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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:48:26 -0700 |
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| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:48:26 -0700 |
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diff --git a/29905-h/29905-h.htm b/29905-h/29905-h.htm new file mode 100644 index 0000000..6369cc5 --- /dev/null +++ b/29905-h/29905-h.htm @@ -0,0 +1,1524 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <title>The Project Gutenberg eBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer</title> + <style type="text/css"> +<!-- + body { margin-left: 15%; margin-right: 15%; } + + p { margin-top: 0.75em; + margin-bottom: 0.75em; + text-align: justify; + text-indent: 1.5em; + } + p.center, + #tnote p { text-indent: 0em; } + + h1, h2 { text-align: center; + clear: both; + margin-top: 0em; + font-weight: normal; + } + h1 { font-size: large; } + h2 { font-size: large; margin-bottom: 1.5em; } + .new-h2 { margin-top: 6em; } + + hr { color: black; + background-color: black; + border: none; + height: 1px; + width: 4em; + margin: 2em auto; + } + + ins { text-decoration: none; border-bottom: 1px dashed #add8e6; } + + .gesperrt { letter-spacing: 0.15em; margin-right: -0.15em; } + + .center { text-align: center; } + + .figcenter { margin: 4em auto; text-align: center; } + + .pagenum { position: absolute; + display: inline; + right: 8%; + font-size: x-small; + text-align: right; + color: #808080; + font-style: normal; + border: 1px solid silver; + padding: 1px 4px 1px 4px; + font-variant: normal; + font-weight: normal; + text-decoration: none; + text-indent: 0em; + } + + #tnote { width: 26em; + border: 1px dashed #808080; + background-color: #f6f6f6; + text-align: justify; + padding: 0em 0.75em; + margin: 120px auto 120px auto; + } + + @page { margin: 2cm; } + + @media print { + body { margin: 2em; } + h2 { page-break-before: always; } + #tnote, pre, .pagenum { display: none; } + ins { text-decoration: none; border: none; color: black; } + } +--> + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Viribus unitis + Wie könnte die europäische Cultur nach Bosnien verpflanzt werden? + +Author: Josef Neupauer + +Release Date: September 4, 2009 [EBook #29905] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS *** + + + + +Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger + + + + + +</pre> + + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden +korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>, +der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p> +</div> + +<div style="border: 1px solid black; margin: auto; width: 24em; padding: 2em;"> +<h1 style="line-height: 1.7em;"> +<span class="gesperrt">VIRIBUS UNITIS.</span><br/><br/> + +Wie könnte<br/> +<small>die</small><br/> +<big>EUROPÄISCHE CULTUR</big><br/> +<small>nach</small><br/> +Bosnien verpflanzt werden?</h1> + +<hr/> + +<p class="center" style="line-height: 1.7em;"><small>Von</small><br/> +<big>Dr. Josef Neupauer.</big></p> + +<div class="figcenter" style="width: 120px;"> +<img src="images/emblem.png" width="120" height="34" alt="" title="" /> +</div> + +<p class="center" style="line-height: 1.7em;">WIEN, 1884.<br/> +<small class="gesperrt">Im Selbstverlage des Verfassers.</small></p> +</div> + + +<p class="center" style="margin-top: 4em;"><small>Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger & Co., Teschen.</small></p> + + + + +<div class="new-h2"> </div> +<div><span class="pagenum"><a name="Page_3">3</a></span></div> +<h2>I.</h2> + +<p class="center" style="margin: 0em auto 2em auto; width: 28em;"><big>Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung +des Occupationsgebietes auf der Balkanhalbinsel +wird folgender Vorschlag gemacht.</big></p> + + +<p>Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von +30 Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in +Wien gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200 fl. und +auf den Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals +eingezahlt und die weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses +eingefordert. Nach voller Einzahlung des Actiencapitals können +mit Genehmigung der Regierung Prioritäten bis zum Maximalbetrage +von 60 Millionen ausgegeben werden.</p> + +<p>Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die +Rückzahlung des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb +50 Jahren.</p> + +<p>Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete +ein im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain +bis zur Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt +successive, nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass +nicht nur aller Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken +und Industrie-Etablissements, sondern auch alle Communicationen, +Strassen, Wasserwege etc., etwa mit Ausnahme der bereits bestehenden +Eisenbahnen, in deren Privateigenthum übergehen. Von diesem +Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen begrenzten Gebrauch +und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf und nöthigenfalls +Expropriation nach Massgabe der materiellen, moralischen und +civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_4">4</a></span> +Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme +einer Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs- +noch Justiz- noch Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von +jeder Art von Steuern und sonstigen Auflagen und bezieht dafür +aus den Ueberschüssen der Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher +mit 10 fl. pr. Kopf der jeweilig am 31. December des Vorjahres +im Gesellschaftsgebiete conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet +wird, welcher Pauschalbetrag aber von 5 zu 5 Jahren um je einen +Gulden pr. Kopf steigt, somit im letzten Decennium der Concessionsdauer +19 fl. pr. Kopf erreicht.</p> + +<p>Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach +Amortisation des Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen +Rückzahlung des noch aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen +das ganze immobile und mobile, im occupirten Terrain investirte +Vermögen der Gesellschaft zu.</p> + +<p>Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von +20 Jahren Gebrauch, so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent +zu refundiren.</p> + +<p>Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar +nicht für mehr als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung +vertheilten höheren Dividenden werden aber nicht zurückerstattet. +Die Regierung bestimmt den Zeitpunkt, von welchem ab +die Actien durch Verlosung eingezogen werden, und den Verlosungsplan, +sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden Formalitäten.</p> + +<p>Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction +abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales +dürfen keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals +und die laufende Amortisationsquote herausgezogen werden.</p> + +<p>Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen +der Regierung aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung +des Unternehmens, zur Hebung der materiellen Lage und +der intellectuellen und moralischen Qualität der Bewohner, zur +Vermehrung des Viehstandes, Hebung der Landwirthschaft, Aufschliessung +<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span>der Bergschätze und Begründung jener Industrieen, welche +die Deckung des heimischen Bedarfes und die exportfähige Verarbeitung +der Landesproducte ermöglichen, verwendet werden.