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+The Project Gutenberg EBook of Ueber die Geometrie der alten Aegypter. by
+Emil Weyr
+
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under
+the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or
+online at http://www.gutenberg.org/license
+
+
+
+Title: Ueber die Geometrie der alten Aegypter.
+
+Author: Emil Weyr
+
+Release Date: March 13, 2008 [Ebook #24817]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: US-ASCII
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UEBER DIE GEOMETRIE DER ALTEN AEGYPTER.***
+
+
+
+
+
+ UeBER DIE
+
+ GEOMETRIE DER ALTEN AEGYPTER
+
+ ------------------
+
+ VORTRAG
+
+ GEHALTEN IN DER
+
+ FEIERLICHEN SITZUNG DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
+
+ AM
+
+ XXIX. MAI MDCCCLXXXIV
+
+ VON
+
+ DR. EMIL WEYR
+
+ WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
+
+ ------------------
+
+ WIEN
+
+ AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
+
+ IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN,
+
+ BUCHHAeNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
+
+ 1884
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+
+Moege mir gestattet sein, bei dem heutigen feierlichen Anlasse ein Bild zu
+entrollen, welches in grossen Strichen die allgemeinen Umrisse des
+Zustandes der geometrischen Wissenschaften bei den alten Aegyptern zur
+Darstellung bringen soll; und moege dasselbe Wohlwollen, das, gepaart mit
+einer althergebrachten Sitte, mich heute auf diesen eben so ehrenvollen
+als schwierigen Platz gestellt, auch bei der Beurtheilung der folgenden
+bescheidenen, weil schwachen Kraeften entspringenden Leistung obwalten!
+
+So wie der Anfang aller menschlichen Kenntnisse, so ist auch der Ursprung
+der Geometrie in grauestes Alterthum zu versetzen, er ist zu suchen in
+jenen der Zeit nach unangebbaren Perioden der menschlichen Entwicklung, in
+welchen das erste Erwachen des Selbstbewusstseins zu finden waere. Sind
+doch manche geometrische Anschauungen auch dem Thiere eigen; so jene der
+geraden Verbindungslinie zweier Punkte als der kuerzesten Entfernung; jene
+des Mehr und Weniger bei Quantitaeten der Entfernungen, Hoehen, Neigungen,
+und so werden auch manche abstractere Raumanschauungen dem Menschen in
+seinen ersten Entwicklungsperioden eigen geworden sein, Anschauungen,
+welche durch die Moeglichkeit und auf Grund der sprachlichen Bezeichnung
+jene Stabilitaet erhielten, die sie befaehigte, als erste Fundamente der
+geometrischen Kenntnisse zunaechst, und der Geometrie als Wissenschaft
+spaeter aufzutreten.
+
+Geometrisches Denken entstand zu den verschiedensten Zeiten, an den
+verschiedensten Orten. Denn ueberall, wo der menschliche Geist sich zu
+entwickeln begann, und das menschliche Denken jene Hoehe erreichte, auf
+welcher Abstractionen entstehen, bildeten sich die grundlegenden
+Raumbegriffe; der des Punktes, der geraden und krummen Linien, der ebenen
+und krummen Flaechen. Denn ueberall in der Natur boten sich dem erwachenden
+Menschen Repraesentanten dieser Begriffe in groesserer oder geringerer
+Genauigkeit dar. Waehrend der Anblick der auf- und untergehenden Sonne,
+sowie des vollen Mondes in suedlichen Gegenden fast taeglich das Bild der
+"vollkommensten", der "schoensten" Linie, der Kreislinie vorfuehrte,
+stellten sich die zahllosen Sterne des Abends dem Auge als glaenzende
+Punkte dar, welche in ihren mannigfaltigen gegenseitigen
+Lagenverhaeltnissen die Phantasie des Menschen bei der, von ihm beliebten
+Eintheilung des Himmels in Sternbilder zur Herstellung so mancher geraden
+und krummen Linien verleiten mochten. Und selbst in seiner naechsten
+Umgebung fand der beobachtende Mensch geometrische Anklaenge; das Gewebe
+der Spinne mit seinen kreisrunden und radialen Faeden, die sechseckige
+Bienenzelle, die beim Fallen eines Koerpers in ruhendes Wasser entstehenden
+concentrischen Wellenringe, und wie vieles Andere musste, wenn auch nach
+und nach, so doch mit zwingender Nothwendigkeit den Menschen zur
+Beobachtung gesetzmaessiger geometrischer Formen fuehren.
+
+Als Mutterland der Mathematik im Allgemeinen, und der Geometrie im
+Besonderen wird Aegypten angefuehrt; doch ist die Zeit laengst vorbei, wo
+man sich Aegypten als einzigen Ursprungsort dieser Wissenschaften dachte,
+vielmehr muss als feststehend angenommen werden, dass jedes Volk in seinem
+Entwicklungsgange geometrische Anschauungen sich anzueignen schon durch
+praktische Beduerfnisse gezwungen war. Die Hoehe, zu welcher sich die
+einzelnen Voelker in ihren mathematischen Speculationen emporzuschwingen
+vermochten, hing von der Richtung des Bildungsganges, von dem Maasse des
+Beduerfnisses und nicht in letzter Reihe von dem Einfluesse religioeser
+Verhaeltnisse ab.
+
+Und so mag sich zunaechst jene Naturgeometrie entwickelt haben, welche
+allen Voelkern zugesprochen werden muss, und auf deren Vorhandensein, weil
+auf die Anwendungen ihrer freilich einfachsten Principien, Ueberreste von
+Bauten ueberall dort hinweisen, wo wir in der Lage sind, solche beobachten
+zu koennen. Die Pellasger, die vorhellenischen Ureinwohner Griechenlands,
+mussten lange vor Entstehung der Philosophie geometrische Kenntnisse in
+dem Maasse besessen haben, wie sie zur Auffuehrung von Wasserbauten,
+Daemmen, Canaelen und Burgen, von denen man jetzt noch Spuren findet,
+nothwendig waren.
+
+Verfolgt man die Entwicklung der Geometrie zu ihren Quellen aufwaerts, so
+duerfen wir nicht ueberrascht sein, dass man bei dem uns bekannten aeltesten
+Culturvolke, bei den Aegyptern, am weitesten vorzudringen vermag, und zwar
+an der Hand der indirecten wie der directen Nachrichten, welche uns ueber
+diesen Gegenstand zugekommen sind. Leider jedoch sind die Ersteren ihrem
+Inhalte und die Letzteren ihrer Zahl nach nur spaerliche zu nennen.
+
+Zahlreich sind wohl die Stellen in griechischen Philosophen und
+Geschichtschreibern, welche Bezug haben auf aegyptische Geometrie, es
+laesst sich jedoch nicht verkennen, dass oft die Spaeteren auf Fruehere sich
+stuetzen, und wir es moeglicherweise mit einer einzigen, durch Jahrhunderte
+fortgefuehrten Nachricht zu thun haben.
+
+Durch *Herodot*, welcher um die Mitte des fuenften vorchristlichen
+Jahrhunderts (460) Aegypten bereiste, erfahren wir(1), dass die Geometrie
+von Aegypten nach Griechenland verpflanzt worden sei. Etwas spaeter (393
+v. Chr.) berichtet *Isokrates* die Thatsache(2), dass die Aegypter "die
+Aelteren (unter ihren Priestern) ueber die wichtigsten Angelegenheiten
+setzten, dagegen die Juengeren beredeten, mit Hintansetzung des Vergnuegens,
+sich mit Astronomie, Rechenkunst und Geometrie zu beschaeftigen".
+
+In *Platon*'s _Phaedrus_ sagt *Sokrates*: "Ich habe vernommen, zu Naukratis
+in Aegypten sei einer der dortigen alten Goetter gewesen, dem auch der
+Vogel geheiligt ist, den sie Isis nennen, waehrend der Gott selbst den
+Namen Teuth fuehrt; dieser habe zuerst Zahlenlehre und Rechenkunst erfunden
+und Geometrie und Astronomie"(3), und einen directen Hinweis finden wir
+bei *Aristoteles*, welcher in seiner _Metaphysik_ sagt:(4) "Daher
+entstanden auch in Aegypten die mathematischen Wissenschaften, denn hier
+war den Priestern die dazu noethige Muesse vergoennt."
+
+Uebrigens schrieben sich die Aegypter neben der Erfindung der
+Buchstabenschrift auch jene der meisten Wissenschaften und Kuenste zu,
+worueber *Diodor*(5), welcher etwa 70 Jahre v. Chr. G. Aegypten bereiste,
+bemerkt: "Die Aegypter behaupten, von ihnen sei die Erfindung der
+Buchstabenschrift und die Beobachtung der Gestirne ausgegangen, ebenso
+seien von ihnen die Theoreme der Geometrie und die meisten Wissenschaften
+und Kuenste erfunden worden."
+
+Neben diesen ganz allgemein gehaltenen Angaben sind hauptsaechlich
+diejenigen Berichte zu erwaehnen, welche sich auf die Art der
+wissenschaftlichen Leistungen der Aegypter beziehen.
+
+Da sagt zunaechst *Herodot*(6) in Hinsicht auf die unter dem Koenige
+*Sesostris* durchgefuehrte Laendereintheilung: "Auch sagten sie, dass dieser
+Koenig das Land unter alle Aegypter so vertheilt habe, dass er jedem ein
+gleich grosses Viereck gegeben, und von diesem seine Einkuenfte bezogen
+habe, indem er eine jaehrlich zu entrichtende Steuer auflegte. Wem aber der
+Fluss (Nil) von seinem Theile etwas wegriss, der musste zu ihm kommen und
+das Geschehene anzeigen; er schickte dann die Aufseher, die auszumessen
+hatten, um wie viel das Landstueck kleiner geworden war, damit der Inhaber
+von dem uebrigen nach Verhaeltniss der aufgelegten Abgaben steure. Hieraus
+erscheint mir die Geometrie entstanden zu sein, die von da nach Hellas
+kam."
