebe Himmelsgabe,
+die mich getr&auml;nkt und gew&auml;rmt hat&nbsp;&mdash;&nbsp;aber
+Misther Doktor&nbsp;&mdash;&nbsp;segne unsere Seele&nbsp;&mdash;&nbsp;ich wollte
+es w&auml;re vorbei&nbsp;&mdash;&nbsp;s'ist schauerliche Arbeit, den verkehrten
+Todtengr&auml;ber zu spielen&nbsp;&mdash;&nbsp;hallo, was war
+das?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Was war <span class="wide">was?</span>&laquo; rief der Doktor erschreckt,
+und sah sich nach allen Seiten um. &raquo;Was war
+<span class="wide">was,</span> Sir?&laquo;</p>
+
+<p>Beide horchten aufmerksam in den dunkeln Wald
+hinein, aber nur das leise Rauschen der B&auml;ume,
+das melancholische Quaken der Fr&ouml;sche konnten sie
+h&ouml;ren&nbsp;&mdash;&nbsp;sonst lag Alles still und ruhig um sie her,
+wie das Grab zu ihren F&uuml;&szlig;en. Der Doktor gewann
+dadurch wieder Muth und rief m&uuml;rrisch:</p>
+
+<p>&raquo;Nun hab' ich's satt&nbsp;&mdash;&nbsp;Sirrah&nbsp;&mdash;&nbsp;hack' ein
+und mach' ein Ende&nbsp;&mdash;&nbsp;wir wollen doch nicht die
+ganze <span class="wide">Nacht</span> hier auf dem Grabe zubringen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mit Gott denn&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte Patrik, zog seinen
+Rock aus, warf den alten Filz auf die Erde, streifte
+sich die Hemds&auml;rmel auf, spuckte sich in die breite
+sehnige Hand, ergriff die Hacke und holte eben zum
+ersten Schlage aus&nbsp;&mdash;&nbsp;da krachten und brachen&nbsp;&mdash;&nbsp;
+gar nicht weit von ihnen entfernt, die B&uuml;sche&nbsp;&mdash;&nbsp;
+durch die kleine Lichtung strich, von irgend etwas
+im Walde aufgescheucht&nbsp;&mdash;&nbsp;eine gro&szlig;e Eule, und in
+kurzen Zwischens&auml;tzen war es den beiden, jetzt starr
+wie Bilds&auml;ulen dastehenden Iren, als ob irgend Jemand
+&nbsp;&mdash;&nbsp;ob Hirsch, ob Mensch, lie&szlig; sich nicht unterscheiden
+&nbsp;&mdash;&nbsp;durch das vorj&auml;hrige gelbe Laub
+springe, mit dem der Boden in den amerikanischen
+W&auml;ldern das ganze Jahr &uuml;ber bedeckt bleibt.</p>
+
+<p>&raquo;Doktor&nbsp;&mdash;&nbsp;was war das?&laquo; fl&uuml;sterte Patrik
+leise, w&auml;hrend er die Hacke bed&auml;chtig wieder zu seinen
+F&uuml;&szlig;en niedersetzte.</p>
+
+<p>&raquo;Wei&szlig; der Teufel,&laquo; brummte Mac Botherme,
+&raquo;ob's blo&szlig; ein Hirsch war, der durch einen fallenden
+Ast aufgescheucht wurde&nbsp;&mdash;&nbsp;das <span class="wide">mu&szlig;</span> es auch gewesen
+sein,&nbsp;&mdash;&nbsp;wer, zum Henker sollte denn jetzt&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Doktor&nbsp;&mdash;&nbsp;Misther Doktor,&laquo; zischelte Patrik
+und blickte sich scheu, bald &uuml;ber die rechte, bald
+&uuml;ber die linke Schulter&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Patrik O'Flaherti ist's,
+dem's unheimlich zu Muthe wird&nbsp;&mdash;&nbsp;J&auml;ses&nbsp;&mdash;&nbsp;ich
+wollte ich l&auml;ge in Waterton im Bett und h&auml;tte im
+Leben keine Hacke in der Hand gehabt.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Beide M&auml;nner blieben eine kurze Zeitlang wie
+angewurzelt stehen, und horchten mit gespannter Aufmerksamkeit
+auch dem leisesten Ger&auml;usch&nbsp;&mdash;&nbsp;aber
+Alles lag wieder todtenstill und ruhig&nbsp;&mdash;&nbsp;selbst der
+Wind schien erstorben&nbsp;&mdash;&nbsp;kein L&uuml;ftchen regte sich.</p>
+
+<p>&raquo;Patrik,&laquo; sagte der Doktor, aber mit so leiser
+Stimme, da&szlig; er selbst kaum vernahm was er sprach
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Patrik&nbsp;&mdash;&nbsp;wir wollen unsere Arbeit schnell
+vollenden, und dann machen da&szlig; wir zu Hause
+kommen&nbsp;&mdash;&nbsp;es ist unheimlich hier auf dem freien
+offenen Fleck mit dem dunklen Wald rings herum.&laquo;</p>
+
+<p>Patrik erwiederte kein Wort, sondern warf nur
+noch einen Blick zur&uuml;ck gegen das Dickicht und einen
+Blick nach vorn, hob dann die Hacke und schlug sie,
+bis zu dem Stiel, tief in den weichen lockeren Boden
+ein. Als ob aber der Schlag eine Zauberformel
+gewesen w&auml;re, die alle b&ouml;sen Geister der Unterwelt
+mit Blitzesschnelle heraufbeschworen h&auml;tte, so
+schien in demselben Moment der ganze Wald einen
+einzigen wilden Schrei auszusto&szlig;en, und zugleich
+raschelten die B&uuml;sche&nbsp;&mdash;&nbsp;knackten und brachen die
+Zweige, und heraus aus dem Dickicht&nbsp;&mdash;&nbsp;Gespenstern
+gleich, mit den fast &uuml;bernat&uuml;rlich gellenden
+T&ouml;nen, brachen sechs, in fliegende Decken geh&uuml;llte
+Gestalten vor, und st&uuml;rmten gerade den flachen H&uuml;gel
+hinan auf die beiden starr und entsetzt dastehenden
+Leichenr&auml;uber ein.</p>
+
+<p>Starr und entsetzt dastehenden&nbsp;&mdash;&nbsp;ja&nbsp;&mdash;&nbsp;im ersten
+Augenblick der Überraschung&nbsp;&mdash;&nbsp;als noch Jeder
+von ihnen glaubte er tr&auml;ume, da so etwas F&uuml;rchterliches
+ja gar nicht wahr sein k&ouml;nne&nbsp;&mdash;&nbsp;pl&ouml;tzlich aber
+&nbsp;&mdash;&nbsp;wie der erste Gedanke an Indianer ihr Hirn durchzuckte,
+gewannen auch die Glieder ihre ganze fr&uuml;here
+Gelenkigkeit, wenn nicht in einem zehnfach vermehrten
+Grade wieder. Patrik schrie: &raquo;o J&auml;ses!&laquo; lie&szlig;
+die Hacke fallen und war mit zwei S&auml;tzen im entgegengesetzten
+Theile des Waldes verschwunden, der
+Doktor aber, keineswegs gesonnen, seinen kr&auml;ftigen
+Beistand so enteilen zu sehen und allein zur&uuml;ck zu
+bleiben um dessen R&uuml;ckzug zu decken, war kaum weniger
+behende auf seinen Fersen, und rief ihm zu, doch nur um
+Gotteswillen stehen zu bleiben und ihn mitzunehmen.</p>
+
+<p>Patrik, der in dem eigenen Rascheln der
+Zweige wohl die Stimme hinter sich h&ouml;rte, doch
+keineswegs einzuhalten gedacht, um die Leute zu
+unterscheiden&nbsp;&mdash;&nbsp;glaubte nat&uuml;rlich nicht anders
+als es sei Einer seiner rothh&auml;utigen Verfolger&nbsp;&mdash;&nbsp;
+befl&uuml;gelte also de&szlig;halb seinen Lauf um so mehr,
+warf Alles, was ihn an schneller Flucht hindern
+konnte, von sich, und erreichte nach kurz zur&uuml;ckgelegter
+Strecke den kleinen Flu&szlig;, den er &uuml;brigens
+erst bemerkte, als er bis an den Hals im Wasser
+stack, aus dem er sich nur mit gr&ouml;&szlig;ter Anstrengung
+zum anderen Ufer hin&uuml;berarbeiten konnte. Das
+nun, obgleich es steil und schl&uuml;pfrig war, erklomm
+er in ungeheuerer Schnelle, und trotz dem, da&szlig; hier
+Mac Botherme mit wirklich z&auml;rtlichem Tone seinen
+Namen rief&nbsp;&mdash;&nbsp;wandte er nicht einmal den Kopf,
+sondern st&uuml;rzte sich in wahrer Todesverachtung auf's
+Neue in Dornen und Schlingpflanzen hinein.</p>
+
+<p>Der Doktor w&auml;re ihm allerdings von Herzen
+gern gefolgt, konnte aber nicht schwimmen, und hatte
+nur noch so viel Geistesgegenwart, da&szlig; er begriff,
+wie ihm hier, wenn er nicht gerade von den Indianern
+ausdr&uuml;cklich verfolgt werde, keine weitere
+Gefahr drohe. Da er auch, um in die benachbarten
+Ansiedlungen auf Krankenbesuche zu reiten, den
+Wald schon nach allen Richtungen hin durchschnitten
+hatte, so wu&szlig;te er doch wenigstens ungef&auml;hr, wo er
+sich befand, und wollte jetzt am Flu&szlig; hinab gehen,
+um dort zuerst die Br&uuml;cke, und mit dieser die Stadt
+in vielleicht einer Stunde zu erreichen. Durch die
+bestandene Gefahr waren aber seine Sinne gesch&auml;rft
+und er vernahm jetzt zu seinem Entsetzen, da&szlig;
+gerade in der Richtung, die er einschlagen wollte, ebenfalls
+irgend etwas in den B&uuml;schen raschelte.</p>
+
+<p>Was es sei, sollte ihm nicht lange verborgen
+und eben so wenig Zeit zum Besinnen bleiben&nbsp;&mdash;&nbsp;im
+n&auml;chsten Moment theilten sich die Str&auml;ucher und
+eine dunkle Gestalt, mit&nbsp;&mdash;&nbsp;wie er damals glaubte&nbsp;&mdash;&nbsp;wei&szlig;bemaltem
+Gesicht sprang in wilden S&auml;tzen auf ihn zu.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Um aber nun erst wieder zu unseren beiden
+Leichenr&auml;ubern zur&uuml;ckzukehren, so hatten Patrik O'Flaherti
+und Doktor Mac Botherme auch &uuml;brigens,
+als sie sich in so kitzlicher Lage auf dem Grabe befanden,
+alle Ursache gehabt zu erschrecken, denn so
+pl&ouml;tzlich und ohne weitere Warnung von allen Seiten
+angegriffen zu werden, wo ihnen noch &uuml;berdies
+ihr Gewissen sagte, da&szlig; sie im Begriff w&auml;ren etwas
+Unerlaubtes und &auml;u&szlig;erst Gef&auml;hrliches zu thun,
+mu&szlig;te sie das Schlimmste f&uuml;rchten lassen, wenn sie
+besonders in die H&auml;nde ihrer wilden Feinde fielen,
+die sich Patrik gar nicht anders denken konnte, wie
+Menschenfresser; die Eile, mit der sie alles Hierhergebrachte
+zur&uuml;cklie&szlig;en, war also vollkommen zu entschuldigen.
+Jubelnd und lachend rannten indessen
+die Amerikaner, keineswegs gesonnen, ihnen weiter
+zu folgen, bis zu dem Gipfel des H&uuml;gels vor, von
+dem sie die Resurrectionisten vertrieben hatten, und
+Sip, der mit den wunderlichsten Spr&uuml;ngen und
+Grimassen nebenher getanzt war, stie&szlig; eben noch,
+als Schlu&szlig;- und Kraftakkord, und gleichsam um der
+Sache die letzte Politur zu geben, den markdurchschneidenden
+Kriegsschrei aus, der in die Ohren der
+beiden Fl&uuml;chtlinge gellte und sie zu immer wilderer
+Eile antrieb.</p>
+
+<p>&raquo;Gentlemen!&laquo; rief da Shark und schwenkte seinen
+alten Filz&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;der Sieg ist gelungen&nbsp;&mdash;&nbsp;die Festung
+erst&uuml;rmt&nbsp;&mdash;&nbsp;die Besatzung mit Zur&uuml;cklassung
+ihrer Fahnen und Gesch&uuml;tzst&uuml;cke entflohen und ich
+stimme daf&uuml;r, da&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>Wie von einer Natter gestochen, fuhr er zur&uuml;ck,
+denn dicht vor ihm stand, den blitzenden Tomahawk
+in der Hand&nbsp;&mdash;&nbsp;die wollene Decke leicht von den
+Schultern geworfen, die wehenden Federn noch
+schwankend von der raschen Bewegung&nbsp;&mdash;&nbsp;ein wirklicher,
+lebendiger H&auml;uptling&nbsp;&mdash;&nbsp;ein &raquo;scalps&uuml;chtiger&laquo;
+Wilder&nbsp;&mdash;&nbsp;ein R&auml;cher der gesch&auml;ndeten Grabst&auml;tte.</p>
+
+<p>Die Übrigen mu&szlig;ten ihn, da sie ihre Aufmerksamkeit
+bis dahin nur den Fl&uuml;chtigen zugewandt hatten,
+noch gar nicht bemerkt haben, und Shark blieb
+mehrere Secunden lang marmorgleich vor der wie
+aus dem Grabe herausgestiegenen Gestalt stehen,
+Sip aber&nbsp;&mdash;&nbsp;vom vielen Schreien ordentlich blauschwarz
+im Gesicht&nbsp;&mdash;&nbsp;wollte eben &uuml;ber den H&uuml;gel
+wegspringen, um wahrscheinlich im Walde selbst die
+Entflohenen noch mit einem &raquo;allerletzten&laquo; Male zu
+begl&uuml;cken, als er fast gegen den Indianer stie&szlig;, der
+jetzt seinerseits ebenfalls staunend dastand, und nicht
+zu wissen schien, ob die M&auml;nner, die er im ersten
+Ansturm und im Dunkel der Nacht gleichfalls f&uuml;r
+Indianer gehalten, jetzt aber als Wei&szlig;e erkannte,
+Freunde oder Feinde w&auml;ren.</p>
+
+<p>Sip war &uuml;brigens nicht der Mann, der einem
+wirklichen Indianer lange Stich gehalten h&auml;tte&nbsp;&mdash;&nbsp;
+denn <span class="wide">da&szlig;</span> es einer war, erkannte er auf den ersten
+Blick. Mit fl&uuml;chtigem R&uuml;cksprung warf er seinen
+Nachbar, den entsetzten Shark, zur Seite, und floh
+nun, so schnell ihn seine Beine trugen, in das ihm
+n&auml;chste Dickicht.</p>
+
+<p>Sip's Geistesgegenwart gab aber auch Shark
+sich selbst wieder&nbsp;&mdash;&nbsp;kaum sah dieser n&auml;mlich in der
+Flucht des Negers seine eigene Furcht best&auml;tigt, als
+er, ohne seine Gef&auml;hrten weiter mit Blick oder Wort
+zu warnen, dem Beispiel des Negers folgen wollte,
+leider aber in der ihm im Wege liegenden und in
+das Grab eingehauenen Hacke h&auml;ngen blieb, und mit
+gellendem Angstruf zu Boden st&uuml;rzte, da er sich in
+diesem Augenblick schon wenigstens f&uuml;r scalpirt
+hielt.</p>
+
+<p>Weppel&nbsp;&mdash;&nbsp;auch den Kopf von Indianern voll,
+sah kaum die Angst der Gef&auml;hrten, als er sich gar
+keine weitere M&uuml;he gab, den Grund ihres Schrecks
+zu erforschen, sondern nur seine eigenen Gliedma&szlig;en
+eben so schnell in Sicherheit zu bringen suchte, und
+Josy&nbsp;&mdash;&nbsp;sonst der Muthigste von Allen und einer
+jener kr&auml;ftigen Pioniere, die oft mitten in der Wildni&szlig;
+ganzen Schaaren von Wilden Trotz geboten,
+wurde hier f&ouml;rmlich &uuml;berrumpelt. Ein Theil der
+Seinen floh&nbsp;&mdash;&nbsp;Einer brach, mit dem Angstschrei
+auf den Lippen, vor seinen F&uuml;&szlig;en zusammen&nbsp;&mdash;&nbsp;hoch
+auf dem Grabe erkannte er in den d&auml;mmernden Umrissen
+den indianischen Krieger&nbsp;&mdash;&nbsp;was blieb ihm da
+anderes zu glauben &uuml;brig&nbsp;&mdash;&nbsp;als sie w&auml;ren von irgend
+einem hier verborgenen Stamme &uuml;berlistet, und er
+selbst&nbsp;&mdash;&nbsp;waffenlos mitten zwischen ihnen&nbsp;&mdash;&nbsp;konnte
+jetzt nur noch hoffen, durch schnelle verzweifelte Flucht
+sein eignes Leben zu retten.</p>
+
+<p>Mit der Gewandtheit eines aufgescheuchten Panthers
+sprang er zur Seite, um einem etwa auf ihn
+abgeschossenen Pfeil, oder gar der t&ouml;dtlichen Kugel
+zu entgehen, und suchte nun, wie die Übrigen, das
+sch&uuml;tzende Dunkel zu erreichen.</p>
+
+<p>Shark, der sich nur das Schienbein ein wenig
+aufgeschlagen hatte, sprang indessen ebenfalls wieder
+empor, und brach in wilder Verzweiflung in das
+Dickicht, wobei er sich wenig darum k&uuml;mmerte, welcher
+Richtung er folgte, so er nur f&uuml;r den Augenblick
+seinen Scalp in Sicherheit brachte. In tollen
+S&auml;tzen dr&auml;ngte er sich oft in so dicht verwachsene
+Dornmassen hinein, da&szlig; er nur mit zerfetzten
+Kleidern und blutig gerissenen Gliedern einen Ausweg
+finden konnte; &uuml;bersprang dabei Gr&auml;ben und umgest&uuml;rzte
+St&auml;mme, fiel in Sumpfl&ouml;cher und B&auml;che,
+rannte gegen B&auml;ume und B&uuml;sche an, und erreichte
+endlich das Ufer des kleinen Flusses, an dem er,
+r&uuml;cksichtslos wohin ihn das f&uuml;hre, hinaufst&uuml;rmte, diese
+Bahn mehrere hundert Schritte verfolgte, und pl&ouml;tzlich
+&nbsp;&mdash;&nbsp;gro&szlig;er Gott, so mu&szlig; er in blinder Flucht
+dem Feinde gerade in den Rachen rennen&nbsp;&mdash;&nbsp;vor
+einer dunklen Gestalt stand, die eben im Begriff
+schien ihn zu erfassen.</p>
+
+<p>Einen Schrei aussto&szlig;en und seitab in den Flu&szlig;
+springen, wurde zum Werk eines Augenblicks, aber
+auch Doktor Mac Botherme, denn dies war der Gef&uuml;rchtete,
+wartete den vermutheten Angriff nicht ab
+&nbsp;&mdash;&nbsp;mit Blitzesschnelle wandte er sich und da er in
+dem Moment auch noch das nahe Pl&auml;tschern im
+Wasser h&ouml;rte, was ihn nat&uuml;rlich gar nicht anders glauben
+lie&szlig;, als da&szlig; die Feinde beabsichtigten, ihm die Flucht
+abzuschneiden und de&szlig;halb jetzt den Strom durchschw&ouml;mmen,
+so brach er wieder zur&uuml;ck in den Wald,
+floh hier noch einige hundert Schritt gerad'aus, und
+warf sich dann zum Tode matt und jedem weiteren
+Rettungsversuch durch eigene k&ouml;rperliche Anstrengung
+entsagend, neben einer umgest&uuml;rzten, halbverfaulten
+Eiche nieder, an deren weichen Stamm er sich dicht
+hinanschmiegte, um vielleicht dadurch noch der Aufmerksamkeit
+der Verfolger zu entgehen. Er hatte etwas
+Ähnliches einmal in einem Buche gelesen.</p>
+
+<p>Nach allen Richtungen hin durchtobten die Fl&uuml;chtigen
+den Wald, und auf dem bedrohten Grabe,
+vom d&uuml;steren Lichte der Sterne matt beschienen, stand
+ernst und feierlich die hochaufgerichtete Gestalt des
+indianischen Kriegers, und sang mit leiser, monotoner
+Stimme das Todtenlied des Verblichenen.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Morgen war Waterton in f&uuml;rchterlicher
+Aufregung.&nbsp;&mdash;&nbsp;Josy traf zuerst ein, und die
+Aussage des sonst so ruhigen und von Allen als
+nichts weniger als &auml;ngstlich gekannten Mannes, da&szlig;
+sie, die Waffenlosen, gestern Abend von Indianern
+&uuml;berfallen worden seien, versetzte Alle in die peinlichste
+Best&uuml;rzung. Die Ursache wurde ebenfalls
+bald bekannt und lie&szlig; sie das Schlimmste f&uuml;rchten.</p>
+
+<p>Was sollten sie jetzt thun? einen Courier nach
+Vincennes senden und von dort H&uuml;lfe holen?&nbsp;&mdash;&nbsp;Auf
+jeden Fall hatten die schlauen Wilden das vorausgesehen
+und hielten den Weg besetzt. Der Bote also,
+h&auml;tte sich wirklich Einer zu solch gef&auml;hrlicher Aufgabe
+gefunden, w&auml;re rettungslos verloren gewesen.
+Weppels und Glassys Aussagen, die fast zusammen
+und bald nach Josy eintrafen, vermehrten
+nur noch die Best&uuml;rzung, da sie die erstgeh&ouml;rte Ungl&uuml;ckskunde
+nicht allein bet&auml;tigten, sondern sogar
+noch hinzuf&uuml;gten, da&szlig; sie den ganzen Stamm und
+zwar mit den Kriegsfarben bemalt gesehen h&auml;tten,
+&nbsp;&mdash;&nbsp;wonach Waterton also das Äu&szlig;erste erwarten
+durfte.</p>
+
+<p>Shark betrauerte man als erstes Opfer der Rache,
+denn Josy hatte ihn, wie er fest und bestimmt behauptete,
+fallen sehen, sich aber nat&uuml;rlich nicht
+weiter um ihn bek&uuml;mmern k&ouml;nnen. Auch die beiden
+Irl&auml;nder wurden noch vermi&szlig;t und man konnte
+nicht anders glauben, als da&szlig; sie ebenfalls in die
+H&auml;nde der im Hinterhalt lauernden Feinde gefallen
+w&auml;ren, welche Bef&uuml;rchtung sich um so mehr best&auml;tigte,
+da bis Sonnenuntergang am n&auml;chsten Tage
+keiner der Dreie in Waterton erschien, w&auml;hrend die
+Bewohner des kleinen St&auml;dtchens in wahrhaft fieberhafter
+Aufregung Alles hervorsuchten, was nur
+irgend als Waffe dienen konnte, um dem in jeder
+Secunde erwarteten Angriff und Überfall zu begegnen.
+Besonders steigerte sich gegen Tagesanbruch
+am zweiten Morgen ihre Angst auf das H&ouml;chste,
+da s&auml;mmtliche St&auml;mme gew&ouml;hnlich in dieser Zeit
+aus ihrem Hinterhalt hervorbrechen.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Aber siehe da, kein Überfall erfolgte, die Sonne
+stieg still und majest&auml;tisch &uuml;ber den rauschenden Wipfeln
+der B&auml;ume empor, und ihr Strahl fiel auf
+kein wildes Blutvergie&szlig;en, ihr freundliches Licht
+leuchtete keinem m&ouml;rderischen Angriff&nbsp;&mdash;&nbsp;ihr heiteres
+Auge sah auf keine rauchenden Tr&uuml;mmer und zuckende
+Leichen hernieder.</p>
+
+<p>Die Zur&uuml;ckhaltung der Indianer wurde r&auml;thselhaft
+&nbsp;&mdash;&nbsp;der Mittag verging&nbsp;&mdash;&nbsp;die Sonne neigte
+sich schon wieder ihrem Untergang&nbsp;&mdash;&nbsp;kein Laut lie&szlig;
+sich h&ouml;ren, kein fremdes Wesen n&auml;herte sich der
+Stadt. Da endlich&nbsp;&mdash;&nbsp;es fing schon an zu d&auml;mmern,
+&nbsp;&mdash;&nbsp;wankte mit bleichem Antlitz und zerfetzten
+Kleidern, zum Tode matt vor Hunger und Angst,
+Doktor Mac Botherme herbei, und er, der noch gestern
+ein Gegenstand der h&ouml;chsten Entr&uuml;stung gewesen,
+da man nur auf seine Schultern die entsetzliche
+Gefahr s&auml;mmtlicher Watertonisten w&auml;lzte, erschien
+ihnen jetzt wie ein Erl&ouml;ser, der sie von Furcht und
+Noth befreien konnte.</p>
+
+<p>Mac Botherme konnte ihnen aber auch nur wenig
+Auskunft und Trost geben&nbsp;&mdash;&nbsp;das, was er bezeugte,
+klang eben so schrecklich, als sie es sich in
+ihren wildesten Tr&auml;umen gedacht.&nbsp;&mdash;&nbsp;Er hatte den
+ganzen Wald voll Wilder gefunden&nbsp;&mdash;&nbsp;hinter allen
+B&auml;umen waren sie vorgesprungen, im Flu&szlig; wie die
+Fische herumgeschwommen, und nur durch ein Wunder
+konnte er ihnen entgangen sein. Halbverhungert
+und im Walde verirrt war ihm zuletzt das Leben
+selbst eine Last geworden, und er hatte, als er
+endlich einen bekannten Weg fand, beschlossen, nach
+Waterton zur&uuml;ckzukehren, mochten es nun die Indianer
+zerst&ouml;rt haben oder nicht.</p>
+
+<p>Da&nbsp;&mdash;&nbsp;w&auml;hrend noch Alle um den Doktor geschaart
+standen und mit &auml;ngstlicher Spannung seinen
+Worten lauschten, meldeten die indessen ausgestellten
+Wachen einen auf dem Fahrweg herankommenden
+einzelnen Wanderer, in dem Josy bald
+darauf zu seinem unbegrenzten Erstaunen den f&uuml;r
+todt gehaltenen Shark erkannte. Aber gro&szlig;er Gott,
+wie sah der aus&nbsp;&mdash;&nbsp;beinahe sechsunddrei&szlig;ig Stunden
+hatte er den Wald in wilder Angst durchstreift,
+und brach auch, als sich die Freunde um ihn sammelten,
+ersch&ouml;pft und bewu&szlig;tlos zusammen. Unter
+guter Pflege erholte er sich zwar in kurzer Zeit
+wieder, seine Aussage stimmte dann aber auch haarklein
+mit der des Doktors &uuml;berein, und es blieb
+nun keinem Zweifel mehr unterworfen, da&szlig; ihre
+Stadt und sie selbst von Indianern bedroht gewesen,
+diese jedoch wahrscheinlich aus Furcht vor der
+Rache der Wei&szlig;en einen ernstlichen Überfall unterlassen
+h&auml;tten.</p>
+
+<p>Der Doktor wollte nun allerdings wissen, wie
+es k&auml;me, da&szlig; so viele M&auml;nner von Waterton an
+jenem Abend im Wald gewesen seien, dar&uuml;ber beobachteten
+aber die dabei Betheiligten ein wirklich musterhaftes
+Schweigen, und da auch Patrik O'Flaherti
+verschwunden blieb, so dauerte es eine geraume
+Zeit, ehe man es wagte, die H&auml;user und Familien
+wieder zu verlassen, um jenen Grabh&uuml;gel zu besuchen,
+auf dem fast ein Jeder die Überreste eines
+vollst&auml;ndigen indianischen Lagers zu finden erwartete.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Allerdings staunten sie, als sie hier keine Spur
+mehr von Indianern entdecken konnten, denn sie waren
+mit Wehr und Waffen ausgezogen, den Feind
+zu bek&auml;mpfen.&nbsp;&mdash;&nbsp;Der Platz lag noch so &ouml;de und
+still da, wie an jenem Abend, selbst Spaten und
+Hacke und die Kleidungsst&uuml;cke der beiden Leichenr&auml;uber
+deckten, wie sie von ihren Eigenth&uuml;mern hingeworfen
+worden, den Boden&nbsp;&mdash;&nbsp;nur der H&uuml;gel
+selbst zeigte eine Ver&auml;nderung. Das Grab des Indianers
+war ge&ouml;ffnet&nbsp;&mdash;&nbsp;der Sarg erbrochen&nbsp;&mdash;&nbsp;die
+Leiche&nbsp;&mdash;&nbsp;fort.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Wie die Wilden so spurlos verschwunden sein
+konnten und was aus dem von ihnen selbst begrabenen
+Indianer geworden, blieb Allen ein undurchdringliches
+Geheimni&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;nur am Flu&szlig; fand Josy
+die tief eingetretene Spur eines Moccasins, und die
+an dieser Stelle weit hinausgewachsene Wurzel einer
+alten Sycomore machte es m&ouml;glich, da&szlig; hier ein
+Canoe gelegen haben konnte. Das blieb freilich Alles
+nur Vermuthung, und da s&auml;mmtliche an jener
+Scene betheiligte Personen in ihrer Schilderung
+einen ganzen indianischen Stamm gesehen zu haben
+&uuml;bereinstimmten, so zweifelte von dem Augenblick
+an Niemand mehr an der Wahrheit des Berichteten.
+Patrik O'Flaherti und Sip wurden f&uuml;r todt
+gehalten.</p>
+
+<p>Patrik O'Flaherti und Sip waren aber keineswegs
+todt, sondern hatten nur nach verschiedenen
+Richtungen hin ihre Flucht genommen, und die Ansiedelungen,
+die sie zuf&auml;llig erreichten, durch ihre
+entsetzlichen Erz&auml;hlungen in Furcht und Schrecken
+versetzt. Sip kehrte erst nach vierzehn Tagen nach
+Waterton zur&uuml;ck, Patrik aber wanderte, so schnell
+ihn seine Gliedma&szlig;en trugen, nach Vincennes und
+von da nach den &ouml;stlichen Staaten zur&uuml;ck, da er
+erkl&auml;rte &raquo;sein goldenes Haar nicht nach Illinois getragen
+zu haben, da&szlig; so ein verdammter rothfelliger
+Schurke Staat damit machen sollte.&laquo; Was aber
+Waterton anbetraf, so erw&auml;hnte er von der Zeit an
+nie den Namen der Stadt, ohne dabei zu bemerken,
+das w&auml;re auch noch ein Ort, in dem er sein Gl&uuml;ck
+k&ouml;nnte gemacht haben, wenn ihn nicht die Indianer
+bei Nacht und Nebel &uuml;berfallen, alles Lebende scalpirt,
+und die Wohnungen niedergebrannt h&auml;tten, wobei
+er selbst nur noch durch ein Wunder dem Tode
+entgangen w&auml;re.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Den tief beschatteten Foxriver hinab steuerte indessen
+ein einsamer Krieger der Winnebagoes sein
+leichtes Canoe, w&auml;hrend vorn, zwischen den Rippen,
+die dem schwachen Fahrzeuge Festigkeit gaben,
+in seine wollene Decke eingeh&uuml;llt, der starre K&ouml;rper
+des alten Indianers lag. Der junge H&auml;uptling
+aber sang leise, inde&szlig; sein Ruder still und ger&auml;uschlos
+die leichte Barke &uuml;ber die spiegelglatte Fl&auml;che
+trieb, und den Takt schlug zu dem wehm&uuml;thig monotonen
+Lied:</p>
+
+<p>
+&raquo;Fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling&nbsp;&mdash;&nbsp;<br />
+Der Wald hier geh&ouml;rte Dein,<br />
+Jetzt f&uuml;hr ich Dich leise und heimlich<br />
+Hinunter den stillen Strom&nbsp;&mdash;&nbsp;<br />
+Und fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling.&laquo;<br />
+<br />
+&raquo;Fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling<br />
+Die Erde geh&ouml;rte Dein,<br />
+Jetzt mu&szlig;t' ich Dich daraus stehlen<br />
+Sie g&ouml;nnten Dir selbst kein Grab&nbsp;&mdash;&nbsp;<br />
+Und fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling.&laquo;<br />
+<br />
+&raquo;Fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling<br />
+Und z&auml;hltest der Krieger viel,<br />
+Jetzt fl&uuml;chtet mit Deiner Leiche<br />
+Dein einziger Sohn&nbsp;&mdash;&nbsp;allein&nbsp;&mdash;&nbsp;<br />
+Und fr&uuml;her warst Du ein H&auml;uptling.&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;<br />
+</p>
+
+<p>Weiter und weiter glitt der Rindenkahn auf
+dem leise murmelnden Flu&szlig; hin&nbsp;&mdash;&nbsp;weiter hinab,
+zwischen Weiden und Erlen, und den schwankenden
+silberbehangenen Birken; und der Whippoorwill
+sang in den Str&auml;uchen sein wehm&uuml;thig-klagend
+Lied, und der Nachtfalke stieg kreischend empor
+von dem knorrigen Ast, auf dem er geruht.&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Der Tag d&auml;mmerte und das leckere Mahl wollte
+er sich noch suchen vor der Morgenr&ouml;the. Auch die
+Eule wurde wieder lebendig und ihr antwortete
+&nbsp;&mdash;&nbsp;weit weit aus der fernen Prairie her&uuml;ber&nbsp;&mdash;&nbsp;
+der graue Wolf, der seinen Rundlauf beendet und
+jetzt zu dem heimlichen Versteck mit unh&ouml;rbarem
+Tritt zur&uuml;ckschlich.&nbsp;&mdash;&nbsp;Und dort&nbsp;&mdash;&nbsp;dicht hin unter
+den thaubehangenen Zweigen, die sich tief hinabbeugten
+zu der klaren Fluth, und von ihr erfa&szlig;t,
+unruhig erzitterten und bebten,&nbsp;&mdash;&nbsp;dicht hin,
+unter dem feierlichen Rauschen der jungfr&auml;ulichen
+Eichen, in denen der Morgenwind seine Riesenakkorde
+griff&nbsp;&mdash;&nbsp;glitt das Canoe des Indianers und
+sein Todtensang mischte sich mit dem fr&ouml;hlichen Lebensgru&szlig;
+des jungen Tages.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h2><a name="ch2" id="ch2"></a>Nordamerikanische Jagd.</h2>
+
+<div class="center"><p class="noindent"><small>Jagd auf Hirsche.&nbsp;&mdash;&nbsp;Auf Truth&uuml;hner.&nbsp;&mdash;&nbsp;Ein amerikanischer J&auml;ger.&nbsp;&mdash;&nbsp;
+B&auml;renjagd.&nbsp;&mdash;&nbsp;Der Panther.&nbsp;&mdash;&nbsp;Der Wolf.&nbsp;&mdash;&nbsp;Der Fuchs.&nbsp;&mdash;&nbsp;Der Waschb&auml;r.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Das Opossum.&nbsp;&mdash;&nbsp;Schnepfen in Louisiana.&nbsp;&mdash;&nbsp;Ausr&uuml;stung des
+amerikanischen J&auml;gers.&nbsp;&mdash;&nbsp;</small></p></div>
+
+<p>Die vereinigten Staaten von Nordamerika, vor
+noch nicht gar langer Zeit das unbegr&auml;nzte Jagdgebiet
+der wilden Indianerst&auml;mme, sind jetzt zwar von
+diesen ger&auml;umt und der wei&szlig;e J&auml;ger durchzieht
+nur mit wenigen Ausnahmen, allein die ungeheuren
+W&auml;lder und Steppen des gewaltigen Reiches; aber
+auch die zahlreichen B&uuml;ffelheerden und Rudel von
+Riesenhirschen (<i>Elks</i>), die sonst das Land belebten,
+sind von den sicheren B&uuml;chsen der Amerikaner und
+eingewanderten Ausl&auml;nder erlegt, oder mit den rothen
+S&ouml;hnen der Wildni&szlig; weiter nach Westen zur&uuml;ckgetrieben
+worden; immer aber schreitet noch manch
+stattlicher Hirsch im Schatten des m&auml;chtigen Urwaldes
+einher und B&auml;ren und Panther, wie verschiedene
+andere kleine Raubthiere, zwingen den Ansiedler
+der westlichen Niederlassungen, fast auf jeder
+Farm,&nbsp;&mdash;&nbsp;so nennt man die einzeln liegenden H&auml;user
+und Felder der Amerikaner,&nbsp;&mdash;&nbsp;eine Meute Hunde
+zu halten, um seine Hausthiere vor der Mordgier
+derselben zu sch&uuml;tzen.</p>
+
+<p>Stets ein eifriger Jagdfreund, konnte ich, in
+Amerika angekommen, den lockenden Beschreibungen
+jener W&auml;lder nicht lange widerstehen, und verlie&szlig;
+von unbezwingbarer Lust f&uuml;r das edle Waidwerk getrieben,
+bald nach meiner Ankunft in New-York, die
+&ouml;stlichen Staaten, um den fernen, so viel gepriesenen
+Westen aufzusuchen, aber nicht etwa in Schiff
+oder Wagen, sondern zu Fu&szlig;, mit der Doppelflinte
+auf der Schulter und beim geringsten Ger&auml;usch, das
+rechts oder links am Wege laut wurde, zum Schusse
+fertig. Sehr h&auml;ufig sah ich mich dabei im Anfang
+durch die frei im Walde weidenden Heerden get&auml;uscht,
+und ich wei&szlig; mich noch recht gut des Abends
+zu erinnern, wo ich, wohl eine halbe Stunde lang
+durch dornige Schlingpflanzen und Sumpfstellen
+&uuml;ber umgest&uuml;rzte B&auml;ume und toll und wild umhergestreute
+Äste hinweg, ja durch einen, &uuml;ber drei
+Fu&szlig; mit Wasser gef&uuml;llten Bach fortkroch und lief,
+weil ich irgend etwas, das langsam brummend und
+im Laube raschelnd von mir weg ging und, wie ich
+einmal auf einen Augenblick erkennen konnte, schwarz
+aussah, beschleichen wollte.</p>
+
+<p>Zu hitzig in der Verfolgung, nahm ich mir nicht
+einmal Zeit, nach einer F&auml;hrte zu sehen, und war
+nicht wenig &uuml;berrascht, als ich endlich, mit der H&uuml;lfe
+eines kleinen, schmalen Thales, das ich wie der
+wilde J&auml;ger durchraste, um dem B&auml;ren, denn f&uuml;r
+nichts Geringeres hielt ich mein ausersehenes Opfer,
+den Weg abzuschneiden, ein gem&uuml;thlich im d&uuml;rren
+Laube w&uuml;hlendes, zahmes Schwein fand, das, als
+es mich erblickte, stutzte, mich anschnob und unwillig
+grunzend in das Dickicht trollte. Ich kam damals
+in starke Versuchung, dem unschuldigen Gesch&ouml;pf
+eine Ladung Posten nachzusenden, mu&szlig;te aber doch
+selbst zuletzt &uuml;ber den komischen Irrthum lachen und
+war nur froh, da&szlig; ich bei der ganzen Geschichte
+keinen Zeugen gehabt hatte.</p>
+
+<p>Wilde Sauen giebt es in den vereinigten Staaten
+gar nicht, au&szlig;er wild gewordene zahme, die jedoch
+dann nur von den dort angesiedelten Farmern
+geschossen werden d&uuml;rfen; jede andere Jagd ist frei.</p>
+
+<p>In den &ouml;stlichen Staaten fand ich sehr wenig
+jagdbares Wild&nbsp;&mdash;&nbsp;Rebh&uuml;hner und Kaninchen ausgenommen,
+denn der deutsche Hase fehlt ebenfalls,
+soll aber, westlich von den Felsengebirgen, am stillen
+Meere, ziemlich h&auml;ufig sein. Die Rebh&uuml;hner sind
+kleiner als die unsrigen und auch etwas anders gezeichnet;
+ihre &auml;u&szlig;eren Schwungfedern zum
+Beispiel ganz grau; auch ist ihr Ruf anders wie der
+unseres Rebhuhns, denn sie pfeifen.</p>
+
+<p>Die Kaninchen kommen den unseren fast ganz
+gleich und leben in Erdbauen und hohlen B&auml;umen,
+f&auml;rben aber im hohen Norden im Winter und werden
+wei&szlig;.</p>
+
+<p>Vielen Spa&szlig; machten mir sp&auml;ter, als ich den
+Staat Ilinois mit seinen ungeheueren Prairien oder
+Steppen durchzog, die sogenannten Prairieh&uuml;hner,
+die sich hier in gewaltigen Ketten zusammengethan
+hatten. Ich wollte erst meinen Augen gar nicht
+trauen, wie's &uuml;berall um mich herum emporschwirrte
+und <span class="wide">tausende</span> von starken H&uuml;hnern aufstiegen; fand
+aber bald so viel von ihnen, da&szlig; ich die Suche gern
+aufgab und nur dann und wann, am Wege hin,
+scho&szlig; was ich brauchte.</p>
+
+<p>Das Prairiehuhn ist etwa von der Gr&ouml;&szlig;e unseres
+Haushuhns&nbsp;&mdash;&nbsp;von graulicher Farbe, mit befederten
+St&auml;ndern und kurzem, feldhuhnartigem
+Schwanz; der Hals ist aber lang wie beim Truthahn
+und die Fl&uuml;gel sind ganz denen der Fasanen
+&auml;hnlich. Es fliegt eben so wie das Rebhuhn; ich
+habe aber stets gefunden, da&szlig; es selten vor einer
+englischen Meile wieder einfiel, was denn das Nachsuchen
+sehr beschwerlich macht. Das Fleisch ist, die
+Brust ausgenommen, nicht sehr besonders und steht
+dem der Truth&uuml;hner bedeutend nach; seine Federdecke
+aber ist im Winter so dicht, da&szlig; es ziemlich
+starken Schrot erfordert, hindurchzudringen. Sonst
+ist die Jagd auf dasselbe ungemein leicht, denn es
+scheut den Menschen sehr wenig und kommt Morgens
+und Abends selbst zu den in den Prairien zerstreuten
+Farmen, um sich auf den Fenzen (Einz&auml;unungen)
+derselben niederzulassen, wo es dann nat&uuml;rlich
+sehr leicht erlegt werden kann. Beim Eintritt
+kalten Wetters fallen sie gern auf die B&auml;ume
+und sind in dieser Zeit, besonders wenn es etwas
+stark gefroren hat, fast gar nicht wieder aus den
+Zweigen des einmal gew&auml;hlten Baumes herauszutreiben.
