summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/31850-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '31850-8.txt')
-rw-r--r--31850-8.txt1214
1 files changed, 1214 insertions, 0 deletions
diff --git a/31850-8.txt b/31850-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..d5e2088
--- /dev/null
+++ b/31850-8.txt
@@ -0,0 +1,1214 @@
+The Project Gutenberg EBook of Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Tor und der Tod
+
+Author: Hugo von Hofmannsthal
+
+Release Date: March 31, 2010 [EBook #31850]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ DER TOR UND DER TOD
+
+ VON
+
+ HUGO VON HOFMANNSTHAL
+
+
+ IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
+
+
+
+
+ Der Tod
+
+ Claudio, ein Edelmann
+
+ Sein Kammerdiener
+
+ Claudios Mutter }
+ }
+ Eine Geliebte des Claudio } Tote
+ }
+ Ein Jugendfreund }
+
+
+Claudios Haus -- Kostüm der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
+
+
+
+
+Studierzimmer des Claudio, im Empiregeschmack. Im Hintergrund links und
+rechts große Fenster, in der Mitte eine Glastüre auf den Balkon hinaus,
+von dem eine hängende Holztreppe in den Garten führt. Links eine weiße
+Flügeltür, rechts eine gleiche nach dem Schlafzimmer, mit einem grünen
+Samtvorhang geschlossen. Am Fenster links steht ein Schreibtisch, davor
+ein Lehnstuhl. An den Pfeilern Glaskasten mit Altertümern. An der Wand
+rechts eine gotische, dunkle, geschnitzte Truhe; darüber altertümliche
+Musikinstrumente. Ein fast schwarz gedunkeltes Bild eines italienischen
+Meisters. Der Grundton der Tapete licht, fast weiß; mit Stukkatur und
+Gold.
+
+
+Claudio allein
+
+Er sitzt am Fenster. Abendsonne.
+
+ Die letzten Berge liegen nun im Glanz,
+ In feuchten Schmelz durchsonnter Luft gewandet.
+ Es schwebt ein Alabasterwolkenkranz
+ Zuhöchst, mit grauen Schatten, goldumrandet:
+ So malen Meister von den frühen Tagen
+ Die Wolken, welche die Madonna tragen.
+ Am Abhang liegen blaue Wolkenschatten,
+ Der Bergesschatten füllt das weite Tal
+ Und dämpft zu grauem Grün den Glanz der Matten;
+ Der Gipfel glänzt im vollen letzten Strahl.
+ Wie nah sind meiner Sehnsucht die gerückt,
+ Die dort auf weiten Halden einsam wohnen
+ Und denen Güter, mit der Hand gepflückt,
+ Die gute Mattigkeit der Glieder lohnen.
+ Der wundervolle, wilde Morgenwind,
+ Der nackten Fußes läuft im Heidenduft,
+ Der weckt sie auf; die wilden Bienen sind
+ Um sie, und Gottes helle, heiße Luft.
+ Es gab Natur sich ihnen zum Geschäfte,
+ In allen ihren Wünschen quillt Natur,
+ Im Wechselspiel der frisch und müden Kräfte
+ Wird ihnen jedes warmen Glückes Spur.
+ Jetzt rückt der goldne Ball, und er versinkt
+ In fernster Meere grünlichem Kristall;
+ Das letzte Licht durch ferne Bäume blinkt,
+ Jetzt atmet roter Rauch, ein Glutenwall
+ Den Strand erfüllend, wo die Städte liegen,
+ Die mit Najadenarmen, flutenttaucht,
+ In hohen Schiffen ihre Kinder wiegen,
+ Ein Volk, verwegen, listig und erlaucht.
+ Sie gleiten über ferne, wunderschwere,
+ Verschwiegne Flut, die nie ein Kiel geteilt,
+ Es regt die Brust der Zorn der wilden Meere,
+ Da wird sie jedem Wahn und Weh geheilt.
+ So seh ich Sinn und Segen fern gebreitet
+ Und starre voller Sehnsucht stets hinüber,
+ Doch wie mein Blick dem Nahen näher gleitet,
+ Wird alles öd, verletzender und trüber;
+ Es scheint mein ganzes so versäumtes Leben
+ Verlorne Lust und nie geweinte Tränen
+ Um diese Gassen, dieses Haus zu weben
+ Und ewig sinnlos Suchen, wirres Sehnen.
+
+Am Fenster stehend:
+
+ Jetzt zünden sie die Lichter an und haben
+ In engen Wänden eine dumpfe Welt
+ Mit allen Rausch- und Tränengaben
+ Und was noch sonst ein Herz gefangen hält.
+ Sie sind einander herzlich nah
+ Und härmen sich um einen, der entfernt;
+ Und wenn wohl einem Leid geschah,
+ So trösten sie ... ich habe Trösten nie gelernt.
