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+The Project Gutenberg EBook of Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Tor und der Tod
+
+Author: Hugo von Hofmannsthal
+
+Release Date: March 31, 2010 [EBook #31850]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ DER TOR UND DER TOD
+
+ VON
+
+ HUGO VON HOFMANNSTHAL
+
+
+ IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
+
+
+
+
+ Der Tod
+
+ Claudio, ein Edelmann
+
+ Sein Kammerdiener
+
+ Claudios Mutter }
+ }
+ Eine Geliebte des Claudio } Tote
+ }
+ Ein Jugendfreund }
+
+
+Claudios Haus -- Kostüm der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
+
+
+
+
+Studierzimmer des Claudio, im Empiregeschmack. Im Hintergrund links und
+rechts große Fenster, in der Mitte eine Glastüre auf den Balkon hinaus,
+von dem eine hängende Holztreppe in den Garten führt. Links eine weiße
+Flügeltür, rechts eine gleiche nach dem Schlafzimmer, mit einem grünen
+Samtvorhang geschlossen. Am Fenster links steht ein Schreibtisch, davor
+ein Lehnstuhl. An den Pfeilern Glaskasten mit Altertümern. An der Wand
+rechts eine gotische, dunkle, geschnitzte Truhe; darüber altertümliche
+Musikinstrumente. Ein fast schwarz gedunkeltes Bild eines italienischen
+Meisters. Der Grundton der Tapete licht, fast weiß; mit Stukkatur und
+Gold.
+
+
+Claudio allein
+
+Er sitzt am Fenster. Abendsonne.
+
+ Die letzten Berge liegen nun im Glanz,
+ In feuchten Schmelz durchsonnter Luft gewandet.
+ Es schwebt ein Alabasterwolkenkranz
+ Zuhöchst, mit grauen Schatten, goldumrandet:
+ So malen Meister von den frühen Tagen
+ Die Wolken, welche die Madonna tragen.
+ Am Abhang liegen blaue Wolkenschatten,
+ Der Bergesschatten füllt das weite Tal
+ Und dämpft zu grauem Grün den Glanz der Matten;
+ Der Gipfel glänzt im vollen letzten Strahl.
+ Wie nah sind meiner Sehnsucht die gerückt,
+ Die dort auf weiten Halden einsam wohnen
+ Und denen Güter, mit der Hand gepflückt,
+ Die gute Mattigkeit der Glieder lohnen.
+ Der wundervolle, wilde Morgenwind,
+ Der nackten Fußes läuft im Heidenduft,
+ Der weckt sie auf; die wilden Bienen sind
+ Um sie, und Gottes helle, heiße Luft.
+ Es gab Natur sich ihnen zum Geschäfte,
+ In allen ihren Wünschen quillt Natur,
+ Im Wechselspiel der frisch und müden Kräfte
+ Wird ihnen jedes warmen Glückes Spur.
+ Jetzt rückt der goldne Ball, und er versinkt
+ In fernster Meere grünlichem Kristall;
+ Das letzte Licht durch ferne Bäume blinkt,
+ Jetzt atmet roter Rauch, ein Glutenwall
+ Den Strand erfüllend, wo die Städte liegen,
+ Die mit Najadenarmen, flutenttaucht,
+ In hohen Schiffen ihre Kinder wiegen,
+ Ein Volk, verwegen, listig und erlaucht.
+ Sie gleiten über ferne, wunderschwere,
+ Verschwiegne Flut, die nie ein Kiel geteilt,
+ Es regt die Brust der Zorn der wilden Meere,
+ Da wird sie jedem Wahn und Weh geheilt.
+ So seh ich Sinn und Segen fern gebreitet
+ Und starre voller Sehnsucht stets hinüber,
+ Doch wie mein Blick dem Nahen näher gleitet,
+ Wird alles öd, verletzender und trüber;
+ Es scheint mein ganzes so versäumtes Leben
+ Verlorne Lust und nie geweinte Tränen
+ Um diese Gassen, dieses Haus zu weben
+ Und ewig sinnlos Suchen, wirres Sehnen.
+
+Am Fenster stehend:
+
+ Jetzt zünden sie die Lichter an und haben
+ In engen Wänden eine dumpfe Welt
+ Mit allen Rausch- und Tränengaben
+ Und was noch sonst ein Herz gefangen hält.
+ Sie sind einander herzlich nah
+ Und härmen sich um einen, der entfernt;
+ Und wenn wohl einem Leid geschah,
+ So trösten sie ... ich habe Trösten nie gelernt.
+ Sie können sich mit einfachen Worten,
+ Was nötig zum Weinen und Lachen, sagen,
+ Müssen nicht an sieben vernagelte Pforten
+ Mit blutigen Fingern schlagen.
+
+ Was weiß denn ich vom Menschenleben?
+ Bin freilich scheinbar drin gestanden,
+ Aber ich hab es höchstens verstanden,
+ Konnte mich nie darein verweben.
+ Hab mich niemals daran verloren.
+ Wo andre nehmen, andre geben,
+ Blieb ich beiseit, im Innern stummgeboren.
+ Ich hab von allen lieben Lippen
+ Den wahren Trank des Lebens nie gesogen,
+ Bin nie von wahrem Schmerz durchschüttert,
+ Die Straße einsam, schluchzend, nie! gezogen.
+ Wenn ich von guten Gaben der Natur
+ Je eine Regung, einen Hauch erfuhr,
+ So nannte ihn mein überwacher Sinn,
+ Unfähig des Vergessens, grell beim Namen.
+ Und wie dann tausende Vergleiche kamen,
+ War das Vertrauen, war das Glück dahin.
+ Und auch das Leid! zerfasert und zerfressen
+ Vom Denken, abgeblaßt und ausgelaugt!
+ Wie wollte ich an meine Brust es pressen,
+ Wie hätt ich Wonne aus dem Schmerz gesaugt:
+ Sein Flügel streifte mich, ich wurde matt,
+ Und Unbehagen kam an Schmerzes Statt ...
+
+Aufschreckend:
+
+ Es dunkelt schon. Ich fall in Grübelei.
+ Ja, ja: die Zeit hat Kinder mancherlei.
+ Doch ich bin müd und soll wohl schlafen gehen.
+
+Der Diener bringt eine Lampe, geht dann wieder.
+
+ Jetzt läßt der Lampe Glanz mich wieder sehen
+ Die Rumpelkammer voller totem Tand,
+ Wodurch ich doch mich einzuschleichen wähnte,
+ Wenn ich den graden Weg auch nimmer fand
+ In jenes Leben, das ich so ersehnte.
+
+Vor dem Kruzifix:
+
+ Zu deinen wunden, elfenbeinern Füßen,
+ Du Herr am Kreuz, sind etliche gelegen,
+ Die Flammen niederbetend, jene süßen,
+ Ins eigne Herz, die wundervoll bewegen,
+ Und wenn statt Gluten öde Kälte kam,
+ Vergingen sie in Reue, Angst und Scham.
+
+Vor einem alten Bild:
+
+ Gioconda, du, aus wundervollem Grund,
+ Herleuchtend mit dem Glanz durchseelter Glieder,
+ Dem rätselhaften, süßen, herben Mund,
+ Dem Prunk der träumeschweren Augenlider:
+ Gerad so viel verrietest du mir Leben,
+ Als fragend ich vermocht dir einzuweben!
+
+Sich abwendend, vor einer Truhe:
+
+ Ihr Becher, ihr, an deren kühlem Rand
+ Wohl etlich Lippen selig hingen,
+ Ihr alten Lauten, ihr, bei deren Klingen
+ Sich manches Herz die tiefste Rührung fand,
+ Was gäb ich, könnt mich euer Bann erfassen,
+ Wie wollt ich mich gefangen finden lassen!
+ Ihr hölzern, ehern Schilderwerk,
+ Verwirrend, formenquellend Bilderwerk,
+ Ihr Kröten, Engel, Greife, Faunen,
+ Phantastsche Vögel, goldnes Fruchtgeschlinge,
+ Berauschende und ängstigende Dinge,
+ Ihr wart doch all einmal gefühlt,
+ Gezeugt von zuckenden, lebendgen Launen,
+ Vom großen Meer emporgespült,
+ Und wie den Fisch das Netz, hat euch die Form gefangen!
+ Umsonst bin ich, umsonst euch nachgegangen,
+ Von eurem Reize allzusehr gebunden:
+ Und wie ich eurer eigensinngen Seelen
+ Jedwede, wie die Masken, durchempfunden,
+ War mir verschleiert Leben, Herz und Welt,
+ Ihr hieltet mich, ein Flatterschwarm, umstellt,
+ Abweidend, unerbittliche Harpyien,
+ An frischen Quellen jedes frische Blühen ...
+ Ich hab mich so an Künstliches verloren,
+ Daß ich die Sonne sah aus toten Augen,
+ Und nicht mehr hörte, als durch tote Ohren:
+ Stets schleppte ich den rätselhaften Fluch,
+ Nie ganz bewußt, nie völlig unbewußt,
+ Mit kleinem Leid und schaler Lust
+ Mein Leben zu erleben wie ein Buch,
+ Das man zur Hälft noch nicht und halb nicht mehr begreift,
+ Und hinter dem der Sinn erst nach Lebendgem schweift;
+ Und was mich quälte und was mich erfreute,
+ Mir war, als ob es nie sich selbst bedeute,
+ Nein, künftgen Lebens vorgeliehnen Schein
+ Und hohles Bild von einem vollem Sein.
+ So hab ich mich in Leid und jeder Liebe
+ Verwirrt mit Schatten nur herumgeschlagen,
+ Verbraucht, doch nicht genossen alle Triebe,
+ In dumpfem Traum, es würde endlich tagen.
+ Ich wandte mich und sah das Leben an:
+ Darinnen Schnellsein nicht zum Laufen nützt
+ Und Tapfersein nicht hilft zum Streit; darin
+ Unheil nicht traurig macht und Glück nicht froh;
+ Auf Frag ohn Sinn folgt Antwort ohne Sinn;
+ Verworrner Traum entsteigt der dunklen Schwelle,
+ Und Glück ist alles, Stunde, Wind und Welle!
