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@@ -0,0 +1,1104 @@
+The Project Gutenberg EBook of Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse by
+Humboldt, Alexander von
+
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under
+the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or
+online at http://www.gutenberg.org/license
+
+
+
+Title: Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse
+
+Author: Humboldt, Alexander von
+
+Release Date: September 24, 2007 [Ebook #22761]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
+
+
+
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+
+Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse
+
+
+by Humboldt, Alexander von
+
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+
+Edition 1 , (September 24, 2007)
+
+
+
+
+
+CONTENTS
+
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+
+
+
+
+Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seiner
+Phantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung misst, so wirkt unter
+den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als
+der, welchen die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst
+am beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesange der Vögel, wie von dem
+Sumsen schwirrender Insecten. Nicht die unteren Schichten allein, in
+welchen die verdichteten Dünste schweben, auch die oberen ätherischreinen,
+sind belebt. Denn so oft man den Rücken der Peruanischen Cordilleren,
+oder, südlich vom Leman-See, den Gipfel des Weissen-Berges bestieg, hat
+man selbst in diesen Einöden noch Thiere entdeckt. Am Chimborazo, sechsmal
+höher als der Brocken, sahen wir Schmetterlinge und andere geflügelte
+Insecten. Wenn auch, von senkrechten Luftströmen getrieben, sie sich
+dahin, als Fremdlinge, verirrten, wohin unruhige Forschbegier des Menschen
+sorgsame Schritte leitet; so beweiset ihr Daseyn doch, dass die biegsamere
+animalische Schöpfung ausdauert, wo die vegetabilische längst ihre Grenze
+erreicht hat. Höher, als der Kegelberg von Teneriffa auf den Aetna
+gethürmt; höher, als alle Gipfel der Andeskette, schwebte oft über uns der
+Cundur, der Riese unter den Geiern. Raubsucht und Nachstellung der
+zartwolligen Vikunnas, welche gemsenartig und heerdenweise in den
+beschneiten Grasebenen schwärmen, locken den mächtigen Vogel in diese
+Region.
+
+Zeigt nun schon das unbewafnete Auge den ganzen Luftkreis belebt, so
+enthüllt noch grössere Wunder das bewafnete Auge. Räderthiere, Brachionen,
+und eine Schaar mikroskopischer Geschöpfe heben die Winde aus den
+troknenden Gewässern empor. Unbeweglich und in Scheintod versenkt,
+schweben sie vielleicht jahrelang in den Lüften, bis der Thau sie zur Erde
+zurükführt, die Hülle löst, die ihren durchsichtigen wirbelnden Körper
+einschliesst, und (wahrscheinlich durch den Lebensstoff, den alles Wasser
+enthält) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht.
+
+Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der Luftkreis auch zahllose Keime
+künftiger Bildungen, Insecten-Eier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-
+und Feder-Kronen zur langen Herbstreise geschikt sind. Selbst den
+belebenden Staub, den, bei getrennten Geschlechtern, die männlichen
+Blüthen ausstreuen, tragen Winde und geflügelte Insecten über Meer und
+Land den einsamen weiblichen zu. Wohin der Blick des Naturforschers
+dringt, ist Leben, oder Keim zum Leben, verbreitet.
+
+Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das wir getaucht sind, und
+über dessen Oberfläche wir uns nicht zu erheben vermögen, vielen
+organischen Geschöpfen zur nothwendigsten Nahrung; so bedürfen dieselben
+dabei doch noch einer gröberen Speise, welche nur der Boden dieses
+gasförmigen Oceans darbietet. Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den
+kleineren Theil bildet die trockene Erde, unmittelbar von Luft umflossen;
+den gröxseren Theil bildet das Wasser, vielleicht einst vor Jahrtausenden
+durch elektrisches Feuer aus luftförmigen Stoffen zusammengeronnen, und
+jezt unaufhörlich in der Werkstatt der Wolken, wie in den pulsirenden
+Gefässen der Thiere und Pflanzen, zersezt.
+
+Unentschieden ist es, wo grössere Lebensfülle verbreitet sey; ob auf dem
+Continent, oder in dem unergründeten Meere. In diesem erscheinen
+gallertartige Seegewürme, bald lebendig, bald abgestorben, als leuchtende
+Sterne. Ihr Phosphorlicht wandelt die grünliche Flache des unermesslichen
+Ozeans in ein Feuermeer um. Unauslöschlich wird mir der Eindruck jener
+stillen Tropen-Nachte der Südsee bleiben, wo aus der duftigen Himmelsbläue
+das hohe Sternbild des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr
+mildes planetarisches Licht ausgossen, und wo zugleich in der schäumenden
+Meeresfluth die Delphine ihre leuchtenden Furchen zogen.
+
+Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser verbergen zahllose
+Gewürme von wunderbarer Gestalt. Unserem Auge fast unerkennbar sind die
+Cyclidien, die gefranzten Trichoden und das Heer der Naiden, theilbar
+durch Aeste, wie die Lemna, deren Schatten sie suchen. Von mannichfaltigen
+Luftgemengen umgeben, und mit dem Lichte unbekannt, athmen: die geflekte
+Askaris, welche die Haut des Regenwurms, die silberglänzende Leukophra,
+welche das Innere der Ufer·Naide, und der Echynorynchus, welcher die
+weitzellige Lunge der tropischen Klapperschlange bewohnt. So sind auch die
+verborgensten Bäume der Schöpfung mit Leben erfüllt. Wir wollen hier
+bescheiden bei den Geschlechtern der Pflanzen verweilen; denn auf ihrem
+Daseyn beruht das Daseyn der thierischen Schöpfung. Unablässig sind sie
+bemüht, den rohen Stoff der Erde organisch an einander zu reihen, und
+vorbereitend, durch lebendige Kraft, zu mischen, was nach tausend
+Umwandlungen zur regsamen Nervenfaser veredelt wird. Derselbe Blick, den
+wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke heften, enthüllt uns die Fülle
+des thierischen Lebens, das von jener genährt und erhalten wird.
+
+Ungleich ist der Teppich gewebt, den die blüthenreiche Flora über den
+nakten Erdkörper ausbreitet; dichter, wo die Sonne höher an dem nie
+bewölkten Himmel emporsteigt; lockerer gegen die trägen Pole hin, wo der
+wiederkehrende Frost bald die entwickelte Knospe tödtet, bald die reifende
+Frucht erhascht. Doch überall darf der Mensch sich der nährenden Pflanzen
+erfreuen. Trennt im Meeresboden ein Vulkan die kochende Fluth, und schiebt
+plözlich (wie einst zwischen den griechischen Inseln) einen schlackigen
+Fels empor; oder erheben (um an eine friedlichere Naturerscheinung zu
+erinnern) die einträchtigen Nereiden ihre zelligen Wohnungen, bis sie nach
+Jahrtausenden über den Wasserspiegel hervorragend, absterben, und ein
+flaches Corallen-Eiland bilden: so sind die organischen Kräfte sogleich
+bereit, den todten Fels zu beleben. Was den Saamen so plözlich
+herbeiführt: ob wandernde Vögel, oder Winde, oder die Wogen des Meeres;
+ist bei der grossen Entfernung der Küsten schwer zu entscheiden. Aber auf
+dem nakten Steine, sobald ihn zuerst die Luft berührt, bildet sich in den
+nordischen Ländern ein Gewebe sammtartiger Fasern, die dem unbewafneten
+Auge als farbige Flecken erscheinen. Einige sind durch hervorragende
+Linien bald einfach bald doppelt begränzt; andere sind in Furchen
+durchschnitten und in Fächer getheilt. Mit zunehmendem Alter verdunkelt
+sich ihre lichte Farbe. Das fernleuchtende Gelb wird braun, und das
+bläuliche Grau der Leprarien verwandelt sich nach und nach in ein
+staubartiges Schwarz. Die Gränzen der alternden Decke fliessen in
+einander, und auf dem dunkeln Grunde bilden sich neue zirkelrunde Flechten
+von blendender Weisse. So lagert sich schichtenweise ein organisches
+Gewebe auf das andere; und wie das sich ansiedelnde Menschengeschlecht
+bestimmte Stufen der sittlichen Kultur durchlaufen muss, so ist die
+allmählige Verbreitung der Pflanzen an bestimmte physische Geseze
+gebunden. Wo jezt hohe Waldbäume ihre Gipfel luftig erheben, da überzogen
+einst zarte Flechten das erdenlose Gestein. Laubmoose, Gräser, krautartige
+Gewächse und Sträucher, füllen die Kluft der langen aber ungemessenen
+Zwischenzeit aus. Was im Norden Flechten und Moose, das bewirken in den
+Tropen _Portulacca_, _Gomphrenen_ und andere niedrige Uferpflanzen. Die
+Geschichte der Pflanzendecke, und ihre allmählige Ausbreitung über die öde
+Erdrinde, hat ihre Epochen, wie die Geschichte des spätern
+Menschengeschlechts.
+
+Ist aber auch Fülle des Lebens überall verbreitet; ist der Organismus auch
+unablässig bemüht, die durch den Tod entfesselten Elemente zu neuen
+Gestalten zu verbinden: so ist diese Lebensfülle und ihre Erneuerung doch
+nach Verschiedenheit der Himmelsstriche verschieden. Periodisch erstarrt
+die Natur in der kalten Zone; denn Flüssigkeit ist Bedingniss zum Leben.
+Thiere und Pflanzen (Laubmoose und andre Cryptogamen abgerechnet) liegen
+hier viele Monate hindurch im Winterschlaf vergraben. In einem grossen
+Theile der Erde haben daher nur solche organische Wesen sich entwickeln
+können, welche einer beträchtlichen Entziehung von Wärmestoff widerstehen,
+oder einer langen Unterbrechung der Lebensfunctionen fähig sind. Je näher
+dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannichfaltigkeit der Bildungen,
+Anmuth der Form und des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des
+organischen Lebens zu.
+
+Diese Zunahme kann leicht von denen bezweifelt werden, welche nie unsern
+Welttheil verlassen, oder das Studium der allgemeinen Erdkunde
+vernachlässigt haben. Wenn man aus unsern dicklaubigen Eichenwäldern über
+die Alpen oder Pyrenäen-Kette nach Welschland oder Spanien hinabsteigt;
+wenn man gar seinen Blick auf die afrikanischen Küstenländer des
+Mittelmeeres richtet: so wird man leicht zu dem Fehlschlusse verleitet,
+als sei Baumlosigkeit der Charakter heisser Klimate. Aber man vergisst,
+dass das südliche Europa eine andere Gestalt hatte, als pelasgische oder
+carthagischc Pflanzvölker sich zuerst darinn festsezten; man vergisst,
+dass frühere Bildung des Menschengeschlechts die Waldungen verdrängt, und
+dass der umschaffende Geist der Nazionen der Erde allmählig den Schmuck
+raubt, der uns in dem Norden erfreut, und der (mehr, als alle Geschichte)
+die Jugend unserer sittlichen Kultur anzeigt. Die grosse Katastrophe,
+durch welche das Mittelmeer sich gebildet, indem es, ein anschwellendes
+Binnenwasser, die Schleusen der Dardanellen und die Säulen des Herkules
+durchbrochen, diese Katastrophe scheint die angränzenden Länder eines
+grossen Theils ihrer Dammerde beraubt zu haben. Was bei den griechischen
+Schriftstellern von den Samothracischen Sagen erwähnt wird, deutet die
+Neuheit dieser zerstörenden Naturveränderung an. Auch ist in allen
+Ländern, welche das Mittelmeer begränzt, und welche die Kalkformation des
+Jura charakterisirt, ein grosser Theil der Erdoberfläche nackter Fels, Das
+Mahlerische italienischer Gegenden beruht vorzüglich auf diesem lieblichen
+Kontraste zwischen dem unbelebten öden Gestein und der üppigen Vegetation,
+welche inselförmig darinn aufsprosst. Wo dieses Gestein, minder
+zerklüftet, die Wasser auf der Oberfläche zusammen hält, wo diese mit Erde
+bedeckt ist, (wie an den reizenden Ufern des Albaner Sees) da hat selbst
+Italien seine Eichenwälder, so schattig und grün, als der Bewohner des
+Norden sie wünscht.
+
+Auch die Wüsten jenseits des Atlas, und die unermesslichen Ebenen oder
+Steppen von Süd-Amerika, sind als blosse Lokalerscheinungen zu betrachten.
+Diese findet man, in der Regenzeit wenigstens, mit Gras und niedrigen,
+fast krautartigen, Mimosen bedeckt; jene sind Sand-Meere im Innern des
+alten Continents, grosse pflanzenleere Räume, mit ewiggrünen waldigen
+Ufern umgeben. Nur einzeln stehende Fächerpalmen erinnern den Wanderer,
+dass diese Einöden Theile einer belebten Schöpfung sind. Im trügerischen
+Lichtspiele, das die strahlende Wärme erregt, sieht man bald den Fuss
+dieser Palmen frei in der Luft schweben, bald ihr umgekehrtes Bild in den
+wogenartig-zitternden Luftschichten wiederholt. Auch westlich von der
+peruanischen Andeskette, an den Küsten des stillen Meeres, haben wir
+Wochen gebraucht, um solche wasserleere Wüsten zu durchstreichen. Der
+Ursprung derselben, diese Pflanzenlosigkeit grosser Erdstrecken, in
+Gegenden, wo umher die kraftvolleste Vegetation herrscht, ist ein wenig
+beachtetes geognostisches Phänomen, welches sich unstreitig in alten
+Naturrevoluzionen (in Ueberschwemmungen, oder vulkanischen Umwandelungen
+der Erdrinde) gründet. Hat eine Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren,
+ist der Sand beweglich und quellenleer, hindert die heisse, senkrecht
+aufsteigende Luft den Niederschlag der Wolken: so vergehen Jahrtausende,
+ehe von den grünen Ufern aus organisches Leben in das Innere der Einöde
+dringt.
+
+Wer demnach die Natur mit Einem Blicke zu umfassen, und von
+Lokalphänomenen zu abstrahiren weiss, der sieht, wie mit Zunahme der
+belebenden Wärme, von den Polen zum Aequator hin, sich auch allmählig
+organische Kraft und Lebensfülle vermehren. Aber bei dieser Vermehrung
+sind doch jedem Erdstriche besondere Schönheiten vorbehalten: den Tropen
+Mannichfaltigkeit und Grösse der Pflanzenformen; dem Norden der Anblick
+der Wiesen, und das periodische Wiedererwachen der Natur beim ersten Wehen
+der Frühlingslüfte. Jede Zone hat ausser den ihr eigenen Vorzügen auch
+ihren eigenthümlichen Character. So wie man an einzelnen organischen Wesen
+eine bestimmte Physiognomie erkennt; wie beschreibende Botanik und
+Zoologie, im engern Sinne des Worts, fast nichts als Zergliederung der
+Thier- und Pflanzenformen ist: so giebt es auch eine gewisse
+Naturphysiognomie, welche jedem Himmelsstriche ausschliesslich zukommt.
+
+Was der Mahler mit den Ausdrücken schweizer Natur, italienischer Himmel,
+bezeichnet, gründet sich auf das dunkle Gefühl dieses lokalen
+Naturcharakters. Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne ruht,
+Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz des Laubes, Umriss der
+Berge — alle diese Elemente bestimmen den Totaleindruck einer Gegend. Zwar
+bilden unter allen Zonen dieselben Gebirgsarten Felsgruppen, von einerlei
+Physiognomie. Die Grünsteinklippen in Süd-Amerika und Mexiko gleichen
+denen des deutschen Fichtelgebirges, wie unter den Thieren die Form des
+Alco oder der ursprünglichen Hunderace des neuen Continents, mit der der
+europäischen Race genau übereinstimmt. Denn die unorganische Rinde der
+Erde ist gleichsam unabhängig von klimatischen Einflüssen; sey es, dass
+der Unterschied der Klimate neuer als das Gestein ist; sei es, dass die
+erhärtende, Wärme-entbindende Erdmasse sich selbst ihre Temperatur gab,
+statt sie von aussen zu empfangen. Alle Formationen sind daher allen
+Weltgegenden eigen, und in allen gleichgestaltet. Ueberall bildet der
+Basalt Zwillings-Berge und abgestumpfte Kegel; überall erscheint der
+Trapporphyr in grotesken Felsmassen, der Granit in sanftrundlichen Kuppen.
+Auch ähnliche Pflanzenformen, Tannen und Eichen, bekränzen die Berggehänge
+in Schweden, wie die des südlichsten Theils von Mexiko. Und bei aller
+dieser Uebereinstimmung in den Gestalten, bei dieser Gleichheit der
+einzelnen Umrisse, nimmt die Gruppirung derselben zu einem Ganzen doch den
+verschiedensten Charakter an.
+
+So wie die Kenntniss der Fossilien sich von der Gebirgslehre
+unterscheidet; so ist von der individuellen Naturbeschreibung die
+allgemeine, oder die Physiognomik der Natur, verschieden. Georg Forster in
+seinen Reisen und in seinen kleinen Schriften; Göthe in den
+Naturschilderungen, welche so manche seiner unsterblichen Werke enthalten;
+Herder, Büffon, Bernardin de St. Pierre, und selbst Chateaubriand, haben
+mit unnachahmlicher Wahrheit den Charakter einzelner Himmelsstriche
+geschildert. Solche Schilderungen sind aber nicht blos dazu geeignet, dem
+Gemüthe einen Genuss der edelsten Art zu verschaffen; nein, die Kenntniss
+von dem Naturcharakter verschiedener Weltgegenden ist mit der Geschichte
+des Menschengeschlechtes, und mit der seiner Kultur, aufs innigste
+verknüpft, Denn wenn auch der Anfang dieser Kultur nicht durch physische
+Einflüsse allein bestimmt wird; so hängt doch die Richtung derselben, so
+hängen Volkscharacter, düstere oder heitere Stimmung der Menschheit,
+grossentheils von klimatischen Verhältnissen ab. Wie mächtig hat der
+griechische Himmel auf Seine Bewohner gewirkt! Wie sind nicht in dem
+schönen und glücklichen Erdstriche zwischen dem Oxus, dem Tigris, und dem
+ägeischen Meere, die sich ansiedelnden Völker zuerst zu sittlicher Anmuth
+und zarteren Gefühlen erwacht? Und haben nicht, als Europa in neue
+Barbarei versank, und religiöse Begeisterung plözlich den heiligen Orient
+öfnete, unsere Vorältern aus jenen milden Thälern von neuem mildere Sitten
+heimgebracht! Die Dichterwerke der Griechen und die rauheren, Gesänge der
+nordischen Urvölker verdankten grösstentheils ihren eigenthümlichen
+Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere, den Gebirgsthälern, die den
+Dichter umgaben, und der Luft, die ihn umwehte. Wer fühlt sich nicht, um
+selbst nur an nahe Gegenstände zu erinnern, anders gestimmt, in dem
+dunkeln Schatten der Buchen, oder auf Hügeln, die mit einzeln stehenden
+Tannen bekränzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in dem zitternden
+Laube der Birken säuselt! Melancholische, ernsterhebende, oder fröhliche
+Bilder rufen diese vaterländische Pflanzengestalten in uns hervor. Der
+Einfluss der physischen Welt auf die moralische, dies geheimnissvolle
+Ineinander-Wirken des Sinnlichen und Aussersinnlichen, giebt dem
+Naturstudium, wenn man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen
+eigenen, noch zu wenig gekannten Reiz.
+
+Wenn aber auch der Charakter verschiedener Weltgegenden von allen äusseren
+Erscheinungen zugleich abhängt; wenn Umriss der Gebirge, Physiognomie der
+Pflanzen und Thiere, wenn Himmelsbläue, Wolkengestalt und Durchsichtigkeit
+des Luftkreises, den Totaleindruk bewirken; so ist doch nicht zu läugnen,
+dass das Hauptbestimmende dieses Eindrucks die Pflanzendecke ist. Dem
+thierischen Organismus fehlt es an Masse, und die Beweglichkeit der
+Individuen entzieht sie oft unsern Blicken. Die Pflanzenschöpfung dagegen
+wirkt durch stetige Grösse auf unsere Einbildungskraft. Ihre Masse
+bezeichnete ihr Alter, und in den Gewächsen allein ist Alter und Ausdruck
+stets sich erneuernder Kraft mit einander gepaart. Der riesenförmige
+Drachenbaum, den ich auf den kanarischen Inseln sah, und der 16 Schuh im
+Durchmesser hat, trägt noch immerdar (gleichsam in ewiger Jugend) Blüthe
+und Frucht. Als französische Abentheurer, die Bethencourts, im vierzehnten
+Jahrhundert die glücklichen Inseln eroberten, war der Drachenbaum von
+Oratava (den Eingeborenen heilig wie der Oelbaum in der Burg zu Athen,
+oder die nordische Esche, unter der Odin und Asi zusammenkamen) von eben
+der kolossalen Stärke als jezt. In den Tropen ist ein Wald von Hymeneen
+und Caesalpinien vielleicht das Denkmal von einem Jahrtausend.
+
+Umfasst man die verschiedenen Pflanzenarten, welche bereits auf dem
+Erdboden entdeckt sind, und von denen *Willdenow’s* grosses Werk allein
+über 20,000 genau zergliedert, mit Einem Blick; so erkennt man in dieser
+wundervollen Menge wenige Hauptformen, auf welche sich alle andere
+zurückführen lassen. Zur Bestimmung dieser Formen, von deren individueller
+Schönheit, Vertheilung und Gruppirung die Physiognomie der Vegetation
+eines Landes abhängt, muss man nicht (wie in den botanischen Systemen aus
+andern Beweggründen geschieht) auf die kleinsten Theile der Blüthen und
+Früchte, sondern nur auf das Rücksicht nehmen, was durch Masse den
+Totaleindruck einer Gegend individualisirt. Unter den Hauptformen der
+Vegetation giebt es allerdings ganze Familien der sogenannten natürlichen
+Systeme. Bananengewächse und Palmen werden auch in diesen einzeln
+aufgeführt. Aber der botanische Systematiker trennt eine Menge von
+Pflanzengruppen, welche der Physiognomiker sich gezwungen sieht, mit
+einander zu verbinden. Wo die Gewächse sich als Massen darstellen,
+fliessen Umrisse und Vertheilung der Blätter, Gestalt der Stämme und
+Zweige, in einander. Der Mahler (und gerade dem feinen Naturgefühle des
+Künstlers kommt hier der Ausspruch zu!) unterscheidet in dem Mittel- und
+Hintergrunde einer Landschaft Tannen- oder Palmengebüsehe von Buchen,
+nicht aber diese von andern Laubholzwäldern!
+
+Sechszehn Pflanzenformen bestimmen hauptsächlich die Physiognomie der
+Natur. Ich zähle nur diejenigen auf, welche ich bei meinen Reisen durch
+beide Welttheile, und bei einer vieljährigen Aufmerksamkeit auf die
+Vegetation der verschiedenen Himmelsstriche zwischen dem 55sten Grade
+nördlicher und dem 12ten Grade südlicher Breite, beobachtet habe. Die Zahl
+dieser Formen wird gewiss ansehnlich vermehrt werden, wenn man einst in
+das Innere der Continente tiefer eindringt, und neue Pflanzengattungen
+entdeckt. Im südöstlichen Asien, im Inneren von Afrika und Neuholland, in
+Süd-Amerika vom Amazonenstrome bis zum Gebirge Chiquitos hin, ist uns die
+Vegetation noch völlig unbekannt. Wie, wenn man gar ein Land entdeckte, in
+welchem holzige Schwämme, z. B. Calvarien oder Moose, hohe Bäume bildeten?
+Nekera dendroïdes, ein deutsches Laubmoos, ist in der That baumartig, und
+die tropischen Farrenkräuter, oft höher als unsere Linden und Erlen, sind
+für den Europäer noch jezt ein eben so überraschender Anblick, als dem
+ersten Entdecker ein Wald hoher Laubmoose seyn würde! Grösse und
+Entwickelung der Organe hängt von der Begünstigung klimatischer
+Verhältnisse ab. Die kleine, aber schlanke Form unserer Eidechse dehnt
+sich im Süden zu dem kolossalen und gepanzerten Körper furchtbarer
+Crocodyle aus. In den ungeheuern Katzen von Afrika und Amerika, im Tiger,
+im Löwen und Jaguar, ist die Gestalt eines unserer kleinsten Hausthiere
+nach einem grösseren Maasstabe wiederholt. Dringen wir gar in das Innere
+der Erde, durchwühlen wir die Grabstätte der Pflanzen und Thiere, so
+verkündigen uns die Versteinerungen nicht bloss eine Vertheilung der
+Formen, die mit den jetzigen Klimaten in Widerspruch steht; nein, sie
+zeigen uns auch kolossale Gestalten, welche mit den kleinlichen, die uns
+gegenwärtig umgeben, nicht minder contrastiren, als die einfache
+Heldennatur der Griechen gegen die Charaktergrösse neuerer Zeit. Hat die
+Temperatur des Erdkörpers beträchtliche, vielleicht periodisch
+wiederkehrende Veränderungen erlitten; ist das Verhältniss zwischen Meer
+und Land, ja selbst die Höhe des Luftozeans und sein Druck nicht immer
+derselbe gewesen: so muss die Physiognomie der Natur, so müssen Grösse und
+Gestalt des Organismus, ebenfalls schon manchem Wechsel unterworfen
+gewesen sein. Unfähig, diese Physiognomie des alternden Planeten nach
+ihren gegenwärtigen Zügen vollständig zu schildern, wage ich nur
+diejenigen Charaktere auszuheben, welche jeder Pflanzengruppe vorzüglich
+zukommen. Bei allem Reichthum und aller Biegsamkeit unserer
+vaterländischen Sprache, ist es ein schwieriges Unternehmen, mit Worten zu
+bezeichnen, was eigentlich nur der nachahmenden Kunst des Malers
+darzustellen geziemt. Auch wünschte ich, das Ermüdende des Eindrucks zu
+vermeiden, das jede Aufzählung einzelner Formen unausbleiblich erregen
+muss.
+
+Wir beginnen mit den *Palmen*, der höchsten und edelsten aller
+Pflanzengestalten. Denn ihr haben stets die Völker (und die früheste
+Menschenbildung war in der asiatischen Palmenwelt, oder in dem Erdstriche,
+der zunächst an die Palmenwelt gränzt) den Preis der Schönheit zuerkannt.
+Hohe, schlanke, geringelte, bisweilen stachliche Schäfte mit anstrebendem,
+glänzendem, bald gefächertem, bald gefiedertem Laube. Die Blatter sind oft
+grasartig gekräuselt. Der glatte Stamm erreicht bis 180 Fuss Höhe. Die
+Palmenform nimmt an Pracht und Grösse ab, vom Aequator gegen die
+gemässigte Zone hin. Europa hat unter seinen einheimischen Gewächsen nur
+einen Repräsentanten dieser Form, die zwergartige Küstenpalme, den
+Chamaerops, der in Spanien und Italien sich nördlich bis zum 44sten
+Breitengrade erstreckt. Das eigentliche Palmenklima der Erde hat
+21°. mittlerer Wärme. Aber die aus Afrika zu uns gebrachte Dattelpalme,
+welche minder schön als andere Arten dieser Gruppen ist, vegetirt noch im
+südlichen Europa in Gegenden, deren mittlere Temperatur 14°. also mehr als
+doppelt grösser, als die von Berlin, ist. Palmenstämme und
+Elephantengerippe liegen im nördlichen Deutschlande im Inneren der Erde
+vergraben, und ihre Lage macht es wahrscheinlich, dass sie nicht von den
+Tropen her gegen Norden geschwemmt wurden; sondern, dass in den grossen
+Revoluzionen unseres Planeten die Klimate, wie die durch sie bestimmte
+Physiognomie der Natur, vielfach verändert worden sind.
+
+Zu den Palmen gesellt sich in allen Welttheilen die Pisang oder
+*Bananenform*, die Scitamineen der Botaniker, _Heliconia_, _Amomum_,
+_Strelitzia_. Ein niedriger aber saftreicher, fast krautartiger Stamm, an
+dessen Spitze sich dünn und lokkergewebte, zartgestreifte,
+seidenartig-glänzende Blätter erheben. Pisanggebüsche sind der Schmuck
+feuchter Gegenden. Auf ihrer Frucht beruht die Nahrung aller Bewohner des
+heissen Erdgürtels. Wie die mehlreichen Cerealien oder Getreidearten des
+Nordens, so begleiten Pisangstämme den Menschen seit der frühesten
+Kindheit seiner Kultur. Asiatische Mythen setzen die ursprüngliche Heimath
+dieser nährenden Tropenpflanze an den Euphrat, oder an den Fuss des
+Himalus in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde von Enna als das
+glückliche Vaterland der Cerealien. Wenn diese, durch die Kultur über die
+nördliche Erde verbreitet, und dort einförmige weitgedehnte Grasfluren
+bildend, wenig den Anblick der Natur verschönern, so vervielfacht dagegen
+der sich ansiedelnde Tropenbewohner durch Pisangpflanzungen eine der
+herrlichsten und edelsten Gestalten.
+
+*Malvenform*, _Sterculia_, _Hibiscus_, _Lavatera_, _Ochroma_. Kurze aber
+kolossalisch dikke Stämme mit zartwolligen, grossen, herzförmigen, oft
+eingeschnittenen Blättern, und prachtvollen oft purpurrothen Blüthen. Zu
+dieser Pflanzengruppe gehört der Affenbrodbaum, _Adansonia digitata_, der
+bei 32 Fuss Höhe 30 Fuss Durchmesser hat, und der wahrscheinlich das
+grösste und älteste organische Denkmahl auf unserm Planeten ist. in
+Italien fängt die Malvenform bereits an, der Vegetation einen
+eigenthümlichen südlichen Charakter zu geben.
+
+Dagegen entbehret unsere gemässigte Zone im alten Continent leider ganz
+die zartgefiederten Blätter, die *Form der Mimosen*, _Gleditsia_,
+_Porleria_, _Tamarindus_. Den vereinigten Staaten von Nord-Amerika, in
+denen unter gleicher Breite die Vegetation mannichfaltiger und üppiger als
+in Europa ist, fehlt diese schöne Form nicht. Bei den Mimosen ist eine
+schirmartige Verbreitung der Zweige, fast wie bei den italienischen
+Pinien, gewöhnlich. Die tiefe Himmelsbläue des Tropenklimas durch die
+zartgefiederten Blätter schimmernd, ist von überaus malerischem Effekte.
+
+Eine meist afrikanische Pflanzengruppe sind die *Heidekräuter*; dahin
+gehören auch die _Andromeda_, _Passerinen_ und _Gnidien_, eine Gruppe, die
+mit der der Nadelhölzer einige Aehnlichkeit hat, und eben deshalb mit
+dieser durch die Fülle glokkenförmiger Blüthen, desto reizender
+contrastirt. Die baumartigen Heidekräuter, wie einige andere afrikanische
+Gewächse, erreichen das nördliche Ufer des Mittelmeers. Sie schmükken
+Welschland und die Cistus-Gebüsche des südlichen Spaniens. Am üppigsten
+wachsend habe ich sie auf den afrikanischen Inseln, am Abhange des *Pics*
+von *Teyde* gesehen. Bei uns in den baltischen Ländern, und noch
+nördlicher hin, ist diese Pflanzenform gefürchtet, Dürre und
+Unfruchtbarkeit verkündigend. Unsere Heidekräuter, _Erica vulgaris_ und
+_tetralix_ sind gesellschaftlich lebende Gewächse, gegen deren
+fortschreitenden Zug die ackerbauenden Völker seit Jahrhunderten mit
+wenigem Glükke ankämpfen. Sonderbar, dass der Hauptrepräsentant dieser
+Form blos einer Seite unsers Planeten eigen ist. Von den 137 jezt
+bekannten Arten von _Erica_ findet sich auch nicht eine einzige im neuen
+Continent von Pensilvanien und Labrador bis gegen Nootka und Alaschka hin.
+
+Dagegen ist bloss dem neuen Continent eigenthümlich die *Cactusform*, bald
+kugelförmig, bald gegliedert, bald in hohen, vielekkigen Säulen, wie
+Orgelpfeifen, aufrechtstehend. Diese Gruppe bildet den höchsten Contrast
+mit der Gestalt der Liliengewächse und der Bananen. Sie gehört zu den
+Pflanzen, welche Bernardin de St. Pierre sehr glücklich die
+vegetabilischen Quellen der Wüste nennt. In den wasserleeren Ebenen von
+Südamerika suchen die von Durst geängsteten Thiere den _Melonen-Cactus_,
+eine kugelförmige, halb im dürren Sande verborgene Pflanze, deren
+saftreiches Innere unter furchtbaren Stacheln versteckt ist. Die
+säulenförmigen Cactus-Stämme erreichen bis 30 Fuss Höhe und
+candelaberartig getheilt, haben sie eine auffallende Aehnlichkeit der
+Physiognomie mit einigen afrikanischen Euphorbien.
+
+Wie diese grüne Wasen in den pflanzenleeren Wüsten bilden, so beleben die
+*Orchideen* den vom Licht verkohlten Stamm der Tropenbäume und die ödesten
+Felsenritzen. Die Vanillenform zeichnet sich durch hellgrüne saftvolle
+Blätter und durch vielfarbige Blüthen von wunderbarem Baue aus. Diese
+Blüthen gleichen bald den geflügelten Insekten, bald den zarten Vögeln,
+welche der Duft der Honiggefässe anlokket. Das Leben eines Malers wäre
+nicht hinlänglich, um alle die prachtvollen Orchideen abzubilden, welche
+die tiefausgefurchten Gebirgsthäler der peruanischen Andeskette zieren.
+
+Blattlos, wie fast alle Cactusarten, ist die *Form der Casuarinen*, einer
+Pflanzengestalt, bloss der Südsee und Ostindien eigen. Bäume mit
+schachtelhalmähnlichen Zweigen. Doch finden sich auch in andern
+Weltgegenden Spuren dieses mehr sonderbaren als schönen Typus. *Plumier’s*
+_Equisetum altissimum_, die Ephedra aus Nord-Afrika, die peruanischen
+Colletien und das sibirische Calligonum Pallasia, sind der Casuarinenform
+nahe verwandt.
+
+So wie in den Pisanggewächsen die höchste Ausdehnung, so ist in den
+Casuarinen und in den *Nadelhölzern* die höchste Zusammenziehung der
+Blattgefässe. Tannen, Thuja und Cypressen bilden eine nordische Form, die
+in den Tropen selten ist. Ihr ewig-frisches Grün erheitert die öde
+Winter-Landschaft. Es verkündigt gleichsam den Polarvölkern, dass, wenn
+Schnee und Eis den Boden bedekken, das innere Leben der Pflanzen, wie das
+Prometheische Feuer, nie auf unserm Planeten erlischt.
+
+Parasitisch wie bei uns Moose und Flechten, überziehen in der Tropenwelt
+ausser den Orchideen auch die *Pothosgewächse* den alternden Stamm der
+Waldbäume. Saftige, krautartige Stengel mit grossen, bald pfeilförmigen,
+bald gefingerten, bald länglichen aber stets dik-adrigen Blättern. Blumen
+in Scheiden. _Pothos_, _Dracontium_, _Arum_, leztere dem Norden fehlend,
+aber in Spanien und Italien mit saftvollem Huflattig, hohen Distelstauden
+und _Acanthus_, die Ueppigkeit des südlichen Pflanzenwuchses bezeichnend.
+
+Zu dieser *Arumform* gesellt sich die Form der *Lianen*, beide in heissen
+Erdstrichen von Süd-Amerika in vorzüglicher Kraft der Vegetation.
+_Paullinia_, _Banisteria_, _Bignonien_. Unser rankender Hopfen und unsere
+Weinreben erinnern an diese Pflanzengestalt der Tropenwelt. Am Orinoco
+haben die blattlosen Zweige der _Bauhinien_ oft 40 Fuss Länge. Sie fallen
+theils senkrecht aus dem Gipfel hoher Swietenien herab; theils sind sie
+schräg wie Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
+bewundernswürdige Geschiklichkeit, daran auf- und abzuklettern.
+
+Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit ihrem frischen und leichten
+Grün, kontrastirt die selbstständige Form der bläulichen *Aloegewächse*;
+Stämme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt, enggeringelt und
+schlangenartig gewunden. An dem Gipfel sind saftreiche, fleischige,
+lang·zugespitzte Blätter stralenartig zusammengehäuft. Die hochstämmigen
+Aloegewächse bilden nicht Gebüsche, wie andere gesellschaftlich lebende
+Pflanzen. Sie stehen einzeln in dürren Ebenen, und geben der Tropengegend
+dadurch oft einen eigenen melancholischen (man möchte sagen afrikanischen)
+Charakter.
+
+Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und Festigkeit, so charakterisirt
+sich die *Grasform*, besonders die Physiognomie der baumartigen Gräser,
+durch den Ausdruck fröhlicher Leichtigkeit und beweglicher Schlankheit.
+Bambusgebüsche bilden schattige Bogengänge in beiden Indien. Der glatte,
+oft geneigt-hinschwebende Stamm der Tropen-Gräser übertrift die Höhe
+unserer Erlen und Eichen. Schon in Italien fängt im _Arundo Donax_ diese
+Form an, sich vom Boden zu erheben, und durch Höhe und Masse den
+Naturcharakter des Landes zu bestimmen.
+
+Mit der Gestalt der Gräser ist auch die der *Farrenkräuter* in den heissen
+Erdstrichen veredelt. Baumartige, oft 35 Fuss hohe Farrenkräuter haben ein
+palmenartiges Ansehen; aber ihr Stamm ist minder schlank, kürzer,
+schuppig-rauher als der der Palmen. Das Laub ist zarter, lokker gewebt,
+durchscheinend, und an den Rändern sauber ausgezakt. Diese kolossalen
+Farrenkräuter sind fast ausschliesslich den Tropen eigen, aber in diesen
+ziehen sie ein gemässigtes Klima dem ganz heissen vor. Da nun die
+Milderung der Hitze bloss eine Folge der Höhe ist; so darf man Gebirge,
+die 2 bis 3000 Fuss über dem Meere erhaben sind, oder die Höhe unsers
+deutschen Brokkens, als den Hauptsiz dieser Form nennen. Hochstämmige
+Farrenkräuter begleiten in Süd-Amerika den wohlthätigen Baum, der die
+heilende Fieberrinde darbietet. Beide bezeichnen die glükliche Region der
+Erde, in der ewige Milde des Frühlings herrscht.
+
+Noch nenne ich die Form der *Liliengewächse*, (_Amaryllis_, _Pancratium_)
+mit schilfartigen Blättern und prachtvollen Blüthen, eine Form, deren
+Hauptvaterland das südliche Afrika ist; ferner die *Weidenform*, in allen
+Welttheilen einheimisch; und wo _Salix_ fehlt, in den _Banksien_ und
+einigen _Proteen_ wiederholt; *Myrthengewächse*, (_Metrosideros_,
+_Eucalyptus_, _Escallonia_) *Melastomen-* und *Lorbeerform*.
+
+Es wäre ein Unternehmen, eines grossen Künstlers werth, den Charakter
+aller dieser Pflanzengruppen nicht in Treibhäusern oder in den
+Beschreibungen der Botaniker, sondern in der grossen Tropen-Natur selbst,
+zu studiren. Wie interessant und lehrreich für den Landschaftsmaler ware
+ein Werk, welches dem Auge die aufgezählten sechszehn Hauptformen, erst
+einzeln, und dann in ihrem Contraste gegen einander, darstellte. Was ist
+malerischer, als baumartige Farrenkräuter, die ihre zartgewebten Blätter
+über die Mexikanischen Lorbeereichen ausbreiten! Was reizender, als
+Pisanggebüsche von hohen Bambusgräsern umschattet! Dem Künstler ist es
+gegeben, die Gruppen zu zergliedern, und unter seiner Hand löst sich (wenn
+ich den Ausdruk wagen darf) das grosse Zauberbild der Natur, gleich den
+geschriebenen Werken der Menschen, in wenige einfache Züge auf!
+
+Am glühenden Sonnenstral des tropischen Himmels gedeihen die herrlichsten
+Gestalten der Pflanzen. Wie im kalten Norden die Baumrinde mit dürren
+Flechten und Laubmoosen bedekt ist, so beleben dort Cymbidium und duftende
+Vanille den Stamm der Anacardien und der riesenmässigen Feigenbäume. Das
+frische Grün der Pothosblätter und der Dracontien kontrastirt mit den
+vielfarbigen Blüthen der Orchideen. Rankende Bauhinien, Passifloren und
+gelbblühende Banisterien umschlingen den Stamm der Waldbäume. Zarte Blumen
+entfalten sich aus den Wurzeln der _Theobroma_, wie aus der dichten und
+rauhen Rinde der Crescentien und der _Gustavia_. Bei dieser Fülle von
+Blüthen und Blättern, bei diesem üppigen Wuchse und der Verwirrung
+rankender Gewächse, wird es dem Naturforscher oft schwer zu erkennen,
+welchem Stamme Blüthen und Blätter zugehören. Ein einziger Baum mit
+Paullinien, Bignonien und Dendrobium geschmükt, bildet eine Gruppe von
+Pflanzen, welche, von einander getrennt, einen beträchtlichen Erdraum
+bedekken würden.
+
+In den Tropen sind die Gewächse saftstrotzender, von frischerem Grün, mit
+grösseren und glänzenderen Blättern geziert, als in den nördlichern
+Erdstrichen. Gesellschaftlich lebende Pflanzen, welche die europäische
+Vegetation so einförmig machen, fehlen am Aequator beinah gänzlich. Bäume,
+fast zweimal so hoch als unsere Eichen, prangen dort mit Blüthen, welche
+gross und prachtvoll wie unsere Lilien sind. An den schattigen Ufern des
+Madalenenflusses in Süd-Amerika wächst eine rankende Aristolochia, deren
+Blume, von vier Fuss Umfang, sich die indischen Knaben in ihren Spielen
+über den Scheitel ziehen.