+ Sie können sich mit einfachen Worten,
+ Was nötig zum Weinen und Lachen, sagen,
+ Müssen nicht an sieben vernagelte Pforten
+ Mit blutigen Fingern schlagen.
+
+ Was weiß denn ich vom Menschenleben?
+ Bin freilich scheinbar drin gestanden,
+ Aber ich hab es höchstens verstanden,
+ Konnte mich nie darein verweben.
+ Hab mich niemals daran verloren.
+ Wo andre nehmen, andre geben,
+ Blieb ich beiseit, im Innern stummgeboren.
+ Ich hab von allen lieben Lippen
+ Den wahren Trank des Lebens nie gesogen,
+ Bin nie von wahrem Schmerz durchschüttert,
+ Die Straße einsam, schluchzend, nie! gezogen.
+ Wenn ich von guten Gaben der Natur
+ Je eine Regung, einen Hauch erfuhr,
+ So nannte ihn mein überwacher Sinn,
+ Unfähig des Vergessens, grell beim Namen.
+ Und wie dann tausende Vergleiche kamen,
+ War das Vertrauen, war das Glück dahin.
+ Und auch das Leid! zerfasert und zerfressen
+ Vom Denken, abgeblaßt und ausgelaugt!
+ Wie wollte ich an meine Brust es pressen,
+ Wie hätt ich Wonne aus dem Schmerz gesaugt:
+ Sein Flügel streifte mich, ich wurde matt,
+ Und Unbehagen kam an Schmerzes Statt ...
+
+Aufschreckend:
+
+ Es dunkelt schon. Ich fall in Grübelei.
+ Ja, ja: die Zeit hat Kinder mancherlei.
+ Doch ich bin müd und soll wohl schlafen gehen.
+
+Der Diener bringt eine Lampe, geht dann wieder.
+
+ Jetzt läßt der Lampe Glanz mich wieder sehen
+ Die Rumpelkammer voller totem Tand,
+ Wodurch ich doch mich einzuschleichen wähnte,
+ Wenn ich den graden Weg auch nimmer fand
+ In jenes Leben, das ich so ersehnte.
+
+Vor dem Kruzifix:
+
+ Zu deinen wunden, elfenbeinern Füßen,
+ Du Herr am Kreuz, sind etliche gelegen,
+ Die Flammen niederbetend, jene süßen,
+ Ins eigne Herz, die wundervoll bewegen,
+ Und wenn statt Gluten öde Kälte kam,
+ Vergingen sie in Reue, Angst und Scham.
+
+Vor einem alten Bild:
+
+ Gioconda, du, aus wundervollem Grund,
+ Herleuchtend mit dem Glanz durchseelter Glieder,
+ Dem rätselhaften, süßen, herben Mund,
+ Dem Prunk der träumeschweren Augenlider:
+ Gerad so viel verrietest du mir Leben,
+ Als fragend ich vermocht dir einzuweben!
+
+Sich abwendend, vor einer Truhe:
+
+ Ihr Becher, ihr, an deren kühlem Rand
+ Wohl etlich Lippen selig hingen,
+ Ihr alten Lauten, ihr, bei deren Klingen
+ Sich manches Herz die tiefste Rührung fand,
+ Was gäb ich, könnt mich euer Bann erfassen,
+ Wie wollt ich mich gefangen finden lassen!
+ Ihr hölzern, ehern Schilderwerk,
+ Verwirrend, formenquellend Bilderwerk,
+ Ihr Kröten, Engel, Greife, Faunen,
+ Phantastsche Vögel, goldnes Fruchtgeschlinge,
+ Berauschende und ängstigende Dinge,
+ Ihr wart doch all einmal gefühlt,
+ Gezeugt von zuckenden, lebendgen Launen,
+ Vom großen Meer emporgespült,
+ Und wie den Fisch das Netz, hat euch die Form gefangen!
+ Umsonst bin ich, umsonst euch nachgegangen,
+ Von eurem Reize allzusehr gebunden:
+ Und wie ich eurer eigensinngen Seelen
+ Jedwede, wie die Masken, durchempfunden,
+ War mir verschleiert Leben, Herz und Welt,
+ Ihr hieltet mich, ein Flatterschwarm, umstellt,
+ Abweidend, unerbittliche Harpyien,
+ An frischen Quellen jedes frische Blühen ...
+ Ich hab mich so an Künstliches verloren,
+ Daß ich die Sonne sah aus toten Augen,
+ Und nicht mehr hörte, als durch tote Ohren:
+ Stets schleppte ich den rätselhaften Fluch,
+ Nie ganz bewußt, nie völlig unbewußt,
+ Mit kleinem Leid und schaler Lust
+ Mein Leben zu erleben wie ein Buch,
+ Das man zur Hälft noch nicht und halb nicht mehr begreift,
+ Und hinter dem der Sinn erst nach Lebendgem schweift;
+ Und was mich quälte und was mich erfreute,
+ Mir war, als ob es nie sich selbst bedeute,
+ Nein, künftgen Lebens vorgeliehnen Schein
+ Und hohles Bild von einem vollem Sein.
