summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/24172-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '24172-8.txt')
-rw-r--r--24172-8.txt5109
1 files changed, 5109 insertions, 0 deletions
diff --git a/24172-8.txt b/24172-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..95d367c
--- /dev/null
+++ b/24172-8.txt
@@ -0,0 +1,5109 @@
+The Project Gutenberg EBook of Einführung in die moderne Logik. Erster
+Teil. by Goswin Uphues
+
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under
+the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or
+online at http://www.gutenberg.org/license
+
+
+
+Title: Einführung in die moderne Logik. Erster Teil.
+
+Author: Goswin Uphues
+
+Release Date: January 5, 2008 [Ebook #24172]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO 8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINFÜHRUNG IN DIE MODERNE LOGIK. ERSTER TEIL.***
+
+
+
+
+
+Einführung in die moderne Logik. Erster Teil.
+
+
+by Goswin Uphues
+
+
+
+
+Edition 1 , (January 5, 2008)
+
+
+
+
+
+ Der
+
+ Bücherschatz des Lehrers.
+
+
+
+ Wissenschaftliches Sammelwerk
+
+ zur intellektuellen und materiellen Hebung
+
+ des Lehrerstandes.
+
+
+
+ Unter Mitwirkung massgebender Fachgelehrter und Schulmänner
+
+ herausgegeben
+
+ von
+
+ K. O. Beetz,
+
+ Schuldirektor in Gotha
+
+
+
+ Fünfter Band.
+
+ Einführung in die moderne Logik.
+
+ ------------------
+
+ Osterwieck/Harz.
+
+ Verlag von A. W. Zickfeldt.
+
+ 1901.
+
+
+
+
+
+ Einführung in die moderne Logik.
+
+ ------------------
+
+ Von
+
+ Goswin Uphues
+
+ Professor an der Universität Halle.
+
+ ------------------
+
+ Erster Teil:
+
+ Grundzüge der Erkenntnistheorie.
+
+ ------------------
+
+ Osterwieck/Harz.
+
+ Verlag von A. W. Zickfeldt.
+
+ 1901.
+
+
+
+
+
+
+VORWORT.
+
+
+ ------------------
+
+Wer die Entwicklung der philosophischen Forschung der letzten zehn Jahre
+mit aufmerksamem Blicke verfolgte, dem konnte es nicht entgehen, dass in
+der Auffassung des Verhältnisses von Psychologie und Logik eine Wandlung
+eintrat oder sich wenigstens anbahnte. Anfangs hatte es den Anschein, als
+ob die Psychologie die Stellung einer ersten und herrschenden Disciplin
+erhalten sollte. Das Erkennen und Denken sind doch Bewusstseinsthatsachen
+und anderseits Voraussetzungen aller Wissenschaften und somit auch der
+Philosophie. Was lag näher, als die Wissenschaft von den
+Bewusstseinsthatsachen, die Psychologie, als grundlegende philosophische
+Disciplin zu betrachten, ja noch mehr, sie zur Grundlage aller
+Wissenschaften zu machen. Allmählich aber brach sich der Gedanke Bahn,
+dass vom Erkennen und Denken als Bewusstseinsthatsachen das Erkannte und
+Gedachte sorgfältig unterschieden werden müsse und dass die Untersuchung
+hierüber eher das Recht in Anspruch nehmen könne als Voraussetzung aller
+Wissenschaften und als grundlegende philosophische Disciplin zu gelten. So
+trat die Logik an die Stelle der Psychologie; sie nahm wieder, wie ehemals
+in der Philosophie, unter den philosophischen Disciplinen die erste Stelle
+ein. Aber Hand in Hand damit ging auch eine andere Auffassung der Logik.
+Man begnügte sich nicht mehr mit einer Behandlung der blossen Formen des
+Denkens, sondern Fragen, die den Inhalt des Denkens und Erkennens, das
+Gedachte und Erkannte betreffen, wurden in immer grösserer Zahl in die
+Logik hineingezogen. Die Logik wurde aus einer formalen Disciplin, zu der
+sie unter dem Einflusse Kants geworden war, in eine erkenntnistheoretische
+Disciplin umgestaltet. Das hatte seinen Grund nicht bloss in der
+Entwicklung der philosophischen Forschung, sondern wird auch durch die
+Natur der Sache gefordert.
+
+Verstehen wir unter Logik die Wissenschaft vom Denken, so ist doch nicht
+alles Denken Gegenstand der Logik, sondern nur das Denken, durch welches
+aus dem im Bewusstsein Gegebenen Erkenntnisse werden, das Denken also, das
+seinen Zweck im Erkennen hat und ihm als Mittel dient. In der Logik ist
+also das Denken dem Erkennen untergeordnet. Die Logik ist in erster Linie
+Erkenntnislehre und erst in zweiter Linie Denklehre. _Was heisst Erkennen?
+Was können wir erkennen?_ Das sind die Fragen, welche die Logik vor allem
+zu beantworten hat. Ihre erste Aufgabe ist, den Begriff des Erkennens nach
+seinem Inhalt und Umfang zu bestimmen.
+
+Aber das Erkennen ist eine Thätigkeit, die sich auf ein Ziel richtet.
+Dieses Ziel ist die Wahrheit. Eine solche Thätigkeit setzt die Erkenntnis
+des Zieles, seiner Erreichbarkeit und der Normen, die sie zu befolgen hat,
+voraus. Was Erkennen heisst, können wir nur bestimmen, wenn wir wissen,
+was Wahrheit ist (Definition der Wahrheit), wie wir sie erreichen können
+(Kennzeichen der Wahrheit), welche Regeln wir zu diesem Zwecke beobachten
+müssen (Gesetze des Erkennens). Die Untersuchungen über den Begriff der
+Wahrheit, über das Kennzeichen der Wahrheit und über die Gesetze des
+Erkennens, wie ich sie in der vorliegenden Schrift dargestellt habe,
+machten seit 1896 den ersten Teil meiner in jedem Sommer gehaltenen
+Vorlesungen über Logik aus. Sie erscheinen hier um ein Beträchtliches
+vermehrt, nämlich um den ganzen vierten Abschnitt dieser Schrift, der vom
+Umfange unsers Wissens handelt. In diesem Abschnitte beantworten wir die
+zweite Frage der Erkenntnistheorie: Was können wir erkennen? während die
+Untersuchungen über die Definition der Wahrheit, das Kennzeichen der
+Wahrheit und die Gesetze des Erkennens, die drei ersten Abschnitte dieser
+Schrift umfassend, die erste Frage der Erkenntnistheorie: Was heisst
+Erkennen zu beantworten suchen.
+
+Die Auffassung der Logik als erkenntnistheoretischer Disciplin ist eine
+Wendung zum Besseren. Allein rücksichtlich dessen, was Erkenntnistheorie
+zu leisten hat und leisten kann, gehen die Meinungen weit auseinander. Das
+Erkennen im gewöhnlichen von allen wissenschaftlichen Forschern mit
+Ausnahme einiger Erkenntnistheoretiker angenommenen Sinne hat eine
+_metaphysische_ Bedeutung. Die Wahrheit ist ein metaphysischer Begriff.
+Was wahr ist, ist nur wahr, weil es für alle Zeit und darum für die
+Ewigkeit gilt. Nur darum gilt es auch für alle Denkenden. Wirklich ist
+etwas nur, weil es an diesem Ewigkeitscharakter der Wahrheit teilnimmt.
+Diesem Begriff der Wahrheit möchten viele um jeden Preis aus dem Wege
+gehen, obgleich er in jeder ernstgemeinten Behauptung wiederkehrt und
+natürlich von allen wissenschaftlichen Forschern ausser einigen
+Erkenntnistheoretikern, wenn auch unbewusst, festgehalten wird. Man greift
+zu allerlei Kunststücken, beginnt mit der Umdeutung und endet mit der
+Wegdeutung dieses Begriffs -- alles aus Scheu vor der Metaphysik. Man hat
+das Gefühl, diese Forscher wandern an einem Abgrunde in beständiger
+Furcht, in ihn hineinzufallen. Der Abgrund heisst Metaphysik. Oft werden
+sie vom Schwindel ergriffen und fallen wirklich hinein. Der Begriff der
+Wahrheit lässt sich eben nicht unterdrücken. Aber alsbald arbeiten sie
+sich wieder in die Höhe und setzen ihre gefährliche Wanderung fort. Ihre
+mühselige Arbeit macht einen trostlosen Eindruck. Das Ergebnis ist ein
+unfruchtbarer Formalismus.
+
+Kant wollte das Wissen beseitigen, um dem Glauben Raum zu schaffen. Hätte
+er diesen Gedanken weiter verfolgt, dann würde er zu einer Würdigung der
+geschichtlichen Erkenntnisse gekommen sein, die wir bei dem grossen Denker
+vermissen. Denn die Glaubensüberzeugungen gehören zu den geschichtlichen
+Erkenntnissen. Für unsere modernen Formalisten hat dieser Gedanke Kants
+keinen Wert, sie empfinden ihn als des grossen Kant unwürdig. Folgerichtig
+darf man darum auch bei ihnen keine Würdigung der geschichtlichen
+Erkenntnisse erwarten. Es scheint oft, als ob sie durch die
+Erkenntniskritik nur der vergötterten Naturwissenschaft freie Bahn machen
+wollen und als ob diese an die Stelle des realen Inhalts der Philosophie
+treten soll. Und doch ist der Erkenntnis- und Bildungswert der
+Naturwissenschaft, wie wir zeigen werden, viel geringer als der der
+Geschichte.
+
+Die gegensätzliche Trennung des Erkennens und seines Gegenstandes führte
+Kant zu dem Unbegriff des Dinges an sich oder des Gegenstandes, wie er
+unerkannterweise ist. Unsere Formalisten möchten dieses caput mortuum der
+Kantischen Spekulation am liebsten beseitigen oder durch den
+transcendentalen Gegenstand, die Regel der Vorstellungsverknüpfung
+ersetzen -- da das Ding an sich nach ihrer Meinung die Grundvoraussetzung
+aller Metaphysik bildet. Wäre das der Fall, dann müsste man freilich aller
+Metaphysik entsagen. Denn das Ding an sich ist in der That ein ungereimter
+Begriff. Aber gerade die Aufrechthaltung der metaphysischen Bedeutung des
+Erkennens und sie allein macht, wie wir zeigen werden, die Beseitigung des
+Dinges an sich möglich.
+
+Die Scheu vor der Metaphysik ist noch viel verbreitet; sie ist eine
+Nachwirkung der sensualistischen Psychologie und der formalistischen
+Logik. Aber die Anzeichen einer Entwicklung des philosophischen Denkens,
+die der Metaphysik günstig ist, mehren sich. Viele bekennen sich
+rückhaltlos zur Metaphysik und treten mutig für sie ein. Sie möchten
+nicht, dass ein formalistischer Logismus die Stelle des sensualistischen
+Psychologismus einnähme. Auch der formalistische Logismus kann wie der
+sensualistische Psychologismus nur eine vorübergehende Entwicklungsphase
+der Philosophie sein. Die Logik bedarf notwendig zu ihrem Unterbaue einer
+Auseinandersetzung über die Wahrheit im alten Sinne, und diese
+Auseinandersetzung ist ein Zweig der Metaphysik. Das ist die Anschauung,
+die wir im ersten Teile unserer Schrift vertreten.
+
+Die Erkenntnistheorie umfasst die schwierigsten Fragen der Philosophie.
+Ihr Verständnis setzt nachdenkliche verinnerlichte Naturen voraus, die
+heutzutage nicht allzuhäufig sind. Gewiegte Pädagogen behaupten, dass
+manchen im übrigen gut begabten Schülern jede Anlage für Mathematik fehlt.
+Mit anscheinend grösserem Rechte kann man sagen, dass fast allen Menschen
+mit sehr wenigen Ausnahmen die Anlage für jenen Teil der Philosophie
+abgeht. Aber ich bin überzeugt, dass jeder einigermassen Beanlagte bei
+entsprechendem Unterrichte ein Verständnis der Mathematik gewinnen kann.
+Und was dem Eindringen in jenen schwierigen Teil der Philosophie
+hinderlich im Wege steht, sind Lebensgewohnheiten, die durch
+Selbsterziehung überwunden werden können und überwunden werden müssen. Wer
+fühlt sich nicht angezogen von der Schilderung des wahren Philosophen im
+platonischen Theätet? Wer möchte sich von einem Platon nicht gern die
+Weihe des Gedankens erteilen lassen? Aus der schwierigsten dieser Fragen,
+der Frage nach dem Verhältnis von Wahrheit und Wirklichkeit redet der
+Geist Platons zu uns. Er hat sie zuerst gestellt, und die Antwort, welche
+er gab, ist auch heute noch beachtenswert.
+
+Ich habe das Buch geschrieben für diejenigen, welche diese schwierigen
+Fragen studieren d. h. durchdenken wollen, um sich eine eigene Meinung zu
+bilden; nicht für die, welche sich mit einer blossen Kenntnisnahme der in
+der Erkenntnistheorie behandelten Fragen begnügen möchten. Kritische
+Auseinandersetzungen mit den Anschauungen anderer, diese Schatten für das
+Licht der eigenen Gedanken, die seinen Glanz erhöhen sollen, wurden
+grundsätzlich vermieden. Sie sind für die blosse Kenntnisnahme nützlich,
+für die Vertiefung in die Sache meistens schädlich.
+
+Hoffentlich dienen dem Zweck dieser Vertiefung das ausführliche
+Inhaltsverzeichnis, das die behandelten Thesen der Reihe nach formuliert
+und das ebenso ausführliche Namen- und Sachregister, das die erörterten
+Grundbegriffe in alphabetischer Folge darstellt. Beide zeigen, wie viel
+Gedankenarbeit der Verfasser selbst übernimmt und wieviel er seinen Lesern
+zumutet. Die letztere ist nicht geringer als die erstere. Es gibt
+Wissenschaften, die man sich nicht aneignen kann ohne selbst an der
+Forschungsarbeit teil zu nehmen, das Lernen ist hier bedingt durch das
+Mitforschen. Zu diesen Wissenschaften gehört in erster Linie die
+Erkenntnistheorie. Es wäre für mich leichter gewesen bei den einzelnen
+Fragen länger zu verweilen und ihre Behandlung umfangreicher zu gestalten,
+wohl auch bequemer für den Leser. Es lag so nahe zu diesem Zweck die
+gewohnte und geläufige Form von Vorlesungen zu wählen, wie ich sie über
+diese Fragen oft gehalten habe. Was ich hier biete ist nur ein gedrängter
+Auszug aus diesen Vorlesungen, den ich am Schluss derselben zu diktieren
+und zur Grundlage von seminaristischen Übungen zu machen pflege. Nach
+meinen Erfahrungen regt gerade diese gekürzte Form der Darstellung am
+meisten zum Selbstdenken an. Sache des Lesers ist es bei den einzelnen
+Gedanken stehen zu bleiben und zu diesem Zweck für die erste
+Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis allein, für die wiederholte
+Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis und Register zu benutzen. Ich möchte
+das auch manchen Fachgenossen empfehlen, namentlich denen, die über eine
+mehr als »mittlere Begabung« verfügen. Jedenfalls bin ich dann vor
+Missverständnissen geschützt, wie sie in der Philosophie an der
+Tagesordnung sind. Ich bemerke noch, dass die Zusammengehörigkeit, der
+Grundbegriff meiner 1893 erschienenen Psychologie des Erkennens auch den
+Grundbegriff dieser Erkenntnistheorie bildet.
+
+*Halle*, 14. Juni 1901.
+
+
+
+
+
+INHALTSVERZEICHNIS.
+
+
+ *Die Wahrheit und unser Wissen.*
+
+ _Erster Hauptteil._
+
+ *Die Wahrheit.*
+
+ Erster Abschnitt: *Was ist Wahrheit?*
+
+ Erste Untersuchung.
+
+Die herkömmliche Definition der Wahrheit 1
+
+ Was ist »Ding an sich«? Definition der Wahrheit; a) falsche, b) richtige
+ Auffassung. Erkennen a) nach rationalistischer, b) nach empiristischer
+ Auffassung. Gegenstand des Erkennens -- die Wahrheit. Inhaltsmerkmal der
+ Wahrheit, Kennzeichen der Wahrheit.
+
+ Zweite Untersuchung.
+
+Der überzeitliche Charakter der Wahrheit 3
+
+ Begriffsurteile. Thatsachenurteile. Auch die Wahrheit der letzteren hat
+ einen überzeitlichen Charakter.
+
+ Dritte Untersuchung.
+
+Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit 4
+
+ Ewige Bedeutung -- Grund der überzeitlichen Geltung. Nur als Glied der
+ Gesamtwirklichkeit ist etwas wahr. Spinozas »sub specie aeternitatis«.
+ Gelten und Existieren, Wahrheit und Wirklichkeit.
+
+ Vierte Untersuchung.
+
+Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden 5
+
+ Aus der überzeitlichen Geltung folgt die Allgemeingültigkeit für alle
+ Denkenden. Die Wahrheit kein Produkt der menschlichen Organisation.
+ Wahrheit kein Ding an sich, untrennbar vom Erkennen a) als Bewusstsein
+ überhaupt, b) als menschliches Erkennen, dessen Hervortreten in der Zeit
+ nicht bloss durch seine ewige Bedeutung bedingt ist, sondern auch selbst
+ eine ewige Bedeutung hat. Die neuentdeckten Wahrheiten darum schon vor
+ ihrer Entdeckung untrennbar vom menschlichen Erkennen.
+
+ Fünfte Untersuchung.
+
+Die Wahrheit und das Urteil 6
+
+ Das Bewusstsein der Wahrheit gleich der Beziehung auf die Objektivität.
+ Erkennen und Urteil keine Abbildung der Wahrheit, sonst wäre diese Ding
+ an sich. Im Erkennen besitzen wir die Wahrheit selbst, nicht ihr
+ Spiegelbild. Mit jedem Urteil treten wir in die ewige, überzeitliche,
+ unvergängliche, übersinnliche Welt ein und fassen in ihr festen Fuss.
+ Augustin, Eckhart. Nikolaus von Cues. Platons Ideenwelt das, was wir
+ Wahrheit nennen.
+
+ Zweiter Abschnitt: *Die Wahrheit und das Wesen der Dinge.*
+
+ Sechste Untersuchung.
+
+Wesentliche und unwesentliche Merkmale 7
+
+ Das Wesentliche und das Wesen ist Ziel des Erkennens. Wesentlich nicht
+ gleich notwendig dem Dinge oder notwendig für seinen Begriff. Die
+ Merkmale sicher nach ihrem Werte verschieden. Ein Merkmal, das eine
+ Unterscheidung eines Dinges von allen andern ermöglicht, gehört darum
+ noch nicht in die Definition des Dinges. Das Notwendige gehört (zum Teil
+ wenigstens) zum Ausserwesentlichen.
+
+ Siebente Untersuchung.
+
+Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale? 8
+
+ Wesentlich nicht gleich allgemein oder konstant. Nicht durch
+ Generalisation werden die wesentlichen Merkmale gewonnen, obgleich sie
+ ihre Gewinnung vorbereiten kann, sondern, durch die der Generalisation
+ vorausgehende Abstraktion. _Ein_ Fall, _Ein_ Beispiel genügt für die
+ Gewinnung; sie wird vermittelt durch den Blick des Geistes, den nicht
+ alle besitzen, der der Intuition ähnlich ist und wie diese noch keine
+ Erkenntnis bildet.
+
+ Achte Untersuchung.
+
+Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus den sinnlichen
+(vorstellungsmässigen) abzuleiten 10
+
+ Sinnenbilder Grundlage alles Erkennens. Sinnenbilder der Ausdehnung und
+ Bewegung selbst ausgedehnt und bewegt, schon darum verschieden von den
+ Begriffen der Ausdehnung: Vielheit der gleichzeitigen Teile und
+ Berührung, der Bewegung: Vielheit der aufeinanderfolgenden Teile und
+ Übergang. Sinnenbilder Zusammenfassungen von Empfindungen ohne
+ gegenständlichen Charakter. Wie erhalten die Empfindungen
+ gegenständlichen Charakter, oder wie werden sie zu Vorstellungen?
+ Willensdinge -- Substanzen, Ursachen. Das Finden der wesentlichen
+ Merkmale ein Schaffen; doppelte Funktion desselben: Vereinzelung der
+ Teile des Ausgedehnten und Bewegten, Zusammenfassung der sich
+ berührenden und ineinander übergehenden -- beides Voraussetzung der
+ betreffenden Urteile. Begriff und Sinnenbild von Punkt, Linie, Fläche,
+ Geist. Auch das negative Urteil setzt den Blick für das, was anders ist,
+ voraus.
+
+ Neunte Untersuchung.
+
+Das Wesen der Dinge 14
+
+ Nicht das Sinnenbild des Kreises, der Ellipse, eher die mathematische
+ Formel, das Gesetz für beide, weiterhin das Gesetz für ihre Stellung
+ unter den Kegelschnitten, endlich ihre Stellung in der
+ Gesamtwirklichkeit -- das Wesen der Ellipse und des Kreises; Wesen und
+ Wahrheit dasselbe. Wesen nicht unveränderlicher Seinskern.
+
+ Zehnte Untersuchung.
+
+Der Begriff der Philosophie 15
+
+ Wesen der Farbe, des Menschen unerkennbar. Trotzdem die Erkenntnis des
+ Wesens das Ziel des Erkennens. Philosophie Wissenschaft vom Wesen der
+ Dinge und Wissenschaft der Fragen. Wesen des Erkennens? Wesen der
+ Erscheinung der Dinge in uns? Wesen der Orts- und Zeitbestimmungen?
+ Erkennen kein Abbilden.
+
+ Elfte Untersuchung.
+
+Die Wahrheit das höchste Gut 18
+
+ Wahrhaft schön, wahrhaft sittlich -- was alle als solches anerkennen
+ müssen. Unser Begriff von den Dingen zu unterscheiden von dem Begriff,
+ der ihr Wesen, ihre Stellung in der Gesamtwirklichkeit bestimmt. Für den
+ ersteren gilt: nicht ohne dass es wahr ist, ist etwas gut und schön, für
+ den letzteren: dadurch, dass es wahr ist, ist es schön, gut. Wesen und
+ Wahrheit des Nichtseinsollenden, Scheinbaren? Seine Wirklichkeit nicht
+ zu bezweifeln. Vielleicht ist es das anmasslich Selbständige.
+
+ _Zweiter Hauptteil._
+
+ *Unser Wissen.*
+
+ Dritter Abschnitt: *Kennzeichen der Wahrheit.*
+
+ Zwölfte Untersuchung.
+
+Bestandteile des Erkenntnisvorgangs 19
+
+ Wesentlich gleich zugehörig, zusammengehörig; Wesen gleich
+ Zusammengehörigkeit -- Grundbegriff des Erkennens. Das was
+ zusammengehörig ist, und seine Zusammengehörigkeit zu unterscheiden. Das
+ Vorgefundene a) Sinnenbilder, b) Vorstellungen Vorstufe des
+ Erkenntnisvorgangs, Erste Stufe: Erfassung dessen, was zusammengehörig,
+ was wesentlich durch den Blick des Geistes -- keine Erkenntnis, eine
+ Abstraktion als Hinsehen, Festhalten, eine schaffende Thätigkeit. Ihr
+ Ergebnis Einzelgebilde des Denkens, auf Grund deren erst die
+ Urteilsthätigkeit möglich ist. Zweite Stufe: Einleuchten der
+ Zusammengehörigkeit kein Zwang, keine Nötigung, -- noch keine
+ Erkenntnis. Dritte Stufe: Einsicht in die Zusammengehörigkeit, Sehen,
+ Wahrnehmen derselben, -- eigentliche Erkenntnis. Vierte Stufe der ersten
+ entsprechend: Gedanklicher Ausdruck der Einsicht im Urteil erzeugt ein
+ neues Gebilde des Denkens -- eine Verbindung, kein Einzelgebilde. Fünfte
+ Stufe der zweiten entsprechend: Bewusstsein der Wahrheit, der
+ Objektivität. Fünfte und zweite Stufe objektiv. Sechste Stufe:
+ Gewissheit der dritten entsprechend Ausschluss des Zweifels, --
+ positiver Zustand. Sechste und dritte Stufe subjektiv. Einleuchten,
+ nicht die Einsicht Kriterium, gemäss dem wir über wahr und falsch
+ urteilen. Einsicht das, wodurch wir die Wahrheit erkennen.
+
+ Dreizehnte Untersuchung.
+
+Gesetze des Erkennens 23
+
+ Es giebt nur Eine Wahrheit, keine einzelnen Wahrheiten. Entdeckung
+ dieser Einen Wahrheit nach dem Gesetz der Zusammengehörigkeit, dem
+ Grundgesetz des Erkennens; (Synthese nicht Analyse). An seine Stelle
+ treten die Gesetze für die Urteile: erstens Gesetz der Übereinstimmung,
+ Form eins und vier; zweitens Gesetz des Enthaltenseins, Form fünf und
+ acht. Drittens Gesetz des Widerspruchs, Form zwei und drei, Form sechs
+ und sieben -- Gesetze für einzelne Urteile; viertens Gesetz des
+ ausgeschlossenen Dritten für das Verhältnis zweier Urteile zu einander.
+ Vier Kategorien: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung; die Begriffe der
+ einen Kategorie nicht der einer andern über- oder unterzuordnen.
+ Verhältnis des Enthaltenseins verschieden von Ding und Eigenschaft, Ding
+ und Vorgang, von untergeordneter Bedeutung für unser Erkennen. Urteil
+ setzt Synthese voraus und schliesst diese als bedingenden Bestandteil
+ ein, mag sein gedanklicher Ausdruck auch als Enthaltensein, Subsumtion,
+ Analyse erscheinen; der sprachliche Ausdruck erscheint wieder als
+ Synthese. Die wesentlichen Merkmale nicht einander über- oder
+ untergeordnet, ausser wenn sie den gleichen Kategorien angehören; nicht
+ in den Sinnenbildern enthalten. Auch die negativen Merkmale der Dinge
+ nicht in ihnen enthalten.
+
+ Vierzehnte Untersuchung.
+
+Gesetze des Erkennens (Fortsetzung) 29
+
+ Gesetze für das Einzelwirkliche als Subjekt der Urteile --
+ Urteilsgesetze: die genannten. Gesetze für den Zusammenhang des
+ Wirklichen, den wir erschliessen -- Schlussgesetze: das Einheitsgesetz,
+ das Gesetz der Kausalität oder der Ermöglichung des Anfangenden, das
+ Gesetz des Grundes. Drei Gedankengänge, die zum Einheitsgesetz führen.
+ Falsche Formulierung des Gesetzes der Kausalität; es ist verschieden vom
+ Gesetz der Gleichförmigkeit des Naturlaufs -- Sinn dieses Gesetzes --
+ führt nicht auf das Gesetz des Widerspruchs zurück. Gesetz des Grundes,
+ ein Gesetz des Enthaltenseins in seiner Anwendung auf Urteile. Drei
+ Formen des Gesetzes des Widerspruchs. Real- und Formalgesetze. Auch das
+ Gesetz des Widerspruchs kann einen realen, den Fortschritt des Erkennens
+ bedingenden Charakter haben.
+
+ Fünfzehnte Untersuchung.
+
+Erkenntnis und blinde Überzeugung 34
+
+ Erkenntnis hat einen vernünftigen Grund in dem Einleuchten, blinde
+ Überzeugung beruht auf Gewöhnung, auf Gefühlen, die meist zuerst ein
+ blindes Urteilen zur Folge haben, an das sich dann die Überzeugung
+ anschliesst von der Wahrheit des Urteils, ferner oft von der
+ (angeblichen, vermeintlichen) Einsicht und dem (vermeintlichen)
+ Einleuchten. Gewissheit nach ihrer negativen Seite ohne Grade, die mit
+ der Einsicht verbundene Gewissheit auch nach ihrer positiven Seite ohne
+ Grade, während die Gewissheit, welche den blinden Urteilen folgt, sich
+ masslos steigern lässt, wie die Gewissheit des Fanatikers zeigt.
+ Ausserdem: die vermeintliche Einsicht folgt dem Urteil, die wirkliche
+ geht ihm immer voran.
+
+ Sechzehnte Untersuchung.
+
+Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit 36
+
+ Vermeintliche Einsicht und wirkliche Einsicht nicht bloss durch die
+ steigerungsfähige und nichtsteigerungsfähige Gewissheit und durch ihr
+ Verhältnis zum Urteil von einander verschieden, die vermeintliche kann
+ auch durch die wirkliche überwunden werden. Vier mögliche Fälle. Sinn
+ des Gesetzes der Gleichförmigkeit des Naturlaufs.
+
+ Siebzehnte Untersuchung.
+
+Einsicht und Denknotwendigkeit 38
+
+ Einsicht keinerlei Nötigung. Notwendigkeit, Nichtandersseinkönnen oft
+ nur Folgerung aus der Gewissheit. Das Verhältnis des Enthaltenseins ein
+ Notwendigkeitsverhältnis; aber dieses Notwendigkeitsverhältnis nicht
+ Grund unserer Einsicht in die Wahrheit der betreffenden Urteile.
+ Dasselbe gilt von den Denknotwendigkeiten, die in dem zusammengehörigen
+ Nichtenthaltenen und in den Unverträglichkeitsverhältnissen bestehen.
+ Warum es für unser Denken notwendig ist, der Eigenschaft ein
+ Selbständiges (?), den Veränderungen und Bewegungen ein Veränderliches
+ und Bewegliches, das beharrt, zu Grunde zu legen -- davon haben wir
+ keine Einsicht. Dass das System der Wahrheit _notwendig_ einen
+ Denkenden, das Anfangende _notwendig_ einen Ermöglichungsgrund
+ voraussetzt, ist nur eine Folgerung aus der Gewissheit, die wir vom
+ Gesetz der Einheit und der Kausalität haben.
+
+ Achtzehnte Untersuchung.
+
+Einsicht und Wille 43
+
+ Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit -- letzte Quelle alles
+ Unsittlichen. Vom Verstandesakte der Einsicht verschieden die Hingabe
+ des Willens und das Ergriffensein des Gemüts. Beides wichtig für die
+ sittlichen und religiösen Wahrheiten, die gewohnheitsmässig festgehalten
+ wieder zu blossen Verstandeseinsichten oder Kopfwahrheiten herabsinken,
+ von denen das Leben unberührt bleibt. Die Wahrheit Gemeinschaftsgut,
+ nicht Gut des egoistischen Willens, sittliches Gut, höchstes Gut.
+
+ Vierter Abschnitt: *Umfang unseres Wissens.*
+
+ Neunzehnte Untersuchung.
+
+Schranken unseres Erkennens 45
+
+ Unterschied von Kategorien und Prädikabilien, der Kategorie Eigenschaft
+ und der Prädikabilie Proprietät. Verhältnis der Eigenschaft zum Ding
+ verglichen mit dem Verhältnis des Anfangenden zum Ermöglichungsgrund.
+ Das Wesen sicher eine Kategorie, auch das ausserwesentliche Zufällige
+ und Notwendige gehört doch zum Seienden und ist insofern Kategorie. Wann
+ Gattung und Art Prädikabilien sind. Verschiedenheit, Gleichheit. Zahl
+ Prädikabilien, Einheit sicher Kategorie. Die Endlichkeit als seiendes
+ Nichtsein. Raum und Zeit, die Formalkategorien, Substanz und Kausalität,
+ die Realkategorien, enthalten Raum und Substanz in der Berührung, Zeit
+ und Kausalität in dem Übergang, ein dem Denken inkommensurables, von ihm
+ nicht aufzuhellendes Element. Wo diese Kategorien eine Rolle spielen, da
+ kann, sofern dieses Element in Frage kommt, von Einsicht und Erkenntnis
+ keine Rede sein. Was haben Raum und Zeit für eine Bedeutung, da sie
+ einerseits als Formalkategorien das Sein der Dinge in keiner Weise
+ vermehren und anderseits doch die Principien der Individuation bilden,
+ durch die das Wirkliche seine Wirklichkeit erhält, da alles Wirkliche
+ Einzelwirklichkeit ist? Die Wirklichkeit eine Realkategorie, da sie auf
+ dem wirklichen Akt der göttlichen Selbstentäusserung beruht, der den
+ wirklichen Dingen eine Selbständigkeit leiht, die ihnen eigentlich nicht
+ zukommt. Inwiefern ist das Wahre wirklich? Insofern Gott es nicht bloss
+ denkt, sondern will? Der Schöpfungsakt ein Akt der Selbstentäusserung.
+ Symbolische Bedeutung von Raum und Substanz -- scheinbare
+ Selbständigkeit, Unendlichkeit. Symbolische Bedeutung von Zeit und
+ Kausalität -- thatsächliche Abhängigkeit, Beschränktheit. Hat die
+ Negation eine reale Bedeutung?
+
+ Zwanzigste Untersuchung.
+
+Die Erkenntnis der Aussenwelt 51
+
+ Keine Erkenntnis der Beschaffenheit der äusseren Dinge möglich.
+ Psychologische Erklärung der Zusammensetzung der sogenannten
+ sinnfälligen Wirklichkeit. Ort der Dinge im Raum, wodurch bestimmt. Die
+ Dinge sind keine blossen Sinnenbilder, Vorstellungen oder fortdauernde
+ Möglichkeiten von Empfindungen. _Unmittelbare_ Evidenz der Existenz
+ dieser Dinge, die nicht nach dem Kausalitätsgesetz erschlossen werden
+ kann. Der Begriff der Ursache spielt in der Wahrnehmung keine Rolle. Die
+ Naturdinge sind verschieden von Raum und Zeit, von Substanz und
+ Kausalität, die nur zur Erscheinungsform der Dinge in unserm Bewusstsein
+ gehören. Sie sind Gedanken Gottes, wie wir nach dem Einheitsgesetz
+ schliessen. Es giebt keine unmittelbare Evidenz von der Nichtexistenz
+ solcher Dinge. Beweis für ihre Existenz. Abstrakte Trennung von Leib und
+ Seele bei Cartesius und in der Psychologie: Empfindungen als blosse
+ Bewusstseinsvorgänge, Anfangszustände des Bewusstseins. Definition der
+ Empfindungen ohne körperliche Vorgänge unmöglich. Weder für das
+ entwickelte Bewusstsein noch für das des Kindes sind sie blosse
+ Empfindungen. Objektivationstheorie -- Ersatz dafür. Empfindungen nicht
+ als Empfindungen gegeben, sondern als Erkenntnismittel. Platons
+ Schwungbrett. Aristoteles: kein Begriff ohne Phantasiebild. Verbindung
+ unseres Bewusstseins nicht bloss mit unserm Körper, sondern auch mit der
+ Körperwelt überhaupt. Wie weit reicht unsere Erkenntnis der Körperwelt?
+
+ Einundzwanzigste Untersuchung.
+
+Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins 58
+
+ Brentano über die äussere und innere Wahrnehmung. Bewusstheit
+ uneigentliches Wesen. Auf Grund der Reflexion gewinnen wir eine Einsicht
+ in die wirkliche Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge. Die
+ angewendeten Vorstellungen ursprünglich sinnliche, aus dem sinnlichen
+ Gebiet entlehnte, übertragene, bildliche. Was ist sinnliches Gebiet?
+ Inwiefern wird dasselbe durch die Empfindungen konstituiert? Nicht
+ insofern sie Gegenstand der Reflexion sind. Falsch, dass wir von den
+ Bewusstseinsvorgängen blosse Vorstellungen haben. Übertragung der
+ sinnlichen Vorstellungen durch den Blick des Geistes für das
+ Wesentliche, nicht in Urteilen. Methode der Psychologie: Isolierung der
+ Empfindungen, Isolierung der Bewusstseinsvorgänge. Übergreifender
+ Charakter der Bewusstseinsvorgänge schon für das Zustandekommen der
+ Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung notwendig. Einheit des
+ Bewusstseins. Einsicht in die Zusammengehörigkeit mancher
+ Bewusstseinsvorgänge, in die Zugehörigkeit zu unserm Bewusstsein.
+ Erinnerung, was sie ist. Vergleich mit der Wahrnehmung. Warum wir bei
+ beiden nicht von Einsicht sprechen. Unter welchen Vorbehalten bestehen
+ auch die Erinnerungen in Einsichten? Einsicht in die Lückenhaftigkeit
+ unserer Erinnerungen, wodurch ermöglicht? Selbstbewusstsein ist Einsicht
+ in die Zusammengehörigkeit des Bewusstseins mit unserm Ich. Humes
+ Irrtum. Was das Ich ist, wissen wir nicht. Leibliches Ich. Ich getrennt
+ vom Leib d. h. von dem Leibe wie er seinem Wesen nach ist ein
+ Abstraktum. Einsicht in die Zusammengehörigkeit unserer
+ Bewusstseinsvorgänge mit unserm Ich. Vergleich der Erkenntnis der
+ Aussenwelt mit der Erkenntnis unserer eigenen Bewusstseinsvorgänge. Bei
+ den Bewusstseinsvorgängen fällt die Erscheinung derselben im Bewusstsein
+ mit dem Wissen, das sie von sich selbst haben, also mit ihnen selbst
+ zusammen.
+
+ Zweiundzwanzigste Untersuchung.
+
+Weitere Schranken unseres Erkennens 64
+
+ Keine Erkenntnis des Wesens der Aussendinge und Bewusstseinsvorgänge,
+ ihrer Stellung im System der Wahrheit. Die Zahl der blinden
+ Wissensinhalte unübersehbar gross. Blosse Kenntnisse keine Erkenntnisse
+ -- Zusammengeratenes nicht Zusammengehörendes. Associative
+ Wissensinhalte -- alles Namen- und Wortewissen von dieser Art.
+ Induktionsschluss ergiebt eine auf Einsicht beruhende
+ Wahrscheinlichkeit.
+
+ Dreiundzwanzigste Untersuchung.
+
+Die Erkenntnis der Innenwelt anderer 66
+
+ Nicht durch einen Schluss der Analogie vermittelt, sondern
+ unmittelbar bei Kindern und Erwachsenen. Ansteckende Wirkung der
+ Bewusstseinsäusserungen und Bewusstseinszustände. Actio in distans.
+ Immediatum commercium animarum. Aristoteles, Locke, Pestalozzi als
+ Zeugen für die Grenzen unserer Erkenntnis anderer. Wesen der
+ Religiosität: positive Seite der Moral, persönliches Verhältnis.
+ Selbsterkenntnis inwiefern schwieriger als die Erkenntnis anderer.
+ Einsichtige Urteile über die sittliche Beschaffenheit anderer möglich.
+ Verehrungssinn. Worte ungewollte Selbstbeurteilungen.
+
+ Vierundzwanzigste Untersuchung.
+
+Geschichtliche Erkenntnisse 70
+
+ Ist Glauben als Fürwahrhalten auf das Zeugnis anderer minderwertig
+ gegenüber dem Wissen? Mitgeteilte Urteile keine von uns gefällten
+ Urteile. Äussere Einsicht in die Wahrheit vermittelt durch die Einsicht,
+ dass der Mitteilende die Wahrheit sagen kann und sagen will. Statt
+ Glauben und Wissen zu unterscheiden sprechen wir von Kenntnissen erster
+ und zweiter Hand. Believe, faith. Glauben im religiösen Sinne.
+ Kenntnisse zweiter Hand weitaus überwiegend. Begriffs- und
+ Thatsachenurteile nach ihrem Erkenntniswert. Erkenntniswert der
+ Naturwissenschaften, der Geschichte. Natur eine gebrochene Einheit, in
+ der Geschichte haben wir eine wirkliche Vielheit. Das Einzelne in der
+ Natur hat keinen Eigenwert, nur wertvoll als Exemplar einer Gattung. Vom
+ Körperlichen als solchem haben wir keine eigentlichen Erkenntnisse, wohl
+ aber von den Beweggründen und Triebfedern menschlicher Handlungen. Das
+ Körperliche hat im Geistigen seinen Zweck, das Umgekehrte unmöglich.
