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+The Project Gutenberg EBook of German Science Reader, by Charles F. Kroeh
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: German Science Reader
+ An Introduction to Scientific German, for Students of
+ Physics, Chemistry and Engineering
+
+Author: Charles F. Kroeh
+
+Release Date: September 16, 2007 [EBook #22627]
+
+Language: German and English
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMAN SCIENCE READER ***
+
+
+
+
+Produced by Barbara Tozier, Constanze Hofmann, Bill Tozier
+and the Online Distributed Proofreading Team at
+https://www.pgdp.net
+
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+
+
+
+Transcriber's Note:
+
+The spelling in this text has been preserved as in the original.
+Obvious printer's errors have been corrected. You can find a list
+of the corrections made at the end of this e-text.
+
+Italic text has been enclosed in _underscores_, bold text has been
+surrounded by +plus signs+.
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ German Science Reader
+
+ An Introduction To Scientific German
+ For Students of Physics, Chemistry and Engineering
+
+ By
+ Charles F. Kroeh, A. M.
+
+Professor of Modern Languages in Stevens Institute of Technology.
+
+ Copyright 1907 by Charles F. Kroeh
+
+ Hoboken. N. J.
+
+ Published by the Author.
+
+
+
+
+PREFACE.
+
+
+The aim of this Reader is not merely to afford the student a certain
+amount of experience in reading scientific German, but to attack the
+subject systematically. The selections are not chosen at random. They
+are arranged progressively and consist of fundamental definitions,
+descriptions, processes and problems of Arithmetic, Algebra, Geometry,
+Physics and Chemistry. These are linguistically the most
+important subjects for scientific and engineering students to read
+first, because they contain the terms and modes of expression which
+recur in all subsequent reading, and because they contain these terms in
+the simplest possible connections. A student who has mastered these
+pages will find no difficulty in reading _any_ scientific German he may
+meet in his professional work.
+
+_To the Student._--Do not be content with simply translating these
+selections. Let your object be to acquire first a good working
+vocabulary for all future time and secondly the ability to understand
+German by merely reading it. Both ends are gained by reading over the
+German several times after you have translated it. The best way is to
+read it aloud, observing pauses and emphasis, as if you were
+communicating the thoughts of the book to another person. Pronouncing
+words, phrases and sentences is a great help to the memory.
+
+
+
+
+A GERMAN SCIENCE READER.
+
+
+ Study carefully the notes (beginning page 97) to which the
+ small numbers in the text refer.
+
+
+1.
+
+ARITHMETIK UND ALGEBRA.
+
+Arithmetik ist ein Fremdwort, das auf deutsch Zahlenlehre bedeutet.
+
+1 + 2 = 3 wird gelesen: eins und zwei (oder eins plus zwei) ist drei.
+
+25 - 13 = 12 wird gelesen: 25 weniger (oder minus) 13 ist 12.
+
+2 × 3 = 6 wird gelesen: 2 mal 3 ist 6.
+
+72 ÷ 6 = 12 wird gelesen: 72 dividiert durch 6 ist 12.
+
+Alle Posten[1] zusammengenommen sind der Summe gleich.
+
+Die Differenz kann als diejenige Zahl betrachtet werden, welche übrig
+bleibt, wenn man den Subtrahend vom Minuend wegnimmt; oder als diejenige
+Zahl, welche man zum Subtrahend addieren muss, um den Minuend zu
+erhalten; oder auch als diejenige Zahl, welche man vom Minuend abziehen
+muss, um den Subtrahend zu erhalten.
+
+Besteht[2] eine Zahl aus zwei Faktoren, so ist der eine Faktor gleich
+dem Produkt dividiert durch den anderen Faktor.
+
+Der Divisor ist die teilende, der Dividend die zu teilende Zahl.
+
+Der Quotient ist gleich dem Dividend, wenn man denselben durch den
+Divisor dividiert.
+
+Der Dividend ist ein Produkt aus dem Quotienten und dem Divisor.
+
+Wievielmal[3] grösser man den Dividend macht, sovielmal grösser wird
+dadurch auch der Quotient.
+
+Multipliziert man den Dividend und ebenso den Divisor mit einer und
+derselben Zahl, so bleibt der Quotient unverändert.