+ So hab ich mich in Leid und jeder Liebe
+ Verwirrt mit Schatten nur herumgeschlagen,
+ Verbraucht, doch nicht genossen alle Triebe,
+ In dumpfem Traum, es würde endlich tagen.
+ Ich wandte mich und sah das Leben an:
+ Darinnen Schnellsein nicht zum Laufen nützt
+ Und Tapfersein nicht hilft zum Streit; darin
+ Unheil nicht traurig macht und Glück nicht froh;
+ Auf Frag ohn Sinn folgt Antwort ohne Sinn;
+ Verworrner Traum entsteigt der dunklen Schwelle,
+ Und Glück ist alles, Stunde, Wind und Welle!
+ So schmerzlich klug und so enttäuschten Sinn
+ In müdem Hochmut liegend, in Entsagen
+ Tief eingesponnen leb ich ohne Klagen
+ In diesen Stuben, dieser Stadt dahin.
+ Die Leute haben sich entwöhnt zu fragen
+ Und finden, daß ich recht gewöhnlich bin.
+
+Der Diener kommt und stellt einen Teller Kirschen auf den Tisch, dann
+will er die Balkontüre schließen.
+
+Claudio
+
+ Laß noch die Türen offen -- Was erschreckt dich?
+
+Diener
+
+ Euer Gnaden glauben mirs wohl nicht.
+
+Halb für sich, mit Angst:
+
+ Jetzt haben sie im Lusthaus sich versteckt.
+
+Claudio
+
+ Wer denn?
+
+Diener
+
+ Entschuldigen, ich weiß es nicht.
+ Ein ganzer Schwarm unheimliches Gesindel.
+
+Claudio
+
+ Bettler?
+
+Diener
+
+ Ich weiß es nicht.
+
+Claudio
+
+ So sperr die Tür,
+ Die von der Gasse in den Garten, zu,
+ Und leg dich schlafen und laß mich in Ruh.
+
+Diener
+
+ Das eben macht mir solches Graun. Ich hab
+ Die Gartentür verriegelt. Aber ...
+
+Claudio
+
+ Nun?
+
+Diener
+
+ Jetzt sitzen sie im Garten. Auf der Bank,
+ Wo der sandsteinerne Apollo steht,
+ Ein paar im Schatten dort am Brunnenrand,
+ Und einer hat sich auf die Sphinx gesetzt.
+ Man sieht ihn nicht, der Taxus steht davor.
+
+Claudio
+
+ Sinds Männer?
+
+Diener
+
+ Einige. Allein auch Frauen.
+ Nicht bettelhaft, altmodisch nur von Tracht,
+ Wie Kupferstiche angezogen sind.
+ Mit einer solchen grauenvollen Art
+ Still dazusitzen und mit toten Augen
+ Auf einen wie in leere Luft zu schauen,
+ Das sind nicht Menschen. Euer Gnaden sein
+ Nicht ungehalten, nur um keinen Preis
+ Der Welt möcht ich in ihre Nähe gehen.
+ So Gott will, sind sie morgen früh verschwunden;
+ Ich will -- mit gnädiger Erlaubnis -- jetzt
+ Die Tür vom Haus verriegeln und das Schloß
+ Einsprengen mit geweihtem Wasser. Denn
+ Ich habe solche Menschen nie gesehn,
+ Und solche Augen haben Menschen nicht.
+
+Claudio
+
+ Tu, was du willst, und gute Nacht.
+
+Er geht eine Weile nachdenklich auf und nieder. Hinter der Szene
+erklingt das sehnsüchtige und ergreifende Spiel einer Geige, zuerst
+ferner, allmählich näher, endlich warm und voll, als wenn es aus dem
+Nebenzimmer dränge.
+
+ Musik?
+ Und seltsam zu der Seele redende!
+ Hat mich des Menschen Unsinn auch verstört?
+ Mich dünkt, als hätt ich solche Töne
+ Von Menschengeigen nie gehört ...
+
+Er bleibt horchend gegen die rechte Seite gewandt.
+
+ In tiefen, scheinbar lang ersehnten Schauern
+ Dringts allgewaltig auf mich ein;
+ Es scheint unendliches Bedauern,
+ Unendlich Hoffen scheints zu sein,
+ Als strömte von den alten, stillen Mauern
+ Mein Leben flutend und verklärt herein.
