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+The Project Gutenberg EBook of Viribus unitis, by Josef Neupauer
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Viribus unitis
+ Wie könnte die europäische Cultur nach Bosnien verpflanzt werden?
+
+Author: Josef Neupauer
+
+Release Date: September 4, 2009 [EBook #29905]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIRIBUS UNITIS ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and Philipp Zeinlinger
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+ ]
+
+
+
+
+ VIRIBUS UNITIS.
+
+
+ Wie könnte
+ die
+ EUROPÄISCHE CULTUR
+ nach
+ Bosnien verpflanzt werden?
+
+
+ Von
+ Dr. Josef Neupauer.
+
+
+ WIEN, 1884.
+ Im Selbstverlage des Verfassers.
+
+
+ Buchdruckerei von Heinrich Feitzinger & Co., Teschen.
+
+
+
+
+I.
+
+Behufs Civilisirung und wirthschaftlicher Hebung des Occupationsgebietes
+auf der Balkanhalbinsel wird folgender Vorschlag gemacht.
+
+
+Es wird eine Actiengesellschaft mit einem Actiencapitale von 30
+Millionen Gulden unter der Firma »Zadruga« mit dem Sitze in Wien
+gebildet; die Actien lauten auf den Betrag von 200 fl. und auf den
+Inhaber. Es werden zunächst 40% des Actiencapitals eingezahlt und die
+weiteren 60% nach Massgabe des Bedürfnisses eingefordert. Nach voller
+Einzahlung des Actiencapitals können mit Genehmigung der Regierung
+Prioritäten bis zum Maximalbetrage von 60 Millionen ausgegeben werden.
+
+Das Verwaltungsgebiet der occupirten Länder garantirt die Rückzahlung
+des Actiencapitals sammt 5% Interessen innerhalb 50 Jahren.
+
+Der »Zadruga« wird das Recht eingeräumt, auf dem Occupationsgebiete ein
+im voraus festgesetztes, zusammenhängendes Terrain bis zur
+Maximalausdehnung von 250 Quadrat-Meilen dergestalt successive,
+nöthigenfalls durch Expropriation zu acquiriren, dass nicht nur aller
+Grund und Boden, sammt Häusern, Bergwerken und Industrie-Etablissements,
+sondern auch alle Communicationen, Strassen, Wasserwege etc., etwa mit
+Ausnahme der bereits bestehenden Eisenbahnen, in deren Privateigenthum
+übergehen. Von diesem Rechte macht die »Zadruga« zunächst nur einen
+begrenzten Gebrauch und erweitert die Erwerbungen durch freien Handkauf
+und nöthigenfalls Expropriation nach Massgabe der materiellen,
+moralischen und civilisatorischen Erfolge, welche sie erzielt.
+
+Die Regierung hält auf dem Gebiete der »Zadruga« mit Ausnahme einer
+Anzahl von Regierungscommissären weder Verwaltungs- noch Justiz- noch
+Finanz-Beamte, befreit das ganze Gebiet von jeder Art von Steuern und
+sonstigen Auflagen und bezieht dafür aus den Ueberschüssen der
+Verwaltung einen Pauschalbetrag, welcher mit 10 fl. pr. Kopf der
+jeweilig am 31. December des Vorjahres im Gesellschaftsgebiete
+conscribirt gewesenen Bevölkerung berechnet wird, welcher Pauschalbetrag
+aber von 5 zu 5 Jahren um je einen Gulden pr. Kopf steigt, somit im
+letzten Decennium der Concessionsdauer 19 fl. pr. Kopf erreicht.
+
+Auch fällt dem Staate, beziehungsweise dem Lande, nach Amortisation des
+Gesellschaftscapitals sammt Zinsen oder gegen Rückzahlung des noch
+aushaftenden Actiencapitals sammt Zinsen das ganze immobile und mobile,
+im occupirten Terrain investirte Vermögen der Gesellschaft zu.
+
+Macht die Regierung von der Einlösung vor Ablauf von 20 Jahren Gebrauch,
+so ist das Capital mit sechs ein halb Perzent zu refundiren.
+
+Erfolgt die Einlösung später, so hat die Regierung zwar nicht für mehr
+als 5% Zinsen aufzukommen; die mit ihrer Genehmigung vertheilten höheren
+Dividenden werden aber nicht zurückerstattet. Die Regierung bestimmt den
+Zeitpunkt, von welchem ab die Actien durch Verlosung eingezogen werden,
+und den Verlosungsplan, sowie die bei der Verlosung zu beobachtenden
+Formalitäten.
+
+Von dem Ueberschusse der Verwaltung, nämlich der Gesammtjahresproduction
+abzüglich der Verwaltungskosten und des Steuerpauschales dürfen
+keinesfalls mehr als sechs Perzent des Stammcapitals und die laufende
+Amortisationsquote herausgezogen werden.
+
+Die sonstigen Ueberschüsse müssen unbedingt, auf Verlangen der Regierung
+aber auch der Mehrgewinn von 1 Perzent zur Ausdehnung des Unternehmens,
+zur Hebung der materiellen Lage und der intellectuellen und moralischen
+Qualität der Bewohner, zur Vermehrung des Viehstandes, Hebung der
+Landwirthschaft, Aufschliessung der Bergschätze und Begründung jener
+Industrieen, welche die Deckung des heimischen Bedarfes und die
+exportfähige Verarbeitung der Landesproducte ermöglichen, verwendet
+werden.
+
+Innerhalb der ersten zwei Jahre wird gestattet, die fünfperzentige
+Verzinsung des Actiencapitals dem Capitale zu entnehmen, da diese beiden
+Jahre zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich sind.
+
+Die Vertragsabschlüsse der »Zadruga,« sowie der Betriebsplan der
+Unternehmung, die Ernennung der Oberbeamten, die Aufstellung der
+Jahresbilanz und die Gewinnvertheilung bedürfen der Genehmigung der
+österreichischen Regierung und ist hier, sowie überall in dieser Schrift
+unter der österreichischen Regierung die gemeinsame Regierung und ihr
+Verwaltungsapparat verstanden.
+
+Auch die Belastung des gesellschaftlichen Gebietes und die sonstige
+Contrahirung von Schulden bedarf der Regierungsbewilligung.
+
+Die eigentliche Betriebsleitung ist nach Bosnien zu verlegen.
+
+Bezüglich der Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe, bezüglich der
+Volksschule und der Volkserziehung, der sanitären Einrichtungen, dann
+bezüglich der Communicationen, Schutzbauten gegen Elementarschäden und
+der rationellen Einrichtung der Wald- und Feldcultur werden die
+weitestgehenden Anforderungen an die Gesellschaft gestellt und hat sie
+alle Anordnungen der Regierung, soweit sie durch die verfügbaren Mittel
+erfüllbar sind, bei Verlust der Concession und eines entsprechenden
+Theiles des Actiencapitales zu vollziehen. Auch wird sich die Regierung
+unter gewissen Voraussetzungen die Sequestration des gesellschaftlichen
+Vermögens vorbehalten.
+
+Zur Sicherstellung der Erfüllung der von der Gesellschaft der Regierung
+gegenüber übernommenen Verbindlichkeiten steht es der Letzteren frei,
+das Pfandrecht bis zur Höhe eines Betrages von zehn Millionen Gulden auf
+dem beweglichen und unbeweglichen Besitze der Gesellschaft in der den
+Landesgesetzen entsprechenden Form zu erwirken.
+
+Die Beziehungen der Gesellschaft zur Bevölkerung werden im administrativen
+Wege geregelt und entschieden, ebenso die familienrechtlichen Beziehungen
+der Einwohner untereinander und Verbrechen und Vergehen, welche nicht
+der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+der Uebertretungen von Unmündigen und der Ordnungswidrigkeiten von
+Dienstleuten überlassen bleiben, werden von den Gerichten der
+angrenzenden Gebiete abgeurtheilt, auch die Strafen dort abgebüsst und
+vollzogen.
