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+The Project Gutenberg eBook, Norwegische Volksmährchen I., by P.
+Asbjörnsen and Jörgen Moe, et al, Translated by Friederich Bresemann
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+
+
+
+Title: Norwegische Volksmährchen I.
+ gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe
+
+
+Author: P. Asbjörnsen and Jörgen Moe
+
+
+
+Release Date: August 25, 2009 [eBook #29796]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMäHRCHEN I.***
+
+
+E-text prepared by Delphine Lettau and the Project Gutenberg Online
+Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
+
+
+
+Norwegische Volksmährchen.
+
+1.
+
+
+Norwegische
+Volksmährchen,
+gesammelt
+von
+P. Asbjörnsen und Jörgen Moe.
+
+Deutsch von Friederich Bresemann.
+
+Mit einem Vorworte
+von
+Ludwig Tieck.
+
+
+Erster Band.
+
+
+
+
+
+
+
+Verlegt
+von
+M. Simion in Berlin.
+
+1847.
+
+Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.
+
+
+
+
+_Vorwort._
+
+
+Vor funfzig Jahren etwa waren bei vielen ernsthaften, selbst gebildeten
+Leuten die Mährchen, Erzählungen von Feen und seltsamen Erscheinungen
+von Gespenstern und Geistern in üblem Ruf. Die Geschichten der Tausend
+und Einen Nacht genossen bei poetischen Gemüthern einige Achtung, sie
+waren wenigstens von den Leihbibliotheken nicht ausgeschlossen. Die
+Erzählungen meiner Mutter Gans waren über ganz Europa verbreitet, doch
+nur in den Händen der Kinder. Einige Jahre früher hatte unser deutscher
+Musäus seine humoristischen Volksmährchen fast als stärkendes Mittel in
+die damals überfluthende weichliche Sentimentalität hineingeworfen, und
+sie fanden allgemeinen Beifall, den sie auch bis jetzt sich erhalten
+haben, obgleich das poetische Element dieser alten Volks-Sagen und
+Dichtungen nicht selten durch Anspielungen auf ganz moderne Dinge und zu
+prosaische Zustände verfinstert ist. Man rechnete aber diese exotischen
+Pflanzen und Blumen nicht zur eigentlichen Literatur, und als ich um
+1796 meine Versuche in dieser Art herausgab und uralte Geschichten in
+ein andres Gewand kleidete, wurde ich von vielen meiner Freunde und
+Wohlwollenden sehr ernsthaft getadelt.
+
+Wie hat sich seitdem diese Gegend der Bücherwelt verwandelt! Eine ganze
+reiche Literatur dieser Mährchen ist entstanden und aus allen Ländern
+der Erde zusammengetragen.
+
+Viele von diesen Volks- und Kindermährchen sind durch Tradition
+und viele Jahre verwandelte und verderbte epische Gedichte, und es
+ist interessant und rührend überraschend, wenn von Zeit zu Zeit im
+verschütteten Grunde der alte Baum noch grünend wiedergefunden wird, den
+gedächtnißlose Jahre in ein unkenntliches Sträußchen zusammengetrocknet
+haben. Ergeht man sich in diesen Forschungen, so wird unser Sinn endlich
+verwirrt und schwindelnd, weil bei zu genauer Untersuchung Indien
+und Frankreich, Deutschland und Italien mit Island und dem Nordpol
+zusammenfließen. Alle Völker, alle Kinder haben sich von je an größeren
+und kleineren Mährchen ergötzt, Kinder selbst haben manche erfunden,
+oder die sie hörten auf ihre Art nachgeahmt, andre, alte und junge
+Frauen haben diese auf ihre Art wieder umgebildet, und so findet der
+Suchende jetzt in allen Ländern zum Theil dieselben Sagen wieder, mehr
+oder minder vom Clima, dem Süden oder Norden gefärbt.
+
+Und so nehme man auch diese Sammlung freundlich auf, diesen nordischen
+Strauß von Spätblumen und einigen seltsamen Pflanzen. Die interessantesten
+möchten wohl die Erzählungen sein, die von einem leichten, gutmüthigen
+Humor angefärbt sind. Wenn Aschenbrödel, Blaubart, und manche ganz
+allgemein verbreitete Legenden oft und unter mancherlei Gestalten
+vorkommen, so lasse man sich auch die oft nicht bedeutende Variation
+gefallen, und bei einfachen, natürlichen Kindern müßten die meisten
+dieser Geschichten Eingang und eine freundliche Aufnahme finden.
+
+Immer in ähnlicher Gestalt mit zwei bis neun Köpfen erscheint der
+ungeschlachte, boshafte Riesengeist _Troll_. Um 1790, als W. v. Schlegel
+noch in Göttingen lebte, und sehr befreundet war mit unserm deutschen
+Dichter Bürger, ergingen sich Lehrer und Schüler auch oft in den Wäldern
+nordischer Poesie. Damals war selbst unter Gelehrten in Dänemark und
+Schweden nicht viel Kunde von dieser Region, und so bildete sich der
+poetische Bürger ein, unser deutsches Wort _drollig_ sei von diesem
+schadenfrohen Nordgeiste abgeleitet, und in diesem Glauben bildete
+Schlegel nachher in seinem Sommernachtstraum den Kobold _Droll_, statt
+des englischen alt-nationalen _Puck_, welcher freilich ein ganz anderer
+und mehr komischer Gesell ist, als diese Trollgeister sich zeigen.
+Schon vor vielen Jahren stritt ich mit Schlegel über diesen (vielleicht
+unbedeutenden) Punkt, bis denn zu Maria Weber's Oberon ein Engländer
+selbst seinem Puck ungetreu geworden ist, und diesen neu beförderten
+Geist _Droll_ singen und sprechen läßt.
+
+Meinen Dank dem kundigen Übersetzer, der mich diese Sagen hat kennen
+lernen, und dessen Wunsch ich gern genügt habe, ein kleines einleitendes
+Wort dieser Sammlung vorzusehen.
+
+L. TIECK.
+
+POTSDAM in den letzten Tagen des
+October 1846, unmittelbar nach einer
+schweren Krankheit.
+
+
+
+
+Inhalt:
+
+ Seite
+
+ 1. Von Aschenbrödel, welcher die silbernen Enten, die
+ Bettdecke und die goldne Harfe des Trollen stahl 1
+ 2. Der Gertrudsvogel 8
+ 3. Der Vogel Dam 10
+ 4. Die wortschlaue Prinzessinn 27
+ 5. Der reiche Peter Krämer 29
+ 6. Aschenbrödel, der mit dem Trollen um die Wette aß 45
+ 7. Von dem Burschen, der zu dem Nordwind ging und
+ das Mehl zurückforderte 49
+ 8. Die Jungfrau Maria als Gevatterinn 54
+ 9. Die drei Prinzessinnen aus Witenland 61
+ 10. Es giebt noch mehr solche Weiber 70
+ 11. Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten 78
+ 12. Eine Freiergeschichte 79
+ 13. Die drei Muhmen 80
+ 14. Der Sohn der Wittwe 86
+ 15. Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau 100
+ 16. Hähnchen und Hühnchen im Nußwald 113
+ 17. Der Bär und der Fuchs 118
+ #a#) Warum der Bär einen Stumpfschwanz hat 118
+ #b#) Wie der Fuchs den Bären ums Weihnachtsessen
+ prellt 119
+ 18. Gudbrand vom Berge 122
+ 19. Kari Trästak 128
+ 20. Der Fuchs als Hirte 146
+ 21. Vom Schmied, den der Teufel nicht in die Hölle lassen
+ durfte 148
+ 22. Der Hahn und die Henne 157
+ 23. Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn 158
+ 24. Lillekort 159
+ 25. Die Puppe im Grase 179
+ 26. Das Kätzchen auf Dovre 183
+ 27. Soria-Moria-Schloß 185
+ 28. Der Herr Peter 200
+ 29. Aase, das kleine Gänsemädchen 208
+ 30. Der Bursch und der Teufel 213
+
+
+
+
+1.
+
+Von Aschenbrödel,
+welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldne Harfe des
+Trollen stahl.
+
+
+Es war einmal ein armer Mann, der hatte drei Söhne. Als er starb, wollten
+die beiden ältesten in die Welt reisen, um ihr Glück zu versuchen;
+aber den jüngsten wollten sie gar nicht mit haben. »Du da,« sagten sie:
+»taugst zu nichts Anderm, als in der Asche zu wühlen. Du!« -- »So muß
+ich denn allein gehen,« sagte _Aschenbrödel_. Die beiden gingen und
+kamen zu einem Königsschloß; da erhielten sie Dienste, der eine beim
+Stallmeister, und der andre beim Gärtner. Aschenbrödel ging auch fort
+und nahm einen großen Backtrog mit, das war das Einzige, was die Ältern
+hinterlassen hatten, wonach aber die andern beiden nichts fragten; der
+Trog war zwar schwer zu tragen, aber Aschenbrödel wollte ihn doch nicht
+stehen lassen. Als er eine Zeitlang gewandert war, kam er ebenfalls zu
+dem Königsschloß, und dort bat er um einen Dienst. Sie antworteten ihm
+aber, daß sie ihn nicht brauchen könnten; da er indeß so flehentlich
+bat, sollte er zuletzt die Erlaubniß haben, in der Küche zu sein und
+der Köchinn Holz und Wasser zuzutragen. Er war fleißig und flink, und
+es dauerte nicht lange, so hielten Alle viel von ihm; aber die beiden
+Andern waren faul, und darum bekamen sie oft Schläge und wenig Lohn und
+wurden nun neidisch auf Aschenbrödel, da sie sahen, daß es ihm besser
+ging.
+
+Dem Königsschloß grade gegenüber, an der andern Seite eines Wassers,
+wohnte ein Troll, der hatte sieben silberne Enten, die auf dem Wasser
+schwammen, so daß man sie von dem Schloß aus sehen konnte; die hatte
+sich der König oft gewünscht, und deßhalb sagten die zwei Brüder zu dem
+Stallmeister: »Wenn unser Bruder wollte, so hat er sich gerühmt, dem
+König die sieben silbernen Enten verschaffen zu können.« Man kann sich
+wohl denken, es dauerte nicht lange, so sagte der Stallmeister es dem
+König. Dieser sagte darauf zu Aschenbrödel: »Deine Brüder sagen, Du
+könntest mir die silbernen Enten verschaffen, und nun verlange ich es
+von Dir.« -- »Das habe ich weder gedacht, noch gesagt,« antwortete der
+Bursch. »Du hast es gesagt,« sprach der König: »und darum sollst Du sie
+mir schaffen.« -- »Je nun,« sagte der Bursch: »wenn's denn nicht anders
+sein kann, so gieb mir nur eine Metze Rocken und eine Metze Weizen; dann
+will ich's versuchen.« Das bekam er denn auch und schüttete es in den
+Backtrog, den er von Hause mitgenommen hatte, und damit ruderte er über
+das Wasser. Als er auf die andre Seite gekommen war, ging er am Ufer auf
+und ab und streu'te und streu'te, und endlich gelang es ihm, die Enten
+in den Trog zu locken und nun ruderte er, all was er nur konnte, wieder
+zurück.
+
+Als er auf die Mitte des Wassers gekommen war, kam der Troll an und ward
+ihn gewahr. »Bist Du mit meinen sieben silbernen Enten davongereis't,
+Du?« fragte er. »Ja--a!« sagte der Bursch. »Kommst Du noch öfter, Du?«
+fragte der Troll. »Kann wohl sein,« sagte der Bursch. -- Als nun
+Aschenbrödel mit den sieben silbernen Enten zurück zu dem König kam,
+wurde er noch beliebter im Schloß, und der König selbst sagte, es wäre
+gut gemacht. Aber darüber wurden seine Brüder noch aufgebrachter und
+noch neidischer auf ihn und verfielen nun darauf, zum Stallmeister zu
+sagen, jetzt hätte ihr Bruder sich auch gerühmt, dem König die Bettdecke
+des Trollen mit den silbernen und goldnen Rauten verschaffen zu können,
+wenn er bloß wolle; und der Stallmeister war auch diesmal nicht faul, es
+dem König zu berichten. Der König sagte darauf zu dem Burschen, daß seine
+Brüder gesagt hätten, er habe sich gerühmt, ihm die Bettdecke des Trollen
+mit den silbernen und goldnen Rauten verschaffen zu können, und nun
+solle er es auch, oder sonst solle er das Leben verlieren. Aschenbrödel
+antwortete, das hätte er weder gedacht, noch gesagt; da es aber nichts
+half, bat er um drei Tage Bedenkzeit. Als die nun um waren, ruderte
+Aschenbrödel wieder hinüber in dem Backtrog und ging am Ufer auf und ab
+und lauerte. Endlich sah er, daß sie im Berge die Bettdecke heraushängten,
+um sie auszulüften; und als sie wieder in den Berg zurückgegangen waren,
+erschnappte Aschenbrödel die Decke und ruderte damit zurück, so schnell
+er nur konnte. Als er auf die Mitte gekommen war, kam der Troll an und
+ward ihn gewahr. »Bist Du es, der mir meine sieben silbernen Enten
+genommen hat?« rief der Troll. »Ja--a!« sagte der Bursch. »Hast Du nun
+auch meine silberne Bettdecke mit den silbernen und goldnen Rauten
+genommen?« -- »Ja--a!« sagte der Bursch. »Kommst Du noch öfter, Du?« --
+»Kann wohl sein,« sagte der Bursch. Als er nun zurückkam mit der goldnen
+und silbernen Decke, hielten Alle noch mehr von ihm, denn zuvor, und er
+ward Bedienter beim König selbst. Darüber wurden die andern Beiden noch
+mehr erbittert, und um sich zu rächen, sagten sie zum Stallmeister: »Nun
+hat unser Bruder sich auch gerühmt, dem König die goldne Harfe verschaffen
+zu können, die der Troll hat, und die von der Beschaffenheit ist, daß
+Jeder, wenn er auch noch so traurig ist, froh wird, wenn er darauf
+spielen hört.« Ja, der Stallmeister, der erzählte es gleich wieder dem
+König, und dieser sagte zu dem Burschen: »Hast Du es gesagt, so sollst
+Du es auch. Kannst Du es, so sollst Du die Prinzessinn und das halbe
+Reich haben; kannst Du es aber nicht, so sollst Du das Leben verlieren.«
+-- »Ich habe es weder gedacht, noch gesagt,« antwortete der Bursch:
+»aber es ist wohl kein andrer Rath, ich muß es nur versuchen; doch sechs
+Tage will ich Bedenkzeit haben.« Ja, die sollte er haben; aber als sie
+um waren, mußte er sich aufmachen. Er nahm nun einen Lattenspiker, einen
+Birkenpflock und einen Lichtstumpf in der Tasche mit, ruderte wieder
+über das Wasser und ging dort am Ufer auf und ab und lauerte. Als der
+Troll herauskam, und ihn gewahr ward, fragte er: »Bist Du es, der mir
+meine sieben silbernen Enten genommen hat?« -- »Ja--a!« antwortete
+der Bursch. »Du bist es, der mir auch meine Decke mit den goldnen und
+silbernen Rauten genommen hat?« fragte der Troll. »Ja--a!« sagte der
+Bursch. Da ergriff ihn der Troll und nahm ihn mit sich in den Berg.
+»Nun, meine Tochter,« sagte er: »nun hab' ich ihn, der mir meine
+silbernen Enten und meine Bettdecke mit den silbernen und goldnen Rauten
+gestohlen hat; setz' ihn jetzt in den Maststall, dann wollen wir ihn
+schlachten und unsre Freunde bitten.« Dazu war die Tochter sogleich
+bereit, und sie setzte ihn in den Maststall, und da blieb er nun acht
+Tage lang und bekam das beste Essen und Trinken, das er sich wünschen
+konnte, und so viel er nur wollte. »Geh nun hin,« sagte der Troll zu
+seiner Tochter, als die acht Tage um waren: »und schneide ihn in den
+kleinen Finger, dann werden wir sehen, ob er schon fett ist.« Die
+Tochter ging sogleich hin. »Halt mal Deinen kleinen Finger her!«
+sagte sie; aber Aschenbrödel steckte den Lattenspiker heraus, und
+in den schnitt sie. »Ach nein, er ist noch hart wie Eisen,« sagte die
+Trolltochter, als sie wieder zu ihrem Vater kam: »noch können wir ihn
+nicht schlachten.« Nach acht Tagen ging es wieder eben so, nur daß
+Aschenbrödel jetzt den Birkenpflock heraussteckte. »Ein wenig besser ist
+er,« sagte die Tochter, als sie wieder zu dem Trollen kam: »aber noch
+war er hart zu kauen, wie Holz.« Acht Tage darnach sagte der Troll
+wieder, die Tochter solle hingehen und zusehen, ob er jetzt nicht
+fett genug wäre. »Halt mal Deinen kleinen Finger her!« sagte die
+Tochter, als sie zum Maststall gekommen war. Nun hielt Aschenbrödel den
+Lichtstumpf hin. »Jetzt geht's an,« sagte sie. »Haha!« sagte der Troll:
+»so reise ich fort, um Gäste zu bitten; inmittlerweile sollst Du ihn
+schlachten und die eine Hälfte braten und die andre Hälfte kochen.« Als
+der Troll nun gereis't war, fing die Tochter an, ein großes langes
+Messer zu schleifen. »Sollst Du mich damit schlachten?« fragte der
+Bursch. »Ja, Du,« sagte die Trolltochter. »Aber es ist nicht scharf,«
+sagte der Bursch: »ich muß es Dir nur schleifen, damit Du mich desto
+leichter ums Leben bringen kannst.« Sie gab ihm nun das Messer, und
+er fing an zu schleifen und zu wetzen. »Laß es mich jetzt an Deiner
+Haarflechte probiren,« sagte der Bursch: »ich glaube, es wird nun gut
+sein.« Das erlaubte sie ihm denn auch; aber sowie Aschenbrödel die
+Haarflechte ergriff, bog er ihr den Kopf zurück und schnitt ihr den Hals
+ab -- und kochte dann die eine Hälfte und bratete die andere und trug es
+auf den Tisch. Darauf zog er die Kleider der Trolldirne an und setzte
+sich in die Ecke hin. Als der Troll mit den Gästen nach Hause kam, bat
+er die Tochter -- denn er glaubte, daß sie es wäre -- sie möchte doch
+auch kommen und mitessen. »Nein,« antwortete der Bursch: »ich will kein
+Essen haben, ich bin so betrübt.« -- »Du weißt ja Rath dafür,« sagte der
+Troll: »nimm die goldne Harfe und spiele darauf.« -- »Ja, wo ist die
+nun?« sagte der Bursch wieder. »Du weißt es ja wohl, Du hast sie ja
+zuletzt gebraucht; dort hangt sie ja über der Thür,« sagte der Troll.
+Der Bursch ließ sich das nicht zweimal sagen; er nahm die Harfe und ging
+damit aus und ein und spielte; aber wie er so im besten Spielen war,
+schob er plötzlich den Backtrog hinaus ins Wasser und ruderte damit
+fort, daß es nur so saus'te. Nach einer Weile däuchte es dem Trollen,
+die Tochter bliebe gar zu lange draußen, und er ging hin, sich nach ihr
+umzusehen; da sah er aber den Burschen in dem Trog weit weg auf dem
+Wasser. »Bist Du es, der mir meine sieben silbernen Enten genommen hat?«
+rief der Troll. »Ja!« sagte der Bursch. »Du bist es, der mir auch meine
+Decke mit den silbernen und goldnen Rauten genommen hat?« -- »Ja!« sagte
+der Bursch. »Hast Du mir nun auch meine goldne Harfe genommen, Du?«
+schrie der Troll. »Ja, das hab' ich,« sagte der Bursch. »Hab' ich Dich
+denn nicht gleichwohl verzehrt?« -- »Nein, das war Deine Tochter, die Du
+verzehrtest,« antwortete der Bursch. Als der Troll das hörte, ward er so
+arg, daß er barst. Da ruderte Aschenbrödel zurück und nahm einen ganzen
+Haufen Gold und Silber mit, so viel der Trog nur tragen konnte, und
+als er nun damit zurückkehrte, und auch die goldne Harfe mitbrachte,
+bekam er die Prinzessinn und das halbe Reich, so wie der König es ihm
+versprochen hatte. Seinen Brüdern aber that er immer wohl; denn er
+glaubte, sie hätten nur sein Bestes gewollt mit Dem, was sie gesagt
+hatten.
+
+
+
+
+2.
+
+Der Gertrudsvogel.
+
+
+Als unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden einherwandelten,
+kamen sie einmal zu einer Frau, die bei ihrem Backtrog stand und den
+Teig knetete. Sie hieß _Gertrud_ und hatte eine rothe Mütze auf. Da
+beide den Tag über schon weit gegangen und daher sehr hungrig waren, bat
+der Herr Christus die Frau um ein Stückchen Brod. Ja, das sollte er
+haben, sagte sie und nahm ein Stückchen Teig und knetete es aus; aber
+da ward es so groß, daß es den ganzen Backtrog anfüllte. Nein, das war
+allzu groß, das konnte er nicht bekommen. Sie nahm nun ein kleineres
+Stück; aber als sie es ausgeknetet hatte, war es ebenfalls zu groß
+geworden; das konnte er auch nicht bekommen. Das dritte Mal nahm sie ein
+ganz ganz kleines Stück; aber auch das Mal ward es wieder zu groß. »Ja,
+so kann ich Euch Nichts geben,« sagte Gertrud: »Ihr müsst daher ohne
+Mundschmack wieder fortgehen; denn das Brod wird ja immer zu groß.« Da
+ereiferte sich der Herr Christus und sprach: »Weil Du ein so schlechtes
+Herz hast und mir nicht einmal ein Stückchen Brod gönnst, so sollst Du
+zur Strafe dafür in einen Vogel verwandelt werden und Deine Nahrung
+zwischen Holz und Rinde suchen, und nicht öfter zu trinken sollst Du
+haben, als wenn es regnet.« Und kaum hatte er die Worte gesprochen,
+so war sie zum Gertrudsvogel verwandelt und flog oben zum Schornstein
+hinaus; und noch den heutigen Tag sieht man sie herumfliegen mit einer
+rothen Mütze auf dem Kopf und schwarz über dem ganzen Leib; denn der Ruß
+im Schornstin hatte sie geschwärzt. Sie hackt und bickt beständig in den
+Bäumen nach Essen und piept immer, wenn es regnen will; denn sie ist
+beständig durstig.
+
+
+
+
+3.
+
+Der Vogel Dam.
+
+
+Es war einmal ein König, der hatte zwölf Töchter, und von denen hielt
+er so viel, daß er sie nie aus den Augen ließ; aber jeden Mittag, wenn
+der König schlief, gingen die Prinzessinnen spazieren. Einstmals, da
+der König wieder seinen Mittagsschlummer hielt, und die Prinzessinnen,
+wie gewöhnlich, spazieren gegangen waren, geschah es, daß sie nicht
+zurückkehrten, sondern ausblieben. Da entstand große Sorge und Betrübniß
+im ganzen Land; aber am betrübtesten von Allen war der König. Er sandte
+Boten aus durch sein ganzes Reich und in viele fremde Länder und ließ
+sie nachsuchen und ihnen nachläuten mit allen Glocken über das ganze
+Land; aber die Prinzessinnen waren fort und blieben fort, so daß Niemand
+wußte, wo sie gestoben oder geflogen waren. Da konnte man denn wohl
+begreifen, daß sie von irgend einem Trollen entführt sein mußten. Das
+Gerücht hievon verbreitete sich bald von Stadt zu Stadt, von Land zu
+Land, und endlich gelangte es auch zu einem König, der in einem Lande
+weit weit weg wohnte und zwölf Söhne hatte. Als die Söhne von den zwölf
+Königstöchtern erzählen hörten, baten sie ihren Vater um Erlaubniß,
+reisen zu dürfen, um die Prinzessinnen aufzusuchen. Der alte König aber
+wollte anfangs Nichts davon wissen; denn er fürchtete, daß er dann die
+Söhne niemals wiedersehen möchte; aber die Prinzen fielen ihm zu Füßen
+und baten ihn so lange, bis er endlich nachgab und sie reisen ließ.
+Er rüstete nun ein Schiff für sie aus und setzte zum Steuermann über
+dasselbe den Ritter _Röd_, der zu Wasser wohl erfahren war. Lange Zeit
+segelten sie nun umher und forschten in allen Ländern, wohin sie kamen,
+nach den Prinzessinnen; aber sie entdeckten keine Spur von ihnen. Es
+fehlten jetzt nur noch wenig Tage, so hatten sie schon sieben Jahre
+gesegelt. Da entstand eines Tages ein heftiger Sturm und ein solches
+Unwetter, daß sie glaubten, sie würden nimmer wieder an's Land kommen,
+und Alle mußten in einem fort arbeiten, so daß kein Schlaf in ihre Augen
+kam, so lange das böse Wetter anhielt. Aber am dritten Tage legte sich
+der Sturm, und es ward auf einmal ganz still. Alle waren nun von der
+Arbeit und dem schlimmen Wetter so müde geworden, daß sie sogleich
+einschliefen; nur der jüngste Prinz hatte keine Ruhe und konnte nicht
+schlafen. Während er nun auf dem Verdeck hin- und herging, trieb das
+Schiff an eine Insel, und auf der Insel lief ein Hündchen am Ufer und
+bellte und winselte gegen das Schiff an, als ob es hinauf wolle. Der
+Königssohn pfiff und lockte das Hündchen an sich; aber es konnte nicht
+zu ihm kommen und bellte und winselte nur um so mehr. Dem Prinzen
+däuchte, es wäre Sünde, das Hündchen dort umkommen zu lassen, das, wie
+er glaubte, von einem Schiff sei, welches in dem Sturm untergegangen
+wäre; aber er wußte nicht, wie er ihm helfen sollte, da er sich nicht
+im Stande glaubte, das Boot allein auszusetzen; denn alle die Andern
+schliefen, und er wollte sie nicht gern wegen des Hundes aufwecken. Aber
+das Wetter war so klar und so still; da dachte er denn, du musst es doch
+versuchen, ob du das Thierchen nicht retten kannst, und er machte sich
+daran, das Boot auszusetzen, und es ging damit leichter, als er geglaubt
+hatte. Er ruderte nun ans Land und ging auf das Hündchen zu; aber so
+oft er es greifen wollte, sprang es zur Seite und lockte so den Prinzen
+immer weiter fort, bis dieser, eh' er es gewahr ward, sich in einem
+großen prächtigen Schlosse befand. Da verwandelte sich das Hündchen
+plötzlich in eine schöne Prinzessinn. Auf der Bank aber saß ein Mann, so
+groß und so häßlich, daß der Prinz darüber erschrak. »Du brauchst nicht
+bange zu sein,« sagte der Mann; -- aber der Prinz erschrak noch mehr,
+als er seine Stimme hörte -- »ich weiß wohl, Was Du willst: Es sind
+Eurer zwölf Prinzen, die suchen die zwölf verloren gegangenen
+Prinzessinnen. Ich weiß aber wohl, wo sie sind: sie sind bei meinem
+Herrn; da sitzen sie jede auf ihrem Stuhl und läusen ihn, denn er hat
+zwölf Köpfe. Nun seid Ihr sieben Jahre lang umhergesegelt, aber Ihr
+werdet noch sieben Jahre dazu segeln müssen, eh' Ihr sie findet. Was
+Dich betrifft, so könntest Du gern hier bleiben, und meine Tochter
+bekommen; aber Du musst erst meinen Herrn tödten, denn er ist sehr
+strenge gegen uns, so daß wir seiner längst überdrüssig sind; und wenn
+er todt ist, werde ich König an seiner Stelle. Versuche aber nun, ob Du
+dieses Schwert zu schwingen vermagst,« sagte der Troll. Der Königssohn
+wollte ein rostiges Schwert ergreifen, das an der Wand hing, aber er
+konnte es nicht vom Fleck rühren. »So musst Du Dir einen Schluck aus
+dieser Flasche nehmen,« sagte der Troll. Als der Prinz das gethan hatte,
+konnte er das Schwert von der Wand nehmen, und als er noch einen Schluck
+genommen hatte, konnte er es aufheben; und als er endlich noch einen
+Schluck genommen hatte, konnte er es mit solcher Leichtigkeit schwingen,
+als wär' es sein eignes gewesen. »Wenn Du nun wieder an Bord kommst,«
+sagte der Trollprinz: »so musst Du das Schwert in Deine Koje verstecken,
+damit der Ritter _Röd_ es nicht zu sehen bekommt. Er ist zwar nicht im
+Stande, es zu schwingen, aber er wird Dich dann hassen und Dir nach dem
+Leben trachten. Wenn sieben Jahre um sind, bis auf drei Tage,« sagte er
+weiter: »dann wird es wieder eben so gehen, wie jetzt; es kommt dann
+wieder ein gewaltiges Unwetter mit Sturm und Hagel über Euch, und wenn
+das vorüber ist, werden Alle müde sein und sich in ihre Kojen legen; Du
+aber musst dann das Schwert nehmen und ans Land rudern; alsdann gelangst
+Du zu einem Schloß, wo lauter Wölfe, Bären und Löwen als Schildwachen
+stehen; aber Du brauchst Dich nicht vor ihnen zu fürchten, denn sie
+werden Dir alle zu Füßen kriechen. Sobald Du darauf in das Schloß
+gekommen bist, siehst Du den Räuber in einem prächtig geschmückten
+Zimmer sitzen; aber zwölf Köpfe hat er, und die Prinzessinnen sitzen
+jede auf ihrem Stuhl und läusen ihn, und da kannst Du Dir wohl vorstellen,
+daß ihnen solche Arbeit nicht gefällt. Darnach musst Du Dich beeilen
+und ihm den einen Kopf nach dem andern abhauen, eh' er aufwacht; denn
+geschieht das, so frisst er Dich lebendig auf.« Der Königssohn ging
+nun mit dem Schwert wieder an Bord und vergaß nicht, Was ihm der Troll
+gesagt hatte. Die Andern lagen noch alle und schliefen; er aber versteckte
+das Schwert in seine Koje, so daß weder der Ritter _Röd_, noch sonst
+Jemand von ihnen es bemerkte. Nun fing es wieder an zu wehen; da weckte
+der Prinz die Andern auf und sagte, es könne nicht angehen, daß sie noch
+länger da lägen und schliefen, da sie jetzt einen so guten Wind bekommen
+hätten. Niemand von ihnen hatte bemerkt, daß er weg gewesen war. -- Die
+Zeit verstrich allmählich, und der Prinz dachte immer an das Abenteuer,
+das er bestehen sollte, zweifelte aber an dem glücklichen Ausgang. Als
+nun die sieben Jahre bis auf drei Tage um waren, geschah es ganz, wie
+der Trollprinz ihm gesagt hatte. Es entstand ein heftiges Unwetter, das
+hielt drei Tage lang an, und als das vorüber war, wurden Alle von der
+anstrengenden Arbeit müde und legten sich in ihren Kojen schlafen. Der
+jüngste Königssohn aber ruderte ans Land, und die Wachen krochen ihm
+zu Füßen, und so gelangte er ins Schloß. In einem der Zimmer saß der
+König und schlief, wie ihm der Trollprinz gesagt hatte, und die zwölf
+Prinzessinnen saßen jede auf ihrem Stuhl und läus'ten jede ihren Kopf.
+Der Königssohn winkte den Prinzessinnen, daß sie sich entfernen sollten;
+sie zeigten aber auf den Trollen und winkten ihm wieder, er solle
+schnell fortgehen; der Königssohn aber gab ihnen durch Mienen und
+Geberden zu verstehen, daß er sie befreien wolle; endlich merkten sie
+denn seine Absicht und entfernten sich leise eine nach der andern. Nun
+sprang der Prinz schnell hinzu und hieb dem Trollkönig die zwölf Köpfe
+ab, so daß das Blut wie ein großer Bach strömte. Als der Troll getödtet
+war, ruderte der Prinz wieder nach dem Schiff zurück und verbarg das
+Schwert. Es däuchte ihm, daß er jetzt Genug gethan hätte, und da er den
+Leichnam nicht allein aus dem Schloß schaffen konnte, so wollte er daß
+die Andern ihm helfen sollten. Er weckte sie daher auf und sagte, es
+wäre eine Schande, daß sie da liegen sollten und schlafen, während er
+die Prinzessinnen gefunden und sie von dem Trollen befrei't hätte. Da
+lachten die Andern über ihn und sagten, er hätte wohl eben so gut
+geschlafen, als sie alle, und es hätte ihm bloß geträumt, daß er ein
+solcher Held wäre; denn wenn irgend Jemand die Prinzessinnen sollte
+befrei't haben, so wäre es doch weit wahrscheinlicher, daß einer von
+ihnen es gethan hätte, als er. Aber der Königssohn erzählte ihnen, wie
+sich Alles zugetragen hatte, und als sie ans Land fuhren und zuerst den
+Blutbach erblickten und darnach das Schloß und den Trollen und die zwölf
+Köpfe und die Prinzessinnen, da sahen sie wohl, daß er die Wahrheit
+geredet, und halfen ihm nun die Köpfe und den ganzen Rumpf in die See
+werfen. Alle waren nun fröhlich und guter Dinge; aber Keiner war froher,
+als die Prinzessinnen, die nun nicht mehr nöthig hatten, den ganzen Tag
+über da zu sitzen und den Trollen zu läusen. Von all dem Gold und Silber
+und dem kostbaren Geräth, das sich im Schlosse vorfand, nahmen sie so
+viel mit, als das Schiff nur tragen konnte. Darauf gingen Alle an Bord,
+die Prinzen mit sammt den Prinzessinnen. Als sie aber eine Strecke weit
+in die See hinausgekommen waren, sagten die Prinzessinnen, daß sie in
+der Freude ihre goldnen Kronen vergessen hätten, die in einem Schrank
+auf dem Schlosse lägen, und die wollten sie doch gern mithaben. Da nun
+Keiner von den Übrigen sie holen wollte, sagte der jüngste Königssohn:
+»Hab' ich schon so Viel gewagt, so kann ich auch wohl die goldnen Kronen
+holen, wenn Ihr nur die Segel herablassen und so lange warten wollt, bis
+ich wiederkomme.« Ja, das wollten sie, sie wollten die Segel herablassen
+und so lange warten, bis er wiederkäme. Als aber der Prinz so weit von
+dem Schiff ab war, daß sie ihn nicht mehr sehen konnten, sagte der Ritter
+_Röd_, der gern selber der Vornehmste sein und die jüngste Prinzessinn
+haben wollte, es könne nichts nützen, daß sie da still lägen und auf ihn
+warteten; denn das könnten sie sich wohl denken, daß er doch nicht
+zurückkehren würde; sie wüßten überdies, sagte er, daß der König ihm
+(dem Ritter _Röd_) die Vollmacht gegeben hätte, zu segeln wann und wohin
+er wolle, und nun sollten sie sagen, er sei es, der die Prinzessinnen
+befrei't hätte, und wenn Jemand anders sagte, dann solle er das Leben
+verlieren. Die Prinzen wagten nicht, anders zu thun, als der Ritter
+_Röd_ ihnen befohlen hatte, und sie segelten nun weiter. Inmittlerweile
+ruderte der jüngste Königssohn ans Land und ging auf das Schloß, wo er
+auch sogleich den Schrank mit den goldnen Kronen fand; und er müh'te
+sich so lange ab, bis es ihm gelang, denselben ins Boot zu schaffen. Als
+er nun aber in die See hinausgekommen war, konnte er nirgends das Schiff
+erblicken. Er sah sich um nach allen Seiten; aber von dem Schiff war
+keine Spur zu sehen; da merkte er denn wohl, wie es zugegangen war.
+Ihnen nachzurudern konnte nichts helfen, und er mußte daher umkehren
+und ans Land zurückrudern. Er fürchtete sich zwar, die Nacht allein im
+Schlosse zuzubringen, aber es war nun einmal kein andrer Rath. Er faßte
+daher Muth, verschloß alle Thüren und Pforten und legte sich in einem
+Zimmer, wo ein aufgemachtes Bett stand, schlafen. Aber angst und bange
+war er, und er ward es noch mehr, als es nach einer Weile anfing, oben
+im Dach und in den Wänden zu knacken und zu krachen, als ob das ganze
+Schloß bersten wollte. Auf einmal raschelte es neben sein Bett nieder
+wie ein ganzes Fuder Heu. Bald darauf aber hörte er eine Stimme, die
+rief ihm zu, er solle sich nicht fürchten.
+
+ »Der Vogel Dam ist hier,
+ Wo Du nicht kannst, da hilft er Dir,«
+
+sprach die Stimme, und dann sagte sie: »Wenn Du morgen aufwachst, musst
+Du sogleich aufs Stabur[1] gehen und vier Tonnen Rocken für mich zum
+Frühstück holen; die muß ich erst zu Leibe haben, denn sonst kann ich
+Nichts für Dich thun.« -- Als der Prinz am andern Morgen aufwachte,
+erblickte er neben seinem Bett einen entsetzlich großen Vogel, der hatte
+eine Feder im Nacken, die war so groß wie eine halb ausgewachsene Tanne.
+Der Königssohn ging nun aufs Stabur und holte vier Tonnen Rocken für den
+Vogel Dam. Als dieser sein Frühstück zu Leibe hatte, sagte er zu dem
+Königssohn, er solle ihm nun den Schrank mit den goldnen Kronen an der
+einen Seite um den Hals hängen und so viel Gold und Silber nehmen, daß
+es den Schrank aufwöge, und es ihm an der andern Seite um den Hals
+hängen, und dann solle er sich ihm auf den Rücken setzen und sich nur
+gut an der Nackenfeder fest halten. Als der Prinz das gethan hatte, ging
+es in einem Sausen fort durch die Luft, und es dauerte nicht lange, so
+waren sie über dem Schiff. Der Königssohn wollte gern an Bord, um das
+Schwert zu holen, das, wie der Troll ihm gesagt hatte, die Andern nicht
+sehen dürften; aber der Vogel Dam sagte zu ihm, das könne nicht angehen;
+»der Ritter _Röd_ wird es nicht zu sehen bekommen,« sagte er: »kommst Du
+aber an Bord, so trachtet er Dir nach dem Leben, denn er will gern die
+jüngste Prinzessinn haben; aber für die kannst Du ganz ruhig sein, denn
+sie legt jede Nacht ein bloßes Schwert vor sich ins Bett.« -- Endlich
+und zuletzt kamen sie bei dem Trollprinzen an, und da wurde nun der
+Königssohn so wohl aufgenommen, daß es gar nicht zu sagen ist. Der
+Trollprinz wußte nicht, Was er ihm all für Gutes erzeigen sollte, weil
+er seinen Herrn getödtet und ihn zum König gemacht hatte. Er hätte dem
+Königssohn gern seine Tochter und das halbe Reich dazu gegeben; aber der
+war nun einmal so in die jüngste von den Prinzessinnen verliebt, daß er
+nur an sie dachte und durchaus wieder fort wollte. Aber der Troll bat
+ihn, sich noch eine Zeitlang zu gedulden und sagte, daß die Andern
+beinahe noch sieben Jahre zu segeln hätten, ehe sie wieder nach Hause
+kämen. Von der Prinzessinn sagte der Troll Dasselbe, was der Vogel Dam
+gesagt hatte: »Für die,« sagte er: »kannst Du ganz ruhig sein; denn sie
+legt immer ein bloßes Schwert vor sich ins Bett. Und wenn Du mir nicht
+glauben willst, so kannst Du an Bord gehen, wenn sie hier vorüber
+segeln, und Dich selbst davon überzeugen und mir dann zugleich das
+Schwert wiederbringen; denn wiederhaben muß ich es durchaus.« -- Als nun
+nach sieben Jahren die Andern dort vorübersegelten, war es vorher wieder
+ein heftiges Unwetter gewesen; und wie der Königssohn an Bord kam,
+schliefen sie alle insgesammt, und jede der Prinzessinnen schlief bei
+ihrem Prinzen, nur die jüngste Prinzessinn schlief allein mit einem
+bloßen Schwert vor sich im Bette, und auf dem Boden vor dem Bette
+schlief der Ritter _Röd_. Der Königssohn nahm nun das Schwert und
+ruderte wieder ans Land, ohne daß Jemand es bemerkt hatte, daß er an
+Bord gewesen war. -- Der Prinz war indeß beständig unruhig und wollte
+immer wieder fort; und als endlich die sieben Jahre zu Ende gingen und
+nur noch drei Wochen fehlten, sagte der Trollkönig zu ihm: »Nun kannst
+Du Dich zur Reise fertig machen, da Du doch einmal nicht bei uns
+bleiben willst. Ich will Dir ein eisernes Boot leihen, das geht von
+selbst auf dem Wasser, wenn Du bloß sagst: »Boot, geh vorwärts!« Im
+Boote liegt ein eiserner Kloben, und den Kloben sollst Du ein wenig in
+die Höhe heben, wenn Du das Schiff grade vor Dir siehst; dann bekommen
+sie einen solchen Fahrwind, daß sie vergessen, sich nach Dir umzusehen.
+Wenn Du dann neben das Schiff kommst, sollst Du den Kloben noch einmal
+aufheben; alsdann wird es ein solcher Sturm, daß sie wohl etwas Anders
+zu thun bekommen, als nach Dir auszugucken. Und wenn Du an ihnen nun
+vorbei gekommen bist, sollst Du den Kloben zum dritten Mal in die Höhe
+heben; aber Du musst ihn immer wieder vorsichtig niederlegen, denn
+sonst wird es ein solches Wetter, daß sowohl Du, als die Andern darin
+umkommen. Sobald Du nachher ans Land gekommen bist brauchst Du Dich
+nicht weiter um das Boot zu bekümmern, sondern schieb' es dann nur
+umgewendet in die See und sprich: »Boot, geh wieder nach Hause!« -- Als
+der Prinz nun abreis'te, bekam er so viel Gold und Silber und andre
+Kostbarkeiten und Kleider und Leinenzeug mit, das die Prinzessinn
+während der langen Zeit, die er auf der Insel zugebracht, für ihn
+genäh't hatte, so daß er viel reicher war, als irgend einer von seinen
+Brüdern. Kaum hatte er sich nun ins Boot gesetzt und gesagt: »Boot, geh
+vorwärts!« so ging das Boot fort. Und als er das Schiff grade vor sich
+erblickte, hob er den Kloben ein wenig in die Höhe; da bekamen sie einen
+solchen Fahrwind, daß sie vergaßen, sich nach ihm umzusehen. Als er
+darauf neben das Schiff kam, hob er den Kloben noch einmal in die Höhe,
+und da ward es ein solcher Sturm und ein solches Wetter, daß der weiße
+Schaum rund um das Schiff stand, und die Wellen über das Verdeck
+hinschlugen, so daß sie etwas Anders zu thun bekamen, als nach ihm
+auszugucken. Und als er ihnen nun vorbeigekommen war, hob er den Kloben
+zum dritten Mal auf, und da bekamen sie so reichlich zu thun, daß sie
+gar keine Zeit hatten, sich nach ihm umzusehen. Er kam weit, weit früher
+ans Land, als das Schiff; und als er all seine Sachen aus dem Boot
+geschafft hatte, kehrte er es um, schob es hinaus in die See und sprach:
+»Boot, geh wieder nach Hause!« und da ging das Boot wieder fort.
+
+Der Königssohn kleidete sich nun als ein Seemann aus -- ob der
+Trollkönig ihm das gerathen hatte, oder ob es seine eigne Erfindung war,
+das muß ich ungesagt lassen -- und begab sich nach einer armseligen
+Hütte zu einer alten Frau, zu der sagte er, er wäre ein armer Matrose,
+der auf einem Schiff gewesen, das untergegangen sei, und er wäre der
+Einzige von der ganzen Mannschaft, der sich gerettet hätte, und dann bat
+er sie, ihn nebst den Sachen, die er geborgen, bei sich beherbergen zu
+wollen. »Ach, Gott helf mir!« sagte die Frau: »ich kann Niemandem
+Herberge geben. Ihr seht wohl, wie es hier beschaffen ist; ich habe
+nicht einmal Betten, worauf ich selbst liegen kann, viel weniger noch
+für Andre.« Ja, das wäre einerlei, sagte der Seemann, wenn er bloß ein
+Dach über dem Kopf hätte, dann wär's ihm ganz gleich, wie er läge. Ein
+Obdach konnte sie ihm denn nicht versagen, wenn er so damit fürlieb
+nehmen wolle, wie sie's hätte. -- Am Abend brachte der Seemann seine
+Sachen in die Hütte, und sogleich begann die Alte, die gern etwas Neues
+zu erzählen haben wollte, zu fragen, was für Einer er wäre, wo er wohl
+her sei, wo er gewesen, und wo er hin wolle, was das für Sachen wären,
+die er bei sich hätte, in welchem Geschäft er reis'te, und ob er Nichts
+von den zwölf Prinzessinnen gehört hätte, die vor vielen lieben Jahren
+verschwunden wären, und dergleichen mehr, so daß es zu weitläufig sein
+würde, es alles zu erzählen. Der Seemann sagte aber, er befände sich so
+schlecht und hätte solche Kopfschmerzen von dem entsetzlichen Wetter,
+das da regiert hätte, daß er sich auf keine Sache recht besinnen könne;
+sie möchte ihm nur noch einige Tage Ruhe lassen, bis er sich von der
+schweren Arbeit, die er während des schlimmen Wetters gehabt, etwas erholt
+hätte, dann solle sie nachher schon Alles erfahren. Den andern Tag begann
+die Frau aufs neue zu fragen und ihn auszuforschen; aber der Seemann hatte
+noch solche Kopfschmerzen von dem bösen Wetter, daß er sich auf keine
+Sache recht besinnen konnte; doch ließ er so von ungefähr ein Wort fallen,
+als wüßte er wohl Etwas von den Prinzessinnen. Sogleich lief die Alte
+mit dieser Neuigkeit fort zu all den Klatschweibern rund umher, und nun
+kam die eine nach der andern gerannt und fragte nach den Prinzessinnen,
+ob der Seemann sie gesehen hätte, ob sie bald kämen, ob sie schon auf
+der Reise wären u. s. w. Der Seemann aber hatte immer noch Kopfschmerzen
+von dem bösen Wetter, so daß er nicht auf Alles Bescheid geben konnte;
+aber so Viel sagte er doch, daß wenn die Prinzessinnen nicht Schiffbruch
+gelitten hätten in dem heftigen Sturm, sie dann wohl um vierzehn Tage,
+oder vielleicht noch etwas früher, ankommen würden; er könne aber, fügte
+er hinzu: nicht mit Gewißheit sagen, ob sie noch am Leben wären; er
+hätte sie zwar gesehen, sie könnten aber wohl nachher in dem bösen
+Wetter umgekommen sein. Sogleich lief eins von den Klatschweibern zu dem
+Königsschloß und erzählte dort, es wäre in der Hütte bei der und der
+Frau ein Seemann, der hätte die Prinzessinnen gesehen und hätte gesagt,
+sie würden wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas früher,
+ankommen. Als der König das hörte, schickte er sogleich zu dem Seemann
+und ließ ihm sagen, daß er zu ihm kommen und ihm die Sache selbst
+berichten solle. Der Matrose sagte: »Ich habe nicht solche Kleider und
+sehe nicht so aus, daß ich zu dem König gehen kann.« Der Bote aber
+sagte, er solle nur kommen, der König wolle und müsse ihn sprechen,
+einerlei, er möge nun so, oder so aussehen; denn es wäre noch Niemand da
+gewesen, der Nachrichten von den Prinzessinnen hätte bringen können. Da
+ging denn der Seemann endlich zu dem Schloß und trat zu dem König ein;
+der fragte ihn, ob es wahr wäre, daß er die Prinzessinnen gesehen. »Ja,
+das ist wahr,« sagte der Seemann: »aber ich weiß nicht, ob sie noch am
+Leben sind; denn als ich sie sah, war es ein solches Unwetter, daß wir
+Schiffbruch litten. Wenn sie aber damals nicht untergegangen sind, so
+mögen sie wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas früher,
+kommen.«
+
+Als der König das hörte, war er beinahe außer sich vor Freuden; und als
+es nun um die Zeit war, daß die Prinzessinnen, wie der Seemann gesagt
+hatte, kommen sollten, zog der König ihnen in vollem Staat entgegen an
+den Strand -- und groß war die Freude über das ganze Land, als endlich
+das Schiff mit den Prinzessinnen und den Prinzen und dem Ritter _Röd_
+ankam. Die elf ältesten Prinzessinnen waren fröhlich und guter Dinge;
+aber die jüngste, die den Ritter _Röd_ haben sollte, welcher sagte, daß
+er es sei, der die Prinzessinnen befrei't und den Trollen getödtet
+hätte, war immer traurig und weinte unaufhörlich. Dem König wollte das
+gar nicht behagen, und er fragte sie daher, warum sie nicht auch so
+munter und vergnügt wäre, wie die andern Prinzessinnen; sie hätte doch,
+meinte er, keine Ursache, betrübt zu sein, da sie nun von dem Trollen
+befrei't wäre und einen Mann zum Gemahl haben solle, wie der Ritter
+_Röd_ sei. Sie durfte aber Nichts sagen; denn der Ritter _Röd_ hatte ja
+gedroh't, wenn Einer erzählen würde, wie sich Alles wirklich zugetragen,
+dann wolle er ihn ums Leben bringen.
+
+Als nun die Prinzessinnen eines Tages an ihrem Brautputz näh'ten, trat
+plötzlich Jemand in einer großen Matrosenjacke und mit einem
+Tabuletkasten auf dem Rücken zu ihnen ein und fragte, ob sie ihm keine
+Schmucksachen zu ihrer Hochzeit abkaufen wollten, er hätte, sagte er,
+außerordentlich seltne und kostbare Dinge von Gold und auch von Silber.
+-- Ja, das könnte wohl möglich sein. Sie sahen die Waaren an, und sie
+sahen ihn an; denn es wollte sie bedünken, sie sollten ihn und auch
+manche von den Sachen kennen, die er hatte. »Der so viel prächtige
+Schmucksachen hat,« sagte endlich die jüngste Prinzessinn: »könnte auch
+wohl Etwas haben, das noch prächtiger und für uns noch passender wäre.«
+-- »Das wäre wohl möglich,« sagte der Krämer. Aber die andern tuschten
+sie und sagten, sie möchte doch bedenken, womit der Ritter _Röd_ ihnen
+gedroht hätte. -- Einige Zeit darnach, als die Prinzessinnen eines Tages
+vor dem Fenster saßen, kam der Königssohn wieder in seiner großen
+Matrosenjacke und trug auf dem Rücken den Schrank mit den goldnen Kronen.
+Als er in den Schloßsaal eingetreten war, machte er den Schrank auf, und
+da nun die Prinzessinnen jede ihre goldne Krone wieder erkannten, sagte
+die jüngste: »Mir däucht, es ist billig und recht, daß Der, welcher uns
+befrei't hat, den Lohn erhalte, der ihm zukommt, und das ist nicht der
+Ritter _Röd_, sondern Der, welcher unsre goldnen Kronen brachte -- der
+hat uns befrei't.« Da warf der Königssohn die Matrosenjacke ab und stand
+nun da weit stattlicher, als alle die Andern; und darauf ließ der König
+den Ritter _Röd_ sogleich ums Leben bringen. Nun war die Freude erst
+recht groß im Königsschloß; und jeder Prinz nahm seine Prinzessinn und
+hielt mit ihr Hochzeit, so daß man sich in zwölf Königreichen davon zu
+erzählen hatte.
+
+
+
+
+4.
+
+Die wortschlaue Prinzessinn.
+
+
+Es war einmal ein König, der hatte eine Tochter, die war so schlau und
+spitzfindig in Worten, daß Keiner sie zum Schweigen bringen konnte.
+Da setzte der König einen Preis aus und ließ bekannt machen, daß Der,
+welcher es könnte, die Prinzessinn und das halbe Reich haben sollte.
+Drei Brüder, welche dies hörten, beschlossen, ihr Glück zu versuchen.
+Zuerst machten sich die beiden ältesten auf, die sich am klügsten
+dünkten; aber sie konnten Nichts bei der Prinzessinn ausrichten und
+mußten noch dazu mit blauer Haut wieder abziehen. Darnach machte sich
+Aschenbrödel auch auf. Als er eine Strecke weit gegangen war, fand er
+am Wege ein Weidenreis, das nahm er auf. Eine Strecke weiter fand er
+eine Scherbe von einer alten Schüssel, die nahm er auch auf. Als er noch
+etwas weiter gegangen war, fand er einen todten Staar, und etwas darnach
+ein krummes Bockshorn; ein wenig später fand er noch ein krummes
+Bockshorn, und als er über das Feld zum Königshof gehen wollte, wo
+Dünger ausgestreu't lag, fand er darunter eine ausgegangene Schuhsohle.
+Alle diese Dinge nahm er mit sich zum Königsschloß, und damit trat er zu
+der Prinzessinn ein. »Guten Tag!« sagte er. »Guten Tag!« sagte sie und
+verzog das Gesicht. »Kann ich nicht meinen Staar gebraten kriegen?«
+fragte er. »Ich bin bange, er birstet,« antwortete die Prinzessinn. »O,
+das hat keine Noth, ich binde dieses Weidenreis um,« sagte der Bursch
+und nahm das Reis hervor. »Aber das Fett läuft heraus,« sagte die
+Prinzessinn. »Ich halte dies unter,« sagte der Bursch und zeigte ihr die
+Scherbe von der Schüssel. »Du machst es mir so krumm, Du!« sagte die
+Prinzessinn. »Ich mach es nicht krumm, sondern es ist schon krumm,«
+sagte der Bursch und nahm das eine Horn hervor. »Nein, etwas Ähnliches
+hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehn!« rief die Prinzessinn. »Hier
+siehst Du was Ähnliches,« sagte der Bursch und nahm das andre Bockshorn
+hervor. »Ich glaube, Du bist ausgegangen, um mich zum Schweigen zu
+bringen,« sagte die Prinzessinn. »Nein, ich bin nicht ausgegangen,
+aber diese hier ist ausgegangen,« sagte der Bursch und zeigte ihr die
+Schuhsohle. Hierauf wußte die Prinzessinn Nichts mehr zu antworten. »Nun
+bist Du mein!« sagte der Bursch, und darauf erhielt er die Prinzessinn
+und das halbe Königreich.
+
+
+
+
+5.
+
+Der reiche Peter Krämer.
+
+
+Es war einmal ein Mann, den nannten die Leute _den reichen Peter
+Krämer_, weil er ehedem mit Kram im Lande umhergefahren und viel Geld
+verdient hatte, so daß er nun ein reicher Mann geworden war. Dieser
+reiche Peter Krämer hatte eine Tochter, die hielt er so kostbar, daß er
+alle Freier, die sich um sie bewarben, abwies; denn es schien ihm kein
+Einziger gut genug für sie. Weil es nun so mit allen ging, kamen endlich
+gar keine mehr, und da nun die Jahre herankamen, befürchtete Peter, das
+Mädchen möchte zuletzt sitzen bleiben. »Es wundert mich,« sprach er zu
+seiner Frau: »daß gar keine Freier mehr zu unsrer Tochter kommen, die
+doch so reich ist. Das müßte sonderbar zugehen, wenn sich nicht Einer
+finden sollte, der sie haben wollte; denn Geld hat sie, und noch mehr
+bekommt sie. Ich glaube, ich muß mal zu den Sternguckern reisen und die
+fragen, Wen sie haben soll; denn es kommt hier ja Niemand.« -- »Wie
+können die Sterngucker Dir das sagen?« fragte die Frau. »O, das lesen
+sie alles in den Sternen,« sagte der reiche Peter. Er steckte nun viel
+Geld zu sich und reis'te damit zu den Sternguckern und bat sie, ihm doch
+den Gefallen zu thun und nach den Sternen zu gucken, und ihm dann zu
+sagen, was seine Tochter für einen Mann haben solle. Die Sterngucker
+sahen nach den Sternen, aber sie sagten, daß sie Nichts sehen könnten.
+Peter bat sie, noch besser zuzusehen und es ihm ja zu sagen; er wolle
+ihnen auch viel Geld geben, sagte er. Die Sterngucker sahen nun besser
+zu, und darauf sagten sie, seine Tochter solle das Müllerkind heirathen,
+das eben jetzt in der Mühle, die gleich unten bei des reichen Peters
+Gehöft läge, zur Welt gekommen sei. Peter meinte, es wäre gar zu
+ungereimt, daß seine Tochter Einen zum Mann haben solle, der eben erst
+zur Welt gekommen sei, und noch dazu einen so geringen Mann. Das sagte
+er auch zu seiner Frau und fügte hinzu: »Es müßte sonderbar zugehen,
+wenn sie mir den Buben nicht verkaufen wollten; alsdann aber wollen wir
+ihn schon quitt werden.« -- »Ja, das mein' ich auch,« sagte die Frau:
+»es sind ja nur arme Leute.« Peter Krämer ging nun zur Mühle und fragte
+die Müllerfrau, ob sie ihm nicht ihren Sohn verkaufen wolle, sie sollte
+viel Geld dafür haben. Nein, das wollte sie durchaus nicht. »Ich weiß
+nicht, warum Du das nicht willst,« sagte Peter Krämer: »es ist ja nur
+die liebe Armuth bei Euch zu Hause, und der Bube, denk' ich, wird sie
+Euch nicht leichter machen.« Aber sie hielt so viel von dem Jungen, daß
+sie ihn nicht missen wollte. Als darauf der Müller eintrat, sagte Peter
+zu ihm dasselbe und versprach ihm sechshundert Thaler für den Buben;
+dafür könnten sie sich ein Gehöft kaufen, sagte er, und hätten dann
+nicht mehr nöthig, für die Leute zu mahlen und zu hungern, wenn sie kein
+Mahlwasser hätten. Das däuchte dem Müller nicht übel, und er sprach mit
+seiner Frau darüber, und endlich bekam denn der reiche Peter den Buben.
+Die Mutter weinte zwar und geberdete sich übel; aber Peter tröstete sie
+und sagte, daß er gut für den Burschen sorgen würde; nur mußten sie ihm
+versprechen, daß sie niemals nach ihm fragen wollten; denn er wollte ihn
+weit weg in andre Länder schicken, damit er fremde Sprachen lerne, sagte
+er. -- Als Peter mit dem Buben nach Hause kam, ließ er einen Kasten
+verfertigen, den verklebte er inwendig mit Pech, legte den Müllerbuben
+hinein, dreh'te den Schlüssel einmal herum und schob dann den Kasten
+hinaus in den Fluß, so daß er mit dem Strom davon trieb. Nun bin ich
+ihn quitt, dachte Peter Krämer. Als aber der Kasten auf dem Fluß weit
+weggetrieben war, kam er zuletzt zu dem Wasser einer andern Mühle und
+gerieth ins Mühlrad, so daß die Mühle davon stehen blieb. Der Müller
+ging hin und wollte zusehen, Was die Ursache davon war, und da fand er
+denn den Kasten und trug ihn ins Haus. »Ich bin doch neugierig, Was wohl
+in diesem Kasten sein mag,« sagte er zu seiner Frau: »der ist ins
+Mühlrad gerathen und hat mir die Mühle gestopft.« -- »Nun, das können
+wir bald erfahren,« sagte die Frau: »der Schlüssel steckt ja drin; mach
+nur das Schloß auf.« Als sie nun den Kasten öffneten, lag darin das
+schönste Kind, das man nur sehen kann, und sie waren beide so erfreu't
+darüber und wollten den Buben als ihr eigenes Kind behalten; denn
+selbst hatten sie keine Kinder und waren auch schon in den Jahren, daß
+sie keine mehr bekommen konnten. -- Als nun eine Zeit vergangen war,
+wunderte Peter Krämer sich wieder, daß sich gar keine Freier zu seiner
+Tochter einfinden wollten, die doch so reich wäre und so viel Geld
+hätte. Aber es zeigte sich keiner; und Peter reis'te darum wieder zu
+den Sternguckern und bot ihnen Geld über Geld, wenn sie ihm bloß sagen
+wollten, Wen seine Tochter zum Mann haben solle. »Wir haben es Dir ja
+gesagt, daß sie den Müllerbuben haben soll,« antworteten die Sterngucker.
+»Ja, das ist recht gut,« sagte Peter Krämer: »aber der ist nun gestorben,
+und wenn Ihr mir darum sagen wolltet, Wen meine Tochter jetzt zum Mann
+haben soll, dann wollt' ich Euch gern zweihundert Thaler geben.« Die
+Sterngucker sahen nun wieder nach den Sternen; aber da wurden sie ganz
+zornig und sprachen: »Sie soll gleichwohl den Müllerbuben haben, den
+Du in den Fluß ausgesetzt hast, um ihn zu tödten; denn er lebt noch
+und ist in der Mühle da und da.« Peter Krämer gab ihnen die zweihundert
+Thaler und dachte jetzt nur darauf, wie er es anfangen solle, um den
+Müllerbuben los zu werden. Das Erste, was er that, als er nach Hause
+kam, war, daß er zur Mühle ging. Da war der Bube schon so groß, daß er
+eingesegnet war und in der Mühle mithalf, und ein schmucker Bursch war
+er geworden. »Könntest Du mir nicht den Burschen überlassen, Du?« sagte
+Peter Krämer zu dem Müller. »Nein,« antwortete der Müller: »ich habe ihn
+als mein eignes Kind erzogen, und er ist so gut in die Art geschlagen,
+daß ich nun Hülfe und Nutzen von ihm in der Mühle haben kann; denn
+selbst werd' ich nach gerade schon alt und hinfällig.« -- »Ja, so geht's
+mir auch,« sagte Peter Krämer: »und darum wollt' ich gern Einen haben,
+den ich zum Handel anlehren könnte. Wenn Du ihn mir daher überlassen
+willst, so will ich Dir gern sechshundert Thaler geben; dann kannst Du
+Dir ein Gehöft kaufen und in Deinen alten Tagen ruhig und in Frieden
+leben.« Ja, als der Müller das hörte, gab er dem Peter Krämer gleich den
+Burschen. Nun reis'ten beide weit umher mit Kram und handelten, bis sie
+einst zu einem Gehöft kamen, das dicht an einem Walde lag. Von hier aus
+schickte Peter den Burschen nach Hause mit einem Brief an seine Frau --
+denn wenn man den Richtweg durch den Wald ging, war es nicht so gar weit
+-- und sagte zu ihm, er solle seine Frau von ihm grüßen und ihr sagen,
+sie solle so bald als möglich thun, Was in dem Brief stände. In dem
+Brief aber stand, sie solle augenblicklich einen Holzstoß errichten und
+den Müllerburschen darauf verbrennen, und wenn sie das nicht thäte, so
+solle sie selbst lebendig verbrannt werden. Mit diesem Brief ging der
+Bursch fort durch den Wald. Gegen Abend kam er zu einem Hause tief im
+Dickicht, und da ging er hinein; doch in dem Hause war kein Mensch zu
+sehen noch zu hören. In einem der Zimmer aber fand der Bursch ein
+aufgemachtes Bett, und auf das legte er sich quer hin. Den Brief hatte
+er an seinen Hut befestigt, und der Hut lag auf seinem Gesicht. Als die
+Räuber nach Hause kamen -- denn das Haus gehörte zwölf Räubern -- und
+den Burschen auf dem Bett liegen sahen, waren sie neugierig, was das für
+Einer wäre, und einer von ihnen nahm den Brief, brach ihn auf und las
+ihn. »Ha! ha!« sagte er: »der ist von dem Peter Krämer; aber nun wollen
+wir ihm einen Streich spielen; denn es wäre doch Jammer und Schade, wenn
+das alte Weibsstück einen so jungen wackern Burschen ums Leben bringen
+sollte.« Sie schrieben nun einen andern Brief an Peter Krämers Frau und
+befestigten ihn an den Hut, während der Bursch schlief, und in dem
+Brief hatten sie geschrieben, die Frau solle den Müllerburschen mit der
+Tochter verheirathen, und es solle augenblicklich die Hochzeit gehalten
+werden, und dann solle sie ihnen Pferde und Vieh und Hausgeräth geben
+und sie völlig auf dem Gehöft einrichten, das unten am Berg läge, und
+sofern das nicht alles geschehen sei, wenn Peter Krämer nach Hause käme,
+sollt's ihr schlecht gehen. Den andern Tag reis'te der Bursch weiter,
+und als er auf Peters Gehöft ankam, übergab er der Frau den Brief und
+sagte, er solle grüßen von Peter Krämer, ihrem Mann, und sagen, sie
+möchte doch so bald als möglich thun, Was in dem Brief stände. Als die
+Frau den Brief gelesen hatte, sagte sie zu dem Burschen: »Du musst Dich
+gut aufgeführt haben, daß Peter mir einen solchen Brief schreibt; denn
+als er abreis'te, war er so böse auf Dich, daß er nicht wußte, wie er
+Dich ums Leben bringen wollte.« Sie machte nun sogleich Anstalten
+zur Hochzeit und gab den jungen Leuten Pferde und Vieh und allerlei
+Hausgeräth und richtete sie vollständig ein auf dem Gehöft unten am
+Berge.
+
+Nicht lange darnach kam Peter Krämer zu Hause, und das Erste, wonach er
+sich bei seiner Frau erkundigte, war, ob sie gethan hätte, wie er in
+dem Brief geschrieben. »Ja, das, däucht mir, war auch nett!« sagte sie:
+»aber ich durfte ja nicht anders.« Nun fragte Peter, wo denn die Tochter
+sei. »Ih nun, das kannst Du Dir ja wohl denken,« sagte die Frau: »sie
+ist bei ihm auf dem Gehöft unten am Berg, so wie in dem Brief stand.«
+Als Peter nun die ganze Geschichte erfuhr und den Brief sah, ward er so
+zornig, daß er aus der Haut fahren wollte, und lief sogleich auf das
+Gehöft zu den jungen Leuten. »Meine Tochter hast Du zwar bekommen,«
+sagte er zu dem Müllerburschen: »aber wenn Du denkst, sie zu behalten,
+so musst Du erst zu dem Drachen von Dübenfahrt und mir drei Federn aus
+seinem Schwanz holen;« -- denn Wer die hatte, konnte Alles bekommen,
+was er sich wünschte. -- »Wo soll ich aber den Drachen von Dübenfahrt
+finden?« fragte der Schwiegersohn. »Das weiß ich nicht,« sagte Peter
+Krämer: »das mag Deine Sorge sein.«
+
+Der Bursch begab sich nun getrost auf den Weg, und als er eine Zeitlang
+gewandert hatte, kam er zu einem Königsschloß. »Hier will ich einkehren
+und vorfragen,« dachte er: »denn solche Leute wissen besser in der Welt
+Bescheid, als Unsereiner, vielleicht daß ich hier den Weg erfahre.«
+Gedacht, gethan. Der König fragte ihn, wo er her sei, und in welchem
+Geschäft er reise. »O, ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt und drei
+Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch: »wenn ich ihn bloß
+finden könnte.« -- »Dazu will viel Glück,« sagte der König: »denn ich
+habe noch nie gehört, daß Einer von solcher Reise zurückgekehrt ist.
+Wenn Du ihn aber antriffst, so kannst Du ihn von mir grüßen und ihn
+fragen, woher es kommt, daß ich niemals reines Wasser in meinem Brunnen
+habe; ich hab' ihn schon so oft säubern und ausmuddern lassen, aber nie
+kann ich reines Wasser bekommen.« -- »Ja, ich will ihn wohl fragen,«
+sagte der Bursch. Auf dem Schloß ließ er's sich wohl sein und bekam noch
+dazu Lebensmittel und Geld auf den Weg.
+
+Gegen Abend kam der Bursch zu einem andern Königsschloß. Als er in die
+Küche eintrat, kam der König heraus und fragte ihn, wo er her sei, und
+in welchem Geschäft er reise. »O, ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt
+und drei Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch. »Dazu will
+viel Glück,« sagte der König: »denn ich habe noch nie gehört, daß Einer
+von daher zurückgekehrt ist. Wenn Du aber zu ihm kommst, so kannst Du
+ihn von mir grüßen und ihn fragen, wo wohl meine Tochter wäre, die vor
+vielen Jahren verschwunden ist; ich habe nach ihr suchen und forschen
+lassen überall, aber ich habe nie das Geringste von ihr erfahren können.«
+-- »Ich will ihn wohl fragen,« sagte der Bursch. Auf dem Königsschloß
+lebte er gut und wohl, und als er den andern Tag fortging, bekam er
+sowohl Essen, als Geld mit auf den Weg. Gegen Abend kam er wieder zu
+einem Königsschloß.
+
+Hier kam die Königinn heraus in die Küche und fragte ihn, wo er her
+sei, und in welchem Geschäft er reise. »Ich soll zu dem Drachen von
+Dübenfahrt und drei Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch.
+»Dazu will viel Glück,« sagte die Königinn: »denn ich habe noch nie
+gehört, daß Einer des Weges zurückgekehrt ist. Aber solltest Du ihn
+antreffen, so kannst Du ihn von mir grüßen und ihn fragen, wo ich wohl
+meine goldnen Schlüssel wiederfinden soll, die ich verloren habe.«
+-- »Ich will ihn wohl fragen,« sagte der Bursch. Am andern Morgen
+wanderte er weiter, und als er ein Ende gegangen war, kam er zu einem
+großen breiten Fluß. Während er nun da stand und nicht wußte, wie er
+hinüber kommen sollte, kam ein alter krummgebückter Mann auf ihn zu und
+fragte ihn, wo er hin wolle. »Ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt,«
+sagte der Bursch: »wenn ich bloß wüßte, wo er zu finden ist.« -- »Das
+kann ich Dir sagen,« sprach der Mann: »denn ich setze hier Alle über,
+die zu ihm wollen. Er wohnt hier grade gegenüber; wenn Du dort oben auf
+dem Hügel bist, kannst Du schon sein Schloß sehen; -- und wenn Du ihn
+dann zu sprechen bekommst, so kannst Du ihn von meinetwegen fragen, wie
+lange ich hier noch übersetzen soll.« -- »Ich will ihn wohl fragen,«
+sagte der Bursch. Der Mann nahm ihn nun auf den Rücken und trug ihn
+über den Fluß; und als der Bursch auf den Hügel gekommen war, sah er
+das Schloß grade vor sich und ging hinein. Als die Prinzessinn, die nur
+allein zu Hause war, ihn erblickte, rief sie: »Ist es möglich! darf
+denn eine Christenseele hieherkommen? Das ist noch nicht geschehen, so
+lange ich hier bin. Für Dich ist es aber am besten,« sagte sie: »Du
+siehst zu, daß Du wieder fortkommst so schnell wie möglich; denn kommt
+der Drache zu Hause, so riecht er Dich und frisst Dich sogleich auf, und
+mich machst Du dann dazu unglücklich.« -- »Nein,« sagte der Bursch: »ich
+kann nicht eher fort, als bis ich drei Federn aus seinem Schwanz habe.«
+-- »Die bekommst Du nun und nimmermehr,« sagte die Prinzessinn.
+
+Aber der Bursch wollte nicht fort; er wollte warten, bis der Drache nach
+Hause käme und wollte die Federn aus seinem Schwanz und Antwort auf seine
+Fragen haben. »Ja, wenn Du denn durchaus darauf bestehst, so will ich
+zusehen, ob ich Dir helfen kann,« sagte die Prinzessinn: »Versuche aber,
+ob Du das Schwert aufheben kannst, das dort an der Wand hangt.« Nein,
+der Bursch konnt's nicht vom Fleck rühren. »So musst Du einen Trunk aus
+dieser Flasche thun,« sagte die Prinzessinn. Als nun der Bursch einen
+Trunk aus der Flasche gethan hatte, konnte er das Schwert ein wenig
+bewegen. »Du musst noch einen Trunk thun,« sagte die Prinzessinn: »und
+dann erzähle mir ausführlich Deinen Auftrag.« Der Bursch that nun noch
+einen Trunk, und darauf erzählte er der Prinzessinn: ein König hätte ihn
+gebeten, den Drachen zu fragen, woher es käme, daß er kein reines Wasser
+in seinen Brunnen bekommen könne; für einen andern solle er fragen, wo
+seine Tochter geblieben sei, die vor vielen Jahren verschwunden wäre;
+und für eine Königinn solle er den Drachen fragen, wo ihre goldnen
+Schlüssel geblieben wären; und endlich solle er für den Fährmann fragen,
+wie lange der noch die Leute über den Fluß setzen müsse. -- Als der
+Bursch nun das Schwert anfaßte, konnte er es aufheben; und als er endlich
+noch einen Trunk gethan hatte, konnte er es schwingen. Gegen Abend sagte
+die Prinzessinn: »Nun kommt der Drache bald nach Hause, und damit er
+Dich nicht sogleich umbringt, musst Du unter das Bett kriechen, und da
+musst Du ganz still liegen, daß er Dich nicht bemerkt. Wenn wir uns dann
+niedergelegt haben, werde ich ihn ausfragen. Du musst aber gut zuhören
+und genau darauf Acht geben, Was er antwortet; und unter dem Bett musst
+Du liegen bleiben, bis Alles still ist, und der Drache eingeschlafen;
+alsdann aber kriech leise hervor und nimm das Schwert zu Dir. Und wenn
+er darnach aufsteht, musst Du mit _einem_ Hieb ihm den Kopf abschlagen
+und im selben Augenblick die drei Federn aus seinem Schwanz rupfen; denn
+sonst reißt er sie sich selbst aus, damit sie keinem Andern zu gute
+kommen sollen.«
+
+Als nun der Bursch unters Bett gekrochen war, kam auch schon der Drache
+an. »_Es riecht hier so nach Menschenfleisch!_« rief er, als er eintrat
+»O, es kam ein Rabe geflogen mit einem Menschenknochen im Schnabel und
+setzte sich auf das Dach,« sagte die Prinzessinn: »das muß es sein, was
+Du riechst.« -- »_Na so!_« sagte der Drache. Nun trug die Prinzessinn
+das Essen auf, und als sie gegessen hatten, legten sie sich zu Bett.
+Aber als sie eine Weile gelegen hatten, schlief die Prinzessinn so
+unruhig, und plötzlich wachte sie auf. »Au! au!« schrie sie. »_Was
+fehlt Dir?_« fragte der Drache. »O, ich schlafe so unruhig,« sagte die
+Prinzessinn: »und dann hatte ich einen so wunderlichen Traum.« -- »_Was
+träumte Dir denn?_« fragte der Drache. »O, mir träumte, es käme ein
+König hieher und fragte Dich, wie er es anfangen solle, um reines Wasser
+in seinen Brunnen zu bekommen,« sagte die Prinzessinn. »_Ach, das könnte
+er wohl von selbst wissen_,« sagte der Drache: »_wenn er bloß den
+Brunnen umgräbt und den alten verfaulten Stock herausnimmt, der auf dem
+Boden liegt, dann wird er schon reines Wasser bekommen. Aber liege jetzt
+ruhig und träume nicht wieder!_«
+
+Als die Prinzessinn eine Weile still gelegen hatte, ward sie wieder
+unruhig, warf sich im Bette hin und her und wachte endlich wieder auf.
+»_Au! au!_« -- »_Was ist denn nun wieder los?_« rief der Drache. »O,
+ich schlafe so unruhig, und dann hatte ich einen so wunderlichen
+Traum,« sagte die Prinzessinn. »_Das ist doch auch gewaltig mit Deiner
+Träumerei!_« sagte der Drache: »_Was hat Dir denn jetzt geträumt?_«
+-- »O, mir träumte, es käme ein König hieher und fragte Dich, wo seine
+Tochter geblieben wäre, die vor vielen Jahren verschwunden sei,« sagte
+die Prinzessinn. »_Das bist Du_,« sagte der Drache: »_aber Dich bekommt
+er in seinem Leben nicht mehr zu sehen. Laß mich aber jetzt in Ruhe,
+bitt' ich Dich, und träume nicht wieder, sonst brech ich Dir die Rippen
+entzwei._«
+
+Die Prinzessinn hatte nicht lange geschlafen, als sie wieder anfing,
+unruhig zu werden, und dann aufwachte. »_Au! au!_« rief sie. »_Nun,
+schon wieder? Was ist denn jetzt wieder los?_« rief der Drache und war
+so wild, daß er beinahe aus der Haut fahren wollte. »O, Du musst nicht
+böse werden,« sagte die Prinzessinn: »aber ich hatte einen so
+wunderlichen Traum.« -- »_Das ist doch auch zum Kukuk mit Deiner
+Träumerei! Was träumte Dir denn jetzt?_« -- »O, mir träumte, es käme
+eine Königinn hieher, die fragte Dich, ob Du ihr nicht sagen könntest,
+wo sie ihre goldnen Schlüssel wiederfinden solle, die sie verloren
+hätte.« -- »_O, sie kann nur zusehen zwischen den Büschen, wo sie lag,
+damals, wie sie wohl weiß, dann wird sie sie wohl finden_,« sagte der
+Drache: »_Aber laß mich nun endlich in Ruhe mit Deinen Träumen!_«
+
+Beide schliefen nun eine Weile; aber darnach begann die Prinzessinn
+wieder unruhig zu werden, und plötzlich wachte sie auf. _»Au! au!_«
+-- »_Ich merke wohl, Du wirst nicht eher ruhig, als bis ich Dir das
+Genick zerbreche_,« sagte der Drache und war so wüthend, daß ihm die
+Funken aus den Augen sprüh'ten: »_Was hast Du denn nun wieder?_« -- »O,
+Du musst nicht böse auf mich sein,« sagte die Prinzessinn: »ich kann
+ja nicht dafür; aber ich hatte einen so wunderlichen Traum.« -- »_Eine
+solche Träumerei ist mir doch noch nicht vorgekommen_,« sagte der Drache:
+»_aber Was träumte Dir denn jetzt?_« -- »Mir träumte, der Fährmann hier
+unten am Sund sei gekommen und fragte Dich, wie lange er noch die Leute
+über den Fluß setzen müsse.« -- »_Das dumme Vieh! davon könnte er bald
+befrei't werden_,« sagte der Drache: »_Wenn Jemand kommt, der hinüber
+will, so braucht er ihn nur mitten in den Fluß zu werfen und zu sagen:
+»Setz' nun Du über, bis Du abgelös't wirst!« dann wird er frei. Aber laß
+mich jetzt in Ruhe mit Deinen Träumen, sonst wird es ein andrer Tanz!_«
+
+Die Prinzessinn ließ ihn nun in Frieden schlafen. Aber sobald es still
+ward, und der Müllerbursch hörte, daß der Drache schnarchte, kroch er
+hervor und nahm das Schwert von der Wand. Ehe es noch Tag geworden war,
+stand der Drache auf; aber kaum war er mit beiden Füßen aus dem Bett
+gekommen, als der Bursch ihm den Kopf abhieb und die drei Federn aus
+seinem Schwanz riß. Das war eine große Freude. Und der Bursch und
+die Prinzessinn nahmen so viel Gold und Silber und Geld und andre
+Kostbarkeiten mit, als sie nur fortschaffen konnten, und als sie zu
+dem Sund kamen, setzten sie den Fährmann durch Alles, was er für sie
+hinübertragen mußte, so in Erstaunen und Verwirrung, daß er ganz und gar
+vergaß, zu fragen, Was der Drache gesagt hätte, bis alles Gepäck und der
+Bursch und die Prinzessinn dazu hinüber waren. »Es ist wahr,« sagte er,
+als sie eben fortgehen wollten: »fragtest Du den Drachen, wie ich Dir
+sagte?« -- »Ja,« antwortete der Bursch: »er sagte, wenn Jemand käme
+und hinüber wolle, so solltest Du ihn nur mitten in den Fluß werfen und
+sagen: »Setz' nun Du über, bis Du abgelös't wirst!« so würdest Du frei.«
+-- »O, twi!« sagte der Sundmann: »hättest Du mir das früher gesagt, dann
+hättest =Du= mich ablösen sollen.«
+
+Als sie zu dem ersten Königsschloß kamen, fragte ihn die Königinn, ob er
+den Drachen nach ihren goldnen Schlüsseln gefragt hätte. »Ja,« sagte der
+Bursch und flüsterte ihr ins Ohr: »Er sagte, Du solltest nur zusehen
+zwischen den Büschen, wo Du lagst, damals, wie Du wohl weißt.« -- »Still!
+still! sag' ja Nichts!« sagte die Königinn und gab dem Burschen hundert
+Thaler. -- Als er zu dem zweiten Königsschloß kam, fragte der König ihn,
+ob er sich bei dem Drachen nach seiner Tochter erkundigt hätte. »Ja,«
+sagte der Bursch: »das hab' ich, und hier ist Deine Tochter!« Darüber
+ward der König so froh, daß er dem Müllerburschen gern die Prinzessinn
+und das halbe Reich gegeben hätte. Aber da dieser schon eine Frau hatte,
+gab er ihm zweihundert Thaler und Pferde und Wagen und so viel Gold und
+Silber, als er nur fortschaffen konnte. -- Wie er nun zu dem dritten
+Königsschloß kam, fragte ihn der König, ob er seinen Auftrag bei dem
+Drachen ausgerichtet hätte. »Ja,« versetzte der Bursch: »er sagte,
+Du solltest nur den Brunnen umgraben und den alten verfaulten Stock
+herausnehmen, der auf dem Boden liegt, dann würdest Du schon reines
+Wasser bekommen.« Da gab der König ihm dreihundert Thaler. Von hier
+reis'te der Bursch gradesweges nach Hause, und er war so ausstaffirt mit
+Gold und mit Silber und so prächtig gekleidet, daß es nur so glitzerte.
+Als nun der reiche Peter die Federn aus dem Drachenschwanz erhielt,
+hatte er Nichts weiter gegen die Heirath einzuwenden. Da er aber all den
+Reichthum sah, den sein Schwiegersohn mitgebracht hatte, fragte er ihn,
+ob noch mehr da wäre. »Ja,« sagte der: »es sind noch ganze Wagen voll
+da, und wenn Du nur hinreisen willst, so wirst Du wohl so Viel finden,
+als Du gebrauchst.« Ja, Peter Krämer wollte gleich hinreisen. Nun sagte
+ihm sein Schwiegersohn den Weg so genau, daß er nicht nöthig hatte,
+weiter darnach zu fragen; »aber die Pferde,« sagte er: »lässt Du am
+besten an dieser Seite des Flusses; denn der Sundmann hilft Dir schon
+wieder herüber.« Peter reis'te nun fort und nahm einen guten Schnappsack
+voll Eßwaaren mit und viele Pferde, die ließ er aber an dieser Seite
+zurück, wie der Bursch ihm gesagt hatte. Als er nun zu dem Fluß kam,
+nahm ihn der Sundmann auf den Rücken und trug ihn fort bis in die Mitte,
+da warf er ihn ins Wasser und sprach: »Nun kannst Du hier übersetzen,
+bis Du abgelös't wirst!« Und wenn Keiner ihn abgelös't hat, so geht der
+reiche Peter Krämer noch den heutigen Tag da und setzt die Leute über.
+
+
+
+
+6.
+
+Aschenbrödel, der mit dem Trollen um die Wette aß.
+
+
+Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Söhne; es ging ihm aber nur
+dürftig, und er war schon alt und schwach, und die Söhne wollten nicht
+recht an die Arbeit. Zu dem Gehöft gehörte ein großer schöner Wald, und
+in dem, wollte der Vater, sollten die Burschen Holz hauen, damit sie
+Etwas von der Schuld abbezahlten.
+
+Endlich brachte er sie denn auch auf den Trab, und der älteste Sohn
+sollte zuerst ins Holz. Als er nun in den Wald gekommen war und anfing,
+eine alte borkige Tanne umzuhauen, trat plötzlich ein ungeheurer Troll
+auf ihn zu. »_Wenn Du in meinem Wald hauest, so tödte ich Dich_,« sagte
+der Troll. Als der Bursch das hörte, warf er die Axt weg und lief, was
+er nur konnte, wieder nach Hause. Er kam ganz athemlos an und erzählte,
+Was ihm begegnet war. Aber der Vater sagte, er wäre ein Hasenherz; die
+Trollen hätten ihn niemals am Hauen gehindert, als ER noch jung gewesen,
+meinte er.
+
+Den andern Tag sollte der zweite Sohn in den Wald; aber dem gings
+justement eben so. Als er ein paar Hiebe gethan hatte, trat der Troll
+auf ihn zu und sprach; »_Wenn Du in meinem Wald hauest, so tödte ich
+Dich._« Der Bursch wagte kaum, ihn anzusehen, warf die Axt weg und
+machte sich auf die Beine, eben so, wie der Bruder. Als er nach Hause
+kam, meinte der Vater wieder, da ER noch jung gewesen, hätten die
+Trollen ihn niemals gehindert.
+
+Den dritten Tag wollte Aschenbrödel sich aufmachen. »Ja, Du,« sagten die
+beiden ältesten; »Du sollst wohl Was ausrichten, der Du nie hinter dem
+Ofen hervorgekommen bist.« Aschenbrödel antwortete Nichts, sondern bat
+nur um einen guten Sack voll Lebensmittel. Die Mutter hatte kein Fleisch
+und hängte daher den Kessel über's Feuer, um einiges Gemüse für ihn zu
+kochen; das that er in seinen Schnappsack, und damit machte er sich auf.
+Als er in den Wald gekommen war und eine Zeitlang gehauen hatte, kam
+ebenfalls der Troll auf ihn zu und sprach: »_Wenn Du in meinem Wald
+hauest, so tödte ich Dich._« Der Bursch aber, nicht faul, nahm sogleich
+einen Käse aus seinem Schnappsack und drückte ihn, daß der Saft
+herausspritzte. »Hältst Du nicht gleich Dein großes Maul,« sagte er zu
+dem Trollen: »so werd' ich Dich drücken, wie ich das Wasser aus diesem
+Stein drücke.« -- »Nein, Freund, verschone mich!« sagte der Troll: »ich
+will Dir auch hauen helfen.« Ja, wenn's so gemeint sei, wollte ihm denn
+der Bursch auch Nichts thun; und der Troll hau'te darauf brav zu, so
+daß sie an dem Tage viele Klafter umhau'ten. Gegen Abend sagte der
+Troll: »Nun kannst Du mit mir nach meiner Wohnung kommen, denn das ist
+näher, als nach Deinem Hause.« Ja, dem Burschen war das recht. Als sie
+nun in dem Hause des Trollen ankamen, wollte dieser Feuer auf dem Herd
+anmachen, und der Bursch sollte Wasser zum Grützkessel holen. Aber da
+standen zwei eiserne Zuber, so groß und so schwer, daß der Bursch sie
+nicht einmal von der Stelle bewegen konnte; er sagte aber: »Es ist nicht
+werth, mit diesen kleinen Bütten zu plirren; ich will lieber hingehen
+und den ganzen Brunnen holen.« -- »Nein, Freund,« sagte der Troll: »ich
+kann meinen Brunnen nicht entbehren. Mach Du lieber Feuer an, dann will
+ich hingehen und Wasser holen.«
+
+Als der Troll mit dem Wasser zurückkam, kochten sie einen tüchtigen
+Kessel voll Grütze. »Willst Du, wie ich,« sagte der Bursch: »so wollen
+wir um die Wette essen.« -- »Ja, laß uns das!« sagte der Troll; denn er
+dachte, hierin würde er es wohl mit dem Burschen aufnehmen können. Als
+sie sich aber zu Tische setzten, nahm der Bursch seinen Schnappsack und
+band ihn sich, ohne daß der Troll es bemerkte, vorn um den Leib, und nun
+schüttete er mehr in den Schnappsack, als er aufaß. Als der Sack voll
+war, zog er sein Taschenmesser hervor und machte einen Schlitz in seinen
+Bauch, es war aber der Schnappsack, in den er schnitt. Der Troll sah ihn
+an, aber sagte Nichts. Als sie eine gute Zeit gegessen hatten, legte der
+Troll den Löffel nieder. »Nein, nun kann ich nicht mehr!« sagte er. »Du
+musst essen,« sagte der Bursch: »ich bin noch nicht einmal halb satt.
+Mach es, wie ich, und schneide ein Loch in Deinen Bauch, dann kannst Du
+so Viel essen, als Du willst.« -- »Ja, aber das thut wohl gewaltig weh,«
+sagte der Troll. »O, es ist nicht der Rede werth,« versetzte der Bursch.
+Da nahm der Troll sein Messer und schnitt sich ein großes Loch in den
+Bauch, und als er das gethan hatte, fiel er todt zur Erde nieder. Der
+Bursch aber nahm nun all das Gold und Silber, das er im Berge vorfand,
+und damit ging er nach Hause; und nun konnte er wohl Etwas von der
+Schuld abbezahlen.
+
+
+
+
+7.
+
+Von dem Burschen,
+der zu dem Nordwind ging und das Mehl zurückforderte.
+
+
+Es war einmal eine alte Frau, die hatte einen Sohn, und da sie schon
+sehr elend und gebrechlich war und nicht mehr recht fortkonnte, sollte
+der Bursch für sie aufs Stabur[2] gehen und Mehl holen. Der Bursch ging
+auch hin; als er aber wieder die Treppe hinunterstieg, kam der Nordwind
+gestoben, nahm ihm das Mehl weg und fuhr damit durch die Luft. Der
+Bursch ging noch einmal aufs Stabur; als er aber die Treppe hinunterstieg,
+kam der Nordwind abermals gestoben und nahm ihm das Mehl weg, und eben
+so geschah es auch das dritte Mal. Das verdroß den Burschen, und er
+meinte, es wäre Unrecht, daß der Nordwind ihm so mitspielen sollte, und
+er gedachte daher, ihn aufzusuchen und sein Mehl zurückzufordern.
+
+Er machte sich nun auf; aber der Weg war lang, und er ging und ging. Und
+endlich kam er zum Nordwind. »Guten Tag!« sagte der Bursch. »Guten Tag!«
+sagte der Nordwind, und seine Stimme war so grob: »Was willst Du?«
+-- »O,« sagte der Bursch: »ich wollte Dich bitten, mir das Mehl
+wiederzugeben, das Du mir auf der Staburstreppe nahmst; denn Wenig haben
+wir nur, und wenn Du uns das Bischen, das wir haben, noch dazu nimmst,
+so wird's nichts Anders, als Hungerpfotensaugen.« -- »Ich habe kein
+Mehl,« sagte der Nordwind: »aber weil es Dir so dürftig geht, will ich
+Dir ein Tuch geben, das schafft Dir Alles, was Du Dir nur zu essen
+wünschest, wenn Du bloß sagst: 'Tuch, deck dich mit allerlei köstlichen
+Speisen!'«
+
+Damit war der Bursch sehr wohl zufrieden. Weil aber der Weg so lang war,
+daß er nicht in einem Tage nach Hause kommen konnte, kehrte er bei einem
+Gastwirth an der Landstraße ein. Als nun die Gäste, die schon vor ihm
+gekommen waren, zu Abend essen wollten, breitete der Bursch sein Tuch
+auf einem Tisch aus, der in der Ecke stand, und sprach dann: 'Tuch, deck
+dich mit allerlei köstlichen Speisen!' Kaum hatte er das gesagt, so that
+das Tuch seine Schuldigkeit. Da meinten Alle, besonders die Wirthsfrau,
+das wäre ein gar herrliches Tuch. Wie es nun Nacht geworden war, und
+Alle lagen und schliefen, schlich sich die Wirthsfrau herbei und
+stipitzte das Tuch und legte dann ein andres an die Stelle, das eben so
+aussah, wie jenes, aber das konnte nicht einmal mit trocknem Brod
+aufdecken.
+
+Als der Bursch am Morgen erwachte, nahm er sein Tuch und ging damit
+fort, und an diesem Tage kam er nach Hause zu seiner Mutter. »Nun,«
+sagte er: »bin ich beim Nordwind gewesen; das ist ein recht schicklicher
+Mann, denn er hat mir dieses Tuch gegeben, und wenn ich bloß sage: 'Tuch,
+deck dich mit allerlei köstlichen Speisen!' so bekomme ich Alles, was
+ich mir nur an Essen wünsche.« -- »Ja, das mag wahr sein,« sagte die
+Mutter: »aber ich glaub' es nicht, eh' ich es sehe.« Sogleich stellte
+der Bursch einen Tisch hin, legte das Tuch darauf und sprach: »Tuch,
+deck' dich mit allerlei köstlichen Speisen!« Aber das Tuch deckte sich
+nicht einmal mit einem Stück Brod.
+
+»Es ist kein andrer Rath, ich muß wieder zum Nordwind,« sagte der Bursch
+und machte sich auf den Weg. »Guten Tag!« sagte er, als er beim Nordwind
+ankam. »Guten Tag!« sagte der Nordwind: »Was willst Du?« -- »Ich wollte
+gern Ersatz für's Mehl haben, das Du mir nahmst,« sagte der Bursch:
+»denn das Tuch, das Du mir gegeben hast, taugt nichts.« -- »Ich habe
+kein Mehl,« sagte der Nordwind: »aber da hast Du einen Bock, der macht
+lauter Goldducaten, wenn Du bloß sagst: 'Bock, mach Gold!'« Damit war
+der Bursch wohl zufrieden; weil er aber so weit nach Hause hatte, daß er
+an einem Tage nicht hinkommen konnte, nahm er wieder Nachtherberge bei
+dem Gastwirth. Eh' er aber Etwas zu essen verlangte, probirte er seinen
+Bock, um zu sehen, ob es auch wahr sei, was der Nordwind ihm gesagt
+hatte; die Sache verhielt sich aber wirklich so. Als der Gastwirth das
+Experiment sah, meinte er, das wäre ein prächtiges Thier; und wie der
+Bursch eingeschlafen war, holte er sich den Bock und setzte einen andern
+an die Stelle, der machte aber keine Goldducaten.
+
+Am andern Morgen ging der Bursch weiter, und als er nach Hause zu seiner
+Mutter kam, sagte er: »Der Nordwind ist dennoch ein guter Mann; er hat
+mir jetzt einen Bock gegeben, der macht lauter Goldducaten, wenn ich
+bloß sage: 'Bock, mach Gold!'« -- »Das könnte wahr sein,« sagte die
+Mutter: »aber es ist wohl nur wieder Schnickschnack, und ich glaub' es
+nicht, eh' ich es sehe.« -- »Bock, mach Gold!« sagte der Bursch; aber es
+war kein Gold, was der Bock machte.
+
+Da ging der Bursch wieder zum Nordwind und sagte, der Bock tauge nichts,
+und er wolle Ersatz für's Mehl haben. »Ja, nun hab' ich Dir nichts Anders
+zu geben,« sagte der Nordwind: »als den alten Stock, der da in der Ecke
+steht, der hat aber die Eigenschaft, daß, wenn Du sagst: 'Stock, schlag'
+zu!' er so lange zuschlägt, bis Du wieder sagst: 'Stock, steh' still!'«
+-- Weil nun der Weg nach Hause wieder nicht kurz war, so kehrte der
+Bursch auch an dem Abend wieder bei dem Gastwirth ein. Da er aber
+wohl so halbweges begreifen konnte, wie es mit dem Tuch und dem Bock
+zugegangen war, streckte er sich sogleich auf die Bank hin und fing an
+zu schnarchen. Der Wirth, der sich wohl denken mochte, daß der Stock zu
+Etwas tauge, suchte einen andern hervor, der diesem ganz ähnlich war und
+wollte ihn an die Stelle setzen, denn er glaubte nicht anders, als daß
+der Bursch schliefe. Wie aber der Gastwirth den Stock wegnehmen wollte,
+rief der Bursch: »Stock, schlag' zu!« Der Stock auf den Gastwirth los,
+daß dieser über Tisch und Bänke fuhr und rief und bat: »Ach Herrgott!
+Herrgott! laß bloß den Stock wieder aufhören, sonst schlägt er mich noch
+todt! Ich will Dir auch gern Dein Tuch und Deinen Bock wiedergeben.« Als
+es dem Burschen schien, daß der Gastwirth wohl Genug hätte, rief er:
+»Stock, steh' still!« Er nahm nun sein Tuch und steckte es in die
+Tasche, band dem Bock eine Schnur um die Hörner und nahm den Stock in
+die Hand, und fort ging er mit Allem, bis er nach Hause zu seiner Mutter
+kam; und nun hatte er guten Ersatz für's Mehl bekommen.
+
+
+
+
+8.
+
+Die Jungfrau Maria als Gevatterinn.
+
+
+Weit, weit von hier in einem großen Wald wohnten ein Paar arme Leute.
+Die Frau kam ins Kindbett und gebar ein allerliebstes Töchterchen; aber
+da die Leute so arm waren, wußten sie nicht, wie sie das Kind getauft
+bekommen sollten. Da mußte der Mann sich aufmachen und zusehen, ob er
+nicht Gevattern bekommen könne, die für ihn das Taufgeld bezahlten. Er
+ging den ganzen Tag von Einem zum Andern, aber Gevatter wollte Niemand
+sein. Gegen Abend, als er nach Hause ging, begegnete ihm eine sehr
+schöne Frau, die hatte so prächtige Kleider an und sah so gutmüthig und
+freundlich aus und erbot sich, das Kind zur Taufe zu schaffen, wenn sie
+es nachher behalten solle. Der Mann antwortete, er müßte erst seine Frau
+fragen. Aber als er nach Hause kam und ihr die Sache vorstellte, sagte
+sie platt aus nein. Am andern Tage ging der Mann wieder aus; aber
+Gevattern wollten sie Alle nicht sein, wenn sie selbst das Taufgeld
+bezahlen sollten, und wie viel der Mann sie auch bitten mochte, so
+half doch Alles nichts. Als er am Abend nach Hause ging, begegnete ihm
+wieder die schöne Frau, die so sanft aussah, und sie machte ihm wieder
+dasselbe Anerbieten. Der Mann erzählte nun seiner Frau, Was ihm abermals
+begegnet war, und die sagte darauf, wenn er auch den nächsten Tag keine
+Gevattern zu dem Kind bekommen könne, so müßten sie es wohl der Frau
+überlassen, da sie doch so gut und freundlich aussähe. Der Mann ging nun
+zum dritten Mal aus, bekam aber auch an diesem Tage keine Gevattern; und
+als ihm daher am Abend wieder die freundliche Frau begegnete, versprach
+er ihr das Kind, wenn sie es wollte taufen lassen. Am andern Morgen kam
+die Frau in die Hütte des Mannes und hatte noch zwei Männer bei sich.
+Sie nahm nun das Kind und ging damit in die Kirche, und da wurde es
+getauft; darauf nahm sie es mit sich, und das kleine Mädchen blieb bei
+ihr mehre Jahre lang, und die Pflegemutter war immer gut und freundlich
+gegen sie.
+
+Als nun das Mädchen so groß geworden war, daß es schon unterscheiden
+konnte, und Verstand bekam, wollte die Pflegemutter einmal eine Reise
+machen. »Du darfst in alle Zimmer gehen, in welche Du willst,« sagte sie
+zu dem Mädchen: »nur in diese drei Zimmer darfst Du nicht gehen,« und
+darauf reis'te sie fort. Das Mädchen konnte es aber nicht unterlassen,
+die Thür zu dem einen Zimmer ein wenig zu öffnen -- und wutsch! so flog
+ein Stern heraus. Als die Pflegemutter nach Hause kam, betrübte es sie
+sehr, daß der Stern herausgeflogen war, und so unwillig war sie auf
+ihre Pflegetochter, daß sie ihr droh'te, sie fortjagen zu wollen. Aber
+das Mädchen bat und weinte so lange, bis sie endlich doch bleiben
+durfte. -- Nach einiger Zeit wollte die Pflegemutter abermals verreisen
+und verbot nun dem Mädchen, beileibe nicht in die zwei Zimmer zu gehen,
+in welchen sie noch nicht gewesen sei. Das Mädchen versprach ihr nun
+auch, sie wolle diesmal gehorsam sein. Als sie aber eine Zeitlang allein
+gewesen war und sich allerlei Gedanken gemacht hatte, Was doch wohl in
+dem zweiten Zimmer sein möchte, konnte sie sich nicht enthalten, auch
+die zweite Thür ein wenig zu öffnen -- und wutsch! flog der Mond heraus.
+Als die Pflegemutter zurückkehrte und sah, daß der Mond herausgeschlüpft
+war, ward sie wieder sehr betrübt und sagte zu dem Mädchen, nun könne
+sie sie durchaus nicht länger behalten, sie müsse jetzt fort. Aber da
+das Mädchen wieder so bitterlich weinte und gar zu artig bat, so durfte
+sie denn auch noch diesmal bleiben. -- Nach einiger Zeit wollte die
+Pflegemutter abermals verreisen, und da legte sie es dem Mädchen, das
+nun schon halb erwachsen war, recht ernstlich ans Herz, es ja nicht
+versuchen zu wollen, in das dritte Zimmer zu gehen, oder auch nur
+hineinzugucken. Als aber die Pflegemutter eine Zeitlang verreis't war,
+und das Mädchen so allein ging und sich langweilte, konnte sie es
+zuletzt nicht mehr aushalten. »Ach,« dachte sie: »wie artig es sein
+müßte, ein wenig in das dritte Zimmer zu gucken!« Sie dachte zwar erst,
+sie wollte es doch nicht thun, der Pflegemutter wegen; aber als sie
+wieder auf den Gedanken zurückkam, konnte sie sich doch nicht länger
+halten; sie meinte, sie solle und müsse durchaus hineingucken, und da
+machte sie die Thür ein ganz klein wenig auf -- und wutsch! flog die
+Sonne heraus. Als die Pflegemutter nun zurückkehrte und sah, daß die
+Sonne hinausgeflogen war, ward sie so herzlich betrübt und sagte zu dem
+Mädchen, nun könne sie durchaus nicht länger bei ihr bleiben. Die
+Pflegetochter weinte und bat noch artiger, als zuvor; aber es half Alles
+nichts. »Nein, ich muß Dich jetzt strafen,« sagte die Pflegemutter:
+»aber Du sollst die Wahl haben, entweder das allerschönste Frauenzimmer
+zu werden und nicht sprechen zu können, oder das allerhäßlichste und
+sprechen zu können; aber weg von hier musst Du.« Das Mädchen sagte: »So
+will ich denn lieber das allerschönste Frauenzimmer werden und nicht
+sprechen können,« -- und das ward sie denn auch; aber von der Zeit an
+war sie stumm.
