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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 02:12:37 -0700
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+ <title>Einf&uuml;hrung in die moderne Logik. Erster Teil.</title>
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+ <title>Erster Teil: Grundzüge der Erkenntnistheorie</title>
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+ <p rend="text-align: center">Der</p>
+ <p rend="font-size: xx-large; text-align: center">Bücherschatz des Lehrers.</p>
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+ <p rend="font-size:x-large; text-align: center">Wissenschaftliches Sammelwerk</p>
+ <p rend="font-size:x-large; text-align: center">zur intellektuellen und materiellen Hebung</p>
+ <p rend="font-size:x-large; text-align: center">des Lehrerstandes.</p>
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+ <p rend="text-align: center">von</p>
+ <p rend="font-size:large; text-align: center">K. O. Beetz,</p>
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+ <p rend="font-size:small; text-align: center">Fünfter Band.</p>
+ <p rend="font-size:x-large; text-align: center">Einführung in die moderne Logik.</p>
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+<p rend="text-align: center">Osterwieck/Harz.</p>
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+ <p rend="font-size: xx-large; text-align: center">Einführung in die moderne Logik.</p>
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+ <p rend="text-align: center">Von</p>
+ <p rend="font-size: x-large; text-align: center">Goswin Uphues</p>
+ <p rend="text-align: center">Professor an der Universität Halle.</p>
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+ <p rend="font-size: large; text-align: center">Erster Teil:</p>
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+<head>Vorwort.</head>
+
+<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" />
+
+<p>
+Wer die Entwicklung der philosophischen Forschung der
+letzten zehn Jahre mit aufmerksamem Blicke verfolgte, dem
+konnte es nicht entgehen, dass in der Auffassung des Verhältnisses
+von Psychologie und Logik eine Wandlung eintrat
+oder sich wenigstens anbahnte. Anfangs hatte es den Anschein,
+als ob die Psychologie die Stellung einer ersten und
+herrschenden Disciplin erhalten sollte. Das Erkennen und
+Denken sind doch Bewusstseinsthatsachen und anderseits Voraussetzungen
+aller Wissenschaften und somit auch der Philosophie.
+Was lag näher, als die Wissenschaft von den Bewusstseinsthatsachen,
+die Psychologie, als grundlegende philosophische
+Disciplin zu betrachten, ja noch mehr, sie zur Grundlage aller
+Wissenschaften zu machen. Allmählich aber brach sich der
+Gedanke Bahn, dass vom Erkennen und Denken als Bewusstseinsthatsachen
+das Erkannte und Gedachte sorgfältig unterschieden
+werden müsse und dass die Untersuchung hierüber
+eher das Recht in Anspruch nehmen könne als Voraussetzung
+aller Wissenschaften und als grundlegende philosophische
+Disciplin zu gelten. So trat die Logik an die Stelle der
+Psychologie; sie nahm wieder, wie ehemals in der Philosophie,
+unter den philosophischen Disciplinen die erste Stelle ein.
+Aber Hand in Hand damit ging auch eine andere Auffassung
+der Logik. Man begnügte sich nicht mehr mit einer Behandlung
+der blossen Formen des Denkens, sondern Fragen, die
+den Inhalt des Denkens und Erkennens, das Gedachte und Erkannte
+betreffen, wurden in immer grösserer Zahl in die Logik
+hineingezogen. Die Logik wurde aus einer formalen Disciplin,
+zu der sie unter dem Einflusse Kants geworden war, in eine
+<pb n='IV' /><anchor id='PgIV' />
+erkenntnistheoretische Disciplin umgestaltet. Das hatte seinen
+Grund nicht bloss in der Entwicklung der philosophischen
+Forschung, sondern wird auch durch die Natur der Sache
+gefordert.
+</p>
+
+<p>
+Verstehen wir unter Logik die Wissenschaft vom Denken,
+so ist doch nicht alles Denken Gegenstand der Logik, sondern
+nur das Denken, durch welches aus dem im Bewusstsein Gegebenen
+Erkenntnisse werden, das Denken also, das seinen
+Zweck im Erkennen hat und ihm als Mittel dient. In der
+Logik ist also das Denken dem Erkennen untergeordnet. Die
+Logik ist in erster Linie Erkenntnislehre und erst in zweiter
+Linie Denklehre. <hi rend='italic'>Was heisst Erkennen? Was können
+wir erkennen?</hi> Das sind die Fragen, welche die Logik vor
+allem zu beantworten hat. Ihre erste Aufgabe ist, den Begriff
+des Erkennens nach seinem Inhalt und Umfang zu bestimmen.
+</p>
+
+<p>
+Aber das Erkennen ist eine Thätigkeit, die sich auf ein
+Ziel richtet. Dieses Ziel ist die Wahrheit. Eine solche Thätigkeit
+setzt die Erkenntnis des Zieles, seiner Erreichbarkeit und
+der Normen, die sie zu befolgen hat, voraus. Was Erkennen
+heisst, können wir nur bestimmen, wenn wir wissen, was Wahrheit
+ist (Definition der Wahrheit), wie wir sie erreichen können
+(Kennzeichen der Wahrheit), welche Regeln wir zu diesem
+Zwecke beobachten müssen (Gesetze des Erkennens). Die
+Untersuchungen über den Begriff der Wahrheit, über das Kennzeichen
+der Wahrheit und über die Gesetze des Erkennens,
+wie ich sie in der vorliegenden Schrift dargestellt habe, machten
+seit 1896 den ersten Teil meiner in jedem Sommer gehaltenen
+Vorlesungen über Logik aus. Sie erscheinen hier um
+ein Beträchtliches vermehrt, nämlich um den ganzen vierten
+Abschnitt dieser Schrift, der vom Umfange unsers Wissens
+handelt. In diesem Abschnitte beantworten wir die zweite
+Frage der Erkenntnistheorie: Was können wir erkennen?
+während die Untersuchungen über die Definition der Wahrheit,
+das Kennzeichen der Wahrheit und die Gesetze des Erkennens,
+die drei ersten Abschnitte dieser Schrift umfassend, die erste
+Frage der Erkenntnistheorie: Was heisst Erkennen zu beantworten
+suchen.
+</p>
+
+<pb n='V' /><anchor id='PgV' />
+
+<p>
+Die Auffassung der Logik als erkenntnistheoretischer
+Disciplin ist eine Wendung zum Besseren. Allein rücksichtlich
+dessen, was Erkenntnistheorie zu leisten hat und leisten kann,
+gehen die Meinungen weit auseinander. Das Erkennen im
+gewöhnlichen von allen wissenschaftlichen Forschern mit Ausnahme
+einiger Erkenntnistheoretiker angenommenen Sinne hat
+eine <hi rend='italic'>metaphysische</hi> Bedeutung. Die Wahrheit ist ein
+metaphysischer Begriff. Was wahr ist, ist nur wahr, weil es
+für alle Zeit und darum für die Ewigkeit gilt. Nur darum gilt
+es auch für alle Denkenden. Wirklich ist etwas nur, weil es
+an diesem Ewigkeitscharakter der Wahrheit teilnimmt. Diesem
+Begriff der Wahrheit möchten viele um jeden Preis aus dem
+Wege gehen, obgleich er in jeder ernstgemeinten Behauptung
+wiederkehrt und natürlich von allen wissenschaftlichen Forschern
+ausser einigen Erkenntnistheoretikern, wenn auch unbewusst,
+festgehalten wird. Man greift zu allerlei Kunststücken, beginnt
+mit der Umdeutung und endet mit der Wegdeutung dieses
+Begriffs &ndash; alles aus Scheu vor der Metaphysik. Man hat das
+Gefühl, diese Forscher wandern an einem Abgrunde in beständiger
+Furcht, in ihn hineinzufallen. Der Abgrund heisst
+Metaphysik. Oft werden sie vom Schwindel ergriffen und
+fallen wirklich hinein. Der Begriff der Wahrheit lässt sich eben
+nicht unterdrücken. Aber alsbald arbeiten sie sich wieder in
+die Höhe und setzen ihre gefährliche Wanderung fort. Ihre
+mühselige Arbeit macht einen trostlosen Eindruck. Das Ergebnis
+ist ein unfruchtbarer Formalismus.
+</p>
+
+<p>
+Kant wollte das Wissen beseitigen, um dem Glauben
+Raum zu schaffen. Hätte er diesen Gedanken weiter verfolgt,
+dann würde er zu einer Würdigung der geschichtlichen Erkenntnisse
+gekommen sein, die wir bei dem grossen Denker
+vermissen. Denn die Glaubensüberzeugungen gehören zu den
+geschichtlichen Erkenntnissen. Für unsere modernen Formalisten
+hat dieser Gedanke Kants keinen Wert, sie empfinden
+ihn als des grossen Kant unwürdig. Folgerichtig darf man
+darum auch bei ihnen keine Würdigung der geschichtlichen
+Erkenntnisse erwarten. Es scheint oft, als ob sie durch die
+Erkenntniskritik nur der vergötterten Naturwissenschaft freie
+<pb n='VI' /><anchor id='PgVI' />
+Bahn machen wollen und als ob diese an die Stelle des realen
+Inhalts der Philosophie treten soll. Und doch ist der Erkenntnis- und
+Bildungswert der Naturwissenschaft, wie wir
+zeigen werden, viel geringer als der der Geschichte.
+</p>
+
+<p>
+Die gegensätzliche Trennung des Erkennens und seines
+Gegenstandes führte Kant zu dem Unbegriff des Dinges an
+sich oder des Gegenstandes, wie er unerkannterweise ist.
+Unsere Formalisten möchten dieses caput mortuum der Kantischen
+Spekulation am liebsten beseitigen oder durch den transcendentalen
+Gegenstand, die Regel der Vorstellungsverknüpfung
+ersetzen &ndash; da das Ding an sich nach ihrer Meinung die
+Grundvoraussetzung aller Metaphysik bildet. Wäre das der
+Fall, dann müsste man freilich aller Metaphysik entsagen. Denn
+das Ding an sich ist in der That ein ungereimter Begriff.
+Aber gerade die Aufrechthaltung der metaphysischen Bedeutung
+des Erkennens und sie allein macht, wie wir zeigen werden,
+die Beseitigung des Dinges an sich möglich.
+</p>
+
+<p>
+Die Scheu vor der Metaphysik ist noch viel verbreitet;
+sie ist eine Nachwirkung der sensualistischen Psychologie
+und der formalistischen Logik. Aber die Anzeichen einer
+Entwicklung des philosophischen Denkens, die der Metaphysik
+günstig ist, mehren sich. Viele bekennen sich rückhaltlos
+zur Metaphysik und treten mutig für sie ein. Sie
+möchten nicht, dass ein formalistischer Logismus die Stelle des
+sensualistischen Psychologismus einnähme. Auch der formalistische
+Logismus kann wie der sensualistische Psychologismus
+nur eine vorübergehende Entwicklungsphase der Philosophie
+sein. Die Logik bedarf notwendig zu ihrem Unterbaue einer
+Auseinandersetzung über die Wahrheit im alten Sinne, und
+diese Auseinandersetzung ist ein Zweig der Metaphysik. Das
+ist die Anschauung, die wir im ersten Teile unserer Schrift
+vertreten.
+</p>
+
+<p>
+Die Erkenntnistheorie umfasst die schwierigsten Fragen
+der Philosophie. Ihr Verständnis setzt nachdenkliche verinnerlichte
+Naturen voraus, die heutzutage nicht allzuhäufig sind.
+Gewiegte Pädagogen behaupten, dass manchen im übrigen gut
+begabten Schülern jede Anlage für Mathematik fehlt. Mit anscheinend
+grösserem Rechte kann man sagen, dass fast allen
+<pb n='VII' /><anchor id='PgVII' />
+Menschen mit sehr wenigen Ausnahmen die Anlage für jenen
+Teil der Philosophie abgeht. Aber ich bin überzeugt, dass
+jeder einigermassen Beanlagte bei entsprechendem Unterrichte
+ein Verständnis der Mathematik gewinnen kann. Und was
+dem Eindringen in jenen schwierigen Teil der Philosophie
+hinderlich im Wege steht, sind Lebensgewohnheiten, die durch
+Selbsterziehung überwunden werden können und überwunden
+werden müssen. Wer fühlt sich nicht angezogen von der
+Schilderung des wahren Philosophen im platonischen Theätet?
+Wer möchte sich von einem Platon nicht gern die Weihe des
+Gedankens erteilen lassen? Aus der schwierigsten dieser
+Fragen, der Frage nach dem Verhältnis von Wahrheit und
+Wirklichkeit redet der Geist Platons zu uns. Er hat sie zuerst
+gestellt, und die Antwort, welche er gab, ist auch heute noch
+beachtenswert.
+</p>
+
+<p>
+Ich habe das Buch geschrieben für diejenigen, welche
+diese schwierigen Fragen studieren d.&nbsp;h. durchdenken wollen,
+um sich eine eigene Meinung zu bilden; nicht für die, welche
+sich mit einer blossen Kenntnisnahme der in der Erkenntnistheorie
+behandelten Fragen begnügen möchten. Kritische Auseinandersetzungen
+mit den Anschauungen anderer, diese
+Schatten für das Licht der eigenen Gedanken, die seinen Glanz
+erhöhen sollen, wurden grundsätzlich vermieden. Sie sind für
+die blosse Kenntnisnahme nützlich, für die Vertiefung in die
+Sache meistens schädlich.
+</p>
+
+<p>
+Hoffentlich dienen dem Zweck dieser Vertiefung das ausführliche
+Inhaltsverzeichnis, das die behandelten Thesen der
+Reihe nach formuliert und das ebenso ausführliche Namen- und
+Sachregister, das die erörterten Grundbegriffe in alphabetischer
+Folge darstellt. Beide zeigen, wie viel Gedankenarbeit
+der Verfasser selbst übernimmt und wieviel er seinen Lesern
+zumutet. Die letztere ist nicht geringer als die erstere. Es
+gibt Wissenschaften, die man sich nicht aneignen kann ohne
+selbst an der Forschungsarbeit teil zu nehmen, das Lernen ist
+hier bedingt durch das Mitforschen. Zu diesen Wissenschaften
+gehört in erster Linie die Erkenntnistheorie. Es wäre für mich
+leichter gewesen bei den einzelnen Fragen länger zu verweilen
+und ihre Behandlung umfangreicher zu gestalten, wohl auch
+<pb n='VIII' /><anchor id='PgVIII' />
+bequemer für den Leser. Es lag so nahe zu diesem Zweck
+die gewohnte und geläufige Form von Vorlesungen zu wählen,
+wie ich sie über diese Fragen oft gehalten habe. Was ich
+hier biete ist nur ein gedrängter Auszug aus diesen Vorlesungen,
+den ich am Schluss derselben zu diktieren und zur
+Grundlage von seminaristischen Übungen zu machen pflege.
+Nach meinen Erfahrungen regt gerade diese gekürzte Form
+der Darstellung am meisten zum Selbstdenken an. Sache des
+Lesers ist es bei den einzelnen Gedanken stehen zu bleiben
+und zu diesem Zweck für die erste Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis
+allein, für die wiederholte Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis
+und Register zu benutzen. Ich möchte das
+auch manchen Fachgenossen empfehlen, namentlich denen, die
+über eine mehr als »mittlere Begabung« verfügen. Jedenfalls
+bin ich dann vor Missverständnissen geschützt, wie sie in der
+Philosophie an der Tagesordnung sind. Ich bemerke noch,
+dass die Zusammengehörigkeit, der Grundbegriff meiner 1893
+erschienenen Psychologie des Erkennens auch den Grundbegriff
+dieser Erkenntnistheorie bildet.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Halle</hi>, 14. Juni 1901.
+</p>
+</div>
+
+<div rend="page-break-before: always">
+<pb n='IX' />
+<index index="pdf" />
+<head>Inhaltsverzeichnis.</head>
+
+<p rend="text-align: center">
+<hi rend='bold; font-size: xx-large'>Die Wahrheit und unser Wissen.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-teil">
+<hi rend="italic">Erster Hauptteil.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-teil">
+<hi rend='bold'>Die Wahrheit.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-abschnitt">
+Erster Abschnitt: <hi rend='bold'>Was ist Wahrheit?</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Erste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">Die herkömmliche Definition der Wahrheit&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Was ist »Ding an sich«? Definition der Wahrheit; a) falsche, b) richtige
+Auffassung. Erkennen a) nach rationalistischer, b) nach
+empiristischer Auffassung. Gegenstand des Erkennens &ndash; die
+Wahrheit. Inhaltsmerkmal der Wahrheit, Kennzeichen der
+Wahrheit.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Zweite Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">Der überzeitliche Charakter der Wahrheit&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg3">3</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Begriffsurteile. Thatsachenurteile. Auch die Wahrheit der letzteren
+hat einen überzeitlichen Charakter.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Dritte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit <ref target="Pg4">4</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Ewige Bedeutung &ndash; Grund der überzeitlichen Geltung. Nur als
+Glied der Gesamtwirklichkeit ist etwas wahr. Spinozas »sub specie
+aeternitatis«. Gelten und Existieren, Wahrheit und Wirklichkeit.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Vierte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Aus der überzeitlichen Geltung folgt die Allgemeingültigkeit für alle
+Denkenden. Die Wahrheit kein Produkt der menschlichen Organisation.
+Wahrheit kein Ding an sich, untrennbar vom Erkennen
+a) als Bewusstsein überhaupt, b) als menschliches Erkennen,
+dessen Hervortreten in der Zeit nicht bloss durch seine ewige
+Bedeutung bedingt ist, sondern auch selbst eine ewige Bedeutung
+hat. Die neuentdeckten Wahrheiten darum schon vor
+ihrer Entdeckung untrennbar vom menschlichen Erkennen.
+</p>
+
+<pb n='X' />
+
+<p rend="content-subhead">
+Fünfte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Die Wahrheit und das Urteil&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Das Bewusstsein der Wahrheit gleich der Beziehung auf die
+Objektivität. Erkennen und Urteil keine Abbildung der Wahrheit,
+sonst wäre diese Ding an sich. Im Erkennen besitzen wir
+die Wahrheit selbst, nicht ihr Spiegelbild. Mit jedem Urteil
+treten wir in die ewige, überzeitliche, unvergängliche, übersinnliche
+Welt ein und fassen in ihr festen Fuss. Augustin, Eckhart.
+Nikolaus von Cues. Platons Ideenwelt das, was wir Wahrheit
+nennen.
+</p>
+
+<p rend="content-abschnitt">
+Zweiter Abschnitt: <hi rend='bold'>Die Wahrheit und das Wesen der Dinge.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Sechste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Wesentliche und unwesentliche Merkmale&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Das Wesentliche und das Wesen ist Ziel des Erkennens. Wesentlich
+nicht gleich notwendig dem Dinge oder notwendig für seinen
+Begriff. Die Merkmale sicher nach ihrem Werte verschieden.
+Ein Merkmal, das eine Unterscheidung eines Dinges von allen
+andern ermöglicht, gehört darum noch nicht in die Definition
+des Dinges. Das Notwendige gehört (zum Teil wenigstens) zum
+Ausserwesentlichen.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Siebente Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale?&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Wesentlich nicht gleich allgemein oder konstant. Nicht durch
+Generalisation werden die wesentlichen Merkmale gewonnen, obgleich
+sie ihre Gewinnung vorbereiten kann, sondern, durch die
+der Generalisation vorausgehende Abstraktion. <hi rend='italic'>Ein</hi> Fall, <hi rend='italic'>Ein</hi>
+Beispiel genügt für die Gewinnung; sie wird vermittelt durch
+den Blick des Geistes, den nicht alle besitzen, der der Intuition
+ähnlich ist und wie diese noch keine Erkenntnis bildet.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Achte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus
+den sinnlichen (vorstellungsmässigen) abzuleiten&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Sinnenbilder Grundlage alles Erkennens. Sinnenbilder der Ausdehnung
+und Bewegung selbst ausgedehnt und bewegt, schon darum verschieden
+von den Begriffen der Ausdehnung: Vielheit der gleichzeitigen
+Teile und Berührung, der Bewegung: Vielheit der aufeinanderfolgenden
+Teile und Übergang. Sinnenbilder Zusammenfassungen
+von Empfindungen ohne gegenständlichen Charakter. Wie erhalten
+die Empfindungen gegenständlichen Charakter, oder wie
+werden sie zu Vorstellungen? Willensdinge &ndash; Substanzen, Ursachen.
+Das Finden der wesentlichen Merkmale ein Schaffen;
+doppelte Funktion desselben: Vereinzelung der Teile des Ausgedehnten
+und Bewegten, Zusammenfassung der sich berührenden
+<pb n='XI' />
+und ineinander übergehenden &ndash; beides Voraussetzung der betreffenden
+Urteile. Begriff und Sinnenbild von Punkt, Linie,
+Fläche, Geist. Auch das negative Urteil setzt den Blick für das,
+was anders ist, voraus.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Neunte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Das Wesen der Dinge&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg14">14</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Nicht das Sinnenbild des Kreises, der Ellipse, eher die mathematische
+Formel, das Gesetz für beide, weiterhin das Gesetz für ihre
+Stellung unter den Kegelschnitten, endlich ihre Stellung in der
+Gesamtwirklichkeit &ndash; das Wesen der Ellipse und des Kreises;
+Wesen und Wahrheit dasselbe. Wesen nicht unveränderlicher
+Seinskern.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Zehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Der Begriff der Philosophie&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg15">15</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Wesen der Farbe, des Menschen unerkennbar. Trotzdem die Erkenntnis
+des Wesens das Ziel des Erkennens. Philosophie
+Wissenschaft vom Wesen der Dinge und Wissenschaft der
+Fragen. Wesen des Erkennens? Wesen der Erscheinung der
+Dinge in uns? Wesen der Orts- und Zeitbestimmungen? Erkennen
+kein Abbilden.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Elfte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Die Wahrheit das höchste Gut&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg18">18</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Wahrhaft schön, wahrhaft sittlich &ndash; was alle als solches anerkennen
+müssen. Unser Begriff von den Dingen zu unterscheiden von dem
+Begriff, der ihr Wesen, ihre Stellung in der Gesamtwirklichkeit bestimmt.
+Für den ersteren gilt: nicht ohne dass es wahr ist, ist
+etwas gut und schön, für den letzteren: dadurch, dass es wahr
+ist, ist es schön, gut. Wesen und Wahrheit des Nichtseinsollenden,
+Scheinbaren? Seine Wirklichkeit nicht zu bezweifeln.
+Vielleicht ist es das anmasslich Selbständige.
+</p>
+
+<p rend="content-teil">
+<hi rend="italic">Zweiter Hauptteil.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-teil">
+<hi rend='bold'>Unser Wissen.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-abschnitt">
+Dritter Abschnitt: <hi rend='bold'>Kennzeichen der Wahrheit.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Zwölfte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Bestandteile des Erkenntnisvorgangs&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg19">19</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Wesentlich gleich zugehörig, zusammengehörig; Wesen gleich Zusammengehörigkeit &ndash; Grundbegriff
+des Erkennens. Das was zusammengehörig
+ist, und seine Zusammengehörigkeit zu unterscheiden.
+Das Vorgefundene a) Sinnenbilder, b) Vorstellungen Vorstufe des
+Erkenntnisvorgangs, Erste Stufe: Erfassung dessen, was zusammengehörig,
+was wesentlich durch den Blick des Geistes &ndash; keine Erkenntnis,
+<pb n='XII' />
+eine Abstraktion als Hinsehen, Festhalten, eine
+schaffende Thätigkeit. Ihr Ergebnis Einzelgebilde des Denkens,
+auf Grund deren erst die Urteilsthätigkeit möglich ist. Zweite
+Stufe: Einleuchten der Zusammengehörigkeit kein Zwang, keine
+Nötigung, &ndash; noch keine Erkenntnis. Dritte Stufe: Einsicht in
+die Zusammengehörigkeit, Sehen, Wahrnehmen derselben, &ndash; eigentliche
+Erkenntnis. Vierte Stufe der ersten entsprechend: Gedanklicher
+Ausdruck der Einsicht im Urteil erzeugt ein neues
+Gebilde des Denkens &ndash; eine Verbindung, kein Einzelgebilde.
+Fünfte Stufe der zweiten entsprechend: Bewusstsein der Wahrheit,
+der Objektivität. Fünfte und zweite Stufe objektiv. Sechste
+Stufe: Gewissheit der dritten entsprechend Ausschluss des Zweifels, &ndash; positiver
+Zustand. Sechste und dritte Stufe subjektiv. Einleuchten,
+nicht die Einsicht Kriterium, gemäss dem wir über wahr
+und falsch urteilen. Einsicht das, wodurch wir die Wahrheit
+erkennen.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Dreizehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Gesetze des Erkennens&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Es giebt nur Eine Wahrheit, keine einzelnen Wahrheiten. Entdeckung
+dieser Einen Wahrheit nach dem Gesetz der Zusammengehörigkeit,
+dem Grundgesetz des Erkennens; (Synthese nicht Analyse).
+An seine Stelle treten die Gesetze für die Urteile: erstens Gesetz
+der Übereinstimmung, Form eins und vier; zweitens Gesetz
+des Enthaltenseins, Form fünf und acht. Drittens Gesetz des
+Widerspruchs, Form zwei und drei, Form sechs und sieben &ndash; Gesetze
+für einzelne Urteile; viertens Gesetz des ausgeschlossenen
+Dritten für das Verhältnis zweier Urteile zu einander. Vier
+Kategorien: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung; die
+Begriffe der einen Kategorie nicht der einer andern über- oder
+unterzuordnen. Verhältnis des Enthaltenseins verschieden
+von Ding und Eigenschaft, Ding und Vorgang, von untergeordneter
+Bedeutung für unser Erkennen. Urteil setzt Synthese
+voraus und schliesst diese als bedingenden Bestandteil ein, mag
+sein gedanklicher Ausdruck auch als Enthaltensein, Subsumtion,
+Analyse erscheinen; der sprachliche Ausdruck erscheint wieder
+als Synthese. Die wesentlichen Merkmale nicht einander über- oder
+untergeordnet, ausser wenn sie den gleichen Kategorien angehören;
+nicht in den Sinnenbildern enthalten. Auch die negativen
+Merkmale der Dinge nicht in ihnen enthalten.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Vierzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Gesetze des Erkennens (Fortsetzung)&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg29">29</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Gesetze für das Einzelwirkliche als Subjekt der Urteile &ndash; Urteilsgesetze:
+die genannten. Gesetze für den Zusammenhang des
+<pb n='XIII' />
+Wirklichen, den wir erschliessen &ndash; Schlussgesetze: das Einheitsgesetz,
+das Gesetz der Kausalität oder der Ermöglichung des
+Anfangenden, das Gesetz des Grundes. Drei Gedankengänge, die
+zum Einheitsgesetz führen. Falsche Formulierung des Gesetzes
+der Kausalität; es ist verschieden vom Gesetz der Gleichförmigkeit
+des Naturlaufs &ndash; Sinn dieses Gesetzes &ndash; führt nicht auf
+das Gesetz des Widerspruchs zurück. Gesetz des Grundes, ein Gesetz
+des Enthaltenseins in seiner Anwendung auf Urteile. Drei
+Formen des Gesetzes des Widerspruchs. Real- und Formalgesetze.
+Auch das Gesetz des Widerspruchs kann einen realen,
+den Fortschritt des Erkennens bedingenden Charakter haben.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Fünfzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Erkenntnis und blinde Überzeugung&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Erkenntnis hat einen vernünftigen Grund in dem Einleuchten, blinde
+Überzeugung beruht auf Gewöhnung, auf Gefühlen, die meist
+zuerst ein blindes Urteilen zur Folge haben, an das sich dann
+die Überzeugung anschliesst von der Wahrheit des Urteils, ferner
+oft von der (angeblichen, vermeintlichen) Einsicht und dem (vermeintlichen)
+Einleuchten. Gewissheit nach ihrer negativen Seite
+ohne Grade, die mit der Einsicht verbundene Gewissheit auch
+nach ihrer positiven Seite ohne Grade, während die Gewissheit,
+welche den blinden Urteilen folgt, sich masslos steigern lässt, wie
+die Gewissheit des Fanatikers zeigt. Ausserdem: die vermeintliche
+Einsicht folgt dem Urteil, die wirkliche geht ihm immer voran.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Sechzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg36">36</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Vermeintliche Einsicht und wirkliche Einsicht nicht bloss durch die
+steigerungsfähige und nichtsteigerungsfähige Gewissheit und durch
+ihr Verhältnis zum Urteil von einander verschieden, die
+vermeintliche kann auch durch die wirkliche überwunden werden.
+Vier mögliche Fälle. Sinn des Gesetzes der Gleichförmigkeit
+des Naturlaufs.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Siebzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Einsicht und Denknotwendigkeit&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg38">38</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Einsicht keinerlei Nötigung. Notwendigkeit, Nichtandersseinkönnen oft
+nur Folgerung aus der Gewissheit. Das Verhältnis des Enthaltenseins
+ein Notwendigkeitsverhältnis; aber dieses Notwendigkeitsverhältnis
+nicht Grund unserer Einsicht in die Wahrheit der betreffenden
+Urteile. Dasselbe gilt von den Denknotwendigkeiten,
+die in dem zusammengehörigen Nichtenthaltenen und in den Unverträglichkeitsverhältnissen
+bestehen. Warum es für unser
+Denken notwendig ist, der Eigenschaft ein Selbständiges (?), den
+<pb n='XIV' />
+Veränderungen und Bewegungen ein Veränderliches und Bewegliches,
+das beharrt, zu Grunde zu legen &ndash; davon haben wir keine
+Einsicht. Dass das System der Wahrheit <hi rend='italic'>notwendig</hi> einen
+Denkenden, das Anfangende <hi rend='italic'>notwendig</hi> einen Ermöglichungsgrund
+voraussetzt, ist nur eine Folgerung aus der Gewissheit, die
+wir vom Gesetz der Einheit und der Kausalität haben.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Achtzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Einsicht und Wille&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg43">43</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit &ndash; letzte Quelle alles
+Unsittlichen. Vom Verstandesakte der Einsicht verschieden die
+Hingabe des Willens und das Ergriffensein des Gemüts. Beides
+wichtig für die sittlichen und religiösen Wahrheiten, die gewohnheitsmässig
+festgehalten wieder zu blossen Verstandeseinsichten
+oder Kopfwahrheiten herabsinken, von denen das Leben unberührt
+bleibt. Die Wahrheit Gemeinschaftsgut, nicht Gut des egoistischen
+Willens, sittliches Gut, höchstes Gut.
+</p>
+
+<p rend="content-abschnitt">
+Vierter Abschnitt: <hi rend='bold'>Umfang unseres Wissens.</hi>
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Neunzehnte Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Schranken unseres Erkennens&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg45">45</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Unterschied von Kategorien und Prädikabilien, der Kategorie Eigenschaft
+und der Prädikabilie Proprietät. Verhältnis der Eigenschaft
+zum Ding verglichen mit dem Verhältnis des Anfangenden zum Ermöglichungsgrund.
+Das Wesen sicher eine Kategorie, auch das
+ausserwesentliche Zufällige und Notwendige gehört doch zum
+Seienden und ist insofern Kategorie. Wann Gattung und Art
+Prädikabilien sind. Verschiedenheit, Gleichheit. Zahl Prädikabilien,
+Einheit sicher Kategorie. Die Endlichkeit als seiendes Nichtsein.
+Raum und Zeit, die Formalkategorien, Substanz und Kausalität,
+die Realkategorien, enthalten Raum und Substanz in der Berührung,
+Zeit und Kausalität in dem Übergang, ein dem Denken
+inkommensurables, von ihm nicht aufzuhellendes Element. Wo
+diese Kategorien eine Rolle spielen, da kann, sofern dieses Element
+in Frage kommt, von Einsicht und Erkenntnis keine Rede sein.
+Was haben Raum und Zeit für eine Bedeutung, da sie einerseits
+als Formalkategorien das Sein der Dinge in keiner Weise vermehren
+und anderseits doch die Principien der Individuation
+bilden, durch die das Wirkliche seine Wirklichkeit erhält, da
+alles Wirkliche Einzelwirklichkeit ist? Die Wirklichkeit eine
+Realkategorie, da sie auf dem wirklichen Akt der göttlichen
+Selbstentäusserung beruht, der den wirklichen Dingen eine
+Selbständigkeit leiht, die ihnen eigentlich nicht zukommt. Inwiefern
+<pb n='XV' />
+ist das Wahre wirklich? Insofern Gott es nicht bloss denkt,
+sondern will? Der Schöpfungsakt ein Akt der Selbstentäusserung.
+Symbolische Bedeutung von Raum und Substanz &ndash; scheinbare
+Selbständigkeit, Unendlichkeit. Symbolische Bedeutung von Zeit
+und Kausalität &ndash; thatsächliche Abhängigkeit, Beschränktheit.
+Hat die Negation eine reale Bedeutung?
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Zwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Die Erkenntnis der Aussenwelt&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Keine Erkenntnis der Beschaffenheit der äusseren Dinge möglich.
+Psychologische Erklärung der Zusammensetzung der sogenannten
+sinnfälligen Wirklichkeit. Ort der Dinge im Raum, wodurch
+bestimmt. Die Dinge sind keine blossen Sinnenbilder, Vorstellungen
+oder fortdauernde Möglichkeiten von Empfindungen.
+<hi rend='italic'>Unmittelbare</hi> Evidenz der Existenz dieser Dinge, die nicht nach
+dem Kausalitätsgesetz erschlossen werden kann. Der Begriff der
+Ursache spielt in der Wahrnehmung keine Rolle. Die Naturdinge
+sind verschieden von Raum und Zeit, von Substanz und
+Kausalität, die nur zur Erscheinungsform der Dinge in unserm Bewusstsein
+gehören. Sie sind Gedanken Gottes, wie wir nach dem
+Einheitsgesetz schliessen. Es giebt keine unmittelbare Evidenz
+von der Nichtexistenz solcher Dinge. Beweis für ihre Existenz.
+Abstrakte Trennung von Leib und Seele bei Cartesius und in der
+Psychologie: Empfindungen als blosse Bewusstseinsvorgänge, Anfangszustände
+des Bewusstseins. Definition der Empfindungen
+ohne körperliche Vorgänge unmöglich. Weder für das entwickelte
+Bewusstsein noch für das des Kindes sind sie blosse
+Empfindungen. Objektivationstheorie &ndash; Ersatz dafür. Empfindungen
+nicht als Empfindungen gegeben, sondern als Erkenntnismittel.
+Platons Schwungbrett. Aristoteles: kein Begriff ohne Phantasiebild.
+Verbindung unseres Bewusstseins nicht bloss mit unserm
+Körper, sondern auch mit der Körperwelt überhaupt. Wie weit
+reicht unsere Erkenntnis der Körperwelt?
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Einundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg58">58</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Brentano über die äussere und innere Wahrnehmung. Bewusstheit
+uneigentliches Wesen. Auf Grund der Reflexion gewinnen
+wir eine Einsicht in die wirkliche Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge.
+Die angewendeten Vorstellungen ursprünglich
+sinnliche, aus dem sinnlichen Gebiet entlehnte, übertragene, bildliche.
+Was ist sinnliches Gebiet? Inwiefern wird dasselbe durch
+die Empfindungen konstituiert? Nicht insofern sie Gegenstand
+der Reflexion sind. Falsch, dass wir von den Bewusstseinsvorgängen
+blosse Vorstellungen haben. Übertragung der sinnlichen
+<pb n='XVI' />
+Vorstellungen durch den Blick des Geistes für das Wesentliche,
+nicht in Urteilen. Methode der Psychologie: Isolierung der Empfindungen,
+Isolierung der Bewusstseinsvorgänge. Übergreifender
+Charakter der Bewusstseinsvorgänge schon für das Zustandekommen
+der Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung notwendig.
+Einheit des Bewusstseins. Einsicht in die Zusammengehörigkeit
+mancher Bewusstseinsvorgänge, in die Zugehörigkeit
+zu unserm Bewusstsein. Erinnerung, was sie ist. Vergleich mit
+der Wahrnehmung. Warum wir bei beiden nicht von Einsicht
+sprechen. Unter welchen Vorbehalten bestehen auch die Erinnerungen
+in Einsichten? Einsicht in die Lückenhaftigkeit unserer
+Erinnerungen, wodurch ermöglicht? Selbstbewusstsein ist Einsicht
+in die Zusammengehörigkeit des Bewusstseins mit unserm Ich.
+Humes Irrtum. Was das Ich ist, wissen wir nicht. Leibliches
+Ich. Ich getrennt vom Leib d.&nbsp;h. von dem Leibe wie er seinem
+Wesen nach ist ein Abstraktum. Einsicht in die Zusammengehörigkeit
+unserer Bewusstseinsvorgänge mit unserm Ich. Vergleich
+der Erkenntnis der Aussenwelt mit der Erkenntnis unserer eigenen
+Bewusstseinsvorgänge. Bei den Bewusstseinsvorgängen fällt die
+Erscheinung derselben im Bewusstsein mit dem Wissen, das sie
+von sich selbst haben, also mit ihnen selbst zusammen.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Zweiundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Weitere Schranken unseres Erkennens&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg64">64</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Keine Erkenntnis des Wesens der Aussendinge und Bewusstseinsvorgänge,
+ihrer Stellung im System der Wahrheit. Die Zahl der
+blinden Wissensinhalte unübersehbar gross. Blosse Kenntnisse
+keine Erkenntnisse &ndash; Zusammengeratenes nicht Zusammengehörendes.
+Associative Wissensinhalte &ndash; alles Namen- und Wortewissen
+von dieser Art. Induktionsschluss ergiebt eine auf Einsicht
+beruhende Wahrscheinlichkeit.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Dreiundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Die Erkenntnis der Innenwelt anderer&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg66">66</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Nicht durch einen Schluss der Analogie vermittelt, sondern<lb/> unmittelbar
+bei Kindern und Erwachsenen. Ansteckende Wirkung der
+Bewusstseinsäusserungen und Bewusstseinszustände. Actio in
+distans. Immediatum commercium animarum. Aristoteles, Locke,
+Pestalozzi als Zeugen für die Grenzen unserer Erkenntnis
+anderer. Wesen der Religiosität: positive Seite der Moral, persönliches
+Verhältnis. Selbsterkenntnis inwiefern schwieriger als
+die Erkenntnis anderer. Einsichtige Urteile über die sittliche
+Beschaffenheit anderer möglich. Verehrungssinn. Worte ungewollte
+Selbstbeurteilungen.
+</p>
+
+<pb n='XVII' />
+
+<p rend="content-subhead">
+Vierundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Geschichtliche Erkenntnisse&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg70">70</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Ist Glauben als Fürwahrhalten auf das Zeugnis anderer minderwertig
+gegenüber dem Wissen? Mitgeteilte Urteile keine von uns gefällten
+Urteile. Äussere Einsicht in die Wahrheit vermittelt
+durch die Einsicht, dass der Mitteilende die Wahrheit sagen kann
+und sagen will. Statt Glauben und Wissen zu unterscheiden
+sprechen wir von Kenntnissen erster und zweiter Hand.
+Believe, faith. Glauben im religiösen Sinne. Kenntnisse zweiter
+Hand weitaus überwiegend. Begriffs- und Thatsachenurteile nach
+ihrem Erkenntniswert. Erkenntniswert der Naturwissenschaften,
+der Geschichte. Natur eine gebrochene Einheit, in der Geschichte
+haben wir eine wirkliche Vielheit. Das Einzelne in der Natur
+hat keinen Eigenwert, nur wertvoll als Exemplar einer Gattung.
+Vom Körperlichen als solchem haben wir keine eigentlichen Erkenntnisse,
+wohl aber von den Beweggründen und Triebfedern
+menschlicher Handlungen. Das Körperliche hat im Geistigen
+seinen Zweck, das Umgekehrte unmöglich. Zweckbegriff von den
+Anhängern der mechanischen Naturauffassung durch die Entwicklungstheorie
+wieder eingeführt. Die Zielstrebigkeit des
+Aristoteles wird auf die Natur als Ganzes angewendet. Woher
+die Anpassung? Aristokratisches Prinzip in der Natur: nicht das
+Stärkere siegt der Regel nach, sondern das Vollkommenere.
+Entwicklung in der Natur sehr langsam, in der Geschichte augenscheinlich.
+Fortschritte in der Geschichte auf intellektuellem und
+religiösem Gebiete. Herstellung von Einheiten in Natur und
+Geschichte wie verschieden! Dort Mittelpunkte, Systeme des Aussereinanderliegenden,
+hier bewusste Einheiten vieler Personen.
+Persönlichkeiten in der Geschichte Träger von Ideen, damit
+Triebkräfte der Entwicklung. Neues in der Entwicklung: ex nihilo
+fit nihil. Bedeutung des Individuums in der Geschichte.
+</p>
+
+<p rend="content-subhead">
+Fünfundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg77">77</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Erfahrung, Vernunft und Offenbarung. Inspiration verschieden von
+dem Blick für das Wesentliche, von der schöpferischen Einbildungskraft.
+Künstlerindividualität. Intuitionen. Einfallen von
+Gedanken. Inspirationen: Zusammengehörigkeiten höherer Art,
+aufgedrängte, aufgenötigte Gedanken, Ergänzungen des Blicks für
+das Wesentliche, &ndash; noch keine Erkenntnisse. Zwei unverifizierbare
+Eingebungen über das Wesen des Körperlichen. Einbildungen
+und Eingebungen. Letztere stammen aus dem Reich
+der Wahrheit, mit dem wir zusammenhängen. Zwei Erkenntnisquellen
+als Ausgangspunkte für das Erkennen: a) Erfahrung,
+aa) Empfindungen, bb) Bewusstseinsvorgänge, b) Eingebungen.
+Erkenntnis nur durch das Denken möglich.
+</p>
+<pb n='XVIII' />
+
+<p rend="content-subhead">
+Sechsundzwanzigste Untersuchung.
