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+The Project Gutenberg EBook of Märchen-Sammlung, by Ludwig Bechstein
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Märchen-Sammlung
+
+Author: Ludwig Bechstein
+
+Editor: Hans Fraungruber
+
+Illustrator: Karl Fahringer
+
+Release Date: December 9, 2007 [EBook #23787]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MÄRCHEN-SAMMLUNG ***
+
+
+
+
+Produced by Louise Hope, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
+file was produced from images generously made available
+by The Internet Archive)
+
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+
+
+
+ Gerlach’s Jugendbücherei
+
+
+ Märchen-Sammlung von L. Bechstein.
+ Texte gesichtet von Hans Fraungruber.
+ Bilder von Karl Fahringer.
+
+ Verlag v. Martin Gerlach & Co.
+ Wien und Leipzig.
+ [Abbildung: Verlagszeichen]
+
+
+
+
+ Inhalt:
+
+ Seite
+ Der Wolf und die sieben Geißlein 3
+ Der Schmied von Jüterbog 10
+ Der Hase und der Fuchs 16
+ Der beherzte Flötenspieler 19
+ Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel 26
+ Das Kätzchen und die Stricknadeln 34
+ Der goldene Rehbock 37
+ Die drei Federn 45
+ Der kleine Däumling 51
+ Das Natterkrönlein 62
+ Der fette Lollus und der magere Lollus 70
+ Gevatterin Kröte 81
+ Zwergenmützchen 83
+ Die Kornähren 97
+
+
+ Druck von Christoph Reißer’s Söhne, Wien
+ V. Ausstattung gesetzlich geschützt.
+
+
+
+
+ [Kleinbild]
+
+Der Wolf und die sieben Geißlein.
+
+ [_Das Märchen enthält sieben Abbildungen, zwei davon bunt_]
+
+
+Es ist einmal eine alte Geiß gewesen, die hatte sieben junge
+Zicklein, und wie sie einmal fort in den Wald wollte, hat sie
+gesagt: „Ihr lieben Zicklein, nehmt euch in acht vor dem Wolf und
+laßt ihn nicht herein, sonst seid ihr alle verloren.“ Darnach ist
+sie fortgegangen.
+
+In einer Weile rappelt was an der Haustüre und ruft: „Macht auf,
+macht auf, liebe Kinder! Euer Mütterlein ist aus dem Walde
+gekommen!“ Aber die sieben Geißlein erkannten’s gleich an der groben
+Stimme, daß das ihr Mütterlein nicht war, und haben gerufen: „Unser
+Mütterlein hat keine so grobe Stimme!“ Und haben nicht aufgemacht.
+
+Nach einer Weile rappelt’s wieder an der Türe und ruft ganz fein und
+leise: „Macht auf, macht auf, ihr lieben Kinder! Euer Mütterlein ist
+aus dem Walde gekommen!“
+
+Aber die jungen Geißlein guckten durch die Türspalte und haben ein
+Paar schwarze Füße gesehen und gerufen: „Unser Mütterlein hat keine
+so schwarzen Füße!“ Und haben nicht aufgemacht.
+
+Wie das der Wolf, denn er war es, gehört hat, ist er geschwind hin
+in die Mühle gelaufen und hat die Füße ins Mehl gesteckt, daß sie
+ganz weiß worden sind. Darnach ist er wieder vor die Türe gekommen,
+hat die Füße zur Spalte hineingesteckt und hat wieder ganz leise
+gerufen: „Macht auf, macht auf, ihr lieben Kinder! Euer Mütterlein
+ist aus dem Walde gekommen!“
+
+Und wie die Geißlein die weißen Füße gesehen haben und die leise
+Stimme gehört, da haben sie ja gemeint, ihr Mütterlein sei’s, und
+haben geschwind aufgemacht, so ist der Wolf hereingesprungen. Ach,
+wie sind da die armen Geißlein erschrocken und haben sich verstecken
+wollen! Eines ist unters Bett, eins unter den Tisch, eines hinter
+den Ofen, eins hinter einen Stuhl, eins hinter einen großen
+Milchtopf und eins in den Uhrkasten gesprungen. Aber der Wolf hat
+sie alle gefunden und hinabgeschluckt. Hernach ist er fortgegangen,
+hat sich in den Garten unter einen Baum gelegt und hat angefangen zu
+schlafen.
+
+Wie hernach die alte Geiß aus dem Walde zurückgekommen ist, hat
+sie das Haus offen gefunden und die Stube leer, da hat sie gleich
+gedacht: „Jetzt ist’s nicht geheuer“, und hat angefangen, ihre
+lieben Zicklein zu suchen. Sie hat sie aber nicht finden können,
+wo sie auch gesucht hat, und so laut sie auch gerufen hat, es hat
+keins Antwort gegeben. Endlich ist sie in den Garten gegangen, da
+hat der Wolf noch gelegen unterm Baum und hat geschlafen und hat
+geschnarcht, daß alle Äste gezittert haben; und wie sie näher zu ihm
+gekommen ist, hat sie gesehen, daß etwas in seinem Bauche gezappelt
+hat. Da hatte sie eine Freude und dachte, ihre Geißlein leben wohl
+noch. Jetzt ist sie geschwind hinein ins Häuslein gesprungen, hat
+eine Schere geholt, und hat dem Wolf den Bauch aufgeschnitten; da
+sind ihre sieben Geißlein eins nach dem andern herausgesprungen und
+haben alle noch gelebt. Darnach hat die Alte geschwind sieben
+Wackersteine dem Wolf in seinen Bauch gesteckt und hat den wieder
+zugenäht.
+
+Wie der Wolf munter wurde, hatte er Durst und ist an den Brunnen
+gegangen, um zu trinken; aber wie er einen Schritt gegangen
+ist, da haben die Wackersteine in seinem Bauch angefangen
+zusammenzuschlagen, und da hat er gesagt:
+
+ [Kleinbilder]
+
+ „Was rumpelt,
+ Was pumpelt
+ In meinem Bauch?
+ Ich hab’ gemeint, ich hab’ junge Geißlein drein,
+ Und jetzt sind’s nichts als Wackerstein’!“
+
+Und wie nun der Wolf an den Brunnen gekommen ist und hat trinken
+wollen, so haben ihn die Wackersteine hineingezogen, und er ist
+ertrunken. Und die alte Geiß ist mit ihren Zicklein vor Freude um
+den Brunnen herumgetanzt.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Der Schmied von Jüterbog.
+
+ [_Fünf Abbildungen (1 Bunt)_]
+
+
+Im Städtlein Jüterbog hat einmal ein Schmied gelebt, von dem
+erzählen sich Kinder und Alte ein wundersames Märlein. Es war dieser
+Schmied erst ein junger Bursche, der treulich Gottes Gebote hielt,
+aber einen sehr strengen Vater hatte. Er tat große Reisen und
+erlebte viele Abenteuer; dabei war er in seiner Kunst über alle
+Maßen geschickt und tüchtig. Auch hatte er eine Stahltinktur, die
+jeden damit bestrichenen Harnisch undurchdringlich machte. Er
+gesellte sich dem Heere Kaiser Friedrichs I. zu, wo er kaiserlicher
+Rüstmeister wurde und den Kriegszug nach Mailand und Apulien
+mitmachte. Dort eroberte er den Heer- und Bannerwagen der Stadt und
+kehrte endlich, nachdem der Kaiser gestorben war, mit vielem
+Reichtum in seine Heimat zurück. Er sah gute Tage, dann wieder böse
+und wurde über hundert Jahre alt. Einst saß er in seinem Garten
+unter einem alten Birnbaum, da kam auf einem Esel ein graues
+Männlein geritten, das sich schon mehrmals als des Schmiedes
+Schutzgeist bewiesen hatte. Dieses Männchen herbergte bei dem
+Meister und ließ den Esel beschlagen, was jener gern tat, ohne Lohn
+zu heischen. Darauf sagte das Männlein zu ihm, er solle drei Wünsche
+tun, aber dabei das Beste nicht vergessen. Da wünschte der Schmied,
+weil die Diebe ihm oft die Birnen gestohlen, es solle keiner, der
+auf den Birnbaum gestiegen, ohne seinen Willen wieder herunter
+können -- und weil er auch in der Stube öfters bestohlen worden war,
+so wünschte er, es solle niemand ohne seine Erlaubnis in die Stube
+kommen können, es wäre denn durch das Schlüsselloch. Bei jedem
+dieser törichten Wünsche warnte das Männlein: „Vergiß das Beste
+nicht!“ -- und da tat der Schmied den dritten Wunsch: „Das Beste ist
+ein guter Schnaps, so wünsche ich, daß diese Bulle niemals leer
+werde!“ -- „Deine Wünsche sind gewährt“, sprach das Männchen, strich
+noch mit der Hand über einige Stangen Eisen, die in der Schmiede
+lagen, setzte sich auf seinen Esel und ritt von dannen. Das Eisen
+war in blankes Silber verwandelt, der vorher arm gewordene Schmied
+war wieder reich und lebte fort und fort bei gutem Wohlsein, denn
+die nie versiegenden Magentropfen in der Bulle waren, ohne daß er es
+wußte, ein Lebenselixir. Endlich klopfte der Tod an, der ihn so
+lange vergessen zu haben schien. Der Schmied war scheinbar auch gern
+bereitwillig, mit ihm zu gehen und bat nur, ihm ein kleines Labsal
+zu vergönnen und ein paar Birnen von dem Baum zu holen, den er nicht
+selbst mehr besteigen könne aus großer Altersschwäche. Der Tod stieg
+auf den Baum, und der Schmied sprach: „Bleib droben!“ denn er hatte
+Lust, noch länger zu leben. Der Tod fraß alle Birnen vom Baum, dann
+gingen seine Fasten an, und vor Hunger verzehrte er sich selbst mit
+Haut und Haar, daher er jetzt nur noch ein so scheußlich dürres
+Gerippe ist. Auf Erden aber starb niemand mehr, weder Mensch noch
+Tier; darüber entstand viel Unheil, und endlich ging der Schmied hin
+zum klappernden Tod und verhandelte mit ihm, daß er ihn fürder in
+Ruhe lasse, dann gab er ihn frei. Wütend floh der Tod von dannen und
+begann auf Erden aufzuräumen. Da er sich an dem Schmied nicht rächen
+konnte, so hetzte er ihm den Teufel auf den Hals. Dieser machte sich
+flugs auf den Weg, aber der pfiffige Schmied roch den Schwefel
+voraus, schloß seine Türe zu, hielt mit den Gesellen einen ledernen
+Sack an das Schlüsselloch, und wie Herr Urian hindurchfuhr, da er
+nicht anders in die Schmiede konnte, wurde der Sack zugebunden, zum
+Amboß getragen und nun ganz unbarmherziglich mit den schwersten
+Hämmern auf den Teufel losgepocht, daß ihm Hören und Sehen verging,
+er ganz mürbe wurde und das Wiederkommen auf immer verschwur. Nun
+lebte der Schmied noch gar lange Zeit in Ruhe, bis er, da alle
+Freunde und Bekannte gestorben waren, des Erdenlebens satt und müde
+wurde. Machte sich deshalb auf den Weg und ging nach dem Himmel, wo
+er bescheidentlich am Tore klopfte. Da schaute der heilige Petrus
+herfür, und Peter der Schmied erkannte in ihm seinen Schutzpatron
+und Schutzgeist, der ihn oft aus Not und Gefahr sichtbar errettet
+und ihm zuletzt die drei Wünsche gewährt hatte. Jetzt sprach Petrus:
+„Hebe dich weg, der Himmel bleibt dir verschlossen; du hast das
+Beste zu erbitten vergessen: die Seligkeit!“ -- Auf diesen Bescheid
+wandte sich Peter, gedachte sein Heil in der Hölle zu versuchen und
+wanderte wieder abwärts, fand auch bald den rechten, breiten und
+vielbegangenen Weg. Als aber der Teufel erfuhr, daß der Schmied von
+Jüterbog im Anzuge sei, schlug er ihm das Höllentor vor der Nase zu
+und setzte die Hölle gegen ihn in Verteidigungsstand. Da nun der
+Schmied von Jüterbog weder im Himmel noch in der Hölle Zuflucht fand
+und auf Erden es ihm nimmer gefallen wollte, so ist er hinab in den
+Kyffhäuser gegangen zu Kaiser Friedrich, dem er einst gedient. Der
+alte Kaiser, sein Herr, freute sich, als er seinen Rüstmeister
+kommen sah, und fragte ihn gleich, ob die Raben noch um den Turm der
+Burgruine Kyffhäuser flögen? Und als Peter das bejahte, so seufzte
+der Rotbart. Der Schmied aber blieb im Berge, wo er des Kaisers
+Handpferd und die Pferde der Prinzessin und die der reitenden
+Fräulein beschlägt, bis des Kaisers Erlösungsstunde auch ihm
+schlagen wird. -- Und das wird geschehen nach dem Munde der Sage,
+wenn dereinst die Raben nicht mehr um den Berg fliegen und auf dem
+Ratsfeld nahe dem Kyffhäuser ein alter, dürrer, abgestorbener
+Birnbaum wieder ausschlägt, grünt und blüht. Dann tritt der Kaiser
+hervor mit all seinen Wappnern, schlägt die große Schlacht der
+Befreiung und hängt seinen Schild an den wieder grünen Baum. Hierauf
+geht er mit seinem Gesinde zu der ewigen Ruhe.
+
+
+
+
+Der Hase und der Fuchs.