+ Zweckbegriff von den Anhängern der mechanischen Naturauffassung durch
+ die Entwicklungstheorie wieder eingeführt. Die Zielstrebigkeit des
+ Aristoteles wird auf die Natur als Ganzes angewendet. Woher die
+ Anpassung? Aristokratisches Prinzip in der Natur: nicht das Stärkere
+ siegt der Regel nach, sondern das Vollkommenere. Entwicklung in der
+ Natur sehr langsam, in der Geschichte augenscheinlich. Fortschritte in
+ der Geschichte auf intellektuellem und religiösem Gebiete. Herstellung
+ von Einheiten in Natur und Geschichte wie verschieden! Dort
+ Mittelpunkte, Systeme des Aussereinanderliegenden, hier bewusste
+ Einheiten vieler Personen. Persönlichkeiten in der Geschichte Träger von
+ Ideen, damit Triebkräfte der Entwicklung. Neues in der Entwicklung: ex
+ nihilo fit nihil. Bedeutung des Individuums in der Geschichte.
+
+ Fünfundzwanzigste Untersuchung.
+
+Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration 77
+
+ Erfahrung, Vernunft und Offenbarung. Inspiration verschieden von dem
+ Blick für das Wesentliche, von der schöpferischen Einbildungskraft.
+ Künstlerindividualität. Intuitionen. Einfallen von Gedanken.
+ Inspirationen: Zusammengehörigkeiten höherer Art, aufgedrängte,
+ aufgenötigte Gedanken, Ergänzungen des Blicks für das Wesentliche, --
+ noch keine Erkenntnisse. Zwei unverifizierbare Eingebungen über das
+ Wesen des Körperlichen. Einbildungen und Eingebungen. Letztere stammen
+ aus dem Reich der Wahrheit, mit dem wir zusammenhängen. Zwei
+ Erkenntnisquellen als Ausgangspunkte für das Erkennen: a) Erfahrung, aa)
+ Empfindungen, bb) Bewusstseinsvorgänge, b) Eingebungen. Erkenntnis nur
+ durch das Denken möglich.
+
+ Sechsundzwanzigste Untersuchung.
+
+Religiöse Erkenntnisse 82
+
+ Religion was sie ist. Inspiration von Religion unabtrennbar -- sie giebt
+ den Philosophen interessierende Weltanschauungen. Religion eine
+ praktische Angelegenheit, hat bestimmte theoretische Voraussetzungen.
+ Diese sind nicht darum wahr, weil sie sich bewähren: a) Ausprobieren
+ unmöglich, b) Wirkungen auch rein psychologisch bei falschen
+ Voraussetzungen möglich. Religion nicht bloss Sache des Gefühls. Das
+ intellektuelle Element der Religion, richtig verstanden, nicht bloss
+ Voraussetzung der Religion sondern ihr Wesen, sofern dieses in ihrer
+ Wahrheit besteht. Die Wahrheit an sich das höchste Gut. Darum Gott die
+ Wahrheit. _Für uns_ ist Sittlichkeit ein höheres Gut. Fides quaerens
+ intellectum. Notitia, fiducia, assensus. Der Inspirierte kann davon eine
+ Einsicht gewinnen, dass er eine Inspiration empfangen hat. Die
+ Verkündigung der Inspiration als von Gott stammend -- Offenbarung.
+ Mittelbare äussere Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung vermittelt
+ durch die Einsicht, dass der Verkündende die Wahrheit weiss und sagen
+ will. Massgebend und entscheidend hierfür die sittliche und religiöse
+ Beschaffenheit des Verkündigers. Äussere Einsicht vom religiösen
+ Gesichtspunkte aus der inneren vorzuziehen.
+
+ Schluss 87
+
+ Alle Wahrheit wegen ihrer ewigen Bedeutung -- Metaphysik. Wer diese
+ leugnet, muss auch die überzeitliche Geltung und damit die
+ Allgemeingültigkeit der Wahrheit für alle Denkenden leugnen -- er
+ verfällt dem Skepticismus. a) Empiristischer, b) rationalistischer
+ Wahrheitsbegriff. Beide setzen den metaphysischen Wahrheitsbegriff
+ voraus. Nach jenem lässt sich nur entscheiden, was wahrscheinlich ist,
+ nach diesem nur, was möglicherweise wahr ist. Jener ist nützlich für die
+ Sicherung unserer Lebenszwecke, dieser für die Verwirklichung eines
+ Erkenntnisideals. Ein Prüfstein der Wahrheit ist weder der eine noch der
+ andere.
+
+ ------------------
+
+*Druckfehler:*
+
+Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche *Veränderliche*.
+
+
+
+
+
+DIE WAHRHEIT UND UNSER WISSEN.
+
+
+ ------------------
+
+
+
+
+Erster Hauptteil.
+
+Die Wahrheit.
+
+
+ ------------------
+
+
+
+Erster Abschnitt.
+
+Was ist Wahrheit?
+
+
+ Erste Untersuchung.
+
+
+Die herkömmliche Definition der Wahrheit.
+
+Seit Cartesius spielt der Gedanke einer gegensätzlichen Trennung von Leib
+und Seele in der Philosophie eine Rolle. In ähnlicher Weise hat seit Kant
+der Gedanke einer gegensätzlichen Trennung des Erkennens und seines
+Gegenstandes die Philosophen beschäftigt, und zwar verstanden sie unter
+Gegenstand das sogenannte Ding an sich oder den Gegenstand, wie er
+unerkannter Weise ist. Beide Gedanken sind der Aristotelischen und
+mittelalterlichen Philosophie fremd. Der letztere Gedanke führt zu einer
+Auffassung der gewöhnlichen Definition der Wahrheit, welche jede
+Erkenntnis der Wahrheit unmöglich macht. Nach dieser Definition nämlich,
+auf die alle Erörterungen über die Wahrheit vielfach unbewusst und
+unfreiwillig zurückkommen, besteht die Wahrheit in der _Übereinstimmung
+des Erkennens mit seinem Gegenstande_. Fassen wir hier Gegenstand in
+seiner gegensätzlichen Trennung vom Erkennen als das Unerkannte oder so
+wie er unerkannter Weise ist, so kann von einer Erkenntnis der Wahrheit
+keine Rede mehr sein; denn der Gegenstand kommt uns doch nur innerhalb
+unsrer Vorstellungen und Gedanken, also vermittelt durch unser Erkennen,
+zum Bewusstsein. Was er abgesehen davon sein mag, darüber wissen wir
+nichts. Aber muss in jener Definition der Wahrheit das Wort Gegenstand
+notwendig im Sinne des unerkannten Gegenstandes, wie er unerkannter Weise
+ist, genommen werden? Wir werden der Absicht der gewöhnlichen Definition
+der Wahrheit gerecht, wenn wir den Gegenstand als das betrachten, was vom
+Erkennen weder gemacht noch geändert wird und insofern vom Erkennen
+unabhängig ist. Damit steht aber nicht im Widerspruch, wenn wir an einer
+unlösbaren Verbindung des Erkennens mit seinem Gegenstande festhalten und
+insofern von einer wechselseitigen Abhängigkeit einerseits des Erkennens
+vom Gegenstande und anderseits des Gegenstandes vom Erkennen reden. Wenn
+das Erkannte auch nicht _durch_ das Erkennen ist, so bleibt doch die
+Annahme möglich, dass es nicht _ohne_ das Erkennen sein kann und insofern
+von ihm abhängig ist. Ausgeschlossen ist hierbei die rationalistische
+Annahme, dass das Erkennen seinen Gegenstand aus sich selbst schöpft; aber
+auch die empiristische Annahme ist unrichtig, dass dem Erkennen sein
+Gegenstand einfach gegeben wird. Das Gegebene ist noch nicht das Erkannte;
+das Erkennen darf den Gegenstand weder erzeugen oder auch nur ändern, noch
+kann es ihn als Unerkanntes als Ding an sich erfassen.
+
+Indes ganz abgesehen davon können wir die Definition, wie sie gewöhnlich
+gegeben wird, nicht gebrauchen, schon wegen der Unbestimmtheit und
+Vieldeutigkeit des Wortes »Gegenstand«, und es würde daran auch dann
+nichts geändert, wenn wir dieses Wort durch das nicht minder unbestimmte
+und vieldeutige »Wirklichkeit« ersetzten. _Für uns giebt es nur einen
+Gegenstand des Erkennens, und das ist die Wahrheit._ Wir nehmen an, dass
+wir die Wahrheit erkennen können, erklären uns aber ausser Stande, von dem
+was Wahrheit ist, eine Definition zu geben. Wenn wir aber auch keine
+eigentliche Definition von dem Begriff der Wahrheit zu geben vermögen, so
+können wir doch wenigstens ein Merkmal dieses Begriffs aufweisen und in
+ihm uns seinen Inhalt vergegenwärtigen. Das Merkmal ist freilich kein
+letztes Unterscheidungsmerkmal, aber doch ein wesentlicher, wenn nicht der
+wesentlichste Bestandteil des Begriffs der Wahrheit. Wir können ferner
+auch ein Kennzeichen der Wahrheit angeben, an dem wir Wahrheit und
+Falschheit unterscheiden, und damit den Umfang dieses Begriffs bestimmen.
+Wie so oft muss auch hier die genauere Bestimmung des Umfangs einen Ersatz
+bieten für die unzulängliche Festsetzung des Inhalts. Das Kennzeichen ist
+freilich nur ein äusseres, aber als einziges unterscheidendes Kennzeichen
+nicht bloss praktisch unentbehrlich, sondern auch von entscheidender
+Wichtigkeit.
+
+
+ Zweite Untersuchung.
+
+
+Der überzeitliche Charakter der Wahrheit.
+
+Aus Thatsachen und Gedanken, d. h. aus dem Vorgefundenen und aus unsren
+nicht willkürlichen sondern dem Vorgefundenen entsprechenden Zuthaten,
+bauen sich die Wissenschaften auf. Wenigstens ist in dem, was wir
+Thatsachen nennen, das Vorgefundene das herrschende Element, während in
+den Gedanken das Vorgefundene gegen die Zuthaten zurücktritt. Zu den
+Gedanken gehören auch die Begriffsurteile oder Begriffssätze wie: weiss
+ist nicht schwarz, ein Viereck nicht rund, ein gleichseitiges Dreieck
+gleichwinklig, zwei kleiner als drei usw., die das Gebiet der logischen
+und mathematischen Wahrheiten umfassen. Sie sind vollkommen wahr, auch
+wenn die Glieder, die sie miteinander verbinden, gar nicht existieren;
+auch wenn es so etwas wie weiss und schwarz, Viereck und rund,
+gleichseitiges und gleichwinkliges Dreieck, zwei und drei in Wirklichkeit
+gar nicht giebt, so bleibt doch die in diesen Urteilen ausgedrückte
+Beziehung durchaus wahr. Sie ist ewig gültig, ihre Wahrheit hat einen
+überzeitlichen Charakter.
+
+Richtig verstanden gilt das aber von allen Urteilen, die eine Wahrheit zum
+Ausdrucke bringen. Die Thatsachen unsres Bewusstseins, von denen nur wir
+allein jeder für sich Kenntnis haben können, und alle übrigen Thatsachen
+von mehr oder minder langer Dauer -- wie sie z. B. in den Urteilen: ich
+freue mich jetzt, oder: die Lampe steht auf dem Tische, ausgedrückt werden
+-- können nur wirklich oder wahr sein, wenn dies, dass sie jetzt oder eine
+zeitlang bestehen, für alle Zeiten gilt. Alle Wahrheit, auch die
+anscheinend nur einen Augenblick oder eine kurze Zeit bestehende, hat
+einen überzeitlichen Charakter. Sie hat trotz ihres scheinbar kurzen
+Bestandes eine ewige Gültigkeit. Nur darum ist sie Wahrheit.
+
+
+ Dritte Untersuchung.
+
+
+Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit.
+
+Aber wie ist das möglich? Nur dadurch, dass auch die vergängliche
+Thatsache eine ewige Bedeutung hat, aus der sich ihr Hervortreten in der
+Zeit erklärt. Nur aus dieser ihrer ewigen Bedeutung, die ihre zeitliche
+Existenz bedingt und begründet, folgt notwendigerweise der überzeitliche
+Wahrheitscharakter der Thatsache. Eine ewige Bedeutung kann aber der
+zeitlichen und vergänglichen einzelnen Thatsache nicht als solcher in
+ihrer Vereinzelung sondern nur als Glied eines grösseren über ihre
+Zeitlichkeit und Vergänglichkeit hinausgehenden Ganzen zukommen; nur als
+Teil der Gesamtwirklichkeit, die als Ganzes wenigstens über die
+Zeitlichkeit und Vergänglichkeit ihrer Teile hinausgeht. Schon im
+gewöhnlichen Leben sprechen wir bei Thatsachen nur von Wahrheit, wenn sie
+in den Zusammenhang des Wirklichen aufgenommen werden können und durch
+ihre Stellung in diesem Ganzen eine Bedeutung gewinnen. Dass ein Stein am
+Wege liegt, eine Person uns begegnet, nennen wir schwerlich eine Wahrheit,
+ausser wenn die Betonung dieses Sachverhalts aus andren Gründen etwa wegen
+eines gerichtlichen Verfahrens wichtig ist. Jedenfalls werden wir uns den
+Wahrheitscharakter der Thatsachen, der notwendig ein überzeitlicher ist,
+nur zum Bewusstsein bringen können, wenn wir sie der zufälligen
+Äusserlichkeiten, insbesondere ihrer Vereinzelung zu entkleiden und mit
+Spinoza zu reden sub specie aeternitatis zu betrachten suchen. Ob und
+inwiefern dies Streben von Erfolg gekrönt ist oder zu inhaltlich
+bedeutsamen Erkenntnissen führt, mag fraglich bleiben; aber davon hängt
+natürlich die notwendige Überzeitlichkeit des Charakters der Wahrheit
+nicht ab.
+
+Eine Folgerung drängt sich auf: das Gelten steht höher als das Existieren;
+das Existieren ist nur möglich durch das Gelten. Mit andren Worten: die
+Wahrheit steht höher als die Wirklichkeit und die Wirklichkeit ist nur
+Wirklichkeit durch die Wahrheit. Aber was ist Wirklichkeit, abgesehen von
+ihrer Wahrheit?
+
+
+ Vierte Untersuchung.
+
+
+Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden.
+
+Was für alle Zeit gilt, gilt natürlich auch für alle Denkenden. Es giebt
+entweder keine Wahrheit, oder aber sie gilt für alle Denkenden. Die
+Wahrheit ist nicht ein Erzeugnis der menschlichen Organisation überhaupt
+oder jeder einzelnen menschlichen Organisation insbesondere, sodass sie
+nur für die Menschen gälte oder gar für jeden einzelnen Menschen eine
+andere und besondere wäre. Alle Erkenntnis hat nur Einen Gegenstand, das
+ist die Eine Wahrheit, die für alle Erkennenden dieselbe ist. Damit ist
+aber keineswegs gesagt, dass die Wahrheit unabhängig vom Erkennen sei im
+Sinne der Transcendenz oder des Dinges an sich. Bei einer solchen
+Unabhängigkeit hörte die Wahrheit auf, Gegenstand des Erkennens zu sein.
+Die unauflösliche Verbindung der Wahrheit mit dem Erkennen muss
+festgehalten werden, wie immer diese Verbindung zu denken ist. Ausserdem
+wird man von einer Abhängigkeit der Wahrheit vom göttlichen Denken oder --
+wenn man diesen Ausdruck vorzieht -- vom »Bewusstsein überhaupt« und auch
+vom menschlichen Denken reden dürfen, vorausgesetzt, dass das menschliche
+Denken, wenn es wahr ist, eins mit dem göttlichen ist.
+
+Gilt die Wahrheit, auch wenn wir sie nicht erkennen? Gilt das Gesetz der
+Gravitation, ehe es Newton entdeckte? Zweifellos! Aber was heisst das
+anders, als dass diese Wahrheit, wie alle andren, einen überzeitlichen
+Charakter hat, dass sie ewig gilt! Muss man dann aber nicht schliessen,
+dass die Wahrheit vorhanden sein kann, ohne unser Erkennen? Wir dürfen
+nicht vergessen, dass auch unser Erkennen, wie alle Thatsachen, einen
+überzeitlichen Charakter hat. Gewiss, es hat einen Anfang, es erlebt
+Veränderungen, gehört also der Zeit an, wie alle zeitlichen Thatsachen.
+Aber wir wissen nicht, wie sich später zeigen wird, was es mit der Zeit
+auf sich hat, obgleich wir ihr die Bedeutung nicht absprechen. Sicher ist,
+dass das Zeitliche vom Ewigen abhängig ist, dass es in seinem Hervortreten
+in der Zeit durch das Ewige bedingt und bestimmt ist. Das gilt auch von
+unsrem Erkennen. Aber nicht minder sicher ist, dass dieses Hervortreten in
+der Zeit auch eine ewige Bedeutung hat, und das verbürgt uns seine
+unauflösliche Verbindung mit der Wahrheit, in der allein diese ewige
+Bedeutung ihren Grund haben kann.
+
+
+ Fünfte Untersuchung.
+
+
+Die Wahrheit und das Urteil.
+
+In jedem Urteile haben wir ein Bewusstsein der Wahrheit, wenn auch nur
+einschliesslich und der Sache nach. Ausdrücklich und der Form nach ist
+dies allerdings nur der Fall in dem Urteile: Es ist wahr, dass dies oder
+jenes zutrifft! Natürlich handelt es sich hierbei nicht immer um ein
+Bewusstsein der wirklichen, sondern oft auch nur der bloss vermeintlichen
+Wahrheit. Dieses Bewusstsein geht seinem Sinne nach stets über die
+Verbindung der Vorstellungen im Urteile hinaus und weist auf einen
+Sachverhalt hin, der in der Verbindung der Vorstellungen zum Ausdrucke
+kommen soll, aber von ihr verschieden ist. Wir nennen das die Beziehung
+des Urteils auf die Objektivität, und diese ist mit dem in ihm enthaltenen
+Bewusstsein der Wahrheit ein und dasselbe.
+
+Wenn man das Urteil Ausdruck eines Sachverhalts nennt und darunter eben
+nur diese Beziehung auf die Objektivität oder das Bewusstsein der Wahrheit
+versteht, so ist dagegen nichts einzuwenden. Falsch wäre es aber, wenn man
+das Wort Ausdruck im Sinne einer Nachbildung des Sachverhalts verstehen
+wollte. Das im Urteil sich darstellende Erkennen ist keineswegs eine bloss
+müssige Wiederholung der Wirklichkeit, ein blosses Spiegelbild derselben.
+Dem Bilde ist es eigentümlich, eine Sache so wiederzugeben, wie sie
+unabgebildeter Weise ist. Wäre das Erkennen ein blosses Bild der Wahrheit,
+so würde es die Wahrheit wiedergeben, wie sie unerkannter Weise ist. Die
+Wahrheit würde zum unerkennbaren Ding an sich. Im Erkennen haben wir nicht
+ein blosses Bild der Wahrheit sondern die Wahrheit selbst. Es ahmt sie
+nicht nach (homoiosis), sondern nimmt an ihr teil (koinonia), sie ist in
+ihr gegenwärtig (parusia). Wir nehmen im Erkennen die Wahrheit selbst in
+Besitz, nicht bloss ihr Spiegelbild, ihren Abdruck im Bewusstsein. Davon
+überzeugt uns immer wieder die Reflexion auf den Erkenntnisvorgang.
+
+Wichtig ist, dass wir im Urteile nicht bloss über die in ihm vorhandene
+Verbindung der Vorstellungen hinausgehen, sondern mit unsrem Denken oder,
+wenn wir auch das falsche Urteil berücksichtigen wollen, wenigstens in
+Gedanken in die überzeitliche, ewige Welt, die für alle Denkenden in
+gleicher Weise gilt, hineinreichen und mit ihr im Zusammenhange stehen.
+Das ist die Bedeutung der Beziehung auf die Objektivität, die mit dem
+Bewusstsein der Wahrheit ein und dasselbe ist. Diese überzeitliche, ewige,
+für alle Denkenden gleicherweise geltende Welt ist die Welt, das Reich
+oder auch die Region, das System der Wahrheit. Jeder Urteilende tritt mit
+jedem Urteil in dieses allem sinnlichen Scheine nicht bloss sondern auch
+allem Vergänglichen, Veränderlichen so entgegengesetzte Gebiet ein und
+fasst in ihm festen Fuss.
+
+Unsere Darlegung erinnert nicht bloss an Spinoza, der alles sub specie
+aeternitatis betrachten will, sondern auch an Augustins veritates aeternae
+et immutabiles, die ihren Grund nicht in dem veränderlichen menschlichen
+Denken und ebensowenig in den veränderlichen Dingen der Welt sondern nur
+in Gott haben können. Sie erinnert ferner an den Satz von Nikolaus von
+Cues, der wieder an Eckhart anklingt, dass die ideelle Existenz der Dinge
+(in dem Gedanken Gottes) wahrer ist als die in Raum und Zeit erscheinende
+körperliche Existenz. Sie erinnert endlich ganz besonders an die
+Ideenlehre Platons. Das, was wir Wahrheit nennen, ist in der That eine
+Platonische Idee, oder sie umfasst vielmehr die ganze Ideenwelt Platons,
+welche die Erscheinungswelt in ihrem Sein bedingt.
+
+
+
+Zweiter Abschnitt.
+
+Die Wahrheit und das Wesen der Dinge.
+
+
+ Sechste Untersuchung.
+
+
+Wesentliche und nicht wesentliche Merkmale.
+
+Das Erkennen ist auf das Wesentliche gerichtet. Sein Ziel ist das Wesen
+der Dinge. Das Wesentliche soll im Gegensatz stehen zu dem Zufälligen und
+scheint dann als das Notwendige, Unentbehrliche betrachtet zu werden. Es
+fragt sich, wem notwendig, wem unentbehrlich? Natürlich dem Begriff des
+Dinges (Ding im allgemeinsten Sinne genommen, in dem es auch
+Eigenschaften, Vorgänge und Beziehungen umfasst). Allein, fragen wir
+weiter, woraus besteht der Begriff? so lautet die Antwort: aus den
+wesentlichen Merkmalen. Durch Zurückgreifen auf den Begriff kommen wir in
+der Erkenntnis dessen, was unter wesentlich zu verstehen ist, nicht
+weiter.
+
+Jedenfalls setzt die Unterscheidung wesentlicher und zufälliger Merkmale
+die Annahme eines Wertunterschieds unter den Merkmalen voraus. Und an
+dieser Annahme wird festgehalten werden müssen. Schon wenn wir von der
+Gestalt und Grösse der Ausdehnung, von der Höhe und Stärke eines Tones,
+von der Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung reden, tritt dieser
+Wertunterschied deutlich hervor. Das erstgenannte Merkmal ist das
+vorzüglichere, dem das zweite als Eigenschaft untergeordnet wird. Aber
+nicht das Umgekehrte gilt. Man kann den Kaukasier nicht definieren als ein
+menschliches Weisses, den Menschen nicht als ein zweibeiniges und
+zweihändiges oder als ein zweifüssiges ungefiedertes Wesen, wenn gleich
+diese Definitionen eine Unterscheidung des Kaukasiers von den andern
+Menschentypen und des Menschen von allen andern Dingen ermöglichen. Warum
+nicht? Weil die weisse Farbe, die Zweifüssigkeit, Ungefiedertheit keine
+wesentlichen Merkmale bilden, das Weiss-Sein ausserdem sich dem
+Mensch-Sein nicht überordnen lässt. Die Alten hatten recht, wenn sie im
+Anschluss an Porphyrius nicht unterschiedslos alle Merkmale, die einem
+Dinge und nur ihm zukommen, in seine Definition aufgenommen wissen
+wollten, sondern nur gewisse wertvolle, die sie die wesentlichen nannten.
+Auch darin hatten sie recht, wenn sie von den wesentlichen Merkmalen nicht
+bloss die zufälligen, wie z. B. die Farbe beim Menschen, unterschieden,
+sondern auch die notwendigen, die sogenannten Proprietäten. Was notwendig
+zum Wesen des Menschen gehört, wie z. B. die Zweifüssigkeit, ist darum
+noch nicht ein Bestandteil dieses Wesens.
+
+
+ Siebente Untersuchung.
+
+
+Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale?
+
+Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass wir weder die einer Reihe von Dingen
+gemeinsamen, sogenannten allgemeinen Merkmale, noch die im Laufe der
+Entwicklung eines Dinges sich gleichbleibenden sogenannten konstanten
+Merkmale mit den wesentlichen verselbigen dürfen. Es bedarf ferner nicht
+eines Durchlaufens einer Reihe von gleichen oder ähnlichen Dingen oder der
+Entwicklungsphasen ein und desselben Dinges um das Wesentliche an ihnen zu
+entdecken. Freilich kann nicht geleugnet werden, dass dieses Verfahren der
+Generalisation die Auffindung der wesentlichen Merkmale häufig
+unterstützt. Sind die Umstände und Verhältnisse der Gegenstände, um deren
+Erkenntnis es sich handelt, sehr verwickelt und schwer überschaubar, so
+mag es unentbehrlich sein, aber doch nur für die Ausscheidung der
+unwesentlichen Merkmale, nicht unmittelbar für die Auffindung der
+wesentlichen. Die Abstraktion ist natürlich früher als die Generalisation,
+weil deren Bedingung. Durch die Abstraktion gewinnen wir unter andrem auch
+die wesentlichen Merkmale. Eine kleine Menge Wasser genügt dem Chemiker,
+die Zusammensetzung des Wassers, alles Wassers aufzuweisen, eine einzige,
+beliebig gewählte Dreiecksfigur dem Mathematiker, die Eigenschaften aller
+Dreiecke darzuthun. Das bekannte Verfahren der Induktion, bei der von
+einer grösseren oder geringeren Zahl von Einzelfällen ausgegangen und aus
+ihnen mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit auf einen
+allgemeingültigen Sachverhalt geschlossen wird, kommt ebenso wie das
+Verfahren der Generalisation nur dann zur Anwendung, wenn die Umstände und
+Verhältnisse sehr verwickelt und schwer überschaubar sind. »Die wahre
+Methode geht« nach Liebig (von Liebig, Franz Bacon und die Methode der
+Naturwissenschaften 1863 S. 47) »vom einzelnen Falle, nicht von vielen
+Fällen aus«. Das deutet auch Goethe an, wenn er (W. XXII. S. 264) sagt:
+»Was ist das Allgemeine? Der einzelne Fall. Was ist das Besondere?
+Millionen Fälle.«
+
+Indes, was ist denn das Mittel für die Erfassung des Wesentlichen? Ein
+einfacher Blick des Geistes, über den freilich keineswegs jedermann
+verfügt. Eine grosse Anzahl selbst von den wissenschaftlichen Forschern
+hängen an Einzelheiten, Äusserlichkeiten, dringen nicht ein in den Kern
+der Sache, nicht in das, worauf es ankommt. Der Blödsinnige und Dumme
+ermangelt dieses Blickes gänzlich. Jener bleibt mit seinem sprunghaften
+Denken keinen Augenblick bei derselben Sache, dieser sieht, wie man zu
+sagen pflegt, vor lauter Bäumen den Wald nicht. Insbesondere zeigt dies
+der Ungebildete durch Heranziehung aller, auch der gleichgültigsten
+Nebenumstände bei Darstellungen und Erzählungen. Ihnen allen fehlt der
+Blick des Geistes für das Wesentliche.
+
+Etwas dieser eigentümlichen Funktion des Bewusstseins Ähnliches haben wir
+in dem, was man in der Wissenschaft als Aperçu oder Intuition bezeichnet.
+Man muss darunter auch einen, wie man sagt, vorausschauenden Blick des
+Geistes verstehen, durch den die wissenschaftlichen Ergebnisse, die das
+Ende einer längren Gedanken- und Forschungsarbeit bilden und sie zum
+Abschlusse bringen, vorweggenommen oder unmittelbar aufgefasst werden.
+Freilich ist diese Vorwegnahme oder unmittelbare Auffassung keineswegs
+schon eine Erkenntnis. An sie anschliessend nimmt die eigentliche
+wissenschaftliche Gedanken- und Forschungsarbeit erst ihren Anfang,
+zunächst sozusagen bloss probierend und tastend. Aber dieses eigentliche
+wissenschaftliche Verfahren erhält doch durch das im voraus erfasste
+Ergebnis seine Richtung und sein Ziel. Ihm liegt die Aufgabe ob, für das
+Aperçu oder die Intuition den Beweis zu führen und sie dadurch zu einer
+wirklichen Erkenntnis zu erheben. Wir werden bald sehen, dass der Blick
+des Geistes, durch den wir die wesentlichen Merkmale gewinnen, darin mit
+dem wissenschaftlichen Aperçu und der wissenschaftlichen Intuition
+Ähnlichkeit hat, dass wir durch ihn und für sich allein noch keineswegs
+Erkenntnisse gewinnen.
+
+
+ Achte Untersuchung.
+
+
+Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus den sinnlichen
+(vorstellungsmässigen) abzuleiten.
+
+All unsrem Erkennen liegen Sinnenbilder zu Grunde. Auf das in den
+Empfindungen gegebene, das Sinnliche, Sinnfällige, muss, sei es zur
+Begründung, sei es zur Verdeutlichung unsrer Erkenntnisse, immer
+zurückgegriffen werden; zur Verdeutlichung insbesondere dann, wenn es sich
+um die Erkenntnis des Nichtsinnlichen, Geistigen handelt. Die
+Grundbestandteile dieses Sinnlichen, Sinnfälligen bilden die Sinnenbilder
+der Ausdehnung und Bewegung. Von beiden haben wir Tast- und
+Gesichtsbilder, auch von der Bewegung (etwa die Berührungsempfindungen von
+einem über die Hand kriechenden Sonnenkäfer), denen entsprechende
+Gesichtsempfindungen zur Seite gehen. Natürlich sind diese Bilder selbst
+ausgedehnt und bewegt und heissen nur uneigentlich Bilder von der
+Ausdehnung und Bewegung. Das deutet schon darauf hin, dass wir unter der
+Ausdehnung und Bewegung etwas andres verstehen müssen als diese
+sogenannten Sinnenbilder. Was wir unter Ausdehnung und Bewegung verstehen,
+das zeigen die Worte Ausdehnung und Bewegung an. Diese Worte sind
+sozusagen Zeichen für ein in uns vorhandenes ruhendes Wissen, eine
+Wissensdisposition, eine Fähigkeit, in Urteilen darzulegen, was Ausdehnung
+und Bewegung ist, oder wenigstens jederzeit diese Worte richtig
+anzuwenden. Wir wissen, dass die Ausdehnung eine Vielheit gleichzeitiger
+einander berührender Teile, die Bewegung eine Vielheit aufeinander
+folgender, ineinander übergehender Teile umfasst. Gleichzeitige Vielheit
+und Berührung, aufeinander folgende Vielheit und Übergang, das sind die
+Bestandteile der Begriffe Ausdehnung und Bewegung, die wesentlichen
+(begrifflichen) Merkmale der Ausdehnung und Bewegung. Aber sind diese
+Merkmale nicht schon in den Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung
+vorhanden, nicht in ihnen unmittelbar gegeben, sodass sie sich also von
+den sinnfälligen, sinnlichen gar nicht unterscheiden oder höchstens doch
+durch eine in Gestalt von Worten vermittelte Umformung aus ihnen
+abgeleitet werden könnten? Wenn die Sinnenbilder selbst ausgedehnt und
+bewegt sind, so sind diese Merkmale so in ihnen enthalten, wie in jedem
+andren Ausgedehnten und Bewegten. Aber um sie zu finden, dazu bedarf es
+eben eines Finders, der von den sinnlichen Empfindungen selbst verschieden
+ist, eben jenes Blickes des Geistes, dem wir die Gewinnung der
+wesentlichen Merkmale zuschreiben. Die Sinnenbilder an und für sich
+genommen sind nichts andres als Zusammensetzungen von Empfindungen, die je
+den Teilen der Netzhaut und Tasthaut entsprechen. Sie sind Zustände des
+Bewusstseins, die noch gar nicht einmal einen gegenständlichen Charakter
+haben, noch nicht einmal als Objekte uns gegenübertreten. Unsrem
+entwickelten Bewusstsein erscheint freilich ihre Gegenständlichkeit als
+etwas Selbstverständliches; aber doch nur darum, weil ihnen der Finder,
+der Blick des Geistes, gegenübersteht.
+
+Wie werden ursprünglich aus den, sagen wir einmal bloss subjektiven
+Empfindungen -- an sich genommen sind die Empfindungen ja weder subjektiv
+noch objektiv -- Vorstellungen? Wie es scheint auf folgendem Wege. Mit den
+Bewegungen unsrer eigenen Glieder sind Willensimpulse verbunden; sie
+kehren regelmässig bei den sogenannten willkürlichen Bewegungen wieder und
+associieren sich so mit den Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung
+dieser Glieder. Wenn nun Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung, mit
+denen diese Willensimpulse nicht verbunden sind, in uns auftreten, so wird
+das Gedächtnisbild dieser Willensimpulse reproduziert und auch diesen
+Sinnenbildern unterlegt. So treten dann diese Sinnenbilder als
+Willensdinge den Sinnenbildern, die von vornherein mit den Willensimpulsen
+verbunden sind, gegenüber. So erhalten diese erstren Sinnenbilder diesen
+letztren gegenüber, wie es scheint, ursprünglich einen gegenständlichen
+Charakter, oder, wie wir ohne Gefahr des Missverstandenwerdens besser
+sagen, sie werden zu Vorstellungen. Gegenstände im eigentlichen Sinne als
+das dem Geiste Gegenüberstehende giebt es für ihn erst auf Grund des
+Urteils.
+
+Wir nannten die Sinnenbilder, mit denen associativ Willensimpulse
+verbunden sind -- auch von den Sinnenbildern, mit denen sie ursprünglich
+verbunden sind, können wir das Gleiche sagen, -- Willensdinge. Es ist
+bekannt, dass die Wilden ebenso wie unsere Kinder und Dichter alles als
+belebt und beseelt, alles als mit Gefühl und Willen ausgestattet,
+auffassen. Diese Animismus genannte Erscheinung hält natürlich der
+fortschreitenden Erfahrung gegenüber nicht Stand. Der geworfene Stein und
+die freifliegende Taube werden bald unterschieden. Von dem Willensding
+bleibt dann nur übrig, 1. dass es einen Raum ausfüllt, der nicht zugleich
+mit ihm von einem andren Dinge eingenommen werden kann -- das Willensding
+wird zur Substanz; 2. dass es jedem Eindringen in diesen Raum Widerstand
+entgegensetzt, also Einwirkungen ausübt -- das Willensding wird zur
+Ursache. Man könnte denken, diese wesentlichen (begrifflichen) Merkmale
+der Dinge im engren Sinne seien wieder unmittelbar in den mit
+Willensimpulsen verbundenen Sinnenbildern der Sinnendinge gegeben. Aber
+auch hier gilt: es bedarf des Finders, des Blickes des Geistes, und erst
+dieser schafft, erzeugt, freilich nicht willkürlich, sondern im engen
+Anschluss und gemäss dem Sinnenbild, in seiner Thätigkeit von ihm bedingt
+und bestimmt, das wesentliche oder begriffliche Merkmal. Das Finden,
+Erblicken, auf geistigem Gebiete ist eben nicht ein materielles Aufnehmen
+sondern ein Erzeugen, ein Schaffen. Allein, sollte man nicht annehmen
+dürfen, dass wir diese begrifflichen Merkmale nur durch die urteilende
+Thätigkeit gewinnen? Zumal wir ja die Vielheit der Teile des Ausgedehnten
+und der Bewegung anscheinend nur durch Unterscheidung der Teile im Urteile
+erhalten. Diese Unterscheidung im Urteil setzt die Erfassung der Teile als
+einzelner, sozusagen eine Unterscheidung durch den einfachen Blick des
+Geistes voraus. In der durch diese Unterscheidung gegebenen Vereinzelung
+sind die Teile im Sinnenbilde der Ausdehnung und Bewegung nicht vorhanden,
+sondern können erst durch den Blick des Geistes gewonnen werden. Dasselbe
+gilt dann natürlich auch von dem Moment der Berührung und des Übergangs,
+den andern begrifflichen oder wesentlichen Merkmalen der Ausdehnung und
+Bewegung, in denen die einzelnen Teile zu zweien zusammengefasst werden.
+Gewiss kommt in unsrem entwickelten Bewusstsein wie jene Vereinzelung so
+auch diese Zusammenfassung im Urteil zum Ausdruck. Aber wie die im Urteil
+gegebene Vereinzelung, so setzt auch die in ihm gegebene Zusammenfassung
+den einfachen Blick des Geistes, dem wir die Gewinnung der wesentlichen
+Merkmale zuschreiben, voraus. Diese durch den einfachen Blick des Geistes
+sich vollziehende Vereinzelung und Zusammenfassung erzeugt neue
+gedankliche Gebilde im Geiste, eben die wesentlichen, begrifflichen
+Merkmale, die wir mit den Worten gleichzeitige, aufeinanderfolgende
+Vielheit, Berührung, Übergang bezeichnen und die die Grundlage der
+betreffenden unterscheidenden und zusammenfassenden Urteile bilden.
+
+Wir können nicht zugeben, dass die wesentlichen Merkmale, aus denen der
+Begriff nach allgemeiner Annahme besteht, in den Sinnenbildern oder
+Vorstellungen in dem hier erklärten Sinne wirklich enthalten sind. In
+andren Fällen tritt uns das noch deutlicher entgegen. Wir haben
+Sinnenbilder vom Punkt, der keine Ausdehnung hat, von der Linie, die nur
+_eine_ Ausdehnung, von der Fläche, die nur zwei Ausdehnungen hat, von
+einem luftartigen Gebilde als dem Geiste, der den ausschliessenden
+Gegensatz zu allem Körperlichen ausmacht. Es ist einleuchtend, dass die
+hier genannten wesentlichen Merkmale des Punktes, der Linie, der Fläche,
+des Geistes nur durch Negation des in den betreffenden Sinnenbildern
+Enthaltenen gewonnen werden können. Die Negation im eigentlichen Sinne hat
+nur im negativen Urteile ihre Stelle, aber diese im negativen Urteil
+gegebene Negation setzt den Blick für das, was anders ist, als das, was
+negiert wird, voraus.
+
+
+ Neunte Untersuchung.
+
+
+Das Wesen der Dinge.