+</p>
+
+<p rend="content-ptr">
+Religiöse Erkenntnisse&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg82">82</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Religion was sie ist. Inspiration von Religion unabtrennbar &ndash; sie
+giebt den Philosophen interessierende Weltanschauungen. Religion
+eine praktische Angelegenheit, hat bestimmte theoretische Voraussetzungen.
+Diese sind nicht darum wahr, weil sie sich bewähren:
+a) Ausprobieren unmöglich, b) Wirkungen auch rein
+psychologisch bei falschen Voraussetzungen möglich. Religion
+nicht bloss Sache des Gefühls. Das intellektuelle Element der
+Religion, richtig verstanden, nicht bloss Voraussetzung der Religion
+sondern ihr Wesen, sofern dieses in ihrer Wahrheit besteht. Die
+Wahrheit an sich das höchste Gut. Darum Gott die Wahrheit.
+<hi rend='italic'>Für uns</hi> ist Sittlichkeit ein höheres Gut. Fides quaerens intellectum.
+Notitia, fiducia, assensus. Der Inspirierte kann davon
+eine Einsicht gewinnen, dass er eine Inspiration empfangen hat.
+Die Verkündigung der Inspiration als von Gott stammend &ndash; Offenbarung.
+Mittelbare äussere Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung
+vermittelt durch die Einsicht, dass der Verkündende die
+Wahrheit weiss und sagen will. Massgebend und entscheidend
+hierfür die sittliche und religiöse Beschaffenheit des Verkündigers.
+Äussere Einsicht vom religiösen Gesichtspunkte aus der inneren
+vorzuziehen.
+</p>
+
+<p rend="margin-left:4">
+Schluss&nbsp;&nbsp;&nbsp;<ref target="Pg87">87</ref>
+</p>
+
+<p rend="content-arg">
+Alle Wahrheit wegen ihrer ewigen Bedeutung &ndash; Metaphysik. Wer
+diese leugnet, muss auch die überzeitliche Geltung und damit
+die Allgemeingültigkeit der Wahrheit für alle Denkenden leugnen &ndash; er
+verfällt dem Skepticismus. a) Empiristischer, b) rationalistischer
+Wahrheitsbegriff. Beide setzen den metaphysischen Wahrheitsbegriff
+voraus. Nach jenem lässt sich nur entscheiden, was wahrscheinlich
+ist, nach diesem nur, was möglicherweise wahr ist.
+Jener ist nützlich für die Sicherung unserer Lebenszwecke, dieser
+für die Verwirklichung eines Erkenntnisideals. Ein Prüfstein der
+Wahrheit ist weder der eine noch der andere.
+</p>
+
+<p>
+<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" />
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Druckfehler:</hi>
+</p>
+<p>
+Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche <hi rend='bold'>Veränderliche</hi>.
+</p>
+</div>
+
+<div rend="page-break-before: always">
+<pb n="01"/><anchor id="Pg1"/>
+<index index="pdf" />
+<head>Die Wahrheit und unser Wissen.</head>
+
+<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" />
+
+<div>
+<index index="pdf" />
+<head rend="body-teil">
+Erster Hauptteil.<lb />
+<lb />
+Die Wahrheit.
+</head>
+
+<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" />
+
+<div>
+<head rend="body-abschnitt">
+Erster Abschnitt. <lb />
+<lb />
+Was ist Wahrheit?
+</head>
+
+<div>
+<head rend="body-subhead">
+Erste Untersuchung. </head>
+<p rend='body-subhead2'>
+Die herkömmliche Definition der Wahrheit.
+</p>
+
+<p>
+Seit Cartesius spielt der Gedanke einer gegensätzlichen
+Trennung von Leib und Seele in der Philosophie eine Rolle.
+In ähnlicher Weise hat seit Kant der Gedanke einer gegensätzlichen
+Trennung des Erkennens und seines Gegenstandes
+die Philosophen beschäftigt, und zwar verstanden sie unter
+Gegenstand das sogenannte Ding an sich oder den Gegenstand,
+wie er unerkannter Weise ist. Beide Gedanken sind der
+Aristotelischen und mittelalterlichen Philosophie fremd. Der
+letztere Gedanke führt zu einer Auffassung der gewöhnlichen
+Definition der Wahrheit, welche jede Erkenntnis der Wahrheit
+unmöglich macht. Nach dieser Definition nämlich, auf
+die alle Erörterungen über die Wahrheit vielfach unbewusst
+und unfreiwillig zurückkommen, besteht die Wahrheit in der
+<hi rend='italic'>Übereinstimmung des Erkennens mit seinem Gegenstande</hi>.
+Fassen wir hier Gegenstand in seiner gegensätzlichen
+Trennung vom Erkennen als das Unerkannte oder
+so wie er unerkannter Weise ist, so kann von einer Erkenntnis
+der Wahrheit keine Rede mehr sein; denn der Gegenstand
+kommt uns doch nur innerhalb unsrer Vorstellungen und Gedanken,
+also vermittelt durch unser Erkennen, zum Bewusstsein.
+<pb n="02"/><anchor id="Pg2"/>
+Was er abgesehen davon sein mag, darüber wissen wir
+nichts. Aber muss in jener Definition der Wahrheit das Wort
+Gegenstand notwendig im Sinne des unerkannten Gegenstandes,
+wie er unerkannter Weise ist, genommen werden? Wir werden
+der Absicht der gewöhnlichen Definition der Wahrheit gerecht,
+wenn wir den Gegenstand als das betrachten, was vom
+Erkennen weder gemacht noch geändert wird und insofern
+vom Erkennen unabhängig ist. Damit steht aber nicht im
+Widerspruch, wenn wir an einer unlösbaren Verbindung des
+Erkennens mit seinem Gegenstande festhalten und insofern
+von einer wechselseitigen Abhängigkeit einerseits des Erkennens
+vom Gegenstande und anderseits des Gegenstandes vom Erkennen
+reden. Wenn das Erkannte auch nicht <hi rend='italic'>durch</hi> das
+Erkennen ist, so bleibt doch die Annahme möglich, dass es
+nicht <hi rend='italic'>ohne</hi> das Erkennen sein kann und insofern von ihm
+abhängig ist. Ausgeschlossen ist hierbei die rationalistische
+Annahme, dass das Erkennen seinen Gegenstand aus sich selbst
+schöpft; aber auch die empiristische Annahme ist unrichtig,
+dass dem Erkennen sein Gegenstand einfach gegeben wird.
+Das Gegebene ist noch nicht das Erkannte; das Erkennen darf
+den Gegenstand weder erzeugen oder auch nur ändern, noch
+kann es ihn als Unerkanntes als Ding an sich erfassen.
+</p>
+
+<p>
+Indes ganz abgesehen davon können wir die Definition,
+wie sie gewöhnlich gegeben wird, nicht gebrauchen, schon
+wegen der Unbestimmtheit und Vieldeutigkeit des Wortes
+»Gegenstand«, und es würde daran auch dann nichts geändert,
+wenn wir dieses Wort durch das nicht minder unbestimmte
+und vieldeutige »Wirklichkeit« ersetzten. <hi rend='italic'>Für uns giebt es
+nur einen Gegenstand des Erkennens, und das ist
+die Wahrheit.</hi> Wir nehmen an, dass wir die Wahrheit erkennen
+können, erklären uns aber ausser Stande, von dem was
+Wahrheit ist, eine Definition zu geben. Wenn wir aber auch
+keine eigentliche Definition von dem Begriff der Wahrheit zu
+geben vermögen, so können wir doch wenigstens ein Merkmal
+dieses Begriffs aufweisen und in ihm uns seinen Inhalt vergegenwärtigen.
+Das Merkmal ist freilich kein letztes Unterscheidungsmerkmal,
+aber doch ein wesentlicher, wenn nicht
+der wesentlichste Bestandteil des Begriffs der Wahrheit. Wir
+<pb n="03"/><anchor id="Pg3"/>
+können ferner auch ein Kennzeichen der Wahrheit angeben,
+an dem wir Wahrheit und Falschheit unterscheiden, und damit
+den Umfang dieses Begriffs bestimmen. Wie so oft muss auch
+hier die genauere Bestimmung des Umfangs einen Ersatz bieten
+für die unzulängliche Festsetzung des Inhalts. Das Kennzeichen
+ist freilich nur ein äusseres, aber als einziges unterscheidendes
+Kennzeichen nicht bloss praktisch unentbehrlich, sondern auch
+von entscheidender Wichtigkeit.
+</p>
+</div>
+
+<div>
+<head rend="body-subhead">
+Zweite Untersuchung.</head>
+<p rend='body-subhead2'>
+Der überzeitliche Charakter der Wahrheit.
+</p>
+
+<p>
+Aus Thatsachen und Gedanken, d.&nbsp;h. aus dem Vorgefundenen
+und aus unsren nicht willkürlichen sondern dem Vorgefundenen
+entsprechenden Zuthaten, bauen sich die Wissenschaften
+auf. Wenigstens ist in dem, was wir Thatsachen
+nennen, das Vorgefundene das herrschende Element, während
+in den Gedanken das Vorgefundene gegen die Zuthaten zurücktritt.
+Zu den Gedanken gehören auch die Begriffsurteile oder
+Begriffssätze wie: weiss ist nicht schwarz, ein Viereck nicht
+rund, ein gleichseitiges Dreieck gleichwinklig, zwei kleiner als
+drei usw., die das Gebiet der logischen und mathematischen
+Wahrheiten umfassen. Sie sind vollkommen wahr, auch wenn
+die Glieder, die sie miteinander verbinden, gar nicht existieren;
+auch wenn es so etwas wie weiss und schwarz, Viereck und
+rund, gleichseitiges und gleichwinkliges Dreieck, zwei und drei
+in Wirklichkeit gar nicht giebt, so bleibt doch die in diesen
+Urteilen ausgedrückte Beziehung durchaus wahr. Sie ist
+ewig gültig, ihre Wahrheit hat einen überzeitlichen Charakter.
+</p>
+
+<p>
+Richtig verstanden gilt das aber von allen Urteilen, die
+eine Wahrheit zum Ausdrucke bringen. Die Thatsachen unsres
+Bewusstseins, von denen nur wir allein jeder für sich
+Kenntnis haben können, und alle übrigen Thatsachen von mehr
+oder minder langer Dauer &ndash; wie sie z.&nbsp;B. in den Urteilen: ich
+freue mich jetzt, oder: die Lampe steht auf dem Tische, ausgedrückt
+werden &ndash; können nur wirklich oder wahr sein, wenn
+dies, dass sie jetzt oder eine zeitlang bestehen, für alle Zeiten
+gilt. Alle Wahrheit, auch die anscheinend nur einen Augenblick
+oder eine kurze Zeit bestehende, hat einen überzeitlichen
+<pb n="04"/><anchor id="Pg4"/>
+Charakter. Sie hat trotz ihres scheinbar kurzen Bestandes eine
+ewige Gültigkeit. Nur darum ist sie Wahrheit.
+</p>
+</div>
+
+<div>
+<head rend="body-subhead">
+Dritte Untersuchung.</head>
+<p rend='body-subhead2'>
+Bedeutung des überzeitlichen Charakters der Wahrheit.
+</p>
+
+<p>
+Aber wie ist das möglich? Nur dadurch, dass auch die
+vergängliche Thatsache eine ewige Bedeutung hat, aus der
+sich ihr Hervortreten in der Zeit erklärt. Nur aus dieser ihrer
+ewigen Bedeutung, die ihre zeitliche Existenz bedingt und begründet,
+folgt notwendigerweise der überzeitliche Wahrheitscharakter
+der Thatsache. Eine ewige Bedeutung kann aber
+der zeitlichen und vergänglichen einzelnen Thatsache nicht als
+solcher in ihrer Vereinzelung sondern nur als Glied eines
+grösseren über ihre Zeitlichkeit und Vergänglichkeit hinausgehenden
+Ganzen zukommen; nur als Teil der Gesamtwirklichkeit,
+die als Ganzes wenigstens über die Zeitlichkeit und
+Vergänglichkeit ihrer Teile hinausgeht. Schon im gewöhnlichen
+Leben sprechen wir bei Thatsachen nur von Wahrheit, wenn
+sie in den Zusammenhang des Wirklichen aufgenommen werden
+können und durch ihre Stellung in diesem Ganzen eine Bedeutung
+gewinnen. Dass ein Stein am Wege liegt, eine Person uns
+begegnet, nennen wir schwerlich eine Wahrheit, ausser wenn
+die Betonung dieses Sachverhalts aus andren Gründen etwa
+wegen eines gerichtlichen Verfahrens wichtig ist. Jedenfalls
+werden wir uns den Wahrheitscharakter der Thatsachen, der
+notwendig ein überzeitlicher ist, nur zum Bewusstsein bringen
+können, wenn wir sie der zufälligen Äusserlichkeiten, insbesondere
+ihrer Vereinzelung zu entkleiden und mit Spinoza zu
+reden sub specie aeternitatis zu betrachten suchen. Ob und inwiefern
+dies Streben von Erfolg gekrönt ist oder zu inhaltlich
+bedeutsamen Erkenntnissen führt, mag fraglich bleiben; aber
+davon hängt natürlich die notwendige Überzeitlichkeit des
+Charakters der Wahrheit nicht ab.
+</p>
+
+<p>
+Eine Folgerung drängt sich auf: das Gelten steht höher
+als das Existieren; das Existieren ist nur möglich durch das
+Gelten. Mit andren Worten: die Wahrheit steht höher als
+die Wirklichkeit und die Wirklichkeit ist nur Wirklichkeit
+durch die Wahrheit. Aber was ist Wirklichkeit, abgesehen
+von ihrer Wahrheit?
+</p>
+</div>
+
+<pb n="05"/><anchor id="Pg5"/>
+<div>
+<head rend="body-subhead">
+Vierte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Nur Eine Wahrheit für alle Denkenden.
+</p>
+
+<p>
+Was für alle Zeit gilt, gilt natürlich auch für alle Denkenden.
+Es giebt entweder keine Wahrheit, oder aber sie gilt für
+alle Denkenden. Die Wahrheit ist nicht ein Erzeugnis der menschlichen
+Organisation überhaupt oder jeder einzelnen menschlichen
+Organisation insbesondere, sodass sie nur für die Menschen gälte
+oder gar für jeden einzelnen Menschen eine andere und besondere
+wäre. Alle Erkenntnis hat nur Einen Gegenstand, das
+ist die Eine Wahrheit, die für alle Erkennenden dieselbe ist.
+Damit ist aber keineswegs gesagt, dass die Wahrheit unabhängig
+vom Erkennen sei im Sinne der Transcendenz oder des
+Dinges an sich. Bei einer solchen Unabhängigkeit hörte die
+Wahrheit auf, Gegenstand des Erkennens zu sein. Die unauflösliche
+Verbindung der Wahrheit mit dem Erkennen muss
+festgehalten werden, wie immer diese Verbindung zu denken
+ist. Ausserdem wird man von einer Abhängigkeit der Wahrheit
+vom göttlichen Denken oder &ndash; wenn man diesen Ausdruck
+vorzieht &ndash; vom »Bewusstsein überhaupt« und auch vom
+menschlichen Denken reden dürfen, vorausgesetzt, dass das
+menschliche Denken, wenn es wahr ist, eins mit dem göttlichen
+ist.
+</p>
+
+<p>
+Gilt die Wahrheit, auch wenn wir sie nicht erkennen?
+Gilt das Gesetz der Gravitation, ehe es Newton entdeckte?
+Zweifellos! Aber was heisst das anders, als dass diese Wahrheit,
+wie alle andren, einen überzeitlichen Charakter hat, dass
+sie ewig gilt! Muss man dann aber nicht schliessen, dass die
+Wahrheit vorhanden sein kann, ohne unser Erkennen? Wir
+dürfen nicht vergessen, dass auch unser Erkennen, wie alle
+Thatsachen, einen überzeitlichen Charakter hat. Gewiss, es
+hat einen Anfang, es erlebt Veränderungen, gehört also der
+Zeit an, wie alle zeitlichen Thatsachen. Aber wir wissen nicht,
+wie sich später zeigen wird, was es mit der Zeit auf sich hat,
+obgleich wir ihr die Bedeutung nicht absprechen. Sicher ist,
+dass das Zeitliche vom Ewigen abhängig ist, dass es in seinem
+Hervortreten in der Zeit durch das Ewige bedingt und bestimmt
+ist. Das gilt auch von unsrem Erkennen. Aber nicht
+minder sicher ist, dass dieses Hervortreten in der Zeit auch
+<pb n="06"/><anchor id="Pg6"/>
+eine ewige Bedeutung hat, und das verbürgt uns seine unauflösliche
+Verbindung mit der Wahrheit, in der allein diese
+ewige Bedeutung ihren Grund haben kann.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Fünfte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die Wahrheit und das Urteil.
+</p>
+
+<p>
+In jedem Urteile haben wir ein Bewusstsein der Wahrheit,
+wenn auch nur einschliesslich und der Sache nach. Ausdrücklich
+und der Form nach ist dies allerdings nur der Fall
+in dem Urteile: Es ist wahr, dass dies oder jenes zutrifft! Natürlich
+handelt es sich hierbei nicht immer um ein Bewusstsein
+der wirklichen, sondern oft auch nur der bloss vermeintlichen
+Wahrheit. Dieses Bewusstsein geht seinem Sinne nach stets
+über die Verbindung der Vorstellungen im Urteile hinaus und
+weist auf einen Sachverhalt hin, der in der Verbindung der
+Vorstellungen zum Ausdrucke kommen soll, aber von ihr verschieden
+ist. Wir nennen das die Beziehung des Urteils auf
+die Objektivität, und diese ist mit dem in ihm enthaltenen Bewusstsein
+der Wahrheit ein und dasselbe.
+</p>
+
+<p>
+Wenn man das Urteil Ausdruck eines Sachverhalts nennt
+und darunter eben nur diese Beziehung auf die Objektivität
+oder das Bewusstsein der Wahrheit versteht, so ist dagegen
+nichts einzuwenden. Falsch wäre es aber, wenn man das
+Wort Ausdruck im Sinne einer Nachbildung des Sachverhalts
+verstehen wollte. Das im Urteil sich darstellende Erkennen
+ist keineswegs eine bloss müssige Wiederholung der Wirklichkeit,
+ein blosses Spiegelbild derselben. Dem Bilde ist es
+eigentümlich, eine Sache so wiederzugeben, wie sie unabgebildeter
+Weise ist. Wäre das Erkennen ein blosses Bild der
+Wahrheit, so würde es die Wahrheit wiedergeben, wie sie
+unerkannter Weise ist. Die Wahrheit würde zum unerkennbaren
+Ding an sich. Im Erkennen haben wir nicht ein blosses
+Bild der Wahrheit sondern die Wahrheit selbst. Es ahmt sie
+nicht nach (homoiosis), sondern nimmt an ihr teil (koinonia), sie
+ist in ihr gegenwärtig (parusia). Wir nehmen im Erkennen
+die Wahrheit selbst in Besitz, nicht bloss ihr Spiegelbild, ihren
+Abdruck im Bewusstsein. Davon überzeugt uns immer wieder
+die Reflexion auf den Erkenntnisvorgang.
+</p>
+
+
+<pb n="07"/><anchor id="Pg7"/>
+
+<p>
+Wichtig ist, dass wir im Urteile nicht bloss über die in
+ihm vorhandene Verbindung der Vorstellungen hinausgehen,
+sondern mit unsrem Denken oder, wenn wir auch das falsche
+Urteil berücksichtigen wollen, wenigstens in Gedanken in die
+überzeitliche, ewige Welt, die für alle Denkenden in gleicher
+Weise gilt, hineinreichen und mit ihr im Zusammenhange
+stehen. Das ist die Bedeutung der Beziehung auf die Objektivität,
+die mit dem Bewusstsein der Wahrheit ein und dasselbe
+ist. Diese überzeitliche, ewige, für alle Denkenden
+gleicherweise geltende Welt ist die Welt, das Reich oder auch
+die Region, das System der Wahrheit. Jeder Urteilende tritt
+mit jedem Urteil in dieses allem sinnlichen Scheine nicht bloss
+sondern auch allem Vergänglichen, <corr sic="Unveränderlichen">Veränderlichen</corr> so entgegengesetzte
+Gebiet ein und fasst in ihm festen Fuss.
+</p>
+
+<p>
+Unsere Darlegung erinnert nicht bloss an Spinoza, der
+alles sub specie aeternitatis betrachten will, sondern auch an
+Augustins veritates aeternae et immutabiles, die ihren Grund
+nicht in dem veränderlichen menschlichen Denken und ebensowenig
+in den veränderlichen Dingen der Welt sondern nur
+in Gott haben können. Sie erinnert ferner an den Satz von
+Nikolaus von Cues, der wieder an Eckhart anklingt, dass die
+ideelle Existenz der Dinge (in dem Gedanken Gottes) wahrer
+ist als die in Raum und Zeit erscheinende körperliche Existenz.
+Sie erinnert endlich ganz besonders an die Ideenlehre Platons.
+Das, was wir Wahrheit nennen, ist in der That eine Platonische
+Idee, oder sie umfasst vielmehr die ganze Ideenwelt Platons,
+welche die Erscheinungswelt in ihrem Sein bedingt.
+</p>
+</div>
+</div>
+
+<div>
+<head rend="body-abschnitt">
+Zweiter Abschnitt. <lb />
+<lb />
+Die Wahrheit und das Wesen der Dinge.
+</head>
+
+<div><head rend="body-subhead">
+Sechste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Wesentliche und nicht wesentliche Merkmale.
+</p>
+
+<p>
+Das Erkennen ist auf das Wesentliche gerichtet. Sein
+Ziel ist das Wesen der Dinge. Das Wesentliche soll im Gegensatz
+stehen zu dem Zufälligen und scheint dann als das Notwendige,
+Unentbehrliche betrachtet zu werden. Es fragt sich,
+wem notwendig, wem unentbehrlich? Natürlich dem Begriff
+<pb n="08"/><anchor id="Pg8"/>
+des Dinges (Ding im allgemeinsten Sinne genommen, in dem
+es auch Eigenschaften, Vorgänge und Beziehungen umfasst).
+Allein, fragen wir weiter, woraus besteht der Begriff? so lautet
+die Antwort: aus den wesentlichen Merkmalen. Durch Zurückgreifen
+auf den Begriff kommen wir in der Erkenntnis dessen,
+was unter wesentlich zu verstehen ist, nicht weiter.
+</p>
+
+<p>
+Jedenfalls setzt die Unterscheidung wesentlicher und zufälliger
+Merkmale die Annahme eines Wertunterschieds unter
+den Merkmalen voraus. Und an dieser Annahme wird festgehalten
+werden müssen. Schon wenn wir von der Gestalt
+und Grösse der Ausdehnung, von der Höhe und Stärke eines
+Tones, von der Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung
+reden, tritt dieser Wertunterschied deutlich hervor. Das erstgenannte
+Merkmal ist das vorzüglichere, dem das zweite als
+Eigenschaft untergeordnet wird. Aber nicht das Umgekehrte
+gilt. Man kann den Kaukasier nicht definieren als ein menschliches
+Weisses, den Menschen nicht als ein zweibeiniges und
+zweihändiges oder als ein zweifüssiges ungefiedertes Wesen,
+wenn gleich diese Definitionen eine Unterscheidung des Kaukasiers
+von den andern Menschentypen und des Menschen von
+allen andern Dingen ermöglichen. Warum nicht? Weil die
+weisse Farbe, die Zweifüssigkeit, Ungefiedertheit keine wesentlichen
+Merkmale bilden, das Weiss-Sein ausserdem sich dem
+Mensch-Sein nicht überordnen lässt. Die Alten hatten recht,
+wenn sie im Anschluss an Porphyrius nicht unterschiedslos
+alle Merkmale, die einem Dinge und nur ihm zukommen, in
+seine Definition aufgenommen wissen wollten, sondern nur gewisse
+wertvolle, die sie die wesentlichen nannten. Auch darin
+hatten sie recht, wenn sie von den wesentlichen Merkmalen
+nicht bloss die zufälligen, wie z.&nbsp;B. die Farbe beim Menschen,
+unterschieden, sondern auch die notwendigen, die sogenannten
+Proprietäten. Was notwendig zum Wesen des Menschen gehört,
+wie z.&nbsp;B. die Zweifüssigkeit, ist darum noch nicht ein
+Bestandteil dieses Wesens.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Siebente Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Wie gewinnen wir die wesentlichen Merkmale?
+</p>
+
+<p>
+Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass wir weder die einer
+Reihe von Dingen gemeinsamen, sogenannten allgemeinen
+<pb n="09"/><anchor id="Pg9"/>
+Merkmale, noch die im Laufe der Entwicklung eines Dinges
+sich gleichbleibenden sogenannten konstanten Merkmale mit
+den wesentlichen verselbigen dürfen. Es bedarf ferner nicht eines
+Durchlaufens einer Reihe von gleichen oder ähnlichen Dingen
+oder der Entwicklungsphasen ein und desselben Dinges um
+das Wesentliche an ihnen zu entdecken. Freilich kann nicht
+geleugnet werden, dass dieses Verfahren der Generalisation
+die Auffindung der wesentlichen Merkmale häufig unterstützt.
+Sind die Umstände und Verhältnisse der Gegenstände, um
+deren Erkenntnis es sich handelt, sehr verwickelt und schwer
+überschaubar, so mag es unentbehrlich sein, aber doch nur für
+die Ausscheidung der unwesentlichen Merkmale, nicht unmittelbar
+für die Auffindung der wesentlichen. Die Abstraktion ist
+natürlich früher als die Generalisation, weil deren Bedingung.
+Durch die Abstraktion gewinnen wir unter andrem auch die
+wesentlichen Merkmale. Eine kleine Menge Wasser genügt
+dem Chemiker, die Zusammensetzung des Wassers, alles Wassers
+aufzuweisen, eine einzige, beliebig gewählte Dreiecksfigur
+dem Mathematiker, die Eigenschaften aller Dreiecke darzuthun.
+Das bekannte Verfahren der Induktion, bei der von einer
+grösseren oder geringeren Zahl von Einzelfällen ausgegangen
+und aus ihnen mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit
+auf einen allgemeingültigen Sachverhalt geschlossen wird,
+kommt ebenso wie das Verfahren der Generalisation nur dann
+zur Anwendung, wenn die Umstände und Verhältnisse sehr
+verwickelt und schwer überschaubar sind. »Die wahre Methode
+geht« nach Liebig (von Liebig, Franz Bacon und die Methode
+der Naturwissenschaften 1863 S. 47) »vom einzelnen Falle,
+nicht von vielen Fällen aus«. Das deutet auch Goethe an, wenn
+er (W.&nbsp;XXII. S.&nbsp;264) sagt: »Was ist das Allgemeine? Der
+einzelne Fall. Was ist das Besondere? Millionen Fälle.«
+</p>
+
+<p>
+Indes, was ist denn das Mittel für die Erfassung des
+Wesentlichen? Ein einfacher Blick des Geistes, über den
+freilich keineswegs jedermann verfügt. Eine grosse Anzahl
+selbst von den wissenschaftlichen Forschern hängen an Einzelheiten,
+Äusserlichkeiten, dringen nicht ein in den Kern der
+Sache, nicht in das, worauf es ankommt. Der Blödsinnige und
+Dumme ermangelt dieses Blickes gänzlich. Jener bleibt mit
+<pb n="10"/><anchor id="Pg10"/>
+seinem sprunghaften Denken keinen Augenblick bei derselben
+Sache, dieser sieht, wie man zu sagen pflegt, vor lauter Bäumen
+den Wald nicht. Insbesondere zeigt dies der Ungebildete durch
+Heranziehung aller, auch der gleichgültigsten Nebenumstände
+bei Darstellungen und Erzählungen. Ihnen allen fehlt der
+Blick des Geistes für das Wesentliche.
+</p>
+
+<p>
+Etwas dieser eigentümlichen Funktion des Bewusstseins
+Ähnliches haben wir in dem, was man in der Wissenschaft
+als Aperçu oder Intuition bezeichnet. Man muss darunter auch
+einen, wie man sagt, vorausschauenden Blick des Geistes verstehen,
+durch den die wissenschaftlichen Ergebnisse, die das
+Ende einer längren Gedanken- und Forschungsarbeit bilden
+und sie zum Abschlusse bringen, vorweggenommen oder unmittelbar
+aufgefasst werden. Freilich ist diese Vorwegnahme
+oder unmittelbare Auffassung keineswegs schon eine Erkenntnis.
+An sie anschliessend nimmt die eigentliche wissenschaftliche
+Gedanken- und Forschungsarbeit erst ihren Anfang, zunächst
+sozusagen bloss probierend und tastend. Aber dieses eigentliche
+wissenschaftliche Verfahren erhält doch durch das im
+voraus erfasste Ergebnis seine Richtung und sein Ziel. Ihm
+liegt die Aufgabe ob, für das Aperçu oder die Intuition den
+Beweis zu führen und sie dadurch zu einer wirklichen Erkenntnis
+zu erheben. Wir werden bald sehen, dass der Blick
+des Geistes, durch den wir die wesentlichen Merkmale gewinnen,
+darin mit dem wissenschaftlichen Aperçu und der
+wissenschaftlichen Intuition Ähnlichkeit hat, dass wir durch
+ihn und für sich allein noch keineswegs Erkenntnisse gewinnen.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Achte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die wesentlichen (begrifflichen) Merkmale sind nicht aus den sinnlichen (vorstellungsmässigen) abzuleiten.
+</p>
+
+<p>
+All unsrem Erkennen liegen Sinnenbilder zu Grunde. Auf
+das in den Empfindungen gegebene, das Sinnliche, Sinnfällige,
+muss, sei es zur Begründung, sei es zur Verdeutlichung
+unsrer Erkenntnisse, immer zurückgegriffen werden; zur Verdeutlichung
+insbesondere dann, wenn es sich um die Erkenntnis
+des Nichtsinnlichen, Geistigen handelt. Die Grundbestandteile
+dieses Sinnlichen, Sinnfälligen bilden die Sinnenbilder der
+<pb n="11"/><anchor id="Pg11"/>
+Ausdehnung und Bewegung. Von beiden haben wir Tast- und
+Gesichtsbilder, auch von der Bewegung (etwa die Berührungsempfindungen
+von einem über die Hand kriechenden
+Sonnenkäfer), denen entsprechende Gesichtsempfindungen zur
+Seite gehen. Natürlich sind diese Bilder selbst ausgedehnt
+und bewegt und heissen nur uneigentlich Bilder von der Ausdehnung
+und Bewegung. Das deutet schon darauf hin, dass
+wir unter der Ausdehnung und Bewegung etwas andres verstehen
+müssen als diese sogenannten Sinnenbilder. Was wir
+unter Ausdehnung und Bewegung verstehen, das zeigen die
+Worte Ausdehnung und Bewegung an. Diese Worte sind
+sozusagen Zeichen für ein in uns vorhandenes ruhendes Wissen,
+eine Wissensdisposition, eine Fähigkeit, in Urteilen darzulegen,
+was Ausdehnung und Bewegung ist, oder wenigstens jederzeit
+diese Worte richtig anzuwenden. Wir wissen, dass die Ausdehnung
+eine Vielheit gleichzeitiger einander berührender Teile,
+die Bewegung eine Vielheit aufeinander folgender, ineinander
+übergehender Teile umfasst. Gleichzeitige Vielheit und Berührung,
+aufeinander folgende Vielheit und Übergang, das sind
+die Bestandteile der Begriffe Ausdehnung und Bewegung, die
+wesentlichen (begrifflichen) Merkmale der Ausdehnung und Bewegung.
+Aber sind diese Merkmale nicht schon in den Sinnenbildern
+der Ausdehnung und Bewegung vorhanden, nicht in ihnen
+unmittelbar gegeben, sodass sie sich also von den sinnfälligen,
+sinnlichen gar nicht unterscheiden oder höchstens doch durch
+eine in Gestalt von Worten vermittelte Umformung aus ihnen
+abgeleitet werden könnten? Wenn die Sinnenbilder selbst
+ausgedehnt und bewegt sind, so sind diese Merkmale so in
+ihnen enthalten, wie in jedem andren Ausgedehnten und Bewegten.
+Aber um sie zu finden, dazu bedarf es eben eines
+Finders, der von den sinnlichen Empfindungen selbst
+verschieden ist, eben jenes Blickes des Geistes, dem wir die
+Gewinnung der wesentlichen Merkmale zuschreiben. Die Sinnenbilder
+an und für sich genommen sind nichts andres als Zusammensetzungen
+von Empfindungen, die je den Teilen der Netzhaut
+und Tasthaut entsprechen. Sie sind Zustände des Bewusstseins,
+die noch gar nicht einmal einen gegenständlichen
+Charakter haben, noch nicht einmal als Objekte uns gegenübertreten.
+<pb n="12"/><anchor id="Pg12"/>
+Unsrem entwickelten Bewusstsein erscheint freilich
+ihre Gegenständlichkeit als etwas Selbstverständliches; aber
+doch nur darum, weil ihnen der Finder, der Blick des Geistes,
+gegenübersteht.
+</p>
+
+<p>
+Wie werden ursprünglich aus den, sagen wir einmal bloss
+subjektiven Empfindungen &ndash; an sich genommen sind die Empfindungen
+ja weder subjektiv noch objektiv &ndash; Vorstellungen?
+Wie es scheint auf folgendem Wege. Mit den Bewegungen
+unsrer eigenen Glieder sind Willensimpulse verbunden; sie
+kehren regelmässig bei den sogenannten willkürlichen Bewegungen
+wieder und associieren sich so mit den Sinnenbildern
+der Ausdehnung und Bewegung dieser Glieder. Wenn nun
+Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung, mit denen diese
+Willensimpulse nicht verbunden sind, in uns auftreten, so wird
+das Gedächtnisbild dieser Willensimpulse reproduziert und auch
+diesen Sinnenbildern unterlegt. So treten dann diese Sinnenbilder
+als Willensdinge den Sinnenbildern, die von vornherein
+mit den Willensimpulsen verbunden sind, gegenüber. So erhalten
+diese erstren Sinnenbilder diesen letztren gegenüber,
+wie es scheint, ursprünglich einen gegenständlichen Charakter,
+oder, wie wir ohne Gefahr des Missverstandenwerdens besser
+sagen, sie werden zu Vorstellungen. Gegenstände im eigentlichen
+Sinne als das dem Geiste Gegenüberstehende giebt es
+für ihn erst auf Grund des Urteils.
+</p>
+
+<p>
+Wir nannten die Sinnenbilder, mit denen associativ Willensimpulse
+verbunden sind &ndash; auch von den Sinnenbildern, mit
+denen sie ursprünglich verbunden sind, können wir das Gleiche
+sagen, &ndash; Willensdinge. Es ist bekannt, dass die Wilden ebenso
+wie unsere Kinder und Dichter alles als belebt und beseelt,
+alles als mit Gefühl und Willen ausgestattet, auffassen. Diese
+Animismus genannte Erscheinung hält natürlich der fortschreitenden
+Erfahrung gegenüber nicht Stand. Der geworfene Stein
+und die freifliegende Taube werden bald unterschieden. Von
+dem Willensding bleibt dann nur übrig, 1. dass es einen Raum
+ausfüllt, der nicht zugleich mit ihm von einem andren Dinge
+eingenommen werden kann &ndash; das Willensding wird zur Substanz;
+2. dass es jedem Eindringen in diesen Raum Widerstand
+entgegensetzt, also Einwirkungen ausübt &ndash; das Willensding
+<pb n="13"/><anchor id="Pg13"/>
+wird zur Ursache. Man könnte denken, diese wesentlichen
+(begrifflichen) Merkmale der Dinge im engren Sinne
+seien wieder unmittelbar in den mit Willensimpulsen verbundenen
+Sinnenbildern der Sinnendinge gegeben. Aber auch
+hier gilt: es bedarf des Finders, des Blickes des Geistes, und
+erst dieser schafft, erzeugt, freilich nicht willkürlich, sondern
+im engen Anschluss und gemäss dem Sinnenbild, in seiner
+Thätigkeit von ihm bedingt und bestimmt, das wesentliche oder
+begriffliche Merkmal. Das Finden, Erblicken, auf geistigem
+Gebiete ist eben nicht ein materielles Aufnehmen sondern ein
+Erzeugen, ein Schaffen. Allein, sollte man nicht annehmen
+dürfen, dass wir diese begrifflichen Merkmale nur durch die
+urteilende Thätigkeit gewinnen? Zumal wir ja die Vielheit
+der Teile des Ausgedehnten und der Bewegung anscheinend
+nur durch Unterscheidung der Teile im Urteile erhalten. Diese
+Unterscheidung im Urteil setzt die Erfassung der Teile als
+einzelner, sozusagen eine Unterscheidung durch den einfachen
+Blick des Geistes voraus. In der durch diese Unterscheidung
+gegebenen Vereinzelung sind die Teile im Sinnenbilde der
+Ausdehnung und Bewegung nicht vorhanden, sondern können
+erst durch den Blick des Geistes gewonnen werden. Dasselbe
+gilt dann natürlich auch von dem Moment der Berührung und
+des Übergangs, den andern begrifflichen oder wesentlichen
+Merkmalen der Ausdehnung und Bewegung, in denen die
+einzelnen Teile zu zweien zusammengefasst werden. Gewiss
+kommt in unsrem entwickelten Bewusstsein wie jene Vereinzelung
+so auch diese Zusammenfassung im Urteil zum Ausdruck.
+Aber wie die im Urteil gegebene Vereinzelung, so setzt
+auch die in ihm gegebene Zusammenfassung den einfachen
+Blick des Geistes, dem wir die Gewinnung der wesentlichen
+Merkmale zuschreiben, voraus. Diese durch den einfachen
+Blick des Geistes sich vollziehende Vereinzelung und Zusammenfassung
+erzeugt neue gedankliche Gebilde im Geiste, eben die
+wesentlichen, begrifflichen Merkmale, die wir mit den Worten
+gleichzeitige, aufeinanderfolgende Vielheit, Berührung, Übergang
+bezeichnen und die die Grundlage der betreffenden
+unterscheidenden und zusammenfassenden Urteile bilden.
+</p>
+
+<p>
+Wir können nicht zugeben, dass die wesentlichen Merkmale,
+<pb n="14"/><anchor id="Pg14"/>
+aus denen der Begriff nach allgemeiner Annahme besteht, in
+den Sinnenbildern oder Vorstellungen in dem hier erklärten
+Sinne wirklich enthalten sind. In andren Fällen tritt uns das
+noch deutlicher entgegen. Wir haben Sinnenbilder vom Punkt,
+der keine Ausdehnung hat, von der Linie, die nur <hi rend='italic'>eine</hi> Ausdehnung,
+von der Fläche, die nur zwei Ausdehnungen hat,
+von einem luftartigen Gebilde als dem Geiste, der den ausschliessenden
+Gegensatz zu allem Körperlichen ausmacht. Es
+ist einleuchtend, dass die hier genannten wesentlichen Merkmale
+des Punktes, der Linie, der Fläche, des Geistes nur durch
+Negation des in den betreffenden Sinnenbildern Enthaltenen
+gewonnen werden können. Die Negation im eigentlichen Sinne
+hat nur im negativen Urteile ihre Stelle, aber diese im negativen
+Urteil gegebene Negation setzt den Blick für das, was
+anders ist, als das, was negiert wird, voraus.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Neunte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Das Wesen der Dinge.
+</p>
+
+<p>
+Aber wir haben immer noch nicht erklärt, was das Wesentliche
+eigentlich ist oder worin das Wesen der Dinge besteht.
+Am einfachsten scheint die Sache bei den mathematischen Gebilden
+zu liegen. Das Wesen eines Kreises, einer Ellipse besteht
+natürlich nicht in der gezeichneten und von uns gesehenen
+Linie, viel eher in der mathematischen Formel, durch welche
+das Verhältnis der Linie zu dem einen Mittelpunkt des Kreises
+und zu den beiden Mittelpunkten der Ellipse bestimmt wird,
+in dem Gesetze des Kreises und der Ellipse. Sicher kommt
+die mathematische Formel dem Wesen des Kreises und der
+Ellipse näher als die gezeichnete und gesehene Linie, die, um
+gezeichnet und gesehen zu werden, im Widerspruch mit sich
+selbst mehrere Ausdehnungen haben muss. Aber macht die
+mathematische Formel das ganze Wesen des Kreises und der
+Ellipse aus? Sie gehören doch zu den Kegelschnitten und
+nehmen innerhalb derselben eine bestimmte, durch neue Formeln
+festgelegte Stellung ein. Diese gehört nicht minder zu ihrem
+Wesen. Sie sind Linien, und Linien begrenzen Flächen; Flächen
+begrenzen Körper, Körper nehmen hinwiederum in der Gesamtheit
+des Wirklichen eine Stellung ein, an der auch die
+<pb n="15"/><anchor id="Pg15"/>
+Linien teilnehmen. Auch diese Stellung zur Gesamtheit des
+Wirklichen gehört zum Wesen des Kreises und der Ellipse,
+ja es ist einleuchtend, dass sie ihr eigentliches Wesen bilden
+muss, da aus ihr die Einzelstellung dieser mathematischen Gebilde
+und somit ihre mathematische Formel sich ergiebt und
+abgeleitet werden kann. Was vom Wesen des Kreises und
+der Ellipse gilt, wird vom Wesen aller Dinge behauptet werden
+müssen. Eine rohe Auffassung sieht in diesem Wesen einen beharrlichen,
+unveränderlichen Seinskern, an dem sich die mit dem
+Begriffe des Dinges verträglichen Veränderungen vollziehen sollen.