+
+Als nun das Mädchen ihre Pflegemutter verlassen hatte und eine Zeitlang
+fortgewandert war, kam sie in einen großen, großen Wald; aber so weit
+sie auch ging, so konnte sie doch nie das Ende erreichen. Als es Abend
+wurde, kletterte sie auf einen hohen Baum, der oberhalb einer Quelle
+stand, und setzte sich darin zum Schlafen nieder. Nicht weit davon aber
+lag ein Königsschloß, und aus diesem kam früh am andern Morgen eine
+Dirne und wollte Wasser zum Thee für den Prinzen aus der Quelle holen.
+Als nun die Dirne das schöne Gesicht in der Quelle sah, glaubte sie,
+es wäre ihr eignes; sie warf sogleich den Eimer hin, lief nach Hause,
+hielt den Nacken steif und sagte: »Bin ich so schön, so bin ich auch
+wohl zu gut, um Wasser im Eimer zu holen.« Nun sollte eine Andre hin und
+Wasser holen; aber mit der ging es eben so: sie kam auch zurück und
+sagte, sie wäre viel zu schön und zu gut, um nach der Quelle zu gehen
+und Wasser für den Prinzen zu holen. Da ging der Prinz selbst hin; denn
+er wollte sehen, wie das zusammenhing. Als er nun zu der Quelle kam,
+erblickte er ebenfalls das Bild, und sogleich sah er nach dem Baum
+hinauf. Da ward er denn das schöne Mädchen gewahr, das dort in den
+Zweigen saß. Er schmeichelte sie herunter und nahm sie mit nach Hause
+und wollte sie durchaus zur Gemahlinn haben, weil sie so schön war.
+Aber seine Mutter, die noch lebte, machte Einwendungen: »Sie kann nicht
+sprechen,« sagte sie: »es mag daher wohl ein Trollmensch sein.« Aber der
+Prinz gab sich nicht eher zufrieden, bis er sie bekam. Als er nun eine
+Zeitlang mit ihr zusammengelebt hatte, ward sie schwanger, und wie sie
+gebären sollte, stellte der Prinz eine starke Wache um sie her. Aber in
+der Geburtsstunde schliefen alle ein; und als sie geboren hatte, kam
+ihre Pflegemutter, schnitt das Kind in den kleinen Finger und bestrich
+der Königinn mit dem Blute den Mund und die Hände und sagte: »Nun sollst
+Du eben so betrübt werden, als ich damals war, wie Du den Stern hattest
+hinausschlüpfen lassen,« und darauf verschwand sie mit dem Kinde. Als
+Die, welche der Prinz zur Bewachung hingestellt hatte, die Augen wieder
+aufschlugen, glaubten sie, die Königinn hätte ihr Kind aufgefressen, und
+die alte Königinn wollte daher, daß man sie verbrennen solle; aber der
+Prinz hatte sie so herzlich lieb, und nach vielem Bitten gelang es ihm,
+sie von der Strafe zu befreien, aber es war nur mit genauer Noth. Als
+die Königinn zum zweiten Mal ins Wochenbett sollte, wurde eine Wache
+um sie gestellt, die war doppelt so stark, als die erste. Aber es ging
+wieder eben so, wie das vorige Mal, nur daß jetzt die Pflegemutter zu
+ihr sagte: »Nun sollst Du eben so betrübt werden, als ich damals war,
+wie Du den Mond hattest hinausschlüpfen lassen.« Die Königinn weinte und
+bat, -- denn wenn die Pflegemutter da war, konnte sie sprechen -- aber
+es half Alles nichts. Nun wollte die alte Königinn durchaus, daß sie
+verbrannt werden sollte; aber der Prinz bat sie auch noch dieses Mal
+frei. Als die Königinn zum dritten Mal ins Kindbett sollte, ward eine
+dreidoppelte Wache um sie gestellt; aber es ging wieder ganz so, wie
+zuvor: die Pflegemutter kam, während die Wache schlief, nahm das Kind,
+schnitt es in den kleinen Finger und strich der Königinn das Blut um den
+Mund; nun, sagte sie, solle sie eben so betrübt werden, als sie selbst
+damals gewesen sei, wie sie die Sonne hatte hinausschlüpfen lassen.
+Jetzt konnte der Prinz sie auf keine Weise mehr retten, sie mußte und
+sollte verbrannt werden. Aber grade in dem Augenblick, da man sie auf
+den Scheiterhaufen brachte, erschien die Pflegemutter mit allen drei
+Kindern; die beiden ältesten führte sie an der Hand, und das jüngste
+trug sie auf dem Arm. Sie trat auf die junge Königinn zu und sprach:
+»Hier sind Deine Kinder, ich gebe sie Dir jetzt zurück. Ich bin die
+Jungfrau Maria, und so betrübt, als Du nun gewesen bist, so betrübt
+war ich damals, als Du den Stern, den Mond und die Sonne hattest
+hinausschlüpfen lassen. Jetzt hast Du für Das, was Du gethan, Deine
+Strafe erlitten, und von nun an sollst Du wieder sprechen können.« Wie
+froh da der Prinz und die Prinzessinn waren, das lässt sich wohl denken,
+aber nicht beschreiben; sie lebten nachher immer glücklich zusammen, und
+auch des Prinzen Mutter hatte von der Zeit an die junge Königinn recht
+lieb.
+
+
+
+
+9.
+
+Die drei Prinzessinnen aus Witenland.
+
+
+Es war einmal ein Fischer, der wohnte nicht weit vom Schloß und
+fischte für des Königs Tisch. Eines Tages, als er wieder auf den Fang
+ausgegangen war, konnte er nicht _einen_ Fisch bekommen; er mochte es
+anfangen, wie er wollte, und noch so viel fischen und angeln, so hing
+doch nie eine Gräte am Haken. Als es aber schon spät am Tage war,
+tauchte ein Kopf aus dem Wasser hervor und sprach: »Willst Du mir Das
+geben, was Deine Frau unter dem Gürtel trägt, so sollst Du Fische genug
+haben.« Der Mann sagte gleich Ja; denn er wußte nicht, daß seine Frau
+schwanger war. Darnach bekam er aber auch Fische den Tag, so viel er nur
+wollte. Als er am Abend nach Hause kam und erzählte, wie er all die
+Fische bekommen, fing die Frau an zu jammern und zu weinen, und sagte,
+Gott möge ihr gnädig sein wegen des Versprechens, das der Mann gethan
+hätte, denn sie trüge ein Kind unter dem Gürtel. Man sprach bald auf dem
+Schloß davon, daß die Frau des Fischers immer so betrübt wäre; und als
+der König das hörte und die Ursache erfuhr, versprach er dem Fischer, er
+wolle das Kind zu sich nehmen und es zu retten suchen. Die Zeit verstrich,
+und als die Frau gebären sollte, brachte sie einen Knaben zur Welt, den
+nahm der König zu sich und erzog ihn wie seinen eignen Sohn. Als der
+Knabe nun herangewachsen war, bat er den König eines Tages, seinen
+Vater auf den Fischfang begleiten zu dürfen, er hätte so große Lust zu
+fischen, sagte er. Der König wollte anfangs nicht, aber weil der Bursch
+so anhaltend bat, erlaubte er es ihm endlich. Der Sohn begleitete nun
+seinen Vater auf den Fischfang, und Alles ging den Tag über gut, bis am
+Abend, da sie wieder ans Land kamen. Da ward der Bursch gewahr, daß er
+sein Taschentuch im Boot vergessen hatte, und er wollte hingehen und es
+sich holen. Kaum aber war er ins Boot gekommen, so saus'te dieses mit
+ihm fort, daß nur das Wasser so schäumte, und wie sehr der Bursch auch
+rudern und arbeiten mochte, so half ihm doch Alles nichts; das Boot
+saus'te fort, bis es weit weg an ein weißes Sandufer trieb. Da ging der
+Bursch ans Land, und wie er eine Strecke gegangen war, begegnete ihm
+ein alter Mann mit einem weißen Bart; den fragte der Bursch: »Wie heißt
+dieses Land?« -- »_Witenland_,« antwortete der Mann; darauf fragte er
+den Burschen, wo er her wäre, und wo er hin wolle. Als dieser es ihm
+gesagt hatte, sprach der Mann: »Wenn Du diesen Strand entlang gehst,
+so kommst Du zu drei Prinzessinnen, welche in die Erde gesenkt stehen,
+so daß nur der Kopf hervorragt. Sobald sie Dich erblicken, wird die
+erste, welche die älteste ist, wohl rufen und Dich bitten, ihr zu
+Hülfe zu kommen, und eben so wird es mit der zweiten geschehen; aber
+zu keiner von diesen beiden sollst Du hingehen; beeile Dich nur, ihnen
+vorüberzukommen und thue, als ob Du sie gar nicht bemerktest, aber zu
+der dritten sollst Du hingehen und thun, um Was sie Dich bittet; denn es
+wird Dein Glück sein.«
+
+Als der Bursch nun zu der ersten von den Prinzessinnen kam, rief diese
+und bat ihn so flehentlich, er möchte doch zu ihr kommen; aber er ging
+ihr vorüber, als ob er sie ganz und gar nicht bemerkte, eben so auch der
+zweiten, aber zu der dritten ging er hin. »Willst Du thun, Was ich Dir
+sage, so sollst Du haben, Welche von uns Dreien Du willst,« sagte die
+Prinzessinn. Ja, das wollte der Bursch gern, und nun erzählte sie ihm,
+daß sie hier von drei Trollen wären versenkt worden; früher aber hätten
+sie auf dem Schloß gewohnt, das er dort drüben im Walde sehen könne.
+»Nun musst Du,« sagte sie: »in das Schloß gehen und Dich von den Trollen
+eine Nacht für Jede von uns peitschen lassen; kannst Du das aushalten,
+so errettest Du uns.« -- Ja, antwortete der Bursch: er wollt's
+versuchen. -- »Wenn Du in das Schloß gehst,« sagte die Prinzessinn
+weiter: »so stehen da zwei Löwen in der Pforte, aber gehe nur mitten
+zwischen ihnen hindurch, so thun sie Dir Nichts. Gehe dann grade aus in
+ein kleines Zimmer, und da lege Dich nieder. Dann kommt der Troll an und
+schlägt Dich; aber wenn er Dich genug geschlagen hat, so wasche Dich nur
+mit dem Wasser aus der Flasche, die dort an der Wand hangt, dann wirst
+Du sogleich wieder gesund, und darnach nimm das Schwert, das neben der
+Flasche hangt, und tödte damit den Trollen.« Ja, der Bursch that, wie
+die Prinzessinn ihm gesagt hatte: er ging mitten zwischen den Löwen
+hindurch, als ob er sie gar nicht beachte, schritt dann grade aus in
+die kleine Kammer, und da legte er sich nieder. Die erste Nacht kam
+ein Troll mit drei Köpfen und drei Ruthen und peitschte den Burschen
+gottsjämmerlich; aber dieser hielt Alles ruhig aus, bis der Troll fertig
+war; da nahm der Bursch die Flasche und wusch sich damit die Wunden,
+ergriff dann das Schwert und hau'te dem Trollen den Kopf ab. Als er nun
+am andern Morgen zu den Prinzessinnen kam, standen diese bis an den
+Gürtel über der Erde. Die zweite Nacht ging es eben so; aber der Troll,
+welcher jetzt kam, hatte sechs Köpfe und sechs Ruthen und peitschte ihn
+noch weit ärger, als der vorige. Als aber der Bursch am Morgen zu den
+Prinzessinnen kam, standen diese nur noch bis ans Schienbein in der
+Erde. In der dritten Nacht kam ein Troll, der hatte neun Köpfe und
+neun Ruthen und schlug und peitschte den Burschen so lange, bis dieser
+zuletzt ohne Bewusstsein umfiel. Da nahm ihn der Troll und warf ihn
+gegen die Wand, aber bei der Gelegenheit fiel die Flasche herunter und
+bespritzte den Burschen über und über, so daß er augenblicklich wieder
+gesund ward. Er nun nicht faul ergriff das Schwert und hieb damit dem
+Trollen den Kopf ab; und als er darauf am Morgen zu den Prinzessinnen
+kam, standen diese mit dem ganzen Leibe über der Erde. Nun heirathete er
+die jüngste von ihnen und wurde darauf König, und lebte glücklich und
+zufrieden mit ihr eine lange Zeit.
+
+Da bekam er einmal so große Lust, wieder nach Hause zu reisen und seine
+Ältern zu besuchen. Das gefiel aber der Königinn, seiner Gemahlinn, gar
+nicht; weil er aber nun durchaus fort wollte und mußte, sagte sie zu
+ihm; »Eins musst Du mir jedoch versprechen, daß Du nämlich bloß Das thun
+willst, um was Dein Vater Dich bittet, aber nicht Das, um was Deine
+Mutter Dich bittet,« und das versprach er ihr denn auch. Darauf gab
+sie ihm einen Ring, der hatte die Eigenschaft, daß Der, welcher ihn am
+Finger trug, zwei Wünsche thun konnte. Er wünschte sich nun nach Hause,
+und als die Ältern ihn sahen, konnten sie sich nicht genug darüber
+verwundern, wie stattlich und prächtig er aussah.
+
+Als er nun einige Tage zu Hause gewesen war, wollte seine Mutter, er
+sollte aufs Schloß gehen und dem König zeigen, was für ein Mann aus
+ihm geworden sei. Der Vater aber sagte: »Nein, das soll er nicht; denn
+alsdann können wir nicht länger die Freude haben, ihn bei uns zu sehen.«
+Aber es half nichts; die Mutter bat und quälte ihn so lange, bis er
+endlich ging. Als er nun auf's Schloß kam, war er weit stattlicher an
+Kleidern und in Allem, als der andre König; das war diesem nun gar nicht
+recht, und er sagte daher: »Ja, aber nun sollst Du meine Gemahlinn
+sehen; ich glaube nicht, daß Deine so schön ist, wie meine.« -- »Gott
+gäbe, sie stände hier, so solltest Du es sehen!« sagte der junge König,
+und sogleich stand sie da; aber sie war sehr betrübt und sagte: »Warum
+hast Du mir nicht gehorcht und nur auf Das gehört, was Dein Vater Dir
+sagte? Nun muß ich wieder fort, und Du hast keine Wünsche mehr.« Darauf
+knüpfte sie ihm einen Ring ins Haar, worauf ihr Name stand, und wünschte
+sich wieder nach Hause.
+
+Da ward der junge König sehr betrübt und dachte an nichts Anders, als
+wie er nur wieder zu seiner Gemahlinn kommen sollte. »Ich muß sehen, ob
+ich nicht irgendwo erfahren kann, wo Witenland liegt,« dachte er und
+begab sich auf den Weg. Als er ein Ende gegangen war, begegnete ihm
+Einer, der war Herr über alle Thiere im Walde, und sie kamen zu ihm,
+wenn er nur in sein Horn blies; den fragte der König nach Witenland.
+»Ich weiß nicht, wo es liegt,« sagte der Mann: »aber ich will meine
+Thiere fragen.« Darauf blies er sie herbei und fragte, ob nicht Einer
+von ihnen wüßte, wo Witenland läge; aber das wußte Keiner.
+
+Da gab der Mann ihm ein Paar Schneeschuhe. »Wenn Du die anhast,« sagte
+er: »kommst Du zu meinem Bruder, der über hundert Meilen weit von hier
+wohnt; der ist Herr über alle Vögel in der Luft, Du kannst den fragen.
+Wenn Du aber dort angekommen bist, so kehre die Schuhe nur um, so daß
+die Spitze nach hier wendet, dann gehn sie von selbst wieder nach
+Hause.« Als der König nun an Ort und Stelle gekommen war, kehrte er
+die Schneeschuhe um, wie der Herr über die Thiere ihm gesagt hatte,
+und darauf gingen sie von selbst wieder nach Hause.
+
+Er fragte nun wieder nach Witenland, und der Mann blies alle Vögel
+herbei und fragte sie, ob nicht Einer von ihnen wüßte, wo Witenland
+läge. Nein, das wußte wieder Keiner. Lange nach den andern Vögeln kam
+auch noch ein alter Adler, der zehn Jahre lang in der Fremde gewesen
+war, aber der wußte es auch nicht. »Nun,« sagte der Mann: »dann will
+ich Dir ein Paar Schneeschuhe leihen; wenn Du die anhast, kommst Du zu
+meinem Bruder, der hundert Meilen weit von hier wohnt; er ist Herr über
+alle Fische im Meer, Du musst den fragen; vergiß aber nicht, die Schuhe
+wieder umzukehren, wenn Du dort angekommen bist.« Der König dankte dem
+Mann und legte die Schuhe an. Als er nun zu Dem gekommen war, der Herr
+über alle Fische im Meer war, kehrte er die Schuhe wieder um, worauf
+diese, eben so, wie die andern, wieder nach Hause gingen.
+
+Der König fragte nun wieder nach Witenland. Da blies der Mann alle
+Fische herbei; aber auch von ihnen wußte Keiner Bescheid. Endlich kam
+ein alter, alter Hecht; der Mann hatte viele Mühe, ihn herbeizublasen,
+und als er ihn nach Witenland fragte, antwortete der Hecht: »Ja, da bin
+ich gut bekannt; denn ich bin da zehn Jahre lang Koch gewesen. Morgen
+soll ich wieder dahin; denn die Königinn, die ihren Gemahl verloren hat,
+macht morgen wieder Hochzeit.« -- »Wenn es sich so verhält, so will ich
+Dir einen guten Rath geben,« sagte der Mann: »Hier draußen auf einem
+Erlenmoor stehn drei Brüder, die haben da schon hundert Jahre gestanden
+und sich um einen Hut, einen Mantel und ein Paar Stiefeln gebalgt. Wenn
+Einer die drei Dinge hat, so kann er sich unsichtbar machen und sich so
+weit weg wünschen, als er will. Du kannst sagen, Du wolltest die Sachen
+probiren und nachher zwischen ihnen das Urtheil sprechen.« Der König
+dankte dem Mann und that, wie er ihm gesagt hatte. »Was steht Ihr hier
+beständig und balgt Euch?« sagte er, als er zu den drei Brüdern gekommen
+war: »lasst mich die Dinge probiren, dann will ich das Urtheil zwischen
+Euch sprechen.« Ja, das wollten sie gern. Als er aber den Hut, den
+Mantel und die Stiefeln bekommen hatte, sagte er: »Wenn wir uns das
+nächste Mal wiedersehen, sollt Ihr das Urtheil erfahren,« und damit
+wünschte er sich fort. Als er durch die Luft fuhr, traf er mit dem
+Nordwind zusammen. »Wo willst Du hin?« fragte ihn der Nordwind. »Nach
+Witenland,« sagte der König und erzählte ihm, Was ihm begegnet war. »Ja,
+Du fährst wohl etwas schneller, als ich,« sagte der Nordwind; »ich muß
+nun in jeden Winkel und wehen und pusten. Wenn Du aber an Ort und Stelle
+kommst, so stelle Dich nur auf die Treppe neben der Thür hin; dann werde
+ich gesaus't kommen, als wollte ich das ganze Schloß umwehen. Wenn dann
+der Prinz, der Deine Gemahlinn haben soll, herauskommt und sehen will,
+Was es giebt, so faß ihn nur beim Kragen und wirf ihn hinaus; dann will
+ich schon zusehen, wie ich ihn fortschaffe.« Ja, der König that, wie
+ihm der Nordwind gesagt hatte: er stellte sich auf die Treppe hin,
+und als der Nordwind gesaus't und gebraus't kam und einen Griff ins
+Schloßdach that, so daß es bebte und krachte, ging der Prinz hinaus und
+wollte sehen, Was es gab. Aber in demselben Augenblick ergriff der König
+ihn beim Kragen und warf ihn hinaus. Da nahm ihn der Nordwind und fuhr
+mit ihm davon. Als der König so mit guter Manier den Prinzen quitt
+geworden war, ging er ins Schloß. Anfangs erkannte die Königinn ihn
+nicht, weil er durch das lange Wandern und seinen heftigen Kummer so
+bleich und mager geworden war. Als er ihr aber den Ring zeigte, ward sie
+herzlich froh; und nun wurde mit großem Jubel erst die rechte Hochzeit
+gefeiert.
+
+
+
+
+10.
+
+Es giebt noch mehr solche Weiber.
+
+
+Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wollten säen, aber sie hatten
+kein Saatkorn und auch kein Geld, sich etwas zu kaufen. Eine einzige
+Kuh hatten sie, und mit der sollte der Mann in die Stadt gehen und sie
+verkaufen, damit sie Geld zu Saatkorn bekämen. Als es aber zum Stücke
+kam, wagte die Frau es nicht, den Mann allein reisen zu lassen, denn sie
+fürchtete, er möchte das Geld vertrinken. Sie machte sich daher selbst
+mit der Kuh auf den Weg und nahm auch noch ein Huhn mit.
+
+Dicht bei der Stadt begegnete ihr ein Schlachter. »Willst Du die Kuh
+verkaufen, Mutter?« fragte er sie. »Ja,« sagte die Frau. »Was willst Du
+denn dafür haben?« -- »Für die Kuh verlange ich drei Groschen,« sagte
+sie: »aber das Huhn sollst Du für acht Thaler haben.« -- »Das Huhn kann
+ich nicht gebrauchen,« sagte der Schlachter: »und das wirst Du schon
+los, wenn Du zur Stadt kommst; aber für die Kuh will ich Dir drei
+Groschen geben.« Sie verkaufte ihm nun die Kuh und erhielt ihre drei
+Groschen; aber in der Stadt war Niemand, der acht Thaler für ein magres
+schäbiges Huhn geben wollte. Die Frau ging deßhalb wieder zurück zum
+Schlachter und sagte: »Gevatter, ich kann mein Huhn nicht los werden;
+Du musst es mir auch nur abkaufen, da Du doch einmal die Kuh bekommen
+hast.« -- »Nun, wir werden schon Handels eins werden,« sagte der
+Schlachter. Darauf tractirte er sie mit Essen und gab ihr so viel
+Branntwein, daß sie trunken ward und Sinn und Verstand verlor.
+
+Während sie nun da lag und schlief, tauchte der Schlachter sie in ein
+Theerfaß und legte sie dann in einen Federhaufen.
+
+Als sie darauf erwachte, war sie über und über gefiedert und wunderte
+sich und sprach: »Bin ich's, oder bin ich's nicht? Nein, ich kann's
+nicht sein, das muß ein großer sonderbarer Vogel sein. Wie soll ich's
+doch nur erfahren, ob ich's bin, oder nicht? Ja, nun weiß ich's: wenn
+mich die Kälber lecken, und der Hund mich nicht anbellt, wenn ich nach
+Hause komme, so bin ich's.«
+
+Der Hund aber sah kaum das Unthier, so fing er an zu bellen, als ob
+Schelme und Diebe auf den Hof gekommen wären. »Nein, das kann ich
+unmöglich sein,« sagte sie. Als sie in den Stall kam, wollten die Kälber
+sie nicht lecken wegen des strengen Theergeruchs. »Nein, das kann ich
+nicht sein,« sagte sie, stieg auf das Staburdach und fing an, mit den
+Armen zu schlagen, als ob es Flügel wären, und sie in die Höhe wollte.
+Als der Mann das gewahr ward, kam er mit der Büchse heraus und zielte
+nach ihr. »Ach, schieß nicht! schieß nicht!« rief sie: »das bin ich.«
+-- »Bist Du es?« sagte der Mann: »was stehst Du denn da, wie eine Ziege?
+Komm herunter und thu mir Rechenschaft von Deinem Verkauf!« Sie kroch
+nun herunter, aber sie hatte nicht einen Heller; denn die drei Groschen,
+die sie vom Schlachter bekommen hatte, die hatte sie in ihrer Besoffenheit
+weggeworfen; und als der Mann nun hörte, wie Alles zugegangen war, ward
+er so zornig, daß er sagte, er wolle von Haus und Hof gehen, und nicht
+eher zurückkehren, als bis er drei andre Weiber fände, die eben so
+unklug wären.
+
+Er machte sich nun auf den Weg, und als er eine Strecke gegangen war,
+erblickte er eine neu aufgezimmerte Hütte, und ein Weib lief mit einem
+leeren Sieb aus und ein; aber so oft sie hineinlief, warf sie die
+Schürze über das Sieb, als ob sie Etwas drin hätte. »Warum thut Ihr
+das, Mutter?« fragte er die Frau. »O, ich will nur ein wenig Sonne
+hineintragen,« sagte sie: »aber ich weiß nicht, wie es recht zugeht:
+wenn ich draußen bin, habe ich die Sonne im Sieb, aber sobald ich
+hineinkomme, ist sie weg. Da ich noch in meiner alten Hütte wohnte,
+hatte ich Sonne genug, obgleich ich nie das Geringste hineintrug. Wenn
+mir nur Einer Sonne schaffen könnte, so wollt' ich ihm gern dreihundert
+Thaler geben.« -- »Habt Ihr eine Axt,« sagte der Mann: »so will ich Euch
+schon Sonne verschaffen.« Er bekam nun eine Axt und damit hau'te er die
+Fensterlöcher hinein, denn die hatte der Zimmermann vergessen. Sogleich
+schien nun die Sonne hindurch, und er bekam seine dreihundert Thaler.
+»Das war Eine!« dachte der Mann und ging weiter.
+
+Nach einer Weile kam er zu einem Hause, in welchem er ein entsetzliches
+Geschrei hörte. Er ging hinein, und da sah er nun eine Frau, die damit
+beschäftigt war, ihrem Mann den Kopf mit einem Waschbläuel zu bearbeiten;
+über den Kopf hatte sie ein Hemd ohne Halsloch gezogen. »Wollt Ihr Euern
+Mann todtschlagen, Mutter?« fragte er. »Nein,« sagte sie: »ich will nur
+ein Halsloch in dieses Hemd haben.« Der Mann schrie und geberdete sich
+übel und sprach: »Gott tröste Den, der ein neues Hemd anhaben soll! Wenn
+Jemand meiner Frau lehren könnte, ein Halsloch auf eine andre Manier
+ins Hemd zu kriegen, so wollt' ich ihm gern dreihundert Thaler geben.«
+-- »Das soll bald gethan sein; gebt mir nur eine Schere,« sagte der
+Andre. Er bekam nun eine Schere, schnitt ein Loch ins Hemd und ging mit
+seinen Dreihundert davon. »Das war die Zweite!« sagte er bei sich selbst.
+
+Endlich kam er zu einem Bauerhof, wo er sich eine Weile auszuruhen
+gedachte. Als er in die Stube trat, fragte die Frau ihn: »Wo seid Ihr
+her, Gevatter?« -- »Ich bin aus Ringelreich,« antwortete er. »Nein, was
+Ihr sagt! seid Ihr aus dem Himmelreich?[3] Dann kennt Ihr auch wohl
+den zweiten Peter, meinen seligen Mann.« -- Die Frau war nämlich zum
+dritten Mal verheirathet; ihr erster und ihr letzter Mann waren schlimm;
+darum glaubte sie, daß nur der zweite, der gut gewesen war, selig
+geworden sei. -- »Ja, den kenn' ich sehr gut,« sagte er. »Wie geht's
+ihm denn?« fragte die Frau. »O, es geht ihm nur dürftig,« erwiederte
+der Ringelreicher: »er schlendert von einem Hof zum andern und hat weder
+Essen in der Schüssel, noch Kleider auf dem Leibe -- an Geld ist nun gar
+nicht zu denken.« -- »Ach, Gott helf mir!« rief die Frau: »er brauchte
+eben nicht so elend einherzugehen, er, der so Viel hinterlassen hat;
+hier hangt ein ganzer Boden voll Kleider, die ihm gehörten, und eine
+große Kiste mit Geld steht hier auch; wenn Ihr's mitnehmen wollt,
+Gevatter, so will ich Euch gern ein Pferd und einen Karren geben, damit
+Ihr's fortschaffen könnt; das Pferd kann er da behalten, und auf dem
+Karren kann er sitzen und von einem Hof zum andern fahren, denn er hat
+es eben nicht nöthig, zu Fuß zu gehen.« Der Ringelreicher erhielt nun
+eine ganze Karrenfuhre voll Kleider und eine Kiste voll blankes
+Silbergeld und so viel Essen und Trinken, als er nur wollte, und damit
+setzte er sich auf und fuhr davon. »Das war die Dritte!« sagte er bei
+sich selbst.
+
+Aber draußen auf dem Felde ging der dritte Mann der Frau und pflügte,
+und da er Jemanden, den er nicht kannte, mit seinem Pferd und seinem
+Karren abreisen sah, ging er nach Hause zu seiner Frau und fragte sie,
+was Das für Einer wäre, der mit seinem blauen Pferd davon reis'te. »Ach
+Der,« sagte die Frau: »das war ein Mann aus dem Himmelreich; er sagte,
+daß es dem zweiten Peter, meinem seligen Mann, so schlecht gehe, daß
+er von Hof zu Hof schlendern müsse und weder Kleider, noch Geld hätte;
+darum schickte ich ihm alle seine alten Kleider, die hier hangen, und
+auch die alte Geldkiste mit dem Silbergeld.« Als der Mann das hörte,
+merkte er sogleich, Was die Uhr geschlagen hatte, sattelte sein Pferd
+und ritt in vollem Galopp davon. Es dauerte nicht lange, so war er dicht
+hinter dem Ringelreicher. Wie dieser ihn aber gewahr ward, fuhr er den
+Karren ins Unterholz, riß dem Pferd eine Handvoll Haare aus und lief auf
+einen Hügel, wo er die Pferdehaare an eine Birke band; darnach legte er
+sich darunter auf die Erde hin und glotzte und stierte in die Wolken.
+»Nein! nein!« sagte er so bei sich selbst, als der dritte Peter geritten
+kam: »nein, so Was hab' ich noch in meinem Leben nicht gesehen!« Peter
+sah ihm verwundert eine Weile zu, endlich fragte er ihn: »Was liegst Du
+da und glotzäugst?« -- »Nein, so Was hab' ich noch mein Lebtag nicht
+gesehen!« sagte der Andre: »Hier fuhr so eben Einer mit einem blauen
+Pferd grade zum Himmel hinauf; da siehst Du noch die Haare, die an der
+Birke hangen, und da oben in den Wolken siehst Du das blaue Pferd.«
+Peter sah bald zu den Wolken hinauf, bald nach Dem, welcher da lag und
+stierte; endlich sagte er: »Ich sehe Nichts, als nur die Pferdehaare an
+der Birke.« -- »Nein, Du kannst es da auch nicht sehen,« sagte der
+Andre: »aber komm hieher und lege Dich auf diese Stelle hin, und dann
+musst Du grade in die Wolken sehen, und die Augen nicht wegkehren.« Als
+nun der dritte Peter da lag und in die Wolken starrte, daß ihm die Augen
+voll Wasser liefen, schwang der Ringelreicher sich auf das Pferd und
+machte sich sowohl mit diesem, als mit dem Karren davon. Wie Peter es
+auf dem Wege rasseln hörte, sprang er auf; aber er war so verstört, als
+er den Andern mit seinen beiden Pferden und seinem Karren davon jagen
+sah, daß er sich nicht eher besann, ihm nachzueilen, als bis es zu spät
+war.
+
+Er ließ die Ohren ziemlich lang hängen, wie er nach Hause kam; als ihn
+aber seine Frau fragte, wo er das Pferd gelassen hätte, sagte er: »O,
+ich hab' es ihm für den zweiten Peter mitgegeben; denn ich dachte, es
+wäre nicht werth, daß er im Himmel auf einem elenden Rumpelkasten sitzen
+und von Hof zu Hof karren solle; nun kann er die Karre verkaufen und sich
+einen Wagen anschaffen.« -- »Dafür sollst Du Dank haben,« sagte die
+Frau: »ich hätte nie geglaubt, daß Du ein so guter Mann wärst.«
+
+Als nun der Andre mit den sechshundert Thalern und der Karrenfuhre
+voll Kleider und der Geldkiste nach Hause kam, sah er, daß aller Acker
+gepflügt und besä't war. Darum war die erste Frage, die er an seine Frau
+that, woher sie das Saatkorn bekommen hätte. »O,« sagte sie: »ich habe
+immer gehört: »Wer da säet, wird auch ernten;« darum hab' ich denn das
+Salz gesä't, das Die vom Dovrefjeld hier abgesetzt haben, und wenn
+wir bloß Regen bekommen, wird's wohl aufgehen, sollt' ich meinen.«
+-- »Verrückt bist Du, und verrückt bleibst Du, so lange Du lebst;«
+sagte der Mann: »aber es mag drum sein! denn die Andern sind auch nicht
+klüger, als Du.«
+
+
+
+
+11.
+
+Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten.
+
+
+Ein Schütz ging einmal in einem Wald; da begegnete ihm die Bruchschnepfe.
+»Lieber Freund, schieß nicht meine Kinder!« sagte die Schnepfe. »Was
+sind denn das für welche, Deine Kinder?« fragte der Schütz. »Die
+schönsten Kinder, die im Wald gehen, sind meine,« antwortete die
+Schnepfe. »Ich will sie denn nicht schießen,« sagte der Schütz. Als er
+aber zurückkehrte, hatte er ein ganzes Bündel junge Bruchschnepfen, die
+er alle geschossen hatte, in der Hand. »Au! au! warum hast Du dennoch
+meine Kinder geschossen?« sagte die Schnepfe. »Waren diese denn Deine?«
+fragte der Schütz: »ich schoß die häßlichsten, die ich fand.« -- »Ach
+ja,« antwortete die Schnepfe: »weißt Du denn nicht, daß einem Jeden
+seine Kinder am besten gefallen?«
+
+
+
+
+12.
+
+Eine Freiergeschichte.
+
+
+Es war einmal ein Bursch, der ging aufs Freien aus. Da kam er unter
+anderm auch zu einem Kathen, wo die Leute in purer Armuth und Dürftigkeit
+lebten. Als aber der Freier kam, wollten sie gern wohlhabend scheinen,
+kannst Du glauben. Der Mann hatte einen neuen Ärmel in seine Jacke
+bekommen. »Setz Dich nieder!« sagte er zu dem Freier: »aber 's sieht
+hier überall so stäubig aus!« und damit ging er umher und wischte und
+stäubte mit seinem neuen Jackenärmel überall auf den Bänken und Tischen
+herum; den andern Arm aber hielt er auf den Rücken. Die Frau hatte einen
+neuen Schuh bekommen, und mit dem stieß sie an alle Bänke und Stühle.
+»Es liegt hier so Viel herum,« sagte sie: »es sieht hier so unordentlich
+aus.« Darauf riefen sie die Tochter, sie sollte hereinkommen und
+aufräumen. Die hatte eine neue Mütze bekommen und steckte den Kopf zur
+Thür herein und nickte: »Ich kann denn doch auch nicht überall sein,«
+sagte sie. Ja, das waren rechte Wohlstandsleute, zu denen der Freier
+gekommen war.
+
+
+
+
+13.
+
+Die drei Muhmen.
+
+
+Es war einmal ein armer Mann, der wohnte in einer Hütte, weit weit weg
+in einem Walde, und ernährte sich mit der Jägerei. Er hatte eine einzige
+Tochter, die war außerordentlich schön. Da aber die Mutter schon früh
+gestorben, und das Mädchen nun schon halb erwachsen war, sagte sie eines
+Tages zu ihrem Vater, sie wolle sich bei andern Leuten in Dienst geben,
+damit sie lernen könne, sich hiernach selbst ihr Brod zu verdienen. »Ja,
+meine Tochter,« sagte der Vater: »Du hast bei mir freilich nichts Anders
+gelernt, als Vögel rupfen, aber Du magst es immerhin versuchen, Dir Dein
+Brod selbst zu verdienen.« Das Mädchen ging nun fort, um sich einen
+Dienst zu suchen, und als sie eine Weile gegangen war, kam sie zu einem
+Königsschloß; da blieb sie, und die Königinn mochte sie so wohl leiden,
+daß die andern Dirnen ganz neidisch auf sie wurden. Darum sagten sie
+eines Tages zu der Königinn, das Mädchen hätte sich gerühmt, ein Pfund
+Flachs in vier und zwanzig Stunden spinnen zu können; denn sie wussten,
+die Königinn hielt so viel auf Handarbeiten. »Ja, hast Du das gesagt,
+so sollst Du es auch,« sagte die Königinn zu ihr: »indessen macht es
+nichts, wenn Du auch etwas mehr Zeit dazu gebrauchst.« Das arme Mädchen
+wagte nicht, zu sagen, daß sie niemals gesponnen hätte, sondern bat nur
+um eine Kammer für sich allein; die bekam sie denn auch, und man brachte
+ihr einen Spinnrocken und Flachs. Da saß sie nun und war betrübt und
+weinte und konnte sich gar nicht rathen. Sie stellte den Rocken vor sich
+hin und kehrte und dreh'te ihn, aber sie wusste ganz und gar nicht, wie
+sie's anfangen sollte; denn sie hatte nie zuvor in ihrem Leben nur
+einmal einen Spinnrocken gesehen.
+
+Als sie nun so betrübt da saß, trat eine alte Frau zu ihr ein. »Was
+fehlt Dir, mein Kind?« fragte sie. »Ach,« antwortete das Mädchen: »was
+kann es nützen, daß ich es Dir sage, denn Du kannst mir ja doch nicht
+helfen.« -- »Man kann nicht wissen,« sagte die Frau: »es wäre doch
+möglich, daß ich Rath für Dich wüsste.« Ja, ich kann es ihr ja wohl
+sagen, dachte das Mädchen und erzählte ihr nun, wie ihre Mitdienerinnen
+ausgesagt hätten, sie habe sich gerühmt, ein Pfund Flachs in vier und
+zwanzig Stunden spinnen zu können; »aber ich Arme!« sagte sie: »ich habe
+nie in meinem Leben einen Spinnrocken gesehen, geschweige denn, daß ich
+so Viel sollte in vier und zwanzig Stunden spinnen können.« -- »Es mag
+nun drum sein, mein Kind!« sagte die Frau: »willst Du mich an Deinem
+Ehrentag Muhme nennen, so will ich den Flachs für Dich spinnen, und Du
+kannst Dich hinlegen und schlafen.« Ja, das wollte das Mädchen gern und
+ging hin und legte sich schlafen.
+
+Am andern Morgen, als sie erwachte, lag aller Flachs gesponnen auf dem
+Tisch, und das so sauber und fein, daß man nie so schönes ebnes Garn
+noch gesehen hatte. Die Königinn freu'te sich sehr über das schöne Garn
+und hielt nun noch mehr von dem Mädchen, als vorher. Darüber wurden die
+andern noch neidischer auf sie und sagten nun zu der Königinn, jetzt
+hätte sie sich auch gerühmt, das Garn, das sie gesponnen, in vier und
+zwanzig Stunden weben zu können. Die Königinn sagte wieder, wenn sie das
+gesagt hätte, so solle sie es auch, aber es machte nichts, wenn sie auch
+nicht eben in vier und zwanzig Stunden damit fertig würde. Das Mädchen
+wagte auch diesmal nicht, ihre Ungeschicklichkeit zu bekennen, sondern
+bat nur um eine Kammer für sich allein, dann wollte sie es versuchen. Da
+saß sie nun wieder und war betrübt und weinte und wußte nicht, Was sie
+anfangen sollte. Es dauerte aber nicht lange, so trat wieder eine alte
+Frau herein und fragte: »Was fehlt Dir, mein Kind?« Das Mädchen wollte
+es ihr erst nicht sagen, aber zuletzt erzählte sie ihr denn, Was die
+Königinn von ihr verlangte. »Ei nun,« sagte die Frau: »es mag drum sein!
+willst Du mich an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich das Garn für
+Dich weben, und Du kannst Dich hinlegen und schlafen.« Ja, das wollte
+das Mädchen gern, und damit ging sie hin und legte sich schlafen. Als
+sie aufwachte, lag alles Garn so sauber und dicht gewebt auf dem Tisch,
+wie nur möglich. Sie brachte es nun der Königinn, und diese freu'te
+sich außerordentlich über die schöne Leinwand und hielt jetzt noch weit
+mehr von dem Mädchen, als zuvor. Aber darüber wurden die andern noch
+neidischer und erbitterter auf sie und dachten an nichts Anders, als Was
+sie jetzt angeben sollten, um ihr zu schaden.
+
+Endlich verfielen sie darauf, zu der Königinn zu sagen, jetzt hätte sie
+sich auch gerühmt, all die Leinwand, die sie gesponnen, in vier und
+zwanzig Stunden zu Hemden aufnähen zu können. Es ging nun eben so, wie
+früher: das Mädchen wagte nicht, zu sagen, daß sie nicht nähen könne;
+sie erhielt wieder ihre Kammer für sich allein und saß da und war betrübt
+und weinte. Nun trat aber wieder eine alte Frau zu ihr ein und versprach
+ihr, die Leinwand für sie zu nähen, wenn sie sie an ihrem Ehrentag Muhme
+nennen wolle. Ja, das wollte das Mädchen gern und that wieder, wie die
+Frau ihr sagte, ging hin und legte sich schlafen. Am andern Morgen, als
+sie erwachte, war alle Leinwand zu Hemden aufgenäh't, die auf dem Tisch
+lagen; eine so schöne Naht hatte man aber noch nie gesehen, und die
+Hemden waren alle hübsch gezeichnet und völlig fertig. Als die Königinn
+die Arbeit sah, freu'te und verwunderte sie sich so sehr über die schöne
+Naht, daß sie die Hände über dem Kopf zusammenschlug. »Nein, eine so
+schöne Naht habe ich noch nie gesehen,« sagte sie, und von nun an hatte
+sie das Mädchen so lieb, wie ihr eignes Kind. »Wenn Du jetzt den Prinzen
+haben willst, so sollst Du ihn bekommen,« sagte sie zu dem Mädchen:
+»denn Du hast niemals nöthig, Etwas aus dem Hause zu geben, da Du Alles
+selbst spinnen und weben und auch nähen kannst.« Weil das Mädchen nun so
+schön war, und der Prinz sie gern leiden mochte, wurde auch sogleich die
+Hochzeit gehalten. Als sich aber der Prinz mit ihr zur Tafel gesetzt
+hatte, trat plötzlich ein altes häßliches Weib herein mit einer langen
+langen Nase -- die war gewiß drei Ellen lang.
+
+Da stand die Braut auf, ging auf die Alte zu und sagte: »Guten Tag,
+Muhme!« -- »Ist das die Muhme meiner Braut?« fragte der Prinz. Ja, das
+wäre sie. »Ja, so müssen wir sie denn wohl mit bei Tafel sitzen lassen,«
+sagte der Prinz; aber er sowohl, als die Andern meinten doch, sie wäre
+gar zu garstig, um mit ihnen bei Tafel zu sitzen.
+
+Nicht lange darnach trat wieder ein altes häßliches Weib ein, die hatte
+einen Allerwerthesten, so dick und so breit, daß sie nur mit genauer
+Noth zur Thür herein konnte. Sogleich stand die Braut auf und grüßte sie
+und sagte: »Guten Tag, Muhme!« und der Prinz fragte wieder, ob das auch
+eine Muhme seiner Braut wäre. »Ja,« antworteten beide, und sie mußte
+sich nun ebenfalls an die Tafel setzen.
+
+Kaum aber hatte sie sich niedergesetzt, so trat wiederum ein altes
+häßliches Weib ein, mit Augen, so groß, wie ein Paar Teller, und so roth
+und fließend, daß es ganz abscheulich aussah. Die Braut stand wieder auf
+und grüßte sie und sagte: »Guten Tag, Muhme!« und der Prinz bat auch
+sie, sich an die Tafel zu setzen, aber er dachte bei sich selbst: »Gott
+steh mir bei wegen all der Muhmen, die meine Braut hat!« Als sie ein
+wenig gesessen hatten, konnte der Prinz sich nicht enthalten, zu sagen:
+»Wie in aller Welt kann doch meine Braut, die so schön ist, so hässliche
+und missgestaltne Muhmen haben!« -- »Das will ich Dir sagen,« versetzte
+die eine: »ich war eben so schön, wie Deine Braut, da ich in ihrem Alter
+war; aber daß ich eine so lange Nase habe, kommt daher, weil ich so
+viel gesessen und gesponnen und dabei den Kopf beständig gerüttelt und
+geschüttelt habe; davon hat sich die Nase ausgedehnt und ist so lang
+geworden, wie Du sie jetzt siehst!« -- »Und ich,« sagte die zweite: »ich
+habe von meiner Jugend an auf dem Webstuhl gesessen und immer hin und
+her gehuppelt; davon ist mein Allerwerthester so groß geworden und so
+angeschwollen, wie Du ihn jetzt siehst.« Darauf sagte die dritte: »Ich
+habe, seit ich ganz klein war, immer da gesessen und auf das Nähzeug
+gestiert; davon sind meine Augen so häßlich und roth geworden.« -- »Na,
+so!« sagte der Prinz: »das war gut, daß ich das zu wissen bekam, wie die
+Leute von Dergleichen so häßlich werden können; so soll denn nun meine
+Braut auch in ihrem Leben nicht wieder spinnen, noch nähen, noch weben!«
+
+
+
+
+14.
+
+Der Sohn der Wittwe.
+
+
+Es war einmal eine arme arme Wittwe, die hatte einen einzigen Sohn, für
+den quälte sie sich so lange ab, bis der Prediger ihn gefirmelt hatte.
+Da sagte sie, jetzt könne sie ihn nicht länger ernähren, er müsse nun
+fort und sich sein Brod selbst verdienen. Der Bursch wanderte darauf
+fort in die Welt, und als er eine gute Strecke Weges zurückgelegt hatte,
+begegnete ihm ein Mann, der fragte ihn, wo er hin wolle. »Ich will fort
+in die Welt und zusehen, ob ich nicht einen Dienst bekommen kann,« sagte
+der Bursch. »Willst Du bei mir dienen?« -- »O ja, eben so gut bei Dir,
+als bei jedem Andern,« versetzte der Bursch. »Ja, Du sollst es gut bei
+mir haben,« sagte der Mann: »Du sollst mir bloß zur Gesellschaft sein,
+weiter verlange ich von Dir Nichts.« Der Bursch trat nun seinen Dienst
+bei dem Manne an; er führte ein herrliches Leben, hatte Essen und Trinken
+vollauf und nur Wenig oder gar Nichts zu thun; aber er sah sonst auch
+niemals eine Menschenseele.
+
+Eines Tages sagte der Mann zu ihm: »Ich werde jetzt auf acht Tage
+verreisen; während der Zeit musst Du hier allein bleiben, aber Du darfst
+ja nicht in eins von diesen vier Zimmern gehen; thust Du das, so kostet
+es Dir das Leben, wenn ich zurückkomme.« -- Nein, sagte der Bursch, er
+wollt's gewiß nicht thun. Als aber der Mann drei oder vier Tage fort
+gewesen war, konnte der Bursch sich nicht länger halten, sondern ging in
+das eine der Zimmer. Er sah sich hier überall um, aber bemerkte Nichts,
+als nur eine Borte über der Thür, und darauf lag eine Dornruthe. »Das
+ist auch was Rechtes, um es mir so strenge zu verbieten, in dies Zimmer
+zu gehen, wenn hier weiter Nichts zu sehen ist!« dachte der Bursch. Als
+die acht Tage um waren, kam der Mann wieder nach Hause. »Du bist doch
+auch wohl in keins von den Zimmern gegangen,« sagte er. »Nein, ganz und
+gar nicht,« sagte der Bursch. »Nun, das werde ich gleich sehen,« sagte
+der Mann, und darauf ging er grade in das Zimmer, in welchem der Bursch
+gewesen war. »Ja, Du bist doch drin gewesen,« sagte er, als er zurückkam:
+»und nun muß ich Dich tödten.« Aber der Bursch weinte und bat so lange,
+bis er doch zuletzt mit dem Leben davon kam; aber tüchtige Schläge
+erhielt er. Als er die ausgestanden hatte, waren sie wieder eben so gute
+Freunde, als zuvor.
+
+Einige Zeit darnach verreis'te der Mann abermals; er sagte, daß er jetzt
+vierzehn Tage ausbleiben würde, und verbot dem Burschen wieder strenge,
+in irgend eins der Zimmer zu gehen, in welchen er noch nicht gewesen
+sei; aber in das, worin er schon gewesen, könne er immer wieder gehen,
+wenn er wolle. Es ging nun eben so, wie das vorige Mal, nur daß der
+Bursch sich jetzt acht Tage hielt, eh' er wieder in eines der verbotenen
+Zimmer ging. Er sah auch hier Nichts, als über der Thür eine Borte und
+darauf einen Feldstein und einen Wasserkrug. »Nun, das ist auch was
+Rechtes, um davor so bange zu sein!« dachte der Bursch. Als der Mann
+nach Hause kam, fragte er den Burschen wieder, ob er auch in irgend
+einem der Zimmer gewesen sei. Nein, sagte der Bursch, er wäre nicht drin
+gewesen. »Nun, das werde ich gleich sehen,« sprach der Mann, und da er
+nun sah, daß der Bursch dennoch drin gewesen war, sagte er: »Nun kann
+ich Dich nicht länger schonen, jetzt musst Du das Leben verlieren.« Aber
+der Bursch weinte und bat so lange, bis er denn zuletzt wieder mit einer
+Tracht Schläge davon kam, aber die war denn auch nicht schlecht. Als er
+sich davon erholt hatte, führte er wieder ein herrliches Leben; und er
+und der Mann waren wieder eben so gute Freunde, wie zuvor.
+
+Einige Zeit darnach wollte der Mann abermals verreisen; er sagte, daß er
+jetzt drei Wochen abwesend sein würde, und schärfte dem Burschen ein,
+beileibe nicht in das dritte Zimmer zu gehen; wenn er es dennoch thäte,
+sagte er, könne er sich nur sogleich darauf gefasst machen, das Leben zu
+verlieren. Nach vierzehn Tagen konnte der Bursch sich nicht länger
+halten, sondern ging auch in das dritte Zimmer; er sah aber darin
+Nichts, als nur eine Fallthür am Fußboden. Als er die aufhob und
+hinuntersah, erblickte er einen großen kupfernen Kessel und drinnen
+pruttelte und kochte es, ohne daß Feuer darunter war. Ich möchte doch
+wissen, ob's wohl warm ist, dachte der Bursch und steckte den Finger
+hinein; als er ihn aber wieder herauszog, war er über und über vergoldet;
+er schabte und wusch ihn, aber die Vergoldung wollte nicht wieder ab; da
+band er einen Lappen darum. Als darauf der Mann nach Hause kam und ihn
+fragte, Was seinem Finger fehle, sagte der Bursch, er habe sich so
+arg geschnitten; aber da riß der Mann ihm den Lappen ab und sah nun
+sogleich, Was dem Finger fehlte. Erst wollte er den Burschen durchaus
+tödten; aber da dieser wieder so heftig weinte und so flehentlich bat,
+klopfte er ihn bloß so, daß er drei Tage lang zu Bette liegen mußte.
+Darauf nahm er einen Krug von der Wand, worin eine Salbe war, und
+bestrich damit den Burschen, worauf dieser sogleich wieder frisch und
+gesund aufstand.
+
+Als einige Zeit vergangen war, wollte der Mann abermals verreisen und
+wollte nun einen ganzen Monat ausbleiben. Zu dem Burschen aber sagte er,
+wenn er es sich einfallen ließe, auch in das vierte Zimmer zu gehen, so
+könne er durchaus nicht hoffen, das Leben zu behalten; dieses Mal würde
+er ihn gewiß nicht schonen. Der Bursch hielt sich etwa drei ganze
+Wochen, aber länger konnt' er's nicht aushalten, sondern ging nun
+auch in das vierte Zimmer. Hierin stand ein großes Pferd mit einem
+Schmutztrog beim Kopf und einem Heutrog beim Schwanz. Dem Burschen
+däuchte das ungleich, und daher tauschte er um und setzte den Heutrog
+beim Kopf hin und den Schmutztrog beim Schwanz. Da sagte das Pferd:
+»Weil Du ein so gutes Herz hast und mir Etwas zu essen gönnst, will ich
+Dich erretten; denn kommt der Troll jetzt nach Hause und findet Dich
+hier noch vor, so tödtet er Dich ganz gewiß. Gehe aber nun in das Zimmer
+hier grade gegenüber und nimm eine von den Rüstungen; aber du darfst
+ja keine von den blanken nehmen, sondern Du sollst die allerrostigste
+nehmen, die Du da siehst, und auf gleiche Weise sollst Du auch Schwert
+und Sattel wählen.« Das that der Bursch; aber es war alles das sehr
+schwer für ihn zu tragen.
+
+Als er mit den Sachen zurückkam, sagte das Pferd, nun solle er sich
+nackt auskleiden und in das Zimmer gehen, wo der Kessel stände und
+kochte, und in dem solle er sich gut baden. »Da werde ich wohl schön
+aussehen!« dachte der Bursch, aber er ging doch hin. Als er sich nun
+gebadet hatte, war er so schön und groß geworden und so roth und weiß,
+wie Milch und Blut, dazu weit stärker, als vorher. »Spürst Du eine
+Veränderung?« fragte ihn das Pferd. »Ja,« sagte der Bursch. »Dann
+versuch' einmal, ob Du mich aufheben kannst,« sagte das Pferd. Ja, das
+konnte der Bursch, und das Schwert konnte er schwingen, wie gar Nichts.
+Als das Pferd das sah, sprach es: »Lege mir jetzt den Sattel auf und Dir
+selbst die Rüstung an, und dann nimm die Dornruthe und den Stein und die
+Wasserflasche und den Salbenkrug; dann wollen wir fortreisen.«
+
+Wie der Bursch das gethan hatte und auf das Pferd gestiegen war, ging es
+-- hast Du mich nicht gesehen! auf und davon. Als der Bursch nun ein
+gutes Ende geritten war, sagte das Pferd: »Mir däucht, ich höre ein
+Geräusch; sieh Dich mal um, ob Du Etwas gewahr wirst.« -- »Ich sehe
+Männer hinter uns,« sagte der Bursch: »wohl gegen zwanzig Stück.« --
+»Das ist der Troll,« sagte das Pferd: »er kommt mit seinen Leuten.«
+
+Das Pferd trabte aber weiter, so lange bis Die, welche hinter ihnen
+waren, ganz nahe kamen. Da sagte das Pferd: »Wirf jetzt die Dornruthe
+hinter Dich, aber so weit Du nur kannst!« Das that der Bursch, und im
+selben Augenblick wuchs da ein großer dicker Dornwald auf. Nun ritt der
+Bursch wieder eine weite Strecke fort, während der Troll sich nach Hause
+begab, um Axt und Beil zu holen, damit er sich durch den Wald hauen
+könne. Endlich sagte das Pferd wieder: »Sieh Dich mal um, ob Du Etwas
+gewahr wirst.« -- »Ja, eine große Menge,« sagte der Bursch: »wie eine
+ganze Kirchengemeine.« -- »Ja, das ist wieder der Troll,« sagte das
+Pferd: »nun hat er noch mehr Leute mitgebracht. Wirf aber jetzt den
+Feldstein hinter Dich, aber so weit Du nur kannst.«
+
+Als der Bursch das that, entstand plötzlich ein großer hoher Berg von
+Feldsteinen hinter ihnen. Nun mußte der Troll wieder nach Hause, um
+sich Geräthschaften zu holen, womit er sich durch den Berg minire, und
+während er das that, ritt der Bursch wieder eine gute Strecke weiter.
+Zuletzt sagte das Pferd wieder, er solle sich mal umsehen, ob er etwas
+gewahr würde; und als der Bursch sich nun umsah, bemerkte er ein ganzes
+Kriegsheer, und Alle trugen so blanke Rüstungen und Waffen, daß es nur
+so glitzerte. »Ja,« sagte das Pferd: »es ist wieder der Troll; nun hat
+er alle seine Leute mitgebracht. Gieß aber jetzt die Flasche mit Wasser
+hinter Dir aus; aber hüte Dich wohl, daß Du Etwas auf meinen Leib
+spritzest!« Das that der Bursch; aber wie sehr er sich auch in Acht
+nahm, so spritzte er doch einen Tropfen an den Schenkel des Pferdes.
+Augenblicklich entstand ein großes wogendes Wasser, und durch den
+Tropfen, den er auf das Pferd gespritzt hatte, kam dieses weit hinaus
+in dem Wasser zu stehen; aber es schwamm doch glücklich ans Land. Als
+der Troll nun zu dem Wasser kam, legte er sich mit allen seinen Leuten
+nieder, um es aufzutrinken, und da tranken sie so lange, bis sie
+barsten. »Nun sind wir sie quitt!« sagte das Pferd.
+
+Als sie nun eine lange lange Zeit gereis't hatten, kamen sie zu einer
+grünen Ebene mitten in einem Walde. »Lege jetzt Deine Rüstung ab und
+zieh wieder Deine Lumpen an,« sagte das Pferd: »nimm mir dann den Sattel
+ab und laß mich frei und hänge Alles hier in die große hohle Linde hin;
+darnach musst Du Dir eine Perrücke von Tannenmoos machen, und geh dann
+hinauf zu des Königs Schloß, das hier in der Nähe liegt, und bitte dort
+um einen Dienst. Wenn Du mich dann nöthig hast, so komm bloß her und
+rüttle an dem Gebiß, dann werde ich zu Dir kommen.«
+
+Ja, der Bursch that, wie das Pferd ihm gesagt hatte, und als er sich
+die Moosperrücke aufsetzte, war er so bleich und jämmerlich und elend
+anzusehen, daß Keiner ihn mehr erkennen konnte. Er ging nun zu dem
+Königsschloß, und da bat er zuerst um einen Dienst in der Küche; er
+wolle dem Koch Wasser und Holz zutragen, sagte er. Aber die Köchinn
+fragte ihn: »Warum hast Du die häßliche Perrücke auf? Nimm die ab,«
+sagte sie: »ich will sonst Nichts von Dir wissen, so häßlich Du
+aussiehst.« -- »Das kann ich nicht,« sagte der Bursch: »denn mein Kopf
+ist nicht so recht rein.« -- »Denkst Du, ich will Dich dann hier beim
+Essen haben, wenn es so mit Dir beschaffen ist?« sagte der Koch: »Geh
+hinunter zum Stallmeister! Du schickst Dich besser dazu, den Stall
+auszumisten.« Als aber der Stallmeister ihm sagte, er solle die Perrücke
+abnehmen, bekam dieser dieselbe Antwort, und nun wollte auch der ihn
+nicht behalten. »Du kannst zum Gärtner gehen,« sagte er: »Du schickst
+Dich besser dazu, in der Erde zu wühlen, Du.« Beim Gärtner durfte er
+denn endlich bleiben; aber Keiner von den andern Bedienten wollte mit
+ihm zusammenschlafen; darum mußte er denn allein schlafen unter der
+Treppe im Lusthause, das stand auf Stollen und hatte eine sehr große
+Treppe; darunter bekam er einiges Moos, und da lag er nun und schlief,
+so gut er konnte.
+
+Als er nun eine Zeitlang im Königsschloß gewesen war, geschah es eines
+Morgens, als die Sonne aufging, daß er seine Moosperrücke abnahm und da
+stand und sich wusch, und da war er so schön, daß es eine Lust war, ihn
+anzusehen.
+
+Die Prinzessinn sah durch ihr Fenster den wackern Gärtnerburschen, und
+es däuchte ihr, einen so schönen Menschen habe sie noch nie gesehen. Sie
+fragte den Gärtner, warum er dort draußen unter der Treppe liege. »O, es
+will Keiner von den andern Bedienten mit ihm zusammenschlafen,« sagte
+der. »Laß ihn heute Abend heraufkommen und bei der Thür drinnen in
+meiner Kammer liegen,« sagte die Prinzessinn: »so werden sie sich nachher
+wohl nicht weigern, mit ihm zusammenzuschlafen.« Der Gärtner sagte das
+dem Burschen. »Meinst Du aber, ich werde das thun?« sagte der: »man
+möchte nachher sagen, es wäre Etwas zwischen mir und der Prinzessinn.«
+-- »Ja, Du hast auch wohl Ursache, Dich vor solchem Verdacht zu fürchten,«
+sagte der Gärtner: »so wacker wie Du bist.« -- »Nun, wenn Ihr's denn so
+wollt, dann will ich es wohl thun,« sagte der Bursch. Als er nun am
+Abend die Treppe hinauf sollte, schlarfte er so mit seinen Schuhen, daß
+sie ihn bitten mußten, leise zu gehen, damit der König ihn nicht gewahr
+werde. Als er in die Kammer der Prinzessinn gekommen war, legte er sich
+sogleich bei der Thür nieder und fing an zu schnarchen. Da sagte die
+Prinzessinn zu ihrem Kammermädchen: »Schleich Dich zu ihm und nimm ihm
+die Moosperrücke ab.« Aber als sie sie ihm abnehmen wollte, erwachte der
+Bursch, hielt mit beiden Händen die Perrücke fest und sagte, die könne
+sie nicht bekommen. Darauf legte er sich wieder hin und schnarchte. Die
+Prinzessinn gab dem Mädchen wieder einen Wink, und diesmal gelang es
+ihr, ihm die Perrücke abzunehmen. Da lag nun der Bursch so schön und so
+roth und weiß, wie die Prinzessinn ihn in der Morgensonne gesehen hatte.
+Nachher schlief der Bursch jede Nacht in der Prinzessinn ihrer Kammer.
+
+Es dauerte aber nicht lange, so erfuhr der König, daß der Bursch jede
+Nacht in der Prinzessinn ihrer Kammer schlief, und darüber ward er so
+erbittert, daß er ihn beinahe ums Leben gebracht hätte. Er warf ihn in
+einen finstern Thurm, und seine Tochter sperrte er auf ihr Zimmer ein,
+und sie durfte nicht heraus, weder Tag, noch Nacht; so viel sie auch
+weinte und für sich und den Burschen bitten mochte, es half Alles
+nichts, der König ward darüber nur noch mehr erbittert.
+
+Einige Zeit darnach entstand Krieg und Unfriede im Lande, und der König
+mußte sich gegen einen andern König rüsten, der ihm sein Land wegnehmen
+wollte. Als der Bursch das hörte, bat er den Kerkermeister, zum König zu
+gehen und ihm die Erlaubniß auszuwirken, Harnisch und Schwert tragen zu
+dürfen und mit in den Krieg zu ziehen. Alle lachten laut auf, als der
+Kerkermeister seinen Auftrag anbrachte und den König um einiges altes
+Gerümpel zu einer Rüstung für den Burschen bat, damit sie doch die Lust
+haben könnten, zu sehen, wie der arme Wicht in den Krieg zöge. Na, das
+bekam er denn auch und dazu eine alte Kracke, die hinkte auf drei
+Beinen.
+
+Sie zogen nun gegen den Feind aus; aber sie waren noch nicht weit von
+dem Königshof gekommen, als der Bursch mit seiner Kracke in einem Moor
+stecken blieb und hups'te und jups'te: »Hei, willst du auf! Hei, willst
+du auf!« Daran hatten die Andern recht ihre Lust und lachten und hatten
+den Burschen zum besten, als sie an ihm vorbeiritten. Aber kaum waren
+sie vorüber, so lief der Bursch zu der Linde, legte seine Rüstung an und
+rüttelte an dem Gebiß, und sogleich kam das Pferd an und sagte: »Thue Du
+nun Dein Bestes, dann werde ich das meinige thun.« Als der Bursch sie
+einholte, hatte die Schlacht schon begonnen, und der König war in einer
+schlimmen Klemme. Aber ehe man sich's versah, hatte der Bursch den Feind
+in die Flucht geschlagen. Der König und seine Leute wunderten sich und
+konnten nicht begreifen, Wer es nur sein mochte, der ihnen so gute Hülfe
+geleistet; denn Keiner war ihm so nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu
+können, und als die Schlacht vorüber war, da war er verschwunden. -- Wie
+sie nun zurückzogen, saß der Bursch noch in dem Moor und hups'te und
+jups'te auf seiner dreibeinigen Kracke. Da lachten Alle wieder. »Nein,
+seh nur Einer! da sitzt der Narr noch und hups't und jups't!« sagten
+sie.
+
+Als sie am andern Tage auszogen, saß der Bursch noch da. Sie lachten
+ihn wieder aus und machten sich über ihn lustig. Aber kaum waren sie
+vorüber, so lief der Bursch wieder zu der Linde, und Alles ging wieder
+grade so, wie den vorigen Tag. Alle wunderten sich und konnten nicht
+begreifen, was es für ein fremder Held sei, der ihnen Hülfe geleistet;
+denn Keiner war ihm wieder so nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu
+können. Daß aber Niemand auf den Burschen rieth, versteht sich von
+selbst.
+
+Als sie am Abend nach Hause zogen und sahen, daß der Bursch noch immer
+auf der Kracke saß, lachten sie ihn wieder aus, und Einer von ihnen
+schoß einen Pfeil auf ihn ab und traf ihn ins Bein. Da fing der Bursch
+gottsjämmerlich an zu schreien und zu lamentiren; aber der König warf
+ihm sein Taschentuch zu, und das band er sich um das Bein.
+
+Als sie am dritten Morgen auszogen, saß der Bursch wieder im Moor.
+»Hei, willst du auf! Hei, willst du auf!« rief er zu der Kracke. »Nein,
+wahrhaftig! er wird da sitzen müssen, bis er todthungert!« sagten die
+Andern, als sie vorüberzogen, und machten sich wieder über ihn lustig.
+-- Der Bursch lief aber wieder zu der Linde und kam eben in der Schlacht
+an, als Noth an den Mann ging. An diesem Tage tödtete er den feindlichen
+König, und damit war der Krieg auf einmal vorbei.
+
+Nun aber erkannte der König den fremden Ritter sogleich an dem
+Taschentuch, das dieser sich um das Bein gebunden hatte; die vornehmsten
+Cavaliere nahmen ihn darauf in ihre Mitte und ritten mit ihm nach dem
+Königsschloß, und als die Prinzessinn ihn von ihrem Fenster aus sah,
+ward sie so froh, daß es gar nicht zu sagen ist. »Da kommt mein
+Bräutigam auch,« sagte sie. Er aber nahm den Salbenkrug und strich sich
+von der Salbe aufs Bein und bestrich auch alle Verwundeten damit, und
+da wurden sie augenblicklich alle wieder frisch und gesund. Hierauf
+bekam er die Prinzessinn zur Gemahlinn. Aber als er am Hochzeitstage in
+den Stall zu dem Pferd kam, stand dieses ganz betrübt da und wollte gar
+nicht fressen. Der junge König -- denn er war jetzt König geworden und
+hatte das halbe Reich bekommen -- fragte, Was ihm fehle. Da sagte das
+Pferd: »Jetzt hab' ich Dir durchgeholfen; aber nun will ich nicht länger
+leben. Nimm jetzt Dein Schwert und haue mir den Kopf ab!« -- »Nein,
+das thu' ich nicht!« sagte der junge König: »Du sollst das beste Futter
+haben, das Du Dir wünschen magst, und sollst von nun an beständig in
+Ruhe leben.« -- »Wenn Du nicht thun willst, Was ich Dir sage,« versetzte
+das Pferd: »dann muß ich Dich ums Leben bringen.« Da konnte der König
+nicht anders, sondern mußte thun, wie das Pferd wollte. Als er aber das
+Schwert aufhob, um zuzuhauen, da war er so betrübt, daß er das Gesicht
+wegkehren mußte, um den Hieb nicht zu sehen. Kaum aber hatte er ihm den
+Kopf abgeschlagen, so stand ein schöner Prinz da, wo vorher das Pferd
+gestanden hatte. »Wo in aller Welt kommst Du her?« fragte der König.
+»Ich war das Pferd,« antwortete der Prinz: »Ehedem war ich König in dem
+Lande, wo nachher der König regierte, den Du gestern in der Schlacht
+getödtet hast; er war es, der einen Zauberham auf mich geworfen und mich
+an den Trollen verkauft hatte. Weil er aber nun getödtet ist, bekomm'
+ich mein Reich zurück, und Du und ich werden Nachbarkönige; aber wir
+wollen nie mit einander Krieg führen.« Und das thaten sie denn auch
+nicht; sie blieben Freunde, so lange sie lebten, und kamen oft, einander
+zu besuchen.
+
+
+
+
+15.
+
+Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau.
+
+
+Es war einmal ein Mann und eine Frau, die heiratheten einander, und
+jeder von ihnen hatte eine Tochter. Die Tochter der Frau war faul und
+träge und mochte nicht das Geringste thun; aber die Tochter des Mannes
+war fleißig und flink, und doch konnte sie der Stiefmutter nie Etwas zu
+Dank machen. Einmal sollten die beiden Mädchen am Brunnen sitzen und
+spinnen. Die Tochter der Frau aber bekam Flachs zu spinnen, und die
+Tochter des Mannes nichts Anders, als Schweinsborsten. »Du bist nun
+immer so flink und ferm, Du,« sagte die Tochter der Frau: »aber dennoch
+fürchte ich mich nicht, mit Dir um die Wette zu spinnen.« Sie wurden
+nun darüber einig, daß Der, dem zuerst der Faden auslief, in den Brunnen
+sollte. Wie sie nun anfingen zu spinnen, so lief der Tochter des Mannes
+zuerst der Faden aus, und die mußte nun in den Brunnen. Sie fiel
+unverletzt bis auf den Grund; dort unten aber sah sie weit um sich her
+eine schöne grüne Wiese.
+
+Sie ging nun fort und kam zu einem Reiserzaun, da wollte sie hinüber.
+»O, tritt nicht so hart auf mich!« sagte der Zaun: »ich will Dir auch
+ein andermal wieder gefällig sein.« Sie machte sich nun so leicht, als
+sie konnte, und stieg so vorsichtig hinüber, daß sie den Zaun nicht
+einmal berührte.
+
+Nun ging sie eine Strecke weiter und kam zu einer scheckigen Kuh, die
+einen Milcheimer an den Hörnern trug; es war eine große schöne Kuh, und
+ihr Euter war so voll und rund. »O, sei doch so gut und melke mich!«
+sagte die Kuh: »denn mir ist das Euter so straff von der Milch; trinke
+so Viel Du willst und gieße den Rest auf meinen Huf; ich will Dir auch
+ein andermal wieder gefällig sein.« Das Mädchen that, wie die Kuh sie
+gebeten hatte; sowie sie nur die Zitzen anfaßte, spritzte die Milch in
+den Eimer; sie trank darauf, bis sie ihren Durst gelöscht hatte, goß
+dann der Kuh den Rest auf den Huf, und den Eimer hängte sie ihr wieder
+an die Hörner.
+
+Als sie ein Ende weiter gegangen war, begegnete ihr ein großer Schafbock,
+der war so dick und hatte so lange Wolle, daß er sie auf der Erde
+nachschleppen mußte, und an dem einen Horn hing eine große Schere. »O,
+sei doch so gut und scher' mich!« sagte der Bock: »denn ich erliege
+unter der Last meiner Wolle, und mir ist so heiß, daß ich beinahe
+ersticken möchte; nimm so Viel Du willst und wirre mir den Rest um den
+Hals; ich will Dir auch ein andermal wieder gefällig sein.« Das Mädchen
+zeigte sich sogleich bereit, zu thun, wie der Bock sie gebeten hatte,
+und dieser legte sich von selbst auf ihren Schoß, und da lag er ganz
+still; und sie schor ihn so behutsam, daß sie ihn auch nicht ein
+einziges Mal ins Fell schnitt. Darauf nahm sie von der Wolle so Viel
+sie wollte, und den Rest wirrte sie dem Bock um den Hals.
+
+Etwas weiter hin kam sie zu einem Apfelbaum, der war so voll von Äpfeln,
+daß die Zweige sich zur Erde niederbogen, und an dem Stamm stand eine
+kleine Stange. »O, sei doch so gut und pflücke meine Äpfel ab!« sagte
+der Baum: »damit meine Zweige sich in die Höhe richten können; es ist
+so beschwerlich, immer so krumm zu stehen; die Du nicht mit der Hand
+erreichen kannst, schlage mit der Stange ab, aber schlage ja vorsichtig,
+damit Du mich nicht zu Schanden schlägst; iß dann so Viel Du willst und
+lege den Rest hübsch ordentlich unten an meinen Stamm hin; ich will Dir
+auch ein andermal wieder gefällig sein.« Das Mädchen pflückte nun so
+viel Äpfel ab, als sie mit der Hand erreichen konnte, und die übrigen
+schlug sie vorsichtig mit der Stange herunter; darauf aß sie sich satt
+und legte den Rest noch so sauber und nett unten an den Stamm hin.
+
+Sie ging nun eine gute Strecke weiter, und endlich kam sie zu einem
+großen Hause, wo ein Trollweib mit ihrer Tochter wohnte. Da ging sie
+hinein und fragte, ob sie nicht einen Dienst bekommen könnte. »O, es
+kann nichts nützen,« sagte das Trollweib: »denn wir haben schon Viele
+gehabt, aber Keine von ihnen hat was getaugt.« Das Mädchen aber bat so
+artig und so flehentlich, sie doch in Dienst zu nehmen, bis sie sie denn
+endlich nahmen; und nun gab das Trollweib ihr ein Sieb und befahl ihr,
+Wasser darin zu holen. Es däuchte dem Mädchen zwar etwas ungereimt,
+Wasser in einem Sieb zu holen, aber sie sagte doch Nichts, sondern
+ging willig hin, und als sie zu dem Brunnen kam, sangen die Vöglein:
+
+ »Kleb' mit Lehm,
+ Stopf mit Stroh!
+ Kleb' mit Lehm,
+ Stopf mit Stroh!«
+
+Ja, das that sie, und nun konnte sie das Wasser in dem Sieb tragen. Aber
+als sie damit nach Hause kam, sagte das Trollweib: »Das hast Du nicht
+aus Dir selber.«
+
+Darauf sollte sie in den Stall gehen und ihn ausmisten und die Kühe
+melken. Als sie aber hineinkam, stand da eine Schaufel, die war so groß
+und so schwer, daß sie sie auf keine Weise handthieren, ja nicht einmal
+aufheben konnte. Sie wußte nun gar nicht, wie sie's anfangen sollte. Aber
+die Vögel sangen, sie solle nur Etwas mit dem Besenstiel hinauswerfen,
+dann würde all das Übrige nachfliegen. Kaum hatte sie das gethan, so war
+der Stall auf einmal so rein, als wäre er noch so sauber gemistet und
+gefegt. Jetzt wollte sie die Kühe melken; aber die waren so unruhig und
+schlugen und stießen, so daß sie gar nicht dazu gelangen konnte, sie zu
+melken. Aber da sangen die Vöglein draußen wieder:
+
+ »Kleinen Trunk,
+ Kleinen Strahl
+ Stripp zu den Vöglein
+ Allzumal!«
+
+Ja, das that sie, sie strippte einen kleinen Strahl hinaus zu den
+Vöglein. Da standen alle Kühe still und ließen sich von ihr melken,
+ohne zu schlagen, oder zu stoßen, sie hoben nicht einmal das Bein
+auf.
+
+Als das Trollweib sie mit der Milch ankommen sah sagte sie wieder: »Das
+hast Du nicht aus Dir selber. Aber nun kannst Du die schwarze Wolle
+nehmen, die da liegt, und sie weiß waschen.« Das Mädchen wußte wieder
+gar nicht, wie sie das anfangen sollte; denn sie hatte nie gesehen, daß
+Jemand schwarze Wolle weiß waschen konnte; aber sie sagte Nichts,
+sondern nahm die Wolle und ging damit zu dem Brunnen. Da sangen die
+Vöglein, sie solle die Wolle in den großen Zuber werfen, der da stände,
+dann würde sie wohl weiß werden.
+
+»Nein, nein,« sagte das Trollweib, als das Mädchen mit der Wolle ankam:
+»mit Dir hilft es nichts; denn Du kannst ja Alles ausrichten, was man
+Dir sagt, und ärgerst mich zuletzt noch zu Tode. Es ist am besten, Du
+erhältst Deinen Reisepaß.«
+
+Nun setzte das Trollweib drei Schreine hin, einen rothen, einen grünen
+und einen blauen, und von diesen sollte es dem Mädchen erlaubt sein, als
+Lohn für ihren Dienst, sich einen zu wählen, welchen sie wollte. Das
+Mädchen wußte nun gar nicht, welchen sie wählen sollte; aber da sangen
+die Vöglein:
+
+ »Nimm nicht den grünen,
+ Nimm nicht den rothen,
+ Den blauen nimm jetzt,
+ Auf welchen wir haben
+ Drei Kreuze gesetzt.«
+
+Da nahm sie den blauen, so wie die Vöglein gesungen hatten. »Twi Dich
+an!« sagte das Trollweib: »das sollst Du mir entgelten!« Als das Mädchen
+nun fortgehen wollte, warf das Trollmensch eine glühende Eisenstange
+hinter sie drein; aber das Mädchen sprang schnell hinter die Thür,
+so daß sie nicht getroffen ward, denn so hatten die Vöglein es ihr
+gesungen. Sie ging nun fort, so schnell sie konnte; aber als sie zu
+dem Apfelbaum kam, hörte sie ein entsetzliches Geräusch hinter sich
+auf dem Wege; es war nämlich das Trollweib mit ihrer Tochter, welche
+ihr nachkamen. Dem Mädchen ward so angst und bange, daß sie sich gar
+nicht zu lassen wußte: »Komm,« sagte der Apfelbaum: »ich will Dir helfen;
+verbirg Dich schnell unter meine Zweige; denn wenn sie Dich erwischen,
+nehmen sie Dir den Schrein weg und zerreißen Dich.« Das that sie denn
+auch. Kaum aber hatte sie sich versteckt, so kam schon das Trollweib mit
+ihrer Tochter an: »Hast Du nicht eine Dirne hier gehen sehen?« fragte
+das Trollweib. »Ja wohl,« sagte der Apfelbaum: »es lief hier eine vor
+einer Weile vorüber; aber die ist nun schon weit weg, die könnt Ihr
+nicht mehr einholen.« Da kehrte das Trollweib wieder um und ging nach
+Hause.
+
+Das Mädchen setzte nun ihren Weg fort; aber als sie zu dem Bock kam,
+hörte sie wieder ein so entsetzliches Geräusch, daß sie sich gar nicht
+zu lassen wußte, so angst ward ihr; denn sie konnte sich wohl denken,
+daß es das Trollweib war, das sich bedacht hatte. »Komm, ich will Dir
+helfen,« sagte der Bock: »verbirg Dich schnell unter meiner Wolle, dann
+sieht sie Dich nicht; sonst nimmt sie Dir den Schrein weg und zerreißt
+Dich.«
+
+Kaum hatte sie sich verborgen, so kam auch schon das Trollweib angestoben.
+»Hast Du nicht eine Dirne hier gehen sehen?« fragte sie den Bock. »Ja
+wohl,« sagte der Bock: »ich sah eine vor einer Weile; aber sie lief so
+schnell, daß Du sie nicht wieder einholst.« Da kehrte das Trollweib
+wieder um und ging nach Hause.
+
+Als das Mädchen nun weiter bis zu der Kuh gekommen war, hörte sie wieder
+ein entsetzliches Geräusch auf dem Wege. »Komm,« sagte die Kuh: »ich
+will Dir helfen; verbirg Dich schnell unter mein Euter; sonst kommt das
+Trollweib und nimmt Dir den Schrein weg und zerreißt Dich.« Es dauerte
+nicht lange, so kam das Weib an. »Hast Du nicht eine Dirne hier gehen
+sehen?« fragte sie. »Ja, ich sah eine vor einer Weile,« sagte die Kuh:
+»aber die ist nun schon weit weg, denn sie lief so schnell; die holst Du
+nicht mehr ein.« Das Trollweib kehrte nun wieder um und ging nach Hause.
+
+Als das Mädchen nun ein gutes Ende weiter gegangen und nicht mehr weit
+von dem Reiserzaun war, hörte sie wieder ein so entsetzliches Geräusch
+auf dem Wege, daß ihr angst und bange ward; denn sie wußte nun wohl,
+daß es wieder das Trollweib war, das sich bedacht hatte. »Komm, ich will
+Dir helfen,« sagte der Zaun: »kriech schnell unter meine Reiser, daß
+sie Dich nicht sieht; sonst nimmt sie Dir den Schrein weg und zerreißt
+Dich.« Sie kroch nun schnell unter die Reiser des Zauns. »Hast Du nicht
+eine Dirne hier gehen sehen?« fragte das Trollweib, als sie zu dem Zaun
+kam. »Nein, ich habe keine Dirne gesehen,« antwortete der Zaun und war
+so erbittert, daß er knisterte, und dann machte er sich so groß, daß gar
+nicht daran zu denken war, hinüber zu kommen. Es war nun kein andrer
+Rath für das Trollweib, sie mußte wieder umkehren und nach Hause gehen.
+
+Als nun aber das Mädchen wieder zu Hause ankam, waren die Stiefmutter
+und ihre Tochter nur noch neidischer auf sie; denn jetzt war das Mädchen
+noch weit stattlicher und so schön, daß es eine Lust war, sie anzusehen.
+Sie durfte aber nicht drinnen bei ihnen in der Stube bleiben, sondern
+sie jagten sie hinaus in den Schweinstall, da sollte sie wohnen. Hier
+wusch das Mädchen nun Alles sauber und rein, und darnach machte sie den
+Schrein auf, um zu sehen, Was sie zum Lohn bekommen hatte, und als sie
+den Schrein aufgemacht hatte, fand sie darin so viel Gold und Silber und
+so viel andre kostbare Sachen, daß sie sowohl die Wände, als den Boden
+damit behängen konnte; und es sah nun weit herrlicher in dem Schweinstall
+aus, als in dem prächtigsten Königsschloß. Als die Stiefmutter und ihre
+Tochter das sahen, waren sie ganz außer sich und fragten das Mädchen,
+wie denn ihr Dienst ausgefallen sei. »O, das könnt Ihr Euch wohl
+vorstellen,« sagte sie: »da ich einen so guten Lohn bekommen habe; es
+waren solche Leute und eine solche Frau, daß man Ihresgleichen nicht
+mehr findet.«
+
+Da wollte nun die Tochter der Stiefmutter auch fort und dienen, damit
+sie auch einen solchen Goldschrein bekäme. Beide Mädchen setzten sich
+nun wieder hin, um zu spinnen; aber da sollte die Tochter der Frau
+Schweinsborsten spinnen, und die Tochter des Mannes Flachs, und Wem
+zuerst der Faden auslief, der sollte in den Brunnen. Es dauerte nicht
+lange, so lief der Frau ihrer Tochter der Faden aus, wie man sich wohl
+denken kann, und da warfen sie sie in den Brunnen.
+
+Nun geschah es eben so, wie vorhin mit der Tochter des Mannes: sie fiel
+hinab bis auf den Grund, ohne Schaden zu nehmen, und befand sich nun auf
+einer schönen grünen Wiese. Als sie eine Strecke weit gegangen war, kam
+sie zu dem Reiserzaun. »Tritt nicht so hart auf mich! ich will Dir auch
+ein andermal wieder gefällig sein,« sagte der Zaun. »Ei, was scher' ich
+mich um einen alten Reiserhaufen!« sagte sie und trat auf den Zaun, daß
+es nur so knackte.
+
+Etwas später kam sie zu der Kuh, deren Euter so straff von der Milch
+war. »O, sei doch so gut und melke mich!« sagte die Kuh: »ich will Dir
+auch ein andermal wieder gefällig sein; trinke so Viel Du willst, und
+gieße dann den Rest auf meinen Huf.« Ja, das that sie, sie melkte die
+Kuh und trank so Viel sie vermochte; dann aber war Nichts mehr übrig,
+das sie auf den Huf gießen konnte; den Eimer schleuderte sie über den
+Hügel und ging fort.
+
+Als sie nun eine Strecke weiter gegangen war, kam sie zu dem Bock, welcher
+die Wolle nach sich schleppte. »O, sei doch so gut und scher' mich! ich
+will Dir auch ein andermal wieder gefällig sein,« sagte der Bock: »nimm
+so Viel von der Wolle, als Du willst, und wirre mir dann den Rest um den
+Hals.« Das that sie; aber sie benahm sich dabei so ungeschickt, daß sie
+dem Bock große Stücke aus dem Fell schnitt, und all die Wolle nahm sie
+mit.
+
+Ein wenig darnach kam sie zu dem Apfelbaum, der wieder ganz krumm unter
+der Last seiner Frucht stand. »O, sei doch so gut und pflücke meine
+Äpfel ab,« sagte der Apfelbaum: »damit meine Zweige sich wieder aufrichten
+können! denn es ist so beschwerlich, hier so krumm zu stehen; aber nimm
+Dich in Acht, daß Du mir keinen Schaden thust; iß so Viel Du willst,
+und lege dann den Rest hübsch ordentlich unten an meinen Stamm hin.«
+Sie pflückte nun die nächsten Äpfel ab, und die sie nicht mit der Hand
+erreichen konnte, schlug sie mit der Stange herunter; aber sie kümmerte
+sich weiter um Nichts, riß und schlug große Zweige mit ab und aß so
+lange, bis sie zuletzt nicht mehr konnte, und dann warf sie den Rest
+hulterpulter unter den Baum hin.
+
+Als sie nun noch ein kleines Ende weiter gegangen war, kam sie zu
+dem Hause, wo das Trollweib wohnte; da bat sie um einen Dienst. Das
+Trollweib sagte, sie wolle kein Dienstmädchen haben; denn entweder
+taugten sie nichts, oder sie wären auch allzu flink und betrögen sie um
+ihr Eigenthum. Aber das Mädchen ließ sich damit nicht abweisen, sondern
+sagte, sie wolle und müsse bei ihr dienen. Da sagte denn das Trollweib
+zuletzt, ja, sie wolle sie in Dienst nehmen, wenn sie zu Etwas tauge.
+
+Das Erste, was sie zu thun bekam, war, Wasser im Sieb zu holen. Ja, sie
+ging auch zu dem Brunnen und schöpfte Wasser ins Sieb; aber sowie sie es
+oben hineinschöpfte, lief es unten immer wieder heraus. Da sangen die
+Vöglein:
+
+ »Kleb' mit Lehm,
+ Stopf mit Stroh!
+ Kleb' mit Lehm,
+ Stopf mit Stroh!«
+
+Aber sie bekümmerte sich nicht um Das, was die Vögel sangen, sondern
+warf mit dem Lehm nach ihnen, so daß sie davon flogen; und sie mußte mit
+dem leeren Sieb wieder nach Hause gehen und bekam Gnickpümpe von dem
+Trollweib obendrein. Darauf sollte sie den Stall ausmisten und die Kühe
+melken. Dazu däuchte sie sich nun zwar viel zu gut, aber sie ging doch
+hin. Als sie in den Stall kam, konnte sie jedoch auf keine Weise die
+Schaufel handthieren, denn die war viel zu schwer und zu groß für sie.
+Die Vögel sagten ihr nun eben Das, was sie der Tochter des Mannes gesagt
+hatten, sie solle ein Wenig mit dem Besenstiel hinauswerfen, dann würde
+all das Übrige nachfliegen; aber sie nahm den Besen und warf damit nach
+den Vögeln. Als sie darauf die Kühe melken wollte, waren diese so unruhig
+und schlugen und stießen, und so oft sie ein Wenig in den Eimer bekommen
+hatte, schlugen sie ihn immer wieder um. Da sangen die Vögel:
+
+ »Kleinen Trunk,
+ Kleinen Strahl
+ Stripp zu den Vöglein
+ Allzumal!«
+
+Aber sie bumps'te und schlug die Kühe, warf nach den Vögeln mit Allem,
+was ihr in die Hände kam, und hielt eine Wirthschaft, daß es ganz
+entsetzlich war. Damit hatte sie aber, als sie zurückkam, weder den
+Stall ausgemistet, noch die Kühe gemelkt, und bekam nun tüchtige Hiebe
+und Schelte von dem Trollweib. Darnach sollte sie die schwarze Wolle
+weiß waschen; aber damit ging es um Nichts besser. Das war endlich dem
+Trollweib allzu arg. Nein, ein solches Dienstmädchen konnte sie nicht
+gebrauchen, denn sie taugte ja zu Nichts. Sie setzte aber drei Schreine
+hin, einen rothen, einen grünen und einen blauen; denn ihren Lohn sollte
+sie gleichwohl haben und sich einen von den drei Schreinen auswählen,
+den sie selbst wollte. Da sangen die Vögel:
+
+ »Nimm nicht den grünen,
+ Nimm nicht den rothen,
+ Den blauen nimm jetzt,
+ Auf welchen wir haben
+ Drei Kreuze gesetzt.«
+
+Aber sie bekümmerte sich nicht um Das, was die Vögel sangen, sondern
+nahm den rothen, der am meisten schimmerte. Darnach begab sie sich auf
+den Weg und ging nach Hause. Sie durfte aber in guter Ruhe gehen; denn
+es war Niemand, der sie verfolgte. Als sie zu Hause ankam, war die
+Mutter sehr erfreu't, und sie gingen beide sogleich in die große Stube
+und setzten da den Schrein hin; denn sie glaubten, es wäre nichts
+Anders, als lauter Gold und Silber drin, und meinten, sie wollten Wände
+und Boden damit vergolden; als sie ihn aber aufmachten, wimmelte lauter
+Gewürm und Ungeziefer hervor, und so oft das Mädchen den Mund aufthat,
+fielen Würmer und Kröten und all das Ungeziefer heraus, das man sich
+nur denken kann, so daß es zuletzt nicht mehr möglich war, mit ihr in
+_einem_ Hause auszudauern. Das war der Lohn, den sie für ihren Dienst
+bei dem Trollweib bekommen hatte.
+
+
+
+
+16.
+
+Hähnchen und Hühnchen im Nußwald.
+
+
+Hähnchen und Hühnchen gingen einmal in den Nußwald, um sich Nüsse zu
+pflücken; da bekam Hühnchen eine Nußschale in den Hals und lag nun da
+und zappelte und schlug mit den Flügeln. Nun sollte Hähnchen hinlaufen
+und dem Hühnchen Wasser aus der Quelle holen. Hähnchen lief auch hin,
+und als er zur Quelle kam, sagte er: »Quelle, gieb mir Wasser, das
+Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nußwald.« Die Quelle aber antwortete: »Ich geb' Dir kein Wasser eh' Du
+mir nicht Laub giebst.« Da lief Hähnchen zur Linde: »Linde, gieb mir
+Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
+Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nußwald.« -- »Ich geb' Dir kein Laub, eh' Du mir nicht rothes Goldband
+giebst,« antwortete die Linde. Da lief Hähnchen zur Jungfrau Maria:
+»Jungfrau Maria, gieb mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb'
+ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle,
+die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hühnchen, meinem
+Schatz, das liegt auf den Tod im Nußwald.« -- »Ich geb' Dir kein rothes
+Goldband, eh' Du mir nicht Schuhe giebst,« antwortete die Jungfrau
+Maria. Da lief Hähnchen zum Schuster: »Schuster, gieb mir Schuh', die
+Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes
+Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir
+Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
+Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nußwald.« -- »Ich geb' Dir keine Schuh', eh' Du mir nicht Borsten giebst,«
+antwortete der Schuster. Da lief Hähnchen zum Eber: »Eber, gieb mir
+Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
+Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt
+mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
+giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir
+Wasser, das Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den
+Tod im Nußwald.« -- »Ich geb' Dir keine Borsten, eh' Du mir nicht Korn
+giebst,« antwortete der Eber. Da lief Hähnchen zum Drescher: »Drescher,
+gieb' mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten,
+die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die
+Schuh geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes
+Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir
+Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
+Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nußwald.« -- »Ich geb' Dir kein Korn, eh' Du mir nicht Brod giebst,«
+antwortete der Drescher. Da lief Hähnchen zur Backfrau: »Backfrau, gieb
+mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn,
+das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten geb'
+ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der
+Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich
+der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hühnchen,
+meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nußwald.« -- »Ich geb' Dir kein
+Brod, eh' Du mir nicht Holz giebst,« antwortete die Backfrau. Da lief
+Hähnchen zum Holzhauer: »Holzhauer, gieb mir Holz, das Holz geb' ich der
+Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher,
+der Drescher giebt mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt
+mir Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
+Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt
+mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
+giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir
+Wasser, das Wasser geb' ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den
+Tod im Nußwald.« -- »Ich geb' Dir kein Holz, eh' Du mir nicht eine Axt
+giebst,« antwortete der Holzhauer. Da lief Hähnchen zum Schmied: »Schmied,
+gieb mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer, der Holzhauer giebt
+mir Holz, das Holz geb' ich der Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod,
+das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn, das Korn
+geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten geb' ich
+dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der
+Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich
+der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich Hühnchen,
+meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nußwald.« -- »Ich geb' Dir keine
+Axt, eh' Du mir nicht Kohlen giebst,« antwortete der Schmied. Da lief
+Hähnchen zum Köhler: »Köhler, gieb mir Kohlen, die Kohlen geb' ich dem
+Schmied, der Schmied giebt mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer,
+der Holzhauer giebt mir Holz, das Holz geb' ich der Backfrau, die Backfrau
+giebt mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir
+Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten
+geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb ich
+der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das
+rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub
+geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich
+Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nußwald.« Da jammerte
+den Köhler das Hähnchen, und er gab ihm Kohlen. Nun bekam der Schmied
+Kohlen, und der Holzhauer eine Axt, und die Backfrau Holz, und der
+Drescher Brod, und der Eber Korn, und der Schuster Borsten, und die
+Jungfrau Maria Schuh', und die Linde rothes Goldband, und die Quelle
+Laub, und Hähnchen Wasser, und das gab er Hühnchen, seinem Schatz, das
+auf den Tod im Nußwald lag; da ward Hühnchen wieder gesund.
+
+
+
+
+17.
+
+Der Bär und der Fuchs.
+
+#a#) _Warum der Bär einen Stumpfschwanz hat._
+
+
+Dem Bären begegnete einmal der Fuchs, der mit einem Bündel Fische
+angeschlichen kam, die er gestohlen hatte. »Wo hast Du die her?« fragte
+der Bär. »Die hab' ich mir geangelt, Herr Bär,« versetzte der Fuchs. Da
+bekam der Bär auch Lust, das Angeln zu lernen, und bat den Fuchs, ihm
+doch zu sagen, wie er es machen müßte. »Das ist eine leichte Kunst und
+sehr bald gelernt,« erwiederte der Fuchs: »Du musst nur aufs Eis gehen,
+Dir ein Loch hauen und den Schwanz hineinstecken, und dann musst Du ihn
+recht lange drein halten und Dich nicht darum bekümmern, wenn's ein
+bischen weh thut; denn das ist ein Zeichen, daß Fische dran beißen; und
+je länger Du's aushalten kannst, desto mehr Fische bekommst Du; aber
+wenn's zuletzt recht tüchtig kneift, dann musst Du aufziehen.« Ja, der
+Bär that, wie der Fuchs ihm gesagt hatte, und hielt den Schwanz so
+lange ins Loch, bis er darin festgefroren war. Da zog er auf -- den
+Schwanz ab, und nun geht er noch da den heutigen Tag mit einem
+Stumpfschwanz.
+
+
+#b#) _Wie der Fuchs den Bären ums Weihnachtsessen prellt._
+
+Der Bär und der Fuchs hatten sich einmal zusammen ein Viertel Butter
+gekauft, das wollten sie zum Weihnachten haben und verwahrten es daher
+unter einen dicken Tannenbusch. Darauf gingen sie fort und legten sich
+auf einem Hügel in der Sonne schlafen. Als sie eine Weile gelegen hatten,
+sprang der Fuchs auf und rief: »Ja!« und damit lief er gradesweges zu
+dem Butterviertel, wovon er gut den dritten Theil auffraß. Als er aber
+zurückkam, und der Bär ihn fragte, wo er gewesen sei, daß er so fett ums
+Maul wäre, sagte er: »Meinst Du denn nicht, ich sei zu Gevatter gebeten,
+Du?« -- »Na so!« sagte der Bär: »wie hieß denn das Kind?«
+-- »_Angefangen_,« sagte der Fuchs.
+
+Damit legten sie sich wieder schlafen. Nach einer Weile sprang der Fuchs
+abermals auf und rief: »Ja!« und lief wieder zu dem Butterviertel. Als
+er zurückkam, und der Bär ihn fragte, wo er gewesen sei, antwortete er:
+»Ach, wurde ich denn nicht wieder zu Gevatter gebeten, Du!« -- »Wie hieß
+jetzt das Kind?« fragte der Bär. »_Halbverzehrt_,« antwortete der Fuchs.
+
+Der Bär meinte, das wär' ein hübscher Name; aber es dauerte nicht lange,
+so fing er wieder an zu gähnen und schlief ein. Als er nun ein Weilchen
+gelegen hatte, ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male: Der
+Fuchs sprang wieder auf und rief: »Ja!« lief zu dem Butterviertel und
+fraß nun auch den letzten Rest auf. Wie er zurückkam, war er wieder
+zu Kindtauf gewesen, und als der Bär wissen wollte, wie das Kind hieß,
+antwortete er: »_Den-Boden-geleckt._« Damit legten sie sich wieder zur
+Ruhe und schliefen beide eine gute Weile. Darnach wollten sie hingehen
+und sich nach ihrer Butter umsehen. Als es sich nun aber fand, daß sie
+rein aufgezehrt war, beschuldigte der Bär dafür den Fuchs, und der Fuchs
+beschuldigte wieder den Bären, und der Eine behauptete immer, der Andre
+sei bei der Butter gewesen, während er da gelegen habe und geschlafen.
+»Nun,« sagte Reineke: »wir wollen's bald erfahren, Wer von uns die
+Butter gestohlen hat: wir wollen uns jetzt wieder auf dem Hügel schlafen
+legen, und Wer dann am fettsten unten beim Schwanz ist, wenn wir
+aufwachen, der hat sie gestohlen.« Ja, der Bär wollte gleich auf die
+Probe eingehen, und weil er bei sich selbst wußte, daß er die Butter
+nicht einmal gekostet hatte, legte er sich ganz ruhig auf dem Hügel
+schlafen. Da schlich Reineke sich aber fort nach dem Viertel und erwischte
+noch ein Klümpchen Butter, das in einer Ritze sitzen geblieben war; damit
+schlich er sich zurück zu dem Bären, bestrich ihn mit der Butter unten
+beim Schwanz und legte sich dann wieder schlafen, als wüßte er von
+Nichts. Als nun beide aufwachten, hatte die Sonne die Butter geschmelzt,
+und da war's denn gleichwohl der Bär, der die Butter gefressen hatte.
+
+
+
+
+18.
+
+Gudbrand vom Berge.
+
+
+Es war einmal ein Mann, der hieß _Gudbrand_; der hatte ein Gehöft, das
+lag weit weg am Abhang eines Berges, und darum nannten die Leute ihn
+_Gudbrand vom Berge_. Er lebte aber mit seiner Frau so zufrieden und
+verträglich zusammen, daß Alles, was der Mann that, der Frau so wohl
+gethan däuchte, daß es nimmermehr besser gemacht werden könne; wie er's
+auch anfangen mochte, sie mußte sich immer darüber freuen. Sie besaßen
+ihr Stück Ackerland, hatten hundert Thaler in der Kiste liegen, und im
+Stall hatten sie zwei Kühe im Joch stehen. Da sagte die Frau eines Tages
+zu Gudbrand: »Mir däucht, wir sollten die eine Kuh zur Stadt bringen
+und sie verkaufen, damit wir doch ein paar Ausgebeschillinge bekämen;
+wir sind so brave Leute und sollten doch ein paar Schillinge unter den
+Händen haben, so wie andre Leute es haben; die hundert Thaler in der
+Kiste dürfen wir nicht angreifen, und ich weiß nicht, Was wir mit mehr,
+als mit _einer_ Kuh, wollen; und dann ist auch noch immer ein kleiner
+Gewinn dabei, daß ich alsdann nur auf die eine Kuh zu passen brauch,
+statt daß ich jetzt mich mit zweien placken muß.« Ja, das däuchte dem
+Gudbrand ganz recht und vernünftig gesprochen, und er nahm sogleich die
+Kuh und ging damit zur Stadt, um sie zu verkaufen. In der Stadt aber
+fand sich Niemand, der ihm die Kuh abkaufen wollte. »Ei nun!« dachte
+Gudbrand: »so geh' ich mit meiner Kuh wieder nach Hause; ich weiß, ich
+habe sowohl Stall, als Joch, für sie, und es ist eben so weit hin, als
+her,« und damit stiefelte er getrost wieder mit seiner Kuh heimwärts.
