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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:54:42 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Vampyrismus + +Author: Gerard van Swieten + +Release Date: January 7, 2010 [EBook #30886] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + + + + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Textes an den Anfang + verschoben. + + Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert. + Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit _ markiert. + Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit + markiert. + ] + + + + + Vampyrismus + + von + + Herrn Baron Gerhard van-Swieten + + verfasset, + + aus dem Französischen ins Deutsche + + übersetzet, + + und als ein Anhang =der Abhandlung des Daseyns + der Gespenster= beigerücket. + + Augsburg, 1768. + + + + +Abtheilung des ganzen Werkchens. + +Vampyrismus. + + +I. §. + +Vom Vampyrismus überhaupt. + +II. §. + +Ob die Körper der Vampyren faulen? + +III. §. + +Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen &c. beunruhigen? + + + + +Vorrede. + + +Die vorhergehende Schrift, =Abhandlung des Daseyns der Gespenster=, +welche mir von meinem gelehrten Freunde zum Drucke zu befördern ist +geschickt worden; ist mit größter Deutlichkeit, mit bester Ordnung, +mit gründlicher Gelehrtheit abgefasset. Diese wenigen Bogen einer so +nutzbaren Abhandlung bringen dem Verfasser mehr Ehre, und dem Vaterlande +mehr Vortheil, als wenn er ganze schweißtreibende Folianten von +scholastischen, thomistischen, scotistischen, mollinistischen, und was +weis ich, von was noch für istischen Materien zusammen geschrieben +hätte. Der Verfasser dieses Werkchens hat der gelehrten Welt schon +mehrere dergleichen Abhandlungen nützlicher Materien gelieferet, und +stehet wirklich schon von zweyen Jahren her mit einem andern sehr +gelehrten Werke zum Drucke fertig, welches ich zum Theil eingesehen, +gelesen, bewunderet habe. Aber seine kümmerliche Umstände gestatten es +ihm nicht, damit ins Tageslicht zu tretten. Nur schade, daß, ungeacht +unser Baiern nicht gar viel gelehrte Patrioten aufweisen kann, man +einen so herrlichen Kopf in musenfeindlichen Gegenden im verborgenen +schmachten läßt, an statt ihn mit Sorgfalt zu suchen. Sein geringes +Vermögen, und als ein Landeskind gebohren zu seyn, sind vieleicht die +ächten Ursachen, welche ihn, wenn er auch bekannt seyn würde, wo nicht +der Verachtung, doch einer kalten Gleichgültigkeit bloß stellen würden. +Zum wenigsten hat der ehrliche Mann nicht Schulde daran, wenn er mit all +seiner Fähigkeit dem Staate nichts nützet, und vor andern nicht gesucht +wird. + + Ipse licet venias Musis comitatus Homere, + Si nihil attuleris, ibis, Homere, foras. + +Nur Fürsten, Königen, sagt Corneille in seinen Horatziern, nur den +Großen dieser Erde, nur erhabenen Geistern kömmt es zu, das wahre Lob +um das Vaterland bestverdienten Männer der ewigen Unwissenheit zu +entreissen; diesen fehlt es niemal an Mitteln, die Tugend auch in ihren +kleinsten Handlungen groß zu machen. + + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faits, + A voir la vertû pleine, en ses moindres effets. + C'est d'eux seuls qu'on reçoit la veritable gloire; + Eux seuls des vrays heros assûrent la memoire. + +Nachdem also dieser gelehrte Mann =von dem Daseyn der Gespenster= so +gründlich gehandelt, so nehme ich Anlaß, einige =Anmerkungen über die +vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen= unter dem Titel =Vampyrismus= +anzuhangen, weil diese der ersten Materie ganz ähnlich ist. + +Diese =Anmerkungen über die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen=, +lateinisch _Magia Posthuma_, wurde im Jahre 1755. im Märzmonat +in französischer Sprache von einem der berühmtesten Männer, die Europa +aufzeigen kann, nämlich von Herrn Baron Gerhard van-Swieten, ersten +Leibarzten Ihrer kaiserl. Majestäten, und damaligen Hofbibliothecarius, +den seine immer anwachsende Verdienste indessen zu größern Titel, +Ansehen und Ruhm erhoben haben; zu Wienn verfasset, und gedrucket.[a] +Sie ist bald hernach im Hornung 1756. von einer gleichfalls gründlichen +Feder ins Deutsche versetzet worden. + + [a] Im Jahre 1755. den 30. Jenner lief in Wienn mit Erstaunung des + Volkes die Nachricht ein von einem neuen und seltsamen Proceß, welchen + man in einem Dorf von Mähren an jener Gegend, wo es mit Ungarn und + Schlesien gränzet, wieder die Abgestorbenen vorgenommen hat; und die + Vollziehung des richtlichen Ausspruches wider dieselben wurde von + einigen je weniger erleuchteten, desto mehr gefährlichen Geistlichen + gut geheissen. Da nun diese Zeitung Ihrer kaiserl. königl. + apostolischen Majestät, der vorsichtigsten Monarchinn, zu Ohren kam, + wurde ihr mildes Gemüth dadurch so sehr bewegt, daß sie den Herrn + Wabst, hernach ersten Leibarzten der kaiserl. königl. Armeen, und den + Herrn Gaffer alsdenn Professorn der Anatomie, zween erfahrneste + Naturkündiger, ohne Verweilen dahin abgeschickt hat, um den Verlauf, + und die Umstände der Begebenheit einzuholen. Nach öfterem genauen + Versuchen, nach reifem Unterricht und scharfen Examen haben diese + zween vorhergedachte Männer durch ihre Gelehrtheit endlich eingesehen, + daß der ganze Lärm von nichts andern herkömme, als von einer eitlen + Furcht, von einer aberglaubischen Leichtglaubigkeit, von einer dunkeln + und bewegten Phantasey, Einfalt und Unwissenheit bei jenem Volke. Man + hat hierauf die Beweise der zween vorsichtigen Naturlehrer eingesehen; + man hat den lächerlichen aber doch barbarischen Proceß wider die + armen Abgestorbenen durchsucht. Und Herr Baron van-Swieten, einer der + gelehrtesten Männer von Wienn, der durch andere seinige weiseste Werke + schon so berühmt ist, daß seine Verdienste alles Lob übersteigen + würden, hat Ihrer kaiserl. königl. Majestät über dieses Geschäfte + sein Gutachten abgegeben durch gegenwärtige =Anmerkungen=, welche er + französisch abgefasset hat, die wir aber in deutscher Sprache hier + liefern unter dem Titel =Vampyrismus=. Das erlauchte und gerechte + Gemüth der glorwürdigen Monarchinn, die in allen Fällen zum Guten + ihrer Unterthanen wachet, zeigte über das unbehutsame Verfahren in + dieser Proceßsache die höchste Ungnade. Gleichwie man, um dergleichen + veraltete Aberglauben auszurotten, Gewalt und behände Entschlüssung + brauchen muß; also gaben Höchstdieselbe plötzlich den ernsthaften + Befehl, man solle die schärfesten Rescripten durch alle kaiserl. + königl. Erbländer, an alle Magistraten, Policeyverwalter, an alle + Regierungen abgehen lassen, kraft welchen dergleichen Aberglauben + nicht nur allein verhindert, gestraft, sondern gänzlich aufgehoben + seyn sollten. Und wenn sich ein Zufall ereignet, dessen natürliche + Ursache man noch nicht genugsam erkennet; sollte sich beileibe keiner + mehr erkühnen, sich in diese Händel zu mischen, ohne zuvor Ihrer + Majestät davon Nachricht zu ertheilen. Höchstdieselbe werden alsdenn + mit jenen Mitteln vorzubeugen wissen, die man in dergleichen Umständen + für anständig, nützlich und billig erachten wird. + +Ich unterlasse hier diesem schönen, und höchst nutzbaren Werke das +billige Lob zu sprechen, welches ihm kein unpartheyischer Leser wird +versagen können. Denn des Verfassers Ruhm (den die forschende dankbare +Nachwelt mit Ehrfurcht seiner Asche in die ewige Jahre hinein zollen +wird) ist ohnehin schon so groß, daß ihm durch meine geringschätzige +Lobsprüche wohl nicht vieles zuwachsen wurde. Des gelehrten Uebersetzers +Namen aber verschweige ich gar, weil es mir aus unbekannten Ursachen +nicht erlaubt ist, ihn zu nennen. Er ist durch ein großes Werk, mit +welchem er viele nützliche Erkenntnissen und Wissenschaften aus dem +Alterthum der Vergessenheit entrissen hat, den Gelehrten genug bekannt +geworden, und wird es bis zur Unsterblichkeit werden, durch ein noch +größeres Werk, zu dem alle Liebhaber der feinen Musen mit Eifer schon +wirklich pränumeriren. + +Im nämlichen Jahre 1756. im Octobermonat wurde dieses Werk aus der +französischen auch in die italienische Sprache übersetzet, vom +Uebersetzer mit gelehrten Anmerkungen bereichet, und zu Rovereid +gedrucket. Diese Uebersetzung führet den Titel: _Considerazione +intorno alla pretesa +Magia Postuma+ presentata al supremo Direttorio +di Vienna dal Signor Barone Gerardo Van-Swieten Archiatro delle Cesaree +Maestà, e Prefetto della loro Bibliotheca. Dal Francese nell'Italiano +recata con annotazioni del traduttore. Roveredo ai 26. Ottobre 1756._ + +Die wälschen Anmerkungen werde ich ins Deutsche übersetzen. Das deutsche +Werkchen selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der +Feder des gelehrten Uebersetzers geflossen ist. Daß ich den Titel: +=Anmerkungen über die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen=, welchen +sowohl die französische als italienische Schrift führet, nicht +beibehalten habe, ist darum geschehen, weil ich eben auch in diesem +Stücke dem deutschen Uebersetzer folgen wollte, der seiner Arbeit den +Namen =Vampyrismus= schöpfte. + +Der Aberglauben vom Vampyrismus wird lateinisch _+Magia Posthuma+_, oder +Zauberey der Abgestorbenen, genennet. Die =Vampyren= aber sind verstorbene +Menschen, welche zuweilen später, zuweilen eher aus dem Grabe aufstehen, +den Menschen erscheinen, das Blut aussaugen, an die Hausthüren ungestümm +anklopfen, Getöse im Hause erwecken, und öfters gar den Tod verursachen +sollen. Wessentwegen dann auch sehr viele kaiserl. königl. scharfe +Befehle in alle Erbländer ausgeschicket worden, diesem Abentheuer des +Aberglauben Schranken zu setzen, dergleichen nur unter Barbaren, +Ignoranten, oder Boshaften zu finden sind. In allen christcatholischen +andern Ländern ist diese schädliche Meinung unbekannt. Nur in Ungarn, +Mähren, Pohlen und Schlesien findet sie ihre Anhänger. Der Anfang +dieses Uebels mag seinen Grund wohl ohne Zweifel in der schismatischen +griechischen Einfalt haben, welche glaubt, daß der Teufel an statt der +Seele den Körper des Menschen besitzen könne. + + Außer dieser kurzen Erinnerung weis ich meinem Leser + nichts mehr zu sagen, als daß ich mich seiner + Gewogenheit und Freundschaft ergebenst + empfehle. + + + + +1. §. + +Vom Vampyrismus überhaupt. + + +Wann die Menschen außerordentliche Wirkungen wahr genommen, derer +Ursache sie nicht erkenneten, so leiteten sie dieselben von einer +höheren Macht her, als diejenige ist, welche die Menschen besitzen. Die +Geschichte zeiget uns in allen Jahrhunderten deutliche Spuren davon. + +Nun ist es gewiß, und durch die heilige Schrift bestättiget, daß GOtt +mit seiner Allmacht entweder unmittelbar durch seinen Willen, oder durch +die heiligen Engel, Propheten, Apostel und andere Heiligen, die +erstaunlichsten Werke hervorgebracht habe. + +Die Kirchengeschichte kann dessen auch die Unglaubigsten überführen, daß +diese Wunderwerke in den ersten Zeiten des Christenthums zu unzähligen +malen geschehen sind. Gelehrte und redliche Protestanten sogar haben es +nicht läugnen können, daß der heilige Indianerapostel durch offenbare +Wunderwerke seine Mißion erwiesen habe. Es ist auch gewiß, daß der böse +Geist durch Zulassung GOttes Werke gethan, welche natürliche Ursachen +gänzlich übersteigen. Was sich mit unserem Heilande zugetragen hat, als +er in der Wüste in Versuchung geführt worden, ist allein genug, es zu +erweisen. Kein Christ kann es läugnen, daß es Menschen gegeben habe, +welche vom bösen Geiste besessen waren; mithin der böse Geist über die +menschlichen Leiber eine Macht habe. + +Eben also ist es auch wahr, daß der Teufel durch Getümmel, durch +abscheuliche Verblendungen &c. die Menschen in Furcht gebracht habe. +Selbst die Protestanten bekennen es, daß die Heyden, welche in Indien +die Götzen anbethen, alle die Bosheiten ihres verfluchten Meisters +erfahren, dem sie dienen; sobald sie aber durch das Heil. Sacrament der +Taufe von der Leibeigenschaft des Teufels los, und Mitglieder der Kirche +werden, alle diese teuflischen Verblendungen ein Ende nehmen, welches +zur Bekehrung sehr vieler Heyden Anlaß gegeben hat. + +Daher ist hier die Frage nicht: ob dergleichen außerordentliche +Wirkungen möglich sind? sondern die ganze Schwierigkeit beruhet darauf, +zu erweisen, daß ein gewißer Zufall wirklich geschehen; und, wenn er +geschehen, auch zu erweisen, daß es ein solcher Zufall sey, welcher die +Kräften der natürlichen Ursachen übersteige. + +Seitdem die Wissenschaften und Künsten in Aufnahm gekommen sind, hat +man auch die natürlichsten Ursachen derjenigen Wirkungen, welche die +Unwissenden in Erstaunen gesetzt hatten, auf das deutlichste entdecket. +Zum Beispiele dessen dienen die Finsternissen, welche vormals ganze +Völker, denen dieselbe als Wunderwerke vorkamen, in die entsetzlichste +Furcht, in Angst und Schrecken gestürzet hatten. Die Verbesserung +der Sternwissenschaft aber hat all diese Furcht vertrieben. Dieses +Schauspiel, welches vormals so erschrecklich geschienen, verursachet uns +keine Furcht mehr. Wir bewundern ganz ruhig die Allmacht des Schöpfers, +welcher diese großen Körper, in einem so unendlich weiten Raume, mit +solcher Richtigkeit, durch so viele Jahrhunderte herumwälzet, daß sogar +der schwache Menschenwitz es zuwege gebracht hat, derselben Wiederkunft +auch auf zukünftige Jahrhunderten bis auf eine gewiße und gesetzte Zeit +ausrechnen zu können. + +Das Schüßpulver, die electrischen Wirkungen, die Verblendungen durch +Spiegel und andere optische Kunststücke sind von solcher Beschaffenheit, +daß man einen jeden Menschen, dem sie unbekannt sind, in die größte +Verwunderung setzen kann. Es haben sich auch viele Betrüger derselben +bedienet, das leichtglaubige Publicum damit zu überführen, daß sie die +größten Zauberer wären.[b] + + [b] Verschiedene Zufälle und Arten dergleichen Betrüger liest man im + unvergleichlichen Tractat des weltberühmten Hermanns Boerhaave unter + dem Titel: _Elementa chemiæ._ 1. B. 2. Th. Venedig 1737. + +Es ist auch richtig und gewiß, daß je mehr die Künsten und Wissenschaften +aufnehmen, destomehr die Wunderwerke sich vermindern. Die Zauberey der +Abgestorbenen (_Magia posthuma_) von welcher hier die Frage ist, dienet +zu einem neuen Beweise.[c] Denn alle diese Begebenheiten befinden sich +nur in Gegenden, in welchen die Unwissenheit noch immer herrschet. Es +ist auch wahrscheinlich, daß die schismatischen Griechen die Haupturheber +derselben sind.[d] + + [c] Der gelehrte P. Augustin Calmet, in seiner =Historie der Vampyren=, + welche den zweyten Theil seines Buches =von den Erscheinungen der + Geister= ausmacht, und im Jahre 1751. zu Augsburg in deutscher Sprache + ans Licht getretten ist, bekräftiget, daß es beinahe 60. Jahre sind, + daß sich der Ruf von den Vampyren in Ungarn, Pohlen, Schlesien und + Mähren auszubreiten angefangen hat. Calmet schrieb sein Buch von + Gespenstern und Vampyren im Jahre 1745. und in Wahrheit in der Zeitung + Mercurius genannt in dem 1693. und 1694. Jahrslaufe liest man + dergleichen Geschichten von etlichen Vampyren in Pohlen, und besonders + in Pohlnischreusen. + + [d] Was man in Griechenland, und im Archipelagus von den =Brucolachen= + erzählet, ist das nemliche, was man anderswo von den Vampyren vorgiebt. + Der Abt Langlet sagt in der Vorrede seiner historisch-dogmatischen + Abhandlung von =den Erscheinungen=: Vampyr, Brucolach, oder Timpanit + sind lauter gleichdeutige Worte. Im zweyten Bande dieses Buchs S. 173. + liest man das Wort Brucolach kömmt von dem neuen griechischen Worte + βοουρχος, welches Koth heisset, und von einem andern λααχος, welches + eine Grube oder Cloack anzeiget; denn man beobachtet gemeiniglich, daß + die Gruften, wo man dergleichen Körper beisetzet, voll Koth sind. + +Tournefort ein gelehrter und erleuchter Leibarzt, zugleich aber der +geschickteste Botanicus oder Kräuterverständige seines Jahrhunderts, da +er von Ludwig dem Vierzehenten, Könige in Frankreich, in Asien geschickt +worden, hauptsächlich in Griechenland diejenige Kräuter zu suchen, +welche die Alten meistentheils sehr unrichtig beschrieben hatten, war +selbst gegenwärtig, und sah denjenigen Körper sehr nahe, den man einer +Zauberey nach dem Tode (_Magiæ posthumæ_) angeklagt hatte. Er sah +auch alle Mittel, die man angewendet zu verhindern, damit der Teufel +dieses Körpers sich nicht mehr bedienen könnte, die Lebendigen in Angst +und Schrecken zu setzen.[e] Die Umstände dieses Zufalls befinden sich in +dem Buche, welches den Titel führet: _Voyage au Levant par Mr. +Tournefort_. Und weil es nach Art und Weise der Briefen geschrieben ist, +so steht gemeldte Geschichte im 3ten Briefe. + + [e] Dieses trug sich den ersten Jenner 1701. in der Insul Micon zu. + Der Abt Calmet erzählet diese Geschichte in seinen oben angeführten + Buche 32. Cap. auf die nemliche weise, wie wir sie von Tournefort + empfangen haben. + +Diese Begebenheit kann zu erkennen geben, was man von derjenigen halten +soll, welche sich in Ungarn in den Dorfschaften der Haydonen jenseits +der Theisse gegen Siebenbürgen im Jahre 1732. zugetragen hat.[f] Die +Zauberey der Abgestorbenen (_Magia posthuma_) gieng damals in jenen +Gegenden im Schwange. Man nannte die Todten, welche so boshaft waren, +_Vampyri_, und glaubte, sie saugen sowohl uns Menschen als dem Viehe das +Blut.[g] Und wenn ein Mensch von dem Fleische eines solchen Viehes etwas +genossen hätte, er der Ordnung nach selbst auch zum Vampyre würde; und +auf was immer eine Art er zum Vampyren werde, als nemlich ein Leidender +(_passivus_) im Leben, so müßte er nach dem Tode ein thätiger (_activus_) +seyn; ausgenommen, er hätte vorher von der Erde des Grabes eines Vampyres +gegessen, und sich mit desselben Blute gerieben. + + [f] Mehrere dergleichen Geschichten findet man aufgezeichnet in einem + holländischen Kritiker, der uns unter dem französischen Namen _Le + Glaneur_ im Jahre 1732. ist bekannt worden. Noch andere liest man in + den sogenannten =jüdischen Sendschreiben= 1738, und in des Abten + Calmet angezeigten =Buche= _Cap._ 8. + + [g] =Vampyr=, oder auch Upyr ist ein schlavonisches Wort, und heißt + ein =Blutsauger=. + +Allein es ist mir diese Begebenheit nur überhaupt bekannt, und ich +vermeine, daß die mündliche Abhandlung (_processus verbalis_) über +ihren Hergang im Anfange des 1732. Jahrs gehöriger Orten eingereicht +worden.