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+Project Gutenberg's Über allgemeine Landesbewaffnung, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Über allgemeine Landesbewaffnung
+ insbesondere in Beziehung auf Württemberg
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: February 21, 2010 [EBook #31337]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
+
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+
+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
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+ Über
+ allgemeine
+ Landesbewaffnung,
+
+ insbesondere in
+ Beziehung auf Württemberg,
+
+ von
+
+ Moritz v. Prittwitz,
+
+ Oberstlieutenant im K. preußischen Ingenieur-Corps
+ und K. württembergischer Baudirektor der Bundesfestung Ulm.
+
+
+ Ulm. 1848.
+
+ Geislingen, gedruckt in der M. Ils’schen Buchdruckerei.
+
+ In Commission in der Stettin’schen Sortiments-Buchhandlung
+ in Ulm.
+
+
+
+
+Dieser Aufsatz wurde bereits vor mehreren Jahren geschrieben. Die
+Cottasche Vierteljahrschrift wollte ihn nur mit mehreren Veränderungen
+aufnehmen. So blieb er bis zum Herbste 1847 liegen, wo er in der
+vorliegenden Form mehreren hochstehenden Personen vorgelegt wurde. Ein
+unveränderter Abdruck desselben in jetziger Zeit dürfte vielleicht durch
+die neuesten Ereignisse und die dadurch herbeigeführten Debatten über
+denselben Gegenstand gerechtfertigt sein.
+
+Ulm im August 1848.
+
+
+
+
+Bei der jetzt in mehreren deutschen Staaten zur Sprache gekommenen
+Frage, in wie weit das Preußische Militairsystem angemessen in denselben
+Anwendung finden könne, wird es vielleicht zeitgemäß seyn, mit einigen
+Worten auf das Wesentliche dieses Systems aufmerksam zu machen, indem
+darüber noch mancherlei irrige Meinungen herrschen, auch oft
+unwesentliche Theile desselben für wesentliche angesehen werden.
+
+Man muß darin nemlich zwei ganz von einander verschiedene und ganz
+unabhängige Grundzüge sondern:
+
+a) _die allgemeine und persönliche Militairpflicht_ für alle Klassen der
+Unterthanen des preußischen Staats (mit alleiniger Ausnahme der
+Standesherrn und Mennoniten) der zu Folge Niemand sich durch einen
+Remplaçant oder Einsteher ersetzen lassen kann, und
+
+b) _das Landwehrsystem_, nach welchem die Mannschaften, welche bei der
+Linie ausgedient haben, noch eine Zeitlang zum Landwehr-Dienst _in
+eigenen Landwehrregimentern_ verpflichtet sind.
+
+Von diesen beiden Einrichtungen ist die erste eine _wesentliche_,
+während das Landwehrsystem mehr auf einer bloßen Form beruht, ein
+Umstand, der sehr häufig verkannt wird.
+
+Es muß hier als bekannt vorausgesetzt werden, und bedarf keiner weiteren
+Geschichtserzählung, wie in Preußen, in Folge des Tilsiter-Friedens,
+unter dem Namen, »_Krümper_«, eine Menge Leute ausexerzirt, in ihre
+Heimath zurückgeschickt, durch neue ersetzt, und somit ohne Vermehrung
+des stehenden Heeres, die Bildung der aus diesen Krümpern im Jahre 1813
+neu errichteten Reserveregimenter vorbereitet, und als deren Zahl sich
+noch als unzureichend zeigte, eine Anzahl Landwehrregimenter aus
+gänzlich rohen und unexerzirten Mannschaften gebildet wurde, die
+manchmal in’s Gefecht kamen, ohne vorher je zur Übung einen scharfen
+Schuß gethan zu haben. Es genügt, hier zu erwähnen, daß durch die
+Gesetze vom 17. Juli 1813, – 3. Septbr. 1814 und 21. Novbr. 1815 die
+Verpflichtung jedes Preußischen Unterthanen ausgesprochen wurde,
+persönlich und ohne Stellvertretung drei oder 1 Jahr in’s stehende Heer
+einzutreten; dann 2 Jahre als Kriegsreservist oder Beurlaubter jederzeit
+zum Wiedereintritt bereit zu seyn; demnächst während mehrerer Jahre in
+der Landwehr zu dienen, die jedoch im Frieden jährlich nur 2 Wochen in
+größeren Abtheilungen und ausserdem an mehreren Sonntagen des Jahres in
+kleineren Abtheilungen zusammentritt; endlich im Fall des Kriegs vom 33.
+bis 39. Jahre in die Landwehr 2ten Aufgebots, und demnächst sogar
+nöthigenfalls auch im Landsturm zur Vertheidigung des Vaterlandes
+mitzuwirken. Von dieser Verpflichtung entbindet nur körperliche
+Untüchtigkeit. Ausserdem finden noch einige Erleichterungen statt, von
+denen folgende die wichtigsten sind:
+
+Wer sich freiwillig zum Dienst meldet, kann sich selbst die
+Waffengattung und den Truppentheil wählen. Ausserdem können Freiwillige,
+durch Dienstleistung während eines Jahres, ihrer Dienstpflicht im
+stehenden Heere genügen, wenn sie einen bestimmten höhern Bildungsgrad
+nachweisen (namentlich also Studirende) und sich selbst equipiren und
+verpflegen.
+
+Da ausserdem eine größere Zahl von dienstfähigen jungen Leuten vorhanden
+ist, als eingestellt werden können: so finden auf besondere Verwendung
+der Lokalbehörden, in dringenden Fällen, einzelne Zurückstellungen
+statt, und unter den übrigen entscheidet das Loos. _Die Stellung eines
+Ersatzmannes ist aber unter keinen Umständen zuläßig._
+
+Um jedoch die wegen Überzahl nicht in der Linie anzustellenden
+Mannschaften wenigstens einigermaßen auszubilden, bestand eine Zeitlang
+die Einrichtung, daß dieselben nur 6 Wochen bei den Fahnen blieben und
+dann zur Landwehr übertraten. Später ist jedoch hierin dadurch eine
+Abänderung getroffen worden, daß die wirkliche Dienstzeit bei der
+Infanterie auf 2 bis 1½ Jahr verkürzt wurde, wodurch es nunmehr möglich
+ist, viel mehr Mannschaften auszubilden. Dem ungeachtet werden von etwa
+90,000 Mann dienstfähigen jungen Leuten jährlich nur etwa 35,000
+eingestellt und die übrigen sind frei vom Linien- und Landwehrdienst und
+sollen im Kriege als Rekruten in die Ersatzbataillone eintreten.[1]
+Hiernach verdient das Preußische Landwehrsystem eigentlich den Namen
+»Volksbewaffnung« nur darum, weil die Verpflichtung zum Kriegsdienst
+allgemein ist und nicht auf einen anderen übertragen werden kann. Diese
+Verpflichtung wird aber jetzt schon so gern getragen, namentlich von den
+jungen Leuten aus den gebildeten Klassen, daß diese meist vorziehen,
+freiwillig sich einen Truppentheil zu wählen, als den Versuch zu machen,
+sich durch das Loos vom Militair-Dienst befreit zu sehen.
+
+ [1] Vrgl. ausführlicher hierüber die neueste Denkschrift des
+ General v. _Müffling_: »Die Vermehrung der Wehrhaftigkeit des
+ Volks betreffend.«
+
+Das Vorstehende ergiebt, daß in Preußen die Linienregimenter eigentlich
+nur die Schule sind, durch welche die Militairpflichtigen durchgehen, um
+demnächst in die Landwehr, als dem eigentlichen Kern der Armee
+einzutreten, und daß mithin die jetzige preußische Landwehr von der
+Landwehr des Jahres 1813 ganz verschieden ist.
+
+Als zuerst durch die vorgedachten Gesetze die Dienstzeit im stehenden
+Heere auf 3 Jahre festgesetzt wurde, fand dies vielen Widerspruch. Eine
+Menge, namentlich der ältern Militairs, an die frühere lange Dienstzeit
+gewöhnt, erklärten es für unmöglich, in so kurzer Zeit einen tüchtigen
+Soldaten auszubilden. Mit Recht wurde ihnen entgegnet, daß die
+preußischen Reserveregimenter und Landwehren vom Jahre 1813, bei Weitem
+nicht einmal eine so lange Vorbildung erhalten hatten; ferner daß in
+allen Kriegen der neuern Zeit die nachgesandten Ersatzmannschaften wohl
+niemals so lange vorher ausgebildet waren, vielmehr diese Kriege
+größtentheils mit Soldaten geführt wurden, die, als sie zum erstenmal
+in’s Feuer kamen, in der Regel nur erst nothdürftig ausgebildete
+Rekruten waren; endlich daß der Friedensdienst niemals einen
+kriegserfahrenen Soldaten bilde, möge er auch noch so lange dauern. Auch
+hat seitdem dies Vorurtheil viele von seinen Anhängern verloren; selbst
+in der russischen und östreichischen Armee fängt man an, davon
+zurückzukommen; in der Preußischen hat, wie erwähnt, seitdem die
+Dienstzeit bei der Infanterie bereits eine weitere Ermäßigung erfahren,
+und in der Württembergischen Armee besteht schon seit längerer Zeit die
+Einrichtung, daß die Rekruten, die nicht Schützen werden sollen, nachdem
+sie 6 Monate bei den Fahnen gewesen sind, wieder entlassen und dann nur
+noch wieder auf kurzen Zeitraum einberufen werden, so daß die wirkliche
+Dienstzeit derselben, auf 10-12 Monat anzunehmen ist. Indessen wird
+überall die Nothwendigkeit anerkannt, bei einer solchen kurzen
+Dienstzeit der Mehrzahl, einen Stamm oder Cadre von länger gedienten
+Soldaten bei den Fahnen zu behalten, zu denen namentlich auch die
+Unteroffiziere zu rechnen sind. In der preußischen Armee hat man dies
+dadurch zu erreichen gesucht, daß diejenigen, welche auf eine weitere
+Dienstzeit im stehenden Heere freiwillig eine Kapitulation eingehen,
+eine Zulage erhalten, und ausserdem alle Unterbeamtenstellen im Lande,
+ebenso die Gensdarmerie- und Grenzaufseherposten _nur_ mit solchen
+Capitulanten und Unteroffizieren besetzt werden. In den ärmern Provinzen
+des Preußischen Staats genügt diese Maasregel; ja es giebt Regimenter,
+wo die Zahl der Kapitulanten hat beschränkt werden müssen, um nicht den
+Zweck: möglichst viel Mannschaften für die Landwehr auszubilden, zu
+verfehlen; in anderen Provinzen dagegen ist der Mangel an Kapitulanten
+sowohl, als an Unteroffizieren sehr fühlbar.
+
+Auch geht die Meinung mancher ausgezeichneten Militairs dahin,
+(namentlich ist darüber von einem erlauchten General, Fürst W.
+_Radziwill_, ein interessantes Memoir bearbeitet und den höchsten
+Stellen vorgelegt worden): daß die Zahl dieser Stammmannschaften noch
+überhaupt zu gering sey; daß sie verstärkt werden müsse, und daß
+dagegen, um die Kosten nicht zu vermehren, die _gewöhnliche_ Dienstzeit
+in der Linie vermindert werden könne, was noch ausserdem den Vortheil
+hätte, daß desto mehr Mannschaften für die Landwehr ausgebildet werden
+würden, und desto weniger vom Militairdienst im Frieden befreit blieben.
+Es ist nicht zu läugnen, daß in dieser Beziehung das preußische
+Militairsystem noch einer großen Verbesserung bedarf, da es trotz seiner
+bedeutenden Kosten, wie wir oben schon gesehen haben, noch so
+unvollständig die Idee einer allgemeinen Volksbewaffnung realisirt. Es
+scheint, daß dies am Einfachsten geschehen könnte:
+
+1) Wenn die Bedingungen, unter denen jetzt der Eintritt als 1 jähriger
+Freiwilliger gestattet ist, bedeutend erweitert würden, um auf diese
+Weise eine viel größere Zahl der Wohlhabenderen, ohne Kosten für den
+Staatsschatz auszubilden. Auch ist bereits wirklich in diesem Sinne von
+den preußischen Provinzialständen ein Antrag gemacht worden.
+
+2) Wenn die Handhabung der Waffen zu einem Gegenstand des
+Schulunterrichts und der Jugendbildung gemacht würde, wie es bereits in
+den Militairschulen geschieht, indem dadurch die Möglichkeit gegeben
+wäre, die Dienstzeit in der Linie bedeutend abzukürzen, ohne die
+militairische Ausbildung zu beeinträchtigen. Dieser Punkt wird weiter
+unten noch einmal berührt werden.
+
+In anderen Armeen, namentlich in der Württembergischen, wird der Stamm
+von Leuten mit längerer Dienstzeit dadurch gebildet, daß der
+intelligentere Theil der eingezogenen Mannschaften länger (und zwar in
+Württemberg etwa 1½ Jahre als Schützen) bei den Fahnen bleiben muß, und
+daß als Remplaçants, Ersatzmänner oder Einsteher für diejenigen, welche
+ihre Dienstpflicht nicht selbst ableisten wollen, so viel als möglich
+nur solche Leute angenommen werden, welche bereits früher ihrer
+Dienstpflicht genügt haben und als Soldaten ausgebildet sind. Und da
+hier die Unteroffiziere bei Weitem nicht so sehr, wie im Preußischen,
+durch die Aussicht auf Civilanstellung zum Weiterdienen als
+Unteroffiziere vermocht werden: so giebt nur die Gelegenheit, als
+Einsteher von neuem gegen ein kleines Kapital für einen anderen
+einzutreten, Veranlassung, daß viele Unteroffiziere als Einsteher
+fortdienen, wodurch allein es möglich wird, eine genügende Zahl von
+Unteroffizieren mit längerer Dienstzeit zu erhalten. Dieser Umstand
+wird in Württemberg vorzugsweise als Rechtfertigungsgrund für das
+Einstehersystem angegeben.
+
+Allein, man sieht sogleich, daß dies nur eine einfache Geldfrage ist:
+denn wenn man den Capitulanten eine Zulage und andere Vortheile
+zuwendete, wie in Preußen (da in Württemberg erst nach einer 20 jährigen
+Dienstzeit eine tägliche Zulage von 4 kr. gewährt wird), warum sollte
+man denn nicht auch eine genügende Zahl von Unteroffizieren erhalten?
+und dies würde um so mehr der Fall seyn, wenn nach Beseitigung jedes
+Remplaçements, auch die Gebildeteren und Reicheren bei den Fahnen
+eintreten müßten, und dadurch nicht blos eine größere Zahl von zu
+Unteroffizieren Qualifizirten vorhanden wäre, sondern auch für diese
+keine solche Veranlassung mehr vorläge, sich dem Dienst zu entziehen,
+wie jetzt, wo jeder wohlhabende Kaufmannssohn, jeder Sohn eines höheren
+Beamten, ja jeder wohlhabende Bürgers- und Bauernsohn, es für
+unanständig hält, persönlich zu dienen, diese Last vielmehr durch den
+für ihn vielleicht unbedeutenden Aufwand von einigen hundert Gulden los
+zu werden sich beeilt; ja, wo _förmliche Assekuranzen bestehen, um sich
+gegen das Unglück des Soldatenwerdens, wie gegen eine Landes-Calamität,
+durch Geldbeiträge zu schützen!_
+
+Welchen nachtheiligen Einfluß dieses Einsteher-System auf den Geist der
+Armee, auf die Stellung derselben, dem ganzen Volke gegenüber, und auf
+die Achtung, welche jene bei diesem genießt, haben muß, ist einleuchtend
+und wird namentlich _dem_ in einer Menge kleiner Züge fühlbar, der
+Gelegenheit hat, im Detail die Dienstverhältnisse in zwei Armeen kennen
+zu lernen, von denen die eine das Remplaçement gestattet, die andere
+nicht.
+
+Das preußische Militair ist in dieser Beziehung im entschiedenen
+Vortheil gegen alle andere Armeen. Während in der preußischen Armee es
+dem aus den niederen Ständen hervorgegangenen Soldaten ein erhebendes
+Gefühl ist, in Reihe und Glied dem Reichsten und Vornehmsten gleich zu
+stehen, und dies ihn nothwendig stolz auf seinen Stand macht; während
+dort in Folge dessen die Überzeugung von der Nothwendigkeit der
+allgemeinen Militairverpflichtung so sehr alle Klassen durchdrungen hat,
+daß jetzt schon die höhern Stände eine Ehre dareinsetzen, Soldat zu
+seyn, und eine Stelle in der bewaffneten Macht zu bekleiden, und dadurch
+zugleich den Vortheil zu genießen, den wirklichen Soldaten gegenüber
+einen militärischen Rang zu haben, und als Landwehroffiziere die Rechte
+und Annehmlichkeiten des Offizierstandes zu theilen: – nimmt dagegen
+diejenige Armee, wo Ersatzmänner zuläßig sind, unvermeidlich mehr oder
+weniger den Charakter einer geworbenen Armee an; alle Gebildeten, alle
+Wohlhabenden ziehen sich von derselben zurück; es ist keine Ehre,
+sondern _nur_ eine Last, eine Calamität, Soldat werden zu müssen; der
+militärische Geist dringt nicht in die Massen der Bevölkerung ein; jeder
+Spießbürger, der einen Ersatzmann stellen kann, hält sich für besser,
+als den Soldaten, und hütet sich wohl, sein Muttersöhnchen in einen
+Stand eintreten zu lassen, den er nur als ein nothwendiges Übel ansieht,
+oder sucht durch alle Mittel und Verwendungen seinen Sohn dem
+Militair-Dienst zu entziehen, und wenn dies nicht gelingt, ihm
+wenigstens bald Urlaub auszuwirken, und allgemein spricht sich bei jeder
+Veranlassung diese Antipathie oder wenigstens der Gegensatz zwischen
+Armee und Bürgerstand aus, so daß auch das geachtetste und tapferste
+Offizierscorps immer mehr oder weniger mit, unter dieser ungünstigen
+Stellung der Armee zur Nation leiden muß!
+
+Es wäre wahrlich nicht schwer, schon aus den Kammerverhandlungen der
+meisten deutschen Staaten und namentlich auch den württembergischen
+Kammerverhandlungen, Belege genug für die vorstehenden Behauptungen
+aufzufinden, während auf dem letzten preußischen Landtage auch nicht
+eine Stimme gegen das Militair-Budget aufgetreten ist, die Armee
+vielmehr eine Menge eifriger Vertheidiger auf demselben gefunden hat.