+
+Je kleiner man den Divisor macht, desto grösser wird der Quotient.
+
+Um[4] einen n mal grösseren Quotienten zu erhalten, kann man entweder
+den Dividenden n mal grösser oder aber[5] den Divisor n mal kleiner
+machen.
+
+_Brüche._ In je mehr Teile ein bestimmtes Ganzes geteilt wird, desto
+kleiner werden die Teile.
+
+Je grösser der Zähler eines Bruches bei gleichem Nenner ist, desto
+grösser ist sein Wert.
+
+Um einen Bruch seinem Werte nach[6] n mal kleiner zu erhalten, kann man
+entweder einen Zähler durch n dividieren oder seinen Nenner mit n
+multiplizieren.
+
+Wird eine Zahl mit 10 multipliziert, so erhält jede Art der Einheiten[7]
+derselben den zehnfachen früheren Wert, und daher den Namen der nächst
+höheren Art von Einheiten.
+
+Schriftlich[8] wird dies angedeutet, indem[9] man jede Ziffer in die
+nächst höhere Stelle rückt, welches dadurch bewirkt wird, dass man das
+Dezimalzeichen um eine Stelle von der Linken gegen die Rechte rückt.
+
+Ist die Zahl eine ganze Zahl, so wird die[10] dadurch leer werdende
+Stelle der Einer mit einer Null ausgefüllt.
+
+Um einen gegebenen Dezimalbruch mit einer ganzen Zahl zu multiplizieren,
+betrachte man ihn als eine ganze Zahl und schneide sodann vom Produkte
+soviele Dezimalstellen ab, als deren der gegebene Dezimalbruch enthält.
+
+
+2.
+
+Eine Zahl enthält den Faktor 9 und ist daher durch 9 teilbar, wenn die
+Quersumme[1] der Ziffern, mit welcher die Zahl geschrieben wird, durch 9
+teilbar ist.
+
+Eine Zahl enthält den Faktor 11 und ist also[2] durch 11 teilbar, wenn
+die Quersumme der ersten, dritten, fünften, siebenten etc. (d. h.[8] der
+ungeradstelligen[3]) gleich der Quersumme der 2., 4., 6., 8., etc.
+(d. h. der geradstelligen) Ziffern, von der Rechten gegen die Linke
+gezählt, ist, oder die Differenz dieser beiden Quersummen 11 oder ein
+Mehrfaches[4] von 11 beträgt.
+
+Nur Brüche mit gleichen Nennern[5] können addiert und subtrahiert
+werden.
+
+Gleichnamige Brüche werden addiert, indem man ihre Zähler[5] addiert.
+
+Brüche mit ungleichen Nennern werden addiert oder subtrahiert, indem
+man[6] sie zuerst in Brüche mit gleichen Nennern verwandelt, und diese
+sodann addiert oder subtrahiert.
+
+Man zerlege die Nenner der gegebenen Brüche in ihre Grundfaktoren,[7]
+d. h. in ihre kleinsten Faktoren.
+
+Man nehme aus der Reihe dieser Grundfaktoren zur Bildung des
+gemeinschaftlichen Nenners so viele als zur Darstellung jedes einzelnen
+Nenners, an und für sich[9] betrachtet, nötig sind.
+
+Aus den auf diese Weise ausgewählten Grundfaktoren bildet man sodann ein
+Produkt; dieses ist alsdann der kleinste gemeinschaftliche Nenner.
+
+Unter Brüchen von gleichen Nennern und ungleichen Zählern ist derjenige
+der grössere und beziehungsweise[10] der grösste, welcher den grösseren
+bezw. den grössten Zähler hat, und umgekehrt; und zwar: wievielmal
+grösser oder kleiner der Zähler eines Bruches als der Zähler eines
+anderen Bruches ist, sovielmal grösser oder kleiner ist auch der Wert
+des einen als der Wert des anderen Bruches.
+
+Ein Bruch wird mit einer ganzen Zahl multipliziert, entweder (a) indem
+man den Zähler mit der ganzen Zahl multipliziert; oder (b) indem man den
+Nenner durch die ganze Zahl dividiert.