+
+Einer besonderen Vereinbarung mit der »Zadruga« bleibt die Feststellung
+der Bedingungen vorbehalten, unter welchen sie sich innerhalb gewisser
+Grenzen verpflichtet, Findlinge, Waisen und erwerbsunfähige Bewohner des
+österreichisch-ungarischen Gebietes gegen mässiges Entgeld in Erziehung
+und beziehungsweise Verpflegung zu übernehmen, sowie auch
+besserungsfähige, besonders jugendliche Verbrecher aus diesen Ländern
+aufzunehmen, für welche der Strafvollzug während der Dauer ihres
+Aufenthaltes im Gebiete der »Zadruga« und unter der Voraussetzung eines
+tadellosen Verhaltens aufgeschoben bleibt und welchen nach Ablauf einer
+gewissen Zeit die Strafe ex lege erlassen ist.
+
+Von jenen Spirituosen, welche bei der Erzeugung einer indirecten Abgabe
+unterworfen sind, hat die »Zadruga« weder bei der Erzeugung noch beim
+Consum auf ihrem Territorium eine Abgabe zu entrichten. Selbe ist nur
+von dem aus ihrem Gebiete ausgeführten Producte zu erheben. Dagegen
+werden ihr die indirecten Abgaben und die Finanzzölle von den zum Consum
+auf ihr Gebiet eingeführten Artikeln vergütet.
+
+Bei der genauen Buchung der Production und Consumtion auf dem
+Gesellschaftsgebiete wäre die Controlle eine vollkommen ausreichende.
+
+Für die Beförderung von Personen und Frachten auf den Communicationen
+des gesellschaftlichen Gebietes im Durchzugsverkehr hat die Gesellschaft
+zu sorgen und sind ihre Gebührentarife an die Genehmigung der Regierung
+gebunden.
+
+Die Verträge mit fremden Ansiedlern müssen der österreichischen
+Regierung zur Genehmigung vorgelegt werden und wird deren Erfüllung
+seitens der Gesellschaft von der Regierung im administrativen Wege
+erzwungen.
+
+Die Gesellschaft hat auch für jene Anordnungen, welche die
+Arbeitsleistung der Bewohner, die Art ihrer Erzwingung und die
+Aufrechthaltung der Disciplin betreffen, die Genehmigung der
+österreichischen Regierung einzuhohlen.
+
+Entehrende und grausame Strafen sind ganz und gar ausgeschlossen und
+haben sich die Strafen auf Entziehung von Tabak und geistigen Getränken,
+Versetzung in eine geringere Classe von Arbeitern, zwangsweise
+Versetzung an einen anderen Aufenthaltsort oder zu schwereren und
+unbeliebteren Arbeiten, Vorenthaltung der Heiratsbewilligung auf eine
+Reihe von Jahren, bei besoldeten Arbeitern ausserdem auf Confiscation
+eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+Gebiete der »Zadruga« zu beschränken.
+
+Mit Rücksicht auf die privatrechtliche Natur des Besitzes der
+Gesellschaft kann Niemand ein unbedingtes Recht des Aufenthaltes
+erwerben, ausgenommen durch Leistung der gesetzlich geregelten Arbeit
+durch die ganze Dauer der Arbeitsfähigkeit.
+
+Confiscation des gutgebuchten Lohnes und strafweise Ausweisung setzt im
+Falle des Einspruches des Betreffenden die Bestätigung der
+österreichischen Verwaltungsorgane voraus.
+
+Die Entlohnung der Arbeit erfolgt in der Regel durch Naturalleistungen,
+welche aber nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch die
+Erhaltung der Familie, die Befriedigung der geistigen und moralischen
+Bedürfnisse und die Altersversorgung in sich begreifen.
+
+Insoferne durch Vertrag auch ein Lohn in Geld bedungen ist, wird
+derselbe gutgeschrieben und kann dessen Auszahlung in Baarem nur unter
+der Voraussetzung gefordert werden, dass der Betreffende das Gebiet
+sammt seinen nicht mehr erwerbsfähigen Familiengliedern verlässt und auf
+Altersversorgung verzichtet.
+
+Nimmt der Berechtigte aber die Altersversorgung für sich und jene
+Verwandten in Anspruch, für die er selbst zu sorgen hat, so muss er sich
+über eine Entschädigung, die aus seinem Guthaben zu leisten ist, mit der
+Gesellschaft verständigen, der es übrigens frei steht, ein solches
+Uebereinkommen abzulehnen und nach vorhergegangener Kündigung das
+Arbeitsverhältniss zu lösen, in welchem Falle die Auszahlung des
+Guthabens unter obiger Bedingung zu erfolgen hat.
+
+
+
+
+II.
+
+
+Es frägt sich nun, ob sich die Concessionirung einer solchen
+Gesellschaft mit den oben geschilderten Rechten vom rechtlichen,
+socialen, politischen und finanziellen Standpunkte rechtfertiget und wie
+das Capital beschafft werden kann.
+
+Vom gesetzlichen Standpunkte ist die Concessionirung sicherlich
+statthaft, da die Expropriation in allen modernen Gesetzgebungen
+gestattet ist, wo das öffentliche Interesse in Frage kommt.
+
+Das öffentliche Interesse ist aber offenbar und handgreiflich vorhanden,
+wenn durch obige Einrichtungen das Wohl von Hunderttausenden von
+Menschen, die materielle und geistige Cultur und die Wohlfahrt im Lande
+gehoben werden kann, wenn sie ein Mittel ist, die masslose Ausbeutung
+der Arbeit durch das Capital, die moralische und physische Verderbniss
+der Bewohner des von der Expropriation getroffenen Gebietes
+hintanzuhalten und andere Theile des Landes von gefährlichen Elementen
+zu reinigen.
+
+Die Expropriation ist insbesondere durch folgende Betrachtung
+gerechtfertiget.
+
+Das Land braucht vor Allem ein Netz von guten Communicationen.
+
+Diese und die Production stehen aber im innigsten Zusammenhange. Wo die
+Production zurückbleibt, braucht man keine Communicationen,
+beziehungsweise sind die Mittel dazu nicht aufzubringen.
+
+Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+Würde die Regierung die Communicationen in systematischer Weise auf
+Kosten des Landes bauen, so würde Grund und Boden enorm im Werthe
+steigen und der Reichthum und die Macht der wenigen Grundbesitzer
+ausserordentlich erhöht werden, was vom politischen ebenso, wie vom
+socialen Standpunkte verkehrt wäre. Baut man aber nur einige
+Militärstrassen, so fehlt es denselben an Zufahrtsstrassen und sie haben
+einen geringen wirthschaftlichen Werth. Daher nun sehen wir, dass in
+Nordamerika die Landspeculation und die Schienenwege in Verbindung
+gebracht sind, wodurch es möglich wird, die Eisenbahnen durch unbewohnte
+Wildnisse zu führen und findet die Eisenbahngesellschaft dabei ihre
+Rechnung im Verkaufe der früher vom Staate billig erworbenen Ländereien.
+
+Die Losung ist daher, zuerst Communicationen, dann Urbarmachung der
+Ländereien und Erhöhung ihrer Cultur. Aber wo es in der Cultur
+zurückgebliebene eingeborene Einwohner gibt, muss man noch weiter gehen
+und die Ländereien nicht verkaufen, sondern durch eine längere Periode
+selbst bewirthschaften.
+
+Vom socialen Standpunkte ist die befürwortete Massregel gewiss
+gerechtfertigt.
+
+Es ist Bosnien noch ein von der Cultur nicht belecktes Land und wenn man
+daran geht, es der Cultur entgegenzuführen, ist es gewiss erwünscht, von
+Haus aus im administrativen Wege vorzusorgen, dass jene Auswüchse
+verhindert werden, die mit unseren wirthschaftlichen Einrichtungen im
+Allgemeinen verbunden sind und gegen welche, wenn sie einmal einreissen,
+kaum mehr Abhilfe gefunden werden kann.
+
+Diese Länder stehen am Anfange einer wirthschaftlichen Entwicklung,
+deren Ende erfahrungsgemäss krasser Luxus und Ausschweifung neben
+grenzenlosem Elende ist und würde man es der Regierung gewiss Dank
+wissen, wenn sie dem Capital zu diesem Lande den Weg nur unter der
+Bedingung eröffnet, dass es dasselbe mit mässigem Gewinn befruchtet und
+den Nutzen mit dem Arbeiter redlich theilt. Dass auf diese Weise nicht
+nur das Land, sondern auch das Volk rasch der Cultur gewonnen wird, ist
+nicht zu bezweifeln.