[h] + + [h] Karl der VI. Röm. Kaiser (seel. Angedenkens) übergab dieses + Geschäft Alexandern, Fürsten von Wirtenberg, der dortmals das + Königreich Servien verwaltete. + +Die Ceremonien, welche man dabey hat beobachten müssen, sind von +dem _Hadvagy_ oder Amtmanne des Orts angeordnet worden, welcher in +vampyrischen Angelegenheiten ziemlich erfahren seyn mußte. Man stossete +dem Vampyre einen sehr spitzigen Pfahl durch die Brust, und durch den +ganzen Körper. Hierauf wurde ihm der Kopf abgehauen. Alles wurde +verbrannt, und die Asche in die Grube zusammen gescharret. + +Man kann geschwinde zu Vampyre werden. Denn der Vampyrismus steckt so +sehr an, als die Krätzen. Man glaubt auch, daß der Körper eines Vampyrs +in kurzer Zeit alle diejenigen Körper zu Vampyren mache, welche nach ihm +in eben demselbigen Kirchhof begraben werden, im Fall der erste nicht +bei Zeiten vertilget werde. + +Da ich aber nicht von allen Umständen Nachricht habe, so will ich mich +nur damit begnügen, daß ich hier einige Anmerkungen über diejenige +Begebenheiten mache, welche erst vor kurzer Zeit durch Leute untersucht +worden, welche von keinem Vorurtheile eingenommen sind, sondern klar +sehen, und sich nicht leicht hinter das Licht führen lassen.[i] + + [i] Dieser Zufall begab sich in einem Dorfe in Mähren, wie man in der + ersten Note a angemerket hat. Der Abt Calmet in seinem angeführten + Buche 57. Capitel sagt, daß der Herr Baron von Tusseng (Tousiaint) ein + Lotharinger, der seinen Herrn aller Orten hin begleitet hat, vom 3. + Augustmonats 1746. aus Wien ihm geschrieben habe: Ihro Majestät der + Kaiser, Großherzog von Toscana, haben sich im Jahre 1732. verschiedene + gerichtliche Protocollen von Untersuchung der Vampyren in Mähren geben + lassen. Diese Protocollen werden in jenen Gegenden wie das Evangelium + angesehen, ungeacht sie keinen Schatten der Wahrheit enthalten. + +Es ist wahr, daß unsere Vampyren vom Jahre 1755. noch zu keine +Blutsaugern geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu +vorhanden. Der Henker, ein in seinem Handwerke ohne Zweifel sehr +wahrhafter Mann, versicherte, daß, wenn man die zum Feuer verurtheilten +Körper in Stücke zerhieb, das Blut mit Gewalt, und häufig daraus +hervorschöße, ob er schon hernach mit gröster Gelassenheit bekannte, daß +dieses häufige Blut etwann einen Löffel voll ausmachen könnte. Dieses +ziehet in der Geschichte eine ziemliche Veränderung nach sich. + +Die außerordentlichen Vorfallenheiten, welche man will beobachtet haben, +können in diese zween Punkten zusammen gezogen werden. Erstlich, daß die +Körper der Todtenzauberer oder Vampyren nicht faulen, sondern ganz, und +beisammen bleiben. Zweytens, daß die Vampyren die Lebendigen durch +Erscheinungen, Getümmel, und durch Druckungen beunruhigen. Uber diese +zween Punkten werde ich so kurz, als es möglich ist einige Anmerkungen +machen. + + + + +2. §. + +Ob die Körper der Vampyren faulen? + + +Ein Körper ist gemeiniglich zur Verfäulung gerichtet, durch welche alle +Theile des Körpers, ausgenommen die Beine, fast gänzlich verschwinden, +und nur ein wenig von einer sehr leichten Erde zurück lassen. Diese +Fäulung aber geschieht im Grabe langsam ohne der geringsten Gewalt. + +Dieses wird dadurch erwiesen, daß, wenn man einen Sarg fünfzehen Jahre +nach desselben Begräbniß eröffnet, und sich in acht nimmt, daß der Sarg +keinen Stoß bekommt, man vermeinet, der Körper liege unverletzet darinne. +Mann kennet die ganze Gesichtsbildung, das Leilach, und all Ubriges. +Sobald man aber den Sarg nur ein wenig beweget, so zerfällt alles in +Staub, und das Gebeine allein verbleibet. + +Dieweil die Todten mit der Zeit ihren Nachfolgern des Grabes halber +Platz machen müssen, so hat man an vielen Orten 15. Jahre bestimmet, vor +deren Verlauf die Todtengräber keinen Körper bewegen dörfen. Ich bin +einigemale bei Eröffnung der Gräber gewesen, daß die Todtengräber mir +einige Sargen ganz langsam aufgemacht. Hierdurch wurde ich überzeugt, +daß wir nach unserem Tode den Würmen nicht zur Nahrung werden, zum +wenigsten nicht allezeit, weil sonst die Gesichtsbildung nicht wäre +stehen geblieben. + +Wenn man die Gräber ausräumt, so findet man zu Zeiten ganze Körper, +welche nicht verfault, sondern vielmehr ausgetrocknet, von einer +braunlichten Farbe sind, und noch sehr hartes Fleisch haben, ohne daß +man sie jemal vorhero einbalsamiret hätte. Ein Todtengräber versicherte +mich, daß man unter hundert Todten gemeiniglich einen findet, welcher +nur ausgetrocknet und ohne Fäulung sey. Hieraus schlüsse ich, daß ohne +Beihilfe einer übernatürlichen Ursache, ein Körper viele Jahre ungefault +bleiben könne. + +Ich weis wohl, daß man vorgiebt, der Körper eines Vampyrs verbleibe +nicht allein ohne Fäulung, sondern es bestehe das Fleisch auch in ihrer +Frische, die Gliedmassen behalten ihre Bügsamkeit. Allein auch dieses +findet man ohne Wunderwerk. + +Da man die Körper der zween Erzherzoginnen, welche zu Brüssel gestorben, +nach Wien überbracht hatte; so war ich gegenwärtig, als man die Sargen +eröffnete. Die Gesichter waren ganz und die Nasenspitze beweglich &c. +Es ist wahr sie waren einbalsamiret; allein die aromatischen Kräuter, +die man dazu gelegt, waren schon ohne dem geringsten Geruch. Diese +Erhaltung muß also zuvorderst den wohlverschlossenen bleiernen Sargen +zugeeignet werden, welche nirgends keine Luft zuliessen, und also die +Fäulung verhinderten. + +Wann demnach die Sarg wohl verschlossen, die Erde von Natur fest auf +einander ist, durch die Kälte nach der Begräbniß sich erhärtet, oder die +Luft durch andere Mittel einzudringen verhindert wird; so erfolget +entweders keine oder doch eine sehr langsame Fäulung.[k] + + [k] Der erwehnte holländische Kritiker erzählet, daß zu Tolos in einer + Klosterkirche eine Begräbniß sey, in welcher man die vor zwey hundert + Jahre verstorbenen Körper sieht, als wenn sie lebendig wären. Sie + stehen da auf ihren Füssen aufrecht nach der Länge der Mauer her in + ihrer Ordenskleidung. Das wunderbarlichste aber ist, daß die im + nemlichen Orte von den unverwesenen geradehin überstehenden Todte, in + zwey oder drey Tagen verwesen. + +Der unsterbliche Muratorius, da er in der 27. Abhandlung über die +italienischen Alterthümer, von einer Münz des Hektors Visconte redet, +drucket sich mit diesen Worten aus: »Dieser war ein unehliches Kind von +Vernabo; er bemächtigte sich der Herrschaft von Mayland im Jahre 1412, +er hatte aber ein Leben von Biltzen. Als Philip Maria, Herzog von +Mayland, in der Stadt Monza belageret wurde, bekam Hektor aus einer +Armbrust einen heftigen Steinwurf, der ihm das Bein zerschmetterte. +Er starb vor Krampf ganz jung. Im Jahre 1698. gienge ich nach der +ansehnlichen Gegend von Monza, da beobachtete ich, daß dessen Leib kurz +vorher bei Gelegenheit eines Gebäudes ausgegraben worden. Er war in +einem schlechten hölzernen Sarge verschlossen, und noch unversehrt, das +ist, die Hand war unverletzt, und das gebrochene Bein sah man am Fuß. +Wenn man diesen Körper auf den andern Fuß stellete, so stund er aufrecht. +Und doch war dieser kein Leib eines Heiligen, wohl aber eines Gottlosen.« + +In der Vorrede des schon angeführten Buchs des gelehrten Abten Langlet +mit dem Titel: =Historische und dogmatische Abhandlung über besondere +Erscheinungen, Gesichter, und Offenbarungen=, liest man: »seye mir es +erlaubt, daß ich hier anführen eine Erfahrniß darf, die sich bei den +PP. Kapuzinern zu Palermo in Sicilien zuträgt. Sie bestätiget, was ich +behaupte, daß nemlich jeweniger sich Unflath in dem menschlichen Körper +befindet, desto härter die Gährung und folglich die Fäulung ankomme. +Einer von diesen Vättern (ohne Zweifel ein vornehmer Naturkündiger) hat +ein Mittel erfunden, kraft welches die Fäulung der menschlichen Körper +nach dem Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann +verhindert werden. Das Geheimniß, oder Secret, welches er dazu brauchet, +ist eine schlechte Sache. Er setzet die entseelten Körper auf einen +durchlöcherten Stuhl; und nachdem er die hintere Oeffnung in die Runde +aufgeschnitten, gehet durch diese Mündung alle Feuchtigkeit, und +Unreinlichkeit, die nach der Fäulung trachtet, von sich selbsten aus dem +Leibe hinaus. Alsdenn machte er die Mündung zu, und richtet den Körper +in jene Stellung, in was für einer man will, daß er bleiben soll. In +diesem Stande erhält sich ein solcher Körper, wo nicht Jahrhundert, +wenigstens sehr viele Jahre. Die unterirrdische Kirche dieser Vätter ist +voll dergleichen Körper mit überall beigeschriebenen Namen, den sie in +Leben gehabt haben. Dieses Trauergesicht, gleichwie es eine Gelegenheit +der Demüthigung ist für die Menschlichkeit, so ist es doch auch eine +besonders seltene Sache, und kann denjenigen wunderlich vorkommen, die +dessen Ursache nicht erkennen.« + +Ich habe vor einigen Monaten eine kleine englische Abhandlung gelesen, +welche im Jahre 1751. zu Londen gedruckt ans Licht getretten, darinne +fand ich einen merkwürdigen, und sehr wohl erwiesenen Zufall. Im Monat +Februarius 1750. eröfnete man in der Grafschaft Devonshire in Engelland +die Begräbniß einer alten Familie, und zwischen vielen Gebeinen, auch +vermoderten Sargen fand man einen noch ganzen hölzernen Sarg. Man eröfnete +denselben aus Vorwitz, und fand einen ganzen Körper eines Menschen +darinne, dessen fleischliche Theile noch ihre natürliche Festigkeit +hatten, die Gliedmassen aber, als Achsel, Ellenbogen, auch alle Finger +sehr bügsam waren. Wenn man das Gesicht drückte, so wich es dem Finger, +und hob sich nach der Drückung wieder. Eben dieses beobachtete man am +ganzen Leibe. Der Bart war schwarz, und bis vier Zoll lang. Der Körper +war einbalsamirt. Denn man wurde weder eines Einschnitts noch eines +anderen Zeichen desselben gewahr. Durch das Pfarrprotocoll wurde +erwiesen, daß seit dem Jahre 1669. kein Mensch in diese Begräbniß +gebracht worden. Hier haben wir also einen englischen Vampyre, welcher +über 80. Jahre in seinem Grabe ruhig geblieben ist, und keinen Menschen +belästiget hat. + +In eben dieser Abhandlung findet man noch mehr dergleichen Zufälle, +insonderheit, wenn die Gräber sehr tief, und von trockener Erde sind. +Demnach nimmt man gemeiniglich wahr, daß, wenn solche Körper der offenen +Luft ausgesetzt werden, dieselben bald in eine Fäulung gerathen. Dieses +ist genug darzuthun, daß die Fäulung nicht allzeit, und gemeiniglich nur +langsam geschehe, absonderlich, wenn die Erde durch die Kälte wohl +geschlossen, oder der Sarg selbst vor der Luft wohl bewahret ist. + +Lasset uns nun die angeführten Begebenheiten untersuchen das vampyrische +Wesen zu behaupten. + +Rosina Polakin stirbt den 22. December 1754. Den 19. Jenner 1755. aber +wird sie ausgegraben, und als eine des Verbrennen würdige Vampyrinn +erkläret, weil sie noch nicht verfaulet gewesen. Die Anatomisten +erhalten die Körper an öffentlicher Luft im Winter zu 6. Wochen, auch zu +zwey Monathen ohne Fäulung. Zu dem so ist noch anzumerken, daß dieser +Winter außerordentlich kalt gewesen. In den übrigen Körpern hatte die +Fäulung den größten Theil schon verzehrt; es war aber genug, daß nicht +alles verfault gewesen. Sie mußten ins Feuer. Welche Unwissenheit! +erschreckliche Dummheit! man redet in der Schrift des Consistorii zu +Olmütz von gewissen Zeichen, und Maalen, welche man in den Körpern der +Vampyren soll gefunden haben. Allein sie werden nirgends beschrieben.[l] +Zween Bader, welche niemal einen geöffneten Körper gesehen, und kein +Wort vom Baue des menschlichen Leibes wüßten, wie sie selbsten dem +Commissario bekannten, sind diejenigen Zeugen, auf derer Veranlassung +das Urtheil zum verbrennen gefället wird. + + [l] Johann Christoph Herenberg hat ein Buch _Philosophiæ, & christianæ + cogitationes de Vampyris_ im Jahre 1733, geschrieben. Der Verfasser + behauptet, daß die Vampyren auf keine Weise die Lebende um das Leben + bringen, sondern man müsse alles, was ein falscher Ruf von ihnen + aussprenget, einer verwirrten und starken Einbildung zuschreiben. Er + führet unterschiedliche Beispiele von seltenen Wirkungen an, welche + sich bei den Menschen durch Einbildungen zutragen können. + + Auch der obenbenannte holländische Kritiker sagt: wenn ich bei mir + selbsten den Tod der geglaubten Marterer des Vampyrismus überlege, so + finde ich alle Spuren einer einbilderischen Krankheit derselbigen + Gegend, und erkenne ganz klar, daß die Wirkung der grossen Furcht den + Tod bei diesem Volke verursache. Der Verfasser bringt darüber eine + Geschichte bei. + + Der berühmte Tartarotti, als ein verständiger Philosoph sagte in + seinem _Congresso notturno delle Lamie l. 2. c. 11._ »was für eine + Geschichte hält man für gewisser, als die Geschichte derjenigen, + welche glauben, daß sie nächtlicher weile von den Vampyren überfallen, + und also gedrucket werden, daß auch sie in kurzer Zeit sterben. Und + doch scheinet es in der That selbsten nichts anders zu seyn, als + schlechterdings ein Traum, der von Schrecken und Furcht herrühret.« + Von dieser Meinung war auch der gelehrte Pabst und Kirchenhaupt + Benedict der 14te in der 5ten Abhandlung _vol._ 3, wo er eine kurze + Geschichte von den ungarischen, mährischen und schlesischen Vampyren + verfertiget. + + Der Abt Calmet im Beschlusse seines öfters erwehnten Werkes endiget + auch mit diesen Worten: »was man von den ungarischen, mährischen und + pohlnischen Vampyren erzählet, halte ich für ein glattes Blendwerk, + für eine Wirkung einer starken und verwirrten Phantasey, so fleißig + auch immer diese Erzählungen von den Richtern untersucht, und in + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mögen gutgeachtet worden seyn.« + + Was die pohlnischen Vampyren betrift, führt er einen Brief an vom 3. + Hornung 1745., den ihm der P. Slivyski Visitator der Vättern von der + Mißion in Pohlen geschrieben hat, welcher darinne bekennet, daß, + ungeacht er alle Sorge, allen Fleiß in dieser Sache angewendet, um auf + einen Grund und Wahrheit zu kommen; ungeacht er öfters mit denen, die + man als persönliche Zeugen angab, selbst geredet, und sie befraget, er + doch keinen einzigen gefunden habe, der sich zu sagen getrauet hätte, + er habe etwas von dem, was man vorgiebt, selbsten gesehen. Mithin habe + er erkennet, was man davon aussprenget, sey ein leeres Geschrey, eine + bloße Einbildung, die die Furcht in solchen einfältigen Leuten + verursache. + +Es ist wahr der Commissarius von Olmütz hat nicht jederzeit einen Bader +zur Untersuchung dieser Sache, der genug geschickt wäre. Man brauchte +nur zween geistliche Commissarien, welche über den Vampyrismus ganz +rittermäßig ihren Ausspruch thaten, dann es erhellet aus den +_Anteactis_, daß man im Jahre 1723. den Körper eines Menschen 13. Tage +nach seinem Hinscheiden verbrennen lassen, und im Urtheile gab man +dieses für die Ursache an, weil seine Großmutter bei der Gemeinde in +keinem guten Ruf gewesen sey. + +Im Jahre 1724. verbrennte man den Körper eines Menschen 18. Tage nach +dessen Tode, weil er mit dem Vorigen befreundet gewesen. Es war genug, +wann man nur von der Freundschaft eines angegebenen Vampyrs gewesen, so +hatte der Proceß bald ein Ende. + +Man verbrennte den Körper eines Menschen zween Tage nach seinem +Absterben aus keiner anderen Ursache, ohne weiterer Zeugenschaft, als +weil der Körper nach dem Tode noch wohl und gut ausgesehen, und die +Gliedmassen noch bügsam gewesen. + +Aus allen dem, was oben angeführet worden, läßt sich klar abnehmen, daß +die Erhaltung eines Körpers ohne Fäulung aus ganz natürlichen Ursachen +geschehen könne; daß die Fäulung gemeiniglich eine lange Zeit erfordere, +welche sich nach der vorhergehenden Krankheit, nach der Wärme oder Kälte +der Luft, nach der Beschaffenheit der Erde, und noch vielen anderen +zufälligen Nebensachen veränderen. Daß das Consistorium von Olmütz den +Körpern die erforderliche Zeit der Fäulung nicht gelassen, mithin dieses +Zeichen einer Zauberey der Todten grundfalsch sey. + +Aus diesem falschen Grund hat man die abgeschmacktesten Folgen gezogen. +Denn man hat geschlossen, daß ein angegebener Vampyre seine Bosheit +allen den Körpern einflösse, welche nach ihm in eben demselben Freudhof +begraben würden. Denn natürlicher Weise mußten diese Körper weniger +verfault seyn, als andere, die man vor dem Vampyre eingegraben hat. + +Aus diesem schönen Grund hat das Consistorium zu Olmütz den 23ten April +1731. neun Körper verbrennen lassen, unter welchen sieben kleine +Kinderkörper waren, weil man dafür hielt, daß sie ein Vampyre angesteckt +hätte, welcher vor ihnen in demselbigen Freudhofe begraben worden. + +Den todten Körpern aber, welche vor dem Vampyre ihr Grab allda gefunden, +wiederfuhr Gnade, doch haben die Herrn Commissarien Wabst, und Gosser +erwiesen, daß in den unverdächtigen Körpern noch unversehrte Theile +vorhanden gewesen, und in einem derselben auch ein wenig Blut gefunden +worden. Sie haben auch dargethan, daß die zween Ignoranten, obbemelte +Bader mit Lügen gehandelt. + + + + +3. §. + +Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen &c. beunruhigen? + + +Nun ist es an dem, daß auch die Erscheinungen, welche von deren zum +Theile oder ganz unverfaulten Körpern herkommen sollen, in einige +Betrachtung gezogen werden. + +Erstlich ist zu merken, daß kein Zeuge vorhanden, welcher aussage, daß +die Todten den Lebendigen erscheinen, sondern man giebt nur vor, daß man +eine Aengstigkeit und Beklemmung empfunden, welche zum Schlaffen +gezwungen hat. + +Ich lasse erachten, ob diese gute Leute, wenn die Einbildung durch die +täglichen Erzählungen von Geistern und anderen Blendwerken &c. einmal +eingenommen worden in ihren Betten vor dem Einschlaffen nicht haben in +Furcht seyn sollen? + +Aus der Untersuchung, welche die Commissarien angestellt haben, +erhellet, daß sie die Aengstigkeiten nur damahl ausgestanden, wann sie +gelegen waren, andere Zeugenschaften aber geben zu erkennen, daß sie +sich erholt haben, wenn man sie im Bette aufsitzen lassen. Zudem so weis +denn auch jedermann, was für abscheuliche Aengstigkeiten die Furcht +verursachen kann. + +Andere haben geglaubt, sie sehen oder hören einen Hund, ein Kalb, +ein Schwein, ein Kalbskopf &c. Hatte denn der Teufel nöthig, einen +menschlichen todten Körper lebendig zu machen, in einer solchen Hundes- +oder Kalbesgestalt zu erscheinen? Es ist ja zwischen der Ursache, und +der vorgegebenen Wirkung nicht die geringste Verbindung. + +Ein Hund, eine Katz, über alles, wenn sie schwarz sind, und bei Nacht +gesehen werden, sind jederzeit der Teufel, oder ein Gespenst, welches +auf dem Freudhofe oder sonst herumschleicht. So gar eine Sau, welche vor +einem Hause vorbeigrunzete, wurde (wie einige Zeugenschaften es angeben) +für einen aufgestandenen Vampyre gehalten. Ich müßte mich schämen, wenn +ich alle die Einfälligkeiten wiederhohlen würde, welche sich in diesen +Zeugnissen