+
+Aber wir haben immer noch nicht erklärt, was das Wesentliche eigentlich
+ist oder worin das Wesen der Dinge besteht. Am einfachsten scheint die
+Sache bei den mathematischen Gebilden zu liegen. Das Wesen eines Kreises,
+einer Ellipse besteht natürlich nicht in der gezeichneten und von uns
+gesehenen Linie, viel eher in der mathematischen Formel, durch welche das
+Verhältnis der Linie zu dem einen Mittelpunkt des Kreises und zu den
+beiden Mittelpunkten der Ellipse bestimmt wird, in dem Gesetze des Kreises
+und der Ellipse. Sicher kommt die mathematische Formel dem Wesen des
+Kreises und der Ellipse näher als die gezeichnete und gesehene Linie, die,
+um gezeichnet und gesehen zu werden, im Widerspruch mit sich selbst
+mehrere Ausdehnungen haben muss. Aber macht die mathematische Formel das
+ganze Wesen des Kreises und der Ellipse aus? Sie gehören doch zu den
+Kegelschnitten und nehmen innerhalb derselben eine bestimmte, durch neue
+Formeln festgelegte Stellung ein. Diese gehört nicht minder zu ihrem
+Wesen. Sie sind Linien, und Linien begrenzen Flächen; Flächen begrenzen
+Körper, Körper nehmen hinwiederum in der Gesamtheit des Wirklichen eine
+Stellung ein, an der auch die Linien teilnehmen. Auch diese Stellung zur
+Gesamtheit des Wirklichen gehört zum Wesen des Kreises und der Ellipse, ja
+es ist einleuchtend, dass sie ihr eigentliches Wesen bilden muss, da aus
+ihr die Einzelstellung dieser mathematischen Gebilde und somit ihre
+mathematische Formel sich ergiebt und abgeleitet werden kann. Was vom
+Wesen des Kreises und der Ellipse gilt, wird vom Wesen aller Dinge
+behauptet werden müssen. Eine rohe Auffassung sieht in diesem Wesen einen
+beharrlichen, unveränderlichen Seinskern, an dem sich die mit dem Begriffe
+des Dinges verträglichen Veränderungen vollziehen sollen. Einen solchen
+unveränderlichen Seinskern giebt es nicht in den Dingen. Die Veränderungen
+sind Veränderungen der Dinge, nicht an den Dingen. Man kann sich auch
+nicht auf den Begriff des Dinges berufen, um die mit seinem Wesen
+verträglichen Veränderungen des Dinges zu gewinnen. Denn der Begriff, der
+die wesentlichen Merkmale umfasst, setzt das Wesen des Dinges voraus. Das
+unveränderlich sich Gleichbleibende in den Dingen ist ihre Stellung zur
+Gesamtheit des Wirklichen. Sie verleiht den Dingen eine überzeitliche
+Geltung und eine ewige Bedeutung; in ihr besteht das Wesen der Dinge, und
+dieses Wesen ist mit ihrer Wahrheit ein und dasselbe. Wie die Wahrheit, so
+ist darum auch das Wesen unveränderlich und ewig. In diesem höchsten Sinne
+giebt es von jedem Ding nur Einen Begriff. Er ist der Ausdruck für seine
+Stellung in der Gesamtheit des Wirklichen, oder, wie wir auch sagen
+können, für seine Stellung in dem System der Wahrheit. Natürlich ergiebt
+sich auch aus der Stellung eines Dinges in der Gesamtheit des Wirklichen,
+welche Veränderungen es durchlaufen kann, oder welche Veränderungen für
+die Geltendmachung dieser Stellung erforderlich sind.
+
+
+ Zehnte Untersuchung.
+
+
+Der Begriff der Philosophie.
+
+Können wir wirklich für unser Erkennen das Eindringen in das Wesen der
+Dinge in diesem Sinne als Aufgabe in Anspruch nehmen? Geht eine solche
+Aufgabe nicht über die Kraft des Erkennens hinaus? Gilt das Wesen der
+Dinge nicht mit Recht für unerkennbar? Haben wir beispielsweise vom Wesen
+der Farbe eine Erkenntnis? Die Physiker sagen, die Farben seien
+Ätherschwingungen; die Physiologen nennen sie Empfindungen. Aber weder die
+einen noch die andren können uns sagen, was es mit den Ätherschwingungen
+und Empfindungen eigentlich auf sich hat, was ihr Wesen ist. Das Wesen der
+Farbe würden wir erst dann erkannt haben, wenn wir den ursächlichen
+Zusammenhang zwischen den Ätherschwingungen und unsren Empfindungen und
+den Zweckzusammenhang zwischen beiden verstanden hätten, wenn wir wüssten,
+warum die Ätherschwingungen die Farben erzeugen und wodurch sie das
+vermögen. Davon aber sind wir sehr weit entfernt. Wir wissen nicht, wie
+die durch die Ätherschwingungen erzeugten Gehirnvorgänge es machen, dass
+die von ihnen ganz verschiedenen Farbenempfindungen auftreten, und noch
+weniger, warum es der toten und gleichmässigen Ätherschwingungen bedarf,
+um die ganze Farbenwelt hervorzuzaubern, die der Kunst der Malerei ihre
+Existenz verleiht. Noch weniger können wir das Wesen des Menschen
+erkennen. Platon nannte den Körper den Kerker und das Grab der Seele,
+moderne Physiologen betrachten das Bewusstsein als ein überflüssiges und
+unbequemes Nebenprodukt. Die Frage, warum der den Geist so oft behindernde
+Körper mit dem den Körper so oft zum Siechtum verurteilenden Bewusstsein
+verbunden ist, wird heutzutage kaum gestellt. Erst die Beantwortung dieser
+Frage würde uns Aufklärung über das Wesen des Menschen geben. Aber wenn
+wir das Wesen der Dinge gar nicht erkennen können, warum denn von dieser
+Erkenntnis reden und von ihr so viel Aufhebens machen? Wir antworten: das
+Ziel des Erkennens ist unzweifelhaft das Wesen der Dinge, und wer die
+richtige Darstellung vom Erkennen geben will, darf dies sein Ziel nicht
+ausser Acht lassen; mag das Erkennen dasselbe auch nur unvollkommen und
+annähernd erreichen. Man hat die Philosophie nicht mit Unrecht als die
+Wissenschaft vom Wesen der Dinge bezeichnet. Man muss sie folgerichtig
+auch als die Wissenschaft der Fragen bestimmen, denn sie steht mitten im
+Fragen und kommt aus dem Fragen gar nicht heraus. Aber ist das etwa eine
+ihrer unwürdige Bestimmung? Ist die richtig gestellte Frage und das
+Bewusstsein, sie nicht beantworten zu können, wirklich wertlos? Jedenfalls
+ist diese Bestimmung ehrenvoller für die Philosophie, als wenn man sie,
+ihrer gegenwärtigen Lage nicht ganz unangemessen, als die Wissenschaft
+charakterisiert, in der jeder eine andere Meinung hat.
+
+Dass die Philosophie die Wissenschaft der Fragen ist, zeigt sich
+besonders, wenn wir den Begriff des Erkennens ins Auge fassen. Man spricht
+von Erscheinung im Gegensatz zum Wesen und unterscheidet die Erscheinung
+im metaphysischen und erkenntnistheoretischen Sinne. Unter der erstren
+sind die Veränderungen der Dinge zu verstehen, die sich natürlich aus
+ihrer Stellung in der Gesamtheit des Wirklichen ergeben und darum aus
+ihrem Wesen erklären lassen. Unter der letztren sind die Denkvorgänge im
+weitesten Sinne des Wortes, die auch und in erster Linie die sinnlichen
+Empfindungen umfassen, zu verstehen. Sie vermitteln das Erkennen, und
+insofern sie das wirklich oder vermeintlich thun, gelten sie als
+Erscheinung der Dinge in uns. Was hat es mit dieser Erscheinung der Dinge
+in uns, diesen Denkvorgängen, die das Erkennen vermitteln, auf sich? Was
+hat das Erkennen zu bedeuten, was ist sein Wesen? Nur eine blosse
+Abspiegelung, eine müssige Wiederholung der Dinge im Bilde? Sind auch die
+für unsre Erfassung des Wirklichen so notwendigen Ortsbestimmungen, die
+einerseits feste Punkte voraussetzen und anderseits sich doch in lauter
+Beziehungen auflösen, und ebenso die Zeitbestimmungen, von denen das
+Gleiche gilt, Bilder einer von ihnen unabhängig bestehenden Wirklichkeit?
+Dem Bilde ist es eigentümlich, den Gegenstand so wiederzugeben, wie er
+unabgebildeterweise ist. Wäre das Erkennen nur ein Bild des Wirklichen, so
+würden wir den Begriff des Dinges an sich nicht entbehren können. Um ihn
+zu vermeiden, mussten wir eine unauflösliche Verbindung des Erkennens mit
+seinem Gegenstande, der Wahrheit annehmen. Aber erst, wenn wir die Art
+dieser Verbindung zu bestimmen vermöchten, würden wir das Wesen des
+Erkennens erkannt haben, mit ihm auch die Bedeutung der für unsere
+Erfassung des Wirklichen so notwendigen Orts- und Zeitbestimmungen.
+
+
+ Elfte Untersuchung.
+
+
+Die Wahrheit das höchste Gut.
+
+Insofern die Philosophie als Wissenschaft vom Wesen der Dinge und vom
+System der Wahrheit bezeichnet werden muss, ist sie auch die Wissenschaft
+vom höchsten Gute: denn die Wahrheit ist in der That das höchste Gut,
+dasjenige, wodurch alles andere Wert erhält. Wertvoll wird etwas nicht
+etwa dadurch, dass es der Wahrheit nicht ermangelt, sondern geradezu durch
+seine Wahrheit. Dass wir etwas aus sittlichen Gründen thun sollen, dass
+etwas schön ist, gilt natürlich nur insoweit, als eben dies Thun-sollen
+und das Schön-sein wahr ist. Wie wir gewöhnlich sagen, es gilt nur, wenn
+das sittlich Gebotene wahrhaft oder wirklich sittlich, das für schön
+erklärte wahrhaft oder wirklich schön ist. Wahrhaft und wirklich gut oder
+schön ist etwas nur dann, wenn es dem allgemein für alle Denkenden und für
+alle Zeit gültigen, dem in diesem Sinne objektiv gültigen Begriffe des
+sittlich Guten und des Schönen entspricht. Mit diesem Begriff würde sich
+unser Begriff vom sittlich Guten und Schönen erst decken, wenn wir ihn in
+seiner Stellung im System der Wahrheit erkannt hätten. So lange und so
+weit dies nicht der Fall ist, bleibt er missverständlich und einseitig; so
+lange ist er darum kein unzweideutiger und vor allem kein vollständiger
+Ausdruck des wahrhaft und wirklich Guten und Schönen. Für unsren Begriff
+des sittlich Guten und des Schönen, sofern er wirklich wesentliche
+Merkmale enthält, gilt: nicht ohne ihn giebt es etwas Gutes und Schönes.
+Für den Begriff des sittlich Guten und Schönen im System der Wahrheit gilt
+hingegen: nur durch ihn ist etwas schön, ist etwas gut. Auch das Gute und
+Schöne erhält seine Wahrheit und Wirklichkeit lediglich durch seine
+Stellung im System der Wahrheit oder dadurch, dass es in diesem System
+eine Stelle hat. Ähnlich wie vom sittlich Guten und Schönen sprechen wir
+auch von einem wahren, wirklichen Israeliten, von einem wahren, wirklichen
+Menschen, von wahrem, wirklichem Golde u. s. w. Der hier als Massstab
+zugrundeliegende Begriff, ein Soll-Begriff oder Idealbegriff, wird in
+allen diesen Fällen von uns als etwas Allgemeingültiges geltend gemacht
+oder in Anspruch genommen, als etwas, das alle anerkennen müssen, und
+weist damit auf den ihm im System der Wahrheit entsprechenden Begriff hin.
+
+Was wahrhaft und wirklich ist, wird dadurch über die Vergänglichkeit und
+Veränderlichkeit hinausgehoben; es ist nicht bloss etwas Scheinbares,
+nicht etwas zum Verschwinden Bestimmtes, nicht etwas Nichtseinsollendes.
+Aber wenn dem Scheinbaren, dem Nichtseinsollenden auch kein Wert und keine
+Wahrheit zukommen soll, so ist es doch nichtsdestoweniger eine
+Wirklichkeit. Wie ist das möglich? Auch das Vergängliche und
+Veränderliche, worin immer es besteht, ist nur wirklich durch seinen
+überzeitlichen Charakter, durch seine ewige Bedeutung. Sollen wir auch dem
+bloss Scheinbaren, dem Zufälligen, dem Nichtseinsollenden einen
+überzeitlichen Charakter und eine ewige Bedeutung zuschreiben? Wirklich
+kann es nur durch diesen seinen überzeitlichen Charakter und seine ewige
+Bedeutung sein; nur durch sie wird es über den blossen inhaltleeren
+Schein, über den blossen sinnlosen Zufall hinausgehoben, wie der Schatten
+nur sein kann, indem er sich an die Dinge der Umgebung dessen heftet, von
+dem er ausgeht. Das Scheinbare, Nichtseinsollende, Zufällige ist, wie
+später klar werden wird, das nicht wahrhaft und wirklich sondern nur
+anmasslich und vorgeblich Selbständige, das die geliehene Selbständigkeit
+als wirkliche gebraucht und damit zum Schein herabsetzt.
+
+
+
+
+Zweiter Hauptteil.
+
+Unser Wissen.
+
+
+ ------------------
+
+
+
+Dritter Abschnitt.
+
+Kennzeichen der Wahrheit.
+
+
+ Zwölfte Untersuchung.
+
+
+Die Bestandteile des Erkenntnisvorgangs.
+
+Was wesentlich ist, ist einem Ding -- das Wort im weitesten Sinne genommen
+-- wesentlich, es ist ihm zugehörig und gehört mit ihm zusammen. So führt
+der Begriff des Wesentlichen auf den des Zusammengehörigen zurück. Das
+zeigt sich insbesondere, wenn wir den alles Wesentliche zusammenfassenden
+Begriff des Wesens der Dinge näher betrachten. Die Stellung der Dinge in
+der Gesamtheit des Wirklichen, d. h. also ihre Zusammengehörigkeit mit
+allem Wirklichen, macht das Wesen der Dinge aus. Die Zusammengehörigkeit
+ist der Grundbegriff des Erkennens, in dem uns seine wesentlichste Seite
+kund wird; das Wesen der Dinge und ihre Wahrheit ist sein Ziel, aber nur
+durch Erfassung des Zusammengehörigen wird es erreicht.
+
+Das, was zusammengehörig oder wesentlich ist, muss sorgfältig
+unterschieden werden von seiner Zusammengehörigkeit oder Wesentlichkeit.
+Wir erfassen dasselbe mit einem Blick des Geistes, über den das
+entwickelte Bewusstsein verfügt. Es ist vor allem wichtig zu beachten,
+dass dieser Blick nicht als eine Erkenntnis betrachtet werden kann. All
+unser Erkennen setzt ein Vorgefundenes voraus, nicht als seine Quelle,
+sondern als Ausgangspunkt für eine Reihe von Thätigkeiten, die ihm
+vorangehen. Diesen Ausgangspunkt, also das Vorgefundene, bilden die
+Empfindungen und die aus ihnen zusammengesetzten Sinnenbilder. Auch die
+Willensdinge, die durch blosse Association der Sinnenbilder der Ausdehnung
+und Bewegung mit den Willensimpulsen entstehen, ferner die ersten
+Vorstellungen, die wir von einem uns Gegenüberstehenden gewinnen, gehören,
+wie die Sinnenbilder selbst zu den Voraussetzungen des Erkenntnisvorganges
+und können insofern dem Vorgefundenen zugerechnet werden.
+
+Durch den Blick des Geistes, der eine besondere Art der Abstraktion
+bildet, gewinnen wir den Begriff oder die wesentlichen Merkmale dieser
+Willens- oder Sinnendinge. Natürlich belehrt uns dieser Begriff in keiner
+Weise darüber, was den Sinnendingen für die Gesamtheit des Wirklichen für
+eine Bedeutung zukommt. Hier zeigt sich insbesondere, dass die vielen
+Begriffe, auch wenn sie die wesentlichen Merkmale umfassen, also wirkliche
+Begriffe sind, von dem eigentlich einzig und allein diesen Namen
+verdienenden Begriff, der die Stellung des Einzelnen im System der
+Wahrheit bestimmt, ganz und gar verschieden sind. Zur Gewinnung dieses
+Begriffs bedarf es eines sozusagen alles zusammenschauenden Blicks; für
+die Gewinnung jener Begriffe genügt der in Gedanken trennende Blick. Diese
+in Gedanken sich vollziehende Trennung ist der eigentliche Sinn der
+Abstraktion, des lateinischen abstrahere, des griechischen aphaireisthai,
+nicht das Absehen, viel eher das Hinsehen und Festhalten des einen, mit
+Vernachlässigung und Beiseitesetzung des andren im Denken. Es ist klar,
+dass ein solches Trennen, gedankliches Isolieren ein neues gedankliches
+Gebilde eben das auf diese Weise Getrennte und Isolierte und zugleich
+Festgehaltene erzeugen, erschaffen muss. Die so erzeugten, geschaffenen
+Gebilde sind Einzelgebilde des Denkens und als solche im Denken vorhanden,
+nicht erst in Urteilen gegeben. Wenn man den Nachdruck auf das Absehen,
+Fallenlassen, das leicht als Ausscheiden, Verneinen gefasst werden kann,
+legt, so liegt der Gedanke nahe, diese wesentlichen Merkmale seien für uns
+nur in negativen Urteilen vorhanden. Aber das widerspricht einerseits der
+Selbstbeobachtung, der Reflexion auf das, was wir thun, wenn wir diese
+Gebilde festhalten: es ist ein einfaches Hinsehen, Hinblicken, dessen
+thatsächlicher Nebenerfolg das Absehen freilich bildet, aber ohne als
+besonderer Vorgang hervorzutreten. Anderseits setzen diese negativen
+Urteile bereits die Isolierung der wesentlichen und unwesentlichen
+Merkmale also eben diese isolierten Gebilde voraus. Durch diese Isolierung
+gewinnen wir die wesentlichen Merkmale, die zu dem Sinnen- oder
+Willensding gehören: Ausdehnung, Bewegung, Nebeneinander, Nacheinander,
+Substanz, Kausalität. Was die Bedeutung dieser Worte ist, können wir
+freilich nur in Urteilen angeben; aber daraus folgt nicht, dass wir den
+Gedankengehalt dieser Worte auch nur durch Urteile gewinnen. Die Urteile,
+in denen wir die Bedeutung dieser Worte darlegen, setzen vielmehr die
+entsprechenden Einzelgebilde des Denkens voraus, in denen das in den
+Urteilen Verbundene isoliert wird. Diese gedanklichen Einzelgebilde
+schafft, erzeugt der Blick des Geistes, aber er entdeckt und findet sie
+zugleich. Das, was er findet und entdeckt, ist jedenfalls von dem
+Vorgefundenen verschieden, es ist eine Zuthat zu dem Vorgefundenen, die
+freilich nicht willkürlich sondern ihm angemessen ist. Mit dieser Zuthat
+ist das in der Empfindung Gegebene, das Vorgefundene jedenfalls
+überschritten. Sie ist das, was wesentlich ist, das, was zusammengehörig
+ist, wesentlich dem Dinge, zusammengehörig mit dem Ding, in dessen Besitz
+wir zunächst durch den genannten Blick unseres Geistes gesetzt werden.
+
+Die zweite über das Vorgefundene hinausgehende Stufe, die aber auch noch
+nicht als eigentliche Erkenntnis betrachtet werden kann, besteht darin,
+dass sich unsrem Bewusstsein die Wesentlichkeit des Wesentlichen, die
+Zusammengehörigkeit des Zusammengehörigen aufdrängt, dass der Gedanke
+daran sich als unabweislich darstellt. Das Sichaufdrängen der
+Zusammengehörigkeit und Sichalsunabweislichdarstellen darf nicht falsch
+verstanden werden. Es ist ein _Einleuchten_ und hat darum mit äusserem
+Zwange, der uns die Empfindungen aufdrängt, oder mit innerer Nötigung, die
+wir erfahren, wenn uns ein Gedanke verfolgt, nichts zu thun. Es wendet
+sich einfach an die Vernunft des Menschen.
+
+Nun folgt als dritte Stufe die eigentliche Erkenntnis, die in der
+_Einsicht_ der Zusammengehörigkeit oder der Wesentlichkeit besteht.
+Selbstverständlich ist der sich unabweislich aufdrängende Gedanke oder das
+Einleuchten etwas von der Einsicht Verschiedenes. Nur in der Einsicht kann
+die Erkenntnis bestehen. An die Einsicht schliesst sich als vierte Stufe
+das Urteil an, das sich ganz auf die Einsicht stützt und nur als
+gedanklicher Ausdruck der Einsicht aufgefasst werden kann. Als fünfte
+Stufe folgt das Bewusstsein von der Objektivität des Urteils oder das
+Bewusstsein der Wahrheit des Urteils, das seinen Grund in der zweiten
+Stufe, dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit hat. Es folgt als sechste
+Stufe die Gewissheit, der Gegensatz des Zweifels, der allen Zweifel
+ausschliesst und dem Bewusstsein die Festigkeit verleiht, wie der Zweifel
+dasselbe ins Schwanken bringt. Es ist nach dem Zeugnis der Reflexion ganz
+offenbar, dass die Einsicht, der eigentliche Erkenntnisakt, von ihrem
+gedanklichen Ausdruck im Urteil verschieden ist. Weniger deutlich giebt
+sich kund, dass von der Einsicht auch der Zustand der Gewissheit und das
+Bewusstsein der Wahrheit verschieden ist; aber beide setzen die Erkenntnis
+als vollendet voraus und dürfen darum nicht mit der Einsicht verselbigt
+werden.
+
+Das Urteil entspricht dem Finden der wesentlichen Merkmale durch den Blick
+des Geistes. Wie durch das letztere ein Einzelgebilde des Denkens erzeugt
+wird, so durch das erstere eben jene Urteil genannte Verbindung, sei es
+eines Sinnenbildes, sei es eines Einzelgebildes des Denkens mit einem
+andren Einzelgebilde, eben dem wesentlichen Merkmal. Wie das Einzelgebilde
+des Denkens im Worte seinen Ausdruck findet, so die Urteil genannte
+Verbindung im Aussagesatze. Aber sowohl das Einzelgebilde wie diese
+Verbindung sind gedanklicher Natur und müssen darum sorgfältig von dem
+sprachlichen Ausdrucke unterschieden werden. Der Auffindung des
+wesentlichen Merkmales folgt das Einleuchten und die Einsicht, dem Urteil
+das Bewusstsein der Wahrheit und die Gewissheit. Auch diese Glieder
+entsprechen sich: das Einleuchten dem Bewusstsein der Wahrheit und die
+Einsicht der Gewissheit. Es sind Zustände, nicht Schöpfungen des
+Bewusstseins, von denen Einleuchten und Bewusstsein der Wahrheit einen
+objektiven, Einsicht und Gewissheit einen subjektiven Charakter haben. Das
+Kennzeichen der Wahrheit besteht für uns in dem Einleuchten, der zweiten
+über das Vorgefundene hinausgehenden Stufe des Erkenntnisvorgangs. Es
+liegt nahe -- und das geschieht oft genug -- die Einsicht für das
+Kennzeichen der Wahrheit zu halten; wird doch das griechische enargein und
+das lateinische evidentia oft genug mit Einsicht wiedergegeben oder die
+Einsicht näher als das Einleuchten der Wahrheit erklärt. Natürlich kann
+unter dieser Voraussetzung nicht von einem criterium secundum quod ausser
+für die nachträgliche Reflexion, sondern nur von einem criterium quo
+cognoscitur die Rede sein. Wir verstehen unter dem Kriterium oder
+Kennzeichen der Wahrheit nicht diesen subjektiven Zustand der Einsicht
+sondern das Einleuchten, Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit, die
+Unabweislichkeit des Gedankens derselben, die natürlich etwas Objektives
+ist und darum auch die Objektivität des Urteils oder das Bewusstsein
+seiner Wahrheit begründen kann.
+
+
+ Dreizehnte Untersuchung.
+
+
+Die Gesetze des Erkennens.
+
+Die Wahrheit, das Ziel des Erkennens ist nicht eine zusammenhanglose Summe
+von Teilen sondern ein Ganzes, in dem jeder Teil den andern bedingt und
+trägt, kein Chaos sondern ein System, und dieses System ist der Wahrheit
+so wesentlich, dass eine einzelne Wahrheit nur Wahrheit ist durch ihren
+Zusammenhang mit dem Ganzen. Man kann darum streng genommen nicht von
+einer einzelnen Wahrheit sprechen sondern nur von einem Reiche der
+Wahrheit. Die verschiedenen zusammengehörigen Wahrheiten als
+zusammengehörige, also ihre Zusammengehörigkeit zum Bewusstsein bringen,
+so den Zusammenhang aller Wahrheit herstellen, oder besser gesagt die Eine
+Wahrheit finden, das ist das Ziel des Erkennens. Die Ableitung und
+Erschliessung der einen Wahrheit aus der andren ist nur die Kehrseite
+dieses Zieles, seine bloss formale Folgeerscheinung, und von viel
+geringerer Bedeutung.
+
+Das ist freilich ein hohes, ein allzuhohes Ziel. Der Zusammenhang aller
+Wahrheit, oder, was dasselbe ist, das Wesen der Dinge zu erkennen, den
+Einen Gedanken zu finden, der über alles Licht verbreitet, ist uns bis
+jetzt versagt. Wir müssen uns mit einzelnen Strahlen dieses Lichtes
+begnügen. Wir kommen nur wenig über die wesentlichen Merkmale der Dinge
+hinaus, und wenn wir darunter diejenigen verstehen, von deren
+Zugehörigkeit zu den Dingen wir eine Einsicht haben, reichen wir in vielen
+Fällen nicht einmal an diese heran. So tritt für unser Denken an die
+Stelle des Gesetzes der Zusammengehörigkeit, das uns die Aufgabe stellt,
+alle Wahrheiten in ihrer Zusammengehörigkeit und somit als die Eine
+Wahrheit zu erfassen, das Gesetz der Übereinstimmung, nach dem sich die
+Wahrheit und Falschheit unsrer einzelnen Urteile bestimmt. Wir
+unterscheiden vier, beziehungsweise acht Formen dieses Gesetzes, deren
+Wahrheit uns unmittelbar einleuchtet. Erstens, das Zugehörige muss
+zugesprochen werden. Zweitens, das Zugehörige darf nicht abgesprochen
+werden. Drittens, das Nichtzugehörige muss abgesprochen werden. Viertens,
+das Nichtzugehörige darf nicht zugesprochen werden. Zu dem Zugehörigen
+gehört auch das Enthaltene. Was in einem Subjekt enthalten ist, gehört zu
+ihm, aber nicht das Gegenteil gilt: was in einem Subjekt nicht enthalten
+ist, kann ganz wohl ihm zugehören. Daraus ergeben sich die vier weiteren
+nicht die Zugehörigkeit sondern das Enthaltensein betreffenden Formen.
+Fünftens, das Enthaltene muss zugesprochen werden. Sechstens, das
+Enthaltene darf nicht abgesprochen werden. Siebentens, das Nichtenthaltene
+darf nicht als enthalten zugesprochen werden. Achtens, das Nichtenthaltene
+muss als enthalten geleugnet werden. Der Zusatz als enthalten in sieben
+und acht ist notwendig, weil auch das Nichtenthaltene zugehörig sein kann.
+Was immer zugesprochen oder abgesprochen wird, wird als zugehörig
+zugesprochen oder abgesprochen; deshalb bedarf es des Zusatzes als
+zugehörig in drei und vier nicht, er ist ohne weiteres in diesen Formen
+eingeschlossen. Setzen wir voraus, dass das negative mit dem unendlichen
+Urteil: der Mensch ist nicht sterblich -- ist unsterblich; der Kreis ist
+nicht rund -- ist nichtrund, dieselbe Bedeutung hat, so ergiebt sich, dass
+die Formen zwei und drei und die Formen sechs und sieben dasselbe
+ausdrücken. Man kann sie im Gegensatz zu dem Gesetze der Übereinstimmung
+als Formen des Gesetzes des Widerspruches bezeichnen, das eigentlich nur
+die negative Seite des Gesetzes der Übereinstimmung bildet. Es ist ein
+Widerspruch nicht bloss das Nichtenthaltene als enthalten zu behaupten,
+wie es die siebente Form, sondern auch das Nichtzugehörige als zugehörig
+zu behaupten, wie es die dritte Form verbietet.
+
+Nicht bloss, was in einem Subjekt enthalten ist, kommt ihm zu, sondern
+auch das nicht in ihm Enthaltene, sofern es zu ihm gehört. Würde nur das
+erstere ihm zukommen, so gäbe es keinen Fortschritt im Erkennen. Aber
+giebt es etwas nicht in einem Subjekt Enthaltenes, das trotzdem zu ihm
+gehört? Ohne Zweifel, wenigstens für alle diejenigen, welche Sinnenbild
+und Vorstellung von dem Begriff, der die wesentlichen Merkmale umfasst,
+unterscheiden und von diesen wesentlichen Merkmalen behaupten, dass sie
+nicht in den Sinnenbildern oder Vorstellungen enthalten sind. Fassen wir
+unter dieser Voraussetzung das Subjekt unter der Vorstellung auf und legen
+ihm ein wesentliches Merkmal bei, oder fassen wir es unter einem
+wesentlichen Merkmal auf und legen ihm ein anderes wesentliches Merkmal
+bei, so schreiben wir offenbar dem Subjekt etwas zu, das nicht in ihm
+enthalten ist. Natürlich kommt dem Subjekt auch das zu, was in ihm
+enthalten ist, und so ergiebt sich als besonderer Fall des Gesetzes der
+Übereinstimmung das Gesetz des Enthaltenseins, das die Formen fünf bis
+acht umfasst.
+
+Es giebt sehr vieles, was in einem Subjekt nicht enthalten ist und ihm
+doch nicht abgesprochen werden darf, vielmehr zugesprochen werden muss.
+Freilich liegt es sehr nahe, alle Urteile für analytische oder
+Erläuterungsurteile, d. h. auf dem Verhältnis des Enthaltenseins beruhende
+Urteile zu halten, wenn man bloss auf den gedanklichen Ausdruck der
+Urteile achtet. Allein diesem gedanklichen Ausdruck, der immerhin als
+blosse Analyse betrachtet werden mag, liegt eine Synthese zugrunde. Wir
+denken, ehe wir urteilen, das Subjekt unter dem Gesichtspunkt des
+Prädikats. Die Zusammengehörigkeit beider drängt sich uns auf, wir sehen
+sie ein, und nun machen wir sie im Urteil geltend. Das alles sind wahre
+Synthesen, sie kehren bei allen Urteilen, die für den Fortschritt unsres
+Erkennens von Bedeutung sind, wieder. Fasst man das so unter dem
+Gesichtspunkte des Prädikats gedachte Subjekt als eine Einheit auf, so ist
+das Urteil natürlich, wie es sich uns in seinem gedanklichen Ausdruck
+darstellt, ein bloss analytischer Vorgang. Wäre es _bloss_ dies, dann gäbe
+es keinen Fortschritt in unsrem Erkennen, da alles Erkennen sich in
+Urteilen vollzieht, oder darin wenigstens seinen gedanklichen Ausdruck
+findet. Der Begriff des Enthaltenseins und des analytischen Verfahrens
+thut unsrem Erkennen nicht genüge; wir müssen ihn ersetzen durch den der
+Zusammengehörigkeit und der Synthese.
+
+Vom Enthaltensein kann nur bei einander über- oder untergeordneten
+Begriffen die Rede sein; der übergeordnete Begriff ist in dem
+untergeordneten enthalten. Dieses Verhältnis gilt also nur für die
+sogenannten logischen Teile, für die Gattungs- und Artmerkmale, nicht für
+die metaphysischen Teile. Geschwindigkeit und Richtung sind nicht in der
+Bewegung enthalten, Stärke und Höhe nicht im Tone, sie sind Eigenschaften,
+notwendige Eigenschaften von Bewegung und Ton, ohne die beide nicht sein
+können, aber nicht Merkmale, die ihnen übergeordnet werden könnten; oder
+genauer, die eine Gattung bilden, der Bewegung und Ton untergeordnet sind.
+Das Verhältnis des Enthaltenseins ist das Verhältnis des Allgemeinen zum
+Besondren. Es ist nicht das einzige, nicht einmal das wichtigste
+Verhältnis für unser Erkennen. Die Inhaltsmerkmale oder Constitutive eines
+Begriffs sind in ihm wirklich enthalten; sie sind ausser dem letzten
+unterscheidenden Merkmale auch Merkmale des höheren, übergeordneten Art-
+oder Gattungsbegriffes, und verhalten sich darum zu dem Begriff in der
+That wie das Allgemeine zum Besondren. Der Gedanke liegt freilich nahe,
+dass dieses Verhältnis, wenn nicht das einzige, so doch das
+hauptsächlichste für unser Erkennen bildet. Gilt doch allgemein bei den
+Aristotelikern das Prädikat des Urteils als der allgemeinere Begriff und
+wird hiernach das Verhältnis von Subjekt und Prädikat als ein
+Subsumtionsverhältnis bestimmt. Statt der Baum blüht, sollen wir hiernach
+sagen, der Baum ist blühend, oder besser noch, ein blühendes Etwas; statt
+der Mensch ist sterblich, der Mensch ist ein sterbliches Wesen. Auf diese
+Weise wird freilich das Urteil in das Subsumtionsverhältnis eingespannt.
+Aber die Eigentümlichkeit der von diesem Verhältnis verschiedenen
+Verhältnisse von Ding und Vorgang, Ding und Eigenschaft werden dabei
+unterdrückt und beseitigt. Man muss die vier Kategorien von Begriffen
+unterscheiden: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung. In jeder dieser
+Kategorien giebt es über- und untergeordnete Begriffe, aber man kann die
+Begriffe der einen Kategorie nicht denen der andren über- oder
+unterordnen. Der Vorgang hat das Eigentümliche eines zeitlichen Anfangs,
+Verlaufs und Endes, das einer Reihe von Veränderungen eines Veränderlichen
+gleichkommt. Die Eigenschaft hat das Eigentümliche eines Unselbständigen
+gegenüber einem Selbständigen, das an dessen Sein teilnimmt und ohne
+dasselbe nicht vorhanden sein kann. Die Beziehung hat das Eigentümliche,
+dass sie zwischen zwei Gliedern besteht und ohne diese Glieder nicht
+vorhanden sein kann. Überall handelt es sich hier um Verhältnisse, die vom
+Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren oder vom Verhältnis des
+Enthaltenseins verschieden sind und für unser Erkennen eine viel
+wichtigere Rolle spielen. Die Eigenschaft ist das Endglied des
+Substanzverhältnisses, der Vorgang das Mittelglied des
+Ursachverhältnisses, die Beziehung das, was die Zusammenfassung der
+einzelnen Wahrheiten zu dem System oder Reiche der Einen Wahrheit
+ermöglicht.
+
+Die einzige Möglichkeit, alles auf das Verhältnis des Enthaltenseins
+zurückzuführen, besteht darin, dass man auch die sogenannten negativen
+Merkmale als in den Dingen enthalten oder als Inhaltsmerkmale derselben
+betrachtet. Dann ist in jedem Gegenstande alles Aussagbare enthalten.
+Allein negative Merkmale setzen negative Urteile voraus und haben nur in
+ihnen Halt und Bestand. Durch diese negativen Urteile werden sie aber
+gerade von den betreffenden Gegenständen ausgeschlossen. Man müsste also
+das Ausgeschlossene als eingeschlossen, d. h. das, was nicht zum Inhalt
+gehört, als zum Inhalt gehörend, oder das, was nicht Bestandteil des
+Inhalts ist, als Bestandteil des Inhalts betrachten, wollte man die
+negativen Merkmale für Inhaltsmerkmale erklären. Heutzutage, wo wir so
+stark sind in dem Voraussehen der Konsequenzen im praktischen Leben sowohl
+wie in der Wissenschaft, dass wir darüber die Prinzipien kaum noch
+beachten oder ununtersucht auf sich beruhen lassen, ist es nicht zu
+verwundern, dass alles zur Analyse drängt und von Synthese nichts wissen
+will. Aber der Natur und dem Wesen des Erkennens geschieht damit nicht
+genüge. Das ist es, was wir betonen möchten.
+
+Das Gesetz der Übereinstimmung, des Enthaltenseins und des Widerspruchs
+sind Gesetze für die Einzelurteile, aber auch die einzigen Gesetze, nach
+denen die Wahrheit und Falschheit der Einzelurteile bestimmt werden kann.
+Sie sind in allen ihren Formen, jede für sich genommen, unmittelbar
+einleuchtend. Das gewöhnlich aufgestellte Gesetz des ausgeschlossenen
+Dritten ist nicht Gesetz für ein Einzelurteil sondern nur für das
+Verhältnis zweier Urteile zu einander. Es lautet: Wenn von zwei Urteilen
+eins dasselbe bejaht, was das andere verneint, -- so ist notwendig eins
+von beiden wahr, sie können nicht beide falsch sein, die Wahrheit ist
+nicht ein Drittes, von Bejahung und Verneinung nicht Betroffenes; -- sie
+können nicht beide wahr sein, eins von beiden ist falsch, auch die
+Falschheit ist nicht ein Drittes, weder in der Bejahung noch in der
+Verneinung Ausgedrücktes. Nach diesem Gesetze folgt aus der Wahrheit von
+eins die Falschheit des Gegenteils von zwei, aus der Falschheit des
+Gegenteils von zwei die Wahrheit von zwei; und dasselbe gilt von drei und
+vier, von fünf und sechs, von sieben und acht. Eigentlich heisst das
+Gesetz nur: zwischen Bejahen und Verneinen giebt es kein Mittleres;
+Bejahen und Verneinen sind ausschliessende Gegensätze. Dass sie es sind,
+kommt uns bei einem Vergleiche von eins und zwei, drei und vier, fünf und
+sechs, sieben und acht zum Bewusstsein. Aber auch nur hier, wo es sich um
+das Einzelwirkliche handelt.
+
+
+ Vierzehnte Untersuchung
+
+
+Gesetze des Erkennens. (Fortsetzung.)
+
+Giebt es keine weiteren Gesetze des Erkennens? Die genannten Gesetze sind
+eigentlich nur Gesetze für das Einzelwirkliche; sie geben Bestimmungen
+über das, was zu ihnen gehört oder nicht zu ihnen gehört. Sofern dieses
+Einzelwirkliche das Subjekt der Urteile bildet, sind sie Gesetze der
+Urteile. Aber das Einzelwirkliche ist Glied der Gesamtwirklichkeit, und
+diese seine Stellung zur Gesamtwirklichkeit macht sein eigentliches Wesen
+aus. Es muss auch Gesetze für den Zusammenhang alles Wirklichen geben, den
+wir auf dem Wege des Schlusses erkennen. Diese Gesetze sind darum Gesetze
+des Schlusses. Es sind drei Gesetze: das Gesetz der Einheit, das Gesetz
+der Kausalität und das Gesetz des Grundes. Es ist eine alte Rede vom
+Einheitsstreben unserer Vernunft. Aber Einheit ist nicht Einerleiheit,
+nicht Dieselbheit, sogern das auch der Analytiker annähme. Die rein
+äusserlichen Orts- und Zeitbestimmungen, deren wir zur Unterscheidung des
+Einzelwirklichen von einander bedürfen, setzen feste Punkte in Raum und
+Zeit voraus, die dann aber sofort sich in lauter Beziehungen auflösen.
+Beziehungen ohne Beziehungsglieder sind undenkbar. Also muss ein über
+allen Zeit- und Raumbestimmungen stehendes Sein angenommen werden, das
+diesen Beziehungen Halt und Bestand giebt. Unser Bewusstsein, das
+ebenfalls dem Fluss der Zeit angehört, kann dieses Sein nicht ausmachen.
+Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass Raum und Zeit etwa nur
+Formen unserer Anschauung sind. Das mag sein, eine Bedeutung für die Welt
+der Wirklichkeit kommt ihnen unzweifelhaft zu, mögen wir dieselbe kennen
+oder nicht. Zu dem gleichen Ergebnis führte schon den Aristoteles die
+Bewegung, die er als eine anfangslose betrachtete. Nehmen wir eine
+rückwärts sich erstreckende unendliche Zahl von Bewegungsgliedern an, von
+denen das nachfolgende Glied immer von dem vorausgehenden abhängt, so
+haben wir lauter abhängige Glieder; die unendliche Reihe ist so lange ohne
+Halt und Bestand, als wir nicht ein über ihr stehendes Unbewegtes, den
+unbewegten Beweger des Aristoteles annehmen, in dem die Bewegung ihren
+Grund hat, ohne dass er an ihr teilnimmt. Wir betonten früher, dass es
+keine Einzelwahrheit giebt und demnach auch strenggenommen keine einzelnen
+Wesen, da alles mit einander im Zusammenhang steht, und das Eine in dem
+Andern seine Stütze und seine Begründung findet. Das Reich der Wahrheit
+ist ein Ganzes, keine Summe von Teilen, kein wirres Durcheinander, sondern
+eine nach Gründen geordnete oder besser durch einen
+Begründungszusammenhang gegliederte Einheit. Jede Wahrheit hat ihren
+objektiven Grund, auch die unmittelbar einleuchtenden Thatsachen und
+Prinzipien, für die wir einen Beweis nicht führen können und die in sofern
+_subjektiv_ für uns _grundlos_ sind. Man könnte sich das Reich der
+Wahrheit nun als ein System von Gliedern denken, die sich gegenseitig
+stützen und tragen. Allein die Beziehung zur Erkenntnis ist der Wahrheit
+wesentlich. Die Wahrheiten sind keine Dinge an sich, die wir so erkennen,
+wie sie unerkannter Weise sind. Ihr Einheitspunkt ist darum das ihnen
+allen gemeinsame göttliche Erkennen oder Denken, an dem unser Erkennen
+teilnimmt. In ihm haben sie ihren letzten _objektiven Grund_, ganz
+verschieden von dem subjektiven Grund unserer Einsicht. In diesen
+Gedankengängen von den Zeit- und Ortsbestimmungen zu dem über Zeit und Ort
+Erhabenen, von der Bewegung zu dem unbewegten Beweger, von dem System der
+Wahrheiten zu dem Erkennenden und Denkenden, in dem es seinen Grund hat,
+macht sich das Einheitsgesetz unseres Denkens geltend. Es lautet: Das
+System der Wahrheit setzt einen Erkennenden voraus, in dem es seine
+Einheit hat.