+
+
+ [Abbildung]
+
+Ein Hase und ein Fuchs reisten beide miteinander. Es war
+Winterszeit, grünte kein Kraut, und auf dem Felde kroch weder Maus
+noch Laus. „Das ist ein hungriges Wetter,“ sprach der Fuchs zum
+Hasen, „mir schnurren alle Gedärme zusammen.“ -- „Ja wohl“,
+antwortete der Hase. „Es ist überall Dürrhof, und ich möchte meine
+eigenen Löffel fressen, wenn ich damit ins Maul langen könnte.“
+
+So hungrig trabten sie miteinander fort. Da sahen sie von weitem ein
+Bauernmädchen kommen, das trug einen Handkorb, und aus dem Korbe kam
+dem Fuchs und dem Hasen ein angenehmer Geruch entgegen, der Geruch
+von frischen Semmeln. „Weißt du was!“ sprach der Fuchs, „lege dich
+der Länge nach hin und stelle dich tot. Das Mädchen wird seinen Korb
+hinstellen und dich aufheben wollen, um deinen armen Balg zu
+gewinnen, denn Hasenbälge geben Handschuhe; derweilen erwische ich
+den Semmelkorb, uns zum Troste.“
+
+ [Abbildung]
+
+Der Hase tat nach des Fuchsens Rat, fiel hin und stellte sich tot,
+und der Fuchs duckte sich hinter einer Windwehe von Schnee. Das
+Mädchen kam, sah den frischen Hasen, der alle Viere von sich
+streckte, stellte richtig den Korb hin und bückte sich nach dem
+Hasen. Jetzt wischte der Fuchs hervor, erschnappte den Korb und
+strich damit querfeldein; gleich war der Hase lebendig und folgte
+eilend seinem Begleiter. Dieser aber stand gar nicht still und
+machte keine Miene, die Semmeln zu teilen, sondern ließ merken, daß
+er sie allein fressen wollte. Das vermerkte der Hase sehr übel. Als
+sie nun in die Nähe eines kleinen Weihers kamen, sprach der Hase zum
+Fuchs: „Wie wär’ es, wenn wir uns eine Mahlzeit Fische verschafften?
+Wir haben dann Fische und Weißbrot wie die großen Herren! Hänge
+deinen Schwanz ein wenig ins Wasser, so werden die Fische, die jetzt
+auch nicht viel zu beißen haben, sich daranhängen. Eile aber, ehe
+der Weiher zufriert!“
+
+Das leuchtete dem Fuchs ein, er ging hin an den Weiher, der eben
+zufrieren wollte, und hing seinen Schwanz hinein, und eine kleine
+Weile, so war der Schwanz des Fuchses fest angefroren. Da nahm der
+Hase den Semmelkorb, fraß die Semmeln vor des Fuchses Augen ganz
+gemächlich, eine nach der andern und sagte zum Fuchs: „Warte nur,
+bis es auftaut, warte nur bis ins Frühjahr, warte nur, bis es
+auftaut!“ und lief davon, und der Fuchs bellte ihm nach wie ein
+böser Hund an der Kette.
+
+ [Kleinbild]
+
+
+
+
+Der beherzte Flötenspieler.
+
+ [_Sechs Abbildungen (1 bunt)_]
+
+
+Es war einmal ein lustiger Musikant, der die Flöte meisterhaft
+spielte; er reiste daher in der Welt herum, spielte auf seiner Flöte
+in Dörfern und Städten und erwarb sich dadurch seinen Unterhalt. So
+kam er auch eines Abends auf einen Pachtershof und übernachtete da,
+weil er das nächste Dorf vor einbrechender Nacht nicht erreichen
+konnte. Er wurde von dem Pachter freundlich aufgenommen, mußte mit
+ihm speisen und nach geendigter Mahlzeit einige Stücklein
+vorspielen. Als dieses der Musikant getan hatte, schaute er zum
+Fenster hinaus und gewahrte in kurzer Entfernung bei dem Scheine des
+Mondes eine alte Burg, die teilweise in Trümmern zu liegen schien.
+„Was ist das für ein altes Schloß?“ fragte er den Pachter, „und wem
+hat es gehört?“ Der Pachter erzählte, daß vor vielen, vielen Jahren
+ein Graf da gewohnt hätte, der sehr reich aber auch sehr geizig
+gewesen wäre. Er hätte seine Untertanen sehr geplagt, keinem armen
+Menschen ein Almosen gegeben und sei endlich ohne Erben (weil er aus
+Geiz sich nicht einmal verheiratet habe) gestorben. Darauf hätten
+seine nächsten Anverwandten die Erbschaft in Besitz nehmen wollen,
+hätten aber nicht das geringste Geld gefunden. Man behaupte daher,
+er müsse den Schatz vergraben haben und dieser möge heute noch in
+dem alten Schloß verborgen liegen. Schon viele Menschen wären des
+Schatzes wegen in die alte Burg gegangen, aber keiner wäre wieder
+zum Vorschein gekommen. Daher habe die Obrigkeit den Eintritt in
+dies alte Schloß untersagt und alle Menschen im ganzen Lande
+ernstlich davor gewarnt. -- Der Musikant hatte aufmerksam zugehört,
+und als der Pachter seinen Bericht geendigt hatte, äußerte er, daß
+er großes Verlangen habe, auch einmal hineinzugehen, denn er sei
+beherzt und kenne keine Furcht. Der Pachter bat ihn aufs dringendste
+und endlich schier fußfällig, doch ja sein junges Leben zu schonen
+und nicht in das Schloß zu gehen. Aber es half kein Bitten und
+Flehen, der Musikant war unerschütterlich.
+
+Zwei Knechte des Pachters mußten ein Paar Laternen anzünden und den
+beherzten Musikanten bis an das alte Schloß begleiten. Dann schickte
+er sie mit einer Laterne wieder zurück, er aber nahm die zweite in
+die Hand und stieg mutig eine hohe Treppe hinan. Als er diese
+erstiegen hatte, kam er in einen großen Saal, um den ringsherum
+Türen waren. Er öffnet die erste und ging hinein, setzte sich an
+einen darin befindlichen altväterischen Tisch, stellte sein Licht
+darauf und spielte Flöte. Der Pachter aber konnte die ganze Nacht
+vor lauter Sorgen nicht schlafen und sah öfters zum Fenster hinaus.
+Er freute sich jedesmal unaussprechlich, wenn er drüben den Gast
+noch musizieren hörte. Doch als seine Wanduhr elf schlug und das
+Flötenspiel verstummte erschrak er heftig und glaubte nun nicht
+anders, als der Geist oder der Teufel, oder wer sonst in diesem
+Schlosse hauste, habe dem schönen Burschen nun ganz gewiß den Hals
+umgedreht. Doch der Musikant hatte ohne Furcht sein Flötenspiel
+abgewartet und gepflegt; als aber sich endlich Hunger bei ihm regte,
+weil er nicht viel bei dem Pachter gegessen hatte, so ging er in dem
+Zimmer auf und nieder und sah sich um. Da erblickte er einen Topf
+voll ungekochter Linsen stehen, auf einem andern Tische stand ein
+Gefäß voll Wasser, eines voll Salz und eine Flasche Wein. Er goß
+geschwind Wasser über die Linsen, tat Salz daran, machte Feuer in
+dem Ofen, weil auch schon Holz dabei lag, und kochte sich eine
+Linsensuppe. Während die Linsen kochten, trank er die Flasche Wein
+leer, und dann spielte er wieder Flöte. Als die Linsen gekocht
+waren, rückte er sie vom Feuer, schüttete sie in die auf dem Tische
+schon bereitstehende Schüssel und aß frisch darauf los. Jetzt sah er
+nach seiner Uhr, und es war um die elfte Stunde. Da ging plötzlich
+die Tür auf, zwei lange schwarze Männer traten herein und trugen
+eine Totenbahre, auf der ein Sarg stand. Diese stellten sie, ohne
+ein Wort zu sagen, vor den Musikanten, der sich keineswegs im Essen
+stören ließ, und gingen ebenso lautlos, wie sie gekommen waren,
+wieder zur Tür hinaus. Als sie sich nun entfernt hatten, stand der
+Musikant hastig auf und öffnete den Sarg. Ein altes Männchen, klein
+und verhutzelt, mit grauen Haaren und grauem Barte, lag darinnen;
+aber der Bursche fürchtete sich nicht, nahm es heraus, setzte es an
+den Ofen, und kaum schien es gewärmt zu sein, als sich schon Leben
+in ihm regte. Er gab ihm hierauf Linsen zu essen und war ganz mit
+dem Männchen beschäftigt, ja fütterte es wie eine Mutter ihr Kind.
+Da wurde das Männchen ganz lebhaft und sprach zu ihm: „Folge mir!“
+Das Männchen zog voraus, der Bursche aber nahm seine Laterne und
+folgte ihm sonder Zagen. Es führte ihn nun eine hohe, verfallene
+Treppe hinab, und so gelangten endlich beide in ein tiefes,
+schauerliches Gewölbe.
+
+Hier lag ein großer Haufen Geld. Da gebot das Männchen dem Burschen:
+„Diesen Haufen teile mir in zwei ganz gleiche Teile, aber daß nichts
+übrig bleibt, sonst bringe ich dich ums Leben!“ Der Bursche lächelte
+bloß, fing sogleich an zu zählen, auf zwei große Tische herüber und
+hinüber, und brachte so das Geld in kurzer Zeit in zwei gleiche
+Teile, doch zuletzt -- war noch ein Kreuzer übrig. Der Musikant aber
+besann sich kurz, nahm sein Taschenmesser heraus, setzte es mit der
+Schneide auf den Kreuzer und schlug ihn mit einem dabeiliegenden
+Hammer entzwei. Als er nun die eine Hälfte auf diesen, die andere
+auf jenen Haufen warf, wurde das Männchen ganz heiter und sprach:
+„Du himmlischer Mann, du hast mich erlöst! Schon hundert Jahre muß
+ich meinen Schatz bewachen, den ich aus Geiz zusammengescharrt habe,
+bis es einem gelingen würde, das Geld in zwei gleiche Teile zu
+teilen. Noch nie ist es einem gelungen, und ich habe sie alle
+erwürgen müssen. Der eine Haufen Geld ist nun dein, den andern aber
+teile unter die Armen. Göttlicher Mensch, du hast mich erlöst!“
+Darauf verschwand das Männchen. Der Bursche aber stieg die Treppe
+hinan und spielte in seinem Zimmer lustige Stücklein auf seiner
+Flöte.
+
+Da freute sich der Pachter, daß er ihn wieder spielen hörte, und mit
+dem frühesten Morgen eilte er auf das Schloß (denn am Tage durfte
+jedermann hinein) und begrüßte den Burschen voller Freude. Dieser
+erzählte ihm die Geschichte, dann ging er hinunter zu seinem Schatz,
+tat, wie ihm das Männchen befohlen hatte, und verteilte die Hälfte
+unter die Armen. Das alte Schloß aber ließ er niederreißen, und bald
+stand an der vorigen Stelle ein neues, wo nun der Musikant als
+reicher Mann wohnte.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+ [Kleinbild]
+
+Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel.
+
+ [_Sieben Abbildungen_]
+
+
+Diese Geschichte ist ganz lügenhaft anzuhören, Jungens, aber wahr
+ist sie doch, denn mein Großvater, von dem ich sie habe, pflegte
+immer, wenn er sie erzählte, dabei zu sagen: „Wahr muß es doch sein,
+meine Söhne, denn sonst könnte man sie ja nicht erzählen.“ Die
+Geschichte aber hat sich so zugetragen:
+
+Es war einmal an einem Sonntagsmorgen in der Herbstzeit, just als
+der Buchweizen blühte. Die Sonne war goldig am Himmel aufgegangen,
+der Morgenwind strich frisch über die Stoppeln, die Lerchen sangen
+in der Luft, die Bienen summten in dem Buchweizen, und die Leute
+gingen in ihren Sonntagskleidern nach der Kirche, kurz, alle Kreatur
+war vergnügt und der Swinegel auch.
+
+Der Swinegel aber stand vor seiner Tür, hatte die Arme
+übereinandergeschlagen, guckte dabei in den Morgenwind hinaus und
+trällerte ein Liedchen vor sich hin, so gut und schlecht, als es nun
+eben am lieben Sonntagmorgen ein Swinegel zu singen vermag. Indem er
+nun noch so halbleise vor sich hinsang, fiel ihm auf einmal ein, er
+könne wohl, während seine Frau die Kinder wüsche und anzöge, ein
+bißchen im Felde spazieren und dabei sich umsehen, wie seine
+Steckrüben stünden. Die Steckrüben waren das Nächste bei seinem
+Hause, und er pflegte mit seiner Familie davon zu essen, und deshalb
+sah er sie denn auch als die seinigen an. Der Swinegel machte die
+Haustüre hinter sich zu und schlug den Weg nach dem Felde ein.