+
+Die Socialwissenschaft verspricht Ausserordentliches von der
+Organisation der Arbeit und wenn auch der Erfolg im Voraus nicht
+ermessen werden kann, so ist doch wahrscheinlich, dass die Gesellschaft
+jedem Bewohner bei mässiger Arbeit eine gesunde und reinliche Wohnung,
+reichliche Kleidung, endlich eine reichliche und vortrefflich bereitete
+Nahrung in öffentlichen Speisehäusern wird bieten können, dass an die
+Stelle elenden Brantweines gutes Bier und Wein treten wird, dass die
+Arbeiter guten Tabak rauchen, dass alle Arbeiten durch Maschinenbetrieb
+erleichtert werden.
+
+Die Einwohner werden sich dann erst als Menschen fühlen können.
+
+Die freie Zeit soll dem Arbeiter zur Erholung und geistigen Anregung
+dienen; man wird Spiele und Belustigungen, Schaustellungen aller Art
+einführen, die der Auffassung des Volkes entsprechen und Jedermann
+unentgeldlich offen stehen, man wird womöglich die traditionelle
+Volkspoesie entwickeln, den Gesang und den nationalen Tanz und
+dergleichen fördern und Allem schrittweise ein civilisirteres Gepräge zu
+geben trachten; man wird in Ermangelung anderer Zerstreuungen des Abends
+vom Priester, Arzt oder Lehrer Vorträge halten lassen, die anregen und
+belehren, zugleich aber erziehlich einwirken und das Volk daran erinnern
+sollen, wie seine Zustände sich verändert haben und um wie viel
+glücklicher unter der väterlichen Fürsorge des Kaisers sie sich
+gestalten als in anderen, viel reicheren Ländern und wird es bald
+möglich sein, den Eindruck solcher Belehrungen durch kleine
+theatralische Productionen zu verstärken.
+
+Diese Vorschläge mögen befremdend erscheinen, wenn wir aber an das panem
+et circenses der Römer, die Aufgabe der Aedilen und Anderes denken, was
+auch in alten Zeiten die Staatsklugheit ersonnen hat, so wird man
+finden, dass in den angedeuteten Richtungen nichts so unbedeutend ist,
+dass man es geringachten könnte. Man wird aber auch finden, dass man
+heute zu Tage, bei dem enorm gesteigerten Ertrag der Arbeit und der
+vorgeschlagenen Einschränkung des Capitalgewinnes ganz Ausserordentliches
+wird bieten können.
+
+Dagegen tauscht man ein: Ablieferung der Waffen, Conscription der
+Bevölkerung, Beaufsichtigung jedes Einzelnen, Unausführbarkeit der
+Revolte und des bewaffneten Widerstandes, unausgesetzte Bearbeitung des
+Volkes zu Gunsten der kaiserlichen Regierung, der für Alles das
+Verdienst vindicirt wird.
+
+Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zivilisirung des Volkes in Bosnien
+auf diese Weise leicht und rasch ausführbar erscheint, sonst aber
+schwerlich erreicht wird. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass der
+Slave mehr als eine andere Nation zur Vergesellschaftung neigt und den
+Individualismus zu opfern bereit wäre. Es ist das vorgeschlagene System,
+besonders, da das Gesellschaftseigenthum schliesslich dem Staate, also
+dem Lande anheim fällt, eine Art von Ausdehnung des Systemes der
+Zadruga, wovon die Firma der Gesellschaft entlehnt ist.
+
+Die Zadruga zeigt in ihrer Verfassung schon eine Fortentwicklung über
+den Begriff der Familie in germanischen und romanischen Ländern hinaus,
+da sie eine Vereinigung mehrerer verheirateter Familienglieder unter
+einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+Haushalt, meist mit Ueberlassung der Hauswirthschaft an die nach
+gewisser Reihenfolge sich ablösenden Frauen, führt. Freilich bleibt da
+noch Antheil des Einzelnen am Stammvermögen und Erbrecht aufrechterhalten.
+Es liegt der Einrichtung aber ein wesentlich wirthschaftlicher Gedanke
+zu Grunde und ist die Aufnahme Fremder in die Hauscommunion statthaft.
+Wo das System der Zadruga in Bosnien und der Herzegowina verbreitet ist,
+müsste man von jeder Expropriation auf lange hinaus absehen und die
+Aufmerksamkeit darauf richten, den freien Beitritt zu erlangen, was
+Anlass zur Begründung einer Art von Patriciat geben würde, welches auch
+durch Einkauf und Verleihung erworben werden könnte und gewisse
+Vorrechte in sich schliessen würde.
+
+Es würden nämlich ohne Zweifel jüngere Glieder der Familien, vom Neuen
+angelockt, im gesellschaftlichen Gebiete vorübergehend Dienste nehmen
+und in die Hauscommunion zurückgekehrt, für den Anschluss Propaganda
+machen. Die Expropriation würde sich daher auf den Grossgrundbesitz der
+Mahomedaner beschränken und auf politisch sehr gefährliche Elemente,
+welche keinen Anhang im Lande haben. Die Ausdehnung des
+gesellschaftlichen Territoriums würde mit der Zeit auch durch das System
+der Confiscation gefördert werden können, welches besonders bei Aufstand
+oder staatsgefährlichen Umtrieben andere, grausame und doch unwirksame,
+Strafen zu ersetzen hätte.
+
+Der Beitritt von Hauscommunionen würde mittelst Verträgen erfolgen,
+welche nur allgemein geltende grundsätzliche Bestimmungen enthielten,
+deren Natur erst festgestellt werden könnte, nachdem genügende
+Erfahrungen gemacht worden.
+
+Politisch ist die vorgeschlagene Massregel für den Fernerblickenden
+gewiss von unleugbarem Nutzen. Es ist nicht nur auf keine Weise der
+Regierungszweck, nämlich die Förderung des Volkswohles, besser und
+schneller zu erreichen, sondern im Falle des Gelingens des Unternehmens
+hätte Oesterreich die mit der Uebernahme des europäischen Mandats
+verbundene Aufgabe in ehrenvoller Weise gelöst und seinen Beruf
+documentirt, auf der Balkanhalbinsel weitere Erwerbungen zu machen.
+
+Ja, nachdem höchst wahrscheinlich die rasche Ausdehnung der
+gesellschaftlichen Besitzungen durch Freihandankauf eine natürliche
+Folge des wirthschaftlichen Uebergewichtes sein wird, welches die
+Gesellschaft bald erlangen muss, braucht man nur darauf zu dringen, dass
+die Gesellschaft als Industrie- und Handelsgesellschaft in der Türkei
+und den anderen Balkanstaaten zum Geschäftsbetriebe, selbstverständlich
+ohne irgend welche Privilegien, zugelassen wird, um indirect auch auf
+solche Gebiete die Hand zu legen, die der österreichischen Verwaltung
+noch nicht unterstehen.
+
+Es ist die grosse civilisatorische Aufgabe ins Auge zu fassen, welche
+die Geschichte Oesterreich gestellt zu haben scheint.
+
+Wie einerseits der Stern Oesterreichs kurze Zeit zu erbleichen schien
+und in den letzten Jahren doch auf's Neue zu Tage tritt, welch' wichtige
+Stelle Oesterreich im europäischen Staatencomplexe einnimmt, haben
+andererseits nur kurze Zeit Ideen und volkswirthschaftliche Theorien
+regiert, mit welchen sich Oesterreich nur schwer abfinden konnte. Es
+sind das der wirthschaftliche und politische Liberalismus und das
+Nationalitäten-Princip. Diese Principien haben in überraschend kurzer
+Zeit abgewirthschaftet und der Staatskunst stehen Aufgaben bevor, in
+welchen gerade nur Oesterreich eine leitende Rolle zu übernehmen berufen
+ist. Der Freihandel hat Bankerott gemacht, der Industrialismus droht
+England zu ruiniren und man kommt allgemach zur Erkenntniss, dass die
+Nationalökonomie viel mehr auf Grund und Boden einerseits und auf
+tüchtiges Menschenmaterial andererseits, als auf Freihandel und
+übertriebenen Industrialismus zu fundiren ist.