+
+Die ausserordentliche Höhe, zu welcher sich unter den Wendekreisen nicht
+blos einzelne Berge, sondern ganze Länder erheben, und die Kälte, welche
+Folge dieser Höhe ist, gewähren dem Tropen-Bewohner einen seltsamen
+Anblik. Ausser den Palmen und Pisanggebüschen umgeben ihn auch die
+Pflanzenformen, welche nur den nordischen Ländern anzugehören scheinen.
+Cypressen, Tannen und Eichen, Berberissträucher und Erlen (nahe mit den
+unsrigen verwandt) bedekken die Gebirgsebenen im südlichen Mexiko, wie die
+Andeskette unter dem Aequator. So hat die Natur dem Menschen in der
+heissen Zone verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle
+Pflanzengestalten der Erde zu sehen; wie das Himmelsgewölbe von Pol zu Pol
+ihm keine seiner leuchtenden Welten verbirgt.
+
+Diesen und so manchen andern Naturgenuss entbehren die nordischen Völker.
+Viele Gestirne und viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten,
+(Palmen und Pisanggewächse, baumartige Gräser und feingefiederte Mimosen)
+bleiben ihnen ewig unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere
+Treibhäuser einschliessen, gewähren nur ein schwaches Bild von der
+Majestät der Tropenvegetation. Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in
+der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden Kunst der
+Maler, ist uns eine reiche Quelle des Ersatzes geöfnet. Aus ihr schöpft
+unsere Einbildungskraft die lebendigen Bilder einer exotischen Natur. Im
+kalten Norden, in der öden Heide, kann der einsame Mensch sich aneignen,
+was in den fernsten Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem Innern
+eine Welt sich schaffen, welche das Werk seines Geistes, frei und
+unvergänglich, wie dieser, ist.
+
+
+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
+
+
+
+CREDITS
+
+
+September 24, 2007
+
+ Project Gutenberg TEI edition 1
+ Ralf Stephan
+
+
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+A WORD FROM PROJECT GUTENBERG
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+
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+
+Section 1.
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+
+General Terms of Use & Redistributing Project Gutenbergâ„¢ electronic works
+
+
+1.A.
+
+
+By reading or using any part of this Project Gutenbergâ„¢ electronic work,
+you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the
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+
+
+1.B.
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+1.C.
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+***FINIS***
+ \ No newline at end of file
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Binary files differ
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index 0000000..074662f
--- /dev/null
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@@ -0,0 +1,1104 @@
+The Project Gutenberg EBook of Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse by
+Humboldt, Alexander von
+
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under
+the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or
+online at http://www.gutenberg.org/license
+
+
+
+Title: Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse
+
+Author: Humboldt, Alexander von
+
+Release Date: September 24, 2007 [Ebook #22761]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO 8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
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+Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse
+
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+by Humboldt, Alexander von
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+Edition 1 , (September 24, 2007)
+
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+
+CONTENTS
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+Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seiner
+Phantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung misst, so wirkt unter
+den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als
+der, welchen die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst
+am beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesange der Vögel, wie von dem
+Sumsen schwirrender Insecten. Nicht die unteren Schichten allein, in
+welchen die verdichteten Dünste schweben, auch die oberen ätherischreinen,
+sind belebt. Denn so oft man den Rücken der Peruanischen Cordilleren,
+oder, südlich vom Leman-See, den Gipfel des Weissen-Berges bestieg, hat
+man selbst in diesen Einöden noch Thiere entdeckt. Am Chimborazo, sechsmal
+höher als der Brocken, sahen wir Schmetterlinge und andere geflügelte
+Insecten. Wenn auch, von senkrechten Luftströmen getrieben, sie sich
+dahin, als Fremdlinge, verirrten, wohin unruhige Forschbegier des Menschen
+sorgsame Schritte leitet; so beweiset ihr Daseyn doch, dass die biegsamere
+animalische Schöpfung ausdauert, wo die vegetabilische längst ihre Grenze
+erreicht hat. Höher, als der Kegelberg von Teneriffa auf den Aetna
+gethürmt; höher, als alle Gipfel der Andeskette, schwebte oft über uns der
+Cundur, der Riese unter den Geiern. Raubsucht und Nachstellung der
+zartwolligen Vikunnas, welche gemsenartig und heerdenweise in den
+beschneiten Grasebenen schwärmen, locken den mächtigen Vogel in diese
+Region.
+
+Zeigt nun schon das unbewafnete Auge den ganzen Luftkreis belebt, so
+enthüllt noch grössere Wunder das bewafnete Auge. Räderthiere, Brachionen,
+und eine Schaar mikroskopischer Geschöpfe heben die Winde aus den
+troknenden Gewässern empor. Unbeweglich und in Scheintod versenkt,
+schweben sie vielleicht jahrelang in den Lüften, bis der Thau sie zur Erde
+zurükführt, die Hülle löst, die ihren durchsichtigen wirbelnden Körper
+einschliesst, und (wahrscheinlich durch den Lebensstoff, den alles Wasser
+enthält) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht.
+
+Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der Luftkreis auch zahllose Keime
+künftiger Bildungen, Insecten-Eier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-
+und Feder-Kronen zur langen Herbstreise geschikt sind. Selbst den
+belebenden Staub, den, bei getrennten Geschlechtern, die männlichen
+Blüthen ausstreuen, tragen Winde und geflügelte Insecten über Meer und
+Land den einsamen weiblichen zu. Wohin der Blick des Naturforschers
+dringt, ist Leben, oder Keim zum Leben, verbreitet.
+
+Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das wir getaucht sind, und
+über dessen Oberfläche wir uns nicht zu erheben vermögen, vielen
+organischen Geschöpfen zur nothwendigsten Nahrung; so bedürfen dieselben
+dabei doch noch einer gröberen Speise, welche nur der Boden dieses
+gasförmigen Oceans darbietet. Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den
+kleineren Theil bildet die trockene Erde, unmittelbar von Luft umflossen;
+den gröxseren Theil bildet das Wasser, vielleicht einst vor Jahrtausenden
+durch elektrisches Feuer aus luftförmigen Stoffen zusammengeronnen, und
+jezt unaufhörlich in der Werkstatt der Wolken, wie in den pulsirenden
+Gefässen der Thiere und Pflanzen, zersezt.
+
+Unentschieden ist es, wo grössere Lebensfülle verbreitet sey; ob auf dem
+Continent, oder in dem unergründeten Meere. In diesem erscheinen
+gallertartige Seegewürme, bald lebendig, bald abgestorben, als leuchtende
+Sterne. Ihr Phosphorlicht wandelt die grünliche Flache des unermesslichen
+Ozeans in ein Feuermeer um. Unauslöschlich wird mir der Eindruck jener
+stillen Tropen-Nachte der Südsee bleiben, wo aus der duftigen Himmelsbläue
+das hohe Sternbild des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr
+mildes planetarisches Licht ausgossen, und wo zugleich in der schäumenden
+Meeresfluth die Delphine ihre leuchtenden Furchen zogen.
+
+Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser verbergen zahllose
+Gewürme von wunderbarer Gestalt. Unserem Auge fast unerkennbar sind die
+Cyclidien, die gefranzten Trichoden und das Heer der Naiden, theilbar
+durch Aeste, wie die Lemna, deren Schatten sie suchen. Von mannichfaltigen
+Luftgemengen umgeben, und mit dem Lichte unbekannt, athmen: die geflekte
+Askaris, welche die Haut des Regenwurms, die silberglänzende Leukophra,
+welche das Innere der Ufer·Naide, und der Echynorynchus, welcher die
+weitzellige Lunge der tropischen Klapperschlange bewohnt. So sind auch die
+verborgensten Bäume der Schöpfung mit Leben erfüllt. Wir wollen hier
+bescheiden bei den Geschlechtern der Pflanzen verweilen; denn auf ihrem
+Daseyn beruht das Daseyn der thierischen Schöpfung. Unablässig sind sie
+bemüht, den rohen Stoff der Erde organisch an einander zu reihen, und
+vorbereitend, durch lebendige Kraft, zu mischen, was nach tausend
+Umwandlungen zur regsamen Nervenfaser veredelt wird. Derselbe Blick, den
+wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke heften, enthüllt uns die Fülle
+des thierischen Lebens, das von jener genährt und erhalten wird.
+
+Ungleich ist der Teppich gewebt, den die blüthenreiche Flora über den
+nakten Erdkörper ausbreitet; dichter, wo die Sonne höher an dem nie
+bewölkten Himmel emporsteigt; lockerer gegen die trägen Pole hin, wo der
+wiederkehrende Frost bald die entwickelte Knospe tödtet, bald die reifende
+Frucht erhascht. Doch überall darf der Mensch sich der nährenden Pflanzen
+erfreuen. Trennt im Meeresboden ein Vulkan die kochende Fluth, und schiebt
+plözlich (wie einst zwischen den griechischen Inseln) einen schlackigen
+Fels empor; oder erheben (um an eine friedlichere Naturerscheinung zu
+erinnern) die einträchtigen Nereiden ihre zelligen Wohnungen, bis sie nach
+Jahrtausenden über den Wasserspiegel hervorragend, absterben, und ein
+flaches Corallen-Eiland bilden: so sind die organischen Kräfte sogleich
+bereit, den todten Fels zu beleben. Was den Saamen so plözlich
+herbeiführt: ob wandernde Vögel, oder Winde, oder die Wogen des Meeres;
+ist bei der grossen Entfernung der Küsten schwer zu entscheiden. Aber auf
+dem nakten Steine, sobald ihn zuerst die Luft berührt, bildet sich in den
+nordischen Ländern ein Gewebe sammtartiger Fasern, die dem unbewafneten
+Auge als farbige Flecken erscheinen. Einige sind durch hervorragende
+Linien bald einfach bald doppelt begränzt; andere sind in Furchen
+durchschnitten und in Fächer getheilt. Mit zunehmendem Alter verdunkelt
+sich ihre lichte Farbe. Das fernleuchtende Gelb wird braun, und das
+bläuliche Grau der Leprarien verwandelt sich nach und nach in ein
+staubartiges Schwarz. Die Gränzen der alternden Decke fliessen in
+einander, und auf dem dunkeln Grunde bilden sich neue zirkelrunde Flechten
+von blendender Weisse. So lagert sich schichtenweise ein organisches
+Gewebe auf das andere; und wie das sich ansiedelnde Menschengeschlecht
+bestimmte Stufen der sittlichen Kultur durchlaufen muss, so ist die
+allmählige Verbreitung der Pflanzen an bestimmte physische Geseze
+gebunden. Wo jezt hohe Waldbäume ihre Gipfel luftig erheben, da überzogen
+einst zarte Flechten das erdenlose Gestein. Laubmoose, Gräser, krautartige
+Gewächse und Sträucher, füllen die Kluft der langen aber ungemessenen
+Zwischenzeit aus. Was im Norden Flechten und Moose, das bewirken in den
+Tropen _Portulacca_, _Gomphrenen_ und andere niedrige Uferpflanzen. Die
+Geschichte der Pflanzendecke, und ihre allmählige Ausbreitung über die öde
+Erdrinde, hat ihre Epochen, wie die Geschichte des spätern
+Menschengeschlechts.
+
+Ist aber auch Fülle des Lebens überall verbreitet; ist der Organismus auch
+unablässig bemüht, die durch den Tod entfesselten Elemente zu neuen
+Gestalten zu verbinden: so ist diese Lebensfülle und ihre Erneuerung doch
+nach Verschiedenheit der Himmelsstriche verschieden. Periodisch erstarrt
+die Natur in der kalten Zone; denn Flüssigkeit ist Bedingniss zum Leben.
+Thiere und Pflanzen (Laubmoose und andre Cryptogamen abgerechnet) liegen
+hier viele Monate hindurch im Winterschlaf vergraben. In einem grossen
+Theile der Erde haben daher nur solche organische Wesen sich entwickeln
+können, welche einer beträchtlichen Entziehung von Wärmestoff widerstehen,
+oder einer langen Unterbrechung der Lebensfunctionen fähig sind. Je näher
+dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannichfaltigkeit der Bildungen,
+Anmuth der Form und des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des
+organischen Lebens zu.
+
+Diese Zunahme kann leicht von denen bezweifelt werden, welche nie unsern
+Welttheil verlassen, oder das Studium der allgemeinen Erdkunde
+vernachlässigt haben. Wenn man aus unsern dicklaubigen Eichenwäldern über
+die Alpen oder Pyrenäen-Kette nach Welschland oder Spanien hinabsteigt;
+wenn man gar seinen Blick auf die afrikanischen Küstenländer des
+Mittelmeeres richtet: so wird man leicht zu dem Fehlschlusse verleitet,
+als sei Baumlosigkeit der Charakter heisser Klimate. Aber man vergisst,
+dass das südliche Europa eine andere Gestalt hatte, als pelasgische oder
+carthagischc Pflanzvölker sich zuerst darinn festsezten; man vergisst,
+dass frühere Bildung des Menschengeschlechts die Waldungen verdrängt, und
+dass der umschaffende Geist der Nazionen der Erde allmählig den Schmuck
+raubt, der uns in dem Norden erfreut, und der (mehr, als alle Geschichte)
+die Jugend unserer sittlichen Kultur anzeigt. Die grosse Katastrophe,
+durch welche das Mittelmeer sich gebildet, indem es, ein anschwellendes
+Binnenwasser, die Schleusen der Dardanellen und die Säulen des Herkules
+durchbrochen, diese Katastrophe scheint die angränzenden Länder eines
+grossen Theils ihrer Dammerde beraubt zu haben. Was bei den griechischen
+Schriftstellern von den Samothracischen Sagen erwähnt wird, deutet die
+Neuheit dieser zerstörenden Naturveränderung an. Auch ist in allen
+Ländern, welche das Mittelmeer begränzt, und welche die Kalkformation des
+Jura charakterisirt, ein grosser Theil der Erdoberfläche nackter Fels, Das
+Mahlerische italienischer Gegenden beruht vorzüglich auf diesem lieblichen
+Kontraste zwischen dem unbelebten öden Gestein und der üppigen Vegetation,
+welche inselförmig darinn aufsprosst. Wo dieses Gestein, minder
+zerklüftet, die Wasser auf der Oberfläche zusammen hält, wo diese mit Erde
+bedeckt ist, (wie an den reizenden Ufern des Albaner Sees) da hat selbst
+Italien seine Eichenwälder, so schattig und grün, als der Bewohner des
+Norden sie wünscht.
+
+Auch die Wüsten jenseits des Atlas, und die unermesslichen Ebenen oder
+Steppen von Süd-Amerika, sind als blosse Lokalerscheinungen zu betrachten.
+Diese findet man, in der Regenzeit wenigstens, mit Gras und niedrigen,
+fast krautartigen, Mimosen bedeckt; jene sind Sand-Meere im Innern des
+alten Continents, grosse pflanzenleere Räume, mit ewiggrünen waldigen
+Ufern umgeben. Nur einzeln stehende Fächerpalmen erinnern den Wanderer,
+dass diese Einöden Theile einer belebten Schöpfung sind. Im trügerischen
+Lichtspiele, das die strahlende Wärme erregt, sieht man bald den Fuss
+dieser Palmen frei in der Luft schweben, bald ihr umgekehrtes Bild in den
+wogenartig-zitternden Luftschichten wiederholt. Auch westlich von der
+peruanischen Andeskette, an den Küsten des stillen Meeres, haben wir
+Wochen gebraucht, um solche wasserleere Wüsten zu durchstreichen. Der
+Ursprung derselben, diese Pflanzenlosigkeit grosser Erdstrecken, in
+Gegenden, wo umher die kraftvolleste Vegetation herrscht, ist ein wenig
+beachtetes geognostisches Phänomen, welches sich unstreitig in alten
+Naturrevoluzionen (in Ueberschwemmungen, oder vulkanischen Umwandelungen
+der Erdrinde) gründet. Hat eine Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren,
+ist der Sand beweglich und quellenleer, hindert die heisse, senkrecht
+aufsteigende Luft den Niederschlag der Wolken: so vergehen Jahrtausende,
+ehe von den grünen Ufern aus organisches Leben in das Innere der Einöde
+dringt.
+
+Wer demnach die Natur mit Einem Blicke zu umfassen, und von
+Lokalphänomenen zu abstrahiren weiss, der sieht, wie mit Zunahme der
+belebenden Wärme, von den Polen zum Aequator hin, sich auch allmählig
+organische Kraft und Lebensfülle vermehren. Aber bei dieser Vermehrung
+sind doch jedem Erdstriche besondere Schönheiten vorbehalten: den Tropen
+Mannichfaltigkeit und Grösse der Pflanzenformen; dem Norden der Anblick
+der Wiesen, und das periodische Wiedererwachen der Natur beim ersten Wehen
+der Frühlingslüfte. Jede Zone hat ausser den ihr eigenen Vorzügen auch
+ihren eigenthümlichen Character. So wie man an einzelnen organischen Wesen
+eine bestimmte Physiognomie erkennt; wie beschreibende Botanik und
+Zoologie, im engern Sinne des Worts, fast nichts als Zergliederung der
+Thier- und Pflanzenformen ist: so giebt es auch eine gewisse
+Naturphysiognomie, welche jedem Himmelsstriche ausschliesslich zukommt.
+
+Was der Mahler mit den Ausdrücken schweizer Natur, italienischer Himmel,
+bezeichnet, gründet sich auf das dunkle Gefühl dieses lokalen
+Naturcharakters. Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne ruht,
+Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz des Laubes, Umriss der
+Berge -- alle diese Elemente bestimmen den Totaleindruck einer Gegend. Zwar
+bilden unter allen Zonen dieselben Gebirgsarten Felsgruppen, von einerlei
+Physiognomie. Die Grünsteinklippen in Süd-Amerika und Mexiko gleichen
+denen des deutschen Fichtelgebirges, wie unter den Thieren die Form des
+Alco oder der ursprünglichen Hunderace des neuen Continents, mit der der
+europäischen Race genau übereinstimmt. Denn die unorganische Rinde der
+Erde ist gleichsam unabhängig von klimatischen Einflüssen; sey es, dass
+der Unterschied der Klimate neuer als das Gestein ist; sei es, dass die
+erhärtende, Wärme-entbindende Erdmasse sich selbst ihre Temperatur gab,
+statt sie von aussen zu empfangen. Alle Formationen sind daher allen
+Weltgegenden eigen, und in allen gleichgestaltet. Ueberall bildet der
+Basalt Zwillings-Berge und abgestumpfte Kegel; überall erscheint der
+Trapporphyr in grotesken Felsmassen, der Granit in sanftrundlichen Kuppen.
+Auch ähnliche Pflanzenformen, Tannen und Eichen, bekränzen die Berggehänge
+in Schweden, wie die des südlichsten Theils von Mexiko. Und bei aller
+dieser Uebereinstimmung in den Gestalten, bei dieser Gleichheit der
+einzelnen Umrisse, nimmt die Gruppirung derselben zu einem Ganzen doch den
+verschiedensten Charakter an.
+
+So wie die Kenntniss der Fossilien sich von der Gebirgslehre
+unterscheidet; so ist von der individuellen Naturbeschreibung die
+allgemeine, oder die Physiognomik der Natur, verschieden. Georg Forster in
+seinen Reisen und in seinen kleinen Schriften; Göthe in den
+Naturschilderungen, welche so manche seiner unsterblichen Werke enthalten;
+Herder, Büffon, Bernardin de St. Pierre, und selbst Chateaubriand, haben
+mit unnachahmlicher Wahrheit den Charakter einzelner Himmelsstriche
+geschildert. Solche Schilderungen sind aber nicht blos dazu geeignet, dem
+Gemüthe einen Genuss der edelsten Art zu verschaffen; nein, die Kenntniss
+von dem Naturcharakter verschiedener Weltgegenden ist mit der Geschichte
+des Menschengeschlechtes, und mit der seiner Kultur, aufs innigste
+verknüpft, Denn wenn auch der Anfang dieser Kultur nicht durch physische
+Einflüsse allein bestimmt wird; so hängt doch die Richtung derselben, so
+hängen Volkscharacter, düstere oder heitere Stimmung der Menschheit,
+grossentheils von klimatischen Verhältnissen ab. Wie mächtig hat der
+griechische Himmel auf Seine Bewohner gewirkt! Wie sind nicht in dem
+schönen und glücklichen Erdstriche zwischen dem Oxus, dem Tigris, und dem
+ägeischen Meere, die sich ansiedelnden Völker zuerst zu sittlicher Anmuth
+und zarteren Gefühlen erwacht? Und haben nicht, als Europa in neue
+Barbarei versank, und religiöse Begeisterung plözlich den heiligen Orient
+öfnete, unsere Vorältern aus jenen milden Thälern von neuem mildere Sitten
+heimgebracht! Die Dichterwerke der Griechen und die rauheren, Gesänge der
+nordischen Urvölker verdankten grösstentheils ihren eigenthümlichen
+Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere, den Gebirgsthälern, die den
+Dichter umgaben, und der Luft, die ihn umwehte. Wer fühlt sich nicht, um
+selbst nur an nahe Gegenstände zu erinnern, anders gestimmt, in dem
+dunkeln Schatten der Buchen, oder auf Hügeln, die mit einzeln stehenden
+Tannen bekränzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in dem zitternden
+Laube der Birken säuselt! Melancholische, ernsterhebende, oder fröhliche
+Bilder rufen diese vaterländische Pflanzengestalten in uns hervor. Der
+Einfluss der physischen Welt auf die moralische, dies geheimnissvolle
+Ineinander-Wirken des Sinnlichen und Aussersinnlichen, giebt dem
+Naturstudium, wenn man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen
+eigenen, noch zu wenig gekannten Reiz.
+
+Wenn aber auch der Charakter verschiedener Weltgegenden von allen äusseren
+Erscheinungen zugleich abhängt; wenn Umriss der Gebirge, Physiognomie der
+Pflanzen und Thiere, wenn Himmelsbläue, Wolkengestalt und Durchsichtigkeit
+des Luftkreises, den Totaleindruk bewirken; so ist doch nicht zu läugnen,
+dass das Hauptbestimmende dieses Eindrucks die Pflanzendecke ist. Dem
+thierischen Organismus fehlt es an Masse, und die Beweglichkeit der
+Individuen entzieht sie oft unsern Blicken. Die Pflanzenschöpfung dagegen
+wirkt durch stetige Grösse auf unsere Einbildungskraft. Ihre Masse
+bezeichnete ihr Alter, und in den Gewächsen allein ist Alter und Ausdruck
+stets sich erneuernder Kraft mit einander gepaart. Der riesenförmige
+Drachenbaum, den ich auf den kanarischen Inseln sah, und der 16 Schuh im
+Durchmesser hat, trägt noch immerdar (gleichsam in ewiger Jugend) Blüthe
+und Frucht. Als französische Abentheurer, die Bethencourts, im vierzehnten
+Jahrhundert die glücklichen Inseln eroberten, war der Drachenbaum von
+Oratava (den Eingeborenen heilig wie der Oelbaum in der Burg zu Athen,
+oder die nordische Esche, unter der Odin und Asi zusammenkamen) von eben
+der kolossalen Stärke als jezt. In den Tropen ist ein Wald von Hymeneen
+und Caesalpinien vielleicht das Denkmal von einem Jahrtausend.
+
+Umfasst man die verschiedenen Pflanzenarten, welche bereits auf dem
+Erdboden entdeckt sind, und von denen *Willdenow's* grosses Werk allein
+über 20,000 genau zergliedert, mit Einem Blick; so erkennt man in dieser
+wundervollen Menge wenige Hauptformen, auf welche sich alle andere
+zurückführen lassen. Zur Bestimmung dieser Formen, von deren individueller
+Schönheit, Vertheilung und Gruppirung die Physiognomie der Vegetation
+eines Landes abhängt, muss man nicht (wie in den botanischen Systemen aus
+andern Beweggründen geschieht) auf die kleinsten Theile der Blüthen und
+Früchte, sondern nur auf das Rücksicht nehmen, was durch Masse den
+Totaleindruck einer Gegend individualisirt. Unter den Hauptformen der
+Vegetation giebt es allerdings ganze Familien der sogenannten natürlichen
+Systeme. Bananengewächse und Palmen werden auch in diesen einzeln
+aufgeführt. Aber der botanische Systematiker trennt eine Menge von
+Pflanzengruppen, welche der Physiognomiker sich gezwungen sieht, mit
+einander zu verbinden. Wo die Gewächse sich als Massen darstellen,
+fliessen Umrisse und Vertheilung der Blätter, Gestalt der Stämme und
+Zweige, in einander. Der Mahler (und gerade dem feinen Naturgefühle des
+Künstlers kommt hier der Ausspruch zu!) unterscheidet in dem Mittel- und
+Hintergrunde einer Landschaft Tannen- oder Palmengebüsehe von Buchen,
+nicht aber diese von andern Laubholzwäldern!
+
+Sechszehn Pflanzenformen bestimmen hauptsächlich die Physiognomie der
+Natur. Ich zähle nur diejenigen auf, welche ich bei meinen Reisen durch
+beide Welttheile, und bei einer vieljährigen Aufmerksamkeit auf die
+Vegetation der verschiedenen Himmelsstriche zwischen dem 55sten Grade
+nördlicher und dem 12ten Grade südlicher Breite, beobachtet habe. Die Zahl
+dieser Formen wird gewiss ansehnlich vermehrt werden, wenn man einst in
+das Innere der Continente tiefer eindringt, und neue Pflanzengattungen
+entdeckt. Im südöstlichen Asien, im Inneren von Afrika und Neuholland, in
+Süd-Amerika vom Amazonenstrome bis zum Gebirge Chiquitos hin, ist uns die
+Vegetation noch völlig unbekannt. Wie, wenn man gar ein Land entdeckte, in
+welchem holzige Schwämme, z. B. Calvarien oder Moose, hohe Bäume bildeten?
+Nekera dendroïdes, ein deutsches Laubmoos, ist in der That baumartig, und
+die tropischen Farrenkräuter, oft höher als unsere Linden und Erlen, sind
+für den Europäer noch jezt ein eben so überraschender Anblick, als dem
+ersten Entdecker ein Wald hoher Laubmoose seyn würde! Grösse und
+Entwickelung der Organe hängt von der Begünstigung klimatischer
+Verhältnisse ab. Die kleine, aber schlanke Form unserer Eidechse dehnt
+sich im Süden zu dem kolossalen und gepanzerten Körper furchtbarer
+Crocodyle aus. In den ungeheuern Katzen von Afrika und Amerika, im Tiger,
+im Löwen und Jaguar, ist die Gestalt eines unserer kleinsten Hausthiere
+nach einem grösseren Maasstabe wiederholt. Dringen wir gar in das Innere
+der Erde, durchwühlen wir die Grabstätte der Pflanzen und Thiere, so
+verkündigen uns die Versteinerungen nicht bloss eine Vertheilung der
+Formen, die mit den jetzigen Klimaten in Widerspruch steht; nein, sie
+zeigen uns auch kolossale Gestalten, welche mit den kleinlichen, die uns
+gegenwärtig umgeben, nicht minder contrastiren, als die einfache
+Heldennatur der Griechen gegen die Charaktergrösse neuerer Zeit. Hat die
+Temperatur des Erdkörpers beträchtliche, vielleicht periodisch
+wiederkehrende Veränderungen erlitten; ist das Verhältniss zwischen Meer
+und Land, ja selbst die Höhe des Luftozeans und sein Druck nicht immer
+derselbe gewesen: so muss die Physiognomie der Natur, so müssen Grösse und
+Gestalt des Organismus, ebenfalls schon manchem Wechsel unterworfen
+gewesen sein. Unfähig, diese Physiognomie des alternden Planeten nach
+ihren gegenwärtigen Zügen vollständig zu schildern, wage ich nur
+diejenigen Charaktere auszuheben, welche jeder Pflanzengruppe vorzüglich
+zukommen. Bei allem Reichthum und aller Biegsamkeit unserer
+vaterländischen Sprache, ist es ein schwieriges Unternehmen, mit Worten zu
+bezeichnen, was eigentlich nur der nachahmenden Kunst des Malers
+darzustellen geziemt. Auch wünschte ich, das Ermüdende des Eindrucks zu
+vermeiden, das jede Aufzählung einzelner Formen unausbleiblich erregen
+muss.
+
+Wir beginnen mit den *Palmen*, der höchsten und edelsten aller
+Pflanzengestalten. Denn ihr haben stets die Völker (und die früheste
+Menschenbildung war in der asiatischen Palmenwelt, oder in dem Erdstriche,
+der zunächst an die Palmenwelt gränzt) den Preis der Schönheit zuerkannt.
+Hohe, schlanke, geringelte, bisweilen stachliche Schäfte mit anstrebendem,
+glänzendem, bald gefächertem, bald gefiedertem Laube. Die Blatter sind oft
+grasartig gekräuselt. Der glatte Stamm erreicht bis 180 Fuss Höhe. Die
+Palmenform nimmt an Pracht und Grösse ab, vom Aequator gegen die
+gemässigte Zone hin. Europa hat unter seinen einheimischen Gewächsen nur
+einen Repräsentanten dieser Form, die zwergartige Küstenpalme, den
+Chamaerops, der in Spanien und Italien sich nördlich bis zum 44sten
+Breitengrade erstreckt. Das eigentliche Palmenklima der Erde hat
+21°. mittlerer Wärme. Aber die aus Afrika zu uns gebrachte Dattelpalme,
+welche minder schön als andere Arten dieser Gruppen ist, vegetirt noch im
+südlichen Europa in Gegenden, deren mittlere Temperatur 14°. also mehr als
+doppelt grösser, als die von Berlin, ist. Palmenstämme und
+Elephantengerippe liegen im nördlichen Deutschlande im Inneren der Erde
+vergraben, und ihre Lage macht es wahrscheinlich, dass sie nicht von den
+Tropen her gegen Norden geschwemmt wurden; sondern, dass in den grossen
+Revoluzionen unseres Planeten die Klimate, wie die durch sie bestimmte
+Physiognomie der Natur, vielfach verändert worden sind.
+
+Zu den Palmen gesellt sich in allen Welttheilen die Pisang oder
+*Bananenform*, die Scitamineen der Botaniker, _Heliconia_, _Amomum_,
+_Strelitzia_. Ein niedriger aber saftreicher, fast krautartiger Stamm, an
+dessen Spitze sich dünn und lokkergewebte, zartgestreifte,
+seidenartig-glänzende Blätter erheben. Pisanggebüsche sind der Schmuck
+feuchter Gegenden. Auf ihrer Frucht beruht die Nahrung aller Bewohner des
+heissen Erdgürtels. Wie die mehlreichen Cerealien oder Getreidearten des
+Nordens, so begleiten Pisangstämme den Menschen seit der frühesten
+Kindheit seiner Kultur. Asiatische Mythen setzen die ursprüngliche Heimath
+dieser nährenden Tropenpflanze an den Euphrat, oder an den Fuss des
+Himalus in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde von Enna als das
+glückliche Vaterland der Cerealien. Wenn diese, durch die Kultur über die
+nördliche Erde verbreitet, und dort einförmige weitgedehnte Grasfluren
+bildend, wenig den Anblick der Natur verschönern, so vervielfacht dagegen
+der sich ansiedelnde Tropenbewohner durch Pisangpflanzungen eine der
+herrlichsten und edelsten Gestalten.
+
+*Malvenform*, _Sterculia_, _Hibiscus_, _Lavatera_, _Ochroma_. Kurze aber
+kolossalisch dikke Stämme mit zartwolligen, grossen, herzförmigen, oft
+eingeschnittenen Blättern, und prachtvollen oft purpurrothen Blüthen. Zu
+dieser Pflanzengruppe gehört der Affenbrodbaum, _Adansonia digitata_, der
+bei 32 Fuss Höhe 30 Fuss Durchmesser hat, und der wahrscheinlich das
+grösste und älteste organische Denkmahl auf unserm Planeten ist. in
+Italien fängt die Malvenform bereits an, der Vegetation einen
+eigenthümlichen südlichen Charakter zu geben.
+
+Dagegen entbehret unsere gemässigte Zone im alten Continent leider ganz
+die zartgefiederten Blätter, die *Form der Mimosen*, _Gleditsia_,
+_Porleria_, _Tamarindus_. Den vereinigten Staaten von Nord-Amerika, in
+denen unter gleicher Breite die Vegetation mannichfaltiger und üppiger als
+in Europa ist, fehlt diese schöne Form nicht. Bei den Mimosen ist eine
+schirmartige Verbreitung der Zweige, fast wie bei den italienischen
+Pinien, gewöhnlich. Die tiefe Himmelsbläue des Tropenklimas durch die
+zartgefiederten Blätter schimmernd, ist von überaus malerischem Effekte.
+
+Eine meist afrikanische Pflanzengruppe sind die *Heidekräuter*; dahin
+gehören auch die _Andromeda_, _Passerinen_ und _Gnidien_, eine Gruppe, die
+mit der der Nadelhölzer einige Aehnlichkeit hat, und eben deshalb mit
+dieser durch die Fülle glokkenförmiger Blüthen, desto reizender
+contrastirt. Die baumartigen Heidekräuter, wie einige andere afrikanische
+Gewächse, erreichen das nördliche Ufer des Mittelmeers. Sie schmükken
+Welschland und die Cistus-Gebüsche des südlichen Spaniens. Am üppigsten
+wachsend habe ich sie auf den afrikanischen Inseln, am Abhange des *Pics*
+von *Teyde* gesehen. Bei uns in den baltischen Ländern, und noch
+nördlicher hin, ist diese Pflanzenform gefürchtet, Dürre und
+Unfruchtbarkeit verkündigend. Unsere Heidekräuter, _Erica vulgaris_ und
+_tetralix_ sind gesellschaftlich lebende Gewächse, gegen deren
+fortschreitenden Zug die ackerbauenden Völker seit Jahrhunderten mit
+wenigem Glükke ankämpfen. Sonderbar, dass der Hauptrepräsentant dieser
+Form blos einer Seite unsers Planeten eigen ist. Von den 137 jezt
+bekannten Arten von _Erica_ findet sich auch nicht eine einzige im neuen
+Continent von Pensilvanien und Labrador bis gegen Nootka und Alaschka hin.
+
+Dagegen ist bloss dem neuen Continent eigenthümlich die *Cactusform*, bald
+kugelförmig, bald gegliedert, bald in hohen, vielekkigen Säulen, wie
+Orgelpfeifen, aufrechtstehend. Diese Gruppe bildet den höchsten Contrast
+mit der Gestalt der Liliengewächse und der Bananen. Sie gehört zu den
+Pflanzen, welche Bernardin de St. Pierre sehr glücklich die
+vegetabilischen Quellen der Wüste nennt. In den wasserleeren Ebenen von
+Südamerika suchen die von Durst geängsteten Thiere den _Melonen-Cactus_,
+eine kugelförmige, halb im dürren Sande verborgene Pflanze, deren
+saftreiches Innere unter furchtbaren Stacheln versteckt ist. Die
+säulenförmigen Cactus-Stämme erreichen bis 30 Fuss Höhe und
+candelaberartig getheilt, haben sie eine auffallende Aehnlichkeit der
+Physiognomie mit einigen afrikanischen Euphorbien.
+
+Wie diese grüne Wasen in den pflanzenleeren Wüsten bilden, so beleben die
+*Orchideen* den vom Licht verkohlten Stamm der Tropenbäume und die ödesten
+Felsenritzen. Die Vanillenform zeichnet sich durch hellgrüne saftvolle
+Blätter und durch vielfarbige Blüthen von wunderbarem Baue aus. Diese
+Blüthen gleichen bald den geflügelten Insekten, bald den zarten Vögeln,
+welche der Duft der Honiggefässe anlokket. Das Leben eines Malers wäre
+nicht hinlänglich, um alle die prachtvollen Orchideen abzubilden, welche
+die tiefausgefurchten Gebirgsthäler der peruanischen Andeskette zieren.
+
+Blattlos, wie fast alle Cactusarten, ist die *Form der Casuarinen*, einer
+Pflanzengestalt, bloss der Südsee und Ostindien eigen. Bäume mit
+schachtelhalmähnlichen Zweigen. Doch finden sich auch in andern
+Weltgegenden Spuren dieses mehr sonderbaren als schönen Typus. *Plumier's*
+_Equisetum altissimum_, die Ephedra aus Nord-Afrika, die peruanischen
+Colletien und das sibirische Calligonum Pallasia, sind der Casuarinenform
+nahe verwandt.
+
+So wie in den Pisanggewächsen die höchste Ausdehnung, so ist in den
+Casuarinen und in den *Nadelhölzern* die höchste Zusammenziehung der
+Blattgefässe. Tannen, Thuja und Cypressen bilden eine nordische Form, die
+in den Tropen selten ist. Ihr ewig-frisches Grün erheitert die öde
+Winter-Landschaft. Es verkündigt gleichsam den Polarvölkern, dass, wenn
+Schnee und Eis den Boden bedekken, das innere Leben der Pflanzen, wie das
+Prometheische Feuer, nie auf unserm Planeten erlischt.
+
+Parasitisch wie bei uns Moose und Flechten, überziehen in der Tropenwelt
+ausser den Orchideen auch die *Pothosgewächse* den alternden Stamm der
+Waldbäume. Saftige, krautartige Stengel mit grossen, bald pfeilförmigen,
+bald gefingerten, bald länglichen aber stets dik-adrigen Blättern. Blumen
+in Scheiden. _Pothos_, _Dracontium_, _Arum_, leztere dem Norden fehlend,
+aber in Spanien und Italien mit saftvollem Huflattig, hohen Distelstauden
+und _Acanthus_, die Ueppigkeit des südlichen Pflanzenwuchses bezeichnend.
+
+Zu dieser *Arumform* gesellt sich die Form der *Lianen*, beide in heissen
+Erdstrichen von Süd-Amerika in vorzüglicher Kraft der Vegetation.
+_Paullinia_, _Banisteria_, _Bignonien_. Unser rankender Hopfen und unsere
+Weinreben erinnern an diese Pflanzengestalt der Tropenwelt. Am Orinoco
+haben die blattlosen Zweige der _Bauhinien_ oft 40 Fuss Länge. Sie fallen
+theils senkrecht aus dem Gipfel hoher Swietenien herab; theils sind sie
+schräg wie Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
+bewundernswürdige Geschiklichkeit, daran auf- und abzuklettern.
+
+Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit ihrem frischen und leichten
+Grün, kontrastirt die selbstständige Form der bläulichen *Aloegewächse*;
+Stämme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt, enggeringelt und
+schlangenartig gewunden. An dem Gipfel sind saftreiche, fleischige,
+lang·zugespitzte Blätter stralenartig zusammengehäuft. Die hochstämmigen
+Aloegewächse bilden nicht Gebüsche, wie andere gesellschaftlich lebende
+Pflanzen. Sie stehen einzeln in dürren Ebenen, und geben der Tropengegend
+dadurch oft einen eigenen melancholischen (man möchte sagen afrikanischen)
+Charakter.
+
+Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und Festigkeit, so charakterisirt
+sich die *Grasform*, besonders die Physiognomie der baumartigen Gräser,
+durch den Ausdruck fröhlicher Leichtigkeit und beweglicher Schlankheit.
+Bambusgebüsche bilden schattige Bogengänge in beiden Indien. Der glatte,
+oft geneigt-hinschwebende Stamm der Tropen-Gräser übertrift die Höhe
+unserer Erlen und Eichen. Schon in Italien fängt im _Arundo Donax_ diese
+Form an, sich vom Boden zu erheben, und durch Höhe und Masse den
+Naturcharakter des Landes zu bestimmen.
+
+Mit der Gestalt der Gräser ist auch die der *Farrenkräuter* in den heissen
+Erdstrichen veredelt. Baumartige, oft 35 Fuss hohe Farrenkräuter haben ein
+palmenartiges Ansehen; aber ihr Stamm ist minder schlank, kürzer,
+schuppig-rauher als der der Palmen. Das Laub ist zarter, lokker gewebt,
+durchscheinend, und an den Rändern sauber ausgezakt. Diese kolossalen
+Farrenkräuter sind fast ausschliesslich den Tropen eigen, aber in diesen
+ziehen sie ein gemässigtes Klima dem ganz heissen vor. Da nun die
+Milderung der Hitze bloss eine Folge der Höhe ist; so darf man Gebirge,
+die 2 bis 3000 Fuss über dem Meere erhaben sind, oder die Höhe unsers
+deutschen Brokkens, als den Hauptsiz dieser Form nennen. Hochstämmige
+Farrenkräuter begleiten in Süd-Amerika den wohlthätigen Baum, der die
+heilende Fieberrinde darbietet. Beide bezeichnen die glükliche Region der
+Erde, in der ewige Milde des Frühlings herrscht.
+
+Noch nenne ich die Form der *Liliengewächse*, (_Amaryllis_, _Pancratium_)
+mit schilfartigen Blättern und prachtvollen Blüthen, eine Form, deren
+Hauptvaterland das südliche Afrika ist; ferner die *Weidenform*, in allen
+Welttheilen einheimisch; und wo _Salix_ fehlt, in den _Banksien_ und
+einigen _Proteen_ wiederholt; *Myrthengewächse*, (_Metrosideros_,
+_Eucalyptus_, _Escallonia_) *Melastomen-* und *Lorbeerform*.
+
+Es wäre ein Unternehmen, eines grossen Künstlers werth, den Charakter
+aller dieser Pflanzengruppen nicht in Treibhäusern oder in den
+Beschreibungen der Botaniker, sondern in der grossen Tropen-Natur selbst,
+zu studiren. Wie interessant und lehrreich für den Landschaftsmaler ware
+ein Werk, welches dem Auge die aufgezählten sechszehn Hauptformen, erst
+einzeln, und dann in ihrem Contraste gegen einander, darstellte. Was ist
+malerischer, als baumartige Farrenkräuter, die ihre zartgewebten Blätter
+über die Mexikanischen Lorbeereichen ausbreiten! Was reizender, als
+Pisanggebüsche von hohen Bambusgräsern umschattet! Dem Künstler ist es
+gegeben, die Gruppen zu zergliedern, und unter seiner Hand löst sich (wenn
+ich den Ausdruk wagen darf) das grosse Zauberbild der Natur, gleich den
+geschriebenen Werken der Menschen, in wenige einfache Züge auf!