+Er war noch nicht sehr weit vom Hause und wollte just um den
+Schlehenbusch hinaufschlendern, der da vor dem Felde liegt, als ihm
+der Hase begegnete, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war,
+nämlich um seinen Kohl zu besehen. Als der Swinegel des Hasen
+ansichtig wurde, bot er ihm einen freundlichen guten Morgen. Der
+Hase aber, der nach seiner Weise ein gar vornehmer Herr war und
+grausam hochfahrig dazu, antwortete nichts auf des Swinegels Gruß,
+sondern sagte zu ihm, wobei er eine gewaltig hohe Miene annahm: „Wie
+kommt es denn, daß du schon bei so frühem Morgen im Felde
+rumläufst?“ „Ich gehe spazieren,“ sagte der Swinegel. „Spazieren?“
+lachte der Hase, „mich deucht du könntest deine Beine auch wohl zu
+besseren Dingen gebrauchen.“ Diese Antwort verdroß den Swinegel über
+alle Maßen, denn alles kann er vertragen, aber auf seine Beine läßt
+er nichts kommen, eben weil sie von Natur schief sind. „Du bildest
+dir wohl ein,“ sagte nun der Swinegel, „daß du mit deinen Beinen
+mehr ausrichten kannst?“ „Das denk’ ich“, sagte der Hase. „Nun, es
+käme auf einen Versuch an,“ meinte der Swinegel, „ich pariere, wenn
+wir wettlaufen, ich laufe euch vorbei.“ „Das ist zum lachen -- du
+mit deinen schiefen Beinen!“ sagte der Hase „aber meinetwegen mag es
+sein, wenn du so übergroße Lust hast. Was gilt die Wette?“ „Einen
+goldenen Lujedor und eine Buttelje Schnaps,“ sagte der Swinegel.
+„Angenommen,“ sprach der Hase „schlag ein, und dann kann’s gleich
+losgehen.“ „Nein, so große Eile hat es nicht,“ meinte der Swinegel,
+„ich bin noch ganz nüchtern; erst will ich nach Hause gehn und ein
+bißchen frühstücken. In einer halben Stunde bin ich auf dem Platze.“
+Darauf ging der Swinegel, denn der Hase war es zufrieden.
+
+Unterwegs dachte der Swinegel bei sich: „Der Hase verläßt sich auf
+seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er dünkt sich
+zwar ein vornehmer Herr zu sein, ist aber doch ein dummer Kerl, und
+bezahlen muß er auch.“ Als nun der Swinegel zu Hause ankam, sagte er
+zu seiner Frau: „Frau zieh dich eilig an, du mußt mit ins Feld
+hinaus.“ „Was gibt es denn?“ sagte die Frau. „Ich habe mit dem Hasen
+um einen goldenen Lujedor und eine Buttelje Schnaps gewettet. Ich
+will mit ihm um die Wette laufen, und da sollst du dabei sein.“
+„O mein Gott, mein Mann!“ schrie Swinegels Frau, „bist du nicht klug,
+hast du den Verstand verloren? Wie kannst du mit dem Hasen um die
+Wette laufen wollen?“ „Laß gut sein, Weib,“ sagte der Swinegel, „das
+ist meine Sache. Räsoniert nicht in Männergeschäfte. Ziehe dich an
+und dann komm mit.“ Was sollte die Frau machen? Sie mußte wohl
+folgen, sie mochte wollen oder nicht.
+
+Als sie nun miteinander unterwegs waren, sprach der Swinegel zu
+seiner Frau also: „Nun paß auf, was ich dir sagen werde. Sieh, auf
+dem langen Acker dort wollen wir unsern Wettlauf machen. Der Hase
+läuft nämlich in der einen Furche und ich in der andern, und von
+oben fangen wir an zu laufen. Nun hast du weiter nichts zu tun, als
+du stellst dich hier unten in die Furche, und wenn der Hase auf der
+andern Seite ankommt, so rufst du ihm entgegen: „Ich bin schon da!““
+
+Damit waren sie beim Acker angelangt, der Swinegel wies seiner Frau
+ihren Platz an und ging nun den Acker hinauf. Als er oben ankam, war
+der Hase schon da. „Kann es losgehen?“ sagte der Hase. „Jawohl“,
+erwiderte der Swinegel. „Dann man zu!“ Und damit stellte sich jeder
+in seine Furche. Der Hase zählte: „Eins, zwei, drei!“ und los ging
+er wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Swinegel aber lief nur
+ungefähr drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche nieder und
+blieb ruhig sitzen.
+
+Als nun der Hase im vollen Laufen unten ankam, rief ihm Frau
+Swinegel entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase stutzte und
+verwunderte sich nicht wenig. Er meinte nicht anders, es wäre der
+Swinegel selbst, der ihm das zurufe, denn bekanntlich sieht
+Swinegels Frau gerade so aus wie ihr Mann.
+
+Der Hase aber meinte: „Das geht nicht mit rechten Dingen zu.“ Er
+rief: „Noch einmal gelaufen, wieder herum!“ Und fort ging es wieder
+wie der Sturmwind, so daß ihm die Ohren am Kopfe flogen. Frau
+Swinegel blieb indes ruhig auf ihrem Platz. Als nun der Hase oben
+ankam, rief ihm der Swinegel entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase
+aber, ganz außer sich vor Eifer, schrie: „Nochmal gelaufen, wieder
+herum!“ „Mir recht,“ antwortete der Swinegel, „meinetwegen so oft
+als du Lust hast.“ So lief der Hase dreiundsiebzigmal, und der
+Swinegel hielt es immer mit ihm aus. Jedesmal, wenn der Hase unten
+oder oben ankam sagte der Swinegel oder seine Frau: „Ich bin
+schon da.“
+
+Zum vierundsiebzigstenmal kam der Hase nicht mehr zu Ende. Mitten
+auf dem Acker stürzte er zur Erde, das Blut floß ihm aus dem Halse,
+und er blieb tot auf dem Platze. Der Swinegel aber nahm seinen
+gewonnenen Louisdor und die Flasche Branntwein, rief seine Frau aus
+der Furche ab, und beide gingen vergnügt nach Hause, und wenn sie
+nicht gestorben sind, leben sie noch.
+
+So begab es sich, daß auf der Buxtehuder Heide der Swinegel den
+Hasen zu Tode gelaufen hat, und seit jener Zeit hat es sich kein
+Hase wieder einfallen lassen, mit dem Buxtehuder Swinegel um die
+Wette zu laufen.
+
+Die Lehre aber aus dieser Geschichte ist deutlich, daß keiner, und
+wenn er sich auch noch so vornehm dünkt, sich soll beikommen lassen,
+über den geringen Mann sich lustig zu machen, und wäre es auch nur
+ein Swinegel.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Das Kätzchen und die Stricknadeln.
+
+ [_Drei Abbildungen (1 bunt)_]
+
+
+Es war einmal eine arme Frau, die in den Wald ging, um Holz zu
+lesen. Als sie mit ihrer Bürde auf dem Rückwege war, sah sie hinter
+einem Zaun ein krankes Kätzchen liegen, das kläglich schrie. Die
+arme Frau nahm es mitleidig in ihre Schürze und trug es dem Hause
+zu. Auf dem Wege kamen ihre beiden Kinder ihr entgegen, und wie sie
+sahen, daß die Mutter etwas trug, fragten sie: „Mutter, was trägst
+du?“ und wollten gleich das Kätzchen haben; aber die mitleidige Frau
+gab den Kindern das Kätzchen nicht, aus Sorge, sie möchten es
+quälen, sondern legte es zu Hause auf alte weiche Kleider und gab
+ihm Milch zu trinken. Als das Kätzchen sich gelabt hatte und wieder
+gesund war, war es mit einem Male fort und verschwunden. Nach
+einiger Zeit ging die arme Frau wieder in den Wald, und als sie mit
+ihrer Bürde Holz auf dem Rückwege wieder an die Stelle kam, wo das
+kranke Kätzchen gelegen hatte, da stand eine ganz vornehme Dame
+dort, winkte die arme Frau zu sich und warf ihr fünf Stricknadeln in
+die Schürze. Die Frau wußte nicht recht, was sie denken sollte und
+dünkte diese absonderliche Gabe ihr gar zu gering; doch nahm sie die
+fünf Stricknadeln des Abends auf den Tisch. Aber als sie des andern
+Morgens ihr Lager verließ, da lagen ein Paar neue, fertig gestrickte
+Strümpfe auf dem Tische. Das wunderte die arme Frau über alle Maßen;
+am nächsten Abend legte sie die Nadeln wieder auf den Tisch, und am
+Morgen darauf lagen abermals neue Strümpfe da. Jetzt merkte sie, daß
+zum Lohn ihres Mitleids mit dem kranken Kätzchen ihr diese fleißigen
+Nadeln beschert waren, und sie ließ dieselben nun jede Nacht
+stricken, bis sie und die Kinder genug hatten. Dann verkaufte sie
+auch Strümpfe und hatte zu leben bis an ihr seliges Ende.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Der goldene Rehbock.
+
+ [_Sechs Abbildungen_]
+
+
+Es waren einmal zwei arme Geschwister, ein Knabe und ein Mädchen;
+das Mädchen hieß Margarete, der Knabe hieß Hans. Ihre Eltern waren
+gestorben, hatten ihnen auch gar kein Eigentum hinterlassen, daher
+sie ausgehen mußten, um durch Betteln sich fortzubringen. Zur Arbeit
+waren beide noch zu schwach und klein; denn Hänschen zählte erst
+zwölf Jahre und Gretchen war noch jünger. Des Abends gingen sie vors
+erste beste Haus, klopften an und baten um ein Nachtquartier, und
+vielmals waren sie schon von guten, mildtätigen Menschen
+aufgenommen, gespeiset und getränket worden; auch hatte mancher und
+manche Barmherzige ihnen ein Kleidungsstückchen zugeworfen.
+
+So kamen sie einmal des Abends vor ein Häuschen, welches einzeln
+stand; da klopften sie ans Fenster, und als gleich darauf eine alte
+Frau heraussah, fragten sie diese, ob sie hier über Nacht bleiben
+durften. Die Antwort war: „Meinetwegen, kommt nur herein!“ Aber wie
+sie eintraten, sprach die Frau: „Ich will euch wohl über Nacht
+behalten; aber wenn es mein Mann gewahr wird, so seid ihr verloren,
+denn er ißt gern einen jungen Menschenbraten, daher er alle Kinder
+schlachtet, die ihm vor die Hand kommen!“ Da wurde den Kindern sehr
+angst; doch konnten sie nunmehr nicht weiter, es war schon ganz
+dunkle Nacht geworden. So ließen sie sich gutwillig von der Frau in
+ein Faß verstecken und verhielten sich ruhig. Einschlafen konnten
+sie aber lange nicht, zumal, da sie nach einer Stunde die
+schweren Tritte eines Mannes vernahmen, der wahrscheinlich der
+Menschenfresser war. Des wurden sie bald gewiß, den jetzt fing er
+an, mit brüllender Stimme auf seine Frau zu zanken, daß sie keinen
+Menschenbraten für ihn zugerichtet. Am Morgen verließ er das Haus
+wieder und tappte so laut, daß die Kinder, die endlich doch
+eingeschlafen waren, darüber erwachten.
+
+Als sie von der Frau etwas zu frühstücken bekommen hatten, sagte
+diese: „Ihr Kinder müßt nun auch etwas tun! Da habt ihr zwei Besen,
+geht oben hinauf und kehrt mir meine Stuben aus; deren sind zwölf,
+aber ihr kehret davon nur elf, die zwölfte dürft ihr ums Himmels
+willen nicht aufmachen. Ich will derzeit einen Ausgang tun. Seid
+fleißig, daß ihr fertig seid, wenn ich wieder komme!“ Die Kinder
+kehrten sehr emsig, und bald waren sie fertig. Nun mochte Gretchen
+doch gar zu gerne wissen, was in der zwölften Stube wäre, das sie
+nicht sehen sollten, weil ihnen verboten war, die Stube zu öffnen.
+Sie guckte ein wenig durchs Schlüsselloch und sah da einen
+herrlichen kleinen goldenen Wagen, mit einem goldenen Rehbock
+bespannt. Geschwind rief sie Hänschen herbei, daß er auch
+hineingucken sollte. Und als sie sich erst tüchtig umgesehen, ob die
+Frau nicht heimkehre, und da von dieser nichts zu sehen war,
+schlossen sie schnell die Türe auf, zogen den Wagen samt dem Rehbock
+heraus, setzten sich drunten hinein in den Wagen und fuhren auf und
+davon. Aber nicht lange, so sahen sie von weitem die alte Frau und
+auch den Menschenfresser ihnen entgegenkommen, gerade des Weg’s, den
+sie mit dem geraubten Wagen eingeschlagen hatten. Hänslein sprach:
+„Ach, Schwester, was machen wir? Wenn uns die beiden Alten
+entdecken, sind wir verloren.“ „Still!“ sprach Gretchen, „ich weiß
+ein kräftiges Zaubersprüchlein, welches ich noch von unsrer
+Großmutter gelernt habe:
+
+ [Kleinbild]
+
+ Rosenrote Rose sticht;
+ Siehst du mich, so sieh mich nicht!“
+
+und alsbald waren sie in einen Rosenstrauch verwandelt. Gretchen
+wurde zur Rose, Hänslein zu Dornen, der Rehbock zum Stiele, der
+Wagen zu Blättern.
+
+Nun kamen beide, der Menschenfresser und seine Frau, dahergegangen,
+und letztere wollte sich die schöne Rose abbrechen; aber sie stach
+sich so sehr, daß ihre Finger bluteten und sie ärgerlich davonging.
+Wie die Alten fort waren, machten sich die Kinder eilig auf und
+fuhren weiter und kamen bald an einen Backofen, der voll Brot stand.
+Da hörten sie aus demselben eine hohle Stimme rufen: „Rückt mir mein
+Brot, rückt mir mein Brot!“ Schnell rückte Gretchen das Brot und tat
+es in ihren Wagen, worauf sie weiterfuhren. Da kamen sie an einen
+großen Birnbaum, der voll reifer, schöner Früchte hing. Aus diesem
+tönte es wieder: „Schüttelt mir meine Birnen, schüttelt mir meine
+Birnen!“ Gretchen schüttelte sogleich, und Hänschen half gar fleißig
+auflesen und die Birnen in den goldenen Wagen schütten. Und weiter
+kamen sie an einen Weinstock, der rief mit angenehmer Stimme:
+„Pflückt mir meine Trauben, pflückt mir meine Trauben!“ Gretchen
+pflückte auch diese und packte sie in ihren Wagen.