+
+Dadurch gelangen Agrarstaaten zu höherer Bedeutung. Die Industrie als
+Mittel, die Nachbarvölker auszubeuten, kann als allgemeiner
+wirthschaftlicher Factor offenbar nicht gedacht werden, denn wo Alles
+ausbeutet, kann doch nur eine Paralisirung der Bestrebungen Aller sich
+ergeben.
+
+Aus diesem Grunde lässt sich England nicht copiren und von der
+schrankenlosen industriellen Production kein Heil erwarten.
+
+Dagegen ist die staatlich geschützte und organisirte Industrie, welche
+sich nicht die Aufgabe stellt, Reichthümer aus den Nachbarstaaten zu
+ziehen, sondern dem Volke durch eigene Arbeit die Bedingungen höherer
+materieller und geistiger Wohlfahrt zu schaffen und nur das zu
+exportiren, was zum Austausch für nothwendige Güter erforderlich ist,
+die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+allerdings ein wirthschaftlich wichtiger Factor; diese Industrie ist
+aber bei gehörigem Schutze immer und überall binnen Kurzem zu schaffen,
+wo jungfräulicher Boden und gesunde Bewohner, von einer starken aber
+wohlwollenden Regierung geleitet, vorhanden sind.
+
+Ebenso haben aber die constitutionellen Einrichtungen und der politische
+Liberalismus Bankerott gemacht. Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dass
+die Parlamente nur dem Parteikampfe und den Sonderinteressen gewisser
+Classen dienen, dass sie niemals den Charakter einer eigentlichen
+Volksvertretung haben und dass die constitutionellen Regierungen alle
+Hände voll zu thun haben, um das Volk und das Staatsinteresse gegen die
+Vertretungskörper in Schutz zu nehmen. Die weitaussehenden Pläne der
+Politik, welcher doch Alles unterzuordnen ist, gestatten ihrer Natur
+nach ohnehin keine Verhandlung mit den Parlamenten. Es ist also das
+parlamentarische Regime nichts als ein Hemmschuh für alles Heilsame und
+eine Gefahr für die wahren Staatsinteressen.
+
+Das Nationalitätenprincip ist ebensowenig mit dem österreichischen
+Staatsinteresse verträglich, wie der Industrialismus und das
+constitutionelle Princip und auch der Nationalitätenschwindel hat sich
+schon ausgelebt, da die Arbeiterverbindungen, welche als politische
+Factoren aufzutreten beginnen, sich international constituiren und da
+andererseits die staatenbildende Kraft des Nationalitätenprincips
+erschöpft, die geschichtliche und culturelle Aufgabe dieses Princips
+gelöst ist und grössere staatliche Veränderungen unter dem Drucke dieses
+treibenden Elementes nicht mehr zu erwarten sind. Da ist es nun klar,
+dass Oesterreich bestimmt ist, eine führende Rolle in der politischen
+und wirthschaftlichen Entwicklung Europas zu nehmen.
+
+Es steht an der Grenze der europäischen Cultur, an der Grenze der
+constitutionellen Staaten, es lehnt sich an Gebiete, welche einer
+einseitigen industriellen Entwicklung noch nicht verfallen sind, welche
+für Cultur empfänglich und an verfassungsmässige Zustände noch nicht
+gewöhnt sind, es ist Oesterreich berufen, den Nationalitätenhader ad
+absurdum zu führen und demnach auch mehr als ein anderer civilisirter
+Staat in Europa berufen, sich über seine eigenen Grenzen auszudehnen
+(was aus nationalen Antrieben hervorgegangene Staaten nur im
+beschränkten Masse vermögen, daher ihnen welthistorische Missionen
+verschlossen sind), und das an Schätzen reiche, den nordamerikanischen
+Territorien verwandte Gebiet nicht nur der europäischen Türkei, sondern
+aller Staaten der Balkanhalbinsel in seinen Machtbereich zu ziehen. Nur
+Oesterreich kann die Staatsform für ein Gebiet finden, welches von
+nationaler Einheit absehen, auf welchem daher die directe Fürsorge des
+Monarchen für das Wohl des gemeinen Mannes allem Geschrei nach einer
+Repräsentativ-Verfassung ein Ende machen muss.
+
+In fernerer Zukunft, und wenn sich das Land vom auswärtigen Capitale
+unabhängig gemacht hat, wird es wohl Zeit sein, dem Volke auch eine
+Verfassung zu geben, welche aber bei der Vereinfachung aller
+Verhältnisse und der Gleichheit aller Bewohner ein eigenartiges, von der
+Interessenvertretung grundverschiedenes Gepräge haben müsste.
+
+Der oben erwähnte Beitritt zahlreicher Hauscommunionen würde dahin
+führen, dass sich eine Art von Selbstverwaltung und gewisse politische
+Rechte herausbilden würden. Das Volk würde wohl begreifen, dass die
+Befugnisse des Starĵesina der Gesellschaft dauernd übertragen werden
+müssten, weil ihr mobiles Vermögen und die ihr zur Verfügung stehenden
+intellectuellen Kräfte einen Erfolg ermöglichen, den eine kleine
+Hauscommunion nie erzielen kann. Dadurch würde nun aber auch das
+Familienerbvermögen entfallen und die beitretende Familie würde sich nun
+als Ersatz dafür das Bürgerrecht bedingen, welches der Familie dieselbe
+Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+Das Bürgerrecht, dessen man nur durch Verbrechen verlustig gehen könnte,
+würde das Heimatsrecht und die damit verbundene Versorgung der Kranken
+und Arbeitsunfähigen, ferners das Recht in sich schliessen, Wohnsitz und
+Beruf nicht ohne freie Wahl zu ändern, an der Controlle Theil zu nehmen
+und für den Fall der Herausbildung verfassungsmässiger Zustände bei den
+Volksabstimmungen das Stimmrecht auszuüben. Fremde Ansiedler würden von
+diesem Zeitpunkte ab nur mit Zustimmung der Bürger vorübergehende
+Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+Einkauf, für dem Volke geleistete Dienste oder nach einem vieljährigen
+Aufenthalte als Arbeiter im Lande bei tadelloser Aufführung.
+
+Im Falle der Einführung einer Verfassung -- jedenfalls erst nach
+Abfertigung der Gesellschaft -- wäre der bis dahin zur Entwicklung
+gelangte administrativ-wirthschaftliche Zustand als der gesetzliche zu
+erklären, der ohne Beistimmung des Kaisers und Volkes nicht verändert
+werden kann. Es wäre directe Volksabstimmung und Discussion der
+Landesangelegenheiten in einem allgemein verbreiteten Regierungsblatte
+in's Auge zu fassen.
+
+Die Länder des Balkans galten für nichts, so lange man den Werth von
+Grund und Boden verkannte und alles auf Handelsbeziehungen und
+Industrieen gab, welche nur langsam und ohne directen staatlichen
+Einfluss in's Leben gerufen werden können.
+
+Amerika zeigt uns, was selbst nicht organisirte Thatkraft leisten kann,
+wenn die jung aufstrebende Industrie staatlich geschützt ist.
+
+Für eine solche Politik würde das Gebiet der »Zadruga« als
+Versuchsstation dienen, dort würde sich unter der Firma einer anonymen
+Gesellschaft erproben lassen, was durch staatlich organisirte Production
+erreichbar ist und bringt man es dahin, dass der Strom europäischer
+Auswanderer nicht nach Amerika, sondern unter das Banner Oesterreichs
+flüchtet, dann kann dieses ohne Besorgniss an der Seite Deutschlands
+eine active Rolle übernehmen, die es bisher immer von der Hand gewiesen
+hat.
+
+Die Gesellschaft böte der Regierung den Vortheil, dass etwaige
+Missgriffe ihr Ansehen nicht beeinträchtigen und dass die Schuld des
+allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+könnte daher auch leichter wieder den betretenen Weg verlassen, wenn er
+sich als unvortheilhaft erwiese und das gesellschaftliche Eigenthum
+veräussern oder verpachten oder nach der gewöhnlichen Art mit
+Lohnarbeitern bewirthschaften.