</p> + +<p>Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige +Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen, +da diese beiden Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich +sind.</p> + +<p>Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan +der Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung +der Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der +Genehmigung der österreichischen Regierung und ist hier, sowie +überall in dieser Schrift unter der österreichischen Regierung die +gemeinsame Regierung und ihr Verwaltungsapparat verstanden.</p> + +<p>Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die +sonstige Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung.</p> + +<p>Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen.</p> + +<p>Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe, +bezüglich der Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären +Einrichtungen, dann bezüglich der Communicationen, Schutzbauten +gegen Elementarschäden und der rationellen Einrichtung der Wald- +und Feldcultur werden die weitestgehenden Anforderungen an die +Gesellschaft gestellt und hat sie alle Anordnungen der Regierung, +soweit sie durch die verfügbaren Mittel erfüllbar sind, bei Verlust +der Concession und eines entsprechenden Theiles des Actiencapitales +zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung unter gewissen Voraussetzungen +die Sequestration des gesellschaftlichen Vermögens +vorbehalten.</p> + +<p>Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der +Regierung gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der +Letzteren frei, das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von +zehn Millionen Gulden auf dem beweglichen und unbeweglichen +Besitze der Gesellschaft in der den Landesgesetzen entsprechenden +Form zu erwirken.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span> +Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im +administrativen Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen +Beziehungen der Einwohner untereinander und Verbrechen +und Vergehen, welche nicht der disciplinaren Ahndung +durch die Gesellschaftsorgane <ins title="noch">nach</ins> Analogie der Uebertretungen von +Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von Dienstleuten überlassen +bleiben, werden von den Gerichten der angrenzenden Gebiete +abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und vollzogen.</p> + +<p>Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die +Feststellung der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich +innerhalb gewisser Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige +Bewohner des österreichisch-ungarischen Gebietes gegen +mässiges Entgeld in Erziehung und beziehungsweise Verpflegung zu +übernehmen, sowie auch besserungsfähige, besonders jugendliche +Verbrecher aus diesen Ländern aufzunehmen, für welche der +Strafvollzug während der Dauer ihres Aufenthaltes im Gebiete der +»Zadruga« und unter der Voraussetzung eines tadellosen Verhaltens +aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer gewissen Zeit +die Strafe ex lege erlassen ist.</p> + +<p>Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten +Abgabe unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der +Erzeugung noch beim Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe +zu entrichten. Selbe ist nur von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten +Producte zu erheben. Dagegen werden ihr die indirecten +Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum auf ihr Gebiet eingeführten +Artikeln vergütet.</p> + +<p>Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf +dem Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende.</p> + +<p>Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den +Communicationen des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr +hat die Gesellschaft zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die +Genehmigung der Regierung gebunden.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span> +Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen +Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren +Erfüllung seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen +Wege erzwungen.</p> + +<p>Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die +Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die +Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der österreichischen +Regierung einzuhohlen.</p> + +<p>Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen +und haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und +geistigen Getränken, Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern, +zwangsweise Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder +zu schwereren und unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung +auf eine Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern +ausserdem auf Confiscation eines Theiles des gutgeschriebenen <ins title="Lohnes">Lohnes,</ins> +endlich Ausweisung aus dem Gebiete der »Zadruga« zu beschränken.</p> + +<p>Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der +Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes +erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten +Arbeit durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit.</p> + +<p>Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung +setzt im Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung +der österreichischen Verwaltungsorgane voraus.</p> + +<p>Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen, +welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern +auch die Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen +und moralischen Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen.</p> + +<p>Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist, +wird derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem +nur unter der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende +das Gebiet sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern +verlässt und auf Altersversorgung verzichtet.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span> +Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und +jene Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so +muss er sich über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu +leisten ist, mit der Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei +steht, ein solches Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener +Kündigung das Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem +Falle die Auszahlung des Guthabens unter obiger Bedingung zu +erfolgen hat.</p> + + + +<div class="new-h2"> </div> +<div><span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span></div> +<h2>II.</h2> + + +<p>Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen +Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen, +socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und +wie das Capital beschafft werden kann.</p> + +<p>Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich +statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen +gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt.</p> + +<p>Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich +vorhanden, wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden +von Menschen, die materielle und geistige Cultur und die +Wohlfahrt im Lande gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist, +die masslose Ausbeutung der Arbeit durch das Capital, die moralische +und physische Verderbniss der Bewohner des von der Expropriation +getroffenen Gebietes hintanzuhalten und andere Theile des +Landes von gefährlichen Elementen zu reinigen.</p> + +<p>Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung +gerechtfertiget.