+
+Als er ein Endchen gegangen war, begegnete ihm Einer, der hatte ein
+Pferd, das er verkaufen wollte. Nun däuchte unserm Gudbrand, es sei
+besser, ein Pferd zu haben, als eine Kuh, und darum tauschte er mit dem
+Manne. Als er noch etwas weiter gegangen war, begegnete ihm Einer, der
+trieb ein fettes Schwein vor sich her, und da meinte Gudbrand wieder,
+es sei doch besser, ein fettes Schwein zu haben, als ein Pferd, und
+tauschte mit dem Manne. Darauf ging er weiter, und nach einer Weile
+begegnete ihm ein Mann mit einer Ziege. »Es ist freilich immer besser,
+eine Ziege zu haben, als ein Schwein,« dachte Gudbrand und tauschte mit
+dem Mann, der die Ziege hatte. Nun ging er eine weite Strecke fort,
+bis ihm endlich ein Mann begegnete, der ein Schaf hatte, und mit dem
+tauschte er ebenfalls, denn er dachte: »Besser ist's immer, ein Schaf zu
+haben, als eine Ziege.« Als er nun noch weiter gegangen war, begegnete
+ihm ein Mann mit einer Gans, und nun vertauschte Gudbrand das Schaf
+gegen die Gans. Als er darauf ein weites, weites Ende gegangen war,
+begegnete ihm ein Mann mit einem Hahn; mit dem tauschte er nochmals,
+denn er dachte: »Im Grunde ist's doch besser, einen Hahn zu haben, als
+eine Gans.« Er schritt nun so lange fort, bis es schon spät am Tage war,
+und da nun der Hunger sich bei ihm einstellte, verkaufte er den Hahn für
+drei Groschen und kaufte sich dafür Etwas zu essen, »denn es ist doch
+besser, das Leben heimzubringen, als einen Hahn,« dachte Gudbrand vom
+Berge. Darauf setzte er seinen Weg nach Hause fort, bis er zu dem Gehöft
+seines nächsten Nachbars kam; da kehrte er ein, »Nun, wie ist es Dir
+in der Stadt gegangen?« fragten die Leute ihn. »O, das ist nun so so
+gegangen,« sagte Gudbrand: »ich kann mein Glück eben nicht loben und
+auch nicht verachten,« und damit erzählte er ihnen, wie sich Alles
+zugetragen hatte, vom Anfang an bis zu Ende. »Na, da wirst Du aber auch
+schön empfangen werden von Deiner Frau, wenn Du nach Hause kommst,«
+sagte der Mann von dem Gehöft: »Gott steh' Dir bei! ich möchte nicht
+in Deiner Haut stecken.« -- »Mir däucht, es könnte weit schlimmer
+gegangen sein,« sagte Gudbrand vom Berge: »sei es aber nun übel, oder
+wohl gegangen, so habe ich doch eine so gute Frau, die mir nie Vorwürfe
+macht, wie ich's auch immer anfange.« -- »Ja, das mag wahr sein,« sagte
+der Mann: »aber ich glaub's darum doch nicht.« -- »Wollen wir wetten?«
+versetzte Gudbrand vom Berge: »Ich habe hundert Thaler in der Kiste
+liegen, hältst Du eben so Viel dagegen?« -- »Topp!« rief der Nachbar;
+und als es anfing zu dämmern, begaben beide sich zu Gudbrand's Gehöft.
+Hier blieb der Nachbar draußen vor der Thür stehen, um zu horchen,
+während Gudbrand hineinging zu seiner Frau und mit ihr sprach. »Guten
+Abend!« sagte Gudbrand vom Berge, als er eintrat. »Guten Abend!« sagte
+die Frau: »Na, Gott sei Lob! bist Du wieder da?« -- Ja, das war er denn.
+Nun fragte die Frau, wie's ihm denn gegangen wär' in der Stadt. »Ach, so
+so!« antwortete Gudbrand: »ich kann mein Glück eben nicht sonderlich
+rühmen. Als ich zur Stadt kam, war da Niemand, der mir die Kuh abkaufen
+wollte; darum vertauschte ich sie gegen ein Pferd.« -- »Ei! das muß ich
+Dir ja Dank wissen,« sagte sie: »wir sind so brave Leute, daß wir auch
+wohl zur Kirche _fahren_ können, eben so gut, wie Andre, und wenn wir
+Rath haben, uns ein Pferd anzuschaffen, warum sollten wir es nicht?
+-- Geht hin, Jungens, und zieht das Pferd ein!« -- »Je,« sagte Gudbrand:
+»ich hab' das Pferd doch nicht; denn als ich ein Stück Weges gegangen
+war, vertauschte ich es gegen ein Schwein.« -- »Nein!« rief die Frau:
+»das ist doch recht, als wenn ich's selbst gethan hätte! danke schön,
+lieber Mann! nun hab' ich doch Speck im Hause, um den Leuten Etwas
+anzubieten, die zu uns kommen. Was sollten wir auch wohl mit dem Pferd?
+Die Leute würden nur sagen, wir wären so vornehm geworden, daß wir nicht
+mehr zur Kirche gehen könnten, wie wir sonst gethan -- Geht hin,
+Jungens, und bringt's Schwein herein!« -- »Aber ich habe das Schwein
+doch auch nicht,« sagte Gudbrand: »denn als ich ein Ende weiter
+gegangen war, vertauschte ich es gegen eine Milchziege.« -- »Jerum! wie
+Du Alles vortrefflich machst!« rief die Frau: »Was sollte ich auch mit
+dem Schwein, wenn ich's recht bedenke? Die Leute würden nur sagen: »Die
+da fressen Alles auf, was sie haben.« Nein, hab' ich eine Ziege, so
+bekomm' ich Milch und Käse, und die Ziege bleibt mir dennoch -- Jungens,
+lasst die Ziege ein!« -- »Nein, ich hab' die Ziege doch auch nicht,«
+sagte Gudbrand: »denn als ich etwas weiter auf dem Weg gekommen war,
+vertauschte ich die Ziege und bekam dafür ein herrliches Schaf.«
+-- »Nein!« rief die Frau: »Du hast Alles gemacht, wie ich's mir nur
+wünschen kann, grade, als wär' ich selbst dabei gewesen. Was sollten wir
+auch mit der Ziege? Ich müßte dann immer dahinterher laufen und bergan
+und bergab klettern. Hab' ich aber ein Schaf, so hab' ich Wolle und
+Kleider im Hause und Essen obendrein -- Geht hin, Jungens, und bringt das
+Schaf 'rein!« -- »Aber ich hab' das Schaf auch nicht mehr,« sagte
+Gudbrand: »denn als ich etwas weiter gegangen war, vertauschte ich es
+gegen eine Gans.« -- »Ei, tausendmal schönen Dank!« sagte die Frau: »Was
+sollte ich auch wohl mit dem Schaf? Ich habe ja weder Rocken, noch
+Spindel, und frage auch nicht darnach, mich zu placken und zu quälen und
+Kleider zu weben; wir können ja unsre Kleider kaufen, wie wir sonst
+gethan haben. Nun bekomm' ich doch mal Gänsefleisch zu schmecken, wonach
+ich schon so lange gejankt habe, und kann mir Dunen in meinen Pfülk
+stopfen -- Geht hin, Jungens, und holt die Gans 'rein!« -- »Je, ich
+hab' die Gans aber auch nicht,« sagte Gudbrand: »denn als ich noch
+ein Stück Weges gegangen war, vertauschte ich sie gegen einen Hahn.«
+-- »Gott weiß, wie Du auf Das verfallen bist!« rief die Frau: »es ist
+grade Alles, als ob ich's selbst gemacht hätte. Ein Hahn, das ist eben
+Dasselbe, als ob Du eine Weck-Uhr gekauft hättest; denn jeden Morgen
+kräh't der Hahn um Vier, und dann können wir zu rechter Zeit auf die
+Beine kommen. Was sollten wir wohl mit der Gans? Ich versteh' mich nicht
+darauf, Gänsefleisch zu pökeln, und meinen Pfülk kann ich mir ja mit
+Seegras stopfen -- Geht hin, Jungens, und holt den Hahn 'rein!« -- »Aber
+ich habe doch den Hahn auch nicht,« sagte Gudbrand: »denn als ich noch
+etwas weiter gegangen war, bekam ich einen entsetzlichen Hunger und
+mußte den Hahn für drei Groschen verkaufen, daß ich nur das Leben
+heimbrachte.« -- »Na, das war recht, daß Du das thatst!« rief die Frau:
+»Wie Du's auch anfängst, so machst Du Alles, wie ich's nur wünschen
+kann. Was sollten wir auch mit dem Hahn? Wir sind ja unsre eignen
+Herren, und können des Morgens liegen bleiben, so lange wir wollen. Na,
+Gott sei Lob! wenn ich nur Dich wieder habe, der Du Alles so gut machst,
+brauch ich weder Hahn, noch Gans, noch Schwein, noch Kuh.« Nun machte
+Gudbrand die Thür auf. »Hab' ich jetzt die hundert Thaler gewonnen?«
+rief er; und da mußte denn der Nachbar gestehen, daß er es hätte.
+
+
+
+
+19.
+
+Kari Trästak.
+
+
+Es war einmal ein König, der war Wittwer geworden. Mit seiner Gemahlinn
+hatte er eine Tochter, die war so gut von Herzen und so schön, daß
+Niemand gutmüthiger und schöner sein konnte. Der König trauerte lange um
+seine Gemahlinn, weil er so viel von ihr gehalten hatte; zuletzt ward er
+aber des ledigen Standes überdrüssig und verheirathete sich mit einer
+Königinn-Wittwe, die hatte auch eine Tochter, aber die war eben so
+häßlich und böse, als die andre gut und schön war. Die Stiefmutter und
+ihre Tochter waren nun neidisch auf die Königstochter wegen ihrer
+Schönheit; aber so lange der König zu Hause blieb, wagten sie nicht, ihr
+Etwas zu Leide zu thun, weil er so viel von ihr hielt.
+
+Als aber eine Zeit vergangen war, bekam der König Krieg mit einem andern
+König und zog in die Schlacht. Nun, meinte die Königinn, könnte sie
+thun, Was sie wollte, schlug die Königstochter, ließ sie hungern und
+stieß sie in alle Ecken herum. Zuletzt war Alles zu gut für die
+Königstochter, und sie mußte endlich die Kühe hüten. So trieb sie nun
+mit den Kühen hinaus und weidete sie in dem Wald und auf dem Berg. Essen
+bekam sie nur wenig, oder gar nicht; sie ward bleich und hager und war
+fast immer betrübt und weinte. Unter der Heerde, die sie weidete, war
+auch ein großer blauer Stier, der sich immer so sauber und blank hielt,
+der kam oft zu der Königstochter und ließ sich von ihr den Kopf krauen.
+Einmal, als sie da saß und so betrübt war und weinte, kam er auch zu ihr
+und fragte sie, warum sie immer so traurig wäre. Sie antwortete ihm aber
+nicht, sondern fuhr fort zu weinen. »Ja, ich weiß wohl, Was Dir fehlt,«
+sagte der Stier: »wenn Du es mir auch nicht sagen willst; Du weinst,
+weil die Königinn immer so schlimm gegen Dich ist und Dich beinahe
+todthungern lässt. Aber für Essen und Trinken sollst Du nicht sorgen:
+In meinem linken Ohr liegt ein Tuch, wenn Du das herausnimmst, und es
+ausbreitest, bekommst Du sowohl zu essen, als zu trinken, Was Du nur
+verlangst.« Das that sie, sie nahm das Tuch heraus und breitete es auf
+den Rasen hin, und da deckte es sich mit den schönsten Gerichten, die
+man sich nur wünschen kann, und Wein und Meth und Honigkuchen war auch
+da. Sie kam nun bald wieder zu Kräften und ward so voll und roth und
+weiß, daß die Königinn und ihre holzdürre Tochter grün und gelb vor
+lauter Ärger wurden. Die Königinn konnte gar nicht begreifen, wie ihre
+Stieftochter bei so schlechter Kost ein so gutes Aussehen bekommen
+konnte; darum sagte sie zu einer von ihren Dirnen, sie sollte ihr im
+Walde nachgehen und zusehen, wie das zusammenhinge; denn sie glaubte,
+daß irgend einer von den Dienstleuten ihr Etwas zu essen gäbe. Die Dirne
+ging ihr nun im Walde nach und beobachtete sie, und da sah sie denn, daß
+die Stieftochter das Tuch aus dem Ohr des blauen Stiers nahm und es auf
+dem Rasen ausbreitete, worauf es sich mit den schönsten Gerichten
+deckte, wovon dann die Tochter aß und sich gütlich that. Das erzählte
+die Dirne zu Hause der Königinn. -- Jetzt kehrte der König heim und
+hatte den Sieg über den andern König davon getragen, gegen den er zu
+Felde gezogen war. Da war nun große Freude im ganzen Schloß, doch
+Niemand freu'te sich mehr, als des Königs Tochter. Die Königinn aber
+stellte sich krank an und gab dem Doctor viel Geld, damit er sagen solle,
+sie könne nicht wieder gesund werden, wenn sie nicht das Fleisch von dem
+blauen Stier zu essen bekäme. Sowohl die Königstochter, als die Leute im
+Schloß fragten den Doctor, ob nicht etwas Andres helfen könne, und baten
+für den Stier, denn sie hielten alle so viel von ihm und sagten, einen
+solchen Stier gäb's nicht mehr im ganzen Königreich; aber nein, er
+sollte und mußte geschlachtet werden, es war kein andrer Rath. Als die
+Königstochter das hörte, ward sie sehr betrübt und ging hinunter in den
+Stall zu dem Stier. Der stand auch da und ließ den Kopf hangen und sah
+so betrübt aus, daß sie anfing, darüber zu weinen. »Warum weinst Du?«
+fragte der Stier. Da erzählte sie ihm, der König wäre zu Hause gekommen,
+und die Königinn hätte sich krank angestellt und den Doctor dahin
+vermocht, zu sagen, sie könne nicht wieder gesund werden, wenn sie nicht
+das Fleisch von dem blauen Stier zu essen bekäme, und nun sollte er
+geschlachtet werden. Der Stier aber sagte: »Wenn sie erst mich getödtet
+haben, dann werden sie Dich auch bald tödten; wenn Du aber so willst,
+wie ich, so machen wir uns beide noch diese Nacht davon.« Die
+Königstochter meinte zwar, es wäre schlimm, ihren Vater zu verlassen,
+aber schlimmer doch wär' es noch, im Hause bei der Königinn zu bleiben,
+und versprach darum dem Stier, mit ihm zu reisen.
+
+Als es Abend geworden war, und alle die Andern sich zur Ruhe begeben
+hatten, schlich die Königstochter sich hinunter in den Stall; da nahm
+der Stier sie auf den Rücken und machte sich mit ihr davon, so schnell
+er nur konnte. Als darnach am Morgen die Leute aufstanden und den Stier
+schlachten wollten, war dieser fort; und als der König aufgestanden war
+und nach seiner Tochter fragte, da war die auch fort. Der König schickte
+Boten aus nach allen Enden der Welt, sie aufzusuchen, und ließ ihr
+nachläuten mit allen Glocken; aber es konnte Niemand eine Spur von ihr
+entdecken. -- Inzwischen trabte der Stier mit der Königstochter fort
+durch viele fremde Länder, und endlich kamen sie zu einem großen
+kupfernen Wald, wo sowohl die Bäume, als die Zweige und Blätter und
+Blüthen von lauter Kupfer waren.
+
+Ehe sie aber weiter reis'ten, sagte der Stier zu der Königstochter: »Wenn
+wir nun in den Wald kommen, musst Du Dich wohl in Acht nehmen, daß Du
+auch nicht ein Blättchen anrührst, sonst ist's aus mit Dir und mit mir;
+denn es wohnt hier ein Troll mit drei Köpfen, welchem dieser Wald gehört.«
+Nein, den Kukuk! sie wollte sich wohl in Acht nehmen und ja Nichts
+anrühren. Darauf gingen sie sehr vorsichtig in den Wald; die Prinzessinn
+schmiegte und biegte sich und hielt die Zweige mit den Händen zurück;
+aber der Wald war so dicht, daß es fast nicht möglich war, hindurch zu
+kommen, und wie sehr sie sich auch in Acht nahm, versah sie's doch, daß
+sie ein Blatt abriß und es in der Hand behielt.
+
+»O weh! Was machst Du da?« sagte der Stier: »jetzt muß ich mich schlagen
+auf Leben und Tod; aber verwahre nur gut das Blatt.« Sie hatten
+bald darauf das Ende des Waldes erreicht. Da kam ein großer Troll
+dahergeschnoben, der hatte drei Köpfe. »_Wer hat meinen Wald angerührt?_«
+rief er. »Das ist eben so gut mein Wald, als Deiner,« sagte der Stier.
+»_Das wollen wir erst ausmachen!_« schrie der Troll. »Laß uns das!«
+sagte der Stier. Beide rannten nun an einander, und der Stier stieß und
+schlug aus allen Kräften; aber der Troll schlug nicht schlechter, und es
+dauerte einen ganzen Tag, eh' der Stier ihn bezwingen konnte. Da war er
+aber auch so mit Wunden bedeckt und so erschöpft, daß er nicht mehr
+von der Stelle zu gehen vermochte. Sie mußten sich nun den ganzen Tag
+ausruhen; darauf sagte der Stier zu der Königstochter, sie solle das
+Salbenhorn nehmen, das an dem Gürtel des Trollen hing, und ihn mit der
+Salbe überall bestreichen. Als sie das gethan hatte, ward der Stier
+sogleich wieder frisch und gesund, und am folgenden Tage setzten sie
+ihre Reise fort. Sie reis'ten nun manchen lieben Tag, und endlich kamen
+sie zu einem silbernen Wald; hier waren sowohl die Bäume, als die Zweige
+und die Blätter und Blüthen von lauter Silber.
+
+Ehe sie aber ihre Reise weiter fortsetzten, sagte der Stier zu der
+Königstochter: »Wenn wir nun in den Wald kommen, musst Du Dich ja sehr
+in Acht nehmen; Du darfst durchaus Nichts anrühren, und auch nicht so
+Viel, als nur ein Blättchen, abreißen; sonst ist es aus mit Dir und mit
+mir; denn hier wohnt ein Troll mit sechs Köpfen, welchem dieser Wald
+gehört, und mit dem, glaub' ich, werd' ich's nicht aufnehmen können.«
+
+Nein, sagte die Königstochter, sie wollte sich sehr in Acht nehmen und
+auch nicht das Geringste anrühren. Als sie aber in den Wald kamen, war
+er wieder so dicht und so eng, daß sie beinahe nicht vorwärts kommen
+konnten. Die Königstochter war so vorsichtig, wie nur möglich, und bog
+die Zweige, die ihr im Wege saßen, mit den Händen zur Seite; aber jeden
+Augenblick schlugen ihr die Zweige in die Augen, und wie sie's auch
+anfangen mochte, so riß sie doch wieder ein Blatt ab.
+
+»O weh! Was hast Du gemacht!« rief der Stier: »Nun muß ich mich wieder
+schlagen auf Leben und Tod; denn der Troll, welcher hier wohnt, hat
+sechs Köpfe und ist noch einmal so groß, als der vorige; verwahre aber
+nur vorsichtig das Blatt.«
+
+Es dauerte nicht lange, so kam der Troll an. »_Wer hat meinen Wald
+angerührt?_« rief er. »Das ist eben so gut mein Wald, als Deiner,« sagte
+der Stier. »_Das wollen wir erst ausmachen!_« schrie der Troll. »Laß uns
+das!« sagte der Stier, fuhr auf den Trollen zu, bohrte ihm die Augen
+aus und rannte ihm die Hörner mitten durch den Leib, so daß die Gedärme
+dabei hingen; aber der Troll wehrte sich dessen ungeachtet tapfer, und
+es dauerte drei ganze Tage, eh' der Stier ihm den Garaus machte. Da
+war er aber auch so elend und hinfällig, daß er sich kaum noch rühren
+konnte, und über und über war er mit Wunden bedeckt, aus welchen das
+Blut herausfloß. Da sagte er zu der Königstochter, sie solle das
+Salbenhorn nehmen, das an dem Gürtel des Trollen hing, und ihn überall
+mit der Salbe bestreichen. Das that sie denn auch, und darauf heilten
+die Wunden sogleich wieder zu. Aber so matt war der Stier, daß sie eine
+ganze Woche lang sich ausruhen mußten, eh' er im Stande war, weiter zu
+gehen.
+
+Endlich machten sie sich wieder auf den Weg; aber der Stier war immer
+noch sehr schwach, und es ging daher im Anfang nur langsam. Um ihn zu
+schonen, sagte die Königstochter, sie wäre jung und leicht zu Fuß, sie
+könnte ja gern gehen; aber das litt der Stier durchaus nicht, sie mußte
+sich wieder auf ihn setzen. Nun reis'ten sie eine lange lange Zeit und
+kamen durch viele Länder, und die Königstochter wußte gar nicht mehr,
+wo sie in der Welt waren. Aber endlich und zuletzt kamen sie zu einem
+goldnen Wald, der war so schön, daß das Gold davon heruntertröpfelte;
+denn sowohl die Bäume, als die Zweige und die Blätter und Blüthen waren
+von purem Golde. Hier ging es nun wieder eben so, wie in dem kupfernen
+und dem silbernen Wald. Der Stier sagte zu der Königstochter, daß sie
+durchaus kein Blatt anrühren dürfe; denn hier wohne ein Troll mit neun
+Köpfen, dem der Wald gehöre, der wäre noch weit größer und stärker, als
+die beiden andern zusammen, und den glaubte er nun ganz und gar nicht
+bezwingen zu können. -- Nein, sie wollte sich wohl in Acht nehmen und
+durchaus Nichts anrühren, darauf könne er sich verlassen. Als sie aber
+in den Wald kamen, war dieser noch weit dichter und enger, als der
+silberne, und je weiter sie hineinkamen, desto schlimmer ward es: der
+Wald wurde immer dichter und enger, und zuletzt schien ganz und gar kein
+Durchkommen mehr. Die Königstochter schmiegte und biegte sich und bog
+die Zweige mit den Händen zurück; aber jeden Augenblick schlugen sie ihr
+in die Augen, so daß sie zuletzt nicht mehr vor sich sehen konnte, und
+eh' sie sich recht besann, hatte sie einen goldnen Apfel in der Hand.
+Nun wurde sie entsetzlich bange und fing an zu weinen und wollte den
+Apfel wieder wegwerfen; aber der Stier sagte, sie solle ihn nur behalten
+und ihn wohl verwahren, und tröstete sie, so gut er konnte, meinte aber
+doch, es würde ein harter Kampf werden, und wußte nicht, ob's diesmal
+so gut ablaufen würde.
+
+Es dauerte nicht lange, so kam der Troll mit den neun Köpfen an. »_Wer
+hat meinen Wald angerührt?_« rief er. »Das ist eben so gut mein Wald,
+als Deiner,« sagte der Stier. »_Das wollen wir erst ausmachen!_« schrie
+der Troll. »Laß uns das!« sagte der Stier, und damit rannten sie an
+einander, daß es ganz entsetzlich war, und die Königstochter fiel
+beinahe in Ohnmacht. Der Stier bohrte dem Trollen die Augen aus dem
+Kopf und rannte ihm die Hörner durch den Leib, so daß die Eingeweide
+herausfielen; aber der Troll kämpfte dessen ungeachtet gleich tapfer;
+denn sobald der Stier einen Kopf getödtet hatte, bliesen die andern
+sogleich wieder Leben hinein, und es dauerte wohl eine ganze Woche lang,
+eh' es dem Stier gelang, den Trollen gänzlich zu tödten. Aber da war er
+auch so elend und hinfällig, daß er sich nicht rühren konnte, und
+nicht einmal war er im Stande, zu sagen, die Königstochter solle das
+Salbenhorn von dem Gürtel des Trollen nehmen und ihn mit der Salbe
+bestreichen; aber sie that es schon von selbst, und da ward es wieder
+besser mit dem Stier; aber wohl über drei Wochen mußten sie hier
+verweilen, eh' er wieder so viel Kräfte gesammelt hatte, um die Reise
+fortsetzen zu können.
+
+Endlich ging es wieder so allmählich vorwärts; denn der Stier sagte, sie
+müßten noch etwas weiter. Als sie nun eine Zeit gereis't und über viele
+mit dichten Wäldern bewachsene Berge gekommen waren, gelangten sie
+endlich zu einem Felsen. »Siehst Du Etwas?« fragte der Stier. »Nein,
+ich sehe Nichts, als den Himmel und die wilde Felsgegend,« versetzte die
+Königstochter. Als sie aber tiefer ins Gebirge kamen, wurde die Gegend
+ebener, so daß sie eine weitere Aussicht hatten. »Siehst Du jetzt
+Etwas?« fragte der Stier. »Ja, ich sehe ein kleines Schloß weit in
+der Ferne,« sagte die Prinzessinn. »Nun, das Schloß ist eben nicht so
+klein,« sagte der Stier. Endlich kamen sie zu einem großen Gehäge mit
+einer schroffen Felswand. »Siehst Du jetzt Etwas?« fragte der Stier
+wieder. »Ja, nun sehe ich ganz nahebei das Schloß; jetzt ist es weit
+größer, als vorher,« sagte die Königstochter. »Da sollst Du hin!«
+sagte der Stier: »Gleich unten beim Schloß ist ein Schweinstall, wenn
+Du da hineinkommst, so findest Du dort einen hölzernen Rock, den
+musst Du anziehen und damit ins Schloß gehen und sagen, Du heißest _Kari
+Trästak_[4], und um einen Dienst bitten. Jetzt aber sollst Du Dein
+Messer nehmen und mir damit den Kopf abschneiden; alsdann streife mir
+das Fell ab und lege darein das kupferne Blatt, das silberne Blatt und
+den goldnen Apfel, und verwahre Alles unten bei der Felswand. Am Berge
+steht ein Stock, und wenn Du dann von mir nachher Etwas willst, so
+klopfe bloß mit dem Stock an die Felswand.«
+
+Anfangs konnte die Prinzessinn sich durchaus nicht dazu entschließen,
+dem Stier den Kopf abzuschneiden. Wie dieser ihr aber sagte, das sei
+der einzige Dank, den er für Das, was er für sie gethan, von ihr fordre,
+da konnte sie denn nicht anders: sie nahm das Messer und schnitt ihm, so
+weh es ihr auch that, damit den Kopf vom Rumpf, streifte ihm das Fell
+ab, legte darein das kupferne Blatt, das silberne Blatt und den goldnen
+Apfel, und verwahrte dann Alles unten bei der Felswand.
+
+Als das geschehen war, ging sie weinend und voll großer Betrübniß in den
+Schweinstall; da zog sie den hölzernen Rock an und begab sich damit zum
+Königsschloß. Sie trat zuerst in die Küche ein, und bat um einen Dienst
+und sagte, sie heiße Kari Trästak. Ja, sagte der Koch, einen Dienst könne
+sie bekommen, wenn sie im Schloß aufwaschen und rein machen wolle, denn
+Die, welche das früher gethan hätte, sei davon gelaufen; »aber wenn Du
+eine Zeitlang hier gewesen bist, wirst Du's auch wohl überdrüssig und
+läufst auch davon,« sagte er. Nein, das wollte sie gewiß nicht.
+
+Sie blieb nun auf dem Schloß und verrichtete ihr Geschäft ordentlich
+und pünktlich. Eines Sonntags, als man Fremde erwartete, bat Kari um
+Erlaubniß, dem Prinzen das Waschwasser hinaufbringen zu dürfen; aber die
+Andern lachten über sie und sagten: »Was willst Du bei dem Prinzen?
+Glaubst Du, der Prinz will Etwas von Dir wissen, so wie Du aussiehst?«
+Aber sie gab sich nicht zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr
+erlaubte. Als sie nun die Treppe hinaufstieg, machte sie ein solches
+Geräusch mit ihrem hölzernen Rock, daß der Prinz herauskam und fragte:
+»Was bist Du für Eine?« -- »O, ich wollte nur das Waschwasser zum
+Prinzen hinauftragen,« sagte sie. »Glaubst Du, ich will das Wasser
+haben, das _Du_ mir bringst?« sagte der Prinz und goß es ihr über den
+Kopf. Sie mußte nun unverrichteter Sache wieder abziehen, bat aber um
+Erlaubniß, in die Kirche zu gehen, und das konnte man ihr denn nicht
+abschlagen. Erst aber ging sie zu dem Berg und klopfte mit dem Stock an
+die Felswand, so wie der Stier ihr gesagt hatte. Sogleich öffnete sich
+diese, und es trat ein Mann heraus, der fragte sie, Was sie wolle. Die
+Königstochter sagte, sie hätte Erlaubniß bekommen, in die Kirche zu
+gehen und den Prediger zu hören, aber sie hätte keine Kleider anzuziehen.
+Da gab der Mann ihr ein Kleid, das war so blank, wie der kupferne Wald;
+und Pferd und Sattel erhielt sie auch. Als sie nun in die Kirche kam,
+war sie so schön und stattlich, daß Alle sich darüber verwunderten und
+gar nicht begreifen konnten, Wer sie sei. Fast Keiner hörte auf Das, was
+der Prediger sagte, weil Alle nur sie betrachteten. Der Prinz selbst war
+so in sie verliebt, daß er kein Auge von ihr abwandte.
+
+Als sie nun aus der Kirche gehen wollte, kam der Prinz ihr nach und
+machte die Kirchenthür hinter ihr zu, und da geschah es, daß er den
+einen von ihren Handschuhen in der Hand behielt. Als sie darnach ihr
+Pferd bestieg, trat der Prinz auf sie zu und fragte sie, wo sie her
+wäre. »Ich bin aus dem Waschland,« sagte Kari, und indem der Prinz den
+Handschuh hervorzog, um ihr denselben zu überreichen, sprach sie:
+
+ »Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
+ Auf daß der junge Prinz nicht sieht,
+ Wohin mich trägt mein Roß so schnell!«
+
+Der Prinz hatte noch nie einen so schönen Handschuh gesehen, und er
+reis'te weit umher und fragte nach dem Lande, aus welchem die vornehme
+Dame sei, die ihren Handschuh im Stich gelassen hatte; aber Niemand
+konnte ihm sagen, wo es lag.
+
+Am nächsten Sonntag sollte Einer hinaufgehen zum Prinzen und ihm ein
+Handtuch bringen. »Ach, darf ich nicht hinaufgehen?« sagte Kari.
+»Warum nicht gar!« sagten die Andern, die in der Küche waren: »Du weißt
+wohl noch, wie es Dir das letzte Mal ging.« Kari gab sich aber nicht
+zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr erlaubte, und darnach
+lief sie die Treppe hinauf in ihrem hölzernen Rock, daß es nur so
+rasselte. Der Prinz kam auf den Lärm heraus, und als er Kari erblickte,
+riß er ihr das Tuch aus der Hand und warf es ihr an den Kopf. »Pack
+Dich, Du abscheuliches Trollmensch!« sagte er: »Glaubst Du, ich will
+mich in einem Handtuch abtrocknen, das Du mit Deinen schmutzigen Fingern
+angefasst hast?«
+
+Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und Kari bat um Erlaubniß,
+auch dahin zu gehen. Die Andern sagten aber, Was sie in der Kirche
+wolle, da sie nichts Anders anzuziehen habe, als ihren hölzernen Rock,
+der so schmutzig wäre und so abscheulich aussähe. Aber Kari sagte, der
+Prediger däuchte ihr ein so wackerer Mann in seiner Rede, und sie hätte
+davon so großen Nutzen. Da ließ man sie denn hingehen. Erst aber ging
+sie zu dem Berg und klopfte mit dem Stock daran. Sogleich trat wieder
+der Mann heraus und gab ihr ein Kleid, das war noch weit schöner und
+prächtiger, als das erste; es war überall mit Silber besetzt, so
+daß es glänzte, wie der silberne Wald; und ein schönes Pferd mit
+silbergestickter Decke und silbernem Gebiß erhielt sie auch.
+
+Als sie zur Kirche kam, und die Kirchleute, die vor der Thür standen,
+sie sahen, waren alle höchlich verwundert und konnten gar nicht begreifen,
+Wer sie sei, und der Prinz trat sogleich hinzu, um ihr das Pferd zu
+halten, während sie abstieg. Aber sie sprang schnell herunter und sagte,
+es wäre nicht nöthig; denn ihr Pferd wäre so wohl abgerichtet, daß es
+still stände, wenn sie es beföhle, und auf ihren Wink ginge und käme.
+Darauf gingen Alle in die Kirche; aber fast Keiner hörte auf Das, was
+der Prediger sagte, weil Alle nur sie betrachteten. Der Prinz aber
+entbrannte diesmal noch weit mehr von Liebe, als das vorige Mal. -- Als
+nun der Gottesdienst vorbei war, und sie aus der Thür ging und ihr Pferd
+besteigen wollte, da trat der Prinz wieder auf sie zu und fragte sie, wo
+sie her wäre. »Ich bin aus dem Handtuchlande,« sagte die Königstochter,
+und im selben Augenblick ließ sie ihre Reitgerte fallen. Als nun der
+Prinz sich bückte, um sie aufzunehmen, sprach sie:
+
+ »Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
+ Auf daß der junge Prinz nicht sieht,
+ Wohin mich trägt mein Roß so schnell!«
+
+Fort war sie, und Niemand wußte, wo sie gestoben oder geflogen war. Der
+Prinz reis'te nun wieder weit umher und fragte nach dem Handtuchlande;
+aber es konnte ihm Keiner sagen, wo es lag, und er mußte unverrichteter
+Sache wieder heimkehren.
+
+Am nächsten Sonntag sollte Einer einen Kamm zu dem Prinzen hinaufbringen.
+Kari bat wieder um Erlaubniß, damit hinaufzugehen; aber die Andern
+erinnerten sie daran, wie es ihr das letzte Mal gegangen war, und
+schalten sie, daß sie sich vor dem Prinzen wollte sehen lassen, so
+schwarz und häßlich, wie sie aussähe in ihrem hölzernen Rock. Aber sie
+hörte nicht auf, zu bitten, bis man sie endlich gehen ließ. Als sie die
+Treppe hinaufrasselte, kam schnell der Prinz heraus, riß ihr den Kamm
+aus der Hand und warf ihn ihr an den Kopf, indem er sagte, sie solle
+sich sogleich packen. Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und
+Kari bat um Erlaubniß, auch dahin zu gehen. Sie fragten sie wieder, Was
+sie da wolle, da sie ja so schwarz und häßlich wäre, und nicht einmal
+Kleider hätte, sich vor den Leuten sehen zu lassen. »Wenn der Prinz,
+oder sonst Jemand Dich bemerkt,« sagten sie: »dann wird es sowohl Dir,
+als uns schlecht gehen.« Aber Kari meinte, sie hätten wohl nach etwas
+ganz Anderm zu sehen, als nach ihr, und hörte nicht auf, zu bitten, bis
+man sie zuletzt gehen ließ.
+
+Nun ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male; Kari ging zu
+dem Berg und klopfte daran mit dem Stock. Da kam wieder der Mann heraus
+und gab ihr ein Kleid, das war noch weit prächtiger, als das vorige;
+denn es war von purem Golde und mit vielen Diamanten besetzt; und ein
+Pferd mit golddurchwirkter Decke und goldenem Gebiß erhielt sie auch.
+
+Als die Königstochter zur Kirche kam, standen der Prediger und die
+Kirchleute noch vor der Thür und warteten auf sie. Der Prinz wollte ihr
+das Pferd halten; aber sie sprang schnell herunter und sagte: »Es ist
+nicht nöthig; denn mein Pferd ist so gut abgerichtet, daß es von selber
+still steht, wenn ich es befehle.« Hierauf gingen Alle in die Kirche,
+und der Prediger stieg auf die Kanzel. Aber Keiner hörte auf Das, was
+er sagte, weil Alle nur sie betrachteten und sich den Kopf darum
+zerbrachen, wo sie doch wohl her sein möchte. Der Prinz aber entbrannte
+jetzt noch mehr von Liebe, als das vorige Mal; er hörte und sah nichts
+Anders, als nur sie.
+
+Wie der Gottesdienst beendigt war, und die Königstochter aus der Kirche
+gehen wollte, hatte der Prinz eine Bütte voll Theer in der Vorhalle
+hingegossen, damit er ihr behülflich sein könne, wenn sie hinüber
+wollte; aber sie bekümmerte sich nicht darum, sondern setzte den Fuß
+mitten in den Theer und sprang hinüber; aber da blieb der eine von ihren
+goldnen Schuhen am Boden sitzen. Als sie ihr Pferd bestiegen hatte, trat
+der Prinz wieder auf sie zu und fragte sie, wo sie her wäre. »Ich bin
+aus dem Kammlande,« sagte Kari. Als ihr aber der Prinz den goldnen
+Schuh reichen wollte, sprach sie:
+
+ »Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
+ Auf daß der junge Prinz nicht sieht,
+ Wohin mich trägt mein Roß so schnell!«
+
+Der Prinz wußte nun wieder nicht, wo sie geblieben war, und reis'te eine
+lange Zeit in der Welt herum und fragte nach dem Kammlande; da ihm aber
+Niemand sagen konnte, wo es lag, ließ er bekannt machen, daß Diejenige,
+welcher der goldne Schuh passe, seine Gemahlinn werden solle. Es fanden
+sich nun Schöne und Häßliche ein von allen Enden der Welt; aber Keine
+hatte einen so kleinen Fuß, daß ihr der goldne Schuh paßte. Endlich kam
+auch die böse Stiefmutter der Kari Trästak mit ihrer Tochter an, und
+der letztern paßte der Schuh. Aber sie war so häßlich und sah so recht
+vergrätzt aus, daß der Prinz nur ungern sein Wort hielt. Es wurde jedoch
+zur Hochzeit angerichtet, und die Tochter ward aufgeputzt wie eine
+Braut. Als aber der Prinz mit ihr zur Kirche ritt, saß da ein kleiner
+Vogel in einem Baum, der sang:
+
+ »Ein Stück von der Ferse,
+ Ein Stück von der Zeh!
+ Kari's Schuh ist voll Blut,
+ Das thut der Braut so weh.«
+
+Und als sie zusahen, da hatte der Vogel recht gesungen; denn das Blut
+sickerte aus dem Schuh heraus. Nun mußten alle Dienstdirnen und alle
+Frauensleute, die auf dem Schloß waren, den Schuh anprobiren; aber es
+war keine einzige darunter, die ihn anbekommen konnte. »Wo ist denn
+aber Kari Trästak?« fragte endlich der Prinz, da alle Andern den Schuh
+anprobirt hatten; denn er verstand sich gut auf Vogelgesang, und wußte
+wohl, wie's geklungen hatte. »Ach, die!« sagten die Andern: »mit ihr
+kann's nichts nützen; denn sie hat Beine, so groß wie Pferdefüße.« --
+»Kann sein!« sagte der Prinz: »aber da alle Andern den Schuh anprobirt
+haben, so soll sie ihn auch anprobiren. Kari!« rief er zur Thür hinaus,
+und Kari die Treppe herauf in ihrem hölzernen Rock, daß es nur so
+rasselte. »Nun sollst Du auch den Schuh anprobiren und Prinzessinn
+werden!« sagten die andern Dirnen und lachten und hatten sie zum besten.
+Kari aber nahm den Schuh, steckte den Fuß hinein wie gar Nichts, warf
+ihren Holzrock ab und stand nun da in ihrem goldnen Kleid, daß es nur so
+glitzerte; und an dem andern Fuß trug sie den andern goldnen Schuh. Als
+der Prinz sie nun wieder erkannte, war er über alle Maßen froh, lief
+auf sie zu, umarmte und küßte sie. Und als er nun erfuhr, daß sie eine
+Königstochter war, da freu'te er sich noch mehr, und darauf wurde die
+Hochzeit gehalten.
+
+ Un ßnipp, ßnapp, ßnuut!
+ So is dat Leuschen uut.
+
+
+
+
+20.
+
+Der Fuchs als Hirte.
+
+
+Es war einmal eine Frau, die ging aus und wollte sich einen Hirten
+miethen. Da begegnete ihr der Bär. »Wo willst Du hin?« fragte der Bär
+sie. »O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die Frau.
+»Willst Du mich zum Hirten haben?« fragte der Bär. »Ja, wenn Du bloß
+hübsch locken kannst,« sagte die Frau. »_Hö_--i!« sagte der Bär. »Nein,
+Dich will ich nicht haben,« sagte die Frau, als sie das hörte, und ging
+weiter.
+
+Da begegnete ihr der Wolf. »Wo willst Du hin?« fragte der Wolf. »O, ich
+wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die Frau. »Willst Du
+mich zum Hirten haben?« fragte der Wolf. »Ja, kannst Du auch hübsch
+locken?« sagte die Frau. »_Uh_--_uh!_« sagte der Wolf. »Nein, Dich will
+ich nicht haben,« sagte die Frau.
+
+Ein Ende weiter hin begegnete ihr der Fuchs. »Wo willst Du hin?« fragte
+der Fuchs. »O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die
+Frau. »Willst Du mich zum Hirten haben?« fragte der Fuchs. »Ja, wenn Du
+bloß hübsch locken kannst,« sagte die Frau. »_Dil_ -- _dal_ -- _holom!_«
+sagte der Fuchs noch so hübsch und artig. »Ja, Dich will ich haben,«
+sagte die Frau und nahm den Fuchs zum Hirten bei ihrem Vieh an.
+
+Am ersten Tage, wie der Fuchs das Vieh auf die Weide trieb, fraß er alle
+Ziegen auf, den zweiten Tag ließ er sich die Schafe schmecken, und den
+dritten Tag mußten die Kühe daran. Als er darauf am Abend nach Hause
+kam, fragte die Frau ihn, wo er das Vieh gelassen hätte. »Der Kopf ist
+im Bach, und der Rumpf im Busch,« sagte der Fuchs. Die Frau stand eben
+bei ihrem Butterfaß und butterte; aber sie wollte doch selbst zusehen;
+während sie nun zusah, steckte der Fuchs den Kopf ins Butterfaß und fraß
+allen Rahm auf. Als die Frau zurückkam und das gewahr ward, da wurde sie
+so erbittert, daß sie einen Rahmklumpen nahm, der noch im Butterfaß saß,
+und damit nach dem Fuchs warf, so daß er einen Klatsch am Schwanz bekam.
+Davon kommt es, daß der Fuchs einen weißen Schwanzzipfel hat.
+
+
+
+
+21.
+
+Vom Schmied, den der Teufel nicht in die Hölle lassen durfte.
+
+
+In jenen Tagen, da unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden
+einherwandelten, kamen beide einmal zu einem Schmied; dieser hatte
+mit dem Teufel den Contract gemacht, daß er nach sieben Jahren ihm
+gehören solle, wogegen er in der Zeit ein Meister aller Meister in der
+Schmiedekunst sein sollte, und den Contract hatte sowohl der Schmied,
+als der Teufel, jeder mit seinem Namen, unterschrieben. Darum hatte der
+Schmied auch mit großen Buchstaben über die Thür seiner Schmiede die
+Worte setzen lassen: »Hier wohnt der Meister aller Meister.« Als nun der
+Herr Christus kam und die Schrift sah, ging er hinein. »Wer bist Du?«
+fragte er den Schmied. »Lies, Was über der Thür steht,« antwortete
+dieser: »kannst Du aber nicht Geschriebenes lesen, so musst Du warten,
+bis Einer kommt, der es Dir lies't.« Ehe der Herr ihm noch darauf
+geantwortet hatte, kam ein Mann mit einem Pferd in die Schmiede und bat
+den Schmied, es ihm zu beschlagen. »Willst Du mir erlauben, daß ich es
+beschlage?« sagte der Herr Christus. »Du magst es versuchen,« sagte der
+Schmied: »schlimmer kannst Du's nicht machen, als daß ich's nicht wieder
+sollte gut machen können.« Der Herr ging nun zu und nahm dem Pferd das
+eine Vorderbein ab, legte es in die Esse und machte das Hufeisen glühend;
+darauf nahm er Nägel und einen Hammer und beschlug es, und setzte es
+dann wieder unbeschädigt dem Pferd an. Als das geschehen war, nahm er
+das andre Vorderbein ab und machte es damit eben so. Und als er auch
+das wieder angesetzt hatte, nahm er die beiden Hinterbeine, erst den
+rechten, und nachher den linken, legte sie in die Esse, machte das
+Hufeisen glühend, nahm Nägel und den Hammer und beschlug sie, und setzte
+sie dann dem Pferd wieder an. Der Schmied stand inzwischen da und sah
+das mit an. »Du bist aber kein so schlechter Schmied!« sagte er. »Meinst
+Du?« sagte der Herr Christus.
+
+Ein wenig darnach kam die Mutter des Meisters in die Schmiede und bat
+den Schmied, er möchte zu Hause kommen und sein Mittag essen; sie war
+schon sehr alt, hatte einen krummen Rücken und Runzeln im Gesicht und
+konnte nur mit genauer Noth noch gehen. »Gieb jetzt Acht, Was Du
+siehst!« sagte der Herr, nahm die Frau, legte sie in die Esse und
+schmiedete eine junge schöne Jungfrau aus ihr. »Ich sage, wie ich gesagt
+habe. Du bist gar kein so schlechter Schmied,« sagte der Schmied: »Es
+steht zwar über meiner Thür: »Hier wohnt der Meister aller Meister,«
+aber gleichwohl sag' ich, man lernt so lange man lebt,« und damit ging
+er in's Haus und aß sein Mittag.
+
+Als er wieder zurück in die Schmiede gekommen war, kam ein Mann
+geritten, der wollte sein Pferd beschlagen lassen. »Das soll bald
+gemacht sein!« sagte der Schmied: »ich habe jetzt eben eine neue Methode
+zu beschlagen gelernt, die ist gut, wenn die Tage kurz sind,« und damit
+fing er an, dem Pferd die Beine abzubrechen und schnitt und brach so
+lange, bis er sie alle ab hatte; »denn,« sagte er: »ich weiß nicht, wozu
+es soll, immer mit einem und einem zu bruddeln.« Die Beine legte er in
+die Esse, so wie er gesehen hatte, daß der Andre es gemacht, legte dann
+brav Kohlen zu und ließ die Schmiedejungen frisch den Blasebalg ziehen.
+Aber es ging, wie man sich's wohl denken kann: die Beine verbrannten,
+und der Schmied mußte das Pferd bezahlen. Das wollte ihm nun gar nicht
+gefallen. Als aber ein altes armes Weib vorüberging, dachte er: »Gelingt
+nicht das Eine, so gelingt wohl das Andre,« nahm das Weib und legte es
+in die Esse, und wie sehr sie auch weinen und um ihr Leben bitten
+mochte, es half ihr nichts. »Du siehst gar nicht Deinen eignen Vortheil
+ein,« sagte der Schmied: »nun sollst Du im Augenblick wieder eine schöne
+Jungfrau werden, und will doch für meine Mühe keinen Schilling von Dir
+nehmen.« Es ging aber mit dem armen Weibe nicht besser, als mit dem
+Pferd. »Das war nicht gut gemacht!« sagte der Herr Christus. »O, es
+wird wohl nicht viel von ihr die Rede sein,« sagte der Schmied: »aber
+schändlich ist es von dem Teufel, daß er nicht besser sein Wort hält,
+wie's über der Thür steht!« -- »Wenn ich Dir nun drei Wünsche gewährte,«
+sagte der Herr: »Was wolltest Du Dir dann wohl wünschen?« -- »Versuch
+es,« sagte der Schmied: »dann wirst Du's erfahren.« Da gab der Herr
+Christus ihm drei Wünsche; und nun sagte der Schmied: »Zu allererst
+wünsche ich, daß Der, welchen ich auf jenen Birnbaum klettern heiße,
+so lange drauf sitzen bleibe, bis es mir gefällt, ihn wieder herunter
+zu lassen; für's zweite wünsche ich, daß Der, welchen ich in meinen
+Lehnstuhl sich niedersetzen heiße, so lange drin sitzen bleibe, bis
+ich ihm wieder aufzustehen erlaube; und endlich wünsche ich, daß Der,
+welcher in den stählernen Geldbeutel kriecht, den ich in meiner
+Tasche habe, so lange drin bleibe, bis ich ihm Erlaubniß gebe, wieder
+herauszukriechen.« -- »Du hast gewünscht wie ein thörichter Mann,« sagte
+St. Petrus: »zuerst und vornehmlich hättest Du Dir Gottes Gnade und
+Freundschaft wünschen sollen.« -- »Ich durfte nicht so hoch hinaus,«
+sagte der Schmied. Hierauf nahmen unser Herr Christus und St. Petrus
+Abschied von ihm und gingen weiter.
+
+Die Zeit verstrich allmählich, und endlich war die Frist um, und der
+Teufel kam und wollte den Schmied holen, so wie im Contracte stand.
+»Bist Du fertig?« fragte der Teufel und steckte den Kopf zur Thür
+hinein. »Ach,« sagte der Schmied: »ich muß nothwendig noch erst einen
+Kopf an diesem Nagel schlagen; steige Du indessen auf den Birnbaum und
+pflücke Dir eine Birne; denn Du bist wohl hungrig und durstig von der
+Reise.« Der Teufel dankte für gutes Anerbieten und kletterte auf den
+Birnbaum. »Ja, wenn ich's recht bedenke,« sagte der Schmied: »so krieg
+ich in den ersten vier Jahren den Kopf noch gar nicht an dem Nagel
+zurecht geschlagen; denn das Eisen ist so verteufelt hart. Herunter
+darfst Du aber in dieser Zeit nicht, sondern kannst so lange da sitzen
+bleiben und Dich ausruhen.« Der Teufel bat und bettelte, »so dünn wie
+ein Blechpfennig,« der Schmied möchte ihn doch wieder herunterlassen;
+aber all sein Bitten und Betteln half ihm nichts. Zuletzt mußte er dem
+Schmied versprechen, er wolle nicht eher wiederkommen, als bis die vier
+Jahre um wären; und da durfte er denn wieder herunter.
+
+Als nun die Zeit verstrichen war, kam der Teufel abermals, um den
+Schmied zu holen. »Nun hast Du wohl endlich den Kopf an dem Nagel
+fertig,« sagte er. »Ja, den Kopf hab' ich fertig,« versetzte der
+Schmied: »aber dennoch kommst Du mir ein ganz klein wenig zu früh, denn
+ich habe noch die Spitze nicht geschärft; so verdammt hartes Eisen hab'
+ich noch nie zuvor geschmiedet. Während ich nun die Spitze an dem Nagel
+schärfe, kannst Du Dich ein wenig in meinen Lehnstuhl niederlassen und
+Dich ausruhen; denn Du bist wohl müde von der Reise, kann ich mir
+denken.« -- »Ich danke für gutes Anerbieten,« sagte der Teufel und
+setzte sich in den Lehnstuhl. Kaum aber hatte er sich niedergesetzt,
+so sagte der Schmied: »Wenn ich's nun recht bedenke, so krieg' ich die
+Spitze in den ersten vier Jahren noch gar nicht geschärft.« Der Teufel
+bat anfangs sehr höflich, der Schmied möchte ihn doch wieder frei lassen,
+und da alles Bitten nichts half, fing er an zu drohen. Aber der Schmied
+entschuldigte sich und sagte, das Eisen wäre an Allem schuld, denn es
+wäre so verdammt hart. Übrigens tröstete er den Teufel und sagte, er
+säße in seinem Stuhl ja bequem und gemächlich, er solle sich die Zeit
+nicht lang werden lassen, denn um vier Jahre solle er auf die Minute
+wieder frei werden. Es war nun kein andrer Rath: der Teufel mußte ihm
+versprechen, ihn nicht eher holen zu wollen, als bis die vier Jahre um
+wären. Als er ihm das versprochen hatte, sagte der Schmied: »So magst Du
+denn wieder aufstehen.« Der Teufel -- hast Du mich nicht gesehen! auf
+und davon.
+
+Nach vier Jahren kam der Teufel abermals, um den Schmied zu holen. »Nun
+bist Du wohl endlich fertig,« sagte er, indem er den Kopf zur Thür
+hereinsteckte. »Fix und fertig!« antwortete der Schmied: »und jetzt kann's
+losgehen, wann Du willst.« »Aber,« sagte er: »da ist Eins, worüber ich
+mir oft den Kopf zerbrochen habe; sage mir doch, ist es wahr, Was die
+Leute sagen, daß der Teufel sich so klein machen kann, als er will?«
+-- »Freilich ist es wahr!« versetzte der Teufel. »O, dann könntest Du mir
+wohl den Gefallen thun und in diesen stählernen Beutel hineinkriechen
+und zusehen, ob im Boden kein Loch ist,« sagte der Schmied: »ich bin so
+bange, daß ich mein Reisegeld daraus verliere.« -- »Recht gern,« sagte
+der Teufel, machte sich ganz klein und kroch in den Beutel. Kaum aber
+war er hinein, so machte der Schmied den Beutel zu. »Er ist überall
+ganz und dicht,« sagte der Teufel drinnen. »Na, das ist nur gut,« sagte
+der Schmied: »aber besser ist's, vorbedacht, als klug nachher; darum
+will ich Sicherheits halber den Beutel lieber ein wenig schweißen,« und
+damit legte er den Beutel in die Esse und machte ihn glühend. »Au! au!
+bist Du denn toll?« rief der Teufel: »weißt Du nicht, daß ich drinnen
+bin?« -- »Ich kann Dir nicht helfen,« sagte der Schmied: »ein altes
+Sprichwort sagt: »Man muß das Eisen schmieden, während es warm ist,«
+und damit nahm er seinen großen Hammer, legte den Beutel auf den Amboß
+und schlug zu all was er konnte. »Au! au!« schrie der Teufel im Beutel:
+»laß mich bloß hinaus, ich will auch nun und nimmermehr wiederkommen.«
+-- »Ja, ich glaube, jetzt ist er gut geschweißt,« sagte der Schmied: »so
+magst Du denn wieder herauskriechen.« Damit machte er den Beutel auf,
+und der Teufel heraus und auf und davon in solcher Hast, daß er sich
+auch nicht einmal umsah.
+
+Als aber eine Zeit vergangen war, dachte der Schmied, er hätte doch wohl
+unrecht gethan, sich den Teufel zum Unfreund zu machen; »denn,« dachte
+er: »sollte ich nicht in den Himmel kommen, so könnte ich riskiren,
+keine Herberge zu finden, weil ich mich mit Dem, der das Regiment in der
+Hölle hat, überworfen habe; darum ist's besser, ich versuche, je eher,
+je lieber, entweder in die Hölle, oder in den Himmel zu kommen, damit
+ich doch weiß, woran ich bin,« und damit nahm er seinen Hammer auf den
+Nacken und machte sich auf den Weg. Als er ein gutes Ende gegangen war,
+kam er zu einem Kreuzweg, wo die Straße zum Himmel und die Straße zur
+Hölle sich theilen. Da traf er mit einem Schneidergesellen zusammen, der
+mit seinem Bügeleisen in der Hand dahin trippelte. »Guten Tag!« sagte
+der Schmied: »wo geht die Reise hin?« -- »Nach dem Himmel,« sagte der
+Schneider: »wenn ich bloß hineinschlüpfen könnte -- und Du?« -- »Wir
+gehen dann wohl nicht zusammen,« sagte der Schmied: »ich habe gedacht,
+es erst in der Hölle zu versuchen; denn ich habe ein wenig Bekanntschaft
+mit dem Teufel von früherher.« Darauf nahmen sie von einander Abschied,
+und jeder zog seine Straße. Aber der Schmied war ein starker, kräftiger
+Mann und ging weit schneller, als der Schneider, und da dauerte es nicht
+lange, so stand er vor der Höllenpforte. Er ließ sich von der Wache
+anmelden und sagen, es stände Jemand draußen vor der Hölle, der wolle
+gern ein Wort mit dem Teufel sprechen. »Geh hinaus und frage, Wer es
+ist,« sagte der Teufel zu der Wache, und die Wache ging hinaus. »Grüße
+nur den Teufel von mir,« war die Antwort: »und sage ihm, es sei der
+Schmied, der den Beutel hätte -- er wüßte wohl, und dann bitt' ihn, daß
+er mich nur gleich hineinlasse; denn erstlich hab' ich heut den ganzen
+Vormittag geschmiedet, und dann hab' ich einen langen Weg gemacht.« Als
+der Teufel diesen Bescheid erhielt, befahl er der Wache, alle neun
+Schlösser an der Höllenpforte zuzumachen und noch ein großes Hängeschloß
+vorzulegen; »denn,« sagte er: »kommt er herein, so richtet er lauter
+Unfug in der Hölle an.« -- »Hier ist also kein Quartier für dich!«
+sagte der Schmied bei sich selbst, als er hörte, wie man drinnen die
+Pforte verrammte: »ich muß es darum wohl im Himmel versuchen,« und damit
+machte er Kehrum, ging zurück nach dem Kreuzweg und schlug die Straße
+ein, die der Schneider gegangen war. Weil es ihn nun verdroß, daß er den
+langen Weg hin und zurück hatte gehen müssen ohne Nutzen, holte er aus,
+was er nur konnte, und kam eben bei der Himmelspforte an, als St. Petrus
+sie ein wenig öffnete, um den Schneider hineinzulassen. Der Schmied war
+wohl noch sechs bis sieben Schritte davon. »Jetzt ist es am besten, daß
+ich mich spute,« dachte er, griff nach seinem Hammer und warf ihn in die
+Thürritze, als eben der Schneider hineinschlüpfte. Kam der Schmied aber
+nicht durch die Öffnung hinein, so weiß ich nicht, wo er geblieben ist.
+
+
+
+
+22.
+
+Der Hahn und die Henne[5].
+
+
+_Die Henne._ Du versprichst mir Schuh Jahr aus, Jahr ein, und ich krieg'
+nimmer keine Schuh nicht.
+
+_Der Hahn._ Kannst Du warten, so kriegst Du wohl Schuh.
+
+_Die Henne._ Ich lege Eier und thu', Was ich kann, und doch geh' ich
+barfuß allezeit.
+
+_Der Hahn._ So nimm Deine Eier und reise nach der Stadt und kauf Dir
+Schuh und geh nicht länger barfuß!
+
+
+
+
+23.
+
+Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn.
+
+
+Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn hatten einmal eine Kuh zusammen
+gekauft. Da es nun nicht anging, sie zu theilen, und sie sich auch nicht
+um die Ausbezahlung vergleichen konnten, kamen sie dahin überein, daß
+Der, welcher am Morgen zuerst erwachte, die Kuh haben solle. Darauf
+erwachte der Hahn zuerst:
+
+ »Mein ist die Kuh!
+ Mein ist die Kuh!«
+
+rief der Hahn. Während der Hahn noch kräh'te, erwachte der Kukuk:
+
+ »Halb Kuh!
+ Halb Kuh!«
+
+rief der Kukuk. Während der Kukuk noch rief, erwachte der Auerhahn:
+
+ »Theilt, meine Brüder,
+ Wie recht und billig --
+ Recht und billig!
+ Tschio! tschi!«
+
+rief der Auerhahn. Kannst Du mir nun sagen, Wer jetzt die Kuh haben
+sollte?
+
+
+
+
+24.
+
+Lillekort.[6]
+
+
+Es waren einmal ein Paar Eheleute, die wohnten in einer elenden Hütte,
+worin Nichts war, als die liebe Armuth; denn sie hatten weder zu beißen,
+noch zu brocken. Hatten sie aber sonst Nichts, so hatten sie doch einen
+Gottessegen an Kindern, und jedes Jahr bekamen sie noch mehr. Nun war es
+eben um die Zeit, daß sie wieder eins erwarteten. Darüber war der Mann
+sehr verdrießlich und murrte und brummte den ganzen Tag und sagte,
+nachgerade könne es doch wohl einmal Genug sein von diesen Gaben Gottes.
+Und als die Zeit kam, da die Frau gebären sollte, ging er fort ins Holz,
+weil er, wie er sagte, den neuen Schreihals nicht hören wollte; denn er
+bekäme ihn doch noch früh genug zu hören, sagte er: wenn er nachher nach
+Essen grölte.
+
+Als der Mann gegangen war, gebar die Frau einen allerliebsten Knaben,
+der sah sich in der Stube rings um, that den Mund auf und sprach: »Liebe
+Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brüdern und einen
+Schnappsack mit Essen auf ein paar Tage; dann will ich hinauswandern in
+die Welt und mein Glück versuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
+noch Kinder genug zu ernähren.« -- »Ach, Gott helfe mir, mein Sohn!«
+sagte die Mutter: »Du bist ja noch viel zu klein, um schon in die Welt
+auszuwandern; das kann ich nimmermehr zugeben.« Aber der Knabe bat so
+lange, bis die Mutter ihm zuletzt einige alte Lappen zusammensuchte
+und ihm etwas Essen in ein Tuch knüpfte, und damit schritt er froh und
+fröhlich hinaus in die Welt. Kaum aber war er gegangen, so gebar die
+Frau noch einen Knaben, der sah auch um sich her und sagte darauf: »Ach,
+liebe Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brüdern und
+auf ein paar Tage zu essen, dann will ich hinauswandern in die Welt und
+meinen Zwillingsbruder aufsuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
+noch Kinder genug zu ernähren.« -- »Ach, Gott helf mir! Du bist ja noch
+viel zu klein, Du armer Wicht!« sagte die Frau: »das kann ich nimmermehr
+zugeben.« Aber der Knabe bat so lange, bis sie ihm denn einige alte
+Lappen zusammensuchte und ihm etwas Essen in ein Tuch knüpfte, und damit
+wanderte er noch so mannhaft in die Welt hinaus, um seinen Zwillingsbruder
+aufzusuchen. Als er nun eine Zeitlang fortgewandert war, wurde er seinen
+Bruder ansichtig. »Holla, heda!« rief er ihm zu: »Du legst ja los, als
+ob's für Geld ginge. Du hättest doch erst ein wenig warten und Dich
+nach Deinem jüngern Bruder umsehen sollen, eh' Du so patzig in die Welt
+hinausmarschirtest.« Der älteste Bruder stand still und sah sich nach
+ihm um, und als nun der jüngste zu ihm gekommen war und ihm erzählt
+hatte, wie die Sache zusammenhing, und daß er sein Bruder sei, sagte er:
+»Aber jetzt wollen wir uns hier niedersetzen und mal zusehen, Was unsre
+Mutter uns zum Mundschmack mitgegeben hat,« und darauf setzten sie sich
+nieder und erfrischten sich.
+
+Wie sie nun etwas weiter gegangen waren, kamen sie zu einem Bach, der
+durch ein grünes Feld floß. Da sagte der jüngste: »Hier wollen wir
+einander einen Namen geben, da man uns zu Hause doch nicht getauft hat,
+weil wir so schnell ausgewandert sind.« -- »Wie willst Du denn heißen?«
+fragte der älteste. »Ich will _Lillekort_ heißen,« erwiederte der andre:
+»und Du?« -- »Ich will _König Lavring_ heißen,« sagte der älteste. Nun
+tauften sie einander und gingen dann weiter. Endlich kamen sie zu einem
+Kreuzweg, und nun wurden sie darüber einig, daß jeder seine eigne Straße
+ziehen sollte. Sie trennten sich daher; aber sie waren noch nicht sehr
+weit gegangen, so trafen sie wieder zusammen. Sie trennten sich darauf
+abermals, und jeder zog seine Straße; aber ehe sie sich's versahen,
+waren sie wieder beisammen, und so geschah es auch zum dritten Mal. Da
+verabredeten sie, daß jeder nach einer besondern Richtung, nämlich der
+eine nach Osten, und der andre nach Westen, gehen solle. »Kommst Du aber
+einmal in Noth und große Gefahr,« sagte der älteste: »dann rufe mich nur
+dreimal laut bei Namen, alsdann werde ich Dir zu Hülfe kommen; aber Du
+musst mich ja nicht rufen, eh' Du nicht in der äußersten Noth bist.« --
+»Dann wird's wohl lange dauern, eh' wir uns wiedersehen,« versetzte
+Lillekort. Darauf sagten sie einander Lebewohl, und jeder zog seines
+Weges, Lillekort nach Osten, und König Lavring nach Westen.
+
+Als nun Lillekort eine gute Weile gewandert hatte, begegnete ihm
+ein altes, krummpuckliges Weib, das nur _ein_ Auge hatte; das stahl
+Lillekort ihr. »Au! au!« rief das Weib: »wo ist mein Auge geblieben?«
+-- »Was giebst Du mir, wenn ich's Dir wiedergebe?« sagte Lillekort.
+»Ich gebe Dir ein Schwert, womit Du eine ganze Kriegsmacht niedermetzeln
+kannst, und wenn sie auch noch so groß wäre,« antwortete das Weib. »Ja,
+gieb her!« sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf das Schwert und
+erhielt dafür ihr Auge zurück. Nun ging Lillekort weiter, und nach einer
+Weile begegnete ihm wieder ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_
+Auge, das stahl Lillekort ihr, eh' sie wußte, wie ihr geschah. »Au! au!
+wo ist mein Auge geblieben?« rief sie. »Was giebst Du mir, wenn ich's
+Dir wiedergebe?« sagte Lillekort. »Ein Schiff, das über Süß- und
+Salzwasser, über Berg' und tiefe Thäler geht,« antwortete das Weib. »Ja,
+gieb her!« sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf ein ganz kleines
+Schiff, so klein, daß man's in die Tasche stecken konnte, und dafür
+erhielt sie ihr Auge zurück, und jeder ging seines Weges. Als Lillekort
+nun wieder eine gute Strecke gewandert war, begegnete ihm zum dritten
+Mal ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_ Auge; das stahl Lillekort
+ebenfalls, und als das Weib schrie und sich geberdete und fragte, wo ihr
+Auge geblieben sei, sagte Lillekort: »Was giebst Du mir, wenn ich's Dir
+wiedergebe?« -- »Ich lehre Dir die Kunst, hundert Lasten Malz auf einmal
+zu verbrauen,« sagte sie. Für diese Kunst erhielt nun das Weib ihr Auge
+zurück, und jeder zog seines Weges.
+
+Als nun Lillekort ein kleines Ende gegangen war, wollte er einmal das
+Schiff probiren. Er nahm es daher aus der Tasche und steckte den einen
+Fuß hinein; da ward das Schiff weit größer; und als er nun auch den
+andern Fuß nachzog, ward es so groß, wie die Schiffe, die in der See
+gehen. Da sprach Lillekort: »Fahr hin über Salzwasser und Süßwasser,
+über Berg' und tiefe Thäler, bis daß du kommst zu des Königs Schloß!«
+-- und fort saus'te das Schiff, wie ein Vogel durch die Luft, bis daß es
+zum Königsschloß kam; da stand es still. Drinnen im Schloß aber hatten
+die Leute von den Fenstern aus gesehen, wie Lillekort dahergesegelt kam.
+Darüber waren nun Alle sehr verwundert und liefen hinunter, um zu sehen,
+was Das für Einer wäre, der so auf einem Schiff durch die Luft gefahren
+kam. Während sie aber hinunterliefen, war Lillekort schon aus seinem
+Schiff herausgestiegen und hatte es wieder in die Tasche gesteckt; denn
+sowie er nur mit den Füßen hinaustrat, ward es wieder so klein, als es
+war, da er es von der Alten bekommen hatte. Die Leute vom Königsschloß
+sahen nun nichts Anders, als einen kleinen in Lumpen gehüllten Knaben,
+der da am Ufer stand. Der König fragte ihn, wo er her wäre. Der Knabe
+aber sagte, das wüßte er nicht, und eben so wenig wußte er zu sagen, auf
+welche Weise er hergekommen sei, bat aber inständig um einen Dienst auf
+dem Schloß und sagte, wenn sie nichts Anders für ihn zu thun hätten, so
+könne er ja der Köchinn Holz und Wasser zutragen. Diese Bitte ward ihm
+denn auch gewährt. Als Lillekort aber auf das Schloß kam, sah er, daß
+Alles, sowohl inwendig, als auswendig, selbst die Wände und das Dach,
+mit Schwarz bezogen war. Er fragte deßhalb die Köchinn, Was das zu
+bedeuten hätte. »Das will ich Dir sagen,« antwortete die Köchinn: »Die
+Königstochter ist schon vor langer Zeit an drei Trollen versprochen
+worden, und am nächsten Donnerstag-Abend wird der eine kommen und sie
+abholen. Der Ritter _Röd_ hat sich zwar verbürgt, sie zu befreien; aber
+Gott mag wissen, ob er's kann, und darum ist hier Alles so voll Sorge
+und Betrübniß, wie Du wohl denken kannst.«
+
+Als es nun am Donnerstag-Abend um die Zeit war, führte der Ritter _Röd_
+die Prinzessinn hinaus ans Meerufer -- denn da war es, wo der Troll sie
+abholen wollte -- und da sollte nun der Ritter _Röd_ sie in Schutz
+nehmen; aber er that dem Trollen eben keinen großen Schaden, will ich
+glauben; denn kaum hatte die Prinzessinn sich am Ufer niedergesetzt, so
+kroch der Ritter auf einen großen Baum, welcher da stand, und verbarg
+sich zwischen die Zweige, so gut er konnte. Die Prinzessinn weinte und
+bat ihn so flehentlich, er möchte sie doch nicht verlassen; aber der
+Ritter _Röd_ achtete nicht auf ihr Bitten, sondern sagte: »Es ist besser,
+daß Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen.«
+
+Inzwischen bat Lillekort die Köchinn um Erlaubniß, ein wenig an den
+Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn: »Du hast da
+Nichts zu thun.« -- »Ach ja, liebe Köchinn, laß mich nur hingehen,«
+sagte Lillekort: »ich wollte so gern mit den andern Kindern ein wenig
+spielen.« -- »Na, geh denn!« sagte die Köchinn: »aber daß Du nur nicht
+länger ausbleibst, als bis der Kessel zum Abendessen über's Feuer
+gehängt, und der Braten an den Spieß gesteckt wird! und bring' dann
+einen tüchtigen Armvoll Holz mit in die Küche!« Ja, das wollte Lillekort
+nicht vergessen, und damit lief er fort ans Ufer.
+
+Als er eben dort ankam, wo die Königstochter saß, kam auch schon der
+Troll dahergesaus't, er war so groß und so dick, daß es ganz abscheulich
+aussah, und fünf Köpfe hatte er. »_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer
+gleichfalls!« sagte Lillekort. »_Kannst Du fechten?_« rief der Troll.
+»Kann ich's nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug
+der Troll mit einer dicken eisernen Stange, die er in der Faust hielt,
+nach ihm, so daß die Erde ihm fünf Ellen hoch über den Kopf flog.
+
+»Twi!« sagte Lillekort: »Das war auch was Rechtes! Nun sollst Du aber
+einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert, das er
+von dem alten krummpuckligen Weib bekommen hatte, und hieb damit nach
+dem Trollen, so daß alle fünf Köpfe über den Sand hinflogen. Als die
+Prinzessinn sich nun befrei't sah, war sie so froh, daß sie sich vor
+Freude gar nicht zu lassen wußte. »Schlaf nun ein Stündchen auf meinem
+Schoß!« sagte sie zu Lillekort, und während er nun auf ihrem Schoß lag
+und schlief, zog sie ihm ein goldnes Kleid an.
+
+Nun dauerte es nicht lange, so kroch der Ritter _Röd_ wieder vom Baum
+herunter, weil er sah, daß jetzt keine Gefahr mehr für ihn vorhanden war.
+Er brachte die Prinzessinn durch Drohungen dahin, daß sie sagen mußte,
+_er_ sei es, der sie befrei't habe, und wenn sie das nicht sagte, wollte
+er ihr das Leben nehmen. Darauf schnitt er dem Trollen die Lungen aus
+dem Leib und die Zungen aus den Köpfen, und führte dann die Prinzessinn
+wieder zurück nach dem Königsschloß. Und hatte man dem Ritter zuvor
+keine Ehre angethan, so that man es jetzt; der König wußte gar nicht,
+Was er alles ersinnen sollte, um ihn zu ehren, und immer mußte der
+Ritter _Röd_ bei Tafel ihm zur Seite sitzen. Lillekort aber begab sich
+auf das Trollschiff, nahm eine ganze Menge goldne und silberne Faßreifen,
+und damit kehrte er zurück nach dem Schloß. Als die Köchinn all das Gold
+und Silber sah, das er brachte, war sie ganz erstaunt darüber und sagte:
+»Mein lieber kleiner Lillekort, wo hast Du denn all die schönen Sachen
+herbekommen?« denn sie befürchtete, er möchte nicht auf eine ehrliche
+Weise dazu gekommen sein. »O,« antwortete Lillekort: »ich bin zu Hause
+gewesen, und da waren diese Reifen von einem Eimer abgefallen, und da
+hab' ich sie für Dich mitgenommen.« Als die Köchinn hörte, daß sie die
+Reifen haben solle, fragte sie nicht weiter, sondern bedankte sich bei
+Lillekort, und damit war Alles gut.
+
+Den andern Donnerstag-Abend ging es wieder eben so: Alle waren voll Sorge
+und Betrübniß; allein der Ritter _Röd_ sagte, hätte er die Königstochter
+von dem einen Trollen befrei't, so würde er sie jetzt auch wohl von dem
+zweiten befreien, und damit geleitete er sie noch so kecklich wieder
+hinaus ans Meerufer. Aber er that auch diesmal dem Trollen eben keinen
+großen Schaden; denn als es um die Zeit war, daß man den Trollen
+erwartete, sagte er wieder, wie das vorige Mal: »Es ist besser, daß
+Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen,« und damit kroch er
+wieder auf den Baum.
+
+Lillekort aber bat die Köchinn wieder um Erlaubniß, ein wenig an den
+Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn. »Ja, liebe
+Köchinn, laß mich nur gehen,« sagte Lillekort: »ich wollte gern mit den
+andern Kindern ein wenig spielen.« Da gab sie ihm denn auch diesmal
+Erlaubniß; aber das mußte er ihr versprechen, daß er zurück sein wollte,
+wenn der Braten gewendet werden sollte, und dann müßte er einen guten
+Armvoll Holz mitbringen.
+
+Kaum war Lillekort am Ufer angelangt, so kam auch schon der Troll daher,
+daß es nur so saus'te; er war noch einmal so groß, als der vorige, und
+hatte zehn Köpfe. »_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!«
+sagte Lillekort. »_Kannst Du fechten?_« rief der Troll. »Kann ich's
+nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug der Troll
+mit seiner eisernen Stange nach ihm -- die war noch einmal so groß, als
+die des ersten Trollen -- so daß die Erde ihm zehn Ellen hoch über den
+Kopf flog. »Twi!« sagte Lillekort: »das war auch was Rechtes! Nun sollst
+Du einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert und
+hieb nach dem Trollen, so daß alle zehn Köpfe über den Sand hintanzten.
+
+Darauf sagte die Königstochter wieder zu ihm: »Schlaf jetzt ein
+Stündchen auf meinem Schoß!« und während Lillekort nun auf ihrem Schoß
+lag und schlief, zog sie ihm ein silbernes Kleid an. Sobald der Ritter
+_Röd_ merkte, daß keine Gefahr mehr vorhanden war, kroch er wieder vom
+Baum herunter und zwang die Prinzessinn abermals durch Drohungen, zu
+sagen, daß er es sei, der sie befrei't habe. Darauf nahm er die Zungen
+und die Lungen des Trollen, knüpfte sie in sein Taschentuch und
+geleitete die Königstochter wieder zurück nach dem Schloß. Hier war nun
+lauter Freude und Jubel, wie man sich wohl denken kann, und der König
+wußte gar nicht, Was er alles angeben sollte, um dem Ritter _Röd_
+genugsam Ehre und Achtung zu erweisen.
+
+Lillekort aber ging auf das Trollschiff und nahm einen ganzen Armvoll
+Gold- und Silberreifen mit sich. Als er zurück auf das Schloß kam,
+schlug die Köchinn die Hände über dem Kopf zusammen und konnte sich
+nicht genug wundern über all das Gold und Silber, das er mitbrachte.
+Aber Lillekort sagte, er wäre zu Hause bei seiner Mutter gewesen, und da
+hätte er die Reifen gesammelt, die von den Eimern abgefallen wären, um
+sie der Köchinn zu bringen.
+
+Als nun der dritte Donnerstag-Abend kam, ging es wieder eben so, wie die
+beiden vorigen Male: Das ganze Schloß war aus- und inwendig mit Schwarz
+behängt, und Alle waren voll Sorge und Betrübniß. Aber der Ritter _Röd_
+sagte, sie hätten eben nicht nöthig, in Furcht zu sein; denn hätte er
+die Prinzessinn von zwei Trollen befrei't, so könnte er sie auch wohl
+von dem dritten befreien. Darauf führte er die Prinzessinn hinaus ans
+Ufer. Als es aber um die Zeit war, daß der Troll kommen sollte, kroch
+der Ritter _Röd_ wieder auf den Baum und verbarg sich. Die Prinzessinn
+weinte und bat; aber es half Alles nichts; er blieb bei dem Alten: es
+sei besser, daß Einer das Leben verlöre, als daß Zwei umkämen.
+
+Lillekort bat wieder um Erlaubniß, an den Strand hinauszugehen. »Ach,
+was willst Du da?« sagte die Köchinn; aber er bat so lange, bis sie es
+ihm denn zuletzt erlaubte; doch mußte er versprechen, daß er wieder zu
+Hause sein wollte, wenn der Braten gewendet werden sollte. Kaum aber war
+er darauf ans Ufer gekommen, so kam auch schon der Troll angesaus't;
+er war noch weit größer, als der vorige, und hatte funfzehn Köpfe.
+»_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!« sagte Lillekort.
+»_Kannst Du fechten?_« rief der Troll. »Kann ich's nicht, so kann ich's
+lernen,« sagte Lillekort. »_Ich will Dich belernen!_« rief der Troll und
+holte mit seiner eisernen Stange aus, daß die Erde funfzehn Ellen hoch
+in die Luft fuhr. »Twi!« sagte Lillekort: »das war auch was Rechtes!
+Nun sollst Du aber einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er
+sein Schwert und hieb nach dem Trollen, daß alle funfzehn Köpfe über den
+Sand hintanzten.
+
+Da war nun die Prinzessinn erlös't; sie dankte Lillekort für ihre
+Rettung und sagte dann wieder: »Schlaf jetzt ein Stündchen auf meinem
+Schoß!« und während Lillekort nun da lag und schlief, zog ihm die
+Prinzessinn ein Kleid von Messing an. Als er aufwachte, fragte sie ihn:
+»Wie soll es aber jetzt an den Tag kommen, daß Du es bist, der mich
+erlös't hat?« -- »Das will ich Dir sagen,« versetzte Lillekort: »Wenn
+nun der Ritter _Röd_ Dich wieder nach Hause geleitet und sich für Den
+ausgiebt, der Dich erlös't hat, dann weißt Du wohl, soll er Dich und das
+halbe Reich haben. Wenn man Dich aber dann am Hochzeitstage fragt, Wen
+Du zum Mundschenken haben willst, dann sollst Du sagen: »Ich will den
+kleinen Buben haben, der in der Küche ist und der Köchinn Holz und Wasser
+zuträgt.« Wenn ich Dir dann den Wein einschenke, werde ich einen Tropfen
+auf dem Ritter seinen Teller verschütten, aber nicht auf Deinen; dann
+wird er wohl böse werden und mich schlagen, und das wiederholt sich
+dreimal. Das dritte Mal aber sollst Du sagen: »Schande über Dich, daß Du
+meinen Herzgeliebten schlägst! denn _er_ hat mich befrei't und _ihn_
+will ich haben.«« Nachdem Lillekort mit der Prinzessinn diese Verabredung
+getroffen, begab er sich wieder aufs Schloß; zuvor aber nahm er
+aus dem Trollschiff noch eine ganze Menge Gold und Silber und andre
+Kostbarkeiten mit, und der Köchinn brachte er wieder einen ganzen
+Armvoll Gold- und Silberreifen.
+
+Kaum sah der Ritter _Röd_, daß alle Gefahr vorbei war, als er von dem
+Baum herunterkroch und die Königstochter wieder durch Drohungen dahin
+vermochte, zu sagen, _er_ sei es, der sie befrei't habe. Darauf geleitete
+er sie zurück nach dem Schloß; und hatte man ihm zuvor noch nicht Ehre
+genug angethan, so that man es jetzt. Der König sann und dachte auf
+nichts Anders, als wie er ihn gebührend dafür belohnen sollte, daß er
+seine Tochter von den drei Trollen befrei't hatte, und es däuchte ihm
+jetzt das Allergeringste, wenn er ihm die Prinzessinn und das halbe
+Reich gäbe. Am Hochzeitstage aber bat die Prinzessinn, daß man ihr den
+kleinen Buben, der in der Küche sei und der Köchinn Holz und Wasser
+zutrüge, zum Mundschenken bei der Hochzeitstafel geben möchte. »Ach,
+was willst Du mit dem schmutzigen Lumpenjungen?« sagte der Ritter _Röd_.
+Aber die Prinzessinn sagte, daß sie _ihn_ zum Mundschenken haben wolle,
+und keinen Andern; und da mußte man ihr denn nachgeben.
+
+Hierauf ging Alles so, wie es zwischen Lillekort und der Königstochter
+verabredet war. Lillekort verschüttete dreimal einen Tropfen Wein auf den
+Teller des Ritters _Röd_, und jedesmal ward der Ritter zornig und schlug
+ihn. Beim ersten Schlag fiel dem Knaben das Lumpenkleid ab, das er in
+der Küche trug; beim zweiten Schlag fiel ihm das Kleid von Messing ab,
+und beim dritten Schlag das silberne Kleid, so daß er nun da stand in
+seinem goldnen Kleide, so blank und prächtig, daß es nur so glitzerte. Da
+sagte die Königstochter: »Schande über Dich, daß Du meinen Herzgeliebten
+schlägst; denn _er_ hat mich befrei't, und _ihn_ will ich haben!« Der
+Ritter _Röd_ schwur und fluchte, daß _er_ es sei, der sie befrei't
+hätte, und kein Andrer. Da sprach der König: »Wer meine Tochter befrei't
+hat, der kann auch wohl die Wahrzeichen aufweisen.« Da lief der Ritter
+_Röd_ hin und holte sein Tuch mit den Lungen und Zungen; Lillekort aber
+holte das Gold und Silber und alle die Kostbarkeiten, die er aus dem
+Trollschiff mitgenommen hatte, und jeder legte das seinige vor den König
+hin. Da sprach der König: »Wer solche kostbare Sachen von Gold und
+Silber und Diamanten aufzuweisen hat, der muß auch wohl die Trollen
+getödtet haben; denn Dergleichen findet man nicht bei Andern.« Und
+darauf wurde der Ritter _Röd_ in die Schlangengrube geworfen, und
+Lillekort sollte jetzt die Prinzessinn und das halbe Reich haben.
+
+Als nun der König eines Tages mit Lillekort spazieren ging, fragte
+dieser ihn, ob er nicht noch mehr Kinder hätte. »Ja,« sagte der König:
+»ich habe noch eine Tochter gehabt; aber die hat mir ein Troll genommen,
+weil hier Niemand war, der sie befreien konnte. Kannst Du sie aber
+befreien, so sollst Du auch sie und das andre halbe Reich dazu haben.«
+-- »Ich will's versuchen,« sagte Lillekort: »dann muß ich aber eine
+eiserne Kette haben, fünfhundert Ellen lang, und fünfhundert Mann muß
+ich mit haben und Proviant für sie auf funfzehn Wochen; denn ich muß
+weit zur See fort.« Ja, das sollte er alles bekommen; nur befürchtete
+der König, er möchte kein Schiff haben, welches groß genug wäre, alles
+das zu tragen. »Ich habe selbst ein Schiff,« sagte Lillekort und nahm
+aus seiner Tasche das Schiff hervor, welches das alte Weib ihm gegeben
+hatte. Der König lachte und meinte, es wäre bloß sein Scherz; aber
+Lillekort sagte, man solle ihm nur Alles geben, was er verlangt hätte,
+dann solle der König nachher schon sehen. Man brachte hierauf alle die
+Sachen zusammen, und nun wollte Lillekort, daß man zuerst die eiserne
+Kette ins Schiff legen sollte; aber da war kein Einziger, der sie
+aufzuheben vermochte, und Viele konnten nicht auf einmal Platz um das
+kleine Schiff bekommen. Da nahm Lillekort selbst die Kette an dem einen
+Ende und legte einige Ringe davon ins Schiff, und wie er sie nach und
+nach weiter hineinbrachte, ward das Schiff immer größer, und zuletzt
+ward es so groß, daß sowohl die Kette, als die fünfhundert Mann nebst
+dem Proviant, und Lillekort sehr gut Platz darin hatten. Da sprach
+Lillekort: »Fahr hin über Süßwasser und Salzwasser, über Berg' und tiefe
+Thäler, bis daß du kommst, wo des Königs Tochter ist!« und sogleich
+fuhr das Schiff davon, daß es zischte und braus'te, über Land und über
+Wasser. -- Als sie nun eine lange, lange Zeit gesegelt hatten, stand
+das Schiff eines Tages plötzlich auf der See still. »Ja, nun sind wir
+glücklich an Ort und Stelle gekommen,« sagte Lillekort: »wie wir aber
+wieder fortkommen werden, das steht noch dahin.« Darauf nahm er die
+eiserne Kette und band sich das eine Ende um den Leib. »Jetzt muß ich zu
+Boden,« sagte er: »Wenn ich aber nachher wieder herauf will und einen
+starken Ruck an die Kette thu', dann müsst Ihr alle auf einmal anziehen
+für _einen_ Mann, sonst kostet es mir und Euch das Leben,« und damit
+sprang er ins Wasser, daß die Wellen über ihn zusammenschlugen. Er sank
+tiefer und immer tiefer, und endlich kam er auf den Grund. Dort sah er
+einen Berg, worin eine Thür war, und da ging er hinein. In dem Berge nun
+fand er die Prinzessinn, welche eben mit ihrem Nähzeug beschäftigt war.
+»Ach, Gott sei Lob!« rief sie, als sie Lillekort erblickte, und klatschte
+in die Hände: »noch habe ich keine Menschenseele gesehen, so lange ich
+hier bin.« Lillekort sagte ihr, daß er gekommen sei, um sie wieder zu
+ihrem Vater zurückzubringen. »Ach, mich bekommst Du nicht mit,« sagte
+sie: »das wird Dir nicht gelingen; denn bekommt der Troll Dich zu sehen,
+kostet es Dir das Leben.« -- »Gut, daß Du von ihm sprichst!« sagte
+Lillekort: »Wo ist er? Es könnte spaßhaft sein, ihn zu sehen.« Die
+Königstochter erzählte ihm darauf, daß der Troll ausgegangen wäre und
+Jemanden suchte, der hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen
+könne; denn der Troll wollte ein Gastmahl geben, und dabei verschlug
+keine geringere Quantität. »Das kann =ich=,« sagte Lillekort. »Wenn nur
+der Troll nicht so jachzornig wäre, daß ich es ihm sagen könnte, eh' er
+Dich erblickt,« versetzte die Prinzessinn: »aber er ist so wüthend, daß
+er Dich den Augenblick in Stücke zerreißt, wenn er Dich gewahr wird.
+Indessen verbirg Dich nur hier so lange in den Bettverschlag, dann will
+ich sehen, Was zu thun ist.« Das that denn Lillekort, und kaum war er in
+seinem Versteck, so kam auch schon der Troll an. »_Houf! es riecht hier
+so nach Menschenfleisch!_« rief er. »Ja, es flog hier ein Vogel über's
+Dach mit einem Menschenknochen im Schnabel, den ließ er durch den
+Schornstein fallen,« versetzte die Königstochter: »ich habe mich zwar
+beeilt, ihn hinwegzuschaffen, aber es muß wohl noch der Geruch davon
+zurückgeblieben sein.« -- »_Ja, das ist's wohl!_« sagte der Troll.
+Darauf fragte die Prinzessinn ihn, ob er Jemanden gefunden habe, der
+hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen könne. »_Nein, da ist
+Keiner, der das kann_,« sagte der Troll. »Vor einer Weile war Einer
+hier, der sagte, er könnte es,« versetzte die Königstochter. »_Du bist
+nun immer so klug_,« sagte der Troll: »_warum ließest Du ihn denn gehen?
+Du wußtest doch, daß ich eben einen Solchen suche._« -- »Ich hab' ihn
+auch nicht gehen lassen,« versetzte die Königstochter: »aber Du bist
+nun gleich immer so jachmüthig; darum verbarg ich ihn derweil in den
+Bettverschlag. Wenn Du also noch keinen tüchtigen Brauer gefunden hast,
+so kannst Du's ja mit ihm versuchen.« -- »_Ja, laß ihn kommen!_« sagte
+der Troll. Als Lillekort nun hervorkam, fragte der Troll ihn, ob es
+wahr sei, daß er hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen könne.
+»Ja, das ist wahr,« antwortete Lillekort. »_So ist's gut, daß ich Dich
+bekam_,« sagte der Troll: »_mach Dich nur gleich an die Arbeit! Aber
+Gnade Dir Gott, wenn Du das Bier nicht stark genug brau'st._« -- »Es
+soll schon Geschmack kriegen,« sagte Lillekort und stellte sogleich das
+Geschirr zurecht. »Ich muß aber mehr Männer zum Zutragen haben,« sagte
+er: »denn die paar, die ich bekommen habe, können nicht Viel ausrichten.«
+Er erhielt nun noch mehr Leute, so viele, daß es von ihnen wimmelte, und
+darauf ging das Brauen los. Als nun die Würze fertig war, wollten Alle
+sie kosten, zuerst der Troll selbst, und nachher die Andern. Aber
+Lillekort hatte die Würze so stark gebrau't, daß sie todt umfielen, wie
+die Fliegen, sowie sie davon tranken. Zuletzt war Niemand mehr übrig,
+als ein altes kümmerliches Weib, das hinter dem Ofen lag. »Ach, Du
+Arme!« sagte Lillekort: »Du musst doch auch meine Würze kosten,« und
+damit ging er hin und füllte mit der Bütte auf, Was noch am Boden übrig
+geblieben, und gab es ihr. Da war er sie alle insgesammt quitt.
+
+Als er nun da stand und sich umsah, ward er eine große Kiste gewahr, die
+nahm Lillekort und packte sie voll Gold und Silber, umschlang dann sich
+und die Prinzessinn und die Kiste mit der eisernen Kette und that einen
+Ruck daran aus allen Kräften. Da zogen die Leute auf dem Schiff alle auf
+einmal an und brachten sie gesund und behalten wieder herauf. Nun sprach
+Lillekort: »Fahr hin über Süßwasser und Salzwasser, über Berg' und tiefe
+Thäler, bis daß du kommst zu des Königs Schloß!« -- und sogleich fuhr
+das Schiff davon, daß der Schaum zu beiden Seiten stand. Als Die, welche
+auf dem Schloß waren, das Schiff ankommen sahen, zogen sie alsbald
+hinaus mit Gesang und Spiel und empfingen Lillekort mit großer Freude.
+Am frohesten von Allen aber war der König, der jetzt seine Tochter
+wieder bekommen hatte.
+
+Nun war aber Lillekort in Verlegenheit wegen der Prinzessinnen; denn
+beide wollten ihn haben, und er wollte nur die haben, welche er zuerst
+befrei't hatte, und das war die jüngste. Er sann und dachte lange
+darüber nach, wie er sich aus der Verlegenheit ziehen sollte; denn die
+jüngste wollte er nicht fahren lassen, und der andern wollte er auch
+nicht gern zuwider sein. Da fiel es ihm ein, wenn jetzt sein Bruder,
+König Lavring, da wäre, der ihm so ähnlich sah, daß Keiner sie von
+einander zu unterscheiden vermochte, so könnte der die andre Prinzessinn
+und das halbe Reich bekommen; denn er selbst wollte sich gern mit der
+einen Hälfte begnügen. Wie gedacht, so gethan: er ging vor's Schloß und
+rief laut den König Lavring bei Namen; aber es kam Niemand. Da rief er
+noch lauter; aber es fand sich auch diesmal Keiner ein. Zuletzt rief er
+aus allen Kräften -- und da stand plötzlich sein Bruder vor ihm. »Ich
+sagte Dir ja, Du solltest mich nicht eher rufen, als bis Du in der
+äußersten Noth wärst,« sprach er: »und hier ist ja keine Mücke, die
+Dir Was zu Leide thun kann,« und damit schlug er auf ihn zu, daß
+Lillekort über die Wiese hinpurzelte. »Schande über Dich, daß Du mich so
+schlägst!« sagte Lillekort: »Erst hab' ich die eine Königstochter und
+das halbe Reich gewonnen, und nachher die andre Königstochter und das
+andre halbe Reich dazu, und nun wollte ich mit Dir theilen und Dir die
+eine Prinzessinn und die Hälfte des Königreichs abgeben. Däucht es Dir
+denn recht, mich also zu schlagen?« Als König Lavring das hörte, bat er
+seinen Bruder um Verzeihung, und da vertrugen sie sich alsbald und waren
+wieder gute Freunde. Darauf sprach Lillekort: »Du weißt, daß wir einander
+so ähnlich sehen, daß Niemand uns zu unterscheiden vermag; darum tausche
+Du jetzt Deine Kleider mit mir und geh hinauf auf das Schloß; dann
+werden die Prinzessinnen glauben, daß ich es bin, und die, welche Dich
+dann zuerst küsst, die nimmst Du, und die andre behalt ich.« Also sprach
+Lillekort; denn er wußte wohl, daß die älteste Königstochter auch die
+stärkste war, und konnte sich daher wohl denken, wie's kommen würde.
+König Lavring war sogleich bereit, zu thun, wie sein Bruder ihm gesagt
+hatte: er tauschte mit ihm seine Kleider und ging aufs Schloß. Als er
+nun zu den Prinzessinnen eintrat, glaubten sie, es sei Lillekort, und
+liefen beide sogleich auf ihn zu. Aber die älteste, welche die größte
+und stärkste war, schob die jüngere Schwester bei Seite, faßte König
+Lavring um den Hals und küßte ihn. Und so bekam denn König Lavring die
+älteste, und Lillekort die jüngste Prinzessinn. Da kann sich's denn wohl
+ereignet haben, daß eine Hochzeit ward, wovon man sich in sieben
+Königreichen zu erzählen wußte.
+
+
+
+
+25.
+
+Die Puppe im Grase.
+
+
+Es war einmal ein König, der hatte zwölf Söhne. Als diese groß waren,
+sagte er zu ihnen, sie sollten fortreisen in die Welt und sich jeder
+eine Frau suchen, aber die sollte spinnen und weben und ein Hemd
+in einem Tag fertig nähen können, sonst wollte er sie nicht zur
+Schwiegertochter haben. Jedem von ihnen gab er ein Pferd und eine ganz
+neue Rüstung; und darauf reis'ten die Söhne fort in die Welt, um sich
+eine Frau zu suchen. Als sie aber eine Strecke Weges gereis't waren,
+sagten sie, Aschenbrödel wollten sie nicht mit haben; denn der tauge
+doch zu Nichts. Aschenbrödel mußte nun zurückbleiben und wußte gar
+nicht, wie er's anfangen sollte. Da ward er sehr niedergeschlagen, stieg
+von seinem Pferd herunter und setzte sich ins Gras hin und weinte. Als
+er aber eine Weile gesessen hatte, bewegte sich der eine Grasbülten, und
+es kam daraus eine kleine weiße Gestalt hervor; und als sie näher kam,
+sah Aschenbrödel, daß es ein niedliches kleines Mädchen war, aber ganz
+ganz klein. Diese trat auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht die Puppe
+im Grase besuchen wolle. Ja, das wollte Aschenbrödel gern und ging mit
+ihr.
+
+Als er hinunterkam, saß die Puppe im Grase auf einem Stuhl und war so
+schön und so geputzt; sie fragte Aschenbrödel, wo er hin wolle, und in
+welchem Geschäft er reise.
+
+Er erzählte ihr nun, daß sie ihrer zwölf Brüder wären, und daß der
+König, ihr Vater, jedem von ihnen ein Pferd und eine Rüstung gegeben und
+zu ihnen gesagt hätte, sie sollten in die Welt reisen und sich eine Frau
+suchen, die solle spinnen und weben und ein Hemd in einem Tag fertig
+nähen können. »Wenn Du nun das kannst und meine Frau werden willst,«
+sagte Aschenbrödel: »dann will ich nicht weiter reisen.« Ja, das wollte
+sie gern und machte sich sogleich an die Arbeit, fing an zu spinnen und
+zu weben und näh'te das Hemd in einem Tag fertig; aber es ward so klein,
+so klein, nicht länger, als -- so lang.
+
+Damit reis'te Aschenbrödel nach Hause. Als er aber das Hemd hervornahm,
+um es seinem Vater zu zeigen, war er ganz beschämt, weil es so klein
+war. Der König aber sagte, es machte nichts, er solle das kleine Mädchen
+heirathen; und darauf reis'te Aschenbrödel froh und vergnügt zurück, um
+seine kleine Braut abzuholen. Wie er nun bei der Puppe im Grase ankam,
+wollte er sie zu sich auf sein Pferd nehmen; aber das wollte sie nicht,
+sondern sagte, sie wolle in einem silbernen Löffel fahren mit zwei
+kleinen Schimmeln davor. So reis'ten sie nun fort, er auf seinem Pferd,
+und sie in dem silbernen Löffel; die beiden Schimmel aber, die sie
+zogen, waren zwei kleine weiße Mäuse. Aschenbrödel hielt sich immer
+auf der andern Seite des Weges, damit sein Pferd nicht auf seine Braut
+treten sollte, denn sie war so klein. Als sie eine Strecke Weges
+gereis't waren, kamen sie zu einem großen Wasser; da ward Aschenbrödels
+Pferd scheu, sprang hinüber auf die andre Seite des Weges und schlug den
+Löffel um, so daß die Puppe im Grase ins Wasser fiel. Da ward Aschenbrödel
+sehr betrübt, und wußte gar nicht, wie er sie erretten sollte. Es
+dauerte aber nicht lange, so tauchte ein Meermann mit ihr auf, und nun
+war sie so groß geworden, wie ein andres erwachsenes Frauenzimmer, und
+noch weit schöner, als zuvor. Da nahm Aschenbrödel sie vor sich auf sein
+Pferd und ritt mit ihr nach Hause.
+
+Als er dort ankam, waren auch schon seine andern Brüder, jeder mit
+seiner Braut, eingetroffen; aber die waren so häßlich und so böse, daß
+sie sich schon unterweges mit ihren Brautmännern gezaus't hatten. Auf
+dem Kopf trugen sie Hüte, die waren mit Theer und Ruß bestrichen, das
+war ihnen ins Gesicht herabgetröpfelt, so daß sie davon noch weit
+häßlicher und abscheulicher waren aussehen worden. Als nun die Brüder
+dagegen Aschenbrödels Braut erblickten, wurden sie alle neidisch auf
+ihn. Der König aber freu'te sich so sehr über die beiden, daß er alle
+die Andern davon jagte. Darauf hielt Aschenbrödel mit der Puppe im Grase
+Hochzeit und lebte mit ihr vergnügt und zufrieden eine lange lange Zeit;
+und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch.
+
+
+
+
+26.
+
+Das Kätzchen auf Dovre.
+
+
+Es war einmal ein Mann oben in Finmarken, der hatte einen großen weißen
+Bären gefangen, den wollte er dem König von Dänemark bringen. Nun traf
+es sich so, daß er grade am Weihnachts-Abend zum Dovrefjeld kam, und da
+ging er in ein Haus, wo ein Mann wohnte, der _Halvor_ hieß; den bat er
+um Nachtquartier für sich und seinen Bären.
+
+»Ach, Gott helf mir!« sagte der Mann: »wie sollt' ich wohl Jemandem
+Nachtquartier geben können! Jeden Weihnachts-Abend kommen hier so viel
+Trollen, daß ich mit den Meinigen ausziehen muß und selber nicht einmal
+ein Dach über dem Kopf habe.« --
+
+»O, Ihr könnt mich deßwegen immer beherbergen,« sagte der Mann; »denn
+mein Bär kann hier hinter dem Ofen liegen, und ich lege mich in den
+Bettverschlag.«
+
+Halvor hatte Nichts dagegen, zog aber selbst mit seinen Leuten aus,
+nachdem er zuvor gehörig für die Trollen hatte zurichten lassen: die
+Tische waren besetzt mit Reißbrei, Stockfischen, Wurst und Was sonst zu
+einem herrlichen Gastschmaus gehört.
+
+Bald darauf kamen die Trollen an; einige waren groß, andre klein; einige
+langgeschwänzt, andre ohne Schwanz; und einige hatten ungeheuer lange
+Nasen, und alle aßen und tranken und waren guter Dinge. Da erblickte
+einer von den jungen Trollen den Bären, der unter dem Ofen lag, steckte
+ein Stückchen Wurst an die Gabel und hielt es dem Bären vor die Nase.
+»Kätzchen, magst auch Wurst?« sagte er. Da fuhr der Bär auf, fing
+fürchterlich an zu brummen und jagte sie alle Groß und Klein aus dem
+Hause.
+
+Das Jahr darauf war Halvor eines Nachmittags so gegen Weihnachten hin
+im Wald und hau'te Holz für den Heiligen; denn er erwartete wieder die
+Trollen. Da hörte er es plötzlich im Wald rufen: »_Halvor! Halvor!_«
+-- »Ja!« sagte Halvor. »_Hast Du noch die große Katz?_« rief's. »Ja,«
+sagte Halvor: »jetzt hat sie sieben Jungen bekommen, die sind noch weit
+größer und böser, als sie.« -- »_So kommen wir niemals wieder zu Dir!_«
+rief der Troll im Walde. Und von der Zeit an haben die Trollen nie
+wieder den Weihnachtsbrei bei Halvor auf Dovre gegessen.
+
+
+
+
+27.