+
+Noch mehr wird und muß aber diese Verschiedenheit bei ausbrechendem
+Kriege hervortreten; denn während in diesem Fall, bei einer Armee, wo
+das Remplaçement statt findet, die reicheren und intelligenteren Klassen
+der Gesellschaft sich nach Möglichkeit dem Dienste zu entziehen suchen,
+oder, wenn sie dennoch dazu gezwungen werden, dann eine sehr traurige
+Stelle darin spielen, stellt sich in Preußen bei ausbrechendem Kriege,
+sogleich der ganze begüterte, einflußreiche und intelligente Theil der
+Nation an die Spitze der Armee, und es kann deshalb mit Gewißheit
+vorausgesetzt werden, daß, sollte Preußen noch jemals in den Fall
+kommen, seine Nationalkraft gegen einen auswärtigen Feind zu entwickeln,
+dies auf eine noch viel glänzendere Weise als im Jahre 1813 geschehen
+werde, wo Alles improvisirt werden mußte, während jetzt Alles dazu
+vorbereitet und vollständig organisirt ist, und während jetzt namentlich
+die Landwehr aus lauter ausgewachsenen und ausgebildeten Soldaten
+besteht, so daß sie jetzt unstreitig als der Kern der Armee anzusehen
+ist. Was man auch auf Rechnung des Rausches der Begeisterung im Jahre
+1813 schreiben möge – abgesehen davon, daß diese Begeisterung auch in
+einem anderen Falle der Art nicht ausbleiben würde, wofür die
+ungeschwächte Lebhaftigkeit bürgt, mit welcher noch alle Jahre die
+Erinnerung an die Zeit von 1813-1815 erneut wird: – so ist der
+militairische Geist bereits jetzt in Preußen so allgemein in die ganze
+Nation, trotz aller provinciellen Verschiedenheiten, von der Saar bis
+zum Pregel, von der Ostsee bis zu den Karpathen eingedrungen, daß ein
+anderes Militairsystem als das jetzige in diesem Staat gar nicht mehr
+möglich und denkbar ist, und daß sogar Verbesserungen desselben, die
+wohl möglich und auch in Vorschlag gekommen, ja ohne Zweifel, wie oben
+bereits angedeutet wurde, sehr wünschenswerth und dringend sind, überall
+mit der größten Ungunst ausgenommen werden, wie dies namentlich auch
+wirklich schon jedesmal geschehen ist, wo von einer veränderten
+Organisation der Landwehr die Rede war.
+
+Und dies führt uns unmittelbar auf den zweiten Punkt, nemlich auf eine
+Prüfung des Wesentlichen in dem Preußischen _Landwehrsystem_.
+
+Die Entstehung der preußischen Landwehr ist schon oben kurz angedeutet
+worden. Es ist aber schon oft zur Sprache gekommen, ob eine andere
+Organisation derselben, namentlich eine engere Verschmelzung mit der
+Linie, so daß die Landwehrmänner, die Kriegsaugmentation oder Reserve
+der Letztern bildeten, nicht angemessener und wohlfeiler wäre. Es ist
+hier nicht der Ort, die Gründe dafür und dagegen zu entwickeln, um so
+mehr, da hierbei sehr Vieles auf individuelle Ansichten ankommen möchte:
+so viel ist aber gewiß, daß die Idee der allgemeinen Volksbewaffnung,
+wie sie dem preußischen Militairsystem zu Grunde liegt, sehr wohl
+verwirklicht werden kann, ohne gerade das preußische Landwehrsystem
+nachzuahmen, welches gewiß noch gar mancher Verbesserungen fähig ist; –
+und daß es hiernach eine Thorheit wäre, bei einer Armee, deren
+Einrichtung sich mehr für eine andere Form der Volksbewaffnung eignet,
+gerade jenes System annehmen zu wollen, in so ferne nur die
+Hauptgrundsätze festgehalten werden:
+
+a) daß jeder persönlich zum Kriegsdienst verpflichtet ist, ohne einen
+Ersatzmann stellen zu dürfen;
+
+b) daß so viel junge Leute wie möglich in der Linie zum Waffendienst
+ausgebildet werden;
+
+c) daß die ausgebildeten und aus der Linie entlassenen Mannschaften in
+einem schon _vorher_ im Frieden _vollständig_ organisirten
+Militairverbande bleiben, da der Feind in den meisten Fällen nicht
+hinreichende Zeit lassen wird, diesen Verband erst bei eintretender
+Gefahr neu in’s Leben zu rufen; und daß
+
+d) ebenso auch diese Kriegsreserve alle Jahre, oder alle 2 Jahre
+wenigstens, eine kurze Zeit hindurch (14 Tage dürften dazu vollkommen
+genügen) in jenem förmlichen Militair-Verbande zusammen gestellt und in
+den Waffen geübt werde.
+
+Der von Mehreren aufgestellten Ansicht, im Falle der Noth werde sich
+ebenso wie in Preußen 1813 die Landwehr von selbst bilden, und es seien
+daher keine solche Opfer für dieselbe während des Friedens nothwendig,
+muß entschieden entgegen getreten werden. Hätte Preußen schon 1813 seine
+jetzige Landwehr gehabt, dann hätte es nicht mehrere Monate zu seinen
+Formationen gebraucht; der Feldzug konnte 3 Monate früher am Rhein,
+statt an der Elbe eröffnet und alle die Schlachten des Jahres 1813
+durften nicht geschlagen werden, um nur erst bis an den Rhein
+vorzudringen. Wer hieran noch zweifeln kann, lese und studiere die
+Beiträge zur Geschichte des Jahres 1813 von einem höheren Offizier der
+preußischen Armee! –
+
+Alle Zwecke der Landwehr könnten z. B. in einer Armee, wie die
+Württembergische, auf folgende einfache Weise ohne wesentliche
+Mehrkosten erreicht werden, wenn (wie hier übrigens nur ganz beiläufig
+und beispielsweise angedeutet wird) –
+
+a) Die erste Dienstzeit für den größten Theil der Mannschaft wie bisher
+auf 6 Monate beschränkt bliebe, und sie nur später wieder auf kurze Zeit
+einigemal einberufen würde, um in der Übung zu bleiben;
+
+b) den jungen Leuten aus den wohlhabenderen Ständen gestattet würde,
+ihrer Dienstpflicht durch eine kürzere Dienstzeit als Freiwillige bei
+einem von ihnen selbst zu wählenden Truppentheile zu genügen, insofern
+sie
+
+ aa) sich selbst equipirten, besoldeten und verpflegten,
+
+ bb) einen gewißen Grad von höherer Schulbildung und
+
+ cc) ebenso bereits eine genügende militairische Vorbildung (z. B.
+ durch Privatunterricht im Exercitium) nachwiesen, wofür ihnen
+ dann auch wie in Preußen vorzugsweiße die Aussicht eröffnet werden
+ müßte, zu Unteroffizieren oder Offizieren in der Kriegsreserve
+ oder Landwehr befördert zu werden.
+
+c) Bei den jährlichen oder zweijährlichen Übungen der Kriegsreserve, die
+Linientruppen die Cadres bildeten, so daß z. B. aus je 2 Compagnien oder
+jeder Compagnie der Linie ein Kriegs-Bataillon gebildet oder die
+Kopfzahl der Compagnien auf dem Friedensfuß, für den Kriegs- oder
+Übungsfuß verdoppelt würde.
+
+d) Endlich die erforderliche Zahl der Offiziere für die Übungszeit durch
+Beiziehung der Offiziere der Kriegsreserve oder Landwehr vervollständigt
+würde, die dann auf ganz gleichem Fuß mit den Linienoffizieren und mit
+diesen untermischt, den Dienst thun müßten (wie dies in Preußen
+allgemein mit dem besten Erfolg bei den Landwehrübungen statt findet).
+
+Auf diese Weise würden die Wohlhabendern, die sich jetzt durch Stellung
+eines Einstehers loskaufen, durch den unentgeldlichen Dienst als
+Freiwillige dasselbe pekuniäre Opfer, nur unter einer andern Form
+bringen, und dabei nicht dem Militairdienst entzogen werden; und bei
+möglichster Begünstigung der Freiwilligen auf kürzere Dienstzeit ist es
+wohl denkbar, daß auf diese Weise die Zahl derselben sich so mehrte, um
+so viele Ersparnisse dadurch zu erlangen, daß daraus, unter Beseitigung
+des ganzen Einsteherwesens, eine genügende Zahl von altgedienten
+Unteroffizieren durch Gewährung hinreichender Zulagen gewonnen werden
+könnte, indem denselben zugleich noch besondere Aussichten auf
+Beförderungen im Civil, und in der Kriegsreserve oder Landwehr eröffnet
+werden müßten.
+
+Diese Unteroffiziere würden wahrscheinlich besser seyn, als die jetzigen
+Einsteher, die darin nichts weiter als einen Erwerbs-Zweig sehen, und
+nicht einmal durch die Aussicht auf künftige Beförderung und Anstellung,
+wie in Preußen, einen Sporn finden, sich ihres Standes besonders würdig
+zu zeigen, eben so wie auch selbst in Preußen die gewöhnlichen
+Capitulanten, welche nicht zu Unteroffizieren qualificirt sind,
+keineswegs als derjenige Theil der Armee angesehen werden können, in
+denen der beste militairische Geist herrscht. Was die Anstellung der
+länger (nemlich 12 Jahr) gedient habenden Unteroffiziere in Civilstellen
+betrifft: so sind in Preußen alle Civilbehörden gern geneigt, die
+Unterbeamtenstellen mit solchen Unteroffizieren zu besetzen, weil diese
+Leute meist an eine viel strengere Ordnung gewöhnt sind, als junge
+Leute, die, wie in Württemberg, ihre Carriere blos »als Schreiber«
+machen.
+
+Was die Möglichkeit anbelangt, bei so kurzer Dienstzeit die Mannschaften
+genügend auszubilden: so ist schon oben auf die geringe Vorbildung
+hingewiesen worden, mit der bisher fast in allen größeren Kriegen, die
+nachrückenden Ersatzmannschaften zu der Armee gestoßen sind, wie nicht
+minder auch das Beispiel der Römer hierbei geltend gemacht werden kann,
+bei denen die Handhabung der Waffen ohnstreitig viel schwieriger war,
+als bei uns, ohne daß man etwas von Ausexerzieren und Exerzierzeit bei
+den alten Schriftstellern fände, ohnstreitig deswegen, weil die
+Handhabung der Waffen schon einen integrirenden Theil der Volkserziehung
+bildete, – eine Einrichtung, die gewiß auch in unsern europäischen
+Staaten zum großen Vortheil der Budgets der Kriegsministerien sich
+realisiren ließe, und noch realisiren wird, namentlich wenn, wie vorhin
+angedeutet wurde, diejenigen Freiwilligen, welche _vollständig_
+ausexerziert einträten, gewisse Vorzüge genößen. Denn sollte es eine so
+sehr abentheuerliche Maasregel seyn, bei den öffentlichen Schulen, neben
+oder statt der Turnanstalten, Exerzierschulen unter der Leitung alter
+gedienter Unteroffiziere und Offiziere einzurichten, und so die
+männliche Jugend schon so zeitig zum Waffendienst anzulernen, daß der
+Dienst in der Linie und die Übungen bei der Kriegsreserve nur als
+Vervollständigung oder als Wiederholung dienten, um sie in der Übung zu
+erhalten und in größere Massen zusammenzustellen?
+
+Bereits in einem Entwurfe vom Jahre 1808 spricht General von Scharnhorst
+folgende Ansichten hierüber aus (vrgl. Beiheft zum Militair Wochenblatt
+pro Januar bis Oktober 1846.)
+
+ »Die bisherigen (militair.) Erziehungs-Institute werden immer
+ nicht diesen Endzweck erfüllen: sie sind nur für einen Theil der
+ Zöglinge der stehenden Armee bestimmt, und ohnehin, wie sie
+ jetzt sind, sehr schlecht.
+
+ »Aus diesen Gründen glaubt die Organisations-Kommission, daß es
+ von Nutzen sein möchte, wenn die Stadtschulen zugleich eine
+ militairische Richtung erhielten, und gewissermassen eine
+ Vorbereitungsschule für den Unteroffizier und Offizier
+ (insbesondere der Miliz) würden, ohne daß sie deswegen in ihrer
+ jetzigen Bestimmung verlören.
+
+ 1) daß in ihnen mehr reine Mathematik als bisher gelehrt würde;
+
+ 2) daß in jeder Schule eine völlig militairische Disciplin
+ eingeführt würde, und daß in den höheren Klassen der Geist
+ dieser Disciplin und der militairischen Gesetze erklärt würden.
+
+ 3) _daß jede Schule ihren Exerziermeister hätte und in den
+ Erholungsstunden sich in dem Gebrauch der Waffen übte_; daß jede
+ Schule sich in Compagnien formirte, ihre Capitaine u. s. w.
+ wählte und unter ihren Offizieren die Grundsätze der
+ Kriegsdisciplin im Kleinen ausüben lernte;
+
+ 4) daß jede Schule zur Erholung der Schüler, gewisse
+ Leibesübungen hätte, welche auf den Krieg und die Abhärtung des
+ Körpers Bezug haben, als Fechten, Schwimmen, Voltigiren
+ u. s. w.«
+
+Der Minister von Stein hatte hierzu folgende Randbemerkungen gemacht:
+
+ »Man wird in allen Stadtschulen Anstalt treffen können, um
+ Kenntniß des Gebrauchs der Waffen und der Bewegung größerer
+ Menschenmassen zu bewirken. Auch wird man mehr Gewohnheit zur
+ Reinlichkeit, Ordnung und zum Gehorsam veranlassen können. Wegen
+ Einführung gymnastischer Übungen in den Schulen ist Vieles in
+ Schnepfenthal geschehen und könnten sie allgemein gemacht
+ werden.«
+
+Wenn man sieht, wie leicht in Cadetten- und Waisenhäusern die Knaben die
+Elemente des Exercitiums und des Militair-Dienstes lernen; so kann an
+der leichten Ausführbarkeit einer solchen Maasregel nicht gezweifelt
+werden. Auch ist die Ausführung dieser Idee in den Turnanstalten
+vorbereitet, und in Stuttgart bestand bereits ein Verein von Vätern, die
+ihre Buben in den Freistunden zum Zeitvertreib und als Spiel, zugleich
+aber als körperliche Übung und Erziehungsmittel in dem militairischen
+Exercitium unterrichten ließen, eine Maasregel, die der allgemeinsten
+Beachtung werth ist. Auch erheben sich immer mehr Stimmen dafür, solche
+Übungen als wesentlichen Bestandtheil in den Kreis der Jugendbildung
+aufzunehmen, so daß die Realisirung dieser Idee mit der Zeit bestimmt zu
+erwarten ist. (Vrgl. z. B. Mönnich das Turnen und die Turnkunst; ferner
+einen Aufsatz in der deutschen Vierteljahrsschrift 1843. IV.)
+
+Wenn es hiernach erwiesen sein dürfte, daß sich die Idee der allgemeinen
+Volksbewaffnung und der persönlichen Militairpflicht, auch in den
+übrigen deutschen Staaten außer Preußen, dem Wesen nach und
+wahrscheinlich ohne erhebliche Erhöhung des Militair-Budgets durchführen
+lasse; daß dadurch der militairische Geist in diesen Staaten, so wie die
+Stellung der Armeen merklich gewinnen müßte; daß hiernach jede
+Regierung, die es mit ihrer Armee gut meint, und jeder Militair in
+diesen Staaten wünschen muß, daß diese Einrichtung in’s Leben trete: so
+ist endlich nicht zu verkennen, daß die politischen Gründe, welche in
+den kleinern deutschen Staaten für die Einführung einer solchen
+allgemeinen Landesbewaffnung sprechen, noch viel erheblicher sind, ja
+diese Einrichtung dringend und unabweislich fordern, wenn diese Staaten
+ihren Anspruch auf Unabhängigkeit und Selbstständigkeit behaupten
+wollen, und daß namentlich der kriegserfahrene und erlauchte Feldherr
+auf Württembergs Throne kein schöneres Blatt in seinen Lorbeerkranz
+flechten könnte, als wenn er sich als Vorbild an die Spitze einer für
+die Vertheidigung von Süddeutschland so wichtigen Maasregel stellte.
+
+Zweimal bereits (und es liegt der Erwähnung dieses geschichtlichen
+Faktums gewiß keine gehäßige Absicht zu Grunde) sind fast alle deutschen
+Staaten zweiten Ranges, Baiern nicht ausgenommen, in der Nothwendigkeit
+gewesen, der Übermacht des eingedrungenen mächtigern Feindes sich
+anzuschließen, und nur zu ihrem eigenen Nachtheil versäumten einige, den
+günstigsten Zeitpunkt dazu zu wählen. Diese Abhängigkeit von den
+Ereignissen, diese politische Ohnmacht, der sie unterlagen, ist kein
+Vorwurf für sie, sondern eine nothwendige Folge ihrer Lage und ihrer
+Größe. Am übelsten von allen in Bezug hierauf befinden sich aber die
+südwestlichen deutschen Staaten des 8ten Armeekorps, die dem ersten Stoß
+des feindlichen Nachbars ausgesetzt sind, der ihn noch dazu um so
+sicherer gerade gegen sie führen wird, je mehr er darauf rechnen kann,
+hier den geringsten Widerstand zu finden.
+
+Nur zwei Mittel giebt es, diese Staaten mehr oder weniger dagegen zu
+schützen: die Anlage angemessener Befestigungen im südlichen
+Deutschland, und die ausgedehnteste Entwickelung ihrer militairischen
+Nationalkraft!
+
+Es leuchtet ein, daß so lange noch ein badisches Bataillon in Rastatt,
+ein Württembergisches in Ulm den Kampf gegen den Feind fortsetzt, die
+Regierungen dieser Länder noch faktisch bestehen, wäre auch das ganze
+übrige Land vom Feinde überschwemmt, und dies ist ein sehr wichtiger
+Umstand, da 2-3 Monate in dieser Beziehung sehr viel ausmachen. Wenn
+daher auch die Anlage der gedachten Bundesfestungen diesen Ländern, und
+namentlich die Befestigung von Ulm dem Lande Württemberg im Kriege
+manchen Nachtheil zu bringen scheint: so trägt sie doch wesentlich zur
+Sicherung der Selbstständigkeit dieser Staaten bei, und es ist nicht
+unbillig, vorauszusetzen, daß die Staaten des 8. Armeekorps außerdem
+noch für die Befestigung des oberen Schwarzwaldes verhältnismäßig aus
+eigenen Mitteln so viel thun könnten, als Preußen für die Sicherung des
+Unter-Rheins durch Festungen gethan hat.
