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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 02:48:26 -0700
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@@ -0,0 +1,1400 @@
+The Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Viribus unitis
+ Wie könnte die europäische Cultur nach Bosnien verpflanzt werden?
+
+Author: Josef Neupauer
+
+Release Date: September 4, 2009 [EBook #29905]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+ ]
+
+
+
+
+ VIRIBUS UNITIS.
+
+
+ Wie könnte
+ die
+ EUROPÄISCHE CULTUR
+ nach
+ Bosnien verpflanzt werden?
+
+
+ Von
+ Dr. Josef Neupauer.
+
+
+ WIEN, 1884.
+ Im Selbstverlage des Verfassers.
+
+
+ Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger & Co., Teschen.
+
+
+
+
+I.
+
+Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung des Occupationsgebietes
+auf der Balkanhalbinsel wird folgender Vorschlag gemacht.
+
+
+Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von 30
+Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in Wien
+gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200 fl. und auf den
+Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals eingezahlt und die
+weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses eingefordert. Nach voller
+Einzahlung des Actiencapitals können mit Genehmigung der Regierung
+Prioritäten bis zum Maximalbetrage von 60 Millionen ausgegeben werden.
+
+Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die Rückzahlung
+des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb 50 Jahren.
+
+Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete ein
+im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain bis zur
+Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt successive,
+nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass nicht nur aller
+Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken und Industrie-Etablissements,
+sondern auch alle Communicationen, Strassen, Wasserwege etc., etwa mit
+Ausnahme der bereits bestehenden Eisenbahnen, in deren Privateigenthum
+übergehen. Von diesem Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen
+begrenzten Gebrauch und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf
+und nöthigenfalls Expropriation nach Massgabe der materiellen,
+moralischen und civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt.
+
+Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme einer
+Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs- noch Justiz- noch
+Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von jeder Art von Steuern und
+sonstigen Auflagen und bezieht dafür aus den Ueberschüssen der
+Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher mit 10 fl. pr. Kopf der
+jeweilig am 31. December des Vorjahres im Gesellschaftsgebiete
+conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet wird, welcher Pauschalbetrag
+aber von 5 zu 5 Jahren um je einen Gulden pr. Kopf steigt, somit im
+letzten Decennium der Concessionsdauer 19 fl. pr. Kopf erreicht.
+
+Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach Amortisation des
+Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen Rückzahlung des noch
+aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen das ganze immobile und mobile,
+im occupirten Terrain investirte Vermögen der Gesellschaft zu.
+
+Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von 20 Jahren Gebrauch,
+so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent zu refundiren.
+
+Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar nicht für mehr
+als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung vertheilten höheren
+Dividenden werden aber nicht zurückerstattet. Die Regierung bestimmt den
+Zeitpunkt, von welchem ab die Actien durch Verlosung eingezogen werden,
+und den Verlosungsplan, sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden
+Formalitäten.
+
+Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction
+abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales dürfen
+keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals und die laufende
+Amortisationsquote herausgezogen werden.
+
+Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen der Regierung
+aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung des Unternehmens,
+zur Hebung der materiellen Lage und der intellectuellen und moralischen
+Qualität der Bewohner, zur Vermehrung des Viehstandes, Hebung der
+Landwirthschaft, Aufschliessung der Bergschätze und Begründung jener
+Industrieen, welche die Deckung des heimischen Bedarfes und die
+exportfähige Verarbeitung der Landesproducte ermöglichen, verwendet
+werden.
+
+Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige
+Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen, da diese beiden
+Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich sind.
+
+Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan der
+Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung der
+Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der Genehmigung der
+österreichischen Regierung und ist hier, sowie überall in dieser Schrift
+unter der österreichischen Regierung die gemeinsame Regierung und ihr
+Verwaltungsapparat verstanden.
+
+Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die sonstige
+Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung.
+
+Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen.
+
+Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe, bezüglich der
+Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären Einrichtungen, dann
+bezüglich der Communicationen, Schutzbauten gegen Elementarschäden und
+der rationellen Einrichtung der Wald- und Feldcultur werden die
+weitestgehenden Anforderungen an die Gesellschaft gestellt und hat sie
+alle Anordnungen der Regierung, soweit sie durch die verfügbaren Mittel
+erfüllbar sind, bei Verlust der Concession und eines entsprechenden
+Theiles des Actiencapitales zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung
+unter gewissen Voraussetzungen die Sequestration des gesellschaftlichen
+Vermögens vorbehalten.
+
+Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der Regierung
+gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der Letzteren frei,
+das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von zehn Millionen Gulden auf
+dem beweglichen und unbeweglichen Besitze der Gesellschaft in der den
+Landesgesetzen entsprechenden Form zu erwirken.
+
+Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im administrativen
+Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen Beziehungen
+der Einwohner untereinander und Verbrechen und Vergehen, welche nicht
+der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+der Uebertretungen von Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von
+Dienstleuten überlassen bleiben, werden von den Gerichten der
+angrenzenden Gebiete abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und
+vollzogen.
+
+Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die Feststellung
+der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich innerhalb gewisser
+Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige Bewohner des
+österreichisch-ungarischen Gebietes gegen mässiges Entgeld in Erziehung
+und beziehungsweise Verpflegung zu übernehmen, sowie auch
+besserungsfähige, besonders jugendliche Verbrecher aus diesen Ländern
+aufzunehmen, für welche der Strafvollzug während der Dauer ihres
+Aufenthaltes im Gebiete der »Zadruga« und unter der Voraussetzung eines
+tadellosen Verhaltens aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer
+gewissen Zeit die Strafe ex lege erlassen ist.
+
+Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten Abgabe
+unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der Erzeugung noch beim
+Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe zu entrichten. Selbe ist nur
+von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten Producte zu erheben. Dagegen
+werden ihr die indirecten Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum
+auf ihr Gebiet eingeführten Artikeln vergütet.
+
+Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf dem
+Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende.
+
+Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den Communicationen
+des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr hat die Gesellschaft
+zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die Genehmigung der Regierung
+gebunden.
+
+Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen
+Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren Erfüllung
+seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen Wege
+erzwungen.
+
+Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die
+Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die
+Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der
+österreichischen Regierung einzuhohlen.
+
+Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen und
+haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und geistigen Getränken,
+Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern, zwangsweise
+Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder zu schwereren und
+unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung auf eine
+Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern ausserdem auf Confiscation
+eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+Gebiete der »Zadruga« zu beschränken.
+
+Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der
+Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes
+erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten Arbeit
+durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit.
+
+Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung setzt im
+Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung der
+österreichischen Verwaltungsorgane voraus.
+
+Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen,
+welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die
+Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen und moralischen
+Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen.
+
+Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist, wird
+derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem nur unter
+der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende das Gebiet
+sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern verlässt und auf
+Altersversorgung verzichtet.
+
+Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und jene
+Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so muss er sich
+über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu leisten ist, mit der
+Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei steht, ein solches
+Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener Kündigung das
+Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem Falle die Auszahlung des
+Guthabens unter obiger Bedingung zu erfolgen hat.
+
+
+
+
+II.
+
+
+Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen
+Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen,
+socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und wie
+das Capital beschafft werden kann.
+
+Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich
+statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen
+gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt.
+
+Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich vorhanden,
+wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden von
+Menschen, die materielle und geistige Cultur und die Wohlfahrt im Lande
+gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist, die masslose Ausbeutung
+der Arbeit durch das Capital, die moralische und physische Verderbniss
+der Bewohner des von der Expropriation getroffenen Gebietes
+hintanzuhalten und andere Theile des Landes von gefährlichen Elementen
+zu reinigen.
+
+Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung
+gerechtfertiget.
+
+Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen.
+
+Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange. Wo die
+Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen,
+beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen.
+
+Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+Würde die Regierung die Communicationen in systematischer Weise auf
+Kosten des Landes bauen, so würde Grund und Boden enorm im Werthe
+steigen und der Reichthum und die Macht der wenigen Grundbesitzer
+ausserordentlich erhöht werden, was vom politischen ebenso, wie vom
+socialen Standpunkte verkehrt wäre. Baut man aber nur einige
+Militärstrassen, so fehlt es denselben an Zufahrtsstrassen und sie haben
+einen geringen wirthschaftlichen Werth. Daher nun sehen wir, dass in
+Nordamerika die Landspeculation und die Schienenwege in Verbindung
+gebracht sind, wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte
+Wildnisse zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre
+Rechnung im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien.
+
+Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung der
+Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in der Cultur
+zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man noch weiter gehen
+und die Ländereien nicht verkaufen, sondern durch eine längere Periode
+selbst bewirthschaften.
+
+Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss
+gerechtfertigt.
+
+Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land und wenn man
+daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es gewiss erwünscht, von
+Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, dass jene Auswüchse
+verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen Einrichtungen im
+Allgemeinen verbunden sind und gegen welche, wenn sie einmal einreissen,
+kaum mehr Abhilfe gefunden werden kann.
+
+Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung,
+deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung neben
+grenzenlosem Elende ist und würde man es der Regierung gewiss Dank
+wissen, wenn sie dem Capital zu diesem Lande den Weg nur unter der
+Bedingung eröffnet, dass es dasselbe mit mässigem Gewinn befruchtet und
+den Nutzen mit dem Arbeiter redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht
+nur das Land, sondern auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist
+nicht zu bezweifeln.
+
+Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der
+Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht
+ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft
+jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche Wohnung,
+reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich bereitete
+Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten können, dass an die
+Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein treten wird, dass die
+Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten durch Maschinenbetrieb
+erleichtert werden.
+
+Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen können.
+
+Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen Anregung
+dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen aller Art
+einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen und Jedermann
+unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die traditionelle
+Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen Tanz und
+dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres Gepräge zu
+geben trachten; man wird in Ermangelung anderer Zerstreuungen des Abends
+vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge halten lassen, die anregen und
+belehren, zugleich aber erziehlich einwirken und das Volk daran erinnern
+sollen, wie seine Zustände sich verändert haben und um wie viel
+glücklicher unter der väterlichen Fürsorge des Kaisers sie sich
+gestalten als in anderen, viel reicheren Ländern und wird es bald
+möglich sein, den Eindruck solcher Belehrungen durch kleine
+theatralische Productionen zu verstärken.
+
+Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber an das panem
+et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und Anderes denken, was
+auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen hat, so wird man
+finden, dass in den angedeuteten Richtungen nichts so unbedeutend ist,
+dass man es geringachten könnte. Man wird aber auch finden, dass man
+heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten Ertrag der Arbeit und der
+vorgeschlagenen Einschränkung des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches
+wird bieten können.
+
+Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription der
+Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit der
+Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung des
+Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für Alles das
+Verdienst vindicirt wird.
+
+Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in Bosnien
+auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst aber
+schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass der
+Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung neigt und den
+Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene System,
+besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich dem Staate, also
+dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung des Systemes der
+Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft entlehnt ist.
+
+Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung über
+den Begriff der Familie in germanischen und romanischen Ländern hinaus,
+da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder unter
+einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+Haushalt, meist mit Ueberlassung der Hauswirthschaft an die nach
+gewisser Reihenfolge sich ablösenden Frauen, führt. Freilich bleibt da
+noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen und Erbrecht aufrechterhalten.
+Es liegt der Einrichtung aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke
+zu Grunde und ist die Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft.
+Wo das System der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist,
+müsste man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die
+Aufmerksamkeit darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was
+Anlass zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches auch
+durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und gewisse
+Vorrechte in sich schliessen würde.
+
+Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, vom Neuen
+angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend Dienste nehmen
+und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den Anschluss Propaganda
+machen. Die Expropriation würde sich daher auf den Grossgrundbesitz der
+Mahomedaner beschränken und auf politisch sehr gefährliche Elemente,
+welche keinen Anhang im Lande haben. Die Ausdehnung des
+gesellschaftlichen Territoriums würde mit der Zeit auch durch das System
+der Confiscation gefördert werden können, welches besonders bei Aufstand
+oder staatsgefährlichen Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame,
+Strafen zu ersetzen hätte.
+
+Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen,
+welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen enthielten,
+deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende
+Erfahrungen gemacht worden.
+
+Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden
+gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf keine Weise der
+Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, besser und
+schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens des Unternehmens
+hätte Oesterreich die mit der Uebernahme des europäischen Mandats
+verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise gelöst und seinen Beruf
+documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere Erwerbungen zu machen.
+
+Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der
+gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche
+Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die
+Gesellschaft bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, dass
+die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der Türkei
+und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich
+ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um indirect auch auf
+solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen Verwaltung
+noch nicht unterstehen.
+
+Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, welche
+die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.
+
+Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen schien
+und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, welch' wichtige
+Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe einnimmt, haben
+andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche Theorien
+regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer abfinden konnte. Es
+sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus und das
+Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in überraschend kurzer
+Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen Aufgaben bevor, in
+welchen gerade nur Oesterreich eine leitende Rolle zu übernehmen berufen
+ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, der Industrialismus droht
+England zu ruiniren und man kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die
+Nationalökonomie viel mehr auf Grund und Boden einerseits und auf
+tüchtiges Menschenmaterial andererseits, als auf Freihandel und
+übertriebenen Industrialismus zu fundiren ist.