befinden. + +Jedoch es ist Zeit, auch von dem Ursprunge dieser Begebenheit ein Wort +zu sagen. Eine gewiße Sallingerin, oder sonst die Wenzel Richterinn +genannt, ist vor 18. Monathen begraben worden. Nun giebt man vor, sie +sey ein Hexe gewesen, und alles Ubel komme von ihr her. Wo sind aber die +Proben, daß sie eine Hexe gewesen? Dieses gute Weib theilte Arzneyen +aus, und ihr Sohn hat ihr vorgegebene _Arcana_ entdecket. Es waren +Krebsaugen, die sie in Wasser zerlassen, einige Kräuter und Wurzen &c. +ohne die geringste Spur eines Aberglaubens. Einsmals aber, um ihre Kuren +zu beschönen, und das Geheimniß noch grösser zu machen; befahl sie einem +Kranken, er sollte vier Thaler in eines seiner Hemder einnähen, und ihr +zuschicken, so wollte sie ihm die Arzney zukommen lassen. + +Nun giebt man vor, dieser Kranke sey verhexet, die Commissarien aber +haben ihn examinirt und an ihm wahrgenommen, daß er an einer schweren, +doch ganz natürlichen Krankheit, nämlich an der _Colica Pictonum_ +krank liege, welche den Kranken an allen Gliedern contract, und zusammen +gezogen oder gerumfet macht. Wir sind wirklich beschäftiget im hiesigen +Burgerspital einen solchen Kranken zu kuriren. + +Ein andersmal soll sie den Tag vorgesagt haben, an dem ein Kranker +sollte gesund werden. Diese sind die Beweise, daß sie eine Hexe gewesen. +Es hat das Ansehen, daß man bey ihrer Lebenszeit diesen Beweis nicht für +gültig oder hinlänglich gehalten, dann sie hat die heiligen Sacramenten +empfangen; sie ist im Schooße der Kirche gestorben. Sie ist mit +christlichen Ceremonien ins Grab eingeweihet worden: und 18. Monate nach +ihrem Tode, muß sie eine verbrennenswürdige Hexe seyn. + +Auf solchen Gründen ist die ganze Geschichte gebauet, und man hat Laster +auf Laster gehäufet, so gar (darf ich es sagen) _Sacrilegia_ +begangen. + +Man hat die Frey- und Sicherheit (_Asylum_) und die Ruhestätte des +Grabes verletzt; man hat den guten Namen der Abgestorbenen, und ihrer +Familien geschändet, welche ein gleiches Schicksal zu gewarten hätten; +wenn solche Misbräuche nicht abgeschaft würden. Man hat die todten +Leiber unschuldiger Kinder, derer Seelen die ewige Glückseligkeit +genüssen, dem Henker übergeben. Man hat die Söhne gezwungen +(entsetzliche Sache) die Leiber ihrer Mutter dem Henker vorzuschleppen. +So gar die Kreuze selbst (ein Zeichen, eine Erinnerung unserer Erlösung, +die bey der Kirche so verehrungswürdig ist) die Kreuze, sage ich, sind +nicht besser verurtheilet worden. Man hat sie schändlich und nur +deßwegen verbrennet, weil sie auf den Gräbern dieser unglückseligen +Schlachtopfer der Ignoranz, und des Aberglaubens gestanden sind. + +Welche schreyende Ungerechtigkeit in der Verurtheilung derjenigen +Menschen, welche ein untadelhaftes Leben geführet, und nur das Unglück +gehabt haben, daß man sie auf einem Freudhof erst eingegraben, nachdem +schon vorher eine angegebene Hexe allda zu Grabe gebracht worden! man +erkläret sie für Hexen und Zauberer. Man übergiebt sie dem Schinder, +damit er ihre Leiber verbrenne. Man setzt so gar in das Urtheil, daß man +sie weit schärfer wurde gezüchtiget haben, wenn sie noch lebendig wären. +Man verbrenne aber ihre Leiber mit Spott und Schande, damit dieses ihren +Mitgehilfen zum Beispiele diene.[m] + + [m] Acht und zwanzig Körper waren es, die in Zeit 18. Monaten in dem + nemlichen Freudhofe, wo die vermeinte Hexe ist begraben worden, ihre + Ruhestatt hatten. Alle wurden ausgegraben. Neune davon bekamen Gnade, + die andere aber, nachdem sie durch ein Loch der Mauer des Freudhofes + hinausgeschleppet worden, wurden dem Henker übergeben. Dieser brachte + sie auf Schlitten in einem eine Stund vom Dorfe entlegenen Wald, wo + er, um sie zu verbrennen, 200. Schuh Holz verbrauchte. Die Schlitten, + der Werkzeug, alles, was zu dieser Verrichtung gedienet hat, mußte + verbrennet werden. + +Wo sind die Gesetze, welche einen solchen Ausspruch rechtfertigen? Man +bekennet, es seyen keine Gesetze vorhanden, hingegen zieht man zur +Rechtfertigung ganz kaltsinnig an: es sey also der Gebrauch.[n] + + [n] Unterschiedliche wunderbarliche Geschichten von Erscheinungen und + Schäden, welche (wie man aussprengte) die Vampyren in Mähren sollten + verursachet haben, gaben dem Herrn Carl Ferdinand von Scherz Anlaß ein + Buch zu schreiben mit dem Titel: _Magia Posthuma_; welches der + Verfasser dem Fürsten Carl Bischoffen von Olmütz zugeeignet hat, und + im Jahre 1706. gedrucket wurde. Er erzählet darinne besondere Schäden, + die die Einwohner von einem gewissen Dorfe, (es scheinet, es sey das + nemliche, in welchem der obbesagte neue und seltsame Proceß ist + angestellet worden) glaubten, daß sie ihnen von einem andern Weibe, + welches dortmals gestorben, und eben auch mit den Heiligen Sacramenten + der Kirche versehen worden ist, seyen verursachet worden. Schlüßlich + wirft der Verfasser eine rechtliche Frage auf: gesetzt, daß diese + Schäden (wie man gewiß dafür hielt) von besagtem Weibe herkämen, ob es + erlaubt sey, es auszugraben, und andere dergleichen verdächtige Körper + zu verbrennen. + +Was für eine Menge von Unglücksfällen erfolgen darauf? Viel arme Kranke, +und Weiber, die sich zum Gebähren schon bereit fanden, nehmen die +Flucht, und finden ihren Tod auf der Strasse. Sie sind doch noch +getröstet, daß sie zum wenigsten nach ihrem Tode dergleichen Schande +nicht auszustehen hätten. + +Die Einwohner, von einer beständigen Furcht durchdrungen, sind bereit, +Hauß und Hof um ein anderes Ort zu verlassen. Mit einem Wort, alles ist +in Verwirrung. + +Daß das gemeine Volk, welches oft sehr wenig unterrichtet ist, in +Ausschweifungen verfalle, das bewegt mich zum Mitleiden, und nimmt mich +nicht wunder. Aber daß diejenigen, die man für die Meister in Israel +hält, ein L......s C.........m dergleichen ungeheure Mißbräuche, die +der Vernunft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, +das übersteiget meinen Begrif, und setzt mich in eine so starke +Zornmüthigkeit, daß ich mich gezwungen sehe, die Feder niederzulegen, +damit ich nicht aus den Schranken der Ehrerbietung, die ich ihrem +Charakter zu bezeigen schuldig bin, hinausgerissen werde.[o] + + ENDE. + + [o] _Vid. Opera de Canonizatione Sanct. vel Dissertationes + Benedicti XIV. P. M. extractas ex dictis operibus. Venet. 1752. + Vid. Dissert. 5. §. 4. Vol. 3. ubi de Vanitate Vampyrorum. Et + Diss. 14. Vol. 3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Langlet + de apparitione spectrorum. Et Lettres Juives par M. d'Argens._ + + + + +_Errata._ + + + Seite. Zeile. Steht. Lies. + + Vorrede. zuletzt. Wertlein. Werkchen. + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + Vom Vampyrismus überhaupts. + Vom Vampyrismus überhaupt. + + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faets, + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faits, + + A voir la vertû, en ses moindres effets. + A voir la vertû pleine, en ses moindres effets. + + C'est d'eux seuls qu'on reçoit une veritable gloire; + C'est d'eux seuls qu'on reçoit la veritable gloire; + + Wertlein selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der + Werkchen selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der + + Blutsaugen geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu + Blutsaugern geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu + + Wenn man die Gräber ausräumt, so findet man zu Zeiten ganze Köper, + Wenn man die Gräber ausräumt, so findet man zu Zeiten ganze Körper, + + Da man die Körper der zwoen Erzherzoginnen, welche zu Brüssel gestorben, + Da man die Körper der zween Erzherzoginnen, welche zu Brüssel gestorben, + + nach den Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann + nach dem Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann + + dessen Ursache nicht erkennen. + dessen Ursache nicht erkennen.« + + Geschichte hält man für gewisser, als die Geschicht derjenigen, + Geschichte hält man für gewisser, als die Geschichte derjenigen, + + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mögen gutgeachtet worden seyn. + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mögen gutgeachtet worden seyn.« + + rittermäßig ihren Ausspruch thaten. dann es erhellet aus den + rittermäßig ihren Ausspruch thaten, dann es erhellet aus den + + Körpern die erforderliche Zeit der Fäuluug nicht gelassen, mithin dieses + Körpern die erforderliche Zeit der Fäulung nicht gelassen, mithin dieses + + eingenommen worden in ihren Bettern vor dem Einschlaffen nicht haben in + eingenommen worden in ihren Betten vor dem Einschlaffen nicht haben in + + wenn solche Misbräuche nicht abgeschaft mürden. Man hat die todten + wenn solche Misbräuche nicht abgeschaft würden. Man hat die todten + + erkläret sie für Hexen uud Zauberer. Man übergiebt sie dem Schinder, + erkläret sie für Hexen und Zauberer. Man übergiebt sie dem Schinder, + + der Vernuft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, + der Vernunft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, + + Diss. 14. Vol. 3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Lenglet + Diss. 14. Vol. 3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Langlet + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Vampyrismus, by Gerard van Swieten + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + +***** This file should be named 30886-0.txt or 30886-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/0/8/8/30886/ + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Vampyrismus + +Author: Gerard van Swieten + +Release Date: January 7, 2010 [EBook #30886] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + + + + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes. + + Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Textes an den Anfang + verschoben. + + Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert. + Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit _ markiert. + Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit + markiert. + Griechischer Text wurde transliteriert und mit / markiert. + ] + + + + + Vampyrismus + + von + + Herrn Baron Gerhard van-Swieten + + verfasset, + + aus dem Franzsischen ins Deutsche + + bersetzet, + + und als ein Anhang =der Abhandlung des Daseyns + der Gespenster= beigercket. + + Augsburg, 1768. + + + + +Abtheilung des ganzen Werkchens. + +Vampyrismus. + + +I.. + +Vom Vampyrismus berhaupt. + +II.. + +Ob die Krper der Vampyren faulen? + +III.. + +Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen &c. beunruhigen? + + + + +Vorrede. + + +Die vorhergehende Schrift, =Abhandlung des Daseyns der Gespenster=, +welche mir von meinem gelehrten Freunde zum Drucke zu befrdern ist +geschickt worden; ist mit grter Deutlichkeit, mit bester Ordnung, +mit grndlicher Gelehrtheit abgefasset. Diese wenigen Bogen einer so +nutzbaren Abhandlung bringen dem Verfasser mehr Ehre, und dem Vaterlande +mehr Vortheil, als wenn er ganze schweitreibende Folianten von +scholastischen, thomistischen, scotistischen, mollinistischen, und was +weis ich, von was noch fr istischen Materien zusammen geschrieben +htte. Der Verfasser dieses Werkchens hat der gelehrten Welt schon +mehrere dergleichen Abhandlungen ntzlicher Materien gelieferet, und +stehet wirklich schon von zweyen Jahren her mit einem andern sehr +gelehrten Werke zum Drucke fertig, welches ich zum Theil eingesehen, +gelesen, bewunderet habe. Aber seine kmmerliche Umstnde gestatten es +ihm nicht, damit ins Tageslicht zu tretten. Nur schade, da, ungeacht +unser Baiern nicht gar viel gelehrte Patrioten aufweisen kann, man +einen so herrlichen Kopf in musenfeindlichen Gegenden im verborgenen +schmachten lt, an statt ihn mit Sorgfalt zu suchen. Sein geringes +Vermgen, und als ein Landeskind gebohren zu seyn, sind vieleicht die +chten Ursachen, welche ihn, wenn er auch bekannt seyn wrde, wo nicht +der Verachtung, doch einer kalten Gleichgltigkeit blo stellen wrden. +Zum wenigsten hat der ehrliche Mann nicht Schulde daran, wenn er mit all +seiner Fhigkeit dem Staate nichts ntzet, und vor andern nicht gesucht +wird. + + Ipse licet venias Musis comitatus Homere, + Si nihil attuleris, ibis, Homere, foras. + +Nur Frsten, Knigen, sagt Corneille in seinen Horatziern, nur den +Groen dieser Erde, nur erhabenen Geistern kmmt es zu, das wahre Lob +um das Vaterland bestverdienten Mnner der ewigen Unwissenheit zu +entreissen; diesen fehlt es niemal an Mitteln, die Tugend auch in ihren +kleinsten Handlungen gro zu machen. + + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faits, + A voir la vert pleine, en ses moindres effets. + C'est d'eux seuls qu'on reoit la veritable gloire; + Eux seuls des vrays heros assrent la memoire. + +Nachdem also dieser gelehrte Mann =von dem Daseyn der Gespenster= so +grndlich gehandelt, so nehme ich Anla, einige =Anmerkungen ber die +vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen= unter dem Titel =Vampyrismus= +anzuhangen, weil diese der ersten Materie ganz hnlich ist. + +Diese =Anmerkungen ber die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen=, +lateinisch _Magia Posthuma_, wurde im Jahre 1755. im Mrzmonat +in franzsischer Sprache von einem der berhmtesten Mnner, die Europa +aufzeigen kann, nmlich von Herrn Baron Gerhard van-Swieten, ersten +Leibarzten Ihrer kaiserl. Majestten, und damaligen Hofbibliothecarius, +den seine immer anwachsende Verdienste indessen zu grern Titel, +Ansehen und Ruhm erhoben haben; zu Wienn verfasset, und gedrucket.[a] +Sie ist bald hernach im Hornung 1756. von einer gleichfalls grndlichen +Feder ins Deutsche versetzet worden. + + [a] Im Jahre 1755. den 30. Jenner lief in Wienn mit Erstaunung des + Volkes die Nachricht ein von einem neuen und seltsamen Proce, welchen + man in einem Dorf von Mhren an jener Gegend, wo es mit Ungarn und + Schlesien grnzet, wieder die Abgestorbenen vorgenommen hat; und die + Vollziehung des richtlichen Ausspruches wider dieselben wurde von + einigen je weniger erleuchteten, desto mehr gefhrlichen Geistlichen + gut geheissen. Da nun diese Zeitung Ihrer kaiserl. knigl. + apostolischen Majestt, der vorsichtigsten Monarchinn, zu Ohren kam, + wurde ihr mildes Gemth dadurch so sehr bewegt, da sie den Herrn + Wabst, hernach ersten Leibarzten der kaiserl. knigl. Armeen, und den + Herrn Gaffer alsdenn Professorn der Anatomie, zween erfahrneste + Naturkndiger, ohne Verweilen dahin abgeschickt hat, um den Verlauf, + und die Umstnde der Begebenheit einzuholen. Nach fterem genauen + Versuchen, nach reifem Unterricht und scharfen Examen haben diese + zween vorhergedachte Mnner durch ihre Gelehrtheit endlich eingesehen, + da der ganze Lrm von nichts andern herkmme, als von einer eitlen + Furcht, von einer aberglaubischen Leichtglaubigkeit, von einer dunkeln + und bewegten Phantasey, Einfalt und Unwissenheit bei jenem Volke. Man + hat hierauf die Beweise der zween vorsichtigen Naturlehrer eingesehen; + man hat den lcherlichen aber doch barbarischen Proce wider die + armen Abgestorbenen durchsucht. Und Herr Baron van-Swieten, einer der + gelehrtesten Mnner von Wienn, der durch andere seinige weiseste Werke + schon so berhmt ist, da seine Verdienste alles Lob bersteigen + wrden, hat Ihrer kaiserl. knigl. Majestt ber dieses Geschfte + sein Gutachten abgegeben durch gegenwrtige =Anmerkungen=, welche er + franzsisch abgefasset hat, die wir aber in deutscher Sprache hier + liefern unter dem Titel =Vampyrismus=. Das erlauchte und gerechte + Gemth der glorwrdigen Monarchinn, die in allen Fllen zum Guten + ihrer Unterthanen wachet, zeigte ber das unbehutsame Verfahren in + dieser Procesache die hchste Ungnade. Gleichwie man, um dergleichen + veraltete Aberglauben auszurotten, Gewalt und behnde Entschlssung + brauchen mu; also gaben Hchstdieselbe pltzlich den ernsthaften + Befehl, man solle die schrfesten Rescripten durch alle kaiserl. + knigl. Erblnder, an alle Magistraten, Policeyverwalter, an alle + Regierungen abgehen lassen, kraft welchen dergleichen Aberglauben + nicht nur allein verhindert, gestraft, sondern gnzlich aufgehoben + seyn sollten. Und wenn sich ein Zufall ereignet, dessen natrliche + Ursache man noch nicht genugsam erkennet; sollte sich beileibe keiner + mehr erkhnen, sich in diese Hndel zu mischen, ohne zuvor Ihrer + Majestt davon Nachricht zu ertheilen. Hchstdieselbe werden alsdenn + mit jenen Mitteln vorzubeugen wissen, die man in dergleichen Umstnden + fr anstndig, ntzlich und billig erachten wird. + +Ich unterlasse hier diesem schnen, und hchst nutzbaren Werke das +billige Lob zu sprechen, welches ihm kein unpartheyischer Leser wird +versagen knnen. Denn des Verfassers Ruhm (den die forschende dankbare +Nachwelt mit Ehrfurcht seiner Asche in die ewige Jahre hinein zollen +wird) ist ohnehin schon so gro, da ihm durch meine geringschtzige +Lobsprche wohl nicht vieles zuwachsen wurde. Des gelehrten Uebersetzers +Namen aber verschweige ich gar, weil es mir aus unbekannten Ursachen +nicht erlaubt ist, ihn zu nennen. Er ist durch ein groes Werk, mit +welchem er viele ntzliche Erkenntnissen und Wissenschaften aus dem +Alterthum der Vergessenheit entrissen hat, den Gelehrten genug bekannt +geworden, und wird es bis zur Unsterblichkeit werden, durch ein noch +greres Werk, zu dem alle Liebhaber der feinen Musen mit Eifer schon +wirklich prnumeriren. + +Im nmlichen Jahre 1756. im Octobermonat wurde dieses Werk aus der +franzsischen auch in die italienische Sprache bersetzet, vom +Uebersetzer mit gelehrten Anmerkungen bereichet, und zu Rovereid +gedrucket. Diese Uebersetzung fhret den Titel: _Considerazione +intorno alla pretesa +Magia Postuma+ presentata al supremo Direttorio +di Vienna dal Signor Barone Gerardo Van-Swieten Archiatro delle Cesaree +Maest, e Prefetto della loro Bibliotheca. Dal Francese nell'Italiano +recata con annotazioni del traduttore. Roveredo ai 26. Ottobre 1756._ + +Die wlschen Anmerkungen werde ich ins Deutsche bersetzen. Das deutsche +Werkchen selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der +Feder des gelehrten Uebersetzers geflossen ist. Da ich den Titel: +=Anmerkungen ber die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen=, welchen +sowohl die franzsische als italienische Schrift fhret, nicht +beibehalten habe, ist darum geschehen, weil ich eben auch in diesem +Stcke dem deutschen Uebersetzer folgen wollte, der seiner Arbeit den +Namen =Vampyrismus= schpfte. + +Der Aberglauben vom Vampyrismus wird lateinisch _+Magia Posthuma+_, oder +Zauberey der Abgestorbenen, genennet. Die =Vampyren= aber sind verstorbene +Menschen, welche zuweilen spter, zuweilen eher aus dem Grabe aufstehen, +den Menschen erscheinen, das