+
+Die, *Herodot*, dem Vater der Geschichtsschreibung folgenden
+Berichterstatter hielten sich nun, vielleicht erklaerlicherweise,
+vorzueglich an den einen, die Nilueberschwemmungen betreffenden Theil obiger
+Nachricht, und wurde, gewiss Unberechtigtermassen der Nil als der
+unmittelbare Anstoss fuer alle geometrischen Arbeiten der Aegypter
+hingestellt. Und doch scheint es uns viel naeherliegend, die einerseits
+behufs der Steuerbemessung und Controle, anderseits wegen der aus den
+Veraenderungen im Besitzstande sich nothwendig ergebenden
+Flaechenfestsetzungen als den Hauptbeweggrund jener Vermessungen zu
+erkennen, wobei die gesammelten Erfahrungen gewiss auch bei der
+Beurtheilung der unzweifelhaft nach den periodisch eintretenden
+Nilueberschwemmungen vorgekommenen Terrainveraenderungen mit Vortheil
+benutzt worden sein moegen.
+
+Unverkennbar ist der Zug nach Aufbauschung und Ausschmueckung des, jene
+Nilueberschwemmungen betreffenden Theiles des *Herodot*'schen Berichtes,
+wenn man die Aufzeichnungen spaeterer Gewaehrsmaenner naeher betrachtet.
+
+Zunaechst finden wir bei *Heron* dem Aelteren die folgende diesbezuegliche
+Stelle(7): "Die frueheste Geometrie beschaeftigte sich, wie uns die alte
+Ueberlieferung lehrt, mit der Messung und Vertheilung der Laendereien,
+woher sie Feldmessung genannt wurde. Der Gedanke einer Messung naemlich
+ward den Aegyptern an die Hand gegeben durch die Ueberschwemmungen des
+Nil. Denn viele Grundstuecke, die vor der Flussschwelle offen dalagen,
+verschwanden beim Steigen des Flusses und kamen erst nach dem Sinken
+desselben zum Vorschein, und es war nicht immer moeglich, ueber die
+Identitaet derselben zu entscheiden. Dadurch kamen die Aegypter auf den
+Gedanken einer solchen Messung des vom Nil blossgelegten Landes."
+
+Weiter finden wir bei *Diodor*(8) einen Ausspruch, durch welchen wir
+uebrigens auch ueber andere wissenschaftliche Leistungen der Aegypter
+belehrt werden; *Diodor* sagt: "Die Priester lehren ihre Soehne zweierlei
+Schrift, die sogenannte heilige, und die, welche man gewoehnlich lernt. Mit
+Geometrie und Arithmetik beschaeftigen sie sich eifrig. Denn indem der
+Fluss jaehrlich das Land vielfach veraendert, veranlasst er viele und
+mannigfache Streitigkeiten ueber die Grenzen zwischen den Nachbarn; diese
+koennen nun nicht leicht ausgeglichen werden, wenn nicht ein Geometer den
+wahren Sachverhalt durch directe Messung ermittelt. Die Arithmetik dient
+ihnen in Haushaltungsangelegenheiten und bei den Lehrsaetzen der Geometrie;
+auch ist sie denen von nicht geringem Vortheile, die sich mit Sternkunde
+beschaeftigen. Denn wenn bei irgend einem Volke die Stellungen und
+Bewegungen der Gestirne sorgfaeltig beobachtet worden sind, so ist es bei
+den Aegyptern geschehen; sie verwahren Aufzeichnungen der einzelnen
+Beobachtungen seit einer unglaublich langen Beihe von Jahren, da bei ihnen
+seit alten Zeiten her die groesste Sorgfalt hierauf verwendet worden ist.
+Die Bewegungen und Umlaufszeiten sowie die Stillstaende der Planeten, auch
+den Einfluss eines jeden auf die Entstehung lebender Wesen und alle ihre
+guten und schaedlichen Einwirkungen haben sie sehr sorgfaeltig beobachtet."
+
+Am innigsten verknuepft erscheint die Geometrie der Aegypter mit den
+Ueberschwemmungen des Nil bei *Strabon*(9); welcher bemerkt, "dass es
+einer sorgfaeltigen und bis auf das Genaueste gehenden Eintheilung
+bedurfte, wegen der bestaendigen Verwuestung der Grenzen, die der Nil bei
+seinen Ueberschwemmungen veranlasst, indem er Land wegnimmt und zusetzt,
+und die Gestalt veraendert, und die anderen Zeichen unkenntlich macht,
+wodurch das fremde und eigene Besitzthum unterschieden wird. Man muesse
+daher immer und immer wieder messen. Hieraus soll die Geometrie entstanden
+sein."
+
+Den gesellschaftlichen Einrichtungen der Aegypter entsprechend, muss als
+feststehend angenommen werden, dass sich eine Kaste, nach eben Gehoertem
+die der Priester, mit dem wissenschaftlichen Theile der Geometrie
+beschaeftigte, waehrend eine andere, die der Feldmesser, die von den
+Ersteren aufgestellten und sorgsam gehueteten geometrischen Principien
+praktisch zur Anwendung brachte. Dabei wurden, wie wir spaeter sehen
+werden, die Geheimnisse der Priester, insoweit sie geometrische Wahrheiten
+und Berechnungsregeln betrafen, moeglicherweise nur insoweit enthuellt, dass
+bei deren Verwendung nur annaeherungsweise richtige Resultate zum Vorschein
+kamen.
+
+Wohl sind einige Schriftsteller so weit gegangen, dass sie, die
+unlaeugbaren Uebertreibungen des Zusammenhanges zwischen den
+Nilueberschwemmungen und der aegyptischen Geometrie im Auge behaltend, die
+Existenz der letzteren einfach negirten, und alle die citirten Aussprueche
+in das Gebiet der Fabel verwiesen.
+
+Was macht man jedoch dann mit den wohlbeglaubigten Nachrichten ueber die
+Reisen, welche hervorragende griechische Philosophen nach Aegypten
+unternahmen, oft jahrelang dort verweilend, um sich in die Geheimnisse
+aegyptischer Priester einweihen und mit deren geometrischem Wissen
+vertraut machen zu lassen?
+
+*Eudemus von Rhodos*(10), einer der aeltesten Peripatetiker, schrieb eine
+Geschichte der Mathematik, aus welcher uns durch *Proklos Diadochus*(11),
+einen Philosophen des fuenften nachchristlichen Jahrhunderts, ein
+Bruchstueck erhalten ist, welches sozusagen das einzige Mittel bildet, das
+uns einen Einblick in die geometrischen Errungenschaften der Griechen in
+den ersten dritthalb Jahrhunderten nach *Thales* gewaehrt. Hierin heisst es
+unter Anderem: "*Thales*, der nach Aegypten ging, brachte zuerst die
+Geometrie nach Hellas hinueber und Vieles entdeckte er selbst, von Vielem
+aber ueberlieferte er die Anfaenge seinen Nachfolgern; das Eine machte er
+allgemeiner, das Andere mehr sinnlich fassbar." Hundert Jahre nach dem
+Tode des *Pythagoras* berichtet der Redner *Isokrates*(12): "Man koennte,
+wenn man nicht eilen wollte, viel Bewunderungswuerdiges von der Heiligkeit
+aegyptischer Priester anfuehren, welche ich weder allein noch zuerst
+erkannt habe, sondern viele der jetzt Lebenden und der Frueheren, unter
+denen auch *Pythagoras* der Samier ist, der nach Aegypten kam und ihr
+Schueler wurde und die fremde Philosophie zuerst zu den Griechen
+verpflanzte."
+
+Waehrend der Aufenthalt des *Pythagoras* in Aegypten unter Anderen auch
+noch von *Strabon*(13) und *Antiphon*(14) bestaetiget wird, nennt uns
+*Diodor*(15) eine ganze Reihe von Namen, indem er sagt; "Die aegyptischen
+Priester nennen unter den Fremden, welche nach den Verzeichnissen in den
+heiligen Buechern vormals zu ihnen gekommen seien, den *Orpheus*,
+*Musaios*, *Melampus* und *Daidalos*, nach diesen den Dichter *Homer*, den
+Spartaner *Lykurgos*, ingleichen den Athener *Solon* und den Philosophen
+*Platon*. Gekommen sei zu ihnen auch der Samier *Pythagoras* und der
+Mathematiker *Eudoxos*, ingleichen *Demokritos von Abdera* und *Oinopides
+von Chios*. Von allen diesen weisen sie noch Spuren auf, von den Einen
+Bildnisse von den Anderen Orte und Gebaeude, die nach ihnen benannt sind.
+Aus der Vergleichung dessen, was jeder von ihnen in seinem Fache geleistet
+hat, fuehren sie den Beweis, dass sie Dasjenige um desswillen sie von den
+Hellenen bewundert werden, aus Aegypten entlehnt haben." Aus diesen
+Stellen geht mit Sicherheit hervor, dass viele Griechen nach Aegypten
+zogen, um bei den dortigen Priestern Philosophie und Mathematik kennen zu
+lernen, da wohl in den Berichten nur die hervorragenden Maenner angefuehrt
+wurden.
+
+Der Milesier *Thales*, welcher erst in vorgeruecktem Alter, und nachdem er
+als Handelsmann frueher gewiss schon mehrmals Aegypten besucht gehabt, sich
+daselbst behufs seiner Studien zu laengerem Aufenthalt niederlies, ist
+merkwuerdiger Weise in dem Berichte des Diodor nicht angefuehrt, und koennte
+man wohl aus diesem Umstande umsomehr einen gewissen Grad von
+Unglaublichkeit ableiten, als darin mythische Namen wie *Orpheus*,
+*Daidalos* und *Homer* angefuehrt erscheinen. Diese letzteren konnten
+jedoch sehr wohl dem im Ganzen und Grossen sonst richtigen Verzeichnisse
+vom Berichterstatter eigenwillig beigefuegt worden sein, um dadurch das
+hohe Alter aegyptischer Wissenschaft in ein vorteilhaftes Licht zu setzen.