</p> + +<p>Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen.</p> + +<p>Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange. +Wo die Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen, +beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen.</p> + +<p>Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich +nicht <ins title="heben">heben.</ins> Würde die Regierung die Communicationen in systematischer +Weise auf Kosten des Landes bauen, so würde Grund +und Boden enorm im Werthe steigen und der Reichthum und die +Macht der wenigen Grundbesitzer ausserordentlich erhöht werden, +was vom politischen ebenso, wie vom socialen Standpunkte verkehrt +<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span>wäre. Baut man aber nur einige Militärstrassen, so fehlt es denselben +an Zufahrtsstrassen und sie haben einen geringen wirthschaftlichen +Werth. Daher nun sehen wir, dass in Nordamerika die Landspeculation +und die Schienenwege in Verbindung gebracht sind, +wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte Wildnisse +zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre Rechnung +im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien.</p> + +<p>Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung +der Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in +der Cultur zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man +noch weiter gehen und die Ländereien nicht verkaufen, sondern +durch eine längere Periode selbst bewirthschaften.</p> + +<p>Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss +gerechtfertigt.</p> + +<p>Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land +und wenn man daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es +gewiss erwünscht, von Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, +dass jene Auswüchse verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen +Einrichtungen im Allgemeinen verbunden sind und gegen +welche, wenn sie einmal einreissen, kaum mehr Abhilfe gefunden +werden kann.</p> + +<p>Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung, +deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung +neben grenzenlosem Elende ist und würde man es der +Regierung gewiss Dank wissen, wenn sie dem Capital zu diesem +Lande den Weg nur unter der Bedingung eröffnet, dass es dasselbe +mit mässigem Gewinn befruchtet und den Nutzen mit dem Arbeiter +redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht nur das Land, sondern +auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist nicht zu bezweifeln.</p> + +<p>Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der +Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht +ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft +<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span>jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche +Wohnung, reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich +bereitete Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten +können, dass an die Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein +treten wird, dass die Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten +durch Maschinenbetrieb erleichtert werden.</p> + +<p>Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen +können.</p> + +<p>Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen +Anregung dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen +aller Art einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen +und Jedermann unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die +traditionelle Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen +Tanz und dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres +Gepräge zu geben trachten; man wird in Ermangelung anderer +Zerstreuungen des Abends vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge +halten lassen, die anregen und belehren, zugleich aber erziehlich +einwirken und das Volk daran erinnern sollen, wie seine Zustände +sich verändert haben und um wie viel glücklicher unter der väterlichen +Fürsorge des Kaisers sie sich gestalten als in anderen, viel +reicheren Ländern und wird es bald möglich sein, den Eindruck +solcher Belehrungen durch kleine theatralische Productionen zu verstärken.</p> + +<p>Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber +an das panem et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und +Anderes denken, was auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen +hat, so wird man finden, dass in den angedeuteten Richtungen +nichts so unbedeutend ist, dass man es geringachten könnte. Man +wird aber auch finden, dass man heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten +Ertrag der Arbeit und der vorgeschlagenen Einschränkung +des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches wird bieten können.</p> + +<p>Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription +der Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit +<span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span>der Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung +des Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für +Alles das Verdienst vindicirt wird.</p> + +<p>Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in +Bosnien auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst +aber schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, +dass der Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung +neigt und den Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene +System, besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich +dem Staate, also dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung +des Systemes der Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft +entlehnt ist.</p> + +<p>Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung +über den Begriff der Familie in germanischen und romanischen +Ländern hinaus, da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder +unter einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte <ins title="darstellt.">darstellt,</ins> +welche gemeinsamen Haushalt, meist mit Ueberlassung der +Hauswirthschaft an die nach gewisser Reihenfolge sich ablösenden +Frauen, führt. Freilich bleibt da noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen +und Erbrecht aufrechterhalten. Es liegt der Einrichtung +aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke zu Grunde und ist die +Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft. Wo das System +der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist, müsste +man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die Aufmerksamkeit +darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was Anlass +zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches +auch durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und +gewisse Vorrechte in sich schliessen würde.</p> + +<p>Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, +vom Neuen angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend +Dienste nehmen und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den +Anschluss Propaganda machen. Die Expropriation würde sich daher +auf den Grossgrundbesitz der Mahomedaner beschränken und auf +<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span>politisch sehr gefährliche Elemente, welche keinen Anhang im Lande +haben. Die Ausdehnung des gesellschaftlichen Territoriums würde +mit der Zeit auch durch das System der Confiscation gefördert +werden können, welches besonders bei Aufstand oder staatsgefährlichen +Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame, Strafen zu ersetzen +hätte.</p> + +<p>Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen, +welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen +enthielten, deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende +Erfahrungen gemacht worden.