+ So schmerzlich klug und so enttäuschten Sinn
+ In müdem Hochmut liegend, in Entsagen
+ Tief eingesponnen leb ich ohne Klagen
+ In diesen Stuben, dieser Stadt dahin.
+ Die Leute haben sich entwöhnt zu fragen
+ Und finden, daß ich recht gewöhnlich bin.
+
+Der Diener kommt und stellt einen Teller Kirschen auf den Tisch, dann
+will er die Balkontüre schließen.
+
+Claudio
+
+ Laß noch die Türen offen -- Was erschreckt dich?
+
+Diener
+
+ Euer Gnaden glauben mirs wohl nicht.
+
+Halb für sich, mit Angst:
+
+ Jetzt haben sie im Lusthaus sich versteckt.
+
+Claudio
+
+ Wer denn?
+
+Diener
+
+ Entschuldigen, ich weiß es nicht.
+ Ein ganzer Schwarm unheimliches Gesindel.
+
+Claudio
+
+ Bettler?
+
+Diener
+
+ Ich weiß es nicht.
+
+Claudio
+
+ So sperr die Tür,
+ Die von der Gasse in den Garten, zu,
+ Und leg dich schlafen und laß mich in Ruh.
+
+Diener
+
+ Das eben macht mir solches Graun. Ich hab
+ Die Gartentür verriegelt. Aber ...
+
+Claudio
+
+ Nun?
+
+Diener
+
+ Jetzt sitzen sie im Garten. Auf der Bank,
+ Wo der sandsteinerne Apollo steht,
+ Ein paar im Schatten dort am Brunnenrand,
+ Und einer hat sich auf die Sphinx gesetzt.
+ Man sieht ihn nicht, der Taxus steht davor.
+
+Claudio
+
+ Sinds Männer?
+
+Diener
+
+ Einige. Allein auch Frauen.
+ Nicht bettelhaft, altmodisch nur von Tracht,
+ Wie Kupferstiche angezogen sind.
+ Mit einer solchen grauenvollen Art
+ Still dazusitzen und mit toten Augen
+ Auf einen wie in leere Luft zu schauen,
+ Das sind nicht Menschen. Euer Gnaden sein
+ Nicht ungehalten, nur um keinen Preis
+ Der Welt möcht ich in ihre Nähe gehen.
+ So Gott will, sind sie morgen früh verschwunden;
+ Ich will -- mit gnädiger Erlaubnis -- jetzt
+ Die Tür vom Haus verriegeln und das Schloß
+ Einsprengen mit geweihtem Wasser. Denn
+ Ich habe solche Menschen nie gesehn,
+ Und solche Augen haben Menschen nicht.
+
+Claudio
+
+ Tu, was du willst, und gute Nacht.
+
+Er geht eine Weile nachdenklich auf und nieder. Hinter der Szene
+erklingt das sehnsüchtige und ergreifende Spiel einer Geige, zuerst
+ferner, allmählich näher, endlich warm und voll, als wenn es aus dem
+Nebenzimmer dränge.
+
+ Musik?
+ Und seltsam zu der Seele redende!
+ Hat mich des Menschen Unsinn auch verstört?
+ Mich dünkt, als hätt ich solche Töne
+ Von Menschengeigen nie gehört ...
+
+Er bleibt horchend gegen die rechte Seite gewandt.
+
+ In tiefen, scheinbar lang ersehnten Schauern
+ Dringts allgewaltig auf mich ein;
+ Es scheint unendliches Bedauern,
+ Unendlich Hoffen scheints zu sein,
+ Als strömte von den alten, stillen Mauern
+ Mein Leben flutend und verklärt herein.
+ Wie der Geliebten, wie der Mutter Kommen,
+ Wie jedes Langverlornen Wiederkehr,
+ Regt es Gedanken auf, die warmen, frommen,
+ Und wirft mich in ein jugendliches Meer:
+ Ein Knabe stand ich so im Frühlingsglänzen
+ Und meinte aufzuschweben in das All,
+ Unendlich Sehnen über alle Grenzen
+ Durchwehte mich in ahnungsvollem Schwall!
+ Und Wanderzeiten kamen, rauschumfangen,
+ Da leuchtete manchmal die ganze Welt,
+ Und Rosen glühten, und die Glocken klangen,
+ Von fremdem Lichte jubelnd und erhellt:
+ Wie waren da lebendig alle Dinge
+ Dem liebenden Erfassen nah gerückt,
+ Wie fühlt ich mich beseelt und tief entzückt,
+ Ein lebend Glied im großen Lebensringe!
+ Da ahnte ich, durch mein Herz auch geleitet,
+ Den Liebesstrom, der alle Herzen nährt,
+ Und ein Genügen hielt mein Ich geweitet,
+ Das heute kaum mir noch den Traum verklärt.
+ Tön fort, Musik, noch eine Weile so
+ Und rühr mein Innres also innig auf:
+ Leicht wähn ich dann mein Leben warm und froh,
+ Rücklebend so verzaubert seinen Lauf:
+ Denn alle süßen Flammen, Loh an Loh
+ Das Starre schmelzend, schlagen jetzt herauf!
+ Des allzu alten, allzu wirren Wissens
+ Auf diesen Nacken vielgehäufte Last
+ Vergeht, von diesem Laut des Urgewissens,
+ Den kindisch-tiefen Tönen angefaßt.
+ Weither mit großem Glockenläuten
+ Ankündigt sich ein kaum geahntes Leben,
+ In Formen, die unendlich viel bedeuten,
+ Gewaltig-schlicht im Nehmen und im Geben.
+
+Die Musik verstummt fast plötzlich.
+
+ Da, da verstummt, was mich so tief gerührt,
+ Worin ich Göttlich-Menschliches gespürt!
+ Der diese Wunderwelt unwissend hergesandt,
+ Er hebt wohl jetzt nach Kupfergeld die Kappe,
+ Ein abendlicher Bettelmusikant.
+
+Am Fenster rechts:
+
+ Hier unten steht er nicht. Wie sonderbar!
+ Wo denn? Ich will durchs andre Fenster schaun ...
+
+Wie er nach der Türe rechts geht, wird der Vorhang leise
+zurückgeschlagen, und in der Tür steht der Tod, den Fiedelbogen in der
+Hand, die Geige am Gürtel hängend. Er sieht Claudio, der entsetzt
+zurückfährt, ruhig an.
+
+ Wie packt mich sinnlos namenloses Grauen!
+ Wenn deiner Fiedel Klang so lieblich war,
+ Was bringt es solchen Krampf, dich anzuschauen?
+ Und schnürt die Kehle so und sträubt das Haar?
+ Geh weg! Du bist der Tod. Was willst du hier?
+ Ich fürchte mich. Geh weg! Ich kann nicht schrein,
+
+Sinkend:
+
+ Der Halt, die Luft des Lebens schwindet mir!
+ Geh weg! Wer rief dich? Geh! Wer ließ dich ein?
+
+Der Tod
+
+ Steh auf! Wirf dies ererbte Graun von dir!
+ Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe!
+ Aus des Dionysos, der Venus Sippe,
+ Ein großer Gott der Seele steht vor dir.
+ Wenn in der lauen Sommerabendfeier
+ Durch goldne Luft ein Blatt herabgeschwebt,
+ Hat dich mein Wehen angeschauert,
+ Das traumhaft um die reifen Dinge webt;
+ Wenn Überschwellen der Gefühle
+ Mit warmer Flut die Seele zitternd füllte,
+ Wenn sich im plötzlichen Durchzucken
+ Das Ungeheure als verwandt enthüllte,
+ Und du, hingebend dich im großen Reigen,
+ Die Welt empfingest als dein eigen:
+ In jeder wahrhaft großen Stunde,
+ Die schauern deine Erdenform gemacht,
+ Hab ich dich angerührt im Seelengrunde
+ Mit heiliger, geheimnisvoller Macht.
+
+Claudio
+
+ Genug! Ich grüße dich, wenngleich beklommen.
+
+Kleine Pause.
+
+ Doch wozu bist du eigentlich gekommen?
+
+Der Tod
+
+ Mein Kommen, Freund, hat stets nur _einen_ Sinn!
+
+Claudio
+
+ Bei mir hats eine Weile noch _dahin_!
+ Merk: eh das Blatt zu Boden schwebt,
+ Hat es zur Neige seinen Saft gesogen!
+ Dazu fehlt viel: Ich habe nicht gelebt!
+
+Der Tod
+
+ Bist doch, wie alle, deinen Weg gezogen!
+
+Claudio
+
+ Wie abgerißne Wiesenblumen
+ Ein dunkles Wasser mit sich reißt,
+ So glitten mir die jungen Tage,
+ Und ich hab nie gewußt, daß das schon Leben heißt.
+ Dann ... stand ich an den Lebensgittern,
+ Der Wunder bang, von Sehnsucht süß bedrängt,
+ Daß sie in majestätischen Gewittern
+ Auffliegen sollten, wundervoll gesprengt.
+ Es kam nicht so ... und einmal stand ich drinnen,
+ Der Weihe bar, und konnte mich auf mich
+ Und alle tiefsten Wünsche nicht besinnen,
+ Von einem Bann befangen, der nicht wich.
+ Von Dämmerung verwirrt und wie verschüttet,
+ Verdrießlich und im Innersten zerrüttet,
+ Mit halbem Herzen, unterbundnen Sinnen
+ In jedem Ganzen rätselhaft gehemmt,
+ Fühlt ich mich niemals recht durchglutet innen,
+ Von großen Wellen nie so recht geschwemmt,
+ Bin nie auf meinem Weg dem Gott begegnet,
+ Mit dem man ringt, bis daß er einen segnet.
+
+Der Tod
+
+ Was allen, ward auch dir gegeben,
+ Ein Erdenleben, irdisch es zu leben.
+ Im Innern quillt euch allen treu ein Geist,
+ Der diesem Chaos toter Sachen
+ Beziehung einzuhauchen heißt,
+ Und euren Garten draus zu machen
+ Für Wirksamkeit, Beglückung und Verdruß.