Blut aussaugen, an die Hausthren ungestmm +anklopfen, Getse im Hause erwecken, und fters gar den Tod verursachen +sollen. Wessentwegen dann auch sehr viele kaiserl. knigl. scharfe +Befehle in alle Erblnder ausgeschicket worden, diesem Abentheuer des +Aberglauben Schranken zu setzen, dergleichen nur unter Barbaren, +Ignoranten, oder Boshaften zu finden sind. In allen christcatholischen +andern Lndern ist diese schdliche Meinung unbekannt. Nur in Ungarn, +Mhren, Pohlen und Schlesien findet sie ihre Anhnger. Der Anfang +dieses Uebels mag seinen Grund wohl ohne Zweifel in der schismatischen +griechischen Einfalt haben, welche glaubt, da der Teufel an statt der +Seele den Krper des Menschen besitzen knne. + + Auer dieser kurzen Erinnerung weis ich meinem Leser + nichts mehr zu sagen, als da ich mich seiner + Gewogenheit und Freundschaft ergebenst + empfehle. + + + + +1.. + +Vom Vampyrismus berhaupt. + + +Wann die Menschen auerordentliche Wirkungen wahr genommen, derer +Ursache sie nicht erkenneten, so leiteten sie dieselben von einer +hheren Macht her, als diejenige ist, welche die Menschen besitzen. Die +Geschichte zeiget uns in allen Jahrhunderten deutliche Spuren davon. + +Nun ist es gewi, und durch die heilige Schrift bestttiget, da GOtt +mit seiner Allmacht entweder unmittelbar durch seinen Willen, oder durch +die heiligen Engel, Propheten, Apostel und andere Heiligen, die +erstaunlichsten Werke hervorgebracht habe. + +Die Kirchengeschichte kann dessen auch die Unglaubigsten berfhren, da +diese Wunderwerke in den ersten Zeiten des Christenthums zu unzhligen +malen geschehen sind. Gelehrte und redliche Protestanten sogar haben es +nicht lugnen knnen, da der heilige Indianerapostel durch offenbare +Wunderwerke seine Miion erwiesen habe. Es ist auch gewi, da der bse +Geist durch Zulassung GOttes Werke gethan, welche natrliche Ursachen +gnzlich bersteigen. Was sich mit unserem Heilande zugetragen hat, als +er in der Wste in Versuchung gefhrt worden, ist allein genug, es zu +erweisen. Kein Christ kann es lugnen, da es Menschen gegeben habe, +welche vom bsen Geiste besessen waren; mithin der bse Geist ber die +menschlichen Leiber eine Macht habe. + +Eben also ist es auch wahr, da der Teufel durch Getmmel, durch +abscheuliche Verblendungen &c. die Menschen in Furcht gebracht habe. +Selbst die Protestanten bekennen es, da die Heyden, welche in Indien +die Gtzen anbethen, alle die Bosheiten ihres verfluchten Meisters +erfahren, dem sie dienen; sobald sie aber durch das Heil. Sacrament der +Taufe von der Leibeigenschaft des Teufels los, und Mitglieder der Kirche +werden, alle diese teuflischen Verblendungen ein Ende nehmen, welches +zur Bekehrung sehr vieler Heyden Anla gegeben hat. + +Daher ist hier die Frage nicht: ob dergleichen auerordentliche +Wirkungen mglich sind? sondern die ganze Schwierigkeit beruhet darauf, +zu erweisen, da ein gewier Zufall wirklich geschehen; und, wenn er +geschehen, auch zu erweisen, da es ein solcher Zufall sey, welcher die +Krften der natrlichen Ursachen bersteige. + +Seitdem die Wissenschaften und Knsten in Aufnahm gekommen sind, hat +man auch die natrlichsten Ursachen derjenigen Wirkungen, welche die +Unwissenden in Erstaunen gesetzt hatten, auf das deutlichste entdecket. +Zum Beispiele dessen dienen die Finsternissen, welche vormals ganze +Vlker, denen dieselbe als Wunderwerke vorkamen, in die entsetzlichste +Furcht, in Angst und Schrecken gestrzet hatten. Die Verbesserung +der Sternwissenschaft aber hat all diese Furcht vertrieben. Dieses +Schauspiel, welches vormals so erschrecklich geschienen, verursachet uns +keine Furcht mehr. Wir bewundern ganz ruhig die Allmacht des Schpfers, +welcher diese groen Krper, in einem so unendlich weiten Raume, mit +solcher Richtigkeit, durch so viele Jahrhunderte herumwlzet, da sogar +der schwache Menschenwitz es zuwege gebracht hat, derselben Wiederkunft +auch auf zuknftige Jahrhunderten bis auf eine gewie und gesetzte Zeit +ausrechnen zu knnen. + +Das Schpulver, die electrischen Wirkungen, die Verblendungen durch +Spiegel und andere optische Kunststcke sind von solcher Beschaffenheit, +da man einen jeden Menschen, dem sie unbekannt sind, in die grte +Verwunderung setzen kann. Es haben sich auch viele Betrger derselben +bedienet, das leichtglaubige Publicum damit zu berfhren, da sie die +grten Zauberer wren.[b] + + [b] Verschiedene Zuflle und Arten dergleichen Betrger liest man im + unvergleichlichen Tractat des weltberhmten Hermanns Boerhaave unter + dem Titel: _Elementa chemi._ 1.B. 2.Th. Venedig 1737. + +Es ist auch richtig und gewi, da je mehr die Knsten und Wissenschaften +aufnehmen, destomehr die Wunderwerke sich vermindern. Die Zauberey der +Abgestorbenen (_Magia posthuma_) von welcher hier die Frage ist, dienet +zu einem neuen Beweise.[c] Denn alle diese Begebenheiten befinden sich +nur in Gegenden, in welchen die Unwissenheit noch immer herrschet. Es +ist auch wahrscheinlich, da die schismatischen Griechen die Haupturheber +derselben sind.[d] + + [c] Der gelehrte P.Augustin Calmet, in seiner =Historie der Vampyren=, + welche den zweyten Theil seines Buches =von den Erscheinungen der + Geister= ausmacht, und im Jahre 1751. zu Augsburg in deutscher Sprache + ans Licht getretten ist, bekrftiget, da es beinahe 60. Jahre sind, + da sich der Ruf von den Vampyren in Ungarn, Pohlen, Schlesien und + Mhren auszubreiten angefangen hat. Calmet schrieb sein Buch von + Gespenstern und Vampyren im Jahre 1745. und in Wahrheit in der Zeitung + Mercurius genannt in dem 1693. und 1694. Jahrslaufe liest man + dergleichen Geschichten von etlichen Vampyren in Pohlen, und besonders + in Pohlnischreusen. + + [d] Was man in Griechenland, und im Archipelagus von den =Brucolachen= + erzhlet, ist das nemliche, was man anderswo von den Vampyren vorgiebt. + Der Abt Langlet sagt in der Vorrede seiner historisch-dogmatischen + Abhandlung von =den Erscheinungen=: Vampyr, Brucolach, oder Timpanit + sind lauter gleichdeutige Worte. Im zweyten Bande dieses Buchs S.173. + liest man das Wort Brucolach kmmt von dem neuen griechischen Worte + /boourchos/, welches Koth heisset, und von einem andern /laachos/, + welches eine Grube oder Cloack anzeiget; denn man beobachtet + gemeiniglich, da die Gruften, wo man dergleichen Krper beisetzet, + voll Koth sind. + +Tournefort ein gelehrter und erleuchter Leibarzt, zugleich aber der +geschickteste Botanicus oder Kruterverstndige seines Jahrhunderts, da +er von Ludwig dem Vierzehenten, Knige in Frankreich, in Asien geschickt +worden, hauptschlich in Griechenland diejenige Kruter zu suchen, +welche die Alten meistentheils sehr unrichtig beschrieben hatten, war +selbst gegenwrtig, und sah denjenigen Krper sehr nahe, den man einer +Zauberey nach dem Tode (_Magi posthum_) angeklagt hatte. Er sah +auch alle Mittel, die man angewendet zu verhindern, damit der Teufel +dieses Krpers sich nicht mehr bedienen knnte, die Lebendigen in Angst +und Schrecken zu setzen.[e] Die Umstnde dieses Zufalls befinden sich in +dem Buche, welches den Titel fhret: _Voyage au Levant par Mr. +Tournefort_. Und weil es nach Art und Weise der Briefen geschrieben ist, +so steht gemeldte Geschichte im 3ten Briefe. + + [e] Dieses trug sich den ersten Jenner 1701. in der Insul Micon zu. + Der Abt Calmet erzhlet diese Geschichte in seinen oben angefhrten + Buche 32.Cap. auf die nemliche weise, wie wir sie von Tournefort + empfangen haben. + +Diese Begebenheit kann zu erkennen geben, was man von derjenigen halten +soll, welche sich in Ungarn in den Dorfschaften der Haydonen jenseits +der Theisse gegen Siebenbrgen im Jahre 1732. zugetragen hat.[f] Die +Zauberey der Abgestorbenen (_Magia posthuma_) gieng damals in jenen +Gegenden im Schwange. Man nannte die Todten, welche so boshaft waren, +_Vampyri_, und glaubte, sie saugen sowohl uns Menschen als dem Viehe das +Blut.[g] Und wenn ein Mensch von dem Fleische eines solchen Viehes etwas +genossen htte, er der Ordnung nach selbst auch zum Vampyre wrde; und +auf was immer eine Art er zum Vampyren werde, als nemlich ein Leidender +(_passivus_) im Leben, so mte er nach dem Tode ein thtiger (_activus_) +seyn; ausgenommen, er htte vorher von der Erde des Grabes eines Vampyres +gegessen, und sich mit desselben Blute gerieben. + + [f] Mehrere dergleichen Geschichten findet man aufgezeichnet in einem + hollndischen Kritiker, der uns unter dem franzsischen Namen _Le + Glaneur_ im Jahre 1732. ist bekannt worden. Noch andere liest man in + den sogenannten =jdischen Sendschreiben= 1738, und in des Abten + Calmet angezeigten =Buche= _Cap._8. + + [g] =Vampyr=, oder auch Upyr ist ein schlavonisches Wort, und heit + ein =Blutsauger=. + +Allein es ist mir diese Begebenheit nur berhaupt bekannt, und ich +vermeine, da die mndliche Abhandlung (_processus verbalis_) ber +ihren Hergang im Anfange des 1732. Jahrs gehriger Orten eingereicht +worden.[h] + + [h] Karl der VI. Rm. Kaiser (seel. Angedenkens) bergab dieses + Geschft Alexandern, Frsten von Wirtenberg, der dortmals das + Knigreich Servien verwaltete. + +Die Ceremonien, welche man dabey hat beobachten mssen, sind von +dem _Hadvagy_ oder Amtmanne des Orts angeordnet worden, welcher in +vampyrischen Angelegenheiten ziemlich erfahren seyn mute. Man stossete +dem Vampyre einen sehr spitzigen Pfahl durch die Brust, und durch den +ganzen Krper. Hierauf wurde ihm der Kopf abgehauen. Alles wurde +verbrannt, und die Asche in die Grube zusammen gescharret. + +Man kann geschwinde zu Vampyre werden. Denn der Vampyrismus steckt so +sehr an, als die Krtzen. Man glaubt auch, da der Krper eines Vampyrs +in kurzer Zeit alle diejenigen Krper zu Vampyren mache, welche nach ihm +in eben demselbigen Kirchhof begraben werden, im Fall der erste nicht +bei Zeiten vertilget werde. + +Da ich aber nicht von allen Umstnden Nachricht habe, so will ich mich +nur damit begngen, da ich hier einige Anmerkungen ber diejenige +Begebenheiten mache, welche erst vor kurzer Zeit durch Leute untersucht +worden, welche von keinem Vorurtheile eingenommen sind, sondern klar +sehen, und sich nicht leicht hinter das Licht fhren lassen.[i] + + [i] Dieser Zufall begab sich in einem Dorfe in Mhren, wie man in der + ersten Note a angemerket hat. Der Abt Calmet in seinem angefhrten + Buche 57.Capitel sagt, da der Herr Baron von Tusseng (Tousiaint) ein + Lotharinger, der seinen Herrn aller Orten hin begleitet hat, vom 3. + Augustmonats 1746. aus Wien ihm geschrieben habe: Ihro Majestt der + Kaiser, Groherzog von Toscana, haben sich im Jahre 1732. verschiedene + gerichtliche Protocollen von Untersuchung der Vampyren in Mhren geben + lassen. Diese Protocollen werden in jenen Gegenden wie das Evangelium + angesehen, ungeacht sie keinen Schatten der Wahrheit enthalten. + +Es ist wahr, da unsere Vampyren vom Jahre 1755. noch zu keine +Blutsaugern geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu +vorhanden. Der Henker, ein in seinem Handwerke ohne Zweifel sehr +wahrhafter Mann, versicherte, da, wenn man die zum Feuer verurtheilten +Krper in Stcke zerhieb, das Blut mit Gewalt, und hufig daraus +hervorsche, ob er schon hernach mit grster Gelassenheit bekannte, da +dieses hufige Blut etwann einen Lffel voll ausmachen knnte. Dieses +ziehet in der Geschichte eine ziemliche Vernderung nach sich. + +Die auerordentlichen Vorfallenheiten, welche man will beobachtet haben, +knnen in diese zween Punkten zusammen gezogen werden. Erstlich, da die +Krper der Todtenzauberer oder Vampyren nicht faulen, sondern ganz, und +beisammen bleiben. Zweytens, da die Vampyren die Lebendigen durch +Erscheinungen, Getmmel, und durch Druckungen beunruhigen. Uber diese +zween Punkten werde ich so kurz, als es mglich ist einige Anmerkungen +machen. + + + + +2.. + +Ob die Krper der Vampyren faulen? + + +Ein Krper ist gemeiniglich zur Verfulung gerichtet, durch welche alle +Theile des Krpers, ausgenommen die Beine, fast gnzlich verschwinden, +und nur ein wenig von einer sehr leichten Erde zurck lassen. Diese +Fulung aber geschieht im Grabe langsam ohne der geringsten Gewalt. + +Dieses wird dadurch erwiesen, da, wenn man einen Sarg fnfzehen Jahre +nach desselben Begrbni erffnet, und sich in acht nimmt, da der Sarg +keinen Sto bekommt, man vermeinet, der Krper liege unverletzet darinne. +Mann kennet die ganze Gesichtsbildung, das Leilach, und all Ubriges. +Sobald man aber den Sarg nur ein wenig beweget, so zerfllt alles in +Staub, und das Gebeine allein verbleibet. + +Dieweil die Todten mit der Zeit ihren Nachfolgern des Grabes halber +Platz machen mssen, so hat man an vielen Orten 15. Jahre bestimmet, vor +deren Verlauf die Todtengrber keinen Krper bewegen drfen. Ich bin +einigemale bei Erffnung der Grber gewesen, da die Todtengrber mir +einige Sargen ganz langsam aufgemacht. Hierdurch wurde ich berzeugt, +da wir nach unserem Tode den Wrmen nicht zur Nahrung werden, zum +wenigsten nicht allezeit, weil sonst die Gesichtsbildung nicht wre +stehen geblieben. + +Wenn man die Grber ausrumt, so findet man zu Zeiten ganze Krper, +welche nicht verfault, sondern vielmehr ausgetrocknet, von einer +braunlichten Farbe sind, und noch sehr hartes Fleisch haben, ohne da +man sie jemal vorhero einbalsamiret htte. Ein Todtengrber versicherte +mich, da man unter hundert Todten gemeiniglich einen findet, welcher +nur ausgetrocknet und ohne Fulung sey. Hieraus schlsse ich, da ohne +Beihilfe einer bernatrlichen Ursache, ein Krper viele Jahre ungefault +bleiben knne. + +Ich weis wohl, da man vorgiebt, der Krper eines Vampyrs verbleibe +nicht allein ohne Fulung, sondern es bestehe das Fleisch auch in ihrer +Frische, die Gliedmassen behalten ihre Bgsamkeit. Allein auch dieses +findet man ohne Wunderwerk. + +Da man die Krper der zween Erzherzoginnen, welche zu Brssel gestorben, +nach Wien berbracht hatte; so war ich gegenwrtig, als man die Sargen +erffnete. Die Gesichter waren ganz und die Nasenspitze beweglich &c. +Es ist wahr sie waren einbalsamiret; allein die aromatischen Kruter, +die man dazu gelegt, waren schon ohne dem geringsten Geruch. Diese +Erhaltung mu also zuvorderst den wohlverschlossenen bleiernen Sargen +zugeeignet werden, welche nirgends keine Luft zuliessen, und also die +Fulung verhinderten. + +Wann demnach die Sarg wohl verschlossen, die Erde von Natur fest auf +einander ist, durch die Klte nach der Begrbni sich erhrtet, oder die +Luft durch andere Mittel einzudringen verhindert wird; so erfolget +entweders keine oder doch eine sehr langsame Fulung.[k] + + [k] Der erwehnte hollndische Kritiker erzhlet, da zu Tolos in einer + Klosterkirche eine Begrbni sey, in welcher man die vor zwey hundert + Jahre verstorbenen Krper sieht, als wenn sie lebendig wren. Sie + stehen da auf ihren Fssen aufrecht nach der Lnge der Mauer her in + ihrer Ordenskleidung. Das wunderbarlichste aber ist, da die im + nemlichen Orte von den unverwesenen geradehin berstehenden Todte, in + zwey oder drey Tagen verwesen. + +Der unsterbliche Muratorius, da er in der 27.Abhandlung ber die +italienischen Alterthmer, von einer Mnz des Hektors Visconte redet, +drucket sich mit diesen Worten aus: Dieser war ein unehliches Kind von +Vernabo; er bemchtigte sich der Herrschaft von Mayland im Jahre 1412, +er hatte aber ein Leben von Biltzen. Als Philip Maria, Herzog von +Mayland, in der Stadt Monza belageret wurde, bekam Hektor aus einer +Armbrust einen heftigen Steinwurf, der ihm das Bein zerschmetterte. +Er starb vor Krampf ganz jung. Im Jahre 1698. gienge ich nach der +ansehnlichen Gegend von Monza, da beobachtete ich, da dessen Leib kurz +vorher bei Gelegenheit eines Gebudes ausgegraben worden. Er war in +einem schlechten hlzernen Sarge verschlossen, und noch unversehrt, das +ist, die Hand war unverletzt, und das gebrochene Bein sah man am Fu. +Wenn man diesen Krper auf den andern Fu stellete, so stund er aufrecht. +Und doch war dieser kein Leib eines Heiligen, wohl aber eines Gottlosen. + +In der Vorrede des schon angefhrten Buchs des gelehrten Abten Langlet +mit dem Titel: =Historische und dogmatische Abhandlung ber besondere +Erscheinungen, Gesichter, und Offenbarungen=, liest man: seye mir es +erlaubt, da ich hier anfhren eine Erfahrni darf, die sich bei den +PP.Kapuzinern zu Palermo in Sicilien zutrgt. Sie besttiget, was ich +behaupte, da nemlich jeweniger sich Unflath in dem menschlichen Krper +befindet, desto hrter die Ghrung und folglich die Fulung ankomme. +Einer von diesen Vttern (ohne Zweifel ein vornehmer Naturkndiger) hat +ein Mittel erfunden, kraft welches die Fulung der menschlichen Krper +nach dem Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann +verhindert werden. Das Geheimni, oder Secret, welches er dazu brauchet, +ist eine schlechte Sache. Er setzet die entseelten Krper auf einen +durchlcherten Stuhl; und nachdem er die hintere Oeffnung in die Runde +aufgeschnitten, gehet durch diese Mndung alle Feuchtigkeit, und +Unreinlichkeit, die nach der Fulung trachtet, von sich selbsten aus dem +Leibe hinaus. Alsdenn machte er die Mndung zu, und richtet den Krper +in jene Stellung, in was fr einer man will, da er bleiben soll. In +diesem Stande erhlt sich ein solcher Krper, wo nicht Jahrhundert, +wenigstens sehr viele Jahre. Die unterirrdische Kirche dieser Vtter ist +voll dergleichen Krper mit berall beigeschriebenen Namen, den sie in +Leben gehabt haben. Dieses Trauergesicht, gleichwie es eine Gelegenheit +der Demthigung ist fr die Menschlichkeit, so ist es doch auch eine +besonders seltene Sache, und kann denjenigen wunderlich vorkommen, die +dessen Ursache nicht erkennen. + +Ich habe vor einigen Monaten eine kleine englische Abhandlung gelesen, +welche im Jahre 1751. zu Londen gedruckt ans Licht getretten, darinne +fand ich einen merkwrdigen, und sehr wohl erwiesenen Zufall. Im Monat +Februarius 1750. erfnete man in der Grafschaft Devonshire in Engelland +die Begrbni einer alten Familie, und zwischen vielen Gebeinen, auch +vermoderten Sargen fand man einen noch ganzen hlzernen Sarg. Man erfnete +denselben aus Vorwitz, und fand einen ganzen Krper eines Menschen +darinne, dessen fleischliche Theile noch ihre natrliche Festigkeit +hatten, die Gliedmassen aber, als Achsel, Ellenbogen, auch alle Finger +sehr bgsam waren. Wenn man das Gesicht drckte, so wich es dem Finger, +und hob sich nach der Drckung wieder. Eben dieses beobachtete man am +ganzen Leibe. Der Bart war schwarz, und bis vier Zoll lang. Der Krper +war einbalsamirt. Denn man wurde weder eines Einschnitts noch eines +anderen Zeichen desselben gewahr. Durch das Pfarrprotocoll wurde +erwiesen, da seit dem Jahre 1669. kein Mensch in diese Begrbni +gebracht worden. Hier haben wir also einen englischen Vampyre, welcher +ber 80. Jahre in seinem Grabe ruhig geblieben ist, und keinen Menschen +belstiget hat. + +In eben dieser Abhandlung findet man noch mehr dergleichen Zuflle, +insonderheit, wenn die Grber sehr tief, und von trockener Erde sind. +Demnach nimmt man gemeiniglich wahr, da, wenn solche Krper der offenen +Luft ausgesetzt werden, dieselben bald in eine Fulung gerathen. Dieses +ist genug darzuthun, da die Fulung nicht allzeit, und gemeiniglich nur +langsam geschehe, absonderlich, wenn die Erde durch die Klte wohl +geschlossen, oder der Sarg selbst vor der Luft wohl bewahret ist. + +Lasset uns nun die angefhrten Begebenheiten untersuchen das vampyrische +Wesen zu behaupten. + +Rosina Polakin stirbt den 22. December 1754. Den 19. Jenner 1755. aber +wird sie ausgegraben, und als eine des Verbrennen wrdige Vampyrinn +erklret, weil sie noch nicht verfaulet gewesen. Die Anatomisten +erhalten die Krper an ffentlicher Luft im Winter zu 6. Wochen, auch zu +zwey Monathen ohne Fulung. Zu dem so ist noch anzumerken, da dieser +Winter auerordentlich kalt gewesen. In den brigen Krpern hatte die +Fulung den grten Theil schon verzehrt; es war aber genug, da nicht +alles verfault gewesen. Sie muten ins Feuer. Welche Unwissenheit! +erschreckliche Dummheit! man redet in der Schrift des Consistorii zu +Olmtz von gewissen Zeichen, und Maalen, welche man in den Krpern der +Vampyren soll gefunden haben. Allein sie werden nirgends beschrieben.