+
+Am glühenden Sonnenstral des tropischen Himmels gedeihen die herrlichsten
+Gestalten der Pflanzen. Wie im kalten Norden die Baumrinde mit dürren
+Flechten und Laubmoosen bedekt ist, so beleben dort Cymbidium und duftende
+Vanille den Stamm der Anacardien und der riesenmässigen Feigenbäume. Das
+frische Grün der Pothosblätter und der Dracontien kontrastirt mit den
+vielfarbigen Blüthen der Orchideen. Rankende Bauhinien, Passifloren und
+gelbblühende Banisterien umschlingen den Stamm der Waldbäume. Zarte Blumen
+entfalten sich aus den Wurzeln der _Theobroma_, wie aus der dichten und
+rauhen Rinde der Crescentien und der _Gustavia_. Bei dieser Fülle von
+Blüthen und Blättern, bei diesem üppigen Wuchse und der Verwirrung
+rankender Gewächse, wird es dem Naturforscher oft schwer zu erkennen,
+welchem Stamme Blüthen und Blätter zugehören. Ein einziger Baum mit
+Paullinien, Bignonien und Dendrobium geschmükt, bildet eine Gruppe von
+Pflanzen, welche, von einander getrennt, einen beträchtlichen Erdraum
+bedekken würden.
+
+In den Tropen sind die Gewächse saftstrotzender, von frischerem Grün, mit
+grösseren und glänzenderen Blättern geziert, als in den nördlichern
+Erdstrichen. Gesellschaftlich lebende Pflanzen, welche die europäische
+Vegetation so einförmig machen, fehlen am Aequator beinah gänzlich. Bäume,
+fast zweimal so hoch als unsere Eichen, prangen dort mit Blüthen, welche
+gross und prachtvoll wie unsere Lilien sind. An den schattigen Ufern des
+Madalenenflusses in Süd-Amerika wächst eine rankende Aristolochia, deren
+Blume, von vier Fuss Umfang, sich die indischen Knaben in ihren Spielen
+über den Scheitel ziehen.
+
+Die ausserordentliche Höhe, zu welcher sich unter den Wendekreisen nicht
+blos einzelne Berge, sondern ganze Länder erheben, und die Kälte, welche
+Folge dieser Höhe ist, gewähren dem Tropen-Bewohner einen seltsamen
+Anblik. Ausser den Palmen und Pisanggebüschen umgeben ihn auch die
+Pflanzenformen, welche nur den nordischen Ländern anzugehören scheinen.
+Cypressen, Tannen und Eichen, Berberissträucher und Erlen (nahe mit den
+unsrigen verwandt) bedekken die Gebirgsebenen im südlichen Mexiko, wie die
+Andeskette unter dem Aequator. So hat die Natur dem Menschen in der
+heissen Zone verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle
+Pflanzengestalten der Erde zu sehen; wie das Himmelsgewölbe von Pol zu Pol
+ihm keine seiner leuchtenden Welten verbirgt.
+
+Diesen und so manchen andern Naturgenuss entbehren die nordischen Völker.
+Viele Gestirne und viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten,
+(Palmen und Pisanggewächse, baumartige Gräser und feingefiederte Mimosen)
+bleiben ihnen ewig unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere
+Treibhäuser einschliessen, gewähren nur ein schwaches Bild von der
+Majestät der Tropenvegetation. Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in
+der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden Kunst der
+Maler, ist uns eine reiche Quelle des Ersatzes geöfnet. Aus ihr schöpft
+unsere Einbildungskraft die lebendigen Bilder einer exotischen Natur. Im
+kalten Norden, in der öden Heide, kann der einsame Mensch sich aneignen,
+was in den fernsten Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem Innern
+eine Welt sich schaffen, welche das Werk seines Geistes, frei und
+unvergänglich, wie dieser, ist.
+
+
+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
+
+
+
+CREDITS
+
+
+September 24, 2007
+
+ Project Gutenberg TEI edition 1
+ Ralf Stephan
+
+
+
+A WORD FROM PROJECT GUTENBERG
+
+
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+
+Section 1.
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+
+
+1.A.
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+
+
+1.B.
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+"Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or
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+***FINIS***
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+ and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it,
+ give it away or re-use it under the terms of the Project
+ Gutenberg License <a href="#pglicense" class="tei tei-ref">included with this
+ eBook</a> or online at <a href="http://www.gutenberg.org/license" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/license</a></p></div><pre class="pre tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em">Title: Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse
+
+Author: Humboldt, Alexander von
+
+Release Date: September 24, 2007 [Ebook #22761]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
+</pre></div>
+ </div>
+
+ <div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em">
+
+ </div>
+
+ <hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em">
+ <div class="block tei tei-docTitle"><div class="block tei tei-titlePart" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse</span></div></div><div class="block tei tei-byline" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">by </span><span class="inline tei tei-docAuthor" style="text-align: left"><span style="font-size: 173%">Humboldt, Alexander von</span></span></div><div class="tei tei-div" style="text-align: left; margin-bottom: 5.76em; margin-top: 5.76em"><span class="tei tei-docEdition" style="text-align: left"><span class="tei tei-edition" style="text-align: left"><span style="font-size: 144%">
+ Edition 1
+ </span></span></span><span style="font-size: 144%">, (</span><span class="tei tei-docDate" style="text-align: left"><span class="tei tei-date" style="text-align: left"><span style="font-size: 144%">September 24, 2007</span></span></span><span style="font-size: 144%">)</span></div>
+ </div>
+
+ <hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em">
+ <a name="pdf1" id="pdf1"></a>
+ <h1 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Contents</span></h1>
+ <ul class="tei tei-index tei-index-toc"></ul>
+ </div>
+ </div>
+
+<hr class="doublepage" /><div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em">
+<span class="tei tei-pb" id="page3">[pg 3]</span><a name="Pg3" id="Pg3" class="tei tei-anchor"></a>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur
+durchforscht, oder in seiner Phantasie die weiten
+Räume der organischen Schöpfung misst, so wirkt unter
+den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner
+so tief und mächtig als der, welchen die allverbreitete
+Fülle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst
+am beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesange der
+Vögel, wie von dem Sumsen schwirrender Insecten.
+Nicht die unteren Schichten allein, in welchen die
+verdichteten Dünste schweben, auch die oberen ätherischreinen,
+sind belebt. Denn so oft man den Rücken
+der Peruanischen Cordilleren, oder, südlich vom
+Leman-See, den Gipfel des Weissen-Berges bestieg,
+hat man selbst in diesen Einöden noch Thiere entdeckt.
+Am Chimborazo, sechsmal höher als der Brocken,
+sahen wir Schmetterlinge und andere geflügelte
+Insecten. Wenn auch, von senkrechten Luftströmen
+getrieben, sie sich dahin, als Fremdlinge, verirrten,
+wohin unruhige Forschbegier des Menschen sorgsame
+Schritte leitet; so beweiset ihr Daseyn doch, dass die
+biegsamere animalische Schöpfung ausdauert, wo die
+vegetabilische längst ihre Grenze erreicht hat. Höher,
+<span class="tei tei-pb" id="page4">[pg 4]</span><a name="Pg4" id="Pg4" class="tei tei-anchor"></a>
+als der Kegelberg von Teneriffa auf den Aetna gethürmt;
+höher, als alle Gipfel der Andeskette, schwebte
+oft über uns der Cundur, der Riese unter den Geiern.
+Raubsucht und Nachstellung der zartwolligen
+Vikunnas, welche gemsenartig und heerdenweise in
+den beschneiten Grasebenen schwärmen, locken den
+mächtigen Vogel in diese Region.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Zeigt nun schon das unbewafnete Auge den ganzen
+Luftkreis belebt, so enthüllt noch grössere Wunder
+das bewafnete Auge. Räderthiere, Brachionen,
+und eine Schaar mikroskopischer Geschöpfe heben die
+Winde aus den troknenden Gewässern empor. Unbeweglich
+und in Scheintod versenkt, schweben sie vielleicht
+jahrelang in den Lüften, bis der Thau sie zur
+Erde zurükführt, die Hülle löst, die ihren durchsichtigen
+wirbelnden Körper einschliesst, und (wahrscheinlich
+durch den Lebensstoff, den alles Wasser
+enthält) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der
+Luftkreis auch zahllose Keime künftiger Bildungen,
+Insecten-Eier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-
+und Feder-Kronen zur langen Herbstreise geschikt
+sind. Selbst den belebenden Staub, den, bei getrennten
+Geschlechtern, die männlichen Blüthen ausstreuen,
+tragen Winde und geflügelte Insecten über Meer und
+Land den einsamen weiblichen zu. Wohin der Blick
+des Naturforschers dringt, ist Leben, oder Keim zum
+Leben, verbreitet.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das
+wir getaucht sind, und über dessen Oberfläche wir
+<span class="tei tei-pb" id="page5">[pg 5]</span><a name="Pg5" id="Pg5" class="tei tei-anchor"></a>
+uns nicht zu erheben vermögen, vielen organischen
+Geschöpfen zur nothwendigsten Nahrung; so bedürfen
+dieselben dabei doch noch einer gröberen Speise,
+welche nur der Boden dieses gasförmigen Oceans darbietet.
+Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den kleineren
+Theil bildet die trockene Erde, unmittelbar von
+Luft umflossen; den gröxseren Theil bildet das Wasser,
+vielleicht einst vor Jahrtausenden durch elektrisches
+Feuer aus luftförmigen Stoffen zusammengeronnen,
+und jezt unaufhörlich in der Werkstatt der Wolken,
+wie in den pulsirenden Gefässen der Thiere und Pflanzen,
+zersezt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Unentschieden ist es, wo grössere Lebensfülle
+verbreitet sey; ob auf dem Continent, oder in dem
+unergründeten Meere. In diesem erscheinen gallertartige
+Seegewürme, bald lebendig, bald abgestorben,
+als leuchtende Sterne. Ihr Phosphorlicht wandelt die
+grünliche Flache des unermesslichen Ozeans in ein
+Feuermeer um. Unauslöschlich wird mir der Eindruck
+jener stillen Tropen-Nachte der Südsee bleiben,
+wo aus der duftigen Himmelsbläue das hohe Sternbild
+des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr
+mildes planetarisches Licht ausgossen, und wo zugleich
+in der schäumenden Meeresfluth die Delphine
+ihre leuchtenden Furchen zogen.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser
+verbergen zahllose Gewürme von wunderbarer Gestalt.
+Unserem Auge fast unerkennbar sind die Cyclidien,
+die gefranzten Trichoden und das Heer der Naiden,
+theilbar durch Aeste, wie die Lemna, deren
+<span class="tei tei-pb" id="page6">[pg 6]</span><a name="Pg6" id="Pg6" class="tei tei-anchor"></a>
+Schatten sie suchen. Von mannichfaltigen Luftgemengen
+umgeben, und mit dem Lichte unbekannt, athmen:
+die geflekte Askaris, welche die Haut des Regenwurms,
+die silberglänzende Leukophra, welche das
+Innere der Ufer·Naide, und der Echynorynchus, welcher
+die weitzellige Lunge der tropischen Klapperschlange
+bewohnt. So sind auch die verborgensten
+Bäume der Schöpfung mit Leben erfüllt. Wir wollen
+hier bescheiden bei den Geschlechtern der Pflanzen
+verweilen; denn auf ihrem Daseyn beruht das Daseyn
+der thierischen Schöpfung. Unablässig sind sie bemüht,
+den rohen Stoff der Erde organisch an einander zu
+reihen, und vorbereitend, durch lebendige Kraft, zu
+mischen, was nach tausend Umwandlungen zur regsamen
+Nervenfaser veredelt wird. Derselbe Blick,
+den wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke heften,
+enthüllt uns die Fülle des thierischen Lebens, das von
+jener genährt und erhalten wird.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Ungleich ist der Teppich gewebt, den die blüthenreiche
+Flora über den nakten Erdkörper ausbreitet;
+dichter, wo die Sonne höher an dem nie bewölkten
+Himmel emporsteigt; lockerer gegen die trägen
+Pole hin, wo der wiederkehrende Frost bald die entwickelte
+Knospe tödtet, bald die reifende Frucht erhascht.
+Doch überall darf der Mensch sich der nährenden
+Pflanzen erfreuen. Trennt im Meeresboden
+ein Vulkan die kochende Fluth, und schiebt plözlich
+(wie einst zwischen den griechischen Inseln) einen
+schlackigen Fels empor; oder erheben (um an eine
+friedlichere Naturerscheinung zu erinnern) die einträchtigen
+<span class="tei tei-pb" id="page7">[pg 7]</span><a name="Pg7" id="Pg7" class="tei tei-anchor"></a>
+Nereiden ihre zelligen Wohnungen, bis sie
+nach Jahrtausenden über den Wasserspiegel hervorragend,
+absterben, und ein flaches Corallen-Eiland bilden:
+so sind die organischen Kräfte sogleich bereit,
+den todten Fels zu beleben. Was den Saamen so
+plözlich herbeiführt: ob wandernde Vögel, oder Winde,
+oder die Wogen des Meeres; ist bei der grossen
+Entfernung der Küsten schwer zu entscheiden. Aber
+auf dem nakten Steine, sobald ihn zuerst die Luft
+berührt, bildet sich in den nordischen Ländern ein
+Gewebe sammtartiger Fasern, die dem unbewafneten
+Auge als farbige Flecken erscheinen. Einige sind
+durch hervorragende Linien bald einfach bald doppelt
+begränzt; andere sind in Furchen durchschnitten und
+in Fächer getheilt. Mit zunehmendem Alter verdunkelt
+sich ihre lichte Farbe. Das fernleuchtende
+Gelb wird braun, und das bläuliche Grau der Leprarien
+verwandelt sich nach und nach in ein staubartiges
+Schwarz. Die Gränzen der alternden Decke fliessen
+in einander, und auf dem dunkeln Grunde bilden sich
+neue zirkelrunde Flechten von blendender Weisse.
+So lagert sich schichtenweise ein organisches Gewebe
+auf das andere; und wie das sich ansiedelnde Menschengeschlecht
+bestimmte Stufen der sittlichen Kultur
+durchlaufen muss, so ist die allmählige Verbreitung
+der Pflanzen an bestimmte physische Geseze gebunden.
+Wo jezt hohe Waldbäume ihre Gipfel luftig erheben,
+da überzogen einst zarte Flechten das erdenlose Gestein.
+Laubmoose, Gräser, krautartige Gewächse und
+Sträucher, füllen die Kluft der langen aber ungemessenen
+<span class="tei tei-pb" id="page8">[pg 8]</span><a name="Pg8" id="Pg8" class="tei tei-anchor"></a>
+Zwischenzeit aus. Was im Norden Flechten
+und Moose, das bewirken in den Tropen <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Portulacca</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Gomphrenen</span></span> und andere niedrige Uferpflanzen. Die
+Geschichte der Pflanzendecke, und ihre allmählige
+Ausbreitung über die öde Erdrinde, hat ihre Epochen,
+wie die Geschichte des spätern Menschengeschlechts.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Ist aber auch Fülle des Lebens überall verbreitet;
+ist der Organismus auch unablässig bemüht, die durch
+den Tod entfesselten Elemente zu neuen Gestalten zu
+verbinden: so ist diese Lebensfülle und ihre Erneuerung
+doch nach Verschiedenheit der Himmelsstriche
+verschieden. Periodisch erstarrt die Natur in der kalten
+Zone; denn Flüssigkeit ist Bedingniss zum Leben.
+Thiere und Pflanzen (Laubmoose und andre Cryptogamen
+abgerechnet) liegen hier viele Monate hindurch
+im Winterschlaf vergraben. In einem grossen Theile
+der Erde haben daher nur solche organische Wesen
+sich entwickeln können, welche einer beträchtlichen
+Entziehung von Wärmestoff widerstehen, oder einer
+langen Unterbrechung der Lebensfunctionen fähig sind.
+Je näher dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannichfaltigkeit
+der Bildungen, Anmuth der Form und
+des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des organischen
+Lebens zu.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Diese Zunahme kann leicht von denen bezweifelt
+werden, welche nie unsern Welttheil verlassen, oder
+das Studium der allgemeinen Erdkunde vernachlässigt
+haben. Wenn man aus unsern dicklaubigen Eichenwäldern
+über die Alpen oder Pyrenäen-Kette nach
+Welschland oder Spanien hinabsteigt; wenn man gar
+<span class="tei tei-pb" id="page9">[pg 9]</span><a name="Pg9" id="Pg9" class="tei tei-anchor"></a>
+seinen Blick auf die afrikanischen Küstenländer des
+Mittelmeeres richtet: so wird man leicht zu dem
+Fehlschlusse verleitet, als sei Baumlosigkeit der Charakter
+heisser Klimate. Aber man vergisst, dass das
+südliche Europa eine andere Gestalt hatte, als pelasgische
+oder carthagischc Pflanzvölker sich zuerst darinn
+festsezten; man vergisst, dass frühere Bildung des
+Menschengeschlechts die Waldungen verdrängt, und
+dass der umschaffende Geist der Nazionen der Erde allmählig
+den Schmuck raubt, der uns in dem Norden
+erfreut, und der (mehr, als alle Geschichte) die Jugend
+unserer sittlichen Kultur anzeigt. Die grosse Katastrophe,
+durch welche das Mittelmeer sich gebildet,
+indem es, ein anschwellendes Binnenwasser, die
+Schleusen der Dardanellen und die Säulen des Herkules
+durchbrochen, diese Katastrophe scheint die angränzenden
+Länder eines grossen Theils ihrer Dammerde
+beraubt zu haben. Was bei den griechischen
+Schriftstellern von den Samothracischen Sagen erwähnt
+wird, deutet die Neuheit dieser zerstörenden Naturveränderung
+an. Auch ist in allen Ländern, welche
+das Mittelmeer begränzt, und welche die Kalkformation
+des Jura charakterisirt, ein grosser Theil der Erdoberfläche
+nackter Fels, Das Mahlerische italienischer
+Gegenden beruht vorzüglich auf diesem lieblichen
+Kontraste zwischen dem unbelebten öden Gestein
+und der üppigen Vegetation, welche inselförmig darinn
+aufsprosst. Wo dieses Gestein, minder zerklüftet,
+die Wasser auf der Oberfläche zusammen hält,
+wo diese mit Erde bedeckt ist, (wie an den reizenden
+<span class="tei tei-pb" id="page10">[pg 10]</span><a name="Pg10" id="Pg10" class="tei tei-anchor"></a>
+Ufern des Albaner Sees) da hat selbst Italien seine
+Eichenwälder, so schattig und grün, als der Bewohner
+des Norden sie wünscht.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Auch die Wüsten jenseits des Atlas, und die unermesslichen
+Ebenen oder Steppen von Süd-Amerika,
+sind als blosse Lokalerscheinungen zu betrachten. Diese
+findet man, in der Regenzeit wenigstens, mit Gras
+und niedrigen, fast krautartigen, Mimosen bedeckt;
+jene sind Sand-Meere im Innern des alten Continents,
+grosse pflanzenleere Räume, mit ewiggrünen waldigen
+Ufern umgeben. Nur einzeln stehende Fächerpalmen
+erinnern den Wanderer, dass diese Einöden Theile
+einer belebten Schöpfung sind. Im trügerischen Lichtspiele,
+das die strahlende Wärme erregt, sieht man
+bald den Fuss dieser Palmen frei in der Luft schweben,
+bald ihr umgekehrtes Bild in den wogenartig-zitternden
+Luftschichten wiederholt. Auch westlich von der
+peruanischen Andeskette, an den Küsten des stillen
+Meeres, haben wir Wochen gebraucht, um solche
+wasserleere Wüsten zu durchstreichen. Der Ursprung
+derselben, diese Pflanzenlosigkeit grosser Erdstrecken,
+in Gegenden, wo umher die kraftvolleste Vegetation
+herrscht, ist ein wenig beachtetes geognostisches Phänomen,
+welches sich unstreitig in alten Naturrevoluzionen
+(in Ueberschwemmungen, oder vulkanischen
+Umwandelungen der Erdrinde) gründet. Hat eine
+Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren, ist der
+Sand beweglich und quellenleer, hindert die heisse,
+senkrecht aufsteigende Luft den Niederschlag der
+Wolken: so vergehen Jahrtausende, ehe von den grünen
+<span class="tei tei-pb" id="page11">[pg 11]</span><a name="Pg11" id="Pg11" class="tei tei-anchor"></a>
+Ufern aus organisches Leben in das Innere der
+Einöde dringt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wer demnach die Natur mit Einem Blicke zu umfassen,
+und von Lokalphänomenen zu abstrahiren
+weiss, der sieht, wie mit Zunahme der belebenden
+Wärme, von den Polen zum Aequator hin, sich auch
+allmählig organische Kraft und Lebensfülle vermehren.
+Aber bei dieser Vermehrung sind doch jedem
+Erdstriche besondere Schönheiten vorbehalten: den
+Tropen Mannichfaltigkeit und Grösse der Pflanzenformen;
+dem Norden der Anblick der Wiesen, und das
+periodische Wiedererwachen der Natur beim ersten
+Wehen der Frühlingslüfte. Jede Zone hat ausser den
+ihr eigenen Vorzügen auch ihren eigenthümlichen
+Character. So wie man an einzelnen organischen Wesen
+eine bestimmte Physiognomie erkennt; wie beschreibende
+Botanik und Zoologie, im engern Sinne
+des Worts, fast nichts als Zergliederung der Thier- und
+Pflanzenformen ist: so giebt es auch eine gewisse Naturphysiognomie,
+welche jedem Himmelsstriche ausschliesslich
+zukommt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Was der Mahler mit den Ausdrücken schweizer
+Natur, italienischer Himmel, bezeichnet, gründet sich
+auf das dunkle Gefühl dieses lokalen Naturcharakters.
+Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne
+ruht, Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz
+des Laubes, Umriss der Berge — alle diese Elemente
+bestimmen den Totaleindruck einer Gegend. Zwar
+bilden unter allen Zonen dieselben Gebirgsarten Felsgruppen,
+von einerlei Physiognomie. Die Grünsteinklippen
+<span class="tei tei-pb" id="page12">[pg 12]</span><a name="Pg12" id="Pg12" class="tei tei-anchor"></a>
+in Süd-Amerika und Mexiko gleichen denen
+des deutschen Fichtelgebirges, wie unter den Thieren
+die Form des Alco oder der ursprünglichen Hunderace
+des neuen Continents, mit der der europäischen Race
+genau übereinstimmt. Denn die unorganische Rinde
+der Erde ist gleichsam unabhängig von klimatischen
+Einflüssen; sey es, dass der Unterschied der Klimate
+neuer als das Gestein ist; sei es, dass die erhärtende,
+Wärme-entbindende Erdmasse sich selbst ihre Temperatur
+gab, statt sie von aussen zu empfangen. Alle
+Formationen sind daher allen Weltgegenden eigen,
+und in allen gleichgestaltet. Ueberall bildet der Basalt
+Zwillings-Berge und abgestumpfte Kegel; überall <span class="tei tei-corr">erscheint</span> der Trapporphyr
+in grotesken Felsmassen, der
+Granit in sanftrundlichen Kuppen. Auch ähnliche
+Pflanzenformen, Tannen und Eichen, bekränzen die
+Berggehänge in Schweden, wie die des südlichsten
+Theils von Mexiko. Und bei aller dieser Uebereinstimmung
+in den Gestalten, bei dieser Gleichheit der
+einzelnen Umrisse, nimmt die Gruppirung derselben
+zu einem Ganzen doch den verschiedensten Charakter
+an.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+So wie die Kenntniss der Fossilien sich von der
+Gebirgslehre unterscheidet; so ist von der individuellen
+Naturbeschreibung die allgemeine, oder die Physiognomik
+der Natur, verschieden. Georg Forster in
+seinen Reisen und in seinen kleinen Schriften; Göthe
+in den Naturschilderungen, welche so manche seiner
+unsterblichen Werke enthalten; Herder, Büffon, Bernardin
+de St. Pierre, und selbst Chateaubriand, haben
+<span class="tei tei-pb" id="page13">[pg 13]</span><a name="Pg13" id="Pg13" class="tei tei-anchor"></a>
+mit unnachahmlicher Wahrheit den Charakter einzelner
+Himmelsstriche geschildert. Solche Schilderungen
+sind aber nicht blos dazu geeignet, dem Gemüthe einen
+Genuss der edelsten Art zu verschaffen; nein,
+die Kenntniss von dem Naturcharakter verschiedener
+Weltgegenden ist mit der Geschichte des Menschengeschlechtes,
+und mit der seiner Kultur, aufs innigste
+verknüpft, Denn wenn auch der Anfang dieser Kultur
+nicht durch physische Einflüsse allein bestimmt
+wird; so hängt doch die Richtung derselben, so hängen
+Volkscharacter, düstere oder heitere Stimmung
+der Menschheit, grossentheils von klimatischen Verhältnissen
+ab. Wie mächtig hat der griechische Himmel
+auf Seine Bewohner gewirkt! Wie sind nicht in
+dem schönen und glücklichen Erdstriche zwischen dem
+Oxus, dem Tigris, und dem ägeischen Meere, die
+sich ansiedelnden Völker zuerst zu sittlicher Anmuth
+und zarteren Gefühlen erwacht? Und haben nicht,
+als Europa in neue Barbarei versank, und religiöse
+Begeisterung plözlich den heiligen Orient öfnete, unsere
+Vorältern aus jenen milden Thälern von neuem
+mildere Sitten heimgebracht! Die Dichterwerke der
+Griechen und die rauheren, Gesänge der nordischen Urvölker
+verdankten grösstentheils ihren eigenthümlichen
+Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere,
+den Gebirgsthälern, die den Dichter umgaben, und
+der Luft, die ihn umwehte. Wer fühlt sich nicht,
+um selbst nur an nahe Gegenstände zu erinnern, anders
+gestimmt, in dem dunkeln Schatten der Buchen,
+oder auf Hügeln, die mit einzeln stehenden Tannen
+<span class="tei tei-pb" id="page14">[pg 14]</span><a name="Pg14" id="Pg14" class="tei tei-anchor"></a>
+bekränzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in
+dem zitternden Laube der Birken säuselt! Melancholische,
+ernsterhebende, oder fröhliche Bilder rufen
+diese vaterländische Pflanzengestalten in uns hervor.
+Der Einfluss der physischen Welt auf die moralische,
+dies geheimnissvolle Ineinander-Wirken des Sinnlichen
+und Aussersinnlichen, giebt dem Naturstudium, wenn
+man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen eigenen,
+noch zu wenig gekannten Reiz.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wenn aber auch der Charakter verschiedener Weltgegenden
+von allen äusseren Erscheinungen zugleich
+abhängt; wenn Umriss der Gebirge, Physiognomie der
+Pflanzen und Thiere, wenn Himmelsbläue, Wolkengestalt
+und Durchsichtigkeit des Luftkreises, den Totaleindruk
+bewirken; so ist doch nicht zu läugnen,
+dass das Hauptbestimmende dieses Eindrucks die
+Pflanzendecke ist. Dem thierischen Organismus fehlt
+es an Masse, und die Beweglichkeit der Individuen
+entzieht sie oft unsern Blicken. Die Pflanzenschöpfung
+dagegen wirkt durch stetige Grösse auf unsere Einbildungskraft.
+Ihre Masse bezeichnete ihr Alter, und in
+den Gewächsen allein ist Alter und Ausdruck stets
+sich erneuernder Kraft mit einander gepaart. Der riesenförmige
+Drachenbaum, den ich auf den kanarischen
+Inseln sah, und der 16 Schuh im Durchmesser hat,
+trägt noch immerdar (gleichsam in ewiger Jugend)
+Blüthe und Frucht. Als französische Abentheurer,
+die Bethencourts, im vierzehnten Jahrhundert die
+glücklichen Inseln eroberten, war der Drachenbaum
+von Oratava (den Eingeborenen heilig wie der Oelbaum
+<span class="tei tei-pb" id="page15">[pg 15]</span><a name="Pg15" id="Pg15" class="tei tei-anchor"></a>
+in der Burg zu Athen, oder die nordische Esche,
+unter der Odin und Asi zusammenkamen) von eben
+der kolossalen Stärke als jezt. In den Tropen ist ein
+Wald von Hymeneen und Caesalpinien vielleicht das
+Denkmal von einem Jahrtausend.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Umfasst man die verschiedenen Pflanzenarten,
+welche bereits auf dem Erdboden entdeckt sind, und
+von denen <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Willdenow's</span></span> grosses Werk allein über
+20,000 genau zergliedert, mit Einem Blick; so erkennt
+man in dieser wundervollen Menge wenige
+Hauptformen, auf welche sich alle andere zurückführen
+lassen. Zur Bestimmung dieser Formen, von deren
+individueller Schönheit, Vertheilung und Gruppirung
+die Physiognomie der Vegetation eines Landes
+abhängt, muss man nicht (wie in den botanischen
+Systemen aus andern Beweggründen geschieht) auf
+die kleinsten Theile der Blüthen und Früchte, sondern
+nur auf das Rücksicht nehmen, was durch Masse
+den Totaleindruck einer Gegend individualisirt. Unter
+den Hauptformen der Vegetation giebt es allerdings
+ganze Familien der sogenannten natürlichen Systeme.
+Bananengewächse und Palmen werden auch in diesen
+einzeln aufgeführt. Aber der botanische Systematiker
+trennt eine Menge von Pflanzengruppen, welche
+der Physiognomiker sich gezwungen sieht, mit einander
+zu verbinden. Wo die Gewächse sich als Massen
+darstellen, fliessen Umrisse und Vertheilung der Blätter,
+Gestalt der Stämme und Zweige, in einander.
+Der Mahler (und gerade dem feinen Naturgefühle des
+Künstlers kommt hier der Ausspruch zu!) unterscheidet
+in dem Mittel- und Hintergrunde einer Landschaft
+<span class="tei tei-pb" id="page16">[pg 16]</span><a name="Pg16" id="Pg16" class="tei tei-anchor"></a>
+Tannen- oder Palmengebüsehe von Buchen, nicht aber
+diese von andern Laubholzwäldern!
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Sechszehn Pflanzenformen bestimmen hauptsächlich
+die Physiognomie der Natur. Ich zähle nur diejenigen
+auf, welche ich bei meinen Reisen durch beide
+Welttheile, und bei einer vieljährigen Aufmerksamkeit
+auf die Vegetation der verschiedenen Himmelsstriche
+zwischen dem 55sten Grade nördlicher und dem
+12ten Grade südlicher Breite, beobachtet habe. Die
+Zahl dieser Formen wird gewiss ansehnlich vermehrt
+werden, wenn man einst in das Innere der Continente
+tiefer eindringt, und neue Pflanzengattungen entdeckt.
+Im südöstlichen Asien, im Inneren von Afrika
+und Neuholland, in Süd-Amerika vom Amazonenstrome
+bis zum Gebirge Chiquitos hin, ist uns die Vegetation
+noch völlig unbekannt. Wie, wenn man gar
+ein Land entdeckte, in welchem holzige Schwämme,
+z. B. Calvarien oder Moose, hohe Bäume bildeten?
+Nekera dendroïdes, ein deutsches Laubmoos, ist in
+der That baumartig, und die tropischen Farrenkräuter,
+oft höher als unsere Linden und Erlen, sind für den
+Europäer noch jezt ein eben so überraschender Anblick,
+als dem ersten Entdecker ein Wald hoher Laubmoose
+seyn würde! Grösse und Entwickelung der
+Organe hängt von der Begünstigung klimatischer
+Verhältnisse ab. Die kleine, aber schlanke Form unserer
+Eidechse dehnt sich im Süden zu dem kolossalen
+und gepanzerten Körper furchtbarer Crocodyle aus. In
+den ungeheuern Katzen von Afrika und Amerika, im
+Tiger, im Löwen und Jaguar, ist die Gestalt eines
+<span class="tei tei-pb" id="page17">[pg 17]</span><a name="Pg17" id="Pg17" class="tei tei-anchor"></a>
+unserer kleinsten Hausthiere nach einem grösseren
+Maasstabe wiederholt. Dringen wir gar in das Innere
+der Erde, durchwühlen wir die Grabstätte der Pflanzen
+und Thiere, so verkündigen uns die Versteinerungen
+nicht bloss eine Vertheilung der Formen,
+die mit den jetzigen Klimaten in Widerspruch steht;
+nein, sie zeigen uns auch kolossale Gestalten, welche
+mit den kleinlichen, die uns gegenwärtig umgeben,
+nicht minder contrastiren, als die einfache Heldennatur
+der Griechen gegen die Charaktergrösse neuerer
+Zeit. Hat die Temperatur des Erdkörpers beträchtliche,
+vielleicht periodisch wiederkehrende Veränderungen
+erlitten; ist das Verhältniss zwischen Meer
+und Land, ja selbst die Höhe des Luftozeans und
+sein Druck nicht immer derselbe gewesen: so muss
+die Physiognomie der Natur, so müssen Grösse und
+Gestalt des Organismus, ebenfalls schon manchem
+Wechsel unterworfen gewesen sein. Unfähig, diese
+Physiognomie des alternden Planeten nach ihren gegenwärtigen
+Zügen vollständig zu schildern, wage
+ich nur diejenigen Charaktere auszuheben, welche
+jeder Pflanzengruppe vorzüglich zukommen. Bei
+allem Reichthum und aller Biegsamkeit unserer vaterländischen
+Sprache, ist es ein schwieriges Unternehmen,
+mit Worten zu bezeichnen, was eigentlich
+nur der nachahmenden Kunst des Malers darzustellen
+geziemt. Auch wünschte ich, das Ermüdende
+des Eindrucks zu vermeiden, das jede Aufzählung
+einzelner Formen unausbleiblich erregen
+muss.
+</p>
+<span class="tei tei-pb" id="page18">[pg 18]</span><a name="Pg18" id="Pg18" class="tei tei-anchor"></a>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wir beginnen mit den <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Palmen</span></span>, der höchsten
+und edelsten aller Pflanzengestalten. Denn ihr haben
+stets die Völker (und die früheste Menschenbildung
+war in der asiatischen Palmenwelt, oder in dem Erdstriche,
+der zunächst an die Palmenwelt gränzt) den
+Preis der Schönheit zuerkannt. Hohe, schlanke, geringelte,
+bisweilen stachliche Schäfte mit anstrebendem,
+glänzendem, bald gefächertem, bald gefiedertem
+Laube. Die Blatter sind oft grasartig gekräuselt.
+Der glatte Stamm erreicht bis 180 Fuss Höhe. Die
+Palmenform nimmt an Pracht und Grösse ab, vom
+Aequator gegen die gemässigte Zone hin. Europa hat
+unter seinen einheimischen Gewächsen nur einen Repräsentanten
+dieser Form, die zwergartige Küstenpalme,
+den Chamaerops, der in Spanien und Italien
+sich nördlich bis zum 44sten Breitengrade erstreckt.
+Das eigentliche Palmenklima der Erde hat 21°. mittlerer
+Wärme. Aber die aus Afrika zu uns gebrachte
+Dattelpalme, welche minder schön als andere Arten
+dieser Gruppen ist, vegetirt noch im südlichen Europa
+in Gegenden, deren mittlere Temperatur 14°.
+also mehr als doppelt grösser, als die von Berlin, ist.
+Palmenstämme und Elephantengerippe liegen im nördlichen
+Deutschlande im Inneren der Erde vergraben,
+und ihre Lage macht es wahrscheinlich, dass sie nicht
+von den Tropen her gegen Norden geschwemmt wurden;
+sondern, dass in den grossen Revoluzionen unseres
+Planeten die Klimate, wie die durch sie bestimmte
+Physiognomie der Natur, vielfach verändert
+worden sind.
+</p>
+<span class="tei tei-pb" id="page19">[pg 19]</span><a name="Pg19" id="Pg19" class="tei tei-anchor"></a>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Zu den Palmen gesellt sich in allen Welttheilen
+die Pisang oder <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Bananenform</span></span>, die Scitamineen der
+Botaniker, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Heliconia</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Amomum</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Strelitzia</span></span>. Ein
+niedriger aber saftreicher, fast krautartiger Stamm,
+an dessen Spitze sich dünn und lokkergewebte, zartgestreifte,
+seidenartig-glänzende Blätter erheben.
+Pisanggebüsche sind der Schmuck feuchter Gegenden.
+Auf ihrer Frucht beruht die Nahrung aller Bewohner
+des heissen Erdgürtels. Wie die mehlreichen Cerealien
+oder Getreidearten des Nordens, so begleiten Pisangstämme
+den Menschen seit der frühesten Kindheit
+seiner Kultur. Asiatische Mythen setzen die
+ursprüngliche Heimath dieser nährenden Tropenpflanze
+an den Euphrat, oder an den Fuss des Himalus
+in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde
+von Enna als das glückliche Vaterland der Cerealien.
+Wenn diese, durch die Kultur über die nördliche Erde
+verbreitet, und dort einförmige weitgedehnte Grasfluren
+bildend, wenig den Anblick der Natur verschönern,
+so vervielfacht dagegen der sich ansiedelnde
+Tropenbewohner durch Pisangpflanzungen
+eine der herrlichsten und edelsten Gestalten.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Malvenform</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Sterculia</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Hibiscus</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Lavatera</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Ochroma</span></span>. Kurze aber kolossalisch dikke Stämme
+mit zartwolligen, grossen, herzförmigen, oft eingeschnittenen
+Blättern, und prachtvollen oft purpurrothen
+Blüthen. Zu dieser Pflanzengruppe gehört
+der Affenbrodbaum, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Adansonia digitata</span></span>, der bei
+32 Fuss Höhe 30 Fuss Durchmesser hat, und der wahrscheinlich
+das grösste und älteste organische Denkmahl
+<span class="tei tei-pb" id="page20">[pg 20]</span><a name="Pg20" id="Pg20" class="tei tei-anchor"></a>
+auf unserm Planeten ist. in Italien fängt die
+Malvenform bereits an, der Vegetation einen eigenthümlichen
+südlichen Charakter zu geben.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Dagegen entbehret unsere gemässigte Zone im
+alten Continent leider ganz die zartgefiederten Blätter,
+die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Form der Mimosen</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Gleditsia</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Porleria</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Tamarindus</span></span>. Den vereinigten Staaten von Nord-Amerika,
+in denen unter gleicher Breite die Vegetation
+mannichfaltiger und üppiger als in Europa ist,
+fehlt diese schöne Form nicht. Bei den Mimosen ist
+eine schirmartige Verbreitung der Zweige, fast wie
+bei den italienischen Pinien, gewöhnlich. Die tiefe
+Himmelsbläue des Tropenklimas durch die zartgefiederten
+Blätter schimmernd, ist von überaus malerischem
+Effekte.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Eine meist afrikanische Pflanzengruppe sind die
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Heidekräuter</span></span>; dahin gehören auch die <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Andromeda</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Passerinen</span></span> und <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Gnidien</span></span>, eine Gruppe, die
+mit der der Nadelhölzer einige Aehnlichkeit hat, und
+eben deshalb mit dieser durch die Fülle glokkenförmiger
+Blüthen, desto reizender contrastirt. Die baumartigen
+Heidekräuter, wie einige andere afrikanische
+Gewächse, erreichen das nördliche Ufer des Mittelmeers.
+Sie schmükken Welschland und die Cistus-Gebüsche
+des südlichen Spaniens. Am üppigsten
+wachsend habe ich sie auf den afrikanischen Inseln,
+am Abhange des <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Pics</span></span> von <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Teyde</span></span> gesehen. Bei uns
+in den baltischen Ländern, und noch nördlicher hin,
+ist diese Pflanzenform gefürchtet, Dürre und Unfruchtbarkeit
+verkündigend. Unsere Heidekräuter, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Erica vulgaris</span></span>
+<span class="tei tei-pb" id="page21">[pg 21]</span><a name="Pg21" id="Pg21" class="tei tei-anchor"></a>
+und <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">tetralix</span></span> sind gesellschaftlich lebende
+Gewächse, gegen deren fortschreitenden Zug die ackerbauenden
+Völker seit Jahrhunderten mit wenigem
+Glükke ankämpfen. Sonderbar, dass der Hauptrepräsentant
+dieser Form blos einer Seite unsers Planeten
+eigen ist. Von den 137 jezt bekannten Arten von
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Erica</span></span> findet sich auch nicht eine einzige im neuen
+Continent von Pensilvanien und Labrador bis gegen
+Nootka und Alaschka hin.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Dagegen ist bloss dem neuen Continent eigenthümlich
+die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Cactusform</span></span>, bald kugelförmig, bald
+gegliedert, bald in hohen, vielekkigen Säulen, wie
+Orgelpfeifen, aufrechtstehend. Diese Gruppe bildet
+den höchsten Contrast mit der Gestalt der Liliengewächse
+und der Bananen. Sie gehört zu den Pflanzen,
+welche Bernardin de St. Pierre sehr glücklich
+die vegetabilischen Quellen der Wüste nennt. In den
+wasserleeren Ebenen von Südamerika suchen die von
+Durst geängsteten Thiere den <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Melonen-Cactus</span></span>, eine
+kugelförmige, halb im dürren Sande verborgene
+Pflanze, deren saftreiches Innere unter furchtbaren
+Stacheln versteckt ist. Die säulenförmigen Cactus-Stämme
+erreichen bis 30 Fuss Höhe und candelaberartig
+getheilt, haben sie eine auffallende Aehnlichkeit
+der Physiognomie mit einigen afrikanischen Euphorbien.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wie diese grüne Wasen in den pflanzenleeren
+Wüsten bilden, so beleben die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Orchideen</span></span> den vom
+Licht verkohlten Stamm der Tropenbäume und die
+ödesten Felsenritzen. Die Vanillenform zeichnet sich
+<span class="tei tei-pb" id="page22">[pg 22]</span><a name="Pg22" id="Pg22" class="tei tei-anchor"></a>
+durch hellgrüne saftvolle Blätter und durch vielfarbige
+Blüthen von wunderbarem Baue aus. Diese Blüthen
+gleichen bald den geflügelten Insekten, bald den zarten
+Vögeln, welche der Duft der Honiggefässe anlokket.