+
+Ein Bruch wird durch einen andern Bruch dividiert, indem man den Disivor
+umkehrt, (d. h. indem man dessen Nenner zum Zähler macht) und alsdann
+mit demselben multipliziert.
+
+Das Verfahren, den grössten gemeinschaftlichen Faktor zweier Zahlen zu
+finden, besteht darin[11], dass man mit der kleineren der beiden Zahlen
+in die grössere, mit dem hierbei erhaltenen Reste in den vorigen
+Divisor, mit dem hierbei bleibenden Reste in den nächst vorhergehenden
+Divisor etc. dividiert. Erhält man endlich keinen Rest mehr, so zeigt
+dies an, dass der letzte Divisor der grösste gemeinschaftliche Faktor
+der beiden betreffenden[12] Zahlen ist.
+
+Man findet das vierte Glied[12] einer geometrischen Proportion, indem
+man das Produkt des zweiten und dritten Gliedes durch das erste Glied
+dividiert.
+
+Das Produkt der äusseren Glieder ist gleich dem Produkt der inneren
+Glieder. Das erste Hinterglied[13] verhält sich zum ersten
+Vorderglied[13], wie das zweite Hinterglied zum zweiten Vorderglied.
+
+Eine Progression heisst steigend, wenn jedes folgende Glied derselben
+grösser; fallend, wenn jedes folgende Glied kleiner ist als das
+vorhergehende.
+
+
+3.
+
+AUFGABEN.
+
+1. Die Zahl 5 soll[1] erhoben werden: a) ins Quadrat[2], b) in den
+Kubus, c) ins Biquadrat, d) in die fünfte Potenz.
+
+2. Aus 64 soll ausgezogen werden: a) die Quadratwurzel, b) die
+Kubikwurzel.
+
+3. Bei einem Geschäfte verdienen 5 Arbeiter in 42 Tagen bei 8stündiger
+Arbeit $210. Was würden 9 Arbeiter in 35 Tagen bei 10stündiger Arbeit
+verdienen?
+
+Auflösung. Je mehr Arbeiter, desto mehr Verdienst; also setzt man 5:9.
+Je weniger Tage, desto weniger Verdienst; also 42:35. Je mehr Stunden,
+desto mehr Verdienst; also 8:10. Nun multipliziert man $210 mit dem
+Produkt aus den Hintergliedern und dividiert durch das Produkt aus den
+Vordergliedern, was man dadurch vereinfacht[3], dass man erst die
+gemeinschaftlichen Faktoren herausnimmt.
+
+4. Ein Kaufmann findet, dass er durch einen glücklichen Handel mit
+seinem angelegten Kapital 15 Prozent gewonnen hat und dass dasselbe
+dadurch auf $15,571 angewachsen ist. Was war sein angelegtes Kapital?
+Antwort: $13,540.
+
+5. Ein Vater sagt zu seinem Sohne: Gegenwärtig bin ich gerade sechsmal
+so alt als du; nach zwölf Jahren werde ich nur dreimal so alt sein als
+du; wie alt ist der Vater und wie alt der Sohn?
+
+Auflösung. Es sei[4] x das gegenwärtige Alter des Sohnes; also ist 6x
+das des Vaters.
+
+In 12 Jahren ist der Sohn x+12 und der Vater 6x+12 Jahre alt.
+
+Da des Vaters Alter dann 3mal das des Sohnes beträgt[5], so muss man das
+des Sohnes mit 3 multiplizieren, um die Gleichung 6x+12=3x+36 zu
+erhalten.
+
+Indem man nun die x zur linken und die Zahlen zur rechten des
+Gleichheitszeichens sammelt, erhält man 3x=24, oder x (das gegenwärtige
+Alter des Sohnes)=8, woraus 6x (das gegenwärtige Alter des Vaters)=48.
+
+_Beweis._ Die Rechnung stimmt[6], denn in 12 Jahren hat der Sohn 8+12=20
+und der Vater 48+12=60 Jahre, ist also dreimal so alt.
+
+6. Zwei Kapitalisten berechnen ihr Vermögen. Es ergiebt sich, dass der
+eine doppelt so reich ist als der andere und dass sie zusammen $38,700
+besitzen. Wie reich ist nun jeder?