[l] +Zween Bader, welche niemal einen geffneten Krper gesehen, und kein +Wort vom Baue des menschlichen Leibes wten, wie sie selbsten dem +Commissario bekannten, sind diejenigen Zeugen, auf derer Veranlassung +das Urtheil zum verbrennen gefllet wird. + + [l] Johann Christoph Herenberg hat ein Buch _Philosophi, & christian + cogitationes de Vampyris_ im Jahre 1733, geschrieben. Der Verfasser + behauptet, da die Vampyren auf keine Weise die Lebende um das Leben + bringen, sondern man msse alles, was ein falscher Ruf von ihnen + aussprenget, einer verwirrten und starken Einbildung zuschreiben. Er + fhret unterschiedliche Beispiele von seltenen Wirkungen an, welche + sich bei den Menschen durch Einbildungen zutragen knnen. + + Auch der obenbenannte hollndische Kritiker sagt: wenn ich bei mir + selbsten den Tod der geglaubten Marterer des Vampyrismus berlege, so + finde ich alle Spuren einer einbilderischen Krankheit derselbigen + Gegend, und erkenne ganz klar, da die Wirkung der grossen Furcht den + Tod bei diesem Volke verursache. Der Verfasser bringt darber eine + Geschichte bei. + + Der berhmte Tartarotti, als ein verstndiger Philosoph sagte in + seinem _Congresso notturno delle Lamie l. 2. c. 11._ was fr eine + Geschichte hlt man fr gewisser, als die Geschichte derjenigen, + welche glauben, da sie nchtlicher weile von den Vampyren berfallen, + und also gedrucket werden, da auch sie in kurzer Zeit sterben. Und + doch scheinet es in der That selbsten nichts anders zu seyn, als + schlechterdings ein Traum, der von Schrecken und Furcht herrhret. + Von dieser Meinung war auch der gelehrte Pabst und Kirchenhaupt + Benedict der 14te in der 5ten Abhandlung _vol._ 3, wo er eine kurze + Geschichte von den ungarischen, mhrischen und schlesischen Vampyren + verfertiget. + + Der Abt Calmet im Beschlusse seines fters erwehnten Werkes endiget + auch mit diesen Worten: was man von den ungarischen, mhrischen und + pohlnischen Vampyren erzhlet, halte ich fr ein glattes Blendwerk, + fr eine Wirkung einer starken und verwirrten Phantasey, so fleiig + auch immer diese Erzhlungen von den Richtern untersucht, und in + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mgen gutgeachtet worden seyn. + + Was die pohlnischen Vampyren betrift, fhrt er einen Brief an vom 3. + Hornung 1745., den ihm der P.Slivyski Visitator der Vttern von der + Miion in Pohlen geschrieben hat, welcher darinne bekennet, da, + ungeacht er alle Sorge, allen Flei in dieser Sache angewendet, um auf + einen Grund und Wahrheit zu kommen; ungeacht er fters mit denen, die + man als persnliche Zeugen angab, selbst geredet, und sie befraget, er + doch keinen einzigen gefunden habe, der sich zu sagen getrauet htte, + er habe etwas von dem, was man vorgiebt, selbsten gesehen. Mithin habe + er erkennet, was man davon aussprenget, sey ein leeres Geschrey, eine + bloe Einbildung, die die Furcht in solchen einfltigen Leuten + verursache. + +Es ist wahr der Commissarius von Olmtz hat nicht jederzeit einen Bader +zur Untersuchung dieser Sache, der genug geschickt wre. Man brauchte +nur zween geistliche Commissarien, welche ber den Vampyrismus ganz +rittermig ihren Ausspruch thaten, dann es erhellet aus den +_Anteactis_, da man im Jahre 1723. den Krper eines Menschen 13. Tage +nach seinem Hinscheiden verbrennen lassen, und im Urtheile gab man +dieses fr die Ursache an, weil seine Gromutter bei der Gemeinde in +keinem guten Ruf gewesen sey. + +Im Jahre 1724. verbrennte man den Krper eines Menschen 18. Tage nach +dessen Tode, weil er mit dem Vorigen befreundet gewesen. Es war genug, +wann man nur von der Freundschaft eines angegebenen Vampyrs gewesen, so +hatte der Proce bald ein Ende. + +Man verbrennte den Krper eines Menschen zween Tage nach seinem +Absterben aus keiner anderen Ursache, ohne weiterer Zeugenschaft, als +weil der Krper nach dem Tode noch wohl und gut ausgesehen, und die +Gliedmassen noch bgsam gewesen. + +Aus allen dem, was oben angefhret worden, lt sich klar abnehmen, da +die Erhaltung eines Krpers ohne Fulung aus ganz natrlichen Ursachen +geschehen knne; da die Fulung gemeiniglich eine lange Zeit erfordere, +welche sich nach der vorhergehenden Krankheit, nach der Wrme oder Klte +der Luft, nach der Beschaffenheit der Erde, und noch vielen anderen +zuflligen Nebensachen vernderen. Da das Consistorium von Olmtz den +Krpern die erforderliche Zeit der Fulung nicht gelassen, mithin dieses +Zeichen einer Zauberey der Todten grundfalsch sey. + +Aus diesem falschen Grund hat man die abgeschmacktesten Folgen gezogen. +Denn man hat geschlossen, da ein angegebener Vampyre seine Bosheit +allen den Krpern einflsse, welche nach ihm in eben demselben Freudhof +begraben wrden. Denn natrlicher Weise muten diese Krper weniger +verfault seyn, als andere, die man vor dem Vampyre eingegraben hat. + +Aus diesem schnen Grund hat das Consistorium zu Olmtz den 23ten April +1731. neun Krper verbrennen lassen, unter welchen sieben kleine +Kinderkrper waren, weil man dafr hielt, da sie ein Vampyre angesteckt +htte, welcher vor ihnen in demselbigen Freudhofe begraben worden. + +Den todten Krpern aber, welche vor dem Vampyre ihr Grab allda gefunden, +wiederfuhr Gnade, doch haben die Herrn Commissarien Wabst, und Gosser +erwiesen, da in den unverdchtigen Krpern noch unversehrte Theile +vorhanden gewesen, und in einem derselben auch ein wenig Blut gefunden +worden. Sie haben auch dargethan, da die zween Ignoranten, obbemelte +Bader mit Lgen gehandelt. + + + + +3.. + +Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen &c. beunruhigen? + + +Nun ist es an dem, da auch die Erscheinungen, welche von deren zum +Theile oder ganz unverfaulten Krpern herkommen sollen, in einige +Betrachtung gezogen werden. + +Erstlich ist zu merken, da kein Zeuge vorhanden, welcher aussage, da +die Todten den Lebendigen erscheinen, sondern man giebt nur vor, da man +eine Aengstigkeit und Beklemmung empfunden, welche zum Schlaffen +gezwungen hat. + +Ich lasse erachten, ob diese gute Leute, wenn die Einbildung durch die +tglichen Erzhlungen von Geistern und anderen Blendwerken &c. einmal +eingenommen worden in ihren Betten vor dem Einschlaffen nicht haben in +Furcht seyn sollen? + +Aus der Untersuchung, welche die Commissarien angestellt haben, +erhellet, da sie die Aengstigkeiten nur damahl ausgestanden, wann sie +gelegen waren, andere Zeugenschaften aber geben zu erkennen, da sie +sich erholt haben, wenn man sie im Bette aufsitzen lassen. Zudem so weis +denn auch jedermann, was fr abscheuliche Aengstigkeiten die Furcht +verursachen kann. + +Andere haben geglaubt, sie sehen oder hren einen Hund, ein Kalb, +ein Schwein, ein Kalbskopf &c. Hatte denn der Teufel nthig, einen +menschlichen todten Krper lebendig zu machen, in einer solchen Hundes- +oder Kalbesgestalt zu erscheinen? Es ist ja zwischen der Ursache, und +der vorgegebenen Wirkung nicht die geringste Verbindung. + +Ein Hund, eine Katz, ber alles, wenn sie schwarz sind, und bei Nacht +gesehen werden, sind jederzeit der Teufel, oder ein Gespenst, welches +auf dem Freudhofe oder sonst herumschleicht. So gar eine Sau, welche vor +einem Hause vorbeigrunzete, wurde (wie einige Zeugenschaften es angeben) +fr einen aufgestandenen Vampyre gehalten. Ich mte mich schmen, wenn +ich alle die Einflligkeiten wiederhohlen wrde, welche sich in diesen +Zeugnissen befinden. + +Jedoch es ist Zeit, auch von dem Ursprunge dieser Begebenheit ein Wort +zu sagen. Eine gewie Sallingerin, oder sonst die Wenzel Richterinn +genannt, ist vor 18. Monathen begraben worden. Nun giebt man vor, sie +sey ein Hexe gewesen, und alles Ubel komme von ihr her. Wo sind aber die +Proben, da sie eine Hexe gewesen? Dieses gute Weib theilte Arzneyen +aus, und ihr Sohn hat ihr vorgegebene _Arcana_ entdecket. Es waren +Krebsaugen, die sie in Wasser zerlassen, einige Kruter und Wurzen &c. +ohne die geringste Spur eines Aberglaubens. Einsmals aber, um ihre Kuren +zu beschnen, und das Geheimni noch grsser zu machen; befahl sie einem +Kranken, er sollte vier Thaler in eines seiner Hemder einnhen, und ihr +zuschicken, so wollte sie ihm die Arzney zukommen lassen. + +Nun giebt man vor, dieser Kranke sey verhexet, die Commissarien aber +haben ihn examinirt und an ihm wahrgenommen, da er an einer schweren, +doch ganz natrlichen Krankheit, nmlich an der _Colica Pictonum_ +krank liege, welche den Kranken an allen Gliedern contract, und zusammen +gezogen oder gerumfet macht. Wir sind wirklich beschftiget im hiesigen +Burgerspital einen solchen Kranken zu kuriren. + +Ein andersmal soll sie den Tag vorgesagt haben, an dem ein Kranker +sollte gesund werden. Diese sind die Beweise, da sie eine Hexe gewesen. +Es hat das Ansehen, da man bey ihrer Lebenszeit diesen Beweis nicht fr +gltig oder hinlnglich gehalten, dann sie hat die heiligen Sacramenten +empfangen; sie ist im Schooe der Kirche gestorben. Sie ist mit +christlichen Ceremonien ins Grab eingeweihet worden: und 18. Monate nach +ihrem Tode, mu sie eine verbrennenswrdige Hexe seyn. + +Auf solchen Grnden ist die ganze Geschichte gebauet, und man hat Laster +auf Laster gehufet, so gar (darf ich es sagen) _Sacrilegia_ +begangen. + +Man hat die Frey- und Sicherheit (_Asylum_) und die Ruhesttte des +Grabes verletzt; man hat den guten Namen der Abgestorbenen, und ihrer +Familien geschndet, welche ein gleiches Schicksal zu gewarten htten; +wenn solche Misbruche nicht abgeschaft wrden. Man hat die todten +Leiber unschuldiger Kinder, derer Seelen die ewige Glckseligkeit +genssen, dem Henker bergeben. Man hat die Shne gezwungen +(entsetzliche Sache) die Leiber ihrer Mutter dem Henker vorzuschleppen. +So gar die Kreuze selbst (ein Zeichen, eine Erinnerung unserer Erlsung, +die bey der Kirche so verehrungswrdig ist) die Kreuze, sage ich, sind +nicht besser verurtheilet worden. Man hat sie schndlich und nur +dewegen verbrennet, weil sie auf den Grbern dieser unglckseligen +Schlachtopfer der Ignoranz, und des Aberglaubens gestanden sind. + +Welche schreyende Ungerechtigkeit in der Verurtheilung derjenigen +Menschen, welche ein untadelhaftes Leben gefhret, und nur das Unglck +gehabt haben, da man sie auf einem Freudhof erst eingegraben, nachdem +schon vorher eine angegebene Hexe allda zu Grabe gebracht worden! man +erklret sie fr Hexen und Zauberer. Man bergiebt sie dem Schinder, +damit er ihre Leiber verbrenne. Man setzt so gar in das Urtheil, da man +sie weit schrfer wurde gezchtiget haben, wenn sie noch lebendig wren. +Man verbrenne aber ihre Leiber mit Spott und Schande, damit dieses ihren +Mitgehilfen zum Beispiele diene.[m] + + [m] Acht und zwanzig Krper waren es, die in Zeit 18. Monaten in dem + nemlichen Freudhofe, wo die vermeinte Hexe ist begraben worden, ihre + Ruhestatt hatten. Alle wurden ausgegraben. Neune davon bekamen Gnade, + die andere aber, nachdem sie durch ein Loch der Mauer des Freudhofes + hinausgeschleppet worden, wurden dem Henker bergeben. Dieser brachte + sie auf Schlitten in einem eine Stund vom Dorfe entlegenen Wald, wo + er, um sie zu verbrennen, 200. Schuh Holz verbrauchte. Die Schlitten, + der Werkzeug, alles, was zu dieser Verrichtung gedienet hat, mute + verbrennet werden. + +Wo sind die Gesetze, welche einen solchen Ausspruch rechtfertigen? Man +bekennet, es seyen keine Gesetze vorhanden, hingegen zieht man zur +Rechtfertigung ganz kaltsinnig an: es sey also der Gebrauch.[n] + + [n] Unterschiedliche wunderbarliche Geschichten von Erscheinungen und + Schden, welche (wie man aussprengte) die Vampyren in Mhren sollten + verursachet haben, gaben dem Herrn Carl Ferdinand von Scherz Anla ein + Buch zu schreiben mit dem Titel: _Magia Posthuma_; welches der + Verfasser dem Frsten Carl Bischoffen von Olmtz zugeeignet hat, und + im Jahre 1706. gedrucket wurde. Er erzhlet darinne besondere Schden, + die die Einwohner von einem gewissen Dorfe, (es scheinet, es sey das + nemliche, in welchem der obbesagte neue und seltsame Proce ist + angestellet worden) glaubten, da sie ihnen von einem andern Weibe, + welches dortmals gestorben, und eben auch mit den Heiligen Sacramenten + der Kirche versehen worden ist, seyen verursachet worden. Schllich + wirft der Verfasser eine rechtliche Frage auf: gesetzt, da diese + Schden (wie man gewi dafr hielt) von besagtem Weibe herkmen, ob es + erlaubt sey, es auszugraben, und andere dergleichen verdchtige Krper + zu verbrennen. + +Was fr eine Menge von Unglcksfllen erfolgen darauf? Viel arme Kranke, +und Weiber, die sich zum Gebhren schon bereit fanden, nehmen die +Flucht, und finden ihren Tod auf der Strasse. Sie sind doch noch +getrstet, da sie zum wenigsten nach ihrem Tode dergleichen Schande +nicht auszustehen htten. + +Die Einwohner, von einer bestndigen Furcht durchdrungen, sind bereit, +Hau und Hof um ein anderes Ort zu verlassen. Mit einem Wort, alles ist +in Verwirrung. + +Da das gemeine Volk, welches oft sehr wenig unterrichtet ist, in +Ausschweifungen verfalle, das bewegt mich zum Mitleiden, und nimmt mich +nicht wunder. Aber da diejenigen, die man fr die Meister in Israel +hlt, ein L......s C.........m dergleichen ungeheure Mibruche, die +der Vernunft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, +das bersteiget meinen Begrif, und setzt mich in eine so starke +Zornmthigkeit, da ich mich gezwungen sehe, die Feder niederzulegen, +damit ich nicht aus den Schranken der Ehrerbietung, die ich ihrem +Charakter zu bezeigen schuldig bin, hinausgerissen werde.[o] + + ENDE. + + [o] _Vid. Opera de Canonizatione Sanct. vel Dissertationes + BenedictiXIV. P.M. extractas ex dictis operibus. Venet. 1752. + Vid. Dissert.5. .4. Vol.3. ubi de Vanitate Vampyrorum. Et + Diss.14. Vol.3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Langlet + de apparitione spectrorum. Et Lettres Juives par M. d'Argens._ + + + + +_Errata._ + + + Seite. Zeile. Steht. Lies. + + Vorrede. zuletzt. Wertlein. Werkchen. + + + + + [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile + steht. + + Vom Vampyrismus berhaupts. + Vom Vampyrismus berhaupt. + + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faets, + C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien faits, + + A voir la vert, en ses moindres effets. + A voir la vert pleine, en ses moindres effets. + + C'est d'eux seuls qu'on reoit une veritable gloire; + C'est d'eux seuls qu'on reoit la veritable gloire; + + Wertlein selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der + Werkchen selbst aber werde ich getreulich so liefern, wie es aus der + + Blutsaugen geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu + Blutsaugern geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu + + Wenn man die Grber ausrumt, so findet man zu Zeiten ganze Kper, + Wenn man die Grber ausrumt, so findet man zu Zeiten ganze Krper, + + Da man die Krper der zwoen Erzherzoginnen, welche zu Brssel gestorben, + Da man die Krper der zween Erzherzoginnen, welche zu Brssel gestorben, + + nach den Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann + nach dem Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann + + dessen Ursache nicht erkennen. + dessen Ursache nicht erkennen. + + Geschichte hlt man fr gewisser, als die Geschicht derjenigen, + Geschichte hlt man fr gewisser, als die Geschichte derjenigen, + + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mgen gutgeachtet worden seyn. + Ansehung ihrer und ihres Gutachten mgen gutgeachtet worden seyn. + + rittermig ihren Ausspruch thaten. dann es erhellet aus den + rittermig ihren Ausspruch thaten, dann es erhellet aus den + + Krpern die erforderliche Zeit der Fuluug nicht gelassen, mithin dieses + Krpern die erforderliche Zeit der Fulung nicht gelassen, mithin dieses + + eingenommen worden in ihren Bettern vor dem Einschlaffen nicht haben in + eingenommen worden in ihren Betten vor dem Einschlaffen nicht haben in + + wenn solche Misbruche nicht abgeschaft mrden. Man hat die todten + wenn solche Misbruche nicht abgeschaft wrden. Man hat die todten + + erklret sie fr Hexen uud Zauberer. Man bergiebt sie dem Schinder, + erklret sie fr Hexen und Zauberer. Man bergiebt sie dem Schinder, + + der Vernuft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, + der Vernunft schnur gerade zuwider sind, billige und rechtfertige, + + Diss.14. Vol.3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Lenglet + Diss.14. Vol.3. de incorrupt. Cadav. Vid. etiam Calmet & Langlet + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Vampyrismus, by Gerard van Swieten + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + +***** This file should be named 30886-8.txt or 30886-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/0/8/8/30886/ + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/30886-8.zip b/30886-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..89aa8c5 --- /dev/null +++ b/30886-8.zip diff --git a/30886-h.zip b/30886-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e3c690a --- /dev/null +++ b/30886-h.zip diff --git a/30886-h/30886-h.htm b/30886-h/30886-h.htm new file mode 100644 index 0000000..050be20 --- /dev/null +++ b/30886-h/30886-h.htm @@ -0,0 +1,1424 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <title>The Project Gutenberg eBook of Vampyrismus, by Gerhard van-Swieten</title> + <style type="text/css"> +<!