+ Weh dir, wenn ich dir das erst sagen muß!
+ Man bindet und man wird gebunden,
+ Entfaltung wirken schwül und wilde Stunden,
+ In Schlaf geweint und müd geplagt
+ Noch wollend, schwer von Sehnsucht, halbverzagt
+ Tiefatmend und vom Drang des Lebens warm ...
+ Doch alle _reif_, fallt ihr in meinen Arm.
+
+Claudio
+
+ Ich aber bin nicht reif, drum laß mich hier.
+ Ich will nicht länger töricht jammern,
+ Ich will mich an die Erdenscholle klammern,
+ Die tiefste Lebenssehnsucht schreit in mir.
+ Die höchste Angst zerreißt den alten Bann;
+ Jetzt fühl ich -- laß mich -- daß ich leben kann!
+ Ich fühls an diesem grenzenlosen Drängen:
+ Ich kann mein Herz an Erdendinge hängen.
+ O, du sollst sehn, nicht mehr wie stumme Tiere,
+ Nicht Puppen werden mir die andern sein!
+ Zum Herzen reden soll mir all das Ihre,
+ Ich dränge mich in jede Lust und Pein.
+ Ich will die Treue lernen, die der Halt
+ Von allem Leben ist ... ich füg mich so,
+ Daß Gut und Böse über mich Gewalt
+ Soll haben und mich machen wild und froh.
+ Dann werden sich die Schemen mir beleben!
+ Ich werde Menschen auf dem Wege finden,
+ Nicht länger stumm im Nehmen und im Geben,
+ Gebunden werden -- ja! -- und kräftig binden.
+
+Da er die ungerührte Miene des Todes wahrnimmt, mit steigender Angst:
+
+ Denn schau, glaub mir, das war nicht so bisher:
+ Du meinst, ich hätte doch geliebt, gehaßt ...
+ Nein, nie hab ich den Kern davon erfaßt,
+ Es war ein Tausch von Schein und Worten leer!
+ Da schau, ich kann dir zeigen: Briefe, sieh,
+
+Er reißt eine Lade auf und entnimmt ihr Pakete geordneter alter Briefe:
+
+ Mit Schwüren voll und Liebeswort und Klagen;
+ Meinst du, ich hätte je _gespürt_, was _die_ --
+ _Gespürt_, was _ich_ als Antwort schien zu sagen?!
+
+Er wirft ihm die Pakete vor die Füße, daß die einzelnen Briefe
+herausfliegen.
+
+ Da hast du dieses ganze Liebesleben,
+ Daraus nur ich und ich nur widertönte,
+ Wie ich der Stimmung Auf- und Niederbeben
+ Mitbebend, jeden heilgen Halt verhöhnte!
+ Da! da! und alles andre ist wie das:
+ Ohn Sinn, ohn Glück, ohn Schmerz, ohn Lieb, ohn Haß!
+
+Der Tod
+
+ Du Tor! Du schlimmer Tor, ich will dich lehren,
+ Das Leben, eh dus endest, einmal ehren.
+ Stell dich dorthin und schweig und sieh hieher
+ Und lern, daß alle andern diesen Schollen
+ Mit lieberfülltem Erdensinn entquollen,
+ Und nur du selber schellenlaut und leer.
+
+Der Tod tut ein paar Geigenstriche, gleichsam rufend. Er steht an der
+Schlafzimmertüre, im Vordergrund rechts, Claudio an der Wand links, im
+Halbdunkel. Aus der Tür rechts tritt die Mutter. Sie ist nicht sehr alt.
+Sie trägt ein langes, schwarzes Samtkleid, eine schwarze Samthaube mit
+einer weißen Rüsche, die das Gesicht umrahmt. In den feinen blassen
+Fingern ein weißes Spitzentaschentuch. Sie tritt leise aus der Tür und
+geht lautlos im Zimmer umher.
+
+Die Mutter
+
+ Wie viele süße Schmerzen saug ich ein
+ Mit dieser Luft. Wie von Lavendelkraut
+ Ein feiner toter Atem weht die Hälfte
+ Von meinem Erdendasein hier umher:
+ Ein Mutterleben, nun, ein Dritteil Schmerzen,
+ Eins Plage, Sorge eins. Was weiß ein Mann
+ Davon?
+
+An der Truhe:
+
+ Die Kante da noch immer scharf?
+ Da schlug er sich einmal die Schläfe blutig;
+ Freilich, er war auch klein und heftig, wild
+ Im Laufen, nicht zu halten. Da, das Fenster!
+ Da stand ich oft und horchte in die Nacht
+ Hinaus auf seinen Schritt mit solcher Gier,
+ Wenn mich die Angst im Bett nicht länger litt,
+ Wenn er nicht kam, und schlug doch zwei, und schlug
+ Dann drei und fing schon blaß zu dämmern an ...
+ Wie oft ... Doch hat er nie etwas gewußt --
+ Ich war ja auch bei Tag hübsch viel allein.
+ Die Hand, die gießt die Blumen, klopft den Staub
+ Vom Kissen, reibt die Messingklinken blank,
+ So läuft der Tag; allein der Kopf hat nichts
+ Zu tun: da geht im Kreis ein dumpfes Rad
+ Mit Ahnungen und traumbeklommenem
+ Geheimnisvollem Schmerzgefühle, das
+ Wohl mit der Mutterschaft unfaßlichem
+ Geheimen Heiligtum zusammenhängt
+ Und allem tiefsten Weben dieser Welt
+ Verwandt ist. Aber mir ist nicht gegönnt,
+ Der süß beklemmend, schmerzlich nährenden,
+ Der Luft vergangnen Lebens mehr zu atmen.
+ Ich muß ja gehen, gehen ...
+
+Sie geht durch die Mitteltüre ab.
+
+Claudio
+
+ Mutter!
+
+Der Tod
+
+ Schweig!
+ Du bringst sie nicht zurück.
+
+Claudio
+
+ Ah! Mutter, komm!
+ Laß mich dir einmal mit den Lippen hier,
+ Den zuckenden, die immer schmalgepreßt,
+ Hochmütig schwiegen, laß mich doch vor dir
+ So auf den Knien ... Ruf sie! Halt sie fest!
+ Sie wollte nicht! Hast du denn nicht gesehn?!
+ Was zwingst du sie, Entsetzlicher, zu gehn?
+
+Der Tod
+
+ Laß mir, was mein. Dein _war_ es.
+
+Claudio
+
+ Ah! und nie
+ Gefühlt! Dürr, alles dürr! Wann hab ich je
+ Gespürt, daß alle Wurzeln meines Seins
+ Nach ihr sich zuckend drängten, ihre Näh
+ Wie einer Gottheit Nähe wundervoll
+ Durchschauert mich und quellend füllen soll
+ Mit Menschensehnsucht, Menschenlust -- und -weh?!
+
+Der Tod, um seine Klagen unbekümmert, spielt die Melodie eines alten
+Volksliedes. Langsam tritt ein junges Mädchen ein; sie trägt ein
+einfaches, großgeblümtes Kleid, Kreuzbandschuhe, um den Hals ein
+Stückchen Schleier, bloßer Kopf.
+
+Das junge Mädchen
+
+ Es war doch schön ... Denkst du nie mehr daran?
+ Freilich, du hast mir weh getan, so weh ...
+ Allein, was hört denn nicht in Schmerzen auf?
+ Ich hab so wenig frohe Tag' gesehn,
+ Und die, die waren schön als wie ein Traum!
+ Die Blumen vor dem Fenster, meine Blumen,
+ Das kleine, wacklige Spinett, der Schrank,
+ In den ich deine Briefe legte und
+ Was du mir etwa schenktest ... alles das
+ -- Lach mich nicht aus -- das wurde alles schön
+ Und redete mit wachen, lieben Lippen!
+ Wenn nach dem schwülen Abend Regen kam
+ Und wir am Fenster standen -- ah, der Duft
+ Der nassen Bäume! -- Alles das ist hin,
+ Gestorben, was daran lebendig war!
+ Und liegt in unsrer Liebe kleinem Grab.
+ Allein es war so schön, und du bist schuld,
+ Daß es so schön war. Und daß du mich dann
+ Fortwarfest, achtlos grausam, wie ein Kind,
+ Des Spielens müd, die Blumen fallen läßt ...
+ Mein Gott, ich hatte nichts, dich festzubinden.
+
+Kleine Pause.
+
+ Wie dann dein Brief, der letzte, schlimme, kam,
+ Da wollt ich sterben. Nicht, um dich zu quälen,
+ Sag ich dir das. Ich wollte einen Brief
+ Zum Abschied an dich schreiben, ohne Klag,
+ Nicht heftig, ohne wilde Traurigkeit;
+ Nur so, daß du nach meiner Lieb und mir
+ Noch einmal solltest Heimweh haben und
+ Ein wenig weinen, weils dazu zu spät.
+ Ich hab dir nicht geschrieben. Nein. Wozu?
+ Was weiß denn ich, wieviel von deinem Herzen
+ In all dem war, was meinen armen Sinn
+ Mit Glanz und Fieber so erfüllte, daß
+ Ich wie im Traum am lichten Tage ging.
+ Aus Untreu macht kein guter Wille Treu,
+ Und Tränen machen kein Erstorbnes wach.
+ Man stirbt auch nicht daran. Viel später erst,
+ Nach langem, ödem Elend durft ich mich
+ Hinlegen, um zu sterben. Und ich bat,
+ In deiner Todesstund bei dir zu sein.
+ Nicht grauenvoll, um dich zu quälen nicht,
+ Nur wie wenn einer einen Becher Wein
+ Austrinkt und flüchtig ihn der Duft gemahnt
+ An irgendwo vergeßne, leise Lust.
+
+Sie geht ab; Claudio birgt sein Gesicht in den Händen. Unmittelbar nach
+ihrem Abgehen tritt ein Mann ein. Er hat beiläufig Claudios Alter. Er
+trägt einen unordentlichen, bestaubten Reiseanzug. In seiner linken
+Brust steckt mit herausragendem Holzgriff ein Messer. Er bleibt in der
+Mitte der Bühne, Claudio zugewendet, stehen.