+
+Als weiteres Gesetz unseres Erkennens bezeichnen wir das Gesetz der
+Kausalität: Was anfängt zu existieren, setzt ein Anderes voraus, das bei
+seinem Anfange schon vorhanden ist und diesen Anfang ermöglicht -- Gesetz
+der Ermöglichung. Das Gesetz der Kausalität verhält sich ähnlich zum
+Einheitsgesetz wie das des Widerspruchs zum Gesetz der Übereinstimmung.
+Wie das Gesetz des Widerspruchs zum Gesetze der Übereinstimmung
+hinüberleitet, so das Gesetz der Kausalität zum Einheitsgesetz. Meistens
+müssen wir uns mit der Wegräumung des Unwesentlichen begnügen, und dazu
+verhilft uns das Gesetz des Widerspruchs immer, auch wenn wir nicht im
+stande sind, das Wesentliche oder eigentliche Wesen der Dinge zu erkennen.
+Meistens müssen wir uns auch zufrieden geben mit der Herstellung des
+Kausalzusammenhangs der Dinge mittels des Kausalitätsgesetzes. Und diese
+Herstellung gelingt uns fast immer, wenn wir auch die Stellung der Dinge
+in der Gesamtheit des Wirklichen nach dem Einheitsgesetz nicht zu erkennen
+vermögen. Falsch ist die Formel des Gesetzes: Was anfängt zu existieren,
+setzt ein Anderes voraus, aus dem es notwendig hervorgeht. Diese Formel
+schiebt das Gesetz der Kausalität in das Gesetz des Grundes hinein, die
+Wirkung wird dadurch zur blossen logischen Folge herabgesetzt. Was immer
+unter dem causari verstanden werden mag, es ist verschieden von sequi. Das
+Gesetz der Kausalität in der von uns gegebenen Form ist unmittelbar
+evident. Es leuchtet uns unabweislich ein, dass kein Ding sich den Anfang
+seines Seins selbst geben kann, sondern eines Andern bedarf, das diesen
+Anfang ermöglicht, obgleich die erstere Annahme keineswegs einen
+Widerspruch einschliesst. Sicher wäre es widersprechend, wenn man annehmen
+wollte, ein Ding könne freilich nicht selbst seinen Anfang ermöglichen,
+und doch leugnete, dass dazu etwas von ihm Verschiedenes schon bei seinem
+Anfange Vorhandenes notwendig sei. Aber bedarf es einer Ermöglichung des
+Anfangs? Darüber sagt uns das Gesetz des Widerspruchs nichts. Das Gesetz
+der Kausalität bejaht die Frage, und diese Bejahung drückt seinen
+eigentlichen Sinn aus. Natürlich ist das Gesetz der Kausalität auch ganz
+etwas andres, als das von der Gleichförmigkeit des Naturlaufs, das auf
+induktivem Wege gewonnen wird, und als das viel weniger gesicherte
+Seitenstück desselben, dass alle Denkenden unter gleichen Umständen
+gleiche Urteile fällen. Das Gesetz von der Gleichförmigkeit des Naturlaufs
+ist nur eine Zusammenfassung unserer Erfahrungen von der Qualität der
+Ursachen oder Ermöglichungsgründe, worüber uns natürlich nur die Erfahrung
+und nicht das ganz allgemeine Gesetz der Kausalität oder Ermöglichung
+belehren kann. Von Evidenz kann bei dem Gesetze der Gleichförmigkeit keine
+Rede sein.
+
+Als letztes Gesetz erwähnen wir das Gesetz des Grundes. Es lautet: Bei
+Bejahung des Grundes muss auch die Folge bejaht werden, und bei Verneinung
+der Folge muss auch der Grund verneint werden. Da eine Folge verschiedene
+Gründe haben kann, so gilt wenigstens nicht allgemein die Umkehrung des
+ersten Teiles des Gesetzes: Bei Bejahung der Folge muss auch der Grund
+bejaht werden. Da die Folge im Grunde enthalten ist, so gilt natürlich
+immer: Wenn die Folge, das Enthaltene, nicht vorhanden ist, so ist auch
+der Grund, das die Folge notwendig Enthaltende, nicht vorhanden. Es
+handelt sich hier offenbar lediglich um das Verhältnis des Enthaltenseins.
+Das Gesetz des Grundes ist nichts andres, als das Gesetz des
+Enthaltenseins in seiner Anwendung auf zwei oder mehrere Urteile, die sich
+wie Grund und Folge verhalten. Natürlich kann das Gesetz des Grundes
+ebensowenig wie das des Enthaltenseins zu einer Erweiterung unserer
+Erkenntnisse dienen und hat deshalb, wie dieses letztere, einen bloss
+formalen Charakter.
+
+Wenn wir das in einem Subjekt Enthaltene von ihm leugnen, das in einem
+bejahten Urteil enthaltene andere Urteil leugnen, oder auch trotz der
+Verneinung des enthaltenen Urteils das enthaltende bejahen, so verstossen
+wir nicht bloss gegen das Gesetz des Enthaltenseins und gegen das Gesetz
+des Grundes sondern auch gegen das Gesetz des Widerspruchs: wir
+widersprechen uns selbst. Insofern kann man die Form, welche wir, die
+Verneinung zu Hülfe nehmend, dem Gesetze des Grundes geben können: Bei
+Bejahung des Grundes darf nicht die Folge verneint und bei Verneinung der
+Folge nicht der Grund bejaht werden, als dritte Form des Gesetzes des
+Widerspruchs bezeichnen. Das, was wir als erste Form des Gesetzes des
+Widerspruchs bezeichnen können: Das Nichtzugehörige nicht zusprechen oder
+als zugehörig bejahen, ist natürlich von etwas anderer Art als die dem
+Verhältnis des Enthaltenseins entsprechende zweite und dritte Form des
+Gesetzes. Wer gegen diese zweite und dritte Form verstösst, widerspricht
+sich selbst, wer hingegen gegen die erste Form verstösst, legt bloss einem
+Subjekt ein nicht zu ihm gehörendes Prädikat bei, das im Subjekt nicht
+enthalten ist, ihm also auch nicht widerspricht. Aber er legt doch ein
+nicht zugehörendes Prädikat als zugehörend bei und begeht in sofern einen
+Widerspruch.
+
+Das Gesetz der Übereinstimmung, das Einheitsgesetz und das Gesetz der
+Kausalität sind Realgesetze, die den Fortschritt unsres Denkens
+ermöglichen und begründen, müssen darum als Gesetze des Erkennens im
+strengen Sinne bezeichnet werden; das Gesetz des Enthaltenseins und das
+Gesetz des Grundes sind Formalgesetze, nach denen der Inhalt der
+gewonnenen Erkenntnis zergliedert wird, also eigentlich Denkgesetze. Indes
+auch durch Verneinung des Nichtzugehörigen und ebenso auch durch
+Verneinung des Nichtenthaltenen findet entschieden ein Fortschritt des
+Erkennens statt. Insofern kann auch das Gesetz des Widerspruchs eine reale
+Bedeutung haben.
+
+
+ Fünfzehnte Untersuchung.
+
+
+Erkenntnis und blinde Überzeugung.
+
+Wir unterschieden den Blick, der die zusammengehörigen Merkmale entdeckt;
+das Sichaufdrängen oder Einleuchten der Zusammengehörigkeit; das Sehen,
+Wahrnehmen dieser Zusammengehörigkeit oder die Einsicht in dieselbe, worin
+der eigentliche Erkenntnisakt besteht; den gedanklichen Ausdruck der
+Zusammengehörigkeit im Urteil; das Bewusstsein der Objektivität oder
+Wahrheit des Urteils, das dem Einleuchten oder Sichaufdrängen der
+Zusammengehörigkeit entspricht; endlich die Überzeugung von der Wahrheit
+oder Gültigkeit des Urteils, die zur Gewissheit wird, wenn sie jeden
+Zweifel ausschliesst. Die thörichte Frage, ob das Ding so ist, wie wir es
+mit den leiblichen Augen sehen, stellen wir nicht, auch nicht die, ob ein
+solches Ding existiert, sondern die andere, was das Ding seinem Wesen,
+seiner Wahrheit nach ist. Das hängt natürlich von seiner Stellung in der
+Gesamtheit des Wirklichen ab und kann nur mit dem Auge des Geistes gesehen
+werden.
+
+Das auf Einsicht beruhende Urteil und die auf Einsicht beruhende
+Überzeugung haben natürlich, wie die Einsicht selbst, in dem Einleuchten
+der Zusammengehörigkeit einen vernünftigen sie vollkommen rechtfertigenden
+Grund, der aber, wie wir sehen werden, keineswegs zwingend ist. Einsicht
+darf nicht mit Denknotwendigkeit verwechselt werden. Allein Urteil und
+Überzeugung können auch ohne vernünftigen Grund eintreten. Wir sprechen
+dann von blindem Urteil, blinder Überzeugung. Natürlich hat auch das
+blinde Urteil und die blinde Überzeugung einen Grund, nur keinen
+zureichenden, wirklich rechtfertigenden Grund. Ihr Grund besteht in den
+Gefühlen des Gefallens und Missfallens, der Abneigung und Zuneigung, in
+der durch die Meinung anderer, zu der auch die öffentliche Meinung gehört,
+entstehenden Gewöhnung, in den von dort her rührenden Vorurteilen der
+Familie, des Standes, der Nation, der Konfession, des Berufs, in der
+Erziehung, in ererbten und erworbenen Gehirndispositionen, endlich im
+Egoismus und Lebenstrieb, der sich im Wettbewerb und im Kampfe ums Dasein
+kundgiebt. Aus allen diesen Gründen entsteht zunächst ein blindes
+Urteilen, oder gedankliches Behaupten, das, wenn es oft genug wiederholt
+wird, eine blinde Überzeugung zur Folge hat, die freilich auch unmittelbar
+aus diesen Gründen, insbesondere aus den Gefühlen der Abneigung und
+Zuneigung, des Gefallens und Missfallens, dann aus dem Egoismus und
+Lebenstriebe hervorgehen kann. Diesem blinden Urteilen und Überzeugtsein
+folgt dann das vermeintliche Sehen, Wahrnehmen der Zusammengehörigkeit,
+die vermeintliche Einsicht in dieselbe, die natürlich keine Erkenntnis
+ist, weil sie des vernünftigen Grundes, auf dem alle Erkenntnis beruht,
+ermangelt. Die Erkenntnis ist wirkliche, nicht bloss vermeintliche
+Einsicht in die Zusammengehörigkeit und beruht auf dem Einleuchten dieser
+Zusammengehörigkeit. Diese wirkliche Einsicht geht immer dem Urteil, der
+gedanklich behaupteten Zusammengehörigkeit, voran und unterscheidet sich
+dadurch wesentlich von der vermeintlichen Einsicht. Wie solche blinden
+Urteile und Überzeugungen des vernünftigen, sie rechtfertigenden Grundes
+ermangeln, der nur in dem Einleuchten der Wahrheit bestehen kann, so
+ermangeln sie damit auch des Kennzeichens der Wahrheit, das eben in diesem
+Einleuchten besteht. Wenn sie wahr sind, so sind sie doch nur zufälliger
+Weise wahr; eine Bürgschaft für ihre Wahrheit bieten sie in keiner Weise.
+
+Mit der in der Einsicht bestehenden Erkenntnis ist immer eine Gewissheit
+verbunden, sie ist von derselben unabtrennbar. Unter Gewissheit aber
+verstehen wir eine Überzeugung, die jeden Zweifel ausschliesst. So lange
+wir zweifeln, hin- und herschwanken, oder auch die Gründe für oder gegen
+eine Sache abwägen, erkennen wir nicht. Wenn wir aber sagen: das ist
+zweifelhaft, entweder weil gar keine Gründe dafür sprechen, oder weil die
+Gründe, die dafür sprechen, nicht durchschlagend sind; wenn wir ferner
+sagen: das ist wahrscheinlich oder das ist unwahrscheinlich, weil mehr
+oder weniger Gründe für eine Sache sprechen als für ihr Gegenteil, so ist
+das eine Erkenntnis; wir sagen so, weil wir es einsehen. Eine
+wahrscheinliche oder zweifelhafte Einsicht giebt es nicht, sondern nur
+eine Einsicht, dass etwas wahrscheinlich oder zweifelhaft ist. Die
+Einsicht ist eben immer mit der Gewissheit verbunden und von ihr
+unabtrennbar, aber auch die blinde Überzeugung kann jeden Zweifel
+ausschliessen und so zur Gewissheit werden. Von dieser Art ist
+unzweifelhaft die Überzeugung des Fanatikers oder desjenigen, der
+blindlings einem Andern in rückhaltloser, unbedingter Weise vertraut. Ihre
+Überzeugung schliesst sicher jeden Zweifel aus und muss darum als
+Gewissheit bezeichnet werden. Freilich ist das eine blinde Gewissheit, die
+von der auf Einsicht beruhenden und von ihr unabtrennbaren Gewissheit
+verschieden ist. Offenbar hat die Gewissheit, insofern sie jeden Zweifel
+ausschliesst, also nach ihrer negativen Seite, keine Grade; nach ihrer
+positiven Seite hat sie allerdings, wenigstens als blinde Gewissheit,
+ebenso wie die blinde Überzeugung, Grade. Die blinde Gewissheit kann nicht
+als ein Maximum der blinden Überzeugung betrachtet werden, sondern ist
+durch die Leidenschaftlichkeit des Blindglaubenden einer Steigerung bis
+ins Unermessliche fähig. Anders scheint es mit der auf Einsicht beruhenden
+Gewissheit zu sein. Die Einsicht hat natürlich keine Grade, sie ist
+entweder vorhanden oder nicht vorhanden. Ein Mehr oder Minder giebt es
+hier nicht. Dasselbe scheint auch von der mit der Einsicht verbundenen
+Gewissheit zu gelten. Sie ist nicht bloss nach ihrer negativen sondern
+auch nach ihrer positiven Seite ohne Grade.
+
+
+ Sechzehnte Untersuchung.
+
+
+Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit.
+
+Es ist keine Frage, dass es ein vermeintliches Einleuchten giebt, dass wir
+oft glauben, die Zusammengehörigkeit leuchte uns ein und doch hinterher
+bekennen müssen, dass wir uns getäuscht haben. Wir wechseln nicht bloss
+unsere Ansichten sondern auch unsere Einsichten, verwerfen eine frühere
+Einsicht als bloss vermeintlich und setzen eine andere möglicherweise
+wieder vermeintliche an ihre Stelle. Alles auf Grund des, sei es
+wirklichen, sei es vermeintlichen Einleuchtens. Wie kann da dieses
+Einleuchten noch als massgebendes und entscheidendes Kennzeichen der
+Wahrheit betrachtet werden? Wir haben schon gezeigt, dass die mit Einsicht
+verbundene Gewissheit von andrer Art ist als die ohne Einsicht. Was von
+der Gewissheit gilt, die ohne Einsicht eintritt, muss natürlich auch von
+der Gewissheit behauptet werden, die sich mit der vermeintlichen Einsicht
+verbindet. Da sich nun immer mit der vermeintlichen Einsicht ebenso wie
+mit der wirklichen eine Gewissheit verbindet, so können wir beide schon
+durch die Art der mit ihnen verbundenen Gewissheit unterscheiden. Aber
+auch abgesehen von diesem Unterschiede zwischen der vermeintlichen und
+wirklichen Einsicht können wir uns der ersteren erwehren und ihr gegenüber
+die letztere zur Geltung bringen. Der vermeintlichen und wirklichen
+Einsicht entspricht das vermeintliche und wirkliche Einleuchten oder
+Evidentsein eines Sachverhaltes. Es kann nun irgend etwas mittelbar oder
+unmittelbar einleuchtend sein. Alle des Beweises bedürftigen Sätze sind,
+wenn sie bewiesen sind, mittelbar einleuchtend; unmittelbar einleuchtend
+ist nach unsrer Auffassung nicht bloss das Gesetz des Widerspruchs,
+sondern auch das der Ermöglichung oder Kausalität.
+
+Nehmen wir nun an, dass ein Satz in mittelbarer Weise einleuchtend zu sein
+scheint, so können wir, wenn sein Gegenteil mittelbar einleuchtend gemacht
+werden kann, einen Beweis hierfür erbringen und dadurch den Schein des
+Einleuchtens beseitigen. Mag aber das Gegenteil des Satzes auch eines
+Beweises nicht fähig sein, in jedem Falle sind wir im stande, den Beweis,
+der für den in mittelbarer Weise scheinbar einleuchtenden Satz geführt
+wird, zu prüfen und, falls sich hierbei ein Fehler ergiebt, durch diese
+Prüfung den Schein des Einleuchtens zu zerstören. Nehmen wir ferner an,
+dass ein Satz in unmittelbarer Weise einleuchtend zu sein scheint, so
+können wir für das Gegenteil einen Beweis zu führen suchen und dadurch den
+Schein des Einleuchtens entfernen. Es bleibt noch ein Fall als möglich
+übrig. Ein Satz könnte unmittelbar einleuchtend scheinen und sein
+Gegenteil auch nur unmittelbar einleuchten, sodass wir also keinen Beweis
+für dasselbe zu führen im Stande sind. Hier stehen nun freilich Ja und
+Nein einander gegenüber, und eine Entscheidung ist unmöglich. Aber dieser
+vierte Fall ist in der Geschichte der Philosophie nicht vorgekommen.
+Heraklit und Hegel haben das Gesetz des Widerspruchs geleugnet, aber ihr
+Recht zu dieser Leugnung durch einen Beweis darzuthun gesucht. In neuester
+Zeit hat man das Gesetz der Kausalität nicht eigentlich geleugnet aber
+doch bezweifelt, dass es unmittelbar einleuchtend sei. Aber auch diesen
+Zweifel sucht man zu begründen, indem man dem Gesetze der Kausalität das
+Gesetz von der Gleichförmigkeit des Naturlaufs, das nur auf einer
+Induktion beruht, substituiert -- eine Zusammenfassung unsrer Erfahrungen
+über die Qualität der zu bestimmten Wirkungen gehörenden Ursachen. Solche
+Gedankengänge, die das unmittelbare Einleuchten gewisser Sätze bestreiten,
+kommen natürlich im wirklichen Leben nicht vor. Man ist hier eher geneigt,
+das unmittelbare Einleuchten gewisser dem sinnlichen Schein oder einer
+unberechtigten Verallgemeinerung zu liebe aufgestellter Sätze zu
+behaupten, wie z. B. das unmittelbare Einleuchten des Satzes, dass die
+Sonne still steht. Hier ist es ein Leichtes, durch den Beweis des
+Gegenteils den Schein des unmittelbaren Einleuchtens zu zerstören.
+
+Es ergiebt sich, dass wir dem unleugbaren Vorkommen einer vermeintlichen
+Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens nicht ratlos
+gegenüberstehen und uns hierdurch in der Annahme des Einleuchtens der
+Zusammengehörigkeit als eines zuverlässigen und entscheidenden
+Kennzeichens der Wahrheit nicht irre machen lassen dürfen. Wir können
+nicht bloss die wirkliche Einsicht von der vermeintlichen an bestimmten
+Merkmalen unterscheiden, wir können auch die entstehende vermeintliche
+Einsicht überwinden, und zwar durch die wirkliche Einsicht.
+
+
+ Siebzehnte Untersuchung.
+
+
+Einsicht und Denknotwendigkeit.
+
+Die Einsicht oder Erkenntnis beruht, wie wir sahen, auf einem
+vernünftigen, zureichenden, sie völlig rechtfertigenden Grunde. Es ist
+aber zu beachten wichtig, dass dieser Grund nicht zwingend wirkt. Einsicht
+hat nichts mit äusserem Zwange oder innerer Nötigung gemein; sie kann
+darum auch keineswegs mit Denknotwendigkeit verselbigt werden. Allerdings
+kommt in unsren Schlussfolgerungen aus der Einsicht häufig so etwas wie
+Denknotwendigkeit zum Ausdruck. Wir sagen: es kann nicht anders sein, es
+muss so sein. Wir sagen das nicht bloss, wenn es sich um begriffliche,
+sondern auch, wenn es sich um bloss thatsächliche Wahrheiten handelt. Wenn
+wir sie einsehen, so erscheint uns das Gegenteil ausgeschlossen, also
+unmöglich. Woher kommt das? Offenbar lediglich von der mit der Einsicht
+verbundenen Gewissheit. Wir sind gewiss, das heisst, aller Zweifel und
+damit auch die Möglichkeit, dass es anders sein könnte, die Möglichkeit
+des Gegenteils ist ausgeschlossen. So sagen wir denn eben wegen dieser
+Gewissheit: so muss es sein. Soll das etwa heissen, dass zwischen den
+zusammengehörigen Gliedern, deren Zusammengehörigkeit wir einsehen, ein
+Notwendigkeitszusammenhang besteht? Sicherlich nicht. Denn sonst dürften
+wir nicht in gleicher Weise reden, wenn es sich um bloss thatsächliche
+Wahrheiten handelt, bei denen offenbar die Annahme eines
+Notwendigkeitszusammenhangs ausgeschlossen ist. Indes könnte immerhin die
+Einsicht überall da mit der Denknotwendigkeit verselbigt werden müssen, wo
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengehörigen vorliegt. Das
+bedarf einer nähern Untersuchung.
+
+Es fragt sich, ob bei allen begrifflichen Sätzen eine solche
+Denknotwendigkeit vorhanden ist, und weiterhin, ob dort, wo sie vorhanden,
+die Denknotwendigkeit mit der Einsicht ein und dasselbe ist. In den
+Gesetzen des Erkennens und Denkens kommt anscheinend überall eine
+Denknotwendigkeit zum Ausdrucke. Gesetz der Übereinstimmung: Das
+Zugehörige _muss_ zugesprochen, _darf nicht_ abgesprochen, das
+Nichtzugehörige _darf nicht_ zugesprochen, _muss_ abgesprochen werden. Das
+Gesetz des Enthaltenseins: Das Enthaltene _muss_ zugesprochen, _darf
+nicht_ abgesprochen, das Nichtenthaltene _darf nicht_ als enthalten
+zugesprochen, _muss_ abgesprochen werden. Das Gesetz der Einheit: Das
+System der Wahrheit setzt _notwendig_ einen Denkenden voraus. Das Gesetz
+der Ermöglichung: Was anfängt, zu existieren, setzt _notwendig_ ein
+Anderes voraus, das bei seinem Anfange schon vorhanden ist und diesen
+ermöglicht. Das Gesetz des Grundes: Aus der Wahrheit des Grundes ergiebt
+sich _notwendig_ die Wahrheit der Folge, aus der Falschheit der Folge die
+Falschheit des Grundes. Das »muss«, »darf nicht«, »notwendig« drückt hier
+zunächst auch nichts anderes als die Gewissheit aus, die jeden Zweifel und
+damit die Möglichkeit des Andersseinkönnens ausschliesst. Aber es verhält
+sich doch bei diesen Gesetzen mit der Notwendigkeit nicht gleichmässig.
+Ein Notwendigkeitsverhältnis zwischen dem Ding und dem von ihm Ausgesagten
+liegt unzweifelhaft vor, wenn das Ausgesagte in dem Dinge enthalten ist.
+Natürlich ebenso, wenn es sich nicht um Dinge sondern um Urteile handelt,
+wenn nach dem Gesetze des Grundes aus der Wahrheit des den Grund bildenden
+Urteils die Wahrheit des die Folge ausdrückenden Urteils und wenn aus der
+Falschheit des die Folge ausdrückenden Urteils die Falschheit des den
+Grund bildenden Urteils erschlossen wird. In diesen beiden Fällen,
+allgemeiner: in Urteilen, wo es sich um ein Enthaltensein handelt, mag man
+von einer Denknotwendigkeit reden, aber man darf eben nur dies mit dem
+Enthaltensein gegebene Notwendigkeitsverhältnis darunter verstehen. Wir
+sind durch nichts äusserlich gezwungen oder innerlich genötigt, das in
+einem Dinge Enthaltene von ihm auszusagen oder aus einem Urteil als dem
+Grunde ein anderes als seine Folge abzuleiten. Wir sehen freilich mit
+einer allen Zweifel ausschliessenden Gewissheit ein, dass das Urteil, in
+dem wir das in einem Ding Enthaltene von ihm aussagen, notwendig wahr sein
+muss, ebenso, dass das Urteil wahr sein muss, das sich als Folge aus einem
+andren Urteil als seinem Grunde ergiebt. Aber wiederum ist zu beachten
+wichtig, dass diese Einsicht in die Wahrheit der Urteile mit der im
+Enthaltensein gegebenen Denknotwendigkeit nichts zu thun hat, von ihr ganz
+und gar verschieden ist und sich in keiner Weise auf sie stützt. Es
+ergiebt sich, dass, wenn auch in Bezug auf das Enthaltensein von
+Denknotwendigkeit geredet werden kann, diese Denknotwendigkeit doch nicht
+mit der Einsicht verwechselt oder verselbigt werden darf.
+
+Auch in Bezug auf das zusammengehörige Nichtenthaltene kann von
+Denknotwendigkeiten geredet werden. Man hat von jeher unterschieden
+zwischen den Proprietäten oder wahren Eigenschaften, die nicht als
+Merkmale im Ding enthalten sind und ihm doch notwendig zukommen, und
+zwischen den Accidentien, die ihm zukommen können. Richtung und
+Geschwindigkeit sind für die Bewegung, Stärke und Höhe für den Ton solche
+Eigenschaften, aber die bestimmte Richtung und Geschwindigkeit, die
+bestimmte Stärke und Höhe sind nicht notwendig. Ohne jene Eigenschaften
+kann Bewegung und Ton gar nicht vorhanden sein, wohl aber ohne diese
+Bestimmtheiten. Die Zugehörigkeit ist hier Denknotwendigkeit. Aber es ist
+zu beachten wichtig: nicht weil es denknotwendig ist, betrachten wir
+dieses Zugehörige als zugehörig, sondern nur darum, weil uns die
+Zugehörigkeit einleuchtet und wir sie einsehen. Jede Eigenschaft setzt
+ferner ein Selbständiges, jede Bewegung, jede Veränderung ein Bewegliches,
+ein Veränderliches, ein Beharrliches voraus. Wir können das nicht anders
+denken; also wiederum eine Denknotwendigkeit innerhalb des Zugehörigen,
+Nichtenthaltenen. Es scheint, als wenn dieser Denknotwendigkeit gar keine
+Einsicht entspricht. Wir sehen ein, dass und warum das Enthaltensein
+denknotwendig ist; aber wir sehen nicht ein, warum wir in unsrem Denken
+für die Eigenschaft ein Selbständiges, für die Bewegung ein Bewegliches,
+für die Veränderung ein Veränderliches voraussetzen müssen. Wir können nur
+sagen, die Einrichtung unsres Denkens bringt das so mit sich. Die Röte hat
+doch ihren eigenen Inhalt, ebenso die Bewegung, ebenso die Veränderung.
+Warum setzt sie etwas voraus, das rot ist, sich bewegt, sich verändert?
+Hier scheint bloss ein blindes Müssen vorhanden zu sein, das auf einer
+Einrichtung, auf einem Mechanismus unsres Denkorganismus beruht. Es
+scheint nicht unwichtig zu beachten, dass keine Denknotwendigkeit besteht,
+jedes Selbständige mit Eigenschaften auszustatten oder jedem Beharrlichen
+eine Bewegung oder Veränderung zuzuschreiben. Wenn wir einem
+Selbständigen, einem Dinge eine Eigenschaft zuschreiben, ihm Bewegung oder
+Veränderung beilegen, so geschieht das, weil uns die betreffenden
+Zusammengehörigkeiten einleuchten.
+
+Auch bezüglich des Nichtenthaltenen und Nichtzugehörigen giebt es
+Denknotwendigkeiten, die wir als Unverträglichkeitsverhältnisse
+bezeichnen. Sie sind überall dort vorhanden, wo von einem Subjekt ein
+Prädikat notwendig ausgeschlossen ist. Das gilt von allen Prädikaten, die
+das kontradiktorische Gegenteil des Subjekts ausdrücken. Es gilt ferner
+von allen Dingen -- das Wort im engern Sinne genommen -- unter einander.
+Da sie ein Eigensein haben und einander gegenüber selbständig sind, können
+sie nicht von einander ausgesagt werden. Bei vielen Prädikaten macht sich
+in ihrem Verhältnis zu einander diese Unverträglichkeit geltend, die nur
+die Kehrseite der Notwendigkeit ist. Sie können nicht zugleich von
+demselben Subjekt ausgesagt werden; so: Bejahen und Verneinen desselben
+Gegenstands, Wollen und Widerstreben in Bezug auf denselben Gegenstand,
+die sogenannten konträren Gegensätze arm und reich, jung und alt, gross
+und klein, schwarz und weiss usw. Dass wir diese Prädikate als
+unverträglich miteinander oder mit dem Subjekt erkennen, hat seinen Grund
+natürlich lediglich in dem Einleuchten der Unverträglichkeit, nicht in der
+mit ihr gegebenen Denknotwendigkeit, sodass also auch hier
+Denknotwendigkeit und Einsicht als etwas ganz Verschiedenes erscheint.
+
+Es fragt sich, ob nicht eine Denknotwendigkeit in dem Einheitsgesetz und
+dem Gesetz der Kausalität vorliegt, und weiterhin, ob nicht diese
+Denknotwendigkeit mit der Einsicht als ein und dasselbe gesetzt werden
+muss. Zunächst ist einleuchtend, dass es sich für uns nicht darum handeln
+kann, zu entscheiden, ob zwischen dem Denkenden und dem System der
+Wahrheit, zwischen dem den Anfang irgendwie Ermöglichenden und dem
+Anfangenden ein Notwendigkeitszusammenhang besteht, sondern lediglich
+darum, ob er von dem Einheits- und Kausalitätsgesetz gefordert wird und in
+diesen Gesetzen zum Ausdrucke kommt. Beides wird nun geleugnet werden
+müssen. In dem Einheitsgesetz (das System der Wahrheit setzt einen
+Denkenden voraus, der alle Wahrheit erkennt) und in dem Gesetz der
+Kausalität (das Anfangende setzt ein anderes schon Bestehendes voraus, das
+seinen Anfang ermöglicht) ist von einem Notwendigkeitsverhältnis zwischen
+dem Denkenden und dem System der Wahrheit, zwischen dem den Anfang
+Ermöglichenden und dem Anfangenden in keiner Weise die Rede; ein solches
+Notwendigkeitsverhältnis wird darum auch von diesen Gesetzen nicht
+gefordert. Nur insofern kommt auch in diesen Gesetzen ein
+Notwendigkeitsverhältnis zum Ausdruck, als das System der Wahrheit
+notwendig einen Erkennenden, und das Anfangende notwendig einen
+Ermöglichungsgrund voraussetzt. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dieses
+Notwendigkeitsverhältnis als eine Denknotwendigkeit zu bezeichnen; aber
+wiederum gilt, dass diese Denknotwendigkeit nicht der Grund unsrer
+Einsicht in die Wahrheit dieser Gesetze ist, dass vielmehr dieser Grund,
+wie überall so auch hier, nur das Einleuchten der Zusammengehörigkeit sein
+kann. Auch hier sind also Denknotwendigkeit und Einsicht ganz und gar
+verschieden.
+
+
+ Achtzehnte Untersuchung.
+
+
+Einsicht und Wille.
+
+Da mit der Einsicht keinerlei Zwang oder innere Nötigung für uns verbunden
+ist, so sind wir im Stande uns derselben zu entziehen, wenn sie unsren
+Neigungen nicht entspricht, wie viele Erfahrungen unseres Lebens uns
+bestätigen. Das Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit ist eine leider
+nur zu häufig vorkommende Thatsache. Wir können unsren Blick von dem
+Sichaufdrängen und Einleuchten der Zusammengehörigkeit ablenken und auf
+etwas andres richten, uns dadurch die eintretende Einsicht aus dem Sinne
+schlagen, in den Hintergrund drängen, verdunkeln und sogar ganz
+beseitigen, um uns einem entgegengesetzten, blinden Dafürhalten, das
+unsren Neigungen besser entspricht, hinzugeben. Aber auch wenn dies nicht
+der Fall ist, bleibt die Einsicht und das ihr folgende Urteil oft ein
+blosser Verstandesakt, selbst vorausgesetzt, dass entgegengesetzte
+Interessen vorhanden sind aber keinen Einfluss ausüben, weil der Wille
+nicht widerstrebt. Ganz verschieden von diesen Verstandesakten ist die
+Liebe zur Wahrheit, die sich in der Hingabe und Unterwerfung des Willens
+unter die Wahrheit und in dem Ergriffen- und Unterjochtwerden des Gemütes
+von der Wahrheit kundthut und der Vertiefung in die Wahrheit, insbesondere
+in ihren überzeitlichen Charakter, zu folgen pflegt. Es ist klar, dass die
+Wahrheitserkenntnis erst durch diese Mitbeteiligung des Willens und Gemüts
+eine Bedeutung für unser inneres Leben erhält. Die Anerkennung der
+erkannten Wahrheit, das Festhalten an ihr trotz entgegengesetzter Neigung
+ist eine strenge sittliche Pflicht, ja die höchste sittliche Pflicht, denn
+alles Unsittliche hat seine letzte Wurzel und Quelle in dem Widerstreben
+gegen die erkannte Wahrheit, was schon in dem blossen Sichabwenden und
+Unbeachtetlassen der eben aufleuchtenden Einsicht sich kundgiebt. Die
+erkannte Wahrheit ist ein sittliches Gut, nicht ein Gut des egoistischen
+Willens sondern ein Gut des Gemeinschaftswillens; ja sie ist das Gut der
+Güter, das höchste Gut, denn alle andren Güter erhalten nur durch sie
+ihren Wert. Die Wahrheitsliebe ist Pflicht jedes Menschen, die glühende
+Liebe zur Wahrheit ist die Tugend des wissenschaftlichen Forschers. Das
+Wort Kants vom guten Willen gilt im höchsten Sinne von der Wahrheit: Das
+einzige, was nicht bloss in der Welt der wollenden Wesen, wie der gute
+Wille, sondern überhaupt um seiner selbst willen gut ist, ist die
+Wahrheit, denn alles andere ist nur gut durch sie. Das gilt von allen
+Wahrheiten. Einer besondren Beachtung bedürfen die sittlichen und
+religiösen Wahrheiten, die Wahrheiten, welche, allgemeiner gesprochen,
+unser praktisches Verhalten und unsre persönlichen Beziehungen regeln. Sie
+müssen natürlich den Willen in ganz andrer Weise beeinflussen und das
+Gemüt in Anspruch nehmen und doch bleiben gerade sie häufig lediglich
+blosse Kopfwahrheiten. Die mit ihnen verbundene Einsicht ist natürlich
+auch ein Verstandesakt. Sitte und Gewohnheit bringen es mit sich, dass man
+ihnen die Anerkennung im Denken und Reden nicht versagt. Diese Anerkennung
+wird als etwas Selbstverständliches betrachtet. Aber sie ist auch
+lediglich eine Anerkennung des Verstandes, die diesen Wahrheiten in
+gedankenloser Weise entgegengebracht wird, ohne dass der Wille und das
+Herz davon irgendwie berührt werden, selbst wenn das Leben des
+Anerkennenden den Wahrheiten durchaus widerspricht. Der Widerspruch
+zwischen den Gewohnheiten des Lebens, wie sie im Handeln sich kundgeben
+und zwischen der ebenfalls im Denken und Reden zur Gewohnheit gewordenen
+Anerkennung kommt gar nicht mehr zum Bewusstsein. Die Gewohnheit auf
+beiden Seiten lässt eine Reflexion gar nicht aufkommen und alles als
+selbstverständlich erscheinen. Das ist die Lage der meisten Menschen, die
+im Reden und Denken an der ihnen anerzogenen Moral und Religion
+festhalten, obgleich die Grundsätze dieser Moral und Religion auf ihre
+Gesinnung, ihr Leben und Handeln gar keinen Einfluss ausüben. Ihre Moral
+und Religion ist lediglich zur Kopfwahrheit geworden. Wie oft werden
+Grundsätze im Denken und Reden als selbstverständlich anerkannt und doch
+im Leben und Handeln ohne weiteres, wir müssen sagen gedankenlos,
+unbewusst, mit Füssen getreten. Wer verurteilt in seinem Denken und Reden
+nicht den Egoismus, und wer zieht das zuerst deutlich, dann immer weniger
+deutlich, zuletzt gar nicht mehr als minderwertig erkannte eigene Ich
+nicht dem fremden vor?
+
+
+
+Vierter Abschnitt.
+
+Umfang unsres Wissens.
+
+
+ Neunzehnte Untersuchung.
+
+
+Schranken unsres Erkennens.
+
+Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Gegenstand und das Ziel des
+Erkennens nichts andres sein kann als die Wahrheit in ihrem überzeitlichen
+Charakter, der allein ihre Allgemeingültigkeit für alle Denkenden
+verbürgt. Aber es fragt sich, ob die thatsächliche Beschaffenheit der
+Erkenntnisvorgänge dieser Aufgabe in jeder Hinsicht angemessen ist und
+gerecht wird. Um diese Frage zu beantworten, gehen wir von der seit
+Aristoteles und dem Neuplatoniker Porphyrius üblichen Unterscheidung
+zwischen den Prädikabilien und Prädikamenten oder Kategorien aus. Unter
+Prädikabilien verstehen wir höchste Aussagen über Begriffe, unter
+Prädikamenten oder Kategorien höchste Aussagen über das Seiende. Man zählt
+nach Porphyrius fünf Prädikabilien: Gattung, Art, Differenz, das
+Notwendige (Proprietät), das Zufällige (Accidenz), die wesentlichen
+Merkmale, welche in Gattung, Art und Differenz vorhanden sind, von den
+ausserwesentlichen notwendigen oder zufälligen unterscheidend; ferner nach
+Aristoteles zehn Kategorien: Substanz, Eigenschaften, Grösse, Beziehung,
+Ort, Zeitpunkt, Lage, Thun, Leiden, Zustand.
+
+Die notwendigen Merkmale oder Proprietäten sollen also etwas anderes als
+die Eigenschaften sein. Die Eigenschaft kann sowohl Proprietät als
+Accidenz sein, sie kann dem Ding sowohl notwendig als zufällig zukommen.
+Z. B. ist die weisse Farbe und das Kranksein eine Eigenschaft gewisser
+Menschen, aber doch nur ein Accidenz. Es gehört zum Wesen der Eigenschaft,
+dass sie nicht ohne ein Selbständiges sein kann, dessen Eigenschaft sie
+ist, dass sie ein Selbständiges notwendig voraussetzt: aber darum ist sie
+noch nicht notwendig für dieses Selbständige. Das gilt nur von der
+Proprietät. So setzt auch das Anfangende einen Ermöglichungsgrund
+notwendig voraus, geht aber darum noch keineswegs aus diesem
+Ermöglichungsgrund notwendig hervor oder ist mit ihm notwendig verbunden.