+Einen solchen unveränderlichen Seinskern giebt es nicht in den
+Dingen. Die Veränderungen sind Veränderungen der Dinge,
+nicht an den Dingen. Man kann sich auch nicht auf den Begriff
+des Dinges berufen, um die mit seinem Wesen verträglichen
+Veränderungen des Dinges zu gewinnen. Denn der Begriff,
+der die wesentlichen Merkmale umfasst, setzt das Wesen
+des Dinges voraus. Das unveränderlich sich Gleichbleibende
+in den Dingen ist ihre Stellung zur Gesamtheit des Wirklichen.
+Sie verleiht den Dingen eine überzeitliche Geltung und eine
+ewige Bedeutung; in ihr besteht das Wesen der Dinge, und
+dieses Wesen ist mit ihrer Wahrheit ein und dasselbe. Wie
+die Wahrheit, so ist darum auch das Wesen unveränderlich
+und ewig. In diesem höchsten Sinne giebt es von jedem Ding
+nur Einen Begriff. Er ist der Ausdruck für seine Stellung in
+der Gesamtheit des Wirklichen, oder, wie wir auch sagen
+können, für seine Stellung in dem System der Wahrheit. Natürlich
+ergiebt sich auch aus der Stellung eines Dinges in der
+Gesamtheit des Wirklichen, welche Veränderungen es durchlaufen
+kann, oder welche Veränderungen für die Geltendmachung
+dieser Stellung erforderlich sind.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Zehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Der Begriff der Philosophie.
+</p>
+
+<p>
+Können wir wirklich für unser Erkennen das Eindringen
+in das Wesen der Dinge in diesem Sinne als Aufgabe in Anspruch
+nehmen? Geht eine solche Aufgabe nicht über die
+Kraft des Erkennens hinaus? Gilt das Wesen der Dinge nicht
+mit Recht für unerkennbar? Haben wir beispielsweise vom
+<pb n="16"/><anchor id="Pg16"/>
+Wesen der Farbe eine Erkenntnis? Die Physiker sagen, die
+Farben seien Ätherschwingungen; die Physiologen nennen sie
+Empfindungen. Aber weder die einen noch die andren können
+uns sagen, was es mit den Ätherschwingungen und Empfindungen
+eigentlich auf sich hat, was ihr Wesen ist. Das Wesen
+der Farbe würden wir erst dann erkannt haben, wenn wir den
+ursächlichen Zusammenhang zwischen den Ätherschwingungen
+und unsren Empfindungen und den Zweckzusammenhang
+zwischen beiden verstanden hätten, wenn wir wüssten, warum
+die Ätherschwingungen die Farben erzeugen und wodurch
+sie das vermögen. Davon aber sind wir sehr weit entfernt.
+Wir wissen nicht, wie die durch die Ätherschwingungen erzeugten
+Gehirnvorgänge es machen, dass die von ihnen
+ganz verschiedenen Farbenempfindungen auftreten, und noch
+weniger, warum es der toten und gleichmässigen Ätherschwingungen
+bedarf, um die ganze Farbenwelt hervorzuzaubern,
+die der Kunst der Malerei ihre Existenz verleiht.
+Noch weniger können wir das Wesen des Menschen
+erkennen. Platon nannte den Körper den Kerker und das
+Grab der Seele, moderne Physiologen betrachten das Bewusstsein
+als ein überflüssiges und unbequemes Nebenprodukt. Die
+Frage, warum der den Geist so oft behindernde Körper mit
+dem den Körper so oft zum Siechtum verurteilenden Bewusstsein
+verbunden ist, wird heutzutage kaum gestellt. Erst die
+Beantwortung dieser Frage würde uns Aufklärung über das
+Wesen des Menschen geben. Aber wenn wir das Wesen der
+Dinge gar nicht erkennen können, warum denn von dieser Erkenntnis
+reden und von ihr so viel Aufhebens machen? Wir
+antworten: das Ziel des Erkennens ist unzweifelhaft das Wesen
+der Dinge, und wer die richtige Darstellung vom Erkennen
+geben will, darf dies sein Ziel nicht ausser Acht lassen; mag
+das Erkennen dasselbe auch nur unvollkommen und annähernd
+erreichen. Man hat die Philosophie nicht mit Unrecht als die
+Wissenschaft vom Wesen der Dinge bezeichnet. Man muss
+sie folgerichtig auch als die Wissenschaft der Fragen bestimmen,
+denn sie steht mitten im Fragen und kommt aus dem Fragen
+gar nicht heraus. Aber ist das etwa eine ihrer unwürdige
+Bestimmung? Ist die richtig gestellte Frage und das Bewusstsein,
+<pb n="17"/><anchor id="Pg17"/>
+sie nicht beantworten zu können, wirklich wertlos?
+Jedenfalls ist diese Bestimmung ehrenvoller für die Philosophie,
+als wenn man sie, ihrer gegenwärtigen Lage nicht
+ganz unangemessen, als die Wissenschaft charakterisiert, in der
+jeder eine andere Meinung hat.
+</p>
+
+<p>
+Dass die Philosophie die Wissenschaft der Fragen ist,
+zeigt sich besonders, wenn wir den Begriff des Erkennens ins
+Auge fassen. Man spricht von Erscheinung im Gegensatz zum
+Wesen und unterscheidet die Erscheinung im metaphysischen
+und erkenntnistheoretischen Sinne. Unter der erstren sind
+die Veränderungen der Dinge zu verstehen, die sich natürlich
+aus ihrer Stellung in der Gesamtheit des Wirklichen ergeben
+und darum aus ihrem Wesen erklären lassen. Unter der letztren
+sind die Denkvorgänge im weitesten Sinne des Wortes,
+die auch und in erster Linie die sinnlichen Empfindungen umfassen,
+zu verstehen. Sie vermitteln das Erkennen, und insofern
+sie das wirklich oder vermeintlich thun, gelten sie als
+Erscheinung der Dinge in uns. Was hat es mit dieser Erscheinung
+der Dinge in uns, diesen Denkvorgängen, die das
+Erkennen vermitteln, auf sich? Was hat das Erkennen zu bedeuten,
+was ist sein Wesen? Nur eine blosse Abspiegelung,
+eine müssige Wiederholung der Dinge im Bilde? Sind auch
+die für unsre Erfassung des Wirklichen so notwendigen Ortsbestimmungen,
+die einerseits feste Punkte voraussetzen und
+anderseits sich doch in lauter Beziehungen auflösen, und ebenso
+die Zeitbestimmungen, von denen das Gleiche gilt, Bilder einer
+von ihnen unabhängig bestehenden Wirklichkeit? Dem Bilde
+ist es eigentümlich, den Gegenstand so wiederzugeben, wie er
+unabgebildeterweise ist. Wäre das Erkennen nur ein Bild des
+Wirklichen, so würden wir den Begriff des Dinges an sich
+nicht <corr sic="enbehren">entbehren</corr> können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
+eine unauflösliche Verbindung des Erkennens mit seinem Gegenstande,
+der Wahrheit annehmen. Aber erst, wenn wir die Art
+dieser Verbindung zu bestimmen vermöchten, würden wir das
+Wesen des Erkennens erkannt haben, mit ihm auch die Bedeutung
+der für unsere Erfassung des Wirklichen so notwendigen
+Orts- und Zeitbestimmungen.
+</p>
+
+
+<pb n="18"/><anchor id="Pg18"/>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Elfte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die Wahrheit das höchste Gut.
+</p>
+
+<p>
+Insofern die Philosophie als Wissenschaft vom Wesen der
+Dinge und vom System der Wahrheit bezeichnet werden muss,
+ist sie auch die Wissenschaft vom höchsten Gute: denn die
+Wahrheit ist in der That das höchste Gut, dasjenige, wodurch
+alles andere Wert erhält. Wertvoll wird etwas nicht etwa
+dadurch, dass es der Wahrheit nicht ermangelt, sondern geradezu
+durch seine Wahrheit. Dass wir etwas aus sittlichen Gründen
+thun sollen, dass etwas schön ist, gilt natürlich nur insoweit,
+als eben dies Thun-sollen und das Schön-sein wahr ist. Wie
+wir gewöhnlich sagen, es gilt nur, wenn das sittlich Gebotene
+wahrhaft oder wirklich sittlich, das für schön erklärte wahrhaft
+oder wirklich schön ist. Wahrhaft und wirklich gut oder schön
+ist etwas nur dann, wenn es dem allgemein für alle Denkenden
+und für alle Zeit gültigen, dem in diesem Sinne objektiv
+gültigen Begriffe des sittlich Guten und des Schönen entspricht.
+Mit diesem Begriff würde sich unser Begriff vom sittlich Guten
+und Schönen erst decken, wenn wir ihn in seiner Stellung im
+System der Wahrheit erkannt hätten. So lange und so weit
+dies nicht der Fall ist, bleibt er missverständlich und einseitig;
+so lange ist er darum kein unzweideutiger und vor allem kein
+vollständiger Ausdruck des wahrhaft und wirklich Guten und
+Schönen. Für unsren Begriff des sittlich Guten und des
+Schönen, sofern er wirklich wesentliche Merkmale enthält, gilt:
+nicht ohne ihn giebt es etwas Gutes und Schönes. Für
+den Begriff des sittlich Guten und Schönen im System der
+Wahrheit gilt hingegen: nur durch ihn ist etwas schön, ist
+etwas gut. Auch das Gute und Schöne erhält seine Wahrheit
+und Wirklichkeit lediglich durch seine Stellung im System der
+Wahrheit oder dadurch, dass es in diesem System eine Stelle
+hat. Ähnlich wie vom sittlich Guten und Schönen sprechen
+wir auch von einem wahren, wirklichen Israeliten, von einem
+wahren, wirklichen Menschen, von wahrem, wirklichem Golde
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. Der hier als Massstab zugrundeliegende Begriff, ein
+Soll-Begriff oder Idealbegriff, wird in allen diesen Fällen von
+uns als etwas Allgemeingültiges geltend gemacht oder in Anspruch
+genommen, als etwas, das alle anerkennen müssen, und
+<pb n="19"/><anchor id="Pg19"/>
+weist damit auf den ihm im System der Wahrheit entsprechenden
+Begriff hin.
+</p>
+
+<p>
+Was wahrhaft und wirklich ist, wird dadurch über die
+Vergänglichkeit und Veränderlichkeit hinausgehoben; es ist
+nicht bloss etwas Scheinbares, nicht etwas zum Verschwinden
+Bestimmtes, nicht etwas Nichtseinsollendes. Aber wenn dem
+Scheinbaren, dem Nichtseinsollenden auch kein Wert und keine
+Wahrheit zukommen soll, so ist es doch nichtsdestoweniger
+eine Wirklichkeit. Wie ist das möglich? Auch das Vergängliche
+und Veränderliche, worin immer es besteht, ist nur wirklich
+durch seinen überzeitlichen Charakter, durch seine ewige
+Bedeutung. Sollen wir auch dem bloss Scheinbaren, dem Zufälligen,
+dem Nichtseinsollenden einen überzeitlichen Charakter
+und eine ewige Bedeutung zuschreiben? Wirklich kann es
+nur durch diesen seinen überzeitlichen Charakter und seine
+ewige Bedeutung sein; nur durch sie wird es über den blossen
+inhaltleeren Schein, über den blossen sinnlosen Zufall hinausgehoben,
+wie der Schatten nur sein kann, indem er sich an
+die Dinge der Umgebung dessen heftet, von dem er ausgeht.
+Das Scheinbare, Nichtseinsollende, Zufällige ist, wie später
+klar werden wird, das nicht wahrhaft und wirklich sondern
+nur anmasslich und vorgeblich Selbständige, das die geliehene
+Selbständigkeit als wirkliche gebraucht und damit zum Schein
+herabsetzt.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<div>
+<pb n="20"/><anchor id="Pg20"/>
+<index index="pdf" />
+<head rend="body-teil">
+Zweiter Hauptteil. <lb />
+<lb />
+Unser Wissen.
+</head>
+
+<milestone unit="tb" rend="rule: 25%" />
+
+<div>
+<head rend="body-abschnitt">
+Dritter Abschnitt. <lb /><lb />
+Kennzeichen der Wahrheit.
+</head>
+
+<div><head rend="body-subhead">
+Zwölfte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die Bestandteile des Erkenntnisvorgangs.
+</p>
+
+<p>
+Was wesentlich ist, ist einem Ding &ndash; das Wort im
+weitesten Sinne genommen &ndash; wesentlich, es ist ihm zugehörig
+und gehört mit ihm zusammen. So führt der Begriff des
+Wesentlichen auf den des Zusammengehörigen zurück. Das
+zeigt sich insbesondere, wenn wir den alles Wesentliche zusammenfassenden
+Begriff des Wesens der Dinge näher betrachten.
+Die Stellung der Dinge in der Gesamtheit des
+Wirklichen, d.&nbsp;h. also ihre Zusammengehörigkeit mit allem
+Wirklichen, macht das Wesen der Dinge aus. Die Zusammengehörigkeit
+ist der Grundbegriff des Erkennens, in dem uns
+seine wesentlichste Seite kund wird; das Wesen der Dinge
+und ihre Wahrheit ist sein Ziel, aber nur durch Erfassung des
+Zusammengehörigen wird es erreicht.
+</p>
+
+<p>
+Das, was zusammengehörig oder wesentlich ist, muss
+sorgfältig unterschieden werden von seiner Zusammengehörigkeit
+oder Wesentlichkeit. Wir erfassen dasselbe mit einem
+Blick des Geistes, über den das entwickelte Bewusstsein verfügt.
+Es ist vor allem wichtig zu beachten, dass dieser Blick
+nicht als eine Erkenntnis betrachtet werden kann. All unser
+Erkennen setzt ein Vorgefundenes voraus, nicht als seine Quelle,
+sondern als Ausgangspunkt für eine Reihe von Thätigkeiten,
+die ihm vorangehen. Diesen Ausgangspunkt, also das Vorgefundene,
+bilden die Empfindungen und die aus ihnen zusammengesetzten
+<pb n="21"/><anchor id="Pg21"/>
+Sinnenbilder. Auch die Willensdinge, die
+durch blosse Association der Sinnenbilder der Ausdehnung und
+Bewegung mit den Willensimpulsen entstehen, ferner die ersten
+Vorstellungen, die wir von einem uns Gegenüberstehenden gewinnen,
+gehören, wie die Sinnenbilder selbst zu den Voraussetzungen
+des Erkenntnisvorganges und können insofern dem
+Vorgefundenen zugerechnet werden.
+</p>
+
+<p>
+Durch den Blick des Geistes, der eine besondere Art der
+Abstraktion bildet, gewinnen wir den Begriff oder die wesentlichen
+Merkmale dieser Willens- oder Sinnendinge. Natürlich
+belehrt uns dieser Begriff in keiner Weise darüber, was den
+Sinnendingen für die Gesamtheit des Wirklichen für eine Bedeutung
+zukommt. Hier zeigt sich insbesondere, dass die vielen
+Begriffe, auch wenn sie die wesentlichen Merkmale umfassen,
+also wirkliche Begriffe sind, von dem eigentlich einzig und
+allein diesen Namen verdienenden Begriff, der die Stellung des
+Einzelnen im System der Wahrheit bestimmt, ganz und gar
+verschieden sind. Zur Gewinnung dieses Begriffs bedarf es
+eines sozusagen alles zusammenschauenden Blicks; für die Gewinnung
+jener Begriffe genügt der in Gedanken trennende
+Blick. Diese in Gedanken sich vollziehende Trennung ist der
+eigentliche Sinn der Abstraktion, des lateinischen abstrahere,
+des griechischen aphaireisthai, nicht das Absehen, viel eher
+das Hinsehen und Festhalten des einen, mit Vernachlässigung
+und Beiseitesetzung des andren im Denken. Es ist klar, dass
+ein solches Trennen, gedankliches Isolieren ein neues gedankliches
+Gebilde eben das auf diese Weise Getrennte und Isolierte
+und zugleich Festgehaltene erzeugen, erschaffen muss. Die so
+erzeugten, geschaffenen Gebilde sind Einzelgebilde des Denkens
+und als solche im Denken vorhanden, nicht erst in Urteilen gegeben.
+Wenn man den Nachdruck auf das Absehen, Fallenlassen,
+das leicht als Ausscheiden, Verneinen gefasst werden kann, legt,
+so liegt der Gedanke nahe, diese wesentlichen Merkmale seien
+für uns nur in negativen Urteilen vorhanden. Aber das widerspricht
+einerseits der Selbstbeobachtung, der Reflexion auf das,
+was wir thun, wenn wir diese Gebilde festhalten: es ist ein einfaches
+Hinsehen, Hinblicken, dessen thatsächlicher Nebenerfolg
+das Absehen freilich bildet, aber ohne als besonderer Vorgang
+<pb n="22"/><anchor id="Pg22"/>
+hervorzutreten. Anderseits setzen diese negativen Urteile bereits
+die Isolierung der wesentlichen und unwesentlichen Merkmale
+also eben diese isolierten Gebilde voraus. Durch diese
+Isolierung gewinnen wir die wesentlichen Merkmale, die zu
+dem Sinnen- oder Willensding gehören: Ausdehnung, Bewegung,
+Nebeneinander, Nacheinander, Substanz, Kausalität.
+Was die Bedeutung dieser Worte ist, können wir freilich nur
+in Urteilen angeben; aber daraus folgt nicht, dass wir den Gedankengehalt
+dieser Worte auch nur durch Urteile gewinnen.
+Die Urteile, in denen wir die Bedeutung dieser Worte darlegen,
+setzen vielmehr die entsprechenden Einzelgebilde des
+Denkens voraus, in denen das in den Urteilen Verbundene
+isoliert wird. Diese gedanklichen Einzelgebilde schafft, erzeugt
+der Blick des Geistes, aber er entdeckt und findet sie zugleich.
+Das, was er findet und entdeckt, ist jedenfalls von dem Vorgefundenen
+verschieden, es ist eine Zuthat zu dem Vorgefundenen,
+die freilich nicht willkürlich sondern ihm angemessen
+ist. Mit dieser Zuthat ist das in der Empfindung Gegebene,
+das Vorgefundene jedenfalls überschritten. Sie ist das, was
+wesentlich ist, das, was zusammengehörig ist, wesentlich dem
+Dinge, zusammengehörig mit dem Ding, in dessen Besitz wir
+zunächst durch den genannten Blick unseres Geistes gesetzt
+werden.
+</p>
+
+<p>
+Die zweite über das Vorgefundene hinausgehende Stufe,
+die aber auch noch nicht als eigentliche Erkenntnis betrachtet
+werden kann, besteht darin, dass sich unsrem Bewusstsein
+die Wesentlichkeit des Wesentlichen, die Zusammengehörigkeit
+des Zusammengehörigen aufdrängt, dass der Gedanke daran
+sich als unabweislich darstellt. Das Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit
+und Sichalsunabweislichdarstellen darf nicht
+falsch verstanden werden. Es ist ein <hi rend='italic'>Einleuchten</hi> und hat
+darum mit äusserem Zwange, der uns die Empfindungen aufdrängt,
+oder mit innerer Nötigung, die wir erfahren, wenn uns
+ein Gedanke verfolgt, nichts zu thun. Es wendet sich einfach
+an die Vernunft des Menschen.
+</p>
+
+<p>
+Nun folgt als dritte Stufe die eigentliche Erkenntnis, die
+in der <hi rend='italic'>Einsicht</hi> der Zusammengehörigkeit oder der Wesentlichkeit
+besteht. Selbstverständlich ist der sich unabweislich
+<pb n="23"/><anchor id="Pg23"/>
+aufdrängende Gedanke oder das Einleuchten etwas von der
+Einsicht Verschiedenes. Nur in der Einsicht kann die Erkenntnis
+bestehen. An die Einsicht schliesst sich als vierte Stufe das
+Urteil an, das sich ganz auf die Einsicht stützt und nur als
+gedanklicher Ausdruck der Einsicht aufgefasst werden kann.
+Als fünfte Stufe folgt das Bewusstsein von der Objektivität
+des Urteils oder das Bewusstsein der Wahrheit des Urteils,
+das seinen Grund in der zweiten Stufe, dem Einleuchten der
+Zusammengehörigkeit hat. Es folgt als sechste Stufe die Gewissheit,
+der Gegensatz des Zweifels, der allen Zweifel ausschliesst
+und dem Bewusstsein die Festigkeit verleiht, wie der
+Zweifel dasselbe ins Schwanken bringt. Es ist nach dem
+Zeugnis der Reflexion ganz offenbar, dass die Einsicht, der
+eigentliche Erkenntnisakt, von ihrem gedanklichen Ausdruck im
+Urteil verschieden ist. Weniger deutlich giebt sich kund, dass
+von der Einsicht auch der Zustand der Gewissheit und das
+Bewusstsein der Wahrheit verschieden ist; aber beide setzen
+die Erkenntnis als vollendet voraus und dürfen darum nicht
+mit der Einsicht verselbigt werden.
+</p>
+
+<p>
+Das Urteil entspricht dem Finden der wesentlichen Merkmale
+durch den Blick des Geistes. Wie durch das letztere
+ein Einzelgebilde des Denkens erzeugt wird, so durch das
+erstere eben jene Urteil genannte Verbindung, sei es eines
+Sinnenbildes, sei es eines Einzelgebildes des Denkens mit einem
+andren Einzelgebilde, eben dem wesentlichen Merkmal. Wie
+das Einzelgebilde des Denkens im Worte seinen Ausdruck
+findet, so die Urteil genannte Verbindung im Aussagesatze.
+Aber sowohl das Einzelgebilde wie diese Verbindung sind gedanklicher
+Natur und müssen darum sorgfältig von dem sprachlichen
+Ausdrucke unterschieden werden. Der Auffindung des
+wesentlichen Merkmales folgt das Einleuchten und die Einsicht,
+dem Urteil das Bewusstsein der Wahrheit und die Gewissheit.
+Auch diese Glieder entsprechen sich: das Einleuchten dem Bewusstsein
+der Wahrheit und die Einsicht der Gewissheit. Es
+sind Zustände, nicht Schöpfungen des Bewusstseins, von denen
+Einleuchten und Bewusstsein der Wahrheit einen objektiven,
+Einsicht und Gewissheit einen subjektiven Charakter haben.
+Das Kennzeichen der Wahrheit besteht für uns in dem Einleuchten,
+<pb n="24"/><anchor id="Pg24"/>
+der zweiten über das Vorgefundene hinausgehenden
+Stufe des Erkenntnisvorgangs. Es liegt nahe &ndash; und das geschieht
+oft genug &ndash; die Einsicht für das Kennzeichen der
+Wahrheit zu halten; wird doch das griechische enargein und
+das lateinische evidentia oft genug mit Einsicht wiedergegeben
+oder die Einsicht näher als das Einleuchten der Wahrheit erklärt.
+Natürlich kann unter dieser Voraussetzung nicht von
+einem criterium secundum quod ausser für die nachträgliche
+Reflexion, sondern nur von einem criterium quo
+cognoscitur die Rede sein. Wir verstehen unter dem Kriterium
+oder Kennzeichen der Wahrheit nicht diesen subjektiven Zustand
+der Einsicht sondern das Einleuchten, Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit,
+die Unabweislichkeit des Gedankens derselben,
+die natürlich etwas Objektives ist und darum auch die
+Objektivität des Urteils oder das Bewusstsein seiner Wahrheit
+begründen kann.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Dreizehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die Gesetze des Erkennens.
+</p>
+
+<p>
+Die Wahrheit, das Ziel des Erkennens ist nicht eine zusammenhanglose
+Summe von Teilen sondern ein Ganzes, in
+dem jeder Teil den andern bedingt und trägt, kein Chaos
+sondern ein System, und dieses System ist der Wahrheit so
+wesentlich, dass eine einzelne Wahrheit nur Wahrheit ist durch
+ihren Zusammenhang mit dem Ganzen. Man kann darum
+streng genommen nicht von einer einzelnen Wahrheit sprechen
+sondern nur von einem Reiche der Wahrheit. Die verschiedenen
+zusammengehörigen Wahrheiten als zusammengehörige, also
+ihre Zusammengehörigkeit zum Bewusstsein bringen, so den
+Zusammenhang aller Wahrheit herstellen, oder besser gesagt
+die Eine Wahrheit finden, das ist das Ziel des Erkennens.
+Die Ableitung und Erschliessung der einen Wahrheit aus der
+andren ist nur die Kehrseite dieses Zieles, seine bloss formale
+Folgeerscheinung, und von viel geringerer Bedeutung.
+</p>
+
+<p>
+Das ist freilich ein hohes, ein allzuhohes Ziel. Der Zusammenhang
+aller Wahrheit, oder, was dasselbe ist, das Wesen
+der Dinge zu erkennen, den Einen Gedanken zu finden, der über
+alles Licht verbreitet, ist uns bis jetzt versagt. Wir müssen uns
+mit einzelnen Strahlen dieses Lichtes begnügen. Wir kommen
+<pb n="25"/><anchor id="Pg25"/>
+nur wenig über die wesentlichen Merkmale der Dinge hinaus,
+und wenn wir darunter diejenigen verstehen, von deren Zugehörigkeit
+zu den Dingen wir eine Einsicht haben, reichen
+wir in vielen Fällen nicht einmal an diese heran. So tritt für
+unser Denken an die Stelle des Gesetzes der Zusammengehörigkeit,
+das uns die Aufgabe stellt, alle Wahrheiten in
+ihrer Zusammengehörigkeit und somit als die Eine Wahrheit
+zu erfassen, das Gesetz der Übereinstimmung, nach dem sich
+die Wahrheit und Falschheit unsrer einzelnen Urteile bestimmt.
+Wir unterscheiden vier, beziehungsweise acht Formen dieses
+Gesetzes, deren Wahrheit uns unmittelbar einleuchtet. Erstens,
+das Zugehörige muss zugesprochen werden. Zweitens, das Zugehörige
+darf nicht abgesprochen werden. Drittens, das Nichtzugehörige
+muss abgesprochen werden. Viertens, das Nichtzugehörige
+darf nicht zugesprochen werden. Zu dem Zugehörigen
+gehört auch das Enthaltene. Was in einem Subjekt
+enthalten ist, gehört zu ihm, aber nicht das Gegenteil
+gilt: was in einem Subjekt nicht enthalten ist, kann ganz wohl
+ihm zugehören. Daraus ergeben sich die vier weiteren nicht
+die Zugehörigkeit sondern das Enthaltensein betreffenden
+Formen. Fünftens, das Enthaltene muss zugesprochen werden.
+Sechstens, das Enthaltene darf nicht abgesprochen werden.
+Siebentens, das Nichtenthaltene darf nicht als enthalten zugesprochen
+werden. Achtens, das Nichtenthaltene muss als enthalten
+geleugnet werden. Der Zusatz als enthalten in sieben
+und acht ist notwendig, weil auch das Nichtenthaltene zugehörig
+sein kann. Was immer zugesprochen oder abgesprochen
+wird, wird als zugehörig zugesprochen oder abgesprochen;
+deshalb bedarf es des Zusatzes als zugehörig in drei und vier
+nicht, er ist ohne weiteres in diesen Formen eingeschlossen.
+Setzen wir voraus, dass das negative mit dem unendlichen
+Urteil: der Mensch ist nicht sterblich &ndash; ist unsterblich; der
+Kreis ist nicht rund &ndash; ist nichtrund, dieselbe Bedeutung hat,
+so ergiebt sich, dass die Formen zwei und drei und die Formen
+sechs und sieben dasselbe ausdrücken. Man kann sie im Gegensatz
+zu dem Gesetze der Übereinstimmung als Formen des Gesetzes
+des Widerspruches bezeichnen, das eigentlich nur die negative
+Seite des Gesetzes der Übereinstimmung bildet. Es ist ein
+<pb n="26"/><anchor id="Pg26"/>
+Widerspruch nicht bloss das Nichtenthaltene als enthalten zu
+behaupten, wie es die siebente Form, sondern auch das Nichtzugehörige
+als zugehörig zu behaupten, wie es die dritte Form
+verbietet.
+</p>
+
+<p>
+Nicht bloss, was in einem Subjekt enthalten ist, kommt
+ihm zu, sondern auch das nicht in ihm Enthaltene, sofern es
+zu ihm gehört. Würde nur das erstere ihm zukommen, so
+gäbe es keinen Fortschritt im Erkennen. Aber giebt es etwas
+nicht in einem Subjekt Enthaltenes, das trotzdem zu ihm gehört?
+Ohne Zweifel, wenigstens für alle diejenigen, welche
+Sinnenbild und Vorstellung von dem Begriff, der die wesentlichen
+Merkmale umfasst, unterscheiden und von diesen
+wesentlichen Merkmalen behaupten, dass sie nicht in den
+Sinnenbildern oder Vorstellungen enthalten sind. Fassen wir
+unter dieser Voraussetzung das Subjekt unter der Vorstellung
+auf und legen ihm ein wesentliches Merkmal bei, oder fassen
+wir es unter einem wesentlichen Merkmal auf und legen ihm
+ein anderes wesentliches Merkmal bei, so schreiben wir offenbar
+dem Subjekt etwas zu, das nicht in ihm enthalten ist. Natürlich
+kommt dem Subjekt auch das zu, was in ihm enthalten ist, und
+so ergiebt sich als besonderer Fall des Gesetzes der Übereinstimmung
+das Gesetz des Enthaltenseins, das die Formen
+fünf bis acht umfasst.
+</p>
+
+<p>
+Es giebt sehr vieles, was in einem Subjekt nicht enthalten
+ist und ihm doch nicht abgesprochen werden darf,
+vielmehr zugesprochen werden muss. Freilich liegt es sehr
+nahe, alle Urteile für analytische oder Erläuterungsurteile, d.&nbsp;h.
+auf dem Verhältnis des Enthaltenseins beruhende Urteile zu
+halten, wenn man bloss auf den gedanklichen Ausdruck der
+Urteile achtet. Allein diesem gedanklichen Ausdruck, der immerhin
+als blosse Analyse betrachtet werden mag, liegt eine Synthese
+zugrunde. Wir denken, ehe wir urteilen, das Subjekt unter
+dem Gesichtspunkt des Prädikats. Die Zusammengehörigkeit
+beider drängt sich uns auf, wir sehen sie ein, und nun machen
+wir sie im Urteil geltend. Das alles sind wahre Synthesen,
+sie kehren bei allen Urteilen, die für den Fortschritt unsres
+Erkennens von Bedeutung sind, wieder. Fasst man das so
+unter dem Gesichtspunkte des Prädikats gedachte Subjekt als
+<pb n="27"/><anchor id="Pg27"/>
+eine Einheit auf, so ist das Urteil natürlich, wie es sich uns in
+seinem gedanklichen Ausdruck darstellt, ein bloss analytischer
+Vorgang. Wäre es <hi rend='italic'>bloss</hi> dies, dann gäbe es keinen Fortschritt
+in unsrem Erkennen, da alles Erkennen sich in Urteilen
+vollzieht, oder darin wenigstens seinen gedanklichen Ausdruck
+findet. Der Begriff des Enthaltenseins und des analytischen Verfahrens
+thut unsrem Erkennen nicht genüge; wir müssen ihn ersetzen
+durch den der Zusammengehörigkeit und der Synthese.
+</p>
+
+<p>
+Vom Enthaltensein kann nur bei einander über- oder
+untergeordneten Begriffen die Rede sein; der übergeordnete
+Begriff ist in dem untergeordneten enthalten. Dieses Verhältnis
+gilt also nur für die sogenannten logischen Teile, für die
+Gattungs- und Artmerkmale, nicht für die metaphysischen Teile.
+Geschwindigkeit und Richtung sind nicht in der Bewegung
+enthalten, Stärke und Höhe nicht im Tone, sie sind Eigenschaften,
+notwendige Eigenschaften von Bewegung und Ton,
+ohne die beide nicht sein können, aber nicht Merkmale, die
+ihnen übergeordnet werden könnten; oder genauer, die eine
+Gattung bilden, der Bewegung und Ton untergeordnet sind.
+Das Verhältnis des Enthaltenseins ist das Verhältnis des Allgemeinen
+zum Besondren. Es ist nicht das einzige, nicht einmal
+das wichtigste Verhältnis für unser Erkennen. Die Inhaltsmerkmale
+oder Constitutive eines Begriffs sind in ihm wirklich
+enthalten; sie sind ausser dem letzten unterscheidenden Merkmale
+auch Merkmale des höheren, übergeordneten Art- oder
+Gattungsbegriffes, und verhalten sich darum zu dem Begriff in
+der That wie das Allgemeine zum Besondren. Der Gedanke
+liegt freilich nahe, dass dieses Verhältnis, wenn nicht das
+einzige, so doch das hauptsächlichste für unser Erkennen bildet.
+Gilt doch allgemein bei den Aristotelikern das Prädikat des
+Urteils als der allgemeinere Begriff und wird hiernach das Verhältnis
+von Subjekt und Prädikat als ein Subsumtionsverhältnis
+bestimmt. Statt der Baum blüht, sollen wir hiernach sagen,
+der Baum ist blühend, oder besser noch, ein blühendes Etwas;
+statt der Mensch ist sterblich, der Mensch ist ein sterbliches
+Wesen. Auf diese Weise wird freilich das Urteil in das Subsumtionsverhältnis
+eingespannt. Aber die Eigentümlichkeit der
+von diesem Verhältnis verschiedenen Verhältnisse von Ding
+<pb n="28"/><anchor id="Pg28"/>
+und Vorgang, Ding und Eigenschaft werden dabei unterdrückt
+und beseitigt. Man muss die vier Kategorien von Begriffen
+unterscheiden: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung. In
+jeder dieser Kategorien giebt es über- und untergeordnete Begriffe,
+aber man kann die Begriffe der einen Kategorie nicht
+denen der andren über- oder unterordnen. Der Vorgang hat
+das Eigentümliche eines zeitlichen Anfangs, Verlaufs und Endes,
+das einer Reihe von Veränderungen eines Veränderlichen
+gleichkommt. Die Eigenschaft hat das Eigentümliche eines
+Unselbständigen gegenüber einem Selbständigen, das an dessen
+Sein teilnimmt und ohne dasselbe nicht vorhanden sein kann.
+Die Beziehung hat das Eigentümliche, dass sie zwischen zwei
+Gliedern besteht und ohne diese Glieder nicht vorhanden sein
+kann. Überall handelt es sich hier um Verhältnisse, die vom
+Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren oder vom Verhältnis
+des Enthaltenseins verschieden sind und für unser Erkennen
+eine viel wichtigere Rolle spielen. Die Eigenschaft
+ist das Endglied des Substanzverhältnisses, der Vorgang das
+Mittelglied des Ursachverhältnisses, die Beziehung das, was
+die Zusammenfassung der einzelnen Wahrheiten zu dem System
+oder Reiche der Einen Wahrheit ermöglicht.
+</p>
+
+<p>
+Die einzige Möglichkeit, alles auf das Verhältnis des Enthaltenseins
+zurückzuführen, besteht darin, dass man auch die
+sogenannten negativen Merkmale als in den Dingen enthalten
+oder als Inhaltsmerkmale derselben betrachtet. Dann ist in
+jedem Gegenstande alles Aussagbare enthalten. Allein negative
+Merkmale setzen negative Urteile voraus und haben nur in
+ihnen Halt und Bestand. Durch diese negativen Urteile werden
+sie aber gerade von den betreffenden Gegenständen ausgeschlossen.
+Man müsste also das Ausgeschlossene als eingeschlossen,
+d.&nbsp;h. das, was nicht zum Inhalt gehört, als zum
+Inhalt gehörend, oder das, was nicht Bestandteil des Inhalts ist,
+als Bestandteil des Inhalts betrachten, wollte man die negativen
+Merkmale für Inhaltsmerkmale erklären. Heutzutage, wo wir
+so stark sind in dem Voraussehen der Konsequenzen im praktischen
+Leben sowohl wie in der Wissenschaft, dass wir darüber
+die Prinzipien kaum noch beachten oder ununtersucht auf sich
+beruhen lassen, ist es nicht zu verwundern, dass alles zur
+<pb n="29"/><anchor id="Pg29"/>
+Analyse drängt und von Synthese nichts wissen will. Aber
+der Natur und dem Wesen des Erkennens geschieht damit
+nicht genüge. Das ist es, was wir betonen möchten.
+</p>
+
+<p>
+Das Gesetz der Übereinstimmung, des Enthaltenseins und
+des Widerspruchs sind Gesetze für die Einzelurteile, aber auch die
+einzigen Gesetze, nach denen die Wahrheit und Falschheit der
+Einzelurteile bestimmt werden kann. Sie sind in allen ihren
+Formen, jede für sich genommen, unmittelbar einleuchtend. Das
+gewöhnlich aufgestellte Gesetz des ausgeschlossenen Dritten ist
+nicht Gesetz für ein Einzelurteil sondern nur für das Verhältnis
+zweier Urteile zu einander. Es lautet: Wenn von zwei Urteilen
+eins dasselbe bejaht, was das andere verneint, &ndash; so ist
+notwendig eins von beiden wahr, sie können nicht beide falsch
+sein, die Wahrheit ist nicht ein Drittes, von Bejahung und
+Verneinung nicht Betroffenes; &ndash; sie können nicht beide wahr
+sein, eins von beiden ist falsch, auch die Falschheit ist nicht
+ein Drittes, weder in der Bejahung noch in der Verneinung
+Ausgedrücktes. Nach diesem Gesetze folgt aus der Wahrheit
+von eins die Falschheit des Gegenteils von zwei, aus der Falschheit
+des Gegenteils von zwei die Wahrheit von zwei; und
+dasselbe gilt von drei und vier, von fünf und sechs, von sieben
+und acht. Eigentlich heisst das Gesetz nur: zwischen Bejahen
+und Verneinen giebt es kein Mittleres; Bejahen und Verneinen
+sind ausschliessende Gegensätze. Dass sie es sind, kommt uns
+bei einem Vergleiche von eins und zwei, drei und vier, fünf
+und sechs, sieben und acht zum Bewusstsein. Aber auch nur
+hier, wo es sich um das Einzelwirkliche handelt.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Vierzehnte Untersuchung
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Gesetze des Erkennens. (Fortsetzung.)
+</p>
+
+<p>
+Giebt es keine weiteren Gesetze des Erkennens? Die genannten
+Gesetze sind eigentlich nur Gesetze für das Einzelwirkliche;
+sie geben Bestimmungen über das, was zu ihnen
+gehört oder nicht zu ihnen gehört. Sofern dieses Einzelwirkliche
+das Subjekt der Urteile bildet, sind sie Gesetze der
+Urteile. Aber das Einzelwirkliche ist Glied der Gesamtwirklichkeit,
+und diese seine Stellung zur Gesamtwirklichkeit macht
+sein eigentliches Wesen aus. Es muss auch Gesetze für den
+<pb n="30"/><anchor id="Pg30"/>
+Zusammenhang alles Wirklichen geben, den wir auf dem
+Wege des Schlusses erkennen. Diese Gesetze sind darum
+Gesetze des Schlusses. Es sind drei Gesetze: das Gesetz der
+Einheit, das Gesetz der Kausalität und das Gesetz des Grundes.
+Es ist eine alte Rede vom Einheitsstreben unserer Vernunft.
+Aber Einheit ist nicht Einerleiheit, nicht Dieselbheit, sogern
+das auch der Analytiker annähme. Die rein äusserlichen Orts- und
+Zeitbestimmungen, deren wir zur Unterscheidung des
+Einzelwirklichen von einander bedürfen, setzen feste Punkte in
+Raum und Zeit voraus, die dann aber sofort sich in lauter Beziehungen
+auflösen. Beziehungen ohne Beziehungsglieder sind
+undenkbar. Also muss ein über allen Zeit- und Raumbestimmungen
+stehendes Sein angenommen werden, das diesen
+Beziehungen Halt und Bestand giebt. Unser Bewusstsein, das
+ebenfalls dem Fluss der Zeit angehört, kann dieses Sein nicht
+ausmachen. Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass
+Raum und Zeit etwa nur Formen unserer Anschauung sind.
+Das mag sein, eine Bedeutung für die Welt der Wirklichkeit
+kommt ihnen unzweifelhaft zu, mögen wir dieselbe kennen
+oder nicht. Zu dem gleichen Ergebnis führte schon den Aristoteles
+die Bewegung, die er als eine anfangslose betrachtete. Nehmen
+wir eine rückwärts sich erstreckende unendliche Zahl von Bewegungsgliedern
+an, von denen das nachfolgende Glied immer
+von dem vorausgehenden abhängt, so haben wir lauter abhängige
+Glieder; die unendliche Reihe ist so lange ohne Halt
+und Bestand, als wir nicht ein über ihr stehendes Unbewegtes,
+den unbewegten Beweger des Aristoteles annehmen, in dem
+die Bewegung ihren Grund hat, ohne dass er an ihr teilnimmt.
+Wir betonten früher, dass es keine Einzelwahrheit giebt und
+demnach auch strenggenommen keine einzelnen Wesen, da
+alles mit einander im Zusammenhang steht, und das Eine in
+dem Andern seine Stütze und seine Begründung findet. Das
+Reich der Wahrheit ist ein Ganzes, keine Summe von Teilen,
+kein wirres Durcheinander, sondern eine nach Gründen geordnete
+oder besser durch einen Begründungszusammenhang gegliederte
+Einheit. Jede Wahrheit hat ihren objektiven Grund,
+auch die unmittelbar einleuchtenden Thatsachen und Prinzipien,
+für die wir einen Beweis nicht führen können und die in sofern
+<pb n="31"/><anchor id="Pg31"/>
+<hi rend='italic'>subjektiv</hi> für uns <hi rend='italic'>grundlos</hi> sind. Man könnte sich das
+Reich der Wahrheit nun als ein System von Gliedern denken,
+die sich gegenseitig stützen und tragen. Allein die Beziehung
+zur Erkenntnis ist der Wahrheit wesentlich. Die Wahrheiten
+sind keine Dinge an sich, die wir so erkennen, wie sie unerkannter
+Weise sind. Ihr Einheitspunkt ist darum das ihnen
+allen gemeinsame göttliche Erkennen oder Denken, an dem
+unser Erkennen teilnimmt. In ihm haben sie ihren letzten
+<hi rend='italic'>objektiven Grund</hi>, ganz verschieden von dem subjektiven
+Grund unserer Einsicht. In diesen Gedankengängen von den
+Zeit- und Ortsbestimmungen zu dem über Zeit und Ort Erhabenen,
+von der Bewegung zu dem unbewegten Beweger,
+von dem System der Wahrheiten zu dem Erkennenden und
+Denkenden, in dem es seinen Grund hat, macht sich das Einheitsgesetz
+unseres Denkens geltend. Es lautet: Das System
+der Wahrheit setzt einen Erkennenden voraus, in dem es seine
+Einheit hat.