+
+Soria-Moria-Schloß.
+
+
+Es waren einmal ein Paar Eheleute, die hatten einen Sohn, der hieß
+_Halvor_. Von seiner Kindheit an aber wollte der Knabe durchaus Nichts
+thun, sondern saß immer da und wühlte in der Asche. Die Ältern thaten
+ihn in die Lehre bei verschiedenen Meistern; aber Halvor hielt es
+nirgends aus, sondern wenn er ein paar Tage bei einem Meister gewesen
+war, lief er wieder aus der Lehre, kehrte heim und setzte sich auf den
+Feuerherd hin und wühlte in der Asche. Da geschah es einmal, daß ein
+Schiffer zu seinen Ältern kam, der sah Halvor und fragte ihn, ob er
+nicht Lust hätte, zur See zu fahren und fremde Länder zu sehen. Ja, dazu
+hatte Halvor große Lust und ging sogleich mit dem Schiffer zur See.
+
+Nun weiß ich nicht recht, wie lange sie schon gesegelt hatten, aber
+zuletzt erhob sich ein heftiger Sturm, und als der vorüber war, und es
+wieder ruhig ward, da wußten die Schiffsleute nicht mehr, wo sie sich
+befanden; sie waren an eine fremde Küste getrieben, die Keiner von
+ihnen kannte.
+
+Weil nun gar kein Wind weh'te, und sie still liegen bleiben mußten, bat
+Halvor den Schiffer um Erlaubniß, ans Land zu gehen, um sich dort
+umzusehen; denn er konnte es nicht aushalten, immer still zu liegen und
+zu schlafen. »Denkst Du, daß Du Dich vor den Leuten kannst sehen
+lassen?« sagte der Schiffer: »Du hast ja keine andre Kleider, als die
+Lumpen, worin Du gehst und stehst.« Halvor aber bat so lange, bis der
+Schiffer ihm endlich die Erlaubniß gab; nur mußte er ihm versprechen,
+daß er wieder zurückkehren wollte, wenn es anfing zu wehen. Darauf ging
+er ans Land. Hier waren überall große schöne Ebenen und Wiesen, aber
+nirgends war eine Spur von Menschen. Bald darauf fing es an zu wehen;
+aber Halvor wollte noch gern Mehr von dem Lande sehen und schritt daher
+weiter fort, in der Hoffnung, daß er auch Menschen dort antreffen würde.
+Nach einer Weile gelangte er auf einen großen breiten Weg, der war so
+flach und so eben, daß man ein Ei darauf fortrollen konnte. Halvor
+verfolgte beständig diesen Weg, bis er endlich gegen Abend ein großes
+schimmerndes Schloß in der Ferne erblickte. Weil er aber den ganzen Tag
+gegangen war und keinen Mundvorrath mitgenommen hatte, war er entsetzlich
+hungrig, und je näher er dem Schloß kam, desto unheimlicher ward ihm zu
+Muthe.
+
+Als er endlich das Schloß erreicht hatte, trat er hinein und kam zuerst
+in die Küche, wo ein helles Feuer auf dem Herd brannte. In der Küche
+war Alles so schön und prachtvoll, wie er es nie zuvor in einer Küche
+gesehen hatte; da standen Gefäße von Gold und von Silber, aber Leute
+waren nicht da. Als nun Halvor eine Zeitlang gewartet hatte, und Niemand
+kam, öffnete er eine Thür und trat in ein großes Zimmer. Dort saß eine
+Prinzessinn, die spann an einem Rocken. »Wie!« rief sie: »darf denn eine
+Christenseele hieher kommen? Aber am besten ist es, Du machst nur, daß
+Du gleich wieder fortkommst, wenn Dich der Troll nicht verschlingen
+soll; denn hier wohnt ein abscheulicher Troll mit drei Köpfen.« --
+
+»Mir sollt's recht sein, wenn er vier hätte,« sagte der Bursch: »ich
+habe große Lust, den Kerl zu sehen; aber ich gehe nicht; denn ich habe
+nichts Böses gethan. Erst aber musst Du mir Etwas zu essen geben; denn
+ich bin verdammt hungrig.« Als nun Halvor sich satt gegessen hatte,
+sagte die Prinzessinn zu ihm, er sollte versuchen, ob er das Schwert
+zu schwingen vermöchte, das an der Wand hing. Aber er konnt' es nicht
+schwingen, ja er konnt' es nicht einmal aufheben. »So musst Du einen
+Trunk aus der Flasche thun, die daneben hangt,« sagte die Prinzessinn:
+»denn das thut der Troll immer, wenn er es gebrauchen will.« Halvor that
+darauf einen guten Trunk aus der Flasche, und da konnte er das Schwert
+in der Hand schwingen wie gar Nichts. Nun, meinte er, sollt's für den
+Trollen früh genug sein, wenn er käme. Es dauerte auch nicht lange,
+so kam dieser dahergesaus't. Halvor hinter die Thür. »_Hutetu! hier
+riecht's so nach Menschenfleisch!_« sagte der Troll, indem er den Kopf
+zur Thür hereinsteckte. -- »Ja, das sollst Du gewahr werden!« sagte
+Halvor und hieb ihm alle Köpfe auf einmal herunter. Da ward die
+Prinzessinn so froh, daß sie sang und sprang; aber wie sie nun an ihre
+Schwestern dachte, sagte sie: »Ach, wären doch meine Schwestern auch
+erlös't!« -- »Wo sind die?« fragte Halvor. Da erzählte sie ihm, daß die
+eine von einem Trollen auf einem Schloß festgehalten würde, das sechs
+Meilen von da entfernt wäre, und die andre auf einem Schloß, das noch
+neun Meilen weiter davon läge.
+
+»Aber jetzt,« sagte sie: »musst Du mir erst helfen, diesen Rumpf
+hinauszuschaffen.«
+
+Dazu war Halvor sogleich bereit; er warf den Rumpf hinaus und machte
+Alles rein und sauber drinnen, und darauf lebten sie lustig und
+vergnügt. Den nächsten Morgen aber machte Halvor sich auf, sobald es
+dämmerte; er gönnte sich keinen Augenblick Ruhe, sondern ging und lief
+den ganzen Tag. Als er aber endlich das Schloß vor sich sah, ward ihm
+doch wieder etwas unheimlich zu Muthe; es war noch weit schöner und
+prächtiger, als das vorige; aber auch hier war keine Menschenseele zu
+sehen. Halvor trat zuerst in die Küche und ging von da grade aus ins
+Zimmer. »Wie? darf denn eine Christenseele hieher kommen?« rief die
+Prinzessinn: »Ich weiß nicht, wie lange ich nun schon hier bin,« sagte
+sie: »aber in all der Zeit habe ich noch nie einen Menschen hier
+gesehen. Es ist aber wohl am besten für Dich, Du siehst zu, daß Du
+wieder fortkommst; denn es wohnt hier ein Troll, der hat sechs Köpfe.«
+-- »Nein, ich gehe nicht,« sagte Halvor: »und wenn er noch sechs
+dazu hätte.« -- »Er nimmt Dich und frisst Dich lebendig,« sagte die
+Prinzessinn. Aber es half nichts; Halvor wollte nicht wieder fortgehen,
+denn er war nicht bange vor dem Trollen; aber zu essen und zu trinken
+wollte er haben, weil er so entsetzlich hungrig war von der Reise. Ja,
+das bekam er, so Viel er nur mochte. Darnach aber wollte die Prinzessinn
+wieder, daß er gehen sollte. »Nein,« sagte Halvor: »ich gehe nicht; denn
+ich habe nichts Böses gethan und brauche mich nicht zu fürchten.« Als
+nun Halvor durchaus nicht gehen wollte, sagte die Prinzessinn zu ihm:
+»Versuche denn, ob Du das Schwert zu schwingen vermagst, das dort an der
+Wand hangt, und das der Troll immer im Kriege gebraucht.« Halvor konnte
+aber das Schwert nicht schwingen. Da sagte sie zu ihm, er solle einen
+Trunk aus der Flasche thun, die daneben hange; und als Halvor das gethan
+hatte, konnte er das Schwert ohne Mühe schwingen.
+
+Nun dauerte es nicht lange, so kam der Troll an; er war so groß
+und breit, daß er seitwärts durch die Thür gehen mußte. Als er den
+ersten Kopf hereinsteckte, rief er: »_Hutetu! es riecht hier so nach
+Menschenfleisch!_« In demselben Augenblick aber hieb Halvor ihm den Kopf
+ab, und darnach alle die andern dazu. Da ward die Prinzessinn über alle
+Maßen froh. Als sie aber an ihre Schwestern dachte, äußerte sie den
+Wunsch, daß auch die erlös't sein möchten. Halvor meinte, dazu könne
+schon Rath werden und wollte sogleich wieder fort; aber erst mußte er
+der Prinzessinn den Rumpf des Trollen hinausschaffen helfen, und darnach
+begab er sich früh am andern Morgen auf den Weg. Er hatte aber eine
+weite Reise zu machen, und er ging und lief abwechselnd, damit er noch
+zu guter Zeit ankäme. Gegen Abend erblickte er endlich das Schloß, das
+noch weit schöner und prachtvoller war, als die beiden ersten. Nun
+fürchtete er sich nicht im geringsten mehr, sondern schritt grade durch
+die Küche fort ins Zimmer. Hier saß eine Prinzessinn, die war so schön,
+daß es gar nicht zu beschreiben ist; die sagte nun eben so, wie die
+andern, daß sie noch keine Menschenseele gesehen hätte, so lange sie bei
+dem Trollen sei, und bat ihn, nur sogleich wieder zu gehen, denn sonst
+fräße der Troll, der neun Köpfe hätte, ihn lebendig auf, sagte sie. »Und
+wenn er noch neun dazu hätte, so gehe ich doch nicht,« sagte Halvor und
+stellte sich an den Ofen hin. Die Prinzessinn bat ihn so flehentlich, er
+möchte doch wieder fortgehen, damit der Troll ihn nicht auffresse; aber
+Halvor sagte: »Mag er nur kommen, wenn es ihm gefällt.« Da gab die
+Prinzessinn ihm das Trollschwert und ließ ihn einen Trunk aus der
+Flasche thun, so daß er's schwingen konnte.
+
+Nun dauerte es nicht gar lange, so kam der Troll dahergesaus't, der war
+aber noch weit größer und breiter, als die beiden andern und mußte
+ebenfalls seitwärts durch die Thür gehen. Als er den ersten Kopf
+hereinsteckte, sagte er eben so, wie die andern: »_Hutetu! hier riecht's
+so nach Menschenfleisch!_« Im selben Augenblick aber hieb Halvor ihm
+den Kopf herunter, und nachher auch alle die andern, aber der letzte war
+der allerzäheste; den abzuhauen war die schwerste Arbeit, die Halvor je
+verrichtet hatte, obgleich er doch meinte, daß er Kräfte habe.
+
+Als Halvor nun auch den dritten Trollen getödtet hatte, kamen alle
+Prinzessinnen auf dem Schloß zusammen und waren so heiter und vergnügt,
+wie sie es noch nie in ihrem Leben gewesen; alle aber waren sie in
+Halvor verliebt, und er durfte nur Diejenige von ihnen wählen, die er
+am liebsten mochte; die jüngste Prinzessinn hielt jedoch am meisten von
+ihm. Halvor aber stand da ganz still und betrübt. Da fragte die jüngste
+Prinzessinn ihn, warum er so traurig wäre, und ob es ihm nicht bei ihnen
+gefiele. Ja, sagte Halvor, es gefiele ihm sehr wohl bei ihnen, denn sie
+hätten ja Genug zu leben, und er hätte gute Tage; aber er trüge ein so
+großes Verlangen nach Hause, denn er hätte noch Ältern am Leben, und
+die möchte er so gern einmal wiedersehen. Die Prinzessinnen meinten,
+das ließe sich wohl machen und sagten zu ihm: »Du sollst unbeschädigt
+hin- und zurückkommen, wenn Du nur genau unsern Rath befolgen willst.«
+Ja, Halvor wollte ihn genau befolgen. Da thaten sie ihm herrliche
+Kleider an, daß er aussah, wie ein Königssohn, und steckten an seinen
+Finger einen Ring, der hatte die Eigenschaft, daß er sich damit hin und
+wieder zurück wünschen konnte. Die Prinzessinnen warnten ihn aber, ja
+den Ring nicht zu verlieren und nicht ihren Namen zu nennen, denn
+alsdann wäre es aus mit der ganzen Herrlichkeit, sagten sie, und er
+würde sie dann nie wiedersehen.
+
+»Wäre ich jetzt zu Hause, wollte ich froh sein!« sagte Halvor; und wie
+er das gewünscht hatte, ging es sogleich in Erfüllung -- Halvor stand
+plötzlich vor dem Hause seiner Ältern. Es war eben um die Schubstunde,
+und da seine Ältern einen so vornehmen, stattlichen Herrn eintreten
+sahen, waren sie ganz erschrocken und bückten und verneigten sich.
+Halvor fragte, ob er nicht Nachtherberge bei ihnen bekommen könne. Nein,
+das könne er ganz und gar nicht. »Wir sind nicht so eingerichtet,«
+sagten sie: »denn wir haben weder das Eine, noch das Andre, womit einem
+solchen Herrn gedient sein kann,« und riethen ihm, auf's Schloß zu
+gehen, wovon er da den Schornstein sähe, da hätten sie Alles vollauf,
+sagten sie. Halvor aber gefiel das gar nicht, er wollte durchaus bei
+ihnen Herberge haben; aber die Leute blieben dabei, er solle auf's
+Schloß gehen, da könne er sowohl zu essen, als zu trinken bekommen,
+während sie nicht einmal einen Stuhl ihm anzubieten hätten. »Nein,«
+sagte Halvor: »auf's Schloß will ich nicht eher, als morgen früh; lasst
+mich nur die Nacht bei Euch bleiben, ich kann mich ja auf den Herd
+hinsetzen.« Dagegen konnten sie denn Nichts einwenden, und Halvor setzte
+sich nun auf den Herd und fing an, in der Asche zu wühlen, wie er
+ehemals zu thun pflegte, da er noch zu Hause faulenzte.
+
+Sie sprachen nun von Mancherlei, und Halvor erzählte von Diesem und
+Jenem, und endlich fragte er sie, ob sie niemals Kinder gehabt hätten.
+Ja, sagten sie, sie hätten einen Burschen gehabt, der Halvor geheißen,
+der sei aber fortgewandert, und sie wüßten nicht, ob er noch am Leben
+sei, oder schon todt wäre. »Könnt' ich es wohl nicht sein?« sagte
+Halvor. -- »Nein, das weiß ich gewiß,« sagte die Frau: »der Halvor war
+immer so faul und träge, daß er nie das Geringste thun mochte, und dann
+ging er so lumpig in seinen Kleidern, daß ein Lappen immer auf den
+andern schlug; aus ihm hätte nie ein solcher Herr werden können, wie Ihr
+seid.«
+
+Als aber die Frau die Gluth auf dem Herd anschürte, und der helle Schein
+davon auf Halvor fiel, da erkannte sie ihn wieder.
+
+»Ja, wahrhaftig bist Du es, Halvor!« rief sie, und es kam eine solche
+Freude über die alten Ältern, daß es gar nicht zu sagen ist; und Halvor
+mußte ihnen nun erzählen, wie es ihm ergangen war, und seine Mutter
+wollte durchaus, er solle sogleich auf's Schloß gehen und sich den
+Dienstdirnen zeigen, die immer so stolz gethan hatten; sie lief selber
+voraus und erzählte ihnen, daß Halvor zu Hause gekommen sei, und jetzt
+sollten sie nur sehen, wie stattlich er wäre; er sähe aus wie ein Prinz,
+sagte sie.
+
+»Das muß wahr sein!« sagten die Dirnen und warfen den Nacken: »er ist
+wohl derselbe Lump, der er immer gewesen ist.« Im selben Augenblick aber
+trat Halvor ein, und da erschraken die Dirnen so gewaltig, daß sie ihr
+Hemd auf dem Herd im Stich ließen, wo sie saßen und sich flöh'ten, und
+im bloßen Unterrock davon liefen. Als sie zurückkamen, waren sie so
+beschämt, daß sie es gar nicht wagten, Halvor anzusehen, gegen den sie
+früher immer so stolz und übermüthig gewesen waren. »Ihr habt Euch nun
+immer für so fein und so hübsch gehalten,« sagte Halvor: »und glaubt,
+es gäbe gar nicht mehr Euresgleichen; Ihr solltet aber nur die älteste
+Prinzessinn sehen, die ich befrei't habe! gegen die seht Ihr aus wie
+wahre Viehmägde, und die zweite ist noch schöner; aber die jüngste, die
+meine Braut ist, die ist schöner, als Sonne und Mond. Ich wollte nur,
+sie wären hier, so solltet Ihr sehen!« sagte Halvor.
+
+Kaum aber hatte er das gesagt, so standen die Prinzessinnen vor ihm; das
+betrübte ihn sehr; denn er gedachte nun an die Worte, die sie
+gesprochen. -- Auf dem Schloß wurde ein herrliches Gastmahl für die
+Prinzessinnen angerichtet und großer Aufwand gemacht. Aber sie blieben
+da nicht lange. »Wir wollen zu Deinen Ältern gehen,« sagten sie: »und
+uns ein wenig die Umgegend besehen.« Sie gingen darauf fort und kamen
+nicht weit vom Schloß zu einem großen Wasser, worin so viele Fische
+waren, daß es davon wimmelte, die aber niemals gefangen wurden. Dicht
+beim Wasser war ein schöner grüner Hügel. Da wollten die Prinzessinnen
+sich niedersetzen und sich ein Weilchen ausruhen; denn die Aussicht über
+das Wasser gefiel ihnen so schön, sagten sie.
+
+Als sie nun eine Weile da gesessen hatten, sagte die jüngste Prinzessinn:
+»Komm, Halvor! ich will Dir den Kopf krauen!« Halvor legte seinen Kopf
+auf ihren Schoß, und es dauerte nicht lange, so schlief er ein. Da zog
+die Prinzessinn ihm den Ring vom Finger und steckte ihm einen andern
+daran. Darnach sprach sie: »Haltet Euch nun alle fest an mir!« -- und:
+»Wären wir jetzt auf Soria-Moria-Schloß!«
+
+Als Halvor erwachte und sah, daß die Prinzessinnen verschwunden waren,
+fing er bitterlich an zu weinen und war so betrübt, daß sie ihn gar
+nicht wieder beruhigen konnten. Wie sehr auch die Ältern ihn trösteten
+und ihn baten, bei ihnen zu bleiben, so konnte doch Nichts ihn
+zurückhalten, sondern er nahm Abschied von ihnen und sagte, er würde
+sie wohl nie wiedersehen; denn fände er die Prinzessinnen nicht wieder,
+schiene es ihm nicht werth, länger zu leben, sagte er.
+
+Dreihundert Thaler hatte er noch übrig, die steckte er in die Tasche und
+begab sich damit auf den Weg. Als er ein Ende gegangen war, begegnete
+ihm ein Mann mit einem Pferd, das wollte Halvor ihm gern abkaufen und
+accordirte mit dem Manne. »Es war freilich nicht meine Absicht, es zu
+verkaufen,« sagte der Mann: »aber wenn wir des Handels einig werden
+können, mag es drum sein.« Halvor fragte ihn, Was er denn für das Pferd
+haben wolle. »Viel habe ich nicht dafür gegeben, und Viel ist es auch
+nicht werth,« sagte der Mann: »es ist aber ein braves Pferd zum Reiten,
+obwohl es zum Ziehen eigentlich nicht taugt; doch so Viel vermag es
+immer, daß es Euern Eßranzen trägt und Euch dazu, wenn Ihr mitunter
+mal wieder ein Ende geht.« Sie wurden nun um den Preis einig, und als
+Halvor das Pferd bekommen hatte, legte er seinen Ranzen darauf und ging
+und ritt abwechselnd. Gegen Abend kam er zu einem grünen Hügel, worauf
+ein großer Baum stand. Da nahm er seinen Eßranzen vom Pferde, ließ diesem
+die Zügel und legte sich unter dem Baum schlafen. Sobald es Tag wurde,
+machte er sich wieder auf den Weg; denn er hatte durchaus keine Ruhe. Er
+ging und ritt den ganzen Tag durch einen großen Wald, worin viele grüne
+Plätze waren, die herrlich zwischen die Bäume hindurchschimmerten. Halvor
+wußte nicht mehr, wo er war, und wohin der Weg führte; aber er ließ sich
+keine Zeit, auszuruhen, außer wenn er dem Pferd Etwas zu essen gab und
+er selber auf einem der grünen Plätze seinen Ranzen aufschnürte. Er ging
+und ritt immerfort, und der Wald schien niemals ein Ende nehmen zu
+wollen.
+
+Aber am andern Morgen, als es dämmerte, sah er, daß es zwischen den
+Bäumen lichter ward. »Ich wollte, ich käme jetzt zu Leuten, wo ich mich
+ein wenig wärmen und Etwas zu essen bekommen könnte!« dachte Halvor; und
+als er noch einige Schritte gegangen war, kam er zu einer armseligen
+Hütte und sah drinnen durch die Fensterscheiben ein Paar alte Leute; sie
+waren schon sehr alt und hatten einen ganz grauen Kopf, so grau, wie
+Tauben, und die Frau hatte eine Nase, die war so lang, daß sie sie statt
+Feuergabel auf dem Herd gebrauchte. »Guten Abend!« sagte Halvor, als er
+eintrat. »Guten Abend!« sagte die Frau: »Was führt Euch denn hieher?
+Über hundert Jahre sind es jetzt, daß keine Menschenseele hier gewesen
+ist.« Halvor erzählte ihnen, daß er nach Soria-Moria-Schloß wolle, und
+fragte, ob sie nicht den Weg dahin wüßten. »Nein,« sagte die Frau: »den
+weiß ich nicht; aber nun kommt gleich der Mond, den will ich fragen;
+denn der scheint auf Alles und sieht Alles, der mag es wohl wissen.«
+Als nun der Mond hell und klar über den Bäumen stand, ging die Frau
+hinaus und rief: »Du Mond, Du Mond! kannst Du mir nicht den Weg nach
+Soria-Moria-Schloß sagen?« -- »Nein,« sagte der Mond: »das kann ich
+nicht; denn als ich in der Gegend schien, stand eine Wolke davor.«
+-- »Warte nur ein wenig,« sagte die Frau zu Halvor: »nun kommt bald der
+Westwind, der weiß es gewiß; denn der weh't und bläs't in jeden Winkel.«
+»Ei! hast Du auch ein Pferd?« rief sie darauf, als sie Halvors Pferd
+erblickte: »laß doch das arme Thier ein wenig in die Koppel hinaus, und
+hier nicht bei der Thür stehen und hungern!« »Aber willst Du es mir
+nicht vertauschen?« sagte sie: »Ich habe hier ein Paar alte Stiefeln
+stehen, womit Du sieben Meilen in _einem_ Schritt machen kannst; die
+will ich Dir für Dein Pferd geben; dann kannst Du um so viel eher nach
+Soria-Moria-Schloß kommen.« Das war Halvor schon recht, und die Alte
+freu'te sich so sehr über das Pferd, daß sie tanzte und sprang. »Nun
+kann ich doch, wenn ich will, zur Kirche _reiten!_« sagte sie. Halvor,
+der keine Ruhe hatte, wollte sogleich mit den Stiefeln fort; aber die
+Alte sagte: »Es hat nicht so große Eile; lege Dich nur erst ein wenig
+auf die Bank hin und schlafe, denn ein Bett habe ich Dir nicht
+anzubieten; indeß will ich aufpassen, wenn der Westwind kommt.«
+
+Als nun Halvor ein wenig geschlafen hatte, kam der Westwind dahergesaus't,
+daß die alte Hütte krachte. Die Alte hinaus: »Du Westwind! Du Westwind!«
+rief sie: »weißt Du nicht den Weg nach Soria-Moria-Schloß? Hier ist
+Einer, der will gern hin.« -- »Ja, den weiß ich sehr gut,« sagte der
+Westwind: »ich soll eben jetzt dahin und die Kleider zur Hochzeit
+trocknen. Ist er rasch zu Fuß, so kann er mit mir reisen.« Halvor
+hinaus. »Du musst schnell sein, wenn Du mit willst,« sagte der Westwind,
+und fort ging's über Rusch und Busch, über Hügel und Thal, so daß Halvor
+Genug zu thun hatte, um Schritt zu halten. Endlich sagte der Westwind:
+»Jetzt kann ich nicht weiter mit Dir reisen; denn ich muß dort noch erst
+ein Stück Tannenwald umreißen, eh' ich zur Bleiche komme und die Kleider
+trockne; wenn Du aber längs der Bergseite fortgehst, so kommst Du zu
+einigen Dirnen, die dort stehen und Zeug waschen, und von da ist es
+nicht mehr weit nach Soria-Moria-Schloß.«
+
+Um eine Weile kam Halvor zu den Dirnen, die da stunden und wuschen; sie
+fragten ihn, ob er nicht den Westwind gesehen hätte, der sollte kommen
+und das Zeug zur Hochzeit trocknen. »Ja,« sagte Halvor: »er ist nur hin
+und reißt ein Stück Tannenwald um; es wird aber nicht lange dauern, so
+ist er da,« und nun befragte er sie um den Weg nach Soria-Moria-Schloß.
+Sie zeigten ihn darauf zurecht, und als er ans Schloß kam, war es da so
+voll von Menschen und Pferden, daß es wimmelte. Halvor aber war so
+zerlumpt und zerrissen, weil er dem Westwind über Rusch und Busch und
+Stock und Stein gefolgt war, daß er sich gar nicht sehen lassen mochte,
+sondern sich abseits hielt; erst den letzten Tag trat er hervor, da eben
+die Gäste sich zur Tafel setzten. Als sie nun, wie es Sitte und Gebrauch
+ist, die Gesundheit des Bräutigams und der Braut tranken und ihnen Glück
+wünschten, und der Mundschenk Allen, sowohl Rittern, als Knappen, zutrank,
+da kam der Becher auch zu Halvor. Er brachte nun ebenfalls die Gesundheit
+des Brautpaars aus, darnach ließ er den Ring, den die Prinzessinn ihm an
+den Finger gesteckt hatte, als er an dem Wasser eingeschlafen war, in
+den Becher fallen und sagte zu dem Mundschenken, er solle die Braut von
+ihm grüßen und ihr den Becher reichen. Wie nun die Prinzessinn ihren
+Ring erblickte, stand sie sogleich vom Tische auf und sprach: »Wer hat
+es wohl am ersten verdient, Eine von uns zur Gemahlinn zu haben. Der,
+welcher uns befrei't hat, oder Der, welcher hier als Bräutigam sitzt?«
+Natürlich der Erste, sagten Alle, darüber könnten durchaus nicht zwei
+Meinungen sein. Und als Halvor das hörte, säumte er nicht, seine Lumpen
+abzuwerfen und sich als Bräutigam zu schmücken. »Ja, Das ist der
+Rechte!« rief die Prinzessinn, als sie ihn erblickte, ließ den Andern
+mit einer langen Nase abziehen und hielt Hochzeit mit Halvor.
+
+
+
+
+28.
+
+Der Herr Peter.
+
+
+Es waren einmal ein Paar arme Eheleute, die hatten drei Söhne. Wie die
+beiden ältesten hießen, weiß ich nicht; aber der jüngste hieß _Peter_.
+Als die Ältern gestorben waren, und die Kinder sich in die Erbschaft
+theilen wollten, war Nichts da, als ein Grapen, eine Brodplatte und eine
+Katze. Der älteste, welcher das Beste haben sollte, nahm den Grapen.
+»Wenn ich den ausleihe, bleibt doch immer Etwas für mich auszuschrapen
+drin,« sagte er. Der zweite nahm die Brodplatte: »Wenn ich die ausleihe,
+bleibt doch immer Etwas für mich abzukratzen dran,« sagte er. Für
+den jüngsten blieb nichts Anders übrig, als die Katze. »Wenn ich die
+ausleihe, bekomm' ich Nichts dafür,« sagte er: »giebt man ihr auch ein
+wenig Milch, so schleckt sie sie selbst.« Gleichwohl nahm er doch die
+Katze; denn es jammerte ihn, sie umkommen zu lassen.
+
+Hierauf wanderten die Brüder fort in die Welt, um ihr Glück zu versuchen,
+und jeder zog seine Straße. Als der jüngste eine Weile fortgegangen war,
+sagte die Katze: »Es soll Dir nicht leid sein, daß Du mich nicht in der
+alten Hütte hast umkommen lassen, sondern mich mit Dir genommen. Ich
+werde in den Wald gehen und allerlei Gethier greifen, das sollst Du zu dem
+König auf das Schloß tragen, das Du dort siehst, und sagen, Du brächtest
+ihm ein kleines Geschenk. Wenn er Dich dann fragt, von Wem das ist,
+sollst Du sagen: 'Das ist von dem _Herrn Peter_.'« Hierauf lief die
+Katze in den Wald, und kam bald mit einem lebendigen Rennthier zurück;
+dem war sie auf den Kopf gesprungen, hatte sich zwischen die Hörner
+gesetzt und gesagt: »Gehst Du nicht gradesweges zu des Königs Schloß,
+so kratze ich Dir die Augen aus,« darum wagte das Rennthier auch nicht,
+anders zu thun, als die Katze ihm gesagt hatte. Wie Halvor nun zum
+Schloß kam, ging er mit seinem Thier in die Küche und sagte: »Ich komme,
+um dem König ein kleines Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht
+verschmähen wollte.« Als man dem König das anmeldete, kam er sogleich
+in die Küche, und wie er das große schöne Rennthier erblickte, war er
+darüber außerordentlich erfreu't. »Mein lieber Freund,« sagte er zu
+Halvor: »Wer ist es, der mir ein so schönes Geschenk sendet?« -- »O, das
+ist der Herr Peter,« sagte der Bursch. »Der Herr Peter?« sagte der
+König: »wo wohnt er doch noch, dieser Herr Peter?« denn es däuchte ihm
+eine Schande, daß er einen solchen Mann nicht kennen sollte. Aber der
+Bursch wollt' es ihm nicht sagen; er dürfe es nicht wegen seines Herrn,
+sagte er. Darauf gab der König ihm ein gutes Trinkgeld und bat ihn,
+seinen Herrn von ihm zu grüßen, und er ließe sich auch vielmal bedanken.
+
+Den andern Tag lief die Katze wieder in den Wald, sprang einem Hirsch
+auf den Kopf, setzte sich ihm zwischen die Augen und nöthigte ihn
+ebenfalls durch Drohungen, nach des Königs Schloß zu gehen. Als Peter in
+die Küche eintrat, sagte er wieder, er käme, um dem König ein kleines
+Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht verschmähen wolle. Der König
+freu'te sich über den Hirsch noch mehr, als über das Rennthier, und
+fragte, Wer es denn wäre, der ihm ein so schönes Geschenk sende. »Das
+ist der Herr Peter,« sagte der Bursch. Als aber der König wissen wollte,
+wo der Herr Peter wohne, bekam er wieder dieselbe Antwort, wie den
+vorigen Tag, und diesmal gab er Petern ein noch größeres Trinkgeld.
+
+Den dritten Tag kam die Katze mit einem Elenthier an. Als Peter in die
+Küche auf dem Schloß trat und sagte, er brächte dem König ein kleines
+Geschenk, ward es dem König sogleich angesagt. Wie dieser nun herauskam
+und das große schöne Elenthier erblickte, war er darüber so voller
+Freude, daß er nicht wußte, »auf welchem Bein er stehen wollte,« und das
+Mal gab er Petern ein noch weit größeres Trinkgeld, es waren gewiß
+hundert Thaler. Nun wollte aber der König durchaus wissen, wo der Herr
+Peter wohnte, und forschte und fragte auf alle mögliche Weise; aber
+Peter sagte, er dürfe es nicht sagen von wegen seines Herrn, denn der
+hätte es ihm so strenge verboten. »So sage denn dem Herrn Peter, ich
+ließe ihn bitten, mich zu besuchen,« sagte der König. Ja, sagte der
+Bursch, er wollt's wohl bestellen. Als Peter darauf zu der Katze kam,
+sagte er: »Na, Du hast mich in eine schöne Patsche gebracht! Nun will
+der König, ich soll ihn besuchen, und ich habe ja nichts Anders auf
+den Leib zu ziehen, als die Lumpen, worin ich gehe und stehe.« -- »O,
+sei deßwegen nicht bekümmert!« sagte die Katze: »um drei Tage sollst
+Du Pferde und Wagen und so schöne Kleider bekommen, daß das Gold
+heruntertröpfelt; dann kannst Du den König besuchen. Aber Was Du auch
+beim König siehst, so musst Du immer sagen, Du hättest es noch weit
+schöner und prächtiger zu Hause; das musst Du nicht vergessen.« Nein,
+Peter wollt's nicht vergessen. -- Als nun die drei Tage um waren, kam
+die Katze mit Wagen und Pferden und Kleidern und Allem, was Peter
+gebrauchte. Das Alles aber war so prächtig, wie Niemand Dergleichen
+noch gesehen hatte. Nun fuhr Peter nach dem Schloß, und die Katze lief
+hinterher. Der König empfing den Burschen sehr freundlich; aber Was er
+ihm auch zeigen und anbieten mochte, so sagte Peter immer, ja, das wäre
+Alles recht gut, aber er hätt's doch noch weit schöner und prächtiger zu
+Hause. Das wollte nun dem König gar nicht anstehen, aber Peter blieb
+immer beim Alten. Zuletzt ward der König so verdrießlich, daß er sich
+nicht länger halten konnte. »Nun will ich mit Dir reisen,« sagte er:
+»und sehen, ob es wahr ist, daß Du Alles so viel besser und schöner
+hast, als ich. Aber Gnade Dir Gott, wenn Du lügst! Ich sage nicht mehr.«
+-- »Ja, nun hast Du mich schön in die Tinte gebracht!« sagte Peter zu
+der Katze: »nun will der König mit mir reisen nach meinem Hause, aber
+das ist wohl nicht gut zu finden.« -- »Laß Dich das nicht kümmern!«
+sagte die Katze: »ich werde voranlaufen, und folge Du mir dann nur immer
+nach.« Darauf reis'ten sie fort: die Katze voran, darnach Peter, welcher
+hinter ihr her fuhr, und dann der König mit seinem ganzen Hofstaat.
+
+Als sie nun ein gutes Ende gefahren waren, kamen sie zu einer großen
+Heerde Schafe, die hatte Wolle, so lang, daß sie an der Erde schleppte.
+»Willst Du sagen, daß diese Schafheerde dem Herrn Peter gehört, so gebe
+ich Dir diesen silbernen Löffel,« sagte die Katze zum Hirten -- den
+Löffel aber hatte sie mit aus dem Königsschloß genommen --. Ja, das
+wollte der Hirte wohl sagen. Als nun der König gefahren kam, rief er:
+»Ei! ei! hab' ich doch nie eine so große schöne Schafheerde gesehen! Wem
+gehört die, mein kleiner Bursch?« -- »Die gehört dem Herrn Peter,« sagte
+der Bursch.
+
+Nach einer Weile kamen sie zu einer schönen großen Heerde scheckiger
+Kühe, die waren so fett, daß sie glänzten. »Willst Du sagen, daß diese
+Heerde dem Herrn Peter gehört, wenn der König Dich fragt, so gebe ich Dir
+diesen silbernen Handzuber,« sagte die Katze zu der Dirn, die das Vieh
+trieb -- den Zuber aber hatte sie auch aus dem Schloß mitgenommen --. »Ja,
+recht gern!« sagte die Dirn. Als nun der König gefahren kam, wunderte
+er sich sehr über die große schöne Heerde; eine so schöne Viehheerde,
+meinte er, hätte er noch nie gesehen; und als er die Dirn fragte, Wem
+das Vieh gehöre, sagte sie: »O, das gehört alles dem Herrn Peter.«
+
+Ein Ende weiter hin trafen sie eine große schöne Koppel Pferde an, es
+waren die schönsten Pferde, die man sehen konnte; alle waren sie groß und
+fett, und von jeder Farbe waren sechs: rothe, fahle und blaue. »Willst
+Du sagen, daß diese Pferdetrift dem Herrn Peter gehört, wenn der König
+Dich fragt, so geb' ich Dir diesen silbernen Abguß,« sagte die Katze zum
+Hirten -- den Abguß hatte sie auch aus dem Schloß mitgenommen --. Ja,
+der Bursch wollt's wohl sagen. Als nun der König ankam, war er ganz
+verwundert über die große schöne Pferdetrift; denn solche Pferde hätte
+er noch nie gesehen, sagte er, und als er den Burschen fragte, Wem alle
+die rothen und fahlen und blauen Pferde gehörten, sagte der: »Die
+gehören alle dem Herrn Peter.«
+
+Als sie nun ein gutes Ende weiter gereis't waren, kamen sie zu einem
+Schloß. Die erste Pforte war von Messing, die zweite von Silber, und die
+dritte von Gold. Das Schloß selbst war von Silber und so blank, daß es
+Einem in den Augen weh that, wenn man es ansah; denn es schien grade die
+Sonne darauf, wie sie ankamen. Die Katze hatte die Gelegenheit ersehen,
+dem Burschen unbemerkt ins Ohr zu flüstern, er solle sagen, das wäre
+_sein_ Schloß. Drinnen im Schloß aber war's noch viel prächtiger, als
+außen: Alles war hier von Gold, sowohl die Stühle, als die Tische und
+die Bänke. Als nun der König rings umhergegangen war und Alles genau
+betrachtet hatte, von unten und von oben, da ward er ganz beschämt.
+»Ja, der Herr Peter hat Alles weit prächtiger, als ich,« sagte er: »es
+hilft nicht, daß man es leugnet,« und damit wollte er wieder fortreisen.
+Aber Peter bat ihn, er möchte doch bleiben und bei ihm zu Abend essen.
+Na, das that denn der König auch; aber sauer sah er die ganze Zeit.
+-- Während sie nun bei Tische saßen, kam der Troll gegangen, dem das
+Schloß gehörte, und klopfte an die Pforte. »_Wer ist es, der mein Essen
+verzehrt und meinen Meth trinkt, als wären Schweine drinnen?_« rief er.
+Als die Katze das hörte, lief sie sogleich hinaus, trat an die Pforte
+und sprach: »Wart einmal! ich will Dir erzählen, wie der Bauer es mit
+dem Winterkorn macht,« und darauf erzählte sie dem Trollen sehr weitläufig
+vom Winterkorn: wie zuerst der Bauer seinen Acker pflüge, darnach ihn
+dünge, und dann wieder pflüge u. s. w., bis plötzlich die Sonne
+aufging[7]. »Sieh Dich mal um, dann wirst Du hinter Dir die schöne
+herrliche Jungfrau erblicken!« sagte die Katze zum Trollen. Da sah
+dieser sich um, erblickte die Sonne und barst mitten von einander[8].
+
+»Nun gehört Alles Dir,« sagte darauf die Katze zu Petern: »Jetzt aber
+sollst Du mir den Kopf abschlagen, das ist der einzige Lohn, den ich
+für die Dienste verlange, die ich Dir gethan habe.« Das wollte aber
+Peter durchaus nicht. »Wenn Du es nicht thust,« sagte die Katze: »so
+kratze ich Dir die Augen aus.« Da konnte Peter nicht anders, sondern
+mußte thun, wie die Katze wollte, so sauer es ihm auch ankam: mit
+_einem_ Streich hatte er ihr den Kopf vom Rumpf abgehau't. Da stand
+aber plötzlich vor ihm die schönste Prinzessinn, die man je gesehen
+hat, und Peter wurde augenblicklich ganz in sie verliebt. »Alle diese
+Herrlichkeit gehörte früher mir,« sagte die Prinzessinn: »aber der Troll
+hatte mich verzaubert, so daß ich als Katze in dem Hause Deiner Ältern
+sein mußte. Nun kannst Du thun, Was Du willst, mich zu Deiner Gemahlinn
+nehmen, oder nicht; denn nun bist Du König über das ganze Reich.« -- Der
+nicht nein sagte, das war Peter, und es ward eine Hochzeit gehalten und
+ein Gastmahl, das dauerte ganze acht Tage lang. Nun war ich aber nicht
+länger bei dem Herrn Peter und der jungen Königinn.
+
+
+
+
+29.
+
+Aase[9], das kleine Gänsemädchen.
+
+
+Es war einmal ein König, der hatte so viele Gänse, daß er eigens eine
+Dirn halten mußte, sie zu hüten; diese Dirn hieß Aase, und darum nannten
+die Leute sie _Aase, das Gänsemädchen_. Nun traf es sich, daß der
+Königssohn von England aufs Freien ausreis'te, dem setzte Aase sich in
+den Weg. »Was sitzest Du da, Du kleine Aase?« sagte der Königssohn. »Ich
+sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen,« sagte Aase:
+»denn ich warte auf den Königssohn von England.« -- »Den kannst Du nicht
+bekommen,« sagte der Prinz. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn
+wohl kriegen,« sagte die kleine Aase. -- Es wurden nun Maler ausgesandt
+nach allen Ländern und Reichen, die sollten die schönsten Prinzessinnen
+abmalen, und dann wollte der Königssohn sich eine zur Gemahlinn aussuchen.
+Eine von ihnen gefiel ihm auch so gut, daß er sogleich zu ihr reis'te
+und um sie frei'te; sie sagte auch Ja und ward seine Braut, und darüber
+war der Prinz außerordentlich vergnügt. Nun hatte aber der Prinz einen
+Stein, und wenn er den vor sein Bett hinlegte, sagte der ihm Alles,
+worüber er ihn befragte. Als daher die Prinzessinn angereis't kam, sagte
+Aase, das Gänsemädchen, zu ihr, wenn sie schon früher einen Liebsten
+gehabt hätte, oder sich wegen einer gewissen Sache, wovon der Prinz
+Nichts wissen solle, etwa nicht frei fühle, so müsse sie sich in Acht
+nehmen, daß sie nicht über den Stein trete, den der Prinz vor sein Bett
+hingelegt hätte, denn der sage ihm Alles. Als die Prinzessinn das hörte,
+ward sie sehr angst und bat die kleine Aase, daß sie sich am Abend an
+ihrer Stelle zu dem Prinzen ins Bett legen möchte, und wenn er dann
+eingeschlafen sei, wollten sie wieder umtauschen, so daß er am Morgen,
+wenn es hell würde, die Rechte bei sich hätte. Das thaten sie denn auch.
+Als Aase, das Gänsemädchen, über den Stein trat, fragte der Prinz: »Wer
+ist es, der in mein Bett steigt?« -- »Reine und keusche Jungfrau,« sagte
+der Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber kam
+die Prinzessinn und legte sich an Aase's Stelle. Als sie aber am andern
+Morgen aufstanden, fragte der Prinz den Stein wieder: »Wer ist es, der
+aus meinem Bett steigt?« -- »Eine, die schon drei Kinder gehabt hat,«
+sagte der Stein. Wie der Prinz das hörte, wollte er sie nicht haben,
+sondern schickte sie wieder nach Hause und nahm sich eine andre Braut.
+
+Als er nun die neue Braut besuchen wollte, hatte Aase, das kleine
+Gänsemädchen, sich wieder vor ihm in den Weg hingesetzt. »Was sitzest
+Du hier, Du kleine Aase?« sagte der Prinz. »Ich sitze hier und flicke
+das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn ich warte auf den Königssohn
+von England,« sagte Aase. »Den kannst Du nicht bekommen,« sagte der
+Königssohn. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn wohl kriegen,«
+sagte Aase.
+
+Mit dieser Prinzessinn ging es nun eben so, wie mit der vorigen, nur mit
+dem Unterschied, daß der Stein, als sie am Morgen aufstand, sagte, sie
+hätte schon sechs Kinder gehabt. Nun wollte der Prinz auch sie nicht
+haben, sondern jagte sie wieder aus dem Hause; aber einmal, meinte er,
+wollt' er's noch versuchen, ob er nicht Eine finden könne, die noch eine
+reine und keusche Jungfrau sei. Er reis'te nun weit umher durch viele
+Länder, bis er endlich Eine fand, die er leiden mochte. Als er sie darauf
+einmal besuchte, hatte Aase, das Gänsemädchen, sich wieder in den Weg
+hingesetzt. »Was sitzest Du hier, Du kleine Aase?« fragte der Prinz.
+»Ich sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn
+ich warte auf den Königssohn von England,« sagte Aase. »Den kannst Du
+nicht bekommen,« sagte der Prinz. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd'
+ich ihn wohl kriegen,« versetzte die kleine Aase.
+
+Als die Prinzessinn ankam, sagte Aase, das Gänsemädchen, zu ihr eben so,
+wie zu den beiden ersten, wenn sie schon einen Liebsten gehabt hätte,
+oder sonst Etwas im Wege wäre, das der Prinz nicht wissen solle, so
+müsse sie nicht über den Stein treten, den der Prinz vor sein Bett
+hingelegt hätte, denn der sage ihm Alles. Wie die Prinzessinn das hörte,
+ward sie sehr ängstlich; aber sie war eben so verschlagen, wie die
+beiden andern, und bat Aase, daß sie sich am Abend an ihrer Stelle zu
+dem Prinzen ins Bett legen möchte, und wenn er eingeschlafen sei,
+wollten sie wieder umtauschen, so daß er am Morgen, wenn's hell würde,
+die Rechte bei sich hätte. Das thaten sie denn auch. Als Aase, das
+Gänsemädchen, über den Stein trat, fragte der Prinz wieder: »Wer ist es,
+der in mein Bett steigt?« -- »Reine und keusche Jungfrau,» sagte der
+Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber steckte
+der Prinz einen Ring an Aase's Finger, der war aber so drange, daß sie
+ihn nicht wieder abkriegen konnte; denn der Prinz hatte nachgerade wohl
+gemerkt, daß es nicht ganz richtig zuging, und darum wollt' er ein
+Zeichen haben, woran er die Rechte wieder erkennen könnte. Als der Prinz
+eingeschlafen war, kam die Prinzessinn und jagte Aase in den Gänsestall
+und legte sich selbst an ihre Stelle ins Bett. Wie sie nun am Morgen
+aufstanden, und der Prinz fragte: »Wer ist es, der aus meinem Bett
+steigt?« sagte der Stein wieder: »Eine, die schon drei Kinder gehabt
+hat;« und als der Prinz das hörte, ward er so böse, daß er sie
+augenblicklich aus dem Hause jagte. Darauf fragte er den Stein, wie es
+denn mit diesen drei Prinzessinnen zusammenhinge, die über ihn gestiegen
+wären. Da erzählte ihm der Stein, wie die Sache sich verhielt, und daß
+die Prinzessinnen ihn betrogen und Aase, das kleine Gänsemädchen, an
+ihre Stelle gelegt hätten. Das wollte der Prinz erst nicht glauben und
+ging daher aufs Feld, wo Aase saß und die Gänse hütete; denn er wollte
+sehen, ob sie wohl den Ring hätte. »Hat sie den, so ist es wohl am
+besten, daß ich _sie_ zur Gemahlinn nehme,« dachte er. Als er nun zu ihr
+auf's Feld kam, sah er, daß sie einen Lappen um ihren Finger gebunden
+hatte. Er fragte sie, warum sie das gethan hätte. »Ach,« sagte sie: »ich
+habe mich so arg geschnitten.« Der Prinz wollte nun durchaus den Finger
+sehen; aber Aase wollte den Lappen nicht abnehmen. Da ergriff er ihren
+Finger und hielt ihn fest, und wie Aase ihn zurückziehen wollte, ging
+der Lappen ab, und nun erkannte der Prinz sogleich seinen Ring. Da nahm
+er sie mit sich auf's Schloß und gab ihr viele schöne Kleider und
+herrlichen Schmuck; und darauf hielten sie Hochzeit. So bekam nun Aase,
+das kleine Gänsemädchen, den Königssohn von England, bloß weil es so
+bestimmt war, daß sie ihn haben sollte.
+
+
+
+
+30.
+
+Der Bursch und der Teufel.
+
+
+Es war einmal ein Bursch, der ging auf einem Wege und knackte Nüsse; da
+fand er eine, die war wurmstichig, und im selben Augenblick begegnete
+ihm der Teufel. »Ist es wahr,« sagte der Bursch: »was man sagt, daß
+der Teufel sich so klein machen kann, als er will, und sich durch ein
+Nadelöhr zwängen?« -- »Ja,« antwortete der Teufel. »Oh! laß mich einmal
+sehen und kriech in diese Nuß!« sagte der Bursch wieder; und das that
+der Teufel. Als er durch das Loch gekrochen war, schlug der Bursch einen
+Pflock hinein. »Nun hab' ich Dich!« sagte er und steckte die Nuß in die
+Tasche. Wie er nun ein Ende gegangen war, kam er zu einer Schmiede, da
+ging er hinein und bat den Schmied, er möchte ihm doch die Nuß entzwei
+schlagen. »Ja, das soll leicht gethan sein,« antwortete der Schmied und
+nahm seinen kleinsten Hammer, legte die Nuß auf den Amboß und schlug zu;
+aber sie wollte nicht entzwei. Da nahm er einen etwas größeren Hammer,
+aber der war auch noch nicht schwer genug; er nahm nun einen noch
+größeren, aber der that's auch noch nicht. Da wurde der Schmied
+verdrießlich und nahm den großen Hammer: »Ich werde dich gleichwohl
+entzwei kriegen,« sagte er und schlug zu, all was er konnte. Da zerplatzte
+die Nuß, daß das ganze Schmiededach abflog, und es krachte, als ob die
+Hütte umstürzen wollte. »Ich glaube, der Teufel war in der Nuß!« sagte
+der Schmied. »Ja, er war drin,« sagte der Bursch.
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+Die von _P. Asbjörnsen_ und _Jörgen Moe_ gesammelten norwegischen
+Volksmährchen, welche hier dem Publicum in zwei Bänden vorliegen,
+erschienen in der Originalsprache in einzeln Heften, wovon das 4te (das
+letzte bis jetzt erschienene Heft) als »des zweiten Bandes erstes Heft«
+bezeichnet ist; die Sammlung ist also noch nicht als abgeschlossen
+anzusehen, ungeachtet seit dem Erscheinen des letzten Heftes bereits
+drei Jahre verflossen sind, wogegen die drei ersten Hefte im Verlauf
+eines einzigen Jahrs erschienen. Möge es den geehrten Herausgebern
+dieser Mährchen nicht an Aufmunterung fehlen, ihre schätzenswerthe
+Sammlung fortzusetzen, in der das nordische Element so frisch und
+kräftig bewahrt, und der Volkston so gut gehalten ist, so daß diese
+Sammlung sich, nach dem Urtheile gründlicher Kritiker, als eine der
+würdigsten an die der Brüder _Grimm_ anschließt.
+
+Daß alle diese Mährchen aus dem Munde des norwegischen Volkes selbst
+gesammelt, und nicht etwa neuere Dichtungen sind, bemerkt ausdrücklich
+einer der Herausgeber, der Herr _P. Asbjörnsen_, in der Einleitung zu
+seinen »_Huldre-Eventyr_,« eine Sammlung norwegischer Volksmährchen,
+worin die neckischen Huldregeister, wie in den vorliegenden die
+ungeschlachten Trollen, die wichtigste Rolle spielen, welche Mährchen
+jedoch im Ganzen mehr den Charakter örtlicher Sagen an sich tragen.
+Sobald diese Sammlung zu einem Bändchen herangewachsen ist, werden wir
+nicht unterlassen, auch diese dem deutschen Publicum mitzutheilen.
+
+Was die Übersetzung der vorliegenden Mährchen betrifft, so habe ich mich,
+so weit es der Genius der Sprache nur erlaubte, genau an den Originaltext
+gehalten. Einzelne unbedeutende Abänderungen wurden jedoch nothwendig,
+wenn ich nicht zu schleppenden und allzu ermüdenden Umschreibungen meine
+Zuflucht nehmen wollte. So ist z. B. in dem Mährchen: »Der Gertrudsvogel«
+der Ausdruck _Levse_ auf deutsch bloß durch _Brod_ wiedergegeben,
+obgleich das nordische _Levse_ sonst eine Art weiches mit einem runden
+Holze flach gerolltes Gebäck bezeichnet. -- Die sehr oft vorkommende
+Redensart bei den Trollen: »_Her lugter saa christen Mands Been_« habe
+ich durch die in deutschen Mährchen sehr übliche Redensart im Munde
+der Riesen: »_Es riecht hier so nach Menschenfleisch_« wiedergegeben;
+vielleicht wäre es jedoch in diesem Falle richtiger gewesen, dem
+nordischen Charakter getreu, zu sagen: »_Es riecht hier so nach
+Christenfleisch_,« weil eben dadurch der unversöhnliche Haß der Trollen
+gegen das Christenthum sich ausspricht, obwohl sie überdies auch oft als
+Menschenfresser erscheinen. Diese Bemerkung drängte sich mir jedoch erst
+auf, nachdem meine Übersetzung schon gedruckt war, und es bleibt mir
+daher nur übrig, falls ich hiedurch einen wirklichen Fehler begangen
+haben sollte, um gütige Nachsicht zu bitten. -- Einzelne nordische
+Ausdrücke, die sich durchaus nicht übersetzen ließen, wenn nicht das
+nordische Element gänzlich verwischt werden sollte, habe ich unverändert
+beibehalten und in einer unten beigefügten Note die Erklärung davon
+gegeben.
+
+Schließlich noch meinen innigsten Dank den in _Kopenhagen_ lebenden
+Normännern, welche mir über die so häufig in dem Originaltexte
+vorkommenden norwegischen Provinzialismen die nöthige Aufklärung gegeben
+haben. Den größten Theil dieser Provinzialismen habe ich durch deutsche
+Provinzialismen wiederzugeben gesucht, weil eben dadurch das Naive in
+der Volkserzählung so charakteristisch hervortritt.
+
+F. BRESEMANN.
+BERLIN im October. 1846.
+
+
+
+
+FUSSNOTEN -- FOOTNOTES
+
+
+ 1. Ein auf Stollen oder Pfosten über der Erde aufgeführtes Gebäude, das
+ als Speisegewölbe oder Vorrathskammer dient. Anm. d. Übers.
+
+ 2. Siehe die Note Seite 18.
+
+ 3. Im Norwegischen ist das Wortspiel: _Ringerige_ und _Himmerige_.
+ _Ringerige_ heißt übrigens eine alte Provinz in Norwegen.
+
+ 4. d. i. Holzrock.
+
+ 5. Bei diesem Mährchen kommt Alles auf die Betonung an, indem man
+ nämlich die Stimme des Hahns und der Henne nachzuahmen sucht.
+ _Anm. d. Verf._
+
+ 6. _Lille_ bedeutet: klein; _kort_: kurz.
+
+ 7. Bekanntlich sind in Norwegen die Nächte um die Mitte des Sommers nur
+ sehr kurz, so daß die Sonne fast beständig am Himmel steht.
+ Anm. d. Übers.
+
+ 8. In der nordischen Mythologie heißt es sonst von den _Schwarzelfen_,
+ daß sie in Stein verwandelt werden, sobald die Sonne sie bescheint.
+ Anm. d. Übers.
+
+ 9. Sprich: Oße.
+
+
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+TRANSCRIBER'S NOTE ---- ZUR KENNTNISNAHME
+
+Contemporary spellings have generally been retained even when
+inconsistent. A small number of obvious typographical errors have been
+corrected and some names regularised; missing punctuation has been
+silently added.
+
+Zeitgenössische Schreibungen wurden generell beibehalten, auch wenn
+gelegentlich mehrere Variaten auftauchen. Einige wenige orthografische
+Fehler wurden korrigiert und Namen vereinheitlicht; fehlende
+Zeichensetzung wurde ergänzt.
+
+The following additional changes have been made:
+
+Die folgenden zusätzlichen Änderungen wurden vorgenommen:
+
+
+ ein kleineres Stuck ein kleineres _Stück_
+
+ einenen Schluck _einen_ Schluck
+
+ Tollprinz Trollprinz
+
+ aber er er dachte aber _er_ dachte
+
+ an dem Taschentuch, den an dem Taschentuch, _das_
+
+ das Eimer _den_ Eimer
+
+ zum Zutragen hagen zum Zutragen _haben_
+
+ bis ich ihn wieder bis ich _ihm_ wieder
+ aufzustehen erlaube aufzustehen erlaube
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMäHRCHEN I.***
+
+
+******* This file should be named 29796-8.txt or 29796-8.zip *******
+
+
+This and all associated files of various formats will be found in:
+http://www.gutenberg.org/dirs/2/9/7/9/29796
+
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://www.gutenberg.org/license).
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+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
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+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
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+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
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+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
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+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
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+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
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+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
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+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
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+DAMAGE.
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit:
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
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@@ -0,0 +1,6746 @@
+<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
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+<title>The Project Gutenberg eBook of Norwegische Volksmährchen I., by P. Asbjörnsen and Jörgen Moe, et al</title>
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+</head>
+<body>
+<h1>The Project Gutenberg eBook, Norwegische Volksmährchen I., by P.
+Asbjörnsen and Jörgen Moe, et al, Translated by Friederich Bresemann</h1>
+<pre>
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at <a href = "http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a></pre>
+<p>Title: Norwegische Volksmährchen I.</p>
+<p> gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe</p>
+<p>Author: P. Asbjörnsen and Jörgen Moe</p>
+<p>Release Date: August 25, 2009 [eBook #29796]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMäHRCHEN I.***</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<h3>E-text prepared by Delphine Lettau<br />
+ and the Project Gutenberg Online Distributed Proofreading Team<br />
+ (http://www.pgdp.net)</h3>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="pg" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h3>Norwegische</h3>
+<h1>Volksm&auml;hrchen,</h1>
+<h4>gesammelt</h4>
+<h4>von</h4>
+<h3>P. Asbj&ouml;rnsen und J&ouml;rgen Moe.</h3>
+<hr class="min" />
+<h3>Deutsch von Friederich Bresemann.</h3>
+<hr class="min" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h4>Mit einem Vorworte<br />
+<br />
+von<br />
+</h4>
+<h3>Ludwig Tieck.</h3>
+<hr class="min" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h4>Erster Band.</h4>
+<p>&nbsp;</p>
+<div class="center">
+<p class="noindent"><small>Verlegt<br />
+von</small><br />
+<b>M. Simion in Berlin.</b><br />
+
+1847.</p></div>
+
+<h6>Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.</h6>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h2><a name="Vorwort" id="Vorwort"></a><span class="wide">Vorwort.</span></h2>
+
+<p>Vor funfzig Jahren etwa waren bei vielen ernsthaften,
+selbst gebildeten Leuten die M&auml;hrchen, Erz&auml;hlungen
+von Feen und seltsamen Erscheinungen von Gespenstern
+und Geistern in &uuml;blem Ruf. Die Geschichten
+der Tausend und Einen Nacht genossen bei poetischen
+Gem&uuml;thern einige Achtung, sie waren wenigstens von
+den Leihbibliotheken nicht ausgeschlossen. Die Erz&auml;hlungen
+meiner Mutter Gans waren &uuml;ber ganz Europa
+verbreitet, doch nur in den H&auml;nden der Kinder.
+Einige Jahre fr&uuml;her hatte unser deutscher Mus&auml;us
+seine humoristischen Volksm&auml;hrchen fast als st&auml;rkendes
+Mittel in die damals &uuml;berfluthende weichliche Sentimentalit&auml;t
+hineingeworfen, und sie fanden allgemeinen
+Beifall, den sie auch bis jetzt sich erhalten haben,
+obgleich das poetische Element dieser alten Volks-Sagen
+und Dichtungen nicht selten durch Anspielungen
+auf ganz moderne Dinge und zu prosaische Zust&auml;nde
+verfinstert ist. Man rechnete aber diese exotischen
+Pflanzen und Blumen nicht zur eigentlichen
+Literatur, und als ich um 1796 meine Versuche in
+dieser Art herausgab und uralte Geschichten in ein
+andres Gewand kleidete, wurde ich von vielen meiner
+Freunde und Wohlwollenden sehr ernsthaft getadelt.</p>
+
+<p>Wie hat sich seitdem diese Gegend der B&uuml;cherwelt
+verwandelt! Eine ganze reiche Literatur dieser
+M&auml;hrchen ist entstanden und aus allen L&auml;ndern der
+Erde zusammengetragen.</p>
+
+<p>Viele von diesen Volks- und Kinderm&auml;hrchen
+sind durch Tradition und viele Jahre verwandelte
+und verderbte epische Gedichte, und es ist interessant
+und r&uuml;hrend &uuml;berraschend, wenn von Zeit zu Zeit im
+versch&uuml;tteten Grunde der alte Baum noch gr&uuml;nend
+wiedergefunden wird, den ged&auml;chtni&szlig;lose Jahre in ein
+unkenntliches Str&auml;u&szlig;chen zusammengetrocknet haben.
+Ergeht man sich in diesen Forschungen, so wird unser
+Sinn endlich verwirrt und schwindelnd, weil bei
+zu genauer Untersuchung Indien und Frankreich,
+Deutschland und Italien mit Island und dem Nordpol
+zusammenflie&szlig;en. Alle V&ouml;lker, alle Kinder haben
+sich von je an gr&ouml;&szlig;eren und kleineren M&auml;hrchen erg&ouml;tzt,
+Kinder selbst haben manche erfunden, oder die
+sie h&ouml;rten auf ihre Art nachgeahmt, andre, alte und
+junge Frauen haben diese auf ihre Art wieder umgebildet,
+und so findet der Suchende jetzt in allen
+L&auml;ndern zum Theil dieselben Sagen wieder, mehr
+oder minder vom Clima, dem S&uuml;den oder Norden
+gef&auml;rbt.</p>
+
+<p>Und so nehme man auch diese Sammlung freundlich
+auf, diesen nordischen Strau&szlig; von Sp&auml;tblumen
+und einigen seltsamen Pflanzen. Die interessantesten
+m&ouml;chten wohl die Erz&auml;hlungen sein, die von einem
+leichten, gutm&uuml;thigen Humor angef&auml;rbt sind. Wenn
+Aschenbr&ouml;del, Blaubart, und manche ganz allgemein
+verbreitete Legenden oft und unter mancherlei Gestalten
+vorkommen, so lasse man sich auch die oft
+nicht bedeutende Variation gefallen, und bei einfachen,
+nat&uuml;rlichen Kindern m&uuml;&szlig;ten die meisten dieser
+Geschichten Eingang und eine freundliche Aufnahme
+finden.</p>
+
+<p>Immer in &auml;hnlicher Gestalt mit zwei bis neun
+K&ouml;pfen erscheint der ungeschlachte, boshafte Riesengeist
+<span class="wide">Troll.</span> Um 1790, als W. v. Schlegel noch in
+G&ouml;ttingen lebte, und sehr befreundet war mit unserm
+deutschen Dichter B&uuml;rger, ergingen sich Lehrer und
+Sch&uuml;ler auch oft in den W&auml;ldern nordischer Poesie.
+Damals war selbst unter Gelehrten in D&auml;nemark
+und Schweden nicht viel Kunde von dieser Region,
+und so bildete sich der poetische B&uuml;rger ein, unser deutsches
+Wort <span class="wide">drollig</span> sei von diesem schadenfrohen Nordgeiste
+abgeleitet, und in diesem Glauben bildete Schlegel
+nachher in seinem Sommernachtstraum den Kobold
+<span class="wide">Droll,</span> statt des englischen alt-nationalen <span class="wide">Puck,</span>
+welcher freilich ein ganz anderer und mehr komischer
+Gesell ist, als diese Trollgeister sich zeigen. Schon
+vor vielen Jahren stritt ich mit Schlegel &uuml;ber diesen
+(vielleicht unbedeutenden) Punkt, bis denn zu Maria
+Weber's Oberon ein Engl&auml;nder selbst seinem Puck
+ungetreu geworden ist, und diesen neu bef&ouml;rderten
+Geist <span class="wide">Droll</span> singen und sprechen l&auml;&szlig;t.</p>
+
+<p>Meinen Dank dem kundigen &Uuml;bersetzer, der mich
+diese Sagen hat kennen lernen, und dessen Wunsch
+ich gern gen&uuml;gt habe, ein kleines einleitendes Wort
+dieser Sammlung vorzusehen.</p>
+<p class="right">
+<b>L. Tieck.</b></p>
+<p><b>Potsdam</b> in den letzten Tagen des<br />
+<span class="ind2">October 1846, unmittelbar nach einer</span><br />
+<span class="ind3">schweren Krankheit.</span></p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+
+<h2><span class="wide">I&nbsp;n&nbsp;h&nbsp;a&nbsp;l&nbsp;t</span></h2>
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" cellpadding="1" summary="Inhalt_Contents">
+
+<tr><td align="right" valign="top">1.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap1" >Von Aschenbr&ouml;del, welcher die silbernen Enten, die<br />
+Bettdecke und die goldne Harfe des Trollen stahl</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">2.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap2" >Der Gertrudsvogel</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">3.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap3" >Der Vogel Dam</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">4.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap4" >Die wortschlaue Prinzessinn</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">5.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap5" >Der reiche Peter Kr&auml;mer</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">6.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap6" >Aschenbr&ouml;del, der mit dem Trollen um die Wette a&szlig;</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">7.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap7" >Von dem Burschen, der zu dem Nordwind ging und<br />
+das Mehl zur&uuml;ckforderte</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">8.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap8" >Die Jungfrau Maria als Gevatterinn</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">9.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap9" >Die drei Prinzessinnen aus Witenland</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">10.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap10" >Es giebt noch mehr solche Weiber</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">11.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap11" >Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">12.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap12" >Eine Freiergeschichte</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">13.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap13" >Die drei Muhmen</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">14.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap14" >Der Sohn der Wittwe</a><br /></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">15.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap15" >Die Tochter des Mannes und die Tochter der Frau</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">16.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap16" >H&auml;hnchen und H&uuml;hnchen im Nu&szlig;wald</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">17.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap17" >Der B&auml;r und der Fuchs</a><br />
+<i>a)</i> Warum der B&auml;r einen Stumpfschwanz hat<br />
+<i>b)</i> Wie der Fuchs den B&auml;ren ums Weihnachtsessen prellt</td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">18.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap18" >Gudbrand vom Berge</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">19.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap19" >Kari Tr&auml;stak</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">20.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap20" >Der Fuchs als Hirte</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">21.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap21" >Vom Schmied, den der Teufel nicht in die H&ouml;lle lassen durfte</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">22.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap22" >Der Hahn und die Henne</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">23.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap23" >Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">24.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap24" >Lillekort</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">25.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap25" >Die Puppe im Grase</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">26.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap26" >Das K&auml;tzchen auf Dovre</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">27.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap27" >Soria-Moria-Schlo&szlig;</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">28.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap28" >Der Herr Peter</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">29.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap29" >Aase, das kleine G&auml;nsem&auml;dchen</a></td></tr>
+<tr><td align="right" valign="top">30.&nbsp;&nbsp;</td> <td align="left"><a href="#kap30" >Der Bursch und der Teufel</a></td></tr>
+</table>
+</div>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap1" id="kap1"></a>1.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Von Aschenbr&ouml;del,</b><br />
+welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldne<br />
+Harfe des Trollen stahl.
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein armer Mann, der hatte drei S&ouml;hne.
+Als er starb, wollten die beiden &auml;ltesten in die Welt reisen,
+um ihr Gl&uuml;ck zu versuchen; aber den j&uuml;ngsten wollten
+sie gar nicht mit haben. &raquo;Du da,&laquo; sagten sie: &raquo;taugst
+zu nichts Anderm, als in der Asche zu w&uuml;hlen. Du!&laquo;
+&mdash; &raquo;So mu&szlig; ich denn allein gehen,&laquo; sagte <span class="wide">Aschenbr&ouml;del.</span>
+Die beiden gingen und kamen zu einem K&ouml;nigsschlo&szlig;;
+da erhielten sie Dienste, der eine beim Stallmeister, und
+der andre beim G&auml;rtner. Aschenbr&ouml;del ging auch fort und
+nahm einen gro&szlig;en Backtrog mit, das war das Einzige,
+was die &Auml;ltern hinterlassen hatten, wonach aber die andern
+beiden nichts fragten; der Trog war zwar schwer zu tragen, aber
+Aschenbr&ouml;del wollte ihn doch nicht stehen lassen. Als er eine
+Zeitlang gewandert war, kam er ebenfalls zu dem K&ouml;nigsschlo&szlig;,
+und dort bat er um einen Dienst. Sie antworteten ihm
+aber, da&szlig; sie ihn nicht brauchen k&ouml;nnten; da er inde&szlig; so
+flehentlich bat, sollte er zuletzt die Erlaubni&szlig; haben, in
+der K&uuml;che zu sein und der K&ouml;chinn Holz und Wasser zuzutragen.
+Er war flei&szlig;ig und flink, und es dauerte nicht
+lange, so hielten Alle viel von ihm; aber die beiden Andern
+waren faul, und darum bekamen sie oft Schl&auml;ge und
+wenig Lohn und wurden nun neidisch auf Aschenbr&ouml;del,
+da sie sahen, da&szlig; es ihm besser ging.</p>
+
+<p>Dem K&ouml;nigsschlo&szlig; grade gegen&uuml;ber, an der andern
+Seite eines Wassers, wohnte ein Troll, der hatte sieben
+silberne Enten, die auf dem Wasser schwammen, so da&szlig;
+man sie von dem Schlo&szlig; aus sehen konnte; die hatte sich der
+K&ouml;nig oft gew&uuml;nscht, und de&szlig;halb sagten die zwei Br&uuml;der
+zu dem Stallmeister: &raquo;Wenn unser Bruder wollte, so hat er
+sich ger&uuml;hmt, dem K&ouml;nig die sieben silbernen Enten verschaffen
+zu k&ouml;nnen.&laquo; Man kann sich wohl denken, es dauerte
+nicht lange, so sagte der Stallmeister es dem K&ouml;nig.
+Dieser sagte darauf zu Aschenbr&ouml;del: &raquo;Deine Br&uuml;der sagen,
+Du k&ouml;nntest mir die silbernen Enten verschaffen, und
+nun verlange ich es von Dir.&laquo; &mdash; &raquo;Das habe ich weder gedacht,
+noch gesagt,&laquo; antwortete der Bursch. &raquo;Du hast es gesagt,&laquo;
+sprach der K&ouml;nig: &raquo;und darum sollst Du sie mir
+schaffen.&laquo; &mdash; &raquo;Je nun,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;wenn's denn nicht
+anders sein kann, so gieb mir nur eine Metze Rocken und
+eine Metze Weizen; dann will ich's versuchen.&laquo; Das bekam
+er denn auch und sch&uuml;ttete es in den Backtrog, den er
+von Hause mitgenommen hatte, und damit ruderte er &uuml;ber
+das Wasser. Als er auf die andre Seite gekommen war, ging
+er am Ufer auf und ab und streu'te und streu'te, und
+endlich gelang es ihm, die Enten in den Trog zu locken
+und nun ruderte er, all was er nur konnte, wieder
+zur&uuml;ck.</p>
+
+<p>Als er auf die Mitte des Wassers gekommen war,
+kam der Troll an und ward ihn gewahr. &raquo;Bist Du mit
+meinen sieben silbernen Enten davongereis't, Du?&laquo; fragte
+er. &raquo;<span class="nowrap">Ja&mdash;a!</span>&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Kommst Du noch &ouml;fter,
+Du?&laquo; fragte der Troll. &raquo;Kann wohl sein,&laquo; sagte der
+Bursch. &mdash; Als nun Aschenbr&ouml;del mit den sieben silbernen
+Enten zur&uuml;ck zu dem K&ouml;nig kam, wurde er noch beliebter
+im Schlo&szlig;, und der K&ouml;nig selbst sagte, es w&auml;re gut gemacht.
+Aber dar&uuml;ber wurden seine Br&uuml;der noch aufgebrachter und
+noch neidischer auf ihn und verfielen nun darauf, zum Stallmeister
+zu sagen, jetzt h&auml;tte ihr Bruder sich auch ger&uuml;hmt,
+dem K&ouml;nig die Bettdecke des Trollen mit den silbernen und
+goldnen Rauten verschaffen zu k&ouml;nnen, wenn er blo&szlig; wolle;
+und der Stallmeister war auch diesmal nicht faul, es dem
+K&ouml;nig zu berichten. Der K&ouml;nig sagte darauf zu dem Burschen,
+da&szlig; seine Br&uuml;der gesagt h&auml;tten, er habe sich ger&uuml;hmt,
+ihm die Bettdecke des Trollen mit den silbernen und goldnen
+Rauten verschaffen zu k&ouml;nnen, und nun solle er es auch, oder
+sonst solle er das Leben verlieren. Aschenbr&ouml;del antwortete,
+das h&auml;tte er weder gedacht, noch gesagt; da es aber nichts
+half, bat er um drei Tage Bedenkzeit. Als die nun um waren,
+ruderte Aschenbr&ouml;del wieder hin&uuml;ber in dem Backtrog
+und ging am Ufer auf und ab und lauerte. Endlich sah er,
+da&szlig; sie im Berge die Bettdecke heraush&auml;ngten, um sie auszul&uuml;ften;
+und als sie wieder in den Berg zur&uuml;ckgegangen waren,
+erschnappte Aschenbr&ouml;del die Decke und ruderte damit zur&uuml;ck,
+so schnell er nur konnte. Als er auf die Mitte gekommen
+war, kam der Troll an und ward ihn gewahr. &raquo;Bist Du
+es, der mir meine sieben silbernen Enten genommen hat?&laquo;
+rief der Troll. &raquo;<span class="nowrap">Ja&mdash;a!</span>&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Hast Du nun
+auch meine silberne Bettdecke mit den silbernen und goldnen
+Rauten genommen?&laquo; &mdash; &raquo;<span class="nowrap">Ja&mdash;a!</span>&laquo; sagte der Bursch.
+&raquo;Kommst Du noch &ouml;fter, Du?&laquo; &mdash; &raquo;Kann wohl sein,&laquo;
+sagte der Bursch. Als er nun zur&uuml;ckkam mit der goldnen
+und silbernen Decke, hielten Alle noch mehr von ihm, denn
+zuvor, und er ward Bedienter beim K&ouml;nig selbst. Dar&uuml;ber
+wurden die andern Beiden noch mehr erbittert, und
+um sich zu r&auml;chen, sagten sie zum Stallmeister: &raquo;Nun hat
+unser Bruder sich auch ger&uuml;hmt, dem K&ouml;nig die goldne Harfe
+verschaffen zu k&ouml;nnen, die der Troll hat, und die von der
+Beschaffenheit ist, da&szlig; Jeder, wenn er auch noch so traurig
+ist, froh wird, wenn er darauf spielen h&ouml;rt.&laquo; Ja, der
+Stallmeister, der erz&auml;hlte es gleich wieder dem K&ouml;nig, und
+dieser sagte zu dem Burschen: &raquo;Hast Du es gesagt, so
+sollst Du es auch. Kannst Du es, so sollst Du die Prinzessinn
+und das halbe Reich haben; kannst Du es aber
+nicht, so sollst Du das Leben verlieren.&laquo; &mdash; &raquo;Ich habe es
+weder gedacht, noch gesagt,&laquo; antwortete der Bursch: &raquo;aber
+es ist wohl kein andrer Rath, ich mu&szlig; es nur versuchen;
+doch sechs Tage will ich Bedenkzeit haben.&laquo; Ja, die sollte
+er haben; aber als sie um waren, mu&szlig;te er sich aufmachen.
+Er nahm nun einen Lattenspiker, einen Birkenpflock und
+einen Lichtstumpf in der Tasche mit, ruderte wieder &uuml;ber das
+Wasser und ging dort am Ufer auf und ab und lauerte. Als
+der Troll herauskam, und ihn gewahr ward, fragte er: &raquo;Bist
+Du es, der mir meine sieben silbernen Enten genommen hat?&laquo; &mdash; &raquo;<span class="nowrap">Ja&mdash;a!</span>&laquo;
+antwortete der Bursch. &raquo;Du bist es, der
+mir auch meine Decke mit den goldnen und silbernen Rauten
+genommen hat?&laquo; fragte der Troll. &raquo;<span class="nowrap">Ja&mdash;a!</span>&laquo; sagte der
+Bursch. Da ergriff ihn der Troll und nahm ihn mit sich
+in den Berg. &raquo;Nun, meine Tochter,&laquo; sagte er: &raquo;nun hab'
+ich ihn, der mir meine silbernen Enten und meine Bettdecke
+mit den silbernen und goldnen Rauten gestohlen
+hat; setz' ihn jetzt in den Maststall, dann wollen wir ihn
+schlachten und unsre Freunde bitten.&laquo; Dazu war die Tochter sogleich
+bereit, und sie setzte ihn in den Maststall, und da blieb er
+nun acht Tage lang und bekam das beste Essen und Trinken,
+das er sich w&uuml;nschen konnte, und so viel er nur wollte. &raquo;Geh
+nun hin,&laquo; sagte der Troll zu seiner Tochter, als die acht
+Tage um waren: &raquo;und schneide ihn in den kleinen Finger,
+dann werden wir sehen, ob er schon fett ist.&laquo; Die Tochter
+ging sogleich hin. &raquo;Halt mal Deinen kleinen Finger her!&laquo;
+sagte sie; aber Aschenbr&ouml;del steckte den Lattenspiker heraus,
+und in den schnitt sie. &raquo;Ach nein, er ist noch hart
+wie Eisen,&laquo; sagte die Trolltochter, als sie wieder zu ihrem
+Vater kam: &raquo;noch k&ouml;nnen wir ihn nicht schlachten.&laquo;
+Nach acht Tagen ging es wieder eben so, nur da&szlig; Aschenbr&ouml;del
+jetzt den Birkenpflock heraussteckte. &raquo;Ein wenig
+besser ist er,&laquo; sagte die Tochter, als sie wieder zu dem Trollen
+kam: &raquo;aber noch war er hart zu kauen, wie Holz.&laquo; Acht
+Tage darnach sagte der Troll wieder, die Tochter solle
+hingehen und zusehen, ob er jetzt nicht fett genug w&auml;re.
+&raquo;Halt mal Deinen kleinen Finger her!&laquo; sagte die Tochter,
+als sie zum Maststall gekommen war. Nun hielt Aschenbr&ouml;del
+den Lichtstumpf hin. &raquo;Jetzt geht's an,&laquo; sagte sie.
+&raquo;Haha!&laquo; sagte der Troll: &raquo;so reise ich fort, um G&auml;ste zu
+bitten; inmittlerweile sollst Du ihn schlachten und die eine
+H&auml;lfte braten und die andre H&auml;lfte kochen.&laquo; Als der
+Troll nun gereis't war, fing die Tochter an, ein gro&szlig;es
+langes Messer zu schleifen. &raquo;Sollst Du mich damit schlachten?&laquo;
+fragte der Bursch. &raquo;Ja, Du,&laquo; sagte die Trolltochter.
+&raquo;Aber es ist nicht scharf,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;ich
+mu&szlig; es Dir nur schleifen, damit Du mich desto leichter
+ums Leben bringen kannst.&laquo; Sie gab ihm nun das Messer,
+und er fing an zu schleifen und zu wetzen. &raquo;La&szlig;
+es mich jetzt an Deiner Haarflechte probiren,&laquo; sagte der
+Bursch: &raquo;ich glaube, es wird nun gut sein.&laquo; Das erlaubte
+sie ihm denn auch; aber sowie Aschenbr&ouml;del die Haarflechte
+ergriff, bog er ihr den Kopf zur&uuml;ck und schnitt ihr den
+Hals ab &mdash; und kochte dann die eine H&auml;lfte und bratete
+die andere und trug es auf den Tisch. Darauf zog er die
+Kleider der Trolldirne an und setzte sich in die Ecke hin. Als der
+Troll mit den G&auml;sten nach Hause kam, bat er die Tochter &mdash; denn
+er glaubte, da&szlig; sie es w&auml;re &mdash; sie m&ouml;chte
+doch auch kommen und mitessen. &raquo;Nein,&laquo; antwortete der
+Bursch: &raquo;ich will kein Essen haben, ich bin so betr&uuml;bt.&laquo; &mdash; &raquo;Du
+wei&szlig;t ja Rath daf&uuml;r,&laquo; sagte der Troll: &raquo;nimm
+die goldne Harfe und spiele darauf.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, wo ist die
+nun?&laquo; sagte der Bursch wieder. &raquo;Du wei&szlig;t es ja wohl,
+Du hast sie ja zuletzt gebraucht; dort hangt sie ja &uuml;ber
+der Th&uuml;r,&laquo; sagte der Troll. Der Bursch lie&szlig; sich das nicht zweimal
+sagen; er nahm die Harfe und ging damit aus und ein und
+spielte; aber wie er so im besten Spielen war, schob er
+pl&ouml;tzlich den Backtrog hinaus ins Wasser und ruderte damit fort,
+da&szlig; es nur so saus'te. Nach einer Weile d&auml;uchte es dem
+Trollen, die Tochter bliebe gar zu lange drau&szlig;en, und er
+ging hin, sich nach ihr umzusehen; da sah er aber den
+Burschen in dem Trog weit weg auf dem Wasser. &raquo;Bist
+Du es, der mir meine sieben silbernen Enten genommen
+hat?&laquo; rief der Troll. &raquo;Ja!&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Du bist
+es, der mir auch meine Decke mit den silbernen und goldnen
+Rauten genommen hat?&laquo; &mdash; &raquo;Ja!&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Hast
+Du mir nun auch meine goldne Harfe genommen, Du?&laquo; schrie
+der Troll. &raquo;Ja, das hab' ich,&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Hab'
+ich Dich denn nicht gleichwohl verzehrt?&laquo; &mdash; &raquo;Nein, das
+war Deine Tochter, die Du verzehrtest,&laquo; antwortete der
+Bursch. Als der Troll das h&ouml;rte, ward er so arg,
+da&szlig; er barst. Da ruderte Aschenbr&ouml;del zur&uuml;ck und nahm
+einen ganzen Haufen Gold und Silber mit, so viel der
+Trog nur tragen konnte, und als er nun damit zur&uuml;ckkehrte, und
+auch die goldne Harfe mitbrachte, bekam er die Prinzessinn und
+das halbe Reich, so wie der K&ouml;nig es ihm versprochen hatte.
+Seinen Br&uuml;dern aber that er immer wohl; denn er glaubte,
+sie h&auml;tten nur sein Bestes gewollt mit Dem, was sie gesagt
+hatten.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap2" id="kap2"></a>2.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Gertrudsvogel.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Als unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden
+einherwandelten, kamen sie einmal zu einer Frau,
+die bei ihrem Backtrog stand und den Teig knetete. Sie
+hie&szlig; <span class="wide">Gertrud</span> und hatte eine rothe M&uuml;tze auf. Da beide
+den Tag &uuml;ber schon weit gegangen und daher sehr hungrig
+waren, bat der Herr Christus die Frau um ein
+St&uuml;ckchen Brod. Ja, das sollte er haben, sagte sie und nahm ein
+St&uuml;ckchen Teig und knetete es aus; aber da ward es so
+gro&szlig;, da&szlig; es den ganzen Backtrog anf&uuml;llte. Nein, das war
+allzu gro&szlig;, das konnte er nicht bekommen. Sie nahm
+nun ein kleineres <ins title="Original hat Stuck">St&uuml;ck</ins>; aber als sie es ausgeknetet hatte,
+war es ebenfalls zu gro&szlig; geworden; das konnte er auch
+nicht bekommen. Das dritte Mal nahm sie ein ganz
+ganz kleines St&uuml;ck; aber auch das Mal ward es wieder
+zu gro&szlig;. &raquo;Ja, so kann ich Euch Nichts geben,&laquo; sagte Gertrud:
+&raquo;Ihr m&uuml;sst daher ohne Mundschmack wieder fortgehen;
+denn das Brod wird ja immer zu gro&szlig;.&laquo; Da ereiferte
+sich der Herr Christus und sprach: &raquo;Weil Du ein so schlechtes
+Herz hast und mir nicht einmal ein St&uuml;ckchen Brod
+g&ouml;nnst, so sollst Du zur Strafe daf&uuml;r in einen Vogel verwandelt
+werden und Deine Nahrung zwischen Holz und Rinde
+suchen, und nicht &ouml;fter zu trinken sollst Du haben, als
+wenn es regnet.&laquo; Und kaum hatte er die Worte
+gesprochen, so war sie zum Gertrudsvogel verwandelt und
+flog oben zum Schornstein hinaus; und noch den heutigen
+Tag sieht man sie herumfliegen mit einer rothen
+M&uuml;tze auf dem Kopf und schwarz &uuml;ber dem ganzen Leib;
+denn der Ru&szlig; im Schornstin hatte sie geschw&auml;rzt. Sie
+hackt und bickt best&auml;ndig in den B&auml;umen nach Essen und
+piept immer, wenn es regnen will; denn sie ist best&auml;ndig
+durstig.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap3" id="kap3"></a>3.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Vogel Dam.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte zw&ouml;lf T&ouml;chter, und
+von denen hielt er so viel, da&szlig; er sie nie aus den Augen
+lie&szlig;; aber jeden Mittag, wenn der K&ouml;nig schlief, gingen
+die Prinzessinnen spazieren. Einstmals, da der K&ouml;nig wieder
+seinen Mittagsschlummer hielt, und die Prinzessinnen,
+wie gew&ouml;hnlich, spazieren gegangen waren, geschah es, da&szlig;
+sie nicht zur&uuml;ckkehrten, sondern ausblieben. Da entstand
+gro&szlig;e Sorge und Betr&uuml;bni&szlig; im ganzen Land; aber am
+betr&uuml;btesten von Allen war der K&ouml;nig. Er sandte Boten aus
+durch sein ganzes Reich und in viele fremde L&auml;nder und
+lie&szlig; sie nachsuchen und ihnen nachl&auml;uten mit allen
+Glocken &uuml;ber das ganze Land; aber die Prinzessinnen
+waren fort und blieben fort, so da&szlig; Niemand wu&szlig;te, wo sie
+gestoben oder geflogen waren. Da konnte man denn wohl
+begreifen, da&szlig; sie von irgend einem Trollen entf&uuml;hrt sein
+mu&szlig;ten. Das Ger&uuml;cht hievon verbreitete sich bald von
+Stadt zu Stadt, von Land zu Land, und endlich gelangte es
+auch zu einem K&ouml;nig, der in einem Lande weit weit weg
+wohnte und zw&ouml;lf S&ouml;hne hatte. Als die S&ouml;hne von den zw&ouml;lf
+K&ouml;nigst&ouml;chtern erz&auml;hlen h&ouml;rten, baten sie ihren Vater um
+Erlaubni&szlig;, reisen zu d&uuml;rfen, um die Prinzessinnen aufzusuchen.
+Der alte K&ouml;nig aber wollte anfangs Nichts davon wissen; denn
+er f&uuml;rchtete, da&szlig; er dann die S&ouml;hne niemals wiedersehen m&ouml;chte;
+aber die Prinzen fielen ihm zu F&uuml;&szlig;en und baten ihn so lange, bis
+er endlich nachgab und sie reisen lie&szlig;. Er r&uuml;stete nun ein
+Schiff f&uuml;r sie aus und setzte zum Steuermann &uuml;ber dasselbe
+den Ritter <span class="wide">R&ouml;d,</span> der zu Wasser wohl erfahren war. Lange
+Zeit segelten sie nun umher und forschten in allen L&auml;ndern,
+wohin sie kamen, nach den Prinzessinnen; aber sie entdeckten
+keine Spur von ihnen. Es fehlten jetzt nur noch wenig
+Tage, so hatten sie schon sieben Jahre gesegelt. Da entstand
+eines Tages ein heftiger Sturm und ein solches Unwetter,
+da&szlig; sie glaubten, sie w&uuml;rden nimmer wieder an's Land
+kommen, und Alle mu&szlig;ten in einem fort arbeiten, so da&szlig;
+kein Schlaf in ihre Augen kam, so lange das b&ouml;se Wetter
+anhielt. Aber am dritten Tage legte sich der Sturm,
+und es ward auf einmal ganz still. Alle waren nun von
+der Arbeit und dem schlimmen Wetter so m&uuml;de geworden, da&szlig;
+sie sogleich einschliefen; nur der j&uuml;ngste Prinz hatte keine
+Ruhe und konnte nicht schlafen. W&auml;hrend er nun auf
+dem Verdeck hin- und herging, trieb das Schiff an eine
+Insel, und auf der Insel lief ein H&uuml;ndchen am
+Ufer und bellte und winselte gegen das Schiff an, als
+ob es hinauf wolle. Der K&ouml;nigssohn pfiff und lockte das
+H&uuml;ndchen an sich; aber es konnte nicht zu ihm kommen
+und bellte und winselte nur um so mehr. Dem Prinzen
+d&auml;uchte, es w&auml;re S&uuml;nde, das H&uuml;ndchen dort umkommen
+zu lassen, das, wie er glaubte, von einem Schiff sei, welches
+in dem Sturm untergegangen w&auml;re; aber er wu&szlig;te nicht, wie er
+ihm helfen sollte, da er sich nicht im Stande glaubte, das
+Boot allein auszusetzen; denn alle die Andern schliefen,
+und er wollte sie nicht gern wegen des Hundes aufwecken.
+Aber das Wetter war so klar und so still; da dachte er denn,
+du musst es doch versuchen, ob du das Thierchen nicht
+retten kannst, und er machte sich daran, das Boot auszusetzen,
+und es ging damit leichter, als er geglaubt hatte.
+Er ruderte nun ans Land und ging auf das H&uuml;ndchen zu;
+aber so oft er es greifen wollte, sprang es zur Seite und
+lockte so den Prinzen immer weiter fort, bis dieser, eh'
+er es gewahr ward, sich in einem gro&szlig;en pr&auml;chtigen Schlosse
+befand. Da verwandelte sich das H&uuml;ndchen pl&ouml;tzlich in
+eine sch&ouml;ne Prinzessinn. Auf der Bank aber sa&szlig; ein
+Mann, so gro&szlig; und so h&auml;&szlig;lich, da&szlig; der Prinz dar&uuml;ber
+erschrak. &raquo;Du brauchst nicht bange zu sein,&laquo; sagte der
+Mann; &mdash; aber der Prinz erschrak noch mehr, als er seine
+Stimme h&ouml;rte &mdash; &raquo;ich wei&szlig; wohl, Was Du willst: Es
+sind Eurer zw&ouml;lf Prinzen, die suchen die zw&ouml;lf verloren
+gegangenen Prinzessinnen. Ich wei&szlig; aber wohl, wo sie
+sind: sie sind bei meinem Herrn; da sitzen sie jede auf
+ihrem Stuhl und l&auml;usen ihn, denn er hat zw&ouml;lf K&ouml;pfe.
+Nun seid Ihr sieben Jahre lang umhergesegelt, aber Ihr
+werdet noch sieben Jahre dazu segeln m&uuml;ssen, eh' Ihr sie findet.
+Was Dich betrifft, so k&ouml;nntest Du gern hier bleiben, und
+meine Tochter bekommen; aber Du musst erst meinen
+Herrn t&ouml;dten, denn er ist sehr strenge gegen uns, so da&szlig;
+wir seiner l&auml;ngst &uuml;berdr&uuml;ssig sind; und wenn er todt ist,
+werde ich K&ouml;nig an seiner Stelle. Versuche aber nun,
+ob Du dieses Schwert zu schwingen vermagst,&laquo; sagte der
+Troll. Der K&ouml;nigssohn wollte ein rostiges Schwert ergreifen,
+das an der Wand hing, aber er konnte es nicht
+vom Fleck r&uuml;hren. &raquo;So musst Du Dir <ins title="Original hat einenen">einen</ins> Schluck
+aus dieser Flasche nehmen,&laquo; sagte der Troll. Als der
+Prinz das gethan hatte, konnte er das Schwert von der
+Wand nehmen, und als er noch einen Schluck genommen
+hatte, konnte er es aufheben; und als er endlich noch einen
+Schluck genommen hatte, konnte er es mit solcher Leichtigkeit
+schwingen, als w&auml;r' es sein eignes gewesen. &raquo;Wenn
+Du nun wieder an Bord kommst,&laquo; sagte der <ins title="Original hat Tollprinz">Trollprinz</ins>:
+&raquo;so musst Du das Schwert in Deine Koje verstecken, damit
+der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> es nicht zu sehen bekommt. Er ist
+zwar nicht im Stande, es zu schwingen, aber er wird Dich
+dann hassen und Dir nach dem Leben trachten. Wenn
+sieben Jahre um sind, bis auf drei Tage,&laquo; sagte er weiter:
+&raquo;dann wird es wieder eben so gehen, wie jetzt; es kommt dann
+wieder ein gewaltiges Unwetter mit Sturm und Hagel &uuml;ber
+Euch, und wenn das vor&uuml;ber ist, werden Alle m&uuml;de sein und sich
+in ihre Kojen legen; Du aber musst dann das Schwert nehmen
+und ans Land rudern; alsdann gelangst Du zu einem Schlo&szlig;, wo
+lauter W&ouml;lfe, B&auml;ren und L&ouml;wen als Schildwachen stehen; aber
+Du brauchst Dich nicht vor ihnen zu f&uuml;rchten, denn sie werden
+Dir alle zu F&uuml;&szlig;en kriechen. Sobald Du darauf in
+das Schlo&szlig; gekommen bist, siehst Du den R&auml;uber in einem
+pr&auml;chtig geschm&uuml;ckten Zimmer sitzen; aber zw&ouml;lf
+K&ouml;pfe hat er, und die Prinzessinnen sitzen jede auf ihrem
+Stuhl und l&auml;usen ihn, und da kannst Du Dir wohl
+vorstellen, da&szlig; ihnen solche Arbeit nicht gef&auml;llt. Darnach
+musst Du Dich beeilen und ihm den einen Kopf nach dem andern
+abhauen, eh' er aufwacht; denn geschieht das, so
+frisst er Dich lebendig auf.&laquo; Der K&ouml;nigssohn ging nun
+mit dem Schwert wieder an Bord und verga&szlig; nicht,
+Was ihm der Troll gesagt hatte. Die Andern lagen
+noch alle und schliefen; er aber versteckte das Schwert in seine
+Koje, so da&szlig; weder der Ritter <span class="wide">R&ouml;d,</span> noch sonst Jemand
+von ihnen es bemerkte. Nun fing es wieder an zu wehen;
+da weckte der Prinz die Andern auf und sagte, es k&ouml;nne
+nicht angehen, da&szlig; sie noch l&auml;nger da l&auml;gen und schliefen,
+da sie jetzt einen so guten Wind bekommen h&auml;tten. Niemand
+von ihnen hatte bemerkt, da&szlig; er weg gewesen war. &mdash; Die
+Zeit verstrich allm&auml;hlich, und der Prinz dachte immer
+an das Abenteuer, das er bestehen sollte, zweifelte aber an
+dem gl&uuml;cklichen Ausgang. Als nun die sieben Jahre bis
+auf drei Tage um waren, geschah es ganz, wie der Trollprinz
+ihm gesagt hatte. Es entstand ein heftiges Unwetter,
+das hielt drei Tage lang an, und als das vor&uuml;ber war,
+wurden Alle von der anstrengenden Arbeit m&uuml;de und legten
+sich in ihren Kojen schlafen. Der j&uuml;ngste K&ouml;nigssohn
+aber ruderte ans Land, und die Wachen krochen
+ihm zu F&uuml;&szlig;en, und so gelangte er ins Schlo&szlig;. In einem
+der Zimmer sa&szlig; der K&ouml;nig und schlief, wie ihm der
+Trollprinz gesagt hatte, und die zw&ouml;lf Prinzessinnen sa&szlig;en
+jede auf ihrem Stuhl und l&auml;us'ten jede ihren Kopf. Der K&ouml;nigssohn
+winkte den Prinzessinnen, da&szlig; sie sich entfernen sollten; sie
+zeigten aber auf den Trollen und winkten ihm wieder, er solle
+schnell fortgehen; der K&ouml;nigssohn aber gab ihnen durch Mienen
+und Geberden zu verstehen, da&szlig; er sie befreien wolle; endlich merkten
+sie denn seine Absicht und entfernten sich leise eine nach der andern.
+Nun sprang der Prinz schnell hinzu und hieb dem Trollk&ouml;nig
+die zw&ouml;lf K&ouml;pfe ab, so da&szlig; das Blut wie ein gro&szlig;er
+Bach str&ouml;mte. Als der Troll get&ouml;dtet war, ruderte
+der Prinz wieder nach dem Schiff zur&uuml;ck und verbarg das
+Schwert. Es d&auml;uchte ihm, da&szlig; er jetzt Genug gethan h&auml;tte,
+und da er den Leichnam nicht allein aus dem Schlo&szlig;
+schaffen konnte, so wollte er da&szlig; die Andern ihm helfen sollten.
+Er weckte sie daher auf und sagte, es w&auml;re eine Schande,
+da&szlig; sie da liegen sollten und schlafen, w&auml;hrend er die
+Prinzessinnen gefunden und sie von dem Trollen befrei't
+h&auml;tte. Da lachten die Andern &uuml;ber ihn und sagten, er
+h&auml;tte wohl eben so gut geschlafen, als sie alle, und es h&auml;tte
+ihm blo&szlig; getr&auml;umt, da&szlig; er ein solcher Held w&auml;re; denn
+wenn irgend Jemand die Prinzessinnen sollte befrei't haben,
+so w&auml;re es doch weit wahrscheinlicher, da&szlig; einer von
+ihnen es gethan h&auml;tte, als er. Aber der K&ouml;nigssohn
+erz&auml;hlte ihnen, wie sich Alles zugetragen hatte, und
+als sie ans Land fuhren und zuerst den Blutbach erblickten
+und darnach das Schlo&szlig; und den Trollen und die
+zw&ouml;lf K&ouml;pfe und die Prinzessinnen, da sahen sie wohl,
+da&szlig; er die Wahrheit geredet, und halfen ihm nun
+die K&ouml;pfe und den ganzen Rumpf in die See werfen.
+Alle waren nun fr&ouml;hlich und guter Dinge; aber Keiner
+war froher, als die Prinzessinnen, die nun nicht mehr
+n&ouml;thig hatten, den ganzen Tag &uuml;ber da zu sitzen und den
+Trollen zu l&auml;usen. Von all dem Gold und Silber und
+dem kostbaren Ger&auml;th, das sich im Schlosse vorfand, nahmen
+sie so viel mit, als das Schiff nur tragen konnte.
+Darauf gingen Alle an Bord, die Prinzen mit sammt den
+Prinzessinnen. Als sie aber eine Strecke weit in die See
+hinausgekommen waren, sagten die Prinzessinnen, da&szlig; sie
+in der Freude ihre goldnen Kronen vergessen h&auml;tten, die
+in einem Schrank auf dem Schlosse l&auml;gen, und die wollten
+sie doch gern mithaben. Da nun Keiner von den &Uuml;brigen
+sie holen wollte, sagte der j&uuml;ngste K&ouml;nigssohn: &raquo;Hab'
+ich schon so Viel gewagt, so kann ich auch wohl die goldnen
+Kronen holen, wenn Ihr nur die Segel herablassen
+und so lange warten wollt, bis ich wiederkomme.&laquo; Ja,
+das wollten sie, sie wollten die Segel herablassen und so
+lange warten, bis er wiederk&auml;me. Als aber der Prinz
+so weit von dem Schiff ab war, da&szlig; sie ihn nicht mehr
+sehen konnten, sagte der Ritter <span class="wide">R&ouml;d,</span> der gern selber der
+Vornehmste sein und die j&uuml;ngste Prinzessinn haben wollte,
+es k&ouml;nne nichts n&uuml;tzen, da&szlig; sie da still l&auml;gen und auf
+ihn warteten; denn das k&ouml;nnten sie sich wohl denken, da&szlig; er
+doch nicht zur&uuml;ckkehren w&uuml;rde; sie w&uuml;&szlig;ten &uuml;berdies,
+sagte er, da&szlig; der K&ouml;nig ihm (dem Ritter <span class="wide">R&ouml;d)</span> die Vollmacht
+gegeben h&auml;tte, zu segeln wann und wohin er wolle, und nun
+sollten sie sagen, er sei es, der die Prinzessinnen befrei't h&auml;tte,
+und wenn Jemand anders sagte, dann solle er das Leben verlieren.
+Die Prinzen wagten nicht, anders zu thun, als der
+Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> ihnen befohlen hatte, und sie segelten nun
+weiter. Inmittlerweile ruderte der j&uuml;ngste K&ouml;nigssohn ans
+Land und ging auf das Schlo&szlig;, wo er auch sogleich den
+Schrank mit den goldnen Kronen fand; und er m&uuml;h'te sich so
+lange ab, bis es ihm gelang, denselben ins Boot zu schaffen.
+Als er nun aber in die See hinausgekommen war, konnte
+er nirgends das Schiff erblicken. Er sah sich um nach
+allen Seiten; aber von dem Schiff war keine Spur zu sehen;
+da merkte er denn wohl, wie es zugegangen war.
+Ihnen nachzurudern konnte nichts helfen, und er mu&szlig;te
+daher umkehren und ans Land zur&uuml;ckrudern. Er f&uuml;rchtete
+sich zwar, die Nacht allein im Schlosse zuzubringen,
+aber es war nun einmal kein andrer Rath. Er fa&szlig;te
+daher Muth, verschlo&szlig; alle Th&uuml;ren und Pforten und legte
+sich in einem Zimmer, wo ein aufgemachtes Bett stand,
+schlafen. Aber angst und bange war er, und er ward es
+noch mehr, als es nach einer Weile anfing, oben im Dach
+und in den W&auml;nden zu knacken und zu krachen, als ob
+das ganze Schlo&szlig; bersten wollte. Auf einmal raschelte
+es neben sein Bett nieder wie ein ganzes Fuder Heu.
