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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:12:37 -0700 |
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O. Beetz,</p> + <p rend="font-size:small; text-align: center">Schuldirektor in Gotha</p> +<milestone unit="tb" /> + <p rend="font-size:small; text-align: center">Fünfter Band.</p> + <p rend="font-size:x-large; text-align: center">Einführung in die moderne Logik.</p> +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> +<p rend="text-align: center">Osterwieck/Harz.</p> + <p rend="text-align: center">Verlag von A. W. Zickfeldt.</p> + <p rend="font-size:small; text-align: center">1901.</p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> +<pb n='II' /><anchor id='PgII' /> + <p rend="font-size: xx-large; text-align: center">Einführung in die moderne Logik.</p> +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + <p rend="text-align: center">Von</p> + <p rend="font-size: x-large; text-align: center">Goswin Uphues</p> + <p rend="text-align: center">Professor an der Universität Halle.</p> +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + <p rend="font-size: large; text-align: center">Erster Teil:</p> + <p rend="font-size: x-large; text-align: center">Grundzüge der Erkenntnistheorie.</p> +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> +<p rend="text-align: center">Osterwieck/Harz.</p> + <p rend="text-align: center">Verlag von A. W. Zickfeldt.</p> + <p rend="text-align: center">1901.</p> + </div> + + <!--<div rend="page-break-before: right"> + <index index="pdf" /> + <head>Inhalt</head> + <divGen type="toc" /> + </div>--> + </front> + + <body rend="page-break-before: right"> + +<pb n='III' /><anchor id='PgIII' /> +<div> +<index index="pdf" /> +<head>Vorwort.</head> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + +<p> +Wer die Entwicklung der philosophischen Forschung der +letzten zehn Jahre mit aufmerksamem Blicke verfolgte, dem +konnte es nicht entgehen, dass in der Auffassung des Verhältnisses +von Psychologie und Logik eine Wandlung eintrat +oder sich wenigstens anbahnte. Anfangs hatte es den Anschein, +als ob die Psychologie die Stellung einer ersten und +herrschenden Disciplin erhalten sollte. Das Erkennen und +Denken sind doch Bewusstseinsthatsachen und anderseits Voraussetzungen +aller Wissenschaften und somit auch der Philosophie. +Was lag näher, als die Wissenschaft von den Bewusstseinsthatsachen, +die Psychologie, als grundlegende philosophische +Disciplin zu betrachten, ja noch mehr, sie zur Grundlage aller +Wissenschaften zu machen. Allmählich aber brach sich der +Gedanke Bahn, dass vom Erkennen und Denken als Bewusstseinsthatsachen +das Erkannte und Gedachte sorgfältig unterschieden +werden müsse und dass die Untersuchung hierüber +eher das Recht in Anspruch nehmen könne als Voraussetzung +aller Wissenschaften und als grundlegende philosophische +Disciplin zu gelten. So trat die Logik an die Stelle der +Psychologie; sie nahm wieder, wie ehemals in der Philosophie, +unter den philosophischen Disciplinen die erste Stelle ein. +Aber Hand in Hand damit ging auch eine andere Auffassung +der Logik. Man begnügte sich nicht mehr mit einer Behandlung +der blossen Formen des Denkens, sondern Fragen, die +den Inhalt des Denkens und Erkennens, das Gedachte und Erkannte +betreffen, wurden in immer grösserer Zahl in die Logik +hineingezogen. Die Logik wurde aus einer formalen Disciplin, +zu der sie unter dem Einflusse Kants geworden war, in eine +<pb n='IV' /><anchor id='PgIV' /> +erkenntnistheoretische Disciplin umgestaltet. Das hatte seinen +Grund nicht bloss in der Entwicklung der philosophischen +Forschung, sondern wird auch durch die Natur der Sache +gefordert. +</p> + +<p> +Verstehen wir unter Logik die Wissenschaft vom Denken, +so ist doch nicht alles Denken Gegenstand der Logik, sondern +nur das Denken, durch welches aus dem im Bewusstsein Gegebenen +Erkenntnisse werden, das Denken also, das seinen +Zweck im Erkennen hat und ihm als Mittel dient. In der +Logik ist also das Denken dem Erkennen untergeordnet. Die +Logik ist in erster Linie Erkenntnislehre und erst in zweiter +Linie Denklehre. <hi rend='italic'>Was heisst Erkennen? Was können +wir erkennen?</hi> Das sind die Fragen, welche die Logik vor +allem zu beantworten hat. Ihre erste Aufgabe ist, den Begriff +des Erkennens nach seinem Inhalt und Umfang zu bestimmen. +</p> + +<p> +Aber das Erkennen ist eine Thätigkeit, die sich auf ein +Ziel richtet. Dieses Ziel ist die Wahrheit. Eine solche Thätigkeit +setzt die Erkenntnis des Zieles, seiner Erreichbarkeit und +der Normen, die sie zu befolgen hat, voraus. Was Erkennen +heisst, können wir nur bestimmen, wenn wir wissen, was Wahrheit +ist (Definition der Wahrheit), wie wir sie erreichen können +(Kennzeichen der Wahrheit), welche Regeln wir zu diesem +Zwecke beobachten müssen (Gesetze des Erkennens). Die +Untersuchungen über den Begriff der Wahrheit, über das Kennzeichen +der Wahrheit und über die Gesetze des Erkennens, +wie ich sie in der vorliegenden Schrift dargestellt habe, machten +seit 1896 den ersten Teil meiner in jedem Sommer gehaltenen +Vorlesungen über Logik aus. Sie erscheinen hier um +ein Beträchtliches vermehrt, nämlich um den ganzen vierten +Abschnitt dieser Schrift, der vom Umfange unsers Wissens +handelt. In diesem Abschnitte beantworten wir die zweite +Frage der Erkenntnistheorie: Was können wir erkennen? +während die Untersuchungen über die Definition der Wahrheit, +das Kennzeichen der Wahrheit und die Gesetze des Erkennens, +die drei ersten Abschnitte dieser Schrift umfassend, die erste +Frage der Erkenntnistheorie: Was heisst Erkennen zu beantworten +suchen. +</p> + +<pb n='V' /><anchor id='PgV' /> + +<p> +Die Auffassung der Logik als erkenntnistheoretischer +Disciplin ist eine Wendung zum Besseren. Allein rücksichtlich +dessen, was Erkenntnistheorie zu leisten hat und leisten kann, +gehen die Meinungen weit auseinander. Das Erkennen im +gewöhnlichen von allen wissenschaftlichen Forschern mit Ausnahme +einiger Erkenntnistheoretiker angenommenen Sinne hat +eine <hi rend='italic'>metaphysische</hi> Bedeutung. Die Wahrheit ist ein +metaphysischer Begriff. Was wahr ist, ist nur wahr, weil es +für alle Zeit und darum für die Ewigkeit gilt. Nur darum gilt +es auch für alle Denkenden. Wirklich ist etwas nur, weil es +an diesem Ewigkeitscharakter der Wahrheit teilnimmt. Diesem +Begriff der Wahrheit möchten viele um jeden Preis aus dem +Wege gehen, obgleich er in jeder ernstgemeinten Behauptung +wiederkehrt und natürlich von allen wissenschaftlichen Forschern +ausser einigen Erkenntnistheoretikern, wenn auch unbewusst, +festgehalten wird. Man greift zu allerlei Kunststücken, beginnt +mit der Umdeutung und endet mit der Wegdeutung dieses +Begriffs – alles aus Scheu vor der Metaphysik. Man hat das +Gefühl, diese Forscher wandern an einem Abgrunde in beständiger +Furcht, in ihn hineinzufallen. Der Abgrund heisst +Metaphysik. Oft werden sie vom Schwindel ergriffen und +fallen wirklich hinein. Der Begriff der Wahrheit lässt sich eben +nicht unterdrücken. Aber alsbald arbeiten sie sich wieder in +die Höhe und setzen ihre gefährliche Wanderung fort. Ihre +mühselige Arbeit macht einen trostlosen Eindruck. Das Ergebnis +ist ein unfruchtbarer Formalismus. +</p> + +<p> +Kant wollte das Wissen beseitigen, um dem Glauben +Raum zu schaffen. Hätte er diesen Gedanken weiter verfolgt, +dann würde er zu einer Würdigung der geschichtlichen Erkenntnisse +gekommen sein, die wir bei dem grossen Denker +vermissen. Denn die Glaubensüberzeugungen gehören zu den +geschichtlichen Erkenntnissen. Für unsere modernen Formalisten +hat dieser Gedanke Kants keinen Wert, sie empfinden +ihn als des grossen Kant unwürdig. Folgerichtig darf man +darum auch bei ihnen keine Würdigung der geschichtlichen +Erkenntnisse erwarten. Es scheint oft, als ob sie durch die +Erkenntniskritik nur der vergötterten Naturwissenschaft freie +<pb n='VI' /><anchor id='PgVI' /> +Bahn machen wollen und als ob diese an die Stelle des realen +Inhalts der Philosophie treten soll. Und doch ist der Erkenntnis- und +Bildungswert der Naturwissenschaft, wie wir +zeigen werden, viel geringer als der der Geschichte. +</p> + +<p> +Die gegensätzliche Trennung des Erkennens und seines +Gegenstandes führte Kant zu dem Unbegriff des Dinges an +sich oder des Gegenstandes, wie er unerkannterweise ist. +Unsere Formalisten möchten dieses caput mortuum der Kantischen +Spekulation am liebsten beseitigen oder durch den transcendentalen +Gegenstand, die Regel der Vorstellungsverknüpfung +ersetzen – da das Ding an sich nach ihrer Meinung die +Grundvoraussetzung aller Metaphysik bildet. Wäre das der +Fall, dann müsste man freilich aller Metaphysik entsagen. Denn +das Ding an sich ist in der That ein ungereimter Begriff. +Aber gerade die Aufrechthaltung der metaphysischen Bedeutung +des Erkennens und sie allein macht, wie wir zeigen werden, +die Beseitigung des Dinges an sich möglich. +</p> + +<p> +Die Scheu vor der Metaphysik ist noch viel verbreitet; +sie ist eine Nachwirkung der sensualistischen Psychologie +und der formalistischen Logik. Aber die Anzeichen einer +Entwicklung des philosophischen Denkens, die der Metaphysik +günstig ist, mehren sich. Viele bekennen sich rückhaltlos +zur Metaphysik und treten mutig für sie ein. Sie +möchten nicht, dass ein formalistischer Logismus die Stelle des +sensualistischen Psychologismus einnähme. Auch der formalistische +Logismus kann wie der sensualistische Psychologismus +nur eine vorübergehende Entwicklungsphase der Philosophie +sein. Die Logik bedarf notwendig zu ihrem Unterbaue einer +Auseinandersetzung über die Wahrheit im alten Sinne, und +diese Auseinandersetzung ist ein Zweig der Metaphysik. Das +ist die Anschauung, die wir im ersten Teile unserer Schrift +vertreten. +</p> + +<p> +Die Erkenntnistheorie umfasst die schwierigsten Fragen +der Philosophie. Ihr Verständnis setzt nachdenkliche verinnerlichte +Naturen voraus, die heutzutage nicht allzuhäufig sind. +Gewiegte Pädagogen behaupten, dass manchen im übrigen gut +begabten Schülern jede Anlage für Mathematik fehlt. Mit anscheinend +grösserem Rechte kann man sagen, dass fast allen +<pb n='VII' /><anchor id='PgVII' /> +Menschen mit sehr wenigen Ausnahmen die Anlage für jenen +Teil der Philosophie abgeht. Aber ich bin überzeugt, dass +jeder einigermassen Beanlagte bei entsprechendem Unterrichte +ein Verständnis der Mathematik gewinnen kann. Und was +dem Eindringen in jenen schwierigen Teil der Philosophie +hinderlich im Wege steht, sind Lebensgewohnheiten, die durch +Selbsterziehung überwunden werden können und überwunden +werden müssen. Wer fühlt sich nicht angezogen von der +Schilderung des wahren Philosophen im platonischen Theätet? +Wer möchte sich von einem Platon nicht gern die Weihe des +Gedankens erteilen lassen? Aus der schwierigsten dieser +Fragen, der Frage nach dem Verhältnis von Wahrheit und +Wirklichkeit redet der Geist Platons zu uns. Er hat sie zuerst +gestellt, und die Antwort, welche er gab, ist auch heute noch +beachtenswert. +</p> + +<p> +Ich habe das Buch geschrieben für diejenigen, welche +diese schwierigen Fragen studieren d. h. durchdenken wollen, +um sich eine eigene Meinung zu bilden; nicht für die, welche +sich mit einer blossen Kenntnisnahme der in der Erkenntnistheorie +behandelten Fragen begnügen möchten. Kritische Auseinandersetzungen +mit den Anschauungen anderer, diese +Schatten für das Licht der eigenen Gedanken, die seinen Glanz +erhöhen sollen, wurden grundsätzlich vermieden. Sie sind für +die blosse Kenntnisnahme nützlich, für die Vertiefung in die +Sache meistens schädlich. +</p> + +<p> +Hoffentlich dienen dem Zweck dieser Vertiefung das ausführliche +Inhaltsverzeichnis, das die behandelten Thesen der +Reihe nach formuliert und das ebenso ausführliche Namen- und +Sachregister, das die erörterten Grundbegriffe in alphabetischer +Folge darstellt. Beide zeigen, wie viel Gedankenarbeit +der Verfasser selbst übernimmt und wieviel er seinen Lesern +zumutet. Die letztere ist nicht geringer als die erstere. Es +gibt Wissenschaften, die man sich nicht aneignen kann ohne +selbst an der Forschungsarbeit teil zu nehmen, das Lernen ist +hier bedingt durch das Mitforschen. Zu diesen Wissenschaften +gehört in erster Linie die Erkenntnistheorie. Es wäre für mich +leichter gewesen bei den einzelnen Fragen länger zu verweilen +und ihre Behandlung umfangreicher zu gestalten, wohl auch +<pb n='VIII' /><anchor id='PgVIII' /> +bequemer für den Leser. Es lag so nahe zu diesem Zweck +die gewohnte und geläufige Form von Vorlesungen zu wählen, +wie ich sie über diese Fragen oft gehalten habe. Was ich +hier biete ist nur ein gedrängter Auszug aus diesen Vorlesungen, +den ich am Schluss derselben zu diktieren und zur +Grundlage von seminaristischen Übungen zu machen pflege. +Nach meinen Erfahrungen regt gerade diese gekürzte Form +der Darstellung am meisten zum Selbstdenken an. Sache des +Lesers ist es bei den einzelnen Gedanken stehen zu bleiben +und zu diesem Zweck für die erste Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis +allein, für die wiederholte Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis +und Register zu benutzen. Ich möchte das +auch manchen Fachgenossen empfehlen, namentlich denen, die +über eine mehr als »mittlere Begabung« verfügen. Jedenfalls +bin ich dann vor Missverständnissen geschützt, wie sie in der +Philosophie an der Tagesordnung sind. Ich bemerke noch, +dass die Zusammengehörigkeit, der Grundbegriff meiner 1893 +erschienenen Psychologie des Erkennens auch den Grundbegriff +dieser Erkenntnistheorie bildet. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Halle</hi>, 14. Juni 1901. +</p> +</div> + +<div rend="page-break-before: always"> +<pb n='IX' /> +<index index="pdf" /> +<head>Inhaltsverzeichnis.</head> + +<p rend="text-align: center"> +<hi rend='bold; font-size: xx-large'>Die Wahrheit und unser Wissen.</hi> +</p> + +<p rend="content-teil"> +<hi rend="italic">Erster Hauptteil.</hi> +</p> + +<p rend="content-teil"> +<hi rend='bold'>Die Wahrheit.</hi> +</p> + +<p rend="content-abschnitt"> +Erster Abschnitt: <hi rend='bold'>Was ist Wahrheit?</hi> +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Erste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr">Die herkömmliche Definition der Wahrheit <ref target="Pg1">1</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Was ist »Ding an sich«? Definition der Wahrheit; a) falsche, b) richtige +Auffassung. Erkennen a) nach rationalistischer, b) nach +empiristischer Auffassung. Gegenstand des Erkennens – die +Wahrheit. Inhaltsmerkmal der Wahrheit, Kennzeichen der +Wahrheit. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Zweite Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr">Der überzeitliche Charakter der Wahrheit <ref target="Pg3">3</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Begriffsurteile. Thatsachenurteile. Auch die Wahrheit der letzteren +hat einen überzeitlichen Charakter. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Dritte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit <ref target="Pg4">4</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Ewige Bedeutung – Grund der überzeitlichen Geltung. Nur als +Glied der Gesamtwirklichkeit ist etwas wahr. Spinozas »sub specie +aeternitatis«. Gelten und Existieren, Wahrheit und Wirklichkeit. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Vierte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden <ref target="Pg5">5</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Aus der überzeitlichen Geltung folgt die Allgemeingültigkeit für alle +Denkenden. Die Wahrheit kein Produkt der menschlichen Organisation. +Wahrheit kein Ding an sich, untrennbar vom Erkennen +a) als Bewusstsein überhaupt, b) als menschliches Erkennen, +dessen Hervortreten in der Zeit nicht bloss durch seine ewige +Bedeutung bedingt ist, sondern auch selbst eine ewige Bedeutung +hat. Die neuentdeckten Wahrheiten darum schon vor +ihrer Entdeckung untrennbar vom menschlichen Erkennen. +</p> + +<pb n='X' /> + +<p rend="content-subhead"> +Fünfte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Die Wahrheit und das Urteil <ref target="Pg6">6</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Das Bewusstsein der Wahrheit gleich der Beziehung auf die +Objektivität. Erkennen und Urteil keine Abbildung der Wahrheit, +sonst wäre diese Ding an sich. Im Erkennen besitzen wir +die Wahrheit selbst, nicht ihr Spiegelbild. Mit jedem Urteil +treten wir in die ewige, überzeitliche, unvergängliche, übersinnliche +Welt ein und fassen in ihr festen Fuss. Augustin, Eckhart. +Nikolaus von Cues. Platons Ideenwelt das, was wir Wahrheit +nennen. +</p> + +<p rend="content-abschnitt"> +Zweiter Abschnitt: <hi rend='bold'>Die Wahrheit und das Wesen der Dinge.</hi> +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Sechste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Wesentliche und unwesentliche Merkmale <ref target="Pg7">7</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Das Wesentliche und das Wesen ist Ziel des Erkennens. Wesentlich +nicht gleich notwendig dem Dinge oder notwendig für seinen +Begriff. Die Merkmale sicher nach ihrem Werte verschieden. +Ein Merkmal, das eine Unterscheidung eines Dinges von allen +andern ermöglicht, gehört darum noch nicht in die Definition +des Dinges. Das Notwendige gehört (zum Teil wenigstens) zum +Ausserwesentlichen. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Siebente Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale? <ref target="Pg8">8</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Wesentlich nicht gleich allgemein oder konstant. Nicht durch +Generalisation werden die wesentlichen Merkmale gewonnen, obgleich +sie ihre Gewinnung vorbereiten kann, sondern, durch die +der Generalisation vorausgehende Abstraktion. <hi rend='italic'>Ein</hi> Fall, <hi rend='italic'>Ein</hi> +Beispiel genügt für die Gewinnung; sie wird vermittelt durch +den Blick des Geistes, den nicht alle besitzen, der der Intuition +ähnlich ist und wie diese noch keine Erkenntnis bildet. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Achte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus +den sinnlichen (vorstellungsmässigen) abzuleiten <ref target="Pg10">10</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Sinnenbilder Grundlage alles Erkennens. Sinnenbilder der Ausdehnung +und Bewegung selbst ausgedehnt und bewegt, schon darum verschieden +von den Begriffen der Ausdehnung: Vielheit der gleichzeitigen +Teile und Berührung, der Bewegung: Vielheit der aufeinanderfolgenden +Teile und Übergang. Sinnenbilder Zusammenfassungen +von Empfindungen ohne gegenständlichen Charakter. Wie erhalten +die Empfindungen gegenständlichen Charakter, oder wie +werden sie zu Vorstellungen? Willensdinge – Substanzen, Ursachen. +Das Finden der wesentlichen Merkmale ein Schaffen; +doppelte Funktion desselben: Vereinzelung der Teile des Ausgedehnten +und Bewegten, Zusammenfassung der sich berührenden +<pb n='XI' /> +und ineinander übergehenden – beides Voraussetzung der betreffenden +Urteile. Begriff und Sinnenbild von Punkt, Linie, +Fläche, Geist. Auch das negative Urteil setzt den Blick für das, +was anders ist, voraus. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Neunte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Das Wesen der Dinge <ref target="Pg14">14</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Nicht das Sinnenbild des Kreises, der Ellipse, eher die mathematische +Formel, das Gesetz für beide, weiterhin das Gesetz für ihre +Stellung unter den Kegelschnitten, endlich ihre Stellung in der +Gesamtwirklichkeit – das Wesen der Ellipse und des Kreises; +Wesen und Wahrheit dasselbe. Wesen nicht unveränderlicher +Seinskern. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Zehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Der Begriff der Philosophie <ref target="Pg15">15</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Wesen der Farbe, des Menschen unerkennbar. Trotzdem die Erkenntnis +des Wesens das Ziel des Erkennens. Philosophie +Wissenschaft vom Wesen der Dinge und Wissenschaft der +Fragen. Wesen des Erkennens? Wesen der Erscheinung der +Dinge in uns? Wesen der Orts- und Zeitbestimmungen? Erkennen +kein Abbilden. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Elfte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Die Wahrheit das höchste Gut <ref target="Pg18">18</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Wahrhaft schön, wahrhaft sittlich – was alle als solches anerkennen +müssen. Unser Begriff von den Dingen zu unterscheiden von dem +Begriff, der ihr Wesen, ihre Stellung in der Gesamtwirklichkeit bestimmt. +Für den ersteren gilt: nicht ohne dass es wahr ist, ist +etwas gut und schön, für den letzteren: dadurch, dass es wahr +ist, ist es schön, gut. Wesen und Wahrheit des Nichtseinsollenden, +Scheinbaren? Seine Wirklichkeit nicht zu bezweifeln. +Vielleicht ist es das anmasslich Selbständige. +</p> + +<p rend="content-teil"> +<hi rend="italic">Zweiter Hauptteil.</hi> +</p> + +<p rend="content-teil"> +<hi rend='bold'>Unser Wissen.</hi> +</p> + +<p rend="content-abschnitt"> +Dritter Abschnitt: <hi rend='bold'>Kennzeichen der Wahrheit.</hi> +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Zwölfte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Bestandteile des Erkenntnisvorgangs <ref target="Pg19">19</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Wesentlich gleich zugehörig, zusammengehörig; Wesen gleich Zusammengehörigkeit – Grundbegriff +des Erkennens. Das was zusammengehörig +ist, und seine Zusammengehörigkeit zu unterscheiden. +Das Vorgefundene a) Sinnenbilder, b) Vorstellungen Vorstufe des +Erkenntnisvorgangs, Erste Stufe: Erfassung dessen, was zusammengehörig, +was wesentlich durch den Blick des Geistes – keine Erkenntnis, +<pb n='XII' /> +eine Abstraktion als Hinsehen, Festhalten, eine +schaffende Thätigkeit. Ihr Ergebnis Einzelgebilde des Denkens, +auf Grund deren erst die Urteilsthätigkeit möglich ist. Zweite +Stufe: Einleuchten der Zusammengehörigkeit kein Zwang, keine +Nötigung, – noch keine Erkenntnis. Dritte Stufe: Einsicht in +die Zusammengehörigkeit, Sehen, Wahrnehmen derselben, – eigentliche +Erkenntnis. Vierte Stufe der ersten entsprechend: Gedanklicher +Ausdruck der Einsicht im Urteil erzeugt ein neues +Gebilde des Denkens – eine Verbindung, kein Einzelgebilde. +Fünfte Stufe der zweiten entsprechend: Bewusstsein der Wahrheit, +der Objektivität. Fünfte und zweite Stufe objektiv. Sechste +Stufe: Gewissheit der dritten entsprechend Ausschluss des Zweifels, – positiver +Zustand. Sechste und dritte Stufe subjektiv. Einleuchten, +nicht die Einsicht Kriterium, gemäss dem wir über wahr +und falsch urteilen. Einsicht das, wodurch wir die Wahrheit +erkennen. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Dreizehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Gesetze des Erkennens <ref target="Pg23">23</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Es giebt nur Eine Wahrheit, keine einzelnen Wahrheiten. Entdeckung +dieser Einen Wahrheit nach dem Gesetz der Zusammengehörigkeit, +dem Grundgesetz des Erkennens; (Synthese nicht Analyse). +An seine Stelle treten die Gesetze für die Urteile: erstens Gesetz +der Übereinstimmung, Form eins und vier; zweitens Gesetz +des Enthaltenseins, Form fünf und acht. Drittens Gesetz des +Widerspruchs, Form zwei und drei, Form sechs und sieben – Gesetze +für einzelne Urteile; viertens Gesetz des ausgeschlossenen +Dritten für das Verhältnis zweier Urteile zu einander. Vier +Kategorien: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung; die +Begriffe der einen Kategorie nicht der einer andern über- oder +unterzuordnen. Verhältnis des Enthaltenseins verschieden +von Ding und Eigenschaft, Ding und Vorgang, von untergeordneter +Bedeutung für unser Erkennen. Urteil setzt Synthese +voraus und schliesst diese als bedingenden Bestandteil ein, mag +sein gedanklicher Ausdruck auch als Enthaltensein, Subsumtion, +Analyse erscheinen; der sprachliche Ausdruck erscheint wieder +als Synthese. Die wesentlichen Merkmale nicht einander über- oder +untergeordnet, ausser wenn sie den gleichen Kategorien angehören; +nicht in den Sinnenbildern enthalten. Auch die negativen +Merkmale der Dinge nicht in ihnen enthalten. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Vierzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Gesetze des Erkennens (Fortsetzung) <ref target="Pg29">29</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Gesetze für das Einzelwirkliche als Subjekt der Urteile – Urteilsgesetze: +die genannten. Gesetze für den Zusammenhang des +<pb n='XIII' /> +Wirklichen, den wir erschliessen – Schlussgesetze: das Einheitsgesetz, +das Gesetz der Kausalität oder der Ermöglichung des +Anfangenden, das Gesetz des Grundes. Drei Gedankengänge, die +zum Einheitsgesetz führen. Falsche Formulierung des Gesetzes +der Kausalität; es ist verschieden vom Gesetz der Gleichförmigkeit +des Naturlaufs – Sinn dieses Gesetzes – führt nicht auf +das Gesetz des Widerspruchs zurück. Gesetz des Grundes, ein Gesetz +des Enthaltenseins in seiner Anwendung auf Urteile. Drei +Formen des Gesetzes des Widerspruchs. Real- und Formalgesetze. +Auch das Gesetz des Widerspruchs kann einen realen, +den Fortschritt des Erkennens bedingenden Charakter haben. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Fünfzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Erkenntnis und blinde Überzeugung <ref target="Pg34">34</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Erkenntnis hat einen vernünftigen Grund in dem Einleuchten, blinde +Überzeugung beruht auf Gewöhnung, auf Gefühlen, die meist +zuerst ein blindes Urteilen zur Folge haben, an das sich dann +die Überzeugung anschliesst von der Wahrheit des Urteils, ferner +oft von der (angeblichen, vermeintlichen) Einsicht und dem (vermeintlichen) +Einleuchten. Gewissheit nach ihrer negativen Seite +ohne Grade, die mit der Einsicht verbundene Gewissheit auch +nach ihrer positiven Seite ohne Grade, während die Gewissheit, +welche den blinden Urteilen folgt, sich masslos steigern lässt, wie +die Gewissheit des Fanatikers zeigt. Ausserdem: die vermeintliche +Einsicht folgt dem Urteil, die wirkliche geht ihm immer voran. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Sechzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit <ref target="Pg36">36</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Vermeintliche Einsicht und wirkliche Einsicht nicht bloss durch die +steigerungsfähige und nichtsteigerungsfähige Gewissheit und durch +ihr Verhältnis zum Urteil von einander verschieden, die +vermeintliche kann auch durch die wirkliche überwunden werden. +Vier mögliche Fälle. Sinn des Gesetzes der Gleichförmigkeit +des Naturlaufs. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Siebzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Einsicht und Denknotwendigkeit <ref target="Pg38">38</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Einsicht keinerlei Nötigung. Notwendigkeit, Nichtandersseinkönnen oft +nur Folgerung aus der Gewissheit. Das Verhältnis des Enthaltenseins +ein Notwendigkeitsverhältnis; aber dieses Notwendigkeitsverhältnis +nicht Grund unserer Einsicht in die Wahrheit der betreffenden +Urteile. Dasselbe gilt von den Denknotwendigkeiten, +die in dem zusammengehörigen Nichtenthaltenen und in den Unverträglichkeitsverhältnissen +bestehen. Warum es für unser +Denken notwendig ist, der Eigenschaft ein Selbständiges (?), den +<pb n='XIV' /> +Veränderungen und Bewegungen ein Veränderliches und Bewegliches, +das beharrt, zu Grunde zu legen – davon haben wir keine +Einsicht. Dass das System der Wahrheit <hi rend='italic'>notwendig</hi> einen +Denkenden, das Anfangende <hi rend='italic'>notwendig</hi> einen Ermöglichungsgrund +voraussetzt, ist nur eine Folgerung aus der Gewissheit, die +wir vom Gesetz der Einheit und der Kausalität haben. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Achtzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Einsicht und Wille <ref target="Pg43">43</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit – letzte Quelle alles +Unsittlichen. Vom Verstandesakte der Einsicht verschieden die +Hingabe des Willens und das Ergriffensein des Gemüts. Beides +wichtig für die sittlichen und religiösen Wahrheiten, die gewohnheitsmässig +festgehalten wieder zu blossen Verstandeseinsichten +oder Kopfwahrheiten herabsinken, von denen das Leben unberührt +bleibt. Die Wahrheit Gemeinschaftsgut, nicht Gut des egoistischen +Willens, sittliches Gut, höchstes Gut. +</p> + +<p rend="content-abschnitt"> +Vierter Abschnitt: <hi rend='bold'>Umfang unseres Wissens.</hi> +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Neunzehnte Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Schranken unseres Erkennens <ref target="Pg45">45</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Unterschied von Kategorien und Prädikabilien, der Kategorie Eigenschaft +und der Prädikabilie Proprietät. Verhältnis der Eigenschaft +zum Ding verglichen mit dem Verhältnis des Anfangenden zum Ermöglichungsgrund. +Das Wesen sicher eine Kategorie, auch das +ausserwesentliche Zufällige und Notwendige gehört doch zum +Seienden und ist insofern Kategorie. Wann Gattung und Art +Prädikabilien sind. Verschiedenheit, Gleichheit. Zahl Prädikabilien, +Einheit sicher Kategorie. Die Endlichkeit als seiendes Nichtsein. +Raum und Zeit, die Formalkategorien, Substanz und Kausalität, +die Realkategorien, enthalten Raum und Substanz in der Berührung, +Zeit und Kausalität in dem Übergang, ein dem Denken +inkommensurables, von ihm nicht aufzuhellendes Element. Wo +diese Kategorien eine Rolle spielen, da kann, sofern dieses Element +in Frage kommt, von Einsicht und Erkenntnis keine Rede sein. +Was haben Raum und Zeit für eine Bedeutung, da sie einerseits +als Formalkategorien das Sein der Dinge in keiner Weise vermehren +und anderseits doch die Principien der Individuation +bilden, durch die das Wirkliche seine Wirklichkeit erhält, da +alles Wirkliche Einzelwirklichkeit ist? Die Wirklichkeit eine +Realkategorie, da sie auf dem wirklichen Akt der göttlichen +Selbstentäusserung beruht, der den wirklichen Dingen eine +Selbständigkeit leiht, die ihnen eigentlich nicht zukommt. Inwiefern +<pb n='XV' /> +ist das Wahre wirklich? Insofern Gott es nicht bloss denkt, +sondern will? Der Schöpfungsakt ein Akt der Selbstentäusserung. +Symbolische Bedeutung von Raum und Substanz – scheinbare +Selbständigkeit, Unendlichkeit. Symbolische Bedeutung von Zeit +und Kausalität – thatsächliche Abhängigkeit, Beschränktheit. +Hat die Negation eine reale Bedeutung? +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Zwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Die Erkenntnis der Aussenwelt <ref target="Pg51">51</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Keine Erkenntnis der Beschaffenheit der äusseren Dinge möglich. +Psychologische Erklärung der Zusammensetzung der sogenannten +sinnfälligen Wirklichkeit. Ort der Dinge im Raum, wodurch +bestimmt. Die Dinge sind keine blossen Sinnenbilder, Vorstellungen +oder fortdauernde Möglichkeiten von Empfindungen. +<hi rend='italic'>Unmittelbare</hi> Evidenz der Existenz dieser Dinge, die nicht nach +dem Kausalitätsgesetz erschlossen werden kann. Der Begriff der +Ursache spielt in der Wahrnehmung keine Rolle. Die Naturdinge +sind verschieden von Raum und Zeit, von Substanz und +Kausalität, die nur zur Erscheinungsform der Dinge in unserm Bewusstsein +gehören. Sie sind Gedanken Gottes, wie wir nach dem +Einheitsgesetz schliessen. Es giebt keine unmittelbare Evidenz +von der Nichtexistenz solcher Dinge. Beweis für ihre Existenz. +Abstrakte Trennung von Leib und Seele bei Cartesius und in der +Psychologie: Empfindungen als blosse Bewusstseinsvorgänge, Anfangszustände +des Bewusstseins. Definition der Empfindungen +ohne körperliche Vorgänge unmöglich. Weder für das entwickelte +Bewusstsein noch für das des Kindes sind sie blosse +Empfindungen. Objektivationstheorie – Ersatz dafür. Empfindungen +nicht als Empfindungen gegeben, sondern als Erkenntnismittel. +Platons Schwungbrett. Aristoteles: kein Begriff ohne Phantasiebild. +Verbindung unseres Bewusstseins nicht bloss mit unserm +Körper, sondern auch mit der Körperwelt überhaupt. Wie weit +reicht unsere Erkenntnis der Körperwelt? +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Einundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins <ref target="Pg58">58</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Brentano über die äussere und innere Wahrnehmung. Bewusstheit +uneigentliches Wesen. Auf Grund der Reflexion gewinnen +wir eine Einsicht in die wirkliche Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge. +Die angewendeten Vorstellungen ursprünglich +sinnliche, aus dem sinnlichen Gebiet entlehnte, übertragene, bildliche. +Was ist sinnliches Gebiet? Inwiefern wird dasselbe durch +die Empfindungen konstituiert? Nicht insofern sie Gegenstand +der Reflexion sind. Falsch, dass wir von den Bewusstseinsvorgängen +blosse Vorstellungen haben. Übertragung der sinnlichen +<pb n='XVI' /> +Vorstellungen durch den Blick des Geistes für das Wesentliche, +nicht in Urteilen. Methode der Psychologie: Isolierung der Empfindungen, +Isolierung der Bewusstseinsvorgänge. Übergreifender +Charakter der Bewusstseinsvorgänge schon für das Zustandekommen +der Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung notwendig. +Einheit des Bewusstseins. Einsicht in die Zusammengehörigkeit +mancher Bewusstseinsvorgänge, in die Zugehörigkeit +zu unserm Bewusstsein. Erinnerung, was sie ist. Vergleich mit +der Wahrnehmung. Warum wir bei beiden nicht von Einsicht +sprechen. Unter welchen Vorbehalten bestehen auch die Erinnerungen +in Einsichten? Einsicht in die Lückenhaftigkeit unserer +Erinnerungen, wodurch ermöglicht? Selbstbewusstsein ist Einsicht +in die Zusammengehörigkeit des Bewusstseins mit unserm Ich. +Humes Irrtum. Was das Ich ist, wissen wir nicht. Leibliches +Ich. Ich getrennt vom Leib d. h. von dem Leibe wie er seinem +Wesen nach ist ein Abstraktum. Einsicht in die Zusammengehörigkeit +unserer Bewusstseinsvorgänge mit unserm Ich. Vergleich +der Erkenntnis der Aussenwelt mit der Erkenntnis unserer eigenen +Bewusstseinsvorgänge. Bei den Bewusstseinsvorgängen fällt die +Erscheinung derselben im Bewusstsein mit dem Wissen, das sie +von sich selbst haben, also mit ihnen selbst zusammen. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Zweiundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Weitere Schranken unseres Erkennens <ref target="Pg64">64</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Keine Erkenntnis des Wesens der Aussendinge und Bewusstseinsvorgänge, +ihrer Stellung im System der Wahrheit. Die Zahl der +blinden Wissensinhalte unübersehbar gross. Blosse Kenntnisse +keine Erkenntnisse – Zusammengeratenes nicht Zusammengehörendes. +Associative Wissensinhalte – alles Namen- und Wortewissen +von dieser Art. Induktionsschluss ergiebt eine auf Einsicht +beruhende Wahrscheinlichkeit. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Dreiundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Die Erkenntnis der Innenwelt anderer <ref target="Pg66">66</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Nicht durch einen Schluss der Analogie vermittelt, sondern<lb/> unmittelbar +bei Kindern und Erwachsenen. Ansteckende Wirkung der +Bewusstseinsäusserungen und Bewusstseinszustände. Actio in +distans. Immediatum commercium animarum. Aristoteles, Locke, +Pestalozzi als Zeugen für die Grenzen unserer Erkenntnis +anderer. Wesen der Religiosität: positive Seite der Moral, persönliches +Verhältnis. Selbsterkenntnis inwiefern schwieriger als +die Erkenntnis anderer. Einsichtige Urteile über die sittliche +Beschaffenheit anderer möglich. Verehrungssinn. Worte ungewollte +Selbstbeurteilungen. +</p> + +<pb n='XVII' /> + +<p rend="content-subhead"> +Vierundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Geschichtliche Erkenntnisse <ref target="Pg70">70</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Ist Glauben als Fürwahrhalten auf das Zeugnis anderer minderwertig +gegenüber dem Wissen? Mitgeteilte Urteile keine von uns gefällten +Urteile. Äussere Einsicht in die Wahrheit vermittelt +durch die Einsicht, dass der Mitteilende die Wahrheit sagen kann +und sagen will. Statt Glauben und Wissen zu unterscheiden +sprechen wir von Kenntnissen erster und zweiter Hand. +Believe, faith. Glauben im religiösen Sinne. Kenntnisse zweiter +Hand weitaus überwiegend. Begriffs- und Thatsachenurteile nach +ihrem Erkenntniswert. Erkenntniswert der Naturwissenschaften, +der Geschichte. Natur eine gebrochene Einheit, in der Geschichte +haben wir eine wirkliche Vielheit. Das Einzelne in der Natur +hat keinen Eigenwert, nur wertvoll als Exemplar einer Gattung. +Vom Körperlichen als solchem haben wir keine eigentlichen Erkenntnisse, +wohl aber von den Beweggründen und Triebfedern +menschlicher Handlungen. Das Körperliche hat im Geistigen +seinen Zweck, das Umgekehrte unmöglich. Zweckbegriff von den +Anhängern der mechanischen Naturauffassung durch die Entwicklungstheorie +wieder eingeführt. Die Zielstrebigkeit des +Aristoteles wird auf die Natur als Ganzes angewendet. Woher +die Anpassung? Aristokratisches Prinzip in der Natur: nicht das +Stärkere siegt der Regel nach, sondern das Vollkommenere. +Entwicklung in der Natur sehr langsam, in der Geschichte augenscheinlich. +Fortschritte in der Geschichte auf intellektuellem und +religiösem Gebiete. Herstellung von Einheiten in Natur und +Geschichte wie verschieden! Dort Mittelpunkte, Systeme des Aussereinanderliegenden, +hier bewusste Einheiten vieler Personen. +Persönlichkeiten in der Geschichte Träger von Ideen, damit +Triebkräfte der Entwicklung. Neues in der Entwicklung: ex nihilo +fit nihil. Bedeutung des Individuums in der Geschichte. +</p> + +<p rend="content-subhead"> +Fünfundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration <ref target="Pg77">77</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Erfahrung, Vernunft und Offenbarung. Inspiration verschieden von +dem Blick für das Wesentliche, von der schöpferischen Einbildungskraft. +Künstlerindividualität. Intuitionen. Einfallen von +Gedanken. Inspirationen: Zusammengehörigkeiten höherer Art, +aufgedrängte, aufgenötigte Gedanken, Ergänzungen des Blicks für +das Wesentliche, – noch keine Erkenntnisse. Zwei unverifizierbare +Eingebungen über das Wesen des Körperlichen. Einbildungen +und Eingebungen. Letztere stammen aus dem Reich +der Wahrheit, mit dem wir zusammenhängen. Zwei Erkenntnisquellen +als Ausgangspunkte für das Erkennen: a) Erfahrung, +aa) Empfindungen, bb) Bewusstseinsvorgänge, b) Eingebungen. +Erkenntnis nur durch das Denken möglich. +</p> +<pb n='XVIII' /> + +<p rend="content-subhead"> +Sechsundzwanzigste Untersuchung. +</p> + +<p rend="content-ptr"> +Religiöse Erkenntnisse <ref target="Pg82">82</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Religion was sie ist. Inspiration von Religion unabtrennbar – sie +giebt den Philosophen interessierende Weltanschauungen. Religion +eine praktische Angelegenheit, hat bestimmte theoretische Voraussetzungen. +Diese sind nicht darum wahr, weil sie sich bewähren: +a) Ausprobieren unmöglich, b) Wirkungen auch rein +psychologisch bei falschen Voraussetzungen möglich. Religion +nicht bloss Sache des Gefühls. Das intellektuelle Element der +Religion, richtig verstanden, nicht bloss Voraussetzung der Religion +sondern ihr Wesen, sofern dieses in ihrer Wahrheit besteht. Die +Wahrheit an sich das höchste Gut. Darum Gott die Wahrheit. +<hi rend='italic'>Für uns</hi> ist Sittlichkeit ein höheres Gut. Fides quaerens intellectum. +Notitia, fiducia, assensus. Der Inspirierte kann davon +eine Einsicht gewinnen, dass er eine Inspiration empfangen hat. +Die Verkündigung der Inspiration als von Gott stammend – Offenbarung. +Mittelbare äussere Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung +vermittelt durch die Einsicht, dass der Verkündende die +Wahrheit weiss und sagen will. Massgebend und entscheidend +hierfür die sittliche und religiöse Beschaffenheit des Verkündigers. +Äussere Einsicht vom religiösen Gesichtspunkte aus der inneren +vorzuziehen. +</p> + +<p rend="margin-left:4"> +Schluss <ref target="Pg87">87</ref> +</p> + +<p rend="content-arg"> +Alle Wahrheit wegen ihrer ewigen Bedeutung – Metaphysik. Wer +diese leugnet, muss auch die überzeitliche Geltung und damit +die Allgemeingültigkeit der Wahrheit für alle Denkenden leugnen – er +verfällt dem Skepticismus. a) Empiristischer, b) rationalistischer +Wahrheitsbegriff. Beide setzen den metaphysischen Wahrheitsbegriff +voraus. Nach jenem lässt sich nur entscheiden, was wahrscheinlich +ist, nach diesem nur, was möglicherweise wahr ist. +Jener ist nützlich für die Sicherung unserer Lebenszwecke, dieser +für die Verwirklichung eines Erkenntnisideals. Ein Prüfstein der +Wahrheit ist weder der eine noch der andere. +</p> + +<p> +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Druckfehler:</hi> +</p> +<p> +Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche <hi rend='bold'>Veränderliche</hi>. +</p> +</div> + +<div rend="page-break-before: always"> +<pb n="01"/><anchor id="Pg1"/> +<index index="pdf" /> +<head>Die Wahrheit und unser Wissen.</head> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + +<div> +<index index="pdf" /> +<head rend="body-teil"> +Erster Hauptteil.<lb /> +<lb /> +Die Wahrheit. +</head> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + +<div> +<head rend="body-abschnitt"> +Erster Abschnitt. <lb /> +<lb /> +Was ist Wahrheit? +</head> + +<div> +<head rend="body-subhead"> +Erste Untersuchung. </head> +<p rend='body-subhead2'> +Die herkömmliche Definition der Wahrheit. +</p> + +<p> +Seit Cartesius spielt der Gedanke einer gegensätzlichen +Trennung von Leib und Seele in der Philosophie eine Rolle. +In ähnlicher Weise hat seit Kant der Gedanke einer gegensätzlichen +Trennung des Erkennens und seines Gegenstandes +die Philosophen beschäftigt, und zwar verstanden sie unter +Gegenstand das sogenannte Ding an sich oder den Gegenstand, +wie er unerkannter Weise ist. Beide Gedanken sind der +Aristotelischen und mittelalterlichen Philosophie fremd. Der +letztere Gedanke führt zu einer Auffassung der gewöhnlichen +Definition der Wahrheit, welche jede Erkenntnis der Wahrheit +unmöglich macht. Nach dieser Definition nämlich, auf +die alle Erörterungen über die Wahrheit vielfach unbewusst +und unfreiwillig zurückkommen, besteht die Wahrheit in der +<hi rend='italic'>Übereinstimmung des Erkennens mit seinem Gegenstande</hi>. +Fassen wir hier Gegenstand in seiner gegensätzlichen +Trennung vom Erkennen als das Unerkannte oder +so wie er unerkannter Weise ist, so kann von einer Erkenntnis +der Wahrheit keine Rede mehr sein; denn der Gegenstand +kommt uns doch nur innerhalb unsrer Vorstellungen und Gedanken, +also vermittelt durch unser Erkennen, zum Bewusstsein. +<pb n="02"/><anchor id="Pg2"/> +Was er abgesehen davon sein mag, darüber wissen wir +nichts. Aber muss in jener Definition der Wahrheit das Wort +Gegenstand notwendig im Sinne des unerkannten Gegenstandes, +wie er unerkannter Weise ist, genommen werden? Wir werden +der Absicht der gewöhnlichen Definition der Wahrheit gerecht, +wenn wir den Gegenstand als das betrachten, was vom +Erkennen weder gemacht noch geändert wird und insofern +vom Erkennen unabhängig ist. Damit steht aber nicht im +Widerspruch, wenn wir an einer unlösbaren Verbindung des +Erkennens mit seinem Gegenstande festhalten und insofern +von einer wechselseitigen Abhängigkeit einerseits des Erkennens +vom Gegenstande und anderseits des Gegenstandes vom Erkennen +reden. Wenn das Erkannte auch nicht <hi rend='italic'>durch</hi> das +Erkennen ist, so bleibt doch die Annahme möglich, dass es +nicht <hi rend='italic'>ohne</hi> das Erkennen sein kann und insofern von ihm +abhängig ist. Ausgeschlossen ist hierbei die rationalistische +Annahme, dass das Erkennen seinen Gegenstand aus sich selbst +schöpft; aber auch die empiristische Annahme ist unrichtig, +dass dem Erkennen sein Gegenstand einfach gegeben wird. +Das Gegebene ist noch nicht das Erkannte; das Erkennen darf +den Gegenstand weder erzeugen oder auch nur ändern, noch +kann es ihn als Unerkanntes als Ding an sich erfassen. +</p> + +<p> +Indes ganz abgesehen davon können wir die Definition, +wie sie gewöhnlich gegeben wird, nicht gebrauchen, schon +wegen der Unbestimmtheit und Vieldeutigkeit des Wortes +»Gegenstand«, und es würde daran auch dann nichts geändert, +wenn wir dieses Wort durch das nicht minder unbestimmte +und vieldeutige »Wirklichkeit« ersetzten. <hi rend='italic'>Für uns giebt es +nur einen Gegenstand des Erkennens, und das ist +die Wahrheit.</hi> Wir nehmen an, dass wir die Wahrheit erkennen +können, erklären uns aber ausser Stande, von dem was +Wahrheit ist, eine Definition zu geben. Wenn wir aber auch +keine eigentliche Definition von dem Begriff der Wahrheit zu +geben vermögen, so können wir doch wenigstens ein Merkmal +dieses Begriffs aufweisen und in ihm uns seinen Inhalt vergegenwärtigen. +Das Merkmal ist freilich kein letztes Unterscheidungsmerkmal, +aber doch ein wesentlicher, wenn nicht +der wesentlichste Bestandteil des Begriffs der Wahrheit. Wir +<pb n="03"/><anchor id="Pg3"/> +können ferner auch ein Kennzeichen der Wahrheit angeben, +an dem wir Wahrheit und Falschheit unterscheiden, und damit +den Umfang dieses Begriffs bestimmen. Wie so oft muss auch +hier die genauere Bestimmung des Umfangs einen Ersatz bieten +für die unzulängliche Festsetzung des Inhalts. Das Kennzeichen +ist freilich nur ein äusseres, aber als einziges unterscheidendes +Kennzeichen nicht bloss praktisch unentbehrlich, sondern auch +von entscheidender Wichtigkeit. +</p> +</div> + +<div> +<head rend="body-subhead"> +Zweite Untersuchung.</head> +<p rend='body-subhead2'> +Der überzeitliche Charakter der Wahrheit. +</p> + +<p> +Aus Thatsachen und Gedanken, d. h. aus dem Vorgefundenen +und aus unsren nicht willkürlichen sondern dem Vorgefundenen +entsprechenden Zuthaten, bauen sich die Wissenschaften +auf. Wenigstens ist in dem, was wir Thatsachen +nennen, das Vorgefundene das herrschende Element, während +in den Gedanken das Vorgefundene gegen die Zuthaten zurücktritt. +Zu den Gedanken gehören auch die Begriffsurteile oder +Begriffssätze wie: weiss ist nicht schwarz, ein Viereck nicht +rund, ein gleichseitiges Dreieck gleichwinklig, zwei kleiner als +drei usw., die das Gebiet der logischen und mathematischen +Wahrheiten umfassen. Sie sind vollkommen wahr, auch wenn +die Glieder, die sie miteinander verbinden, gar nicht existieren; +auch wenn es so etwas wie weiss und schwarz, Viereck und +rund, gleichseitiges und gleichwinkliges Dreieck, zwei und drei +in Wirklichkeit gar nicht giebt, so bleibt doch die in diesen +Urteilen ausgedrückte Beziehung durchaus wahr. Sie ist +ewig gültig, ihre Wahrheit hat einen überzeitlichen Charakter. +</p> + +<p> +Richtig verstanden gilt das aber von allen Urteilen, die +eine Wahrheit zum Ausdrucke bringen. Die Thatsachen unsres +Bewusstseins, von denen nur wir allein jeder für sich +Kenntnis haben können, und alle übrigen Thatsachen von mehr +oder minder langer Dauer – wie sie z. B. in den Urteilen: ich +freue mich jetzt, oder: die Lampe steht auf dem Tische, ausgedrückt +werden – können nur wirklich oder wahr sein, wenn +dies, dass sie jetzt oder eine zeitlang bestehen, für alle Zeiten +gilt. Alle Wahrheit, auch die anscheinend nur einen Augenblick +oder eine kurze Zeit bestehende, hat einen überzeitlichen +<pb n="04"/><anchor id="Pg4"/> +Charakter. Sie hat trotz ihres scheinbar kurzen Bestandes eine +ewige Gültigkeit. Nur darum ist sie Wahrheit. +</p> +</div> + +<div> +<head rend="body-subhead"> +Dritte Untersuchung.</head> +<p rend='body-subhead2'> +Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit. +</p> + +<p> +Aber wie ist das möglich? Nur dadurch, dass auch die +vergängliche Thatsache eine ewige Bedeutung hat, aus der +sich ihr Hervortreten in der Zeit erklärt. Nur aus dieser ihrer +ewigen Bedeutung, die ihre zeitliche Existenz bedingt und begründet, +folgt notwendigerweise der überzeitliche Wahrheitscharakter +der Thatsache. Eine ewige Bedeutung kann aber +der zeitlichen und vergänglichen einzelnen Thatsache nicht als +solcher in ihrer Vereinzelung sondern nur als Glied eines +grösseren über ihre Zeitlichkeit und Vergänglichkeit hinausgehenden +Ganzen zukommen; nur als Teil der Gesamtwirklichkeit, +die als Ganzes wenigstens über die Zeitlichkeit und +Vergänglichkeit ihrer Teile hinausgeht. Schon im gewöhnlichen +Leben sprechen wir bei Thatsachen nur von Wahrheit, wenn +sie in den Zusammenhang des Wirklichen aufgenommen werden +können und durch ihre Stellung in diesem Ganzen eine Bedeutung +gewinnen. Dass ein Stein am Wege liegt, eine Person uns +begegnet, nennen wir schwerlich eine Wahrheit, ausser wenn +die Betonung dieses Sachverhalts aus andren Gründen etwa +wegen eines gerichtlichen Verfahrens wichtig ist. Jedenfalls +werden wir uns den Wahrheitscharakter der Thatsachen, der +notwendig ein überzeitlicher ist, nur zum Bewusstsein bringen +können, wenn wir sie der zufälligen Äusserlichkeiten, insbesondere +ihrer Vereinzelung zu entkleiden und mit Spinoza zu +reden sub specie aeternitatis zu betrachten suchen. Ob und inwiefern +dies Streben von Erfolg gekrönt ist oder zu inhaltlich +bedeutsamen Erkenntnissen führt, mag fraglich bleiben; aber +davon hängt natürlich die notwendige Überzeitlichkeit des +Charakters der Wahrheit nicht ab. +</p> + +<p> +Eine Folgerung drängt sich auf: das Gelten steht höher +als das Existieren; das Existieren ist nur möglich durch das +Gelten. Mit andren Worten: die Wahrheit steht höher als +die Wirklichkeit und die Wirklichkeit ist nur Wirklichkeit +durch die Wahrheit. Aber was ist Wirklichkeit, abgesehen +von ihrer Wahrheit? +</p> +</div> + +<pb n="05"/><anchor id="Pg5"/> +<div> +<head rend="body-subhead"> +Vierte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden. +</p> + +<p> +Was für alle Zeit gilt, gilt natürlich auch für alle Denkenden. +Es giebt entweder keine Wahrheit, oder aber sie gilt für +alle Denkenden. Die Wahrheit ist nicht ein Erzeugnis der menschlichen +Organisation überhaupt oder jeder einzelnen menschlichen +Organisation insbesondere, sodass sie nur für die Menschen gälte +oder gar für jeden einzelnen Menschen eine andere und besondere +wäre. Alle Erkenntnis hat nur Einen Gegenstand, das +ist die Eine Wahrheit, die für alle Erkennenden dieselbe ist. +Damit ist aber keineswegs gesagt, dass die Wahrheit unabhängig +vom Erkennen sei im Sinne der Transcendenz oder des +Dinges an sich. Bei einer solchen Unabhängigkeit hörte die +Wahrheit auf, Gegenstand des Erkennens zu sein. Die unauflösliche +Verbindung der Wahrheit mit dem Erkennen muss +festgehalten werden, wie immer diese Verbindung zu denken +ist. Ausserdem wird man von einer Abhängigkeit der Wahrheit +vom göttlichen Denken oder – wenn man diesen Ausdruck +vorzieht – vom »Bewusstsein überhaupt« und auch vom +menschlichen Denken reden dürfen, vorausgesetzt, dass das +menschliche Denken, wenn es wahr ist, eins mit dem göttlichen +ist. +</p> + +<p> +Gilt die Wahrheit, auch wenn wir sie nicht erkennen? +Gilt das Gesetz der Gravitation, ehe es Newton entdeckte? +Zweifellos! Aber was heisst das anders, als dass diese Wahrheit, +wie alle andren, einen überzeitlichen Charakter hat, dass +sie ewig gilt! Muss man dann aber nicht schliessen, dass die +Wahrheit vorhanden sein kann, ohne unser Erkennen? Wir +dürfen nicht vergessen, dass auch unser Erkennen, wie alle +Thatsachen, einen überzeitlichen Charakter hat. Gewiss, es +hat einen Anfang, es erlebt Veränderungen, gehört also der +Zeit an, wie alle zeitlichen Thatsachen. Aber wir wissen nicht, +wie sich später zeigen wird, was es mit der Zeit auf sich hat, +obgleich wir ihr die Bedeutung nicht absprechen. Sicher ist, +dass das Zeitliche vom Ewigen abhängig ist, dass es in seinem +Hervortreten in der Zeit durch das Ewige bedingt und bestimmt +ist. Das gilt auch von unsrem Erkennen. Aber nicht +minder sicher ist, dass dieses Hervortreten in der Zeit auch +<pb n="06"/><anchor id="Pg6"/> +eine ewige Bedeutung hat, und das verbürgt uns seine unauflösliche +Verbindung mit der Wahrheit, in der allein diese +ewige Bedeutung ihren Grund haben kann. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Fünfte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die Wahrheit und das Urteil. +</p> + +<p> +In jedem Urteile haben wir ein Bewusstsein der Wahrheit, +wenn auch nur einschliesslich und der Sache nach. Ausdrücklich +und der Form nach ist dies allerdings nur der Fall +in dem Urteile: Es ist wahr, dass dies oder jenes zutrifft! Natürlich +handelt es sich hierbei nicht immer um ein Bewusstsein +der wirklichen, sondern oft auch nur der bloss vermeintlichen +Wahrheit. Dieses Bewusstsein geht seinem Sinne nach stets +über die Verbindung der Vorstellungen im Urteile hinaus und +weist auf einen Sachverhalt hin, der in der Verbindung der +Vorstellungen zum Ausdrucke kommen soll, aber von ihr verschieden +ist. Wir nennen das die Beziehung des Urteils auf +die Objektivität, und diese ist mit dem in ihm enthaltenen Bewusstsein +der Wahrheit ein und dasselbe. +</p> + +<p> +Wenn man das Urteil Ausdruck eines Sachverhalts nennt +und darunter eben nur diese Beziehung auf die Objektivität +oder das Bewusstsein der Wahrheit versteht, so ist dagegen +nichts einzuwenden. Falsch wäre es aber, wenn man das +Wort Ausdruck im Sinne einer Nachbildung des Sachverhalts +verstehen wollte. Das im Urteil sich darstellende Erkennen +ist keineswegs eine bloss müssige Wiederholung der Wirklichkeit, +ein blosses Spiegelbild derselben. Dem Bilde ist es +eigentümlich, eine Sache so wiederzugeben, wie sie unabgebildeter +Weise ist. Wäre das Erkennen ein blosses Bild der +Wahrheit, so würde es die Wahrheit wiedergeben, wie sie +unerkannter Weise ist. Die Wahrheit würde zum unerkennbaren +Ding an sich. Im Erkennen haben wir nicht ein blosses +Bild der Wahrheit sondern die Wahrheit selbst. Es ahmt sie +nicht nach (homoiosis), sondern nimmt an ihr teil (koinonia), sie +ist in ihr gegenwärtig (parusia). Wir nehmen im Erkennen +die Wahrheit selbst in Besitz, nicht bloss ihr Spiegelbild, ihren +Abdruck im Bewusstsein. Davon überzeugt uns immer wieder +die Reflexion auf den Erkenntnisvorgang. +</p> + + +<pb n="07"/><anchor id="Pg7"/> + +<p> +Wichtig ist, dass wir im Urteile nicht bloss über die in +ihm vorhandene Verbindung der Vorstellungen hinausgehen, +sondern mit unsrem Denken oder, wenn wir auch das falsche +Urteil berücksichtigen wollen, wenigstens in Gedanken in die +überzeitliche, ewige Welt, die für alle Denkenden in gleicher +Weise gilt, hineinreichen und mit ihr im Zusammenhange +stehen. Das ist die Bedeutung der Beziehung auf die Objektivität, +die mit dem Bewusstsein der Wahrheit ein und dasselbe +ist. Diese überzeitliche, ewige, für alle Denkenden +gleicherweise geltende Welt ist die Welt, das Reich oder auch +die Region, das System der Wahrheit. Jeder Urteilende tritt +mit jedem Urteil in dieses allem sinnlichen Scheine nicht bloss +sondern auch allem Vergänglichen, <corr sic="Unveränderlichen">Veränderlichen</corr> so entgegengesetzte +Gebiet ein und fasst in ihm festen Fuss. +</p> + +<p> +Unsere Darlegung erinnert nicht bloss an Spinoza, der +alles sub specie aeternitatis betrachten will, sondern auch an +Augustins veritates aeternae et immutabiles, die ihren Grund +nicht in dem veränderlichen menschlichen Denken und ebensowenig +in den veränderlichen Dingen der Welt sondern nur +in Gott haben können. Sie erinnert ferner an den Satz von +Nikolaus von Cues, der wieder an Eckhart anklingt, dass die +ideelle Existenz der Dinge (in dem Gedanken Gottes) wahrer +ist als die in Raum und Zeit erscheinende körperliche Existenz. +Sie erinnert endlich ganz besonders an die Ideenlehre Platons. +Das, was wir Wahrheit nennen, ist in der That eine Platonische +Idee, oder sie umfasst vielmehr die ganze Ideenwelt Platons, +welche die Erscheinungswelt in ihrem Sein bedingt. +</p> +</div> +</div> + +<div> +<head rend="body-abschnitt"> +Zweiter Abschnitt. <lb /> +<lb /> +Die Wahrheit und das Wesen der Dinge. +</head> + +<div><head rend="body-subhead"> +Sechste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Wesentliche und nicht wesentliche Merkmale. +</p> + +<p> +Das Erkennen ist auf das Wesentliche gerichtet. Sein +Ziel ist das Wesen der Dinge. Das Wesentliche soll im Gegensatz +stehen zu dem Zufälligen und scheint dann als das Notwendige, +Unentbehrliche betrachtet zu werden. Es fragt sich, +wem notwendig, wem unentbehrlich? Natürlich dem Begriff +<pb n="08"/><anchor id="Pg8"/> +des Dinges (Ding im allgemeinsten Sinne genommen, in dem +es auch Eigenschaften, Vorgänge und Beziehungen umfasst). +Allein, fragen wir weiter, woraus besteht der Begriff? so lautet +die Antwort: aus den wesentlichen Merkmalen. Durch Zurückgreifen +auf den Begriff kommen wir in der Erkenntnis dessen, +was unter wesentlich zu verstehen ist, nicht weiter. +</p> + +<p> +Jedenfalls setzt die Unterscheidung wesentlicher und zufälliger +Merkmale die Annahme eines Wertunterschieds unter +den Merkmalen voraus. Und an dieser Annahme wird festgehalten +werden müssen. Schon wenn wir von der Gestalt +und Grösse der Ausdehnung, von der Höhe und Stärke eines +Tones, von der Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung +reden, tritt dieser Wertunterschied deutlich hervor. Das erstgenannte +Merkmal ist das vorzüglichere, dem das zweite als +Eigenschaft untergeordnet wird. Aber nicht das Umgekehrte +gilt. Man kann den Kaukasier nicht definieren als ein menschliches +Weisses, den Menschen nicht als ein zweibeiniges und +zweihändiges oder als ein zweifüssiges ungefiedertes Wesen, +wenn gleich diese Definitionen eine Unterscheidung des Kaukasiers +von den andern Menschentypen und des Menschen von +allen andern Dingen ermöglichen. Warum nicht? Weil die +weisse Farbe, die Zweifüssigkeit, Ungefiedertheit keine wesentlichen +Merkmale bilden, das Weiss-Sein ausserdem sich dem +Mensch-Sein nicht überordnen lässt. Die Alten hatten recht, +wenn sie im Anschluss an Porphyrius nicht unterschiedslos +alle Merkmale, die einem Dinge und nur ihm zukommen, in +seine Definition aufgenommen wissen wollten, sondern nur gewisse +wertvolle, die sie die wesentlichen nannten. Auch darin +hatten sie recht, wenn sie von den wesentlichen Merkmalen +nicht bloss die zufälligen, wie z. B. die Farbe beim Menschen, +unterschieden, sondern auch die notwendigen, die sogenannten +Proprietäten. Was notwendig zum Wesen des Menschen gehört, +wie z. B. die Zweifüssigkeit, ist darum noch nicht ein +Bestandteil dieses Wesens. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Siebente Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale? +</p> + +<p> +Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass wir weder die einer +Reihe von Dingen gemeinsamen, sogenannten allgemeinen +<pb n="09"/><anchor id="Pg9"/> +Merkmale, noch die im Laufe der Entwicklung eines Dinges +sich gleichbleibenden sogenannten konstanten Merkmale mit +den wesentlichen verselbigen dürfen. Es bedarf ferner nicht eines +Durchlaufens einer Reihe von gleichen oder ähnlichen Dingen +oder der Entwicklungsphasen ein und desselben Dinges um +das Wesentliche an ihnen zu entdecken. Freilich kann nicht +geleugnet werden, dass dieses Verfahren der Generalisation +die Auffindung der wesentlichen Merkmale häufig unterstützt. +Sind die Umstände und Verhältnisse der Gegenstände, um +deren Erkenntnis es sich handelt, sehr verwickelt und schwer +überschaubar, so mag es unentbehrlich sein, aber doch nur für +die Ausscheidung der unwesentlichen Merkmale, nicht unmittelbar +für die Auffindung der wesentlichen. Die Abstraktion ist +natürlich früher als die Generalisation, weil deren Bedingung. +Durch die Abstraktion gewinnen wir unter andrem auch die +wesentlichen Merkmale. Eine kleine Menge Wasser genügt +dem Chemiker, die Zusammensetzung des Wassers, alles Wassers +aufzuweisen, eine einzige, beliebig gewählte Dreiecksfigur +dem Mathematiker, die Eigenschaften aller Dreiecke darzuthun. +Das bekannte Verfahren der Induktion, bei der von einer +grösseren oder geringeren Zahl von Einzelfällen ausgegangen +und aus ihnen mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit +auf einen allgemeingültigen Sachverhalt geschlossen wird, +kommt ebenso wie das Verfahren der Generalisation nur dann +zur Anwendung, wenn die Umstände und Verhältnisse sehr +verwickelt und schwer überschaubar sind. »Die wahre Methode +geht« nach Liebig (von Liebig, Franz Bacon und die Methode +der Naturwissenschaften 1863 S. 47) »vom einzelnen Falle, +nicht von vielen Fällen aus«. Das deutet auch Goethe an, wenn +er (W. XXII. S. 264) sagt: »Was ist das Allgemeine? Der +einzelne Fall. Was ist das Besondere? Millionen Fälle.« +</p> + +<p> +Indes, was ist denn das Mittel für die Erfassung des +Wesentlichen? Ein einfacher Blick des Geistes, über den +freilich keineswegs jedermann verfügt. Eine grosse Anzahl +selbst von den wissenschaftlichen Forschern hängen an Einzelheiten, +Äusserlichkeiten, dringen nicht ein in den Kern der +Sache, nicht in das, worauf es ankommt. Der Blödsinnige und +Dumme ermangelt dieses Blickes gänzlich. Jener bleibt mit +<pb n="10"/><anchor id="Pg10"/> +seinem sprunghaften Denken keinen Augenblick bei derselben +Sache, dieser sieht, wie man zu sagen pflegt, vor lauter Bäumen +den Wald nicht. Insbesondere zeigt dies der Ungebildete durch +Heranziehung aller, auch der gleichgültigsten Nebenumstände +bei Darstellungen und Erzählungen. Ihnen allen fehlt der +Blick des Geistes für das Wesentliche. +</p> + +<p> +Etwas dieser eigentümlichen Funktion des Bewusstseins +Ähnliches haben wir in dem, was man in der Wissenschaft +als Aperçu oder Intuition bezeichnet. Man muss darunter auch +einen, wie man sagt, vorausschauenden Blick des Geistes verstehen, +durch den die wissenschaftlichen Ergebnisse, die das +Ende einer längren Gedanken- und Forschungsarbeit bilden +und sie zum Abschlusse bringen, vorweggenommen oder unmittelbar +aufgefasst werden. Freilich ist diese Vorwegnahme +oder unmittelbare Auffassung keineswegs schon eine Erkenntnis. +An sie anschliessend nimmt die eigentliche wissenschaftliche +Gedanken- und Forschungsarbeit erst ihren Anfang, zunächst +sozusagen bloss probierend und tastend. Aber dieses eigentliche +wissenschaftliche Verfahren erhält doch durch das im +voraus erfasste Ergebnis seine Richtung und sein Ziel. Ihm +liegt die Aufgabe ob, für das Aperçu oder die Intuition den +Beweis zu führen und sie dadurch zu einer wirklichen Erkenntnis +zu erheben. Wir werden bald sehen, dass der Blick +des Geistes, durch den wir die wesentlichen Merkmale gewinnen, +darin mit dem wissenschaftlichen Aperçu und der +wissenschaftlichen Intuition Ähnlichkeit hat, dass wir durch +ihn und für sich allein noch keineswegs Erkenntnisse gewinnen. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Achte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus den sinnlichen (vorstellungsmässigen) abzuleiten. +</p> + +<p> +All unsrem Erkennen liegen Sinnenbilder zu Grunde. Auf +das in den Empfindungen gegebene, das Sinnliche, Sinnfällige, +muss, sei es zur Begründung, sei es zur Verdeutlichung +unsrer Erkenntnisse, immer zurückgegriffen werden; zur Verdeutlichung +insbesondere dann, wenn es sich um die Erkenntnis +des Nichtsinnlichen, Geistigen handelt. Die Grundbestandteile +dieses Sinnlichen, Sinnfälligen bilden die Sinnenbilder der +<pb n="11"/><anchor id="Pg11"/> +Ausdehnung und Bewegung. Von beiden haben wir Tast- und +Gesichtsbilder, auch von der Bewegung (etwa die Berührungsempfindungen +von einem über die Hand kriechenden +Sonnenkäfer), denen entsprechende Gesichtsempfindungen zur +Seite gehen. Natürlich sind diese Bilder selbst ausgedehnt +und bewegt und heissen nur uneigentlich Bilder von der Ausdehnung +und Bewegung. Das deutet schon darauf hin, dass +wir unter der Ausdehnung und Bewegung etwas andres verstehen +müssen als diese sogenannten Sinnenbilder. Was wir +unter Ausdehnung und Bewegung verstehen, das zeigen die +Worte Ausdehnung und Bewegung an. Diese Worte sind +sozusagen Zeichen für ein in uns vorhandenes ruhendes Wissen, +eine Wissensdisposition, eine Fähigkeit, in Urteilen darzulegen, +was Ausdehnung und Bewegung ist, oder wenigstens jederzeit +diese Worte richtig anzuwenden. Wir wissen, dass die Ausdehnung +eine Vielheit gleichzeitiger einander berührender Teile, +die Bewegung eine Vielheit aufeinander folgender, ineinander +übergehender Teile umfasst. Gleichzeitige Vielheit und Berührung, +aufeinander folgende Vielheit und Übergang, das sind +die Bestandteile der Begriffe Ausdehnung und Bewegung, die +wesentlichen (begrifflichen) Merkmale der Ausdehnung und Bewegung. +Aber sind diese Merkmale nicht schon in den Sinnenbildern +der Ausdehnung und Bewegung vorhanden, nicht in ihnen +unmittelbar gegeben, sodass sie sich also von den sinnfälligen, +sinnlichen gar nicht unterscheiden oder höchstens doch durch +eine in Gestalt von Worten vermittelte Umformung aus ihnen +abgeleitet werden könnten? Wenn die Sinnenbilder selbst +ausgedehnt und bewegt sind, so sind diese Merkmale so in +ihnen enthalten, wie in jedem andren Ausgedehnten und Bewegten. +Aber um sie zu finden, dazu bedarf es eben eines +Finders, der von den sinnlichen Empfindungen selbst +verschieden ist, eben jenes Blickes des Geistes, dem wir die +Gewinnung der wesentlichen Merkmale zuschreiben. Die Sinnenbilder +an und für sich genommen sind nichts andres als Zusammensetzungen +von Empfindungen, die je den Teilen der Netzhaut +und Tasthaut entsprechen. Sie sind Zustände des Bewusstseins, +die noch gar nicht einmal einen gegenständlichen +Charakter haben, noch nicht einmal als Objekte uns gegenübertreten. +<pb n="12"/><anchor id="Pg12"/> +Unsrem entwickelten Bewusstsein erscheint freilich +ihre Gegenständlichkeit als etwas Selbstverständliches; aber +doch nur darum, weil ihnen der Finder, der Blick des Geistes, +gegenübersteht. +</p> + +<p> +Wie werden ursprünglich aus den, sagen wir einmal bloss +subjektiven Empfindungen – an sich genommen sind die Empfindungen +ja weder subjektiv noch objektiv – Vorstellungen? +Wie es scheint auf folgendem Wege. Mit den Bewegungen +unsrer eigenen Glieder sind Willensimpulse verbunden; sie +kehren regelmässig bei den sogenannten willkürlichen Bewegungen +wieder und associieren sich so mit den Sinnenbildern +der Ausdehnung und Bewegung dieser Glieder. Wenn nun +Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung, mit denen diese +Willensimpulse nicht verbunden sind, in uns auftreten, so wird +das Gedächtnisbild dieser Willensimpulse reproduziert und auch +diesen Sinnenbildern unterlegt. So treten dann diese Sinnenbilder +als Willensdinge den Sinnenbildern, die von vornherein +mit den Willensimpulsen verbunden sind, gegenüber. So erhalten +diese erstren Sinnenbilder diesen letztren gegenüber, +wie es scheint, ursprünglich einen gegenständlichen Charakter, +oder, wie wir ohne Gefahr des Missverstandenwerdens besser +sagen, sie werden zu Vorstellungen. Gegenstände im eigentlichen +Sinne als das dem Geiste Gegenüberstehende giebt es +für ihn erst auf Grund des Urteils. +</p> + +<p> +Wir nannten die Sinnenbilder, mit denen associativ Willensimpulse +verbunden sind – auch von den Sinnenbildern, mit +denen sie ursprünglich verbunden sind, können wir das Gleiche +sagen, – Willensdinge. Es ist bekannt, dass die Wilden ebenso +wie unsere Kinder und Dichter alles als belebt und beseelt, +alles als mit Gefühl und Willen ausgestattet, auffassen. Diese +Animismus genannte Erscheinung hält natürlich der fortschreitenden +Erfahrung gegenüber nicht Stand. Der geworfene Stein +und die freifliegende Taube werden bald unterschieden. Von +dem Willensding bleibt dann nur übrig, 1. dass es einen Raum +ausfüllt, der nicht zugleich mit ihm von einem andren Dinge +eingenommen werden kann – das Willensding wird zur Substanz; +2. dass es jedem Eindringen in diesen Raum Widerstand +entgegensetzt, also Einwirkungen ausübt – das Willensding +<pb n="13"/><anchor id="Pg13"/> +wird zur Ursache. Man könnte denken, diese wesentlichen +(begrifflichen) Merkmale der Dinge im engren Sinne +seien wieder unmittelbar in den mit Willensimpulsen verbundenen +Sinnenbildern der Sinnendinge gegeben. Aber auch +hier gilt: es bedarf des Finders, des Blickes des Geistes, und +erst dieser schafft, erzeugt, freilich nicht willkürlich, sondern +im engen Anschluss und gemäss dem Sinnenbild, in seiner +Thätigkeit von ihm bedingt und bestimmt, das wesentliche oder +begriffliche Merkmal. Das Finden, Erblicken, auf geistigem +Gebiete ist eben nicht ein materielles Aufnehmen sondern ein +Erzeugen, ein Schaffen. Allein, sollte man nicht annehmen +dürfen, dass wir diese begrifflichen Merkmale nur durch die +urteilende Thätigkeit gewinnen? Zumal wir ja die Vielheit +der Teile des Ausgedehnten und der Bewegung anscheinend +nur durch Unterscheidung der Teile im Urteile erhalten. Diese +Unterscheidung im Urteil setzt die Erfassung der Teile als +einzelner, sozusagen eine Unterscheidung durch den einfachen +Blick des Geistes voraus. In der durch diese Unterscheidung +gegebenen Vereinzelung sind die Teile im Sinnenbilde der +Ausdehnung und Bewegung nicht vorhanden, sondern können +erst durch den Blick des Geistes gewonnen werden. Dasselbe +gilt dann natürlich auch von dem Moment der Berührung und +des Übergangs, den andern begrifflichen oder wesentlichen +Merkmalen der Ausdehnung und Bewegung, in denen die +einzelnen Teile zu zweien zusammengefasst werden. Gewiss +kommt in unsrem entwickelten Bewusstsein wie jene Vereinzelung +so auch diese Zusammenfassung im Urteil zum Ausdruck. +Aber wie die im Urteil gegebene Vereinzelung, so setzt +auch die in ihm gegebene Zusammenfassung den einfachen +Blick des Geistes, dem wir die Gewinnung der wesentlichen +Merkmale zuschreiben, voraus. Diese durch den einfachen +Blick des Geistes sich vollziehende Vereinzelung und Zusammenfassung +erzeugt neue gedankliche Gebilde im Geiste, eben die +wesentlichen, begrifflichen Merkmale, die wir mit den Worten +gleichzeitige, aufeinanderfolgende Vielheit, Berührung, Übergang +bezeichnen und die die Grundlage der betreffenden +unterscheidenden und zusammenfassenden Urteile bilden. +</p> + +<p> +Wir können nicht zugeben, dass die wesentlichen Merkmale, +<pb n="14"/><anchor id="Pg14"/> +aus denen der Begriff nach allgemeiner Annahme besteht, in +den Sinnenbildern oder Vorstellungen in dem hier erklärten +Sinne wirklich enthalten sind. In andren Fällen tritt uns das +noch deutlicher entgegen. Wir haben Sinnenbilder vom Punkt, +der keine Ausdehnung hat, von der Linie, die nur <hi rend='italic'>eine</hi> Ausdehnung, +von der Fläche, die nur zwei Ausdehnungen hat, +von einem luftartigen Gebilde als dem Geiste, der den ausschliessenden +Gegensatz zu allem Körperlichen ausmacht. Es +ist einleuchtend, dass die hier genannten wesentlichen Merkmale +des Punktes, der Linie, der Fläche, des Geistes nur durch +Negation des in den betreffenden Sinnenbildern Enthaltenen +gewonnen werden können. Die Negation im eigentlichen Sinne +hat nur im negativen Urteile ihre Stelle, aber diese im negativen +Urteil gegebene Negation setzt den Blick für das, was +anders ist, als das, was negiert wird, voraus. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Neunte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Das Wesen der Dinge. +</p> + +<p> +Aber wir haben immer noch nicht erklärt, was das Wesentliche +eigentlich ist oder worin das Wesen der Dinge besteht. +Am einfachsten scheint die Sache bei den mathematischen Gebilden +zu liegen. Das Wesen eines Kreises, einer Ellipse besteht +natürlich nicht in der gezeichneten und von uns gesehenen +Linie, viel eher in der mathematischen Formel, durch welche +das Verhältnis der Linie zu dem einen Mittelpunkt des Kreises +und zu den beiden Mittelpunkten der Ellipse bestimmt wird, +in dem Gesetze des Kreises und der Ellipse. Sicher kommt +die mathematische Formel dem Wesen des Kreises und der +Ellipse näher als die gezeichnete und gesehene Linie, die, um +gezeichnet und gesehen zu werden, im Widerspruch mit sich +selbst mehrere Ausdehnungen haben muss. Aber macht die +mathematische Formel das ganze Wesen des Kreises und der +Ellipse aus? Sie gehören doch zu den Kegelschnitten und +nehmen innerhalb derselben eine bestimmte, durch neue Formeln +festgelegte Stellung ein. Diese gehört nicht minder zu ihrem +Wesen. Sie sind Linien, und Linien begrenzen Flächen; Flächen +begrenzen Körper, Körper nehmen hinwiederum in der Gesamtheit +des Wirklichen eine Stellung ein, an der auch die +<pb n="15"/><anchor id="Pg15"/> +Linien teilnehmen. Auch diese Stellung zur Gesamtheit des +Wirklichen gehört zum Wesen des Kreises und der Ellipse, +ja es ist einleuchtend, dass sie ihr eigentliches Wesen bilden +muss, da aus ihr die Einzelstellung dieser mathematischen Gebilde +und somit ihre mathematische Formel sich ergiebt und +abgeleitet werden kann. Was vom Wesen des Kreises und +der Ellipse gilt, wird vom Wesen aller Dinge behauptet werden +müssen. Eine rohe Auffassung sieht in diesem Wesen einen beharrlichen, +unveränderlichen Seinskern, an dem sich die mit dem +Begriffe des Dinges verträglichen Veränderungen vollziehen sollen. +Einen solchen unveränderlichen Seinskern giebt es nicht in den +Dingen. Die Veränderungen sind Veränderungen der Dinge, +nicht an den Dingen. Man kann sich auch nicht auf den Begriff +des Dinges berufen, um die mit seinem Wesen verträglichen +Veränderungen des Dinges zu gewinnen. Denn der Begriff, +der die wesentlichen Merkmale umfasst, setzt das Wesen +des Dinges voraus. Das unveränderlich sich Gleichbleibende +in den Dingen ist ihre Stellung zur Gesamtheit des Wirklichen. +Sie verleiht den Dingen eine überzeitliche Geltung und eine +ewige Bedeutung; in ihr besteht das Wesen der Dinge, und +dieses Wesen ist mit ihrer Wahrheit ein und dasselbe. Wie +die Wahrheit, so ist darum auch das Wesen unveränderlich +und ewig. In diesem höchsten Sinne giebt es von jedem Ding +nur Einen Begriff. Er ist der Ausdruck für seine Stellung in +der Gesamtheit des Wirklichen, oder, wie wir auch sagen +können, für seine Stellung in dem System der Wahrheit. Natürlich +ergiebt sich auch aus der Stellung eines Dinges in der +Gesamtheit des Wirklichen, welche Veränderungen es durchlaufen +kann, oder welche Veränderungen für die Geltendmachung +dieser Stellung erforderlich sind. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Zehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Der Begriff der Philosophie. +</p> + +<p> +Können wir wirklich für unser Erkennen das Eindringen +in das Wesen der Dinge in diesem Sinne als Aufgabe in Anspruch +nehmen? Geht eine solche Aufgabe nicht über die +Kraft des Erkennens hinaus? Gilt das Wesen der Dinge nicht +mit Recht für unerkennbar? Haben wir beispielsweise vom +<pb n="16"/><anchor id="Pg16"/> +Wesen der Farbe eine Erkenntnis? Die Physiker sagen, die +Farben seien Ätherschwingungen; die Physiologen nennen sie +Empfindungen. Aber weder die einen noch die andren können +uns sagen, was es mit den Ätherschwingungen und Empfindungen +eigentlich auf sich hat, was ihr Wesen ist. Das Wesen +der Farbe würden wir erst dann erkannt haben, wenn wir den +ursächlichen Zusammenhang zwischen den Ätherschwingungen +und unsren Empfindungen und den Zweckzusammenhang +zwischen beiden verstanden hätten, wenn wir wüssten, warum +die Ätherschwingungen die Farben erzeugen und wodurch +sie das vermögen. Davon aber sind wir sehr weit entfernt. +Wir wissen nicht, wie die durch die Ätherschwingungen erzeugten +Gehirnvorgänge es machen, dass die von ihnen +ganz verschiedenen Farbenempfindungen auftreten, und noch +weniger, warum es der toten und gleichmässigen Ätherschwingungen +bedarf, um die ganze Farbenwelt hervorzuzaubern, +die der Kunst der Malerei ihre Existenz verleiht. +Noch weniger können wir das Wesen des Menschen +erkennen. Platon nannte den Körper den Kerker und das +Grab der Seele, moderne Physiologen betrachten das Bewusstsein +als ein überflüssiges und unbequemes Nebenprodukt. Die +Frage, warum der den Geist so oft behindernde Körper mit +dem den Körper so oft zum Siechtum verurteilenden Bewusstsein +verbunden ist, wird heutzutage kaum gestellt. Erst die +Beantwortung dieser Frage würde uns Aufklärung über das +Wesen des Menschen geben. Aber wenn wir das Wesen der +Dinge gar nicht erkennen können, warum denn von dieser Erkenntnis +reden und von ihr so viel Aufhebens machen? Wir +antworten: das Ziel des Erkennens ist unzweifelhaft das Wesen +der Dinge, und wer die richtige Darstellung vom Erkennen +geben will, darf dies sein Ziel nicht ausser Acht lassen; mag +das Erkennen dasselbe auch nur unvollkommen und annähernd +erreichen. Man hat die Philosophie nicht mit Unrecht als die +Wissenschaft vom Wesen der Dinge bezeichnet. Man muss +sie folgerichtig auch als die Wissenschaft der Fragen bestimmen, +denn sie steht mitten im Fragen und kommt aus dem Fragen +gar nicht heraus. Aber ist das etwa eine ihrer unwürdige +Bestimmung? Ist die richtig gestellte Frage und das Bewusstsein, +<pb n="17"/><anchor id="Pg17"/> +sie nicht beantworten zu können, wirklich wertlos? +Jedenfalls ist diese Bestimmung ehrenvoller für die Philosophie, +als wenn man sie, ihrer gegenwärtigen Lage nicht +ganz unangemessen, als die Wissenschaft charakterisiert, in der +jeder eine andere Meinung hat. +</p> + +<p> +Dass die Philosophie die Wissenschaft der Fragen ist, +zeigt sich besonders, wenn wir den Begriff des Erkennens ins +Auge fassen. Man spricht von Erscheinung im Gegensatz zum +Wesen und unterscheidet die Erscheinung im metaphysischen +und erkenntnistheoretischen Sinne. Unter der erstren sind +die Veränderungen der Dinge zu verstehen, die sich natürlich +aus ihrer Stellung in der Gesamtheit des Wirklichen ergeben +und darum aus ihrem Wesen erklären lassen. Unter der letztren +sind die Denkvorgänge im weitesten Sinne des Wortes, +die auch und in erster Linie die sinnlichen Empfindungen umfassen, +zu verstehen. Sie vermitteln das Erkennen, und insofern +sie das wirklich oder vermeintlich thun, gelten sie als +Erscheinung der Dinge in uns. Was hat es mit dieser Erscheinung +der Dinge in uns, diesen Denkvorgängen, die das +Erkennen vermitteln, auf sich? Was hat das Erkennen zu bedeuten, +was ist sein Wesen? Nur eine blosse Abspiegelung, +eine müssige Wiederholung der Dinge im Bilde? Sind auch +die für unsre Erfassung des Wirklichen so notwendigen Ortsbestimmungen, +die einerseits feste Punkte voraussetzen und +anderseits sich doch in lauter Beziehungen auflösen, und ebenso +die Zeitbestimmungen, von denen das Gleiche gilt, Bilder einer +von ihnen unabhängig bestehenden Wirklichkeit? Dem Bilde +ist es eigentümlich, den Gegenstand so wiederzugeben, wie er +unabgebildeterweise ist. Wäre das Erkennen nur ein Bild des +Wirklichen, so würden wir den Begriff des Dinges an sich +nicht <corr sic="enbehren">entbehren</corr> können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir +eine unauflösliche Verbindung des Erkennens mit seinem Gegenstande, +der Wahrheit annehmen. Aber erst, wenn wir die Art +dieser Verbindung zu bestimmen vermöchten, würden wir das +Wesen des Erkennens erkannt haben, mit ihm auch die Bedeutung +der für unsere Erfassung des Wirklichen so notwendigen +Orts- und Zeitbestimmungen. +</p> + + +<pb n="18"/><anchor id="Pg18"/> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Elfte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die Wahrheit das höchste Gut. +</p> + +<p> +Insofern die Philosophie als Wissenschaft vom Wesen der +Dinge und vom System der Wahrheit bezeichnet werden muss, +ist sie auch die Wissenschaft vom höchsten Gute: denn die +Wahrheit ist in der That das höchste Gut, dasjenige, wodurch +alles andere Wert erhält. Wertvoll wird etwas nicht etwa +dadurch, dass es der Wahrheit nicht ermangelt, sondern geradezu +durch seine Wahrheit. Dass wir etwas aus sittlichen Gründen +thun sollen, dass etwas schön ist, gilt natürlich nur insoweit, +als eben dies Thun-sollen und das Schön-sein wahr ist. Wie +wir gewöhnlich sagen, es gilt nur, wenn das sittlich Gebotene +wahrhaft oder wirklich sittlich, das für schön erklärte wahrhaft +oder wirklich schön ist. Wahrhaft und wirklich gut oder schön +ist etwas nur dann, wenn es dem allgemein für alle Denkenden +und für alle Zeit gültigen, dem in diesem Sinne objektiv +gültigen Begriffe des sittlich Guten und des Schönen entspricht. +Mit diesem Begriff würde sich unser Begriff vom sittlich Guten +und Schönen erst decken, wenn wir ihn in seiner Stellung im +System der Wahrheit erkannt hätten. So lange und so weit +dies nicht der Fall ist, bleibt er missverständlich und einseitig; +so lange ist er darum kein unzweideutiger und vor allem kein +vollständiger Ausdruck des wahrhaft und wirklich Guten und +Schönen. Für unsren Begriff des sittlich Guten und des +Schönen, sofern er wirklich wesentliche Merkmale enthält, gilt: +nicht ohne ihn giebt es etwas Gutes und Schönes. Für +den Begriff des sittlich Guten und Schönen im System der +Wahrheit gilt hingegen: nur durch ihn ist etwas schön, ist +etwas gut. Auch das Gute und Schöne erhält seine Wahrheit +und Wirklichkeit lediglich durch seine Stellung im System der +Wahrheit oder dadurch, dass es in diesem System eine Stelle +hat. Ähnlich wie vom sittlich Guten und Schönen sprechen +wir auch von einem wahren, wirklichen Israeliten, von einem +wahren, wirklichen Menschen, von wahrem, wirklichem Golde +u. s. w. Der hier als Massstab zugrundeliegende Begriff, ein +Soll-Begriff oder Idealbegriff, wird in allen diesen Fällen von +uns als etwas Allgemeingültiges geltend gemacht oder in Anspruch +genommen, als etwas, das alle anerkennen müssen, und +<pb n="19"/><anchor id="Pg19"/> +weist damit auf den ihm im System der Wahrheit entsprechenden +Begriff hin. +</p> + +<p> +Was wahrhaft und wirklich ist, wird dadurch über die +Vergänglichkeit und Veränderlichkeit hinausgehoben; es ist +nicht bloss etwas Scheinbares, nicht etwas zum Verschwinden +Bestimmtes, nicht etwas Nichtseinsollendes. Aber wenn dem +Scheinbaren, dem Nichtseinsollenden auch kein Wert und keine +Wahrheit zukommen soll, so ist es doch nichtsdestoweniger +eine Wirklichkeit. Wie ist das möglich? Auch das Vergängliche +und Veränderliche, worin immer es besteht, ist nur wirklich +durch seinen überzeitlichen Charakter, durch seine ewige +Bedeutung. Sollen wir auch dem bloss Scheinbaren, dem Zufälligen, +dem Nichtseinsollenden einen überzeitlichen Charakter +und eine ewige Bedeutung zuschreiben? Wirklich kann es +nur durch diesen seinen überzeitlichen Charakter und seine +ewige Bedeutung sein; nur durch sie wird es über den blossen +inhaltleeren Schein, über den blossen sinnlosen Zufall hinausgehoben, +wie der Schatten nur sein kann, indem er sich an +die Dinge der Umgebung dessen heftet, von dem er ausgeht. +Das Scheinbare, Nichtseinsollende, Zufällige ist, wie später +klar werden wird, das nicht wahrhaft und wirklich sondern +nur anmasslich und vorgeblich Selbständige, das die geliehene +Selbständigkeit als wirkliche gebraucht und damit zum Schein +herabsetzt. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<div> +<pb n="20"/><anchor id="Pg20"/> +<index index="pdf" /> +<head rend="body-teil"> +Zweiter Hauptteil. <lb /> +<lb /> +Unser Wissen. +</head> + +<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" /> + +<div> +<head rend="body-abschnitt"> +Dritter Abschnitt. <lb /><lb /> +Kennzeichen der Wahrheit. +</head> + +<div><head rend="body-subhead"> +Zwölfte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die Bestandteile des Erkenntnisvorgangs. +</p> + +<p> +Was wesentlich ist, ist einem Ding – das Wort im +weitesten Sinne genommen – wesentlich, es ist ihm zugehörig +und gehört mit ihm zusammen. So führt der Begriff des +Wesentlichen auf den des Zusammengehörigen zurück. Das +zeigt sich insbesondere, wenn wir den alles Wesentliche zusammenfassenden +Begriff des Wesens der Dinge näher betrachten. +Die Stellung der Dinge in der Gesamtheit des +Wirklichen, d. h. also ihre Zusammengehörigkeit mit allem +Wirklichen, macht das Wesen der Dinge aus. Die Zusammengehörigkeit +ist der Grundbegriff des Erkennens, in dem uns +seine wesentlichste Seite kund wird; das Wesen der Dinge +und ihre Wahrheit ist sein Ziel, aber nur durch Erfassung des +Zusammengehörigen wird es erreicht. +</p> + +<p> +Das, was zusammengehörig oder wesentlich ist, muss +sorgfältig unterschieden werden von seiner Zusammengehörigkeit +oder Wesentlichkeit. Wir erfassen dasselbe mit einem +Blick des Geistes, über den das entwickelte Bewusstsein verfügt. +Es ist vor allem wichtig zu beachten, dass dieser Blick +nicht als eine Erkenntnis betrachtet werden kann. All unser +Erkennen setzt ein Vorgefundenes voraus, nicht als seine Quelle, +sondern als Ausgangspunkt für eine Reihe von Thätigkeiten, +die ihm vorangehen. Diesen Ausgangspunkt, also das Vorgefundene, +bilden die Empfindungen und die aus ihnen zusammengesetzten +<pb n="21"/><anchor id="Pg21"/> +Sinnenbilder. Auch die Willensdinge, die +durch blosse Association der Sinnenbilder der Ausdehnung und +Bewegung mit den Willensimpulsen entstehen, ferner die ersten +Vorstellungen, die wir von einem uns Gegenüberstehenden gewinnen, +gehören, wie die Sinnenbilder selbst zu den Voraussetzungen +des Erkenntnisvorganges und können insofern dem +Vorgefundenen zugerechnet werden. +</p> + +<p> +Durch den Blick des Geistes, der eine besondere Art der +Abstraktion bildet, gewinnen wir den Begriff oder die wesentlichen +Merkmale dieser Willens- oder Sinnendinge. Natürlich +belehrt uns dieser Begriff in keiner Weise darüber, was den +Sinnendingen für die Gesamtheit des Wirklichen für eine Bedeutung +zukommt. Hier zeigt sich insbesondere, dass die vielen +Begriffe, auch wenn sie die wesentlichen Merkmale umfassen, +also wirkliche Begriffe sind, von dem eigentlich einzig und +allein diesen Namen verdienenden Begriff, der die Stellung des +Einzelnen im System der Wahrheit bestimmt, ganz und gar +verschieden sind. Zur Gewinnung dieses Begriffs bedarf es +eines sozusagen alles zusammenschauenden Blicks; für die Gewinnung +jener Begriffe genügt der in Gedanken trennende +Blick. Diese in Gedanken sich vollziehende Trennung ist der +eigentliche Sinn der Abstraktion, des lateinischen abstrahere, +des griechischen aphaireisthai, nicht das Absehen, viel eher +das Hinsehen und Festhalten des einen, mit Vernachlässigung +und Beiseitesetzung des andren im Denken. Es ist klar, dass +ein solches Trennen, gedankliches Isolieren ein neues gedankliches +Gebilde eben das auf diese Weise Getrennte und Isolierte +und zugleich Festgehaltene erzeugen, erschaffen muss. Die so +erzeugten, geschaffenen Gebilde sind Einzelgebilde des Denkens +und als solche im Denken vorhanden, nicht erst in Urteilen gegeben. +Wenn man den Nachdruck auf das Absehen, Fallenlassen, +das leicht als Ausscheiden, Verneinen gefasst werden kann, legt, +so liegt der Gedanke nahe, diese wesentlichen Merkmale seien +für uns nur in negativen Urteilen vorhanden. Aber das widerspricht +einerseits der Selbstbeobachtung, der Reflexion auf das, +was wir thun, wenn wir diese Gebilde festhalten: es ist ein einfaches +Hinsehen, Hinblicken, dessen thatsächlicher Nebenerfolg +das Absehen freilich bildet, aber ohne als besonderer Vorgang +<pb n="22"/><anchor id="Pg22"/> +hervorzutreten. Anderseits setzen diese negativen Urteile bereits +die Isolierung der wesentlichen und unwesentlichen Merkmale +also eben diese isolierten Gebilde voraus. Durch diese +Isolierung gewinnen wir die wesentlichen Merkmale, die zu +dem Sinnen- oder Willensding gehören: Ausdehnung, Bewegung, +Nebeneinander, Nacheinander, Substanz, Kausalität. +Was die Bedeutung dieser Worte ist, können wir freilich nur +in Urteilen angeben; aber daraus folgt nicht, dass wir den Gedankengehalt +dieser Worte auch nur durch Urteile gewinnen. +Die Urteile, in denen wir die Bedeutung dieser Worte darlegen, +setzen vielmehr die entsprechenden Einzelgebilde des +Denkens voraus, in denen das in den Urteilen Verbundene +isoliert wird. Diese gedanklichen Einzelgebilde schafft, erzeugt +der Blick des Geistes, aber er entdeckt und findet sie zugleich. +Das, was er findet und entdeckt, ist jedenfalls von dem Vorgefundenen +verschieden, es ist eine Zuthat zu dem Vorgefundenen, +die freilich nicht willkürlich sondern ihm angemessen +ist. Mit dieser Zuthat ist das in der Empfindung Gegebene, +das Vorgefundene jedenfalls überschritten. Sie ist das, was +wesentlich ist, das, was zusammengehörig ist, wesentlich dem +Dinge, zusammengehörig mit dem Ding, in dessen Besitz wir +zunächst durch den genannten Blick unseres Geistes gesetzt +werden. +</p> + +<p> +Die zweite über das Vorgefundene hinausgehende Stufe, +die aber auch noch nicht als eigentliche Erkenntnis betrachtet +werden kann, besteht darin, dass sich unsrem Bewusstsein +die Wesentlichkeit des Wesentlichen, die Zusammengehörigkeit +des Zusammengehörigen aufdrängt, dass der Gedanke daran +sich als unabweislich darstellt. Das Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit +und Sichalsunabweislichdarstellen darf nicht +falsch verstanden werden. Es ist ein <hi rend='italic'>Einleuchten</hi> und hat +darum mit äusserem Zwange, der uns die Empfindungen aufdrängt, +oder mit innerer Nötigung, die wir erfahren, wenn uns +ein Gedanke verfolgt, nichts zu thun. Es wendet sich einfach +an die Vernunft des Menschen. +</p> + +<p> +Nun folgt als dritte Stufe die eigentliche Erkenntnis, die +in der <hi rend='italic'>Einsicht</hi> der Zusammengehörigkeit oder der Wesentlichkeit +besteht. Selbstverständlich ist der sich unabweislich +<pb n="23"/><anchor id="Pg23"/> +aufdrängende Gedanke oder das Einleuchten etwas von der +Einsicht Verschiedenes. Nur in der Einsicht kann die Erkenntnis +bestehen. An die Einsicht schliesst sich als vierte Stufe das +Urteil an, das sich ganz auf die Einsicht stützt und nur als +gedanklicher Ausdruck der Einsicht aufgefasst werden kann. +Als fünfte Stufe folgt das Bewusstsein von der Objektivität +des Urteils oder das Bewusstsein der Wahrheit des Urteils, +das seinen Grund in der zweiten Stufe, dem Einleuchten der +Zusammengehörigkeit hat. Es folgt als sechste Stufe die Gewissheit, +der Gegensatz des Zweifels, der allen Zweifel ausschliesst +und dem Bewusstsein die Festigkeit verleiht, wie der +Zweifel dasselbe ins Schwanken bringt. Es ist nach dem +Zeugnis der Reflexion ganz offenbar, dass die Einsicht, der +eigentliche Erkenntnisakt, von ihrem gedanklichen Ausdruck im +Urteil verschieden ist. Weniger deutlich giebt sich kund, dass +von der Einsicht auch der Zustand der Gewissheit und das +Bewusstsein der Wahrheit verschieden ist; aber beide setzen +die Erkenntnis als vollendet voraus und dürfen darum nicht +mit der Einsicht verselbigt werden. +</p> + +<p> +Das Urteil entspricht dem Finden der wesentlichen Merkmale +durch den Blick des Geistes. Wie durch das letztere +ein Einzelgebilde des Denkens erzeugt wird, so durch das +erstere eben jene Urteil genannte Verbindung, sei es eines +Sinnenbildes, sei es eines Einzelgebildes des Denkens mit einem +andren Einzelgebilde, eben dem wesentlichen Merkmal. Wie +das Einzelgebilde des Denkens im Worte seinen Ausdruck +findet, so die Urteil genannte Verbindung im Aussagesatze. +Aber sowohl das Einzelgebilde wie diese Verbindung sind gedanklicher +Natur und müssen darum sorgfältig von dem sprachlichen +Ausdrucke unterschieden werden. Der Auffindung des +wesentlichen Merkmales folgt das Einleuchten und die Einsicht, +dem Urteil das Bewusstsein der Wahrheit und die Gewissheit. +Auch diese Glieder entsprechen sich: das Einleuchten dem Bewusstsein +der Wahrheit und die Einsicht der Gewissheit. Es +sind Zustände, nicht Schöpfungen des Bewusstseins, von denen +Einleuchten und Bewusstsein der Wahrheit einen objektiven, +Einsicht und Gewissheit einen subjektiven Charakter haben. +Das Kennzeichen der Wahrheit besteht für uns in dem Einleuchten, +<pb n="24"/><anchor id="Pg24"/> +der zweiten über das Vorgefundene hinausgehenden +Stufe des Erkenntnisvorgangs. Es liegt nahe – und das geschieht +oft genug – die Einsicht für das Kennzeichen der +Wahrheit zu halten; wird doch das griechische enargein und +das lateinische evidentia oft genug mit Einsicht wiedergegeben +oder die Einsicht näher als das Einleuchten der Wahrheit erklärt. +Natürlich kann unter dieser Voraussetzung nicht von +einem criterium secundum quod ausser für die nachträgliche +Reflexion, sondern nur von einem criterium quo +cognoscitur die Rede sein. Wir verstehen unter dem Kriterium +oder Kennzeichen der Wahrheit nicht diesen subjektiven Zustand +der Einsicht sondern das Einleuchten, Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit, +die Unabweislichkeit des Gedankens derselben, +die natürlich etwas Objektives ist und darum auch die +Objektivität des Urteils oder das Bewusstsein seiner Wahrheit +begründen kann. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Dreizehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die Gesetze des Erkennens. +</p> + +<p> +Die Wahrheit, das Ziel des Erkennens ist nicht eine zusammenhanglose +Summe von Teilen sondern ein Ganzes, in +dem jeder Teil den andern bedingt und trägt, kein Chaos +sondern ein System, und dieses System ist der Wahrheit so +wesentlich, dass eine einzelne Wahrheit nur Wahrheit ist durch +ihren Zusammenhang mit dem Ganzen. Man kann darum +streng genommen nicht von einer einzelnen Wahrheit sprechen +sondern nur von einem Reiche der Wahrheit. Die verschiedenen +zusammengehörigen Wahrheiten als zusammengehörige, also +ihre Zusammengehörigkeit zum Bewusstsein bringen, so den +Zusammenhang aller Wahrheit herstellen, oder besser gesagt +die Eine Wahrheit finden, das ist das Ziel des Erkennens. +Die Ableitung und Erschliessung der einen Wahrheit aus der +andren ist nur die Kehrseite dieses Zieles, seine bloss formale +Folgeerscheinung, und von viel geringerer Bedeutung. +</p> + +<p> +Das ist freilich ein hohes, ein allzuhohes Ziel. Der Zusammenhang +aller Wahrheit, oder, was dasselbe ist, das Wesen +der Dinge zu erkennen, den Einen Gedanken zu finden, der über +alles Licht verbreitet, ist uns bis jetzt versagt. Wir müssen uns +mit einzelnen Strahlen dieses Lichtes begnügen. Wir kommen +<pb n="25"/><anchor id="Pg25"/> +nur wenig über die wesentlichen Merkmale der Dinge hinaus, +und wenn wir darunter diejenigen verstehen, von deren Zugehörigkeit +zu den Dingen wir eine Einsicht haben, reichen +wir in vielen Fällen nicht einmal an diese heran. So tritt für +unser Denken an die Stelle des Gesetzes der Zusammengehörigkeit, +das uns die Aufgabe stellt, alle Wahrheiten in +ihrer Zusammengehörigkeit und somit als die Eine Wahrheit +zu erfassen, das Gesetz der Übereinstimmung, nach dem sich +die Wahrheit und Falschheit unsrer einzelnen Urteile bestimmt. +Wir unterscheiden vier, beziehungsweise acht Formen dieses +Gesetzes, deren Wahrheit uns unmittelbar einleuchtet. Erstens, +das Zugehörige muss zugesprochen werden. Zweitens, das Zugehörige +darf nicht abgesprochen werden. Drittens, das Nichtzugehörige +muss abgesprochen werden. Viertens, das Nichtzugehörige +darf nicht zugesprochen werden. Zu dem Zugehörigen +gehört auch das Enthaltene. Was in einem Subjekt +enthalten ist, gehört zu ihm, aber nicht das Gegenteil +gilt: was in einem Subjekt nicht enthalten ist, kann ganz wohl +ihm zugehören. Daraus ergeben sich die vier weiteren nicht +die Zugehörigkeit sondern das Enthaltensein betreffenden +Formen. Fünftens, das Enthaltene muss zugesprochen werden. +Sechstens, das Enthaltene darf nicht abgesprochen werden. +Siebentens, das Nichtenthaltene darf nicht als enthalten zugesprochen +werden. Achtens, das Nichtenthaltene muss als enthalten +geleugnet werden. Der Zusatz als enthalten in sieben +und acht ist notwendig, weil auch das Nichtenthaltene zugehörig +sein kann. Was immer zugesprochen oder abgesprochen +wird, wird als zugehörig zugesprochen oder abgesprochen; +deshalb bedarf es des Zusatzes als zugehörig in drei und vier +nicht, er ist ohne weiteres in diesen Formen eingeschlossen. +Setzen wir voraus, dass das negative mit dem unendlichen +Urteil: der Mensch ist nicht sterblich – ist unsterblich; der +Kreis ist nicht rund – ist nichtrund, dieselbe Bedeutung hat, +so ergiebt sich, dass die Formen zwei und drei und die Formen +sechs und sieben dasselbe ausdrücken. Man kann sie im Gegensatz +zu dem Gesetze der Übereinstimmung als Formen des Gesetzes +des Widerspruches bezeichnen, das eigentlich nur die negative +Seite des Gesetzes der Übereinstimmung bildet. Es ist ein +<pb n="26"/><anchor id="Pg26"/> +Widerspruch nicht bloss das Nichtenthaltene als enthalten zu +behaupten, wie es die siebente Form, sondern auch das Nichtzugehörige +als zugehörig zu behaupten, wie es die dritte Form +verbietet. +</p> + +<p> +Nicht bloss, was in einem Subjekt enthalten ist, kommt +ihm zu, sondern auch das nicht in ihm Enthaltene, sofern es +zu ihm gehört. Würde nur das erstere ihm zukommen, so +gäbe es keinen Fortschritt im Erkennen. Aber giebt es etwas +nicht in einem Subjekt Enthaltenes, das trotzdem zu ihm gehört? +Ohne Zweifel, wenigstens für alle diejenigen, welche +Sinnenbild und Vorstellung von dem Begriff, der die wesentlichen +Merkmale umfasst, unterscheiden und von diesen +wesentlichen Merkmalen behaupten, dass sie nicht in den +Sinnenbildern oder Vorstellungen enthalten sind. Fassen wir +unter dieser Voraussetzung das Subjekt unter der Vorstellung +auf und legen ihm ein wesentliches Merkmal bei, oder fassen +wir es unter einem wesentlichen Merkmal auf und legen ihm +ein anderes wesentliches Merkmal bei, so schreiben wir offenbar +dem Subjekt etwas zu, das nicht in ihm enthalten ist. Natürlich +kommt dem Subjekt auch das zu, was in ihm enthalten ist, und +so ergiebt sich als besonderer Fall des Gesetzes der Übereinstimmung +das Gesetz des Enthaltenseins, das die Formen +fünf bis acht umfasst. +</p> + +<p> +Es giebt sehr vieles, was in einem Subjekt nicht enthalten +ist und ihm doch nicht abgesprochen werden darf, +vielmehr zugesprochen werden muss. Freilich liegt es sehr +nahe, alle Urteile für analytische oder Erläuterungsurteile, d. h. +auf dem Verhältnis des Enthaltenseins beruhende Urteile zu +halten, wenn man bloss auf den gedanklichen Ausdruck der +Urteile achtet. Allein diesem gedanklichen Ausdruck, der immerhin +als blosse Analyse betrachtet werden mag, liegt eine Synthese +zugrunde. Wir denken, ehe wir urteilen, das Subjekt unter +dem Gesichtspunkt des Prädikats. Die Zusammengehörigkeit +beider drängt sich uns auf, wir sehen sie ein, und nun machen +wir sie im Urteil geltend. Das alles sind wahre Synthesen, +sie kehren bei allen Urteilen, die für den Fortschritt unsres +Erkennens von Bedeutung sind, wieder. Fasst man das so +unter dem Gesichtspunkte des Prädikats gedachte Subjekt als +<pb n="27"/><anchor id="Pg27"/> +eine Einheit auf, so ist das Urteil natürlich, wie es sich uns in +seinem gedanklichen Ausdruck darstellt, ein bloss analytischer +Vorgang. Wäre es <hi rend='italic'>bloss</hi> dies, dann gäbe es keinen Fortschritt +in unsrem Erkennen, da alles Erkennen sich in Urteilen +vollzieht, oder darin wenigstens seinen gedanklichen Ausdruck +findet. Der Begriff des Enthaltenseins und des analytischen Verfahrens +thut unsrem Erkennen nicht genüge; wir müssen ihn ersetzen +durch den der Zusammengehörigkeit und der Synthese. +</p> + +<p> +Vom Enthaltensein kann nur bei einander über- oder +untergeordneten Begriffen die Rede sein; der übergeordnete +Begriff ist in dem untergeordneten enthalten. Dieses Verhältnis +gilt also nur für die sogenannten logischen Teile, für die +Gattungs- und Artmerkmale, nicht für die metaphysischen Teile. +Geschwindigkeit und Richtung sind nicht in der Bewegung +enthalten, Stärke und Höhe nicht im Tone, sie sind Eigenschaften, +notwendige Eigenschaften von Bewegung und Ton, +ohne die beide nicht sein können, aber nicht Merkmale, die +ihnen übergeordnet werden könnten; oder genauer, die eine +Gattung bilden, der Bewegung und Ton untergeordnet sind. +Das Verhältnis des Enthaltenseins ist das Verhältnis des Allgemeinen +zum Besondren. Es ist nicht das einzige, nicht einmal +das wichtigste Verhältnis für unser Erkennen. Die Inhaltsmerkmale +oder Constitutive eines Begriffs sind in ihm wirklich +enthalten; sie sind ausser dem letzten unterscheidenden Merkmale +auch Merkmale des höheren, übergeordneten Art- oder +Gattungsbegriffes, und verhalten sich darum zu dem Begriff in +der That wie das Allgemeine zum Besondren. Der Gedanke +liegt freilich nahe, dass dieses Verhältnis, wenn nicht das +einzige, so doch das hauptsächlichste für unser Erkennen bildet. +Gilt doch allgemein bei den Aristotelikern das Prädikat des +Urteils als der allgemeinere Begriff und wird hiernach das Verhältnis +von Subjekt und Prädikat als ein Subsumtionsverhältnis +bestimmt. Statt der Baum blüht, sollen wir hiernach sagen, +der Baum ist blühend, oder besser noch, ein blühendes Etwas; +statt der Mensch ist sterblich, der Mensch ist ein sterbliches +Wesen. Auf diese Weise wird freilich das Urteil in das Subsumtionsverhältnis +eingespannt. Aber die Eigentümlichkeit der +von diesem Verhältnis verschiedenen Verhältnisse von Ding +<pb n="28"/><anchor id="Pg28"/> +und Vorgang, Ding und Eigenschaft werden dabei unterdrückt +und beseitigt. Man muss die vier Kategorien von Begriffen +unterscheiden: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung. In +jeder dieser Kategorien giebt es über- und untergeordnete Begriffe, +aber man kann die Begriffe der einen Kategorie nicht +denen der andren über- oder unterordnen. Der Vorgang hat +das Eigentümliche eines zeitlichen Anfangs, Verlaufs und Endes, +das einer Reihe von Veränderungen eines Veränderlichen +gleichkommt. Die Eigenschaft hat das Eigentümliche eines +Unselbständigen gegenüber einem Selbständigen, das an dessen +Sein teilnimmt und ohne dasselbe nicht vorhanden sein kann. +Die Beziehung hat das Eigentümliche, dass sie zwischen zwei +Gliedern besteht und ohne diese Glieder nicht vorhanden sein +kann. Überall handelt es sich hier um Verhältnisse, die vom +Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren oder vom Verhältnis +des Enthaltenseins verschieden sind und für unser Erkennen +eine viel wichtigere Rolle spielen. Die Eigenschaft +ist das Endglied des Substanzverhältnisses, der Vorgang das +Mittelglied des Ursachverhältnisses, die Beziehung das, was +die Zusammenfassung der einzelnen Wahrheiten zu dem System +oder Reiche der Einen Wahrheit ermöglicht. +</p> + +<p> +Die einzige Möglichkeit, alles auf das Verhältnis des Enthaltenseins +zurückzuführen, besteht darin, dass man auch die +sogenannten negativen Merkmale als in den Dingen enthalten +oder als Inhaltsmerkmale derselben betrachtet. Dann ist in +jedem Gegenstande alles Aussagbare enthalten. Allein negative +Merkmale setzen negative Urteile voraus und haben nur in +ihnen Halt und Bestand. Durch diese negativen Urteile werden +sie aber gerade von den betreffenden Gegenständen ausgeschlossen. +Man müsste also das Ausgeschlossene als eingeschlossen, +d. h. das, was nicht zum Inhalt gehört, als zum +Inhalt gehörend, oder das, was nicht Bestandteil des Inhalts ist, +als Bestandteil des Inhalts betrachten, wollte man die negativen +Merkmale für Inhaltsmerkmale erklären. Heutzutage, wo wir +so stark sind in dem Voraussehen der Konsequenzen im praktischen +Leben sowohl wie in der Wissenschaft, dass wir darüber +die Prinzipien kaum noch beachten oder ununtersucht auf sich +beruhen lassen, ist es nicht zu verwundern, dass alles zur +<pb n="29"/><anchor id="Pg29"/> +Analyse drängt und von Synthese nichts wissen will. Aber +der Natur und dem Wesen des Erkennens geschieht damit +nicht genüge. Das ist es, was wir betonen möchten. +</p> + +<p> +Das Gesetz der Übereinstimmung, des Enthaltenseins und +des Widerspruchs sind Gesetze für die Einzelurteile, aber auch die +einzigen Gesetze, nach denen die Wahrheit und Falschheit der +Einzelurteile bestimmt werden kann. Sie sind in allen ihren +Formen, jede für sich genommen, unmittelbar einleuchtend. Das +gewöhnlich aufgestellte Gesetz des ausgeschlossenen Dritten ist +nicht Gesetz für ein Einzelurteil sondern nur für das Verhältnis +zweier Urteile zu einander. Es lautet: Wenn von zwei Urteilen +eins dasselbe bejaht, was das andere verneint, – so ist +notwendig eins von beiden wahr, sie können nicht beide falsch +sein, die Wahrheit ist nicht ein Drittes, von Bejahung und +Verneinung nicht Betroffenes; – sie können nicht beide wahr +sein, eins von beiden ist falsch, auch die Falschheit ist nicht +ein Drittes, weder in der Bejahung noch in der Verneinung +Ausgedrücktes. Nach diesem Gesetze folgt aus der Wahrheit +von eins die Falschheit des Gegenteils von zwei, aus der Falschheit +des Gegenteils von zwei die Wahrheit von zwei; und +dasselbe gilt von drei und vier, von fünf und sechs, von sieben +und acht. Eigentlich heisst das Gesetz nur: zwischen Bejahen +und Verneinen giebt es kein Mittleres; Bejahen und Verneinen +sind ausschliessende Gegensätze. Dass sie es sind, kommt uns +bei einem Vergleiche von eins und zwei, drei und vier, fünf +und sechs, sieben und acht zum Bewusstsein. Aber auch nur +hier, wo es sich um das Einzelwirkliche handelt. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Vierzehnte Untersuchung +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Gesetze des Erkennens. (Fortsetzung.) +</p> + +<p> +Giebt es keine weiteren Gesetze des Erkennens? Die genannten +Gesetze sind eigentlich nur Gesetze für das Einzelwirkliche; +sie geben Bestimmungen über das, was zu ihnen +gehört oder nicht zu ihnen gehört. Sofern dieses Einzelwirkliche +das Subjekt der Urteile bildet, sind sie Gesetze der +Urteile. Aber das Einzelwirkliche ist Glied der Gesamtwirklichkeit, +und diese seine Stellung zur Gesamtwirklichkeit macht +sein eigentliches Wesen aus. Es muss auch Gesetze für den +<pb n="30"/><anchor id="Pg30"/> +Zusammenhang alles Wirklichen geben, den wir auf dem +Wege des Schlusses erkennen. Diese Gesetze sind darum +Gesetze des Schlusses. Es sind drei Gesetze: das Gesetz der +Einheit, das Gesetz der Kausalität und das Gesetz des Grundes. +Es ist eine alte Rede vom Einheitsstreben unserer Vernunft. +Aber Einheit ist nicht Einerleiheit, nicht Dieselbheit, sogern +das auch der Analytiker annähme. Die rein äusserlichen Orts- und +Zeitbestimmungen, deren wir zur Unterscheidung des +Einzelwirklichen von einander bedürfen, setzen feste Punkte in +Raum und Zeit voraus, die dann aber sofort sich in lauter Beziehungen +auflösen. Beziehungen ohne Beziehungsglieder sind +undenkbar. Also muss ein über allen Zeit- und Raumbestimmungen +stehendes Sein angenommen werden, das diesen +Beziehungen Halt und Bestand giebt. Unser Bewusstsein, das +ebenfalls dem Fluss der Zeit angehört, kann dieses Sein nicht +ausmachen. Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass +Raum und Zeit etwa nur Formen unserer Anschauung sind. +Das mag sein, eine Bedeutung für die Welt der Wirklichkeit +kommt ihnen unzweifelhaft zu, mögen wir dieselbe kennen +oder nicht. Zu dem gleichen Ergebnis führte schon den Aristoteles +die Bewegung, die er als eine anfangslose betrachtete. Nehmen +wir eine rückwärts sich erstreckende unendliche Zahl von Bewegungsgliedern +an, von denen das nachfolgende Glied immer +von dem vorausgehenden abhängt, so haben wir lauter abhängige +Glieder; die unendliche Reihe ist so lange ohne Halt +und Bestand, als wir nicht ein über ihr stehendes Unbewegtes, +den unbewegten Beweger des Aristoteles annehmen, in dem +die Bewegung ihren Grund hat, ohne dass er an ihr teilnimmt. +Wir betonten früher, dass es keine Einzelwahrheit giebt und +demnach auch strenggenommen keine einzelnen Wesen, da +alles mit einander im Zusammenhang steht, und das Eine in +dem Andern seine Stütze und seine Begründung findet. Das +Reich der Wahrheit ist ein Ganzes, keine Summe von Teilen, +kein wirres Durcheinander, sondern eine nach Gründen geordnete +oder besser durch einen Begründungszusammenhang gegliederte +Einheit. Jede Wahrheit hat ihren objektiven Grund, +auch die unmittelbar einleuchtenden Thatsachen und Prinzipien, +für die wir einen Beweis nicht führen können und die in sofern +<pb n="31"/><anchor id="Pg31"/> +<hi rend='italic'>subjektiv</hi> für uns <hi rend='italic'>grundlos</hi> sind. Man könnte sich das +Reich der Wahrheit nun als ein System von Gliedern denken, +die sich gegenseitig stützen und tragen. Allein die Beziehung +zur Erkenntnis ist der Wahrheit wesentlich. Die Wahrheiten +sind keine Dinge an sich, die wir so erkennen, wie sie unerkannter +Weise sind. Ihr Einheitspunkt ist darum das ihnen +allen gemeinsame göttliche Erkennen oder Denken, an dem +unser Erkennen teilnimmt. In ihm haben sie ihren letzten +<hi rend='italic'>objektiven Grund</hi>, ganz verschieden von dem subjektiven +Grund unserer Einsicht. In diesen Gedankengängen von den +Zeit- und Ortsbestimmungen zu dem über Zeit und Ort Erhabenen, +von der Bewegung zu dem unbewegten Beweger, +von dem System der Wahrheiten zu dem Erkennenden und +Denkenden, in dem es seinen Grund hat, macht sich das Einheitsgesetz +unseres Denkens geltend. Es lautet: Das System +der Wahrheit setzt einen Erkennenden voraus, in dem es seine +Einheit hat. +</p> + +<p> +Als weiteres Gesetz unseres Erkennens bezeichnen wir +das Gesetz der Kausalität: Was anfängt zu existieren, setzt +ein Anderes voraus, das bei seinem Anfange schon vorhanden +ist und diesen Anfang ermöglicht – Gesetz der Ermöglichung. +Das Gesetz der Kausalität verhält sich ähnlich zum Einheitsgesetz +wie das des Widerspruchs zum Gesetz der Übereinstimmung. +Wie das Gesetz des Widerspruchs zum Gesetze der +Übereinstimmung hinüberleitet, so das Gesetz der Kausalität zum +Einheitsgesetz. Meistens müssen wir uns mit der Wegräumung +des Unwesentlichen begnügen, und dazu verhilft uns das Gesetz +des Widerspruchs immer, auch wenn wir nicht im stande +sind, das Wesentliche oder eigentliche Wesen der Dinge zu +erkennen. Meistens müssen wir uns auch zufrieden geben +mit der Herstellung des Kausalzusammenhangs der Dinge +mittels des Kausalitätsgesetzes. Und diese Herstellung gelingt +uns fast immer, wenn wir auch die Stellung der Dinge +in der Gesamtheit des Wirklichen nach dem Einheitsgesetz nicht +zu erkennen vermögen. Falsch ist die Formel des Gesetzes: +Was anfängt zu existieren, setzt ein Anderes voraus, aus dem +es notwendig hervorgeht. Diese Formel schiebt das Gesetz +der Kausalität in das Gesetz des Grundes hinein, die Wirkung +<pb n="32"/><anchor id="Pg32"/> +wird dadurch zur blossen logischen Folge herabgesetzt. Was +immer unter dem causari verstanden werden mag, es ist verschieden +von sequi. Das Gesetz der Kausalität in der von +uns gegebenen Form ist unmittelbar evident. Es leuchtet uns +unabweislich ein, dass kein Ding sich den Anfang seines Seins +selbst geben kann, sondern eines Andern bedarf, das diesen +Anfang ermöglicht, obgleich die erstere Annahme keineswegs +einen Widerspruch einschliesst. Sicher wäre es widersprechend, +wenn man annehmen wollte, ein Ding könne freilich nicht selbst +seinen Anfang ermöglichen, und doch leugnete, dass dazu etwas +von ihm Verschiedenes schon bei seinem Anfange Vorhandenes +notwendig sei. Aber bedarf es einer Ermöglichung des Anfangs? +Darüber sagt uns das Gesetz des Widerspruchs nichts. +Das Gesetz der Kausalität bejaht die Frage, und diese Bejahung +drückt seinen eigentlichen Sinn aus. Natürlich ist das Gesetz +der Kausalität auch ganz etwas andres, als das von der +Gleichförmigkeit des Naturlaufs, das auf induktivem Wege gewonnen +wird, und als das viel weniger gesicherte Seitenstück +desselben, dass alle Denkenden unter gleichen Umständen +gleiche Urteile fällen. Das Gesetz von der Gleichförmigkeit +des Naturlaufs ist nur eine Zusammenfassung unserer Erfahrungen +von der Qualität der Ursachen oder Ermöglichungsgründe, +worüber uns natürlich nur die Erfahrung und nicht +das ganz allgemeine Gesetz der Kausalität oder Ermöglichung +belehren kann. Von Evidenz kann bei dem Gesetze der Gleichförmigkeit +keine Rede sein. +</p> + +<p> +Als letztes Gesetz erwähnen wir das Gesetz des Grundes. +Es lautet: Bei Bejahung des Grundes muss auch die Folge bejaht +werden, und bei Verneinung der Folge muss auch der +Grund verneint werden. Da eine Folge verschiedene Gründe +haben kann, so gilt wenigstens nicht allgemein die Umkehrung +des ersten Teiles des Gesetzes: Bei Bejahung der Folge muss +auch der Grund bejaht werden. Da die Folge im Grunde enthalten +ist, so gilt natürlich immer: Wenn die Folge, das Enthaltene, +nicht vorhanden ist, so ist auch der Grund, das die +Folge notwendig Enthaltende, nicht vorhanden. Es handelt +sich hier offenbar lediglich um das Verhältnis des Enthaltenseins. +Das Gesetz des Grundes ist nichts andres, als das Gesetz +<pb n="33"/><anchor id="Pg33"/> +des Enthaltenseins in seiner Anwendung auf zwei oder mehrere +Urteile, die sich wie Grund und Folge verhalten. Natürlich +kann das Gesetz des Grundes ebensowenig wie das des Enthaltenseins +zu einer Erweiterung unserer Erkenntnisse dienen +und hat deshalb, wie dieses letztere, einen bloss formalen +Charakter. +</p> + +<p> +Wenn wir das in einem Subjekt Enthaltene von ihm leugnen, +das in einem bejahten Urteil enthaltene andere Urteil leugnen, +oder auch trotz der Verneinung des enthaltenen Urteils das +enthaltende bejahen, so verstossen wir nicht bloss gegen das +Gesetz des Enthaltenseins und gegen das Gesetz des Grundes +sondern auch gegen das Gesetz des Widerspruchs: wir +widersprechen uns selbst. Insofern kann man die Form, welche +wir, die Verneinung zu Hülfe nehmend, dem Gesetze des Grundes +geben können: Bei Bejahung des Grundes darf nicht die Folge +verneint und bei Verneinung der Folge nicht der Grund bejaht +werden, als dritte Form des Gesetzes des Widerspruchs +bezeichnen. Das, was wir als erste Form des Gesetzes des +Widerspruchs bezeichnen können: Das Nichtzugehörige nicht +zusprechen oder als zugehörig bejahen, ist natürlich von etwas +anderer Art als die dem Verhältnis des Enthaltenseins entsprechende +zweite und dritte Form des Gesetzes. Wer gegen +diese zweite und dritte Form verstösst, widerspricht sich selbst, +wer hingegen gegen die erste Form verstösst, legt bloss einem +Subjekt ein nicht zu ihm gehörendes Prädikat bei, das im +Subjekt nicht enthalten ist, ihm also auch nicht widerspricht. +Aber er legt doch ein nicht zugehörendes Prädikat als zugehörend +bei und begeht in sofern einen Widerspruch. +</p> + +<p> +Das Gesetz der Übereinstimmung, das Einheitsgesetz und +das Gesetz der Kausalität sind Realgesetze, die den Fortschritt +unsres Denkens ermöglichen und begründen, müssen darum +als Gesetze des Erkennens im strengen Sinne bezeichnet +werden; das Gesetz des Enthaltenseins und das Gesetz des +Grundes sind Formalgesetze, nach denen der Inhalt der gewonnenen +Erkenntnis zergliedert wird, also eigentlich Denkgesetze. +Indes auch durch Verneinung des Nichtzugehörigen +und ebenso auch durch Verneinung des Nichtenthaltenen findet +entschieden ein Fortschritt des Erkennens statt. Insofern kann +<pb n="34"/><anchor id="Pg34"/> +auch das Gesetz des Widerspruchs eine reale Bedeutung +haben. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Fünfzehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Erkenntnis und blinde Überzeugung. +</p> + +<p> +Wir unterschieden den Blick, der die zusammengehörigen +Merkmale entdeckt; das Sichaufdrängen oder Einleuchten der +Zusammengehörigkeit; das Sehen, Wahrnehmen dieser Zusammengehörigkeit +oder die Einsicht in dieselbe, worin der +eigentliche Erkenntnisakt besteht; den gedanklichen Ausdruck +der Zusammengehörigkeit im Urteil; das Bewusstsein der Objektivität +oder Wahrheit des Urteils, das dem Einleuchten oder +Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit entspricht; endlich +die Überzeugung von der Wahrheit oder Gültigkeit des Urteils, +die zur Gewissheit wird, wenn sie jeden Zweifel ausschliesst. +Die thörichte Frage, ob das Ding so ist, wie wir +es mit den leiblichen Augen sehen, stellen wir nicht, auch +nicht die, ob ein solches Ding existiert, sondern die andere, +was das Ding seinem Wesen, seiner Wahrheit nach ist. Das +hängt natürlich von seiner Stellung in der Gesamtheit des +Wirklichen ab und kann nur mit dem Auge des Geistes gesehen +werden. +</p> + +<p> +Das auf Einsicht beruhende Urteil und die auf Einsicht +beruhende Überzeugung haben natürlich, wie die Einsicht +selbst, in dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit einen +vernünftigen sie vollkommen rechtfertigenden Grund, der aber, +wie wir sehen werden, keineswegs zwingend ist. Einsicht darf nicht +mit Denknotwendigkeit verwechselt werden. Allein Urteil und +Überzeugung können auch ohne vernünftigen Grund eintreten. +Wir sprechen dann von blindem Urteil, blinder Überzeugung. +Natürlich hat auch das blinde Urteil und die blinde Überzeugung +einen Grund, nur keinen zureichenden, wirklich rechtfertigenden +Grund. Ihr Grund besteht in den Gefühlen des +Gefallens und Missfallens, der Abneigung und Zuneigung, in +der durch die Meinung anderer, zu der auch die öffentliche +Meinung gehört, entstehenden Gewöhnung, in den von dort her +rührenden Vorurteilen der Familie, des Standes, der Nation, +der Konfession, des Berufs, in der Erziehung, in ererbten und +<pb n="35"/><anchor id="Pg35"/> +erworbenen Gehirndispositionen, endlich im Egoismus und +Lebenstrieb, der sich im Wettbewerb und im Kampfe ums Dasein +kundgiebt. Aus allen diesen Gründen entsteht zunächst +ein blindes Urteilen, oder gedankliches Behaupten, das, wenn +es oft genug wiederholt wird, eine blinde Überzeugung zur +Folge hat, die freilich auch unmittelbar aus diesen Gründen, +insbesondere aus den Gefühlen der Abneigung und Zuneigung, +des Gefallens und Missfallens, dann aus dem Egoismus und +Lebenstriebe hervorgehen kann. Diesem blinden Urteilen und +Überzeugtsein folgt dann das vermeintliche Sehen, Wahrnehmen +der Zusammengehörigkeit, die vermeintliche Einsicht in dieselbe, +die natürlich keine Erkenntnis ist, weil sie des +vernünftigen Grundes, auf dem alle Erkenntnis beruht, ermangelt. +Die Erkenntnis ist wirkliche, nicht bloss vermeintliche +Einsicht in die Zusammengehörigkeit und beruht auf dem +Einleuchten dieser Zusammengehörigkeit. Diese wirkliche +Einsicht geht immer dem Urteil, der gedanklich behaupteten Zusammengehörigkeit, +voran und unterscheidet sich dadurch +wesentlich von der vermeintlichen Einsicht. Wie solche blinden +Urteile und Überzeugungen des vernünftigen, sie rechtfertigenden +Grundes ermangeln, der nur in dem Einleuchten der Wahrheit +bestehen kann, so ermangeln sie damit auch des Kennzeichens +der Wahrheit, das eben in diesem Einleuchten besteht. +Wenn sie wahr sind, so sind sie doch nur zufälliger Weise +wahr; eine Bürgschaft für ihre Wahrheit bieten sie in keiner +Weise. +</p> + +<p> +Mit der in der Einsicht bestehenden Erkenntnis ist immer +eine Gewissheit verbunden, sie ist von derselben unabtrennbar. +Unter Gewissheit aber verstehen wir eine Überzeugung, +die jeden Zweifel ausschliesst. So lange wir zweifeln, hin- und +herschwanken, oder auch die Gründe für oder gegen eine +Sache abwägen, erkennen wir nicht. Wenn wir aber sagen: das +ist zweifelhaft, entweder weil gar keine Gründe dafür sprechen, +oder weil die Gründe, die dafür sprechen, nicht durchschlagend +sind; wenn wir ferner sagen: das ist wahrscheinlich oder das ist +unwahrscheinlich, weil mehr oder weniger Gründe für eine Sache +sprechen als für ihr Gegenteil, so ist das eine Erkenntnis; wir +sagen so, weil wir es einsehen. Eine wahrscheinliche oder zweifelhafte +<pb n="36"/><anchor id="Pg36"/> +Einsicht giebt es nicht, sondern nur eine Einsicht, dass etwas +wahrscheinlich oder zweifelhaft ist. Die Einsicht ist eben +immer mit der Gewissheit verbunden und von ihr unabtrennbar, +aber auch die blinde Überzeugung kann jeden Zweifel +ausschliessen und so zur Gewissheit werden. Von dieser Art +ist unzweifelhaft die Überzeugung des Fanatikers oder desjenigen, +der blindlings einem Andern in rückhaltloser, unbedingter +Weise vertraut. Ihre Überzeugung schliesst sicher jeden +Zweifel aus und muss darum als Gewissheit bezeichnet werden. +Freilich ist das eine blinde Gewissheit, die von der auf Einsicht +beruhenden und von ihr unabtrennbaren Gewissheit verschieden +ist. Offenbar hat die Gewissheit, insofern sie jeden +Zweifel ausschliesst, also nach ihrer negativen Seite, keine +Grade; nach ihrer positiven Seite hat sie allerdings, wenigstens +als blinde Gewissheit, ebenso wie die blinde Überzeugung, +Grade. Die blinde Gewissheit kann nicht als ein Maximum +der blinden Überzeugung betrachtet werden, sondern ist durch +die Leidenschaftlichkeit des Blindglaubenden einer Steigerung +bis ins Unermessliche fähig. Anders scheint es mit der auf +Einsicht beruhenden Gewissheit zu sein. Die Einsicht hat +natürlich keine Grade, sie ist entweder vorhanden oder nicht +vorhanden. Ein Mehr oder Minder giebt es hier nicht. Dasselbe +scheint auch von der mit der Einsicht verbundenen Gewissheit +zu gelten. Sie ist nicht bloss nach ihrer negativen +sondern auch nach ihrer positiven Seite ohne Grade. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Sechzehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit. +</p> + +<p> +Es ist keine Frage, dass es ein vermeintliches Einleuchten +giebt, dass wir oft glauben, die Zusammengehörigkeit leuchte +uns ein und doch hinterher bekennen müssen, dass wir uns +getäuscht haben. Wir wechseln nicht bloss unsere Ansichten +sondern auch unsere Einsichten, verwerfen eine frühere Einsicht +als bloss vermeintlich und setzen eine andere möglicherweise +wieder vermeintliche an ihre Stelle. Alles auf Grund +des, sei es wirklichen, sei es vermeintlichen Einleuchtens. +Wie kann da dieses Einleuchten noch als massgebendes und +entscheidendes Kennzeichen der Wahrheit betrachtet werden? +<pb n="37"/><anchor id="Pg37"/> +Wir haben schon gezeigt, dass die mit Einsicht verbundene +Gewissheit von andrer Art ist als die ohne Einsicht. Was +von der Gewissheit gilt, die ohne Einsicht eintritt, muss natürlich +auch von der Gewissheit behauptet werden, die sich mit der +vermeintlichen Einsicht verbindet. Da sich nun immer mit der +vermeintlichen Einsicht ebenso wie mit der wirklichen eine +Gewissheit verbindet, so können wir beide schon durch die +Art der mit ihnen verbundenen Gewissheit unterscheiden. Aber +auch abgesehen von diesem Unterschiede zwischen der vermeintlichen +und wirklichen Einsicht können wir uns der ersteren +erwehren und ihr gegenüber die letztere zur Geltung bringen. +Der vermeintlichen und wirklichen Einsicht entspricht das vermeintliche +und wirkliche Einleuchten oder Evidentsein eines +Sachverhaltes. Es kann nun irgend etwas mittelbar oder unmittelbar +einleuchtend sein. Alle des Beweises bedürftigen +Sätze sind, wenn sie bewiesen sind, mittelbar einleuchtend; unmittelbar +einleuchtend ist nach unsrer Auffassung nicht bloss +das Gesetz des Widerspruchs, sondern auch das der Ermöglichung +oder Kausalität. +</p> + +<p> +Nehmen wir nun an, dass ein Satz in mittelbarer Weise +einleuchtend zu sein scheint, so können wir, wenn sein Gegenteil +mittelbar einleuchtend gemacht werden kann, einen Beweis +hierfür erbringen und dadurch den Schein des Einleuchtens +beseitigen. Mag aber das Gegenteil des Satzes auch eines +Beweises nicht fähig sein, in jedem Falle sind wir im stande, +den Beweis, der für den in mittelbarer Weise scheinbar einleuchtenden +Satz geführt wird, zu prüfen und, falls sich hierbei +ein Fehler ergiebt, durch diese Prüfung den Schein des Einleuchtens +zu zerstören. Nehmen wir ferner an, dass ein Satz +in unmittelbarer Weise einleuchtend zu sein scheint, so können +wir für das Gegenteil einen Beweis zu führen suchen und dadurch +den Schein des Einleuchtens entfernen. Es bleibt noch +ein Fall als möglich übrig. Ein Satz könnte unmittelbar einleuchtend +scheinen und sein Gegenteil auch nur unmittelbar +einleuchten, sodass wir also keinen Beweis für dasselbe zu führen +im Stande sind. Hier stehen nun freilich Ja und Nein einander +gegenüber, und eine Entscheidung ist unmöglich. Aber dieser +vierte Fall ist in der Geschichte der Philosophie nicht vorgekommen. +<pb n="38"/><anchor id="Pg38"/> +Heraklit und Hegel haben das Gesetz des Widerspruchs +geleugnet, aber ihr Recht zu dieser Leugnung durch +einen Beweis darzuthun gesucht. In neuester Zeit hat man +das Gesetz der Kausalität nicht eigentlich geleugnet aber doch +bezweifelt, dass es unmittelbar einleuchtend sei. Aber auch +diesen Zweifel sucht man zu begründen, indem man dem Gesetze +der Kausalität das Gesetz von der Gleichförmigkeit des +Naturlaufs, das nur auf einer Induktion beruht, substituiert – eine +Zusammenfassung unsrer Erfahrungen über die Qualität +der zu bestimmten Wirkungen gehörenden Ursachen. Solche +Gedankengänge, die das unmittelbare Einleuchten gewisser +Sätze bestreiten, kommen natürlich im wirklichen Leben nicht +vor. Man ist hier eher geneigt, das unmittelbare Einleuchten +gewisser dem sinnlichen Schein oder einer unberechtigten Verallgemeinerung +zu liebe aufgestellter Sätze zu behaupten, wie +z. B. das unmittelbare Einleuchten des Satzes, dass die Sonne +still steht. Hier ist es ein Leichtes, durch den Beweis des +Gegenteils den Schein des unmittelbaren Einleuchtens zu zerstören. +</p> + +<p> +Es ergiebt sich, dass wir dem unleugbaren Vorkommen +einer <corr sic="vermeinlichen">vermeintlichen</corr> Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens +nicht ratlos gegenüberstehen und uns hierdurch in der +Annahme des Einleuchtens der Zusammengehörigkeit als eines +zuverlässigen und entscheidenden Kennzeichens der Wahrheit +nicht irre machen lassen dürfen. Wir können nicht bloss die +wirkliche Einsicht von der vermeintlichen an bestimmten Merkmalen +unterscheiden, wir können auch die entstehende vermeintliche +Einsicht überwinden, und zwar durch die wirkliche +Einsicht. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Siebzehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Einsicht und Denknotwendigkeit. +</p> + +<p> +Die Einsicht oder Erkenntnis beruht, wie wir sahen, auf +einem vernünftigen, zureichenden, sie völlig rechtfertigenden +Grunde. Es ist aber zu beachten wichtig, dass dieser Grund +nicht zwingend wirkt. Einsicht hat nichts mit äusserem Zwange +oder innerer Nötigung gemein; sie kann darum auch keineswegs +mit Denknotwendigkeit verselbigt werden. Allerdings kommt +<pb n="39"/><anchor id="Pg39"/> +in unsren Schlussfolgerungen aus der Einsicht häufig so etwas +wie Denknotwendigkeit zum Ausdruck. Wir sagen: es kann +nicht anders sein, es muss so sein. Wir sagen das nicht bloss, +wenn es sich um begriffliche, sondern auch, wenn es sich um +bloss thatsächliche Wahrheiten handelt. Wenn wir sie einsehen, +so erscheint uns das Gegenteil ausgeschlossen, also unmöglich. +Woher kommt das? Offenbar lediglich von der mit der Einsicht +verbundenen Gewissheit. Wir sind gewiss, das heisst, aller +Zweifel und damit auch die Möglichkeit, dass es anders sein +könnte, die Möglichkeit des Gegenteils ist ausgeschlossen. So +sagen wir denn eben wegen dieser Gewissheit: so muss es +sein. Soll das etwa heissen, dass zwischen den zusammengehörigen +Gliedern, deren Zusammengehörigkeit wir einsehen, +ein Notwendigkeitszusammenhang besteht? Sicherlich nicht. +Denn sonst dürften wir nicht in gleicher Weise reden, wenn +es sich um bloss thatsächliche Wahrheiten handelt, bei denen +offenbar die Annahme eines Notwendigkeitszusammenhangs +ausgeschlossen ist. Indes könnte immerhin die Einsicht überall +da mit der Denknotwendigkeit verselbigt werden müssen, wo +ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des <corr sic="Zusammengegehörigen">Zusammengehörigen</corr> +vorliegt. Das bedarf einer nähern Untersuchung. +</p> + +<p> +Es fragt sich, ob bei allen begrifflichen Sätzen eine solche +Denknotwendigkeit vorhanden ist, und weiterhin, ob dort, wo +sie vorhanden, die Denknotwendigkeit mit der Einsicht ein und +dasselbe ist. In den Gesetzen des Erkennens und Denkens +kommt anscheinend überall eine Denknotwendigkeit zum Ausdrucke. +Gesetz der Übereinstimmung: Das Zugehörige <hi rend='italic'>muss</hi> +zugesprochen, <hi rend='italic'>darf nicht</hi> abgesprochen, das Nichtzugehörige +<hi rend='italic'>darf nicht</hi> zugesprochen, <hi rend='italic'>muss</hi> abgesprochen werden. Das +Gesetz des Enthaltenseins: Das Enthaltene <hi rend='italic'>muss</hi> zugesprochen, +<hi rend='italic'>darf nicht</hi> abgesprochen, das Nichtenthaltene <hi rend='italic'>darf nicht</hi> +als enthalten zugesprochen, <hi rend='italic'>muss</hi> abgesprochen werden. Das +Gesetz der Einheit: Das System der Wahrheit setzt <hi rend='italic'>notwendig</hi> +einen Denkenden voraus. Das Gesetz der Ermöglichung: Was +anfängt, zu existieren, setzt <hi rend='italic'>notwendig</hi> ein Anderes voraus, +das bei seinem Anfange schon vorhanden ist und diesen ermöglicht. +Das Gesetz des Grundes: Aus der Wahrheit des +Grundes ergiebt sich <hi rend='italic'>notwendig</hi> die Wahrheit der Folge, aus +<pb n="40"/><anchor id="Pg40"/> +der Falschheit der Folge die Falschheit des Grundes. Das +»muss«, »darf nicht«, »notwendig« drückt hier zunächst auch +nichts anderes als die Gewissheit aus, die jeden Zweifel und +damit die Möglichkeit des Andersseinkönnens ausschliesst. +Aber es verhält sich doch bei diesen Gesetzen mit der Notwendigkeit +nicht gleichmässig. Ein Notwendigkeitsverhältnis +zwischen dem Ding und dem von ihm Ausgesagten liegt unzweifelhaft +vor, wenn das Ausgesagte in dem Dinge enthalten +ist. Natürlich ebenso, wenn es sich nicht um Dinge sondern +um Urteile handelt, wenn nach dem Gesetze des Grundes aus +der Wahrheit des den Grund bildenden Urteils die Wahrheit +des die Folge ausdrückenden Urteils und wenn aus der Falschheit +des die Folge ausdrückenden Urteils die Falschheit des +den Grund bildenden Urteils erschlossen wird. In diesen +beiden Fällen, allgemeiner: in Urteilen, wo es sich um ein +Enthaltensein handelt, mag man von einer Denknotwendigkeit +reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein <corr sic="gegegebene">gegebene</corr> +Notwendigkeitsverhältnis darunter verstehen. Wir +sind durch nichts äusserlich gezwungen oder innerlich genötigt, +das in einem Dinge Enthaltene von ihm auszusagen oder aus +einem Urteil als dem Grunde ein anderes als seine Folge abzuleiten. +Wir sehen freilich mit einer allen Zweifel ausschliessenden +Gewissheit ein, dass das Urteil, in dem wir das in einem Ding +Enthaltene von ihm aussagen, notwendig wahr sein muss, +ebenso, dass das Urteil wahr sein muss, das sich als Folge +aus einem andren Urteil als seinem Grunde ergiebt. Aber +wiederum ist zu beachten wichtig, dass diese Einsicht in die +Wahrheit der Urteile mit der im Enthaltensein gegebenen +Denknotwendigkeit nichts zu thun hat, von ihr ganz und gar +verschieden ist und sich in keiner Weise auf sie stützt. Es +ergiebt sich, dass, wenn auch in Bezug auf das Enthaltensein +von Denknotwendigkeit geredet werden kann, diese Denknotwendigkeit +doch nicht mit der Einsicht verwechselt oder verselbigt +werden darf. +</p> + +<p> +Auch in Bezug auf das zusammengehörige Nichtenthaltene +kann von Denknotwendigkeiten geredet werden. Man hat von +jeher unterschieden zwischen den Proprietäten oder wahren +Eigenschaften, die nicht als Merkmale im Ding enthalten sind +<pb n="41"/><anchor id="Pg41"/> +und ihm doch notwendig zukommen, und zwischen den Accidentien, +die ihm zukommen können. Richtung und Geschwindigkeit +sind für die Bewegung, Stärke und Höhe für +den Ton solche Eigenschaften, aber die bestimmte Richtung +und Geschwindigkeit, die bestimmte Stärke und Höhe sind nicht +notwendig. Ohne jene Eigenschaften kann Bewegung und +Ton gar nicht vorhanden sein, wohl aber ohne diese Bestimmtheiten. +Die Zugehörigkeit ist hier Denknotwendigkeit. +Aber es ist zu beachten wichtig: nicht weil es denknotwendig ist, +betrachten wir dieses Zugehörige als zugehörig, sondern nur +darum, weil uns die Zugehörigkeit einleuchtet und wir sie +einsehen. Jede Eigenschaft setzt ferner ein Selbständiges, +jede Bewegung, jede Veränderung ein Bewegliches, ein Veränderliches, +ein Beharrliches voraus. Wir können das nicht +anders denken; also wiederum eine Denknotwendigkeit innerhalb +des Zugehörigen, Nichtenthaltenen. Es scheint, als wenn +dieser Denknotwendigkeit gar keine Einsicht entspricht. Wir +sehen ein, dass und warum das Enthaltensein denknotwendig +ist; aber wir sehen nicht ein, warum wir in unsrem Denken +für die Eigenschaft ein Selbständiges, für die Bewegung ein +Bewegliches, für die Veränderung ein Veränderliches voraussetzen +müssen. Wir können nur sagen, die Einrichtung +unsres Denkens bringt das so mit sich. Die Röte hat doch +ihren eigenen Inhalt, ebenso die Bewegung, ebenso die Veränderung. +Warum setzt sie etwas voraus, das rot ist, sich +bewegt, sich verändert? Hier scheint bloss ein blindes Müssen +vorhanden zu sein, das auf einer Einrichtung, auf einem Mechanismus +unsres Denkorganismus beruht. Es scheint nicht +unwichtig zu beachten, dass keine Denknotwendigkeit besteht, +jedes Selbständige mit Eigenschaften auszustatten oder +jedem Beharrlichen eine Bewegung oder Veränderung zuzuschreiben. +Wenn wir einem Selbständigen, einem Dinge eine +Eigenschaft zuschreiben, ihm Bewegung oder Veränderung beilegen, +so geschieht das, weil uns die betreffenden Zusammengehörigkeiten +einleuchten. +</p> + +<p> +Auch bezüglich des Nichtenthaltenen und Nichtzugehörigen +giebt es Denknotwendigkeiten, die wir als Unverträglichkeitsverhältnisse +bezeichnen. Sie sind überall dort vorhanden, wo +<pb n="42"/><anchor id="Pg42"/> +von einem Subjekt ein Prädikat notwendig ausgeschlossen ist. +Das gilt von allen Prädikaten, die das kontradiktorische Gegenteil +des Subjekts ausdrücken. Es gilt ferner von allen Dingen – das +Wort im engern Sinne genommen – unter einander. +Da sie ein Eigensein haben und einander gegenüber selbständig +sind, können sie nicht von einander ausgesagt werden. Bei +vielen Prädikaten macht sich in ihrem Verhältnis zu einander +diese Unverträglichkeit geltend, die nur die Kehrseite der Notwendigkeit +ist. Sie können nicht zugleich von demselben Subjekt +ausgesagt werden; so: Bejahen und Verneinen desselben +Gegenstands, Wollen und Widerstreben in Bezug auf denselben +Gegenstand, die sogenannten konträren Gegensätze arm und +reich, jung und alt, gross und klein, schwarz und weiss usw. +Dass wir diese Prädikate als unverträglich miteinander oder +mit dem Subjekt erkennen, hat seinen Grund natürlich lediglich +in dem Einleuchten der Unverträglichkeit, nicht in der mit +ihr gegebenen Denknotwendigkeit, sodass also auch hier Denknotwendigkeit +und Einsicht als etwas ganz Verschiedenes erscheint. +</p> + +<p> +Es fragt sich, ob nicht eine Denknotwendigkeit in dem +Einheitsgesetz und dem Gesetz der Kausalität vorliegt, und +weiterhin, ob nicht diese Denknotwendigkeit mit der Einsicht +als ein und dasselbe gesetzt werden muss. Zunächst ist einleuchtend, +dass es sich für uns nicht darum handeln kann, zu +entscheiden, ob zwischen dem Denkenden und dem System der +Wahrheit, zwischen dem den Anfang irgendwie Ermöglichenden +und dem Anfangenden ein Notwendigkeitszusammenhang besteht, +sondern lediglich darum, ob er von dem Einheits- und +Kausalitätsgesetz gefordert wird und in diesen Gesetzen zum +Ausdrucke kommt. Beides wird nun geleugnet werden müssen. +In dem Einheitsgesetz (das System der Wahrheit setzt einen +Denkenden voraus, der alle Wahrheit erkennt) und in dem Gesetz +der Kausalität (das Anfangende setzt ein anderes schon Bestehendes +voraus, das seinen Anfang ermöglicht) ist von +einem Notwendigkeitsverhältnis zwischen dem Denkenden und +dem System der Wahrheit, zwischen dem den Anfang +Ermöglichenden und dem Anfangenden in keiner Weise die +Rede; ein solches Notwendigkeitsverhältnis wird darum auch +<pb n="43"/><anchor id="Pg43"/> +von diesen Gesetzen nicht gefordert. Nur insofern kommt auch +in diesen Gesetzen ein Notwendigkeitsverhältnis zum Ausdruck, +als das System der Wahrheit notwendig einen Erkennenden, +und das Anfangende notwendig einen Ermöglichungsgrund +voraussetzt. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dieses Notwendigkeitsverhältnis +als eine Denknotwendigkeit zu bezeichnen; +aber wiederum gilt, dass diese Denknotwendigkeit nicht +der Grund unsrer Einsicht in die Wahrheit dieser Gesetze ist, +dass vielmehr dieser Grund, wie überall so auch hier, nur das Einleuchten +der Zusammengehörigkeit sein kann. Auch hier sind also +Denknotwendigkeit und Einsicht ganz und gar verschieden. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Achtzehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Einsicht und Wille. +</p> + +<p> +Da mit der Einsicht keinerlei Zwang oder innere Nötigung +für uns verbunden ist, so sind wir im Stande uns derselben +zu entziehen, wenn sie unsren Neigungen nicht entspricht, wie +viele Erfahrungen unseres Lebens uns bestätigen. Das Widerstreben +gegen die erkannte Wahrheit ist eine leider nur zu +häufig vorkommende Thatsache. Wir können unsren Blick +von dem Sichaufdrängen und Einleuchten der Zusammengehörigkeit +ablenken und auf etwas andres richten, uns dadurch +die eintretende Einsicht aus dem Sinne schlagen, in den Hintergrund +drängen, verdunkeln und sogar ganz beseitigen, um uns +einem entgegengesetzten, blinden Dafürhalten, das unsren +Neigungen besser entspricht, hinzugeben. Aber auch wenn +dies nicht der Fall ist, bleibt die Einsicht und das ihr folgende +Urteil oft ein blosser Verstandesakt, selbst vorausgesetzt, dass +entgegengesetzte Interessen vorhanden sind aber keinen Einfluss +ausüben, weil der Wille nicht widerstrebt. Ganz verschieden +von diesen Verstandesakten ist die Liebe zur Wahrheit, +die sich in der Hingabe und Unterwerfung des Willens +unter die Wahrheit und in dem Ergriffen- und Unterjochtwerden +des Gemütes von der Wahrheit kundthut und der Vertiefung +in die Wahrheit, insbesondere in ihren überzeitlichen Charakter, +zu folgen pflegt. Es ist klar, dass die Wahrheitserkenntnis +erst durch diese Mitbeteiligung des Willens und Gemüts eine +Bedeutung für unser inneres Leben erhält. Die Anerkennung +<pb n="44"/><anchor id="Pg44"/> +der erkannten Wahrheit, das Festhalten an ihr trotz entgegengesetzter +Neigung ist eine strenge sittliche Pflicht, ja die höchste +sittliche Pflicht, denn alles Unsittliche hat seine letzte Wurzel +und Quelle in dem Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit, +was schon in dem blossen Sichabwenden und Unbeachtetlassen +der eben aufleuchtenden Einsicht sich kundgiebt. Die +erkannte Wahrheit ist ein sittliches Gut, nicht ein Gut des +egoistischen Willens sondern ein Gut des Gemeinschaftswillens; +ja sie ist das Gut der Güter, das höchste Gut, denn +alle andren Güter erhalten nur durch sie ihren Wert. Die +Wahrheitsliebe ist Pflicht jedes Menschen, die glühende Liebe +zur Wahrheit ist die Tugend des wissenschaftlichen Forschers. +Das Wort Kants vom guten Willen gilt im höchsten Sinne +von der Wahrheit: Das einzige, was nicht bloss in der Welt +der wollenden Wesen, wie der gute Wille, sondern überhaupt +um seiner selbst willen gut ist, ist die Wahrheit, denn alles +andere ist nur gut durch sie. Das gilt von allen Wahrheiten. +Einer besondren Beachtung bedürfen die sittlichen und religiösen +Wahrheiten, die Wahrheiten, welche, allgemeiner gesprochen, +unser praktisches Verhalten und unsre persönlichen Beziehungen +regeln. Sie müssen natürlich den Willen in ganz andrer Weise +beeinflussen und das Gemüt in Anspruch nehmen und doch +bleiben gerade sie häufig lediglich blosse Kopfwahrheiten. Die +mit ihnen verbundene Einsicht ist natürlich auch ein Verstandesakt. +Sitte und Gewohnheit bringen es mit sich, dass +man ihnen die Anerkennung im Denken und Reden nicht versagt. +Diese Anerkennung wird als etwas Selbstverständliches +betrachtet. Aber sie ist auch lediglich eine Anerkennung des +Verstandes, die diesen Wahrheiten in gedankenloser Weise +entgegengebracht wird, ohne dass der Wille und das Herz +davon irgendwie berührt werden, selbst wenn das Leben des +Anerkennenden den Wahrheiten durchaus widerspricht. Der +Widerspruch zwischen den Gewohnheiten des Lebens, wie sie +im Handeln sich kundgeben und zwischen der ebenfalls im +Denken und Reden zur Gewohnheit gewordenen Anerkennung +kommt gar nicht mehr zum Bewusstsein. Die Gewohnheit auf +beiden Seiten lässt eine Reflexion gar nicht aufkommen und +alles als selbstverständlich erscheinen. Das ist die Lage der +<pb n="45"/><anchor id="Pg45"/> +meisten Menschen, die im Reden und Denken an der ihnen +anerzogenen Moral und Religion festhalten, obgleich die Grundsätze +dieser Moral und Religion auf ihre Gesinnung, ihr Leben +und Handeln gar keinen Einfluss ausüben. Ihre Moral und +Religion ist lediglich zur Kopfwahrheit geworden. Wie oft +werden Grundsätze im Denken und Reden als selbstverständlich +anerkannt und doch im Leben und Handeln ohne weiteres, wir +müssen sagen gedankenlos, unbewusst, mit Füssen getreten. +Wer verurteilt in seinem Denken und Reden nicht den Egoismus, +und wer zieht das zuerst deutlich, dann immer weniger deutlich, +zuletzt gar nicht mehr als minderwertig erkannte eigene Ich +nicht dem fremden vor? +</p> +</div> +</div> + +<div> +<head rend="body-abschnitt"> +Vierter Abschnitt. <lb /><lb /> +Umfang unsres Wissens. +</head> + +<div><head rend="body-subhead"> +Neunzehnte Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Schranken unsres Erkennens. +</p> + +<p> +Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Gegenstand und +das Ziel des Erkennens nichts andres sein kann als die Wahrheit +in ihrem überzeitlichen Charakter, der allein ihre Allgemeingültigkeit +für alle Denkenden verbürgt. Aber es fragt +sich, ob die thatsächliche Beschaffenheit der Erkenntnisvorgänge +dieser Aufgabe in jeder Hinsicht angemessen ist und gerecht +wird. Um diese Frage zu beantworten, gehen wir von der +seit Aristoteles und dem Neuplatoniker Porphyrius üblichen +Unterscheidung zwischen den Prädikabilien und Prädikamenten +oder Kategorien aus. Unter Prädikabilien verstehen wir +höchste Aussagen über Begriffe, unter Prädikamenten oder +Kategorien höchste Aussagen über das Seiende. Man zählt +nach Porphyrius fünf Prädikabilien: Gattung, Art, Differenz, +das Notwendige (Proprietät), das Zufällige (Accidenz), die +wesentlichen Merkmale, welche in Gattung, Art und Differenz +vorhanden sind, von den ausserwesentlichen notwendigen oder +zufälligen unterscheidend; ferner nach Aristoteles zehn Kategorien: +Substanz, Eigenschaften, Grösse, Beziehung, Ort, Zeitpunkt, +Lage, Thun, Leiden, Zustand. +</p> + +<p> +Die notwendigen Merkmale oder Proprietäten sollen also +etwas anderes als die Eigenschaften sein. Die Eigenschaft +<pb n="46"/><anchor id="Pg46"/> +kann sowohl Proprietät als Accidenz sein, sie kann dem Ding +sowohl notwendig als zufällig zukommen. Z. B. ist die weisse +Farbe und das Kranksein eine Eigenschaft gewisser Menschen, +aber doch nur ein Accidenz. Es gehört zum Wesen der Eigenschaft, +dass sie nicht ohne ein Selbständiges sein kann, dessen +Eigenschaft sie ist, dass sie ein Selbständiges notwendig voraussetzt: +aber darum ist sie noch nicht notwendig für dieses +Selbständige. Das gilt nur von der Proprietät. So setzt auch +das Anfangende einen Ermöglichungsgrund notwendig voraus, +geht aber darum noch keineswegs aus diesem Ermöglichungsgrund +notwendig hervor oder ist mit ihm notwendig verbunden. +Die Proprietät gehört, wie das Accidenz, zum Ausserwesentlichen; +die Eigenschaft kann sowohl zum Wesentlichen als +Ausserwesentlichen gehören. Man sieht, die Unterscheidung +von Proprietät und Eigenschaft lässt sich zur Not aufrecht erhalten +und durchführen. Aber warum sollen die Proprietäten, +warum soll überhaupt das Ausserwesentliche nur eine Aussage +über Begriffe enthalten? Gehört das Ausserwesentliche nicht +auch zum Seienden? Gattung und Art sind <corr sic="oftenbar">offenbar</corr> Prädikabilien, +wenn man sie einfach nach dem Verhältnis des Allgemeinen +und Besondern ins Auge fasst. Aber die Alten haben +mit Recht Gattung und Art nicht bloss nach diesem Verhältnis +bestimmt, sondern für beide nur die wesentlichen Merkmale in +Anspruch genommen und die ausserwesentlichen auf Proprietät +und Accidenz verteilt. Ist aber nun das Wesentliche und +weiterhin das Wesen ein blosses Prädikabile? und nicht vielmehr +eine Kategorie? Ja, die Kategorie der Kategorien? Das +Seiende ist doch eben nur ein Seiendes dadurch, dass es ein +Wesen, eine Wahrheit hat. +</p> + +<p> +Verschiedenheit und Gleichheit sind sicher unmittelbar +nur Aussagen über unsre Begriffe, keine Kategorien, ebensowenig +das Nichtseiende, die Negation des einen vom andern; +Mensch als Nicht-Pflanze z. B. Demnach kann auch die Zahl +keine Kategorie sein; sie ist der Gattung verwandt und wie diese +Zusammenfassung niederer Einheiten zu einer höheren Einheit; +nur dass bei der Gattung in dieser höheren Einheit die niedern +für das Bewusstsein verschwinden, während sie bei der Zahl +im Bewusstsein festgehalten werden. Aber wie steht es mit +<pb n="47"/><anchor id="Pg47"/> +der Einheit im höchsten Sinne? Ist sie auch keine Kategorie? +Sicher ist sie eine Kategorie. Nur dadurch, dass das Seiende +ein Teil der Einen Wahrheit ist und an ihr teilnimmt, ist es +ein Seiendes; die Einheit wie das Wesen, wie die Wahrheit +selbst ist in der That die höchste Kategorie; sie ist von Wahrheit +und Wesen nicht zu trennen, so wenig wie das Wesen +von der Wahrheit und die Wahrheit vom Seienden. +</p> + +<p> +Es mag angemessen sein, das für ein Ding Notwendige +und das ihm Zufällige zu unterscheiden; aber wichtiger ist die +Frage, ob etwas darum, weil es zufällig ist, weniger zum +Seienden gehört. Zufällig ist dem Menschen das Kranksein, +das Krüppelhaftsein, wohl auch die Farbe, die schwarze, gelbe, +rote Haut; aber sind diese Eigenschaften darum weniger seiend, +weil sie zufällig sind? Was hat es mit dem Zufälligen überhaupt +in Hinsicht des Seins auf sich? Fragen wir endlich, ist +die Wirklichkeit eine Kategorie? Auch die nichtseinsollende +Wirklichkeit? Sicherlich wird man diese Frage bejahen müssen! +Wir kommen auf den ersten Teil derselben zurück. Wie steht +es mit der Negation, die als Negation des Nichtzugehörigen, +Nichtenthaltenen für den Fortschritt unsres Erkennens von so +grosser Wichtigkeit ist? Hat sie eine reale Bedeutung? Wenn +man sagt, das eine ist bloss nichtseiend mit Bezug auf das +andere, nicht aber an sich, so vergisst man, dass das Nichtsein +des andern die Beschränktheit, die Endlichkeit des einen, +gleichsam das im einen selbst vorhandene Nichtsein voraussetzt. +Was hat es mit diesem anscheinend seienden Nichtsein +auf sich? +</p> + +<p> +Wie die Prädikabilien von dem Gedanken des Enthaltenseins, +von dem Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren beherrscht +sind, so tritt für die Tafel der Kategorien die sinnliche, +sinnfällige Wirklichkeit (Substanz, Grösse, Ort, Lage) in den +Vordergrund. Das entspricht in gewisser Hinsicht der thatsächlichen +Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge, aber in +keiner Weise dem Zwecke derselben. Je mehr wir uns von +der sinnfälligen Wirklichkeit entfernen, desto inhaltleerer wird +anscheinend unser Denken. Wir haben immer weniger Anlass, +mit der Negation zu unterscheiden und zu trennen. Das Verhältnis +des Enthaltenseins tritt in den Vordergrund, das Denken +<pb n="48"/><anchor id="Pg48"/> +ist sozusagen in dasselbe eingespannt, die Einheit wird zur +Einerleiheit, das Wesen zum inhaltsleeren Allgemeinen; selbst +die Wahrheit kommt auf das Enthaltensein zurück (immanenter +Wahrheitsbegriff). Und doch hat das Verhältnis des Enthaltenseins +für unser Erkennen nur eine untergeordnete Bedeutung. +Die sogenannte sinnfällige Wirklichkeit kann, wie wir noch +sehen werden, nur die Bedeutung eines Erkenntnismittels haben, +das wohl die Richtung des Erkennens, aber nicht sein Ziel +bestimmt. In dieser thatsächlichen Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge +liegt offenbar eine Schranke für das seinem +Ziele zustrebende Erkennen. +</p> + +<p> +Als weitere Schranken unsres Erkennens lehrt eine eingehende +Betrachtung die Kategorien des Raumes, der Zeit, der +Substanz und Kausalität kennen, die in unsrem Erkennen die +grösste Rolle spielen. Vergleichen wir das System der Wahrheit, +wie es unsrem Erkennen gegeben wird oder entgegentritt, +einem Gebäude, in dem wir das Gerüste oder Fachwerk von +der ausfüllenden Masse, einem Gewebe, in dem wir die Kette +von dem Einschlag unterscheiden, so können Raum, Zeit, +Substanz und Kausalität als das Gerüste oder Fachwerk für +das Gebäude der Wahrheit oder als die Kette für das Gewebe, +das sie bildet, bezeichnet werden. +</p> + +<p> +Die Kategorien Raum und Zeit setzen die Sinnenbilder +der Ausdehnung und Bewegung voraus, gehen aber weit über +diese Sinnenbilder hinaus; sie bestehen in einer begrifflichen +Bearbeitung derselben, die nicht etwa bloss das in ihnen Enthaltene +wiedergiebt, sondern auch das für das Denken ihnen +Zugehörige hinzufügt. Aber in dieser begrifflichen Bearbeitung +steckt ebenso wie in den entsprechenden Sinnenbildern ein +irrationales oder dem Denken inkommensurables Element. Es +ist für Ausdehnung und Raum die Berührung der Teile, +welche das den beiden wesentliche Nebeneinander ausschliesst; +es ist für Bewegung und Zeit der Übergang, der das der Bewegung +und Zeit