+
+Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die Industrie als
+Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner
+wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn wo Alles
+ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen Aller sich
+ergeben.
+
+Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von der
+schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.
+
+Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, welche
+sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten zu
+ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die Bedingungen höherer
+materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen und nur das zu
+exportiren, was zum Austausch für nothwendige Güter erforderlich ist,
+die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+allerdings ein wirthschaftlich wichtiger Factor; diese Industrie ist
+aber bei gehörigem Schutze immer und überall binnen Kurzem zu schaffen,
+wo jungfräulicher Boden und gesunde Bewohner, von einer starken aber
+wohlwollenden Regierung geleitet, vorhanden sind.
+
+Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der politische
+Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dass
+die Parlamente nur dem Parteikampfe und den Sonderinteressen gewisser
+Classen dienen, dass sie niemals den Charakter einer eigentlichen
+Volksvertretung haben und dass die constitutionellen Regierungen alle
+Hände voll zu thun haben, um das Volk und das Staatsinteresse gegen die
+Vertretungskörper in Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der
+Politik, welcher doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur
+nach ohnehin keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das
+parlamentarische Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und
+eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.
+
+Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen
+Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das
+constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat sich
+schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische
+Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren und da
+andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips
+erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses Princips
+gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem Drucke dieses
+treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. Da ist es nun klar,
+dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende Rolle in der politischen
+und wirthschaftlichen Entwicklung Europas zu nehmen.
+
+Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze der
+constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer
+einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind, welche
+für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände noch nicht
+gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader ad
+absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein anderer civilisirter
+Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen Grenzen auszudehnen
+(was aus nationalen Antrieben hervorgegangene Staaten nur im
+beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische Missionen
+verschlossen sind), und das an Schätzen reiche, den nordamerikanischen
+Territorien verwandte Gebiet nicht nur der europäischen Türkei, sondern
+aller Staaten der Balkanhalbinsel in seinen Machtbereich zu ziehen. Nur
+Oesterreich kann die Staatsform für ein Gebiet finden, welches von
+nationaler Einheit absehen, auf welchem daher die directe Fürsorge des
+Monarchen für das Wohl des gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer
+Repräsentativ-Verfassung ein Ende machen muss.
+
+In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen Capitale
+unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke auch eine
+Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung aller
+Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges, von der
+Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste.
+
+Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde dahin
+führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische
+Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen, dass die
+Befugnisse des Starĵesina der Gesellschaft dauernd übertragen werden
+müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung stehenden
+intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den eine kleine
+Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber auch das
+Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie würde sich nun
+als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches der Familie dieselbe
+Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+Das Bürgerrecht, dessen man nur durch Verbrechen verlustig gehen könnte,
+würde das Heimatsrecht und die damit verbundene Versorgung der Kranken
+und Arbeitsunfähigen, ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und
+Beruf nicht ohne freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen
+und für den Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den
+Volksabstimmungen das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden von
+diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende
+Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach einem vieljährigen
+Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser Aufführung.
+
+Im Falle der Einführung einer Verfassung -- jedenfalls erst nach
+Abfertigung der Gesellschaft -- wäre der bis dahin zur Entwicklung
+gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche zu
+erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes nicht verändert
+werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und Discussion der
+Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten Regierungsblatte
+in's Auge zu fassen.
+
+Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den Werth von
+Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen und
+Industrieen gab, welche nur langsam und ohne directen staatlichen
+Einfluss in's Leben gerufen werden können.
+
+Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft leisten kann,
+wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich geschützt ist.
+
+Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als
+Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer anonymen
+Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte Production
+erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom europäischer
+Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das Banner Oesterreichs
+flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an der Seite Deutschlands
+eine active Rolle übernehmen, die es bisher immer von der Hand gewiesen
+hat.
+
+Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige
+Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld des
+allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen, wenn er
+sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche Eigenthum
+veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen Art mit
+Lohnarbeitern bewirthschaften.
+
+Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von scheinbar
+geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits dafür zu
+sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet werden und da
+eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung Anstoss bei der
+Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige Erhebungen voraus
+gehen. Es wäre daher nicht nur die künftige Organisation des zu
+expropriirenden Territoriums zunächst nur nothdürftig zu enthüllen,
+sondern auch zu versuchen, ob nicht ein Gebiet in genügender Ausdehnung
+im Wege der Verhandlung allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der
+Widerstand Einzelner ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt
+sind und der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und
+physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der
+Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur
+Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen und
+Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die
+Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können.
+
+Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes ist aber
+zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig.
+
+Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr in's Gewicht
+fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde die Gesellschaft
+zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs zu reflectiren haben,
+die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen. Diese Begs dürften zum
+Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls hat man nichts von den
+Christen zu besorgen, wenn man gegen die der Zahl nach geringen
+türkischen Einwohner mit der Expropriation vorgeht. Auch wäre es
+erwünscht, wenn die Mahomedaner sich nach und nach aus Bosnien
+zurückzögen, da die Verwaltung einer christlichen Regierung sich auf die
+Dauer mit dem mahomedanischen Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde
+die Administration vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu
+ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die neue
+Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt überall zu
+finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche Sonderung der
+Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die Verwaltung unläugbar
+ein grosser Gewinn wäre.
+
+Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine
+Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern. Elemente
+für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das Land ist
+von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit und ebenso
+vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum geringeren Theile
+indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele Stämme an Fleiss
+und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe verwendbaren,
+Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden können. Mahomedaner
+und Arnauten müssen, zunächst wenigstens, zurückgedrängt, die Griechen
+vom Aberglauben und Schacher abgezogen werden und bald wird das Volk
+fühlen, dass es unter den neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen
+unsichtbaren Herrn über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner
+nicht empfindlich ist, dass aber doch nur der Einzelne für die
+Gesammtheit arbeitet und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven
+congeniale Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst
+herankömmt, nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den
+die Zeit mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf
+abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und daher
+bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen muss, bietet
+sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction leicht thun kann,
+mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird er predigen, was man ihm
+vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben ausrotten helfen und den
+gläubigen Sinn des Volkes der österreichischen Regierung dienstbar
+machen. Hierin muss man allerdings ein wenig Geduld haben und dafür
+sorgen, dass die Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine
+entsprechende Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine
+blosse Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und
+den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben die
+Gesellschaft.
+
+An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man selbstverständlich
+überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth aufdrängen, sondern der
+natürlichen Wahl des Volkes überlassen, wo immer man auf einen
+wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann. Eine Art von Luxus, einen Wunsch
+nach Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen, soweit selbe durch
+organisirte Arbeit erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man
+civilisiren will und bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und
+Functionäre, ihre Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und
+zeigt sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in
+die Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald
+ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen kömmt. Es
+wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie betrachten, man
+wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten Familien
+übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche Verfassung auf
+patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch aus dem Volke
+hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter annimmt. Dabei
+bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein der
+entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit und das Aufhören eines
+jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft verkörperte Vereinigung,
+einen Kitt, der die Familienbeziehung schliesslich über die Grenzen der
+Gemeinde hinaus erweitert und da ja doch für den Denkenden jede
+politische Frage nur eine Magenfrage ist, wird bald die Politik in der
+wirthschaftlichen Einrichtung gänzlich aufgehen und ein Zustand
+eintreten, wo unter der Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle
+für Einen einstehen.
+
+Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene
+wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der bestehenden
+Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt statthaft,
+vom politischen vortheilhaft.
+
+Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner
+eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der Convention
+liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich die
+Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht nur die
+Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche Gang der
+wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass der
+verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört zu herrschen
+und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und entweder auswandert,
+oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft seine Kinder zur
+Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus aus. Da aber die neuen
+Einrichtungen Jedem, der arbeitet, eine menschenwürdige Existenz
+eröffnen, kann Niemand es beklagen, dass der faule, grausame und
+herrschsüchtige Mahomedaner den Folgen seiner Laster erliegt und im
+schlimmsten Falle der Versorgung der Gemeinde oder der Arbeit
+anheimfällt. In politischer Beziehung würde dieser Erfolg der
+Administration Oesterreich nur Vortheile bringen. Es lässt sich ja doch
+die orientalische Frage in populärer Weise nicht anders ausdrücken als
+»hinaus mit den Türken«. Nirgends wird man daraus Oesterreich einen
+Vorwurf machen.
+
+Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik
+am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall klatschen
+müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet haben, dass man die
+Türken aus Europa verjagen, die unterjochten Christen ihrer Herrschaft
+entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird sich dagegen auflehnen, und
+einer starken, zielbewussten Politik wäre ein energischer Protest zur
+gegebenen Zeit nur willkommen, da sich daran die Weiterführung unseres
+Werkes anknüpfen lässt.
+
+Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie
+unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb der bisher
+factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete liegt, ist
+dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann wohl behauptet
+werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht in Anspruch
+genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten ausführbar erscheint,
+da der Einfluss Russlands momentan geschwächt ist, und ist es selbst
+abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein solches Recht bei
+gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen Besitz neuer
+Befugnisse zu gelangen.
+
+Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche
+Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht auch Erhöhung
+der physischen Tüchtigkeit der eingebornen Bewohner für die Wehrkraft
+Oesterreichs. Da die gesellschaftliche Erziehung, welche in Wirklichkeit
+eine staatliche wäre, von den ersten Kinderjahren an in Krippen,
+Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen bis zum Alter der Militärpflicht
+auf die Jugend wirken und die militärische Ausbildung vorbereiten würde,
+wäre ohne Zweifel ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung
+der Monarchie von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten.
+
+Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der Regierung zur
+Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen, zur gelegenen Zeit
+das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden oder eine
+bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren und die verbleibenden
+Actien insgeheim für die Regierung aus Fonden einzulösen, welche der
+parlamentarischen Controlle entzogen sind. Es könnte dann der
+österreichische Fiscus anonym unter der Firma einer Actiengesellschaft
+operiren und das Unternehmen ausschliesslich im Staatsinteresse
+fortführen.
+
+Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen
+Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses aller
+concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens
+gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch Grund in Bosnien
+auf 20 fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000 fl.
+
+Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben, bewohnt von
+etwa 6-7000 Menschen, so würden Grund und Boden auf eine Million, der
+Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen zu stehen kommen und
+ein Betrag von sieben Millionen würde reichlich genügen, um dieses
+Gebiet für Landwirthschaft, Industrie und Bergbau zu investiren.
+
+Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des
+Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden.
+
+Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit erprobt und der
+Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass sie ohne Zweifel
+von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig Quadrat-Meilen ihrem
+Gebiete einverleiben könnte und in längstens zwölf Jahren dürfte sich
+ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen und ihre Bevölkerung
+mit Einrechnung der Einwanderer auf etwa eine Million belaufen.
+
+Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation
+neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die aushaftenden 18
+Millionen auf das Actiencapital einzufordern und weiters nach Bedarf
+Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten der Civilisation und
+der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte nach und nach sicher
+ausreichen dürften, die Neuinvestirungen, zum grösseren Theile
+wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital von 90 Millionen an
+Actien und Prioritäten wahrscheinlich genügen, um den ganzen Plan
+durchzuführen.
+
+Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung des
+gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo immer Gemeindeeigenthum,
+Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter sich befinden, wird es sofort
+thunlich sein, diese Territorien auf Grund von Pachtverträgen auf 50
+Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb einzubeziehen. Die Investirungen
+auf den Staatsgütern schaffen gar keine Complicationen, weil das
+Gesellschaftsvermögen ohnehin dem Staate zufällt und die Investirungen
+auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern würden entweder auf den Rückfall
+nach 50 Jahren berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der
+Staat nach Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten
+der Fonde lösen könnte.
+
+Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch vermehren,
+ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe zur Expropriation zu
+greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung von Grund und Boden
+aufzuwenden. Es wurde schon oben die Wahrscheinlichkeit des Beitrittes
+der Hauscommunionen und die Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen
+könnte. Man glaubt, dass auch die Priester für diesen Beitritt agitiren
+würden und Personen, die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben,
+dass sich für das Project unter der serbischen Bevölkerung leicht
+Propaganda machen liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es
+umso sicherer in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für
+die Aufnahme von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form
+finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur
+Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich
+schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung
+gegenüber immerhin die Stellung des Starĵesina einnehmen.
+
+Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren Lohn auf
+Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und Werkführer oder
+Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete Beamte würden Lohn
+oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung gewährt und von
+Jahr zu Jahr steigen würde, um die Erhaltung der tüchtigen Elemente zu
+sichern.
+
+Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine Ausdehnung
+von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer von
+50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit der Zeit nicht die
+Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession ergäbe.
+
+Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung von fünf
+Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen genügen, so
+müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der laufenden
+Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000 fl. erreicht werden,
+was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen, einem fruchtbaren
+Boden und der so vortheilhaften Organisation der Arbeit und Verwaltung,
+gewiss leicht zu erreichen ist. Das umsomehr, nachdem mindestens sieben
+Millionen ausser dem erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und
+deren Verzinsung nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente
+resultirt.