+
+Aber es ist auch nicht zu verkennen, daß diese Staaten der an sie in
+ihrem eigenen Interesse zu machenden Anforderung, ihre Militairmacht
+aufs Äußerste zu entwickeln, bisher nur sehr unvollständig entsprochen
+haben. Während das 8te deutsche Armeecorps die Avantgarde des südlichen
+Deutschlands bildet; während es daher vorzugsweise gegen den ersten Stoß
+von Westen gerüstet sein müßte (da Preußen und Österreich viel eher
+einen ersten Echec aushalten können) finden wir hier in den
+Ständeversammlungen mit wenigen Ausnahmen, eine entschiedene Tendenz,
+die Last des Militairbudgets von sich zu wälzen, und der Reichere dankt
+Gott, wenn er sich von der persönlichen Verpflichtung zur
+Landesvertheidigung durch das Opfer von ein paar hundert Gulden
+loskaufen, und die Erfüllung dieser heiligen Pflicht einem armen Teufel
+von Einsteher aufbürden kann! Und dabei nehmen in diesen Staaten, wie es
+namentlich in Baden, bei Gelegenheit der Verhandlungen über die
+Befestigung von Rastatt geschehen ist, Staatsmänner, Publicisten und
+Privaten keinen Anstand, den deutschen Großmächten und vorzugsweise
+Preußen, den Vorwurf zu machen, daß dieses sie im Kriege im Stich lassen
+wolle und werde. Wie? Preußen[2] verwendet auf seinen Militair-Etat
+verhältnismäßig doppelt so viel und stellt ohne die Landwehr 2ten
+Aufgebots 1½ mal so viel, und mit ihr 2 mal so viel Truppen in’s Feld
+als Ihr; Preußen erbaute und unterhält 27 Festungen; Preußen giebt einen
+Beitrag von 5 Millionen Gulden zum Bau der Bundesfestung Ulm; in
+Preußen sind die edelsten Söhne und die Blüthe der ganzen Nation bereit,
+sich beim ersten Kriegsruf an die Spitze der Landwehren zu stellen, um
+ihren bedrohten deutschen Brüdern zu Hilfe zu eilen: und Ihr wollt ihm
+den Vorwurf machen, Euch im Stich zu lassen, während Ihr selbst in
+träger Ruhe die Kreuzer berechnet, die es Euch kosten würde, wenn Ihr
+dieselben Anstrengungen machen solltet, die Euch wahrlich bei Eurer
+politischen Lage mehr noth thun, als Preußen und Österreich; während ihr
+engherzig, ja spießbürgerlich den Geldausfall herauscalculirt, den ein
+feindlicher Einfall Euch mehr oder weniger kosten würde, als ein höheres
+Militairbudget, ohne dabei irgend auf die politischen und moralischen
+Wirkungen eines solchen Einfalls Rücksicht zu nehmen; und während Ihr
+unumwunden in Euren Kammern erklärt, absichtlich nicht mehr zu thun,
+damit die größern deutschen Staaten nicht veranlaßt werden, Euch auf
+Eure eigenen Hilfsmittel zu verweisen, und Euch weniger zu
+unterstützen!! –
+
+ [2]
+ Einwohnerzahl. Militairmacht. Militairbudget.
+
+ Preußen 14,907,091 176,719 stehendes Heer 23,721,000 Th.
+ 154,193 Landwehr _I._ 41,511,750 Th.
+ --------
+ 330,912
+ 121,000 Landwehr _II._
+ --------
+ 451,912
+
+ Württemberg 1,682,338 Contingent 13,955 132,372 Milt. Pensionen
+ Reserve 6,987 1,992,378
+ ------ ---------
+ 20,942 2,124,750 fl.
+
+Und sind die Bedenken, die Ihr zur Beschönigung Eurer Trägheit und
+Knauserei in dieser Beziehung vorbringt, in Preußen in Erfüllung
+gegangen? Ist Preußen verarmt? Hat es keine Bauern und Bürger, die das
+Feld bauen und das Gewerbe treiben? Hat es keine Männer der Kunst und
+der Wissenschaft? Hat es bei den Ereignissen des Jahres 1831. weniger
+Liebe für sein Herrscherhaus bewiesen? Hat seine ganz nationale Armee
+etwa gefährliche liberale oder republikanische Ideen an den Tag gelegt,
+die der Monarchie nachtheilig werden könnten? – Ha! wahrlich, es kann
+sich in allen diesen Dingen, trotz seines hohen Militairbudgets und
+trotz seines Landwehrsystems dreist mit Euch messen!
+
+Darum also, Ihr Regierungen, Ständeversammlungen und Stammgenossen des
+südwestlichen Deutschlands: wenn Ihr nicht beim ersten Anlauf des
+mächtigen Nachbars über den Haufen gerannt werden wollet; wenn Ihr den
+Stand des Kriegers wirklich zu ehren und erheben beabsichtigt; wenn Ihr
+würdig seyn wollt, eine wirkliche Macht zu werden, ebenso wie es Preußen
+gegenüber den 4 andern europäischen Großmächten durch möglichste
+Entwickelung seiner kriegerischen Nationalkraft zu thun genöthigt ist;
+wenn Preußens, aus allen Klassen der Gesellschaft hervorgegangene
+Krieger nicht mit Selbstgefühl auf Eure erkauften Einsteher blicken,
+vielmehr Eure Reihen, als ganz ebenbürtig begrüßen sollen, was sie mit
+der lautersten, herzlichsten und uneigennützigsten Gesinnung thun
+werden: so zeigt, daß Ihr vom Höchsten bis zum Niedrigsten bereit seid,
+den Waffenrock zu tragen, und Gut und Blut für den deutschen Namen daran
+zu setzen; duldet nicht, daß bei ausbrechendem Kampfe blos den
+Proletariern die Vertheidigung des Vaterlandes überlassen bleibe; ruft
+vielmehr Eure ganze kriegerische Nationalkraft auf; werft statt der
+30,000 Mann des 8ten Armeekorps, bei dem Feuerschein des ersten
+Kriegsfanals am Rhein, 90,000 Mann wohlbewaffnet, und wohlgeübt dem
+Feinde in den Schluchten des Schwarzwaldes entgegen; seid überzeugt, daß
+Preußens Heer diesen Entschluß mit lautem Jubel begrüßen, ein neues
+kräftiges Band zwischen sich und Euch darin finden, und bereitwilligst
+in den Tagen der Gefahr wie Brüder an Eure Seite eilen werde; – zögert
+nicht damit, bis der Friedensschlaf Euch wieder ganz übermannt hat: es
+handelt sich um Eure Ehre, Eure Selbstständigkeit, ja um Eure politische
+Existenz in den Tagen der Gefahr!
+
+ * * * * *
+
+Was auch Wahres und Falsches, Richtiges und Unrichtiges in den
+vorliegenden Bogen enthalten sein möge, der Verfasser wollte blos
+darthun, daß es im Interesse der südwestlichen deutschen Staaten liege
+
+a) die Militairpflicht zu einer persönlichen, nicht mit Gelde
+abzukaufenden, zu machen;
+
+b) Möglichst viel junge Leute zum Waffendienst auszubilden.
+
+c) Die so geschaffene Volksbewaffnung schon im Frieden vollständig zu
+organisiren und in Übung zu erhalten.
+
+Hat der Verfasser diesen Zweck erreicht, so giebt er alle Details des
+vorstehenden Aufsatzes bereitwilligst preis, und überläßt die Maasregeln
+zur Ausführung sehr gern besser Unterrichteten und mit den
+Landes-Verhältnissen Vertrauteren; fügt indessen im Nachstehenden die
+Grundzüge eines nach seiner Ansicht anzuordnenden Systems allgemeiner
+Volksbewaffnung bei:
+
+Jeder waffenfähige Mann ist dienstpflichtig vom 19. Jahre an. Eine
+Stellvertretung ist unzuläßig.
+
+Die Übung im Waffendienst macht einen Bestandtheil der Volksschulbildung
+aus.
+
+Jeder, der sich selbst ausrüstet und bereits in den Waffen geübt ist,
+kann sich den Truppentheil wählen, dient 1 Jahr im stehenden Heere und
+zwar ½ Jahr im angestrengten Dienst ohne Unterschied und sonstige
+Begünstigung gegen die übrige Mannschaft.
+
+Wer sich nicht selbst ausrüstet, dient wenigstens ebenso lange, darf
+sich den Truppentheil nicht beliebig wählen und wird aus der Linie nach
+2 Jahren entlassen, wenn der Etat nicht früher durch andern Zuwachs
+gedeckt ist.
+
+Die längste Dienstzeit im Frieden beträgt hiernach in der Linie 2 Jahre.
+Bis zum 25. Jahr bleibt jeder für den Fall eines Kriegs zum Dienst in
+der Linie verpflichtet, und muß bis dahin auch noch jährlich 14 Tage an
+deren Übungen Theil nehmen.
+
+Bei jedem Truppentheil wird ein Cadre von Leuten mit längerer Dienstzeit
+und freiwilliger Capitulation gebildet.
+
+Vom 25ten bis zum 32ten Jahre tritt die Dienstpflicht in der Landwehr
+ein.
+
+Im Frieden darf jeder Landwehrmann nur alle 2 Jahre 14 Tage zu den
+Waffenübungen herangezogen werden.
+
+Die Landwehr ist auch zum Dienst außerhalb des Landes verpflichtet.
+
+Vom 32. bis 50. Jahr tritt die Dienstpflicht in der Bürgerwehr ein.
+
+Die Landwehrmänner können, wenn sie es wollen, in der Linie fort dienen,
+und die Bürgerwehrmänner ebenso in der Landwehr. Namentlich findet dieß
+Anwendung auf die Unteroffiziere und Offiziere.
+
+Zu Unteroffizieren und Offizieren können nur solche befördert werden,
+die den an sie gestellten wissenschaftlichen und moralischen
+Anforderungen vor einer ernannten Prüfungs-Commission genügen.
+
+Die Unteroffiziere werden vom Regiments-Commandanten, die Offiziere vom
+Landesherrn ernannt.
+
+Jedoch muß bei den Erstern das Corps der Unteroffiziere bei Letztern das
+Corps der Offiziere nichts gegen sie einzuwenden haben, und deren
+Erklärung abgefordert werden.
+
+Diese Corps wählen unter den Bewerbern von gleichen Ansprüchen.
+
+Die Beförderung zu den weitern Offiziersgraden in der Linie und Landwehr
+erfolgt abwechselnd: einmal nach dem Dienstalter, einmal durch Wahl der
+Offiziers-Corps, einmal durch Ernennung Seitens des Landesherrn unter
+den Ältesten der vorhergehenden Dienstcharge.
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä,
+Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für »u. s. w.« wurde durch »u. s. w.«
+ersetzt. Kleinere Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden
+beibehalten. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller
+gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+Transcriber’s Note: The Umlauts Ae, Oe and Ue have been replaced by Ä,
+Ö, Ü. The ligature for “u. s. w.” has been replaced by “u. s. w.” Minor
+spelling inconsistencies have been maintained. The table below lists all
+corrections applied to the original text.
+
+S. 1: Oberstlieutnant -> Oberstlieutenant
+S. 4: größeren Abtheilungen nnd ausserdem -> und
+S. 4: etwa 90000 Mann -> 90,000
+S. 4: nur etwa 35000 -> 35,000
+S. 6: Fürst W. Raziwill -> Radziwill
+S. 9: Entstehung der preußichen Landwehr -> preußischen
+S. 14: den deutschen Grosmächten -> Großmächten
+S. 15: als Preußen und Östreich -> Österreich
+S. 16: mit den Landes-Verhältnissen Vertauteren -> Vertrauteren
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Über allgemeine Landesbewaffnung, by
+Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
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+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
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+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+Project Gutenberg's ber allgemeine Landesbewaffnung, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: ber allgemeine Landesbewaffnung
+ insbesondere in Beziehung auf Wrttemberg
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: February 21, 2010 [EBook #31337]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
+
+
+
+
+
+
+ ber
+ allgemeine
+ Landesbewaffnung,
+
+ insbesondere in
+ Beziehung auf Wrttemberg,
+
+ von
+
+ Moritz v. Prittwitz,
+
+ Oberstlieutenant im K. preuischen Ingenieur-Corps
+ und K. wrttembergischer Baudirektor der Bundesfestung Ulm.
+
+
+ Ulm. 1848.
+
+ Geislingen, gedruckt in der M. Ils'schen Buchdruckerei.
+
+ In Commission in der Stettin'schen Sortiments-Buchhandlung
+ in Ulm.
+
+
+
+
+Dieser Aufsatz wurde bereits vor mehreren Jahren geschrieben. Die
+Cottasche Vierteljahrschrift wollte ihn nur mit mehreren Vernderungen
+aufnehmen. So blieb er bis zum Herbste 1847 liegen, wo er in der
+vorliegenden Form mehreren hochstehenden Personen vorgelegt wurde. Ein
+unvernderter Abdruck desselben in jetziger Zeit drfte vielleicht durch
+die neuesten Ereignisse und die dadurch herbeigefhrten Debatten ber
+denselben Gegenstand gerechtfertigt sein.
+
+Ulm im August 1848.
+
+
+
+
+Bei der jetzt in mehreren deutschen Staaten zur Sprache gekommenen
+Frage, in wie weit das Preuische Militairsystem angemessen in denselben
+Anwendung finden knne, wird es vielleicht zeitgem seyn, mit einigen
+Worten auf das Wesentliche dieses Systems aufmerksam zu machen, indem
+darber noch mancherlei irrige Meinungen herrschen, auch oft
+unwesentliche Theile desselben fr wesentliche angesehen werden.
+
+Man mu darin nemlich zwei ganz von einander verschiedene und ganz
+unabhngige Grundzge sondern:
+
+a) _die allgemeine und persnliche Militairpflicht_ fr alle Klassen der
+Unterthanen des preuischen Staats (mit alleiniger Ausnahme der
+Standesherrn und Mennoniten) der zu Folge Niemand sich durch einen
+Remplaant oder Einsteher ersetzen lassen kann, und
+
+b) _das Landwehrsystem_, nach welchem die Mannschaften, welche bei der
+Linie ausgedient haben, noch eine Zeitlang zum Landwehr-Dienst _in
+eigenen Landwehrregimentern_ verpflichtet sind.
+
+Von diesen beiden Einrichtungen ist die erste eine _wesentliche_,
+whrend das Landwehrsystem mehr auf einer bloen Form beruht, ein
+Umstand, der sehr hufig verkannt wird.
+
+Es mu hier als bekannt vorausgesetzt werden, und bedarf keiner weiteren
+Geschichtserzhlung, wie in Preuen, in Folge des Tilsiter-Friedens,
+unter dem Namen, _Krmper_, eine Menge Leute ausexerzirt, in ihre
+Heimath zurckgeschickt, durch neue ersetzt, und somit ohne Vermehrung
+des stehenden Heeres, die Bildung der aus diesen Krmpern im Jahre 1813
+neu errichteten Reserveregimenter vorbereitet, und als deren Zahl sich
+noch als unzureichend zeigte, eine Anzahl Landwehrregimenter aus
+gnzlich rohen und unexerzirten Mannschaften gebildet wurde, die
+manchmal in's Gefecht kamen, ohne vorher je zur bung einen scharfen
+Schu gethan zu haben. Es gengt, hier zu erwhnen, da durch die
+Gesetze vom 17. Juli 1813, -- 3. Septbr. 1814 und 21. Novbr. 1815 die
+Verpflichtung jedes Preuischen Unterthanen ausgesprochen wurde,
+persnlich und ohne Stellvertretung drei oder 1 Jahr in's stehende Heer
+einzutreten; dann 2 Jahre als Kriegsreservist oder Beurlaubter jederzeit
+zum Wiedereintritt bereit zu seyn; demnchst whrend mehrerer Jahre in
+der Landwehr zu dienen, die jedoch im Frieden jhrlich nur 2 Wochen in
+greren Abtheilungen und ausserdem an mehreren Sonntagen des Jahres in
+kleineren Abtheilungen zusammentritt; endlich im Fall des Kriegs vom 33.
+bis 39. Jahre in die Landwehr 2ten Aufgebots, und demnchst sogar
+nthigenfalls auch im Landsturm zur Vertheidigung des Vaterlandes
+mitzuwirken. Von dieser Verpflichtung entbindet nur krperliche
+Untchtigkeit. Ausserdem finden noch einige Erleichterungen statt, von
+denen folgende die wichtigsten sind:
+
+Wer sich freiwillig zum Dienst meldet, kann sich selbst die
+Waffengattung und den Truppentheil whlen. Ausserdem knnen Freiwillige,
+durch Dienstleistung whrend eines Jahres, ihrer Dienstpflicht im
+stehenden Heere gengen, wenn sie einen bestimmten hhern Bildungsgrad
+nachweisen (namentlich also Studirende) und sich selbst equipiren und
+verpflegen.
+
+Da ausserdem eine grere Zahl von dienstfhigen jungen Leuten vorhanden
+ist, als eingestellt werden knnen: so finden auf besondere Verwendung
+der Lokalbehrden, in dringenden Fllen, einzelne Zurckstellungen
+statt, und unter den brigen entscheidet das Loos. _Die Stellung eines
+Ersatzmannes ist aber unter keinen Umstnden zulig._
+
+Um jedoch die wegen berzahl nicht in der Linie anzustellenden
+Mannschaften wenigstens einigermaen auszubilden, bestand eine Zeitlang
+die Einrichtung, da dieselben nur 6 Wochen bei den Fahnen blieben und
+dann zur Landwehr bertraten. Spter ist jedoch hierin dadurch eine
+Abnderung getroffen worden, da die wirkliche Dienstzeit bei der
+Infanterie auf 2 bis 1 Jahr verkrzt wurde, wodurch es nunmehr mglich
+ist, viel mehr Mannschaften auszubilden. Dem ungeachtet werden von etwa
+90,000 Mann dienstfhigen jungen Leuten jhrlich nur etwa 35,000
+eingestellt und die brigen sind frei vom Linien- und Landwehrdienst und
+sollen im Kriege als Rekruten in die Ersatzbataillone eintreten.[1]
+Hiernach verdient das Preuische Landwehrsystem eigentlich den Namen
+Volksbewaffnung nur darum, weil die Verpflichtung zum Kriegsdienst
+allgemein ist und nicht auf einen anderen bertragen werden kann. Diese
+Verpflichtung wird aber jetzt schon so gern getragen, namentlich von den
+jungen Leuten aus den gebildeten Klassen, da diese meist vorziehen,
+freiwillig sich einen Truppentheil zu whlen, als den Versuch zu machen,
+sich durch das Loos vom Militair-Dienst befreit zu sehen.
+
+ [1] Vrgl. ausfhrlicher hierber die neueste Denkschrift des
+ General v. _Mffling_: Die Vermehrung der Wehrhaftigkeit des
+ Volks betreffend.
+
+Das Vorstehende ergiebt, da in Preuen die Linienregimenter eigentlich
+nur die Schule sind, durch welche die Militairpflichtigen durchgehen, um
+demnchst in die Landwehr, als dem eigentlichen Kern der Armee
+einzutreten, und da mithin die jetzige preuische Landwehr von der
+Landwehr des Jahres 1813 ganz verschieden ist.