+Das Leben eines Malers wäre nicht hinlänglich,
+um alle die prachtvollen Orchideen abzubilden,
+welche die tiefausgefurchten Gebirgsthäler der peruanischen
+Andeskette zieren.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Blattlos, wie fast alle Cactusarten, ist die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Form
+der Casuarinen</span></span>, einer Pflanzengestalt, bloss der
+Südsee und Ostindien eigen. Bäume mit schachtelhalmähnlichen
+Zweigen. Doch finden sich auch in
+andern Weltgegenden Spuren dieses mehr sonderbaren
+als schönen Typus. <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Plumier's</span></span> <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Equisetum altissimum</span></span>,
+die Ephedra aus Nord-Afrika, die peruanischen
+Colletien und das sibirische Calligonum Pallasia,
+sind der Casuarinenform nahe verwandt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+So wie in den Pisanggewächsen die höchste Ausdehnung,
+so ist in den Casuarinen und in den <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Nadelhölzern</span></span>
+die höchste Zusammenziehung der
+Blattgefässe. Tannen, Thuja und Cypressen bilden
+eine nordische Form, die in den Tropen selten ist.
+Ihr ewig-frisches Grün erheitert die öde Winter-Landschaft.
+Es verkündigt gleichsam den Polarvölkern,
+dass, wenn Schnee und Eis den Boden bedekken,
+das innere Leben der Pflanzen, wie das Prometheische
+Feuer, nie auf unserm Planeten erlischt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Parasitisch wie bei uns Moose und Flechten, überziehen
+in der Tropenwelt ausser den Orchideen auch
+die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Pothosgewächse</span></span> den alternden Stamm der
+<span class="tei tei-pb" id="page23">[pg 23]</span><a name="Pg23" id="Pg23" class="tei tei-anchor"></a>
+Waldbäume. Saftige, krautartige Stengel mit grossen,
+bald pfeilförmigen, bald gefingerten, bald länglichen
+aber stets dik-adrigen Blättern. Blumen in Scheiden.
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Pothos</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Dracontium</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Arum</span></span>, leztere dem Norden
+fehlend, aber in Spanien und Italien mit saftvollem
+Huflattig, hohen Distelstauden und <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Acanthus</span></span>, die
+Ueppigkeit des südlichen Pflanzenwuchses bezeichnend.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Zu dieser <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Arumform</span></span> gesellt sich die Form der
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Lianen</span></span>, beide in heissen Erdstrichen von Süd-Amerika
+in vorzüglicher Kraft der Vegetation. <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Paullinia</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Banisteria</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Bignonien</span></span>. Unser rankender
+Hopfen und unsere Weinreben erinnern an diese
+Pflanzengestalt der Tropenwelt. Am Orinoco haben
+die blattlosen Zweige der <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Bauhinien</span></span> oft 40 Fuss
+Länge. Sie fallen theils senkrecht aus dem Gipfel
+hoher Swietenien herab; theils sind sie schräg wie
+Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
+bewundernswürdige Geschiklichkeit, daran auf- und
+abzuklettern.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit
+ihrem frischen und leichten Grün, kontrastirt die
+selbstständige Form der bläulichen <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Aloegewächse</span></span>;
+Stämme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt,
+enggeringelt und schlangenartig gewunden. An dem
+Gipfel sind saftreiche, fleischige, lang·zugespitzte
+Blätter stralenartig zusammengehäuft. Die hochstämmigen
+Aloegewächse bilden nicht Gebüsche, wie andere
+gesellschaftlich lebende Pflanzen. Sie stehen einzeln
+in dürren Ebenen, und geben der Tropengegend
+<span class="tei tei-pb" id="page24">[pg 24]</span><a name="Pg24" id="Pg24" class="tei tei-anchor"></a>
+dadurch oft einen eigenen melancholischen (man
+möchte sagen afrikanischen) Charakter.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und
+Festigkeit, so charakterisirt sich die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Grasform</span></span>, besonders
+die Physiognomie der baumartigen Gräser,
+durch den Ausdruck fröhlicher Leichtigkeit und beweglicher
+Schlankheit. Bambusgebüsche bilden schattige
+Bogengänge in beiden Indien. Der glatte, oft
+geneigt-hinschwebende Stamm der Tropen-Gräser
+übertrift die Höhe unserer Erlen und Eichen. Schon
+in Italien fängt im <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Arundo Donax</span></span> diese Form an,
+sich vom Boden zu erheben, und durch Höhe und
+Masse den Naturcharakter des Landes zu bestimmen.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Mit der Gestalt der Gräser ist auch die der <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Farrenkräuter</span></span>
+in den heissen Erdstrichen veredelt.
+Baumartige, oft 35 Fuss hohe Farrenkräuter haben
+ein palmenartiges Ansehen; aber ihr Stamm ist minder
+schlank, kürzer, schuppig-rauher als der der
+Palmen. Das Laub ist zarter, lokker gewebt, durchscheinend,
+und an den Rändern sauber ausgezakt.
+Diese kolossalen Farrenkräuter sind fast ausschliesslich
+den Tropen eigen, aber in diesen ziehen sie ein
+gemässigtes Klima dem ganz heissen vor. Da nun die
+Milderung der Hitze bloss eine Folge der Höhe ist;
+so darf man Gebirge, die 2 bis 3000 Fuss über dem
+Meere erhaben sind, oder die Höhe unsers deutschen
+Brokkens, als den Hauptsiz dieser Form nennen.
+Hochstämmige Farrenkräuter begleiten in Süd-Amerika
+den wohlthätigen Baum, der die heilende Fieberrinde
+darbietet. Beide bezeichnen die glükliche Region
+<span class="tei tei-pb" id="page25">[pg 25]</span><a name="Pg25" id="Pg25" class="tei tei-anchor"></a>
+der Erde, in der ewige Milde des Frühlings
+herrscht.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Noch nenne ich die Form der <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Liliengewächse</span></span>,
+(<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Amaryllis</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Pancratium</span></span>) mit schilfartigen Blättern
+und prachtvollen Blüthen, eine Form, deren Hauptvaterland
+das südliche Afrika ist; ferner die <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Weidenform</span></span>,
+in allen Welttheilen einheimisch; und
+wo <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Salix</span></span> fehlt, in den <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Banksien</span></span> und einigen <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Proteen</span></span>
+wiederholt; <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Myrthengewächse</span></span>, (<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Metrosideros</span></span>,
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Eucalyptus</span></span>, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Escallonia</span></span>) <span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Melastomen-</span></span> und
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-weight: 700">Lorbeerform</span></span>.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Es wäre ein Unternehmen, eines grossen Künstlers
+werth, den Charakter aller dieser Pflanzengruppen
+nicht in Treibhäusern oder in den Beschreibungen
+der Botaniker, sondern in der grossen Tropen-Natur
+selbst, zu studiren. Wie interessant und lehrreich
+für den Landschaftsmaler ware ein Werk, welches
+dem Auge die aufgezählten sechszehn Hauptformen,
+erst einzeln, und dann in ihrem Contraste
+gegen einander, darstellte. Was ist malerischer,
+als baumartige Farrenkräuter, die ihre zartgewebten
+Blätter über die Mexikanischen Lorbeereichen ausbreiten!
+Was reizender, als Pisanggebüsche von hohen
+Bambusgräsern umschattet! Dem Künstler ist es
+gegeben, die Gruppen zu zergliedern, und unter seiner
+Hand löst sich (wenn ich den Ausdruk wagen
+darf) das grosse Zauberbild der Natur, gleich den geschriebenen
+Werken der Menschen, in wenige einfache
+Züge auf!
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Am glühenden Sonnenstral des tropischen Himmels
+<span class="tei tei-pb" id="page26">[pg 26]</span><a name="Pg26" id="Pg26" class="tei tei-anchor"></a>
+gedeihen die herrlichsten Gestalten der Pflanzen. Wie
+im kalten Norden die Baumrinde mit dürren Flechten
+und Laubmoosen bedekt ist, so beleben dort Cymbidium
+und duftende Vanille den Stamm der Anacardien
+und der riesenmässigen Feigenbäume. Das frische
+Grün der Pothosblätter und der Dracontien kontrastirt
+mit den vielfarbigen Blüthen der Orchideen. Rankende
+Bauhinien, Passifloren und gelbblühende Banisterien
+umschlingen den Stamm der Waldbäume.
+Zarte Blumen entfalten sich aus den Wurzeln der
+<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Theobroma</span></span>, wie aus der dichten und rauhen Rinde
+der Crescentien und der <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Gustavia</span></span>. Bei dieser Fülle
+von Blüthen und Blättern, bei diesem üppigen
+Wuchse und der Verwirrung rankender Gewächse,
+wird es dem Naturforscher oft schwer zu erkennen,
+welchem Stamme Blüthen und Blätter zugehören.
+Ein einziger Baum mit Paullinien, Bignonien und
+Dendrobium geschmükt, bildet eine Gruppe von Pflanzen,
+welche, von einander getrennt, einen beträchtlichen
+Erdraum bedekken würden.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+In den Tropen sind die Gewächse saftstrotzender,
+von frischerem Grün, mit grösseren und glänzenderen
+Blättern geziert, als in den nördlichern Erdstrichen.
+Gesellschaftlich lebende Pflanzen, welche die europäische
+Vegetation so einförmig machen, fehlen am
+Aequator beinah gänzlich. Bäume, fast zweimal so
+hoch als unsere Eichen, prangen dort mit Blüthen,
+welche gross und prachtvoll wie unsere Lilien sind.
+An den schattigen Ufern des Madalenenflusses in Süd-Amerika
+wächst eine rankende Aristolochia, deren
+<span class="tei tei-pb" id="page27">[pg 27]</span><a name="Pg27" id="Pg27" class="tei tei-anchor"></a>
+Blume, von vier Fuss Umfang, sich die indischen
+Knaben in ihren Spielen über den Scheitel ziehen.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Die ausserordentliche Höhe, zu welcher sich unter
+den Wendekreisen nicht blos einzelne Berge, sondern
+ganze Länder erheben, und die Kälte, welche Folge
+dieser Höhe ist, gewähren dem Tropen-Bewohner
+einen seltsamen Anblik. Ausser den Palmen und Pisanggebüschen
+umgeben ihn auch die Pflanzenformen,
+welche nur den nordischen Ländern anzugehören
+scheinen. Cypressen, Tannen und Eichen, Berberissträucher
+und Erlen (nahe mit den unsrigen verwandt)
+bedekken die Gebirgsebenen im südlichen
+Mexiko, wie die Andeskette unter dem Aequator.
+So hat die Natur dem Menschen in der heissen Zone
+verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle
+Pflanzengestalten der Erde zu sehen; wie das Himmelsgewölbe
+von Pol zu Pol ihm keine seiner leuchtenden
+Welten verbirgt.
+</p>
+<p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">
+Diesen und so manchen andern Naturgenuss entbehren
+die nordischen Völker. Viele Gestirne und
+viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten,
+(Palmen und Pisanggewächse, baumartige Gräser
+und feingefiederte Mimosen) bleiben ihnen ewig
+unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere
+Treibhäuser einschliessen, gewähren nur ein
+schwaches Bild von der Majestät der Tropenvegetation.
+Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in
+der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden
+Kunst der Maler, ist uns eine reiche Quelle
+des Ersatzes geöfnet. Aus ihr schöpft unsere Einbildungskraft
+<span class="tei tei-pb" id="page28">[pg 28]</span><a name="Pg28" id="Pg28" class="tei tei-anchor"></a>
+die lebendigen Bilder einer exotischen
+Natur. Im kalten Norden, in der öden Heide, kann
+der einsame Mensch sich aneignen, was in den fernsten
+Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem
+Innern eine Welt sich schaffen, welche das Werk
+seines Geistes, frei und unvergänglich, wie dieser,
+ist.
+</p>
+</div>
+ <div class="tei tei-back" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 6.00em">
+ <hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em">
+ <div id="pgfooter" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 4.00em; margin-top: 4.00em"><pre class="pre tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em">***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWÄCHSE***
+</pre><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader2" id="rightpageheader2"></a><a name="pgtoc3" id="pgtoc3"></a><a name="pdf4" id="pdf4"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Credits</span></h1><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr><th class="tei tei-label tei-label-gloss">September 24, 2007  </th></tr><tr><td class="tei tei-item"><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item">Project Gutenberg TEI edition 1</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><span class="tei tei-respStmt"><span class="tei tei-name">Ralf Stephan</span></span></td></tr></tbody></table></td></tr></tbody></table></div><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader5" id="rightpageheader5"></a><a name="pgtoc6" id="pgtoc6"></a><a name="pdf7" id="pdf7"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">A Word from Project Gutenberg</span></h1><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This file should be named
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+ commercial redistribution.</p></div><hr class="page" /><div id="pglicense" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader8" id="rightpageheader8"></a><a name="pgtoc9" id="pgtoc9"></a><a name="pdf10" id="pdf10"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">The Full Project Gutenberg License</span></h1><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">Please read this before you distribute or use this
+ work.</span></em></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">To protect the Project Gutenbergâ„¢ mission of promoting the free
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+ electronic works</span></h2><div id="pglicense1A" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.A.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">By reading or using any part of this Project Gutenbergâ„¢ electronic
+ work, you indicate that you have read, understand, agree to
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+ of the copyright holder, your use and distribution must comply with both
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+ electronic work, or any part of this electronic work, without
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+ or distributing Project Gutenberg™ electronic works provided that</p><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">•  </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenbergâ„¢ works calculated using the method you already use to
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+ marked as such and sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">Section 4, <span class="tei tei-q">„Information about donations to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation.“</span></a></p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he does
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+ physical medium and discontinue all use of and all access to other
+ copies of Project Gutenbergâ„¢ works.</p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide, in accordance with paragraph <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">1.F.3</a>, a full refund of any money paid for a
+ work or a replacement copy, if a defect in the electronic work is
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+ distribution of Project Gutenbergâ„¢ works.</p></td></tr></tbody></table></div><div id="pglicense1E9" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.9.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenbergâ„¢ electronic work or
+ group of works on different terms than are set forth in this agreement,
+ you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+ Hart, the owner of the Project Gutenbergâ„¢ trademark. Contact the Foundation as set
+ forth in <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">Section 3</a> below.</p></div></div><div id="pglicense1F" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.F.</span></h3><div id="pglicense1F1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.1.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify,
+ do copyright research on, transcribe and proofread public domain works
+ in creating the Project Gutenbergâ„¢ collection. Despite these efforts, Project Gutenbergâ„¢
+ electronic works, and the medium on which they may be stored, may
+ contain <span class="tei tei-q">„Defects,“</span> such as, but not limited to, incomplete,
+ inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+ intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other
+ medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be
+ read by your equipment.</p></div><div id="pglicense1F2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.2.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES — Except for the <span class="tei tei-q">„Right of
+ Replacement or Refund“</span> described in <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph
+ 1.F.3</a>, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenbergâ„¢ trademark, and any
+ other party distributing a Project Gutenbergâ„¢ electronic work under this agreement,
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+ DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.</p></div><div id="pglicense1F3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.3.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND — If you discover a defect in
+ this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a
+ refund of the money (if any) you paid for it by sending a written
+ explanation to the person you received the work from. If you received
+ the work on a physical medium, you must return the medium with your
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+ defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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+ is also defective, you may demand a refund in writing without further
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+ <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph 1.F.3</a>, this work is provided
+ to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR
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+ the exclusion or limitation of certain types of damages. If any
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+ trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+ Defect you cause.</p></div></div></div><div id="pglicense2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 2.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Mission of Project Gutenbergâ„¢</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenbergâ„¢ is synonymous with the free distribution of electronic works
+ in formats readable by the widest variety of computers including
+ obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the
+ efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks
+ of life.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+ assistance they need, is critical to reaching Project Gutenbergâ„¢'s goals and
+ ensuring that the Project Gutenbergâ„¢ collection will remain freely available for
+ generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a
+ secure and permanent future for Project Gutenbergâ„¢ and future generations. To learn
+ more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+ Sections <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">3</a> and <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">4</a> and the Foundation web page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a>.</p></div><div id="pglicense3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 3.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation
+ organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax
+ exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or
+ federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter
+ is posted at <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf</a>. Contributions
+ to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S.
+ federal laws and your state's laws.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr.
+ S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are
+ scattered throughout numerous locations. Its business office is
+ located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801)
+ 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date
+ contact information can be found at the Foundation's web site and
+ official page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">For additional contact information:
+
+ </p><div class="block tei tei-address" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Dr. Gregory B. Newby</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Chief Executive and Director</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">gbnewby@pglaf.org</span></span><br /></div></div><div id="pglicense4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 4.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread public
+ support and donations to carry out its mission of increasing the number
+ of public domain and licensed works that can be freely distributed in
+ machine readable form accessible by the widest array of equipment
+ including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are
+ particularly important to maintaining tax exempt status with the
+ IRS.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+ charities and charitable donations in all 50 states of the United
+ States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+ considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+ with these requirements. We do not solicit donations in locations where
+ we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+ DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
+ visit <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+ have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+ against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+ approach us with offers to donate.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+ any statements concerning tax treatment of donations received from
+ outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and
+ addresses. Donations are accepted in a number of other ways including
+ checks, online payments and credit card donations. To donate, please
+ visit: <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p></div><div id="pglicense5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: left; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 5.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">General Information About Project Gutenbergâ„¢ electronic
+ works.</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><span class="tei tei-name">Professor Michael S. Hart</span> is the
+ originator of the Project Gutenbergâ„¢ concept of a library of electronic works that
+ could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and
+ distributed Project Gutenbergâ„¢ eBooks with only a loose network of volunteer
+ support.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenbergâ„¢ eBooks are often created from several printed editions, all of
+ which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright
+ notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in
+ compliance with any particular paper edition.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+ eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+ compressed (zipped), HTML and others.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Corrected <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">editions</span></em> of our eBooks replace the old file
+ and take over the old filename and etext number. The replaced older file
+ is renamed. <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">Versions</span></em> based on separate sources are treated
+ as new eBooks receiving new filenames and etext numbers.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Most people start at our Web site which has the main PG search
+ facility:
+
+ <a href="http://www.gutenberg.org" class="block tei tei-xref" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span></a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This Web site includes information about Project Gutenbergâ„¢, including how to
+ make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and
+ how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p></div></div></div>
+ </div>
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+ </div>
+</div>
+</body></html>
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+/F16 7.9701 Tf 337.795 512.8112 Td[([3])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -10.6401 Td[(Wenn)-296(der)-296(Mensch)-296(mit)-296(regsamem)-296(Sinne)-296(die)-296(Natur)-296(durchforscht,)]TJ 0 -13.5492 Td[(oder)-515(in)-515(seiner)-514(Phantasie)-515(die)-515(weiten)-515(R\344ume)-515(der)-514(organischen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Sch\366pfung)-492(misst,)-553(so)-492(wirkt)-492(unter)-492(den)-492(vielfachen)-492(Eindr\374cken,)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-420(er)-420(empf\344ngt,)-463(keiner)-420(so)-420(tief)-420(und)-420(m\344chtig)-420(als)-420(der,)-462(welchen)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-470(allverbreitete)-470(F\374lle)-470(des)-470(Lebens)-470(erzeugt.)-910(Ueberall,)-525(selbst)]TJ 0 -13.5492 Td[(am)-370(beeisten)-370(Pol,)-399(ert\366nt)-370(die)-370(Luft)-370(von)-370(dem)-370(Gesange)-370(der)-369(V\366gel,)]TJ 0 -13.5492 Td[(wie)-315(von)-314(dem)-315(Sumsen)-315(schwirrender)-314(Insecten.)-444(Nicht)-315(die)-314(unteren)]TJ 0 -13.5492 Td[(Schichten)-286(allei)1(n,)-295(in)-285(welchen)-286(die)-285(verdichteten)-286(D\374nste)-285(schweben,)]TJ 0 -13.5492 Td[(auch)-342(die)-342(oberen)-342(\344therischreinen,)-365(sind)-342(belebt.)-526(Denn)-342(so)-342(oft)-342(man)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-432(R\374cken)-433(der)-432(Peruanischen)-432(Cordilleren,)-478(oder,)-478(s\374dlich)-432(vom)]TJ 0 -13.5492 Td[(Leman-See,)-469(den)-425(Gipfel)-425(des)-425(Weissen-Berges)-425(bestieg,)-469(hat)-425(man)]TJ 0 -13.5492 Td[(selbst)-326(in)-325(diesen)-326(Ein\366den)-325(noch)-326(Thiere)-325(entdeckt.)-477(Am)-325(Chimbora-)]TJ 0 -13.5492 Td[(zo,)-382(sechsmal)-355(h\366her)-356(als)-355(der)-356(Brocken,)-382(sahen)-355(wir)-355(Schmetterlinge)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-404(andere)-404(gefl\374gelte)-405(Insecten.)-712(Wenn)-404(auch,)-443(von)-404(senkrechten)]TJ 0 -13.5492 Td[(Luftstr\366men)-276(getrieben,)-282(sie)-276(sich)-276(dahin,)-282(als)-276(Fremdlinge,)-282(verirrten,)]TJ 0 -13.5492 Td[(wohin)-353(unruhige)-353(Forschbegier)-353(des)-353(Menschen)-353(sorgsame)-352(Schritte)]TJ 0 -13.5492 Td[(leitet;)-473(so)-399(beweiset)-399(ihr)-399(Daseyn)-399(doch,)-436(dass)-399(die)-399(biegsamere)-398(ani-)]TJ 0 -13.5492 Td[(malische)-235(Sch\366pfung)-234(ausdauert,)-238(wo)-235(die)-234(vegetabilische)-235(l\344ngst)-234(ihre)]TJ 0 -13.5492 Td[(Grenze)-384(erreicht)-384(hat.)-651(H\366her,)-835(als)-384(der)-384(Kegelberg)-384(von)-383(Teneriffa)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([4])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(auf)-333(den)-334(Aetna)-333(geth\374rmt;)-375(h\366her,)-355(als)-333(alle)-334(Gipfel)-333(der)-333(Andeskette,)]TJ 0 -13.5492 Td[(schwebte)-321(oft)-322(\374ber)-321(uns)-321(der)-321(Cundur,)-339(der)-322(Riese)-321(unter)-321(den)-321(Geiern.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Raubsucht)-256(und)-255(Nachstellung)-256(der)-255(zartwolligen)-256(Vikunnas,)-256(welche)]TJ 0 -13.5492 Td[(gemsenartig)-372(und)-372(heerdenweise)-372(in)-372(den)-372(beschneiten)-371(Grasebenen)]TJ 0 -13.5492 Td[(schw\344rmen,)-250(locken)-250(den)-250(m\344chtigen)-250(Vogel)-250(in)-250(diese)-250(Region.)]TJ 11.9552 -16.004 Td[(Zeigt)-267(nun)-267(schon)-266(das)-267(unbewafnete)-267(Auge)-267(den)-267(ganzen)-267(Luftkreis)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(belebt,)-361(so)-338(enth\374llt)-339(noch)-338(gr\366ssere)-339(Wunder)-338(das)-339(bewafnete)-338(Auge.)]TJ 0 -13.5492 Td[(R\344derthiere,)-326(Brachionen,)-327(und)-311(eine)-311(Schaar)-311(mikroskopischer)-311(Ge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(sch\366pfe)-234(heben)-234(die)-233(Winde)-234(aus)-234(den)-234(troknenden)-234(Gew\344ssern)-233(empor.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Unbeweglich)-243(und)-242(in)-243(Scheintod)-243(versenkt,)-244(schweben)-243(sie)-242(vielleicht)]TJ 0 -13.5492 Td[(jahrelang)-359(in)-359(den)-360(L\374ften,)-386(bis)-359(der)-360(Thau)-359(sie)-359(zur)-359(Erde)-359(zur\374kf\374hrt,)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-315(H\374lle)-315(l\366st,)-331(die)-314(ihren)-315(durchsichtigen)-315(wirbelnden)-315(K\366rper)-314(ein-)]TJ 0 -13.5492 Td[(schliesst,)-330(und)-314(\050wahrscheinlich)-314(durch)-314(den)-314(Lebensstoff,)-330(den)-313(alles)]TJ 0 -13.5492 Td[(Wasser)-250(enth\344lt\051)-250(den)-250(Organen)-250(neue)-250(Erregbarkeit)-250(einhaucht.)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(2)-6867(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 105.4986 518.1751 Td[(Neben)-289(den)-289(entwickelten)-290(Gesch\366pfen)-289(tr\344gt)-289(der)-289(Luftkreis)-290(auch)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(zahllose)-274(Keime)-274(k\374nftiger)-274(Bildungen,)-280(Insecten-Eier)-274(und)-274(Eier)-274(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Pflanzen,)-273(die)-268(durch)-268(Haar-)-268(und)-268(Feder-Kronen)-268(zur)-268(langen)-268(Herbst-)]TJ 0 -13.5492 Td[(reise)-507(geschikt)-507(sind.)-1021(Selbst)-508(den)-507(belebenden)-507(Staub,)-571(den,)-571(bei)]TJ 0 -13.5492 Td[(getrennten)-394(Geschlechtern,)-431(die)-394(m\344nnlichen)-394(Bl\374then)-394(ausstreuen,)]TJ 0 -13.5492 Td[(tragen)-316(Winde)-316(und)-315(gefl\374gelte)-316(Insecten)-316(\374ber)-316(Meer)-316(und)-316(Land)-315(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(einsamen)-380(weiblichen)-381(zu.)-641(Wohin)-381(der)-380(Blick)-381(des)-380(Naturforschers)]TJ 0 -13.5492 Td[(dringt,)-250(ist)-250(Leben,)-250(oder)-250(Keim)-250(zum)-250(Leben,)-250(verbreitet.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Dient)-234(aber)-234(auch)-233(das)-234(bewegliche)-234(Luftmeer,)-237(in)-234(das)-234(wir)-234(getaucht)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(sind,)-505(und)-454(\374ber)-454(dessen)-454(Oberfl\344che)-454(wir)-908(uns)-454(nicht)-454(zu)-454(erheben)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7558 0 Td[([5])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7558 -13.5492 Td[(verm\366gen,)-384(vielen)-357(organischen)-358(Gesch\366pfen)-357(zur)-357(nothwendigsten)]TJ 0 -13.5492 Td[(Nahrung;)-271(so)-264(bed\374rfen)-265(dieselben)-264(dabei)-264(doch)-264(noch)-264(einer)-264(gr\366beren)]TJ 0 -13.5492 Td[(Speise,)-208(welche)-198(nur)-198(der)-197(Boden)-198(dieses)-198(gasf\366rmigen)-198(Oceans)-197(darbie-)]TJ 0 -13.5492 Td[(tet.)-322(Dieser)-274(Boden)-275(ist)-274(zwiefacher)-274(Art.)-322(Den)-274(kleineren)-274(Theil)-274(bildet)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-279(trockene)-280(Erde,)-286(unmittelbar)-280(von)-279(Luft)-279(umflossen;)-294(den)-279(gr\366xse-)]TJ 0 -13.5492 Td[(ren)-362(Theil)-362(bildet)-362(das)-362(Wasser,)-390(vielleicht)-362(einst)-361(vor)-362(Jahrtausenden)]TJ 0 -13.5492 Td[(durch)-261(elektrisches)-260(Feuer)-261(aus)-260(luftf\366rmigen)-261(Stoffen)-260(zusammenge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(ronnen,)-291(und)-283(jezt)-283(unaufh\366rlich)-283(in)-283(der)-283(Werkstatt)-283(der)-283(Wolken,)-291(wie)]TJ 0 -13.5492 Td[(in)-250(den)-250(pulsirenden)-250(Gef\344ssen)-250(der)-250(Thiere)-250(und)-250(Pflanzen,)-250(zersezt.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Unentschieden)-276(ist)-276(es,)-283(wo)-276(gr\366ssere)-276(Lebensf\374lle)-276(verbreitet)-277(sey;)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(ob)-391(auf)-392(dem)-391(Continent,)-427(oder)-391(in)-392(dem)-391(unergr\374ndeten)-391(Meere.)-674(In)]TJ 0 -13.5492 Td[(diesem)-202(erscheinen)-202(gallertartige)-202(Seegew\374rme,)-211(bald)-202(lebendig,)-211(bald)]TJ 0 -13.5492 Td[(abgestorben,)-189(als)-174(leuchtende)-174(Sterne.)-225(Ihr)-174(Phosphorlicht)-174(wandelt)-174(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(gr\374nliche)-358(Flache)-359(des)-358(unermesslichen)-358(Ozeans)-359(in)-358(ein)-358(Feuermeer)]TJ 0 -13.5492 Td[(um.)-310(Unausl\366schlich)-270(wird)-270(mir)-270(der)-270(Eindruck)-270(jener)-270(stillen)-270(Tropen-)]TJ 0 -13.5492 Td[(Nachte)-322(der)-321(S\374dsee)-322(bleiben,)-339(wo)-322(aus)-321(der)-322(duftigen)-321(Himmelsbl\344ue)]TJ 0 -13.5492 Td[(das)-362(hohe)-362(Sternbild)-362(des)-362(Schiffes)-362(und)-362(das)-361(gesenkt)-362(untergehende)]TJ 0 -13.5492 Td[(Kreuz)-162(ihr)-162(mildes)-162(planetarisches)-161(Licht)-162(ausgossen,)-180(und)-162(wo)-161(zugleich)]TJ 0 -13.5492 Td[(in)-303(der)-303(sch\344umenden)-302(Meeresfluth)-303(die)-303(Delphine)-303(ihre)-302(leuchtenden)]TJ 0 -13.5492 Td[(Furchen)-250(zogen.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Aber)-228(nicht)-229(der)-228(Ozean)-228(allein,)-233(auch)-228(die)-228(Sumpfwasser)-229(verbergen)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(zahllose)-234(Gew\374rme)-234(von)-234(wunderbarer)-234(Gestalt.)-244(Unserem)-234(Auge)-234(fast)]TJ 0 -13.5492 Td[(unerkennbar)-374(sind)-373(die)-374(Cyclidien,)-404(die)-374(gefranzten)-374(Trichoden)-373(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(das)-225(Heer)-224(der)-225(Naiden,)-229(theilbar)-225(durch)-224(Aeste,)-230(wie)-224(die)-225(Lemna,)-229(deren)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 49.1274 518.1751 Td[(Schatten)-216(sie)-216(suchen.)-239(Von)-216(mannichfaltigen)-216(Luftgemengen)-215(umge-)]TJ/F16 7.9701 Tf 288.6676 0 Td[([6])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(ben,)-179(und)-162(mit)-161(dem)-162(Lichte)-161(unbekannt,)-180(athmen:)-205(die)-162(geflekte)-161(Askaris,)]TJ 0 -13.5492 Td[(welche)-351(die)-350(Haut)-351(des)-351(Regenwurms,)-376(die)-351(silbergl\344nzende)-350(Leuko-)]TJ 0 -13.5492 Td[(phra,)-222(welche)-215(das)-215(Innere)-215(der)-215(Ufer\267Naide,)-222(und)-214(der)-215(Echynorynchus,)]TJ 0 -13.5492 Td[(welcher)-372(die)-372(weitzellige)-372(Lunge)-372(der)-372(tropischen)-371(Klapperschlange)]TJ 0 -13.5492 Td[(bewohnt.)-277(So)-259(sind)-259(auch)-259(die)-259(verborgensten)-259(B\344ume)-258(der)-259(Sch\366pfung)]TJ 0 -13.5492 Td[(mit)-191(Leben)-191(erf\374llt.)-230(Wir)-191(wollen)-191(hier)-191(bescheiden)-191(bei)-191(den)-191(Geschlech-)]TJ 0 -13.5492 Td[(tern)-301(der)-300(Pflanzen)-301(verweilen;)-326(denn)-301(auf)-300(ihrem)-301(Daseyn)-301(beruht)-300(das)]TJ 0 -13.5492 Td[(Daseyn)-278(der)-279(thierischen)-278(Sch\366pfung.)