+Bald darauf aber h&ouml;rte er eine Stimme, die rief ihm zu,
+er solle sich nicht f&uuml;rchten.</p>
+
+<div class="ind4">
+<p class="noindent">
+&raquo;Der Vogel Dam ist hier,<br />
+&raquo;Wo Du nicht kannst, da hilft er Dir,&laquo;
+</p>
+</div>
+
+<p>sprach die Stimme, und dann sagte sie: &raquo;Wenn Du
+morgen aufwachst, musst Du sogleich aufs Stabur<a name="fn1_1r" id="fn1_1r"></a><a href="#fn1_1"><small><sup>1</sup></small></a> gehen
+und vier Tonnen Rocken f&uuml;r mich zum Fr&uuml;hst&uuml;ck holen; die
+mu&szlig; ich erst zu Leibe haben, denn sonst kann ich Nichts f&uuml;r
+Dich thun.&laquo; &mdash; Als der Prinz am andern Morgen aufwachte,
+erblickte er neben seinem Bett einen entsetzlich gro&szlig;en Vogel,
+der hatte eine Feder im Nacken, die war so gro&szlig; wie eine
+halb ausgewachsene Tanne. Der K&ouml;nigssohn ging nun
+aufs Stabur und holte vier Tonnen Rocken f&uuml;r den Vogel
+Dam. Als dieser sein Fr&uuml;hst&uuml;ck zu Leibe hatte, sagte er
+zu dem K&ouml;nigssohn, er solle ihm nun den Schrank mit
+den goldnen Kronen an der einen Seite um den Hals h&auml;ngen
+und so viel Gold und Silber nehmen, da&szlig; es den Schrank
+aufw&ouml;ge, und es ihm an der andern Seite um den Hals h&auml;ngen,
+und dann solle er sich ihm auf den R&uuml;cken setzen und sich nur
+gut an der Nackenfeder fest halten. Als der Prinz das gethan
+hatte, ging es in einem Sausen fort durch die Luft, und
+es dauerte nicht lange, so waren sie &uuml;ber dem Schiff.
+Der K&ouml;nigssohn wollte gern an Bord, um das Schwert
+zu holen, das, wie der Troll ihm gesagt hatte, die Andern
+nicht sehen d&uuml;rften; aber der Vogel Dam sagte zu ihm,
+das k&ouml;nne nicht angehen; &raquo;der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> wird es nicht
+zu sehen bekommen,&laquo; sagte er: &raquo;kommst Du aber an Bord,
+so trachtet er Dir nach dem Leben, denn er will gern die
+j&uuml;ngste Prinzessinn haben; aber f&uuml;r die kannst Du ganz
+ruhig sein, denn sie legt jede Nacht ein blo&szlig;es Schwert
+vor sich ins Bett.&laquo; &mdash; Endlich und zuletzt kamen sie bei dem
+Trollprinzen an, und da wurde nun der K&ouml;nigssohn so wohl
+aufgenommen, da&szlig; es gar nicht zu sagen ist. Der Trollprinz
+wu&szlig;te nicht, Was er ihm all f&uuml;r Gutes erzeigen
+sollte, weil er seinen Herrn get&ouml;dtet und ihn zum K&ouml;nig
+gemacht hatte. Er h&auml;tte dem K&ouml;nigssohn gern seine Tochter
+und das halbe Reich dazu gegeben; aber der war nun
+einmal so in die j&uuml;ngste von den Prinzessinnen verliebt,
+da&szlig; er nur an sie dachte und durchaus wieder fort
+wollte. Aber der Troll bat ihn, sich noch eine Zeitlang
+zu gedulden und sagte, da&szlig; die Andern beinahe noch sieben
+Jahre zu segeln h&auml;tten, ehe sie wieder nach Hause k&auml;men.
+Von der Prinzessinn sagte der Troll Dasselbe, was der
+Vogel Dam gesagt hatte: &raquo;F&uuml;r die,&laquo; sagte er: &raquo;kannst Du
+ganz ruhig sein; denn sie legt immer ein blo&szlig;es Schwert vor
+sich ins Bett. Und wenn Du mir nicht glauben willst, so
+kannst Du an Bord gehen, wenn sie hier vor&uuml;ber segeln,
+und Dich selbst davon &uuml;berzeugen und mir dann zugleich
+das Schwert wiederbringen; denn wiederhaben mu&szlig; ich es
+durchaus.&laquo; &mdash; Als nun nach sieben Jahren die Andern dort
+vor&uuml;bersegelten, war es vorher wieder ein heftiges Unwetter
+gewesen; und wie der K&ouml;nigssohn an Bord kam, schliefen
+sie alle insgesammt, und jede der Prinzessinnen schlief bei
+ihrem Prinzen, nur die j&uuml;ngste Prinzessinn schlief allein mit
+einem blo&szlig;en Schwert vor sich im Bette, und auf dem
+Boden vor dem Bette schlief der Ritter <span class="wide">R&ouml;d.</span> Der K&ouml;nigssohn
+nahm nun das Schwert und ruderte wieder ans Land,
+ohne da&szlig; Jemand es bemerkt hatte, da&szlig; er an Bord gewesen
+war. &mdash; Der Prinz war inde&szlig; best&auml;ndig unruhig
+und wollte immer wieder fort; und als endlich die sieben
+Jahre zu Ende gingen und nur noch drei Wochen fehlten,
+sagte der Trollk&ouml;nig zu ihm: &raquo;Nun kannst Du Dich zur
+Reise fertig machen, da Du doch einmal nicht bei uns
+bleiben willst. Ich will Dir ein eisernes Boot leihen, das
+geht von selbst auf dem Wasser, wenn Du blo&szlig; sagst:
+&raquo;Boot, geh vorw&auml;rts!&laquo; Im Boote liegt ein eiserner Kloben,
+und den Kloben sollst Du ein wenig in die H&ouml;he heben, wenn
+Du das Schiff grade vor Dir siehst; dann bekommen sie
+einen solchen Fahrwind, da&szlig; sie vergessen, sich nach Dir
+umzusehen. Wenn Du dann neben das Schiff kommst, sollst
+Du den Kloben noch einmal aufheben; alsdann wird es
+ein solcher Sturm, da&szlig; sie wohl etwas Anders zu thun
+bekommen, als nach Dir auszugucken. Und wenn Du
+an ihnen nun vorbei gekommen bist, sollst Du den Kloben zum
+dritten Mal in die H&ouml;he heben; aber Du musst ihn immer
+wieder vorsichtig niederlegen, denn sonst wird es ein solches
+Wetter, da&szlig; sowohl Du, als die Andern darin umkommen.
+Sobald Du nachher ans Land gekommen bist
+brauchst Du Dich nicht weiter um das Boot zu bek&uuml;mmern,
+sondern schieb' es dann nur umgewendet in die See
+und sprich: &raquo;Boot, geh wieder nach Hause!&laquo; &mdash; Als
+der Prinz nun abreis'te, bekam er so viel Gold und Silber
+und andre Kostbarkeiten und Kleider und Leinenzeug
+mit, das die Prinzessinn w&auml;hrend der langen Zeit, die er
+auf der Insel zugebracht, f&uuml;r ihn gen&auml;h't hatte, so da&szlig;
+er viel reicher war, als irgend einer von seinen Br&uuml;dern.
+Kaum hatte er sich nun ins Boot gesetzt und gesagt:
+&raquo;Boot, geh vorw&auml;rts!&laquo; so ging das Boot fort. Und als
+er das Schiff grade vor sich erblickte, hob er den Kloben ein
+wenig in die H&ouml;he; da bekamen sie einen solchen Fahrwind,
+da&szlig; sie verga&szlig;en, sich nach ihm umzusehen. Als er darauf
+neben das Schiff kam, hob er den Kloben noch
+einmal in die H&ouml;he, und da ward es ein solcher Sturm
+und ein solches Wetter, da&szlig; der wei&szlig;e Schaum rund um
+das Schiff stand, und die Wellen &uuml;ber das Verdeck hinschlugen,
+so da&szlig; sie etwas Anders zu thun bekamen, als
+nach ihm auszugucken. Und als er ihnen nun vorbeigekommen
+war, hob er den Kloben zum dritten Mal auf,
+und da bekamen sie so reichlich zu thun, da&szlig; sie gar keine
+Zeit hatten, sich nach ihm umzusehen. Er kam weit, weit
+fr&uuml;her ans Land, als das Schiff; und als er all seine
+Sachen aus dem Boot geschafft hatte, kehrte er es um,
+schob es hinaus in die See und sprach: &raquo;Boot, geh wieder
+nach Hause!&laquo; und da ging das Boot wieder fort.</p>
+
+<p>Der K&ouml;nigssohn kleidete sich nun als ein Seemann aus
+&mdash; ob der Trollk&ouml;nig ihm das gerathen hatte, oder ob es
+seine eigne Erfindung war, das mu&szlig; ich ungesagt lassen &mdash;
+und begab sich nach einer armseligen H&uuml;tte zu einer alten
+Frau, zu der sagte er, er w&auml;re ein armer Matrose, der
+auf einem Schiff gewesen, das untergegangen sei, und er
+w&auml;re der Einzige von der ganzen Mannschaft, der sich
+gerettet h&auml;tte, und dann bat er sie, ihn nebst den Sachen,
+die er geborgen, bei sich beherbergen zu wollen. &raquo;Ach,
+Gott helf mir!&laquo; sagte die Frau: &raquo;ich kann Niemandem
+Herberge geben. Ihr seht wohl, wie es hier beschaffen ist;
+ich habe nicht einmal Betten, worauf ich selbst liegen
+kann, viel weniger noch f&uuml;r Andre.&laquo; Ja, das w&auml;re
+einerlei, sagte der Seemann, wenn er blo&szlig; ein Dach &uuml;ber
+dem Kopf h&auml;tte, dann w&auml;r's ihm ganz gleich, wie er
+l&auml;ge. Ein Obdach konnte sie ihm denn nicht versagen,
+wenn er so damit f&uuml;rlieb nehmen wolle, wie sie's h&auml;tte.
+&mdash; Am Abend brachte der Seemann seine Sachen in die
+H&uuml;tte, und sogleich begann die Alte, die gern etwas
+Neues zu erz&auml;hlen haben wollte, zu fragen, was f&uuml;r Einer
+er w&auml;re, wo er wohl her sei, wo er gewesen, und wo er
+hin wolle, was das f&uuml;r Sachen w&auml;ren, die er bei sich h&auml;tte,
+in welchem Gesch&auml;ft er reis'te, und ob er Nichts von den
+zw&ouml;lf Prinzessinnen geh&ouml;rt h&auml;tte, die vor vielen lieben
+Jahren verschwunden w&auml;ren, und dergleichen mehr, so da&szlig;
+es zu weitl&auml;ufig sein w&uuml;rde, es alles zu erz&auml;hlen. Der
+Seemann sagte aber, er bef&auml;nde sich so schlecht und h&auml;tte
+solche Kopfschmerzen von dem entsetzlichen Wetter, das da
+regiert h&auml;tte, da&szlig; er sich auf keine Sache recht besinnen
+k&ouml;nne; sie m&ouml;chte ihm nur noch einige Tage Ruhe lassen, bis
+er sich von der schweren Arbeit, die er w&auml;hrend des
+schlimmen Wetters gehabt, etwas erholt h&auml;tte, dann
+solle sie nachher schon Alles erfahren. Den andern
+Tag begann die Frau aufs neue zu fragen und ihn
+auszuforschen; aber der Seemann hatte noch solche Kopfschmerzen
+von dem b&ouml;sen Wetter, da&szlig; er sich auf
+keine Sache recht besinnen konnte; doch lie&szlig; er so von
+ungef&auml;hr ein Wort fallen, als w&uuml;&szlig;te er wohl Etwas von
+den Prinzessinnen. Sogleich lief die Alte mit dieser Neuigkeit
+fort zu all den Klatschweibern rund umher, und nun
+kam die eine nach der andern gerannt und fragte nach den
+Prinzessinnen, ob der Seemann sie gesehen h&auml;tte, ob sie
+bald k&auml;men, ob sie schon auf der Reise w&auml;ren u. s. w.
+Der Seemann aber hatte immer noch Kopfschmerzen von dem
+b&ouml;sen Wetter, so da&szlig; er nicht auf Alles Bescheid geben konnte;
+aber so Viel sagte er doch, da&szlig; wenn die Prinzessinnen
+nicht Schiffbruch gelitten h&auml;tten in dem heftigen Sturm,
+sie dann wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas
+fr&uuml;her, ankommen w&uuml;rden; er k&ouml;nne aber, f&uuml;gte er hinzu:
+nicht mit Gewi&szlig;heit sagen, ob sie noch am Leben w&auml;ren;
+er h&auml;tte sie zwar gesehen, sie k&ouml;nnten aber wohl nachher
+in dem b&ouml;sen Wetter umgekommen sein. Sogleich lief eins
+von den Klatschweibern zu dem K&ouml;nigsschlo&szlig; und erz&auml;hlte
+dort, es w&auml;re in der H&uuml;tte bei der und der Frau ein
+Seemann, der h&auml;tte die Prinzessinnen gesehen und h&auml;tte gesagt,
+sie w&uuml;rden wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch
+etwas fr&uuml;her, ankommen. Als der K&ouml;nig das h&ouml;rte, schickte
+er sogleich zu dem Seemann und lie&szlig; ihm sagen, da&szlig; er
+zu ihm kommen und ihm die Sache selbst berichten solle.
+Der Matrose sagte: &raquo;Ich habe nicht solche Kleider und
+sehe nicht so aus, da&szlig; ich zu dem K&ouml;nig gehen kann.&laquo;
+Der Bote aber sagte, er solle nur kommen, der K&ouml;nig
+wolle und m&uuml;sse ihn sprechen, einerlei, er m&ouml;ge nun so,
+oder so aussehen; denn es w&auml;re noch Niemand da gewesen,
+der Nachrichten von den Prinzessinnen h&auml;tte bringen k&ouml;nnen.
+Da ging denn der Seemann endlich zu dem Schlo&szlig; und
+trat zu dem K&ouml;nig ein; der fragte ihn, ob es wahr w&auml;re,
+da&szlig; er die Prinzessinnen gesehen. &raquo;Ja, das ist wahr,&laquo;
+sagte der Seemann: &raquo;aber ich wei&szlig; nicht, ob sie noch
+am Leben sind; denn als ich sie sah, war es ein solches
+Unwetter, da&szlig; wir Schiffbruch litten. Wenn sie
+aber damals nicht untergegangen sind, so m&ouml;gen sie
+wohl um vierzehn Tage, oder vielleicht noch etwas fr&uuml;her,
+kommen.&laquo;</p>
+
+<p>Als der K&ouml;nig das h&ouml;rte, war er beinahe au&szlig;er sich
+vor Freuden; und als es nun um die Zeit war, da&szlig; die
+Prinzessinnen, wie der Seemann gesagt hatte, kommen sollten,
+zog der K&ouml;nig ihnen in vollem Staat entgegen an
+den Strand &mdash; und gro&szlig; war die Freude &uuml;ber das ganze
+Land, als endlich das Schiff mit den Prinzessinnen und
+den Prinzen und dem Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> ankam. Die elf &auml;ltesten
+Prinzessinnen waren fr&ouml;hlich und guter Dinge; aber
+die j&uuml;ngste, die den Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> haben sollte, welcher sagte,
+da&szlig; er es sei, der die Prinzessinnen befrei't und den Trollen
+get&ouml;dtet h&auml;tte, war immer traurig und weinte unaufh&ouml;rlich.
+Dem K&ouml;nig wollte das gar nicht behagen, und er fragte sie
+daher, warum sie nicht auch so munter und vergn&uuml;gt w&auml;re,
+wie die andern Prinzessinnen; sie h&auml;tte doch, meinte er,
+keine Ursache, betr&uuml;bt zu sein, da sie nun von dem Trollen
+befrei't w&auml;re und einen Mann zum Gemahl haben
+solle, wie der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> sei. Sie durfte aber Nichts
+sagen; denn der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> hatte ja gedroh't, wenn Einer
+erz&auml;hlen w&uuml;rde, wie sich Alles wirklich zugetragen, dann
+wolle er ihn ums Leben bringen.</p>
+
+<p>Als nun die Prinzessinnen eines Tages an ihrem Brautputz
+n&auml;h'ten, trat pl&ouml;tzlich Jemand in einer gro&szlig;en Matrosenjacke
+und mit einem Tabuletkasten auf dem R&uuml;cken zu
+ihnen ein und fragte, ob sie ihm keine Schmucksachen zu
+ihrer Hochzeit abkaufen wollten, er h&auml;tte, sagte er, au&szlig;erordentlich
+seltne und kostbare Dinge von Gold und auch
+von Silber. &mdash; Ja, das k&ouml;nnte wohl m&ouml;glich sein. Sie
+sahen die Waaren an, und sie sahen ihn an; denn es
+wollte sie bed&uuml;nken, sie sollten ihn und auch manche von
+den Sachen kennen, die er hatte. &raquo;Der so viel pr&auml;chtige
+Schmucksachen hat,&laquo; sagte endlich die j&uuml;ngste Prinzessinn:
+&raquo;k&ouml;nnte auch wohl Etwas haben, das noch pr&auml;chtiger und f&uuml;r
+uns noch passender w&auml;re.&laquo; &mdash; &raquo;Das w&auml;re wohl m&ouml;glich,&laquo;
+sagte der Kr&auml;mer. Aber die andern tuschten sie und sagten,
+sie m&ouml;chte doch bedenken, womit der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> ihnen
+gedroht h&auml;tte. &mdash; Einige Zeit darnach, als die Prinzessinnen
+eines Tages vor dem Fenster sa&szlig;en, kam der K&ouml;nigssohn
+wieder in seiner gro&szlig;en Matrosenjacke und trug
+auf dem R&uuml;cken den Schrank mit den goldnen Kronen.
+Als er in den Schlo&szlig;saal eingetreten war, machte er
+den Schrank auf, und da nun die Prinzessinnen jede
+ihre goldne Krone wieder erkannten, sagte die j&uuml;ngste:
+&raquo;Mir d&auml;ucht, es ist billig und recht, da&szlig; Der, welcher
+uns befrei't hat, den Lohn erhalte, der ihm zukommt, und
+das ist nicht der Ritter <span class="wide">R&ouml;d,</span> sondern Der, welcher unsre
+goldnen Kronen brachte &mdash; der hat uns befrei't.&laquo; Da
+warf der K&ouml;nigssohn die Matrosenjacke ab und stand nun
+da weit stattlicher, als alle die Andern; und darauf lie&szlig;
+der K&ouml;nig den Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> sogleich ums Leben bringen.
+Nun war die Freude erst recht gro&szlig; im K&ouml;nigsschlo&szlig;;
+und jeder Prinz nahm seine Prinzessinn und hielt mit ihr
+Hochzeit, so da&szlig; man sich in zw&ouml;lf K&ouml;nigreichen davon
+zu erz&auml;hlen hatte.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap4" id="kap4"></a>4.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die wortschlaue Prinzessinn.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte eine Tochter, die
+war so schlau und spitzfindig in Worten, da&szlig; Keiner sie
+zum Schweigen bringen konnte. Da setzte der K&ouml;nig einen
+Preis aus und lie&szlig; bekannt machen, da&szlig; Der, welcher
+es k&ouml;nnte, die Prinzessinn und das halbe Reich haben
+sollte. Drei Br&uuml;der, welche dies h&ouml;rten, beschlossen, ihr
+Gl&uuml;ck zu versuchen. Zuerst machten sich die beiden &auml;ltesten
+auf, die sich am kl&uuml;gsten d&uuml;nkten; aber sie konnten
+Nichts bei der Prinzessinn ausrichten und mu&szlig;ten noch
+dazu mit blauer Haut wieder abziehen. Darnach machte
+sich Aschenbr&ouml;del auch auf. Als er eine Strecke weit gegangen
+war, fand er am Wege ein Weidenreis, das nahm
+er auf. Eine Strecke weiter fand er eine Scherbe von
+einer alten Sch&uuml;ssel, die nahm er auch auf. Als er noch
+etwas weiter gegangen war, fand er einen todten Staar,
+und etwas darnach ein krummes Bockshorn; ein wenig
+sp&auml;ter fand er noch ein krummes Bockshorn, und als er
+&uuml;ber das Feld zum K&ouml;nigshof gehen wollte, wo D&uuml;nger
+ausgestreu't lag, fand er darunter eine ausgegangene Schuhsohle.
+Alle diese Dinge nahm er mit sich zum K&ouml;nigsschlo&szlig;,
+und damit trat er zu der Prinzessinn ein. &raquo;Guten Tag!&laquo;
+sagte er. &raquo;Guten Tag!&laquo; sagte sie und verzog das Gesicht.
+&raquo;Kann ich nicht meinen Staar gebraten kriegen?&laquo; fragte
+er. &raquo;Ich bin bange, er birstet,&laquo; antwortete die Prinzessinn.
+&raquo;O, das hat keine Noth, ich binde dieses Weidenreis um,&laquo;
+sagte der Bursch und nahm das Reis hervor. &raquo;Aber das
+Fett l&auml;uft heraus,&laquo; sagte die Prinzessinn. &raquo;Ich halte dies
+unter,&laquo; sagte der Bursch und zeigte ihr die Scherbe von
+der Sch&uuml;ssel. &raquo;Du machst es mir so krumm, Du!&laquo; sagte die
+Prinzessinn. &raquo;Ich mach es nicht krumm, sondern es ist schon
+krumm,&laquo; sagte der Bursch und nahm das eine Horn hervor.
+&raquo;Nein, etwas &Auml;hnliches hab' ich noch mein Lebtag nicht
+gesehn!&laquo; rief die Prinzessinn. &raquo;Hier siehst Du was &Auml;hnliches,&laquo;
+sagte der Bursch und nahm das andre Bockshorn
+hervor. &raquo;Ich glaube, Du bist ausgegangen, um mich zum
+Schweigen zu bringen,&laquo; sagte die Prinzessinn. &raquo;Nein, ich
+bin nicht ausgegangen, aber diese hier ist ausgegangen,&laquo;
+sagte der Bursch und zeigte ihr die Schuhsohle. Hierauf
+wu&szlig;te die Prinzessinn Nichts mehr zu antworten. &raquo;Nun
+bist Du mein!&laquo; sagte der Bursch, und darauf erhielt er
+die Prinzessinn und das halbe K&ouml;nigreich.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap5" id="kap5"></a>5.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der reiche Peter Kr&auml;mer.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Mann, den nannten die Leute <span class="wide">den
+reichen Peter Kr&auml;mer</span>, weil er ehedem mit Kram im Lande
+umhergefahren und viel Geld verdient hatte, so da&szlig; er
+nun ein reicher Mann geworden war. Dieser reiche Peter
+Kr&auml;mer hatte eine Tochter, die hielt er so kostbar, da&szlig; er
+alle Freier, die sich um sie bewarben, abwies; denn es
+schien ihm kein Einziger gut genug f&uuml;r sie. Weil es nun so
+mit allen ging, kamen endlich gar keine mehr, und da nun die
+Jahre herankamen, bef&uuml;rchtete Peter, das M&auml;dchen m&ouml;chte
+zuletzt sitzen bleiben. &raquo;Es wundert mich,&laquo; sprach er zu seiner
+Frau: &raquo;da&szlig; gar keine Freier mehr zu unsrer Tochter
+kommen, die doch so reich ist. Das m&uuml;&szlig;te sonderbar
+zugehen, wenn sich nicht Einer finden sollte, der sie haben
+wollte; denn Geld hat sie, und noch mehr bekommt sie.
+Ich glaube, ich mu&szlig; mal zu den Sternguckern reisen und
+die fragen, Wen sie haben soll; denn es kommt hier ja
+Niemand.&laquo; &mdash; &raquo;Wie k&ouml;nnen die Sterngucker Dir das sagen?&laquo;
+fragte die Frau. &raquo;O, das lesen sie alles in den
+Sternen,&laquo; sagte der reiche Peter. Er steckte nun viel Geld
+zu sich und reis'te damit zu den Sternguckern und bat sie,
+ihm doch den Gefallen zu thun und nach den Sternen zu
+gucken, und ihm dann zu sagen, was seine Tochter f&uuml;r einen
+Mann haben solle. Die Sterngucker sahen nach den
+Sternen, aber sie sagten, da&szlig; sie Nichts sehen k&ouml;nnten. Peter
+bat sie, noch besser zuzusehen und es ihm ja zu sagen; er
+wolle ihnen auch viel Geld geben, sagte er. Die Sterngucker
+sahen nun besser zu, und darauf sagten sie, seine Tochter
+solle das M&uuml;llerkind heirathen, das eben jetzt in der
+M&uuml;hle, die gleich unten bei des reichen Peters Geh&ouml;ft l&auml;ge,
+zur Welt gekommen sei. Peter meinte, es w&auml;re gar zu
+ungereimt, da&szlig; seine Tochter Einen zum Mann haben
+solle, der eben erst zur Welt gekommen sei, und noch dazu
+einen so geringen Mann. Das sagte er auch zu seiner Frau
+und f&uuml;gte hinzu: &raquo;Es m&uuml;&szlig;te sonderbar zugehen, wenn sie
+mir den Buben nicht verkaufen wollten; alsdann aber wollen
+wir ihn schon quitt werden.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, das mein' ich
+auch,&laquo; sagte die Frau: &raquo;es sind ja nur arme Leute.&laquo; Peter
+Kr&auml;mer ging nun zur M&uuml;hle und fragte die M&uuml;llerfrau,
+ob sie ihm nicht ihren Sohn verkaufen wolle, sie
+sollte viel Geld daf&uuml;r haben. Nein, das wollte sie durchaus
+nicht. &raquo;Ich wei&szlig; nicht, warum Du das nicht willst,&laquo;
+sagte Peter Kr&auml;mer: &raquo;es ist ja nur die liebe Armuth bei
+Euch zu Hause, und der Bube, denk' ich, wird sie Euch nicht
+leichter machen.&laquo; Aber sie hielt so viel von dem Jungen, da&szlig;
+sie ihn nicht missen wollte. Als darauf der M&uuml;ller eintrat,
+sagte Peter zu ihm dasselbe und versprach ihm sechshundert
+Thaler f&uuml;r den Buben; daf&uuml;r k&ouml;nnten sie sich ein Geh&ouml;ft kaufen,
+sagte er, und h&auml;tten dann nicht mehr n&ouml;thig, f&uuml;r die Leute
+zu mahlen und zu hungern, wenn sie kein Mahlwasser h&auml;tten.
+Das d&auml;uchte dem M&uuml;ller nicht &uuml;bel, und er sprach mit
+seiner Frau dar&uuml;ber, und endlich bekam denn der reiche
+Peter den Buben. Die Mutter weinte zwar und geberdete
+sich &uuml;bel; aber Peter tr&ouml;stete sie und sagte, da&szlig; er gut f&uuml;r
+den Burschen sorgen w&uuml;rde; nur mu&szlig;ten sie ihm versprechen,
+da&szlig; sie niemals nach ihm fragen wollten; denn er wollte ihn
+weit weg in andre L&auml;nder schicken, damit er fremde Sprachen
+lerne, sagte er. &mdash; Als Peter mit dem Buben nach Hause kam,
+lie&szlig; er einen Kasten verfertigen, den verklebte er inwendig mit
+Pech, legte den M&uuml;llerbuben hinein, dreh'te den Schl&uuml;ssel einmal
+herum und schob dann den Kasten hinaus in den Flu&szlig;,
+so da&szlig; er mit dem Strom davon trieb. Nun bin ich ihn quitt,
+dachte Peter Kr&auml;mer. Als aber der Kasten auf dem Flu&szlig;
+weit weggetrieben war, kam er zuletzt zu dem Wasser einer
+andern M&uuml;hle und gerieth ins M&uuml;hlrad, so da&szlig; die
+M&uuml;hle davon stehen blieb. Der M&uuml;ller ging hin und
+wollte zusehen, Was die Ursache davon war, und da fand
+er denn den Kasten und trug ihn ins Haus. &raquo;Ich
+bin doch neugierig, Was wohl in diesem Kasten sein mag,&laquo;
+sagte er zu seiner Frau: &raquo;der ist ins M&uuml;hlrad gerathen
+und hat mir die M&uuml;hle gestopft.&laquo; &mdash; &raquo;Nun, das k&ouml;nnen
+wir bald erfahren,&laquo; sagte die Frau: &raquo;der Schl&uuml;ssel
+steckt ja drin; mach nur das Schlo&szlig; auf.&laquo; Als sie nun
+den Kasten &ouml;ffneten, lag darin das sch&ouml;nste Kind, das man
+nur sehen kann, und sie waren beide so erfreu't dar&uuml;ber
+und wollten den Buben als ihr eigenes Kind behalten; denn
+selbst hatten sie keine Kinder und waren auch schon in den
+Jahren, da&szlig; sie keine mehr bekommen konnten. &mdash; Als nun
+eine Zeit vergangen war, wunderte Peter Kr&auml;mer sich wieder,
+da&szlig; sich gar keine Freier zu seiner Tochter einfinden wollten,
+die doch so reich w&auml;re und so viel Geld h&auml;tte. Aber es
+zeigte sich keiner; und Peter reis'te darum wieder zu den
+Sternguckern und bot ihnen Geld &uuml;ber Geld, wenn sie ihm
+blo&szlig; sagen wollten, Wen seine Tochter zum Mann haben
+solle. &raquo;Wir haben es Dir ja gesagt, da&szlig; sie den M&uuml;llerbuben
+haben soll,&laquo; antworteten die Sterngucker. &raquo;Ja, das
+ist recht gut,&laquo; sagte Peter Kr&auml;mer: &raquo;aber der ist nun gestorben,
+und wenn Ihr mir darum sagen wolltet, Wen meine
+Tochter jetzt zum Mann haben soll, dann wollt' ich Euch gern
+zweihundert Thaler geben.&laquo; Die Sterngucker sahen nun wieder
+nach den Sternen; aber da wurden sie ganz zornig und
+sprachen: &raquo;Sie soll gleichwohl den M&uuml;llerbuben haben, den
+Du in den Flu&szlig; ausgesetzt hast, um ihn zu t&ouml;dten; denn er
+lebt noch und ist in der M&uuml;hle da und da.&laquo; Peter Kr&auml;mer
+gab ihnen die zweihundert Thaler und dachte jetzt nur
+darauf, wie er es anfangen solle, um den M&uuml;llerbuben
+los zu werden. Das Erste, was er that, als er nach
+Hause kam, war, da&szlig; er zur M&uuml;hle ging. Da war der
+Bube schon so gro&szlig;, da&szlig; er eingesegnet war und in der
+M&uuml;hle mithalf, und ein schmucker Bursch war er geworden.
+&raquo;K&ouml;nntest Du mir nicht den Burschen &uuml;berlassen, Du?&laquo;
+sagte Peter Kr&auml;mer zu dem M&uuml;ller. &raquo;Nein,&laquo; antwortete
+der M&uuml;ller: &raquo;ich habe ihn als mein eignes Kind erzogen,
+und er ist so gut in die Art geschlagen, da&szlig; ich nun
+H&uuml;lfe und Nutzen von ihm in der M&uuml;hle haben kann;
+denn selbst werd' ich nach gerade schon alt und hinf&auml;llig.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja, so geht's mir auch,&laquo; sagte Peter Kr&auml;mer: &raquo;und
+darum wollt' ich gern Einen haben, den ich zum Handel
+anlehren k&ouml;nnte. Wenn Du ihn mir daher &uuml;berlassen willst,
+so will ich Dir gern sechshundert Thaler geben; dann kannst
+Du Dir ein Geh&ouml;ft kaufen und in Deinen alten Tagen
+ruhig und in Frieden leben.&laquo; Ja, als der M&uuml;ller das
+h&ouml;rte, gab er dem Peter Kr&auml;mer gleich den Burschen. Nun
+reis'ten beide weit umher mit Kram und handelten, bis sie
+einst zu einem Geh&ouml;ft kamen, das dicht an einem Walde
+lag. Von hier aus schickte Peter den Burschen nach Hause
+mit einem Brief an seine Frau &mdash; denn wenn man den
+Richtweg durch den Wald ging, war es nicht so gar
+weit &mdash; und sagte zu ihm, er solle seine Frau von ihm
+gr&uuml;&szlig;en und ihr sagen, sie solle so bald als m&ouml;glich thun,
+Was in dem Brief st&auml;nde. In dem Brief aber stand, sie
+solle augenblicklich einen Holzsto&szlig; errichten und den M&uuml;llerburschen
+darauf verbrennen, und wenn sie das nicht
+th&auml;te, so solle sie selbst lebendig verbrannt werden. Mit
+diesem Brief ging der Bursch fort durch den Wald. Gegen
+Abend kam er zu einem Hause tief im Dickicht, und
+da ging er hinein; doch in dem Hause war kein Mensch zu
+sehen noch zu h&ouml;ren. In einem der Zimmer aber fand der
+Bursch ein aufgemachtes Bett, und auf das legte er sich
+quer hin. Den Brief hatte er an seinen Hut befestigt, und
+der Hut lag auf seinem Gesicht. Als die R&auml;uber nach
+Hause kamen &mdash; denn das Haus geh&ouml;rte zw&ouml;lf R&auml;ubern &mdash; und
+den Burschen auf dem Bett liegen sahen, waren sie
+neugierig, was das f&uuml;r Einer w&auml;re, und einer von ihnen
+nahm den Brief, brach ihn auf und las ihn. &raquo;Ha! ha!&laquo;
+sagte er: &raquo;der ist von dem Peter Kr&auml;mer; aber nun wollen
+wir ihm einen Streich spielen; denn es w&auml;re doch Jammer
+und Schade, wenn das alte Weibsst&uuml;ck einen so jungen
+wackern Burschen ums Leben bringen sollte.&laquo; Sie schrieben
+nun einen andern Brief an Peter Kr&auml;mers Frau und befestigten
+ihn an den Hut, w&auml;hrend der Bursch schlief, und
+in dem Brief hatten sie geschrieben, die Frau solle den
+M&uuml;llerburschen mit der Tochter verheirathen, und es solle
+augenblicklich die Hochzeit gehalten werden, und dann solle
+sie ihnen Pferde und Vieh und Hausger&auml;th geben und sie
+v&ouml;llig auf dem Geh&ouml;ft einrichten, das unten am Berg l&auml;ge,
+und sofern das nicht alles geschehen sei, wenn Peter Kr&auml;mer
+nach Hause k&auml;me, sollt's ihr schlecht gehen. Den
+andern Tag reis'te der Bursch weiter, und als er auf Peters
+Geh&ouml;ft ankam, &uuml;bergab er der Frau den Brief und
+sagte, er solle gr&uuml;&szlig;en von Peter Kr&auml;mer, ihrem Mann,
+und sagen, sie m&ouml;chte doch so bald als m&ouml;glich thun,
+Was in dem Brief st&auml;nde. Als die Frau den Brief gelesen
+hatte, sagte sie zu dem Burschen: &raquo;Du musst Dich
+gut aufgef&uuml;hrt haben, da&szlig; Peter mir einen solchen Brief
+schreibt; denn als er abreis'te, war er so b&ouml;se auf Dich,
+da&szlig; er nicht wu&szlig;te, wie er Dich ums Leben bringen
+wollte.&laquo; Sie machte nun sogleich Anstalten zur Hochzeit
+und gab den jungen Leuten Pferde und Vieh und allerlei
+Hausger&auml;th und richtete sie vollst&auml;ndig ein auf dem Geh&ouml;ft
+unten am Berge.</p>
+
+<p>Nicht lange darnach kam Peter Kr&auml;mer zu Hause,
+und das Erste, wonach er sich bei seiner Frau erkundigte,
+war, ob sie gethan h&auml;tte, wie er in dem Brief geschrieben.
+&raquo;Ja, das, d&auml;ucht mir, war auch nett!&laquo; sagte sie: &raquo;aber
+ich durfte ja nicht anders.&laquo; Nun fragte Peter, wo denn
+die Tochter sei. &raquo;Ih nun, das kannst Du Dir ja wohl
+denken,&laquo; sagte die Frau: &raquo;sie ist bei ihm auf dem Geh&ouml;ft
+unten am Berg, so wie in dem Brief stand.&laquo; Als Peter
+nun die ganze Geschichte erfuhr und den Brief sah, ward
+er so zornig, da&szlig; er aus der Haut fahren wollte, und lief
+sogleich auf das Geh&ouml;ft zu den jungen Leuten. &raquo;Meine
+Tochter hast Du zwar bekommen,&laquo; sagte er zu dem M&uuml;llerburschen:
+&raquo;aber wenn Du denkst, sie zu behalten, so
+musst Du erst zu dem Drachen von D&uuml;benfahrt und mir
+drei Federn aus seinem Schwanz holen;&laquo; &mdash; denn Wer
+die hatte, konnte Alles bekommen, was er sich w&uuml;nschte.
+&mdash; &raquo;Wo soll ich aber den Drachen von D&uuml;benfahrt finden?&laquo;
+fragte der Schwiegersohn. &raquo;Das wei&szlig; ich nicht,&laquo;
+sagte Peter Kr&auml;mer: &raquo;das mag Deine Sorge sein.&laquo;</p>
+
+<p>Der Bursch begab sich nun getrost auf den Weg, und
+als er eine Zeitlang gewandert hatte, kam er zu einem
+K&ouml;nigsschlo&szlig;. &raquo;Hier will ich einkehren und vorfragen,&laquo;
+dachte er: &raquo;denn solche Leute wissen besser in der Welt
+Bescheid, als Unsereiner, vielleicht da&szlig; ich hier den Weg
+erfahre.&laquo; Gedacht, gethan. Der K&ouml;nig fragte ihn, wo er
+her sei, und in welchem Gesch&auml;ft er reise. &raquo;O, ich soll zu
+dem Drachen von D&uuml;benfahrt und drei Federn aus seinem
+Schwanz holen,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;wenn ich ihn blo&szlig;
+finden k&ouml;nnte.&laquo; &mdash; &raquo;Dazu will viel Gl&uuml;ck,&laquo; sagte der
+K&ouml;nig: &raquo;denn ich habe noch nie geh&ouml;rt, da&szlig; Einer von
+solcher Reise zur&uuml;ckgekehrt ist. Wenn Du ihn aber antriffst,
+so kannst Du ihn von mir gr&uuml;&szlig;en und ihn fragen, woher
+es kommt, da&szlig; ich niemals reines Wasser in meinem Brunnen
+habe; ich hab' ihn schon so oft s&auml;ubern und ausmuddern
+lassen, aber nie kann ich reines Wasser bekommen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja, ich will ihn wohl fragen,&laquo; sagte der Bursch.
+Auf dem Schlo&szlig; lie&szlig; er's sich wohl sein und bekam noch
+dazu Lebensmittel und Geld auf den Weg.</p>
+
+<p>Gegen Abend kam der Bursch zu einem andern K&ouml;nigsschlo&szlig;.
+Als er in die K&uuml;che eintrat, kam der K&ouml;nig
+heraus und fragte ihn, wo er her sei, und in welchem
+Gesch&auml;ft er reise. &raquo;O, ich soll zu dem Drachen von D&uuml;benfahrt
+und drei Federn aus seinem Schwanz holen,&laquo;
+sagte der Bursch. &raquo;Dazu will viel Gl&uuml;ck,&laquo; sagte der
+K&ouml;nig: &raquo;denn ich habe noch nie geh&ouml;rt, da&szlig; Einer von
+daher zur&uuml;ckgekehrt ist. Wenn Du aber zu ihm kommst,
+so kannst Du ihn von mir gr&uuml;&szlig;en und ihn fragen, wo
+wohl meine Tochter w&auml;re, die vor vielen Jahren verschwunden
+ist; ich habe nach ihr suchen und forschen lassen &uuml;berall,
+aber ich habe nie das Geringste von ihr erfahren k&ouml;nnen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ich will ihn wohl fragen,&laquo; sagte der Bursch. Auf dem K&ouml;nigsschlo&szlig;
+lebte er gut und wohl, und als er den andern Tag
+fortging, bekam er sowohl Essen, als Geld mit auf den
+Weg. Gegen Abend kam er wieder zu einem K&ouml;nigsschlo&szlig;.</p>
+
+<p>Hier kam die K&ouml;niginn heraus in die K&uuml;che und fragte
+ihn, wo er her sei, und in welchem Gesch&auml;ft er reise.
+&raquo;Ich soll zu dem Drachen von D&uuml;benfahrt und drei Federn
+aus seinem Schwanz holen,&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Dazu
+will viel Gl&uuml;ck,&laquo; sagte die K&ouml;niginn: &raquo;denn ich habe noch
+nie geh&ouml;rt, da&szlig; Einer des Weges zur&uuml;ckgekehrt ist. Aber
+solltest Du ihn antreffen, so kannst Du ihn von mir gr&uuml;&szlig;en
+und ihn fragen, wo ich wohl meine goldnen Schl&uuml;ssel
+wiederfinden soll, die ich verloren habe.&laquo; &mdash; &raquo;Ich will ihn
+wohl fragen,&laquo; sagte der Bursch. Am andern Morgen
+wanderte er weiter, und als er ein Ende gegangen
+war, kam er zu einem gro&szlig;en breiten Flu&szlig;. W&auml;hrend er
+nun da stand und nicht wu&szlig;te, wie er hin&uuml;ber kommen
+sollte, kam ein alter krummgeb&uuml;ckter Mann auf ihn zu und
+fragte ihn, wo er hin wolle. &raquo;Ich soll zu dem Drachen
+von D&uuml;benfahrt,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;wenn ich blo&szlig; w&uuml;&szlig;te,
+wo er zu finden ist.&laquo; &mdash; &raquo;Das kann ich Dir sagen,&laquo;
+sprach der Mann: &raquo;denn ich setze hier Alle &uuml;ber, die zu
+ihm wollen. Er wohnt hier grade gegen&uuml;ber; wenn Du
+dort oben auf dem H&uuml;gel bist, kannst Du schon sein
+Schlo&szlig; sehen; &mdash; und wenn Du ihn dann zu sprechen
+bekommst, so kannst Du ihn von meinetwegen fragen, wie
+lange ich hier noch &uuml;bersetzen soll.&laquo; &mdash; &raquo;Ich will ihn wohl
+fragen,&laquo; sagte der Bursch. Der Mann nahm ihn nun auf
+den R&uuml;cken und trug ihn &uuml;ber den Flu&szlig;; und als der
+Bursch auf den H&uuml;gel gekommen war, sah er das Schlo&szlig;
+grade vor sich und ging hinein. Als die Prinzessinn, die
+nur allein zu Hause war, ihn erblickte, rief sie: &raquo;Ist
+es m&ouml;glich! darf denn eine Christenseele hieherkommen?
+Das ist noch nicht geschehen, so lange ich hier bin. F&uuml;r
+Dich ist es aber am besten,&laquo; sagte sie: &raquo;Du siehst zu, da&szlig;
+Du wieder fortkommst so schnell wie m&ouml;glich; denn kommt
+der Drache zu Hause, so riecht er Dich und frisst Dich
+sogleich auf, und mich machst Du dann dazu ungl&uuml;cklich.&laquo;
+&mdash; &raquo;Nein,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;ich kann nicht eher
+fort, als bis ich drei Federn aus seinem Schwanz habe.&laquo;
+&mdash; &raquo;Die bekommst Du nun und nimmermehr,&laquo; sagte die
+Prinzessinn.</p>
+
+<p>Aber der Bursch wollte nicht fort; er wollte warten,
+bis der Drache nach Hause k&auml;me und wollte die Federn aus
+seinem Schwanz und Antwort auf seine Fragen haben.
+&raquo;Ja, wenn Du denn durchaus darauf bestehst, so will
+ich zusehen, ob ich Dir helfen kann,&laquo; sagte die Prinzessinn:
+&raquo;Versuche aber, ob Du das Schwert aufheben kannst, das
+dort an der Wand hangt.&laquo; Nein, der Bursch konnt's
+nicht vom Fleck r&uuml;hren. &raquo;So musst Du einen Trunk aus
+dieser Flasche thun,&laquo; sagte die Prinzessinn. Als nun der
+Bursch einen Trunk aus der Flasche gethan hatte, konnte
+er das Schwert ein wenig bewegen. &raquo;Du musst noch
+einen Trunk thun,&laquo; sagte die Prinzessinn: &raquo;und dann erz&auml;hle
+mir ausf&uuml;hrlich Deinen Auftrag.&laquo; Der Bursch that
+nun noch einen Trunk, und darauf erz&auml;hlte er der Prinzessinn:
+ein K&ouml;nig h&auml;tte ihn gebeten, den Drachen zu fragen,
+woher es k&auml;me, da&szlig; er kein reines Wasser in seinen
+Brunnen bekommen k&ouml;nne; f&uuml;r einen andern solle er fragen,
+wo seine Tochter geblieben sei, die vor vielen Jahren
+verschwunden w&auml;re; und f&uuml;r eine K&ouml;niginn solle er den Drachen
+fragen, wo ihre goldnen Schl&uuml;ssel geblieben w&auml;ren;
+und endlich solle er f&uuml;r den F&auml;hrmann fragen, wie lange
+der noch die Leute &uuml;ber den Flu&szlig; setzen m&uuml;sse. &mdash; Als
+der Bursch nun das Schwert anfa&szlig;te, konnte er es aufheben;
+und als er endlich noch einen Trunk gethan hatte,
+konnte er es schwingen. Gegen Abend sagte die Prinzessinn:
+&raquo;Nun kommt der Drache bald nach Hause, und damit er
+Dich nicht sogleich umbringt, musst Du unter das Bett
+kriechen, und da musst Du ganz still liegen, da&szlig; er Dich
+nicht bemerkt. Wenn wir uns dann niedergelegt haben,
+werde ich ihn ausfragen. Du musst aber gut zuh&ouml;ren und
+genau darauf Acht geben, Was er antwortet; und unter
+dem Bett musst Du liegen bleiben, bis Alles still ist, und der
+Drache eingeschlafen; alsdann aber kriech leise hervor und
+nimm das Schwert zu Dir. Und wenn er darnach aufsteht,
+musst Du mit <span class="wide">einem</span> Hieb ihm den Kopf abschlagen und
+im selben Augenblick die drei Federn aus seinem Schwanz
+rupfen; denn sonst rei&szlig;t er sie sich selbst aus, damit sie
+keinem Andern zu gute kommen sollen.&laquo;</p>
+
+<p>Als nun der Bursch unters Bett gekrochen war, kam
+auch schon der Drache an. &raquo;<span class="wide">Es riecht hier so nach
+Menschenfleisch!</span>&laquo; rief er, als er eintrat &raquo;O, es kam
+ein Rabe geflogen mit einem Menschenknochen im Schnabel
+und setzte sich auf das Dach,&laquo; sagte die Prinzessinn: &raquo;das
+mu&szlig; es sein, was Du riechst.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Na so!</span>&laquo; sagte der Drache.
+Nun trug die Prinzessinn das Essen auf, und als sie gegessen
+hatten, legten sie sich zu Bett. Aber als sie eine
+Weile gelegen hatten, schlief die Prinzessinn so unruhig,
+und pl&ouml;tzlich wachte sie auf. &raquo;Au! au!&laquo; schrie sie. &raquo;<span class="wide">Was
+fehlt Dir?</span>&laquo; fragte der Drache. &raquo;O, ich schlafe so unruhig,&laquo;
+sagte die Prinzessinn: &raquo;und dann hatte ich einen so
+wunderlichen Traum.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Was tr&auml;umte Dir denn?</span>&laquo;
+fragte der Drache. &raquo;O, mir tr&auml;umte, es k&auml;me ein K&ouml;nig
+hieher und fragte Dich, wie er es anfangen solle, um reines
+Wasser in seinen Brunnen zu bekommen,&laquo; sagte die
+Prinzessinn. &raquo;<span class="wide">Ach, das k&ouml;nnte er wohl von selbst
+wissen,</span>&laquo; sagte der Drache: &raquo;<span class="wide">wenn er blo&szlig; den Brunnen
+umgr&auml;bt und den alten verfaulten Stock
+herausnimmt, der auf dem Boden liegt, dann
+wird er schon reines Wasser bekommen. Aber
+liege jetzt ruhig und tr&auml;ume nicht wieder!</span>&laquo;</p>
+
+<p>Als die Prinzessinn eine Weile still gelegen hatte,
+ward sie wieder unruhig, warf sich im Bette hin und her
+und wachte endlich wieder auf. &raquo;<span class="wide">Au! au!</span>&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Was
+ist denn nun wieder los?</span>&laquo; rief der Drache. &raquo;O, ich
+schlafe so unruhig, und dann hatte ich einen so wunderlichen
+Traum,&laquo; sagte die Prinzessinn. &raquo;<span class="wide">Das ist doch
+auch gewaltig mit Deiner Tr&auml;umerei!</span>&laquo; sagte der
+Drache: &raquo;<span class="wide">Was hat Dir denn jetzt getr&auml;umt?</span>&laquo; &mdash; &raquo;O,
+mir tr&auml;umte, es k&auml;me ein K&ouml;nig hieher und fragte
+Dich, wo seine Tochter geblieben w&auml;re, die vor vielen
+Jahren verschwunden sei,&laquo; sagte die Prinzessinn. &raquo;<span class="wide">Das
+bist Du,</span>&laquo; sagte der Drache: &raquo;<span class="wide">aber Dich bekommt er
+in seinem Leben nicht mehr zu sehen. La&szlig; mich
+aber jetzt in Ruhe, bitt' ich Dich, und tr&auml;ume
+nicht wieder, sonst brech ich Dir die Rippen
+entzwei.</span>&laquo;</p>
+
+<p>Die Prinzessinn hatte nicht lange geschlafen, als sie
+wieder anfing, unruhig zu werden, und dann aufwachte.
+&raquo;<span class="wide">Au! au!</span>&laquo; rief sie. &raquo;<span class="wide">Nun, schon wieder? Was ist
+denn jetzt wieder los?</span>&laquo; rief der Drache und war so
+wild, da&szlig; er beinahe aus der Haut fahren wollte. &raquo;O,
+Du musst nicht b&ouml;se werden,&laquo; sagte die Prinzessinn: &raquo;aber
+ich hatte einen so wunderlichen Traum.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Das ist
+doch auch zum Kukuk mit Deiner Tr&auml;umerei!
+Was tr&auml;umte Dir denn jetzt?</span>&laquo; &mdash; &raquo;O, mir tr&auml;umte,
+es k&auml;me eine K&ouml;niginn hieher, die fragte Dich, ob Du ihr
+nicht sagen k&ouml;nntest, wo sie ihre goldnen Schl&uuml;ssel wiederfinden
+solle, die sie verloren h&auml;tte.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">O, sie kann
+nur zusehen zwischen den B&uuml;schen, wo sie lag,
+damals, wie sie wohl wei&szlig;, dann wird sie sie
+wohl finden,</span>&laquo; sagte der Drache: &raquo;<span class="wide">Aber la&szlig; mich
+nun endlich in Ruhe mit Deinen Tr&auml;umen!</span>&laquo;</p>
+
+<p>Beide schliefen nun eine Weile; aber darnach begann
+die Prinzessinn wieder unruhig zu werden, und pl&ouml;tzlich
+wachte sie auf. <span class="wide">&raquo;Au! au!</span>&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Ich merke wohl, Du
+wirst nicht eher ruhig, als bis ich Dir das Genick
+zerbreche,</span>&laquo; sagte der Drache und war so w&uuml;thend,
+da&szlig; ihm die Funken aus den Augen spr&uuml;h'ten: &raquo;<span class="wide">Was
+hast Du denn nun wieder?</span>&laquo; &mdash; &raquo;O, Du musst nicht
+b&ouml;se auf mich sein,&laquo; sagte die Prinzessinn: &raquo;ich kann ja
+nicht daf&uuml;r; aber ich hatte einen so wunderlichen Traum.&laquo;
+&mdash; &raquo;<span class="wide">Eine solche Tr&auml;umerei ist mir doch noch nicht
+vorgekommen,</span>&laquo; sagte der Drache: &raquo;<span class="wide">aber Was tr&auml;umte
+Dir denn jetzt?</span>&laquo; &mdash; &raquo;Mir tr&auml;umte, der F&auml;hrmann hier
+unten am Sund sei gekommen und fragte Dich, wie lange
+er noch die Leute &uuml;ber den Flu&szlig; setzen m&uuml;sse.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Das
+dumme Vieh! davon k&ouml;nnte er bald befrei't werden,</span>&laquo; sagte der
+Drache: &raquo;<span class="wide">Wenn Jemand kommt,
+der hin&uuml;ber will, so braucht er ihn nur mitten
+in den Flu&szlig; zu werfen und zu sagen: &raquo;Setz' nun
+Du &uuml;ber, bis Du abgel&ouml;s't wirst!&laquo; dann wird
+er frei. Aber la&szlig; mich jetzt in Ruhe mit Deinen
+Tr&auml;umen, sonst wird es ein andrer Tanz!</span>&laquo;</p>
+
+<p>Die Prinzessinn lie&szlig; ihn nun in Frieden schlafen.
+Aber sobald es still ward, und der M&uuml;llerbursch h&ouml;rte,
+da&szlig; der Drache schnarchte, kroch er hervor und nahm das
+Schwert von der Wand. Ehe es noch Tag geworden war,
+stand der Drache auf; aber kaum war er mit beiden F&uuml;&szlig;en
+aus dem Bett gekommen, als der Bursch ihm den
+Kopf abhieb und die drei Federn aus seinem Schwanz
+ri&szlig;. Das war eine gro&szlig;e Freude. Und der Bursch und
+die Prinzessinn nahmen so viel Gold und Silber und Geld
+und andre Kostbarkeiten mit, als sie nur fortschaffen konnten,
+und als sie zu dem Sund kamen, setzten sie den F&auml;hrmann
+durch Alles, was er f&uuml;r sie hin&uuml;bertragen mu&szlig;te,
+so in Erstaunen und Verwirrung, da&szlig; er ganz und gar
+verga&szlig;, zu fragen, Was der Drache gesagt h&auml;tte, bis
+alles Gep&auml;ck und der Bursch und die Prinzessinn dazu
+hin&uuml;ber waren. &raquo;Es ist wahr,&laquo; sagte er, als sie eben fortgehen
+wollten: &raquo;fragtest Du den Drachen, wie ich Dir sagte?&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja,&laquo; antwortete der Bursch: &raquo;er sagte, wenn Jemand
+k&auml;me und hin&uuml;ber wolle, so solltest Du ihn nur mitten
+in den Flu&szlig; werfen und sagen: &raquo;Setz' nun Du &uuml;ber, bis
+Du abgel&ouml;s't wirst!&laquo; so w&uuml;rdest Du frei.&laquo; &mdash; &raquo;O, twi!&laquo;
+sagte der Sundmann: &raquo;h&auml;ttest Du mir das fr&uuml;her gesagt,
+dann h&auml;ttest <b>Du</b> mich abl&ouml;sen sollen.&laquo;</p>
+
+<p>Als sie zu dem ersten K&ouml;nigsschlo&szlig; kamen, fragte ihn
+die K&ouml;niginn, ob er den Drachen nach ihren goldnen
+Schl&uuml;sseln gefragt h&auml;tte. &raquo;Ja,&laquo; sagte der Bursch und
+fl&uuml;sterte ihr ins Ohr: &raquo;Er sagte, Du solltest nur
+zusehen zwischen den B&uuml;schen, wo Du lagst, damals,
+wie Du wohl wei&szlig;t.&laquo; &mdash; &raquo;Still! still! sag' ja Nichts!&laquo;
+sagte die K&ouml;niginn und gab dem Burschen hundert Thaler.
+&mdash; Als er zu dem zweiten K&ouml;nigsschlo&szlig; kam, fragte
+der K&ouml;nig ihn, ob er sich bei dem Drachen nach seiner
+Tochter erkundigt h&auml;tte. &raquo;Ja,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;das hab'
+ich, und hier ist Deine Tochter!&laquo; Dar&uuml;ber ward der K&ouml;nig
+so froh, da&szlig; er dem M&uuml;llerburschen gern die Prinzessinn
+und das halbe Reich gegeben h&auml;tte. Aber da dieser
+schon eine Frau hatte, gab er ihm zweihundert Thaler
+und Pferde und Wagen und so viel Gold und Silber,
+als er nur fortschaffen konnte. &mdash; Wie er nun zu dem
+dritten K&ouml;nigsschlo&szlig; kam, fragte ihn der K&ouml;nig, ob er
+seinen Auftrag bei dem Drachen ausgerichtet h&auml;tte. &raquo;Ja,&laquo;
+versetzte der Bursch: &raquo;er sagte, Du solltest nur den Brunnen
+umgraben und den alten verfaulten Stock herausnehmen,
+der auf dem Boden liegt, dann w&uuml;rdest Du schon
+reines Wasser bekommen.&laquo; Da gab der K&ouml;nig ihm
+dreihundert Thaler. Von hier reis'te der Bursch gradesweges
+nach Hause, und er war so ausstaffirt mit Gold und
+mit Silber und so pr&auml;chtig gekleidet, da&szlig; es nur so
+glitzerte. Als nun der reiche Peter die Federn aus dem
+Drachenschwanz erhielt, hatte er Nichts weiter gegen die
+Heirath einzuwenden. Da er aber all den Reichthum sah,
+den sein Schwiegersohn mitgebracht hatte, fragte er ihn,
+ob noch mehr da w&auml;re. &raquo;Ja,&laquo; sagte der: &raquo;es sind noch
+ganze Wagen voll da, und wenn Du nur hinreisen willst,
+so wirst Du wohl so Viel finden, als Du gebrauchst.&laquo;
+Ja, Peter Kr&auml;mer wollte gleich hinreisen. Nun sagte ihm
+sein Schwiegersohn den Weg so genau, da&szlig; er nicht
+n&ouml;thig hatte, weiter darnach zu fragen; &raquo;aber die Pferde,&laquo;
+sagte er: &raquo;l&auml;sst Du am besten an dieser Seite des Flusses;
+denn der Sundmann hilft Dir schon wieder her&uuml;ber.&laquo;
+Peter reis'te nun fort und nahm einen guten Schnappsack
+voll E&szlig;waaren mit und viele Pferde, die lie&szlig; er aber an
+dieser Seite zur&uuml;ck, wie der Bursch ihm gesagt hatte.
+Als er nun zu dem Flu&szlig; kam, nahm ihn der Sundmann
+auf den R&uuml;cken und trug ihn fort bis in die Mitte, da
+warf er ihn ins Wasser und sprach: &raquo;Nun kannst Du
+hier &uuml;bersetzen, bis Du abgel&ouml;s't wirst!&laquo; Und wenn Keiner
+ihn abgel&ouml;s't hat, so geht der reiche Peter Kr&auml;mer noch
+den heutigen Tag da und setzt die Leute &uuml;ber.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap6" id="kap6"></a>6.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Aschenbr&ouml;del, der mit dem Trollen um die<br />
+Wette a&szlig;.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Bauer, der hatte drei S&ouml;hne; es
+ging ihm aber nur d&uuml;rftig, und er war schon alt und
+schwach, und die S&ouml;hne wollten nicht recht an die Arbeit.
+Zu dem Geh&ouml;ft geh&ouml;rte ein gro&szlig;er sch&ouml;ner Wald, und in
+dem, wollte der Vater, sollten die Burschen Holz hauen,
+damit sie Etwas von der Schuld abbezahlten.</p>
+
+<p>Endlich brachte er sie denn auch auf den Trab, und
+der &auml;lteste Sohn sollte zuerst ins Holz. Als er nun in
+den Wald gekommen war und anfing, eine alte borkige
+Tanne umzuhauen, trat pl&ouml;tzlich ein ungeheurer Troll
+auf ihn zu. &raquo;<span class="wide">Wenn Du in meinem Wald hauest,
+so t&ouml;dte ich Dich,</span>&laquo; sagte der Troll. Als der Bursch
+das h&ouml;rte, warf er die Axt weg und lief, was er nur konnte,
+wieder nach Hause. Er kam ganz athemlos an und erz&auml;hlte,
+Was ihm begegnet war. Aber der Vater sagte, er w&auml;re
+ein Hasenherz; die Trollen h&auml;tten ihn niemals am Hauen
+gehindert, als <b>er</b> noch jung gewesen, meinte er.</p>
+
+<p>Den andern Tag sollte der zweite Sohn in den Wald;
+aber dem gings justement eben so. Als er ein paar Hiebe
+gethan hatte, trat der Troll auf ihn zu und sprach;
+&raquo;<span class="wide">Wenn Du in meinem Wald hauest, so t&ouml;dte ich
+Dich.</span>&laquo; Der Bursch wagte kaum, ihn anzusehen, warf
+die Axt weg und machte sich auf die Beine, eben so, wie
+der Bruder. Als er nach Hause kam, meinte der Vater
+wieder, da <b>er</b> noch jung gewesen, h&auml;tten die Trollen ihn
+niemals gehindert.</p>
+
+<p>Den dritten Tag wollte Aschenbr&ouml;del sich aufmachen.
+&raquo;Ja, Du,&laquo; sagten die beiden &auml;ltesten; &raquo;Du sollst wohl
+Was ausrichten, der Du nie hinter dem Ofen hervorgekommen
+bist.&laquo; Aschenbr&ouml;del antwortete Nichts, sondern
+bat nur um einen guten Sack voll Lebensmittel. Die Mutter
+hatte kein Fleisch und h&auml;ngte daher den Kessel &uuml;ber's
+Feuer, um einiges Gem&uuml;se f&uuml;r ihn zu kochen; das that
+er in seinen Schnappsack, und damit machte er sich auf.
+Als er in den Wald gekommen war und eine Zeitlang
+gehauen hatte, kam ebenfalls der Troll auf ihn zu und
+sprach: &raquo;<span class="wide">Wenn Du in meinem Wald hauest, so
+t&ouml;dte ich Dich.</span>&laquo; Der Bursch aber, nicht faul, nahm
+sogleich einen K&auml;se aus seinem Schnappsack und dr&uuml;ckte
+ihn, da&szlig; der Saft herausspritzte. &raquo;H&auml;ltst Du nicht gleich
+Dein gro&szlig;es Maul,&laquo; sagte er zu dem Trollen: &raquo;so werd'
+ich Dich dr&uuml;cken, wie ich das Wasser aus diesem Stein
+dr&uuml;cke.&laquo; &mdash; &raquo;Nein, Freund, verschone mich!&laquo; sagte der Troll:
+&raquo;ich will Dir auch hauen helfen.&laquo; Ja, wenn's so gemeint
+sei, wollte ihm denn der Bursch auch Nichts thun; und der
+Troll hau'te darauf brav zu, so da&szlig; sie an dem Tage viele
+Klafter umhau'ten. Gegen Abend sagte der Troll: &raquo;Nun
+kannst Du mit mir nach meiner Wohnung kommen, denn
+das ist n&auml;her, als nach Deinem Hause.&laquo; Ja, dem Burschen
+war das recht. Als sie nun in dem Hause des
+Trollen ankamen, wollte dieser Feuer auf dem Herd anmachen,
+und der Bursch sollte Wasser zum Gr&uuml;tzkessel
+holen. Aber da standen zwei eiserne Zuber, so gro&szlig; und
+so schwer, da&szlig; der Bursch sie nicht einmal von der Stelle
+bewegen konnte; er sagte aber: &raquo;Es ist nicht werth, mit
+diesen kleinen B&uuml;tten zu plirren; ich will lieber hingehen
+und den ganzen Brunnen holen.&laquo; &mdash; &raquo;Nein, Freund,&laquo;
+sagte der Troll: &raquo;ich kann meinen Brunnen nicht entbehren.
+Mach Du lieber Feuer an, dann will ich hingehen
+und Wasser holen.&laquo;</p>
+
+<p>Als der Troll mit dem Wasser zur&uuml;ckkam, kochten sie
+einen t&uuml;chtigen Kessel voll Gr&uuml;tze. &raquo;Willst Du, wie ich,&laquo;
+sagte der Bursch: &raquo;so wollen wir um die Wette essen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja, la&szlig; uns das!&laquo; sagte der Troll; denn er dachte,
+hierin w&uuml;rde er es wohl mit dem Burschen aufnehmen
+k&ouml;nnen. Als sie sich aber zu Tische setzten, nahm der
+Bursch seinen Schnappsack und band ihn sich, ohne da&szlig; der
+Troll es bemerkte, vorn um den Leib, und nun sch&uuml;ttete er
+mehr in den Schnappsack, als er aufa&szlig;. Als der Sack
+voll war, zog er sein Taschenmesser hervor und machte einen
+Schlitz in seinen Bauch, es war aber der Schnappsack,
+in den er schnitt. Der Troll sah ihn an, aber sagte Nichts.
+Als sie eine gute Zeit gegessen hatten, legte der Troll den
+L&ouml;ffel nieder. &raquo;Nein, nun kann ich nicht mehr!&laquo; sagte er.
+&raquo;Du musst essen,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;ich bin noch nicht
+einmal halb satt. Mach es, wie ich, und schneide ein Loch
+in Deinen Bauch, dann kannst Du so Viel essen, als Du
+willst.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, aber das thut wohl gewaltig weh,&laquo; sagte
+der Troll. &raquo;O, es ist nicht der Rede werth,&laquo; versetzte der
+Bursch. Da nahm der Troll sein Messer und schnitt sich
+ein gro&szlig;es Loch in den Bauch, und als er das gethan
+hatte, fiel er todt zur Erde nieder. Der Bursch aber nahm
+nun all das Gold und Silber, das er im Berge vorfand,
+und damit ging er nach Hause; und nun konnte er wohl
+Etwas von der Schuld abbezahlen.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap7" id="kap7"></a>7.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Von dem Burschen,<br />
+der zu dem Nordwind ging und das Mehl zur&uuml;ckforderte.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal eine alte Frau, die hatte einen Sohn,
+und da sie schon sehr elend und gebrechlich war und nicht
+mehr recht fortkonnte, sollte der Bursch f&uuml;r sie aufs Stabur<a name="fn2_2r" id="fn2_2r"></a><a href="#fn2_2"><small><sup>2</sup></small></a>
+gehen und Mehl holen. Der Bursch ging auch
+hin; als er aber wieder die Treppe hinunterstieg, kam
+der Nordwind gestoben, nahm ihm das Mehl weg und
+fuhr damit durch die Luft. Der Bursch ging noch einmal
+aufs Stabur; als er aber die Treppe hinunterstieg,
+kam der Nordwind abermals gestoben und nahm ihm das
+Mehl weg, und eben so geschah es auch das dritte Mal.
+Das verdro&szlig; den Burschen, und er meinte, es w&auml;re Unrecht,
+da&szlig; der Nordwind ihm so mitspielen sollte, und er
+gedachte daher, ihn aufzusuchen und sein Mehl zur&uuml;ckzufordern.</p>
+
+<p>Er machte sich nun auf; aber der Weg war lang,
+und er ging und ging. Und endlich kam er zum Nordwind.
+&raquo;Guten Tag!&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Guten Tag!&laquo; sagte
+der Nordwind, und seine Stimme war so grob: &raquo;Was
+willst Du?&laquo; &mdash; &raquo;O,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;ich wollte Dich
+bitten, mir das Mehl wiederzugeben, das Du mir auf der
+Staburstreppe nahmst; denn Wenig haben wir nur, und
+wenn Du uns das Bischen, das wir haben, noch dazu
+nimmst, so wird's nichts Anders, als Hungerpfotensaugen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ich habe kein Mehl,&laquo; sagte der Nordwind: &raquo;aber
+weil es Dir so d&uuml;rftig geht, will ich Dir ein Tuch geben,
+das schafft Dir Alles, was Du Dir nur zu essen w&uuml;nschest,
+wenn Du blo&szlig; sagst: 'Tuch, deck dich mit allerlei
+k&ouml;stlichen Speisen!'&laquo;</p>
+
+<p>Damit war der Bursch sehr wohl zufrieden. Weil
+aber der Weg so lang war, da&szlig; er nicht in einem Tage
+nach Hause kommen konnte, kehrte er bei einem Gastwirth
+an der Landstra&szlig;e ein. Als nun die G&auml;ste, die schon vor
+ihm gekommen waren, zu Abend essen wollten, breitete
+der Bursch sein Tuch auf einem Tisch aus, der in der
+Ecke stand, und sprach dann: 'Tuch, deck dich mit allerlei
+k&ouml;stlichen Speisen!' Kaum hatte er das gesagt, so that
+das Tuch seine Schuldigkeit. Da meinten Alle, besonders
+die Wirthsfrau, das w&auml;re ein gar herrliches Tuch. Wie
+es nun Nacht geworden war, und Alle lagen und schliefen,
+schlich sich die Wirthsfrau herbei und stipitzte das
+Tuch und legte dann ein andres an die Stelle, das eben
+so aussah, wie jenes, aber das konnte nicht einmal mit
+trocknem Brod aufdecken.</p>
+
+<p>Als der Bursch am Morgen erwachte, nahm er sein
+Tuch und ging damit fort, und an diesem Tage kam er
+nach Hause zu seiner Mutter. &raquo;Nun,&laquo; sagte er: &raquo;bin ich
+beim Nordwind gewesen; das ist ein recht schicklicher Mann,
+denn er hat mir dieses Tuch gegeben, und wenn ich blo&szlig;
+sage: 'Tuch, deck dich mit allerlei k&ouml;stlichen Speisen!'
+so bekomme ich Alles, was ich mir nur an Essen w&uuml;nsche.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja, das mag wahr sein,&laquo; sagte die Mutter: &raquo;aber
+ich glaub' es nicht, eh' ich es sehe.&laquo; Sogleich stellte der
+Bursch einen Tisch hin, legte das Tuch darauf und sprach:
+&raquo;Tuch, deck' dich mit allerlei k&ouml;stlichen Speisen!&laquo; Aber
+das Tuch deckte sich nicht einmal mit einem St&uuml;ck Brod.</p>
+
+<p>&raquo;Es ist kein andrer Rath, ich mu&szlig; wieder zum
+Nordwind,&laquo; sagte der Bursch und machte sich auf den
+Weg. &raquo;Guten Tag!&laquo; sagte er, als er beim Nordwind
+ankam. &raquo;Guten Tag!&laquo; sagte der Nordwind: &raquo;Was willst
+Du?&laquo; &mdash; &raquo;Ich wollte gern Ersatz f&uuml;r's Mehl haben, das
+Du mir nahmst,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;denn das Tuch, das
+Du mir gegeben hast, taugt nichts.&laquo; &mdash; &raquo;Ich habe kein
+Mehl,&laquo; sagte der Nordwind: &raquo;aber da hast Du einen
+Bock, der macht lauter Goldducaten, wenn Du blo&szlig; sagst:
+'Bock, mach Gold!'&laquo; Damit war der Bursch wohl zufrieden;
+weil er aber so weit nach Hause hatte, da&szlig; er
+an einem Tage nicht hinkommen konnte, nahm er wieder
+Nachtherberge bei dem Gastwirth. Eh' er aber Etwas zu
+essen verlangte, probirte er seinen Bock, um zu sehen, ob
+es auch wahr sei, was der Nordwind ihm gesagt hatte;
+die Sache verhielt sich aber wirklich so. Als der Gastwirth
+das Experiment sah, meinte er, das w&auml;re ein pr&auml;chtiges
+Thier; und wie der Bursch eingeschlafen war, holte
+er sich den Bock und setzte einen andern an die Stelle, der
+machte aber keine Goldducaten.</p>
+
+<p>Am andern Morgen ging der Bursch weiter, und als
+er nach Hause zu seiner Mutter kam, sagte er: &raquo;Der Nordwind
+ist dennoch ein guter Mann; er hat mir jetzt einen
+Bock gegeben, der macht lauter Goldducaten, wenn ich
+blo&szlig; sage: 'Bock, mach Gold!'&laquo; &mdash; &raquo;Das k&ouml;nnte wahr
+sein,&laquo; sagte die Mutter: &raquo;aber es ist wohl nur wieder
+Schnickschnack, und ich glaub' es nicht, eh' ich es sehe.&laquo;
+&mdash; &raquo;Bock, mach Gold!&laquo; sagte der Bursch; aber es war
+kein Gold, was der Bock machte.</p>
+
+<p>Da ging der Bursch wieder zum Nordwind und sagte,
+der Bock tauge nichts, und er wolle Ersatz f&uuml;r's Mehl
+haben. &raquo;Ja, nun hab' ich Dir nichts Anders zu geben,&laquo;
+sagte der Nordwind: &raquo;als den alten Stock, der da in der
+Ecke steht, der hat aber die Eigenschaft, da&szlig;, wenn Du
+sagst: 'Stock, schlag' zu!' er so lange zuschl&auml;gt, bis Du
+wieder sagst: 'Stock, steh' still!'&laquo; &mdash; Weil nun der Weg
+nach Hause wieder nicht kurz war, so kehrte der Bursch
+auch an dem Abend wieder bei dem Gastwirth ein. Da
+er aber wohl so halbweges begreifen konnte, wie es mit
+dem Tuch und dem Bock zugegangen war, streckte er sich
+sogleich auf die Bank hin und fing an zu schnarchen.
+Der Wirth, der sich wohl denken mochte, da&szlig; der Stock
+zu Etwas tauge, suchte einen andern hervor, der diesem
+ganz &auml;hnlich war und wollte ihn an die Stelle setzen, denn
+er glaubte nicht anders, als da&szlig; der Bursch schliefe. Wie
+aber der Gastwirth den Stock wegnehmen wollte, rief der
+Bursch: &raquo;Stock, schlag' zu!&laquo; Der Stock auf den Gastwirth
+los, da&szlig; dieser &uuml;ber Tisch und B&auml;nke fuhr und
+rief und bat: &raquo;Ach Herrgott! Herrgott! la&szlig; blo&szlig; den
+Stock wieder aufh&ouml;ren, sonst schl&auml;gt er mich noch todt!
+Ich will Dir auch gern Dein Tuch und Deinen Bock wiedergeben.&laquo;
+Als es dem Burschen schien, da&szlig; der Gastwirth
+wohl Genug h&auml;tte, rief er: &raquo;Stock, steh' still!&laquo; Er
+nahm nun sein Tuch und steckte es in die Tasche, band
+dem Bock eine Schnur um die H&ouml;rner und nahm den
+Stock in die Hand, und fort ging er mit Allem, bis er
+nach Hause zu seiner Mutter kam; und nun hatte er guten
+Ersatz f&uuml;r's Mehl bekommen.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap8" id="kap8"></a>8.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die Jungfrau Maria als Gevatterinn.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Weit, weit von hier in einem gro&szlig;en Wald wohnten ein
+Paar arme Leute. Die Frau kam ins Kindbett und gebar
+ein allerliebstes T&ouml;chterchen; aber da die Leute so arm waren,
+wu&szlig;ten sie nicht, wie sie das Kind getauft bekommen
+sollten. Da mu&szlig;te der Mann sich aufmachen und zusehen,
+ob er nicht Gevattern bekommen k&ouml;nne, die f&uuml;r ihn das
+Taufgeld bezahlten. Er ging den ganzen Tag von Einem
+zum Andern, aber Gevatter wollte Niemand sein. Gegen
+Abend, als er nach Hause ging, begegnete ihm eine
+sehr sch&ouml;ne Frau, die hatte so pr&auml;chtige Kleider an und sah
+so gutm&uuml;thig und freundlich aus und erbot sich, das Kind
+zur Taufe zu schaffen, wenn sie es nachher behalten solle.
+Der Mann antwortete, er m&uuml;&szlig;te erst seine Frau fragen.
+Aber als er nach Hause kam und ihr die Sache vorstellte,
+sagte sie platt aus nein. Am andern Tage ging der Mann
+wieder aus; aber Gevattern wollten sie Alle nicht sein, wenn
+sie selbst das Taufgeld bezahlen sollten, und wie viel der
+Mann sie auch bitten mochte, so half doch Alles nichts. Als
+er am Abend nach Hause ging, begegnete ihm wieder die
+sch&ouml;ne Frau, die so sanft aussah, und sie machte ihm
+wieder dasselbe Anerbieten. Der Mann erz&auml;hlte nun seiner
+Frau, Was ihm abermals begegnet war, und die
+sagte darauf, wenn er auch den n&auml;chsten Tag keine Gevattern
+zu dem Kind bekommen k&ouml;nne, so m&uuml;&szlig;ten sie es
+wohl der Frau &uuml;berlassen, da sie doch so gut und freundlich
+auss&auml;he. Der Mann ging nun zum dritten Mal aus,
+bekam aber auch an diesem Tage keine Gevattern; und als
+ihm daher am Abend wieder die freundliche Frau begegnete,
+versprach er ihr das Kind, wenn sie es wollte taufen lassen.
+Am andern Morgen kam die Frau in die H&uuml;tte des
+Mannes und hatte noch zwei M&auml;nner bei sich. Sie nahm
+nun das Kind und ging damit in die Kirche, und da
+wurde es getauft; darauf nahm sie es mit sich, und das
+kleine M&auml;dchen blieb bei ihr mehre Jahre lang, und die
+Pflegemutter war immer gut und freundlich gegen sie.</p>
+
+<p>Als nun das M&auml;dchen so gro&szlig; geworden war, da&szlig;
+es schon unterscheiden konnte, und Verstand bekam, wollte
+die Pflegemutter einmal eine Reise machen. &raquo;Du darfst
+in alle Zimmer gehen, in welche Du willst,&laquo; sagte sie zu
+dem M&auml;dchen: &raquo;nur in diese drei Zimmer darfst Du nicht
+gehen,&laquo; und darauf reis'te sie fort. Das M&auml;dchen konnte
+es aber nicht unterlassen, die Th&uuml;r zu dem einen Zimmer
+ein wenig zu &ouml;ffnen &mdash; und wutsch! so flog ein Stern
+heraus. Als die Pflegemutter nach Hause kam, betr&uuml;bte
+es sie sehr, da&szlig; der Stern herausgeflogen war, und so
+unwillig war sie auf ihre Pflegetochter, da&szlig; sie ihr droh'te,
+sie fortjagen zu wollen. Aber das M&auml;dchen bat und weinte
+so lange, bis sie endlich doch bleiben durfte. &mdash; Nach einiger
+Zeit wollte die Pflegemutter abermals verreisen und verbot
+nun dem M&auml;dchen, beileibe nicht in die zwei Zimmer zu gehen,
+in welchen sie noch nicht gewesen sei. Das M&auml;dchen versprach
+ihr nun auch, sie wolle diesmal gehorsam sein. Als sie aber
+eine Zeitlang allein gewesen war und sich allerlei Gedanken
+gemacht hatte, Was doch wohl in dem zweiten Zimmer
+sein m&ouml;chte, konnte sie sich nicht enthalten, auch die
+zweite Th&uuml;r ein wenig zu &ouml;ffnen &mdash; und wutsch! flog der
+Mond heraus. Als die Pflegemutter zur&uuml;ckkehrte und sah,
+da&szlig; der Mond herausgeschl&uuml;pft war, ward sie wieder
+sehr betr&uuml;bt und sagte zu dem M&auml;dchen, nun k&ouml;nne
+sie sie durchaus nicht l&auml;nger behalten, sie m&uuml;sse jetzt fort.
+Aber da das M&auml;dchen wieder so bitterlich weinte und
+gar zu artig bat, so durfte sie denn auch noch diesmal
+bleiben. &mdash; Nach einiger Zeit wollte die Pflegemutter abermals
+verreisen, und da legte sie es dem M&auml;dchen, das nun
+schon halb erwachsen war, recht ernstlich ans Herz, es ja
+nicht versuchen zu wollen, in das dritte Zimmer zu gehen,
+oder auch nur hineinzugucken. Als aber die Pflegemutter
+eine Zeitlang verreis't war, und das M&auml;dchen so allein
+ging und sich langweilte, konnte sie es zuletzt nicht mehr
+aushalten. &raquo;Ach,&laquo; dachte sie: &raquo;wie artig es sein m&uuml;&szlig;te,
+ein wenig in das dritte Zimmer zu gucken!&laquo; Sie dachte
+zwar erst, sie wollte es doch nicht thun, der Pflegemutter
+wegen; aber als sie wieder auf den Gedanken zur&uuml;ckkam,
+konnte sie sich doch nicht l&auml;nger halten; sie meinte, sie
+solle und m&uuml;sse durchaus hineingucken, und da machte sie die
+Th&uuml;r ein ganz klein wenig auf &mdash; und wutsch! flog die
+Sonne heraus. Als die Pflegemutter nun zur&uuml;ckkehrte und
+sah, da&szlig; die Sonne hinausgeflogen war, ward sie so herzlich
+betr&uuml;bt und sagte zu dem M&auml;dchen, nun k&ouml;nne sie
+durchaus nicht l&auml;nger bei ihr bleiben. Die Pflegetochter
+weinte und bat noch artiger, als zuvor; aber es half Alles
+nichts. &raquo;Nein, ich mu&szlig; Dich jetzt strafen,&laquo; sagte die
+Pflegemutter: &raquo;aber Du sollst die Wahl haben, entweder
+das allersch&ouml;nste Frauenzimmer zu werden und nicht sprechen
+zu k&ouml;nnen, oder das allerh&auml;&szlig;lichste und sprechen zu
+k&ouml;nnen; aber weg von hier musst Du.&laquo; Das M&auml;dchen
+sagte: &raquo;So will ich denn lieber das allersch&ouml;nste Frauenzimmer
+werden und nicht sprechen k&ouml;nnen,&laquo; &mdash; und das
+ward sie denn auch; aber von der Zeit an war sie
+stumm.</p>
+
+<p>Als nun das M&auml;dchen ihre Pflegemutter verlassen
+hatte und eine Zeitlang fortgewandert war, kam sie in einen
+gro&szlig;en, gro&szlig;en Wald; aber so weit sie auch ging, so
+konnte sie doch nie das Ende erreichen. Als es Abend
+wurde, kletterte sie auf einen hohen Baum, der oberhalb
+einer Quelle stand, und setzte sich darin zum Schlafen nieder.
+Nicht weit davon aber lag ein K&ouml;nigsschlo&szlig;, und aus
+diesem kam fr&uuml;h am andern Morgen eine Dirne und wollte
+Wasser zum Thee f&uuml;r den Prinzen aus der Quelle holen.
+Als nun die Dirne das sch&ouml;ne Gesicht in der Quelle sah,
+glaubte sie, es w&auml;re ihr eignes; sie warf sogleich den Eimer
+hin, lief nach Hause, hielt den Nacken steif und sagte:
+&raquo;Bin ich so sch&ouml;n, so bin ich auch wohl zu gut, um Wasser
+im Eimer zu holen.&laquo; Nun sollte eine Andre hin und
+Wasser holen; aber mit der ging es eben so: sie kam auch
+zur&uuml;ck und sagte, sie w&auml;re viel zu sch&ouml;n und zu gut, um
+nach der Quelle zu gehen und Wasser f&uuml;r den Prinzen zu
+holen. Da ging der Prinz selbst hin; denn er wollte sehen,
+wie das zusammenhing. Als er nun zu der Quelle
+kam, erblickte er ebenfalls das Bild, und sogleich sah er
+nach dem Baum hinauf. Da ward er denn das sch&ouml;ne
+M&auml;dchen gewahr, das dort in den Zweigen sa&szlig;. Er schmeichelte
+sie herunter und nahm sie mit nach Hause und wollte
+sie durchaus zur Gemahlinn haben, weil sie so sch&ouml;n war.
+Aber seine Mutter, die noch lebte, machte Einwendungen:
+&raquo;Sie kann nicht sprechen,&laquo; sagte sie: &raquo;es mag daher wohl
+ein Trollmensch sein.&laquo; Aber der Prinz gab sich nicht eher
+zufrieden, bis er sie bekam. Als er nun eine Zeitlang mit ihr
+zusammengelebt hatte, ward sie schwanger, und wie sie geb&auml;ren
+sollte, stellte der Prinz eine starke Wache um sie her. Aber
+in der Geburtsstunde schliefen alle ein; und als sie geboren
+hatte, kam ihre Pflegemutter, schnitt das Kind in den
+kleinen Finger und bestrich der K&ouml;niginn mit dem Blute den
+Mund und die H&auml;nde und sagte: &raquo;Nun sollst Du eben so betr&uuml;bt
+werden, als ich damals war, wie Du den Stern hattest
+hinausschl&uuml;pfen lassen,&laquo; und darauf verschwand sie mit dem
+Kinde. Als Die, welche der Prinz zur Bewachung hingestellt
+hatte, die Augen wieder aufschlugen, glaubten sie, die K&ouml;niginn
+h&auml;tte ihr Kind aufgefressen, und die alte K&ouml;niginn wollte
+daher, da&szlig; man sie verbrennen solle; aber der Prinz hatte sie
+so herzlich lieb, und nach vielem Bitten gelang es ihm, sie von
+der Strafe zu befreien, aber es war nur mit genauer Noth.
+Als die K&ouml;niginn zum zweiten Mal ins Wochenbett sollte,
+wurde eine Wache um sie gestellt, die war doppelt so stark,
+als die erste. Aber es ging wieder eben so, wie das vorige
+Mal, nur da&szlig; jetzt die Pflegemutter zu ihr sagte:
+&raquo;Nun sollst Du eben so betr&uuml;bt werden, als ich damals
+war, wie Du den Mond hattest hinausschl&uuml;pfen lassen.&laquo;
+Die K&ouml;niginn weinte und bat, &mdash; denn wenn die Pflegemutter
+da war, konnte sie sprechen &mdash; aber es half Alles nichts.
+Nun wollte die alte K&ouml;niginn durchaus, da&szlig; sie verbrannt
+werden sollte; aber der Prinz bat sie auch noch dieses Mal
+frei. Als die K&ouml;niginn zum dritten Mal ins Kindbett
+sollte, ward eine dreidoppelte Wache um sie gestellt; aber es
+ging wieder ganz so, wie zuvor: die Pflegemutter kam, w&auml;hrend
+die Wache schlief, nahm das Kind, schnitt es in den
+kleinen Finger und strich der K&ouml;niginn das Blut um den
+Mund; nun, sagte sie, solle sie eben so betr&uuml;bt werden,
+als sie selbst damals gewesen sei, wie sie die Sonne hatte
+hinausschl&uuml;pfen lassen. Jetzt konnte der Prinz sie auf keine
+Weise mehr retten, sie mu&szlig;te und sollte verbrannt werden.
+Aber grade in dem Augenblick, da man sie auf den Scheiterhaufen
+brachte, erschien die Pflegemutter mit allen drei
+Kindern; die beiden &auml;ltesten f&uuml;hrte sie an der Hand, und
+das j&uuml;ngste trug sie auf dem Arm. Sie trat auf die
+junge K&ouml;niginn zu und sprach: &raquo;Hier sind Deine Kinder,
+ich gebe sie Dir jetzt zur&uuml;ck. Ich bin die Jungfrau Maria, und
+so betr&uuml;bt, als Du nun gewesen bist, so betr&uuml;bt war
+ich damals, als Du den Stern, den Mond und die Sonne
+hattest hinausschl&uuml;pfen lassen. Jetzt hast Du f&uuml;r Das,
+was Du gethan, Deine Strafe erlitten, und von nun an
+sollst Du wieder sprechen k&ouml;nnen.&laquo; Wie froh da der Prinz
+und die Prinzessinn waren, das l&auml;sst sich wohl denken,
+aber nicht beschreiben; sie lebten nachher immer gl&uuml;cklich
+zusammen, und auch des Prinzen Mutter hatte von der
+Zeit an die junge K&ouml;niginn recht lieb.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap9" id="kap9"></a>9.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die drei Prinzessinnen aus Witenland.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Fischer, der wohnte nicht weit vom
+Schlo&szlig; und fischte f&uuml;r des K&ouml;nigs Tisch. Eines Tages, als
+er wieder auf den Fang ausgegangen war, konnte er nicht
+<span class="wide">einen</span> Fisch bekommen; er mochte es anfangen, wie er
+wollte, und noch so viel fischen und angeln, so hing doch nie
+eine Gr&auml;te am Haken. Als es aber schon sp&auml;t am Tage war,
+tauchte ein Kopf aus dem Wasser hervor und sprach: &raquo;Willst
+Du mir Das geben, was Deine Frau unter dem G&uuml;rtel tr&auml;gt,
+so sollst Du Fische genug haben.&laquo; Der Mann sagte gleich Ja;
+denn er wu&szlig;te nicht, da&szlig; seine Frau schwanger war. Darnach
+bekam er aber auch Fische den Tag, so viel er nur wollte.
+Als er am Abend nach Hause kam und erz&auml;hlte, wie er
+all die Fische bekommen, fing die Frau an zu jammern
+und zu weinen, und sagte, Gott m&ouml;ge ihr gn&auml;dig sein
+wegen des Versprechens, das der Mann gethan h&auml;tte, denn
+sie tr&uuml;ge ein Kind unter dem G&uuml;rtel. Man sprach bald
+auf dem Schlo&szlig; davon, da&szlig; die Frau des Fischers immer
+so betr&uuml;bt w&auml;re; und als der K&ouml;nig das h&ouml;rte und die
+Ursache erfuhr, versprach er dem Fischer, er wolle das Kind
+zu sich nehmen und es zu retten suchen. Die Zeit verstrich,
+und als die Frau geb&auml;ren sollte, brachte sie einen Knaben
+zur Welt, den nahm der K&ouml;nig zu sich und erzog ihn wie
+seinen eignen Sohn. Als der Knabe nun herangewachsen
+war, bat er den K&ouml;nig eines Tages, seinen Vater auf den
+Fischfang begleiten zu d&uuml;rfen, er h&auml;tte so gro&szlig;e Lust zu
+fischen, sagte er. Der K&ouml;nig wollte anfangs nicht, aber weil
+der Bursch so anhaltend bat, erlaubte er es ihm endlich. Der
+Sohn begleitete nun seinen Vater auf den Fischfang, und
+Alles ging den Tag &uuml;ber gut, bis am Abend, da sie wieder
+ans Land kamen. Da ward der Bursch gewahr, da&szlig;
+er sein Taschentuch im Boot vergessen hatte, und er wollte
+hingehen und es sich holen. Kaum aber war er ins Boot
+gekommen, so saus'te dieses mit ihm fort, da&szlig; nur das
+Wasser so sch&auml;umte, und wie sehr der Bursch auch rudern
+und arbeiten mochte, so half ihm doch Alles nichts; das
+Boot saus'te fort, bis es weit weg an ein wei&szlig;es Sandufer
+trieb. Da ging der Bursch ans Land, und wie er
+eine Strecke gegangen war, begegnete ihm ein alter Mann
+mit einem wei&szlig;en Bart; den fragte der Bursch: &raquo;Wie
+hei&szlig;t dieses Land?&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Witenland,</span>&laquo; antwortete der
+Mann; darauf fragte er den Burschen, wo er her w&auml;re,
+und wo er hin wolle. Als dieser es ihm gesagt hatte,
+sprach der Mann: &raquo;Wenn Du diesen Strand entlang gehst,
+so kommst Du zu drei Prinzessinnen, welche in die Erde
+gesenkt stehen, so da&szlig; nur der Kopf hervorragt. Sobald
+sie Dich erblicken, wird die erste, welche die &auml;lteste ist, wohl
+rufen und Dich bitten, ihr zu H&uuml;lfe zu kommen, und
+eben so wird es mit der zweiten geschehen; aber zu keiner
+von diesen beiden sollst Du hingehen; beeile Dich nur,
+ihnen vor&uuml;berzukommen und thue, als ob Du sie gar nicht
+bemerktest, aber zu der dritten sollst Du hingehen und
+thun, um Was sie Dich bittet; denn es wird Dein Gl&uuml;ck
+sein.&laquo;</p>
+
+<p>Als der Bursch nun zu der ersten von den Prinzessinnen
+kam, rief diese und bat ihn so flehentlich, er m&ouml;chte
+doch zu ihr kommen; aber er ging ihr vor&uuml;ber, als ob er
+sie ganz und gar nicht bemerkte, eben so auch der zweiten,
+aber zu der dritten ging er hin. &raquo;Willst Du thun, Was
+ich Dir sage, so sollst Du haben, Welche von uns Dreien
+Du willst,&laquo; sagte die Prinzessinn. Ja, das wollte der Bursch
+gern, und nun erz&auml;hlte sie ihm, da&szlig; sie hier von drei
+Trollen w&auml;ren versenkt worden; fr&uuml;her aber h&auml;tten sie auf
+dem Schlo&szlig; gewohnt, das er dort dr&uuml;ben im Walde sehen
+k&ouml;nne. &raquo;Nun musst Du,&laquo; sagte sie: &raquo;in das Schlo&szlig;
+gehen und Dich von den Trollen eine Nacht f&uuml;r Jede von
+uns peitschen lassen; kannst Du das aushalten, so errettest
+Du uns.&laquo; &mdash; Ja, antwortete der Bursch: er wollt's
+versuchen. &mdash; &raquo;Wenn Du in das Schlo&szlig; gehst,&laquo; sagte
+die Prinzessinn weiter: &raquo;so stehen da zwei L&ouml;wen in der
+Pforte, aber gehe nur mitten zwischen ihnen hindurch, so
+thun sie Dir Nichts. Gehe dann grade aus in ein kleines
+Zimmer, und da lege Dich nieder. Dann kommt der Troll
+an und schl&auml;gt Dich; aber wenn er Dich genug geschlagen
+hat, so wasche Dich nur mit dem Wasser aus der Flasche,
+die dort an der Wand hangt, dann wirst Du sogleich wieder
+gesund, und darnach nimm das Schwert, das neben
+der Flasche hangt, und t&ouml;dte damit den Trollen.&laquo; Ja,
+der Bursch that, wie die Prinzessinn ihm gesagt hatte: er
+ging mitten zwischen den L&ouml;wen hindurch, als ob er sie
+gar nicht beachte, schritt dann grade aus in die kleine
+Kammer, und da legte er sich nieder. Die erste Nacht kam
+ein Troll mit drei K&ouml;pfen und drei Ruthen und peitschte
+den Burschen gottsj&auml;mmerlich; aber dieser hielt Alles ruhig
+aus, bis der Troll fertig war; da nahm der Bursch
+die Flasche und wusch sich damit die Wunden, ergriff dann
+das Schwert und hau'te dem Trollen den Kopf ab. Als
+er nun am andern Morgen zu den Prinzessinnen kam,
+standen diese bis an den G&uuml;rtel &uuml;ber der Erde. Die zweite
+Nacht ging es eben so; aber der Troll, welcher jetzt kam,
+hatte sechs K&ouml;pfe und sechs Ruthen und peitschte ihn noch
+weit &auml;rger, als der vorige. Als aber der Bursch am Morgen
+zu den Prinzessinnen kam, standen diese nur noch bis
+ans Schienbein in der Erde. In der dritten Nacht kam
+ein Troll, der hatte neun K&ouml;pfe und neun Ruthen und
+schlug und peitschte den Burschen so lange, bis dieser zuletzt
+ohne Bewusstsein umfiel. Da nahm ihn der Troll und warf
+ihn gegen die Wand, aber bei der Gelegenheit fiel die
+Flasche herunter und bespritzte den Burschen &uuml;ber und
+&uuml;ber, so da&szlig; er augenblicklich wieder gesund ward. Er nun
+nicht faul ergriff das Schwert und hieb damit dem Trollen
+den Kopf ab; und als er darauf am Morgen zu den Prinzessinnen
+kam, standen diese mit dem ganzen Leibe &uuml;ber der
+Erde. Nun heirathete er die j&uuml;ngste von ihnen und wurde
+darauf K&ouml;nig, und lebte gl&uuml;cklich und zufrieden mit ihr
+eine lange Zeit.</p>
+
+<p>Da bekam er einmal so gro&szlig;e Lust, wieder nach Hause
+zu reisen und seine &Auml;ltern zu besuchen. Das gefiel aber der
+K&ouml;niginn, seiner Gemahlinn, gar nicht; weil er aber nun
+durchaus fort wollte und mu&szlig;te, sagte sie zu ihm; &raquo;Eins
+musst Du mir jedoch versprechen, da&szlig; Du n&auml;mlich blo&szlig;
+Das thun willst, um was Dein Vater Dich bittet, aber
+nicht Das, um was Deine Mutter Dich bittet,&laquo; und das
+versprach er ihr denn auch. Darauf gab sie ihm einen
+Ring, der hatte die Eigenschaft, da&szlig; Der, welcher ihn
+am Finger trug, zwei W&uuml;nsche thun konnte. Er w&uuml;nschte
+sich nun nach Hause, und als die &Auml;ltern ihn sahen, konnten
+sie sich nicht genug dar&uuml;ber verwundern, wie stattlich
+und pr&auml;chtig er aussah.</p>
+
+<p>Als er nun einige Tage zu Hause gewesen war,
+wollte seine Mutter, er sollte aufs Schlo&szlig; gehen und
+dem K&ouml;nig zeigen, was f&uuml;r ein Mann aus ihm geworden
+sei. Der Vater aber sagte: &raquo;Nein, das soll er nicht; denn
+alsdann k&ouml;nnen wir nicht l&auml;nger die Freude haben, ihn bei
+uns zu sehen.&laquo; Aber es half nichts; die Mutter bat und
+qu&auml;lte ihn so lange, bis er endlich ging. Als er nun auf's
+Schlo&szlig; kam, war er weit stattlicher an Kleidern und in
+Allem, als der andre K&ouml;nig; das war diesem nun gar
+nicht recht, und er sagte daher: &raquo;Ja, aber nun sollst Du
+meine Gemahlinn sehen; ich glaube nicht, da&szlig; Deine so
+sch&ouml;n ist, wie meine.&laquo; &mdash; &raquo;Gott g&auml;be, sie st&auml;nde hier, so
+solltest Du es sehen!&laquo; sagte der junge K&ouml;nig, und sogleich
+stand sie da; aber sie war sehr betr&uuml;bt und sagte: &raquo;Warum
+hast Du mir nicht gehorcht und nur auf Das geh&ouml;rt, was
+Dein Vater Dir sagte? Nun mu&szlig; ich wieder fort, und
+Du hast keine W&uuml;nsche mehr.&laquo; Darauf kn&uuml;pfte sie ihm
+einen Ring ins Haar, worauf ihr Name stand, und
+w&uuml;nschte sich wieder nach Hause.</p>
+
+<p>Da ward der junge K&ouml;nig sehr betr&uuml;bt und dachte
+an nichts Anders, als wie er nur wieder zu seiner Gemahlinn
+kommen sollte. &raquo;Ich mu&szlig; sehen, ob ich nicht
+irgendwo erfahren kann, wo Witenland liegt,&laquo; dachte er
+und begab sich auf den Weg. Als er ein Ende gegangen
+war, begegnete ihm Einer, der war Herr &uuml;ber alle
+Thiere im Walde, und sie kamen zu ihm, wenn er nur
+in sein Horn blies; den fragte der K&ouml;nig nach Witenland.
+&raquo;Ich wei&szlig; nicht, wo es liegt,&laquo; sagte der Mann: &raquo;aber ich
+will meine Thiere fragen.&laquo; Darauf blies er sie herbei
+und fragte, ob nicht Einer von ihnen w&uuml;&szlig;te, wo Witenland
+l&auml;ge; aber das wu&szlig;te Keiner.</p>
+
+<p>Da gab der Mann ihm ein Paar Schneeschuhe.
+&raquo;Wenn Du die anhast,&laquo; sagte er: &raquo;kommst Du zu meinem
+Bruder, der &uuml;ber hundert Meilen weit von hier wohnt;
+der ist Herr &uuml;ber alle V&ouml;gel in der Luft, Du kannst den
+fragen. Wenn Du aber dort angekommen bist, so kehre die
+Schuhe nur um, so da&szlig; die Spitze nach hier wendet, dann
+gehn sie von selbst wieder nach Hause.&laquo; Als der K&ouml;nig
+nun an Ort und Stelle gekommen war, kehrte er die
+Schneeschuhe um, wie der Herr &uuml;ber die Thiere ihm
+gesagt hatte, und darauf gingen sie von selbst wieder nach
+Hause.</p>
+
+<p>Er fragte nun wieder nach Witenland, und der Mann
+blies alle V&ouml;gel herbei und fragte sie, ob nicht Einer von
+ihnen w&uuml;&szlig;te, wo Witenland l&auml;ge. Nein, das wu&szlig;te
+wieder Keiner. Lange nach den andern V&ouml;geln kam auch
+noch ein alter Adler, der zehn Jahre lang in der Fremde
+gewesen war, aber der wu&szlig;te es auch nicht. &raquo;Nun,&laquo; sagte
+der Mann: &raquo;dann will ich Dir ein Paar Schneeschuhe leihen;
+wenn Du die anhast, kommst Du zu meinem Bruder,
+der hundert Meilen weit von hier wohnt; er ist Herr
+&uuml;ber alle Fische im Meer, Du musst den fragen; vergi&szlig;
+aber nicht, die Schuhe wieder umzukehren, wenn Du dort
+angekommen bist.&laquo; Der K&ouml;nig dankte dem Mann und
+legte die Schuhe an. Als er nun zu Dem gekommen
+war, der Herr &uuml;ber alle Fische im Meer war, kehrte er
+die Schuhe wieder um, worauf diese, eben so, wie die andern,
+wieder nach Hause gingen.</p>
+
+<p>Der K&ouml;nig fragte nun wieder nach Witenland. Da
+blies der Mann alle Fische herbei; aber auch von ihnen
+wu&szlig;te Keiner Bescheid. Endlich kam ein alter, alter Hecht;
+der Mann hatte viele M&uuml;he, ihn herbeizublasen, und als er
+ihn nach Witenland fragte, antwortete der Hecht: &raquo;Ja, da
+bin ich gut bekannt; denn ich bin da zehn Jahre lang Koch
+gewesen. Morgen soll ich wieder dahin; denn die K&ouml;niginn,
+die ihren Gemahl verloren hat, macht morgen wieder
+Hochzeit.&laquo; &mdash; &raquo;Wenn es sich so verh&auml;lt, so will ich
+Dir einen guten Rath geben,&laquo; sagte der Mann: &raquo;Hier
+drau&szlig;en auf einem Erlenmoor stehn drei Br&uuml;der, die haben
+da schon hundert Jahre gestanden und sich um einen
+Hut, einen Mantel und ein Paar Stiefeln gebalgt. Wenn
+Einer die drei Dinge hat, so kann er sich unsichtbar
+machen und sich so weit weg w&uuml;nschen, als er will. Du
+kannst sagen, Du wolltest die Sachen probiren und nachher
+zwischen ihnen das Urtheil sprechen.&laquo; Der K&ouml;nig
+dankte dem Mann und that, wie er ihm gesagt hatte.
