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Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + ] + + + + + VIRIBUS UNITIS. + + + Wie könnte + die + EUROPÄISCHE CULTUR + nach + Bosnien verpflanzt werden? + + + Von + Dr. Josef Neupauer. + + + WIEN, 1884. + Im Selbstverlage des Verfassers. + + + Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger & Co., Teschen. + + + + +I. + +Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung des Occupationsgebietes +auf der Balkanhalbinsel wird folgender Vorschlag gemacht. + + +Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von 30 +Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in Wien +gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200 fl. und auf den +Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals eingezahlt und die +weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses eingefordert. Nach voller +Einzahlung des Actiencapitals können mit Genehmigung der Regierung +Prioritäten bis zum Maximalbetrage von 60 Millionen ausgegeben werden. + +Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die Rückzahlung +des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb 50 Jahren. + +Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete ein +im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain bis zur +Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt successive, +nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass nicht nur aller +Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken und Industrie-Etablissements, +sondern auch alle Communicationen, Strassen, Wasserwege etc., etwa mit +Ausnahme der bereits bestehenden Eisenbahnen, in deren Privateigenthum +übergehen. Von diesem Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen +begrenzten Gebrauch und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf +und nöthigenfalls Expropriation nach Massgabe der materiellen, +moralischen und civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt. + +Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme einer +Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs- noch Justiz- noch +Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von jeder Art von Steuern und +sonstigen Auflagen und bezieht dafür aus den Ueberschüssen der +Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher mit 10 fl. pr. Kopf der +jeweilig am 31. December des Vorjahres im Gesellschaftsgebiete +conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet wird, welcher Pauschalbetrag +aber von 5 zu 5 Jahren um je einen Gulden pr. Kopf steigt, somit im +letzten Decennium der Concessionsdauer 19 fl. pr. Kopf erreicht. + +Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach Amortisation des +Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen Rückzahlung des noch +aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen das ganze immobile und mobile, +im occupirten Terrain investirte Vermögen der Gesellschaft zu. + +Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von 20 Jahren Gebrauch, +so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent zu refundiren. + +Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar nicht für mehr +als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung vertheilten höheren +Dividenden werden aber nicht zurückerstattet. Die Regierung bestimmt den +Zeitpunkt, von welchem ab die Actien durch Verlosung eingezogen werden, +und den Verlosungsplan, sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden +Formalitäten. + +Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction +abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales dürfen +keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals und die laufende +Amortisationsquote herausgezogen werden. + +Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen der Regierung +aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung des Unternehmens, +zur Hebung der materiellen Lage und der intellectuellen und moralischen +Qualität der Bewohner, zur Vermehrung des Viehstandes, Hebung der +Landwirthschaft, Aufschliessung der Bergschätze und Begründung jener +Industrieen, welche die Deckung des heimischen Bedarfes und die +exportfähige Verarbeitung der Landesproducte ermöglichen, verwendet +werden. + +Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige +Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen, da diese beiden +Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich sind. + +Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan der +Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung der +Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der Genehmigung der +österreichischen Regierung und ist hier, sowie überall in dieser Schrift +unter der österreichischen Regierung die gemeinsame Regierung und ihr +Verwaltungsapparat verstanden. + +Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die sonstige +Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung. + +Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen. + +Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe, bezüglich der +Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären Einrichtungen, dann +bezüglich der Communicationen, Schutzbauten gegen Elementarschäden und +der rationellen Einrichtung der Wald- und Feldcultur werden die +weitestgehenden Anforderungen an die Gesellschaft gestellt und hat sie +alle Anordnungen der Regierung, soweit sie durch die verfügbaren Mittel +erfüllbar sind, bei Verlust der Concession und eines entsprechenden +Theiles des Actiencapitales zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung +unter gewissen Voraussetzungen die Sequestration des gesellschaftlichen +Vermögens vorbehalten. + +Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der Regierung +gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der Letzteren frei, +das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von zehn Millionen Gulden auf +dem beweglichen und unbeweglichen Besitze der Gesellschaft in der den +Landesgesetzen entsprechenden Form zu erwirken. + +Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im administrativen +Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen Beziehungen +der Einwohner untereinander und Verbrechen und Vergehen, welche nicht +der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie +der Uebertretungen von Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von +Dienstleuten überlassen bleiben, werden von den Gerichten der +angrenzenden Gebiete abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und +vollzogen. + +Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die Feststellung +der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich innerhalb gewisser +Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige Bewohner des +österreichisch-ungarischen Gebietes gegen mässiges Entgeld in Erziehung +und beziehungsweise Verpflegung zu übernehmen, sowie auch +besserungsfähige, besonders jugendliche Verbrecher aus diesen Ländern +aufzunehmen, für welche der Strafvollzug während der Dauer ihres +Aufenthaltes im Gebiete der »Zadruga« und unter der Voraussetzung eines +tadellosen