+Die Proprietät gehört, wie das Accidenz, zum Ausserwesentlichen; die
+Eigenschaft kann sowohl zum Wesentlichen als Ausserwesentlichen gehören.
+Man sieht, die Unterscheidung von Proprietät und Eigenschaft lässt sich
+zur Not aufrecht erhalten und durchführen. Aber warum sollen die
+Proprietäten, warum soll überhaupt das Ausserwesentliche nur eine Aussage
+über Begriffe enthalten? Gehört das Ausserwesentliche nicht auch zum
+Seienden? Gattung und Art sind offenbar Prädikabilien, wenn man sie
+einfach nach dem Verhältnis des Allgemeinen und Besondern ins Auge fasst.
+Aber die Alten haben mit Recht Gattung und Art nicht bloss nach diesem
+Verhältnis bestimmt, sondern für beide nur die wesentlichen Merkmale in
+Anspruch genommen und die ausserwesentlichen auf Proprietät und Accidenz
+verteilt. Ist aber nun das Wesentliche und weiterhin das Wesen ein blosses
+Prädikabile? und nicht vielmehr eine Kategorie? Ja, die Kategorie der
+Kategorien? Das Seiende ist doch eben nur ein Seiendes dadurch, dass es
+ein Wesen, eine Wahrheit hat.
+
+Verschiedenheit und Gleichheit sind sicher unmittelbar nur Aussagen über
+unsre Begriffe, keine Kategorien, ebensowenig das Nichtseiende, die
+Negation des einen vom andern; Mensch als Nicht-Pflanze z. B. Demnach kann
+auch die Zahl keine Kategorie sein; sie ist der Gattung verwandt und wie
+diese Zusammenfassung niederer Einheiten zu einer höheren Einheit; nur
+dass bei der Gattung in dieser höheren Einheit die niedern für das
+Bewusstsein verschwinden, während sie bei der Zahl im Bewusstsein
+festgehalten werden. Aber wie steht es mit der Einheit im höchsten Sinne?
+Ist sie auch keine Kategorie? Sicher ist sie eine Kategorie. Nur dadurch,
+dass das Seiende ein Teil der Einen Wahrheit ist und an ihr teilnimmt, ist
+es ein Seiendes; die Einheit wie das Wesen, wie die Wahrheit selbst ist in
+der That die höchste Kategorie; sie ist von Wahrheit und Wesen nicht zu
+trennen, so wenig wie das Wesen von der Wahrheit und die Wahrheit vom
+Seienden.
+
+Es mag angemessen sein, das für ein Ding Notwendige und das ihm Zufällige
+zu unterscheiden; aber wichtiger ist die Frage, ob etwas darum, weil es
+zufällig ist, weniger zum Seienden gehört. Zufällig ist dem Menschen das
+Kranksein, das Krüppelhaftsein, wohl auch die Farbe, die schwarze, gelbe,
+rote Haut; aber sind diese Eigenschaften darum weniger seiend, weil sie
+zufällig sind? Was hat es mit dem Zufälligen überhaupt in Hinsicht des
+Seins auf sich? Fragen wir endlich, ist die Wirklichkeit eine Kategorie?
+Auch die nichtseinsollende Wirklichkeit? Sicherlich wird man diese Frage
+bejahen müssen! Wir kommen auf den ersten Teil derselben zurück. Wie steht
+es mit der Negation, die als Negation des Nichtzugehörigen,
+Nichtenthaltenen für den Fortschritt unsres Erkennens von so grosser
+Wichtigkeit ist? Hat sie eine reale Bedeutung? Wenn man sagt, das eine ist
+bloss nichtseiend mit Bezug auf das andere, nicht aber an sich, so
+vergisst man, dass das Nichtsein des andern die Beschränktheit, die
+Endlichkeit des einen, gleichsam das im einen selbst vorhandene Nichtsein
+voraussetzt. Was hat es mit diesem anscheinend seienden Nichtsein auf
+sich?
+
+Wie die Prädikabilien von dem Gedanken des Enthaltenseins, von dem
+Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren beherrscht sind, so tritt für die
+Tafel der Kategorien die sinnliche, sinnfällige Wirklichkeit (Substanz,
+Grösse, Ort, Lage) in den Vordergrund. Das entspricht in gewisser Hinsicht
+der thatsächlichen Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge, aber in
+keiner Weise dem Zwecke derselben. Je mehr wir uns von der sinnfälligen
+Wirklichkeit entfernen, desto inhaltleerer wird anscheinend unser Denken.
+Wir haben immer weniger Anlass, mit der Negation zu unterscheiden und zu
+trennen. Das Verhältnis des Enthaltenseins tritt in den Vordergrund, das
+Denken ist sozusagen in dasselbe eingespannt, die Einheit wird zur
+Einerleiheit, das Wesen zum inhaltsleeren Allgemeinen; selbst die Wahrheit
+kommt auf das Enthaltensein zurück (immanenter Wahrheitsbegriff). Und doch
+hat das Verhältnis des Enthaltenseins für unser Erkennen nur eine
+untergeordnete Bedeutung. Die sogenannte sinnfällige Wirklichkeit kann,
+wie wir noch sehen werden, nur die Bedeutung eines Erkenntnismittels
+haben, das wohl die Richtung des Erkennens, aber nicht sein Ziel bestimmt.
+In dieser thatsächlichen Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge liegt
+offenbar eine Schranke für das seinem Ziele zustrebende Erkennen.
+
+Als weitere Schranken unsres Erkennens lehrt eine eingehende Betrachtung
+die Kategorien des Raumes, der Zeit, der Substanz und Kausalität kennen,
+die in unsrem Erkennen die grösste Rolle spielen. Vergleichen wir das
+System der Wahrheit, wie es unsrem Erkennen gegeben wird oder
+entgegentritt, einem Gebäude, in dem wir das Gerüste oder Fachwerk von der
+ausfüllenden Masse, einem Gewebe, in dem wir die Kette von dem Einschlag
+unterscheiden, so können Raum, Zeit, Substanz und Kausalität als das
+Gerüste oder Fachwerk für das Gebäude der Wahrheit oder als die Kette für
+das Gewebe, das sie bildet, bezeichnet werden.
+
+Die Kategorien Raum und Zeit setzen die Sinnenbilder der Ausdehnung und
+Bewegung voraus, gehen aber weit über diese Sinnenbilder hinaus; sie
+bestehen in einer begrifflichen Bearbeitung derselben, die nicht etwa
+bloss das in ihnen Enthaltene wiedergiebt, sondern auch das für das Denken
+ihnen Zugehörige hinzufügt. Aber in dieser begrifflichen Bearbeitung
+steckt ebenso wie in den entsprechenden Sinnenbildern ein irrationales
+oder dem Denken inkommensurables Element. Es ist für Ausdehnung und Raum
+die Berührung der Teile, welche das den beiden wesentliche Nebeneinander
+ausschliesst; es ist für Bewegung und Zeit der Übergang, der das der
+Bewegung und Zeit wesentliche Nacheinander ausschliesst. Zwischen zwei
+nebeneinander liegenden Orten giebt es keinen dritten, beiden gemeinsamen;
+zwischen zwei auf einander folgenden Zeitpunkten keinen dritten, beiden
+gemeinsamen. Und doch setzt das die Berührung und der Übergang voraus,
+wenn wir mit dem Denken zu erfassen suchen, was sie besagen. Die
+Kategorien der Substanz und Kausalität verlangen, dass dem Sinnenbild des
+Ausgedehnten und Bewegten der der innern Erfahrung entstammende
+Willensimpuls in associativer Weise unterlegt wird. Dadurch entstehen aus
+dem Ausgedehnten die den Raum ausfüllenden und damit Widerstand
+entgegensetzenden Dinge -- neue, umfassendere Sinnenbilder, deren
+begriffliche Bearbeitung die Begriffe der Substanz und Kausalität ergiebt.
+Auch diese enthalten das irrationale, dem Denken inkommensurable Element
+in verstärktem, verdoppeltem Masse. Die Berührung wird für die Substanz
+zur Quelle des Nebeneinander, trotzdem sie eigentlich das Nebeneinander
+ausschliesst. Der Übergang wird für die Kausalität zur Quelle des
+Nacheinander, trotzdem der Übergang das Nacheinander ausschliesst.
+
+Natürlich sind die Begriffe von Raum und Zeit, von Substanz und Kausalität
+nicht etwa bloss umgeformte Sinnenbilder oder sinnliche Empfindungen, sie
+sind das Erzeugnis einer begrifflichen Bearbeitung und gehen insofern weit
+über das sinnliche Gebiet hinaus; aber in ihnen bleibt ein aus der
+Empfindung stammendes, für das Denken nicht aufzuhellendes,
+undurchsichtiges Element. Trotzdem schon in den Sinnenbildern der
+Ausdehnung und Bewegung und mehr noch in den umfassenderen Sinnenbildern,
+die aus ihnen durch associative Verknüpfung mit dem Willensimpuls
+entstehen, am meisten aber in der begrifflichen Bearbeitung dieser
+Sinnenbilder der synthetische Charakter unsres Erkennens zum Ausdrucke
+kommt, kann doch in allen unsren Erkenntnissen, in denen diese
+Sinnenbilder und die aus ihnen durch begriffliche Bearbeitung gewonnenen
+Kategorien der Zeit, des Raumes, der Substanz und Kausalität eine Rolle
+spielen, von einem Einleuchten des Zusammengehörigen und von einer
+Einsicht in dasselbe keine Rede sein; ausser insofern wir von dem in den
+Sinnenbildern enthaltenen und in diesen Kategorien wiederkehrenden
+irrationalen Element absehen. Sehen wir von diesem irrationalen Element
+ab, so bleibt uns eine blosse Mannigfaltigkeit in Raum und Zeit übrig,
+über die wir, was das Verhältnis und die Zusammenordnung der Teile angeht,
+einleuchtende und einsichtige Urteile zu fällen im Stande sind.
+
+In den Gesetzen des Erkennens und Denkens, die wir als einleuchtend und
+einsichtig betrachten, haben wir von den Vorstellungen Substanz und
+Kausalität natürlich keinen Gebrauch machen können. Das Gesetz der
+Übereinstimmung spricht von Dingen, aber in ganz allgemeinem Sinne, wonach
+Eigenschaften, Vorgänge, Beziehungen auch als Dinge gelten können; nicht
+aber im Sinne der Substanzvorstellung. Im Gesetze der Kausalität haben wir
+nur von der Ermöglichung des Anfangs reden können, nicht von der
+Kausalität im Sinne der Ursachvorstellung als hervorbringender Ursache.
+Dass etwas in einem bestimmten Zeitpunkte anfängt, hat für uns keine
+grössere Schwierigkeit zu denken, als dass es in einem bestimmten
+Zeitpunkte oder an einem bestimmten Orte vorhanden ist. Man könnte in dem
+Einheitsgesetze unsres Erkennens den Einen Erkennenden als Träger und
+Erzeuger des überzeitlichen, natürlich auch überräumlichen Systemes aller
+Wahrheit auffassen; aber es ist einleuchtend, dass das Wort Träger in
+diesem Falle nicht im Sinne der Substanzvorstellung und das Wort Erzeuger
+nicht im Sinne der Ursachvorstellung gedacht wird.
+
+Raum und Zeit bieten der Erkenntnis freilich noch eine andere
+Schwierigkeit. Sie verhalten sich völlig gleichgültig gegen den Inhalt,
+passen sich jedem Inhalte an, vermehren den Inhalt in keiner Weise und
+bilden insofern einen Gegensatz zu Substanz und Kausalität. Man kann sie
+deshalb als Formalkategorien, Substanz und Kausalität im Gegensatz zu
+ihnen als Realkategorien bezeichnen. Die Frage nach der Bedeutung von Raum
+und Zeit für den Inhalt ist darum eine unabweisliche, um so mehr, da nur
+durch sie die Individualisierung der Dinge und Vorgänge möglich ist. Sie
+sind die Prinzipien der Individuation, durch die allein für unser Denken
+die Dinge aus der Sphäre der unbestimmten und darum bloss gedanklichen
+Allgemeinheit herausgehoben und zu Wirklichkeiten gestempelt werden, die
+nur Einzelwirklichkeiten sein können. Was haben Raum und Zeit im Reiche
+der Wahrheit für eine Bedeutung, wie unterscheiden sich Wahrheit und
+Wirklichkeit? das ist die für das Erkennen schwierige, vielleicht
+unlösbare, jedenfalls noch nicht gelöste Frage. Sagen wir, das Wahre ist
+wirklich, insofern es vom göttlichen Wesen nicht bloss gedacht sondern
+auch gewollt wird, Raum und Substanz sind der symbolische Ausdruck für die
+scheinbare Selbständigkeit der Dinge ihm gegenüber, Zeit und Kausalität
+der symbolische Ausdruck für die völlige Abhängigkeit der Dinge von ihm,
+so sind das jedenfalls viel zu allgemeine Antworten, um als genügend
+gelten zu können, obgleich sie eine ganze Weltanschauung und vielleicht
+die einzig mögliche enthalten. Natürlich muss das Weltwirkliche sich in
+völliger Abhängigkeit von Gott befinden. Der Willensakt, dem es seinen
+Ursprung verdankt, kann ihm nur eine scheinbare, keine wirkliche
+Selbständigkeit verleihen. Wo gäbe es in der Welt auch etwas wirklich
+völlig Selbständiges? Es giebt kein gottfremdes, ihm nicht gehörendes Sein
+-- ein solches würde ja eine Schranke für Gott, ein zweiter Gott sein.
+Unter dieser Voraussetzung ist jener göttliche Wille nur als
+Selbstentsagung, Selbstentäusserung, Selbstverzicht Gottes zu denken,
+durch welche den Dingen der Welt eine Selbständigkeit geliehen wird, die
+ihnen eigentlich nicht zukommt. Diese geliehene Selbständigkeit kommt in
+Raum und Substanz, hingegen die wirkliche Unselbständigkeit, die
+unbeschadet jener besteht, in Zeit und Kausalität zum Ausdruck. Hiernach
+ist die Wirklichkeit nicht wie Raum und Zeit eine Formalkategorie, was man
+wegen des Zusammenhangs der Entstehung unserer Erkenntnis der Wirklichkeit
+mit den Kategorien von Raum und Zeit erwarten sollte. Sie beruht auf dem
+wirklichen Akte der Selbstentsagung und Selbstentäusserung Gottes, dessen
+Ergebnis, die geliehene Selbständigkeit, nicht als etwas bloss Scheinbares
+betrachtet werden kann. Die auf ihren Wirklichkeitssinn pochenden
+Philosophen der Gegenwart werden diese Gedanken für übersteigend oder gar
+verstiegen halten, das ist ebenso leicht als überflüssig. Wünschenswert
+wäre, dass sie endlich erklärten, worin denn nach ihrer Meinung die
+Wirklichkeit im Unterschied von der Wahrheit bestehe und ob Raum und Zeit
+bloss für das Zustandekommen unserer Erkenntnis der Wirklichkeit oder auch
+für diese selbst eine Bedeutung haben.
+
+
+ Zwanzigste Untersuchung.
+
+
+Die Erkenntnis der Aussenwelt.
+
+Wenn wir die Entstehung und Zusammensetzung unsrer Vorstellungen der
+Weltdinge und ihrer Ordnung in Raum und Zeit ins Auge fassen, wie sie nach
+dem gesicherten Ergebnis der Psychologie notwendig gedacht werden muss, so
+können wir keinen Augenblick darüber zweifeln, dass wir von der
+Beschaffenheit dieser Dinge keine Erkenntnis haben. Die Annahme, dass die
+Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, beruht offenbar auf einer bloss
+vermeintlichen, durch die Psychologie völlig beseitigten Einsicht. Für den
+Kenner der Psychologie ist die Frage, ob die Dinge so sind, wie wir sie
+sehen, einfach ungereimt. Jeder hat sein besonderes, eigenes Gesichtsbild
+von den Dingen, und dieses besteht aus den Gesichtsempfindungen und den
+mit ihnen associierten Tastempfindungen: seine Stelle im Raum wird
+bestimmt durch die für das Zustandekommen dieser Tastempfindungen
+erforderlichen Muskelempfindungen der Arm- und Beinexkursionen. Zu einem
+uns gegenüberstehenden sogenannten Gegenstande wird das Ding durch die von
+unsren Bewegungen hergenommene und dem bewegten Gesichtsbilde zu Grunde
+gelegte Willensenergie, die allmählich verblasst und als Restbestand das
+den Raum ausfüllende und Widerstand entgegensetzende Ding übrig lässt.
+Wenn wir die Dinge so wahrnehmen sollen, wie sie sind, dann muss diese
+ihre Beschaffenheit in blossen Empfindungen bestehen, und die Dinge können
+nichts als Vorstellungen sein. Allein niemand versteht unter den Dingen
+blosse Komplexe von Empfindungen oder Vorstellungen, auch nicht
+fortdauernde (unter gleichen Umständen immer wiederkehrende) Möglichkeiten
+von Empfindungen; ganz abgesehen davon, dass diese Möglichkeiten als reale
+Möglichkeiten gedacht werden müssen und so einen Ermöglichungsgrund der
+Empfindungen voraussetzen. Alle denken unter den Dingen etwas von den
+Empfindungen und Vorstellungen Verschiedenes.
+
+Müssen wir also auf die Erkenntnis der Beschaffenheit der Dinge
+verzichten, so fragt sich, ob wir nicht wenigstens die Existenz von
+Dingen, die uns unter der Hülle von Empfindungen bewusst werden, erkennen
+können. Davon nun, dass von uns verschiedene, durch die Empfindungen und
+Vorstellungen uns gegebene und unsrem Bewusstsein gegenwärtige Dinge
+existieren, davon haben wir eine unmittelbare Einsicht. Die
+Zusammengehörigkeit dieser Empfindungen und Vorstellungen mit einem von
+uns verschiedenen Sein oder Etwas leuchtet uns unmittelbar ein. Die
+Einsicht davon lässt sich nicht wegdisputieren; sie bleibt bestehen, auch
+wenn die anfängliche Einsicht, dass wir die Beschaffenheit der Dinge
+erkennen, beseitigt oder als eine bloss vermeintliche Einsicht erkannt
+ist.
+
+Es ist wichtig zu beachten, dass die Einsicht eine unmittelbare ist und
+die Zusammengehörigkeit uns unmittelbar einleuchtet. Sie ist nicht
+vermittelt durch die Einsicht, die wir vom Gesetz der Kausalität haben.
+Wir schliessen nicht daraus, dass die Empfindungen ohne unser Zuthun in
+uns entstehen, auf etwas von uns Verschiedenes, das ihren Anfang
+ermöglicht. Gegen diesen Schluss ist mit Recht eingewendet worden, dass
+die Empfindungen möglicherweise aus uns entstehen könnten, ohne dass wir
+darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen der Aussenwelt, sofern es
+sich um ihre Existenz handelt, ist eine streng unmittelbare; von dem
+Bewusstsein einer Ursache, eines Anfangs und einer Ermöglichung des
+Anfangs ist in ihr nichts zu entdecken, wie das schon oft hervorgehoben
+worden ist. Für die Nichtexistenz der Dinge in dem Sinne, in dem wir sie
+verstehen, ist eine unmittelbare Evidenz nie in Anspruch genommen worden,
+kann auch, so viel ich sehe, in Zukunft nicht in Anspruch genommen werden.
+Sie sind natürlich verschieden von den Empfindungskomplexen, den
+Willensdingen, von ihrer Substanz und Kausalität, deren Entstehung und
+Zusammensetzung uns die Psychologie mit durchsichtiger Klarheit kennen
+lehrt. Sie können Gedanken sein und sind nach unsrer Auffassung Gedanken
+Gottes, oder wenn man lieber will, des Bewusstseins überhaupt (Berkeley,
+Rehmke), also nicht Gedanken unsres oder meines individuellen
+Bewusstseins. Sie sind nicht Dinge an sich, die wir erkennen, wie sie
+unerkannterweise sind, sondern ein von Ewigkeit und vor uns Gedachtes, und
+unsre Erkenntnis derselben ist nur ein Nachdenken eines Vorhergedachten.
+Giebt es keine unmittelbare Evidenz der Nichtexistenz der Dinge in diesem
+Sinne, so ist der seltene Fall, wo sich Evidenz und Evidenz wie Ja und
+Nein gegenüber stehen, also ausgeschlossen, der einzige Fall, in dem wir
+uns auf eine Evidenz nicht berufen könnten. Für die Nichtexistenz von
+Dingen in unsrem Sinne scheint auch kein Beweis geführt werden zu können.
+Positivisten wie Stuart Mill, welche sich auf die fortdauernde Möglichkeit
+der Empfindungen, aus denen sich das Vorstellungsbild der Dinge ergiebt,
+zurückziehen, müssen diese Möglichkeit als reale fassen und bedürfen daher
+für sie eines Ermöglichungsgrundes, den sie nur in den Dingen in unsrem
+Sinne finden können. Idealisten wie Berkeley, Rehmke können gegen die
+Annahme von Dingen als Gedanken Gottes oder des Bewusstseins überhaupt von
+ihrem Standpunkte aus keinen Beweis zu erbringen versuchen.
+
+Hingegen können wir unsere Annahme von solchen Dingen, die wir durch
+unmittelbare Einsicht gewinnen, auch noch durch einen Beweis stützen. Seit
+Cartesius ist in der Philosophie die abstrakte Trennung von Leib und
+Seele, von Körperwelt und Bewusstsein, die von ihm aus bloss methodischen
+Gründen eingeführt wurde, zu einer gewohnheitsmässigen Annahme geworden,
+über deren Recht oder Unrecht kaum noch reflektiert wird. Aristoteles und
+den mittelalterlichen Philosophen war diese Annahme völlig fremd. Auch
+unsere Psychologie setzt die abstrakte Trennung von Leib und Seele als
+selbstverständlich voraus, sie geht darum von den Empfindungen als den
+Anfangszuständen des Bewusstseins aus und legt auf Grund derselben und im
+Anschluss an sie den reichen Inhalt des Bewusstseinslebens dar. Das bietet
+methodische Vorteile und ist insofern nicht zu verwerfen. Allein schon
+eine Definition der Empfindung ist unmöglich ohne Zuhilfenahme
+körperlicher Vorgänge, der Sinnesreize und Gehirnerregungen. Ausserdem
+wird niemand bestreiten, dass das Kind von Empfindungen als
+Bewusstseinsvorgängen noch nichts weiss. In unsrem entwickelten
+Bewusstseinsleben treten ferner die Empfindungen nie als Empfindungen, als
+Bewusstseinsvorgänge auf. Man hat deshalb gesagt, sie seien uns nicht als
+Empfindungen sondern als objektivierte Vorstellungen gegeben. Was heisst
+das? Werden Empfindungen je objektiviert und dadurch zu Vorstellungen? Die
+Theorie der Objektivation und Projektion ist veranlasst durch die Farben,
+die Empfindungen sind und doch von uns in der Ferne als den Dingen
+anhaftend gesehen werden. Allein mit den Farbenempfindungen sind
+entsprechende Tastempfindungen associiert, die wir nur haben können, wenn
+wir den Gegenstand berühren. Es ist darum begreiflich, dass wir beim Sehen
+des Gegenstandes uns in Gedanken an seinen Ort versetzen und ihn nun
+unmittelbar, wie mit den Tastempfindungen so auch mit den
+Gesichtsempfindungen der Farben umkleiden (hierin liegt der Grund, wie bei
+der Erörterung über die Erinnerung deutlich werden wird, warum wir bei der
+äussern Wahrnehmung nicht leicht von einer Einsicht reden). Wir würden
+nicht von objektivierten oder gar projizierten Empfindungen als dem
+unmittelbar Gegebenen reden, sondern vorziehen zu sagen, dass uns die
+Empfindungen nicht als Empfindungen ursprünglich gegeben sind sondern als
+Erkenntnismittel.
+
+Auf einer gewissen Stufe des entwickelten Bewusstseins hören schon beim
+unmündigen Kinde die Empfindungen auf unverstandene Zustände zu sein. Es
+erhebt sich der auf das Wesen der Dinge und die Wahrheit gerichtete Blick
+des Geistes, durchdringt die sinnliche Hülle der Empfindungen, die in
+jedem andere und besondere sind, und erfasst das für alle Zeit und darum
+auch für alle Denkenden den Empfindungen irgend entsprechende, jedenfalls
+mit ihnen zusammengehörende Sein und Etwas, d. h. das für alle Zeit und
+für alle Denkenden gültige Wesen der Dinge in der unbestimmten Weise, wie
+es eben dem Begriffe des Seins und Etwas entspricht. Natürlich bleibt die
+Empfindung das Kleid, die Hülle dieses unbestimmten Seins und Etwas, der
+Stützpunkt, das Schwungbrett, um mit Platon zu reden, für diesen Blick des
+Geistes, das er nicht entbehren kann. Empfindungen als
+Bewusstseinsvorgänge sind Abstraktionen, als Erkenntnismittel für die
+Aussenwelt sind sie das ursprünglich Gegebene. Aber auch für die höchsten
+Begriffe können wir dieses Erkenntnismittel, wie Aristoteles zuerst sieht,
+nicht entbehren. Kein Begriff ohne Phantasiebild -- dieser Satz stammt von
+ihm. Er will sagen: kein Begriff ohne wieder auflebende Empfindungen, die
+als Erkenntnismittel funktionieren. Dem Blick des Geistes, der das den
+Empfindungen entsprechende Sein findet oder entdeckt, folgt das
+Einleuchten der Zusammengehörigkeit und diesem die Einsicht in die
+Zusammengehörigkeit. Aber nur von dem ganz unbestimmten Sein und Etwas der
+Dinge, das freilich für alle Zeit und für alle Denkenden gilt, giebt uns
+diese Einsicht Kunde, nicht von seiner Beschaffenheit. Etwas Näheres von
+seiner Beschaffenheit, freilich noch unbestimmt genug, erfahren wir nach
+dem Einheitsgesetz unsres Erkennens, nach dem alle Wahrheit und damit
+alles Wesen der Dinge Gedanke Gottes ist. Hiernach muss dann auch das mit
+den Empfindungen zusammengehörende Sein und Etwas als Gedanke Gottes
+gefasst werden. Davon haben wir dann eine mittelbare, eine durch das
+Einheitsgesetz vermittelte Erkenntnis.
+
+Wir gehen bei unsrer Beweisführung davon aus, dass nicht bloss unser Leib
+sondern auch die Körperwelt mit unsrem Bewusstsein eine Einheit bilden.
+Denn nur unter dieser Voraussetzung scheint eine unmittelbare Erkenntnis
+der Körperwelt aus den Empfindungen und durch sie, wenn auch nur ganz
+unbestimmt, als eines Etwas oder Seienden möglich zu sein. Aber besteht
+jene Annahme zu recht? Können wir wirklich nicht bloss von einer Einheit
+unsres Leibes, sondern auch der Körperwelt mit unsrem Bewusstsein reden?
+Zunächst unterscheidet das Kind seinen eigenen Leib noch nicht von fremden
+Körpern. Erst die Schmerzgefühle, welche mit den Angriffen auf den Leib
+verbunden sind, machen ihm klar, dass es sich mit dem eigenen Körper
+anders verhält als mit fremden Körpern. Dann steht doch auch der eigene
+Körper mit der ganzen Körperwelt in einer auf beständigem Austausch
+beruhenden Verbindung; sie bilden mit einander eine unauflösliche Einheit,
+in dem es kein Leeres und keine Sprünge giebt. (Horror vacui. Natura non
+facit saltus.) Natürlich leugnen wir nicht, dass das Verhältnis des
+Bewusstseins zu dem, was wir unsren Leib nennen, ein andres ist als zu den
+fremden Körpern. Aber erstens ist dies Verhältnis uns unbekannt; zweitens
+ist es nicht zu allen Teilen des eigenen Leibes das gleiche, scheint zu
+vielen Teilen desselben vielmehr kein engeres zu sein wie zu der übrigen
+Körperwelt; drittens endlich ist dieses Verhältnis, was die Erkenntnis des
+eigenen und der fremden Körper angeht, sicher das gleiche, und bloss in
+dieser Hinsicht kommt dieses Verhältnis für uns hier in Betracht.
+
+Wir fragen endlich, wie weit denn unsre Einsicht bezüglich der Aussenwelt
+reicht? Wir antworten: genau so weit, als unsere wirkliche Erkenntnis;
+denn diese ist mit der Einsicht ein und dasselbe. Natürlich gehört Raum
+und Zeit, Substanz und Ursache, nicht minder aber auch Materie und Kraft,
+in denen die gleichen irrationalen, dem Denken inkommensurabeln, durch
+dasselbe nicht aufzuhellenden Elemente enthalten sind, bloss zu der
+Erscheinung der Welt in unsrem Bewusstsein. Abgesehen von den Urteilen
+über das in diesen Formen Verbundene giebt es keinerlei Einsicht von
+ihnen, was natürlich nicht hindert, dass wir von dem in diesen Formen
+Gegebenen, unter ihnen Erfassten eine Einsicht haben. Sehen wir aber von
+dieser Erscheinung der Aussenwelt in uns ab, so bleibt kaum etwas anderes
+übrig, als ein unbestimmtes Seiendes, das freilich im Gegensatz zu dieser
+Erscheinung objektiv für alle Zeit und für alle Denkenden gültig ist, und
+in diesem Sinne existiert. Giebt es eine Vielheit von Dingen in der
+Aussenwelt, die wir freilich nur nach den sinnfälligen Eigenschaften ihrer
+Erscheinung unterscheiden können? Wir werden behaupten müssen, dass wir
+davon eine einsichtige Erkenntnis haben, sofern es sich um die grossen
+Himmelskörper einschliesslich unsrer Erde und um die kleinen Menschen-,
+Tier- und Pflanzenkörper handelt, auch bezüglich der Atome der Physiker,
+bezüglich der Aggregatzustände Luft, Wasser, Erde, ferner der Berge,
+Flüsse, Thäler, Meere. Aber was diese vielen Dinge der Natur sind, die wir
+nur nach ihrer Erscheinung im Bewusstsein bestimmen und unterscheiden
+können, insbesondere, wodurch sie sich in Wirklichkeit unterscheiden,
+wissen wir nicht. Die Vielheit stellt sich uns ferner als eine gebrochene
+Einheit dar. Natürlich haben wir auch von den Ergebnissen der
+beschreibenden Naturwissenschaften, sofern sie wirklich wissenschaftliche
+Ergebnisse sind, einsichtige Erkenntnisse, bei denen freilich immer
+vorbehalten bleibt, was es mit den Körpern, von denen sie handeln,
+eigentlich auf sich hat, was sie abgesehen von ihrer Erscheinung in unsrem
+Bewusstsein sein mögen. Das Gleiche gilt von den Ergebnissen der Chemie,
+Astronomie, Physik, Mechanik und zwar in um so höherem Grade, je weiter
+wir uns in diesen Wissenschaften von den verwickelten Verhältnissen des
+Einzelwirklichen entfernen, jemehr wir von ihnen abstrahieren. Bis an die
+äusserste Grenze der Abstraktion gehen wir in der Geometrie und
+Arithmetik, und daher rührt die durchsichtige Klarheit der Sätze dieser
+Wissenschaften. Bei der Geometrie bleibt freilich noch der Raum und die
+Ausdehnung mit dem in ihnen enthaltenen irrationalen Elemente gleichsam
+als Hindernis einer vollkommen uneingeschränkten Einsicht bestehen, die
+wir erst für die Sätze der Arithmetik, bei der auch dieses Hindernis in
+Fortfall kommt, in Anspruch nehmen können.
+
+
+ Einundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins.
+
+Die Erkenntnis der Aussenwelt ist, wie wir sehen, überall durch
+unüberschreitbare Schranken eingeengt. Wenn wir von der Existenz der Dinge
+und Vorgänge der Aussenwelt und ebenso der Beziehungen zwischen ihnen auch
+eine wirkliche, in der Einsicht bestehende Erkenntnis haben, so bleibt uns
+die nähere Beschaffenheit dieser Dinge und ebenso der Vorgänge doch
+verborgen. Wir können sie nur nach ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein
+näher bestimmen, und diese mag für ihre Unterscheidung ausreichen, kann
+uns aber über ihre Beschaffenheit keine Belehrung geben. Der Aussenwelt
+steht die Innenwelt unsres Bewusstseins gegenüber. Können wir von dieser
+Einsichten, Erkenntnisse gewinnen, die umfassender und vertiefter sind,
+wie manchmal behauptet wird? Von einer Reihe von Forschern, die sich an
+Brentano anschliessen, wird angenommen, dass wir Einsichten überhaupt nur
+von den Gegenständen der innern Wahrnehmung, also von der eigenen
+Innenwelt haben können, nicht aber von den Gegenständen der äussern
+Wahrnehmung, also von der Aussenwelt, sofern sie Gegenstand der äussern
+Wahrnehmung ist.
+
+Jedenfalls ist jeder Bewusstseinsvorgang durch das Merkmal der Bewusstheit
+charakterisiert, das man als ein Wissen des Bewusstseinsvorganges um sich
+selbst bezeichnen kann. Jeder hat sich selbst zu seinem Inhalte. In diesem
+Sinne kann man sagen: jede Vorstellung stellt etwas vor, mag sie richtig
+sein oder nicht, und das ist der nicht von ihr verschiedene Inhalt. Dieses
+Wissen des Bewusstseinsvorganges um sich selbst muss natürlich immer wahr
+sein: in ihm kann es keinen Irrtum, keine Falschheit geben. Aber es ist
+kein eigentliches Wissen, kein namentliches, vorstellungsmässiges,
+begriffliches Wissen. Wir gewinnen durch dasselbe noch keine
+Vorstellungen, Begriffe von den Bewusstseinsvorgängen. Dieses
+uneigentliche Wissen ist keine Einsicht, keine Erkenntnis. Aber wir können
+über die Bewusstseinsvorgänge reflektieren und diese Reflexion, selbst ein
+Bewusstseinsvorgang, ist von den Bewusstseinsvorgängen, die ihren
+Gegenstand bilden, verschieden. Durch die Reflexion nun gewinnen wir
+zweifellos nicht bloss von der Existenz sondern auch von der
+Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge eine Einsicht, eine Erkenntnis.
+Wir stehen ihnen nicht ratlos gegenüber wie den Dingen und Vorgängen der
+Natur oder müssen uns mit einer ganz unbestimmten Erkenntnis derselben
+begnügen. Wir wissen, was es mit ihnen auf sich hat, wodurch sie sich von
+einander unterscheiden auf Grund von Merkmalen, die wir in den
+Bewusstseinsvorgängen selbst finden. Allerdings sind alle unsere
+Vorstellungen, die wir von den Bewusstseinsvorgängen haben, aus dem
+sinnlichen Gebiete entlehnte, übertragene, ursprünglich also sinnliche und
+mit Bezug auf die Bewusstseinsvorgänge nur bildliche Vorstellungen. Wir
+bedürfen dieser Krücken der sinnlichen Vorstellungen bei jedem Schritte,
+den unser Denken thut und können ihrer nirgends entraten, auch nicht, wenn
+es sich um die Erkenntnis unserer Bewusstseinsvorgänge handelt. Aber wir
+wissen sehr wohl zwischen dem ursprünglichen und übertragenen Sinne dieser
+Vorstellungen, z. B. der Vorstellung Vorstellen, zu unterscheiden und
+geben ihnen unwillkürlich bei der Übertragung auf die Bewusstseinsvorgänge
+eine diesen entsprechende andere Bedeutung. Hier kommt das mit jedem
+Bewusstseinsvorgang verbundene, uneigentliche Wissen des
+Bewusstseinsvorgangs um sich selbst zur Geltung und verhindert eine
+Herabziehung der Bewusstseinsvorgänge in das sinnliche Gebiet. Die
+Empfindungen, insofern sie Erkenntnismittel der Aussenwelt sind und als
+solche immer unter Mitwirkung der Sinnesorgane, sei es der äussern, sei es
+bloss der innern, der Gehirnerregungen, funktionieren, gehören dem
+sinnlichen Gebiete an, ja sie konstituieren dasselbe. Insofern wir aber
+bei der Reflexion über die Empfindungen von dieser ihrer körperlichen
+Seite absehen, bilden sie, wie alle Bewusstseinsvorgänge, einen Gegensatz
+wie zu allem Körperlichen, so auch zu allem Sinnlichen. Es ist unrichtig
+zu sagen, dass wir von den Bewusstseinsvorgängen nur Vorstellungen haben
+und nicht wissen, was diesen Vorstellungen eigentlich entspricht; von
+unsren gegenwärtigen Gefühlen, gegenwärtigen Wollungen und gar von unsren
+gegenwärtigen Vorstellungen sollen wir blosse Vorstellungen haben. Es
+leuchtet unmittelbar ein, dass diese Annahme falsch ist, abgesehen von den
+widersinnigen Konsequenzen, zu denen sie führt. Müssten wir ja dann auch
+von den Vorstellungen unsrer Bewusstseinsvorgänge nur Vorstellungen haben
+und von diesen Vorstellungen wieder nur Vorstellungen und so fort ohne
+Ende. Man könnte denken, die Übertragung der aus dem sinnlichen Gebiete
+entlehnten Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge könne nur in
+Urteilen geschehen. Allein diese Urteile setzen das Einleuchten der
+Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge mit den Vorstellungen und die
+Einsicht in diese Zusammengehörigkeit voraus, die Übertragung geht also,
+wie der Einsicht und dem Einleuchten, so auch dem Urteil voran, und wir
+werden sie dem Blick des Geistes zuschreiben müssen, dem wir die
+wesentlichen Merkmale verdanken.
+
+Man kann die Bewusstseinsvorgänge isolieren, wie wir das thun, wenn wir
+sie durch übertragene Vorstellungen näher bestimmen. Das ist ein
+abstraktes Verfahren, welches zu diesem Zwecke angewendet werden kann und
+in der Psychologie gute Dienste thut. Aber man darf nicht glauben, dass
+die Bewusstseinsvorgänge in Wirklichkeit auch isoliert von einander sind.
+Sie liegen nicht nebeneinander wie die Atome eines Körpers, haben vielmehr
+einen übergreifenden, die gleichzeitigen und sogar auch die vorangehenden
+Bewusstseinsvorgänge mit umfassenden Charakter. Ohne dieses Übergreifen
+ist das Zustandekommen des Sinnenbildes der Ausdehnung, in dem die
+gleichzeitigen Empfindungen, und des Sinnenbildes der Bewegung, in dem die
+aufeinanderfolgenden Empfindungen in bewusster Weise zusammenhängen oder
+einen bewussten Zusammenhang bilden, nicht zu erklären. Die den einzelnen
+Bewusstseinsvorgängen eigentümliche Bewusstheit oder das Wissen um sich
+selbst greift hier auch auf die andern gleichzeitigen oder vorausgehenden
+und nachfolgenden Empfindungen hinüber. Das, was wir Einheit des
+Bewusstseins nennen, vermöge deren wir von _unsrem_ Bewusstsein reden und
+dieses den fremden Bewusstseinen gegenüberstellen, hat hierin seinen
+Grund. Es ist zu beachten wichtig, dass wir nicht bloss eine wirkliche
+Einsicht und Erkenntnis von der Existenz und Beschaffenheit der
+Bewusstseinsvorgänge haben, sondern ebenso auch von ihrer Zugehörigkeit zu
+unsrem Bewusstsein, oder dass sie unsere Bewusstseinsvorgänge sind. Auch
+von dem besonderen Zusammenhange zwischen Vorstellungen und Gefühlen,
+Gefühlen und Wollungen, zwischen Überlegung, Entschluss, Vorsatz,
+Ausführung -- mag uns die Art dieses Zusammenhangs auch dunkel bleiben --
+haben wir eine Einsicht, eine wirkliche Erkenntnis, also wenigstens davon,
+dass dieser Zusammenhang besteht. Wir wissen, was wir beabsichtigen, und
+wann wir ohne Absicht handeln und darum für den Erfolg unserer Handlungen
+entweder gar nicht oder nicht völlig verantwortlich sind, und dieses
+Wissen beruht auf einer Einsicht und Erkenntnis. Das Gefühl der Reue und
+der Verantwortung und ihr Gegenteil hat darin seinen Grund.