+
+Als zuerst durch die vorgedachten Gesetze die Dienstzeit im stehenden
+Heere auf 3 Jahre festgesetzt wurde, fand dies vielen Widerspruch. Eine
+Menge, namentlich der ltern Militairs, an die frhere lange Dienstzeit
+gewhnt, erklrten es fr unmglich, in so kurzer Zeit einen tchtigen
+Soldaten auszubilden. Mit Recht wurde ihnen entgegnet, da die
+preuischen Reserveregimenter und Landwehren vom Jahre 1813, bei Weitem
+nicht einmal eine so lange Vorbildung erhalten hatten; ferner da in
+allen Kriegen der neuern Zeit die nachgesandten Ersatzmannschaften wohl
+niemals so lange vorher ausgebildet waren, vielmehr diese Kriege
+grtentheils mit Soldaten gefhrt wurden, die, als sie zum erstenmal
+in's Feuer kamen, in der Regel nur erst nothdrftig ausgebildete
+Rekruten waren; endlich da der Friedensdienst niemals einen
+kriegserfahrenen Soldaten bilde, mge er auch noch so lange dauern. Auch
+hat seitdem dies Vorurtheil viele von seinen Anhngern verloren; selbst
+in der russischen und streichischen Armee fngt man an, davon
+zurckzukommen; in der Preuischen hat, wie erwhnt, seitdem die
+Dienstzeit bei der Infanterie bereits eine weitere Ermigung erfahren,
+und in der Wrttembergischen Armee besteht schon seit lngerer Zeit die
+Einrichtung, da die Rekruten, die nicht Schtzen werden sollen, nachdem
+sie 6 Monate bei den Fahnen gewesen sind, wieder entlassen und dann nur
+noch wieder auf kurzen Zeitraum einberufen werden, so da die wirkliche
+Dienstzeit derselben, auf 10-12 Monat anzunehmen ist. Indessen wird
+berall die Nothwendigkeit anerkannt, bei einer solchen kurzen
+Dienstzeit der Mehrzahl, einen Stamm oder Cadre von lnger gedienten
+Soldaten bei den Fahnen zu behalten, zu denen namentlich auch die
+Unteroffiziere zu rechnen sind. In der preuischen Armee hat man dies
+dadurch zu erreichen gesucht, da diejenigen, welche auf eine weitere
+Dienstzeit im stehenden Heere freiwillig eine Kapitulation eingehen,
+eine Zulage erhalten, und ausserdem alle Unterbeamtenstellen im Lande,
+ebenso die Gensdarmerie- und Grenzaufseherposten _nur_ mit solchen
+Capitulanten und Unteroffizieren besetzt werden. In den rmern Provinzen
+des Preuischen Staats gengt diese Maasregel; ja es giebt Regimenter,
+wo die Zahl der Kapitulanten hat beschrnkt werden mssen, um nicht den
+Zweck: mglichst viel Mannschaften fr die Landwehr auszubilden, zu
+verfehlen; in anderen Provinzen dagegen ist der Mangel an Kapitulanten
+sowohl, als an Unteroffizieren sehr fhlbar.
+
+Auch geht die Meinung mancher ausgezeichneten Militairs dahin,
+(namentlich ist darber von einem erlauchten General, Frst W.
+_Radziwill_, ein interessantes Memoir bearbeitet und den hchsten
+Stellen vorgelegt worden): da die Zahl dieser Stammmannschaften noch
+berhaupt zu gering sey; da sie verstrkt werden msse, und da
+dagegen, um die Kosten nicht zu vermehren, die _gewhnliche_ Dienstzeit
+in der Linie vermindert werden knne, was noch ausserdem den Vortheil
+htte, da desto mehr Mannschaften fr die Landwehr ausgebildet werden
+wrden, und desto weniger vom Militairdienst im Frieden befreit blieben.
+Es ist nicht zu lugnen, da in dieser Beziehung das preuische
+Militairsystem noch einer groen Verbesserung bedarf, da es trotz seiner
+bedeutenden Kosten, wie wir oben schon gesehen haben, noch so
+unvollstndig die Idee einer allgemeinen Volksbewaffnung realisirt. Es
+scheint, da dies am Einfachsten geschehen knnte:
+
+1) Wenn die Bedingungen, unter denen jetzt der Eintritt als 1jhriger
+Freiwilliger gestattet ist, bedeutend erweitert wrden, um auf diese
+Weise eine viel grere Zahl der Wohlhabenderen, ohne Kosten fr den
+Staatsschatz auszubilden. Auch ist bereits wirklich in diesem Sinne von
+den preuischen Provinzialstnden ein Antrag gemacht worden.
+
+2) Wenn die Handhabung der Waffen zu einem Gegenstand des
+Schulunterrichts und der Jugendbildung gemacht wrde, wie es bereits in
+den Militairschulen geschieht, indem dadurch die Mglichkeit gegeben
+wre, die Dienstzeit in der Linie bedeutend abzukrzen, ohne die
+militairische Ausbildung zu beeintrchtigen. Dieser Punkt wird weiter
+unten noch einmal berhrt werden.
+
+In anderen Armeen, namentlich in der Wrttembergischen, wird der Stamm
+von Leuten mit lngerer Dienstzeit dadurch gebildet, da der
+intelligentere Theil der eingezogenen Mannschaften lnger (und zwar in
+Wrttemberg etwa 1 Jahre als Schtzen) bei den Fahnen bleiben mu, und
+da als Remplaants, Ersatzmnner oder Einsteher fr diejenigen, welche
+ihre Dienstpflicht nicht selbst ableisten wollen, so viel als mglich
+nur solche Leute angenommen werden, welche bereits frher ihrer
+Dienstpflicht gengt haben und als Soldaten ausgebildet sind. Und da
+hier die Unteroffiziere bei Weitem nicht so sehr, wie im Preuischen,
+durch die Aussicht auf Civilanstellung zum Weiterdienen als
+Unteroffiziere vermocht werden: so giebt nur die Gelegenheit, als
+Einsteher von neuem gegen ein kleines Kapital fr einen anderen
+einzutreten, Veranlassung, da viele Unteroffiziere als Einsteher
+fortdienen, wodurch allein es mglich wird, eine gengende Zahl von
+Unteroffizieren mit lngerer Dienstzeit zu erhalten. Dieser Umstand
+wird in Wrttemberg vorzugsweise als Rechtfertigungsgrund fr das
+Einstehersystem angegeben.
+
+Allein, man sieht sogleich, da dies nur eine einfache Geldfrage ist:
+denn wenn man den Capitulanten eine Zulage und andere Vortheile
+zuwendete, wie in Preuen (da in Wrttemberg erst nach einer 20jhrigen
+Dienstzeit eine tgliche Zulage von 4 kr. gewhrt wird), warum sollte
+man denn nicht auch eine gengende Zahl von Unteroffizieren erhalten?
+und dies wrde um so mehr der Fall seyn, wenn nach Beseitigung jedes
+Remplaements, auch die Gebildeteren und Reicheren bei den Fahnen
+eintreten mten, und dadurch nicht blos eine grere Zahl von zu
+Unteroffizieren Qualifizirten vorhanden wre, sondern auch fr diese
+keine solche Veranlassung mehr vorlge, sich dem Dienst zu entziehen,
+wie jetzt, wo jeder wohlhabende Kaufmannssohn, jeder Sohn eines hheren
+Beamten, ja jeder wohlhabende Brgers- und Bauernsohn, es fr
+unanstndig hlt, persnlich zu dienen, diese Last vielmehr durch den
+fr ihn vielleicht unbedeutenden Aufwand von einigen hundert Gulden los
+zu werden sich beeilt; ja, wo _frmliche Assekuranzen bestehen, um sich
+gegen das Unglck des Soldatenwerdens, wie gegen eine Landes-Calamitt,
+durch Geldbeitrge zu schtzen!_
+
+Welchen nachtheiligen Einflu dieses Einsteher-System auf den Geist der
+Armee, auf die Stellung derselben, dem ganzen Volke gegenber, und auf
+die Achtung, welche jene bei diesem geniet, haben mu, ist einleuchtend
+und wird namentlich _dem_ in einer Menge kleiner Zge fhlbar, der
+Gelegenheit hat, im Detail die Dienstverhltnisse in zwei Armeen kennen
+zu lernen, von denen die eine das Remplaement gestattet, die andere
+nicht.
+
+Das preuische Militair ist in dieser Beziehung im entschiedenen
+Vortheil gegen alle andere Armeen. Whrend in der preuischen Armee es
+dem aus den niederen Stnden hervorgegangenen Soldaten ein erhebendes
+Gefhl ist, in Reihe und Glied dem Reichsten und Vornehmsten gleich zu
+stehen, und dies ihn nothwendig stolz auf seinen Stand macht; whrend
+dort in Folge dessen die berzeugung von der Nothwendigkeit der
+allgemeinen Militairverpflichtung so sehr alle Klassen durchdrungen hat,
+da jetzt schon die hhern Stnde eine Ehre dareinsetzen, Soldat zu
+seyn, und eine Stelle in der bewaffneten Macht zu bekleiden, und dadurch
+zugleich den Vortheil zu genieen, den wirklichen Soldaten gegenber
+einen militrischen Rang zu haben, und als Landwehroffiziere die Rechte
+und Annehmlichkeiten des Offizierstandes zu theilen: -- nimmt dagegen
+diejenige Armee, wo Ersatzmnner zulig sind, unvermeidlich mehr oder
+weniger den Charakter einer geworbenen Armee an; alle Gebildeten, alle
+Wohlhabenden ziehen sich von derselben zurck; es ist keine Ehre,
+sondern _nur_ eine Last, eine Calamitt, Soldat werden zu mssen; der
+militrische Geist dringt nicht in die Massen der Bevlkerung ein; jeder
+Spiebrger, der einen Ersatzmann stellen kann, hlt sich fr besser,
+als den Soldaten, und htet sich wohl, sein Muttershnchen in einen
+Stand eintreten zu lassen, den er nur als ein nothwendiges bel ansieht,
+oder sucht durch alle Mittel und Verwendungen seinen Sohn dem
+Militair-Dienst zu entziehen, und wenn dies nicht gelingt, ihm
+wenigstens bald Urlaub auszuwirken, und allgemein spricht sich bei jeder
+Veranlassung diese Antipathie oder wenigstens der Gegensatz zwischen
+Armee und Brgerstand aus, so da auch das geachtetste und tapferste
+Offizierscorps immer mehr oder weniger mit, unter dieser ungnstigen
+Stellung der Armee zur Nation leiden mu!
+
+Es wre wahrlich nicht schwer, schon aus den Kammerverhandlungen der
+meisten deutschen Staaten und namentlich auch den wrttembergischen
+Kammerverhandlungen, Belege genug fr die vorstehenden Behauptungen
+aufzufinden, whrend auf dem letzten preuischen Landtage auch nicht
+eine Stimme gegen das Militair-Budget aufgetreten ist, die Armee
+vielmehr eine Menge eifriger Vertheidiger auf demselben gefunden hat.
+
+Noch mehr wird und mu aber diese Verschiedenheit bei ausbrechendem
+Kriege hervortreten; denn whrend in diesem Fall, bei einer Armee, wo
+das Remplaement statt findet, die reicheren und intelligenteren Klassen
+der Gesellschaft sich nach Mglichkeit dem Dienste zu entziehen suchen,
+oder, wenn sie dennoch dazu gezwungen werden, dann eine sehr traurige
+Stelle darin spielen, stellt sich in Preuen bei ausbrechendem Kriege,
+sogleich der ganze begterte, einflureiche und intelligente Theil der
+Nation an die Spitze der Armee, und es kann deshalb mit Gewiheit
+vorausgesetzt werden, da, sollte Preuen noch jemals in den Fall
+kommen, seine Nationalkraft gegen einen auswrtigen Feind zu entwickeln,
+dies auf eine noch viel glnzendere Weise als im Jahre 1813 geschehen
+werde, wo Alles improvisirt werden mute, whrend jetzt Alles dazu
+vorbereitet und vollstndig organisirt ist, und whrend jetzt namentlich
+die Landwehr aus lauter ausgewachsenen und ausgebildeten Soldaten
+besteht, so da sie jetzt unstreitig als der Kern der Armee anzusehen
+ist. Was man auch auf Rechnung des Rausches der Begeisterung im Jahre
+1813 schreiben mge -- abgesehen davon, da diese Begeisterung auch in
+einem anderen Falle der Art nicht ausbleiben wrde, wofr die
+ungeschwchte Lebhaftigkeit brgt, mit welcher noch alle Jahre die
+Erinnerung an die Zeit von 1813-1815 erneut wird: -- so ist der
+militairische Geist bereits jetzt in Preuen so allgemein in die ganze
+Nation, trotz aller provinciellen Verschiedenheiten, von der Saar bis
+zum Pregel, von der Ostsee bis zu den Karpathen eingedrungen, da ein
+anderes Militairsystem als das jetzige in diesem Staat gar nicht mehr
+mglich und denkbar ist, und da sogar Verbesserungen desselben, die
+wohl mglich und auch in Vorschlag gekommen, ja ohne Zweifel, wie oben
+bereits angedeutet wurde, sehr wnschenswerth und dringend sind, berall
+mit der grten Ungunst ausgenommen werden, wie dies namentlich auch
+wirklich schon jedesmal geschehen ist, wo von einer vernderten
+Organisation der Landwehr die Rede war.
+
+Und dies fhrt uns unmittelbar auf den zweiten Punkt, nemlich auf eine
+Prfung des Wesentlichen in dem Preuischen _Landwehrsystem_.
+
+Die Entstehung der preuischen Landwehr ist schon oben kurz angedeutet
+worden. Es ist aber schon oft zur Sprache gekommen, ob eine andere
+Organisation derselben, namentlich eine engere Verschmelzung mit der
+Linie, so da die Landwehrmnner, die Kriegsaugmentation oder Reserve
+der Letztern bildeten, nicht angemessener und wohlfeiler wre. Es ist
+hier nicht der Ort, die Grnde dafr und dagegen zu entwickeln, um so
+mehr, da hierbei sehr Vieles auf individuelle Ansichten ankommen mchte:
+so viel ist aber gewi, da die Idee der allgemeinen Volksbewaffnung,
+wie sie dem preuischen Militairsystem zu Grunde liegt, sehr wohl
+verwirklicht werden kann, ohne gerade das preuische Landwehrsystem
+nachzuahmen, welches gewi noch gar mancher Verbesserungen fhig ist; --
+und da es hiernach eine Thorheit wre, bei einer Armee, deren
+Einrichtung sich mehr fr eine andere Form der Volksbewaffnung eignet,
+gerade jenes System annehmen zu wollen, in so ferne nur die
+Hauptgrundstze festgehalten werden:
+
+a) da jeder persnlich zum Kriegsdienst verpflichtet ist, ohne einen
+Ersatzmann stellen zu drfen;
+
+b) da so viel junge Leute wie mglich in der Linie zum Waffendienst
+ausgebildet werden;
+
+c) da die ausgebildeten und aus der Linie entlassenen Mannschaften in
+einem schon _vorher_ im Frieden _vollstndig_ organisirten
+Militairverbande bleiben, da der Feind in den meisten Fllen nicht
+hinreichende Zeit lassen wird, diesen Verband erst bei eintretender
+Gefahr neu in's Leben zu rufen; und da
+
+d) ebenso auch diese Kriegsreserve alle Jahre, oder alle 2 Jahre
+wenigstens, eine kurze Zeit hindurch (14 Tage drften dazu vollkommen
+gengen) in jenem frmlichen Militair-Verbande zusammen gestellt und in
+den Waffen gebt werde.
+
+Der von Mehreren aufgestellten Ansicht, im Falle der Noth werde sich
+ebenso wie in Preuen 1813 die Landwehr von selbst bilden, und es seien
+daher keine solche Opfer fr dieselbe whrend des Friedens nothwendig,
+mu entschieden entgegen getreten werden. Htte Preuen schon 1813 seine
+jetzige Landwehr gehabt, dann htte es nicht mehrere Monate zu seinen
+Formationen gebraucht; der Feldzug konnte 3 Monate frher am Rhein,
+statt an der Elbe erffnet und alle die Schlachten des Jahres 1813
+durften nicht geschlagen werden, um nur erst bis an den Rhein
+vorzudringen. Wer hieran noch zweifeln kann, lese und studiere die
+Beitrge zur Geschichte des Jahres 1813 von einem hheren Offizier der
+preuischen Armee! --
+
+Alle Zwecke der Landwehr knnten z.B. in einer Armee, wie die
+Wrttembergische, auf folgende einfache Weise ohne wesentliche
+Mehrkosten erreicht werden, wenn (wie hier brigens nur ganz beilufig
+und beispielsweise angedeutet wird) --
+
+a) Die erste Dienstzeit fr den grten Theil der Mannschaft wie bisher
+auf 6 Monate beschrnkt bliebe, und sie nur spter wieder auf kurze Zeit
+einigemal einberufen wrde, um in der bung zu bleiben;
+
+b) den jungen Leuten aus den wohlhabenderen Stnden gestattet wrde,
+ihrer Dienstpflicht durch eine krzere Dienstzeit als Freiwillige bei
+einem von ihnen selbst zu whlenden Truppentheile zu gengen, insofern
+sie
+
+ aa) sich selbst equipirten, besoldeten und verpflegten,
+
+ bb) einen gewien Grad von hherer Schulbildung und
+
+ cc) ebenso bereits eine gengende militairische Vorbildung (z.B.
+ durch Privatunterricht im Exercitium) nachwiesen, wofr ihnen
+ dann auch wie in Preuen vorzugsweie die Aussicht erffnet werden
+ mte, zu Unteroffizieren oder Offizieren in der Kriegsreserve
+ oder Landwehr befrdert zu werden.
+
+c) Bei den jhrlichen oder zweijhrlichen bungen der Kriegsreserve, die
+Linientruppen die Cadres bildeten, so da z.B. aus je 2 Compagnien oder
+jeder Compagnie der Linie ein Kriegs-Bataillon gebildet oder die
+Kopfzahl der Compagnien auf dem Friedensfu, fr den Kriegs- oder
+bungsfu verdoppelt wrde.
+
+d) Endlich die erforderliche Zahl der Offiziere fr die bungszeit durch
+Beiziehung der Offiziere der Kriegsreserve oder Landwehr vervollstndigt
+wrde, die dann auf ganz gleichem Fu mit den Linienoffizieren und mit
+diesen untermischt, den Dienst thun mten (wie dies in Preuen
+allgemein mit dem besten Erfolg bei den Landwehrbungen statt findet).
+
+Auf diese Weise wrden die Wohlhabendern, die sich jetzt durch Stellung
+eines Einstehers loskaufen, durch den unentgeldlichen Dienst als
+Freiwillige dasselbe pekunire Opfer, nur unter einer andern Form
+bringen, und dabei nicht dem Militairdienst entzogen werden; und bei
+mglichster Begnstigung der Freiwilligen auf krzere Dienstzeit ist es
+wohl denkbar, da auf diese Weise die Zahl derselben sich so mehrte, um
+so viele Ersparnisse dadurch zu erlangen, da daraus, unter Beseitigung
+des ganzen Einsteherwesens, eine gengende Zahl von altgedienten
+Unteroffizieren durch Gewhrung hinreichender Zulagen gewonnen werden
+knnte, indem denselben zugleich noch besondere Aussichten auf
+Befrderungen im Civil, und in der Kriegsreserve oder Landwehr erffnet
+werden mten.