Verhaltens aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer +gewissen Zeit die Strafe ex lege erlassen ist. + +Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten Abgabe +unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der Erzeugung noch beim +Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe zu entrichten. Selbe ist nur +von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten Producte zu erheben. Dagegen +werden ihr die indirecten Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum +auf ihr Gebiet eingeführten Artikeln vergütet. + +Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf dem +Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende. + +Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den Communicationen +des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr hat die Gesellschaft +zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die Genehmigung der Regierung +gebunden. + +Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen +Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren Erfüllung +seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen Wege +erzwungen. + +Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die +Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die +Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der +österreichischen Regierung einzuhohlen. + +Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen und +haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und geistigen Getränken, +Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern, zwangsweise +Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder zu schwereren und +unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung auf eine +Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern ausserdem auf Confiscation +eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem +Gebiete der »Zadruga« zu beschränken. + +Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der +Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes +erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten Arbeit +durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit. + +Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung setzt im +Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung der +österreichischen Verwaltungsorgane voraus. + +Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen, +welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die +Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen und moralischen +Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen. + +Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist, wird +derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem nur unter +der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende das Gebiet +sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern verlässt und auf +Altersversorgung verzichtet. + +Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und jene +Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so muss er sich +über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu leisten ist, mit der +Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei steht, ein solches +Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener Kündigung das +Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem Falle die Auszahlung des +Guthabens unter obiger Bedingung zu erfolgen hat. + + + + +II. + + +Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen +Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen, +socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und wie +das Capital beschafft werden kann. + +Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich +statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen +gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt. + +Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich vorhanden, +wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden von +Menschen, die materielle und geistige Cultur und die Wohlfahrt im Lande +gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist, die masslose Ausbeutung +der Arbeit durch das Capital, die moralische und physische Verderbniss +der Bewohner des von der Expropriation getroffenen Gebietes +hintanzuhalten und andere Theile des Landes von gefährlichen Elementen +zu reinigen. + +Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung +gerechtfertiget. + +Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen. + +Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange. Wo die +Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen, +beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen. + +Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben. +Würde die Regierung die Communicationen in systematischer Weise auf +Kosten des Landes bauen, so würde Grund und Boden enorm im Werthe +steigen und der Reichthum und die Macht der wenigen Grundbesitzer +ausserordentlich erhöht werden, was vom politischen ebenso, wie vom +socialen Standpunkte verkehrt wäre. Baut man aber nur einige +Militärstrassen, so fehlt es denselben an Zufahrtsstrassen und sie haben +einen geringen wirthschaftlichen Werth. Daher nun sehen wir, dass in +Nordamerika die Landspeculation und die Schienenwege in Verbindung +gebracht sind, wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte +Wildnisse zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre +Rechnung im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien. + +Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung der +Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in der Cultur +zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man noch weiter gehen +und die Ländereien nicht verkaufen, sondern durch eine längere Periode +selbst bewirthschaften. + +Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss +gerechtfertigt. + +Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land und wenn man +daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es gewiss erwünscht, von +Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, dass jene Auswüchse +verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen Einrichtungen im +Allgemeinen verbunden sind und gegen welche, wenn sie einmal einreissen, +kaum mehr Abhilfe gefunden werden kann. + +Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung, +deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung neben +grenzenlosem Elende ist und würde man es der Regierung gewiss Dank +wissen, wenn sie dem Capital zu diesem Lande den Weg nur unter der +Bedingung eröffnet, dass es dasselbe mit mässigem Gewinn befruchtet und +den Nutzen mit dem Arbeiter redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht +nur das Land, sondern auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist +nicht zu bezweifeln. + +Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der +Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht +ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft +jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche Wohnung, +reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich bereitete +Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten können, dass an die +Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein treten wird, dass die +Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten durch Maschinenbetrieb +erleichtert werden. + +Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen können. + +Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen Anregung +dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen aller Art +einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen und Jedermann +unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die traditionelle +Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen Tanz und +dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres Gepräge zu +geben trachten; man wird in Ermangelung anderer Zerstreuungen des Abends +vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge halten lassen, die anregen und +belehren, zugleich aber erziehlich einwirken und das Volk daran erinnern +sollen, wie seine Zustände sich verändert haben und um wie viel +glücklicher unter der väterlichen Fürsorge des Kaisers sie sich +gestalten als in anderen, viel reicheren Ländern und wird es bald +möglich sein, den Eindruck solcher Belehrungen durch kleine +theatralische Productionen zu verstärken. + +Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber an das panem +et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und Anderes denken, was +auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen hat, so wird man +finden, dass in den angedeuteten Richtungen nichts so unbedeutend ist, +dass man es geringachten könnte. Man wird aber auch finden, dass man +heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten Ertrag der Arbeit und der +vorgeschlagenen Einschränkung des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches +wird bieten können. + +Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription der +Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit der +Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung des +Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für Alles das +Verdienst vindicirt wird. + +Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in Bosnien +auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst aber +schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass der +Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung neigt und den +Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene System, +besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich dem Staate, also +dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung des Systemes der +Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft entlehnt ist. + +Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung über +den Begriff der Familie in germanischen und romanischen Ländern hinaus, +da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder unter +einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen +Haushalt, meist mit Ueberlassung der Hauswirthschaft an die nach +gewisser Reihenfolge sich ablösenden Frauen, führt. Freilich bleibt da +noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen und Erbrecht aufrechterhalten. +Es liegt der Einrichtung aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke +zu Grunde und ist die Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft. +Wo das System der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist, +müsste man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die +Aufmerksamkeit darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was +Anlass zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches auch +durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und gewisse +Vorrechte in sich schliessen würde. + +Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, vom Neuen +angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend Dienste nehmen +und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den Anschluss Propaganda +machen. Die Expropriation würde sich daher auf den Grossgrundbesitz der +Mahomedaner beschränken und auf politisch sehr gefährliche Elemente, +welche keinen Anhang im Lande haben. Die Ausdehnung des +gesellschaftlichen Territoriums würde mit der Zeit auch durch das System +der Confiscation gefördert werden können, welches besonders bei Aufstand +oder staatsgefährlichen Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame, +Strafen zu ersetzen hätte. + +Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen, +welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen enthielten, +deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende +Erfahrungen gemacht worden. + +Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden +gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf keine Weise der +Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, besser und +schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens des Unternehmens +hätte Oesterreich die mit der Uebernahme des europäischen Mandats +verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise gelöst und seinen Beruf +documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere Erwerbungen zu machen. + +Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der +gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche +Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die +Gesellschaft bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, dass +die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der Türkei +und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich +ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um indirect auch auf +solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen Verwaltung +noch nicht unterstehen. + +Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, welche +die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint. + +Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen schien +und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, welch' wichtige +Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe einnimmt, haben +andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche Theorien +regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer abfinden konnte. Es +sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus und das +Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in überraschend kurzer +Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen Aufgaben bevor, in +welchen gerade nur Oesterreich eine leitende Rolle zu übernehmen berufen +ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, der Industrialismus droht +England zu ruiniren und man kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die +Nationalökonomie viel mehr auf Grund und Boden einerseits und auf +tüchtiges Menschenmaterial andererseits, als auf Freihandel und +übertriebenen Industrialismus zu fundiren ist. + +Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die Industrie als +Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner +wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn wo Alles +ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen Aller sich +ergeben. + +Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von der +schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten. + +Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, welche +sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten zu +ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die Bedingungen höherer +materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen und nur das zu +exportiren, was zum Austausch für nothwendige Güter erforderlich ist, +die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können, +allerdings ein wirthschaftlich wichtiger Factor; diese Industrie ist +aber bei gehörigem Schutze immer und überall binnen Kurzem zu schaffen, +wo jungfräulicher Boden und gesunde Bewohner, von einer starken aber +wohlwollenden Regierung geleitet, vorhanden sind. + +Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der politische +Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dass +die Parlamente nur dem Parteikampfe und den Sonderinteressen gewisser +Classen dienen, dass sie niemals den Charakter einer eigentlichen +Volksvertretung haben und dass die constitutionellen Regierungen alle +Hände voll zu thun haben, um das Volk und das Staatsinteresse gegen die +Vertretungskörper in Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der +Politik, welcher doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur +nach ohnehin keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das +parlamentarische Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und +eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen. + +Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen +Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das +constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat sich +schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische +Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren und da +andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips +erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses Princips +gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem Drucke dieses +treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. Da ist es nun klar, +dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende Rolle in der politischen +und wirthschaftlichen Entwicklung Europas zu nehmen. + +Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze der +constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer +einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind, welche +für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände noch nicht +gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader ad +absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein anderer civilisirter +Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen Grenzen auszudehnen +(was aus nationalen Antrieben hervorgegangene Staaten nur im +beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische Missionen +verschlossen sind), und das an Schätzen reiche, den nordamerikanischen +Territorien verwandte Gebiet nicht nur der europäischen Türkei, sondern +aller Staaten der Balkanhalbinsel in seinen Machtbereich zu ziehen. Nur +Oesterreich kann die Staatsform für ein Gebiet finden, welches von +nationaler Einheit absehen, auf welchem daher die directe Fürsorge des +Monarchen für das Wohl des gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer +Repräsentativ-Verfassung ein Ende machen muss. + +In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen Capitale +unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke auch eine +Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung aller +Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges, von der +Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste. + +Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde dahin +führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische +Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen, dass die +Befugnisse des Starĵesina der Gesellschaft dauernd übertragen werden +müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung stehenden +intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den eine kleine +Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber auch das +Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie würde sich nun +als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches der Familie dieselbe +Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen. +Das Bürgerrecht, dessen man nur durch Verbrechen verlustig gehen könnte, +würde das Heimatsrecht und die damit verbundene Versorgung der Kranken +und Arbeitsunfähigen, ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und +Beruf nicht ohne freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen +und für den Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den +Volksabstimmungen das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden von +diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende +Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen +Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach einem vieljährigen +Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser Aufführung. + +Im Falle der Einführung einer Verfassung -- jedenfalls erst nach +Abfertigung der Gesellschaft -- wäre der bis dahin zur Entwicklung +gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche zu +erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes nicht verändert +werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und Discussion der +Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten Regierungsblatte +in's Auge zu fassen. + +Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den Werth von +Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen und +Industrieen gab, welche nur langsam und ohne directen staatlichen +Einfluss in's Leben gerufen werden können. + +Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft leisten kann, +wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich geschützt ist. + +Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als +Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer anonymen +Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte Production +erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom europäischer +Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das Banner Oesterreichs +flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an der Seite Deutschlands +eine active Rolle übernehmen, die es bisher immer von der Hand gewiesen +hat. + +Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige +Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld des +allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man +könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen, wenn er +sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche Eigenthum +veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen Art mit +Lohnarbeitern bewirthschaften. + +Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von scheinbar +geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits dafür zu +sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet werden und da +eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung Anstoss bei der +Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige Erhebungen voraus +gehen. Es wäre daher nicht nur die künftige Organisation des zu +expropriirenden Territoriums zunächst nur nothdürftig zu enthüllen, +sondern auch zu versuchen, ob nicht ein Gebiet in genügender Ausdehnung +im Wege der Verhandlung allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der +Widerstand Einzelner ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt +sind und der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und +physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der +Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur +Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen und +Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die +Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können. + +Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes ist aber +zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig. + +Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr in's Gewicht +fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde die Gesellschaft +zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs zu reflectiren haben, +die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen. Diese Begs dürften zum +Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls hat man nichts von den +Christen zu besorgen, wenn man gegen die der Zahl nach geringen +türkischen Einwohner mit der Expropriation vorgeht. Auch wäre es +erwünscht, wenn die Mahomedaner sich nach und nach aus Bosnien +zurückzögen, da die Verwaltung einer christlichen Regierung sich auf die +Dauer mit dem mahomedanischen Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde +die Administration vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu +ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die neue +Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt überall zu +finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche Sonderung der +Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die Verwaltung unläugbar +ein grosser Gewinn wäre. + +Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine +Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten +Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern. Elemente +für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das Land ist +von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit und ebenso +vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum geringeren Theile +indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele Stämme an Fleiss +und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe verwendbaren, +Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden können. Mahomedaner +und Arnauten müssen, zunächst wenigstens, zurückgedrängt, die Griechen +vom Aberglauben und Schacher abgezogen werden und bald wird das Volk +fühlen, dass es unter den neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen +unsichtbaren Herrn über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner +nicht empfindlich ist, dass aber doch nur der Einzelne für die +Gesammtheit arbeitet und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven +congeniale Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst +herankömmt, nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den +die Zeit mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf +abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und daher +bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen muss, bietet +sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction leicht thun kann, +mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird er predigen, was man ihm +vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben ausrotten helfen und den +gläubigen Sinn des Volkes der österreichischen Regierung dienstbar +machen. Hierin muss man allerdings ein wenig Geduld haben und dafür +sorgen, dass die Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine +entsprechende Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine +blosse Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und +den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben die +Gesellschaft. + +An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man selbstverständlich +überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth aufdrängen, sondern der +natürlichen Wahl des Volkes überlassen, wo immer man auf einen +wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann. Eine Art von Luxus, einen Wunsch +nach Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen, soweit selbe durch +organisirte Arbeit erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man +civilisiren will und bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und +Functionäre, ihre Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und +zeigt sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in +die Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald +ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen kömmt. Es +wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie betrachten, man +wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten Familien +übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche Verfassung auf +patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch aus dem Volke +hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter annimmt. Dabei +bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein der +entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit und das Aufhören eines +jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft verkörperte Vereinigung, +einen Kitt, der die Familienbeziehung schliesslich über die Grenzen der +Gemeinde hinaus erweitert und da ja doch für den Denkenden jede +politische Frage nur eine Magenfrage ist, wird bald die Politik in der +wirthschaftlichen Einrichtung gänzlich aufgehen und ein Zustand +eintreten, wo unter der Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle +für Einen einstehen. + +Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene +wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der bestehenden +Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt statthaft, +vom politischen vortheilhaft. + +Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner +eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der Convention +liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich die +Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht nur die +Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche Gang der +wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass der +verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört zu herrschen +und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und entweder auswandert, +oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft seine Kinder zur +Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus aus. Da aber die neuen +Einrichtungen Jedem, der arbeitet, eine menschenwürdige Existenz +eröffnen, kann Niemand es beklagen, dass der faule, grausame und +herrschsüchtige Mahomedaner den Folgen seiner Laster erliegt und im +schlimmsten Falle der Versorgung der Gemeinde oder der