+Ich selbst scho&szlig; eines Morgens f&uuml;nf von
+einer niedrigen Eiche, in der etwa zwanzig bis drei&szlig;ig
+standen, einzeln herunter, und die &uuml;brigen blieben
+ruhig oben. Wagenladungen voll werden von
+ihnen nach St. Louis und die benachbarten kleineren
+St&auml;dte auf den Markt gebracht, und es leben
+viele Leute, die sich blos mit der Jagd derselben besch&auml;ftigen.</p>
+
+<p>St. Louis gegen&uuml;ber kreuzte ich den Mississippi
+und wanderte von hier durch den dichten Wald dem
+s&uuml;dlicher liegenden, wegen seiner Jagd ber&uuml;hmten
+Arkansas zu. Nahe bei St. Louis ist jedoch sehr
+wenig Wild; Feldh&uuml;hner und Kaninchen wieder ausgenommen;
+auch lebt hier noch der sogenannte amerikanische
+Fasan, der sonderbarer Weise in einem
+weiter s&uuml;dlichen Klima nicht gedeiht. Obgleich ihn
+aber die Amerikaner Fasan nennen, so ist er doch
+keineswegs dem unsrigen gleich, sondern unterscheidet
+sich von diesem in vielen St&uuml;cken.</p>
+
+<p>Es giebt zwei Arten&nbsp;&mdash;&nbsp;den im Norden, in Canada,
+fand ich von graulicher Farbe, mehr dem
+Prairiehuhn &auml;hnlich&nbsp;&mdash;&nbsp;der weiter s&uuml;dlich kam dagegen
+dem deutschen etwas n&auml;her und sah br&auml;unlich
+aus. Auf dem Kopfe tr&auml;gt er, wie dieser, einen
+Federschmuck; doch fehlt ihm das Spiel g&auml;nzlich,
+statt dessen schl&auml;gt er im Affect ein Rad mit dem
+Schwanz und schleift wie der Truthahn. Die St&auml;nder
+sind wie bei dem Prairiehuhn befiedert und er
+lebt, dem Feldhuhn gleich, in Ketten zusammen, hat
+aber noch die sonderbare Angewohnheit, in der Balzzeit
+sich auf umgest&uuml;rzte St&auml;mme oder abgehauene
+Baumst&uuml;mpfe zu stellen und an diese mit den Schwingen
+zu schlagen oder, wie es die Amerikaner nennen,
+zu &raquo;trommeln,&laquo; was man eine lange Strecke weit
+h&ouml;ren kann. Sein Fleisch ist &auml;u&szlig;erst zart und wei&szlig;,
+und er geh&ouml;rt zu dem besten Federwild der vereinigten
+Staaten.</p>
+
+<p>In Missouri nun findet sich in gro&szlig;er Anzahl der
+amerikanische oder sogenannte virginische Hirsch, den
+ich vor allen Dingen etwas n&auml;her beschreiben will,
+ehe ich zur Jagd desselben &uuml;bergehe.</p>
+
+<p>Er ist bedeutend kleiner als der unsrige, und
+&auml;hnelt in vielen St&uuml;cken dem Damwild, tr&auml;gt auch
+den Wedel statt der Blume; aber ein von dem des
+Damwildes sehr verschiedenes Geh&ouml;rn.</p>
+
+<p>Sein ausgelegtes Geweih z&auml;hlt selten mehr als
+vier, h&ouml;chstens f&uuml;nf und sehr selten sechs Enden,
+obgleich ich einst im Walde ein abgeworfenes fand,
+an welchem ich dreiunddrei&szlig;ig Enden z&auml;hlte.</p>
+
+<p>Dabei ist es, ungleich dem des amerikanischen
+Riesenhirsches oder Elks, nach vorn zu gebogen und
+giebt ihm ein ganz eigenth&uuml;mliches, fremdartiges
+Aussehen. Äu&szlig;erst selten findet man gefleckte oder
+wei&szlig;e Hirsche.</p>
+
+<p>Das Rothwild f&auml;rbt dreimal im Jahre. Im
+Januar nimmt der Hirsch sein Winterkleid an und
+wird &raquo;grau&laquo;; im April erscheint er &raquo;roth&laquo; und wird
+im August und September &raquo;blau&laquo;! Das Thier
+f&auml;rbt stets etwa vier Wochen sp&auml;ter als der Hirsch.
+Zum Gerben eignen sich die Decken am besten vom
+Mai bis Ende September, wo sie besonders in diesem
+letzteren Monat die meiste Festigkeit erlangen.</p>
+
+<p>Die Brunftzeit der Hirsche f&auml;llt durch die vereinigten
+Staaten, wegen ihrer gro&szlig;en Ausdehnung
+nach Norden und S&uuml;den, sehr verschieden;&nbsp;&mdash;&nbsp;in
+Arkansas, das etwa in der Mitte liegt, nimmt man
+an, da&szlig; sie mit dem ersten Frost eintritt, also etwa
+im October;&nbsp;&mdash;&nbsp;weiter unten, in Louisiana, f&auml;llt sie
+sp&auml;ter,&nbsp;&mdash;&nbsp;im Norden fr&uuml;her. Die Thiere setzen im
+April und Mai ein bis zwei, ja manchmal drei
+K&auml;lber, die bis zum Herbst gefleckt bleiben und dann
+mit den &uuml;brigen &raquo;blau&laquo; werden.</p>
+
+<p>Jagdgesetze existiren wohl in den vereinigten
+Staaten, werden aber nicht im mindesten beachtet
+und jeder schie&szlig;t, wann es und was ihm beliebt;
+da&szlig; dies &uuml;brigens dem Wildstand ungeheueren Schaden
+thun mu&szlig;, liegt klar am Tage, und nur die
+wirklich erstaunliche Menge von Wild hat bis jetzt
+der Ausrottung widerstehen k&ouml;nnen. Die Jagdbenutzung,
+d. h. wie sie bei den J&auml;gern dort gebr&auml;uchlich
+ist, will ich der Sonderbarkeit wegen hierher
+setzen.</p>
+
+<p>Januar. Die Hirsche stehen jetzt mit dem Wilde
+in Rudeln beisammen; die Schmalthiere sind feist,
+und werden des Wildprets und Feistes wegen, die
+Hirsche selbst nur der Wilddecke wegen geschossen, da
+der J&auml;ger von den letzteren nur diese und die Keulen
+mitnimmt, das &uuml;brige Wildpret aber den Raubthieren
+und Aasgeiern &uuml;berl&auml;&szlig;t. Ende Januar fangen
+starke Hirsche schon an ihr Geweih abzuwerfen
+und dieser Monat, wie Februar und M&auml;rz, hei&szlig;t die
+&raquo;graue Jahreszeit!&laquo;</p>
+
+<p>Februar wie Januar.</p>
+
+<p>M&auml;rz. Das Rothwild h&auml;lt sich jetzt, des F&auml;rbens
+und der &uuml;berhand nehmenden Mosquitos und
+Stechfliegen wegen, in den unzug&auml;nglichsten Dickichten
+auf und Decke sowohl als Wildpret ist schlecht.
+Der M&auml;rz ist daher der einzige Monat im Jahr, in
+welchem nur hie und da einzelne St&uuml;cke geschossen
+werden; will ein J&auml;ger aber eins haben, so z&uuml;ndet
+er gew&ouml;hnlich in der N&auml;he eines Dickichts einen
+umgest&uuml;rzten Baumstamm an,&nbsp;&mdash;&nbsp;das Wild kommt
+dann herbei, und stellt sich in den Rauch, um dadurch
+Schutz gegen die qu&auml;lenden Insekten zu finden.</p>
+
+<p>April. Die Thiere fangen an zu setzen und besuchen,
+wie die Hirsche, die Salzlecken. Ende dieses
+Monats beginnt die &raquo;rothe Jahreszeit&laquo; und
+dauert bis Mitte September. Die Hirsche fangen
+an ihr Geweih aufzusetzen.</p>
+
+<p>Mai. Die Jagd an den Salzlecken, bei Kienfackeln
+und angerichteten Gestellen, wird jetzt ernstlich
+betrieben und Hirsche und Thiere werden geschossen.</p>
+
+<p>Juni. Die Thiere sind jetzt ebenfalls vollkommen
+roth; die Hirsche werden feist und stehen, abgesondert
+von den Thieren, in Rudeln von sieben,
+acht und mehr St&uuml;cken gew&ouml;hnlich in einem bestimmten
+Waldorte beisammen, so da&szlig; man sicher
+darauf rechnen kann, sie hier im Umkreis von zwei
+bis drei englischen Meilen zu finden. Einer der
+schw&auml;chsten Hirsche ist gew&ouml;hnlich der F&uuml;hrer und
+erlegt man diesen zuf&auml;llig zuerst, so da&szlig; er im Feuer
+zusammenst&uuml;rzt, so hat man nicht selten Gelegenheit,
+die Übrigen, so schnell man laden kann, nachzuholen.
+Die Thiere werden jetzt nur der Decke wegen
+geschossen.</p>
+
+<p>Juli&nbsp;&mdash;&nbsp;wie Juni.&nbsp;&mdash;&nbsp;K&auml;lber sind alt genug,
+um geschossen zu werden; Hirsche fangen an zu fegen,
+vernachl&auml;ssigen aber die Salzlecken.</p>
+
+<p>August. Bei den Hirschen beginnt die &raquo;blaue
+Jahreszeit&laquo; und sie sind nun am feistesten, die Decken
+auch in diesem und dem n&auml;chsten Monat am geeignetsten
+f&uuml;r die Bereitung f&uuml;r Moccasins&nbsp;&mdash;&nbsp;(Indianische
+Halbstiefel.)</p>
+
+<p>September. Desgleichen.</p>
+
+<p>October. Mitte dieses Monats beginnt gew&ouml;hnlich
+die Brunftzeit, oft auch erst zu Anfang November,
+besonders in recht sp&auml;ten Wintern. Nun er&ouml;ffnet
+sich f&uuml;r den amerikanischen P&uuml;rschj&auml;ger die
+beste Jagdzeit, denn der Hirsch, den F&auml;hrten des
+Schmalthieres folgend, durchzieht ziemlich sorglos den
+Wald und kann leicht erlegt werden, was jetzt nur
+der Decken wegen geschieht, die, nach dem Gewicht
+verkauft, wenn getrocknet, von starken Hirschen sechs
+bis acht, ja wohl auch neun Pfund wiegen.</p>
+
+<p>Die Geweihe haben ihren ganz vollkommenen
+Zustand wieder erreicht.</p>
+
+<p>November. Desgleichen.</p>
+
+<p>December. Vorz&uuml;glich Jagd auf Schmalthiere,
+die jetzt, wenn ein gutes Eicheljahr war, anfangen
+feist zu werden. Hirsche und Thiere stehen wieder
+in Rudeln zusammen.</p>
+
+<p>Das ist ungef&auml;hr Alles, was &uuml;ber die in Amerika
+gebr&auml;uchliche Ordnung bei der Hirschjagd zu
+sagen ist. Diese selbst wird auf dreierlei Arten betrieben.
+Die erste ist das <span class="wide">P&uuml;rschen,</span> die zweite die
+<span class="wide">Hetze</span> und die dritte die <span class="wide">Nacht-</span> oder <span class="wide">Feuerjagd.</span></p>
+
+<p>Das P&uuml;rschen bleibt sich nat&uuml;rlich in allen L&auml;ndern
+gleich und ist auf jeden Fall nach der B&auml;renhetze
+die edelste und sch&ouml;nste Jagd.</p>
+
+<p>Das Hetzen erfordert in dem wilden, unbebauten
+Lande, wo oft fast undurchdringliche Dickichte
+die verfolgenden Hunde wie nachsetzenden J&auml;ger aufhalten,
+eine genaue Kenntni&szlig; des Bodens und Wechsels,
+und eignet sich auch mehr f&uuml;r ein Land, wo
+das Wild schon d&uuml;nner wird und der J&auml;ger froh
+ist, mit seiner ganzen Meute in einem halben Tag
+einen Hirsch aufzujagen; aber auch in Arkansas, wo
+es noch Hirsche genug zum P&uuml;rschen giebt, wird,
+den Winter hindurch wenigstens, diese Jagd vorgezogen;
+im Sommer jedoch, wo die Hitze am Tage
+sehr dr&uuml;ckend und das Tragen der schweren B&uuml;chse
+zu beschwerlich ist, nimmt der J&auml;ger zum Feuer
+seine Zuflucht und schie&szlig;t sein Wild Nachts bei der
+Kienflamme.</p>
+
+<p>Sollte es &uuml;brigens unseren deutschen J&auml;gern
+auffallen, da&szlig; Rothwild, sonst das Feuer scheuend,
+bei diesem erlegt werden kann, so mu&szlig; ich hier bemerken,
+da&szlig; es in Amerika unter ganz anderen
+Verh&auml;ltnissen aufw&auml;chst. Im Fr&uuml;hjahr durchzieht
+wohl kein J&auml;ger in jenen Gegenden den Wald, ohne
+das d&uuml;rre Laub, was oft vier bis sechs Zoll tief
+den Boden bedeckt, an eben so vielen Stellen anzuz&uuml;nden,
+als er sein Lager aufschl&auml;gt, oder sein
+Mittagsmahl kocht. Es ist dies nicht allein um das
+Laub zu beseitigen und den neuen jungen Graswuchs
+zu bef&ouml;rdern, sondern auch das l&auml;stige Unterholz
+und die Dornen und Schlingpflanzen etwas zu
+t&ouml;dten, die sonst in einigen Jahren so &uuml;berhand nehmen
+w&uuml;rden, da&szlig; an eine P&uuml;rschjagd gar nicht mehr
+zu denken w&auml;re. Solche Waldbr&auml;nde greifen aber
+selten oder nie gesunde und kr&auml;ftige St&auml;mme an,
+sondern beschr&auml;nken sich darauf, die am Boden liegenden
+Bl&auml;tter und trockenen Dornen zu verzehren,
+kleineres Buschwerk zu t&ouml;dten und die d&uuml;rren, halb
+oder ganz verfaulten und umgest&uuml;rzten St&auml;mme in
+Brand zu stecken.</p>
+
+<p>Die Hirsche gew&ouml;hnen sich hierdurch ganz an
+diese Feuer und sammeln sich, besonders im Fr&uuml;hjahr,
+gern um sie, bezeigen daher auch nicht die
+mindeste Furcht, wenn sie ihre gew&ouml;hnliche Salzlecke
+annehmen und dort eine helle Flamme finden. Ihre
+gro&szlig;en, klaren Lichter der Gluth zuwendend, schreiten
+sie still herbei und st&uuml;rzen meistens, von der sicheren
+Kugel getroffen, ehe sie nur die N&auml;he eines Feindes
+ahnen.</p>
+
+<p>Eine solche Jagd anschaulicher zu machen, will ich
+eine der von mir bei Salzlecken durchwachten N&auml;chte
+beschreiben.</p>
+
+<p>Es war im Jahr 1842, als ich im Monat
+April unterhalb Little Rock, der Hauptstadt von
+Arkansas &uuml;ber den Arkansas-Flu&szlig; ging und die
+S&uuml;mpfe durchstrich, die auf dem linken Ufer desselben
+um die sogenannte Bayou-Meter (eine Art Flu&szlig; mit
+fast gar keiner Str&ouml;mung, der im Arkansas entspringt
+und auch wieder in denselben m&uuml;ndet) herum
+lagen.</p>
+
+<p>Es ist ein gar trauriges Jagen in solchen S&uuml;mpfen,
+besonders im Fr&uuml;hjahr, wenn der gr&ouml;&szlig;te Theil
+derselben noch &uuml;berschwemmt ist und die Mosquitos
+dem sie Durchwandernden auch nicht die mindeste Ruhe
+gestatten. Dabei sticht die Sonne am Tage so brennend,
+wie mitten im Sommer, und fast keine Nacht
+vergeht, in der nicht ein Gewitter den im Freien
+Campirenden, wenn er sich nicht schon darauf vorgesehen
+hat, t&uuml;chtig durchweicht.</p>
+
+<p>Am Fu&szlig;e einer niedrigen H&uuml;gelreihe dem Laufe
+eines kleinen Baches folgend, kam ich zu einem flachen,
+sumpfigen Fleck, der mitten im sonst sch&ouml;nen, gr&uuml;nen
+Rasen so von Hirschen ausgetreten war, da&szlig; ich, in
+einem Raume von drei&szlig;ig bis vierzig Schritt im
+Durchmesser, auch nicht die Spur von Gr&uuml;nem darauf
+sehen konnte. Es schien eine jener salzigen Sumpfstellen
+zu sein, die das Rothwild besonders im Fr&uuml;hlings-Anfang
+aufsucht, w&auml;hrend es, weiter im Sommer,
+mehr die trockenen, Salz enthaltenden Lehmufer der
+keinen B&auml;che annimmt. Kaum vier bis f&uuml;nfhundert
+Schritt von der erw&auml;hnten Stelle standen Kiefern,
+und ich war schnell entschlossen, die Nacht an der
+Lecke, oder wie es im Englischen genannt wird, &raquo;<i>lick</i>&laquo;
+zu wachen.</p>
+
+<p>Vor allen Dingen errichtete ich, etwa zwanzig
+bis f&uuml;nfundzwanzig Schritt von dem am meisten besuchten
+Theil der Salzlecke, ein kleines Gestell, wozu
+ich mit meinem Tomahawk (indianisches Beil) vier
+Holzgabeln abhieb und diese, das Ger&uuml;st etwa vier
+Fu&szlig; hochlassend, in den Boden trieb.</p>
+
+<p>Auf dar&uuml;ber hingelegten Querh&ouml;lzern wurden jetzt
+gr&uuml;ne Zweige ausgebreitet und diese etwa f&uuml;nf Zoll
+dick mit Erde und Rasen bedeckt, damit das Feuer
+nicht hindurch brennen konnte. Als das geschehen,
+ging ich mit meiner wollenen Decke und dem
+Tomahawk zu den Kiefern und Fichten zur&uuml;ck, und
+spaltete leicht aus den dort wildumhergestreuten St&auml;mmen
+genug fettes Kienholz, um die ganze Nacht eine
+gute Flamme zu unterhalten, das ich nachher in der
+Decke zur Salzlecke trug und um das Ger&uuml;st herum
+aufh&auml;ufte, damit ich es in der Nacht leise und ger&auml;uschlos
+abnehmen und auf die niedergebrannten
+Kohlen legen konnte. Eine andere Vorsichtsma&szlig;regel
+war aber jetzt noch zu treffen. Im Westen th&uuml;rmten
+sich wieder dunkele, drohende Wolkenmassen auf und
+lie&szlig;en mich nicht ohne Grund vermuthen, da&szlig; ich
+vor anbrechendem Tageslicht n&auml;here Bekanntschaft
+mit ihnen machen w&uuml;rde. Mehre der umher liegenden
+St&auml;mme mu&szlig;ten daher ihre Rinde abgeben, von
+der ich eine bedeutende Quantit&auml;t zu meinem Verstecke
+hinschaffte, um im Nothfall davon Gebrauch
+machen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Da ich noch Zeit genug behielt, baute ich mir
+jetzt auch eine kleine Vorrichtung, die B&uuml;chse (ich
+hatte schon seit Jahren das leichte Schrotgewehr gegen
+die schwere B&uuml;chse vertauscht) auflegen und sicherer
+schie&szlig;en zu k&ouml;nnen, stellte mir dann Messer, Kugeltasche
+und Pulverhorn zurecht, sah nach den Z&uuml;ndh&uuml;tchen,
+da&szlig; die nicht wieder im Augenblick der Noth
+im Unterfutter s&auml;&szlig;en und dachte, nachdem ich mein
+&raquo;Handwerkszeug&laquo; in Ordnung hatte, jetzt auch ein
+wenig an den leiblichen Menschen, zu dessen St&auml;rkung
+ich ein paar St&uuml;cke ged&ouml;rrten Hirschwildprets,
+die H&auml;lfte eines kalten Truthahns und eine Scheibe
+Maisbrod hervorholte.</p>
+
+<p>Der vorbeiflie&szlig;ende kleine Bach sah gerade nicht
+eben einladend aus, doch sind Hunger und Durst
+ein guter Koch; ein Becher voll des etwas br&auml;unlichen
+Wassers sp&uuml;lte das trockene Brod und Fleisch
+hinunter, und ich w&uuml;rde mich sehr wohl und behaglich
+befunden haben, w&auml;ren die Mosquitos in dem
+niederen Lande nicht wie ganz wahnsinnig gewesen.
+Im Anfang, als ich mich hinsetzte, kamen nur wenige
+angeflogen und sogen sich voll; diese mu&szlig;ten
+aber den anderen wohl erz&auml;hlt haben, wie gut mein
+Blut schmecke, denn scharenweis dr&auml;ngten sie jetzt
+auf mich ein, und h&auml;tt' ich sie ruhig gew&auml;hren lassen,
+so w&uuml;rden sie mich, noch vor dem n&auml;chsten Morgen,
+so trocken wie einen B&uuml;ckling ausgepumpt haben. In
+der D&auml;mmerstunde sind sie &uuml;berhaupt stets am schlimmsten,
+und ich konnte mich kaum gegen sie sch&uuml;tzen,
+bis endlich die Schatten der Nacht sich auf den Wald
+zu lagern begannen und der <i>Whip poor will</i> (Nachtvogel,
+eine Art Ziegenmelker) sein eint&ouml;niges Lied sang.</p>
+
+<p>Ich schlug jetzt Feuer, steckte den Schwamm in
+eine Handvoll d&uuml;rrer Bl&auml;tter und erhielt durch
+Blasen bald eine helle Flamme, die ich mit fein
+gehaltenen Kiensp&auml;nen n&auml;hrte und nun mein Feuer
+oben auf dem Gestell entz&uuml;ndete.</p>
+
+<p>Es war indessen v&ouml;llig dunkel geworden und die
+helle Flamme, gerade &uuml;ber mir, unter der ich v&ouml;llig
+im Schatten sa&szlig;, bewies sich als der sch&ouml;nste Mosquito-Ableiter,
+den es nur auf der Welt geben konnte.
+Zu Tausenden st&uuml;rmten sie in die Gluth, die sie eben
+so schnell vernichtete, und mit wahrhaft teuflischer
+Schadenfreude sa&szlig; ich darunter und sah sie elendiglich
+umkommen.</p>
+
+<p>Ich konnte jetzt auch mit Ruhe mein Abendbrod
+beendigen, das ich, der peinigenden Insekten wegen
+hatte niederlegen m&uuml;ssen, und schaute lauschend dabei
+umher, die Ankunft eines St&uuml;ckes Wild erwartend.</p>
+
+<p>Es ist ein herrliches Gef&uuml;hl, in stillem Waldesdunkel
+bei der rothen Kienflamme zu wachen, die
+um den J&auml;ger einen Lichtkreis von kaum mehr als
+vierzig Schritt im Durchmesser zieht, in welchem die
+gewaltigen, magisch beleuchteten St&auml;mme gleich
+Riesengespenstern zum schwarzen Nachthimmel
+emporstarren. Wenn nun in weiter Ferne ein einzelner
+Wolf sein kl&auml;gliches Geheul erhebt, das seine Br&uuml;der
+von den H&uuml;geln beantworten, wenn die Eule mit
+ihrem eint&ouml;nigen Ruf, die quakenden Fr&ouml;sche und
+zirpenden Grillen einfallen und so ein eigenth&uuml;mlich
+wildes Concert entsteht,&nbsp;&mdash;&nbsp;dann wird es Einem bei
+dem flackernden Feuer ordentlich schauerlich behaglich
+zu Muthe.</p>
+
+<p>Diese T&ouml;ne verhallen aber nach und nach, sobald
+erst wirklich die Nacht ihr Reich antritt, und von
+zehn Uhr ungef&auml;hr herrscht eine nur selten vom
+<i>Whip poor will</i> und von einzelnen Fr&ouml;schen unterbrochene
+Todtenstille.</p>
+
+<p>Jetzt mu&szlig;te aber auch der Mond bald aufgehen,
+und mit &auml;u&szlig;erster Aufmerksamkeit horchte ich dem
+leisesten Ger&auml;usch, jedem Rascheln der Bl&auml;tter, jedem
+S&auml;useln des Windes durch die hohen Baumwipfel.
+Um durch den schimmernden Lauf nicht geblendet
+zu werden, hatte ich eben das Visir &uuml;ber die
+Kienflamme gehalten und geschw&auml;rzt, dabei auch eine
+Handvoll frischer Sp&auml;ne auf die fast niedergebrannten
+Kohlen gelegt und h&uuml;llte mich wieder in meine
+wollene Decke ein;&nbsp;&mdash;&nbsp;denn wenn auch die Sonne
+den Tag &uuml;ber recht hei&szlig; brannte, waren die N&auml;chte
+doch k&uuml;hl;&nbsp;&mdash;&nbsp;als nicht weit entfernt von mir ein
+d&uuml;rrer Zweig krachte. Das war ein St&uuml;ck Wild, und
+mit Blitzesschnelle griff ich nach der neben mir lehnenden
+B&uuml;chse.</p>
+
+<p>Die Salzlecke, an der ich wachte, lag in einem
+sie dicht umschlie&szlig;enden Geb&uuml;sch, das, von den riesenhaften
+B&auml;umen des sumpfigen Thallandes &uuml;berragt,
+keinen Strahl des jetzt eben das Firmament erhellenden
+Mondes hindurchlie&szlig;; der von dem Rothwild
+benutzte Platz selber aber war l&auml;nglich oval und an
+ihm entlang flo&szlig; der kleine, schon fr&uuml;her erw&auml;hnte
+Bach, dessen gegen&uuml;berliegenden Rand niedere, dichte
+B&uuml;sche einfa&szlig;ten.</p>
+
+<p>An eine starke Eiche geschmiegt, hatte ich an
+dem einen Ende der Lecke mein Gestell errichtet, damit
+ich die ganze L&auml;nge derselben beschie&szlig;en k&ouml;nnte,
+und gerade mir gegen&uuml;ber schien das eben geh&ouml;rte
+und sich jetzt wiederholende Ger&auml;usch herzut&ouml;nen.
+Regungslos lauschte ich mit zur&uuml;ckgehaltenem Athem
+den lang ersehnten Lauten, als&nbsp;&mdash;&nbsp;trap&nbsp;&mdash;&nbsp;trap&nbsp;&mdash;&nbsp;
+trap&nbsp;&mdash;&nbsp;in langsam abgemessenen Zwischenr&auml;umen
+der schwere Schritt eines Hirsches zu mir her&uuml;berschallte.
+Jetzt stand er und ich wu&szlig;te, er &auml;ugte
+nach der Flamme. Schnell und ger&auml;uschlos spannte
+ich den Hahn und machte mich fertig; wohl zwei
+Minuten aber konnt' ich auch nicht das Geringste
+mehr vernehmen; der Kien fing schon wieder an
+etwas d&uuml;sterer zu brennen und ich mu&szlig;te frisch nachlegen,
+als die Schritte aufs Neue h&ouml;rbar wurden,
+und gleich darauf gl&uuml;hten ein Paar rothfunkelnde
+Lichter aus dem die Salzlecke umgebenden Geb&uuml;sch
+zu mir her&uuml;ber. In demselben Augenblick theilten
+sich auch die Zweige und vorsichtig und bed&auml;chtig
+mit hochgehobenem Kopfe und vorgestreckten Lauschern
+betrat ein stattlicher Hirsch, kaum zwanzig
+Schritte von mir entfernt, die kleine, eingeschlossene
+Ebene. Er windete einige Secunden lang nach der
+Flamme her&uuml;ber, denn der Kiengeruch mochte ihm
+nicht recht behagen, konnte aber den Wind nicht von
+mir bekommen und kam jetzt gerade auf mich zu.</p>
+
+<p>Ich war jedoch indessen auch nicht m&uuml;&szlig;ig gewesen,
+hatte die B&uuml;chse gehoben und den nichts B&ouml;ses
+ahnenden ruhig auf's Korn genommen, und gerade,
+als er wieder stand, mit etwas mi&szlig;trauischem Blicke
+das Gestell und die dicht daneben aufgeh&auml;ufte Rinde
+betrachtete und mit dem rechten Vorderlauf ungeduldig
+die Erde schlug, ber&uuml;hrte mein Finger den Stecher
+und hoch aufspringend st&uuml;rzte er schreiend zusammen.</p>
+
+<p>Ich trat schnell hinter die Flamme, wo ich vor
+allen Dingen meine B&uuml;chse wieder lud, und schaute
+dann nach dem Hirsche hin&uuml;ber; er war aber schon
+verendet und lag bewegungslos dort.</p>
+
+<p>Um nicht einen anderen, sich vielleicht in der N&auml;he
+befindenden, Hirsch zu verscheuchen, verhielt ich mich
+&uuml;brigens ganz ruhig und ging nicht hinaus, ihn abzufangen;
+aber wohl eine volle Stunde hatte ich
+wieder gesessen, ehe ich auf's Neue nahendes Wild
+h&ouml;rte.</p>
+
+<p>Dies Mal waren es mehr St&uuml;cke, und ohne sich
+im mindesten aufzuhalten, ja ohne nur die Flamme
+eines Blicks zu w&uuml;rdigen, betraten sie den offenen
+Fleck und wollten ihn eben, ohne sich weiter um die
+Salzlecke zu bek&uuml;mmern, kreuzen, als ein junger
+Spie&szlig;er, der F&uuml;hrer der Ihrigen, von dem frischen
+Schwei&szlig; Witterung bekam und schnaubend absprang.
+Wohl wu&szlig;te ich, da&szlig; mir jetzt nicht lange Zeit zum
+Überlegen bleiben w&uuml;rde, drum hob ich schnell die
+B&uuml;chse und in demselben Augenblick krachte auch der
+Schu&szlig;; mit einem Satz &uuml;berflog aber der Spie&szlig;er
+den Bach und war gleich darauf im Dickicht verschwunden.
+Als sich der Pulverdampf verzogen hatte,
+konnt' ich keines der &uuml;brigen Schmalthiere mehr sehen
+und nur in der Ferne h&ouml;rte ich sie schnaubend und
+pfeifend davon eilen.</p>
+
+<p>Ich hatte eben wieder geladen, als, zwar noch
+fern, aber doch schon recht deutlich und freundlich
+mahnend ein dumpfer Donnerschlag zu mir her&uuml;berdr&ouml;hnte,
+der mir mit klaren Worten erz&auml;hlte, was
+ich zu erwarten hatte. Vor allen Dingen nahm ich
+daher ein Paar brennende Kiensp&auml;ne, um mir den
+Anschu&szlig; und den Schwei&szlig; zu besehen, um daraus
+zu beurtheilen, wie weit der Spie&szlig;er wohl noch gegangen
+sein k&ouml;nne; denn schickt in diesen S&uuml;mpfen
+ein richtiges Gewitter seinen selten fehlenden Begleiter,
+den Regengu&szlig;, herunter, so ist's nachher
+mit dem Ausmachen sehr unsicher, weil die F&auml;hrten
+nachher gew&ouml;hnlich in einem freundlichen Gemisch
+von Schlamm und Wasser zusammenlaufen, und wenn
+nicht die Aasgeier, die merkw&uuml;rdig rasch bei der Hand
+sind, das verendete St&uuml;ck anzeigen, sieht's mit dem
+Finden oft traurig aus.</p>
+
+<p>Mit meiner schnell gemachten Fackel ging ich jetzt
+dem Platze zu, &uuml;berzeugte mich aber gar bald, da&szlig;
+der Hirsch einen Lungenschu&szlig; bekommen hatte und
+nicht weit fort sein k&ouml;nnte. Schwei&szlig; lag im Überflu&szlig;
+auf dem Anschu&szlig; und in der F&auml;hrte; als ich
+aber eben &uuml;ber den Bach hin&uuml;ber wollte, um den
+Platz, wo der Spie&szlig;er lag, aufzusuchen und zu verbrechen
+oder ihn abzufangen, wenn er noch nicht
+verendet sein sollte (in Amerika ist allgemein der
+K&auml;lberfang Sitte und kein J&auml;ger genickt ein St&uuml;ck
+Wild), als einige gro&szlig;e, schwere, fallende Tropfen
+das jetzt rasend schnell herbei eilende Gewitter verk&uuml;ndeten;
+ich lie&szlig; also Hirsch Hirsch sein und sprang
+zu meinem Gestell zur&uuml;ck, nahm schnell das Feuer
+herunter, das ich im Innern sicher niederlegte, um
+die Kohlen zu bewahren und es nachher, wenn alles
+Andere na&szlig; sein w&uuml;rde, wieder anz&uuml;nden zu k&ouml;nnen,
+und deckte nun die vorsichtig herbeigeschafften
+Rindenst&uuml;cke dachartig &uuml;ber das Ger&uuml;st, indem ich sie,
+um mir unter demselben einen gr&ouml;&szlig;eren Raum zu
+gestatten, etwa einen Fu&szlig; breit an jeder Seite vorstehen
+lie&szlig;.</p>
+
+<p>Der Mond war von ungeheueren Wolkenmassen
+verdeckt und rabenschwarze Nacht umgab mich; die
+fast ohne Unterbrechung zuckenden Blitze aber gew&auml;hrten
+hinl&auml;ngliches Licht zu meiner Arbeit, und ich war
+kaum damit zu Stande, als es auch anfing, wie aus
+Eimern und Dachrinnen zu gie&szlig;en.</p>
+
+<p>Mein Regenschutz bewies sich ausgezeichnet, aber
+ich war doch gewisserma&szlig;en wieder unter die Traufe
+gekommen, denn die Mosquitos, jetzt nicht mehr
+durch das Feuer abgeleitet und den trockenen Schutz
+unter meinem Aufbau behaglicher findend als den
+nassen Regen drau&szlig;en, noch dazu da solch ein s&uuml;&szlig;es
+St&uuml;ck Menschenfleisch, in eine d&uuml;nne wollene Decke
+gewickelt, nur ganz zu ihrer Bequemlichkeit dorthin
+gesetzt schien, fingen an mich so w&uuml;thend zu umschw&auml;rmen
+und zu peinigen, da&szlig; ich schon mein Dach
+verlassen und lieber den fluthenden Regen als diese
+Myriaden von Vampyren ertragen wollte, als mir
+noch zum Gl&uuml;ck die Kohlen einfielen, die ich auf einem
+St&uuml;ck Rinde liegend und mit Rinde zugedeckt neben
+mir hatte; schnell blies ich sie zur Flamme empor,
+und ein kleines Feuer unterhaltend, auf welches ich
+nasses Holz legte, erzeugte ich einen solchen Rauch,
+da&szlig; ich fast zusammen mit den Mosquitos erstickt
+w&auml;re; das sch&uuml;tzte mich doch wenigstens in etwas
+gegen diese, und nach einer Stunde f&uuml;rchterlichen
+Gie&szlig;ens h&ouml;rte endlich das Unwetter auf.</p>
+
+<p>Zwar warf ich jetzt mein Rindendach wieder
+herunter und entz&uuml;ndete aufs Neue die Flamme, die
+Salzlecke hatte sich aber in einen kleinen Teich verwandelt
+und ich selbst sa&szlig;, am Fu&szlig;e der gewaltigen
+Eiche, auf dem einzigen, insel&auml;hnlichen und trockenen
+Flecke. Nat&uuml;rlich lie&szlig; sich weiter kein Hirsch sehen,
+und noch vor Sonnenaufgang verlie&szlig; ich das sumpfige
+Thal und schlug mich in die dicht daran sto&szlig;enden
+H&uuml;gel, wo ich das Balzen eines Truthahns geh&ouml;rt
+hatte.</p>
+
+<p>Die Truthahnjagd ist in diesen W&auml;ldern eigentlich
+die am wenigsten beschwerliche, wird aber doch
+nicht viel betrieben, weil sie keinen Nutzen bringt.
+Der Amerikaner schie&szlig;t wohl, was er zu seinem eigenen
+Bedarfe braucht, da er aber die erlegten H&uuml;hner
+selber essen mu&szlig; und nicht verkaufen kann, so verwendet
+er nie mehr Pulver und Blei auf sie, als
+unumg&auml;nglich n&ouml;thig ist. Mir war's auch an diesem
+Morgen nur um einen Braten zu thun, denn das
+Wildpret der beiden erlegten Hirsche konnte der Jahreszeit
+nach nicht sehr vorz&uuml;glich sein. Ich schritt
+also schnell der Gegend zu, von der mir dann und
+wann die kullernden T&ouml;ne des balzenden Hahnes
+her&uuml;berschallten, um den Ort noch zu erreichen, ehe
+es vollkommen Tag wurde.</p>
+
+<p>Der Truthahn findet sich durch die ganzen vereinigten
+Staaten, vom Norden bis S&uuml;den, vorz&uuml;glich
+aber in den s&uuml;dwestlichen Theilen, in ungeheuerer
+Anzahl. Im Fr&uuml;hjahr, M&auml;rz und April
+balzt der Hahn und ist dann auch, bis Anfang
+Mai, ausnehmend fett; in dieser Zeit aber nimmt
+er fast keine Nahrung zu sich, und ich habe, besonders
+im M&auml;rz, beim Anfang der Balzzeit, den Magen
+eines Hahnes aufgeschnitten und auch nicht die
+Spur von Nahrung darin, sondern die inneren
+W&auml;nde desselben nur mit einer reinen, &ouml;ligen Feuchtigkeit
+&uuml;berzogen gefunden, wie sie etwa der B&auml;r
+w&auml;hrend des Winterschlafes bei sich tr&auml;gt. Wenn
+daher im Mai die Hennen br&uuml;ten, sind die alten
+H&auml;hne d&uuml;rr und ungenie&szlig;bar, die Jagd mu&szlig; also
+dann vorkommen eingestellt werden. Die Henne
+zieht acht bis zw&ouml;lf, ja manchmal sechszehn Junge
+auf, von denen sie sich nicht mehr trennt, bis im
+n&auml;chsten Fr&uuml;hjahr die Balzzeit aufs Neue beginnt;
+die alten Truth&auml;hne halten sich &uuml;brigens nicht gern
+zu diesen Familien und bilden sehr h&auml;ufig eigene
+Ketten von funfzehn und zwanzig, ja oft drei&szlig;ig
+St&uuml;ck, die dann stattlich und ehrbar mit ihren gro&szlig;en
+B&auml;rten (ein Borstenb&uuml;schel, der bis sechs und
+sieben Zoll lang, etwa einen Finger stark, ihrer
+Brust entw&auml;chst und &raquo;Bart&laquo; genannt wird) den
+Wald durchschreiten. Besonders halten sie sich gern
+im Winter zusammen und balzen dann manchmal aus
+reinem Vergn&uuml;gen, da&szlig; es meilenweit durch den stillen
+Wald schallt.</p>
+
+<p>Die Hennen bauen ihre Nester in dichten, unzug&auml;nglichen
+B&uuml;schen aus d&uuml;rrem Laub und Reisern
+auf die Erde und verlassen ihre wei&szlig;en, am dicken
+Ende etwas gefleckten Eier nur selten; werden sie
+aber mehre Male gest&ouml;rt und vom Neste vertrieben,
+so kehren sie nicht mehr zu diesem zur&uuml;ck und lassen
+es, selbst wenn sie schon eine Zeit lang gebr&uuml;tet haben,
+im Stiche.</p>
+
+<p>Im Juli werden die Jungen jagdbar und sind
+dann ein gar delikates Essen, verlieren aber viel
+von ihrem saftigen Wohlgeschmack, weil man sie
+nicht rupfen kann, sondern ordentlich abbalgen mu&szlig;,
+indem die in dieser Jahreszeit den Wald erf&uuml;llenden
+kleinen Holzb&ouml;cke auf keine andere Art als
+mit dem Balge selbst von dem Truthahn zu entfernen
+sind.</p>
+
+<p>In der Balzzeit ist der alte Hahn sehr scheu, und
+wo er nur das Geringste, was ihm gef&auml;hrlich d&uuml;nkt,
+&auml;ugt, so flieht er und ist auf keine nur erdenkliche
+Art an jene Stelle wieder hinzulocken; hat sich aber
+der J&auml;ger gut versteckt oder bewegt er sich wenigstens
+nicht, so kommt er auch, durch das Nachahmen
+des Hennenrufs herbeigelockt, bis dicht an das
+Rohr hinan.</p>
+
+<p>Die einfachste und beste Truthahnlocke besteht aus
+dem zweiten, d&uuml;nnen Fl&uuml;gelknochen der Truthenne
+selbst, der, an beiden Seiten abgeschnitten, des Markes
+entledigt wird und mit welchem, die Luft durch
+denselben einziehend, der Ton der Henne auf das
+T&auml;uschendste nachgeahmt werden kann. Einen solchen
+Knochen f&uuml;hrte ich bei mir und war jetzt auf
+etwa vierhundert Schritt der Stelle nahe gekommen,
+in welcher der Hahn oben auf einem Baume stehen
+mu&szlig;te; zu weit aber schien mir der Tag vorger&uuml;ckt,
+um von dem wachsamen Vogel ungesehen heranschleichen
+zu k&ouml;nnen; ich suchte mir daher einen umgefallenen
+Baumstamm aus, hinter dem ich mir mein
+Lager machte, legte mehre Zweige oben drauf, meinen
+Kopf so viel als m&ouml;glich zu verdecken, und fing nun
+an, einige Male zu locken.</p>
+
+<p>Im Anfang schwieg der Hahn, als er die bekannten
+Laute h&ouml;rte, wahrscheinlich nur, um sich erst
+genau zu &uuml;berzeugen, von welcher Richtung her sie
+t&ouml;nten; dann aber, nachdem er dar&uuml;ber im Klaren
+schien, balzte er auf einmal aus Leibeskr&auml;ften, und
+ich h&ouml;rte, wie er gleich darauf vom Zweige abstiebte
+und auf mich zu streichend etwa hundert Schritte
+vor mir einfiel.</p>
+
+<p>In kleinen Zwischenr&auml;umen lie&szlig; ich jetzt und zwar
+nur leise die Locke t&ouml;nen, auf die er schleifend und
+dann und wann kullernd, als ob er sich halb zu Tode
+freue, zukam.</p>
+
+<p>Vor mir lag eine kleine, ungef&auml;hr 15 Schritte
+tiefe Bl&ouml;&szlig;e, und bald darauf sah ich den blauangelaufenen
+Kopf, mit den rothen herunter h&auml;ngenden
+Fleischlappen, durch die die Rasenstelle umgebenden
+Geb&uuml;sche ragen, auf welche er gleich darauf selber
+heraustrat. Zwar hatte ich ihn jetzt sehr sch&ouml;n zum
+Schu&szlig;, durch Erfahrung aber klug gemacht, h&uuml;tete
+ich mich wohl, mit der Kugel nach ihm zu schie&szlig;en,
+so lange er die Federn gestr&auml;ubt hielt, wobei man
+kaum errathen kann, auf welcher Stelle sich der K&ouml;rper
+befinde, und pfiff daher ein Mal recht laut und
+kurz.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;<i>Kitt,</i>&laquo; sagte der Truthahn und gl&auml;ttete, sich
+hoch aufrichtend, am ganzen K&ouml;rper, indem er vorsichtig
+nach allen Richtungen umhersp&auml;hete; mehr verlangte
+ich nicht, und beim Krach der B&uuml;chse flatterte
+er empor und kam dann, in scharfem Laufe, gerade
+auf mich zu;&nbsp;&mdash;&nbsp;dicht vor mir aber hielt er, drehte
+sich zwei Mal im Kreise herum, breitete die Fl&uuml;gel
+aus und st&uuml;rzte zuckend zusammen.</p>
+
+<p>Es war ein merkw&uuml;rdig feister Bursche und mu&szlig;te
+etwas &uuml;ber zwanzig Pfund wiegen.</p>
+
+<p>Ich warf ihn aus; denn vernachl&auml;ssigt man dies,
+so wird ein Truthahn in wenig Stunden, selbst im
+Winter, anbr&uuml;chig, band seine St&auml;nder mit dem
+Kopf zusammen und hing ihn mir, waidtaschenartig,
+&uuml;ber die Schulter, nahm dann meine B&uuml;chse wieder
+auf und wanderte langsam der Salzlecke zu, um
+meine Hirsche zu zerwirken und den Heimweg, nach
+dem etwa f&uuml;nf englische Meilen entfernten Hause
+anzutreten.</p>
+
+<p>Dem unter dem Feuer in der Salzlecke Gest&uuml;rzten
+zog ich einen d&uuml;nnen Streifen Baumrinde durch
+das Ge&auml;s und schleppte, oder schwemmte ihn eigentlich,
+zum n&auml;chsten trockenen Platz; dann aber
+machte ich mich daran, den zweiten wieder zu finden,
+was noch, trotz dem t&ouml;dtlichen Schusse, seine geh&ouml;rigen
+Schwierigkeiten hatte. Der Boden war in einen
+Teich verwandelt, in dem sich Fr&ouml;sche, Eidechsen und
+Schlangen sehr behaglich zu f&uuml;hlen schienen, der sich
+aber doch keineswegs dazu eignete, einen Hirsch auszumachen.</p>
+
+<p>Der Regen hatte selbst von den B&uuml;schen den
+Schwei&szlig; rein herunter gewaschen und dornige Schlingpflanzen
+zogen sich &uuml;berall in dichten, festen Massen
+zwischen ihnen hindurch; der Hirsch konnte aber nicht
+mehr weit gegangen sein, und nach kaum viertelst&uuml;ndiger
+Suche fand ich ihn, etwa zweihundert
+Schritt vom Anschu&szlig;, verendet.</p>
+
+<p>Wie das vorige St&uuml;ck schaffte ich den Spie&szlig;er
+vor allen Dingen auf trockenen Grund und Boden,
+hatte aber dabei keine kleine M&uuml;he, durch den angeschwollenen
+Bach zu kommen, den ich nicht umgehen,
+also durchwaten, eigentlich fast durchschwimmen
+mu&szlig;te, denn das Wasser ging mir bis unter die
+Arme. Als das geschehen, z&uuml;ndete ich jetzt vor
+allen Dingen neben meiner Beute ein t&uuml;chtiges
+Feuer an, welches dem doppelten Zweck entsprach,
+mich zu trocknen und zu w&auml;rmen, und einen Theil
+meines Truthahns zu braten; denn mich hungerte
+bedeutend. W&auml;hrend ein paar der saftigsten St&uuml;cke
+am Feuer schmorten, zerwirkte ich die beiden Hirsche,
+nahm von dem Spie&szlig;er die beiden Keulen und das
+&raquo;<i>brisket</i>&laquo; (der Theil zwischen den Bl&auml;ttern vorn,
+wo die kurzen Federn zusammensto&szlig;en), schlug es in
+eine der Wilddecken ein, verzehrte dann mein einfaches,
+aber darum nicht minder gutes Fr&uuml;hst&uuml;ck, hing
+mir nachher die Überreste des Truthahns, meine
+wollene und die beiden frischen Wilddecken, nebst den
+darin liegenden Keulen &uuml;ber, ergriff meine B&uuml;chse
+und wanderte, das &uuml;brige Wildpret den Aasgeiern
+oder W&ouml;lfen &uuml;berlassend, der n&auml;chsten Ansiedelung
+zu.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Wer &uuml;brigens je eine l&auml;ngere Zeit in den s&uuml;dlichen
+Theilen Nordamerikas jagte, hat auch gewi&szlig;
+mit eben diesen Aasgeiern, seltener mit den
+W&ouml;lfen in Streit gelebt. Diese ersteren folgen dem
+J&auml;ger, wenn er erst einmal einige St&uuml;cke Wild erlegt
+hat, fortw&auml;hrend, und lassen ihm kaum Zeit seine
+Beute aufzubrechen. Mit schlecht verhaltener Gier
+sitzen sie in den benachbarten B&auml;umen, und erwarten
+den Augenblick, in welchem der J&auml;ger den Platz
+verl&auml;&szlig;t, um dann mit ihren scharfen, langen Schn&auml;beln
+&uuml;ber das Zur&uuml;ckgelassene herzufallen, von dem
+nach wenigen Stunden selten mehr als die Knochen
+&uuml;brig sind. Nur ein Mittel giebt's, sich ihrer in
+etwas zu erwehren und das ist, das St&uuml;ck Wild in
+der Decke zu lassen und am Kopfe aufzuh&auml;ngen;
+dann finden sie nirgends einen Anhaltepunkt, als
+an dem Kopfe selber, an dem man ihnen gern verstattet,
+herumzuhacken.</p>
+
+<p>Noch andere Feinde aber, gegen die selbst das
+Aufh&auml;ngen nicht viel n&uuml;tzt, sind die gro&szlig;en Raben,
+die nun zwar dem Wildpret selber nicht viel Schaden
+thun, aber das Talg heraushacken, da es, um
+abzuk&uuml;hlen, doch aufgebrochen werden mu&szlig;. Einige
+wei&szlig; gesch&auml;lte St&ouml;ckchen aber, durch die Wammen
+quer&uuml;ber gesteckt, sind ziemlich zweckm&auml;&szlig;ig, diese
+Burschen abzuhalten, die ihren Hals nicht gern durch
+die wei&szlig;en H&ouml;lzer hinein zu schieben wagen. Im
+Winter geht das &uuml;brigens noch Alles an, es sind
+Unannehmlichkeiten, denen man doch wenigstens
+theilweise noch begegnen kann; im Fr&uuml;hjahr und
+Sommer aber erscheint eine J&auml;gerplage, gegen die
+es fast gar keinen Schutz giebt, und das sind die
+Schmei&szlig;fliegen, die zu Tausenden fast in demselben
+Augenblick erscheinen, wo das Wild von der Kugel
+getroffen st&uuml;rzt. Will man das Wildpret sp&auml;ter
+mit nach Hause nehmen, so ist das einzige Mittel,
+um es von dieser Landplage frei zu halten, es in's
+Wasser zu legen. Aber nicht &uuml;berall hat man Wasser,
+welches dazu tief genug ist, in der N&auml;he, und
+in den ganz s&uuml;dlichen Staaten geht dies auch &uuml;berhaupt
+nicht an, da die Alligatoren sonst bald das
+ihrem Bereich anvertraute in Beschlag nehmen w&uuml;rden.