+
+Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren auf einen
+pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem Capitale
+entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts weniger als
+schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten, die vernünftig
+angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den Bewohnern für das
+gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen Propaganda zu machen.
+
+Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen und Amortisation
+aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. Auf dem Gebiete
+der »Zadruga« ist durch die Production vor Allem für den Bedarf der
+eigenen Leute reichlich zu sorgen, wobei eben jede Concurrenz
+ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist daran zu denken, den Markt in
+Bosnien und den angrenzenden Gebieten zu erobern, was industriell und
+mercantil gleich geringe Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete
+bisher ihren Bedarf meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon
+besser geschulte Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das
+Bessere erzeugen. Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage
+ihres Gebietes und die darauf berechneten, neu angelegten
+Communicationen dabei dem Auslande voraus.
+
+Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen würde
+die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, Obst,
+Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. Man darf
+auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu denken.
+Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der gesellschaftlichen
+Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, welches das Land,
+in welchem persönliche Sicherheit herrscht und Communicationen aller
+Art hergestellt sind, massenhaft besuchen würde. Die Naturschönheiten
+ebenso, wie ethnographische, archäologische, geologische und
+volkswirthschaftliche Studien würden viele Tausende dahin führen und
+wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein grosses Hôtel mit allen
+erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der Pensionen würde erweitert
+und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+eine alle Reisebedürfnisse umfassende Versorgung geboten. Für ein
+Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche Unterkunft und
+Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche glänzenden Haushalt,
+Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere ohne kleinliche
+Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen Bazars würde man sich
+mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, bei welcher der Reisende
+seine Baarschaft deponirt, würde sich am Ende der Reise mit ihm
+verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles umfassenden Vortheile der
+einheitlich organisirten Volkswirthschaft für Production sowohl als
+Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was der Saldosaal für den
+Geldverkehr.
+
+Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen ist
+ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund und Boden in 50 Jahren in
+Betracht zu ziehen und kann auf Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes
+und aller in den ersten Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der
+Jahresgewinn bilancirt und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf
+Grund dieser Erhöhung des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate
+zufällt, kann derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und
+Capital garantiren.
+
+Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden und wird der
+Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, so wird das
+finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich auch nicht in
+baarem Gelde ausdrückt.
+
+Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen fruchtbaren
+Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und der Werth des
+Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss sich, abgesehen
+von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der Jahre anhäufen und zum
+gesellschaftlichen Vermögen gehören, um das Zehnfache erhöhen. Obwohl
+der gesellschaftliche Besitz gewissermassen dem Verkehr entzogen wird,
+kann doch die Erhöhung der jährlichen Production und die Vermehrung der
+Bevölkerung, worüber die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges
+statistisches Material liefern, als eine Grundlage für die Schätzung
+dieser Werthserhöhung dienen.
+
+Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen zur
+Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Es ist
+längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten menschlicher
+Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen empfänglich ist
+und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, dass humane und milde
+Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für sein Wohl den Arbeitsgeber
+bereichern. Es ist dabei in Rechnung zu ziehen, dass Ordnung und
+Regelmässigkeit allen Unternehmungen, insbesondere aber den
+wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten Grade förderlich ist.
+
+Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit und
+Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf einem
+grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn gibt, der
+zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, wenn übrigens
+die Regierung diese alle Beziehungen umfassende Gewalt in Schranken
+hält.
+
+Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist zwar evident,
+allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um Bedenken zu
+beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen Verhältnisse
+auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen ein Präcedens, das
+einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits andeutet, welchen
+Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung auf die Stärkung der
+Regierungsgewalt nehmen wird.
+
+Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der Jesuitenrepublik
+in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der Herrenhutergemeinde, so
+kann ein wirthschaftliches Bedenken keinesfalls aufkommen.
+
+Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz respectable
+Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum bemühen wollte, die
+bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren Stand der Ausbildung zu
+bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, abgesehen davon, dass es
+nichts Vernünftigeres geben könnte, als die arme Bevölkerung des
+Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie in ein Land zu versetzen, wo
+Milch und Honig fliesst und der Zwischenhandel sich ersparen liesse.
+
+Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen
+Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und
+culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch in
+Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. Die
+Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit und
+Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten Staates
+überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt wegzuräumen,
+um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur Zeit der Nürnbergereier
+die Remontoiruhr erfunden worden wäre, hätte kein Besitzer eines
+Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr in eine Remontoiruhr umzuwandeln,
+dafür aber auch Niemand, der eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten
+Ei gegriffen. Man wird aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss,
+es wachse, wie ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn
+ein Eingriff in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser
+Eingriff ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den
+Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu üben.
+Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die Volksschule
+zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der Staat seine Befugnisse
+erweitert und auch in der Volkswirthschaft nicht nur leitend, sondern
+verwaltend eingreift. Bald wird man einsehen, dass der Staat den Beruf
+hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+Beruf hat, Unternehmer zu sein.
+
+Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst
+wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art unter
+staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, dass der
+Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft nicht blos zu
+fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme die Wege zu weisen.
+
+Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die Kinder acht
+Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der Wiege und den
+ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und gepflegt werden. Da schon
+werden die Keime einer verfehlten physischen, geistigen und moralischen
+Entwicklung gelegt und die Priester würden sich nie mit der blossen
+Schulaufsicht begnügen, sie wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der
+frühesten Kindheit eingeprägt werden müssen, wenn sie Wurzel fassen
+sollen. Ein gleiches Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern
+einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+Arbeitszeit auch schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege
+und Erziehung zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der
+Familie dadurch frei wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie
+liegt, so wird die Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung
+bald begreifen.
+
+Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen
+Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.
+
+Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege ganz anders
+schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur und die allzusehr
+herabgesetzte politische Administration wird wieder zu Ehren kommen.
+
+Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, wenn
+neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne Richter und Anwälte,
+ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken und Geld und ohne Deputirte
+aufrichtet und wenn die constitutionelle Regierung zu Hause mit der
+Autorität auftreten kann, die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete
+rechtfertigen. Man wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat
+sein muss, ja dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im
+administrativen Wege ausgiebig geschützt werden können.
+
+Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver wird
+möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches lancirt und
+wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen bezeigt, die sich an dem
+Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und adelssüchtige Personen,
+grosse Banken, reiche Financiers, hohe Aristokraten und Prälaten werden
+sich dann bereit finden lassen, die Actien zu zeichnen.
+
+Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien seinen Besitz
+gegen Actien verkauft.
+
+Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, so müsste
+man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse an die
+Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage von 100 fl.
+concessioniren.
+
+Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was den
+Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den Kopf
+gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten die Anhänger
+beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, ihr
+räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der unbeschäftigten Arbeiter
+nach einem neuen Asyle würde einerseits dem Elende auch bei uns steuern,
+andererseits der gefährlichen socialistischen Agitation die Spitze
+abbrechen und ihr die Streitkräfte entziehen.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane noch Analogie
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes endlich Ausweisung aus dem
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt. welche gemeinsamen
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vorteil beschafft werden können,
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+
+ Aufname oder Aufname als Bürger erlangen können und zwar gegen
+ Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Mann
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+
+ Admistration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+ Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kathegorien
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+
+ hat, seine Sfäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+ hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+
+ einmal daran gewöhnt ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+ einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
+
+***** This file should be named 29905-0.txt or 29905-0.zip *****
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+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
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+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+ of receipt of the work.
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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index 0000000..cb24746
--- /dev/null
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index 0000000..3f0abbf
--- /dev/null
+++ b/29905-8.txt
@@ -0,0 +1,1400 @@
+The Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Viribus unitis
+ Wie könnte die europäische Cultur nach Bosnien verpflanzt werden?
+
+Author: Josef Neupauer
+
+Release Date: September 4, 2009 [EBook #29905]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+ ]
+
+
+
+
+ VIRIBUS UNITIS.
+
+
+ Wie könnte
+ die
+ EUROPÄISCHE CULTUR
+ nach
+ Bosnien verpflanzt werden?
+
+
+ Von
+ Dr. Josef Neupauer.
+
+
+ WIEN, 1884.
+ Im Selbstverlage des Verfassers.
+
+
+ Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger & Co., Teschen.
+
+
+
+
+I.
+
+Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung des Occupationsgebietes
+auf der Balkanhalbinsel wird folgender Vorschlag gemacht.
+
+
+Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von 30
+Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in Wien
+gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200 fl. und auf den
+Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals eingezahlt und die
+weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses eingefordert. Nach voller
+Einzahlung des Actiencapitals können mit Genehmigung der Regierung
+Prioritäten bis zum Maximalbetrage von 60 Millionen ausgegeben werden.
+
+Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die Rückzahlung
+des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb 50 Jahren.
+
+Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete ein
+im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain bis zur
+Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt successive,
+nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass nicht nur aller
+Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken und Industrie-Etablissements,
+sondern auch alle Communicationen, Strassen, Wasserwege etc., etwa mit
+Ausnahme der bereits bestehenden Eisenbahnen, in deren Privateigenthum
+übergehen. Von diesem Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen
+begrenzten Gebrauch und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf
+und nöthigenfalls Expropriation nach Massgabe der materiellen,
+moralischen und civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt.
+
+Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme einer
+Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs- noch Justiz- noch
+Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von jeder Art von Steuern und
+sonstigen Auflagen und bezieht dafür aus den Ueberschüssen der
+Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher mit 10 fl. pr. Kopf der
+jeweilig am 31. December des Vorjahres im Gesellschaftsgebiete
+conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet wird, welcher Pauschalbetrag
+aber von 5 zu 5 Jahren um je einen Gulden pr. Kopf steigt, somit im
+letzten Decennium der Concessionsdauer 19 fl. pr. Kopf erreicht.
+
+Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach Amortisation des
+Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen Rückzahlung des noch
+aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen das ganze immobile und mobile,
+im occupirten Terrain investirte Vermögen der Gesellschaft zu.
+
+Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von 20 Jahren Gebrauch,
+so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent zu refundiren.
+
+Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar nicht für mehr
+als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung vertheilten höheren
+Dividenden werden aber nicht zurückerstattet. Die Regierung bestimmt den
+Zeitpunkt, von welchem ab die Actien durch Verlosung eingezogen werden,
+und den Verlosungsplan, sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden
+Formalitäten.
+
+Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction
+abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales dürfen
+keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals und die laufende
+Amortisationsquote herausgezogen werden.
+
+Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen der Regierung
+aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung des Unternehmens,
+zur Hebung der materiellen Lage und der intellectuellen und moralischen
+Qualität der Bewohner, zur Vermehrung des Viehstandes, Hebung der
+Landwirthschaft, Aufschliessung der Bergschätze und Begründung jener
+Industrieen, welche die Deckung des heimischen Bedarfes und die
+exportfähige Verarbeitung der Landesproducte ermöglichen, verwendet
+werden.
+
+Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige
+Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen, da diese beiden
+Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich sind.
+
+Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan der
+Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung der
+Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der Genehmigung der
+österreichischen Regierung und ist hier, sowie überall in dieser Schrift
+unter der österreichischen Regierung die gemeinsame Regierung und ihr
+Verwaltungsapparat verstanden.
+
+Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die sonstige
+Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung.
+
+Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen.
+
+Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe, bezüglich der
+Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären Einrichtungen, dann
+bezüglich der Communicationen, Schutzbauten gegen Elementarschäden und
+der rationellen Einrichtung der Wald- und Feldcultur werden die
+weitestgehenden Anforderungen an die Gesellschaft gestellt und hat sie
+alle Anordnungen der Regierung, soweit sie durch die verfügbaren Mittel
+erfüllbar sind, bei Verlust der Concession und eines entsprechenden
+Theiles des Actiencapitales zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung
+unter gewissen Voraussetzungen die Sequestration des gesellschaftlichen
+Vermögens vorbehalten.
+
+Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der Regierung
+gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der Letzteren frei,
+das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von zehn Millionen Gulden auf
+dem beweglichen und unbeweglichen Besitze der Gesellschaft in der den
+Landesgesetzen entsprechenden Form zu erwirken.
+
+Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im administrativen
+Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen Beziehungen
+der Einwohner untereinander und Verbrechen und Vergehen, welche nicht
+der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+der Uebertretungen von Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von
+Dienstleuten überlassen bleiben, werden von den Gerichten der
+angrenzenden Gebiete abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und
+vollzogen.
+
+Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die Feststellung
+der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich innerhalb gewisser
+Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige Bewohner des
+österreichisch-ungarischen Gebietes gegen mässiges Entgeld in Erziehung
+und beziehungsweise Verpflegung zu übernehmen, sowie auch
+besserungsfähige, besonders jugendliche Verbrecher aus diesen Ländern
+aufzunehmen, für welche der Strafvollzug während der Dauer ihres
+Aufenthaltes im Gebiete der »Zadruga« und unter der Voraussetzung eines
+tadellosen Verhaltens aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer
+gewissen Zeit die Strafe ex lege erlassen ist.
+
+Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten Abgabe
+unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der Erzeugung noch beim
+Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe zu entrichten. Selbe ist nur
+von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten Producte zu erheben. Dagegen
+werden ihr die indirecten Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum
+auf ihr Gebiet eingeführten Artikeln vergütet.