+
+Abgesehen jedoch von aller Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit
+fuer die Exactheit obiger Aussprueche in Bezug auf einzelne Namen, duerfte
+jedenfalls das als unumstoessliche Wahrheit gelten, dass die aegyptischen
+Priester von den Griechen als in den Wissenschaften, insbesondere in der
+Geometrie sehr bewandert gehalten wurden, und zwar in einem solchen
+Maasse, dass eine Reihe hervorragender griechischer Philosophen es nicht
+verschmaehte, die, fuer damalige Verhaeltnisse nicht unbedeutende Reise nach
+Aegypten zu unternehmen, ja oft jahrelang in diesem Lande mit unbekannter
+Sprache und Schrift zu verweilen, um sich die Kenntnisse der Aegypter
+anzueignen.
+
+Stellt man nun zunaechst die Frage nach Quantitaet und Qualitaet des
+geometrischen Wissens, welches die Griechen von ihren Studienreisen mit
+nach Hause brachten, so scheint dies, selbst vom Standpunkte der
+unmittelbar nachpythagoraeischen Geometrie, aeusserst Weniges gewesen zu
+sein.
+
+*Thales* von Milet, einer der sieben griechischen Weltweisen, der
+Begruender der ionischen Schule, *Thales*, welcher fuer das Jahr 585
+v. Chr. G. eine, auch eingetroffene Sonnenfinsterniss vorherzusagen
+wusste, soll, den uns von *Proklos* zugekommenen Berichten zufolge, in
+Aegypten nicht viel mehr erfahren haben, als die Saetze ueber die Gleichheit
+der Winkel an der Basis eines gleichschenkligen Dreieckes, die Gleichheit
+der Scheitelwinkel am Durchschnitt zweier Geraden; er wusste ferner, wie
+ein Dreieck durch eine Seite und die beiden anliegenden Winkel bestimmt
+erscheint, diese Eroerterung zur Messung der Entfernungen von Schiffen auf
+dem Meere benuetzend, es war ihm bekannt, dass ein Kreis durch einen
+Durchmesser halbirt wird,(16) und soll er die Hoehe der Pyramiden aus der
+Laenge des Schattens gemessen haben, hoechst wahrscheinlich in dem Momente,
+wo die Schattenlaenge eines senkrechten Stabes der Stablaenge gleich
+ist,(17) moeglicherweise jedoch, wie *Plutarch*(18) berichtet, auch zu
+einer beliebigen Tageszeit. Auch wird ihm von *Pamphile*(19) die Kenntniss
+des Satzes zugeschrieben, dass der Peripheriewinkel im Halbkreise ein
+rechter sei. Gewiss hat Thales wenigstens jene geometrischen Fundamente in
+Aegypten kennen gelernt, welche es ihm ermoeglichten, die genannten Saetze
+als wahr zu erkennen, wenn auch bei ihm, selbst bei diesen einfachen
+Dingen an einen strengen Beweis nicht gedacht werden kann.
+
+Es waere jedoch voreilig, aus der Geringfuegigkeit der Thaletischen
+geometrischen Kenntnisse mit *Montucla* (20) zu schliessen, dass auch die
+Aegypter nicht viel mehr gewusst haetten. Man kann wohl annehmen, dass die
+aegyptischen Priester bei ihrer den Fremden gegenueber beobachteten
+Zurueckhaltung nur einen Theil ihres Wissens offenbarten; wer koennte jedoch
+bemessen, in welchem Verhaeltnisse dieser Theil zu ihrem Gesammtwissen
+stand? Der Ansicht *Montucla*'s kann man entgegensetzen, dass die Aegypter
+den Fremden nur einen kleinen Bruchtheil ihres sorgsam im Verborgenen
+gehueteten Wissens preisgegeben haben mochten, wobei ferner nicht
+unberuecksichtigt bleiben darf, dass den nach Aegypten gekommenen Griechen
+auch die Unkenntniss der Sprache und der Schrift weitere, nicht zu
+unterschaetzende Schwierigkeiten bereitete, in dem Maasse als vielleicht
+Manches, was ihnen die aegyptischen Priester von aegyptischem Wissen zur
+Verfuegung stellten, unverstanden bleiben konnte.
+
+Was nun das Wesen aegyptischer Geometrie betrifft, so finden wir in den
+Berichten der Alten fast gar keine Anhaltspunkte, um uns hierueber Klarheit
+verschaffen zu koennen, und war man bis vor Kurzem darauf hingewiesen, aus
+den Anfaengen griechischer Mathematik auf den Stand der aegyptischen
+zurueckzuschliessen, was, wie aus dem Vorhergesagten folgen duerfte, mit
+nicht geringen Schwierigkeiten verbunden erscheint.
+
+Die Ansicht, dass die Geometrie der Aegypter eigentlich nur constructiver
+Natur war, aehnlich dem was wir als Reisskunst zu bezeichnen pflegen,(21)
+duerfte sich nicht als stichhaeltig erweisen; es moege jedoch gleich jetzt
+darauf hingedeutet werden, dass die Aegypter im Construiren geometrischer
+Formen nicht unbewandert sein konnten.
+
+So sagt in etwas prahlerischer Weise *Demokritos* von *Abdera*(22) um 420
+v. Chr. G.: "Im Construiren von Linien nach Maassgabe der aus den
+Voraussetzungen zu ziehenden Schluesse hat mich keiner je uebertroffen,
+selbst nicht die sogenannten Harpedonapten der Aegypter"; und *Theon* von
+*Smyrna*(23) erzaehlt, dass "Babylonier, Chaldaeer und Aegypter eifrig nach
+allerhand Grundgesetzen und Hypothesen suchten, durch welche den
+Erscheinungen genuegt werden koennte; zu erreichen suchten sie dies dadurch,
+dass sie das frueher Gefundene in Ueberlegung zogen, und ueber die
+zukuenftigen Erscheinungen Vermuthungen aufstellten, wobei die Einen sich
+arithmetischer Methoden bedienten, wie die Chaldaeer, die Anderen
+construirender wie die Aegypter".
+
+Aus diesen und aehnlichen Berichten, sowie aus dem Umstande, dass die
+Anfaenge der griechischen Geometrie selbst hauptsaechlich constructiver
+Natur waren, muss man zu dem Schlusse kommen, dass die alten Aegypter seit
+unvordenklichen Zeiten die Reisskunst pflegten, und in der langen Reihe
+der Jahrhunderte sicherlich eine ziemlich bedeutende Masse sowohl
+einfacher als complicirterer Constructionen erfanden und in ein gewisses
+System brachten, von Ersteren zu Letzteren aufsteigend. Diese
+Constructionen duerften ihrem groesseren Theile nach, und zwar jenem Theile
+nach, welcher, wenn auch ohne Begruendung Gemeingut der die Kuenste und
+Gewerbe betreibenden Kasten wurde, nur solche gewesen sein, die dem
+praktischen Beduerfnisse dienen konnten, also zumeist
+Ornamentenconstructionen. Wir bemerken hier unter Anderem das Vorkommen
+regelmaessiger geometrischer Figuren auf uralten Wandgemaelden, wie sie sich
+z. B. als faerbige Zeichnungen aus den Zeiten der fuenften Dynastie, also
+unmittelbar nach den Erbauern der Pyramiden, das ist 3400 Jahre v. Chr. G.
+etwa vorfinden.(24)
+
+Man sieht unter der grossen Menge der in dieser Zeit vorkommenden Figuren
+eine, aus verschobenen, ineinander gezeichneten, theilweise durch zu einer
+Diagonale Parallele zerlegten Quadraten zusammengesetzte Figur, ferner aus
+der Zeit von der zwoelften bis zur sechsundzwanzigsten Dynastie, eine
+Figur, bestehend aus einem Quadrate, und zwei, laengs der Diagonale
+centrisch hineingelegten lemniscatischen Curven, sowie eine
+Zusammenstellung von um fuenfundvierzig Grade gegeneinander verdrehten,
+sich durchsetzenden Quadraten. Kreise erscheinen durch ihre Durchmesser in
+gleiche Kreisausschnitte getheilt; so zunaechst durch zwei oder vier
+Durchmesser in vier beziehungsweise acht, und in spaeteren Zeiten auch
+durch sechs Durchmesser in zwoelf gleiche Ausschnitte; die in den
+Zeichnungen vorkommenden Wagenraeder besitzen zumeist sechs, seltener vier
+Speichen, so dass auch die Theilung des Kreises durch drei Diameter in
+sechs gleiche Kreisausschnitte vertreten erscheint.
+
+In einer unvollendet gebliebenen Kammer des Grabes *Seti I.*, des Vater
+*Ramses II.* aus der neunzehnten Dynastie (das sogenannte Grab
+*Belzoni*)(25) finden wir die Waende behufs Anbringung von Reliefarbeiten
+mit einem Netze gleich grosser Quadrate bedeckt, und es kann keinem
+Zweifel unterliegen, dass wir es hier mit der Anwendung eines
+Verkleinerungs- beziehungsweise Vergroesserungsmaassstabes zu thun haben.