+
+Unterdessen aber waren der Menschenfresser und seine Frau daheim
+angelangt und hatten mit Ingrimm wahrgenommen, daß die Kinder den
+goldenen Wagen samt dem Rehbock entführt, gerade wie sie selbst
+vor langen Jahren Wagen und Rehbock gestohlen und
+noch dazu bei dem Diebstahl einen Mord begangen, nämlich den
+rechtmäßigen Eigentümer erschlagen hatten. Der mit dem Rehbock
+bespannte Wagen war nicht nur an und für sich von großem Wert,
+sondern er besaß auch noch die vortreffliche Eigenschaft, daß, wo er
+hinkam, von allen Seiten Gaben gespendet wurden, von Baum und
+Beerstrauch, von Backofen und Weinstock. So hatten denn die Leute,
+der Menschenfresser und seine Frau, lange Jahre den Wagen auf
+unrechtmäßige Weise besessen, hatten sich gute Eßwaren spenden
+lassen und dabei herrlich und in Freuden gelebt. Da sie nun sahen,
+daß sie ihres Wagens beraubt waren, machten sie sich flugs auf, den
+Kindern nachzueilen und ihnen die köstliche Beute wieder abzujagen.
+Dabei wässerte dem Menschenfresser schon der Mund nach
+Menschenbraten; denn die Kinder wollte er sogleich fangen und
+schlachten. Mit weiten Schritten eilten die beiden Alten den
+Flüchtlingen nach und wurden derselben bald von ferne ansichtig. Die
+Kinder kamen jetzt an einen großen Teich und konnten nicht weiter,
+auch war weder eine Fähre noch eine Brücke da, daß sie hinüber
+hätten flüchten können. Nur viele Enten waren darauf zu sehen, die
+lustig umherschwammen. Gretchen lockte sie ans Ufer, warf ihnen
+Futter hin und sprach:
+
+ [Kleinbild]
+
+ „Ihr Entchen, ihr Entchen, schwimmt zusammen,
+ Macht mir ein Brückchen, daß ich hinüber kann kommen!“
+
+Da schwammen die Enten einträchtiglich zusammen, bildeten eine
+Brücke, und die Kinder samt Rehbock und Wagen kamen glücklich ans
+Ufer. Aber flugs hinterdrein kam auch der Menschenfresser und
+brummte mit häßlicher Stimme:
+
+ „Ihr Entchen, ihr Entchen, schwimmt zusammen,
+ Macht mir ein Brückchen, daß ich hinüber kann kommen!“
+
+Schnell schwammen die Entchen zusammen und trugen die beiden Alten
+hinüber -- meint ihr? Nein! in der Mitte des Teiches, wo das Wasser
+am tiefsten war, schwammen die Entchen auseinander, und der böse
+Menschenfresser nebst seiner Frau plumpten in die Tiefe und kamen
+um. Hänschen und Gretchen wurden sehr wohlhabende Leute, aber sie
+spendeten auch von ihrem Segen den Armen viel Gutes, weil sie immer
+daran dachten, wie bitter es gewesen, da sie noch arm waren und
+betteln gehen mußten.
+
+ [Kleinbild]
+
+
+
+
+Die drei Federn.
+
+ [_Fünf Abbildungen (1 bunt)_]
+
+
+Einem Manne wurde ein Söhnlein geboren; und da der Vater ausging,
+einen Paten zu suchen, der das Kind aus der Taufe hebe, so fand er
+einen jungen, wunderschönen Knaben, gegen den sein Herz gleich voll
+Liebe wurde. Und als er ihm nun seine Bitte vortrug, war der schöne
+Knabe gern bereit mitzugehen und das Kind zu heben und hinterließ
+ein junges, weißes Roß als Patengeschenk. Dieser Knabe ist aber
+niemand anders gewesen als Jesus Christus, unser Herr.
+
+Der junge Knabe, welcher in der Taufe den Namen Heinrich empfangen
+hatte, wuchs zu seines Vaters und seiner Mutter Freude, und wie er
+die Jünglingsjahre erreicht hatte, da hielt es ihn nicht mehr
+daheim, sondern es zog ihn in die Ferne nach Taten und Abenteuern.
+Nahm daher Urlaub von seinen Eltern, setzte sich auf sein
+gesatteltes Rößlein, das ihm der unbekannte Knabe zum Patengeschenk
+gegeben, und ritt frisch und fröhlich darauf in die Welt hinein. Da
+kam er eines Tages durch einen Wald, und siehe, da lag hart am Wege
+eine Feder aus dem Rade eines Pfauen, und die Sonne schien auf die
+Feder, daß ihre bunten Farben in ihrem Glanze prächtig leuchteten.
+Der junge Knabe hielt sein Rößlein an und wollte absteigen, um die
+Feder aufzuheben und sie an seinen Hut zu stecken. Da tat das
+Rößlein sein Maul auf und sprach: „Ach, laß die Feder auf dem Grunde
+liegen!“ Des verwunderte sich der junge Reiter, daß das Rößlein
+sprechen konnte, und es kam ihn ein Schauer an; er blieb im Sattel,
+stieg nicht ab, hob die Feder nicht auf, sondern ritt weiter. Nach
+einer Zeit geschah es, daß der Knabe am Ufer eines Bächleins
+hinritt, siehe, da lag eine bunte, viel schönere Feder auf dem
+grünen Gras, als jene war, die im Walde gelegen hatte, und des
+Knaben Herz verlangte nach ihr, seinen Hut damit zu schmücken, denn
+dergleichen Pracht von einer Feder hatte er all sein Lebtag noch
+nicht gesehen. Aber wie er absteigen wollte, sprach das Rößlein
+abermals: „Ach, laß die Feder auf dem Grunde!“ Und wieder
+verwunderte sich der Knabe über alle Maßen, daß das Rößlein sprach,
+während es doch sonst nicht redete; er folgte auch diesmal, blieb im
+Sattel, stieg nicht ab, hob die Feder nicht auf, sondern ritt
+weiter.
+
+Nun währte es nur eine kleine Zeit, da kam der Knabe an einen hohen
+Berg und wollte da hinauf reiten, da lag an seinem Fuße im
+Wiesengrunde wieder eine Feder; das war nach seinem Vermeinen aber
+die allerschönste in der ganzen weiten Welt, und die mußte er haben.
+Sie glänzte und funkelte wie lauter blaue und grüne Edelsteine oder
+wie die hellen Tautropfen in der Morgensonne. Aber wiederum sprach
+das Rößlein: „Ach, laß die Feder auf dem Grunde!“ Dieses Mal
+vermochte der Jüngling dem Rößlein nicht zu gehorchen und wollte
+seinen Rat nicht hören, denn es gelüstete ihn allzusehr nach dem
+lieblichen und stattlichen Schmuck. Er stieg ab, hob die Feder vom
+Grunde und steckte sie auf seinen Hut. Da sprach das Rößlein:
+„O weh, was tust du dir zum Schaden? Es wird dich wohl noch reuen!“
+Weiter sprach es nichts. Wie der Jüngling weiter ritt, so kam er an
+eine stattliche und wohlgebaute Stadt, da sah er viel geschmückte
+Bürgersleute, und es kam ihm ein feiner Zug entgegen mit Pfeifern,
+Paukern und Trompetern und vielen wehenden Fahnen, und das war
+prächtig anzusehen. Und in dem Zuge gingen Jungfrauen, die streuten
+Blumen, und die vier schönsten trugen auf einem Kissen eine
+Königskrone. Und die Ältesten der Stadt reichten die Krone dem
+Jüngling und sprachen: „Heil dir, du uns von Gott gesandter edler
+Jüngling! Du sollst unser König sein! Gelobt sei Gott, der Herr,
+in alle Ewigkeit!“ und alles Volk schrie: „Heil unserm König!“ Der
+Jüngling wußte nicht, wie ihm geschehen, als er auf seinem Haupte
+die Königskrone fühlte, er kniete nieder und lobte Gott und den
+Heiland. Hätte er die erste Feder aufgehoben, so wäre er ein Graf
+geworden; die zweite: ein Herzog, und hätte er die dritte Feder
+nicht aufgehoben, so hätte er auf dem Bergesgipfel eine vierte
+gefunden, und das Rößlein hätte dann gesprochen: „Diese Feder nimm
+vom Grunde!“ Dann wär’ er ein mächtiger Kaiser geworden über viele
+Reiche der Welt, und die Sonne wäre nicht untergegangen in seinen
+Landen. Doch war er auch so zufrieden und war ein gütiger, weiser,
+gerechter und frommer König.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Der kleine Däumling.
+
+ [_Acht Abbildungen (2 bunt)_]
+
+
+Es war einmal ein armer Korbmacher, der hatte mit seiner Frau sieben
+Jungen, da war immer einer kleiner als der andere, und der jüngste
+war bei seiner Geburt nicht viel über Fingers Länge, daher nannte
+man ihn _Däumling_. Zwar ist er hernach noch etwas gewachsen, doch
+nicht gar zu sehr, und den Namen Däumling hat er behalten. Doch war
+es ein gar kluger und pfiffiger kleiner Knirps, der an Gewandtheit
+und Schlauheit seine Brüder in den Sack steckte.
+
+Den Eltern ging es erst gar übel, denn Korbmachen und Strohflechten
+ist keine so nahrhafte Profession wie Semmelbacken und
+Kälberschlachten, und als vollends eine teure Zeit kam, wurde dem
+Korbmacher und seiner Frau himmelangst, wie sie ihre sieben Würmer
+satt machen sollten, die alle mit äußerst gutem Appetit gesegnet
+waren. Da beratschlagten eines Abends, als die Kinder zu Bette
+waren, die beiden Eltern miteinander, was sie anfangen wollten und
+wurden Rates, die Kinder mit in den Wald zu nehmen, wo die Weiden
+wachsen, aus denen man Körbe flicht, und sie heimlich zu verlassen.
+Das alles hörte der Däumling an, der nicht schlief wie seine Brüder,
+und schrieb sich der Eltern übeln Ratschlag hinter die Ohren.
+Simulierte auch die ganze Nacht, da er vor Sorge doch kein Auge
+zutun konnte, wie er es machen sollte, sich und seinen Brüdern zu
+helfen.
+
+Frühmorgens lief der Däumling an den Bach, suchte die kleinen
+Taschen voll weißer Kiesel und ging wieder heim. Seinen Brüdern
+sagte er von dem, was er erhorcht hatte, kein Sterbenswörtchen. Nun
+machten sich die Eltern auf in den Wald, hießen die Kinder folgen,
+und der Däumling ließ ein Kieselsteinchen nach dem andern auf den
+Weg fallen. Das sah niemand, weil er als der jüngste, kleinste und
+schwächste stets hintennach trottete.
+
+Im Walde machten sich die Alten unvermerkt von den Kindern fort, und
+auf einmal waren sie weg. Als das die Kinder merkten, erhoben sie
+allzumal, Däumling ausgenommen, ein Zetergeschrei. Däumling lachte
+und sprach zu seinen Brüdern: „Heult und schreit nicht so
+jämmerlich! Wollen den Weg schon allein finden.“ Und nun ging
+Däumling voran und nicht hinterdrein, richtete sich genau nach den
+weißen Kieselsteinchen und fand auch den Weg ohne alle Mühe.
+
+Als die Eltern heimkamen, bescherte ihnen Gott Geld ins Haus; eine
+alte Schuld, auf die sie nicht mehr gehofft hatten, wurde von einem
+Nachbar an sie abbezahlt, und nun wurden Eßwaren gekauft, daß sich
+der Tisch bog. Aber nun kam auch das Reuelein, daß die Kinder
+verstoßen worden waren, und die Frau begann erbärmlich zu
+lamentieren: „Ach, du lieber, allerliebster Gott! Wenn wir doch die
+Kinder nicht im Wald gelassen hätten! Ach, jetzt könnten sie sich
+dicksatt essen, und so haben die Wölfe sie vielleicht schon im
+Magen! Ach, wären nur unsre liebsten Kinder da!“ -- „Mutter, da sind
+wir ja!“ sprach ganz geruhig der kleine Däumling, der bereits mit
+seinen Brüdern vor der Türe angelangt war und die Wehklage gehört
+hatte, öffnete die Tür, und herein trippelten die kleinen Korbmacher
+-- eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Ihren guten Appetit
+hatten sie wieder mitgebracht, und daß der Tisch so reichlich
+gedeckt war, das war ihnen ein gefundenes Essen. Die Herrlichkeit
+war groß, daß die Kinder wieder da waren, und es wurde, so lange das
+Geld reichte, in Freuden gelebt, wie es armer Handarbeiter
+Gewohnheit.
+
+Nicht gar lange währte es, so war in des Korbmachers Hütte
+Schmalhans wieder Küchenmeister, und ein Kellermeister mangelte
+ohnedem, und es erwachte aufs neue der Vorsatz, die Kinder im Walde
+ihrem Schicksal zu überlassen. Da der Plan wieder als lautes
+Abendgespräch zwischen Vater und Mutter verhandelt wurde, so hörte
+auch der kleine Däumling alles, das ganze Gespräch, Wort für Wort
+und nahm sich’s zu Herzen.
+
+Am andern Morgen wollte Däumling aus dem Häuschen schlüpfen,
+Kieselsteine aufzulesen, aber o weh, da war’s verriegelt, und
+Däumling war viel zu klein, als daß er den Riegel hätte erreichen
+können; da gedachte er sich anders zu helfen. Wie es fort ging zum
+Walde, steckte Däumling Brot ein und streute davon Krümchen auf den
+Weg, um ihn dadurch wieder zu finden.