+&raquo;Was steht Ihr hier best&auml;ndig und balgt Euch?&laquo; sagte
+er, als er zu den drei Br&uuml;dern gekommen war: &raquo;lasst
+mich die Dinge probiren, dann will ich das Urtheil zwischen
+Euch sprechen.&laquo; Ja, das wollten sie gern. Als er aber
+den Hut, den Mantel und die Stiefeln bekommen hatte,
+sagte er: &raquo;Wenn wir uns das n&auml;chste Mal wiedersehen,
+sollt Ihr das Urtheil erfahren,&laquo; und damit w&uuml;nschte er
+sich fort. Als er durch die Luft fuhr, traf er mit dem
+Nordwind zusammen. &raquo;Wo willst Du hin?&laquo; fragte ihn
+der Nordwind. &raquo;Nach Witenland,&laquo; sagte der K&ouml;nig und
+erz&auml;hlte ihm, Was ihm begegnet war. &raquo;Ja, Du f&auml;hrst
+wohl etwas schneller, als ich,&laquo; sagte der Nordwind; &raquo;ich
+mu&szlig; nun in jeden Winkel und wehen und pusten. Wenn
+Du aber an Ort und Stelle kommst, so stelle Dich nur
+auf die Treppe neben der Th&uuml;r hin; dann werde ich gesaus't
+kommen, als wollte ich das ganze Schlo&szlig; umwehen.
+Wenn dann der Prinz, der Deine Gemahlinn haben soll,
+herauskommt und sehen will, Was es giebt, so fa&szlig; ihn
+nur beim Kragen und wirf ihn hinaus; dann will ich schon
+zusehen, wie ich ihn fortschaffe.&laquo; Ja, der K&ouml;nig that,
+wie ihm der Nordwind gesagt hatte: er stellte sich auf die
+Treppe hin, und als der Nordwind gesaus't und gebraus't
+kam und einen Griff ins Schlo&szlig;dach that, so da&szlig; es
+bebte und krachte, ging der Prinz hinaus und wollte sehen,
+Was es gab. Aber in demselben Augenblick ergriff der
+K&ouml;nig ihn beim Kragen und warf ihn hinaus. Da nahm
+ihn der Nordwind und fuhr mit ihm davon. Als der
+K&ouml;nig so mit guter Manier den Prinzen quitt geworden
+war, ging er ins Schlo&szlig;. Anfangs erkannte die K&ouml;niginn
+ihn nicht, weil er durch das lange Wandern und seinen
+heftigen Kummer so bleich und mager geworden war. Als
+er ihr aber den Ring zeigte, ward sie herzlich froh; und
+nun wurde mit gro&szlig;em Jubel erst die rechte Hochzeit gefeiert.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap10" id="kap10"></a>10.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Es giebt noch mehr solche Weiber.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wollten
+s&auml;en, aber sie hatten kein Saatkorn und auch kein Geld,
+sich etwas zu kaufen. Eine einzige Kuh hatten sie, und
+mit der sollte der Mann in die Stadt gehen und sie verkaufen,
+damit sie Geld zu Saatkorn bek&auml;men. Als es
+aber zum St&uuml;cke kam, wagte die Frau es nicht, den Mann
+allein reisen zu lassen, denn sie f&uuml;rchtete, er m&ouml;chte das
+Geld vertrinken. Sie machte sich daher selbst mit der Kuh
+auf den Weg und nahm auch noch ein Huhn mit.</p>
+
+<p>Dicht bei der Stadt begegnete ihr ein Schlachter.
+&raquo;Willst Du die Kuh verkaufen, Mutter?&laquo; fragte er sie. &raquo;Ja,&laquo;
+sagte die Frau. &raquo;Was willst Du denn daf&uuml;r haben?&laquo; &mdash; &raquo;F&uuml;r
+die Kuh verlange ich drei Groschen,&laquo; sagte sie:
+&raquo;aber das Huhn sollst Du f&uuml;r acht Thaler haben.&laquo; &mdash; &raquo;Das
+Huhn kann ich nicht gebrauchen,&laquo; sagte der Schlachter:
+&raquo;und das wirst Du schon los, wenn Du zur Stadt
+kommst; aber f&uuml;r die Kuh will ich Dir drei Groschen geben.&laquo;
+Sie verkaufte ihm nun die Kuh und erhielt ihre
+drei Groschen; aber in der Stadt war Niemand, der acht
+Thaler f&uuml;r ein magres sch&auml;biges Huhn geben wollte. Die
+Frau ging de&szlig;halb wieder zur&uuml;ck zum Schlachter und
+sagte: &raquo;Gevatter, ich kann mein Huhn nicht los werden;
+Du musst es mir auch nur abkaufen, da Du doch einmal
+die Kuh bekommen hast.&laquo; &mdash; &raquo;Nun, wir werden schon
+Handels eins werden,&laquo; sagte der Schlachter. Darauf tractirte
+er sie mit Essen und gab ihr so viel Branntwein,
+da&szlig; sie trunken ward und Sinn und Verstand verlor.</p>
+
+<p>W&auml;hrend sie nun da lag und schlief, tauchte der
+Schlachter sie in ein Theerfa&szlig; und legte sie dann in einen
+Federhaufen.</p>
+
+<p>Als sie darauf erwachte, war sie &uuml;ber und &uuml;ber gefiedert
+und wunderte sich und sprach: &raquo;Bin ich's, oder bin
+ich's nicht? Nein, ich kann's nicht sein, das mu&szlig; ein
+gro&szlig;er sonderbarer Vogel sein. Wie soll ich's doch nur
+erfahren, ob ich's bin, oder nicht? Ja, nun wei&szlig; ich's:
+wenn mich die K&auml;lber lecken, und der Hund mich nicht
+anbellt, wenn ich nach Hause komme, so bin ich's.&laquo;</p>
+
+<p>Der Hund aber sah kaum das Unthier, so fing er an zu
+bellen, als ob Schelme und Diebe auf den Hof gekommen
+w&auml;ren. &raquo;Nein, das kann ich unm&ouml;glich sein,&laquo; sagte sie. Als
+sie in den Stall kam, wollten die K&auml;lber sie nicht lecken wegen
+des strengen Theergeruchs. &raquo;Nein, das kann ich nicht
+sein,&laquo; sagte sie, stieg auf das Staburdach und fing an,
+mit den Armen zu schlagen, als ob es Fl&uuml;gel w&auml;ren, und
+sie in die H&ouml;he wollte. Als der Mann das gewahr ward,
+kam er mit der B&uuml;chse heraus und zielte nach ihr. &raquo;Ach,
+schie&szlig; nicht! schie&szlig; nicht!&laquo; rief sie: &raquo;das bin ich.&laquo; &mdash; &raquo;Bist
+Du es?&laquo; sagte der Mann: &raquo;was stehst Du denn da,
+wie eine Ziege? Komm herunter und thu mir Rechenschaft
+von Deinem Verkauf!&laquo; Sie kroch nun herunter, aber sie
+hatte nicht einen Heller; denn die drei Groschen, die sie
+vom Schlachter bekommen hatte, die hatte sie in ihrer
+Besoffenheit weggeworfen; und als der Mann nun h&ouml;rte,
+wie Alles zugegangen war, ward er so zornig, da&szlig; er
+sagte, er wolle von Haus und Hof gehen, und nicht eher
+zur&uuml;ckkehren, als bis er drei andre Weiber f&auml;nde, die eben
+so unklug w&auml;ren.</p>
+
+<p>Er machte sich nun auf den Weg, und als er eine
+Strecke gegangen war, erblickte er eine neu aufgezimmerte
+H&uuml;tte, und ein Weib lief mit einem leeren Sieb aus und ein;
+aber so oft sie hineinlief, warf sie die Sch&uuml;rze &uuml;ber das
+Sieb, als ob sie Etwas drin h&auml;tte. &raquo;Warum thut Ihr das,
+Mutter?&laquo; fragte er die Frau. &raquo;O, ich will nur ein wenig
+Sonne hineintragen,&laquo; sagte sie: &raquo;aber ich wei&szlig; nicht, wie
+es recht zugeht: wenn ich drau&szlig;en bin, habe ich die Sonne
+im Sieb, aber sobald ich hineinkomme, ist sie weg. Da
+ich noch in meiner alten H&uuml;tte wohnte, hatte ich Sonne
+genug, obgleich ich nie das Geringste hineintrug. Wenn
+mir nur Einer Sonne schaffen k&ouml;nnte, so wollt' ich ihm
+gern dreihundert Thaler geben.&laquo; &mdash; &raquo;Habt Ihr eine Axt,&laquo;
+sagte der Mann: &raquo;so will ich Euch schon Sonne verschaffen.&laquo;
+Er bekam nun eine Axt und damit hau'te er die
+Fensterl&ouml;cher hinein, denn die hatte der Zimmermann vergessen.
+Sogleich schien nun die Sonne hindurch, und er
+bekam seine dreihundert Thaler. &raquo;Das war Eine!&laquo; dachte
+der Mann und ging weiter.</p>
+
+<p>Nach einer Weile kam er zu einem Hause, in welchem
+er ein entsetzliches Geschrei h&ouml;rte. Er ging hinein, und da
+sah er nun eine Frau, die damit besch&auml;ftigt war, ihrem
+Mann den Kopf mit einem Waschbl&auml;uel zu bearbeiten;
+&uuml;ber den Kopf hatte sie ein Hemd ohne Halsloch gezogen.
+&raquo;Wollt Ihr Euern Mann todtschlagen, Mutter?&laquo; fragte er.
+&raquo;Nein,&laquo; sagte sie: &raquo;ich will nur ein Halsloch in dieses
+Hemd haben.&laquo; Der Mann schrie und geberdete sich &uuml;bel
+und sprach: &raquo;Gott tr&ouml;ste Den, der ein neues Hemd anhaben
+soll! Wenn Jemand meiner Frau lehren k&ouml;nnte, ein Halsloch
+auf eine andre Manier ins Hemd zu kriegen, so wollt'
+ich ihm gern dreihundert Thaler geben.&laquo; &mdash; &raquo;Das soll
+bald gethan sein; gebt mir nur eine Schere,&laquo; sagte der
+Andre. Er bekam nun eine Schere, schnitt ein Loch ins
+Hemd und ging mit seinen Dreihundert davon. &raquo;Das war
+die Zweite!&laquo; sagte er bei sich selbst.</p>
+
+<p>Endlich kam er zu einem Bauerhof, wo er sich eine
+Weile auszuruhen gedachte. Als er in die Stube trat,
+fragte die Frau ihn: &raquo;Wo seid Ihr her, Gevatter?&laquo; &mdash; &raquo;Ich
+bin aus Ringelreich,&laquo; antwortete er. &raquo;Nein, was
+Ihr sagt! seid Ihr aus dem Himmelreich?<a name="fn3_3r" id="fn3_3r"></a><a href="#fn3_3"><small><sup>3</sup></small></a> Dann kennt
+Ihr auch wohl den zweiten Peter, meinen seligen Mann.&laquo;
+&mdash; Die Frau war n&auml;mlich zum dritten Mal verheirathet;
+ihr erster und ihr letzter Mann waren schlimm; darum
+glaubte sie, da&szlig; nur der zweite, der gut gewesen war,
+selig geworden sei. &mdash; &raquo;Ja, den kenn' ich sehr gut,&laquo; sagte
+er. &raquo;Wie geht's ihm denn?&laquo; fragte die Frau. &raquo;O, es
+geht ihm nur d&uuml;rftig,&laquo; erwiederte der Ringelreicher: &raquo;er
+schlendert von einem Hof zum andern und hat weder Essen
+in der Sch&uuml;ssel, noch Kleider auf dem Leibe &mdash; an Geld
+ist nun gar nicht zu denken.&laquo; &mdash; &raquo;Ach, Gott helf mir!&laquo;
+rief die Frau: &raquo;er brauchte eben nicht so elend einherzugehen,
+er, der so Viel hinterlassen hat; hier hangt ein
+ganzer Boden voll Kleider, die ihm geh&ouml;rten, und eine
+gro&szlig;e Kiste mit Geld steht hier auch; wenn Ihr's mitnehmen
+wollt, Gevatter, so will ich Euch gern ein Pferd und
+einen Karren geben, damit Ihr's fortschaffen k&ouml;nnt; das
+Pferd kann er da behalten, und auf dem Karren kann er
+sitzen und von einem Hof zum andern fahren, denn er hat
+es eben nicht n&ouml;thig, zu Fu&szlig; zu gehen.&laquo; Der Ringelreicher
+erhielt nun eine ganze Karrenfuhre voll Kleider
+und eine Kiste voll blankes Silbergeld und so viel Essen
+und Trinken, als er nur wollte, und damit setzte er sich
+auf und fuhr davon. &raquo;Das war die Dritte!&laquo; sagte er bei
+sich selbst.</p>
+
+<p>Aber drau&szlig;en auf dem Felde ging der dritte Mann
+der Frau und pfl&uuml;gte, und da er Jemanden, den er nicht
+kannte, mit seinem Pferd und seinem Karren abreisen sah,
+ging er nach Hause zu seiner Frau und fragte sie, was
+Das f&uuml;r Einer w&auml;re, der mit seinem blauen Pferd davon
+reis'te. &raquo;Ach Der,&laquo; sagte die Frau: &raquo;das war ein Mann
+aus dem Himmelreich; er sagte, da&szlig; es dem zweiten Peter,
+meinem seligen Mann, so schlecht gehe, da&szlig; er von Hof
+zu Hof schlendern m&uuml;sse und weder Kleider, noch Geld
+h&auml;tte; darum schickte ich ihm alle seine alten Kleider, die
+hier hangen, und auch die alte Geldkiste mit dem Silbergeld.&laquo;
+Als der Mann das h&ouml;rte, merkte er sogleich, Was die Uhr
+geschlagen hatte, sattelte sein Pferd und ritt in vollem Galopp
+davon. Es dauerte nicht lange, so war er dicht hinter dem
+Ringelreicher. Wie dieser ihn aber gewahr ward, fuhr er den
+Karren ins Unterholz, ri&szlig; dem Pferd eine Handvoll Haare
+aus und lief auf einen H&uuml;gel, wo er die Pferdehaare an
+eine Birke band; darnach legte er sich darunter auf die
+Erde hin und glotzte und stierte in die Wolken. &raquo;Nein!
+nein!&laquo; sagte er so bei sich selbst, als der dritte Peter geritten
+kam: &raquo;nein, so Was hab' ich noch in meinem Leben nicht
+gesehen!&laquo; Peter sah ihm verwundert eine Weile zu, endlich
+fragte er ihn: &raquo;Was liegst Du da und glotz&auml;ugst?&laquo;
+&mdash; &raquo;Nein, so Was hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehen!&laquo;
+sagte der Andre: &raquo;Hier fuhr so eben Einer mit einem
+blauen Pferd grade zum Himmel hinauf; da siehst Du
+noch die Haare, die an der Birke hangen, und da oben
+in den Wolken siehst Du das blaue Pferd.&laquo; Peter sah
+bald zu den Wolken hinauf, bald nach Dem, welcher da
+lag und stierte; endlich sagte er: &raquo;Ich sehe Nichts, als
+nur die Pferdehaare an der Birke.&laquo; &mdash; &raquo;Nein, Du kannst
+es da auch nicht sehen,&laquo; sagte der Andre: &raquo;aber komm
+hieher und lege Dich auf diese Stelle hin, und dann musst
+Du grade in die Wolken sehen, und die Augen nicht wegkehren.&laquo;
+Als nun der dritte Peter da lag und in die
+Wolken starrte, da&szlig; ihm die Augen voll Wasser liefen,
+schwang der Ringelreicher sich auf das Pferd und machte
+sich sowohl mit diesem, als mit dem Karren davon. Wie
+Peter es auf dem Wege rasseln h&ouml;rte, sprang er auf;
+aber er war so verst&ouml;rt, als er den Andern mit seinen
+beiden Pferden und seinem Karren davon jagen sah, da&szlig;
+er sich nicht eher besann, ihm nachzueilen, als bis es zu
+sp&auml;t war.</p>
+
+<p>Er lie&szlig; die Ohren ziemlich lang h&auml;ngen, wie er nach
+Hause kam; als ihn aber seine Frau fragte, wo er das
+Pferd gelassen h&auml;tte, sagte er: &raquo;O, ich hab' es ihm f&uuml;r den
+zweiten Peter mitgegeben; denn ich dachte, es w&auml;re nicht
+werth, da&szlig; er im Himmel auf einem elenden Rumpelkasten
+sitzen und von Hof zu Hof karren solle; nun kann
+er die Karre verkaufen und sich einen Wagen anschaffen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Daf&uuml;r sollst Du Dank haben,&laquo; sagte die Frau: &raquo;ich
+h&auml;tte nie geglaubt, da&szlig; Du ein so guter Mann w&auml;rst.&laquo;</p>
+
+<p>Als nun der Andre mit den sechshundert Thalern
+und der Karrenfuhre voll Kleider und der Geldkiste nach
+Hause kam, sah er, da&szlig; aller Acker gepfl&uuml;gt und bes&auml;'t
+war. Darum war die erste Frage, die er an seine Frau
+that, woher sie das Saatkorn bekommen h&auml;tte. &raquo;O,&laquo;
+sagte sie: &raquo;ich habe immer geh&ouml;rt: &raquo;Wer da s&auml;et, wird
+auch ernten;&laquo; darum hab' ich denn das Salz ges&auml;'t, das
+Die vom Dovrefjeld hier abgesetzt haben, und wenn wir
+blo&szlig; Regen bekommen, wird's wohl aufgehen, sollt' ich
+meinen.&laquo; &mdash; &raquo;Verr&uuml;ckt bist Du, und verr&uuml;ckt bleibst Du,
+so lange Du lebst;&laquo; sagte der Mann: &raquo;aber es mag
+drum sein! denn die Andern sind auch nicht kl&uuml;ger,
+als Du.&laquo;</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap11" id="kap11"></a>11.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Einem Jeden gefallen seine Kinder am besten.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Ein Sch&uuml;tz ging einmal in einem Wald; da begegnete
+ihm die Bruchschnepfe. &raquo;Lieber Freund, schie&szlig; nicht meine
+Kinder!&laquo; sagte die Schnepfe. &raquo;Was sind denn das f&uuml;r
+welche, Deine Kinder?&laquo; fragte der Sch&uuml;tz. &raquo;Die sch&ouml;nsten
+Kinder, die im Wald gehen, sind meine,&laquo; antwortete die
+Schnepfe. &raquo;Ich will sie denn nicht schie&szlig;en,&laquo; sagte der
+Sch&uuml;tz. Als er aber zur&uuml;ckkehrte, hatte er ein ganzes
+B&uuml;ndel junge Bruchschnepfen, die er alle geschossen hatte,
+in der Hand. &raquo;Au! au! warum hast Du dennoch meine
+Kinder geschossen?&laquo; sagte die Schnepfe. &raquo;Waren diese
+denn Deine?&laquo; fragte der Sch&uuml;tz: &raquo;ich scho&szlig; die h&auml;&szlig;lichsten,
+die ich fand.&laquo; &mdash; &raquo;Ach ja,&laquo; antwortete die Schnepfe:
+&raquo;wei&szlig;t Du denn nicht, da&szlig; einem Jeden seine Kinder am
+besten gefallen?&laquo;</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap12" id="kap12"></a>12.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Eine Freiergeschichte.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Bursch, der ging aufs Freien aus.
+Da kam er unter anderm auch zu einem Kathen, wo die
+Leute in purer Armuth und D&uuml;rftigkeit lebten. Als aber
+der Freier kam, wollten sie gern wohlhabend scheinen,
+kannst Du glauben. Der Mann hatte einen neuen &Auml;rmel
+in seine Jacke bekommen. &raquo;Setz Dich nieder!&laquo; sagte
+er zu dem Freier: &raquo;aber 's sieht hier &uuml;berall so st&auml;ubig
+aus!&laquo; und damit ging er umher und wischte und st&auml;ubte
+mit seinem neuen Jacken&auml;rmel &uuml;berall auf den B&auml;nken
+und Tischen herum; den andern Arm aber hielt er auf
+den R&uuml;cken. Die Frau hatte einen neuen Schuh bekommen,
+und mit dem stie&szlig; sie an alle B&auml;nke und St&uuml;hle.
+&raquo;Es liegt hier so Viel herum,&laquo; sagte sie: &raquo;es sieht hier
+so unordentlich aus.&laquo; Darauf riefen sie die Tochter, sie
+sollte hereinkommen und aufr&auml;umen. Die hatte eine neue
+M&uuml;tze bekommen und steckte den Kopf zur Th&uuml;r herein
+und nickte: &raquo;Ich kann denn doch auch nicht &uuml;berall sein,&laquo;
+sagte sie. Ja, das waren rechte Wohlstandsleute, zu denen
+der Freier gekommen war.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap13" id="kap13"></a>13.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die drei Muhmen.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein armer Mann, der wohnte in einer
+H&uuml;tte, weit weit weg in einem Walde, und ern&auml;hrte
+sich mit der J&auml;gerei. Er hatte eine einzige Tochter, die
+war au&szlig;erordentlich sch&ouml;n. Da aber die Mutter schon
+fr&uuml;h gestorben, und das M&auml;dchen nun schon halb erwachsen
+war, sagte sie eines Tages zu ihrem Vater, sie wolle
+sich bei andern Leuten in Dienst geben, damit sie lernen
+k&ouml;nne, sich hiernach selbst ihr Brod zu verdienen. &raquo;Ja,
+meine Tochter,&laquo; sagte der Vater: &raquo;Du hast bei mir freilich
+nichts Anders gelernt, als V&ouml;gel rupfen, aber Du
+magst es immerhin versuchen, Dir Dein Brod selbst zu
+verdienen.&laquo; Das M&auml;dchen ging nun fort, um sich einen
+Dienst zu suchen, und als sie eine Weile gegangen war,
+kam sie zu einem K&ouml;nigsschlo&szlig;; da blieb sie, und die K&ouml;niginn
+mochte sie so wohl leiden, da&szlig; die andern Dirnen
+ganz neidisch auf sie wurden. Darum sagten sie eines
+Tages zu der K&ouml;niginn, das M&auml;dchen h&auml;tte sich ger&uuml;hmt,
+ein Pfund Flachs in vier und zwanzig Stunden spinnen
+zu k&ouml;nnen; denn sie wussten, die K&ouml;niginn hielt so viel
+auf Handarbeiten. &raquo;Ja, hast Du das gesagt, so sollst
+Du es auch,&laquo; sagte die K&ouml;niginn zu ihr: &raquo;indessen macht
+es nichts, wenn Du auch etwas mehr Zeit dazu gebrauchst.&laquo;
+Das arme M&auml;dchen wagte nicht, zu sagen, da&szlig; sie niemals
+gesponnen h&auml;tte, sondern bat nur um eine Kammer
+f&uuml;r sich allein; die bekam sie denn auch, und man brachte
+ihr einen Spinnrocken und Flachs. Da sa&szlig; sie nun und
+war betr&uuml;bt und weinte und konnte sich gar nicht rathen.
+Sie stellte den Rocken vor sich hin und kehrte und dreh'te
+ihn, aber sie wusste ganz und gar nicht, wie sie's anfangen
+sollte; denn sie hatte nie zuvor in ihrem Leben
+nur einmal einen Spinnrocken gesehen.</p>
+
+<p>Als sie nun so betr&uuml;bt da sa&szlig;, trat eine alte Frau zu
+ihr ein. &raquo;Was fehlt Dir, mein Kind?&laquo; fragte sie. &raquo;Ach,&laquo;
+antwortete das M&auml;dchen: &raquo;was kann es n&uuml;tzen, da&szlig; ich
+es Dir sage, denn Du kannst mir ja doch nicht helfen.&laquo;
+&mdash; &raquo;Man kann nicht wissen,&laquo; sagte die Frau: &raquo;es w&auml;re
+doch m&ouml;glich, da&szlig; ich Rath f&uuml;r Dich w&uuml;sste.&laquo; Ja, ich
+kann es ihr ja wohl sagen, dachte das M&auml;dchen und erz&auml;hlte
+ihr nun, wie ihre Mitdienerinnen ausgesagt h&auml;tten,
+sie habe sich ger&uuml;hmt, ein Pfund Flachs in vier und zwanzig
+Stunden spinnen zu k&ouml;nnen; &raquo;aber ich Arme!&laquo; sagte sie:
+&raquo;ich habe nie in meinem Leben einen Spinnrocken gesehen,
+geschweige denn, da&szlig; ich so Viel sollte in vier und
+zwanzig Stunden spinnen k&ouml;nnen.&laquo; &mdash; &raquo;Es mag nun
+drum sein, mein Kind!&laquo; sagte die Frau: &raquo;willst Du mich
+an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich den
+Flachs f&uuml;r Dich spinnen, und Du kannst Dich hinlegen
+und schlafen.&laquo; Ja, das wollte das M&auml;dchen gern und
+ging hin und legte sich schlafen.</p>
+
+<p>Am andern Morgen, als sie erwachte, lag aller Flachs
+gesponnen auf dem Tisch, und das so sauber und fein,
+da&szlig; man nie so sch&ouml;nes ebnes Garn noch gesehen hatte. Die
+K&ouml;niginn freu'te sich sehr &uuml;ber das sch&ouml;ne Garn und hielt
+nun noch mehr von dem M&auml;dchen, als vorher. Dar&uuml;ber
+wurden die andern noch neidischer auf sie und sagten nun
+zu der K&ouml;niginn, jetzt h&auml;tte sie sich auch ger&uuml;hmt, das
+Garn, das sie gesponnen, in vier und zwanzig Stunden
+weben zu k&ouml;nnen. Die K&ouml;niginn sagte wieder, wenn sie
+das gesagt h&auml;tte, so solle sie es auch, aber es machte nichts,
+wenn sie auch nicht eben in vier und zwanzig Stunden
+damit fertig w&uuml;rde. Das M&auml;dchen wagte auch diesmal
+nicht, ihre Ungeschicklichkeit zu bekennen, sondern bat nur
+um eine Kammer f&uuml;r sich allein, dann wollte sie es versuchen.
+Da sa&szlig; sie nun wieder und war betr&uuml;bt und
+weinte und wu&szlig;te nicht, Was sie anfangen sollte. Es
+dauerte aber nicht lange, so trat wieder eine alte Frau
+herein und fragte: &raquo;Was fehlt Dir, mein Kind?&laquo; Das
+M&auml;dchen wollte es ihr erst nicht sagen, aber zuletzt erz&auml;hlte
+sie ihr denn, Was die K&ouml;niginn von ihr verlangte.
+&raquo;Ei nun,&laquo; sagte die Frau: &raquo;es mag drum sein! willst Du
+mich an Deinem Ehrentag Muhme nennen, so will ich das
+Garn f&uuml;r Dich weben, und Du kannst Dich hinlegen und
+schlafen.&laquo; Ja, das wollte das M&auml;dchen gern, und damit
+ging sie hin und legte sich schlafen. Als sie aufwachte, lag
+alles Garn so sauber und dicht gewebt auf dem Tisch, wie
+nur m&ouml;glich. Sie brachte es nun der K&ouml;niginn, und diese
+freu'te sich au&szlig;erordentlich &uuml;ber die sch&ouml;ne Leinwand und
+hielt jetzt noch weit mehr von dem M&auml;dchen, als zuvor.
+Aber dar&uuml;ber wurden die andern noch neidischer und erbitterter
+auf sie und dachten an nichts Anders, als Was
+sie jetzt angeben sollten, um ihr zu schaden.</p>
+
+<p>Endlich verfielen sie darauf, zu der K&ouml;niginn zu sagen,
+jetzt h&auml;tte sie sich auch ger&uuml;hmt, all die Leinwand,
+die sie gesponnen, in vier und zwanzig Stunden zu Hemden
+aufn&auml;hen zu k&ouml;nnen. Es ging nun eben so, wie fr&uuml;her:
+das M&auml;dchen wagte nicht, zu sagen, da&szlig; sie nicht n&auml;hen
+k&ouml;nne; sie erhielt wieder ihre Kammer f&uuml;r sich allein und
+sa&szlig; da und war betr&uuml;bt und weinte. Nun trat aber wieder
+eine alte Frau zu ihr ein und versprach ihr, die Leinwand
+f&uuml;r sie zu n&auml;hen, wenn sie sie an ihrem Ehrentag
+Muhme nennen wolle. Ja, das wollte das M&auml;dchen gern
+und that wieder, wie die Frau ihr sagte, ging hin und
+legte sich schlafen. Am andern Morgen, als sie erwachte,
+war alle Leinwand zu Hemden aufgen&auml;h't, die auf dem Tisch
+lagen; eine so sch&ouml;ne Naht hatte man aber noch nie gesehen,
+und die Hemden waren alle h&uuml;bsch gezeichnet und v&ouml;llig fertig.
+Als die K&ouml;niginn die Arbeit sah, freu'te und verwunderte
+sie sich so sehr &uuml;ber die sch&ouml;ne Naht, da&szlig; sie die H&auml;nde
+&uuml;ber dem Kopf zusammenschlug. &raquo;Nein, eine so sch&ouml;ne
+Naht habe ich noch nie gesehen,&laquo; sagte sie, und von nun
+an hatte sie das M&auml;dchen so lieb, wie ihr eignes Kind.
+&raquo;Wenn Du jetzt den Prinzen haben willst, so sollst Du
+ihn bekommen,&laquo; sagte sie zu dem M&auml;dchen: &raquo;denn Du
+hast niemals n&ouml;thig, Etwas aus dem Hause zu geben, da
+Du Alles selbst spinnen und weben und auch n&auml;hen kannst.&laquo;
+Weil das M&auml;dchen nun so sch&ouml;n war, und der Prinz sie
+gern leiden mochte, wurde auch sogleich die Hochzeit gehalten.
+Als sich aber der Prinz mit ihr zur Tafel gesetzt
+hatte, trat pl&ouml;tzlich ein altes h&auml;&szlig;liches Weib herein mit einer
+langen langen Nase &mdash; die war gewi&szlig; drei Ellen lang.</p>
+
+<p>Da stand die Braut auf, ging auf die Alte zu und
+sagte: &raquo;Guten Tag, Muhme!&laquo; &mdash; &raquo;Ist das die Muhme
+meiner Braut?&laquo; fragte der Prinz. Ja, das w&auml;re sie.
+&raquo;Ja, so m&uuml;ssen wir sie denn wohl mit bei Tafel sitzen
+lassen,&laquo; sagte der Prinz; aber er sowohl, als die Andern
+meinten doch, sie w&auml;re gar zu garstig, um mit ihnen bei
+Tafel zu sitzen.</p>
+
+<p>Nicht lange darnach trat wieder ein altes h&auml;&szlig;liches
+Weib ein, die hatte einen Allerwerthesten, so dick und so breit,
+da&szlig; sie nur mit genauer Noth zur Th&uuml;r herein konnte.
+Sogleich stand die Braut auf und gr&uuml;&szlig;te sie und sagte:
+&raquo;Guten Tag, Muhme!&laquo; und der Prinz fragte wieder, ob
+das auch eine Muhme seiner Braut w&auml;re. &raquo;Ja,&laquo; antworteten
+beide, und sie mu&szlig;te sich nun ebenfalls an die
+Tafel setzen.</p>
+
+<p>Kaum aber hatte sie sich niedergesetzt, so trat wiederum
+ein altes h&auml;&szlig;liches Weib ein, mit Augen, so gro&szlig;, wie
+ein Paar Teller, und so roth und flie&szlig;end, da&szlig; es ganz
+abscheulich aussah. Die Braut stand wieder auf und
+gr&uuml;&szlig;te sie und sagte: &raquo;Guten Tag, Muhme!&laquo; und der
+Prinz bat auch sie, sich an die Tafel zu setzen, aber <ins title="Original hat er er">er</ins>
+dachte bei sich selbst: &raquo;Gott steh mir bei wegen all der
+Muhmen, die meine Braut hat!&laquo; Als sie ein wenig gesessen
+hatten, konnte der Prinz sich nicht enthalten, zu sagen:
+&raquo;Wie in aller Welt kann doch meine Braut, die so sch&ouml;n
+ist, so h&auml;ssliche und missgestaltne Muhmen haben!&laquo; &mdash; &raquo;Das
+will ich Dir sagen,&laquo; versetzte die eine: &raquo;ich war
+eben so sch&ouml;n, wie Deine Braut, da ich in ihrem Alter
+war; aber da&szlig; ich eine so lange Nase habe, kommt daher,
+weil ich so viel gesessen und gesponnen und dabei
+den Kopf best&auml;ndig ger&uuml;ttelt und gesch&uuml;ttelt habe; davon
+hat sich die Nase ausgedehnt und ist so lang geworden,
+wie Du sie jetzt siehst!&laquo; &mdash; &raquo;Und ich,&laquo; sagte die zweite:
+&raquo;ich habe von meiner Jugend an auf dem Webstuhl gesessen
+und immer hin und her gehuppelt; davon ist mein
+Allerwerthester so gro&szlig; geworden und so angeschwollen,
+wie Du ihn jetzt siehst.&laquo; Darauf sagte die dritte: &raquo;Ich
+habe, seit ich ganz klein war, immer da gesessen und auf
+das N&auml;hzeug gestiert; davon sind meine Augen so h&auml;&szlig;lich
+und roth geworden.&laquo; &mdash; &raquo;Na, so!&laquo; sagte der Prinz:
+&raquo;das war gut, da&szlig; ich das zu wissen bekam, wie die Leute
+von Dergleichen so h&auml;&szlig;lich werden k&ouml;nnen; so soll denn
+nun meine Braut auch in ihrem Leben nicht wieder spinnen,
+noch n&auml;hen, noch weben!&laquo;</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap14" id="kap14"></a>14.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Sohn der Wittwe.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal eine arme arme Wittwe, die hatte einen
+einzigen Sohn, f&uuml;r den qu&auml;lte sie sich so lange ab, bis
+der Prediger ihn gefirmelt hatte. Da sagte sie, jetzt k&ouml;nne
+sie ihn nicht l&auml;nger ern&auml;hren, er m&uuml;sse nun fort und sich
+sein Brod selbst verdienen. Der Bursch wanderte darauf
+fort in die Welt, und als er eine gute Strecke Weges zur&uuml;ckgelegt
+hatte, begegnete ihm ein Mann, der fragte ihn,
+wo er hin wolle. &raquo;Ich will fort in die Welt und zusehen,
+ob ich nicht einen Dienst bekommen kann,&laquo; sagte der Bursch.
+&raquo;Willst Du bei mir dienen?&laquo; &mdash; &raquo;O ja, eben so gut bei
+Dir, als bei jedem Andern,&laquo; versetzte der Bursch. &raquo;Ja,
+Du sollst es gut bei mir haben,&laquo; sagte der Mann: &raquo;Du
+sollst mir blo&szlig; zur Gesellschaft sein, weiter verlange ich
+von Dir Nichts.&laquo; Der Bursch trat nun seinen Dienst bei
+dem Manne an; er f&uuml;hrte ein herrliches Leben, hatte Essen
+und Trinken vollauf und nur Wenig oder gar Nichts zu
+thun; aber er sah sonst auch niemals eine Menschenseele.</p>
+
+<p>Eines Tages sagte der Mann zu ihm: &raquo;Ich werde
+jetzt auf acht Tage verreisen; w&auml;hrend der Zeit musst Du
+hier allein bleiben, aber Du darfst ja nicht in eins von
+diesen vier Zimmern gehen; thust Du das, so kostet es
+Dir das Leben, wenn ich zur&uuml;ckkomme.&laquo; &mdash; Nein, sagte
+der Bursch, er wollt's gewi&szlig; nicht thun. Als aber der
+Mann drei oder vier Tage fort gewesen war, konnte der
+Bursch sich nicht l&auml;nger halten, sondern ging in das eine
+der Zimmer. Er sah sich hier &uuml;berall um, aber bemerkte
+Nichts, als nur eine Borte &uuml;ber der Th&uuml;r, und darauf
+lag eine Dornruthe. &raquo;Das ist auch was Rechtes, um es
+mir so strenge zu verbieten, in dies Zimmer zu gehen,
+wenn hier weiter Nichts zu sehen ist!&laquo; dachte der Bursch.
+Als die acht Tage um waren, kam der Mann wieder nach
+Hause. &raquo;Du bist doch auch wohl in keins von den Zimmern
+gegangen,&laquo; sagte er. &raquo;Nein, ganz und gar nicht,&laquo;
+sagte der Bursch. &raquo;Nun, das werde ich gleich sehen,&laquo;
+sagte der Mann, und darauf ging er grade in das Zimmer,
+in welchem der Bursch gewesen war. &raquo;Ja, Du bist
+doch drin gewesen,&laquo; sagte er, als er zur&uuml;ckkam: &raquo;und nun
+mu&szlig; ich Dich t&ouml;dten.&laquo; Aber der Bursch weinte und bat
+so lange, bis er doch zuletzt mit dem Leben davon kam;
+aber t&uuml;chtige Schl&auml;ge erhielt er. Als er die ausgestanden
+hatte, waren sie wieder eben so gute Freunde, als zuvor.</p>
+
+<p>Einige Zeit darnach verreis'te der Mann abermals;
+er sagte, da&szlig; er jetzt vierzehn Tage ausbleiben w&uuml;rde,
+und verbot dem Burschen wieder strenge, in irgend eins
+der Zimmer zu gehen, in welchen er noch nicht gewesen
+sei; aber in das, worin er schon gewesen, k&ouml;nne er immer
+wieder gehen, wenn er wolle. Es ging nun eben so, wie
+das vorige Mal, nur da&szlig; der Bursch sich jetzt acht Tage
+hielt, eh' er wieder in eines der verbotenen Zimmer ging.
+Er sah auch hier Nichts, als &uuml;ber der Th&uuml;r eine Borte und
+darauf einen Feldstein und einen Wasserkrug. &raquo;Nun, das
+ist auch was Rechtes, um davor so bange zu sein!&laquo; dachte
+der Bursch. Als der Mann nach Hause kam, fragte er
+den Burschen wieder, ob er auch in irgend einem der
+Zimmer gewesen sei. Nein, sagte der Bursch, er w&auml;re
+nicht drin gewesen. &raquo;Nun, das werde ich gleich sehen,&laquo;
+sprach der Mann, und da er nun sah, da&szlig; der Bursch
+dennoch drin gewesen war, sagte er: &raquo;Nun kann ich
+Dich nicht l&auml;nger schonen, jetzt musst Du das Leben verlieren.&laquo;
+Aber der Bursch weinte und bat so lange, bis
+er denn zuletzt wieder mit einer Tracht Schl&auml;ge davon
+kam, aber die war denn auch nicht schlecht. Als er sich
+davon erholt hatte, f&uuml;hrte er wieder ein herrliches Leben;
+und er und der Mann waren wieder eben so gute Freunde,
+wie zuvor.</p>
+
+<p>Einige Zeit darnach wollte der Mann abermals verreisen;
+er sagte, da&szlig; er jetzt drei Wochen abwesend sein
+w&uuml;rde, und sch&auml;rfte dem Burschen ein, beileibe nicht in
+das dritte Zimmer zu gehen; wenn er es dennoch th&auml;te,
+sagte er, k&ouml;nne er sich nur sogleich darauf gefasst machen,
+das Leben zu verlieren. Nach vierzehn Tagen konnte der
+Bursch sich nicht l&auml;nger halten, sondern ging auch in das
+dritte Zimmer; er sah aber darin Nichts, als nur eine
+Fallth&uuml;r am Fu&szlig;boden. Als er die aufhob und hinuntersah,
+erblickte er einen gro&szlig;en kupfernen Kessel und drinnen
+pruttelte und kochte es, ohne da&szlig; Feuer darunter war.
+Ich m&ouml;chte doch wissen, ob's wohl warm ist, dachte der
+Bursch und steckte den Finger hinein; als er ihn aber
+wieder herauszog, war er &uuml;ber und &uuml;ber vergoldet; er
+schabte und wusch ihn, aber die Vergoldung wollte nicht
+wieder ab; da band er einen Lappen darum. Als darauf
+der Mann nach Hause kam und ihn fragte, Was seinem
+Finger fehle, sagte der Bursch, er habe sich so arg geschnitten;
+aber da ri&szlig; der Mann ihm den Lappen ab und
+sah nun sogleich, Was dem Finger fehlte. Erst wollte er den
+Burschen durchaus t&ouml;dten; aber da dieser wieder so heftig
+weinte und so flehentlich bat, klopfte er ihn blo&szlig; so, da&szlig;
+er drei Tage lang zu Bette liegen mu&szlig;te. Darauf nahm
+er einen Krug von der Wand, worin eine Salbe war,
+und bestrich damit den Burschen, worauf dieser sogleich
+wieder frisch und gesund aufstand.</p>
+
+<p>Als einige Zeit vergangen war, wollte der Mann
+abermals verreisen und wollte nun einen ganzen Monat
+ausbleiben. Zu dem Burschen aber sagte er, wenn er
+es sich einfallen lie&szlig;e, auch in das vierte Zimmer zu gehen,
+so k&ouml;nne er durchaus nicht hoffen, das Leben zu behalten;
+dieses Mal w&uuml;rde er ihn gewi&szlig; nicht schonen. Der
+Bursch hielt sich etwa drei ganze Wochen, aber l&auml;nger
+konnt' er's nicht aushalten, sondern ging nun auch in
+das vierte Zimmer. Hierin stand ein gro&szlig;es Pferd mit
+einem Schmutztrog beim Kopf und einem Heutrog beim
+Schwanz. Dem Burschen d&auml;uchte das ungleich, und daher
+tauschte er um und setzte den Heutrog beim Kopf hin
+und den Schmutztrog beim Schwanz. Da sagte das
+Pferd: &raquo;Weil Du ein so gutes Herz hast und mir Etwas
+zu essen g&ouml;nnst, will ich Dich erretten; denn kommt der
+Troll jetzt nach Hause und findet Dich hier noch vor,
+so t&ouml;dtet er Dich ganz gewi&szlig;. Gehe aber nun in das
+Zimmer hier grade gegen&uuml;ber und nimm eine von den
+R&uuml;stungen; aber du darfst ja keine von den blanken nehmen,
+sondern Du sollst die allerrostigste nehmen, die Du da
+siehst, und auf gleiche Weise sollst Du auch Schwert und
+Sattel w&auml;hlen.&laquo; Das that der Bursch; aber es war
+alles das sehr schwer f&uuml;r ihn zu tragen.</p>
+
+<p>Als er mit den Sachen zur&uuml;ckkam, sagte das Pferd,
+nun solle er sich nackt auskleiden und in das Zimmer gehen,
+wo der Kessel st&auml;nde und kochte, und in dem solle er
+sich gut baden. &raquo;Da werde ich wohl sch&ouml;n aussehen!&laquo; dachte
+der Bursch, aber er ging doch hin. Als er sich nun gebadet
+hatte, war er so sch&ouml;n und gro&szlig; geworden und so
+roth und wei&szlig;, wie Milch und Blut, dazu weit st&auml;rker,
+als vorher. &raquo;Sp&uuml;rst Du eine Ver&auml;nderung?&laquo; fragte ihn
+das Pferd. &raquo;Ja,&laquo; sagte der Bursch. &raquo;Dann versuch' einmal,
+ob Du mich aufheben kannst,&laquo; sagte das Pferd. Ja, das
+konnte der Bursch, und das Schwert konnte er schwingen,
+wie gar Nichts. Als das Pferd das sah, sprach es: &raquo;Lege
+mir jetzt den Sattel auf und Dir selbst die R&uuml;stung an, und
+dann nimm die Dornruthe und den Stein und die Wasserflasche
+und den Salbenkrug; dann wollen wir fortreisen.&laquo;</p>
+
+<p>Wie der Bursch das gethan hatte und auf das Pferd
+gestiegen war, ging es &mdash; hast Du mich nicht gesehen! auf
+und davon. Als der Bursch nun ein gutes Ende geritten
+war, sagte das Pferd: &raquo;Mir d&auml;ucht, ich h&ouml;re ein Ger&auml;usch;
+sieh Dich mal um, ob Du Etwas gewahr wirst.&laquo; &mdash; &raquo;Ich sehe
+M&auml;nner hinter uns,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;wohl gegen zwanzig
+St&uuml;ck.&laquo; &mdash; &raquo;Das ist der Troll,&laquo; sagte das Pferd: &raquo;er
+kommt mit seinen Leuten.&laquo;</p>
+
+<p>Das Pferd trabte aber weiter, so lange bis Die,
+welche hinter ihnen waren, ganz nahe kamen. Da sagte
+das Pferd: &raquo;Wirf jetzt die Dornruthe hinter Dich, aber
+so weit Du nur kannst!&laquo; Das that der Bursch, und im
+selben Augenblick wuchs da ein gro&szlig;er dicker Dornwald
+auf. Nun ritt der Bursch wieder eine weite Strecke fort,
+w&auml;hrend der Troll sich nach Hause begab, um Axt und
+Beil zu holen, damit er sich durch den Wald hauen k&ouml;nne.
+Endlich sagte das Pferd wieder: &raquo;Sieh Dich mal um, ob
+Du Etwas gewahr wirst.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, eine gro&szlig;e Menge,&laquo;
+sagte der Bursch: &raquo;wie eine ganze Kirchengemeine.&laquo; &mdash;
+&raquo;Ja, das ist wieder der Troll,&laquo; sagte das Pferd: &raquo;nun
+hat er noch mehr Leute mitgebracht. Wirf aber jetzt den
+Feldstein hinter Dich, aber so weit Du nur kannst.&laquo;</p>
+
+<p>Als der Bursch das that, entstand pl&ouml;tzlich ein
+gro&szlig;er hoher Berg von Feldsteinen hinter ihnen. Nun
+mu&szlig;te der Troll wieder nach Hause, um sich Ger&auml;thschaften
+zu holen, womit er sich durch den Berg minire,
+und w&auml;hrend er das that, ritt der Bursch wieder eine
+gute Strecke weiter. Zuletzt sagte das Pferd wieder, er
+solle sich mal umsehen, ob er etwas gewahr w&uuml;rde; und als
+der Bursch sich nun umsah, bemerkte er ein ganzes Kriegsheer,
+und Alle trugen so blanke R&uuml;stungen und Waffen,
+da&szlig; es nur so glitzerte. &raquo;Ja,&laquo; sagte das Pferd: &raquo;es ist
+wieder der Troll; nun hat er alle seine Leute mitgebracht.
+Gie&szlig; aber jetzt die Flasche mit Wasser hinter Dir aus;
+aber h&uuml;te Dich wohl, da&szlig; Du Etwas auf meinen Leib
+spritzest!&laquo; Das that der Bursch; aber wie sehr er sich
+auch in Acht nahm, so spritzte er doch einen Tropfen an
+den Schenkel des Pferdes. Augenblicklich entstand ein gro&szlig;es
+wogendes Wasser, und durch den Tropfen, den er auf
+das Pferd gespritzt hatte, kam dieses weit hinaus in dem
+Wasser zu stehen; aber es schwamm doch gl&uuml;cklich ans
+Land. Als der Troll nun zu dem Wasser kam, legte er
+sich mit allen seinen Leuten nieder, um es aufzutrinken,
+und da tranken sie so lange, bis sie barsten. &raquo;Nun sind
+wir sie quitt!&laquo; sagte das Pferd.</p>
+
+<p>Als sie nun eine lange lange Zeit gereis't hatten,
+kamen sie zu einer gr&uuml;nen Ebene mitten in einem Walde.
+&raquo;Lege jetzt Deine R&uuml;stung ab und zieh wieder Deine Lumpen
+an,&laquo; sagte das Pferd: &raquo;nimm mir dann den Sattel
+ab und la&szlig; mich frei und h&auml;nge Alles hier in die gro&szlig;e
+hohle Linde hin; darnach musst Du Dir eine Perr&uuml;cke von
+Tannenmoos machen, und geh dann hinauf zu des K&ouml;nigs
+Schlo&szlig;, das hier in der N&auml;he liegt, und bitte dort
+um einen Dienst. Wenn Du mich dann n&ouml;thig hast, so
+komm blo&szlig; her und r&uuml;ttle an dem Gebi&szlig;, dann werde
+ich zu Dir kommen.&laquo;</p>
+
+<p>Ja, der Bursch that, wie das Pferd ihm gesagt hatte,
+und als er sich die Moosperr&uuml;cke aufsetzte, war er so bleich
+und j&auml;mmerlich und elend anzusehen, da&szlig; Keiner ihn mehr
+erkennen konnte. Er ging nun zu dem K&ouml;nigsschlo&szlig;, und
+da bat er zuerst um einen Dienst in der K&uuml;che; er wolle
+dem Koch Wasser und Holz zutragen, sagte er. Aber die
+K&ouml;chinn fragte ihn: &raquo;Warum hast Du die h&auml;&szlig;liche Perr&uuml;cke
+auf? Nimm die ab,&laquo; sagte sie: &raquo;ich will sonst Nichts
+von Dir wissen, so h&auml;&szlig;lich Du aussiehst.&laquo; &mdash; &raquo;Das kann
+ich nicht,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;denn mein Kopf ist nicht
+so recht rein.&laquo; &mdash; &raquo;Denkst Du, ich will Dich dann hier
+beim Essen haben, wenn es so mit Dir beschaffen ist?&laquo;
+sagte der Koch: &raquo;Geh hinunter zum Stallmeister! Du
+schickst Dich besser dazu, den Stall auszumisten.&laquo; Als
+aber der Stallmeister ihm sagte, er solle die Perr&uuml;cke abnehmen,
+bekam dieser dieselbe Antwort, und nun wollte
+auch der ihn nicht behalten. &raquo;Du kannst zum G&auml;rtner
+gehen,&laquo; sagte er: &raquo;Du schickst Dich besser dazu, in der
+Erde zu w&uuml;hlen, Du.&laquo; Beim G&auml;rtner durfte er denn endlich
+bleiben; aber Keiner von den andern Bedienten wollte
+mit ihm zusammenschlafen; darum mu&szlig;te er denn allein
+schlafen unter der Treppe im Lusthause, das stand auf
+Stollen und hatte eine sehr gro&szlig;e Treppe; darunter bekam
+er einiges Moos, und da lag er nun und schlief, so gut
+er konnte.</p>
+
+<p>Als er nun eine Zeitlang im K&ouml;nigsschlo&szlig; gewesen
+war, geschah es eines Morgens, als die Sonne aufging,
+da&szlig; er seine Moosperr&uuml;cke abnahm und da stand und
+sich wusch, und da war er so sch&ouml;n, da&szlig; es eine Lust
+war, ihn anzusehen.</p>
+
+<p>Die Prinzessinn sah durch ihr Fenster den wackern
+G&auml;rtnerburschen, und es d&auml;uchte ihr, einen so sch&ouml;nen
+Menschen habe sie noch nie gesehen. Sie fragte den G&auml;rtner,
+warum er dort drau&szlig;en unter der Treppe liege. &raquo;O,
+es will Keiner von den andern Bedienten mit ihm zusammenschlafen,&laquo;
+sagte der. &raquo;La&szlig; ihn heute Abend heraufkommen
+und bei der Th&uuml;r drinnen in meiner Kammer liegen,&laquo;
+sagte die Prinzessinn: &raquo;so werden sie sich nachher wohl
+nicht weigern, mit ihm zusammenzuschlafen.&laquo; Der G&auml;rtner
+sagte das dem Burschen. &raquo;Meinst Du aber, ich werde
+das thun?&laquo; sagte der: &raquo;man m&ouml;chte nachher sagen, es
+w&auml;re Etwas zwischen mir und der Prinzessinn.&laquo; &mdash; &raquo;Ja,
+Du hast auch wohl Ursache, Dich vor solchem Verdacht
+zu f&uuml;rchten,&laquo; sagte der G&auml;rtner: &raquo;so wacker wie Du bist.&laquo; &mdash; &raquo;Nun,
+wenn Ihr's denn so wollt, dann will ich es
+wohl thun,&laquo; sagte der Bursch. Als er nun am Abend
+die Treppe hinauf sollte, schlarfte er so mit seinen Schuhen,
+da&szlig; sie ihn bitten mu&szlig;ten, leise zu gehen, damit der
+K&ouml;nig ihn nicht gewahr werde. Als er in die Kammer der
+Prinzessinn gekommen war, legte er sich sogleich bei der
+Th&uuml;r nieder und fing an zu schnarchen. Da sagte die Prinzessinn
+zu ihrem Kammerm&auml;dchen: &raquo;Schleich Dich zu ihm
+und nimm ihm die Moosperr&uuml;cke ab.&laquo; Aber als sie sie ihm abnehmen
+wollte, erwachte der Bursch, hielt mit beiden H&auml;nden
+die Perr&uuml;cke fest und sagte, die k&ouml;nne sie nicht bekommen.
+Darauf legte er sich wieder hin und schnarchte. Die
+Prinzessinn gab dem M&auml;dchen wieder einen Wink, und
+diesmal gelang es ihr, ihm die Perr&uuml;cke abzunehmen. Da
+lag nun der Bursch so sch&ouml;n und so roth und wei&szlig;, wie
+die Prinzessinn ihn in der Morgensonne gesehen hatte.
+Nachher schlief der Bursch jede Nacht in der Prinzessinn
+ihrer Kammer.</p>
+
+<p>Es dauerte aber nicht lange, so erfuhr der K&ouml;nig,
+da&szlig; der Bursch jede Nacht in der Prinzessinn ihrer Kammer
+schlief, und dar&uuml;ber ward er so erbittert, da&szlig; er ihn
+beinahe ums Leben gebracht h&auml;tte. Er warf ihn in einen
+finstern Thurm, und seine Tochter sperrte er auf ihr Zimmer
+ein, und sie durfte nicht heraus, weder Tag, noch
+Nacht; so viel sie auch weinte und f&uuml;r sich und den Burschen
+bitten mochte, es half Alles nichts, der K&ouml;nig ward
+dar&uuml;ber nur noch mehr erbittert.</p>
+
+<p>Einige Zeit darnach entstand Krieg und Unfriede im
+Lande, und der K&ouml;nig mu&szlig;te sich gegen einen andern
+K&ouml;nig r&uuml;sten, der ihm sein Land wegnehmen wollte. Als
+der Bursch das h&ouml;rte, bat er den Kerkermeister, zum K&ouml;nig
+zu gehen und ihm die Erlaubni&szlig; auszuwirken, Harnisch
+und Schwert tragen zu d&uuml;rfen und mit in den Krieg
+zu ziehen. Alle lachten laut auf, als der Kerkermeister
+seinen Auftrag anbrachte und den K&ouml;nig um einiges altes
+Ger&uuml;mpel zu einer R&uuml;stung f&uuml;r den Burschen bat, damit sie
+doch die Lust haben k&ouml;nnten, zu sehen, wie der arme Wicht
+in den Krieg z&ouml;ge. Na, das bekam er denn auch und
+dazu eine alte Kracke, die hinkte auf drei Beinen.</p>
+
+<p>Sie zogen nun gegen den Feind aus; aber sie waren
+noch nicht weit von dem K&ouml;nigshof gekommen, als der Bursch
+mit seiner Kracke in einem Moor stecken blieb und hups'te
+und jups'te: &raquo;Hei, willst du auf! Hei, willst du auf!&laquo;
+Daran hatten die Andern recht ihre Lust und lachten
+und hatten den Burschen zum besten, als sie an ihm vorbeiritten.
+Aber kaum waren sie vor&uuml;ber, so lief der Bursch
+zu der Linde, legte seine R&uuml;stung an und r&uuml;ttelte an dem
+Gebi&szlig;, und sogleich kam das Pferd an und sagte: &raquo;Thue
+Du nun Dein Bestes, dann werde ich das meinige thun.&laquo;
+Als der Bursch sie einholte, hatte die Schlacht schon begonnen,
+und der K&ouml;nig war in einer schlimmen Klemme.
+Aber ehe man sich's versah, hatte der Bursch den Feind
+in die Flucht geschlagen. Der K&ouml;nig und seine Leute wunderten
+sich und konnten nicht begreifen, Wer es nur sein
+mochte, der ihnen so gute H&uuml;lfe geleistet; denn Keiner
+war ihm so nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu
+k&ouml;nnen, und als die Schlacht vor&uuml;ber war, da war er
+verschwunden. &mdash; Wie sie nun zur&uuml;ckzogen, sa&szlig; der Bursch
+noch in dem Moor und hups'te und jups'te auf seiner
+dreibeinigen Kracke. Da lachten Alle wieder. &raquo;Nein, seh
+nur Einer! da sitzt der Narr noch und hups't und jups't!&laquo;
+sagten sie.</p>
+
+<p>Als sie am andern Tage auszogen, sa&szlig; der Bursch
+noch da. Sie lachten ihn wieder aus und machten sich
+&uuml;ber ihn lustig. Aber kaum waren sie vor&uuml;ber, so lief
+der Bursch wieder zu der Linde, und Alles ging wieder
+grade so, wie den vorigen Tag. Alle wunderten sich und
+konnten nicht begreifen, was es f&uuml;r ein fremder Held sei,
+der ihnen H&uuml;lfe geleistet; denn Keiner war ihm wieder so
+nahe gekommen, um mit ihm sprechen zu k&ouml;nnen. Da&szlig;
+aber Niemand auf den Burschen rieth, versteht sich von
+selbst.</p>
+
+<p>Als sie am Abend nach Hause zogen und sahen, da&szlig;
+der Bursch noch immer auf der Kracke sa&szlig;, lachten sie ihn
+wieder aus, und Einer von ihnen scho&szlig; einen Pfeil auf
+ihn ab und traf ihn ins Bein. Da fing der Bursch gottsj&auml;mmerlich
+an zu schreien und zu lamentiren; aber der
+K&ouml;nig warf ihm sein Taschentuch zu, und das band er
+sich um das Bein.</p>
+
+<p>Als sie am dritten Morgen auszogen, sa&szlig; der Bursch
+wieder im Moor. &raquo;Hei, willst du auf! Hei, willst du
+auf!&laquo; rief er zu der Kracke. &raquo;Nein, wahrhaftig! er wird
+da sitzen m&uuml;ssen, bis er todthungert!&laquo; sagten die Andern,
+als sie vor&uuml;berzogen, und machten sich wieder &uuml;ber ihn
+lustig. &mdash; Der Bursch lief aber wieder zu der Linde und
+kam eben in der Schlacht an, als Noth an den Mann
+ging. An diesem Tage t&ouml;dtete er den feindlichen K&ouml;nig,
+und damit war der Krieg auf einmal vorbei.</p>
+
+<p>Nun aber erkannte der K&ouml;nig den fremden Ritter
+sogleich an dem Taschentuch, <ins title="Original hat den">das</ins> dieser sich um das Bein
+gebunden hatte; die vornehmsten Cavaliere nahmen ihn darauf
+in ihre Mitte und ritten mit ihm nach dem K&ouml;nigsschlo&szlig;, und
+als die Prinzessinn ihn von ihrem Fenster aus sah, ward sie so
+froh, da&szlig; es gar nicht zu sagen ist. &raquo;Da kommt mein
+Br&auml;utigam auch,&laquo; sagte sie. Er aber nahm den Salbenkrug
+und strich sich von der Salbe aufs Bein und bestrich
+auch alle Verwundeten damit, und da wurden sie augenblicklich
+alle wieder frisch und gesund. Hierauf bekam er
+die Prinzessinn zur Gemahlinn. Aber als er am Hochzeitstage
+in den Stall zu dem Pferd kam, stand dieses ganz
+betr&uuml;bt da und wollte gar nicht fressen. Der junge
+K&ouml;nig &mdash; denn er war jetzt K&ouml;nig geworden und hatte
+das halbe Reich bekommen &mdash; fragte, Was ihm fehle. Da
+sagte das Pferd: &raquo;Jetzt hab' ich Dir durchgeholfen; aber
+nun will ich nicht l&auml;nger leben. Nimm jetzt Dein Schwert
+und haue mir den Kopf ab!&laquo; &mdash; &raquo;Nein, das thu' ich
+nicht!&laquo; sagte der junge K&ouml;nig: &raquo;Du sollst das beste Futter
+haben, das Du Dir w&uuml;nschen magst, und sollst von
+nun an best&auml;ndig in Ruhe leben.&laquo; &mdash; &raquo;Wenn Du nicht
+thun willst, Was ich Dir sage,&laquo; versetzte das Pferd: &raquo;dann
+mu&szlig; ich Dich ums Leben bringen.&laquo; Da konnte der K&ouml;nig
+nicht anders, sondern mu&szlig;te thun, wie das Pferd
+wollte. Als er aber das Schwert aufhob, um zuzuhauen,
+da war er so betr&uuml;bt, da&szlig; er das Gesicht wegkehren
+mu&szlig;te, um den Hieb nicht zu sehen. Kaum aber hatte
+er ihm den Kopf abgeschlagen, so stand ein sch&ouml;ner Prinz
+da, wo vorher das Pferd gestanden hatte. &raquo;Wo in aller
+Welt kommst Du her?&laquo; fragte der K&ouml;nig. &raquo;Ich war das
+Pferd,&laquo; antwortete der Prinz: &raquo;Ehedem war ich K&ouml;nig
+in dem Lande, wo nachher der K&ouml;nig regierte, den Du
+gestern in der Schlacht get&ouml;dtet hast; er war es, der einen
+Zauberham auf mich geworfen und mich an den Trollen
+verkauft hatte. Weil er aber nun get&ouml;dtet ist, bekomm' ich
+mein Reich zur&uuml;ck, und Du und ich werden
+Nachbark&ouml;nige; aber wir wollen nie mit einander Krieg f&uuml;hren.&laquo;
+Und das thaten sie denn auch nicht; sie blieben
+Freunde, so lange sie lebten, und kamen oft, einander zu
+besuchen.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap15" id="kap15"></a>15.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die Tochter des Mannes und die Tochter der
+Frau.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Mann und eine Frau, die heiratheten
+einander, und jeder von ihnen hatte eine Tochter. Die
+Tochter der Frau war faul und tr&auml;ge und mochte nicht
+das Geringste thun; aber die Tochter des Mannes war
+flei&szlig;ig und flink, und doch konnte sie der Stiefmutter nie
+Etwas zu Dank machen. Einmal sollten die beiden M&auml;dchen
+am Brunnen sitzen und spinnen. Die Tochter der
+Frau aber bekam Flachs zu spinnen, und die Tochter des
+Mannes nichts Anders, als Schweinsborsten. &raquo;Du bist
+nun immer so flink und ferm, Du,&laquo; sagte die Tochter
+der Frau: &raquo;aber dennoch f&uuml;rchte ich mich nicht, mit Dir
+um die Wette zu spinnen.&laquo; Sie wurden nun dar&uuml;ber
+einig, da&szlig; Der, dem zuerst der Faden auslief, in den
+Brunnen sollte. Wie sie nun anfingen zu spinnen, so lief
+der Tochter des Mannes zuerst der Faden aus, und die
+mu&szlig;te nun in den Brunnen. Sie fiel unverletzt bis auf
+den Grund; dort unten aber sah sie weit um sich her eine
+sch&ouml;ne gr&uuml;ne Wiese.</p>
+
+<p>Sie ging nun fort und kam zu einem Reiserzaun, da
+wollte sie hin&uuml;ber. &raquo;O, tritt nicht so hart auf mich!&laquo;
+sagte der Zaun: &raquo;ich will Dir auch ein andermal wieder
+gef&auml;llig sein.&laquo; Sie machte sich nun so leicht, als sie
+konnte, und stieg so vorsichtig hin&uuml;ber, da&szlig; sie den Zaun
+nicht einmal ber&uuml;hrte.</p>
+
+<p>Nun ging sie eine Strecke weiter und kam zu einer
+scheckigen Kuh, die einen Milcheimer an den H&ouml;rnern trug;
+es war eine gro&szlig;e sch&ouml;ne Kuh, und ihr Euter war so voll
+und rund. &raquo;O, sei doch so gut und melke mich!&laquo; sagte
+die Kuh: &raquo;denn mir ist das Euter so straff von der Milch;
+trinke so Viel Du willst und gie&szlig;e den Rest auf meinen
+Huf; ich will Dir auch ein andermal wieder gef&auml;llig sein.&laquo;
+Das M&auml;dchen that, wie die Kuh sie gebeten hatte; sowie
+sie nur die Zitzen anfa&szlig;te, spritzte die Milch in den Eimer;
+sie trank darauf, bis sie ihren Durst gel&ouml;scht hatte, go&szlig;
+dann der Kuh den Rest auf den Huf, und den Eimer
+h&auml;ngte sie ihr wieder an die H&ouml;rner.</p>
+
+<p>Als sie ein Ende weiter gegangen war, begegnete
+ihr ein gro&szlig;er Schafbock, der war so dick und hatte so
+lange Wolle, da&szlig; er sie auf der Erde nachschleppen mu&szlig;te,
+und an dem einen Horn hing eine gro&szlig;e Schere. &raquo;O,
+sei doch so gut und scher' mich!&laquo; sagte der Bock: &raquo;denn ich
+erliege unter der Last meiner Wolle, und mir ist so hei&szlig;,
+da&szlig; ich beinahe ersticken m&ouml;chte; nimm so Viel Du willst
+und wirre mir den Rest um den Hals; ich will Dir auch
+ein andermal wieder gef&auml;llig sein.&laquo; Das M&auml;dchen zeigte
+sich sogleich bereit, zu thun, wie der Bock sie gebeten hatte,
+und dieser legte sich von selbst auf ihren Scho&szlig;, und da
+lag er ganz still; und sie schor ihn so behutsam, da&szlig; sie
+ihn auch nicht ein einziges Mal ins Fell schnitt. Darauf
+nahm sie von der Wolle so Viel sie wollte, und den Rest
+wirrte sie dem Bock um den Hals.</p>
+
+<p>Etwas weiter hin kam sie zu einem Apfelbaum, der
+war so voll von &Auml;pfeln, da&szlig; die Zweige sich zur Erde
+niederbogen, und an dem Stamm stand eine kleine Stange.
+&raquo;O, sei doch so gut und pfl&uuml;cke meine &Auml;pfel ab!&laquo; sagte
+der Baum: &raquo;damit meine Zweige sich in die H&ouml;he richten
+k&ouml;nnen; es ist so beschwerlich, immer so krumm zu stehen;
+die Du nicht mit der Hand erreichen kannst, schlage mit
+der Stange ab, aber schlage ja vorsichtig, damit Du mich
+nicht zu Schanden schl&auml;gst; i&szlig; dann so Viel Du willst und
+lege den Rest h&uuml;bsch ordentlich unten an meinen Stamm hin;
+ich will Dir auch ein andermal wieder gef&auml;llig sein.&laquo; Das
+M&auml;dchen pfl&uuml;ckte nun so viel &Auml;pfel ab, als sie mit der
+Hand erreichen konnte, und die &uuml;brigen schlug sie vorsichtig
+mit der Stange herunter; darauf a&szlig; sie sich satt
+und legte den Rest noch so sauber und nett unten an den
+Stamm hin.</p>
+
+<p>Sie ging nun eine gute Strecke weiter, und endlich
+kam sie zu einem gro&szlig;en Hause, wo ein Trollweib mit
+ihrer Tochter wohnte. Da ging sie hinein und fragte, ob
+sie nicht einen Dienst bekommen k&ouml;nnte. &raquo;O, es kann
+nichts n&uuml;tzen,&laquo; sagte das Trollweib: &raquo;denn wir haben
+schon Viele gehabt, aber Keine von ihnen hat was getaugt.&laquo;
+Das M&auml;dchen aber bat so artig und so flehentlich, sie doch
+in Dienst zu nehmen, bis sie sie denn endlich nahmen;
+und nun gab das Trollweib ihr ein Sieb und befahl ihr,
+Wasser darin zu holen. Es d&auml;uchte dem M&auml;dchen zwar
+etwas ungereimt, Wasser in einem Sieb zu holen, aber sie
+sagte doch Nichts, sondern ging willig hin, und als sie
+zu dem Brunnen kam, sangen die V&ouml;glein:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Kleb' mit Lehm,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stopf mit Stroh!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Kleb' mit Lehm,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stopf mit Stroh!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Ja, das that sie, und nun konnte sie das Wasser in dem
+Sieb tragen. Aber als sie damit nach Hause kam, sagte
+das Trollweib: &raquo;Das hast Du nicht aus Dir selber.&laquo;</p>
+
+<p>Darauf sollte sie in den Stall gehen und ihn ausmisten
+und die K&uuml;he melken. Als sie aber hineinkam,
+stand da eine Schaufel, die war so gro&szlig; und so schwer,
+da&szlig; sie sie auf keine Weise handthieren, ja nicht einmal
+aufheben konnte. Sie wu&szlig;te nun gar nicht, wie sie's
+anfangen sollte. Aber die V&ouml;gel sangen, sie solle nur
+Etwas mit dem Besenstiel hinauswerfen, dann w&uuml;rde all
+das &Uuml;brige nachfliegen. Kaum hatte sie das gethan, so
+war der Stall auf einmal so rein, als w&auml;re er noch so
+sauber gemistet und gefegt. Jetzt wollte sie die K&uuml;he melken;
+aber die waren so unruhig und schlugen und stie&szlig;en,
+so da&szlig; sie gar nicht dazu gelangen konnte, sie zu melken.
+Aber da sangen die V&ouml;glein drau&szlig;en wieder:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Kleinen Trunk,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Kleinen Strahl</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stripp zu den V&ouml;glein</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Allzumal!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Ja, das that sie, sie strippte einen kleinen Strahl hinaus
+zu den V&ouml;glein. Da standen alle K&uuml;he still und lie&szlig;en
+sich von ihr melken, ohne zu schlagen, oder zu sto&szlig;en, sie
+hoben nicht einmal das Bein auf.</p>
+
+<p>Als das Trollweib sie mit der Milch ankommen sah
+sagte sie wieder: &raquo;Das hast Du nicht aus Dir selber. Aber nun
+kannst Du die schwarze Wolle nehmen, die da liegt, und
+sie wei&szlig; waschen.&laquo; Das M&auml;dchen wu&szlig;te wieder gar nicht,
+wie sie das anfangen sollte; denn sie hatte nie gesehen,
+da&szlig; Jemand schwarze Wolle wei&szlig; waschen konnte; aber
+sie sagte Nichts, sondern nahm die Wolle und ging damit
+zu dem Brunnen. Da sangen die V&ouml;glein, sie solle die
+Wolle in den gro&szlig;en Zuber werfen, der da st&auml;nde, dann
+w&uuml;rde sie wohl wei&szlig; werden.</p>
+
+<p>&raquo;Nein, nein,&laquo; sagte das Trollweib, als das M&auml;dchen
+mit der Wolle ankam: &raquo;mit Dir hilft es nichts; denn
+Du kannst ja Alles ausrichten, was man Dir sagt, und
+&auml;rgerst mich zuletzt noch zu Tode. Es ist am besten, Du
+erh&auml;ltst Deinen Reisepa&szlig;.&laquo;</p>
+
+<p>Nun setzte das Trollweib drei Schreine hin, einen
+rothen, einen gr&uuml;nen und einen blauen, und von diesen
+sollte es dem M&auml;dchen erlaubt sein, als Lohn f&uuml;r ihren
+Dienst, sich einen zu w&auml;hlen, welchen sie wollte. Das M&auml;dchen
+wu&szlig;te nun gar nicht, welchen sie w&auml;hlen sollte; aber
+da sangen die V&ouml;glein:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Nimm nicht den gr&uuml;nen,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Nimm nicht den rothen,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Den blauen nimm jetzt,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Auf welchen wir haben</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Drei Kreuze gesetzt.&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Da nahm sie den blauen, so wie die V&ouml;glein gesungen
+hatten. &raquo;Twi Dich an!&laquo; sagte das Trollweib: &raquo;das
+sollst Du mir entgelten!&laquo; Als das M&auml;dchen nun fortgehen
+wollte, warf das Trollmensch eine gl&uuml;hende Eisenstange
+hinter sie drein; aber das M&auml;dchen sprang schnell
+hinter die Th&uuml;r, so da&szlig; sie nicht getroffen ward, denn so
+hatten die V&ouml;glein es ihr gesungen. Sie ging nun fort,
+so schnell sie konnte; aber als sie zu dem Apfelbaum kam,
+h&ouml;rte sie ein entsetzliches Ger&auml;usch hinter sich auf dem
+Wege; es war n&auml;mlich das Trollweib mit ihrer Tochter,
+welche ihr nachkamen. Dem M&auml;dchen ward so angst und
+bange, da&szlig; sie sich gar nicht zu lassen wu&szlig;te: &raquo;Komm,&laquo;
+sagte der Apfelbaum: &raquo;ich will Dir helfen; verbirg Dich
+schnell unter meine Zweige; denn wenn sie Dich erwischen,
+nehmen sie Dir den Schrein weg und zerrei&szlig;en Dich.&laquo;
+Das that sie denn auch. Kaum aber hatte sie sich versteckt,
+so kam schon das Trollweib mit ihrer Tochter an: &raquo;Hast
+Du nicht eine Dirne hier gehen sehen?&laquo; fragte das Trollweib.
+&raquo;Ja wohl,&laquo; sagte der Apfelbaum: &raquo;es lief hier
+eine vor einer Weile vor&uuml;ber; aber die ist nun schon
+weit weg, die k&ouml;nnt Ihr nicht mehr einholen.&laquo; Da kehrte
+das Trollweib wieder um und ging nach Hause.</p>
+
+<p>Das M&auml;dchen setzte nun ihren Weg fort; aber als
+sie zu dem Bock kam, h&ouml;rte sie wieder ein so entsetzliches
+Ger&auml;usch, da&szlig; sie sich gar nicht zu lassen wu&szlig;te, so angst
+ward ihr; denn sie konnte sich wohl denken, da&szlig; es das
+Trollweib war, das sich bedacht hatte. &raquo;Komm, ich will
+Dir helfen,&laquo; sagte der Bock: &raquo;verbirg Dich schnell unter
+meiner Wolle, dann sieht sie Dich nicht; sonst nimmt sie
+Dir den Schrein weg und zerrei&szlig;t Dich.&laquo;</p>
+
+<p>Kaum hatte sie sich verborgen, so kam auch schon das
+Trollweib angestoben. &raquo;Hast Du nicht eine Dirne hier gehen
+sehen?&laquo; fragte sie den Bock. &raquo;Ja wohl,&laquo; sagte der
+Bock: &raquo;ich sah eine vor einer Weile; aber sie lief so schnell,
+da&szlig; Du sie nicht wieder einholst.&laquo; Da kehrte das Trollweib
+wieder um und ging nach Hause.</p>
+
+<p>Als das M&auml;dchen nun weiter bis zu der Kuh gekommen
+war, h&ouml;rte sie wieder ein entsetzliches Ger&auml;usch auf
+dem Wege. &raquo;Komm,&laquo; sagte die Kuh: &raquo;ich will Dir helfen;
+verbirg Dich schnell unter mein Euter; sonst kommt das
+Trollweib und nimmt Dir den Schrein weg und zerrei&szlig;t
+Dich.&laquo; Es dauerte nicht lange, so kam das Weib an.
+&raquo;Hast Du nicht eine Dirne hier gehen sehen?&laquo; fragte sie.
+&raquo;Ja, ich sah eine vor einer Weile,&laquo; sagte die Kuh: &raquo;aber die
+ist nun schon weit weg, denn sie lief so schnell; die holst
+Du nicht mehr ein.&laquo; Das Trollweib kehrte nun wieder
+um und ging nach Hause.</p>
+
+<p>Als das M&auml;dchen nun ein gutes Ende weiter gegangen
+und nicht mehr weit von dem Reiserzaun war, h&ouml;rte
+sie wieder ein so entsetzliches Ger&auml;usch auf dem Wege,
+da&szlig; ihr angst und bange ward; denn sie wu&szlig;te nun wohl,
+da&szlig; es wieder das Trollweib war, das sich bedacht hatte.
+&raquo;Komm, ich will Dir helfen,&laquo; sagte der Zaun: &raquo;kriech
+schnell unter meine Reiser, da&szlig; sie Dich nicht sieht; sonst
+nimmt sie Dir den Schrein weg und zerrei&szlig;t Dich.&laquo; Sie
+kroch nun schnell unter die Reiser des Zauns. &raquo;Hast Du
+nicht eine Dirne hier gehen sehen?&laquo; fragte das Trollweib,
+als sie zu dem Zaun kam. &raquo;Nein, ich habe keine
+Dirne gesehen,&laquo; antwortete der Zaun und war so erbittert,
+da&szlig; er knisterte, und dann machte er sich so gro&szlig;,
+da&szlig; gar nicht daran zu denken war, hin&uuml;ber zu kommen.
+Es war nun kein andrer Rath f&uuml;r das Trollweib, sie
+mu&szlig;te wieder umkehren und nach Hause gehen.</p>
+
+<p>Als nun aber das M&auml;dchen wieder zu Hause ankam,
+waren die Stiefmutter und ihre Tochter nur noch neidischer
+auf sie; denn jetzt war das M&auml;dchen noch weit stattlicher und
+so sch&ouml;n, da&szlig; es eine Lust war, sie anzusehen. Sie durfte
+aber nicht drinnen bei ihnen in der Stube bleiben, sondern
+sie jagten sie hinaus in den Schweinstall, da sollte sie
+wohnen. Hier wusch das M&auml;dchen nun Alles sauber und rein,
+und darnach machte sie den Schrein auf, um zu sehen, Was
+sie zum Lohn bekommen hatte, und als sie den Schrein
+aufgemacht hatte, fand sie darin so viel Gold und Silber
+und so viel andre kostbare Sachen, da&szlig; sie sowohl die W&auml;nde,
+als den Boden damit beh&auml;ngen konnte; und es sah nun weit
+herrlicher in dem Schweinstall aus, als in dem pr&auml;chtigsten
+K&ouml;nigsschlo&szlig;. Als die Stiefmutter und ihre Tochter das sahen,
+waren sie ganz au&szlig;er sich und fragten das M&auml;dchen,
+wie denn ihr Dienst ausgefallen sei. &raquo;O, das k&ouml;nnt Ihr Euch
+wohl vorstellen,&laquo; sagte sie: &raquo;da ich einen so guten Lohn
+bekommen habe; es waren solche Leute und eine solche
+Frau, da&szlig; man Ihresgleichen nicht mehr findet.&laquo;</p>
+
+<p>Da wollte nun die Tochter der Stiefmutter auch fort
+und dienen, damit sie auch einen solchen Goldschrein bek&auml;me.
+Beide M&auml;dchen setzten sich nun wieder hin, um zu
+spinnen; aber da sollte die Tochter der Frau Schweinsborsten
+spinnen, und die Tochter des Mannes Flachs, und
+Wem zuerst der Faden auslief, der sollte in den Brunnen.
+Es dauerte nicht lange, so lief der Frau ihrer Tochter der
+Faden aus, wie man sich wohl denken kann, und da warfen
+sie sie in den Brunnen.</p>
+
+<p>Nun geschah es eben so, wie vorhin mit der Tochter
+des Mannes: sie fiel hinab bis auf den Grund, ohne Schaden
+zu nehmen, und befand sich nun auf einer sch&ouml;nen
+gr&uuml;nen Wiese. Als sie eine Strecke weit gegangen war,
+kam sie zu dem Reiserzaun. &raquo;Tritt nicht so hart auf mich!
+ich will Dir auch ein andermal wieder gef&auml;llig sein,&laquo; sagte
+der Zaun. &raquo;Ei, was scher' ich mich um einen alten
+Reiserhaufen!&laquo; sagte sie und trat auf den Zaun, da&szlig; es
+nur so knackte.</p>
+
+<p>Etwas sp&auml;ter kam sie zu der Kuh, deren Euter so
+straff von der Milch war. &raquo;O, sei doch so gut und melke
+mich!&laquo; sagte die Kuh: &raquo;ich will Dir auch ein andermal
+wieder gef&auml;llig sein; trinke so Viel Du willst, und gie&szlig;e
+dann den Rest auf meinen Huf.&laquo; Ja, das that sie, sie
+melkte die Kuh und trank so Viel sie vermochte; dann
+aber war Nichts mehr &uuml;brig, das sie auf den Huf gie&szlig;en
+konnte; <ins title="Original hat das">den</ins> Eimer schleuderte sie &uuml;ber den H&uuml;gel und
+ging fort.</p>
+
+<p>Als sie nun eine Strecke weiter gegangen war, kam
+sie zu dem Bock, welcher die Wolle nach sich schleppte.
+&raquo;O, sei doch so gut und scher' mich! ich will Dir auch
+ein andermal wieder gef&auml;llig sein,&laquo; sagte der Bock: &raquo;nimm
+so Viel von der Wolle, als Du willst, und wirre mir dann
+den Rest um den Hals.&laquo; Das that sie; aber sie benahm
+sich dabei so ungeschickt, da&szlig; sie dem Bock gro&szlig;e St&uuml;cke
+aus dem Fell schnitt, und all die Wolle nahm sie mit.</p>
+
+<p>Ein wenig darnach kam sie zu dem Apfelbaum, der
+wieder ganz krumm unter der Last seiner Frucht stand.
+&raquo;O, sei doch so gut und pfl&uuml;cke meine &Auml;pfel ab,&laquo; sagte
+der Apfelbaum: &raquo;damit meine Zweige sich wieder aufrichten
+k&ouml;nnen! denn es ist so beschwerlich, hier so krumm zu
+stehen; aber nimm Dich in Acht, da&szlig; Du mir keinen
+Schaden thust; i&szlig; so Viel Du willst, und lege dann den
+Rest h&uuml;bsch ordentlich unten an meinen Stamm hin.&laquo;
+Sie pfl&uuml;ckte nun die n&auml;chsten &Auml;pfel ab, und die sie nicht mit
+der Hand erreichen konnte, schlug sie mit der Stange
+herunter; aber sie k&uuml;mmerte sich weiter um Nichts, ri&szlig;
+und schlug gro&szlig;e Zweige mit ab und a&szlig; so lange, bis
+sie zuletzt nicht mehr konnte, und dann warf sie den Rest
+hulterpulter unter den Baum hin.</p>
+
+<p>Als sie nun noch ein kleines Ende weiter gegangen
+war, kam sie zu dem Hause, wo das Trollweib wohnte;
+da bat sie um einen Dienst. Das Trollweib sagte, sie wolle
+kein Dienstm&auml;dchen haben; denn entweder taugten sie nichts,
+oder sie w&auml;ren auch allzu flink und betr&ouml;gen sie um ihr
+Eigenthum. Aber das M&auml;dchen lie&szlig; sich damit nicht abweisen,
+sondern sagte, sie wolle und m&uuml;sse bei ihr dienen.
+Da sagte denn das Trollweib zuletzt, ja, sie wolle sie in
+Dienst nehmen, wenn sie zu Etwas tauge.</p>
+
+<p>Das Erste, was sie zu thun bekam, war, Wasser im
+Sieb zu holen. Ja, sie ging auch zu dem Brunnen und
+sch&ouml;pfte Wasser ins Sieb; aber sowie sie es oben hineinsch&ouml;pfte,
+lief es unten immer wieder heraus. Da sangen
+die V&ouml;glein:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Kleb' mit Lehm,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stopf mit Stroh!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Kleb' mit Lehm,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stopf mit Stroh!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Aber sie bek&uuml;mmerte sich nicht um Das, was die
+V&ouml;gel sangen, sondern warf mit dem Lehm nach ihnen,
+so da&szlig; sie davon flogen; und sie mu&szlig;te mit dem leeren
+Sieb wieder nach Hause gehen und bekam Gnickp&uuml;mpe
+von dem Trollweib obendrein. Darauf sollte sie den Stall
+ausmisten und die K&uuml;he melken. Dazu d&auml;uchte sie sich
+nun zwar viel zu gut, aber sie ging doch hin. Als sie
+in den Stall kam, konnte sie jedoch auf keine Weise die
+Schaufel handthieren, denn die war viel zu schwer und
+zu gro&szlig; f&uuml;r sie. Die V&ouml;gel sagten ihr nun eben Das, was
+sie der Tochter des Mannes gesagt hatten, sie solle ein
+Wenig mit dem Besenstiel hinauswerfen, dann w&uuml;rde all
+das &Uuml;brige nachfliegen; aber sie nahm den Besen und
+warf damit nach den V&ouml;geln. Als sie darauf die K&uuml;he
+melken wollte, waren diese so unruhig und schlugen und
+stie&szlig;en, und so oft sie ein Wenig in den Eimer bekommen
+hatte, schlugen sie ihn immer wieder um. Da sangen
+die V&ouml;gel:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Kleinen Trunk,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Kleinen Strahl</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Stripp zu den V&ouml;glein</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Allzumal!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Aber sie bumps'te und schlug die K&uuml;he, warf nach
+den V&ouml;geln mit Allem, was ihr in die H&auml;nde kam, und
+hielt eine Wirthschaft, da&szlig; es ganz entsetzlich war. Damit
+hatte sie aber, als sie zur&uuml;ckkam, weder den Stall
+ausgemistet, noch die K&uuml;he gemelkt, und bekam nun t&uuml;chtige
+Hiebe und Schelte von dem Trollweib. Darnach
+sollte sie die schwarze Wolle wei&szlig; waschen; aber damit
+ging es um Nichts besser. Das war endlich dem Trollweib
+allzu arg. Nein, ein solches Dienstm&auml;dchen konnte
+sie nicht gebrauchen, denn sie taugte ja zu Nichts. Sie
+setzte aber drei Schreine hin, einen rothen, einen gr&uuml;nen
+und einen blauen; denn ihren Lohn sollte sie gleichwohl
+haben und sich einen von den drei Schreinen ausw&auml;hlen,
+den sie selbst wollte. Da sangen die V&ouml;gel:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td>&raquo;Nimm nicht den gr&uuml;nen,</td></tr>
+<tr><td>&nbsp;&nbsp;Nimm nicht den rothen,</td></tr>
+<tr><td>&nbsp;&nbsp;Den blauen nimm jetzt,</td></tr>
+<tr><td>&nbsp;&nbsp;Auf welchen wir haben</td></tr>
+<tr><td>&nbsp;&nbsp;Drei Kreuze gesetzt.&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Aber sie bek&uuml;mmerte sich nicht um Das, was die
+V&ouml;gel sangen, sondern nahm den rothen, der am meisten
+schimmerte. Darnach begab sie sich auf den Weg und
+ging nach Hause. Sie durfte aber in guter Ruhe gehen;
+denn es war Niemand, der sie verfolgte. Als sie zu
+Hause ankam, war die Mutter sehr erfreu't, und sie gingen
+beide sogleich in die gro&szlig;e Stube und setzten da den
+Schrein hin; denn sie glaubten, es w&auml;re nichts Anders,
+als lauter Gold und Silber drin, und meinten, sie wollten
+W&auml;nde und Boden damit vergolden; als sie ihn aber
+aufmachten, wimmelte lauter Gew&uuml;rm und Ungeziefer hervor,
+und so oft das M&auml;dchen den Mund aufthat, fielen W&uuml;rmer
+und Kr&ouml;ten und all das Ungeziefer heraus, das man
+sich nur denken kann, so da&szlig; es zuletzt nicht mehr m&ouml;glich
+war, mit ihr in <span class="wide">einem</span> Hause auszudauern. Das
+war der Lohn, den sie f&uuml;r ihren Dienst bei dem Trollweib
+bekommen hatte.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap16" id="kap16"></a>16.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>H&auml;hnchen und H&uuml;hnchen im Nu&szlig;wald.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>H&auml;hnchen und H&uuml;hnchen gingen einmal in den Nu&szlig;wald,
+um sich N&uuml;sse zu pfl&uuml;cken; da bekam H&uuml;hnchen eine
+Nu&szlig;schale in den Hals und lag nun da und zappelte und
+schlug mit den Fl&uuml;geln. Nun sollte H&auml;hnchen hinlaufen
+und dem H&uuml;hnchen Wasser aus der Quelle holen. H&auml;hnchen
+lief auch hin, und als er zur Quelle kam, sagte er:
+&raquo;Quelle, gieb mir Wasser, das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen,
+meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo;
+Die Quelle aber antwortete: &raquo;Ich geb' Dir kein Wasser
+eh' Du mir nicht Laub giebst.&laquo; Da lief H&auml;hnchen zur
+Linde: &raquo;Linde, gieb mir Laub, das Laub geb' ich der
+Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich
+H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir kein Laub, eh' Du mir
+nicht rothes Goldband giebst,&laquo; antwortete die Linde. Da
+lief H&auml;hnchen zur Jungfrau Maria: &raquo;Jungfrau Maria,
+gieb mir rothes Goldband, das rothe Goldband geb' ich
+der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub geb' ich
+der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das Wasser geb'
+ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im
+Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir kein rothes Goldband, eh'
+Du mir nicht Schuhe giebst,&laquo; antwortete die Jungfrau
+Maria. Da lief H&auml;hnchen zum Schuster: &raquo;Schuster, gieb
+mir Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die
+Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub,
+das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser,
+das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt
+auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir keine
+Schuh', eh' Du mir nicht Borsten giebst,&laquo; antwortete der
+Schuster. Da lief H&auml;hnchen zum Eber: &raquo;Eber, gieb mir
+Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster
+giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria,
+die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub,
+das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser,
+das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt
+auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir keine
+Borsten, eh' Du mir nicht Korn giebst,&laquo; antwortete der
+Eber. Da lief H&auml;hnchen zum Drescher: &raquo;Drescher, gieb'
+mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt
+mir Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der
+Schuster giebt mir Schuh', die Schuh geb' ich der Jungfrau
+Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband,
+das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
+giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle
+giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem
+Schatz, das liegt auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich
+geb' Dir kein Korn, eh' Du mir nicht Brod giebst,&laquo;
+antwortete der Drescher. Da lief H&auml;hnchen zur Backfrau:
+&raquo;Backfrau, gieb mir Brod, das Brod geb' ich dem
+Drescher, der Drescher giebt mir Korn, das Korn geb'
+ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die Borsten
+geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir Schuh',
+die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau
+Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe Goldband
+geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub, das Laub
+geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser, das
+Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt auf
+den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir kein Brod,
+eh' Du mir nicht Holz giebst,&laquo; antwortete die Backfrau.
+Da lief H&auml;hnchen zum Holzhauer: &raquo;Holzhauer, gieb mir
+Holz, das Holz geb' ich der Backfrau, die Backfrau giebt
+mir Brod, das Brod geb' ich dem Drescher, der Drescher
+giebt mir Korn, das Korn geb' ich dem Eber, der Eber
+giebt mir Borsten, die Borsten geb' ich dem Schuster, der
+Schuster giebt mir Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau
+Maria, die Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband,
+das rothe Goldband geb' ich der Linde, die Linde
+giebt mir Laub, das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle
+giebt mir Wasser, das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem
+Schatz, das liegt auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich
+geb' Dir kein Holz, eh' Du mir nicht eine Axt giebst,&laquo;
+antwortete der Holzhauer. Da lief H&auml;hnchen zum Schmied:
+&raquo;Schmied, gieb mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer,
+der Holzhauer giebt mir Holz, das Holz geb' ich
+der Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod, das Brod
+geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn, das
+Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die
+Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
+Schuh', die Schuh' geb' ich der Jungfrau Maria, die
+Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub,
+das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir
+Wasser, das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz,
+das liegt auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; &mdash; &raquo;Ich geb' Dir
+keine Axt, eh' Du mir nicht Kohlen giebst,&laquo; antwortete
+der Schmied. Da lief H&auml;hnchen zum K&ouml;hler: &raquo;K&ouml;hler,
+gieb mir Kohlen, die Kohlen geb' ich dem Schmied, der
+Schmied giebt mir 'ne Axt, die Axt geb' ich dem Holzhauer,
+der Holzhauer giebt mir Holz, das Holz geb' ich
+der Backfrau, die Backfrau giebt mir Brod, das Brod
+geb' ich dem Drescher, der Drescher giebt mir Korn, das
+Korn geb' ich dem Eber, der Eber giebt mir Borsten, die
+Borsten geb' ich dem Schuster, der Schuster giebt mir
+Schuh', die Schuh' geb ich der Jungfrau Maria, die
+Jungfrau Maria giebt mir rothes Goldband, das rothe
+Goldband geb' ich der Linde, die Linde giebt mir Laub,
+das Laub geb' ich der Quelle, die Quelle giebt mir Wasser,
+das Wasser geb' ich H&uuml;hnchen, meinem Schatz, das liegt
+auf den Tod im Nu&szlig;wald.&laquo; Da jammerte den K&ouml;hler
+das H&auml;hnchen, und er gab ihm Kohlen. Nun bekam der
+Schmied Kohlen, und der Holzhauer eine Axt, und die
+Backfrau Holz, und der Drescher Brod, und der Eber
+Korn, und der Schuster Borsten, und die Jungfrau Maria
+Schuh', und die Linde rothes Goldband, und die
+Quelle Laub, und H&auml;hnchen Wasser, und das gab er
+H&uuml;hnchen, seinem Schatz, das auf den Tod im Nu&szlig;wald
+lag; da ward H&uuml;hnchen wieder gesund.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap17" id="kap17"></a>17.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der B&auml;r und der Fuchs.</b>
+</p>
+<hr class="min" />
+<p><i>a)</i> <span class="wide">Warum der B&auml;r einen Stumpfschwanz hat.</span></p>
+</div>
+
+<p>Dem B&auml;ren begegnete einmal der Fuchs, der mit einem
+B&uuml;ndel Fische angeschlichen kam, die er gestohlen hatte.
+&raquo;Wo hast Du die her?&laquo; fragte der B&auml;r. &raquo;Die hab' ich
+mir geangelt, Herr B&auml;r,&laquo; versetzte der Fuchs. Da bekam
+der B&auml;r auch Lust, das Angeln zu lernen, und bat den
+Fuchs, ihm doch zu sagen, wie er es machen m&uuml;&szlig;te.
+&raquo;Das ist eine leichte Kunst und sehr bald gelernt,&laquo; erwiederte
+der Fuchs: &raquo;Du musst nur aufs Eis gehen, Dir
+ein Loch hauen und den Schwanz hineinstecken, und dann
+musst Du ihn recht lange drein halten und Dich nicht
+darum bek&uuml;mmern, wenn's ein bischen weh thut; denn
+das ist ein Zeichen, da&szlig; Fische dran bei&szlig;en; und je l&auml;nger
+Du's aushalten kannst, desto mehr Fische bekommst
+Du; aber wenn's zuletzt recht t&uuml;chtig kneift, dann musst
+Du aufziehen.&laquo; Ja, der B&auml;r that, wie der Fuchs ihm
+gesagt hatte, und hielt den Schwanz so lange ins Loch,
+bis er darin festgefroren war. Da zog er auf &mdash; den
+Schwanz ab, und nun geht er noch da den heutigen Tag
+mit einem Stumpfschwanz.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<div class="center">
+<hr class="min" />
+<p><i>b)</i> <span class="wide">Wie der Fuchs den B&auml;ren ums Weihnachtsessen
+prellt.</span></p>
+</div>
+<p>Der B&auml;r und der Fuchs hatten sich einmal zusammen
+ein Viertel Butter gekauft, das wollten sie zum Weihnachten
+haben und verwahrten es daher unter einen dicken
+Tannenbusch. Darauf gingen sie fort und legten sich
+auf einem H&uuml;gel in der Sonne schlafen. Als sie eine
+Weile gelegen hatten, sprang der Fuchs auf und rief:
+&raquo;Ja!&laquo; und damit lief er gradesweges zu dem Butterviertel,
+wovon er gut den dritten Theil auffra&szlig;. Als er
+aber zur&uuml;ckkam, und der B&auml;r ihn fragte, wo er gewesen
+sei, da&szlig; er so fett ums Maul w&auml;re, sagte er: &raquo;Meinst
+Du denn nicht, ich sei zu Gevatter gebeten, Du?&laquo; &mdash; &raquo;Na
+so!&laquo; sagte der B&auml;r: &raquo;wie hie&szlig; denn das
+Kind?&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Angefangen,</span>&laquo; sagte der Fuchs.</p>
+
+<p>Damit legten sie sich wieder schlafen. Nach einer
+Weile sprang der Fuchs abermals auf und rief: &raquo;Ja!&laquo;
+und lief wieder zu dem Butterviertel. Als er zur&uuml;ckkam,
+und der B&auml;r ihn fragte, wo er gewesen sei, antwortete
+er: &raquo;Ach, wurde ich denn nicht wieder zu Gevatter
+gebeten, Du!&laquo; &mdash; &raquo;Wie hie&szlig; jetzt das Kind?&laquo; fragte der
+B&auml;r. &raquo;<span class="wide">Halbverzehrt,</span>&laquo; antwortete der Fuchs.</p>
+
+<p>Der B&auml;r meinte, das w&auml;r' ein h&uuml;bscher Name; aber
+es dauerte nicht lange, so fing er wieder an zu g&auml;hnen
+und schlief ein. Als er nun ein Weilchen gelegen hatte,
+ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male:
+Der Fuchs sprang wieder auf und rief: &raquo;Ja!&laquo; lief zu
+dem Butterviertel und fra&szlig; nun auch den letzten Rest auf.
+Wie er zur&uuml;ckkam, war er wieder zu Kindtauf gewesen,
+und als der B&auml;r wissen wollte, wie das Kind hie&szlig;, antwortete
+er: &raquo;<span class="wide">Den-Boden-geleckt.</span>&laquo; Damit legten sie sich
+wieder zur Ruhe und schliefen beide eine gute Weile.
+Darnach wollten sie hingehen und sich nach ihrer Butter
+umsehen. Als es sich nun aber fand, da&szlig; sie rein aufgezehrt
+war, beschuldigte der B&auml;r daf&uuml;r den Fuchs, und
+der Fuchs beschuldigte wieder den B&auml;ren, und der Eine
+behauptete immer, der Andre sei bei der Butter gewesen,
+w&auml;hrend er da gelegen habe und geschlafen. &raquo;Nun,&laquo;
+sagte Reineke: &raquo;wir wollen's bald erfahren, Wer von
+uns die Butter gestohlen hat: wir wollen uns jetzt wieder
+auf dem H&uuml;gel schlafen legen, und Wer dann am
+fettsten unten beim Schwanz ist, wenn wir aufwachen, der
+hat sie gestohlen.&laquo; Ja, der B&auml;r wollte gleich auf die
+Probe eingehen, und weil er bei sich selbst wu&szlig;te, da&szlig;
+er die Butter nicht einmal gekostet hatte, legte er sich ganz
+ruhig auf dem H&uuml;gel schlafen. Da schlich Reineke sich aber
+fort nach dem Viertel und erwischte noch ein Kl&uuml;mpchen
+Butter, das in einer Ritze sitzen geblieben war; damit
+schlich er sich zur&uuml;ck zu dem B&auml;ren, bestrich ihn mit der
+Butter unten beim Schwanz und legte sich dann wieder
+schlafen, als w&uuml;&szlig;te er von Nichts. Als nun beide aufwachten,
+hatte die Sonne die Butter geschmelzt, und da
+war's denn gleichwohl der B&auml;r, der die Butter gefressen
+hatte.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap18" id="kap18"></a>18.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Gudbrand vom Berge.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Mann, der hie&szlig; <span class="wide">Gudbrand;</span> der hatte
+ein Geh&ouml;ft, das lag weit weg am Abhang eines Berges,
+und darum nannten die Leute ihn <span class="wide">Gudbrand vom Berge.</span>
+Er lebte aber mit seiner Frau so zufrieden und vertr&auml;glich
+zusammen, da&szlig; Alles, was der Mann that, der Frau so
+wohl gethan d&auml;uchte, da&szlig; es nimmermehr besser gemacht
+werden k&ouml;nne; wie er's auch anfangen mochte, sie mu&szlig;te
+sich immer dar&uuml;ber freuen. Sie besa&szlig;en ihr St&uuml;ck Ackerland,
+hatten hundert Thaler in der Kiste liegen, und im Stall
+hatten sie zwei K&uuml;he im Joch stehen. Da sagte die Frau
+eines Tages zu Gudbrand: &raquo;Mir d&auml;ucht, wir sollten die
+eine Kuh zur Stadt bringen und sie verkaufen, damit wir
+doch ein paar Ausgebeschillinge bek&auml;men; wir sind so brave
+Leute und sollten doch ein paar Schillinge unter den H&auml;nden
+haben, so wie andre Leute es haben; die hundert Thaler
+in der Kiste d&uuml;rfen wir nicht angreifen, und ich wei&szlig;
+nicht, Was wir mit mehr, als mit <span class="wide">einer</span> Kuh, wollen; und
+dann ist auch noch immer ein kleiner Gewinn dabei, da&szlig;
+ich alsdann nur auf die eine Kuh zu passen brauch, statt
+da&szlig; ich jetzt mich mit zweien placken mu&szlig;.&laquo; Ja, das
+d&auml;uchte dem Gudbrand ganz recht und vern&uuml;nftig gesprochen,
+und er nahm sogleich die Kuh und ging damit
+zur Stadt, um sie zu verkaufen. In der Stadt aber fand
+sich Niemand, der ihm die Kuh abkaufen wollte. &raquo;Ei nun!&laquo;
+dachte Gudbrand: &raquo;so geh' ich mit meiner Kuh wieder nach
+Hause; ich wei&szlig;, ich habe sowohl Stall, als Joch, f&uuml;r sie,
+und es ist eben so weit hin, als her,&laquo; und damit stiefelte
+er getrost wieder mit seiner Kuh heimw&auml;rts.</p>
+
+<p>Als er ein Endchen gegangen war, begegnete ihm Einer,
+der hatte ein Pferd, das er verkaufen wollte. Nun
+d&auml;uchte unserm Gudbrand, es sei besser, ein Pferd zu haben,
+als eine Kuh, und darum tauschte er mit dem Manne.