+
+Diese Unteroffiziere wrden wahrscheinlich besser seyn, als die jetzigen
+Einsteher, die darin nichts weiter als einen Erwerbs-Zweig sehen, und
+nicht einmal durch die Aussicht auf knftige Befrderung und Anstellung,
+wie in Preuen, einen Sporn finden, sich ihres Standes besonders wrdig
+zu zeigen, eben so wie auch selbst in Preuen die gewhnlichen
+Capitulanten, welche nicht zu Unteroffizieren qualificirt sind,
+keineswegs als derjenige Theil der Armee angesehen werden knnen, in
+denen der beste militairische Geist herrscht. Was die Anstellung der
+lnger (nemlich 12 Jahr) gedient habenden Unteroffiziere in Civilstellen
+betrifft: so sind in Preuen alle Civilbehrden gern geneigt, die
+Unterbeamtenstellen mit solchen Unteroffizieren zu besetzen, weil diese
+Leute meist an eine viel strengere Ordnung gewhnt sind, als junge
+Leute, die, wie in Wrttemberg, ihre Carriere blos als Schreiber
+machen.
+
+Was die Mglichkeit anbelangt, bei so kurzer Dienstzeit die Mannschaften
+gengend auszubilden: so ist schon oben auf die geringe Vorbildung
+hingewiesen worden, mit der bisher fast in allen greren Kriegen, die
+nachrckenden Ersatzmannschaften zu der Armee gestoen sind, wie nicht
+minder auch das Beispiel der Rmer hierbei geltend gemacht werden kann,
+bei denen die Handhabung der Waffen ohnstreitig viel schwieriger war,
+als bei uns, ohne da man etwas von Ausexerzieren und Exerzierzeit bei
+den alten Schriftstellern fnde, ohnstreitig deswegen, weil die
+Handhabung der Waffen schon einen integrirenden Theil der Volkserziehung
+bildete, -- eine Einrichtung, die gewi auch in unsern europischen
+Staaten zum groen Vortheil der Budgets der Kriegsministerien sich
+realisiren liee, und noch realisiren wird, namentlich wenn, wie vorhin
+angedeutet wurde, diejenigen Freiwilligen, welche _vollstndig_
+ausexerziert eintrten, gewisse Vorzge genen. Denn sollte es eine so
+sehr abentheuerliche Maasregel seyn, bei den ffentlichen Schulen, neben
+oder statt der Turnanstalten, Exerzierschulen unter der Leitung alter
+gedienter Unteroffiziere und Offiziere einzurichten, und so die
+mnnliche Jugend schon so zeitig zum Waffendienst anzulernen, da der
+Dienst in der Linie und die bungen bei der Kriegsreserve nur als
+Vervollstndigung oder als Wiederholung dienten, um sie in der bung zu
+erhalten und in grere Massen zusammenzustellen?
+
+Bereits in einem Entwurfe vom Jahre 1808 spricht General von Scharnhorst
+folgende Ansichten hierber aus (vrgl. Beiheft zum Militair Wochenblatt
+pro Januar bis Oktober 1846.)
+
+ Die bisherigen (militair.) Erziehungs-Institute werden immer
+ nicht diesen Endzweck erfllen: sie sind nur fr einen Theil der
+ Zglinge der stehenden Armee bestimmt, und ohnehin, wie sie
+ jetzt sind, sehr schlecht.
+
+ Aus diesen Grnden glaubt die Organisations-Kommission, da es
+ von Nutzen sein mchte, wenn die Stadtschulen zugleich eine
+ militairische Richtung erhielten, und gewissermassen eine
+ Vorbereitungsschule fr den Unteroffizier und Offizier
+ (insbesondere der Miliz) wrden, ohne da sie deswegen in ihrer
+ jetzigen Bestimmung verlren.
+
+ 1) da in ihnen mehr reine Mathematik als bisher gelehrt wrde;
+
+ 2) da in jeder Schule eine vllig militairische Disciplin
+ eingefhrt wrde, und da in den hheren Klassen der Geist
+ dieser Disciplin und der militairischen Gesetze erklrt wrden.
+
+ 3) _da jede Schule ihren Exerziermeister htte und in den
+ Erholungsstunden sich in dem Gebrauch der Waffen bte_; da jede
+ Schule sich in Compagnien formirte, ihre Capitaine u.s.w.
+ whlte und unter ihren Offizieren die Grundstze der
+ Kriegsdisciplin im Kleinen ausben lernte;
+
+ 4) da jede Schule zur Erholung der Schler, gewisse
+ Leibesbungen htte, welche auf den Krieg und die Abhrtung des
+ Krpers Bezug haben, als Fechten, Schwimmen, Voltigiren
+ u.s.w.
+
+Der Minister von Stein hatte hierzu folgende Randbemerkungen gemacht:
+
+ Man wird in allen Stadtschulen Anstalt treffen knnen, um
+ Kenntni des Gebrauchs der Waffen und der Bewegung grerer
+ Menschenmassen zu bewirken. Auch wird man mehr Gewohnheit zur
+ Reinlichkeit, Ordnung und zum Gehorsam veranlassen knnen. Wegen
+ Einfhrung gymnastischer bungen in den Schulen ist Vieles in
+ Schnepfenthal geschehen und knnten sie allgemein gemacht
+ werden.
+
+Wenn man sieht, wie leicht in Cadetten- und Waisenhusern die Knaben die
+Elemente des Exercitiums und des Militair-Dienstes lernen; so kann an
+der leichten Ausfhrbarkeit einer solchen Maasregel nicht gezweifelt
+werden. Auch ist die Ausfhrung dieser Idee in den Turnanstalten
+vorbereitet, und in Stuttgart bestand bereits ein Verein von Vtern, die
+ihre Buben in den Freistunden zum Zeitvertreib und als Spiel, zugleich
+aber als krperliche bung und Erziehungsmittel in dem militairischen
+Exercitium unterrichten lieen, eine Maasregel, die der allgemeinsten
+Beachtung werth ist. Auch erheben sich immer mehr Stimmen dafr, solche
+bungen als wesentlichen Bestandtheil in den Kreis der Jugendbildung
+aufzunehmen, so da die Realisirung dieser Idee mit der Zeit bestimmt zu
+erwarten ist. (Vrgl. z.B. Mnnich das Turnen und die Turnkunst; ferner
+einen Aufsatz in der deutschen Vierteljahrsschrift 1843. IV.)
+
+Wenn es hiernach erwiesen sein drfte, da sich die Idee der allgemeinen
+Volksbewaffnung und der persnlichen Militairpflicht, auch in den
+brigen deutschen Staaten auer Preuen, dem Wesen nach und
+wahrscheinlich ohne erhebliche Erhhung des Militair-Budgets durchfhren
+lasse; da dadurch der militairische Geist in diesen Staaten, so wie die
+Stellung der Armeen merklich gewinnen mte; da hiernach jede
+Regierung, die es mit ihrer Armee gut meint, und jeder Militair in
+diesen Staaten wnschen mu, da diese Einrichtung in's Leben trete: so
+ist endlich nicht zu verkennen, da die politischen Grnde, welche in
+den kleinern deutschen Staaten fr die Einfhrung einer solchen
+allgemeinen Landesbewaffnung sprechen, noch viel erheblicher sind, ja
+diese Einrichtung dringend und unabweislich fordern, wenn diese Staaten
+ihren Anspruch auf Unabhngigkeit und Selbststndigkeit behaupten
+wollen, und da namentlich der kriegserfahrene und erlauchte Feldherr
+auf Wrttembergs Throne kein schneres Blatt in seinen Lorbeerkranz
+flechten knnte, als wenn er sich als Vorbild an die Spitze einer fr
+die Vertheidigung von Sddeutschland so wichtigen Maasregel stellte.
+
+Zweimal bereits (und es liegt der Erwhnung dieses geschichtlichen
+Faktums gewi keine gehige Absicht zu Grunde) sind fast alle deutschen
+Staaten zweiten Ranges, Baiern nicht ausgenommen, in der Nothwendigkeit
+gewesen, der bermacht des eingedrungenen mchtigern Feindes sich
+anzuschlieen, und nur zu ihrem eigenen Nachtheil versumten einige, den
+gnstigsten Zeitpunkt dazu zu whlen. Diese Abhngigkeit von den
+Ereignissen, diese politische Ohnmacht, der sie unterlagen, ist kein
+Vorwurf fr sie, sondern eine nothwendige Folge ihrer Lage und ihrer
+Gre. Am belsten von allen in Bezug hierauf befinden sich aber die
+sdwestlichen deutschen Staaten des 8ten Armeekorps, die dem ersten Sto
+des feindlichen Nachbars ausgesetzt sind, der ihn noch dazu um so
+sicherer gerade gegen sie fhren wird, je mehr er darauf rechnen kann,
+hier den geringsten Widerstand zu finden.
+
+Nur zwei Mittel giebt es, diese Staaten mehr oder weniger dagegen zu
+schtzen: die Anlage angemessener Befestigungen im sdlichen
+Deutschland, und die ausgedehnteste Entwickelung ihrer militairischen
+Nationalkraft!
+
+Es leuchtet ein, da so lange noch ein badisches Bataillon in Rastatt,
+ein Wrttembergisches in Ulm den Kampf gegen den Feind fortsetzt, die
+Regierungen dieser Lnder noch faktisch bestehen, wre auch das ganze
+brige Land vom Feinde berschwemmt, und dies ist ein sehr wichtiger
+Umstand, da 2-3 Monate in dieser Beziehung sehr viel ausmachen. Wenn
+daher auch die Anlage der gedachten Bundesfestungen diesen Lndern, und
+namentlich die Befestigung von Ulm dem Lande Wrttemberg im Kriege
+manchen Nachtheil zu bringen scheint: so trgt sie doch wesentlich zur
+Sicherung der Selbststndigkeit dieser Staaten bei, und es ist nicht
+unbillig, vorauszusetzen, da die Staaten des 8. Armeekorps auerdem
+noch fr die Befestigung des oberen Schwarzwaldes verhltnismig aus
+eigenen Mitteln so viel thun knnten, als Preuen fr die Sicherung des
+Unter-Rheins durch Festungen gethan hat.
+
+Aber es ist auch nicht zu verkennen, da diese Staaten der an sie in
+ihrem eigenen Interesse zu machenden Anforderung, ihre Militairmacht
+aufs uerste zu entwickeln, bisher nur sehr unvollstndig entsprochen
+haben. Whrend das 8te deutsche Armeecorps die Avantgarde des sdlichen
+Deutschlands bildet; whrend es daher vorzugsweise gegen den ersten Sto
+von Westen gerstet sein mte (da Preuen und sterreich viel eher
+einen ersten Echec aushalten knnen) finden wir hier in den
+Stndeversammlungen mit wenigen Ausnahmen, eine entschiedene Tendenz,
+die Last des Militairbudgets von sich zu wlzen, und der Reichere dankt
+Gott, wenn er sich von der persnlichen Verpflichtung zur
+Landesvertheidigung durch das Opfer von ein paar hundert Gulden
+loskaufen, und die Erfllung dieser heiligen Pflicht einem armen Teufel
+von Einsteher aufbrden kann! Und dabei nehmen in diesen Staaten, wie es
+namentlich in Baden, bei Gelegenheit der Verhandlungen ber die
+Befestigung von Rastatt geschehen ist, Staatsmnner, Publicisten und
+Privaten keinen Anstand, den deutschen Gromchten und vorzugsweise
+Preuen, den Vorwurf zu machen, da dieses sie im Kriege im Stich lassen
+wolle und werde. Wie? Preuen[2] verwendet auf seinen Militair-Etat
+verhltnismig doppelt so viel und stellt ohne die Landwehr 2ten
+Aufgebots 1 mal so viel, und mit ihr 2 mal so viel Truppen in's Feld
+als Ihr; Preuen erbaute und unterhlt 27 Festungen; Preuen giebt einen
+Beitrag von 5 Millionen Gulden zum Bau der Bundesfestung Ulm; in
+Preuen sind die edelsten Shne und die Blthe der ganzen Nation bereit,
+sich beim ersten Kriegsruf an die Spitze der Landwehren zu stellen, um
+ihren bedrohten deutschen Brdern zu Hilfe zu eilen: und Ihr wollt ihm
+den Vorwurf machen, Euch im Stich zu lassen, whrend Ihr selbst in
+trger Ruhe die Kreuzer berechnet, die es Euch kosten wrde, wenn Ihr
+dieselben Anstrengungen machen solltet, die Euch wahrlich bei Eurer
+politischen Lage mehr noth thun, als Preuen und sterreich; whrend ihr
+engherzig, ja spiebrgerlich den Geldausfall herauscalculirt, den ein
+feindlicher Einfall Euch mehr oder weniger kosten wrde, als ein hheres
+Militairbudget, ohne dabei irgend auf die politischen und moralischen
+Wirkungen eines solchen Einfalls Rcksicht zu nehmen; und whrend Ihr
+unumwunden in Euren Kammern erklrt, absichtlich nicht mehr zu thun,
+damit die grern deutschen Staaten nicht veranlat werden, Euch auf
+Eure eigenen Hilfsmittel zu verweisen, und Euch weniger zu
+untersttzen!! --
+
+ [2]
+ Einwohnerzahl. Militairmacht. Militairbudget.
+
+ Preuen 14,907,091 176,719 stehendes Heer 23,721,000 Th.
+ 154,193 Landwehr _I._ 41,511,750 Th.
+ --------
+ 330,912
+ 121,000 Landwehr _II._
+ --------
+ 451,912
+
+ Wrttemberg 1,682,338 Contingent 13,955 132,372 Milt. Pensionen
+ Reserve 6,987 1,992,378
+ ------ ---------
+ 20,942 2,124,750 fl.
+
+Und sind die Bedenken, die Ihr zur Beschnigung Eurer Trgheit und
+Knauserei in dieser Beziehung vorbringt, in Preuen in Erfllung
+gegangen? Ist Preuen verarmt? Hat es keine Bauern und Brger, die das
+Feld bauen und das Gewerbe treiben? Hat es keine Mnner der Kunst und
+der Wissenschaft? Hat es bei den Ereignissen des Jahres 1831. weniger
+Liebe fr sein Herrscherhaus bewiesen? Hat seine ganz nationale Armee
+etwa gefhrliche liberale oder republikanische Ideen an den Tag gelegt,
+die der Monarchie nachtheilig werden knnten? -- Ha! wahrlich, es kann
+sich in allen diesen Dingen, trotz seines hohen Militairbudgets und
+trotz seines Landwehrsystems dreist mit Euch messen!
+
+Darum also, Ihr Regierungen, Stndeversammlungen und Stammgenossen des
+sdwestlichen Deutschlands: wenn Ihr nicht beim ersten Anlauf des
+mchtigen Nachbars ber den Haufen gerannt werden wollet; wenn Ihr den
+Stand des Kriegers wirklich zu ehren und erheben beabsichtigt; wenn Ihr
+wrdig seyn wollt, eine wirkliche Macht zu werden, ebenso wie es Preuen
+gegenber den 4 andern europischen Gromchten durch mglichste
+Entwickelung seiner kriegerischen Nationalkraft zu thun genthigt ist;
+wenn Preuens, aus allen Klassen der Gesellschaft hervorgegangene
+Krieger nicht mit Selbstgefhl auf Eure erkauften Einsteher blicken,
+vielmehr Eure Reihen, als ganz ebenbrtig begren sollen, was sie mit
+der lautersten, herzlichsten und uneigenntzigsten Gesinnung thun
+werden: so zeigt, da Ihr vom Hchsten bis zum Niedrigsten bereit seid,
+den Waffenrock zu tragen, und Gut und Blut fr den deutschen Namen daran
+zu setzen; duldet nicht, da bei ausbrechendem Kampfe blos den
+Proletariern die Vertheidigung des Vaterlandes berlassen bleibe; ruft
+vielmehr Eure ganze kriegerische Nationalkraft auf; werft statt der
+30,000 Mann des 8ten Armeekorps, bei dem Feuerschein des ersten
+Kriegsfanals am Rhein, 90,000 Mann wohlbewaffnet, und wohlgebt dem
+Feinde in den Schluchten des Schwarzwaldes entgegen; seid berzeugt, da
+Preuens Heer diesen Entschlu mit lautem Jubel begren, ein neues
+krftiges Band zwischen sich und Euch darin finden, und bereitwilligst
+in den Tagen der Gefahr wie Brder an Eure Seite eilen werde; -- zgert
+nicht damit, bis der Friedensschlaf Euch wieder ganz bermannt hat: es
+handelt sich um Eure Ehre, Eure Selbststndigkeit, ja um Eure politische
+Existenz in den Tagen der Gefahr!
+
+ * * * * *
+
+Was auch Wahres und Falsches, Richtiges und Unrichtiges in den
+vorliegenden Bogen enthalten sein mge, der Verfasser wollte blos
+darthun, da es im Interesse der sdwestlichen deutschen Staaten liege
+
+a) die Militairpflicht zu einer persnlichen, nicht mit Gelde
+abzukaufenden, zu machen;
+
+b) Mglichst viel junge Leute zum Waffendienst auszubilden.
+
+c) Die so geschaffene Volksbewaffnung schon im Frieden vollstndig zu
+organisiren und in bung zu erhalten.
+
+Hat der Verfasser diesen Zweck erreicht, so giebt er alle Details des
+vorstehenden Aufsatzes bereitwilligst preis, und berlt die Maasregeln
+zur Ausfhrung sehr gern besser Unterrichteten und mit den
+Landes-Verhltnissen Vertrauteren; fgt indessen im Nachstehenden die
+Grundzge eines nach seiner Ansicht anzuordnenden Systems allgemeiner
+Volksbewaffnung bei:
+
+Jeder waffenfhige Mann ist dienstpflichtig vom 19. Jahre an. Eine
+Stellvertretung ist unzulig.
+
+Die bung im Waffendienst macht einen Bestandtheil der Volksschulbildung
+aus.
+
+Jeder, der sich selbst ausrstet und bereits in den Waffen gebt ist,
+kann sich den Truppentheil whlen, dient 1 Jahr im stehenden Heere und
+zwar Jahr im angestrengten Dienst ohne Unterschied und sonstige
+Begnstigung gegen die brige Mannschaft.
+
+Wer sich nicht selbst ausrstet, dient wenigstens ebenso lange, darf
+sich den Truppentheil nicht beliebig whlen und wird aus der Linie nach
+2 Jahren entlassen, wenn der Etat nicht frher durch andern Zuwachs
+gedeckt ist.
+
+Die lngste Dienstzeit im Frieden betrgt hiernach in der Linie 2 Jahre.
+Bis zum 25. Jahr bleibt jeder fr den Fall eines Kriegs zum Dienst in
+der Linie verpflichtet, und mu bis dahin auch noch jhrlich 14 Tage an
+deren bungen Theil nehmen.