+
+7. Alle meine Reisen zusammen, erzählt ein Reisender, belaufen[7] sich
+auf 3040 Meilen; davon machte ich 3-1/2 mal so viel zu Wasser als zu
+Pferde, und 2-1/3 mal so viel zu Fuss als zu Wasser. Wie viele Meilen
+reiste dieser Mann auf jede von den drei erwähnten Arten? (240, 840,
+1960).
+
+8. Unter 3 Personen, A, B, C, sollen $1170 nach Verhältnis ihres Alters
+verteilt werden. Nun ist B um den dritten Teil älter, C aber doppelt so
+alt als A. Wie viel erhält jeder? (A 270, B 360, C 540).
+
+9. Es werden 3 Zahlen von der folgenden Beschaffenheit[8] gesucht. Wenn
+man von der ersten 4 abzieht und ebensoviel der zweiten zusetzt, so
+verhält[9] sich der Rest zur Summe wie 1 zu 2. Zieht[10] man von der
+zweiten 10 ab und setzt zur dritten ebensoviel zu, so verhält sich der
+Rest zur Summe wie 3 zu 10. Zieht man aber von der ersten 5 ab und
+setzt diese der dritten zu, so verhält sich der Rest zur Summe wie 3 zu
+11. Welche Zahlen sind es? (20, 28, 50).
+
+
+4.
+
+10. Eine Wittwe soll[1], nach dem Testamente ihres verstorbenen
+Ehemannes, mit ihren 2 Söhnen und 3 Töchtern eine Summe von $7500
+teilen; und zwar[2] soll jeder Sohn doppelt so viel bekommen wie jede
+Tochter, sie selbst aber gerade so viel[3] wie ihre Kinder
+zusammengenommen und noch überdies[4] $500. Wie viel wird die Wittwe und
+jedes ihrer Kinder bekommen? (4000, 1000, 500).
+
+11. Aus einem gewissen Orte wird ein Bote abgeschickt, der alle 5
+Stunden 7 Meilen zurücklegt[5]. 8 Stunden nach seiner Abreise wird ihm
+ein zweiter nachgeschickt, und dieser muss, um jenen einzuholen, alle 3
+Stunden 5 Meilen machen. Wann werden sie sich begegnen? (Antwort: 42
+Stunden nach der Abreise des zweiten Couriers).
+
+12. Um Zwölfe stehen beide Zeiger einer Uhr über einander. Wann und wie
+oft werden diese Zeiger in den nächsten 12 Stunden wieder übereinander
+stehen? (Antwort: 11 mal, 5-5/11 Minuten nach Eins und in jeder
+folgenden Stunde 5-5/11 Minuten später).
+
+13. Drei Maurer sollen eine Mauer aufführen. Der erste kann 8 Kubikfuss
+in 5 Tagen, der zweite 9 Kubikfuss in 4 Tagen, und der dritte 10
+Kubikfuss in 6 Tagen zu Stande bringen[6]. Wie viel Zeit werden diese 3
+Maurer brauchen, wenn sie gemeinschaftlich arbeiten, um 756 Kubikfuss
+von dieser Mauer aufzuführen? (137-13/331).
+
+14. Ein Hund verfolgt einen Hasen. Ehe der Hund zu laufen anfängt, hat
+der Hase schon 50 Sprünge gemacht. Wenn nun der Hase in eben[7] der Zeit
+6 Sprünge macht, in welcher der Hund 5 Sprünge tut, und 9 Hasensprünge
+gleich 7 Hundesprüngen sind, wie viele Sprünge wird der Hase noch
+machen können, ehe der Hund ihn einholt? (700).
+
+15. Ein Kaufmann ist genötigt,[8] um eine dringende Schuld zu bezahlen,
+eine gewisse Waare auf den Einkaufspreis herabzusetzen.[9] Wegen
+schlechter Buchführung kennt er weder das Gewicht noch den
+Einkaufspreis. Er erinnert sich nur so viel, dass er, wenn er das Pfund
+für .30 verkauft hätte, $12 daran gewonnen, und wenn er es für .22
+verkauft hätte, $36 daran verloren haben würde. Wie gross war nach
+diesen Angaben[10] das Gewicht der Waare und der Einkaufspreis? (600
+Pfund, .28).