</p> + +<p>Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden +gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf +keine Weise der Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, +besser und schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens +des Unternehmens hätte Oesterreich die mit der Uebernahme +des europäischen Mandats verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise +gelöst und seinen Beruf documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere +Erwerbungen zu machen.</p> + +<p>Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der +gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche +Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die Gesellschaft +bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, +dass die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der +Türkei und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich +ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um +indirect auch auf solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen +Verwaltung noch nicht unterstehen.</p> + +<p>Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, +welche die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.</p> + +<p>Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen +schien und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, +welch' wichtige Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe +einnimmt, haben andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche +<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span>Theorien regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer +abfinden konnte. Es sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus +und das Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in +überraschend kurzer Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen +Aufgaben bevor, in welchen gerade nur Oesterreich eine leitende +Rolle zu übernehmen berufen ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, +der Industrialismus droht England zu ruiniren und man +kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die Nationalökonomie viel +mehr auf Grund und Boden einerseits und auf tüchtiges Menschenmaterial +andererseits, als auf Freihandel und übertriebenen Industrialismus +zu fundiren ist.</p> + +<p>Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die +Industrie als Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner +wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn +wo Alles ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen +Aller sich ergeben.</p> + +<p>Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von +der schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.</p> + +<p>Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, +welche sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten +zu ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die +Bedingungen höherer materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen +und nur das zu exportiren, was zum Austausch für nothwendige +Güter erforderlich ist, die im Inlande nicht oder nicht mit <ins title="Vorteil">Vortheil</ins> +beschafft werden können, allerdings ein wirthschaftlich wichtiger +Factor; diese Industrie ist aber bei gehörigem Schutze immer und überall +binnen Kurzem zu schaffen, wo jungfräulicher Boden und gesunde +Bewohner, von einer starken aber wohlwollenden Regierung geleitet, +vorhanden sind.</p> + +<p>Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der +politische Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung +gekommen, dass die Parlamente nur dem Parteikampfe und +den Sonderinteressen gewisser Classen dienen, dass sie niemals den +<span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span>Charakter einer eigentlichen Volksvertretung haben und dass die +constitutionellen Regierungen alle Hände voll zu thun haben, um +das Volk und das Staatsinteresse gegen die Vertretungskörper in +Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der Politik, welcher +doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur nach ohnehin +keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das parlamentarische +Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und +eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.</p> + +<p>Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen +Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das +constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat +sich schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische +Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren +und da andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips +erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses +Princips gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem +Drucke dieses treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. +Da ist es nun klar, dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende +Rolle in der politischen und wirthschaftlichen Entwicklung Europas +zu nehmen.</p> + +<p>Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze +der constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer +einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind, +welche für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände +noch nicht gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader +ad absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein +anderer civilisirter Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen +Grenzen auszudehnen (was aus nationalen Antrieben hervorgegangene +Staaten nur im beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische +Missionen verschlossen sind), und das an Schätzen reiche, +den nordamerikanischen Territorien verwandte Gebiet nicht nur der +europäischen Türkei, sondern aller Staaten der Balkanhalbinsel in +seinen Machtbereich zu ziehen. Nur Oesterreich kann die Staatsform +<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span>für ein Gebiet finden, welches von nationaler Einheit absehen, auf +welchem daher die directe Fürsorge des Monarchen für das Wohl des +gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer Repräsentativ-Verfassung +ein Ende machen muss.</p> + +<p>In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen +Capitale unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke +auch eine Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung +aller Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges, +von der Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste.</p> + +<p>Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde +dahin führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische +Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen, +dass die Befugnisse des Starĵesina der Gesellschaft dauernd übertragen +werden müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung +stehenden intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den +eine kleine Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber +auch das Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie +würde sich nun als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches +der Familie dieselbe Sicherheit und höheren Genuss böte, als das +dafür hingegebene <ins title="Vermögen">Vermögen.