Arbeit +anheimfällt. In politischer Beziehung würde dieser Erfolg der +Administration Oesterreich nur Vortheile bringen. Es lässt sich ja doch +die orientalische Frage in populärer Weise nicht anders ausdrücken als +»hinaus mit den Türken«. Nirgends wird man daraus Oesterreich einen +Vorwurf machen. + +Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik +am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall klatschen +müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet haben, dass man die +Türken aus Europa verjagen, die unterjochten Christen ihrer Herrschaft +entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird sich dagegen auflehnen, und +einer starken, zielbewussten Politik wäre ein energischer Protest zur +gegebenen Zeit nur willkommen, da sich daran die Weiterführung unseres +Werkes anknüpfen lässt. + +Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie +unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb der bisher +factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete liegt, ist +dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann wohl behauptet +werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht in Anspruch +genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten ausführbar erscheint, +da der Einfluss Russlands momentan geschwächt ist, und ist es selbst +abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein solches Recht bei +gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen Besitz neuer +Befugnisse zu gelangen. + +Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche +Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht auch Erhöhung +der physischen Tüchtigkeit der eingebornen Bewohner für die Wehrkraft +Oesterreichs. Da die gesellschaftliche Erziehung, welche in Wirklichkeit +eine staatliche wäre, von den ersten Kinderjahren an in Krippen, +Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen bis zum Alter der Militärpflicht +auf die Jugend wirken und die militärische Ausbildung vorbereiten würde, +wäre ohne Zweifel ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung +der Monarchie von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten. + +Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der Regierung zur +Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen, zur gelegenen Zeit +das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden oder eine +bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren und die verbleibenden +Actien insgeheim für die Regierung aus Fonden einzulösen, welche der +parlamentarischen Controlle entzogen sind. Es könnte dann der +österreichische Fiscus anonym unter der Firma einer Actiengesellschaft +operiren und das Unternehmen ausschliesslich im Staatsinteresse +fortführen. + +Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen +Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses aller +concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens +gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch Grund in Bosnien +auf 20 fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000 fl. + +Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben, bewohnt von +etwa 6-7000 Menschen, so würden Grund und Boden auf eine Million, der +Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen zu stehen kommen und +ein Betrag von sieben Millionen würde reichlich genügen, um dieses +Gebiet für Landwirthschaft, Industrie und Bergbau zu investiren. + +Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des +Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden. + +Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit erprobt und der +Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass sie ohne Zweifel +von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig Quadrat-Meilen ihrem +Gebiete einverleiben könnte und in längstens zwölf Jahren dürfte sich +ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen und ihre Bevölkerung +mit Einrechnung der Einwanderer auf etwa eine Million belaufen. + +Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation +neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die aushaftenden 18 +Millionen auf das Actiencapital einzufordern und weiters nach Bedarf +Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten der Civilisation und +der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte nach und nach sicher +ausreichen dürften, die Neuinvestirungen, zum grösseren Theile +wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital von 90 Millionen an +Actien und Prioritäten wahrscheinlich genügen, um den ganzen Plan +durchzuführen. + +Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung des +gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo immer Gemeindeeigenthum, +Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter sich befinden, wird es sofort +thunlich sein, diese Territorien auf Grund von Pachtverträgen auf 50 +Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb einzubeziehen. Die Investirungen +auf den Staatsgütern schaffen gar keine Complicationen, weil das +Gesellschaftsvermögen ohnehin dem Staate zufällt und die Investirungen +auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern würden entweder auf den Rückfall +nach 50 Jahren berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der +Staat nach Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten +der Fonde lösen könnte. + +Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch vermehren, +ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe zur Expropriation zu +greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung von Grund und Boden +aufzuwenden. Es wurde schon oben die Wahrscheinlichkeit des Beitrittes +der Hauscommunionen und die Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen +könnte. Man glaubt, dass auch die Priester für diesen Beitritt agitiren +würden und Personen, die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben, +dass sich für das Project unter der serbischen Bevölkerung leicht +Propaganda machen liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es +umso sicherer in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für +die Aufnahme von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form +finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur +Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich +schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung +gegenüber immerhin die Stellung des Starĵesina einnehmen. + +Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren Lohn auf +Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und Werkführer oder +Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete Beamte würden Lohn +oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung gewährt und von +Jahr zu Jahr steigen würde, um die Erhaltung der tüchtigen Elemente zu +sichern. + +Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine Ausdehnung +von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer von +50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit der Zeit nicht die +Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession ergäbe. + +Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung von fünf +Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen genügen, so +müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der laufenden +Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000 fl. erreicht werden, +was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen, einem fruchtbaren +Boden und der so vortheilhaften Organisation der Arbeit und Verwaltung, +gewiss leicht zu erreichen ist. Das umsomehr, nachdem mindestens sieben +Millionen ausser dem erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und +deren Verzinsung nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente +resultirt. + +Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren auf einen +pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem Capitale +entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts weniger als +schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten, die vernünftig +angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den Bewohnern für das +gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen Propaganda zu machen. + +Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen und Amortisation +aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. Auf dem Gebiete +der »Zadruga« ist durch die Production vor Allem für den Bedarf der +eigenen Leute reichlich zu sorgen, wobei eben jede Concurrenz +ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist daran zu denken, den Markt in +Bosnien und den angrenzenden Gebieten zu erobern, was industriell und +mercantil gleich geringe Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete +bisher ihren Bedarf meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon +besser geschulte Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das +Bessere erzeugen. Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage +ihres Gebietes und die darauf berechneten, neu angelegten +Communicationen dabei dem Auslande voraus. + +Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen würde +die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, Obst, +Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. Man darf +auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu denken. +Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der gesellschaftlichen +Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, welches das Land, +in welchem persönliche Sicherheit herrscht und Communicationen aller +Art hergestellt sind, massenhaft besuchen würde. Die Naturschönheiten +ebenso, wie ethnographische, archäologische, geologische und +volkswirthschaftliche Studien würden viele Tausende dahin führen und +wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein grosses Hôtel mit allen +erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der Pensionen würde erweitert +und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien +eine alle Reisebedürfnisse umfassende Versorgung geboten. Für ein +Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche Unterkunft und +Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche glänzenden Haushalt, +Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere ohne kleinliche +Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen Bazars würde man sich +mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, bei welcher der Reisende +seine Baarschaft deponirt, würde sich am Ende der Reise mit ihm +verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles umfassenden Vortheile der +einheitlich organisirten Volkswirthschaft für Production sowohl als +Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was der Saldosaal für den +Geldverkehr. + +Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen ist +ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund und Boden in 50 Jahren in +Betracht zu ziehen und kann auf Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes +und aller in den ersten Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der +Jahresgewinn bilancirt und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf +Grund dieser Erhöhung des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate +zufällt, kann derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und +Capital garantiren. + +Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden und wird der +Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, so wird das +finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich auch nicht in +baarem Gelde ausdrückt. + +Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen fruchtbaren +Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und der Werth des +Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss sich, abgesehen +von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der Jahre anhäufen und zum +gesellschaftlichen Vermögen gehören, um das Zehnfache erhöhen. Obwohl +der gesellschaftliche Besitz gewissermassen dem Verkehr entzogen wird, +kann doch die Erhöhung der jährlichen Production und die Vermehrung der +Bevölkerung, worüber die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges +statistisches Material liefern, als eine Grundlage für die Schätzung +dieser Werthserhöhung dienen. + +Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen zur +Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Es ist +längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten menschlicher +Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen empfänglich ist +und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, dass humane und milde +Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für sein Wohl den Arbeitsgeber +bereichern. Es ist dabei in Rechnung zu ziehen, dass Ordnung und +Regelmässigkeit allen Unternehmungen, insbesondere aber den +wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten Grade förderlich ist. + +Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit und +Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf einem +grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn gibt, der +zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, wenn übrigens +die Regierung diese alle Beziehungen umfassende Gewalt in Schranken +hält. + +Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist zwar evident, +allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um Bedenken zu +beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen Verhältnisse +auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen ein Präcedens, das +einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits andeutet, welchen +Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung auf die Stärkung der +Regierungsgewalt nehmen wird. + +Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der Jesuitenrepublik +in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der Herrenhutergemeinde, so +kann ein wirthschaftliches Bedenken keinesfalls aufkommen. + +Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz respectable +Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum bemühen wollte, die +bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren Stand der Ausbildung zu +bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, abgesehen davon, dass