+
+16. Eine Bäuerin bringt Eier zu Markte, mehr als 100 aber weniger als
+200. Sie ist unschlüssig, ob sie dieselben nach Mandeln[11] oder
+Dutzenden verkaufen soll; denn im ersten Fall bleiben ihr 4, im zweiten
+10 Eier übrig. Wie viele Eier hat sie demnach? (154.)
+
+17. Es soll eine Zahl gefunden werden, deren Quadrat diese Zahl um[12]
+306 übertrifft. Welche Zahl ist es? (18.)
+
+18. 37 Pfund Zinn verlieren im Wasser 5 Pfund, und 23 Pfd. Blei
+verlieren im Wasser 2 Pfd.; eine Komposition von Zinn und Blei, welche
+120 Pfd. wiegt, verliert im Wasser 14 Pfd. Wie viel Zinn und wie viel
+Blei befinden sich darin? (74 Zinn, 46 Blei.)
+
+19. Es werden zwei Zahlen gesucht, deren Summe 70 und deren Differenz 16
+ist. Welche Zahlen sind es? (43, 27.)
+
+20. Zwei Zahlen sind durch folgende Merkmale[13] gegeben: Vergrössert
+man die erste um 4, so wird sie 3-1/4 mal so gross als die zweite;
+vergrössert man aber die zweite um 8, so wird sie erst halb so gross als
+die erste. (48, 16.)
+
+21. Ein König in Indien, Namens Sheran, verlangte, nach dem Berichte[14]
+des arabischen Schriftstellers Asephad, dass Sessa, der Erfinder des
+Schachspiels, sich selbst eine Belohnung wählen sollte. Dieser erbat
+sich hierauf die Summe der Weizenkörner, die herauskommt, wenn eins für
+das erste Feld[15] des Schachbretts, 2 für das zweite, 4 für das dritte,
+und so immer für jedes der 64 Felder doppelt so viele Körner als für das
+vorhergehende gerechnet werden. Als gerechnet wurde, fand man, zum
+Erstaunen des Königs, eine ungeheure Summe. Welche? Antwort:
+18,446,744,073,709,551,615, eine Summe, welche auf der ganzen Erde, nach
+einer mässigen Berechnung, erst in mehr als 70 Jahren gewonnen werden
+könnte, wenn man auch[16] alles feste Land zum Anbau von Weizen
+benutzte.
+
+
+5.
+
+GEOMETRIE.
+
+Eine gerade Linie ist diejenige, welche nicht aus ihrer Lage kommt, wenn
+sie sich um zwei in ihr liegenden festen Punkte, z. B.[1] um ihre
+Endpunkte, dreht.
+
+[Illustration]
+
+Die[2] beiden einen Winkel bildenden Linien BA, BC, heissen die
+Schenkel, und der Punkt B, in welchem sie zusammenstossen, der Scheitel
+(der Scheitelpunkt, die Spitze) des Winkels.
+
+Zwei Winkel, welche einen Scheitel gemein haben und deren beiden andern
+Schenkel eine gerade Linie bilden, heissen Nebenwinkel.
+
+Alle Winkel, welche an einerlei[3] Seite einer geraden Linie liegen und
+einen Scheitel in derselben gemein haben, betragen zusammen zwei rechte
+Winkel.
+
+Wenn zwei gerade Linien sich schneiden, so sind je zwei gegenüber
+liegende Winkel, welche man Scheitelwinkel nennt, einander gleich.
+
+Alle Winkel, welche rings um einen gemeinschaftlichen Scheitelpunkt
+liegen, betragen zusammen immer vier rechte.
+
+Zwei Dreiecke sind kongruent[4], wenn sie zwei Seiten und den[5] von
+denselben eingeschlossenen Winkel wechselweise gleich haben.
+
+_Aufgabe._ Es[6] sind alle drei Seiten, a, b, c, eines Dreiecks gegeben;
+es soll das dadurch bestimmte Dreieck gezeichnet werden.