+
+Bei jedem Truppentheil wird ein Cadre von Leuten mit lngerer Dienstzeit
+und freiwilliger Capitulation gebildet.
+
+Vom 25ten bis zum 32ten Jahre tritt die Dienstpflicht in der Landwehr
+ein.
+
+Im Frieden darf jeder Landwehrmann nur alle 2 Jahre 14 Tage zu den
+Waffenbungen herangezogen werden.
+
+Die Landwehr ist auch zum Dienst auerhalb des Landes verpflichtet.
+
+Vom 32. bis 50. Jahr tritt die Dienstpflicht in der Brgerwehr ein.
+
+Die Landwehrmnner knnen, wenn sie es wollen, in der Linie fort dienen,
+und die Brgerwehrmnner ebenso in der Landwehr. Namentlich findet die
+Anwendung auf die Unteroffiziere und Offiziere.
+
+Zu Unteroffizieren und Offizieren knnen nur solche befrdert werden,
+die den an sie gestellten wissenschaftlichen und moralischen
+Anforderungen vor einer ernannten Prfungs-Commission gengen.
+
+Die Unteroffiziere werden vom Regiments-Commandanten, die Offiziere vom
+Landesherrn ernannt.
+
+Jedoch mu bei den Erstern das Corps der Unteroffiziere bei Letztern das
+Corps der Offiziere nichts gegen sie einzuwenden haben, und deren
+Erklrung abgefordert werden.
+
+Diese Corps whlen unter den Bewerbern von gleichen Ansprchen.
+
+Die Befrderung zu den weitern Offiziersgraden in der Linie und Landwehr
+erfolgt abwechselnd: einmal nach dem Dienstalter, einmal durch Wahl der
+Offiziers-Corps, einmal durch Ernennung Seitens des Landesherrn unter
+den ltesten der vorhergehenden Dienstcharge.
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch ,
+, ersetzt. Die Fraktur-Ligatur fr u.s.w. wurde durch u.s.w.
+ersetzt. Kleinere Unregelmigkeiten in der Schreibweise wurden
+beibehalten. Die nachfolgende Tabelle enthlt eine Auflistung aller
+gegenber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+Transcriber's Note: The Umlauts Ae, Oe and Ue have been replaced by ,
+, . The ligature for "u.s.w." has been replaced by "u.s.w." Minor
+spelling inconsistencies have been maintained. The table below lists all
+corrections applied to the original text.
+
+S. 1: Oberstlieutnant -> Oberstlieutenant
+S. 4: greren Abtheilungen nnd ausserdem -> und
+S. 4: etwa 90000 Mann -> 90,000
+S. 4: nur etwa 35000 -> 35,000
+S. 6: Frst W. Raziwill -> Radziwill
+S. 9: Entstehung der preuichen Landwehr -> preuischen
+S. 14: den deutschen Grosmchten -> Gromchten
+S. 15: als Preuen und streich -> sterreich
+S. 16: mit den Landes-Verhltnissen Vertauteren -> Vertrauteren
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of ber allgemeine Landesbewaffnung, by
+Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
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+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+<pre>
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+Project Gutenberg's Über allgemeine Landesbewaffnung, by Moritz von Prittwitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Über allgemeine Landesbewaffnung
+ insbesondere in Beziehung auf Württemberg
+
+Author: Moritz von Prittwitz
+
+Release Date: February 21, 2010 [EBook #31337]
+
+Language: German
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+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
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+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+<h1><a name="Page_1" id="Page_1"></a>
+<span style="font-size: medium">Über</span><br />
+<span style="font-size: large">allgemeine</span><br />
+<span style="font-size: xx-large; line-height: 200%">Landesbewaffnung,</span><br />
+</h1>
+
+<p class="subtitle">insbesondere in<br />
+<span style="font-size: large">Beziehung auf Württemberg,</span></p>
+
+<p class="writtenby">von</p>
+
+<p class="author">Moritz v. <em class="gesperrt">Prittwitz</em>,</p>
+
+<p class="authordesc">Oberstlieutenant im K. preußischen Ingenieur-Corps und K. württembergischer
+Baudirektor der Bundesfestung Ulm.</p>
+
+<p class="publishedin">Ulm. 1848.</p>
+
+<p class="printer">Geislingen, gedruckt in der M. Ils’schen Buchdruckerei.</p>
+
+<p class="publisher">In Commission in der Stettin’schen Sortiments-Buchhandlung
+in Ulm.</p>
+
+
+<p><!-- <span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[2]</a></span> -->
+Dieser Aufsatz wurde bereits vor mehreren Jahren geschrieben. Die
+Cottasche Vierteljahrschrift wollte ihn nur mit mehreren Veränderungen
+aufnehmen. So blieb er bis zum Herbste 1847 liegen, wo er in der
+vorliegenden Form mehreren hochstehenden Personen vorgelegt wurde. Ein
+unveränderter Abdruck desselben in jetziger Zeit dürfte vielleicht durch die
+neuesten Ereignisse und die dadurch herbeigeführten Debatten über denselben
+Gegenstand gerechtfertigt sein.</p>
+
+<p><b>Ulm im August 1848.</b></p>
+
+
+
+<p class="newsection"><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span>
+Bei der jetzt in mehreren deutschen Staaten zur Sprache
+gekommenen Frage, in wie weit das Preußische Militairsystem
+angemessen in denselben Anwendung finden könne, wird es vielleicht
+zeitgemäß seyn, mit einigen Worten auf das Wesentliche dieses Systems
+aufmerksam zu machen, indem darüber noch mancherlei irrige
+Meinungen herrschen, auch oft unwesentliche Theile desselben für
+wesentliche angesehen werden.</p>
+
+<p>Man muß darin nemlich zwei ganz von einander verschiedene
+und ganz unabhängige Grundzüge sondern:</p>
+
+<p>a) <em class="gesperrt">die allgemeine und persönliche Militairpflicht</em>
+für alle Klassen der Unterthanen des preußischen Staats (mit alleiniger
+Ausnahme der Standesherrn und Mennoniten) der zu
+Folge Niemand sich durch einen Remplaçant oder Einsteher ersetzen
+lassen kann, und</p>
+
+<p>b) <em class="gesperrt">das Landwehrsystem</em>, nach welchem die Mannschaften,
+welche bei der Linie ausgedient haben, noch eine Zeitlang
+zum Landwehr-Dienst <em class="gesperrt">in eigenen Landwehrregimentern</em> verpflichtet
+sind.</p>
+
+<p>Von diesen beiden Einrichtungen ist die erste eine <em class="gesperrt">wesentliche</em>,
+während das Landwehrsystem mehr auf einer bloßen Form
+beruht, ein Umstand, der sehr häufig verkannt wird.</p>
+
+<p>Es muß hier als bekannt vorausgesetzt werden, und bedarf
+keiner weiteren Geschichtserzählung, wie in Preußen, in Folge des
+Tilsiter-Friedens, unter dem Namen, <em class="gesperrt">„Krümper“</em>, eine Menge
+Leute ausexerzirt, in ihre Heimath zurückgeschickt, durch neue ersetzt,
+und somit ohne Vermehrung des stehenden Heeres, die Bildung
+der aus diesen Krümpern im Jahre 1813 neu errichteten Reserveregimenter
+vorbereitet, und als deren Zahl sich noch als unzureichend
+zeigte, eine Anzahl Landwehrregimenter aus gänzlich rohen und
+unexerzirten Mannschaften gebildet wurde, die manchmal in’s Gefecht
+kamen, ohne vorher je zur Übung einen scharfen Schuß gethan
+zu haben. Es genügt, hier zu erwähnen, daß durch die Gesetze
+vom 17. Juli 1813, – 3. Septbr. 1814 und 21. Novbr. 1815
+die Verpflichtung jedes Preußischen Unterthanen ausgesprochen
+wurde, persönlich und ohne Stellvertretung drei oder 1 Jahr in’s
+stehende Heer einzutreten; dann 2 Jahre als Kriegsreservist oder
+Beurlaubter jederzeit zum Wiedereintritt bereit zu seyn; demnächst
+während mehrerer Jahre in der Landwehr zu dienen, die jedoch
+<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span>im Frieden jährlich nur 2 Wochen in größeren Abtheilungen und
+ausserdem an mehreren Sonntagen des Jahres in kleineren Abtheilungen
+zusammentritt; endlich im Fall des Kriegs vom 33. bis
+39. Jahre in die Landwehr 2ten Aufgebots, und demnächst sogar
+nöthigenfalls auch im Landsturm zur Vertheidigung des Vaterlandes
+mitzuwirken. Von dieser Verpflichtung entbindet nur körperliche
+Untüchtigkeit. Ausserdem finden noch einige Erleichterungen
+statt, von denen folgende die wichtigsten sind:</p>
+
+<p>Wer sich freiwillig zum Dienst meldet, kann sich selbst die
+Waffengattung und den Truppentheil wählen. Ausserdem können
+Freiwillige, durch Dienstleistung während eines Jahres, ihrer
+Dienstpflicht im stehenden Heere genügen, wenn sie einen bestimmten
+höhern Bildungsgrad nachweisen (namentlich also Studirende)
+und sich selbst equipiren und verpflegen.</p>
+
+<p>Da ausserdem eine größere Zahl von dienstfähigen jungen
+Leuten vorhanden ist, als eingestellt werden können: so finden auf
+besondere Verwendung der Lokalbehörden, in dringenden Fällen,
+einzelne Zurückstellungen statt, und unter den übrigen entscheidet
+das Loos. <em class="gesperrt">Die Stellung eines Ersatzmannes ist aber unter
+keinen Umständen zuläßig.</em></p>
+
+<p>Um jedoch die wegen Überzahl nicht in der Linie anzustellenden
+Mannschaften wenigstens einigermaßen auszubilden, bestand
+eine Zeitlang die Einrichtung, daß dieselben nur 6 Wochen bei den
+Fahnen blieben und dann zur Landwehr übertraten. Später ist
+jedoch hierin dadurch eine Abänderung getroffen worden, daß die
+wirkliche Dienstzeit bei der Infanterie auf 2 bis 1½ Jahr verkürzt
+wurde, wodurch es nunmehr möglich ist, viel mehr Mannschaften
+auszubilden. Dem ungeachtet werden von etwa 90,000
+Mann dienstfähigen jungen Leuten jährlich nur etwa 35,000 eingestellt
+und die übrigen sind frei vom Linien- und Landwehrdienst
+und sollen im Kriege als Rekruten in die Ersatzbataillone eintreten.<a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>
+Hiernach verdient das Preußische Landwehrsystem eigentlich
+den Namen „Volksbewaffnung“ nur darum, weil die Verpflichtung
+zum Kriegsdienst allgemein ist und nicht auf einen anderen übertragen
+werden kann. Diese Verpflichtung wird aber jetzt schon so
+gern getragen, namentlich von den jungen Leuten aus den gebildeten
+Klassen, daß diese meist vorziehen, freiwillig sich einen Truppentheil
+zu wählen, als den Versuch zu machen, sich durch das
+Loos vom Militair-Dienst befreit zu sehen.</p>
+
+<p>Das Vorstehende ergiebt, daß in Preußen die Linienregimenter
+<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span>eigentlich nur die Schule sind, durch welche die Militairpflichtigen
+durchgehen, um demnächst in die Landwehr, als dem eigentlichen
+Kern der Armee einzutreten, und daß mithin die jetzige
+preußische Landwehr von der Landwehr des Jahres 1813 ganz
+verschieden ist.</p>
+
+<p>Als zuerst durch die vorgedachten Gesetze die Dienstzeit im
+stehenden Heere auf 3 Jahre festgesetzt wurde, fand dies vielen
+Widerspruch. Eine Menge, namentlich der ältern Militairs, an
+die frühere lange Dienstzeit gewöhnt, erklärten es für unmöglich,
+in so kurzer Zeit einen tüchtigen Soldaten auszubilden. Mit
+Recht wurde ihnen entgegnet, daß die preußischen Reserveregimenter
+und Landwehren vom Jahre 1813, bei Weitem nicht einmal eine
+so lange Vorbildung erhalten hatten; ferner daß in allen Kriegen
+der neuern Zeit die nachgesandten Ersatzmannschaften wohl niemals
+so lange vorher ausgebildet waren, vielmehr diese Kriege größtentheils
+mit Soldaten geführt wurden, die, als sie zum erstenmal
+in’s Feuer kamen, in der Regel nur erst nothdürftig ausgebildete
+Rekruten waren; endlich daß der Friedensdienst niemals einen
+kriegserfahrenen Soldaten bilde, möge er auch noch so lange
+dauern. Auch hat seitdem dies Vorurtheil viele von seinen Anhängern
+verloren; selbst in der russischen und östreichischen Armee
+fängt man an, davon zurückzukommen; in der Preußischen hat,
+wie erwähnt, seitdem die Dienstzeit bei der Infanterie bereits eine
+weitere Ermäßigung erfahren, und in der Württembergischen Armee
+besteht schon seit längerer Zeit die Einrichtung, daß die Rekruten,
+die nicht Schützen werden sollen, nachdem sie 6 Monate bei den
+Fahnen gewesen sind, wieder entlassen und dann nur noch wieder
+auf kurzen Zeitraum einberufen werden, so daß die wirkliche
+Dienstzeit derselben, auf 10–12 Monat anzunehmen ist. Indessen
+wird überall die Nothwendigkeit anerkannt, bei einer solchen kurzen
+Dienstzeit der Mehrzahl, einen Stamm oder Cadre von länger
+gedienten Soldaten bei den Fahnen zu behalten, zu denen namentlich
+auch die Unteroffiziere zu rechnen sind. In der preußischen
+Armee hat man dies dadurch zu erreichen gesucht, daß diejenigen,
+welche auf eine weitere Dienstzeit im stehenden Heere freiwillig eine
+Kapitulation eingehen, eine Zulage erhalten, und ausserdem alle
+Unterbeamtenstellen im Lande, ebenso die Gensdarmerie- und Grenzaufseherposten
+<em class="gesperrt">nur</em> mit solchen Capitulanten und Unteroffizieren
+besetzt werden. In den ärmern Provinzen des Preußischen Staats
+genügt diese Maasregel; ja es giebt Regimenter, wo die Zahl der
+Kapitulanten hat beschränkt werden müssen, um nicht den Zweck:
+möglichst viel Mannschaften für die Landwehr auszubilden, zu verfehlen;
+in anderen Provinzen dagegen ist der Mangel an Kapitulanten
+sowohl, als an Unteroffizieren sehr fühlbar.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span>Auch geht die Meinung mancher ausgezeichneten Militairs
+dahin, (namentlich ist darüber von einem erlauchten General, Fürst
+W. <em class="gesperrt">Radziwill</em>, ein interessantes Memoir bearbeitet und den höchsten
+Stellen vorgelegt worden): daß die Zahl dieser Stammmannschaften
+noch überhaupt zu gering sey; daß sie verstärkt werden
+müsse, und daß dagegen, um die Kosten nicht zu vermehren, die
+<em class="gesperrt">gewöhnliche</em> Dienstzeit in der Linie vermindert werden könne,
+was noch ausserdem den Vortheil hätte, daß desto mehr Mannschaften
+für die Landwehr ausgebildet werden würden, und desto
+weniger vom Militairdienst im Frieden befreit blieben. Es ist
+nicht zu läugnen, daß in dieser Beziehung das preußische Militairsystem
+noch einer großen Verbesserung bedarf, da es trotz seiner
+bedeutenden Kosten, wie wir oben schon gesehen haben, noch so
+unvollständig die Idee einer allgemeinen Volksbewaffnung realisirt.