+
+Wenn nun auch die einfachen Figuren des Dreieckes, Quadrates und des
+Kreises hoechst wahrscheinlich ohne besondere Ueberlegung, einfach dem
+inneren geometrischen Formendrange entsprungen sein duerften, so ist doch
+gewiss, dass ihre verschiedenartige Zusammensetzung zu Mustern das
+Product, wenn auch primitiven geometrischen Denkens war, welches dann
+schon eine ziemliche Selbststaendigkeit erreicht haben musste, als die
+vorerwaehnte Anwendung von Proportionalmaassstaeben in Uebung kam.
+
+Andererseits musste das oeftere Betrachten der regelmaessigen Figuren einen
+geometrisch disponirten Geist von selbst zum Aufsuchen unbekannter
+Eigenschaften derselben reizen, und vielleicht ist der Thaletische Satz
+von der Halbirung des Kreises durch einen Durchmesser nichts als eine aus
+der Betrachtung jener aegyptischen Zeichnungen gewonnene Abstraction, und
+huldigen wir in dieser Beziehung der Ansicht, dass *Thales* beim
+Ausspruche des erwaehnten, fuer uns freilich hoechst einfach klingenden
+Satzes, wahrscheinlich sagen wollte, nur der Kreis habe die ausgezeichnete
+Eigenschaft, von allen durch einen Punkt, den Mittelpunkt, gehenden
+Geraden in lauter untereinander gleiche Haelften getheilt zu werden.
+
+Von besonderer Wichtigkeit scheint uns jedoch der frueher citirte
+selbstgefaellige Ausspruch des *Demokritos* zu sein, da er uns vor einer
+ungerechtfertigten Unterschaetzung aegyptischer Constructionsgewandtheit
+bewahren kann. Bedenklich in *Demokritos*' Angabe koennte allenfalls jenes
+Selbstlob erscheinen, das er sich spendet; wenn es nun wohl auch schon im
+Alterthume Maenner geben mochte, die ihre Beruehmtheit vorzugsweise und oft
+nur der Hochschaetzung verdankten, die sie sich selbst und ihren Werken
+gezollt, Maenner, welche in der Verbreitung des eigenen Lobes so emsig, so
+unermuedlich waren, dass sich um sie als die davon Ueberzeugtesten noch ein
+Kreis von Glaeubigen bildete, welche den, oft nur auf schwankenden Fuessen
+einhergehenden Ruhm ihrer Profeten weiter fuehrten, so ist doch die
+Bedeudung des Geometers *Demokritos* durch so viele, und verschiedenen
+Quellen entspringende Aussprueche beglaubigt, dass es gewiss Niemandem
+einfallen wird, seine Autoritaet als die eines gruendlichen Kenners der
+Geometrie seiner Zeit in Zweifel zu ziehen. Wohl sind uns von den
+geometrischen Werken des *Demokritos*, und kaum von allen nur die ganz
+allgemein klingenden Titel erhalten.
+
+Waehrend uns *Cicero*(26) diesen Philosophen als einen gelehrten, in der
+Geometrie vollkommen bewanderten Mann anpreist, theilt uns *Diogenes
+Laertius*(27) mit, dass *Demokritos* "ueber Geometrie", "ueber Zahlen",
+"ueber den Unterschied des Gnomon oder ueber die Beruehrung des Kreises und
+der Kugel", sowie zwei Buecher "ueber irrationale Linien und die dichten
+Dinge" geschrieben habe, Schriften, deren Titel theilweise uns ueber ihren
+Inhalt ganz im Unklaren lassen. Legen wir den angefuehrten Zeugnissen
+Glauben bei, und es ist kein Grund vorhanden dies nicht zu thuh, so muessen
+wir von *Demokritos* als von einem "in der Geometrie vollkommenen Manne"
+voraussetzen, dass er mit den Errungenschaften des *Pythagoras*, welcher
+ein Jahrhundert vor *Demokritos* Aegypten besucht hatte, vollkommen
+vertraut war. Gewiss war ihm somit bekannt: die Methode der "Anlegung der
+Flaechen", welche wieder die Vertrautheit mit den Hauptsaetzen aus der
+Theorie der Parallelen und der Winkel, so wie die Kenntniss der
+Abhaengigkeit der Flaecheninhalte von den ihnen zukommenden Ausmaassen
+voraussetzt. Nicht minder bekannt mussten ihm die, dem *Pythagoras*
+zugeschriebenen Constructionen der fuenf regelmaessigen, sogenannten
+kosmischen Koerper sein, woraus sich weiter schliessen laesst, dass auch
+einerseits die Eigenschaften der Kugel, welcher doch jene Koerper
+eingeschrieben wurden, und anderseits die Entstehungen der regelmaessigen,
+jene Koerper begrenzenden Vielecke, vor Allem die des Fuenfeckes dem
+*Demokritos* nicht ungelaeufig sein konnten. Die Construction des Letzteren
+erheischt wiederum die Kenntniss der Lehre vom goldenen Schnitt, und diese
+den Satz vom Quadrate der Hypothenuse(28). Hat nun *Demokritos* auch
+selbst nichts Neues hinzugefuegt, so musste er doch Jenes kennen; wenn er
+nun anderseits sagt: "im Construiren haette ihn Niemand, selbst nicht die
+Harpedonapten der Aegypter uebertroffen", so duerfen wir hieraus mit
+Sicherheit schliessen, dass die geometrischen Kenntnisse der aegyptischen
+Priester bedeutend genug gewesen sein mussten, weil sich *Demokritos*
+sonst kaum gerade ueber diese Geometer gesetzt haette.
+
+Doch verlassen wir fuer jetzt die Nachrichten des griechischen Alterthums,
+welche in der Beurtheilung aegyptischer Geometrie nur Conjecturen
+zulassen, und blicken wir nach directen Denkmalen aegyptischen Ursprungs,
+aus denen vielleicht Schluesse gezogen werden koennten auf Wesen und Umfang
+aegyptischer Geometrie.
+
+Das Britische Museum bewahrt eine Papyrusrolle, welche aus dem Nachlasse
+des Englaenders *A. Henry Rhind* stammt, die derselbe nebst anderen
+werthvollen Rollen in Aegypten kaeufllich an sich gebracht haben duerfte.
+Der erwaehnte Papyrus, ein altes Denkmal aegyptischer Mathematik, ist, wie
+es scheint, nicht mit vollster Berechtigung als ein "mathematisches
+Handbuch" der alten Aegypter bezeichnet worden(29). Der fragliche Papyrus
+nennt sich selbst eine Nachahmung aelterer mathematischer Schriften, denn
+es heisst in der Einleitung: "Verfasst wurde diese Schrift im Jahre
+dreiunddreissig im vierten Monat der Wasserzeit unter Koenig Ra-a-us, Leben
+gebend nach dem Muster alter Schriften in den Zeiten des Koenigs ...at vom
+Schreiber Aahmes verfasst die Schrift."
+
+Nachdem zuerst Dr. *Birch*(30) auf diesen mathematischen Papyrus durch
+einen kurzen vorlaeufigen Bericht aufmerksam gemacht hatte, wurde der
+Gegenstand von dem ausgezeichneten Heidelberger Aegyptologen Dr.
+*Eisenlohr* einer eingehenden, hoechst schwierigen und zeitraubenden
+Untersuchung unterzogen, deren Resultate, was die Uebersetzung betrifft,
+unseren gegenwaertigen Betrachtungen zu Grunde liegen. Bezueglich des Alters
+des Papyrus hat man jenes der vorhandenen Abschrift von dem Alter des
+unbekannten Originals zu unterscheiden. Nach der von *Eisenlohr* gegebenen
+Vervollstaendigung der in der erwaehnten Einleitung auf das Wort Koenig
+folgenden Luecke, wuerde der Herrscher, unter dessen Regierung das Original
+entstanden ist, der Koenig *Ra-en-mat* sein, dessen Regierungszeit
+*Lepsius*(31) auf 2221--2179 v. Chr. G. legt. Da ferner der Name *Ra-a-us*
+in den bis dahin vorhandenen Koenigslisten nicht vorkommt, sah man sich, um
+die Zeit der Entstehung der Abschrift wenigstens annaehernd angeben zu
+koennen, darauf angewiesen, aus der bekannten Sitte der Aegypter die
+Eigennamen der eben herrschenden oder der unmittelbar vorhergegangenen
+Regenten zu gebrauchen, Schluesse zu ziehen. Und da liess der Name *Aahmes*
+des Schreibers, sowie auch die (althieratische) Schrift des Papyrus
+vermuthen, dass derselbe um 1700 v. Chr. G. entstanden sein duerfte. Die
+Vermuthung in Bezug auf das Zeitalter der Abschrift hat sich nun neueren
+Forschungen zu Folge vollkommen bestaetigt. Denn *Ra-a-us* wurde als der
+Hyksoskoenig *Apophis* erkannt, und *Aahmes* duerfte seinen Namen von dem,
+kurze Zeit dem Apophis vorhergegangenen Koenige *Amasis* entlehnt haben.
+
+Es erscheint so vollkommen sichergestellt, dass unser Papyrus aus dem
+achtzehnten Jahrhundert v. Chr. G. stammt. Die Eingangsworte des Papyrus,
+welche lauten: "Vorschrift zu gelangen zur Kenntniss aller dunklen Dinge,
+aller Geheimnisse, welche enthalten sind in den Gegenstaenden", sowie die
+Anordnung des Stoffes in Arithmetik, Planimetrie und Stereometrie, an
+welche sich ein, verschiedene Beispiele enthaltender Theil anschliesst,
+konnten im ersten Augenblicke den Gedanken aufkommen lassen, dass wir es
+vielleicht mit einem Lehrbuche der Mathematik zu thun haben. Der Umstand
+jedoch, dass der Papyrus nur die Zusammenstellung, allerdings eine in
+gewissem Grade systematische Zusammenstellung von Aufgaben nebst ihren
+Loesungen und den zugehoerigen Proben ist, ohne dass Definitionen oder
+Lehrsaetze und Beweise vorkommen wuerden, liess den Papyrus wiederum als
+eine Aufgabensammlung, als ein Anleitungsbuch fuer Praktiker erscheinen.