+Als er noch etwas weiter gegangen war, begegnete ihm
+Einer, der trieb ein fettes Schwein vor sich her, und da
+meinte Gudbrand wieder, es sei doch besser, ein fettes
+Schwein zu haben, als ein Pferd, und tauschte mit dem
+Manne. Darauf ging er weiter, und nach einer Weile
+begegnete ihm ein Mann mit einer Ziege. &raquo;Es ist freilich
+immer besser, eine Ziege zu haben, als ein Schwein,&laquo; dachte
+Gudbrand und tauschte mit dem Mann, der die Ziege hatte.
+Nun ging er eine weite Strecke fort, bis ihm endlich ein
+Mann begegnete, der ein Schaf hatte, und mit dem tauschte
+er ebenfalls, denn er dachte: &raquo;Besser ist's immer, ein Schaf
+zu haben, als eine Ziege.&laquo; Als er nun noch weiter gegangen
+war, begegnete ihm ein Mann mit einer Gans, und
+nun vertauschte Gudbrand das Schaf gegen die Gans. Als
+er darauf ein weites, weites Ende gegangen war, begegnete
+ihm ein Mann mit einem Hahn; mit dem tauschte er nochmals,
+denn er dachte: &raquo;Im Grunde ist's doch besser, einen
+Hahn zu haben, als eine Gans.&laquo; Er schritt nun so lange
+fort, bis es schon sp&auml;t am Tage war, und da nun der
+Hunger sich bei ihm einstellte, verkaufte er den Hahn f&uuml;r
+drei Groschen und kaufte sich daf&uuml;r Etwas zu essen, &raquo;denn
+es ist doch besser, das Leben heimzubringen, als einen
+Hahn,&laquo; dachte Gudbrand vom Berge. Darauf setzte
+er seinen Weg nach Hause fort, bis er zu dem Geh&ouml;ft
+seines n&auml;chsten Nachbars kam; da kehrte er ein, &raquo;Nun,
+wie ist es Dir in der Stadt gegangen?&laquo; fragten die Leute
+ihn. &raquo;O, das ist nun so so gegangen,&laquo; sagte Gudbrand:
+&raquo;ich kann mein Gl&uuml;ck eben nicht loben und auch nicht verachten,&laquo;
+und damit erz&auml;hlte er ihnen, wie sich Alles zugetragen
+hatte, vom Anfang an bis zu Ende. &raquo;Na, da wirst Du
+aber auch sch&ouml;n empfangen werden von Deiner Frau, wenn
+Du nach Hause kommst,&laquo; sagte der Mann von dem Geh&ouml;ft:
+&raquo;Gott steh' Dir bei! ich m&ouml;chte nicht in Deiner Haut
+stecken.&laquo; &mdash; &raquo;Mir d&auml;ucht, es k&ouml;nnte weit schlimmer gegangen
+sein,&laquo; sagte Gudbrand vom Berge: &raquo;sei es aber nun
+&uuml;bel, oder wohl gegangen, so habe ich doch eine so gute
+Frau, die mir nie Vorw&uuml;rfe macht, wie ich's auch immer
+anfange.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, das mag wahr sein,&laquo; sagte der Mann:
+&raquo;aber ich glaub's darum doch nicht.&laquo; &mdash; &raquo;Wollen wir
+wetten?&laquo; versetzte Gudbrand vom Berge: &raquo;Ich habe hundert
+Thaler in der Kiste liegen, h&auml;ltst Du eben so Viel
+dagegen?&laquo; &mdash; &raquo;Topp!&laquo; rief der Nachbar; und als es anfing
+zu d&auml;mmern, begaben beide sich zu Gudbrand's Geh&ouml;ft.
+Hier blieb der Nachbar drau&szlig;en vor der Th&uuml;r stehen,
+um zu horchen, w&auml;hrend Gudbrand hineinging zu
+seiner Frau und mit ihr sprach. &raquo;Guten Abend!&laquo; sagte
+Gudbrand vom Berge, als er eintrat. &raquo;Guten Abend!&laquo;
+sagte die Frau: &raquo;Na, Gott sei Lob! bist Du wieder da?&laquo;
+&mdash; Ja, das war er denn. Nun fragte die Frau, wie's
+ihm denn gegangen w&auml;r' in der Stadt. &raquo;Ach, so so!&laquo;
+antwortete Gudbrand: &raquo;ich kann mein Gl&uuml;ck eben nicht
+sonderlich r&uuml;hmen. Als ich zur Stadt kam, war da Niemand,
+der mir die Kuh abkaufen wollte; darum vertauschte
+ich sie gegen ein Pferd.&laquo; &mdash; &raquo;Ei! das mu&szlig; ich Dir ja
+Dank wissen,&laquo; sagte sie: &raquo;wir sind so brave Leute, da&szlig;
+wir auch wohl zur Kirche <span class="wide">fahren</span> k&ouml;nnen, eben so gut,
+wie Andre, und wenn wir Rath haben, uns ein Pferd
+anzuschaffen, warum sollten wir es nicht? &mdash; Geht
+hin, Jungens, und zieht das Pferd ein!&laquo; &mdash; &raquo;Je,&laquo; sagte
+Gudbrand: &raquo;ich hab' das Pferd doch nicht; denn als ich
+ein St&uuml;ck Weges gegangen war, vertauschte ich es gegen
+ein Schwein.&laquo; &mdash; &raquo;Nein!&laquo; rief die Frau: &raquo;das ist doch
+recht, als wenn ich's selbst gethan h&auml;tte! danke sch&ouml;n, lieber
+Mann! nun hab' ich doch Speck im Hause, um den
+Leuten Etwas anzubieten, die zu uns kommen. Was sollten
+wir auch wohl mit dem Pferd? Die Leute w&uuml;rden
+nur sagen, wir w&auml;ren so vornehm geworden, da&szlig; wir
+nicht mehr zur Kirche gehen k&ouml;nnten, wie wir sonst gethan &mdash; Geht
+hin, Jungens, und bringt's Schwein herein!&laquo; &mdash; &raquo;Aber
+ich habe das Schwein doch auch nicht,&laquo;
+sagte Gudbrand: &raquo;denn als ich ein Ende weiter gegangen
+war, vertauschte ich es gegen eine Milchziege.&laquo; &mdash; &raquo;Jerum!
+wie Du Alles vortrefflich machst!&laquo; rief die Frau: &raquo;Was
+sollte ich auch mit dem Schwein, wenn ich's recht bedenke?
+Die Leute w&uuml;rden nur sagen: &raquo;Die da fressen Alles auf,
+was sie haben.&laquo; Nein, hab' ich eine Ziege, so bekomm' ich
+Milch und K&auml;se, und die Ziege bleibt mir dennoch &mdash; Jungens,
+lasst die Ziege ein!&laquo; &mdash; &raquo;Nein, ich hab' die
+Ziege doch auch nicht,&laquo; sagte Gudbrand: &raquo;denn als ich etwas
+weiter auf dem Weg gekommen war, vertauschte ich
+die Ziege und bekam daf&uuml;r ein herrliches Schaf.&laquo; &mdash;
+&raquo;Nein!&laquo; rief die Frau: &raquo;Du hast Alles gemacht, wie ich's
+mir nur w&uuml;nschen kann, grade, als w&auml;r' ich selbst dabei
+gewesen. Was sollten wir auch mit der Ziege? Ich
+m&uuml;&szlig;te dann immer dahinterher laufen und bergan und
+bergab klettern. Hab' ich aber ein Schaf, so hab' ich
+Wolle und Kleider im Hause und Essen obendrein &mdash;
+Geht hin, Jungens, und bringt das Schaf 'rein!&laquo; &mdash;
+&raquo;Aber ich hab' das Schaf auch nicht mehr,&laquo; sagte Gudbrand:
+&raquo;denn als ich etwas weiter gegangen war, vertauschte
+ich es gegen eine Gans.&laquo; &mdash; &raquo;Ei, tausendmal
+sch&ouml;nen Dank!&laquo; sagte die Frau: &raquo;Was sollte ich auch wohl
+mit dem Schaf? Ich habe ja weder Rocken, noch Spindel,
+und frage auch nicht darnach, mich zu placken und zu
+qu&auml;len und Kleider zu weben; wir k&ouml;nnen ja unsre Kleider
+kaufen, wie wir sonst gethan haben. Nun bekomm'
+ich doch mal G&auml;nsefleisch zu schmecken, wonach ich schon
+so lange gejankt habe, und kann mir Dunen in meinen
+Pf&uuml;lk stopfen &mdash; Geht hin, Jungens, und holt die Gans
+'rein!&laquo; &mdash; &raquo;Je, ich hab' die Gans aber auch nicht,&laquo; sagte
+Gudbrand: &raquo;denn als ich noch ein St&uuml;ck Weges gegangen
+war, vertauschte ich sie gegen einen Hahn.&laquo; &mdash; &raquo;Gott
+wei&szlig;, wie Du auf Das verfallen bist!&laquo; rief die Frau: &raquo;es
+ist grade Alles, als ob ich's selbst gemacht h&auml;tte. Ein
+Hahn, das ist eben Dasselbe, als ob Du eine Weck-Uhr
+gekauft h&auml;ttest; denn jeden Morgen kr&auml;h't der Hahn um
+Vier, und dann k&ouml;nnen wir zu rechter Zeit auf die
+Beine kommen. Was sollten wir wohl mit der Gans?
+Ich versteh' mich nicht darauf, G&auml;nsefleisch zu p&ouml;keln, und
+meinen Pf&uuml;lk kann ich mir ja mit Seegras stopfen &mdash;
+Geht hin, Jungens, und holt den Hahn 'rein!&laquo; &mdash; &raquo;Aber
+ich habe doch den Hahn auch nicht,&laquo; sagte Gudbrand:
+&raquo;denn als ich noch etwas weiter gegangen war, bekam ich
+einen entsetzlichen Hunger und mu&szlig;te den Hahn f&uuml;r drei
+Groschen verkaufen, da&szlig; ich nur das Leben heimbrachte.&laquo;
+&mdash; &raquo;Na, das war recht, da&szlig; Du das thatst!&laquo; rief die
+Frau: &raquo;Wie Du's auch anf&auml;ngst, so machst Du Alles, wie
+ich's nur w&uuml;nschen kann. Was sollten wir auch mit dem
+Hahn? Wir sind ja unsre eignen Herren, und k&ouml;nnen des
+Morgens liegen bleiben, so lange wir wollen. Na, Gott
+sei Lob! wenn ich nur Dich wieder habe, der Du Alles
+so gut machst, brauch ich weder Hahn, noch Gans, noch
+Schwein, noch Kuh.&laquo; Nun machte Gudbrand die Th&uuml;r
+auf. &raquo;Hab' ich jetzt die hundert Thaler gewonnen?&laquo; rief
+er; und da mu&szlig;te denn der Nachbar gestehen, da&szlig; er es
+h&auml;tte.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap19" id="kap19"></a>19.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Kari Tr&auml;stak.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein K&ouml;nig, der war Wittwer geworden.
+Mit seiner Gemahlinn hatte er eine Tochter, die war so
+gut von Herzen und so sch&ouml;n, da&szlig; Niemand gutm&uuml;thiger
+und sch&ouml;ner sein konnte. Der K&ouml;nig trauerte lange um
+seine Gemahlinn, weil er so viel von ihr gehalten hatte;
+zuletzt ward er aber des ledigen Standes &uuml;berdr&uuml;ssig und
+verheirathete sich mit einer K&ouml;niginn-Wittwe, die hatte
+auch eine Tochter, aber die war eben so h&auml;&szlig;lich und b&ouml;se,
+als die andre gut und sch&ouml;n war. Die Stiefmutter und
+ihre Tochter waren nun neidisch auf die K&ouml;nigstochter
+wegen ihrer Sch&ouml;nheit; aber so lange der K&ouml;nig zu Hause
+blieb, wagten sie nicht, ihr Etwas zu Leide zu thun, weil
+er so viel von ihr hielt.</p>
+
+<p>Als aber eine Zeit vergangen war, bekam der
+K&ouml;nig Krieg mit einem andern K&ouml;nig und zog in die
+Schlacht. Nun, meinte die K&ouml;niginn, k&ouml;nnte sie thun,
+Was sie wollte, schlug die K&ouml;nigstochter, lie&szlig; sie hungern
+und stie&szlig; sie in alle Ecken herum. Zuletzt war Alles zu
+gut f&uuml;r die K&ouml;nigstochter, und sie mu&szlig;te endlich die K&uuml;he
+h&uuml;ten. So trieb sie nun mit den K&uuml;hen hinaus und weidete
+sie in dem Wald und auf dem Berg. Essen bekam
+sie nur wenig, oder gar nicht; sie ward bleich und hager
+und war fast immer betr&uuml;bt und weinte. Unter der Heerde,
+die sie weidete, war auch ein gro&szlig;er blauer Stier, der
+sich immer so sauber und blank hielt, der kam oft zu der
+K&ouml;nigstochter und lie&szlig; sich von ihr den Kopf krauen.
+Einmal, als sie da sa&szlig; und so betr&uuml;bt war und weinte,
+kam er auch zu ihr und fragte sie, warum sie immer so
+traurig w&auml;re. Sie antwortete ihm aber nicht, sondern
+fuhr fort zu weinen. &raquo;Ja, ich wei&szlig; wohl, Was Dir
+fehlt,&laquo; sagte der Stier: &raquo;wenn Du es mir auch nicht sagen
+willst; Du weinst, weil die K&ouml;niginn immer so schlimm
+gegen Dich ist und Dich beinahe todthungern l&auml;sst. Aber
+f&uuml;r Essen und Trinken sollst Du nicht sorgen: In meinem
+linken Ohr liegt ein Tuch, wenn Du das herausnimmst,
+und es ausbreitest, bekommst Du sowohl zu essen, als zu trinken,
+Was Du nur verlangst.&laquo; Das that sie, sie nahm das
+Tuch heraus und breitete es auf den Rasen hin, und da
+deckte es sich mit den sch&ouml;nsten Gerichten, die man sich nur
+w&uuml;nschen kann, und Wein und Meth und Honigkuchen
+war auch da. Sie kam nun bald wieder zu Kr&auml;ften und
+ward so voll und roth und wei&szlig;, da&szlig; die K&ouml;niginn und
+ihre holzd&uuml;rre Tochter gr&uuml;n und gelb vor lauter &Auml;rger
+wurden. Die K&ouml;niginn konnte gar nicht begreifen, wie
+ihre Stieftochter bei so schlechter Kost ein so gutes
+Aussehen bekommen konnte; darum sagte sie zu einer von ihren
+Dirnen, sie sollte ihr im Walde nachgehen und zusehen,
+wie das zusammenhinge; denn sie glaubte, da&szlig; irgend
+einer von den Dienstleuten ihr Etwas zu essen g&auml;be. Die
+Dirne ging ihr nun im Walde nach und beobachtete sie,
+und da sah sie denn, da&szlig; die Stieftochter das Tuch aus
+dem Ohr des blauen Stiers nahm und es auf dem Rasen
+ausbreitete, worauf es sich mit den sch&ouml;nsten Gerichten deckte,
+wovon dann die Tochter a&szlig; und sich g&uuml;tlich that. Das
+erz&auml;hlte die Dirne zu Hause der K&ouml;niginn. &mdash; Jetzt kehrte
+der K&ouml;nig heim und hatte den Sieg &uuml;ber den andern K&ouml;nig
+davon getragen, gegen den er zu Felde gezogen war.
+Da war nun gro&szlig;e Freude im ganzen Schlo&szlig;, doch Niemand
+freu'te sich mehr, als des K&ouml;nigs Tochter. Die K&ouml;niginn
+aber stellte sich krank an und gab dem Doctor viel
+Geld, damit er sagen solle, sie k&ouml;nne nicht wieder gesund
+werden, wenn sie nicht das Fleisch von dem blauen Stier
+zu essen bek&auml;me. Sowohl die K&ouml;nigstochter, als die Leute im
+Schlo&szlig; fragten den Doctor, ob nicht etwas Andres helfen
+k&ouml;nne, und baten f&uuml;r den Stier, denn sie hielten alle so viel
+von ihm und sagten, einen solchen Stier g&auml;b's nicht mehr im
+ganzen K&ouml;nigreich; aber nein, er sollte und mu&szlig;te geschlachtet
+werden, es war kein andrer Rath. Als die K&ouml;nigstochter
+das h&ouml;rte, ward sie sehr betr&uuml;bt und ging hinunter
+in den Stall zu dem Stier. Der stand auch da
+und lie&szlig; den Kopf hangen und sah so betr&uuml;bt aus, da&szlig;
+sie anfing, dar&uuml;ber zu weinen. &raquo;Warum weinst Du?&laquo;
+fragte der Stier. Da erz&auml;hlte sie ihm, der K&ouml;nig w&auml;re
+zu Hause gekommen, und die K&ouml;niginn h&auml;tte sich krank
+angestellt und den Doctor dahin vermocht, zu sagen, sie
+k&ouml;nne nicht wieder gesund werden, wenn sie nicht das
+Fleisch von dem blauen Stier zu essen bek&auml;me, und nun
+sollte er geschlachtet werden. Der Stier aber sagte: &raquo;Wenn
+sie erst mich get&ouml;dtet haben, dann werden sie Dich auch
+bald t&ouml;dten; wenn Du aber so willst, wie ich, so machen
+wir uns beide noch diese Nacht davon.&laquo; Die K&ouml;nigstochter
+meinte zwar, es w&auml;re schlimm, ihren Vater
+zu verlassen, aber schlimmer doch w&auml;r' es noch, im Hause
+bei der K&ouml;niginn zu bleiben, und versprach darum dem
+Stier, mit ihm zu reisen.</p>
+
+<p>Als es Abend geworden war, und alle die Andern
+sich zur Ruhe begeben hatten, schlich die K&ouml;nigstochter sich
+hinunter in den Stall; da nahm der Stier sie auf den
+R&uuml;cken und machte sich mit ihr davon, so schnell er nur
+konnte. Als darnach am Morgen die Leute aufstanden
+und den Stier schlachten wollten, war dieser fort; und als
+der K&ouml;nig aufgestanden war und nach seiner Tochter fragte,
+da war die auch fort. Der K&ouml;nig schickte Boten aus
+nach allen Enden der Welt, sie aufzusuchen, und lie&szlig; ihr
+nachl&auml;uten mit allen Glocken; aber es konnte Niemand
+eine Spur von ihr entdecken. &mdash; Inzwischen trabte der
+Stier mit der K&ouml;nigstochter fort durch viele fremde L&auml;nder,
+und endlich kamen sie zu einem gro&szlig;en kupfernen
+Wald, wo sowohl die B&auml;ume, als die Zweige und Bl&auml;tter
+und Bl&uuml;then von lauter Kupfer waren.</p>
+
+<p>Ehe sie aber weiter reis'ten, sagte der Stier zu der
+K&ouml;nigstochter: &raquo;Wenn wir nun in den Wald kommen,
+musst Du Dich wohl in Acht nehmen, da&szlig; Du auch nicht
+ein Bl&auml;ttchen anr&uuml;hrst, sonst ist's aus mit Dir und mit
+mir; denn es wohnt hier ein Troll mit drei K&ouml;pfen, welchem
+dieser Wald geh&ouml;rt.&laquo; Nein, den Kukuk! sie wollte sich
+wohl in Acht nehmen und ja Nichts anr&uuml;hren. Darauf
+gingen sie sehr vorsichtig in den Wald; die Prinzessinn
+schmiegte und biegte sich und hielt die Zweige mit den
+H&auml;nden zur&uuml;ck; aber der Wald war so dicht, da&szlig; es fast
+nicht m&ouml;glich war, hindurch zu kommen, und wie sehr
+sie sich auch in Acht nahm, versah sie's doch, da&szlig; sie ein
+Blatt abri&szlig; und es in der Hand behielt.</p>
+
+<p>&raquo;O weh! Was machst Du da?&laquo; sagte der Stier:
+&raquo;jetzt mu&szlig; ich mich schlagen auf Leben und Tod; aber
+verwahre nur gut das Blatt.&laquo; Sie hatten bald darauf
+das Ende des Waldes erreicht. Da kam ein gro&szlig;er Troll
+dahergeschnoben, der hatte drei K&ouml;pfe. &raquo;<span class="wide">Wer hat meinen
+Wald anger&uuml;hrt?</span>&laquo; rief er. &raquo;Das ist eben so
+gut mein Wald, als Deiner,&laquo; sagte der Stier. &raquo;<span class="wide">Das
+wollen wir erst ausmachen!</span>&laquo; schrie der Troll. &raquo;La&szlig;
+uns das!&laquo; sagte der Stier. Beide rannten nun an einander,
+und der Stier stie&szlig; und schlug aus allen Kr&auml;ften;
+aber der Troll schlug nicht schlechter, und es dauerte einen
+ganzen Tag, eh' der Stier ihn bezwingen konnte. Da
+war er aber auch so mit Wunden bedeckt und so ersch&ouml;pft,
+da&szlig; er nicht mehr von der Stelle zu gehen vermochte.
+Sie mu&szlig;ten sich nun den ganzen Tag ausruhen; darauf
+sagte der Stier zu der K&ouml;nigstochter, sie solle das
+Salbenhorn nehmen, das an dem G&uuml;rtel des Trollen hing,
+und ihn mit der Salbe &uuml;berall bestreichen. Als sie das
+gethan hatte, ward der Stier sogleich wieder frisch und
+gesund, und am folgenden Tage setzten sie ihre Reise fort.
+Sie reis'ten nun manchen lieben Tag, und endlich kamen
+sie zu einem silbernen Wald; hier waren sowohl die B&auml;ume,
+als die Zweige und die Bl&auml;tter und Bl&uuml;then von lauter
+Silber.</p>
+
+<p>Ehe sie aber ihre Reise weiter fortsetzten, sagte der
+Stier zu der K&ouml;nigstochter: &raquo;Wenn wir nun in den Wald
+kommen, musst Du Dich ja sehr in Acht nehmen; Du
+darfst durchaus Nichts anr&uuml;hren, und auch nicht so Viel,
+als nur ein Bl&auml;ttchen, abrei&szlig;en; sonst ist es aus mit Dir
+und mit mir; denn hier wohnt ein Troll mit sechs K&ouml;pfen,
+welchem dieser Wald geh&ouml;rt, und mit dem, glaub' ich,
+werd' ich's nicht aufnehmen k&ouml;nnen.&laquo;</p>
+
+<p>Nein, sagte die K&ouml;nigstochter, sie wollte sich sehr in
+Acht nehmen und auch nicht das Geringste anr&uuml;hren. Als
+sie aber in den Wald kamen, war er wieder so dicht und
+so eng, da&szlig; sie beinahe nicht vorw&auml;rts kommen konnten.
+Die K&ouml;nigstochter war so vorsichtig, wie nur m&ouml;glich,
+und bog die Zweige, die ihr im Wege sa&szlig;en, mit den
+H&auml;nden zur Seite; aber jeden Augenblick schlugen ihr die
+Zweige in die Augen, und wie sie's auch anfangen mochte,
+so ri&szlig; sie doch wieder ein Blatt ab.</p>
+
+<p>&raquo;O weh! Was hast Du gemacht!&laquo; rief der Stier:
+&raquo;Nun mu&szlig; ich mich wieder schlagen auf Leben und Tod;
+denn der Troll, welcher hier wohnt, hat sechs K&ouml;pfe und
+ist noch einmal so gro&szlig;, als der vorige; verwahre aber
+nur vorsichtig das Blatt.&laquo;</p>
+
+<p>Es dauerte nicht lange, so kam der Troll an. &raquo;<span class="wide">Wer
+hat meinen Wald anger&uuml;hrt?</span>&laquo; rief er. &raquo;Das ist
+eben so gut mein Wald, als Deiner,&laquo; sagte der Stier.
+&raquo;<span class="wide">Das wollen wir erst ausmachen!</span>&laquo; schrie der Troll.
+&raquo;La&szlig; uns das!&laquo; sagte der Stier, fuhr auf den Trollen
+zu, bohrte ihm die Augen aus und rannte ihm die
+H&ouml;rner mitten durch den Leib, so da&szlig; die Ged&auml;rme dabei
+hingen; aber der Troll wehrte sich dessen ungeachtet tapfer,
+und es dauerte drei ganze Tage, eh' der Stier ihm den
+Garaus machte. Da war er aber auch so elend und hinf&auml;llig,
+da&szlig; er sich kaum noch r&uuml;hren konnte, und &uuml;ber
+und &uuml;ber war er mit Wunden bedeckt, aus welchen das
+Blut herausflo&szlig;. Da sagte er zu der K&ouml;nigstochter, sie
+solle das Salbenhorn nehmen, das an dem G&uuml;rtel des
+Trollen hing, und ihn &uuml;berall mit der Salbe bestreichen.
+Das that sie denn auch, und darauf heilten die Wunden
+sogleich wieder zu. Aber so matt war der Stier, da&szlig; sie
+eine ganze Woche lang sich ausruhen mu&szlig;ten, eh' er im
+Stande war, weiter zu gehen.</p>
+
+<p>Endlich machten sie sich wieder auf den Weg; aber
+der Stier war immer noch sehr schwach, und es ging daher
+im Anfang nur langsam. Um ihn zu schonen, sagte
+die K&ouml;nigstochter, sie w&auml;re jung und leicht zu Fu&szlig;, sie
+k&ouml;nnte ja gern gehen; aber das litt der Stier durchaus
+nicht, sie mu&szlig;te sich wieder auf ihn setzen. Nun reis'ten
+sie eine lange lange Zeit und kamen durch viele L&auml;nder,
+und die K&ouml;nigstochter wu&szlig;te gar nicht mehr, wo sie in
+der Welt waren. Aber endlich und zuletzt kamen sie zu
+einem goldnen Wald, der war so sch&ouml;n, da&szlig; das Gold
+davon heruntertr&ouml;pfelte; denn sowohl die B&auml;ume, als die
+Zweige und die Bl&auml;tter und Bl&uuml;then waren von purem
+Golde. Hier ging es nun wieder eben so, wie in dem
+kupfernen und dem silbernen Wald. Der Stier sagte zu
+der K&ouml;nigstochter, da&szlig; sie durchaus kein Blatt anr&uuml;hren
+d&uuml;rfe; denn hier wohne ein Troll mit neun K&ouml;pfen, dem
+der Wald geh&ouml;re, der w&auml;re noch weit gr&ouml;&szlig;er und st&auml;rker,
+als die beiden andern zusammen, und den glaubte er nun
+ganz und gar nicht bezwingen zu k&ouml;nnen. &mdash; Nein, sie
+wollte sich wohl in Acht nehmen und durchaus Nichts
+anr&uuml;hren, darauf k&ouml;nne er sich verlassen. Als sie aber in
+den Wald kamen, war dieser noch weit dichter und enger,
+als der silberne, und je weiter sie hineinkamen, desto
+schlimmer ward es: der Wald wurde immer dichter und
+enger, und zuletzt schien ganz und gar kein Durchkommen
+mehr. Die K&ouml;nigstochter schmiegte und biegte sich und
+bog die Zweige mit den H&auml;nden zur&uuml;ck; aber jeden Augenblick
+schlugen sie ihr in die Augen, so da&szlig; sie zuletzt nicht
+mehr vor sich sehen konnte, und eh' sie sich recht besann,
+hatte sie einen goldnen Apfel in der Hand. Nun wurde
+sie entsetzlich bange und fing an zu weinen und wollte den
+Apfel wieder wegwerfen; aber der Stier sagte, sie solle
+ihn nur behalten und ihn wohl verwahren, und tr&ouml;stete
+sie, so gut er konnte, meinte aber doch, es w&uuml;rde ein
+harter Kampf werden, und wu&szlig;te nicht, ob's diesmal so
+gut ablaufen w&uuml;rde.</p>
+
+<p>Es dauerte nicht lange, so kam der Troll mit den
+neun K&ouml;pfen an. &raquo;<span class="wide">Wer hat meinen Wald anger&uuml;hrt?</span>&laquo;
+rief er. &raquo;Das ist eben so gut mein Wald, als
+Deiner,&laquo; sagte der Stier. &raquo;<span class="wide">Das wollen wir erst
+ausmachen!</span>&laquo; schrie der Troll. &raquo;La&szlig; uns das!&laquo; sagte
+der Stier, und damit rannten sie an einander, da&szlig; es
+ganz entsetzlich war, und die K&ouml;nigstochter fiel beinahe in
+Ohnmacht. Der Stier bohrte dem Trollen die Augen aus
+dem Kopf und rannte ihm die H&ouml;rner durch den Leib, so
+da&szlig; die Eingeweide herausfielen; aber der Troll k&auml;mpfte
+dessen ungeachtet gleich tapfer; denn sobald der Stier einen
+Kopf get&ouml;dtet hatte, bliesen die andern sogleich wieder
+Leben hinein, und es dauerte wohl eine ganze Woche lang,
+eh' es dem Stier gelang, den Trollen g&auml;nzlich zu t&ouml;dten.
+Aber da war er auch so elend und hinf&auml;llig, da&szlig; er sich
+nicht r&uuml;hren konnte, und nicht einmal war er im Stande,
+zu sagen, die K&ouml;nigstochter solle das Salbenhorn von dem
+G&uuml;rtel des Trollen nehmen und ihn mit der Salbe bestreichen;
+aber sie that es schon von selbst, und da ward
+es wieder besser mit dem Stier; aber wohl &uuml;ber drei Wochen
+mu&szlig;ten sie hier verweilen, eh' er wieder so viel Kr&auml;fte
+gesammelt hatte, um die Reise fortsetzen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Endlich ging es wieder so allm&auml;hlich vorw&auml;rts; denn
+der Stier sagte, sie m&uuml;&szlig;ten noch etwas weiter. Als sie
+nun eine Zeit gereis't und &uuml;ber viele mit dichten W&auml;ldern
+bewachsene Berge gekommen waren, gelangten sie endlich
+zu einem Felsen. &raquo;Siehst Du Etwas?&laquo; fragte der Stier.
+&raquo;Nein, ich sehe Nichts, als den Himmel und die wilde
+Felsgegend,&laquo; versetzte die K&ouml;nigstochter. Als sie aber tiefer
+ins Gebirge kamen, wurde die Gegend ebener, so da&szlig;
+sie eine weitere Aussicht hatten. &raquo;Siehst Du jetzt Etwas?&laquo;
+fragte der Stier. &raquo;Ja, ich sehe ein kleines Schlo&szlig; weit
+in der Ferne,&laquo; sagte die Prinzessinn. &raquo;Nun, das Schlo&szlig;
+ist eben nicht so klein,&laquo; sagte der Stier. Endlich kamen
+sie zu einem gro&szlig;en Geh&auml;ge mit einer schroffen Felswand.
+&raquo;Siehst Du jetzt Etwas?&laquo; fragte der Stier wieder. &raquo;Ja,
+nun sehe ich ganz nahebei das Schlo&szlig;; jetzt ist es weit
+gr&ouml;&szlig;er, als vorher,&laquo; sagte die K&ouml;nigstochter. &raquo;Da sollst
+Du hin!&laquo; sagte der Stier: &raquo;Gleich unten beim Schlo&szlig; ist
+ein Schweinstall, wenn Du da hineinkommst, so findest
+Du dort einen h&ouml;lzernen Rock, den musst Du anziehen
+und damit ins Schlo&szlig; gehen und sagen, Du hei&szlig;est <span class="wide">Kari
+Tr&auml;stak</span><a name="fn4_4r" id="fn4_4r"></a><a href="#fn4_4"><small><sup>4</sup></small></a>, und um einen Dienst bitten. Jetzt aber sollst
+Du Dein Messer nehmen und mir damit den Kopf abschneiden;
+alsdann streife mir das Fell ab und lege darein
+das kupferne Blatt, das silberne Blatt und den goldnen
+Apfel, und verwahre Alles unten bei der Felswand. Am
+Berge steht ein Stock, und wenn Du dann von mir nachher
+Etwas willst, so klopfe blo&szlig; mit dem Stock an die
+Felswand.&laquo;</p>
+
+<p>Anfangs konnte die Prinzessinn sich durchaus nicht
+dazu entschlie&szlig;en, dem Stier den Kopf abzuschneiden. Wie
+dieser ihr aber sagte, das sei der einzige Dank, den er f&uuml;r
+Das, was er f&uuml;r sie gethan, von ihr fordre, da konnte
+sie denn nicht anders: sie nahm das Messer und schnitt ihm,
+so weh es ihr auch that, damit den Kopf vom Rumpf,
+streifte ihm das Fell ab, legte darein das kupferne Blatt,
+das silberne Blatt und den goldnen Apfel, und verwahrte
+dann Alles unten bei der Felswand.</p>
+
+<p>Als das geschehen war, ging sie weinend und voll
+gro&szlig;er Betr&uuml;bni&szlig; in den Schweinstall; da zog sie den
+h&ouml;lzernen Rock an und begab sich damit zum K&ouml;nigsschlo&szlig;.
+Sie trat zuerst in die K&uuml;che ein, und bat um einen
+Dienst und sagte, sie hei&szlig;e Kari Tr&auml;stak. Ja, sagte der
+Koch, einen Dienst k&ouml;nne sie bekommen, wenn sie im Schlo&szlig;
+aufwaschen und rein machen wolle, denn Die, welche das
+fr&uuml;her gethan h&auml;tte, sei davon gelaufen; &raquo;aber wenn Du
+eine Zeitlang hier gewesen bist, wirst Du's auch wohl &uuml;berdr&uuml;ssig
+und l&auml;ufst auch davon,&laquo; sagte er. Nein, das wollte
+sie gewi&szlig; nicht.</p>
+
+<p>Sie blieb nun auf dem Schlo&szlig; und verrichtete ihr
+Gesch&auml;ft ordentlich und p&uuml;nktlich. Eines Sonntags, als
+man Fremde erwartete, bat Kari um Erlaubni&szlig;, dem Prinzen
+das Waschwasser hinaufbringen zu d&uuml;rfen; aber die Andern
+lachten &uuml;ber sie und sagten: &raquo;Was willst Du bei
+dem Prinzen? Glaubst Du, der Prinz will Etwas von Dir
+wissen, so wie Du aussiehst?&laquo; Aber sie gab sich nicht
+zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr erlaubte.
+Als sie nun die Treppe hinaufstieg, machte sie ein solches
+Ger&auml;usch mit ihrem h&ouml;lzernen Rock, da&szlig; der Prinz
+herauskam und fragte: &raquo;Was bist Du f&uuml;r Eine?&laquo; &mdash; &raquo;O,
+ich wollte nur das Waschwasser zum Prinzen hinauftragen,&laquo;
+sagte sie. &raquo;Glaubst Du, ich will das Wasser haben,
+das <span class="wide">Du</span> mir bringst?&laquo; sagte der Prinz und go&szlig; es ihr
+&uuml;ber den Kopf. Sie mu&szlig;te nun unverrichteter Sache
+wieder abziehen, bat aber um Erlaubni&szlig;, in die Kirche
+zu gehen, und das konnte man ihr denn nicht abschlagen.
+Erst aber ging sie zu dem Berg und klopfte
+mit dem Stock an die Felswand, so wie der Stier ihr
+gesagt hatte. Sogleich &ouml;ffnete sich diese, und es trat ein
+Mann heraus, der fragte sie, Was sie wolle. Die K&ouml;nigstochter
+sagte, sie h&auml;tte Erlaubni&szlig; bekommen, in die
+Kirche zu gehen und den Prediger zu h&ouml;ren, aber sie h&auml;tte
+keine Kleider anzuziehen. Da gab der Mann ihr ein Kleid,
+das war so blank, wie der kupferne Wald; und Pferd
+und Sattel erhielt sie auch. Als sie nun in die Kirche
+kam, war sie so sch&ouml;n und stattlich, da&szlig; Alle sich dar&uuml;ber
+verwunderten und gar nicht begreifen konnten, Wer sie sei.
+Fast Keiner h&ouml;rte auf Das, was der Prediger sagte, weil
+Alle nur sie betrachteten. Der Prinz selbst war so in sie
+verliebt, da&szlig; er kein Auge von ihr abwandte.</p>
+
+<p>Als sie nun aus der Kirche gehen wollte, kam der
+Prinz ihr nach und machte die Kirchenth&uuml;r hinter ihr zu,
+und da geschah es, da&szlig; er den einen von ihren Handschuhen
+in der Hand behielt. Als sie darnach ihr Pferd
+bestieg, trat der Prinz auf sie zu und fragte sie, wo sie
+her w&auml;re. &raquo;Ich bin aus dem Waschland,&laquo; sagte Kari,
+und indem der Prinz den Handschuh hervorzog, um ihr
+denselben zu &uuml;berreichen, sprach sie:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Hinter mir dunkel, und vor mir hell!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Auf da&szlig; der junge Prinz nicht sieht,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Wohin mich tr&auml;gt mein Ro&szlig; so schnell!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Der Prinz hatte noch nie einen so sch&ouml;nen Handschuh
+gesehen, und er reis'te weit umher und fragte nach dem
+Lande, aus welchem die vornehme Dame sei, die ihren
+Handschuh im Stich gelassen hatte; aber Niemand konnte
+ihm sagen, wo es lag.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Sonntag sollte Einer hinaufgehen zum
+Prinzen und ihm ein Handtuch bringen. &raquo;Ach, darf ich nicht
+hinaufgehen?&laquo; sagte Kari. &raquo;Warum nicht gar!&laquo; sagten die
+Andern, die in der K&uuml;che waren: &raquo;Du wei&szlig;t wohl noch,
+wie es Dir das letzte Mal ging.&laquo; Kari gab sich aber
+nicht zufrieden, sondern bat so lange, bis man es ihr erlaubte,
+und darnach lief sie die Treppe hinauf in ihrem
+h&ouml;lzernen Rock, da&szlig; es nur so rasselte. Der Prinz kam
+auf den L&auml;rm heraus, und als er Kari erblickte, ri&szlig; er
+ihr das Tuch aus der Hand und warf es ihr an den
+Kopf. &raquo;Pack Dich, Du abscheuliches Trollmensch!&laquo; sagte
+er: &raquo;Glaubst Du, ich will mich in einem Handtuch abtrocknen,
+das Du mit Deinen schmutzigen Fingern angefasst hast?&laquo;</p>
+
+<p>Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und
+Kari bat um Erlaubni&szlig;, auch dahin zu gehen. Die
+Andern sagten aber, Was sie in der Kirche wolle, da
+sie nichts Anders anzuziehen habe, als ihren h&ouml;lzernen
+Rock, der so schmutzig w&auml;re und so abscheulich auss&auml;he.
+Aber Kari sagte, der Prediger d&auml;uchte ihr ein so wackerer
+Mann in seiner Rede, und sie h&auml;tte davon so gro&szlig;en
+Nutzen. Da lie&szlig; man sie denn hingehen. Erst aber ging
+sie zu dem Berg und klopfte mit dem Stock daran. Sogleich
+trat wieder der Mann heraus und gab ihr ein Kleid,
+das war noch weit sch&ouml;ner und pr&auml;chtiger, als das erste;
+es war &uuml;berall mit Silber besetzt, so da&szlig; es gl&auml;nzte, wie
+der silberne Wald; und ein sch&ouml;nes Pferd mit silbergestickter
+Decke und silbernem Gebi&szlig; erhielt sie auch.</p>
+
+<p>Als sie zur Kirche kam, und die Kirchleute, die vor der
+Th&uuml;r standen, sie sahen, waren alle h&ouml;chlich verwundert
+und konnten gar nicht begreifen, Wer sie sei, und der Prinz
+trat sogleich hinzu, um ihr das Pferd zu halten, w&auml;hrend
+sie abstieg. Aber sie sprang schnell herunter und
+sagte, es w&auml;re nicht n&ouml;thig; denn ihr Pferd w&auml;re so wohl
+abgerichtet, da&szlig; es still st&auml;nde, wenn sie es bef&ouml;hle, und
+auf ihren Wink ginge und k&auml;me. Darauf gingen Alle in
+die Kirche; aber fast Keiner h&ouml;rte auf Das, was der Prediger
+sagte, weil Alle nur sie betrachteten. Der Prinz
+aber entbrannte diesmal noch weit mehr von Liebe, als
+das vorige Mal. &mdash; Als nun der Gottesdienst vorbei
+war, und sie aus der Th&uuml;r ging und ihr Pferd besteigen
+wollte, da trat der Prinz wieder auf sie zu und
+fragte sie, wo sie her w&auml;re. &raquo;Ich bin aus dem Handtuchlande,&laquo;
+sagte die K&ouml;nigstochter, und im selben Augenblick
+lie&szlig; sie ihre Reitgerte fallen. Als nun der Prinz sich
+b&uuml;ckte, um sie aufzunehmen, sprach sie:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Hinter mir dunkel, und vor mir hell!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Auf da&szlig; der junge Prinz nicht sieht,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Wohin mich tr&auml;gt mein Ro&szlig; so schnell!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Fort war sie, und Niemand wu&szlig;te, wo sie gestoben
+oder geflogen war. Der Prinz reis'te nun wieder weit umher
+und fragte nach dem Handtuchlande; aber es konnte
+ihm Keiner sagen, wo es lag, und er mu&szlig;te unverrichteter
+Sache wieder heimkehren.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Sonntag sollte Einer einen Kamm zu dem
+Prinzen hinaufbringen. Kari bat wieder um Erlaubni&szlig;,
+damit hinaufzugehen; aber die Andern erinnerten sie daran,
+wie es ihr das letzte Mal gegangen war, und schalten
+sie, da&szlig; sie sich vor dem Prinzen wollte sehen lassen,
+so schwarz und h&auml;&szlig;lich, wie sie auss&auml;he in ihrem h&ouml;lzernen
+Rock. Aber sie h&ouml;rte nicht auf, zu bitten, bis man sie
+endlich gehen lie&szlig;. Als sie die Treppe hinaufrasselte, kam
+schnell der Prinz heraus, ri&szlig; ihr den Kamm aus der Hand
+und warf ihn ihr an den Kopf, indem er sagte, sie solle
+sich sogleich packen. Darnach begab der Prinz sich in die
+Kirche, und Kari bat um Erlaubni&szlig;, auch dahin zu gehen.
+Sie fragten sie wieder, Was sie da wolle, da sie
+ja so schwarz und h&auml;&szlig;lich w&auml;re, und nicht einmal Kleider
+h&auml;tte, sich vor den Leuten sehen zu lassen. &raquo;Wenn
+der Prinz, oder sonst Jemand Dich bemerkt,&laquo; sagten sie:
+&raquo;dann wird es sowohl Dir, als uns schlecht gehen.&laquo; Aber
+Kari meinte, sie h&auml;tten wohl nach etwas ganz Anderm
+zu sehen, als nach ihr, und h&ouml;rte nicht auf, zu bitten, bis
+man sie zuletzt gehen lie&szlig;.</p>
+
+<p>Nun ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen
+Male; Kari ging zu dem Berg und klopfte daran mit dem
+Stock. Da kam wieder der Mann heraus und gab ihr
+ein Kleid, das war noch weit pr&auml;chtiger, als das vorige;
+denn es war von purem Golde und mit vielen Diamanten
+besetzt; und ein Pferd mit golddurchwirkter Decke und goldenem
+Gebi&szlig; erhielt sie auch.</p>
+
+<p>Als die K&ouml;nigstochter zur Kirche kam, standen der
+Prediger und die Kirchleute noch vor der Th&uuml;r und warteten
+auf sie. Der Prinz wollte ihr das Pferd halten;
+aber sie sprang schnell herunter und sagte: &raquo;Es ist nicht
+n&ouml;thig; denn mein Pferd ist so gut abgerichtet, da&szlig; es
+von selber still steht, wenn ich es befehle.&laquo; Hierauf gingen
+Alle in die Kirche, und der Prediger stieg auf die
+Kanzel. Aber Keiner h&ouml;rte auf Das, was er sagte, weil
+Alle nur sie betrachteten und sich den Kopf darum zerbrachen,
+wo sie doch wohl her sein m&ouml;chte. Der Prinz
+aber entbrannte jetzt noch mehr von Liebe, als das vorige
+Mal; er h&ouml;rte und sah nichts Anders, als nur sie.</p>
+
+<p>Wie der Gottesdienst beendigt war, und die K&ouml;nigstochter
+aus der Kirche gehen wollte, hatte der Prinz eine
+B&uuml;tte voll Theer in der Vorhalle hingegossen, damit er ihr
+beh&uuml;lflich sein k&ouml;nne, wenn sie hin&uuml;ber wollte; aber sie
+bek&uuml;mmerte sich nicht darum, sondern setzte den Fu&szlig; mitten
+in den Theer und sprang hin&uuml;ber; aber da blieb der
+eine von ihren goldnen Schuhen am Boden sitzen. Als
+sie ihr Pferd bestiegen hatte, trat der Prinz wieder auf
+sie zu und fragte sie, wo sie her w&auml;re. &raquo;Ich bin aus
+dem Kammlande,&laquo; sagte Kari. Als ihr aber der Prinz
+den goldnen Schuh reichen wollte, sprach sie:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Hinter mir dunkel, und vor mir hell!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Auf da&szlig; der junge Prinz nicht sieht,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Wohin mich tr&auml;gt mein Ro&szlig; so schnell!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Der Prinz wu&szlig;te nun wieder nicht, wo sie geblieben
+war, und reis'te eine lange Zeit in der Welt herum und
+fragte nach dem Kammlande; da ihm aber Niemand sagen
+konnte, wo es lag, lie&szlig; er bekannt machen, da&szlig; Diejenige,
+welcher der goldne Schuh passe, seine Gemahlinn werden
+solle. Es fanden sich nun Sch&ouml;ne und H&auml;&szlig;liche ein von
+allen Enden der Welt; aber Keine hatte einen so kleinen
+Fu&szlig;, da&szlig; ihr der goldne Schuh pa&szlig;te. Endlich kam auch
+die b&ouml;se Stiefmutter der Kari Tr&auml;stak mit ihrer Tochter
+an, und der letztern pa&szlig;te der Schuh. Aber sie war so
+h&auml;&szlig;lich und sah so recht vergr&auml;tzt aus, da&szlig; der Prinz
+nur ungern sein Wort hielt. Es wurde jedoch zur Hochzeit
+angerichtet, und die Tochter ward aufgeputzt wie eine
+Braut. Als aber der Prinz mit ihr zur Kirche ritt, sa&szlig;
+da ein kleiner Vogel in einem Baum, der sang:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Ein St&uuml;ck von der Ferse,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Ein St&uuml;ck von der Zeh!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Kari's Schuh ist voll Blut,</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Das thut der Braut so weh.&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p>Und als sie zusahen, da hatte der Vogel recht gesungen;
+denn das Blut sickerte aus dem Schuh heraus.
+Nun mu&szlig;ten alle Dienstdirnen und alle Frauensleute, die
+auf dem Schlo&szlig; waren, den Schuh anprobiren; aber es
+war keine einzige darunter, die ihn anbekommen konnte.
+&raquo;Wo ist denn aber Kari Tr&auml;stak?&laquo; fragte endlich der Prinz,
+da alle Andern den Schuh anprobirt hatten; denn er verstand
+sich gut auf Vogelgesang, und wu&szlig;te wohl, wie's geklungen
+hatte. &raquo;Ach, die!&laquo; sagten die Andern: &raquo;mit ihr
+kann's nichts n&uuml;tzen; denn sie hat Beine, so gro&szlig; wie
+Pferdef&uuml;&szlig;e.&laquo; &mdash; &raquo;Kann sein!&laquo; sagte der Prinz: &raquo;aber da
+alle Andern den Schuh anprobirt haben, so soll sie ihn
+auch anprobiren. Kari!&laquo; rief er zur Th&uuml;r hinaus, und
+Kari die Treppe herauf in ihrem h&ouml;lzernen Rock, da&szlig;
+es nur so rasselte. &raquo;Nun sollst Du auch den Schuh anprobiren
+und Prinzessinn werden!&laquo; sagten die andern Dirnen
+und lachten und hatten sie zum besten. Kari aber nahm
+den Schuh, steckte den Fu&szlig; hinein wie gar Nichts, warf ihren
+Holzrock ab und stand nun da in ihrem goldnen Kleid,
+da&szlig; es nur so glitzerte; und an dem andern Fu&szlig; trug
+sie den andern goldnen Schuh. Als der Prinz sie nun
+wieder erkannte, war er &uuml;ber alle Ma&szlig;en froh, lief auf
+sie zu, umarmte und k&uuml;&szlig;te sie. Und als er nun erfuhr,
+da&szlig; sie eine K&ouml;nigstochter war, da freu'te er sich noch
+mehr, und darauf wurde die Hochzeit gehalten.</p>
+
+<p>
+Un &szlig;nipp, &szlig;napp, &szlig;nuut!<br />
+So is dat Leuschen uut.<br />
+</p>
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap20" id="kap20"></a>20.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Fuchs als Hirte.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal eine Frau, die ging aus und wollte sich
+einen Hirten miethen. Da begegnete ihr der B&auml;r. &raquo;Wo
+willst Du hin?&laquo; fragte der B&auml;r sie. &raquo;O, ich wollte mir
+nur einen Hirten miethen,&laquo; antwortete die Frau. &raquo;Willst
+Du mich zum Hirten haben?&laquo; fragte der B&auml;r. &raquo;Ja,
+wenn Du blo&szlig; h&uuml;bsch locken kannst,&laquo; sagte die Frau.
+&raquo;<span class="wide">H&ouml;</span>&mdash;i!&laquo; sagte der B&auml;r. &raquo;Nein, Dich will ich nicht
+haben,&laquo; sagte die Frau, als sie das h&ouml;rte, und ging
+weiter.</p>
+
+<p>Da begegnete ihr der Wolf. &raquo;Wo willst Du hin?&laquo;
+fragte der Wolf. &raquo;O, ich wollte mir nur einen Hirten
+miethen,&laquo; antwortete die Frau. &raquo;Willst Du mich zum
+Hirten haben?&laquo; fragte der Wolf. &raquo;Ja, kannst Du auch
+h&uuml;bsch locken?&laquo; sagte die Frau. &raquo;<span class="wide">Uh</span>&mdash;<span class="wide">uh!</span>&laquo; sagte der
+Wolf. &raquo;Nein, Dich will ich nicht haben,&laquo; sagte die Frau.</p>
+
+<p>Ein Ende weiter hin begegnete ihr der Fuchs. &raquo;Wo
+willst Du hin?&laquo; fragte der Fuchs. &raquo;O, ich wollte mir
+nur einen Hirten miethen,&laquo; antwortete die Frau. &raquo;Willst
+Du mich zum Hirten haben?&laquo; fragte der Fuchs. &raquo;Ja,
+wenn Du blo&szlig; h&uuml;bsch locken kannst,&laquo; sagte die Frau.
+&raquo;<span class="wide">Dil</span> &mdash; <span class="wide">dal</span> &mdash; <span class="wide">holom!</span>&laquo; sagte der Fuchs noch so h&uuml;bsch
+und artig. &raquo;Ja, Dich will ich haben,&laquo; sagte die Frau
+und nahm den Fuchs zum Hirten bei ihrem Vieh an.</p>
+
+<p>Am ersten Tage, wie der Fuchs das Vieh auf die
+Weide trieb, fra&szlig; er alle Ziegen auf, den zweiten Tag
+lie&szlig; er sich die Schafe schmecken, und den dritten Tag
+mu&szlig;ten die K&uuml;he daran. Als er darauf am Abend nach
+Hause kam, fragte die Frau ihn, wo er das Vieh gelassen
+h&auml;tte. &raquo;Der Kopf ist im Bach, und der Rumpf im
+Busch,&laquo; sagte der Fuchs. Die Frau stand eben bei ihrem
+Butterfa&szlig; und butterte; aber sie wollte doch selbst zusehen;
+w&auml;hrend sie nun zusah, steckte der Fuchs den Kopf
+ins Butterfa&szlig; und fra&szlig; allen Rahm auf. Als die Frau
+zur&uuml;ckkam und das gewahr ward, da wurde sie so erbittert,
+da&szlig; sie einen Rahmklumpen nahm, der noch im
+Butterfa&szlig; sa&szlig;, und damit nach dem Fuchs warf, so da&szlig;
+er einen Klatsch am Schwanz bekam. Davon kommt es,
+da&szlig; der Fuchs einen wei&szlig;en Schwanzzipfel hat.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap21" id="kap21"></a>21.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Vom Schmied, den der Teufel nicht in die H&ouml;lle<br />
+lassen durfte.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>In jenen Tagen, da unser Herr Christus und St. Petrus
+noch auf Erden einherwandelten, kamen beide einmal zu
+einem Schmied; dieser hatte mit dem Teufel den Contract
+gemacht, da&szlig; er nach sieben Jahren ihm geh&ouml;ren solle,
+wogegen er in der Zeit ein Meister aller Meister in der
+Schmiedekunst sein sollte, und den Contract hatte sowohl
+der Schmied, als der Teufel, jeder mit seinem Namen,
+unterschrieben. Darum hatte der Schmied auch mit gro&szlig;en
+Buchstaben &uuml;ber die Th&uuml;r seiner Schmiede die Worte setzen
+lassen: &raquo;Hier wohnt der Meister aller Meister.&laquo; Als nun
+der Herr Christus kam und die Schrift sah, ging er
+hinein. &raquo;Wer bist Du?&laquo; fragte er den Schmied. &raquo;Lies,
+Was &uuml;ber der Th&uuml;r steht,&laquo; antwortete dieser: &raquo;kannst
+Du aber nicht Geschriebenes lesen, so musst Du warten,
+bis Einer kommt, der es Dir lies't.&laquo; Ehe der Herr
+ihm noch darauf geantwortet hatte, kam ein Mann mit
+einem Pferd in die Schmiede und bat den Schmied, es
+ihm zu beschlagen. &raquo;Willst Du mir erlauben, da&szlig; ich es beschlage?&laquo;
+sagte der Herr Christus. &raquo;Du magst es versuchen,&laquo;
+sagte der Schmied: &raquo;schlimmer kannst Du's nicht machen, als
+da&szlig; ich's nicht wieder sollte gut machen k&ouml;nnen.&laquo; Der
+Herr ging nun zu und nahm dem Pferd das eine Vorderbein
+ab, legte es in die Esse und machte das Hufeisen
+gl&uuml;hend; darauf nahm er N&auml;gel und einen Hammer und
+beschlug es, und setzte es dann wieder unbesch&auml;digt dem
+Pferd an. Als das geschehen war, nahm er das andre
+Vorderbein ab und machte es damit eben so. Und als
+er auch das wieder angesetzt hatte, nahm er die beiden
+Hinterbeine, erst den rechten, und nachher den linken, legte
+sie in die Esse, machte das Hufeisen gl&uuml;hend, nahm N&auml;gel
+und den Hammer und beschlug sie, und setzte sie dann
+dem Pferd wieder an. Der Schmied stand inzwischen da
+und sah das mit an. &raquo;Du bist aber kein so schlechter
+Schmied!&laquo; sagte er. &raquo;Meinst Du?&laquo; sagte der Herr Christus.</p>
+
+<p>Ein wenig darnach kam die Mutter des Meisters in
+die Schmiede und bat den Schmied, er m&ouml;chte zu Hause
+kommen und sein Mittag essen; sie war schon sehr alt,
+hatte einen krummen R&uuml;cken und Runzeln im Gesicht und
+konnte nur mit genauer Noth noch gehen. &raquo;Gieb jetzt
+Acht, Was Du siehst!&laquo; sagte der Herr, nahm die Frau,
+legte sie in die Esse und schmiedete eine junge sch&ouml;ne
+Jungfrau aus ihr. &raquo;Ich sage, wie ich gesagt habe. Du
+bist gar kein so schlechter Schmied,&laquo; sagte der Schmied:
+&raquo;Es steht zwar &uuml;ber meiner Th&uuml;r: &raquo;Hier wohnt der Meister
+aller Meister,&laquo; aber gleichwohl sag' ich, man lernt
+so lange man lebt,&laquo; und damit ging er in's Haus und
+a&szlig; sein Mittag.</p>
+
+<p>Als er wieder zur&uuml;ck in die Schmiede gekommen war,
+kam ein Mann geritten, der wollte sein Pferd beschlagen
+lassen. &raquo;Das soll bald gemacht sein!&laquo; sagte der Schmied:
+&raquo;ich habe jetzt eben eine neue Methode zu beschlagen gelernt,
+die ist gut, wenn die Tage kurz sind,&laquo; und damit
+fing er an, dem Pferd die Beine abzubrechen und schnitt
+und brach so lange, bis er sie alle ab hatte; &raquo;denn,&laquo; sagte
+er: &raquo;ich wei&szlig; nicht, wozu es soll, immer mit einem und
+einem zu bruddeln.&laquo; Die Beine legte er in die Esse, so
+wie er gesehen hatte, da&szlig; der Andre es gemacht, legte
+dann brav Kohlen zu und lie&szlig; die Schmiedejungen frisch
+den Blasebalg ziehen. Aber es ging, wie man sich's wohl
+denken kann: die Beine verbrannten, und der Schmied
+mu&szlig;te das Pferd bezahlen. Das wollte ihm nun gar nicht
+gefallen. Als aber ein altes armes Weib vor&uuml;berging,
+dachte er: &raquo;Gelingt nicht das Eine, so gelingt wohl das
+Andre,&laquo; nahm das Weib und legte es in die Esse, und
+wie sehr sie auch weinen und um ihr Leben bitten mochte,
+es half ihr nichts. &raquo;Du siehst gar nicht Deinen eignen
+Vortheil ein,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;nun sollst Du im Augenblick
+wieder eine sch&ouml;ne Jungfrau werden, und will
+doch f&uuml;r meine M&uuml;he keinen Schilling von Dir nehmen.&laquo;
+Es ging aber mit dem armen Weibe nicht besser, als mit
+dem Pferd. &raquo;Das war nicht gut gemacht!&laquo; sagte der
+Herr Christus. &raquo;O, es wird wohl nicht viel von ihr die
+Rede sein,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;aber sch&auml;ndlich ist es
+von dem Teufel, da&szlig; er nicht besser sein Wort h&auml;lt, wie's
+&uuml;ber der Th&uuml;r steht!&laquo; &mdash; &raquo;Wenn ich Dir nun drei W&uuml;nsche
+gew&auml;hrte,&laquo; sagte der Herr: &raquo;Was wolltest Du Dir dann
+wohl w&uuml;nschen?&laquo; &mdash; &raquo;Versuch es,&laquo; sagte der Schmied:
+&raquo;dann wirst Du's erfahren.&laquo; Da gab der Herr Christus
+ihm drei W&uuml;nsche; und nun sagte der Schmied: &raquo;Zu allererst
+w&uuml;nsche ich, da&szlig; Der, welchen ich auf jenen Birnbaum
+klettern hei&szlig;e, so lange drauf sitzen bleibe, bis es mir gef&auml;llt,
+ihn wieder herunter zu lassen; f&uuml;r's zweite w&uuml;nsche
+ich, da&szlig; Der, welchen ich in meinen Lehnstuhl sich niedersetzen
+hei&szlig;e, so lange drin sitzen bleibe, bis ich <ins title="Original hat ihn">ihm</ins> wieder
+aufzustehen erlaube; und endlich w&uuml;nsche ich, da&szlig; Der,
+welcher in den st&auml;hlernen Geldbeutel kriecht, den ich in
+meiner Tasche habe, so lange drin bleibe, bis ich ihm
+Erlaubni&szlig; gebe, wieder herauszukriechen.&laquo; &mdash; &raquo;Du hast
+gew&uuml;nscht wie ein th&ouml;richter Mann,&laquo; sagte St. Petrus:
+&raquo;zuerst und vornehmlich h&auml;ttest Du Dir Gottes Gnade
+und Freundschaft w&uuml;nschen sollen.&laquo; &mdash; &raquo;Ich durfte nicht
+so hoch hinaus,&laquo; sagte der Schmied. Hierauf nahmen
+unser Herr Christus und St. Petrus Abschied von ihm
+und gingen weiter.</p>
+
+<p>Die Zeit verstrich allm&auml;hlich, und endlich war die
+Frist um, und der Teufel kam und wollte den Schmied
+holen, so wie im Contracte stand. &raquo;Bist Du fertig?&laquo;
+fragte der Teufel und steckte den Kopf zur Th&uuml;r hinein.
+&raquo;Ach,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;ich mu&szlig; nothwendig noch
+erst einen Kopf an diesem Nagel schlagen; steige Du indessen
+auf den Birnbaum und pfl&uuml;cke Dir eine Birne;
+denn Du bist wohl hungrig und durstig von der Reise.&laquo;
+Der Teufel dankte f&uuml;r gutes Anerbieten und kletterte auf
+den Birnbaum. &raquo;Ja, wenn ich's recht bedenke,&laquo; sagte der
+Schmied: &raquo;so krieg ich in den ersten vier Jahren den Kopf
+noch gar nicht an dem Nagel zurecht geschlagen; denn das
+Eisen ist so verteufelt hart. Herunter darfst Du aber in
+dieser Zeit nicht, sondern kannst so lange da sitzen bleiben
+und Dich ausruhen.&laquo; Der Teufel bat und bettelte, &raquo;so
+d&uuml;nn wie ein Blechpfennig,&laquo; der Schmied m&ouml;chte ihn doch
+wieder herunterlassen; aber all sein Bitten und Betteln
+half ihm nichts. Zuletzt mu&szlig;te er dem Schmied versprechen,
+er wolle nicht eher wiederkommen, als bis die vier
+Jahre um w&auml;ren; und da durfte er denn wieder herunter.</p>
+
+<p>Als nun die Zeit verstrichen war, kam der Teufel
+abermals, um den Schmied zu holen. &raquo;Nun hast Du
+wohl endlich den Kopf an dem Nagel fertig,&laquo; sagte er.
+&raquo;Ja, den Kopf hab' ich fertig,&laquo; versetzte der Schmied:
+&raquo;aber dennoch kommst Du mir ein ganz klein wenig zu
+fr&uuml;h, denn ich habe noch die Spitze nicht gesch&auml;rft; so
+verdammt hartes Eisen hab' ich noch nie zuvor geschmiedet.
+W&auml;hrend ich nun die Spitze an dem Nagel sch&auml;rfe, kannst
+Du Dich ein wenig in meinen Lehnstuhl niederlassen und
+Dich ausruhen; denn Du bist wohl m&uuml;de von der Reise,
+kann ich mir denken.&laquo; &mdash; &raquo;Ich danke f&uuml;r gutes Anerbieten,&laquo;
+sagte der Teufel und setzte sich in den Lehnstuhl. Kaum
+aber hatte er sich niedergesetzt, so sagte der Schmied:
+&raquo;Wenn ich's nun recht bedenke, so krieg' ich die Spitze in
+den ersten vier Jahren noch gar nicht gesch&auml;rft.&laquo; Der
+Teufel bat anfangs sehr h&ouml;flich, der Schmied m&ouml;chte ihn
+doch wieder frei lassen, und da alles Bitten nichts half,
+fing er an zu drohen. Aber der Schmied entschuldigte sich
+und sagte, das Eisen w&auml;re an Allem schuld, denn es w&auml;re
+so verdammt hart. &Uuml;brigens tr&ouml;stete er den Teufel und
+sagte, er s&auml;&szlig;e in seinem Stuhl ja bequem und gem&auml;chlich,
+er solle sich die Zeit nicht lang werden lassen, denn um
+vier Jahre solle er auf die Minute wieder frei werden.
+Es war nun kein andrer Rath: der Teufel mu&szlig;te ihm
+versprechen, ihn nicht eher holen zu wollen, als bis die
+vier Jahre um w&auml;ren. Als er ihm das versprochen hatte,
+sagte der Schmied: &raquo;So magst Du denn wieder aufstehen.&laquo;
+Der Teufel &mdash; hast Du mich nicht gesehen! auf und davon.</p>
+
+<p>Nach vier Jahren kam der Teufel abermals, um den
+Schmied zu holen. &raquo;Nun bist Du wohl endlich fertig,&laquo;
+sagte er, indem er den Kopf zur Th&uuml;r hereinsteckte. &raquo;Fix
+und fertig!&laquo; antwortete der Schmied: &raquo;und jetzt kann's
+losgehen, wann Du willst.&laquo; &raquo;Aber,&laquo; sagte er: &raquo;da ist
+Eins, wor&uuml;ber ich mir oft den Kopf zerbrochen habe;
+sage mir doch, ist es wahr, Was die Leute sagen, da&szlig;
+der Teufel sich so klein machen kann, als er will?&laquo; &mdash;
+&raquo;Freilich ist es wahr!&laquo; versetzte der Teufel. &raquo;O, dann
+k&ouml;nntest Du mir wohl den Gefallen thun und in diesen
+st&auml;hlernen Beutel hineinkriechen und zusehen, ob im Boden
+kein Loch ist,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;ich bin so bange,
+da&szlig; ich mein Reisegeld daraus verliere.&laquo; &mdash; &raquo;Recht gern,&laquo;
+sagte der Teufel, machte sich ganz klein und kroch in den
+Beutel. Kaum aber war er hinein, so machte der Schmied
+den Beutel zu. &raquo;Er ist &uuml;berall ganz und dicht,&laquo; sagte
+der Teufel drinnen. &raquo;Na, das ist nur gut,&laquo; sagte der
+Schmied: &raquo;aber besser ist's, vorbedacht, als klug nachher;
+darum will ich Sicherheits halber den Beutel lieber ein
+wenig schwei&szlig;en,&laquo; und damit legte er den Beutel in die
+Esse und machte ihn gl&uuml;hend. &raquo;Au! au! bist Du denn
+toll?&laquo; rief der Teufel: &raquo;wei&szlig;t Du nicht, da&szlig; ich drinnen
+bin?&laquo; &mdash; &raquo;Ich kann Dir nicht helfen,&laquo; sagte der Schmied:
+&raquo;ein altes Sprichwort sagt: &raquo;Man mu&szlig; das Eisen schmieden,
+w&auml;hrend es warm ist,&laquo; und damit nahm er seinen
+gro&szlig;en Hammer, legte den Beutel auf den Ambo&szlig; und
+schlug zu all was er konnte. &raquo;Au! au!&laquo; schrie der Teufel
+im Beutel: &raquo;la&szlig; mich blo&szlig; hinaus, ich will auch nun
+und nimmermehr wiederkommen.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, ich glaube, jetzt
+ist er gut geschwei&szlig;t,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;so magst Du
+denn wieder herauskriechen.&laquo; Damit machte er den Beutel
+auf, und der Teufel heraus und auf und davon in
+solcher Hast, da&szlig; er sich auch nicht einmal umsah.</p>
+
+<p>Als aber eine Zeit vergangen war, dachte der Schmied,
+er h&auml;tte doch wohl unrecht gethan, sich den Teufel zum
+Unfreund zu machen; &raquo;denn,&laquo; dachte er: &raquo;sollte ich nicht
+in den Himmel kommen, so k&ouml;nnte ich riskiren, keine Herberge
+zu finden, weil ich mich mit Dem, der das Regiment
+in der H&ouml;lle hat, &uuml;berworfen habe; darum ist's besser,
+ich versuche, je eher, je lieber, entweder in die H&ouml;lle, oder
+in den Himmel zu kommen, damit ich doch wei&szlig;, woran
+ich bin,&laquo; und damit nahm er seinen Hammer auf den
+Nacken und machte sich auf den Weg. Als er ein gutes
+Ende gegangen war, kam er zu einem Kreuzweg, wo die
+Stra&szlig;e zum Himmel und die Stra&szlig;e zur H&ouml;lle sich theilen.
+Da traf er mit einem Schneidergesellen zusammen, der mit
+seinem B&uuml;geleisen in der Hand dahin trippelte. &raquo;Guten
+Tag!&laquo; sagte der Schmied: &raquo;wo geht die Reise hin?&laquo; &mdash;
+&raquo;Nach dem Himmel,&laquo; sagte der Schneider: &raquo;wenn ich blo&szlig;
+hineinschl&uuml;pfen k&ouml;nnte &mdash; und Du?&laquo; &mdash; &raquo;Wir gehen dann
+wohl nicht zusammen,&laquo; sagte der Schmied: &raquo;ich habe gedacht,
+es erst in der H&ouml;lle zu versuchen; denn ich habe
+ein wenig Bekanntschaft mit dem Teufel von fr&uuml;herher.&laquo;
+Darauf nahmen sie von einander Abschied, und jeder zog
+seine Stra&szlig;e. Aber der Schmied war ein starker, kr&auml;ftiger
+Mann und ging weit schneller, als der Schneider,
+und da dauerte es nicht lange, so stand er vor der H&ouml;llenpforte.
+Er lie&szlig; sich von der Wache anmelden und sagen,
+es st&auml;nde Jemand drau&szlig;en vor der H&ouml;lle, der wolle gern
+ein Wort mit dem Teufel sprechen. &raquo;Geh hinaus und frage,
+Wer es ist,&laquo; sagte der Teufel zu der Wache, und die Wache
+ging hinaus. &raquo;Gr&uuml;&szlig;e nur den Teufel von mir,&laquo; war die Antwort:
+&raquo;und sage ihm, es sei der Schmied, der den Beutel
+h&auml;tte &mdash; er w&uuml;&szlig;te wohl, und dann bitt' ihn, da&szlig; er mich nur
+gleich hineinlasse; denn erstlich hab' ich heut den ganzen
+Vormittag geschmiedet, und dann hab' ich einen langen
+Weg gemacht.&laquo; Als der Teufel diesen Bescheid erhielt,
+befahl er der Wache, alle neun Schl&ouml;sser an der H&ouml;llenpforte
+zuzumachen und noch ein gro&szlig;es H&auml;ngeschlo&szlig;
+vorzulegen; &raquo;denn,&laquo; sagte er: &raquo;kommt er herein, so richtet
+er lauter Unfug in der H&ouml;lle an.&laquo; &mdash; &raquo;Hier ist also kein
+Quartier f&uuml;r dich!&laquo; sagte der Schmied bei sich selbst, als er
+h&ouml;rte, wie man drinnen die Pforte verrammte: &raquo;ich mu&szlig; es
+darum wohl im Himmel versuchen,&laquo; und damit machte er
+Kehrum, ging zur&uuml;ck nach dem Kreuzweg und schlug die
+Stra&szlig;e ein, die der Schneider gegangen war. Weil es
+ihn nun verdro&szlig;, da&szlig; er den langen Weg hin und zur&uuml;ck
+hatte gehen m&uuml;ssen ohne Nutzen, holte er aus, was er
+nur konnte, und kam eben bei der Himmelspforte an, als
+St. Petrus sie ein wenig &ouml;ffnete, um den Schneider hineinzulassen.
+Der Schmied war wohl noch sechs bis sieben
+Schritte davon. &raquo;Jetzt ist es am besten, da&szlig; ich mich
+spute,&laquo; dachte er, griff nach seinem Hammer und warf
+ihn in die Th&uuml;rritze, als eben der Schneider hineinschl&uuml;pfte.
+Kam der Schmied aber nicht durch die &Ouml;ffnung hinein,
+so wei&szlig; ich nicht, wo er geblieben ist.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap22" id="kap22"></a>22.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Hahn und die Henne.<a name="fn5_5r" id="fn5_5r"></a><a href="#fn5_5"><small><sup>5</sup></small></a></b>
+</p>
+</div>
+
+<p><span class="wide">Die Henne.</span> Du versprichst mir Schuh Jahr aus,
+Jahr ein, und ich krieg' nimmer keine Schuh nicht.</p>
+
+<p><span class="wide">Der Hahn.</span> Kannst Du warten, so kriegst Du wohl
+Schuh.</p>
+
+<p><span class="wide">Die Henne.</span> Ich lege Eier und thu', Was ich kann,
+und doch geh' ich barfu&szlig; allezeit.</p>
+
+<p><span class="wide">Der Hahn.</span> So nimm Deine Eier und reise nach der
+Stadt und kauf Dir Schuh und geh nicht l&auml;nger barfu&szlig;!</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap23" id="kap23"></a>23.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn hatten einmal
+eine Kuh zusammen gekauft. Da es nun nicht anging,
+sie zu theilen, und sie sich auch nicht um die Ausbezahlung
+vergleichen konnten, kamen sie dahin &uuml;berein, da&szlig;
+Der, welcher am Morgen zuerst erwachte, die Kuh haben
+solle. Darauf erwachte der Hahn zuerst:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Mein ist die Kuh!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Mein ist die Kuh!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p class="noindent">rief der Hahn. W&auml;hrend der Hahn noch kr&auml;h'te, erwachte
+der Kukuk:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Halb Kuh!</td></tr>
+<tr><td align="left">&nbsp;&nbsp;Halb Kuh!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p class="noindent">rief der Kukuk. W&auml;hrend der Kukuk noch rief, erwachte
+der Auerhahn:</p>
+
+<div class="center">
+<table style="margin: 0 auto" border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="poem">
+<tr><td align="left">&raquo;Theilt, meine Br&uuml;der,</td></tr>
+<tr><td align="left">Wie recht und billig &mdash;</td></tr>
+<tr><td align="left">Recht und billig!</td></tr>
+<tr><td align="left">Tschio! tschi!&laquo;</td></tr>
+</table>
+</div>
+
+<p class="noindent">rief der Auerhahn. Kannst Du mir nun sagen, Wer jetzt
+die Kuh haben sollte?</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap24" id="kap24"></a>24.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Lillekort.<a name="fn6_6r" id="fn6_6r"></a><a href="#fn6_6"><small><sup>6</sup></small></a></b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es waren einmal ein Paar Eheleute, die wohnten in einer
+elenden H&uuml;tte, worin Nichts war, als die liebe Armuth;
+denn sie hatten weder zu bei&szlig;en, noch zu brocken.
+Hatten sie aber sonst Nichts, so hatten sie doch einen Gottessegen
+an Kindern, und jedes Jahr bekamen sie noch
+mehr. Nun war es eben um die Zeit, da&szlig; sie wieder
+eins erwarteten. Dar&uuml;ber war der Mann sehr verdrie&szlig;lich
+und murrte und brummte den ganzen Tag und sagte,
+nachgerade k&ouml;nne es doch wohl einmal Genug sein von
+diesen Gaben Gottes. Und als die Zeit kam, da die Frau
+geb&auml;ren sollte, ging er fort ins Holz, weil er, wie er sagte,
+den neuen Schreihals nicht h&ouml;ren wollte; denn er bek&auml;me
+ihn doch noch fr&uuml;h genug zu h&ouml;ren, sagte er: wenn er
+nachher nach Essen gr&ouml;lte.</p>
+
+<p>Als der Mann gegangen war, gebar die Frau einen
+allerliebsten Knaben, der sah sich in der Stube rings um,
+that den Mund auf und sprach: &raquo;Liebe Mutter, gieb mir
+nur ein paar alte Kleider von meinen Br&uuml;dern und einen
+Schnappsack mit Essen auf ein paar Tage; dann will ich
+hinauswandern in die Welt und mein Gl&uuml;ck versuchen;
+denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch noch Kinder genug
+zu ern&auml;hren.&laquo; &mdash; &raquo;Ach, Gott helfe mir, mein Sohn!&laquo;
+sagte die Mutter: &raquo;Du bist ja noch viel zu klein, um schon
+in die Welt auszuwandern; das kann ich nimmermehr zugeben.&laquo;
+Aber der Knabe bat so lange, bis die Mutter ihm
+zuletzt einige alte Lappen zusammensuchte und ihm etwas
+Essen in ein Tuch kn&uuml;pfte, und damit schritt er froh und
+fr&ouml;hlich hinaus in die Welt. Kaum aber war er gegangen,
+so gebar die Frau noch einen Knaben, der sah auch um sich
+her und sagte darauf: &raquo;Ach, liebe Mutter, gieb mir nur
+ein paar alte Kleider von meinen Br&uuml;dern und auf ein
+paar Tage zu essen, dann will ich hinauswandern in die
+Welt und meinen Zwillingsbruder aufsuchen; denn Du
+hast, wie ich wohl sehe, doch noch Kinder genug zu ern&auml;hren.&laquo;
+&mdash; &raquo;Ach, Gott helf mir! Du bist ja noch viel zu
+klein, Du armer Wicht!&laquo; sagte die Frau: &raquo;das kann ich
+nimmermehr zugeben.&laquo; Aber der Knabe bat so lange,
+bis sie ihm denn einige alte Lappen zusammensuchte und
+ihm etwas Essen in ein Tuch kn&uuml;pfte, und damit wanderte
+er noch so mannhaft in die Welt hinaus, um seinen Zwillingsbruder
+aufzusuchen. Als er nun eine Zeitlang fortgewandert
+war, wurde er seinen Bruder ansichtig. &raquo;Holla,
+heda!&laquo; rief er ihm zu: &raquo;Du legst ja los, als ob's f&uuml;r
+Geld ginge. Du h&auml;ttest doch erst ein wenig warten und
+Dich nach Deinem j&uuml;ngern Bruder umsehen sollen, eh' Du
+so patzig in die Welt hinausmarschirtest.&laquo; Der &auml;lteste Bruder
+stand still und sah sich nach ihm um, und als nun
+der j&uuml;ngste zu ihm gekommen war und ihm erz&auml;hlt hatte,
+wie die Sache zusammenhing, und da&szlig; er sein Bruder
+sei, sagte er: &raquo;Aber jetzt wollen wir uns hier niedersetzen
+und mal zusehen, Was unsre Mutter uns zum Mundschmack
+mitgegeben hat,&laquo; und darauf setzten sie sich nieder
+und erfrischten sich.</p>
+
+<p>Wie sie nun etwas weiter gegangen waren, kamen sie
+zu einem Bach, der durch ein gr&uuml;nes Feld flo&szlig;. Da sagte
+der j&uuml;ngste: &raquo;Hier wollen wir einander einen Namen geben,
+da man uns zu Hause doch nicht getauft hat, weil
+wir so schnell ausgewandert sind.&laquo; &mdash; &raquo;Wie willst Du
+denn hei&szlig;en?&laquo; fragte der &auml;lteste. &raquo;Ich will <span class="wide">Lillekort</span>
+hei&szlig;en,&laquo; erwiederte der andre: &raquo;und Du?&laquo; &mdash; &raquo;Ich will
+<span class="wide">K&ouml;nig Lavring</span> hei&szlig;en,&laquo; sagte der &auml;lteste. Nun tauften
+sie einander und gingen dann weiter. Endlich kamen
+sie zu einem Kreuzweg, und nun wurden sie dar&uuml;ber einig,
+da&szlig; jeder seine eigne Stra&szlig;e ziehen sollte. Sie trennten
+sich daher; aber sie waren noch nicht sehr weit gegangen,
+so trafen sie wieder zusammen. Sie trennten sich
+darauf abermals, und jeder zog seine Stra&szlig;e; aber ehe sie
+sich's versahen, waren sie wieder beisammen, und so geschah
+es auch zum dritten Mal. Da verabredeten sie, da&szlig;
+jeder nach einer besondern Richtung, n&auml;mlich der eine nach
+Osten, und der andre nach Westen, gehen solle. &raquo;Kommst
+Du aber einmal in Noth und gro&szlig;e Gefahr,&laquo; sagte der
+&auml;lteste: &raquo;dann rufe mich nur dreimal laut bei Namen,
+alsdann werde ich Dir zu H&uuml;lfe kommen; aber Du musst
+mich ja nicht rufen, eh' Du nicht in der &auml;u&szlig;ersten Noth
+bist.&laquo; &mdash; &raquo;Dann wird's wohl lange dauern, eh' wir uns
+wiedersehen,&laquo; versetzte Lillekort. Darauf sagten sie einander
+Lebewohl, und jeder zog seines Weges, Lillekort nach
+Osten, und K&ouml;nig Lavring nach Westen.</p>
+
+<p>Als nun Lillekort eine gute Weile gewandert hatte,
+begegnete ihm ein altes, krummpuckliges Weib, das nur
+<span class="wide">ein</span> Auge hatte; das stahl Lillekort ihr. &raquo;Au! au!&laquo; rief das
+Weib: &raquo;wo ist mein Auge geblieben?&laquo; &mdash; &raquo;Was giebst Du
+mir, wenn ich's Dir wiedergebe?&laquo; sagte Lillekort. &raquo;Ich
+gebe Dir ein Schwert, womit Du eine ganze Kriegsmacht
+niedermetzeln kannst, und wenn sie auch noch so gro&szlig; w&auml;re,&laquo;
+antwortete das Weib. &raquo;Ja, gieb her!&laquo; sagte Lillekort. Das
+Weib gab ihm darauf das Schwert und erhielt daf&uuml;r ihr
+Auge zur&uuml;ck. Nun ging Lillekort weiter, und nach einer
+Weile begegnete ihm wieder ein altes krummpuckliges Weib
+mit <span class="wide">einem</span> Auge, das stahl Lillekort ihr, eh' sie wu&szlig;te,
+wie ihr geschah. &raquo;Au! au! wo ist mein Auge geblieben?&laquo;
+rief sie. &raquo;Was giebst Du mir, wenn ich's Dir wiedergebe?&laquo;
+sagte Lillekort. &raquo;Ein Schiff, das &uuml;ber S&uuml;&szlig;- und
+Salzwasser, &uuml;ber Berg' und tiefe Th&auml;ler geht,&laquo; antwortete
+das Weib. &raquo;Ja, gieb her!&laquo; sagte Lillekort. Das Weib gab
+ihm darauf ein ganz kleines Schiff, so klein, da&szlig; man's
+in die Tasche stecken konnte, und daf&uuml;r erhielt sie ihr Auge
+zur&uuml;ck, und jeder ging seines Weges. Als Lillekort nun
+wieder eine gute Strecke gewandert war, begegnete ihm
+zum dritten Mal ein altes krummpuckliges Weib mit <span class="wide">einem</span>
+Auge; das stahl Lillekort ebenfalls, und als das Weib
+schrie und sich geberdete und fragte, wo ihr Auge geblieben sei,
+sagte Lillekort: &raquo;Was giebst Du mir, wenn ich's Dir wiedergebe?&laquo;
+&mdash; &raquo;Ich lehre Dir die Kunst, hundert Lasten
+Malz auf einmal zu verbrauen,&laquo; sagte sie. F&uuml;r diese Kunst
+erhielt nun das Weib ihr Auge zur&uuml;ck, und jeder zog seines
+Weges.</p>
+
+<p>Als nun Lillekort ein kleines Ende gegangen war,
+wollte er einmal das Schiff probiren. Er nahm es daher
+aus der Tasche und steckte den einen Fu&szlig; hinein; da ward
+das Schiff weit gr&ouml;&szlig;er; und als er nun auch den andern
+Fu&szlig; nachzog, ward es so gro&szlig;, wie die Schiffe, die in der
+See gehen. Da sprach Lillekort: &raquo;Fahr hin &uuml;ber Salzwasser
+und S&uuml;&szlig;wasser, &uuml;ber Berg' und tiefe Th&auml;ler, bis
+da&szlig; du kommst zu des K&ouml;nigs Schlo&szlig;!&laquo; &mdash; und fort
+saus'te das Schiff, wie ein Vogel durch die Luft, bis da&szlig;
+es zum K&ouml;nigsschlo&szlig; kam; da stand es still. Drinnen im
+Schlo&szlig; aber hatten die Leute von den Fenstern aus gesehen,
+wie Lillekort dahergesegelt kam. Dar&uuml;ber waren
+nun Alle sehr verwundert und liefen hinunter, um zu sehen,
+was Das f&uuml;r Einer w&auml;re, der so auf einem Schiff
+durch die Luft gefahren kam. W&auml;hrend sie aber hinunterliefen,
+war Lillekort schon aus seinem Schiff herausgestiegen
+und hatte es wieder in die Tasche gesteckt; denn sowie
+er nur mit den F&uuml;&szlig;en hinaustrat, ward es wieder so klein,
+als es war, da er es von der Alten bekommen hatte. Die
+Leute vom K&ouml;nigsschlo&szlig; sahen nun nichts Anders, als einen
+kleinen in Lumpen geh&uuml;llten Knaben, der da am Ufer
+stand. Der K&ouml;nig fragte ihn, wo er her w&auml;re. Der
+Knabe aber sagte, das w&uuml;&szlig;te er nicht, und eben so
+wenig wu&szlig;te er zu sagen, auf welche Weise er hergekommen
+sei, bat aber inst&auml;ndig um einen Dienst auf dem
+Schlo&szlig; und sagte, wenn sie nichts Anders f&uuml;r ihn zu
+thun h&auml;tten, so k&ouml;nne er ja der K&ouml;chinn Holz und
+Wasser zutragen. Diese Bitte ward ihm denn auch gew&auml;hrt.
+Als Lillekort aber auf das Schlo&szlig; kam, sah er,
+da&szlig; Alles, sowohl inwendig, als auswendig, selbst die
+W&auml;nde und das Dach, mit Schwarz bezogen war. Er
+fragte de&szlig;halb die K&ouml;chinn, Was das zu bedeuten h&auml;tte.
+&raquo;Das will ich Dir sagen,&laquo; antwortete die K&ouml;chinn: &raquo;Die
+K&ouml;nigstochter ist schon vor langer Zeit an drei Trollen
+versprochen worden, und am n&auml;chsten Donnerstag-Abend
+wird der eine kommen und sie abholen. Der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span>
+hat sich zwar verb&uuml;rgt, sie zu befreien; aber Gott mag
+wissen, ob er's kann, und darum ist hier Alles so voll
+Sorge und Betr&uuml;bni&szlig;, wie Du wohl denken kannst.&laquo;</p>
+
+<p>Als es nun am Donnerstag-Abend um die Zeit war,
+f&uuml;hrte der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> die Prinzessinn hinaus ans Meerufer
+&mdash; denn da war es, wo der Troll sie abholen wollte
+&mdash; und da sollte nun der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> sie in Schutz nehmen;
+aber er that dem Trollen eben keinen gro&szlig;en Schaden,
+will ich glauben; denn kaum hatte die Prinzessinn sich
+am Ufer niedergesetzt, so kroch der Ritter auf einen gro&szlig;en
+Baum, welcher da stand, und verbarg sich zwischen die Zweige,
+so gut er konnte. Die Prinzessinn weinte und bat ihn so
+flehentlich, er m&ouml;chte sie doch nicht verlassen; aber der
+Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> achtete nicht auf ihr Bitten, sondern sagte:
+&raquo;Es ist besser, da&szlig; Einer das Leben verliert, als da&szlig;
+Zwei umkommen.&laquo;</p>
+
+<p>Inzwischen bat Lillekort die K&ouml;chinn um Erlaubni&szlig;,
+ein wenig an den Strand zu gehen. &raquo;O, Was
+willst Du da?&laquo; sagte die K&ouml;chinn: &raquo;Du hast da Nichts
+zu thun.&laquo; &mdash; &raquo;Ach ja, liebe K&ouml;chinn, la&szlig; mich nur hingehen,&laquo;
+sagte Lillekort: &raquo;ich wollte so gern mit den andern Kindern
+ein wenig spielen.&laquo; &mdash; &raquo;Na, geh denn!&laquo; sagte die K&ouml;chinn:
+&raquo;aber da&szlig; Du nur nicht l&auml;nger ausbleibst, als bis der
+Kessel zum Abendessen &uuml;ber's Feuer geh&auml;ngt, und der Braten
+an den Spie&szlig; gesteckt wird! und bring' dann einen t&uuml;chtigen
+Armvoll Holz mit in die K&uuml;che!&laquo; Ja, das wollte Lillekort
+nicht vergessen, und damit lief er fort ans Ufer.</p>
+
+<p>Als er eben dort ankam, wo die K&ouml;nigstochter sa&szlig;,
+kam auch schon der Troll dahergesaus't, er war so gro&szlig;
+und so dick, da&szlig; es ganz abscheulich aussah, und f&uuml;nf
+K&ouml;pfe hatte er. &raquo;<span class="wide">Feuer!</span>&laquo; schrie der Troll. &raquo;Feuer gleichfalls!&laquo;
+sagte Lillekort. &raquo;<span class="wide">Kannst Du fechten?</span>&laquo; rief der
+Troll. &raquo;Kann ich's nicht, so kann ich's lernen,&laquo; sagte
+Lillekort. Darauf schlug der Troll mit einer dicken eisernen
+Stange, die er in der Faust hielt, nach ihm, so da&szlig;
+die Erde ihm f&uuml;nf Ellen hoch &uuml;ber den Kopf flog.</p>
+
+<p>&raquo;Twi!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;Das war auch was Rechtes!
+Nun sollst Du aber einen Schlag von mir sehen!&laquo;
+und damit ergriff er sein Schwert, das er von dem alten
+krummpuckligen Weib bekommen hatte, und hieb damit
+nach dem Trollen, so da&szlig; alle f&uuml;nf K&ouml;pfe &uuml;ber den Sand
+hinflogen. Als die Prinzessinn sich nun befrei't sah, war
+sie so froh, da&szlig; sie sich vor Freude gar nicht zu lassen
+wu&szlig;te. &raquo;Schlaf nun ein St&uuml;ndchen auf meinem Scho&szlig;!&laquo;
+sagte sie zu Lillekort, und w&auml;hrend er nun auf ihrem Scho&szlig;
+lag und schlief, zog sie ihm ein goldnes Kleid an.</p>
+
+<p>Nun dauerte es nicht lange, so kroch der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span>
+wieder vom Baum herunter, weil er sah, da&szlig; jetzt keine
+Gefahr mehr f&uuml;r ihn vorhanden war. Er brachte die
+Prinzessinn durch Drohungen dahin, da&szlig; sie sagen mu&szlig;te,
+<span class="wide">er</span> sei es, der sie befrei't habe, und wenn sie das nicht
+sagte, wollte er ihr das Leben nehmen. Darauf schnitt er
+dem Trollen die Lungen aus dem Leib und die Zungen aus
+den K&ouml;pfen, und f&uuml;hrte dann die Prinzessinn wieder zur&uuml;ck
+nach dem K&ouml;nigsschlo&szlig;. Und hatte man dem Ritter zuvor
+keine Ehre angethan, so that man es jetzt; der K&ouml;nig
+wu&szlig;te gar nicht, Was er alles ersinnen sollte, um ihn zu
+ehren, und immer mu&szlig;te der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> bei Tafel ihm
+zur Seite sitzen. Lillekort aber begab sich auf das Trollschiff,
+nahm eine ganze Menge goldne und silberne Fa&szlig;reifen,
+und damit kehrte er zur&uuml;ck nach dem Schlo&szlig;. Als
+die K&ouml;chinn all das Gold und Silber sah, das er brachte,
+war sie ganz erstaunt dar&uuml;ber und sagte: &raquo;Mein lieber
+kleiner Lillekort, wo hast Du denn all die sch&ouml;nen Sachen
+herbekommen?&laquo; denn sie bef&uuml;rchtete, er m&ouml;chte nicht auf eine
+ehrliche Weise dazu gekommen sein. &raquo;O,&laquo; antwortete Lillekort:
+&raquo;ich bin zu Hause gewesen, und da waren diese Reifen
+von einem Eimer abgefallen, und da hab' ich sie f&uuml;r
+Dich mitgenommen.&laquo; Als die K&ouml;chinn h&ouml;rte, da&szlig; sie die
+Reifen haben solle, fragte sie nicht weiter, sondern bedankte
+sich bei Lillekort, und damit war Alles gut.</p>
+
+<p>Den andern Donnerstag-Abend ging es wieder eben
+so: Alle waren voll Sorge und Betr&uuml;bni&szlig;; allein der
+Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> sagte, h&auml;tte er die K&ouml;nigstochter von dem einen
+Trollen befrei't, so w&uuml;rde er sie jetzt auch wohl von
+dem zweiten befreien, und damit geleitete er sie noch so
+kecklich wieder hinaus ans Meerufer. Aber er that auch
+diesmal dem Trollen eben keinen gro&szlig;en Schaden; denn
+als es um die Zeit war, da&szlig; man den Trollen erwartete,
+sagte er wieder, wie das vorige Mal: &raquo;Es ist besser, da&szlig;
+Einer das Leben verliert, als da&szlig; Zwei umkommen,&laquo; und
+damit kroch er wieder auf den Baum.</p>
+
+<p>Lillekort aber bat die K&ouml;chinn wieder um Erlaubni&szlig;,
+ein wenig an den Strand zu gehen. &raquo;O, Was
+willst Du da?&laquo; sagte die K&ouml;chinn. &raquo;Ja, liebe K&ouml;chinn,
+la&szlig; mich nur gehen,&laquo; sagte Lillekort: &raquo;ich wollte gern mit
+den andern Kindern ein wenig spielen.&laquo; Da gab sie ihm
+denn auch diesmal Erlaubni&szlig;; aber das mu&szlig;te er ihr versprechen,
+da&szlig; er zur&uuml;ck sein wollte, wenn der Braten gewendet
+werden sollte, und dann m&uuml;&szlig;te er einen guten Armvoll
+Holz mitbringen.</p>
+
+<p>Kaum war Lillekort am Ufer angelangt, so kam auch
+schon der Troll daher, da&szlig; es nur so saus'te; er war noch
+einmal so gro&szlig;, als der vorige, und hatte zehn K&ouml;pfe.
+&raquo;<span class="wide">Feuer!</span>&laquo; schrie der Troll. &raquo;Feuer gleichfalls!&laquo; sagte
+Lillekort. &raquo;<span class="wide">Kannst Du fechten?</span>&laquo; rief der Troll. &raquo;Kann
+ich's nicht, so kann ich's lernen,&laquo; sagte Lillekort. Darauf
+schlug der Troll mit seiner eisernen Stange nach ihm &mdash; die
+war noch einmal so gro&szlig;, als die des ersten Trollen
+&mdash; so da&szlig; die Erde ihm zehn Ellen hoch &uuml;ber den Kopf
+flog. &raquo;Twi!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;das war auch was Rechtes!
+Nun sollst Du einen Schlag von mir sehen!&laquo; und
+damit ergriff er sein Schwert und hieb nach dem Trollen,
+so da&szlig; alle zehn K&ouml;pfe &uuml;ber den Sand hintanzten.</p>
+
+<p>Darauf sagte die K&ouml;nigstochter wieder zu ihm: &raquo;Schlaf
+jetzt ein St&uuml;ndchen auf meinem Scho&szlig;!&laquo; und w&auml;hrend Lillekort
+nun auf ihrem Scho&szlig; lag und schlief, zog sie ihm ein
+silbernes Kleid an. Sobald der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> merkte, da&szlig;
+keine Gefahr mehr vorhanden war, kroch er wieder vom
+Baum herunter und zwang die Prinzessinn abermals durch
+Drohungen, zu sagen, da&szlig; er es sei, der sie befrei't habe.
+Darauf nahm er die Zungen und die Lungen des Trollen,
+kn&uuml;pfte sie in sein Taschentuch und geleitete die K&ouml;nigstochter
+wieder zur&uuml;ck nach dem Schlo&szlig;. Hier war nun
+lauter Freude und Jubel, wie man sich wohl denken kann,
+und der K&ouml;nig wu&szlig;te gar nicht, Was er alles angeben
+sollte, um dem Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> genugsam Ehre und Achtung
+zu erweisen.</p>
+
+<p>Lillekort aber ging auf das Trollschiff und nahm einen
+ganzen Armvoll Gold- und Silberreifen mit sich. Als
+er zur&uuml;ck auf das Schlo&szlig; kam, schlug die K&ouml;chinn die
+H&auml;nde &uuml;ber dem Kopf zusammen und konnte sich nicht genug
+wundern &uuml;ber all das Gold und Silber, das er mitbrachte.
+Aber Lillekort sagte, er w&auml;re zu Hause bei seiner
+Mutter gewesen, und da h&auml;tte er die Reifen gesammelt,
+die von den Eimern abgefallen w&auml;ren, um sie der K&ouml;chinn
+zu bringen.</p>
+
+<p>Als nun der dritte Donnerstag-Abend kam, ging es
+wieder eben so, wie die beiden vorigen Male: Das ganze
+Schlo&szlig; war aus- und inwendig mit Schwarz beh&auml;ngt,
+und Alle waren voll Sorge und Betr&uuml;bni&szlig;. Aber der
+Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> sagte, sie h&auml;tten eben nicht n&ouml;thig, in Furcht
+zu sein; denn h&auml;tte er die Prinzessinn von zwei Trollen
+befrei't, so k&ouml;nnte er sie auch wohl von dem dritten befreien.
+Darauf f&uuml;hrte er die Prinzessinn hinaus ans Ufer. Als
+es aber um die Zeit war, da&szlig; der Troll kommen sollte,
+kroch der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> wieder auf den Baum und verbarg
+sich. Die Prinzessinn weinte und bat; aber es half Alles
+nichts; er blieb bei dem Alten: es sei besser, da&szlig; Einer
+das Leben verl&ouml;re, als da&szlig; Zwei umk&auml;men.</p>
+
+<p>Lillekort bat wieder um Erlaubni&szlig;, an den Strand
+hinauszugehen. &raquo;Ach, was willst Du da?&laquo; sagte die K&ouml;chinn;
+aber er bat so lange, bis sie es ihm denn zuletzt erlaubte;
+doch mu&szlig;te er versprechen, da&szlig; er wieder zu Hause sein
+wollte, wenn der Braten gewendet werden sollte. Kaum
+aber war er darauf ans Ufer gekommen, so kam auch
+schon der Troll angesaus't; er war noch weit gr&ouml;&szlig;er, als
+der vorige, und hatte funfzehn K&ouml;pfe. &raquo;<span class="wide">Feuer!</span>&laquo; schrie
+der Troll. &raquo;Feuer gleichfalls!&laquo; sagte Lillekort. &raquo;<span class="wide">Kannst
+Du fechten?</span>&laquo; rief der Troll. &raquo;Kann ich's nicht, so kann
+ich's lernen,&laquo; sagte Lillekort. &raquo;<span class="wide">Ich will Dich belernen!</span>&laquo;
+rief der Troll und holte mit seiner eisernen Stange
+aus, da&szlig; die Erde funfzehn Ellen hoch in die Luft fuhr.
+&raquo;Twi!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;das war auch was Rechtes! Nun
+sollst Du aber einen Schlag von mir sehen!&laquo; und damit
+ergriff er sein Schwert und hieb nach dem Trollen, da&szlig; alle
+funfzehn K&ouml;pfe &uuml;ber den Sand hintanzten.</p>
+
+<p>Da war nun die Prinzessinn erl&ouml;s't; sie dankte Lillekort
+f&uuml;r ihre Rettung und sagte dann wieder: &raquo;Schlaf jetzt ein
+St&uuml;ndchen auf meinem Scho&szlig;!&laquo; und w&auml;hrend Lillekort nun
+da lag und schlief, zog ihm die Prinzessinn ein Kleid von Messing
+an. Als er aufwachte, fragte sie ihn: &raquo;Wie soll es aber
+jetzt an den Tag kommen, da&szlig; Du es bist, der mich erl&ouml;s't
+hat?&laquo; &mdash; &raquo;Das will ich Dir sagen,&laquo; versetzte Lillekort:
+&raquo;Wenn nun der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> Dich wieder nach Hause geleitet
+und sich f&uuml;r Den ausgiebt, der Dich erl&ouml;s't hat,
+dann wei&szlig;t Du wohl, soll er Dich und das halbe Reich
+haben. Wenn man Dich aber dann am Hochzeitstage
+fragt, Wen Du zum Mundschenken haben willst, dann
+sollst Du sagen: &raquo;Ich will den kleinen Buben haben, der
+in der K&uuml;che ist und der K&ouml;chinn Holz und Wasser zutr&auml;gt.&laquo;
+Wenn ich Dir dann den Wein einschenke, werde ich einen
+Tropfen auf dem Ritter seinen Teller versch&uuml;tten, aber nicht
+auf Deinen; dann wird er wohl b&ouml;se werden und mich
+schlagen, und das wiederholt sich dreimal. Das dritte
+Mal aber sollst Du sagen: &raquo;Schande &uuml;ber Dich, da&szlig; Du
+meinen Herzgeliebten schl&auml;gst! denn <span class="wide">er</span> hat mich befrei't und
+<span class="wide">ihn</span> will ich haben.&laquo;&laquo; Nachdem Lillekort mit der Prinzessinn
+diese Verabredung getroffen, begab er sich wieder
+aufs Schlo&szlig;; zuvor aber nahm er aus dem Trollschiff
+noch eine ganze Menge Gold und Silber und andre Kostbarkeiten
+mit, und der K&ouml;chinn brachte er wieder einen
+ganzen Armvoll Gold- und Silberreifen.</p>
+
+<p>Kaum sah der Ritter <span class="wide">R&ouml;d,</span> da&szlig; alle Gefahr vorbei
+war, als er von dem Baum herunterkroch und die K&ouml;nigstochter
+wieder durch Drohungen dahin vermochte, zu
+sagen, <span class="wide">er</span> sei es, der sie befrei't habe. Darauf geleitete er
+sie zur&uuml;ck nach dem Schlo&szlig;; und hatte man ihm zuvor
+noch nicht Ehre genug angethan, so that man es jetzt.