+Es scheint, daß dies am Einfachsten geschehen könnte:</p>
+
+<p>1) Wenn die Bedingungen, unter denen jetzt der Eintritt
+als 1&nbsp;jähriger Freiwilliger gestattet ist, bedeutend erweitert würden,
+um auf diese Weise eine viel größere Zahl der Wohlhabenderen,
+ohne Kosten für den Staatsschatz auszubilden. Auch ist
+bereits wirklich in diesem Sinne von den preußischen Provinzialständen
+ein Antrag gemacht worden.</p>
+
+<p>2) Wenn die Handhabung der Waffen zu einem Gegenstand
+des Schulunterrichts und der Jugendbildung gemacht würde, wie
+es bereits in den Militairschulen geschieht, indem dadurch die Möglichkeit
+gegeben wäre, die Dienstzeit in der Linie bedeutend abzukürzen,
+ohne die militairische Ausbildung zu beeinträchtigen. Dieser
+Punkt wird weiter unten noch einmal berührt werden.</p>
+
+<p>In anderen Armeen, namentlich in der Württembergischen,
+wird der Stamm von Leuten mit längerer Dienstzeit dadurch gebildet,
+daß der intelligentere Theil der eingezogenen Mannschaften
+länger (und zwar in Württemberg etwa 1½ Jahre als Schützen)
+bei den Fahnen bleiben muß, und daß als Remplaçants, Ersatzmänner
+oder Einsteher für diejenigen, welche ihre Dienstpflicht nicht
+selbst ableisten wollen, so viel als möglich nur solche Leute angenommen
+werden, welche bereits früher ihrer Dienstpflicht genügt
+haben und als Soldaten ausgebildet sind. Und da hier die Unteroffiziere
+bei Weitem nicht so sehr, wie im Preußischen, durch
+die Aussicht auf Civilanstellung zum Weiterdienen als Unteroffiziere
+vermocht werden: so giebt nur die Gelegenheit, als Einsteher von
+neuem gegen ein kleines Kapital für einen anderen einzutreten,
+Veranlassung, daß viele Unteroffiziere als Einsteher fortdienen,
+wodurch allein es möglich wird, eine genügende Zahl von Unteroffizieren
+mit längerer Dienstzeit zu erhalten. Dieser Umstand
+<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span>wird in Württemberg vorzugsweise als Rechtfertigungsgrund für
+das Einstehersystem angegeben.</p>
+
+<p>Allein, man sieht sogleich, daß dies nur eine einfache Geldfrage
+ist: denn wenn man den Capitulanten eine Zulage und
+andere Vortheile zuwendete, wie in Preußen (da in Württemberg
+erst nach einer 20&nbsp;jährigen Dienstzeit eine tägliche Zulage von
+4 kr. gewährt wird), warum sollte man denn nicht auch eine genügende
+Zahl von Unteroffizieren erhalten? und dies würde um
+so mehr der Fall seyn, wenn nach Beseitigung jedes Remplaçements,
+auch die Gebildeteren und Reicheren bei den Fahnen eintreten
+müßten, und dadurch nicht blos eine größere Zahl von zu
+Unteroffizieren Qualifizirten vorhanden wäre, sondern auch für
+diese keine solche Veranlassung mehr vorläge, sich dem Dienst zu
+entziehen, wie jetzt, wo jeder wohlhabende Kaufmannssohn, jeder
+Sohn eines höheren Beamten, ja jeder wohlhabende Bürgers-
+und Bauernsohn, es für unanständig hält, persönlich zu dienen,
+diese Last vielmehr durch den für ihn vielleicht unbedeutenden Aufwand
+von einigen hundert Gulden los zu werden sich beeilt; ja,
+wo <em class="gesperrt">förmliche Assekuranzen bestehen, um sich gegen das
+Unglück des Soldatenwerdens, wie gegen eine Landes-Calamität,
+durch Geldbeiträge zu schützen!</em></p>
+
+<p>Welchen nachtheiligen Einfluß dieses Einsteher-System auf
+den Geist der Armee, auf die Stellung derselben, dem ganzen
+Volke gegenüber, und auf die Achtung, welche jene bei diesem genießt,
+haben muß, ist einleuchtend und wird namentlich <em class="gesperrt">dem</em> in
+einer Menge kleiner Züge fühlbar, der Gelegenheit hat, im Detail
+die Dienstverhältnisse in zwei Armeen kennen zu lernen, von denen
+die eine das Remplaçement gestattet, die andere nicht.</p>
+
+<p>Das preußische Militair ist in dieser Beziehung im entschiedenen
+Vortheil gegen alle andere Armeen. Während in der preußischen
+Armee es dem aus den niederen Ständen hervorgegangenen
+Soldaten ein erhebendes Gefühl ist, in Reihe und Glied dem
+Reichsten und Vornehmsten gleich zu stehen, und dies ihn nothwendig
+stolz auf seinen Stand macht; während dort in Folge
+dessen die Überzeugung von der Nothwendigkeit der allgemeinen
+Militairverpflichtung so sehr alle Klassen durchdrungen hat, daß jetzt
+schon die höhern Stände eine Ehre dareinsetzen, Soldat zu seyn,
+und eine Stelle in der bewaffneten Macht zu bekleiden, und dadurch
+zugleich den Vortheil zu genießen, den wirklichen Soldaten
+gegenüber einen militärischen Rang zu haben, und als Landwehroffiziere
+die Rechte und Annehmlichkeiten des Offizierstandes zu
+theilen: – nimmt dagegen diejenige Armee, wo Ersatzmänner zuläßig
+sind, unvermeidlich mehr oder weniger den Charakter einer
+geworbenen Armee an; alle Gebildeten, alle Wohlhabenden ziehen
+<span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span>sich von derselben zurück; es ist keine Ehre, sondern <em class="gesperrt">nur</em> eine
+Last, eine Calamität, Soldat werden zu müssen; der militärische
+Geist dringt nicht in die Massen der Bevölkerung ein; jeder Spießbürger,
+der einen Ersatzmann stellen kann, hält sich für besser, als
+den Soldaten, und hütet sich wohl, sein Muttersöhnchen in einen
+Stand eintreten zu lassen, den er nur als ein nothwendiges Übel
+ansieht, oder sucht durch alle Mittel und Verwendungen seinen
+Sohn dem Militair-Dienst zu entziehen, und wenn dies nicht gelingt,
+ihm wenigstens bald Urlaub auszuwirken, und allgemein
+spricht sich bei jeder Veranlassung diese Antipathie oder wenigstens
+der Gegensatz zwischen Armee und Bürgerstand aus, so daß auch
+das geachtetste und tapferste Offizierscorps immer mehr oder weniger
+mit, unter dieser ungünstigen Stellung der Armee zur Nation
+leiden muß!</p>
+
+<p>Es wäre wahrlich nicht schwer, schon aus den Kammerverhandlungen
+der meisten deutschen Staaten und namentlich auch
+den württembergischen Kammerverhandlungen, Belege genug für die
+vorstehenden Behauptungen aufzufinden, während auf dem letzten
+preußischen Landtage auch nicht eine Stimme gegen das Militair-Budget
+aufgetreten ist, die Armee vielmehr eine Menge eifriger
+Vertheidiger auf demselben gefunden hat.</p>
+
+<p>Noch mehr wird und muß aber diese Verschiedenheit bei
+ausbrechendem Kriege hervortreten; denn während in diesem Fall,
+bei einer Armee, wo das Remplaçement statt findet, die reicheren
+und intelligenteren Klassen der Gesellschaft sich nach Möglichkeit
+dem Dienste zu entziehen suchen, oder, wenn sie dennoch dazu gezwungen
+werden, dann eine sehr traurige Stelle darin spielen, stellt
+sich in Preußen bei ausbrechendem Kriege, sogleich der ganze begüterte,
+einflußreiche und intelligente Theil der Nation an die
+Spitze der Armee, und es kann deshalb mit Gewißheit vorausgesetzt
+werden, daß, sollte Preußen noch jemals in den Fall kommen,
+seine Nationalkraft gegen einen auswärtigen Feind zu entwickeln,
+dies auf eine noch viel glänzendere Weise als im Jahre
+1813 geschehen werde, wo Alles improvisirt werden mußte, während
+jetzt Alles dazu vorbereitet und vollständig organisirt ist, und
+während jetzt namentlich die Landwehr aus lauter ausgewachsenen
+und ausgebildeten Soldaten besteht, so daß sie jetzt unstreitig als
+der Kern der Armee anzusehen ist. Was man auch auf Rechnung
+des Rausches der Begeisterung im Jahre 1813 schreiben möge –
+abgesehen davon, daß diese Begeisterung auch in einem anderen
+Falle der Art nicht ausbleiben würde, wofür die ungeschwächte
+Lebhaftigkeit bürgt, mit welcher noch alle Jahre die Erinnerung
+an die Zeit von 1813–1815 erneut wird: – so ist der militairische
+Geist bereits jetzt in Preußen so allgemein in die ganze
+<span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span>Nation, trotz aller provinciellen Verschiedenheiten, von der Saar
+bis zum Pregel, von der Ostsee bis zu den Karpathen eingedrungen,
+daß ein anderes Militairsystem als das jetzige in diesem Staat
+gar nicht mehr möglich und denkbar ist, und daß sogar Verbesserungen
+desselben, die wohl möglich und auch in Vorschlag gekommen,
+ja ohne Zweifel, wie oben bereits angedeutet wurde, sehr wünschenswerth
+und dringend sind, überall mit der größten Ungunst
+ausgenommen werden, wie dies namentlich auch wirklich schon
+jedesmal geschehen ist, wo von einer veränderten Organisation der
+Landwehr die Rede war.</p>
+
+<p>Und dies führt uns unmittelbar auf den zweiten Punkt,
+nemlich auf eine Prüfung des Wesentlichen in dem Preußischen
+<em class="gesperrt">Landwehrsystem</em>.</p>
+
+<p>Die Entstehung der preußischen Landwehr ist schon oben kurz
+angedeutet worden. Es ist aber schon oft zur Sprache gekommen,
+ob eine andere Organisation derselben, namentlich eine engere Verschmelzung
+mit der Linie, so daß die Landwehrmänner, die Kriegsaugmentation
+oder Reserve der Letztern bildeten, nicht angemessener
+und wohlfeiler wäre. Es ist hier nicht der Ort, die Gründe dafür
+und dagegen zu entwickeln, um so mehr, da hierbei sehr Vieles auf
+individuelle Ansichten ankommen möchte: so viel ist aber gewiß, daß
+die Idee der allgemeinen Volksbewaffnung, wie sie dem preußischen
+Militairsystem zu Grunde liegt, sehr wohl verwirklicht werden kann,
+ohne gerade das preußische Landwehrsystem nachzuahmen, welches
+gewiß noch gar mancher Verbesserungen fähig ist; – und daß es
+hiernach eine Thorheit wäre, bei einer Armee, deren Einrichtung
+sich mehr für eine andere Form der Volksbewaffnung eignet, gerade
+jenes System annehmen zu wollen, in so ferne nur die Hauptgrundsätze
+festgehalten werden:</p>
+
+<p>a) daß jeder persönlich zum Kriegsdienst verpflichtet ist, ohne
+einen Ersatzmann stellen zu dürfen;</p>
+
+<p>b) daß so viel junge Leute wie möglich in der Linie zum
+Waffendienst ausgebildet werden;</p>
+
+<p>c) daß die ausgebildeten und aus der Linie entlassenen Mannschaften
+in einem schon <em class="gesperrt">vorher</em> im Frieden <em class="gesperrt">vollständig</em> organisirten
+Militairverbande bleiben, da der Feind in den meisten Fällen
+nicht hinreichende Zeit lassen wird, diesen Verband erst bei eintretender
+Gefahr neu in’s Leben zu rufen; und daß</p>
+
+<p>d) ebenso auch diese Kriegsreserve alle Jahre, oder alle 2
+Jahre wenigstens, eine kurze Zeit hindurch (14 Tage dürften dazu
+vollkommen genügen) in jenem förmlichen Militair-Verbande zusammen
+gestellt und in den Waffen geübt werde.</p>
+
+<p>Der von Mehreren aufgestellten Ansicht, im Falle der Noth
+werde sich ebenso wie in Preußen 1813 die Landwehr von selbst
+<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span>bilden, und es seien daher keine solche Opfer für dieselbe während
+des Friedens nothwendig, muß entschieden entgegen getreten werden.
+Hätte Preußen schon 1813 seine jetzige Landwehr gehabt, dann hätte
+es nicht mehrere Monate zu seinen Formationen gebraucht; der Feldzug
+konnte 3 Monate früher am Rhein, statt an der Elbe eröffnet
+und alle die Schlachten des Jahres 1813 durften nicht geschlagen
+werden, um nur erst bis an den Rhein vorzudringen. Wer hieran
+noch zweifeln kann, lese und studiere die Beiträge zur Geschichte
+des Jahres 1813 von einem höheren Offizier der preußischen
+Armee! –</p>
+
+<p>Alle Zwecke der Landwehr könnten z.&nbsp;B. in einer Armee, wie
+die Württembergische, auf folgende einfache Weise ohne wesentliche
+Mehrkosten erreicht werden, wenn (wie hier übrigens nur ganz beiläufig
+und beispielsweise angedeutet wird) –</p>
+
+<p>a) Die erste Dienstzeit für den größten Theil der Mannschaft
+wie bisher auf 6 Monate beschränkt bliebe, und sie nur später
+wieder auf kurze Zeit einigemal einberufen würde, um in der
+Übung zu bleiben;</p>
+
+<p>b) den jungen Leuten aus den wohlhabenderen Ständen
+gestattet würde, ihrer Dienstpflicht durch eine kürzere Dienstzeit als
+Freiwillige bei einem von ihnen selbst zu wählenden Truppentheile
+zu genügen, insofern sie</p>
+
+<div class="blockquot"><p>aa) sich selbst equipirten, besoldeten und verpflegten,</p>
+
+<p>bb) einen gewißen Grad von höherer Schulbildung und</p>
+
+<p>cc) ebenso bereits eine genügende militairische Vorbildung
+(z.&nbsp;B. durch Privatunterricht im Exercitium) nachwiesen,
+wofür ihnen dann auch wie in Preußen vorzugsweiße
+die Aussicht eröffnet werden müßte, zu Unteroffizieren
+oder Offizieren in der Kriegsreserve oder Landwehr befördert
+zu werden.</p></div>
+
+<p>c) Bei den jährlichen oder zweijährlichen Übungen der
+Kriegsreserve, die Linientruppen die Cadres bildeten, so daß z.&nbsp;B.
+aus je 2 Compagnien oder jeder Compagnie der Linie ein Kriegs-Bataillon
+gebildet oder die Kopfzahl der Compagnien auf dem Friedensfuß,
+für den Kriegs- oder Übungsfuß verdoppelt würde.</p>
+
+<p>d) Endlich die erforderliche Zahl der Offiziere für die Übungszeit
+durch Beiziehung der Offiziere der Kriegsreserve oder
+Landwehr vervollständigt würde, die dann auf ganz gleichem Fuß
+mit den Linienoffizieren und mit diesen untermischt, den Dienst thun
+müßten (wie dies in Preußen allgemein mit dem besten Erfolg bei
+den Landwehrübungen statt findet).</p>
+
+<p>Auf diese Weise würden die Wohlhabendern, die sich jetzt
+durch Stellung eines Einstehers loskaufen, durch den unentgeldlichen
+Dienst als Freiwillige dasselbe pekuniäre Opfer, nur unter einer
+<span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span>andern Form bringen, und dabei nicht dem Militairdienst entzogen
+werden; und bei möglichster Begünstigung der Freiwilligen auf kürzere
+Dienstzeit ist es wohl denkbar, daß auf diese Weise die Zahl
+derselben sich so mehrte, um so viele Ersparnisse dadurch zu erlangen,
+daß daraus, unter Beseitigung des ganzen Einsteherwesens,
+eine genügende Zahl von altgedienten Unteroffizieren durch Gewährung
+hinreichender Zulagen gewonnen werden könnte, indem denselben
+zugleich noch besondere Aussichten auf Beförderungen im Civil,
+und in der Kriegsreserve oder Landwehr eröffnet werden müßten.</p>
+
+<p>Diese Unteroffiziere würden wahrscheinlich besser seyn, als die
+jetzigen Einsteher, die darin nichts weiter als einen Erwerbs-Zweig
+sehen, und nicht einmal durch die Aussicht auf künftige Beförderung
+und Anstellung, wie in Preußen, einen Sporn finden, sich ihres
+Standes besonders würdig zu zeigen, eben so wie auch selbst in
+Preußen die gewöhnlichen Capitulanten, welche nicht zu Unteroffizieren
+qualificirt sind, keineswegs als derjenige Theil der Armee
+angesehen werden können, in denen der beste militairische Geist
+herrscht. Was die Anstellung der länger (nemlich 12 Jahr) gedient
+habenden Unteroffiziere in Civilstellen betrifft: so sind in
+Preußen alle Civilbehörden gern geneigt, die Unterbeamtenstellen mit
+solchen Unteroffizieren zu besetzen, weil diese Leute meist an eine viel
+strengere Ordnung gewöhnt sind, als junge Leute, die, wie in
+Württemberg, ihre Carriere blos „als Schreiber“ machen.</p>
+
+<p>Was die Möglichkeit anbelangt, bei so kurzer Dienstzeit die
+Mannschaften genügend auszubilden: so ist schon oben auf die geringe
+Vorbildung hingewiesen worden, mit der bisher fast in allen
+größeren Kriegen, die nachrückenden Ersatzmannschaften zu der Armee
+gestoßen sind, wie nicht minder auch das Beispiel der Römer
+hierbei geltend gemacht werden kann, bei denen die Handhabung der
+Waffen ohnstreitig viel schwieriger war, als bei uns, ohne daß man
+etwas von Ausexerzieren und Exerzierzeit bei den alten Schriftstellern
+fände, ohnstreitig deswegen, weil die Handhabung der Waffen
+schon einen integrirenden Theil der Volkserziehung bildete, –
+eine Einrichtung, die gewiß auch in unsern europäischen Staaten
+zum großen Vortheil der Budgets der Kriegsministerien sich realisiren
+ließe, und noch realisiren wird, namentlich wenn, wie
+vorhin angedeutet wurde, diejenigen Freiwilligen, welche <em class="gesperrt">vollständig</em>
+ausexerziert einträten, gewisse Vorzüge genößen. Denn
+sollte es eine so sehr abentheuerliche Maasregel seyn, bei den
+öffentlichen Schulen, neben oder statt der Turnanstalten, Exerzierschulen
+unter der Leitung alter gedienter Unteroffiziere und
+Offiziere einzurichten, und so die männliche Jugend schon so zeitig
+zum Waffendienst anzulernen, daß der Dienst in der Linie und
+die Übungen bei der Kriegsreserve nur als Vervollständigung
+<span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span>oder als Wiederholung dienten, um sie in der Übung zu erhalten
+und in größere Massen zusammenzustellen?</p>
+
+<p>Bereits in einem Entwurfe vom Jahre 1808 spricht General
+von Scharnhorst folgende Ansichten hierüber aus (vrgl. Beiheft
+zum Militair Wochenblatt pro Januar bis Oktober 1846.)</p>
+
+<div class="blockquot"><p>„Die bisherigen (militair.) Erziehungs-Institute werden immer
+nicht diesen Endzweck erfüllen: sie sind nur für einen Theil der
+Zöglinge der stehenden Armee bestimmt, und ohnehin, wie sie jetzt
+sind, sehr schlecht.</p>
+
+<p>„Aus diesen Gründen glaubt die Organisations-Kommission,
+daß es von Nutzen sein möchte, wenn die Stadtschulen zugleich eine
+militairische Richtung erhielten, und gewissermassen eine Vorbereitungsschule
+für den Unteroffizier und Offizier (insbesondere der
+Miliz) würden, ohne daß sie deswegen in ihrer jetzigen Bestimmung
+verlören.</p>
+
+<p>1) daß in ihnen mehr reine Mathematik als bisher gelehrt
+würde;</p>
+
+<p>2) daß in jeder Schule eine völlig militairische Disciplin
+eingeführt würde, und daß in den höheren Klassen der Geist dieser
+Disciplin und der militairischen Gesetze erklärt würden.</p>
+
+<p>3) <em class="gesperrt">daß jede Schule ihren Exerziermeister hätte
+und in den Erholungsstunden sich in dem Gebrauch der
+Waffen übte</em>; daß jede Schule sich in Compagnien formirte, ihre
+Capitaine u.&nbsp;s.&nbsp;w. wählte und unter ihren Offizieren die Grundsätze der
+Kriegsdisciplin im Kleinen ausüben lernte;</p>
+
+<p>4) daß jede Schule zur Erholung der Schüler, gewisse Leibesübungen
+hätte, welche auf den Krieg und die Abhärtung des
+Körpers Bezug haben, als Fechten, Schwimmen, Voltigiren u.&nbsp;s.&nbsp;w.“</p></div>
+
+<p>Der Minister von Stein hatte hierzu folgende Randbemerkungen
+gemacht:</p>
+
+<div class="blockquot"><p>„Man wird in allen Stadtschulen Anstalt treffen können, um
+Kenntniß des Gebrauchs der Waffen und der Bewegung größerer
+Menschenmassen zu bewirken. Auch wird man mehr Gewohnheit
+zur Reinlichkeit, Ordnung und zum Gehorsam veranlassen können.
+Wegen Einführung gymnastischer Übungen in den Schulen ist Vieles
+in Schnepfenthal geschehen und könnten sie allgemein gemacht werden.“</p></div>
+
+<p>Wenn man sieht, wie leicht in Cadetten- und Waisenhäusern
+die Knaben die Elemente des Exercitiums und des Militair-Dienstes
+lernen; so kann an der leichten Ausführbarkeit einer solchen Maasregel
+nicht gezweifelt werden. Auch ist die Ausführung dieser Idee
+in den Turnanstalten vorbereitet, und in Stuttgart bestand bereits
+ein Verein von Vätern, die ihre Buben in den Freistunden zum
+Zeitvertreib und als Spiel, zugleich aber als körperliche Übung
+und Erziehungsmittel in dem militairischen Exercitium unterrichten
+<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span>ließen, eine Maasregel, die der allgemeinsten Beachtung werth ist.