+ Wie der Geliebten, wie der Mutter Kommen,
+ Wie jedes Langverlornen Wiederkehr,
+ Regt es Gedanken auf, die warmen, frommen,
+ Und wirft mich in ein jugendliches Meer:
+ Ein Knabe stand ich so im Frühlingsglänzen
+ Und meinte aufzuschweben in das All,
+ Unendlich Sehnen über alle Grenzen
+ Durchwehte mich in ahnungsvollem Schwall!
+ Und Wanderzeiten kamen, rauschumfangen,
+ Da leuchtete manchmal die ganze Welt,
+ Und Rosen glühten, und die Glocken klangen,
+ Von fremdem Lichte jubelnd und erhellt:
+ Wie waren da lebendig alle Dinge
+ Dem liebenden Erfassen nah gerückt,
+ Wie fühlt ich mich beseelt und tief entzückt,
+ Ein lebend Glied im großen Lebensringe!
+ Da ahnte ich, durch mein Herz auch geleitet,
+ Den Liebesstrom, der alle Herzen nährt,
+ Und ein Genügen hielt mein Ich geweitet,
+ Das heute kaum mir noch den Traum verklärt.
+ Tön fort, Musik, noch eine Weile so
+ Und rühr mein Innres also innig auf:
+ Leicht wähn ich dann mein Leben warm und froh,
+ Rücklebend so verzaubert seinen Lauf:
+ Denn alle süßen Flammen, Loh an Loh
+ Das Starre schmelzend, schlagen jetzt herauf!
+ Des allzu alten, allzu wirren Wissens
+ Auf diesen Nacken vielgehäufte Last
+ Vergeht, von diesem Laut des Urgewissens,
+ Den kindisch-tiefen Tönen angefaßt.
+ Weither mit großem Glockenläuten
+ Ankündigt sich ein kaum geahntes Leben,
+ In Formen, die unendlich viel bedeuten,
+ Gewaltig-schlicht im Nehmen und im Geben.
+
+Die Musik verstummt fast plötzlich.
+
+ Da, da verstummt, was mich so tief gerührt,
+ Worin ich Göttlich-Menschliches gespürt!
+ Der diese Wunderwelt unwissend hergesandt,
+ Er hebt wohl jetzt nach Kupfergeld die Kappe,
+ Ein abendlicher Bettelmusikant.
+
+Am Fenster rechts:
+
+ Hier unten steht er nicht. Wie sonderbar!
+ Wo denn? Ich will durchs andre Fenster schaun ...
+
+Wie er nach der Türe rechts geht, wird der Vorhang leise
+zurückgeschlagen, und in der Tür steht der Tod, den Fiedelbogen in der
+Hand, die Geige am Gürtel hängend. Er sieht Claudio, der entsetzt
+zurückfährt, ruhig an.
+
+ Wie packt mich sinnlos namenloses Grauen!
+ Wenn deiner Fiedel Klang so lieblich war,
+ Was bringt es solchen Krampf, dich anzuschauen?
+ Und schnürt die Kehle so und sträubt das Haar?
+ Geh weg! Du bist der Tod. Was willst du hier?
+ Ich fürchte mich. Geh weg! Ich kann nicht schrein,
+
+Sinkend:
+
+ Der Halt, die Luft des Lebens schwindet mir!
+ Geh weg! Wer rief dich? Geh! Wer ließ dich ein?
+
+Der Tod
+
+ Steh auf! Wirf dies ererbte Graun von dir!
+ Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe!
+ Aus des Dionysos, der Venus Sippe,
+ Ein großer Gott der Seele steht vor dir.
+ Wenn in der lauen Sommerabendfeier
+ Durch goldne Luft ein Blatt herabgeschwebt,
+ Hat dich mein Wehen angeschauert,
+ Das traumhaft um die reifen Dinge webt;
+ Wenn Überschwellen der Gefühle
+ Mit warmer Flut die Seele zitternd füllte,
+ Wenn sich im plötzlichen Durchzucken
+ Das Ungeheure als verwandt enthüllte,
+ Und du, hingebend dich im großen Reigen,
+ Die Welt empfingest als dein eigen:
+ In jeder wahrhaft großen Stunde,
+ Die schauern deine Erdenform gemacht,
+ Hab ich dich angerührt im Seelengrunde
+ Mit heiliger, geheimnisvoller Macht.
+
+Claudio
+
+ Genug! Ich grüße dich, wenngleich beklommen.
+
+Kleine Pause.
+
+ Doch wozu bist du eigentlich gekommen?
+
+Der Tod
+
+ Mein Kommen, Freund, hat stets nur _einen_ Sinn!
+
+Claudio
+
+ Bei mir hats eine Weile noch _dahin_!
+ Merk: eh das Blatt zu Boden schwebt,
+ Hat es zur Neige seinen Saft gesogen!
+ Dazu fehlt viel: Ich habe nicht gelebt!
+
+Der Tod
+
+ Bist doch, wie alle, deinen Weg gezogen!