+
+Alles begab sich wie das erstemal, nur mit dem Unterschied, daß
+Däumling den Heimweg nicht fand, dieweil die Vögel alle Krümchen
+rein aufgefressen hatten. Nun war guter Rat teuer, und die Brüder
+machten ein Geheul, daß es zum Steinerbarmen war. Dabei tappten sie
+durch den Wald, bis es ganz finster wurde, und fürchteten sich über
+die Maßen, bis auf Däumling, der schrie nicht und fürchtete sich
+nicht. Unter dem schirmenden Laubdach eines Baumes, auf weichem Moos
+schliefen die sieben Brüder, und als es Tag war, stieg Däumling auf
+einen Baum, die Gegend zu erkunden. Erst sah er nichts als eitel
+Waldbäume, dann aber entdeckte er das Dach eines kleinen Häuschens,
+merkte sich die Richtung, rutschte vom Baume herab und ging seinen
+Brüdern tapfer voran. Nach manchem Kampf mit Dickicht, Dornen und
+Disteln sahen alle das Häuschen durch die Büsche blicken und
+schritten guten Mutes darauf los, klopften auch ganz bescheidentlich
+an der Türe an. Da trat eine Frau heraus, und Däumling bat gar
+schön, sie doch einzulassen, sie hätten sich verirrt und wüßten
+nicht wohin? Die Frau sagte: „Ach, ihr armen Kinder!“ und ließ den
+Däumling mit seinen Brüdern eintreten, sagte ihnen aber auch gleich
+daß sie im Hause des Menschenfressers wären, der besonders gern die
+kleinen Kinder fräße. Das war eine schöne Zuversicht! Die Kinder
+zitterten wie Espenlaub, als sie dieses hörten, hätten gern lieber
+selbst zu essen gehabt und sollten nun statt dessen gegessen werden.
+Doch die Frau war gut und mitleidig, verbarg die Kinder und gab
+ihnen auch etwas zu beißen. Bald darauf hörte man Tritte, und es
+klopfte stark an die Türe; das war kein andrer als der heimkehrende
+Menschenfresser. Er setzte sich an den Tisch zur Mahlzeit, ließ Wein
+auftragen und schnüffelte, als wenn er etwas röche, dann rief er
+seiner Frau zu: „Ich witt’re Menschenfleisch!“ Die Frau wollte es
+ihm ausreden, aber er ging seinem Geruch nach und fand die Kinder.
+Die waren halbtot vor Entsetzen. Schon wetzte er sein langes Messer,
+die Kinder zu schlachten, und nur allmählich gab er den Bitten
+seiner Frau nach, sie noch ein wenig am Leben zu lassen und
+aufzufüttern, weil sie doch gar zu dürr seien, besonders der kleine
+Däumling. So ließ der böse Mann und Kinderfresser sich endlich
+beschwichtigen. Die Kinder wurden zu Bette gebracht, und zwar
+in derselben Kammer, wo ebenfalls in einem großen Bette
+Menschenfressers sieben Töchterlein schliefen, die so alt waren wie
+die sieben Brüder. Sie waren von Angesicht sehr häßlich, jede hatte
+aber ein goldenes Krönlein auf dem Haupte. Das alles war der
+Däumling gewahr worden, machte sich ganz still aus dem Bette, nahm
+seine und seiner Brüder Nachtmützen, setzte diese Menschenfressers
+Töchtern auf und deren Krönlein sich und seinen Brüdern.
+
+Der Menschenfresser trank vielen Wein, und da kam ihn seine böse
+Lust wieder an, die Kinder zu morden, nahm sein Messer und schlich
+sich in die Schlafkammer, wo sie schliefen, willens, ihnen die Hälse
+abzuschneiden. Es war aber stockdunkel in der Kammer, der
+Menschenfresser tappte blind umher, bis er an ein Bett stieß, und
+fühlte nach den Köpfen der darin Schlafenden. Da fühlte er die
+Krönchen und sprach. „Halt da! Das sind deine Töchter. Bald hättest
+du betrunkenes Schaf einen Eselsstreich gemacht!“
+
+Nun tappelte er nach dem andern Bette, fühlte da die Nachtmützen und
+schnitt seinen sieben Töchtern die Hälse ab, einer nach der andern.
+Dann legte er sich nieder und schlief seinen Rausch aus. Wie der
+Däumling ihn schnarchen hörte, weckte er seine Brüder, schlich sich
+mit ihnen aus dem Hause und suchte das Weite. Aber wie sehr sie auch
+eilten, so wußten sie doch weder Weg noch Steg und liefen in der
+Irre herum voll Angst und Sorge, nach wie vor.
+
+Als der Morgen kam, erwachte der Menschenfresser und sprach zu
+seiner Frau: „Geh und richte die Krabben zu, die gestrigen!“ Sie
+meinte, sie sollte die Kinder aufwecken und ging voll Angst um sie
+hinauf in die Kammer. Welch ein Schrecken für die Frau, als sie nun
+sah, was geschehen war; sie fiel gleich in Ohnmacht über den
+schrecklichen Anblick, den sie hatte. Als sie nun dem
+Menschenfresser zu lange blieb, ging er selbst hinauf, und da sah
+er, was er angerichtet. Die Wut, in die er geriet, ist nicht zu
+beschreiben. Schnell zog er die Siebenmeilenstiefel an, die er
+hatte, das waren Stiefel, wenn man damit sieben Schritte tat, so war
+man eine Meile gegangen, das war nichts Kleines. Nicht lange, so
+sahen die sieben Brüder ihn von weitem über Berg und Täler schreiten
+und waren sehr in Sorgen, doch Däumling versteckte sich mit ihnen in
+die Höhlung eines großen Felsens. Als der Menschenfresser an diesen
+Felsen kam, setzte er sich darauf, um ein wenig zu ruhen, weil er
+müde geworden war, und bald schlief er ein und schnarchte, daß es
+war, als brause ein Sturmwind. Wie der Menschenfresser so schlief
+und schnarchte, schlich sich Däumling hervor, wie ein Mäuschen aus
+seinem Loch, zog ihm die Meilenstiefeln aus und zog sie selber an.
+Zum Glück hatten die Stiefel die Eigenschaft, an jeden Fuß zu passen
+wie angemessen und angegossen. Nun nahm er an jede Hand einen seiner
+Brüder, diese faßten wieder einander an den Händen, und so ging es,
+hast du nicht gesehen, mit Siebenmeilenstiefelschritten nach Hause.
+Da waren sie alle willkommen. Däumling empfahl seinen Eltern, ein
+sorglich Auge auf die Brüder zu haben, er wolle nun mit Hilfe der
+Stiefel selbst für sein Fortkommen sorgen, und als er das kaum
+gesagt, so tat er einen Schritt und war schon weit fort, noch einen,
+und er stand über eine halbe Stunde auf einem Berge, noch einen, und
+er war den Eltern und Brüdern aus den Augen.
+
+Nach der Hand hat der Däumling mit seinen Stiefeln sein Glück
+gemacht und viele große und weite Reisen, hat vielen Herren gedient,
+und wenn es ihm wo nicht gefallen hat, ist er spornstreichs weiter
+gegangen. Kein Verfolger zu Fuß noch zu Pferd konnte ihn einholen,
+und seine Abenteuer, die er mit Hilfe der Stiefel bestand, sind
+nicht zu beschreiben.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Das Natterkrönlein.
+
+ [_Drei Abbildungen (1 bunt)_]
+
+
+Alte Großväter und Großmütter haben schon oft ihren Enkeln und
+Urenkeln erzählt von schönen Schlangen, die goldene Krönlein auf
+ihrem Haupte tragen; diese nannten die Alten mit mancherlei Namen,
+als Otterkönig, Krönleinnatter, Schlangenkönigin und dergleichen,
+und sie haben gesagt, der Besitz eines solchen Krönleins bringe
+großes Glück.
+
+Bei einem geizigen Bauer diente eine fromme, mildherzige Magd, und
+in seinem Kuhstalle wohnte auch eine Krönleinnatter, die man
+zuweilen des Nachts gar wunderschön singen hörte, denn diese Nattern
+haben die Gabe, schöner zu singen als das beste Vögelein. Wenn nun
+die treue Magd in den Stall kam und die Kühe molk oder sie fütterte
+und ihnen streute -- was sie mit großer Sorgfalt tat, denn ihres
+Herrn Vieh ging ihr über alles, -- da kroch manchmal das
+Schlänglein, welches so weiß war wie ein weißes Mäuschen, aus der
+Mauerspalte, darin es wohnte, und sah mit klugen Augen die
+geschäftige Dirne an, und dieser kam es immer vor, als wolle die
+Schlange etwas von ihr haben. Und da gewöhnte sie sich, in ein
+kleines Untertäßchen etwas kuhwarme Milch zu lassen, um dem
+Schlänglein dieses hinzustellen, und das trank die Milch mit gar
+großem Wohlbehagen und wendete dabei sein Köpfchen, und da glitzerte
+das Krönlein wie ein Demant oder ein Karfunkelstein und leuchtete
+ordentlich in dem dunkeln Stalle.
+
+Die gute Dirne freute sich über die weiße Schlange gar sehr und nahm
+auch wahr, daß, seit sie dieselbe mit Milch tränkte, ihres Herrn
+Kühe sichtbarlich gediehen, viel mehr Milch gaben, stets gesund
+waren und sehr schöne Kälbchen brachten, worüber sie die größte
+Freude hatte.
+
+Da traf sich’s einmal, daß der Bauer in den Stall trat, als just die
+Krönleinnatter ihr Tröpfchen Milch schleckte, das ihr die gute Dirne
+hingestellt; und weil er geizig und habsüchtig über alle Maßen war,
+so fuhr er gleich so zornig auf, als ob die arme Magd die Milch
+eimerweise weggeschenkt hätte.
+
+„Du nichtsnutze Dirn’, die du bist!“ schrie der böse Bauer. „So
+gehst du also um mit Hab und Gut deines Herrn? Schämst du dich nicht
+der Sünde, einen solchen giftigen Wurm, der ohnedies den Kühen zur
+Nacht die Milch aus den Eutern zieht, auch noch zu füttern und in
+den Stall zu gewöhnen? Hat man je so etwas erlebt? Schier glaub’
+ich, daß du eine böse Hexe bist und dein Satanswesen treibst mit dem
+Teufelswurm!“
+
+Die arme Dirne konnte diesem Strome harter Vorwürfe nur mit
+reichlich geweinten Tränen begegnen; aber der Bauer kehrte sich
+nicht im mindesten daran, daß sie weinte, sondern er schrie und
+zankte sich immer mehr und mehr in den vollen Zorn hinein, vergaß
+alle Treue und allen Fleiß der Magd und fuhr fort zu wettern und zu
+toben: „Aus dem Hause, sag’ ich, aus dem Hause! Und auf der Stelle!
+Ich brauche keine Schlangen als Kostgänger! Ich brauche keine
+Milchdiebinnen und Hexendirnen! Gleich schnürst du dein Bündel, aber
+gleich und machst, daß du aus dem Dorfe fort kommst, und läßt dich
+nimmer wieder hier blicken, sonst zeig’ ich dich an beim Amt, da
+wirst du eingesteckt und kriegst den Staupbesen, du Hexendirne!“
+
+Laut weinend entwich die so hart gescholtene Magd aus dem Stalle,
+ging hinauf in ihre Kammer, packte ihre Kleider zusammen und
+schnürte ihr Bündlein, und dann trat sie aus dem Hause und ging über
+den Hof. Da wurde ihr weh ums Herz, im Stalle blöckte ihre
+Lieblingskuh. -- Der Bauer war weiter gegangen; sie trat noch einmal
+in den Stall, um gleichsam im stillen und unter Tränen Abschied von
+ihrem lieben Vieh zu nehmen; denn frommem Hausgesinde wird das Vieh
+seiner Herrschaft so lieb, als wäre es sein eigen. Daher pflegt man
+auch zu sagen, im ersten Dienstjahre spricht die Magd: meines Herrn
+Kuh, im zweiten: unsere Kuh, und im dritten und in allen folgenden:
+_meine_ Kuh.
+
+Und da stand nun die Dirn’ im Stalle und weinte sich aus und
+streichelte noch einmal jede Kuh, und ihr Liebling leckte ihr noch
+einmal die Hand -- und da kam die Schlange mit dem Krönlein auch
+gekrochen.
+
+„Leb’ wohl, du armer Wurm, dich wird nun auch niemand mehr füttern.“
+Da hob sich das Schlänglein empor, als wollte es ihr seinen Kopf in
+ihre Hand legen, und plötzlich fiel das Natterkrönlein in des
+Mädchens Hand, und die Schlange glitt aus dem Stalle, was sie nie
+getan. Das war ein Zeichen, daß auch sie aus dem Hause scheide, wo
+man ihr fürder nicht mehr ein Tröpflein Milch gönnen wollte.
+
+Jetzt ging die arme Dirne ihres Weges und wußte nicht, wie reich sie
+war. Sie kannte des Natterkrönleins große Tugend nicht. Wer es
+besitzt und bei sich trägt, dem schlägt alles zum Glücke aus, der
+ist allen Menschen angenehm, dem wird eitel Ehre und Freude zuteil.