es +nichts Vernünftigeres geben könnte, als die arme Bevölkerung des +Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie in ein Land zu versetzen, wo +Milch und Honig fliesst und der Zwischenhandel sich ersparen liesse. + +Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen +Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und +culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch in +Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. Die +Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit und +Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten Staates +überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt wegzuräumen, +um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur Zeit der Nürnbergereier +die Remontoiruhr erfunden worden wäre, hätte kein Besitzer eines +Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr in eine Remontoiruhr umzuwandeln, +dafür aber auch Niemand, der eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten +Ei gegriffen. Man wird aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss, +es wachse, wie ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn +ein Eingriff in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser +Eingriff ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den +Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu üben. +Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die Volksschule +zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der Staat seine Befugnisse +erweitert und auch in der Volkswirthschaft nicht nur leitend, sondern +verwaltend eingreift. Bald wird man einsehen, dass der Staat den Beruf +hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den +Beruf hat, Unternehmer zu sein. + +Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst +wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art unter +staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, dass der +Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft nicht blos zu +fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme die Wege zu weisen. + +Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die Kinder acht +Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der Wiege und den +ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und gepflegt werden. Da schon +werden die Keime einer verfehlten physischen, geistigen und moralischen +Entwicklung gelegt und die Priester würden sich nie mit der blossen +Schulaufsicht begnügen, sie wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der +frühesten Kindheit eingeprägt werden müssen, wenn sie Wurzel fassen +sollen. Ein gleiches Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern +einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen +Arbeitszeit auch schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege +und Erziehung zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der +Familie dadurch frei wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie +liegt, so wird die Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung +bald begreifen. + +Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen +Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen. + +Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege ganz anders +schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur und die allzusehr +herabgesetzte politische Administration wird wieder zu Ehren kommen. + +Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, wenn +neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne Richter und Anwälte, +ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken und Geld und ohne Deputirte +aufrichtet und wenn die constitutionelle Regierung zu Hause mit der +Autorität auftreten kann, die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete +rechtfertigen. Man wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat +sein muss, ja dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im +administrativen Wege ausgiebig geschützt werden können. + +Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver wird +möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches lancirt und +wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen bezeigt, die sich an dem +Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und adelssüchtige Personen, +grosse Banken, reiche Financiers, hohe Aristokraten und Prälaten werden +sich dann bereit finden lassen, die Actien zu zeichnen. + +Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien seinen Besitz +gegen Actien verkauft. + +Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, so müsste +man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse an die +Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage von 100 fl. +concessioniren. + +Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was den +Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den Kopf +gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten die Anhänger +beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, ihr +räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der unbeschäftigten Arbeiter +nach einem neuen Asyle würde einerseits dem Elende auch bei uns steuern, +andererseits der gefährlichen socialistischen Agitation die Spitze +abbrechen und ihr die Streitkräfte entziehen. + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane noch Analogie + der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie + + eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes endlich Ausweisung aus dem + eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem + + Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben + Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben. + + einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt. welche gemeinsamen + einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen + + die im Inlande nicht oder nicht mit Vorteil beschafft werden können, + die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können, + + Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen + Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen. + + Aufname oder Aufname als Bürger erlangen können und zwar gegen + Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen + + allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Mann + allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man + + Admistration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten + Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten + + und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kathegorien + und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien + + hat, seine Sfäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den + hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den + + einmal daran gewöhnt ihre Kinder während der etwa 10-stündigen + einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen + + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS *** + +***** This file should be named 29905-0.txt or 29905-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/9/9/0/29905/ + +Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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