+Wollte man einen starken Rauch unter dem
+Wildpret unterhalten, so w&uuml;rde dies auch nur theilweise
+gegen diese Insekten sch&uuml;tzen; will daher der
+J&auml;ger im Sommer Wildpret bewahren, so mu&szlig; er
+es an Ort und Stelle in schmale Streifen schneiden
+und &uuml;ber einem langsamen Feuer d&ouml;rren; dann h&auml;lt
+es sich Monate lang.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Die Feuerjagd auf Hirsche wird auch noch auf
+eine andere Art als mit aufgebautem Ger&uuml;st betrieben,
+und besonders dort in Anwendung gebracht,
+wo sich sehr viele, verschiedene Salzlecken in einer
+und derselben Gegend finden und der Hirsch zwischen
+ihnen wechselt. Um n&auml;mlich unter solchen Verh&auml;ltnissen
+leicht von einem Platz zum anderen gehen
+zu k&ouml;nnen, nimmt der J&auml;ger eine gew&ouml;hnliche eiserne
+langstielige Bratpfanne (wo diese nicht zu bekommen
+ist, mu&szlig; eine k&uuml;nstlich aus Zweigen und Erde gemachte,
+den Dienst verrichten), befestigt an dieselbe
+noch ein etwa 3-4 Fu&szlig; langes, einige Zoll breites
+Bret, damit sie leicht auf der Schulter liegt und sich
+nicht wenden kann, und thut in diese nun den fein
+gespaltenen Kien, mit dem er leicht den Wald nach
+allen Richtungen hin durchwandern kann. Vorn in
+das Bret wird eine, von Holz geschnitzte, kleine,
+breite Gabel eingebohrt, um beim Schie&szlig;en die B&uuml;chse
+hineinlegen zu k&ouml;nnen, wo dann der schwere Kien
+in der hinten mehre Fu&szlig; vom Kopf abstehenden
+Pfanne das Gleichgewicht gegen das Rohr h&auml;lt und
+eine feste Lage verstattet. Die hinter dem Kopfe befindliche
+Flamme l&auml;&szlig;t nun dem J&auml;ger die Lichter
+eines St&uuml;ckes Wild oder Raubthieres auf mehre hundert
+Schritte erkennen, und da sich das erstere
+(Raubthiere lieben die helle Flamme nicht, &auml;ugen
+auch nicht gern hinein) keineswegs vor dem Feuer
+f&uuml;rchtet, so kann man, wenn man nur leise und ohne
+Ger&auml;usch sich n&auml;hert, auch besonders den Wind gut
+beobachtet, leicht an die vertrauend ziehenden St&uuml;cke
+herangehen. In weiter Ferne verschmelzen die beiden
+Lichter der Hirsche in <span class="wide">einen</span> gl&uuml;henden Feuerball,
+der sich jedoch, bei dem immer n&auml;her und n&auml;her
+Kommen scheidet, und erst in richtiger Schu&szlig;n&auml;he
+sieht man dann die zwei Kugeln in der geh&ouml;rigen
+Entfernung zu einander stehen. Den Wind kann
+man dabei sehr leicht nach dem Rauch beobachten,
+der auf keinen Fall &uuml;ber den Kopf hinweg ziehen darf.
+Springt nach dem Schu&szlig; das Wild schnell und
+fl&uuml;chtig ab und rennt fort, so ist es ein sicheres
+Zeichen, da&szlig; die Kugel sitzt; hat aber der J&auml;ger gefehlt,
+so verschwinden die Lichter pl&ouml;tzlich; der Hirsch
+wendet sich und geht langsam, ohne die mindeste
+Furcht zu verrathen, hinweg. Kommt man nahe
+genug heran, um die ganze Gestalt des Wildes zu
+erkennen, so schie&szlig;t man nat&uuml;rlich auf's Blatt; ist
+das aber nicht der Fall, so hat man ein so sch&ouml;nes
+Abkommen bei der hinten lodernden Flamme, da&szlig;
+man getrost zwischen die beiden Lichter hinein
+halten kann, was &uuml;berdies immer der beste Schu&szlig;
+ist.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Etwas ist hierbei jedoch noch zu bemerken, auf
+das der amerikanische J&auml;ger ebenfalls sehr viel
+R&uuml;cksicht nimmt: der Mond n&auml;mlich, nach welchem sich
+das Hochwild mit seiner Äsung richtet. Scheint
+dieser die ganze Nacht, so zieht es am st&auml;rksten gleich
+nach Dunkelwerden, bis etwa zwei Uhr Morgens
+umher, wo es sich dann niederthut und bis zur
+fr&uuml;hen Morgend&auml;mmerung sitzt; leuchtet er hingegen
+die Nacht gar nicht, so &auml;&szlig;t auch das Wild nicht
+sehr lange mehr nach Sonnenuntergang, h&ouml;chstens
+ziehen dann Schmalthiere bis zehn oder eilf Uhr
+Abends an die Salzlecken; dahingegen &auml;&szlig;en sie am
+Tage Morgens ganz fr&uuml;h; Mittags etwa von zw&ouml;lf
+bis eins und Abends wieder von vier Uhr an. Doch
+l&auml;&szlig;t sich dar&uuml;ber nichts ganz Genaues bestimmen.
+Einzelne findet man fast zu jeder Tageszeit
+munter.</p>
+
+<p>So selten nun, im Westen wenigstens, die Hirsche
+mit Hunden gehetzt werden, so interessant ist diese
+Jagd auf Truth&uuml;hner, wenn sie sich im Winter zusammen
+gethan haben und nun in Ketten, oft von
+30-50 St&uuml;ck, durch den Wald ziehen. Von den
+Hunden eingeholt, b&auml;umen sie augenblicklich und &auml;ugen
+nun, sich auf ihrer H&ouml;he sicher glaubend, mit
+gro&szlig;er Zufriedenheit auf die, die B&auml;ume toll und
+wild umspringenden Hunde hernieder, bis der J&auml;ger
+heranschleicht und mit der Kugel (denn Schrot w&uuml;rde
+in jenen hohen B&auml;umen von gar keiner Wirkung
+sein), den Truthahn herunter holt. Es bedarf dazu
+&uuml;brigens nur eines Fl&uuml;gelschusses, denn das Wild
+ist so schwer, da&szlig; es fast stets durch den Fall, wenn
+auch sonst nicht t&ouml;dtlich getroffen, verendet.</p>
+
+<p>So gescheidt der Truthahn aber auch sonst ist,
+so albern und unbeh&uuml;lflich stellt er sich an, wenn er
+sich gefangen glaubt, und eben auf diese seine Dummheit
+sind auch die Fallen berechnet. Wo n&auml;mlich der
+Ansiedler,&nbsp;&mdash;&nbsp;denn der J&auml;ger nimmt sich selten die
+M&uuml;he, das mit der Axt zu bekommen, was er mit
+der B&uuml;chse erlegen kann,&nbsp;&mdash;&nbsp;eine Kette Truth&uuml;hner
+zu fangen w&uuml;nscht, sei es nun in einem abge&auml;rnteten
+Maisfeld oder im Walde, da macht er von langen,
+gehaltenen, schweren Stangen eine Umz&auml;unung,
+die etwa zehn bis zw&ouml;lf Fu&szlig; im Quadrat
+hat und so hoch sein mu&szlig;, da&szlig; der gr&ouml;&szlig;te Truthahn,
+aufgerichtet, darin herumlaufen kann. Die
+Decke wird nachher mit Holz oder Steinen beschwert,
+da&szlig; sie dem Aufflatternden nicht nachgiebt. In eine
+der W&auml;nde, am besten nach der Richtung hin, in
+welcher die H&uuml;hner gew&ouml;hnlich ins Feld kommen,
+wird eine kleine Th&uuml;re ges&auml;gt. Gerade unter dieser
+hinweg f&uuml;hrt eine Art schmaler Laufgraben in das
+Innere der Umz&auml;unung; unter der Th&uuml;r ist dieser
+Graben am tiefsten und l&auml;uft nach Innen wieder
+auf die Oberfl&auml;che hinaus. Dieser Graben wird bis
+auf zw&ouml;lf und funfzehn Schritt von der Falle weggeleitet
+und nach ihm hin sparsam, in ihm aber
+reichlich Mais gestreut, der bis in den eingez&auml;unten
+Raum hinein f&uuml;hren mu&szlig;, wo es gut ist, wenn
+ein kleiner Haufen von Maiskolben dem Truthahn
+gleich entgegen lacht. Der Graben aber und die
+dar&uuml;ber hingehende Th&uuml;r d&uuml;rfen zusammen nur
+so hoch sein, da&szlig; ein ausgewachsener Truthahn,
+wenn er, mit dem Kopf auf der Erde, der Äsung
+nahe geht, gerade hindurch schreiten kann, also etwa
+zwanzig bis vierundzwanzig Zoll. Finden nun die
+den Wald durchgreifenden H&uuml;hner den umher gestreuten
+Mais, so folgen sie den einzelnen K&ouml;rnern,
+gerathen in den Graben und treten nun, das Gestell
+wenig beachtend, in den inneren hohen Raum,
+wo sie sich gar bald an dem dort aufgeschichteten
+Vorrath eine G&uuml;te thun. Auf diese Weise gehen
+manchmal zehn und f&uuml;nfzehn zu gleicher Zeit in die
+Falle. Nun hinderte sie freilich nichts auf der Welt,
+auf eben dieselbe Art das Gestell zu verlassen, wie
+sie es betreten haben; sobald aber nur einem von
+ihnen der Gedanke kommt, das Freie zu suchen, wobei
+er sich nat&uuml;rlich aufrichtet und, den fest verwahrten
+Ort &uuml;ber sich erblickend, das Warnungszeichen
+giebt, so erheben in demselben Augenblick
+Alle die K&ouml;pfe und versuchen flatternd in die H&ouml;he
+zu entkommen; keiner von ihnen denkt von dem Augenblick
+weder mehr daran, den Mais zu ber&uuml;hren,
+noch sich &uuml;berhaupt zu b&uuml;cken, und ich wei&szlig; den Fall,
+da&szlig; sie sich auf diese Art gegen Abend gefangen haben
+und bis zum n&auml;chsten Nachmittag darin geblieben
+sind, wo dann der Farmer herbei kam und sie
+einzeln heraus holte.</p>
+
+<p>Der arme Truthahn hat &uuml;brigens auch noch
+au&szlig;er dem Menschen sehr viele andere Feinde, denn
+W&ouml;lfe, F&uuml;chse, Marder, Katzen, Panther stellen ihnen
+nach; ihr grimmigster Verfolger aber ist der wei&szlig;k&ouml;pfige
+Adler, dem sie auch nicht einmal entfliehen
+k&ouml;nnen, und zeigt sich ein solcher in der Luft und
+umkreist die B&auml;ume, dann r&uuml;hrt sich kein Truthahn
+in seinem Versteck und man kann sie, wenn man sie
+zuf&auml;llig findet, fast mit der Hand greifen.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Als ich zuerst die wirklichen W&auml;lder Amerika's
+betrat, hatte aber nicht allein das Wild f&uuml;r mich
+Interesse, sondern auch die eingebornen J&auml;ger selbst,
+die in der Wirklichkeit ganz und gar von dem Bilde
+abwichen, welches ich mir in meiner Phantasie von
+ihnen gemacht hatte.</p>
+
+<p>Besonders viel war mir von den sogenannten
+&raquo;Hinterw&auml;ldlern&laquo; erz&auml;hlt worden, die in der Bev&ouml;lkerung
+Amerika's gewisserma&szlig;en eine eigene Gattung
+bilden. Es sind Landleute, insofern sie so viel
+Welschkorn bauen, als sie f&uuml;r sich und ihre Familie
+und ein Paar Pferde und Schweine bed&uuml;rfen, im
+Übrigen leben sie von der Viehzucht und Jagd und
+f&uuml;hren eigentlich genau genommen, trotzdem, da&szlig; sie
+H&auml;user bauen und kleine Felder anlegen, doch ein
+Nomadenleben; denn selten bleiben sie l&auml;nger als
+drei oder vier, oft nicht ein Jahr auf einem Fleck,
+sondern sind stets bereit, ihr mit saurem Schwei&szlig;
+urbar gemachtes kleines Besitzthum um Weniges wieder
+zu verkaufen und weiter westlich zu ziehen.</p>
+
+<p>Als ich zuerst nach Missouri kam (denn selbst
+Illinois liegt jetzt schon zu &ouml;stlich f&uuml;r diese Menschenklasse),
+h&ouml;rte ich, etwa sechzig Meilen unterhalb
+St. Louis, von einem gewissen <span class="wide">Coltert,</span> der ein
+alter, t&uuml;chtiger B&auml;renj&auml;ger sein und mitten im Wald
+in einer kleinen H&uuml;tte leben solle. Die Beschreibung
+dieses Mannes, wie er lebte, was er schon alles
+f&uuml;r Abenteuer durchgemacht, wie viel B&auml;ren und
+Panther er erlegt, wie oft er verwundet worden,
+ein Mal sogar lebensgef&auml;hrlich, als er seinen Lieblingshund
+einem B&auml;ren entrei&szlig;en wollte, das Alles
+spannte meine Neugierde auf das Äu&szlig;erste und
+machte mich sehr begierig diesen Mann kennen zu
+lernen, denn im Geiste malte ich ihn mir schon ganz
+nach indianischer Art, mit allen m&ouml;glichen Waffen
+und Jagdger&auml;th versehen, aus, und beschlo&szlig;, wenn
+ich auch Meilen weit umgehen m&uuml;&szlig;te, ihn aufzusuchen.</p>
+
+<p>Mein Weg sollte mich indessen etwa drei Meilen
+vor seinem Hause vorbei f&uuml;hren, wo, wenn ich
+einen gewissen Flu&szlig; erreicht h&auml;tte, ein Pfad rechts
+abging, der bis zu seiner H&uuml;tte hinlief. Bis zu
+diesem Flusse hatte ich etwa noch sechs englische
+Meilen zu marschiren und wanderte frisch darauf
+los, um den alten J&auml;ger so bald wie m&ouml;glich kennen
+zu lernen, als ich einen Mann auf der Stra&szlig;e
+&uuml;berholte, der sich ganz gem&uuml;thlich dicht am Wege
+seiner wei&szlig;en leinenen Beinkleider entledigt hatte,
+trotz dem unfreundlich kalten Wetter ziemlich behaglich
+auf einem umgehauenen Baumstamm sa&szlig; und
+die etwas sehr zerrissenen flickte.&nbsp;&mdash;&nbsp;Sonst trug er
+einen blau wollenen Frack, ein wei&szlig;es Hemd und
+ein Paar grobe rindslederne Schuh, welche drei letzteren
+Kleidungsst&uuml;cke, als ich zu ihm trat, seinen
+ganzen Anzug ausmachten; neben ihm aber stand
+ein alter, recht ungesetzlich au&szlig;er Façon gedr&uuml;ckter
+Filzhut, und an einem Baume lehnte eine lange
+B&uuml;chse&nbsp;&mdash;&nbsp;(ohne die selten oder nie ein Landmann
+ausgeht) mit einer kleinen ledernen Kugeltasche und
+einem in ein buntes Taschentuch eingebundenen
+P&auml;ckchen.</p>
+
+<p>Der Anblick war so komisch, da&szlig; ich unwillk&uuml;rlich
+stehen blieb und ihm freundlich guten Tag bot;
+er dankte, schien sich aber sonst nicht weiter um mich
+zu k&uuml;mmern, sondern steckte seine Nadel und Zwirn,
+da er seine Arbeit gerade beendigt hatte, in die <ins title="original has Kugeltatsche">Kugeltasche</ins>,
+zog das ausgebesserte Kleidungsst&uuml;ck wieder
+an, hing sich die Tasche um, setzte den alten
+Filz, der ihm ein merkw&uuml;rdig antikes Aussehen gab,
+auf, nahm das B&uuml;ndel in die linke Hand und dann
+den B&uuml;chsenlauf mit der rechten ergreifend, warf er
+sich diese, den Kolben nach hinten, &uuml;ber die rechte
+Schulter, indem er zu mir sagte: &raquo;Nun, Fremder,
+wenn Ihr mit wollt, so kommt!&laquo;</p>
+
+<p>Es lag etwas so ernst Drolliges in seinem Wesen,
+das mich unwillk&uuml;rlich anzog, und wir plauderten,
+neben einander herschlendernd, &uuml;ber vielerlei.
+Endlich erreichten wir den Flu&szlig;; mein Begleiter
+reichte mir die Hand und wollte sich verabschieden,
+ich bat ihn aber, mir zuerst den Weg nach des alten
+Coltert Haus zu zeigen, weil ich diesen aufzusuchen
+w&uuml;nschte.</p>
+
+<p>&raquo;Kennt Ihr den alten <span class="wide">Coltert?</span>&laquo; fragte er
+mich und wechselte mit der B&uuml;chse auf die andere
+Schulter.</p>
+
+<p>&raquo;Nein, ich kenne ihn nicht, w&uuml;nschte ihn aber
+kennen zu lernen!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nun,&laquo; sagte er, &raquo;wenns weiter nichts ist, das
+Vergn&uuml;gen habt Ihr die letzten zwei Stunden
+gehabt!&laquo;</p>
+
+<p>Ich staunte nicht wenig, unter dem alten Filz
+und in dem hellblauen, wollenen Frack meinen B&auml;renj&auml;ger
+zu finden, der noch dazu so &auml;cht waidm&auml;nnisch
+die B&uuml;chse, Kolben nach hinten, trug,
+folgte aber nichtsdestoweniger seiner freundlichen Einladung,
+die Nacht bei ihm zuzubringen, und wurde
+f&uuml;r den kleinen Umweg reichlich durch einige der
+delikatesten B&auml;renrippen und viele romantische
+Erz&auml;hlungen aus dem thatenreichen Leben des Alten
+belohnt. In mancher Hinsicht sehr befriedigt verlie&szlig;
+ich ihn am andern Morgen.&nbsp;&mdash;&nbsp;Hatte mir einen
+amerikanischen J&auml;ger aber doch anders gedacht.</p>
+
+<p>Die Erz&auml;hlungen des Alten hatten aber die
+Jagdlust um so m&auml;chtiger in mir aufgeregt und ich
+beschlo&szlig;, was ich auch sp&auml;ter redlich gehalten habe,
+Arkansas nach allen Richtungen zu durchstreifen und
+die B&auml;renhetzen, von denen ich ihn jetzt nur reden
+geh&ouml;rt, selber mitzumachen.</p>
+
+<p>Der B&auml;r geh&ouml;rt unstreitig zur edelsten und dabei
+auch eintr&auml;glichsten Jagd Amerika's, und ist der
+Kampf mit ihm auch manchmal gef&auml;hrlich, nun so
+verleiht das der Sache ja auch wieder ein so viel
+frischeres, gewaltigeres Interesse; denn das arme
+Wild zu erlegen, welches sich nicht widersetzen
+<span class="wide">kann,</span> selbst wenn es wollte, und nur in der Flucht
+sein Heil suchen mu&szlig;, nun ja, es ist auch sch&ouml;n
+und der den M&auml;nnern angeborene Zerst&ouml;rungsgeist
+macht es schon anziehend f&uuml;r uns; mir fehlte aber
+immer etwas bei jener Jagd, es kam mir stets vor,
+als ob es doch nicht das Rechte sei, nach dem ich
+mich gesehnt h&auml;tte, bis ich das erste Mal &raquo;Fu&szlig; an Fu&szlig;&laquo;
+mit einem der alten, schwarzen Burschen
+stand, und nun auch wu&szlig;te, ich tr&uuml;ge das gro&szlig;e
+Messer nicht blos zum Staate an der Seite.</p>
+
+<p>Die B&auml;ren fangen &uuml;brigens schon an in den
+vereinigten Staaten sehr selten zu werden, nur
+noch in den unerme&szlig;lichen S&uuml;mpfen des Mississippi-
+und Arkansas-Thales und den steilen, an vielen
+Stellen fast unzug&auml;nglichen Ozark-Gebirgen finden
+sie sich und werden mit einigem Erfolg von den
+Wei&szlig;en, und an dem letzteren Orte auch theilweise
+von Indianern gejagt; jedes Jahr vermindert sich
+aber ihre Anzahl bedeutend und die Zeit ist nicht
+mehr fern, wo eine B&auml;renf&auml;hrte in Arkansas eine
+Seltenheit sein wird.</p>
+
+<p>Die B&auml;renjagd selber wird in jenen Gegenden
+auf drei verschiedene Arten betrieben:</p>
+
+<p>
+Erstens durch <span class="wide">P&uuml;rschen,</span><br />
+<br />
+Zweitens durch <span class="wide">Hetzen</span> mit guten, darin ge&uuml;bten<br />
+Hunden, und<br />
+<br />
+Drittens durch das <span class="wide">Aufsuchen der Stellen,</span><br />
+in welchen er seinen Winterschlaf h&auml;lt.<br />
+</p>
+
+<p>Das P&uuml;rschen, so interessant es an und f&uuml;r sich
+ist, kann &uuml;brigens nur im Sp&auml;tsommer und Herbst
+geschehen, in welchen Jahreszeiten der B&auml;r seine
+Nahrung in den Fr&uuml;chten des Waldes sucht und
+sorglos dabei umhertrollt. In bergigen Gegenden,
+wo viele Heidelbeeren wachsen, geht daher die Suche
+schon im Juli an, da er bis Ende August von diesen
+lebt; dann jedoch, sobald die Eicheln der Wei&szlig;eiche
+reifen, aber noch nicht abfallen, ersteigt er diese
+und bricht oft ziemlich starke Äste herunter, um von
+ihnen seine Lieblingsnahrung abzulesen. Sind viele
+B&auml;ren in einer Gegend, so ist die Jagd in dieser
+Jahreszeit sehr interessant, weil man den B&auml;ren,
+sobald er erst einmal anf&auml;ngt, Zweige niederzubrechen,
+eine lange Strecke weit h&ouml;ren und sehr leicht
+an ihn heranschleichen kann. Wo sie aber nur selten
+angetroffen werden, w&auml;re es freilich ein undankbares
+Gesch&auml;ft, nach den wenigen im Walde herumzusuchen;
+dazu ist die Hetze und mit einer t&uuml;chtigen
+Meute Hunde, sicherer B&uuml;chse und breitem,
+kurzem Stahl an der Seite, auf einem guten, z&auml;hen
+Poney, in gestrecktem Galopp durch den Wald
+und Sumpf, hinter den klaffenden, heulenden Hunden
+her, das ist die Jagd, wo einem das Herz warm
+wird und k&uuml;hner und freudiger in der Brust klopft.
+Stellt sich dann der B&auml;r,&nbsp;&mdash;&nbsp;denn nicht immer sucht
+er auf einem Baum den Feinden zu entgehen,&nbsp;&mdash;&nbsp;und
+tritt ihm der J&auml;ger mit dem Messer in der Faust
+entgegen, so wird es doch auch eine Jagd, die Ehre
+bringt und die einen <span class="wide">Mann,</span> keinen blo&szlig;en Sonntagsj&auml;ger
+erfordert; das Gef&uuml;hl, mit dem man nachher
+den schwei&szlig;befleckten Stahl in die Scheide zur&uuml;ckst&ouml;&szlig;t,
+wiegt alle anderen Jagden auf. Die letzte
+B&auml;renhetze machte ich in Amerika im Sommer mit.</p>
+
+<p>Wir hatten keinen gro&szlig;en Nutzen von der Bestie;
+sie war aber zu l&uuml;stern nach &raquo;ihres N&auml;chsten
+Schweinen&laquo; geworden, die sie den in Unmasse im
+Walde wachsenden Heidelbeeren vorzog, und mu&szlig;te
+daher aus dem Walde geschafft werden. Übrigens
+zogen wir damals nicht mit der Idee einer B&auml;renjagd
+aus, sondern wollten blos ein Paar Hirsche
+schie&szlig;en, um das Gehirn derselben zum Gerben einiger
+Wilddecken zu erhalten (die indianische Art
+Hirschh&auml;ute zu gerben, geschieht nur mit dem Gehirn
+des Hirsches selbst und sp&auml;ter durch Rauch), als
+wir, von einem alten Jagdgenossen, der seine und
+meines Begleiters Hunde mitgebracht hatte, &uuml;berholt
+wurden. Drei alte Sauen, erz&auml;hlte dieser,
+seien ihm in wenigen N&auml;chten weggeholt, und er
+d&uuml;rstete nach Rache, die ihm denn auch im reichlichsten
+Ma&szlig;e wurde. Es war jedoch ziemlich trocken
+und d&uuml;rr, und die Hunde, obgleich mit dem r&uuml;hmlichsten
+Eifer suchend, konnten in langer Zeit keine
+frische F&auml;hrte finden; wir hatten sie aber in dem
+dichten Unterholz bald aus den Augen verloren und
+ritten lachend und erz&auml;hlend &uuml;ber die Berge; pl&ouml;tzlich
+ri&szlig; der Alte sein Pferd zur&uuml;ck und horchte, sich
+hoch im Sattel aufrichtend, mit der gespanntesten
+Aufmerksamkeit. Ein kurzes, dumpfes Geheul lie&szlig;
+sich h&ouml;ren&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das war <i>Muse</i>,&laquo; rief er&nbsp;&mdash;&nbsp;ein
+scharfes, kurzes Bellen folgte &raquo;das ist <i>Watch</i>.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Gleich darauf schlugen zwei der Lieblingshunde zu
+gleicher Zeit an. Jetzt aber schwenkte der Alte den
+Hut&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;sie haben ihn,&laquo; jubelte er, und dem Pferde
+den einen Sporn in die Seite dr&uuml;ckend, flog er dem
+Anschlagen der Hunde zu.</p>
+
+<p>Ich lie&szlig; ihn nicht die B&uuml;sche f&uuml;r mich theilen,
+sondern brach mit <i>Hozart</i> an seiner Seite ins
+Dickicht; gleich darauf schlug auch die ganze Meute
+&nbsp;&mdash;&nbsp;etwa 15 Hunde, an, da&szlig; der Wald widerhallte.
+Wir lie&szlig;en unsere Stimmen lustig drein schallen, und
+wie die wilde Jagd gings durch Dorn und Schlingpflanze,
+&uuml;ber umgest&uuml;rzte St&auml;mme und losgerissene
+Steinmassen fort dem Schalle nach, der in Schlucht
+und Thal das Echo erweckte.</p>
+
+<p>Der B&auml;r sah &uuml;brigens bald ein, da&szlig; er im offenen
+Wald der verfolgenden Meute nicht entgehen
+konnte, und eilte einem alten <i>Hurricane</i><a href="#fn2"><small><sup>2</sup></small></a> zu, wo
+die Eichen und Fichten wie Kraut und R&uuml;ben durch
+einander lagen und die Dornen und Schlingpflanzen
+und sp&auml;ter aufgeschossener Nachwuchs die Zwischenr&auml;ume
+ausgef&uuml;llt hatten. Die Jagd wurde
+toller und toller; die Pferde, die Begeisterung der
+Reiter theilend, setzten in fast unglaublicher Anstrengung
+&uuml;ber alte Baumst&auml;mme und durch Dickichte,
+die im ersten Augenblick fast undurchdringlich
+schienen.</p>
+
+<p>Im Anfang waren wir drei Reiter beisammen
+geblieben; der f&uuml;rchterlich verwachsene Wald aber
+hatte sp&auml;ter Jeden den besten Durchweg allein suchen
+lassen, und bald konnte ich nichts mehr von
+den beiden Anderen h&ouml;ren noch sehen, sondern vermuthete
+nur, da&szlig; sie, um dem B&auml;ren den Weg
+abzuschneiden, vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen
+h&auml;tten; eine pl&ouml;tzliche Wendung des verfolgten
+Thieres drehte jedoch die Hetze pl&ouml;tzlich nach
+meiner Seite; kleffend und jauchzend stellte ihn in
+einem entsetzlichen Dickicht die Meute, und durch eine
+dichte Brombeerhecke setzend, die das letzte von mir
+abstreifte, was nicht niet- und nagelfest war, fand
+ich mich in Schu&szlig;n&auml;he des Kampfes. Augenblicklich
+aber warf ich mich vom Pferd und sprang der
+Wahlstatt zu, wo ein ungeheuerer B&auml;r sich mit der
+gr&ouml;&szlig;ten Kaltbl&uuml;tigkeit und Tapferkeit gegen eilf der
+besten Hunde, die je einer F&auml;hrte in Arkansas folgten,
+vertheidigte; mein Anblick brachte ihn jedoch
+au&szlig;er Fassung und er wollte Fersengeld geben, die
+Hunde waren ihm aber zu nahe auf dem Pelz, und
+vergebens sah er seine Bem&uuml;hungen, einen R&uuml;ckzug
+zu bewerkstelligen.</p>
+
+<p>Ich hatte mich indessen immer noch gef&uuml;rchtet zu
+schie&szlig;en, da zu viele Gefahr war, einen der Hunde mit
+zu treffen; als ich jedoch noch unschl&uuml;ssig halb im
+Anschlag da stand, krachte des Alten wohlbekannte
+B&uuml;chse und, f&uuml;r einen Augenblick wenigstens, schien
+der B&auml;r die ihn umtobenden Hunde ganz vergessen
+zu haben, denn st&ouml;hnend warf er sich zu Boden und
+lag im Nu von jenen bedeckt; doch nicht lange verharrte
+er in dieser Lage, sondern sprang, mit jeder
+seiner gewaltigen Branten einen der R&uuml;den von sich
+sto&szlig;end, wieder in die H&ouml;he.</p>
+
+<p>Als er st&uuml;rzte, war mirs klar geworden, da&szlig;, im
+Fall ich noch die mindeste Lust h&auml;tte am Gefechte
+Theil zu nehmen, dies wohl der einzige Zeitpunkt
+w&auml;re, in dem ich n&uuml;tzlich sein k&ouml;nnte, und das Messer
+aus der Scheide rei&szlig;end, sprang ich auf den Gest&uuml;rzten
+zu, ihm die Klinge durchs Herz zu jagen.
+Ich war aber kaum noch zehn Schritte von ihm
+entfernt, als er sich, wie schon gesagt, mit einer
+gewaltigen Kraftanstrengung befreite, und das erste,
+was ihm in dieser gerade nicht liebensw&uuml;rdigen Situation
+in die Augen fiel, war meine werthe Person,
+mit blo&szlig;em Messer und allen Zeichen einer b&ouml;slichen
+Absicht auf ihn zuspringend. Er kam mir auf
+halbem Wege entgegen, und ich mag gerade kein ganz
+freundliches Gesicht geschnitten haben; das wei&szlig; ich
+nur, wie mir der Gedanke durch's Hirn fuhr, ich
+h&auml;tte mich schon in viel behaglicheren Situationen
+befunden. Aus dem einfachen Grunde jedoch hielt
+ich Stand, weil ich im ersten Augenblick wirklich gar
+nichts andres zu thun wu&szlig;te und begegnete dem Anlauf
+des B&auml;ren, indem ich ihm mit aller Gewalt
+mein breites Messer in die Brust stie&szlig;.</p>
+
+<p>Was weiter geschah, kann ich nicht mehr genau
+sagen; ein schwerer Schlag, der mich zur&uuml;ckwarf, ein
+dumpfes, schmerzhaftes Gef&uuml;hl, ein bekanntes Gesicht,
+das ich erblickte, ehe ich st&uuml;rzte, und ein erstickendes
+Gewicht, das auf mir lag, ist Alles, dessen ich mich
+noch entsinne.</p>
+
+<p>Als ich wieder zu mir kam, f&uuml;hlte ich, wie mir
+der Alte einen Hut voll Wasser nach dem andern
+und zwar mit einem Eifer ins Gesicht go&szlig;, der bei
+einer Feuersbrunst &auml;u&szlig;erst lobenswerth gewesen w&auml;re.
+Ich erholte mich jedoch bald und fand, mich aufrichtend,
+da&szlig; ich den erlegten B&auml;ren zum Kopfkissen
+hatte. Als dieser auf mich los st&uuml;rmte, war der
+Alte gl&uuml;cklicher Weise dicht dabei gewesen, und die
+Hunde konnten zwar nicht verh&uuml;ten, da&szlig; mich jener
+zur&uuml;ckwarf, sich aber in grenzenloser Wuth auf ihn
+st&uuml;rzend, &uuml;berw&auml;ltigten sie bald den schwer Verwundeten,
+meines Alten Stahl dabei nicht zu vergessen,
+der die Haut mehr einem Sieb als etwas anderem
+&auml;hnlich machte.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Es ist &uuml;brigens nicht immer der Fall, da&szlig; der
+B&auml;r sich, auf das Äu&szlig;erste getrieben, den Hunden
+auf ebener Erde stellt; gew&ouml;hnlich erklettert er, mit
+ausgezeichneter Gewandtheit, im Fall ihm nicht eine
+Vorderbrante zerschossen ist, wie ich das auch ein
+Mal gesehen habe, einen Baum, und kann dann
+mit geringer Gefahr herunter geschossen werden;
+einen geh&ouml;rigen Schlag aber thut's, wenn solch ein
+alter Bursche von zwei bis dreihundert Pfund, achtzig
+oder hundert Fu&szlig; hoch hernieder und zu Boden
+schmettert, und es ist schon oft der Fall vorgekommen,
+da&szlig; er im Sturz einige, der ihn unten zu
+eifrig erwartenden Hunde erschlagen hat. Steht er
+auf ebener Erde, so wirft er sich gew&ouml;hnlich, gleich
+nach empfangener Kugel, zu Boden und &auml;chzt und
+st&ouml;hnt wie ein Mensch; decken ihn aber dann die
+Hunde, so versucht er nicht sie einzeln zur&uuml;ckzuschlagen,
+sondern er stemmt wie in diesem letzten Falle
+erst seine Branten so gegen sie, da&szlig; er sich mit einem
+gewaltsamen Ruck befreien kann, und wehe dann dem
+J&auml;ger, der ihm in diesem Augenblick zu nahe ist!&nbsp;&mdash;&nbsp;
+ohne des Alten H&uuml;lfe w&auml;re auch ich rettungslos verloren
+gewesen.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Hat der B&auml;r einen Baum erstiegen und sich oben
+festgestellt, so k&ouml;nnen ihn die Hunde nicht wieder hinunter
+scheuchen; der Anblick eines Menschen aber
+macht ihn unruhig und versagt das Gewehr, so
+kommt er gew&ouml;hnlich mitten zwischen die Meute hineingefahren
+und versucht aufs Neue zu fliehen, doch
+ist das nicht stets der Fall.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Äu&szlig;erst interessant ist der P&uuml;rschgang auf B&auml;ren,
+wenn man unbeachtet an einen derselben herankommen
+kann. Anscheinend sorglos trollt der
+schwarze Geselle durch den Wald, und wer ihn so
+sieht, mit den plumpen, ungeschlachten Knochen, den
+Kopf unten, fast auf dem Boden, nachl&auml;ssig, scheinbar
+auch nicht das Mindeste um sich her beachtend,
+ahnt wohl kaum, da&szlig; eben dieses anscheinend plumpe
+Gesch&ouml;pf schneller als ein Pferd laufen und fast so
+behende als eine Katze klettern kann; in seinen
+Branten hat der B&auml;r &uuml;brigens die meiste Gewalt,
+und selten benutzt er seine Gef&auml;nge, denn ein Schlag
+mit der Vorderbrante ist hinreichend einen Hund zu
+t&ouml;dten und selbst einen Stier zu bet&auml;uben.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>So f&uuml;rchterlich er aber, wenn zum Äu&szlig;ersten
+getrieben, ist, so harmlos und unsch&auml;dlich zeigt er
+sich auch, wenn nicht bel&auml;stigt&nbsp;&mdash;&nbsp;man hat noch nie
+geh&ouml;rt, da&szlig; ein B&auml;r einen Menschen aus freien
+St&uuml;cken angefallen habe, ausgenommen es war eine
+B&auml;rin, die ihre Jungen vertheidigte. Auch der
+Schaden, den er dem Landmann thut, w&auml;re nicht so
+bedeutend, wenn er nicht im Sommer, wo noch keine
+Beeren im Walde stehen und die Eicheln noch nicht
+reif sind, sich an die zahmen Schweine hielte; hat
+er aber erst einmal den Geschmack von diesen weg
+bekommen, dann thut er auch ungeheueren Schaden,
+weil er nur gezwungen Aas fri&szlig;t und sich, wenn
+er's irgend haben kann, jede Nacht ein frisches
+Schwein holt. In diesem Fall mu&szlig; er gejagt und
+erlegt, oder wenigstens aus der Gegend vertrieben
+werden, denn nicht immer k&ouml;nnen die Hunde im
+Sommer einen mageren B&auml;ren einholen, der ihnen
+oft im offenen Walde durch seine Schnelle entgeht.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Der B&auml;r h&auml;lt aber, wie der Dachs, seinen Winterschlaf,
+liegt mehre Monat fest in seinem gew&auml;hlten
+Lager, wo er sogar schwer zu erwecken ist; in
+dieser Zeit w&auml;re dann P&uuml;rschjagd wie Hetze vergebens.</p>
+
+<p>Die Schlafzeit dauert in Arkansas, wo das
+Klima ziemlich mild ist, von Weihnachten bis Ende
+Februar; w&auml;hrend dieser ganzen Zeit fri&szlig;t er weder
+noch s&auml;uft er, und in dieser Zeit ist sein Magen inwendig
+mit einer reinen, &ouml;ligen Fettigkeit &uuml;berzogen.
+Anfang M&auml;rz aber f&auml;ngt er zuerst an, den n&auml;chsten
+Bach aufzusuchen, um seinen Durst zu l&ouml;schen und
+kehrt dann immer wieder in das Lager zur&uuml;ck. Sonderbarer
+Weise tritt er hierbei stets, so oft er auch
+gehen mag, in seine zuerst gemachten F&auml;hrten, die dann
+zuletzt breit und deutlich ausgetreten und <i>stepping
+path</i> oder Schrittpfad von den J&auml;gern genannt werden.
+Finden diese in eben der Jahreszeit eine solche
+F&auml;hrte, so ist der B&auml;r selten weit entfernt.</p>
+
+<p>Sein Bett w&auml;hlt er aber sehr verschieden; zeigt
+sich der Winter streng, so sucht er in gebirgigem
+Lande eine H&ouml;hle, in sumpfigem einen hohlen Baum
+aus, um dort vor der K&auml;lte gesch&uuml;tzt zu sein; dabei
+kratzt und scheuert er mit merkw&uuml;rdiger Sorgsamkeit
+den letzteren inwendig so glatt und rein, wie es ihm
+mit seinen gewaltigen Branten, die hierzu gerade
+kein schlechtes Handwerkzeug sind, nur irgend m&ouml;glich
+ist. Hat er endlich Alles in Stand, so steigt
+er langsam und besonnen, da&szlig; man kaum die Spur
+seiner scharfen Krallen in der rauhen Rinde bemerken
+kann, hinauf und dann durch die Öffnung, mit dem
+Hintertheil zuerst, in sein vorher bereitetes Lager
+hinab, wo das faule Holz, das er an den Seitenw&auml;nden
+herunter gekratzt hat, gew&ouml;hnlich ein sehr
+weiches Bett bildet. Anders ist es, wenn er von den
+Hunden verfolgt, einen Baum ersteigt, und im Hinaufspringen,
+von den st&auml;rksten, h&auml;rtesten Eichen ordentliche
+St&uuml;cke Rinde herunterschl&auml;gt.</p>
+
+<p>Ist der Winter gelind, so nimmt er sich all' diese
+M&uuml;he nicht einmal, sondern geht entweder im sumpfigem
+Lande in einen Schilfbruch, wo er von dem
+hohen, gr&uuml;nen Schilf so viel abrei&szlig;t, als er zu einem
+bequemen Lager n&ouml;thig zu haben glaubt, das
+er sich dann auch in einer der unzug&auml;nglichen Gegenden
+des Bruches zurecht macht, oder er sucht in
+bergigem Lande ein unwegsames Dickicht und bettet
+sich hier, auf einer Streu von zusammengetragenen
+zarten Zweigen, in den Wipfel irgend eines umgest&uuml;rzten
+Baumes.</p>
+
+<p>Die Ranzzeit f&auml;llt in den August, und nicht
+selten gerathen sich dann ein Paar der schwarzen
+Burschen auf eben keine freundliche Art in die Haare.