+
+Giebt es auf Einsicht beruhende Erinnerungen, sind Erinnerungen wirkliche
+Erkenntnisse? Zweifellos können sie das sein und sind es in Wirklichkeit
+oft genug. Eigentlich können wir uns nicht an Dinge und Vorgänge, sondern
+nur an unsere Wahrnehmung der Dinge und Vorgänge erinnern. Die Erinnerung
+ist ein Wissen der Zusammengehörigkeit eines vergangenen
+Bewusstseinsvorganges mit dem gegenwärtigen, daher seiner Zugehörigkeit zu
+unsrem Bewusstsein. Dass uns diese Eigentümlichkeit der Erinnerung bei der
+Erinnerung selbst weniger zum Bewusstsein kommt, hat seinen Grund darin,
+dass wir bei den Erinnerungen uns ganz in die Zeit des vergangenen
+Vorgangs versetzen und mit unsrem Denken nur bei ihm verweilen; ähnlich
+wie wir bei der Wahrnehmung uns an den Ort des Gegenstandes versetzen. Das
+ist auch der Grund, warum wir nicht leicht von einer Einsicht sprechen
+weder bei der Erinnerung noch bei der Wahrnehmung. Die Einsicht setzt
+immer zwei Glieder voraus, deren Zusammengehörigkeit uns einleuchtet. Bei
+dieser Versetzung in die Zeit des erinnerten und an den Ort des
+wahrgenommenen Gegenstandes scheint aber immer nur ein Glied vorhanden zu
+sein. Kommen wir aber auf dem Wege der Reflexion dazu, die Erscheinung des
+Dinges in unsrem Bewusstsein von dem wahrgenommenen Dinge selbst oder den
+gegenwärtigen Erinnerungsakt von dem vergangenen erinnerten
+Bewusstseinsvorgang zu unterscheiden, so leuchtet uns die
+Zusammengehörigkeit beider ein, und wir begreifen, dass wir auch bei der
+Wahrnehmung und Erinnerung von einer Einsicht sprechen müssen. Sehen wir
+unter dieser Voraussetzung ab von der Bedeutung der Zeit, der
+Vergangenheit in ihrem Verhältnis zur Gegenwart, die wir nicht kennen,
+sehen wir ferner ab von Ausdehnung, Bewegung, Raum, Substanz, die nur die
+Erscheinung der Dinge und Vorgänge im Bewusstsein ausmachen können (falls
+bei der Erinnerung auch äussere Dinge und Vorgänge, sofern sie
+wahrgenommen wurden, in Frage kommen), so kann es keinem Zweifel
+unterliegen, dass es Erinnerungen giebt, die in einer Einsicht oder
+wirklichen Erkenntnis bestehen. Die ganz klaren und deutlichen sind von
+dieser Art. Wer kann leugnen, dass er eine auf Einsicht beruhende
+Gewissheit davon hat, heute Morgen aufgestanden zu sein, einen Spaziergang
+gemacht zu haben, auf demselben jemand getroffen oder gesprochen zu haben,
+von Kummer erfüllt gewesen zu sein beim Tode eines Angehörigen, beim
+Verlust eines Vermögens usw.? Sogar darüber, ob unsere Erinnerung ungenau,
+lückenhaft, verschwommen ist, können wir unter Umständen eine auf Einsicht
+beruhende Gewissheit haben. Ist das Gedächtnisbild von einem früheren
+Bewusstseinsvorgang von dieser Beschaffenheit, so werden die mit dem
+früheren Bewusstseinsvorgang verbundenen Gefühle auch nur zum Teil in
+lückenhafter, verwischter Weise wieder aufleben. Das hat eine Spannung,
+ein Unbehagen zur Folge, worin wir etwa den psychologischen
+Anknüpfungspunkt für das Einleuchten der Nichtzusammengehörigkeit, (die in
+diesem Falle als Nichtangemessenheit bestimmt werden muss) des
+Gedächtnisbildes mit dem Bewusstseinsvorgang erblicken können, der die
+Einsicht in diese Nichtzusammengehörigkeit folgt.
+
+So sicher es aber auch ist, dass wir Erinnerungen haben, die in Einsichten
+bestehen und also wirkliche Erkenntnisse sind, so sind die bei der
+Erinnerung gewonnenen Einsichten doch mancherlei Einschränkungen
+unterworfen, und wir müssen ihnen gegenüber mancherlei Vorbehalte machen.
+Noch mehr ist das der Fall, wenn wir von der Erkenntnis unseres Ich
+sprechen. Wie jeder Bewusstseinsvorgang ein Wissen, freilich ein
+uneigentliches Wissen von sich selbst hat, das wir seine Bewusstheit
+nennen, so hat auch das, was wir unser Ich, unser Selbst nennen, ein
+Bewusstsein von sich. Wir haben ein Ich-Bewusstsein, ein
+Selbst-Bewusstsein, die Zusammengehörigkeit unsres Ich, unsres Selbst mit
+diesem Bewusstsein von sich leuchtet uns unmittelbar ein; davon haben wir
+eine Einsicht, eine Erkenntnis, eine unmittelbare Einsicht, die jeden
+Zweifel ausschliesst. Wenn Hume behauptet, dass er in sich jederzeit nur
+ein Bündel von Vorstellungen findet, so hat er eben vergessen, dass dazu
+ein Vorfinder, eben das Ich, erforderlich ist. Aber was ist dieses Ich,
+dieses Selbst? Das ist eine andere Frage. Und hier fehlt uns offenbar die
+Einsicht oder Erkenntnis. Sicher ist es nicht unser Körper oder einer
+seiner Teile, die Augen, die Ohren, die wir, auch abgesehen von ihrer
+Erscheinung in unsrem Bewusstsein, unterscheiden müssen, obgleich das Wort
+Ich lange Zeit hindurch von unsren Kindern und von vielen Erwachsenen ihr
+Leben hindurch nur oder fast nur von ihrem Leibe verstanden wird, also von
+dem leiblichen Ich; obgleich ferner das Ich von dem, was dem Leibe,
+abgesehen von seiner Erscheinung im Bewusstsein, entspricht, nicht
+getrennt werden kann, soll es nicht zu einem blossen Abstraktum werden.
+Ohne dieses, dem sinnlich erscheinenden Leib Entsprechende ist ja kein
+Bewusstsein denkbar, und ohne Annahme des Bewusstseins können wir auch von
+keinem Ich reden. Sicher ist es ferner keine Substanz, die nur zur
+Erscheinungsform der körperlichen Dinge gehören kann. Auch mit dem
+Selbst-Bewusstsein oder Ich-Bewusstsein, das nur sein Merkmal bildet, kann
+das Ich und Selbst nicht verselbigt werden. Es ist der Ausdruck für die
+Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge zu Einem Bewusstsein, aber
+doch kein blosses Wort; vielleicht ist es das Band dieser
+Zusammengehörigkeit, das sich ebenso zu der Gesamtheit der
+Bewusstseinsvorgänge verhält wie der Eine Denkende zum Reich der Wahrheit.
+Hier sind wir auf blosse Vermutungen angewiesen, es fehlt uns jede
+Einsicht und damit die wirkliche Erkenntnis. Wenn wir urteilen: ich freue
+mich, ich bin traurig, ich stelle mir vor, so haben wir zweifellos eine
+Einsicht und wirkliche Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit unsrer
+Bewusstseinsvorgänge mit dem Ich- oder Selbstbewusstsein, von ihrer
+Zugehörigkeit zu unsrem Bewusstsein, diese leuchtet uns unmittelbar ein.
+Aber vorbehalten bleibt, was es mit dem Ich und Selbst auf sich hat.
+
+Wir sehen, nicht bloss für die Erkenntnis der Aussenwelt, auch für die
+Erkenntnis unsrer eignen Innenwelt giebt es unübersteigliche oder
+wenigstens bis jetzt nicht überwundene Schranken; auch hier müssen wir
+Vorbehalte machen, wenn wir von Einsicht und wirklicher Erkenntnis reden
+wollen. Freilich besteht, was die Erkenntnis der Aussenwelt und die unsrer
+eigenen Innenwelt angeht, ein wesentlicher Unterschied. Sehen wir vom Ich
+ab, so wissen wir doch, was wir unter Händen haben, wenn wir uns mit den
+Bewusstseinsvorgängen beschäftigen; wir kennen ihre Merkmale und können
+sie danach von einander unterscheiden, während wir von den Dingen und
+Vorgängen der Natur in der That nicht wissen, was sie sind, und sie
+lediglich nach ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein von einander
+unterscheiden können. Bei den Bewusstseinsvorgängen fällt natürlich ihre
+Erscheinung im Bewusstsein mit ihnen selbst zusammen. Denn diese ihre
+Erscheinung im Bewusstsein ist nichts anderes als das mit ihnen verbundene
+Wissen von sich selbst, das wir ihre Bewusstheit nennen. Die Reflexion ist
+nur eine Wiederholung dieses mit jedem Bewusstseinsvorgange verbundenen
+Wissens von sich selbst.
+
+
+ Zweiundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Weitere Schranken unseres Erkennens.
+
+Eine Schranke unsrer Erkenntnis, der Innen- und Aussenwelt, haben wir
+bisher absichtlich unerwähnt gelassen. Wir erkennen das Wesen der Dinge
+und Vorgänge der Natur wie der Vorgänge unsres Bewusstseins, ihre
+Wahrheit, erst dann, wenn wir ihre Stellung in dem System aller Wahrheit
+erfasst haben. Davon sind wir aber mit all den erörterten Einsichten und
+Erkenntnissen noch weit entfernt. Wir gewinnen mit ihnen sozusagen nur die
+Glieder dieses Systems. Über ihren Zusammenhang innerhalb desselben, auf
+den doch alles ankommt, bleiben wir völlig im Dunkeln. Das ist die letzte,
+höchste, eine allgemeine Schranke unserer Erkenntnis, die sowohl für die
+Erkenntnis der Aussenwelt wie für die Erkenntnis der Innenwelt gilt.
+Weitere, näher liegende, ebenfalls allgemeine Schranken unsrer Erkenntnis
+bedürfen einer besondren Erörterung.
+
+Wir bezeichnen gewöhnlich als unser Wissen alles das, von dem wir eine
+Gewissheit haben. Die Gewissheit verbindet sich aber auch oft genug mit
+einem blinden Dafürhalten und ist in diesem Falle ohne vernünftigen Grund.
+Wenn wir die zahlreichen Quellen des blinden Dafürhaltens ins Auge fassen,
+wenn wir insbesondere erwägen, wie oft unsre Zuneigungen und Abneigungen,
+unsre Interessen auf unsre Überzeugungen einen massgebenden und
+bestimmenden Einfluss ausüben, wie oft nach dem Sprichwort der Wunsch der
+Vater des Gedankens ist, werden wir kaum zweifeln können, dass die Zahl
+der auf blindem Dafürhalten beruhenden und darum des Charakters der
+Vernünftigkeit entbehrenden Wissensinhalte sehr gross ist und kaum
+überschätzt werden kann. Diese Wissensinhalte können natürlich nicht als
+Erkenntnisse im eigentlichen Sinne gelten.
+
+Von den Erkenntnissen im eigentlichen Sinne müssen ferner die sogenannten
+Kenntnisse, die auf einer blossen Kenntnisnahme, auf einem blossen
+Kennenlernen beruhen, sorgfältig unterschieden werden. Sie bilden die
+unübersehbar grosse Gruppe der associativen Wissensinhalte, bei denen
+ebenfalls in keiner Weise von einer Einsicht die Rede sein kann. Wir haben
+Gesichtsempfindungen von den Dingen; mit ihnen zusammen treten die
+Gehörsempfindungen oder Gehörsvorstellungen von den auf diese Dinge
+angewendeten Worten auf; sie associieren sich mit den ersteren und werden
+gelegentlich, wenn sich die Gesichtsempfindungen wiederholen,
+reproduziert. Wir sagen dann, das Ding heisst so und so. Das ist natürlich
+ein lediglich associatives Wissen, ohne alle Einsicht. Alles Namen- und
+Wortwissen in der eigenen und fremden Sprache, alle Benennungsurteile sind
+von dieser Art, da die Namen und Worte nur willkürliche Zeichen sind für
+das, was sie bedeuten. Nicht bloss mit den Worten steht es so, es ist
+vielfach nicht anders mit den Sachen. Wie selten haben wir
+verhältnismässig eine Einsicht in den Zusammenhang der Teile, aus denen
+wir die Dinge zusammensetzen, der Eigenschaften, die wir ihnen beilegen,
+des Geschehens in Natur und Geschichte, wenigstens wenn wir über die
+nächsten Zusammenhänge bei diesem Geschehen hinausgehen wollen. Die
+Wissenschaft stellt sich die Aufgabe, diese Zusammenhänge darzulegen,
+oder, was dasselbe ist, die Gesetze für dieselben zu finden. Aber wie weit
+ist sie von der Lösung dieser ihrer Aufgabe entfernt. Sehr oft haben diese
+Zusammenhänge für uns nur den Charakter des zufällig Verbundenen oder des
+Zusammengeratenen, von dem es nur ein associatives Wissen geben kann, weil
+das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit und damit die Einsicht fehlt.
+
+Es ist endlich klar, wenn wir auf Grund einer geringeren oder grösseren
+Zahl von Einzelfällen einen allgemeinen Satz aufstellen, wenn wir mit
+andren Worten einen Induktionsschluss ziehen, so hat dieser Satz, je nach
+der Zahl der Fälle, eine grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit, aber
+von dieser Wahrscheinlichkeit haben wir doch eine Einsicht, eine wirkliche
+Erkenntnis, eine Einsicht in seine Wahrscheinlichkeit.
+
+
+ Dreiundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Erkenntnis der Innenwelt andrer.
+
+Wir haben gesehen, wie wir zur Erkenntnis unserer eigenen Innenwelt
+gelangen und welche Schranken für diese Erkenntnis vorhanden sind. Aber
+wie steht es mit unserer Erkenntnis der Innenwelt andrer? Haben wir eine
+auf Einsicht beruhende wirkliche Erkenntnis von fremden Bewusstseinen?
+Allgemein wird jetzt angenommen, dass diese Erkenntnisse, wenn es
+wirkliche Erkenntnisse sind, auf dem Wege des Analogieschlusses zustande
+kommen. Mit unsren Bewusstseinsvorgängen sind Ausdrucksbewegungen, z. B.
+Lachen und Weinen mit Freude und Trauer, ausserdem Mienen, Gebärden als
+Zeichen bestimmter Gefühle, Worte als Zeichen bestimmter Gedanken
+verbunden. Nehmen wir diese nun an andren wahr, so schliessen wir, dass
+auch bei ihnen die gleichen Bewusstseinsvorgänge vorhanden sein müssen.
+Sollte wirklich alle Erkenntnis fremder Bewusstseine auf diesem Wege
+zustande kommen? Sollte beispielsweise das Kind die Freude, die Trauer,
+den Zorn und Unwillen der Mutter, ihre Liebe, ihren Beifall nur auf diesem
+Wege kennen lernen? Ist das Kind, wenn es anfängt in dieser Weise in das
+Bewusstsein der Mutter Blicke zu thun, wohl imstande, die mit seinen
+Bewusstseinsvorgängen verbundenen Ausdrucksbewegungen, insbesondere seine
+mit ihnen verbundenen Mienen, die fast ausschliesslich in Betracht kommen,
+genau zu kennen, um sie mit den Mienen der Mutter vergleichen und daraus
+bei der Mutter auf ähnliche Bewusstseinsvorgänge schliessen zu können? Das
+scheint den Beobachtungen, die wir am Kinde machen können, durchaus zu
+widersprechen. Aber auch soweit wir Erwachsene fremde Bewusstseine
+erkennen, spielt dieser schwerfällige Analogieschluss, wie die Reflexion
+deutlich lehrt, keine Rolle. Unsre Erkenntnis der fremden Bewusstseine
+giebt sich uns als eine unmittelbare kund und, wie es scheint, kann sie
+auch beim Kinde keine andere sein.
+
+Aber wie ist das möglich? Der blosse Anblick der Bewegung eines andren,
+z. B. beim Stossen einer Billardkugel, beim Springen über einen Graben,
+erzeugt in uns, wenn nicht die gleiche Bewegung, so doch den Ansatz dazu.
+Ähnlich kann man beobachten, dass die Gefühlsäusserungen eine ansteckende
+Wirkung ausüben. Begegnen wir finstern Mienen, so verdüstert sich auch
+unwillkürlich unsere eigene Miene. Wo alles lacht, müssen auch wir lachen;
+wo alles weint, können wir uns des Weinens nicht enthalten, und wenn wir
+auch nicht wirklich mitlachen oder mitweinen sollten, so werden wir doch
+fröhlich oder traurig gestimmt. So lange wir Kinder sind und noch nicht
+gelernt haben, unsren Gefühlsäusserungen Zügel anzulegen, werden wir nicht
+bloss fröhlich mit den Fröhlichen und traurig mit den Traurigen; wir
+lachen wirklich mit den einen und weinen mit den andren. Das ist die
+Regel. Natürlich giebt es Ausnahmen, bei Kindern sowohl als bei
+Erwachsenen, wenn sie sehr egoistische, sehr gefühllose Naturen sind. Das
+Merkwürdige hierbei ist nur, dass die ansteckende Wirkung nicht bloss bei
+den Gefühlsäusserungen stehen bleibt, sondern sofort auch, und wie es
+wenigstens bei den Erwachsenen scheint, mit grösserer Sicherheit auf die
+Gefühle selbst übergeht. Nehmen wir nun an, dass wir von unsren
+Mitmenschen nach ihrer leiblichen Erscheinung bereits eine Erkenntnis
+gewonnen haben, ist es dann nicht natürlich, dass wir in diesen uns
+aufgedrängten Gefühlen und sonstigen Bewusstseinsvorgängen ihre eigenen
+erblicken, dass die Zusammengehörigkeit dieser ihrer Bewusstseinsvorgänge
+mit ihrer leiblichen Erscheinung sich uns aufdrängt, uns unmittelbar
+einleuchtet und wir so eine unmittelbare Einsicht, eine unmittelbare
+wirkliche Erkenntnis von dieser Zusammengehörigkeit und damit von den
+fremden Bewusstseinen gewinnen? So erklärt sich denn die allbekannte
+Erscheinung von der unwillkürlich in unsren Kindern auftretenden Abneigung
+gegen Personen, die Kinder nicht leiden können oder die von schlechter
+Gemütsart sind. Das Gefühl der Abneigung gegen Kinder, gegen alle Menschen
+überhaupt, teilt sich den Kindern mit, und in diesem Gefühle lesen sie
+gleichsam unmittelbar in der Seele des andren und sehen, was in ihr
+vorgeht. Ich brauche nicht zu bemerken, dass diese Erscheinung zu den
+Erfahrungen gehört, die wir täglich an uns selbst machen können und die
+somit als eine allgemein menschliche Erscheinung betrachtet werden muss,
+mithin auch für das Leben der Erwachsenen gilt. Die Unmittelbarkeit der
+Erkenntnis der fremden Bewusstseine hat im Grunde nichts Auffälliges. Das
+Gegenteil ist nur scheinbar natürlicher; der Raum, der uns anscheinend von
+dem fremden Bewusstsein trennt, gehört selbstverständlich nur unserer
+Vorstellung an. Eine actio in distans, Einwirkung aus der Ferne muss nach
+dem jetzigen Stande der Naturwissenschaft sogar für die Körperwelt
+angenommen werden, wenigstens so lange, als noch nicht nachgewiesen ist,
+dass die Gravitation zu ihrer Wirkung Zeit braucht; bis jetzt gilt diese
+Wirkung als eine unzeitliche oder zeitlose. Von der actio in distans der
+Körper bis zum immediatum commercium animarum ist nur ein Schritt.
+
+Freilich hat die Erkenntnis anderer, insbesondere ihres Innern, auch ihre
+Schranken. Schon Aristoteles und Locke sagen, dass wir nicht wissen
+können, ob die Empfindungen etwa von rot und grün, die wir beim Anblick
+von Blut und Gras haben, bei andren die gleichen und nicht vielmehr die
+umgekehrten sind, so dass ihnen beim Gras die Empfindung gegenwärtig ist,
+die wir beim Blut haben, und umgekehrt. Da wir alle von Jugend an gelernt
+haben, das Gras grün und das Blut rot zu nennen, so würden natürlich die
+sprachlichen Bezeichnungen die gleichen bleiben. Da ferner für unsre
+Erkenntnis andrer, so unmittelbar sie ist, doch ihre Gefühlsäusserungen
+massgebend sind, so muss natürlich immer vorausgesetzt werden, dass diese
+Gefühlsäusserungen natürliche sind und nicht etwa künstlich zum Zweck der
+Verstellung oder der schauspielerischen Darstellung hervorgebracht werden.
+Pestalozzi betont, dass darüber, ob eine Handlung aus selbstlosen oder
+selbstsüchtigen Motiven hervorgeht, ob sie mit andren Worten sittlich oder
+unsittlich ist, nur jeder bei sich selbst urteilen kann. Natürlich gilt
+das Gleiche auch davon, ob neben dem negativen Moment der Selbstlosigkeit
+auch das positive Moment der rückhaltlosen Hingabe an Gott, des
+persönlichen Verhältnisses zu ihm, worin das Wesen der Religiosität
+besteht, für das Zustandekommen der Handlung bestimmend war. Obgleich sich
+das nun nicht bestreiten lässt, so ist doch anderseits auch nicht zu
+leugnen, dass wir auf Grund von Erfahrungen, die wir an uns und an andren
+machen, andren mehr Vertrauen schenken können und müssen als uns selbst,
+andere für ehrlicher, uneigennütziger, hingebender, opferwilliger halten
+müssen als uns selbst. In Bezug auf mich selbst bin ich doch eben wegen
+meiner Eigenliebe, die zum Selbstbeschönigen und Selbstbetrügen führt,
+viel mehr der Täuschung ausgesetzt, als in Bezug auf andere. Abgesehen
+davon ist das in Wort und That vorliegende Leben des Einzelnen ebenso
+Ausdruck seines Innern wie die Gefühlsäusserungen, und wenn wir hier das
+Natürliche, Nichtkünstliche und Nichtverstellte von seinem Gegenteil
+unterscheiden können, muss das auch dort gelten. Ist aber dies der Fall,
+dann kann sich mit der Erkenntnis der Lebensführung des Einzelnen, wie sie
+sich äusserlich kundgiebt, auch die Vorstellung der Sittlichkeit, der
+Religiosität verbinden und die Zugehörigkeit dieser innern Vorzüge zu ihr
+uns einleuchten, sodass wir nun auch von diesem Leben nach seiner innern
+sittlich religiösen Seite eine Einsicht und wirkliche Erkenntnis haben
+können. Oft macht das Leben eines Menschen auf uns einen so
+überwältigenden Eindruck, dass wir bezüglich der Lauterkeit und Reinheit
+seiner Gesinnung eine durch nichts zu erschütternde Überzeugung gewinnen
+und uns sagen müssen und wirklich sagen, dass, wenn hier keine Einsicht
+vorhanden ist, es überhaupt keine Einsicht giebt. Es ist merkwürdig, dass
+die solchen seltenen Menschen Nahestehenden und mit ihnen Umgehenden trotz
+der entgegengesetzten Erfahrung, die sie an sich selbst und an andren
+machen, in diesem ihre Einsicht betreffenden Urteil übereinstimmen, auch
+wenn der sogenannte Verehrungssinn in ihnen wenig oder gar nicht
+entwickelt ist. Natürlich sind wir bei dieser auf Einsicht
+zurückzuführenden Erkenntnis des Innern andrer auch auf ihre Worte als
+ungewollte und unbeabsichtigte Selbstbeurteilungen angewiesen, also auch
+auf die Mitteilungen andrer. Ob und inwiefern wir bezüglich der
+Mitteilungen andrer auch von wirklichen Erkenntnissen oder Einsichten
+reden können, darüber bedarf es einer besondren Untersuchung, der wir den
+Titel Geschichtliche Erkenntnisse geben, da die geschichtlichen
+Mitteilungen unter den Mitteilungen andrer die erste Stelle einnehmen.
+
+
+ Vierundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Geschichtliche Erkenntnisse.
+
+Den Mitteilungen andrer gegenüber sind wir gewohnt, von einem Dafürhalten
+zu reden, das wir mit dem geringschätzigen Namen Glauben bezeichnen und
+insofern dem Wissen als etwas Minderwertiges gegenüberstellen. Wir
+vergessen dabei gewöhnlich, dass unser ganzes Gerichtsverfahren, auch wenn
+es sich bei ihm um Leben und Tod handelt, auf Zeugenaussagen, also auf
+einem Glauben in diesem Sinne beruht, und dass das Leben in der Familie,
+in der Gesellschaft, im Staate, jeder Verkehr mit unsresgleichen ohne ihn
+unmöglich würde. Sicher ist, dass blosse Mitteilungen an sich genommen
+keine Einsichten sind, wenigstens nicht für diejenigen, denen die
+Mitteilungen gemacht werden. Mitgeteilte Urteile sind zunächst noch keine
+von uns gefällten Urteile, bei denen die Zugehörigkeit des Prädikates zum
+Subjekt uns einleuchtet. Aber wir haben gesehen, wie unübersehbar gross
+die Wissensinhalte sind, die wir uns selbst verdanken und bei denen
+ebenfalls von einem solchen Einleuchten keine Rede sein kann. Wir
+bezeichneten diese Wissensinhalte als Kenntnisse und unterschieden sie von
+den Erkenntnissen. Mit diesen Kenntnissen stehen die Mitteilungen zunächst
+auf einer Stufe. Aber ebenso wie die blossen Kenntnisse können auch sie
+unter Umständen zu Einsichten oder Erkenntnissen erhoben werden. Es ist
+also insofern kein Grund vorhanden, sie den Wissensinhalten gegenüber, die
+wir uns selbst verdanken und die blosse Kenntnisse sind, für minderwertig
+zu halten.
+
+Sicher ist ferner, dass wir bezüglich der mitgeteilten Urteile sehr häufig
+nicht zu einer unmittelbaren Einsicht in die Zusammengehörigkeit des
+Prädikats mit dem Subjekte gelangen können, uns vielmehr mit der Einsicht,
+dass der Mitteilende die Wahrheit sagen kann und sagen will, begnügen
+müssen, und dass wir erst hieraus auf die Zusammengehörigkeit des
+Prädikats mit dem Subjekte schliessen können. Aber auch von den
+Wissensinhalten, die wir uns selbst verdanken und die zunächst blosse
+Kenntnisse sind, gilt, dass wir sehr oft nur eine mittelbare Einsicht von
+ihnen gewinnen und sie nur durch diese mittelbare Einsicht zu eigentlichen
+Erkenntnissen erheben können. Wenn wir eine wirkliche Einsicht gewinnen,
+ist es in der That nicht von Bedeutung, ob dieselbe mittelbar oder
+unmittelbar ist, ebenso wenig, ob sie eine äussere ist, vermittelt durch
+Einsicht in die Fähigkeiten und Gesinnungen der Mitteilenden, oder eine
+innere, vermittelt durch Einsicht in Sätze, die von selbst einleuchten.
+Auch die äussere mittelbare Einsicht führt in letzter Instanz auf Sätze
+zurück, die durch sich selbst einleuchtend sind. Ich möchte deshalb
+vorschlagen, die im Deutschen (im Englischen hat sowohl believe
+dafürhalten, als faith Glauben im religiösen Sinne eine ganz andere
+Bedeutung) übliche Unterscheidung des Glaubens von dem Wissen fallen zu
+lassen und an ihre Stelle die andere von Wissensinhalten, die wir uns
+selbst und die wir andren verdanken, zu setzen. Es ist dies die bei den
+Engländern übliche Unterscheidung zwischen Kenntnissen erster und zweiter
+Hand. Das Wort Glaube bleibt besser wie das englische faith auf seine
+religiöse Bedeutung beschränkt.
+
+Überblicken wir nun einmal das unermesslich grosse Gebiet der
+Wissensinhalte, die wir andren verdanken, oder der Kenntnisse zweiter
+Hand, gegenüber der kleinen Zahl von Wissensinhalten, die wir uns selbst
+verdanken, oder der Kenntnisse erster Hand, und erwägen wir die
+Konsequenzen, zu denen es führt, wenn wir die erstren als minderwertig
+gegenüber den letztren betrachten wollen! Man bedenke, die ganze
+Geschichte, die Geographie fremder Länder und Völker, die wir nicht selbst
+gesehen, die Reisebeschreibungen und Naturbeschreibungen von Gegenständen
+und Dingen, die wir nicht selbst erforschten, die Geschichte der
+Wissenschaften, auch die Lehren der Biologie, Chemie und Physik, selbst
+der Mathematik, die wir nicht nachgeprüft haben -- und welcher Fachmann
+wäre im Stande, alles vor ihm Erforschte nachzuprüfen? -- alles das sind
+Kenntnisse zweiter Hand, deren Wahrheit wir nur mittelbar erkennen, sofern
+wir auf sie aus der Einsicht, dass die uns diese Kenntnisse Mitteilenden
+die Wahrheit wussten und auch sagen wollten, schliessen. Können wir diese
+sämtlichen Wissensinhalte, weil wir sie der Mitteilung andrer verdanken,
+für minderwertiger halten als die geringe Zahl der durch eigene Thätigkeit
+gewonnenen Wissensinhalte, die doch grösstenteils auch nur Kenntnisse sind
+und insofern mit ihnen auf einer Stufe stehen? Oder doch für
+minderwertiger als diejenigen unter ihnen, welche eigentliche Erkenntnisse
+sind, insbesondere als die Begriffsurteile der Arithmetik, der Logik, der
+Metaphysik und die diesen Begriffsurteilen sich nähernden, freilich nicht
+ohne Vorbehalt als Erkenntnisse zu betrachtenden allgemeinen Lehrsätze der
+Geometrie, Astronomie, Physik, Mechanik? Wegen der allgemeinen
+Anwendbarkeit der Begriffsurteile und dieser sich ihnen nähernden
+Lehrsätze ist ihr Nutzen für den Aufbau der Wissenschaften nicht hoch
+genug anzuschlagen, und insofern mögen sie höherwertig sein als die
+einfachen Thatsachenurteile. Aber der Erkenntniswert der Begriffsurteile
+ist offenbar nicht grösser als der der Thatsachenurteile. Hier wie dort
+besteht er in dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit und der Einsicht in
+dieselbe, was beides bei Thatsachen ebensowohl vorhanden sein kann als bei
+Begriffen. Ausserdem hat die Wahrheit der Thatsachenurteile ebenso einen
+überzeitlichen Charakter wie die Wahrheit der Begriffsurteile. Die meisten
+der auf Mitteilung beruhenden Urteile, ausser denen, die zu den
+erklärenden Naturwissenschaften und zur Mathematik gehören, sind solche
+Thatsachenurteile; die geschichtlichen Wissenschaften bestehen fast
+lediglich aus ihnen.
+
+Es ist wichtig zu beachten, dass den geschichtlichen Thatsachen, die wir
+sämtlich der Mitteilung andrer verdanken, kein geringerer, im Gegenteil
+sicher ein höherer Erkenntniswert zukommt als, ganz allgemein gesprochen,
+den Wissensinhalten der Naturwissenschaften, von denen wir viele durch
+unsere eigene Beobachtung gewinnen und die wir, wenn sie durch Beobachtung
+andrer gewonnen wurden, nachprüfen können, die ferner wegen ihrer
+grösseren Einfachheit eher die Herstellung gesetzlicher, den
+Begriffsurteilen sich nähernder Zusammenhänge ermöglichen. Wir haben
+gesehen, dass sich uns die Natur als eine gebrochene Einheit, nicht als
+eine wahre Vielheit darstellt; damit hängt zusammen, dass das Einzelne in
+der Natur nur als Beispiel einer Gattung und Art und nicht als solches
+Bedeutung hat. Den Botaniker interessiert dieses bestimmte Exemplar einer
+viola tricolor nur als Beispiel der Art. Ganz anders in der Geschichte.
+Die geschichtlichen Personen bilden eine wirkliche Vielheit. Jede einzelne
+hat ihren Wert, ist sozusagen eine Gattung, eine Art für sich. Eben darum
+stellen die geschichtlichen Thatsachen dem Erkennen eine viel schwerer zu
+bewältigende Aufgabe als die Naturthatsachen; sie bieten dem Erkennen zu
+gleicher Zeit aber auch einen Reichtum und eine Lebensfülle, hinter der
+die reichste und lebensvollste Ausstattung der Naturgestalten
+zurückbleibt. Die Geschichte ist die Quelle von Gedanken, welche uns der
+Lösung des Rätsels des Weltgeschehens näher bringen, während die Natur
+unsren Fragen gegenüber verstummt. Von dem Körperlichen, dem eigentlichen
+Gegenstande der Naturwissenschaft, wissen wir strenggenommen nicht, was es
+ist; von den Triebfedern und Beweggründen menschlicher Handlungen, die
+sich uns als die Hebel der geschichtlichen Entwicklung darstellen, haben
+wir eine eigentliche, in einer Einsicht bestehende Erkenntnis. Ausserdem
+ist das Körperliche sicher dem für die Geschichte massgebenden und
+bestimmenden Geistigen untergeordnet und hat in ihm seinen Zweck. Was
+haben beispielsweise die freilich bloss hypothetisch angenommenen
+Ätherschwingungen und die wirklich zu konstatierenden Luftschwingungen
+sonst für einen Zweck, als in unserem Bewusstsein die Farben und die Töne
+zu erzeugen und damit den Künsten der Malerei und Musik zur Geburt zu
+verhelfen? Es giebt einen der Natur innewohnenden Zweckzusammenhang, der
+in der Ermöglichung und Herausbildung des Bewusstseins, vor allem des
+menschlichen Bewusstseins, seine Spitze hat und in ihm, wie es scheint,
+seinen Abschluss findet. Es scheint nicht richtig, die Natur als Gegensatz
+zum Geiste zu betrachten; vielmehr stellt sie sich uns dar als eine
+Stufenleiter zum Geiste, der uns nicht bloss in unsrem Bewusstsein sondern
+mehr noch in der Geschichte offenbar wird. Man könnte sagen, die Natur
+oder Körperwelt sei für uns, die wir allein das Bewusstsein seiner
+Beschaffenheit nach kennen, das Nichtbewusstsein, also Gegensatz des
+Bewusstseins. Allein das ist nur ein andrer Ausdruck für unser
+Nichtwissen. Eher kann man sagen, das Niedere sei um des Höheren willen,
+also in letzter Instanz alles für das Bewusstsein da. Herausbildung des
+Nervensystems als Bedingung der Empfindung, des Bewegungssystems als
+Werkzeug des Willens -- das scheint der ganze Zweck des tierischen und
+menschlichen Körpers zu sein. Wofür wäre die Farbenpracht, der
+Formenreichtum der Pflanzenwelt, wenn nicht für das sehende Auge?
+
+Oder soll etwa das Bewusstsein seinen Zweck in der Natur haben und ihr als
+Mittel dienen? Allein die Natur geht die Jahrtausende hindurch ihren
+unabänderlichen Gang nach ehernen Gesetzen, die das Bewusstsein entdecken
+und dann sich dienstbar machen, aber nicht im geringsten ändern kann. Das
+Antlitz des Weltalls und der Erde bleibt das gleiche Jahrtausende
+hindurch, ohne von dem Bewusstsein einen ändernden Einfluss zu erfahren.
+Die Benutzung der Naturgesetze zu seinen, nämlich des Menschen Zwecken,
+das sich Dienstbarmachen und Beherrschen der Natur, das Zwingen derselben
+zum Gehorsam im Experiment kraft dieser Gesetze ist ferner unerklärbar,
+wenn das Bewusstsein der Natur wie das Mittel dem Zweck untergeordnet oder
+um der Natur willen vorhanden wäre.
+
+Es bleibt noch eine dritte Möglichkeit, nämlich mit der mechanischen
+Naturauffassung den Zweckbegriff ganz zu eliminieren. Allein die Anhänger
+dieser Auffassung können der Entwicklungshypothese nicht entbehren und
+führen mit ihr gleichsam durch eine Hinterthür den Zweckbegriff wieder in
+die Wissenschaft ein. Die Entwicklungshypothese verlegt die
+Zielstrebigkeit, die Aristoteles zur Ermöglichung der Selbstentfaltung und
+Selbstentwicklung für jedes einzelne Naturding in Anspruch nahm, in das
+Ganze der Natur. Das Niedere ist nach ihr dem Höheren untergeordnet und
+dient ihm als Mittel zum Zwecke. Man sucht freilich die Zweckmässigkeit
+mechanisch zu erklären. Nur was seiner Umgebung angepasst und für den
+Verkehr mit ihr eingerichtet ist, soll daseinsberechtigt und lebensfähig
+sein. Woher kommt die Anpassung und Einrichtung? Es passt sich selbst an,
+richtet sich selbst ein; vermöge seines Selbsterhaltungstriebes kommt es
+zur Selbstentfaltung und Selbstentwicklung. Das ist eben das, was
+Aristoteles Zielstrebigkeit nennt. Man sagt, das Stärkere erhält sich,
+weil es besser für den Kampf ums Dasein ausgerüstet ist. Aber das gilt
+nicht eigentlich vom Stärkeren, sondern vom feiner Organisierten, vom
+Empfänglicheren, Reizbareren, also von dem Vollkommneren. Dieses ist das
+Stärkere. Mit andren Worten, die Entwicklung zum Vollkommneren, die
+Zielstrebigkeit setzt sich durch, hält sich aufrecht. Der Geruchssinn des
+Parfumeriefabrikanten, der Geschmackssinn des Gourmands, der Gehörssinn
+des Musikdirigenten, der Gesichtssinn des Mikroskopikers wird durch die
+infolge der Übung und Gewöhnung wiederholt auftretenden und einander
+weckenden Empfindungen feiner, zarter, für Unterschiede empfänglicher,
+keineswegs aber gröber, stärker. Wäre das letztere der Fall, dann liesse
+sich durch Summierung der wiederauflebenden Empfindungen alles sehr leicht
+erklären, rein mechanisch; alle Vervollkommnung wäre nur ein
+Stärkerwerden. Aber es ist anders in der Natur; man kann von einem
+aristokratischen Prinzip als dem herrschenden, in letzter Instanz
+ausschlaggebenden reden. Das Bessere, das Vollkommnere gewinnt im
+Allgemeinen den Sieg, das Stärkere nur ausnahmsweise. Dem gegenüber
+versagt die mechanische Erklärung. Dass sich das Bessere, Vollkommnere
+durchsetzt und erhält, scheint ohne Zielstrebigkeit nicht erklärt werden
+zu können.
+
+Die fortschreitende Entwicklung der Natur ist nicht zu leugnen. Sie
+vollzieht sich durch Zusammenfassung des Nebeneinanderliegenden,
+Getrennten zur Einheit, durch Bildung kleinerer Ganzen, z. B. der
+Himmelskörper im Weltenraum, der Krystalle, Pflanzen, Tiere auf der Erde,
+und innerhalb dieser letztern durch Herstellung von Mittelpunkten zuerst
+und dann von Systemen, die das kleine Ganze beherrschen: Ernährungs-,
+Nerven-, Bewegungssystem. Aber wie langsam geht diese Entwicklung vor
+sich, ihr Alter zählt nach Jahrmilliarden! Die eigentliche Stätte
+unablässiger, augenscheinlicher, fortschreitender Entwicklung ist die
+Geschichte. Insofern kann man sie als die an Intensität freilich alles
+Vorausgehende hinter sich lassende Fortsetzung der Natur bezeichnen. Auch
+in ihr handelt es sich um Herausbildung von Einheiten; aber diese
+Einheiten sind nicht Zusammenfassungen neben- und aussereinanderliegender
+Teile, sondern Einheiten, die in einem Bewusstsein von sich selbst, an dem
+alle ihre Glieder teilnehmen, bestehen: Volk, Staat, Gesellschaft, Nation.