</ins> Das Bürgerrecht, dessen man nur durch +Verbrechen verlustig gehen könnte, würde das Heimatsrecht und die +damit verbundene Versorgung der Kranken und Arbeitsunfähigen, +ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und Beruf nicht ohne +freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen und für den +Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den Volksabstimmungen +das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden +von diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende +<ins title="Aufname">Aufnahme</ins> oder <ins title="Aufname">Aufnahme</ins> als Bürger erlangen können und +zwar gegen Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach +einem vieljährigen Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser +Aufführung.</p> + +<p>Im Falle der Einführung einer Verfassung – jedenfalls erst +nach Abfertigung der Gesellschaft – wäre der bis dahin zur Entwicklung +<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span>gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche +zu erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes +nicht verändert werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und +Discussion der Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten +Regierungsblatte in's Auge zu fassen.</p> + +<p>Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den +Werth von Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen +und Industrieen gab, welche nur langsam und ohne +directen staatlichen Einfluss in's Leben gerufen werden können.</p> + +<p>Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft +leisten kann, wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich +geschützt ist.</p> + +<p>Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als +Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer +anonymen Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte +Production erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom +europäischer Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das +Banner Oesterreichs flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an +der Seite Deutschlands eine active Rolle übernehmen, die es bisher +immer von der Hand gewiesen hat.</p> + +<p>Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige +Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld +des allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. +<ins title="Mann">Man</ins> könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen, +wenn er sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche +Eigenthum veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen +Art mit Lohnarbeitern bewirthschaften.</p> + +<p>Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von +scheinbar geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits +dafür zu sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet +werden und da eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung +Anstoss bei der Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige +Erhebungen voraus gehen. Es wäre daher nicht nur die +<span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span>künftige Organisation des zu expropriirenden Territoriums zunächst +nur nothdürftig zu enthüllen, sondern auch zu versuchen, ob nicht +ein Gebiet in genügender Ausdehnung im Wege der Verhandlung +allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der Widerstand Einzelner +ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt sind und +der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und +physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der +Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur +Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen +und Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die +Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können.</p> + +<p>Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes +ist aber zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig.</p> + +<p>Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr +in's Gewicht fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde +die Gesellschaft zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs +zu reflectiren haben, die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen. +Diese Begs dürften zum Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls +hat man nichts von den Christen zu besorgen, wenn man gegen +die der Zahl nach geringen türkischen Einwohner mit der Expropriation +vorgeht. Auch wäre es erwünscht, wenn die Mahomedaner +sich nach und nach aus Bosnien zurückzögen, da die Verwaltung +einer christlichen Regierung sich auf die Dauer mit dem mahomedanischen +Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde die Administration +vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu +ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die +neue Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt +überall zu finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche +Sonderung der Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die +Verwaltung unläugbar ein grosser Gewinn wäre.</p> + +<p>Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine +<ins title="Admistration">Administration</ins>, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten +Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern. +<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span>Elemente für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das +Land ist von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit +und ebenso vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum +geringeren Theile indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele +Stämme an Fleiss und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe +verwendbaren, Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden +können. Mahomedaner und Arnauten müssen, zunächst wenigstens, +zurückgedrängt, die Griechen vom Aberglauben und Schacher +abgezogen werden und bald wird das Volk fühlen, dass es unter den +neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen unsichtbaren Herrn +über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner nicht empfindlich +ist, dass aber doch nur der Einzelne für die Gesammtheit arbeitet +und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven congeniale +Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst herankömmt, +nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den die Zeit +mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf +abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und +daher bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen +muss, bietet sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction +leicht thun kann, mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird +er predigen, was man ihm vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben +ausrotten helfen und den gläubigen Sinn des Volkes der +österreichischen Regierung dienstbar machen. Hierin muss man +allerdings ein wenig Geduld haben und dafür sorgen, dass die +Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine entsprechende +Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine blosse +Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und +den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben +die Gesellschaft.