+Man ist noch weiter gegangen, und stellte die Ansicht auf, der Autor habe
+bei Abfassung dieser Schrift vorzueglich an Landleute, welchen die Theorie
+unzugaenglich war, gedacht. Daraufhin weise nicht nur die Formulirung des
+groessten Theiles der Aufgaben, welche Verhaeltnisse und Beduerfnisse der
+Landwirthschaft beruecksichtigen, sondern auch der Schlusssatz des Papyrus,
+welcher sagt: "Fange das Ungeziefer und die Maeuse, (vertilge) das
+verschiedenartige Unkraut, bitte Gott *Ra* um Waerme, Wind und hohes
+Wasser".
+
+Dass wir es nicht mit einem Handbuche, welches dem damaligen Standpunkte
+der mathematischen Wissenschaften in Aegypten entsprechen muesste, zu thun
+haben, ergibt sich nicht nur aus dem schon hervorgehobenen Mangel an
+Definitionen, Lehrsaetzen und Beweisen, ja es fehlt selbst jede Erklaerung,
+sondern auch aus dem Umstaende, dass neben der richtigen Loesung einzelner
+Aufgaben die unrichtigen oder unvollendeten Loesungen derselben oder
+aehnlicher Aufgaben, sowie manche Wiederholungen vorkommen. Nur nebenbei
+verweisen wir darauf, dass in einem Handbuche unzweifelhaft wenigstens
+Anklaenge an die erste der Wissenschaften des Alterthums, an die
+Astronomie, zu finden sein muessten. Doch ist von diesem Theile der
+Mathematik im Papyrus nicht die geringste Spur zu finden. Aufklaerungen
+ueber den wahren Charakter des Originals unseres Papyrus, und eine viele
+Wahrscheinlichkeit besitzende Vermuthung ueber die Entstehung der uns
+beschaeftigenden Abschrift, verdanken wir dem Scharfsinne des franzoesischen
+Aegyptologen Eugene *Revillout*.(32)
+
+Bei richtiger Erwaegung des Umstandes, dass oft auf ein fehlerlos geloestes
+Beispiel, falsche Loesungen aehnlicher Beispiele folgen, welchen sich dann
+gewoehnlich eine Reihe von Uebungsrechnungen anschliesst, Rechnungen die
+einem Schulpensum in hohem Grade aehnlich sehen, bei Betrachtung der
+Thatsache ferner, wie ein und dasselbe Zahlenbeispiel oft einigemal und
+zwar so behandelt wird, dass der Reihe nach die vorkommenden Zahlenwerthe
+als die berechneten Resultate erscheinen, draengt sich uns mit *Eugene
+Revillout* die Ueberzeugung auf, dass wir es mit dem Uebungs- oder
+Aufgabenhefte eines Zoeglings jener Unterrichtshaeuser (a.sbo) zu thun
+haben, wie deren in so manchem Papyrus Erwaehnung geschieht, und in denen
+die Schueler, welche spaeter Landwirthe, Verwalter, Feldmesser oder
+Constructeure werden wollten, mit den fuer ihre kuenftige Laufbahn
+notwendigen Rechnungsoperationen vertraut gemacht wurden. Da dieses
+Schulheft selbstverstaendlich nicht fuer die Oeffentlichkeit bestimmt sein
+konnte, so traegt es auch thatsaechlich keinen Autornamen und keine
+Jahresangabe; denn, was die in der Einleitung bezueglich der Zeitperiode,
+in welcher das Original entstanden sein sollte, gemachte Erwaehnung
+betrifft, so ist mehr als wahrscheinlich, dass dieselbe von dem
+Abschreiber *Aahmes* herruehrt, welcher das Original einige Jahrhunderte
+nach seiner Entstehung auffand, und dasselbe, der Mathematik gewiss ganz
+unkundig, sammt allen Fehlern abschrieb, zu diesen noch neue hinzufuegend.
+Nachdem *Aahmes* aus der Aehnlichkeit der Schriftart des mathematischen
+Heftes mit der Schrift anderer ihm bekannten Papyri auf das Alter des
+ersteren einen im Ganzen und Grossen nicht unrichtigen Schluss gezogen
+haben mochte, so koennen wir das Ende, vielleicht auch die Mitte des
+dritten Jahrtausends v. Chr. G. als jene Zeit betrachten, in welcher das
+Original der Abschrift entstanden sein duerfte. Ob *Aahmes* die Abschrift
+mit der viel versprechenden Einleitung und der zugleich praktischen und
+gottesfuerchtigen Schlussregel in der Absicht versehen hatte, um sie an
+irgend einen einfachen aegyptischen Landmann um gutes Geld anzubringen,
+lassen wir dahingestellt, und wiederholen nur unsere Uebereinstimmung mit
+der Ansicht, dass das Original des Papyrus neben den von einem Lehrer der
+Mathematik herruehrenden Musterbeispielen, die sehr oft verunglueckten
+Uebungen eines Schuelers enthaelt, eines Schuelers ueberdies, der nicht zu den
+hervorragenden seiner Glasse gehoert haben mochte. Und wie kostbar ist
+dennoch dieses altaegyptische Schulheft! Wenn wir in aller Eile eine Skizze
+seines Inhaltes vorfuehren sollen, so muessen wir zunaechst die sich auf acht
+Columnen der oben erwaehnten Einleitung anschliessende Theilung der Zahl 2
+durch die Zahlen von 3 bis 99 erwaehnen; jeder auftretende Bruch erscheint
+in zwei bis vier sogenannte Stammbrueche, Brueche mit dem Zaehler Eins,
+zerlegt, und sind die Nenner der letzteren meist gerade Zahlen mit einer
+groesseren Divisorenanzahl. Im Anschluss an diese Tabelle finden wir sechs
+Beispiele, in denen in Form von Brodvertheilungen die Division der Zahlen
+l, 3, 6, 7, 8 und 9 durch die Zahl 10 gelehrt wird, und es folgt hierauf
+in 17 Beispielen die sogenannte Sequem- oder Ergaenzungsrechnung, in
+welcher es sich darum handelt, Zahlenwerthe zu finden, die mit gegebenen
+Werthen durch Addition oder Multiplication verbunden, andere gegebene
+Zahlenwerthe liefern. Die naechsten 15 Beispiele gehoeren der sogenannten
+*Haurechnung* an, und finden wir in diesem Abschnitte die Loesungen
+linearer Gleichungen mit einer Unbekannten. Zwei weitere, der sogenannten
+*Tunnu-* oder Unterschiedsrechnung angehoerige Beispiele belehren uns
+darueber, dass den alten Aegyptern der Begriff arithmetischer Reihen nicht
+fremd war. Es folgen nun sieben Beispiele ueber Volumetrie, ebensoviele
+ueber Geometrie und fuenf Beispiele ueber Berechnungen von Pyramiden, also 19
+Aufgaben ueber die wir spaeter noch einige Worte sagen muessen.
+
+Hieran schliessen sich endlich dreiundzwanzig verschiedenen Materien
+entlehnte, Fragen des buergerlichen Lebens betreffende Beispiele, wie die
+Berechnung des Werthes von Schmuckgegenstaenden, abermals Vertheilungen von
+Broden oder von Getreide, Bestimmung des auf einen Tag entfallenden
+Theiles eines Jahresertrages, Berechnungen von Arbeitsloehnen,
+Nahrungsmitteln sowie des Futters fuer Gefluegelhoefe. Einer besonderen
+Ankuendigung werth erscheinen uns in dieser letzten Abtheilung zwei
+Beispiele; das eine derselben(33) laesst keinen Zweifel darueber aufkommen,
+dass den alten Aegyptern die Theorie der arithmetischen Progressionen
+vollkommen gelaeufig war, waehrend wir in dem zweiten(34) unter der
+Aufschrift "eine Leiter" die geometrische Progression von 7 hoch 1 bis 7
+hoch 5 nebst deren Summe vorfinden, wobei die einzelnen Potenzen eigene
+Namen: an, Katze, Maus, Gerste, Maass zu fuehren scheinen.
+
+Nicht unbemerkt lassen wir endlich die in den Haurechnungen auftretende
+Benuetzung mathematischer Zeichen; so nach links oder rechts
+ausschreitender Beine fuer Addition und Subtraction, drei horizontale
+Pfeile fuer Differenz, sowie endlich ein besonderes, dem unseren nicht
+unaehnliches Gleichheitszeichen.
+
+Aus dem geometrischen Theile heben wir zunaechst, der Anordnung des Papyrus
+nicht folgend, die Flaechenberechnungen von Feldern hervor. Die
+vorkommenden Beispiele beziehen sich auf quadratische, rechteckige,
+kreisrunde und trapezfoermige Felder, deren Flaecheninhalte aus ihren
+Laengenmaassen bestimmt werden. Nachdem in den Aufgaben ueber die Berechnung
+des Fassungsvermoegens von Fruchtspeichern mit quadratischer Grundflaeche
+diese letztere gefunden wird durch Multiplication der Maasszahl der Seite
+mit sich selbst, kann es gar keinem Zweifel unterliegen, dass auch die
+Flaeche des Rechteckes durch Multiplication der Maasszahlen zweier
+zusammenstossender Seiten erhalten wurde, da die Erkenntniss der
+Richtigkeit der einen Bestimmungsart, jene der Richtigkeit der anderen
+involvirt.
+
+Schon die Betrachtung solcher Proportionalmaassstaebe, wie wir sie im Grabe
+*Belzoni* bemerken konnten, haette die alten Aegypter, die mit Gleichungen
+und arithmetischen Reihen umzugehen wussten, auf die Bestimmung der Flaeche
+eines Rechteckes aus seinen beiden Seitenlaengen mit Nothwendigkeit fuehren
+muessen, und werden wir uns durch den Umstand, dass im Papyrus der
+diesbezueglichen Aufgabe eine zu ihr nicht gehoerige Loesung beigefuegt ist,
+durchaus nicht beirren lassen.