+
+Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf dem
+Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende.
+
+Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den Communicationen
+des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr hat die Gesellschaft
+zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die Genehmigung der Regierung
+gebunden.
+
+Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen
+Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren Erfüllung
+seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen Wege
+erzwungen.
+
+Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die
+Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die
+Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der
+österreichischen Regierung einzuhohlen.
+
+Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen und
+haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und geistigen Getränken,
+Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern, zwangsweise
+Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder zu schwereren und
+unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung auf eine
+Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern ausserdem auf Confiscation
+eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+Gebiete der »Zadruga« zu beschränken.
+
+Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der
+Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes
+erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten Arbeit
+durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit.
+
+Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung setzt im
+Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung der
+österreichischen Verwaltungsorgane voraus.
+
+Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen,
+welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die
+Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen und moralischen
+Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen.
+
+Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist, wird
+derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem nur unter
+der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende das Gebiet
+sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern verlässt und auf
+Altersversorgung verzichtet.
+
+Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und jene
+Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so muss er sich
+über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu leisten ist, mit der
+Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei steht, ein solches
+Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener Kündigung das
+Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem Falle die Auszahlung des
+Guthabens unter obiger Bedingung zu erfolgen hat.
+
+
+
+
+II.
+
+
+Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen
+Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen,
+socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und wie
+das Capital beschafft werden kann.
+
+Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich
+statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen
+gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt.
+
+Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich vorhanden,
+wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden von
+Menschen, die materielle und geistige Cultur und die Wohlfahrt im Lande
+gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist, die masslose Ausbeutung
+der Arbeit durch das Capital, die moralische und physische Verderbniss
+der Bewohner des von der Expropriation getroffenen Gebietes
+hintanzuhalten und andere Theile des Landes von gefährlichen Elementen
+zu reinigen.
+
+Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung
+gerechtfertiget.
+
+Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen.
+
+Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange. Wo die
+Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen,
+beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen.
+
+Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+Würde die Regierung die Communicationen in systematischer Weise auf
+Kosten des Landes bauen, so würde Grund und Boden enorm im Werthe
+steigen und der Reichthum und die Macht der wenigen Grundbesitzer
+ausserordentlich erhöht werden, was vom politischen ebenso, wie vom
+socialen Standpunkte verkehrt wäre. Baut man aber nur einige
+Militärstrassen, so fehlt es denselben an Zufahrtsstrassen und sie haben
+einen geringen wirthschaftlichen Werth. Daher nun sehen wir, dass in
+Nordamerika die Landspeculation und die Schienenwege in Verbindung
+gebracht sind, wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte
+Wildnisse zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre
+Rechnung im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien.
+
+Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung der
+Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in der Cultur
+zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man noch weiter gehen
+und die Ländereien nicht verkaufen, sondern durch eine längere Periode
+selbst bewirthschaften.
+
+Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss
+gerechtfertigt.
+
+Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land und wenn man
+daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es gewiss erwünscht, von
+Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, dass jene Auswüchse
+verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen Einrichtungen im
+Allgemeinen verbunden sind und gegen welche, wenn sie einmal einreissen,
+kaum mehr Abhilfe gefunden werden kann.
+
+Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung,
+deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung neben
+grenzenlosem Elende ist und würde man es der Regierung gewiss Dank
+wissen, wenn sie dem Capital zu diesem Lande den Weg nur unter der
+Bedingung eröffnet, dass es dasselbe mit mässigem Gewinn befruchtet und
+den Nutzen mit dem Arbeiter redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht
+nur das Land, sondern auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist
+nicht zu bezweifeln.
+
+Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der
+Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht
+ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft
+jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche Wohnung,
+reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich bereitete
+Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten können, dass an die
+Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein treten wird, dass die
+Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten durch Maschinenbetrieb
+erleichtert werden.
+
+Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen können.
+
+Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen Anregung
+dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen aller Art
+einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen und Jedermann
+unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die traditionelle
+Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen Tanz und
+dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres Gepräge zu
+geben trachten; man wird in Ermangelung anderer Zerstreuungen des Abends
+vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge halten lassen, die anregen und
+belehren, zugleich aber erziehlich einwirken und das Volk daran erinnern
+sollen, wie seine Zustände sich verändert haben und um wie viel
+glücklicher unter der väterlichen Fürsorge des Kaisers sie sich
+gestalten als in anderen, viel reicheren Ländern und wird es bald
+möglich sein, den Eindruck solcher Belehrungen durch kleine
+theatralische Productionen zu verstärken.
+
+Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber an das panem
+et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und Anderes denken, was
+auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen hat, so wird man
+finden, dass in den angedeuteten Richtungen nichts so unbedeutend ist,
+dass man es geringachten könnte. Man wird aber auch finden, dass man
+heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten Ertrag der Arbeit und der
+vorgeschlagenen Einschränkung des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches
+wird bieten können.
+
+Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription der
+Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit der
+Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung des
+Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für Alles das
+Verdienst vindicirt wird.
+
+Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in Bosnien
+auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst aber
+schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass der
+Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung neigt und den
+Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene System,
+besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich dem Staate, also
+dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung des Systemes der
+Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft entlehnt ist.
+
+Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung über
+den Begriff der Familie in germanischen und romanischen Ländern hinaus,
+da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder unter
+einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+Haushalt, meist mit Ueberlassung der Hauswirthschaft an die nach
+gewisser Reihenfolge sich ablösenden Frauen, führt. Freilich bleibt da
+noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen und Erbrecht aufrechterhalten.
+Es liegt der Einrichtung aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke
+zu Grunde und ist die Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft.
+Wo das System der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist,
+müsste man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die
+Aufmerksamkeit darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was
+Anlass zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches auch
+durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und gewisse
+Vorrechte in sich schliessen würde.
+
+Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, vom Neuen
+angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend Dienste nehmen
+und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den Anschluss Propaganda
+machen. Die Expropriation würde sich daher auf den Grossgrundbesitz der
+Mahomedaner beschränken und auf politisch sehr gefährliche Elemente,
+welche keinen Anhang im Lande haben. Die Ausdehnung des
+gesellschaftlichen Territoriums würde mit der Zeit auch durch das System
+der Confiscation gefördert werden können, welches besonders bei Aufstand
+oder staatsgefährlichen Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame,
+Strafen zu ersetzen hätte.
+
+Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen,
+welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen enthielten,
+deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende
+Erfahrungen gemacht worden.
+
+Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden
+gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf keine Weise der
+Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, besser und
+schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens des Unternehmens
+hätte Oesterreich die mit der Uebernahme des europäischen Mandats
+verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise gelöst und seinen Beruf
+documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere Erwerbungen zu machen.
+
+Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der
+gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche
+Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die
+Gesellschaft bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, dass
+die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der Türkei
+und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich
+ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um indirect auch auf
+solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen Verwaltung
+noch nicht unterstehen.
+
+Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, welche
+die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.
+
+Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen schien
+und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, welch' wichtige
+Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe einnimmt, haben
+andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche Theorien
+regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer abfinden konnte. Es
+sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus und das
+Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in überraschend kurzer
+Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen Aufgaben bevor, in
+welchen gerade nur Oesterreich eine leitende Rolle zu übernehmen berufen
+ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, der Industrialismus droht
+England zu ruiniren und man kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die
+Nationalökonomie viel mehr auf Grund und Boden einerseits und auf
+tüchtiges Menschenmaterial andererseits, als auf Freihandel und
+übertriebenen Industrialismus zu fundiren ist.
+
+Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die Industrie als
+Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner
+wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn wo Alles
+ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen Aller sich
+ergeben.
+
+Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von der
+schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.
+
+Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, welche
+sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten zu
+ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die Bedingungen höherer
+materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen und nur das zu
+exportiren, was zum Austausch für nothwendige Güter erforderlich ist,
+die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+allerdings ein wirthschaftlich wichtiger Factor; diese Industrie ist
+aber bei gehörigem Schutze immer und überall binnen Kurzem zu schaffen,
+wo jungfräulicher Boden und gesunde Bewohner, von einer starken aber
+wohlwollenden Regierung geleitet, vorhanden sind.
+
+Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der politische
+Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dass
+die Parlamente nur dem Parteikampfe und den Sonderinteressen gewisser
+Classen dienen, dass sie niemals den Charakter einer eigentlichen
+Volksvertretung haben und dass die constitutionellen Regierungen alle
+Hände voll zu thun haben, um das Volk und das Staatsinteresse gegen die
+Vertretungskörper in Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der
+Politik, welcher doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur
+nach ohnehin keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das
+parlamentarische Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und
+eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.
+
+Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen
+Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das
+constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat sich
+schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische
+Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren und da
+andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips
+erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses Princips
+gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem Drucke dieses
+treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. Da ist es nun klar,
+dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende Rolle in der politischen
+und wirthschaftlichen Entwicklung Europas zu nehmen.
+
+Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze der
+constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer
+einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind, welche
+für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände noch nicht
+gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader ad
+absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein anderer civilisirter
+Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen Grenzen auszudehnen
+(was aus nationalen Antrieben hervorgegangene Staaten nur im
+beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische Missionen
+verschlossen sind), und das an Schätzen reiche, den nordamerikanischen
+Territorien verwandte Gebiet nicht nur der europäischen Türkei, sondern
+aller Staaten der Balkanhalbinsel in seinen Machtbereich zu ziehen. Nur
+Oesterreich kann die Staatsform für ein Gebiet finden, welches von
+nationaler Einheit absehen, auf welchem daher die directe Fürsorge des
+Monarchen für das Wohl des gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer
+Repräsentativ-Verfassung ein Ende machen muss.
+
+In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen Capitale
+unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke auch eine
+Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung aller
+Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges, von der
+Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste.
+
+Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde dahin
+führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische
+Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen, dass die
+Befugnisse des Starjesina der Gesellschaft dauernd übertragen werden
+müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung stehenden
+intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den eine kleine
+Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber auch das
+Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie würde sich nun
+als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches der Familie dieselbe
+Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+Das Bürgerrecht, dessen man nur durch Verbrechen verlustig gehen könnte,
+würde das Heimatsrecht und die damit verbundene Versorgung der Kranken
+und Arbeitsunfähigen, ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und
+Beruf nicht ohne freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen
+und für den Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den
+Volksabstimmungen das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden von
+diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende
+Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach einem vieljährigen
+Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser Aufführung.
+
+Im Falle der Einführung einer Verfassung -- jedenfalls erst nach
+Abfertigung der Gesellschaft -- wäre der bis dahin zur Entwicklung
+gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche zu
+erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes nicht verändert
+werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und Discussion der
+Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten Regierungsblatte
+in's Auge zu fassen.
+
+Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den Werth von
+Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen und
+Industrieen gab, welche nur langsam und ohne directen staatlichen
+Einfluss in's Leben gerufen werden können.
+
+Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft leisten kann,
+wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich geschützt ist.
+
+Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als
+Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer anonymen
+Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte Production
+erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom europäischer
+Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das Banner Oesterreichs
+flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an der Seite Deutschlands
+eine active Rolle übernehmen, die es bisher immer von der Hand gewiesen
+hat.
+
+Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige
+Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld des
+allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen, wenn er
+sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche Eigenthum
+veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen Art mit
+Lohnarbeitern bewirthschaften.
+
+Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von scheinbar
+geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits dafür zu
+sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet werden und da
+eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung Anstoss bei der
+Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige Erhebungen voraus
+gehen. Es wäre daher nicht nur die künftige Organisation des zu
+expropriirenden Territoriums zunächst nur nothdürftig zu enthüllen,
+sondern auch zu versuchen, ob nicht ein Gebiet in genügender Ausdehnung
+im Wege der Verhandlung allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der
+Widerstand Einzelner ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt
+sind und der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und
+physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der
+Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur
+Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen und
+Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die
+Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können.
+
+Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes ist aber
+zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig.
+
+Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr in's Gewicht
+fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde die Gesellschaft
+zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs zu reflectiren haben,
+die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen. Diese Begs dürften zum
+Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls hat man nichts von den
+Christen zu besorgen, wenn man gegen die der Zahl nach geringen
+türkischen Einwohner mit der Expropriation vorgeht. Auch wäre es
+erwünscht, wenn die Mahomedaner sich nach und nach aus Bosnien
+zurückzögen, da die Verwaltung einer christlichen Regierung sich auf die
+Dauer mit dem mahomedanischen Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde
+die Administration vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu
+ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die neue
+Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt überall zu
+finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche Sonderung der
+Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die Verwaltung unläugbar
+ein grosser Gewinn wäre.