+
+Draußen vor dem Dorfe begegnete der scheidenden Magd der reiche
+Schulzensohn, dessen Vater vor kurzem gestorben war, der schönste
+junge Bursche des Dorfes; der gewann gleich die Dirne lieb, und er
+grüßte sie und fragte sie, wohin sie gehe und warum sie aus dem
+Dienst scheide. Da sie ihm nun ihr Leid klagte, hieß er sie zu
+seiner Mutter gehen, und sie solle dieser nur sagen, er sende sie.
+Wie nun die Dirne zu der alten Frau Schulzin kam und ausrichtete,
+was der Schulzensohn ihr aufgetragen, da faßte die Frau gleich ein
+großes Vertrauen zu ihr und behielt sie im Hause, und als am Abende
+die Knechte und die Mägde des reichen Bauern zum Essen kamen, da
+mußte die Neuaufgenommene das Tischgebet sprechen, und da deuchte
+allen, als flössen des Gebetes Worte von den Lippen eines heiligen
+Engels, und wurden alle von einer wundersamen Andacht bewegt und
+gewannen zu der Dirne eine große Liebe. Und als abgegessen war und
+die fromme Dirne wieder das Gebet und den Abendsegen gesprochen
+hatte und das Gesinde die Stube verlassen, da faßte der reiche
+Schulzensohn die Hand der ganz armen Dirne und trat mit ihr vor
+seine Mutter und sagte: „Frau Mutter segnet mich und die -- denn die
+nehm’ ich zur Frau oder keine. Sie hat mir’s einmal angetan!“
+
+„Sie hat’s uns allen angetan“, antwortete die alte Frau Schulzin.
+„Sie ist so fromm, als sie schön ist und so demütig, als sie
+makellos ist. Im Namen Gottes segne ich dich und sie und nehme sie
+vom Herzen gerne zur Tochter.“
+
+So wurde die arme Magd zu des Dorfes reichster Frau und zu einer
+ganz glücklichen noch dazu.
+
+Mit jenem geizigen Bauer aber, der um die paar Tröpflein Milch sich
+so erzürnt und die treueste Magd aus dem Hause getrieben, ging es
+baldigst den Krebsgang. Mit der Krönleinnatter war all sein Glück
+hinweg, er mußte erst sein Vieh verkaufen, dann seine Äcker, und
+alles kaufte der reiche Schulzensohn, und seine Frau führte die
+lieben Kühe, die nun ihre eigenen waren, mit grünen Kränzen
+geschmückt in ihren Stall und streichelte sie und ließ sich wieder
+die Hände von ihnen lecken und molk und fütterte sie mit eigener
+Hand. Auf einmal sah sie bei diesem Geschäfte die weiße Schlange
+wieder. Da zog sie schnell das Krönlein hervor und sagte. „Das ist
+schön von dir, daß du zu mir kommst. Nun sollst du auch alle Tage
+frische Milch haben, so viel du willst, und da hast du auch dein
+Krönlein wieder mit tausend Dank, daß du mir damit so wohl geholfen
+hast. Ich brauch’ es nun nicht mehr, denn ich bin reich und
+glücklich durch Liebe, durch Treue und durch Fleiß.“
+
+Da nahm die weiße Schlange ihr Krönlein wieder und wohnte in dem
+Stalle der jungen Frau, und auf deren ganzem Gute blieb Friede,
+Glück und Gottes Segen ruhen.
+
+ [Abbildung]
+
+
+
+
+Der fette Lollus und der magere Lollus.
+
+ [_Acht Abbildung (2 bunt)_]
+
+
+Es starb ein reicher Mann, welcher zwei Söhne hinterließ und ein
+hübsches Vermögen und Erbe. Der eine der Söhne erwählte den
+geistlichen, und zwar den Mönchs-Stand, der zweite einen sehr
+weltlichen, er wurde ein Gastgeber, das heißt er _gab_ seinen Gästen
+so wenig als möglich und nahm dafür von ihnen so viel als möglich.
+Er heiratete nach Geld und strebte fort und fort nach Geld. Von
+seinem Bruder borgte er dessen Erbanteil ab, da dieser als Mönch
+keines Geldes bedurfte, und wucherte damit, aber nicht zu des
+Bruders sondern zu seinem eigenen Nutzen. Seine Biermaße waren
+falsch, und seine Weinflaschen ließ er auf der Glashütte so klein
+blasen, daß man beim Anblick einer ganzen Flasche sehr in Zweifel
+geriet, ob es nicht eine halbe sei, und seine halben Flaschen
+schienen alle nach der schlanken Körperbildung eines Bleistiftes
+hinzustreben; daher hießen sie auch bei den Gästen dieses Wirtes nie
+anders als Stifte. Wenn der Stallknecht dem Pferde eines Reisenden
+Hafer vorgeschüttet hatte, so trat der Wirt, wenn er sich unbemerkt
+glaubte, an die Krippe, kripste ganze Hände voll Hafer wieder dem
+armen Tiere vor dem Maule weg und schob ihn in seine Tasche. Er
+sagte sich, deshalb heiße die Krippe so, weil man aus ihr kripsen
+könne. Es war ein durchtriebener Schalk, dieser Wirt, und an ihm lag
+es nicht, daß er nicht recht reich wurde, denn Anlagen dazu hatte
+er. Aber das Bibelwort sagt nicht vergebens: „Die da reich werden
+wollen, fallen in Versuchung und Stricke.“ Des Wirtes Tun brachte
+nicht Segen. Was half es ihm, wenn er fremden Pferden von deren
+Futter ein paar Hände voll Hafer stahl -- und eins seiner eigenen
+Pferde zugrunde ging? Wenn er durch sein zu knappes Maß nach und
+nach ein wenig Wein langsam gewann, und durch Nachlässigkeit seiner
+Leute, die er ohne Aufsicht ließ, ihm ein ganzes Faß in den Keller
+lief? Er kam nicht vorwärts, dieser betriebsame Wirt, sondern er kam
+zurück in allen Dingen, nur nicht von seiner Prellerei und Habsucht;
+diese trieb er immer ärger und ärger, bis die Gäste wegblieben und
+das Weinstüblein leer stand, der Bratofen kalt blieb und der
+Schornstein sich das Rauchen abgewöhnte.
+
+Als es so weit schon mit dem Krebsgange dieses Wirtes gediehen war,
+schlug ihm ein neuer Schrecken in die Glieder; sein Bruder, der
+fromme Mönch, kam und sprach zu ihm: „Lieber Bruder, gib mir das dir
+geliehene Kapital heraus, ich habe meinem heiligen Schutzpatrone in
+unserer Klosterkirche einen kostbaren Altar mit herrlicher Malerei,
+Schnitzwerk und Vergoldung gelobt; den will ich davon herstellen,
+und was übrig bleibt, wenn etwas übrig bleibt, davon will ich
+Seelenmessen für unsere lieben Eltern, für dich und mich auf ewige
+Zeiten stiften.“
+
+„Großer Gott!“ schrie der Wirt, „Bruder, wie kannst du so unsinnig
+handeln! Ich kann dir dein Geld jetzt nicht herausgeben, denn ich
+habe es nicht, -- ich bin zugrunde gerichtet, und wenn du auf der
+Zahlung bestehst, so wird mir Haus und Hof über dem Kopfe verkauft,
+ich muß mit Weib und Kindern betteln gehen, und du bekommst erst
+recht nichts, und dein heiliger Schutzpatron bekommt auch keinen
+neuen Altar. Höre mich an und sei vernünftig, mein lieber,
+gottseliger Bruder! Laß mir noch das Geld, gönne mir Zeit, mich zu
+erholen! Du weißt, wir haben eine schlimme Zeit durchgemacht, in
+welcher niemand auf einen grünen Zweig hat kommen können, außer die
+Bauern; die haben ihr Schäfchen geschoren und lachen uns jetzt aus.
+Dein Heiliger ist gewiß ein edeldenkender Menschenfreund gewesen,
+und hat er einige Jahrhunderte in deiner Klosterkirche keinen
+Prachtaltar gehabt, so wird es ihm darauf auch nicht ankommen,
+einige Jahre früher oder später einen solchen zu erhalten. Gott der
+Herr weiß, daß ich mir es gehörig sauer werden lasse -- ich plage
+mich über alle Maßen, Geld zu erschwingen -- aber es geht nicht --
+ich komme zu nichts.“
+
+„Das höre ich sehr ungern von dir, lieber Bruder“, sprach mit
+Teilnahme der Mönch. „Du hast den schlechtesten Gast in dein
+Gasthaus aufgenommen, den es geben kann.“
+
+„Wer wäre das?“ fragte der Wirt.
+
+„Das ist der fette Lollus!“ entgegnete der Mönch.
+
+„Der fette Lollus?“ fragte verwundert der Wirt. „Du scherzest
+entweder, Bruder, oder du faselst. In meinem Fremdenbuche steht kein
+Gast solchen Namens, und nie hörte ich diesen Namen nennen, wahrlich
+in meinem ganzen Leben nicht!“
+
+„Das ist wohl möglich,“ sagte der Mönch; „dennoch ist dieser
+schlimme Gast vorhanden, und er ist die alleinige Ursache deines
+Vermögensverfalles und deines Zurückkommens.“
+
+„Den möcht’ ich sehen! Ich wollt’ ihn“ -- fuhr der Wirt auf.
+
+„Du wirst ihm nicht gleich etwas anhaben, lieber Bruder,“ sprach
+lächelnd der Mönch; „allzulange hast du ihn treulich gehegt und
+gepflegt; doch sehen sollst du ihn, den fetten Lollus. Er befindet
+sich in deinem Keller; geh mit mir hinunter!“
+
+Verwundert nahm der Wirt den Kellerschlüssel und eine Lampe und
+dachte: „Aha, mein Bruder meint den Wein; er will andeuten, ich sei
+mein bester Gast selbst, doch da irrt er sich sehr.“
+
+Im Keller hieß der Mönch seinen Bruder die Lampe auf ein Faß setzen,
+daß ihr Strahl in eine leere Ecke fiel, hieß den Wirt hinter sich
+treten, zog ein kleines, schwarzes Buch hervor und murmelte daraus,
+gegen die Ecke gekehrt, eine Beschwörungsformel. Da wallete der
+Boden, da hob sich etwas Dickes heraus, da glühten ein paar feurige
+Augen, und dem Wirte gerann das Blut in den Adern vor Furcht und
+Grauen.
+
+„Lölle, gehe ganz herzu!“ rief der Mönch. Da hob sich dem
+dickgeschwollenen Kopfe ein unförmlich dicker Leib nach, und kurze
+plumpe Füße patschten auf dem Boden des Kellers, und ein unförmiges,
+scheußliches Tier, dessen Haut so fett und speckig glänzte wie die
+einer Robbe, hockte in der Ecke.
+
+„Schaust du deinen werten Gast, mein Bruder?“ fragte der Mönch zu
+diesem gewendet, sehr ernst. „Ich vermeine, er habe sich in deiner
+Herberge nicht übel gemästet! Siehst du, Bruder, alle und jede
+Frucht deines Truges hat nicht _dir_ angeschlagen, sondern diesem
+Lollus. Was du den Fremden und deren Vieh abgezwackt, der hat sich
+davon genährt, den durch zu kleines Maß und durch zu kleine Flaschen
+trüglich gewonnenen Wein oder sonstiges Getränke -- alles hat der
+Lollus geschluckt. -- Unrecht Gut gedeihet nicht, und Untreue
+schlägt ihren eigenen Herrn. Soll sich’s mit dir und deinem Wesen
+bessern, so übervorteile niemand mehr, betrüge niemand, übernimm
+niemand. Fordere, was recht ist; denn was recht ist, lobt Gott.
+Halte ehrliches, gerechtes Maß und Gewicht, siehe selbst zu deinen
+Sachen, täglich, stündlich, vom Keller bis zum Kornboden. Bediene,
+soviel du es kannst, selbst deine Gäste, verlasse dich nicht
+allzuviel auf Ober- und Unterkellner, auf Hausknecht und
+Stallknecht, auf Koch und Büttner. Je mehr du Gesinde hältst,
+je fetter füttert sich der Lollus.“
+
+Nach dieser Vermahnung wurde der Wirt sehr nachdenklich und sagte:
+„Ich danke dir, mein Bruder; ich will tun nach deinen Worten, die du
+mir gesagt hast.“
+
+Da beschwor der Mönch den Lollus wieder und sagte: „Lölle, kreuch’
+ein!“ und schwerfällig kroch der Lollus hinterwärts wieder in die
+Erde zurück, und die Kellerecke war wieder leer und glatt wie zuvor.
+
+„Mein Geld will ich dir noch _vier_ Jahre lassen,“ sagte der Mönch;
+„dann aber muß meinem Heiligen Wort gehalten werden.“ Darauf schied
+er von seinem Bruder hinweg.
+
+Der Wirt befolgte mit Eifer seines Bruders treuen Rat, änderte seine
+Wirtschaft ganz und gar, richtete alles besser ein, sparte am
+rechten Orte, veruntreute aber nichts mehr. Seine Frau mußte in der
+Küche selbst zum rechten sehen, was sie früher nicht getan;
+richtiges Gemäß wurde hergestellt, auf der Glashütte wurden gerechte
+und vollkommene Weinflaschen geblasen, und die kleinen Zwergflaschen
+verschwanden. Dafür stellten sich die verschwundenen Gäste wieder
+ein, der Bratofen wurde nicht mehr kalt, und der Schornstein rauchte
+wieder schier Tag und Nacht.
+
+Des Wirtes ganzes Wesen besserte sich in jeder Weise; sein Wohlstand
+nahm mit seiner Rechtlichkeit sichtbarlich zu; sein guter Ruf und
+der seines Hauses breitete sich weit aus, und die Gastwirte in den
+Nachbarstädten begannen ihn zu beneiden; denn die Reisenden fuhren
+lieber noch ein paar Stunden in die Nacht hinein, um nur in das gute
+Gasthaus zu gelangen, und nicht selten war dieses so von Gästen
+überfüllt, daß der fröhliche Wirt dennoch eine traurige Miene
+annehmen und die überzähligen Gaste abweisen mußte.