+
+Der Mann
+
+ Lebst du noch immer, Ewigspielender?
+ Liest immer noch Horaz und freuest dich
+ Am spöttisch-klugen, nie bewegten Sinn?
+ Mit feinen Worten bist du mir genaht,
+ Scheinbar gepackt von was auch mich bewegte ...
+ Ich hab dich, sagtest du, gemahnt an Dinge,
+ Die heimlich in dir schliefen, wie der Wind
+ Der Nacht von fernem Ziel zuweilen redet ...
+ O ja, ein feines Saitenspiel im Wind
+ Warst du, und der verliebte Wind dafür
+ Stets eines andern ausgenützter Atem,
+ Der meine oder sonst. Wir waren ja
+ Sehr lange Freunde. Freunde? Heißt: gemein
+ War zwischen uns Gespräch bei Tag und Nacht,
+ Verkehr mit gleichen Menschen, Tändelei
+ Mit einer gleichen Frau. Gemein: so wie
+ Gemeinsam zwischen Herr und Sklave ist
+ Haus, Sänfte, Hund und Mittagstisch und Peitsche:
+ Dem ist das Haus zur Lust, ein Kerker dem;
+ Den trägt die Sänfte, jenem drückt die Schulter
+ Ihr Schnitzwerk wund; der läßt den Hund im Garten
+ Durch Reifen springen, jener wartet ihn!...
+ Halbfertige Gefühle, meiner Seele
+ Schmerzlich geborne Perlen, nahmst du mir
+ Und warfst sie als dein Spielzeug in die Luft,
+ Du, schnellbefreundet, fertig schnell mit jedem,
+ Ich mit dem stummen Werben in der Seele
+ Und Zähne zugepreßt, du ohne Scheu
+ An allem tastend, während mir das Wort
+ Mißtrauisch und verschüchtert starb am Weg.
+ Da kam uns in den Weg ein Weib. Was mich
+ Ergriff, wie Krankheit über einen kommt,
+ Wo alle Sinne taumeln, überwach
+ Von allzu vielem Schaun nach einem Ziel ...
+ Nach einem solchen Ziel, voll süßer Schwermut
+ Und wildem Glanz und Duft, aus tiefem Dunkel
+ Wie Wetterleuchten webend ... Alles das,
+ Du sahst es auch, es reizte dich!... »Ja, weil
+ Ich selber ähnlich bin zu mancher Zeit,
+ So reizte mich des Mädchens müde Art
+ Und herbe Hoheit, so enttäuschten Sinns
+ Bei solcher Jugend.« Hast du mirs denn nicht
+ Dann später so erzählt? Es reizte dich!
+ Mir war es mehr als dieses Blut und Hirn!
+ Und sattgespielt, warfst du die Puppe mir,
+ Mir zu, ihr ganzes Bild vom Überdruß
+ In dir entstellt, so fürchterlich verzerrt,
+ Des wundervollen Zaubers so entblößt,
+ Die Züge sinnlos, das lebendge Haar
+ Tot hängend, warfst mir eine Larve zu,
+ In schnödes Nichts mit widerlicher Kunst
+ Zersetzend rätselhaften süßen Reiz.
+ Für dieses haßte endlich ich dich so,
+ Wie dich mein dunkles Ahnen stets gehaßt,
+ Und wich dir aus.
+ Dann trieb mich mein Geschick,
+ Das endlich mich Zerbrochnen segnete,
+ Mit einem Ziel und Willen in der Brust --
+ Die nicht in deiner giftgen Nähe ganz
+ Für alle Triebe abgestorben war --
+ Ja, für ein Hohes trieb mich mein Geschick
+ In dieser Mörderklinge herben Tod,
+ Der mich in einen Straßengraben warf,
+ Darin ich liegend langsam moderte
+ Um Dinge, die du nicht begreifen kannst,
+ Und dreimal selig dennoch gegen dich,
+ Der keinem etwas war und keiner ihm.
+
+Er geht ab.
+
+Claudio
+
+ Wohl keinem etwas, keiner etwas mir.
+
+Sich langsam aufrichtend:
+
+ Wie auf der Bühn ein schlechter Komödiant --
+ Aufs Stichwort kommt er, redt sein Teil und geht
+ Gleichgültig gegen alles andre, stumpf,
+ Vom Klang der eignen Stimme ungerührt
+ Und hohlen Tones andre rührend nicht:
+ So über diese Lebensbühne hin
+ Bin ich gegangen ohne Kraft und Wert.
+ Warum geschah mir das? Warum, du Tod,
+ Mußt du mich lehren erst das Leben sehen,
+ Nicht wie durch einen Schleier, wach und ganz,
+ Da etwas weckend, so vorübergehen?
+ Warum bemächtigt sich des Kindersinns
+ So hohe Ahnung von den Lebensdingen,
+ Daß dann die Dinge, wenn sie wirklich sind,
+ Nur schale Schauer des Erinnerns bringen?
+ Warum erklingt uns nicht ein Geigenspiel,
+ Aufwühlend die verborgne Geisterwelt,
+ Die unser Busen heimlich hält,
+ Verschüttet, dem Bewußtsein so verschwiegen,
+ Wie Blumen im Geröll verschüttet liegen?
+ Könnt ich mit dir sein, wo man dich nur hört,
+ Nicht von verworrner Kleinlichkeit verstört!
+ Ich kanns! Gewähre, was du mir gedroht:
+ Da tot mein Leben war, sei du mein Leben, Tod!
+ Was zwingt mich, der ich beides nicht erkenne,
+ Daß ich dich Tod und jenes Leben nenne?
+ In eine Stunde kannst du Leben pressen,
+ Mehr als das ganze Leben konnte halten,
+ Das schattenhafte will ich ganz vergessen
+ Und weih mich deinen Wundern und Gewalten.
+
+Er besinnt sich einen Augenblick.
+
+ Kann sein, dies ist nur sterbendes Besinnen,
+ Heraufgespült vom tödlich wachen Blut,
+ Doch hab ich nie mit allen Lebenssinnen
+ So viel ergriffen, und so nenn ichs gut!
+ Wenn ich jetzt ausgelöscht hinsterben soll,
+ Mein Hirn von dieser Stunde also voll,
+ Dann schwinde alles blasse Leben hin:
+ Erst, da ich sterbe, spür ich, daß ich bin.
+ Wenn einer träumt, so kann ein Übermaß
+ Geträumten Fühlens ihn erwachen machen,
+ So wach ich jetzt, im Fühlensübermaß
+ Vom Lebenstraum, wohl auf im Todeswachen.
+
+Er sinkt tot zu den Füßen des Todes nieder.
+
+Der Tod
+
+indem er kopfschüttelnd langsam abgeht
+
+ Wie wundervoll sind diese Wesen,
+ Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
+ Was nie geschrieben wurde, lesen,
+ Verworrenes beherrschend binden
+ Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.
+
+Er verschwindet in der Mitteltür, seine Worte verklingen. Im Zimmer
+bleibt es still. Draußen sieht man durchs Fenster den Tod geigenspielend
+vorübergehen, hinter ihm die Mutter, auch das Mädchen, dicht bei ihnen
+eine Claudio gleichende Gestalt.
+
+
+ Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
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+people in all walks of life.
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+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
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+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
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+Foundation
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+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+Literary Archive Foundation
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+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
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+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
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+status with the IRS.