+</p>
+
+<p>
+Als weiteres Gesetz unseres Erkennens bezeichnen wir
+das Gesetz der Kausalität: Was anfängt zu existieren, setzt
+ein Anderes voraus, das bei seinem Anfange schon vorhanden
+ist und diesen Anfang ermöglicht &ndash; Gesetz der Ermöglichung.
+Das Gesetz der Kausalität verhält sich ähnlich zum Einheitsgesetz
+wie das des Widerspruchs zum Gesetz der Übereinstimmung.
+Wie das Gesetz des Widerspruchs zum Gesetze der
+Übereinstimmung hinüberleitet, so das Gesetz der Kausalität zum
+Einheitsgesetz. Meistens müssen wir uns mit der Wegräumung
+des Unwesentlichen begnügen, und dazu verhilft uns das Gesetz
+des Widerspruchs immer, auch wenn wir nicht im stande
+sind, das Wesentliche oder eigentliche Wesen der Dinge zu
+erkennen. Meistens müssen wir uns auch zufrieden geben
+mit der Herstellung des Kausalzusammenhangs der Dinge
+mittels des Kausalitätsgesetzes. Und diese Herstellung gelingt
+uns fast immer, wenn wir auch die Stellung der Dinge
+in der Gesamtheit des Wirklichen nach dem Einheitsgesetz nicht
+zu erkennen vermögen. Falsch ist die Formel des Gesetzes:
+Was anfängt zu existieren, setzt ein Anderes voraus, aus dem
+es notwendig hervorgeht. Diese Formel schiebt das Gesetz
+der Kausalität in das Gesetz des Grundes hinein, die Wirkung
+<pb n="32"/><anchor id="Pg32"/>
+wird dadurch zur blossen logischen Folge herabgesetzt. Was
+immer unter dem causari verstanden werden mag, es ist verschieden
+von sequi. Das Gesetz der Kausalität in der von
+uns gegebenen Form ist unmittelbar evident. Es leuchtet uns
+unabweislich ein, dass kein Ding sich den Anfang seines Seins
+selbst geben kann, sondern eines Andern bedarf, das diesen
+Anfang ermöglicht, obgleich die erstere Annahme keineswegs
+einen Widerspruch einschliesst. Sicher wäre es widersprechend,
+wenn man annehmen wollte, ein Ding könne freilich nicht selbst
+seinen Anfang ermöglichen, und doch leugnete, dass dazu etwas
+von ihm Verschiedenes schon bei seinem Anfange Vorhandenes
+notwendig sei. Aber bedarf es einer Ermöglichung des Anfangs?
+Darüber sagt uns das Gesetz des Widerspruchs nichts.
+Das Gesetz der Kausalität bejaht die Frage, und diese Bejahung
+drückt seinen eigentlichen Sinn aus. Natürlich ist das Gesetz
+der Kausalität auch ganz etwas andres, als das von der
+Gleichförmigkeit des Naturlaufs, das auf induktivem Wege gewonnen
+wird, und als das viel weniger gesicherte Seitenstück
+desselben, dass alle Denkenden unter gleichen Umständen
+gleiche Urteile fällen. Das Gesetz von der Gleichförmigkeit
+des Naturlaufs ist nur eine Zusammenfassung unserer Erfahrungen
+von der Qualität der Ursachen oder Ermöglichungsgründe,
+worüber uns natürlich nur die Erfahrung und nicht
+das ganz allgemeine Gesetz der Kausalität oder Ermöglichung
+belehren kann. Von Evidenz kann bei dem Gesetze der Gleichförmigkeit
+keine Rede sein.
+</p>
+
+<p>
+Als letztes Gesetz erwähnen wir das Gesetz des Grundes.
+Es lautet: Bei Bejahung des Grundes muss auch die Folge bejaht
+werden, und bei Verneinung der Folge muss auch der
+Grund verneint werden. Da eine Folge verschiedene Gründe
+haben kann, so gilt wenigstens nicht allgemein die Umkehrung
+des ersten Teiles des Gesetzes: Bei Bejahung der Folge muss
+auch der Grund bejaht werden. Da die Folge im Grunde enthalten
+ist, so gilt natürlich immer: Wenn die Folge, das Enthaltene,
+nicht vorhanden ist, so ist auch der Grund, das die
+Folge notwendig Enthaltende, nicht vorhanden. Es handelt
+sich hier offenbar lediglich um das Verhältnis des Enthaltenseins.
+Das Gesetz des Grundes ist nichts andres, als das Gesetz
+<pb n="33"/><anchor id="Pg33"/>
+des Enthaltenseins in seiner Anwendung auf zwei oder mehrere
+Urteile, die sich wie Grund und Folge verhalten. Natürlich
+kann das Gesetz des Grundes ebensowenig wie das des Enthaltenseins
+zu einer Erweiterung unserer Erkenntnisse dienen
+und hat deshalb, wie dieses letztere, einen bloss formalen
+Charakter.
+</p>
+
+<p>
+Wenn wir das in einem Subjekt Enthaltene von ihm leugnen,
+das in einem bejahten Urteil enthaltene andere Urteil leugnen,
+oder auch trotz der Verneinung des enthaltenen Urteils das
+enthaltende bejahen, so verstossen wir nicht bloss gegen das
+Gesetz des Enthaltenseins und gegen das Gesetz des Grundes
+sondern auch gegen das Gesetz des Widerspruchs: wir
+widersprechen uns selbst. Insofern kann man die Form, welche
+wir, die Verneinung zu Hülfe nehmend, dem Gesetze des Grundes
+geben können: Bei Bejahung des Grundes darf nicht die Folge
+verneint und bei Verneinung der Folge nicht der Grund bejaht
+werden, als dritte Form des Gesetzes des Widerspruchs
+bezeichnen. Das, was wir als erste Form des Gesetzes des
+Widerspruchs bezeichnen können: Das Nichtzugehörige nicht
+zusprechen oder als zugehörig bejahen, ist natürlich von etwas
+anderer Art als die dem Verhältnis des Enthaltenseins entsprechende
+zweite und dritte Form des Gesetzes. Wer gegen
+diese zweite und dritte Form verstösst, widerspricht sich selbst,
+wer hingegen gegen die erste Form verstösst, legt bloss einem
+Subjekt ein nicht zu ihm gehörendes Prädikat bei, das im
+Subjekt nicht enthalten ist, ihm also auch nicht widerspricht.
+Aber er legt doch ein nicht zugehörendes Prädikat als zugehörend
+bei und begeht in sofern einen Widerspruch.
+</p>
+
+<p>
+Das Gesetz der Übereinstimmung, das Einheitsgesetz und
+das Gesetz der Kausalität sind Realgesetze, die den Fortschritt
+unsres Denkens ermöglichen und begründen, müssen darum
+als Gesetze des Erkennens im strengen Sinne bezeichnet
+werden; das Gesetz des Enthaltenseins und das Gesetz des
+Grundes sind Formalgesetze, nach denen der Inhalt der gewonnenen
+Erkenntnis zergliedert wird, also eigentlich Denkgesetze.
+Indes auch durch Verneinung des Nichtzugehörigen
+und ebenso auch durch Verneinung des Nichtenthaltenen findet
+entschieden ein Fortschritt des Erkennens statt. Insofern kann
+<pb n="34"/><anchor id="Pg34"/>
+auch das Gesetz des Widerspruchs eine reale Bedeutung
+haben.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Fünfzehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Erkenntnis und blinde Überzeugung.
+</p>
+
+<p>
+Wir unterschieden den Blick, der die zusammengehörigen
+Merkmale entdeckt; das Sichaufdrängen oder Einleuchten der
+Zusammengehörigkeit; das Sehen, Wahrnehmen dieser Zusammengehörigkeit
+oder die Einsicht in dieselbe, worin der
+eigentliche Erkenntnisakt besteht; den gedanklichen Ausdruck
+der Zusammengehörigkeit im Urteil; das Bewusstsein der Objektivität
+oder Wahrheit des Urteils, das dem Einleuchten oder
+Sichaufdrängen der Zusammengehörigkeit entspricht; endlich
+die Überzeugung von der Wahrheit oder Gültigkeit des Urteils,
+die zur Gewissheit wird, wenn sie jeden Zweifel ausschliesst.
+Die thörichte Frage, ob das Ding so ist, wie wir
+es mit den leiblichen Augen sehen, stellen wir nicht, auch
+nicht die, ob ein solches Ding existiert, sondern die andere,
+was das Ding seinem Wesen, seiner Wahrheit nach ist. Das
+hängt natürlich von seiner Stellung in der Gesamtheit des
+Wirklichen ab und kann nur mit dem Auge des Geistes gesehen
+werden.
+</p>
+
+<p>
+Das auf Einsicht beruhende Urteil und die auf Einsicht
+beruhende Überzeugung haben natürlich, wie die Einsicht
+selbst, in dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit einen
+vernünftigen sie vollkommen rechtfertigenden Grund, der aber,
+wie wir sehen werden, keineswegs zwingend ist. Einsicht darf nicht
+mit Denknotwendigkeit verwechselt werden. Allein Urteil und
+Überzeugung können auch ohne vernünftigen Grund eintreten.
+Wir sprechen dann von blindem Urteil, blinder Überzeugung.
+Natürlich hat auch das blinde Urteil und die blinde Überzeugung
+einen Grund, nur keinen zureichenden, wirklich rechtfertigenden
+Grund. Ihr Grund besteht in den Gefühlen des
+Gefallens und Missfallens, der Abneigung und Zuneigung, in
+der durch die Meinung anderer, zu der auch die öffentliche
+Meinung gehört, entstehenden Gewöhnung, in den von dort her
+rührenden Vorurteilen der Familie, des Standes, der Nation,
+der Konfession, des Berufs, in der Erziehung, in ererbten und
+<pb n="35"/><anchor id="Pg35"/>
+erworbenen Gehirndispositionen, endlich im Egoismus und
+Lebenstrieb, der sich im Wettbewerb und im Kampfe ums Dasein
+kundgiebt. Aus allen diesen Gründen entsteht zunächst
+ein blindes Urteilen, oder gedankliches Behaupten, das, wenn
+es oft genug wiederholt wird, eine blinde Überzeugung zur
+Folge hat, die freilich auch unmittelbar aus diesen Gründen,
+insbesondere aus den Gefühlen der Abneigung und Zuneigung,
+des Gefallens und Missfallens, dann aus dem Egoismus und
+Lebenstriebe hervorgehen kann. Diesem blinden Urteilen und
+Überzeugtsein folgt dann das vermeintliche Sehen, Wahrnehmen
+der Zusammengehörigkeit, die vermeintliche Einsicht in dieselbe,
+die natürlich keine Erkenntnis ist, weil sie des
+vernünftigen Grundes, auf dem alle Erkenntnis beruht, ermangelt.
+Die Erkenntnis ist wirkliche, nicht bloss vermeintliche
+Einsicht in die Zusammengehörigkeit und beruht auf dem
+Einleuchten dieser Zusammengehörigkeit. Diese wirkliche
+Einsicht geht immer dem Urteil, der gedanklich behaupteten Zusammengehörigkeit,
+voran und unterscheidet sich dadurch
+wesentlich von der vermeintlichen Einsicht. Wie solche blinden
+Urteile und Überzeugungen des vernünftigen, sie rechtfertigenden
+Grundes ermangeln, der nur in dem Einleuchten der Wahrheit
+bestehen kann, so ermangeln sie damit auch des Kennzeichens
+der Wahrheit, das eben in diesem Einleuchten besteht.
+Wenn sie wahr sind, so sind sie doch nur zufälliger Weise
+wahr; eine Bürgschaft für ihre Wahrheit bieten sie in keiner
+Weise.
+</p>
+
+<p>
+Mit der in der Einsicht bestehenden Erkenntnis ist immer
+eine Gewissheit verbunden, sie ist von derselben unabtrennbar.
+Unter Gewissheit aber verstehen wir eine Überzeugung,
+die jeden Zweifel ausschliesst. So lange wir zweifeln, hin- und
+herschwanken, oder auch die Gründe für oder gegen eine
+Sache abwägen, erkennen wir nicht. Wenn wir aber sagen: das
+ist zweifelhaft, entweder weil gar keine Gründe dafür sprechen,
+oder weil die Gründe, die dafür sprechen, nicht durchschlagend
+sind; wenn wir ferner sagen: das ist wahrscheinlich oder das ist
+unwahrscheinlich, weil mehr oder weniger Gründe für eine Sache
+sprechen als für ihr Gegenteil, so ist das eine Erkenntnis; wir
+sagen so, weil wir es einsehen. Eine wahrscheinliche oder zweifelhafte
+<pb n="36"/><anchor id="Pg36"/>
+Einsicht giebt es nicht, sondern nur eine Einsicht, dass etwas
+wahrscheinlich oder zweifelhaft ist. Die Einsicht ist eben
+immer mit der Gewissheit verbunden und von ihr unabtrennbar,
+aber auch die blinde Überzeugung kann jeden Zweifel
+ausschliessen und so zur Gewissheit werden. Von dieser Art
+ist unzweifelhaft die Überzeugung des Fanatikers oder desjenigen,
+der blindlings einem Andern in rückhaltloser, unbedingter
+Weise vertraut. Ihre Überzeugung schliesst sicher jeden
+Zweifel aus und muss darum als Gewissheit bezeichnet werden.
+Freilich ist das eine blinde Gewissheit, die von der auf Einsicht
+beruhenden und von ihr unabtrennbaren Gewissheit verschieden
+ist. Offenbar hat die Gewissheit, insofern sie jeden
+Zweifel ausschliesst, also nach ihrer negativen Seite, keine
+Grade; nach ihrer positiven Seite hat sie allerdings, wenigstens
+als blinde Gewissheit, ebenso wie die blinde Überzeugung,
+Grade. Die blinde Gewissheit kann nicht als ein Maximum
+der blinden Überzeugung betrachtet werden, sondern ist durch
+die Leidenschaftlichkeit des Blindglaubenden einer Steigerung
+bis ins Unermessliche fähig. Anders scheint es mit der auf
+Einsicht beruhenden Gewissheit zu sein. Die Einsicht hat
+natürlich keine Grade, sie ist entweder vorhanden oder nicht
+vorhanden. Ein Mehr oder Minder giebt es hier nicht. Dasselbe
+scheint auch von der mit der Einsicht verbundenen Gewissheit
+zu gelten. Sie ist nicht bloss nach ihrer negativen
+sondern auch nach ihrer positiven Seite ohne Grade.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Sechzehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Zulänglichkeit des Kennzeichens der Wahrheit.
+</p>
+
+<p>
+Es ist keine Frage, dass es ein vermeintliches Einleuchten
+giebt, dass wir oft glauben, die Zusammengehörigkeit leuchte
+uns ein und doch hinterher bekennen müssen, dass wir uns
+getäuscht haben. Wir wechseln nicht bloss unsere Ansichten
+sondern auch unsere Einsichten, verwerfen eine frühere Einsicht
+als bloss vermeintlich und setzen eine andere möglicherweise
+wieder vermeintliche an ihre Stelle. Alles auf Grund
+des, sei es wirklichen, sei es vermeintlichen Einleuchtens.
+Wie kann da dieses Einleuchten noch als massgebendes und
+entscheidendes Kennzeichen der Wahrheit betrachtet werden?
+<pb n="37"/><anchor id="Pg37"/>
+Wir haben schon gezeigt, dass die mit Einsicht verbundene
+Gewissheit von andrer Art ist als die ohne Einsicht. Was
+von der Gewissheit gilt, die ohne Einsicht eintritt, muss natürlich
+auch von der Gewissheit behauptet werden, die sich mit der
+vermeintlichen Einsicht verbindet. Da sich nun immer mit der
+vermeintlichen Einsicht ebenso wie mit der wirklichen eine
+Gewissheit verbindet, so können wir beide schon durch die
+Art der mit ihnen verbundenen Gewissheit unterscheiden. Aber
+auch abgesehen von diesem Unterschiede zwischen der vermeintlichen
+und wirklichen Einsicht können wir uns der ersteren
+erwehren und ihr gegenüber die letztere zur Geltung bringen.
+Der vermeintlichen und wirklichen Einsicht entspricht das vermeintliche
+und wirkliche Einleuchten oder Evidentsein eines
+Sachverhaltes. Es kann nun irgend etwas mittelbar oder unmittelbar
+einleuchtend sein. Alle des Beweises bedürftigen
+Sätze sind, wenn sie bewiesen sind, mittelbar einleuchtend; unmittelbar
+einleuchtend ist nach unsrer Auffassung nicht bloss
+das Gesetz des Widerspruchs, sondern auch das der Ermöglichung
+oder Kausalität.
+</p>
+
+<p>
+Nehmen wir nun an, dass ein Satz in mittelbarer Weise
+einleuchtend zu sein scheint, so können wir, wenn sein Gegenteil
+mittelbar einleuchtend gemacht werden kann, einen Beweis
+hierfür erbringen und dadurch den Schein des Einleuchtens
+beseitigen. Mag aber das Gegenteil des Satzes auch eines
+Beweises nicht fähig sein, in jedem Falle sind wir im stande,
+den Beweis, der für den in mittelbarer Weise scheinbar einleuchtenden
+Satz geführt wird, zu prüfen und, falls sich hierbei
+ein Fehler ergiebt, durch diese Prüfung den Schein des Einleuchtens
+zu zerstören. Nehmen wir ferner an, dass ein Satz
+in unmittelbarer Weise einleuchtend zu sein scheint, so können
+wir für das Gegenteil einen Beweis zu führen suchen und dadurch
+den Schein des Einleuchtens entfernen. Es bleibt noch
+ein Fall als möglich übrig. Ein Satz könnte unmittelbar einleuchtend
+scheinen und sein Gegenteil auch nur unmittelbar
+einleuchten, sodass wir also keinen Beweis für dasselbe zu führen
+im Stande sind. Hier stehen nun freilich Ja und Nein einander
+gegenüber, und eine Entscheidung ist unmöglich. Aber dieser
+vierte Fall ist in der Geschichte der Philosophie nicht vorgekommen.
+<pb n="38"/><anchor id="Pg38"/>
+Heraklit und Hegel haben das Gesetz des Widerspruchs
+geleugnet, aber ihr Recht zu dieser Leugnung durch
+einen Beweis darzuthun gesucht. In neuester Zeit hat man
+das Gesetz der Kausalität nicht eigentlich geleugnet aber doch
+bezweifelt, dass es unmittelbar einleuchtend sei. Aber auch
+diesen Zweifel sucht man zu begründen, indem man dem Gesetze
+der Kausalität das Gesetz von der Gleichförmigkeit des
+Naturlaufs, das nur auf einer Induktion beruht, substituiert &ndash; eine
+Zusammenfassung unsrer Erfahrungen über die Qualität
+der zu bestimmten Wirkungen gehörenden Ursachen. Solche
+Gedankengänge, die das unmittelbare Einleuchten gewisser
+Sätze bestreiten, kommen natürlich im wirklichen Leben nicht
+vor. Man ist hier eher geneigt, das unmittelbare Einleuchten
+gewisser dem sinnlichen Schein oder einer unberechtigten Verallgemeinerung
+zu liebe aufgestellter Sätze zu behaupten, wie
+z.&nbsp;B. das unmittelbare Einleuchten des Satzes, dass die Sonne
+still steht. Hier ist es ein Leichtes, durch den Beweis des
+Gegenteils den Schein des unmittelbaren Einleuchtens zu zerstören.
+</p>
+
+<p>
+Es ergiebt sich, dass wir dem unleugbaren Vorkommen
+einer <corr sic="vermeinlichen">vermeintlichen</corr> Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
+nicht ratlos gegenüberstehen und uns hierdurch in der
+Annahme des Einleuchtens der Zusammengehörigkeit als eines
+zuverlässigen und entscheidenden Kennzeichens der Wahrheit
+nicht irre machen lassen dürfen. Wir können nicht bloss die
+wirkliche Einsicht von der vermeintlichen an bestimmten Merkmalen
+unterscheiden, wir können auch die entstehende vermeintliche
+Einsicht überwinden, und zwar durch die wirkliche
+Einsicht.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Siebzehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Einsicht und Denknotwendigkeit.
+</p>
+
+<p>
+Die Einsicht oder Erkenntnis beruht, wie wir sahen, auf
+einem vernünftigen, zureichenden, sie völlig rechtfertigenden
+Grunde. Es ist aber zu beachten wichtig, dass dieser Grund
+nicht zwingend wirkt. Einsicht hat nichts mit äusserem Zwange
+oder innerer Nötigung gemein; sie kann darum auch keineswegs
+mit Denknotwendigkeit verselbigt werden. Allerdings kommt
+<pb n="39"/><anchor id="Pg39"/>
+in unsren Schlussfolgerungen aus der Einsicht häufig so etwas
+wie Denknotwendigkeit zum Ausdruck. Wir sagen: es kann
+nicht anders sein, es muss so sein. Wir sagen das nicht bloss,
+wenn es sich um begriffliche, sondern auch, wenn es sich um
+bloss thatsächliche Wahrheiten handelt. Wenn wir sie einsehen,
+so erscheint uns das Gegenteil ausgeschlossen, also unmöglich.
+Woher kommt das? Offenbar lediglich von der mit der Einsicht
+verbundenen Gewissheit. Wir sind gewiss, das heisst, aller
+Zweifel und damit auch die Möglichkeit, dass es anders sein
+könnte, die Möglichkeit des Gegenteils ist ausgeschlossen. So
+sagen wir denn eben wegen dieser Gewissheit: so muss es
+sein. Soll das etwa heissen, dass zwischen den zusammengehörigen
+Gliedern, deren Zusammengehörigkeit wir einsehen,
+ein Notwendigkeitszusammenhang besteht? Sicherlich nicht.
+Denn sonst dürften wir nicht in gleicher Weise reden, wenn
+es sich um bloss thatsächliche Wahrheiten handelt, bei denen
+offenbar die Annahme eines Notwendigkeitszusammenhangs
+ausgeschlossen ist. Indes könnte immerhin die Einsicht überall
+da mit der Denknotwendigkeit verselbigt werden müssen, wo
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des <corr sic="Zusammengegehörigen">Zusammengehörigen</corr>
+vorliegt. Das bedarf einer nähern Untersuchung.
+</p>
+
+<p>
+Es fragt sich, ob bei allen begrifflichen Sätzen eine solche
+Denknotwendigkeit vorhanden ist, und weiterhin, ob dort, wo
+sie vorhanden, die Denknotwendigkeit mit der Einsicht ein und
+dasselbe ist. In den Gesetzen des Erkennens und Denkens
+kommt anscheinend überall eine Denknotwendigkeit zum Ausdrucke.
+Gesetz der Übereinstimmung: Das Zugehörige <hi rend='italic'>muss</hi>
+zugesprochen, <hi rend='italic'>darf nicht</hi> abgesprochen, das Nichtzugehörige
+<hi rend='italic'>darf nicht</hi> zugesprochen, <hi rend='italic'>muss</hi> abgesprochen werden. Das
+Gesetz des Enthaltenseins: Das Enthaltene <hi rend='italic'>muss</hi> zugesprochen,
+<hi rend='italic'>darf nicht</hi> abgesprochen, das Nichtenthaltene <hi rend='italic'>darf nicht</hi>
+als enthalten zugesprochen, <hi rend='italic'>muss</hi> abgesprochen werden. Das
+Gesetz der Einheit: Das System der Wahrheit setzt <hi rend='italic'>notwendig</hi>
+einen Denkenden voraus. Das Gesetz der Ermöglichung: Was
+anfängt, zu existieren, setzt <hi rend='italic'>notwendig</hi> ein Anderes voraus,
+das bei seinem Anfange schon vorhanden ist und diesen ermöglicht.
+Das Gesetz des Grundes: Aus der Wahrheit des
+Grundes ergiebt sich <hi rend='italic'>notwendig</hi> die Wahrheit der Folge, aus
+<pb n="40"/><anchor id="Pg40"/>
+der Falschheit der Folge die Falschheit des Grundes. Das
+»muss«, »darf nicht«, »notwendig« drückt hier zunächst auch
+nichts anderes als die Gewissheit aus, die jeden Zweifel und
+damit die Möglichkeit des Andersseinkönnens ausschliesst.
+Aber es verhält sich doch bei diesen Gesetzen mit der Notwendigkeit
+nicht gleichmässig. Ein Notwendigkeitsverhältnis
+zwischen dem Ding und dem von ihm Ausgesagten liegt unzweifelhaft
+vor, wenn das Ausgesagte in dem Dinge enthalten
+ist. Natürlich ebenso, wenn es sich nicht um Dinge sondern
+um Urteile handelt, wenn nach dem Gesetze des Grundes aus
+der Wahrheit des den Grund bildenden Urteils die Wahrheit
+des die Folge ausdrückenden Urteils und wenn aus der Falschheit
+des die Folge ausdrückenden Urteils die Falschheit des
+den Grund bildenden Urteils erschlossen wird. In diesen
+beiden Fällen, allgemeiner: in Urteilen, wo es sich um ein
+Enthaltensein handelt, mag man von einer Denknotwendigkeit
+reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein <corr sic="gegegebene">gegebene</corr>
+Notwendigkeitsverhältnis darunter verstehen. Wir
+sind durch nichts äusserlich gezwungen oder innerlich genötigt,
+das in einem Dinge Enthaltene von ihm auszusagen oder aus
+einem Urteil als dem Grunde ein anderes als seine Folge abzuleiten.
+Wir sehen freilich mit einer allen Zweifel ausschliessenden
+Gewissheit ein, dass das Urteil, in dem wir das in einem Ding
+Enthaltene von ihm aussagen, notwendig wahr sein muss,
+ebenso, dass das Urteil wahr sein muss, das sich als Folge
+aus einem andren Urteil als seinem Grunde ergiebt. Aber
+wiederum ist zu beachten wichtig, dass diese Einsicht in die
+Wahrheit der Urteile mit der im Enthaltensein gegebenen
+Denknotwendigkeit nichts zu thun hat, von ihr ganz und gar
+verschieden ist und sich in keiner Weise auf sie stützt. Es
+ergiebt sich, dass, wenn auch in Bezug auf das Enthaltensein
+von Denknotwendigkeit geredet werden kann, diese Denknotwendigkeit
+doch nicht mit der Einsicht verwechselt oder verselbigt
+werden darf.
+</p>
+
+<p>
+Auch in Bezug auf das zusammengehörige Nichtenthaltene
+kann von Denknotwendigkeiten geredet werden. Man hat von
+jeher unterschieden zwischen den Proprietäten oder wahren
+Eigenschaften, die nicht als Merkmale im Ding enthalten sind
+<pb n="41"/><anchor id="Pg41"/>
+und ihm doch notwendig zukommen, und zwischen den Accidentien,
+die ihm zukommen können. Richtung und Geschwindigkeit
+sind für die Bewegung, Stärke und Höhe für
+den Ton solche Eigenschaften, aber die bestimmte Richtung
+und Geschwindigkeit, die bestimmte Stärke und Höhe sind nicht
+notwendig. Ohne jene Eigenschaften kann Bewegung und
+Ton gar nicht vorhanden sein, wohl aber ohne diese Bestimmtheiten.
+Die Zugehörigkeit ist hier Denknotwendigkeit.
+Aber es ist zu beachten wichtig: nicht weil es denknotwendig ist,
+betrachten wir dieses Zugehörige als zugehörig, sondern nur
+darum, weil uns die Zugehörigkeit einleuchtet und wir sie
+einsehen. Jede Eigenschaft setzt ferner ein Selbständiges,
+jede Bewegung, jede Veränderung ein Bewegliches, ein Veränderliches,
+ein Beharrliches voraus. Wir können das nicht
+anders denken; also wiederum eine Denknotwendigkeit innerhalb
+des Zugehörigen, Nichtenthaltenen. Es scheint, als wenn
+dieser Denknotwendigkeit gar keine Einsicht entspricht. Wir
+sehen ein, dass und warum das Enthaltensein denknotwendig
+ist; aber wir sehen nicht ein, warum wir in unsrem Denken
+für die Eigenschaft ein Selbständiges, für die Bewegung ein
+Bewegliches, für die Veränderung ein Veränderliches voraussetzen
+müssen. Wir können nur sagen, die Einrichtung
+unsres Denkens bringt das so mit sich. Die Röte hat doch
+ihren eigenen Inhalt, ebenso die Bewegung, ebenso die Veränderung.
+Warum setzt sie etwas voraus, das rot ist, sich
+bewegt, sich verändert? Hier scheint bloss ein blindes Müssen
+vorhanden zu sein, das auf einer Einrichtung, auf einem Mechanismus
+unsres Denkorganismus beruht. Es scheint nicht
+unwichtig zu beachten, dass keine Denknotwendigkeit besteht,
+jedes Selbständige mit Eigenschaften auszustatten oder
+jedem Beharrlichen eine Bewegung oder Veränderung zuzuschreiben.
+Wenn wir einem Selbständigen, einem Dinge eine
+Eigenschaft zuschreiben, ihm Bewegung oder Veränderung beilegen,
+so geschieht das, weil uns die betreffenden Zusammengehörigkeiten
+einleuchten.
+</p>
+
+<p>
+Auch bezüglich des Nichtenthaltenen und Nichtzugehörigen
+giebt es Denknotwendigkeiten, die wir als Unverträglichkeitsverhältnisse
+bezeichnen. Sie sind überall dort vorhanden, wo
+<pb n="42"/><anchor id="Pg42"/>
+von einem Subjekt ein Prädikat notwendig ausgeschlossen ist.
+Das gilt von allen Prädikaten, die das kontradiktorische Gegenteil
+des Subjekts ausdrücken. Es gilt ferner von allen Dingen &ndash; das
+Wort im engern Sinne genommen &ndash; unter einander.
+Da sie ein Eigensein haben und einander gegenüber selbständig
+sind, können sie nicht von einander ausgesagt werden. Bei
+vielen Prädikaten macht sich in ihrem Verhältnis zu einander
+diese Unverträglichkeit geltend, die nur die Kehrseite der Notwendigkeit
+ist. Sie können nicht zugleich von demselben Subjekt
+ausgesagt werden; so: Bejahen und Verneinen desselben
+Gegenstands, Wollen und Widerstreben in Bezug auf denselben
+Gegenstand, die sogenannten konträren Gegensätze arm und
+reich, jung und alt, gross und klein, schwarz und weiss usw.
+Dass wir diese Prädikate als unverträglich miteinander oder
+mit dem Subjekt erkennen, hat seinen Grund natürlich lediglich
+in dem Einleuchten der Unverträglichkeit, nicht in der mit
+ihr gegebenen Denknotwendigkeit, sodass also auch hier Denknotwendigkeit
+und Einsicht als etwas ganz Verschiedenes erscheint.
+</p>
+
+<p>
+Es fragt sich, ob nicht eine Denknotwendigkeit in dem
+Einheitsgesetz und dem Gesetz der Kausalität vorliegt, und
+weiterhin, ob nicht diese Denknotwendigkeit mit der Einsicht
+als ein und dasselbe gesetzt werden muss. Zunächst ist einleuchtend,
+dass es sich für uns nicht darum handeln kann, zu
+entscheiden, ob zwischen dem Denkenden und dem System der
+Wahrheit, zwischen dem den Anfang irgendwie Ermöglichenden
+und dem Anfangenden ein Notwendigkeitszusammenhang besteht,
+sondern lediglich darum, ob er von dem Einheits- und
+Kausalitätsgesetz gefordert wird und in diesen Gesetzen zum
+Ausdrucke kommt. Beides wird nun geleugnet werden müssen.
+In dem Einheitsgesetz (das System der Wahrheit setzt einen
+Denkenden voraus, der alle Wahrheit erkennt) und in dem Gesetz
+der Kausalität (das Anfangende setzt ein anderes schon Bestehendes
+voraus, das seinen Anfang ermöglicht) ist von
+einem Notwendigkeitsverhältnis zwischen dem Denkenden und
+dem System der Wahrheit, zwischen dem den Anfang
+Ermöglichenden und dem Anfangenden in keiner Weise die
+Rede; ein solches Notwendigkeitsverhältnis wird darum auch
+<pb n="43"/><anchor id="Pg43"/>
+von diesen Gesetzen nicht gefordert. Nur insofern kommt auch
+in diesen Gesetzen ein Notwendigkeitsverhältnis zum Ausdruck,
+als das System der Wahrheit notwendig einen Erkennenden,
+und das Anfangende notwendig einen Ermöglichungsgrund
+voraussetzt. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dieses Notwendigkeitsverhältnis
+als eine Denknotwendigkeit zu bezeichnen;
+aber wiederum gilt, dass diese Denknotwendigkeit nicht
+der Grund unsrer Einsicht in die Wahrheit dieser Gesetze ist,
+dass vielmehr dieser Grund, wie überall so auch hier, nur das Einleuchten
+der Zusammengehörigkeit sein kann. Auch hier sind also
+Denknotwendigkeit und Einsicht ganz und gar verschieden.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Achtzehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Einsicht und Wille.
+</p>
+
+<p>
+Da mit der Einsicht keinerlei Zwang oder innere Nötigung
+für uns verbunden ist, so sind wir im Stande uns derselben
+zu entziehen, wenn sie unsren Neigungen nicht entspricht, wie
+viele Erfahrungen unseres Lebens uns bestätigen. Das Widerstreben
+gegen die erkannte Wahrheit ist eine leider nur zu
+häufig vorkommende Thatsache. Wir können unsren Blick
+von dem Sichaufdrängen und Einleuchten der Zusammengehörigkeit
+ablenken und auf etwas andres richten, uns dadurch
+die eintretende Einsicht aus dem Sinne schlagen, in den Hintergrund
+drängen, verdunkeln und sogar ganz beseitigen, um uns
+einem entgegengesetzten, blinden Dafürhalten, das unsren
+Neigungen besser entspricht, hinzugeben. Aber auch wenn
+dies nicht der Fall ist, bleibt die Einsicht und das ihr folgende
+Urteil oft ein blosser Verstandesakt, selbst vorausgesetzt, dass
+entgegengesetzte Interessen vorhanden sind aber keinen Einfluss
+ausüben, weil der Wille nicht widerstrebt. Ganz verschieden
+von diesen Verstandesakten ist die Liebe zur Wahrheit,
+die sich in der Hingabe und Unterwerfung des Willens
+unter die Wahrheit und in dem Ergriffen- und Unterjochtwerden
+des Gemütes von der Wahrheit kundthut und der Vertiefung
+in die Wahrheit, insbesondere in ihren überzeitlichen Charakter,
+zu folgen pflegt. Es ist klar, dass die Wahrheitserkenntnis
+erst durch diese Mitbeteiligung des Willens und Gemüts eine
+Bedeutung für unser inneres Leben erhält. Die Anerkennung
+<pb n="44"/><anchor id="Pg44"/>
+der erkannten Wahrheit, das Festhalten an ihr trotz entgegengesetzter
+Neigung ist eine strenge sittliche Pflicht, ja die höchste
+sittliche Pflicht, denn alles Unsittliche hat seine letzte Wurzel
+und Quelle in dem Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit,
+was schon in dem blossen Sichabwenden und Unbeachtetlassen
+der eben aufleuchtenden Einsicht sich kundgiebt. Die
+erkannte Wahrheit ist ein sittliches Gut, nicht ein Gut des
+egoistischen Willens sondern ein Gut des Gemeinschaftswillens;
+ja sie ist das Gut der Güter, das höchste Gut, denn
+alle andren Güter erhalten nur durch sie ihren Wert. Die
+Wahrheitsliebe ist Pflicht jedes Menschen, die glühende Liebe
+zur Wahrheit ist die Tugend des wissenschaftlichen Forschers.
+Das Wort Kants vom guten Willen gilt im höchsten Sinne
+von der Wahrheit: Das einzige, was nicht bloss in der Welt
+der wollenden Wesen, wie der gute Wille, sondern überhaupt
+um seiner selbst willen gut ist, ist die Wahrheit, denn alles
+andere ist nur gut durch sie. Das gilt von allen Wahrheiten.
+Einer besondren Beachtung bedürfen die sittlichen und religiösen
+Wahrheiten, die Wahrheiten, welche, allgemeiner gesprochen,
+unser praktisches Verhalten und unsre persönlichen Beziehungen
+regeln. Sie müssen natürlich den Willen in ganz andrer Weise
+beeinflussen und das Gemüt in Anspruch nehmen und doch
+bleiben gerade sie häufig lediglich blosse Kopfwahrheiten. Die
+mit ihnen verbundene Einsicht ist natürlich auch ein Verstandesakt.
+Sitte und Gewohnheit bringen es mit sich, dass
+man ihnen die Anerkennung im Denken und Reden nicht versagt.
+Diese Anerkennung wird als etwas Selbstverständliches
+betrachtet. Aber sie ist auch lediglich eine Anerkennung des
+Verstandes, die diesen Wahrheiten in gedankenloser Weise
+entgegengebracht wird, ohne dass der Wille und das Herz
+davon irgendwie berührt werden, selbst wenn das Leben des
+Anerkennenden den Wahrheiten durchaus widerspricht. Der
+Widerspruch zwischen den Gewohnheiten des Lebens, wie sie
+im Handeln sich kundgeben und zwischen der ebenfalls im
+Denken und Reden zur Gewohnheit gewordenen Anerkennung
+kommt gar nicht mehr zum Bewusstsein. Die Gewohnheit auf
+beiden Seiten lässt eine Reflexion gar nicht aufkommen und
+alles als selbstverständlich erscheinen. Das ist die Lage der
+<pb n="45"/><anchor id="Pg45"/>
+meisten Menschen, die im Reden und Denken an der ihnen
+anerzogenen Moral und Religion festhalten, obgleich die Grundsätze
+dieser Moral und Religion auf ihre Gesinnung, ihr Leben
+und Handeln gar keinen Einfluss ausüben. Ihre Moral und
+Religion ist lediglich zur Kopfwahrheit geworden. Wie oft
+werden Grundsätze im Denken und Reden als selbstverständlich
+anerkannt und doch im Leben und Handeln ohne weiteres, wir
+müssen sagen gedankenlos, unbewusst, mit Füssen getreten.
+Wer verurteilt in seinem Denken und Reden nicht den Egoismus,
+und wer zieht das zuerst deutlich, dann immer weniger deutlich,
+zuletzt gar nicht mehr als minderwertig erkannte eigene Ich
+nicht dem fremden vor?
+</p>
+</div>
+</div>
+
+<div>
+<head rend="body-abschnitt">
+Vierter Abschnitt. <lb /><lb />
+Umfang unsres Wissens.
+</head>
+
+<div><head rend="body-subhead">
+Neunzehnte Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Schranken unsres Erkennens.
+</p>
+
+<p>
+Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Gegenstand und
+das Ziel des Erkennens nichts andres sein kann als die Wahrheit
+in ihrem überzeitlichen Charakter, der allein ihre Allgemeingültigkeit
+für alle Denkenden verbürgt. Aber es fragt
+sich, ob die thatsächliche Beschaffenheit der Erkenntnisvorgänge
+dieser Aufgabe in jeder Hinsicht angemessen ist und gerecht
+wird. Um diese Frage zu beantworten, gehen wir von der
+seit Aristoteles und dem Neuplatoniker Porphyrius üblichen
+Unterscheidung zwischen den Prädikabilien und Prädikamenten
+oder Kategorien aus. Unter Prädikabilien verstehen wir
+höchste Aussagen über Begriffe, unter Prädikamenten oder
+Kategorien höchste Aussagen über das Seiende. Man zählt
+nach Porphyrius fünf Prädikabilien: Gattung, Art, Differenz,
+das Notwendige (Proprietät), das Zufällige (Accidenz), die
+wesentlichen Merkmale, welche in Gattung, Art und Differenz
+vorhanden sind, von den ausserwesentlichen notwendigen oder
+zufälligen unterscheidend; ferner nach Aristoteles zehn Kategorien:
+Substanz, Eigenschaften, Grösse, Beziehung, Ort, Zeitpunkt,
+Lage, Thun, Leiden, Zustand.
+</p>
+
+<p>
+Die notwendigen Merkmale oder Proprietäten sollen also
+etwas anderes als die Eigenschaften sein. Die Eigenschaft
+<pb n="46"/><anchor id="Pg46"/>
+kann sowohl Proprietät als Accidenz sein, sie kann dem Ding
+sowohl notwendig als zufällig zukommen. Z.&nbsp;B. ist die weisse
+Farbe und das Kranksein eine Eigenschaft gewisser Menschen,
+aber doch nur ein Accidenz. Es gehört zum Wesen der Eigenschaft,
+dass sie nicht ohne ein Selbständiges sein kann, dessen
+Eigenschaft sie ist, dass sie ein Selbständiges notwendig voraussetzt:
+aber darum ist sie noch nicht notwendig für dieses
+Selbständige. Das gilt nur von der Proprietät. So setzt auch
+das Anfangende einen Ermöglichungsgrund notwendig voraus,
+geht aber darum noch keineswegs aus diesem Ermöglichungsgrund
+notwendig hervor oder ist mit ihm notwendig verbunden.