+
+Wenn nun aber fernere politische Ziele auf eine Massregel von scheinbar
+geringerer Bedeutung hinweisen, so ist doch andererseits dafür zu
+sorgen, dass näher liegende Interessen nicht gefährdet werden und da
+eine Expropriation in etwas grösserer Ausdehnung Anstoss bei der
+Bevölkerung erregen könnte, müssten wohl sorgfältige Erhebungen voraus
+gehen. Es wäre daher nicht nur die künftige Organisation des zu
+expropriirenden Territoriums zunächst nur nothdürftig zu enthüllen,
+sondern auch zu versuchen, ob nicht ein Gebiet in genügender Ausdehnung
+im Wege der Verhandlung allenfalls gegen Actien zu erwerben wäre. Der
+Widerstand Einzelner ist nicht mehr zu fürchten, sobald Erfolge erzielt
+sind und der massgebende Theil des Volkes, nämlich der numerisch und
+physisch stärkere, Vertrauen in die Absichten und die Kraft der
+Regierung gewonnen hat und die angrenzenden Grundeigenthümer zur
+Erkenntniss kommen, dass sie wegen Mangels an Communicationen und
+Capital, höherer Ansprüche der Arbeiter und Unvermögenheit, die
+Organisation der »Zadruga« nachzuahmen, nicht concurriren können.
+
+Die Beschaffung eines grösseren, durchaus arrondirten, Gebietes ist aber
+zur Garantirung des Erfolges unbedingt nothwendig.
+
+Der Widerstand der Bevölkerung wird übrigens nicht sehr in's Gewicht
+fallen. Wenn der Verfasser recht berichtet ist, würde die Gesellschaft
+zunächst auf die Besitzungen mahomedanischer Begs zu reflectiren haben,
+die über beträchtlichen Grundbesitz verfügen. Diese Begs dürften zum
+Theil auswanderungslustig sein und jedenfalls hat man nichts von den
+Christen zu besorgen, wenn man gegen die der Zahl nach geringen
+türkischen Einwohner mit der Expropriation vorgeht. Auch wäre es
+erwünscht, wenn die Mahomedaner sich nach und nach aus Bosnien
+zurückzögen, da die Verwaltung einer christlichen Regierung sich auf die
+Dauer mit dem mahomedanischen Elemente nicht verträgt. Ihr Abzug würde
+die Administration vereinfachen und eine Frage lösen, welche in nicht zu
+ferner Zukunft sehr unbequem werden könnte. Andererseits würde die neue
+Einrichtung, welche es Jedem ermöglicht, seinen Unterhalt überall zu
+finden, wo die Gesellschaft herrscht, auch eine räumliche Sonderung der
+Griechen und Katholiken ermöglichen, was für die Verwaltung unläugbar
+ein grosser Gewinn wäre.
+
+Soweit die Verhältnisse in Bosnien bekannt sind, würde eine
+Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+Erfolge anstrebt, unläugbar das Volk bald moralisch erobern. Elemente
+für eine grossartige Production sind genug vorhanden. Das Land ist
+von überschwenglicher Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit und ebenso
+vielversprechend ist die Bevölkerung, die nur zum geringeren Theile
+indolent und arbeitsunlustig ist, wogegen viele Stämme an Fleiss
+und selbst mannigfaltigen, für das Kunstgewerbe verwendbaren,
+Geschicklichkeiten nicht leicht übertroffen werden können. Mahomedaner
+und Arnauten müssen, zunächst wenigstens, zurückgedrängt, die Griechen
+vom Aberglauben und Schacher abgezogen werden und bald wird das Volk
+fühlen, dass es unter den neuen Verhältnissen gewissermassen nur einen
+unsichtbaren Herrn über sich hat, was dem Selbstgefühle der Bewohner
+nicht empfindlich ist, dass aber doch nur der Einzelne für die
+Gesammtheit arbeitet und sorgt, eine den Slaven, besonders den Südslaven
+congeniale Verfassung der Zustände. Wenn das Alles von selbst
+herankömmt, nicht verlangt und bewilliget, sondern wie ein Segen, den
+die Zeit mit sich bringt, so wird es ohne jede Unordnung und Kampf
+abgehen. Der griechische Priester ist glücklicher Weise arm und daher
+bestechlich. Fühlt er, dass er mit der Gesellschaft rechnen muss, bietet
+sie ihm, was sie als Verwalterin der Gesammtproduction leicht thun kann,
+mehr als das Volk ihm bieten könnte, so wird er predigen, was man ihm
+vorschreibt. Er wird sachte den Aberglauben ausrotten helfen und den
+gläubigen Sinn des Volkes der österreichischen Regierung dienstbar
+machen. Hierin muss man allerdings ein wenig Geduld haben und dafür
+sorgen, dass die Popen aus solchen Elementen hervorgehen, welche eine
+entsprechende Erziehung in Oesterreich genossen haben. Das ist eine
+blosse Geldfrage zwischen der österreichischen Regierung einerseits und
+den Klöstern und Bischöfen andererseits und das Geld liefert eben die
+Gesellschaft.
+
+An die Gebräuche und Gewohnheiten des Volkes muss man selbstverständlich
+überall anknüpfen, das Bessere nicht ohne Noth aufdrängen, sondern der
+natürlichen Wahl des Volkes überlassen, wo immer man auf einen
+wahrscheinlichen Erfolg rechnen kann. Eine Art von Luxus, einen Wunsch
+nach Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen, soweit selbe durch
+organisirte Arbeit erreichbar ist, muss man einbürgern, wo man
+civilisiren will und bald wird sich zeigen, dass, was die Beamten und
+Functionäre, ihre Frauen und Kinder geniessen, die Nachahmung weckt und
+zeigt sich, dass die Gesellschaft vorbereitet ist, Jedem, der sich in
+die Verhältnisse schickt, gleiche Vortheile zu bieten, so wird sich bald
+ein Wetteifer entwickeln, der den Regierungszwecken entgegen kömmt. Es
+wird sich schliesslich jede Gemeinde als eine Familie betrachten, man
+wird die Bürgermeisterstellen den Aeltesten der angesehensten Familien
+übertragen und dergestalt eine wirthschaftliche Verfassung auf
+patriarchalischer Grundlage errichten, die als organisch aus dem Volke
+hervorgegangen einen ganz volksthümlichen Charakter annimmt. Dabei
+bildet der Organismus der Production, das Aufeinanderangewiesensein der
+entferntesten Gemeinden durch Theilung der Arbeit und das Aufhören eines
+jeden Handels eine nur durch die Gesellschaft verkörperte Vereinigung,
+einen Kitt, der die Familienbeziehung schliesslich über die Grenzen der
+Gemeinde hinaus erweitert und da ja doch für den Denkenden jede
+politische Frage nur eine Magenfrage ist, wird bald die Politik in der
+wirthschaftlichen Einrichtung gänzlich aufgehen und ein Zustand
+eintreten, wo unter der Führung des Monarchen Einer für Alle und Alle
+für Einen einstehen.
+
+Die systematische Verdrängung der Mahomedaner durch neugeschaffene
+wirthschaftliche Verhältnisse ist ohne Verletzung der bestehenden
+Conventionen möglich, sie ist vom humanitären Gesichtspunkt statthaft,
+vom politischen vortheilhaft.