-- + body { margin-left: 20%; margin-right: 20%; } + + p { margin-top: 0.75em; + margin-bottom: 0.75em; + text-align: justify; + text-indent: 1.5em; + } + p.center, + p.drop-cap, + #tnote p { text-indent: 0em; } + + h1, h2 { text-align: center; + clear: both; + margin-top: 0em; + font-weight: normal; + } + h2 { margin-bottom: 1em; } + .new-h2 { margin-top: 6em; } + + a:link, a:visited { text-decoration: none; } + + ins { text-decoration: none; border-bottom: 1px dashed #add8e6; } + .greek { border-bottom: 1px dashed #3c0; } + .foreign { font-family: Sans-Serif; } + + .gesperrt { letter-spacing: 0.15em; margin-right: -0.15em; } + + .center { text-align: center; } + + .figcenter { margin: 2em auto; text-align: center; } + + .pagenum { position: absolute; + display: inline; + right: 14%; + font-size: x-small; + text-align: right; + color: #808080; + font-style: normal; + border: 1px solid silver; + padding: 1px 4px 1px 4px; + font-variant: normal; + font-weight: normal; + text-decoration: none; + text-indent: 0em; + } + + .footnotes { border: 1px dashed #808080; margin-top: 6em; margin-bottom: 120px; padding: 20px; } + .footnote { margin-left: 5%; margin-right: 5%; text-align: justify; } + .footnote .label, + .fnanchor { text-decoration: none; font-weight: normal; font-style: normal; font-family: Sans-Serif; } + .fnanchor { margin-left: 0.25em; } + .footnote p { text-indent: -1em; padding-left: 1em; } + + .poem { margin: 1.25em auto; text-align: left; } + .poem br { display: none; } + .poem .stanza { margin: 1em 0em 1em 0em; } + .poem span.i0 { display: block; margin-left: 0em; padding-left: 3em; text-indent: -3em; } + .poem span.i4 { display: block; margin-left: 2em; padding-left: 3em; text-indent: -3em; } + + .drop-cap:first-letter { font-size: 3em; float: left; margin: -0.3em 0.1em -0.3em 0; } + + #tnote { width: 26em; + border: 1px dashed #808080; + background-color: #f6f6f6; + text-align: justify; + padding: 0em 0.75em; + margin: 120px auto 120px auto; + } + + #errata { margin: auto; } + #errata th { text-align: left; } + #errata td, th { padding: 0 0.5em; } + + @page { margin: 2cm; } + + @media print { + body { margin: 2em; } + .footnotes, .break-page { page-break-before: always; } + #tnote, pre, .pagenum { display: none; } + ins, a, .greek { text-decoration: none; border: none; color: black; } + .footnotes { padding: 0em; border: none; } + .footnote { margin: 0em; } + } +--> + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Vampyrismus, by Gerard van Swieten + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Vampyrismus + +Author: Gerard van Swieten + +Release Date: January 7, 2010 [EBook #30886] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + + + + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + + + + + +</pre> + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +bernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden +korrigiert. nderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>, +der Originaltext erscheint beim berfahren mit der Maus.</p> +<p>Das <a href="#inhalt">Inhaltsverzeichnis</a> wurde vom Ende des +Textes an den Anfang verschoben.</p> +</div> + +<h1 class="gesperrt">Vampyrismus</h1> + +<p class="center" style="font-size: 150%; line-height: 1.7em;"><small class="gesperrt">von</small><br/> +<big>Herrn Baron Gerhard van-Swieten</big><br/> +<small class="gesperrt">verfasset,</small><br/> +aus dem Franzsischen ins Deutsche<br/> +<small class="gesperrt">bersetzet,</small><br/> +und als ein Anhang <b>der Abhandlung des Daseyns</b><br/> +<small><b>der Gespenster</b> beigercket.</small></p> + +<div class="figcenter" style="width: 320px;"> +<img src="images/f0001-image.png" width="320" height="67" alt="" title="" /> +</div> + +<hr style="height: 3px; color: black; background-color: black; border: none; margin: 1.5em auto; width: 480px;"/> + +<p class="center"><big class="gesperrt">Augsburg, 1768.</big></p> + + + + +<div class="new-h2 break-page"><a name="inhalt"> </a></div> +<h2 class="gesperrt" style="line-height: 1.5em;">Abtheilung des ganzen Werkchens.<br/> +<small>Vampyrismus.</small></h2> + + +<div style="margin: auto; width: 30em;"> +<p class="center foreign">I. .</p> + +<p><a href="#par1">Vom Vampyrismus <ins title="berhaupts">berhaupt</ins>.</a></p> + +<p class="center foreign">II. .</p> + +<p><a href="#par2">Ob die Krper der Vampyren faulen?</a></p> + +<p class="center foreign">III. .</p> + +<p><a href="#par3">Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen &c. +beunruhigen?</a></p> +</div> + + + +<div class="new-h2 break-page"> </div> +<div><span class="pagenum"><a name="Page_1">1</a></span></div> + +<div class="figcenter" style="width: 476px; margin-top: 0;"> +<img src="images/p0001-image.png" width="476" height="141" alt="" title="" /> +</div> + +<h2>Vorrede.</h2> + + +<p class="drop-cap">Die vorhergehende Schrift, <b>Abhandlung des Daseyns +der Gespenster</b>, welche mir von meinem gelehrten +Freunde zum Drucke zu befrdern ist geschickt worden; ist +mit grter Deutlichkeit, mit bester Ordnung, mit grndlicher +Gelehrtheit abgefasset. Diese wenigen Bogen einer +so nutzbaren Abhandlung bringen dem Verfasser mehr Ehre, +und dem Vaterlande mehr Vortheil, als wenn er ganze +schweitreibende Folianten von scholastischen, thomistischen, +scotistischen, mollinistischen, und was weis ich, von was +noch fr istischen Materien zusammen geschrieben htte. Der +Verfasser dieses Werkchens hat der gelehrten Welt schon +mehrere dergleichen Abhandlungen ntzlicher Materien gelieferet, +und stehet wirklich schon von zweyen Jahren her mit +einem andern sehr gelehrten Werke zum Drucke fertig, welches +ich zum Theil eingesehen, gelesen, bewunderet habe. +Aber seine kmmerliche Umstnde gestatten es ihm nicht, damit +ins Tageslicht zu tretten. Nur schade, da, ungeacht +unser Baiern nicht gar viel gelehrte Patrioten aufweisen +<span class="pagenum"><a name="Page_2">2</a></span>kann, man einen so herrlichen Kopf in musenfeindlichen Gegenden +im verborgenen schmachten lt, an statt ihn mit +Sorgfalt zu suchen. Sein geringes Vermgen, und als +ein Landeskind gebohren zu seyn, sind vieleicht die chten +Ursachen, welche ihn, wenn er auch bekannt seyn wrde, +wo nicht der Verachtung, doch einer kalten Gleichgltigkeit +blo stellen wrden. Zum wenigsten hat der ehrliche Mann +nicht Schulde daran, wenn er mit all seiner Fhigkeit dem +Staate nichts ntzet, und vor andern nicht gesucht wird.</p> + +<div class="poem foreign" lang="la" xml:lang="la" style="width: 20.5em;"> +<div class="stanza"> +<span class="i0">Ipse licet venias Musis comitatus Homere,<br /></span> +<span class="i4">Si nihil attuleris, ibis, Homere, foras.<br /></span> +</div> +</div> + +<p>Nur Frsten, Knigen, sagt Corneille in seinen Horatziern, +nur den Groen dieser Erde, nur erhabenen Geistern +kmmt es zu, das wahre Lob um das Vaterland bestverdienten +Mnner der ewigen Unwissenheit zu entreissen; diesen +fehlt es niemal an Mitteln, die Tugend auch in ihren kleinsten +Handlungen gro zu machen.</p> + +<div class="poem foreign" lang="fr" xml:lang="fr" style="width: 29em;"> +<div class="stanza"> +<span class="i0">C'est aux Rois, c'est aux Grands, c'est aux Esprits bien <ins title="faets">faits</ins>,<br /></span> +<span class="i0">A voir la vert <ins title="[fehlt im Original]">pleine</ins>, en ses moindres effets.<br /></span> +<span class="i0">C'est d'eux seuls qu'on reoit <ins title="une">la</ins> veritable gloire;<br /></span> +<span class="i0">Eux seuls des vrays heros assrent la memoire.<br /></span> +</div> +</div> + +<p>Nachdem also dieser gelehrte Mann <b>von dem Daseyn +der Gespenster</b> so grndlich gehandelt, so nehme ich Anla, +einige <b>Anmerkungen ber die vorgegebene Zauberey der +Abgestorbenen</b> unter dem Titel <b>Vampyrismus</b> anzuhangen, +<span class="pagenum"><a name="Page_3">3</a></span>weil diese der ersten Materie ganz hnlich ist.</p> + +<p>Diese <b>Anmerkungen ber die vorgegebene Zauberey +der Abgestorbenen</b>, lateinisch <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Magia Posthuma</span>, wurde im +Jahre 1755. im Mrzmonat in franzsischer Sprache von +einem der berhmtesten Mnner, die Europa aufzeigen kann, +nmlich von Herrn Baron Gerhard van-Swieten, ersten +Leibarzten Ihrer kaiserl. Majestten, und damaligen Hofbibliothecarius, +den seine immer anwachsende Verdienste indessen +zu grern Titel, Ansehen und Ruhm erhoben haben; +zu Wienn verfasset, und gedrucket.<a name="FNanchor_A_1" href="#Footnote_A_1" class="fnanchor">a)</a> Sie ist bald hernach +im Hornung 1756. von einer gleichfalls grndlichen Feder +ins Deutsche versetzet worden.</p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_4">4</a></span></p> +<p>Ich unterlasse hier diesem schnen, und hchst nutzbaren +Werke das billige Lob zu sprechen, welches ihm kein unpartheyischer +Leser wird versagen knnen. Denn des Verfassers +Ruhm (den die forschende dankbare Nachwelt mit Ehrfurcht +seiner Asche in die ewige Jahre hinein zollen wird) ist +ohnehin schon so gro, da ihm durch meine geringschtzige +Lobsprche wohl nicht vieles zuwachsen wurde. Des gelehrten +Uebersetzers Namen aber verschweige ich gar, weil es mir +aus unbekannten Ursachen nicht erlaubt ist, ihn zu nennen. +Er ist durch ein groes Werk, mit welchem er viele ntzliche +Erkenntnissen und Wissenschaften aus dem Alterthum der +Vergessenheit entrissen hat, den Gelehrten genug bekannt geworden, +und wird es bis zur Unsterblichkeit werden, durch +ein noch greres Werk, zu dem alle Liebhaber der feinen +Musen mit Eifer schon wirklich prnumeriren.<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span></p> + +<p>Im nmlichen Jahre 1756. im Octobermonat wurde +dieses Werk aus der franzsischen auch in die italienische +Sprache bersetzet, vom Uebersetzer mit gelehrten Anmerkungen +bereichet, und zu Rovereid gedrucket. Diese Uebersetzung +fhret den Titel: <span lang="it" xml:lang="it" class="foreign">Considerazione intorno alla pretesa +<i>Magia Postuma</i> presentata al supremo Direttorio di Vienna dal +Signor Barone Gerardo Van-Swieten Archiatro delle Cesaree +Maest, e Prefetto della loro Bibliotheca. Dal Francese nell'Italiano +recata con annotazioni del traduttore. Roveredo ai +26. Ottobre 1756.</span></p> + +<p>Die wlschen Anmerkungen werde ich ins Deutsche bersetzen. +Das deutsche <ins title="Wertlein">Werkchen</ins> selbst aber werde ich getreulich +so liefern, wie es aus der Feder des gelehrten Uebersetzers +geflossen ist. Da ich den Titel: <b>Anmerkungen ber +die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen</b>, welchen sowohl +die franzsische als italienische Schrift fhret, nicht +beibehalten habe, ist darum geschehen, weil ich eben auch in +diesem Stcke dem deutschen Uebersetzer folgen wollte, der +seiner Arbeit den Namen <b>Vampyrismus</b> schpfte.</p> + +<p>Der Aberglauben vom Vampyrismus wird lateinisch +<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign"><i>Magia Posthuma</i></span>, oder Zauberey der Abgestorbenen, genennet. +Die <b>Vampyren</b> aber sind verstorbene Menschen, welche<span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span> +zuweilen spter, zuweilen eher aus dem Grabe aufstehen, +den Menschen erscheinen, das Blut aussaugen, an die Hausthren +ungestmm anklopfen, Getse im Hause erwecken, und +fters gar den Tod verursachen sollen. Wessentwegen dann +auch sehr viele kaiserl. knigl. scharfe Befehle in alle Erblnder +ausgeschicket worden, diesem Abentheuer des Aberglauben +Schranken zu setzen, dergleichen nur unter Barbaren, +Ignoranten, oder Boshaften zu finden sind. In allen +christcatholischen andern Lndern ist diese schdliche Meinung +unbekannt. Nur in Ungarn, Mhren, Pohlen und Schlesien +findet sie ihre Anhnger. Der Anfang dieses Uebels +mag seinen Grund wohl ohne Zweifel in der schismatischen +griechischen Einfalt haben, welche glaubt, da der Teufel +an statt der Seele den Krper des Menschen besitzen knne.</p> + +<p class="center">Auer dieser kurzen Erinnerung weis ich meinem Leser<br/> +nichts mehr zu sagen, als da ich mich seiner<br/> +Gewogenheit und Freundschaft ergebenst<br/> +empfehle.</p> + +<div class="figcenter" style="width: 315px;"> +<img src="images/p0006-image.png" width="315" height="59" alt="" title="" /> +</div> + + + +<div class="new-h2 break-page"><a name="par1"> </a></div> +<div><span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span></div> + +<div class="figcenter" style="width: 398px; margin-top: 0;"> +<img src="images/p0007-image.png" width="398" height="65" alt="" title="" /> +</div> + +<h2>1. .<br/> +Vom Vampyrismus berhaupt.</h2> + + +<p class="drop-cap">Wann die Menschen auerordentliche Wirkungen wahr genommen, +derer Ursache sie nicht erkenneten, so leiteten sie dieselben +von einer hheren Macht her, als diejenige ist, welche die +Menschen besitzen. Die Geschichte zeiget uns in allen Jahrhunderten +deutliche Spuren davon.</p> + +<p>Nun ist es gewi, und durch die heilige Schrift bestttiget, +da GOtt mit seiner Allmacht entweder unmittelbar durch seinen +Willen, oder durch die heiligen Engel, Propheten, Apostel und +andere Heiligen, die erstaunlichsten Werke hervorgebracht habe.</p> + +<p>Die Kirchengeschichte kann dessen auch die Unglaubigsten berfhren, +da diese Wunderwerke in den ersten Zeiten des Christenthums +zu unzhligen malen geschehen sind. Gelehrte und redliche +Protestanten sogar haben es nicht lugnen knnen, da der heilige +Indianerapostel durch offenbare Wunderwerke seine Miion erwiesen +habe. Es ist auch gewi, da der bse Geist durch Zulassung +GOttes Werke gethan, welche natrliche Ursachen gnzlich +bersteigen. Was sich mit unserem Heilande zugetragen hat, als +er in der Wste in Versuchung gefhrt worden, ist allein genug, +es zu erweisen. Kein Christ kann es lugnen, da es Menschen +gegeben habe, welche vom bsen Geiste besessen waren; mithin der +bse Geist ber die menschlichen Leiber eine Macht habe.</p> + +<p>Eben also ist es auch wahr, da der Teufel durch Getmmel, +durch abscheuliche Verblendungen &c. die Menschen in Furcht gebracht<span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span> +habe. Selbst die Protestanten bekennen es, da die Heyden, +welche in Indien die Gtzen anbethen, alle die Bosheiten ihres +verfluchten Meisters erfahren, dem sie dienen; sobald sie aber +durch das Heil. Sacrament der Taufe von der Leibeigenschaft des +Teufels los, und Mitglieder der Kirche werden, alle diese teuflischen +Verblendungen ein Ende nehmen, welches zur Bekehrung +sehr vieler Heyden Anla gegeben hat.</p> + +<p>Daher ist hier die Frage nicht: ob dergleichen auerordentliche +Wirkungen mglich sind? sondern die ganze Schwierigkeit beruhet +darauf, zu erweisen, da ein gewier Zufall wirklich geschehen; +und, wenn er geschehen, auch zu erweisen, da es ein solcher +Zufall sey, welcher die Krften der natrlichen Ursachen bersteige.</p> + +<p>Seitdem die Wissenschaften und Knsten in Aufnahm gekommen +sind, hat man auch die natrlichsten Ursachen derjenigen Wirkungen, +welche die Unwissenden in Erstaunen gesetzt hatten, auf +das deutlichste entdecket. Zum Beispiele dessen dienen die Finsternissen, +welche vormals ganze Vlker, denen dieselbe als Wunderwerke +vorkamen, in die entsetzlichste Furcht, in Angst und Schrecken +gestrzet hatten. Die Verbesserung der Sternwissenschaft aber +hat all diese Furcht vertrieben. Dieses Schauspiel, welches vormals +so erschrecklich geschienen, verursachet uns keine Furcht mehr. Wir +bewundern ganz ruhig die Allmacht des Schpfers, welcher diese +groen Krper, in einem so unendlich weiten Raume, mit solcher +Richtigkeit, durch so viele Jahrhunderte herumwlzet, da sogar +der schwache Menschenwitz es zuwege gebracht hat, derselben Wiederkunft +auch auf zuknftige Jahrhunderten bis auf eine gewie +und gesetzte Zeit ausrechnen zu knnen.</p> + +<p>Das Schpulver, die electrischen Wirkungen, die Verblendungen +durch Spiegel und andere optische Kunststcke sind von<span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span> +solcher Beschaffenheit, da man einen jeden Menschen, dem sie unbekannt +sind, in die grte Verwunderung setzen kann. Es haben sich +auch viele Betrger derselben bedienet, das leichtglaubige Publicum +damit zu berfhren, da sie die grten Zauberer wren.<a name="FNanchor_B_2" href="#Footnote_B_2" class="fnanchor">b)</a></p> + +<p>Es ist auch richtig und gewi, da je mehr die Knsten und +Wissenschaften aufnehmen, destomehr die Wunderwerke sich vermindern. +Die Zauberey der Abgestorbenen (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Magia posthuma</span>) +von welcher hier die Frage ist, dienet zu einem neuen Beweise.<a name="FNanchor_C_3" href="#Footnote_C_3" class="fnanchor">c)</a> +Denn alle diese Begebenheiten befinden sich nur in Gegenden, in +welchen die Unwissenheit noch immer herrschet. Es ist auch wahrscheinlich, +da die schismatischen Griechen die Haupturheber derselben +sind.<a name="FNanchor_D_4" href="#Footnote_D_4" class="fnanchor">d)</a></p> + +<p>Tournefort ein gelehrter und erleuchter Leibarzt, zugleich +aber der geschickteste Botanicus oder Kruterverstndige seines +Jahrhunderts, da er von Ludwig dem Vierzehenten, Knige in +Frankreich, in Asien geschickt worden, hauptschlich in Griechenland<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span> +diejenige Kruter zu suchen, welche die Alten meistentheils sehr +unrichtig beschrieben hatten, war selbst gegenwrtig, und sah denjenigen +Krper sehr nahe, den man einer Zauberey nach dem Tode +(<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Magi posthum</span>) angeklagt hatte. Er sah auch alle Mittel, +die man angewendet zu verhindern, damit der Teufel dieses Krpers +sich nicht mehr bedienen knnte, die Lebendigen in Angst und +Schrecken zu setzen.<a name="FNanchor_E_5" href="#Footnote_E_5" class="fnanchor">e)</a> Die Umstnde dieses Zufalls befinden sich +in dem Buche, welches den Titel fhret: <span lang="fr" xml:lang="fr" class="foreign">Voyage au Levant par +Mr. Tournefort</span>. Und weil es nach Art und Weise der Briefen +geschrieben ist, so steht gemeldte Geschichte im 3ten Briefe.</p> + +<p>Diese Begebenheit kann zu erkennen geben, was man von derjenigen +halten soll, welche sich in Ungarn in den Dorfschaften der +Haydonen jenseits der Theisse gegen Siebenbrgen im Jahre 1732. +zugetragen hat.