</p> + +<p>An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man +selbstverständlich überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth +aufdrängen, sondern der natürlichen Wahl des Volkes überlassen, +wo immer man auf einen wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann. +<span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span>Eine Art von Luxus, einen Wunsch nach Verbesserung der materiellen +Lebensbedingungen, soweit selbe durch organisirte Arbeit +erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man civilisiren will und +bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und Functionäre, ihre +Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und zeigt +sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in die +Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald +ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen +kömmt. Es wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie +betrachten, man wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten +Familien übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche +Verfassung auf patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch +aus dem Volke hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter +annimmt. Dabei bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein +der entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit +und das Aufhören eines jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft +verkörperte Vereinigung, einen Kitt, der die Familienbeziehung +schliesslich über die Grenzen der Gemeinde hinaus erweitert und +da ja doch für den Denkenden jede politische Frage nur eine +Magenfrage ist, wird bald die Politik in der wirthschaftlichen Einrichtung +gänzlich aufgehen und ein Zustand eintreten, wo unter der +Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle für Einen +einstehen.</p> + +<p>Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene +wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der +bestehenden Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt +statthaft, vom politischen vortheilhaft.</p> + +<p>Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner +eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der +Convention liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich +die Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht +nur die Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche +Gang der wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass +<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span>der verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört +zu herrschen und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und +entweder auswandert, oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft +seine Kinder zur Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus +aus. Da aber die neuen Einrichtungen Jedem, der arbeitet, +eine menschenwürdige Existenz eröffnen, kann Niemand es beklagen, +dass der faule, grausame und herrschsüchtige Mahomedaner den +Folgen seiner Laster erliegt und im schlimmsten Falle der Versorgung +der Gemeinde oder der Arbeit anheimfällt. In politischer Beziehung +würde dieser Erfolg der Administration Oesterreich nur Vortheile +bringen. Es lässt sich ja doch die orientalische Frage in populärer +Weise nicht anders ausdrücken als »hinaus mit den Türken«. +Nirgends wird man daraus Oesterreich einen Vorwurf machen.</p> + +<p>Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik +am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall +klatschen müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet +haben, dass man die Türken aus Europa verjagen, die unterjochten +Christen ihrer Herrschaft entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird +sich dagegen auflehnen, und einer starken, zielbewussten Politik wäre +ein energischer Protest zur gegebenen Zeit nur willkommen, da sich +daran die Weiterführung unseres Werkes anknüpfen lässt.</p> + +<p>Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie +unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb +der bisher factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete +liegt, ist dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann +wohl behauptet werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht +in Anspruch genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten +ausführbar erscheint, da der Einfluss Russlands momentan geschwächt +ist, und ist es selbst abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein +solches Recht bei gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen +Besitz neuer Befugnisse zu gelangen.</p> + +<p>Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche +Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht +<span class="pagenum"><a name="Page_22">22</a></span>auch Erhöhung der physischen Tüchtigkeit der eingebornen +Bewohner für die Wehrkraft Oesterreichs. Da die gesellschaftliche +Erziehung, welche in Wirklichkeit eine staatliche wäre, von den +ersten Kinderjahren an in Krippen, Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen +bis zum Alter der Militärpflicht auf die Jugend wirken +und die militärische Ausbildung vorbereiten würde, wäre ohne Zweifel +ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung der Monarchie +von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten.</p> + +<p>Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der +Regierung zur Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen, +zur gelegenen Zeit das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden +oder eine bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren +und die verbleibenden Actien insgeheim für die Regierung aus +Fonden einzulösen, welche der parlamentarischen Controlle entzogen +sind. Es könnte dann der österreichische Fiscus anonym unter der +Firma einer Actiengesellschaft operiren und das Unternehmen ausschliesslich +im Staatsinteresse fortführen.</p> + +<p>Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen +Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses +aller concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens +gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch +Grund in Bosnien auf 20 fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000 fl.</p> + +<p>Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben, +bewohnt von etwa 6–7000 Menschen, so würden Grund und Boden +auf eine Million, der Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen +zu stehen kommen und ein Betrag von sieben Millionen würde +reichlich genügen, um dieses Gebiet für Landwirthschaft, Industrie +und Bergbau zu investiren.</p> + +<p>Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des +Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden.</p> + +<p>Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit +erprobt und der Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass +sie ohne Zweifel von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig +<span class="pagenum"><a name="Page_23">23</a></span>Quadrat-Meilen ihrem Gebiete einverleiben könnte und in längstens +zwölf Jahren dürfte sich ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen +und ihre Bevölkerung mit Einrechnung der Einwanderer auf +etwa eine Million belaufen.</p> + +<p>Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation +neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die +aushaftenden 18 Millionen auf das Actiencapital einzufordern und +weiters nach Bedarf Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten +der Civilisation und der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte +nach und nach sicher ausreichen dürften, die Neuinvestirungen, +zum grösseren Theile wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital +von 90 Millionen an Actien und Prioritäten wahrscheinlich +genügen, um den ganzen Plan durchzuführen.</p> + +<p>Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung +des gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo +immer Gemeindeeigenthum, Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter +sich befinden, wird es sofort thunlich sein, diese Territorien auf +Grund von Pachtverträgen auf 50 Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb +einzubeziehen. Die Investirungen auf den Staatsgütern schaffen +gar keine Complicationen, weil das Gesellschaftsvermögen ohnehin +dem Staate zufällt und die Investirungen auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern +würden entweder auf den Rückfall nach 50 Jahren +berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der Staat nach +Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten +der Fonde lösen könnte.