+
+Von hohem Interesse ist die, an mehreren Stellen des Papyrus vorkommende
+Methode der Flaechenberechnung eines Kreises, welche zeigt, dass die alten
+Aegypter mit ziemlicher Annaeherung den Kreis zu quadriren wussten, in der
+That zu quadriren, weil sie aus dem Durchmesser eine Laenge ableiten,
+welche als Seite ein Quadrat liefert, dessen Flaeche jener des Kreises
+gleichgesetzt wurde. Da sie acht Neuntel des Durchmessers zur Seite jenes
+Quadrates machten, so entspricht dies einem Werthe der Ludolphischen Zahl,
+welcher dem richtigen Werthe gegenueber um nicht ganz zwei Hundertstel (um
+0,018901) zu hoch gegriffen erscheint; fuer das dritte Jahrtausend
+v. Chr. G. und im Vergleiche zu dem Werth pi = 3 der Babylonier, und noch
+mehr im Vergleiche zu dem Werthe pi = 4 spaeterer roemischer Geometer,
+jedenfalls eine nicht zu unterschaetzende Annaeherung an den richtigen
+Werth.
+
+Eine Aufgabe behandelt die Flaechenbestimmung des Dreieckes, wobei das
+Resultat als das Product zweier Seitenlaengen gefunden wird. Die hier
+beigefuegte Figur(35), welche in Wirklichkeit ein ungleichseitiges
+langgestrecktes Dreieck darstellt, kann ebensowohl als die verfehlte
+Zeichnung eines rechtwinkligen wie auch eines gleichschenkligen Dreieckes
+betrachtet werden.
+
+Letztere Annahme ist von *Eisenlohr* gemacht und von *Cantor*(36)
+acceptirt worden. Darnach wuerde sich die Methode der Dreiecksberechnung
+der alten Aegypter nur als eine Naeherungsmethode darstellen, und ist auch
+von beiden genannten Gelehrten der begangene, in diesem Falle in der That
+nicht bedeutende Fehler ermittelt worden.
+
+Wir sind dagegen mit Revillout anderer Meinung.
+
+Mit Ruecksicht auf den von uns klar erkannten Charakter des Originales des
+Papyrus als eines sehr ungenauen Collegienheftes, dessen Rechnungen
+ebensosehr wie die vorkommenden Zeichnungen von der Mittelmaessigkeit
+seines Zusammenstellers beredtes Zeugniss ablegen, zweifeln wir keinen
+Augenblick, dass die fragliche Figur ein rechtwinkliges Dreieck
+vorzustellen hatte. Die mangelhafte Schuelerzeichnung ist durch den
+Copisten *Aahmes* nur noch schlechter geworden. Dass ein rechtwinkliges
+Dreieck gemeint sein soll, erkennt man uebrigens auch aus dem Umstande,
+dass in der Figur die Maasszahlen der multiplicirten Seiten bei den
+Schenkeln des, vom rechten Winkel nur wenig differirenden Winkels
+angesetzt sind, wo doch, wenn es sich haette um ein gleichschenkliges
+Dreieck handeln sollen die Maasszahl der Schenkel in der Figur gewiss bei
+beiden Schenkeln zu finden waere. Dieselben Gruende bestimmen uns zu der
+Annahme, dass die im Papyrus befindliche Flaechenberechnung eines Trapezes
+eine vollkommen richtige ist, indem es sich auch hier nur um ein Trapez
+handeln kann, dessen zwei parallelen Seiten auf einer der nicht parallelen
+Seiten senkrecht stehen. Und warum sollten denn die alten Aegypter nicht
+die richtige Art der Flaechenberechnung auch beliebiger Dreiecke gekannt
+haben?
+
+Konnte man einmal die Flaeche eines Rechteckes genau bestimmen, so musste
+sich durch einfache Anschauung eines, durch eine Diagonale zerlegten
+Rechteckes, von selbst die Regel zur Flaechenbestimmung des rechtwinkligen
+Dreieckes ergeben; und wurde nun ein beliebiges schiefwinkliges Dreieck
+durch ein Hoehenperpendikel in zwei rechtwinklige zerlegt, so war nichts
+leichter als die allgemeine Regel zur Bestimmung der Dreieckflaeche aus
+Basis und Hoehe (tepro und merit) zu entwickeln. Dass die Gewinnung des
+Hoehenperpendikels sowohl bei Constructionen als auch auf dem Felde den
+alten Aegyptern nicht unmoeglich war, folgt zunaechst aus der grossen
+Bedeutung der Winkelmaasses (hapt) fuer alle Operationen der praktischen
+Geometer Aegyptens. Nicht nur, dass wir in vielen aegyptischen Documenten
+das Winkelmaass erwaehnt finden, sieht man auch Koenige abgebildet, das
+Winkelmaass in der Hand, welches von ihnen vielleicht in derselben Weise
+durch symbolische Benuetzung geehrt wurde, wie der Kaiser von China
+alljaehrlich einmal den Pflug zu fuehren pflegt. Ein solches Winkelmaass
+sieht man uebrigens auch auf einem Wandgemaelde abgebildet, das eine
+Schreinerwerkstaette darstellt,(37) und es unterliegt keinem Zweifel, dass
+dasselbe ebensowohl zur Anlegung rechter Winkel als zum Faellen von
+Senkrechten benuetzt worden ist. Aber auch auf freiem Felde musste den
+Aegyptern die Construction rechter Winkel gelaeufig sein; sowohl die
+Pyramiden als auch die aegyptischen Tempel sind vollkommen orientirt, und
+wurde, wie uns alte Inschriften(38) belehren, die Orientirung in
+festlicher Weise vom Koenige unter Beihilfe der Bibliotheksgoettin *Safech*
+vollzogen, mit den Worten: "Ich habe gefasst den Holzpflock und den Stiel
+des Schlaegels, ich halte den Strick gemeinschaftlich mit der Goettin
+*Safech*. Mein Blick folgt dem Gange der Gestirne. Wenn mein Auge an dem
+Sternbilde des grossen Baeren angekommen ist, und erfuellt ist der mir
+bestimmte Zeitabschnitt der Zahl der Uhr, so stelle ich auf die Eckpunkte
+Deines Gotteshauses."
+
+In welchem Maasse bei diesen Operationen die von *Demokritos* so
+hochgestellten *Harpedonapten* oder Seilspanner betheiligt waren, hat
+*Cantor*(39) in hoechst scharfsinniger Weise zu beleuchten versucht, und es
+erscheint auch uns wahrscheinlich, dass sich die alten Aegypter beim
+Construiren rechter Winkel sowie beim Faellen von Senkrechten auf dem
+Felde, der Thatsache bedienten, dass der eine Winkel in einem, die
+Seitenlaengen drei, vier und fuenf besitzenden Dreiecke, ein rechter Winkel
+sein muesse. Musste ja doch dieser Satz seit unvordenklichen Zeiten auch
+den Chinesen bekannt sein, da wir ihn in der bei ihnen so beruehmten
+Schrift _Tschiu-pi_ finden, welche mehrere Jahrhunderte v. Chr. G.
+entstanden, auf den Kaiser *Tschiu-Kung* also in das Jahr 1100 v. Chr. G.
+etwa zurueckgefuehrt wird.(40) Uebrigens konnten directe Messungsversuche an
+diagonalen Linien in den Proportionalmaassstaeben sowohl zu dem erwaehnten
+als auch noch zu anderen rechtwinkligen Dreiecken mit rationalen
+Seitenlaengen gefuehrt haben, und scheint uns die Moeglichkeit nicht
+ausgeschlossen, dass der beruehmte und beruechtigte Satz des *Pythagoras*
+ueber die Quadrate der Katheten und der Hypothenuse einer eingehenden
+Untersuchung solcher Proportionalmaassstaebe entsprungen ist.
+
+Wenn wir nun einerseits behaupten, dass die alten Aegypter nicht nur die
+Flaeche des Kreises, des Quadrates, des Rechteckes, des rechtwinkligen
+sowie des schiefen Dreieckes, und unter Zuhilfenahme der Zerlegungen auch
+die Flaechen beliebiger Polygone theoretisch genau zu bestimmen im Stande
+waren, mit Ausnahme der auch fuer uns eine solche bildenden Kreisflaeche, so
+muss doch anderseits zugestanden werden, dass man sich bei praktischen
+Anwendungen mit Naeherungen begnuegte, welche im Laufe der Zeiten so
+ausarteten, dass der Gebrauch falscher Regeln ein allgemeiner wurde.
+
+Am linken Nilufer in der Mitte zwischen *Theben* und *Assuan* liegt
+*Edfu*, das alte *Appollinopolis Magna* mit einem stattlichen Tempelbau
+aus den Zeiten der Ptolomaeer. Der Tempel, hauptsaechlich dem Gotte *Horus*
+geweiht, ist mit einer freistehenden Umfassungsmauer umgeben,(41) deren
+Ostseite zwischen dem Brunnenthore und dem oestlichen Pylonfluegel eine
+Inschrift traegt, welche uns auf acht Feldern und in hundertvierundsechzig
+Columnen(42) eine Schenkungsurkunde des Koenigs *Ptolomaeus XI. Alexander
+I.* (mit dem Beinamen *Philometor*) bekannt gibt. Das Geschenk, welches
+hier *Horus* und den uebrigen Goettern von *Edfu* verliehen wird, besteht
+aus einer Anzahl von meist viereckigen Aeckern, deren vier Seitenlaengen
+nebst Flaecheninhalten angegeben erscheinen.