wesentliche Nacheinander ausschliesst. +Zwischen zwei nebeneinander liegenden Orten giebt es keinen +dritten, beiden gemeinsamen; zwischen zwei auf einander +folgenden Zeitpunkten keinen dritten, beiden gemeinsamen. +Und doch setzt das die Berührung und der Übergang voraus, +<pb n="49"/><anchor id="Pg49"/> +wenn wir mit dem Denken zu erfassen suchen, was sie besagen. +Die Kategorien der Substanz und Kausalität verlangen, dass dem +Sinnenbild des Ausgedehnten und Bewegten der der innern +Erfahrung entstammende Willensimpuls in associativer Weise +unterlegt wird. Dadurch entstehen aus dem Ausgedehnten +die den Raum ausfüllenden und damit Widerstand entgegensetzenden +Dinge – neue, umfassendere Sinnenbilder, deren +begriffliche Bearbeitung die Begriffe der Substanz und Kausalität +ergiebt. Auch diese enthalten das irrationale, dem Denken +inkommensurable Element in verstärktem, verdoppeltem Masse. +Die Berührung wird für die Substanz zur Quelle des Nebeneinander, +trotzdem sie eigentlich das Nebeneinander ausschliesst. +Der Übergang wird für die Kausalität zur Quelle des Nacheinander, +trotzdem der Übergang das Nacheinander ausschliesst. +</p> + +<p> +Natürlich sind die Begriffe von Raum und Zeit, von +Substanz und Kausalität nicht etwa bloss umgeformte Sinnenbilder +oder sinnliche Empfindungen, sie sind das Erzeugnis einer +begrifflichen Bearbeitung und gehen insofern weit über das +sinnliche Gebiet hinaus; aber in ihnen bleibt ein aus +der Empfindung stammendes, für das Denken nicht aufzuhellendes, +undurchsichtiges Element. Trotzdem schon in den +Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und mehr noch in +den umfassenderen Sinnenbildern, die aus ihnen durch associative +Verknüpfung mit dem Willensimpuls entstehen, am meisten +aber in der begrifflichen Bearbeitung dieser Sinnenbilder der +synthetische Charakter unsres Erkennens zum Ausdrucke kommt, +kann doch in allen unsren Erkenntnissen, in denen diese Sinnenbilder +und die aus ihnen durch begriffliche Bearbeitung gewonnenen +Kategorien der Zeit, des Raumes, der Substanz und +Kausalität eine Rolle spielen, von einem Einleuchten des +Zusammengehörigen und von einer Einsicht in dasselbe keine +Rede sein; ausser insofern wir von dem in den Sinnenbildern +enthaltenen und in diesen Kategorien wiederkehrenden irrationalen +Element absehen. Sehen wir von diesem irrationalen +Element ab, so bleibt uns eine blosse Mannigfaltigkeit in Raum +und Zeit übrig, über die wir, was das Verhältnis und die +Zusammenordnung der Teile angeht, einleuchtende und einsichtige +Urteile zu fällen im Stande sind. +</p> + + +<pb n="50"/><anchor id="Pg50"/> + +<p> +In den Gesetzen des Erkennens und Denkens, die wir +als einleuchtend und einsichtig betrachten, haben wir von den +Vorstellungen Substanz und Kausalität natürlich keinen Gebrauch +machen können. Das Gesetz der Übereinstimmung spricht von +Dingen, aber in ganz allgemeinem Sinne, wonach Eigenschaften, +Vorgänge, Beziehungen auch als Dinge gelten können; nicht aber +im Sinne der Substanzvorstellung. Im Gesetze der Kausalität +haben wir nur von der Ermöglichung des Anfangs reden können, +nicht von der Kausalität im Sinne der Ursachvorstellung als +hervorbringender Ursache. Dass etwas in einem bestimmten +Zeitpunkte anfängt, hat für uns keine grössere Schwierigkeit +zu denken, als dass es in einem bestimmten Zeitpunkte oder an +einem bestimmten Orte vorhanden ist. Man könnte in dem +Einheitsgesetze unsres Erkennens den Einen Erkennenden als +Träger und Erzeuger des überzeitlichen, natürlich auch überräumlichen +Systemes aller Wahrheit auffassen; aber es ist einleuchtend, +dass das Wort Träger in diesem Falle nicht im +Sinne der Substanzvorstellung und das Wort Erzeuger nicht +im Sinne der Ursachvorstellung gedacht wird. +</p> + +<p> +Raum und Zeit bieten der Erkenntnis freilich noch eine +andere Schwierigkeit. Sie verhalten sich völlig gleichgültig +gegen den Inhalt, passen sich jedem Inhalte an, vermehren den +Inhalt in keiner Weise und bilden insofern einen Gegensatz zu +Substanz und Kausalität. Man kann sie deshalb als Formalkategorien, +Substanz und Kausalität im Gegensatz zu ihnen als +Realkategorien bezeichnen. Die Frage nach der Bedeutung +von Raum und Zeit für den Inhalt ist darum eine unabweisliche, +um so mehr, da nur durch sie die Individualisierung der Dinge +und Vorgänge möglich ist. Sie sind die Prinzipien der Individuation, +durch die allein für unser Denken die Dinge aus +der Sphäre der unbestimmten und darum bloss gedanklichen +Allgemeinheit herausgehoben und zu Wirklichkeiten gestempelt +werden, die nur Einzelwirklichkeiten sein können. Was haben +Raum und Zeit im Reiche der Wahrheit für eine Bedeutung, +wie unterscheiden sich Wahrheit und Wirklichkeit? das ist die +für das Erkennen schwierige, vielleicht unlösbare, jedenfalls +noch nicht gelöste Frage. Sagen wir, das Wahre ist wirklich, +insofern es vom göttlichen Wesen nicht bloss gedacht sondern +<pb n="51"/><anchor id="Pg51"/> +auch gewollt wird, Raum und Substanz sind der symbolische +Ausdruck für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge ihm +gegenüber, Zeit und Kausalität der symbolische Ausdruck für +die völlige Abhängigkeit der Dinge von ihm, so sind das +jedenfalls viel zu allgemeine Antworten, um als genügend +gelten zu können, obgleich sie eine ganze Weltanschauung +und vielleicht die einzig mögliche enthalten. Natürlich muss +das Weltwirkliche sich in völliger Abhängigkeit von Gott +befinden. Der Willensakt, dem es seinen Ursprung verdankt, +kann ihm nur eine scheinbare, keine wirkliche Selbständigkeit +verleihen. Wo gäbe es in der Welt auch etwas wirklich völlig +Selbständiges? Es giebt kein gottfremdes, ihm nicht gehörendes +Sein – ein solches würde ja eine Schranke für Gott, ein zweiter +Gott sein. Unter dieser Voraussetzung ist jener göttliche Wille +nur als Selbstentsagung, Selbstentäusserung, Selbstverzicht Gottes +zu denken, durch welche den Dingen der Welt eine Selbständigkeit +geliehen wird, die ihnen eigentlich nicht zukommt. Diese +geliehene Selbständigkeit kommt in Raum und Substanz, hingegen +die wirkliche Unselbständigkeit, die unbeschadet jener +besteht, in Zeit und Kausalität zum Ausdruck. Hiernach ist +die Wirklichkeit nicht wie Raum und Zeit eine Formalkategorie, +was man wegen des Zusammenhangs der Entstehung unserer +Erkenntnis der Wirklichkeit mit den Kategorien von Raum +und Zeit erwarten sollte. Sie beruht auf dem wirklichen Akte +der Selbstentsagung und Selbstentäusserung Gottes, dessen +Ergebnis, die geliehene Selbständigkeit, nicht als etwas bloss +Scheinbares betrachtet werden kann. Die auf ihren Wirklichkeitssinn +pochenden Philosophen der Gegenwart werden diese +Gedanken für übersteigend oder gar verstiegen halten, das ist +ebenso leicht als überflüssig. Wünschenswert wäre, dass sie +endlich erklärten, worin denn nach ihrer Meinung die Wirklichkeit +im Unterschied von der Wahrheit bestehe und ob Raum +und Zeit bloss für das Zustandekommen unserer Erkenntnis +der Wirklichkeit oder auch für diese selbst eine Bedeutung +haben. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Zwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Die Erkenntnis der Aussenwelt. +</p> + +<p> +Wenn wir die Entstehung und Zusammensetzung unsrer +<pb n="52"/><anchor id="Pg52"/> +Vorstellungen der Weltdinge und ihrer Ordnung in Raum und +Zeit ins Auge fassen, wie sie nach dem gesicherten Ergebnis +der Psychologie notwendig gedacht werden muss, so können +wir keinen Augenblick darüber zweifeln, dass wir von der +Beschaffenheit dieser Dinge keine Erkenntnis haben. Die +Annahme, dass die Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, +beruht offenbar auf einer bloss vermeintlichen, durch die Psychologie +völlig beseitigten Einsicht. Für den Kenner der +Psychologie ist die Frage, ob die Dinge so sind, wie wir sie +sehen, einfach ungereimt. Jeder hat sein besonderes, eigenes +Gesichtsbild von den Dingen, und dieses besteht aus den Gesichtsempfindungen +und den mit ihnen associierten Tastempfindungen: +seine Stelle im Raum wird bestimmt durch die +für das Zustandekommen dieser Tastempfindungen erforderlichen +Muskelempfindungen der Arm- und Beinexkursionen. Zu einem +uns gegenüberstehenden sogenannten Gegenstande wird das +Ding durch die von unsren Bewegungen hergenommene und +dem bewegten Gesichtsbilde zu Grunde gelegte Willensenergie, +die allmählich verblasst und als Restbestand das den Raum ausfüllende +und Widerstand entgegensetzende Ding übrig lässt. +Wenn wir die Dinge so wahrnehmen sollen, wie sie sind, dann +muss diese ihre Beschaffenheit in blossen Empfindungen bestehen, +und die Dinge können nichts als Vorstellungen sein. +Allein niemand versteht unter den Dingen blosse Komplexe +von Empfindungen oder Vorstellungen, auch nicht fortdauernde +(unter gleichen Umständen immer wiederkehrende) Möglichkeiten +von Empfindungen; ganz abgesehen davon, dass diese +Möglichkeiten als reale Möglichkeiten gedacht werden müssen +und so einen Ermöglichungsgrund der Empfindungen voraussetzen. +Alle denken unter den Dingen etwas von den +Empfindungen und Vorstellungen Verschiedenes. +</p> + +<p> +Müssen wir also auf die Erkenntnis der Beschaffenheit +der Dinge verzichten, so fragt sich, ob wir nicht wenigstens +die Existenz von Dingen, die uns unter der Hülle von Empfindungen +bewusst werden, erkennen können. Davon nun, +dass von uns verschiedene, durch die Empfindungen und Vorstellungen +uns gegebene und unsrem Bewusstsein gegenwärtige +Dinge existieren, davon haben wir eine unmittelbare Einsicht. +<pb n="53"/><anchor id="Pg53"/> +Die Zusammengehörigkeit dieser Empfindungen und Vorstellungen +mit einem von uns verschiedenen Sein oder Etwas +leuchtet uns unmittelbar ein. Die Einsicht davon lässt sich +nicht wegdisputieren; sie bleibt bestehen, auch wenn die anfängliche +Einsicht, dass wir die Beschaffenheit der Dinge erkennen, +beseitigt oder als eine bloss vermeintliche Einsicht erkannt +ist. +</p> + +<p> +Es ist wichtig zu beachten, dass die Einsicht eine unmittelbare +ist und die Zusammengehörigkeit uns unmittelbar +einleuchtet. Sie ist nicht vermittelt durch die Einsicht, die wir +vom Gesetz der Kausalität haben. Wir schliessen nicht daraus, +dass die Empfindungen ohne unser Zuthun in uns entstehen, +auf etwas von uns Verschiedenes, das ihren Anfang ermöglicht. +Gegen diesen Schluss ist mit Recht eingewendet worden, dass +die Empfindungen möglicherweise aus uns entstehen könnten, +ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen +der Aussenwelt, sofern es sich um ihre Existenz handelt, ist +eine streng unmittelbare; von dem Bewusstsein einer Ursache, +eines Anfangs und einer Ermöglichung des Anfangs ist in ihr +nichts zu entdecken, wie das schon oft hervorgehoben worden +ist. Für die Nichtexistenz der Dinge in dem Sinne, in dem +wir sie verstehen, ist eine unmittelbare Evidenz nie in Anspruch +genommen worden, kann auch, so viel ich sehe, in Zukunft +nicht in Anspruch genommen werden. Sie sind natürlich verschieden +von den Empfindungskomplexen, den Willensdingen, +von ihrer Substanz und Kausalität, deren Entstehung und Zusammensetzung +uns die Psychologie mit durchsichtiger Klarheit +kennen lehrt. Sie können Gedanken sein und sind nach unsrer +Auffassung Gedanken Gottes, oder wenn man lieber will, des +Bewusstseins überhaupt (Berkeley, Rehmke), also nicht Gedanken +unsres oder meines individuellen Bewusstseins. Sie sind +nicht Dinge an sich, die wir erkennen, wie sie unerkannterweise +sind, sondern ein von Ewigkeit und vor uns Gedachtes, +und unsre Erkenntnis derselben ist nur ein Nachdenken eines +Vorhergedachten. Giebt es keine unmittelbare Evidenz der +Nichtexistenz der Dinge in diesem Sinne, so ist der seltene +Fall, wo sich Evidenz und Evidenz wie Ja und Nein gegenüber +stehen, also ausgeschlossen, der einzige Fall, in dem wir +<pb n="54"/><anchor id="Pg54"/> +uns auf eine Evidenz nicht berufen könnten. Für die Nichtexistenz +von Dingen in unsrem Sinne scheint auch kein Beweis +geführt werden zu können. Positivisten wie Stuart +Mill, welche sich auf die fortdauernde Möglichkeit der Empfindungen, +aus denen sich das Vorstellungsbild der Dinge +ergiebt, zurückziehen, müssen diese Möglichkeit als reale fassen +und bedürfen daher für sie eines Ermöglichungsgrundes, den +sie nur in den Dingen in unsrem Sinne finden können. Idealisten +wie Berkeley, Rehmke können gegen die Annahme von +Dingen als Gedanken Gottes oder des Bewusstseins überhaupt +von ihrem Standpunkte aus keinen Beweis zu erbringen versuchen. +</p> + +<p> +Hingegen können wir unsere Annahme von solchen +Dingen, die wir durch unmittelbare Einsicht gewinnen, auch +noch durch einen Beweis stützen. Seit Cartesius ist in der +Philosophie die abstrakte Trennung von Leib und Seele, von +Körperwelt und Bewusstsein, die von ihm aus bloss methodischen +Gründen eingeführt wurde, zu einer gewohnheitsmässigen Annahme +geworden, über deren Recht oder Unrecht kaum noch +reflektiert wird. Aristoteles und den mittelalterlichen Philosophen +war diese Annahme völlig fremd. Auch unsere Psychologie +setzt die abstrakte Trennung von Leib und Seele als +selbstverständlich voraus, sie geht darum von den Empfindungen +als den Anfangszuständen des Bewusstseins aus und legt auf +Grund derselben und im Anschluss an sie den reichen Inhalt +des Bewusstseinslebens dar. Das bietet methodische Vorteile +und ist insofern nicht zu verwerfen. Allein schon eine Definition +der Empfindung ist unmöglich ohne Zuhilfenahme körperlicher +Vorgänge, der Sinnesreize und Gehirnerregungen. Ausserdem +wird niemand bestreiten, dass das Kind von Empfindungen +als Bewusstseinsvorgängen noch nichts weiss. In unsrem entwickelten +Bewusstseinsleben treten ferner die Empfindungen +nie als Empfindungen, als Bewusstseinsvorgänge auf. Man hat +deshalb gesagt, sie seien uns nicht als Empfindungen sondern +als objektivierte Vorstellungen gegeben. Was heisst das? +Werden Empfindungen je objektiviert und dadurch zu Vorstellungen? +Die Theorie der Objektivation und Projektion ist +veranlasst durch die Farben, die Empfindungen sind und doch von +uns in der Ferne als den Dingen anhaftend gesehen werden. +<pb n="55"/><anchor id="Pg55"/> +Allein mit den Farbenempfindungen sind entsprechende Tastempfindungen +associiert, die wir nur haben können, wenn wir +den Gegenstand berühren. Es ist darum begreiflich, dass wir +beim Sehen des Gegenstandes uns in Gedanken an seinen Ort +versetzen und ihn nun unmittelbar, wie mit den Tastempfindungen +so auch mit den Gesichtsempfindungen der Farben umkleiden +(hierin liegt der Grund, wie bei der Erörterung über die Erinnerung +deutlich werden wird, warum wir bei der äussern +Wahrnehmung nicht leicht von einer Einsicht reden). Wir +würden nicht von objektivierten oder gar projizierten Empfindungen +als dem unmittelbar Gegebenen reden, sondern vorziehen +zu sagen, dass uns die Empfindungen nicht als Empfindungen +ursprünglich gegeben sind sondern als Erkenntnismittel. +</p> + +<p> +Auf einer gewissen Stufe des entwickelten Bewusstseins +hören schon beim unmündigen Kinde die Empfindungen auf +unverstandene Zustände zu sein. Es erhebt sich der auf das +Wesen der Dinge und die Wahrheit gerichtete Blick des +Geistes, durchdringt die sinnliche Hülle der Empfindungen, die +in jedem andere und besondere sind, und erfasst das für alle +Zeit und darum auch für alle Denkenden den Empfindungen +irgend entsprechende, jedenfalls mit ihnen zusammengehörende +Sein und Etwas, d. h. das für alle Zeit und für alle Denkenden +gültige Wesen der Dinge in der unbestimmten Weise, wie es +eben dem Begriffe des Seins und Etwas entspricht. Natürlich +bleibt die Empfindung das Kleid, die Hülle dieses unbestimmten +Seins und Etwas, der Stützpunkt, das Schwungbrett, um mit +Platon zu reden, für diesen Blick des Geistes, das er nicht +entbehren kann. Empfindungen als Bewusstseinsvorgänge sind +Abstraktionen, als Erkenntnismittel für die Aussenwelt sind sie +das ursprünglich Gegebene. Aber auch für die höchsten Begriffe +können wir dieses Erkenntnismittel, wie Aristoteles zuerst +sieht, nicht entbehren. Kein Begriff ohne Phantasiebild – dieser +Satz stammt von ihm. Er will sagen: kein Begriff ohne +wieder auflebende Empfindungen, die als Erkenntnismittel +funktionieren. Dem Blick des Geistes, der das den Empfindungen +entsprechende Sein findet oder entdeckt, folgt das Einleuchten +der Zusammengehörigkeit und diesem die Einsicht in die Zusammengehörigkeit. +<pb n="56"/><anchor id="Pg56"/> +Aber nur von dem ganz unbestimmten +Sein und Etwas der Dinge, das freilich für alle Zeit und für +alle Denkenden gilt, giebt uns diese Einsicht Kunde, nicht von +seiner Beschaffenheit. Etwas Näheres von seiner Beschaffenheit, +freilich noch unbestimmt genug, erfahren wir nach dem Einheitsgesetz +unsres Erkennens, nach dem alle Wahrheit und +damit alles Wesen der Dinge Gedanke Gottes ist. Hiernach +muss dann auch das mit den Empfindungen zusammengehörende +Sein und Etwas als Gedanke Gottes gefasst werden. Davon +haben wir dann eine mittelbare, eine durch das Einheitsgesetz +vermittelte Erkenntnis. +</p> + +<p> +Wir gehen bei unsrer Beweisführung davon aus, dass +nicht bloss unser Leib sondern auch die Körperwelt mit unsrem +Bewusstsein eine Einheit bilden. Denn nur unter dieser Voraussetzung +scheint eine unmittelbare Erkenntnis der Körperwelt +aus den Empfindungen und durch sie, wenn auch nur ganz unbestimmt, +als eines Etwas oder Seienden möglich zu sein. Aber besteht +jene Annahme zu recht? Können wir wirklich nicht bloss von +einer Einheit unsres Leibes, sondern auch der Körperwelt mit +unsrem Bewusstsein reden? Zunächst unterscheidet das Kind +seinen eigenen Leib noch nicht von fremden Körpern. Erst die +Schmerzgefühle, welche mit den Angriffen auf den Leib verbunden +sind, machen ihm klar, dass es sich mit dem eigenen Körper +anders verhält als mit fremden Körpern. Dann steht doch +auch der eigene Körper mit der ganzen Körperwelt in einer +auf beständigem Austausch beruhenden Verbindung; sie bilden +mit einander eine unauflösliche Einheit, in dem es kein Leeres +und keine Sprünge giebt. (Horror vacui. Natura non facit saltus.) +Natürlich leugnen wir nicht, dass das Verhältnis des Bewusstseins +zu dem, was wir unsren Leib nennen, ein andres ist als +zu den fremden Körpern. Aber erstens ist dies Verhältnis uns +unbekannt; zweitens ist es nicht zu allen Teilen des eigenen +Leibes das gleiche, scheint zu vielen Teilen desselben vielmehr +kein engeres zu sein wie zu der übrigen Körperwelt; drittens +endlich ist dieses Verhältnis, was die Erkenntnis des eigenen +und der fremden Körper angeht, sicher das gleiche, und bloss +in dieser Hinsicht kommt dieses Verhältnis für uns hier in +Betracht. +</p> + + +<pb n="57"/><anchor id="Pg57"/> + +<p> +Wir fragen endlich, wie weit denn unsre Einsicht bezüglich +der Aussenwelt reicht? Wir antworten: genau so weit, +als unsere wirkliche Erkenntnis; denn diese ist mit der Einsicht +ein und dasselbe. Natürlich gehört Raum und Zeit, Substanz +und Ursache, nicht minder aber auch Materie und Kraft, in +denen die gleichen irrationalen, dem Denken inkommensurabeln, +durch dasselbe nicht aufzuhellenden Elemente enthalten sind, +bloss zu der Erscheinung der Welt in unsrem Bewusstsein. Abgesehen +von den Urteilen über das in diesen Formen Verbundene +giebt es keinerlei Einsicht von ihnen, was natürlich nicht +hindert, dass wir von dem in diesen Formen Gegebenen, +unter ihnen Erfassten eine Einsicht haben. Sehen wir aber +von dieser Erscheinung der Aussenwelt in uns ab, so bleibt +kaum etwas anderes übrig, als ein unbestimmtes Seiendes, +das freilich im Gegensatz zu dieser Erscheinung objektiv für +alle Zeit und für alle Denkenden gültig ist, und in diesem +Sinne existiert. Giebt es eine Vielheit von Dingen in der +Aussenwelt, die wir freilich nur nach den sinnfälligen Eigenschaften +ihrer Erscheinung unterscheiden können? Wir werden +behaupten müssen, dass wir davon eine einsichtige Erkenntnis +haben, sofern es sich um die grossen Himmelskörper einschliesslich +unsrer Erde und um die kleinen Menschen-, Tier- und +Pflanzenkörper handelt, auch bezüglich der Atome der +Physiker, bezüglich der Aggregatzustände Luft, Wasser, Erde, +ferner der Berge, Flüsse, Thäler, Meere. Aber was diese +vielen Dinge der Natur sind, die wir nur nach ihrer Erscheinung +im Bewusstsein bestimmen und unterscheiden können, insbesondere, +wodurch sie sich in Wirklichkeit unterscheiden, wissen +wir nicht. Die Vielheit stellt sich uns ferner als eine gebrochene +Einheit dar. Natürlich haben wir auch von den Ergebnissen +der beschreibenden Naturwissenschaften, sofern sie wirklich +wissenschaftliche Ergebnisse sind, einsichtige Erkenntnisse, bei +denen freilich immer vorbehalten bleibt, was es mit den Körpern, +von denen sie handeln, eigentlich auf sich hat, was sie abgesehen +von ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein sein +mögen. Das Gleiche gilt von den Ergebnissen der Chemie, +Astronomie, Physik, Mechanik und zwar in um so höherem +Grade, je weiter wir uns in diesen Wissenschaften von den +<pb n="58"/><anchor id="Pg58"/> +verwickelten Verhältnissen des Einzelwirklichen entfernen, jemehr +wir von ihnen abstrahieren. Bis an die äusserste Grenze +der Abstraktion gehen wir in der Geometrie und Arithmetik, und +daher rührt die durchsichtige Klarheit der Sätze dieser Wissenschaften. +Bei der Geometrie bleibt freilich noch der Raum +und die Ausdehnung mit dem in ihnen enthaltenen irrationalen +Elemente gleichsam als Hindernis einer vollkommen uneingeschränkten +Einsicht bestehen, die wir erst für die Sätze der +Arithmetik, bei der auch dieses Hindernis in Fortfall kommt, +in Anspruch nehmen können. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Einundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins. +</p> + +<p> +Die Erkenntnis der Aussenwelt ist, wie wir sehen, überall +durch unüberschreitbare Schranken eingeengt. Wenn wir +von der Existenz der Dinge und Vorgänge der Aussenwelt +und ebenso der Beziehungen zwischen ihnen auch eine wirkliche, +in der Einsicht bestehende Erkenntnis haben, so bleibt +uns die nähere Beschaffenheit dieser Dinge und ebenso der +Vorgänge doch verborgen. Wir können sie nur nach ihrer +Erscheinung in unsrem Bewusstsein näher bestimmen, und +diese mag für ihre Unterscheidung ausreichen, kann uns aber +über ihre Beschaffenheit keine Belehrung geben. Der Aussenwelt +steht die Innenwelt unsres Bewusstseins gegenüber. +Können wir von dieser Einsichten, Erkenntnisse gewinnen, +die umfassender und vertiefter sind, wie manchmal behauptet +wird? Von einer Reihe von Forschern, die sich an Brentano +anschliessen, wird angenommen, dass wir Einsichten überhaupt +nur von den Gegenständen der innern Wahrnehmung, also +von der eigenen Innenwelt haben können, nicht aber von den +Gegenständen der äussern Wahrnehmung, also von der Aussenwelt, +sofern sie Gegenstand der äussern Wahrnehmung ist. +</p> + +<p> +Jedenfalls ist jeder Bewusstseinsvorgang durch das Merkmal +der Bewusstheit charakterisiert, das man als ein Wissen +des Bewusstseinsvorganges um sich selbst bezeichnen kann. +Jeder hat sich selbst zu seinem Inhalte. In diesem Sinne kann +man sagen: jede Vorstellung stellt etwas vor, mag sie richtig +sein oder nicht, und das ist der nicht von ihr verschiedene +<pb n="59"/><anchor id="Pg59"/> +Inhalt. Dieses Wissen des Bewusstseinsvorganges um sich +selbst muss natürlich immer wahr sein: in ihm kann es keinen +Irrtum, keine Falschheit geben. Aber es ist kein eigentliches +Wissen, kein namentliches, vorstellungsmässiges, begriffliches +Wissen. Wir gewinnen durch dasselbe noch keine Vorstellungen, +Begriffe von den Bewusstseinsvorgängen. Dieses uneigentliche +Wissen ist keine Einsicht, keine Erkenntnis. Aber wir können +über die Bewusstseinsvorgänge reflektieren und diese Reflexion, +selbst ein Bewusstseinsvorgang, ist von den Bewusstseinsvorgängen, +die ihren Gegenstand bilden, verschieden. Durch die +Reflexion nun gewinnen wir zweifellos nicht bloss von der +Existenz sondern auch von der Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge +eine Einsicht, eine Erkenntnis. Wir stehen ihnen +nicht ratlos gegenüber wie den Dingen und Vorgängen der +Natur oder müssen uns mit einer ganz unbestimmten Erkenntnis +derselben begnügen. Wir wissen, was es mit ihnen auf sich +hat, wodurch sie sich von einander unterscheiden auf Grund +von Merkmalen, die wir in den Bewusstseinsvorgängen selbst +finden. Allerdings sind alle unsere Vorstellungen, die +wir von den Bewusstseinsvorgängen haben, aus dem +sinnlichen Gebiete entlehnte, übertragene, ursprünglich also +sinnliche und mit Bezug auf die Bewusstseinsvorgänge +nur bildliche Vorstellungen. Wir bedürfen dieser Krücken der +sinnlichen Vorstellungen bei jedem Schritte, den unser Denken +thut und können ihrer nirgends entraten, auch nicht, wenn es +sich um die Erkenntnis unserer Bewusstseinsvorgänge handelt. +Aber wir wissen sehr wohl zwischen dem ursprünglichen und +übertragenen Sinne dieser Vorstellungen, z. B. der Vorstellung +Vorstellen, zu unterscheiden und geben ihnen unwillkürlich +bei der Übertragung auf die Bewusstseinsvorgänge eine diesen +entsprechende andere Bedeutung. Hier kommt das mit jedem +Bewusstseinsvorgang verbundene, uneigentliche Wissen des +Bewusstseinsvorgangs um sich selbst zur Geltung und verhindert +eine Herabziehung der Bewusstseinsvorgänge in das +sinnliche Gebiet. Die Empfindungen, insofern sie Erkenntnismittel +der Aussenwelt sind und als solche immer unter Mitwirkung +der Sinnesorgane, sei es der äussern, sei es bloss +der innern, der Gehirnerregungen, funktionieren, gehören dem +<pb n="60"/><anchor id="Pg60"/> +sinnlichen Gebiete an, ja sie konstituieren dasselbe. Insofern wir +aber bei der Reflexion über die Empfindungen von dieser ihrer +körperlichen Seite absehen, bilden sie, wie alle Bewusstseinsvorgänge, +einen Gegensatz wie zu allem Körperlichen, so auch zu allem +Sinnlichen. Es ist unrichtig zu sagen, dass wir von den Bewusstseinsvorgängen +nur Vorstellungen haben und nicht wissen, +was diesen Vorstellungen eigentlich entspricht; von unsren +gegenwärtigen Gefühlen, gegenwärtigen Wollungen und gar von +unsren gegenwärtigen Vorstellungen sollen wir blosse Vorstellungen +haben. Es leuchtet unmittelbar ein, dass diese Annahme +falsch ist, abgesehen von den widersinnigen Konsequenzen, zu +denen sie führt. Müssten wir ja dann auch von den Vorstellungen +unsrer Bewusstseinsvorgänge nur Vorstellungen haben und von +diesen Vorstellungen wieder nur Vorstellungen und so fort +ohne Ende. Man könnte denken, die Übertragung der aus dem +sinnlichen Gebiete entlehnten Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge +könne nur in Urteilen geschehen. Allein diese Urteile +setzen das Einleuchten der Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge +mit den Vorstellungen und die Einsicht in +diese Zusammengehörigkeit voraus, die Übertragung geht also, +wie der Einsicht und dem Einleuchten, so auch dem Urteil +voran, und wir werden sie dem Blick des Geistes zuschreiben +müssen, dem wir die wesentlichen Merkmale verdanken. +</p> + +<p> +Man kann die Bewusstseinsvorgänge isolieren, wie wir +das thun, wenn wir sie durch übertragene Vorstellungen näher +bestimmen. Das ist ein abstraktes Verfahren, welches zu diesem +Zwecke angewendet werden kann und in der Psychologie gute +Dienste thut. Aber man darf nicht glauben, dass die Bewusstseinsvorgänge +in Wirklichkeit auch isoliert von einander sind. +Sie liegen nicht nebeneinander wie die Atome eines Körpers, +haben vielmehr einen übergreifenden, die gleichzeitigen und +sogar auch die vorangehenden Bewusstseinsvorgänge mit umfassenden +Charakter. Ohne dieses Übergreifen ist das Zustandekommen +des Sinnenbildes der Ausdehnung, in dem die gleichzeitigen +Empfindungen, und des Sinnenbildes der Bewegung, +in dem die aufeinanderfolgenden Empfindungen in bewusster +Weise zusammenhängen oder einen bewussten Zusammenhang +bilden, nicht zu erklären. Die den einzelnen Bewusstseinsvorgängen +<pb n="61"/><anchor id="Pg61"/> +eigentümliche Bewusstheit oder das Wissen um sich +selbst greift hier auch auf die andern gleichzeitigen oder vorausgehenden +und nachfolgenden Empfindungen hinüber. Das, +was wir Einheit des Bewusstseins nennen, vermöge deren wir +von <hi rend='italic'>unsrem</hi> Bewusstsein reden und dieses den fremden Bewusstseinen +gegenüberstellen, hat hierin seinen Grund. Es ist +zu beachten wichtig, dass wir nicht bloss eine wirkliche Einsicht +und Erkenntnis von der Existenz und Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge +haben, sondern ebenso auch von ihrer Zugehörigkeit +zu unsrem Bewusstsein, oder dass sie unsere +Bewusstseinsvorgänge sind. Auch von dem besonderen Zusammenhange +zwischen Vorstellungen und Gefühlen, Gefühlen +und Wollungen, zwischen Überlegung, Entschluss, Vorsatz, +Ausführung – mag uns die Art dieses Zusammenhangs auch +dunkel bleiben – haben wir eine Einsicht, eine wirkliche Erkenntnis, +also wenigstens davon, dass dieser Zusammenhang +besteht. Wir wissen, was wir beabsichtigen, und wann wir +ohne Absicht handeln und darum für den Erfolg unserer +Handlungen entweder gar nicht oder nicht völlig verantwortlich +sind, und dieses Wissen beruht auf einer Einsicht und Erkenntnis. +Das Gefühl der Reue und der Verantwortung und +ihr Gegenteil hat darin seinen Grund. +</p> + +<p> +Giebt es auf Einsicht beruhende Erinnerungen, sind Erinnerungen +wirkliche Erkenntnisse? Zweifellos können sie das +sein und sind es in Wirklichkeit oft genug. Eigentlich können +wir uns nicht an Dinge und Vorgänge, sondern nur an unsere +Wahrnehmung der Dinge und Vorgänge erinnern. Die Erinnerung +ist ein Wissen der Zusammengehörigkeit eines vergangenen +Bewusstseinsvorganges mit dem gegenwärtigen, +daher seiner Zugehörigkeit zu unsrem Bewusstsein. Dass uns +diese Eigentümlichkeit der Erinnerung bei der Erinnerung +selbst weniger zum Bewusstsein kommt, hat seinen Grund +darin, dass wir bei den Erinnerungen uns ganz in die Zeit +des vergangenen Vorgangs versetzen und mit unsrem Denken +nur bei ihm verweilen; ähnlich wie wir bei der Wahrnehmung +uns an den Ort des Gegenstandes versetzen. Das +ist auch der Grund, warum wir nicht leicht von einer Einsicht +sprechen weder bei der Erinnerung noch bei der +<pb n="62"/><anchor id="Pg62"/> +Wahrnehmung. Die Einsicht setzt immer zwei Glieder voraus, +deren Zusammengehörigkeit uns einleuchtet. Bei dieser +Versetzung in die Zeit des erinnerten und an den Ort des +wahrgenommenen Gegenstandes scheint aber immer nur ein +Glied vorhanden zu sein. Kommen wir aber auf dem Wege +der Reflexion dazu, die Erscheinung des Dinges in unsrem +Bewusstsein von dem wahrgenommenen Dinge selbst oder den +gegenwärtigen Erinnerungsakt von dem vergangenen erinnerten +Bewusstseinsvorgang zu unterscheiden, so leuchtet uns die Zusammengehörigkeit +beider ein, und wir begreifen, dass wir +auch bei der Wahrnehmung und Erinnerung von einer +Einsicht sprechen müssen. Sehen wir unter dieser Voraussetzung +ab von der Bedeutung der Zeit, der Vergangenheit +in ihrem Verhältnis zur Gegenwart, die wir nicht kennen, +sehen wir ferner ab von Ausdehnung, Bewegung, Raum, Substanz, +die nur die Erscheinung der Dinge und Vorgänge im Bewusstsein +ausmachen können (falls bei der Erinnerung auch äussere Dinge +und Vorgänge, sofern sie wahrgenommen wurden, in Frage +kommen), so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass es +Erinnerungen giebt, die in einer Einsicht oder wirklichen +Erkenntnis bestehen. Die ganz klaren und deutlichen sind +von dieser Art. Wer kann leugnen, dass er eine auf Einsicht +beruhende Gewissheit davon hat, heute Morgen aufgestanden +zu sein, einen Spaziergang gemacht zu haben, auf demselben +jemand getroffen oder gesprochen zu haben, von Kummer erfüllt +gewesen zu sein beim Tode eines Angehörigen, beim +Verlust eines Vermögens usw.? Sogar darüber, ob unsere Erinnerung +ungenau, lückenhaft, verschwommen ist, können wir +unter Umständen eine auf Einsicht beruhende Gewissheit haben. +Ist das Gedächtnisbild von einem früheren Bewusstseinsvorgang +von dieser Beschaffenheit, so werden die mit dem früheren Bewusstseinsvorgang +verbundenen Gefühle auch nur zum Teil +in lückenhafter, verwischter Weise wieder aufleben. Das hat +eine Spannung, ein Unbehagen zur Folge, worin wir etwa den +psychologischen Anknüpfungspunkt für das Einleuchten der +Nichtzusammengehörigkeit, (die in diesem Falle als Nichtangemessenheit +bestimmt werden muss) des Gedächtnisbildes mit +dem Bewusstseinsvorgang erblicken können, der die Einsicht +in diese Nichtzusammengehörigkeit folgt. +</p> + + +<pb n="63"/><anchor id="Pg63"/> + +<p> +So sicher es aber auch ist, dass wir Erinnerungen haben, +die in Einsichten bestehen und also wirkliche Erkenntnisse sind, +so sind die bei der Erinnerung gewonnenen Einsichten doch +mancherlei Einschränkungen unterworfen, und wir müssen ihnen +gegenüber mancherlei Vorbehalte machen. Noch mehr ist das +der Fall, wenn wir von der Erkenntnis unseres Ich sprechen. +Wie jeder Bewusstseinsvorgang ein Wissen, freilich ein uneigentliches +Wissen von sich selbst hat, das wir seine Bewusstheit +nennen, so hat auch das, was wir unser Ich, unser Selbst +nennen, ein Bewusstsein von sich. Wir haben ein Ich-Bewusstsein, +ein Selbst-Bewusstsein, die Zusammengehörigkeit +unsres Ich, unsres Selbst mit diesem Bewusstsein von sich +leuchtet uns unmittelbar ein; davon haben wir eine Einsicht, +eine Erkenntnis, eine unmittelbare Einsicht, die jeden Zweifel +ausschliesst. Wenn Hume behauptet, dass er in sich jederzeit +nur ein Bündel von Vorstellungen findet, so hat er eben vergessen, +dass dazu ein Vorfinder, eben das Ich, erforderlich ist. +Aber was ist dieses Ich, dieses Selbst? Das ist eine andere +Frage. Und hier fehlt uns offenbar die Einsicht oder Erkenntnis. +Sicher ist es nicht unser Körper oder einer seiner Teile, die +Augen, die Ohren, die wir, auch abgesehen von ihrer Erscheinung +in unsrem Bewusstsein, unterscheiden müssen, obgleich +das Wort Ich lange Zeit hindurch von unsren Kindern +und von vielen Erwachsenen ihr Leben hindurch nur oder fast +nur von ihrem Leibe verstanden wird, also von dem leiblichen +Ich; obgleich ferner das Ich von dem, was dem Leibe, abgesehen +von seiner Erscheinung im Bewusstsein, entspricht, nicht +getrennt werden kann, soll es nicht zu einem blossen Abstraktum +werden. Ohne dieses, dem sinnlich erscheinenden Leib Entsprechende +ist ja kein Bewusstsein denkbar, und ohne Annahme +des Bewusstseins können wir auch von keinem Ich reden. +Sicher ist es ferner keine Substanz, die nur zur Erscheinungsform +der körperlichen Dinge gehören kann. Auch mit dem Selbst-Bewusstsein +oder Ich-Bewusstsein, das nur sein Merkmal bildet, +kann das Ich und Selbst nicht verselbigt werden. Es ist der Ausdruck +für die Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge +zu Einem Bewusstsein, aber doch kein blosses Wort; vielleicht +ist es das Band dieser Zusammengehörigkeit, das sich ebenso +<pb n="64"/><anchor id="Pg64"/> +zu der Gesamtheit der Bewusstseinsvorgänge verhält wie der +Eine Denkende zum Reich der Wahrheit. Hier sind wir auf +blosse Vermutungen angewiesen, es fehlt uns jede Einsicht und +damit die wirkliche Erkenntnis. Wenn wir urteilen: ich freue +mich, ich bin traurig, ich stelle mir vor, so haben wir zweifellos +eine Einsicht und wirkliche Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit +unsrer Bewusstseinsvorgänge mit dem Ich- oder +Selbstbewusstsein, von ihrer Zugehörigkeit zu unsrem Bewusstsein, +diese leuchtet uns unmittelbar ein. Aber vorbehalten +bleibt, was es mit dem Ich und Selbst auf sich hat. +</p> + +<p> +Wir sehen, nicht bloss für die Erkenntnis der Aussenwelt, +auch für die Erkenntnis unsrer eignen Innenwelt giebt es unübersteigliche +oder wenigstens bis jetzt nicht überwundene +Schranken; auch hier müssen wir Vorbehalte machen, wenn +wir von Einsicht und wirklicher Erkenntnis reden wollen. +Freilich besteht, was die Erkenntnis der Aussenwelt und die +unsrer eigenen Innenwelt angeht, ein wesentlicher Unterschied. +Sehen wir vom Ich ab, so wissen wir doch, was wir unter +Händen haben, wenn wir uns mit den Bewusstseinsvorgängen +beschäftigen; wir kennen ihre Merkmale und können sie danach +von einander unterscheiden, während wir von den Dingen und +Vorgängen der Natur in der That nicht wissen, was sie sind, +und sie lediglich nach ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein +von einander unterscheiden können. Bei den Bewusstseinsvorgängen +fällt natürlich ihre Erscheinung im Bewusstsein mit +ihnen selbst zusammen. Denn diese ihre Erscheinung im Bewusstsein +ist nichts anderes als das mit ihnen verbundene +Wissen von sich selbst, das wir ihre Bewusstheit nennen. Die +Reflexion ist nur eine Wiederholung dieses mit jedem Bewusstseinsvorgange +verbundenen Wissens von sich selbst. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Zweiundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Weitere Schranken unseres Erkennens. +</p> + +<p> +Eine Schranke unsrer Erkenntnis, der Innen- und Aussenwelt, +haben wir bisher absichtlich unerwähnt gelassen. Wir +erkennen das Wesen der Dinge und Vorgänge der Natur wie +der Vorgänge unsres Bewusstseins, ihre Wahrheit, erst dann, +wenn wir ihre Stellung in dem System aller Wahrheit erfasst +<pb n="65"/><anchor id="Pg65"/> +haben. Davon sind wir aber mit all den erörterten Einsichten +und Erkenntnissen noch weit entfernt. Wir gewinnen mit +ihnen sozusagen nur die Glieder dieses Systems. Über ihren +Zusammenhang innerhalb desselben, auf den doch alles ankommt, +bleiben wir völlig im Dunkeln. Das ist die letzte, +höchste, eine allgemeine Schranke unserer Erkenntnis, die sowohl +für die Erkenntnis der Aussenwelt wie für die Erkenntnis +der Innenwelt gilt. Weitere, näher liegende, ebenfalls allgemeine +Schranken unsrer Erkenntnis bedürfen einer besondren +Erörterung. +</p> + +<p> +Wir bezeichnen gewöhnlich als unser Wissen alles das, +von dem wir eine Gewissheit haben. Die Gewissheit verbindet +sich aber auch oft genug mit einem blinden Dafürhalten +und ist in diesem Falle ohne vernünftigen Grund. Wenn wir +die zahlreichen Quellen des blinden Dafürhaltens ins Auge +fassen, wenn wir insbesondere erwägen, wie oft unsre Zuneigungen +und Abneigungen, unsre Interessen auf unsre Überzeugungen +einen massgebenden und bestimmenden Einfluss +ausüben, wie oft nach dem Sprichwort der Wunsch der Vater +des Gedankens ist, werden wir kaum zweifeln können, dass +die Zahl der auf blindem Dafürhalten beruhenden und darum +des Charakters der Vernünftigkeit entbehrenden Wissensinhalte +sehr gross ist und kaum überschätzt werden kann. Diese +Wissensinhalte können natürlich nicht als Erkenntnisse im +eigentlichen Sinne gelten. +</p> + +<p> +Von den Erkenntnissen im eigentlichen Sinne müssen +ferner die sogenannten Kenntnisse, die auf einer blossen Kenntnisnahme, +auf einem blossen Kennenlernen beruhen, sorgfältig +unterschieden werden. Sie bilden die unübersehbar grosse +Gruppe der associativen Wissensinhalte, bei denen ebenfalls +in keiner Weise von einer Einsicht die Rede sein kann. Wir +haben Gesichtsempfindungen von den Dingen; mit ihnen zusammen +treten die Gehörsempfindungen oder Gehörsvorstellungen +von den auf diese Dinge angewendeten Worten auf; sie associieren +sich mit den ersteren und werden gelegentlich, wenn sich die +Gesichtsempfindungen wiederholen, reproduziert. Wir sagen +dann, das Ding heisst so und so. Das ist natürlich ein lediglich +associatives Wissen, ohne alle Einsicht. Alles Namen- und +<pb n="66"/><anchor id="Pg66"/> +Wortwissen in der eigenen und fremden Sprache, alle +Benennungsurteile sind von dieser Art, da die Namen und +Worte nur willkürliche Zeichen sind für das, was sie bedeuten. +Nicht bloss mit den Worten steht es so, es ist vielfach nicht +anders mit den Sachen. Wie selten haben wir verhältnismässig +eine Einsicht in den Zusammenhang der Teile, aus +denen wir die Dinge zusammensetzen, der Eigenschaften, die +wir ihnen beilegen, des Geschehens in Natur und Geschichte, +wenigstens wenn wir über die nächsten Zusammenhänge bei +diesem Geschehen hinausgehen wollen. Die Wissenschaft stellt +sich die Aufgabe, diese Zusammenhänge darzulegen, oder, was +dasselbe ist, die Gesetze für dieselben zu finden. Aber wie +weit ist sie von der Lösung dieser ihrer Aufgabe entfernt. +Sehr oft haben diese Zusammenhänge für uns nur den Charakter +des zufällig Verbundenen oder des Zusammengeratenen, von +dem es nur ein associatives Wissen geben kann, weil das Bewusstsein +der Zusammengehörigkeit und damit die Einsicht +fehlt. +</p> + +<p> +Es ist endlich klar, wenn wir auf Grund einer geringeren +oder grösseren Zahl von Einzelfällen einen allgemeinen Satz +aufstellen, wenn wir mit andren Worten einen Induktionsschluss +ziehen, so hat dieser Satz, je nach der Zahl der Fälle, eine +grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit, aber von dieser +Wahrscheinlichkeit haben wir doch eine Einsicht, eine wirkliche +Erkenntnis, eine Einsicht in seine Wahrscheinlichkeit. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Dreiundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Erkenntnis der Innenwelt andrer. +</p> + +<p> +Wir haben gesehen, wie wir zur Erkenntnis unserer +eigenen Innenwelt gelangen und welche Schranken für diese +Erkenntnis vorhanden sind. Aber wie steht es mit unserer +Erkenntnis der Innenwelt andrer? Haben wir eine auf Einsicht +beruhende wirkliche Erkenntnis von fremden Bewusstseinen? +Allgemein wird jetzt angenommen, dass diese Erkenntnisse, +wenn es wirkliche Erkenntnisse sind, auf dem Wege +des Analogieschlusses zustande kommen. Mit unsren Bewusstseinsvorgängen +sind Ausdrucksbewegungen, z. B. Lachen und +Weinen mit Freude und Trauer, ausserdem Mienen, Gebärden als +<pb n="67"/><anchor id="Pg67"/> +Zeichen bestimmter Gefühle, Worte als Zeichen bestimmter +Gedanken verbunden. Nehmen wir diese nun an andren wahr, +so schliessen wir, dass auch bei ihnen die gleichen Bewusstseinsvorgänge +vorhanden sein müssen. Sollte wirklich alle +Erkenntnis fremder Bewusstseine auf diesem Wege zustande +kommen? Sollte beispielsweise das Kind die Freude, die +Trauer, den Zorn und Unwillen der Mutter, ihre Liebe, ihren +Beifall nur auf diesem Wege kennen lernen? Ist das Kind, +wenn es anfängt in dieser Weise in das Bewusstsein der Mutter +Blicke zu thun, wohl imstande, die mit seinen Bewusstseinsvorgängen +verbundenen Ausdrucksbewegungen, insbesondere +seine mit ihnen verbundenen Mienen, die fast ausschliesslich +in Betracht kommen, genau zu kennen, um sie mit den +Mienen der Mutter vergleichen und daraus bei der Mutter auf +ähnliche Bewusstseinsvorgänge schliessen zu können? Das +scheint den Beobachtungen, die wir am Kinde machen können, +durchaus zu widersprechen. Aber auch soweit wir Erwachsene +fremde Bewusstseine erkennen, spielt dieser schwerfällige +Analogieschluss, wie die Reflexion deutlich lehrt, keine Rolle. +Unsre Erkenntnis der fremden Bewusstseine giebt sich uns als +eine unmittelbare kund und, wie es scheint, kann sie auch beim +Kinde keine andere sein. +</p> + +<p> +Aber wie ist das möglich? Der blosse Anblick der Bewegung +eines andren, z. B. beim Stossen einer Billardkugel, +beim Springen über einen Graben, erzeugt in uns, wenn nicht +die gleiche Bewegung, so doch den Ansatz dazu. Ähnlich +kann man beobachten, dass die Gefühlsäusserungen eine ansteckende +Wirkung ausüben. Begegnen wir finstern Mienen, +so verdüstert sich auch unwillkürlich unsere eigene Miene. +Wo alles lacht, müssen auch wir lachen; wo alles weint, +können wir uns des Weinens nicht enthalten, und wenn wir +auch nicht wirklich mitlachen oder mitweinen sollten, so werden +wir doch fröhlich oder traurig gestimmt. So lange wir Kinder sind +und noch nicht gelernt haben, unsren Gefühlsäusserungen Zügel +anzulegen, werden wir nicht bloss fröhlich mit den Fröhlichen +und traurig mit den Traurigen; wir lachen wirklich mit den +einen und weinen mit den andren. Das ist die Regel. Natürlich +giebt es Ausnahmen, bei Kindern sowohl als bei Erwachsenen, +<pb n="68"/><anchor id="Pg68"/> +wenn sie sehr egoistische, sehr gefühllose Naturen sind. +Das Merkwürdige hierbei ist nur, dass die ansteckende Wirkung +nicht bloss bei den Gefühlsäusserungen stehen bleibt, sondern +sofort auch, und wie es wenigstens bei den Erwachsenen +scheint, mit grösserer Sicherheit auf die Gefühle selbst übergeht. +Nehmen wir nun an, dass wir von unsren Mitmenschen +nach ihrer leiblichen Erscheinung bereits eine Erkenntnis gewonnen +haben, ist es dann nicht natürlich, dass wir in diesen +uns aufgedrängten Gefühlen und sonstigen Bewusstseinsvorgängen +ihre eigenen erblicken, dass die Zusammengehörigkeit +dieser ihrer Bewusstseinsvorgänge mit ihrer leiblichen Erscheinung +sich uns aufdrängt, uns unmittelbar einleuchtet und +wir so eine unmittelbare Einsicht, eine unmittelbare wirkliche +Erkenntnis von dieser Zusammengehörigkeit und damit von +den fremden Bewusstseinen gewinnen? So erklärt sich denn +die allbekannte Erscheinung von der unwillkürlich in unsren +Kindern auftretenden Abneigung gegen Personen, die Kinder +nicht leiden können oder die von schlechter Gemütsart sind. +Das Gefühl der Abneigung gegen Kinder, gegen alle Menschen +überhaupt, teilt sich den Kindern mit, und in diesem Gefühle +lesen sie gleichsam unmittelbar in der Seele des andren und +sehen, was in ihr vorgeht. Ich brauche nicht zu bemerken, +dass diese Erscheinung zu den Erfahrungen gehört, die wir +täglich an uns selbst machen können und die somit als eine +allgemein menschliche Erscheinung betrachtet werden muss, +mithin auch für das Leben der Erwachsenen gilt. Die Unmittelbarkeit +der Erkenntnis der fremden Bewusstseine hat im Grunde +nichts Auffälliges. Das Gegenteil ist nur scheinbar natürlicher; +der Raum, der uns anscheinend von dem fremden Bewusstsein +trennt, gehört selbstverständlich nur unserer Vorstellung an. +Eine actio in distans, Einwirkung aus der Ferne muss nach dem +jetzigen Stande der Naturwissenschaft sogar für die Körperwelt +angenommen werden, wenigstens so lange, als noch nicht nachgewiesen +ist, dass die Gravitation zu ihrer Wirkung Zeit +braucht; bis jetzt gilt diese Wirkung als eine unzeitliche oder +zeitlose. Von der actio in distans der Körper bis zum immediatum +commercium animarum ist nur ein Schritt. +</p> + +<p> +Freilich hat die Erkenntnis anderer, insbesondere ihres +<pb n="69"/><anchor id="Pg69"/> +Innern, auch ihre Schranken. Schon Aristoteles und Locke +sagen, dass wir nicht wissen können, ob die Empfindungen +etwa von rot und grün, die wir beim Anblick von Blut und +Gras haben, bei andren die gleichen und nicht vielmehr die +umgekehrten sind, so dass ihnen beim Gras die Empfindung +gegenwärtig ist, die wir beim Blut haben, und umgekehrt. Da +wir alle von Jugend an gelernt haben, das Gras grün und das +Blut rot zu nennen, so würden natürlich die sprachlichen Bezeichnungen +die gleichen bleiben. Da ferner für unsre Erkenntnis +andrer, so unmittelbar sie ist, doch ihre Gefühlsäusserungen +massgebend sind, so muss natürlich immer vorausgesetzt werden, +dass diese Gefühlsäusserungen natürliche sind und nicht etwa +künstlich zum Zweck der Verstellung oder der schauspielerischen +Darstellung hervorgebracht werden. Pestalozzi betont, dass +darüber, ob eine Handlung aus selbstlosen oder selbstsüchtigen +Motiven hervorgeht, ob sie mit andren Worten sittlich oder +unsittlich ist, nur jeder bei sich selbst urteilen kann. Natürlich +gilt das Gleiche auch davon, ob neben dem negativen Moment +der Selbstlosigkeit auch das positive Moment der rückhaltlosen +Hingabe an Gott, des persönlichen Verhältnisses zu ihm, worin +das Wesen der Religiosität besteht, für das Zustandekommen +der Handlung bestimmend war. Obgleich sich das nun nicht +bestreiten lässt, so ist doch anderseits auch nicht zu leugnen, +dass wir auf Grund von Erfahrungen, die wir an uns und an +andren machen, andren mehr Vertrauen schenken können und +müssen als uns selbst, andere für ehrlicher, uneigennütziger, +hingebender, opferwilliger halten müssen als uns selbst. In +Bezug auf mich selbst bin ich doch eben wegen meiner Eigenliebe, +die zum Selbstbeschönigen und Selbstbetrügen führt, viel +mehr der Täuschung ausgesetzt, als in Bezug auf andere. Abgesehen +davon ist das in Wort und That vorliegende Leben +des Einzelnen ebenso Ausdruck seines Innern wie die Gefühlsäusserungen, +und wenn wir hier das Natürliche, Nichtkünstliche +und Nichtverstellte von seinem Gegenteil unterscheiden können, +muss das auch dort gelten. Ist aber dies der Fall, dann kann +sich mit der Erkenntnis der Lebensführung des Einzelnen, wie +sie sich äusserlich kundgiebt, auch die Vorstellung der Sittlichkeit, +der Religiosität verbinden und die Zugehörigkeit dieser +<pb n="70"/><anchor id="Pg70"/> +innern Vorzüge zu ihr uns einleuchten, sodass wir nun auch +von diesem Leben nach seiner innern sittlich religiösen Seite +eine Einsicht und wirkliche Erkenntnis haben können. Oft +macht das Leben eines Menschen auf uns einen so überwältigenden +Eindruck, dass wir bezüglich der Lauterkeit und +Reinheit seiner Gesinnung eine durch nichts zu erschütternde +Überzeugung gewinnen und uns sagen müssen und wirklich +sagen, dass, wenn hier keine Einsicht vorhanden ist, es überhaupt +keine Einsicht giebt. Es ist merkwürdig, dass die solchen +seltenen Menschen Nahestehenden und mit ihnen Umgehenden +trotz der entgegengesetzten Erfahrung, die sie an sich selbst +und an andren machen, in diesem ihre Einsicht betreffenden +Urteil übereinstimmen, auch wenn der sogenannte Verehrungssinn +in ihnen wenig oder gar nicht entwickelt ist. Natürlich +sind wir bei dieser auf Einsicht zurückzuführenden Erkenntnis +des Innern andrer auch auf ihre Worte als ungewollte und +unbeabsichtigte Selbstbeurteilungen angewiesen, also auch auf +die Mitteilungen andrer. Ob und inwiefern wir bezüglich der +Mitteilungen andrer auch von wirklichen Erkenntnissen oder +Einsichten reden können, darüber bedarf es einer besondren +Untersuchung, der wir den Titel Geschichtliche Erkenntnisse +geben, da die geschichtlichen Mitteilungen unter den Mitteilungen +andrer die erste Stelle einnehmen. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Vierundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Geschichtliche Erkenntnisse. +</p> + +<p> +Den Mitteilungen andrer gegenüber sind wir gewohnt, +von einem Dafürhalten zu reden, das wir mit dem geringschätzigen +Namen Glauben bezeichnen und insofern dem Wissen +als etwas Minderwertiges gegenüberstellen. Wir vergessen +dabei gewöhnlich, dass unser ganzes Gerichtsverfahren, auch +wenn es sich bei ihm um Leben und Tod handelt, auf Zeugenaussagen, +also auf einem Glauben in diesem Sinne beruht, und +dass das Leben in der Familie, in der Gesellschaft, im Staate, +jeder Verkehr mit unsresgleichen ohne ihn unmöglich würde. +Sicher ist, dass blosse Mitteilungen an sich genommen keine +Einsichten sind, wenigstens nicht für diejenigen, denen die +Mitteilungen gemacht werden. Mitgeteilte Urteile sind zunächst +<pb n="71"/><anchor id="Pg71"/> +noch keine von uns gefällten Urteile, bei denen die Zugehörigkeit +des Prädikates zum Subjekt uns einleuchtet. Aber wir +haben gesehen, wie unübersehbar gross die Wissensinhalte +sind, die wir uns selbst verdanken und bei denen ebenfalls von +einem solchen Einleuchten keine Rede sein kann. Wir bezeichneten +diese Wissensinhalte als Kenntnisse und unterschieden +sie von den Erkenntnissen. Mit diesen Kenntnissen stehen die +Mitteilungen zunächst auf einer Stufe. Aber ebenso wie die +blossen Kenntnisse können auch sie unter Umständen zu Einsichten +oder Erkenntnissen erhoben werden. Es ist also insofern +kein Grund vorhanden, sie den Wissensinhalten gegenüber, +die wir uns selbst verdanken und die blosse Kenntnisse sind, +für minderwertig zu halten. +</p> + +<p> +Sicher ist ferner, dass wir bezüglich der mitgeteilten Urteile +sehr häufig nicht zu einer unmittelbaren Einsicht in die +Zusammengehörigkeit des Prädikats mit dem Subjekte gelangen +können, uns vielmehr mit der Einsicht, dass der Mitteilende +die Wahrheit sagen kann und sagen will, begnügen müssen, +und dass wir erst hieraus auf die Zusammengehörigkeit des +Prädikats mit dem Subjekte schliessen können. Aber auch von +den Wissensinhalten, die wir uns selbst verdanken und die +zunächst blosse Kenntnisse sind, gilt, dass wir sehr oft nur +eine mittelbare Einsicht von ihnen gewinnen und sie nur durch +diese mittelbare Einsicht zu eigentlichen Erkenntnissen erheben +können. Wenn wir eine wirkliche Einsicht gewinnen, ist es +in der That nicht von Bedeutung, ob dieselbe mittelbar oder +unmittelbar ist, ebenso wenig, ob sie eine äussere ist, vermittelt +durch Einsicht in die Fähigkeiten und Gesinnungen der +Mitteilenden, oder eine innere, vermittelt durch Einsicht in Sätze, +die von selbst einleuchten. Auch die äussere mittelbare Einsicht +führt in letzter Instanz auf Sätze zurück, die durch sich +selbst einleuchtend sind. Ich möchte deshalb vorschlagen, die +im Deutschen (im Englischen hat sowohl believe dafürhalten, +als faith Glauben im religiösen Sinne eine ganz andere Bedeutung) +übliche Unterscheidung des Glaubens von dem Wissen +fallen zu lassen und an ihre Stelle die andere von Wissensinhalten, +die wir uns selbst und die wir andren verdanken, +zu setzen. Es ist dies die bei den Engländern übliche Unterscheidung +<pb n="72"/><anchor id="Pg72"/> +zwischen Kenntnissen erster und zweiter Hand. Das +Wort Glaube bleibt besser wie das englische faith auf seine +religiöse Bedeutung beschränkt. +</p> + +<p> +Überblicken wir nun einmal das unermesslich grosse Gebiet +der Wissensinhalte, die wir andren verdanken, oder der +Kenntnisse zweiter Hand, gegenüber der kleinen Zahl von +Wissensinhalten, die wir uns selbst verdanken, oder der Kenntnisse +erster Hand, und erwägen wir die Konsequenzen, zu +denen es führt, wenn wir die erstren als minderwertig gegenüber +den letztren betrachten wollen! Man bedenke, die ganze +Geschichte, die Geographie fremder Länder und Völker, die +wir nicht selbst gesehen, die Reisebeschreibungen und Naturbeschreibungen +von Gegenständen und Dingen, die wir nicht +selbst erforschten, die Geschichte der Wissenschaften, auch die +Lehren der Biologie, Chemie und Physik, selbst der Mathematik, +die wir nicht nachgeprüft haben – und welcher Fachmann +wäre im Stande, alles vor ihm Erforschte nachzuprüfen? – alles +das sind Kenntnisse zweiter Hand, deren Wahrheit wir +nur mittelbar erkennen, sofern wir auf sie aus der Einsicht, +dass die uns diese Kenntnisse Mitteilenden die Wahrheit +wussten und auch sagen wollten, schliessen. Können wir diese +sämtlichen Wissensinhalte, weil wir sie der Mitteilung andrer +verdanken, für minderwertiger halten als die geringe Zahl der +durch eigene Thätigkeit gewonnenen Wissensinhalte, die doch +grösstenteils auch nur Kenntnisse sind und insofern mit ihnen +auf einer Stufe stehen? Oder doch für minderwertiger als diejenigen +unter ihnen, welche eigentliche Erkenntnisse sind, insbesondere +als die Begriffsurteile der Arithmetik, der Logik, +der Metaphysik und die diesen Begriffsurteilen sich nähernden, +freilich nicht ohne Vorbehalt als Erkenntnisse zu betrachtenden +allgemeinen Lehrsätze der Geometrie, Astronomie, Physik, +Mechanik? Wegen der allgemeinen Anwendbarkeit der Begriffsurteile +und dieser sich ihnen nähernden Lehrsätze ist ihr Nutzen +für den Aufbau der Wissenschaften nicht hoch genug anzuschlagen, +und insofern mögen sie höherwertig sein als die einfachen +Thatsachenurteile. Aber der Erkenntniswert der +Begriffsurteile ist offenbar nicht grösser als der der Thatsachenurteile. +Hier wie dort besteht er in dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit +<pb n="73"/><anchor id="Pg73"/> +und der Einsicht in dieselbe, was beides +bei Thatsachen ebensowohl vorhanden sein kann als bei Begriffen. +Ausserdem hat die Wahrheit der Thatsachenurteile +ebenso einen überzeitlichen Charakter wie die Wahrheit der +Begriffsurteile. Die meisten der auf Mitteilung beruhenden Urteile, +ausser denen, die zu den erklärenden Naturwissenschaften +und zur Mathematik gehören, sind solche Thatsachenurteile; +die geschichtlichen Wissenschaften bestehen fast lediglich aus +ihnen. +</p> + +<p> +Es ist wichtig zu beachten, dass den geschichtlichen Thatsachen, +die wir sämtlich der Mitteilung andrer verdanken, kein +geringerer, im Gegenteil sicher ein höherer Erkenntniswert +zukommt als, ganz allgemein gesprochen, den Wissensinhalten +der Naturwissenschaften, von denen wir viele durch unsere +eigene Beobachtung gewinnen und die wir, wenn sie durch +Beobachtung andrer gewonnen wurden, nachprüfen können, die +ferner wegen ihrer grösseren Einfachheit eher die Herstellung +gesetzlicher, den Begriffsurteilen sich nähernder Zusammenhänge +ermöglichen. Wir haben gesehen, dass sich uns die Natur als eine +gebrochene Einheit, nicht als eine wahre Vielheit darstellt; +damit hängt zusammen, dass das Einzelne in der Natur nur als +Beispiel einer Gattung und Art und nicht als solches Bedeutung +hat. Den Botaniker interessiert dieses bestimmte Exemplar +einer viola tricolor nur als Beispiel der Art. Ganz anders in +der Geschichte. Die geschichtlichen Personen bilden eine +wirkliche Vielheit. Jede einzelne hat ihren Wert, ist sozusagen +eine Gattung, eine Art für sich. Eben darum stellen die geschichtlichen +Thatsachen dem Erkennen eine viel schwerer zu +bewältigende Aufgabe als die Naturthatsachen; sie bieten dem +Erkennen zu gleicher Zeit aber auch einen Reichtum und +eine Lebensfülle, hinter der die reichste und lebensvollste Ausstattung +der Naturgestalten zurückbleibt. Die Geschichte ist +die Quelle von Gedanken, welche uns der Lösung des Rätsels +des Weltgeschehens näher bringen, während die Natur unsren +Fragen gegenüber verstummt. Von dem Körperlichen, dem +eigentlichen Gegenstande der Naturwissenschaft, wissen wir +strenggenommen nicht, was es ist; von den Triebfedern und +Beweggründen menschlicher Handlungen, die sich uns als die +<pb n="74"/><anchor id="Pg74"/> +Hebel der geschichtlichen Entwicklung darstellen, haben wir +eine eigentliche, in einer Einsicht bestehende Erkenntnis. +Ausserdem ist das Körperliche sicher dem für die Geschichte +massgebenden und bestimmenden Geistigen untergeordnet und +hat in ihm seinen Zweck. Was haben beispielsweise die freilich +bloss hypothetisch angenommenen Ätherschwingungen und die +wirklich zu konstatierenden Luftschwingungen sonst für einen +Zweck, als in unserem Bewusstsein die Farben und die Töne +zu erzeugen und damit den Künsten der Malerei und Musik +zur Geburt zu verhelfen? Es giebt einen der Natur innewohnenden +Zweckzusammenhang, der in der Ermöglichung +und Herausbildung des Bewusstseins, vor allem des menschlichen +Bewusstseins, seine Spitze hat und in ihm, wie es scheint, +seinen Abschluss findet. Es scheint nicht richtig, die Natur +als Gegensatz zum Geiste zu betrachten; vielmehr stellt sie sich +uns dar als eine Stufenleiter zum Geiste, der uns nicht bloss +in unsrem Bewusstsein sondern mehr noch in der Geschichte +offenbar wird. Man könnte sagen, die Natur oder Körperwelt +sei für uns, die wir allein das Bewusstsein seiner Beschaffenheit +nach kennen, das Nichtbewusstsein, also Gegensatz des +Bewusstseins. Allein das ist nur ein andrer Ausdruck für +unser Nichtwissen. Eher kann man sagen, das Niedere sei um +des Höheren willen, also in letzter Instanz alles für das Bewusstsein +da. Herausbildung des Nervensystems als Bedingung +der Empfindung, des Bewegungssystems als Werkzeug des +Willens – das scheint der ganze Zweck des tierischen und +menschlichen Körpers zu sein. Wofür wäre die Farbenpracht, +der Formenreichtum der Pflanzenwelt, wenn nicht für das +sehende Auge? +</p> + +<p> +Oder soll etwa das Bewusstsein seinen Zweck in der +Natur haben und ihr als Mittel dienen? Allein die Natur geht +die Jahrtausende hindurch ihren unabänderlichen Gang nach +ehernen Gesetzen, die das Bewusstsein entdecken und dann +sich dienstbar machen, aber nicht im geringsten ändern kann. +Das Antlitz des Weltalls und der Erde bleibt das gleiche Jahrtausende +hindurch, ohne von dem Bewusstsein einen ändernden +Einfluss zu erfahren. Die Benutzung der Naturgesetze zu +seinen, nämlich des Menschen Zwecken, das sich Dienstbarmachen +<pb n="75"/><anchor id="Pg75"/> +und Beherrschen der Natur, das Zwingen derselben zum Gehorsam +im Experiment kraft dieser Gesetze ist ferner unerklärbar, +wenn das Bewusstsein der Natur wie das Mittel +dem Zweck untergeordnet oder um der Natur willen vorhanden +wäre. +</p> + +<p> +Es bleibt noch eine dritte Möglichkeit, nämlich mit der +mechanischen Naturauffassung den Zweckbegriff ganz zu eliminieren. +Allein die Anhänger dieser Auffassung können der +Entwicklungshypothese nicht entbehren und führen mit ihr +gleichsam durch eine Hinterthür den Zweckbegriff wieder in +die Wissenschaft ein. Die Entwicklungshypothese verlegt die +Zielstrebigkeit, die Aristoteles zur Ermöglichung der Selbstentfaltung +und Selbstentwicklung für jedes einzelne Naturding +in Anspruch nahm, in das Ganze der Natur. Das Niedere ist +nach ihr dem Höheren untergeordnet und dient ihm als Mittel +zum Zwecke. Man sucht freilich die Zweckmässigkeit mechanisch +zu erklären. Nur was seiner Umgebung angepasst und für +den Verkehr mit ihr eingerichtet ist, soll daseinsberechtigt und +lebensfähig sein. Woher kommt die Anpassung und Einrichtung? +Es passt sich selbst an, richtet sich selbst ein; vermöge seines +Selbsterhaltungstriebes kommt es zur Selbstentfaltung und +Selbstentwicklung. Das ist eben das, was Aristoteles Zielstrebigkeit +nennt. Man sagt, das Stärkere erhält sich, weil es +besser für den Kampf ums Dasein ausgerüstet ist. Aber das +gilt nicht eigentlich vom Stärkeren, sondern vom feiner Organisierten, +vom Empfänglicheren, Reizbareren, also von dem Vollkommneren. +Dieses ist das Stärkere. Mit andren Worten, +die Entwicklung zum Vollkommneren, die Zielstrebigkeit setzt +sich durch, hält sich aufrecht. Der Geruchssinn des Parfumeriefabrikanten, +der Geschmackssinn des Gourmands, der Gehörssinn +des Musikdirigenten, der Gesichtssinn des Mikroskopikers +wird durch die infolge der Übung und Gewöhnung wiederholt +auftretenden und einander weckenden Empfindungen feiner, +zarter, für Unterschiede empfänglicher, keineswegs aber gröber, +stärker. Wäre das letztere der Fall, dann liesse sich durch +Summierung der wiederauflebenden Empfindungen alles sehr +leicht erklären, rein mechanisch; alle Vervollkommnung wäre +nur ein Stärkerwerden. Aber es ist anders in der Natur; man +<pb n="76"/><anchor id="Pg76"/> +kann von einem aristokratischen Prinzip als dem herrschenden, +in letzter Instanz ausschlaggebenden reden. Das Bessere, das +Vollkommnere gewinnt im Allgemeinen den Sieg, das Stärkere +nur ausnahmsweise. Dem gegenüber versagt die mechanische +Erklärung. Dass sich das Bessere, Vollkommnere durchsetzt +und erhält, scheint ohne Zielstrebigkeit nicht erklärt werden +zu können. +</p> + +<p> +Die fortschreitende Entwicklung der Natur ist nicht zu +leugnen. Sie vollzieht sich durch Zusammenfassung des Nebeneinanderliegenden, +Getrennten zur Einheit, durch Bildung +kleinerer Ganzen, z. B. der Himmelskörper im Weltenraum, +der Krystalle, Pflanzen, Tiere auf der Erde, und innerhalb +dieser letztern durch Herstellung von Mittelpunkten zuerst und +dann von Systemen, die das kleine Ganze beherrschen: Ernährungs-, +Nerven-, Bewegungssystem. Aber wie langsam +geht diese Entwicklung vor sich, ihr Alter zählt nach Jahrmilliarden! +Die eigentliche Stätte unablässiger, augenscheinlicher, +fortschreitender Entwicklung ist die Geschichte. Insofern +kann man sie als die an Intensität freilich alles Vorausgehende +hinter sich lassende Fortsetzung der Natur bezeichnen. +Auch in ihr handelt es sich um Herausbildung von Einheiten; +aber diese Einheiten sind nicht Zusammenfassungen neben- und +aussereinanderliegender Teile, sondern Einheiten, die in +einem Bewusstsein von sich selbst, an dem alle ihre Glieder +teilnehmen, bestehen: Volk, Staat, Gesellschaft, Nation. Einheiten +ferner im strengen Sinne, nämlich geistige Einheiten, Persönlichkeiten, +welche die eigentlichen Träger der geschichtlichen Entwicklung +bilden. Sie sind Träger von Ideen, welche die Massen +bewegen. Darin liegt ihre Bedeutung. Die Geschichte bewährt +sich gerade durch diese in ihr hervortretenden, in den +Persönlichkeiten verkörperten Ideen als fortschreitende Entwicklung. +Die Frage, ob es einen Fortschritt in der Geschichte +giebt, sollte darum von rechtswegen gar nicht gestellt werden. +Für die Wissenschaft und Religion hat man ihn nicht leugnen +können; zeitweilige Rückschritte sind nur Anläufe zu kräftiger +Erhebung. Man wird hienach nicht bestreiten können, dass +die Geschichte einen viel bedeutsameren und gehaltreicheren +Erkenntnisgegenstand ausmacht als die Natur. Es giebt ohne +<pb n="77"/><anchor id="Pg77"/> +Zweifel in der fortschreitenden Entwicklung der Natur etwas +Neues, das aus den vorausgehenden Faktoren nicht erklärt +werden kann, – das Organische gegenüber dem Unorganischen +ist, wie das Tier gegenüber der Pflanze, ein solches Neues – wenn +man nicht etwa den Satz ex nihilo fit nihil zu leugnen +versucht. Das gilt in noch viel höherem Grade von der Geschichte. +Hier ist das Neue an das Individuum gebunden, und +die Bedeutung des Individuums bedingt und bestimmt den geschichtlichen +Fortschritt. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Fünfundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration. +</p> + +<p> +Es giebt eine alte Unterscheidung von drei Erkenntnisquellen: +Erfahrung, Vernunft und Offenbarung. Man begegnet +ihr heute nicht mehr. Sie gilt für veraltet. Indes hat sie doch +ihr gutes Recht. Die Redeweise: es war mir oder kam über +mich wie eine Offenbarung, wird nicht selten gebraucht, und +viele werden gestehen müssen, dass sie so etwas wirklich erlebt +haben. Man spricht allgemein von einer künstlerischen +Inspiration. Die schöpferische Einbildungskraft ist etwas andres. +Worin liegt der Unterschied? Was ist unter dieser Inspiration, +Eingebung, die als Offenbarung bezeichnet werden muss, zu +verstehen? +</p> + +<p> +Es bedarf eines Blickes des Geistes, um das Wesentliche +von dem Unwesentlichen in den Dingen unterscheiden, um die +Merkmale ihres Begriffes auffinden und entdecken zu können. +Nicht jeder verfügt über diesen Blick. Viele bleiben an dem +Äusserlichen und Nebensächlichen mit ihrem Denken haften. +Wir sagen dann, sie können nicht denken. Wie sie des eigentümlichen +Erlebnisses, das wir als Einsicht bezeichnen, ermangeln +und sich kaum über die Stufe des bloss associativen +Wissens erheben, so fehlt ihnen auch der Blick des Geistes, +durch den allein das Wesentliche erfasst werden kann. Eines +solchen Blickes bedarf es nun auch, um den Gedanken zu erfassen, +der in einem Kunstwerke ausgedrückt ist. Aber für +den Künstler selbst, der den Gedanken in dem Stoffe verwirklicht, +genügt dieser Blick nicht. Ihm muss der Gedanke <hi rend='italic'>gegeben</hi> +werden. Und das geschieht eben durch die Eingebung oder +<pb n="78"/><anchor id="Pg78"/> +Inspiration. Sie ist, wie ersichtlich, von dem Blicke des Geistes, +durch den wir das Wesen, den Kern der Sache erfassen, verschieden. +Dieser Blick orientiert sich an der äussern Erscheinung +des Wesens, er ist durch sie bedingt und wird durch sie bestimmt, +obgleich er sozusagen durch sie hindurchdringt und +über sie hinausgeht. Die Inspiration oder Eingebung hingegen +ist ein objektiver Zustand, der ohne unser Zuthun zustande +kommt, dem gegenüber wir uns leidend verhalten. Sie setzt +natürlich in uns eine Empfänglichkeit voraus, die mannigfach +vermittelt ist; ihre Auffassung hängt darum von einer bestimmten +Entwicklung des Bewusstseins ab. Man kann die Inspiration +mit dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit vergleichen +und muss dann die Auffassung der Inspiration mit der Einsicht +zusammenstellen. Auch bei der Eingebung handelt es sich um +Zusammenhänge, um Zusammengehörigkeiten, freilich andrer, +höherer Art als bei dem Einleuchten, wie sie beispielsweise +das Motto der Goetheschen Iphigenie darstellt: Alles irdische +Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit. In der schaffenden +Thätigkeit des Künstlers nun spielt vor allem die Inspiration +oder Eingebung eine Rolle, sie macht sich die Phantasie des +Künstlers dienstbar und lässt sie an seiner Schöpferkraft teilnehmen. +Die so schöpferisch gewordene Phantasie schaltet und +waltet mit ihrem sinnlichen Stoff gemäss der Eingebung, ihn +formend und gestaltend. +</p> + +<p> +Natürlich sagen wir nicht, dass alle Ideen, die unsren +Kunstwerken zugrunde liegen oder die in ihnen verkörpert sind, +auf einer Eingebung beruhen. Oft ist das Kunstwerk ja nur +eine Darstellung des in Erfahrung und Geschichte Gegebenen, +freilich so, wie es sich im Geiste des Künstlers spiegelt, wie +es seiner Auffassung entspricht. Diese Spiegelung oder Auffassung +hängt natürlich, wie die Auswahl der darzustellenden +Gegenstände, von der Individualität des Künstlers ab. Man +wird demgegenüber schwerlich von einer auf Eingebung beruhenden +Idee reden können, wenn man nicht etwa für diese +Individualität, wie überhaupt für die Bedeutung des Individuums +in der Geschichte etwas der Eingebung Analoges in Anspruch +nehmen will, das nicht bloss Gedanken im menschlichen Bewusstsein +sondern Wirklichkeiten erzeugt. Abgesehen davon +<pb n="79"/><anchor id="Pg79"/> +wird man nicht leugnen können, dass vielen Kunstwerken, insbesondere +Werken der redenden Kunst, Ideen zugrunde liegen, +die auf einer Eingebung beruhen, die mit andren Worten aus +dem in Erfahrung und Geschichte Gegebenen nicht erklärt +werden können. Das Motto der Goetheschen Iphigenie ist +unzweifelhaft eine solche Idee, wenn auch für Goethe diese +Idee keine eigentliche Eingebung war, sondern dem reichen +Schatze der Eingebungen entnommen wurde, die in der christlichen +Religion gegeben sind und deren Mittelpunkt eben diese +Idee bildet. +</p> + +<p> +Können wir auch von einer wissenschaftlichen Inspiration +reden? Ohne Zweifel müssen wir es! Wird das Forschungsergebnis, +zu dem man nur mühsam durch langwierige Arbeit +gelangt, nicht meistens schon mit vorausschauendem Blicke vorweggenommen, +und ist nicht dieser vorausschauende, das Ergebnis +vorwegnehmende Blick der Ansporn, der uns zur Forschungsarbeit +drängt, und das Licht, das uns hierbei leitet? Alle +grossen wissenschaftlichen Entdeckungen, wie alle Entdeckungen +überhaupt, scheinen so auf ursprünglichen Intuitionen zu beruhen, +die vielfach Eingebungen sind. Das Ergebnis wird oft erst +auf sehr verwickelten und verschlungenen Wegen gewonnen, +und doch steht es uns von Anfang an deutlich vor der Seele. +Wie ist das zu erklären, wenn das Ergebnis nicht eine Eingebung, +Inspiration ist? Wir sprechen davon, dass uns Gedanken +einfallen, wodurch der Fortschritt im Denken vielfach +bedingt ist. Oft sind das freilich nur Reminiscenzen aus der +Lektüre, aus den Gesprächen mit andren, oft nur mehr oder +minder berechtigte Verallgemeinerungen, oft blosse Associationen. +Aber wir wissen auch, dass das keineswegs immer +der Fall ist. Nicht selten tritt uns ein Gedanke, der gleichsam +aus der verborgenen Tiefe unsres Innern auftaucht, als etwas +durchaus Neues entgegen, für das wir in unsrem bisherigen +Geistesleben vergebens nach Anknüpfungspunkten suchen. +Solche Gedanken werden wir doch Eingebungen nennen müssen. +Das Ergreifen, Erfassen derselben im Bewusstsein ist von dem +Blicke für das Wesentliche, der durch die Erscheinung der +Dinge und Vorgänge im Bewusstsein bedingt und bestimmt ist, +verschieden. Solche Gedanken drängen sich uns auf, werden uns +<pb n="80"/><anchor id="Pg80"/> +so aufgenötigt, wie wir von den Empfindungen sagen, dass sie +uns aufgedrängt, aufgenötigt werden. Von unsrem Bewusstsein +scheinen sie nicht hervorgerufen oder erzeugt zu werden; aus +ihm scheinen sie nicht hervorzugehen oder zu entstehen, vielleicht +aus den uns selbst verborgenen Tiefen unseres Wesens. +Durch dieses Sichaufdrängen und Sichaufnötigen, das die auf +Eingebung beruhenden Gedanken mit den Empfindungen gemein +haben, unterscheiden sie sich insbesondere von dem +Wesentlichen, das wir durch einen einfachen Blick des Geistes +erfassen, bei dem von einer innren Nötigung, einem innren +Zwange nichts zu verspüren ist. +</p> + +<p> +Natürlich bilden auch die eingegebenen Gedanken Zusammenhänge, +Zusammengehörigkeiten, sie treten in der Form +von Urteilen auf; aber das Einleuchten dieser Zusammengehörigkeit +und das mit ihr verbundene Einsehen, der Blick für +das Wesentliche verbindet sich nicht ohne weiteres mit den +eingegebenen Gedanken, ist auch grundverschieden von dem +Sichaufdrängen, das die eingegebenen Gedanken wie die Empfindungen +charakterisiert. Wie bei dem Blicke des Geistes +für das Wesentliche, so ist auch bei dem ihm folgenden Einleuchten +und Einsehen der Zusammengehörigkeit von irgendwelcher +Nötigung, irgendwelchem Zwange nichts zu entdecken. +Die auf Eingebung beruhenden Gedanken stellen sich meistens +dann ein, wenn der Blick für das Wesentliche versagt, sodass +ihr Aufleuchten gleichsam einen Ersatz, eine Ergänzung für +diesen Blick bildet. Wir kennen das Wesen des Körperlichen +nicht, können es vielmehr nur nach seiner Erscheinung in unsrem +Bewusstsein charakterisieren und näher bestimmen. Wenn +man das Körperliche für den Gegensatz des Geistigen erklärt, +so geschieht das auf Grund einer Eingebung in unsrem Sinne; +der Erfahrung folgend würde es eher als eine Stufenleiter zum +Geistigen hin betrachtet werden müssen. Aber auch diese +Betrachtung findet in der Erfahrung keine ausreichende Stütze +und muss insofern ebenfalls als Eingebung bezeichnet werden. +Natürlich sind solche Eingebungen keine Erkenntnisse; es +kommt darauf an, sie zu verifizieren. Die wissenschaftliche +Arbeit hat in ihnen wohl einen Ansporn und ein Licht, aber +sie beginnt erst mit der Eingebung und muss so lange fortgesetzt +<pb n="81"/><anchor id="Pg81"/> +werden, bis die Zusammengehörigkeit der Eingebung +mit dem Wirklichen einleuchtet und eingesehen wird. Dann +erst wird die Eingebung zur Erkenntnis. +</p> + +<p> +Der Ausdruck Eingebung ist insofern ein vorläufiger. Zu +einer wirklichen, von der Einbildung sich unterscheidenden Eingebung +wird ein Gedanke erst dadurch, dass wir ihn zu einer +wirklichen Erkenntnis erheben. Von den beiden Gedanken über +das Wesen des Körperlichen, die wir erwähnten, scheint sicher +zu sein, dass sie zu wirklichen Erkenntnissen nicht erhoben +werden können. Nach dem ersteren Gedanken, der die Natur +als Gegensatz zum Bewusstsein fasst, müsste man die Natur +etwa als Schranke des Bewusstseins, als symbolischen Ausdruck +seiner Endlichkeit auffassen, dem sich dann die scheinbar unendliche +Ausdehnung der Natur im Raume