</p> + +<p>Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch +vermehren, ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe +zur Expropriation zu greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung +von Grund und Boden aufzuwenden. Es wurde schon oben die +Wahrscheinlichkeit des Beitrittes der Hauscommunionen und die +Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen könnte. Man glaubt, dass +auch die Priester für diesen Beitritt agitiren würden und Personen, +die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben, dass sich für das +<span class="pagenum"><a name="Page_24">24</a></span>Project unter der serbischen Bevölkerung leicht Propaganda machen +liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es umso sicherer +in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für die Aufnahme +von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form +finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur +Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich +schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung +gegenüber immerhin die Stellung des Starĵesina einnehmen.</p> + +<p>Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren +Lohn auf Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und +Werkführer oder Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete +Beamte würden Lohn oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung +gewährt und von Jahr zu Jahr steigen würde, um die +Erhaltung der tüchtigen Elemente zu sichern.</p> + +<p>Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine +Ausdehnung von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer +von 50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit +der Zeit nicht die Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession +ergäbe.</p> + +<p>Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung +von fünf Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen +genügen, so müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der +laufenden Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000 fl. +erreicht werden, was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen, +einem fruchtbaren Boden und der so vortheilhaften Organisation +der Arbeit und Verwaltung, gewiss leicht zu erreichen ist. +Das umsomehr, nachdem mindestens sieben Millionen ausser dem +erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und deren Verzinsung +nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente resultirt.</p> + +<p>Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren +auf einen pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem +Capitale entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts +weniger als schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten, +<span class="pagenum"><a name="Page_25">25</a></span>die vernünftig angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den +Bewohnern für das gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen +Propaganda zu machen.</p> + +<p>Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen +und Amortisation aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. +Auf dem Gebiete der »Zadruga« ist durch die Production +vor Allem für den Bedarf der eigenen Leute reichlich zu sorgen, +wobei eben jede Concurrenz ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist +daran zu denken, den Markt in Bosnien und den angrenzenden Gebieten +zu erobern, was industriell und mercantil gleich geringe +Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete bisher ihren Bedarf +meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon besser geschulte +Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das Bessere erzeugen. +Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage ihres Gebietes +und die darauf berechneten, neu angelegten Communicationen dabei +dem Auslande voraus.</p> + +<p>Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen +würde die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, +Obst, Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. +Man darf auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu +denken. Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der +gesellschaftlichen Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, +welches das Land, in welchem persönliche Sicherheit herrscht +und Communicationen aller Art hergestellt sind, massenhaft besuchen +würde. Die Naturschönheiten ebenso, wie ethnographische, archäologische, +geologische und volkswirthschaftliche Studien würden viele +Tausende dahin führen und wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein +grosses Hôtel mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der +Pensionen würde erweitert und dem Reisenden gegen eine Zahlung per +Tag in verschiedenen <ins title="Kathegorien">Kategorien</ins> eine alle Reisebedürfnisse umfassende +Versorgung geboten. Für ein Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche +Unterkunft und Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche +glänzenden Haushalt, Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere +<span class="pagenum"><a name="Page_26">26</a></span>ohne kleinliche Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen +Bazars würde man sich mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, +bei welcher der Reisende seine Baarschaft deponirt, würde sich am +Ende der Reise mit ihm verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles +umfassenden Vortheile der einheitlich organisirten Volkswirthschaft für +Production sowohl als Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was +der Saldosaal für den Geldverkehr.</p> + +<p>Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen +ist ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund +und Boden in 50 Jahren in Betracht zu ziehen und kann auf +Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes und aller in den ersten +Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der Jahresgewinn bilancirt +und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf Grund dieser Erhöhung +des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate zufällt, kann +derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und Capital +garantiren.</p> + +<p>Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden +und wird der Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, +so wird das finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich +auch nicht in baarem Gelde ausdrückt.</p> + +<p>Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen +fruchtbaren Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und +der Werth des Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss +sich, abgesehen von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der +Jahre anhäufen und zum gesellschaftlichen Vermögen gehören, um +das Zehnfache erhöhen. Obwohl der gesellschaftliche Besitz gewissermassen +dem Verkehr entzogen wird, kann doch die Erhöhung der +jährlichen Production und die Vermehrung der Bevölkerung, worüber +die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges statistisches Material +liefern, als eine Grundlage für die Schätzung dieser Werthserhöhung +dienen.