+
+Claudio
+
+ Wie abgerißne Wiesenblumen
+ Ein dunkles Wasser mit sich reißt,
+ So glitten mir die jungen Tage,
+ Und ich hab nie gewußt, daß das schon Leben heißt.
+ Dann ... stand ich an den Lebensgittern,
+ Der Wunder bang, von Sehnsucht süß bedrängt,
+ Daß sie in majestätischen Gewittern
+ Auffliegen sollten, wundervoll gesprengt.
+ Es kam nicht so ... und einmal stand ich drinnen,
+ Der Weihe bar, und konnte mich auf mich
+ Und alle tiefsten Wünsche nicht besinnen,
+ Von einem Bann befangen, der nicht wich.
+ Von Dämmerung verwirrt und wie verschüttet,
+ Verdrießlich und im Innersten zerrüttet,
+ Mit halbem Herzen, unterbundnen Sinnen
+ In jedem Ganzen rätselhaft gehemmt,
+ Fühlt ich mich niemals recht durchglutet innen,
+ Von großen Wellen nie so recht geschwemmt,
+ Bin nie auf meinem Weg dem Gott begegnet,
+ Mit dem man ringt, bis daß er einen segnet.
+
+Der Tod
+
+ Was allen, ward auch dir gegeben,
+ Ein Erdenleben, irdisch es zu leben.
+ Im Innern quillt euch allen treu ein Geist,
+ Der diesem Chaos toter Sachen
+ Beziehung einzuhauchen heißt,
+ Und euren Garten draus zu machen
+ Für Wirksamkeit, Beglückung und Verdruß.
+ Weh dir, wenn ich dir das erst sagen muß!
+ Man bindet und man wird gebunden,
+ Entfaltung wirken schwül und wilde Stunden,
+ In Schlaf geweint und müd geplagt
+ Noch wollend, schwer von Sehnsucht, halbverzagt
+ Tiefatmend und vom Drang des Lebens warm ...
+ Doch alle _reif_, fallt ihr in meinen Arm.
+
+Claudio
+
+ Ich aber bin nicht reif, drum laß mich hier.
+ Ich will nicht länger töricht jammern,
+ Ich will mich an die Erdenscholle klammern,
+ Die tiefste Lebenssehnsucht schreit in mir.
+ Die höchste Angst zerreißt den alten Bann;
+ Jetzt fühl ich -- laß mich -- daß ich leben kann!
+ Ich fühls an diesem grenzenlosen Drängen:
+ Ich kann mein Herz an Erdendinge hängen.
+ O, du sollst sehn, nicht mehr wie stumme Tiere,
+ Nicht Puppen werden mir die andern sein!
+ Zum Herzen reden soll mir all das Ihre,
+ Ich dränge mich in jede Lust und Pein.
+ Ich will die Treue lernen, die der Halt
+ Von allem Leben ist ... ich füg mich so,
+ Daß Gut und Böse über mich Gewalt
+ Soll haben und mich machen wild und froh.
+ Dann werden sich die Schemen mir beleben!
+ Ich werde Menschen auf dem Wege finden,
+ Nicht länger stumm im Nehmen und im Geben,
+ Gebunden werden -- ja! -- und kräftig binden.
+
+Da er die ungerührte Miene des Todes wahrnimmt, mit steigender Angst:
+
+ Denn schau, glaub mir, das war nicht so bisher:
+ Du meinst, ich hätte doch geliebt, gehaßt ...
+ Nein, nie hab ich den Kern davon erfaßt,
+ Es war ein Tausch von Schein und Worten leer!
+ Da schau, ich kann dir zeigen: Briefe, sieh,
+
+Er reißt eine Lade auf und entnimmt ihr Pakete geordneter alter Briefe:
+
+ Mit Schwüren voll und Liebeswort und Klagen;
+ Meinst du, ich hätte je _gespürt_, was _die_ --
+ _Gespürt_, was _ich_ als Antwort schien zu sagen?!
+
+Er wirft ihm die Pakete vor die Füße, daß die einzelnen Briefe
+herausfliegen.
+
+ Da hast du dieses ganze Liebesleben,
+ Daraus nur ich und ich nur widertönte,
+ Wie ich der Stimmung Auf- und Niederbeben
+ Mitbebend, jeden heilgen Halt verhöhnte!
+ Da! da! und alles andre ist wie das:
+ Ohn Sinn, ohn Glück, ohn Schmerz, ohn Lieb, ohn Haß!
+
+Der Tod
+
+ Du Tor! Du schlimmer Tor, ich will dich lehren,
+ Das Leben, eh dus endest, einmal ehren.
+ Stell dich dorthin und schweig und sieh hieher
+ Und lern, daß alle andern diesen Schollen
+ Mit lieberfülltem Erdensinn entquollen,
+ Und nur du selber schellenlaut und leer.