<a name="FNanchor_F_6" href="#Footnote_F_6" class="fnanchor">f)</a> Die Zauberey der Abgestorbenen (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Magia +posthuma</span>) gieng damals in jenen Gegenden im Schwange. Man +nannte die Todten, welche so boshaft waren, <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Vampyri</span>, und +glaubte, sie saugen sowohl uns Menschen als dem Viehe das +Blut.<a name="FNanchor_G_7" href="#Footnote_G_7" class="fnanchor">g)</a> Und wenn ein Mensch von dem Fleische eines solchen +Viehes etwas genossen htte, er der Ordnung nach selbst auch<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span> +zum Vampyre wrde; und auf was immer eine Art er zum Vampyren +werde, als nemlich ein Leidender (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">passivus</span>) im Leben, so +mte er nach dem Tode ein thtiger (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">activus</span>) seyn; ausgenommen, +er htte vorher von der Erde des Grabes eines Vampyres +gegessen, und sich mit desselben Blute gerieben.</p> + +<p>Allein es ist mir diese Begebenheit nur berhaupt bekannt, +und ich vermeine, da die mndliche Abhandlung (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">processus verbalis</span>) +ber ihren Hergang im Anfange des 1732. Jahrs gehriger +Orten eingereicht worden.<a name="FNanchor_H_8" href="#Footnote_H_8" class="fnanchor">h)</a></p> + +<p>Die Ceremonien, welche man dabey hat beobachten mssen, +sind von dem <span class="foreign">Hadvagy</span> oder Amtmanne des Orts angeordnet +worden, welcher in vampyrischen Angelegenheiten ziemlich erfahren +seyn mute. Man stossete dem Vampyre einen sehr spitzigen +Pfahl durch die Brust, und durch den ganzen Krper. Hierauf +wurde ihm der Kopf abgehauen. Alles wurde verbrannt, und die +Asche in die Grube zusammen gescharret.</p> + +<p>Man kann geschwinde zu Vampyre werden. Denn der Vampyrismus +steckt so sehr an, als die Krtzen. Man glaubt auch, +da der Krper eines Vampyrs in kurzer Zeit alle diejenigen Krper +zu Vampyren mache, welche nach ihm in eben demselbigen +Kirchhof begraben werden, im Fall der erste nicht bei Zeiten vertilget +werde.</p> + +<p>Da ich aber nicht von allen Umstnden Nachricht habe, so +will ich mich nur damit begngen, da ich hier einige Anmerkungen +ber diejenige Begebenheiten mache, welche erst vor kurzer Zeit +durch Leute untersucht worden, welche von keinem Vorurtheile +eingenommen sind, sondern klar sehen, und sich nicht leicht hinter +das Licht fhren lassen.<a name="FNanchor_I_9" href="#Footnote_I_9" class="fnanchor">i)</a></p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span></p> +<p>Es ist wahr, da unsere Vampyren vom Jahre 1755. noch zu +keine <ins title="Blutsaugen">Blutsaugern</ins> geworden; die Vorbereitungen waren jedoch +schon dazu vorhanden. Der Henker, ein in seinem Handwerke +ohne Zweifel sehr wahrhafter Mann, versicherte, da, wenn man +die zum Feuer verurtheilten Krper in Stcke zerhieb, das Blut +mit Gewalt, und hufig daraus hervorsche, ob er schon hernach +mit grster Gelassenheit bekannte, da dieses hufige Blut +etwann einen Lffel voll ausmachen knnte. Dieses ziehet in der +Geschichte eine ziemliche Vernderung nach sich.</p> + +<p>Die auerordentlichen Vorfallenheiten, welche man will beobachtet +haben, knnen in diese zween Punkten zusammen gezogen +werden. Erstlich, da die Krper der Todtenzauberer oder +Vampyren nicht faulen, sondern ganz, und beisammen bleiben. +Zweytens, da die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen, +Getmmel, und durch Druckungen beunruhigen. Uber diese zween +Punkten werde ich so kurz, als es mglich ist einige Anmerkungen +machen.</p> + + + +<div class="new-h2"><a name="par2"> </a></div> +<h2>2. .<br/> +Ob die Krper der Vampyren faulen?</h2> + + +<p class="drop-cap">Ein Krper ist gemeiniglich zur Verfulung gerichtet, durch +welche alle Theile des Krpers, ausgenommen die Beine, +fast gnzlich verschwinden, und nur ein wenig von einer sehr leichten +Erde zurck lassen. Diese Fulung aber geschieht im Grabe +langsam ohne der geringsten Gewalt.<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span></p> + +<p>Dieses wird dadurch erwiesen, da, wenn man einen Sarg +fnfzehen Jahre nach desselben Begrbni erffnet, und sich in +acht nimmt, da der Sarg keinen Sto bekommt, man vermeinet, +der Krper liege unverletzet darinne. Mann kennet die ganze +Gesichtsbildung, das Leilach, und all Ubriges. Sobald man aber +den Sarg nur ein wenig beweget, so zerfllt alles in Staub, und +das Gebeine allein verbleibet.</p> + +<p>Dieweil die Todten mit der Zeit ihren Nachfolgern des Grabes +halber Platz machen mssen, so hat man an vielen Orten 15. +Jahre bestimmet, vor deren Verlauf die Todtengrber keinen +Krper bewegen drfen. Ich bin einigemale bei Erffnung der +Grber gewesen, da die Todtengrber mir einige Sargen ganz +langsam aufgemacht. Hierdurch wurde ich berzeugt, da wir +nach unserem Tode den Wrmen nicht zur Nahrung werden, zum +wenigsten nicht allezeit, weil sonst die Gesichtsbildung nicht wre +stehen geblieben.</p> + +<p>Wenn man die Grber ausrumt, so findet man zu Zeiten +ganze <ins title="Kper">Krper</ins>, welche nicht verfault, sondern vielmehr ausgetrocknet, +von einer braunlichten Farbe sind, und noch sehr hartes Fleisch +haben, ohne da man sie jemal vorhero einbalsamiret htte. Ein +Todtengrber versicherte mich, da man unter hundert Todten gemeiniglich +einen findet, welcher nur ausgetrocknet und ohne Fulung +sey. Hieraus schlsse ich, da ohne Beihilfe einer bernatrlichen +Ursache, ein Krper viele Jahre ungefault bleiben knne.</p> + +<p>Ich weis wohl, da man vorgiebt, der Krper eines Vampyrs +verbleibe nicht allein ohne Fulung, sondern es bestehe das +Fleisch auch in ihrer Frische, die Gliedmassen behalten ihre Bgsamkeit. +Allein auch dieses findet man ohne Wunderwerk.</p> + +<p>Da man die Krper der <ins title="zwoen">zween</ins> Erzherzoginnen, welche zu +Brssel gestorben, nach Wien berbracht hatte; so war ich gegenwrtig, +als man die Sargen erffnete. Die Gesichter waren<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span> +ganz und die Nasenspitze beweglich &c. Es ist wahr sie waren einbalsamiret; +allein die aromatischen Kruter, die man dazu gelegt, +waren schon ohne dem geringsten Geruch. Diese Erhaltung mu +also zuvorderst den wohlverschlossenen bleiernen Sargen zugeeignet +werden, welche nirgends keine Luft zuliessen, und also die Fulung +verhinderten.</p> + +<p>Wann demnach die Sarg wohl verschlossen, die Erde von Natur +fest auf einander ist, durch die Klte nach der Begrbni sich +erhrtet, oder die Luft durch andere Mittel einzudringen verhindert +wird; so erfolget entweders keine oder doch eine sehr langsame +Fulung.<a name="FNanchor_K_10" href="#Footnote_K_10" class="fnanchor">k)</a></p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span></p> +<p>Ich habe vor einigen Monaten eine kleine englische Abhandlung +gelesen, welche im Jahre 1751. zu Londen gedruckt ans Licht +getretten, darinne fand ich einen merkwrdigen, und sehr wohl +erwiesenen Zufall. Im Monat Februarius 1750. erfnete man +in der Grafschaft Devonshire in Engelland die Begrbni einer +alten Familie, und zwischen vielen Gebeinen, auch vermoderten +Sargen fand man einen noch ganzen hlzernen Sarg. +Man erfnete denselben aus Vorwitz, und fand einen ganzen +Krper eines Menschen darinne, dessen fleischliche Theile +noch ihre natrliche Festigkeit hatten, die Gliedmassen aber, +als Achsel, Ellenbogen, auch alle Finger sehr bgsam waren. +Wenn man das Gesicht drckte, so wich es dem Finger, +und hob sich nach der Drckung wieder. Eben dieses beobachtete +man am ganzen Leibe. Der Bart war schwarz, und bis vier Zoll +lang. Der Krper war einbalsamirt. Denn man wurde weder<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span> +eines Einschnitts noch eines anderen Zeichen desselben gewahr. +Durch das Pfarrprotocoll wurde erwiesen, da seit dem Jahre +1669. kein Mensch in diese Begrbni gebracht worden. Hier haben +wir also einen englischen Vampyre, welcher ber 80. Jahre +in seinem Grabe ruhig geblieben ist, und keinen Menschen belstiget +hat.</p> + +<p>In eben dieser Abhandlung findet man noch mehr dergleichen +Zuflle, insonderheit, wenn die Grber sehr tief, und von trockener +Erde sind. Demnach nimmt man gemeiniglich wahr, da, +wenn solche Krper der offenen Luft ausgesetzt werden, dieselben +bald in eine Fulung gerathen. Dieses ist genug darzuthun, da +die Fulung nicht allzeit, und gemeiniglich nur langsam geschehe, +absonderlich, wenn die Erde durch die Klte wohl geschlossen, oder +der Sarg selbst vor der Luft wohl bewahret ist.</p> + +<p>Lasset uns nun die angefhrten Begebenheiten untersuchen +das vampyrische Wesen zu behaupten.</p> + +<p>Rosina Polakin stirbt den 22. December 1754. Den 19. Jenner +1755. aber wird sie ausgegraben, und als eine des Verbrennen +wrdige Vampyrinn erklret, weil sie noch nicht verfaulet gewesen. +Die Anatomisten erhalten die Krper an ffentlicher +Luft im Winter zu 6. Wochen, auch zu zwey Monathen +ohne Fulung. Zu dem so ist noch anzumerken, da dieser Winter +auerordentlich kalt gewesen. In den brigen Krpern hatte +die Fulung den grten Theil schon verzehrt; es war aber genug, +da nicht alles verfault gewesen. Sie muten ins Feuer. Welche +Unwissenheit! erschreckliche Dummheit! man redet in der +Schrift des Consistorii zu Olmtz von gewissen Zeichen, und Maalen, +welche man in den Krpern der Vampyren soll gefunden haben. +Allein sie werden nirgends beschrieben.<a name="FNanchor_L_11" href="#Footnote_L_11" class="fnanchor">l)</a> Zween Bader,<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span> +welche niemal einen geffneten Krper gesehen, und kein Wort +vom Baue des menschlichen Leibes wten, wie sie selbsten dem +Commissario bekannten, sind diejenigen Zeugen, auf derer Veranlassung +das Urtheil zum verbrennen gefllet wird.</p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span></p> +<p>Es ist wahr der Commissarius von Olmtz hat nicht jederzeit +einen Bader zur Untersuchung dieser Sache, der genug geschickt +wre. Man brauchte nur zween geistliche Commissarien, welche +ber den Vampyrismus ganz rittermig ihren Ausspruch <ins title="thaten.">thaten,</ins> +dann es erhellet aus den <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Anteactis</span>, da man im Jahre 1723. den +Krper eines Menschen 13. Tage nach seinem Hinscheiden verbrennen +lassen, und im Urtheile gab man dieses fr die Ursache an, +weil seine Gromutter bei der Gemeinde in keinem guten Ruf +gewesen sey.</p> + +<p>Im Jahre 1724. verbrennte man den Krper eines Menschen +18. Tage nach dessen Tode, weil er mit dem Vorigen befreundet +gewesen. Es war genug, wann man nur von der Freundschaft +eines angegebenen Vampyrs gewesen, so hatte der Proce bald +ein Ende.</p> + +<p>Man verbrennte den Krper eines Menschen zween Tage nach +seinem Absterben aus keiner anderen Ursache, ohne weiterer Zeugenschaft, +als weil der Krper nach dem Tode noch wohl und gut +ausgesehen, und die Gliedmassen noch bgsam gewesen.</p> + +<p>Aus allen dem, was oben angefhret worden, lt sich klar +abnehmen, da die Erhaltung eines Krpers ohne Fulung aus +ganz natrlichen Ursachen geschehen knne; da die Fulung gemeiniglich +eine lange Zeit erfordere, welche sich nach der vorhergehenden +Krankheit, nach der Wrme oder Klte der Luft, nach der +Beschaffenheit der Erde, und noch vielen anderen zuflligen Nebensachen +vernderen. Da das Consistorium von Olmtz den +Krpern die erforderliche Zeit der <ins title="Fuluug">Fulung</ins> nicht gelassen, mithin +dieses Zeichen einer Zauberey der Todten grundfalsch sey.</p> + +<p>Aus diesem falschen Grund hat man die abgeschmacktesten +Folgen gezogen. Denn man hat geschlossen, da ein angegebener +Vampyre seine Bosheit allen den Krpern einflsse, welche<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span> +nach ihm in eben demselben Freudhof begraben wrden. Denn +natrlicher Weise muten diese Krper weniger verfault seyn, als +andere, die man vor dem Vampyre eingegraben hat.</p> + +<p>Aus diesem schnen Grund hat das Consistorium zu Olmtz +den 23ten April 1731. neun Krper verbrennen lassen, unter welchen +sieben kleine Kinderkrper waren, weil man dafr hielt, da +sie ein Vampyre angesteckt htte, welcher vor ihnen in demselbigen +Freudhofe begraben worden.</p> + +<p>Den todten Krpern aber, welche vor dem Vampyre ihr +Grab allda gefunden, wiederfuhr Gnade, doch haben die Herrn +Commissarien Wabst, und Gosser erwiesen, da in den unverdchtigen +Krpern noch unversehrte Theile vorhanden gewesen, +und in einem derselben auch ein wenig Blut gefunden worden. +Sie haben auch dargethan, da die zween Ignoranten, obbemelte +Bader mit Lgen gehandelt.</p> + + + +<div class="new-h2"><a name="par3"> </a></div> +<h2>3. .<br/> +Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen +&c. beunruhigen?</h2> + + +<p class="drop-cap">Nun ist es an dem, da auch die Erscheinungen, welche von +deren zum Theile oder ganz unverfaulten Krpern herkommen +sollen, in einige Betrachtung gezogen werden.</p> + +<p>Erstlich ist zu merken, da kein Zeuge vorhanden, welcher +aussage, da die Todten den Lebendigen erscheinen, sondern man +giebt nur vor, da man eine Aengstigkeit und Beklemmung empfunden, +welche zum Schlaffen gezwungen hat.</p> + +<p>Ich lasse erachten, ob diese gute Leute, wenn die Einbildung +durch die tglichen Erzhlungen von Geistern und anderen Blendwerken +&c. einmal eingenommen worden in ihren <ins title="Bettern">Betten</ins> vor dem +Einschlaffen nicht haben in Furcht seyn sollen?<span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span></p> + +<p>Aus der Untersuchung, welche die Commissarien angestellt +haben, erhellet, da sie die Aengstigkeiten nur damahl ausgestanden, +wann sie gelegen waren, andere Zeugenschaften aber geben +zu erkennen, da sie sich erholt haben, wenn man sie im Bette +aufsitzen lassen. Zudem so weis denn auch jedermann, was fr +abscheuliche Aengstigkeiten die Furcht verursachen kann.</p> + +<p>Andere haben geglaubt, sie sehen oder hren einen Hund, ein +Kalb, ein Schwein, ein Kalbskopf &c. Hatte denn der Teufel nthig, +einen menschlichen todten Krper lebendig zu machen, in einer +solchen Hundes- oder Kalbesgestalt zu erscheinen? Es ist ja zwischen +der Ursache, und der vorgegebenen Wirkung nicht die geringste +Verbindung.</p> + +<p>Ein Hund, eine Katz, ber alles, wenn sie schwarz sind, und bei +Nacht gesehen werden, sind jederzeit der Teufel, oder ein Gespenst, +welches auf dem Freudhofe oder sonst herumschleicht. So gar eine +Sau, welche vor einem Hause vorbeigrunzete, wurde (wie einige +Zeugenschaften es angeben) fr einen aufgestandenen Vampyre +gehalten. Ich mte mich schmen, wenn ich alle die Einflligkeiten +wiederhohlen wrde, welche sich in diesen Zeugnissen befinden.</p> + +<p>Jedoch es ist Zeit, auch von dem Ursprunge dieser Begebenheit +ein Wort zu sagen. Eine gewie Sallingerin, oder sonst die Wenzel +Richterinn genannt, ist vor 18. Monathen begraben worden. +Nun giebt man vor, sie sey ein Hexe gewesen, und alles Ubel +komme von ihr her. Wo sind aber die Proben, da sie eine Hexe +gewesen? Dieses gute Weib theilte Arzneyen aus, und ihr Sohn +hat ihr vorgegebene <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Arcana</span> entdecket. Es waren Krebsaugen, +die sie in Wasser zerlassen, einige Kruter und Wurzen &c. ohne +die geringste Spur eines Aberglaubens. Einsmals aber, um ihre +Kuren zu beschnen, und das Geheimni noch grsser zu machen; +befahl sie einem Kranken, er sollte vier Thaler in eines seiner +Hemder einnhen, und ihr zuschicken, so wollte sie ihm die Arzney +zukommen lassen.<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span></p> + +<p>Nun giebt man vor, dieser Kranke sey verhexet, die Commissarien +aber haben ihn examinirt und an ihm wahrgenommen, +da er an einer schweren, doch ganz natrlichen Krankheit, +nmlich an der <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Colica Pictonum</span> krank liege, welche den Kranken +an allen Gliedern contract, und zusammen gezogen oder gerumfet +macht. Wir sind wirklich beschftiget im hiesigen Burgerspital +einen solchen Kranken zu kuriren.</p> + +<p>Ein andersmal soll sie den Tag vorgesagt haben, an dem ein +Kranker sollte gesund werden. Diese sind die Beweise, da sie +eine Hexe gewesen. Es hat das Ansehen, da man bey ihrer Lebenszeit +diesen Beweis nicht fr gltig oder hinlnglich gehalten, +dann sie hat die heiligen Sacramenten empfangen; sie ist im +Schooe der Kirche gestorben. Sie ist mit christlichen Ceremonien +ins Grab eingeweihet worden: und 18. Monate nach ihrem +Tode, mu sie eine verbrennenswrdige Hexe seyn.</p> + +<p>Auf solchen Grnden ist die ganze Geschichte gebauet, und +man hat Laster auf Laster gehufet, so gar (darf ich es sagen) +<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Sacrilegia</span> begangen.</p> + +<p>Man hat die Frey- und Sicherheit (<span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Asylum</span>) und die Ruhesttte +des Grabes verletzt; man hat den guten Namen der Abgestorbenen, +und ihrer Familien geschndet, welche ein gleiches +Schicksal zu gewarten htten; wenn solche Misbruche nicht abgeschaft +<ins title="mrden">wrden</ins>. Man hat die todten Leiber unschuldiger Kinder, +derer Seelen die ewige Glckseligkeit genssen, dem Henker bergeben. +Man hat die Shne gezwungen (entsetzliche Sache) die +Leiber ihrer Mutter dem Henker vorzuschleppen. So gar die Kreuze +selbst (ein Zeichen, eine Erinnerung unserer Erlsung, die bey +der Kirche so verehrungswrdig ist) die Kreuze, sage ich, sind nicht +besser verurtheilet worden. Man hat sie schndlich und nur dewegen +verbrennet, weil sie auf den Grbern dieser unglckseligen +Schlachtopfer der Ignoranz, und des Aberglaubens gestanden +sind.<span class="pagenum"><a name="Page_22">22</a></span></p> + +<p>Welche schreyende Ungerechtigkeit in der Verurtheilung derjenigen +Menschen, welche ein untadelhaftes Leben gefhret, und +nur das Unglck gehabt haben, da man sie auf einem Freudhof +erst eingegraben, nachdem schon vorher eine angegebene Hexe allda +zu Grabe gebracht worden! man erklret sie fr Hexen <ins title="uud">und</ins> +Zauberer. Man bergiebt sie dem Schinder, damit er ihre Leiber +verbrenne. Man setzt so gar in das Urtheil, da man sie +weit schrfer wurde gezchtiget haben, wenn sie noch lebendig wren. +Man verbrenne aber ihre Leiber mit Spott und Schande, +damit dieses ihren Mitgehilfen zum Beispiele diene.<a name="FNanchor_M_12" href="#Footnote_M_12" class="fnanchor">m)</a></p> + +<p>Wo sind die Gesetze, welche einen solchen Ausspruch rechtfertigen? +Man bekennet, es seyen keine Gesetze vorhanden, hingegen +zieht man zur Rechtfertigung ganz kaltsinnig an: es sey also der +Gebrauch.