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
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+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
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+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
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+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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+</head>
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+<body>
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+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Tor und der Tod
+
+Author: Hugo von Hofmannsthal
+
+Release Date: March 31, 2010 [EBook #31850]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
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+
+
+</pre>
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkung zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen.</p>
+</div>
+
+<div id="text-block">
+
+<h1>DER TOR UND DER TOD</h1>
+
+<p class="center" style="line-height: 3em;">VON<br/>
+<big>HUGO VON HOFMANNSTHAL</big></p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px; margin-bottom: 0em;">
+<img src="images/f0001-image.png" width="400" height="354" alt="" title="" />
+</div>
+
+<p class="center" style="width: 480px; margin: auto; border-top: 6px double black; padding-top: 4px; font-size: larger;">IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG</p>
+
+
+
+<div id="dramatis-personae-box">
+<table id="dramatis-personae" summary="Dramatis personae">
+<tr>
+ <td colspan="4">Der Tod</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="4">Claudio, ein Edelmann</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td colspan="4">Sein Kammerdiener</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>Claudios Mutter</td>
+ <td class="b-tr">&nbsp;</td>
+ <td colspan="2">&nbsp;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td rowspan="2">Eine Geliebte des Claudio</td>
+ <td class="b-r" style="height: 1em; width: 0.5em;">&nbsp;</td>
+ <td class="b-b" style="height: 1em; width: 0.5em;">&nbsp;</td>
+ <td rowspan="2">Tote</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="b-r" style="height: 1em;">&nbsp;</td>
+ <td style="height: 1em;">&nbsp;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>Ein Jugendfreund</td>
+ <td class="b-br">&nbsp;</td>
+ <td colspan="2">&nbsp;</td>
+</tr>
+</table>
+
+<p class="center smcap">Claudios Haus &ndash; Kostüm der zwanziger
+Jahre des vorigen Jahrhunderts</p>
+</div>
+
+
+<div class="figcenter page-break-before" style="width: 500px;">
+<a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>
+<img src="images/p0007-image.png" width="500" height="69" alt="" title="" />
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Studierzimmer des Claudio, im Empiregeschmack. Im Hintergrund
+links und rechts große Fenster, in der Mitte eine Glastüre
+auf den Balkon hinaus, von dem eine hängende Holztreppe
+in den Garten führt. Links eine weiße Flügeltür, rechts eine
+gleiche nach dem Schlafzimmer, mit einem grünen Samtvorhang
+geschlossen. Am Fenster links steht ein Schreibtisch, davor ein
+Lehnstuhl. An den Pfeilern Glaskasten mit Altertümern. An
+der Wand rechts eine gotische, dunkle, geschnitzte Truhe;
+darüber altertümliche Musikinstrumente. Ein fast schwarz gedunkeltes
+Bild eines italienischen Meisters. Der Grundton der
+Tapete licht, fast weiß; mit Stukkatur und Gold.</p>
+</div>
+
+
+<div class="stage-direction" style="margin-top: 3em;">
+<p class="short"><span class="smcap">Claudio</span> allein</p>
+
+<p class="short">Er sitzt am Fenster. Abendsonne.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza drop-cap">
+Die letzten Berge liegen nun im Glanz,<br/>
+In feuchten Schmelz durchsonnter Luft gewandet.<br/>
+Es schwebt ein Alabasterwolkenkranz<br/>
+Zuhöchst, mit grauen Schatten, goldumrandet:<br/>
+So malen Meister von den frühen Tagen<br/>
+Die Wolken, welche die Madonna tragen.<br/>
+Am Abhang liegen blaue Wolkenschatten,<br/>
+Der Bergesschatten füllt das weite Tal<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>
+Und dämpft zu grauem Grün den Glanz der Matten;<br/>
+Der Gipfel glänzt im vollen letzten Strahl.<br/>
+Wie nah sind meiner Sehnsucht die gerückt,<br/>
+Die dort auf weiten Halden einsam wohnen<br/>
+Und denen Güter, mit der Hand gepflückt,<br/>
+Die gute Mattigkeit der Glieder lohnen.<br/>
+Der wundervolle, wilde Morgenwind,<br/>
+Der nackten Fußes läuft im Heidenduft,<br/>
+Der weckt sie auf; die wilden Bienen sind<br/>
+Um sie, und Gottes helle, heiße Luft.<br/>
+Es gab Natur sich ihnen zum Geschäfte,<br/>
+In allen ihren Wünschen quillt Natur,<br/>
+Im Wechselspiel der frisch und müden Kräfte<br/>
+Wird ihnen jedes warmen Glückes Spur.<br/>
+Jetzt rückt der goldne Ball, und er versinkt<br/>
+In fernster Meere grünlichem Kristall;<br/>
+Das letzte Licht durch ferne Bäume blinkt,<br/>
+Jetzt atmet roter Rauch, ein Glutenwall<br/>
+Den Strand erfüllend, wo die Städte liegen,<br/>
+Die mit Najadenarmen, flutenttaucht,<br/>
+In hohen Schiffen ihre Kinder wiegen,<br/>
+Ein Volk, verwegen, listig und erlaucht.<br/>
+Sie gleiten über ferne, wunderschwere,<br/>
+Verschwiegne Flut, die nie ein Kiel geteilt,<br/>
+Es regt die Brust der Zorn der wilden Meere,<br/>
+Da wird sie jedem Wahn und Weh geheilt.<br/>
+So seh ich Sinn und Segen fern gebreitet<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>
+Und starre voller Sehnsucht stets hinüber,<br/>
+Doch wie mein Blick dem Nahen näher gleitet,<br/>
+Wird alles öd, verletzender und trüber;<br/>
+Es scheint mein ganzes so versäumtes Leben<br/>
+Verlorne Lust und nie geweinte Tränen<br/>
+Um diese Gassen, dieses Haus zu weben<br/>
+Und ewig sinnlos Suchen, wirres Sehnen.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Am Fenster stehend:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Jetzt zünden sie die Lichter an und haben<br/>
+In engen Wänden eine dumpfe Welt<br/>
+Mit allen Rausch- und Tränengaben<br/>
+Und was noch sonst ein Herz gefangen hält.<br/>
+Sie sind einander herzlich nah<br/>
+Und härmen sich um einen, der entfernt;<br/>
+Und wenn wohl einem Leid geschah,<br/>
+So trösten sie &hellip; ich habe Trösten nie gelernt.<br/>
+Sie können sich mit einfachen Worten,<br/>
+Was nötig zum Weinen und Lachen, sagen,<br/>
+Müssen nicht an sieben vernagelte Pforten<br/>
+Mit blutigen Fingern schlagen.
+</div>
+<div class="stanza">
+Was weiß denn ich vom Menschenleben?<br/>
+Bin freilich scheinbar drin gestanden,<br/>
+Aber ich hab es höchstens verstanden,<br/>
+Konnte mich nie darein verweben.<br/>
+Hab mich niemals daran verloren.<br/>
+Wo andre nehmen, andre geben,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+Blieb ich beiseit, im Innern stummgeboren.<br/>
+Ich hab von allen lieben Lippen<br/>
+Den wahren Trank des Lebens nie gesogen,<br/>
+Bin nie von wahrem Schmerz durchschüttert,<br/>
+Die Straße einsam, schluchzend, nie! gezogen.<br/>
+Wenn ich von guten Gaben der Natur<br/>
+Je eine Regung, einen Hauch erfuhr,<br/>
+So nannte ihn mein überwacher Sinn,<br/>
+Unfähig des Vergessens, grell beim Namen.<br/>
+Und wie dann tausende Vergleiche kamen,<br/>
+War das Vertrauen, war das Glück dahin.<br/>
+Und auch das Leid! zerfasert und zerfressen<br/>
+Vom Denken, abgeblaßt und ausgelaugt!<br/>
+Wie wollte ich an meine Brust es pressen,<br/>
+Wie hätt ich Wonne aus dem Schmerz gesaugt:<br/>
+Sein Flügel streifte mich, ich wurde matt,<br/>
+Und Unbehagen kam an Schmerzes Statt &hellip;
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Aufschreckend:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Es dunkelt schon. Ich fall in Grübelei.<br/>
+Ja, ja: die Zeit hat Kinder mancherlei.<br/>
+Doch ich bin müd und soll wohl schlafen gehen.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Der Diener bringt eine Lampe, geht dann wieder.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Jetzt läßt der Lampe Glanz mich wieder sehen<br/>
+Die Rumpelkammer voller totem Tand,<br/>
+Wodurch ich doch mich einzuschleichen wähnte,<br/>
+Wenn ich den graden Weg auch nimmer fand<br/>
+In jenes Leben, das ich so ersehnte.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>
+<p class="short">Vor dem Kruzifix:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Zu deinen wunden, elfenbeinern Füßen,<br/>
+Du Herr am Kreuz, sind etliche gelegen,<br/>
+Die Flammen niederbetend, jene süßen,<br/>
+Ins eigne Herz, die wundervoll bewegen,<br/>
+Und wenn statt Gluten öde Kälte kam,<br/>
+Vergingen sie in Reue, Angst und Scham.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Vor einem alten Bild:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Gioconda, du, aus wundervollem Grund,<br/>
+Herleuchtend mit dem Glanz durchseelter Glieder,<br/>
+Dem rätselhaften, süßen, herben Mund,<br/>
+Dem Prunk der träumeschweren Augenlider:<br/>
+Gerad so viel verrietest du mir Leben,<br/>
+Als fragend ich vermocht dir einzuweben!
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Sich abwendend, vor einer Truhe:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Ihr Becher, ihr, an deren kühlem Rand<br/>
+Wohl etlich Lippen selig hingen,<br/>
+Ihr alten Lauten, ihr, bei deren Klingen<br/>
+Sich manches Herz die tiefste Rührung fand,<br/>
+Was gäb ich, könnt mich euer Bann erfassen,<br/>
+Wie wollt ich mich gefangen finden lassen!<br/>
+Ihr hölzern, ehern Schilderwerk,<br/>
+Verwirrend, formenquellend Bilderwerk,<br/>
+Ihr Kröten, Engel, Greife, Faunen,<br/>
+Phantastsche Vögel, goldnes Fruchtgeschlinge,<br/>
+Berauschende und ängstigende Dinge,<br/>
+Ihr wart doch all einmal gefühlt,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>
+Gezeugt von zuckenden, lebendgen Launen,<br/>
+Vom großen Meer emporgespült,<br/>
+Und wie den Fisch das Netz, hat euch die Form gefangen!<br/>
+Umsonst bin ich, umsonst euch nachgegangen,<br/>
+Von eurem Reize allzusehr gebunden:<br/>
+Und wie ich eurer eigensinngen Seelen<br/>
+Jedwede, wie die Masken, durchempfunden,<br/>