+
+Da jeder der vorkommenden Flaecheninhalte identisch ist mit dem Producte
+der arithmetischen Mittel der beiden Gegenseitenpaare, so wurde nach
+*Lepsius* die Vermuthung aufgestellt, die alten Aegypter haetten, um
+Vierecke bei der Flaechenbestimmung annaehernd wie Rechtecke behandeln zu
+koennen, den Unterschied der Gegenseiten dadurch auszugleichen gesucht,
+dass sie die arithmetischen Mittel derselben in Rechnung zogen.
+
+Bei sehr vielen der in der *Edfu*er Schenkungsurkunde vorkommenden
+Vierecke ist der Unterschied je zweier Gegenseiten entweder Null oder
+verhaeltnissmaessig so klein, dass man den betreffenden Vierecken eine vom
+Rechtecke wenig verschiedene Gestalt beilegen kann, und die erhaltenen
+Resultate somit eine ziemliche Annaeherung an den richtigen Flaechenwerth
+darstellen duerften, nach dem man mit Ruecksicht auf die bei *Sesostris*
+bemerkte Eintheilung des Landes in Rechtecke voraussetzen darf, gerade
+diese oder eine ihr zunaechst kommende Form der Felder sei die auch damals
+schon beliebte gewesen.
+
+Doch kommen auch Vierecke vor, wo der Laengenunterschied der Gegenseiten
+ein bemerkenswerther ist; ja es werden auch Dreiecke als Vierecke mit
+einer verschwindenden Seite behandelt, so dass der begangene Fehler in
+manchen Faellen ein nicht unbedeutender ist.
+
+Nur nebenbei bemerken wir, dass man dieselbe unrichtige Flaechenformel fuer
+das Viereck erhaelt, wenn man dasselbe zunaechst durch eine Diagonale in
+zwei Dreiecke zerlegt, auf jedes dieser Dreiecke die unrichtige
+Flaechenformel, die den Inhalt als das halbe Product der beiden Seiten
+liefert, anwendet, die beiden so erhaltenen Dreiecksflaechen addirt und
+dann aus dieser Summe und jener, welche man bei dem aehnlichen Vorgange
+durch Zerlegung mittelst der zweiten Diagonale erhaelt, das arithmetische
+Mittel construirt.
+
+Nimmt man mit *Eisenlohr* und *Cantor* an, dass die Aegypter die
+Dreiecksflaeche wirklich dem halben Producte zweier Seiten gleichsetzten,
+so steht man vor der Frage, warum nicht in derselben Art die Flaechen der
+in der *Edfu*er Schenkungsurkunde auftretenden Dreiecke bestimmt
+erscheinen?
+
+Uebrigens wolle man sich darueber nicht wundern, dass es ueberhaupt moeglich
+war, die Flaechenberechnungen im praktischen Leben nach einer so falschen
+Methode durchzufuehren. Wissen wir doch, dass im Alterthume, zur Zeit
+*Platon*s, einer der gebildetsten Maenner, einer der hervorragendsten
+Geschichtschreiber, dass *Thukydides*(43) in seiner Unkenntniss der
+Beziehung zwischen Flaecheninhalt und Umfang, die Flaeche einer Insel nach
+der zu ihrer Umschiffung nothwendigen Zeit zu bestimmen suchte; in der
+Geometrie *Gerbert*'s,(44) des nachmaligen Papstes *Silvester II.* finden
+wir, 1000 Jahre nach Chr. G., die Flaeche eines gleichschenkligen Dreieckes
+durch Multiplication des Schenkels mit der halben Basis berechnet, wo doch
+schon *Hero von ** Alexandrien*(45) 1100 Jahre frueher die richtige Formel
+fuer diese Berechnung kennt.
+
+Wir beruehren diese Thatsachen, und koennten noch eine ganze Reihe aehnlicher
+Beispiele anfuehren, nur um zu zeigen, wie uebereilt es waere, aus den oft
+nur schwache Annaeherungen liefernden Berechnungen der *Edfu*er
+Schenkungsurkunde schliessen zu wollen, die richtigen Methoden seien den
+in die Wissenschaften eingeweihten aegyptischen Priestern nicht bekannt
+gewesen.
+
+Doch zurueck zum Papyrus *Rhind*.
+
+Wir uebergehen die Inhaltsbestimmungen von Fruchthaeusern, bei denen der
+Inhalt durch Multiplication einer Flaeche mit einer Laenge bestimmt wird,
+weil wir es fuer muessig halten, Eroerterungen darueber anzustellen, welche
+Flaechen und Laengen hiebei gemeint sind, so lange uns ueber die Form jener
+Fruchthaeuser oder Speicher nichts bekannt ist.
+
+Dagegen erwecken die im Papyrus vorkommenden Pyramiden-Berechnungen das
+hoechste Interesse, besonders nach den glaenzenden Untersuchungen, welchen
+*Revillout* diesen Gegenstand unterzogen hat, und deren Resultate wir,
+entgegen der von *Eisenlohr* ausgesprochenen und auch von *Lepsius*(46)
+acceptirten Ansicht als solche betrachten, welche in einfacher und
+natuerlicher Weise die sogenannte *Seket*-Rechnung der alten Aegypter
+beleuchten.
+
+Es wird in diesen Rechnungen die Boeschung der Seitenflaechen einer
+quadratischen Pyramide dadurch fixirt, dass jener Theil der Laenge eines
+der beiden gleichlangen Schenkel des Winkelmaasses berechnet wird, der
+sich zur Laenge des anderen Schenkels so verhaelt, wie die halbe Laenge der
+Basisseite der quadratischen Pyramide zur Hoehe derselben.
+
+Zu dem Behufe war der eine der beiden Schenkel des Winkelmaasses in eine
+gewisse Anzahl gleich grosser Theile getheilt, waehrend der andere
+Schenkel, der Pyramidenhoehe entsprechend, und als Einheit betrachtet,
+ungetheilt blieb.
+
+Um nun den sogenannten *Seket* zu bestimmen, wurde die halbe Laenge der
+Basisseite durch die Pyramidenhoehe dividirt und mit dem erhaltenen
+Quotienten die Anzahl der Theile des horizontalen, getheilten Schenkels
+des Winkelmaasses multiplicirt.
+
+Es war somit der Seket (welcher in derselben Art fuer einen geraden
+Kreiskegel aus dem Durchmesser der Basis und der Hoehe bestimmt erscheint)
+als Verhaeltniss aufgefasst, die goniometrische Cotangente des
+Neigungswinkels der Seitenflaeche der Pyramide, respective der Kegelkante
+zur Basis.
+
+Wenn wir selbstverstaendlich weit davon entfernt sind, hierin vielleicht
+Anfaenge der Trigonometrie sehen zu wollen, so erkennen wir doch
+anderseits, dass den alten Aegyptern auch die Lehre proportionaler Linien,
+wenigstens in ihren Anwendungen, bekannt gewesen sein musste, und
+erscheint uns auch der am Eingange erwaehnte Ausspruch ueber die dem
+Milesier *Thales* zugeschriebene Hoehenmessung der Pyramiden als ein ganz
+glaubwuerdiger, wenn wir sehen, wie im Papyrus von den drei Werthen: Basis,
+Hoehe, Seket, jeder aus den beiden anderen berechnet erscheint.
+
+Fassen wir nun die Ergebnisse unserer Betrachtungen zusammen, so muessen
+wir aus der quellenmaessig erwiesenen grossen Bewunderung, welche die
+ausgesprochen geometrisch hochentwickelten Griechen den aegyptischen
+Geometern rueckhaltlos zollten, wir muessen aus der unanfechtbaren
+Thatsache, dass griechische Geometer den Grund zu ihren Kenntnissen und
+Entdeckungen in Aegypten suchten und fanden, wir muessen im Hinblicke auf
+das, aus der nun vollends entzifferten[42] *Edfu*er Schenkungsurkunde sich
+mit Sicherheit ergebende ausgebreitete und fest organisirte Katasterwesen
+der alten Aegypter, welches zugleich mit den zahlreichen, dem oeffentlichen
+Leben dienenden Land- und Wasserbauten auf eine verhaeltnissmaessig
+bedeutend entwickelte Vermessungskunde hinweist, wir muessen endlich aus
+dem von uns besprochenen Papyrus, der sich als eine ungenaue Abschrift
+eines mangelhaften, aus dem dritten Jahrtausend vor Chr. G. stammenden,
+mathematischen Collegien- oder Aufgabenheftes erweist, und aus dessen
+Vorhandensein sich fast mit Gewissheit auf damals existirende, neben den
+Regeln auch ihre Ableitungen enthaltende Lehrbuecher schliessen laesst, wir
+koennen und muessen aus allen diesen Umstaenden den allgemeinen Schluss
+ziehen, dass bereits drei Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung sowohl die
+arithmetischen, als auch die geometrischen Kenntnisse der Aegypter, einen
+fuer dieses Zeitalter bedeutenden Grad der Entwicklung besassen.
+
+Insbesondere koennen wir in jenen fernen Zeiten eine staunenswerth
+weitgehende Annaeherung bei der Berechnung der Kreisflaeche beobachten, wir
+finden mit vollstaendiger Sicherheit richtige Flaechenbestimmungen des
+Quadrates, Rechteckes und des rechtwinkligen Dreieckes; hoechst
+wahrscheinlich auch richtige Bestimmungen der Flaechen schiefwinkliger
+Dreiecke und Vierecke, welche im praktischen Leben durch leichter zu
+handhabende Annaeherungsformeln ersetzt wurden; wir sehen Bestimmungen des
+Rauminhaltes durch ihre Dimensionen gegebener Koerper und erkennen die
+Anfaenge der Aehnlichkeitslehre.