+
+Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine
+Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern. Elemente
+für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das Land ist
+von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit und ebenso
+vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum geringeren Theile
+indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele Stämme an Fleiss
+und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe verwendbaren,
+Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden können. Mahomedaner
+und Arnauten müssen, zunächst wenigstens, zurückgedrängt, die Griechen
+vom Aberglauben und Schacher abgezogen werden und bald wird das Volk
+fühlen, dass es unter den neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen
+unsichtbaren Herrn über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner
+nicht empfindlich ist, dass aber doch nur der Einzelne für die
+Gesammtheit arbeitet und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven
+congeniale Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst
+herankömmt, nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den
+die Zeit mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf
+abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und daher
+bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen muss, bietet
+sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction leicht thun kann,
+mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird er predigen, was man ihm
+vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben ausrotten helfen und den
+gläubigen Sinn des Volkes der österreichischen Regierung dienstbar
+machen. Hierin muss man allerdings ein wenig Geduld haben und dafür
+sorgen, dass die Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine
+entsprechende Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine
+blosse Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und
+den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben die
+Gesellschaft.
+
+An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man selbstverständlich
+überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth aufdrängen, sondern der
+natürlichen Wahl des Volkes überlassen, wo immer man auf einen
+wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann. Eine Art von Luxus, einen Wunsch
+nach Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen, soweit selbe durch
+organisirte Arbeit erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man
+civilisiren will und bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und
+Functionäre, ihre Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und
+zeigt sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in
+die Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald
+ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen kömmt. Es
+wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie betrachten, man
+wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten Familien
+übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche Verfassung auf
+patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch aus dem Volke
+hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter annimmt. Dabei
+bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein der
+entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit und das Aufhören eines
+jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft verkörperte Vereinigung,
+einen Kitt, der die Familienbeziehung schliesslich über die Grenzen der
+Gemeinde hinaus erweitert und da ja doch für den Denkenden jede
+politische Frage nur eine Magenfrage ist, wird bald die Politik in der
+wirthschaftlichen Einrichtung gänzlich aufgehen und ein Zustand
+eintreten, wo unter der Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle
+für Einen einstehen.
+
+Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene
+wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der bestehenden
+Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt statthaft,
+vom politischen vortheilhaft.
+
+Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner
+eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der Convention
+liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich die
+Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht nur die
+Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche Gang der
+wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass der
+verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört zu herrschen
+und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und entweder auswandert,
+oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft seine Kinder zur
+Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus aus. Da aber die neuen
+Einrichtungen Jedem, der arbeitet, eine menschenwürdige Existenz
+eröffnen, kann Niemand es beklagen, dass der faule, grausame und
+herrschsüchtige Mahomedaner den Folgen seiner Laster erliegt und im
+schlimmsten Falle der Versorgung der Gemeinde oder der Arbeit
+anheimfällt. In politischer Beziehung würde dieser Erfolg der
+Administration Oesterreich nur Vortheile bringen. Es lässt sich ja doch
+die orientalische Frage in populärer Weise nicht anders ausdrücken als
+»hinaus mit den Türken«. Nirgends wird man daraus Oesterreich einen
+Vorwurf machen.
+
+Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik
+am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall klatschen
+müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet haben, dass man die
+Türken aus Europa verjagen, die unterjochten Christen ihrer Herrschaft
+entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird sich dagegen auflehnen, und
+einer starken, zielbewussten Politik wäre ein energischer Protest zur
+gegebenen Zeit nur willkommen, da sich daran die Weiterführung unseres
+Werkes anknüpfen lässt.
+
+Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie
+unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb der bisher
+factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete liegt, ist
+dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann wohl behauptet
+werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht in Anspruch
+genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten ausführbar erscheint,
+da der Einfluss Russlands momentan geschwächt ist, und ist es selbst
+abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein solches Recht bei
+gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen Besitz neuer
+Befugnisse zu gelangen.
+
+Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche
+Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht auch Erhöhung
+der physischen Tüchtigkeit der eingebornen Bewohner für die Wehrkraft
+Oesterreichs. Da die gesellschaftliche Erziehung, welche in Wirklichkeit
+eine staatliche wäre, von den ersten Kinderjahren an in Krippen,
+Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen bis zum Alter der Militärpflicht
+auf die Jugend wirken und die militärische Ausbildung vorbereiten würde,
+wäre ohne Zweifel ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung
+der Monarchie von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten.
+
+Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der Regierung zur
+Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen, zur gelegenen Zeit
+das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden oder eine
+bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren und die verbleibenden
+Actien insgeheim für die Regierung aus Fonden einzulösen, welche der
+parlamentarischen Controlle entzogen sind. Es könnte dann der
+österreichische Fiscus anonym unter der Firma einer Actiengesellschaft
+operiren und das Unternehmen ausschliesslich im Staatsinteresse
+fortführen.
+
+Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen
+Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses aller
+concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens
+gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch Grund in Bosnien
+auf 20 fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000 fl.
+
+Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben, bewohnt von
+etwa 6-7000 Menschen, so würden Grund und Boden auf eine Million, der
+Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen zu stehen kommen und
+ein Betrag von sieben Millionen würde reichlich genügen, um dieses
+Gebiet für Landwirthschaft, Industrie und Bergbau zu investiren.
+
+Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des
+Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden.
+
+Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit erprobt und der
+Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass sie ohne Zweifel
+von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig Quadrat-Meilen ihrem
+Gebiete einverleiben könnte und in längstens zwölf Jahren dürfte sich
+ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen und ihre Bevölkerung
+mit Einrechnung der Einwanderer auf etwa eine Million belaufen.
+
+Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation
+neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die aushaftenden 18
+Millionen auf das Actiencapital einzufordern und weiters nach Bedarf
+Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten der Civilisation und
+der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte nach und nach sicher
+ausreichen dürften, die Neuinvestirungen, zum grösseren Theile
+wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital von 90 Millionen an
+Actien und Prioritäten wahrscheinlich genügen, um den ganzen Plan
+durchzuführen.
+
+Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung des
+gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo immer Gemeindeeigenthum,
+Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter sich befinden, wird es sofort
+thunlich sein, diese Territorien auf Grund von Pachtverträgen auf 50
+Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb einzubeziehen. Die Investirungen
+auf den Staatsgütern schaffen gar keine Complicationen, weil das
+Gesellschaftsvermögen ohnehin dem Staate zufällt und die Investirungen
+auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern würden entweder auf den Rückfall
+nach 50 Jahren berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der
+Staat nach Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten
+der Fonde lösen könnte.
+
+Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch vermehren,
+ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe zur Expropriation zu
+greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung von Grund und Boden
+aufzuwenden. Es wurde schon oben die Wahrscheinlichkeit des Beitrittes
+der Hauscommunionen und die Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen
+könnte. Man glaubt, dass auch die Priester für diesen Beitritt agitiren
+würden und Personen, die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben,
+dass sich für das Project unter der serbischen Bevölkerung leicht
+Propaganda machen liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es
+umso sicherer in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für
+die Aufnahme von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form
+finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur
+Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich
+schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung
+gegenüber immerhin die Stellung des Starjesina einnehmen.
+
+Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren Lohn auf
+Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und Werkführer oder
+Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete Beamte würden Lohn
+oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung gewährt und von
+Jahr zu Jahr steigen würde, um die Erhaltung der tüchtigen Elemente zu
+sichern.
+
+Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine Ausdehnung
+von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer von
+50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit der Zeit nicht die
+Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession ergäbe.
+
+Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung von fünf
+Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen genügen, so
+müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der laufenden
+Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000 fl. erreicht werden,
+was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen, einem fruchtbaren
+Boden und der so vortheilhaften Organisation der Arbeit und Verwaltung,
+gewiss leicht zu erreichen ist. Das umsomehr, nachdem mindestens sieben
+Millionen ausser dem erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und
+deren Verzinsung nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente
+resultirt.
+
+Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren auf einen
+pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem Capitale
+entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts weniger als
+schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten, die vernünftig
+angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den Bewohnern für das
+gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen Propaganda zu machen.
+
+Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen und Amortisation
+aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. Auf dem Gebiete
+der »Zadruga« ist durch die Production vor Allem für den Bedarf der
+eigenen Leute reichlich zu sorgen, wobei eben jede Concurrenz
+ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist daran zu denken, den Markt in
+Bosnien und den angrenzenden Gebieten zu erobern, was industriell und
+mercantil gleich geringe Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete
+bisher ihren Bedarf meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon
+besser geschulte Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das
+Bessere erzeugen. Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage
+ihres Gebietes und die darauf berechneten, neu angelegten
+Communicationen dabei dem Auslande voraus.
+
+Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen würde
+die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, Obst,
+Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. Man darf
+auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu denken.
+Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der gesellschaftlichen
+Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, welches das Land,
+in welchem persönliche Sicherheit herrscht und Communicationen aller
+Art hergestellt sind, massenhaft besuchen würde. Die Naturschönheiten
+ebenso, wie ethnographische, archäologische, geologische und
+volkswirthschaftliche Studien würden viele Tausende dahin führen und
+wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein grosses Hôtel mit allen
+erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der Pensionen würde erweitert
+und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+eine alle Reisebedürfnisse umfassende Versorgung geboten. Für ein
+Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche Unterkunft und
+Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche glänzenden Haushalt,
+Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere ohne kleinliche
+Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen Bazars würde man sich
+mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, bei welcher der Reisende
+seine Baarschaft deponirt, würde sich am Ende der Reise mit ihm
+verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles umfassenden Vortheile der
+einheitlich organisirten Volkswirthschaft für Production sowohl als
+Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was der Saldosaal für den
+Geldverkehr.
+
+Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen ist
+ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund und Boden in 50 Jahren in
+Betracht zu ziehen und kann auf Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes
+und aller in den ersten Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der
+Jahresgewinn bilancirt und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf
+Grund dieser Erhöhung des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate
+zufällt, kann derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und
+Capital garantiren.
+
+Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden und wird der
+Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, so wird das
+finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich auch nicht in
+baarem Gelde ausdrückt.
+
+Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen fruchtbaren
+Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und der Werth des
+Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss sich, abgesehen
+von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der Jahre anhäufen und zum
+gesellschaftlichen Vermögen gehören, um das Zehnfache erhöhen. Obwohl
+der gesellschaftliche Besitz gewissermassen dem Verkehr entzogen wird,
+kann doch die Erhöhung der jährlichen Production und die Vermehrung der
+Bevölkerung, worüber die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges
+statistisches Material liefern, als eine Grundlage für die Schätzung
+dieser Werthserhöhung dienen.
+
+Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen zur
+Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Es ist
+längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten menschlicher
+Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen empfänglich ist
+und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, dass humane und milde
+Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für sein Wohl den Arbeitsgeber
+bereichern. Es ist dabei in Rechnung zu ziehen, dass Ordnung und
+Regelmässigkeit allen Unternehmungen, insbesondere aber den
+wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten Grade förderlich ist.
+
+Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit und
+Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf einem
+grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn gibt, der
+zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, wenn übrigens
+die Regierung diese alle Beziehungen umfassende Gewalt in Schranken
+hält.
+
+Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist zwar evident,
+allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um Bedenken zu
+beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen Verhältnisse
+auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen ein Präcedens, das
+einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits andeutet, welchen
+Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung auf die Stärkung der
+Regierungsgewalt nehmen wird.
+
+Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der Jesuitenrepublik
+in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der Herrenhutergemeinde, so
+kann ein wirthschaftliches Bedenken keinesfalls aufkommen.
+
+Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz respectable
+Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum bemühen wollte, die
+bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren Stand der Ausbildung zu
+bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, abgesehen davon, dass es
+nichts Vernünftigeres geben könnte, als die arme Bevölkerung des
+Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie in ein Land zu versetzen, wo
+Milch und Honig fliesst und der Zwischenhandel sich ersparen liesse.
+
+Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen
+Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und
+culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch in
+Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. Die
+Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit und
+Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten Staates
+überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt wegzuräumen,
+um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur Zeit der Nürnbergereier
+die Remontoiruhr erfunden worden wäre, hätte kein Besitzer eines
+Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr in eine Remontoiruhr umzuwandeln,
+dafür aber auch Niemand, der eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten
+Ei gegriffen. Man wird aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss,
+es wachse, wie ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn
+ein Eingriff in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser
+Eingriff ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den
+Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu üben.
+Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die Volksschule
+zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der Staat seine Befugnisse
+erweitert und auch in der Volkswirthschaft nicht nur leitend, sondern
+verwaltend eingreift. Bald wird man einsehen, dass der Staat den Beruf
+hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+Beruf hat, Unternehmer zu sein.
+
+Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst
+wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art unter
+staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, dass der
+Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft nicht blos zu
+fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme die Wege zu weisen.
+
+Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die Kinder acht
+Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der Wiege und den
+ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und gepflegt werden. Da schon
+werden die Keime einer verfehlten physischen, geistigen und moralischen
+Entwicklung gelegt und die Priester würden sich nie mit der blossen
+Schulaufsicht begnügen, sie wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der
+frühesten Kindheit eingeprägt werden müssen, wenn sie Wurzel fassen
+sollen. Ein gleiches Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern
+einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+Arbeitszeit auch schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege
+und Erziehung zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der
+Familie dadurch frei wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie
+liegt, so wird die Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung
+bald begreifen.
+
+Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen
+Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.
+
+Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege ganz anders
+schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur und die allzusehr
+herabgesetzte politische Administration wird wieder zu Ehren kommen.