+Die Proprietät gehört, wie das Accidenz, zum Ausserwesentlichen;
+die Eigenschaft kann sowohl zum Wesentlichen als
+Ausserwesentlichen gehören. Man sieht, die Unterscheidung
+von Proprietät und Eigenschaft lässt sich zur Not aufrecht erhalten
+und durchführen. Aber warum sollen die Proprietäten,
+warum soll überhaupt das Ausserwesentliche nur eine Aussage
+über Begriffe enthalten? Gehört das Ausserwesentliche nicht
+auch zum Seienden? Gattung und Art sind <corr sic="oftenbar">offenbar</corr> Prädikabilien,
+wenn man sie einfach nach dem Verhältnis des Allgemeinen
+und Besondern ins Auge fasst. Aber die Alten haben
+mit Recht Gattung und Art nicht bloss nach diesem Verhältnis
+bestimmt, sondern für beide nur die wesentlichen Merkmale in
+Anspruch genommen und die ausserwesentlichen auf Proprietät
+und Accidenz verteilt. Ist aber nun das Wesentliche und
+weiterhin das Wesen ein blosses Prädikabile? und nicht vielmehr
+eine Kategorie? Ja, die Kategorie der Kategorien? Das
+Seiende ist doch eben nur ein Seiendes dadurch, dass es ein
+Wesen, eine Wahrheit hat.
+</p>
+
+<p>
+Verschiedenheit und Gleichheit sind sicher unmittelbar
+nur Aussagen über unsre Begriffe, keine Kategorien, ebensowenig
+das Nichtseiende, die Negation des einen vom andern;
+Mensch als Nicht-Pflanze z.&nbsp;B. Demnach kann auch die Zahl
+keine Kategorie sein; sie ist der Gattung verwandt und wie diese
+Zusammenfassung niederer Einheiten zu einer höheren Einheit;
+nur dass bei der Gattung in dieser höheren Einheit die niedern
+für das Bewusstsein verschwinden, während sie bei der Zahl
+im Bewusstsein festgehalten werden. Aber wie steht es mit
+<pb n="47"/><anchor id="Pg47"/>
+der Einheit im höchsten Sinne? Ist sie auch keine Kategorie?
+Sicher ist sie eine Kategorie. Nur dadurch, dass das Seiende
+ein Teil der Einen Wahrheit ist und an ihr teilnimmt, ist es
+ein Seiendes; die Einheit wie das Wesen, wie die Wahrheit
+selbst ist in der That die höchste Kategorie; sie ist von Wahrheit
+und Wesen nicht zu trennen, so wenig wie das Wesen
+von der Wahrheit und die Wahrheit vom Seienden.
+</p>
+
+<p>
+Es mag angemessen sein, das für ein Ding Notwendige
+und das ihm Zufällige zu unterscheiden; aber wichtiger ist die
+Frage, ob etwas darum, weil es zufällig ist, weniger zum
+Seienden gehört. Zufällig ist dem Menschen das Kranksein,
+das Krüppelhaftsein, wohl auch die Farbe, die schwarze, gelbe,
+rote Haut; aber sind diese Eigenschaften darum weniger seiend,
+weil sie zufällig sind? Was hat es mit dem Zufälligen überhaupt
+in Hinsicht des Seins auf sich? Fragen wir endlich, ist
+die Wirklichkeit eine Kategorie? Auch die nichtseinsollende
+Wirklichkeit? Sicherlich wird man diese Frage bejahen müssen!
+Wir kommen auf den ersten Teil derselben zurück. Wie steht
+es mit der Negation, die als Negation des Nichtzugehörigen,
+Nichtenthaltenen für den Fortschritt unsres Erkennens von so
+grosser Wichtigkeit ist? Hat sie eine reale Bedeutung? Wenn
+man sagt, das eine ist bloss nichtseiend mit Bezug auf das
+andere, nicht aber an sich, so vergisst man, dass das Nichtsein
+des andern die Beschränktheit, die Endlichkeit des einen,
+gleichsam das im einen selbst vorhandene Nichtsein voraussetzt.
+Was hat es mit diesem anscheinend seienden Nichtsein
+auf sich?
+</p>
+
+<p>
+Wie die Prädikabilien von dem Gedanken des Enthaltenseins,
+von dem Verhältnis des Allgemeinen zum Besondren beherrscht
+sind, so tritt für die Tafel der Kategorien die sinnliche,
+sinnfällige Wirklichkeit (Substanz, Grösse, Ort, Lage) in den
+Vordergrund. Das entspricht in gewisser Hinsicht der thatsächlichen
+Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge, aber in
+keiner Weise dem Zwecke derselben. Je mehr wir uns von
+der sinnfälligen Wirklichkeit entfernen, desto inhaltleerer wird
+anscheinend unser Denken. Wir haben immer weniger Anlass,
+mit der Negation zu unterscheiden und zu trennen. Das Verhältnis
+des Enthaltenseins tritt in den Vordergrund, das Denken
+<pb n="48"/><anchor id="Pg48"/>
+ist sozusagen in dasselbe eingespannt, die Einheit wird zur
+Einerleiheit, das Wesen zum inhaltsleeren Allgemeinen; selbst
+die Wahrheit kommt auf das Enthaltensein zurück (immanenter
+Wahrheitsbegriff). Und doch hat das Verhältnis des Enthaltenseins
+für unser Erkennen nur eine untergeordnete Bedeutung.
+Die sogenannte sinnfällige Wirklichkeit kann, wie wir noch
+sehen werden, nur die Bedeutung eines Erkenntnismittels haben,
+das wohl die Richtung des Erkennens, aber nicht sein Ziel
+bestimmt. In dieser thatsächlichen Beschaffenheit unsrer Erkenntnisvorgänge
+liegt offenbar eine Schranke für das seinem
+Ziele zustrebende Erkennen.
+</p>
+
+<p>
+Als weitere Schranken unsres Erkennens lehrt eine eingehende
+Betrachtung die Kategorien des Raumes, der Zeit, der
+Substanz und Kausalität kennen, die in unsrem Erkennen die
+grösste Rolle spielen. Vergleichen wir das System der Wahrheit,
+wie es unsrem Erkennen gegeben wird oder entgegentritt,
+einem Gebäude, in dem wir das Gerüste oder Fachwerk von
+der ausfüllenden Masse, einem Gewebe, in dem wir die Kette
+von dem Einschlag unterscheiden, so können Raum, Zeit,
+Substanz und Kausalität als das Gerüste oder Fachwerk für
+das Gebäude der Wahrheit oder als die Kette für das Gewebe,
+das sie bildet, bezeichnet werden.
+</p>
+
+<p>
+Die Kategorien Raum und Zeit setzen die Sinnenbilder
+der Ausdehnung und Bewegung voraus, gehen aber weit über
+diese Sinnenbilder hinaus; sie bestehen in einer begrifflichen
+Bearbeitung derselben, die nicht etwa bloss das in ihnen Enthaltene
+wiedergiebt, sondern auch das für das Denken ihnen
+Zugehörige hinzufügt. Aber in dieser begrifflichen Bearbeitung
+steckt ebenso wie in den entsprechenden Sinnenbildern ein
+irrationales oder dem Denken inkommensurables Element. Es
+ist für Ausdehnung und Raum die Berührung der Teile,
+welche das den beiden wesentliche Nebeneinander ausschliesst;
+es ist für Bewegung und Zeit der Übergang, der das der Bewegung
+und Zeit wesentliche Nacheinander ausschliesst.
+Zwischen zwei nebeneinander liegenden Orten giebt es keinen
+dritten, beiden gemeinsamen; zwischen zwei auf einander
+folgenden Zeitpunkten keinen dritten, beiden gemeinsamen.
+Und doch setzt das die Berührung und der Übergang voraus,
+<pb n="49"/><anchor id="Pg49"/>
+wenn wir mit dem Denken zu erfassen suchen, was sie besagen.
+Die Kategorien der Substanz und Kausalität verlangen, dass dem
+Sinnenbild des Ausgedehnten und Bewegten der der innern
+Erfahrung entstammende Willensimpuls in associativer Weise
+unterlegt wird. Dadurch entstehen aus dem Ausgedehnten
+die den Raum ausfüllenden und damit Widerstand entgegensetzenden
+Dinge &ndash; neue, umfassendere Sinnenbilder, deren
+begriffliche Bearbeitung die Begriffe der Substanz und Kausalität
+ergiebt. Auch diese enthalten das irrationale, dem Denken
+inkommensurable Element in verstärktem, verdoppeltem Masse.
+Die Berührung wird für die Substanz zur Quelle des Nebeneinander,
+trotzdem sie eigentlich das Nebeneinander ausschliesst.
+Der Übergang wird für die Kausalität zur Quelle des Nacheinander,
+trotzdem der Übergang das Nacheinander ausschliesst.
+</p>
+
+<p>
+Natürlich sind die Begriffe von Raum und Zeit, von
+Substanz und Kausalität nicht etwa bloss umgeformte Sinnenbilder
+oder sinnliche Empfindungen, sie sind das Erzeugnis einer
+begrifflichen Bearbeitung und gehen insofern weit über das
+sinnliche Gebiet hinaus; aber in ihnen bleibt ein aus
+der Empfindung stammendes, für das Denken nicht aufzuhellendes,
+undurchsichtiges Element. Trotzdem schon in den
+Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und mehr noch in
+den umfassenderen Sinnenbildern, die aus ihnen durch associative
+Verknüpfung mit dem Willensimpuls entstehen, am meisten
+aber in der begrifflichen Bearbeitung dieser Sinnenbilder der
+synthetische Charakter unsres Erkennens zum Ausdrucke kommt,
+kann doch in allen unsren Erkenntnissen, in denen diese Sinnenbilder
+und die aus ihnen durch begriffliche Bearbeitung gewonnenen
+Kategorien der Zeit, des Raumes, der Substanz und
+Kausalität eine Rolle spielen, von einem Einleuchten des
+Zusammengehörigen und von einer Einsicht in dasselbe keine
+Rede sein; ausser insofern wir von dem in den Sinnenbildern
+enthaltenen und in diesen Kategorien wiederkehrenden irrationalen
+Element absehen. Sehen wir von diesem irrationalen
+Element ab, so bleibt uns eine blosse Mannigfaltigkeit in Raum
+und Zeit übrig, über die wir, was das Verhältnis und die
+Zusammenordnung der Teile angeht, einleuchtende und einsichtige
+Urteile zu fällen im Stande sind.
+</p>
+
+
+<pb n="50"/><anchor id="Pg50"/>
+
+<p>
+In den Gesetzen des Erkennens und Denkens, die wir
+als einleuchtend und einsichtig betrachten, haben wir von den
+Vorstellungen Substanz und Kausalität natürlich keinen Gebrauch
+machen können. Das Gesetz der Übereinstimmung spricht von
+Dingen, aber in ganz allgemeinem Sinne, wonach Eigenschaften,
+Vorgänge, Beziehungen auch als Dinge gelten können; nicht aber
+im Sinne der Substanzvorstellung. Im Gesetze der Kausalität
+haben wir nur von der Ermöglichung des Anfangs reden können,
+nicht von der Kausalität im Sinne der Ursachvorstellung als
+hervorbringender Ursache. Dass etwas in einem bestimmten
+Zeitpunkte anfängt, hat für uns keine grössere Schwierigkeit
+zu denken, als dass es in einem bestimmten Zeitpunkte oder an
+einem bestimmten Orte vorhanden ist. Man könnte in dem
+Einheitsgesetze unsres Erkennens den Einen Erkennenden als
+Träger und Erzeuger des überzeitlichen, natürlich auch überräumlichen
+Systemes aller Wahrheit auffassen; aber es ist einleuchtend,
+dass das Wort Träger in diesem Falle nicht im
+Sinne der Substanzvorstellung und das Wort Erzeuger nicht
+im Sinne der Ursachvorstellung gedacht wird.
+</p>
+
+<p>
+Raum und Zeit bieten der Erkenntnis freilich noch eine
+andere Schwierigkeit. Sie verhalten sich völlig gleichgültig
+gegen den Inhalt, passen sich jedem Inhalte an, vermehren den
+Inhalt in keiner Weise und bilden insofern einen Gegensatz zu
+Substanz und Kausalität. Man kann sie deshalb als Formalkategorien,
+Substanz und Kausalität im Gegensatz zu ihnen als
+Realkategorien bezeichnen. Die Frage nach der Bedeutung
+von Raum und Zeit für den Inhalt ist darum eine unabweisliche,
+um so mehr, da nur durch sie die Individualisierung der Dinge
+und Vorgänge möglich ist. Sie sind die Prinzipien der Individuation,
+durch die allein für unser Denken die Dinge aus
+der Sphäre der unbestimmten und darum bloss gedanklichen
+Allgemeinheit herausgehoben und zu Wirklichkeiten gestempelt
+werden, die nur Einzelwirklichkeiten sein können. Was haben
+Raum und Zeit im Reiche der Wahrheit für eine Bedeutung,
+wie unterscheiden sich Wahrheit und Wirklichkeit? das ist die
+für das Erkennen schwierige, vielleicht unlösbare, jedenfalls
+noch nicht gelöste Frage. Sagen wir, das Wahre ist wirklich,
+insofern es vom göttlichen Wesen nicht bloss gedacht sondern
+<pb n="51"/><anchor id="Pg51"/>
+auch gewollt wird, Raum und Substanz sind der symbolische
+Ausdruck für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge ihm
+gegenüber, Zeit und Kausalität der symbolische Ausdruck für
+die völlige Abhängigkeit der Dinge von ihm, so sind das
+jedenfalls viel zu allgemeine Antworten, um als genügend
+gelten zu können, obgleich sie eine ganze Weltanschauung
+und vielleicht die einzig mögliche enthalten. Natürlich muss
+das Weltwirkliche sich in völliger Abhängigkeit von Gott
+befinden. Der Willensakt, dem es seinen Ursprung verdankt,
+kann ihm nur eine scheinbare, keine wirkliche Selbständigkeit
+verleihen. Wo gäbe es in der Welt auch etwas wirklich völlig
+Selbständiges? Es giebt kein gottfremdes, ihm nicht gehörendes
+Sein &ndash; ein solches würde ja eine Schranke für Gott, ein zweiter
+Gott sein. Unter dieser Voraussetzung ist jener göttliche Wille
+nur als Selbstentsagung, Selbstentäusserung, Selbstverzicht Gottes
+zu denken, durch welche den Dingen der Welt eine Selbständigkeit
+geliehen wird, die ihnen eigentlich nicht zukommt. Diese
+geliehene Selbständigkeit kommt in Raum und Substanz, hingegen
+die wirkliche Unselbständigkeit, die unbeschadet jener
+besteht, in Zeit und Kausalität zum Ausdruck. Hiernach ist
+die Wirklichkeit nicht wie Raum und Zeit eine Formalkategorie,
+was man wegen des Zusammenhangs der Entstehung unserer
+Erkenntnis der Wirklichkeit mit den Kategorien von Raum
+und Zeit erwarten sollte. Sie beruht auf dem wirklichen Akte
+der Selbstentsagung und Selbstentäusserung Gottes, dessen
+Ergebnis, die geliehene Selbständigkeit, nicht als etwas bloss
+Scheinbares betrachtet werden kann. Die auf ihren Wirklichkeitssinn
+pochenden Philosophen der Gegenwart werden diese
+Gedanken für übersteigend oder gar verstiegen halten, das ist
+ebenso leicht als überflüssig. Wünschenswert wäre, dass sie
+endlich erklärten, worin denn nach ihrer Meinung die Wirklichkeit
+im Unterschied von der Wahrheit bestehe und ob Raum
+und Zeit bloss für das Zustandekommen unserer Erkenntnis
+der Wirklichkeit oder auch für diese selbst eine Bedeutung
+haben.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Zwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Die Erkenntnis der Aussenwelt.
+</p>
+
+<p>
+Wenn wir die Entstehung und Zusammensetzung unsrer
+<pb n="52"/><anchor id="Pg52"/>
+Vorstellungen der Weltdinge und ihrer Ordnung in Raum und
+Zeit ins Auge fassen, wie sie nach dem gesicherten Ergebnis
+der Psychologie notwendig gedacht werden muss, so können
+wir keinen Augenblick darüber zweifeln, dass wir von der
+Beschaffenheit dieser Dinge keine Erkenntnis haben. Die
+Annahme, dass die Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen,
+beruht offenbar auf einer bloss vermeintlichen, durch die Psychologie
+völlig beseitigten Einsicht. Für den Kenner der
+Psychologie ist die Frage, ob die Dinge so sind, wie wir sie
+sehen, einfach ungereimt. Jeder hat sein besonderes, eigenes
+Gesichtsbild von den Dingen, und dieses besteht aus den Gesichtsempfindungen
+und den mit ihnen associierten Tastempfindungen:
+seine Stelle im Raum wird bestimmt durch die
+für das Zustandekommen dieser Tastempfindungen erforderlichen
+Muskelempfindungen der Arm- und Beinexkursionen. Zu einem
+uns gegenüberstehenden sogenannten Gegenstande wird das
+Ding durch die von unsren Bewegungen hergenommene und
+dem bewegten Gesichtsbilde zu Grunde gelegte Willensenergie,
+die allmählich verblasst und als Restbestand das den Raum ausfüllende
+und Widerstand entgegensetzende Ding übrig lässt.
+Wenn wir die Dinge so wahrnehmen sollen, wie sie sind, dann
+muss diese ihre Beschaffenheit in blossen Empfindungen bestehen,
+und die Dinge können nichts als Vorstellungen sein.
+Allein niemand versteht unter den Dingen blosse Komplexe
+von Empfindungen oder Vorstellungen, auch nicht fortdauernde
+(unter gleichen Umständen immer wiederkehrende) Möglichkeiten
+von Empfindungen; ganz abgesehen davon, dass diese
+Möglichkeiten als reale Möglichkeiten gedacht werden müssen
+und so einen Ermöglichungsgrund der Empfindungen voraussetzen.
+Alle denken unter den Dingen etwas von den
+Empfindungen und Vorstellungen Verschiedenes.
+</p>
+
+<p>
+Müssen wir also auf die Erkenntnis der Beschaffenheit
+der Dinge verzichten, so fragt sich, ob wir nicht wenigstens
+die Existenz von Dingen, die uns unter der Hülle von Empfindungen
+bewusst werden, erkennen können. Davon nun,
+dass von uns verschiedene, durch die Empfindungen und Vorstellungen
+uns gegebene und unsrem Bewusstsein gegenwärtige
+Dinge existieren, davon haben wir eine unmittelbare Einsicht.
+<pb n="53"/><anchor id="Pg53"/>
+Die Zusammengehörigkeit dieser Empfindungen und Vorstellungen
+mit einem von uns verschiedenen Sein oder Etwas
+leuchtet uns unmittelbar ein. Die Einsicht davon lässt sich
+nicht wegdisputieren; sie bleibt bestehen, auch wenn die anfängliche
+Einsicht, dass wir die Beschaffenheit der Dinge erkennen,
+beseitigt oder als eine bloss vermeintliche Einsicht erkannt
+ist.
+</p>
+
+<p>
+Es ist wichtig zu beachten, dass die Einsicht eine unmittelbare
+ist und die Zusammengehörigkeit uns unmittelbar
+einleuchtet. Sie ist nicht vermittelt durch die Einsicht, die wir
+vom Gesetz der Kausalität haben. Wir schliessen nicht daraus,
+dass die Empfindungen ohne unser Zuthun in uns entstehen,
+auf etwas von uns Verschiedenes, das ihren Anfang ermöglicht.
+Gegen diesen Schluss ist mit Recht eingewendet worden, dass
+die Empfindungen möglicherweise aus uns entstehen könnten,
+ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen
+der Aussenwelt, sofern es sich um ihre Existenz handelt, ist
+eine streng unmittelbare; von dem Bewusstsein einer Ursache,
+eines Anfangs und einer Ermöglichung des Anfangs ist in ihr
+nichts zu entdecken, wie das schon oft hervorgehoben worden
+ist. Für die Nichtexistenz der Dinge in dem Sinne, in dem
+wir sie verstehen, ist eine unmittelbare Evidenz nie in Anspruch
+genommen worden, kann auch, so viel ich sehe, in Zukunft
+nicht in Anspruch genommen werden. Sie sind natürlich verschieden
+von den Empfindungskomplexen, den Willensdingen,
+von ihrer Substanz und Kausalität, deren Entstehung und Zusammensetzung
+uns die Psychologie mit durchsichtiger Klarheit
+kennen lehrt. Sie können Gedanken sein und sind nach unsrer
+Auffassung Gedanken Gottes, oder wenn man lieber will, des
+Bewusstseins überhaupt (Berkeley, Rehmke), also nicht Gedanken
+unsres oder meines individuellen Bewusstseins. Sie sind
+nicht Dinge an sich, die wir erkennen, wie sie unerkannterweise
+sind, sondern ein von Ewigkeit und vor uns Gedachtes,
+und unsre Erkenntnis derselben ist nur ein Nachdenken eines
+Vorhergedachten. Giebt es keine unmittelbare Evidenz der
+Nichtexistenz der Dinge in diesem Sinne, so ist der seltene
+Fall, wo sich Evidenz und Evidenz wie Ja und Nein gegenüber
+stehen, also ausgeschlossen, der einzige Fall, in dem wir
+<pb n="54"/><anchor id="Pg54"/>
+uns auf eine Evidenz nicht berufen könnten. Für die Nichtexistenz
+von Dingen in unsrem Sinne scheint auch kein Beweis
+geführt werden zu können. Positivisten wie Stuart
+Mill, welche sich auf die fortdauernde Möglichkeit der Empfindungen,
+aus denen sich das Vorstellungsbild der Dinge
+ergiebt, zurückziehen, müssen diese Möglichkeit als reale fassen
+und bedürfen daher für sie eines Ermöglichungsgrundes, den
+sie nur in den Dingen in unsrem Sinne finden können. Idealisten
+wie Berkeley, Rehmke können gegen die Annahme von
+Dingen als Gedanken Gottes oder des Bewusstseins überhaupt
+von ihrem Standpunkte aus keinen Beweis zu erbringen versuchen.
+</p>
+
+<p>
+Hingegen können wir unsere Annahme von solchen
+Dingen, die wir durch unmittelbare Einsicht gewinnen, auch
+noch durch einen Beweis stützen. Seit Cartesius ist in der
+Philosophie die abstrakte Trennung von Leib und Seele, von
+Körperwelt und Bewusstsein, die von ihm aus bloss methodischen
+Gründen eingeführt wurde, zu einer gewohnheitsmässigen Annahme
+geworden, über deren Recht oder Unrecht kaum noch
+reflektiert wird. Aristoteles und den mittelalterlichen Philosophen
+war diese Annahme völlig fremd. Auch unsere Psychologie
+setzt die abstrakte Trennung von Leib und Seele als
+selbstverständlich voraus, sie geht darum von den Empfindungen
+als den Anfangszuständen des Bewusstseins aus und legt auf
+Grund derselben und im Anschluss an sie den reichen Inhalt
+des Bewusstseinslebens dar. Das bietet methodische Vorteile
+und ist insofern nicht zu verwerfen. Allein schon eine Definition
+der Empfindung ist unmöglich ohne Zuhilfenahme körperlicher
+Vorgänge, der Sinnesreize und Gehirnerregungen. Ausserdem
+wird niemand bestreiten, dass das Kind von Empfindungen
+als Bewusstseinsvorgängen noch nichts weiss. In unsrem entwickelten
+Bewusstseinsleben treten ferner die Empfindungen
+nie als Empfindungen, als Bewusstseinsvorgänge auf. Man hat
+deshalb gesagt, sie seien uns nicht als Empfindungen sondern
+als objektivierte Vorstellungen gegeben. Was heisst das?
+Werden Empfindungen je objektiviert und dadurch zu Vorstellungen?
+Die Theorie der Objektivation und Projektion ist
+veranlasst durch die Farben, die Empfindungen sind und doch von
+uns in der Ferne als den Dingen anhaftend gesehen werden.
+<pb n="55"/><anchor id="Pg55"/>
+Allein mit den Farbenempfindungen sind entsprechende Tastempfindungen
+associiert, die wir nur haben können, wenn wir
+den Gegenstand berühren. Es ist darum begreiflich, dass wir
+beim Sehen des Gegenstandes uns in Gedanken an seinen Ort
+versetzen und ihn nun unmittelbar, wie mit den Tastempfindungen
+so auch mit den Gesichtsempfindungen der Farben umkleiden
+(hierin liegt der Grund, wie bei der Erörterung über die Erinnerung
+deutlich werden wird, warum wir bei der äussern
+Wahrnehmung nicht leicht von einer Einsicht reden). Wir
+würden nicht von objektivierten oder gar projizierten Empfindungen
+als dem unmittelbar Gegebenen reden, sondern vorziehen
+zu sagen, dass uns die Empfindungen nicht als Empfindungen
+ursprünglich gegeben sind sondern als Erkenntnismittel.
+</p>
+
+<p>
+Auf einer gewissen Stufe des entwickelten Bewusstseins
+hören schon beim unmündigen Kinde die Empfindungen auf
+unverstandene Zustände zu sein. Es erhebt sich der auf das
+Wesen der Dinge und die Wahrheit gerichtete Blick des
+Geistes, durchdringt die sinnliche Hülle der Empfindungen, die
+in jedem andere und besondere sind, und erfasst das für alle
+Zeit und darum auch für alle Denkenden den Empfindungen
+irgend entsprechende, jedenfalls mit ihnen zusammengehörende
+Sein und Etwas, d.&nbsp;h. das für alle Zeit und für alle Denkenden
+gültige Wesen der Dinge in der unbestimmten Weise, wie es
+eben dem Begriffe des Seins und Etwas entspricht. Natürlich
+bleibt die Empfindung das Kleid, die Hülle dieses unbestimmten
+Seins und Etwas, der Stützpunkt, das Schwungbrett, um mit
+Platon zu reden, für diesen Blick des Geistes, das er nicht
+entbehren kann. Empfindungen als Bewusstseinsvorgänge sind
+Abstraktionen, als Erkenntnismittel für die Aussenwelt sind sie
+das ursprünglich Gegebene. Aber auch für die höchsten Begriffe
+können wir dieses Erkenntnismittel, wie Aristoteles zuerst
+sieht, nicht entbehren. Kein Begriff ohne Phantasiebild &ndash; dieser
+Satz stammt von ihm. Er will sagen: kein Begriff ohne
+wieder auflebende Empfindungen, die als Erkenntnismittel
+funktionieren. Dem Blick des Geistes, der das den Empfindungen
+entsprechende Sein findet oder entdeckt, folgt das Einleuchten
+der Zusammengehörigkeit und diesem die Einsicht in die Zusammengehörigkeit.
+<pb n="56"/><anchor id="Pg56"/>
+Aber nur von dem ganz unbestimmten
+Sein und Etwas der Dinge, das freilich für alle Zeit und für
+alle Denkenden gilt, giebt uns diese Einsicht Kunde, nicht von
+seiner Beschaffenheit. Etwas Näheres von seiner Beschaffenheit,
+freilich noch unbestimmt genug, erfahren wir nach dem Einheitsgesetz
+unsres Erkennens, nach dem alle Wahrheit und
+damit alles Wesen der Dinge Gedanke Gottes ist. Hiernach
+muss dann auch das mit den Empfindungen zusammengehörende
+Sein und Etwas als Gedanke Gottes gefasst werden. Davon
+haben wir dann eine mittelbare, eine durch das Einheitsgesetz
+vermittelte Erkenntnis.
+</p>
+
+<p>
+Wir gehen bei unsrer Beweisführung davon aus, dass
+nicht bloss unser Leib sondern auch die Körperwelt mit unsrem
+Bewusstsein eine Einheit bilden. Denn nur unter dieser Voraussetzung
+scheint eine unmittelbare Erkenntnis der Körperwelt
+aus den Empfindungen und durch sie, wenn auch nur ganz unbestimmt,
+als eines Etwas oder Seienden möglich zu sein. Aber besteht
+jene Annahme zu recht? Können wir wirklich nicht bloss von
+einer Einheit unsres Leibes, sondern auch der Körperwelt mit
+unsrem Bewusstsein reden? Zunächst unterscheidet das Kind
+seinen eigenen Leib noch nicht von fremden Körpern. Erst die
+Schmerzgefühle, welche mit den Angriffen auf den Leib verbunden
+sind, machen ihm klar, dass es sich mit dem eigenen Körper
+anders verhält als mit fremden Körpern. Dann steht doch
+auch der eigene Körper mit der ganzen Körperwelt in einer
+auf beständigem Austausch beruhenden Verbindung; sie bilden
+mit einander eine unauflösliche Einheit, in dem es kein Leeres
+und keine Sprünge giebt. (Horror vacui. Natura non facit saltus.)
+Natürlich leugnen wir nicht, dass das Verhältnis des Bewusstseins
+zu dem, was wir unsren Leib nennen, ein andres ist als
+zu den fremden Körpern. Aber erstens ist dies Verhältnis uns
+unbekannt; zweitens ist es nicht zu allen Teilen des eigenen
+Leibes das gleiche, scheint zu vielen Teilen desselben vielmehr
+kein engeres zu sein wie zu der übrigen Körperwelt; drittens
+endlich ist dieses Verhältnis, was die Erkenntnis des eigenen
+und der fremden Körper angeht, sicher das gleiche, und bloss
+in dieser Hinsicht kommt dieses Verhältnis für uns hier in
+Betracht.
+</p>
+
+
+<pb n="57"/><anchor id="Pg57"/>
+
+<p>
+Wir fragen endlich, wie weit denn unsre Einsicht bezüglich
+der Aussenwelt reicht? Wir antworten: genau so weit,
+als unsere wirkliche Erkenntnis; denn diese ist mit der Einsicht
+ein und dasselbe. Natürlich gehört Raum und Zeit, Substanz
+und Ursache, nicht minder aber auch Materie und Kraft, in
+denen die gleichen irrationalen, dem Denken inkommensurabeln,
+durch dasselbe nicht aufzuhellenden Elemente enthalten sind,
+bloss zu der Erscheinung der Welt in unsrem Bewusstsein. Abgesehen
+von den Urteilen über das in diesen Formen Verbundene
+giebt es keinerlei Einsicht von ihnen, was natürlich nicht
+hindert, dass wir von dem in diesen Formen Gegebenen,
+unter ihnen Erfassten eine Einsicht haben. Sehen wir aber
+von dieser Erscheinung der Aussenwelt in uns ab, so bleibt
+kaum etwas anderes übrig, als ein unbestimmtes Seiendes,
+das freilich im Gegensatz zu dieser Erscheinung objektiv für
+alle Zeit und für alle Denkenden gültig ist, und in diesem
+Sinne existiert. Giebt es eine Vielheit von Dingen in der
+Aussenwelt, die wir freilich nur nach den sinnfälligen Eigenschaften
+ihrer Erscheinung unterscheiden können? Wir werden
+behaupten müssen, dass wir davon eine einsichtige Erkenntnis
+haben, sofern es sich um die grossen Himmelskörper einschliesslich
+unsrer Erde und um die kleinen Menschen-, Tier- und
+Pflanzenkörper handelt, auch bezüglich der Atome der
+Physiker, bezüglich der Aggregatzustände Luft, Wasser, Erde,
+ferner der Berge, Flüsse, Thäler, Meere. Aber was diese
+vielen Dinge der Natur sind, die wir nur nach ihrer Erscheinung
+im Bewusstsein bestimmen und unterscheiden können, insbesondere,
+wodurch sie sich in Wirklichkeit unterscheiden, wissen
+wir nicht. Die Vielheit stellt sich uns ferner als eine gebrochene
+Einheit dar. Natürlich haben wir auch von den Ergebnissen
+der beschreibenden Naturwissenschaften, sofern sie wirklich
+wissenschaftliche Ergebnisse sind, einsichtige Erkenntnisse, bei
+denen freilich immer vorbehalten bleibt, was es mit den Körpern,
+von denen sie handeln, eigentlich auf sich hat, was sie abgesehen
+von ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein sein
+mögen. Das Gleiche gilt von den Ergebnissen der Chemie,
+Astronomie, Physik, Mechanik und zwar in um so höherem
+Grade, je weiter wir uns in diesen Wissenschaften von den
+<pb n="58"/><anchor id="Pg58"/>
+verwickelten Verhältnissen des Einzelwirklichen entfernen, jemehr
+wir von ihnen abstrahieren. Bis an die äusserste Grenze
+der Abstraktion gehen wir in der Geometrie und Arithmetik, und
+daher rührt die durchsichtige Klarheit der Sätze dieser Wissenschaften.
+Bei der Geometrie bleibt freilich noch der Raum
+und die Ausdehnung mit dem in ihnen enthaltenen irrationalen
+Elemente gleichsam als Hindernis einer vollkommen uneingeschränkten
+Einsicht bestehen, die wir erst für die Sätze der
+Arithmetik, bei der auch dieses Hindernis in Fortfall kommt,
+in Anspruch nehmen können.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Einundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Über die Erkenntnis des eigenen Bewusstseins.
+</p>
+
+<p>
+Die Erkenntnis der Aussenwelt ist, wie wir sehen, überall
+durch unüberschreitbare Schranken eingeengt. Wenn wir
+von der Existenz der Dinge und Vorgänge der Aussenwelt
+und ebenso der Beziehungen zwischen ihnen auch eine wirkliche,
+in der Einsicht bestehende Erkenntnis haben, so bleibt
+uns die nähere Beschaffenheit dieser Dinge und ebenso der
+Vorgänge doch verborgen. Wir können sie nur nach ihrer
+Erscheinung in unsrem Bewusstsein näher bestimmen, und
+diese mag für ihre Unterscheidung ausreichen, kann uns aber
+über ihre Beschaffenheit keine Belehrung geben. Der Aussenwelt
+steht die Innenwelt unsres Bewusstseins gegenüber.
+Können wir von dieser Einsichten, Erkenntnisse gewinnen,
+die umfassender und vertiefter sind, wie manchmal behauptet
+wird? Von einer Reihe von Forschern, die sich an Brentano
+anschliessen, wird angenommen, dass wir Einsichten überhaupt
+nur von den Gegenständen der innern Wahrnehmung, also
+von der eigenen Innenwelt haben können, nicht aber von den
+Gegenständen der äussern Wahrnehmung, also von der Aussenwelt,
+sofern sie Gegenstand der äussern Wahrnehmung ist.
+</p>
+
+<p>
+Jedenfalls ist jeder Bewusstseinsvorgang durch das Merkmal
+der Bewusstheit charakterisiert, das man als ein Wissen
+des Bewusstseinsvorganges um sich selbst bezeichnen kann.
+Jeder hat sich selbst zu seinem Inhalte. In diesem Sinne kann
+man sagen: jede Vorstellung stellt etwas vor, mag sie richtig
+sein oder nicht, und das ist der nicht von ihr verschiedene
+<pb n="59"/><anchor id="Pg59"/>
+Inhalt. Dieses Wissen des Bewusstseinsvorganges um sich
+selbst muss natürlich immer wahr sein: in ihm kann es keinen
+Irrtum, keine Falschheit geben. Aber es ist kein eigentliches
+Wissen, kein namentliches, vorstellungsmässiges, begriffliches
+Wissen. Wir gewinnen durch dasselbe noch keine Vorstellungen,
+Begriffe von den Bewusstseinsvorgängen. Dieses uneigentliche
+Wissen ist keine Einsicht, keine Erkenntnis. Aber wir können
+über die Bewusstseinsvorgänge reflektieren und diese Reflexion,
+selbst ein Bewusstseinsvorgang, ist von den Bewusstseinsvorgängen,
+die ihren Gegenstand bilden, verschieden. Durch die
+Reflexion nun gewinnen wir zweifellos nicht bloss von der
+Existenz sondern auch von der Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge
+eine Einsicht, eine Erkenntnis. Wir stehen ihnen
+nicht ratlos gegenüber wie den Dingen und Vorgängen der
+Natur oder müssen uns mit einer ganz unbestimmten Erkenntnis
+derselben begnügen. Wir wissen, was es mit ihnen auf sich
+hat, wodurch sie sich von einander unterscheiden auf Grund
+von Merkmalen, die wir in den Bewusstseinsvorgängen selbst
+finden. Allerdings sind alle unsere Vorstellungen, die
+wir von den Bewusstseinsvorgängen haben, aus dem
+sinnlichen Gebiete entlehnte, übertragene, ursprünglich also
+sinnliche und mit Bezug auf die Bewusstseinsvorgänge
+nur bildliche Vorstellungen. Wir bedürfen dieser Krücken der
+sinnlichen Vorstellungen bei jedem Schritte, den unser Denken
+thut und können ihrer nirgends entraten, auch nicht, wenn es
+sich um die Erkenntnis unserer Bewusstseinsvorgänge handelt.
+Aber wir wissen sehr wohl zwischen dem ursprünglichen und
+übertragenen Sinne dieser Vorstellungen, z.&nbsp;B. der Vorstellung
+Vorstellen, zu unterscheiden und geben ihnen unwillkürlich
+bei der Übertragung auf die Bewusstseinsvorgänge eine diesen
+entsprechende andere Bedeutung. Hier kommt das mit jedem
+Bewusstseinsvorgang verbundene, uneigentliche Wissen des
+Bewusstseinsvorgangs um sich selbst zur Geltung und verhindert
+eine Herabziehung der Bewusstseinsvorgänge in das
+sinnliche Gebiet. Die Empfindungen, insofern sie Erkenntnismittel
+der Aussenwelt sind und als solche immer unter Mitwirkung
+der Sinnesorgane, sei es der äussern, sei es bloss
+der innern, der Gehirnerregungen, funktionieren, gehören dem
+<pb n="60"/><anchor id="Pg60"/>
+sinnlichen Gebiete an, ja sie konstituieren dasselbe. Insofern wir
+aber bei der Reflexion über die Empfindungen von dieser ihrer
+körperlichen Seite absehen, bilden sie, wie alle Bewusstseinsvorgänge,
+einen Gegensatz wie zu allem Körperlichen, so auch zu allem
+Sinnlichen. Es ist unrichtig zu sagen, dass wir von den Bewusstseinsvorgängen
+nur Vorstellungen haben und nicht wissen,
+was diesen Vorstellungen eigentlich entspricht; von unsren
+gegenwärtigen Gefühlen, gegenwärtigen Wollungen und gar von
+unsren gegenwärtigen Vorstellungen sollen wir blosse Vorstellungen
+haben. Es leuchtet unmittelbar ein, dass diese Annahme
+falsch ist, abgesehen von den widersinnigen Konsequenzen, zu
+denen sie führt. Müssten wir ja dann auch von den Vorstellungen
+unsrer Bewusstseinsvorgänge nur Vorstellungen haben und von
+diesen Vorstellungen wieder nur Vorstellungen und so fort
+ohne Ende. Man könnte denken, die Übertragung der aus dem
+sinnlichen Gebiete entlehnten Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge
+könne nur in Urteilen geschehen. Allein diese Urteile
+setzen das Einleuchten der Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge
+mit den Vorstellungen und die Einsicht in
+diese Zusammengehörigkeit voraus, die Übertragung geht also,
+wie der Einsicht und dem Einleuchten, so auch dem Urteil
+voran, und wir werden sie dem Blick des Geistes zuschreiben
+müssen, dem wir die wesentlichen Merkmale verdanken.
+</p>
+
+<p>
+Man kann die Bewusstseinsvorgänge isolieren, wie wir
+das thun, wenn wir sie durch übertragene Vorstellungen näher
+bestimmen. Das ist ein abstraktes Verfahren, welches zu diesem
+Zwecke angewendet werden kann und in der Psychologie gute
+Dienste thut. Aber man darf nicht glauben, dass die Bewusstseinsvorgänge
+in Wirklichkeit auch isoliert von einander sind.
+Sie liegen nicht nebeneinander wie die Atome eines Körpers,
+haben vielmehr einen übergreifenden, die gleichzeitigen und
+sogar auch die vorangehenden Bewusstseinsvorgänge mit umfassenden
+Charakter. Ohne dieses Übergreifen ist das Zustandekommen
+des Sinnenbildes der Ausdehnung, in dem die gleichzeitigen
+Empfindungen, und des Sinnenbildes der Bewegung,
+in dem die aufeinanderfolgenden Empfindungen in bewusster
+Weise zusammenhängen oder einen bewussten Zusammenhang
+bilden, nicht zu erklären. Die den einzelnen Bewusstseinsvorgängen
+<pb n="61"/><anchor id="Pg61"/>
+eigentümliche Bewusstheit oder das Wissen um sich
+selbst greift hier auch auf die andern gleichzeitigen oder vorausgehenden
+und nachfolgenden Empfindungen hinüber. Das,
+was wir Einheit des Bewusstseins nennen, vermöge deren wir
+von <hi rend='italic'>unsrem</hi> Bewusstsein reden und dieses den fremden Bewusstseinen
+gegenüberstellen, hat hierin seinen Grund. Es ist
+zu beachten wichtig, dass wir nicht bloss eine wirkliche Einsicht
+und Erkenntnis von der Existenz und Beschaffenheit der Bewusstseinsvorgänge
+haben, sondern ebenso auch von ihrer Zugehörigkeit
+zu unsrem Bewusstsein, oder dass sie unsere
+Bewusstseinsvorgänge sind. Auch von dem besonderen Zusammenhange
+zwischen Vorstellungen und Gefühlen, Gefühlen
+und Wollungen, zwischen Überlegung, Entschluss, Vorsatz,
+Ausführung &ndash; mag uns die Art dieses Zusammenhangs auch
+dunkel bleiben &ndash; haben wir eine Einsicht, eine wirkliche Erkenntnis,
+also wenigstens davon, dass dieser Zusammenhang
+besteht. Wir wissen, was wir beabsichtigen, und wann wir
+ohne Absicht handeln und darum für den Erfolg unserer
+Handlungen entweder gar nicht oder nicht völlig verantwortlich
+sind, und dieses Wissen beruht auf einer Einsicht und Erkenntnis.