+
+Sollte selbst theilweise die Expropriation gegen die Mahomedaner
+eintreten müssen, so würde darin doch keine Verletzung der Convention
+liegen, da ja der Oesterreicher selbst in Oesterreich sich die
+Expropriation gefallen lassen muss und die Expropriation nicht nur die
+Türken sondern auch die Christen beträfe. Der natürliche Gang der
+wirthschaftlichen Dinge würde aber bald dahin führen, dass der
+verschwenderische und faule Mahomedaner, sobald er aufhört zu herrschen
+und als Handelsmann überflüssig wird, verarmt und entweder auswandert,
+oder sich glücklich schätzt, wenn die Gesellschaft seine Kinder zur
+Erziehung übernimmt. So stürbe der Mahomedanismus aus. Da aber die neuen
+Einrichtungen Jedem, der arbeitet, eine menschenwürdige Existenz
+eröffnen, kann Niemand es beklagen, dass der faule, grausame und
+herrschsüchtige Mahomedaner den Folgen seiner Laster erliegt und im
+schlimmsten Falle der Versorgung der Gemeinde oder der Arbeit
+anheimfällt. In politischer Beziehung würde dieser Erfolg der
+Administration Oesterreich nur Vortheile bringen. Es lässt sich ja doch
+die orientalische Frage in populärer Weise nicht anders ausdrücken als
+»hinaus mit den Türken«. Nirgends wird man daraus Oesterreich einen
+Vorwurf machen.
+
+Die englischen Staatsmänner, welche der österreichischen Orientpolitik
+am Ersten Schwierigkeiten bereiten möchten, würden Beifall klatschen
+müssen, da sie vor allen Anderen den Ruf verbreitet haben, dass man die
+Türken aus Europa verjagen, die unterjochten Christen ihrer Herrschaft
+entziehen müsse. Nur Konstantinopel wird sich dagegen auflehnen, und
+einer starken, zielbewussten Politik wäre ein energischer Protest zur
+gegebenen Zeit nur willkommen, da sich daran die Weiterführung unseres
+Werkes anknüpfen lässt.
+
+Inwieferne die Expropriation und die Ertheilung einer Zinsengarantie
+unter Verpfändung der Hilfsquellen des Landes ausserhalb der bisher
+factisch ausgeübten Regierungsgewalt im Occupationsgebiete liegt, ist
+dem Privaten nicht leicht zu beurtheilen, allein es kann wohl behauptet
+werden, dass die Ausübung eines solchen, bisher nicht in Anspruch
+genommenen Rechtes gerade gegenwärtig am ehesten ausführbar erscheint,
+da der Einfluss Russlands momentan geschwächt ist, und ist es selbst
+abgesehen von anderen Vortheilen politisch, ein solches Recht bei
+gelegener Zeit auszuüben, um in den unangefochtenen Besitz neuer
+Befugnisse zu gelangen.
+
+Nicht hoch genug anzuschlagen wäre die voraussichtlich beträchtliche
+Vermehrung der Bevölkerung und die Erhaltung, vielleicht auch Erhöhung
+der physischen Tüchtigkeit der eingebornen Bewohner für die Wehrkraft
+Oesterreichs. Da die gesellschaftliche Erziehung, welche in Wirklichkeit
+eine staatliche wäre, von den ersten Kinderjahren an in Krippen,
+Kindergärten, Volks- und Gewerbeschulen bis zum Alter der Militärpflicht
+auf die Jugend wirken und die militärische Ausbildung vorbereiten würde,
+wäre ohne Zweifel ein grosser Gewinn für die politische Machtstellung
+der Monarchie von der vorgeschlagenen Organisation zu erwarten.
+
+Die eigenthümliche Form der vorgeschlagenen Stellung der Regierung zur
+Gesellschaft würde es ausführbar erscheinen lassen, zur gelegenen Zeit
+das Actiencapital durch Umwandlung in Hypothekarschulden oder eine
+bosnische Staatsschuld bedeutend zu reduciren und die verbleibenden
+Actien insgeheim für die Regierung aus Fonden einzulösen, welche der
+parlamentarischen Controlle entzogen sind. Es könnte dann der
+österreichische Fiscus anonym unter der Firma einer Actiengesellschaft
+operiren und das Unternehmen ausschliesslich im Staatsinteresse
+fortführen.
+
+Finanziell endlich ist unter der Voraussetzung der gänzlichen
+Arrondirung des gesellschaftlichen Gebietes und des Ausschlusses aller
+concurrirenden wirthschaftlichen Elemente der Erfolg des Unternehmens
+gesichert. Man schätzt heute das österreichische Joch Grund in Bosnien
+auf 20 fl., somit eine Quadratmeile auf 200.000 fl.
+
+Würde die Gesellschaft zunächst 5 Quadrat-Meilen erwerben, bewohnt von
+etwa 6-7000 Menschen, so würden Grund und Boden auf eine Million, der
+Häuserbesitz auf höchstens drei bis vier Millionen zu stehen kommen und
+ein Betrag von sieben Millionen würde reichlich genügen, um dieses
+Gebiet für Landwirthschaft, Industrie und Bergbau zu investiren.
+
+Auf diese Art wäre die zuerst einzuzahlende 40%ge Quote des
+Actiencapitales in der Höhe von 12 Millionen zu verwenden.
+
+Nach zwei bis drei Jahren würde das Experiment so weit erprobt und der
+Credit der Gesellschaft so weit gefestiget sein, dass sie ohne Zweifel
+von Jahr zu Jahr zehn bis zwanzig, auch dreissig Quadrat-Meilen ihrem
+Gebiete einverleiben könnte und in längstens zwölf Jahren dürfte sich
+ihr Gebiet auf zwei bis dreihundert Quadrat-Meilen und ihre Bevölkerung
+mit Einrechnung der Einwanderer auf etwa eine Million belaufen.
+
+Sobald eine Organisation geschaffen ist, welche die rasche Assimilation
+neuer Gebiete erwarten lässt, wären zunächst noch die aushaftenden 18
+Millionen auf das Actiencapital einzufordern und weiters nach Bedarf
+Prioritäten auszugeben. Da mit dem Fortschreiten der Civilisation und
+der Industrie im Lande die eigenen Arbeitskräfte nach und nach sicher
+ausreichen dürften, die Neuinvestirungen, zum grösseren Theile
+wenigstens, zu bestreiten, wird das Gesammtcapital von 90 Millionen an
+Actien und Prioritäten wahrscheinlich genügen, um den ganzen Plan
+durchzuführen.
+
+Uebrigens wird auch mit geringerem Capitale eine rasche Erweiterung des
+gesellschaftlichen Unternehmens möglich sein. Wo immer Gemeindeeigenthum,
+Staatseigenthum oder Religionsfondsgüter sich befinden, wird es sofort
+thunlich sein, diese Territorien auf Grund von Pachtverträgen auf 50
+Jahre in den gesellschaftlichen Betrieb einzubeziehen. Die Investirungen
+auf den Staatsgütern schaffen gar keine Complicationen, weil das
+Gesellschaftsvermögen ohnehin dem Staate zufällt und die Investirungen
+auf Gemeinde- und Religionsfondsgütern würden entweder auf den Rückfall
+nach 50 Jahren berechnet werden, oder Rechtsfragen schaffen, welche der
+Staat nach Ablauf der Pachtdauer nach Belieben ausnützen oder zu Gunsten
+der Fonde lösen könnte.
+
+Auch ausserdem würde sich der gesellschaftliche Besitz rasch vermehren,
+ohne dass es nöthig wäre, im ausgedehnten Massstabe zur Expropriation zu
+greifen oder grössere Geldmittel zur Erwerbung von Grund und Boden
+aufzuwenden. Es wurde schon oben die Wahrscheinlichkeit des Beitrittes
+der Hauscommunionen und die Modalitäten dargestellt, wie selber erfolgen
+könnte. Man glaubt, dass auch die Priester für diesen Beitritt agitiren
+würden und Personen, die die Verhältnisse in Serbien kennen, glauben,
+dass sich für das Project unter der serbischen Bevölkerung leicht
+Propaganda machen liesse. Dasselbe gilt auch für Bulgarien und wäre es
+umso sicherer in Bosnien von Erfolg. Es liesse sich übrigens auch für
+die Aufnahme von Hauscommunionen in Serbien und Bulgarien eine Form
+finden, wenn auch dort die vermögensrechtlichen Beziehungen zur
+Gesellschaft nicht zugleich die politische Administration in sich
+schliessen könnten. Der gesellschaftliche Beamte könnte der Regierung
+gegenüber immerhin die Stellung des Starĵesina einnehmen.