+Einen h&uuml;bschen Zug erz&auml;hlen dabei die amerikanischen
+J&auml;ger von dem m&auml;nnlichen B&auml;ren, der, wenn
+er wirklich wahr ist, einen merkw&uuml;rdigen Überlegungsgeist
+kund thut. Sehr h&auml;ufig fand ich n&auml;mlich
+in den W&auml;ldern, besonders an Sassafrasb&auml;umen
+und Kiefern, die tief eingerissenen Zeichen des
+Gef&auml;nges und der Krallen von B&auml;ren, die stets in
+gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichster H&ouml;he an den St&auml;mmen hinauf gelangt
+hatten; auf meine Anfragen erhielt ich folgenden
+Bescheid, in dem die J&auml;ger von Norden bis
+S&uuml;den &uuml;bereinstimmen.</p>
+
+<p>In der Ranzzeit folgt der B&auml;r der F&auml;hrte der
+B&auml;rin, wird aber oft, wenn von einem st&auml;rkeren
+&uuml;berholt, aus dem Felde geschlagen, von einem
+schw&auml;cheren, wenn nicht besiegt, doch wenigstens bel&auml;stigt;
+um diesem nun zu begegnen, soll der B&auml;r,
+so er sich stark und alt genug f&uuml;hlt einen Kampf
+mit Seinesgleichen zu wagen, sobald er die warme
+F&auml;hrte einer B&auml;rin angenommen hat, sich an einem
+dicht daneben stehenden Baum&nbsp;&mdash;&nbsp;am liebsten Sassafras
+oder Kiefer&nbsp;&mdash;&nbsp;in die H&ouml;he richten und ohne
+die Hintertratzen von der Erde zu heben, so hoch
+hineinbei&szlig;en und so hoch daran hinauf kratzen, als
+er m&ouml;glicher Weise kratzen und bei&szlig;en kann, worauf
+er ganz gem&uuml;thlich seinen Weg fortsetzt.</p>
+
+<p>Kommt nun nach einiger Zeit ein anderer desselben
+Weges, auf derselben F&auml;hrte, so findet er
+nat&uuml;rlich die f&uuml;r ihn zur&uuml;ckgelassenen Zeichen und
+mi&szlig;t nun, sich eben so am Baume emporrichtend,
+seinen vorangegangenen Nebenbuhler;&nbsp;&mdash;&nbsp;kann er
+dessen Merkmale &uuml;berreichen, oder kommt er ihnen
+wenigstens gleich, so folgt er und nimmt die Herausforderung
+an; kann er das aber nicht, ist er vielleicht
+viel kleiner, so klemmt er das kleine St&uuml;ckchen
+Ruthe, was ihm Mutter Natur verstattet hat,
+zwischen die Beine, oder macht wenigstens die Bewegung
+damit, als ob er es thun w&uuml;rde, wenn sie
+lang genug w&auml;re, und trollt den eben gekommenen
+Weg zur&uuml;ck, um wo m&ouml;glich eine andere F&auml;hrte
+auszusuchen.</p>
+
+<p>Die B&auml;rin wirft im Februar, oft schon Ende
+Januar, in einem hohlen Baum oder in einer H&ouml;hle,
+zwei bis vier Junge, die sie bis zur Ranzzeit bei
+sich beh&auml;lt und die sich auch oft noch nach dieser
+wieder zu ihr gesellen, doch soll sie dabei die Gesellschaft
+des alten B&auml;ren meiden, dem nachgesagt wird,
+er fr&auml;&szlig;e manchmal seine eigenen Jungen, was ich
+jedoch, zu seiner Ehre, nicht glauben will.</p>
+
+<p>Die ungeheuere Aufopferung, mit der die B&auml;rin
+&uuml;brigens ihre Jungen vertheidigen soll, kann
+nicht als allgemein angenommen werden. Ja, es
+giebt F&auml;lle, wo sie ihr Leben im Kampf &uuml;ber dieselben
+gelassen hat; aber mit den B&auml;ren wird's wie
+mit den Menschen sein&nbsp;&mdash;&nbsp;bei denen man oft recht
+liebe, gute Leute, und dann auch wieder recht schofeles
+Pack findet. Ich selbst wei&szlig; mehre Beispiele,
+wo eine B&auml;rin, sowohl in der H&ouml;hle als
+auch im freien offenen Walde, ihre Jungen, ohne
+sich weiter um sie zu bek&uuml;mmere, schm&auml;hlich im
+Stich gelassen hat und nur darauf bedacht schien,
+ihren eigenen Pelz, der noch dazu in damaliger Zeit
+kaum einen Dollar werth war, in Sicherheit zu
+bringen.</p>
+
+<p>Die <span class="wide">H&ouml;hlenjagd</span> ist &auml;u&szlig;erst interessant, aber
+dabei auch gef&auml;hrlich, und wird etwa folgenderma&szlig;en
+betrieben. In den unwegsamen Gebirgen des Westens,
+in die sich der B&auml;r bei einbrechender K&auml;lte zur&uuml;ckzieht,
+geht der J&auml;ger und sucht, zwischen den am
+tollsten und wildesten umher gestreuten Felsbl&ouml;cken,
+an steilen W&auml;nden hinkletternd und Schluchten und
+Spalten durchkriechend, nach H&ouml;hlen, in die er
+dann mit angez&uuml;ndeter Kienfackel oder mit einem
+aus wildem Wachs gekneteten Lichte eindringt. oft
+verrathen schon die in der N&auml;he der H&ouml;hle abgenagte
+B&uuml;sche den Besuch, der f&uuml;r einige Zeit in
+ihnen zu wohnen beabsichtigt, oder der <i>stepping
+path</i>, der hinein f&uuml;hrt, wenn die Jahreszeit schon
+weit vorger&uuml;ckt ist, oder die vor der H&ouml;hle umher
+liegende Losung, den Eingewinterten; am sichersten
+ist es aber stets, den Ort selbst zu untersuchen, und
+da&szlig; diese Jagd dann nicht zu den leichtesten geh&ouml;rt,
+ist sehr erkl&auml;rbar.</p>
+
+<p>Ich wei&szlig; mich Tage zu erinnern, in denen ich in
+funfzehn, sechszehn H&ouml;hlen herumgekrochen bin und
+mich durch Pl&auml;tze durchgezw&auml;ngt habe, von denen ich
+mir eigentlich jetzt noch selber nicht erkl&auml;ren kann, wie
+ich wieder heraus kommen konnte&nbsp;&mdash;&nbsp;ohne auch nur einer
+Kralle zu begegnen. Findet man nun an solchen Ort
+einen B&auml;ren, so mu&szlig; er beim Lichte der Fackel geschossen
+und nachher entweder ganz, oder wenn das nicht m&ouml;glich
+ist, in St&uuml;cken zu Tage geschafft werden.</p>
+
+<p>Ich habe &uuml;brigens diese H&ouml;hlenjagd in meinen
+&raquo;Streif- und Jagdz&uuml;gen&laquo;<a href="#fn3"><small><sup>3</sup></small></a> sehr ausf&uuml;hrlich behandelt
+und will hier nur, um dem Leser einen kleinen
+Begriff von diesen freundlichen Orten zu geben, das
+Innere derselben ein wenig beschreiben.</p>
+
+<p>Von der Natur gebildet scheinen sie fast alle
+schon so lange wie die Erde &uuml;berhaupt zu bestehen,
+und finden sich meistens in Kalksteinfelsen, in
+die sie manchmal nur zehn bis zw&ouml;lf Fu&szlig;, dann
+und wann aber auch 4-500 Schritt hinein gehen
+und an manchen Stellen ger&auml;umig genug sind, da&szlig;
+der J&auml;ger aufrecht in ihnen stehen kann, dann aber
+auch wieder eng genug zusammen laufen, um nur
+mit gr&ouml;&szlig;ter Anstrengung ein Durchpressen m&ouml;glich zu
+machen. Im Innern sind sie an den Seitenw&auml;nden
+glatt, oft von dem Anstreichen der Raubthiere,
+die seit Jahrhunderten sie bewohnten, spiegelblank,
+oben aber gew&ouml;hnlich mit St&uuml;cken Tropfstein behangen,
+der auch unten, wenn sich nicht weicher, thoniger
+Boden findet, das Fortkommen sehr erschwert.
+In diese H&ouml;hlen nun ziehen sich nicht allein B&auml;ren,
+sondern auch andere Raubthiere, als Panther, Waschb&auml;ren
+und F&uuml;chse, wie Schlangen, Eidechsen und
+Flederm&auml;use zur&uuml;ck, um ihren Winterschlaf entweder
+wie der B&auml;r zu halten, oder in den warmen
+Erdg&auml;ngen gegen die K&auml;lte gesch&uuml;tzt zu sein. Die
+Flederm&auml;use besonders h&auml;ngen an den Hinterbeinen
+von der Decke herunter und zirpen und zischen, wenn
+ihnen die Kienfackel zu nahe kommt. Der B&auml;r selber
+liegt, wenn er schl&auml;ft, auf dem Bauche und h&auml;lt
+die Stirn, die Nase an die Brust gedr&uuml;ckt, mit beiden
+Tatzen, wie betend, umfa&szlig;t.&nbsp;&mdash;&nbsp;Nur wenn er
+wacht, saugt er und wahrscheinlich blos aus Spielerei,
+an den Branten, Kinder haben das Daumenlutschen
+ja auch an sich, wobei er ein leises, winselndes
+Ger&auml;usch von sich giebt.</p>
+
+<p>In der H&ouml;hle angegriffen, ist er sehr scheu und
+versucht stets sein Bestes, durch die Flucht einer sich
+n&auml;hernden Gefahr zu entgehen; im Freien dagegen
+ist er viel heldenm&uuml;thiger. Ich selbst habe eine B&auml;rin
+in einer der tiefsten H&ouml;hlen der Ozarkgebirge angeschossen,
+und bin, von ihr gefolgt, zur&uuml;ck gewichen,
+bis sie einen anderen Zweig der H&ouml;hle annahm und
+ich im Stande war, mir meine B&uuml;chse, die ich hatte
+zur&uuml;cklassen m&uuml;ssen, wieder zu holen und zu laden;
+die B&auml;rin aber, als ich ihr nachher aufs Neue zu
+Pelze r&uuml;ckte, obgleich sie ihre Jungen in unserer Gewalt
+wu&szlig;te, wagte nicht mich anzugreifen, sondern
+sa&szlig;, in wilder Wuth den thonigen Boden vor ihr
+mit den scharfen Krallen zerhauend, auf ihrem Hintertheil
+und schnappte in ohnm&auml;chtiger Wuth mit
+dem Gef&auml;nge, bis sie die zweite, t&ouml;dtliche Kugel erhielt.</p>
+
+<p>Hat der B&auml;r in einem Baum seine Zuflucht gekommen
+und wird er vom J&auml;ger aufgefunden, was
+dieser aus den freilich nicht sehr deutlichen Zeichen
+in der Rinde erkennen mu&szlig;, so ist sein Loos allerdings
+kein sehr beneidenswerthes. Entweder wird
+der Baum umgehauen und Petz auf diese Art in
+seiner besten Ruhe gest&ouml;rt und durch den Sturz bet&auml;ubt,
+wenn er endlich schlaftrunken emportaumelt,
+von dem ihn Erwartenden mit einer Kugel und
+von einer Meute Hunde empfangen, von denen er
+sich gew&ouml;hnlich gar keine Idee machen kann, wie sie
+alle da so geschwind hingekommen sind; oder er wird
+mit Rauch von unten heraus getrieben, was ihm
+h&ouml;chst fatal ist, so da&szlig; er gew&ouml;hnlich brummend seinen
+bisherigen Ruheort verlassen will, bis ihn auch
+hier, sobald er sich oben an der Öffnung zeigt, eine
+todtbringende Kugel empf&auml;ngt.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Am schnellsten und komischesten ist das Heraustreiben
+desselben mit einem Feuerbrand; denn wenn
+die H&ouml;hlung des Baumes nicht bis an die Wurzel
+geht, da&szlig; also der Rauch auch nicht zu dem Schlafenden
+hinauf dringen kann, so mu&szlig;, im Fall
+die J&auml;ger keine Axt mit haben und der Baum zu
+stark ist, um ihn mit den kleineren Tomahawks
+umzuhacken, Einer von diesen mit einem Feuerbrand
+hinauf klettern, den er dann oben in die H&ouml;hlung
+und dadurch gew&ouml;hnlich dem B&auml;ren auf den
+Pelz wirft; kaum sp&uuml;rt Petz aber die Glut, als er
+voller Entsetzen in die H&ouml;he f&auml;hrt und oft den Erdboden
+viel fr&uuml;her als der gewi&szlig; nicht z&ouml;gernde J&auml;ger
+erreicht.</p>
+
+<p>Da&szlig; er sich von dem Baum herunter st&uuml;rzt, ist
+eine Fabel; er beh&auml;lt diesen zwischen den Branten
+und gleitet gewisserma&szlig;en daran nieder, aber so
+schnell, da&szlig; er kaum den Stamm zu ber&uuml;hren
+scheint, und wie ein schwarzer Blitzstrahl zwischen
+die ihn unten erwartenden Hunde hineinf&auml;hrt; thun
+diese dann aber nur im mindesten ihre Schuldigkeit,
+so darf er nicht entkommen, denn, noch
+halb im Schlafe, hat er weder sein volles Bewu&szlig;tsein
+noch seine vollen Kr&auml;fte, und wird leicht
+von ihnen gestellt und dem herbeieilenden J&auml;ger
+zur Beute.</p>
+
+<p>Ist der B&auml;r in jagdbarer Zeit, um Nutzen von
+ihm zu ziehen und nicht des Schadens wegen, den
+er thut, erlegt, so wird er gleich an Ort und Stelle
+abgestreift, abflie&szlig;t und dann zerlegt. Das &raquo;Abflie&szlig;en&laquo;
+nennt man das Abl&ouml;sen des Flie&szlig;es (der
+Speckseiten), die dann in das Innere des Felles eingeschlagen
+und auf eins der Pferde befestigt werden;
+das Wildpret wird nachher ebenfalls zusammen
+gebunden und, auf dem R&uuml;cken der Lastthiere
+h&auml;ngend, mit fortgenommen. Sind aber die J&auml;ger
+in einem gr&ouml;&szlig;eren Lager und haben sie einen Kessel
+zum Fettauslassen mitgenommen, dann wird diese
+Arbeit gleich im Walde vorgenommen und das
+ausgeschmolzene Wildpret bekommen nachher die Hunde,
+die besseren St&uuml;cken behalten nat&uuml;rlich die J&auml;ger zu
+ihren eigenen Mahlzeiten. Das Beste am B&auml;ren
+sind die Federn,<a href="#fn4"><small><sup>4</sup></small></a> und eine recht fette Wand, auf
+zwei H&ouml;lzern am Feuer ger&ouml;stet; das herunter tr&auml;ufelnde
+Fett nachher mit dem trockenen Brustst&uuml;ck des
+Truthahns aufgefangen und das Ganze mit einem
+hei&szlig;en Becher starken Kaffees hinunter gesp&uuml;lt&nbsp;&mdash;&nbsp;
+beim Schreiben l&auml;uft mir schon, bei der blo&szlig;en Erinnerung,
+das Wasser im Munde zusammen.</p>
+
+<p>Das sind &uuml;brigens die Lichtseiten der B&auml;renjagd
+&nbsp;&mdash;&nbsp;die Schattenseiten aber schauen viel d&uuml;sterer
+d'rein.&nbsp;&mdash;&nbsp;Wochenlang in Sturm und Regen den
+Wald durchzogen, J&auml;ger und Hunde halb verhungert
+&nbsp;&mdash;&nbsp;(denn ist man einmal ausgegangen, um B&auml;ren
+zu schie&szlig;en, so l&auml;&szlig;t man sich nicht gern mit geringerem
+Wild ein.)&nbsp;&mdash;&nbsp;Alle zu Tode ersch&ouml;pft und immer
+noch keine warme F&auml;hrte&nbsp;&mdash;&nbsp;endlich werden die Hunde
+lebendig, sie wittern den Feind, sie wissen, da&szlig; ihrer,
+mit dessen Erlegung, Ruhe und St&auml;rkung wartet;
+sie strengen ihre letzten Kr&auml;fte an und fort geht die
+Jagd, &uuml;ber Stock und Stein&nbsp;&mdash;&nbsp;sie &uuml;berholen ihn,
+werfen sich in blinder Wuth auf ihn&nbsp;&mdash;&nbsp;aber der
+J&auml;ger hat durch die Dickichte oder steilen Schluchten
+nicht so schnell mit seinem Pferde folgen k&ouml;nnen;
+der B&auml;r, ein alter erfahrener Bursche,&nbsp;&mdash;&nbsp;nicht
+gerade mager, aber doch nur feist genug, um t&uuml;chtig
+laufen zu k&ouml;nnen, schl&auml;gt die Hunde zur&uuml;ck, t&ouml;dtet
+drei oder vier, verkr&uuml;ppelt andere und ist, wenn tr&uuml;be
+D&auml;mmerung den rasch nahenden Abend verk&uuml;ndet,
+fern von aller Gefahr und von der f&uuml;r ihn sorgsam
+aufgesparten Kugel unerreicht,&nbsp;&mdash;&nbsp;das sind Schatten-,
+das sind Nachtseiten, die leider nur zu oft vorkommen.
+Am Lagerfeuer herrscht dann sehr &uuml;ble Laune, und
+den n&auml;chsten Tag ist der J&auml;ger &auml;u&szlig;erst zufrieden,
+wenn er nur noch so gl&uuml;cklich ist, einen Hirsch zu
+erlegen, um mit seinen &uuml;brigen Hunden, wieder eine
+Mahlzeit halten zu k&ouml;nnen.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Der B&auml;r, obgleich zu den Raubthieren geh&ouml;rig,
+n&auml;hrt sich doch nur, ausgenommen im &auml;u&szlig;ersten Nothfall,
+von Fr&uuml;chten und Insekten, und greift nur im
+Sommer, wo er seine Nahrung zu sparsam zusammen
+suchen mu&szlig;, Schweine und fast <span class="wide">nur</span> Schweine an,
+zwischen denen er dann freilich oft recht arge Verw&uuml;stung
+anrichtet. Haupts&auml;chlich lebt er von Eicheln,
+anderen Waldfr&uuml;chten und Beeren, und wird in fruchtbaren
+Jahren oft so feist, da&szlig; er f&uuml;nf bis sechs Zoll
+Feist ansetzt. Ein ordentliches B&auml;renmesser darf daher
+auch eigentlich nicht weniger als 9 Zoll in der Klinge
+haben, wenn es in allen F&auml;llen gerecht sein soll.</p>
+
+<p>Zu dem jagdbaren Wilde Nordamerika's geh&ouml;ren
+auch einige Raubthiere, die eine zu wichtige Rolle im
+Walde spielen, um ganz unerw&auml;hnt zu bleiben.</p>
+
+<p>Der <span class="wide">Panther</span> mu&szlig; mit Recht an die Spitze
+kommen, denn er ist der st&auml;rkste und gef&auml;hrlichste
+Gegner des Menschen, und auch wohl das einzige
+Raubthier in dem weiten Urwald, das der J&auml;ger zu
+f&uuml;rchten hat, da es Nachts die Lager umschleicht und
+in manchen, aber doch sehr seltenen F&auml;llen schon
+dem sorglos Schlummernden gef&auml;hrlich geworden ist.
+Heerden und Schweine und K&auml;lber, Fohlen, und
+selbst erwachsene Pferde fallen seinem Blutdurst.
+Haupts&auml;chlich n&auml;hrt er sich jedoch von Hirschen und
+kleinerem Wild, beschleicht Nachts die Salzlecken oder
+lauert, im Laub der B&auml;ume versteckt, auf die ruhig
+darunter hin Äsenden. Von den Hunden gehetzt,
+b&auml;umt er am Tage sehr leicht auf, Abends und
+Nachts aber verl&auml;&szlig;t er sich lieber auf seine Gewandheit
+und List, bringt die Hunde durch falsche Spr&uuml;nge
+von der F&auml;hrte ab und entgeht ihnen meistens.</p>
+
+<p>Er wird etwa so gro&szlig; wie ein t&uuml;chtiger Fleischerhund,
+ist ziemlich von der Farbe des Rothwildes und
+f&auml;rbt, wie dieses, im Winter; sein Fell hat keinen
+gro&szlig;en Werth und die Jagd auf ihn wird daher
+auch nicht, wenn er sich nur irgend entfernt von den
+Ansiedelungen h&auml;lt, besonders lebhaft betrieben. Sonderbar
+ist es, wird aber allgemein behauptet, da&szlig; er,
+so scheu er auch am Tage den Menschen flieht,
+mit wilder Blutgier schwangere Frauen anfalle und
+zerrei&szlig;e.</p>
+
+<p>Der <span class="wide">Wolf</span> steht dem europ&auml;ischen an Gr&ouml;&szlig;e bedeutend
+nach, lebt aber wie dieser in Rudeln
+zusammen und geht gemeinschaftlich auf Raub aus;
+doch nur f&uuml;rchterlicher Hunger k&ouml;nnte ihn dazu
+zwingen, einen Menschen anzugreifen, denn er ist
+feig und flieht bei dem leisesten Ger&auml;usch. Im Mai
+wirft die W&ouml;lfin 3-6 Junge, unter denen, wie
+die Sage geht, jedesmal ein Wolfshund sein soll,
+der sp&auml;ter der grimmigste Feind der W&ouml;lfe wird.&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Diesen nun aufzufinden, f&uuml;hrt die W&ouml;lfin die Jungen,
+sobald sie laufen k&ouml;nnen, an ein Wasser, um sie zu
+tr&auml;nken. Hier verr&auml;th sich der Wolfshund, der nach
+Hundeart <span class="wide">leckt,</span> w&auml;hrend die wirklichen, &auml;chten und
+treuen W&ouml;lfe <span class="wide">saufen,</span> und augenblicklich wird der
+junge, bis dato noch unschuldige Verr&auml;ther, zu Tode
+gebissen.</p>
+
+<p>Nicht so schlau als der unsere, f&auml;ngt man ihn
+h&auml;ufig in Fallen, die gemeiniglich aus einem, aus
+schweren rohen Baumst&auml;mmen zusammengef&uuml;gten Kasten
+bestehen, in dem zuerst, ehe er ganz beendigt
+ist, das Gescheide eines Hirsches oder anbr&uuml;chiges
+Fleisch geworfen wird, das er sich gemeiniglich bald
+holt, dann auch sp&auml;ter den aufgerichteten Deckel
+nicht scheut und sich pl&ouml;tzlich gefangen sieht. Da er,
+in Fuchsfallen oder Ottereisen erhascht, gew&ouml;hnlich
+den fest gehaltenen Lauf abbei&szlig;t, so l&auml;&szlig;t der amerikanische
+J&auml;ger die Falle unbefestigt stehen, hat aber
+eine drei bis vier Fu&szlig; lange, schwache Kette daran,
+an der ein vierhakiges Eisen h&auml;ngt; dieses fa&szlig;t &uuml;berall,
+wenn der Wolf mit der Falle zu <ins title="original has entfliegen">entfliehen</ins> sucht,
+hinter B&uuml;sche und Wurzeln, wird aber stets wieder
+von dem darin Sitzenden losgemacht, der sogar schon
+den Haken in's Ges&auml;nge genommen und zu entziehen
+versucht hat; aber nie greift er zum &auml;u&szlig;ersten Mittel,
+sich den Lauf abzubei&szlig;en, so lange er noch eine Hoffnung
+auf Entkommen hat und wird nachher leicht
+mit dem Hunde ausgemacht.</p>
+
+<p>In Canada h&ouml;rte ich von sehr vielen Farmern,
+da&szlig; sein Bi&szlig;, selbst bei einer leichten Verwundung,
+t&ouml;dtlich sein solle; das ist aber wohl nur Fabel.
+Thatsache ist es &uuml;brigens, da&szlig; Jahre vergingen, ehe
+sich die W&ouml;lfe an die dortigen Landg&uuml;ter hinanwagten,
+als zuerst auf ihnen&nbsp;&mdash;&nbsp;Schafe aus Europa eingef&uuml;hrt
+wurden.&nbsp;&mdash;&nbsp;Sie kannten die rauhen wolligen
+Thiere nicht und f&uuml;rchteten sie ungemein&nbsp;&mdash;&nbsp;wie sie
+aber erst einmal, durch Zufall oder peinlichen Hunger
+getrieben, den Geschmack derselben weg bekamen und
+sie als harmlose, nicht gef&auml;hrliche Gesch&ouml;pfe kennen
+lernten, r&auml;umten sie f&uuml;rchterlich zwischen ihnen auf.
+In seiner Naturgeschichte &auml;hnelt er sonst den europ&auml;ischen
+Wolfe in allen St&uuml;cken, nur ist er bedeutend
+kleiner und schw&auml;cher als dieser.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Der graue oder Prairiewolf ist eine Abart, sieht
+hellgrau aus, ist noch kleiner und furchtsamer als der
+schwarze, und lebt meistentheils in den Steppen.</p>
+
+<p>Der <span class="wide">Fuchs.</span> Es w&auml;re nicht halbrecht, Reinecken
+auszulassen, wo von Wild die Rede ist, obgleich
+er in Amerika eine ziemlich untergeordnete Rolle
+spielt. Erstlich ist er bedeutend kleiner als der unsere,
+giebt ihm aber wohl kaum an Schlauheit nach und
+wei&szlig; tausend Mittel und Wege, die Hunde von
+seiner Spur abzubringen. Eine Eigenth&uuml;mlichkeit
+hat er &uuml;brigens vor dem europ&auml;ischen voraus&nbsp;&mdash;&nbsp;
+er b&auml;umt auf, was fast unglaublich klingt; ich selbst
+wollte aber auch meinen Augen nicht trauen, als ich
+zum ersten Male den Hunden zueilte, deren wildes
+Bellen und Klaffen zeigte, da&szlig; sie ihn gestellt oder,
+wie ich damals glaubte, in seinen Bau gejagt
+hatten; ich wu&szlig;te jedoch wahrlich kaum, was ich
+sagen sollte, als ich den rothen Schelm ganz gem&uuml;thlich
+in einem jungen Baum, etwa 12 Fu&szlig; von der
+Erde, erblickte, wo er sich in die ersten auszweigenden
+Äste eingeklemmt hatte und, vor den Hunden wenigstens,
+gesch&uuml;tzt war; er schnitt aber ein Gesicht
+wie eine Katze, die beim Milchnaschen ertappt wird,
+als er mich kommen sah, denn an Fliehen war nicht
+mehr zu denken, da zw&ouml;lf r&uuml;stige Hunde den kleinen
+Baum umtobten.</p>
+
+<p>In Amerika b&auml;umt &uuml;brigens fast alles Wild
+auf, B&uuml;ffel, Hirsche und W&ouml;lfe ausgenommen;
+selbst die Kaninchen kriechen wenigstens inwendig in
+hohlen B&auml;umen hinauf und die Rebh&uuml;hner, vom
+Hunde verfolgt, fallen fast stets in die B&auml;ume ein;
+es ist einmal die Natur des Wildes dort, in dem
+ungeheueren Wald auch die B&auml;ume zum Zufluchtsort
+zu w&auml;hlen. Der Fuchs lebt &uuml;brigens in hohlen
+B&auml;umen, kann aber nicht etwa klettern, sondern wirft
+sich nur, in &auml;u&szlig;erster Noth mit Springen und Anklammern,
+zwischen die niederen Äste eines jungen
+Stammes und bleibt da eingeklammert sitzen.</p>
+
+<p>Den Schlu&szlig; m&ouml;gen zwei &auml;chte Amerikaner machen,
+der Waschb&auml;r (<i>racoon</i>) und das Opossum oder die
+Beutelratze.</p>
+
+<p>Der Waschb&auml;r, dessen Fell unter dem Namen
+&raquo;Schuppen&laquo; eine bedeutende Rolle auf den deutschen
+und russischen M&auml;rkten spielt, findet sich, besonders
+in den sumpfigen Thall&auml;ndern des Mississippi
+und anderer gro&szlig;en Str&ouml;me, in ungeheuerer Menge,
+und wird dort an Ort und Stelle wenig oder gar
+nicht geachtet. Die Kr&auml;mer bezahlen sein Fell in
+jener Gegend mit etwa vier guten Groschen. Der
+Waschb&auml;r ist &uuml;brigens an und f&uuml;r sich ein sehr liebes,
+possirliches Gesch&ouml;pf, und &auml;hnelt, obgleich er nie
+gr&ouml;&szlig;er als ein starker Dachshund wird, in sehr vielen
+St&uuml;cken dem B&auml;r, zu dem er auch, dem Geschlechte
+nach, geh&ouml;rt. Er lebt von Beeren, Waldfr&uuml;chten
+und Insekten, und liegt, wenn ruhend, in der n&auml;mlichen
+Stellung wie sein vierschr&ouml;tigerer Vetter. Den
+Namen <span class="wide">Waschb&auml;r</span> hat er mehr von seiner Neigung
+zu nassen Nahrungsmitteln als wegen seiner Reinlichkeit,
+denn das, was die Leute bei ihm <span class="wide">waschen</span>
+nennen, ist doch nichts mehr als ein Anfeuchten seines
+Fra&szlig;es. Er kann leicht gez&auml;hmt und zu allen m&ouml;glichen
+Kunstst&uuml;cken abgerichtet werden; sein Fleisch ist
+dabei delikat und hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem
+B&auml;renwildpret, nur da&szlig; es nicht wie dieses, wenn es
+anbr&uuml;chig wird, leichen&auml;hnlich, sondern wie anderes
+Wildpret riecht.</p>
+
+<p>Das Weibchen wirft 3-5 Junge und thut im
+Sommer den Maisfeldern ungeheueren Schaden,
+weshalb ihm auch die Landleute schon aus diesem
+Grunde sehr nachstellen. Sein Fell ist grau und sein
+buschiger Schwanz mit schwarz und gelben Ringen
+umzogen. Im Winter wird er mit Hunden gehetzt
+und zu Baume gejagt.</p>
+
+<p>Das <span class="wide">Opossum,</span> oder die Beutelratze, steht an
+Gr&ouml;&szlig;e dem Waschb&auml;ren kaum nach, sieht aber ganz
+grau und ratzenartig aus und hat, wenn man es
+an einem regnerischen Tage durch den Wald trollen
+sieht, in der That die wirkliche Gestalt einer kolossalen
+Ratze, die &uuml;ber irgend etwas sehr erschrocken
+und bla&szlig; geworden ist. Besonders geben ihm der
+kahle, dicke Schwanz, wie die fingerartigen Krallen,
+ein au&szlig;erordentlich widerliches Ansehen.</p>
+
+<p>Äu&szlig;erst komisch aber schaut es drein, wenn man
+ihm im Wald pl&ouml;tzlich begegnet und dicht zu ihm
+hinan geht. Zusammenfahrend legt es sich dann
+halb auf die Seite und &auml;ngstlich, mit weit aufgerissenem
+scharfen Gef&auml;nge, in die H&ouml;he blickend, zieht
+es die Lefzen so weit zur&uuml;ck, da&szlig; es gerade so aussieht,
+als ob es den St&ouml;rer seiner Ruhe angrinze
+und sich unendlich &uuml;ber seinen Besuch freue; es macht
+dann auch nicht den mindesten Versuch zu entgehen,
+und l&auml;&szlig;t sich nur mit einiger angewandten Vorsicht,
+wobei man sich besonders nicht so schnell nach ihm
+hinunter b&uuml;cken darf, sogar hinter dem Geh&ouml;r kratzen,
+was ich oft versucht habe, denn es hat keinesweges
+einen bissigen und b&ouml;sartigen Charakter; schl&auml;gt man
+es aber mit einem Stocke, und sei es noch so leise,
+oder sieht es mehre Hunde (<span class="wide">einem stellt es sich</span>)
+kommen, so f&auml;llt es auf einmal um und ist anscheinend
+todt. Diese m&ouml;gen es nachher bei&szlig;en, da&szlig; ihm
+die Rippen krachen&nbsp;&mdash;&nbsp;der J&auml;ger mag es in die
+H&ouml;he nehmen und wieder hinwerfen&nbsp;&mdash;&nbsp;es ist todt
+und r&uuml;hrt sich nicht, und erst im wirklichen Todeszucken
+oder in tiefes Wasser geworfen, wo es seine
+Rolle vergi&szlig;t und schnell zu schwimmen anf&auml;ngt,
+zeigt es Bewegung.</p>
+
+<p>Dieses kleine Thier beweist dabei, w&auml;hrend der
+f&uuml;rchterlichsten Qualen, die es doch nothwendiger Weise
+unter den w&uuml;thenden Bissen der Hunde ausstehen mu&szlig;,
+selbst noch im Tode eine solch merkw&uuml;rdige Geistesst&auml;rke,
+mit der es das Schlimmste ertr&auml;gt und nicht
+zuckt, ja selbst keinen Laut von sich giebt&nbsp;&mdash;&nbsp;da&szlig; ich
+mich sp&auml;ter, als ich seine Eigenth&uuml;mlichkeiten recht kennen
+lernte, nie mehr entschlie&szlig;en konnte, eins <span class="wide">umzubringen,</span>
+denn unter diesen Verh&auml;ltnissen erschien es mir
+ein wirklicher Mord. Äu&szlig;erst komisch sieht es aber aus,
+wenn man es hinter einem Baume vor beobachtet, wie
+es aus seinem anscheinenden Tode wieder erwacht.</p>
+
+<p>Zuerst, wenn Alles ruhig und still ist, und es
+sich fest &uuml;berzeugt glaubt, da&szlig; sein Feind den Platz
+verlassen hat, &ouml;ffnet es leise die kleinen Lichter und
+&auml;ugt&nbsp;&mdash;&nbsp;so wenig als m&ouml;glich den Kopf dabei bewegend,
+&uuml;berall umher; kann es nichts weiter ersp&auml;hen,
+so streckt es behutsam die winzigen Lauscher
+vor und horcht&nbsp;&mdash;&nbsp;Alles ruhig; jetzt hebt es den
+Kopf, blinzt rings im Kreise umher, liegt noch
+ein Weilchen ganz ruhig, wo es beim geringsten
+Ger&auml;usch wieder in seine vorige Stellung und Leblosigkeit
+zur&uuml;cksinkt, und richtet sich zuletzt, wenn es
+den Frieden v&ouml;llig wieder hergestellt glaubt, auf und
+trollt ab.</p>
+
+<p>Wird es verfolgt und kann in der Geschwindigkeit
+einen Baum erreichen, so b&auml;umt es auch auf,
+wobei es mit ungemeiner Gewandtheit klettert, doch
+benutzt es, um an starken B&auml;umen emporzuklimmen,
+gew&ouml;hnlich die herunter h&auml;ngenden, wilden Weinreben.
+Sein Fleisch, das zart und sch&ouml;n aussieht,
+wird von Vielen leidenschaftlich gegessen, die dann
+behaupten, es schmecke wie junge Ferkel; ich konnte
+aber nie meinen Ekel vor seiner h&auml;&szlig;lichen Gestalt so
+weit &uuml;berwinden, davon zu kosten. Seine nackten
+Jungen tr&auml;gt es, wie das K&auml;nguruh, nach der Geburt
+noch eine lange Zeit in einem sich unter dem
+Bauche befindenden Beutel umher; in den sie sich
+auch, wenn sie schon herumlaufen k&ouml;nnen, bei jeder
+nahenden Gefahr hineinfl&uuml;chten.</p>
+
+<p>Das ist etwa der Urwald mit seinen Bewohnern,
+der nun freilich noch durch unz&auml;hlige kleinere
+V&ouml;gel belebt wird. Schaaren von Tauben und kleinen
+Papageien durchschw&auml;rmen die Luft, und im
+Herbst und Fr&uuml;hjahr f&uuml;llen unz&auml;hlige V&ouml;lker von
+wilden Enten und G&auml;nsen die flie&szlig;enden Wasser und
+einsamen Waldseen des gewaltigen Reiches, deren Jagd
+besonders in den s&uuml;dlichen Staaten, in Louisiana, wo
+sie, aus dem hohen Norden kommend, &uuml;berwintern,
+&auml;u&szlig;erst interessant ist.</p>
+
+<p>Louisiana kann ich aber nicht erw&auml;hnen, ohne
+der Schnepfenjagd dabei zu gedenken, die ich dort
+von Anfang Februar bis Mitte M&auml;rz getrieben.
+Fast f&uuml;rchte ich jedoch hier in Deutschland, wo die
+Schnepfe eigentlich zu den Seltenheiten geh&ouml;rt, keinen
+Glauben zu finden, wenn ich die Zahl angebe, die
+ich jede und jede Nacht erlegt habe; ich will aber
+die Sache erz&auml;hlen, wie sie wirklich ist, und derjenige,
+welcher je die Ufer des Mississippi nach mir
+betritt und in dem flachen Lande, das an seinen
+Ufern, zwischen diesen und den weiter zur&uuml;ckliegenden
+S&uuml;mpfen liegt, jagt, wird finden, da&szlig; ich nicht &uuml;bertrieben
+habe, denn jene Massen k&ouml;nnen nicht vernichtet
+werden.</p>
+
+<p>Die ungeheueren Schilf- und Sumpfdickichte dienen
+der amerikanischen Waldschnepfe und Becassine
+den Tag &uuml;ber, zum Aufenthalt, und mit Dunkelwerden,
+wie bei uns, streichen sie in die offen
+liegenden nassen Wiesen und Baumwollenfelder. Nun
+k&ouml;nnte man sich zwar anstellen und sie auf dem
+Strich schie&szlig;en, denn <span class="wide">Tausende</span> schw&auml;rmen aus den
+sch&uuml;tzenden B&uuml;schen in's Freie; die B&auml;ume sind aber
+dazu zu hoch und eine viel bequemere, Kraut und
+Blei sparende Jagd betreibt der Creole dort, zu dessen
+Lieblingsgerichten die Schnepfe geh&ouml;rt. Auf &auml;hnliche
+Art habe auch ich <span class="wide">jede</span> Nacht&nbsp;&mdash;&nbsp;&uuml;ber sechs Wochen
+hinter einander, gejagt, wobei ich selten und nur
+dann, wenn das Wetter ung&uuml;nstig war, nach zweist&uuml;ndigem
+Umherwandern weniger als zw&ouml;lf bis achtzehn
+Schnepfen hatte.</p>
+
+<p>Die Schnepfe wird aber hier, wie der Hirsch im
+Walde, bei Fackellicht geschossen. Mit eben solcher
+Pfanne versehen, wie ich sie f&uuml;r die Feuerjagd des
+Rothwildes beschrieben habe, betritt der J&auml;ger Abends
+nach Dunkelwerden, wenn der Wind nicht zu stark
+bl&auml;st und der Mond nicht zu hell scheint, die feuchten
+Wiesen. Ein Sack mit feingespaltenem Kienholz
+h&auml;ngt an seiner Seite oder wird besser von einem
+ihm dicht folgenden Begleiter nachgetragen, der
+dann auch das Wiederauflegen des herunter gebrannten
+Kiens besorgen mu&szlig;, um stets eine recht
+helle, lebhafte Flamme zu unterhalten, und jetzt, in
+der rechten Hand die leichte Doppelflinte, in deren
+Rohren sich nur eine Viertelladung befindet, um die
+kleine Schnepfe (sie sind bedeutend kleiner als bei
+uns, den deutschen sonst aber ziemlich &auml;hnlich) nicht
+zu sehr zu zerschie&szlig;en, wandert der J&auml;ger leise und
+h&ouml;chst aufmerksam, das kurze Gras der Wiesen &uuml;berschauend,
+an kleinen, feuchten Gr&auml;ben und nassen
+sumpfigen Stellen entlang. Auf drei&szlig;ig Schritt schon
+kann er, wenn er eine recht gute Flamme f&uuml;hrt, die
+Schnepfe erkennen, die, entweder das Feuer gar
+nicht beachtend, sorglos weiter l&auml;uft und den langen
+Schnabel in den weichen Erdboden hineindr&uuml;ckt, oder
+mit auf den R&uuml;cken gelegtem Kopf, den Schnabel vor
+sich hinausstreckend, stehen bleibt und den Herankommenden
+ruhig erwartet.</p>
+
+<p>Auf zehn bis zw&ouml;lf Schritt habe ich gew&ouml;hnlich
+geschossen und nat&uuml;rlich nur selten gefehlt, was aber
+dennoch manchmal vorf&auml;llt, da das Feuer oft auf dem
+hellen Lauf, den man bei einer Schrotflinte &uuml;bersehen
+mu&szlig;, blendet, und man beim Abdr&uuml;cken schon hinan
+zu sein glaubt, die Schnepfe aber dennoch unterschie&szlig;t.
+Durch den Schu&szlig; oder auch durch den ihr zu nahe
+auf den Leib r&uuml;ckenden J&auml;ger aufgescheucht, steigt sie
+mit schwirrendem Laute gerade in die H&ouml;he, f&auml;llt aber
+auch augenblicklich in einem kleinen Bogen und fast
+stets noch im Bereich des Feuerscheins wieder ein,
+und kann schnell auf's Neue gefunden werden.</p>
+
+<p>So wenig scheut sie die Flamme, da&szlig; viele Neger,
+deren Herr ihnen nicht erlaubt, eine Flinte zu f&uuml;hren,
+Nachts mit der Fackel und lang abgeschnittenen
+Zweigen hinausgehen und sie zu Boden schlagen.
+In der einen Ansiedelung, <i>Pointe Coupée</i> am
+Mississippi, die sich etwa zwei englische Meilen in
+das Land erstreckt und zwei und zwanzig englische
+Meilen am Flu&szlig; hindehnt, werden doch in jedem
+Jahre, (d. h. in den sechs Wochen, denn im
+Herbst l&auml;&szlig;t sie sich nicht in den Wiesen sehen) wenigstens
+10,000 Schnepfen und Becassinen erlegt
+und theils nach New-orleans und in die kleinen
+St&auml;dte auf den Markt gebracht, theils selbst verzehrt.