+
+_Auflösung._ Man stecke[7] eine der gegebenen Seiten, z. B. a in der
+Linie BC ab, beschreibe aus dem einen Endpunkt B mit der Seite _c_ als
+Radius einen Bogen _mn_, ebenso aus C mit der Seite _b_ als Radius einen
+zweiten Bogen _pq_, und ziehe von dem Durchschnittspunkt A der beiden
+Bögen Gerade nach B und C, so ist ABC das verlangte Dreieck.
+
+_Aufgaben._ 1. Auf einer Linie BH in einem bestimmten Punkte D eine
+Senkrechte zu errichten.
+
+2. Eine gegebene Linie zu halbieren.
+
+3. Von einem ausserhalb einer Linie GH gegebenen Punkte A eine
+Senkrechte auf dieselbe zu fällen.
+
+ * * * * *
+
+Wenn zwei Parallelen von einer dritten Linie geschnitten werden, so
+entstehen acht Winkel:
+
+[Illustration]
+
+I. Auf einerlei Seite der Schneidenden:
+
+1. Innere Winkel innerhalb der Parallelen.
+
+2. Aeussere Winkel ausserhalb der Parallelen.
+
+3. Korrespondierende oder gleichliegende Winkel (oder Gegenwinkel) auf
+einerlei Seite der Parallelen, beide unterhalb oder beide oberhalb.
+
+II. Auf verschiedenen Seiten der Schneidenden:
+
+Wechselwinkel: innere, äussere, korrespondierende.
+
+ * * * * *
+
+Wenn zwei Linien gegen eine dritte eine solche Lage haben, dass die
+inneren Wechselwinkel gleich sind, so sind die Linien parallel.
+
+In jedem Dreieck ist die Summe aller Winkel gleich zwei rechten.
+
+Ein Dreieck kann also[8] nur einen rechten oder nur einen stumpfen
+Winkel enthalten; die beiden andern müssen alsdann[9] spitz sein.
+
+Der Aussenwinkel am Dreieck ist gleich der Summe der beiden innern
+gegenüber liegenden Winkel.
+
+Unter Aussenwinkel ist derjenige gemeint, den die Verlängerung einer
+Seite mit der daran stossenden[10] bildet.
+
+
+6.
+
+Der Kreis ist eine[1] von einer krummen Linie so begrenzte ebene Figur,
+dass alle ihre Punkte von einem innerhalb liegenden Punkte, den man
+Mittelpunkt oder Centrum (Zentrum) nennt, gleich weit entfernt sind.
+
+Die[2] vom Mittelpunkt des Kreises auf eine Sehne[3] gefällte Senkrechte
+halbiert die Sehne und den dazu gehörigen[4] Bogen.
+
+_Aufgabe._ Durch 3 ganz beliebig[5] gegebene, jedoch nicht in gerader
+Linie liegende Punkte A, B, C, einen Kreis zu beschreiben.
+
+_Auflösung._ Man verbinde zwei und zwei Punkte AB und BC, so kann man
+die Linien AB und BC als Sehnen des zu beschreibenden Kreises
+betrachten. Errichtet man also auf deren Mittel Perpendikel, so muss
+jedes derselben durch den gesuchten Mittelpunkt gehen.
+
+Der Centriwinkel[6] ist immer doppelt so gross als der auf demselben
+Bogen stehende Peripheriewinkel[7].
+
+Jeder Winkel im Halbkreise ist ein rechter Winkel.
+
+ * * * * *
+
+In jedem Parallelogramm sind die gegenüber liegenden Seiten und Winkel
+einander gleich, und eine Diagonale teilt es in zwei kongruente
+Dreiecke.
+
+Parallelogramme von gleicher Grundlinie und Höhe sind inhaltsgleich.[8]
+
+Der Inhalt eines Dreiecks ist gleich dem halben Produkt aus Grundlinie
+und Höhe.
+
+DER PYTHAGORAEISCHE LEHRSATZ.
+
+[Illustration]
+
+_Der Pythagoräische Lehrsatz._ In jedem rechtwinkligen Dreieck ist das
+Quadrat der Hypotenuse so gross wie die Quadrate der beiden Katheten[9]
+zusammengenommen.