+
+Ausländische Arbeiter geringerer Qualität würde man ohne baaren Lohn auf
+Kündigung in den Dienst der Gesellschaft aufnehmen und Werkführer oder
+Vorarbeiter, Aerzte, Lehrer, fachmännisch gebildete Beamte würden Lohn
+oder Gehalt beziehen, der ausser der Naturalverpflegung gewährt und von
+Jahr zu Jahr steigen würde, um die Erhaltung der tüchtigen Elemente zu
+sichern.
+
+Von dem Zeitpunkte ab, wo der gesellschaftliche Besitz eine Ausdehnung
+von etwa 250 Quadrat-Meilen erreicht hat, soll die Concessionsdauer von
+50 Jahren berechnet werden, insofern sich mit der Zeit nicht die
+Erspriesslichkeit einer Erweiterung der Concession ergäbe.
+
+Nehmen wir an, dass 12 Millionen zur Erwerbung und Investirung von fünf
+Quadrat-Meilen mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen genügen, so
+müsste zur Erzielung von sechs Perzent und der laufenden
+Amortisationsquote ein Reingewinn von circa 750.000 fl. erreicht werden,
+was bei einem Arbeiterstande von etwa 5000 Menschen, einem fruchtbaren
+Boden und der so vortheilhaften Organisation der Arbeit und Verwaltung,
+gewiss leicht zu erreichen ist. Das umsomehr, nachdem mindestens sieben
+Millionen ausser dem erworbenen Immobilarbesitz investirt werden und
+deren Verzinsung nicht aus der Arbeits- sondern aus der Capitalsrente
+resultirt.
+
+Wie schon erwähnt, würde man in den beiden ersten Jahren auf einen
+pecuniären Ertrag gar nicht rechnen und die Zinsen dem Capitale
+entnehmen, was im Handelsgesetze begründet und nichts weniger als
+schwindelhaft ist. Es wären das Organisationskosten, die vernünftig
+angewendet wären, da es vor Allem gilt, unter den Bewohnern für das
+gewiss gesunde und wohlthätige Unternehmen Propaganda zu machen.
+
+Würde aber die Frage aufgeworfen, wie für später Zinsen und Amortisation
+aufgebracht werden sollen, so ist Folgendes zu bemerken. Auf dem Gebiete
+der »Zadruga« ist durch die Production vor Allem für den Bedarf der
+eigenen Leute reichlich zu sorgen, wobei eben jede Concurrenz
+ausgeschlossen ist. Zunächst dann ist daran zu denken, den Markt in
+Bosnien und den angrenzenden Gebieten zu erobern, was industriell und
+mercantil gleich geringe Schwierigkeiten bietet. Denn da diese Gebiete
+bisher ihren Bedarf meist durch Hausindustrie deckten, wird die schon
+besser geschulte Industrie der »Zadruga« bald für diesen Markt das
+Bessere erzeugen. Mercantil ist aber die Gesellschaft durch die Lage
+ihres Gebietes und die darauf berechneten, neu angelegten
+Communicationen dabei dem Auslande voraus.
+
+Im Auslande und besonders in den österreichischen Provinzen würde
+die Gesellschaft bald an Holzproducten, vielleicht auch Glas, Obst,
+Gartenfrüchten, Schlachtvieh, Leder, erheblichen Absatz finden. Man darf
+auch gar nicht daran verzagen, an eine Luxusindustrie zu denken.
+Bedeutende Geldeinnahmen und die beste Verwerthung der gesellschaftlichen
+Erzeugnisse wären vom reisenden Publicum zu erwarten, welches das Land,
+in welchem persönliche Sicherheit herrscht und Communicationen aller
+Art hergestellt sind, massenhaft besuchen würde. Die Naturschönheiten
+ebenso, wie ethnographische, archäologische, geologische und
+volkswirthschaftliche Studien würden viele Tausende dahin führen und
+wäre für sie das Gebiet der Gesellschaft ein grosses Hôtel mit allen
+erdenklichen Bequemlichkeiten. Das System der Pensionen würde erweitert
+und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+eine alle Reisebedürfnisse umfassende Versorgung geboten. Für ein
+Geringes würde da der Tourist überall gewöhnliche Unterkunft und
+Verköstigung, für grössere Zahlung der Reiche glänzenden Haushalt,
+Begleiter, Dolmetsch und Fuhrwerk oder Tragthiere ohne kleinliche
+Einzelberechnung finden. In den gesellschaftlichen Bazars würde man sich
+mit Mancherlei versorgen und die Gesellschaft, bei welcher der Reisende
+seine Baarschaft deponirt, würde sich am Ende der Reise mit ihm
+verrechnen. Diess veranschaulicht die Alles umfassenden Vortheile der
+einheitlich organisirten Volkswirthschaft für Production sowohl als
+Consumtion, da sie für die Wirthschaft ist, was der Saldosaal für den
+Geldverkehr.
+
+Allein abgesehen von den zu erzielenden jährlichen Arbeitsüberschüssen ist
+ja die collossale Erhöhung des Werthes von Grund und Boden in 50 Jahren in
+Betracht zu ziehen und kann auf Abschlag dieser Erhöhung des Bodenwerthes
+und aller in den ersten Jahren erfolgten Immobiliarinvestirungen der
+Jahresgewinn bilancirt und darüber statutengemäss verfügt werden. Auf
+Grund dieser Erhöhung des Bodenwerthes, der seinerzeit dem Staate
+zufällt, kann derselbe ohne Zweifel mit ruhigem Gewissen Zinsen und
+Capital garantiren.
+
+Kann nun die Bevölkerung zur Arbeit herangezogen werden und wird der
+Productionswerth der Arbeit durch Maschinen erhöht, so wird das
+finanzielle Resultat immer glänzend sein, wenn es sich auch nicht in
+baarem Gelde ausdrückt.
+
+Wo fleissige Hände, unterstützt von mobilem Capitale, einen fruchtbaren
+Boden bebauen, entstehen Reichthümer jeder Art und der Werth des
+Immobiliarbesitzes, den die Gesellschaft erwirbt, muss sich, abgesehen
+von den sonstigen Gütern, die sich im Laufe der Jahre anhäufen und zum
+gesellschaftlichen Vermögen gehören, um das Zehnfache erhöhen. Obwohl
+der gesellschaftliche Besitz gewissermassen dem Verkehr entzogen wird,
+kann doch die Erhöhung der jährlichen Production und die Vermehrung der
+Bevölkerung, worüber die gesellschaftlichen Bücher ein zuverlässiges
+statistisches Material liefern, als eine Grundlage für die Schätzung
+dieser Werthserhöhung dienen.
+
+Dass aber die Bevölkerung unter den geschilderten Verhältnissen zur
+Arbeit herangebildet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Es ist
+längst constatirt, dass der gemeine Mann für die Wohlthaten menschlicher
+Behandlung und wohlwollender Förderung seiner Interessen empfänglich ist
+und schon Owen hat die Erfahrung gemacht, dass humane und milde
+Behandlung des Arbeiters und Fürsorge für sein Wohl den Arbeitsgeber
+bereichern. Es ist dabei in Rechnung zu ziehen, dass Ordnung und
+Regelmässigkeit allen Unternehmungen, insbesondere aber den
+wirthschaftlichen Unternehmungen im höchsten Grade förderlich ist.
+
+Und nicht leicht kann irgendwo die Ordnung, Regelmässigkeit und
+Stetigkeit eines Betriebes so gesichert erscheinen, als auf einem
+grossen geschlossenen Gebiete, wo es nur einen Hausherrn gibt, der
+zugleich Arbeitsgeber, Familienvater und Obrigkeit ist, wenn übrigens
+die Regierung diese alle Beziehungen umfassende Gewalt in Schranken
+hält.
+
+Dass die Gesellschaft nur Mandatar der Regierung ist, ist zwar evident,
+allein es genügt doch die vorgeschlagene Form, um Bedenken zu
+beseitigen, die sonst beim heutigen Stande der politischen Verhältnisse
+auftauchen könnten und sind die garantirten Bahnen ein Präcedens, das
+einerseits zur Rechtfertigung dient, andererseits andeutet, welchen
+Verlauf die vorgeschlagene Einrichtung in Beziehung auf die Stärkung der
+Regierungsgewalt nehmen wird.