-335(Unabl\344ssig)-279(sind)-278(sie)-278(bem\374ht,)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-335(rohen)-335(Stoff)-335(der)-335(Erde)-335(organisch)-335(an)-334(einander)-335(zu)-335(reihen,)-356(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(vorbereitend,)-303(durch)-292(lebendige)-293(Kraft,)-302(zu)-293(mischen,)-303(was)-292(nach)-292(tau-)]TJ 0 -13.5492 Td[(send)-367(Umwandlungen)-368(zur)-367(regsamen)-368(Nervenfaser)-367(veredelt)-367(wird.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Derselbe)-315(Blick,)-332(den)-315(wir)-315(auf)-315(die)-315(Verbreitung)-315(der)-315(Pflanzendecke)]TJ 0 -13.5492 Td[(heften,)-422(enth\374llt)-388(uns)-388(die)-388(F\374lle)-388(des)-388(thierischen)-388(Lebens,)-422(das)-388(von)]TJ 0 -13.5492 Td[(jener)-250(gen\344hrt)-250(und)-250(erhalten)-250(wird.)]TJ 11.9552 -18.4588 Td[(Ungleich)-263(ist)-263(der)-262(Teppich)-263(gewebt,)-266(den)-263(die)-263(bl\374thenreiche)-263(Flora)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(\374ber)-438(den)-438(nakten)-438(Erdk\366rper)-439(ausbreitet;)-532(dichter,)-485(wo)-438(die)-438(Sonne)]TJ 0 -13.5492 Td[(h\366her)-316(an)-316(dem)-317(nie)-316(bew\366lkten)-316(Himmel)-316(emporsteigt;)-349(lockerer)-316(ge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(gen)-335(die)-334(tr\344gen)-335(Pole)-335(hin,)-356(wo)-335(der)-334(wiederkehrende)-335(Frost)-335(bald)-334(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(entwickelte)-439(Knospe)-438(t\366dtet,)-486(bald)-439(die)-439(reifende)-439(Frucht)-438(erhascht.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Doch)-341(\374berall)-340(darf)-341(der)-341(Mensch)-341(sich)-340(der)-341(n\344hrenden)-341(Pflanzen)-340(er-)]TJ 0 -13.5492 Td[(freuen.)-319(Trennt)-273(im)-273(Meeresboden)-273(ein)-273(Vulkan)-273(die)-272(kochende)-273(Fluth,)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-390(schiebt)-390(pl\366zlich)-389(\050wie)-390(einst)-390(zwischen)-390(den)-390(griechischen)-389(In-)]TJ 0 -13.5492 Td[(seln\051)-353(einen)-353(schlackigen)-354(Fels)-353(empor;)-405(oder)-353(erheben)-353(\050um)-353(an)-353(eine)]TJ 0 -13.5492 Td[(friedlichere)-492(Naturerscheinung)-493(zu)-492(erinnern\051)-493(die)-492(eintr\344chtigen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([7])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(Nereiden)-335(ihre)-336(zelligen)-335(Wohnungen,)-357(bis)-336(sie)-335(nach)-335(Jahrtausenden)]TJ 0 -13.5492 Td[(\374ber)-214(den)-213(Wasserspiegel)-214(hervorragend,)-221(absterben,)-221(und)-214(ein)-213(flaches)]TJ 0 -13.5492 Td[(Corallen-Eiland)-289(bilden:)-328(so)-289(sind)-289(die)-289(organischen)-288(Kr\344fte)-289(sogleich)]TJ 0 -13.5492 Td[(bereit,)-279(den)-273(todten)-273(Fels)-274(zu)-273(beleben.)-320(Was)-273(den)-273(Saamen)-273(so)-273(pl\366zlich)]TJ 0 -13.5492 Td[(herbeif\374hrt:)-322(ob)-286(wandernde)-286(V\366gel,)-295(oder)-286(Winde,)-295(oder)-286(die)-286(Wogen)]TJ 0 -13.5492 Td[(des)-353(Meeres;)-405(ist)-353(bei)-353(der)-354(grossen)-353(Entfernung)-353(der)-353(K\374sten)-353(schwer)]TJ 0 -13.5492 Td[(zu)-426(entscheiden.)-778(Aber)-426(auf)-426(dem)-426(nakten)-426(Steine,)-470(sobald)-425(ihn)-426(zu-)]TJ 0 -13.5492 Td[(erst)-313(die)-313(Luft)-313(ber\374hrt,)-329(bildet)-313(sich)-313(in)-313(den)-312(nordischen)-313(L\344ndern)-313(ein)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gewebe)-343(sammtartiger)-343(Fasern,)-367(die)-343(dem)-343(unbewafneten)-343(Auge)-343(als)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(4)-6867(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 518.1751 Td[(farbige)-234(Flecken)-234(erscheinen.)-245(Einige)-234(sind)-233(durch)-234(hervorragende)-234(Li-)]TJ 0 -13.5492 Td[(nien)-277(bald)-277(einfach)-277(bald)-277(doppelt)-277(begr\344nzt;)-291(andere)-277(sind)-277(in)-277(Furchen)]TJ 0 -13.5492 Td[(durchschnitten)-306(und)-306(in)-306(F\344cher)-307(getheilt.)-418(Mit)-306(zunehmendem)-306(Alter)]TJ 0 -13.5492 Td[(verdunkelt)-276(sich)-276(ihre)-276(lichte)-275(Farbe.)-328(Das)-276(fernleuchtende)-276(Gelb)-275(wird)]TJ 0 -13.5492 Td[(braun,)-190(und)-176(das)-175(bl\344uliche)-175(Grau)-176(der)-175(Leprarien)-176(verwandelt)-175(sich)-175(nach)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-224(nach)-225(in)-224(ein)-225(staubartiges)-224(Schwarz.)-242(Die)-224(Gr\344nzen)-225(der)-224(alternden)]TJ 0 -13.5492 Td[(Decke)-269(fliessen)-269(in)-269(einander,)-273(und)-269(auf)-269(dem)-269(dunkeln)-269(Grunde)-268(bilden)]TJ 0 -13.5492 Td[(sich)-225(neue)-224(zirkelrunde)-225(Flechten)-224(von)-225(blendender)-224(Weisse.)-242(So)-224(lagert)]TJ 0 -13.5492 Td[(sich)-222(schichtenweise)-223(ein)-222(organisches)-222(Gewebe)-222(auf)-223(das)-222(andere;)-231(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(wie)-251(das)-251(sich)-251(ansiedelnde)-251(Menschengeschlecht)-251(bestimmte)-251(Stufen)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-219(sittlichen)-219(Kultur)-219(durchlaufen)-219(muss,)-225(so)-219(ist)-219(die)-219(allm\344hlige)-219(Ver-)]TJ 0 -13.5492 Td[(breitung)-219(der)-220(Pflanzen)-219(an)-219(bestimmte)-220(physische)-219(Geseze)-219(gebunden.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Wo)-365(jezt)-365(hohe)-365(Waldb\344ume)-365(ihre)-365(Gipfel)-365(luftig)-365(erheben,)-394(da)-365(\374ber-)]TJ 0 -13.5492 Td[(zogen)-353(einst)-352(zarte)-353(Flechten)-353(das)-353(erdenlose)-352(Gestein.)-558(Laubmoose,)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gr\344ser,)-234(krautartige)-229(Gew\344chse)-229(und)-230(Str\344ucher,)-233(f\374llen)-230(die)-229(Kluft)-229(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(langen)-326(aber)-326(ungemessenen)-651(Zwischenzeit)-326(aus.)-478(Was)-326(im)-325(Norden)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([8])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(Flechten)-365(und)-365(Moose,)-394(das)-366(bewirken)-365(in)-365(den)-365(Tropen)]TJ/F20 10.9091 Tf 229.4226 0 Td[(Portulacca)]TJ/F16 10.9091 Tf 48.4799 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf -277.9025 -13.5492 Td[(Gomphrenen)]TJ/F16 10.9091 Tf 59.8873 0 Td[(und)-269(andere)-268(niedrige)-269(Uferpflanzen.)-306(Die)-269(Geschichte)]TJ -59.8873 -13.5492 Td[(der)-443(Pflanzendecke,)-490(und)-443(ihre)-443(allm\344hlige)-442(Ausbreitung)-443(\374ber)-442(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(\366de)-295(Erdrinde,)-306(hat)-295(ihre)-294(Epochen,)-306(wie)-295(die)-295(Geschichte)-295(des)-294(sp\344tern)]TJ 0 -13.5492 Td[(Menschengeschlechts.)]TJ 11.9552 -18.4588 Td[(Ist)-229(aber)-230(auch)-229(F\374lle)-230(des)-229(Lebens)-230(\374berall)-229(verbreitet;)-237(ist)-229(der)-230(Orga-)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(nismus)-281(auch)-281(unabl\344ssig)-281(bem\374ht,)-289(die)-281(durch)-281(den)-280(Tod)-281(entfesselten)]TJ 0 -13.5492 Td[(Elemente)-459(zu)-459(neuen)-459(Gestalten)-459(zu)-459(verbinden:)-668(so)-459(ist)-459(diese)-459(Le-)]TJ 0 -13.5492 Td[(bensf\374lle)-390(und)-390(ihre)-391(Erneuerung)-390(doch)-390(nach)-390(Verschiedenheit)-390(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Himmelsstriche)-251(verschieden.)-252(Periodisch)-251(erstarrt)-251(die)-251(Natur)-251(in)-250(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(kalten)-264(Zone;)-270(denn)-263(Fl\374ssigkeit)-264(ist)-264(Bedingniss)-263(zum)-264(Leben.)-290(Thiere)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-233(Pflanzen)-233(\050Laubmoose)-233(und)-233(andre)-233(Cryptogamen)-232(abgerechnet\051)]TJ 0 -13.5492 Td[(liegen)-232(hier)-232(viele)-233(Monate)-232(hindurch)-232(im)-232(Winterschlaf)-232(vergraben.)-244(In)]TJ 0 -13.5492 Td[(einem)-347(grossen)-346(Theile)-347(der)-347(Erde)-347(haben)-346(daher)-347(nur)-347(solche)-346(organi-)]TJ 0 -13.5492 Td[(sche)-219(Wesen)-218(sich)-219(entwickeln)-219(k\366nnen,)-225(welche)-219(einer)-218(betr\344chtlichen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Entziehung)-259(von)-259(W\344rmestoff)-259(widerstehen,)-261(oder)-259(einer)-259(langen)-258(Un-)]TJ 0 -13.5492 Td[(terbrechung)-294(der)-295(Lebensfunctionen)-294(f\344hig)-294(sind.)-383(Je)-294(n\344her)-294(dagegen)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-214(Tropen,)-221(desto)-214(mehr)-214(nimmt)-214(Mannichfaltigkeit)-214(der)-213(Bildungen,)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(Anmuth)-281(der)-281(Form)-281(und)-281(des)-281(Farbengemisches,)-289(ewige)-280(Jugend)-281(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(Kraft)-250(des)-250(organischen)-250(Lebens)-250(zu.)]TJ 11.9552 -18.4588 Td[(Diese)-452(Zunahme)-452(kann)-451(leicht)-452(von)-452(denen)-452(bezweifelt)-452(werden,)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(welche)-436(nie)-436(unsern)-436(Welttheil)-436(verlassen,)-482(oder)-436(das)-436(Studium)-436(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(allgemeinen)-456(Erdkunde)-456(vernachl\344ssigt)-455(haben.)-868(Wenn)-456(man)-455(aus)]TJ 0 -13.5492 Td[(unsern)-223(dicklaubigen)-224(Eichenw\344ldern)-223(\374ber)-224(die)-223(Alpen)-224(oder)-223(Pyren\344-)]TJ 0 -13.5492 Td[(en-Kette)-299(nach)-299(Welschland)-299(oder)-299(Spanien)-300(hinabsteigt;)-323(wenn)-299(man)]TJ 0 -13.5492 Td[(gar)-533(seinen)-266(Blick)-266(auf)-266(die)-267(afrikanischen)-266(K\374stenl\344nder)-266(des)-266(Mittel-)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([9])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(meeres)-231(richtet:)-241(so)-231(wird)-231(man)-231(leicht)-231(zu)-231(dem)-231(Fehlschlusse)-231(verleitet,)]TJ 0 -13.5492 Td[(als)-298(sei)-298(Baumlosigkeit)-298(der)-297(Charakter)-298(heisser)-298(Klimate.)-394(Aber)-297(man)]TJ 0 -13.5492 Td[(vergisst,)-298(dass)-289(das)-289(s\374dliche)-289(Europa)-289(eine)-288(andere)-289(Gestalt)-289(hatte,)-298(als)]TJ 0 -13.5492 Td[(pelasgische)-446(oder)-446(carthagischc)-446(Pflanzv\366lker)-446(sich)-446(zuerst)-445(darinn)]TJ 0 -13.5492 Td[(festsezten;)-273(man)-265(vergisst,)-269(dass)-266(fr\374here)-265(Bildung)-265(des)-265(Menschenge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(schlechts)-290(die)-289(Waldungen)-290(verdr\344ngt,)-299(und)-289(dass)-290(der)-289(umschaffende)]TJ 0 -13.5492 Td[(Geist)-311(der)-311(Nazionen)-311(der)-311(Erde)-311(allm\344hlig)-310(den)-311(Schmuck)-311(raubt,)-326(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(uns)-314(in)-315(dem)-314(Norden)-314(erfreut,)-331(und)-314(der)-314(\050mehr,)-331(als)-314(alle)-314(Geschichte\051)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-194(Jugend)-194(unserer)-194(sittlichen)-195(Kultur)-194(anzeigt.)-231(Die)-194(grosse)-194(Katastro-)]TJ 0 -13.5492 Td[(phe,)-379(durch)-353(welche)-353(das)-354(Mittelmeer)-353(sich)-353(gebildet,)-379(indem)-353(es,)-379(ein)]TJ 0 -13.5492 Td[(anschwellendes)-421(Binnenwasser,)-464(die)-421(Schleusen)-420(der)-421(Dardanellen)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-381(die)-382(S\344ulen)-381(des)-381(Herkules)-382(durchbrochen,)-414(diese)-381(Katastrophe)]TJ 0 -13.5492 Td[(scheint)-541(die)-541(angr\344nzenden)-541(L\344nder)-541(eines)-541(grossen)-541(Theils)-540(ihrer)]TJ 0 -13.5492 Td[(Dammerde)-265(beraubt)-265(zu)-265(haben.)-294(Was)-265(bei)-265(den)-265(griechischen)-264(Schrift-)]TJ 0 -13.5492 Td[(stellern)-197(von)-198(den)-197(Samothracischen)-198(Sagen)-197(erw\344hnt)-198(wird,)-208(deutet)-197(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Neuheit)-356(dieser)-356(zerst\366renden)-356(Naturver\344nderung)-356(an.)-568(Auch)-355(ist)-356(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(allen)-290(L\344ndern,)-301(welche)-290(das)-290(Mittelmeer)-290(begr\344nzt,)-301(und)-290(welche)-290(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Kalkformation)-254(des)-255(Jura)-254(charakterisirt,)-256(ein)-254(grosser)-255(Theil)-254(der)-254(Erd-)]TJ 0 -13.5492 Td[(oberfl\344che)-199(nackter)-199(Fels,)-209(Das)-199(Mahlerische)-199(italienischer)-199(Gegenden)]TJ 0 -13.5492 Td[(beruht)-215(vorz\374glich)-216(auf)-215(diesem)-215(lieblichen)-216(Kontraste)-215(zwischen)-215(dem)]TJ 0 -13.5492 Td[(unbelebten)-404(\366den)-405(Gestein)-404(und)-404(der)-404(\374ppigen)-405(Vegetation,)-442(welche)]TJ 0 -13.5492 Td[(inself\366rmig)-350(darinn)-350(aufsprosst.)-549(Wo)-350(dieses)-350(Gestein,)-375(minder)-349(zer-)]TJ 0 -13.5492 Td[(kl\374ftet,)-270(die)-265(Wasser)-266(auf)-265(der)-266(Oberfl\344che)-266(zusammen)-265(h\344lt,)-270(wo)-265(diese)]TJ 0 -13.5492 Td[(mit)-295(Erde)-296(bedeckt)-295(ist,)-306(\050wie)-296(an)-295(den)-295(reizenden)-591(Ufern)-295(des)-295(Albaner)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([10])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(Sees\051)-359(da)-359(hat)-358(selbst)-359(Italien)-359(seine)-359(Eichenw\344lder,)-386(so)-359(schattig)-358(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(gr\374n,)-250(als)-250(der)-250(Bewohner)-250(des)-250(Norden)-250(sie)-250(w\374nscht.)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(6)-6867(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 105.4986 518.1751 Td[(Auch)-505(die)-505(W\374sten)-505(jenseits)-505(des)-505(Atlas,)-569(und)-505(die)-505(unermessli-)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(chen)-422(Ebenen)-423(oder)-422(Steppen)-423(von)-422(S\374d-Amerika,)-466(sind)-422(als)-422(blosse)]TJ 0 -13.5492 Td[(Lokalerscheinungen)-452(zu)-452(betrachten.)-856(Diese)-453(findet)-452(man,)-502(in)-452(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Regenzeit)-432(wenigstens,)-478(mit)-433(Gras)-432(und)-432(niedrigen,)-478(fast)-432(krautarti-)]TJ 0 -13.5492 Td[(gen,)-485(Mimosen)-438(bedeckt;)-532(jene)-438(sind)-438(Sand-Meere)-438(im)-438(Innern)-438(des)]TJ 0 -13.5492 Td[(alten)-345(Continents,)-369(grosse)-345(pflanzenleere)-345(R\344ume,)-368(mit)-345(ewiggr\374nen)]TJ 0 -13.5492 Td[(waldigen)-338(Ufern)-338(umgeben.)-514(Nur)-338(einzeln)-337(stehende)-338(F\344cherpalmen)]TJ 0 -13.5492 Td[(erinnern)-212(den)-212(Wanderer,)-220(dass)-212(diese)-212(Ein\366den)-212(Theile)-212(einer)-212(belebten)]TJ 0 -13.5492 Td[(Sch\366pfung)-284(sind.)-351(Im)-283(tr\374gerischen)-284(Lichtspiele,)-292(das)-284(die)-283(strahlende)]TJ 0 -13.5492 Td[(W\344rme)-400(erregt,)-437(sieht)-400(man)-399(bald)-400(den)-400(Fuss)-399(dieser)-400(Palmen)-400(frei)-399(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-401(Luft)-401(schweben,)-438(bald)-401(ihr)-401(umgekehrtes)-401(Bild)-401(in)-401(den)-400(wogen-)]TJ 0 -13.5492 Td[(artig-zitternden)-433(Luftschichten)-434(wiederholt.)-800(Auch)-434(westlich)-433(von)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-278(peruanischen)-278(Andeskette,)-285(an)-278(den)-278(K\374sten)-278(des)-277(stillen)-278(Meeres,)]TJ 0 -13.5492 Td[(haben)-248(wir)-247(Wochen)-248(gebraucht,)-248(um)-248(solche)-248(wasserleere)-248(W\374sten)-247(zu)]TJ 0 -13.5492 Td[(durchstreichen.)-248(Der)-246(Ursprung)-245(derselben,)-246(diese)-245(Pflanzenlosigkeit)]TJ 0 -13.5492 Td[(grosser)-381(Erdstrecken,)-413(in)-381(Gegenden,)-413(wo)-381(umher)-381(die)-380(kraftvolleste)]TJ 0 -13.5492 Td[(Vegetation)-496(herrscht,)-556(ist)-496(ein)-495(wenig)-496(beachtetes)-495(geognostisches)]TJ 0 -13.5492 Td[(Ph\344nomen,)-434(welches)-398(sich)-398(unstreitig)-397(in)-398(alten)-397(Naturrevoluzionen)]TJ 0 -13.5492 Td[(\050in)-376(Ueberschwemmungen,)-407(oder)-376(vulkanischen)-376(Umwandelungen)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-348(Erdrinde\051)-348(gr\374ndet.)-545(Hat)-348(eine)-348(Gegend)-348(einmal)-348(ihre)-348(Pflanzen-)]TJ 0 -13.5492 Td[(decke)-303(verloren,)-317(ist)-303(der)-303(Sand)-303(beweglich)-304(und)-303(quellenleer,)-316(hindert)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-450(heisse,)-501(senkrecht)-451(aufsteigende)-450(Luft)-450(den)-451(Niederschlag)-450(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Wolken:)-371(so)-311(vergehen)-310(Jahrtausende,)-326(ehe)-310(von)-311(den)-310(gr\374nen)-621(Ufern)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7558 0 Td[([11])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7558 -13.5492 Td[(aus)-250(organisches)-250(Leben)-250(in)-250(das)-250(Innere)-250(der)-250(Ein\366de)-250(dringt.)]TJ 11.9552 -18.4588 Td[(Wer)-306(demnach)-307(die)-306(Natur)-307(mit)-306(Einem)-306(Blicke)-307(zu)-306(umfassen,)-321(und)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(von)-336(Lokalph\344nomenen)-335(zu)-336(abstrahiren)-336(weiss,)-357(der)-336(sieht,)-357(wie)-335(mit)]TJ 0 -13.5492 Td[(Zunahme)-281(der)-282(belebenden)-281(W\344rme,)-289(von)-281(den)-282(Polen)-281(zum)-281(Aequator)]TJ 0 -13.5492 Td[(hin,)-348(sich)-328(auch)-329(allm\344hlig)-328(organische)-328(Kraft)-329(und)-328(Lebensf\374lle)-328(ver-)]TJ 0 -13.5492 Td[(mehren.)-234(Aber)-202(bei)-202(dieser)-202(Vermehrung)-202(sind)-202(doch)-202(jedem)-201(Erdstriche)]TJ 0 -13.5492 Td[(besondere)-274(Sch\366nheiten)-275(vorbehalten:)-299(den)-274(Tropen)-274(Mannichfaltig-)]TJ 0 -13.5492 Td[(keit)-342(und)-343(Gr\366sse)-342(der)-343(Pflanzenformen;)-388(dem)-343(Norden)-342(der)-342(Anblick)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-481(Wiesen,)-540(und)-481(das)-481(periodische)-482(Wiedererwachen)-481(der)-481(Natur)]TJ 0 -13.5492 Td[(beim)-256(ersten)-256(Wehen)-255(der)-256(Fr\374hlingsl\374fte.)-267(Jede)-256(Zone)-256(hat)-256(ausser)-255(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(ihr)-251(eigenen)-251(Vorz\374gen)-251(auch)-251(ihren)-251(eigenth\374mlichen)-251(Character.)-252(So)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(wie)-313(man)-314(an)-313(einzelnen)-314(organischen)-313(Wesen)-314(eine)-313(bestimmte)-313(Phy-)]TJ 0 -13.5492 Td[(siognomie)-417(erkennt;)-502(wie)-417(beschreibende)-418(Botanik)-417(und)-417(Zoologie,)]TJ 0 -13.5492 Td[(im)-413(engern)-413(Sinne)-413(des)-412(Worts,)-454(fast)-413(nichts)-413(als)-413(Zergliederung)-412(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Thier-)-216(und)-215(Pflanzenformen)-216(ist:)-233(so)-216(giebt)-216(es)-215(auch)-216(eine)-216(gewisse)-215(Na-)]TJ 0 -13.5492 Td[(turphysiognomie,)-292(welche)-284(jedem)-284(Himmelsstriche)-283(ausschliesslich)]TJ 0 -13.5492 Td[(zukommt.)]TJ 11.9552 -16.004 Td[(Was)-276(der)-277(Mahler)-276(mit)-277(den)-276(Ausdr\374cken)-277(schweizer)-276(Natur,)-284(italie-)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(nischer)-251(Himmel,)-251(bezeichnet,)-251(gr\374ndet)-251(sich)-251(auf)-251(das)-251(dunkle)-250(Gef\374hl)]TJ 0 -13.5492 Td[(dieses)-460(lokalen)-460(Naturcharakters.)-880(Himmelsbl\344ue,)-512(Beleuchtung,)]TJ 0 -13.5492 Td[(Duft,)-422(der)-388(auf)-388(der)-388(Ferne)-387(ruht,)-423(Gestalt)-388(der)-387(Thiere,)-423(Saftf\374lle)-387(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Kr\344uter,)-291(Glanz)-282(des)-283(Laubes,)-291(Umriss)-282(der)-283(Berge)]TJ/F21 10.9091 Tf 204.1262 0 Td[(\024)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.9921 0 Td[(alle)-283(diese)-282(Ele-)]TJ -218.1183 -13.5492 Td[(mente)-263(bestimmen)-263(den)-263(Totaleindruck)-264(einer)-263(Gegend.)-289(Zwar)-263(bilden)]TJ 0 -13.5492 Td[(unter)-351(allen)-350(Zonen)-351(dieselben)-350(Gebirgsarten)-351(Felsgruppen,)-376(von)-350(ei-)]TJ 0 -13.5492 Td[(nerlei)-428(Physiognomie.)-782(Die)-428(Gr\374nsteinklippen)-855(in)-427(S\374d-Amerika)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([12])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(und)-305(Mexiko)-304(gleichen)-305(denen)-304(des)-305(deutschen)-304(Fichtelgebirges,)-318(wie)]TJ 0 -13.5492 Td[(unter)-377(den)-378(Thieren)-377(die)-378(Form)-377(des)-377(Alco)-378(oder)-377(der)-377(urspr\374nglichen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Hunderace)-240(des)-241(neuen)-240(Continents,)-243(mit)-240(der)-241(der)-240(europ\344ischen)-240(Race)]TJ 0 -13.5492 Td[(genau)-259(\374bereinstimmt.)-277(Denn)-259(die)-259(unorganische)-259(Rinde)-259(der)-258(Erde)-259(ist)]TJ 0 -13.5492 Td[(gleichsam)-251(unabh\344ngig)-250(von)-251(klimatischen)-250(Einfl\374ssen;)-251(sey)-251(es,)-250(dass)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-391(Unterschied)-391(der)-391(Klimate)-391(neuer)-390(als)-391(das)-391(Gestein)-391(ist;)-462(sei)-390(es,)]TJ 0 -13.5492 Td[(dass)-389(die)-389(erh\344rtende,)-424(W\344rme-entbindende)-389(Erdmasse)-389(sich)-389(selbst)]TJ 0 -13.5492 Td[(ihre)-362(Temperatur)-362(gab,)-389(statt)-362(sie)-362(von)-362(aussen)-361(zu)-362(empfangen.)-585(Alle)]TJ 0 -13.5492 Td[(Formationen)-402(sind)-403(daher)-402(allen)-402(Weltgegenden)-402(eigen,)-441(und)-402(in)-402(al-)]TJ 0 -13.5492 Td[(len)-365(gleichgestaltet.)-596(Ueberall)-366(bildet)-365(der)-365(Basalt)-365(Zwillings-Berge)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-373(abgestumpfte)-374(Kegel;)-434(\374berall)-374(erscheint)-373(der)-373(Trapporphyr)-373(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(grotesken)-447(Felsmassen,)-495(der)-447(Granit)-446(in)-447(sanftrundlichen)-446(Kuppen.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Auch)-311(\344hnliche)-312(Pflanzenformen,)-326(Tannen)-312(und)-311(Eichen,)-326(bekr\344nzen)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-382(Berggeh\344nge)-382(in)-382(Schweden,)-415(wie)-382(die)-382(des)-382(s\374dlichsten)-382(Theils)]TJ 0 -13.5492 Td[(von)-437(Mexiko.)-810(Und)-436(bei)-437(aller)-436(dieser)-437(Uebereinstimmung)-437(in)-436(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gestalten,)-395(bei)-365(dieser)-366(Gleichheit)-366(der)-365(einzelnen)-366(Umrisse,)-394(nimmt)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-314(Gruppirung)-313(derselben)-314(zu)-314(einem)-313(Ganzen)-314(doch)-314(den)-313(verschie-)]TJ 0 -13.5492 Td[(densten)-250(Charakter)-250(an.)]TJ 11.9552 -16.004 Td[(So)-274(wie)-274(die)-274(Kenntniss)-273(der)-274(Fossilien)-274(sich)-274(von)-274(der)-274(Gebirgslehre)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(unterscheidet;)-508(so)-421(ist)-422(von)-422(der)-422(individuellen)-421(Naturbeschreibung)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(8)-6867(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 518.1751 Td[(die)-318(allgemeine,)-334(oder)-317(die)-318(Physiognomik)-317(der)-318(Natur,)-334(verschieden.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Georg)-420(Forster)-421(in)-420(seinen)-421(Reisen)-420(und)-420(in)-421(seinen)-420(kleinen)-420(Schrif-)]TJ 0 -13.5492 Td[(ten;)-285(G\366the)-273(in)-273(den)-273(Naturschilderungen,)-279(welche)-273(so)-273(manche)-273(seiner)]TJ 0 -13.5492 Td[(unsterblichen)-418(Werke)-418(enthalten;)-502(Herder,)-460(B\374ffon,)-460(Bernardin)-417(de)]TJ 0 -13.5492 Td[(St.)-189(Pierre,)-200(und)-189(selbst)-189(Chateaubriand,)-201(haben)-377(mit)-188(unnachahmlicher)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([13])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(Wahrheit)-396(den)-396(Charakter)-396(einzelner)-396(Himmelsstriche)-396(geschildert.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Solche)-362(Schilderungen)-362(sind)-361(aber)-362(nicht)-362(blos)-362(dazu)-362(geeignet,)-389(dem)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gem\374the)-392(einen)-391(Genuss)-392(der)-391(edelsten)-392(Art)-391(zu)-392(verschaffen;)-462(nein,)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-418(Kenntniss)-418(von)-419(dem)-418(Naturcharakter)-418(verschiedener)-418(Weltge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(genden)-366(ist)-366(mit)-366(der)-366(Geschichte)-366(des)-366(Menschengeschlechtes,)-394(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(mit)-295(der)-294(seiner)-295(Kultur,)-305(aufs)-295(innigste)-295(verkn\374pft,)-305(Denn)-295(wenn)-294(auch)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-286(Anfang)-285(dieser)-286(Kultur)-285(nicht)-286(durch)-285(physische)-286(Einfl\374sse)-285(allein)]TJ 0 -13.5492 Td[(bestimmt)-231(wird;)-237(so)-231(h\344ngt)-231(doch)-230(die)-231(Richtung)-231(derselben,)-235(so)-230(h\344ngen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Volkscharacter,)-285(d\374stere)-278(oder)-278(heitere)-278(Stimmung)-278(der)-277(Menschheit,)]TJ 0 -13.5492 Td[(grossentheils)-351(von)-352(klimatischen)-351(Verh\344ltnissen)-351(ab.)-554(Wie)-351(m\344chtig)]TJ 0 -13.5492 Td[(hat)-323(der)-323(griechische)-323(Himmel)-323(auf)-323(Seine)-323(Bewohner)-323(gewirkt!)-469(Wie)]TJ 0 -13.5492 Td[(sind)-285(nicht)-286(in)-285(dem)-286(sch\366nen)-285(und)-286(gl\374cklichen)-285(Erdstriche)-285(zwischen)]TJ 0 -13.5492 Td[(dem)-479(Oxus,)-535(dem)-479(Tigris,)-536(und)-478(dem)-479(\344geischen)-478(Meere,)-536(die)-478(sich)]TJ 0 -13.5492 Td[(ansiedelnden)-414(V\366lker)-414(zuerst)-413(zu)-414(sittlicher)-414(Anmuth)-414(und)-413(zarteren)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gef\374hlen)-210(erwacht?)-237(Und)-210(haben)-210(nicht,)-219(als)-210(Europa)-210(in)-210(neue)-210(Barbarei)]TJ 0 -13.5492 Td[(versank,)-244(und)-243(religi\366se)-243(Begeisterung)-242(pl\366zlich)-243(den)-243(heiligen)-242(Orient)]TJ 0 -13.5492 Td[(\366fnete,)-399(unsere)-368(Vor\344ltern)-369(aus)-369(jenen)-369(milden)-369(Th\344lern)-369(von)-368(neuem)]TJ 0 -13.5492 Td[(mildere)-404(Sitten)-404(heimgebracht!)-712(Die)-404(Dichterwerke)-403(der)-404(Griechen)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-297(die)-298(rauheren,)-309(Ges\344nge)-297(der)-298(nordischen)-297(Urv\366lker)-297(verdankten)]TJ 0 -13.5492 Td[(gr\366sstentheils)-362(ihren)-362(eigenth\374mlichen)-363(Charakter)-362(der)-362(Gestalt)-362(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Pflanzen)-251(und)-251(Thiere,)-251(den)-251(Gebirgsth\344lern,)-251(die)-251(den)-251(Dichter)-251(umga-)]TJ 0 -13.5492 Td[(ben,)-374(und)-350(der)-349(Luft,)-374(die)-350(ihn)-349(umwehte.)-548(Wer)-349(f\374hlt)-350(sich)-349(nicht,)-374(um)]TJ 0 -13.5492 Td[(selbst)-372(nur)-372(an)-372(nahe)-372(Gegenst\344nde)-373(zu)-372(erinnern,)-402(anders)-372(gestimmt,)]TJ 0 -13.5492 Td[(in)-314(dem)-314(dunkeln)-314(Schatten)-314(der)-314(Buchen,)-330(oder)-314(auf)-314(H\374geln,)-330(die)-314(mit)]TJ 0 -13.5492 Td[(einzeln)-280(stehenden)-281(Tannen)-560(bekr\344nzt)-280(sind;)-296(oder)-280(auf)-280(der)-280(Grasflur,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([14])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(wo)-315(der)-316(Wind)-315(in)-316(dem)-315(zitternden)-316(Laube)-315(der)-316(Birken)-315(s\344uselt!)-446(Me-)]TJ 0 -13.5492 Td[(lancholische,)-369(ernsterhebende,)-370(oder)-345(fr\366hliche)-346(Bilder)-345(rufen)-345(diese)]TJ 0 -13.5492 Td[(vaterl\344ndische)-449(Pflanzengestalten)-449(in)-448(uns)-449(hervor.)-847(Der)-448(Einfluss)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-396(physischen)-397(Welt)-396(auf)-397(die)-396(moralische,)-433(dies)-396(geheimnissvolle)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(Ineinander-Wirken)-368(des)-367(Sinnlichen)-368(und)-367(Aussersinnlichen,)-397(giebt)]TJ 0 -13.5492 Td[(dem)-381(Naturstudium,)-414(wenn)-381(man)-381(es)-381(zu)-381(h\366heren)-381(Gesichtspunkten)]TJ 0 -13.5492 Td[(erhebt,)-250(einen)-250(eigenen,)-250(noch)-250(zu)-250(wenig)-250(gekannten)-250(Reiz.)]TJ 11.9552 -16.004 Td[(Wenn)-347(aber)-347(auch)-347(der)-347(Charakter)-347(verschiedener)-348(Weltgegenden)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(von)-292(allen)-292(\344usseren)-291(Erscheinungen)-292(zugleich)-292(abh\344ngt;)-313(wenn)-291(Um-)]TJ 0 -13.5492 Td[(riss)-316(der)-316(Gebirge,)-333(Physiognomie)-316(der)-316(Pflanzen)-317(und)-316(Thiere,)-332(wenn)]TJ 0 -13.5492 Td[(Himmelsbl\344ue,)-502(Wolkengestalt)-452(und)-452(Durchsichtigkeit)-452(des)-452(Luft-)]TJ 0 -13.5492 Td[(kreises,)-222(den)-214(Totaleindruk)-215(bewirken;)-226(so)-215(ist)-215(doch)-214(nicht)-215(zu)-214(l\344ugnen,)]TJ 0 -13.5492 Td[(dass)-223(das)-224(Hauptbestimmende)-223(dieses)-224(Eindrucks)-223(die)-223(Pflanzendecke)]TJ 0 -13.5492 Td[(ist.)-777(Dem)-426(thierischen)-426(Organismus)-426(fehlt)-425(es)-426(an)-426(Masse,)-470(und)-425(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Beweglichkeit)-417(der)-418(Individuen)-417(entzieht)-418(sie)-417(oft)-418(unsern)-417(Blicken.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Die)-319(Pflanzensch\366pfung)-318(dagegen)-319(wirkt)-319(durch)-318(stetige)-319(Gr\366sse)-318(auf)]TJ 0 -13.5492 Td[(unsere)-189(Einbildungskraft.)-229(Ihre)-189(Masse)-189(bezeichnete)-189(ihr)-189(Alter,)-201(und)-188(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-205(Gew\344chsen)-204(allein)-205(ist)-204(Alter)-205(und)-205(Ausdruck)-204(stets)-205(sich)-204(erneuern-)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-203(Kraft)-204(mit)-203(einander)-204(gepaart.)-234(Der)-204(riesenf\366rmige)-203(Drachenbaum,)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-379(ich)-379(auf)-379(den)-379(kanarischen)-379(Inseln)-379(sah,)-411(und)-379(der)-379(16)-379(Schuh)-379(im)]TJ 0 -13.5492 Td[(Durchmesser)-481(hat,)-539(tr\344gt)-481(noch)-481(immerdar)-481(\050gleichsam)-480(in)-481(ewiger)]TJ 0 -13.5492 Td[(Jugend\051)-350(Bl\374the)-350(und)-349(Frucht.)-550(Als)-350(franz\366sische)-350(Abentheurer,)-374(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Bethencourts,)-239(im)-237(vierzehnten)-237(Jahrhundert)-237(die)-237(gl\374cklichen)-236(Inseln)]TJ 0 -13.5492 Td[(eroberten,)-199(war)-186(der)-187(Drachenbaum)-186(von)-187(Oratava)-186(\050den)-186(Eingeborenen)]TJ 0 -13.5492 Td[(heilig)-325(wie)-326(der)-325(Oelbaum)-651(in)-325(der)-326(Burg)-325(zu)-325(Athen,)-345(oder)-325(die)-325(nordi-)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([15])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(sche)-269(Esche,)-273(unter)-269(der)-269(Odin)-269(und)-269(Asi)-269(zusammenkamen\051)-269(von)-268(eben)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-336(kolossalen)-336(St\344rke)-336(als)-336(jezt.)-508(In)-336(den)-336(Tropen)-336(ist)-336(ein)-335(Wald)-336(von)]TJ 0 -13.5492 Td[(Hymeneen)-294(und)-295(Caesalpinien)-294(vielleicht)-295(das)-294(Denkmal)-295(von)-294(einem)]TJ 0 -13.5492 Td[(Jahrtausend.)]TJ 11.9552 -16.004 Td[(Umfasst)-230(man)-231(die)-230(verschiedenen)-230(Pflanzenarten,)-234(welche)-231(bereits)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(auf)-355(dem)-355(Erdboden)-355(entdeckt)-355(sind,)-381(und)-355(von)-355(denen)]TJ/F22 10.9091 Tf 223.0408 0 Td[(Willdenow's)]TJ/F16 10.9091 Tf -223.0408 -13.5492 Td[(grosses)-365(Werk)-366(allein)-365(\374ber)-365(20,000)-366(genau)-365(zergliedert,)-394(mit)-365(Einem)]TJ 0 -13.5492 Td[(Blick;)-486(so)-408(erkennt)-408(man)-407(in)-408(dieser)-407(wundervollen)-408(Menge)-407(wenige)]TJ 0 -13.5492 Td[(Hauptformen,)-558(auf)-497(welche)-497(sich)-496(alle)-497(andere)-497(zur\374ckf\374hren)-496(las-)]TJ 0 -13.5492 Td[(sen.)-657(Zur)-385(Bestimmung)-386(dieser)-386(Formen,)-419(von)-386(deren)-385(individueller)]TJ 0 -13.5492 Td[(Sch\366nheit,)-412(Vertheilung)-379(und)-380(Gruppirung)-379(die)-380(Physiognomie)-379(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Vegetation)-353(eines)-352(Landes)-353(abh\344ngt,)-379(muss)-352(man)-353(nicht)-353(\050wie)-353(in)-352(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(botanischen)-261(Systemen)-260(aus)-261(andern)-260(Beweggr\374nden)-261(geschieht\051)-260(auf)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(10)-6367(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 518.1751 Td[(die)-365(kleinsten)-364(Theile)-365(der)-365(Bl\374then)-365(und)-364(Fr\374chte,)-394(sondern)-365(nur)-364(auf)]TJ 0 -13.5492 Td[(das)-190(R\374cksicht)-191(nehmen,)-202(was)-191(durch)-190(Masse)-191(den)-190(Totaleindruck)-190(einer)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gegend)-317(individualisirt.)-450(Unter)-317(den)-317(Hauptformen)-317(der)-316(Vegetation)]TJ 0 -13.5492 Td[(giebt)-326(es)-327(allerdings)-326(ganze)-326(Familien)-327(der)-326(sogenannten)-326(nat\374rlichen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Systeme.)-345(Bananengew\344chse)-282(und)-282(Palmen)-281(werden)-282(auch)-282(in)-281(diesen)]TJ 0 -13.5492 Td[(einzeln)-234(aufgef\374hrt.)-244(Aber)-234(der)-234(botanische)-234(Systematiker)-234(trennt)-233(eine)]TJ 0 -13.5492 Td[(Menge)-353(von)-354(Pflanzengruppen,)-379(welche)-353(der)-353(Physiognomiker)-353(sich)]TJ 0 -13.5492 Td[(gezwungen)-278(sieht,)-285(mit)-278(einander)-278(zu)-278(verbinden.)-334(Wo)-277(die)-278(Gew\344chse)]TJ 0 -13.5492 Td[(sich)-233(als)-233(Massen)-233(darstellen,)-236(fliessen)-233(Umrisse)-233(und)-233(Vertheilung)-233(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Bl\344tter,)-200(Gestalt)-188(der)-188(St\344mme)-188(und)-188(Zweige,)-200(in)-188(einander.)-229(Der)-188(Mahler)]TJ 0 -13.5492 Td[(\050und)-272(gerade)-272(dem)-271(feinen)-272(Naturgef\374hle)-272(des)-272(K\374nstlers)-272(kommt)-271(hier)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-213(Ausspruch)-213(zu!\051)-238(unterscheidet)-213(in)-213(dem)-213(Mittel-)-213(und)-213(Hintergrun-)]TJ 0 -13.5492 Td[(de)-213(einer)-213(Landschaft)-426(Tannen-)-213(oder)-213(Palmengeb\374sehe)-212(von)-213(Buchen,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([16])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(nicht)-250(aber)-250(diese)-250(von)-250(andern)-250(Laubholzw\344ldern!)]TJ 11.9552 -18.4588 Td[(Sechszehn)-204(Pflanzenformen)-205(bestimmen)-204(haupts\344chlich)-204(die)-205(Phy-)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(siognomie)-495(der)-494(Natur.)-985(Ich)-494(z\344hle)-495(nur)-495(diejenigen)-495(auf,)-555(welche)]TJ 0 -13.5492 Td[(ich)-443(bei)-443(meinen)-443(Reisen)-443(durch)-443(beide)-442(Welttheile,)-492(und)-443(bei)-442(einer)]TJ 0 -13.5492 Td[(vielj\344hrigen)-400(Aufmerksamkeit)-399(auf)-400(die)-399(Vegetation)-400(der)-399(verschie-)]TJ 0 -13.5492 Td[(denen)-399(Himmelsstriche)-400(zwischen)-399(dem)-400(55sten)-399(Grade)-399(n\366rdlicher)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-403(dem)-402(12ten)-403(Grade)-402(s\374dlicher)-403(Breite,)-440(beobachtet)-403(habe.)-707(Die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Zahl)-394(dieser)-394(Formen)-394(wird)-394(gewiss)-394(ansehnlich)-394(vermehrt)-393(werden,)]TJ 0 -13.5492 Td[(wenn)-405(man)-405(einst)-405(in)-405(das)-405(Innere)-405(der)-405(Continente)-405(tiefer)-405(eindringt,)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-383(neue)-382(Pflanzengattungen)-383(entdeckt.)-648(Im)-383(s\374d\366stlichen)-382(Asien,)]TJ 0 -13.5492 Td[(im)-389(Inneren)-388(von)-389(Afrika)-389(und)-389(Neuholland,)-423(in)-389(S\374d-Amerika)-388(vom)]TJ 0 -13.5492 Td[(Amazonenstrome)-442(bis)-443(zum)-442(Gebirge)-442(Chiquitos)-442(hin,)-491(ist)-442(uns)-442(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Vegetation)-253(noch)-253(v\366llig)-253(unbekannt.)-259(Wie,)-254(wenn)-253(man)-253(gar)-253(ein)-253(Land)]TJ 0 -13.5492 Td[(entdeckte,)-267(in)-264(welchem)-264(holzige)-264(Schw\344mme,)-268(z.)-264(B.)-263(Calvarien)-264(oder)]TJ 0 -13.5492 Td[(Moose,)-240(hohe)-237(B\344ume)-237(bildeten?)-246(Nekera)-237(dendro\357des,)-240(ein)-237(deutsches)]TJ 0 -13.5492 Td[(Laubmoos,)-422(ist)-388(in)-388(der)-388(That)-388(baumartig,)-423(und)-388(die)-387(tropischen)-388(Far-)]TJ 0 -13.5492 Td[(renkr\344uter,)-337(oft)-320(h\366her)-319(als)-320(unsere)-319(Linden)-320(und)-319(Erlen,)-337(sind)-320(f\374r)-319(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(Europ\344er)-251(noch)-251(jezt)-251(ein)-251(eben)-251(so)-251(\374berraschender)-251(Anblick,)-251(als)-251(dem)]TJ 0 -13.5492 Td[(ersten)-251(Entdecker)-251(ein)-251(Wald)-251(hoher)-251(Laubmoose)-251(seyn)-251(w\374rde!)-252(Gr\366s-)]TJ 0 -13.5492 Td[(se)-383(und)-382(Entwickelung)-383(der)-383(Organe)-382(h\344ngt)-383(von)-383(der)-382(Beg\374nstigung)]TJ 0 -13.5492 Td[(klimatischer)-392(Verh\344ltnisse)-392(ab.)