+
+Was das geometrische Zeichnen betrifft, so kennen wir schon die
+Construction der frueher beobachteten regelmaessigen Figuren und duerfen
+weiter vermuthen, dass die Anlegung rechter Winkel und das Faellen von
+Senkrechten sowohl mittelst des Winkelmaasses als auch mittelst rationaler
+rechtwinkliger Dreiecke bekannt, und die Zerlegung gegebener Flaechen
+behufs ihrer Inhaltbestimmung in allgemeiner Verwendung war.
+
+Gewiss werden auch theoretische Resultate bekannt gewesen sein; so die
+Haelftung des Kreises durch seinen Durchmesser, die sich aus der
+besprochenen Seketrechnung von selbst ergebende Winkelgleichheit an der
+Basis gleichschenkliger Dreiecke und gleichseitiger quadratischer
+Pyramiden, und wohl noch manches Andere.
+
+Moege es gelingen, durch Auffindung neuer, sowie durch Entzifferung der,
+noch ihrer Erklaerung harrenden Denkmale und Schriften, von welchen
+letzteren, Dank der hohen Munificenz des Erlauchten Curators unserer
+Akademie, auch Wien eine imposante Zahl aufweisen kann, moege es so
+gelingen noch weitere Anhaltspunkte fuer die Kenntniss der mathematischen
+Thaetigkeit des uns bekannten aeltesten Culturvolkes, der Aegypter zu
+gewinnen!
+
+Diesen unseren Wunsch theilen gewiss Alle, denen die Erforschung der
+Culturgeschichte des menschlichen Geschlechtes nicht ohne Wichtigkeit
+erscheint!
+
+
+
+
+
+ 1 HERODOT, _Reisebericht_, II, 109.
+
+ 2 ISOKRATES, _Busiris_, c. 9.
+
+_ 3 Platonis__ Phaedrus_, ed. Ast. I. p. 246.
+
+ 4 ARISTOTELES, _Metaph. I_, 1.
+
+ 5 DIODOR, I, 69.
+
+ 6 Herodot l. c.
+
+_ 7 Heronis Alexandr.__ geom. et stereom. reliquiae_, ed. Hultsch. p.
+ 138.
+
+ 8 DIODOR, I, 81.
+
+ 9 STRABON, ed. Meinike, lib. XVII, C. 787, p. 1098.
+
+_ 10 Eudemi Rhodii__ Peripatetici fragmenta quae supersunt_. ed. L.
+ Spengel. Berlin 1870.
+
+_ 11 Procl.__ comment._ ed. Rasil. p. 19; _Barocius_ p. 37.
+
+ 12 ISOKRATES, _Busiris_, cap. 11.
+
+ 13 STRABON, XIV, 1. 16.
+
+ 14 PORPHYRIUS, _De vita Pythagorae_ cap. 7; DIOGENES LAERTIUS, VIII, 3.
+
+ 15 DIODOR, I, c. 96.
+
+ 16 PROKLOS, ed. Friedlein, 250, 299, 352, 157.
+
+ 17 DIOGENES LAERTIUS, I, 27. PLINIUS, _Hist. nat._ XXXVI, 12, 17.
+
+ 18 PLUTARCH, ed. Didot. Vol. 2, III, p. 174.
+
+ 19 DIOGENES LAERTIUS I, 24--25.
+
+ 20 MONTUCLA, _Hist. d. math._ 2. edit. t. I, p. 49.
+
+ 21 BRETSCHNEIDER, _Die Geometrie und die Geometer vor Euklides_, p. 11.
+ Dem Werke Bretschneiders, sowie jenem CANTOR's: _Vorlesungen ueber
+ Geschichte der Mathematik_, sind die grundlegenden Gedanken
+ entnommen.
+
+ 22 CLEMENS ALEXANDRINUS, _Stromata_, ed. Potter, I, 357.
+
+ 23 THEON SMYRNAIOS, _lib. de astron._ ed. Martin, p. 272.
+
+ 24 PRISSE D'AVENNES, _Hist. de l'art Egypt. d'apres les monuments._
+
+ 25 WILKINSON, _Manners and customs of the ancient Egyptians_, III, p.
+ 313.
+
+ 26 CICERO, _De finibus bonorum ed malorum_ I, 6, 20.
+
+ 27 DIOGENES LAERTIUS IX, 47.
+
+ 28 CANTOR, _Vorlesungen ueber Geschichte der Mathematik_, I, p. 144--159
+ (Leipzig 1880).
+
+ 29 EISENLOHR, _Ein math. Handbuch der alten Aegypter_. Leipzig 1877.
+
+ 30 BIRCH, in Lepsius' _Zeitschrift fuer aegypt. Sprache und Alterthum_,
+ 1868, p. 108.
+
+ 31 LEPSIUS, _aegypt. Zeitschrift_, 1871, p. 63.
+
+ 32 REVILLOUT, EUGENE, _Revue Egyptologique_, 1881, Nr. II et III, p.
+ 304.
+
+ 33 EISENLOHR, _Ein math. Handbuch der alten Aegypter_. Nr. 64.
+
+ 34 ibid. Nr. 79.
+
+ 35 ibid. p. 125.
+
+ 36 CANTOR, _Vorlesungen aus der Geschichte der Mathematik_, I, p. 49.
+
+ 37 WILKINSON, _Manners and customs u. s. w._ III., p. 144.
+
+ 38 BRUGSCH, _Ueber Bau und Maasse des Tempels von __Edfu_ (_Zeitschrift
+ fuer aegypt. Sprache u. Alterth._ Bd. VIII.)
+
+ 39 CANTOR, _Vorlesungen u. s. w._ I, p. 55.
+
+ 40 ED. BIOT, _Journal Asiatique_, Paris 1841, I. Sem. p. 593.
+
+ 41 LEPSIUS, _Ueber eine hieroglyphische Inschrift am Tempel von
+ __Edfu_. _Abhandlung d. Acad. d. Wiss. in Berlin_, 1855, p. 69.
+
+ 42 BRUGSCH, _Thesaurus III_, Leipzig 1884.
+
+ 43 THUKYDIDES, ed. Rothe, VI. 1.
+
+ 44 ed. Olleris, Cap. LXX. p. 460.
+
+_ 45 Heronis Alexandrini__ geometricorum et stereometricorum reliquiae_
+ (ed. Hultsch, Berlin 1864).
+
+ 46 LEPSIUS, _Ueber die 6palmige grosse Elle von 7 kleinen Palmen Laenge
+ in dem "math. Handbuche" von Eisenlohr_. (_Zeitschrift f. aeg. Sp._
+ 1884. 1. Heft.)
+
+
+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UEBER DIE GEOMETRIE DER ALTEN AEGYPTER.***
+
+
+
+CREDITS
+
+
+March 13, 2008
+
+ Project Gutenberg TEI edition 01
+ * R. Stephan*
+
+
+
+A WORD FROM PROJECT GUTENBERG
+
+
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+or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
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+by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project
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+copyright holder found at the beginning of this work.
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+terms from this work, or any files containing a part of this work or any
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+work, or any part of this electronic work, without prominently displaying
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+ already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to
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+ required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments
+ should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4,
+ Information about donations to the Project Gutenberg Literary
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+ You must require such a user to return or destroy all copies of the
+ works possessed in a physical medium and discontinue all use of and
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+
+ You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
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+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
+ receipt of the work.
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+ distribution of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works.
+
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+
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+work or group of works on different terms than are set forth in this
+agreement, you must obtain permission in writing from both the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael Hart, the owner of the
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} trademark. Contact the Foundation as set forth in
+Section 3 below.
+
+
+1.F.
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+
+1.F.1.
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+efforts, Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works, and the medium on which they
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+lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a
+refund in writing without further opportunities to fix the problem.
+
+
+1.F.4.
+
+
+Except for the limited right of replacement or refund set forth in
+paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+
+1.F.5.
+
+
+Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the
+exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or
+limitation set forth in this agreement violates the law of the state
+applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make
+the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state
+law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement
+shall not void the remaining provisions.
+
+
+1.F.6.
+
+
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+owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works in accordance with this agreement, and
+any volunteers associated with the production, promotion and distribution
+of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works, harmless from all liability, costs
+and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from
+any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of
+this or any Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work, and (c) any Defect
+you cause.
+
+
+Section 2.
+
+
+ Information about the Mission of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} is synonymous with the free distribution of electronic
+works in formats readable by the widest variety of computers including
+obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the
+efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks
+of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance
+they need, is critical to reaching Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}'s goals and ensuring
+that the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection will remain freely available for
+generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation was created to provide a secure and permanent future for
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} and future generations. To learn more about the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations
+can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at
+http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3.
+
+
+ Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of
+Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service.
+The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541.
+Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. Contributions to the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full
+extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North
+1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information
+can be found at the Foundation's web site and official page at
+http://www.pglaf.org
+
+For additional contact information:
+
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4.
+
+
+ Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive
+ Foundation
+
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} depends upon and cannot survive without wide spread
+public support and donations to carry out its mission of increasing the
+number of public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form accessible by the widest array of equipment
+including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are
+particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United States.
+Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable
+effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these
+requirements. We do not solicit donations in locations where we have not
+received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or
+determine the status of compliance for any particular state visit
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we have
+not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against
+accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us
+with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make any
+statements concerning tax treatment of donations received from outside the
+United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods
+and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including
+checks, online payments and credit card donations. To donate, please
+visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5.
+
+
+ General Information About Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works.
+
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+concept of a library of electronic works that could be freely shared with
+anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions,
+all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright
+notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance
+with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook
+number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed
+(zipped), HTML and others.
+
+Corrected *editions* of our eBooks replace the old file and take over the
+old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+*Versions* based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}, including how
+to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation,
+how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email
+newsletter to hear about new eBooks.
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+***FINIS***
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