+Auch erheben sich immer mehr Stimmen dafür, solche Übungen
+als wesentlichen Bestandtheil in den Kreis der Jugendbildung aufzunehmen,
+so daß die Realisirung dieser Idee mit der Zeit bestimmt
+zu erwarten ist. (Vrgl. z.&nbsp;B. Mönnich das Turnen und die Turnkunst;
+ferner einen Aufsatz in der deutschen Vierteljahrsschrift 1843. IV.)</p>
+
+<p>Wenn es hiernach erwiesen sein dürfte, daß sich die Idee der
+allgemeinen Volksbewaffnung und der persönlichen Militairpflicht,
+auch in den übrigen deutschen Staaten außer Preußen, dem Wesen
+nach und wahrscheinlich ohne erhebliche Erhöhung des Militair-Budgets
+durchführen lasse; daß dadurch der militairische Geist in
+diesen Staaten, so wie die Stellung der Armeen merklich gewinnen
+müßte; daß hiernach jede Regierung, die es mit ihrer Armee gut
+meint, und jeder Militair in diesen Staaten wünschen muß, daß
+diese Einrichtung in’s Leben trete: so ist endlich nicht zu verkennen,
+daß die politischen Gründe, welche in den kleinern deutschen Staaten
+für die Einführung einer solchen allgemeinen Landesbewaffnung
+sprechen, noch viel erheblicher sind, ja diese Einrichtung dringend
+und unabweislich fordern, wenn diese Staaten ihren Anspruch auf
+Unabhängigkeit und Selbstständigkeit behaupten wollen, und daß
+namentlich der kriegserfahrene und erlauchte Feldherr auf Württembergs
+Throne kein schöneres Blatt in seinen Lorbeerkranz flechten
+könnte, als wenn er sich als Vorbild an die Spitze einer für die
+Vertheidigung von Süddeutschland so wichtigen Maasregel stellte.</p>
+
+<p>Zweimal bereits (und es liegt der Erwähnung dieses geschichtlichen
+Faktums gewiß keine gehäßige Absicht zu Grunde) sind fast
+alle deutschen Staaten zweiten Ranges, Baiern nicht ausgenommen,
+in der Nothwendigkeit gewesen, der Übermacht des eingedrungenen
+mächtigern Feindes sich anzuschließen, und nur zu ihrem eigenen
+Nachtheil versäumten einige, den günstigsten Zeitpunkt dazu zu wählen.
+Diese Abhängigkeit von den Ereignissen, diese politische Ohnmacht,
+der sie unterlagen, ist kein Vorwurf für sie, sondern eine
+nothwendige Folge ihrer Lage und ihrer Größe. Am übelsten von
+allen in Bezug hierauf befinden sich aber die südwestlichen deutschen
+Staaten des 8ten Armeekorps, die dem ersten Stoß des feindlichen
+Nachbars ausgesetzt sind, der ihn noch dazu um so sicherer gerade
+gegen sie führen wird, je mehr er darauf rechnen kann, hier den
+geringsten Widerstand zu finden.</p>
+
+<p>Nur zwei Mittel giebt es, diese Staaten mehr oder weniger
+dagegen zu schützen: die Anlage angemessener Befestigungen im südlichen
+Deutschland, und die ausgedehnteste Entwickelung ihrer militairischen
+Nationalkraft!</p>
+
+<p>Es leuchtet ein, daß so lange noch ein badisches Bataillon
+in Rastatt, ein Württembergisches in Ulm den Kampf gegen den
+<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span>Feind fortsetzt, die Regierungen dieser Länder noch faktisch bestehen,
+wäre auch das ganze übrige Land vom Feinde überschwemmt, und
+dies ist ein sehr wichtiger Umstand, da 2–3 Monate in dieser Beziehung
+sehr viel ausmachen. Wenn daher auch die Anlage der gedachten
+Bundesfestungen diesen Ländern, und namentlich die Befestigung
+von Ulm dem Lande Württemberg im Kriege manchen Nachtheil zu
+bringen scheint: so trägt sie doch wesentlich zur Sicherung der
+Selbstständigkeit dieser Staaten bei, und es ist nicht unbillig, vorauszusetzen,
+daß die Staaten des 8. Armeekorps außerdem noch für
+die Befestigung des oberen Schwarzwaldes verhältnismäßig aus
+eigenen Mitteln so viel thun könnten, als Preußen für die Sicherung
+des Unter-Rheins durch Festungen gethan hat.</p>
+
+<p>Aber es ist auch nicht zu verkennen, daß diese Staaten der
+an sie in ihrem eigenen Interesse zu machenden Anforderung, ihre
+Militairmacht aufs Äußerste zu entwickeln, bisher nur sehr unvollständig
+entsprochen haben. Während das 8te deutsche Armeecorps
+die Avantgarde des südlichen Deutschlands bildet; während
+es daher vorzugsweise gegen den ersten Stoß von Westen
+gerüstet sein müßte (da Preußen und Österreich viel eher einen ersten
+Echec aushalten können) finden wir hier in den Ständeversammlungen
+mit wenigen Ausnahmen, eine entschiedene Tendenz, die Last
+des Militairbudgets von sich zu wälzen, und der Reichere dankt
+Gott, wenn er sich von der persönlichen Verpflichtung zur Landesvertheidigung
+durch das Opfer von ein paar hundert Gulden loskaufen,
+und die Erfüllung dieser heiligen Pflicht einem armen Teufel
+von Einsteher aufbürden kann! Und dabei nehmen in diesen Staaten,
+wie es namentlich in Baden, bei Gelegenheit der Verhandlungen
+über die Befestigung von Rastatt geschehen ist, Staatsmänner, Publicisten
+und Privaten keinen Anstand, den deutschen Großmächten
+und vorzugsweise Preußen, den Vorwurf zu machen, daß dieses sie
+im Kriege im Stich lassen wolle und werde. Wie? Preußen<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a> verwendet
+auf seinen Militair-Etat verhältnismäßig doppelt so viel
+und stellt ohne die Landwehr 2ten Aufgebots 1½ mal so viel, und
+mit ihr 2 mal so viel Truppen in’s Feld als Ihr; Preußen erbaute
+und unterhält 27 Festungen; Preußen giebt einen Beitrag
+<span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span>von 5 Millionen Gulden zum Bau der Bundesfestung Ulm; in
+Preußen sind die edelsten Söhne und die Blüthe der ganzen Nation
+bereit, sich beim ersten Kriegsruf an die Spitze der Landwehren zu
+stellen, um ihren bedrohten deutschen Brüdern zu Hilfe zu eilen:
+und Ihr wollt ihm den Vorwurf machen, Euch im Stich zu lassen,
+während Ihr selbst in träger Ruhe die Kreuzer berechnet, die es
+Euch kosten würde, wenn Ihr dieselben Anstrengungen machen solltet,
+die Euch wahrlich bei Eurer politischen Lage mehr noth thun, als
+Preußen und Österreich; während ihr engherzig, ja spießbürgerlich
+den Geldausfall herauscalculirt, den ein feindlicher Einfall Euch
+mehr oder weniger kosten würde, als ein höheres Militairbudget,
+ohne dabei irgend auf die politischen und moralischen Wirkungen
+eines solchen Einfalls Rücksicht zu nehmen; und während Ihr unumwunden
+in Euren Kammern erklärt, absichtlich nicht mehr zu
+thun, damit die größern deutschen Staaten nicht veranlaßt werden,
+Euch auf Eure eigenen Hilfsmittel zu verweisen, und Euch weniger
+zu unterstützen!! –</p>
+
+<p>Und sind die Bedenken, die Ihr zur Beschönigung Eurer
+Trägheit und Knauserei in dieser Beziehung vorbringt, in Preußen
+in Erfüllung gegangen? Ist Preußen verarmt? Hat es keine Bauern
+und Bürger, die das Feld bauen und das Gewerbe treiben? Hat
+es keine Männer der Kunst und der Wissenschaft? Hat es bei den
+Ereignissen des Jahres 1831. weniger Liebe für sein Herrscherhaus
+bewiesen? Hat seine ganz nationale Armee etwa gefährliche liberale
+oder republikanische Ideen an den Tag gelegt, die der Monarchie
+nachtheilig werden könnten? – Ha! wahrlich, es kann sich in allen
+diesen Dingen, trotz seines hohen Militairbudgets und trotz seines
+Landwehrsystems dreist mit Euch messen!</p>
+
+<p>Darum also, Ihr Regierungen, Ständeversammlungen und
+Stammgenossen des südwestlichen Deutschlands: wenn Ihr nicht
+beim ersten Anlauf des mächtigen Nachbars über den Haufen gerannt
+werden wollet; wenn Ihr den Stand des Kriegers wirklich
+zu ehren und erheben beabsichtigt; wenn Ihr würdig seyn wollt,
+eine wirkliche Macht zu werden, ebenso wie es Preußen gegenüber
+den 4 andern europäischen Großmächten durch möglichste Entwickelung
+seiner kriegerischen Nationalkraft zu thun genöthigt ist; wenn
+Preußens, aus allen Klassen der Gesellschaft hervorgegangene Krieger
+nicht mit Selbstgefühl auf Eure erkauften Einsteher blicken, vielmehr
+Eure Reihen, als ganz ebenbürtig begrüßen sollen, was sie mit der
+lautersten, herzlichsten und uneigennützigsten Gesinnung thun werden:
+so zeigt, daß Ihr vom Höchsten bis zum Niedrigsten bereit
+seid, den Waffenrock zu tragen, und Gut und Blut für den deutschen
+Namen daran zu setzen; duldet nicht, daß bei ausbrechendem
+Kampfe blos den Proletariern die Vertheidigung des Vaterlandes
+<span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span>überlassen bleibe; ruft vielmehr Eure ganze kriegerische Nationalkraft
+auf; werft statt der 30,000 Mann des 8ten Armeekorps, bei dem
+Feuerschein des ersten Kriegsfanals am Rhein, 90,000 Mann wohlbewaffnet,
+und wohlgeübt dem Feinde in den Schluchten des Schwarzwaldes
+entgegen; seid überzeugt, daß Preußens Heer diesen Entschluß
+mit lautem Jubel begrüßen, ein neues kräftiges Band zwischen
+sich und Euch darin finden, und bereitwilligst in den Tagen
+der Gefahr wie Brüder an Eure Seite eilen werde; – zögert nicht
+damit, bis der Friedensschlaf Euch wieder ganz übermannt hat: es
+handelt sich um Eure Ehre, Eure Selbstständigkeit, ja um Eure
+politische Existenz in den Tagen der Gefahr!</p>
+
+<div class="tb"><hr /></div>
+
+<p>Was auch Wahres und Falsches, Richtiges und Unrichtiges
+in den vorliegenden Bogen enthalten sein möge, der Verfasser
+wollte blos darthun, daß es im Interesse der südwestlichen deutschen
+Staaten liege</p>
+
+<p>a) die Militairpflicht zu einer persönlichen, nicht mit Gelde
+abzukaufenden, zu machen;</p>
+
+<p>b) Möglichst viel junge Leute zum Waffendienst auszubilden.</p>
+
+<p>c) Die so geschaffene Volksbewaffnung schon im Frieden
+vollständig zu organisiren und in Übung zu erhalten.</p>
+
+<p>Hat der Verfasser diesen Zweck erreicht, so giebt er alle Details
+des vorstehenden Aufsatzes bereitwilligst preis, und überläßt
+die Maasregeln zur Ausführung sehr gern besser Unterrichteten und
+mit den Landes-Verhältnissen Vertrauteren; fügt indessen im Nachstehenden
+die Grundzüge eines nach seiner Ansicht anzuordnenden
+Systems allgemeiner Volksbewaffnung bei:</p>
+
+<p>Jeder waffenfähige Mann ist dienstpflichtig vom 19. Jahre an.
+Eine Stellvertretung ist unzuläßig.</p>
+
+<p>Die Übung im Waffendienst macht einen Bestandtheil der
+Volksschulbildung aus.</p>
+
+<p>Jeder, der sich selbst ausrüstet und bereits in den Waffen
+geübt ist, kann sich den Truppentheil wählen, dient 1 Jahr im
+stehenden Heere und zwar ½ Jahr im angestrengten Dienst ohne
+Unterschied und sonstige Begünstigung gegen die übrige Mannschaft.</p>
+
+<p>Wer sich nicht selbst ausrüstet, dient wenigstens ebenso lange,
+darf sich den Truppentheil nicht beliebig wählen und wird aus der
+Linie nach 2 Jahren entlassen, wenn der Etat nicht früher durch
+andern Zuwachs gedeckt ist.</p>
+
+<p>Die längste Dienstzeit im Frieden beträgt hiernach in der
+Linie 2 Jahre. Bis zum 25. Jahr bleibt jeder für den Fall eines
+<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span>Kriegs zum Dienst in der Linie verpflichtet, und muß bis dahin
+auch noch jährlich 14 Tage an deren Übungen Theil nehmen.</p>
+
+<p>Bei jedem Truppentheil wird ein Cadre von Leuten mit
+längerer Dienstzeit und freiwilliger Capitulation gebildet.</p>
+
+<p>Vom 25ten bis zum 32ten Jahre tritt die Dienstpflicht in
+der Landwehr ein.</p>
+
+<p>Im Frieden darf jeder Landwehrmann nur alle 2 Jahre 14
+Tage zu den Waffenübungen herangezogen werden.</p>
+
+<p>Die Landwehr ist auch zum Dienst außerhalb des Landes
+verpflichtet.</p>
+
+<p>Vom 32. bis 50. Jahr tritt die Dienstpflicht in der Bürgerwehr
+ein.</p>
+
+<p>Die Landwehrmänner können, wenn sie es wollen, in der
+Linie fort dienen, und die Bürgerwehrmänner ebenso in der Landwehr.
+Namentlich findet dieß Anwendung auf die Unteroffiziere und Offiziere.</p>
+
+<p>Zu Unteroffizieren und Offizieren können nur solche befördert
+werden, die den an sie gestellten wissenschaftlichen und moralischen
+Anforderungen vor einer ernannten Prüfungs-Commission genügen.</p>
+
+<p>Die Unteroffiziere werden vom Regiments-Commandanten, die
+Offiziere vom Landesherrn ernannt.</p>
+
+<p>Jedoch muß bei den Erstern das Corps der Unteroffiziere bei
+Letztern das Corps der Offiziere nichts gegen sie einzuwenden haben,
+und deren Erklärung abgefordert werden.</p>
+
+<p>Diese Corps wählen unter den Bewerbern von gleichen Ansprüchen.</p>
+
+<p>Die Beförderung zu den weitern Offiziersgraden in der Linie
+und Landwehr erfolgt abwechselnd: einmal nach dem Dienstalter,
+einmal durch Wahl der Offiziers-Corps, einmal durch Ernennung
+Seitens des Landesherrn unter den Ältesten der vorhergehenden
+Dienstcharge.</p>
+
+
+<div class="footnotes"><p class="footnotetitle">Fußnoten:</p>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Vrgl. ausführlicher hierüber die neueste Denkschrift des General
+v. <em class="gesperrt">Müffling</em>: „Die Vermehrung der Wehrhaftigkeit des Volks
+betreffend.“</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_2" id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a></p>
+
+<div class="center">
+<table class="etat" summary="Militär-Etat">
+<tr><th></th><th>Einwohnerzahl.</th><th colspan="2">Militairmacht.</th><th colspan="2">Militairbudget.</th></tr>
+<tr><td class="land">Preußen</td><td class="einwohner">14,907,091</td><td class="staerke">176,719</td><td class="typ">stehendes Heer</td><td class="budget" colspan="2">23,721,000 Th.</td></tr>
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke bb">154,193</td><td class="typ">Landwehr <i>I.</i></td><td class="budget" colspan="2">41,511,750 Th.</td></tr>
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke">330,912</td><td></td><td></td><td></td></tr>
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke bb">121,000</td><td class="typ">Landwehr <i>II.</i></td><td></td><td></td></tr>
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke vspace">451,912</td><td></td><td></td></tr>
+<tr><td class="land">Württemberg</td><td class="einwohner">1,682,338</td><td class="staerke">13,955</td><td class="typ">Contingent</td><td class="budget2">132,372</td><td class="typ">Milt. Pensionen</td></tr>
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke bb">6,987</td><td class="typ">Reserve</td><td class="budget2 bb">1,992,378</td><td></td></tr>
+
+<tr><td></td><td></td><td class="staerke">20,942</td><td></td><td class="budget2">2,124,750</td><td class="typ">fl.</td></tr>
+</table></div>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="note">
+<p><strong>Anmerkungen zur Transkription:</strong> Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä,
+Ö, Ü ersetzt. Die Fraktur-Ligatur für „u.&nbsp;s.&nbsp;w.“ wurde durch „u.&nbsp;s.&nbsp;w.“
+ersetzt. Kleinere Unregelmäßigkeiten in der Schreibweise wurden
+beibehalten. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller
+gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.</p>
+
+<p><strong>Transcriber’s Note:</strong> The Umlauts Ae, Oe and Ue have been replaced by Ä,
+Ö, Ü. The ligature for “u.&nbsp;s.&nbsp;w.” has been replaced by “u.&nbsp;s.&nbsp;w.” Minor
+spelling inconsistencies have been maintained. The table below lists all
+corrections applied to the original text.</p>
+
+<ul>
+<li><a href="#Page_1">S. 1</a>: Oberstlieutnant &rarr; Oberstlieutenant</li>
+<li><a href="#Page_4">S. 4</a>: größeren Abtheilungen nnd ausserdem &rarr; und</li>
+<li><a href="#Page_4">S. 4</a>: etwa 90000 Mann &rarr; 90,000</li>
+<li><a href="#Page_4">S. 4</a>: nur etwa 35000 &rarr; 35,000</li>
+<li><a href="#Page_6">S. 6</a>: Fürst W. Raziwill &rarr; Radziwill</li>
+<li><a href="#Page_9">S. 9</a>: Entstehung der preußichen Landwehr &rarr; preußischen</li>
+<li><a href="#Page_14">S. 14</a>: den deutschen Grosmächten &rarr; Großmächten</li>
+<li><a href="#Page_15">S. 15</a>: als Preußen und Östreich &rarr; Österreich</li>
+<li><a href="#Page_16">S. 16</a>: mit den Landes-Verhältnissen Vertauteren &rarr; Vertrauteren</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Über allgemeine Landesbewaffnung, by
+Moritz von Prittwitz
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ÜBER ALLGEMEINE LANDESBEWAFFNUNG ***
+
+***** This file should be named 31337-h.htm or 31337-h.zip *****
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+ http://www.gutenberg.org/3/1/3/3/31337/
+
+Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
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+Creating the works from public domain print editions means that no
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
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+redistribution.
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+
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+
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+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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+ must be paid within 60 days following each date on which you
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
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+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+1.F.
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+
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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