+Bei dieser Nachtjagd, zwischen den zahlreichen
+Lagunen der Niederung umher, scho&szlig; ich denn
+auch sehr h&auml;ufig dort eingefallene Enten, ja einmal
+selbst eine wilde Gans, f&uuml;r die ich jedoch besonders
+laden mu&szlig;te; auch Kaninchen und Rebh&uuml;hner, die
+man in den Baumwollenfeldern auftreibt, halten, und
+ich glaube gewi&szlig;, da&szlig; man eben dieselbe Jagd hier
+in Deutschland, wenigstens auf Enten und H&uuml;hner,
+betreiben k&ouml;nnte; denn Schnepfen sind doch dazu zu
+selten;&nbsp;&mdash;&nbsp;es kommt nat&uuml;rlich nur einmal auf einen
+Versuch an.</p>
+
+<p>Die Bewaffnung eines B&auml;renj&auml;gers in Arkansas,
+der sich nicht fortw&auml;hrend in drei und vier
+Meilen um sein Haus herum treibt, sondern l&auml;ngere
+Z&uuml;ge in die Waldung unternimmt und oft wochenlang
+keine Wohnung, au&szlig;er der, die er sich selber
+aus Rindenst&uuml;cken aufbaut, zu sehen bekommt,
+ist etwa die folgende. Eine gute einl&auml;ufige B&uuml;chse
+und ein B&auml;renmesser&nbsp;&mdash;&nbsp;etwa 9 Zoll lang in der
+Klinge und zwei und einen halben breit, mit der
+geh&ouml;rigen Schwere, um nicht allein kleine Lagerstangen,
+sondern auch beim Zerlegen des Wildes
+das Schlo&szlig; ohne M&uuml;he durchschlagen zu k&ouml;nnen,
+dazu ein kleineres, kurzes Messer (Scalpirmesser)
+ausschlie&szlig;lich f&uuml;r das Zerwirken und Essen bestimmt
+und dann ein Tomahawk (indianisches Beil) im
+G&uuml;rtel, um im Nothfall st&auml;rkere B&auml;ume umhauen,
+Kienholz spalten und ein t&uuml;chtiges Lager bauen zu
+k&ouml;nnen, ist Alles, was er als Vertheidigungs-
+und Angriffswaffen bei sich f&uuml;hrt; zu seiner Bequemlichkeit
+tr&auml;gt er aber noch eine wollene Decke
+zusammengerollt auf dem R&uuml;cken, und einen Blechbecher
+an einem Henkel im G&uuml;rtel, um in diesem
+Abends, wenn er seine Decke aufgespannt oder ein
+Rindendach erbaut hat, etwas von dem gebrannten
+Kaffee, den er in einem ledernen S&auml;ckchen in die
+Decke gewickelt mit sich f&uuml;hrt, erst mit dem Stiel
+seines Tomahawks im Becher zu sto&szlig;en und dann
+in diesem zu kochen.</p>
+
+<p>Die Bekleidung besteht fast ganz aus Leder, was
+die Unzahl von dornigen Schlingpflanzen, die &uuml;berall
+den Wald durchziehen, n&ouml;thig machen. Ein ordentlicher
+J&auml;ger mu&szlig; aber nicht allein sein eigener
+Schneider und Schuster sein, sondern er gerbt auch
+die H&auml;ute, die er verwenden will, selber, und nur
+dann kann er sich in jenen gewaltigen W&auml;ldern unabh&auml;ngig
+f&uuml;hlen, wenn er aus sich selbst sich zu erhalten,
+zu n&auml;hren und zu bekleiden vermag.</p>
+
+<p>Doch ich bin weitl&auml;ufiger geworden, als im Anfang
+meine Absicht war, und mu&szlig; schlie&szlig;en, um
+nicht zu breit und dadurch langweilig zu werden,
+glaube aber in dieser kleinen Skizze einen ungef&auml;hren
+Umri&szlig; von der nordamerikanischen Jagd, wie ich sie
+durch sechsj&auml;hrige Erfahrung und fast vierj&auml;hrigen,
+ununterbrochenen, praktischen Betrieb kennen gelernt,
+gegeben zu haben. Die Jagd ist jedoch in den endlosen,
+wilden W&auml;ldern des noch neuen Landes kein
+Vergn&uuml;gen mehr, das man sich zur Erholung gestattet,
+sondern es ist eine Arbeit, die, weil man
+einmal darin ist und leben mu&szlig;, vollzogen sein will,
+verliert daher vieles von ihrer Annehmlichkeit.</p>
+
+<p>Dabei verringert sich, durch das r&uuml;cksichtslose
+Jagen, das Wild mit jedem Jahre, die M&uuml;he wird
+daher immer gr&ouml;&szlig;er, der Erfolg immer weniger belohnend;
+dennoch aber ist's ein eigenes herrliches Gef&uuml;hl,
+ganz so auf sich und seine eigene Kraft angewiesen
+zu sein und frei, ungehindert wie der Vogel in der
+Luft, den Wald durchziehen zu k&ouml;nnen. Hat dann
+der einsame J&auml;ger Abends sein Feuer angez&uuml;ndet,
+sein schnell errichtetes Dach &uuml;ber sich ausgespannt, so ist
+er auch zu Hause, denn der Wald ist ja seine Heimath
+und jedes dichte Laubdach seine Schlafkammer.</p>
+
+<p>Wer freilich mit der Idee nach Amerika geht,
+dort Geld zu verdienen, ja der soll um Gottes willen
+die Flinte an den Haken h&auml;ngen, denn wenn
+er auch h&ouml;ren mag, da&szlig; die Gallone B&auml;renfett 1&frac12;
+Dollar gilt und ein recht t&uuml;chtiger, feister Bursche
+oft funfzehn, ja zwanzig Gallonen mit sich tr&auml;gt, so
+ist das Alles recht sch&ouml;n und gut&nbsp;&mdash;&nbsp;er tr&auml;gt sie
+eben mit sich und der J&auml;ger kann ihn vielleicht&nbsp;&mdash;&nbsp;
+wenn er rechtes Gl&uuml;ck hat&nbsp;&mdash;&nbsp;nach Monate langer
+Jagd auffinden und erlegen, und dann ist er gew&ouml;hnlich
+immer in einer Gegend, wo er vor allen Dingen,
+wenn er das Fett wirklich auslassen kann, dieses in
+erst gemachte Hirschhautschl&auml;uche f&uuml;llen und dann
+noch, wer wei&szlig; wie weit, zum Verkaufe transportiren
+mu&szlig;; Hirschdecken gelten im Sommer kaum acht bis
+zw&ouml;lf gute Groschen&nbsp;&mdash;&nbsp;das Wildpret hat fast gar
+keinen Werth.</p>
+
+<p>Nein, zu verdienen ist nichts auf der Jagd; wer
+jedoch einmal ein Paar Jahre seines Lebens dran
+wenden will, nun dem bleibt in sp&auml;teren Zeiten
+wenigstens die Erinnerung. Es ist aber auch recht
+so, denn wollte man das edle Waidwerk nur um
+schn&ouml;den Gewinnstes willen treiben, wie im Norden
+und Westen Amerika's die gro&szlig;en Pelzcompagnieen
+thun, so w&uuml;rde es zum sch&auml;ndlichsten Morden herabgew&uuml;rdigt
+und verl&ouml;re all das Sch&ouml;ne und M&auml;nnliche,
+das ihm jetzt solch unendlichen Reiz verleiht.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Doch genug hiervon; ich habe aus meinem Leben,
+nicht wie ich es von Anderen erz&auml;hlen geh&ouml;rt
+oder in B&uuml;chern gelesen, sondern wie ich es selbst
+erfahren und beobachtet, das beschrieben, was in den
+Urw&auml;ldern Nordamerika's innerhalb der vereinigten
+Staaten lebt und gejagt wird, und bin ich ein wenig
+weitl&auml;ufiger dabei geworden, als es Manchem
+recht erscheint, so mag er bedenken, da&szlig; ein J&auml;ger,
+der von seinen erlebten Jagden erz&auml;hlt, selten das
+Ende finden kann.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h2><a name="ch3" id="ch3"></a>Curtis Brautfahrt</h2>
+
+<p>An dem kleinen Fl&uuml;&szlig;chen &raquo;Fourche la fave,&laquo; das
+sich drei&szlig;ig Meilen &uuml;berhalb Little Rock in den Arkansas
+ergie&szlig;t, lebte im Jahre 1841 ein Mann Namens
+Jeremias Curtis.</p>
+
+<p>Er war noch, wie er selber sagte, in den besten
+Jahren, etwa zwischen sechs und drei&szlig;ig und vierzig,
+und hatte erst vor zwei Jahren seine Frau an einem
+hitzigen Fieber verloren, was Wunder also, wenn es
+ihn mit dem erwachenden Fr&uuml;hling ebenfalls trieb,
+die heiligen Bande der Ehe auf's Neue zu kn&uuml;pfen,
+da noch &uuml;berdies drei unerzogene Kinder von vier,
+sechs und sieben Jahren ihn mahnten, da&szlig; sie der
+Mutterpflege bed&uuml;rfen.</p>
+
+<p>Zur Wartung der Kleinen, wie zur Besorgung
+der Wirthschaft, lebte indessen eine entfernte Verwandte,
+ein armes, aber braves und auch wirklich
+recht h&uuml;bsches M&auml;dchen, Namens Nancy, in seinem
+Hause, und schon mehrmals war ihm der Gedanke
+durch den Kopf gefahren, dieses zu heirathen und
+dadurch jeder weiteren Sorge &uuml;berhoben zu sein.
+Jeremias Curtius war aber ein Mann, der nicht blos
+f&uuml;r die Gegenwart lebte, sondern auch hinaus in die
+Zukunft schaute, und da glaubte er denn vern&uuml;nftiger
+und zweckm&auml;&szlig;iger zu handeln, wenn er sich eine
+Frau w&auml;hle, die ihm nicht allein sich selbst, sondern
+auch noch eine kleine Aussteuer zuf&uuml;hre, auf da&szlig; er
+seine irdischen G&uuml;ter, wenn er auch keinen Reichthum
+begehrte, doch um ein Weniges vermehren
+k&ouml;nne.</p>
+
+<p>&raquo;Zwar bedurfte er dessen nicht&laquo; (wie er sich
+selbst vor seiner Hausth&uuml;r auf- und abgehend, herz&auml;hlte),
+&raquo;er hatte, was er brauchte im Überflu&szlig;;
+hier stand ein recht wohnliches Blockhaus, 18 bis
+20 Fu&szlig;, wasserdicht gedeckt (die nordwestliche Ecke
+ausgenommen, wo es hineinregnen <span class="wide">wollte,</span> er
+mochte auch thun was in seinen Kr&auml;ften stand) mit
+einem guten Boden gelegt; daneben eine kleine K&uuml;che
+und ein Rauchhaus mit &raquo;Massen von Fleisch&laquo;;
+dabei neun Acker urbar gemachtes und eingefenztes
+Land, und dicht daneben noch ein kleines Eckchen
+f&uuml;r R&uuml;ben angefangen; zwei ausgezeichnet gute
+Pferde; sieben und drei&szlig;ig St&uuml;ck Rindvieh, gro&szlig;
+und klein (und die viere eingerechnet, die ihm im
+vorigen Fr&uuml;hjahr in die Arkansas Rohrbr&uuml;che
+gegangen und noch nicht wieder gekommen waren);
+einige vierzig Schweine (oder nur neun und drei&szlig;ig,
+wenn das <span class="wide">seine</span> Sau gewesen, die der B&auml;r
+in letzter Nacht gefressen); eine vorz&uuml;gliche Stahlm&uuml;hle;
+vier Hemden, f&uuml;nf paar Socken und drei
+paar Beinkleider (zwei f&uuml;r den Sonntag und noch
+ganz neu); einen Frack von Kenntucky Jeannet<a href="#fn5"><small><sup>5</sup></small></a>,
+die beste B&uuml;chse im ganzen Revier, f&uuml;nf Hunde,
+und&nbsp;&mdash;&nbsp;die Hauptsache, einen kleinen Negerjungen
+von circa neun Jahren, wie hundert und f&uuml;nfzig
+Dollar in baarem, harten Gelde&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">harten
+Gelde!</span>&laquo;</p>
+
+<p>Curtius wiederholte besonders die letzten Worte
+verschiedene Male &raquo;<span class="wide">hartem Gelde</span>&nbsp;&mdash;&nbsp;keines von
+Euerem lumpigen Arkansas-Papier-Geld&nbsp;&mdash;&nbsp;Arkansas-Real-Estate
+&nbsp;&mdash;&nbsp;72 pro Cent Discount&nbsp;&mdash;&nbsp;Puh!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Aber Mr. Curtis, was haben Sie denn nur
+heute vor? Sie wollen wohl bei der n&auml;chsten Wahl
+eine Rede halten?&laquo; frug Nancy, die schon seit mehreren
+Minuten in der Th&uuml;r gestanden und ihm leise
+kichernd zugeschaut hatte, wie er mit gewaltigen
+Schritten am Ufer des kleinen, vor seinem Hause
+vorbeiflie&szlig;enden Baches auf und abging, und lebhaft
+dazu mit den H&auml;nden gestikulirte.</p>
+
+<p>&raquo;Hat der Braune gefressen?&laquo; frug aber Mr.
+Curtis dagegen, indem er stehen blieb und sich nach
+seiner Haush&auml;lterin umsah, ohne die l&auml;chelnde Bemerkung
+weiter einer Antwort zu w&uuml;rdigen.</p>
+
+<p>&raquo;Vierzehn Kolben Mais habe ich ihm gegeben,&laquo;
+erwiederte Nancy, &raquo;und Bob ist bei ihm stehn geblieben,
+die H&uuml;hner vom Troge zu scheuchen; ich kann
+&uuml;brigens noch einmal hingehn und zusehn, ob er fertig
+ist und mehr verlangt.&laquo;</p>
+
+<p>Dabei sprang sie leicht &uuml;ber die dem Hause als
+Stufen dienenden Kl&ouml;tze hinweg, und h&uuml;pfte mit
+fr&ouml;hlichen Schritten dem Futterkasten zu, wo das
+Pferd, ein sch&ouml;nes, braunes Thier, die schon abgenagten
+Kolben, die sogenannten <span class="wide">Kobs,</span> zerkaute,
+und ungeduldig mit dem Vorderfu&szlig;e den Boden
+scharrte.</p>
+
+<p>&raquo;Nun Bill, bist du noch hungrig?&laquo; frug das
+M&auml;dchen, ihm dabei freundlich den Hals klopfend,
+w&auml;hrend Bill, dem die schmeichelnde Hand der Pflegerin
+zu behagen schien, nur st&auml;rker scharrte und
+mit dem sch&ouml;nen Kopfe auf- und niederfuhr&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;nun warte&nbsp;&mdash;&nbsp;ich hole dir noch ein paar Kolben&laquo;
+und damit wandte sie sich dem Hause wieder zu,
+wobei der Braune, ihre Absicht wahrscheinlich ahnend
+und als Zeichen freudiger Beistimmung, hellauf
+wieherte.</p>
+
+<p>Curtis hatte der schlanken, behenden Gestalt des
+h&uuml;bschen Kindes mit wohlgef&auml;lligem Blicke
+nachgeschaut, aber ein ernstes, bedeutsames Kopfsch&uuml;tteln
+verrieth doch, da&szlig; er seine ganz absonderliche Bedenken
+dabei haben mu&szlig;te, und auf's Neue trat er seinen,
+kaum unterbrochenen Spaziergang an, wiederum vor
+sich hinmurmelnd &raquo;einen kleinen, neunj&auml;hrigen Neger
+und hundert f&uuml;nfzig harte Dollars&nbsp;&mdash;&nbsp;harte, silberne
+Dollars.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&raquo;Gieb ihm nichts mehr zu fressen, Nancy,&laquo; rief
+er da pl&ouml;tzlich, als er zum Hause aufblickte und Nancy
+mit dem nachtr&auml;glichen und dem Braunen extra versprochenen
+Mais aus der Th&uuml;re treten sah&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich
+will fortreiten&nbsp;&mdash;&nbsp;hol' mir einmal die Decke aus dem
+Rauchhaus&nbsp;&mdash;&nbsp;und reich' mir den Z&uuml;gel heraus&nbsp;&mdash;&nbsp;
+er liegt unter meinem Bett.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Nancy that wie ihr befohlen, und bald darauf
+hatte Jeremias Curtis seinem keineswegs ganz damit
+einverstandenen Pferde den Z&uuml;gel an und den
+Sattel aufgelegt, schnallte sich dann einen &auml;u&szlig;erst
+blank gescheuerten Sporn an den linken Fu&szlig;, fuhr
+einige Male mit dem Ellenbogen &uuml;ber den etwas
+abgetragenen Biber, und schien bei dieser Besch&auml;ftigung
+wieder in tiefes, tiefes Nachdenken zu versinken.
+Pl&ouml;tzlich aber mu&szlig;te ein gro&szlig;er Entschlu&szlig;
+in seiner Seele gereift sein, denn mit gewaltiger
+Energie dr&uuml;ckte er sich den Hut&nbsp;&mdash;&nbsp;fast etwas zu
+tief&nbsp;&mdash;&nbsp;in die Stirn, schwang sich in den Sattel,
+trabte bis vor die Hausth&uuml;r, und blieb hier halten,
+wo er Nancy, die ihn verwundert betrachtete, genau
+fixirte.</p>
+
+<p>&raquo;Nancy&laquo;, sagte er endlich&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich will ausreiten.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Und in Ihren &raquo;Geh-zur-Kirche-Kleidern&laquo;?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja Nancy, und&nbsp;&mdash;&nbsp;wenn ich vielleicht&nbsp;&mdash;&nbsp;es
+k&ouml;nnte sein, da&szlig; ich&nbsp;&mdash;&nbsp;ich setze den Fall ich k&auml;me
+&nbsp;&mdash;&nbsp;nun Nancy&laquo;, brach er kurz ab, &raquo;r&auml;ume das
+Haus h&uuml;bsch auf und kehre Alles fein sauber ab;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;wir&nbsp;&mdash;&nbsp;wir bekommen vielleicht&nbsp;&mdash;&nbsp;Besuch!&laquo;
+und dem Thiere den linken Hacken einbohrend, setzte
+er &uuml;ber den Bach, und trabte schnell die am Flu&szlig;
+hinauff&uuml;hrende Stra&szlig;e, am Fu&szlig; der mit Kiefern bedeckten
+H&uuml;gel, fort.</p>
+
+<p>Nancy schaute ihm, bis er hinter den B&auml;umen
+verschwunden war, l&auml;chelnd und kopfsch&uuml;ttelnd nach,
+dann aber drehte sie sich lachend auf dem Absatz herum,
+und schmunzelte, in das Haus zur&uuml;cktretend:</p>
+
+<p>&raquo;Nun wenn <span class="wide">der</span> nicht Freiersgedanken im Kopfe
+hat, dann will ich nicht Nancy hei&szlig;en. Viel Gl&uuml;ck,
+Mr. Curtis, viel Gl&uuml;ck! Neugierig bin ich aber
+doch, wo er hinreitet; dort oben wohnen zwar viele
+M&auml;dchen, am Flu&szlig; hinauf&nbsp;&mdash;&nbsp;sollte er wohl nach
+Trumbells? die haben zwei T&ouml;chter&nbsp;&mdash;&nbsp;ih&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;lachte
+sie kurz abbrechend und ihre Arbeit am Baumwollen-Spinnrad
+wieder beginnend&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich werd's schon
+erfahren; morgen f&uuml;hrt er ja wahrscheinlich seine
+Auserw&auml;hlte heim.&laquo;</p>
+
+<p>Jeremias Curtis ritt indessen mit leichtem, fr&ouml;hlichem
+Herzen die Stra&szlig;e entlang, und stimmte endlich,
+in einem Ausbruch seiner nicht mehr zu b&auml;ndigenden
+und zur&uuml;ckzuhaltenden Gef&uuml;hle, eine weit
+hinausschallende Hymne an, so da&szlig; mehrere Hirsche,
+die friedlich an der Stra&szlig;e ge&auml;&szlig;t, entsetzt und mit
+m&auml;chtigen Spr&uuml;ngen in's Dickicht flohen. Wenig
+aber k&uuml;mmerte dies den Freiersmann; er war Einer
+von den Menschen, die sich Monate, Jahre lang mit
+einem Plan oder Entschlu&szlig; herumqu&auml;len k&ouml;nnen,
+ohne ihn zur Reife oder Ausf&uuml;hrung zu bringen, die
+aber, nur erst einmal mit sich selbst im Klaren, ruhig
+in die Zukunft hinaussehen und den lieben Gott f&uuml;r
+das weitere sorgen lassen.</p>
+
+<p>Im besten Mannesalter, sah er&nbsp;&mdash;&nbsp;Nancy hatte
+ihm das selbst mehr als einmal versichert&nbsp;&mdash;&nbsp;gar
+nicht so &uuml;bel aus; besonders wenn er Sonntags
+seine &raquo;reinen Sachen&laquo; angezogen. Nun wollte ihm
+zwar seine &uuml;bergro&szlig;e Bescheidenheit den Einwurf
+machen, da&szlig; ihn Nancy mit ein wenig zu partheiischen
+Augen betrachte, dann aber blickte er links am Pferd
+hinunter auf seine stattlichen, wohlproportionirten
+Gliedmassen, dann wieder rechts, nickte dazu l&auml;chelnd
+mit dem Kopf, murmelte &raquo;einen kleinen Neger und
+hundert und f&uuml;nfzig Dollars in baarem, harten
+harten Geld,&laquo; und begann mit lauterer, st&auml;rkerer,
+ja recht herzfreudiger Stimme den geistlichen Gesang
+auf's Neue.</p>
+
+<p>Mehrere Stunden mochte er also in der reinen,
+klaren Fr&uuml;hlingsluft fortgetrabt sein, als ihm aus
+der Ferne das helle Dach eines Blockhauses entgegenschimmerte,
+und er sich dem Ziele seiner Wanderung
+n&auml;herte; anstatt aber dem Pferde den Sporn
+einzudr&uuml;cken, und im fr&ouml;hlich k&uuml;hnen Galopp vor
+die Th&uuml;r der Auserw&auml;hlten zu sprengen, ritt er
+langsam seitw&auml;rts vom Wege ab in das Geb&uuml;sch
+hinein; stieg ab und begann jetzt mit au&szlig;erordentlicher
+Sorgfalt seine Toilette in Ordnung zu
+bringen.</p>
+
+<p>Ein kleiner Spiegel wurde mit seinem spitzen
+Messer&nbsp;&mdash;&nbsp;das er in einer ledernen Scheide im G&uuml;rtel
+trug&nbsp;&mdash;&nbsp;an einem Baum befestigt, dann f&ouml;rderte er
+einen Kamm und eine kleine B&uuml;rste ebenfalls aus der
+Tiefe der fast unergr&uuml;ndlichen Rocktasche zu Tage und
+striegelte und b&uuml;gelte nun das widerspenstige Haupthaar
+sorg- und aufmerksam.</p>
+
+<p>Mr. Trumbell, auf dessen Land und unfern von
+dessen Haus er sich jetzt befand, hatte zwei allerliebste
+T&ouml;chter, zwar noch ein wenig jung f&uuml;r einen
+Mann in seinem Alter, denn die &auml;lteste z&auml;hlte erst
+achtzehn Jahr; leicht &uuml;berredete er sich aber, da&szlig;
+sein noch so r&uuml;stiges, jugendliches Aussehen, und
+sein &raquo;kleiner neunj&auml;hriger Neger, wie die hundert
+und f&uuml;nfzig Dollars&laquo; sehr zu seinen Gunsten sprechen
+w&uuml;rden, ja sprechen mu&szlig;ten, und mit wirklichem
+Wohlgefallen nahm er jetzt den Spiegel in die
+Hand und hielt ihn bald dicht vor die Augen, bald
+in etwa Armesl&auml;nge von sich entfernt, um ungef&auml;hr
+den Eindruck zu berechnen, den, wie er hoffte,
+sein erstes Erscheinen auf die M&auml;dchen hervorbringen
+sollte.</p>
+
+<p>Aber gar nicht mit seinen Pl&auml;nen harmonirend,
+stahlen sich hie und da einzelne graue Haare sowohl
+aus dem Backenbart als auch aus den Schl&auml;fen hervor,
+und emsig war er eben bem&uuml;ht, die unwillkommenen
+Boten eines ehrw&uuml;rdigeren Zeitalters mit
+sicherer Hand und spitzen Fingern zu erfassen und
+herauszurei&szlig;en, als pl&ouml;tzlich das helle Gel&auml;chter zweier
+silberreinen M&auml;dchenstimmen an sein Ohr schlug, und
+er, entsetzt sich wendend, in die vor ausgelassener
+Freude funkelnden Augen eben dieser beiden Sch&ouml;nen
+blickte von denen er sich Eine zum ehelichen Gemahl
+ausersehen.</p>
+
+<p>H&auml;tte das ruhig neben ihm grasende Pferd ihn
+mit einem freundlichen &raquo;guten Morgen Mr. Curtis&laquo;
+angeredet, oder der Spiegel, der jetzt seiner zitternden
+Hand entfiel, ihm ein scheu&szlig;liches Fratzengesicht
+gezeigt, als er hineinschaute und seine eigenen, wohlgebildeten
+Z&uuml;ge darin zu finden erwartete, oder die
+alte Eiche, unter der er stand, die Riesenarme &uuml;ber
+den Kopf zusammengeschlagen und sich die Wurzeln
+selber wie einen Zahn ausgezogen, er w&uuml;rde nicht
+so starr vor Schrecken, so v&ouml;llig wie eine ungesalzene
+Madame Lot dagestanden haben. Nicht einmal
+die unbedeutendste Begr&uuml;&szlig;ungsformel wollte &uuml;ber die
+Lippen, und mit weit aufgerissenen Augen und noch
+weiter ge&ouml;ffneten Lippen blieb er in der einmal eingenommenen
+Stellung, und blickte bald auf diese, bald
+auf jene Schwester.</p>
+
+<p>&raquo;Aber Mr. Curtis,&laquo; begann jetzt die Älteste der
+Beiden, die sich zuerst wieder genug gesammelt hatte,
+um reden zu k&ouml;nnen, &raquo;l&auml;&szlig;t Ihnen denn Nancy zu
+Hause gar keine Ruhe, da&szlig; Sie soweit in den Wald
+hinein m&uuml;ssen, um Ihre Toilette zu machen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis will unter die Indianer gehen,&laquo;
+fiel die Schwester, immer noch mit vom Lachen unterbrochener
+Stimme ein&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;er &uuml;bte sich schon im
+Bartausraufen, und ich bin fest &uuml;berzeugt, da&szlig; er
+in derselben Tasche, aus der er schon so viele andere
+Sachen hervorgeholt hat, auch noch die Kriegsfarben
+tr&auml;gt.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Das ist m&ouml;glich,&laquo; kicherte Lucy&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;dort im
+Baum steckt sein Scalpirmesser.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Aber bester Mr. Curtis,&laquo; sagte Betsy mit
+scheinbarer Besorgni&szlig;, &raquo;dann m&uuml;ssen Sie ja auch
+<span class="wide">tanzen,</span> und da Sie doch jetzt erst zu den Methodisten&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Lucy&nbsp;&mdash;&nbsp;Mi&szlig; Betsy,&laquo; stammelte in h&ouml;chster
+Verlegenheit der arme Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich&nbsp;&mdash;&nbsp;ich habe
+einen kleinen Neger und hundert f&uuml;nfzig Dollar&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ah Sie werden ein H&auml;uptling!&laquo; jubelte Betsy,
+&raquo;ich sehe Sie schon im Geist mit der Scalplocke
+und dem blutigen Tomahawk im G&uuml;rtel&nbsp;&mdash;&nbsp;buntbemalt,
+wehende Adlerfedern auf dem Haupte, die
+ausgefranzten Leggins von dem flatternden Haarschmuck
+der erlegten Feinde umweht&nbsp;&mdash;&nbsp;Brrrrr&laquo; fuhr
+sie schaudernd fort, &raquo;was Sie schon f&uuml;r wilde Blicke
+nach uns schie&szlig;en;&laquo; und wiederum fingen die M&auml;dchen
+an zu lachen, da&szlig; der Wald t&ouml;nend das helle
+Echo zur&uuml;ckgab.</p>
+
+<p>Der arme Curtis aber, die Zielscheibe dieses unerbittlichen
+Spottes, stand keineswegs mit wildem
+Blick, sondern mit h&ouml;chst kl&auml;glicher, erbarmenswerther
+Miene da, und &uuml;berlegte eben, mit welcher Wonne
+er in einen zwei hundert und f&uuml;nfzig Fu&szlig; tiefen
+Brunnen oder in eine unergr&uuml;ndliche Felsspalte hineinfahren
+k&ouml;nne, um nur hier, von dieser f&uuml;r ihn zum
+Marterpfahl gewordenen Stelle fortzukommen, denn
+aller Muth, auch nur eine Sylbe &uuml;ber die Absicht
+seines Besuches laut werden zu lassen, war ihm jetzt
+entfallen. Endlich aber fa&szlig;te er sich ein Herz, hob
+mit einer schnellen und geschickten Bewegung den ihm
+vorhin entfallenen Spiegel wieder auf, lie&szlig; ihn in die
+Tasche gleiten, und frug jetzt, mit halb trotzigem,
+halb kl&auml;glichem Gesicht die Schwestern, was sie um
+des Himmels willen im Walde, hier an dieser einsamen
+Stelle allein zu thun h&auml;tten.</p>
+
+<p>&raquo;Wenn wir nun grausam w&auml;ren,&laquo; sagte Lucy,
+&raquo;k&ouml;nnten wir Ihnen das zu rathen aufgeben, so
+aber wollen wir Mitleiden mit Ihnen haben, und
+Sie in unser Geheimni&szlig; einweihen. Sehen Sie
+den Waschkessel da unten? sehen Sie das freundliche
+Gesicht Jessina's?&laquo;</p>
+
+<p>Und Curtis sah das freundliche Gesicht Jessina's,
+denn nicht zwanzig Schritt von da entfernt, grinste
+ihm, zwischen ein paar bl&uuml;henden Dogwoodb&uuml;schen
+hindurch, das breite, schwarze Antlitz eines kleinen,
+vierschr&ouml;tigen Negerm&auml;dchens entgegen, das seine Arbeit
+verlassen hatte und kichernd zwei Reihen der reinsten,
+wei&szlig;esten Perlz&auml;hne zeigte, die je unter einer Negerin
+Lippe hervorschimmerten.</p>
+
+<p>&raquo;How de do, Massa?&laquo; nickte ihm die Kleine
+freundlich zu, und der fromme Curtis hatte schon einen
+h&ouml;chst gottesl&auml;sterlichen Fluch auf den Lippen, doch unterdr&uuml;ckte
+er ihn noch zur rechten Zeit, starrte einen
+Augenblick vor sich nieder, und war im Begriff, sein
+Pferd zu besteigen und den Ort zu fliehen, wo er
+unter f&uuml;r ihn so mi&szlig;lichen Umst&auml;nden empfangen
+worden. Da aber siegte der Verstand des ruhigen
+besonnenen Mannes.</p>
+
+<p>Nein&nbsp;&mdash;&nbsp;Mr. Trumbell war sehr wohlhabend,
+und nicht allein hier, sondern auch im Oiltrovebottom,
+am Whiteriver, hatte er nicht unbetr&auml;chtliche
+Strecken Land, das am Fourche la fave jedoch, seiner
+ges&uuml;nderen Lage wegen, zum Aufenthaltsort gew&auml;hlt.
+Dabei viel Vieh&nbsp;&mdash;&nbsp;sehr viel Vieh und&nbsp;&mdash;&nbsp;was
+das bedeutendste war, eine ganze Colonie von Negern
+und besonders von sehr h&uuml;bschen Negerm&auml;dchen.
+Jeremias dachte an seinen eigenen jungen Spr&ouml;&szlig;ling
+aethiopischer Race&nbsp;&mdash;&nbsp;romantische Gebilde von
+fabelhaft gro&szlig;en Baumwollenplantagen mit unz&auml;hligen
+Negersclaven jagten an seiner inneren Seele
+vor&uuml;ber&nbsp;&mdash;&nbsp;jedes der beiden vor ihm stehenden M&auml;dchen
+war wenigstens zweitausend Dollar werth&nbsp;&mdash;&nbsp;
+er dr&uuml;ckte sich den Hut etwas fester auf den Kopf.
+Jetzt war der Zeitpunkt gekommen. Die M&auml;dchen
+schienen ihr Betragen zu bereuen&nbsp;&mdash;&nbsp;sie fl&uuml;sterten
+leise und ernst zusammen&nbsp;&mdash;&nbsp;sie wu&szlig;ten, da&szlig; sie ihm
+durch ihren Spott weh gethan haben mu&szlig;ten&nbsp;&mdash;&nbsp;Reue
+kam vielleicht dem, was er ihnen sonst noch bieten
+konnte, zu H&uuml;lfe; auf keinen Fall d&uuml;rfte die kostbare
+Zeit vers&auml;umt werden, und Lucy sollte erfahren, da&szlig;
+es in ihrer Macht stehe, ihn zum Gl&uuml;cklichsten der
+<ins title="original has Sterblichsten">Sterblichen</ins> zu machen.</p>
+
+<p>Er setzte den rechten Fu&szlig; vor und hob den linken
+Arm auf&nbsp;&mdash;&nbsp;der Augenblick der Entscheidung
+war da.</p>
+
+<p>Lucy wandte sich gegen ihn und sagte bittend:</p>
+
+<p>&raquo;Nicht wahr, Sie sind nicht b&ouml;se, wenn&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mein Fr&auml;ulein,&laquo; unterbrach sie mit freudiger
+Stimme der neue Hoffnung sch&ouml;pfende Freier,&nbsp;&mdash;&nbsp;wie
+k&ouml;nnen Sie nur glauben, da&szlig; ich&nbsp;&mdash;&nbsp;ich habe&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wenn ich eine Frage an Sie richte&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo; fuhr
+Lucy, ohne die Unterbrechung zu beachten, fort&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;Betsy und ich haben miteinander gestritten&nbsp;&mdash;&nbsp;Betsy
+meint, Sie h&auml;tten sich die einzelnen Haare aus
+Verzweiflung ausgerissen, ich behaupte aber, Sie wollten
+ihrer Geliebten eine Locke mitbringen. Nicht wahr,
+ich habe Recht?&laquo;</p>
+
+<p>Das war zu viel f&uuml;r den armen Curtis! er verschluckte
+die schon halb begonnene Anrede, steckte das
+Messer in den G&uuml;rtel, fa&szlig;te sein Pferd am Z&uuml;gel,
+hielt aber noch einmal und warf einen letzten, fragenden
+Blick auf die Sch&ouml;nen. Diese aber waren indessen
+in ein lautes Kichern ausgebrochen, das in dem bl&uuml;henden
+Dogwoodbusch ein schallendes Echo fand, und
+ein paar blaue Heher, die gerade &uuml;ber der kleinen
+Versammlung auf dem jungen Aste eines jungen
+Sassafras sa&szlig;en, stimmten mit ihren schmetternden,
+plappernden Stimmen ein in den L&auml;rm. Curtis sa&szlig;
+mit einem Sprung im Sattel.</p>
+
+<p>&raquo;Good bye Ladies!&laquo; rief er mit lauter, trotziger
+Stimme, und als ob er hinter einem alten B&auml;ren
+her auf fl&uuml;chtiger Hetze den Wald durchrase, so flog
+er, &uuml;ber mehrere gest&uuml;rzte St&auml;mme hinweg, der mit
+so frohen Hoffnungen verlassenen Countystra&szlig;e wieder
+zu.</p>
+
+<p>Vergebens riefen ihm jetzt die M&auml;dchen nach,
+zum Hause zu reiten und bei ihren Eltern zu &uuml;bernachten,
+vergebens versprach Lucy ihn nicht zu necken
+und keine Sylbe des Vorgefallenen zu erw&auml;hnen,
+er h&ouml;rte nichts von ihren vers&ouml;hnenden Worten,
+und nur das sp&ouml;ttische (ihm <span class="wide">teuflisch</span> vorgekommene)
+Lachen t&ouml;nte und klingelte ihm noch in den
+Ohren, als er schon mehrere Meilen in scharfem
+Trabe zur&uuml;ckgelegt, und nun endlich anfing, die Sache
+ruhig zu &uuml;berdenken.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&raquo;Verdammt!&laquo; rief er, und z&uuml;gelte den Eifer des
+sch&auml;umenden Thieres ein wenig, indem er sich zugleich
+erschrocken umsah, ob Niemand den gottesl&auml;sterlichen
+Fluch geh&ouml;rt habe, &raquo;kann ein einzelner
+Mensch gr&ouml;&szlig;eres Ungl&uuml;ck auf der weiten Gotteswelt
+haben, als ich an diesem gesegneten Morgen
+genossen? Aber gut&nbsp;&mdash;&nbsp;gut&nbsp;&mdash;&nbsp;spottet nur, lacht nur,
+meine Mi&szlig; Lucy und meine Mi&szlig; Betsy, verh&ouml;hnt
+nur den aufrichtigen Freier, der sich Euch mit treuem
+Herzen naht, Ihr werdet's schon noch einmal bereuen
+und dann will ich triumphiren; dann ist mein kleiner
+Neger gro&szlig; geworden, mein baares Geld, meine
+hundert und f&uuml;nfzig harten Dollars haben sich vermehrt,
+und die Zeit m&ouml;chte kommen, wo Ihr Euch
+lieber Mistres Curtis als Mi&szlig; Lucy oder Mi&szlig; Betsy
+nennen h&ouml;rtet.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Er hatte sich bei den letzten Worten im Sattel
+umgedreht, und hob drohend den rechten Zeigefinger
+nach der Richtung hin auf, aus der er eben gekommen
+war. Seine Selbstliebe trug aber endlich den
+Sieg &uuml;ber die gekr&auml;nkte Eitelkeit davon, ein mitleidiges,
+fast h&ouml;hnisches L&auml;cheln umspielte f&uuml;r einen
+Augenblick seine Mundwinkel, und sich dann fester
+im Sattel setzend, pre&szlig;ten seine Schenkel auf's Neue
+die Flanken des edlen Thieres, das mit ihm in langen
+S&auml;tzen &uuml;ber die felsige Stra&szlig;e dahinflog.</p>
+
+<p>Das n&auml;chste Haus, das jetzt in seinen Augen
+einigen Werth hatte&nbsp;&mdash;&nbsp;denn diejenigen Farmen, auf
+denen keine jungen M&auml;dchen lebten, existirten gegenw&auml;rtig
+gar nicht f&uuml;r ihn&nbsp;&mdash;&nbsp;geh&ouml;rte einem Leidensgef&auml;hrten,
+einem Wittwer, Namens Ewis; der Magnet
+aber, der ihn dorthin zog, war des alten Ewis
+einziges T&ouml;chterlein, ein liebes, holdes M&auml;dchen,
+schlicht und einfach, doch brav und h&auml;uslich erzogen,
+und eine amerikanische Jungfrau im reinsten
+und vollsten Sinne des Wortes. Darum war &uuml;brigens
+Curtis nicht gleich von allem Anfang hierhergeritten,
+weil&nbsp;&mdash;&nbsp;die Neger fehlten. Ewis konnte
+mit zu den wohlhabenderen Farmern gerechnet werden,
+seine Heerden weideten in allen Theilen der
+weitverbreiteten Rohrbr&uuml;che, sein Land trug herrliche,
+reichliche Frucht, und es gab in einem nicht geringen
+Umkreis keinen gutm&uuml;thigeren und zugleich rechtlicheren
+alten Mann, als eben ihn; aber die Neger fehlten,
+und Curtis hatte de&szlig;halb Lucy und Bet&nbsp;&mdash;&nbsp;
+aber nein, er wollte gar nicht mehr an die M&auml;dchen
+denken&nbsp;&mdash;&nbsp;sie verdienten es nicht.</p>
+
+<p>Jetzt hatte er die &auml;u&szlig;ersten Fenzen erreicht; im
+Osten wurden schon an dem erdunkelnden Nachthimmel
+einzelne, blitzende Sterne sichtbar, und nur
+im Westen verrieth ein schmaler bleicher Streif die
+geschiedene, schlummernde Sonne; aber dort wirkte
+und schaffte noch reges Leben; die Hunde bellten,
+die K&uuml;he bl&ouml;kten, eine feine Kindesstimme rief das
+lockende &raquo;Huph&nbsp;&mdash;&nbsp;huph&laquo; in den Wald hinaus, und
+dazwischendurch schallten die eint&ouml;nigen Schl&auml;ge der
+Axt, die noch Feuerholz f&uuml;r die k&uuml;hle Nacht herbeischaffen
+mu&szlig;te.</p>
+
+<p>Gleich darauf betrat er den inneren, von den
+verschiedenen Feldern und Geb&auml;uden eingeschlossenen
+Raum, der gewisserma&szlig;en als Hof gelten konnte,
+und fand sich bald darauf, von f&uuml;nf bellenden heulenden
+R&uuml;den umgeben, vor einem einst&ouml;ckigen, aber
+ziemlich hochgiebligen Blockhaus, aus dessen Innerem
+ihm schon ein freundlich gem&uuml;thlicher Lichtglanz,
+W&auml;rme und Geselligkeit versprechend, entgegenleuchtete.</p>
+
+<p>&raquo;Hallo Curtis!&laquo; rief der alte Ewis, als er den,
+wenn auch etwas fernwohnenden &raquo;Nachbar&laquo; erkannte,
+w&auml;hrend er im Holzhacken einhielt und dem Ankommenden
+entgegentrat,&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;das macht Ihr gescheidt,
+da&szlig; Ihr Euch endlich einmal sehen lasset; habt mir's
+lange genug versprochen. Komm Bill&nbsp;&mdash;&nbsp;nimm das
+Pferd und f&uuml;hr' es in den Stall; jag' nur die anderen
+hinaus, die haben jetzt gefressen, und wir
+brauchen sie morgen doch nicht; tretet ein; la&szlig;t nur
+den Sattel sein, Bill wird schon auf Alles Acht
+geben.&laquo;</p>
+
+<p>Curtis athmete hoch auf&nbsp;&mdash;&nbsp;in der Th&uuml;r der
+H&uuml;tte stand Anna, das holde liebe Kind, und
+l&auml;chelte ihm so freundlich entgegen, da&szlig; er vor lauter
+seligen Gedanken des Vaters Hand gar nicht
+wieder loslie&szlig;. Er stieg aber vom Pferd, sch&uuml;ttelte
+die dargebotene Rechte des Alten recht derb und herzlich,
+und trat mit klopfendem Herzen in's Haus, wo
+er der Jungfrau nach alter wackerer Sitte die Hand
+zum Gru&szlig; bot.</p>
+
+<p>&raquo;Nun, Curtis, wie gehts?&laquo; fragte Ewis, als sie
+sich zusammen zum Feuer gesetzt hatten und der
+Freiersmann emsig besch&auml;ftigt war, mit seinem Genickf&auml;nger
+einen Span zu zerschneiden,&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wie
+steht Euer Mais? schon gepflanzt? habt wohl fruchtbares
+Wetter abwarten wollen? ja s'ist merkw&uuml;rdig
+trocken dieses Jahr.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nicht so ganz&nbsp;&mdash;&nbsp;wenigstens nicht bei mir,&laquo;
+erwiederte Curtis, dem es war, als ob ihm das
+Herz die Brust zersprengen m&uuml;sse, denn Anna stand
+dicht neben ihm und holte die blankgescheuerte Kaffeekanne
+zum am Feuer brodelnden Abendessen vom
+Gesims herunter&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;mein Feld liegt, wie Ihr
+wi&szlig;t, ein wenig tief, im Thalland d'rin&nbsp;&mdash;&nbsp;neun
+Acker urbar gemachtes Land und daneben noch ein
+kleines St&uuml;ckchen f&uuml;r R&uuml;ben&nbsp;&mdash;&nbsp;eine sch&ouml;ne Fenz,
+drum&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja, ja, s'ist gutes Land, kann's aber doch mit
+meinem hier nicht aufnehmen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Ewis&laquo;, entgegnete Curtis etwas pikirt
+(denn das hei&szlig;t einem Ansiedler der westlichen Staaten
+an's Herz gegriffen, wenn man behauptet: entweder
+besseres Land, ein schnelleres Pferd, eine
+sichere B&uuml;chse oder t&uuml;chtigere Hunde zu haben),
+&raquo;Mr. Ewis, mein Land wurde durch die Feldmesser
+ausgesucht, und f&uuml;r das fruchtbarste im ganzen
+County erkl&auml;rt; &uuml;berdies habe ich noch ein recht gutes
+Wohngeb&auml;ude, ein Rauchhaus, eine kleine
+K&uuml;che&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Haben Euch denn die Eichh&ouml;rnchen und Truth&uuml;hner
+dies Fr&uuml;hjahr viel Saat weggefressen? ich
+mu&szlig;te an den Fenzen herum schon wenigstens zwei
+Mal nachpflanzen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Das war bei mir nicht so bedeutend&laquo;, entgegnete
+Curtis, auf's Neue die Gelegenheit ergreifend,
+all sein bewegliches und unbewegliches Eigenthum
+im besten Lichte erscheinen zu lassen; &raquo;Ihr wi&szlig;t, ich
+habe einen kleinen Neger, und der mu&szlig; geh&ouml;rig
+aufpassen; es ist sehr angenehm, einen kleinen Neger&laquo;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;er sah sich schnell um, denn er konnte fast
+darauf schw&ouml;ren, es h&auml;tte Jemand hinter ihm gekichert,
+Anna stand aber ganz ernsthaft am Tisch, und
+war emsig besch&auml;ftigt, die Messer und Gabeln zu
+ordnen, und weiter sah er Niemand im Zimmer&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;kleinen Neger zu haben&laquo;, fuhr er nach kurzer Pause
+in der unterbrochenen Rede wieder fort; &raquo;dabei die
+hundert und funfzig&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wie ist's denn mit dem Brunnen geworden,
+den Ihr wolltet graben lassen? oder trinkt Ihr noch
+immer aus dem Bach? wenn ich Nancy w&auml;re, lie&szlig;
+ich mir das gar nicht gefallen; im Sommer ist's ein
+schauderhaftes Getr&auml;nk.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Oh bewahre&nbsp;&mdash;&nbsp;ich nahm Mowers Jim auf
+vierzehn Tage in Arbeit, und da ich doch hundert
+und sechszig Dollars in baarem, hartem Gelde liegen
+hatte, so wendete ich gleich zehn daran, diese wirklich
+nothwendige Arbeit gethan zu bekommen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Hm&laquo;, sagte Mr. Ewis, und schaute den redseligen
+Curtis, w&auml;hrend er mit dem Daumen und
+Zeigefinger der linken Hand die Unterlippe beobachtend
+zusammenkniff, forschend an. Zum ersten mal
+schien die Ahnung der Absicht seines Besuchs in ihm
+aufzud&auml;mmern. Zu jetziger Zeit war Alles eifrig in
+den Feldern besch&auml;ftigt, und Curtis hatte mitten in
+der Woche seine Sonntagskleider angezogen und sich
+zu ihm verf&uuml;gt, blos um bei ihm zu &uuml;bernachten.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Hm&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte er dann noch einmal, und sah
+forschend bald seine Tochter, bald Curtis an, der, als
+er dies bemerkte, feuerroth wurde und mit eisernem
+Flei&szlig;e an seinem Spahn fortschnitzte.</p>
+
+<p>Einige Minuten lang &uuml;berlegte sich der Alte die
+Sache, und schien das <i>pro</i> und <i>contra</i> bedeutend
+in Betracht zu ziehen; endlich mu&szlig;te aber doch wohl
+das <i>pro</i> den Sieg davon getragen haben, denn er
+stand auf, und verlie&szlig;, unter dem Vorwand, nach
+den Pferden zu sehen, das Haus. Curtis war
+auch wirklich gar keine so &uuml;ble Parthie! er hatte
+was er brauchte, ja von diesem wohl mehr als sieben
+Zehntel der &uuml;brigen Ansiedler, und die kleine,
+am Fourche la fave freilich ziemlich bekannte Eigenheit,
+da&szlig; er immer von seinem kleinen Neger erz&auml;hlte,
+durfte, wie der Alte meinte, bei einem M&auml;dchen
+auch weiter keinen Unterschied machen, wenn der
+Mann nur sonst brav und gut w&auml;re.</p>
+
+<p>Curtis, der nicht einmal diese Eigenschaft <span class="wide">gegen</span>