+
+Als nach dem Ablauf von vier Jahren der Mönch, des Wirtes Bruder,
+wiederkam, seinen Erbanteil zu begehren, empfing ihn der Wirt auf
+das freundlichste, setzte ihm ein herrliches Weinchen von der
+schönsten Farbe vor und allerlei schmackhaftes Backwerk, süße Kuchen
+und dergleichen, und legte ihm starke Geldrollen auf den Tisch,
+indem er sagte: „Hier, mein lieber Bruder, ist mit meinem besten
+Dank dein Kapital samt allen Zinsen, redlich berechnet bei Heller
+und Pfennig!“ Der Mönch aber sagte: „Lieber Bruder, die Zinsen nehme
+ich nicht; solches ziemet mir nicht nur nicht als einem Priester,
+sondern es stehet auch geschrieben: Du sollst nicht Wucher nehmen
+von deinem Bruder. Aber ich freue mich, daß du des _fetten_ Lollus
+ledig bist und hast nur noch den _magern_.“
+
+„So?“ sagte der Wirt. „Wohnt der auch im Keller? Den möcht’ ich auch
+sehen.“
+
+„Den sollst du sehen!“ antwortete der Mönch, hieß den Wirt voran in
+den Keller gehen und hob drunten seine Beschwörung wieder an. Da
+bewegte sich ganz langsam hinten in der Ecke die Erde, und
+allmählich lugte ein schmales Köpfchen heraus mit ganz matten Augen.
+
+„Lölle, gehe ganz herzu!“ sprach der Mönch. Da wand sich der Lollus
+matt und mühsam aus dem Boden und erschien äußerst abgemagert; seine
+Haut glänzte nicht mehr wie Speckschwarte, sondern war verrumpfelt
+und verschrumpfelt wie eine Baumrinde und sah äußerst hinfällig aus.
+„Nun ist’s gut, das freut mich!“ sprach der Mönch. „Lölle, kreuch
+ein!“ -- Da kroch der Lollus wieder hinterwärts, aber ganz langsam,
+in den Kellerboden zurück, und in der Ecke war nichts zu sehen.
+
+„Hab’ acht, Bruder“ sagte der Mönch; „wenn du bleibst, wie du jetzt
+bist, so hält es der Lollus kein Vierteljahr mehr bei dir aus.
+Entweder er verkommt, oder er geht ein Haus weiter und sucht sich
+einen Herrn, der ihn besser nährt als du.“ -- Dieses Trostes war der
+Wirt über alle Maßen froh und segnete seines weisen Bruders Rat
+tausendfach.
+
+ [Kleinbild]
+
+
+
+
+Gevatterin Kröte.
+
+ [Abbildung]
+
+
+Ein feines Bauerndirnlein ging einst an einem Weiher vorüber; da sah
+es am Rande eine große, dicke Kröte sitzen, die guckte so recht
+starr und häßlich. „Na -- bei dir möcht ich auch Gevatter stehen!“
+rief voll Abscheu das Mädchen. Da hob die Kröte den rechten
+Vorderfuß in die Höhe, als wenn sie einen Handschlag geben wollte.
+Dem Mägdlein gruselte, und es eilte weiter.
+
+Als abends die Jungfer in ihre Kammer trat, saß die Kröte
+krötenbreit mitten auf der Diele. Das Mädchen schrie. „Schrei
+nicht!“ sprach die Kröte. „Hast du mir nicht versprochen, bei mir
+Gevatter zu stehen? Ich nehme dich beim Worte! Folge mir, oder du
+erlebst nicht den morgenden Tag!“
+
+In Todesangst folgte der voranhüpfenden Kröte das junge Mädchen
+durchs Dorf, durch die Nacht, an den Weiher; dort war im Schilf eine
+Öffnung, eine Treppe führte hinunter. Die Kröte hüpfte voran, das
+Mädchen folgte. Drunten verwandelte sich die Kröte in eine schöne
+Frau und zeigte dem erstaunten Mädchen sein Patchen, ein nettes,
+niedliches Nixenkind. „Der Dienst soll dich nicht reuen!“ sprach
+sie. Und dann begann ein großes, herrliches Fest in den Räumen der
+unterirdischen Wasserwelt, und die junge Dirne wurde hoch geehrt und
+bedient von den schönsten Nixen und herumgeführt in allen Grotten,
+die wie eitel Eis und Silber glänzten, und empfing endlich von ihrer
+Gevatterin Kröte noch drei wunderbare Gaben, deren Besitz sie
+lebenslänglich glücklich machte. -- Sie wurde wohlbehalten wieder
+zurückgeführt, und hätte sie nicht morgens beim Erwachen die Gaben
+vorgefunden, so hätte sie geglaubt, es sei ihr alles nur im Traume
+begegnet. In ihre Erinnerung aber mischte sich zu dem Entzücken doch
+auch ein geheimes Grauen, und nie in ihrem Leben vermochte sie es
+über sich, wieder an jenem Weiher vorüberzugehen.
+
+ [Kleinbild]
+
+
+
+
+Zwergenmützchen.
+
+ [_Zehn Abbildungen (1 bunt)_]
+
+
+Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne und eine Tochter. Die
+Tochter liebte er sehr, aber die Söhne konnte er gar nicht leiden,
+war stets unzufrieden mit ihnen und machte ihnen das Leben sauer;
+denn sie konnten ihm nie etwas recht machen. Darüber waren die
+Brüder sehr bekümmert und wünschten sich weit weg von ihrem
+Vaterhause und saßen oft beisammen, klagend und seufzend, und wußten
+nicht, was sie anfangen sollten.
+
+Eines Tages, als die drei Brüder auch so betrübt beisammen
+saßen, seufzte der eine von ihnen: „Ach, hätten wir nur ein
+_Zwergenmützchen_, da wäre uns allen geholfen.“
+
+„Was ist’s damit?“ fragte der eine von den beiden anderen Brüdern.
+
+„Die Zwerge, die in den grünen Bergen wohnen,“ erläuterte der
+Bruder, „haben Mützchen, die man auch Nebelkäpplein nennt, und damit
+kann man sich unsichtbar machen, wenn man sie selbst aufsetzt. Das
+ist gar eine schöne Sache, liebe Brüder; da kann man den Leuten aus
+dem Wege gehen, die nichts von einem wissen wollen, und von denen
+man nie ein gutes Wort empfängt. Man kann hingehen wohin man will,
+nehmen was man will; niemand sieht einen, solange man mit dem
+Zwergenmützchen bedenkt ist.“
+
+„Aber wie gewinnt man solch ein rares Mützchen?“ fragte der dritte
+und jüngste der Brüder.
+
+„Die Zwerge,“ antwortete der älteste „sind ein kleines, drolliges
+Völklein, das gern spielt. Da macht es ihnen große Freude, bisweilen
+ihre Mützchen in die Höhe zu werfen. Wupps! sind sie sichtbar,
+wupps! fangen sie das Mützchen wieder, setzen es auf und sind wieder
+unsichtbar. Nun braucht man nichts zu tun als aufzupassen, wenn ein
+Zwerg sein Mützchen in die Höhe wirft, und muß dann rasch den Zwerg
+packen und das Mützchen geschwind selbst fangen. Da muß der Zwerg
+sichtbar bleiben, und man wird Herr der ganzen Zwergensippschaft.
+Nun kann man entweder das Mützchen behalten und sich damit
+unsichtbar machen, oder von den Zwergen so viel dafür fordern, daß
+man für sein Lebenlang genug hat. Denn die Zwerge haben Macht über
+alles Metall in der Erde, kennen alle Geheimnisse und Wunderkräfte
+der Natur; sie können auch durch ihre Lehren aus einem Dummen einen
+Klugen machen und aus dem faulsten Studenten einen hochgelahrten
+Professor, aus einem Barbier einen Doktor und aus einem
+Advokatenschreiber einen Minister.“
+
+„Ei, das wäre!“ rief einer der Brüder. „So gehe doch hin und
+verschaffe dir und uns solche Mützchen oder mindestens dir eins, und
+hilf dann auch uns, daß wir von hier fortkommen.“
+
+„Ich will es tun“, sagte der älteste der Brüder, und bald war er auf
+dem Wege nach den grünen Bergen. Es war ein etwas weiter Weg, und
+erst gegen Abend kam der gute Junge bei den Zwergenbergen an. Dort
+legte er sich in das grüne Gras an eine Stelle, wo im Grase die
+Ringelspuren von den Tänzen der Zwerge im Mondenscheine sich
+zeigten, und nach einer Weile sah er schon einige Zwerge ganz nahe
+bei sich übereinanderpurzeln, Mützchen werfen und spaßige Kurzweil
+treiben. Bald fiel ein solches Mützchen neben ihm nieder, schon
+haschte er darnach -- aber der Zwerg, dem das Mützchen gehörte, war
+ungleich behender als er, erhaschte sein Mützchen selbst und schrie:
+„Diebio! Diebio!“ Auf diesen Ruf warf sich das ganze Heer der Zwerge
+auf den armen Knaben, und es war, als wenn ein Haufen Ameisen um
+einen Käfer krabbelt; er konnte sich der Menge nicht erwehren und
+mußte es geschehen lassen, daß die Zwerge ihn gefangen nahmen und
+mit ihm tief hinab in ihre unterirdischen Wohnungen fuhren.
+
+Wie nun der älteste Bruder nicht wiederkam, so bekümmerte und
+betrübte das die beiden jüngeren Brüder gar sehr, und auch der
+Tochter war es leid, denn sie war sanft und gut, und es betrübte sie
+oft, daß der Vater gegen ihre Brüder so hart und unfreundlich war
+und sie allein bevorzugte. Der alte Müller aber murrte: „Mag der
+Schlingel von einem Jungen beim Kuckuck sein, was kümmert’s mich?
+Ist ein unnützer Kostgänger weniger im Hause. Wird schon wieder
+kommen, ist ans Brot gewöhnt! Unkraut verdirbt nicht.“
+
+Aber Tag um Tag verging, und der Knabe kam nicht wieder, und der
+Vater wurde gegen die beiden zurückgebliebenen immer mürrischer und
+härter. Da klagten die zwei Brüder oft gemeinsam, und der mittlere
+sprach: „Weißt du was, Bruder? Ich werde jetzt selbst mich aufmachen
+und nach den grünen Bergen gehen, vielleicht erlange ich ein
+Zwergenmützchen. Ich denke mir die Sache gar nicht anders als so:
+Unser Bruder hat solch ein Mützchen erlangt und ist damit in die
+weite Welt gegangen, erst sein Glück zu machen, und darüber hat er
+uns vergessen. Ich komme gewiß wieder, wenn ich glücklich bin; komme
+ich aber nicht wieder, so bin ich nicht glücklich gewesen, und für
+diesen Fall lebe du wohl, auf immer!“
+
+Traurig trennten sich die Brüder, und der mittlere wanderte fort
+nach den grünen Bergen. Dort ging es ihm in allen Stücken genau so,
+wie es seinem Bruder ergangen war. Er sah die Zwerge, haschte nach
+einem Mützchen, aber der Zwerg war flinker als er, schrie: „Diebe!
+Diebe!“ und der helle Haufen der Unterirdischen stürzte sich auf und
+über den Knaben, umstrickte ihn, daß er kein Glied regen konnte, und
+führte ihn tief hinab in die unterirdische Wohnung.
+
+Mit der sehnsüchtigsten Ungeduld harrte der jüngste Bruder daheim in
+der Mühle auf des Bruders Wiederkehr, aber vergebens. Da wurde er
+sehr traurig, denn er wußte ja nun, daß sein mittlerer Bruder nicht
+glücklich gewesen war, und die Schwester wurde auch traurig. Der
+Vater aber blieb gleichgültig und sagte nur: „Weg ist weg. Wem es
+daheim nicht gefällt, der wandere. Die Welt ist groß und weit. In
+meinem Hause hat der Zimmermann ein Loch gelassen. Wenn dem Esel zu
+wohl ist, geht er aufs Eis, tanzt und bricht ein Bein. Laßt den
+Guckindiewelt nur laufen, was grämt ihr euch um den Schlucker? Ich
+bin froh, daß er mir aus den Augen ist.“
+
+Der jüngste Bruder hatte bisher im Ertragen des gemeinsamen Leides
+Trost gefunden; als aber nun seine _beiden_ älteren Brüder fort
+waren, fand er seine Lage ganz unerträglich und sagte zu seiner
+Schwester: „Liebe Schwester, ich gehe nun auch fort, und schwerlich
+werde ich wiederkommen, wenn es mir ergeht wie unseren Brüdern. Der
+Vater liebt mich einmal nicht, und ich kann nichts dafür. Die
+Scheltworte, die früher auf uns drei niederfielen fallen jetzt auf
+mich allein, das ist mir denn doch eine zu schwere Last. Lebe du
+wohl und laß dir es wohl ergehen!“
+
+Die Schwester wollte ihren jüngsten Bruder erst nicht fortlassen,
+denn sie hatte ihn am allermeisten lieb, allein er ging dennoch
+heimlich von dannen und überlegte sich unterwegs recht genau, wie er
+es anfangen wollte, sich ein Zwergenmützchen zu verschaffen. Als er
+auf die grünen Berge kam, erkannte er bald an den grünen Ringeln im
+Grase den Ort der nächtlichen Zwergentänze und ihren Spiel- und
+Tummelplatz; er legte sich in der Dämmerung hin und wartete ab, bis
+die Zwerglein kamen, spielten, tanzten und Mützchen warfen.