+War mir verschleiert Leben, Herz und Welt,<br/>
+Ihr hieltet mich, ein Flatterschwarm, umstellt,<br/>
+Abweidend, unerbittliche Harpyien,<br/>
+An frischen Quellen jedes frische Blühen &hellip;<br/>
+Ich hab mich so an Künstliches verloren,<br/>
+Daß ich die Sonne sah aus toten Augen,<br/>
+Und nicht mehr hörte, als durch tote Ohren:<br/>
+Stets schleppte ich den rätselhaften Fluch,<br/>
+Nie ganz bewußt, nie völlig unbewußt,<br/>
+Mit kleinem Leid und schaler Lust<br/>
+Mein Leben zu erleben wie ein Buch,<br/>
+Das man zur Hälft noch nicht und halb nicht mehr begreift,<br/>
+Und hinter dem der Sinn erst nach Lebendgem schweift;<br/>
+Und was mich quälte und was mich erfreute,<br/>
+Mir war, als ob es nie sich selbst bedeute,<br/>
+Nein, künftgen Lebens vorgeliehnen Schein<br/>
+Und hohles Bild von einem vollem Sein.<br/>
+So hab ich mich in Leid und jeder Liebe<br/>
+Verwirrt mit Schatten nur herumgeschlagen,<br/>
+Verbraucht, doch nicht genossen alle Triebe,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>
+In dumpfem Traum, es würde endlich tagen.<br/>
+Ich wandte mich und sah das Leben an:<br/>
+Darinnen Schnellsein nicht zum Laufen nützt<br/>
+Und Tapfersein nicht hilft zum Streit; darin<br/>
+Unheil nicht traurig macht und Glück nicht froh;<br/>
+Auf Frag ohn Sinn folgt Antwort ohne Sinn;<br/>
+Verworrner Traum entsteigt der dunklen Schwelle,<br/>
+Und Glück ist alles, Stunde, Wind und Welle!<br/>
+So schmerzlich klug und so enttäuschten Sinn<br/>
+In müdem Hochmut liegend, in Entsagen<br/>
+Tief eingesponnen leb ich ohne Klagen<br/>
+In diesen Stuben, dieser Stadt dahin.<br/>
+Die Leute haben sich entwöhnt zu fragen<br/>
+Und finden, daß ich recht gewöhnlich bin.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Der Diener kommt und stellt einen Teller Kirschen auf den
+Tisch, dann will er die Balkontüre schließen.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Laß noch die Türen offen &ndash; Was erschreckt dich?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Euer Gnaden glauben mirs wohl nicht.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Halb für sich, mit Angst:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Jetzt haben sie im Lusthaus sich versteckt.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wer denn?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name"><a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i10">Entschuldigen, ich weiß es nicht.<br/></span>
+Ein ganzer Schwarm unheimliches Gesindel.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Bettler?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i9">Ich weiß es nicht.<br/></span>
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i28">So sperr die Tür,<br/></span>
+Die von der Gasse in den Garten, zu,<br/>
+Und leg dich schlafen und laß mich in Ruh.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Das eben macht mir solches Graun. Ich hab<br/>
+Die Gartentür verriegelt. Aber &hellip;
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i35">Nun?</span>
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Jetzt sitzen sie im Garten. Auf der Bank,<br/>
+Wo der sandsteinerne Apollo steht,<br/>
+Ein paar im Schatten dort am Brunnenrand,<br/>
+Und einer hat sich auf die Sphinx gesetzt.<br/>
+Man sieht ihn nicht, der Taxus steht davor.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name"><a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Sinds Männer?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Diener</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i14">Einige. Allein auch Frauen.<br/></span>
+Nicht bettelhaft, altmodisch nur von Tracht,<br/>
+Wie Kupferstiche angezogen sind.<br/>
+Mit einer solchen grauenvollen Art<br/>
+Still dazusitzen und mit toten Augen<br/>
+Auf einen wie in leere Luft zu schauen,<br/>
+Das sind nicht Menschen. Euer Gnaden sein<br/>
+Nicht ungehalten, nur um keinen Preis<br/>
+Der Welt möcht ich in ihre Nähe gehen.<br/>
+So Gott will, sind sie morgen früh verschwunden;<br/>
+Ich will &ndash; mit gnädiger Erlaubnis &ndash; jetzt<br/>
+Die Tür vom Haus verriegeln und das Schloß<br/>
+Einsprengen mit geweihtem Wasser. Denn<br/>
+Ich habe solche Menschen nie gesehn,<br/>
+Und solche Augen haben Menschen nicht.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Tu, was du willst, und gute Nacht.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Er geht eine Weile nachdenklich auf und nieder. Hinter der
+Szene erklingt das sehnsüchtige und ergreifende Spiel einer Geige,
+zuerst ferner, allmählich näher, endlich warm und voll, als
+wenn es aus dem Nebenzimmer dränge.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i35">Musik?<br /></span>
+Und seltsam zu der Seele redende!<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>
+Hat mich des Menschen Unsinn auch verstört?<br/>
+Mich dünkt, als hätt ich solche Töne<br/>
+Von Menschengeigen nie gehört &hellip;
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Er bleibt horchend gegen die rechte Seite gewandt.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+In tiefen, scheinbar lang ersehnten Schauern<br/>
+Dringts allgewaltig auf mich ein;<br/>
+Es scheint unendliches Bedauern,<br/>
+Unendlich Hoffen scheints zu sein,<br/>
+Als strömte von den alten, stillen Mauern<br/>
+Mein Leben flutend und verklärt herein.<br/>
+Wie der Geliebten, wie der Mutter Kommen,<br/>
+Wie jedes Langverlornen Wiederkehr,<br/>
+Regt es Gedanken auf, die warmen, frommen,<br/>
+Und wirft mich in ein jugendliches Meer:<br/>
+Ein Knabe stand ich so im Frühlingsglänzen<br/>
+Und meinte aufzuschweben in das All,<br/>
+Unendlich Sehnen über alle Grenzen<br/>
+Durchwehte mich in ahnungsvollem Schwall!<br/>
+Und Wanderzeiten kamen, rauschumfangen,<br/>
+Da leuchtete manchmal die ganze Welt,<br/>
+Und Rosen glühten, und die Glocken klangen,<br/>
+Von fremdem Lichte jubelnd und erhellt:<br/>
+Wie waren da lebendig alle Dinge<br/>
+Dem liebenden Erfassen nah gerückt,<br/>
+Wie fühlt ich mich beseelt und tief entzückt,<br/>
+Ein lebend Glied im großen Lebensringe!<br/>
+Da ahnte ich, durch mein Herz auch geleitet,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>
+Den Liebesstrom, der alle Herzen nährt,<br/>
+Und ein Genügen hielt mein Ich geweitet,<br/>
+Das heute kaum mir noch den Traum verklärt.<br/>
+Tön fort, Musik, noch eine Weile so<br/>
+Und rühr mein Innres also innig auf:<br/>
+Leicht wähn ich dann mein Leben warm und froh,<br/>
+Rücklebend so verzaubert seinen Lauf:<br/>
+Denn alle süßen Flammen, Loh an Loh<br/>
+Das Starre schmelzend, schlagen jetzt herauf!<br/>
+Des allzu alten, allzu wirren Wissens<br/>
+Auf diesen Nacken vielgehäufte Last<br/>
+Vergeht, von diesem Laut des Urgewissens,<br/>
+Den kindisch-tiefen Tönen angefaßt.<br/>
+Weither mit großem Glockenläuten<br/>
+Ankündigt sich ein kaum geahntes Leben,<br/>
+In Formen, die unendlich viel bedeuten,<br/>
+Gewaltig-schlicht im Nehmen und im Geben.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Die Musik verstummt fast plötzlich.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Da, da verstummt, was mich so tief gerührt,<br/>
+Worin ich Göttlich-Menschliches gespürt!<br/>
+Der diese Wunderwelt unwissend hergesandt,<br/>
+Er hebt wohl jetzt nach Kupfergeld die Kappe,<br/>
+Ein abendlicher Bettelmusikant.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Am Fenster rechts:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Hier unten steht er nicht. Wie sonderbar!<br/>
+Wo denn? Ich will durchs andre Fenster schaun &hellip;
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>
+<p>Wie er nach der Türe rechts geht, wird der Vorhang leise
+zurückgeschlagen, und in der Tür steht der Tod, den Fiedelbogen
+in der Hand, die Geige am Gürtel hängend. Er sieht
+Claudio, der entsetzt zurückfährt, ruhig an.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie packt mich sinnlos namenloses Grauen!<br/>
+Wenn deiner Fiedel Klang so lieblich war,<br/>
+Was bringt es solchen Krampf, dich anzuschauen?<br/>
+Und schnürt die Kehle so und sträubt das Haar?<br/>
+Geh weg! Du bist der Tod. Was willst du hier?<br/>
+Ich fürchte mich. Geh weg! Ich kann nicht schrein,
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Sinkend:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Der Halt, die Luft des Lebens schwindet mir!<br/>
+Geh weg! Wer rief dich? Geh! Wer ließ dich ein?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Steh auf! Wirf dies ererbte Graun von dir!<br/>
+Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe!<br/>
+Aus des Dionysos, der Venus Sippe,<br/>
+Ein großer Gott der Seele steht vor dir.<br/>
+Wenn in der lauen Sommerabendfeier<br/>
+Durch goldne Luft ein Blatt herabgeschwebt,<br/>
+Hat dich mein Wehen angeschauert,<br/>
+Das traumhaft um die reifen Dinge webt;<br/>
+Wenn Überschwellen der Gefühle<br/>
+Mit warmer Flut die Seele zitternd füllte,<br/>
+Wenn sich im plötzlichen Durchzucken<br/>
+Das Ungeheure als verwandt enthüllte,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>
+Und du, hingebend dich im großen Reigen,<br/>
+Die Welt empfingest als dein eigen:<br/>
+In jeder wahrhaft großen Stunde,<br/>
+Die schauern deine Erdenform gemacht,<br/>
+Hab ich dich angerührt im Seelengrunde<br/>
+Mit heiliger, geheimnisvoller Macht.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Genug! Ich grüße dich, wenngleich beklommen.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Kleine Pause.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Doch wozu bist du eigentlich gekommen?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Mein Kommen, Freund, hat stets nur <em class="gesperrt">einen</em> Sinn!
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Bei mir hats eine Weile noch <em class="gesperrt">dahin</em>!<br/>
+Merk: eh das Blatt zu Boden schwebt,<br/>
+Hat es zur Neige seinen Saft gesogen!<br/>
+Dazu fehlt viel: Ich habe nicht gelebt!
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Bist doch, wie alle, deinen Weg gezogen!