+
+Der Tod tut ein paar Geigenstriche, gleichsam rufend. Er steht an der
+Schlafzimmertüre, im Vordergrund rechts, Claudio an der Wand links, im
+Halbdunkel. Aus der Tür rechts tritt die Mutter. Sie ist nicht sehr alt.
+Sie trägt ein langes, schwarzes Samtkleid, eine schwarze Samthaube mit
+einer weißen Rüsche, die das Gesicht umrahmt. In den feinen blassen
+Fingern ein weißes Spitzentaschentuch. Sie tritt leise aus der Tür und
+geht lautlos im Zimmer umher.
+
+Die Mutter
+
+ Wie viele süße Schmerzen saug ich ein
+ Mit dieser Luft. Wie von Lavendelkraut
+ Ein feiner toter Atem weht die Hälfte
+ Von meinem Erdendasein hier umher:
+ Ein Mutterleben, nun, ein Dritteil Schmerzen,
+ Eins Plage, Sorge eins. Was weiß ein Mann
+ Davon?
+
+An der Truhe:
+
+ Die Kante da noch immer scharf?
+ Da schlug er sich einmal die Schläfe blutig;
+ Freilich, er war auch klein und heftig, wild
+ Im Laufen, nicht zu halten. Da, das Fenster!
+ Da stand ich oft und horchte in die Nacht
+ Hinaus auf seinen Schritt mit solcher Gier,
+ Wenn mich die Angst im Bett nicht länger litt,
+ Wenn er nicht kam, und schlug doch zwei, und schlug
+ Dann drei und fing schon blaß zu dämmern an ...
+ Wie oft ... Doch hat er nie etwas gewußt --
+ Ich war ja auch bei Tag hübsch viel allein.
+ Die Hand, die gießt die Blumen, klopft den Staub
+ Vom Kissen, reibt die Messingklinken blank,
+ So läuft der Tag; allein der Kopf hat nichts
+ Zu tun: da geht im Kreis ein dumpfes Rad
+ Mit Ahnungen und traumbeklommenem
+ Geheimnisvollem Schmerzgefühle, das
+ Wohl mit der Mutterschaft unfaßlichem
+ Geheimen Heiligtum zusammenhängt
+ Und allem tiefsten Weben dieser Welt
+ Verwandt ist. Aber mir ist nicht gegönnt,
+ Der süß beklemmend, schmerzlich nährenden,
+ Der Luft vergangnen Lebens mehr zu atmen.
+ Ich muß ja gehen, gehen ...
+
+Sie geht durch die Mitteltüre ab.
+
+Claudio
+
+ Mutter!
+
+Der Tod
+
+ Schweig!
+ Du bringst sie nicht zurück.
+
+Claudio
+
+ Ah! Mutter, komm!
+ Laß mich dir einmal mit den Lippen hier,
+ Den zuckenden, die immer schmalgepreßt,
+ Hochmütig schwiegen, laß mich doch vor dir
+ So auf den Knien ... Ruf sie! Halt sie fest!
+ Sie wollte nicht! Hast du denn nicht gesehn?!
+ Was zwingst du sie, Entsetzlicher, zu gehn?
+
+Der Tod
+
+ Laß mir, was mein. Dein _war_ es.
+
+Claudio
+
+ Ah! und nie
+ Gefühlt! Dürr, alles dürr! Wann hab ich je
+ Gespürt, daß alle Wurzeln meines Seins
+ Nach ihr sich zuckend drängten, ihre Näh
+ Wie einer Gottheit Nähe wundervoll
+ Durchschauert mich und quellend füllen soll
+ Mit Menschensehnsucht, Menschenlust -- und -weh?!
+
+Der Tod, um seine Klagen unbekümmert, spielt die Melodie eines alten
+Volksliedes. Langsam tritt ein junges Mädchen ein; sie trägt ein
+einfaches, großgeblümtes Kleid, Kreuzbandschuhe, um den Hals ein
+Stückchen Schleier, bloßer Kopf.
+
+Das junge Mädchen
+
+ Es war doch schön ... Denkst du nie mehr daran?
+ Freilich, du hast mir weh getan, so weh ...
+ Allein, was hört denn nicht in Schmerzen auf?
+ Ich hab so wenig frohe Tag' gesehn,
+ Und die, die waren schön als wie ein Traum!
+ Die Blumen vor dem Fenster, meine Blumen,
+ Das kleine, wacklige Spinett, der Schrank,
+ In den ich deine Briefe legte und
+ Was du mir etwa schenktest ... alles das
+ -- Lach mich nicht aus -- das wurde alles schön
+ Und redete mit wachen, lieben Lippen!
+ Wenn nach dem schwülen Abend Regen kam
+ Und wir am Fenster standen -- ah, der Duft
+ Der nassen Bäume! -- Alles das ist hin,
+ Gestorben, was daran lebendig war!