+
+Bedenkt man die wirthschaftlich glänzenden Erfolge der Jesuitenrepublik
+in Paraguay, der Gründung am Salzsee und der Herrenhutergemeinde, so
+kann ein wirthschaftliches Bedenken keinesfalls aufkommen.
+
+Es ist nicht zu zweifeln, dass sich in Bosnien eine ganz respectable
+Industrie entwickeln würde, wenn man sich darum bemühen wollte, die
+bestehenden Hausindustrieen auf einen höheren Stand der Ausbildung zu
+bringen und ihnen einen Markt zu eröffnen, abgesehen davon, dass es
+nichts Vernünftigeres geben könnte, als die arme Bevölkerung des
+Riesengebirges mit ihrer Spitzenindustrie in ein Land zu versetzen, wo
+Milch und Honig fliesst und der Zwischenhandel sich ersparen liesse.
+
+Es möchte Befremden erregen, dass ein über die abendländischen
+Culturzustände weit hinausreichender Grad wirthschaftlichen und
+culturellen Fortschrittes für ein Land begehrt wird, das heute noch in
+Barbarei versunken liegt. Allein es ist das vollkommen erklärlich. Die
+Residenz eines neu entstandenen Staates wird an Zweckmässigkeit und
+Schönheit der Anlage leicht den Herrschersitz eines uralten Staates
+überflügeln. Man hat eben Raum, und braucht keinen Schutt wegzuräumen,
+um Platz für Neubauten zu gewinnen. Wenn zur Zeit der Nürnbergereier
+die Remontoiruhr erfunden worden wäre, hätte kein Besitzer eines
+Nürnbergereis daran gedacht, seine Uhr in eine Remontoiruhr umzuwandeln,
+dafür aber auch Niemand, der eine neue Uhr brauchte, nach dem veralteten
+Ei gegriffen. Man wird aber sagen, ein Volk sei kein Industrieerzeugniss,
+es wachse, wie ein Naturproduct. Wozu dann Bosnien occupiren, wenn
+ein Eingriff in sein natürliches Wachsthum nicht möglich ist? Dieser
+Eingriff ist möglich und jedes Gesetz, jede Verwaltungsmassregel hat den
+Zweck, auf die Entwicklung des Volkes entscheidenden Einfluss zu üben.
+Dieser Einfluss ist aber ein vielfach mächtigerer, seit die Volksschule
+zu grosser Entwicklung gelangt ist und wenn der Staat seine Befugnisse
+erweitert und auch in der Volkswirthschaft nicht nur leitend, sondern
+verwaltend eingreift. Bald wird man einsehen, dass der Staat den Beruf
+hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+Beruf hat, Unternehmer zu sein.
+
+Es ist für die Entwicklung des Menschengeschlechtes höchst
+wünschenswerth, dass ein Unternehmen der hier geschilderten Art unter
+staatlicher Aegide versucht werde und wird sich bald zeigen, dass der
+Staat berufen ist, die Erziehung und die Volkswirthschaft nicht blos zu
+fördern, sondern ihnen durch directe Einflussnahme die Wege zu weisen.
+
+Es hat der Staat nicht nur daran ein Interesse, dass die Kinder acht
+Jahre in die Schule gehen, sondern auch, wie sie in der Wiege und den
+ersten Jahren ihrer Entwicklung behandelt und gepflegt werden. Da schon
+werden die Keime einer verfehlten physischen, geistigen und moralischen
+Entwicklung gelegt und die Priester würden sich nie mit der blossen
+Schulaufsicht begnügen, sie wissen, dass ihre Lehren in den Jahren der
+frühesten Kindheit eingeprägt werden müssen, wenn sie Wurzel fassen
+sollen. Ein gleiches Interesse hat der Staat und haben sich die Eltern
+einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+Arbeitszeit auch schon in der frühesten Jugend der öffentlichen Pflege
+und Erziehung zu überlassen, zeigt es sich, wie viel Arbeit in der
+Familie dadurch frei wird (Siehe Paris) und dass darin auch Oekonomie
+liegt, so wird die Bevölkerung die Vortheile der staatlichen Erziehung
+bald begreifen.
+
+Die Stellung der Regierung zur Leitung der gesellschaftlichen
+Einrichtungen wird ihr die Herzen der Bevölkerung gewinnen.
+
+Die Regierung wird den Arbeiter auf administrativem Wege ganz anders
+schützen können, als durch civilgerichtliche Judicatur und die allzusehr
+herabgesetzte politische Administration wird wieder zu Ehren kommen.
+
+Es wird das viel zur Richtigstellung gewisser Doctrinen beitragen, wenn
+neben den modernen Staaten sich ein Gebiet ohne Richter und Anwälte,
+ohne Finanzbeamte und Kaufleute, ohne Banken und Geld und ohne Deputirte
+aufrichtet und wenn die constitutionelle Regierung zu Hause mit der
+Autorität auftreten kann, die ihre Erfolge im absolut regierten Gebiete
+rechtfertigen. Man wird finden, dass der Rechtsstaat kein Gerichtsstaat
+sein muss, ja dass die unveräusserlichen Rechte der Menschen nur im
+administrativen Wege ausgiebig geschützt werden können.
+
+Die Aufbringung des Capitals mit Ausschluss aller Börsenmanöver wird
+möglich sein, wenn man das Unternehmen als ein patriotisches lancirt und
+wenn der Monarch Denjenigen sein Wohlgefallen bezeigt, die sich an dem
+Unternehmen betheiligen. Ordenslustige und adelssüchtige Personen,
+grosse Banken, reiche Financiers, hohe Aristokraten und Prälaten werden
+sich dann bereit finden lassen, die Actien zu zeichnen.
+
+Auch ist anzunehmen, dass mancher Grundbesitzer in Bosnien seinen Besitz
+gegen Actien verkauft.
+
+Sind aber die 30 Millionen auf diese Art nicht zu beschaffen, so müsste
+man um des grossen Zweckes willen sich zu einem Zugeständnisse an die
+Finanzwelt entschliessen und Actien im Betrage von 100 fl.
+concessioniren.
+
+Es wäre solchergestalt dem Socialismus Alles entlehnt, was den
+Staatsinteressen förderlich ist, ohne dass die Dinge auf den Kopf
+gestellt und erworbene Rechte gefährdet würden. Es hätten die Anhänger
+beider Richtungen, der reformatorischen und der capitalistischen, ihr
+räumlich getrenntes Gebiet und der Abfluss der unbeschäftigten Arbeiter
+nach einem neuen Asyle würde einerseits dem Elende auch bei uns steuern,
+andererseits der gefährlichen socialistischen Agitation die Spitze
+abbrechen und ihr die Streitkräfte entziehen.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane noch Analogie
+ der disciplinaren Ahndung durch die Gesellschaftsorgane nach Analogie
+
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes endlich Ausweisung aus dem
+ eines Theiles des gutgeschriebenen Lohnes, endlich Ausweisung aus dem
+
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben
+ Wo aber Communicationen fehlen, kann die Production sich nicht heben.
+
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt. welche gemeinsamen
+ einem gemeinsamen, oft gewählten Oberhaupte darstellt, welche gemeinsamen
+
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vorteil beschafft werden können,
+ die im Inlande nicht oder nicht mit Vortheil beschafft werden können,
+
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen
+ Sicherheit und höheren Genuss böte, als das dafür hingegebene Vermögen.
+
+ Aufname oder Aufname als Bürger erlangen können und zwar gegen
+ Aufnahme oder Aufnahme als Bürger erlangen können und zwar gegen
+
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Mann
+ allfälligen Misslingens, vor der Welt auf die Gesellschaft fiele. Man
+
+ Admistration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+ Administration, welche auf volkswirthschaftlichem Gebiete ihre nächsten
+
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kathegorien
+ und dem Reisenden gegen eine Zahlung per Tag in verschiedenen Kategorien
+
+ hat, seine Sfäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+ hat, seine Sphäre immer weiter auszudehnen und dass er insbesondere den
+
+ einmal daran gewöhnt ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+ einmal daran gewöhnt, ihre Kinder während der etwa 10-stündigen
+
+ ]
+
+
+
+
+
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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