<a name="FNanchor_N_13" href="#Footnote_N_13" class="fnanchor">n)</a></p> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_23">23</a></span></p> +<p>Was fr eine Menge von Unglcksfllen erfolgen darauf? +Viel arme Kranke, und Weiber, die sich zum Gebhren schon bereit +fanden, nehmen die Flucht, und finden ihren Tod auf der +Strasse. Sie sind doch noch getrstet, da sie zum wenigsten +nach ihrem Tode dergleichen Schande nicht auszustehen htten.</p> + +<p>Die Einwohner, von einer bestndigen Furcht durchdrungen, +sind bereit, Hau und Hof um ein anderes Ort zu verlassen. Mit +einem Wort, alles ist in Verwirrung.</p> + +<div class="blockquot"><p>Da das gemeine Volk, welches oft sehr wenig unterrichtet +ist, in Ausschweifungen verfalle, das bewegt mich zum Mitleiden, +und nimmt mich nicht wunder. Aber da diejenigen, die man +fr die Meister in Israel hlt, ein L......s C.........m +dergleichen ungeheure Mibruche, die der <ins title="Vernuft">Vernunft</ins> schnur gerade +zuwider sind, billige und rechtfertige, das bersteiget meinen +Begrif, und setzt mich in eine so starke Zornmthigkeit, da ich +mich gezwungen sehe, die Feder niederzulegen, damit ich nicht aus +den Schranken der Ehrerbietung, die ich ihrem Charakter zu +bezeigen schuldig bin, hinausgerissen werde.<a name="FNanchor_O_14" href="#Footnote_O_14" class="fnanchor">o)</a></p></div> + +<p class="center"><big><span class="gesperrt">ENDE</span>.</big></p> + + + +<div class="new-h2 break-page"> </div> +<h2 lang="la" xml:lang="la" class="foreign"><span class="gesperrt">Errata</span>.</h2> + + +<table id="errata" summary="Errata"> +<tr> + <th>Seite.</th> + <th>Zeile.</th> + <th>Steht.</th> + <th>Lies.</th> +</tr> +<tr> + <td>Vorrede.</td> + <td>zuletzt.</td> + <td>Wertlein.</td> + <td>Werkchen.</td> +</tr> +</table> + +<div class="footnotes"> +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_A_1" href="#FNanchor_A_1" class="label">a)</a> Im Jahre 1755. den 30. Jenner lief in Wienn mit Erstaunung des Volkes die +Nachricht ein von einem neuen und seltsamen Proce, welchen man in einem Dorf +von Mhren an jener Gegend, wo es mit Ungarn und Schlesien grnzet, wieder die +Abgestorbenen vorgenommen hat; und die Vollziehung des richtlichen Ausspruches +wider dieselben wurde von einigen je weniger erleuchteten, desto mehr gefhrlichen +Geistlichen gut geheissen. Da nun diese Zeitung Ihrer kaiserl. knigl. apostolischen +Majestt, der vorsichtigsten Monarchinn, zu Ohren kam, wurde ihr mildes Gemth +dadurch so sehr bewegt, da sie den Herrn Wabst, hernach ersten Leibarzten +der kaiserl. knigl. Armeen, und den Herrn Gaffer alsdenn Professorn der Anatomie, +zween erfahrneste Naturkndiger, ohne Verweilen dahin abgeschickt hat, um +den Verlauf, und die Umstnde der Begebenheit einzuholen. Nach fterem genauen +Versuchen, nach reifem Unterricht und scharfen Examen haben diese zween +vorhergedachte Mnner durch ihre Gelehrtheit endlich eingesehen, da der ganze +Lrm von nichts andern herkmme, als von einer eitlen Furcht, von einer aberglaubischen +Leichtglaubigkeit, von einer dunkeln und bewegten Phantasey, Einfalt +und Unwissenheit bei jenem Volke. Man hat hierauf die Beweise der zween vorsichtigen +Naturlehrer eingesehen; man hat den lcherlichen aber doch barbarischen +Proce wider die armen Abgestorbenen durchsucht. Und Herr Baron van-Swieten, +einer der gelehrtesten Mnner von Wienn, der durch andere seinige weiseste +Werke schon so berhmt ist, da seine Verdienste alles Lob bersteigen wrden, hat +Ihrer kaiserl. knigl. Majestt ber dieses Geschfte sein Gutachten abgegeben durch +gegenwrtige <b>Anmerkungen</b>, welche er franzsisch abgefasset hat, die wir aber +in deutscher Sprache hier liefern unter dem Titel <b>Vampyrismus</b>. Das erlauchte +und gerechte Gemth der glorwrdigen Monarchinn, die in allen Fllen zum +Guten ihrer Unterthanen wachet, zeigte ber das unbehutsame Verfahren in dieser +Procesache die hchste Ungnade. Gleichwie man, um dergleichen veraltete Aberglauben +auszurotten, Gewalt und behnde Entschlssung brauchen mu; also gaben +Hchstdieselbe pltzlich den ernsthaften Befehl, man solle die schrfesten Rescripten +durch alle kaiserl. knigl. Erblnder, an alle Magistraten, Policeyverwalter, an alle +Regierungen abgehen lassen, kraft welchen dergleichen Aberglauben nicht nur allein +verhindert, gestraft, sondern gnzlich aufgehoben seyn sollten. Und wenn sich +ein Zufall ereignet, dessen natrliche Ursache man noch nicht genugsam erkennet; +sollte sich beileibe keiner mehr erkhnen, sich in diese Hndel zu mischen, ohne zuvor +Ihrer Majestt davon Nachricht zu ertheilen. Hchstdieselbe werden alsdenn +mit jenen Mitteln vorzubeugen wissen, die man in dergleichen Umstnden +fr anstndig, ntzlich und billig erachten wird.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_B_2" href="#FNanchor_B_2" class="label">b)</a> Verschiedene Zuflle und Arten dergleichen Betrger liest man im unvergleichlichen +Tractat des weltberhmten Hermanns Boerhaave unter dem Titel: <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Elementa +chemi.</span> 1. B. 2. Th. Venedig 1737.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_C_3" href="#FNanchor_C_3" class="label">c)</a> Der gelehrte P. Augustin Calmet, in seiner <b>Historie der Vampyren</b>, +welche den zweyten Theil seines Buches <b>von den Erscheinungen der +Geister</b> ausmacht, und im Jahre 1751. zu Augsburg in deutscher Sprache +ans Licht getretten ist, bekrftiget, da es beinahe 60. Jahre sind, da sich der Ruf +von den Vampyren in Ungarn, Pohlen, Schlesien und Mhren auszubreiten angefangen +hat. Calmet schrieb sein Buch von Gespenstern und Vampyren im Jahre +1745. und in Wahrheit in der Zeitung Mercurius genannt in dem 1693. und +1694. Jahrslaufe liest man dergleichen Geschichten von etlichen Vampyren in +Pohlen, und besonders in Pohlnischreusen.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_D_4" href="#FNanchor_D_4" class="label">d)</a> Was man in Griechenland, und im Archipelagus von den <b>Brucolachen</b> +erzhlet, ist das nemliche, was man anderswo von den Vampyren vorgiebt. Der +Abt Langlet sagt in der Vorrede seiner historisch-dogmatischen Abhandlung von +<b>den Erscheinungen</b>: Vampyr, Brucolach, oder Timpanit sind lauter +gleichdeutige Worte. Im zweyten Bande dieses Buchs S. 173. liest man das +Wort Brucolach kmmt von dem neuen griechischen Worte <span lang="grc" xml:lang="grc" class="greek" title="boourchos">βοουρχος</span>, welches +Koth heisset, und von einem andern <span lang="grc" xml:lang="grc" class="greek" title="laachos">λααχος</span>, welches eine Grube oder Cloack +anzeiget; denn man beobachtet gemeiniglich, da die Gruften, wo man dergleichen +Krper beisetzet, voll Koth sind.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_E_5" href="#FNanchor_E_5" class="label">e)</a> Dieses trug sich den ersten Jenner 1701. in der Insul Micon zu. Der Abt Calmet +erzhlet diese Geschichte in seinen oben angefhrten Buche 32. Cap. auf die +nemliche weise, wie wir sie von Tournefort empfangen haben.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_F_6" href="#FNanchor_F_6" class="label">f)</a> Mehrere dergleichen Geschichten findet man aufgezeichnet in einem hollndischen +Kritiker, der uns unter dem franzsischen Namen <span lang="fr" xml:lang="fr" class="foreign">Le Glaneur</span> im Jahre 1732. ist +bekannt worden. Noch andere liest man in den sogenannten <b>jdischen Sendschreiben</b> +1738, und in des Abten Calmet angezeigten <b>Buche</b> <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Cap.</span> 8.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_G_7" href="#FNanchor_G_7" class="label"><ins title="(g">g)</ins></a> <b>Vampyr</b>, oder auch Upyr ist ein schlavonisches Wort, und heit ein <b>Blutsauger</b>.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_H_8" href="#FNanchor_H_8" class="label">h)</a> Karl der <span class="foreign">VI.</span> Rm. Kaiser (seel. Angedenkens) bergab dieses Geschft Alexandern, +Frsten von Wirtenberg, der dortmals das Knigreich Servien verwaltete.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_I_9" href="#FNanchor_I_9" class="label">i)</a> Dieser Zufall begab sich in einem Dorfe in Mhren, wie man in der ersten Note +<span class="foreign">a</span> angemerket hat. Der Abt Calmet in seinem angefhrten Buche 57. Capitel +sagt, da der Herr Baron von Tusseng (Tousiaint) ein Lotharinger, der seinen +Herrn aller Orten hin begleitet hat, vom 3. Augustmonats 1746. aus Wien ihm +geschrieben habe: Ihro Majestt der Kaiser, Groherzog von Toscana, haben +sich im Jahre 1732. verschiedene gerichtliche Protocollen von Untersuchung der +Vampyren in Mhren geben lassen. Diese Protocollen werden in jenen Gegenden +wie das Evangelium angesehen, ungeacht sie keinen Schatten der Wahrheit +enthalten.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_K_10" href="#FNanchor_K_10" class="label">k)</a> Der erwehnte hollndische Kritiker erzhlet, da zu Tolos in einer Klosterkirche +eine Begrbni sey, in welcher man die vor zwey hundert Jahre verstorbenen Krper +sieht, als wenn sie lebendig wren. Sie stehen da auf ihren Fssen aufrecht +nach der Lnge der Mauer her in ihrer Ordenskleidung. Das wunderbarlichste +aber ist, da die im nemlichen Orte von den unverwesenen geradehin berstehenden +Todte, in zwey oder drey Tagen verwesen.</p> + +<p>Der unsterbliche Muratorius, da er in der 27. Abhandlung ber die italienischen +Alterthmer, von einer Mnz des Hektors Visconte redet, drucket sich mit diesen +Worten aus: Dieser war ein unehliches Kind von Vernabo; er bemchtigte +sich der Herrschaft von Mayland im Jahre 1412, er hatte aber ein Leben +von Biltzen. Als Philip Maria, Herzog von Mayland, in der Stadt Monza +belageret wurde, bekam Hektor aus einer Armbrust einen heftigen Steinwurf, +der ihm das Bein zerschmetterte. Er starb vor Krampf ganz jung. Im +Jahre 1698. gienge ich nach der ansehnlichen Gegend von Monza, da beobachtete +ich, da dessen Leib kurz vorher bei Gelegenheit eines Gebudes ausgegraben +worden. Er war in einem schlechten hlzernen Sarge verschlossen, +und noch unversehrt, das ist, die Hand war unverletzt, und das gebrochene +Bein sah man am Fu. Wenn man diesen Krper auf den andern Fu stellete, +so stund er aufrecht. Und doch war dieser kein Leib eines Heiligen, wohl +aber eines Gottlosen.</p> + +<p>In der Vorrede des schon angefhrten Buchs des gelehrten Abten Langlet mit dem +Titel: <b>Historische und dogmatische Abhandlung ber besondere +Erscheinungen, Gesichter, und Offenbarungen</b>, liest man: +seye mir es erlaubt, da ich hier anfhren eine Erfahrni darf, die sich bei +den PP. Kapuzinern zu Palermo in Sicilien zutrgt. Sie besttiget, was +ich behaupte, da nemlich jeweniger sich Unflath in dem menschlichen Krper +befindet, desto hrter die Ghrung und folglich die Fulung ankomme. Einer +von diesen Vttern (ohne Zweifel ein vornehmer Naturkndiger) hat ein +Mittel erfunden, kraft welches die Fulung der menschlichen Krper nach <ins title="den">dem</ins> +Tod, auf viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann verhindert werden. +Das Geheimni, oder Secret, welches er dazu brauchet, ist eine schlechte +Sache. Er setzet die entseelten Krper auf einen durchlcherten Stuhl; und +nachdem er die hintere Oeffnung in die Runde aufgeschnitten, gehet durch +diese Mndung alle Feuchtigkeit, und Unreinlichkeit, die nach der Fulung +trachtet, von sich selbsten aus dem Leibe hinaus. Alsdenn machte er die Mndung +zu, und richtet den Krper in jene Stellung, in was fr einer man will, +da er bleiben soll. In diesem Stande erhlt sich ein solcher Krper, wo +nicht Jahrhundert, wenigstens sehr viele Jahre. Die unterirrdische Kirche +dieser Vtter ist voll dergleichen Krper mit berall beigeschriebenen Namen, den +sie in Leben gehabt haben. Dieses Trauergesicht, gleichwie es eine Gelegenheit +der Demthigung ist fr die Menschlichkeit, so ist es doch auch eine besonders +seltene Sache, und kann denjenigen wunderlich vorkommen, die dessen +Ursache nicht <ins title="erkennen.">erkennen.</ins></p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_L_11" href="#FNanchor_L_11" class="label">l)</a> Johann Christoph Herenberg hat ein Buch <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Philosophi, & christian cogitationes +de Vampyris</span> im Jahre 1733, geschrieben. Der Verfasser behauptet, +da die Vampyren auf keine Weise die Lebende um das Leben bringen, sondern +man msse alles, was ein falscher Ruf von ihnen aussprenget, einer verwirrten +und starken Einbildung zuschreiben. Er fhret unterschiedliche Beispiele von seltenen +Wirkungen an, welche sich bei den Menschen durch Einbildungen zutragen knnen.</p> + +<p>Auch der obenbenannte hollndische Kritiker sagt: wenn ich bei mir selbsten den +Tod der geglaubten Marterer des Vampyrismus berlege, so finde ich alle Spuren +einer einbilderischen Krankheit derselbigen Gegend, und erkenne ganz klar, +da die Wirkung der grossen Furcht den Tod bei diesem Volke verursache. Der +Verfasser bringt darber eine Geschichte bei.</p> + +<p>Der berhmte Tartarotti, als ein verstndiger Philosoph sagte in seinem <span lang="it" xml:lang="it" class="foreign">Congresso +notturno delle Lamie l. 2. c. 11.</span> was fr eine Geschichte hlt man fr gewisser, +als die <ins title="Geschicht">Geschichte</ins> derjenigen, welche glauben, da sie nchtlicher weile +von den Vampyren berfallen, und also gedrucket werden, da auch sie in +kurzer Zeit sterben. Und doch scheinet es in der That selbsten nichts anders +zu seyn, als schlechterdings ein Traum, der von Schrecken und Furcht herrhret. +Von dieser Meinung war auch der gelehrte Pabst und Kirchenhaupt +Benedict der 14te in der 5ten Abhandlung <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">vol.</span> 3, wo er eine kurze Geschichte +von den ungarischen, mhrischen und schlesischen Vampyren verfertiget.</p> + +<p>Der Abt Calmet im Beschlusse seines fters erwehnten Werkes endiget auch +mit diesen Worten: was man von den ungarischen, mhrischen und pohlnischen +Vampyren erzhlet, halte ich fr ein glattes Blendwerk, fr eine Wirkung +einer starken und verwirrten Phantasey, so fleiig auch immer diese Erzhlungen +von den Richtern untersucht, und in Ansehung ihrer und ihres Gutachten +mgen gutgeachtet worden <ins title="seyn.">seyn.</ins></p> + +<p>Was die pohlnischen Vampyren betrift, fhrt er einen Brief an vom 3. Hornung +1745., den ihm der P. Slivyski Visitator der Vttern von der Miion in Pohlen +geschrieben hat, welcher darinne bekennet, da, ungeacht er alle Sorge, allen +Flei in dieser Sache angewendet, um auf einen Grund und Wahrheit zu kommen; +ungeacht er fters mit denen, die man als persnliche Zeugen angab, selbst +geredet, und sie befraget, er doch keinen einzigen gefunden habe, der sich zu sagen +getrauet htte, er habe etwas von dem, was man vorgiebt, selbsten gesehen. +Mithin habe er erkennet, was man davon aussprenget, sey ein leeres Geschrey, +eine bloe Einbildung, die die Furcht in solchen einfltigen Leuten verursache.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_M_12" href="#FNanchor_M_12" class="label">m)</a> Acht und zwanzig Krper waren es, die in Zeit 18. Monaten in dem nemlichen +Freudhofe, wo die vermeinte Hexe ist begraben worden, ihre Ruhestatt hatten. Alle +wurden ausgegraben. Neune davon bekamen Gnade, die andere aber, nachdem +sie durch ein Loch der Mauer des Freudhofes hinausgeschleppet worden, wurden +dem Henker bergeben. Dieser brachte sie auf Schlitten in einem eine Stund +vom Dorfe entlegenen Wald, wo er, um sie zu verbrennen, 200. Schuh Holz +verbrauchte. Die Schlitten, der Werkzeug, alles, was zu dieser Verrichtung gedienet +hat, mute verbrennet werden.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_N_13" href="#FNanchor_N_13" class="label">n)</a> Unterschiedliche wunderbarliche Geschichten von Erscheinungen und Schden, +welche (wie man aussprengte) die Vampyren in Mhren sollten verursachet haben, +gaben dem Herrn Carl Ferdinand von Scherz Anla ein Buch zu schreiben +mit dem Titel: <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Magia Posthuma</span>; welches der Verfasser dem Frsten Carl Bischoffen +von Olmtz zugeeignet hat, und im Jahre 1706. gedrucket wurde. Er +erzhlet darinne besondere Schden, die die Einwohner von einem gewissen Dorfe, +(es scheinet, es sey das nemliche, in welchem der obbesagte neue und seltsame +Proce ist angestellet worden) glaubten, da sie ihnen von einem andern +Weibe, welches dortmals gestorben, und eben auch mit den Heiligen Sacramenten +der Kirche versehen worden ist, seyen verursachet worden. Schllich +wirft der Verfasser eine rechtliche Frage auf: gesetzt, da diese Schden (wie +man gewi dafr hielt) von besagtem Weibe herkmen, ob es erlaubt sey, es +auszugraben, und andere dergleichen verdchtige Krper zu verbrennen.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a name="Footnote_O_14" href="#FNanchor_O_14" class="label">o)</a> <span lang="la" xml:lang="la" class="foreign">Vid. Opera de Canonizatione Sanct. vel Dissertationes Benedicti XIV. +P. M. extractas ex dictis operibus. Venet. 1752. Vid. Dissert. 5. . 4. +Vol. 3. ubi de Vanitate Vampyrorum. Et Diss. 14. Vol. 3. de incorrupt. +Cadav. Vid. etiam Calmet & <ins title="Lenglet">Langlet</ins> de apparitione spectrorum. Et Lettres +Juives par M. d'Argens.</span></p> +</div> +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Vampyrismus, by Gerard van Swieten + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VAMPYRISMUS *** + +***** This file should be named 30886-h.htm or 30886-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/0/8/8/30886/ + +Produced by Michael Roe, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +book was produced from scanned images of public domain +material from the Google Print project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/30886-h/images/f0001-image.png b/30886-h/images/f0001-image.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..fa464da --- /dev/null +++ b/30886-h/images/f0001-image.png diff --git a/30886-h/images/p0001-image.png b/30886-h/images/p0001-image.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..674b17c --- /dev/null +++ b/30886-h/images/p0001-image.png diff --git a/30886-h/images/p0006-image.png b/30886-h/images/p0006-image.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..6b3e564 --- /dev/null +++ b/30886-h/images/p0006-image.png diff --git a/30886-h/images/p0007-image.png b/30886-h/images/p0007-image.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..c069f4b --- /dev/null +++ b/30886-h/images/p0007-image.png diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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