+Das Gefühl der Reue und der Verantwortung und
+ihr Gegenteil hat darin seinen Grund.
+</p>
+
+<p>
+Giebt es auf Einsicht beruhende Erinnerungen, sind Erinnerungen
+wirkliche Erkenntnisse? Zweifellos können sie das
+sein und sind es in Wirklichkeit oft genug. Eigentlich können
+wir uns nicht an Dinge und Vorgänge, sondern nur an unsere
+Wahrnehmung der Dinge und Vorgänge erinnern. Die Erinnerung
+ist ein Wissen der Zusammengehörigkeit eines vergangenen
+Bewusstseinsvorganges mit dem gegenwärtigen,
+daher seiner Zugehörigkeit zu unsrem Bewusstsein. Dass uns
+diese Eigentümlichkeit der Erinnerung bei der Erinnerung
+selbst weniger zum Bewusstsein kommt, hat seinen Grund
+darin, dass wir bei den Erinnerungen uns ganz in die Zeit
+des vergangenen Vorgangs versetzen und mit unsrem Denken
+nur bei ihm verweilen; ähnlich wie wir bei der Wahrnehmung
+uns an den Ort des Gegenstandes versetzen. Das
+ist auch der Grund, warum wir nicht leicht von einer Einsicht
+sprechen weder bei der Erinnerung noch bei der
+<pb n="62"/><anchor id="Pg62"/>
+Wahrnehmung. Die Einsicht setzt immer zwei Glieder voraus,
+deren Zusammengehörigkeit uns einleuchtet. Bei dieser
+Versetzung in die Zeit des erinnerten und an den Ort des
+wahrgenommenen Gegenstandes scheint aber immer nur ein
+Glied vorhanden zu sein. Kommen wir aber auf dem Wege
+der Reflexion dazu, die Erscheinung des Dinges in unsrem
+Bewusstsein von dem wahrgenommenen Dinge selbst oder den
+gegenwärtigen Erinnerungsakt von dem vergangenen erinnerten
+Bewusstseinsvorgang zu unterscheiden, so leuchtet uns die Zusammengehörigkeit
+beider ein, und wir begreifen, dass wir
+auch bei der Wahrnehmung und Erinnerung von einer
+Einsicht sprechen müssen. Sehen wir unter dieser Voraussetzung
+ab von der Bedeutung der Zeit, der Vergangenheit
+in ihrem Verhältnis zur Gegenwart, die wir nicht kennen,
+sehen wir ferner ab von Ausdehnung, Bewegung, Raum, Substanz,
+die nur die Erscheinung der Dinge und Vorgänge im Bewusstsein
+ausmachen können (falls bei der Erinnerung auch äussere Dinge
+und Vorgänge, sofern sie wahrgenommen wurden, in Frage
+kommen), so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass es
+Erinnerungen giebt, die in einer Einsicht oder wirklichen
+Erkenntnis bestehen. Die ganz klaren und deutlichen sind
+von dieser Art. Wer kann leugnen, dass er eine auf Einsicht
+beruhende Gewissheit davon hat, heute Morgen aufgestanden
+zu sein, einen Spaziergang gemacht zu haben, auf demselben
+jemand getroffen oder gesprochen zu haben, von Kummer erfüllt
+gewesen zu sein beim Tode eines Angehörigen, beim
+Verlust eines Vermögens usw.? Sogar darüber, ob unsere Erinnerung
+ungenau, lückenhaft, verschwommen ist, können wir
+unter Umständen eine auf Einsicht beruhende Gewissheit haben.
+Ist das Gedächtnisbild von einem früheren Bewusstseinsvorgang
+von dieser Beschaffenheit, so werden die mit dem früheren Bewusstseinsvorgang
+verbundenen Gefühle auch nur zum Teil
+in lückenhafter, verwischter Weise wieder aufleben. Das hat
+eine Spannung, ein Unbehagen zur Folge, worin wir etwa den
+psychologischen Anknüpfungspunkt für das Einleuchten der
+Nichtzusammengehörigkeit, (die in diesem Falle als Nichtangemessenheit
+bestimmt werden muss) des Gedächtnisbildes mit
+dem Bewusstseinsvorgang erblicken können, der die Einsicht
+in diese Nichtzusammengehörigkeit folgt.
+</p>
+
+
+<pb n="63"/><anchor id="Pg63"/>
+
+<p>
+So sicher es aber auch ist, dass wir Erinnerungen haben,
+die in Einsichten bestehen und also wirkliche Erkenntnisse sind,
+so sind die bei der Erinnerung gewonnenen Einsichten doch
+mancherlei Einschränkungen unterworfen, und wir müssen ihnen
+gegenüber mancherlei Vorbehalte machen. Noch mehr ist das
+der Fall, wenn wir von der Erkenntnis unseres Ich sprechen.
+Wie jeder Bewusstseinsvorgang ein Wissen, freilich ein uneigentliches
+Wissen von sich selbst hat, das wir seine Bewusstheit
+nennen, so hat auch das, was wir unser Ich, unser Selbst
+nennen, ein Bewusstsein von sich. Wir haben ein Ich-Bewusstsein,
+ein Selbst-Bewusstsein, die Zusammengehörigkeit
+unsres Ich, unsres Selbst mit diesem Bewusstsein von sich
+leuchtet uns unmittelbar ein; davon haben wir eine Einsicht,
+eine Erkenntnis, eine unmittelbare Einsicht, die jeden Zweifel
+ausschliesst. Wenn Hume behauptet, dass er in sich jederzeit
+nur ein Bündel von Vorstellungen findet, so hat er eben vergessen,
+dass dazu ein Vorfinder, eben das Ich, erforderlich ist.
+Aber was ist dieses Ich, dieses Selbst? Das ist eine andere
+Frage. Und hier fehlt uns offenbar die Einsicht oder Erkenntnis.
+Sicher ist es nicht unser Körper oder einer seiner Teile, die
+Augen, die Ohren, die wir, auch abgesehen von ihrer Erscheinung
+in unsrem Bewusstsein, unterscheiden müssen, obgleich
+das Wort Ich lange Zeit hindurch von unsren Kindern
+und von vielen Erwachsenen ihr Leben hindurch nur oder fast
+nur von ihrem Leibe verstanden wird, also von dem leiblichen
+Ich; obgleich ferner das Ich von dem, was dem Leibe, abgesehen
+von seiner Erscheinung im Bewusstsein, entspricht, nicht
+getrennt werden kann, soll es nicht zu einem blossen Abstraktum
+werden. Ohne dieses, dem sinnlich erscheinenden Leib Entsprechende
+ist ja kein Bewusstsein denkbar, und ohne Annahme
+des Bewusstseins können wir auch von keinem Ich reden.
+Sicher ist es ferner keine Substanz, die nur zur Erscheinungsform
+der körperlichen Dinge gehören kann. Auch mit dem Selbst-Bewusstsein
+oder Ich-Bewusstsein, das nur sein Merkmal bildet,
+kann das Ich und Selbst nicht verselbigt werden. Es ist der Ausdruck
+für die Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge
+zu Einem Bewusstsein, aber doch kein blosses Wort; vielleicht
+ist es das Band dieser Zusammengehörigkeit, das sich ebenso
+<pb n="64"/><anchor id="Pg64"/>
+zu der Gesamtheit der Bewusstseinsvorgänge verhält wie der
+Eine Denkende zum Reich der Wahrheit. Hier sind wir auf
+blosse Vermutungen angewiesen, es fehlt uns jede Einsicht und
+damit die wirkliche Erkenntnis. Wenn wir urteilen: ich freue
+mich, ich bin traurig, ich stelle mir vor, so haben wir zweifellos
+eine Einsicht und wirkliche Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit
+unsrer Bewusstseinsvorgänge mit dem Ich- oder
+Selbstbewusstsein, von ihrer Zugehörigkeit zu unsrem Bewusstsein,
+diese leuchtet uns unmittelbar ein. Aber vorbehalten
+bleibt, was es mit dem Ich und Selbst auf sich hat.
+</p>
+
+<p>
+Wir sehen, nicht bloss für die Erkenntnis der Aussenwelt,
+auch für die Erkenntnis unsrer eignen Innenwelt giebt es unübersteigliche
+oder wenigstens bis jetzt nicht überwundene
+Schranken; auch hier müssen wir Vorbehalte machen, wenn
+wir von Einsicht und wirklicher Erkenntnis reden wollen.
+Freilich besteht, was die Erkenntnis der Aussenwelt und die
+unsrer eigenen Innenwelt angeht, ein wesentlicher Unterschied.
+Sehen wir vom Ich ab, so wissen wir doch, was wir unter
+Händen haben, wenn wir uns mit den Bewusstseinsvorgängen
+beschäftigen; wir kennen ihre Merkmale und können sie danach
+von einander unterscheiden, während wir von den Dingen und
+Vorgängen der Natur in der That nicht wissen, was sie sind,
+und sie lediglich nach ihrer Erscheinung in unsrem Bewusstsein
+von einander unterscheiden können. Bei den Bewusstseinsvorgängen
+fällt natürlich ihre Erscheinung im Bewusstsein mit
+ihnen selbst zusammen. Denn diese ihre Erscheinung im Bewusstsein
+ist nichts anderes als das mit ihnen verbundene
+Wissen von sich selbst, das wir ihre Bewusstheit nennen. Die
+Reflexion ist nur eine Wiederholung dieses mit jedem Bewusstseinsvorgange
+verbundenen Wissens von sich selbst.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Zweiundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Weitere Schranken unseres Erkennens.
+</p>
+
+<p>
+Eine Schranke unsrer Erkenntnis, der Innen- und Aussenwelt,
+haben wir bisher absichtlich unerwähnt gelassen. Wir
+erkennen das Wesen der Dinge und Vorgänge der Natur wie
+der Vorgänge unsres Bewusstseins, ihre Wahrheit, erst dann,
+wenn wir ihre Stellung in dem System aller Wahrheit erfasst
+<pb n="65"/><anchor id="Pg65"/>
+haben. Davon sind wir aber mit all den erörterten Einsichten
+und Erkenntnissen noch weit entfernt. Wir gewinnen mit
+ihnen sozusagen nur die Glieder dieses Systems. Über ihren
+Zusammenhang innerhalb desselben, auf den doch alles ankommt,
+bleiben wir völlig im Dunkeln. Das ist die letzte,
+höchste, eine allgemeine Schranke unserer Erkenntnis, die sowohl
+für die Erkenntnis der Aussenwelt wie für die Erkenntnis
+der Innenwelt gilt. Weitere, näher liegende, ebenfalls allgemeine
+Schranken unsrer Erkenntnis bedürfen einer besondren
+Erörterung.
+</p>
+
+<p>
+Wir bezeichnen gewöhnlich als unser Wissen alles das,
+von dem wir eine Gewissheit haben. Die Gewissheit verbindet
+sich aber auch oft genug mit einem blinden Dafürhalten
+und ist in diesem Falle ohne vernünftigen Grund. Wenn wir
+die zahlreichen Quellen des blinden Dafürhaltens ins Auge
+fassen, wenn wir insbesondere erwägen, wie oft unsre Zuneigungen
+und Abneigungen, unsre Interessen auf unsre Überzeugungen
+einen massgebenden und bestimmenden Einfluss
+ausüben, wie oft nach dem Sprichwort der Wunsch der Vater
+des Gedankens ist, werden wir kaum zweifeln können, dass
+die Zahl der auf blindem Dafürhalten beruhenden und darum
+des Charakters der Vernünftigkeit entbehrenden Wissensinhalte
+sehr gross ist und kaum überschätzt werden kann. Diese
+Wissensinhalte können natürlich nicht als Erkenntnisse im
+eigentlichen Sinne gelten.
+</p>
+
+<p>
+Von den Erkenntnissen im eigentlichen Sinne müssen
+ferner die sogenannten Kenntnisse, die auf einer blossen Kenntnisnahme,
+auf einem blossen Kennenlernen beruhen, sorgfältig
+unterschieden werden. Sie bilden die unübersehbar grosse
+Gruppe der associativen Wissensinhalte, bei denen ebenfalls
+in keiner Weise von einer Einsicht die Rede sein kann. Wir
+haben Gesichtsempfindungen von den Dingen; mit ihnen zusammen
+treten die Gehörsempfindungen oder Gehörsvorstellungen
+von den auf diese Dinge angewendeten Worten auf; sie associieren
+sich mit den ersteren und werden gelegentlich, wenn sich die
+Gesichtsempfindungen wiederholen, reproduziert. Wir sagen
+dann, das Ding heisst so und so. Das ist natürlich ein lediglich
+associatives Wissen, ohne alle Einsicht. Alles Namen- und
+<pb n="66"/><anchor id="Pg66"/>
+Wortwissen in der eigenen und fremden Sprache, alle
+Benennungsurteile sind von dieser Art, da die Namen und
+Worte nur willkürliche Zeichen sind für das, was sie bedeuten.
+Nicht bloss mit den Worten steht es so, es ist vielfach nicht
+anders mit den Sachen. Wie selten haben wir verhältnismässig
+eine Einsicht in den Zusammenhang der Teile, aus
+denen wir die Dinge zusammensetzen, der Eigenschaften, die
+wir ihnen beilegen, des Geschehens in Natur und Geschichte,
+wenigstens wenn wir über die nächsten Zusammenhänge bei
+diesem Geschehen hinausgehen wollen. Die Wissenschaft stellt
+sich die Aufgabe, diese Zusammenhänge darzulegen, oder, was
+dasselbe ist, die Gesetze für dieselben zu finden. Aber wie
+weit ist sie von der Lösung dieser ihrer Aufgabe entfernt.
+Sehr oft haben diese Zusammenhänge für uns nur den Charakter
+des zufällig Verbundenen oder des Zusammengeratenen, von
+dem es nur ein associatives Wissen geben kann, weil das Bewusstsein
+der Zusammengehörigkeit und damit die Einsicht
+fehlt.
+</p>
+
+<p>
+Es ist endlich klar, wenn wir auf Grund einer geringeren
+oder grösseren Zahl von Einzelfällen einen allgemeinen Satz
+aufstellen, wenn wir mit andren Worten einen Induktionsschluss
+ziehen, so hat dieser Satz, je nach der Zahl der Fälle, eine
+grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit, aber von dieser
+Wahrscheinlichkeit haben wir doch eine Einsicht, eine wirkliche
+Erkenntnis, eine Einsicht in seine Wahrscheinlichkeit.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Dreiundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Erkenntnis der Innenwelt andrer.
+</p>
+
+<p>
+Wir haben gesehen, wie wir zur Erkenntnis unserer
+eigenen Innenwelt gelangen und welche Schranken für diese
+Erkenntnis vorhanden sind. Aber wie steht es mit unserer
+Erkenntnis der Innenwelt andrer? Haben wir eine auf Einsicht
+beruhende wirkliche Erkenntnis von fremden Bewusstseinen?
+Allgemein wird jetzt angenommen, dass diese Erkenntnisse,
+wenn es wirkliche Erkenntnisse sind, auf dem Wege
+des Analogieschlusses zustande kommen. Mit unsren Bewusstseinsvorgängen
+sind Ausdrucksbewegungen, z.&nbsp;B. Lachen und
+Weinen mit Freude und Trauer, ausserdem Mienen, Gebärden als
+<pb n="67"/><anchor id="Pg67"/>
+Zeichen bestimmter Gefühle, Worte als Zeichen bestimmter
+Gedanken verbunden. Nehmen wir diese nun an andren wahr,
+so schliessen wir, dass auch bei ihnen die gleichen Bewusstseinsvorgänge
+vorhanden sein müssen. Sollte wirklich alle
+Erkenntnis fremder Bewusstseine auf diesem Wege zustande
+kommen? Sollte beispielsweise das Kind die Freude, die
+Trauer, den Zorn und Unwillen der Mutter, ihre Liebe, ihren
+Beifall nur auf diesem Wege kennen lernen? Ist das Kind,
+wenn es anfängt in dieser Weise in das Bewusstsein der Mutter
+Blicke zu thun, wohl imstande, die mit seinen Bewusstseinsvorgängen
+verbundenen Ausdrucksbewegungen, insbesondere
+seine mit ihnen verbundenen Mienen, die fast ausschliesslich
+in Betracht kommen, genau zu kennen, um sie mit den
+Mienen der Mutter vergleichen und daraus bei der Mutter auf
+ähnliche Bewusstseinsvorgänge schliessen zu können? Das
+scheint den Beobachtungen, die wir am Kinde machen können,
+durchaus zu widersprechen. Aber auch soweit wir Erwachsene
+fremde Bewusstseine erkennen, spielt dieser schwerfällige
+Analogieschluss, wie die Reflexion deutlich lehrt, keine Rolle.
+Unsre Erkenntnis der fremden Bewusstseine giebt sich uns als
+eine unmittelbare kund und, wie es scheint, kann sie auch beim
+Kinde keine andere sein.
+</p>
+
+<p>
+Aber wie ist das möglich? Der blosse Anblick der Bewegung
+eines andren, z.&nbsp;B. beim Stossen einer Billardkugel,
+beim Springen über einen Graben, erzeugt in uns, wenn nicht
+die gleiche Bewegung, so doch den Ansatz dazu. Ähnlich
+kann man beobachten, dass die Gefühlsäusserungen eine ansteckende
+Wirkung ausüben. Begegnen wir finstern Mienen,
+so verdüstert sich auch unwillkürlich unsere eigene Miene.
+Wo alles lacht, müssen auch wir lachen; wo alles weint,
+können wir uns des Weinens nicht enthalten, und wenn wir
+auch nicht wirklich mitlachen oder mitweinen sollten, so werden
+wir doch fröhlich oder traurig gestimmt. So lange wir Kinder sind
+und noch nicht gelernt haben, unsren Gefühlsäusserungen Zügel
+anzulegen, werden wir nicht bloss fröhlich mit den Fröhlichen
+und traurig mit den Traurigen; wir lachen wirklich mit den
+einen und weinen mit den andren. Das ist die Regel. Natürlich
+giebt es Ausnahmen, bei Kindern sowohl als bei Erwachsenen,
+<pb n="68"/><anchor id="Pg68"/>
+wenn sie sehr egoistische, sehr gefühllose Naturen sind.
+Das Merkwürdige hierbei ist nur, dass die ansteckende Wirkung
+nicht bloss bei den Gefühlsäusserungen stehen bleibt, sondern
+sofort auch, und wie es wenigstens bei den Erwachsenen
+scheint, mit grösserer Sicherheit auf die Gefühle selbst übergeht.
+Nehmen wir nun an, dass wir von unsren Mitmenschen
+nach ihrer leiblichen Erscheinung bereits eine Erkenntnis gewonnen
+haben, ist es dann nicht natürlich, dass wir in diesen
+uns aufgedrängten Gefühlen und sonstigen Bewusstseinsvorgängen
+ihre eigenen erblicken, dass die Zusammengehörigkeit
+dieser ihrer Bewusstseinsvorgänge mit ihrer leiblichen Erscheinung
+sich uns aufdrängt, uns unmittelbar einleuchtet und
+wir so eine unmittelbare Einsicht, eine unmittelbare wirkliche
+Erkenntnis von dieser Zusammengehörigkeit und damit von
+den fremden Bewusstseinen gewinnen? So erklärt sich denn
+die allbekannte Erscheinung von der unwillkürlich in unsren
+Kindern auftretenden Abneigung gegen Personen, die Kinder
+nicht leiden können oder die von schlechter Gemütsart sind.
+Das Gefühl der Abneigung gegen Kinder, gegen alle Menschen
+überhaupt, teilt sich den Kindern mit, und in diesem Gefühle
+lesen sie gleichsam unmittelbar in der Seele des andren und
+sehen, was in ihr vorgeht. Ich brauche nicht zu bemerken,
+dass diese Erscheinung zu den Erfahrungen gehört, die wir
+täglich an uns selbst machen können und die somit als eine
+allgemein menschliche Erscheinung betrachtet werden muss,
+mithin auch für das Leben der Erwachsenen gilt. Die Unmittelbarkeit
+der Erkenntnis der fremden Bewusstseine hat im Grunde
+nichts Auffälliges. Das Gegenteil ist nur scheinbar natürlicher;
+der Raum, der uns anscheinend von dem fremden Bewusstsein
+trennt, gehört selbstverständlich nur unserer Vorstellung an.
+Eine actio in distans, Einwirkung aus der Ferne muss nach dem
+jetzigen Stande der Naturwissenschaft sogar für die Körperwelt
+angenommen werden, wenigstens so lange, als noch nicht nachgewiesen
+ist, dass die Gravitation zu ihrer Wirkung Zeit
+braucht; bis jetzt gilt diese Wirkung als eine unzeitliche oder
+zeitlose. Von der actio in distans der Körper bis zum immediatum
+commercium animarum ist nur ein Schritt.
+</p>
+
+<p>
+Freilich hat die Erkenntnis anderer, insbesondere ihres
+<pb n="69"/><anchor id="Pg69"/>
+Innern, auch ihre Schranken. Schon Aristoteles und Locke
+sagen, dass wir nicht wissen können, ob die Empfindungen
+etwa von rot und grün, die wir beim Anblick von Blut und
+Gras haben, bei andren die gleichen und nicht vielmehr die
+umgekehrten sind, so dass ihnen beim Gras die Empfindung
+gegenwärtig ist, die wir beim Blut haben, und umgekehrt. Da
+wir alle von Jugend an gelernt haben, das Gras grün und das
+Blut rot zu nennen, so würden natürlich die sprachlichen Bezeichnungen
+die gleichen bleiben. Da ferner für unsre Erkenntnis
+andrer, so unmittelbar sie ist, doch ihre Gefühlsäusserungen
+massgebend sind, so muss natürlich immer vorausgesetzt werden,
+dass diese Gefühlsäusserungen natürliche sind und nicht etwa
+künstlich zum Zweck der Verstellung oder der schauspielerischen
+Darstellung hervorgebracht werden. Pestalozzi betont, dass
+darüber, ob eine Handlung aus selbstlosen oder selbstsüchtigen
+Motiven hervorgeht, ob sie mit andren Worten sittlich oder
+unsittlich ist, nur jeder bei sich selbst urteilen kann. Natürlich
+gilt das Gleiche auch davon, ob neben dem negativen Moment
+der Selbstlosigkeit auch das positive Moment der rückhaltlosen
+Hingabe an Gott, des persönlichen Verhältnisses zu ihm, worin
+das Wesen der Religiosität besteht, für das Zustandekommen
+der Handlung bestimmend war. Obgleich sich das nun nicht
+bestreiten lässt, so ist doch anderseits auch nicht zu leugnen,
+dass wir auf Grund von Erfahrungen, die wir an uns und an
+andren machen, andren mehr Vertrauen schenken können und
+müssen als uns selbst, andere für ehrlicher, uneigennütziger,
+hingebender, opferwilliger halten müssen als uns selbst. In
+Bezug auf mich selbst bin ich doch eben wegen meiner Eigenliebe,
+die zum Selbstbeschönigen und Selbstbetrügen führt, viel
+mehr der Täuschung ausgesetzt, als in Bezug auf andere. Abgesehen
+davon ist das in Wort und That vorliegende Leben
+des Einzelnen ebenso Ausdruck seines Innern wie die Gefühlsäusserungen,
+und wenn wir hier das Natürliche, Nichtkünstliche
+und Nichtverstellte von seinem Gegenteil unterscheiden können,
+muss das auch dort gelten. Ist aber dies der Fall, dann kann
+sich mit der Erkenntnis der Lebensführung des Einzelnen, wie
+sie sich äusserlich kundgiebt, auch die Vorstellung der Sittlichkeit,
+der Religiosität verbinden und die Zugehörigkeit dieser
+<pb n="70"/><anchor id="Pg70"/>
+innern Vorzüge zu ihr uns einleuchten, sodass wir nun auch
+von diesem Leben nach seiner innern sittlich religiösen Seite
+eine Einsicht und wirkliche Erkenntnis haben können. Oft
+macht das Leben eines Menschen auf uns einen so überwältigenden
+Eindruck, dass wir bezüglich der Lauterkeit und
+Reinheit seiner Gesinnung eine durch nichts zu erschütternde
+Überzeugung gewinnen und uns sagen müssen und wirklich
+sagen, dass, wenn hier keine Einsicht vorhanden ist, es überhaupt
+keine Einsicht giebt. Es ist merkwürdig, dass die solchen
+seltenen Menschen Nahestehenden und mit ihnen Umgehenden
+trotz der entgegengesetzten Erfahrung, die sie an sich selbst
+und an andren machen, in diesem ihre Einsicht betreffenden
+Urteil übereinstimmen, auch wenn der sogenannte Verehrungssinn
+in ihnen wenig oder gar nicht entwickelt ist. Natürlich
+sind wir bei dieser auf Einsicht zurückzuführenden Erkenntnis
+des Innern andrer auch auf ihre Worte als ungewollte und
+unbeabsichtigte Selbstbeurteilungen angewiesen, also auch auf
+die Mitteilungen andrer. Ob und inwiefern wir bezüglich der
+Mitteilungen andrer auch von wirklichen Erkenntnissen oder
+Einsichten reden können, darüber bedarf es einer besondren
+Untersuchung, der wir den Titel Geschichtliche Erkenntnisse
+geben, da die geschichtlichen Mitteilungen unter den Mitteilungen
+andrer die erste Stelle einnehmen.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Vierundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Geschichtliche Erkenntnisse.
+</p>
+
+<p>
+Den Mitteilungen andrer gegenüber sind wir gewohnt,
+von einem Dafürhalten zu reden, das wir mit dem geringschätzigen
+Namen Glauben bezeichnen und insofern dem Wissen
+als etwas Minderwertiges gegenüberstellen. Wir vergessen
+dabei gewöhnlich, dass unser ganzes Gerichtsverfahren, auch
+wenn es sich bei ihm um Leben und Tod handelt, auf Zeugenaussagen,
+also auf einem Glauben in diesem Sinne beruht, und
+dass das Leben in der Familie, in der Gesellschaft, im Staate,
+jeder Verkehr mit unsresgleichen ohne ihn unmöglich würde.
+Sicher ist, dass blosse Mitteilungen an sich genommen keine
+Einsichten sind, wenigstens nicht für diejenigen, denen die
+Mitteilungen gemacht werden. Mitgeteilte Urteile sind zunächst
+<pb n="71"/><anchor id="Pg71"/>
+noch keine von uns gefällten Urteile, bei denen die Zugehörigkeit
+des Prädikates zum Subjekt uns einleuchtet. Aber wir
+haben gesehen, wie unübersehbar gross die Wissensinhalte
+sind, die wir uns selbst verdanken und bei denen ebenfalls von
+einem solchen Einleuchten keine Rede sein kann. Wir bezeichneten
+diese Wissensinhalte als Kenntnisse und unterschieden
+sie von den Erkenntnissen. Mit diesen Kenntnissen stehen die
+Mitteilungen zunächst auf einer Stufe. Aber ebenso wie die
+blossen Kenntnisse können auch sie unter Umständen zu Einsichten
+oder Erkenntnissen erhoben werden. Es ist also insofern
+kein Grund vorhanden, sie den Wissensinhalten gegenüber,
+die wir uns selbst verdanken und die blosse Kenntnisse sind,
+für minderwertig zu halten.
+</p>
+
+<p>
+Sicher ist ferner, dass wir bezüglich der mitgeteilten Urteile
+sehr häufig nicht zu einer unmittelbaren Einsicht in die
+Zusammengehörigkeit des Prädikats mit dem Subjekte gelangen
+können, uns vielmehr mit der Einsicht, dass der Mitteilende
+die Wahrheit sagen kann und sagen will, begnügen müssen,
+und dass wir erst hieraus auf die Zusammengehörigkeit des
+Prädikats mit dem Subjekte schliessen können. Aber auch von
+den Wissensinhalten, die wir uns selbst verdanken und die
+zunächst blosse Kenntnisse sind, gilt, dass wir sehr oft nur
+eine mittelbare Einsicht von ihnen gewinnen und sie nur durch
+diese mittelbare Einsicht zu eigentlichen Erkenntnissen erheben
+können. Wenn wir eine wirkliche Einsicht gewinnen, ist es
+in der That nicht von Bedeutung, ob dieselbe mittelbar oder
+unmittelbar ist, ebenso wenig, ob sie eine äussere ist, vermittelt
+durch Einsicht in die Fähigkeiten und Gesinnungen der
+Mitteilenden, oder eine innere, vermittelt durch Einsicht in Sätze,
+die von selbst einleuchten. Auch die äussere mittelbare Einsicht
+führt in letzter Instanz auf Sätze zurück, die durch sich
+selbst einleuchtend sind. Ich möchte deshalb vorschlagen, die
+im Deutschen (im Englischen hat sowohl believe dafürhalten,
+als faith Glauben im religiösen Sinne eine ganz andere Bedeutung)
+übliche Unterscheidung des Glaubens von dem Wissen
+fallen zu lassen und an ihre Stelle die andere von Wissensinhalten,
+die wir uns selbst und die wir andren verdanken,
+zu setzen. Es ist dies die bei den Engländern übliche Unterscheidung
+<pb n="72"/><anchor id="Pg72"/>
+zwischen Kenntnissen erster und zweiter Hand. Das
+Wort Glaube bleibt besser wie das englische faith auf seine
+religiöse Bedeutung beschränkt.
+</p>
+
+<p>
+Überblicken wir nun einmal das unermesslich grosse Gebiet
+der Wissensinhalte, die wir andren verdanken, oder der
+Kenntnisse zweiter Hand, gegenüber der kleinen Zahl von
+Wissensinhalten, die wir uns selbst verdanken, oder der Kenntnisse
+erster Hand, und erwägen wir die Konsequenzen, zu
+denen es führt, wenn wir die erstren als minderwertig gegenüber
+den letztren betrachten wollen! Man bedenke, die ganze
+Geschichte, die Geographie fremder Länder und Völker, die
+wir nicht selbst gesehen, die Reisebeschreibungen und Naturbeschreibungen
+von Gegenständen und Dingen, die wir nicht
+selbst erforschten, die Geschichte der Wissenschaften, auch die
+Lehren der Biologie, Chemie und Physik, selbst der Mathematik,
+die wir nicht nachgeprüft haben &ndash; und welcher Fachmann
+wäre im Stande, alles vor ihm Erforschte nachzuprüfen? &ndash; alles
+das sind Kenntnisse zweiter Hand, deren Wahrheit wir
+nur mittelbar erkennen, sofern wir auf sie aus der Einsicht,
+dass die uns diese Kenntnisse Mitteilenden die Wahrheit
+wussten und auch sagen wollten, schliessen. Können wir diese
+sämtlichen Wissensinhalte, weil wir sie der Mitteilung andrer
+verdanken, für minderwertiger halten als die geringe Zahl der
+durch eigene Thätigkeit gewonnenen Wissensinhalte, die doch
+grösstenteils auch nur Kenntnisse sind und insofern mit ihnen
+auf einer Stufe stehen? Oder doch für minderwertiger als diejenigen
+unter ihnen, welche eigentliche Erkenntnisse sind, insbesondere
+als die Begriffsurteile der Arithmetik, der Logik,
+der Metaphysik und die diesen Begriffsurteilen sich nähernden,
+freilich nicht ohne Vorbehalt als Erkenntnisse zu betrachtenden
+allgemeinen Lehrsätze der Geometrie, Astronomie, Physik,
+Mechanik? Wegen der allgemeinen Anwendbarkeit der Begriffsurteile
+und dieser sich ihnen nähernden Lehrsätze ist ihr Nutzen
+für den Aufbau der Wissenschaften nicht hoch genug anzuschlagen,
+und insofern mögen sie höherwertig sein als die einfachen
+Thatsachenurteile. Aber der Erkenntniswert der
+Begriffsurteile ist offenbar nicht grösser als der der Thatsachenurteile.
+Hier wie dort besteht er in dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit
+<pb n="73"/><anchor id="Pg73"/>
+und der Einsicht in dieselbe, was beides
+bei Thatsachen ebensowohl vorhanden sein kann als bei Begriffen.
+Ausserdem hat die Wahrheit der Thatsachenurteile
+ebenso einen überzeitlichen Charakter wie die Wahrheit der
+Begriffsurteile. Die meisten der auf Mitteilung beruhenden Urteile,
+ausser denen, die zu den erklärenden Naturwissenschaften
+und zur Mathematik gehören, sind solche Thatsachenurteile;
+die geschichtlichen Wissenschaften bestehen fast lediglich aus
+ihnen.
+</p>
+
+<p>
+Es ist wichtig zu beachten, dass den geschichtlichen Thatsachen,
+die wir sämtlich der Mitteilung andrer verdanken, kein
+geringerer, im Gegenteil sicher ein höherer Erkenntniswert
+zukommt als, ganz allgemein gesprochen, den Wissensinhalten
+der Naturwissenschaften, von denen wir viele durch unsere
+eigene Beobachtung gewinnen und die wir, wenn sie durch
+Beobachtung andrer gewonnen wurden, nachprüfen können, die
+ferner wegen ihrer grösseren Einfachheit eher die Herstellung
+gesetzlicher, den Begriffsurteilen sich nähernder Zusammenhänge
+ermöglichen. Wir haben gesehen, dass sich uns die Natur als eine
+gebrochene Einheit, nicht als eine wahre Vielheit darstellt;
+damit hängt zusammen, dass das Einzelne in der Natur nur als
+Beispiel einer Gattung und Art und nicht als solches Bedeutung
+hat. Den Botaniker interessiert dieses bestimmte Exemplar
+einer viola tricolor nur als Beispiel der Art. Ganz anders in
+der Geschichte. Die geschichtlichen Personen bilden eine
+wirkliche Vielheit. Jede einzelne hat ihren Wert, ist sozusagen
+eine Gattung, eine Art für sich. Eben darum stellen die geschichtlichen
+Thatsachen dem Erkennen eine viel schwerer zu
+bewältigende Aufgabe als die Naturthatsachen; sie bieten dem
+Erkennen zu gleicher Zeit aber auch einen Reichtum und
+eine Lebensfülle, hinter der die reichste und lebensvollste Ausstattung
+der Naturgestalten zurückbleibt. Die Geschichte ist
+die Quelle von Gedanken, welche uns der Lösung des Rätsels
+des Weltgeschehens näher bringen, während die Natur unsren
+Fragen gegenüber verstummt. Von dem Körperlichen, dem
+eigentlichen Gegenstande der Naturwissenschaft, wissen wir
+strenggenommen nicht, was es ist; von den Triebfedern und
+Beweggründen menschlicher Handlungen, die sich uns als die
+<pb n="74"/><anchor id="Pg74"/>
+Hebel der geschichtlichen Entwicklung darstellen, haben wir
+eine eigentliche, in einer Einsicht bestehende Erkenntnis.
+Ausserdem ist das Körperliche sicher dem für die Geschichte
+massgebenden und bestimmenden Geistigen untergeordnet und
+hat in ihm seinen Zweck. Was haben beispielsweise die freilich
+bloss hypothetisch angenommenen Ätherschwingungen und die
+wirklich zu konstatierenden Luftschwingungen sonst für einen
+Zweck, als in unserem Bewusstsein die Farben und die Töne
+zu erzeugen und damit den Künsten der Malerei und Musik
+zur Geburt zu verhelfen? Es giebt einen der Natur innewohnenden
+Zweckzusammenhang, der in der Ermöglichung
+und Herausbildung des Bewusstseins, vor allem des menschlichen
+Bewusstseins, seine Spitze hat und in ihm, wie es scheint,
+seinen Abschluss findet. Es scheint nicht richtig, die Natur
+als Gegensatz zum Geiste zu betrachten; vielmehr stellt sie sich
+uns dar als eine Stufenleiter zum Geiste, der uns nicht bloss
+in unsrem Bewusstsein sondern mehr noch in der Geschichte
+offenbar wird. Man könnte sagen, die Natur oder Körperwelt
+sei für uns, die wir allein das Bewusstsein seiner Beschaffenheit
+nach kennen, das Nichtbewusstsein, also Gegensatz des
+Bewusstseins. Allein das ist nur ein andrer Ausdruck für
+unser Nichtwissen. Eher kann man sagen, das Niedere sei um
+des Höheren willen, also in letzter Instanz alles für das Bewusstsein
+da. Herausbildung des Nervensystems als Bedingung
+der Empfindung, des Bewegungssystems als Werkzeug des
+Willens &ndash; das scheint der ganze Zweck des tierischen und
+menschlichen Körpers zu sein. Wofür wäre die Farbenpracht,
+der Formenreichtum der Pflanzenwelt, wenn nicht für das
+sehende Auge?
+</p>
+
+<p>
+Oder soll etwa das Bewusstsein seinen Zweck in der
+Natur haben und ihr als Mittel dienen? Allein die Natur geht
+die Jahrtausende hindurch ihren unabänderlichen Gang nach
+ehernen Gesetzen, die das Bewusstsein entdecken und dann
+sich dienstbar machen, aber nicht im geringsten ändern kann.
+Das Antlitz des Weltalls und der Erde bleibt das gleiche Jahrtausende
+hindurch, ohne von dem Bewusstsein einen ändernden
+Einfluss zu erfahren. Die Benutzung der Naturgesetze zu
+seinen, nämlich des Menschen Zwecken, das sich Dienstbarmachen
+<pb n="75"/><anchor id="Pg75"/>
+und Beherrschen der Natur, das Zwingen derselben zum Gehorsam
+im Experiment kraft dieser Gesetze ist ferner unerklärbar,
+wenn das Bewusstsein der Natur wie das Mittel
+dem Zweck untergeordnet oder um der Natur willen vorhanden
+wäre.
+</p>
+
+<p>
+Es bleibt noch eine dritte Möglichkeit, nämlich mit der
+mechanischen Naturauffassung den Zweckbegriff ganz zu eliminieren.
+Allein die Anhänger dieser Auffassung können der
+Entwicklungshypothese nicht entbehren und führen mit ihr
+gleichsam durch eine Hinterthür den Zweckbegriff wieder in
+die Wissenschaft ein. Die Entwicklungshypothese verlegt die
+Zielstrebigkeit, die Aristoteles zur Ermöglichung der Selbstentfaltung
+und Selbstentwicklung für jedes einzelne Naturding
+in Anspruch nahm, in das Ganze der Natur. Das Niedere ist
+nach ihr dem Höheren untergeordnet und dient ihm als Mittel
+zum Zwecke. Man sucht freilich die Zweckmässigkeit mechanisch
+zu erklären. Nur was seiner Umgebung angepasst und für
+den Verkehr mit ihr eingerichtet ist, soll daseinsberechtigt und
+lebensfähig sein. Woher kommt die Anpassung und Einrichtung?
+Es passt sich selbst an, richtet sich selbst ein; vermöge seines
+Selbsterhaltungstriebes kommt es zur Selbstentfaltung und
+Selbstentwicklung. Das ist eben das, was Aristoteles Zielstrebigkeit
+nennt. Man sagt, das Stärkere erhält sich, weil es
+besser für den Kampf ums Dasein ausgerüstet ist. Aber das
+gilt nicht eigentlich vom Stärkeren, sondern vom feiner Organisierten,
+vom Empfänglicheren, Reizbareren, also von dem Vollkommneren.
+Dieses ist das Stärkere. Mit andren Worten,
+die Entwicklung zum Vollkommneren, die Zielstrebigkeit setzt
+sich durch, hält sich aufrecht. Der Geruchssinn des Parfumeriefabrikanten,
+der Geschmackssinn des Gourmands, der Gehörssinn
+des Musikdirigenten, der Gesichtssinn des Mikroskopikers
+wird durch die infolge der Übung und Gewöhnung wiederholt
+auftretenden und einander weckenden Empfindungen feiner,
+zarter, für Unterschiede empfänglicher, keineswegs aber gröber,
+stärker. Wäre das letztere der Fall, dann liesse sich durch
+Summierung der wiederauflebenden Empfindungen alles sehr
+leicht erklären, rein mechanisch; alle Vervollkommnung wäre
+nur ein Stärkerwerden. Aber es ist anders in der Natur; man
+<pb n="76"/><anchor id="Pg76"/>
+kann von einem aristokratischen Prinzip als dem herrschenden,
+in letzter Instanz ausschlaggebenden reden. Das Bessere, das
+Vollkommnere gewinnt im Allgemeinen den Sieg, das Stärkere
+nur ausnahmsweise. Dem gegenüber versagt die mechanische
+Erklärung. Dass sich das Bessere, Vollkommnere durchsetzt
+und erhält, scheint ohne Zielstrebigkeit nicht erklärt werden
+zu können.
+</p>
+
+<p>
+Die fortschreitende Entwicklung der Natur ist nicht zu
+leugnen. Sie vollzieht sich durch Zusammenfassung des Nebeneinanderliegenden,
+Getrennten zur Einheit, durch Bildung
+kleinerer Ganzen, z.&nbsp;B. der Himmelskörper im Weltenraum,
+der Krystalle, Pflanzen, Tiere auf der Erde, und innerhalb
+dieser letztern durch Herstellung von Mittelpunkten zuerst und
+dann von Systemen, die das kleine Ganze beherrschen: Ernährungs-,
+Nerven-, Bewegungssystem. Aber wie langsam
+geht diese Entwicklung vor sich, ihr Alter zählt nach Jahrmilliarden!
+Die eigentliche Stätte unablässiger, augenscheinlicher,
+fortschreitender Entwicklung ist die Geschichte. Insofern
+kann man sie als die an Intensität freilich alles Vorausgehende
+hinter sich lassende Fortsetzung der Natur bezeichnen.