-675(Die)-392(kleine,)-428(aber)-392(schlanke)-391(Form)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(unserer)-377(Eidechse)-377(dehnt)-377(sich)-378(im)-377(S\374den)-377(zu)-377(dem)-377(kolossalen)-377(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(gepanzerten)-264(K\366rper)-263(furchtbarer)-264(Crocodyle)-263(aus.)-291(In)-264(den)-263(ungeheu-)]TJ 0 -13.5492 Td[(ern)-341(Katzen)-340(von)-341(Afrika)-340(und)-341(Amerika,)-363(im)-341(Tiger,)-363(im)-341(L\366wen)-340(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(Jaguar,)-356(ist)-335(die)-335(Gestalt)-335(eines)-670(unserer)-335(kleinsten)-335(Hausthiere)-334(nach)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([17])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(einem)-320(gr\366sseren)-320(Maasstabe)-321(wiederholt.)-460(Dringen)-321(wir)-320(gar)-320(in)-320(das)]TJ 0 -13.5492 Td[(Innere)-383(der)-382(Erde,)-416(durchw\374hlen)-382(wir)-383(die)-382(Grabst\344tte)-383(der)-382(Pflanzen)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-274(Thiere,)-281(so)-274(verk\374ndigen)-274(uns)-275(die)-274(Versteinerungen)-274(nicht)-274(bloss)]TJ 0 -13.5492 Td[(eine)-329(Vertheilung)-328(der)-329(Formen,)-348(die)-329(mit)-328(den)-329(jetzigen)-329(Klimaten)-328(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(Widerspruch)-206(steht;)-221(nein,)-215(sie)-206(zeigen)-207(uns)-206(auch)-206(kolossale)-206(Gestalten,)]TJ 0 -13.5492 Td[(welche)-243(mit)-244(den)-243(kleinlichen,)-245(die)-244(uns)-243(gegenw\344rtig)-244(umgeben,)-244(nicht)]TJ 0 -13.5492 Td[(minder)-328(contrastiren,)-347(als)-328(die)-328(einfache)-328(Heldennatur)-328(der)-328(Griechen)]TJ 0 -13.5492 Td[(gegen)-259(die)-260(Charaktergr\366sse)-259(neuerer)-259(Zeit.)-278(Hat)-260(die)-259(Temperatur)-259(des)]TJ 0 -13.5492 Td[(Erdk\366rpers)-389(betr\344chtliche,)-425(vielleicht)-389(periodisch)-389(wiederkehrende)]TJ 0 -13.5492 Td[(Ver\344nderungen)-321(erlitten;)-357(ist)-322(das)-321(Verh\344ltniss)-322(zwischen)-321(Meer)-321(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(Land,)-390(ja)-361(selbst)-362(die)-362(H\366he)-362(des)-361(Luftozeans)-362(und)-362(sein)-362(Druck)-361(nicht)]TJ 0 -13.5492 Td[(immer)-291(derselbe)-290(gewesen:)-332(so)-291(muss)-290(die)-291(Physiognomie)-291(der)-290(Natur,)]TJ 0 -13.5492 Td[(so)-294(m\374ssen)-295(Gr\366sse)-294(und)-295(Gestalt)-294(des)-294(Organismus,)-306(ebenfalls)-294(schon)]TJ 0 -13.5492 Td[(manchem)-386(Wechsel)-386(unterworfen)-385(gewesen)-386(sein.)-658(Unf\344hig,)-419(diese)]TJ 0 -13.5492 Td[(Physiognomie)-464(des)-464(alternden)-464(Planeten)-464(nach)-464(ihren)-464(gegenw\344rti-)]TJ 0 -13.5492 Td[(gen)-443(Z\374gen)-442(vollst\344ndig)-443(zu)-443(schildern,)-490(wage)-443(ich)-443(nur)-442(diejenigen)]TJ 0 -13.5492 Td[(Charaktere)-206(auszuheben,)-215(welche)-206(jeder)-206(P)1(flanzengruppe)-206(vorz\374glich)]TJ 0 -13.5492 Td[(zukommen.)-529(Bei)-343(allem)-343(Reichthum)-343(und)-343(aller)-343(Biegsamkeit)-343(unse-)]TJ 0 -13.5492 Td[(rer)-206(vaterl\344ndischen)-207(Sprache,)-215(ist)-206(es)-207(ein)-206(schwieriges)-206(Unternehmen,)]TJ 0 -13.5492 Td[(mit)-198(Worten)-197(zu)-198(bezeichnen,)-208(was)-198(eigentlich)-198(nur)-198(der)-197(nachahmenden)]TJ 0 -13.5492 Td[(Kunst)-272(des)-273(Malers)-272(darzustellen)-273(geziemt.)-317(Auch)-272(w\374nschte)-272(ich,)-278(das)]TJ 0 -13.5492 Td[(Erm\374dende)-366(des)-366(Eindrucks)-366(zu)-366(vermeiden,)-395(das)-366(jede)-366(Aufz\344hlung)]TJ 0 -13.5492 Td[(einzelner)-250(Formen)-250(unausbleiblich)-250(erregen)-250(muss.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([18])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.0683 -18.4588 Td[(Wir)-438(beginnen)-437(mit)-438(den)]TJ/F22 10.9091 Tf 106.3613 0 Td[(Palmen)]TJ/F16 10.9091 Tf 35.1491 0 Td[(,)-485(der)-437(h\366chsten)-438(und)-438(edelsten)]TJ -153.4656 -13.5492 Td[(aller)-238(Pflanzengestalten.)-245(Denn)-238(ihr)-238(haben)-237(stets)-238(die)-237(V\366lker)-238(\050und)-237(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(fr\374heste)-404(Menschenbildung)-404(war)-404(in)-404(der)-404(asiatischen)-403(Palmenwelt,)]TJ 0 -13.5492 Td[(oder)-287(in)-287(dem)-287(Erdstriche,)-296(der)-287(zun\344chst)-287(an)-287(die)-287(Palmenwelt)-286(gr\344nzt\051)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-385(Preis)-386(der)-385(Sch\366nheit)-385(zuerkannt.)-656(Hohe,)-419(schlanke,)-419(geringel-)]TJ 0 -13.5492 Td[(te,)-289(bisweilen)-281(stachliche)-281(Sch\344fte)-281(mit)-281(anstrebendem,)-288(gl\344nzendem,)]TJ 0 -13.5492 Td[(bald)-310(gef\344chertem,)-326(bald)-310(gefiedertem)-311(Laube.)-431(Die)-311(Blatter)-310(sind)-310(oft)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 548.9335 Td[(12)-6367(Ideen)-250(zu)-250(einer)-250(Physiognomik)-250(der)-250(Gew\303\244chse)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 518.1751 Td[(grasartig)-426(gekr\344uselt.)-776(Der)-426(glatte)-425(Stamm)-426(erreicht)-425(bis)-426(180)-425(Fuss)]TJ 0 -13.5492 Td[(H\366he.)-599(Die)-367(Palmenform)-366(nimmt)-367(an)-366(Pracht)-367(und)-366(Gr\366sse)-367(ab,)-395(vom)]TJ 0 -13.5492 Td[(Aequator)-296(gegen)-296(die)-296(gem\344ssigte)-297(Zone)-296(hin.)-388(Europa)-296(hat)-296(unter)-296(sei-)]TJ 0 -13.5492 Td[(nen)-307(einheimischen)-307(Gew\344chsen)-307(nur)-307(einen)-307(Repr\344sentanten)-307(dieser)]TJ 0 -13.5492 Td[(Form,)-466(die)-423(zwergartige)-423(K\374stenpalme,)-466(den)-423(Chamaerops,)-466(der)-423(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(Spanien)-355(und)-355(Italien)-354(sich)-355(n\366rdlich)-355(bis)-355(zum)-355(44sten)-354(Breitengrade)]TJ 0 -13.5492 Td[(erstreckt.)-499(Das)-332(eigentliche)-333(Palmenklima)-333(der)-333(Erde)-333(hat)-333(21\260.)-332(mitt-)]TJ 0 -13.5492 Td[(lerer)-241(W\344rme.)-247(Aber)-242(die)-241(aus)-241(Afrika)-242(zu)-241(uns)-241(gebrachte)-241(Dattelpalme,)]TJ 0 -13.5492 Td[(welche)-365(minder)-365(sch\366n)-365(als)-365(andere)-365(Arten)-365(dieser)-366(Gruppen)-365(ist,)-393(ve-)]TJ 0 -13.5492 Td[(getirt)-429(noch)-429(im)-430(s\374dlichen)-429(Europa)-429(in)-429(Gegenden,)-474(deren)-429(mittlere)]TJ 0 -13.5492 Td[(Temperatur)-464(14\260.)-893(also)-465(mehr)-464(als)-464(doppelt)-465(gr\366sser,)-518(als)-464(die)-464(von)]TJ 0 -13.5492 Td[(Berlin,)-503(ist.)-858(Palmenst\344mme)-452(und)-452(Elephantengerippe)-453(liegen)-452(im)]TJ 0 -13.5492 Td[(n\366rdlichen)-420(Deutschlande)-420(im)-420(Inneren)-419(der)-420(Erde)-420(vergraben,)-462(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(ihre)-302(Lage)-302(macht)-303(es)-302(wahrscheinlich,)-315(dass)-302(sie)-303(nicht)-302(von)-302(den)-302(Tro-)]TJ 0 -13.5492 Td[(pen)-381(her)-381(gegen)-381(Norden)-381(geschwemmt)-381(wurden;)-447(sondern,)-413(dass)-381(in)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-233(grossen)-233(Revoluzionen)-233(unseres)-233(Planeten)-233(die)-233(Klimate,)-236(wie)-233(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(durch)-235(sie)-234(bestimmte)-235(Physiognomie)-234(der)-235(Natur,)-238(vielfach)-234(ver\344ndert)]TJ 0 -13.5492 Td[(worden)-250(sind.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([19])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.7111 -18.4588 Td[(Zu)-397(den)-397(Palmen)-398(gesellt)-397(sich)-397(in)-397(allen)-397(Welttheilen)-397(die)-398(Pisang)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(oder)]TJ/F22 10.9091 Tf 22.914 0 Td[(Bananenform)]TJ/F16 10.9091 Tf 64.2435 0 Td[(,)-342(die)-323(Scitamineen)-324(der)-323(Botaniker,)]TJ/F20 10.9091 Tf 147.7196 0 Td[(Heliconia)]TJ/F16 10.9091 Tf 43.0254 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf -277.9025 -13.5492 Td[(Amomum)]TJ/F16 10.9091 Tf 41.2036 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.981 0 Td[(Strelitzia)]TJ/F16 10.9091 Tf 39.4035 0 Td[(.)-586(Ein)-362(niedriger)-362(aber)-362(saftreicher,)-390(fast)-362(kraut)1(-)]TJ -87.5881 -13.5492 Td[(artiger)-332(Stamm,)-351(an)-332(dessen)-331(Spitze)-332(sich)-331(d\374nn)-332(und)-331(lokkergewebte,)]TJ 0 -13.5492 Td[(zartgestreifte,)-330(seidenartig-gl\344nzende)-313(Bl\344tter)-314(erheben.)-441(Pisangge-)]TJ 0 -13.5492 Td[(b\374sche)-315(sind)-314(der)-315(Schmuck)-315(feuchter)-315(Gegenden.)-444(Auf)-315(ihrer)-314(Frucht)]TJ 0 -13.5492 Td[(beruht)-270(die)-270(Nahrung)-271(aller)-270(Bewohner)-270(des)-270(heissen)-271(Erdg\374rtels.)-310(Wie)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-374(mehlreichen)-374(Cerealien)-374(oder)-374(Getreidearten)-374(des)-374(Nordens,)-404(so)]TJ 0 -13.5492 Td[(begleiten)-287(Pisangst\344mme)-286(den)-287(Menschen)-287(seit)-286(der)-287(fr\374hesten)-286(Kind-)]TJ 0 -13.5492 Td[(heit)-331(seiner)-331(Kultur.)-493(Asiatische)-331(Mythen)-331(setzen)-330(die)-331(urspr\374ngliche)]TJ 0 -13.5492 Td[(Heimath)-328(dieser)-328(n\344hrenden)-328(Tropenpflanze)-328(an)-328(den)-328(Euphrat,)-347(oder)]TJ 0 -13.5492 Td[(an)-326(den)-327(Fuss)-326(des)-326(Himalus)-327(in)-326(Indien.)-479(Griechische)-326(Sagen)-326(nennen)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-226(Gefilde)-227(von)-226(Enna)-226(als)-226(das)-227(gl\374ckliche)-226(Vaterland)-226(der)-226(Cerealien.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Wenn)-242(diese,)-243(durch)-241(die)-242(Kultur)-241(\374ber)-242(die)-241(n\366rdliche)-242(Erde)-241(verbreitet,)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-210(dort)-210(einf\366rmige)-211(weitgedehnte)-210(Grasfluren)-210(bildend,)-218(wenig)-210(den)]TJ 0 -13.5492 Td[(Anblick)-241(der)-240(Natur)-241(versch\366nern,)-242(so)-241(vervielfacht)-240(dagegen)-241(der)-240(sich)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(ansiedelnde)-268(Tropenbewohner)-269(durch)-268(Pisangpflanzungen)-269(eine)-268(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(herrlichsten)-250(und)-250(edelsten)-250(Gestalten.)]TJ/F22 10.9091 Tf 11.9552 -15.1857 Td[(Malvenform)]TJ/F16 10.9091 Tf 58.1672 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.1526 0 Td[(Sterculia)]TJ/F16 10.9091 Tf 39.3926 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.1526 0 Td[(Hibiscus)]TJ/F16 10.9091 Tf 38.1818 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.1526 0 Td[(Lavatera)]TJ/F16 10.9091 Tf 39.3927 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.1526 0 Td[(Ochroma)]TJ/F16 10.9091 Tf 41.2036 0 Td[(.)-404(Kur-)]TJ -252.9035 -13.5492 Td[(ze)-400(aber)-400(kolossalisch)-400(dikke)-401(St\344mme)-400(mit)-400(zartwolligen,)-437(grossen,)]TJ 0 -13.5492 Td[(herzf\366rmigen,)-203(oft)-192(eingeschnittenen)-192(Bl\344ttern,)-203(und)-192(prachtvollen)-191(oft)]TJ 0 -13.5492 Td[(purpurrothen)-288(Bl\374then.)-364(Zu)-288(dieser)-288(Pflanzengruppe)-288(geh\366rt)-287(der)-288(Af-)]TJ 0 -13.5492 Td[(fenbrodbaum,)]TJ/F20 10.9091 Tf 63.54 0 Td[(Adansonia)-241(digitata)]TJ/F16 10.9091 Tf 83.2431 0 Td[(,)-243(der)-240(bei)-241(32)-240(Fuss)-241(H\366he)-241(30)-240(Fuss)]TJ -146.7831 -13.5492 Td[(Durchmesser)-240(hat,)-243(und)-240(der)-240(wahrscheinlich)-240(das)-241(gr\366sste)-240(und)-240(\344lteste)]TJ 0 -13.5492 Td[(organische)-170(Denkmahl)-341(auf)-170(unserm)-171(Planeten)-170(ist.)-223(in)-171(Italien)-170(f\344ngt)-170(die)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([20])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(Malvenform)-389(bereits)-389(an,)-424(der)-389(Vegetation)-388(einen)-389(eigenth\374mlichen)]TJ 0 -13.5492 Td[(s\374dlichen)-250(Charakter)-250(zu)-250(geben.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Dagegen)-186(entbehret)-185(unsere)-186(gem\344ssigte)-186(Zone)-185(im)-186(alten)-186(Continent)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(leider)-265(ganz)-264(die)-265(zartgefiederten)-264(Bl\344tter,)-269(die)]TJ/F22 10.9091 Tf 187.3005 0 Td[(Form)-265(der)-264(Mimosen)]TJ/F16 10.9091 Tf 90.602 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf -277.9025 -13.5492 Td[(Gleditsia)]TJ/F16 10.9091 Tf 40.0036 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 7.0194 0 Td[(Porleria)]TJ/F16 10.9091 Tf 36.9708 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 7.0194 0 Td[(Tamarindus)]TJ/F16 10.9091 Tf 52.7344 0 Td[(.)-594(Den)-365(vereinigten)-365(Staaten)-365(von)]TJ -143.7476 -13.5492 Td[(Nord-Amerika,)-481(in)-435(denen)-435(unter)-435(gleicher)-435(Breite)-435(die)-435(Vegetation)]TJ 0 -13.5492 Td[(mannichfaltiger)-244(und)-245(\374ppiger)-244(als)-244(in)-245(Europa)-244(ist,)-246(fehlt)-244(diese)-244(sch\366ne)]TJ 0 -13.5492 Td[(Form)-275(nicht.)-327(Bei)-275(den)-276(Mimosen)-275(ist)-276(eine)-275(schirmartige)-275(Verbreitung)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-352(Zweige,)-378(fast)-352(wie)-352(bei)-352(den)-352(italienischen)-352(Pinien,)-377(gew\366hnlich.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Die)-350(tiefe)-351(Himmelsbl\344ue)-350(des)-350(Tropenklimas)-351(durch)-350(die)-350(zartgefie-)]TJ 0 -13.5492 Td[(derten)-206(Bl\344tter)-206(schimmernd,)-215(ist)-206(von)-206(\374beraus)-206(malerischem)-206(Effekte.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Eine)-281(meist)-282(afrikanische)-281(Pflanzengruppe)-281(sind)-281(die)]TJ/F22 10.9091 Tf 215.3401 0 Td[(Heidekr\344u-)]TJ -227.2953 -13.5492 Td[(ter)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.32 0 Td[(;)-191(dahin)-162(geh\366ren)-161(auch)-162(die)]TJ/F20 10.9091 Tf 105.4773 0 Td[(Andromeda)]TJ/F16 10.9091 Tf 50.9018 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 4.6836 0 Td[(Passerinen)]TJ/F16 10.9091 Tf 50.2435 0 Td[(und)]TJ/F20 10.9091 Tf 18.1272 0 Td[(Gnidien)]TJ/F16 10.9091 Tf 35.1491 0 Td[(,)]TJ -277.9025 -13.5492 Td[(eine)-396(Gruppe,)-432(die)-396(mit)-395(der)-396(der)-396(Nadelh\366lzer)-396(einige)-395(Aehnlichkeit)]TJ 0 -13.5492 Td[(hat,)-210(und)-200(eben)-200(deshalb)-201(mit)-200(dieser)-200(durch)-200(die)-200(F\374lle)-200(glokkenf\366rmiger)]TJ 0 -13.5492 Td[(Bl\374then,)-478(desto)-433(reizender)-433(contrastirt.)-798(Die)-433(baumartigen)-432(Heide-)]TJ 0 -13.5492 Td[(kr\344uter,)-257(wie)-255(einige)-256(andere)-255(afrikanische)-255(Gew\344chse,)-257(erreichen)-255(das)]TJ 0 -13.5492 Td[(n\366rdliche)-456(Ufer)-455(des)-456(Mittelmeers.)-867(Sie)-456(schm\374kken)-455(Welschland)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-257(die)-256(Cistus-Geb\374sche)-257(des)-256(s\374dlichen)-257(Spaniens.)-270(Am)-256(\374ppigsten)]TJ 0 -13.5492 Td[(wachsend)-213(habe)-213(ich)-214(sie)-213(auf)-213(den)-213(afrikanischen)-214(Inseln,)-220(am)-213(Abhange)]TJ 0 -13.5492 Td[(des)]TJ/F22 10.9091 Tf 17.2111 0 Td[(Pics)]TJ/F16 10.9091 Tf 21.4548 0 Td[(von)]TJ/F22 10.9091 Tf 19.0329 0 Td[(Teyde)]TJ/F16 10.9091 Tf 31.153 0 Td[(gesehen.)-248(Bei)-245(uns)-245(in)-244(den)-245(baltischen)-245(L\344ndern,)]TJ -88.8518 -13.5492 Td[(und)-193(noch)-192(n\366rdlicher)-193(hin,)-204(ist)-192(diese)-193(Pflanzenform)-192(gef\374rchtet,)-204(D\374rre)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)-293(Unfruchtbarkeit)-294(verk\374ndigend.)-380(Unsere)-293(Heidekr\344uter,)]TJ/F20 10.9091 Tf 256.3898 0 Td[(Erica)]TJ -256.3898 -13.5492 Td[(vulgaris)]TJ/F16 10.9091 Tf 44.1769 0 Td[(und)]TJ/F20 10.9091 Tf 20.572 0 Td[(tetralix)]TJ/F16 10.9091 Tf 35.7248 0 Td[(sind)-386(gesellschaftlich)-386(lebende)-385(Gew\344chse,)]TJ/F16 7.9701 Tf 190.5498 0 Td[([21])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(gegen)-232(deren)-231(fortschreitenden)-232(Zug)-232(die)-231(ackerbauenden)-232(V\366lker)-231(seit)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 46.7715 518.1751 Td[(sibirische)-415(Calligonum)-415(Pallasia,)-457(sind)-415(der)-415(Casuarinenform)-415(nahe)]TJ 0 -13.5492 Td[(verwandt.)]TJ 11.9552 -14.7766 Td[(So)-467(wie)-467(in)-468(den)-467(Pisanggew\344chsen)-467(die)-467(h\366chste)-468(Ausdehnung,)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(so)-345(ist)-345(in)-345(den)-344(Casuarinen)-345(und)-345(in)-345(den)]TJ/F22 10.9091 Tf 164.0261 0 Td[(Nadelh\366lzern)]TJ/F16 10.9091 Tf 66.1836 0 Td[(die)-345(h\366chste)]TJ -230.2097 -13.5492 Td[(Zusammenziehung)-241(der)-240(Blattgef\344sse.)-247(Tannen,)-242(Thuja)-241(und)-240(Cypres-)]TJ 0 -13.5492 Td[(sen)-402(bilden)-402(eine)-403(nordische)-402(Form,)-440(die)-402(in)-403(den)-402(Tropen)-402(selten)-402(ist.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Ihr)-313(ewig-frisches)-313(Gr\374n)-312(erheitert)-313(die)-313(\366de)-313(Winter-Landschaft.)-438(Es)]TJ 0 -13.5492 Td[(verk\374ndigt)-277(gleichsam)-276(den)-277(Polarv\366lkern,)-284(dass,)-283(wenn)-277(Schnee)-276(und)]TJ 0 -13.5492 Td[(Eis)-216(den)-216(Boden)-217(bedekken,)-223(das)-216(innere)-216(Leben)-216(der)-216(Pflanzen,)-223(wie)-216(das)]TJ 0 -13.5492 Td[(Prometheische)-250(Feuer,)-250(nie)-250(auf)-250(unserm)-250(Planeten)-250(erlischt.)]TJ 11.9552 -14.7766 Td[(Parasitisch)-208(wie)-208(bei)-209(uns)-208(Moose)-208(und)-208(Flechten,)-217(\374berziehen)-208(in)-209(der)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(Tropenwelt)-223(ausser)-224(den)-223(Orchideen)-224(auch)-223(die)]TJ/F22 10.9091 Tf 187.2973 0 Td[(Pothosgew\344chse)]TJ/F16 10.9091 Tf 77.5797 0 Td[(den)]TJ -264.877 -13.5492 Td[(alternden)-320(Stamm)-320(der)-639(Waldb\344ume.)-459(Saftige,)-338(krautartige)-319(Stengel)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.0235 0 Td[([23])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.0235 -13.5492 Td[(mit)-164(grossen,)-181(bald)-165(pfeilf\366rmigen,)-181(bald)-164(gefingerten,)-181(bald)-164(l\344nglichen)]TJ 0 -13.5492 Td[(aber)-387(stets)-387(dik-adrigen)-386(Bl\344ttern.)-661(Blumen)-386(in)-387(Scheiden.)]TJ/F20 10.9091 Tf 247.5971 0 Td[(Pothos)]TJ/F16 10.9091 Tf 30.3054 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf -277.9025 -13.5492 Td[(Dracontium)]TJ/F16 10.9091 Tf 52.7236 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 7.3284 0 Td[(Arum)]TJ/F16 10.9091 Tf 24.24 0 Td[(,)-422(leztere)-387(dem)-388(Norden)-387(fehlend,)-422(aber)-387(in)-388(Spa-)]TJ -84.292 -13.5492 Td[(nien)-373(und)-373(Italien)-373(mit)-373(saftvollem)-373(Huflattig,)-404(hohen)-373(Distelstauden)]TJ 0 -13.5492 Td[(und)]TJ/F20 10.9091 Tf 20.8947 0 Td[(Acanthus)]TJ/F16 10.9091 Tf 40.6036 0 Td[(,)-457(die)-415(Ueppigkeit)-415(des)-416(s\374dlichen)-415(Pflanzenwuchses)]TJ -61.4983 -13.5492 Td[(bezeichnend.)]TJ 11.9552 -14.7766 Td[(Zu)-240(dieser)]TJ/F22 10.9091 Tf 43.4011 0 Td[(Arumform)]TJ/F16 10.9091 Tf 53.506 0 Td[(gesellt)-240(sich)-239(die)-240(Form)-240(der)]TJ/F22 10.9091 Tf 110.0355 0 Td[(Lianen)]TJ/F16 10.9091 Tf 32.7381 0 Td[(,)-242(beide)]TJ -251.6359 -13.5492 Td[(in)-161(heissen)-160(Erdstrichen)-161(von)-161(S\374d-Amerika)-160(in)-161(vorz\374glicher)-161(Kraft)-160(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Vegetation.)]TJ/F20 10.9091 Tf 55.7331 0 Td[(Paullinia)]TJ/F16 10.9091 Tf 40.6145 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.4585 0 Td[(Banisteria)]TJ/F16 10.9091 Tf 45.458 0 Td[(,)]TJ/F20 10.9091 Tf 6.4585 0 Td[(Bignonien)]TJ/F16 10.9091 Tf 44.8472 0 Td[(.)-471(Unser)-324(rankender)]TJ -199.5698 -13.5492 Td[(Hopfen)-255(und)-256(unsere)-255(Weinreben)-255(erinnern)-256(an)-255(diese)-255(Pflanzengestalt)]TJ 0 -13.5492 Td[(der)-354(Tropenwelt.)-560(Am)-354(Orinoco)-353(haben)-354(die)-353(blattlosen)-354(Zweige)-353(der)]TJ/F20 10.9091 Tf 0 -13.5492 Td[(Bauhinien)]TJ/F16 10.9091 Tf 49.3422 0 Td[(oft)-412(40)-412(Fuss)-412(L\344nge.)-736(Sie)-412(fallen)-412(theils)-412(senkrecht)-412(aus)]TJ -49.3422 -13.5492 Td[(dem)-353(Gipfel)-353(hoher)-353(Swietenien)-353(herab;)-404(theils)-353(sind)-353(sie)-353(schr\344g)-353(wie)]TJ 0 -13.5492 Td[(Masttaue)-266(ausgespannt,)-271(und)-267(die)-266(Tigerkatze)-266(hat)-267(eine)-266(bewunderns-)]TJ 0 -13.5492 Td[(w\374rdige)-250(Geschiklichkeit,)-250(daran)-250(auf-)-250(und)-250(abzuklettern.)]TJ 11.9552 -14.7766 Td[(Mit)-221(den)-220(biegsamen)-221(sich)-221(rankenden)-221(Lianen,)-226(mit)-221(ihrem)-221(frischen)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(und)-288(leichten)-287(Gr\374n,)-297(kontrastirt)-288(die)-288(selbstst\344ndige)-287(Form)-288(der)-287(bl\344u-)]TJ 0 -13.5492 Td[(lichen)]TJ/F22 10.9091 Tf 30.6469 0 Td[(Aloegew\344chse)]TJ/F16 10.9091 Tf 64.8327 0 Td[(;)-423(St\344mme,)-394(wenn)-365(sie)-366(vorhanden)-365(sind,)-394(fast)]TJ -95.4796 -13.5492 Td[(ungetheilt,)-301(enggeringelt)-292(und)-291(schlangenartig)-291(gewunden.)-373(An)-291(dem)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gipfel)-367(sind)-366(saftreiche,)-396(fleischige,)-395(lang\267zugespitzte)-367(Bl\344tter)-366(stra-)]TJ 0 -13.5492 Td[(lenartig)-423(zusammengeh\344uft.)-767(Die)-423(hochst\344mmigen)-422(Aloegew\344ch-)]TJ
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+/F16 10.9091 Tf 93.5434 518.1751 Td[(se)-389(bilden)-389(nicht)-389(Geb\374sche,)-424(wie)-389(andere)-389(gesellschaftlich)-389(lebende)]TJ 0 -13.5492 Td[(Pflanzen.)-571(Sie)-357(stehen)-356(einzeln)-357(in)-357(d\374rren)-357(Ebenen,)-384(und)-357(geben)-356(der)]TJ 0 -13.5492 Td[(Tropengegend)-447(dadurch)-223(oft)-224(einen)-223(eigenen)-224(melancholischen)-223(\050man)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([24])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(m\366chte)-250(sagen)-250(afrikanischen\051)-250(Charakter.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Wie)-318(die)-319(Aloeform)-318(sich)-318(durch)-318(ernste)-319(Ruhe)-318(und)-318(Festigkeit,)-336(so)]TJ -11.9552 -13.5492 Td[(charakterisirt)-362(sich)-362(die)]TJ/F22 10.9091 Tf 100.3112 0 Td[(Grasform)]TJ/F16 10.9091 Tf 46.0472 0 Td[(,)-390(besonders)-362(die)-362(Physiognomie)]TJ -146.3584 -13.5492 Td[(der)-336(baumartigen)-335(Gr\344ser,)-358(durch)-335(den)-336(Ausdruck)-336(fr\366hlicher)-335(Leich-)]TJ 0 -13.5492 Td[(tigkeit)-401(und)-402(beweglicher)-401(Schlankheit.)-705(Bambusgeb\374sche)-401(bilden)]TJ 0 -13.5492 Td[(schattige)-305(Bogeng\344nge)-305(in)-305(beiden)-304(Indien.)-415(Der)-305(glatte,)-319(oft)-304(geneigt-)]TJ 0 -13.5492 Td[(hinschwebende)-483(Stamm)-483(der)-483(Tropen-Gr\344ser)-483(\374bertrift)-483(die)-482(H\366he)]TJ 0 -13.5492 Td[(unserer)-422(Erlen)-422(und)-423(Eichen.)-766(Schon)-423(in)-422(Italien)-422(f\344ngt)-422(im)]TJ/F20 10.9091 Tf 247.9025 0 Td[(Arundo)]TJ -247.9025 -13.5492 Td[(Donax)]TJ/F16 10.9091 Tf 32.8565 0 Td[(diese)-346(Form)-346(an,)-370(sich)-345(vom)-346(Boden)-346(zu)-346(erheben,)-370(und)-346(durch)]TJ -32.8565 -13.5492 Td[(H\366he)-250(und)-250(Masse)-250(den)-250(Naturcharakter)-250(des)-250(Landes)-250(zu)-250(bestimmen.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Mit)-275(der)-274(Gestalt)-275(der)-274(Gr\344ser)-275(ist)-274(auch)-275(die)-274(der)]TJ/F22 10.9091 Tf 188.7268 0 Td[(Farrenkr\344uter)]TJ/F16 10.9091 Tf 71.4605 0 Td[(in)]TJ -272.1425 -13.5492 Td[(den)-294(heissen)-294(Erdstrichen)-294(veredelt.)-382(Baumartige,)-305(oft)-294(35)-293(Fuss)-294(hohe)]TJ 0 -13.5492 Td[(Farrenkr\344uter)-230(haben)-231(ein)-230(palmenartiges)-231(Ansehen;)-237(aber)-230(ihr)-230(Stamm)]TJ 0 -13.5492 Td[(ist)-300(minder)-300(schlank,)-312(k\374rzer,)-313(schuppig-rauher)-300(als)-300(der)-299(der)-300(Palmen.)]TJ 0 -13.5492 Td[(Das)-476(Laub)-477(ist)-476(zarter,)-533(lokker)-476(gewebt,)-533(durchscheinend,)-533(und)-476(an)]TJ 0 -13.5492 Td[(den)-331(R\344ndern)-331(sauber)-331(ausgezakt.)-493(Diese)-331(kolossalen)-331(Farrenkr\344uter)]TJ 0 -13.5492 Td[(sind)-251(fast)-251(ausschliesslich)-250(den)-251(Tropen)-251(eigen,)-251(aber)-251(in)-251(diesen)-250(ziehen)]TJ 0 -13.5492 Td[(sie)-378(ein)-378(gem\344ssigtes)-377(Klima)-378(dem)-378(ganz)-378(heissen)-377(vor.)-634(Da)-378(nun)-377(die)]TJ 0 -13.5492 Td[(Milderung)-287(der)-286(Hitze)-287(bloss)-287(eine)-287(Folge)-286(der)-287(H\366he)-287(ist;)-305(so)-287(darf)-286(man)]TJ 0 -13.5492 Td[(Gebirge,)-240(die)-238(2)-237(bis)-238(3000)-237(Fuss)-238(\374ber)-238(dem)-237(Meere)-238(erhaben)-237(sind,)-240(oder)]TJ 0 -13.5492 Td[(die)-396(H\366he)-395(unsers)-396(deutschen)-396(Brokkens,)-432(als)-395(den)-396(Hauptsiz)-395(dieser)]TJ 0 -13.5492 Td[(Form)-386(nennen.)-659(Hochst\344mmige)-386(Farrenkr\344uter)-386(begleiten)-386(in)-386(S\374d-)]TJ 0 -13.5492 Td[(Amerika)-343(den)-343(wohlth\344tigen)-343(Baum,)-366(der)-343(die)-343(heilende)-342(Fieberrinde)]TJ 0 -13.5492 Td[(darbietet.)-482(Beide)-327(bezeichnen)-327(die)-327(gl\374kliche)-327(Region)-655(der)-327(Erde,)-346(in)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.7559 0 Td[([25])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.7559 -13.5492 Td[(der)-250(ewige)-250(Milde)-250(des)-250(Fr\374hlings)-250(herrscht.)]TJ 11.9552 -15.1857 Td[(Noch)-418(nenne)-417(ich)-418(die)-417(Form)-418(der)]TJ/F22 10.9091 Tf 141.2413 0 Td[(Liliengew\344chse)]TJ/F16 10.9091 Tf 70.909 0 Td[(,)-459(\050)]TJ/F20 10.9091 Tf 11.3716 0 Td[(Amaryllis)]TJ/F16 10.9091 Tf 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+<pb n="3"/><anchor id="Pg3"/>
+<p>
+Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur
+durchforscht, oder in seiner Phantasie die weiten
+Räume der organischen Schöpfung misst, so wirkt unter
+den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner
+so tief und mächtig als der, welchen die allverbreitete
+Fülle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst
+am beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesange der
+Vögel, wie von dem Sumsen schwirrender Insecten.
+Nicht die unteren Schichten allein, in welchen die
+verdichteten Dünste schweben, auch die oberen ätherischreinen,
+sind belebt. Denn so oft man den Rücken
+der Peruanischen Cordilleren, oder, südlich vom
+Leman-See, den Gipfel des Weissen-Berges bestieg,
+hat man selbst in diesen Einöden noch Thiere entdeckt.
+Am Chimborazo, sechsmal höher als der Brocken,
+sahen wir Schmetterlinge und andere geflügelte
+Insecten. Wenn auch, von senkrechten Luftströmen
+getrieben, sie sich dahin, als Fremdlinge, verirrten,
+wohin unruhige Forschbegier des Menschen sorgsame
+Schritte leitet; so beweiset ihr Daseyn doch, dass die
+biegsamere animalische Schöpfung ausdauert, wo die
+vegetabilische längst ihre Grenze erreicht hat. Höher,
+<pb n="4"/><anchor id="Pg4"/>
+als der Kegelberg von Teneriffa auf den Aetna gethürmt;
+höher, als alle Gipfel der Andeskette, schwebte
+oft über uns der Cundur, der Riese unter den Geiern.
+Raubsucht und Nachstellung der zartwolligen
+Vikunnas, welche gemsenartig und heerdenweise in
+den beschneiten Grasebenen schwärmen, locken den
+mächtigen Vogel in diese Region.
+</p>
+<p>
+Zeigt nun schon das unbewafnete Auge den ganzen
+Luftkreis belebt, so enthüllt noch grössere Wunder
+das bewafnete Auge. Räderthiere, Brachionen,
+und eine Schaar mikroskopischer Geschöpfe heben die
+Winde aus den troknenden Gewässern empor. Unbeweglich
+und in Scheintod versenkt, schweben sie vielleicht
+jahrelang in den Lüften, bis der Thau sie zur
+Erde zurükführt, die Hülle löst, die ihren durchsichtigen
+wirbelnden Körper einschliesst, und (wahrscheinlich
+durch den Lebensstoff, den alles Wasser
+enthält) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht.
+</p>
+<p>
+Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der
+Luftkreis auch zahllose Keime künftiger Bildungen,
+Insecten-Eier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-
+und Feder-Kronen zur langen Herbstreise geschikt
+sind. Selbst den belebenden Staub, den, bei getrennten
+Geschlechtern, die männlichen Blüthen ausstreuen,
+tragen Winde und geflügelte Insecten über Meer und
+Land den einsamen weiblichen zu. Wohin der Blick
+des Naturforschers dringt, ist Leben, oder Keim zum
+Leben, verbreitet.
+</p>
+<p>
+Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das
+wir getaucht sind, und über dessen Oberfläche wir
+<pb n="5"/><anchor id="Pg5"/>
+uns nicht zu erheben vermögen, vielen organischen
+Geschöpfen zur nothwendigsten Nahrung; so bedürfen
+dieselben dabei doch noch einer gröberen Speise,
+welche nur der Boden dieses gasförmigen Oceans darbietet.
+Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den kleineren
+Theil bildet die trockene Erde, unmittelbar von
+Luft umflossen; den gröxseren Theil bildet das Wasser,
+vielleicht einst vor Jahrtausenden durch elektrisches
+Feuer aus luftförmigen Stoffen zusammengeronnen,
+und jezt unaufhörlich in der Werkstatt der Wolken,
+wie in den pulsirenden Gefässen der Thiere und Pflanzen,
+zersezt.
+</p>
+<p>
+Unentschieden ist es, wo grössere Lebensfülle
+verbreitet sey; ob auf dem Continent, oder in dem
+unergründeten Meere. In diesem erscheinen gallertartige
+Seegewürme, bald lebendig, bald abgestorben,
+als leuchtende Sterne. Ihr Phosphorlicht wandelt die
+grünliche Flache des unermesslichen Ozeans in ein
+Feuermeer um. Unauslöschlich wird mir der Eindruck
+jener stillen Tropen-Nachte der Südsee bleiben,
+wo aus der duftigen Himmelsbläue das hohe Sternbild
+des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr
+mildes planetarisches Licht ausgossen, und wo zugleich
+in der schäumenden Meeresfluth die Delphine
+ihre leuchtenden Furchen zogen.
+</p>
+<p>
+Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser
+verbergen zahllose Gewürme von wunderbarer Gestalt.
+Unserem Auge fast unerkennbar sind die Cyclidien,
+die gefranzten Trichoden und das Heer der Naiden,
+theilbar durch Aeste, wie die Lemna, deren
+<pb n="6"/><anchor id="Pg6"/>
+Schatten sie suchen. Von mannichfaltigen Luftgemengen
+umgeben, und mit dem Lichte unbekannt, athmen:
+die geflekte Askaris, welche die Haut des Regenwurms,
+die silberglänzende Leukophra, welche das
+Innere der Ufer·Naide, und der Echynorynchus, welcher
+die weitzellige Lunge der tropischen Klapperschlange
+bewohnt. So sind auch die verborgensten
+Bäume der Schöpfung mit Leben erfüllt. Wir wollen
+hier bescheiden bei den Geschlechtern der Pflanzen
+verweilen; denn auf ihrem Daseyn beruht das Daseyn
+der thierischen Schöpfung. Unablässig sind sie bemüht,
+den rohen Stoff der Erde organisch an einander zu
+reihen, und vorbereitend, durch lebendige Kraft, zu
+mischen, was nach tausend Umwandlungen zur regsamen
+Nervenfaser veredelt wird. Derselbe Blick,
+den wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke heften,
+enthüllt uns die Fülle des thierischen Lebens, das von
+jener genährt und erhalten wird.
+</p>
+<p>
+Ungleich ist der Teppich gewebt, den die blüthenreiche
+Flora über den nakten Erdkörper ausbreitet;
+dichter, wo die Sonne höher an dem nie bewölkten
+Himmel emporsteigt; lockerer gegen die trägen
+Pole hin, wo der wiederkehrende Frost bald die entwickelte
+Knospe tödtet, bald die reifende Frucht erhascht.
+Doch überall darf der Mensch sich der nährenden
+Pflanzen erfreuen. Trennt im Meeresboden
+ein Vulkan die kochende Fluth, und schiebt plözlich
+(wie einst zwischen den griechischen Inseln) einen
+schlackigen Fels empor; oder erheben (um an eine
+friedlichere Naturerscheinung zu erinnern) die einträchtigen
+<pb n="7"/><anchor id="Pg7"/>
+Nereiden ihre zelligen Wohnungen, bis sie
+nach Jahrtausenden über den Wasserspiegel hervorragend,
+absterben, und ein flaches Corallen-Eiland bilden:
+so sind die organischen Kräfte sogleich bereit,
+den todten Fels zu beleben. Was den Saamen so
+plözlich herbeiführt: ob wandernde Vögel, oder Winde,
+oder die Wogen des Meeres; ist bei der grossen
+Entfernung der Küsten schwer zu entscheiden. Aber
+auf dem nakten Steine, sobald ihn zuerst die Luft
+berührt, bildet sich in den nordischen Ländern ein
+Gewebe sammtartiger Fasern, die dem unbewafneten
+Auge als farbige Flecken erscheinen. Einige sind
+durch hervorragende Linien bald einfach bald doppelt
+begränzt; andere sind in Furchen durchschnitten und
+in Fächer getheilt. Mit zunehmendem Alter verdunkelt
+sich ihre lichte Farbe. Das fernleuchtende
+Gelb wird braun, und das bläuliche Grau der Leprarien
+verwandelt sich nach und nach in ein staubartiges
+Schwarz. Die Gränzen der alternden Decke fliessen
+in einander, und auf dem dunkeln Grunde bilden sich
+neue zirkelrunde Flechten von blendender Weisse.
+So lagert sich schichtenweise ein organisches Gewebe
+auf das andere; und wie das sich ansiedelnde Menschengeschlecht
+bestimmte Stufen der sittlichen Kultur
+durchlaufen muss, so ist die allmählige Verbreitung
+der Pflanzen an bestimmte physische Geseze gebunden.
+Wo jezt hohe Waldbäume ihre Gipfel luftig erheben,
+da überzogen einst zarte Flechten das erdenlose Gestein.
+Laubmoose, Gräser, krautartige Gewächse und
+Sträucher, füllen die Kluft der langen aber ungemessenen
+<pb n="8"/><anchor id="Pg8"/>
+Zwischenzeit aus. Was im Norden Flechten
+und Moose, das bewirken in den Tropen <hi rend="italic">Portulacca</hi>,
+<hi rend="italic">Gomphrenen</hi> und andere niedrige Uferpflanzen. Die
+Geschichte der Pflanzendecke, und ihre allmählige
+Ausbreitung über die öde Erdrinde, hat ihre Epochen,
+wie die Geschichte des spätern Menschengeschlechts.
+</p>
+<p>
+Ist aber auch Fülle des Lebens überall verbreitet;
+ist der Organismus auch unablässig bemüht, die durch
+den Tod entfesselten Elemente zu neuen Gestalten zu
+verbinden: so ist diese Lebensfülle und ihre Erneuerung
+doch nach Verschiedenheit der Himmelsstriche
+verschieden. Periodisch erstarrt die Natur in der kalten
+Zone; denn Flüssigkeit ist Bedingniss zum Leben.
+Thiere und Pflanzen (Laubmoose und andre Cryptogamen
+abgerechnet) liegen hier viele Monate hindurch
+im Winterschlaf vergraben. In einem grossen Theile
+der Erde haben daher nur solche organische Wesen
+sich entwickeln können, welche einer beträchtlichen
+Entziehung von Wärmestoff widerstehen, oder einer
+langen Unterbrechung der Lebensfunctionen fähig sind.
+Je näher dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannichfaltigkeit
+der Bildungen, Anmuth der Form und
+des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des organischen
+Lebens zu.
+</p>
+<p>
+Diese Zunahme kann leicht von denen bezweifelt
+werden, welche nie unsern Welttheil verlassen, oder
+das Studium der allgemeinen Erdkunde vernachlässigt
+haben. Wenn man aus unsern dicklaubigen Eichenwäldern
+über die Alpen oder Pyrenäen-Kette nach
+Welschland oder Spanien hinabsteigt; wenn man gar
+<pb n="9"/><anchor id="Pg9"/>
+seinen Blick auf die afrikanischen Küstenländer des
+Mittelmeeres richtet: so wird man leicht zu dem
+Fehlschlusse verleitet, als sei Baumlosigkeit der Charakter
+heisser Klimate. Aber man vergisst, dass das
+südliche Europa eine andere Gestalt hatte, als pelasgische
+oder carthagischc Pflanzvölker sich zuerst darinn
+festsezten; man vergisst, dass frühere Bildung des
+Menschengeschlechts die Waldungen verdrängt, und
+dass der umschaffende Geist der Nazionen der Erde allmählig
+den Schmuck raubt, der uns in dem Norden
+erfreut, und der (mehr, als alle Geschichte) die Jugend
+unserer sittlichen Kultur anzeigt. Die grosse Katastrophe,
+durch welche das Mittelmeer sich gebildet,
+indem es, ein anschwellendes Binnenwasser, die
+Schleusen der Dardanellen und die Säulen des Herkules
+durchbrochen, diese Katastrophe scheint die angränzenden
+Länder eines grossen Theils ihrer Dammerde
+beraubt zu haben. Was bei den griechischen
+Schriftstellern von den Samothracischen Sagen erwähnt
+wird, deutet die Neuheit dieser zerstörenden Naturveränderung
+an. Auch ist in allen Ländern, welche
+das Mittelmeer begränzt, und welche die Kalkformation
+des Jura charakterisirt, ein grosser Theil der Erdoberfläche
+nackter Fels, Das Mahlerische italienischer
+Gegenden beruht vorzüglich auf diesem lieblichen
+Kontraste zwischen dem unbelebten öden Gestein
+und der üppigen Vegetation, welche inselförmig darinn
+aufsprosst. Wo dieses Gestein, minder zerklüftet,
+die Wasser auf der Oberfläche zusammen hält,
+wo diese mit Erde bedeckt ist, (wie an den reizenden
+<pb n="10"/><anchor id="Pg10"/>
+Ufern des Albaner Sees) da hat selbst Italien seine
+Eichenwälder, so schattig und grün, als der Bewohner
+des Norden sie wünscht.