+
+Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, wenn
+neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne Richter und Anwälte,
+ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken und Geld und ohne Deputirte
+aufrichtet und wenn die constitutionelle Regierung zu Hause mit der
+Autorität auftreten kann, die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete
+rechtfertigen. Man wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat
+sein muss, ja dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im
+administrativen Wege ausgiebig geschützt werden können.
+
+Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver wird
+möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches lancirt und
+wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen bezeigt, die sich an dem
+Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und adelssüchtige Personen,
+grosse Banken, reiche Financiers, hohe Aristokraten und Prälaten werden
+sich dann bereit finden lassen, die Actien zu zeichnen.
+
+Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien seinen Besitz
+gegen Actien verkauft.
+
+Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, so müsste
+man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse an die
+Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage von 100 fl.
+concessioniren.
+
+Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was den
+Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den Kopf
+gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten die Anhänger
+beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, ihr
+räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der unbeschäftigten Arbeiter
+nach einem neuen Asyle würde einerseits dem Elende auch bei uns steuern,
+andererseits der gefährlichen socialistischen Agitation die Spitze
+abbrechen und ihr die Streitkräfte entziehen.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane noch Analogie
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes endlich Ausweisung aus dem
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt. welche gemeinsamen
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vorteil beschafft werden können,
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+
+ Aufname oder Aufname als Bürger erlangen können und zwar gegen
+ Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Mann
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+
+ Admistration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+ Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kathegorien
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+
+ hat, seine Sfäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+ hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+
+ einmal daran gewöhnt ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+ einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
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+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
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+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
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+ <title>The Project Gutenberg eBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer</title>
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+The Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Viribus unitis
+ Wie könnte die europäische Cultur nach Bosnien verpflanzt werden?
+
+Author: Josef Neupauer
+
+Release Date: September 4, 2009 [EBook #29905]
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO-8859-1
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
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+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
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+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>,
+der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p>
+</div>
+
+<div style="border: 1px solid black; margin: auto; width: 24em; padding: 2em;">
+<h1 style="line-height: 1.7em;">
+<span class="gesperrt">VIRIBUS UNITIS.</span><br/><br/>
+
+Wie könnte<br/>
+<small>die</small><br/>
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+<small>nach</small><br/>
+Bosnien verpflanzt werden?</h1>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.7em;"><small>Von</small><br/>
+<big>Dr. Josef Neupauer.</big></p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 120px;">
+<img src="images/emblem.png" width="120" height="34" alt="" title="" />
+</div>
+
+<p class="center" style="line-height: 1.7em;">WIEN, 1884.<br/>
+<small class="gesperrt">Im Selbstverlage des Verfassers.</small></p>
+</div>
+
+
+<p class="center" style="margin-top: 4em;"><small>Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger &amp; Co., Teschen.</small></p>
+
+
+
+
+<div class="new-h2">&nbsp;</div>
+<div><span class="pagenum"><a name="Page_3">3</a></span></div>
+<h2>I.</h2>
+
+<p class="center" style="margin: 0em auto 2em auto; width: 28em;"><big>Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung
+des Occupationsgebietes auf der Balkanhalbinsel
+wird folgender Vorschlag gemacht.</big></p>
+
+
+<p>Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von
+30 Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in
+Wien gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200&nbsp;fl. und
+auf den Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals
+eingezahlt und die weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses
+eingefordert. Nach voller Einzahlung des Actiencapitals können
+mit Genehmigung der Regierung Prioritäten bis zum Maximalbetrage
+von 60 Millionen ausgegeben werden.</p>
+
+<p>Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die
+Rückzahlung des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb
+50 Jahren.</p>
+
+<p>Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete
+ein im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain
+bis zur Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt
+successive, nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass
+nicht nur aller Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken
+und Industrie-Etablissements, sondern auch alle Communicationen,
+Strassen, Wasserwege etc., etwa mit Ausnahme der bereits bestehenden
+Eisenbahnen, in deren Privateigenthum übergehen. Von diesem
+Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen begrenzten Gebrauch
+und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf und nöthigenfalls
+Expropriation nach Massgabe der materiellen, moralischen und
+civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_4">4</a></span>
+Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme
+einer Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs-
+noch Justiz- noch Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von
+jeder Art von Steuern und sonstigen Auflagen und bezieht dafür
+aus den Ueberschüssen der Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher
+mit 10&nbsp;fl. pr. Kopf der jeweilig am 31. December des Vorjahres
+im Gesellschaftsgebiete conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet
+wird, welcher Pauschalbetrag aber von 5 zu 5 Jahren um je einen
+Gulden pr. Kopf steigt, somit im letzten Decennium der Concessionsdauer
+19&nbsp;fl. pr. Kopf erreicht.</p>
+
+<p>Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach
+Amortisation des Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen
+Rückzahlung des noch aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen
+das ganze immobile und mobile, im occupirten Terrain investirte
+Vermögen der Gesellschaft zu.</p>
+
+<p>Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von
+20 Jahren Gebrauch, so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent
+zu refundiren.</p>
+
+<p>Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar
+nicht für mehr als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung
+vertheilten höheren Dividenden werden aber nicht zurückerstattet.
+Die Regierung bestimmt den Zeitpunkt, von welchem ab
+die Actien durch Verlosung eingezogen werden, und den Verlosungsplan,
+sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden Formalitäten.</p>
+
+<p>Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction
+abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales
+dürfen keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals
+und die laufende Amortisationsquote herausgezogen werden.</p>
+
+<p>Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen
+der Regierung aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung
+des Unternehmens, zur Hebung der materiellen Lage und
+der intellectuellen und moralischen Qualität der Bewohner, zur
+Vermehrung des Viehstandes, Hebung der Landwirthschaft, Aufschliessung
+<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span>der Bergschätze und Begründung jener Industrieen, welche
+die Deckung des heimischen Bedarfes und die exportfähige Verarbeitung
+der Landesproducte ermöglichen, verwendet werden.</p>
+
+<p>Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige
+Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen,
+da diese beiden Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich
+sind.</p>
+
+<p>Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan
+der Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung
+der Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der
+Genehmigung der österreichischen Regierung und ist hier, sowie
+überall in dieser Schrift unter der österreichischen Regierung die
+gemeinsame Regierung und ihr Verwaltungsapparat verstanden.</p>
+
+<p>Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die
+sonstige Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung.</p>
+
+<p>Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen.</p>
+
+<p>Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe,
+bezüglich der Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären
+Einrichtungen, dann bezüglich der Communicationen, Schutzbauten
+gegen Elementarschäden und der rationellen Einrichtung der Wald-
+und Feldcultur werden die weitestgehenden Anforderungen an die
+Gesellschaft gestellt und hat sie alle Anordnungen der Regierung,
+soweit sie durch die verfügbaren Mittel erfüllbar sind, bei Verlust
+der Concession und eines entsprechenden Theiles des Actiencapitales
+zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung unter gewissen Voraussetzungen
+die Sequestration des gesellschaftlichen Vermögens
+vorbehalten.</p>
+
+<p>Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der
+Regierung gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der
+Letzteren frei, das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von
+zehn Millionen Gulden auf dem beweglichen und unbeweglichen
+Besitze der Gesellschaft in der den Landesgesetzen entsprechenden
+Form zu erwirken.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span>
+Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im
+administrativen Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen
+Beziehungen der Einwohner untereinander und Verbrechen
+und Vergehen, welche nicht der disciplinaren Ahndung
+durch die Gesellschaftsorgane <ins title="noch">nach</ins> Analogie der Uebertretungen von
+Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von Dienstleuten überlassen
+bleiben, werden von den Gerichten der angrenzenden Gebiete
+abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und vollzogen.</p>
+
+<p>Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die
+Feststellung der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich
+innerhalb gewisser Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige
+Bewohner des österreichisch-ungarischen Gebietes gegen
+mässiges Entgeld in Erziehung und beziehungsweise Verpflegung zu
+übernehmen, sowie auch besserungsfähige, besonders jugendliche
+Verbrecher aus diesen Ländern aufzunehmen, für welche der
+Strafvollzug während der Dauer ihres Aufenthaltes im Gebiete der
+»Zadruga« und unter der Voraussetzung eines tadellosen Verhaltens
+aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer gewissen Zeit
+die Strafe ex lege erlassen ist.</p>
+
+<p>Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten
+Abgabe unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der
+Erzeugung noch beim Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe
+zu entrichten. Selbe ist nur von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten
+Producte zu erheben. Dagegen werden ihr die indirecten
+Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum auf ihr Gebiet eingeführten
+Artikeln vergütet.</p>
+
+<p>Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf
+dem Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende.</p>
+
+<p>Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den
+Communicationen des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr
+hat die Gesellschaft zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die
+Genehmigung der Regierung gebunden.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span>
+Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen
+Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren
+Erfüllung seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen
+Wege erzwungen.</p>
+
+<p>Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die
+Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die
+Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der österreichischen
+Regierung einzuhohlen.</p>
+
+<p>Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen
+und haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und
+geistigen Getränken, Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern,
+zwangsweise Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder
+zu schwereren und unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung
+auf eine Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern
+ausserdem auf Confiscation eines Theiles des gutgeschriebenen <ins title="Lohnes">Lohnes,</ins>
+endlich Ausweisung aus dem Gebiete der »Zadruga« zu beschränken.</p>
+
+<p>Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der
+Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes
+erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten
+Arbeit durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit.</p>
+
+<p>Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung
+setzt im Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung
+der österreichischen Verwaltungsorgane voraus.</p>
+
+<p>Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen,
+welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern
+auch die Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen
+und moralischen Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen.</p>
+
+<p>Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist,
+wird derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem
+nur unter der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende
+das Gebiet sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern
+verlässt und auf Altersversorgung verzichtet.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span>
+Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und
+jene Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so
+muss er sich über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu
+leisten ist, mit der Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei
+steht, ein solches Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener
+Kündigung das Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem
+Falle die Auszahlung des Guthabens unter obiger Bedingung zu
+erfolgen hat.</p>
+
+
+
+<div class="new-h2">&nbsp;</div>
+<div><span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span></div>
+<h2>II.</h2>
+
+
+<p>Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen
+Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen,
+socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und
+wie das Capital beschafft werden kann.</p>
+
+<p>Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich
+statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen
+gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt.</p>
+
+<p>Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich
+vorhanden, wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden
+von Menschen, die materielle und geistige Cultur und die
+Wohlfahrt im Lande gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist,
+die masslose Ausbeutung der Arbeit durch das Capital, die moralische
+und physische Verderbniss der Bewohner des von der Expropriation
+getroffenen Gebietes hintanzuhalten und andere Theile des
+Landes von gefährlichen Elementen zu reinigen.</p>
+
+<p>Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung
+gerechtfertiget.</p>
+
+<p>Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen.</p>
+
+<p>Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange.