</p> + +<p>Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen +zur Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. +<span class="pagenum"><a name="Page_27">27</a></span>Es ist längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten +menschlicher Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen +empfänglich ist und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, +dass humane und milde Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für +sein Wohl den Arbeitsgeber bereichern. Es ist dabei in Rechnung +zu ziehen, dass Ordnung und Regelmässigkeit allen Unternehmungen, +insbesondere aber den wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten +Grade förderlich ist.</p> + +<p>Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit +und Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf +einem grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn +gibt, der zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, +wenn übrigens die Regierung diese alle Beziehungen umfassende +Gewalt in Schranken hält.</p> + +<p>Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist +zwar evident, allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um +Bedenken zu beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen +Verhältnisse auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen +ein Präcedens, das einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits +andeutet, welchen Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung +auf die Stärkung der Regierungsgewalt nehmen wird.</p> + +<p>Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der +Jesuitenrepublik in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der +Herrenhutergemeinde, so kann ein wirthschaftliches Bedenken +keinesfalls aufkommen.</p> + +<p>Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz +respectable Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum +bemühen wollte, die bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren +Stand der Ausbildung zu bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, +abgesehen davon, dass es nichts Vernünftigeres geben könnte, +als die arme Bevölkerung des Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie +in ein Land zu versetzen, wo Milch und Honig fliesst und +der Zwischenhandel sich ersparen liesse.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_28">28</a></span> +Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen +Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und +culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch +in Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. +Die Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit +und Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten +Staates überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt +wegzuräumen, um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur +Zeit der Nürnbergereier die Remontoiruhr erfunden worden wäre, +hätte kein Besitzer eines Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr +in eine Remontoiruhr umzuwandeln, dafür aber auch Niemand, der +eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten Ei gegriffen. Man wird +aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss, es wachse, wie +ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn ein Eingriff +in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser Eingriff +ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den +Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu +üben. Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die +Volksschule zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der +Staat seine Befugnisse erweitert und auch in der Volkswirthschaft +nicht nur leitend, sondern verwaltend eingreift. Bald wird man +einsehen, dass der Staat den Beruf hat, seine <ins title="Sfäre">Sphäre</ins> immer weiter +auszudehnen und dass er insbesondere den Beruf hat, Unternehmer +zu sein.</p> + +<p>Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst +wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art +unter staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, +dass der Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft +nicht blos zu fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme +die Wege zu weisen.</p> + +<p>Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die +Kinder acht Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der +Wiege und den ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und +<span class="pagenum"><a name="Page_29">29</a></span>gepflegt werden. Da schon werden die Keime einer verfehlten physischen, +geistigen und moralischen Entwicklung gelegt und die Priester +würden sich nie mit der blossen Schulaufsicht begnügen, sie +wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der frühesten Kindheit eingeprägt +werden müssen, wenn sie Wurzel fassen sollen. Ein gleiches +Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern einmal daran <ins title="gewöhnt">gewöhnt,</ins> +ihre Kinder während der etwa 10-stündigen Arbeitszeit auch +schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege und Erziehung +zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der Familie dadurch frei +wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie liegt, so wird die +Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung bald begreifen.</p> + +<p>Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen +Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.</p> + +<p>Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege +ganz anders schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur +und die allzusehr herabgesetzte politische Administration wird wieder +zu Ehren kommen.</p> + +<p>Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, +wenn neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne +Richter und Anwälte, ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken +und Geld und ohne Deputirte aufrichtet und wenn die constitutionelle +Regierung zu Hause mit der Autorität auftreten kann, +die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete rechtfertigen. Man +wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat sein muss, ja +dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im administrativen +Wege ausgiebig geschützt werden können.</p> + +<p>Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver +wird möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches +lancirt und wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen +bezeigt, die sich an dem Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und +adelssüchtige Personen, grosse Banken, reiche Financiers, hohe +Aristokraten und Prälaten werden sich dann bereit finden lassen, +die Actien zu zeichnen.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_30">30</a></span> +Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien +seinen Besitz gegen Actien verkauft.</p> + +<p>Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, +so müsste man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse +an die Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage +von 100 fl. concessioniren.</p> + +<p style="margin-bottom: 120px;">Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was +den Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den +Kopf gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten +die Anhänger beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, +ihr räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der +unbeschäftigten Arbeiter nach einem neuen Asyle würde einerseits +dem Elende auch bei uns steuern, andererseits der gefährlichen socialistischen +Agitation die Spitze abbrechen und ihr die Streitkräfte +entziehen.</p> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS *** + +***** This file should be named 29905-h.htm or 29905-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/9/9/0/29905/ + +Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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