+</p>
+<p>
+Auch die Wüsten jenseits des Atlas, und die unermesslichen
+Ebenen oder Steppen von Süd-Amerika,
+sind als blosse Lokalerscheinungen zu betrachten. Diese
+findet man, in der Regenzeit wenigstens, mit Gras
+und niedrigen, fast krautartigen, Mimosen bedeckt;
+jene sind Sand-Meere im Innern des alten Continents,
+grosse pflanzenleere Räume, mit ewiggrünen waldigen
+Ufern umgeben. Nur einzeln stehende Fächerpalmen
+erinnern den Wanderer, dass diese Einöden Theile
+einer belebten Schöpfung sind. Im trügerischen Lichtspiele,
+das die strahlende Wärme erregt, sieht man
+bald den Fuss dieser Palmen frei in der Luft schweben,
+bald ihr umgekehrtes Bild in den wogenartig-zitternden
+Luftschichten wiederholt. Auch westlich von der
+peruanischen Andeskette, an den Küsten des stillen
+Meeres, haben wir Wochen gebraucht, um solche
+wasserleere Wüsten zu durchstreichen. Der Ursprung
+derselben, diese Pflanzenlosigkeit grosser Erdstrecken,
+in Gegenden, wo umher die kraftvolleste Vegetation
+herrscht, ist ein wenig beachtetes geognostisches Phänomen,
+welches sich unstreitig in alten Naturrevoluzionen
+(in Ueberschwemmungen, oder vulkanischen
+Umwandelungen der Erdrinde) gründet. Hat eine
+Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren, ist der
+Sand beweglich und quellenleer, hindert die heisse,
+senkrecht aufsteigende Luft den Niederschlag der
+Wolken: so vergehen Jahrtausende, ehe von den grünen
+<pb n="11"/><anchor id="Pg11"/>
+Ufern aus organisches Leben in das Innere der
+Einöde dringt.
+</p>
+<p>
+Wer demnach die Natur mit Einem Blicke zu umfassen,
+und von Lokalphänomenen zu abstrahiren
+weiss, der sieht, wie mit Zunahme der belebenden
+Wärme, von den Polen zum Aequator hin, sich auch
+allmählig organische Kraft und Lebensfülle vermehren.
+Aber bei dieser Vermehrung sind doch jedem
+Erdstriche besondere Schönheiten vorbehalten: den
+Tropen Mannichfaltigkeit und Grösse der Pflanzenformen;
+dem Norden der Anblick der Wiesen, und das
+periodische Wiedererwachen der Natur beim ersten
+Wehen der Frühlingslüfte. Jede Zone hat ausser den
+ihr eigenen Vorzügen auch ihren eigenthümlichen
+Character. So wie man an einzelnen organischen Wesen
+eine bestimmte Physiognomie erkennt; wie beschreibende
+Botanik und Zoologie, im engern Sinne
+des Worts, fast nichts als Zergliederung der Thier- und
+Pflanzenformen ist: so giebt es auch eine gewisse Naturphysiognomie,
+welche jedem Himmelsstriche ausschliesslich
+zukommt.
+</p>
+<p>
+Was der Mahler mit den Ausdrücken schweizer
+Natur, italienischer Himmel, bezeichnet, gründet sich
+auf das dunkle Gefühl dieses lokalen Naturcharakters.
+Himmelsbläue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne
+ruht, Gestalt der Thiere, Saftfülle der Kräuter, Glanz
+des Laubes, Umriss der Berge &mdash; alle diese Elemente
+bestimmen den Totaleindruck einer Gegend. Zwar
+bilden unter allen Zonen dieselben Gebirgsarten Felsgruppen,
+von einerlei Physiognomie. Die Grünsteinklippen
+<pb n="12"/><anchor id="Pg12"/>
+in Süd-Amerika und Mexiko gleichen denen
+des deutschen Fichtelgebirges, wie unter den Thieren
+die Form des Alco oder der ursprünglichen Hunderace
+des neuen Continents, mit der der europäischen Race
+genau übereinstimmt. Denn die unorganische Rinde
+der Erde ist gleichsam unabhängig von klimatischen
+Einflüssen; sey es, dass der Unterschied der Klimate
+neuer als das Gestein ist; sei es, dass die erhärtende,
+Wärme-entbindende Erdmasse sich selbst ihre Temperatur
+gab, statt sie von aussen zu empfangen. Alle
+Formationen sind daher allen Weltgegenden eigen,
+und in allen gleichgestaltet. Ueberall bildet der Basalt
+Zwillings-Berge und abgestumpfte Kegel; überall <corr
+sic="ercheint">erscheint</corr> der Trapporphyr
+in grotesken Felsmassen, der
+Granit in sanftrundlichen Kuppen. Auch ähnliche
+Pflanzenformen, Tannen und Eichen, bekränzen die
+Berggehänge in Schweden, wie die des südlichsten
+Theils von Mexiko. Und bei aller dieser Uebereinstimmung
+in den Gestalten, bei dieser Gleichheit der
+einzelnen Umrisse, nimmt die Gruppirung derselben
+zu einem Ganzen doch den verschiedensten Charakter
+an.
+</p>
+<p>
+So wie die Kenntniss der Fossilien sich von der
+Gebirgslehre unterscheidet; so ist von der individuellen
+Naturbeschreibung die allgemeine, oder die Physiognomik
+der Natur, verschieden. Georg Forster in
+seinen Reisen und in seinen kleinen Schriften; Göthe
+in den Naturschilderungen, welche so manche seiner
+unsterblichen Werke enthalten; Herder, Büffon, Bernardin
+de St.&nbsp;Pierre, und selbst Chateaubriand, haben
+<pb n="13"/><anchor id="Pg13"/>
+mit unnachahmlicher Wahrheit den Charakter einzelner
+Himmelsstriche geschildert. Solche Schilderungen
+sind aber nicht blos dazu geeignet, dem Gemüthe einen
+Genuss der edelsten Art zu verschaffen; nein,
+die Kenntniss von dem Naturcharakter verschiedener
+Weltgegenden ist mit der Geschichte des Menschengeschlechtes,
+und mit der seiner Kultur, aufs innigste
+verknüpft, Denn wenn auch der Anfang dieser Kultur
+nicht durch physische Einflüsse allein bestimmt
+wird; so hängt doch die Richtung derselben, so hängen
+Volkscharacter, düstere oder heitere Stimmung
+der Menschheit, grossentheils von klimatischen Verhältnissen
+ab. Wie mächtig hat der griechische Himmel
+auf Seine Bewohner gewirkt! Wie sind nicht in
+dem schönen und glücklichen Erdstriche zwischen dem
+Oxus, dem Tigris, und dem ägeischen Meere, die
+sich ansiedelnden Völker zuerst zu sittlicher Anmuth
+und zarteren Gefühlen erwacht? Und haben nicht,
+als Europa in neue Barbarei versank, und religiöse
+Begeisterung plözlich den heiligen Orient öfnete, unsere
+Vorältern aus jenen milden Thälern von neuem
+mildere Sitten heimgebracht! Die Dichterwerke der
+Griechen und die rauheren, Gesänge der nordischen Urvölker
+verdankten grösstentheils ihren eigenthümlichen
+Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere,
+den Gebirgsthälern, die den Dichter umgaben, und
+der Luft, die ihn umwehte. Wer fühlt sich nicht,
+um selbst nur an nahe Gegenstände zu erinnern, anders
+gestimmt, in dem dunkeln Schatten der Buchen,
+oder auf Hügeln, die mit einzeln stehenden Tannen
+<pb n="14"/><anchor id="Pg14"/>
+bekränzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in
+dem zitternden Laube der Birken säuselt! Melancholische,
+ernsterhebende, oder fröhliche Bilder rufen
+diese vaterländische Pflanzengestalten in uns hervor.
+Der Einfluss der physischen Welt auf die moralische,
+dies geheimnissvolle Ineinander-Wirken des Sinnlichen
+und Aussersinnlichen, giebt dem Naturstudium, wenn
+man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt, einen eigenen,
+noch zu wenig gekannten Reiz.
+</p>
+<p>
+Wenn aber auch der Charakter verschiedener Weltgegenden
+von allen äusseren Erscheinungen zugleich
+abhängt; wenn Umriss der Gebirge, Physiognomie der
+Pflanzen und Thiere, wenn Himmelsbläue, Wolkengestalt
+und Durchsichtigkeit des Luftkreises, den Totaleindruk
+bewirken; so ist doch nicht zu läugnen,
+dass das Hauptbestimmende dieses Eindrucks die
+Pflanzendecke ist. Dem thierischen Organismus fehlt
+es an Masse, und die Beweglichkeit der Individuen
+entzieht sie oft unsern Blicken. Die Pflanzenschöpfung
+dagegen wirkt durch stetige Grösse auf unsere Einbildungskraft.
+Ihre Masse bezeichnete ihr Alter, und in
+den Gewächsen allein ist Alter und Ausdruck stets
+sich erneuernder Kraft mit einander gepaart. Der riesenförmige
+Drachenbaum, den ich auf den kanarischen
+Inseln sah, und der 16&nbsp;Schuh im Durchmesser hat,
+trägt noch immerdar (gleichsam in ewiger Jugend)
+Blüthe und Frucht. Als französische Abentheurer,
+die Bethencourts, im vierzehnten Jahrhundert die
+glücklichen Inseln eroberten, war der Drachenbaum
+von Oratava (den Eingeborenen heilig wie der Oelbaum
+<pb n="15"/><anchor id="Pg15"/>
+in der Burg zu Athen, oder die nordische Esche,
+unter der Odin und Asi zusammenkamen) von eben
+der kolossalen Stärke als jezt. In den Tropen ist ein
+Wald von Hymeneen und Caesalpinien vielleicht das
+Denkmal von einem Jahrtausend.
+</p>
+<p>
+Umfasst man die verschiedenen Pflanzenarten,
+welche bereits auf dem Erdboden entdeckt sind, und
+von denen <hi rend="gesperrt">Willdenow's</hi> grosses Werk allein über
+20,000 genau zergliedert, mit Einem Blick; so erkennt
+man in dieser wundervollen Menge wenige
+Hauptformen, auf welche sich alle andere zurückführen
+lassen. Zur Bestimmung dieser Formen, von deren
+individueller Schönheit, Vertheilung und Gruppirung
+die Physiognomie der Vegetation eines Landes
+abhängt, muss man nicht (wie in den botanischen
+Systemen aus andern Beweggründen geschieht) auf
+die kleinsten Theile der Blüthen und Früchte, sondern
+nur auf das Rücksicht nehmen, was durch Masse
+den Totaleindruck einer Gegend individualisirt. Unter
+den Hauptformen der Vegetation giebt es allerdings
+ganze Familien der sogenannten natürlichen Systeme.
+Bananengewächse und Palmen werden auch in diesen
+einzeln aufgeführt. Aber der botanische Systematiker
+trennt eine Menge von Pflanzengruppen, welche
+der Physiognomiker sich gezwungen sieht, mit einander
+zu verbinden. Wo die Gewächse sich als Massen
+darstellen, fliessen Umrisse und Vertheilung der Blätter,
+Gestalt der Stämme und Zweige, in einander.
+Der Mahler (und gerade dem feinen Naturgefühle des
+Künstlers kommt hier der Ausspruch zu!) unterscheidet
+in dem Mittel- und Hintergrunde einer Landschaft
+<pb n="16"/><anchor id="Pg16"/>
+Tannen- oder Palmengebüsehe von Buchen, nicht aber
+diese von andern Laubholzwäldern!
+</p>
+<p>
+Sechszehn Pflanzenformen bestimmen hauptsächlich
+die Physiognomie der Natur. Ich zähle nur diejenigen
+auf, welche ich bei meinen Reisen durch beide
+Welttheile, und bei einer vieljährigen Aufmerksamkeit
+auf die Vegetation der verschiedenen Himmelsstriche
+zwischen dem 55sten Grade nördlicher und dem
+12ten Grade südlicher Breite, beobachtet habe. Die
+Zahl dieser Formen wird gewiss ansehnlich vermehrt
+werden, wenn man einst in das Innere der Continente
+tiefer eindringt, und neue Pflanzengattungen entdeckt.
+Im südöstlichen Asien, im Inneren von Afrika
+und Neuholland, in Süd-Amerika vom Amazonenstrome
+bis zum Gebirge Chiquitos hin, ist uns die Vegetation
+noch völlig unbekannt. Wie, wenn man gar
+ein Land entdeckte, in welchem holzige Schwämme,
+z.&nbsp;B. Calvarien oder Moose, hohe Bäume bildeten?
+Nekera dendro&iuml;des, ein deutsches Laubmoos, ist in
+der That baumartig, und die tropischen Farrenkräuter,
+oft höher als unsere Linden und Erlen, sind für den
+Europäer noch jezt ein eben so überraschender Anblick,
+als dem ersten Entdecker ein Wald hoher Laubmoose
+seyn würde! Grösse und Entwickelung der
+Organe hängt von der Begünstigung klimatischer
+Verhältnisse ab. Die kleine, aber schlanke Form unserer
+Eidechse dehnt sich im Süden zu dem kolossalen
+und gepanzerten Körper furchtbarer Crocodyle aus. In
+den ungeheuern Katzen von Afrika und Amerika, im
+Tiger, im Löwen und Jaguar, ist die Gestalt eines
+<pb n="17"/><anchor id="Pg17"/>
+unserer kleinsten Hausthiere nach einem grösseren
+Maasstabe wiederholt. Dringen wir gar in das Innere
+der Erde, durchwühlen wir die Grabstätte der Pflanzen
+und Thiere, so verkündigen uns die Versteinerungen
+nicht bloss eine Vertheilung der Formen,
+die mit den jetzigen Klimaten in Widerspruch steht;
+nein, sie zeigen uns auch kolossale Gestalten, welche
+mit den kleinlichen, die uns gegenwärtig umgeben,
+nicht minder contrastiren, als die einfache Heldennatur
+der Griechen gegen die Charaktergrösse neuerer
+Zeit. Hat die Temperatur des Erdkörpers beträchtliche,
+vielleicht periodisch wiederkehrende Veränderungen
+erlitten; ist das Verhältniss zwischen Meer
+und Land, ja selbst die Höhe des Luftozeans und
+sein Druck nicht immer derselbe gewesen: so muss
+die Physiognomie der Natur, so müssen Grösse und
+Gestalt des Organismus, ebenfalls schon manchem
+Wechsel unterworfen gewesen sein. Unfähig, diese
+Physiognomie des alternden Planeten nach ihren gegenwärtigen
+Zügen vollständig zu schildern, wage
+ich nur diejenigen Charaktere auszuheben, welche
+jeder Pflanzengruppe vorzüglich zukommen. Bei
+allem Reichthum und aller Biegsamkeit unserer vaterländischen
+Sprache, ist es ein schwieriges Unternehmen,
+mit Worten zu bezeichnen, was eigentlich
+nur der nachahmenden Kunst des Malers darzustellen
+geziemt. Auch wünschte ich, das Ermüdende
+des Eindrucks zu vermeiden, das jede Aufzählung
+einzelner Formen unausbleiblich erregen
+muss.
+</p>
+<pb n="18"/><anchor id="Pg18"/>
+<p>
+Wir beginnen mit den <hi rend="gesperrt">Palmen</hi>, der höchsten
+und edelsten aller Pflanzengestalten. Denn ihr haben
+stets die Völker (und die früheste Menschenbildung
+war in der asiatischen Palmenwelt, oder in dem Erdstriche,
+der zunächst an die Palmenwelt gränzt) den
+Preis der Schönheit zuerkannt. Hohe, schlanke, geringelte,
+bisweilen stachliche Schäfte mit anstrebendem,
+glänzendem, bald gefächertem, bald gefiedertem
+Laube. Die Blatter sind oft grasartig gekräuselt.
+Der glatte Stamm erreicht bis 180&nbsp;Fuss Höhe. Die
+Palmenform nimmt an Pracht und Grösse ab, vom
+Aequator gegen die gemässigte Zone hin. Europa hat
+unter seinen einheimischen Gewächsen nur einen Repräsentanten
+dieser Form, die zwergartige Küstenpalme,
+den Chamaerops, der in Spanien und Italien
+sich nördlich bis zum 44sten Breitengrade erstreckt.
+Das eigentliche Palmenklima der Erde hat 21°.&nbsp;mittlerer
+Wärme. Aber die aus Afrika zu uns gebrachte
+Dattelpalme, welche minder schön als andere Arten
+dieser Gruppen ist, vegetirt noch im südlichen Europa
+in Gegenden, deren mittlere Temperatur 14°.
+also mehr als doppelt grösser, als die von Berlin, ist.
+Palmenstämme und Elephantengerippe liegen im nördlichen
+Deutschlande im Inneren der Erde vergraben,
+und ihre Lage macht es wahrscheinlich, dass sie nicht
+von den Tropen her gegen Norden geschwemmt wurden;
+sondern, dass in den grossen Revoluzionen unseres
+Planeten die Klimate, wie die durch sie bestimmte
+Physiognomie der Natur, vielfach verändert
+worden sind.
+</p>
+<pb n="19"/><anchor id="Pg19"/>
+<p>
+Zu den Palmen gesellt sich in allen Welttheilen
+die Pisang oder <hi rend="font-weight: bold">Bananenform</hi>, die Scitamineen der
+Botaniker, <hi rend="italic">Heliconia</hi>, <hi rend="italic">Amomum</hi>, <hi rend="italic">Strelitzia</hi>. Ein
+niedriger aber saftreicher, fast krautartiger Stamm,
+an dessen Spitze sich dünn und lokkergewebte, zartgestreifte,
+seidenartig-glänzende Blätter erheben.
+Pisanggebüsche sind der Schmuck feuchter Gegenden.
+Auf ihrer Frucht beruht die Nahrung aller Bewohner
+des heissen Erdgürtels. Wie die mehlreichen Cerealien
+oder Getreidearten des Nordens, so begleiten Pisangstämme
+den Menschen seit der frühesten Kindheit
+seiner Kultur. Asiatische Mythen setzen die
+ursprüngliche Heimath dieser nährenden Tropenpflanze
+an den Euphrat, oder an den Fuss des Himalus
+in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde
+von Enna als das glückliche Vaterland der Cerealien.
+Wenn diese, durch die Kultur über die nördliche Erde
+verbreitet, und dort einförmige weitgedehnte Grasfluren
+bildend, wenig den Anblick der Natur verschönern,
+so vervielfacht dagegen der sich ansiedelnde
+Tropenbewohner durch Pisangpflanzungen
+eine der herrlichsten und edelsten Gestalten.
+</p>
+<p>
+<hi rend="gesperrt">Malvenform</hi>, <hi rend="italic">Sterculia</hi>, <hi rend="italic">Hibiscus</hi>, <hi rend="italic">Lavatera</hi>,
+<hi rend="italic">Ochroma</hi>. Kurze aber kolossalisch dikke Stämme
+mit zartwolligen, grossen, herzförmigen, oft eingeschnittenen
+Blättern, und prachtvollen oft purpurrothen
+Blüthen. Zu dieser Pflanzengruppe gehört
+der Affenbrodbaum, <hi rend="italic">Adansonia digitata</hi>, der bei
+32&nbsp;Fuss Höhe 30&nbsp;Fuss Durchmesser hat, und der wahrscheinlich
+das grösste und älteste organische Denkmahl
+<pb n="20"/><anchor id="Pg20"/>
+auf unserm Planeten ist. in Italien fängt die
+Malvenform bereits an, der Vegetation einen eigenthümlichen
+südlichen Charakter zu geben.
+</p>
+<p>
+Dagegen entbehret unsere gemässigte Zone im
+alten Continent leider ganz die zartgefiederten Blätter,
+die <hi rend="gesperrt">Form der Mimosen</hi>, <hi rend="italic">Gleditsia</hi>, <hi rend="italic">Porleria</hi>,
+<hi rend="italic">Tamarindus</hi>. Den vereinigten Staaten von Nord-Amerika,
+in denen unter gleicher Breite die Vegetation
+mannichfaltiger und üppiger als in Europa ist,
+fehlt diese schöne Form nicht. Bei den Mimosen ist
+eine schirmartige Verbreitung der Zweige, fast wie
+bei den italienischen Pinien, gewöhnlich. Die tiefe
+Himmelsbläue des Tropenklimas durch die zartgefiederten
+Blätter schimmernd, ist von überaus malerischem
+Effekte.
+</p>
+<p>
+Eine meist afrikanische Pflanzengruppe sind die
+<hi rend="gesperrt">Heidekräuter</hi>; dahin gehören auch die <hi rend="italic">Andromeda</hi>,
+<hi rend="italic">Passerinen</hi> und <hi rend="italic">Gnidien</hi>, eine Gruppe, die
+mit der der Nadelhölzer einige Aehnlichkeit hat, und
+eben deshalb mit dieser durch die Fülle glokkenförmiger
+Blüthen, desto reizender contrastirt. Die baumartigen
+Heidekräuter, wie einige andere afrikanische
+Gewächse, erreichen das nördliche Ufer des Mittelmeers.
+Sie schmükken Welschland und die Cistus-Gebüsche
+des südlichen Spaniens. Am üppigsten
+wachsend habe ich sie auf den afrikanischen Inseln,
+am Abhange des <hi rend="gesperrt">Pics</hi> von <hi rend="gesperrt">Teyde</hi> gesehen. Bei uns
+in den baltischen Ländern, und noch nördlicher hin,
+ist diese Pflanzenform gefürchtet, Dürre und Unfruchtbarkeit
+verkündigend. Unsere Heidekräuter, <hi rend="italic">Erica vulgaris</hi>
+<pb n="21"/><anchor id="Pg21"/>
+und <hi rend="italic">tetralix</hi> sind gesellschaftlich lebende
+Gewächse, gegen deren fortschreitenden Zug die ackerbauenden
+Völker seit Jahrhunderten mit wenigem
+Glükke ankämpfen. Sonderbar, dass der Hauptrepräsentant
+dieser Form blos einer Seite unsers Planeten
+eigen ist. Von den 137 jezt bekannten Arten von
+<hi rend="italic">Erica</hi> findet sich auch nicht eine einzige im neuen
+Continent von Pensilvanien und Labrador bis gegen
+Nootka und Alaschka hin.
+</p>
+<p>
+Dagegen ist bloss dem neuen Continent eigenthümlich
+die <hi rend="gesperrt">Cactusform</hi>, bald kugelförmig, bald
+gegliedert, bald in hohen, vielekkigen Säulen, wie
+Orgelpfeifen, aufrechtstehend. Diese Gruppe bildet
+den höchsten Contrast mit der Gestalt der Liliengewächse
+und der Bananen. Sie gehört zu den Pflanzen,
+welche Bernardin de St.&nbsp;Pierre sehr glücklich
+die vegetabilischen Quellen der Wüste nennt. In den
+wasserleeren Ebenen von Südamerika suchen die von
+Durst geängsteten Thiere den <hi rend="italic">Melonen-Cactus</hi>, eine
+kugelförmige, halb im dürren Sande verborgene
+Pflanze, deren saftreiches Innere unter furchtbaren
+Stacheln versteckt ist. Die säulenförmigen Cactus-Stämme
+erreichen bis 30&nbsp;Fuss Höhe und candelaberartig
+getheilt, haben sie eine auffallende Aehnlichkeit
+der Physiognomie mit einigen afrikanischen Euphorbien.
+</p>
+<p>
+Wie diese grüne Wasen in den pflanzenleeren
+Wüsten bilden, so beleben die <hi rend="gesperrt">Orchideen</hi> den vom
+Licht verkohlten Stamm der Tropenbäume und die
+ödesten Felsenritzen. Die Vanillenform zeichnet sich
+<pb n="22"/><anchor id="Pg22"/>
+durch hellgrüne saftvolle Blätter und durch vielfarbige
+Blüthen von wunderbarem Baue aus. Diese Blüthen
+gleichen bald den geflügelten Insekten, bald den zarten
+Vögeln, welche der Duft der Honiggefässe anlokket.
+Das Leben eines Malers wäre nicht hinlänglich,
+um alle die prachtvollen Orchideen abzubilden,
+welche die tiefausgefurchten Gebirgsthäler der peruanischen
+Andeskette zieren.
+</p>
+<p>
+Blattlos, wie fast alle Cactusarten, ist die <hi rend="gesperrt">Form
+der Casuarinen</hi>, einer Pflanzengestalt, bloss der
+Südsee und Ostindien eigen. Bäume mit schachtelhalmähnlichen
+Zweigen. Doch finden sich auch in
+andern Weltgegenden Spuren dieses mehr sonderbaren
+als schönen Typus. <hi rend="gesperrt">Plumier's</hi> <hi rend="italic">Equisetum altissimum</hi>,
+die Ephedra aus Nord-Afrika, die peruanischen
+Colletien und das sibirische Calligonum Pallasia,
+sind der Casuarinenform nahe verwandt.
+</p>
+<p>
+So wie in den Pisanggewächsen die höchste Ausdehnung,
+so ist in den Casuarinen und in den <hi rend="gesperrt">Nadelhölzern</hi>
+die höchste Zusammenziehung der
+Blattgefässe. Tannen, Thuja und Cypressen bilden
+eine nordische Form, die in den Tropen selten ist.
+Ihr ewig-frisches Grün erheitert die öde Winter-Landschaft.
+Es verkündigt gleichsam den Polarvölkern,
+dass, wenn Schnee und Eis den Boden bedekken,
+das innere Leben der Pflanzen, wie das Prometheische
+Feuer, nie auf unserm Planeten erlischt.
+</p>
+<p>
+Parasitisch wie bei uns Moose und Flechten, überziehen
+in der Tropenwelt ausser den Orchideen auch
+die <hi rend="gesperrt">Pothosgewächse</hi> den alternden Stamm der
+<pb n="23"/><anchor id="Pg23"/>
+Waldbäume. Saftige, krautartige Stengel mit grossen,
+bald pfeilförmigen, bald gefingerten, bald länglichen
+aber stets dik-adrigen Blättern. Blumen in Scheiden.
+<hi rend="italic">Pothos</hi>, <hi rend="italic">Dracontium</hi>, <hi rend="italic">Arum</hi>, leztere dem Norden
+fehlend, aber in Spanien und Italien mit saftvollem
+Huflattig, hohen Distelstauden und <hi rend="italic">Acanthus</hi>, die
+Ueppigkeit des südlichen Pflanzenwuchses bezeichnend.
+</p>
+<p>
+Zu dieser <hi rend="gesperrt">Arumform</hi> gesellt sich die Form der
+<hi rend="gesperrt">Lianen</hi>, beide in heissen Erdstrichen von Süd-Amerika
+in vorzüglicher Kraft der Vegetation. <hi rend="italic">Paullinia</hi>,
+<hi rend="italic">Banisteria</hi>, <hi rend="italic">Bignonien</hi>. Unser rankender
+Hopfen und unsere Weinreben erinnern an diese
+Pflanzengestalt der Tropenwelt. Am Orinoco haben
+die blattlosen Zweige der <hi rend="italic">Bauhinien</hi> oft 40&nbsp;Fuss
+Länge. Sie fallen theils senkrecht aus dem Gipfel
+hoher Swietenien herab; theils sind sie schräg wie
+Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
+bewundernswürdige Geschiklichkeit, daran auf- und
+abzuklettern.
+</p>
+<p>
+Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit
+ihrem frischen und leichten Grün, kontrastirt die
+selbstständige Form der bläulichen <hi rend="gesperrt">Aloegewächse</hi>;
+Stämme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt,
+enggeringelt und schlangenartig gewunden. An dem
+Gipfel sind saftreiche, fleischige, lang·zugespitzte
+Blätter stralenartig zusammengehäuft. Die hochstämmigen
+Aloegewächse bilden nicht Gebüsche, wie andere
+gesellschaftlich lebende Pflanzen. Sie stehen einzeln
+in dürren Ebenen, und geben der Tropengegend
+<pb n="24"/><anchor id="Pg24"/>
+dadurch oft einen eigenen melancholischen (man
+möchte sagen afrikanischen) Charakter.
+</p>
+<p>
+Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und
+Festigkeit, so charakterisirt sich die <hi rend="gesperrt">Grasform</hi>, besonders
+die Physiognomie der baumartigen Gräser,
+durch den Ausdruck fröhlicher Leichtigkeit und beweglicher
+Schlankheit. Bambusgebüsche bilden schattige
+Bogengänge in beiden Indien. Der glatte, oft
+geneigt-hinschwebende Stamm der Tropen-Gräser
+übertrift die Höhe unserer Erlen und Eichen. Schon
+in Italien fängt im <hi rend="italic">Arundo Donax</hi> diese Form an,
+sich vom Boden zu erheben, und durch Höhe und
+Masse den Naturcharakter des Landes zu bestimmen.
+</p>
+<p>
+Mit der Gestalt der Gräser ist auch die der <hi rend="gesperrt">Farrenkräuter</hi>
+in den heissen Erdstrichen veredelt.
+Baumartige, oft 35&nbsp;Fuss hohe Farrenkräuter haben
+ein palmenartiges Ansehen; aber ihr Stamm ist minder
+schlank, kürzer, schuppig-rauher als der der
+Palmen. Das Laub ist zarter, lokker gewebt, durchscheinend,
+und an den Rändern sauber ausgezakt.
+Diese kolossalen Farrenkräuter sind fast ausschliesslich
+den Tropen eigen, aber in diesen ziehen sie ein
+gemässigtes Klima dem ganz heissen vor. Da nun die
+Milderung der Hitze bloss eine Folge der Höhe ist;
+so darf man Gebirge, die 2&nbsp;bis 3000&nbsp;Fuss über dem
+Meere erhaben sind, oder die Höhe unsers deutschen
+Brokkens, als den Hauptsiz dieser Form nennen.
+Hochstämmige Farrenkräuter begleiten in Süd-Amerika
+den wohlthätigen Baum, der die heilende Fieberrinde
+darbietet. Beide bezeichnen die glükliche Region
+<pb n="25"/><anchor id="Pg25"/>
+der Erde, in der ewige Milde des Frühlings
+herrscht.
+</p>
+<p>
+Noch nenne ich die Form der <hi rend="gesperrt">Liliengewächse</hi>,
+(<hi rend="italic">Amaryllis</hi>, <hi rend="italic">Pancratium</hi>) mit schilfartigen Blättern
+und prachtvollen Blüthen, eine Form, deren Hauptvaterland
+das südliche Afrika ist; ferner die <hi rend="gesperrt">Weidenform</hi>,
+in allen Welttheilen einheimisch; und
+wo <hi rend="italic">Salix</hi> fehlt, in den <hi rend="italic">Banksien</hi> und einigen <hi rend="italic">Proteen</hi>
+wiederholt; <hi rend="gesperrt">Myrthengewächse</hi>, (<hi rend="italic">Metrosideros</hi>,
+<hi rend="italic">Eucalyptus</hi>, <hi rend="italic">Escallonia</hi>) <hi rend="gesperrt">Melastomen-</hi> und
+<hi rend="gesperrt">Lorbeerform</hi>.
+</p>
+<p>
+Es wäre ein Unternehmen, eines grossen Künstlers
+werth, den Charakter aller dieser Pflanzengruppen
+nicht in Treibhäusern oder in den Beschreibungen
+der Botaniker, sondern in der grossen Tropen-Natur
+selbst, zu studiren. Wie interessant und lehrreich
+für den Landschaftsmaler ware ein Werk, welches
+dem Auge die aufgezählten sechszehn Hauptformen,
+erst einzeln, und dann in ihrem Contraste
+gegen einander, darstellte. Was ist malerischer,
+als baumartige Farrenkräuter, die ihre zartgewebten
+Blätter über die Mexikanischen Lorbeereichen ausbreiten!
+Was reizender, als Pisanggebüsche von hohen
+Bambusgräsern umschattet! Dem Künstler ist es
+gegeben, die Gruppen zu zergliedern, und unter seiner
+Hand löst sich (wenn ich den Ausdruk wagen
+darf) das grosse Zauberbild der Natur, gleich den geschriebenen
+Werken der Menschen, in wenige einfache
+Züge auf!
+</p>
+<p>
+Am glühenden Sonnenstral des tropischen Himmels
+<pb n="26"/><anchor id="Pg26"/>
+gedeihen die herrlichsten Gestalten der Pflanzen. Wie
+im kalten Norden die Baumrinde mit dürren Flechten
+und Laubmoosen bedekt ist, so beleben dort Cymbidium
+und duftende Vanille den Stamm der Anacardien
+und der riesenmässigen Feigenbäume. Das frische
+Grün der Pothosblätter und der Dracontien kontrastirt
+mit den vielfarbigen Blüthen der Orchideen. Rankende
+Bauhinien, Passifloren und gelbblühende Banisterien
+umschlingen den Stamm der Waldbäume.
+Zarte Blumen entfalten sich aus den Wurzeln der
+<hi rend="italic">Theobroma</hi>, wie aus der dichten und rauhen Rinde
+der Crescentien und der <hi rend="italic">Gustavia</hi>. Bei dieser Fülle
+von Blüthen und Blättern, bei diesem üppigen
+Wuchse und der Verwirrung rankender Gewächse,
+wird es dem Naturforscher oft schwer zu erkennen,
+welchem Stamme Blüthen und Blätter zugehören.
+Ein einziger Baum mit Paullinien, Bignonien und
+Dendrobium geschmükt, bildet eine Gruppe von Pflanzen,
+welche, von einander getrennt, einen beträchtlichen
+Erdraum bedekken würden.
+</p>
+<p>
+In den Tropen sind die Gewächse saftstrotzender,
+von frischerem Grün, mit grösseren und glänzenderen
+Blättern geziert, als in den nördlichern Erdstrichen.
+Gesellschaftlich lebende Pflanzen, welche die europäische
+Vegetation so einförmig machen, fehlen am
+Aequator beinah gänzlich. Bäume, fast zweimal so
+hoch als unsere Eichen, prangen dort mit Blüthen,
+welche gross und prachtvoll wie unsere Lilien sind.
+An den schattigen Ufern des Madalenenflusses in Süd-Amerika
+wächst eine rankende Aristolochia, deren
+<pb n="27"/><anchor id="Pg27"/>
+Blume, von vier Fuss Umfang, sich die indischen
+Knaben in ihren Spielen über den Scheitel ziehen.
+</p>
+<p>
+Die ausserordentliche Höhe, zu welcher sich unter
+den Wendekreisen nicht blos einzelne Berge, sondern
+ganze Länder erheben, und die Kälte, welche Folge
+dieser Höhe ist, gewähren dem Tropen-Bewohner
+einen seltsamen Anblik. Ausser den Palmen und Pisanggebüschen
+umgeben ihn auch die Pflanzenformen,
+welche nur den nordischen Ländern anzugehören
+scheinen. Cypressen, Tannen und Eichen, Berberissträucher
+und Erlen (nahe mit den unsrigen verwandt)
+bedekken die Gebirgsebenen im südlichen
+Mexiko, wie die Andeskette unter dem Aequator.
+So hat die Natur dem Menschen in der heissen Zone
+verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle
+Pflanzengestalten der Erde zu sehen; wie das Himmelsgewölbe
+von Pol zu Pol ihm keine seiner leuchtenden
+Welten verbirgt.
+</p>
+<p>
+Diesen und so manchen andern Naturgenuss entbehren
+die nordischen Völker. Viele Gestirne und
+viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schönsten,
+(Palmen und Pisanggewächse, baumartige Gräser
+und feingefiederte Mimosen) bleiben ihnen ewig
+unbekannt. Die krankenden Gewächse, welche unsere
+Treibhäuser einschliessen, gewähren nur ein
+schwaches Bild von der Majestät der Tropenvegetation.
+Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in
+der glühenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden
+Kunst der Maler, ist uns eine reiche Quelle
+des Ersatzes geöfnet. Aus ihr schöpft unsere Einbildungskraft
+<pb n="28"/><anchor id="Pg28"/>
+die lebendigen Bilder einer exotischen
+Natur. Im kalten Norden, in der öden Heide, kann
+der einsame Mensch sich aneignen, was in den fernsten
+Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem
+Innern eine Welt sich schaffen, welche das Werk
+seines Geistes, frei und unvergänglich, wie dieser,
+ist.
+</p>
+</body>
+ <back>
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+ </back>
+</text>
+</TEI.2>
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+The Project Gutenberg EBook of Ideen zu einer Physiognomik der Gewaechse by
+Humboldt, Alexander von
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under
+the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or
+online at http://www.gutenberg.org/license
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+Title: Ideen zu einer Physiognomik der Gewaechse
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+Author: Humboldt, Alexander von
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+Release Date: September 24, 2007 [Ebook #22761]
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+Language: German
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+Character set encoding: US-ASCII
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+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWAeCHSE***
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+Ideen zu einer Physiognomik der Gewaechse
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+by Humboldt, Alexander von
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+Edition 1 , (September 24, 2007)
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+CONTENTS
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+Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seiner
+Phantasie die weiten Raeume der organischen Schoepfung misst, so wirkt unter
+den vielfachen Eindruecken, die er empfaengt, keiner so tief und maechtig als
+der, welchen die allverbreitete Fuelle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst
+am beeisten Pol, ertoent die Luft von dem Gesange der Voegel, wie von dem
+Sumsen schwirrender Insecten. Nicht die unteren Schichten allein, in
+welchen die verdichteten Duenste schweben, auch die oberen aetherischreinen,
+sind belebt. Denn so oft man den Ruecken der Peruanischen Cordilleren,
+oder, suedlich vom Leman-See, den Gipfel des Weissen-Berges bestieg, hat
+man selbst in diesen Einoeden noch Thiere entdeckt. Am Chimborazo, sechsmal
+hoeher als der Brocken, sahen wir Schmetterlinge und andere gefluegelte
+Insecten. Wenn auch, von senkrechten Luftstroemen getrieben, sie sich
+dahin, als Fremdlinge, verirrten, wohin unruhige Forschbegier des Menschen
+sorgsame Schritte leitet; so beweiset ihr Daseyn doch, dass die biegsamere
+animalische Schoepfung ausdauert, wo die vegetabilische laengst ihre Grenze
+erreicht hat. Hoeher, als der Kegelberg von Teneriffa auf den Aetna
+gethuermt; hoeher, als alle Gipfel der Andeskette, schwebte oft ueber uns der
+Cundur, der Riese unter den Geiern. Raubsucht und Nachstellung der
+zartwolligen Vikunnas, welche gemsenartig und heerdenweise in den
+beschneiten Grasebenen schwaermen, locken den maechtigen Vogel in diese
+Region.
+
+Zeigt nun schon das unbewafnete Auge den ganzen Luftkreis belebt, so
+enthuellt noch groessere Wunder das bewafnete Auge. Raederthiere, Brachionen,
+und eine Schaar mikroskopischer Geschoepfe heben die Winde aus den
+troknenden Gewaessern empor. Unbeweglich und in Scheintod versenkt,
+schweben sie vielleicht jahrelang in den Lueften, bis der Thau sie zur Erde
+zuruekfuehrt, die Huelle loest, die ihren durchsichtigen wirbelnden Koerper
+einschliesst, und (wahrscheinlich durch den Lebensstoff, den alles Wasser
+enthaelt) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht.
+
+Neben den entwickelten Geschoepfen traegt der Luftkreis auch zahllose Keime
+kuenftiger Bildungen, Insecten-Eier und Eier der Pflanzen, die durch Haar-
+und Feder-Kronen zur langen Herbstreise geschikt sind. Selbst den
+belebenden Staub, den, bei getrennten Geschlechtern, die maennlichen
+Bluethen ausstreuen, tragen Winde und gefluegelte Insecten ueber Meer und
+Land den einsamen weiblichen zu. Wohin der Blick des Naturforschers
+dringt, ist Leben, oder Keim zum Leben, verbreitet.
+
+Dient aber auch das bewegliche Luftmeer, in das wir getaucht sind, und
+ueber dessen Oberflaeche wir uns nicht zu erheben vermoegen, vielen
+organischen Geschoepfen zur nothwendigsten Nahrung; so beduerfen dieselben
+dabei doch noch einer groeberen Speise, welche nur der Boden dieses
+gasfoermigen Oceans darbietet. Dieser Boden ist zwiefacher Art. Den
+kleineren Theil bildet die trockene Erde, unmittelbar von Luft umflossen;
+den groexseren Theil bildet das Wasser, vielleicht einst vor Jahrtausenden
+durch elektrisches Feuer aus luftfoermigen Stoffen zusammengeronnen, und
+jezt unaufhoerlich in der Werkstatt der Wolken, wie in den pulsirenden
+Gefaessen der Thiere und Pflanzen, zersezt.
+
+Unentschieden ist es, wo groessere Lebensfuelle verbreitet sey; ob auf dem
+Continent, oder in dem unergruendeten Meere. In diesem erscheinen
+gallertartige Seegewuerme, bald lebendig, bald abgestorben, als leuchtende
+Sterne. Ihr Phosphorlicht wandelt die gruenliche Flache des unermesslichen
+Ozeans in ein Feuermeer um. Unausloeschlich wird mir der Eindruck jener
+stillen Tropen-Nachte der Suedsee bleiben, wo aus der duftigen Himmelsblaeue
+das hohe Sternbild des Schiffes und das gesenkt untergehende Kreuz ihr
+mildes planetarisches Licht ausgossen, und wo zugleich in der schaeumenden
+Meeresfluth die Delphine ihre leuchtenden Furchen zogen.