+Einheiten ferner im strengen Sinne, nämlich geistige Einheiten,
+Persönlichkeiten, welche die eigentlichen Träger der geschichtlichen
+Entwicklung bilden. Sie sind Träger von Ideen, welche die Massen bewegen.
+Darin liegt ihre Bedeutung. Die Geschichte bewährt sich gerade durch diese
+in ihr hervortretenden, in den Persönlichkeiten verkörperten Ideen als
+fortschreitende Entwicklung. Die Frage, ob es einen Fortschritt in der
+Geschichte giebt, sollte darum von rechtswegen gar nicht gestellt werden.
+Für die Wissenschaft und Religion hat man ihn nicht leugnen können;
+zeitweilige Rückschritte sind nur Anläufe zu kräftiger Erhebung. Man wird
+hienach nicht bestreiten können, dass die Geschichte einen viel
+bedeutsameren und gehaltreicheren Erkenntnisgegenstand ausmacht als die
+Natur. Es giebt ohne Zweifel in der fortschreitenden Entwicklung der Natur
+etwas Neues, das aus den vorausgehenden Faktoren nicht erklärt werden
+kann, -- das Organische gegenüber dem Unorganischen ist, wie das Tier
+gegenüber der Pflanze, ein solches Neues -- wenn man nicht etwa den Satz
+ex nihilo fit nihil zu leugnen versucht. Das gilt in noch viel höherem
+Grade von der Geschichte. Hier ist das Neue an das Individuum gebunden,
+und die Bedeutung des Individuums bedingt und bestimmt den geschichtlichen
+Fortschritt.
+
+
+ Fünfundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration.
+
+Es giebt eine alte Unterscheidung von drei Erkenntnisquellen: Erfahrung,
+Vernunft und Offenbarung. Man begegnet ihr heute nicht mehr. Sie gilt für
+veraltet. Indes hat sie doch ihr gutes Recht. Die Redeweise: es war mir
+oder kam über mich wie eine Offenbarung, wird nicht selten gebraucht, und
+viele werden gestehen müssen, dass sie so etwas wirklich erlebt haben. Man
+spricht allgemein von einer künstlerischen Inspiration. Die schöpferische
+Einbildungskraft ist etwas andres. Worin liegt der Unterschied? Was ist
+unter dieser Inspiration, Eingebung, die als Offenbarung bezeichnet werden
+muss, zu verstehen?
+
+Es bedarf eines Blickes des Geistes, um das Wesentliche von dem
+Unwesentlichen in den Dingen unterscheiden, um die Merkmale ihres
+Begriffes auffinden und entdecken zu können. Nicht jeder verfügt über
+diesen Blick. Viele bleiben an dem Äusserlichen und Nebensächlichen mit
+ihrem Denken haften. Wir sagen dann, sie können nicht denken. Wie sie des
+eigentümlichen Erlebnisses, das wir als Einsicht bezeichnen, ermangeln und
+sich kaum über die Stufe des bloss associativen Wissens erheben, so fehlt
+ihnen auch der Blick des Geistes, durch den allein das Wesentliche erfasst
+werden kann. Eines solchen Blickes bedarf es nun auch, um den Gedanken zu
+erfassen, der in einem Kunstwerke ausgedrückt ist. Aber für den Künstler
+selbst, der den Gedanken in dem Stoffe verwirklicht, genügt dieser Blick
+nicht. Ihm muss der Gedanke _gegeben_ werden. Und das geschieht eben durch
+die Eingebung oder Inspiration. Sie ist, wie ersichtlich, von dem Blicke
+des Geistes, durch den wir das Wesen, den Kern der Sache erfassen,
+verschieden. Dieser Blick orientiert sich an der äussern Erscheinung des
+Wesens, er ist durch sie bedingt und wird durch sie bestimmt, obgleich er
+sozusagen durch sie hindurchdringt und über sie hinausgeht. Die
+Inspiration oder Eingebung hingegen ist ein objektiver Zustand, der ohne
+unser Zuthun zustande kommt, dem gegenüber wir uns leidend verhalten. Sie
+setzt natürlich in uns eine Empfänglichkeit voraus, die mannigfach
+vermittelt ist; ihre Auffassung hängt darum von einer bestimmten
+Entwicklung des Bewusstseins ab. Man kann die Inspiration mit dem
+Einleuchten der Zusammengehörigkeit vergleichen und muss dann die
+Auffassung der Inspiration mit der Einsicht zusammenstellen. Auch bei der
+Eingebung handelt es sich um Zusammenhänge, um Zusammengehörigkeiten,
+freilich andrer, höherer Art als bei dem Einleuchten, wie sie
+beispielsweise das Motto der Goetheschen Iphigenie darstellt: Alles
+irdische Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit. In der schaffenden
+Thätigkeit des Künstlers nun spielt vor allem die Inspiration oder
+Eingebung eine Rolle, sie macht sich die Phantasie des Künstlers dienstbar
+und lässt sie an seiner Schöpferkraft teilnehmen. Die so schöpferisch
+gewordene Phantasie schaltet und waltet mit ihrem sinnlichen Stoff gemäss
+der Eingebung, ihn formend und gestaltend.
+
+Natürlich sagen wir nicht, dass alle Ideen, die unsren Kunstwerken
+zugrunde liegen oder die in ihnen verkörpert sind, auf einer Eingebung
+beruhen. Oft ist das Kunstwerk ja nur eine Darstellung des in Erfahrung
+und Geschichte Gegebenen, freilich so, wie es sich im Geiste des Künstlers
+spiegelt, wie es seiner Auffassung entspricht. Diese Spiegelung oder
+Auffassung hängt natürlich, wie die Auswahl der darzustellenden
+Gegenstände, von der Individualität des Künstlers ab. Man wird
+demgegenüber schwerlich von einer auf Eingebung beruhenden Idee reden
+können, wenn man nicht etwa für diese Individualität, wie überhaupt für
+die Bedeutung des Individuums in der Geschichte etwas der Eingebung
+Analoges in Anspruch nehmen will, das nicht bloss Gedanken im menschlichen
+Bewusstsein sondern Wirklichkeiten erzeugt. Abgesehen davon wird man nicht
+leugnen können, dass vielen Kunstwerken, insbesondere Werken der redenden
+Kunst, Ideen zugrunde liegen, die auf einer Eingebung beruhen, die mit
+andren Worten aus dem in Erfahrung und Geschichte Gegebenen nicht erklärt
+werden können. Das Motto der Goetheschen Iphigenie ist unzweifelhaft eine
+solche Idee, wenn auch für Goethe diese Idee keine eigentliche Eingebung
+war, sondern dem reichen Schatze der Eingebungen entnommen wurde, die in
+der christlichen Religion gegeben sind und deren Mittelpunkt eben diese
+Idee bildet.
+
+Können wir auch von einer wissenschaftlichen Inspiration reden? Ohne
+Zweifel müssen wir es! Wird das Forschungsergebnis, zu dem man nur mühsam
+durch langwierige Arbeit gelangt, nicht meistens schon mit
+vorausschauendem Blicke vorweggenommen, und ist nicht dieser
+vorausschauende, das Ergebnis vorwegnehmende Blick der Ansporn, der uns
+zur Forschungsarbeit drängt, und das Licht, das uns hierbei leitet? Alle
+grossen wissenschaftlichen Entdeckungen, wie alle Entdeckungen überhaupt,
+scheinen so auf ursprünglichen Intuitionen zu beruhen, die vielfach
+Eingebungen sind. Das Ergebnis wird oft erst auf sehr verwickelten und
+verschlungenen Wegen gewonnen, und doch steht es uns von Anfang an
+deutlich vor der Seele. Wie ist das zu erklären, wenn das Ergebnis nicht
+eine Eingebung, Inspiration ist? Wir sprechen davon, dass uns Gedanken
+einfallen, wodurch der Fortschritt im Denken vielfach bedingt ist. Oft
+sind das freilich nur Reminiscenzen aus der Lektüre, aus den Gesprächen
+mit andren, oft nur mehr oder minder berechtigte Verallgemeinerungen, oft
+blosse Associationen. Aber wir wissen auch, dass das keineswegs immer der
+Fall ist. Nicht selten tritt uns ein Gedanke, der gleichsam aus der
+verborgenen Tiefe unsres Innern auftaucht, als etwas durchaus Neues
+entgegen, für das wir in unsrem bisherigen Geistesleben vergebens nach
+Anknüpfungspunkten suchen. Solche Gedanken werden wir doch Eingebungen
+nennen müssen. Das Ergreifen, Erfassen derselben im Bewusstsein ist von
+dem Blicke für das Wesentliche, der durch die Erscheinung der Dinge und
+Vorgänge im Bewusstsein bedingt und bestimmt ist, verschieden. Solche
+Gedanken drängen sich uns auf, werden uns so aufgenötigt, wie wir von den
+Empfindungen sagen, dass sie uns aufgedrängt, aufgenötigt werden. Von
+unsrem Bewusstsein scheinen sie nicht hervorgerufen oder erzeugt zu
+werden; aus ihm scheinen sie nicht hervorzugehen oder zu entstehen,
+vielleicht aus den uns selbst verborgenen Tiefen unseres Wesens. Durch
+dieses Sichaufdrängen und Sichaufnötigen, das die auf Eingebung beruhenden
+Gedanken mit den Empfindungen gemein haben, unterscheiden sie sich
+insbesondere von dem Wesentlichen, das wir durch einen einfachen Blick des
+Geistes erfassen, bei dem von einer innren Nötigung, einem innren Zwange
+nichts zu verspüren ist.
+
+Natürlich bilden auch die eingegebenen Gedanken Zusammenhänge,
+Zusammengehörigkeiten, sie treten in der Form von Urteilen auf; aber das
+Einleuchten dieser Zusammengehörigkeit und das mit ihr verbundene
+Einsehen, der Blick für das Wesentliche verbindet sich nicht ohne weiteres
+mit den eingegebenen Gedanken, ist auch grundverschieden von dem
+Sichaufdrängen, das die eingegebenen Gedanken wie die Empfindungen
+charakterisiert. Wie bei dem Blicke des Geistes für das Wesentliche, so
+ist auch bei dem ihm folgenden Einleuchten und Einsehen der
+Zusammengehörigkeit von irgendwelcher Nötigung, irgendwelchem Zwange
+nichts zu entdecken. Die auf Eingebung beruhenden Gedanken stellen sich
+meistens dann ein, wenn der Blick für das Wesentliche versagt, sodass ihr
+Aufleuchten gleichsam einen Ersatz, eine Ergänzung für diesen Blick
+bildet. Wir kennen das Wesen des Körperlichen nicht, können es vielmehr
+nur nach seiner Erscheinung in unsrem Bewusstsein charakterisieren und
+näher bestimmen. Wenn man das Körperliche für den Gegensatz des Geistigen
+erklärt, so geschieht das auf Grund einer Eingebung in unsrem Sinne; der
+Erfahrung folgend würde es eher als eine Stufenleiter zum Geistigen hin
+betrachtet werden müssen. Aber auch diese Betrachtung findet in der
+Erfahrung keine ausreichende Stütze und muss insofern ebenfalls als
+Eingebung bezeichnet werden. Natürlich sind solche Eingebungen keine
+Erkenntnisse; es kommt darauf an, sie zu verifizieren. Die
+wissenschaftliche Arbeit hat in ihnen wohl einen Ansporn und ein Licht,
+aber sie beginnt erst mit der Eingebung und muss so lange fortgesetzt
+werden, bis die Zusammengehörigkeit der Eingebung mit dem Wirklichen
+einleuchtet und eingesehen wird. Dann erst wird die Eingebung zur
+Erkenntnis.
+
+Der Ausdruck Eingebung ist insofern ein vorläufiger. Zu einer wirklichen,
+von der Einbildung sich unterscheidenden Eingebung wird ein Gedanke erst
+dadurch, dass wir ihn zu einer wirklichen Erkenntnis erheben. Von den
+beiden Gedanken über das Wesen des Körperlichen, die wir erwähnten,
+scheint sicher zu sein, dass sie zu wirklichen Erkenntnissen nicht erhoben
+werden können. Nach dem ersteren Gedanken, der die Natur als Gegensatz zum
+Bewusstsein fasst, müsste man die Natur etwa als Schranke des
+Bewusstseins, als symbolischen Ausdruck seiner Endlichkeit auffassen, dem
+sich dann die scheinbar unendliche Ausdehnung der Natur im Raume als
+symbolischer Ausdruck ihrer vorgeblichen Unendlichkeit zur Seite stellt.
+Nach dem letzteren Gedanken müsste man etwa annehmen, dass die Natur in
+einer stufenweisen Entwicklung allmählich zu einem geistigen Dasein
+verklärt würde, wie es die Anschauung des neuen Testamentes ist oder zu
+sein scheint. Aber was in beiden Fällen die Wirklichkeit der Natur
+eigentlich sein soll, bleibt völlig dunkel.
+
+Wenn wir an dem wirklichen Bestehen von Eingebungen nicht zweifeln können,
+so fragt es sich, woher sie kommen. Wir haben gesehen, dass das Wesen der
+Dinge in ihrer Wahrheit besteht und dass sie nur dadurch, dass sie wahr
+sind, wirklich sein können. Ihre Wahrheit ist Bedingung ihrer Wirklichkeit
+und ihr gegenüber das Massgebende und Entscheidende. Alle Dinge hängen so
+mit dem Reiche der Wahrheit, mit dem System der Wahrheit zusammen -- eine
+einzelne Wahrheit giebt es streng genommen nicht -- sind von ihm
+durchdrungen oder in dasselbe eingegliedert. Das gilt natürlich auch von
+unsrem Bewusstsein, von unsrem Erkennen und allen dasselbe vorbereitenden
+Vorgängen. Sie sind aufs engste mit dem Reiche oder System der Wahrheit
+verbunden, und aus dieser Verbindung erklärt es sich, dass scheinbar
+unvermittelt in uns Gedanken auftreten oder, wie wir gewöhnlich sagen, uns
+eingegeben werden.
+
+Es giebt sicher zwei Erkenntnisquellen, das Wort im weitesten Sinne
+genommen: nicht Quellen, aus denen wir die Erkenntnisse schöpfen, sondern
+Ausgangspunkte, zwei verschiedene Ausgangspunkte für unser Erkennen, die
+dasselbe bedingen und seinem Inhalte nach bestimmen. Das sind einerseits
+die Empfindungen als Erkenntnismittel der Aussenwelt und die
+Bewusstseinsvorgänge als Erkenntnismittel der Innenwelt, beide zusammen
+das ausmachend, was wir als Erfahrung bezeichnen können, wenn wir darunter
+eben den Ausgangspunkt für das Erkennen verstehen. Diesen stehen
+anderseits die Eingebungen gegenüber. Die Erkenntnis ist natürlich von
+beiden verschieden. Sie ist Sache des Denkens, der Vernunft, und besteht
+weder in einer blossen Umformung der Empfindungen, wie Condillac und die
+Sensualisten meinen, noch in einer blossen Umformung der
+Bewusstseinsvorgänge. Dass uns die Eingebungen, die nur dem
+hochentwickelten Bewusstsein zuteilwerden können, in den an die Erfahrung
+sich anschliessenden Formen des Denkens gegeben werden, hindert natürlich
+nicht, sie als Ausgangspunkt für das Erkennen in dem erörterten Sinne zu
+betrachten.
+
+
+ Sechsundzwanzigste Untersuchung.
+
+
+Religiöse Erkenntnisse.
+
+Nimmt man an, dass es künstlerische und wissenschaftliche Inspirationen
+giebt, so wird man auch den religiösen Inspirationen seine Anerkennung
+nicht versagen können. Die Religion ist, ganz allgemein gefasst, das
+Bewusstsein von der Verbindung des Menschen mit Gott und ein auf Grund
+dieses Bewusstseins eingeleiteter Verkehr des Menschen mit Gott, der in
+der rückhaltlosen Hingabe des Willens, der Person, des ganzen Wesens an
+Gott seinen Grund hat und in einer persönlichen Beziehung zu Gott besteht.
+Wird nun unter Gott, wie es in der Religion der Fall ist, das über der
+Welt der Erscheinungen erhabene Wesen verstanden, in dem alles wirkliche
+Sein und alle Wahrheit ihren Grund hat, so ist begreiflich, dass gerade
+auf religiösem Gebiete die Inspirationen die grösste Rolle spielen. Sie
+sind von der Religion ihrem wahren Wesen nach unabtrennbar. Das kann man
+nur leugnen, wenn man dieses Wesen völlig verkennt oder in sein Gegenteil
+verkehrt. In allen weltbewegenden Religionen treten Seher, Propheten auf,
+die sich solcher von Gott empfangener Inspirationen rühmen. Sofern sie
+eine neue religiöse Bewegung herbeiführen, nennen wir sie Gründer, Stifter
+der Religionen oder Verbesserer, Reformatoren. Der Inhalt ihrer
+Inspirationen sind keineswegs, nicht einmal grösstenteils, Zukunftsbilder,
+sondern die ganze Natur und Menschenwelt umspannende Gedanken, die über
+das eigentliche Wesen und die Wahrheit der Dinge, d. h. über ihre Stellung
+und Bedeutung für die Gesamtheit des Wirklichen oder im System der
+Wahrheit Licht verbreiten. Sie haben deshalb zu allen Zeiten das lebhafte
+Interesse des Philosophen geweckt, dem es um die Erkenntnis des Wesens und
+der Wahrheit der Dinge zu thun ist.
+
+Allerdings sind diese Gedanken in erster Linie praktischer Natur, denn die
+Religion ist zunächst eine praktische, das Gefühl und den Willen angehende
+Angelegenheit. Aber sie schliessen die umfassendsten und bestimmtesten
+theoretischen Voraussetzungen ein, ohne die sie Halt und Bestand verlieren
+und bei deren Veränderung sie selbst völlig verändert werden. Und diese
+theoretischen Voraussetzungen sind nicht etwa darum wahr, weil sie sich
+praktisch für das Gefühl und den Willen bewähren. Der Wert der Praxis
+liegt gerade darin, dass diese Voraussetzungen wahr sind. Wie alles in der
+Welt, so erhält auch sie ihren Wert nur durch die Wahrheit, die sie
+natürlich nicht verbürgen und garantieren kann. Es ist eine den
+Religionsbegriff verflachende und entleerende Auffassung, wenn man
+erklärt, die Religion bestehe in blossen Gefühlen, und wenn man sie in
+diesem Sinne mit Gesinnungen verselbigt. Als ob Gesinnungen ohne
+theoretische Grundlagen denkbar wären! Gewiss, das Wesen der Religion, ihr
+Herz und ihre Seele besteht nicht in theoretischen Anschauungen, nicht in
+Lehren, sondern in der persönlichen Hingabe der Menschen an Gott, in dem
+Opfer seiner selbst. Aber wie verschieden ist doch die stoische Hingabe an
+den Weltlauf, die auch von den Stoikern als Gehorsam gegen Gott bezeichnet
+wird, und die christliche Ergebung in den Willen Gottes! Worin liegt die
+Verschiedenheit? Nun darin, weil die diesen Gesinnungen zugrunde liegende
+Lehre eine andere ist. Heilswahrheiten sind nicht wahr, weil sie uns Heil
+bringen, sondern weil sie wahr sind, deshalb bringen sie uns Heil. Der
+Glaube als rückhaltlose Hingabe an Gott setzt die Erkenntnis Gottes als
+der rückhaltlosen Hingabe an uns voraus. Er soll den Frieden des Innern
+und die Kraft zum sittlichen Handeln bringen. Aber man kann nicht auf
+Probe glauben, abgesehen davon, dass das keine rückhaltlose Hingabe wäre.
+Mit andren Worten: die Erkenntnis, auf der der Glaube beruht und die uns
+seine Wirkung verbürgt, ist nicht um dieser Wirkung willen wahr, und der
+diese Erkenntnisse einschliessende Glaube erhält nicht durch diese seine
+Wirkung seine Wahrheit. Dass der Glaube seine Wahrheit nicht erhält durch
+seine Wirkungen, geht schon daraus hervor, dass die Wirkungen rein
+psychologisch auch eintreten, wenn der Glaube falsch ist, d. h. wenn die
+in ihm enthaltene Annahme, also das intellektuelle Element in ihm, nicht
+wahr ist. Ohne dieses intellektuelle Element, dass Gott ist, dass er die
+Liebe ist, kommt kein Glaube zustande, ohne dasselbe kann er keinen
+Augenblick bestehen. Ist es nicht wahr, so ist er Trug, Täuschung,
+Einbildung, also völlig wertlos, trotz seiner guten Wirkungen.
+
+Aber hat das intellektuelle Element, von dessen Wahrheit wir reden, in der
+Religion nur Bedeutung als Voraussetzung, als bedingender Bestandteil?
+Muss man nicht vielmehr sagen, die Wahrheit sei das Einzige, was um seiner
+selbst willen geschätzt werden müsse, alles andere könne nur darum
+geschätzt werden, weil es wahr ist (nur weil es wahr ist, ist es ja auch
+wirklich)? Wir sprechen von wahrer, wirklicher Liebe, von wahrer,
+wirklicher Sittlichkeit, von wahrem, wirklichem Menschsein und meinen
+damit eine Liebe, wie sie sein soll, eine Sittlichkeit, wie sie sein soll,
+einen Menschen, wie er sein soll. Das ist natürlich Wahrheit in andrem
+Sinne; Wahrheit als Übereinstimmung mit einem Ideal. Aber im höchsten
+Sinne ist Liebe, Sittlichkeit, Mensch nur wahr, insofern sie eine Stellung
+in der Gesamtheit des Wirklichen haben, die durch das System der Wahrheit
+bestimmt wird, also als Glieder des Reiches der Wahrheit -- nur insofern
+haben sie eine ewige Bedeutung und einen unvergänglichen Wert. Insofern
+ist dann die Wahrheit alles in allem, das einzige, das wahrhaft höchste
+Gut. Dieser höchste Sinn der Wahrheit muss auch für die Religion gelten.
+Als einzelne Wahrheit oder Teilwahrheit ist sie blosse Voraussetzung,
+bedingender Bestandteil der Religion; als Wahrheit im höchsten Sinn ist
+sie auch für die Religion alles. Was Voraussetzung, bedingender
+Bestandteil und insofern Anfang für Glaube, Liebe, Sittlichkeit, Religion
+ist, dass muss auch das Ende, das höchste Ziel sein. In diesem höchsten
+Sinne wird in der christlichen Religion Gott als die Wahrheit bezeichnet
+und die Erkenntnis mit dem ewigen Leben verselbigt, oder das ewige Leben
+auf die Erkenntnis zurückgeführt. »Das ist das ewige Leben, das sie Dich
+erkennen und den Du gesandt hast, Jesum Christum.« In diesem höchsten
+Sinne des Wortes Wahrheit wird dann auch in der christlichen Religion
+alles auf Gott, den König im Reiche der Wahrheit, bezogen, alles sub
+specie aeternitatis betrachtet, alles nach seiner ewigen Bedeutung im
+Gegensatze zu dem vergänglichen Scheine ins Auge gefasst und gewertet. In
+diesem höchsten Sinne des Wortes Wahrheit endlich wird alle Wahrheit in
+der christlichen Religion als auf Eingebung, Inspiration, Offenbarung
+beruhend betrachtet.
+
+Für die Erkenntnis der Wahrheit in diesem höchsten Sinne gilt dann
+freilich auch wieder Glaube, Liebe und Sittlichkeit als Bedingung. »Wer
+meine Worte hält und danach thut, der wird erkennen, dass sie wahr sind«.
+Insofern muss zugestanden werden, dass die Wahrheit wohl an sich, nicht
+aber für uns das höchste Gut ist. Für uns ist die Sittlichkeit ein höheres
+Gut als die Wahrheit und hinwiederum die Seligkeit, der Friede, ein
+höheres Gut als die Sittlichkeit. Denn nur wenn wir die Seligkeit oder den
+Frieden erlangt haben, können wir sittlich leben, und das sittliche Leben
+hinwiederum ist Bedingung der Erkenntnis der Wahrheit im vollen Sinne des
+Wortes. Insofern gilt der Primat des Willens, nicht der Primat des
+Intellekts; insofern können wir auch die beiden letzten Glieder der für
+das Zustandekommen des Glaubens wichtigen Reihe notitia assensus
+(Einsicht) fiducia umkehren und sagen notitia fiducia assensus, was
+übrigens auf den alten Satz von der fides quaerens intellectum
+hinauskommt.
+
+Man unterscheidet Eingebung und Offenbarung. Eingebungen, Inspirationen
+werden einem Einzelnen zuteil, und wenn dieser sie andren mitteilt als von
+Gott stammend oder auf Inspiration beruhend, so werden sie Offenbarungen
+genannt. Kann der, dem die Eingebung zuteil wird, diese wirklich als
+Eingebung erkennen? Will man das bezüglich der künstlerischen und
+wissenschaftlichen Eingebungen nicht leugnen, so ist kein Grund vorhanden,
+es für die religiösen Eingebungen zu bestreiten. Dass der religiös
+Inspirierte seine Eingebungen auf Gott zurückführt, spricht nicht dagegen.
+Gott ist ihm der König und Herrscher im Reiche der Wahrheit, und vom
+Gläubigen wie von dem Künstler und Gelehrten gilt, dass er sein ganzes
+Sein und Wesen von diesem Reiche der Wahrheit zu Lehen trägt und nur als
+Glied dieses Reiches ein Sein und Wesen besitzt. Wie alle Dinge, so stehen
+auch die bevorzugten Menschen, die Künstler, Gelehrten und religiös
+Inspirierten unter dem unmittelbaren Einflusse dieses Reiches und werden
+von ihm unmittelbar berührt. Warum sollten sie nicht eine Einsicht und
+darum eine wirkliche Erkenntnis davon gewinnen können, dass ein in ihnen
+auftauchender Gedanke nicht das Ergebnis ihres Nachdenkens, noch weniger
+das Endglied einer rein mechanisch sich vollziehenden Association, sondern
+etwas wirklich Neues ist, das nur jenem geheimnisvollen Reiche der
+Wahrheit entstammen kann, das wir um des überzeitlichen Charakters aller
+Wahrheit willen annehmen mussten?
+
+Können auch diejenigen, denen die Eingebung als von Gott stammend
+verkündigt wird, eine Einsicht davon gewinnen, dass sie wahr ist, können
+sie mit andren Worten eine Einsicht davon gewinnen, dass der Verkündende
+die Wahrheit sagen kann und sagen will? Denn diese Einsicht ist der
+einzige Weg, auf dem wir uns von der Wahrheit einer Mitteilung durch
+andre, sofern sie eben eine Mitteilung ist und bleibt, überzeugen können.
+Massgebend hierfür und entscheidend ist einzig und allein der Eindruck der
+Persönlichkeit des Verkündigers nach seiner sittlichen und religiösen
+Seite. Es giebt und gab zu allen Zeiten Persönlichkeiten, die in beider
+Hinsicht einen überwältigenden Eindruck auf uns ausüben, solange wir uns
+gegen solche Eindrücke nicht verhärtet und abgestumpft haben, wie wir ja
+auch gegenüber dem Eindrucke der Wahrheit, dem Einleuchten oder der
+Evidenz blind und gleichgültig werden können. Wenn wir jenen
+überwältigenden Eindruck erfahren, dann ist es einfach konsequent,
+jedenfalls einzig vernünftig, dass wir ihren auf Religion und Sittlichkeit
+sich beziehenden Aussagen rückhaltlosen Glauben schenken oder sie auf
+Grund dieser mittelbaren Einsicht für wahr halten -- was auch immer
+geschieht, wenn nicht die eigenen Neigungen und Interessen jenen Aussagen
+widerstreiten. Ob wir unmittelbar von der Wahrheit dieser Aussagen eine
+Einsicht oder Erkenntnis gewinnen können, ist eine andere Frage, die aber
+für den Religiösen nur eine untergeordnete Bedeutung hat. Jener
+überwältigende Eindruck wird bei ihm ein Ergriffensein des Gemüts und
+Sichunterwerfen des Willens zur unmittelbaren Folge haben, das eine
+Verstärkung durch die unmittelbare Einsicht in die Wahrheit jener Aussagen
+schwerlich und nie, sehr häufig und leicht aber eine Abschwächung erfährt,
+da die unmittelbare Einsicht in die Wahrheit selbst die Gefahr mit sich
+bringt, die Wahrheit zu einer blossen Verstandes- oder Kopfwahrheit
+herabzusetzen. Darum begnügt sich der Religiöse gern und freudig mit der
+äusseren Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung, die sich darauf stützt,
+dass der die Offenbarung Verkündigende die Wahrheit sagen konnte und sagen
+wollte.
+
+*Schluss.*
+
+Man wird sagen, unsere Darlegung sei Metaphysik. Gewiss mit Recht! Wir
+kennen keine andren Wahrheiten als die einen überzeitlichen Charakter
+haben, und Wahrheit in diesem Sinne ist Metaphysik, auch wenn man sie
+durch ihre unlösbare Verbindung mit dem Erkennen davor schützt, Ding an
+sich zu sein. Wer die Metaphysik in diesem Sinne leugnet, für den giebt es
+keine Wahrheit mehr. Er ist unrettbar dem Skepticismus verfallen. Oder
+nicht? Man sagt, Wahrnehmungen, die sich bewähren, sind wahr, wie die
+Wahrnehmung, dass Digitalis den Puls herabsetzt, Chinin Fieber beseitigt.
+Oder Wahrnehmungen, die sich als Teil einem widerspruchslosen System von
+Sätzen einordnen lassen, sind wahr. In beiden Fällen werden aus den
+Wahrnehmungen Erfahrungen. Das erstere ist die empiristische
+Wahrheitstheorie, das letztere die rationalistische. Aber es fragt sich,
+woher wir wissen, dass etwas sich bewährt, das etwas sich einem
+widerspruchslosen System von Sätzen einordnen lässt. Doch nur daraus, dass
+es uns einleuchtet und wir es einsehen. Was immer uns aber einleuchtet und
+was immer wir einsehen, das leuchtet uns ein, oder das sehen wir ein als
+eine Wahrheit, die für alle Zeiten und darum auch für alle Denkenden gilt.
+Das Sichbewährende ist, wie alles induktiv Erschlossene, nur
+wahrscheinlich, das Widerspruchslose nur möglicherweise wahr. Oft wenn die
+Verhältnisse einfach überschaubar sind, haben wir schon bei der einzelnen
+Wahrnehmung eine Einsicht in die Wahrheit. Wir erkennen z. B. sofort, dass
+der glühende Ofen verbrennt, dass Wasser aus Wasser- und Sauerstoff
+besteht; ebenso dass gleichseitige Dreiecke gleiche Winkel haben, dass
+Peripheriewinkel die Hälfte der Centriwinkel ausmachen. Dort bedarf es nur
+Einer Wahrnehmung, hier nur einer beliebig gewählten Figur. Das Probieren,
+Versuchen der Wiederholung einer Wahrnehmung oder ihrer Einordnung in ein
+System hat seinen Wert: die Wiederholung, um unsere Lebenszwecke zu
+sichern und zu fördern, die Einordnung, um ein Erkenntnisideal zu
+verwirklichen; aber beides ist kein Prüfstein der Wahrheit.
+
+
+
+
+
+NAMEN- UND SACHREGISTER.
+
+
+*A.*
+
+*Abhängigkeit* völlige aller Dinge von Gott S. 51.
+
+*Absehen* nicht das Wesen der Abstraktion S. 21, -- von dem in den
+Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und den entsprechenden
+Kategorien enthaltenen irrationalen Element S. 49, 57--58.
+
+*Abstraktion*, worin sie besteht S. 21--22, -- geht der Generalisation
+voran, durch sie gewinnen wir unter anderm auch die wesentlichen Merkmale
+S. 9, -- sie schafft neue Einzelgebilde des Denkens, ist verschieden von
+den negativen Urteilen S. 21--22.
+
+*actio in distans* S. 68.
+
+*Allgemein* nicht dasselbe mit wesentlich S. 8.
+
+*Allgemeingültigkeit* Folge der überzeitlichen Geltung S. V, 5.
+
+*Analyse und analytisches Verfahren* nur die Kehrseite des Zieles des
+Erkennens, seine bloss formale Folgeerscheinung S. 24, -- thut dem
+Erkennen, nicht Genüge S. 27, 29; warum man alle Urteile für analytische
+halten könnte S. 26 und 27.
+
+*Analogieschluss*, ob notwendig für die Erkenntnis fremder Bewusstseine
+S. 67.
+
+*Animismus* S. 12.
+
+*Ansteckende Wirkung* der Gefühlsäusserungen und Gefühle S. 67--68.
+
+*Anerkennen* der erkannten Wahrheit Pflicht S. 43--44.
+
+*Anfang* und Vorhandensein in der Zeit S. 50.
+
+*Aperçu* und Intuition, inwiefern dem Blick für das Wesentliche ähnlich
+S. 10, -- inwiefern von ihm verschieden S. 80.
+
+*Aphaireisthai*, *abstrahere* s. *Abstraktion*.
+
+*Aristokratisches Prinzip* in der Natur: das Vollkommnere nicht das
+Stärkere siegt S. 75--76.
+
+*Aristoteles* gegen die Trennung des Erkennens vom Gegenstand S. 1, --
+gegen die Trennung von Leib und Seele S. 54, -- seine Kategorienlehre, in
+der das sinnfällige Wirkliche die erste Rolle spielt S. 45, 47, --
+unbewegter Beweger S. 30, -- kein Begriff ohne Phantasievorstellung S. 55,
+59.
+
+*Aristoteliker*: Prädikat der allgemeinere Begriff S. 27.
+
+*Art*, inwiefern sie zu den Prädikabilien gehört S. 46.
+
+*Assensus*, inwiefern ihm die fiducia vorangeht S. 85.
+
+*Associatives Wissen* S. 65.
+
+*Association* der Willensimpulse mit den Sinnenbildern S. 12.
+
+*Aufgenötigt*, *aufgedrängt*, Empfindungen, Gedanken, auch Eingebungen;
+aber nicht das Einleuchten, die Einsicht S. 22, 38, 78, 80.
+
+*Augustins* veritates aeternae S. 7.
+
+*Ausdehnung*, Sinnenbild und Begriff derselben S. 11, irrationales Element
+in der Ausdehnung S. 48.
+
+*Aussenwelt*, was darunter nicht zu verstehen ist S. 52, 57; wir haben von
+ihrer Existenz, nicht von ihrer Beschaffenheit eine unmittelbare Einsicht
+S. 53; warum wir bezüglich der Aussenwelt nicht leicht von einer Einsicht
+sprechen S. 61, 62 und 55; sie steht mit unserm Bewusstsein in
+untrennbarem Zusammenhang S. 56 und 63.
+
+*Ausgangspunkte* zwei verschiedene für unser Erkennen, Erkenntnismittel
+nicht eigentliche Erkenntnisquellen S. 81--82.
+
+*Ausserwesentlich* das Zufällige, das Notwendige zum Teil, ob es zum
+Seienden gehört oder nicht S. 46.
+
+*B.*
+
+*Bacon* und die Methode der Naturwissenschaften S. 9.
+
+*Bedeutung* der überzeitlichen Geltung der Wahrheit S. 4, -- von Raum und
+Zeit für das Reich der Wahrheit S. 30, 50, -- der Zeit S. 5, 62.
+
+*Begriff* von Ausdehnung und Bewegung verschieden von den entsprechenden
+Sinnenbildern und Vorstellungen S. 11--12, -- von Punkt, Linie, Fläche,
+Geist desgleichen S. 14; -- umfasst die wesentlichen Merkmale S. 21, 7--8,
+-- umfasst nicht alle Merkmale, die einem Ding und nur ihm zukommen S. 8,
+46, -- der Religion S. 69, 82; -- der Philosophie S. 15--17. Der _Eine_
+Begriff, welcher die Stellung der Dinge im System der Wahrheit bestimmt,
+und unsere Begriffe S. 15, 18, 21.
+
+*Begriffsworte* enthalten eine Wissensdisposition, die betreffenden
+Urteile fällen zu können S. 11.
+
+*Believe* Dafürhalten, S. 71.
+
+*Berkeley* über die Dinge als Gedanken Gottes S. 53, 54.
+
+*Berührung* enthält ein irrationales Element a) als Bestandteil der
+Ausdehnung, b) als Bestandteil der Substanz S. 48--49.
+
+*Beschränktheit* als seiendes Nichtsein S. 47.
+
+*Bewegung*, Sinnenbild und Begriff derselben S. 11; irrationales Element
+in der Bewegung S. 48.
+
+*Beweis* für die Existenz der Aussenwelt S. 54--56.
+
+*Bewusstheit* Wissen des Bewusstseinsvorgangs um sich selbst S. 58, --
+uneigentliches, nicht namentliches, nicht begriffliches Wissen, keine
+Einsicht oder Erkenntnis S. 59, -- hat einen übergreifenden Charakter
+S. 60--61, -- analog dem Bewusstsein des Ich und Selbst von sich S. 63, --
+ist die Erscheinung der Bewusstseinsvorgänge im Bewusstsein, die sich in
+der Reflexion wiederholt S. 64, -- kommt bei der Übertragung der
+sinnlichen Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge zur Geltung S. 59.
+
+*Bewusstsein* der Wahrheit S. 6; unser Bewusstsein und die fremden
+Bewusstseine S. 61; Ich- und Selbstbewusstsein S. 63.
+
+*Beziehung* auf die Objektivität gleich Bewusstsein der Wahrheit S. 6--7,
+-- setzt zwei Glieder voraus S. 28, -- eine Kategorie S. 28.
+
+*Bild*, was ihm eigentümlich ist S. 17.
+
+*Bildliche* Vorstellungen S. 59.
+
+*Blick des Geistes für das Wesentliche*, eine Abstraktion (s. d.) S. 9; --
+schafft, erzeugt ein neues Gebilde des Denkens, ist Voraussetzung der
+Urteile der zergliedernden, der verbindenden, der negativen S. 13, 21, 14,
+-- vermittelt die Übertragung der sinnlichen Vorstellungen auf die
+Bewusstseinsvorgänge S. 60, -- erste Stufe des Erkenntnisvorgangs, noch
+keine Erkenntnis S. 20, 21; doppelte Funktion dieses Blickes:
+Vereinzelung, Zusammenfassung, Trennen, Zusammenschauen S. 13, 21.
+
+*Blinde* Überzeugung, worauf sie sich gründet S. 34, -- Gewissheit,
+wodurch von der einsichtigen verschieden S. 36, -- Wissensinhalte sehr
+zahlreich S. 65, 25.
+
+*Brentano* über äussere und innere Wahrnehmung S. 58.
+
+*C.*
+
+*Caput mortuum* das Ding an sich, ein toter Punkt S. VI.
+
+*Cartesius* Trennung von Leib und Seele S. 1, 54.
+
+*Causari* hervorgebracht werden, verschieden von sequi folgen S. 32.
+
+*Christliche* Ergebung und stoischer Gehorsam S. 83, -- Religion,
+Mittelpunkt derselben S. 79; inwiefern sie Gott als die Wahrheit erklärt
+S. 85.
+
+*Commercium immediatum animarum* unmittelbare, gegenseitige Beeinflussung
+der Bewusstseine S. 68.
+
+*Condillac* S. 82.
+
+*Criterium quo cognoscitur* -- das, wodurch wir erkennen, die Einsicht,
+Kennzeichen der Wahrheit im uneigentlichen Sinne S. 24.
+
+*Criterium secundum quod cognoscitur* -- das, gemäss dem wir erkennen, das
+Einleuchten Kennzeichen der Wahrheiten im eigentlichen Sinne S. 24.