+sich, wohl aber alle die andern <span class="wide">f&uuml;r</span> sich kannte,
+merkte gar bald, wenn er auch sonst gerade keine
+&uuml;berm&auml;&szlig;igen Verstandeskr&auml;fte besa&szlig;, da&szlig; er den Alten
+auf seiner Seite habe, und beschlo&szlig; nun mit der
+Tochter die Sache ebenfalls schnell in's Reine zu
+bringen. Wie er aber allein mit ihr war, verlie&szlig;
+ihn auf ein Mal aller Muth; es war ihm, als ob
+ihm Jemand mit zwei Fingern die Nase, und mit
+der ganzen Hand die Kehle zuhielte, und er nun mit
+jedem Augenblick ersticken m&uuml;sse. Anna brach auch
+endlich zuerst das ihm wenigstens peinlich werdende
+Schweigen und frug ganz unbefangen:</p>
+
+<p>&raquo;Wie befindet sich Nancy, Mr. Curtis? warum
+kommt sie nicht einmal herauf zu uns; sie hat es mir
+doch schon so oft versprochen.&laquo;</p>
+
+<p>Curtis r&uuml;ckte eine Weile auf dem Stuhl umher,
+fa&szlig;te sich aber endlich ein Herz und frug das junge
+M&auml;dchen mit einem seiner z&auml;rtlichsten Blicke:</p>
+
+<p>&raquo;Wie w&auml;r's, Mi&szlig; Ewis, wenn Sie daf&uuml;r einmal
+Nancy besuchten, vielleicht gefiel Ihnen der Ort?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nancy mu&szlig; erst zu mir kommen,&laquo; sagte Anna,
+&raquo;sie hat es versprochen.&laquo;</p>
+
+<p>Eine lange Pause entstand jetzt, bis endlich der
+zaghafte Werber auf's Neue das Wort nahm und
+die Unterredung mit einem leisen:</p>
+
+<p>&raquo;Es ist heute sch&ouml;nes Wetter&laquo; wieder anzukn&uuml;pfen
+suchte.</p>
+
+<p>&raquo;Ja!&laquo; sagte Anna.</p>
+
+<p>Curtis sah sich im ganzen Hause um, und seine
+Augen flogen bald &uuml;ber die an der Wand h&auml;ngenden
+Kleider, bald &uuml;ber die im Schornstein angebrachten
+Speckseiten, und haftete endlich wieder auf
+Anna's schlanker Gestalt, die an das Feuer getreten
+war, um nach dem beigestellten Maisbrod zu
+sehen.</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Anna!&laquo; sagte Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis?&laquo; frug Anna, sich nach ihm umdrehend.</p>
+
+<p>&raquo;Ich mu&szlig; Ihnen nur gestehen&laquo;, stotterte der
+Freier, &raquo;da&szlig; ich einzig und allein darum hierher gekommen
+bin, um&nbsp;&mdash;&nbsp;um Sie&nbsp;&mdash;&nbsp;um mich bei Ihnen
+&nbsp;&mdash;&nbsp;bei Ihnen zu erkundigen,&nbsp;&mdash;&nbsp;ob Sie&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ob ich?&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;fragte das M&auml;dchen, den neugierig
+l&auml;chelnden Blick fest auf ihn gerichtet.</p>
+
+<p>Er war so sch&ouml;n im Zuge gewesen, wie er ihr
+aber wieder in das dunkle Auge sah, das ihn so
+schelmisch, und doch auch so&nbsp;&mdash;&nbsp;er wu&szlig;te selbst nicht
+wie, so&nbsp;&mdash;&nbsp;so trotzig anblickte, da verlie&szlig; ihn auf's
+Neue sein Selbstvertrauen, und er stammelte, nach
+einigen vergeblichen Versuchen, die Fassung wieder zu
+gewinnen, auf das Fleisch deutend&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Haben Sie das selber ger&auml;uchert?&laquo;</p>
+
+<p>Wohl zwei Minuten mu&szlig;te er aber auf die
+Antwort warten, denn so lange dauerte es, ehe sich
+Anna erholen konnte, die bei den letzten Worten in
+ein fast nicht zu beschwichtigendes Lachen ausgebrochen
+war.</p>
+
+<p>&raquo;Und de&szlig;halb also sind Sie die zw&ouml;lf Meilen
+geritten?&laquo; frug sie endlich mit noch thr&auml;nenden Augen,
+&raquo;blos um sich zu erkundigen, ob ich das Fleisch
+ger&auml;uchert h&auml;tte? o bester Mr. Curtis, das h&auml;tten
+Sie bequemer haben k&ouml;nnen, Nancy war dabei, wir
+haben es zusammen eingesalzen.&laquo;</p>
+
+<p>Curtis wurde leichenbla&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;er wu&szlig;te, sein b&ouml;ses
+Geschick arbeitete jetzt an seinem Verderben; dieselbe
+Sehnsucht nach irgend einer noch unentdeckten
+Felsspalte oder nach einem bodenlosen Abgrund erfa&szlig;te
+ihn&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Ich habe einen kleinen Neger&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Und hundert und f&uuml;nfzig Dollar in baarem,
+hartem Gelde,&laquo; kicherte Anna. &raquo;Nancy hat mir das
+mehr als zwanzig Mal erz&auml;hlt.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Kinder, was habt Ihr denn?&laquo; sagte der alte
+Ewis, der durch das Gel&auml;chter angelockt, in die
+Th&uuml;re trat. &raquo;Ihr seid ja ungemein lustig&nbsp;&mdash;&nbsp;ich
+glaubte&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;O Vater, denke Dir nur&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo; l&auml;chelte Anna&nbsp;&mdash;&nbsp;
+aber ein flehender Blick des Ungl&uuml;cklichen traf sie,
+und dem konnte sie nicht widerstehen. Sie hatte Curtis
+Absicht bei seinem ersten Eintritt gemerkt, denn
+wenn ein lediger Mann an einem Wochentage, noch
+dazu in so n&ouml;thiger Arbeitszeit, und in seinen besten
+Kleidern, mit dem besten Sattel auf dem Pferd, auf
+einer Farm &uuml;bernachtet, wo junge, heirathsf&auml;hige
+M&auml;dchen sind, da wird und kann fast stets ein
+Heirathsantrag vorausgesetzt werden. Curtis war
+aber &uuml;berdies noch in der ganzen Ansiedlung schon
+gewisserma&szlig;en <span class="wide">prophezeit</span> worden, da er einige
+dunkle Worte hatte fallen lassen, was wie ein Lauffeuer
+von Farm zu Farm geflogen. Bei Steppdecken-
+und Kl&ouml;tzerollfesten hatten die jungen M&auml;dchen
+auch schon zusammengekichert und gelacht, welche
+von ihnen die Gl&uuml;ckliche sein werde, der &raquo;der kleine
+Neger und die hundert f&uuml;nfzig Dollar&laquo; zuerst angeboten
+w&uuml;rden. Auf diese Art war gewisserma&szlig;en ein
+Complott gegen den armen Mann entstanden, und
+er glich jetzt einem Menschen, der wohlvermummt
+und verlarvt auf einem Maskenball umherwandert,
+fest &uuml;berzeugt ist, da&szlig; ihn Niemand erkennen kann,
+und hinten auf dem R&uuml;cken, durch irgend eine
+boshafte Hand angeheftet, seine eigene Visitenkarte
+tr&auml;gt.</p>
+
+<p>Anna f&uuml;rchtete aber fast, den Scherz zu weit
+getrieben zu haben, lenkte also ein, speiste den Vater
+mit einer ausweichenden Antwort ab, und war dann
+sehr besch&auml;ftigt, das Abendessen herzurichten und aufzutragen,
+wich aber sorgf&auml;ltig jeder Erkl&auml;rung von
+Curtis Seite aus, ja ging sogar ebenfalls hinaus,
+als sie merkte, da&szlig; sie der Vater nach Tische auf's
+Neue mit dem jungen Manne allein lassen wollte,
+und &uuml;berzeugte die beiden Herren der Sch&ouml;pfung gar
+bald, da&szlig; sie auf die Pl&auml;ne, die sie zu br&uuml;ten beliebten,
+nicht einzugehen gesonnen sei.</p>
+
+<p>Curtis verzehrte sein Abendbrot sehr traurig&nbsp;&mdash;&nbsp;
+es war ihm, als ob ihm die Bissen im Munde
+stecken blieben, er verbrannte sich zweimal den Mund
+und nahm einen L&ouml;ffel voll Senf statt braunem
+Zucker in den Kaffee; die Mahlzeit wurde auch sehr
+abgek&uuml;rzt&nbsp;&mdash;&nbsp;der alte Ewis f&uuml;hrte allein das Wort,
+erz&auml;hlte ein paar lange Geschichten von einer Kuh,
+die ein Panther gefressen haben sollte und die nachher
+wieder pl&ouml;tzlich zum Vorschein gekommen war,
+und endlich konnte sich Curtis zur&uuml;ckziehn und sein
+stilles, einsames Lager suchen.</p>
+
+<p>Sinnend vertr&auml;umte er einen Theil der Nacht,
+aber auch frischen, neuen Lebensmuth sog er aus
+diesen Tr&auml;umen. Weshalb sollte er sich bei dem
+zweiten, eigentlich nur <span class="wide">ersten</span> Versuche abschrecken
+lassen, denn bei Trumbells war er ja nicht einmal
+an's Haus geritten. Nein&nbsp;&mdash;&nbsp;noch gab es mehr
+und recht h&uuml;bsche M&auml;dchen in der Ansiedlung, und
+solche auch wahrscheinlich, die seinen eigenen Werth,
+wie den seines kleinen Negers und seiner hundert und
+f&uuml;nfzig Dollar zu sch&auml;tzen wu&szlig;ten, ohne des anderen
+Eigenthumes zu gedenken.</p>
+
+<p>Fest entschlossen also, den Muth nicht sinken zu
+lassen, h&uuml;llte er sich dicht in die weiche Steppdecke
+ein und Gott Morpheus nahm ihn sanft in seine
+Arme.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Morgen war er schon vor Tagesanbruch
+auf und besorgte sein Pferd; dringende Gesch&auml;fte
+riefen ihn, wie er dem alten Ewis sagte, noch
+weiter am Fourche la fave hinauf, und Mi&szlig; Anna
+nur einen guten Morgen durch die Th&uuml;re zurufend;
+als er, schon im Sattel, am Hause vorbeiritt, dr&uuml;ckte
+er dem alten Manne herzlich die Hand und sprengte
+auf der Countystra&szlig;e weiter.</p>
+
+<p>&raquo;Nein Curtis,&laquo; sprach er aber dabei mit sich
+selber, &raquo;wegwerfen thust Du Dich auch nicht; bitten
+und betteln ist Deiner unwerth, Du bist ein ordentlicher
+Kerl und hast&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;er griff pl&ouml;tzlich dem Pferd
+in den Z&uuml;gel und hielt in seinem Selbstgespr&auml;ch und
+im Reiten an. Ein Gedanke durchzuckte ihn&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich
+glaube, Mi&szlig; Anna hat sich &uuml;ber meinen kleinen Neger
+lustig gemacht&nbsp;&mdash;&nbsp;sie lachte auf eine h&ouml;chst unanst&auml;ndige
+Art, als ich ihn erw&auml;hnte&nbsp;&mdash;&nbsp;nun gut,&laquo;
+fuhr er, dem Braunen den linken Sporn wieder eindr&uuml;ckend,
+fort, indem dieser einen, der Anreizung entsprechenden
+Seitensatz that, und dann pfeilschnell mit
+ihm unter den thautr&auml;ufelnden, duftigen Zweigen
+davonflog, &raquo;nun gut&nbsp;&mdash;&nbsp;wir werden ja sehn. Doch
+Mi&szlig; Anna&nbsp;&mdash;&nbsp;die <span class="wide">Einzige</span> sind Sie <span class="wide">nicht</span> in der
+Ansiedlung&nbsp;&mdash;&nbsp;Sie wahrhaftig nicht.&laquo;</p>
+
+<p>Aber armer Curtis!&nbsp;&mdash;&nbsp;wieder und immer wieder
+solltest Du Deine Hoffnung, Dein felsenfestes
+Vertrauen get&auml;uscht und betrogen sehen; wieder und
+immer wieder fandest Du Dich verschm&auml;ht, zur&uuml;ckgewiesen
+und ach, an vielen Orten gar verspottet.</p>
+
+<p>Am rechten Ufer des Fourche la fave, kam ihm
+ein Ansiedler, den er noch gar nicht kannte, sogleich
+mit der Frage entgegen: &raquo;Ach, Sie sind der, der den
+kleinen Neger und die hundert und f&uuml;nfzig Dollar
+hat, nicht wahr?&laquo; An anderen Orten liefen die
+M&auml;dchen hinaus, wenn er kam, lie&szlig;en sich von dem
+Ersten Besten ihr Pferd satteln, und galoppirten zur
+n&auml;chsten Ansiedlung, dahin schon die Kunde von
+dem wandernden Freier tragend, und Curtis hielt
+endlich, am dritten Tag sp&auml;t Abends an der Farm
+eines Freundes, der, ziemlich abgelegen von den &uuml;brigen
+Ansiedlungen, auch wenig, selbst mit seinen n&auml;chsten
+Nachbarn zusammenkam und verkehrte.</p>
+
+<p>Peterson hatte zwei h&uuml;bsche T&ouml;chter, recht liebe
+und brave M&auml;dchen, neben diesen aber noch die
+Tochter eines Bruders, der in Texas gestorben.
+Fanny, so hie&szlig; die Jungfrau, stammte aus Georgien,
+wo ihr Vater damals eine kleine Banmwollenplantage
+besa&szlig;, und war ein sehr sch&ouml;nes, dunkel&auml;ugiges
+und hei&szlig;bl&uuml;tiges Kind, aber auch toll, wild
+und ausgelassen, und ihr Onkel hatte sich schon
+fr&uuml;her einmal bei Curtis dar&uuml;ber beklagt, da&szlig; sie es
+sich in den Kopf gesetzt h&auml;tte, einen jungen Bengel
+zu heirathen, der&nbsp;&mdash;&nbsp;<span class="wide">Advokat</span> w&auml;re. &raquo;Ein Mensch,
+der erstlich einmal schon Advokat sei,&laquo; hatte er dabei
+ge&auml;u&szlig;ert, &raquo;solle nie, so lange er lebe und athme,
+eines von seinen eigenen, noch seines Bruders Kindern
+zur Frau bekommen, wenn <span class="wide">er</span> es verhindern
+k&ouml;nne&nbsp;&mdash;&nbsp;ein Advokat, der den Leuten wei&szlig;mache,
+roth sei blau und gr&uuml;n schwarz! nein wahrhaftig
+nicht.&laquo; Hatte nicht noch &uuml;berdies im vorigen Herbst
+derselbe Lasse seinem Nachbar durchgeholfen, der angeschuldigt
+war, eine von Peterson's K&uuml;hen geschlachtet
+zu haben? und hatte nicht er&nbsp;&mdash;&nbsp;Peterson selbst, die
+Haut von der Kuh, &raquo;auf die er das Sakrament nehmen
+wollte,&laquo; &uuml;ber dessen Fenz h&auml;ngen sehen? nein&nbsp;&mdash;&nbsp;
+ein Mensch, der so etwas zu thun im Stande sei,
+der sei zu <span class="wide">Allem</span> f&auml;hig. Überdies konnte er nicht
+einmal einen Maiskolben von einer Waizen&auml;hre unterscheiden,
+und hatte ihn selbst&nbsp;&mdash;&nbsp;er konnte das beschw&ouml;ren
+&nbsp;&mdash;&nbsp;gefragt, ob die Baumwolle auf solchen
+B&auml;umen w&uuml;chse, wie sie hier im Bottom st&auml;nden und
+die Baumwollenb&auml;ume hie&szlig;en.</p>
+
+<p>Und so ein Mensch sollte einmal Besitzer von
+einer Baumwollenplantage werden? nein&nbsp;&mdash;&nbsp;Fanny
+war erst achtzehn Jahr alt, und bis zum ein und
+zwanzigsten <span class="wide">m&uuml;&szlig;te</span> sie bei ihrem Onkel bleiben;
+nachher w&uuml;rde sie schon Vernunft angenommen und
+eingesehen haben, da&szlig; ihr alter Onkel ehrlich und
+trefflich f&uuml;r sie gesorgt, indem er sie vor einem solchen
+Schritte bewahrte.</p>
+
+<p>Dies Haus betrat jetzt Curtis und wurde herzlich
+von Allen empfangen; ja so herzlich, da&szlig; er
+schon hoffte, jenes ungl&uuml;ckselige Ger&uuml;cht &uuml;ber seinen
+kleinen Neger sei nicht bis hierher gedrungen, und
+sich heimlich zuschwor, auch keine Sylbe davon zu
+erw&auml;hnen; aber leider schienen die beiden Misses
+Peterson recht gut zu wissen, was den armen Mann
+zu ihnen gef&uuml;hrt hatte, und wenn sie auch, emsig
+mit ihrer Arbeit besch&auml;ftigt, kein Wort, keine Sylbe
+&auml;u&szlig;erten, so verriethen doch dem jetzt schon mi&szlig;trauisch
+Gewordenen einzelne verstohlene Blicke den
+kleinen lachenden Teufel, der in den Herzen der
+Waldsch&ouml;nen lauerte.</p>
+
+<p>Ganz anders benahm sich dagegen Fanny; sie
+setzte sich zu ihm&nbsp;&mdash;&nbsp;plauderte mit ihm, war ernst
+und gesetzt und sah ihn dabei ein paar Mal, wenn
+sie sich unbeobachtet glaubte&nbsp;&mdash;&nbsp;Curtis hatte es
+deutlich gemerkt&nbsp;&mdash;&nbsp;so forschend, so theilnehmend an,
+da&szlig; ihn einmal, als er diesem dunklen, fest auf ihn
+haftenden Auge begegnete, ein eiskalter, aber unendlich
+wohlthuender Schauer durchrieselte, und er
+sich schon in's Geheim drei oder vier keineswegs
+schmeichelhafte Ehrentitel beilegte, nicht gleich von
+allem Anfang an hierhergeritten zu sein. Er lie&szlig;
+sich diese kleinen Zeichen denn auch nicht zweimal
+gesagt sein lassen&nbsp;&mdash;&nbsp;r&uuml;ckte n&auml;her zu ihr, und fing
+nun an, um gleich mit etwas Schmeichelhaftem zu
+beginnen, das selbstgewebte Zeug zu loben, was sie
+trage, und meinte dabei:</p>
+
+<p>&raquo;Ja Mi&szlig; Fanny, es steht einem jungen M&auml;dchen
+Nichts auf der weiten Welt besser, als der Stoff,
+den es selbst gesponnen und gewebt&nbsp;&mdash;&nbsp;das, ist der
+Grundstein der H&auml;uslichkeit, und ein Mann&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Das Zeug hab' ich gewebt, Mr. Curtis,&laquo; sagte
+Kitty, die j&uuml;ngste, mit einer etwas maliti&ouml;sen Betonung
+auf dem Pronomen.</p>
+
+<p>Curtis sa&szlig; da wie vom Schlag getroffen, Fanny
+ri&szlig; ihn aber schnell aus der Verlegenheit, indem sie
+versicherte, sie habe sich zu Hause all ihr Zeug selbst
+gewoben und hielte es auch f&uuml;r passend, da&szlig; eine
+Hausfrau das thun solle.</p>
+
+<p>Curtis lebte wieder auf, die ganze alte Scheu
+verlor sich, er wurde gespr&auml;chig und hatte wirklich
+mehrere ausgezeichnete Einf&auml;lle, &uuml;ber die Fanny
+ganz besonders lachte, der alte Peterson sich aber
+aussch&uuml;tten wollte. Diesen schien &uuml;brigens die Zuneigung,
+die seine Nichte zu dem einfachen Farmer
+gefa&szlig;t, herzlich zu freuen (denn da&szlig; Curtis blos
+darum gekommen sei, um eins der M&auml;dchen anzuhalten,
+dar&uuml;ber war Niemand in der ganzen kleinen
+Gesellschaft mehr zweifelhaft). &raquo;Gott sei Dank,&laquo;
+dachte er bei sich selber, &raquo;hat sie doch endlich den
+verw&uuml;nschten Advokaten vergessen; ich wu&szlig;te es aber
+wohl, der <span class="wide">Rechte</span> mu&szlig;te nur kommen; das ist mit
+allen M&auml;dchen so.&laquo;</p>
+
+<p>Das Abendessen war verzehrt&nbsp;&mdash;&nbsp;der alte Peterson
+hatte sich, sehr vern&uuml;nftiger Weise, zu Bett
+begeben; dem Gast war, &raquo;wenn er sich niederlegen
+wolle, sein Bett gezeigt&laquo; und Kitty und Rosy beendeten
+ebenfalls mit manchen einander heimlich zugefl&uuml;sterten
+Bemerkungen ihre Arbeit, verschwanden
+dann urpl&ouml;tzlich hinter einer breiten, an den oberen
+Querbalken des Hauses aufgehangenen Matte, und
+Curtis fand sich mit klopfendem Herzen allein neben
+Fanny am Feuer sitzen.</p>
+
+<p>Er gedachte der Zeit, wo er, ganz auf &auml;hnliche
+Art, seiner ersten Frau die Leidenschaft gestanden,
+die er f&uuml;hlte, und wieder drohte ihm ein unbeschreiblich
+&auml;ngstliches Gef&uuml;hl die Kehle zuzuschn&uuml;ren, denn
+wenn er auch in den letzten Tagen f&uuml;r solche Erkl&auml;rungen
+etwas abgestumpft geworden war, da er
+die Gelegenheit gehabt mehrere zu geben, so f&uuml;hlte
+er doch, da&szlig; hier Alles&nbsp;&mdash;&nbsp;Alles f&uuml;r ihn spreche,
+denn Fanny w&auml;re sonst nicht allein zur&uuml;ckgeblieben,
+und die Liebensw&uuml;rdigkeit selbst gewesen.</p>
+
+<p>So sehr er aber auch den Augenblick herbeigesehnt,
+wo er mit ihr allein sein w&uuml;rde, so schien es
+doch, als ob er, der noch vor so kurzer Zeit der
+Redseligste gewesen, pl&ouml;tzlich die Sprache verloren
+h&auml;tte, und er nahm wieder, aus lauter Verlegenheit,
+sein Messer aus der Scheide und fing an zu schnitzeln.</p>
+
+<p>Fanny sa&szlig; ihm gegen&uuml;ber, an der andern Seite
+des Kamins, also so weit wie nur irgend m&ouml;glich
+von ihm entfernt. Curtis h&auml;tte zwar um's Leben
+gern ihr seinen Stuhl n&auml;her ger&uuml;ckt, aber er wagte es
+nicht, er wu&szlig;te keine Ausrede, die das auch nur im
+Mindesten entschuldigen konnte, und doch f&uuml;hlte er
+wie die Zeit verrann, und er sich l&auml;cherlich machen
+w&uuml;rde, wenn er noch l&auml;nger so still und stumm wie
+der Klotz, der neben ihm zum Nachlegen lehnte, da sa&szlig;.</p>
+
+<p>Mit einem tiefen Seufzer sprengte er endlich die
+Fesseln, die seine Zunge in Banden hielten und sagte
+z&ouml;gernd:</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Fanny&nbsp;&mdash;&nbsp;sind Sie noch nicht m&uuml;de?&laquo;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;er f&uuml;hlte, sobald ihm die Worte &uuml;ber die Lippen
+waren, da&szlig; er auf der weiten Gotteswelt Nichts
+D&uuml;mmeres h&auml;tte sagen k&ouml;nnen, aber es waren doch
+wenigstens <span class="wide">Worte</span> gewesen, die vielleicht den Zauber
+gebrochen hatten.</p>
+
+<p>Um Fanny's Lippen spielte bei dieser endlichen
+Frage ein leises, leises L&auml;cheln; es zuckte ihr nur
+so durch die Korallenlippen, und f&uuml;r einen Augenblick
+stiegen, wie Bl&auml;schen aus einem Crystallbecher,
+zwei leichte, wunderliebliche Gr&uuml;bchen empor auf den
+rosigen Wangen; sie verschwammen aber fast eben
+so schnell, wie sie entstanden in der Sammethaut
+und nur mit leiser Stimme sagte sie:</p>
+
+<p>&raquo;Freilich w&uuml;rde es eigentlich Zeit sein schlafen
+zu gehen, und ich wei&szlig; nicht&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;
+&raquo;Mi&szlig; Fanny,&laquo; stotterte Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;Onkel schl&auml;ft schon,&laquo; meinte Fanny&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wir
+werden ihn wieder aufwecken durch unser lautes
+Reden.&laquo;</p>
+
+<p>Curtis lie&szlig; sich das nicht zweimal sagen; blitzesschnell
+war er von seinem Stuhle auf und r&uuml;ckte
+diesen neben das sch&ouml;ne, leichterr&ouml;thende M&auml;dchen.</p>
+
+<p>&raquo;Dann brauchen wir doch wenigstens nicht so
+laut zu sprechen,&laquo; meinte er.</p>
+
+<p>&raquo;Aber Mr. Curtis.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ach Mi&szlig; Fanny,&laquo; seufzte Curtis, der jetzt
+einmal im Gang, auch alle Furcht und Scheu &uuml;berwunden
+hatte, &raquo;Sie m&uuml;ssen es lange gemerkt haben,
+da&szlig; ich Sie liebe; wissen Sie wohl noch das letzte
+Kl&ouml;tzeroll-Fest?&laquo; Fanny nahm die kirschrothe Unterlippe
+zwischen die Perlz&auml;hne und blickte still vor
+sich nieder. &raquo;Ich bin allein,&laquo; fuhr Curtis jetzt
+selbst mit niedergeschlagenem Blicke fort&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich
+habe Niemanden zu Hause, der&nbsp;&mdash;&nbsp;der Theil an
+mir nimmt&nbsp;&mdash;&nbsp;oder der&nbsp;&mdash;&nbsp;der mich lieb h&auml;tte; ich
+&nbsp;&mdash;&nbsp;ich habe lange gew&uuml;nscht,&nbsp;&mdash;&nbsp;lange gew&uuml;nscht
+ein Herz zu finden, das&nbsp;&mdash;&nbsp;das gern in meiner
+N&auml;he w&auml;re. Da bin ich denn hierher gekommen&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Mi&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;Mi&szlig; Fanny.&laquo;</p>
+
+<p>Fanny spielte verlegen mit der Schnur der Kugeltasche,
+die an der Seite des Kamins neben ihr
+herunter hing.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Und wollte Sie fragen, Mi&szlig;&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;fuhr Curtis
+mit angehaltenem Athem fort&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ob Sie&nbsp;&mdash;&nbsp;ob Sie
+Ihr Schicksal mit einem Manne theilen wollten,
+der&nbsp;&mdash;&nbsp;der es brav und ehrlich meint, und Alles
+thun wird, was in seinen Kr&auml;ften steht, Sie gl&uuml;cklich
+zu machen.&laquo;</p>
+
+<p>Ein tiefgeholter Seufzer k&uuml;ndete jubelnd die
+vollendete Erkl&auml;rung, das Abrollen des Felsengewichts,
+das bis zu dem Augenblick seine Brust be&auml;ngstigt
+hatte.</p>
+
+<p>Fanny sprach kein Wort, nur manchmal warf
+sie einen &auml;ngstlichen Blick nach der Th&uuml;r und nach
+dem kleinen Fenster, das, mit einer d&uuml;nnen wei&szlig;en
+Gardine verhangen, dem Kamin gegen&uuml;ber angebracht
+war.</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Fanny,&laquo; fl&uuml;sterte jetzt, durch dies bedeutungsvolle
+Schweigen k&uuml;hn gemacht, der Gl&uuml;ckliche
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Mi&szlig; Fanny, ich bin auch kein hergelaufener
+Squatter, der Nichts hat, als seine Axt und B&uuml;chse,
+und mit jedem neuen Fr&uuml;hjahr auch wieder eine
+neue unbewohnte Gegend aufsucht&nbsp;&mdash;&nbsp;ich habe ein
+recht wohnliches Haus mit einer kleinen K&uuml;che und
+dem Rauchhaus&nbsp;&mdash;&nbsp;neun Acker urbar gemachtes
+und gut eingefenztes Land, auch ein kleines R&uuml;benst&uuml;ck
+&nbsp;&mdash;&nbsp;zwei ausgezeichnet gute Pferde&nbsp;&mdash;&nbsp;sieben
+und drei&szlig;ig St&uuml;ck Rindvieh, einige vierzig Schweine,
+eine vorz&uuml;gliche Stahlm&uuml;hle, vier Hem&nbsp;&mdash;&nbsp;die beste
+B&uuml;chse im ganzen Revier und einen kleinen Neger
+von&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>Curtis hielt pl&ouml;tzlich inne; der Neger war ihm
+wider Willen herausgefahren, und Fanny barg pl&ouml;tzlich
+ihr Gesicht im Taschentuch und wandte sich ab
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Hals und Nacken f&auml;rbten sich ihr hochroth;&nbsp;&mdash;&nbsp;
+lachte sie ihn aus?</p>
+
+<p>Eine peinliche Pause entstand&nbsp;&mdash;&nbsp;um Gotteswillen
+&nbsp;&mdash;&nbsp;sie schluchzte.</p>
+
+<p>&raquo;Ach Gott!&nbsp;&mdash;&nbsp;Mi&szlig; Fanny&nbsp;&mdash;&nbsp;was fehlt Ihnen?
+habe ich Sie durch irgend etwas gekr&auml;nkt oder
+beleidigt? o mein Himmel, so reden Sie doch&nbsp;&mdash;&nbsp;
+Sie bringen mich zur Verzweiflung.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis,&laquo; fl&uuml;sterte endlich das sch&ouml;ne M&auml;dchen
+noch immer hinter dem Tuche vor&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Fanny,&laquo; bat Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;F&uuml;r wie eigenn&uuml;tzig&nbsp;&mdash;&nbsp;niedrig denkend m&uuml;ssen
+Sie mich halten, da&szlig; Sie mir Ihre Reichth&uuml;mer
+aufz&auml;hlen, als ob Sie glaubten, dadurch mein Herz
+bestechen zu wollen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mi&szlig; Fanny!&laquo; sagte Curtis, und war wie vom
+Schlag ger&uuml;hrt; Scham und Freude rangen in seiner
+Brust um die Oberherrschaft. Scham, da er
+f&uuml;hlte, wie Recht sie hatte;&nbsp;&mdash;&nbsp;Freude aber, da dieser
+Ausbruch des Gef&uuml;hls ein sicheres Gest&auml;ndni&szlig;
+ihrer Zuneigung zu ihm war. Die Freude trug
+aber nach kurzem Ringen den Sieg davon.</p>
+
+<p>&raquo;Fanny,&laquo; fl&uuml;sterte er und faltete bittend die
+H&auml;nde&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Fanny&nbsp;&mdash;&nbsp;wollen Sie die Meine sein?&laquo;</p>
+
+<p>Fanny, mit noch immer abgewandtem, verh&uuml;lltem
+Gesicht reichte ihm ihre Hand, die er gl&uuml;hend an
+seine Lippen pre&szlig;te.</p>
+
+<p>&raquo;Es wird sp&auml;t, Mr. Curtis,&laquo; fl&uuml;sterte endlich
+das holde M&auml;dchen, indem sie leise die Hand entzog
+und von ihrem Stuhl aufstand&nbsp;&mdash;&nbsp;wie mit Purpur
+&uuml;bergossen war ihr liebes Angesicht&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wir
+m&uuml;ssen uns f&uuml;r heute Abend trennen&nbsp;&mdash;&nbsp;sprechen
+Sie Morgen mit meinem Onkel.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Fanny,&laquo; sagte Curtis noch ein Mal und wollte
+seinen Arm um ihre Taille legen, &raquo;Sie haben mich
+zum Gl&uuml;cklichsten&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>Fanny stie&szlig; einen leisen Schrei aus, denn mit
+f&uuml;rchterlichem Gepolter kam ein gro&szlig;er Stein zu dem
+niederen Kamin herunter, da&szlig; Funken und Asche
+weit umherstiebten; gleich darauf schlugen die drau&szlig;en
+gelagerten R&uuml;den an, und umbellten w&uuml;thend das
+Haus.</p>
+
+<p>&raquo;Was um Gotteswillen?&laquo; rief Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;<i>Sick' em</i>!&laquo; sagte der alte Peterson im Schlaf
+die Hunde antreibend.</p>
+
+<p>&raquo;Gute Nacht!&laquo; fl&uuml;sterte Fanny dem Gl&uuml;cklichen
+zu; &raquo;gute Nacht, Mr. Curtis.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Gute Nacht, theuere, theuere Fanny!&laquo; rief dieser
+entz&uuml;ckt, dr&uuml;ckte noch einen hei&szlig;en Ku&szlig; auf die
+nicht widerstrebende, zierlich kleine Rechte und suchte
+dann ebenfalls das f&uuml;r ihn bereitete Lager.</p>
+
+<p>Aber an Einschlafen war nicht zu denken, wie
+mit Schmiedeh&auml;mmern tobte es ihm in den Schl&auml;fen,
+und wenn er sich auch unruhig bald auf diese,
+bald auf jene Seite warf, kein Schlummer kam in
+seine Augen; die H&auml;hne kr&auml;hten schon wieder, drau&szlig;en
+im Walde kullerte der wilde Truthahn und die
+Eule heulte ihr Morgenlied, als er endlich in einen
+leisen Schlaf der Ermattung sank, aus dem ihn bald
+wieder das Holzschlagen des alten Peterson weckte,
+der gleich darauf mit einem schweren Klotze auf der
+Schulter in das Haus trat, und diesen, als R&uuml;ckst&uuml;ck,
+in's Feuer warf.</p>
+
+<p>Er sprang auf, kleidete sich an und folgte dem
+Alten vor die Th&uuml;r. Hier gestand er ihm denn
+seine Liebe f&uuml;r dessen Nichte, behauptete ihrer Einwilligung
+gewi&szlig; zu sein und bat um seinen Segen
+und seine Zustimmung.</p>
+
+<p>Peterson hatte es, nach Allem was er am vorigen
+Abend gesehen, erwartet, sprach sich aber recht
+herzlich gegen den Farmer aus, wie er sich freue,
+da&szlig; seine Nichte so vern&uuml;nftig gewesen, eine so kluge
+Wahl zu treffen, und versprach ihm daf&uuml;r zu sorgen,
+da&szlig; es ihm fortan recht gut und wohl gehen solle,
+da Fanny keineswegs unverm&ouml;gend, dem Manne
+ihrer Wahl nicht allein ihre liebreizende Gestalt,
+sondern auch ein recht ansehnliches Grundeigenthum
+wie verschiedenes anderes bewegliches Besitzthum
+mitbr&auml;chte.</p>
+
+<p>Noch an demselben Morgen ward Alles geordnet
+und Curtis w&uuml;nschte nun mit seiner jungen
+Braut den Fourche la fave hinunter zu Mr. Houston,
+dem n&auml;chsten Friedensrichter, zu reiten, um
+dort mit ihr f&uuml;r immer vereinigt zu werden; Fanny
+aber bat den Br&auml;utigam, ihr den Gefallen zu thun,
+und sie den Flu&szlig; hinauf zu dem etwa f&uuml;nfzehn
+Meilen entfernten Richter Welmot zu begleiten, der,
+ein Freund ihres verstorbenen Vaters, stets den innigsten
+Antheil an ihr genommen und jetzt auch dem
+wichtigsten Schritte ihres Lebens beiwohnen solle.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Hiergegen lie&szlig; sich Nichts einwenden, Curtis war
+sehr gern damit zufrieden, und seinem Wunsche nach
+w&auml;ren sie augenblicklich aufgebrochen; Fanny hatte
+aber noch so viel zu ordnen, so viel zu besorgen,
+da&szlig; der Nachmittag heranr&uuml;ckte, und erkl&auml;rte nun,
+als der Vater vorschlug, den n&auml;chsten Morgen abzuwarten,
+&raquo;sie w&uuml;nsche bei einer Freundin, die etwa
+auf der H&auml;lfte Weges zwischen hier und dem Richter
+wohnte, zu &uuml;bernachten, wo auch Mr. Curtis
+gern gesehen sein w&uuml;rde, da sie dort schon viel von
+ihm gesprochen.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Wie h&auml;tte Curtis dem holden M&auml;dchen die erste
+Bitte abschlagen k&ouml;nnen? was Fanny w&uuml;nschte, geschah;
+um drei Uhr etwa brachen sie, herzlichen Abschied
+von Allen nehmend, auf, und der alte Peterson
+gab noch, da er der dringenden Arbeiten wegen
+nicht selber mitreiten konnte, der Nichte einen
+Zettel<a href="#fn6"><small><sup>6</sup></small></a> f&uuml;r den Friedensrichter, der&nbsp;&mdash;&nbsp;freilich etwas
+unorthographisch, doch hinreichend war, jenen
+mit seinen W&uuml;nschen bekannt zu machen.</p>
+
+<p>Wohl noch eine Stunde vor Dunkelwerden erreichten
+sie die Farm, in welcher Fanny die Nacht
+zu bleiben w&uuml;nschte, wurden hier auf das Freundlichste
+bewillkommt, und schienen sogar erwartet zu
+sein, obgleich Curtis nicht begreifen konnte, wie das
+m&ouml;glich war; die Unterhaltung ward &uuml;brigens sehr
+lebhaft gef&uuml;hrt und Fanny lie&szlig; sich besonders viel
+von einem jungen Deutschen erz&auml;hlen, der eben aus
+den Ozark-Gebirgen zur&uuml;ckkam und hier ebenfalls
+eingekehrt war, weil schwerdr&auml;ngende Wetterwolken
+eine st&uuml;rmische Nacht verk&uuml;ndeten.</p>
+
+<p>Curtis f&uuml;hlte sich &uuml;brigens sehr abgespannt; drei
+N&auml;chte lang hatte er fast jedes Schlafes entbehrt,
+und die fortw&auml;hrende Aufregung, in der er sich befunden,
+mu&szlig;te &uuml;berdies noch dazu beitragen, die Ermattung
+und Erschlaffung seines ganzen Nervensystems
+zu entschuldigen. Der Farmer bemerkte auch
+bald seine M&uuml;digkeit, winkte ihm seitab, und f&uuml;hrte
+ihn in die Ecke zu seinem Lager von weichgebreiteten
+Hirschfellen, auf das er sich warf, und hier bald dem
+Schlummergott, der ihm so lange treulos gewesen,
+in die Arme sank.</p>
+
+<p>In der Nacht machten die Hunde einmal einen
+f&uuml;rchterlichen L&auml;rmen, und Curtis tr&auml;umte, es fiele
+wieder ein Stein im Kamin herunter; er wachte aber
+nicht davon auf, und erst ein unruhiges Umherlaufen
+im Haus, und ein Auf- und Zuschlagen der
+Th&uuml;ren erweckte ihn.</p>
+
+<p>Es war schon heller Tag, die Sonne schien
+durch die Seitenspalten des Blockhauses, als sie eben
+die dunkelwogenden Fichtenwipfel &uuml;berstieg, und der
+Deutsche schn&uuml;rte vor dem Kamin die wollene Decke
+zusammen, um seine Wanderung, den Flu&szlig; hinunter,
+fortzusetzen; Fanny konnte aber auch noch nicht auf
+sein, denn er sah sie nirgends.</p>
+
+<p>Mit au&szlig;erordentlicher Geschicklichkeit, die auch
+wirklich nur dem daran gew&ouml;hnten Hinterw&auml;ldler
+eigen ist, kleidete er sich jetzt unter der Bettdecke soweit
+an, da&szlig; er aufstehen und seine Toilette vor den
+&uuml;brigen Mitgliedern der Familie vollenden konnte
+und trat nun ebenfalls zum Feuer.</p>
+
+<p>Fanny lie&szlig; noch immer Nichts von sich sehen.</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis,&laquo; sagte endlich der alte Farmer,
+als er die ungeduldigen Blicke bemerkte, die der feurige
+Liebhaber nach den Gardinen warf, hinter denen
+die Geliebte noch immer weilte; &raquo;Mr. Curtis, wissen
+Sie es schon?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wissen Sie?&laquo; frug Curtis &uuml;berrascht&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wissen? was?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sie wissen also Nichts davon?&laquo; sagte jener
+kopfsch&uuml;ttelnd.</p>
+
+<p>&raquo;Von was denn, um Gotteswillen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Hm!&laquo; sagte der Alte&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Peterson, Sie bringen mich in Verzweiflung;
+was ist vorgefallen? was soll ich wissen? so
+reden Sie doch&nbsp;&mdash;&nbsp;wo ist Fanny?&laquo;</p>
+
+<p>William, Petersons &auml;ltester Sohn, winkte dem
+Ungeduldigen auf bedeutungsvolle Art und verlie&szlig;
+das Haus. Curtis dr&uuml;ckte sich den Hut auf den
+Kopf und folgte ihm schnell&nbsp;&mdash;&nbsp;ihm ahnte Schreckliches.</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis,&laquo; sagte William, als er hinter der
+Fenz, da wo sie das Haus nicht mehr sehen konnten,
+stehen blieb&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;Mr. Curtis, ich habe einen
+Auftrag an Sie auszurichten?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Auftrag&nbsp;&mdash;&nbsp;von wem?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von Mi&szlig; Fanny Lowland!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von meiner Braut?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von Mi&szlig; Fanny Lowland.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mann Gottes, ist sie denn nicht mehr im
+Hause? ist sie wieder heimgekehrt?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Nein; sie ist zum Friedensrichter,&laquo; sagte William.</p>
+
+<p>&raquo;Zum Friedensrichter?&laquo; rief Curtis pl&ouml;tzlich beruhigt,
+&raquo;ja das ist was anderes; aber so lange h&auml;tte
+sie doch noch warten k&ouml;nnen, bis ich mich angezogen
+hatte. Ja da mu&szlig; ich gleich nach&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Bitte,&laquo; sagte William und hielt den Forteilenden
+zur&uuml;ck&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich habe auch noch ein kleines Briefchen
+an Sie abzugeben.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Einen Brief? von wem?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von Mi&szlig; Fanny Lowland!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von meiner Braut?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Von Mi&szlig; Fanny Lowland.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Der Mensch macht mich noch wahnsinnig,&laquo;
+dachte Curtis, und ri&szlig; dem L&auml;chelnden das zusammengefaltete
+Papier aus der Hand. Es war versiegelt,
+und enthielt, mit Bleistift geschrieben, die folgende,
+tr&ouml;stliche Nachricht.</p>
+<blockquote>
+<p>
+&raquo;<i>Dear Sir</i>&nbsp;&mdash;&nbsp;<br />
+<br />
+Kaum darf ich hoffen, da&szlig; Sie mir eine List
+verzeihen, zu der mich freilich nur die Nothwehr gezwungen
+hat. Ich liebe einen jungen Mann, einen
+Advocaten aus Cincinnati, und mein Onkel h&auml;tte
+mir noch Jahrelang seine Einwilligung versagt, da
+h&ouml;rte ich von Ihrer Ankunft. Schon am Tag vorher,
+ehe Sie unser Haus betraten, war die Nachricht
+gekommen, da&szlig; Sie bei Smeiers um die Hand
+der Tochter angehalten, und da zwischen dort und
+unserem Hause nur drei Farmen lagen, von denen
+nur auf zweien heirathsf&auml;hige M&auml;dchen lebten, so
+konnten wir mit Gewi&szlig;heit darauf rechnen, Sie gestern
+bei uns zu sehen. Mein Plan war augenblicklich
+gefa&szlig;t; durch Sie mu&szlig;te ich die schriftliche
+Erlaubni&szlig; meines Onkels bekommen, mich zu
+verheirathen&nbsp;&mdash;&nbsp;ich sandte meinem Br&auml;utigam durch
+einen sicheren Neger Kunde, und versuchte nun selbst,
+Ihr Herz f&uuml;r mich zu gewinnen. Ich will aber
+nicht eitel sein, ich will es nicht meinen Reizen zuschreiben,
+die mir das Ihrige so schnell eroberten;
+doch sei dem wie ihm wolle, mein Plan gelang,
+ich erhielt das Papier; Sie selber f&uuml;hrten mich in
+die Arme meines Br&auml;utigams, der Sie am vorigen
+Abend erst mit dem Stein erschreckte, und dann gegen
+Morgen kam, mich abzuholen. Ich bin, wenn
+Sie diese Zeilen erhalten,&nbsp;&mdash;&nbsp;sein Weib.&laquo;</p>
+</blockquote>
+<p>Curtis starrte mehrere Secunden verbl&uuml;fft in
+das Antlitz seines Begleiters&nbsp;&mdash;&nbsp;dann fuhr er fort
+zu lesen.</p>
+
+<blockquote><p>&raquo;Z&uuml;rnen sie mir nicht, aber ich war stets ein
+wildes, unfolgsames Kind, und verdiente weder Sie
+noch ihren kleinen Neger, noch die hundert und f&uuml;nfzig
+Dollar&nbsp;&mdash;&nbsp;leben Sie wohl und machen Sie eine
+Andere gl&uuml;cklich.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;<i>P. S.</i> Meine Cousinen wu&szlig;ten Nichts von
+meiner List, auch Peterson's haben es nicht erfahren,
+nur William, der junge Mann, der Ihnen diesen
+Brief &uuml;bergiebt, ist im Geheimni&szlig;&nbsp;&mdash;&nbsp;ihm k&ouml;nnen
+Sie vertrauen. Er hat zwei liebensw&uuml;rdige
+Schwestern; und da Sie gerade an Ort und Stelle
+sind&nbsp;&mdash;&nbsp;doch einem Manne von Ihrer Erfahrung&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+</blockquote>
+<p>Curtis warf den Brief auf die Erde und trat
+ihn so lange mit den Hacken seines Stiefels in den
+weichen Erdboden hinein, bis er auch nicht die Spur
+mehr davon entdecken konnte; dann wandte er sich
+wild gegen den jungen Mann und wollte seinem
+Grimm in tobenden Worten Luft machen; dieser
+legte jedoch warnend und beschwichtigend den Finger
+auf den Mund, trat l&auml;chelnd n&auml;her und sagte leise,
+des Ärgerlichen Arm ergreifend:</p>
+
+<p>&raquo;Pst, Mr. Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;Blatt vor den Mund&nbsp;&mdash;&nbsp;
+um Gottes Willen Blatt vor den Mund; bis jetzt
+wei&szlig; die Sache keiner als wir Beide, denn Mi&szlig;
+Fanny oder&nbsp;&mdash;&nbsp;Mrs. Grey kommt, wenn sie zur&uuml;ckkehrt,
+wahrscheinlich nicht hier wieder vorbei&nbsp;&mdash;&nbsp;
+also <span class="wide">stillgeschwiegen,</span> das ist das Gescheidteste,
+was Sie unter den Verh&auml;ltnissen thun k&ouml;nnen. Mit
+einem M&auml;dchen, das Sie nicht liebt, w&auml;ren Sie
+&uuml;berdies nie gl&uuml;cklich geworden.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ich will ihr nach&laquo; knirschte Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;Um ausgelacht zu werden?&laquo; meinte William.