+Auch in ihr handelt es sich um Herausbildung von Einheiten;
+aber diese Einheiten sind nicht Zusammenfassungen neben- und
+aussereinanderliegender Teile, sondern Einheiten, die in
+einem Bewusstsein von sich selbst, an dem alle ihre Glieder
+teilnehmen, bestehen: Volk, Staat, Gesellschaft, Nation. Einheiten
+ferner im strengen Sinne, nämlich geistige Einheiten, Persönlichkeiten,
+welche die eigentlichen Träger der geschichtlichen Entwicklung
+bilden. Sie sind Träger von Ideen, welche die Massen
+bewegen. Darin liegt ihre Bedeutung. Die Geschichte bewährt
+sich gerade durch diese in ihr hervortretenden, in den
+Persönlichkeiten verkörperten Ideen als fortschreitende Entwicklung.
+Die Frage, ob es einen Fortschritt in der Geschichte
+giebt, sollte darum von rechtswegen gar nicht gestellt werden.
+Für die Wissenschaft und Religion hat man ihn nicht leugnen
+können; zeitweilige Rückschritte sind nur Anläufe zu kräftiger
+Erhebung. Man wird hienach nicht bestreiten können, dass
+die Geschichte einen viel bedeutsameren und gehaltreicheren
+Erkenntnisgegenstand ausmacht als die Natur. Es giebt ohne
+<pb n="77"/><anchor id="Pg77"/>
+Zweifel in der fortschreitenden Entwicklung der Natur etwas
+Neues, das aus den vorausgehenden Faktoren nicht erklärt
+werden kann, &ndash; das Organische gegenüber dem Unorganischen
+ist, wie das Tier gegenüber der Pflanze, ein solches Neues &ndash; wenn
+man nicht etwa den Satz ex nihilo fit nihil zu leugnen
+versucht. Das gilt in noch viel höherem Grade von der Geschichte.
+Hier ist das Neue an das Individuum gebunden, und
+die Bedeutung des Individuums bedingt und bestimmt den geschichtlichen
+Fortschritt.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Fünfundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Künstlerische und wissenschaftliche Inspiration.
+</p>
+
+<p>
+Es giebt eine alte Unterscheidung von drei Erkenntnisquellen:
+Erfahrung, Vernunft und Offenbarung. Man begegnet
+ihr heute nicht mehr. Sie gilt für veraltet. Indes hat sie doch
+ihr gutes Recht. Die Redeweise: es war mir oder kam über
+mich wie eine Offenbarung, wird nicht selten gebraucht, und
+viele werden gestehen müssen, dass sie so etwas wirklich erlebt
+haben. Man spricht allgemein von einer künstlerischen
+Inspiration. Die schöpferische Einbildungskraft ist etwas andres.
+Worin liegt der Unterschied? Was ist unter dieser Inspiration,
+Eingebung, die als Offenbarung bezeichnet werden muss, zu
+verstehen?
+</p>
+
+<p>
+Es bedarf eines Blickes des Geistes, um das Wesentliche
+von dem Unwesentlichen in den Dingen unterscheiden, um die
+Merkmale ihres Begriffes auffinden und entdecken zu können.
+Nicht jeder verfügt über diesen Blick. Viele bleiben an dem
+Äusserlichen und Nebensächlichen mit ihrem Denken haften.
+Wir sagen dann, sie können nicht denken. Wie sie des eigentümlichen
+Erlebnisses, das wir als Einsicht bezeichnen, ermangeln
+und sich kaum über die Stufe des bloss associativen
+Wissens erheben, so fehlt ihnen auch der Blick des Geistes,
+durch den allein das Wesentliche erfasst werden kann. Eines
+solchen Blickes bedarf es nun auch, um den Gedanken zu erfassen,
+der in einem Kunstwerke ausgedrückt ist. Aber für
+den Künstler selbst, der den Gedanken in dem Stoffe verwirklicht,
+genügt dieser Blick nicht. Ihm muss der Gedanke <hi rend='italic'>gegeben</hi>
+werden. Und das geschieht eben durch die Eingebung oder
+<pb n="78"/><anchor id="Pg78"/>
+Inspiration. Sie ist, wie ersichtlich, von dem Blicke des Geistes,
+durch den wir das Wesen, den Kern der Sache erfassen, verschieden.
+Dieser Blick orientiert sich an der äussern Erscheinung
+des Wesens, er ist durch sie bedingt und wird durch sie bestimmt,
+obgleich er sozusagen durch sie hindurchdringt und
+über sie hinausgeht. Die Inspiration oder Eingebung hingegen
+ist ein objektiver Zustand, der ohne unser Zuthun zustande
+kommt, dem gegenüber wir uns leidend verhalten. Sie setzt
+natürlich in uns eine Empfänglichkeit voraus, die mannigfach
+vermittelt ist; ihre Auffassung hängt darum von einer bestimmten
+Entwicklung des Bewusstseins ab. Man kann die Inspiration
+mit dem Einleuchten der Zusammengehörigkeit vergleichen
+und muss dann die Auffassung der Inspiration mit der Einsicht
+zusammenstellen. Auch bei der Eingebung handelt es sich um
+Zusammenhänge, um Zusammengehörigkeiten, freilich andrer,
+höherer Art als bei dem Einleuchten, wie sie beispielsweise
+das Motto der Goetheschen Iphigenie darstellt: Alles irdische
+Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit. In der schaffenden
+Thätigkeit des Künstlers nun spielt vor allem die Inspiration
+oder Eingebung eine Rolle, sie macht sich die Phantasie des
+Künstlers dienstbar und lässt sie an seiner Schöpferkraft teilnehmen.
+Die so schöpferisch gewordene Phantasie schaltet und
+waltet mit ihrem sinnlichen Stoff gemäss der Eingebung, ihn
+formend und gestaltend.
+</p>
+
+<p>
+Natürlich sagen wir nicht, dass alle Ideen, die unsren
+Kunstwerken zugrunde liegen oder die in ihnen verkörpert sind,
+auf einer Eingebung beruhen. Oft ist das Kunstwerk ja nur
+eine Darstellung des in Erfahrung und Geschichte Gegebenen,
+freilich so, wie es sich im Geiste des Künstlers spiegelt, wie
+es seiner Auffassung entspricht. Diese Spiegelung oder Auffassung
+hängt natürlich, wie die Auswahl der darzustellenden
+Gegenstände, von der Individualität des Künstlers ab. Man
+wird demgegenüber schwerlich von einer auf Eingebung beruhenden
+Idee reden können, wenn man nicht etwa für diese
+Individualität, wie überhaupt für die Bedeutung des Individuums
+in der Geschichte etwas der Eingebung Analoges in Anspruch
+nehmen will, das nicht bloss Gedanken im menschlichen Bewusstsein
+sondern Wirklichkeiten erzeugt. Abgesehen davon
+<pb n="79"/><anchor id="Pg79"/>
+wird man nicht leugnen können, dass vielen Kunstwerken, insbesondere
+Werken der redenden Kunst, Ideen zugrunde liegen,
+die auf einer Eingebung beruhen, die mit andren Worten aus
+dem in Erfahrung und Geschichte Gegebenen nicht erklärt
+werden können. Das Motto der Goetheschen Iphigenie ist
+unzweifelhaft eine solche Idee, wenn auch für Goethe diese
+Idee keine eigentliche Eingebung war, sondern dem reichen
+Schatze der Eingebungen entnommen wurde, die in der christlichen
+Religion gegeben sind und deren Mittelpunkt eben diese
+Idee bildet.
+</p>
+
+<p>
+Können wir auch von einer wissenschaftlichen Inspiration
+reden? Ohne Zweifel müssen wir es! Wird das Forschungsergebnis,
+zu dem man nur mühsam durch langwierige Arbeit
+gelangt, nicht meistens schon mit vorausschauendem Blicke vorweggenommen,
+und ist nicht dieser vorausschauende, das Ergebnis
+vorwegnehmende Blick der Ansporn, der uns zur Forschungsarbeit
+drängt, und das Licht, das uns hierbei leitet? Alle
+grossen wissenschaftlichen Entdeckungen, wie alle Entdeckungen
+überhaupt, scheinen so auf ursprünglichen Intuitionen zu beruhen,
+die vielfach Eingebungen sind. Das Ergebnis wird oft erst
+auf sehr verwickelten und verschlungenen Wegen gewonnen,
+und doch steht es uns von Anfang an deutlich vor der Seele.
+Wie ist das zu erklären, wenn das Ergebnis nicht eine Eingebung,
+Inspiration ist? Wir sprechen davon, dass uns Gedanken
+einfallen, wodurch der Fortschritt im Denken vielfach
+bedingt ist. Oft sind das freilich nur Reminiscenzen aus der
+Lektüre, aus den Gesprächen mit andren, oft nur mehr oder
+minder berechtigte Verallgemeinerungen, oft blosse Associationen.
+Aber wir wissen auch, dass das keineswegs immer
+der Fall ist. Nicht selten tritt uns ein Gedanke, der gleichsam
+aus der verborgenen Tiefe unsres Innern auftaucht, als etwas
+durchaus Neues entgegen, für das wir in unsrem bisherigen
+Geistesleben vergebens nach Anknüpfungspunkten suchen.
+Solche Gedanken werden wir doch Eingebungen nennen müssen.
+Das Ergreifen, Erfassen derselben im Bewusstsein ist von dem
+Blicke für das Wesentliche, der durch die Erscheinung der
+Dinge und Vorgänge im Bewusstsein bedingt und bestimmt ist,
+verschieden. Solche Gedanken drängen sich uns auf, werden uns
+<pb n="80"/><anchor id="Pg80"/>
+so aufgenötigt, wie wir von den Empfindungen sagen, dass sie
+uns aufgedrängt, aufgenötigt werden. Von unsrem Bewusstsein
+scheinen sie nicht hervorgerufen oder erzeugt zu werden; aus
+ihm scheinen sie nicht hervorzugehen oder zu entstehen, vielleicht
+aus den uns selbst verborgenen Tiefen unseres Wesens.
+Durch dieses Sichaufdrängen und Sichaufnötigen, das die auf
+Eingebung beruhenden Gedanken mit den Empfindungen gemein
+haben, unterscheiden sie sich insbesondere von dem
+Wesentlichen, das wir durch einen einfachen Blick des Geistes
+erfassen, bei dem von einer innren Nötigung, einem innren
+Zwange nichts zu verspüren ist.
+</p>
+
+<p>
+Natürlich bilden auch die eingegebenen Gedanken Zusammenhänge,
+Zusammengehörigkeiten, sie treten in der Form
+von Urteilen auf; aber das Einleuchten dieser Zusammengehörigkeit
+und das mit ihr verbundene Einsehen, der Blick für
+das Wesentliche verbindet sich nicht ohne weiteres mit den
+eingegebenen Gedanken, ist auch grundverschieden von dem
+Sichaufdrängen, das die eingegebenen Gedanken wie die Empfindungen
+charakterisiert. Wie bei dem Blicke des Geistes
+für das Wesentliche, so ist auch bei dem ihm folgenden Einleuchten
+und Einsehen der Zusammengehörigkeit von irgendwelcher
+Nötigung, irgendwelchem Zwange nichts zu entdecken.
+Die auf Eingebung beruhenden Gedanken stellen sich meistens
+dann ein, wenn der Blick für das Wesentliche versagt, sodass
+ihr Aufleuchten gleichsam einen Ersatz, eine Ergänzung für
+diesen Blick bildet. Wir kennen das Wesen des Körperlichen
+nicht, können es vielmehr nur nach seiner Erscheinung in unsrem
+Bewusstsein charakterisieren und näher bestimmen. Wenn
+man das Körperliche für den Gegensatz des Geistigen erklärt,
+so geschieht das auf Grund einer Eingebung in unsrem Sinne;
+der Erfahrung folgend würde es eher als eine Stufenleiter zum
+Geistigen hin betrachtet werden müssen. Aber auch diese
+Betrachtung findet in der Erfahrung keine ausreichende Stütze
+und muss insofern ebenfalls als Eingebung bezeichnet werden.
+Natürlich sind solche Eingebungen keine Erkenntnisse; es
+kommt darauf an, sie zu verifizieren. Die wissenschaftliche
+Arbeit hat in ihnen wohl einen Ansporn und ein Licht, aber
+sie beginnt erst mit der Eingebung und muss so lange fortgesetzt
+<pb n="81"/><anchor id="Pg81"/>
+werden, bis die Zusammengehörigkeit der Eingebung
+mit dem Wirklichen einleuchtet und eingesehen wird. Dann
+erst wird die Eingebung zur Erkenntnis.
+</p>
+
+<p>
+Der Ausdruck Eingebung ist insofern ein vorläufiger. Zu
+einer wirklichen, von der Einbildung sich unterscheidenden Eingebung
+wird ein Gedanke erst dadurch, dass wir ihn zu einer
+wirklichen Erkenntnis erheben. Von den beiden Gedanken über
+das Wesen des Körperlichen, die wir erwähnten, scheint sicher
+zu sein, dass sie zu wirklichen Erkenntnissen nicht erhoben
+werden können. Nach dem ersteren Gedanken, der die Natur
+als Gegensatz zum Bewusstsein fasst, müsste man die Natur
+etwa als Schranke des Bewusstseins, als symbolischen Ausdruck
+seiner Endlichkeit auffassen, dem sich dann die scheinbar unendliche
+Ausdehnung der Natur im Raume als symbolischer
+Ausdruck ihrer vorgeblichen Unendlichkeit zur Seite stellt.
+Nach dem letzteren Gedanken müsste man etwa annehmen,
+dass die Natur in einer stufenweisen Entwicklung allmählich
+zu einem geistigen Dasein verklärt würde, wie es die Anschauung
+des neuen Testamentes ist oder zu sein scheint. Aber
+was in beiden Fällen die Wirklichkeit der Natur eigentlich
+sein soll, bleibt völlig dunkel.
+</p>
+
+<p>
+Wenn wir an dem wirklichen Bestehen von Eingebungen
+nicht zweifeln können, so fragt es sich, woher sie kommen.
+Wir haben gesehen, dass das Wesen der Dinge in ihrer Wahrheit
+besteht und dass sie nur dadurch, dass sie wahr sind,
+wirklich sein können. Ihre Wahrheit ist Bedingung ihrer
+Wirklichkeit und ihr gegenüber das Massgebende und Entscheidende.
+Alle Dinge hängen so mit dem Reiche der Wahrheit,
+mit dem System der Wahrheit zusammen &ndash; eine einzelne
+Wahrheit giebt es streng genommen nicht &ndash; sind von ihm
+durchdrungen oder in dasselbe eingegliedert. Das gilt natürlich
+auch von unsrem Bewusstsein, von unsrem Erkennen und allen
+dasselbe vorbereitenden Vorgängen. Sie sind aufs engste mit
+dem Reiche oder System der Wahrheit verbunden, und aus
+dieser Verbindung erklärt es sich, dass scheinbar unvermittelt
+in uns Gedanken auftreten oder, wie wir gewöhnlich sagen,
+uns eingegeben werden.
+</p>
+
+<p>
+Es giebt sicher zwei Erkenntnisquellen, das Wort im
+<pb n="82"/><anchor id="Pg82"/>
+weitesten Sinne genommen: nicht Quellen, aus denen wir die
+Erkenntnisse schöpfen, sondern Ausgangspunkte, zwei verschiedene
+Ausgangspunkte für unser Erkennen, die dasselbe
+bedingen und seinem Inhalte nach bestimmen. Das sind einerseits
+die Empfindungen als Erkenntnismittel der Aussenwelt
+und die Bewusstseinsvorgänge als Erkenntnismittel der Innenwelt,
+beide zusammen das ausmachend, was wir als Erfahrung
+bezeichnen können, wenn wir darunter eben den Ausgangspunkt
+für das Erkennen verstehen. Diesen stehen anderseits
+die Eingebungen gegenüber. Die Erkenntnis ist natürlich von
+beiden verschieden. Sie ist Sache des Denkens, der Vernunft,
+und besteht weder in einer blossen Umformung der Empfindungen,
+wie Condillac und die Sensualisten meinen, noch in einer blossen
+Umformung der Bewusstseinsvorgänge. Dass uns die Eingebungen,
+die nur dem hochentwickelten Bewusstsein zuteilwerden
+können, in den an die Erfahrung sich anschliessenden
+Formen des Denkens gegeben werden, hindert natürlich nicht,
+sie als Ausgangspunkt für das Erkennen in dem erörterten
+Sinne zu betrachten.
+</p>
+
+</div><div><head rend="body-subhead">
+Sechsundzwanzigste Untersuchung.
+</head>
+
+<p rend="body-subhead2">
+Religiöse Erkenntnisse.
+</p>
+
+<p>
+Nimmt man an, dass es künstlerische und wissenschaftliche
+Inspirationen giebt, so wird man auch den religiösen Inspirationen
+seine Anerkennung nicht versagen können. Die Religion ist,
+ganz allgemein gefasst, das Bewusstsein von der Verbindung
+des Menschen mit Gott und ein auf Grund dieses Bewusstseins
+eingeleiteter Verkehr des Menschen mit Gott, der in der rückhaltlosen
+Hingabe des Willens, der Person, des ganzen Wesens
+an Gott seinen Grund hat und in einer persönlichen Beziehung
+zu Gott besteht. Wird nun unter Gott, wie es in der Religion
+der Fall ist, das über der Welt der Erscheinungen erhabene
+Wesen verstanden, in dem alles wirkliche Sein und alle Wahrheit
+ihren Grund hat, so ist begreiflich, dass gerade auf religiösem
+Gebiete die Inspirationen die grösste Rolle spielen.
+Sie sind von der Religion ihrem wahren Wesen nach unabtrennbar.
+Das kann man nur leugnen, wenn man dieses Wesen
+völlig verkennt oder in sein Gegenteil verkehrt. In allen weltbewegenden
+<pb n="83"/><anchor id="Pg83"/>
+Religionen treten Seher, Propheten auf, die sich
+solcher von Gott empfangener Inspirationen rühmen. Sofern
+sie eine neue religiöse Bewegung herbeiführen, nennen wir sie
+Gründer, Stifter der Religionen oder Verbesserer, Reformatoren.
+Der Inhalt ihrer Inspirationen sind keineswegs, nicht einmal
+grösstenteils, Zukunftsbilder, sondern die ganze Natur und
+Menschenwelt umspannende Gedanken, die über das eigentliche
+Wesen und die Wahrheit der Dinge, d.&nbsp;h. über ihre Stellung
+und Bedeutung für die Gesamtheit des Wirklichen oder im
+System der Wahrheit Licht verbreiten. Sie haben deshalb zu
+allen Zeiten das lebhafte Interesse des Philosophen geweckt,
+dem es um die Erkenntnis des Wesens und der Wahrheit der
+Dinge zu thun ist.
+</p>
+
+<p>
+Allerdings sind diese Gedanken in erster Linie praktischer
+Natur, denn die Religion ist zunächst eine praktische, das Gefühl
+und den Willen angehende Angelegenheit. Aber sie
+schliessen die umfassendsten und bestimmtesten theoretischen
+Voraussetzungen ein, ohne die sie Halt und Bestand verlieren
+und bei deren Veränderung sie selbst völlig verändert werden.
+Und diese theoretischen Voraussetzungen sind nicht etwa darum
+wahr, weil sie sich praktisch für das Gefühl und den Willen
+bewähren. Der Wert der Praxis liegt gerade darin, dass diese
+Voraussetzungen wahr sind. Wie alles in der Welt, so erhält
+auch sie ihren Wert nur durch die Wahrheit, die sie natürlich
+nicht verbürgen und garantieren kann. Es ist eine den Religionsbegriff
+verflachende und entleerende Auffassung, wenn man
+erklärt, die Religion bestehe in blossen Gefühlen, und wenn
+man sie in diesem Sinne mit Gesinnungen verselbigt. Als ob
+Gesinnungen ohne theoretische Grundlagen denkbar wären!
+Gewiss, das Wesen der Religion, ihr Herz und ihre Seele
+besteht nicht in theoretischen Anschauungen, nicht in Lehren,
+sondern in der persönlichen Hingabe der Menschen an Gott, in
+dem Opfer seiner selbst. Aber wie verschieden ist doch die
+stoische Hingabe an den Weltlauf, die auch von den Stoikern
+als Gehorsam gegen Gott bezeichnet wird, und die christliche
+Ergebung in den Willen Gottes! Worin liegt die Verschiedenheit?
+Nun darin, weil die diesen Gesinnungen zugrunde liegende
+Lehre eine andere ist. Heilswahrheiten sind nicht wahr, weil
+<pb n="84"/><anchor id="Pg84"/>
+sie uns Heil bringen, sondern weil sie wahr sind, deshalb
+bringen sie uns Heil. Der Glaube als rückhaltlose Hingabe
+an Gott setzt die Erkenntnis Gottes als der rückhaltlosen Hingabe
+an uns voraus. Er soll den Frieden des Innern und die
+Kraft zum sittlichen Handeln bringen. Aber man kann nicht
+auf Probe glauben, abgesehen davon, dass das keine rückhaltlose
+Hingabe wäre. Mit andren Worten: die Erkenntnis, auf
+der der Glaube beruht und die uns seine Wirkung verbürgt,
+ist nicht um dieser Wirkung willen wahr, und der diese Erkenntnisse
+einschliessende Glaube erhält nicht durch diese seine
+Wirkung seine Wahrheit. Dass der Glaube seine Wahrheit nicht
+erhält durch seine Wirkungen, geht schon daraus hervor, dass
+die Wirkungen rein psychologisch auch eintreten, wenn der
+Glaube falsch ist, d.&nbsp;h. wenn die in ihm enthaltene Annahme,
+also das intellektuelle Element in ihm, nicht wahr ist. Ohne
+dieses intellektuelle Element, dass Gott ist, dass er die Liebe
+ist, kommt kein Glaube zustande, ohne dasselbe kann er keinen
+Augenblick bestehen. Ist es nicht wahr, so ist er Trug,
+Täuschung, Einbildung, also völlig wertlos, trotz seiner guten
+Wirkungen.
+</p>
+
+<p>
+Aber hat das intellektuelle Element, von dessen Wahrheit
+wir reden, in der Religion nur Bedeutung als Voraussetzung,
+als bedingender Bestandteil? Muss man nicht vielmehr sagen,
+die Wahrheit sei das Einzige, was um seiner selbst willen geschätzt
+werden müsse, alles andere könne nur darum geschätzt
+werden, weil es wahr ist (nur weil es wahr ist, ist es ja auch
+wirklich)? Wir sprechen von wahrer, wirklicher Liebe, von
+wahrer, wirklicher Sittlichkeit, von wahrem, wirklichem Menschsein
+und meinen damit eine Liebe, wie sie sein soll, eine
+Sittlichkeit, wie sie sein soll, einen Menschen, wie er sein soll.
+Das ist natürlich Wahrheit in andrem Sinne; Wahrheit als
+Übereinstimmung mit einem Ideal. Aber im höchsten Sinne ist
+Liebe, Sittlichkeit, Mensch nur wahr, insofern sie eine Stellung
+in der Gesamtheit des Wirklichen haben, die durch das System
+der Wahrheit bestimmt wird, also als Glieder des Reiches der
+Wahrheit &ndash; nur insofern haben sie eine ewige Bedeutung und
+einen unvergänglichen Wert. Insofern ist dann die Wahrheit
+alles in allem, das einzige, das wahrhaft höchste Gut. Dieser
+<pb n="85"/><anchor id="Pg85"/>
+höchste Sinn der Wahrheit muss auch für die Religion gelten.
+Als einzelne Wahrheit oder Teilwahrheit ist sie blosse Voraussetzung,
+bedingender Bestandteil der Religion; als Wahrheit
+im höchsten Sinn ist sie auch für die Religion alles. Was
+Voraussetzung, bedingender Bestandteil und insofern Anfang
+für Glaube, Liebe, Sittlichkeit, Religion ist, dass muss auch
+das Ende, das höchste Ziel sein. In diesem höchsten Sinne
+wird in der christlichen Religion Gott als die Wahrheit bezeichnet
+und die Erkenntnis mit dem ewigen Leben verselbigt,
+oder das ewige Leben auf die Erkenntnis zurückgeführt. »Das
+ist das ewige Leben, das sie Dich erkennen und den Du gesandt
+hast, Jesum Christum.« In diesem höchsten Sinne des
+Wortes Wahrheit wird dann auch in der christlichen Religion
+alles auf Gott, den König im Reiche der Wahrheit, bezogen, alles
+sub specie aeternitatis betrachtet, alles nach seiner ewigen Bedeutung
+im Gegensatze zu dem vergänglichen Scheine ins Auge
+gefasst und gewertet. In diesem höchsten Sinne des Wortes
+Wahrheit endlich wird alle Wahrheit in der christlichen Religion
+als auf Eingebung, Inspiration, Offenbarung beruhend betrachtet.
+</p>
+
+<p>
+Für die Erkenntnis der Wahrheit in diesem höchsten
+Sinne gilt dann freilich auch wieder Glaube, Liebe und Sittlichkeit
+als Bedingung. »Wer meine Worte hält und danach
+thut, der wird erkennen, dass sie wahr sind«. Insofern muss
+zugestanden werden, dass die Wahrheit wohl an sich, nicht
+aber für uns das höchste Gut ist. Für uns ist die Sittlichkeit
+ein höheres Gut als die Wahrheit und hinwiederum die Seligkeit,
+der Friede, ein höheres Gut als die Sittlichkeit. Denn
+nur wenn wir die Seligkeit oder den Frieden erlangt haben,
+können wir sittlich leben, und das sittliche Leben hinwiederum
+ist Bedingung der Erkenntnis der Wahrheit im vollen Sinne
+des Wortes. Insofern gilt der Primat des Willens, nicht der
+Primat des Intellekts; insofern können wir auch die beiden
+letzten Glieder der für das Zustandekommen des Glaubens
+wichtigen Reihe notitia assensus (Einsicht) fiducia umkehren
+und sagen notitia fiducia assensus, was übrigens auf den alten
+Satz von der fides quaerens intellectum hinauskommt.
+</p>
+
+<p>
+Man unterscheidet Eingebung und Offenbarung. Eingebungen,
+<pb n="86"/><anchor id="Pg86"/>
+Inspirationen werden einem Einzelnen zuteil, und
+wenn dieser sie andren mitteilt als von Gott stammend oder
+auf Inspiration beruhend, so werden sie Offenbarungen genannt.
+Kann der, dem die Eingebung zuteil wird, diese wirklich als
+Eingebung erkennen? Will man das bezüglich der künstlerischen
+und wissenschaftlichen Eingebungen nicht leugnen,
+so ist kein Grund vorhanden, es für die religiösen Eingebungen
+zu bestreiten. Dass der religiös Inspirierte seine Eingebungen
+auf Gott zurückführt, spricht nicht dagegen. Gott ist ihm der
+König und Herrscher im Reiche der Wahrheit, und vom Gläubigen
+wie von dem Künstler und Gelehrten gilt, dass er sein
+ganzes Sein und Wesen von diesem Reiche der Wahrheit zu
+Lehen trägt und nur als Glied dieses Reiches ein Sein und
+Wesen besitzt. Wie alle Dinge, so stehen auch die bevorzugten
+Menschen, die Künstler, Gelehrten und religiös Inspirierten
+unter dem unmittelbaren Einflusse dieses Reiches und
+werden von ihm unmittelbar berührt. Warum sollten sie nicht
+eine Einsicht und darum eine wirkliche Erkenntnis davon gewinnen
+können, dass ein in ihnen auftauchender Gedanke
+nicht das Ergebnis ihres Nachdenkens, noch weniger das Endglied
+einer rein mechanisch sich vollziehenden Association,
+sondern etwas wirklich Neues ist, das nur jenem geheimnisvollen
+Reiche der Wahrheit entstammen kann, das wir um
+des überzeitlichen Charakters aller Wahrheit willen annehmen
+mussten?
+</p>
+
+<p>
+Können auch diejenigen, denen die Eingebung als von
+Gott stammend verkündigt wird, eine Einsicht davon gewinnen,
+dass sie wahr ist, können sie mit andren Worten eine Einsicht
+davon gewinnen, dass der Verkündende die Wahrheit
+sagen kann und sagen will? Denn diese Einsicht ist der einzige
+Weg, auf dem wir uns von der Wahrheit einer Mitteilung
+durch andre, sofern sie eben eine Mitteilung ist und bleibt,
+überzeugen können. Massgebend hierfür und entscheidend ist
+einzig und allein der Eindruck der Persönlichkeit des Verkündigers
+nach seiner sittlichen und religiösen Seite. Es giebt
+und gab zu allen Zeiten Persönlichkeiten, die in beider Hinsicht
+einen überwältigenden Eindruck auf uns ausüben, solange
+wir uns gegen solche Eindrücke nicht verhärtet und abgestumpft
+<pb n="87"/><anchor id="Pg87"/>
+haben, wie wir ja auch gegenüber dem Eindrucke der
+Wahrheit, dem Einleuchten oder der Evidenz blind und gleichgültig
+werden können. Wenn wir jenen überwältigenden Eindruck
+erfahren, dann ist es einfach konsequent, jedenfalls einzig
+vernünftig, dass wir ihren auf Religion und Sittlichkeit sich
+beziehenden Aussagen rückhaltlosen Glauben schenken oder
+sie auf Grund dieser mittelbaren Einsicht für wahr halten &ndash; was
+auch immer geschieht, wenn nicht die eigenen Neigungen
+und Interessen jenen Aussagen widerstreiten. Ob wir unmittelbar
+von der Wahrheit dieser Aussagen eine Einsicht oder
+Erkenntnis gewinnen können, ist eine andere Frage, die aber
+für den Religiösen nur eine untergeordnete Bedeutung hat.
+Jener überwältigende Eindruck wird bei ihm ein Ergriffensein
+des Gemüts und Sichunterwerfen des Willens zur unmittelbaren
+Folge haben, das eine Verstärkung durch die unmittelbare Einsicht
+in die Wahrheit jener Aussagen schwerlich und nie, sehr
+häufig und leicht aber eine Abschwächung erfährt, da die unmittelbare
+Einsicht in die Wahrheit selbst die Gefahr mit sich
+bringt, die Wahrheit zu einer blossen Verstandes- oder Kopfwahrheit
+herabzusetzen. Darum begnügt sich der Religiöse
+gern und freudig mit der äusseren Einsicht in die Wahrheit
+der Offenbarung, die sich darauf stützt, dass der die Offenbarung
+Verkündigende die Wahrheit sagen konnte und sagen
+wollte.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Schluss.</hi>
+</p>
+
+<p>
+Man wird sagen, unsere Darlegung sei Metaphysik. Gewiss
+mit Recht! Wir kennen keine andren Wahrheiten als
+die einen überzeitlichen Charakter haben, und Wahrheit in
+diesem Sinne ist Metaphysik, auch wenn man sie durch ihre
+unlösbare Verbindung mit dem Erkennen davor schützt, Ding
+an sich zu sein. Wer die Metaphysik in diesem Sinne leugnet,
+für den giebt es keine Wahrheit mehr. Er ist unrettbar dem
+Skepticismus verfallen. Oder nicht? Man sagt, Wahrnehmungen,
+die sich bewähren, sind wahr, wie die Wahrnehmung,
+dass Digitalis den Puls herabsetzt, Chinin Fieber beseitigt.
+Oder Wahrnehmungen, die sich als Teil einem widerspruchslosen
+System von Sätzen einordnen lassen, sind wahr. In
+<pb n="88"/><anchor id="Pg88"/>
+beiden Fällen werden aus den Wahrnehmungen Erfahrungen.
+Das erstere ist die empiristische Wahrheitstheorie, das letztere
+die rationalistische. Aber es fragt sich, woher wir wissen, dass
+etwas sich bewährt, das etwas sich einem widerspruchslosen
+System von Sätzen einordnen lässt. Doch nur daraus, dass es uns
+einleuchtet und wir es einsehen. Was immer uns aber einleuchtet
+und was immer wir einsehen, das leuchtet uns ein, oder das sehen
+wir ein als eine Wahrheit, die für alle Zeiten und darum auch für
+alle Denkenden gilt. Das Sichbewährende ist, wie alles induktiv
+Erschlossene, nur wahrscheinlich, das Widerspruchslose
+nur möglicherweise wahr. Oft wenn die Verhältnisse
+einfach überschaubar sind, haben wir schon bei der einzelnen
+Wahrnehmung eine Einsicht in die Wahrheit. Wir erkennen
+z.&nbsp;B. sofort, dass der glühende Ofen verbrennt, dass
+Wasser aus Wasser- und Sauerstoff besteht; ebenso dass
+gleichseitige Dreiecke gleiche Winkel haben, dass Peripheriewinkel
+die Hälfte der Centriwinkel ausmachen. Dort bedarf
+es nur Einer Wahrnehmung, hier nur einer beliebig gewählten
+Figur. Das Probieren, Versuchen der Wiederholung einer
+Wahrnehmung oder ihrer Einordnung in ein System hat seinen
+Wert: die Wiederholung, um unsere Lebenszwecke zu sichern
+und zu fördern, die Einordnung, um ein Erkenntnisideal zu
+verwirklichen; aber beides ist kein Prüfstein der Wahrheit.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<div>
+<pb n="89"/><anchor id="Pg89"/>
+<index index="pdf" />
+<head>
+Namen- und Sachregister.
+</head>
+
+<p rend='bold'>A.</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Abhängigkeit</hi> völlige aller Dinge von Gott S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Absehen</hi> nicht das Wesen der Abstraktion S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>,
+ &ndash; von dem in den Sinnenbildern der Ausdehnung und Bewegung und den entsprechenden Kategorien enthaltenen irrationalen Element S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>, <ref target="Pg57">57</ref>&ndash;58.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Abstraktion</hi>, worin sie besteht S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>&ndash;22,
+ &ndash; geht der Generalisation voran, durch sie gewinnen wir unter anderm auch die wesentlichen Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>,
+ &ndash; sie schafft neue Einzelgebilde des Denkens, ist verschieden von den negativen Urteilen S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>&ndash;22.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>actio in distans</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg68">68</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Allgemein</hi> nicht dasselbe mit wesentlich S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Allgemeingültigkeit</hi> Folge der überzeitlichen Geltung S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Analyse und analytisches Verfahren</hi> nur die Kehrseite des Zieles des Erkennens, seine bloss formale Folgeerscheinung S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>,
+ &ndash; thut dem Erkennen, nicht Genüge S.&nbsp;<ref target="Pg27">27</ref>, <ref target="Pg29">29</ref>; warum man alle Urteile für analytische halten könnte S.&nbsp;<ref target="Pg26">26</ref> und <ref target="Pg27">27</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Analogieschluss</hi>, ob notwendig für die Erkenntnis fremder Bewusstseine S.&nbsp;<ref target="Pg67">67</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Animismus</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ansteckende Wirkung</hi> der Gefühlsäusserungen und Gefühle S.&nbsp;<ref target="Pg67">67</ref>&ndash;68.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Anerkennen</hi> der erkannten Wahrheit Pflicht S.&nbsp;<ref target="Pg43">43</ref>&ndash;44.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Anfang</hi> und Vorhandensein in der Zeit S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aperçu</hi> und Intuition, inwiefern dem Blick für das Wesentliche ähnlich S.&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref>,
+ &ndash; inwiefern von ihm verschieden S.&nbsp;<ref target="Pg80">80</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aphaireisthai</hi>, <hi rend='bold'>abstrahere</hi> s. <hi rend='bold'>Abstraktion</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aristokratisches Prinzip</hi> in der Natur: das Vollkommnere nicht das Stärkere siegt S.&nbsp;<ref target="Pg75">75</ref>&ndash;76.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aristoteles</hi> gegen die Trennung des Erkennens vom Gegenstand S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>,
+ &ndash; gegen die Trennung von Leib und Seele S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ &ndash; seine Kategorienlehre, in der das sinnfällige Wirkliche die erste Rolle spielt S.&nbsp;<ref target="Pg45">45</ref>, <ref target="Pg47">47</ref>,
+ &ndash; unbewegter Beweger S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>,
+ &ndash; kein Begriff ohne Phantasievorstellung S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aristoteliker</hi>: Prädikat der allgemeinere Begriff S.&nbsp;<ref target="Pg27">27</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Art</hi>, inwiefern sie zu den Prädikabilien gehört S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Assensus</hi>, inwiefern ihm die fiducia vorangeht S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Associatives Wissen</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Association</hi> der Willensimpulse mit den Sinnenbildern S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aufgenötigt</hi>, <hi rend='bold'>aufgedrängt</hi>, Empfindungen, Gedanken, auch Eingebungen; aber nicht das Einleuchten, die Einsicht S.&nbsp;<ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Augustins</hi> veritates aeternae S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ausdehnung</hi>, Sinnenbild und Begriff derselben S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>, irrationales Element in der Ausdehnung S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+
+<pb n="90"/><anchor id="Pg90"/>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Aussenwelt</hi>, was darunter nicht zu verstehen ist S.&nbsp;<ref target="Pg52">52</ref>, <ref target="Pg57">57</ref>;
+ wir haben von ihrer Existenz, nicht von ihrer Beschaffenheit eine unmittelbare Einsicht S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>;
+ warum wir bezüglich der Aussenwelt nicht leicht von einer Einsicht sprechen S.&nbsp;<ref target="Pg61">61</ref>, <ref target="Pg62">62</ref> und <ref target="Pg55">55</ref>;
+ sie steht mit unserm Bewusstsein in untrennbarem Zusammenhang S.&nbsp;<ref target="Pg56">56</ref> und <ref target="Pg63">63</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ausgangspunkte</hi> zwei verschiedene für unser Erkennen, Erkenntnismittel nicht eigentliche Erkenntnisquellen S.&nbsp;<ref target="Pg81">81</ref>&ndash;82.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ausserwesentlich</hi> das Zufällige, das Notwendige zum Teil, ob es zum Seienden gehört oder nicht S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>B.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'><corr sic="Bakon">Bacon</corr></hi> und die Methode der Naturwissenschaften S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bedeutung</hi> der überzeitlichen Geltung der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg4">4</ref>,
+ &ndash; von Raum und Zeit für das Reich der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg50">50</ref>,
+ &ndash; der Zeit S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg62">62</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Begriff</hi> von Ausdehnung und Bewegung verschieden von den entsprechenden Sinnenbildern und Vorstellungen S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>&ndash;12,
+ &ndash; von Punkt, Linie, Fläche, Geist desgleichen S.&nbsp;<ref target="Pg14">14</ref>;
+ &ndash; umfasst die wesentlichen Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg7">7</ref>&ndash;8,
+ &ndash; umfasst nicht alle Merkmale, die einem Ding und nur ihm zukommen S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>, <ref target="Pg46">46</ref>,
+ &ndash; der Religion S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>;
+ &ndash; der Philosophie S.&nbsp;<ref target="Pg15">15</ref>&ndash;17. Der <hi rend='italic'>Eine</hi> Begriff, welcher die Stellung der Dinge im System der Wahrheit bestimmt, und unsere Begriffe S.&nbsp;<ref target="Pg15">15</ref>, <ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Begriffsworte</hi> enthalten eine Wissensdisposition, die betreffenden Urteile fällen zu können S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Believe</hi> Dafürhalten, S.&nbsp;<ref target="Pg71">71</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Berkeley</hi> über die Dinge als Gedanken Gottes S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Berührung</hi> enthält ein irrationales Element a) als Bestandteil der Ausdehnung, b) als Bestandteil der Substanz S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>&ndash;49.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Beschränktheit</hi> als seiendes Nichtsein S.&nbsp;<ref target="Pg47">47</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bewegung</hi>, Sinnenbild und Begriff derselben S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>;
+ irrationales Element in der Bewegung S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Beweis</hi> für die Existenz der Aussenwelt S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>&ndash;56.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bewusstheit</hi> Wissen des Bewusstseinsvorgangs um sich selbst S.&nbsp;<ref target="Pg58">58</ref>,
+ &ndash; uneigentliches, nicht namentliches, nicht begriffliches Wissen, keine Einsicht oder Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>,
+ &ndash; hat einen übergreifenden Charakter S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>&ndash;61,
+ &ndash; analog dem Bewusstsein des Ich und Selbst von sich S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>,
+ &ndash; ist die Erscheinung der Bewusstseinsvorgänge im Bewusstsein, die sich in der Reflexion wiederholt S.&nbsp;<ref target="Pg64">64</ref>,
+ &ndash; kommt bei der Übertragung der sinnlichen Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge zur Geltung S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bewusstsein</hi> der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>;
+ unser Bewusstsein und die fremden Bewusstseine S.&nbsp;<ref target="Pg61">61</ref>;
+ Ich- und Selbstbewusstsein S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Beziehung</hi> auf die Objektivität gleich Bewusstsein der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>&ndash;7,
+ &ndash; setzt zwei Glieder voraus S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>,
+ &ndash; eine Kategorie S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bild</hi>, was ihm eigentümlich ist S.&nbsp;<ref target="Pg17">17</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Bildliche</hi> Vorstellungen S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Blick des Geistes für das Wesentliche</hi>, eine Abstraktion
+(s.&nbsp;d.) S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>;
+ &ndash; schafft, erzeugt ein neues Gebilde des Denkens, ist Voraussetzung der Urteile der zergliedernden, der verbindenden, der negativen S.&nbsp;<ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg14">14</ref>,
+ &ndash; vermittelt die Übertragung der sinnlichen Vorstellungen auf die Bewusstseinsvorgänge S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>,
+ &ndash;
+<pb n="91"/><anchor id="Pg91"/>
+ erste Stufe des Erkenntnisvorgangs, noch keine Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>;
+ doppelte Funktion dieses Blickes: Vereinzelung, Zusammenfassung, Trennen, Zusammenschauen S.&nbsp;<ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Blinde</hi> Überzeugung, worauf sie sich gründet S.&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>,
+ &ndash; Gewissheit, wodurch von der einsichtigen verschieden S.&nbsp;<ref target="Pg36">36</ref>,
+ &ndash; Wissensinhalte sehr zahlreich S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>, <ref target="Pg25">25</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Brentano</hi> über äussere und innere Wahrnehmung S.&nbsp;<ref target="Pg58">58</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>C.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Caput mortuum</hi> das Ding an sich, ein toter Punkt S. <ref target="PgVI">VI</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Cartesius</hi> Trennung von Leib und Seele S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Causari</hi> hervorgebracht werden, verschieden von sequi folgen S.&nbsp;<ref target="Pg32">32</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Christliche</hi> Ergebung und stoischer Gehorsam S.&nbsp;<ref target="Pg83">83</ref>,
+ &ndash; Religion, Mittelpunkt derselben S.&nbsp;<ref target="Pg79">79</ref>;
+ inwiefern sie Gott als die Wahrheit erklärt S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Commercium immediatum animarum</hi> unmittelbare, gegenseitige Beeinflussung der Bewusstseine S.&nbsp;<ref target="Pg68">68</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Condillac</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg82">82</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Criterium quo cognoscitur</hi> &ndash; das, wodurch wir erkennen, die Einsicht, Kennzeichen der Wahrheit im uneigentlichen Sinne S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Criterium secundum quod cognoscitur</hi> &ndash; das, gemäss dem wir erkennen, das Einleuchten Kennzeichen der Wahrheiten im eigentlichen Sinne S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Cues</hi> Nikolaus v., ideelle Existenz der Dinge wahrer als die zeiträumliche S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>D.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Definition</hi> der Empfindung unmöglich ohne Zuhülfenahme körperlicher Vorgänge S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ &ndash; der Wahrheit gewöhnliche, a) falsche Auffassung b) richtige Auffassung S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>.