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie abgerißne Wiesenblumen<br/>
+Ein dunkles Wasser mit sich reißt,<br/>
+So glitten mir die jungen Tage,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>
+Und ich hab nie gewußt, daß das schon Leben heißt.<br/>
+Dann &hellip; stand ich an den Lebensgittern,<br/>
+Der Wunder bang, von Sehnsucht süß bedrängt,<br/>
+Daß sie in majestätischen Gewittern<br/>
+Auffliegen sollten, wundervoll gesprengt.<br/>
+Es kam nicht so &hellip; und einmal stand ich drinnen,<br/>
+Der Weihe bar, und konnte mich auf mich<br/>
+Und alle tiefsten Wünsche nicht besinnen,<br/>
+Von einem Bann befangen, der nicht wich.<br/>
+Von Dämmerung verwirrt und wie verschüttet,<br/>
+Verdrießlich und im Innersten zerrüttet,<br/>
+Mit halbem Herzen, unterbundnen Sinnen<br/>
+In jedem Ganzen rätselhaft gehemmt,<br/>
+Fühlt ich mich niemals recht durchglutet innen,<br/>
+Von großen Wellen nie so recht geschwemmt,<br/>
+Bin nie auf meinem Weg dem Gott begegnet,<br/>
+Mit dem man ringt, bis daß er einen segnet.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Was allen, ward auch dir gegeben,<br/>
+Ein Erdenleben, irdisch es zu leben.<br/>
+Im Innern quillt euch allen treu ein Geist,<br/>
+Der diesem Chaos toter Sachen<br/>
+Beziehung einzuhauchen heißt,<br/>
+Und euren Garten draus zu machen<br/>
+Für Wirksamkeit, Beglückung und Verdruß.<br/>
+Weh dir, wenn ich dir das erst sagen muß!<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>
+Man bindet und man wird gebunden,<br/>
+Entfaltung wirken schwül und wilde Stunden,<br/>
+In Schlaf geweint und müd geplagt<br/>
+Noch wollend, schwer von Sehnsucht, halbverzagt<br/>
+Tiefatmend und vom Drang des Lebens warm &hellip;<br/>
+Doch alle <em class="gesperrt">reif</em>, fallt ihr in meinen Arm.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Ich aber bin nicht reif, drum laß mich hier.<br/>
+Ich will nicht länger töricht jammern,<br/>
+Ich will mich an die Erdenscholle klammern,<br/>
+Die tiefste Lebenssehnsucht schreit in mir.<br/>
+Die höchste Angst zerreißt den alten Bann;<br/>
+Jetzt fühl ich &ndash; laß mich &ndash; daß ich leben kann!<br/>
+Ich fühls an diesem grenzenlosen Drängen:<br/>
+Ich kann mein Herz an Erdendinge hängen.<br/>
+O, du sollst sehn, nicht mehr wie stumme Tiere,<br/>
+Nicht Puppen werden mir die andern sein!<br/>
+Zum Herzen reden soll mir all das Ihre,<br/>
+Ich dränge mich in jede Lust und Pein.<br/>
+Ich will die Treue lernen, die der Halt<br/>
+Von allem Leben ist &hellip; ich füg mich so,<br/>
+Daß Gut und Böse über mich Gewalt<br/>
+Soll haben und mich machen wild und froh.<br/>
+Dann werden sich die Schemen mir beleben!<br/>
+Ich werde Menschen auf dem Wege finden,<br/>
+Nicht länger stumm im Nehmen und im Geben,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a>
+Gebunden werden &ndash; ja! &ndash; und kräftig binden.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Da er die ungerührte Miene des Todes wahrnimmt, mit
+steigender Angst:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Denn schau, glaub mir, das war nicht so bisher:<br/>
+Du meinst, ich hätte doch geliebt, gehaßt &hellip;<br/>
+Nein, nie hab ich den Kern davon erfaßt,<br/>
+Es war ein Tausch von Schein und Worten leer!<br/>
+Da schau, ich kann dir zeigen: Briefe, sieh,
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Er reißt eine Lade auf und entnimmt ihr Pakete geordneter
+alter Briefe:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Mit Schwüren voll und Liebeswort und Klagen;<br/>
+Meinst du, ich hätte je <em class="gesperrt">gespürt</em>, was <em class="gesperrt">die</em> &ndash;<br/>
+<em class="gesperrt">Gespürt</em>, was <em class="gesperrt">ich</em> als Antwort schien zu sagen?!
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Er wirft ihm die Pakete vor die Füße, daß die einzelnen
+Briefe herausfliegen.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Da hast du dieses ganze Liebesleben,<br/>
+Daraus nur ich und ich nur widertönte,<br/>
+Wie ich der Stimmung Auf- und Niederbeben<br/>
+Mitbebend, jeden heilgen Halt verhöhnte!<br/>
+Da! da! und alles andre ist wie das:<br/>
+Ohn Sinn, ohn Glück, ohn Schmerz, ohn Lieb, ohn Haß!
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Du Tor! Du schlimmer Tor, ich will dich lehren,<br/>
+Das Leben, eh dus endest, einmal ehren.<br/>
+Stell dich dorthin und schweig und sieh hieher<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a>
+Und lern, daß alle andern diesen Schollen<br/>
+Mit lieberfülltem Erdensinn entquollen,<br/>
+Und nur du selber schellenlaut und leer.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Der Tod tut ein paar Geigenstriche, gleichsam rufend. Er
+steht an der Schlafzimmertüre, im Vordergrund rechts, Claudio
+an der Wand links, im Halbdunkel. Aus der Tür rechts tritt
+die Mutter. Sie ist nicht sehr alt. Sie trägt ein langes, schwarzes
+Samtkleid, eine schwarze Samthaube mit einer weißen Rüsche,
+die das Gesicht umrahmt. In den feinen blassen Fingern ein
+weißes Spitzentaschentuch. Sie tritt leise aus der Tür und
+geht lautlos im Zimmer umher.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Die Mutter</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie viele süße Schmerzen saug ich ein<br/>
+Mit dieser Luft. Wie von Lavendelkraut<br/>
+Ein feiner toter Atem weht die Hälfte<br/>
+Von meinem Erdendasein hier umher:<br/>
+Ein Mutterleben, nun, ein Dritteil Schmerzen,<br/>
+Eins Plage, Sorge eins. Was weiß ein Mann<br/>
+Davon?
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">An der Truhe:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i7">Die Kante da noch immer scharf?<br /></span>
+Da schlug er sich einmal die Schläfe blutig;<br/>
+Freilich, er war auch klein und heftig, wild<br/>
+Im Laufen, nicht zu halten. Da, das Fenster!<br/>
+Da stand ich oft und horchte in die Nacht<br/>
+Hinaus auf seinen Schritt mit solcher Gier,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a>
+Wenn mich die Angst im Bett nicht länger litt,<br/>
+Wenn er nicht kam, und schlug doch zwei, und schlug<br/>
+Dann drei und fing schon blaß zu dämmern an &hellip;<br/>
+Wie oft &hellip; Doch hat er nie etwas gewußt &ndash;<br/>
+Ich war ja auch bei Tag hübsch viel allein.<br/>
+Die Hand, die gießt die Blumen, klopft den Staub<br/>
+Vom Kissen, reibt die Messingklinken blank,<br/>
+So läuft der Tag; allein der Kopf hat nichts<br/>
+Zu tun: da geht im Kreis ein dumpfes Rad<br/>
+Mit Ahnungen und traumbeklommenem<br/>
+Geheimnisvollem Schmerzgefühle, das<br/>
+Wohl mit der Mutterschaft unfaßlichem<br/>
+Geheimen Heiligtum zusammenhängt<br/>
+Und allem tiefsten Weben dieser Welt<br/>
+Verwandt ist. Aber mir ist nicht gegönnt,<br/>
+Der süß beklemmend, schmerzlich nährenden,<br/>
+Der Luft vergangnen Lebens mehr zu atmen.<br/>
+Ich muß ja gehen, gehen &hellip;
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Sie geht durch die Mitteltüre ab.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i28">Mutter!<br/></span>
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i36">Schweig!<br/></span>
+Du bringst sie nicht zurück.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i29">Ah! Mutter, komm!<br/></span>
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a>
+Laß mich dir einmal mit den Lippen hier,<br/>
+Den zuckenden, die immer schmalgepreßt,<br/>
+Hochmütig schwiegen, laß mich doch vor dir<br/>
+So auf den Knien &hellip; Ruf sie! Halt sie fest!<br/>
+Sie wollte nicht! Hast du denn nicht gesehn?!<br/>
+Was zwingst du sie, Entsetzlicher, zu gehn?
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Laß mir, was mein. Dein <em class="gesperrt">war</em> es.
+</div>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+<span class="i39">Ah! und nie<br /></span>
+Gefühlt! Dürr, alles dürr! Wann hab ich je<br/>
+Gespürt, daß alle Wurzeln meines Seins<br/>
+Nach ihr sich zuckend drängten, ihre Näh<br/>
+Wie einer Gottheit Nähe wundervoll<br/>
+Durchschauert mich und quellend füllen soll<br/>
+Mit Menschensehnsucht, Menschenlust &ndash; und -weh?!