+
+Aber nicht der Ozean allein, auch die Sumpfwasser verbergen zahllose
+Gewuerme von wunderbarer Gestalt. Unserem Auge fast unerkennbar sind die
+Cyclidien, die gefranzten Trichoden und das Heer der Naiden, theilbar
+durch Aeste, wie die Lemna, deren Schatten sie suchen. Von mannichfaltigen
+Luftgemengen umgeben, und mit dem Lichte unbekannt, athmen: die geflekte
+Askaris, welche die Haut des Regenwurms, die silberglaenzende Leukophra,
+welche das Innere der Ufer.Naide, und der Echynorynchus, welcher die
+weitzellige Lunge der tropischen Klapperschlange bewohnt. So sind auch die
+verborgensten Baeume der Schoepfung mit Leben erfuellt. Wir wollen hier
+bescheiden bei den Geschlechtern der Pflanzen verweilen; denn auf ihrem
+Daseyn beruht das Daseyn der thierischen Schoepfung. Unablaessig sind sie
+bemueht, den rohen Stoff der Erde organisch an einander zu reihen, und
+vorbereitend, durch lebendige Kraft, zu mischen, was nach tausend
+Umwandlungen zur regsamen Nervenfaser veredelt wird. Derselbe Blick, den
+wir auf die Verbreitung der Pflanzendecke heften, enthuellt uns die Fuelle
+des thierischen Lebens, das von jener genaehrt und erhalten wird.
+
+Ungleich ist der Teppich gewebt, den die bluethenreiche Flora ueber den
+nakten Erdkoerper ausbreitet; dichter, wo die Sonne hoeher an dem nie
+bewoelkten Himmel emporsteigt; lockerer gegen die traegen Pole hin, wo der
+wiederkehrende Frost bald die entwickelte Knospe toedtet, bald die reifende
+Frucht erhascht. Doch ueberall darf der Mensch sich der naehrenden Pflanzen
+erfreuen. Trennt im Meeresboden ein Vulkan die kochende Fluth, und schiebt
+ploezlich (wie einst zwischen den griechischen Inseln) einen schlackigen
+Fels empor; oder erheben (um an eine friedlichere Naturerscheinung zu
+erinnern) die eintraechtigen Nereiden ihre zelligen Wohnungen, bis sie nach
+Jahrtausenden ueber den Wasserspiegel hervorragend, absterben, und ein
+flaches Corallen-Eiland bilden: so sind die organischen Kraefte sogleich
+bereit, den todten Fels zu beleben. Was den Saamen so ploezlich
+herbeifuehrt: ob wandernde Voegel, oder Winde, oder die Wogen des Meeres;
+ist bei der grossen Entfernung der Kuesten schwer zu entscheiden. Aber auf
+dem nakten Steine, sobald ihn zuerst die Luft beruehrt, bildet sich in den
+nordischen Laendern ein Gewebe sammtartiger Fasern, die dem unbewafneten
+Auge als farbige Flecken erscheinen. Einige sind durch hervorragende
+Linien bald einfach bald doppelt begraenzt; andere sind in Furchen
+durchschnitten und in Faecher getheilt. Mit zunehmendem Alter verdunkelt
+sich ihre lichte Farbe. Das fernleuchtende Gelb wird braun, und das
+blaeuliche Grau der Leprarien verwandelt sich nach und nach in ein
+staubartiges Schwarz. Die Graenzen der alternden Decke fliessen in
+einander, und auf dem dunkeln Grunde bilden sich neue zirkelrunde Flechten
+von blendender Weisse. So lagert sich schichtenweise ein organisches
+Gewebe auf das andere; und wie das sich ansiedelnde Menschengeschlecht
+bestimmte Stufen der sittlichen Kultur durchlaufen muss, so ist die
+allmaehlige Verbreitung der Pflanzen an bestimmte physische Geseze
+gebunden. Wo jezt hohe Waldbaeume ihre Gipfel luftig erheben, da ueberzogen
+einst zarte Flechten das erdenlose Gestein. Laubmoose, Graeser, krautartige
+Gewaechse und Straeucher, fuellen die Kluft der langen aber ungemessenen
+Zwischenzeit aus. Was im Norden Flechten und Moose, das bewirken in den
+Tropen _Portulacca_, _Gomphrenen_ und andere niedrige Uferpflanzen. Die
+Geschichte der Pflanzendecke, und ihre allmaehlige Ausbreitung ueber die oede
+Erdrinde, hat ihre Epochen, wie die Geschichte des spaetern
+Menschengeschlechts.
+
+Ist aber auch Fuelle des Lebens ueberall verbreitet; ist der Organismus auch
+unablaessig bemueht, die durch den Tod entfesselten Elemente zu neuen
+Gestalten zu verbinden: so ist diese Lebensfuelle und ihre Erneuerung doch
+nach Verschiedenheit der Himmelsstriche verschieden. Periodisch erstarrt
+die Natur in der kalten Zone; denn Fluessigkeit ist Bedingniss zum Leben.
+Thiere und Pflanzen (Laubmoose und andre Cryptogamen abgerechnet) liegen
+hier viele Monate hindurch im Winterschlaf vergraben. In einem grossen
+Theile der Erde haben daher nur solche organische Wesen sich entwickeln
+koennen, welche einer betraechtlichen Entziehung von Waermestoff widerstehen,
+oder einer langen Unterbrechung der Lebensfunctionen faehig sind. Je naeher
+dagegen den Tropen, desto mehr nimmt Mannichfaltigkeit der Bildungen,
+Anmuth der Form und des Farbengemisches, ewige Jugend und Kraft des
+organischen Lebens zu.
+
+Diese Zunahme kann leicht von denen bezweifelt werden, welche nie unsern
+Welttheil verlassen, oder das Studium der allgemeinen Erdkunde
+vernachlaessigt haben. Wenn man aus unsern dicklaubigen Eichenwaeldern ueber
+die Alpen oder Pyrenaeen-Kette nach Welschland oder Spanien hinabsteigt;
+wenn man gar seinen Blick auf die afrikanischen Kuestenlaender des
+Mittelmeeres richtet: so wird man leicht zu dem Fehlschlusse verleitet,
+als sei Baumlosigkeit der Charakter heisser Klimate. Aber man vergisst,
+dass das suedliche Europa eine andere Gestalt hatte, als pelasgische oder
+carthagischc Pflanzvoelker sich zuerst darinn festsezten; man vergisst,
+dass fruehere Bildung des Menschengeschlechts die Waldungen verdraengt, und
+dass der umschaffende Geist der Nazionen der Erde allmaehlig den Schmuck
+raubt, der uns in dem Norden erfreut, und der (mehr, als alle Geschichte)
+die Jugend unserer sittlichen Kultur anzeigt. Die grosse Katastrophe,
+durch welche das Mittelmeer sich gebildet, indem es, ein anschwellendes
+Binnenwasser, die Schleusen der Dardanellen und die Saeulen des Herkules
+durchbrochen, diese Katastrophe scheint die angraenzenden Laender eines
+grossen Theils ihrer Dammerde beraubt zu haben. Was bei den griechischen
+Schriftstellern von den Samothracischen Sagen erwaehnt wird, deutet die
+Neuheit dieser zerstoerenden Naturveraenderung an. Auch ist in allen
+Laendern, welche das Mittelmeer begraenzt, und welche die Kalkformation des
+Jura charakterisirt, ein grosser Theil der Erdoberflaeche nackter Fels, Das
+Mahlerische italienischer Gegenden beruht vorzueglich auf diesem lieblichen
+Kontraste zwischen dem unbelebten oeden Gestein und der ueppigen Vegetation,
+welche inselfoermig darinn aufsprosst. Wo dieses Gestein, minder
+zerklueftet, die Wasser auf der Oberflaeche zusammen haelt, wo diese mit Erde
+bedeckt ist, (wie an den reizenden Ufern des Albaner Sees) da hat selbst
+Italien seine Eichenwaelder, so schattig und gruen, als der Bewohner des
+Norden sie wuenscht.
+
+Auch die Wuesten jenseits des Atlas, und die unermesslichen Ebenen oder
+Steppen von Sued-Amerika, sind als blosse Lokalerscheinungen zu betrachten.
+Diese findet man, in der Regenzeit wenigstens, mit Gras und niedrigen,
+fast krautartigen, Mimosen bedeckt; jene sind Sand-Meere im Innern des
+alten Continents, grosse pflanzenleere Raeume, mit ewiggruenen waldigen
+Ufern umgeben. Nur einzeln stehende Faecherpalmen erinnern den Wanderer,
+dass diese Einoeden Theile einer belebten Schoepfung sind. Im truegerischen
+Lichtspiele, das die strahlende Waerme erregt, sieht man bald den Fuss
+dieser Palmen frei in der Luft schweben, bald ihr umgekehrtes Bild in den
+wogenartig-zitternden Luftschichten wiederholt. Auch westlich von der
+peruanischen Andeskette, an den Kuesten des stillen Meeres, haben wir
+Wochen gebraucht, um solche wasserleere Wuesten zu durchstreichen. Der
+Ursprung derselben, diese Pflanzenlosigkeit grosser Erdstrecken, in
+Gegenden, wo umher die kraftvolleste Vegetation herrscht, ist ein wenig
+beachtetes geognostisches Phaenomen, welches sich unstreitig in alten
+Naturrevoluzionen (in Ueberschwemmungen, oder vulkanischen Umwandelungen
+der Erdrinde) gruendet. Hat eine Gegend einmal ihre Pflanzendecke verloren,
+ist der Sand beweglich und quellenleer, hindert die heisse, senkrecht
+aufsteigende Luft den Niederschlag der Wolken: so vergehen Jahrtausende,
+ehe von den gruenen Ufern aus organisches Leben in das Innere der Einoede
+dringt.
+
+Wer demnach die Natur mit Einem Blicke zu umfassen, und von
+Lokalphaenomenen zu abstrahiren weiss, der sieht, wie mit Zunahme der
+belebenden Waerme, von den Polen zum Aequator hin, sich auch allmaehlig
+organische Kraft und Lebensfuelle vermehren. Aber bei dieser Vermehrung
+sind doch jedem Erdstriche besondere Schoenheiten vorbehalten: den Tropen
+Mannichfaltigkeit und Groesse der Pflanzenformen; dem Norden der Anblick
+der Wiesen, und das periodische Wiedererwachen der Natur beim ersten Wehen
+der Fruehlingsluefte. Jede Zone hat ausser den ihr eigenen Vorzuegen auch
+ihren eigenthuemlichen Character. So wie man an einzelnen organischen Wesen
+eine bestimmte Physiognomie erkennt; wie beschreibende Botanik und
+Zoologie, im engern Sinne des Worts, fast nichts als Zergliederung der
+Thier- und Pflanzenformen ist: so giebt es auch eine gewisse
+Naturphysiognomie, welche jedem Himmelsstriche ausschliesslich zukommt.
+
+Was der Mahler mit den Ausdruecken schweizer Natur, italienischer Himmel,
+bezeichnet, gruendet sich auf das dunkle Gefuehl dieses lokalen
+Naturcharakters. Himmelsblaeue, Beleuchtung, Duft, der auf der Ferne ruht,
+Gestalt der Thiere, Saftfuelle der Kraeuter, Glanz des Laubes, Umriss der
+Berge -- alle diese Elemente bestimmen den Totaleindruck einer Gegend. Zwar
+bilden unter allen Zonen dieselben Gebirgsarten Felsgruppen, von einerlei
+Physiognomie. Die Gruensteinklippen in Sued-Amerika und Mexiko gleichen
+denen des deutschen Fichtelgebirges, wie unter den Thieren die Form des
+Alco oder der urspruenglichen Hunderace des neuen Continents, mit der der
+europaeischen Race genau uebereinstimmt. Denn die unorganische Rinde der
+Erde ist gleichsam unabhaengig von klimatischen Einfluessen; sey es, dass
+der Unterschied der Klimate neuer als das Gestein ist; sei es, dass die
+erhaertende, Waerme-entbindende Erdmasse sich selbst ihre Temperatur gab,
+statt sie von aussen zu empfangen. Alle Formationen sind daher allen
+Weltgegenden eigen, und in allen gleichgestaltet. Ueberall bildet der
+Basalt Zwillings-Berge und abgestumpfte Kegel; ueberall erscheint der
+Trapporphyr in grotesken Felsmassen, der Granit in sanftrundlichen Kuppen.
+Auch aehnliche Pflanzenformen, Tannen und Eichen, bekraenzen die Berggehaenge
+in Schweden, wie die des suedlichsten Theils von Mexiko. Und bei aller
+dieser Uebereinstimmung in den Gestalten, bei dieser Gleichheit der
+einzelnen Umrisse, nimmt die Gruppirung derselben zu einem Ganzen doch den
+verschiedensten Charakter an.
+
+So wie die Kenntniss der Fossilien sich von der Gebirgslehre
+unterscheidet; so ist von der individuellen Naturbeschreibung die
+allgemeine, oder die Physiognomik der Natur, verschieden. Georg Forster in
+seinen Reisen und in seinen kleinen Schriften; Goethe in den
+Naturschilderungen, welche so manche seiner unsterblichen Werke enthalten;
+Herder, Bueffon, Bernardin de St. Pierre, und selbst Chateaubriand, haben
+mit unnachahmlicher Wahrheit den Charakter einzelner Himmelsstriche
+geschildert. Solche Schilderungen sind aber nicht blos dazu geeignet, dem
+Gemuethe einen Genuss der edelsten Art zu verschaffen; nein, die Kenntniss
+von dem Naturcharakter verschiedener Weltgegenden ist mit der Geschichte
+des Menschengeschlechtes, und mit der seiner Kultur, aufs innigste
+verknuepft, Denn wenn auch der Anfang dieser Kultur nicht durch physische
+Einfluesse allein bestimmt wird; so haengt doch die Richtung derselben, so
+haengen Volkscharacter, duestere oder heitere Stimmung der Menschheit,
+grossentheils von klimatischen Verhaeltnissen ab. Wie maechtig hat der
+griechische Himmel auf Seine Bewohner gewirkt! Wie sind nicht in dem
+schoenen und gluecklichen Erdstriche zwischen dem Oxus, dem Tigris, und dem
+aegeischen Meere, die sich ansiedelnden Voelker zuerst zu sittlicher Anmuth
+und zarteren Gefuehlen erwacht? Und haben nicht, als Europa in neue
+Barbarei versank, und religioese Begeisterung ploezlich den heiligen Orient
+oefnete, unsere Voraeltern aus jenen milden Thaelern von neuem mildere Sitten
+heimgebracht! Die Dichterwerke der Griechen und die rauheren, Gesaenge der
+nordischen Urvoelker verdankten groesstentheils ihren eigenthuemlichen
+Charakter der Gestalt der Pflanzen und Thiere, den Gebirgsthaelern, die den
+Dichter umgaben, und der Luft, die ihn umwehte. Wer fuehlt sich nicht, um
+selbst nur an nahe Gegenstaende zu erinnern, anders gestimmt, in dem
+dunkeln Schatten der Buchen, oder auf Huegeln, die mit einzeln stehenden
+Tannen bekraenzt sind; oder auf der Grasflur, wo der Wind in dem zitternden
+Laube der Birken saeuselt! Melancholische, ernsterhebende, oder froehliche
+Bilder rufen diese vaterlaendische Pflanzengestalten in uns hervor. Der
+Einfluss der physischen Welt auf die moralische, dies geheimnissvolle
+Ineinander-Wirken des Sinnlichen und Aussersinnlichen, giebt dem
+Naturstudium, wenn man es zu hoeheren Gesichtspunkten erhebt, einen
+eigenen, noch zu wenig gekannten Reiz.
+
+Wenn aber auch der Charakter verschiedener Weltgegenden von allen aeusseren
+Erscheinungen zugleich abhaengt; wenn Umriss der Gebirge, Physiognomie der
+Pflanzen und Thiere, wenn Himmelsblaeue, Wolkengestalt und Durchsichtigkeit
+des Luftkreises, den Totaleindruk bewirken; so ist doch nicht zu laeugnen,
+dass das Hauptbestimmende dieses Eindrucks die Pflanzendecke ist. Dem
+thierischen Organismus fehlt es an Masse, und die Beweglichkeit der
+Individuen entzieht sie oft unsern Blicken. Die Pflanzenschoepfung dagegen
+wirkt durch stetige Groesse auf unsere Einbildungskraft. Ihre Masse
+bezeichnete ihr Alter, und in den Gewaechsen allein ist Alter und Ausdruck
+stets sich erneuernder Kraft mit einander gepaart. Der riesenfoermige
+Drachenbaum, den ich auf den kanarischen Inseln sah, und der 16 Schuh im
+Durchmesser hat, traegt noch immerdar (gleichsam in ewiger Jugend) Bluethe
+und Frucht. Als franzoesische Abentheurer, die Bethencourts, im vierzehnten
+Jahrhundert die gluecklichen Inseln eroberten, war der Drachenbaum von
+Oratava (den Eingeborenen heilig wie der Oelbaum in der Burg zu Athen,
+oder die nordische Esche, unter der Odin und Asi zusammenkamen) von eben
+der kolossalen Staerke als jezt. In den Tropen ist ein Wald von Hymeneen
+und Caesalpinien vielleicht das Denkmal von einem Jahrtausend.
+
+Umfasst man die verschiedenen Pflanzenarten, welche bereits auf dem
+Erdboden entdeckt sind, und von denen *Willdenow's* grosses Werk allein
+ueber 20,000 genau zergliedert, mit Einem Blick; so erkennt man in dieser
+wundervollen Menge wenige Hauptformen, auf welche sich alle andere
+zurueckfuehren lassen. Zur Bestimmung dieser Formen, von deren individueller
+Schoenheit, Vertheilung und Gruppirung die Physiognomie der Vegetation
+eines Landes abhaengt, muss man nicht (wie in den botanischen Systemen aus
+andern Beweggruenden geschieht) auf die kleinsten Theile der Bluethen und
+Fruechte, sondern nur auf das Ruecksicht nehmen, was durch Masse den
+Totaleindruck einer Gegend individualisirt. Unter den Hauptformen der
+Vegetation giebt es allerdings ganze Familien der sogenannten natuerlichen
+Systeme. Bananengewaechse und Palmen werden auch in diesen einzeln
+aufgefuehrt. Aber der botanische Systematiker trennt eine Menge von
+Pflanzengruppen, welche der Physiognomiker sich gezwungen sieht, mit
+einander zu verbinden. Wo die Gewaechse sich als Massen darstellen,
+fliessen Umrisse und Vertheilung der Blaetter, Gestalt der Staemme und
+Zweige, in einander. Der Mahler (und gerade dem feinen Naturgefuehle des
+Kuenstlers kommt hier der Ausspruch zu!) unterscheidet in dem Mittel- und
+Hintergrunde einer Landschaft Tannen- oder Palmengebuesehe von Buchen,
+nicht aber diese von andern Laubholzwaeldern!
+
+Sechszehn Pflanzenformen bestimmen hauptsaechlich die Physiognomie der
+Natur. Ich zaehle nur diejenigen auf, welche ich bei meinen Reisen durch
+beide Welttheile, und bei einer vieljaehrigen Aufmerksamkeit auf die
+Vegetation der verschiedenen Himmelsstriche zwischen dem 55sten Grade
+noerdlicher und dem 12ten Grade suedlicher Breite, beobachtet habe. Die Zahl
+dieser Formen wird gewiss ansehnlich vermehrt werden, wenn man einst in
+das Innere der Continente tiefer eindringt, und neue Pflanzengattungen
+entdeckt. Im suedoestlichen Asien, im Inneren von Afrika und Neuholland, in
+Sued-Amerika vom Amazonenstrome bis zum Gebirge Chiquitos hin, ist uns die
+Vegetation noch voellig unbekannt. Wie, wenn man gar ein Land entdeckte, in
+welchem holzige Schwaemme, z. B. Calvarien oder Moose, hohe Baeume bildeten?
+Nekera dendroides, ein deutsches Laubmoos, ist in der That baumartig, und
+die tropischen Farrenkraeuter, oft hoeher als unsere Linden und Erlen, sind
+fuer den Europaeer noch jezt ein eben so ueberraschender Anblick, als dem
+ersten Entdecker ein Wald hoher Laubmoose seyn wuerde! Groesse und
+Entwickelung der Organe haengt von der Beguenstigung klimatischer
+Verhaeltnisse ab. Die kleine, aber schlanke Form unserer Eidechse dehnt
+sich im Sueden zu dem kolossalen und gepanzerten Koerper furchtbarer
+Crocodyle aus. In den ungeheuern Katzen von Afrika und Amerika, im Tiger,
+im Loewen und Jaguar, ist die Gestalt eines unserer kleinsten Hausthiere
+nach einem groesseren Maasstabe wiederholt. Dringen wir gar in das Innere
+der Erde, durchwuehlen wir die Grabstaette der Pflanzen und Thiere, so
+verkuendigen uns die Versteinerungen nicht bloss eine Vertheilung der
+Formen, die mit den jetzigen Klimaten in Widerspruch steht; nein, sie
+zeigen uns auch kolossale Gestalten, welche mit den kleinlichen, die uns
+gegenwaertig umgeben, nicht minder contrastiren, als die einfache
+Heldennatur der Griechen gegen die Charaktergroesse neuerer Zeit. Hat die
+Temperatur des Erdkoerpers betraechtliche, vielleicht periodisch
+wiederkehrende Veraenderungen erlitten; ist das Verhaeltniss zwischen Meer
+und Land, ja selbst die Hoehe des Luftozeans und sein Druck nicht immer
+derselbe gewesen: so muss die Physiognomie der Natur, so muessen Groesse und
+Gestalt des Organismus, ebenfalls schon manchem Wechsel unterworfen
+gewesen sein. Unfaehig, diese Physiognomie des alternden Planeten nach
+ihren gegenwaertigen Zuegen vollstaendig zu schildern, wage ich nur
+diejenigen Charaktere auszuheben, welche jeder Pflanzengruppe vorzueglich
+zukommen. Bei allem Reichthum und aller Biegsamkeit unserer
+vaterlaendischen Sprache, ist es ein schwieriges Unternehmen, mit Worten zu
+bezeichnen, was eigentlich nur der nachahmenden Kunst des Malers
+darzustellen geziemt. Auch wuenschte ich, das Ermuedende des Eindrucks zu
+vermeiden, das jede Aufzaehlung einzelner Formen unausbleiblich erregen
+muss.
+
+Wir beginnen mit den *Palmen*, der hoechsten und edelsten aller
+Pflanzengestalten. Denn ihr haben stets die Voelker (und die frueheste
+Menschenbildung war in der asiatischen Palmenwelt, oder in dem Erdstriche,
+der zunaechst an die Palmenwelt graenzt) den Preis der Schoenheit zuerkannt.
+Hohe, schlanke, geringelte, bisweilen stachliche Schaefte mit anstrebendem,
+glaenzendem, bald gefaechertem, bald gefiedertem Laube. Die Blatter sind oft
+grasartig gekraeuselt. Der glatte Stamm erreicht bis 180 Fuss Hoehe. Die
+Palmenform nimmt an Pracht und Groesse ab, vom Aequator gegen die
+gemaessigte Zone hin. Europa hat unter seinen einheimischen Gewaechsen nur
+einen Repraesentanten dieser Form, die zwergartige Kuestenpalme, den
+Chamaerops, der in Spanien und Italien sich noerdlich bis zum 44sten
+Breitengrade erstreckt. Das eigentliche Palmenklima der Erde hat
+21 deg.. mittlerer Waerme. Aber die aus Afrika zu uns gebrachte Dattelpalme,
+welche minder schoen als andere Arten dieser Gruppen ist, vegetirt noch im
+suedlichen Europa in Gegenden, deren mittlere Temperatur 14 deg.. also mehr als
+doppelt groesser, als die von Berlin, ist. Palmenstaemme und
+Elephantengerippe liegen im noerdlichen Deutschlande im Inneren der Erde
+vergraben, und ihre Lage macht es wahrscheinlich, dass sie nicht von den
+Tropen her gegen Norden geschwemmt wurden; sondern, dass in den grossen
+Revoluzionen unseres Planeten die Klimate, wie die durch sie bestimmte
+Physiognomie der Natur, vielfach veraendert worden sind.
+
+Zu den Palmen gesellt sich in allen Welttheilen die Pisang oder
+*Bananenform*, die Scitamineen der Botaniker, _Heliconia_, _Amomum_,
+_Strelitzia_. Ein niedriger aber saftreicher, fast krautartiger Stamm, an
+dessen Spitze sich duenn und lokkergewebte, zartgestreifte,
+seidenartig-glaenzende Blaetter erheben. Pisanggebuesche sind der Schmuck
+feuchter Gegenden. Auf ihrer Frucht beruht die Nahrung aller Bewohner des
+heissen Erdguertels. Wie die mehlreichen Cerealien oder Getreidearten des
+Nordens, so begleiten Pisangstaemme den Menschen seit der fruehesten
+Kindheit seiner Kultur. Asiatische Mythen setzen die urspruengliche Heimath
+dieser naehrenden Tropenpflanze an den Euphrat, oder an den Fuss des
+Himalus in Indien. Griechische Sagen nennen die Gefilde von Enna als das
+glueckliche Vaterland der Cerealien. Wenn diese, durch die Kultur ueber die
+noerdliche Erde verbreitet, und dort einfoermige weitgedehnte Grasfluren
+bildend, wenig den Anblick der Natur verschoenern, so vervielfacht dagegen
+der sich ansiedelnde Tropenbewohner durch Pisangpflanzungen eine der
+herrlichsten und edelsten Gestalten.
+
+*Malvenform*, _Sterculia_, _Hibiscus_, _Lavatera_, _Ochroma_. Kurze aber
+kolossalisch dikke Staemme mit zartwolligen, grossen, herzfoermigen, oft
+eingeschnittenen Blaettern, und prachtvollen oft purpurrothen Bluethen. Zu
+dieser Pflanzengruppe gehoert der Affenbrodbaum, _Adansonia digitata_, der
+bei 32 Fuss Hoehe 30 Fuss Durchmesser hat, und der wahrscheinlich das
+groesste und aelteste organische Denkmahl auf unserm Planeten ist. in
+Italien faengt die Malvenform bereits an, der Vegetation einen
+eigenthuemlichen suedlichen Charakter zu geben.
+
+Dagegen entbehret unsere gemaessigte Zone im alten Continent leider ganz
+die zartgefiederten Blaetter, die *Form der Mimosen*, _Gleditsia_,
+_Porleria_, _Tamarindus_. Den vereinigten Staaten von Nord-Amerika, in
+denen unter gleicher Breite die Vegetation mannichfaltiger und ueppiger als
+in Europa ist, fehlt diese schoene Form nicht. Bei den Mimosen ist eine
+schirmartige Verbreitung der Zweige, fast wie bei den italienischen
+Pinien, gewoehnlich. Die tiefe Himmelsblaeue des Tropenklimas durch die
+zartgefiederten Blaetter schimmernd, ist von ueberaus malerischem Effekte.
+
+Eine meist afrikanische Pflanzengruppe sind die *Heidekraeuter*; dahin
+gehoeren auch die _Andromeda_, _Passerinen_ und _Gnidien_, eine Gruppe, die
+mit der der Nadelhoelzer einige Aehnlichkeit hat, und eben deshalb mit
+dieser durch die Fuelle glokkenfoermiger Bluethen, desto reizender
+contrastirt. Die baumartigen Heidekraeuter, wie einige andere afrikanische
+Gewaechse, erreichen das noerdliche Ufer des Mittelmeers. Sie schmuekken
+Welschland und die Cistus-Gebuesche des suedlichen Spaniens. Am ueppigsten
+wachsend habe ich sie auf den afrikanischen Inseln, am Abhange des *Pics*
+von *Teyde* gesehen. Bei uns in den baltischen Laendern, und noch
+noerdlicher hin, ist diese Pflanzenform gefuerchtet, Duerre und
+Unfruchtbarkeit verkuendigend. Unsere Heidekraeuter, _Erica vulgaris_ und
+_tetralix_ sind gesellschaftlich lebende Gewaechse, gegen deren
+fortschreitenden Zug die ackerbauenden Voelker seit Jahrhunderten mit
+wenigem Gluekke ankaempfen. Sonderbar, dass der Hauptrepraesentant dieser
+Form blos einer Seite unsers Planeten eigen ist. Von den 137 jezt
+bekannten Arten von _Erica_ findet sich auch nicht eine einzige im neuen
+Continent von Pensilvanien und Labrador bis gegen Nootka und Alaschka hin.
+
+Dagegen ist bloss dem neuen Continent eigenthuemlich die *Cactusform*, bald
+kugelfoermig, bald gegliedert, bald in hohen, vielekkigen Saeulen, wie
+Orgelpfeifen, aufrechtstehend. Diese Gruppe bildet den hoechsten Contrast
+mit der Gestalt der Liliengewaechse und der Bananen. Sie gehoert zu den
+Pflanzen, welche Bernardin de St. Pierre sehr gluecklich die
+vegetabilischen Quellen der Wueste nennt. In den wasserleeren Ebenen von
+Suedamerika suchen die von Durst geaengsteten Thiere den _Melonen-Cactus_,
+eine kugelfoermige, halb im duerren Sande verborgene Pflanze, deren
+saftreiches Innere unter furchtbaren Stacheln versteckt ist. Die
+saeulenfoermigen Cactus-Staemme erreichen bis 30 Fuss Hoehe und
+candelaberartig getheilt, haben sie eine auffallende Aehnlichkeit der
+Physiognomie mit einigen afrikanischen Euphorbien.
+
+Wie diese gruene Wasen in den pflanzenleeren Wuesten bilden, so beleben die
+*Orchideen* den vom Licht verkohlten Stamm der Tropenbaeume und die oedesten
+Felsenritzen. Die Vanillenform zeichnet sich durch hellgruene saftvolle
+Blaetter und durch vielfarbige Bluethen von wunderbarem Baue aus. Diese
+Bluethen gleichen bald den gefluegelten Insekten, bald den zarten Voegeln,
+welche der Duft der Honiggefaesse anlokket. Das Leben eines Malers waere
+nicht hinlaenglich, um alle die prachtvollen Orchideen abzubilden, welche
+die tiefausgefurchten Gebirgsthaeler der peruanischen Andeskette zieren.
+
+Blattlos, wie fast alle Cactusarten, ist die *Form der Casuarinen*, einer
+Pflanzengestalt, bloss der Suedsee und Ostindien eigen. Baeume mit
+schachtelhalmaehnlichen Zweigen. Doch finden sich auch in andern
+Weltgegenden Spuren dieses mehr sonderbaren als schoenen Typus. *Plumier's*
+_Equisetum altissimum_, die Ephedra aus Nord-Afrika, die peruanischen
+Colletien und das sibirische Calligonum Pallasia, sind der Casuarinenform
+nahe verwandt.
+
+So wie in den Pisanggewaechsen die hoechste Ausdehnung, so ist in den
+Casuarinen und in den *Nadelhoelzern* die hoechste Zusammenziehung der
+Blattgefaesse. Tannen, Thuja und Cypressen bilden eine nordische Form, die
+in den Tropen selten ist. Ihr ewig-frisches Gruen erheitert die oede
+Winter-Landschaft. Es verkuendigt gleichsam den Polarvoelkern, dass, wenn
+Schnee und Eis den Boden bedekken, das innere Leben der Pflanzen, wie das
+Prometheische Feuer, nie auf unserm Planeten erlischt.
+
+Parasitisch wie bei uns Moose und Flechten, ueberziehen in der Tropenwelt
+ausser den Orchideen auch die *Pothosgewaechse* den alternden Stamm der
+Waldbaeume. Saftige, krautartige Stengel mit grossen, bald pfeilfoermigen,
+bald gefingerten, bald laenglichen aber stets dik-adrigen Blaettern. Blumen
+in Scheiden. _Pothos_, _Dracontium_, _Arum_, leztere dem Norden fehlend,
+aber in Spanien und Italien mit saftvollem Huflattig, hohen Distelstauden
+und _Acanthus_, die Ueppigkeit des suedlichen Pflanzenwuchses bezeichnend.
+
+Zu dieser *Arumform* gesellt sich die Form der *Lianen*, beide in heissen
+Erdstrichen von Sued-Amerika in vorzueglicher Kraft der Vegetation.
+_Paullinia_, _Banisteria_, _Bignonien_. Unser rankender Hopfen und unsere
+Weinreben erinnern an diese Pflanzengestalt der Tropenwelt. Am Orinoco
+haben die blattlosen Zweige der _Bauhinien_ oft 40 Fuss Laenge. Sie fallen
+theils senkrecht aus dem Gipfel hoher Swietenien herab; theils sind sie
+schraeg wie Masttaue ausgespannt, und die Tigerkatze hat eine
+bewundernswuerdige Geschiklichkeit, daran auf- und abzuklettern.
+
+Mit den biegsamen sich rankenden Lianen, mit ihrem frischen und leichten
+Gruen, kontrastirt die selbststaendige Form der blaeulichen *Aloegewaechse*;
+Staemme, wenn sie vorhanden sind, fast ungetheilt, enggeringelt und
+schlangenartig gewunden. An dem Gipfel sind saftreiche, fleischige,
+lang.zugespitzte Blaetter stralenartig zusammengehaeuft. Die hochstaemmigen
+Aloegewaechse bilden nicht Gebuesche, wie andere gesellschaftlich lebende
+Pflanzen. Sie stehen einzeln in duerren Ebenen, und geben der Tropengegend
+dadurch oft einen eigenen melancholischen (man moechte sagen afrikanischen)
+Charakter.
+
+Wie die Aloeform sich durch ernste Ruhe und Festigkeit, so charakterisirt
+sich die *Grasform*, besonders die Physiognomie der baumartigen Graeser,
+durch den Ausdruck froehlicher Leichtigkeit und beweglicher Schlankheit.
+Bambusgebuesche bilden schattige Bogengaenge in beiden Indien. Der glatte,
+oft geneigt-hinschwebende Stamm der Tropen-Graeser uebertrift die Hoehe
+unserer Erlen und Eichen. Schon in Italien faengt im _Arundo Donax_ diese
+Form an, sich vom Boden zu erheben, und durch Hoehe und Masse den
+Naturcharakter des Landes zu bestimmen.
+
+Mit der Gestalt der Graeser ist auch die der *Farrenkraeuter* in den heissen
+Erdstrichen veredelt. Baumartige, oft 35 Fuss hohe Farrenkraeuter haben ein
+palmenartiges Ansehen; aber ihr Stamm ist minder schlank, kuerzer,
+schuppig-rauher als der der Palmen. Das Laub ist zarter, lokker gewebt,
+durchscheinend, und an den Raendern sauber ausgezakt. Diese kolossalen
+Farrenkraeuter sind fast ausschliesslich den Tropen eigen, aber in diesen
+ziehen sie ein gemaessigtes Klima dem ganz heissen vor. Da nun die
+Milderung der Hitze bloss eine Folge der Hoehe ist; so darf man Gebirge,
+die 2 bis 3000 Fuss ueber dem Meere erhaben sind, oder die Hoehe unsers
+deutschen Brokkens, als den Hauptsiz dieser Form nennen. Hochstaemmige
+Farrenkraeuter begleiten in Sued-Amerika den wohlthaetigen Baum, der die
+heilende Fieberrinde darbietet. Beide bezeichnen die gluekliche Region der
+Erde, in der ewige Milde des Fruehlings herrscht.
+
+Noch nenne ich die Form der *Liliengewaechse*, (_Amaryllis_, _Pancratium_)
+mit schilfartigen Blaettern und prachtvollen Bluethen, eine Form, deren
+Hauptvaterland das suedliche Afrika ist; ferner die *Weidenform*, in allen
+Welttheilen einheimisch; und wo _Salix_ fehlt, in den _Banksien_ und
+einigen _Proteen_ wiederholt; *Myrthengewaechse*, (_Metrosideros_,
+_Eucalyptus_, _Escallonia_) *Melastomen-* und *Lorbeerform*.
+
+Es waere ein Unternehmen, eines grossen Kuenstlers werth, den Charakter
+aller dieser Pflanzengruppen nicht in Treibhaeusern oder in den
+Beschreibungen der Botaniker, sondern in der grossen Tropen-Natur selbst,
+zu studiren. Wie interessant und lehrreich fuer den Landschaftsmaler ware
+ein Werk, welches dem Auge die aufgezaehlten sechszehn Hauptformen, erst
+einzeln, und dann in ihrem Contraste gegen einander, darstellte. Was ist
+malerischer, als baumartige Farrenkraeuter, die ihre zartgewebten Blaetter
+ueber die Mexikanischen Lorbeereichen ausbreiten! Was reizender, als
+Pisanggebuesche von hohen Bambusgraesern umschattet! Dem Kuenstler ist es
+gegeben, die Gruppen zu zergliedern, und unter seiner Hand loest sich (wenn
+ich den Ausdruk wagen darf) das grosse Zauberbild der Natur, gleich den
+geschriebenen Werken der Menschen, in wenige einfache Zuege auf!
+
+Am gluehenden Sonnenstral des tropischen Himmels gedeihen die herrlichsten
+Gestalten der Pflanzen. Wie im kalten Norden die Baumrinde mit duerren
+Flechten und Laubmoosen bedekt ist, so beleben dort Cymbidium und duftende
+Vanille den Stamm der Anacardien und der riesenmaessigen Feigenbaeume. Das
+frische Gruen der Pothosblaetter und der Dracontien kontrastirt mit den
+vielfarbigen Bluethen der Orchideen. Rankende Bauhinien, Passifloren und
+gelbbluehende Banisterien umschlingen den Stamm der Waldbaeume. Zarte Blumen
+entfalten sich aus den Wurzeln der _Theobroma_, wie aus der dichten und
+rauhen Rinde der Crescentien und der _Gustavia_. Bei dieser Fuelle von
+Bluethen und Blaettern, bei diesem ueppigen Wuchse und der Verwirrung
+rankender Gewaechse, wird es dem Naturforscher oft schwer zu erkennen,
+welchem Stamme Bluethen und Blaetter zugehoeren. Ein einziger Baum mit
+Paullinien, Bignonien und Dendrobium geschmuekt, bildet eine Gruppe von
+Pflanzen, welche, von einander getrennt, einen betraechtlichen Erdraum
+bedekken wuerden.
+
+In den Tropen sind die Gewaechse saftstrotzender, von frischerem Gruen, mit
+groesseren und glaenzenderen Blaettern geziert, als in den noerdlichern
+Erdstrichen. Gesellschaftlich lebende Pflanzen, welche die europaeische
+Vegetation so einfoermig machen, fehlen am Aequator beinah gaenzlich. Baeume,
+fast zweimal so hoch als unsere Eichen, prangen dort mit Bluethen, welche
+gross und prachtvoll wie unsere Lilien sind. An den schattigen Ufern des
+Madalenenflusses in Sued-Amerika waechst eine rankende Aristolochia, deren
+Blume, von vier Fuss Umfang, sich die indischen Knaben in ihren Spielen
+ueber den Scheitel ziehen.
+
+Die ausserordentliche Hoehe, zu welcher sich unter den Wendekreisen nicht
+blos einzelne Berge, sondern ganze Laender erheben, und die Kaelte, welche
+Folge dieser Hoehe ist, gewaehren dem Tropen-Bewohner einen seltsamen
+Anblik. Ausser den Palmen und Pisanggebueschen umgeben ihn auch die
+Pflanzenformen, welche nur den nordischen Laendern anzugehoeren scheinen.
+Cypressen, Tannen und Eichen, Berberisstraeucher und Erlen (nahe mit den
+unsrigen verwandt) bedekken die Gebirgsebenen im suedlichen Mexiko, wie die
+Andeskette unter dem Aequator. So hat die Natur dem Menschen in der
+heissen Zone verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle
+Pflanzengestalten der Erde zu sehen; wie das Himmelsgewoelbe von Pol zu Pol
+ihm keine seiner leuchtenden Welten verbirgt.
+
+Diesen und so manchen andern Naturgenuss entbehren die nordischen Voelker.
+Viele Gestirne und viele Pflanzenformen, von diesen gerade die schoensten,
+(Palmen und Pisanggewaechse, baumartige Graeser und feingefiederte Mimosen)
+bleiben ihnen ewig unbekannt. Die krankenden Gewaechse, welche unsere
+Treibhaeuser einschliessen, gewaehren nur ein schwaches Bild von der
+Majestaet der Tropenvegetation. Aber in der Ausbildung unserer Sprache, in
+der gluehenden Phantasie des Dichters, in der darstellenden Kunst der
+Maler, ist uns eine reiche Quelle des Ersatzes geoefnet. Aus ihr schoepft
+unsere Einbildungskraft die lebendigen Bilder einer exotischen Natur. Im
+kalten Norden, in der oeden Heide, kann der einsame Mensch sich aneignen,
+was in den fernsten Erdstrichen erforscht wird, und so in seinem Innern
+eine Welt sich schaffen, welche das Werk seines Geistes, frei und
+unvergaenglich, wie dieser, ist.
+
+
+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDEEN ZU EINER PHYSIOGNOMIK DER GEWAeCHSE***
+
+
+
+CREDITS
+
+
+September 24, 2007
+
+ Project Gutenberg TEI edition 1
+ Ralf Stephan
+
+
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+A WORD FROM PROJECT GUTENBERG
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+
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+1.B.
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+"Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or
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+refund in writing without further opportunities to fix the problem.
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+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4.
+
+
+ Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive
+ Foundation
+
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} depends upon and cannot survive without wide spread
+public support and donations to carry out its mission of increasing the
+number of public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form accessible by the widest array of equipment
+including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are
+particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United States.
+Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable
+effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these
+requirements. We do not solicit donations in locations where we have not
+received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or
+determine the status of compliance for any particular state visit
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we have
+not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against
+accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us
+with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make any
+statements concerning tax treatment of donations received from outside the
+United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods
+and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including
+checks, online payments and credit card donations. To donate, please
+visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5.
+
+
+ General Information About Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works.
+
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+concept of a library of electronic works that could be freely shared with
+anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}
+eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions,
+all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright
+notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance
+with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook
+number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed
+(zipped), HTML and others.
+
+Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the
+old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+_Versions_ based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+
+ http://www.gutenberg.org
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+This Web site includes information about Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}, including how
+to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation,
+how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email
+newsletter to hear about new eBooks.
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+***FINIS***
+ \ No newline at end of file
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Binary files differ
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@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #22761 (https://www.gutenberg.org/ebooks/22761)