+ Was gehört in die Definition? S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Denken</hi>, inwiefern Gegenstand der Logik S. <ref target="PgIV">IV</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Denkgesetze</hi> Formalgesetze: das Gesetz des Enthaltenseins und des Grundes S.&nbsp;<ref target="Pg33">33</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Denknotwendigkeit</hi> oft nur Folgerung aus der Gewissheit S.&nbsp;<ref target="Pg39">39</ref>,
+ &ndash; in keinem Falle Grund unserer Einsicht in die Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg40">40</ref>, <ref target="Pg41">41</ref>, <ref target="Pg42">42</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Descartes</hi> s. Cartesius.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ding an sich</hi> ein ungereimter Begriff S. <ref target="PgVI">VI</ref>,
+ &ndash; führt zu einer Auffassung der Definition der Wahrheit, die alle Erkenntnis unmöglich macht S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>,
+ die Wahrheit nicht Ding an sich S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Dinge im Allgemeinen</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>E.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Eckhart</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Eigenschaft</hi>, das Eigentümliche derselben S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>,
+warum sie ein Selbstständiges voraussetzt S.&nbsp;<ref target="Pg41">41</ref>,
+und Proprietät S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einbildung</hi> und Eingebung S.&nbsp;<ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einbildungskraft</hi> schöpferische verschieden von Eingebung S.&nbsp;<ref target="Pg77">77</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Eingebung</hi> verglichen mit dem Einleuchten, dem Blick für das Wesentliche, der Einsicht S.&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref>, <ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>,
+ &ndash; noch kein Erkennen, vielmehr Ausgangspunkt (zweiter) für das Erkennen S.&nbsp;<ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>,
+ wann Gedanken Eingebungen sind S.&nbsp;<ref target="Pg79">79</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>,
+ worin die Eingebungen ihren Grund haben S.&nbsp;<ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einheit</hi> Gesetz der Einheit S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>,
+ &ndash; Kategorie S.&nbsp;<ref target="Pg47">47</ref>;
+ &ndash; gebrochene in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>
+ &ndash; des Bewusstseins S.&nbsp;<ref target="Pg61">61</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einleuchten</hi> und <hi rend='bold'>Einsicht</hi>, Verschiedenheit beider S.&nbsp;<ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg23">23</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>,
+ Einleuchten keinerlei Zwang S.&nbsp;<ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>,
+<pb n="92"/><anchor id="Pg92"/>
+ <ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>,
+ &ndash; verglichen mit Inspiration und Auffassen der Inspiration S.&nbsp;<ref target="Pg78">78</ref>,
+ &ndash; wirklich oder bloss vermeintlich S.&nbsp;<ref target="Pg35">35</ref>, <ref target="Pg36">36</ref>, <ref target="Pg37">37</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>;
+ Schein des Einleuchtens, wie beseitigt S.&nbsp;<ref target="Pg37">37</ref>;
+ Einleuchten unmittelbar oder mittelbar S.&nbsp;<ref target="Pg37">37</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>.
+ Einsicht innere und äussere S.&nbsp;<ref target="Pg71">71</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>.
+ Einleuchten keine Erkenntnis, Grund der Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, Einleuchten Massstab, Kennzeichen der Wahrheit;
+ das, nach dem wir über Wahrheit und Falschheit urteilen S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einsicht</hi> Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>, Sehen, Wahrnehmen der Zusammengehörigkeit S.&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>,
+ &ndash; verschieden von Urteil, Bewusstsein der Wahrheit, Gewissheit S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>, keine wahrscheinliche oder zweifelhafte Einsicht möglich S.&nbsp;<ref target="Pg35">35</ref>, <ref target="Pg36">36</ref>
+ &ndash; hat keine Grade S.&nbsp;<ref target="Pg36">36</ref>,
+ &ndash; unmittelbare in die Existenz der Aussenwelt S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>
+ &ndash; in die religiös-sittliche Beschaffenheit eines Andern S.&nbsp;<ref target="Pg70">70</ref>, diese der Grund, dass wir seinen Aussagen über Religion und Sittlichkeit Glauben schenken S.&nbsp;<ref target="Pg87">87</ref>,
+ &ndash; subjektiv wie die Gewissheit S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>;
+ inwiefern kann die unmittelbare Einsicht grundlos, inwiefern der Grund der Einsicht, das Einleuchten, als subjektiv bezeichnet werden? S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>,
+ die vorausgehende Einsicht für die nachfolgende Reflexion eigentliches Kennzeichen der Wahrheit (criterium secundum quod), Einsicht an sich genommen nur uneigentlich sogenanntes Kennzeichen der Wahrheit (criterium quo) S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einzelwirklichkeit</hi> &ndash; Gegensatz Gesamtwirklichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg4">4</ref>,
+ Gesamtheit des Wirklichen S.&nbsp;<ref target="Pg15">15</ref>.
+ Gesetze für das Einzelwirkliche;
+ auch das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten gilt nur für das Einzelwirkliche S.&nbsp;<ref target="Pg29">29</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Empfindungen</hi> a) als Gegenstand der Reflexion S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>,
+ b) als Erkenntnismittel S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>,
+ c) isoliert vom Körper bei Cartesius und in der Psychologie S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ Definition der Empfindungen S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Enargein</hi> Einleuchten S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Einzelgebilde</hi> des Denkens, die wesentlichen Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg13">13</ref>,
+ &ndash; überhaupt das durch Abstraktion Geschaffene S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>;
+ das Urteil kein Einzelgebilde, vom Denken geschaffene Verbindung S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Enthaltensein</hi>, Gesetz des Enthaltenseins für Begriffe S.&nbsp;<ref target="Pg26">26</ref>;
+ Gesetz des Enthaltenseins für Urteile &ndash; das Gesetz des Grundes S.&nbsp;<ref target="Pg32">32</ref>;
+ im Enthaltensein eine Denknotwendigkeit vorhanden S.&nbsp;<ref target="Pg40">40</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Entwicklung</hi> fortschreitende in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg76">76</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg74">74</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Entwicklungstheorie</hi> führt den Zweckbegriff wieder ein S.&nbsp;<ref target="Pg75">75</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erfahrung</hi> Ausgangspunkt des Erkennens
+ a) die Empfindungen als Erkenntnismittel der Aussenwelt,
+ b) die Bewusstseinsvorgänge als Erkenntnismittel der Innenwelt,
+ &ndash; keine Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg82">82</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erinnerung</hi>, was sie ist S.&nbsp;<ref target="Pg61">61</ref>;
+ warum wir bei ihr nicht leicht von Einsicht reden S.&nbsp;<ref target="Pg61">61</ref>&ndash;62, unter welchen Vorbehalten es einsichtige Erinnerungen gibt S.&nbsp;<ref target="Pg62">62</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erkennen</hi> hat eine metaphysische Bedeutung S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>;
+ a) empiristischer Begriff,
+ b) rationalistischer Begriff des Erkennens S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>,
+ &ndash; Lehre vom Erkennen erster Teil der Logik, Lehre vom Denken zweiter Teil S. <ref target="PgIV">IV</ref>;
+ das Erkennen und die Wahrheit S. <ref target="PgIV">IV</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>;
+ die Wahrheit unabtrennbar vom Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>,
+ &ndash; nicht Abdruck, Spiegelbild, müssige Wiederholung der Wirklichkeit,
+<pb n="93"/><anchor id="Pg93"/>
+ besitzt die Wirklichkeit selbst S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg17">17</ref>.
+ Erkennen gleich Einsicht verschieden vom Urteil S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erkenntnisideal</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg88">88</ref>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erkenntnismittel</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg82">82</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erkenntniswert</hi> der Naturwissenschaften und Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>,
+ &ndash; der Begriffs- und Thatsachenurteile S.&nbsp;<ref target="Pg72">72</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Erklärung</hi> mechanische der Natur, wann möglich? S.&nbsp;<ref target="Pg75">75</ref>,
+ &ndash; psychologische der Entstehung und Zusammensetzung unserer Vorstellungen der Weltdinge S.&nbsp;<ref target="Pg52">52</ref>, <ref target="Pg12">12</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ermöglichung</hi> der Empfindungen S.&nbsp;<ref target="Pg52">52</ref>,
+ Gesetz der Ermöglichung S.&nbsp;<ref target="Pg32">32</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Evidenz evidentia</hi> Einleuchten S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ewigkeitscharakter</hi> der Wahrheit S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Existenz</hi> der Aussenwelt unmittelbar erkannt S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>,
+ &ndash; des Ich desgleichen;
+ keine Erkenntnis seiner Beschaffenheit S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>&ndash;64.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>F.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Faith</hi> Glaube in religiösem Sinne S.&nbsp;<ref target="Pg71">71</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Fiducia</hi> religiöser Glaube, der dem assensus der Zustimmung des Verstandes oder dem einsichtigen Urteil vorangeht, ein und dasselbe mit
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Fides</hi> quaerens intellectum religiöser Glaube, der die einsichtige Erkenntnis erstrebt d.&nbsp;h. die mit ihr verbundene äussere Einsicht durch die innere zu ergänzen sucht S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Farbe</hi>, Wesen der Farbe S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>,
+ unsere Auffassung der Farben Grund der Objektivationstheorie S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg55">55</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Formalgesetze</hi> Denkgesetze, das des Enthaltenseins und des Grundes S.&nbsp;<ref target="Pg33">33</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Formalkategorien</hi> Raum und Zeit S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Formen</hi> (3) des Gesetzes des Widerspruchs S.&nbsp;<ref target="Pg33">33</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Formulierung</hi> falsche des Kausalitätsgesetzes S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>&ndash;32.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Fragen</hi>, ihr Wert S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>&ndash;17,
+ Philosophie Wissenschaft der Fragen S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>,
+ &ndash; ob die Dinge so sind, wie wir sie wahrnehmen, thöricht, ungereimt S.&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg52">52</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>G.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gattung</hi>, wann Proprietät S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>, <ref target="Pg8">8</ref>,
+ verglichen mit der Zahl S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gebiet</hi> das sinnliche konstituiert von den Empfindungen, inwiefern? S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gedanken</hi> aufgedrängte S.&nbsp;<ref target="Pg80">80</ref>, <ref target="Pg22">22</ref>,
+ &ndash; Gottes die Dinge der Welt S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg56">56</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gefühle</hi> Grund der blinden Überzeugung S.&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>;
+ die Religion besteht nicht in blossen Gefühlen S.&nbsp;<ref target="Pg83">83</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gegenstand</hi> Unbestimmtheit des Wortes S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>;
+ einziger Gegenstand des Erkennens die Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>;
+ im eigentlichen Sinne giebt es nur auf Grund des Urteils Gegenstände S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gegenständlicher</hi> Charakter der Vorstellungen, wie kommt er zu Stande S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Geist</hi>, Blick des Geistes S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>, <ref target="Pg13">13</ref>&ndash;14, <ref target="Pg20">20</ref>&ndash;21, <ref target="Pg60">60</ref>;
+ &ndash; und Körper S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>, Begriff und Sinnenbild des Geistes S.&nbsp;<ref target="Pg14">14</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gelten</hi> mehr als Existieren S.&nbsp;<ref target="Pg4">4</ref>,
+ vergl. ideelle Existenz in Gott wahrer als zeiträumliche Existenz S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gemüt</hi>, Ergriffensein des Gemüts von der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Generalisation</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>&ndash;9.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Geschichte</hi>, Erkenntniswert der Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>,
+ Bedeutung des Individuums in der Geschichte S.&nbsp;<ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg77">77</ref>,
+ Fortschritt in der Geschichte S.&nbsp;<ref target="Pg76">76</ref>,
+ Gedanken in der Geschichte S.&nbsp;<ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gesamtheit des Wirklichen</hi> s. <hi rend='bold'>Einzelwirklichkeit</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gesetze</hi> als Ausdruck des Wesens der Dinge S.&nbsp;<ref target="Pg14">14</ref>;
+ &ndash; des Erkennens: Grundgesetz, Urteilsgesetze S.&nbsp;<ref target="Pg25">25</ref>
+<pb n="94"/><anchor id="Pg94"/>
+ u. <ref target="Pg29">29</ref>, Schlussgesetze S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref> ff.,
+ Gesetz der Gleichförmigkeit des Naturlaufs S.&nbsp;<ref target="Pg38">38</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gewissheit</hi> einsichtige und blinde, ihr Unterschied S.&nbsp;<ref target="Pg35">35</ref>&ndash;36.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Glaube</hi> in religiösem Sinne S.&nbsp;<ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg71">71</ref>, <ref target="Pg72">72</ref>;
+ als Fürwahrhalten der Mitteilungen andrer S.&nbsp;<ref target="Pg70">70</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Glaubensüberzeugungen</hi> geschichtliche Erkenntnisse S. <ref target="PgV">V</ref>, Kant über Glauben S. <ref target="PgV">V</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gleichheit</hi> und Verschiedenheit Prädikabilien S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Goethe</hi> über das Allgemeine und Besondere S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>;
+ Motto seiner Iphigenie S.&nbsp;<ref target="Pg78">78</ref>, <ref target="Pg79">79</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gravitation</hi> zeitlos S.&nbsp;<ref target="Pg68">68</ref>, Gesetz der &ndash; S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gott</hi> als Bewusstsein überhaupt S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg53">53</ref>,
+ &ndash; der Eine Erkennende vom System der Wahrheit vorausgesetzt S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>&ndash;31, <ref target="Pg85">85</ref>,
+ seinem Wesen nach Selbstentäusserung, rückhaltlose Hingabe S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Grund</hi>, Gesetz des Grundes S.&nbsp;<ref target="Pg32">32</ref>&ndash;33;
+ subjektiver, objektiver Grund der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>&ndash;31, <ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Gut</hi>, die Wahrheit an sich das höchste Gut S.&nbsp;<ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg44">44</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>&ndash;85,
+ nicht für uns S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>,
+ ein sittliches Gut, ein Gemeinschaftsgut S.&nbsp;<ref target="Pg44">44</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>H.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Hegel</hi> und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S.&nbsp;<ref target="Pg38">38</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Heraklit</hi> und die Evidenz des Gesetzes des Widerspruchs S.&nbsp;<ref target="Pg38">38</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Homoiosis</hi> Verähnlichung S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Horror vacui</hi> kein leerer Raum S.&nbsp;<ref target="Pg56">56</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Humes</hi> Irrtum über das Ich S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>I.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ich</hi>, inwiefern erkennbar S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>&ndash;64.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ideal</hi> der Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg88">88</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ideelle Existenz</hi> wahrer als zeiträumliche S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ideen</hi>, Persönlichkeiten in der Geschichte, ihre Träger S.&nbsp;<ref target="Pg76">76</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ideenwelt</hi> Platons dasselbe mit dem System der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Immediatum commercium animarum</hi> s.
+ <hi rend='bold'>Commercium</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Inhaltsmerkmal</hi> der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>;
+ die negativen Begriffe keine Inhaltsmerkmale S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Induktion</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>, <ref target="Pg66">66</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Individualität</hi> des Künstlers S.&nbsp;<ref target="Pg78">78</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Individuation</hi> Prinzip der &ndash; S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Intellectus</hi> s. <hi rend='bold'>Fides quaerens intellectum</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Irrational</hi> vom Erkennen nicht aufzuhellen S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Inkommensurabel</hi> vom Erkennen nicht aufzuhellen S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Intuitionen</hi> s. <hi rend='bold'>Aperçu</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Inspirationen</hi> s. <hi rend='bold'>Eingebung</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Isolierung</hi> der Teile des Ausgedehnten und Bewegten durch die Abstraktion S.&nbsp;<ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>,
+ der Empfindungen und körperlichen Vorgänge S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ der Bewusstseinsvorgänge S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>K.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kant</hi> über Glauben und Wissen S. <ref target="PgV">V</ref>,
+ sein Einfluss auf die Logik S. I;
+ Trennung des Gegenstandes vom Erkennen
+ &ndash; Ding an sich S. <ref target="PgVI">VI</ref> und S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>,
+ &ndash; vom guten Willen S.&nbsp;<ref target="Pg44">44</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kategorien</hi> des Aristoteles S.&nbsp;<ref target="Pg45">45</ref>,
+ &ndash; vier: Ding, Eigenschaft, Vorgang, Beziehung S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>,
+ Formalkategorien: Raum und Zeit;
+ Realkategorien: Substanz und Kausalität S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>,
+ Wesen und Einheit sind Kategorien S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>&ndash;47;
+ Wirklichkeit eine Realkategorie S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kausalität</hi> Verursachung;
+ Ursprung des Begriffs S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>&ndash;13, <ref target="Pg49">49</ref>,
+ Ursache und Vorgang S.&nbsp;<ref target="Pg28">28</ref>,
+ Gesetz der Kausalität S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>&ndash;32;
+ irrationales Element S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>;
+ &ndash; die Ermöglichung nicht hervorbringende Ursache S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg50">50</ref>,
+ &ndash; als symbolischer Ausdruck für die völlige Abhängigkeit der Dinge von Gott S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>.
+ Siehe <hi rend='bold'>Substanz</hi>.
+</p>
+
+
+<pb n="95"/><anchor id="Pg95"/>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kausalzusammenhang</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kenntnisnahme</hi> verschieden von Erkennen S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kenntnisse</hi> keine Erkenntnisse S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>&ndash;66, <ref target="Pg71">71</ref>,
+ &ndash; erster und zweiter Hand S.&nbsp;<ref target="Pg72">72</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kennzeichen</hi> der Wahrheit S. <ref target="PgIV">IV</ref>, <ref target="Pg3">3</ref>,
+ nicht die Einsicht sondern das Einleuchten S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kinder</hi> Erfahrungen an &ndash; S.&nbsp;<ref target="Pg67">67</ref>,
+ &ndash; unmündige S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>,
+ wodurch belehrt über den Unterschied des eigenen von fremden Körpern S.&nbsp;<ref target="Pg56">56</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Koinonia</hi> Teilnahme an einer Sache S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kopfwahrheit</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg45">45</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Körperwelt</hi>, unser Bewusstsein unabtrennbar mit ihr verbunden S.&nbsp;<ref target="Pg56">56</ref>, <ref target="Pg63">63</ref>,
+ doppelte Auffassung ihres Wesens S.&nbsp;<ref target="Pg74">74</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>,
+ dreifache Auffassung ihres Verhältnisses zum Geiste S.&nbsp;<ref target="Pg74">74</ref>&ndash;75.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Konstante</hi> Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg9">9</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Kraft</hi> enthält wie die Zeit und Kausalität ein irrationales Element, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt im Bewusstsein S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>L.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Leben</hi> das ewige eine Erkenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Leib</hi> und Seele untrennbar S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>,
+ vergl. S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Locke</hi> u. Aristoteles über die Schranken unserer Erkenntnis des Innenlebens anderer S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Logik</hi> als Denklehre in erster Linie Erkenntnislehre S. <ref target="PgIV">IV</ref>,
+ &ndash; formale u. erkenntnistheoretische S. <ref target="PgIII">III</ref>&ndash;IV.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Logismus</hi> formalistischer S. <ref target="PgVI">VI</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Lückenhaftigkeit</hi> der Erinnerung, wie erkannt S.&nbsp;<ref target="Pg62">62</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>M.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Materie</hi> siehe <hi rend='bold'>Kraft</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mathematik</hi>, ob für alle verständlich S. <ref target="PgVI">VI</ref>I,
+ warum und inwiefern ihre Lehrsätze durch- (ein-)sichtige Klarheit besitzen S.&nbsp;<ref target="Pg58">58</ref>, <ref target="Pg49">49</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mensch</hi>, Begriff des Menschen S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>,
+ Wesen des Menschen S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Merkmale</hi>, Wertunterschiede unter den Merkmalen S.&nbsp;<ref target="Pg8">8</ref>,
+ &ndash; wesentliche und unwesentliche S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>&ndash;7, <ref target="Pg46">46</ref>,
+ &ndash; begriffliche und sinnfällige S.&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref> ff.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Metaphysik</hi> vermeintliche Grundvoraussetzung das Ding an sich S. <ref target="PgVI">VI</ref>,
+ Scheu vor der Metaphysik S. <ref target="PgVI">VI</ref>,
+ Begriff der Wahrheit ist Metaphysik S.&nbsp;<ref target="Pg87">87</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Metaphysische Bedeutung</hi> des Erkennens S. <ref target="PgVI">VI</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Methode psychologische</hi>, Isolierung der Empfindungen vom Körper S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ der Bewusstseinsvorgänge von einander S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mill, Stuart</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>, <ref target="Pg52">52</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mittelalterliche</hi> Philosophie S.&nbsp;<ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mitgeteilte</hi> Urteile keine selbstgefällten S.&nbsp;<ref target="Pg70">70</ref>&ndash;71.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Mitte</hi> zwischen Bejahen und Verneinen ausgeschlossen für das Einzelwirkliche S.&nbsp;<ref target="Pg29">29</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>N.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nacheinander</hi> in der Zeit ausgeschlossen durch den Übergang S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Namenwissen</hi> blosse Kenntnis S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>&ndash;66.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Namentliches</hi> begriffliches Wissen eigentliches Wissen S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Natur</hi> Wissenschaft der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>&ndash;58,
+ Erkenntniswert geringer als der der Geschichte S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg73">73</ref>, <ref target="Pg76">76</ref>,
+ Auffassung der Natur mechanische S.&nbsp;<ref target="Pg75">75</ref>,
+ Auffassung der Natur doppelte unverifizierbare S.&nbsp;<ref target="Pg74">74</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Natura non facit saltus</hi> keine Sprünge in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg56">56</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nebeneinander</hi>, ausgeschlossen durch die Berührung S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Neues</hi> in Natur und Geschichte S.&nbsp;<ref target="Pg77">77</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Newtons</hi> Gravitationsgesetz S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Negation</hi> nur im Urteil möglich, setzt
+<pb n="96"/><anchor id="Pg96"/>
+aber den Blick für das, was anders ist, voraus S.&nbsp;<ref target="Pg14">14</ref>, <ref target="Pg28">28</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nichtsein</hi> wirkliches S.&nbsp;<ref target="Pg47">47</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nichtseinsollendes</hi> ob wirklich S.&nbsp;<ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg47">47</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nihil.</hi> <hi rend='bold'>Ex nihilo fit nihil.</hi> Aus Nichts wird Nichts S.&nbsp;<ref target="Pg77">77</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Nötigung</hi> keinerlei &ndash; beim Einleuchten und der Einsicht. S.&nbsp;<ref target="Pg22">22</ref>, <ref target="Pg34">34</ref>, <ref target="Pg38">38</ref>, <ref target="Pg80">80</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Notwendigkeit des Denkens</hi> scheinbare als Folge der Gewissheit. S.&nbsp;<ref target="Pg39">39</ref>, <ref target="Pg42">42</ref>&ndash;43
+ wirkliche einsichtige im Verhältnis des Enthaltenseins S.&nbsp;<ref target="Pg40">40</ref>,
+ wirkliche einsichtige in den Unverträglichkeitsverhältnissen S.&nbsp;<ref target="Pg41">41</ref>&ndash;42,
+ wirkliche einsichtslose S.&nbsp;<ref target="Pg41">41</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>O.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Objektiver</hi> Grund aller Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Objektivationstheorie</hi>, Grund derselben S.&nbsp;<ref target="Pg54">54</ref>,
+ Ersatz derselben S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Offenbarung</hi> im allgemeinen Sinne die Inspiration mit einschliessend S.&nbsp;<ref target="Pg77">77</ref>,
+ im Unterschied von der Inspiration S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>&ndash;86.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ort</hi> der Dinge, Ursprung des Bewusstseins derselben S.&nbsp;<ref target="Pg52">52</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ortsbestimmung</hi> löst alles in Beziehungen auf, setzt darum ein Unräumliches voraus S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>.
+ Prinzip der Individuation S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>P.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Parusia</hi> Gegenwart S.&nbsp;<ref target="Pg6">6</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Pestalozzi</hi> über die Schranken unserer Erkenntnis des Innern anderer S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Phantasie</hi> schöpferische des Künstlers S.&nbsp;<ref target="Pg78">78</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Phantasiebild</hi> als Begleiter der Begriffe S.&nbsp;<ref target="Pg55">55</ref>, <ref target="Pg59">59</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Persönliches Verhältnis</hi> das Wesen der Religiosität S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Persönlichkeiten</hi> in der Geschichte als Träger der Ideen S.&nbsp;<ref target="Pg76">76</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Philosophie</hi> Wissenschaft vom Wesen der Dinge, Wissenschaft der Fragen S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Prinzip</hi> aristokratisches in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg76">76</ref>,
+ &ndash; der Individuation S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Platons</hi> Theätet S. <ref target="PgVI">VI</ref>I,
+ Ideenlehre S.&nbsp;<ref target="Pg7">7</ref>,
+ Ansicht vom Körper S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>, <ref target="Pg55">55</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Psychologische Methode</hi> Isolierung der Empfindungen vom Körper S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>,
+ der Bewusstseinsvorgänge von einander S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Primat des Intellekts, des Willens</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Probe</hi> auf Probe glauben in religiösem Sinne unmöglich S.&nbsp;<ref target="Pg84">84</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Porphyrius</hi> über die Prädikabilien S.&nbsp;<ref target="Pg45">45</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Proprietät</hi> und Eigenschaft S.&nbsp;<ref target="Pg46">46</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>R.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Rationalistischer</hi> Begriff des Erkennens S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>,
+ der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg88">88</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Raum</hi> als Kategorie S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>,
+ als Begriff S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>,
+ Formalkategorie, Prinzip der Individuation S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>,
+ symbolischer Ausdruck der scheinbaren Selbstständigkeit der Dinge, der Unendlichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>,
+ enthält ein irrationales Element, gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in unserm Bewusstsein S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Realgesetze</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg33">33</ref>&ndash;34.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Realkategorien</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg50">50</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Rehmke</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg53">53</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Religion</hi>, positive Seite der Moral S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>,
+ ihr Wesen S.&nbsp;<ref target="Pg82">82</ref>, <ref target="Pg83">83</ref>,
+ ihre doppelte Wirkung S.&nbsp;<ref target="Pg84">84</ref>, vergl. S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>,
+ Bedeutung der Erkenntnis in der Religion S.&nbsp;<ref target="Pg84">84</ref>&ndash;85.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Reflexion</hi> verschieden von dem Bewusstheit genannten Wissen S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>,
+ Wiederholung desselben S.&nbsp;<ref target="Pg64">64</ref>,
+ Empfindung als Gegenstand der Reflexion S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>S.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Scheinbar</hi>, inwiefern das Scheinbare wirklich S.&nbsp;<ref target="Pg19">19</ref>,
+ die geliehene Selbstständigkeit verschieden von der anmasslichen nicht etwas bloss Scheinbares S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg19">19</ref>,
+ scheinbare Selbstständigkeit, Symbol derselben S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Schöpfung</hi> Akt der Selbstentäusserung S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>.
+</p>
+
+
+<pb n="97"/><anchor id="Pg97"/>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Schranken</hi> unübersteigliche oder noch nicht überwundene für die Erkenntnis der Aussenwelt und unserer eigenen Innenwelt S.&nbsp;<ref target="Pg64">64</ref>,
+ für die Erkenntnis der Innenwelt anderer S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Schluss</hi> der Analogie S.&nbsp;<ref target="Pg67">67</ref>,
+ der Induktion S.&nbsp;<ref target="Pg66">66</ref>, <ref target="Pg9">9</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Selbstbewusstsein</hi> unmittelbare Einsicht in die Zusammengehörigkeit der Bewusstseinsvorgänge, die wir unsere nennen, mit dem Ich oder Selbst, S.&nbsp;<ref target="Pg63">63</ref>, <ref target="Pg61">61</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Selbsterkenntnis</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Selbstentäusserung</hi> s. <hi rend='bold'>Schöpfung</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Seligkeit</hi> als Friede, Voraussetzung der Sittlichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Sensualisten</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg82">82</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Sinnfällige</hi> Wirklichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>,
+ &ndash; Eigenschaften S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Sinnliches</hi> Gebiet, wodurch konstituiert S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>&ndash;60,
+ sinnliche Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Sinnenbilder</hi>, was sie sind S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>;
+ die Grundbestandteile des Sinnlichen, Sinnfälligen, die Sinnenbilder der Ausdehnung und Bewegung S.&nbsp;<ref target="Pg10">10</ref>&ndash;11,
+ einfache Sinnenbilder die genannten, aus ihnen entstehen erweiterte, neue, umfassendere S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>,
+ Sinnenbilder und Vorstellungen S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>&ndash;12,
+ Sinnenbilder und Begriffe S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Sittlichkeit</hi> in dem negativen Moment der Selbstlosigkeit bestehend, das einer Ergänzung bedarf S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>,
+ Kraft zum sittlichen Handeln S.&nbsp;<ref target="Pg84">84</ref>;
+ inwiefern für uns ein höheres Gut als die Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg85">85</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Skepticismus</hi> &ndash; Folge der Leugnung des metaphysischen Charakters der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg87">87</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Spinoza</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="Pg7">7</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Stoiker</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg83">83</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Stoische Hingabe</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg83">83</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Stufen</hi>, Vorstufen und Stufen als Bestandteile des Erkenntnisvorgangs S.&nbsp;<ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg21">21</ref>, S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>&ndash;23.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Subjektiv</hi> grundlos was <corr sic="ummittelbar">unmittelbar</corr> einleuchtet, hat einen objektiven Grund S.&nbsp;<ref target="Pg31">31</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Subjekt</hi> der Urteile das Einzelwirkliche S.&nbsp;<ref target="Pg29">29</ref>,
+ &ndash; Sinnenbilder oder Vorstellungen und wesentliche Merkmale S.&nbsp;<ref target="Pg26">26</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Substanz</hi> entsteht aus dem Willensding S.&nbsp;<ref target="Pg12">12</ref>,
+ setzt ein umfassenderes Sinnenbild als die Ausdehnung voraus S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>,
+ begriffliche Bearbeitung, Begriff der Substanz S.&nbsp;<ref target="Pg13">13</ref>, <ref target="Pg49">49</ref>,
+ enthält das irrationale Element in verdoppeltem Masse S.&nbsp;<ref target="Pg49">49</ref>,
+ gehört darum nur zur Erscheinung der Welt in unserm Bewusstsein S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>,
+ symbolischer Ausdruck für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Synthese</hi> Ziel des Erkennens, nicht Analyse S.&nbsp;<ref target="Pg27">27</ref>, <ref target="Pg29">29</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Symbolischer Ausdruck</hi> für die scheinbare Selbständigkeit der Dinge Raum und Substanz, für ihre völlige Abhängigkeit Zeit und Kausalität S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>System</hi> der Wahrheit wesentlich S.&nbsp;<ref target="Pg30">30</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg15">15</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>T.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Thatsachen</hi>, Urteile über Thatsachen überzeitlich S.&nbsp;<ref target="Pg4">4</ref>,
+ &ndash; und Gedanken, S.&nbsp;<ref target="Pg3">3</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Trennung</hi> abstrakte von Leib und Seele, Gegenstand und Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>II, <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>,
+ Abstraktion ein Trennen, Isolieren S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>, <ref target="Pg13">13</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>U.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Übereinstimmung</hi>, Gesetz der &ndash; S.&nbsp;<ref target="Pg25">25</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Übergreifender Charakter</hi> der Bewusstheit, warum notwendig, S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>, <ref target="Pg61">61</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Übertragung</hi> der sinnlichen Vorstellungen auf geistige Vorgänge wie vermittelt? S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>, <ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+
+<pb n="98"/><anchor id="Pg98"/>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Überzeugung</hi>, blinde, ihr Grund S.&nbsp;<ref target="Pg34">34</ref>&ndash;35,
+ auch als Gewissheit von der einsichtigen Gewissheit verschieden S.&nbsp;<ref target="Pg36">36</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Unerkennbarkeit</hi> des Wesens der Dinge S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>&ndash;25.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Untrennbarkeit</hi> der Seele vom Leibe (seinem Wesen nach), des Gegenstandes vom Erkennen S. <ref target="PgVI">VI</ref>, <ref target="Pg1">1</ref>, <ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg54">54</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Unverträglichkeitsverhältnisse</hi> S.&nbsp;<ref target="Pg41">41</ref>&ndash;42.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Urteil</hi> gedankliches Gebilde, Verbindung von gedanklichen Einzelgebilden S.&nbsp;<ref target="Pg23">23</ref>,
+ sein gedanklicher Ausdruck eine Analyse, schliesst bei allen synthetischen, nicht auf dem Enthaltensein beruhenden Urteilen eine Synthese als bedingenden Bestandteil ein, sprachlicher Ausdruck wieder Synthese S.&nbsp;<ref target="Pg26">26</ref>&ndash;27.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>V.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Verkündiger</hi> der Offenbarung, kann die Eingebung als solche erkennen S.&nbsp;<ref target="Pg86">86</ref>, <ref target="Pg79">79</ref>,
+ wann glaubwürdig S.&nbsp;<ref target="Pg86">86</ref>&ndash;87, <ref target="Pg69">69</ref>&ndash;70.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Verstandesakt</hi> die Einsicht S.&nbsp;<ref target="Pg43">43</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Vorgefundenes</hi> Grundelement der Thatsachen S.&nbsp;<ref target="Pg3">3</ref>,
+ von doppelter Art: Sinnenbilder und Vorstellungen S.&nbsp;<ref target="Pg20">20</ref>&ndash;21.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Vorstellungen</hi>, wie werden aus den Empfindungen Vorstellungen? S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>&ndash;12,
+ sinnliche und übertragene S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>, <ref target="Pg60">60</ref>,
+ keine blossen Vorstellungen von den Bewusstseinsvorgängen S.&nbsp;<ref target="Pg60">60</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>W.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wahrheit</hi>, metaphysischer immanenter empiristischer, rationalistischer Wahrheitsbegriff S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg48">48</ref>, <ref target="Pg87">87</ref>&ndash;88,
+ keine einzelne Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>,
+ Wahrheit und Wirklichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg86">86</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>&ndash;6, <ref target="Pg4">4</ref>,
+ <ref target="PgV">V</ref>, Wahrheit und Wesen der Dinge S.&nbsp;<ref target="Pg15">15</ref>,
+ Wahrheit an sich höchstes Gut S.&nbsp;<ref target="Pg18">18</ref>, <ref target="Pg85">85</ref>,
+ Wahrheit kein Ding an sich S.&nbsp;<ref target="Pg2">2</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>, <ref target="Pg6">6</ref>, <ref target="Pg31">31</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wahrscheinlichkeit</hi> der Sätze der Induktion S.&nbsp;<ref target="Pg66">66</ref>,
+ das einzige, was die empiristische Wahrheitstheorie verbürgt S.&nbsp;<ref target="Pg88">88</ref>,
+ keine wahrscheinliche Einsicht sondern nur Einsicht in die Wahrscheinlichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg35">35</ref>&ndash;37.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wesen</hi> s. <hi rend='bold'>Wahrheit</hi> &ndash; der Religiosität S.&nbsp;<ref target="Pg69">69</ref>,
+ &ndash; der Farbe,
+ &ndash; des Menschen S.&nbsp;<ref target="Pg16">16</ref>,
+ &ndash; der Religion S.&nbsp;<ref target="Pg83">83</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wesentliche</hi> s. <hi rend='bold'>Blick für das Wesentliche</hi>; &ndash; Merkmale der Sinnenbilder noch keine Erkenntnis des Wesens S.&nbsp;<ref target="Pg21">21</ref>;
+ ob immer mit Einsicht verbunden? S.&nbsp;<ref target="Pg25">25</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wirklichkeit</hi>, ganz und gar abhängig von der Wahrheit S. <ref target="PgV">V</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="Pg5">5</ref>&ndash;6, <ref target="Pg19">19</ref>, <ref target="Pg81">81</ref>, <ref target="Pg84">84</ref>, <ref target="Pg86">86</ref>,
+ Sinnfällige Wirklichkeit S.&nbsp;<ref target="Pg48">48</ref>,
+ Wirklichkeit Realkategorie S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>,
+ Was ist Wirklichkeit? S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>, <ref target="Pg4">4</ref>, <ref target="PgVI">VI</ref>I.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wissen</hi>, Wissens-Disposition S.&nbsp;<ref target="Pg11">11</ref>,
+ &ndash; uneigentliches nicht namentliches, nicht begriffliches S.&nbsp;<ref target="Pg59">59</ref>,
+ Namenwissen S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>&ndash;66,
+ &ndash; associatives S.&nbsp;<ref target="Pg65">65</ref>,
+ Wissen und Glauben S.&nbsp;<ref target="Pg70">70</ref>&ndash;71.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wissenschaft</hi>, Naturwissenschaft S. <ref target="PgVI">VI</ref>,
+ beschreibende S.&nbsp;<ref target="Pg57">57</ref>,
+ erklärende S.&nbsp;<ref target="Pg73">73</ref>,
+ Geschichtswissenschaft S.&nbsp;<ref target="Pg72">72</ref>&ndash;73.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Wissenschaftliche</hi> Inspiration S.&nbsp;<ref target="Pg79">79</ref>&ndash;81.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Z.</hi>
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Zeit</hi> vergl. <hi rend='bold'>Raum</hi>, &ndash; symbolischer Ausdruck der thatsächlichen Abhängigkeit und Beschränktheit S.&nbsp;<ref target="Pg51">51</ref>,
+ Zeitlichkeit des Erkenntnisvorganges S.&nbsp;<ref target="Pg5">5</ref>&ndash;6.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Ziel</hi> des Erkennens, Synthese nicht Analyse S.&nbsp;<ref target="Pg24">24</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Zielstrebigkeit</hi> in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg75">75</ref>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Zulänglichkeit</hi> des Kennzeichens der Wahrheit S.&nbsp;<ref target="Pg3">3</ref>, <ref target="Pg36">36</ref>&ndash;38.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Zusammengehörigkeit</hi> S. <ref target="PgVI">VI</ref>II, <ref target="Pg24">24</ref>, <ref target="Pg20">20</ref>, <ref target="Pg22">22</ref>,
+ siehe <hi rend='bold'>Einleuchten</hi> und <hi rend='bold'>Einsicht</hi>.
+</p>
+
+<p>
+<hi rend='bold'>Zweckzusammenhang</hi> in der Natur S.&nbsp;<ref target="Pg74">74</ref>.
+</p>
+<p rend='font-size: small; text-align: center'>A. W. Zickfeldt Osterwieck Harz</p>
+</div>
+ </body>
+ <back>
+ <div rend="page-break-before: right">
+ <index index="pdf" />
+ <head>Anmerkungen der Korrekturleser</head>
+ <p>Von den Korrekturlesern des <hi>Project Gutenberg</hi> wurden
+ mehrere Änderungen am Originaltext vorgenommen.</p>
+ <p>Seite 7 Zeile 13 lies statt Unveränderliche <hi rend='bold'>Veränderliche</hi> (Diese Anmerkung erscheint im Original auf Seite&nbsp;XVIII und wurde in der Gutenberg-Fassung berücksichtigt).</p>
+ <p>Auf den (Original-)Seiten XIII, 75, 90 und 91 wurden die Anfangsbuchstaben 'Ue'
+ zu 'Ü' komprimiert.
+ </p>
+ <p>Es folgen paarweise Textzeilen im Original und in der vorliegenden
+ geänderten Fassung.</p>
+<eg>
+sondern auch allem Vergänglichen, Unveränderlichen so entgegengesetzte
+sondern auch allem Vergänglichen, Veränderlichen so entgegengesetzte
+
+nicht enbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
+nicht entbehren können. Um ihn zu vermeiden, mussten wir
+
+einer vermeinlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
+einer vermeintlichen Einsicht und eines vermeintlichen Einleuchtens
+
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengegehörigen
+ein solcher Notwendigkeitszusammenhang des Zusammengehörigen
+
+reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegegebene
+reden, aber man darf eben nur dies mit dem Enthaltensein gegebene
+
+auch zum Seienden? Gattung und Art sind oftenbar Prädikabilien,
+auch zum Seienden? Gattung und Art sind offenbar Prädikabilien,
+
+Bakon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9.
+Bacon und die Methode der Naturwissenschaften S. 9.
+
+Subjektiv grundlos was ummittelbar
+Subjektiv grundlos was unmittelbar
+
+ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntniss von den Dingen
+ohne dass wir darum wüssten. Unsre Erkenntnis von den Dingen
+
+Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiösität S. 69.
+Persönliches Verhältnis das Wesen der Religiosität S. 69.
+</eg>
+
+ </div>
+ <div rend="page-break-before: right">
+ <divGen type="pgfooter" />
+ <index index="pdf" />
+ </div>
+
+
+ </back>
+</text>
+</TEI.2>