als symbolischer +Ausdruck ihrer vorgeblichen Unendlichkeit zur Seite stellt. +Nach dem letzteren Gedanken müsste man etwa annehmen, +dass die Natur in einer stufenweisen Entwicklung allmählich +zu einem geistigen Dasein verklärt würde, wie es die Anschauung +des neuen Testamentes ist oder zu sein scheint. Aber +was in beiden Fällen die Wirklichkeit der Natur eigentlich +sein soll, bleibt völlig dunkel. +</p> + +<p> +Wenn wir an dem wirklichen Bestehen von Eingebungen +nicht zweifeln können, so fragt es sich, woher sie kommen. +Wir haben gesehen, dass das Wesen der Dinge in ihrer Wahrheit +besteht und dass sie nur dadurch, dass sie wahr sind, +wirklich sein können. Ihre Wahrheit ist Bedingung ihrer +Wirklichkeit und ihr gegenüber das Massgebende und Entscheidende. +Alle Dinge hängen so mit dem Reiche der Wahrheit, +mit dem System der Wahrheit zusammen – eine einzelne +Wahrheit giebt es streng genommen nicht – sind von ihm +durchdrungen oder in dasselbe eingegliedert. Das gilt natürlich +auch von unsrem Bewusstsein, von unsrem Erkennen und allen +dasselbe vorbereitenden Vorgängen. Sie sind aufs engste mit +dem Reiche oder System der Wahrheit verbunden, und aus +dieser Verbindung erklärt es sich, dass scheinbar unvermittelt +in uns Gedanken auftreten oder, wie wir gewöhnlich sagen, +uns eingegeben werden. +</p> + +<p> +Es giebt sicher zwei Erkenntnisquellen, das Wort im +<pb n="82"/><anchor id="Pg82"/> +weitesten Sinne genommen: nicht Quellen, aus denen wir die +Erkenntnisse schöpfen, sondern Ausgangspunkte, zwei verschiedene +Ausgangspunkte für unser Erkennen, die dasselbe +bedingen und seinem Inhalte nach bestimmen. Das sind einerseits +die Empfindungen als Erkenntnismittel der Aussenwelt +und die Bewusstseinsvorgänge als Erkenntnismittel der Innenwelt, +beide zusammen das ausmachend, was wir als Erfahrung +bezeichnen können, wenn wir darunter eben den Ausgangspunkt +für das Erkennen verstehen. Diesen stehen anderseits +die Eingebungen gegenüber. Die Erkenntnis ist natürlich von +beiden verschieden. Sie ist Sache des Denkens, der Vernunft, +und besteht weder in einer blossen Umformung der Empfindungen, +wie Condillac und die Sensualisten meinen, noch in einer blossen +Umformung der Bewusstseinsvorgänge. Dass uns die Eingebungen, +die nur dem hochentwickelten Bewusstsein zuteilwerden +können, in den an die Erfahrung sich anschliessenden +Formen des Denkens gegeben werden, hindert natürlich nicht, +sie als Ausgangspunkt für das Erkennen in dem erörterten +Sinne zu betrachten. +</p> + +</div><div><head rend="body-subhead"> +Sechsundzwanzigste Untersuchung. +</head> + +<p rend="body-subhead2"> +Religiöse Erkenntnisse. +</p> + +<p> +Nimmt man an, dass es künstlerische und wissenschaftliche +Inspirationen giebt, so wird man auch den religiösen Inspirationen +seine Anerkennung nicht versagen können. Die Religion ist, +ganz allgemein gefasst, das Bewusstsein von der Verbindung +des Menschen mit Gott und ein auf Grund dieses Bewusstseins +eingeleiteter Verkehr des Menschen mit Gott, der in der rückhaltlosen +Hingabe des Willens, der Person, des ganzen Wesens +an Gott seinen Grund hat und in einer persönlichen Beziehung +zu Gott besteht. Wird nun unter Gott, wie es in der Religion +der Fall ist, das über der Welt der Erscheinungen erhabene +Wesen verstanden, in dem alles wirkliche Sein und alle Wahrheit +ihren Grund hat, so ist begreiflich, dass gerade auf religiösem +Gebiete die Inspirationen die grösste Rolle spielen. +Sie sind von der Religion ihrem wahren Wesen nach unabtrennbar. +Das kann man nur leugnen, wenn man dieses Wesen +völlig verkennt oder in sein Gegenteil verkehrt. In allen weltbewegenden +<pb n="83"/><anchor id="Pg83"/> +Religionen treten Seher, Propheten auf, die sich +solcher von Gott empfangener Inspirationen rühmen. Sofern +sie eine neue religiöse Bewegung herbeiführen, nennen wir sie +Gründer, Stifter der Religionen oder Verbesserer, Reformatoren. +Der Inhalt ihrer Inspirationen sind keineswegs, nicht einmal +grösstenteils, Zukunftsbilder, sondern die ganze Natur und +Menschenwelt umspannende Gedanken, die über das eigentliche +Wesen und die Wahrheit der Dinge, d. h. über ihre Stellung +und Bedeutung für die Gesamtheit des Wirklichen oder im +System der Wahrheit Licht verbreiten. Sie haben deshalb zu +allen Zeiten das lebhafte Interesse des Philosophen geweckt, +dem es um die Erkenntnis des Wesens und der Wahrheit der +Dinge zu thun ist. +</p> + +<p> +Allerdings sind diese Gedanken in erster Linie praktischer +Natur, denn die Religion ist zunächst eine praktische, das Gefühl +und den Willen angehende Angelegenheit. Aber sie +schliessen die umfassendsten und bestimmtesten theoretischen +Voraussetzungen ein, ohne die sie Halt und Bestand verlieren +und bei deren Veränderung sie selbst völlig verändert werden. +Und diese theoretischen Voraussetzungen sind nicht etwa darum +wahr, weil sie sich praktisch für das Gefühl und den Willen +bewähren. Der Wert der Praxis liegt gerade darin, dass diese +Voraussetzungen wahr sind. Wie alles in der Welt, so erhält +auch sie ihren Wert nur durch die Wahrheit, die sie natürlich +nicht verbürgen und garantieren kann. Es ist eine den Religionsbegriff +verflachende und entleerende Auffassung, wenn man +erklärt, die Religion bestehe in blossen Gefühlen, und wenn +man sie in diesem Sinne mit Gesinnungen verselbigt. Als ob +Gesinnungen ohne theoretische Grundlagen denkbar wären! +Gewiss, das Wesen der Religion, ihr Herz und ihre Seele +besteht nicht in theoretischen Anschauungen, nicht in Lehren, +sondern in der persönlichen Hingabe der Menschen an Gott, in +dem Opfer seiner selbst. Aber wie verschieden ist doch die +stoische Hingabe an den Weltlauf, die auch von den Stoikern +als Gehorsam gegen Gott bezeichnet wird, und die christliche +Ergebung in den Willen Gottes! Worin liegt die Verschiedenheit? +Nun darin, weil die diesen Gesinnungen zugrunde liegende +Lehre eine andere ist. Heilswahrheiten sind nicht wahr, weil +<pb n="84"/><anchor id="Pg84"/> +sie uns Heil bringen, sondern weil sie wahr sind, deshalb +bringen sie uns Heil. Der Glaube als rückhaltlose Hingabe +an Gott setzt die Erkenntnis Gottes als der rückhaltlosen Hingabe +an uns voraus. Er soll den Frieden des Innern und die +Kraft zum sittlichen Handeln bringen. Aber man kann nicht +auf Probe glauben, abgesehen davon, dass das keine rückhaltlose +Hingabe wäre. Mit andren Worten: die Erkenntnis, auf +der der Glaube beruht und die uns seine Wirkung verbürgt, +ist nicht um dieser Wirkung willen wahr, und der diese Erkenntnisse +einschliessende Glaube erhält nicht durch diese seine +Wirkung seine Wahrheit. Dass der Glaube seine Wahrheit nicht +erhält durch seine Wirkungen, geht schon daraus hervor, dass +die Wirkungen rein psychologisch auch eintreten, wenn der +Glaube falsch ist, d. h. wenn die in ihm enthaltene Annahme, +also das intellektuelle Element in ihm, nicht wahr ist. Ohne +dieses intellektuelle Element, dass Gott ist, dass er die Liebe +ist, kommt kein Glaube zustande, ohne dasselbe kann er keinen +Augenblick bestehen. Ist es nicht wahr, so ist er Trug, +Täuschung, Einbildung, also völlig wertlos, trotz seiner guten +Wirkungen. +</p> + +<p> +Aber hat das intellektuelle Element, von dessen Wahrheit +wir reden, in der Religion nur Bedeutung als Voraussetzung, +als bedingender Bestandteil? Muss man nicht vielmehr sagen, +die Wahrheit sei das Einzige, was um seiner selbst willen geschätzt +werden müsse, alles andere könne nur darum geschätzt +werden, weil es wahr ist (nur weil es wahr ist, ist es ja auch +wirklich)? Wir sprechen von wahrer, wirklicher Liebe, von +wahrer, wirklicher Sittlichkeit, von wahrem, wirklichem Menschsein +und meinen damit eine Liebe, wie sie sein soll, eine +Sittlichkeit, wie sie sein soll, einen Menschen, wie er sein soll. +Das ist natürlich Wahrheit in andrem Sinne; Wahrheit als +Übereinstimmung mit einem Ideal. Aber im höchsten Sinne ist +Liebe, Sittlichkeit, Mensch nur wahr, insofern sie eine Stellung +in der Gesamtheit des Wirklichen haben, die durch das System +der Wahrheit bestimmt wird, also als Glieder des Reiches der +Wahrheit – nur insofern haben sie eine ewige Bedeutung und +einen unvergänglichen Wert. Insofern ist dann die Wahrheit +alles in allem, das einzige, das wahrhaft höchste Gut. Dieser +<pb n="85"/><anchor id="Pg85"/> +höchste Sinn der Wahrheit muss auch für die Religion gelten. +Als einzelne Wahrheit oder Teilwahrheit ist sie blosse Voraussetzung, +bedingender Bestandteil der Religion; als Wahrheit +im höchsten Sinn ist sie auch für die Religion alles. Was +Voraussetzung, bedingender Bestandteil und insofern Anfang +für Glaube, Liebe, Sittlichkeit, Religion ist, dass muss auch +das Ende, das höchste Ziel sein. In diesem höchsten Sinne +wird in der christlichen Religion Gott als die Wahrheit bezeichnet +und die Erkenntnis mit dem ewigen Leben verselbigt, +oder das ewige Leben auf die Erkenntnis zurückgeführt. »Das +ist das ewige Leben, das sie Dich erkennen und den Du gesandt +hast, Jesum Christum.« In diesem höchsten Sinne des +Wortes Wahrheit wird dann auch in der christlichen Religion +alles auf Gott, den König im Reiche der Wahrheit, bezogen, alles +sub specie aeternitatis betrachtet, alles nach seiner ewigen Bedeutung +im Gegensatze zu dem vergänglichen Scheine ins Auge +gefasst und gewertet. In diesem höchsten Sinne des Wortes +Wahrheit endlich wird alle Wahrheit in der christlichen Religion +als auf Eingebung, Inspiration, Offenbarung beruhend betrachtet. +</p> + +<p> +Für die Erkenntnis der Wahrheit in diesem höchsten +Sinne gilt dann freilich auch wieder Glaube, Liebe und Sittlichkeit +als Bedingung. »Wer meine Worte hält und danach +thut, der wird erkennen, dass sie wahr sind«. Insofern muss +zugestanden werden, dass die Wahrheit wohl an sich, nicht +aber für uns das höchste Gut ist. Für uns ist die Sittlichkeit +ein höheres Gut als die Wahrheit und hinwiederum die Seligkeit, +der Friede, ein höheres Gut als die Sittlichkeit. Denn +nur wenn wir die Seligkeit oder den Frieden erlangt haben, +können wir sittlich leben, und das sittliche Leben hinwiederum +ist Bedingung der Erkenntnis der Wahrheit im vollen Sinne +des Wortes. Insofern gilt der Primat des Willens, nicht der +Primat des Intellekts; insofern können wir auch die beiden +letzten Glieder der für das Zustandekommen des Glaubens +wichtigen Reihe notitia assensus (Einsicht) fiducia umkehren +und sagen notitia fiducia assensus, was übrigens auf den alten +Satz von der fides quaerens intellectum hinauskommt. +</p> + +<p> +Man unterscheidet Eingebung und Offenbarung. Eingebungen, +<pb n="86"/><anchor id="Pg86"/> +Inspirationen werden einem Einzelnen zuteil, und +wenn dieser sie andren mitteilt als von Gott stammend oder +auf Inspiration beruhend, so werden sie Offenbarungen genannt. +Kann der, dem die Eingebung zuteil wird, diese wirklich als +Eingebung erkennen? Will man das bezüglich der künstlerischen +und wissenschaftlichen Eingebungen nicht leugnen, +so ist kein Grund vorhanden, es für die religiösen Eingebungen +zu bestreiten. Dass der religiös Inspirierte seine Eingebungen +auf Gott zurückführt, spricht nicht dagegen. Gott ist ihm der +König und Herrscher im Reiche der Wahrheit, und vom Gläubigen +wie von dem Künstler und Gelehrten gilt, dass er sein +ganzes Sein und Wesen von diesem Reiche der Wahrheit zu +Lehen trägt und nur als Glied dieses Reiches ein Sein und +Wesen besitzt. Wie alle Dinge, so stehen auch die bevorzugten +Menschen, die Künstler, Gelehrten und religiös Inspirierten +unter dem unmittelbaren Einflusse dieses Reiches und +werden von ihm unmittelbar berührt. Warum sollten sie nicht +eine Einsicht und darum eine wirkliche Erkenntnis davon gewinnen +können, dass ein in ihnen auftauchender Gedanke +nicht das Ergebnis ihres Nachdenkens, noch weniger das Endglied +einer rein mechanisch sich vollziehenden Association, +sondern etwas wirklich Neues ist, das nur jenem geheimnisvollen +Reiche der Wahrheit entstammen kann, das wir um +des überzeitlichen Charakters aller Wahrheit willen annehmen +mussten? +</p> + +<p> +Können auch diejenigen, denen die Eingebung als von +Gott stammend verkündigt wird, eine Einsicht davon gewinnen, +dass sie wahr ist, können sie mit andren Worten eine Einsicht +davon gewinnen, dass der Verkündende die Wahrheit +sagen kann und sagen will? Denn diese Einsicht ist der einzige +Weg, auf dem wir uns von der Wahrheit einer Mitteilung +durch andre, sofern sie eben eine Mitteilung ist und bleibt, +überzeugen können. Massgebend hierfür und entscheidend ist +einzig und allein der Eindruck der Persönlichkeit des Verkündigers +nach seiner sittlichen und religiösen Seite. Es giebt +und gab zu allen Zeiten Persönlichkeiten, die in beider Hinsicht +einen überwältigenden Eindruck auf uns ausüben, solange +wir uns gegen solche Eindrücke nicht verhärtet und abgestumpft +<pb n="87"/><anchor id="Pg87"/> +haben, wie wir ja auch gegenüber dem Eindrucke der +Wahrheit, dem Einleuchten oder der Evidenz blind und gleichgültig +werden können. Wenn wir jenen überwältigenden Eindruck +erfahren, dann ist es einfach konsequent, jedenfalls einzig +vernünftig, dass wir ihren auf Religion und Sittlichkeit sich +beziehenden Aussagen rückhaltlosen Glauben schenken oder +sie auf Grund dieser mittelbaren Einsicht für wahr halten – was +auch immer geschieht, wenn nicht die eigenen Neigungen +und Interessen jenen Aussagen widerstreiten. Ob wir unmittelbar +von der Wahrheit dieser Aussagen eine Einsicht oder +Erkenntnis gewinnen können, ist eine andere Frage, die aber +für den Religiösen nur eine untergeordnete Bedeutung hat. +Jener überwältigende Eindruck wird bei ihm ein Ergriffensein +des Gemüts und Sichunterwerfen des Willens zur unmittelbaren +Folge haben, das eine Verstärkung durch die unmittelbare Einsicht +in die Wahrheit jener Aussagen schwerlich und nie, sehr +häufig und leicht aber eine Abschwächung erfährt, da die unmittelbare +Einsicht in die Wahrheit selbst die Gefahr mit sich +bringt, die Wahrheit zu einer blossen Verstandes- oder Kopfwahrheit +herabzusetzen. Darum begnügt sich der Religiöse +gern und freudig mit der äusseren Einsicht in die Wahrheit +der Offenbarung, die sich darauf stützt, dass der die Offenbarung +Verkündigende die Wahrheit sagen konnte und sagen +wollte. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Schluss.</hi> +</p> + +<p> +Man wird sagen, unsere Darlegung sei Metaphysik. Gewiss +mit Recht! Wir kennen keine andren Wahrheiten als +die einen überzeitlichen Charakter haben, und Wahrheit in +diesem Sinne ist Metaphysik, auch wenn man sie durch ihre +unlösbare Verbindung mit dem Erkennen davor schützt, Ding +an sich zu sein. Wer die Metaphysik in diesem Sinne leugnet, +für den giebt es keine Wahrheit mehr. Er ist unrettbar dem +Skepticismus verfallen. Oder nicht? Man sagt, Wahrnehmungen, +die sich bewähren, sind wahr, wie die Wahrnehmung, +dass Digitalis den Puls herabsetzt, Chinin Fieber beseitigt. +Oder Wahrnehmungen, die sich als Teil einem widerspruchslosen +System von Sätzen einordnen lassen, sind wahr. In +<pb n="88"/><anchor id="Pg88"/> +beiden Fällen werden aus den Wahrnehmungen Erfahrungen. +Das erstere ist die empiristische Wahrheitstheorie, das letztere +die rationalistische. Aber es fragt sich, woher wir wissen, dass +etwas sich bewährt, das etwas sich einem widerspruchslosen +System von Sätzen einordnen lässt. Doch nur daraus, dass es uns +einleuchtet und wir es einsehen. Was immer uns aber einleuchtet +und was immer wir einsehen, das leuchtet uns ein, oder das sehen +wir ein als eine Wahrheit, die für alle Zeiten und darum auch für +alle Denkenden gilt. Das Sichbewährende ist, wie alles induktiv +Erschlossene, nur wahrscheinlich, das Widerspruchslose +nur möglicherweise wahr. Oft wenn die Verhältnisse +einfach überschaubar sind, haben wir schon bei der einzelnen +Wahrnehmung eine Einsicht in die Wahrheit. Wir erkennen +z. B. sofort, dass der glühende Ofen verbrennt, dass +Wasser aus Wasser- und Sauerstoff besteht; ebenso dass +gleichseitige Dreiecke gleiche Winkel haben, dass Peripheriewinkel +die Hälfte der Centriwinkel ausmachen. Dort bedarf +es nur Einer Wahrnehmung, hier nur einer beliebig gewählten +Figur. Das Probieren, Versuchen der Wiederholung einer +Wahrnehmung oder ihrer Einordnung in ein System hat seinen +Wert: die Wiederholung, um unsere Lebenszwecke zu sichern +und zu fördern, die Einordnung, um ein Erkenntnisideal zu +verwirklichen; aber beides ist kein Prüfstein der Wahrheit. +</p> +</div> +</div> +</div> +</div> + +<div> +<pb n="89"/><anchor id="Pg89"/> +<index index="pdf" /> +<head> +Namen- und Sachregister. +</head> + +<p rend='bold'>A.</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Abhängigkeit</hi> völlige aller Dinge von Gott S. <ref target="Pg51">51</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Absehen</hi> nicht das Wesen der Abstraktion S. <ref target="Pg21">21</ref>, + – von dem in den Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und den entsprechenden Kategorien enthaltenen irrationalen Element S. <ref target="Pg49">49</ref>, <ref target="Pg57">57</ref>–58. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Abstraktion</hi>, worin sie besteht S. <ref target="Pg21">21</ref>–22, + – geht der Generalisation voran, durch sie gewinnen wir unter anderm auch die wesentlichen Merkmale S. <ref target="Pg9">9</ref>, + – sie schafft neue Einzelgebilde des Denkens, ist verschieden von den negativen Urteilen S. <ref target="Pg21">21</ref>–22. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>actio in distans</hi> S. <ref target="Pg68">68</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Allgemein</hi> nicht dasselbe mit wesentlich S. <ref target="Pg8">8</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Allgemeingültigkeit</hi> Folge der überzeitlichen Geltung S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Analyse und analytisches Verfahren</hi> nur die Kehrseite des Zieles des Erkennens, seine bloss formale Folgeerscheinung S. <ref target="Pg24">24</ref>, + – thut dem Erkennen, nicht Genüge S. <ref target="Pg27">27</ref>, <ref target="Pg29">29</ref>; warum man alle Urteile für analytische halten könnte S. <ref target="Pg26">26</ref> und <ref target="Pg27">27</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Analogieschluss</hi>, ob notwendig für die Erkenntnis fremder Bewusstseine S. <ref target="Pg67">67</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Animismus</hi> S. <ref target="Pg12">12</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ansteckende Wirkung</hi> der Gefühlsäusserungen und Gefühle S. <ref target="Pg67">67</ref>–68. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Anerkennen</hi> der erkannten Wahrheit Pflicht S. <ref target="Pg43">43</ref>–44. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Anfang</hi> und Vorhandensein in der Zeit S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aperçu</hi> und Intuition, inwiefern dem Blick für das Wesentliche ähnlich S. <ref target="Pg10">10</ref>, + – inwiefern von ihm verschieden S. <ref target="Pg80">80</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aphaireisthai</hi>, <hi rend='bold'>abstrahere</hi> s. <hi rend='bold'>Abstraktion</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aristokratisches Prinzip</hi> in der Natur: das Vollkommnere nicht das Stärkere siegt S. <ref target="Pg75">75</ref>–76. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aristoteles</hi> gegen die Trennung des Erkennens vom Gegenstand S. <ref target="Pg1">1</ref>, + – gegen die Trennung von Leib und Seele S. <ref target="Pg54">54</ref>, + – seine Kategorienlehre, in der das sinnfällige Wirkliche die erste Rolle spielt S. <ref target="Pg45">45</ref>, <ref target="Pg47">47</ref>, + – unbewegter Beweger S. <ref target="Pg30">30</ref>, + – kein Begriff ohne Phantasievorstellung S. <ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aristoteliker</hi>: Prädikat der allgemeinere Begriff S. <ref target="Pg27">27</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Art</hi>, inwiefern sie zu den Prädikabilien gehört S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Assensus</hi>, inwiefern ihm die fiducia vorangeht S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Associatives Wissen</hi> S. <ref target="Pg65">65</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Association</hi> der Willensimpulse mit den Sinnenbildern S. <ref target="Pg12">12</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Aufgenötigt</hi>, <hi rend='bold'>aufgedrängt</hi>, Empfindungen, Gedanken, auch Eingebungen; aber nicht das Einleuchten, die Einsicht S. <ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Augustins</hi> veritates aeternae S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ausdehnung</hi>, Sinnenbild und Begriff derselben S. <ref target="Pg11">11</ref>, irrationales Element in der Ausdehnung S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + + +<pb n="90"/><anchor id="Pg90"/> + +<p> +<hi rend='bold'>Aussenwelt</hi>, was darunter nicht zu verstehen ist S. <ref target="Pg52">52</ref>, <ref target="Pg57">57</ref>; + wir haben von ihrer Existenz, nicht von ihrer Beschaffenheit eine unmittelbare Einsicht S. <ref target="Pg53">53</ref>; + warum wir bezüglich der Aussenwelt nicht leicht von einer Einsicht sprechen S. <ref target="Pg61">61</ref>, <ref target="Pg62">62</ref> und <ref target="Pg55">55</ref>; + sie steht mit unserm Bewusstsein in untrennbarem Zusammenhang S. <ref target="Pg56">56</ref> und <ref target="Pg63">63</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ausgangspunkte</hi> zwei verschiedene für unser Erkennen, Erkenntnismittel nicht eigentliche Erkenntnisquellen S. <ref target="Pg81">81</ref>–82. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ausserwesentlich</hi> das Zufällige, das Notwendige zum Teil, ob es zum Seienden gehört oder nicht S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>B.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'><corr sic="Bakon">Bacon</corr></hi> und die Methode der Naturwissenschaften S. <ref target="Pg9">9</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bedeutung</hi> der überzeitlichen Geltung der Wahrheit S. <ref target="Pg4">4</ref>, + – von Raum und Zeit für das Reich der Wahrheit S. <ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg50">50</ref>, + – der Zeit S. <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg62">62</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Begriff</hi> von Ausdehnung und Bewegung verschieden von den entsprechenden Sinnenbildern und Vorstellungen S. <ref target="Pg11">11</ref>–12, + – von Punkt, Linie, Fläche, Geist desgleichen S. <ref target="Pg14">14</ref>; + – umfasst die wesentlichen Merkmale S. <ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg7">7</ref>–8, + – umfasst nicht alle Merkmale, die einem Ding und nur ihm zukommen S. <ref target="Pg8">8</ref>, <ref target="Pg46">46</ref>, + – der Religion S. <ref target="Pg69">69</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>; + – der Philosophie S. <ref target="Pg15">15</ref>–17. Der <hi rend='italic'>Eine</hi> Begriff, welcher die Stellung der Dinge im System der Wahrheit bestimmt, und unsere Begriffe S. <ref target="Pg15">15</ref>, <ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Begriffsworte</hi> enthalten eine Wissensdisposition, die betreffenden Urteile fällen zu können S. <ref target="Pg11">11</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Believe</hi> Dafürhalten, S. <ref target="Pg71">71</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Berkeley</hi> über die Dinge als Gedanken Gottes S. <ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Berührung</hi> enthält ein irrationales Element a) als Bestandteil der Ausdehnung, b) als Bestandteil der Substanz S. <ref target="Pg48">48</ref>–49. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Beschränktheit</hi> als seiendes Nichtsein S. <ref target="Pg47">47</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bewegung</hi>, Sinnenbild und Begriff derselben S. <ref target="Pg11">11</ref>; + irrationales Element in der Bewegung S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Beweis</hi> für die Existenz der Aussenwelt S. <ref target="Pg54">54</ref>–56. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bewusstheit</hi> Wissen des Bewusstseinsvorgangs um sich selbst S. <ref target="Pg58">58</ref>, + – uneigentliches, nicht namentliches, nicht begriffliches Wissen, keine Einsicht oder Erkenntnis S. <ref target="Pg59">59</ref>, + – hat einen übergreifenden Charakter S. <ref target="Pg60">60</ref>–61, + – analog dem Bewusstsein des Ich und Selbst von sich S. <ref target="Pg63">63</ref>, + – ist die Erscheinung der Bewusstseinsvorgänge im Bewusstsein, die sich in der Reflexion wiederholt S. <ref target="Pg64">64</ref>, + – kommt bei der Übertragung der sinnlichen Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge zur Geltung S. <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bewusstsein</hi> der Wahrheit S. <ref target="Pg6">6</ref>; + unser Bewusstsein und die fremden Bewusstseine S. <ref target="Pg61">61</ref>; + Ich- und Selbstbewusstsein S. <ref target="Pg63">63</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Beziehung</hi> auf die Objektivität gleich Bewusstsein der Wahrheit S. <ref target="Pg6">6</ref>–7, + – setzt zwei Glieder voraus S. <ref target="Pg28">28</ref>, + – eine Kategorie S. <ref target="Pg28">28</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bild</hi>, was ihm eigentümlich ist S. <ref target="Pg17">17</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Bildliche</hi> Vorstellungen S. <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Blick des Geistes für das Wesentliche</hi>, eine Abstraktion +(s. d.) S. <ref target="Pg9">9</ref>; + – schafft, erzeugt ein neues Gebilde des Denkens, ist Voraussetzung der Urteile der zergliedernden, der verbindenden, der negativen S. <ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg14">14</ref>, + – vermittelt die Übertragung der sinnlichen Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge S. <ref target="Pg60">60</ref>, + – +<pb n="91"/><anchor id="Pg91"/> + erste Stufe des Erkenntnisvorgangs, noch keine Erkenntnis S. <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>; + doppelte Funktion dieses Blickes: Vereinzelung, Zusammenfassung, Trennen, Zusammenschauen S. <ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Blinde</hi> Überzeugung, worauf sie sich gründet S. <ref target="Pg34">34</ref>, + – Gewissheit, wodurch von der einsichtigen verschieden S. <ref target="Pg36">36</ref>, + – Wissensinhalte sehr zahlreich S. <ref target="Pg65">65</ref>, <ref target="Pg25">25</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Brentano</hi> über äussere und innere Wahrnehmung S. <ref target="Pg58">58</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>C.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Caput mortuum</hi> das Ding an sich, ein toter Punkt S. <ref target="PgVI">VI</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Cartesius</hi> Trennung von Leib und Seele S. <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Causari</hi> hervorgebracht werden, verschieden von sequi folgen S. <ref target="Pg32">32</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Christliche</hi> Ergebung und stoischer Gehorsam S. <ref target="Pg83">83</ref>, + – Religion, Mittelpunkt derselben S. <ref target="Pg79">79</ref>; + inwiefern sie Gott als die Wahrheit erklärt S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Commercium immediatum animarum</hi> unmittelbare, gegenseitige Beeinflussung der Bewusstseine S. <ref target="Pg68">68</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Condillac</hi> S. <ref target="Pg82">82</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Criterium quo cognoscitur</hi> – das, wodurch wir erkennen, die Einsicht, Kennzeichen der Wahrheit im uneigentlichen Sinne S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Criterium secundum quod cognoscitur</hi> – das, gemäss dem wir erkennen, das Einleuchten Kennzeichen der Wahrheiten im eigentlichen Sinne S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Cues</hi> Nikolaus v., ideelle Existenz der Dinge wahrer als die zeiträumliche S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>D.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Definition</hi> der Empfindung unmöglich ohne Zuhülfenahme körperlicher Vorgänge S. <ref target="Pg54">54</ref>, + – der Wahrheit gewöhnliche, a) falsche Auffassung b) richtige Auffassung S. <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>. + Was gehört in die Definition? S. <ref target="Pg8">8</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Denken</hi>, inwiefern Gegenstand der Logik S. <ref target="PgIV">IV</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Denkgesetze</hi> Formalgesetze: das Gesetz des Enthaltenseins und des Grundes S. <ref target="Pg33">33</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Denknotwendigkeit</hi> oft nur Folgerung aus der Gewissheit S. <ref target="Pg39">39</ref>, + – in keinem Falle Grund unserer Einsicht in die Wahrheit S. <ref target="Pg40">40</ref>, <ref target="Pg41">41</ref>, <ref target="Pg42">42</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Descartes</hi> s. Cartesius. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ding an sich</hi> ein ungereimter Begriff S. <ref target="PgVI">VI</ref>, + – führt zu einer Auffassung der Definition der Wahrheit, die alle Erkenntnis unmöglich macht S. <ref target="Pg1">1</ref>, + die Wahrheit nicht Ding an sich S. <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Dinge im Allgemeinen</hi> S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>E.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Eckhart</hi> S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Eigenschaft</hi>, das Eigentümliche derselben S. <ref target="Pg28">28</ref>, +warum sie ein Selbstständiges voraussetzt S. <ref target="Pg41">41</ref>, +und Proprietät S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einbildung</hi> und Eingebung S. <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einbildungskraft</hi> schöpferische verschieden von Eingebung S. <ref target="Pg77">77</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Eingebung</hi> verglichen mit dem Einleuchten, dem Blick für das Wesentliche, der Einsicht S. <ref target="Pg10">10</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>, + – noch kein Erkennen, vielmehr Ausgangspunkt (zweiter) für das Erkennen S. <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>, + wann Gedanken Eingebungen sind S. <ref target="Pg79">79</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, + worin die Eingebungen ihren Grund haben S. <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einheit</hi> Gesetz der Einheit S. <ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, + – Kategorie S. <ref target="Pg47">47</ref>; + – gebrochene in der Natur S. <ref target="Pg57">57</ref>, <ref target="Pg73">73</ref> + – des Bewusstseins S. <ref target="Pg61">61</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einleuchten</hi> und <hi rend='bold'>Einsicht</hi>, Verschiedenheit beider S. <ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg23">23</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>, + Einleuchten keinerlei Zwang S. <ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, +<pb n="92"/><anchor id="Pg92"/> + <ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>, + – verglichen mit Inspiration und Auffassen der Inspiration S. <ref target="Pg78">78</ref>, + – wirklich oder bloss vermeintlich S. <ref target="Pg35">35</ref>, <ref target="Pg36">36</ref>, <ref target="Pg37">37</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>; + Schein des Einleuchtens, wie beseitigt S. <ref target="Pg37">37</ref>; + Einleuchten unmittelbar oder mittelbar S. <ref target="Pg37">37</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>. + Einsicht innere und äussere S. <ref target="Pg71">71</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>. + Einleuchten keine Erkenntnis, Grund der Erkenntnis S. <ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, Einleuchten Massstab, Kennzeichen der Wahrheit; + das, nach dem wir über Wahrheit und Falschheit urteilen S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einsicht</hi> Erkenntnis S. <ref target="Pg23">23</ref>, Sehen, Wahrnehmen der Zusammengehörigkeit S. <ref target="Pg34">34</ref>, + – verschieden von Urteil, Bewusstsein der Wahrheit, Gewissheit S. <ref target="Pg23">23</ref>, keine wahrscheinliche oder zweifelhafte Einsicht möglich S. <ref target="Pg35">35</ref>, <ref target="Pg36">36</ref> + – hat keine Grade S. <ref target="Pg36">36</ref>, + – unmittelbare in die Existenz der Aussenwelt S. <ref target="Pg53">53</ref> + – in die religiös-sittliche Beschaffenheit eines Andern S. <ref target="Pg70">70</ref>, diese der Grund, dass wir seinen Aussagen über Religion und Sittlichkeit Glauben schenken S. <ref target="Pg87">87</ref>, + – subjektiv wie die Gewissheit S. <ref target="Pg23">23</ref>; + inwiefern kann die unmittelbare Einsicht grundlos, inwiefern der Grund der Einsicht, das Einleuchten, als subjektiv bezeichnet werden? S. <ref target="Pg31">31</ref>, + die vorausgehende Einsicht für die nachfolgende Reflexion eigentliches Kennzeichen der Wahrheit (criterium secundum quod), Einsicht an sich genommen nur uneigentlich sogenanntes Kennzeichen der Wahrheit (criterium quo) S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einzelwirklichkeit</hi> – Gegensatz Gesamtwirklichkeit S. <ref target="Pg4">4</ref>, + Gesamtheit des Wirklichen S. <ref target="Pg15">15</ref>. + Gesetze für das Einzelwirkliche; + auch das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten gilt nur für das Einzelwirkliche S. <ref target="Pg29">29</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Empfindungen</hi> a) als Gegenstand der Reflexion S. <ref target="Pg60">60</ref>, + b) als Erkenntnismittel S. <ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>, + c) isoliert vom Körper bei Cartesius und in der Psychologie S. <ref target="Pg54">54</ref>, + Definition der Empfindungen S. <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Enargein</hi> Einleuchten S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Einzelgebilde</hi> des Denkens, die wesentlichen Merkmale S. <ref target="Pg13">13</ref>, + – überhaupt das durch Abstraktion Geschaffene S. <ref target="Pg21">21</ref>; + das Urteil kein Einzelgebilde, vom Denken geschaffene Verbindung S. <ref target="Pg23">23</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Enthaltensein</hi>, Gesetz des Enthaltenseins für Begriffe S. <ref target="Pg26">26</ref>; + Gesetz des Enthaltenseins für Urteile – das Gesetz des Grundes S. <ref target="Pg32">32</ref>; + im Enthaltensein eine Denknotwendigkeit vorhanden S. <ref target="Pg40">40</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Entwicklung</hi> fortschreitende in der Natur S. <ref target="Pg76">76</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg74">74</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Entwicklungstheorie</hi> führt den Zweckbegriff wieder ein S. <ref target="Pg75">75</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erfahrung</hi> Ausgangspunkt des Erkennens + a) die Empfindungen als Erkenntnismittel der Aussenwelt, + b) die Bewusstseinsvorgänge als Erkenntnismittel der Innenwelt, + – keine Erkenntnis S. <ref target="Pg82">82</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erinnerung</hi>, was sie ist S. <ref target="Pg61">61</ref>; + warum wir bei ihr nicht leicht von Einsicht reden S. <ref target="Pg61">61</ref>–62, unter welchen Vorbehalten es einsichtige Erinnerungen gibt S. <ref target="Pg62">62</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erkennen</hi> hat eine metaphysische Bedeutung S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>; + a) empiristischer Begriff, + b) rationalistischer Begriff des Erkennens S. <ref target="Pg2">2</ref>, + – Lehre vom Erkennen erster Teil der Logik, Lehre vom Denken zweiter Teil S. <ref target="PgIV">IV</ref>; + das Erkennen und die Wahrheit S. <ref target="PgIV">IV</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>; + die Wahrheit unabtrennbar vom Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, + – nicht Abdruck, Spiegelbild, müssige Wiederholung der Wirklichkeit, +<pb n="93"/><anchor id="Pg93"/> + besitzt die Wirklichkeit selbst S. <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg17">17</ref>. + Erkennen gleich Einsicht verschieden vom Urteil S. <ref target="Pg23">23</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erkenntnisideal</hi> S. <ref target="Pg88">88</ref> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erkenntnismittel</hi> S. <ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erkenntniswert</hi> der Naturwissenschaften und Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>, + – der Begriffs- und Thatsachenurteile S. <ref target="Pg72">72</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Erklärung</hi> mechanische der Natur, wann möglich? S. <ref target="Pg75">75</ref>, + – psychologische der Entstehung und Zusammensetzung unserer Vorstellungen der Weltdinge S. <ref target="Pg52">52</ref>, <ref target="Pg12">12</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ermöglichung</hi> der Empfindungen S. <ref target="Pg52">52</ref>, + Gesetz der Ermöglichung S. <ref target="Pg32">32</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Evidenz evidentia</hi> Einleuchten S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ewigkeitscharakter</hi> der Wahrheit S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Existenz</hi> der Aussenwelt unmittelbar erkannt S. <ref target="Pg53">53</ref>, + – des Ich desgleichen; + keine Erkenntnis seiner Beschaffenheit S. <ref target="Pg63">63</ref>–64. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>F.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Faith</hi> Glaube in religiösem Sinne S. <ref target="Pg71">71</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Fiducia</hi> religiöser Glaube, der dem assensus der Zustimmung des Verstandes oder dem einsichtigen Urteil vorangeht, ein und dasselbe mit +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Fides</hi> quaerens intellectum religiöser Glaube, der die einsichtige Erkenntnis erstrebt d. h. die mit ihr verbundene äussere Einsicht durch die innere zu ergänzen sucht S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Farbe</hi>, Wesen der Farbe S. <ref target="Pg16">16</ref>, + unsere Auffassung der Farben Grund der Objektivationstheorie S. <ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg55">55</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Formalgesetze</hi> Denkgesetze, das des Enthaltenseins und des Grundes S. <ref target="Pg33">33</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Formalkategorien</hi> Raum und Zeit S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Formen</hi> (3) des Gesetzes des Widerspruchs S. <ref target="Pg33">33</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Formulierung</hi> falsche des Kausalitätsgesetzes S. <ref target="Pg31">31</ref>–32. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Fragen</hi>, ihr Wert S. <ref target="Pg16">16</ref>–17, + Philosophie Wissenschaft der Fragen S. <ref target="Pg16">16</ref>, + – ob die Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, thöricht, ungereimt S. <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg52">52</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>G.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gattung</hi>, wann Proprietät S. <ref target="Pg46">46</ref>, <ref target="Pg8">8</ref>, + verglichen mit der Zahl S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gebiet</hi> das sinnliche konstituiert von den Empfindungen, inwiefern? S. <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gedanken</hi> aufgedrängte S. <ref target="Pg80">80</ref>, <ref target="Pg22">22</ref>, + – Gottes die Dinge der Welt S. <ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg56">56</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gefühle</hi> Grund der blinden Überzeugung S. <ref target="Pg34">34</ref>; + die Religion besteht nicht in blossen Gefühlen S. <ref target="Pg83">83</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gegenstand</hi> Unbestimmtheit des Wortes S. <ref target="Pg2">2</ref>; + einziger Gegenstand des Erkennens die Wahrheit S. <ref target="Pg2">2</ref>; + im eigentlichen Sinne giebt es nur auf Grund des Urteils Gegenstände S. <ref target="Pg12">12</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gegenständlicher</hi> Charakter der Vorstellungen, wie kommt er zu Stande S. <ref target="Pg12">12</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Geist</hi>, Blick des Geistes S. <ref target="Pg9">9</ref>, <ref target="Pg13">13</ref>–14, <ref target="Pg20">20</ref>–21, <ref target="Pg60">60</ref>; + – und Körper S. <ref target="Pg16">16</ref>, Begriff und Sinnenbild des Geistes S. <ref target="Pg14">14</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gelten</hi> mehr als Existieren S. <ref target="Pg4">4</ref>, + vergl. ideelle Existenz in Gott wahrer als zeiträumliche Existenz S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gemüt</hi>, Ergriffensein des Gemüts von der Wahrheit S. <ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Generalisation</hi> S. <ref target="Pg8">8</ref>–9. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Geschichte</hi>, Erkenntniswert der Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>, + Bedeutung des Individuums in der Geschichte S. <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg77">77</ref>, + Fortschritt in der Geschichte S. <ref target="Pg76">76</ref>, + Gedanken in der Geschichte S. <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gesamtheit des Wirklichen</hi> s. <hi rend='bold'>Einzelwirklichkeit</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gesetze</hi> als Ausdruck des Wesens der Dinge S. <ref target="Pg14">14</ref>; + – des Erkennens: Grundgesetz, Urteilsgesetze S. <ref target="Pg25">25</ref> +<pb n="94"/><anchor id="Pg94"/> + u. <ref target="Pg29">29</ref>, Schlussgesetze S. <ref target="Pg30">30</ref> ff., + Gesetz der Gleichförmigkeit des Naturlaufs S. <ref target="Pg38">38</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gewissheit</hi> einsichtige und blinde, ihr Unterschied S. <ref target="Pg35">35</ref>–36. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Glaube</hi> in religiösem Sinne S. <ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg71">71</ref>, <ref target="Pg72">72</ref>; + als Fürwahrhalten der Mitteilungen andrer S. <ref target="Pg70">70</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Glaubensüberzeugungen</hi> geschichtliche Erkenntnisse S. <ref target="PgV">V</ref>, Kant über Glauben S. <ref target="PgV">V</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gleichheit</hi> und Verschiedenheit Prädikabilien S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Goethe</hi> über das Allgemeine und Besondere S. <ref target="Pg9">9</ref>; + Motto seiner Iphigenie S. <ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg79">79</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gravitation</hi> zeitlos S. <ref target="Pg68">68</ref>, Gesetz der – S. <ref target="Pg5">5</ref> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gott</hi> als Bewusstsein überhaupt S. <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg53">53</ref>, + – der Eine Erkennende vom System der Wahrheit vorausgesetzt S. <ref target="Pg30">30</ref>–31, <ref target="Pg85">85</ref>, + seinem Wesen nach Selbstentäusserung, rückhaltlose Hingabe S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Grund</hi>, Gesetz des Grundes S. <ref target="Pg32">32</ref>–33; + subjektiver, objektiver Grund der Wahrheit S. <ref target="Pg30">30</ref>–31, <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Gut</hi>, die Wahrheit an sich das höchste Gut S. <ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg44">44</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>–85, + nicht für uns S. <ref target="Pg85">85</ref>, + ein sittliches Gut, ein Gemeinschaftsgut S. <ref target="Pg44">44</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>H.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Hegel</hi> und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S. <ref target="Pg38">38</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Heraklit</hi> und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S. <ref target="Pg38">38</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Homoiosis</hi> Verähnlichung S. <ref target="Pg6">6</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Horror vacui</hi> kein leerer Raum S. <ref target="Pg56">56</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Humes</hi> Irrtum über das Ich S. <ref target="Pg63">63</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>I.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ich</hi>, inwiefern erkennbar S. <ref target="Pg63">63</ref>–64. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ideal</hi> der Erkenntnis S. <ref target="Pg88">88</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ideelle Existenz</hi> wahrer als zeiträumliche S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ideen</hi>, Persönlichkeiten in der Geschichte, ihre Träger S. <ref target="Pg76">76</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ideenwelt</hi> Platons dasselbe mit dem System der Wahrheit S. <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Immediatum commercium animarum</hi> s. + <hi rend='bold'>Commercium</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Inhaltsmerkmal</hi> der Wahrheit S. <ref target="Pg2">2</ref>; + die negativen Begriffe keine Inhaltsmerkmale S. <ref target="Pg28">28</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Induktion</hi> S. <ref target="Pg9">9</ref>, <ref target="Pg66">66</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Individualität</hi> des Künstlers S. <ref target="Pg78">78</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Individuation</hi> Prinzip der – S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Intellectus</hi> s. <hi rend='bold'>Fides quaerens intellectum</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Irrational</hi> vom Erkennen nicht aufzuhellen S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Inkommensurabel</hi> vom Erkennen nicht aufzuhellen S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Intuitionen</hi> s. <hi rend='bold'>Aperçu</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Inspirationen</hi> s. <hi rend='bold'>Eingebung</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Isolierung</hi> der Teile des Ausgedehnten und Bewegten durch die Abstraktion S. <ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>, + der Empfindungen und körperlichen Vorgänge S. <ref target="Pg54">54</ref>, + der Bewusstseinsvorgänge S. <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>K.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kant</hi> über Glauben und Wissen S. <ref target="PgV">V</ref>, + sein Einfluss auf die Logik S. I; + Trennung des Gegenstandes vom Erkennen + – Ding an sich S. <ref target="PgVI">VI</ref> und S. <ref target="Pg1">1</ref>, + – vom guten Willen S. <ref target="Pg44">44</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kategorien</hi> des Aristoteles S. <ref target="Pg45">45</ref>, + – vier: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung S. <ref target="Pg28">28</ref>, + Formalkategorien: Raum und Zeit; + Realkategorien: Substanz und Kausalität S. <ref target="Pg50">50</ref>, + Wesen und Einheit sind Kategorien S. <ref target="Pg46">46</ref>–47; + Wirklichkeit eine Realkategorie S. <ref target="Pg51">51</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kausalität</hi> Verursachung; + Ursprung des Begriffs S. <ref target="Pg12">12</ref>–13, <ref target="Pg49">49</ref>, + Ursache und Vorgang S. <ref target="Pg28">28</ref>, + Gesetz der Kausalität S. <ref target="Pg31">31</ref>–32; + irrationales Element S. <ref target="Pg49">49</ref>; + – die Ermöglichung nicht hervorbringende Ursache S. <ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg50">50</ref>, + – als symbolischer Ausdruck für die völlige Abhängigkeit der Dinge von Gott S. <ref target="Pg51">51</ref>. + Siehe <hi rend='bold'>Substanz</hi>. +</p> + + +<pb n="95"/><anchor id="Pg95"/> + +<p> +<hi rend='bold'>Kausalzusammenhang</hi> S. <ref target="Pg31">31</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kenntnisnahme</hi> verschieden von Erkennen S. <ref target="Pg65">65</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kenntnisse</hi> keine Erkenntnisse S. <ref target="Pg65">65</ref>–66, <ref target="Pg71">71</ref>, + – erster und zweiter Hand S. <ref target="Pg72">72</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kennzeichen</hi> der Wahrheit S. <ref target="PgIV">IV</ref>, <ref target="Pg3">3</ref>, + nicht die Einsicht sondern das Einleuchten S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kinder</hi> Erfahrungen an – S. <ref target="Pg67">67</ref>, + – unmündige S. <ref target="Pg55">55</ref>, + wodurch belehrt über den Unterschied des eigenen von fremden Körpern S. <ref target="Pg56">56</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Koinonia</hi> Teilnahme an einer Sache S. <ref target="Pg6">6</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kopfwahrheit</hi> S. <ref target="Pg45">45</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Körperwelt</hi>, unser Bewusstsein unabtrennbar mit ihr verbunden S. <ref target="Pg56">56</ref>, <ref target="Pg63">63</ref>, + doppelte Auffassung ihres Wesens S. <ref target="Pg74">74</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, + dreifache Auffassung ihres Verhältnisses zum Geiste S. <ref target="Pg74">74</ref>–75. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Konstante</hi> Merkmale S. <ref target="Pg9">9</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Kraft</hi> enthält wie die Zeit und Kausalität ein irrationales Element, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt im Bewusstsein S. <ref target="Pg57">57</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>L.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Leben</hi> das ewige eine Erkenntnis S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Leib</hi> und Seele untrennbar S. <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>, + vergl. S. <ref target="Pg63">63</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Locke</hi> u. Aristoteles über die Schranken unserer Erkenntnis des Innenlebens anderer S. <ref target="Pg69">69</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Logik</hi> als Denklehre in erster Linie Erkenntnislehre S. <ref target="PgIV">IV</ref>, + – formale u. erkenntnistheoretische S. <ref target="PgIII">III</ref>–IV. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Logismus</hi> formalistischer S. <ref target="PgVI">VI</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Lückenhaftigkeit</hi> der Erinnerung, wie erkannt S. <ref target="Pg62">62</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>M.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Materie</hi> siehe <hi rend='bold'>Kraft</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mathematik</hi>, ob für alle verständlich S. <ref target="PgVI">VI</ref>I, + warum und inwiefern ihre Lehrsätze durch- (ein-)sichtige Klarheit besitzen S. <ref target="Pg58">58</ref>, <ref target="Pg49">49</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mensch</hi>, Begriff des Menschen S. <ref target="Pg8">8</ref>, + Wesen des Menschen S. <ref target="Pg16">16</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Merkmale</hi>, Wertunterschiede unter den Merkmalen S. <ref target="Pg8">8</ref>, + – wesentliche und unwesentliche S. <ref target="Pg6">6</ref>–7, <ref target="Pg46">46</ref>, + – begriffliche und sinnfällige S. <ref target="Pg10">10</ref> ff. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Metaphysik</hi> vermeintliche Grundvoraussetzung das Ding an sich S. <ref target="PgVI">VI</ref>, + Scheu vor der Metaphysik S. <ref target="PgVI">VI</ref>, + Begriff der Wahrheit ist Metaphysik S. <ref target="Pg87">87</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Metaphysische Bedeutung</hi> des Erkennens S. <ref target="PgVI">VI</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Methode psychologische</hi>, Isolierung der Empfindungen vom Körper S. <ref target="Pg54">54</ref>, + der Bewusstseinsvorgänge von einander S. <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mill, Stuart</hi> S. <ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg52">52</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mittelalterliche</hi> Philosophie S. <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mitgeteilte</hi> Urteile keine selbstgefällten S. <ref target="Pg70">70</ref>–71. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Mitte</hi> zwischen Bejahen und Verneinen ausgeschlossen für das Einzelwirkliche S. <ref target="Pg29">29</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>N.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nacheinander</hi> in der Zeit ausgeschlossen durch den Übergang S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Namenwissen</hi> blosse Kenntnis S. <ref target="Pg65">65</ref>–66. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Namentliches</hi> begriffliches Wissen eigentliches Wissen S. <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Natur</hi> Wissenschaft der Natur S. <ref target="Pg57">57</ref>–58, + Erkenntniswert geringer als der der Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>, + Auffassung der Natur mechanische S. <ref target="Pg75">75</ref>, + Auffassung der Natur doppelte unverifizierbare S. <ref target="Pg74">74</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Natura non facit saltus</hi> keine Sprünge in der Natur S. <ref target="Pg56">56</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nebeneinander</hi>, ausgeschlossen durch die Berührung S. <ref target="Pg48">48</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Neues</hi> in Natur und Geschichte S. <ref target="Pg77">77</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Newtons</hi> Gravitationsgesetz S. <ref target="Pg5">5</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Negation</hi> nur im Urteil möglich, setzt +<pb n="96"/><anchor id="Pg96"/> +aber den Blick für das, was anders ist, voraus S. <ref target="Pg14">14</ref>, <ref target="Pg28">28</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nichtsein</hi> wirkliches S. <ref target="Pg47">47</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nichtseinsollendes</hi> ob wirklich S. <ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg47">47</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nihil.</hi> <hi rend='bold'>Ex nihilo fit nihil.</hi> Aus Nichts wird Nichts S. <ref target="Pg77">77</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Nötigung</hi> keinerlei – beim Einleuchten und der Einsicht. S. <ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Notwendigkeit des Denkens</hi> scheinbare als Folge der Gewissheit. S. <ref target="Pg39">39</ref>, <ref target="Pg42">42</ref>–43 + wirkliche einsichtige im Verhältnis des Enthaltenseins S. <ref target="Pg40">40</ref>, + wirkliche einsichtige in den Unverträglichkeitsverhältnissen S. <ref target="Pg41">41</ref>–42, + wirkliche einsichtslose S. <ref target="Pg41">41</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>O.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Objektiver</hi> Grund aller Wahrheit S. <ref target="Pg31">31</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Objektivationstheorie</hi>, Grund derselben S. <ref target="Pg54">54</ref>, + Ersatz derselben S. <ref target="Pg55">55</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Offenbarung</hi> im allgemeinen Sinne die Inspiration mit einschliessend S. <ref target="Pg77">77</ref>, + im Unterschied von der Inspiration S. <ref target="Pg85">85</ref>–86. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ort</hi> der Dinge, Ursprung des Bewusstseins derselben S. <ref target="Pg52">52</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ortsbestimmung</hi> löst alles in Beziehungen auf, setzt darum ein Unräumliches voraus S. <ref target="Pg30">30</ref>. + Prinzip der Individuation S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>P.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Parusia</hi> Gegenwart S. <ref target="Pg6">6</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Pestalozzi</hi> über die Schranken unserer Erkenntnis des Innern anderer S. <ref target="Pg69">69</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Phantasie</hi> schöpferische des Künstlers S. <ref target="Pg78">78</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Phantasiebild</hi> als Begleiter der Begriffe S. <ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Persönliches Verhältnis</hi> das Wesen der Religiosität S. <ref target="Pg69">69</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Persönlichkeiten</hi> in der Geschichte als Träger der Ideen S. <ref target="Pg76">76</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Philosophie</hi> Wissenschaft vom Wesen der Dinge, Wissenschaft der Fragen S. <ref target="Pg16">16</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Prinzip</hi> aristokratisches in der Natur S. <ref target="Pg76">76</ref>, + – der Individuation S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Platons</hi> Theätet S. <ref target="PgVI">VI</ref>I, + Ideenlehre S. <ref target="Pg7">7</ref>, + Ansicht vom Körper S. <ref target="Pg16">16</ref>, <ref target="Pg55">55</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Psychologische Methode</hi> Isolierung der Empfindungen vom Körper S. <ref target="Pg51">51</ref>, + der Bewusstseinsvorgänge von einander S. <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Primat des Intellekts, des Willens</hi> S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Probe</hi> auf Probe glauben in religiösem Sinne unmöglich S. <ref target="Pg84">84</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Porphyrius</hi> über die Prädikabilien S. <ref target="Pg45">45</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Proprietät</hi> und Eigenschaft S. <ref target="Pg46">46</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>R.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Rationalistischer</hi> Begriff des Erkennens S. <ref target="Pg2">2</ref>, + der Wahrheit S. <ref target="Pg88">88</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Raum</hi> als Kategorie S. <ref target="Pg48">48</ref>, + als Begriff S. <ref target="Pg49">49</ref>, + Formalkategorie, Prinzip der Individuation S. <ref target="Pg50">50</ref>, + symbolischer Ausdruck der scheinbaren Selbstständigkeit der Dinge, der Unendlichkeit S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, + enthält ein irrationales Element, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in unserm Bewusstsein S. <ref target="Pg57">57</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Realgesetze</hi> S. <ref target="Pg33">33</ref>–34. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Realkategorien</hi> S. <ref target="Pg50">50</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Rehmke</hi> S. <ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Religion</hi>, positive Seite der Moral S. <ref target="Pg69">69</ref>, + ihr Wesen S. <ref target="Pg82">82</ref>, <ref target="Pg83">83</ref>, + ihre doppelte Wirkung S. <ref target="Pg84">84</ref>, vergl. S. <ref target="Pg85">85</ref>, + Bedeutung der Erkenntnis in der Religion S. <ref target="Pg84">84</ref>–85. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Reflexion</hi> verschieden von dem Bewusstheit genannten Wissen S. <ref target="Pg59">59</ref>, + Wiederholung desselben S. <ref target="Pg64">64</ref>, + Empfindung als Gegenstand der Reflexion S. <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>S.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Scheinbar</hi>, inwiefern das Scheinbare wirklich S. <ref target="Pg19">19</ref>, + die geliehene Selbstständigkeit verschieden von der anmasslichen nicht etwas bloss Scheinbares S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg19">19</ref>, + scheinbare Selbstständigkeit, Symbol derselben S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Schöpfung</hi> Akt der Selbstentäusserung S. <ref target="Pg51">51</ref>. +</p> + + +<pb n="97"/><anchor id="Pg97"/> + +<p> +<hi rend='bold'>Schranken</hi> unübersteigliche oder noch nicht überwundene für die Erkenntnis der Aussenwelt und unserer eigenen Innenwelt S. <ref target="Pg64">64</ref>, + für die Erkenntnis der Innenwelt anderer S. <ref target="Pg69">69</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Schluss</hi> der Analogie S. <ref target="Pg67">67</ref>, + der Induktion S. <ref target="Pg66">66</ref>, <ref target="Pg9">9</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Selbstbewusstsein</hi> unmittelbare Einsicht in die Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge, die wir unsere nennen, mit dem Ich oder Selbst, S. <ref target="Pg63">63</ref>, <ref target="Pg61">61</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Selbsterkenntnis</hi> S. <ref target="Pg69">69</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Selbstentäusserung</hi> s. <hi rend='bold'>Schöpfung</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Seligkeit</hi> als Friede, Voraussetzung der Sittlichkeit S. <ref target="Pg85">85</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Sensualisten</hi> S. <ref target="Pg82">82</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Sinnfällige</hi> Wirklichkeit S. <ref target="Pg48">48</ref>, + – Eigenschaften S. <ref target="Pg57">57</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Sinnliches</hi> Gebiet, wodurch konstituiert S. <ref target="Pg59">59</ref>–60, + sinnliche Merkmale S. <ref target="Pg10">10</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Sinnenbilder</hi>, was sie sind S. <ref target="Pg11">11</ref>; + die Grundbestandteile des Sinnlichen, Sinnfälligen, die Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung S. <ref target="Pg10">10</ref>–11, + einfache Sinnenbilder die genannten, aus ihnen entstehen erweiterte, neue, umfassendere S. <ref target="Pg49">49</ref>, + Sinnenbilder und Vorstellungen S. <ref target="Pg11">11</ref>–12, + Sinnenbilder und Begriffe S. <ref target="Pg49">49</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Sittlichkeit</hi> in dem negativen Moment der Selbstlosigkeit bestehend, das einer Ergänzung bedarf S. <ref target="Pg69">69</ref>, + Kraft zum sittlichen Handeln S. <ref target="Pg84">84</ref>; + inwiefern für uns ein höheres Gut als die Wahrheit S. <ref target="Pg85">85</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Skepticismus</hi> – Folge der Leugnung des metaphysischen Charakters der Wahrheit S. <ref target="Pg87">87</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Spinoza</hi> S. <ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="Pg7">7</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Stoiker</hi> S. <ref target="Pg83">83</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Stoische Hingabe</hi> S. <ref target="Pg83">83</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Stufen</hi>, Vorstufen und Stufen als Bestandteile des Erkenntnisvorgangs S. <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>, S. <ref target="Pg21">21</ref>–23. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Subjektiv</hi> grundlos was <corr sic="ummittelbar">unmittelbar</corr> einleuchtet, hat einen objektiven Grund S. <ref target="Pg31">31</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Subjekt</hi> der Urteile das Einzelwirkliche S. <ref target="Pg29">29</ref>, + – Sinnenbilder oder Vorstellungen und wesentliche Merkmale S. <ref target="Pg26">26</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Substanz</hi> entsteht aus dem Willensding S. <ref target="Pg12">12</ref>, + setzt ein umfassenderes Sinnenbild als die Ausdehnung voraus S. <ref target="Pg49">49</ref>, + begriffliche Bearbeitung, Begriff der Substanz S. <ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg49">49</ref>, + enthält das irrationale Element in verdoppeltem Masse S. <ref target="Pg49">49</ref>, + gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in unserm Bewusstsein S. <ref target="Pg57">57</ref>, + symbolischer Ausdruck für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge S. <ref target="Pg51">51</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Synthese</hi> Ziel des Erkennens, nicht Analyse S. <ref target="Pg27">27</ref>, <ref target="Pg29">29</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Symbolischer Ausdruck</hi> für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge Raum und Substanz, für ihre völlige Abhängigkeit Zeit und Kausalität S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>System</hi> der Wahrheit wesentlich S. <ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg15">15</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>T.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Thatsachen</hi>, Urteile über Thatsachen überzeitlich S. <ref target="Pg4">4</ref>, + – und Gedanken, S. <ref target="Pg3">3</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Trennung</hi> abstrakte von Leib und Seele, Gegenstand und Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>II, <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>, + Abstraktion ein Trennen, Isolieren S. <ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg13">13</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>U.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Übereinstimmung</hi>, Gesetz der – S. <ref target="Pg25">25</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Übergreifender Charakter</hi> der Bewusstheit, warum notwendig, S. <ref target="Pg60">60</ref>, <ref target="Pg61">61</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Übertragung</hi> der sinnlichen Vorstellungen auf geistige Vorgänge wie vermittelt? S. <ref target="Pg59">59</ref>, <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + + +<pb n="98"/><anchor id="Pg98"/> + +<p> +<hi rend='bold'>Überzeugung</hi>, blinde, ihr Grund S. <ref target="Pg34">34</ref>–35, + auch als Gewissheit von der einsichtigen Gewissheit verschieden S. <ref target="Pg36">36</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Unerkennbarkeit</hi> des Wesens der Dinge S. <ref target="Pg16">16</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>–25. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Untrennbarkeit</hi> der Seele vom Leibe (seinem Wesen nach), des Gegenstandes vom Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Unverträglichkeitsverhältnisse</hi> S. <ref target="Pg41">41</ref>–42. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Urteil</hi> gedankliches Gebilde, Verbindung von gedanklichen Einzelgebilden S. <ref target="Pg23">23</ref>, + sein gedanklicher Ausdruck eine Analyse, schliesst bei allen synthetischen, nicht auf dem Enthaltensein beruhenden Urteilen eine Synthese als bedingenden Bestandteil ein, sprachlicher Ausdruck wieder Synthese S. <ref target="Pg26">26</ref>–27. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>V.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Verkündiger</hi> der Offenbarung, kann die Eingebung als solche erkennen S. <ref target="Pg86">86</ref>, <ref target="Pg79">79</ref>, + wann glaubwürdig S. <ref target="Pg86">86</ref>–87, <ref target="Pg69">69</ref>–70. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Verstandesakt</hi> die Einsicht S. <ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Vorgefundenes</hi> Grundelement der Thatsachen S. <ref target="Pg3">3</ref>, + von doppelter Art: Sinnenbilder und Vorstellungen S. <ref target="Pg20">20</ref>–21. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Vorstellungen</hi>, wie werden aus den Empfindungen Vorstellungen? S. <ref target="Pg11">11</ref>–12, + sinnliche und übertragene S. <ref target="Pg59">59</ref>, <ref target="Pg60">60</ref>, + keine blossen Vorstellungen von den Bewusstseinsvorgängen S. <ref target="Pg60">60</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>W.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wahrheit</hi>, metaphysischer immanenter empiristischer, rationalistischer Wahrheitsbegriff S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg48">48</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>–88, + keine einzelne Wahrheit S. <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>, + Wahrheit und Wirklichkeit S. <ref target="Pg86">86</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>–6, <ref target="Pg4">4</ref>, + <ref target="PgV">V</ref>, Wahrheit und Wesen der Dinge S. <ref target="Pg15">15</ref>, + Wahrheit an sich höchstes Gut S. <ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg85">85</ref>, + Wahrheit kein Ding an sich S. <ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wahrscheinlichkeit</hi> der Sätze der Induktion S. <ref target="Pg66">66</ref>, + das einzige, was die empiristische Wahrheitstheorie verbürgt S. <ref target="Pg88">88</ref>, + keine wahrscheinliche Einsicht sondern nur Einsicht in die Wahrscheinlichkeit S. <ref target="Pg35">35</ref>–37. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wesen</hi> s. <hi rend='bold'>Wahrheit</hi> – der Religiosität S. <ref target="Pg69">69</ref>, + – der Farbe, + – des Menschen S. <ref target="Pg16">16</ref>, + – der Religion S. <ref target="Pg83">83</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wesentliche</hi> s. <hi rend='bold'>Blick für das Wesentliche</hi>; – Merkmale der Sinnenbilder noch keine Erkenntnis des Wesens S. <ref target="Pg21">21</ref>; + ob immer mit Einsicht verbunden? S. <ref target="Pg25">25</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wirklichkeit</hi>, ganz und gar abhängig von der Wahrheit S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>–6, <ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg86">86</ref>, + Sinnfällige Wirklichkeit S. <ref target="Pg48">48</ref>, + Wirklichkeit Realkategorie S. <ref target="Pg51">51</ref>, + Was ist Wirklichkeit? S. <ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>I. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wissen</hi>, Wissens-Disposition S. <ref target="Pg11">11</ref>, + – uneigentliches nicht namentliches, nicht begriffliches S. <ref target="Pg59">59</ref>, + Namenwissen S. <ref target="Pg65">65</ref>–66, + – associatives S. <ref target="Pg65">65</ref>, + Wissen und Glauben S. <ref target="Pg70">70</ref>–71. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wissenschaft</hi>, Naturwissenschaft S. <ref target="PgVI">VI</ref>, + beschreibende S. <ref target="Pg57">57</ref>, + erklärende S. <ref target="Pg73">73</ref>, + Geschichtswissenschaft S. <ref target="Pg72">72</ref>–73. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Wissenschaftliche</hi> Inspiration S. <ref target="Pg79">79</ref>–81. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Z.</hi> +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Zeit</hi> vergl. <hi rend='bold'>Raum</hi>, – symbolischer Ausdruck der thatsächlichen Abhängigkeit und Beschränktheit S. <ref target="Pg51">51</ref>, + Zeitlichkeit des Erkenntnisvorganges S. <ref target="Pg5">5</ref>–6. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Ziel</hi> des Erkennens, Synthese nicht Analyse S. <ref target="Pg24">24</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Zielstrebigkeit</hi> in der Natur S. <ref target="Pg75">75</ref>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Zulänglichkeit</hi> des Kennzeichens der Wahrheit S. <ref target="Pg3">3</ref>, <ref target="Pg36">36</ref>–38. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Zusammengehörigkeit</hi> S. <ref target="PgVI">VI</ref>II, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg22">22</ref>, + siehe <hi rend='bold'>Einleuchten</hi> und <hi rend='bold'>Einsicht</hi>. +</p> + +<p> +<hi rend='bold'>Zweckzusammenhang</hi> in der Natur S. <ref target="Pg74">74</ref>. +</p> +<p rend='font-size: small; text-align: center'>A. W. Zickfeldt Osterwieck Harz</p> +</div> + </body> + <back> + <div rend="page-break-before: right"> + <index index="pdf" /> + <head>Anmerkungen der Korrekturleser</head> + <p>Von den Korrekturlesern des <hi>Project Gutenberg</hi> wurden + mehrere Änderungen am Originaltext vorgenommen.</p> + <p>Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche <hi rend='bold'>Veränderliche</hi> (Diese Anmerkung erscheint im Original auf Seite XVIII und wurde in der Gutenberg-Fassung berücksichtigt).</p> + <p>Auf den (Original-)Seiten XIII, 75, 90 und 91 wurden die Anfangsbuchstaben 'Ue' + zu 'Ü' komprimiert. + </p> + <p>Es folgen paarweise Textzeilen im Original und in der vorliegenden + geänderten Fassung.</p> +<eg> +sondern auch allem Vergänglichen, Unveränderlichen so entgegengesetzte +sondern auch allem Vergänglichen, Veränderlichen so entgegengesetzte + +nicht enbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir +nicht entbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir + +einer vermeinlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens +einer vermeintlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens + +ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengegehörigen +ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengehörigen + +reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegegebene +reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegebene + +auch zum Seienden? Gattung und Art sind oftenbar Prädikabilien, +auch zum Seienden? Gattung und Art sind offenbar Prädikabilien, + +Bakon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9. +Bacon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9. + +Subjektiv grundlos was ummittelbar +Subjektiv grundlos was unmittelbar + +ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntniss von den Dingen +ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen + +Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiösität S. 69. +Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiosität S. 69. +</eg> + + </div> + <div rend="page-break-before: right"> + <divGen type="pgfooter" /> + <index index="pdf" /> + </div> + + + </back> +</text> +</TEI.2> |