+
+Eines derselben kam ihm ganz nahe, warf sein Mützchen, aber der
+kluge Knabe griff gar nicht darnach. Er dachte: „Ich habe ja Zeit.
+Ich muß die Männlein erst recht sicher und kirre machen.“ Der Zwerg
+nahm sein Mützchen, das ganz nahe dem Knaben niedergefallen war,
+wieder. Es dauerte gar nicht lange, so fiel ein zweites Mützchen
+hin. „Ei,“ dachte der Knabe, „da regnet’s Mützchen,“ griff aber
+nicht darnach, bis endlich ein drittes ihm gar auf die Hand fiel.
+Wupps dich, hielt er’s fest und sprang rasch empor. „Diebio! Diebio!
+Diebio!“ schrie laut der Zwerg, dem das Mützchen gehörte, mit
+feiner, gellender Stimme, die durch Mark und Bein drang, und da
+wimmelte das Zwergenvolk herbei. Aber der Knabe wurde unsichtbar,
+weil er das Mützchen hatte, und sie konnten ihm gar nichts anhaben.
+Allesamt erhoben sie ein klägliches Jammern und ein Gewinsel um das
+Mützchen, er solle es doch um alles in der Welt wieder hergeben.
+
+„Um alles in der Welt?“ fragte der kluge Knabe die Zwerge. „Das wär’
+mir schon recht! Aus dem Handel könnte etwas werden. Will aber erst
+sehen und hören, worin euer ‚Alles‘ besteht. Vorerst frage ich:
+Wo sind meine beiden Brüder?“
+
+„Die sind drunten im Schloß des grünen Berges!“ antwortete der
+Zwerg, dem das Mützchen gehört hatte. -- „Und was tun sie?“ -- „Sie
+dienen!“
+
+„So! Sie dienen -- und ihr dient nun mir. Auf! Hinab zu meinen
+Brüdern! Ihr Dienst ist aus, und eurer fängt an!“
+
+Da mußten die Unterirdischen dem irdischen Menschen gehorsam sein,
+weil er Macht über sie erlangt hatte durch das Mützchen.
+
+Die bestürzten und bekümmerten Zwerglein führten nun ihren Gebieter
+an eine Stelle, wo sich eine Öffnung in den grünen Berg fand; die
+tat sich klingend auf, und es ging rasch hinein und hinunter.
+Drunten waren herrliche und unermeßlich weite Räume, große Hallen
+und kleine Zimmer und Kämmerchen, je nach des Zwergenvolkes Bedarf,
+und nun verlangte der Knabe gleich, ehe er sich nach etwas anderem
+umsah, nach seinen Brüdern. Die wurden herbeigebracht, und der
+jüngste sah, daß sie in Dienertracht gekleidet waren, und sie riefen
+ihm wehmütig zu: „Ach, kommst auch du, lieber, guter Bruder, unser
+jüngster! So sind wir drei nun doch wieder beisammen, aber in der
+Gewalt dieser Unterirdischen und sehen nimmermehr wieder das
+himmlische Licht, den grünen Wald und die goldenen Felder!“
+
+„Liebe Brüder,“ erwiderte der jüngste, „harret nur, ich vermeine,
+das Blättlein soll sich wohl wenden.“
+
+„Herrenkleider und Prunkgewande für meine Brüder und mich!“
+herrschte er den Zwergen zu, hielt aber wohlweislich das werte
+Mützchen in der Hand fest, als seinem Befehle augenblicklich
+gehorcht wurde und das Umkleiden vor sich ging. Nun befahl der
+Zwergengebieter eine Tafel mit auserlesenen Speisen und trefflichen
+Weinen, dann Gesang und Saitenspiel nebst Tanz und Theater, in
+welchen Künsten die Zwerge das Ausgezeichnetste leisten, was einer
+nur sehen kann, dann kostbare Betten zum Ausruhen, dann Beleuchtung
+des ganzen unterirdischen Reiches, dann eine gläserne Kutsche mit
+prächtigen Pferden bespannt, um in den grünen Bergen überall
+herumzufahren und alles Sehenswerte in Augenschein zu nehmen. Da
+fuhren die drei Brüder durch alle Edelsteingrotten und sahen die
+herrlichsten Wasserkünste, sahen die Metalle als Blumen blühen,
+silberne Lilien, goldene Sonnenblumen, kupferne Rosen, und alles
+strahlte von Glanz und Pracht und Herrlichkeit. Dann begann der
+Gebieter mit den Zwergen über die Zurückgabe des Mützchens zu
+unterhandeln und legte ihnen schwere Bedingungen auf. _Erstens_: ein
+Trank aus den köstlichsten Heilkräutern, die mit allen ihren Kräften
+den Zwergen nur zu wohl bekannt sind, für seines Vaters krankes
+Herz, daß es sich umkehre und Liebe zu den drei Söhnen gewinne.
+_Zweitens_: einen Brautschatz so reich wie für eine Königstochter,
+für die liebe Schwester. _Drittens_: einen Wagen voller Edelsteine
+und Kunstgeräte, wie sie nur die Zwerge zu verfertigen verstehen,
+einen Wagen voll gemünzten Geldes, weil das Sprichwort sagt: Bares
+Geld lacht, und die Brüder gern auch lachen wollten, und endlich
+noch je einen Wagen für die drei Brüder, höchst bequem eingerichtet,
+mit Glasfenstern, und zu diesen drei Wagen alles nötige, Kutscher,
+Pferde, Geschirre und Riemzeug.
+
+Die Zwerge wanden sich und krümmten sich bei diesen Forderungen und
+taten so erbärmlich, daß es einen Stein erbarmt haben würde; es half
+ihnen aber all ihr Gewinsel nichts.
+
+„Wenn ihr nicht wollt,“ sagte der Gebieter, „so ist es mir auch
+recht, so bleiben wir da; es ist ja recht schön bei euch; ich nehme
+euch allesamt, wie ihr seid, eure Mützchen; dann _seht_, was aus
+euch wird, wenn man _euch sieht_ -- tot werdet ihr geschlagen, wo
+sich nur einer von euch blicken läßt. Noch mehr! Ich fahre hinauf
+auf die Oberwelt und sammle Kröten, die geb’ ich euch dann, jedem
+eine vor Schlafengehen mit ins Bette.“
+
+Wie der Gebieter das Wort Kröten aussprach, stürzten alle Zwerge auf
+ihre Knie und riefen: „Gnade! Gnade! Nur das nicht! Um alles in der
+Welt! Nur das nicht!“ Denn die Kröten sind der Zwerge Abscheu und
+Tod.
+
+„Ihr Toren,“ schalt der Gebieter; „ich verlange gar nicht ‚alles in
+der Welt‘; ich habe euch die allerbescheidenste Forderung gestellt,
+ich könnte ja unendlich mehr verlangen, allein ich bin ein
+grundguter Knabe. Ich könnte ja alles nehmen und das Mützchen und
+die Herrschaft über euch fort und fort behalten; denn so lange ich
+das Mützchen hätte, würde ich ja, das wißt ihr wohl, nicht sterben.
+Also, ihr wollt meine drei kleinen Bedingungen gewähren? Nicht?“
+
+„Ja, ja, hoher Herr und Gebieter!“ erseufzeten die Zwerglein und
+gingen ans Werk, alles Begehrte herbeizuschaffen und alle Gebote zu
+vollziehen.--
+
+Aber in der Mühle des alten grämlichen Müllers droben war nicht gut
+sein. Als der jüngste Bruder auch davon gegangen war, murrte der
+Müller: „Nun -- der ist auch fort -- bleibt aus wie das Röhrenwasser
+-- so geht es -- das hat man davon, wenn man Kinder groß zieht --
+sie wenden einem den Rücken zu. Nun ist nur noch das Mädchen da,
+mein Augapfel, mein Liebling.“
+
+Der Liebling aber saß dort und begann zu weinen.
+
+„Weinst du schon wieder!“ murrte der Alte; „denkst, ich soll meinen,
+du weinst um deine Brüder? Um den Gauch weinst du -- um den armen
+Schlucker, der dich freien will. Ist so leer und ausgebeutelt wie
+ein Mehlsack -- er hat nichts, du hast nichts, ich habe nichts,
+haben wir alle dreie nichts. Hörst du was klappern? Ich höre nichts.
+Die Mühle steht; schlechter kann es nicht stehen um eine Mühle, als
+wenn sie steht. Ich kann nicht mahlen, du kannst nicht heiraten,
+oder wir halten des Bettelmanns Hochzeit. Wie!“ -- Solcherlei Reden
+hatte die Tochter täglich anzuhören und verging fast im stillen
+Leid.
+
+Da kamen eines schönen Morgens Wagen gefahren, einer, zwei, drei,
+und hielten vor der Mühle; kleine Kutscher fuhren, kleine Lakaien
+sprangen vom Tritt und öffneten den Schlag des ersten Wagens! drei
+junge hübsche Herren stiegen aus, fein gekleidet wie Prinzen.
+
+Dienerschaft wimmelte um die anderen Wagen, lud ab, packte ab,
+schnallte ab, Kisten, Kasten und schwere Truhen, und sie trugen
+alles in die Mühle. Stumm und staunend standen der Müller und seine
+Tochter.
+
+„Guten Morgen, Vater! Guten Morgen, Schwester! Da wären wir wieder!“
+riefen die drei Brüder. Jene starrten sie verwundert an. --
+
+„Trink uns den Willkommen zu, lieber Vater!“ rief der Älteste und
+nahm aus eines Dieners Hand eine Flasche und schenkte einen überaus
+künstlich gearbeiteten Goldpokal voll edlen Trankes und hieß den
+Vater trinken. Dieser trank und gab den Pokal weiter, und alle
+tranken. Dem Alten strömte Wärme in das kalte Herz, und die Wärme
+wurde zum Feuer, zum Feuer der Liebe. Er weinte und fiel seinen
+Söhnen in die Arme und küßte sie und segnete sie. Und da kam der
+Bräutigam der Tochter und durfte auch mittrinken.
+
+Darüber fingen vor Freude die Mühlräder, die so lange still
+gestanden, an, sich rasch zu drehen um und um, um und um.
+
+ [Kleinbild]
+
+
+
+
+Die Kornähren.
+
+
+Es war einmal eine Zeit, aber das ist schon undenklich lange her,
+da trugen alle Kornhalme, und auch die von anderem Getreide, volle
+goldgelbe Ähren herab bis auf den Boden; da gab es keine Armut und
+keine Hungersnot, niemals, und das war die goldene Zeit. Da konnten
+sich alle Menschen mit Wonne sättigen, und auch die Vögel, die gerne
+Körner fressen, Hühner und Tauben und andere Vögel fanden ihr Futter
+vollauf.
+
+Aber da waren unter den Menschen welche, die waren undankbar und
+gottvergessen und achteten die schöne Gottesgabe, das liebe
+Getreide, für gar nichts. Da gab es Frauen, die nahmen, wenn ihre
+kleinen Kinder sich verunreinigt hatten, die vollen Ährenbüschel und
+reinigten damit ihre Kinder und warfen die Ähren auf den Mist; und
+die Mägde scheuerten mit den vollen Ähren, und die Buben und kleinen
+Mädchen jagten sich durch das liebe Korn, spielten Verstecken darin,
+wälzten sich darauf herum und zertraten es. Das jammerte den lieben
+Gott, der das Getreide den Menschen zur Nahrung gegeben hatte und
+dem Vieh zum Futter und nicht zum verurzen[*] und dachte bei sich:
+Wir wollens anders machen, und die goldne Zeit soll ein Ende haben.
+
+ [Anmerkung: Mutwillig verderben.]
+
+Und da schuf der liebe Gott, daß hinfort jeder Halm nur eine einzige
+Ähre trug, einmal für die Menschen, damit sie das liebe Getreide
+besser schonen lernten, und einmal für die unschuldigen Tiere, damit
+sie doch ihr Futter haben sollten, wenn auch die Menschen nicht
+einmal die eine Ähre wert wären.
+
+Von da an ist die Teuerung und die Armut in die Welt gekommen. Nur
+zuweilen und selten läßt der liebe Gott da oder dort einen
+Wunderhalm mit vielen, vielen Ähren emporschießen und zeigt so dem
+Menschen, wie es einst beschaffen war um das Getreide, und was Er
+kann. Und es geht eine alte Prophezeiung unter dem Volke, daß einmal
+nach langen Jahren, wenn das Engelwort sich erfüllt haben wird: Ehre
+sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und unter allen Menschen
+Wohwollen, Segnung und Liebe, -- daß dann der Boden auch wieder von
+Gott erweckt werden solle, solche Halme zu tragen, die bis zur
+Wurzel voll Ähren sind. Unser keiner aber wird das erleben.
+
+ [Abbildung]
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+ * * * * *
+
+Druckfehler
+
+ nahm es heraus, setzte es an den Ofen ... [, fehlt]
+ erst will ich nach Hause gehn
+ [Text ungeändert: anderswo »gehen«, »stehen« usw.]
+ „Ich bin schon da!““ [letzes “ fehlt]
+ ... sagte der Mönch; „wenn du bleibst [„ fehlt]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Märchen-Sammlung, by Ludwig Bechstein
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MÄRCHEN-SAMMLUNG ***
+
+***** This file should be named 23787-0.txt or 23787-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/2/3/7/8/23787/
+
+Produced by Louise Hope, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
+file was produced from images generously made available
+by The Internet Archive)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
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+
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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