+Der K&ouml;nig sann und dachte auf nichts Anders, als wie
+er ihn geb&uuml;hrend daf&uuml;r belohnen sollte, da&szlig; er seine Tochter
+von den drei Trollen befrei't hatte, und es d&auml;uchte ihm
+jetzt das Allergeringste, wenn er ihm die Prinzessinn und
+das halbe Reich g&auml;be. Am Hochzeitstage aber bat die
+Prinzessinn, da&szlig; man ihr den kleinen Buben, der in der
+K&uuml;che sei und der K&ouml;chinn Holz und Wasser zutr&uuml;ge,
+zum Mundschenken bei der Hochzeitstafel geben m&ouml;chte.
+&raquo;Ach, was willst Du mit dem schmutzigen Lumpenjungen?&laquo;
+sagte der Ritter <span class="wide">R&ouml;d.</span> Aber die Prinzessinn sagte, da&szlig;
+sie <span class="wide">ihn</span> zum Mundschenken haben wolle, und keinen Andern;
+und da mu&szlig;te man ihr denn nachgeben.</p>
+
+<p>Hierauf ging Alles so, wie es zwischen Lillekort und
+der K&ouml;nigstochter verabredet war. Lillekort versch&uuml;ttete
+dreimal einen Tropfen Wein auf den Teller des Ritters
+<span class="wide">R&ouml;d,</span> und jedesmal ward der Ritter zornig und schlug
+ihn. Beim ersten Schlag fiel dem Knaben das Lumpenkleid
+ab, das er in der K&uuml;che trug; beim zweiten Schlag
+fiel ihm das Kleid von Messing ab, und beim dritten
+Schlag das silberne Kleid, so da&szlig; er nun da stand in
+seinem goldnen Kleide, so blank und pr&auml;chtig, da&szlig; es nur
+so glitzerte. Da sagte die K&ouml;nigstochter: &raquo;Schande &uuml;ber
+Dich, da&szlig; Du meinen Herzgeliebten schl&auml;gst; denn <span class="wide">er</span> hat
+mich befrei't, und <span class="wide">ihn</span> will ich haben!&laquo; Der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span>
+schwur und fluchte, da&szlig; <span class="wide">er</span> es sei, der sie befrei't h&auml;tte,
+und kein Andrer. Da sprach der K&ouml;nig: &raquo;Wer meine
+Tochter befrei't hat, der kann auch wohl die Wahrzeichen
+aufweisen.&laquo; Da lief der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> hin und holte sein
+Tuch mit den Lungen und Zungen; Lillekort aber holte
+das Gold und Silber und alle die Kostbarkeiten, die er
+aus dem Trollschiff mitgenommen hatte, und jeder legte
+das seinige vor den K&ouml;nig hin. Da sprach der K&ouml;nig:
+&raquo;Wer solche kostbare Sachen von Gold und Silber und
+Diamanten aufzuweisen hat, der mu&szlig; auch wohl die Trollen
+get&ouml;dtet haben; denn Dergleichen findet man nicht bei
+Andern.&laquo; Und darauf wurde der Ritter <span class="wide">R&ouml;d</span> in die
+Schlangengrube geworfen, und Lillekort sollte jetzt die
+Prinzessinn und das halbe Reich haben.</p>
+
+<p>Als nun der K&ouml;nig eines Tages mit Lillekort spazieren
+ging, fragte dieser ihn, ob er nicht noch mehr Kinder
+h&auml;tte. &raquo;Ja,&laquo; sagte der K&ouml;nig: &raquo;ich habe noch eine
+Tochter gehabt; aber die hat mir ein Troll genommen,
+weil hier Niemand war, der sie befreien konnte. Kannst
+Du sie aber befreien, so sollst Du auch sie und das andre
+halbe Reich dazu haben.&laquo; &mdash; &raquo;Ich will's versuchen,&laquo; sagte
+Lillekort: &raquo;dann mu&szlig; ich aber eine eiserne Kette haben,
+f&uuml;nfhundert Ellen lang, und f&uuml;nfhundert Mann mu&szlig; ich
+mit haben und Proviant f&uuml;r sie auf funfzehn Wochen;
+denn ich mu&szlig; weit zur See fort.&laquo; Ja, das sollte er alles
+bekommen; nur bef&uuml;rchtete der K&ouml;nig, er m&ouml;chte kein
+Schiff haben, welches gro&szlig; genug w&auml;re, alles das zu tragen.
+&raquo;Ich habe selbst ein Schiff,&laquo; sagte Lillekort und nahm
+aus seiner Tasche das Schiff hervor, welches das alte Weib
+ihm gegeben hatte. Der K&ouml;nig lachte und meinte, es w&auml;re
+blo&szlig; sein Scherz; aber Lillekort sagte, man solle ihm nur
+Alles geben, was er verlangt h&auml;tte, dann solle der K&ouml;nig
+nachher schon sehen. Man brachte hierauf alle die Sachen
+zusammen, und nun wollte Lillekort, da&szlig; man zuerst die
+eiserne Kette ins Schiff legen sollte; aber da war kein
+Einziger, der sie aufzuheben vermochte, und Viele konnten
+nicht auf einmal Platz um das kleine Schiff bekommen.
+Da nahm Lillekort selbst die Kette an dem einen
+Ende und legte einige Ringe davon ins Schiff,
+und wie er sie nach und nach weiter hineinbrachte, ward
+das Schiff immer gr&ouml;&szlig;er, und zuletzt ward es so gro&szlig;,
+da&szlig; sowohl die Kette, als die f&uuml;nfhundert Mann nebst
+dem Proviant, und Lillekort sehr gut Platz darin hatten.
+Da sprach Lillekort: &raquo;Fahr hin &uuml;ber S&uuml;&szlig;wasser und Salzwasser,
+&uuml;ber Berg' und tiefe Th&auml;ler, bis da&szlig; du kommst,
+wo des K&ouml;nigs Tochter ist!&laquo; und sogleich fuhr das Schiff
+davon, da&szlig; es zischte und braus'te, &uuml;ber Land und &uuml;ber
+Wasser. &mdash; Als sie nun eine lange, lange Zeit gesegelt
+hatten, stand das Schiff eines Tages pl&ouml;tzlich auf der
+See still. &raquo;Ja, nun sind wir gl&uuml;cklich an Ort und
+Stelle gekommen,&laquo; sagte Lillekort: &raquo;wie wir aber wieder
+fortkommen werden, das steht noch dahin.&laquo; Darauf nahm
+er die eiserne Kette und band sich das eine Ende um den
+Leib. &raquo;Jetzt mu&szlig; ich zu Boden,&laquo; sagte er: &raquo;Wenn ich
+aber nachher wieder herauf will und einen starken Ruck
+an die Kette thu', dann m&uuml;sst Ihr alle auf einmal anziehen
+f&uuml;r <span class="wide">einen</span> Mann, sonst kostet es mir und Euch das
+Leben,&laquo; und damit sprang er ins Wasser, da&szlig; die Wellen
+&uuml;ber ihn zusammenschlugen. Er sank tiefer und immer
+tiefer, und endlich kam er auf den Grund. Dort sah er
+einen Berg, worin eine Th&uuml;r war, und da ging er hinein.
+In dem Berge nun fand er die Prinzessinn, welche
+eben mit ihrem N&auml;hzeug besch&auml;ftigt war. &raquo;Ach, Gott sei
+Lob!&laquo; rief sie, als sie Lillekort erblickte, und klatschte in
+die H&auml;nde: &raquo;noch habe ich keine Menschenseele gesehen, so
+lange ich hier bin.&laquo; Lillekort sagte ihr, da&szlig; er gekommen
+sei, um sie wieder zu ihrem Vater zur&uuml;ckzubringen. &raquo;Ach,
+mich bekommst Du nicht mit,&laquo; sagte sie: &raquo;das wird Dir
+nicht gelingen; denn bekommt der Troll Dich zu sehen,
+kostet es Dir das Leben.&laquo; &mdash; &raquo;Gut, da&szlig; Du von
+ihm sprichst!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;Wo ist er? Es k&ouml;nnte
+spa&szlig;haft sein, ihn zu sehen.&laquo; Die K&ouml;nigstochter erz&auml;hlte
+ihm darauf, da&szlig; der Troll ausgegangen w&auml;re und Jemanden
+suchte, der hundert Lasten Malz auf einmal zu
+Bier brauen k&ouml;nne; denn der Troll wollte ein Gastmahl
+geben, und dabei verschlug keine geringere Quantit&auml;t. &raquo;Das
+kann <b>ich</b>,&laquo; sagte Lillekort. &raquo;Wenn nur der Troll nicht so
+jachzornig w&auml;re, da&szlig; ich es ihm sagen k&ouml;nnte, eh' er Dich
+erblickt,&laquo; versetzte die Prinzessinn: &raquo;aber er ist so w&uuml;thend,
+da&szlig; er Dich den Augenblick in St&uuml;cke zerrei&szlig;t, wenn er
+Dich gewahr wird. Indessen verbirg Dich nur hier so
+lange in den Bettverschlag, dann will ich sehen, Was zu
+thun ist.&laquo; Das that denn Lillekort, und kaum war er in
+seinem Versteck, so kam auch schon der Troll an. &raquo;<span class="wide">Houf!
+es riecht hier so nach Menschenfleisch!</span>&laquo; rief er. &raquo;Ja,
+es flog hier ein Vogel &uuml;ber's Dach mit einem Menschenknochen
+im Schnabel, den lie&szlig; er durch den Schornstein
+fallen,&laquo; versetzte die K&ouml;nigstochter: &raquo;ich habe mich zwar
+beeilt, ihn hinwegzuschaffen, aber es mu&szlig; wohl noch der
+Geruch davon zur&uuml;ckgeblieben sein.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Ja, das ist's
+wohl!</span>&laquo; sagte der Troll. Darauf fragte die Prinzessinn
+ihn, ob er Jemanden gefunden habe, der hundert Lasten
+Malz auf einmal zu Bier brauen k&ouml;nne. &raquo;<span class="wide">Nein, da ist
+Keiner, der das kann,</span>&laquo; sagte der Troll. &raquo;Vor einer
+Weile war Einer hier, der sagte, er k&ouml;nnte es,&laquo; versetzte
+die K&ouml;nigstochter. &raquo;<span class="wide">Du bist nun immer so klug,</span>&laquo;
+sagte der Troll: &raquo;<span class="wide">warum lie&szlig;est Du ihn denn gehen?
+Du wu&szlig;test doch, da&szlig; ich eben einen Solchen
+suche.</span>&laquo; &mdash; &raquo;Ich hab' ihn auch nicht gehen lassen,&laquo;
+versetzte die K&ouml;nigstochter: &raquo;aber Du bist nun gleich immer so
+jachm&uuml;thig; darum verbarg ich ihn derweil in den Bettverschlag.
+Wenn Du also noch keinen t&uuml;chtigen Brauer gefunden hast,
+so kannst Du's ja mit ihm versuchen.&laquo; &mdash; &raquo;<span class="wide">Ja, la&szlig; ihn
+kommen!</span>&laquo; sagte der Troll. Als Lillekort nun hervorkam,
+fragte der Troll ihn, ob es wahr sei, da&szlig; er hundert Lasten
+Malz auf einmal zu Bier brauen k&ouml;nne. &raquo;Ja, das ist
+wahr,&laquo; antwortete Lillekort. &raquo;<span class="wide">So ist's gut, da&szlig; ich
+Dich bekam,</span>&laquo; sagte der Troll: &raquo;<span class="wide">mach Dich nur gleich
+an die Arbeit! Aber Gnade Dir Gott, wenn Du
+das Bier nicht stark genug brau'st.</span>&laquo; &mdash; &raquo;Es soll
+schon Geschmack kriegen,&laquo; sagte Lillekort und stellte sogleich
+das Geschirr zurecht. &raquo;Ich mu&szlig; aber mehr M&auml;nner zum
+Zutragen <ins title="Original hat hagen">haben</ins>,&laquo; sagte er: &raquo;denn die paar, die ich bekommen
+habe, k&ouml;nnen nicht Viel ausrichten.&laquo; Er erhielt
+nun noch mehr Leute, so viele, da&szlig; es von ihnen wimmelte,
+und darauf ging das Brauen los. Als nun die
+W&uuml;rze fertig war, wollten Alle sie kosten, zuerst der
+Troll selbst, und nachher die Andern. Aber Lillekort hatte
+die W&uuml;rze so stark gebrau't, da&szlig; sie todt umfielen, wie
+die Fliegen, sowie sie davon tranken. Zuletzt war Niemand
+mehr &uuml;brig, als ein altes k&uuml;mmerliches Weib, das hinter
+dem Ofen lag. &raquo;Ach, Du Arme!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;Du
+musst doch auch meine W&uuml;rze kosten,&laquo; und damit ging
+er hin und f&uuml;llte mit der B&uuml;tte auf, Was noch am Boden
+&uuml;brig geblieben, und gab es ihr. Da war er sie alle insgesammt
+quitt.</p>
+
+<p>Als er nun da stand und sich umsah, ward er eine
+gro&szlig;e Kiste gewahr, die nahm Lillekort und packte sie voll
+Gold und Silber, umschlang dann sich und die Prinzessinn
+und die Kiste mit der eisernen Kette und that einen Ruck daran
+aus allen Kr&auml;ften. Da zogen die Leute auf dem Schiff
+alle auf einmal an und brachten sie gesund und behalten
+wieder herauf. Nun sprach Lillekort: &raquo;Fahr hin &uuml;ber
+S&uuml;&szlig;wasser und Salzwasser, &uuml;ber Berg' und tiefe Th&auml;ler,
+bis da&szlig; du kommst zu des K&ouml;nigs Schlo&szlig;!&laquo; &mdash; und
+sogleich fuhr das Schiff davon, da&szlig; der Schaum zu
+beiden Seiten stand. Als Die, welche auf dem Schlo&szlig; waren,
+das Schiff ankommen sahen, zogen sie alsbald hinaus mit
+Gesang und Spiel und empfingen Lillekort mit gro&szlig;er
+Freude. Am frohesten von Allen aber war der K&ouml;nig,
+der jetzt seine Tochter wieder bekommen hatte.</p>
+
+<p>Nun war aber Lillekort in Verlegenheit wegen der
+Prinzessinnen; denn beide wollten ihn haben, und er wollte
+nur die haben, welche er zuerst befrei't hatte, und das
+war die j&uuml;ngste. Er sann und dachte lange dar&uuml;ber nach,
+wie er sich aus der Verlegenheit ziehen sollte; denn die
+j&uuml;ngste wollte er nicht fahren lassen, und der andern wollte
+er auch nicht gern zuwider sein. Da fiel es ihm ein, wenn
+jetzt sein Bruder, K&ouml;nig Lavring, da w&auml;re, der ihm so
+&auml;hnlich sah, da&szlig; Keiner sie von einander zu unterscheiden
+vermochte, so k&ouml;nnte der die andre Prinzessinn und das
+halbe Reich bekommen; denn er selbst wollte sich gern mit
+der einen H&auml;lfte begn&uuml;gen. Wie gedacht, so gethan: er
+ging vor's Schlo&szlig; und rief laut den K&ouml;nig Lavring bei
+Namen; aber es kam Niemand. Da rief er noch lauter;
+aber es fand sich auch diesmal Keiner ein. Zuletzt rief
+er aus allen Kr&auml;ften &mdash; und da stand pl&ouml;tzlich sein Bruder
+vor ihm. &raquo;Ich sagte Dir ja, Du solltest mich nicht
+eher rufen, als bis Du in der &auml;u&szlig;ersten Noth w&auml;rst,&laquo;
+sprach er: &raquo;und hier ist ja keine M&uuml;cke, die Dir Was zu
+Leide thun kann,&laquo; und damit schlug er auf ihn zu, da&szlig;
+Lillekort &uuml;ber die Wiese hinpurzelte. &raquo;Schande &uuml;ber Dich,
+da&szlig; Du mich so schl&auml;gst!&laquo; sagte Lillekort: &raquo;Erst hab' ich
+die eine K&ouml;nigstochter und das halbe Reich gewonnen,
+und nachher die andre K&ouml;nigstochter und das andre halbe
+Reich dazu, und nun wollte ich mit Dir theilen und Dir
+die eine Prinzessinn und die H&auml;lfte des K&ouml;nigreichs abgeben.
+D&auml;ucht es Dir denn recht, mich also zu schlagen?&laquo;
+Als K&ouml;nig Lavring das h&ouml;rte, bat er seinen Bruder um
+Verzeihung, und da vertrugen sie sich alsbald und waren
+wieder gute Freunde. Darauf sprach Lillekort: &raquo;Du wei&szlig;t,
+da&szlig; wir einander so &auml;hnlich sehen, da&szlig; Niemand uns zu
+unterscheiden vermag; darum tausche Du jetzt Deine Kleider
+mit mir und geh hinauf auf das Schlo&szlig;; dann werden
+die Prinzessinnen glauben, da&szlig; ich es bin, und die, welche
+Dich dann zuerst k&uuml;sst, die nimmst Du, und die andre
+behalt ich.&laquo; Also sprach Lillekort; denn er wu&szlig;te wohl,
+da&szlig; die &auml;lteste K&ouml;nigstochter auch die st&auml;rkste war, und
+konnte sich daher wohl denken, wie's kommen w&uuml;rde.
+K&ouml;nig Lavring war sogleich bereit, zu thun, wie sein
+Bruder ihm gesagt hatte: er tauschte mit ihm seine Kleider
+und ging aufs Schlo&szlig;. Als er nun zu den Prinzessinnen
+eintrat, glaubten sie, es sei Lillekort, und liefen
+beide sogleich auf ihn zu. Aber die &auml;lteste, welche die
+gr&ouml;&szlig;te und st&auml;rkste war, schob die j&uuml;ngere Schwester bei
+Seite, fa&szlig;te K&ouml;nig Lavring um den Hals und k&uuml;&szlig;te ihn.
+Und so bekam denn K&ouml;nig Lavring die &auml;lteste, und Lillekort
+die j&uuml;ngste Prinzessinn. Da kann sich's denn wohl
+ereignet haben, da&szlig; eine Hochzeit ward, wovon man sich
+in sieben K&ouml;nigreichen zu erz&auml;hlen wu&szlig;te.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap25" id="kap25"></a>25.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Die Puppe im Grase.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte zw&ouml;lf S&ouml;hne. Als
+diese gro&szlig; waren, sagte er zu ihnen, sie sollten fortreisen
+in die Welt und sich jeder eine Frau suchen, aber
+die sollte spinnen und weben und ein Hemd in einem Tag
+fertig n&auml;hen k&ouml;nnen, sonst wollte er sie nicht zur Schwiegertochter
+haben. Jedem von ihnen gab er ein Pferd und
+eine ganz neue R&uuml;stung; und darauf reis'ten die S&ouml;hne fort
+in die Welt, um sich eine Frau zu suchen. Als sie aber
+eine Strecke Weges gereis't waren, sagten sie, Aschenbr&ouml;del
+wollten sie nicht mit haben; denn der tauge doch zu Nichts.
+Aschenbr&ouml;del mu&szlig;te nun zur&uuml;ckbleiben und wu&szlig;te gar
+nicht, wie er's anfangen sollte. Da ward er sehr niedergeschlagen,
+stieg von seinem Pferd herunter und setzte sich
+ins Gras hin und weinte. Als er aber eine Weile gesessen
+hatte, bewegte sich der eine Grasb&uuml;lten, und es kam daraus
+eine kleine wei&szlig;e Gestalt hervor; und als sie n&auml;her
+kam, sah Aschenbr&ouml;del, da&szlig; es ein niedliches kleines M&auml;dchen
+war, aber ganz ganz klein. Diese trat auf ihn zu
+und fragte ihn, ob er nicht die Puppe im Grase besuchen
+wolle. Ja, das wollte Aschenbr&ouml;del gern und ging
+mit ihr.</p>
+
+<p>Als er hinunterkam, sa&szlig; die Puppe im Grase auf
+einem Stuhl und war so sch&ouml;n und so geputzt; sie fragte
+Aschenbr&ouml;del, wo er hin wolle, und in welchem Gesch&auml;ft
+er reise.</p>
+
+<p>Er erz&auml;hlte ihr nun, da&szlig; sie ihrer zw&ouml;lf Br&uuml;der
+w&auml;ren, und da&szlig; der K&ouml;nig, ihr Vater, jedem von ihnen
+ein Pferd und eine R&uuml;stung gegeben und zu ihnen gesagt
+h&auml;tte, sie sollten in die Welt reisen und sich eine Frau
+suchen, die solle spinnen und weben und ein Hemd in
+einem Tag fertig n&auml;hen k&ouml;nnen. &raquo;Wenn Du nun das
+kannst und meine Frau werden willst,&laquo; sagte Aschenbr&ouml;del:
+&raquo;dann will ich nicht weiter reisen.&laquo; Ja, das wollte sie
+gern und machte sich sogleich an die Arbeit, fing an zu
+spinnen und zu weben und n&auml;h'te das Hemd in einem
+Tag fertig; aber es ward so klein, so klein, nicht l&auml;nger,
+als &mdash; so lang.</p>
+
+<p>Damit reis'te Aschenbr&ouml;del nach Hause. Als er aber
+das Hemd hervornahm, um es seinem Vater zu zeigen, war
+er ganz besch&auml;mt, weil es so klein war. Der K&ouml;nig aber
+sagte, es machte nichts, er solle das kleine M&auml;dchen heirathen;
+und darauf reis'te Aschenbr&ouml;del froh und vergn&uuml;gt
+zur&uuml;ck, um seine kleine Braut abzuholen. Wie er nun
+bei der Puppe im Grase ankam, wollte er sie zu sich auf
+sein Pferd nehmen; aber das wollte sie nicht, sondern
+sagte, sie wolle in einem silbernen L&ouml;ffel fahren mit zwei
+kleinen Schimmeln davor. So reis'ten sie nun fort, er
+auf seinem Pferd, und sie in dem silbernen L&ouml;ffel; die
+beiden Schimmel aber, die sie zogen, waren zwei kleine
+wei&szlig;e M&auml;use. Aschenbr&ouml;del hielt sich immer auf der andern
+Seite des Weges, damit sein Pferd nicht auf seine
+Braut treten sollte, denn sie war so klein. Als sie eine
+Strecke Weges gereis't waren, kamen sie zu einem gro&szlig;en
+Wasser; da ward Aschenbr&ouml;dels Pferd scheu, sprang hin&uuml;ber
+auf die andre Seite des Weges und schlug den L&ouml;ffel
+um, so da&szlig; die Puppe im Grase ins Wasser fiel. Da
+ward Aschenbr&ouml;del sehr betr&uuml;bt, und wu&szlig;te gar nicht,
+wie er sie erretten sollte. Es dauerte aber nicht lange, so
+tauchte ein Meermann mit ihr auf, und nun war sie so
+gro&szlig; geworden, wie ein andres erwachsenes Frauenzimmer,
+und noch weit sch&ouml;ner, als zuvor. Da nahm Aschenbr&ouml;del
+sie vor sich auf sein Pferd und ritt mit ihr nach
+Hause.</p>
+
+<p>Als er dort ankam, waren auch schon seine andern
+Br&uuml;der, jeder mit seiner Braut, eingetroffen; aber die
+waren so h&auml;&szlig;lich und so b&ouml;se, da&szlig; sie sich schon unterweges
+mit ihren Brautm&auml;nnern gezaus't hatten. Auf dem
+Kopf trugen sie H&uuml;te, die waren mit Theer und Ru&szlig;
+bestrichen, das war ihnen ins Gesicht herabgetr&ouml;pfelt, so
+da&szlig; sie davon noch weit h&auml;&szlig;licher und abscheulicher waren
+aussehen worden. Als nun die Br&uuml;der dagegen
+Aschenbr&ouml;dels Braut erblickten, wurden sie alle neidisch
+auf ihn. Der K&ouml;nig aber freu'te sich so sehr &uuml;ber die
+beiden, da&szlig; er alle die Andern davon jagte. Darauf hielt
+Aschenbr&ouml;del mit der Puppe im Grase Hochzeit und lebte
+mit ihr vergn&uuml;gt und zufrieden eine lange lange Zeit;
+und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap26" id="kap26"></a>26.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Das K&auml;tzchen auf Dovre.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Mann oben in Finmarken, der hatte
+einen gro&szlig;en wei&szlig;en B&auml;ren gefangen, den wollte er dem
+K&ouml;nig von D&auml;nemark bringen. Nun traf es sich so, da&szlig;
+er grade am Weihnachts-Abend zum Dovrefjeld kam,
+und da ging er in ein Haus, wo ein Mann wohnte,
+der <span class="wide">Halvor</span> hie&szlig;; den bat er um Nachtquartier f&uuml;r sich
+und seinen B&auml;ren.</p>
+
+<p>&raquo;Ach, Gott helf mir!&laquo; sagte der Mann: &raquo;wie sollt'
+ich wohl Jemandem Nachtquartier geben k&ouml;nnen! Jeden
+Weihnachts-Abend kommen hier so viel Trollen, da&szlig; ich
+mit den Meinigen ausziehen mu&szlig; und selber nicht einmal
+ein Dach &uuml;ber dem Kopf habe.&laquo; &mdash;</p>
+
+<p>&raquo;O, Ihr k&ouml;nnt mich de&szlig;wegen immer beherbergen,&laquo;
+sagte der Mann; &raquo;denn mein B&auml;r kann hier hinter dem
+Ofen liegen, und ich lege mich in den Bettverschlag.&laquo;</p>
+
+<p>Halvor hatte Nichts dagegen, zog aber selbst mit seinen
+Leuten aus, nachdem er zuvor geh&ouml;rig f&uuml;r die Trollen
+hatte zurichten lassen: die Tische waren besetzt mit Rei&szlig;brei,
+Stockfischen, Wurst und Was sonst zu einem herrlichen
+Gastschmaus geh&ouml;rt.</p>
+
+<p>Bald darauf kamen die Trollen an; einige waren gro&szlig;,
+andre klein; einige langgeschw&auml;nzt, andre ohne Schwanz;
+und einige hatten ungeheuer lange Nasen, und alle a&szlig;en
+und tranken und waren guter Dinge. Da erblickte einer
+von den jungen Trollen den B&auml;ren, der unter dem Ofen
+lag, steckte ein St&uuml;ckchen Wurst an die Gabel und hielt
+es dem B&auml;ren vor die Nase. &raquo;K&auml;tzchen, magst auch
+Wurst?&laquo; sagte er. Da fuhr der B&auml;r auf, fing f&uuml;rchterlich
+an zu brummen und jagte sie alle Gro&szlig; und Klein
+aus dem Hause.</p>
+
+<p>Das Jahr darauf war Halvor eines Nachmittags so
+gegen Weihnachten hin im Wald und hau'te Holz f&uuml;r den
+Heiligen; denn er erwartete wieder die Trollen. Da h&ouml;rte
+er es pl&ouml;tzlich im Wald rufen: &raquo;<span class="wide">Halvor! Halvor!</span>&laquo;
+&mdash; &raquo;Ja!&laquo; sagte Halvor. &raquo;<span class="wide">Hast Du noch die gro&szlig;e Katz?</span>&laquo;
+rief's. &raquo;Ja,&laquo; sagte Halvor: &raquo;jetzt hat sie sieben Jungen
+bekommen, die sind noch weit gr&ouml;&szlig;er und b&ouml;ser, als sie.&laquo;
+&mdash; &raquo;<span class="wide">So kommen wir niemals wieder zu Dir!</span>&laquo;
+rief der Troll im Walde. Und von der Zeit an haben
+die Trollen nie wieder den Weihnachtsbrei bei Halvor auf
+Dovre gegessen.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap27" id="kap27"></a>27.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Soria-Moria-Schlo&szlig;.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es waren einmal ein Paar Eheleute, die hatten einen
+Sohn, der hie&szlig; <span class="wide">Halvor.</span> Von seiner Kindheit an aber
+wollte der Knabe durchaus Nichts thun, sondern sa&szlig; immer
+da und w&uuml;hlte in der Asche. Die &Auml;ltern thaten ihn in
+die Lehre bei verschiedenen Meistern; aber Halvor hielt es
+nirgends aus, sondern wenn er ein paar Tage bei einem
+Meister gewesen war, lief er wieder aus der Lehre, kehrte
+heim und setzte sich auf den Feuerherd hin und w&uuml;hlte in der
+Asche. Da geschah es einmal, da&szlig; ein Schiffer zu seinen
+&Auml;ltern kam, der sah Halvor und fragte ihn, ob er nicht
+Lust h&auml;tte, zur See zu fahren und fremde L&auml;nder zu sehen.
+Ja, dazu hatte Halvor gro&szlig;e Lust und ging sogleich mit
+dem Schiffer zur See.</p>
+
+<p>Nun wei&szlig; ich nicht recht, wie lange sie schon gesegelt
+hatten, aber zuletzt erhob sich ein heftiger Sturm, und
+als der vor&uuml;ber war, und es wieder ruhig ward, da wu&szlig;ten
+die Schiffsleute nicht mehr, wo sie sich befanden; sie
+waren an eine fremde K&uuml;ste getrieben, die Keiner von
+ihnen kannte.</p>
+
+<p>Weil nun gar kein Wind weh'te, und sie still liegen
+bleiben mu&szlig;ten, bat Halvor den Schiffer um Erlaubni&szlig;,
+ans Land zu gehen, um sich dort umzusehen; denn er
+konnte es nicht aushalten, immer still zu liegen und zu
+schlafen. &raquo;Denkst Du, da&szlig; Du Dich vor den Leuten kannst
+sehen lassen?&laquo; sagte der Schiffer: &raquo;Du hast ja keine andre
+Kleider, als die Lumpen, worin Du gehst und stehst.&laquo;
+Halvor aber bat so lange, bis der Schiffer ihm endlich
+die Erlaubni&szlig; gab; nur mu&szlig;te er ihm versprechen, da&szlig;
+er wieder zur&uuml;ckkehren wollte, wenn es anfing zu wehen.
+Darauf ging er ans Land. Hier waren &uuml;berall gro&szlig;e
+sch&ouml;ne Ebenen und Wiesen, aber nirgends war eine Spur
+von Menschen. Bald darauf fing es an zu wehen; aber
+Halvor wollte noch gern Mehr von dem Lande sehen und
+schritt daher weiter fort, in der Hoffnung, da&szlig; er auch
+Menschen dort antreffen w&uuml;rde. Nach einer Weile gelangte
+er auf einen gro&szlig;en breiten Weg, der war so flach und so
+eben, da&szlig; man ein Ei darauf fortrollen konnte. Halvor
+verfolgte best&auml;ndig diesen Weg, bis er endlich gegen Abend
+ein gro&szlig;es schimmerndes Schlo&szlig; in der Ferne erblickte.
+Weil er aber den ganzen Tag gegangen war und keinen
+Mundvorrath mitgenommen hatte, war er entsetzlich hungrig,
+und je n&auml;her er dem Schlo&szlig; kam, desto unheimlicher
+ward ihm zu Muthe.</p>
+
+<p>Als er endlich das Schlo&szlig; erreicht hatte, trat er
+hinein und kam zuerst in die K&uuml;che, wo ein helles Feuer
+auf dem Herd brannte. In der K&uuml;che war Alles so sch&ouml;n
+und prachtvoll, wie er es nie zuvor in einer K&uuml;che gesehen
+hatte; da standen Gef&auml;&szlig;e von Gold und von Silber, aber
+Leute waren nicht da. Als nun Halvor eine Zeitlang gewartet
+hatte, und Niemand kam, &ouml;ffnete er eine Th&uuml;r
+und trat in ein gro&szlig;es Zimmer. Dort sa&szlig; eine Prinzessinn,
+die spann an einem Rocken. &raquo;Wie!&laquo; rief sie:
+&raquo;darf denn eine Christenseele hieher kommen? Aber am
+besten ist es, Du machst nur, da&szlig; Du gleich wieder fortkommst,
+wenn Dich der Troll nicht verschlingen soll; denn
+hier wohnt ein abscheulicher Troll mit drei K&ouml;pfen.<span class="nowrap">&laquo; &mdash;</span></p>
+
+<p>&raquo;Mir sollt's recht sein, wenn er vier h&auml;tte,&laquo; sagte
+der Bursch: &raquo;ich habe gro&szlig;e Lust, den Kerl zu sehen; aber
+ich gehe nicht; denn ich habe nichts B&ouml;ses gethan. Erst
+aber musst Du mir Etwas zu essen geben; denn ich bin
+verdammt hungrig.&laquo; Als nun Halvor sich satt gegessen
+hatte, sagte die Prinzessinn zu ihm, er sollte versuchen,
+ob er das Schwert zu schwingen verm&ouml;chte, das an der
+Wand hing. Aber er konnt' es nicht schwingen, ja er
+konnt' es nicht einmal aufheben. &raquo;So musst Du einen
+Trunk aus der Flasche thun, die daneben hangt,&laquo; sagte
+die Prinzessinn: &raquo;denn das thut der Troll immer, wenn
+er es gebrauchen will.&laquo; Halvor that darauf einen guten
+Trunk aus der Flasche, und da konnte er das Schwert
+in der Hand schwingen wie gar Nichts. Nun, meinte er,
+sollt's f&uuml;r den Trollen fr&uuml;h genug sein, wenn er k&auml;me.
+Es dauerte auch nicht lange, so kam dieser dahergesaus't.
+Halvor hinter die Th&uuml;r. &raquo;<span class="wide">Hutetu! hier riecht's so
+nach Menschenfleisch!</span>&laquo; sagte der Troll, indem er den
+Kopf zur Th&uuml;r hereinsteckte. &mdash; &raquo;Ja, das sollst Du gewahr
+werden!&laquo; sagte Halvor und hieb ihm alle K&ouml;pfe auf
+einmal herunter. Da ward die Prinzessinn so froh, da&szlig;
+sie sang und sprang; aber wie sie nun an ihre Schwestern
+dachte, sagte sie: &raquo;Ach, w&auml;ren doch meine Schwestern
+auch erl&ouml;s't!&laquo; &mdash; &raquo;Wo sind die?&laquo; fragte Halvor. Da
+erz&auml;hlte sie ihm, da&szlig; die eine von einem Trollen auf einem
+Schlo&szlig; festgehalten w&uuml;rde, das sechs Meilen von da entfernt
+w&auml;re, und die andre auf einem Schlo&szlig;, das noch
+neun Meilen weiter davon l&auml;ge.</p>
+
+<p>&raquo;Aber jetzt,&laquo; sagte sie: &raquo;musst Du mir erst helfen,
+diesen Rumpf hinauszuschaffen.&laquo;</p>
+
+<p>Dazu war Halvor sogleich bereit; er warf den Rumpf
+hinaus und machte Alles rein und sauber drinnen, und
+darauf lebten sie lustig und vergn&uuml;gt. Den n&auml;chsten Morgen
+aber machte Halvor sich auf, sobald es d&auml;mmerte; er
+g&ouml;nnte sich keinen Augenblick Ruhe, sondern ging und lief
+den ganzen Tag. Als er aber endlich das Schlo&szlig; vor sich
+sah, ward ihm doch wieder etwas unheimlich zu Muthe; es
+war noch weit sch&ouml;ner und pr&auml;chtiger, als das vorige;
+aber auch hier war keine Menschenseele zu sehen. Halvor
+trat zuerst in die K&uuml;che und ging von da grade aus
+ins Zimmer. &raquo;Wie? darf denn eine Christenseele hieher
+kommen?&laquo; rief die Prinzessinn: &raquo;Ich wei&szlig; nicht, wie lange
+ich nun schon hier bin,&laquo; sagte sie: &raquo;aber in all der Zeit
+habe ich noch nie einen Menschen hier gesehen. Es ist
+aber wohl am besten f&uuml;r Dich, Du siehst zu, da&szlig; Du
+wieder fortkommst; denn es wohnt hier ein Troll, der hat
+sechs K&ouml;pfe.&laquo; &mdash; &raquo;Nein, ich gehe nicht,&laquo; sagte Halvor:
+&raquo;und wenn er noch sechs dazu h&auml;tte.&laquo; &mdash; &raquo;Er nimmt Dich
+und frisst Dich lebendig,&laquo; sagte die Prinzessinn. Aber es half
+nichts; Halvor wollte nicht wieder fortgehen, denn er war nicht
+bange vor dem Trollen; aber zu essen und zu trinken wollte
+er haben, weil er so entsetzlich hungrig war von der Reise.
+Ja, das bekam er, so Viel er nur mochte. Darnach aber
+wollte die Prinzessinn wieder, da&szlig; er gehen sollte. &raquo;Nein,&laquo;
+sagte Halvor: &raquo;ich gehe nicht; denn ich habe nichts B&ouml;ses
+gethan und brauche mich nicht zu f&uuml;rchten.&laquo; Als nun
+Halvor durchaus nicht gehen wollte, sagte die Prinzessinn
+zu ihm: &raquo;Versuche denn, ob Du das Schwert zu schwingen
+vermagst, das dort an der Wand hangt, und das
+der Troll immer im Kriege gebraucht.&laquo; Halvor konnte
+aber das Schwert nicht schwingen. Da sagte sie zu ihm,
+er solle einen Trunk aus der Flasche thun, die daneben
+hange; und als Halvor das gethan hatte, konnte er das
+Schwert ohne M&uuml;he schwingen.</p>
+
+<p>Nun dauerte es nicht lange, so kam der Troll an;
+er war so gro&szlig; und breit, da&szlig; er seitw&auml;rts durch die
+Th&uuml;r gehen mu&szlig;te. Als er den ersten Kopf hereinsteckte,
+rief er: &raquo;<span class="wide">Hutetu! es riecht hier so nach Menschenfleisch!</span>&laquo;
+In demselben Augenblick aber hieb Halvor ihm
+den Kopf ab, und darnach alle die andern dazu. Da ward
+die Prinzessinn &uuml;ber alle Ma&szlig;en froh. Als sie aber an
+ihre Schwestern dachte, &auml;u&szlig;erte sie den Wunsch, da&szlig; auch
+die erl&ouml;s't sein m&ouml;chten. Halvor meinte, dazu k&ouml;nne schon
+Rath werden und wollte sogleich wieder fort; aber erst
+mu&szlig;te er der Prinzessinn den Rumpf des Trollen hinausschaffen
+helfen, und darnach begab er sich fr&uuml;h am andern
+Morgen auf den Weg. Er hatte aber eine weite Reise zu
+machen, und er ging und lief abwechselnd, damit er noch
+zu guter Zeit ank&auml;me. Gegen Abend erblickte er endlich
+das Schlo&szlig;, das noch weit sch&ouml;ner und prachtvoller war,
+als die beiden ersten. Nun f&uuml;rchtete er sich nicht im geringsten
+mehr, sondern schritt grade durch die K&uuml;che fort
+ins Zimmer. Hier sa&szlig; eine Prinzessinn, die war so sch&ouml;n,
+da&szlig; es gar nicht zu beschreiben ist; die sagte nun eben so,
+wie die andern, da&szlig; sie noch keine Menschenseele gesehen h&auml;tte,
+so lange sie bei dem Trollen sei, und bat ihn, nur sogleich
+wieder zu gehen, denn sonst fr&auml;&szlig;e der Troll, der neun K&ouml;pfe
+h&auml;tte, ihn lebendig auf, sagte sie. &raquo;Und wenn er noch
+neun dazu h&auml;tte, so gehe ich doch nicht,&laquo; sagte Halvor
+und stellte sich an den Ofen hin. Die Prinzessinn bat ihn
+so flehentlich, er m&ouml;chte doch wieder fortgehen, damit der
+Troll ihn nicht auffresse; aber Halvor sagte: &raquo;Mag er
+nur kommen, wenn es ihm gef&auml;llt.&laquo; Da gab die Prinzessinn
+ihm das Trollschwert und lie&szlig; ihn einen Trunk
+aus der Flasche thun, so da&szlig; er's schwingen konnte.</p>
+
+<p>Nun dauerte es nicht gar lange, so kam der Troll
+dahergesaus't, der war aber noch weit gr&ouml;&szlig;er und breiter, als
+die beiden andern und mu&szlig;te ebenfalls seitw&auml;rts durch
+die Th&uuml;r gehen. Als er den ersten Kopf hereinsteckte,
+sagte er eben so, wie die andern: &raquo;<span class="wide">Hutetu! hier riecht's
+so nach Menschenfleisch!</span>&laquo; Im selben Augenblick aber
+hieb Halvor ihm den Kopf herunter, und nachher auch
+alle die andern, aber der letzte war der allerz&auml;heste; den
+abzuhauen war die schwerste Arbeit, die Halvor je verrichtet
+hatte, obgleich er doch meinte, da&szlig; er Kr&auml;fte
+habe.</p>
+
+<p>Als Halvor nun auch den dritten Trollen get&ouml;dtet
+hatte, kamen alle Prinzessinnen auf dem Schlo&szlig; zusammen
+und waren so heiter und vergn&uuml;gt, wie sie es noch nie
+in ihrem Leben gewesen; alle aber waren sie in Halvor
+verliebt, und er durfte nur Diejenige von ihnen w&auml;hlen,
+die er am liebsten mochte; die j&uuml;ngste Prinzessinn hielt
+jedoch am meisten von ihm. Halvor aber stand da ganz
+still und betr&uuml;bt. Da fragte die j&uuml;ngste Prinzessinn ihn,
+warum er so traurig w&auml;re, und ob es ihm nicht bei ihnen
+gefiele. Ja, sagte Halvor, es gefiele ihm sehr wohl bei
+ihnen, denn sie h&auml;tten ja Genug zu leben, und er h&auml;tte
+gute Tage; aber er tr&uuml;ge ein so gro&szlig;es Verlangen nach
+Hause, denn er h&auml;tte noch &Auml;ltern am Leben, und die
+m&ouml;chte er so gern einmal wiedersehen. Die Prinzessinnen
+meinten, das lie&szlig;e sich wohl machen und sagten zu ihm:
+&raquo;Du sollst unbesch&auml;digt hin- und zur&uuml;ckkommen, wenn
+Du nur genau unsern Rath befolgen willst.&laquo; Ja, Halvor
+wollte ihn genau befolgen. Da thaten sie ihm herrliche
+Kleider an, da&szlig; er aussah, wie ein K&ouml;nigssohn, und
+steckten an seinen Finger einen Ring, der hatte die Eigenschaft,
+da&szlig; er sich damit hin und wieder zur&uuml;ck w&uuml;nschen
+konnte. Die Prinzessinnen warnten ihn aber, ja den
+Ring nicht zu verlieren und nicht ihren Namen zu nennen,
+denn alsdann w&auml;re es aus mit der ganzen Herrlichkeit,
+sagten sie, und er w&uuml;rde sie dann nie wiedersehen.</p>
+
+<p>&raquo;W&auml;re ich jetzt zu Hause, wollte ich froh sein!&laquo;
+sagte Halvor; und wie er das gew&uuml;nscht hatte, ging es
+sogleich in Erf&uuml;llung &mdash; Halvor stand pl&ouml;tzlich vor dem
+Hause seiner &Auml;ltern. Es war eben um die Schubstunde,
+und da seine &Auml;ltern einen so vornehmen, stattlichen Herrn
+eintreten sahen, waren sie ganz erschrocken und b&uuml;ckten
+und verneigten sich. Halvor fragte, ob er nicht Nachtherberge
+bei ihnen bekommen k&ouml;nne. Nein, das k&ouml;nne er
+ganz und gar nicht. &raquo;Wir sind nicht so eingerichtet,&laquo;
+sagten sie: &raquo;denn wir haben weder das Eine, noch das
+Andre, womit einem solchen Herrn gedient sein kann,&laquo;
+und riethen ihm, auf's Schlo&szlig; zu gehen, wovon er da
+den Schornstein s&auml;he, da h&auml;tten sie Alles vollauf, sagten sie.
+Halvor aber gefiel das gar nicht, er wollte durchaus bei
+ihnen Herberge haben; aber die Leute blieben dabei, er
+solle auf's Schlo&szlig; gehen, da k&ouml;nne er sowohl zu essen,
+als zu trinken bekommen, w&auml;hrend sie nicht einmal einen
+Stuhl ihm anzubieten h&auml;tten. &raquo;Nein,&laquo; sagte Halvor:
+&raquo;auf's Schlo&szlig; will ich nicht eher, als morgen fr&uuml;h; lasst
+mich nur die Nacht bei Euch bleiben, ich kann mich ja
+auf den Herd hinsetzen.&laquo; Dagegen konnten sie denn Nichts
+einwenden, und Halvor setzte sich nun auf den Herd und
+fing an, in der Asche zu w&uuml;hlen, wie er ehemals zu thun
+pflegte, da er noch zu Hause faulenzte.</p>
+
+<p>Sie sprachen nun von Mancherlei, und Halvor erz&auml;hlte
+von Diesem und Jenem, und endlich fragte er sie,
+ob sie niemals Kinder gehabt h&auml;tten. Ja, sagten sie, sie h&auml;tten
+einen Burschen gehabt, der Halvor gehei&szlig;en, der sei aber
+fortgewandert, und sie w&uuml;&szlig;ten nicht, ob er noch am Leben
+sei, oder schon todt w&auml;re. &raquo;K&ouml;nnt' ich es wohl nicht sein?&laquo;
+sagte Halvor. &mdash; &raquo;Nein, das wei&szlig; ich gewi&szlig;,&laquo; sagte die
+Frau: &raquo;der Halvor war immer so faul und tr&auml;ge, da&szlig;
+er nie das Geringste thun mochte, und dann ging er so
+lumpig in seinen Kleidern, da&szlig; ein Lappen immer auf
+den andern schlug; aus ihm h&auml;tte nie ein solcher Herr
+werden k&ouml;nnen, wie Ihr seid.&laquo;</p>
+
+<p>Als aber die Frau die Gluth auf dem Herd ansch&uuml;rte,
+und der helle Schein davon auf Halvor fiel, da erkannte
+sie ihn wieder.</p>
+
+<p>&raquo;Ja, wahrhaftig bist Du es, Halvor!&laquo; rief sie, und
+es kam eine solche Freude &uuml;ber die alten &Auml;ltern, da&szlig; es
+gar nicht zu sagen ist; und Halvor mu&szlig;te ihnen nun erz&auml;hlen,
+wie es ihm ergangen war, und seine Mutter wollte
+durchaus, er solle sogleich auf's Schlo&szlig; gehen und sich
+den Dienstdirnen zeigen, die immer so stolz gethan hatten;
+sie lief selber voraus und erz&auml;hlte ihnen, da&szlig; Halvor zu
+Hause gekommen sei, und jetzt sollten sie nur sehen, wie
+stattlich er w&auml;re; er s&auml;he aus wie ein Prinz, sagte sie.</p>
+
+<p>&raquo;Das mu&szlig; wahr sein!&laquo; sagten die Dirnen und warfen
+den Nacken: &raquo;er ist wohl derselbe Lump, der er immer
+gewesen ist.&laquo; Im selben Augenblick aber trat Halvor ein,
+und da erschraken die Dirnen so gewaltig, da&szlig; sie ihr
+Hemd auf dem Herd im Stich lie&szlig;en, wo sie sa&szlig;en und
+sich fl&ouml;h'ten, und im blo&szlig;en Unterrock davon liefen. Als
+sie zur&uuml;ckkamen, waren sie so besch&auml;mt, da&szlig; sie es gar
+nicht wagten, Halvor anzusehen, gegen den sie fr&uuml;her immer
+so stolz und &uuml;berm&uuml;thig gewesen waren. &raquo;Ihr habt
+Euch nun immer f&uuml;r so fein und so h&uuml;bsch gehalten,&laquo;
+sagte Halvor: &raquo;und glaubt, es g&auml;be gar nicht mehr Euresgleichen;
+Ihr solltet aber nur die &auml;lteste Prinzessinn sehen,
+die ich befrei't habe! gegen die seht Ihr aus wie wahre
+Viehm&auml;gde, und die zweite ist noch sch&ouml;ner; aber die j&uuml;ngste,
+die meine Braut ist, die ist sch&ouml;ner, als Sonne und Mond.
+Ich wollte nur, sie w&auml;ren hier, so solltet Ihr sehen!&laquo;
+sagte Halvor.</p>
+
+<p>Kaum aber hatte er das gesagt, so standen die Prinzessinnen
+vor ihm; das betr&uuml;bte ihn sehr; denn er gedachte
+nun an die Worte, die sie gesprochen. &mdash; Auf dem
+Schlo&szlig; wurde ein herrliches Gastmahl f&uuml;r die Prinzessinnen
+angerichtet und gro&szlig;er Aufwand gemacht. Aber sie blieben
+da nicht lange. &raquo;Wir wollen zu Deinen &Auml;ltern gehen,&laquo;
+sagten sie: &raquo;und uns ein wenig die Umgegend besehen.&laquo;
+Sie gingen darauf fort und kamen nicht weit vom Schlo&szlig;
+zu einem gro&szlig;en Wasser, worin so viele Fische waren,
+da&szlig; es davon wimmelte, die aber niemals gefangen wurden.
+Dicht beim Wasser war ein sch&ouml;ner gr&uuml;ner H&uuml;gel.
+Da wollten die Prinzessinnen sich niedersetzen und sich ein
+Weilchen ausruhen; denn die Aussicht &uuml;ber das Wasser
+gefiel ihnen so sch&ouml;n, sagten sie.</p>
+
+<p>Als sie nun eine Weile da gesessen hatten, sagte die
+j&uuml;ngste Prinzessinn: &raquo;Komm, Halvor! ich will Dir den
+Kopf krauen!&laquo; Halvor legte seinen Kopf auf ihren Scho&szlig;,
+und es dauerte nicht lange, so schlief er ein. Da zog die
+Prinzessinn ihm den Ring vom Finger und steckte ihm
+einen andern daran. Darnach sprach sie: &raquo;Haltet Euch
+nun alle fest an mir!&laquo; &mdash; und: &raquo;W&auml;ren wir jetzt auf
+Soria-Moria-Schlo&szlig;!&laquo;</p>
+
+<p>Als Halvor erwachte und sah, da&szlig; die Prinzessinnen
+verschwunden waren, fing er bitterlich an zu weinen und
+war so betr&uuml;bt, da&szlig; sie ihn gar nicht wieder beruhigen
+konnten. Wie sehr auch die &Auml;ltern ihn tr&ouml;steten und ihn
+baten, bei ihnen zu bleiben, so konnte doch Nichts ihn
+zur&uuml;ckhalten, sondern er nahm Abschied von ihnen und
+sagte, er w&uuml;rde sie wohl nie wiedersehen; denn f&auml;nde er
+die Prinzessinnen nicht wieder, schiene es ihm nicht werth,
+l&auml;nger zu leben, sagte er.</p>
+
+<p>Dreihundert Thaler hatte er noch &uuml;brig, die steckte
+er in die Tasche und begab sich damit auf den Weg. Als
+er ein Ende gegangen war, begegnete ihm ein Mann mit
+einem Pferd, das wollte Halvor ihm gern abkaufen und
+accordirte mit dem Manne. &raquo;Es war freilich nicht meine
+Absicht, es zu verkaufen,&laquo; sagte der Mann: &raquo;aber wenn
+wir des Handels einig werden k&ouml;nnen, mag es drum sein.&laquo;
+Halvor fragte ihn, Was er denn f&uuml;r das Pferd haben
+wolle. &raquo;Viel habe ich nicht daf&uuml;r gegeben, und Viel ist
+es auch nicht werth,&laquo; sagte der Mann: &raquo;es ist aber ein
+braves Pferd zum Reiten, obwohl es zum Ziehen eigentlich
+nicht taugt; doch so Viel vermag es immer, da&szlig; es
+Euern E&szlig;ranzen tr&auml;gt und Euch dazu, wenn Ihr mitunter
+mal wieder ein Ende geht.&laquo; Sie wurden nun um den
+Preis einig, und als Halvor das Pferd bekommen hatte,
+legte er seinen Ranzen darauf und ging und ritt abwechselnd.
+Gegen Abend kam er zu einem gr&uuml;nen H&uuml;gel,
+worauf ein gro&szlig;er Baum stand. Da nahm er seinen E&szlig;ranzen
+vom Pferde, lie&szlig; diesem die Z&uuml;gel und legte sich
+unter dem Baum schlafen. Sobald es Tag wurde, machte
+er sich wieder auf den Weg; denn er hatte durchaus keine
+Ruhe. Er ging und ritt den ganzen Tag durch einen
+gro&szlig;en Wald, worin viele gr&uuml;ne Pl&auml;tze waren, die herrlich
+zwischen die B&auml;ume hindurchschimmerten. Halvor
+wu&szlig;te nicht mehr, wo er war, und wohin der Weg
+f&uuml;hrte; aber er lie&szlig; sich keine Zeit, auszuruhen, au&szlig;er
+wenn er dem Pferd Etwas zu essen gab und er selber
+auf einem der gr&uuml;nen Pl&auml;tze seinen Ranzen aufschn&uuml;rte.
+Er ging und ritt immerfort, und der Wald schien niemals
+ein Ende nehmen zu wollen.</p>
+
+<p>Aber am andern Morgen, als es d&auml;mmerte, sah er,
+da&szlig; es zwischen den B&auml;umen lichter ward. &raquo;Ich wollte,
+ich k&auml;me jetzt zu Leuten, wo ich mich ein wenig w&auml;rmen
+und Etwas zu essen bekommen k&ouml;nnte!&laquo; dachte Halvor;
+und als er noch einige Schritte gegangen war, kam
+er zu einer armseligen H&uuml;tte und sah drinnen durch die
+Fensterscheiben ein Paar alte Leute; sie waren schon sehr
+alt und hatten einen ganz grauen Kopf, so grau, wie
+Tauben, und die Frau hatte eine Nase, die war so lang,
+da&szlig; sie sie statt Feuergabel auf dem Herd gebrauchte.
+&raquo;Guten Abend!&laquo; sagte Halvor, als er eintrat. &raquo;Guten
+Abend!&laquo; sagte die Frau: &raquo;Was f&uuml;hrt Euch denn hieher?
+&Uuml;ber hundert Jahre sind es jetzt, da&szlig; keine Menschenseele
+hier gewesen ist.&laquo; Halvor erz&auml;hlte ihnen, da&szlig; er nach
+Soria-Moria-Schlo&szlig; wolle, und fragte, ob sie nicht
+den Weg dahin w&uuml;&szlig;ten. &raquo;Nein,&laquo; sagte die Frau: &raquo;den
+wei&szlig; ich nicht; aber nun kommt gleich der Mond, den
+will ich fragen; denn der scheint auf Alles und sieht Alles,
+der mag es wohl wissen.&laquo; Als nun der Mond hell und
+klar &uuml;ber den B&auml;umen stand, ging die Frau hinaus und
+rief: &raquo;Du Mond, Du Mond! kannst Du mir nicht den
+Weg nach Soria-Moria-Schlo&szlig; sagen?&laquo; &mdash; &raquo;Nein,&laquo; sagte
+der Mond: &raquo;das kann ich nicht; denn als ich in der Gegend
+schien, stand eine Wolke davor.&laquo; &mdash; &raquo;Warte nur
+ein wenig,&laquo; sagte die Frau zu Halvor: &raquo;nun kommt bald
+der Westwind, der wei&szlig; es gewi&szlig;; denn der weh't und
+bl&auml;s't in jeden Winkel.&laquo; &raquo;Ei! hast Du auch ein Pferd?&laquo;
+rief sie darauf, als sie Halvors Pferd erblickte: &raquo;la&szlig; doch
+das arme Thier ein wenig in die Koppel hinaus, und
+hier nicht bei der Th&uuml;r stehen und hungern!&laquo; &raquo;Aber
+willst Du es mir nicht vertauschen?&laquo; sagte sie: &raquo;Ich habe
+hier ein Paar alte Stiefeln stehen, womit Du sieben Meilen
+in <span class="wide">einem</span> Schritt machen kannst; die will ich Dir f&uuml;r
+Dein Pferd geben; dann kannst Du um so viel eher nach
+Soria-Moria-Schlo&szlig; kommen.&laquo; Das war Halvor schon
+recht, und die Alte freu'te sich so sehr &uuml;ber das Pferd,
+da&szlig; sie tanzte und sprang. &raquo;Nun kann ich doch, wenn
+ich will, zur Kirche <span class="wide">reiten!</span>&laquo; sagte sie. Halvor, der keine
+Ruhe hatte, wollte sogleich mit den Stiefeln fort; aber
+die Alte sagte: &raquo;Es hat nicht so gro&szlig;e Eile; lege Dich
+nur erst ein wenig auf die Bank hin und schlafe, denn ein
+Bett habe ich Dir nicht anzubieten; inde&szlig; will ich aufpassen,
+wenn der Westwind kommt.&laquo;</p>
+
+<p>Als nun Halvor ein wenig geschlafen hatte, kam
+der Westwind dahergesaus't, da&szlig; die alte H&uuml;tte krachte.
+Die Alte hinaus: &raquo;Du Westwind! Du Westwind!&laquo;
+rief sie: &raquo;wei&szlig;t Du nicht den Weg nach Soria-Moria-Schlo&szlig;?
+Hier ist Einer, der will gern hin.&laquo; &mdash; &raquo;Ja,
+den wei&szlig; ich sehr gut,&laquo; sagte der Westwind: &raquo;ich soll eben
+jetzt dahin und die Kleider zur Hochzeit trocknen. Ist er
+rasch zu Fu&szlig;, so kann er mit mir reisen.&laquo; Halvor hinaus.
+&raquo;Du musst schnell sein, wenn Du mit willst,&laquo; sagte der
+Westwind, und fort ging's &uuml;ber Rusch und Busch, &uuml;ber
+H&uuml;gel und Thal, so da&szlig; Halvor Genug zu thun hatte,
+um Schritt zu halten. Endlich sagte der Westwind: &raquo;Jetzt
+kann ich nicht weiter mit Dir reisen; denn ich mu&szlig; dort
+noch erst ein St&uuml;ck Tannenwald umrei&szlig;en, eh' ich zur
+Bleiche komme und die Kleider trockne; wenn Du aber
+l&auml;ngs der Bergseite fortgehst, so kommst Du zu einigen
+Dirnen, die dort stehen und Zeug waschen, und von da ist
+es nicht mehr weit nach Soria-Moria-Schlo&szlig;.&laquo;</p>
+
+<p>Um eine Weile kam Halvor zu den Dirnen, die da
+stunden und wuschen; sie fragten ihn, ob er nicht den
+Westwind gesehen h&auml;tte, der sollte kommen und das Zeug
+zur Hochzeit trocknen. &raquo;Ja,&laquo; sagte Halvor: &raquo;er ist nur
+hin und rei&szlig;t ein St&uuml;ck Tannenwald um; es wird aber
+nicht lange dauern, so ist er da,&laquo; und nun befragte er sie
+um den Weg nach Soria-Moria-Schlo&szlig;. Sie zeigten
+ihn darauf zurecht, und als er ans Schlo&szlig; kam, war es
+da so voll von Menschen und Pferden, da&szlig; es wimmelte.
+Halvor aber war so zerlumpt und zerrissen, weil er dem
+Westwind &uuml;ber Rusch und Busch und Stock und Stein
+gefolgt war, da&szlig; er sich gar nicht sehen lassen mochte,
+sondern sich abseits hielt; erst den letzten Tag trat er hervor,
+da eben die G&auml;ste sich zur Tafel setzten. Als sie
+nun, wie es Sitte und Gebrauch ist, die Gesundheit des
+Br&auml;utigams und der Braut tranken und ihnen Gl&uuml;ck
+w&uuml;nschten, und der Mundschenk Allen, sowohl Rittern,
+als Knappen, zutrank, da kam der Becher auch zu Halvor.
+Er brachte nun ebenfalls die Gesundheit des Brautpaars
+aus, darnach lie&szlig; er den Ring, den die Prinzessinn
+ihm an den Finger gesteckt hatte, als er an dem Wasser
+eingeschlafen war, in den Becher fallen und sagte zu dem
+Mundschenken, er solle die Braut von ihm gr&uuml;&szlig;en und ihr
+den Becher reichen. Wie nun die Prinzessinn ihren Ring
+erblickte, stand sie sogleich vom Tische auf und sprach: &raquo;Wer
+hat es wohl am ersten verdient, Eine von uns zur Gemahlinn
+zu haben. Der, welcher uns befrei't hat, oder Der,
+welcher hier als Br&auml;utigam sitzt?&laquo; Nat&uuml;rlich der Erste,
+sagten Alle, dar&uuml;ber k&ouml;nnten durchaus nicht zwei Meinungen
+sein. Und als Halvor das h&ouml;rte, s&auml;umte er nicht, seine
+Lumpen abzuwerfen und sich als Br&auml;utigam zu schm&uuml;cken.
+&raquo;Ja, Das ist der Rechte!&laquo; rief die Prinzessinn, als sie ihn
+erblickte, lie&szlig; den Andern mit einer langen Nase abziehen
+und hielt Hochzeit mit Halvor.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap28" id="kap28"></a>28.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Herr Peter.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es waren einmal ein Paar arme Eheleute, die hatten
+drei S&ouml;hne. Wie die beiden &auml;ltesten hie&szlig;en, wei&szlig; ich
+nicht; aber der j&uuml;ngste hie&szlig; <span class="wide">Peter.</span> Als die &Auml;ltern gestorben
+waren, und die Kinder sich in die Erbschaft theilen
+wollten, war Nichts da, als ein Grapen, eine Brodplatte
+und eine Katze. Der &auml;lteste, welcher das Beste haben
+sollte, nahm den Grapen. &raquo;Wenn ich den ausleihe,
+bleibt doch immer Etwas f&uuml;r mich auszuschrapen drin,&laquo;
+sagte er. Der zweite nahm die Brodplatte: &raquo;Wenn ich die
+ausleihe, bleibt doch immer Etwas f&uuml;r mich abzukratzen
+dran,&laquo; sagte er. F&uuml;r den j&uuml;ngsten blieb nichts Anders &uuml;brig,
+als die Katze. &raquo;Wenn ich die ausleihe, bekomm' ich Nichts
+daf&uuml;r,&laquo; sagte er: &raquo;giebt man ihr auch ein wenig Milch,
+so schleckt sie sie selbst.&laquo; Gleichwohl nahm er doch die
+Katze; denn es jammerte ihn, sie umkommen zu lassen.</p>
+
+<p>Hierauf wanderten die Br&uuml;der fort in die Welt, um
+ihr Gl&uuml;ck zu versuchen, und jeder zog seine Stra&szlig;e. Als
+der j&uuml;ngste eine Weile fortgegangen war, sagte die Katze:
+&raquo;Es soll Dir nicht leid sein, da&szlig; Du mich nicht in der
+alten H&uuml;tte hast umkommen lassen, sondern mich mit Dir
+genommen. Ich werde in den Wald gehen und allerlei
+Gethier greifen, das sollst Du zu dem K&ouml;nig auf das Schlo&szlig;
+tragen, das Du dort siehst, und sagen, Du br&auml;chtest ihm
+ein kleines Geschenk. Wenn er Dich dann fragt, von Wem
+das ist, sollst Du sagen: 'Das ist von dem <span class="wide">Herrn Peter.</span>'&laquo;
+Hierauf lief die Katze in den Wald, und kam bald
+mit einem lebendigen Rennthier zur&uuml;ck; dem war sie auf
+den Kopf gesprungen, hatte sich zwischen die H&ouml;rner gesetzt
+und gesagt: &raquo;Gehst Du nicht gradesweges zu des K&ouml;nigs
+Schlo&szlig;, so kratze ich Dir die Augen aus,&laquo; darum wagte
+das Rennthier auch nicht, anders zu thun, als die Katze
+ihm gesagt hatte. Wie Halvor nun zum Schlo&szlig; kam,
+ging er mit seinem Thier in die K&uuml;che und sagte: &raquo;Ich
+komme, um dem K&ouml;nig ein kleines Geschenk zu &uuml;berbringen,
+wenn er es nicht verschm&auml;hen wollte.&laquo; Als man dem
+K&ouml;nig das anmeldete, kam er sogleich in die K&uuml;che, und
+wie er das gro&szlig;e sch&ouml;ne Rennthier erblickte, war er dar&uuml;ber
+au&szlig;erordentlich erfreu't. &raquo;Mein lieber Freund,&laquo; sagte
+er zu Halvor: &raquo;Wer ist es, der mir ein so sch&ouml;nes Geschenk
+sendet?&laquo; &mdash; &raquo;O, das ist der Herr Peter,&laquo; sagte
+der Bursch. &raquo;Der Herr Peter?&laquo; sagte der K&ouml;nig: &raquo;wo
+wohnt er doch noch, dieser Herr Peter?&laquo; denn es d&auml;uchte
+ihm eine Schande, da&szlig; er einen solchen Mann nicht kennen
+sollte. Aber der Bursch wollt' es ihm nicht sagen; er d&uuml;rfe
+es nicht wegen seines Herrn, sagte er. Darauf gab der
+K&ouml;nig ihm ein gutes Trinkgeld und bat ihn, seinen Herrn
+von ihm zu gr&uuml;&szlig;en, und er lie&szlig;e sich auch vielmal bedanken.</p>
+
+<p>Den andern Tag lief die Katze wieder in den Wald,
+sprang einem Hirsch auf den Kopf, setzte sich ihm zwischen
+die Augen und n&ouml;thigte ihn ebenfalls durch Drohungen,
+nach des K&ouml;nigs Schlo&szlig; zu gehen. Als Peter in die
+K&uuml;che eintrat, sagte er wieder, er k&auml;me, um dem K&ouml;nig
+ein kleines Geschenk zu &uuml;berbringen, wenn er es nicht verschm&auml;hen
+wolle. Der K&ouml;nig freu'te sich &uuml;ber den Hirsch
+noch mehr, als &uuml;ber das Rennthier, und fragte, Wer es
+denn w&auml;re, der ihm ein so sch&ouml;nes Geschenk sende. &raquo;Das ist
+der Herr Peter,&laquo; sagte der Bursch. Als aber der K&ouml;nig
+wissen wollte, wo der Herr Peter wohne, bekam er wieder
+dieselbe Antwort, wie den vorigen Tag, und diesmal gab
+er Petern ein noch gr&ouml;&szlig;eres Trinkgeld.</p>
+
+<p>Den dritten Tag kam die Katze mit einem Elenthier
+an. Als Peter in die K&uuml;che auf dem Schlo&szlig; trat und
+sagte, er br&auml;chte dem K&ouml;nig ein kleines Geschenk, ward es
+dem K&ouml;nig sogleich angesagt. Wie dieser nun herauskam
+und das gro&szlig;e sch&ouml;ne Elenthier erblickte, war er dar&uuml;ber so
+voller Freude, da&szlig; er nicht wu&szlig;te, &raquo;auf welchem Bein er
+stehen wollte,&laquo; und das Mal gab er Petern ein noch weit
+gr&ouml;&szlig;eres Trinkgeld, es waren gewi&szlig; hundert Thaler. Nun
+wollte aber der K&ouml;nig durchaus wissen, wo der Herr Peter
+wohnte, und forschte und fragte auf alle m&ouml;gliche
+Weise; aber Peter sagte, er d&uuml;rfe es nicht sagen von wegen
+seines Herrn, denn der h&auml;tte es ihm so strenge verboten.
+&raquo;So sage denn dem Herrn Peter, ich lie&szlig;e ihn
+bitten, mich zu besuchen,&laquo; sagte der K&ouml;nig. Ja, sagte der
+Bursch, er wollt's wohl bestellen. Als Peter darauf zu
+der Katze kam, sagte er: &raquo;Na, Du hast mich in eine sch&ouml;ne
+Patsche gebracht! Nun will der K&ouml;nig, ich soll ihn besuchen,
+und ich habe ja nichts Anders auf den Leib zu
+ziehen, als die Lumpen, worin ich gehe und stehe.&laquo; &mdash; &raquo;O,
+sei de&szlig;wegen nicht bek&uuml;mmert!&laquo; sagte die Katze: &raquo;um drei
+Tage sollst Du Pferde und Wagen und so sch&ouml;ne Kleider
+bekommen, da&szlig; das Gold heruntertr&ouml;pfelt; dann kannst
+Du den K&ouml;nig besuchen. Aber Was Du auch beim K&ouml;nig
+siehst, so musst Du immer sagen, Du h&auml;ttest es noch
+weit sch&ouml;ner und pr&auml;chtiger zu Hause; das musst Du nicht
+vergessen.&laquo; Nein, Peter wollt's nicht vergessen. &mdash; Als
+nun die drei Tage um waren, kam die Katze mit Wagen
+und Pferden und Kleidern und Allem, was Peter gebrauchte.
+Das Alles aber war so pr&auml;chtig, wie Niemand
+Dergleichen noch gesehen hatte. Nun fuhr Peter nach dem
+Schlo&szlig;, und die Katze lief hinterher. Der K&ouml;nig empfing
+den Burschen sehr freundlich; aber Was er ihm auch zeigen
+und anbieten mochte, so sagte Peter immer, ja, das w&auml;re
+Alles recht gut, aber er h&auml;tt's doch noch weit sch&ouml;ner und
+pr&auml;chtiger zu Hause. Das wollte nun dem K&ouml;nig gar
+nicht anstehen, aber Peter blieb immer beim Alten. Zuletzt
+ward der K&ouml;nig so verdrie&szlig;lich, da&szlig; er sich nicht l&auml;nger
+halten konnte. &raquo;Nun will ich mit Dir reisen,&laquo; sagte
+er: &raquo;und sehen, ob es wahr ist, da&szlig; Du Alles so viel
+besser und sch&ouml;ner hast, als ich. Aber Gnade Dir Gott,
+wenn Du l&uuml;gst! Ich sage nicht mehr.&laquo; &mdash; &raquo;Ja, nun
+hast Du mich sch&ouml;n in die Tinte gebracht!&laquo; sagte Peter
+zu der Katze: &raquo;nun will der K&ouml;nig mit mir reisen nach
+meinem Hause, aber das ist wohl nicht gut zu finden.&laquo;
+&mdash; &raquo;La&szlig; Dich das nicht k&uuml;mmern!&laquo; sagte die Katze: &raquo;ich
+werde voranlaufen, und folge Du mir dann nur immer
+nach.&laquo; Darauf reis'ten sie fort: die Katze voran, darnach
+Peter, welcher hinter ihr her fuhr, und dann der K&ouml;nig
+mit seinem ganzen Hofstaat.</p>
+
+<p>Als sie nun ein gutes Ende gefahren waren, kamen
+sie zu einer gro&szlig;en Heerde Schafe, die hatte Wolle, so
+lang, da&szlig; sie an der Erde schleppte. &raquo;Willst Du sagen,
+da&szlig; diese Schafheerde dem Herrn Peter geh&ouml;rt, so gebe
+ich Dir diesen silbernen L&ouml;ffel,&laquo; sagte die Katze zum Hirten
+&mdash; den L&ouml;ffel aber hatte sie mit aus dem K&ouml;nigsschlo&szlig;
+genommen &mdash;. Ja, das wollte der Hirte wohl sagen. Als
+nun der K&ouml;nig gefahren kam, rief er: &raquo;Ei! ei! hab' ich
+doch nie eine so gro&szlig;e sch&ouml;ne Schafheerde gesehen! Wem
+geh&ouml;rt die, mein kleiner Bursch?&laquo; &mdash; &raquo;Die geh&ouml;rt dem
+Herrn Peter,&laquo; sagte der Bursch.</p>
+
+<p>Nach einer Weile kamen sie zu einer sch&ouml;nen gro&szlig;en
+Heerde scheckiger K&uuml;he, die waren so fett, da&szlig; sie gl&auml;nzten.
+&raquo;Willst Du sagen, da&szlig; diese Heerde dem Herrn Peter
+geh&ouml;rt, wenn der K&ouml;nig Dich fragt, so gebe ich Dir
+diesen silbernen Handzuber,&laquo; sagte die Katze zu der Dirn,
+die das Vieh trieb &mdash; den Zuber aber hatte sie auch aus
+dem Schlo&szlig; mitgenommen &mdash;. &raquo;Ja, recht gern!&laquo; sagte
+die Dirn. Als nun der K&ouml;nig gefahren kam, wunderte
+er sich sehr &uuml;ber die gro&szlig;e sch&ouml;ne Heerde; eine so sch&ouml;ne
+Viehheerde, meinte er, h&auml;tte er noch nie gesehen; und als
+er die Dirn fragte, Wem das Vieh geh&ouml;re, sagte sie: &raquo;O,
+das geh&ouml;rt alles dem Herrn Peter.&laquo;</p>
+
+<p>Ein Ende weiter hin trafen sie eine gro&szlig;e sch&ouml;ne Koppel
+Pferde an, es waren die sch&ouml;nsten Pferde, die man sehen
+konnte; alle waren sie gro&szlig; und fett, und von jeder
+Farbe waren sechs: rothe, fahle und blaue. &raquo;Willst Du
+sagen, da&szlig; diese Pferdetrift dem Herrn Peter geh&ouml;rt, wenn
+der K&ouml;nig Dich fragt, so geb' ich Dir diesen silbernen
+Abgu&szlig;,&laquo; sagte die Katze zum Hirten &mdash; den Abgu&szlig; hatte
+sie auch aus dem Schlo&szlig; mitgenommen &mdash;. Ja, der Bursch
+wollt's wohl sagen. Als nun der K&ouml;nig ankam, war er
+ganz verwundert &uuml;ber die gro&szlig;e sch&ouml;ne Pferdetrift; denn
+solche Pferde h&auml;tte er noch nie gesehen, sagte er, und als
+er den Burschen fragte, Wem alle die rothen und fahlen
+und blauen Pferde geh&ouml;rten, sagte der: &raquo;Die geh&ouml;ren alle
+dem Herrn Peter.&laquo;</p>
+
+<p>Als sie nun ein gutes Ende weiter gereis't waren,
+kamen sie zu einem Schlo&szlig;. Die erste Pforte war von
+Messing, die zweite von Silber, und die dritte von Gold.
+Das Schlo&szlig; selbst war von Silber und so blank, da&szlig;
+es Einem in den Augen weh that, wenn man es ansah;
+denn es schien grade die Sonne darauf, wie sie ankamen.
+Die Katze hatte die Gelegenheit ersehen, dem Burschen unbemerkt
+ins Ohr zu fl&uuml;stern, er solle sagen, das w&auml;re
+<span class="wide">sein</span> Schlo&szlig;. Drinnen im Schlo&szlig; aber war's noch viel
+pr&auml;chtiger, als au&szlig;en: Alles war hier von Gold, sowohl
+die St&uuml;hle, als die Tische und die B&auml;nke. Als nun der
+K&ouml;nig rings umhergegangen war und Alles genau betrachtet
+hatte, von unten und von oben, da ward er ganz besch&auml;mt.
+&raquo;Ja, der Herr Peter hat Alles weit pr&auml;chtiger, als ich,&laquo;
+sagte er: &raquo;es hilft nicht, da&szlig; man es leugnet,&laquo; und damit
+wollte er wieder fortreisen. Aber Peter bat ihn, er m&ouml;chte
+doch bleiben und bei ihm zu Abend essen. Na, das that
+denn der K&ouml;nig <b>auch</b>; aber sauer sah er die ganze Zeit.
+&mdash; W&auml;hrend sie nun bei Tische sa&szlig;en, kam der Troll gegangen,
+dem das Schlo&szlig; geh&ouml;rte, und klopfte an die Pforte. &raquo;<span class="wide">Wer
+ist es, der mein Essen verzehrt und meinen Meth
+trinkt, als w&auml;ren Schweine drinnen?</span>&laquo; rief er. Als
+die Katze das h&ouml;rte, lief sie sogleich hinaus, trat an die
+Pforte und sprach: &raquo;Wart einmal! ich will Dir erz&auml;hlen,
+wie der Bauer es mit dem Winterkorn macht,&laquo; und darauf
+erz&auml;hlte sie dem Trollen sehr weitl&auml;ufig vom Winterkorn:
+wie zuerst der Bauer seinen Acker pfl&uuml;ge, darnach
+ihn d&uuml;nge, und dann wieder pfl&uuml;ge u. s. w., bis pl&ouml;tzlich
+die Sonne aufging<a name="fn7_7r" id="fn7_7r"></a><a href="#fn7_7"><small><sup>7</sup></small></a>. &raquo;Sieh Dich mal um, dann wirst
+Du hinter Dir die sch&ouml;ne herrliche Jungfrau erblicken!&laquo;
+sagte die Katze zum Trollen. Da sah dieser sich um, erblickte
+die Sonne und barst mitten von einander<a name="fn8_8r" id="fn8_8r"></a><a href="#fn8_8"><small><sup>8</sup></small></a>.</p>
+
+<p>&raquo;Nun geh&ouml;rt Alles Dir,&laquo; sagte darauf die Katze zu
+Petern: &raquo;Jetzt aber sollst Du mir den Kopf abschlagen,
+das ist der einzige Lohn, den ich f&uuml;r die Dienste verlange,
+die ich Dir gethan habe.&laquo; Das wollte aber Peter durchaus
+nicht. &raquo;Wenn Du es nicht thust,&laquo; sagte die Katze:
+&raquo;so kratze ich Dir die Augen aus.&laquo; Da konnte Peter nicht
+anders, sondern mu&szlig;te thun, wie die Katze wollte, so sauer
+es ihm auch ankam: mit <span class="wide">einem</span> Streich hatte er ihr den
+Kopf vom Rumpf abgehau't. Da stand aber pl&ouml;tzlich vor ihm
+die sch&ouml;nste Prinzessinn, die man je gesehen hat, und Peter
+wurde augenblicklich ganz in sie verliebt. &raquo;Alle diese Herrlichkeit
+geh&ouml;rte fr&uuml;her mir,&laquo; sagte die Prinzessinn: &raquo;aber
+der Troll hatte mich verzaubert, so da&szlig; ich als Katze in
+dem Hause Deiner &Auml;ltern sein mu&szlig;te. Nun kannst Du
+thun, Was Du willst, mich zu Deiner Gemahlinn nehmen,
+oder nicht; denn nun bist Du K&ouml;nig &uuml;ber das ganze
+Reich.&laquo; &mdash; Der nicht nein sagte, das war Peter, und es
+ward eine Hochzeit gehalten und ein Gastmahl, das dauerte
+ganze acht Tage lang. Nun war ich aber nicht l&auml;nger
+bei dem Herrn Peter und der jungen K&ouml;niginn.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap29" id="kap29"></a>29.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Aase,<a name="fn9_9r" id="fn9_9r"></a><a href="#fn9_9"><small><sup>9</sup></small></a> das kleine G&auml;nsem&auml;dchen.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein K&ouml;nig, der hatte so viele G&auml;nse, da&szlig;
+er eigens eine Dirn halten mu&szlig;te, sie zu h&uuml;ten; diese
+Dirn hie&szlig; Aase, und darum nannten die Leute sie <span class="wide">Aase,
+das G&auml;nsem&auml;dchen.</span> Nun traf es sich, da&szlig; der K&ouml;nigssohn
+von England aufs Freien ausreis'te, dem setzte
+Aase sich in den Weg. &raquo;Was sitzest Du da, Du kleine
+Aase?&laquo; sagte der K&ouml;nigssohn. &raquo;Ich sitze hier und flicke
+das Zeug und setze Lappen auf Lappen,&laquo; sagte Aase: &raquo;denn
+ich warte auf den K&ouml;nigssohn von England.&laquo; &mdash; &raquo;Den
+kannst Du nicht bekommen,&laquo; sagte der Prinz. &raquo;Wenn ich
+ihn haben soll, dann werd' ich ihn wohl kriegen,&laquo; sagte
+die kleine Aase. &mdash; Es wurden nun Maler ausgesandt nach
+allen L&auml;ndern und Reichen, die sollten die sch&ouml;nsten Prinzessinnen
+abmalen, und dann wollte der K&ouml;nigssohn sich
+eine zur Gemahlinn aussuchen. Eine von ihnen gefiel ihm
+auch so gut, da&szlig; er sogleich zu ihr reis'te und um sie frei'te;
+sie sagte auch Ja und ward seine Braut, und dar&uuml;ber war
+der Prinz au&szlig;erordentlich vergn&uuml;gt. Nun hatte aber der
+Prinz einen Stein, und wenn er den vor sein Bett
+hinlegte, sagte der ihm Alles, wor&uuml;ber er ihn befragte.
+Als daher die Prinzessinn angereis't kam, sagte Aase, das
+G&auml;nsem&auml;dchen, zu ihr, wenn sie schon fr&uuml;her einen Liebsten
+gehabt h&auml;tte, oder sich wegen einer gewissen Sache,
+wovon der Prinz Nichts wissen solle, etwa nicht frei f&uuml;hle,
+so m&uuml;sse sie sich in Acht nehmen, da&szlig; sie nicht &uuml;ber den
+Stein trete, den der Prinz vor sein Bett hingelegt h&auml;tte,
+denn der sage ihm Alles. Als die Prinzessinn das h&ouml;rte,
+ward sie sehr angst und bat die kleine Aase, da&szlig; sie
+sich am Abend an ihrer Stelle zu dem Prinzen ins Bett
+legen m&ouml;chte, und wenn er dann eingeschlafen sei, wollten
+sie wieder umtauschen, so da&szlig; er am Morgen, wenn es
+hell w&uuml;rde, die Rechte bei sich h&auml;tte. Das thaten sie denn
+auch. Als Aase, das G&auml;nsem&auml;dchen, &uuml;ber den Stein trat,
+fragte der Prinz: &raquo;Wer ist es, der in mein Bett steigt?&laquo;
+&mdash; &raquo;Reine und keusche Jungfrau,&laquo; sagte der Stein, und
+darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber kam
+die Prinzessinn und legte sich an Aase's Stelle. Als sie
+aber am andern Morgen aufstanden, fragte der Prinz den
+Stein wieder: &raquo;Wer ist es, der aus meinem Bett steigt?&laquo;
+&mdash; &raquo;Eine, die schon drei Kinder gehabt hat,&laquo; sagte der
+Stein. Wie der Prinz das h&ouml;rte, wollte er sie nicht haben,
+sondern schickte sie wieder nach Hause und nahm sich
+eine andre Braut.</p>
+
+<p>Als er nun die neue Braut besuchen wollte, hatte
+Aase, das kleine G&auml;nsem&auml;dchen, sich wieder vor ihm in
+den Weg hingesetzt. &raquo;Was sitzest Du hier, Du kleine Aase?&laquo;
+sagte der Prinz. &raquo;Ich sitze hier und flicke das Zeug und
+setze Lappen auf Lappen, denn ich warte auf den K&ouml;nigssohn
+von England,&laquo; sagte Aase. &raquo;Den kannst Du nicht
+bekommen,&laquo; sagte der K&ouml;nigssohn. &raquo;Wenn ich ihn haben
+soll, dann werd' ich ihn wohl kriegen,&laquo; sagte Aase.</p>
+
+<p>Mit dieser Prinzessinn ging es nun eben so, wie
+mit der vorigen, nur mit dem Unterschied, da&szlig; der Stein,
+als sie am Morgen aufstand, sagte, sie h&auml;tte schon sechs
+Kinder gehabt. Nun wollte der Prinz auch sie nicht haben,
+sondern jagte sie wieder aus dem Hause; aber einmal,
+meinte er, wollt' er's noch versuchen, ob er nicht
+Eine finden k&ouml;nne, die noch eine reine und keusche Jungfrau
+sei. Er reis'te nun weit umher durch viele L&auml;nder,
+bis er endlich Eine fand, die er leiden mochte. Als er
+sie darauf einmal besuchte, hatte Aase, das G&auml;nsem&auml;dchen,
+sich wieder in den Weg hingesetzt. &raquo;Was sitzest Du hier,
+Du kleine Aase?&laquo; fragte der Prinz. &raquo;Ich sitze hier und
+flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn ich
+warte auf den K&ouml;nigssohn von England,&laquo; sagte Aase.
+&raquo;Den kannst Du nicht bekommen,&laquo; sagte der Prinz.
+&raquo;Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn wohl
+kriegen,&laquo; versetzte die kleine Aase.</p>
+
+<p>Als die Prinzessinn ankam, sagte Aase, das G&auml;nsem&auml;dchen,
+zu ihr eben so, wie zu den beiden ersten, wenn
+sie schon einen Liebsten gehabt h&auml;tte, oder sonst Etwas
+im Wege w&auml;re, das der Prinz nicht wissen solle, so m&uuml;sse
+sie nicht &uuml;ber den Stein treten, den der Prinz vor sein
+Bett hingelegt h&auml;tte, denn der sage ihm Alles. Wie die
+Prinzessinn das h&ouml;rte, ward sie sehr &auml;ngstlich; aber sie
+war eben so verschlagen, wie die beiden andern, und bat
+Aase, da&szlig; sie sich am Abend an ihrer Stelle zu dem
+Prinzen ins Bett legen m&ouml;chte, und wenn er eingeschlafen
+sei, wollten sie wieder umtauschen, so da&szlig; er am Morgen,
+wenn's hell w&uuml;rde, die Rechte bei sich h&auml;tte. Das thaten
+sie denn auch. Als Aase, das G&auml;nsem&auml;dchen, &uuml;ber den
+Stein trat, fragte der Prinz wieder: &raquo;Wer ist es, der in
+mein Bett steigt?&laquo; &mdash; &raquo;Reine und keusche Jungfrau,&raquo; sagte
+der Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht
+aber steckte der Prinz einen Ring an Aase's Finger, der war
+aber so drange, da&szlig; sie ihn nicht wieder abkriegen konnte;
+denn der Prinz hatte nachgerade wohl gemerkt, da&szlig; es
+nicht ganz richtig zuging, und darum wollt' er ein Zeichen
+haben, woran er die Rechte wieder erkennen k&ouml;nnte. Als
+der Prinz eingeschlafen war, kam die Prinzessinn und jagte
+Aase in den G&auml;nsestall und legte sich selbst an ihre Stelle
+ins Bett. Wie sie nun am Morgen aufstanden, und der Prinz
+fragte: &raquo;Wer ist es, der aus meinem Bett steigt?&laquo; sagte
+der Stein wieder: &raquo;Eine, die schon drei Kinder gehabt
+hat;&laquo; und als der Prinz das h&ouml;rte, ward er so b&ouml;se,
+da&szlig; er sie augenblicklich aus dem Hause jagte. Darauf
+fragte er den Stein, wie es denn mit diesen drei Prinzessinnen
+zusammenhinge, die &uuml;ber ihn gestiegen w&auml;ren.
+Da erz&auml;hlte ihm der Stein, wie die Sache sich verhielt,
+und da&szlig; die Prinzessinnen ihn betrogen und Aase,
+das kleine G&auml;nsem&auml;dchen, an ihre Stelle gelegt h&auml;tten.
+Das wollte der Prinz erst nicht glauben und ging daher
+aufs Feld, wo Aase sa&szlig; und die G&auml;nse h&uuml;tete; denn er
+wollte sehen, ob sie wohl den Ring h&auml;tte. &raquo;Hat sie den,
+so ist es wohl am besten, da&szlig; ich <span class="wide">sie</span> zur Gemahlinn
+nehme,&laquo; dachte er. Als er nun zu ihr auf's Feld kam,
+sah er, da&szlig; sie einen Lappen um ihren Finger gebunden
+hatte. Er fragte sie, warum sie das gethan h&auml;tte. &raquo;Ach,&laquo;
+sagte sie: &raquo;ich habe mich so arg geschnitten.&laquo; Der Prinz wollte
+nun durchaus den Finger sehen; aber Aase wollte den
+Lappen nicht abnehmen. Da ergriff er ihren Finger und
+hielt ihn fest, und wie Aase ihn zur&uuml;ckziehen wollte, ging
+der Lappen ab, und nun erkannte der Prinz sogleich seinen
+Ring. Da nahm er sie mit sich auf's Schlo&szlig; und gab
+ihr viele sch&ouml;ne Kleider und herrlichen Schmuck; und darauf
+hielten sie Hochzeit. So bekam nun Aase, das kleine
+G&auml;nsem&auml;dchen, den K&ouml;nigssohn von England, blo&szlig; weil
+es so bestimmt war, da&szlig; sie ihn haben sollte.</p>
+
+<hr class="narrow" />
+<h3><a name="kap30" id="kap30"></a>30.</h3>
+
+<div class="center">
+<p class="noindent"><b>Der Bursch und der Teufel.</b>
+</p>
+</div>
+
+<p>Es war einmal ein Bursch, der ging auf einem Wege
+und knackte N&uuml;sse; da fand er eine, die war wurmstichig,
+und im selben Augenblick begegnete ihm der Teufel. &raquo;Ist
+es wahr,&laquo; sagte der Bursch: &raquo;was man sagt, da&szlig; der
+Teufel sich so klein machen kann, als er will, und sich
+durch ein Nadel&ouml;hr zw&auml;ngen?&laquo; &mdash; &raquo;Ja,&laquo; antwortete der
+Teufel. &raquo;Oh! la&szlig; mich einmal sehen und kriech in diese
+Nu&szlig;!&laquo; sagte der Bursch wieder; und das that der Teufel.
+Als er durch das Loch gekrochen war, schlug der Bursch
+einen Pflock hinein. &raquo;Nun hab' ich Dich!&laquo; sagte er und
+steckte die Nu&szlig; in die Tasche. Wie er nun ein Ende
+gegangen war, kam er zu einer Schmiede, da ging er
+hinein und bat den Schmied, er m&ouml;chte ihm doch die Nu&szlig;
+entzwei schlagen. &raquo;Ja, das soll leicht gethan sein,&laquo; antwortete
+der Schmied und nahm seinen kleinsten Hammer,
+legte die Nu&szlig; auf den Ambo&szlig; und schlug zu; aber sie
+wollte nicht entzwei. Da nahm er einen etwas gr&ouml;&szlig;eren
+Hammer, aber der war auch noch nicht schwer genug; er
+nahm nun einen noch gr&ouml;&szlig;eren, aber der that's auch noch
+nicht. Da wurde der Schmied verdrie&szlig;lich und nahm den
+gro&szlig;en Hammer: &raquo;Ich werde dich gleichwohl entzwei kriegen,&laquo;
+sagte er und schlug zu, all was er konnte. Da
+zerplatzte die Nu&szlig;, da&szlig; das ganze Schmiededach abflog,
+und es krachte, als ob die H&uuml;tte umst&uuml;rzen wollte. &raquo;Ich
+glaube, der Teufel war in der Nu&szlig;!&laquo; sagte der Schmied.
+&raquo;Ja, er war drin,&laquo; sagte der Bursch.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="min" />
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p>Die von <span class="wide">P. Asbj&ouml;rnsen</span> und <span class="wide">J&ouml;rgen Moe</span> gesammelten
+norwegischen Volksm&auml;hrchen, welche hier dem Publicum in zwei
+B&auml;nden vorliegen, erschienen in der Originalsprache in einzeln
+Heften, wovon das 4te (das letzte bis jetzt erschienene Heft)
+als &raquo;des zweiten Bandes erstes Heft&laquo; bezeichnet ist; die Sammlung
+ist also noch nicht als abgeschlossen anzusehen, ungeachtet
+seit dem Erscheinen des letzten Heftes bereits drei Jahre verflossen
+sind, wogegen die drei ersten Hefte im Verlauf eines
+einzigen Jahrs erschienen. M&ouml;ge es den geehrten Herausgebern
+dieser M&auml;hrchen nicht an Aufmunterung fehlen, ihre sch&auml;tzenswerthe
+Sammlung fortzusetzen, in der das nordische Element
+so frisch und kr&auml;ftig bewahrt, und der Volkston so gut gehalten
+ist, so da&szlig; diese Sammlung sich, nach dem Urtheile gr&uuml;ndlicher
+Kritiker, als eine der w&uuml;rdigsten an die der Br&uuml;der <span class="wide">Grimm</span>
+anschlie&szlig;t.</p>
+
+<p>Da&szlig; alle diese M&auml;hrchen aus dem Munde des norwegischen
+Volkes selbst gesammelt, und nicht etwa neuere Dichtungen
+sind, bemerkt ausdr&uuml;cklich einer der Herausgeber, der Herr <span class="wide">P.
+Asbj&ouml;rnsen,</span> in der Einleitung zu seinen &raquo;<span class="wide">Huldre-Eventyr,</span>&laquo;
+eine Sammlung norwegischer Volksm&auml;hrchen, worin die neckischen
+Huldregeister, wie in den vorliegenden die ungeschlachten Trollen,
+die wichtigste Rolle spielen, welche M&auml;hrchen jedoch im
+Ganzen mehr den Charakter &ouml;rtlicher Sagen an sich tragen.
+Sobald diese Sammlung zu einem B&auml;ndchen herangewachsen ist,
+werden wir nicht unterlassen, auch diese dem deutschen Publicum
+mitzutheilen.</p>
+
+<p>Was die &Uuml;bersetzung der vorliegenden M&auml;hrchen betrifft, so
+habe ich mich, so weit es der Genius der Sprache nur erlaubte,
+genau an den Originaltext gehalten. Einzelne unbedeutende
+Ab&auml;nderungen wurden jedoch nothwendig, wenn ich nicht zu
+schleppenden und allzu erm&uuml;denden Umschreibungen meine Zuflucht
+nehmen wollte. So ist z. B. in dem M&auml;hrchen: &raquo;Der
+Gertrudsvogel&laquo; der Ausdruck <span class="wide">Levse</span> auf deutsch blo&szlig; durch
+<span class="wide">Brod</span> wiedergegeben, obgleich das nordische <span class="wide">Levse</span> sonst eine
+Art weiches mit einem runden Holze flach gerolltes Geb&auml;ck bezeichnet.
+&mdash; Die sehr oft vorkommende Redensart bei den Trollen:
+&raquo;<span class="wide">Her lugter saa christen Mands Been</span>&laquo; habe ich
+durch die in deutschen M&auml;hrchen sehr &uuml;bliche Redensart im Munde
+der Riesen: &raquo;<span class="wide">Es riecht hier so nach Menschenfleisch</span>&laquo;
+wiedergegeben; vielleicht w&auml;re es jedoch in diesem Falle richtiger
+gewesen, dem nordischen Charakter getreu, zu sagen: &raquo;<span class="wide">Es riecht
+hier so nach Christenfleisch,</span>&laquo; weil eben dadurch der unvers&ouml;hnliche
+Ha&szlig; der Trollen gegen das Christenthum sich ausspricht,
+obwohl sie &uuml;berdies auch oft als Menschenfresser erscheinen.
+Diese Bemerkung dr&auml;ngte sich mir jedoch erst auf, nachdem
+meine &Uuml;bersetzung schon gedruckt war, und es bleibt mir
+daher nur &uuml;brig, falls ich hiedurch einen wirklichen Fehler begangen
+haben sollte, um g&uuml;tige Nachsicht zu bitten. &mdash; Einzelne
+nordische Ausdr&uuml;cke, die sich durchaus nicht &uuml;bersetzen lie&szlig;en,
+wenn nicht das nordische Element g&auml;nzlich verwischt werden sollte,
+habe ich unver&auml;ndert beibehalten und in einer unten beigef&uuml;gten
+Note die Erkl&auml;rung davon gegeben.</p>
+
+<p>Schlie&szlig;lich noch meinen innigsten Dank den in <span class="wide">Kopenhagen</span>
+lebenden Norm&auml;nnern, welche mir &uuml;ber die so h&auml;ufig in dem
+Originaltexte vorkommenden norwegischen Provinzialismen die
+n&ouml;thige Aufkl&auml;rung gegeben haben. Den gr&ouml;&szlig;ten Theil dieser
+Provinzialismen habe ich durch deutsche Provinzialismen wiederzugeben
+gesucht, weil eben dadurch das Naive in der Volkserz&auml;hlung
+so charakteristisch hervortritt.</p>
+
+<p class="right"><b>F. Bresemann.</b></p>
+<p><b>Berlin</b> im October. 1846.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<h3>FUSSNOTEN &mdash; FOOTNOTES</h3>
+
+<p class="noindent"><a name="fn1_1" id="fn1_1"></a><a href="#fn1_1r">1</a>: Ein
+auf Stollen oder Pfosten &uuml;ber der Erde aufgef&uuml;hrtes
+Geb&auml;ude, das als Speisegew&ouml;lbe oder Vorrathskammer dient. Anm. d. &Uuml;bers.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn2_2" id="fn2_2"></a><a href="#fn2_2r">2</a>: Siehe Fussnote 1.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn3_3" id="fn3_3"></a><a href="#fn3_3r">3</a>: Im
+Norwegischen ist das Wortspiel: <span class="wide">Ringerige</span> und
+<span class="wide">Himmerige. Ringerige</span> hei&szlig;t &uuml;brigens eine alte Provinz
+in Norwegen.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn4_4" id="fn4_4"></a><a href="#fn4_4r">4</a>: d. i. Holzrock.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn5_5" id="fn5_5"></a><a href="#fn5_5r">5</a>: Bei
+diesem M&auml;hrchen kommt Alles auf die Betonung an,
+indem man n&auml;mlich die Stimme des Hahns und der Henne
+nachzuahmen sucht. <span class="wide">Anm. d. Verf.</span></p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn6_6" id="fn6_6"></a><a href="#fn6_6r">6</a>: <span class="wide">Lille</span>
+bedeutet: klein; <span class="wide">kort:</span> kurz.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn7_7" id="fn7_7"></a><a href="#fn7_7r">7</a>: Bekanntlich
+sind in Norwegen die N&auml;chte um die Mitte des
+Sommers nur sehr kurz, so da&szlig; die Sonne fast best&auml;ndig
+am Himmel steht. Anm. d. &Uuml;bers.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn8_8" id="fn8_8"></a><a href="#fn8_8r">8</a>: In
+der nordischen Mythologie hei&szlig;t es sonst von den <span class="wide">Schwarzelfen,</span>
+da&szlig; sie in Stein verwandelt werden, sobald die Sonne
+sie bescheint. Anm. d. &Uuml;bers.</p>
+
+<p class="noindent"><a name="fn9_9" id="fn9_9"></a><a href="#fn9_9r">9</a>: Sprich: O&szlig;e.</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="narrow" />
+<p>&nbsp;</p>
+<table class="small" border="0" style="background-color: #E6E6FA; margin: 0 auto" cellpadding="10" summary="NOTES">
+<tr>
+<td colspan="2">
+ <div class="center">TRANSCRIBER'S NOTE &mdash; ZUR KENNTNISNAHME</div>
+</td>
+</tr>
+
+<tr>
+<td valign="top">
+<p class="noindent" style="background-color: #E6E6FA">
+Contemporary spellings have generally been retained even
+when inconsistent. A small number of obvious typographical errors have been
+corrected and missing punctuation has been silently added.</p></td>
+
+<td valign="top"><p class="noindent" style="background-color: #E6E6FA">
+Zeitgen&ouml;ssische Schreibungen wurden generell beibehalten,
+auch wenn gelegentlich mehrere Variaten auftauchen.
+Einige wenige orthografische Fehler wurden korrigiert;
+fehlende Zeichensetzung wurde erg&auml;nzt.</p></td>
+</tr>
+<tr>
+ <td valign="top"><p class="noindent" style="background-color: #E6E6FA">
+The following additional changes have been made; they can be identified
+in the body of the text by a grey dotted underline:<br />
+</p></td>
+
+<td valign="top"><p class="noindent" style="background-color: #E6E6FA">
+Die folgenden zus&auml;tzlichen &Auml;nderungen wurden vorgenommen
+und sind im Text grau unterstrichelt:</p></td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">einen kleineres Stuck</td>
+ <td valign="top">einen kleineres <i>St&uuml;ck</i></td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">einenen Schluck</td>
+ <td valign="top"><i>einen</i> Schluck</td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">Tollprinz</td>
+ <td valign="top"><i>Trollprinz</i></td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">aber er er dachte</td>
+ <td valign="top">aber <i>er</i> dachte</td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">an dem Taschentuch, den</td>
+ <td valign="top">an dem Taschentuch, <i>das</i></td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">das Eimer</td>
+ <td valign="top"><i>den</i> Eimer</td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">zum Zutragen hagen</td>
+ <td valign="top">zum Zutragen <i>haben</i></td>
+</tr>
+
+<tr>
+ <td valign="top">bis ich ihn wieder aufzustehen erlaube</td>
+<td valign="top">bis ich <i>ihm</i> wieder aufzustehen erlaube</td>
+</tr>
+
+</table>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="pg" />
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMäHRCHEN I.***</p>
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
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+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
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+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
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+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+<a href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a>
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
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+ 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)
+
+EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
+
+http://www.gutenberg.org/dirs/1/0/2/3/10234
+
+or filename 24689 would be found at:
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