+Wo die Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen,
+beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen.</p>
+
+<p>Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich
+nicht <ins title="heben">heben.</ins> Würde die Regierung die Communicationen in systematischer
+Weise auf Kosten des Landes bauen, so würde Grund
+und Boden enorm im Werthe steigen und der Reichthum und die
+Macht der wenigen Grundbesitzer ausserordentlich erhöht werden,
+was vom politischen ebenso, wie vom socialen Standpunkte verkehrt
+<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span>wäre. Baut man aber nur einige Militärstrassen, so fehlt es denselben
+an Zufahrtsstrassen und sie haben einen geringen wirthschaftlichen
+Werth. Daher nun sehen wir, dass in Nordamerika die Landspeculation
+und die Schienenwege in Verbindung gebracht sind,
+wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte Wildnisse
+zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre Rechnung
+im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien.</p>
+
+<p>Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung
+der Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in
+der Cultur zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man
+noch weiter gehen und die Ländereien nicht verkaufen, sondern
+durch eine längere Periode selbst bewirthschaften.</p>
+
+<p>Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss
+gerechtfertigt.</p>
+
+<p>Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land
+und wenn man daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es
+gewiss erwünscht, von Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen,
+dass jene Auswüchse verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen
+Einrichtungen im Allgemeinen verbunden sind und gegen
+welche, wenn sie einmal einreissen, kaum mehr Abhilfe gefunden
+werden kann.</p>
+
+<p>Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung,
+deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung
+neben grenzenlosem Elende ist und würde man es der
+Regierung gewiss Dank wissen, wenn sie dem Capital zu diesem
+Lande den Weg nur unter der Bedingung eröffnet, dass es dasselbe
+mit mässigem Gewinn befruchtet und den Nutzen mit dem Arbeiter
+redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht nur das Land, sondern
+auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist nicht zu bezweifeln.</p>
+
+<p>Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der
+Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht
+ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft
+<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span>jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche
+Wohnung, reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich
+bereitete Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten
+können, dass an die Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein
+treten wird, dass die Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten
+durch Maschinenbetrieb erleichtert werden.</p>
+
+<p>Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen
+können.</p>
+
+<p>Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen
+Anregung dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen
+aller Art einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen
+und Jedermann unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die
+traditionelle Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen
+Tanz und dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres
+Gepräge zu geben trachten; man wird in Ermangelung anderer
+Zerstreuungen des Abends vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge
+halten lassen, die anregen und belehren, zugleich aber erziehlich
+einwirken und das Volk daran erinnern sollen, wie seine Zustände
+sich verändert haben und um wie viel glücklicher unter der väterlichen
+Fürsorge des Kaisers sie sich gestalten als in anderen, viel
+reicheren Ländern und wird es bald möglich sein, den Eindruck
+solcher Belehrungen durch kleine theatralische Productionen zu verstärken.</p>
+
+<p>Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber
+an das panem et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und
+Anderes denken, was auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen
+hat, so wird man finden, dass in den angedeuteten Richtungen
+nichts so unbedeutend ist, dass man es geringachten könnte. Man
+wird aber auch finden, dass man heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten
+Ertrag der Arbeit und der vorgeschlagenen Einschränkung
+des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches wird bieten können.</p>
+
+<p>Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription
+der Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit
+<span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span>der Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung
+des Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für
+Alles das Verdienst vindicirt wird.</p>
+
+<p>Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in
+Bosnien auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst
+aber schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen,
+dass der Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung
+neigt und den Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene
+System, besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich
+dem Staate, also dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung
+des Systemes der Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft
+entlehnt ist.</p>
+
+<p>Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung
+über den Begriff der Familie in germanischen und romanischen
+Ländern hinaus, da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder
+unter einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte <ins title="darstellt.">darstellt,</ins>
+welche gemeinsamen Haushalt, meist mit Ueberlassung der
+Hauswirthschaft an die nach gewisser Reihenfolge sich ablösenden
+Frauen, führt. Freilich bleibt da noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen
+und Erbrecht aufrechterhalten. Es liegt der Einrichtung
+aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke zu Grunde und ist die
+Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft. Wo das System
+der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist, müsste
+man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die Aufmerksamkeit
+darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was Anlass
+zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches
+auch durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und
+gewisse Vorrechte in sich schliessen würde.</p>
+
+<p>Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien,
+vom Neuen angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend
+Dienste nehmen und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den
+Anschluss Propaganda machen. Die Expropriation würde sich daher
+auf den Grossgrundbesitz der Mahomedaner beschränken und auf
+<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span>politisch sehr gefährliche Elemente, welche keinen Anhang im Lande
+haben. Die Ausdehnung des gesellschaftlichen Territoriums würde
+mit der Zeit auch durch das System der Confiscation gefördert
+werden können, welches besonders bei Aufstand oder staatsgefährlichen
+Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame, Strafen zu ersetzen
+hätte.</p>
+
+<p>Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen,
+welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen
+enthielten, deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende
+Erfahrungen gemacht worden.</p>
+
+<p>Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden
+gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf
+keine Weise der Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles,
+besser und schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens
+des Unternehmens hätte Oesterreich die mit der Uebernahme
+des europäischen Mandats verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise
+gelöst und seinen Beruf documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere
+Erwerbungen zu machen.</p>
+
+<p>Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der
+gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche
+Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die Gesellschaft
+bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen,
+dass die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der
+Türkei und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich
+ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um
+indirect auch auf solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen
+Verwaltung noch nicht unterstehen.</p>
+
+<p>Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen,
+welche die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.</p>
+
+<p>Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen
+schien und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt,
+welch' wichtige Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe
+einnimmt, haben andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche
+<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span>Theorien regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer
+abfinden konnte. Es sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus
+und das Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in
+überraschend kurzer Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen
+Aufgaben bevor, in welchen gerade nur Oesterreich eine leitende
+Rolle zu übernehmen berufen ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht,
+der Industrialismus droht England zu ruiniren und man
+kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die Nationalökonomie viel
+mehr auf Grund und Boden einerseits und auf tüchtiges Menschenmaterial
+andererseits, als auf Freihandel und übertriebenen Industrialismus
+zu fundiren ist.</p>
+
+<p>Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die
+Industrie als Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner
+wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn
+wo Alles ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen
+Aller sich ergeben.</p>
+
+<p>Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von
+der schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.</p>
+
+<p>Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie,
+welche sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten
+zu ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die
+Bedingungen höherer materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen
+und nur das zu exportiren, was zum Austausch für nothwendige
+Güter erforderlich ist, die im Inlande nicht oder nicht mit <ins title="Vorteil">Vortheil</ins>
+beschafft werden können, allerdings ein wirthschaftlich wichtiger
+Factor; diese Industrie ist aber bei gehörigem Schutze immer und überall
+binnen Kurzem zu schaffen, wo jungfräulicher Boden und gesunde
+Bewohner, von einer starken aber wohlwollenden Regierung geleitet,
+vorhanden sind.</p>
+
+<p>Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der
+politische Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung
+gekommen, dass die Parlamente nur dem Parteikampfe und
+den Sonderinteressen gewisser Classen dienen, dass sie niemals den
+<span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span>Charakter einer eigentlichen Volksvertretung haben und dass die
+constitutionellen Regierungen alle Hände voll zu thun haben, um
+das Volk und das Staatsinteresse gegen die Vertretungskörper in
+Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der Politik, welcher
+doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur nach ohnehin
+keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das parlamentarische
+Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und
+eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.</p>
+
+<p>Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen
+Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das
+constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat
+sich schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische
+Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren
+und da andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips
+erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses
+Princips gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem
+Drucke dieses treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind.
+Da ist es nun klar, dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende
+Rolle in der politischen und wirthschaftlichen Entwicklung Europas
+zu nehmen.</p>
+
+<p>Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze
+der constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer
+einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind,
+welche für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände
+noch nicht gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader
+ad absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein
+anderer civilisirter Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen
+Grenzen auszudehnen (was aus nationalen Antrieben hervorgegangene
+Staaten nur im beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische
+Missionen verschlossen sind), und das an Schätzen reiche,
+den nordamerikanischen Territorien verwandte Gebiet nicht nur der
+europäischen Türkei, sondern aller Staaten der Balkanhalbinsel in
+seinen Machtbereich zu ziehen. Nur Oesterreich kann die Staatsform
+<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span>für ein Gebiet finden, welches von nationaler Einheit absehen, auf
+welchem daher die directe Fürsorge des Monarchen für das Wohl des
+gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer Repräsentativ-Verfassung
+ein Ende machen muss.</p>
+
+<p>In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen
+Capitale unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke
+auch eine Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung
+aller Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges,
+von der Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste.</p>
+
+<p>Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde
+dahin führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische
+Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen,
+dass die Befugnisse des Star&#309;esina der Gesellschaft dauernd übertragen
+werden müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung
+stehenden intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den
+eine kleine Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber
+auch das Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie
+würde sich nun als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches
+der Familie dieselbe Sicherheit und höheren Genuss böte, als das
+dafür hingegebene <ins title="Vermögen">Vermögen.</ins> Das Bürgerrecht, dessen man nur durch
+Verbrechen verlustig gehen könnte, würde das Heimatsrecht und die
+damit verbundene Versorgung der Kranken und Arbeitsunfähigen,
+ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und Beruf nicht ohne
+freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen und für den
+Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den Volksabstimmungen
+das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden
+von diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende
+<ins title="Aufname">Aufnahme</ins> oder <ins title="Aufname">Aufnahme</ins> als Bürger erlangen können und
+zwar gegen Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach
+einem vieljährigen Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser
+Aufführung.</p>
+
+<p>Im Falle der Einführung einer Verfassung &ndash; jedenfalls erst
+nach Abfertigung der Gesellschaft &ndash; wäre der bis dahin zur Entwicklung
+<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span>gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche
+zu erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes
+nicht verändert werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und
+Discussion der Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten
+Regierungsblatte in's Auge zu fassen.</p>
+
+<p>Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den
+Werth von Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen
+und Industrieen gab, welche nur langsam und ohne
+directen staatlichen Einfluss in's Leben gerufen werden können.</p>
+
+<p>Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft
+leisten kann, wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich
+geschützt ist.</p>
+
+<p>Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als
+Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer
+anonymen Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte
+Production erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom
+europäischer Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das
+Banner Oesterreichs flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an
+der Seite Deutschlands eine active Rolle übernehmen, die es bisher
+immer von der Hand gewiesen hat.</p>
+
+<p>Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige
+Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld
+des allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele.
+<ins title="Mann">Man</ins> könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen,
+wenn er sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche
+Eigenthum veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen
+Art mit Lohnarbeitern bewirthschaften.</p>
+
+<p>Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von
+scheinbar geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits
+dafür zu sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet
+werden und da eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung
+Anstoss bei der Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige
+Erhebungen voraus gehen. Es wäre daher nicht nur die
+<span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span>künftige Organisation des zu expropriirenden Territoriums zunächst
+nur nothdürftig zu enthüllen, sondern auch zu versuchen, ob nicht
+ein Gebiet in genügender Ausdehnung im Wege der Verhandlung
+allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der Widerstand Einzelner
+ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt sind und
+der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und
+physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der
+Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur
+Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen
+und Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die
+Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können.</p>
+
+<p>Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes
+ist aber zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig.</p>
+
+<p>Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr
+in's Gewicht fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde
+die Gesellschaft zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs
+zu reflectiren haben, die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen.
+Diese Begs dürften zum Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls
+hat man nichts von den Christen zu besorgen, wenn man gegen
+die der Zahl nach geringen türkischen Einwohner mit der Expropriation
+vorgeht. Auch wäre es erwünscht, wenn die Mahomedaner
+sich nach und nach aus Bosnien zurückzögen, da die Verwaltung
+einer christlichen Regierung sich auf die Dauer mit dem mahomedanischen
+Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde die Administration
+vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu
+ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die
+neue Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt
+überall zu finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche
+Sonderung der Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die
+Verwaltung unläugbar ein grosser Gewinn wäre.</p>
+
+<p>Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine
+<ins title="Admistration">Administration</ins>, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern.
+<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span>Elemente für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das
+Land ist von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit
+und ebenso vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum
+geringeren Theile indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele
+Stämme an Fleiss und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe
+verwendbaren, Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden
+können. Mahomedaner und Arnauten müssen, zunächst wenigstens,
+zurückgedrängt, die Griechen vom Aberglauben und Schacher
+abgezogen werden und bald wird das Volk fühlen, dass es unter den
+neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen unsichtbaren Herrn
+über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner nicht empfindlich
+ist, dass aber doch nur der Einzelne für die Gesammtheit arbeitet
+und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven congeniale
+Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst herankömmt,
+nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den die Zeit
+mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf
+abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und
+daher bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen
+muss, bietet sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction
+leicht thun kann, mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird
+er predigen, was man ihm vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben
+ausrotten helfen und den gläubigen Sinn des Volkes der
+österreichischen Regierung dienstbar machen. Hierin muss man
+allerdings ein wenig Geduld haben und dafür sorgen, dass die
+Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine entsprechende
+Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine blosse
+Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und
+den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben
+die Gesellschaft.</p>
+
+<p>An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man
+selbstverständlich überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth
+aufdrängen, sondern der natürlichen Wahl des Volkes überlassen,
+wo immer man auf einen wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann.
+<span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span>Eine Art von Luxus, einen Wunsch nach Verbesserung der materiellen
+Lebensbedingungen, soweit selbe durch organisirte Arbeit
+erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man civilisiren will und
+bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und Functionäre, ihre
+Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und zeigt
+sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in die
+Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald
+ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen
+kömmt. Es wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie
+betrachten, man wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten
+Familien übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche
+Verfassung auf patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch
+aus dem Volke hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter
+annimmt. Dabei bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein
+der entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit
+und das Aufhören eines jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft
+verkörperte Vereinigung, einen Kitt, der die Familienbeziehung
+schliesslich über die Grenzen der Gemeinde hinaus erweitert und
+da ja doch für den Denkenden jede politische Frage nur eine
+Magenfrage ist, wird bald die Politik in der wirthschaftlichen Einrichtung
+gänzlich aufgehen und ein Zustand eintreten, wo unter der
+Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle für Einen
+einstehen.</p>
+
+<p>Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene
+wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der
+bestehenden Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt
+statthaft, vom politischen vortheilhaft.</p>
+
+<p>Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner
+eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der
+Convention liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich
+die Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht
+nur die Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche
+Gang der wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass
+<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span>der verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört
+zu herrschen und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und
+entweder auswandert, oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft
+seine Kinder zur Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus
+aus. Da aber die neuen Einrichtungen Jedem, der arbeitet,
+eine menschenwürdige Existenz eröffnen, kann Niemand es beklagen,
+dass der faule, grausame und herrschsüchtige Mahomedaner den
+Folgen seiner Laster erliegt und im schlimmsten Falle der Versorgung
+der Gemeinde oder der Arbeit anheimfällt. In politischer Beziehung
+würde dieser Erfolg der Administration Oesterreich nur Vortheile
+bringen. Es lässt sich ja doch die orientalische Frage in populärer
+Weise nicht anders ausdrücken als »hinaus mit den Türken«.