+ Und liegt in unsrer Liebe kleinem Grab.
+ Allein es war so schön, und du bist schuld,
+ Daß es so schön war. Und daß du mich dann
+ Fortwarfest, achtlos grausam, wie ein Kind,
+ Des Spielens müd, die Blumen fallen läßt ...
+ Mein Gott, ich hatte nichts, dich festzubinden.
+
+Kleine Pause.
+
+ Wie dann dein Brief, der letzte, schlimme, kam,
+ Da wollt ich sterben. Nicht, um dich zu quälen,
+ Sag ich dir das. Ich wollte einen Brief
+ Zum Abschied an dich schreiben, ohne Klag,
+ Nicht heftig, ohne wilde Traurigkeit;
+ Nur so, daß du nach meiner Lieb und mir
+ Noch einmal solltest Heimweh haben und
+ Ein wenig weinen, weils dazu zu spät.
+ Ich hab dir nicht geschrieben. Nein. Wozu?
+ Was weiß denn ich, wieviel von deinem Herzen
+ In all dem war, was meinen armen Sinn
+ Mit Glanz und Fieber so erfüllte, daß
+ Ich wie im Traum am lichten Tage ging.
+ Aus Untreu macht kein guter Wille Treu,
+ Und Tränen machen kein Erstorbnes wach.
+ Man stirbt auch nicht daran. Viel später erst,
+ Nach langem, ödem Elend durft ich mich
+ Hinlegen, um zu sterben. Und ich bat,
+ In deiner Todesstund bei dir zu sein.
+ Nicht grauenvoll, um dich zu quälen nicht,
+ Nur wie wenn einer einen Becher Wein
+ Austrinkt und flüchtig ihn der Duft gemahnt
+ An irgendwo vergeßne, leise Lust.
+
+Sie geht ab; Claudio birgt sein Gesicht in den Händen. Unmittelbar nach
+ihrem Abgehen tritt ein Mann ein. Er hat beiläufig Claudios Alter. Er
+trägt einen unordentlichen, bestaubten Reiseanzug. In seiner linken
+Brust steckt mit herausragendem Holzgriff ein Messer. Er bleibt in der
+Mitte der Bühne, Claudio zugewendet, stehen.
+
+Der Mann
+
+ Lebst du noch immer, Ewigspielender?
+ Liest immer noch Horaz und freuest dich
+ Am spöttisch-klugen, nie bewegten Sinn?
+ Mit feinen Worten bist du mir genaht,
+ Scheinbar gepackt von was auch mich bewegte ...
+ Ich hab dich, sagtest du, gemahnt an Dinge,
+ Die heimlich in dir schliefen, wie der Wind
+ Der Nacht von fernem Ziel zuweilen redet ...
+ O ja, ein feines Saitenspiel im Wind
+ Warst du, und der verliebte Wind dafür
+ Stets eines andern ausgenützter Atem,
+ Der meine oder sonst. Wir waren ja
+ Sehr lange Freunde. Freunde? Heißt: gemein
+ War zwischen uns Gespräch bei Tag und Nacht,
+ Verkehr mit gleichen Menschen, Tändelei
+ Mit einer gleichen Frau. Gemein: so wie
+ Gemeinsam zwischen Herr und Sklave ist
+ Haus, Sänfte, Hund und Mittagstisch und Peitsche:
+ Dem ist das Haus zur Lust, ein Kerker dem;
+ Den trägt die Sänfte, jenem drückt die Schulter
+ Ihr Schnitzwerk wund; der läßt den Hund im Garten
+ Durch Reifen springen, jener wartet ihn!...
+ Halbfertige Gefühle, meiner Seele
+ Schmerzlich geborne Perlen, nahmst du mir
+ Und warfst sie als dein Spielzeug in die Luft,
+ Du, schnellbefreundet, fertig schnell mit jedem,
+ Ich mit dem stummen Werben in der Seele
+ Und Zähne zugepreßt, du ohne Scheu
+ An allem tastend, während mir das Wort
+ Mißtrauisch und verschüchtert starb am Weg.
+ Da kam uns in den Weg ein Weib. Was mich
+ Ergriff, wie Krankheit über einen kommt,
+ Wo alle Sinne taumeln, überwach
+ Von allzu vielem Schaun nach einem Ziel ...
+ Nach einem solchen Ziel, voll süßer Schwermut
+ Und wildem Glanz und Duft, aus tiefem Dunkel
+ Wie Wetterleuchten webend ... Alles das,
+ Du sahst es auch, es reizte dich!... »Ja, weil
+ Ich selber ähnlich bin zu mancher Zeit,
+ So reizte mich des Mädchens müde Art
+ Und herbe Hoheit, so enttäuschten Sinns
+ Bei solcher Jugend.« Hast du mirs denn nicht
+ Dann später so erzählt? Es reizte dich!