+
+*Cues* Nikolaus v., ideelle Existenz der Dinge wahrer als die
+zeiträumliche S. 7.
+
+*D.*
+
+*Definition* der Empfindung unmöglich ohne Zuhülfenahme körperlicher
+Vorgänge S. 54, -- der Wahrheit gewöhnliche, a) falsche Auffassung b)
+richtige Auffassung S. 1, 2. Was gehört in die Definition? S. 8.
+
+*Denken*, inwiefern Gegenstand der Logik S. IV.
+
+*Denkgesetze* Formalgesetze: das Gesetz des Enthaltenseins und des Grundes
+S. 33.
+
+*Denknotwendigkeit* oft nur Folgerung aus der Gewissheit S. 39, -- in
+keinem Falle Grund unserer Einsicht in die Wahrheit S. 40, 41, 42.
+
+*Descartes* s. Cartesius.
+
+*Ding an sich* ein ungereimter Begriff S. VI, -- führt zu einer Auffassung
+der Definition der Wahrheit, die alle Erkenntnis unmöglich macht S. 1, die
+Wahrheit nicht Ding an sich S. 5, 6, 31.
+
+*Dinge im Allgemeinen* S. 50.
+
+*E.*
+
+*Eckhart* S. 7.
+
+*Eigenschaft*, das Eigentümliche derselben S. 28, warum sie ein
+Selbstständiges voraussetzt S. 41, und Proprietät S. 46.
+
+*Einbildung* und Eingebung S. 81.
+
+*Einbildungskraft* schöpferische verschieden von Eingebung S. 77, 78.
+
+*Eingebung* verglichen mit dem Einleuchten, dem Blick für das Wesentliche,
+der Einsicht S. 10, 78, 80, -- noch kein Erkennen, vielmehr Ausgangspunkt
+(zweiter) für das Erkennen S. 81, 82, wann Gedanken Eingebungen sind
+S. 79, 81, worin die Eingebungen ihren Grund haben S. 81.
+
+*Einheit* Gesetz der Einheit S. 30, 31, -- Kategorie S. 47; -- gebrochene
+in der Natur S. 57, 73 -- des Bewusstseins S. 61.
+
+*Einleuchten* und *Einsicht*, Verschiedenheit beider S. 22, 23, 24,
+Einleuchten keinerlei Zwang S. 22, 34, 38, 43, 80, -- verglichen mit
+Inspiration und Auffassen der Inspiration S. 78, -- wirklich oder bloss
+vermeintlich S. 35, 36, 37, 38; Schein des Einleuchtens, wie beseitigt
+S. 37; Einleuchten unmittelbar oder mittelbar S. 37, 38. Einsicht innere
+und äussere S. 71, 87. Einleuchten keine Erkenntnis, Grund der Erkenntnis
+S. 22, 34, 38, Einleuchten Massstab, Kennzeichen der Wahrheit; das, nach
+dem wir über Wahrheit und Falschheit urteilen S. 24.
+
+*Einsicht* Erkenntnis S. 23, Sehen, Wahrnehmen der Zusammengehörigkeit
+S. 34, -- verschieden von Urteil, Bewusstsein der Wahrheit, Gewissheit
+S. 23, keine wahrscheinliche oder zweifelhafte Einsicht möglich S. 35, 36
+-- hat keine Grade S. 36, -- unmittelbare in die Existenz der Aussenwelt
+S. 53 -- in die religiös-sittliche Beschaffenheit eines Andern S. 70,
+diese der Grund, dass wir seinen Aussagen über Religion und Sittlichkeit
+Glauben schenken S. 87, -- subjektiv wie die Gewissheit S. 23; inwiefern
+kann die unmittelbare Einsicht grundlos, inwiefern der Grund der Einsicht,
+das Einleuchten, als subjektiv bezeichnet werden? S. 31, die vorausgehende
+Einsicht für die nachfolgende Reflexion eigentliches Kennzeichen der
+Wahrheit (criterium secundum quod), Einsicht an sich genommen nur
+uneigentlich sogenanntes Kennzeichen der Wahrheit (criterium quo) S. 24.
+
+*Einzelwirklichkeit* -- Gegensatz Gesamtwirklichkeit S. 4, Gesamtheit des
+Wirklichen S. 15. Gesetze für das Einzelwirkliche; auch das Gesetz des
+ausgeschlossenen Dritten gilt nur für das Einzelwirkliche S. 29.
+
+*Empfindungen* a) als Gegenstand der Reflexion S. 60, b) als
+Erkenntnismittel S. 55, 59, c) isoliert vom Körper bei Cartesius und in
+der Psychologie S. 54, Definition der Empfindungen S. 54.
+
+*Enargein* Einleuchten S. 24.
+
+*Einzelgebilde* des Denkens, die wesentlichen Merkmale S. 13, -- überhaupt
+das durch Abstraktion Geschaffene S. 21; das Urteil kein Einzelgebilde,
+vom Denken geschaffene Verbindung S. 23.
+
+*Enthaltensein*, Gesetz des Enthaltenseins für Begriffe S. 26; Gesetz des
+Enthaltenseins für Urteile -- das Gesetz des Grundes S. 32; im
+Enthaltensein eine Denknotwendigkeit vorhanden S. 40.
+
+*Entwicklung* fortschreitende in der Natur S. 76, 81, 74.
+
+*Entwicklungstheorie* führt den Zweckbegriff wieder ein S. 75.
+
+*Erfahrung* Ausgangspunkt des Erkennens a) die Empfindungen als
+Erkenntnismittel der Aussenwelt, b) die Bewusstseinsvorgänge als
+Erkenntnismittel der Innenwelt, -- keine Erkenntnis S. 82.
+
+*Erinnerung*, was sie ist S. 61; warum wir bei ihr nicht leicht von
+Einsicht reden S. 61--62, unter welchen Vorbehalten es einsichtige
+Erinnerungen gibt S. 62.
+
+*Erkennen* hat eine metaphysische Bedeutung S. V, VI; a) empiristischer
+Begriff, b) rationalistischer Begriff des Erkennens S. 2, -- Lehre vom
+Erkennen erster Teil der Logik, Lehre vom Denken zweiter Teil S. IV; das
+Erkennen und die Wahrheit S. IV, 2; die Wahrheit unabtrennbar vom Erkennen
+S. VI, 2, 5, 31, -- nicht Abdruck, Spiegelbild, müssige Wiederholung der
+Wirklichkeit, besitzt die Wirklichkeit selbst S. 6, 17. Erkennen gleich
+Einsicht verschieden vom Urteil S. 23, 6.
+
+*Erkenntnisideal* S. 88
+
+*Erkenntnismittel* S. 55, 82.
+
+*Erkenntniswert* der Naturwissenschaften und Geschichte S. VI, 73, 76, --
+der Begriffs- und Thatsachenurteile S. 72.
+
+*Erklärung* mechanische der Natur, wann möglich? S. 75, -- psychologische
+der Entstehung und Zusammensetzung unserer Vorstellungen der Weltdinge
+S. 52, 12.
+
+*Ermöglichung* der Empfindungen S. 52, Gesetz der Ermöglichung S. 32.
+
+*Evidenz evidentia* Einleuchten S. 24.
+
+*Ewigkeitscharakter* der Wahrheit S. V, 4.
+
+*Existenz* der Aussenwelt unmittelbar erkannt S. 53, -- des Ich
+desgleichen; keine Erkenntnis seiner Beschaffenheit S. 63--64.
+
+*F.*
+
+*Faith* Glaube in religiösem Sinne S. 71.
+
+*Fiducia* religiöser Glaube, der dem assensus der Zustimmung des
+Verstandes oder dem einsichtigen Urteil vorangeht, ein und dasselbe mit
+
+*Fides* quaerens intellectum religiöser Glaube, der die einsichtige
+Erkenntnis erstrebt d. h. die mit ihr verbundene äussere Einsicht durch
+die innere zu ergänzen sucht S. 85.
+
+*Farbe*, Wesen der Farbe S. 16, unsere Auffassung der Farben Grund der
+Objektivationstheorie S. 54, 55.
+
+*Formalgesetze* Denkgesetze, das des Enthaltenseins und des Grundes S. 33.
+
+*Formalkategorien* Raum und Zeit S. 50.
+
+*Formen* (3) des Gesetzes des Widerspruchs S. 33.
+
+*Formulierung* falsche des Kausalitätsgesetzes S. 31--32.
+
+*Fragen*, ihr Wert S. 16--17, Philosophie Wissenschaft der Fragen S. 16,
+-- ob die Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, thöricht, ungereimt
+S. 34, 52.
+
+*G.*
+
+*Gattung*, wann Proprietät S. 46, 8, verglichen mit der Zahl S. 46.
+
+*Gebiet* das sinnliche konstituiert von den Empfindungen, inwiefern?
+S. 59.
+
+*Gedanken* aufgedrängte S. 80, 22, -- Gottes die Dinge der Welt S. 53, 54,
+56.
+
+*Gefühle* Grund der blinden Überzeugung S. 34; die Religion besteht nicht
+in blossen Gefühlen S. 83.
+
+*Gegenstand* Unbestimmtheit des Wortes S. 2; einziger Gegenstand des
+Erkennens die Wahrheit S. 2; im eigentlichen Sinne giebt es nur auf Grund
+des Urteils Gegenstände S. 12.
+
+*Gegenständlicher* Charakter der Vorstellungen, wie kommt er zu Stande
+S. 12.
+
+*Geist*, Blick des Geistes S. 9, 13--14, 20--21, 60; -- und Körper S. 16,
+Begriff und Sinnenbild des Geistes S. 14.
+
+*Gelten* mehr als Existieren S. 4, vergl. ideelle Existenz in Gott wahrer
+als zeiträumliche Existenz S. 7.
+
+*Gemüt*, Ergriffensein des Gemüts von der Wahrheit S. 43, 87.
+
+*Generalisation* S. 8--9.
+
+*Geschichte*, Erkenntniswert der Geschichte S. VI, 73, 76, Bedeutung des
+Individuums in der Geschichte S. 73, 77, Fortschritt in der Geschichte
+S. 76, Gedanken in der Geschichte S. 73, 76.
+
+*Gesamtheit des Wirklichen* s. *Einzelwirklichkeit*.
+
+*Gesetze* als Ausdruck des Wesens der Dinge S. 14; -- des Erkennens:
+Grundgesetz, Urteilsgesetze S. 25 u. 29, Schlussgesetze S. 30 ff., Gesetz
+der Gleichförmigkeit des Naturlaufs S. 38.
+
+*Gewissheit* einsichtige und blinde, ihr Unterschied S. 35--36.
+
+*Glaube* in religiösem Sinne S. 84, 71, 72; als Fürwahrhalten der
+Mitteilungen andrer S. 70.
+
+*Glaubensüberzeugungen* geschichtliche Erkenntnisse S. V, Kant über
+Glauben S. V.
+
+*Gleichheit* und Verschiedenheit Prädikabilien S. 46.
+
+*Goethe* über das Allgemeine und Besondere S. 9; Motto seiner Iphigenie
+S. 78, 79.
+
+*Gravitation* zeitlos S. 68, Gesetz der -- S. 5
+
+*Gott* als Bewusstsein überhaupt S. 5, 53, -- der Eine Erkennende vom
+System der Wahrheit vorausgesetzt S. 30--31, 85, seinem Wesen nach
+Selbstentäusserung, rückhaltlose Hingabe S. 51, 84.
+
+*Grund*, Gesetz des Grundes S. 32--33; subjektiver, objektiver Grund der
+Wahrheit S. 30--31, 7.
+
+*Gut*, die Wahrheit an sich das höchste Gut S. 18, 44, 84--85, nicht für
+uns S. 85, ein sittliches Gut, ein Gemeinschaftsgut S. 44.
+
+*H.*
+
+*Hegel* und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S. 38.
+
+*Heraklit* und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S. 38.
+
+*Homoiosis* Verähnlichung S. 6.
+
+*Horror vacui* kein leerer Raum S. 56.
+
+*Humes* Irrtum über das Ich S. 63.
+
+*I.*
+
+*Ich*, inwiefern erkennbar S. 63--64.
+
+*Ideal* der Erkenntnis S. 88.
+
+*Ideelle Existenz* wahrer als zeiträumliche S. 7.
+
+*Ideen*, Persönlichkeiten in der Geschichte, ihre Träger S. 76.
+
+*Ideenwelt* Platons dasselbe mit dem System der Wahrheit S. 7.
+
+*Immediatum commercium animarum* s. *Commercium*.
+
+*Inhaltsmerkmal* der Wahrheit S. 2; die negativen Begriffe keine
+Inhaltsmerkmale S. 28.
+
+*Induktion* S. 9, 66.
+
+*Individualität* des Künstlers S. 78.
+
+*Individuation* Prinzip der -- S. 50.
+
+*Intellectus* s. *Fides quaerens intellectum*.
+
+*Irrational* vom Erkennen nicht aufzuhellen S. 48.
+
+*Inkommensurabel* vom Erkennen nicht aufzuhellen S. 48.
+
+*Intuitionen* s. *Aperçu*.
+
+*Inspirationen* s. *Eingebung*.
+
+*Isolierung* der Teile des Ausgedehnten und Bewegten durch die Abstraktion
+S. 13, 21, der Empfindungen und körperlichen Vorgänge S. 54, der
+Bewusstseinsvorgänge S. 60.
+
+*K.*
+
+*Kant* über Glauben und Wissen S. V, sein Einfluss auf die Logik S. I;
+Trennung des Gegenstandes vom Erkennen -- Ding an sich S. VI und S. 1, --
+vom guten Willen S. 44.
+
+*Kategorien* des Aristoteles S. 45, -- vier: Ding, Eigenschaft, Vorgang,
+Beziehung S. 28, Formalkategorien: Raum und Zeit; Realkategorien: Substanz
+und Kausalität S. 50, Wesen und Einheit sind Kategorien S. 46--47;
+Wirklichkeit eine Realkategorie S. 51.
+
+*Kausalität* Verursachung; Ursprung des Begriffs S. 12--13, 49, Ursache
+und Vorgang S. 28, Gesetz der Kausalität S. 31--32; irrationales Element
+S. 49; -- die Ermöglichung nicht hervorbringende Ursache S. 31, 50, -- als
+symbolischer Ausdruck für die völlige Abhängigkeit der Dinge von Gott
+S. 51. Siehe *Substanz*.
+
+*Kausalzusammenhang* S. 31.
+
+*Kenntnisnahme* verschieden von Erkennen S. 65.
+
+*Kenntnisse* keine Erkenntnisse S. 65--66, 71, -- erster und zweiter Hand
+S. 72.
+
+*Kennzeichen* der Wahrheit S. IV, 3, nicht die Einsicht sondern das
+Einleuchten S. 24.
+
+*Kinder* Erfahrungen an -- S. 67, -- unmündige S. 55, wodurch belehrt über
+den Unterschied des eigenen von fremden Körpern S. 56.
+
+*Koinonia* Teilnahme an einer Sache S. 6.
+
+*Kopfwahrheit* S. 45, 87.
+
+*Körperwelt*, unser Bewusstsein unabtrennbar mit ihr verbunden S. 56, 63,
+doppelte Auffassung ihres Wesens S. 74, 81, dreifache Auffassung ihres
+Verhältnisses zum Geiste S. 74--75.
+
+*Konstante* Merkmale S. 9.
+
+*Kraft* enthält wie die Zeit und Kausalität ein irrationales Element,
+gehört darum nur zur Erscheinung der Welt im Bewusstsein S. 57.
+
+*L.*
+
+*Leben* das ewige eine Erkenntnis S. 85.
+
+*Leib* und Seele untrennbar S. 1, 54, vergl. S. 63.
+
+*Locke* u. Aristoteles über die Schranken unserer Erkenntnis des
+Innenlebens anderer S. 69.
+
+*Logik* als Denklehre in erster Linie Erkenntnislehre S. IV, -- formale u.
+erkenntnistheoretische S. III--IV.
+
+*Logismus* formalistischer S. VI.
+
+*Lückenhaftigkeit* der Erinnerung, wie erkannt S. 62.
+
+*M.*
+
+*Materie* siehe *Kraft*.
+
+*Mathematik*, ob für alle verständlich S. VII, warum und inwiefern ihre
+Lehrsätze durch- (ein-)sichtige Klarheit besitzen S. 58, 49.
+
+*Mensch*, Begriff des Menschen S. 8, Wesen des Menschen S. 16.
+
+*Merkmale*, Wertunterschiede unter den Merkmalen S. 8, -- wesentliche und
+unwesentliche S. 6--7, 46, -- begriffliche und sinnfällige S. 10 ff.
+
+*Metaphysik* vermeintliche Grundvoraussetzung das Ding an sich S. VI,
+Scheu vor der Metaphysik S. VI, Begriff der Wahrheit ist Metaphysik S. 87.
+
+*Metaphysische Bedeutung* des Erkennens S. VI.
+
+*Methode psychologische*, Isolierung der Empfindungen vom Körper S. 54,
+der Bewusstseinsvorgänge von einander S. 60.
+
+*Mill, Stuart* S. 54, 52.
+
+*Mittelalterliche* Philosophie S. 1, 54.
+
+*Mitgeteilte* Urteile keine selbstgefällten S. 70--71.
+
+*Mitte* zwischen Bejahen und Verneinen ausgeschlossen für das
+Einzelwirkliche S. 29.
+
+*N.*
+
+*Nacheinander* in der Zeit ausgeschlossen durch den Übergang S. 48.
+
+*Namenwissen* blosse Kenntnis S. 65--66.
+
+*Namentliches* begriffliches Wissen eigentliches Wissen S. 59.
+
+*Natur* Wissenschaft der Natur S. 57--58, Erkenntniswert geringer als der
+der Geschichte S. VI, 73, 76, Auffassung der Natur mechanische S. 75,
+Auffassung der Natur doppelte unverifizierbare S. 74, 81.
+
+*Natura non facit saltus* keine Sprünge in der Natur S. 56.
+
+*Nebeneinander*, ausgeschlossen durch die Berührung S. 48.
+
+*Neues* in Natur und Geschichte S. 77.
+
+*Newtons* Gravitationsgesetz S. 5.
+
+*Negation* nur im Urteil möglich, setzt aber den Blick für das, was anders
+ist, voraus S. 14, 28.
+
+*Nichtsein* wirkliches S. 47.
+
+*Nichtseinsollendes* ob wirklich S. 19, 47.
+
+*Nihil.* *Ex nihilo fit nihil.* Aus Nichts wird Nichts S. 77.
+
+*Nötigung* keinerlei -- beim Einleuchten und der Einsicht. S. 22, 34, 38,
+80.
+
+*Notwendigkeit des Denkens* scheinbare als Folge der Gewissheit. S. 39,
+42--43 wirkliche einsichtige im Verhältnis des Enthaltenseins S. 40,
+wirkliche einsichtige in den Unverträglichkeitsverhältnissen S. 41--42,
+wirkliche einsichtslose S. 41.
+
+*O.*
+
+*Objektiver* Grund aller Wahrheit S. 31.
+
+*Objektivationstheorie*, Grund derselben S. 54, Ersatz derselben S. 55.
+
+*Offenbarung* im allgemeinen Sinne die Inspiration mit einschliessend
+S. 77, im Unterschied von der Inspiration S. 85--86.
+
+*Ort* der Dinge, Ursprung des Bewusstseins derselben S. 52.
+
+*Ortsbestimmung* löst alles in Beziehungen auf, setzt darum ein
+Unräumliches voraus S. 30. Prinzip der Individuation S. 50.
+
+*P.*
+
+*Parusia* Gegenwart S. 6.
+
+*Pestalozzi* über die Schranken unserer Erkenntnis des Innern anderer
+S. 69.
+
+*Phantasie* schöpferische des Künstlers S. 78.
+
+*Phantasiebild* als Begleiter der Begriffe S. 55, 59.
+
+*Persönliches Verhältnis* das Wesen der Religiosität S. 69.
+
+*Persönlichkeiten* in der Geschichte als Träger der Ideen S. 76.
+
+*Philosophie* Wissenschaft vom Wesen der Dinge, Wissenschaft der Fragen
+S. 16.
+
+*Prinzip* aristokratisches in der Natur S. 76, -- der Individuation S. 50.
+
+*Platons* Theätet S. VII, Ideenlehre S. 7, Ansicht vom Körper S. 16, 55.
+
+*Psychologische Methode* Isolierung der Empfindungen vom Körper S. 51, der
+Bewusstseinsvorgänge von einander S. 60.
+
+*Primat des Intellekts, des Willens* S. 85.
+
+*Probe* auf Probe glauben in religiösem Sinne unmöglich S. 84.
+
+*Porphyrius* über die Prädikabilien S. 45.
+
+*Proprietät* und Eigenschaft S. 46.
+
+*R.*
+
+*Rationalistischer* Begriff des Erkennens S. 2, der Wahrheit S. 88.
+
+*Raum* als Kategorie S. 48, als Begriff S. 49, Formalkategorie, Prinzip
+der Individuation S. 50, symbolischer Ausdruck der scheinbaren
+Selbstständigkeit der Dinge, der Unendlichkeit S. 51, 81, enthält ein
+irrationales Element, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in unserm
+Bewusstsein S. 57.
+
+*Realgesetze* S. 33--34.
+
+*Realkategorien* S. 50.
+
+*Rehmke* S. 53, 54.
+
+*Religion*, positive Seite der Moral S. 69, ihr Wesen S. 82, 83, ihre
+doppelte Wirkung S. 84, vergl. S. 85, Bedeutung der Erkenntnis in der
+Religion S. 84--85.
+
+*Reflexion* verschieden von dem Bewusstheit genannten Wissen S. 59,
+Wiederholung desselben S. 64, Empfindung als Gegenstand der Reflexion
+S. 60.
+
+*S.*
+
+*Scheinbar*, inwiefern das Scheinbare wirklich S. 19, die geliehene
+Selbstständigkeit verschieden von der anmasslichen nicht etwas bloss
+Scheinbares S. 51, 19, scheinbare Selbstständigkeit, Symbol derselben
+S. 51, 81.
+
+*Schöpfung* Akt der Selbstentäusserung S. 51.
+
+*Schranken* unübersteigliche oder noch nicht überwundene für die
+Erkenntnis der Aussenwelt und unserer eigenen Innenwelt S. 64, für die
+Erkenntnis der Innenwelt anderer S. 69.
+
+*Schluss* der Analogie S. 67, der Induktion S. 66, 9.
+
+*Selbstbewusstsein* unmittelbare Einsicht in die Zusammengehörigkeit der
+Bewusstseinsvorgänge, die wir unsere nennen, mit dem Ich oder Selbst,
+S. 63, 61.
+
+*Selbsterkenntnis* S. 69.
+
+*Selbstentäusserung* s. *Schöpfung*.
+
+*Seligkeit* als Friede, Voraussetzung der Sittlichkeit S. 85, 84.
+
+*Sensualisten* S. 82, VI.
+
+*Sinnfällige* Wirklichkeit S. 48, -- Eigenschaften S. 57.
+
+*Sinnliches* Gebiet, wodurch konstituiert S. 59--60, sinnliche Merkmale
+S. 10.
+
+*Sinnenbilder*, was sie sind S. 11; die Grundbestandteile des Sinnlichen,
+Sinnfälligen, die Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung S. 10--11,
+einfache Sinnenbilder die genannten, aus ihnen entstehen erweiterte, neue,
+umfassendere S. 49, Sinnenbilder und Vorstellungen S. 11--12, Sinnenbilder
+und Begriffe S. 49.
+
+*Sittlichkeit* in dem negativen Moment der Selbstlosigkeit bestehend, das
+einer Ergänzung bedarf S. 69, Kraft zum sittlichen Handeln S. 84;
+inwiefern für uns ein höheres Gut als die Wahrheit S. 85.
+
+*Skepticismus* -- Folge der Leugnung des metaphysischen Charakters der
+Wahrheit S. 87.
+
+*Spinoza* S. 4, 7.
+
+*Stoiker* S. 83.
+
+*Stoische Hingabe* S. 83.
+
+*Stufen*, Vorstufen und Stufen als Bestandteile des Erkenntnisvorgangs
+S. 20, 21, S. 21--23.
+
+*Subjektiv* grundlos was unmittelbar einleuchtet, hat einen objektiven
+Grund S. 31.
+
+*Subjekt* der Urteile das Einzelwirkliche S. 29, -- Sinnenbilder oder
+Vorstellungen und wesentliche Merkmale S. 26.
+
+*Substanz* entsteht aus dem Willensding S. 12, setzt ein umfassenderes
+Sinnenbild als die Ausdehnung voraus S. 49, begriffliche Bearbeitung,
+Begriff der Substanz S. 13, 49, enthält das irrationale Element in
+verdoppeltem Masse S. 49, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in
+unserm Bewusstsein S. 57, symbolischer Ausdruck für die scheinbare
+Selbständigkeit der Dinge S. 51.
+
+*Synthese* Ziel des Erkennens, nicht Analyse S. 27, 29, 24.
+
+*Symbolischer Ausdruck* für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge Raum
+und Substanz, für ihre völlige Abhängigkeit Zeit und Kausalität S. 51, 81.
+
+*System* der Wahrheit wesentlich S. 30, 24, 15, 4.
+
+*T.*
+
+*Thatsachen*, Urteile über Thatsachen überzeitlich S. 4, -- und Gedanken,
+S. 3.
+
+*Trennung* abstrakte von Leib und Seele, Gegenstand und Erkennen S. VI,
+VIII, 1, 54, Abstraktion ein Trennen, Isolieren S. 21, 13.
+
+*U.*
+
+*Übereinstimmung*, Gesetz der -- S. 25.
+
+*Übergreifender Charakter* der Bewusstheit, warum notwendig, S. 60, 61.
+
+*Übertragung* der sinnlichen Vorstellungen auf geistige Vorgänge wie
+vermittelt? S. 59, 60.
+
+*Überzeugung*, blinde, ihr Grund S. 34--35, auch als Gewissheit von der
+einsichtigen Gewissheit verschieden S. 36.
+
+*Unerkennbarkeit* des Wesens der Dinge S. 16, 24--25.
+
+*Untrennbarkeit* der Seele vom Leibe (seinem Wesen nach), des Gegenstandes
+vom Erkennen S. VI, 1, 2, 5, 6, 31, 54.
+
+*Unverträglichkeitsverhältnisse* S. 41--42.
+
+*Urteil* gedankliches Gebilde, Verbindung von gedanklichen Einzelgebilden
+S. 23, sein gedanklicher Ausdruck eine Analyse, schliesst bei allen
+synthetischen, nicht auf dem Enthaltensein beruhenden Urteilen eine
+Synthese als bedingenden Bestandteil ein, sprachlicher Ausdruck wieder
+Synthese S. 26--27.
+
+*V.*
+
+*Verkündiger* der Offenbarung, kann die Eingebung als solche erkennen
+S. 86, 79, wann glaubwürdig S. 86--87, 69--70.
+
+*Verstandesakt* die Einsicht S. 43, 87.
+
+*Vorgefundenes* Grundelement der Thatsachen S. 3, von doppelter Art:
+Sinnenbilder und Vorstellungen S. 20--21.
+
+*Vorstellungen*, wie werden aus den Empfindungen Vorstellungen? S. 11--12,
+sinnliche und übertragene S. 59, 60, keine blossen Vorstellungen von den
+Bewusstseinsvorgängen S. 60.
+
+*W.*
+
+*Wahrheit*, metaphysischer immanenter empiristischer, rationalistischer
+Wahrheitsbegriff S. V, 48, 87--88, keine einzelne Wahrheit S. 81, 24, 20,
+4, Wahrheit und Wirklichkeit S. 86, 84, 81, 19, 5--6, 4, V, Wahrheit und
+Wesen der Dinge S. 15, Wahrheit an sich höchstes Gut S. 18, 85, Wahrheit
+kein Ding an sich S. 2, 5, 6, 31, 81.
+
+*Wahrscheinlichkeit* der Sätze der Induktion S. 66, das einzige, was die
+empiristische Wahrheitstheorie verbürgt S. 88, keine wahrscheinliche
+Einsicht sondern nur Einsicht in die Wahrscheinlichkeit S. 35--37.
+
+*Wesen* s. *Wahrheit* -- der Religiosität S. 69, -- der Farbe, -- des
+Menschen S. 16, -- der Religion S. 83.
+
+*Wesentliche* s. *Blick für das Wesentliche*; -- Merkmale der Sinnenbilder
+noch keine Erkenntnis des Wesens S. 21; ob immer mit Einsicht verbunden?
+S. 25.
+
+*Wirklichkeit*, ganz und gar abhängig von der Wahrheit S. V, 4, 5--6, 19,
+81, 84, 86, Sinnfällige Wirklichkeit S. 48, Wirklichkeit Realkategorie
+S. 51, Was ist Wirklichkeit? S. 51, 4, VII.
+
+*Wissen*, Wissens-Disposition S. 11, -- uneigentliches nicht namentliches,
+nicht begriffliches S. 59, Namenwissen S. 65--66, -- associatives S. 65,
+Wissen und Glauben S. 70--71.
+
+*Wissenschaft*, Naturwissenschaft S. VI, beschreibende S. 57, erklärende
+S. 73, Geschichtswissenschaft S. 72--73.
+
+*Wissenschaftliche* Inspiration S. 79--81.
+
+*Z.*
+
+*Zeit* vergl. *Raum*, -- symbolischer Ausdruck der thatsächlichen
+Abhängigkeit und Beschränktheit S. 51, Zeitlichkeit des
+Erkenntnisvorganges S. 5--6.
+
+*Ziel* des Erkennens, Synthese nicht Analyse S. 24.
+
+*Zielstrebigkeit* in der Natur S. 75.
+
+*Zulänglichkeit* des Kennzeichens der Wahrheit S. 3, 36--38.
+
+*Zusammengehörigkeit* S. VIII, 24, 20, 22, siehe *Einleuchten* und
+*Einsicht*.
+
+*Zweckzusammenhang* in der Natur S. 74.
+
+ A. W. Zickfeldt Osterwieck Harz
+
+
+
+
+
+
+ANMERKUNGEN DER KORREKTURLESER
+
+
+Von den Korrekturlesern des _Project Gutenberg_ wurden mehrere Änderungen
+am Originaltext vorgenommen.
+
+Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche *Veränderliche* (Diese
+Anmerkung erscheint im Original auf Seite XVIII und wurde in der
+Gutenberg-Fassung berücksichtigt).
+
+Auf den (Original-)Seiten XIII, 75, 90 und 91 wurden die Anfangsbuchstaben
+'Ue' zu 'Ü' komprimiert.
+
+Es folgen paarweise Textzeilen im Original und in der vorliegenden
+geänderten Fassung.
+
+
+
+sondern auch allem Vergänglichen, Unveränderlichen so entgegengesetzte
+sondern auch allem Vergänglichen, Veränderlichen so entgegengesetzte
+
+nicht enbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
+nicht entbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
+
+einer vermeinlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
+einer vermeintlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
+
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengegehörigen
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengehörigen
+
+reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegegebene
+reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegebene
+
+auch zum Seienden? Gattung und Art sind oftenbar Prädikabilien,
+auch zum Seienden? Gattung und Art sind offenbar Prädikabilien,
+
+Bakon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9.
+Bacon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9.
+
+Subjektiv grundlos was ummittelbar
+Subjektiv grundlos was unmittelbar
+
+ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntniss von den Dingen
+ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen
+
+Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiösität S. 69.
+Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiosität S. 69.
+
+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINFÜHRUNG IN DIE MODERNE LOGIK. ERSTER TEIL.***
+
+
+
+CREDITS
+
+
+January 5, 2008
+
+ Project Gutenberg TEI edition 1
+ Juliet Sutherland, Ralf Stephan, and the Online Distributed
+ Proofreading Team at <http://www.pgdp.net/>.
+
+
+
+A WORD FROM PROJECT GUTENBERG
+
+
+This file should be named 24172-8.txt or 24172-8.zip.
+
+This and all associated files of various formats will be found in:
+
+
+ http://www.gutenberg.org/dirs/2/4/1/7/24172/
+
+
+Updated editions will replace the previous one -- the old editions will be
+renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no one
+owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and
+you!) can copy and distribute it in the United States without permission
+and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the
+General Terms of Use part of this license, apply to copying and
+distributing Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works to protect the Project
+Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} concept and trademark. Project Gutenberg is a registered
+trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you
+receive specific permission. If you do not charge anything for copies of
+this eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
+for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
+performances and research. They may be modified and printed and given away
+-- you may do practically *anything* with public domain eBooks.
+Redistribution is subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+
+
+*Please read this before you distribute or use this work.*
+
+To protect the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work (or
+any other work associated in any way with the phrase "Project Gutenberg"),
+you agree to comply with all the terms of the Full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+License (available with this file or online at
+http://www.gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1.
+
+
+General Terms of Use & Redistributing Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works
+
+
+1.A.
+
+
+By reading or using any part of this Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic work,
+you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the
+terms of this license and intellectual property (trademark/copyright)
+agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this
+agreement, you must cease using and return or destroy all copies of
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works in your possession. If you paid a fee
+for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic work
+and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may
+obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set
+forth in paragraph 1.E.8.
+
+
+1.B.
+
+
+"Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or
+associated in any way with an electronic work by people who agree to be
+bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can
+do with most Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works even without complying
+with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. There are
+a lot of things you can do with Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works if you
+follow the terms of this agreement and help preserve free future access to
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works. See paragraph 1.E below.
+
+
+1.C.
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" or
+PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an individual
+work is in the public domain in the United States and you are located in
+the United States, we do not claim a right to prevent you from copying,
+distributing, performing, displaying or creating derivative works based on
+the work as long as all references to Project Gutenberg are removed. Of
+course, we hope that you will support the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} mission of
+promoting free access to electronic works by freely sharing Project
+Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works in compliance with the terms of this agreement for
+keeping the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} name associated with the work. You can
+easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
+same format with its attached full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License when you
+share it without charge with others.
+
+
+1.D.
+
+
+The copyright laws of the place where you are located also govern what you
+can do with this work. Copyright laws in most countries are in a constant
+state of change. If you are outside the United States, check the laws of
+your country in addition to the terms of this agreement before
+downloading, copying, displaying, performing, distributing or creating
+derivative works based on this work or any other Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work.
+The Foundation makes no representations concerning the copyright status of
+any work in any country outside the United States.
+
+
+1.E.
+
+
+Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+
+1.E.1.
+
+
+The following sentence, with active links to, or other immediate access
+to, the full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License must appear prominently whenever
+any copy of a Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work (any work on which the phrase
+"Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project Gutenberg"
+is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, copied or
+distributed:
+
+
+ This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+ almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away
+ or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License
+ included with this eBook or online at http://www.gutenberg.org
+
+
+1.E.2.
+
+
+If an individual Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic work is derived from the
+public domain (does not contain a notice indicating that it is posted with
+permission of the copyright holder), the work can be copied and
+distributed to anyone in the United States without paying any fees or
+charges. If you are redistributing or providing access to a work with the
+phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the work, you
+must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7
+or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
+
+
+1.E.3.
+
+
+If an individual Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic work is posted with the
+permission of the copyright holder, your use and distribution must comply
+with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional terms imposed
+by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project
+Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License for all works posted with the permission of the
+copyright holder found at the beginning of this work.
+
+
+1.E.4.
+
+
+Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License
+terms from this work, or any files containing a part of this work or any
+other work associated with Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}.
+
+
+1.E.5.
+
+
+Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic
+work, or any part of this electronic work, without prominently displaying
+the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate
+access to the full terms of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License.
+
+
+1.E.6.
+
+
+You may convert to and distribute this work in any binary, compressed,
+marked up, nonproprietary or proprietary form, including any word
+processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version posted
+on the official Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} web site (http://www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other form.
+Any alternate format must include the full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License as
+specified in paragraph 1.E.1.
+
+
+1.E.7.
+
+
+Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing,
+copying or distributing any Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works unless you comply
+with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+
+1.E.8.
+
+
+You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or
+distributing Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works provided that
+
+ - You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to
+ the owner of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} trademark, but he has agreed to
+ donate royalties under this paragraph to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60
+ days following each date on which you prepare (or are legally
+ required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments
+ should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4,
+ "Information about donations to the Project Gutenberg Literary
+ Archive Foundation."
+
+ You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} License.
+ You must require such a user to return or destroy all copies of the
+ works possessed in a physical medium and discontinue all use of and
+ all access to other copies of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works.
+
+ You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
+ any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
+ receipt of the work.
+
+ You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} works.
+
+
+1.E.9.
+
+
+If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic
+work or group of works on different terms than are set forth in this
+agreement, you must obtain permission in writing from both the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael Hart, the owner of the
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} trademark. Contact the Foundation as set forth in
+Section 3 below.
+
+
+1.F.
+
+
+1.F.1.
+
+
+Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to
+identify, do copyright research on, transcribe and proofread public domain
+works in creating the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection. Despite these
+efforts, Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works, and the medium on which they
+may be stored, may contain "Defects," such as, but not limited to,
+incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright
+or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk
+or other medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot
+be read by your equipment.
+
+
+1.F.2.
+
+
+LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES -- Except for the "Right of
+Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+trademark, and any other party distributing a Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+electronic work under this agreement, disclaim all liability to you for
+damages, costs and expenses, including legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE
+NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH
+OF CONTRACT EXCEPT THOSE PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE
+FOUNDATION, THE TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT
+WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL,
+PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY
+OF SUCH DAMAGE.
+
+
+1.F.3.
+
+
+LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND -- If you discover a defect in this
+electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a refund
+of the money (if any) you paid for it by sending a written explanation to
+the person you received the work from. If you received the work on a
+physical medium, you must return the medium with your written explanation.
+The person or entity that provided you with the defective work may elect
+to provide a replacement copy in lieu of a refund. If you received the
+work electronically, the person or entity providing it to you may choose
+to give you a second opportunity to receive the work electronically in
+lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a
+refund in writing without further opportunities to fix the problem.
+
+
+1.F.4.
+
+
+Except for the limited right of replacement or refund set forth in
+paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+
+1.F.5.
+
+
+Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the
+exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or
+limitation set forth in this agreement violates the law of the state
+applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make
+the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state
+law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement
+shall not void the remaining provisions.
+
+
+1.F.6.
+
+
+INDEMNITY -- You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark
+owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works in accordance with this agreement, and
+any volunteers associated with the production, promotion and distribution
+of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works, harmless from all liability, costs
+and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from
+any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of
+this or any Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} work, and (c) any Defect
+you cause.
+
+
+Section 2.
+
+
+ Information about the Mission of Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} is synonymous with the free distribution of electronic
+works in formats readable by the widest variety of computers including
+obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the
+efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks
+of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance
+they need, is critical to reaching Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}'s goals and ensuring
+that the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection will remain freely available for
+generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation was created to provide a secure and permanent future for
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} and future generations. To learn more about the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations
+can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at
+http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3.
+
+
+ Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of
+Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service.
+The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541.
+Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. Contributions to the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full
+extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North
+1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information
+can be found at the Foundation's web site and official page at
+http://www.pglaf.org
+
+For additional contact information:
+
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4.
+
+
+ Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive
+ Foundation
+
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} depends upon and cannot survive without wide spread
+public support and donations to carry out its mission of increasing the
+number of public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form accessible by the widest array of equipment
+including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are
+particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United States.
+Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable
+effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these
+requirements. We do not solicit donations in locations where we have not
+received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or
+determine the status of compliance for any particular state visit
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we have
+not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against
+accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us
+with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make any
+statements concerning tax treatment of donations received from outside the
+United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods
+and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including
+checks, online payments and credit card donations. To donate, please
+visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5.
+
+
+ General Information About Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works.
+
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+concept of a library of electronic works that could be freely shared with
+anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions,
+all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright
+notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance
+with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook
+number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed
+(zipped), HTML and others.
+
+Corrected *editions* of our eBooks replace the old file and take over the
+old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+*Versions* based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}, including how
+to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation,
+how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email
+newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+
+
+
+
+***FINIS***
+ \ No newline at end of file