+Nirgends wird man daraus Oesterreich einen Vorwurf machen.</p>
+
+<p>Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik
+am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall
+klatschen müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet
+haben, dass man die Türken aus Europa verjagen, die unterjochten
+Christen ihrer Herrschaft entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird
+sich dagegen auflehnen, und einer starken, zielbewussten Politik wäre
+ein energischer Protest zur gegebenen Zeit nur willkommen, da sich
+daran die Weiterführung unseres Werkes anknüpfen lässt.</p>
+
+<p>Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie
+unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb
+der bisher factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete
+liegt, ist dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann
+wohl behauptet werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht
+in Anspruch genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten
+ausführbar erscheint, da der Einfluss Russlands momentan geschwächt
+ist, und ist es selbst abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein
+solches Recht bei gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen
+Besitz neuer Befugnisse zu gelangen.</p>
+
+<p>Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche
+Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht
+<span class="pagenum"><a name="Page_22">22</a></span>auch Erhöhung der physischen Tüchtigkeit der eingebornen
+Bewohner für die Wehrkraft Oesterreichs. Da die gesellschaftliche
+Erziehung, welche in Wirklichkeit eine staatliche wäre, von den
+ersten Kinderjahren an in Krippen, Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen
+bis zum Alter der Militärpflicht auf die Jugend wirken
+und die militärische Ausbildung vorbereiten würde, wäre ohne Zweifel
+ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung der Monarchie
+von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten.</p>
+
+<p>Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der
+Regierung zur Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen,
+zur gelegenen Zeit das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden
+oder eine bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren
+und die verbleibenden Actien insgeheim für die Regierung aus
+Fonden einzulösen, welche der parlamentarischen Controlle entzogen
+sind. Es könnte dann der österreichische Fiscus anonym unter der
+Firma einer Actiengesellschaft operiren und das Unternehmen ausschliesslich
+im Staatsinteresse fortführen.</p>
+
+<p>Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen
+Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses
+aller concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens
+gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch
+Grund in Bosnien auf 20&nbsp;fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000&nbsp;fl.</p>
+
+<p>Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben,
+bewohnt von etwa 6&ndash;7000 Menschen, so würden Grund und Boden
+auf eine Million, der Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen
+zu stehen kommen und ein Betrag von sieben Millionen würde
+reichlich genügen, um dieses Gebiet für Landwirthschaft, Industrie
+und Bergbau zu investiren.</p>
+
+<p>Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des
+Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden.</p>
+
+<p>Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit
+erprobt und der Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass
+sie ohne Zweifel von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig
+<span class="pagenum"><a name="Page_23">23</a></span>Quadrat-Meilen ihrem Gebiete einverleiben könnte und in längstens
+zwölf Jahren dürfte sich ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen
+und ihre Bevölkerung mit Einrechnung der Einwanderer auf
+etwa eine Million belaufen.</p>
+
+<p>Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation
+neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die
+aushaftenden 18 Millionen auf das Actiencapital einzufordern und
+weiters nach Bedarf Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten
+der Civilisation und der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte
+nach und nach sicher ausreichen dürften, die Neuinvestirungen,
+zum grösseren Theile wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital
+von 90 Millionen an Actien und Prioritäten wahrscheinlich
+genügen, um den ganzen Plan durchzuführen.</p>
+
+<p>Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung
+des gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo
+immer Gemeindeeigenthum, Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter
+sich befinden, wird es sofort thunlich sein, diese Territorien auf
+Grund von Pachtverträgen auf 50 Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb
+einzubeziehen. Die Investirungen auf den Staatsgütern schaffen
+gar keine Complicationen, weil das Gesellschaftsvermögen ohnehin
+dem Staate zufällt und die Investirungen auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern
+würden entweder auf den Rückfall nach 50 Jahren
+berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der Staat nach
+Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten
+der Fonde lösen könnte.</p>
+
+<p>Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch
+vermehren, ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe
+zur Expropriation zu greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung
+von Grund und Boden aufzuwenden. Es wurde schon oben die
+Wahrscheinlichkeit des Beitrittes der Hauscommunionen und die
+Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen könnte. Man glaubt, dass
+auch die Priester für diesen Beitritt agitiren würden und Personen,
+die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben, dass sich für das
+<span class="pagenum"><a name="Page_24">24</a></span>Project unter der serbischen Bevölkerung leicht Propaganda machen
+liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es umso sicherer
+in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für die Aufnahme
+von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form
+finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur
+Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich
+schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung
+gegenüber immerhin die Stellung des Star&#309;esina einnehmen.</p>
+
+<p>Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren
+Lohn auf Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und
+Werkführer oder Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete
+Beamte würden Lohn oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung
+gewährt und von Jahr zu Jahr steigen würde, um die
+Erhaltung der tüchtigen Elemente zu sichern.</p>
+
+<p>Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine
+Ausdehnung von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer
+von 50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit
+der Zeit nicht die Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession
+ergäbe.</p>
+
+<p>Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung
+von fünf Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen
+genügen, so müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der
+laufenden Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000&nbsp;fl.
+erreicht werden, was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen,
+einem fruchtbaren Boden und der so vortheilhaften Organisation
+der Arbeit und Verwaltung, gewiss leicht zu erreichen ist.
+Das umsomehr, nachdem mindestens sieben Millionen ausser dem
+erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und deren Verzinsung
+nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente resultirt.</p>
+
+<p>Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren
+auf einen pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem
+Capitale entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts
+weniger als schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten,
+<span class="pagenum"><a name="Page_25">25</a></span>die vernünftig angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den
+Bewohnern für das gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen
+Propaganda zu machen.</p>
+
+<p>Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen
+und Amortisation aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken.
+Auf dem Gebiete der »Zadruga« ist durch die Production
+vor Allem für den Bedarf der eigenen Leute reichlich zu sorgen,
+wobei eben jede Concurrenz ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist
+daran zu denken, den Markt in Bosnien und den angrenzenden Gebieten
+zu erobern, was industriell und mercantil gleich geringe
+Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete bisher ihren Bedarf
+meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon besser geschulte
+Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das Bessere erzeugen.
+Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage ihres Gebietes
+und die darauf berechneten, neu angelegten Communicationen dabei
+dem Auslande voraus.</p>
+
+<p>Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen
+würde die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas,
+Obst, Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden.
+Man darf auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu
+denken. Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der
+gesellschaftlichen Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten,
+welches das Land, in welchem persönliche Sicherheit herrscht
+und Communicationen aller Art hergestellt sind, massenhaft besuchen
+würde. Die Naturschönheiten ebenso, wie ethnographische, archäologische,
+geologische und volkswirthschaftliche Studien würden viele
+Tausende dahin führen und wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein
+grosses Hôtel mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der
+Pensionen würde erweitert und dem Reisenden gegen eine Zahlung per
+Tag in verschiedenen <ins title="Kathegorien">Kategorien</ins> eine alle Reisebedürfnisse umfassende
+Versorgung geboten. Für ein Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche
+Unterkunft und Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche
+glänzenden Haushalt, Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere
+<span class="pagenum"><a name="Page_26">26</a></span>ohne kleinliche Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen
+Bazars würde man sich mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft,
+bei welcher der Reisende seine Baarschaft deponirt, würde sich am
+Ende der Reise mit ihm verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles
+umfassenden Vortheile der einheitlich organisirten Volkswirthschaft für
+Production sowohl als Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was
+der Saldosaal für den Geldverkehr.</p>
+
+<p>Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen
+ist ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund
+und Boden in 50 Jahren in Betracht zu ziehen und kann auf
+Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes und aller in den ersten
+Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der Jahresgewinn bilancirt
+und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf Grund dieser Erhöhung
+des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate zufällt, kann
+derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und Capital
+garantiren.</p>
+
+<p>Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden
+und wird der Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht,
+so wird das finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich
+auch nicht in baarem Gelde ausdrückt.</p>
+
+<p>Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen
+fruchtbaren Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und
+der Werth des Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss
+sich, abgesehen von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der
+Jahre anhäufen und zum gesellschaftlichen Vermögen gehören, um
+das Zehnfache erhöhen. Obwohl der gesellschaftliche Besitz gewissermassen
+dem Verkehr entzogen wird, kann doch die Erhöhung der
+jährlichen Production und die Vermehrung der Bevölkerung, worüber
+die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges statistisches Material
+liefern, als eine Grundlage für die Schätzung dieser Werthserhöhung
+dienen.</p>
+
+<p>Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen
+zur Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen.
+<span class="pagenum"><a name="Page_27">27</a></span>Es ist längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten
+menschlicher Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen
+empfänglich ist und schon Owen hat die Erfahrung gemacht,
+dass humane und milde Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für
+sein Wohl den Arbeitsgeber bereichern. Es ist dabei in Rechnung
+zu ziehen, dass Ordnung und Regelmässigkeit allen Unternehmungen,
+insbesondere aber den wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten
+Grade förderlich ist.</p>
+
+<p>Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit
+und Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf
+einem grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn
+gibt, der zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist,
+wenn übrigens die Regierung diese alle Beziehungen umfassende
+Gewalt in Schranken hält.</p>
+
+<p>Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist
+zwar evident, allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um
+Bedenken zu beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen
+Verhältnisse auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen
+ein Präcedens, das einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits
+andeutet, welchen Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung
+auf die Stärkung der Regierungsgewalt nehmen wird.</p>
+
+<p>Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der
+Jesuitenrepublik in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der
+Herrenhutergemeinde, so kann ein wirthschaftliches Bedenken
+keinesfalls aufkommen.</p>
+
+<p>Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz
+respectable Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum
+bemühen wollte, die bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren
+Stand der Ausbildung zu bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen,
+abgesehen davon, dass es nichts Vernünftigeres geben könnte,
+als die arme Bevölkerung des Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie
+in ein Land zu versetzen, wo Milch und Honig fliesst und
+der Zwischenhandel sich ersparen liesse.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_28">28</a></span>
+Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen
+Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und
+culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch
+in Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich.
+Die Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit
+und Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten
+Staates überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt
+wegzuräumen, um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur
+Zeit der Nürnbergereier die Remontoiruhr erfunden worden wäre,
+hätte kein Besitzer eines Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr
+in eine Remontoiruhr umzuwandeln, dafür aber auch Niemand, der
+eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten Ei gegriffen. Man wird
+aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss, es wachse, wie
+ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn ein Eingriff
+in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser Eingriff
+ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den
+Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu
+üben. Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die
+Volksschule zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der
+Staat seine Befugnisse erweitert und auch in der Volkswirthschaft
+nicht nur leitend, sondern verwaltend eingreift. Bald wird man
+einsehen, dass der Staat den Beruf hat, seine <ins title="Sfäre">Sphäre</ins> immer weiter
+auszudehnen und dass er insbesondere den Beruf hat, Unternehmer
+zu sein.</p>
+
+<p>Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst
+wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art
+unter staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen,
+dass der Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft
+nicht blos zu fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme
+die Wege zu weisen.</p>
+
+<p>Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die
+Kinder acht Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der
+Wiege und den ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und
+<span class="pagenum"><a name="Page_29">29</a></span>gepflegt werden. Da schon werden die Keime einer verfehlten physischen,
+geistigen und moralischen Entwicklung gelegt und die Priester
+würden sich nie mit der blossen Schulaufsicht begnügen, sie
+wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der frühesten Kindheit eingeprägt
+werden müssen, wenn sie Wurzel fassen sollen. Ein gleiches
+Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern einmal daran <ins title="gewöhnt">gewöhnt,</ins>
+ihre Kinder während der etwa 10-stündigen Arbeitszeit auch
+schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege und Erziehung
+zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der Familie dadurch frei
+wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie liegt, so wird die
+Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung bald begreifen.</p>
+
+<p>Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen
+Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.</p>
+
+<p>Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege
+ganz anders schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur
+und die allzusehr herabgesetzte politische Administration wird wieder
+zu Ehren kommen.</p>
+
+<p>Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen,
+wenn neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne
+Richter und Anwälte, ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken
+und Geld und ohne Deputirte aufrichtet und wenn die constitutionelle
+Regierung zu Hause mit der Autorität auftreten kann,
+die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete rechtfertigen. Man
+wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat sein muss, ja
+dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im administrativen
+Wege ausgiebig geschützt werden können.</p>
+
+<p>Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver
+wird möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches
+lancirt und wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen
+bezeigt, die sich an dem Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und
+adelssüchtige Personen, grosse Banken, reiche Financiers, hohe
+Aristokraten und Prälaten werden sich dann bereit finden lassen,
+die Actien zu zeichnen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_30">30</a></span>
+Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien
+seinen Besitz gegen Actien verkauft.</p>
+
+<p>Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen,
+so müsste man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse
+an die Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage
+von 100&nbsp;fl. concessioniren.</p>
+
+<p style="margin-bottom: 120px;">Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was
+den Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den
+Kopf gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten
+die Anhänger beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen,
+ihr räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der
+unbeschäftigten Arbeiter nach einem neuen Asyle würde einerseits
+dem Elende auch bei uns steuern, andererseits der gefährlichen socialistischen
+Agitation die Spitze abbrechen und ihr die Streitkräfte
+entziehen.</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
+
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+1.F.
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
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+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
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