+&raquo;wollen Sie einen guten Rath annehmen, Mr.
+Curtis?&laquo;</p>
+
+<p>Curtis sah fragend zu ihm auf.</p>
+
+<p>&raquo;Sie suchen eine Frau, und werden &uuml;berall abgewiesen&nbsp;&mdash;&nbsp;&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sir!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ich meine es gut, Mr. Curtis, bei Gott, ich
+meine es gut, aber&nbsp;&mdash;&nbsp;gehen Sie in einen anderen
+Staat, wenigstens in ein anderes County. Sie wissen
+nicht, wie schwer es h&auml;lt, Vorurtheile zu besiegen.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Peterson, ich werde Sie um Ihren Rath
+ersuchen, wenn ich dessen bedarf,&laquo; rief Curtis entr&uuml;stet,
+eilte zum Hause zur&uuml;ck, warf dort seinen
+Sattel auf das h&ouml;chst unmuthig wiehernde Pferd,
+dem es gar nicht behagen wollte, einen neuen Ritt
+ohne vorhergenossenes Fr&uuml;hst&uuml;ck anzutreten, dr&uuml;ckte
+ihm den Zaum in's Gebi&szlig;, den er sich nicht einmal
+die Zeit nahm festzuschnallen, schwang sich hinauf
+und sprengte, ohne auch Jemanden &raquo;good bye&laquo; oder
+ein sonstiges Abschiedswort zu sagen, wie besessen
+die Stra&szlig;e hinauf, dem Hause des Friedensrichters
+zu.</p>
+
+<p>Der fr&uuml;he Ritt aber, der kalte Nordwind, der
+durch den Wald dahin strich, und die noch von den
+Zweigen tr&auml;ufelnden Regenperlen, die der n&auml;chtliche
+Sturm in dem Nadelholz zur&uuml;ckgelassen, k&uuml;hlte seine
+Wangen und&nbsp;&mdash;&nbsp;seinen J&auml;hzorn. Er hatte zuerst
+im Sinn gehabt, wie ein z&uuml;rnender Gott vor das
+M&auml;dchen zu treten, das ihn so sch&auml;ndlich hintergangen,
+aber des jungen Peterson's Worte: &raquo;Sie werden
+nur ausgelacht,&laquo; schallten noch immer in seinen
+Ohren.</p>
+
+<p>&raquo;<span class="wide">Ausgelacht?</span>&laquo; er hielt sein Pferd an, und
+blickte nachdenkend auf die Stra&szlig;e nieder; &raquo;<span class="wide">ausgelacht</span>
+&nbsp;&mdash;&nbsp;und hat jenes&nbsp;&mdash;&nbsp;Gesch&ouml;pf&nbsp;&mdash;&nbsp;verdient,
+da&szlig; ich mich so um sie &auml;rgere?&laquo; Sein Auge fiel
+auf die frisch eingedr&uuml;ckten Spuren zweier Pferde,
+von denen er die einen augenblicklich als die Spuren
+des Poneys erkannte, das Fanny gestern geritten.</p>
+
+<p>Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;der fromme Curtis fluchte&nbsp;&mdash;&nbsp;er
+schwur, er wolle verdammt sein, wenn er nicht Rache
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;nein&nbsp;&mdash;&nbsp;er wolle <span class="wide">nicht</span> verdammt sein&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;
+sagte er pl&ouml;tzlich, indem er den Z&uuml;gel loslie&szlig;, den
+Hut abnahm und sich mit der Hand hinter dem Ohre
+kratzte.</p>
+
+<p>&raquo;Curtis!&laquo; sprach er dann nach kleiner Weile vor
+sich hin, &raquo;Curtis, bist Du nicht ein rechter strafw&uuml;rdiger
+Narr gewesen?&laquo;</p>
+
+<p>Das Pferd nickte ein paar Mal mit dem Kopfe
+auf und nieder und wieherte&nbsp;&mdash;&nbsp;es hatte Hunger.
+&raquo;Hast Du Dich nicht in der Ansiedelung zweck- und
+ziellos umhergehetzt?&laquo; fuhr der Reiter fort, ohne des
+Pferdes Bewegung weiter zu beachten, &raquo;hast Du
+nicht nach Glaskorallen drau&szlig;en im Weiten gesucht,
+w&auml;hrend Du einen Diamant im eigenen Hause
+hegst? Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;Du hast diese Strafe verdient&nbsp;&mdash;&nbsp;
+lange h&auml;ttest Du merken m&uuml;ssen, da&szlig; Dir Nancy
+gut sei, und&nbsp;&mdash;&nbsp;gestehe es Dir nur ein, Du <span class="wide">hast</span>
+es gemerkt, Du hast es gef&uuml;hlt, da&szlig; sie Dich heimlich
+liebe, aber von schn&ouml;der Geldgier, von dem
+Drang mehr und mehr Dein eigen zu nennen getrieben,
+verachtest Du ein Herz, das Dir mit
+treuer Liebe entgegen schlug, und das in Leid und
+Freud' bei Dir ausharrte, nur um Dich zu tr&ouml;sten
+und zu pflegen.&laquo;</p>
+
+<p>Er schwieg und sah wohl mehrere Minuten lang
+sinnend vor sich nieder, dann aber, wie von einem
+unwiderruflichen festbeschlossenen Gedanken durchgl&uuml;ht,
+setzte er den Hut wieder auf, ergriff den Z&uuml;gel,
+lenkte den Braunen herum, der mit der gr&ouml;&szlig;ten Bereitwilligkeit
+Folge leistete, und sprengte dann &raquo;da&szlig;
+Kies und Funken stoben&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;zur&uuml;ck, der eigenen Heimath
+zu.</p>
+
+<p>Aber nicht an Peterson's Hause wollte er vor&uuml;ber,
+deshalb verlie&szlig; er bald die breite ausgehauene Countystra&szlig;e
+und trabte durch den Wald dem Flusse zu,
+den er an einer bekannten Furth kreuzte; die Niederung
+dann durchschneidend erreichte er bald den Fu&szlig; der
+s&uuml;dlich liegenden H&uuml;gel, wo er wu&szlig;te, da&szlig; er, ohne
+an einer Ansiedelung vor&uuml;ber zu kommen, seine eigene
+Farm erreichen konnte, und sprengte dann mit verh&auml;ngtem
+Z&uuml;gel und so schnell ihn des Braunen F&uuml;&szlig;e
+tragen konnten, weiter.</p>
+
+<p>Unterwegs aber &uuml;berdachte er in z&uuml;rnendem
+Sinnen die K&ouml;rbe&nbsp;&mdash;&nbsp;die ganze Korbhandlung, die
+er erhalten, und grollte mit dem Schicksal, das ihn
+dazu verdammt habe, &uuml;berall seine Hoffnungen zertr&uuml;mmert,
+seine Pl&auml;ne untergraben zu sehen. War
+es aber das Schicksal, das Alles dieses ver&uuml;bt? war
+es ein b&ouml;ses Fatum, das &uuml;ber seinen Handlungen
+wachte und die sch&ouml;nsten Keime noch in der Bl&uuml;the
+erstickte?&nbsp;&mdash;&nbsp;nein&nbsp;&mdash;&nbsp;er hatte sonst in Allem Gl&uuml;ck,
+seine Erndten geh&ouml;rten stets zu den besten, sein Viehstand
+wuchs mit jedem Jahre st&auml;rker, als er es
+selber zu hoffen wagte; keinem anderen Ansiedler
+am Fourche la fave zerri&szlig; der Panther weniger
+K&auml;lber oder der B&auml;r weniger Schweine, und kein
+Haus war weniger vom kalten Fieber heimgesucht
+gewesen, als gerade Curtis; dabei war er ein ordentlicher,
+flei&szlig;iger und braver Mann, nicht streits&uuml;chtig,
+aber tapfer und unerschrocken, wo es galt,
+seinen Mann zu stehen, und bei der Arbeit unerm&uuml;dlich.</p>
+
+<p>Woher nun konnte es kommen, da&szlig; er von allen
+M&auml;dchen, um die er anhielt, verschm&auml;ht wurde, die
+noch &uuml;berdies zu all den obigen Eigenschaften seine
+Verh&auml;ltnisse kannten, die in diesen anspruchslosen
+Gegenden wirklich an Wohlhabenheit grenzten. Kaum
+glaublich ist es, aber die Ursache lag einzig und
+allein in jener Angewohnheit, von seinem kleinen
+Neger und seinem baaren Gelde zu sprechen; er war
+<span class="wide">verlacht</span> und <span class="wide">verspottet</span> worden, und irgend Eines
+der M&auml;dchen h&auml;tte lieber einen anerkannten <span class="wide">Schuft</span>
+geheirathet, als einen Mann, der sich einmal&nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="wide">l&auml;cherlich</span> gemacht.</p>
+
+<p>Curtis f&uuml;hlte das jetzt selbst, und er beschlo&szlig;
+hinf&uuml;ro die Aufz&auml;hlung seines Eigenthums zu verschieben,
+bis er darum gefragt werde&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;doch&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;
+fuhr er dann in seinem Selbstgespr&auml;che fort&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;was
+bedarf ich dessen weiter&nbsp;&mdash;&nbsp;Nancy liebt mich auch
+mit meinen Schw&auml;chen, denn sie kennt meine guten
+Eigenschaften ebenfalls, und ich werde jetzt das Gl&uuml;ck
+zu Hause finden, das ich, Thor der ich war, vergebens
+unter Fremden suchte.&laquo;</p>
+
+<p>Diese Nacht lagerte er bei einem alten J&auml;ger, der,
+ziemlich abgeschieden von anderen Ansiedelungen, sich
+dicht am Flussesufer eine kleine H&uuml;tte gebaut hatte,
+Viehzucht trieb und dabei jagte. Er fand dort gastliche
+Aufnahme und Nahrung f&uuml;r sich und sein Pferd;
+schlief auch, da er die Gewi&szlig;heit hatte, der Alte k&ouml;nne
+Nichts von seinem Ungl&uuml;ck erfahren haben, sanft und
+ruhig die Nacht, und war am andern Morgen, als
+die Sonne eben erst den &auml;u&szlig;ersten H&uuml;gelsaum vergoldete,
+schon wieder unter Weges.</p>
+
+<p>Ihn trieb jetzt die Sehnsucht heim, wie sie ihn
+vor wenigen Tagen fortgetrieben, und freudig und
+st&uuml;rmisch klopfte sein Herz, als er endlich das eigene
+Dach hinter den maigr&uuml;nen Maulbeerb&auml;umen, die dem
+Hofe Schatten gaben, hervorschimmern sah.</p>
+
+<p>Der Braune wieherte ebenfalls vor Freuden, als
+er den heimischen Trog erblickte, und Curtis streichelte
+ihm im Mitgef&uuml;hl den sch&ouml;ngeformten Hals.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Ha&nbsp;&mdash;&nbsp;da war Nancy&nbsp;&mdash;&nbsp;sie hatte das bekannte
+Wiehern des Braunen geh&ouml;rt, und war in die Th&uuml;r
+gesprungen, das heimkehrende Paar zu begr&uuml;&szlig;en, das
+hei&szlig;t, nicht etwa den Braunen und dessen Herrn,
+sondern den Herrn und dessen&nbsp;&mdash;&nbsp;Frau; sie blieb
+auch etwas &uuml;berrascht in der Th&uuml;re stehen, als sie
+Mr. Curtis allein zur&uuml;ckkehren sah; dieser aber dr&uuml;ckte
+dem treuen Thier die Hacken in die Seite, sprengte
+bis dicht vor die Pforte, blieb dort pl&ouml;tzlich mit einem
+Ruck halten, und sagte:</p>
+
+<p>&raquo;Guten Morgen, Nancy?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ei guten Morgen, Mr. Curtis,&laquo; rief das fr&ouml;hliche
+M&auml;dchen, &raquo;Sie scheinen ja heute gewaltig
+guter Laune zu sein; ich dachte aber Sie br&auml;chten
+Gesellschaft?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Wie gehts Nancy?&laquo; frug Mr. Curtis, ohne
+jedoch auf die letzte Bemerkung weiter zu achten,
+indem er immer noch vor dem Hause hielt, und zu
+ihr aufsah&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;wie ist es die Tage &uuml;ber gegangen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Danke&nbsp;&mdash;&nbsp;gut, Mr. Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;sehr gut&nbsp;&mdash;&nbsp;aber
+warum steigen Sie denn nicht ab? wo bleibt denn
+der Besuch? ich habe das ganze Haus gescheuert und
+gekehrt.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Schadet Nichts, Nancy,&laquo; sagte Mr. Curtis, und
+sah sinnend auf den&nbsp;&mdash;&nbsp;kleinen Neger nieder, der h&ouml;chst
+bedeutungsvoll vor ihm stand und dem Pferde nach
+dem Z&uuml;gel griff&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ja Bob,&laquo; rief er diesem dann
+zu, &raquo;f&uuml;hr ihn fort und f&uuml;ttere ihn gut, ich reite nun
+sobald nicht wieder aus, der Braune soll sich eine
+Woche pflegen, denn zu Richter Houstons nebenbei
+k&ouml;nnen wir zu Fu&szlig;e gehn. H&ouml;re Nancy,&laquo; wandte er
+sich dann an das junge M&auml;dchen&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;ich hab Dir
+viel zu erz&auml;hlen, und mu&szlig; Dich um etwas fragen.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Mich?&nbsp;&mdash;&nbsp;ei um was denn?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sollst es gleich erfahren, aber&nbsp;&mdash;&nbsp;Du hast Dir
+ja all Deine Sonntagskleider vorgeholt? ist ein Tanz
+in der N&auml;he?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ach Mr. Curtis&nbsp;&mdash;&nbsp;ich h&auml;tte Ihnen auch viel
+zu erz&auml;hlen,&laquo; sagte Nancy, und wurde feuerroth.</p>
+
+<p>&raquo;Nun Nancy? heraus mit der Sprache,&laquo; l&auml;chelte
+dieser, &raquo;heraus mit der Sprache&nbsp;&mdash;&nbsp;was ist's?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ach, Sie werden mich auszanken!&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ich Dich auszanken, Nancy? habe ich Dich jemals
+ausgezankt?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ach Gott ja, wissen Sie wohl das eine Mal,
+wo ich &uuml;ber den kleinen Neger&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Oh&nbsp;&mdash;&nbsp;Unsinn,&laquo; sagte Mr. Curtis.</p>
+
+<p>&raquo;Es war Jemand hier w&auml;hrend Ihrer Abwesenheit,&laquo;
+fuhr Nancy fort.</p>
+
+<p>&raquo;So? wer denn? aber was wolltest Du mir denn
+erz&auml;hlen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Pelter, Sir,&nbsp;&mdash;&nbsp;der junge Mr. Pelter.&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;So? wollte er das Joch Ochsen kaufen, wegen
+dem er sich schon fast die F&uuml;&szlig;e abgelaufen hat?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;Nein&nbsp;&mdash;&nbsp;er&nbsp;&mdash;&nbsp;er hat,&laquo; sagte Nancy z&ouml;gernd
+und bis in die Haare hinauf err&ouml;thend&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;er hat
+um meine Hand angehalten.&laquo;</p>
+
+<p>Curtis zuckte wie von einem Blitzstrahl getroffen
+zusammen, und blickte dem M&auml;dchen so wild, so stier
+in's Auge, da&szlig; dieses erschreckt einen Schritt zur&uuml;cktrat
+und ausrief:</p>
+
+<p>&raquo;Mr. Curtis!&laquo;</p>
+
+<p>Es war aber auch nur ein Moment, dann geschah
+ihm das, was uns armen Sterblichen nicht
+selten geschieht, wenn ein Ungl&uuml;ck so schnell dem andern
+folgt, da&szlig; wir kaum Zeit behalten, &uuml;ber das
+erste nachzudenken, w&auml;hrend schon das zweite und
+dritte nachbricht&nbsp;&mdash;&nbsp;die ganze Sache kam ihm komisch
+vor&nbsp;&mdash;&nbsp;er schlug ein f&uuml;rchterliches Gel&auml;chter auf und
+fing dann wie wahnsinnig an zu pfeifen.</p>
+
+<p>Nancy sah ihn erschrocken an&nbsp;&mdash;&nbsp;was konnte dem
+Manne wohl fehlen? sein ganzes Benehmen war ihr
+schon sonderbar erschienen&nbsp;&mdash;&nbsp;sollte er&nbsp;&mdash;&nbsp;es w&auml;re
+schrecklich&nbsp;&mdash;&nbsp;&uuml;bergeschnappt sein?&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Bob!&laquo; rief Curtis seinen kleinen Neger an&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Jes Massa.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sattle den Rappen, der Braune mag sich ausruhen,
+ich mu&szlig; fortreiten.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Aber Mr. Curtis&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte Nancy.</p>
+
+<p>&raquo;Und wann wollt Ihr Euch verheirathen, Nancy?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Sobald Sie zur&uuml;ckkamen&nbsp;&mdash;&nbsp;heute&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;stotterte
+Nancy.</p>
+
+<p>&raquo;Willst Du mir einen Gefallen thun, Nancy?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Gern&nbsp;&mdash;&nbsp;von Herzen gern&nbsp;&mdash;&nbsp;welchen?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Willst Du noch bei den Kindern bleiben und
+auf das Haus acht geben, bis ich, vielleicht in acht
+Tagen, zur&uuml;ckkehre?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Das will ich mit Freuden, aber&nbsp;&mdash;&nbsp;wo wollen
+Sie denn hin?&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Nach Tenessee hin&uuml;ber, vielleicht nach Kentucky,&laquo;
+sagte Curtis, und trat vor die Th&uuml;re, denn in diesem
+Augenblick brachte Bob den Rappen.</p>
+
+<p>&raquo;Good bye Nancy&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;sagte Jeremias, als er sich
+in den Sattel schwang.</p>
+
+<p>&raquo;Good bye Mr. Curtis,&laquo; sagte Nancy, als sie
+ihm kopfsch&uuml;ttelnd nachblickte. Jeremias aber setzte
+wieder, wie vor einigen Tagen, &uuml;ber den Bach weg
+und pfiff sich ein munteres Lied, bog aber diesmal
+anstatt links, rechts in die Countystra&szlig;e ein, und
+murmelte, als er dem feurigen Rappen den Hacken
+fester in die Seite dr&uuml;ckte:</p>
+
+<p>&raquo;Das m&uuml;&szlig;te doch mit dem Henker zugehen, wenn
+ich keine Frau kriegen k&ouml;nnte.&laquo;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<p>Jeremias Curtis zog nun &uuml;ber den Arkansas, und
+wie es hie&szlig;, sogar &uuml;ber den Mississippi hin&uuml;ber.</p>
+
+<p>Nancy aber, die allerdings versprochen hatte, bei
+den Kindern, keineswegs aber ledig zu bleiben bis
+er zur&uuml;ckkehre, schlo&szlig; nicht mit Unrecht, da&szlig; dies
+wohl noch eine Zeit lang dauern k&ouml;nne, und da es,
+wie sie schon mehrere Sonntage geh&ouml;rt hatte, nicht
+gut w&auml;re, da&szlig; der Mensch allein sei, besonders in
+den dichten W&auml;ldern des fernen Westens, so verband
+schon am zweiten Tage nach Curtis pl&ouml;tzlicher
+Abreise der benachbarte Friedensrichter die beiden
+Liebenden, und &raquo;der junge Mr. Pelter&laquo; zog, da
+&raquo;die Heerden doch unm&ouml;glich so <ins title="original has lage">lange</ins> ohne m&auml;nnliche
+Aufsicht bleiben konnten,&laquo; indessen als Verwalter
+auf Curtis Farm.</p>
+
+<p>Hoffentlich bekomme ich recht bald und recht
+g&uuml;nstige Nachrichten &uuml;ber Curtis zweiten Zug, und
+werde dann sicherlich nicht ermangeln, dem freundlichen
+Leser mitzutheilen, ob <span class="wide">Curtis eine Frau
+bekam.</span></p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h2><a name="ch4" id="ch4"></a>Schulen in den Backwoods.</h2>
+
+
+<p>Schulen und Urwald sind eigentlich zwei einander
+sehr entgegengesetzte Begriffe. Die wild und
+schauerlich rauschenden Baumwipfel und das Erlernen
+von Gegenst&auml;nden, die gerade in ihrem Schatten
+am wenigsten anwendbar sind, stehen sich einander
+fast zu unvereinbar und schroff gegen&uuml;ber;
+es ist aber hiermit wie mit der Fabel von dem
+Baume, der dem Menschen erlaubte ein kleines St&uuml;ck
+Holz, nur so viel als er zum Stiel einer Axt gebrauchte,
+zu nehmen, und sich bald darauf durch
+diesen ihm so gering erschienenen Span angegriffen
+und gef&auml;llt sah. So ist es mit den Schulen im
+Urwald: zuerst sammeln sich in roh aufgeschlagener
+H&uuml;tte, im Schatten und unter dem Schutz der Wildnisse,
+die Kinder und jungen Leute aus den vereinzelten
+Ansiedlungen und J&auml;gerwohnungen; aber ihre
+F&auml;higkeiten wachsen&nbsp;&mdash;&nbsp;bald stehen ihnen die sie umstarrenden
+Riesenst&auml;mme zu beengend und hemmend
+im Weg und die herrlichen B&auml;ume fallen, der Wald
+wird gelichtet, das Land urbar gemacht, Farmen und
+St&auml;dte springen auf und der Pflug durchfurcht den
+Platz, Lastwagen knarren &uuml;ber die Stelle wo noch
+vor wenigen Monden der B&auml;r sein stilles und ungest&ouml;rtes
+Lager aufgeschlagen, wo kein Laut das feierliche
+Waldesschweigen gebrochen hatte, als der gellende
+Schrei des Panthers und der schauerliche Ruf der
+Eule und des Whip-poor-will.</p>
+
+<p>Es ist eine traurige Wahrheit, der Poesie des
+Lebens folgt die trockene, ernste Prosa, der fr&ouml;hlichen
+Jugendzeit das gesetzte, sorgenvolle Alter, den bunten,
+gl&auml;nzenden Luftschl&ouml;ssern des Kindes die d&uuml;steren,
+kalten Geb&auml;ude des Mannes mit ihren zugigen
+G&auml;ngen und rauchenden Kaminen, dem Brautstand
+die Ehe, dem freien, sorglosen Waldleben der Pflug
+und die Egge des Landmanns und die dumpfige
+Schreibstube des Gelehrten und Kaufmanns. Die
+Leute sagen: die Welt wird besser, der Segen der
+Civilisation spricht aus den wallenden Getreidefeldern
+und den friedlich rauchenden H&uuml;tten des Landmanns,
+aus den bl&uuml;henden St&auml;dten und belebten Landstra&szlig;en,
+die sich zwischen gr&uuml;nen Hecken und bl&uuml;henden
+obstb&auml;umen hinziehen; aber die Natur trauert.
+Aus tausend qualmenden Fabrikschl&uuml;nden w&auml;lzt sich
+erstickender Kohlendampf und legt sich wie giftiger
+Mehlthau auf die gr&uuml;nen Matten, der Staub der
+Landstra&szlig;en bedeckt Bl&auml;tter und Bl&uuml;then, und gespalten
+und aufgerissen lechzt die schmachtende Erde,
+des k&uuml;hlen Schattens ihrer W&auml;lder beraubt, nach Thau
+und Erquickung.</p>
+
+<p>&raquo;Die Welt ist civilisirt und hat ihren gro&szlig;en
+Endzweck, sich zu vervollkommnen, erreicht,&laquo; so sagen
+die Wei&szlig;en; der Indianer aber wickelt sich schweigend
+in seine Decke, wirft noch einen trauernden
+Blick auf diese Civilisation, die ihm freilich, da sie
+sein Alles, seine Heimath, sein Gl&uuml;ck zerst&ouml;rte, Verw&uuml;stung
+erscheint, und&nbsp;&mdash;&nbsp;stirbt.&nbsp;&mdash;&nbsp;Die Welt ist
+civilisirt.</p>
+
+<p>Doch ich spreche hier Gef&uuml;hle aus, welche in
+Europa wohl wenig Anklang finden m&ouml;chten; die
+Welt ist civilisirt und die Leute kennen sie hier nicht
+anders&nbsp;&mdash;&nbsp;sie sind sich &raquo;nur des einen Triebes bewu&szlig;t,&laquo;
+und es ist auch vielleicht recht gut so; das
+wilde Leben <span class="wide">mu&szlig;</span> der Cultur, die rohe Kraft dem
+h&ouml;heren Geiste weichen, und die Gebeine des Indianers
+d&uuml;ngen mit dem Wald, der einst seine Heimath
+war, den Acker des wei&szlig;en Mannes.</p>
+
+<p>In den Vereinigten Staaten von Nordamerika
+geht diese Umgestaltung mit rasend schnellen Schritten
+vor sich, und wie bei einer Feuersbrunst die
+Flamme zu gleicher Zeit z&uuml;ngelnd nach tausend verschiedenen
+Stellen hin&uuml;berleckt und weit und weiter
+um sich greift, so bricht sich auch Aufkl&auml;rung und
+Cultur im Norden, Westen und S&uuml;den Bahn durch
+die Wildni&szlig;, und noch von den Wigwams der Ureinwohner
+umgeben, entsteigen bl&uuml;hende Pflanzungen
+und Kirchen und Schulen vor den Blicken des erstaunten
+Indianers dem Boden.</p>
+
+<p>Die Bev&ouml;lkerung der verschiedenen Staaten ist
+namentlich in den letzten zehn Jahren ungeheuer gewachsen;
+nach einer Z&auml;hlung vom Januar 1840 belief
+sich die Gesammt-Einwohnerzahl auf 17,062,566
+Seelen, die jetzt auf 23 Millionen gestiegen ist. Unter
+diesen waren 386,245 freie Neger und Abk&ouml;mmlinge
+von Negern, oder sogenannte <i>coloured persons</i>,
+ferner 2,487,213 Sklaven und 14,189,108 freie Wei&szlig;e.
+Von den letzten 14 Millionen waren 6,439,700
+zwanzig und &uuml;ber zwanzig Jahre alt, und von diesen
+konnten noch 549,693 weder schreiben noch lesen.
+Hieran waren aber bis jetzt gr&ouml;&szlig;tentheils die Kriege
+und K&auml;mpfe mit den Eingebornen Schuld, denn die
+k&uuml;hnen Pionniere des Westens, allein und unbesch&uuml;tzt
+zwischen ihnen feindlich gesinnten St&auml;mme vorgedrungen,
+konnten, wenn sie wirklich die Kenntnisse
+dazu besa&szlig;en, keine Zeit darauf verwenden ihre Kinder
+zu unterrichten, so lange es galt, Tag und Nacht
+ihr eigenes Leben und Eigenthum gegen den schlauen
+und wilden Feind zu sch&uuml;tzen; jetzt aber, wo dieser,
+mehr und mehr verdr&auml;ngt, bald nur noch in der
+Erinnerung der alten Leute und in den Sagen und
+Erz&auml;hlungen der Nachwelt leben wird, &auml;ndert sich
+auch dieses. Der Wald ist sicher und die Kinder
+d&uuml;rfen allein das sch&uuml;tzende Haus verlassen, um der
+meilenweit entfernten Schule zuzueilen.</p>
+
+<p>Die Anzahl von Schulen in Nordamerika ist betr&auml;chtlich;
+Universit&auml;ten und h&ouml;here Schulen giebt es
+173, Real- und Vorbereitungsschulen 3242 und
+von den geringeren im ganzen Lande zerstreuten
+Instituten f&uuml;r die ersten Anfangsgr&uuml;nde, von sogenannten
+Abcschulen, 47,209. Auf die erstern werden
+dabei 16,233, auf die mittlern 164,159 und
+auf die letztern 1,845,244 Sch&uuml;ler gerechnet, wozu
+noch 468,264 auf Staatskosten oder Freisch&uuml;ler gez&auml;hlt
+werden m&uuml;ssen. Die Universit&auml;ten und Schulen
+der &ouml;stlichen und selbst der s&uuml;dlichen Staaten
+sind &uuml;brigens den europ&auml;ischen zu &auml;hnlich, um hier
+besonders viel &uuml;ber sie zu sagen, die westlichen oder
+Backwoodsschulen aber zeichnen sich dagegen durch
+so viel Eigent&uuml;mliches aus, da&szlig; sie allerdings eine
+kurze Beleuchtung verdienen, die manchem nicht uninteressant
+erscheinen wird.</p>
+
+<p>Vom Staate selbst ist f&uuml;r die Erziehung der
+Kinder immer die sechzehnte Section (640 Acker)
+jedes Townships<a href="#fn7"><small><sup>7</sup></small></a> bestimmt, und wird das &raquo;Schulland&laquo;
+genannt. Dieses soll nur zum Nutzen der
+Schulen und des ihnen vorgehenden Lehrers
+verwendet werden; in den westlichen Staaten aber, den
+sogenannten Backwoods, geschieht wenig mehr mit
+diesem Landstrich, der, wie es sich trifft, bald aus
+dem herrlichsten, bald aus dem schlechtesten Boden
+besteht, als da&szlig; h&ouml;chstens ein kleines Blockhaus, das
+Schulgeb&auml;ude, darauf errichtet wird und der Schullehrer,
+welcher eine solche Stelle selten auf l&auml;nger
+als ein oder zwei Jahre, oft nur f&uuml;r eine Jahreszeit,
+den Winter, &uuml;bernimmt, ein kleines St&uuml;ckchen
+davon urbar macht und Kartoffeln oder Mais hineinpflanzt,
+was denn vielleicht im n&auml;chsten Jahr, wenn
+sich sein Nachfolger nicht darum bek&uuml;mmert, so verw&auml;chst
+und verwildert, da&szlig; es, ordentlich wie zornig
+dar&uuml;ber, seinem Naturzustande auf kurze Zeit entrissen
+gewesen zu sein, mit dem tollen Gewirr von Unterholz
+und Schlingpflanzen gar nicht wieder zu lichten
+ist. Sonst besch&uuml;tzen es aber die in der N&auml;he lebenden
+Ansiedler insofern, da&szlig; sie den Fl&ouml;tzern (<i>rafters</i>)
+nicht gestatten, sich von diesem Landstrich, wenn er
+gerade bequem an einem Wasserlauf liegen sollte,
+St&auml;mme zu holen und diese den Flu&szlig; hinabzuschwemmen,
+gegen welchen Erwerbszweig sie sonst, wenn es
+blos Onkel Sams<a href="#fn8"><small><sup>8</sup></small></a> Grund und Boden wie Holzung
+betrifft, h&ouml;chst nachsichtig sind.</p>
+
+<p>Wo Ansiedler nun ganz allein und nachbarlos
+leben, die z. B. in den S&uuml;mpfen des &ouml;stlichen
+Theiles von Arkansas und Missouri, wo sie vielleicht
+15, ja 20 und noch mehrere Meilen wandern m&uuml;ssen,
+ehe sie die Spuren menschlichen Wirkens und Flei&szlig;es
+erblicken k&ouml;nnen, da h&ouml;rt denn freilich jedes
+Schulgehen der Kinder auf, oder hat vielmehr noch
+gar nicht angefangen; die Knaben durchstreifen den
+Wald und jagen und fischen, und die M&auml;dchen
+bleiben daheim bei der Mutter und spinnen die
+Baumwolle, welche ihnen der Vater dann und wann
+von seinen &raquo;Z&uuml;gen&laquo; in das n&auml;chste St&auml;dtchen mitbringt,
+oder die sie auch wohl selbst in einem kleinen
+Feld neben dem Hause gezogen haben. N&auml;hern sich
+aber diese Ansiedlungen einander auf 5 bis 6 Meilen,
+dann fangen die Farmer an sich nach einem
+Schullehrer umzusehen; gew&ouml;hnlich treibt Einer von
+ihnen irgendwo einen wandernden Yankee, manchmal
+auch einen Deutschen auf, und der Grund zur Civilisation
+wird gelegt.</p>
+
+<p>Haben sie den Schullehrer erst, dann stellt sich
+ihnen auch die Nothwendigkeit heraus, ein Haus zu
+bauen, wobei dieser gleich mit Hand anlegen kann,
+die Nachbarn werden also zusammenberufen und in
+wenig Tagen steht die kleine anspruchslose H&uuml;tte
+fertig mit Dach und Th&uuml;re da. Zwar befindet sich
+das Kamin noch sehr im Naturzustande, und eine
+Diele fehlt g&auml;nzlich, es ist ja aber &raquo;nur die Schule,&laquo;
+und da kommt das nicht so genau darauf an.</p>
+
+<p>Sind nun in dem District, aus welchem die
+Kinder gemeinschaftlich die Lectionen besuchen sollen,
+recht gescheute Leute, die sich berufen glauben, dem
+Manne, der ihr junges Amerika bilden soll, einmal
+ernstlich auf den Zahn zu f&uuml;hlen, so wird ein Examen
+angesetzt, in welchem der Lehrer einige sehr verf&auml;ngliche
+Fragen &uuml;ber Grammatik und amerikanische Geschichte
+vorgelegt bekommt, und ihm verschiedene entsetzlich
+klingende, und zu diesem Zweck besonders
+ausgesuchte f&uuml;nf- bis sechssylbige W&ouml;rter zum Buchstabiren
+aufgegeben werden; hat er diese Fragen zur
+Gen&uuml;ge beantwortet und kann er (auf sch&ouml;ne Schrift
+wird weniger gesehen) besonders recht schnell und
+klein schreiben, so ist sein Ruf begr&uuml;ndet, die M&auml;nner
+bet&auml;tigen, da&szlig; er &raquo;<i>knows a heap</i>,&laquo; oder mit
+andern Worten ein sehr gescheuter und gebildeter
+Mann sei, und am n&auml;chsten Montag beginnt die
+Schule.</p>
+
+<p>Von diesem Augenblick an ist der Schullehrer
+heimathlos, denn er geht nun aus einer Hand in
+die andere, d. h. er &raquo;boardet&laquo; oder wohnt in dieser
+Woche bei dem, in der Woche bei einem andern
+Farmer und hat nirgends einen Platz, den er sein
+eigen nennen k&ouml;nnte, das Schulhaus selbst ausgenommen,
+das sich &uuml;brigens stets in einem nichtsweniger
+als wohnlichen Zustand befindet. Sein
+Gehalt betr&auml;gt von 10 bis 15, oft sogar 20 Dollars
+den Monat, und t&auml;glich hat er daf&uuml;r seinen
+Z&ouml;glingen sechs, auch sieben Stunden zu geben.
+Diese kommen Morgens, wenn sie &uuml;ber eine Meile
+entfernt wohnen, was auch fast bei allen der Fall
+ist, auf ihren kleinen, indianischen Poneys angallopirt,
+binden diese an die das Schulgeb&auml;ude umgebenden
+B&uuml;sche, nehmen ihre B&uuml;cher und ihr
+Mittagbrod, das sie in einer Blechb&uuml;chse bei sich
+tragen, mit hinein, und setzen sich auf die zu ihrem
+Nutz und Frommen roh aufgeschlagenen B&auml;nke von
+weichem&nbsp;&mdash;&nbsp;Holz.</p>
+
+<p>Fenster hat das Zimmer oder vielmehr das Haus
+(denn das ganze Haus besteht nur aus einem Zimmer)
+nicht, die Th&uuml;r bleibt de&szlig;halb offen, um das
+n&ouml;thige Licht hereinzulassen; zum Schreiben aber
+l&auml;uft ein zwischen zwei St&auml;mmen an der einen Seitenwand
+schr&auml;g befestigtes Brett hin, welches dadurch
+erhellt wird, da&szlig; man den Zwischenraum
+zwischen den gerade &uuml;ber demselben befindlichen
+Bl&ouml;cken nicht ausgef&uuml;llt hat, was, wenn man diese
+Spalte nur an der S&uuml;d- oder S&uuml;dostseite anbringt,
+dem Zweck ziemlich entspricht, da es von der Wetterseite
+her hineinregnen w&uuml;rde.</p>
+
+<p>Die Hauptwissenschaft in diesen Anstalten besteht
+im Buchstabiren und richtigen Abtheilen der W&ouml;rter,
+in der englischen Sprache allerdings nicht so ganz
+leicht zu erlernen, und dieses Buchstabiren wird
+wirklich, selbst noch von erwachsenen Personen, mit
+wahrer Leidenschaft getrieben; es kommen ordentliche
+Gesellschaften zusammen, nur um zu buchstabiren,
+und in diesen bilden sich dann zwei Parteien, die
+einander recht schwierige W&ouml;rter aufgeben. Sobald
+die Sch&uuml;ler hierin einige Fortschritte gemacht haben,
+beginnt das Schreiben, die Grammatik und hin
+und wieder einige Stunden Geschichte, wo vor
+allen Dingen, wie das auch nicht mehr wie recht
+und billig ist, der nordamerikanische Freiheitskrieg
+durchgenommen wird.</p>
+
+<p>Das ist der regelm&auml;&szlig;ige Cursus in den gew&ouml;hnlichen
+Backwoodsschulen; oft aber geschieht es auch,
+da&szlig;, wie ich ein Beispiel aus den Bay de View-S&uuml;mpfen
+in Arkansas wei&szlig;, irgend ein durchziehender
+Kr&auml;mer oder Kaufmann, dessen Gesch&auml;ft auf
+eine andere Art nicht recht gut gehen will, Gastrollen
+als Schullehrer giebt. Dieser also, wenn er
+in eine Gegend kommt, in der noch fr&uuml;her nie
+Schule gehalten wurde, macht auf einmal bekannt,
+(d. h. er reitet von Haus zu Haus und meldet es
+selber), da&szlig; er das &raquo;Winterhalbjahr&laquo; Stunden
+geben w&uuml;rde, und ladet nicht allein die Kinder,
+sondern mehr noch die schon erwachsenen jungen
+Leute ein, gegen ein gewisses Honorar an dem
+Unterricht Theil zu nehmen.</p>
+
+<p>In dem oben erw&auml;hnten Fall hatte der pl&ouml;tzlich
+von Tenessee hereingeschneite Lehrer, ein Handlungscommis
+aus Memphis, Schreibestunden angek&uuml;ndigt,
+und wohl einige 30 Sch&uuml;ler, meistens junge
+M&auml;dchen und junge Leute von 10 bis 20 und 22 Jahren
+bekommen; von diesen allen aber konnten, drei
+ausgenommen, <span class="wide">keiner</span> weder lesen noch buchstabiren,
+und sie lernten nur, nach den ausgelegten Vorschriften
+und pers&ouml;nlichen Anweisungen, die Buchstaben
+und zuletzt die Worte nachmalen, worin sie
+es, ein Beispiel was Übung thut, schon zu ziemlicher
+Fertigkeit gebracht hatten.</p>
+
+<p>Die Folgen waren &uuml;brigens leicht vorauszusehen,
+der Lehrer blieb nur etwa vier Monate, und
+ging, da er das kalte Fieber nicht wieder loswerden
+konnte, mit seinem indessen verdienten Gelde nach
+Tenessee zur&uuml;ck. Als ich darauf in Jahresfrist jene
+Gegend zum zweitenmal durchzog, und bei einem
+Farmer &uuml;bernachtete, dessen erwachsene Kinder ebenfalls
+an dem Unterricht Theil genommen hatten,
+und diese bat, mir auf ihrer Schiefertafel, auf der
+sie mit einander Wolf und Schafe, oder wie sie's
+dort nennen &raquo;Fuchs und G&auml;nse&laquo; spielten, etwas
+vorzuschreiben, so waren sie auch gern dazu bereit,
+aber welcher Sprache diese fremdartigen Zeichen und
+Hieroglyphen angeh&ouml;rten, sah ich mich nicht im
+Stande zu bestimmen, den Begriff der Buchstaben
+und Worte hatten sie nie gelernt und die Form und
+Gestalt derselben bald wieder vergessen.</p>
+
+<p>Rechnen geh&ouml;rt auch schon eigentlich zu den h&ouml;heren
+Wissenschaften, doch wird das immer noch
+eher betrieben, weil es mehr in's Leben eingreift;
+mit der Geographie m&uuml;ssen sich die Lehrer dagegen
+sehr vorsehen, denn ich wei&szlig; selbst ein Beispiel, wo
+sich ein alter Backwoodsman einst die Karten von
+Arkansas und Missouri, nach welchen der Lehrer
+unterrichtete, zeigen und erkl&auml;ren lie&szlig;, und nach
+einer Weile entr&uuml;stet aufsprang und seinem Sohn
+befahl, sein Buch zu nehmen und mitzukommen: &raquo;wo
+solche L&uuml;gen gelehrt w&uuml;rden, wollte er sein Kind
+nicht hinschicken,&laquo; meinte er und zeigte dann, als
+der Lehrer ganz verwundert und erstarrt dastand,
+zornigen Blickes das Messer aus der Scheide rei&szlig;end,
+mit dessen Spitze auf die vor ihm ausgebreitete
+Karte.</p>
+
+<p>&raquo;Also hier kommt White River heraus, oh? und
+da entspringt er&nbsp;&mdash;&nbsp;und die kleinern Striche hier,
+und die Grasb&uuml;schel, das ist Sumpf&nbsp;&mdash;&nbsp;oh?&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ja&nbsp;&mdash;&nbsp;so steht's auf der Karte, und ist so nach
+den neuesten Vermessungen angegeben.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;So? also das soll ich glauben, und dann ist
+auch da an der Buffalofork kein Berg, nicht wahr?
+und Mulberry m&uuml;ndet &uuml;ber Ozark in den Arkansas?
+und wo ist denn der Richland und der Wareagle,
+und wo ist der Spiritcreek und Frog-Bayou?