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Der Tod, um seine Klagen unbekümmert, spielt die Melodie
+eines alten Volksliedes. Langsam tritt ein junges Mädchen
+ein; sie trägt ein einfaches, großgeblümtes Kleid, Kreuzbandschuhe,
+um den Hals ein Stückchen Schleier, bloßer Kopf.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Das junge Mädchen</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Es war doch schön &hellip; Denkst du nie mehr daran?<br/>
+Freilich, du hast mir weh getan, so weh &hellip;<br/>
+Allein, was hört denn nicht in Schmerzen auf?<br/>
+Ich hab so wenig frohe Tag' gesehn,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a>
+Und die, die waren schön als wie ein Traum!<br/>
+Die Blumen vor dem Fenster, meine Blumen,<br/>
+Das kleine, wacklige Spinett, der Schrank,<br/>
+In den ich deine Briefe legte und<br/>
+Was du mir etwa schenktest &hellip; alles das<br/>
+&ndash; Lach mich nicht aus &ndash; das wurde alles schön<br/>
+Und redete mit wachen, lieben Lippen!<br/>
+Wenn nach dem schwülen Abend Regen kam<br/>
+Und wir am Fenster standen &ndash; ah, der Duft<br/>
+Der nassen Bäume! &ndash; Alles das ist hin,<br/>
+Gestorben, was daran lebendig war!<br/>
+Und liegt in unsrer Liebe kleinem Grab.<br/>
+Allein es war so schön, und du bist schuld,<br/>
+Daß es so schön war. Und daß du mich dann<br/>
+Fortwarfest, achtlos grausam, wie ein Kind,<br/>
+Des Spielens müd, die Blumen fallen läßt &hellip;<br/>
+Mein Gott, ich hatte nichts, dich festzubinden.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Kleine Pause.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie dann dein Brief, der letzte, schlimme, kam,<br/>
+Da wollt ich sterben. Nicht, um dich zu quälen,<br/>
+Sag ich dir das. Ich wollte einen Brief<br/>
+Zum Abschied an dich schreiben, ohne Klag,<br/>
+Nicht heftig, ohne wilde Traurigkeit;<br/>
+Nur so, daß du nach meiner Lieb und mir<br/>
+Noch einmal solltest Heimweh haben und<br/>
+Ein wenig weinen, weils dazu zu spät.<br/>
+Ich hab dir nicht geschrieben. Nein. Wozu?<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a>
+Was weiß denn ich, wieviel von deinem Herzen<br/>
+In all dem war, was meinen armen Sinn<br/>
+Mit Glanz und Fieber so erfüllte, daß<br/>
+Ich wie im Traum am lichten Tage ging.<br/>
+Aus Untreu macht kein guter Wille Treu,<br/>
+Und Tränen machen kein Erstorbnes wach.<br/>
+Man stirbt auch nicht daran. Viel später erst,<br/>
+Nach langem, ödem Elend durft ich mich<br/>
+Hinlegen, um zu sterben. Und ich bat,<br/>
+In deiner Todesstund bei dir zu sein.<br/>
+Nicht grauenvoll, um dich zu quälen nicht,<br/>
+Nur wie wenn einer einen Becher Wein<br/>
+Austrinkt und flüchtig ihn der Duft gemahnt<br/>
+An irgendwo vergeßne, leise Lust.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Sie geht ab; Claudio birgt sein Gesicht in den Händen. Unmittelbar
+nach ihrem Abgehen tritt ein Mann ein. Er hat
+beiläufig Claudios Alter. Er trägt einen unordentlichen, bestaubten
+Reiseanzug. In seiner linken Brust steckt mit herausragendem
+Holzgriff ein Messer. Er bleibt in der Mitte der
+Bühne, Claudio zugewendet, stehen.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Mann</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Lebst du noch immer, Ewigspielender?<br/>
+Liest immer noch Horaz und freuest dich<br/>
+Am spöttisch-klugen, nie bewegten Sinn?<br/>
+Mit feinen Worten bist du mir genaht,<br/>
+Scheinbar gepackt von was auch mich bewegte &hellip;<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a>
+Ich hab dich, sagtest du, gemahnt an Dinge,<br/>
+Die heimlich in dir schliefen, wie der Wind<br/>
+Der Nacht von fernem Ziel zuweilen redet &hellip;<br/>
+O ja, ein feines Saitenspiel im Wind<br/>
+Warst du, und der verliebte Wind dafür<br/>
+Stets eines andern ausgenützter Atem,<br/>
+Der meine oder sonst. Wir waren ja<br/>
+Sehr lange Freunde. Freunde? Heißt: gemein<br/>
+War zwischen uns Gespräch bei Tag und Nacht,<br/>
+Verkehr mit gleichen Menschen, Tändelei<br/>
+Mit einer gleichen Frau. Gemein: so wie<br/>
+Gemeinsam zwischen Herr und Sklave ist<br/>
+Haus, Sänfte, Hund und Mittagstisch und Peitsche:<br/>
+Dem ist das Haus zur Lust, ein Kerker dem;<br/>
+Den trägt die Sänfte, jenem drückt die Schulter<br/>
+Ihr Schnitzwerk wund; der läßt den Hund im Garten<br/>
+Durch Reifen springen, jener wartet ihn!&hellip;<br/>
+Halbfertige Gefühle, meiner Seele<br/>
+Schmerzlich geborne Perlen, nahmst du mir<br/>
+Und warfst sie als dein Spielzeug in die Luft,<br/>
+Du, schnellbefreundet, fertig schnell mit jedem,<br/>
+Ich mit dem stummen Werben in der Seele<br/>
+Und Zähne zugepreßt, du ohne Scheu<br/>
+An allem tastend, während mir das Wort<br/>
+Mißtrauisch und verschüchtert starb am Weg.<br/>
+Da kam uns in den Weg ein Weib. Was mich<br/>
+Ergriff, wie Krankheit über einen kommt,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>
+Wo alle Sinne taumeln, überwach<br/>
+Von allzu vielem Schaun nach einem Ziel &hellip;<br/>
+Nach einem solchen Ziel, voll süßer Schwermut<br/>
+Und wildem Glanz und Duft, aus tiefem Dunkel<br/>
+Wie Wetterleuchten webend &hellip; Alles das,<br/>
+Du sahst es auch, es reizte dich!&hellip; »Ja, weil<br/>
+Ich selber ähnlich bin zu mancher Zeit,<br/>
+So reizte mich des Mädchens müde Art<br/>
+Und herbe Hoheit, so enttäuschten Sinns<br/>
+Bei solcher Jugend.« Hast du mirs denn nicht<br/>
+Dann später so erzählt? Es reizte dich!<br/>
+Mir war es mehr als dieses Blut und Hirn!<br/>
+Und sattgespielt, warfst du die Puppe mir,<br/>
+Mir zu, ihr ganzes Bild vom Überdruß<br/>
+In dir entstellt, so fürchterlich verzerrt,<br/>
+Des wundervollen Zaubers so entblößt,<br/>
+Die Züge sinnlos, das lebendge Haar<br/>
+Tot hängend, warfst mir eine Larve zu,<br/>
+In schnödes Nichts mit widerlicher Kunst<br/>
+Zersetzend rätselhaften süßen Reiz.<br/>
+Für dieses haßte endlich ich dich so,<br/>
+Wie dich mein dunkles Ahnen stets gehaßt,<br/>
+Und wich dir aus.<br/>
+<span class="i18">Dann trieb mich mein Geschick,<br /></span>
+Das endlich mich Zerbrochnen segnete,<br/>
+Mit einem Ziel und Willen in der Brust &ndash;<br/>
+Die nicht in deiner giftgen Nähe ganz<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a>
+Für alle Triebe abgestorben war &ndash;<br/>
+Ja, für ein Hohes trieb mich mein Geschick<br/>
+In dieser Mörderklinge herben Tod,<br/>
+Der mich in einen Straßengraben warf,<br/>
+Darin ich liegend langsam moderte<br/>
+Um Dinge, die du nicht begreifen kannst,<br/>
+Und dreimal selig dennoch gegen dich,<br/>
+Der keinem etwas war und keiner ihm.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Er geht ab.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Claudio</p>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wohl keinem etwas, keiner etwas mir.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Sich langsam aufrichtend:</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie auf der Bühn ein schlechter Komödiant &ndash;<br/>
+Aufs Stichwort kommt er, redt sein Teil und geht<br/>
+Gleichgültig gegen alles andre, stumpf,<br/>
+Vom Klang der eignen Stimme ungerührt<br/>
+Und hohlen Tones andre rührend nicht:<br/>
+So über diese Lebensbühne hin<br/>
+Bin ich gegangen ohne Kraft und Wert.<br/>
+Warum geschah mir das? Warum, du Tod,<br/>
+Mußt du mich lehren erst das Leben sehen,<br/>
+Nicht wie durch einen Schleier, wach und ganz,<br/>
+Da etwas weckend, so vorübergehen?<br/>
+Warum bemächtigt sich des Kindersinns<br/>
+So hohe Ahnung von den Lebensdingen,<br/>
+Daß dann die Dinge, wenn sie wirklich sind,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a>
+Nur schale Schauer des Erinnerns bringen?<br/>
+Warum erklingt uns nicht ein Geigenspiel,<br/>
+Aufwühlend die verborgne Geisterwelt,<br/>
+Die unser Busen heimlich hält,<br/>
+Verschüttet, dem Bewußtsein so verschwiegen,<br/>
+Wie Blumen im Geröll verschüttet liegen?<br/>
+Könnt ich mit dir sein, wo man dich nur hört,<br/>
+Nicht von verworrner Kleinlichkeit verstört!<br/>
+Ich kanns! Gewähre, was du mir gedroht:<br/>
+Da tot mein Leben war, sei du mein Leben, Tod!<br/>
+Was zwingt mich, der ich beides nicht erkenne,<br/>
+Daß ich dich Tod und jenes Leben nenne?<br/>
+In eine Stunde kannst du Leben pressen,<br/>
+Mehr als das ganze Leben konnte halten,<br/>
+Das schattenhafte will ich ganz vergessen<br/>
+Und weih mich deinen Wundern und Gewalten.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Er besinnt sich einen Augenblick.</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Kann sein, dies ist nur sterbendes Besinnen,<br/>
+Heraufgespült vom tödlich wachen Blut,<br/>
+Doch hab ich nie mit allen Lebenssinnen<br/>
+So viel ergriffen, und so nenn ichs gut!<br/>
+Wenn ich jetzt ausgelöscht hinsterben soll,<br/>
+Mein Hirn von dieser Stunde also voll,<br/>
+Dann schwinde alles blasse Leben hin:<br/>
+Erst, da ich sterbe, spür ich, daß ich bin.<br/>
+Wenn einer träumt, so kann ein Übermaß<br/>
+Geträumten Fühlens ihn erwachen machen,<br/>
+<a class="pagenum" name="Page_32" title="32"> </a>
+So wach ich jetzt, im Fühlensübermaß<br/>
+Vom Lebenstraum, wohl auf im Todeswachen.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">Er sinkt tot zu den Füßen des Todes nieder.</p>
+</div>
+
+<p class="speaker-name">Der Tod</p>
+
+<div class="stage-direction">
+<p class="short">indem er kopfschüttelnd langsam abgeht</p>
+</div>
+
+<div class="dialogue">
+<div class="stanza">
+Wie wundervoll sind diese Wesen,<br/>
+Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,<br/>
+Was nie geschrieben wurde, lesen,<br/>
+Verworrenes beherrschend binden<br/>
+Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.
+</div>
+</div>
+
+<div class="stage-direction">
+<p>Er verschwindet in der Mitteltür, seine Worte verklingen.
+Im Zimmer bleibt es still. Draußen sieht man durchs Fenster
+den Tod geigenspielend vorübergehen, hinter ihm die Mutter,
+auch das Mädchen, dicht bei ihnen eine Claudio gleichende
+Gestalt.</p>
+</div>
+
+
+<p class="center gesperrt" style="width: 80%; max-width: 30em; margin: 6em auto 0em auto; border-top: 1px solid black;">Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig</p>
+
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Tor und der Tod, by Hugo von Hofmannsthal
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TOR UND DER TOD ***
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
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+Literary Archive Foundation
+
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+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
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+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+approach us with offers to donate.
+
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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