+ Mir war es mehr als dieses Blut und Hirn!
+ Und sattgespielt, warfst du die Puppe mir,
+ Mir zu, ihr ganzes Bild vom Überdruß
+ In dir entstellt, so fürchterlich verzerrt,
+ Des wundervollen Zaubers so entblößt,
+ Die Züge sinnlos, das lebendge Haar
+ Tot hängend, warfst mir eine Larve zu,
+ In schnödes Nichts mit widerlicher Kunst
+ Zersetzend rätselhaften süßen Reiz.
+ Für dieses haßte endlich ich dich so,
+ Wie dich mein dunkles Ahnen stets gehaßt,
+ Und wich dir aus.
+ Dann trieb mich mein Geschick,
+ Das endlich mich Zerbrochnen segnete,
+ Mit einem Ziel und Willen in der Brust --
+ Die nicht in deiner giftgen Nähe ganz
+ Für alle Triebe abgestorben war --
+ Ja, für ein Hohes trieb mich mein Geschick
+ In dieser Mörderklinge herben Tod,
+ Der mich in einen Straßengraben warf,
+ Darin ich liegend langsam moderte
+ Um Dinge, die du nicht begreifen kannst,
+ Und dreimal selig dennoch gegen dich,
+ Der keinem etwas war und keiner ihm.
+
+Er geht ab.
+
+Claudio
+
+ Wohl keinem etwas, keiner etwas mir.
+
+Sich langsam aufrichtend:
+
+ Wie auf der Bühn ein schlechter Komödiant --
+ Aufs Stichwort kommt er, redt sein Teil und geht
+ Gleichgültig gegen alles andre, stumpf,
+ Vom Klang der eignen Stimme ungerührt
+ Und hohlen Tones andre rührend nicht:
+ So über diese Lebensbühne hin
+ Bin ich gegangen ohne Kraft und Wert.
+ Warum geschah mir das? Warum, du Tod,
+ Mußt du mich lehren erst das Leben sehen,
+ Nicht wie durch einen Schleier, wach und ganz,
+ Da etwas weckend, so vorübergehen?
+ Warum bemächtigt sich des Kindersinns
+ So hohe Ahnung von den Lebensdingen,
+ Daß dann die Dinge, wenn sie wirklich sind,
+ Nur schale Schauer des Erinnerns bringen?
+ Warum erklingt uns nicht ein Geigenspiel,
+ Aufwühlend die verborgne Geisterwelt,
+ Die unser Busen heimlich hält,
+ Verschüttet, dem Bewußtsein so verschwiegen,
+ Wie Blumen im Geröll verschüttet liegen?
+ Könnt ich mit dir sein, wo man dich nur hört,
+ Nicht von verworrner Kleinlichkeit verstört!
+ Ich kanns! Gewähre, was du mir gedroht:
+ Da tot mein Leben war, sei du mein Leben, Tod!
+ Was zwingt mich, der ich beides nicht erkenne,
+ Daß ich dich Tod und jenes Leben nenne?
+ In eine Stunde kannst du Leben pressen,
+ Mehr als das ganze Leben konnte halten,
+ Das schattenhafte will ich ganz vergessen
+ Und weih mich deinen Wundern und Gewalten.
+
+Er besinnt sich einen Augenblick.
+
+ Kann sein, dies ist nur sterbendes Besinnen,
+ Heraufgespült vom tödlich wachen Blut,
+ Doch hab ich nie mit allen Lebenssinnen
+ So viel ergriffen, und so nenn ichs gut!
+ Wenn ich jetzt ausgelöscht hinsterben soll,
+ Mein Hirn von dieser Stunde also voll,
+ Dann schwinde alles blasse Leben hin:
+ Erst, da ich sterbe, spür ich, daß ich bin.
+ Wenn einer träumt, so kann ein Übermaß
+ Geträumten Fühlens ihn erwachen machen,
+ So wach ich jetzt, im Fühlensübermaß
+ Vom Lebenstraum, wohl auf im Todeswachen.
+
+Er sinkt tot zu den Füßen des Todes nieder.
+
+Der Tod
+
+indem er kopfschüttelnd langsam abgeht
+
+ Wie wundervoll sind diese Wesen,
+ Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
+ Was nie geschrieben wurde, lesen,
+ Verworrenes beherrschend binden
+ Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.
+
+Er verschwindet in der Mitteltür, seine Worte verklingen. Im Zimmer
+bleibt es still. Draußen sieht man durchs Fenster den Tod geigenspielend
+vorübergehen, hinter ihm die Mutter, auch das Mädchen, dicht bei ihnen
+eine Claudio gleichende Gestalt.
+
+
+ Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
+
+***** This file should be named 31850-8.txt or 31850-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/1/8/5/31850/
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.