+Also jetzt soll mein Junge die L&uuml;gen lernen, und
+wenn er nachher hinein in den Wald kommt, dann
+steht er da, wird irre und verl&auml;uft sich&nbsp;&mdash;&nbsp;nein so
+was kann ich ihn selber lehren, da brauch' ich die
+Papierverderber nicht dazu.&laquo;</p>
+
+<p>Der alte J&auml;ger nahm seinen Sohn wirklich mit
+zu Hause, und es bedurfte der ganzen Überredung
+seiner Frau und Schw&auml;gerin, da&szlig; er ihm endlich
+wieder erlaubte hinzugehen; er legte es dem Jungen
+aber dringend an's Herz, &raquo;kein Wort von dem zu
+glauben, was ihm der Yankee vorschwatzen w&uuml;rde.&laquo;</p>
+
+<p>Der Sonnabend ist in den Vereinigten Staaten,
+in den westlichen wenigstens, durchaus schulfrei.
+F&uuml;nf Tage wird nur gelehrt, und der Freitag
+Abend gew&ouml;hnlich zu Red- und Denk&uuml;bungen benutzt,
+an denen dann nicht nur Kinder, sondern
+auch die Erwachsenen, ja alte Personen aus der
+Umgegend Theil nehmen. Es ist die&szlig; aber in der
+That eine sehr gute und zweckm&auml;&szlig;ige Einrichtung,
+und gew&ouml;hnt nicht allein die jungen Leute daran,
+&uuml;ber ihnen vorgelegte schwierige oder verwickelte
+Fragen scharf nachzudenken, sondern macht sie auch
+zu fr&uuml;hen Rednern und lehrt sie die Scheu, &ouml;ffentlich
+zu sprechen, abzulegen.</p>
+
+<p>Diese Versammlungen hei&szlig;en kurzweg &raquo;Debatten,&laquo;
+und jeder hat dazu freien Zutritt. Ich habe
+&uuml;brigens einen solchen Abend in meinen &raquo;<span class="wide">Streif-
+und Jagdz&uuml;gen</span>&laquo; ziemlich ausf&uuml;hrlich beschrieben,
+und will nur hier noch die ungef&auml;hren Gesetze und
+Verh&auml;ltnisse derselben kurz angeben.</p>
+
+<p>Zuerst werden zwei Richter gew&auml;hlt, die sich
+gew&ouml;hnlich etwas vom Feuer zur&uuml;ck gerade gegen
+das Kamin zu setzen; dann folgt die Wahl zweier
+Capit&auml;ne, um die Verhandlungen zu leiten, und
+diese suchen sich nun unter den Anwesenden solche
+aus, von denen sie sich die besten Argumente versprechen;
+erst dieser Capit&auml;n einen, und dann der
+andere, bis s&auml;mmtliche Mitglieder verbraucht sind.
+Die zwei feindlichen Parteien nehmen jetzt die beiden
+Seiten des Kamins ein, und nun wird von
+den Richtern ein Thema oder vielmehr eine Disputation
+aufgegeben, &uuml;ber welche debattirt werden
+soll; verst&auml;ndigen sich die Capit&auml;ne, welchen Theil
+sie vertheidigen wollen, gut, so bedarf es weiter
+keiner Anordnungen; ist das aber nicht der Fall,
+so entscheiden die Richter diesen Punkt. Gew&ouml;hnlich
+wird ein Geldst&uuml;ck in die H&ouml;he geworfen, um die
+beginnende Partei zu bestimmen, wo es denn vorher
+ausgemacht wird, ob Kopf oder Schrift den
+Ausschlag giebt.</p>
+
+<p>Das Thema oder die Debatte wird sehr verschieden,
+manchmal ernst, am meisten aber komisch
+gew&auml;hlt, und es kommen oft, besonders unter den
+Schulkindern, gar sonderbare Argumente dabei zum
+Vorschein. Beispielshalber will ich hier die folgenden
+auff&uuml;hren:</p>
+
+<p>&raquo;Ob Neger oder Indianer das meiste Unrecht
+von den Wei&szlig;en erlitten haben&laquo; (ein wunderbares
+Capitel f&uuml;r einen amerikanischen Sklavenstaat, und
+doch kam es in Arkansas vor); &raquo;ob die katholische
+oder j&uuml;dische Religion die bessere sei.&laquo; (Die Richter,
+ein paar strenge Methodisten, wollten sich weder
+zu Gunsten der einen noch der andern entscheiden
+und erkl&auml;rten einstimmig, da&szlig; alle beide nichts
+taugten).</p>
+
+<p>&raquo;Ob die Erfindung des Pulvers oder des Papiers
+Amerika den meisten Nutzen gebracht haben,&laquo;
+(die Entscheidung fiel f&uuml;r das Pulver g&uuml;nstig aus).</p>
+
+<p>&raquo;Ob ein K&uuml;chelchen, von einer Ente aus einem
+H&uuml;hnerei gebr&uuml;tet, diese oder das alte Huhn als
+seine Mutter zu erkennen habe.&laquo;</p>
+
+<p>&raquo;Ob eine b&ouml;se Frau oder ein rauchendes Kamin
+schlimmer sei etc.&laquo;</p>
+
+<p>Was mir besonders lobenswerth bei allen diesen
+Verhandlungen erschien, war der Ernst, mit dem
+s&auml;mmtliche Anwesende oft dem baarsten Unsinn
+lauschten, besonders wenn ein J&uuml;ngerer sprach; er
+mochte schwatzen was er wollte, so lachten sie nie,
+ausgenommen die Sache geh&ouml;rte an und f&uuml;r sich
+zu den komischen. Sie gehen dabei von dem ganz
+richtigen Grundsatz aus, man m&uuml;sse die jungen
+Leute nicht abschrecken und sie den Muth verlieren
+machen.</p>
+
+<p>Der Nutzen, den diese Freundlichkeit und Nachsicht
+gew&auml;hrt, ist augenscheinlich, besonders in den
+westlichen Staaten, wo ich junge Leute, die sonst
+sch&uuml;chtern und &auml;ngstlich schienen, bei politischen
+Versammlungen habe auf irgend einen abgehauenen
+Baumstumpf treten, und lange, wenn auch nicht
+tief durchdachte aber doch durch kein Stocken unterbrochene
+Reden halten sehen; schon die Schulkinder
+&uuml;ben sich auf diese Art unter einander.</p>
+
+<p>Das Verh&auml;ltni&szlig; zwischen Lehrer und Sch&uuml;ler ist
+ebenfalls in Amerika ein ganz anderes, als in den
+europ&auml;ischen L&auml;ndern. Jene Freiheit und Gleichheit,
+die alle St&auml;nde mit einander verbindet, dehnt
+sich auch auf diesen aus, und so ernst und streng
+der Lehrer in der Schule sein mag, so ungezwungen
+betr&auml;gt er sich au&szlig;erhalb derselben oder in den
+Zwischen- und Erholungsstunden gegen seine Sch&uuml;ler.
+Selten spielen diese ein Spiel oder halten einen
+Wettlauf, an dem er nicht Theil nimmt, und oft
+ist er der ausgelassenste des ganzen Haufens, nie
+aber auch wei&szlig; ich, da&szlig; Knabe oder M&auml;dchen, in
+den Backwoods n&auml;mlich, einen Schlag von dem
+Lehrer erhalten habe; durch Ehrgeiz treiben sie schon
+einander selbst zum Lernen an, und dieses w&ouml;chentliche
+Zusammenkommen zum Debattiren und Buchstabiren
+ist gewisserma&szlig;en ein eben so oft wiederholtes
+Examen, bei dem Eltern und Freunde gegenw&auml;rtig
+sind, und der junge Amerikaner m&ouml;chte
+um die Welt nicht am schlechtesten bestehen, denn
+er w&uuml;rde ja zu Hause damit geneckt werden und
+in der Classe nicht unter den ersten sein, auch w&uuml;rden
+ihn die M&auml;dchen auslachen (Knaben und M&auml;dchen
+theilen stets dieselben Stunden), und das w&auml;re
+doch zu entsetzlich. Mit regem Eifer dr&auml;ngt ihn also
+schon sein innerer Trieb zum Lernen, und von dem
+Augenblick an, wo er die Schule betritt, denkt er
+fast nicht mehr an Spielen und Umherrennen, sondern
+sitzt ehrbar und and&auml;chtig mit seiner Schiefertafel
+in der Ecke und malt seine Buchstaben und
+Zahlen.</p>
+
+<p>Das kindliche Leben aber, die fr&ouml;hlichen Spiele
+der Jugendzeit, das Alles kennt der Amerikaner
+auch nur dem Namen nach; von dem Augenblick
+an, wo er allein gehen und sich ankleiden kann,
+geh&ouml;rt er nicht mehr sich selbst, sondern seinen
+Eltern und beginnt mit Hand anzulegen an der
+gro&szlig;en Aufgabe des Lebens. Ist es ein Knabe,
+so mu&szlig; er mit in's Feld und kleine <ins title="original has B&uuml;chse">B&uuml;sche</ins> zusammentragen,
+auf einen Haufen werfen und sp&auml;ter
+anz&uuml;nden und verbrennen, Sp&auml;ne und trockene
+Rinde f&uuml;r Mutter oder Schwester zum Kochen herbeischleppen
+und tausend andere kleine Handreichungen
+thun; wird er etwas st&auml;rker, so holt er den
+Mais aus dem &raquo;Corncrib&laquo; und f&uuml;ttert Pferde und
+Schweine, haut Brennholz und hilft mit im Kornfeld
+die Maish&uuml;gel anhacken. Ist es ein M&auml;dchen,
+so lernt es schon, wenn es kaum auf den Tisch
+sehen kann, das Geschirr auswaschen und Brodteig
+anr&uuml;hren, und wird es nur ein klein wenig &auml;lter,
+spinnen und weben. Puppen kennt es kaum dem
+Namen nach, mit andern Kindern kommt es auch,
+der weiten Entfernung der auseinanderliegenden
+Farmen wegen, selten oder nie in Ber&uuml;hrung und
+wird schon mit dem achten oder neunten Jahre
+&raquo;<i>an old woman</i>&laquo; (eine alte Frau), wie es sich
+gern nennen l&auml;&szlig;t.</p>
+
+<p>Oft zwingt freilich auch die Nothwendigkeit die
+armen Kinder zu einer Th&auml;tigkeit, welche ihren
+Jahren keineswegs angemessen ist. So starb am
+Richland, in den Ozarkgebirgen, die Frau eines
+Farmers am Nervenfieber (der arme Mann hatte
+keinen Arzt und keine Medicin bekommen k&ouml;nnen,
+und der Leidenden nur immer Calomel gegeben, bis
+sie todt war); sie hinterlie&szlig; sechs Kinder, von denen
+das &auml;lteste ein M&auml;dchen etwa neun Jahre alt,
+das j&uuml;ngste noch ein S&auml;ugling war, und der Vater
+konnte sich, da er seinen Mais pflanzen mu&szlig;te, wenn
+er das kommende Jahr etwas f&uuml;r sich und seine Familie
+zum Leben haben wollte, gerade in dieser Zeit
+gar nicht um die Wirthschaft zu Hause bek&uuml;mmern.
+Da fiel dann die ganze Arbeit, die ganze
+Sorge, nicht allein f&uuml;r s&auml;mmtliche Kinder, sondern
+auch f&uuml;r die Wirthschaft, auf das arme M&auml;dchen,
+selbst noch ein Kind, das vorher schon Monate lang
+die kranke Mutter hatte pflegen m&uuml;ssen, und alle
+lebten in einem kaum eine H&uuml;tte zu nennenden Blockhaus,
+mit nicht ausgef&uuml;llten Spalten zwischen den
+St&auml;mmen, ohne Diele und fast ohne Bett; der Vater
+mu&szlig;te sich wenigstens Nachts mit seinen drei
+Knaben Rinde auf die Erde vor das Kamin breiten
+und auf dar&uuml;ber gelegten Hirschfellen und mit wollener
+Decke gegen den Wind gesch&uuml;tzt, der &uuml;berall
+das Geb&auml;ude durchzog, vor dem wohlunterhaltenen
+Kaminfeuer f&ouml;rmlich lagern, w&auml;hrend die &uuml;brigen
+vier Kinder sich auf zwei Betten zusammenkauerten,
+wenn man n&auml;mlich d&uuml;nne, mit ungereinigten Truthahnfedern
+gestopfte Matratzen und eine leichte
+Steppdecke wirklich ein Bett nennen kann. Und
+doch waren die Kinder zufrieden, sie wu&szlig;ten es
+nicht anders, und ich erinnere mich, da&szlig; sie uns
+mit Jubel empfingen, als wir, mein alter Jagdgef&auml;hrte
+und ich, dort eines Abends Schutz gegen
+ein heraufsteigendes Unwetter suchten und einen gewaltigen
+wilden Truthahn mitbrachten, den ich geschossen.</p>
+
+<p>In den &ouml;stlichen Staaten und St&auml;dten verbessert
+sich freilich das Schulwesen mit jedem Tage; die
+Ansiedlungen liegen dort dichter; breite, gute Stra&szlig;en
+setzen die verschiedenen Wohnungen miteinander
+in Verbindung, und nicht jeder herumstreifende Kr&auml;mer
+oder Yankee wird angenommen, sobald er den
+Wunsch zu erkennen giebt, der Lehrer ihrer Kinder
+zu sein. In Cincinnati besonders entstanden schon
+1841 drei Freischulen, in denen nicht allein Rechnen,
+Lesen und Schreiben, sondern auch Englisch und
+Deutsch, wie Geographie und Geschichte gelehrt wurde,
+und auch in St. Louis, wie &uuml;berhaupt im Norden
+der Vereinigten Staaten, hat das Erziehungswesen
+bedeutende Fortschritte gemacht. Besonders
+sind in Louisville ausgezeichnete Schulen, und hierher
+werden vorz&uuml;glich die jungen Indianer aus dem
+Westen von Arkansas gebracht, um in den K&uuml;nsten
+und Wissenschaften der Wei&szlig;en unterrichtet zu
+werden.</p>
+
+<p>Was das Schulwesen unter den Indianern anbetrifft,
+so versehen die&szlig; bis jetzt noch einzig und
+allein die Mission&auml;re; die civilisirten St&auml;mme nat&uuml;rlich,
+als Chacktaws, Cherokesen, Shawnees und
+einige andere, dicht an den Grenzen der Wei&szlig;en
+lebende Nationen ausgenommen, die, wenigstens
+f&uuml;r die Anfangsgr&uuml;nde, ihre eigenen Lehrer haben.
+Den amerikanischen Mission&auml;ren liegt aber keineswegs
+das Seelenheil ihrer Beichtkinder allein am
+Herzen, die Amerikaner sind ein zu sehr speculirendes
+Volk, um der Religion jedes andere Interesse
+nachzusetzen. So kommt es denn, da&szlig;, wie die&szlig;
+besonders im Oregongebiet deutlich wird, einzelne
+fromme M&auml;nner sehr ehrbar und eifrig mit der Religion
+anfingen, bald aber, nachdem sie die rothen
+S&ouml;hne der Wildni&szlig; bekehrt und ihren Willen gebeugt
+hatten, den Yankee hervorsteckten und unter
+dem Vorwande, sie mit dem Segen des Ackerbaues
+bekannt zu machen, f&uuml;r sich selbst gro&szlig;e Farmen anlegten
+und dann, wenn sie erst einmal eine eigene
+Heimath gegr&uuml;ndet, damit zufrieden waren, <span class="wide">die</span>
+Wilden zu belehren und zu bessern, welche sich
+gerade in ihrer Nachbarschaft befanden, oder mit denen
+sie zuf&auml;llig in Ber&uuml;hrung kamen. Aus den
+Mission&auml;ren wurden so nach und nach Farmer, und
+das religi&ouml;s zugeschnittene Kleid wich dem bequemern
+Jagdhemd.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h2><a name="ch5" id="ch5"></a>Die Alligator-Jagd.</h2>
+
+<p>In den ungeheueren S&uuml;mpfen Louisiana's und
+&uuml;berhaupt in dem ganzen s&uuml;dlichen Theil der vereinigten
+Staaten lebt in den warmen Wassern der
+Lagunen und Fl&uuml;sse der Alligator (<i>crocodilus lucius.
+Cuv.</i>) in ungeheuerer Anzahl.</p>
+
+<p>Er geh&ouml;rt zu dem Geschlecht der Eidechsen und
+hat ganz die Gestalt und Beschaffenheit dieser Thiere,
+erreicht aber, besonders in den s&uuml;dlichsten Theilen
+von Louisiana und Florida, oft eine L&auml;nge von zw&ouml;lf
+bis sechszehn Fu&szlig;. Der ungeheuere Kopf, der fast
+den vierten Theil des ganzen Thieres ausmacht, &ouml;ffnet,
+wie der Haifisch, den Oberkiefer, statt des Unterkiefers,
+und zeigt dann ein &auml;u&szlig;erst anst&auml;ndiges
+Gef&auml;nge, das den gewaltigen, rosenrothen Schlund
+einfa&szlig;t. Den K&ouml;rper selbst umgiebt eine harte,
+panzerartige, aus lauter kleinen eckigen St&uuml;cken bestehende
+Haut, die unter dem Bauche in wei&szlig;en,
+harten Schuppen ausl&auml;uft. Die Nasenl&ouml;cher ragen,
+am Ende des Rachens, &uuml;ber diesem empor und liegen
+dicht zusammen, und wenn der Alligator an
+einem stillen, sonnigen Tag auf dem Wasser gewisserma&szlig;en
+ruht, so schauen nur die Lichter, mit
+einem kleinen Theil des Kopfes und Nackens, und
+dann weiter vorn, oft sechszehn bis zwei und zwanzig
+Zoll von ihnen entfernt, die Nasenl&ouml;cher &uuml;ber
+dem Wasserspiegel hervor. Die Lichter selbst sind
+sehr klein und sehen t&uuml;ckisch und katzenartig aus,
+die L&auml;ufe dabei kurz und zum Gehen ungeschickt,
+desto besser schwimmt aber daf&uuml;r der Alligator.
+Eine seiner Lieblingsbesch&auml;ftigungen ist es, im hei&szlig;en
+Sonnenschein auf den sandigen Uferb&auml;nken der
+Seen oder Fl&uuml;sse zu liegen und mit aufgesperrtem
+Rachen das Herbeifliegen von Insekten abzuwarten,
+die durch den bisamartigen Geruch, welchen einige
+Dr&uuml;sen, die er unter dem Halse tr&auml;gt, verbreiten,
+angelockt werden, sich auf seine breite Zunge setzen
+und von ihm, wenn er genug zu haben glaubt
+und zuschnappt, mit gr&ouml;&szlig;tem Wohlbehagen verspeist
+werden.</p>
+
+<p>Die Brutzeit ist im April und Mai; das Weibchen
+legt seine Eier in ein gew&ouml;hnlich aus Schlamm
+und Schilf zusammengebautes Nest und zwar von
+achtzig bis hundert und zwanzig, ja drei&szlig;ig St&uuml;ck
+welche es von der Sonne ausbr&uuml;ten l&auml;&szlig;t. Die
+jungen auskriechenden Alligatoren haben jedoch sehr
+viele Feinde; Aasgeier oder Bussards, Schlangen, ja
+das M&auml;nnchen selbst, das oft fast die ganze Brut
+verschlingen soll, stellen ihnen nach; es bleiben aber
+doch noch genug &uuml;brig, die zahlreichen Seen und
+Lagunen der s&uuml;dlichen L&auml;nder im Überflu&szlig; mit ihnen
+zu bev&ouml;lkern.</p>
+
+<p>In der Paarzeit k&auml;mpfen die alten Alligatoren
+manchmal mit Rachen und Schw&auml;nzen blutige
+Schlachten. Der lange, panzerharte Schwanz ist
+&uuml;berhaupt seine gef&auml;hrlichste Waffe, doch gebraucht
+er ihn weniger zur Erlegung als zur Erreichung
+seiner Beute, denn er fa&szlig;t damit das ausersehene
+Opfer und wirft es nach vorn, gegen seinen Rachen
+zu, der es dann mit freundlichem Zuschnappen
+empf&auml;ngt.</p>
+
+<p>Dem Alligator geht es nun wohl in einer Hinsicht
+wie Maria Stuart&nbsp;&mdash;&nbsp;, er ist besser als sein
+Ruf&nbsp;&mdash;&nbsp;denn die schrecklichen Geschichten, die man
+sich von seiner Mordgier und seinem unverw&uuml;stlichen
+Ha&szlig; gegen das menschliche Geschlecht erz&auml;hlt, sind
+doch meistens &uuml;bertrieben.&nbsp;&mdash;&nbsp;Ein Wei&szlig;er hat,
+wenn er ihn nicht selber angreift und verwundet,
+(und auch dann nur selten) sehr wenig von ihm zu
+f&uuml;rchten, den Negern freilich stellen sie nach; der
+pikante, dieser Race eigene Geruch, der, aufrichtig
+gesagt, besonders an hei&szlig;en Sommertagen gerade
+nicht zu den angenehmsten geh&ouml;rt&nbsp;&mdash;&nbsp;lockt sie
+an&nbsp;&mdash;&nbsp;sie lieben diesen Geruch einmal, und wer
+kann sie deshalb tadeln,&nbsp;&mdash;&nbsp;kauen doch manche Menschen
+<i>asa foetida</i>, um ihren Athem zu reinigen,
+also sie lieben die Neger&nbsp;&mdash;&nbsp;wenigstens dann und
+wann einen Arm oder ein Bein von ihnen, und die
+schwarzen S&ouml;hne Äthiopiens h&uuml;ten sich wohl, tief
+in eine dieser Sumpflagunen hinein zu waten. Dabei
+hegen sie auch noch eine z&auml;rtliche Leidenschaft f&uuml;r
+Ferkel und Hunde, welche erstere sie gew&ouml;hnlich ganz,
+letztere nur theilweise verzehren, da der Hund, von
+dem Alligator erfa&szlig;t, kaum einen Schmerzschrei ausst&ouml;&szlig;t,
+als auch schon die anderen dadurch angelockt
+von allen Seiten herbeistr&ouml;men und die Beute theilen;
+den wei&szlig;en Mann aber scheuen sie, verlassen bei seiner
+Ankunft das Ufer, an dem sie sich gesonnt, und
+tauchen unter.</p>
+
+<p>Schaden thun sie also nur insofern, da&szlig; sie
+die hie und da sich ihnen n&auml;hernden Ferkel abfangen,
+seltner einmal einen jungen Neger unter Wasser
+ziehen, oder eine Negerin, die am Ufer zu waschen
+gedenkt, bei einem Beine erwischen; da aber
+auch der Nutzen, den sie der menschlichen Gesellschaft
+bringen, sehr gering ist, und sie &uuml;berdies noch ein
+h&auml;&szlig;liches, boshaftes, gef&auml;hrliches Aussehen, was aber
+noch das Allerschlimmste ist, einen schlechten Ruf
+haben (denn es ist ein altenglisches Sprichwort:
+&raquo;H&auml;ngt einen Hund lieber, ehe ihr ihm einen schlechten
+Namen macht&laquo;), so wird ihnen, wo man ihrer
+habhaft werden kann, mit Kugel und Harpune, oft
+auch gar mit gro&szlig;en Angelhaken nachgestellt.</p>
+
+<p>Ganz unnutzbar sind sie &uuml;brigens doch nicht, denn
+die gro&szlig;en, feisten Burschen werden in Kessel gethan
+und das Fett heraus geschmolzen, das besonders gut
+zu den verschiedenen Maschinerien, die das Reinigen
+der Baumwolle erfordert, gebraucht werden kann.
+Die Schw&auml;nze der kleineren&nbsp;&mdash;&nbsp;(bis h&ouml;chstens f&uuml;nf
+oder sechs Fu&szlig; lang) schmecken dabei delikat, nur
+mu&szlig; das Fleisch bald von der R&uuml;ckengr&auml;te abgel&ouml;st
+werden, da es sonst den, diesen Thieren eigenen,
+bisamartigen Geschmack annimmt.</p>
+
+<p>Ein unfern von uns wohnender Pflanzer in
+Pointe Coupée hatte mich lange schon geplagt, eine
+ordentliche Alligator-Jagd vorzunehmen, da er gar
+so gern einige Gallonen von dem Fett dieser lieben
+Bestien zu haben w&uuml;nschte und ich die einzige gute
+Harpune dort in der Gegend besa&szlig;; als er daher
+eines Morgens mit seinem Sohne und zwei pechschwarzen
+Negersklaven zu mir kam und erz&auml;hlte,
+da&szlig; er schon am vorigen Abend zwei leichte K&auml;hne
+in den hinter seinem Hause liegenden See, der durch
+schmale Lagunen mit f&uuml;nf oder sechs anderen in Verbindung
+stand, geschafft h&auml;tte und nun eine ordentliche
+Jagd beabsichtige, so schulterte ich meine Harpune,
+steckte mein kleines Scalpirmesser in den G&uuml;rtel,
+und dem jungen Harbour die B&uuml;chse &uuml;berlassend,
+mit der er ziemlich gut umzugehen wu&szlig;te, schlenderten
+wir langsam dem etwa anderthalb englische
+Meilen entfernten See zu.</p>
+
+<p>&raquo;Was tr&auml;gst Du denn da, Ben?&laquo; fragte ich den
+einen der Neger, der etwas in grobes Baumwollenzeug
+einschlagen, das mir Leben zu haben schien,
+unter dem Arme hielt.</p>
+
+<p>&raquo;Kann selber reden&nbsp;&mdash;&nbsp;Massa!&laquo; sagte der Schwarze
+grinsend, indem er den f&uuml;rchterlichen Mund von einem
+Ohr bis zum andern aufri&szlig; und zwei Reihen blendend
+wei&szlig;er Z&auml;hne zeigte&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;kann selber reden,&laquo;
+und dabei pre&szlig;te er mit dem linken Ellbogen das
+seiner Sorgfallt Empfohlene.</p>
+
+<p>&raquo;Quitsch!&laquo; sagte ein kleines Ferkelchen, das jetzt
+mit allen vier L&auml;ufen anfing zu strampeln.</p>
+
+<p>&raquo;Stille halten, Kleines.&laquo; beruhigte es der Neger
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&raquo;gutes Thierchen&nbsp;&mdash;&nbsp;so recht!&laquo;</p>
+
+<p>Er trug es mit sich, um durch das Schreien
+desselben die Alligatoren herbeizulocken und dann
+leichter zu schie&szlig;en. Endlich erreichten wir einen
+schmalen Damm, der den gr&ouml;&szlig;ten See in zwei
+H&auml;lften theilte und an dessen Einlauf die K&auml;hne befestigt
+lagen; obgleich wir aber schon Ende Juni
+hatten, war das Wasser doch noch sehr hoch, denn
+der Mississippi, durch den Schnee der Felsengebirge
+angeschwellt, hielt die tiefer als seine Ufer liegende
+Niederung gef&uuml;llt, da&szlig; all das innere Land &uuml;berschwemmt
+und einem ungeheueren See gleich da lag,
+den nur hier und da schmale Streifen Landes oder
+D&auml;mme durchzogen. Auch dieser Damm, an welchem
+unsere K&auml;hne befestigt waren, ragte kaum zwei
+Zoll, na&szlig; und schwammig, &uuml;ber die Wasserfl&auml;che
+empor.</p>
+
+<p>Zwei Drucker, welche die &raquo;Pointe Coupée Chronicle&laquo;
+redigirten, setzten und druckten, hatten sich
+unserer Jagd noch angeschlossen, und wir machten
+jetzt also im Ganzen, mit dem Ferkel, acht Personen,
+die sich nun der alte Harbour anschickte gleichm&auml;&szlig;ig
+zu vertheilen. Zuerst kam in jedes Boot ein Neger
+&raquo;zum Rudern,&laquo; dann ein Buchdrucker &raquo;zum Zusehen,&laquo;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;denn viel mehr Nutzen erwarteten wir nicht von
+ihnen&nbsp;&mdash;&nbsp;dann der junge Harbour mit der B&uuml;chse
+in ein Boot und ich mit der Harpune in das andere
+&raquo;zum Jagen&laquo;, und ich bekam das Ferkel, w&auml;hrend
+der alte Harbour zu seinem Sohn in den
+Kahn trat, der jetzt ganz kaltbl&uuml;tig bemerkte: &raquo;das
+Ferkelchen und er&nbsp;&mdash;&nbsp;(der Vater) w&auml;ren zum
+Quitschen.&laquo;</p>
+
+<p>Die Sonne brannte grimmig hei&szlig; und kein
+Schatten bot sich auf der ganzen weiten Wasserfl&auml;che,
+als der, den manchmal einzeln stehende Cypressen,
+mit dem langen, grauen Moose bewachsen,
+warfen; nicht ein L&uuml;ftchen regte sich, kein Vogel
+zirpte&nbsp;&mdash;&nbsp;kein Frosch quakte, Alles lag in tr&auml;ger&nbsp;&mdash;&nbsp;
+schlaffer Ruhe, und selbst die einzelnen Alligatoren,
+die mit ihren schwarzen K&ouml;pfen, wie St&uuml;cke halbverbrannten
+Holzes, auf der spiegelglatten Wasserfl&auml;che
+trieben, sahen aus, als ob sie schliefen, h&auml;tte
+nicht manchmal einer der gro&szlig;en Burschen den rosenrothen
+Rachen aufgerissen, dessen Oberkiefer dann
+einen Augenblick emporstand und mit schwerem
+Schlage wieder zuklappte.</p>
+
+<p>&raquo;Selbst die Alligatoren langweilen sich hier,&laquo;&nbsp;&mdash;&nbsp;
+sagte Kelly&nbsp;&mdash;&nbsp;der eine Drucker, der bei mir im
+Boote war.</p>
+
+<p>&raquo;Wird schon lebhaft werden, Massa,&laquo; lachte der
+Neger, &raquo;wenn das Kleine hier spricht!&laquo;</p>
+
+<p>Das Ferkel seufzte wehm&uuml;thig im Sack.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Wir stie&szlig;en jetzt vom Lande ab, hielten uns im
+Anfang dicht zusammen, und versuchten leise an die
+Alligatoren hinanzugleiten, sie waren aber zu scheu,
+und immer, wenn wir fast in Schu&szlig;n&auml;he zu sein
+glaubten, sanken sie unter.&nbsp;&mdash;&nbsp;Ich hatte mich
+auf das Vordertheil des Kahnes gestellt und erwartete
+ruhig das Erscheinen eines der Burschen
+auf zw&ouml;lf bis funfzehn Schritt Entfernung, doch
+der alte Harbour wurde ungeduldig und rief zu
+uns herum:</p>
+
+<p>&raquo;Dr&uuml;ckt doch das Ferkel einmal ins Teufels
+Namen!&laquo;</p>
+
+<p>Der Buchdrucker aber, der sich aufrecht hingestellt
+hatte, um die Wasserfl&auml;che um so besser &uuml;bersehen
+zu k&ouml;nnen, und dem es wahrscheinlich zu viel
+M&uuml;he schien, sich zu b&uuml;cken, trat, ohne eine Miene
+zu verziehen, dem armen kleinen Ding auf den
+Bauch.</p>
+
+<p>&raquo;Quiiiiiitsch!&laquo; schrie dieses in Todesangst.</p>
+
+<p>&raquo;Massa&nbsp;&mdash;&nbsp;um Gottes willen,&laquo; rief aber auch
+erschrocken der Neger und h&ouml;rte mit Rudern auf&nbsp;&mdash;&nbsp;
+&raquo;das mein Schwein&nbsp;&mdash;&nbsp;Ihr tretet's todt!&laquo;</p>
+
+<p>Das Experiment hatte jedoch den gew&uuml;nschten
+Erfolg gehabt; mehre der langen Gesellen, die vorher
+von uns weggeschwommen waren, drehten sich
+jetzt und kamen langsam auf uns zu&nbsp;&mdash;&nbsp;der Neger
+mu&szlig;te mit Rudern aufh&ouml;ren und sich ganz ruhig verhalten,
+und nahe heran, auf etwa drei&szlig;ig Schritt,
+strich ein gewaltiger alter Bursche von zw&ouml;lf Fu&szlig;
+L&auml;nge.&nbsp;&mdash;&nbsp;Einen Augenblick hielt er und traute den
+<ins title="original has Boten">Booten</ins> doch nicht so recht; der Neger aber, der zu
+seinem Schweinchen niedergekniet war, lie&szlig; dieses
+einen ganz kleinen winzigen Schrei thun und dadurch
+angelockt, schwamm er herbei.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&raquo;Feuer!&laquo; rief jetzt der alte Harbour, die B&uuml;chse
+krachte und in demselben Augenblick auch fast drehte
+sich das t&ouml;dtlich verwundete Ungeheuer herum und
+zeigte den wei&szlig;en, schuppigen Bauch; im Vorschie&szlig;en
+und Umsichschlagen war es aber gl&uuml;cklicher Weise
+meinem Kahne nahe genug zum Wurf gekommen und
+im <span class="wide">Nu</span> sa&szlig; ihm auch die scharfe dreizackige Harpune
+in den Weichen.</p>
+
+<p>Der Schu&szlig; aber, der ihm das Hirn zerschmettert
+hatte, erlaubte ihm nicht mehr viel zu rei&szlig;en und zu
+zerren, und leicht zogen wir ihn dicht an den Kahn
+heran; das gewaltige Thier aber in das kleine
+Fahrzeug zu nehmen, w&auml;re auf keinen Fall angegangen,
+und wir ruderten deshalb schnell ans Ufer
+zur&uuml;ck und schleppten es dort, wobei es jedoch
+noch t&uuml;chtig mit dem Schwanze umher hieb, unter
+einen Baum.</p>
+
+<p>Der Versuch mit dem Ferkel wurde jetzt mehrere
+Male wiederholt und der junge Harbour scho&szlig; nach
+vier Alligatoren, von denen wir jedoch nur zwei bekamen,
+da ich nicht schnell genug mit der Harpune
+hin konnte, und ich harpunirte drei, die sich zu nahe
+an mich herangewagt und die Gefahr zu sp&auml;t eingesehen
+hatten. Zwei von den letzteren waren jung
+und saftig, und ich schnitt ihnen augenblicklich f&uuml;r
+meinen eigenen Tischgebrauch die Schw&auml;nze ab.</p>
+
+<p>Nach und nach mochten sie es aber doch wohl
+wegbekommen haben, da&szlig; es mit dem Schweine
+nichts war, denn in immer weiteren Kreisen umzogen
+sie unsere K&auml;hne, und wir konnten keinen
+mehr auf Schu&szlig;weite anlocken. Das wurde also
+aufgegeben, der Neger aber, der in meinem Kahne
+ruderte, machte seine Sache so ungeschickt und vollf&uuml;hrte
+einen solch gr&auml;ulichen Spectakel, da&szlig; an Anschleichen
+mit dem Burschen gar nicht zu denken
+war; ich lie&szlig; ihn daher von der Ruderbank aufstehen,
+die ich jetzt einnahm, und &uuml;bergab die Harpune an
+Kelly, der mich inst&auml;ndig bat, auch einmal einen
+harpuniren zu d&uuml;rfen, wobei er betheuerte, zu Hause
+in Kentucky manchen gro&szlig;en Catfisch auf diese Art
+gefangen zu haben; unsere beiden K&auml;hne blieben aber
+jetzt nicht mehr bei einander und ich legte ein Ruder
+nieder, w&auml;hrend ich das andere aus dem Ruderloche
+nahm und in der Hand f&uuml;hrte, da ich auf diese Art
+am ger&auml;uschlosesten fortgleiten konnte.</p>
+
+<p>Lange schon hatte ich versucht, an einen ziemlich
+gro&szlig;en Alligator hinanzukommen, immer aber
+noch war er mir entgangen, obgleich ich mir genau
+gemerkt hatte, wo er untertauchte und in welcher
+Entfernung er dann immer wieder an die Oberfl&auml;che
+kam. Jetzt sank er auch eben wieder, und mit
+aller Kraft das Ruder f&uuml;hrend, das der Kahn mit
+Blitzesschnelle &uuml;ber die Wasserfl&auml;che dahin scho&szlig;,
+versuchte ich ihn beim Emporkommen zu &uuml;berraschen
+und rief Kelly zu, aufzupassen. Ich hatte das Wort
+kaum gesagt, als der schwarze Kopf der Bestie sichtbar
+wurde; eben so schnell wollte er nun zwar wieder
+niederfahren, doch war er zu nahe, kaum sechs
+Schritt, als da&szlig; ihn Kelly h&auml;tte fehlen k&ouml;nnen;
+das Eisen sa&szlig; und mit gewaltigem Ruck scho&szlig; er
+vorw&auml;rts.</p>
+
+<p>Nun ist eine solche Harpune auf folgende Art
+eingerichtet; das dreizackige, mit Widerhaken versehene
+Eisen ist etwa achtzehn Zoll lang und circa
+drei bis vier Pfund schwer; in diesem sitzt eine
+leichte, zehn Fu&szlig; lange Stange, die beim Wurf vom
+Eisen abgeht, um dessen Mitte ein starkes Seil gut
+befestigt ist, das an der Stange hinauf l&auml;uft, an
+dieser, oben, wieder festsitzt und nun noch etwa zw&ouml;lf
+bis sechszehn Fu&szlig; freien Spielraum gew&auml;hrt, so
+da&szlig; die ganze L&auml;nge des Wurfes etwa dreizehn bis
+vierzehn Schritte betragen darf. Das Ende des
+Seiles ist dabei um das Handgelenk des Werfenden
+befestigt, damit er es nicht durch die Finger gleiten
+lasse, und Beute und Waffe zu gleicher Zeit
+verliere.</p>
+
+<p>Wohl hatte ich, durch Erfahrung belehrt, Kelly
+vor dem Wurfe gewarnt, sich festzustellen und nicht
+das Gleichgewicht zu verlieren; in dem freudigen
+Gef&uuml;hl aber, einen Alligator zu harpuniren, dachte
+er nicht weiter daran, und als jetzt der Verwundete
+mit dem Eisen hinwegeilte, ri&szlig; ein pl&ouml;tzlicher Ruck
+desselben den Sch&uuml;tzen aus dem Boote. Der Neger
+aber, der wohl etwas Ähnliches geahnet haben
+mochte, warf sich auf ihn, und wenn ihm auch der
+K&ouml;rper entging, erwischte er doch noch ein Bein, das
+er festhielt, bis es unsern vereinten Kr&auml;ften gelang
+Drucker und Alligator, die unzertrennlich waren, den
+ersten am Lauf, den zweiten am Seil, in's Boot
+zur&uuml;ck zu ziehen.</p>
+
+<p>Der junge Harbour hatte indessen auch noch
+einige kleine Alligatoren erlegt, und mit unserer
+Beute zufrieden, da die Hitze in der Mittagsgluth
+zu f&uuml;rchterlich dr&uuml;ckend wurde, kehrten wir langsam
+zum Hause zur&uuml;ck, w&auml;hrend die Neger die Erlegten
+mit Handkarren zum Hause fuhren, da sich nicht
+leicht ein Pferd dazu hergiebt, einen Alligator zu
+tragen.</p>
+
+<p>Sehr h&auml;ufig habe ich Alligatoren, wie die
+Hirsche, Nachts bei dem Scheine der Kienfackel geschossen,
+und ihre Lichter gl&uuml;hen wie St&uuml;cke rothhei&szlig;en
+Eisens.&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h2>FOOTNOTES</h2>
+<p class="revind"><a name="fn1" id="fn1">1</a>: Spitzname f&uuml;r die Bewohner von Illinois.</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn2" id="fn2">2</a>: <i>Hurricane</i>, eine Art Orkan, der in langen Strichen das Land
+durchzieht und oft meilenbreit jeden Baum umst&uuml;rzt.</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn3" id="fn3">3</a>: Streif- und Jagdz&uuml;ge durch Nordamerika. Leipzig, Arnoldische
+Buchhdl.</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn4" id="fn4">4</a>: F&uuml;r den Nicht-J&auml;ger &raquo;Rippen.&laquo;</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn5" id="fn5">5</a>: Ein grobes wollenes, meist selbstgewebtes Zeug.</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn6" id="fn6">6</a>: Der Zettel lautete w&ouml;rtlich: <i>&raquo;Plees Sir&nbsp;&mdash;&nbsp;merry the too young
+peepel; yoors M. Peterson.&laquo;</i></p>
+
+<p class="revind"><a name="fn7" id="fn7">7</a>: Das Township selbst besteht aus einem Quadrat von sechzehn
+Sectionen.</p>
+
+<p class="revind"><a name="fn8" id="fn8">8</a>: Launige Bezeichnung der <i>U. (nited) S. (tates). Uncle Sam</i>.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="minimal" />
+<p>&nbsp;</p>
+
+<table class="sm" border="0" style="background-color: #E6F6FA; margin: 0 auto" cellspacing="2" cellpadding="4" summary="NOTES">
+<tr>
+<td colspan="2">
+ <div class="center">TRANSCRIBER'S NOTE</div>
+
+<p class="noindent" style="background-color: #E6F6FA">
+Obvious misspellings have been corrected. The spelling of names has been
+regularised and missing punctuation added. A few words appear in two
+different spellings; these have been retained. Two
+particular words which may strike the modern reader as mistakes, St&ouml;pfel
+(St&ouml;psel) and klaffen (kl&auml;ffen), were in fact correct at the time.
+</p>
+<p class="noindent">The following additional changes were made and can be identified
+in the body of the text by a grey dotted underline:<br />
+<br />
+</p>
+</td>
+</tr>
+<tr>
+<td colspan="2">
+ <div class="center">ANMERKUNGEN</div>
+<p class="noindent" style="background-color: #E6F6FA">
+Offenkundige orthografische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
+Namen wurden vereinheitlicht und fehlende Zeichensetzung erg&auml;nzt. Manche
+W&ouml;rter treten in zweierlei Schreibungen auf und wurden so belassen.
+Zwei
+W&ouml;rter werden dem Leser bzw. der Leserin als m&ouml;gliche Fehler vielleicht
+besonders auffallen: St&ouml;pfel (St&ouml;psel) und klaffen (kl&auml;ffen); sie lassen
+sich aber in der damaligen Zeit so nachweisen.</p>
+<p class="noindent">Folgende zus&auml;tzliche &Auml;nderungen wurden vorgenommen und sind im
+Text grau unterstrichelt:<br />
+<br />
+</p>
+</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top">mit der Scheu, die alle Hinderw&auml;ldler (&hellip;) haben</td>
+<td align="left" valign="top">mit der Scheu, die alle <i>Hinterw&auml;ldler</i> (&hellip;) haben</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top">steckte seine Nadel (&hellip;) in die Kugeltatsche</td>
+ <td align="left" valign="top">steckte seine Nadel (&hellip;) in die <i>Kugeltasche</i></td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top">wenn der Wolf mit der Falle zu entfliegen sucht</td>
+<td align="left" valign="top">wenn der Wolf mit der Falle zu <i>entfliehen</i> sucht</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top">ihn zum Gl&uuml;cklichsten der Sterblichsten zu machen</td>
+<td align="left" valign="top">ihn zum Gl&uuml;cklichsten der <i>Sterblichen</i> zu machen</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top"> unm&ouml;glich so lage ohne (&hellip;) Aufsicht bleiben konnten</td>
+<td align="left" valign="top">unm&ouml;glich so <i>lange</i> ohne (&hellip;) Aufsicht bleiben konnten</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top"> kleine B&uuml;chse zusammentragen</td>
+<td align="left" valign="top">kleine <i>B&uuml;sche</i> zusammentragen</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="w50" align="left" valign="top"> traute den Boten doch nicht so recht</td>
+<td align="left" valign="top">traute den <i>Booten</i> doch nicht so recht</td>
+</tr>
+</table>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="pg" />
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK AMERIKANISCHE WALD- UND STROMBILDER. ERSTER BAND.***</p>
+<p>******* This file should be named 33017-h.txt or 33017-h.zip *******</p>
+<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br />
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/3/3/0/1/33017">http://www.gutenberg.org/3/3/0/1/33017</a></p>
+<p>Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.</p>
+
+<p>Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.</p>
+
+
+
+<pre>
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
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+electronic works
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
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+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
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+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+
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+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+
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+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
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+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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+
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+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
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+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+<a href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a>
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
+download by the etext year.
+
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/etext06/">http://www.gutenberg.org/dirs/etext06/</a>
+
+ (Or /etext 05, 04, 03, 02, 01, 00, 99,
+ 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)
+
+EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
+
+http://www.gutenberg.org/dirs/1/0/2/3/10234
+
+or filename 24689 would be found at:
+http://www.gutenberg.org/dirs/2/4/6/8/24689
+
+An alternative method of locating eBooks:
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL">http://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL</a>
+
+*** END: FULL LICENSE ***
+</pre>
+</body>
+</html>