+
+_Beweis._ Sei[10] CAB ein bei A rechtwinkliges Dreieck, und seien über
+seinen drei Seiten Quadrate errichtet, so soll die Fläche des auf der
+Hypotenuse BC stehenden Quadrats allein so gross sein wie die Flächen
+der[11] beiden auf den Katheten AC und AB stehenden Quadrate
+zusammengenommen. Aus dem Scheitel A des rechten Winkels sei AL parallel
+zu CH gezogen, so ist dadurch das Quadrat der Hypotenuse in zwei
+Rechtecke CHLK und LKBJ geteilt, und es lässt[12] sich nun zeigen, dass
+jedes der beiden Rechtecke seinem benachbarten Quadrate an Inhalt gleich
+ist. Zieht man nämlich noch die Hülfslinien[13] AJ und CG, so haben die
+beiden Dreiecke ABJ und CBG zwei Seiten und den eingeschlossenen Winkel
+gleich, nämlich JB=CB.
+
+(Man denke sich das Dreieck CBG um den Punkt B gedreht, so fällt der
+Punkt C auf J und G auf A.)
+
+Das Dreieck ABJ hat nun mit dem Rechteck LKBJ einerlei Grundlinie BJ und
+gleiche Höhe KB; ebenso haben das Dreieck CBG und das Quadrat ABGF
+einerlei Grundlinie BG und gleiche Höhe AB, daher: Dreieck ABJ=1/2
+Rechteck KBJL und CBG=1/2 Quadrat ABGF. Da nun die beiden Dreiecke ABJ
+und CBG gleich gross sind, so ist auch 1/2 Rechteck KBJL=1/2 Quadrat
+ABGF, also auch das ganze Rechteck so gross wie das ganze Quadrat.
+
+Ebenso zeigt man an der andern Seite, indem man[14] die Hülfslinien AH
+und BD zieht, dass auch das Rechteck CHLK dem Quadrat ACDE an Fläche
+gleich ist, und folglich auch beide Rechtecke zusammen, d. i.[15] das
+Quadrat der Hypotenuse, so gross ist, wie die Summe der Quadrate der
+beiden Katheten.
+
+_Zusatz._ Das Quadrat der einen Kathete ist so gross wie das Quadrat der
+Hypotenuse weniger dem Quadrat der andern Kathete.
+
+
+7.
+
+_Parallellinien._ Zwei gerade Linien, welche in einerlei Ebene liegen
+und nach keiner Seite hin[1] zusammentreffen, wie weit[2] man sie auch
+verlängert denken mag, heissen parallel (gleichlaufend[3]).
+
+Wenn man auf dem einen Schenkel eines Winkels gleiche Stücke abschneidet
+und durch die Teilpunkte Parallele an den andern Schenkel zieht, so
+schneiden diese auch auf dem andern Schenkel gleiche Stücke ab.
+
+Parallelen zwischen den Schenkeln eines Winkels schneiden auf denselben
+proportionale Stücke ab.
+
+Zwei Figuren heissen ähnlich, wenn sie gleichwinklig sind und die[4] in
+gleicher Ordnung zwischen gleichen Winkeln liegenden Seiten dasselbe
+Verhältnis zu einander haben.
+
+In ähnlichen Dreiecken sind die[5] den gleichen Winkeln gegenüber
+liegenden Seiten proportional.
+
+Die Umfänge ähnlicher Figuren verhalten sich[6] wie zwei ähnlich
+liegende Seiten, ihre Inhalte aber wie die Quadrate ähnlich liegender
+Seiten.
+
+Wenn in einer Proportion die beiden innern Glieder gleich sind, wie in
+2:6=6:18, so heisst eines der gleichen mittlern Glieder die mittlere
+Proportionale oder das geometrische Mittel der beiden äussern.
+
+Das Perpendikel von einem beliebigen Punkte der Peripherie eines Kreises
+auf den Durchmesser ist die mittlere Proportionale zwischen den beiden
+Abschnitten des Durchmessers.
+
+Die[7] vom Scheitel des rechten Winkels eines rechtwinkligen Dreiecks
+auf die Hypotenuse gefällte Senkrechte ist das geometrische Mittel
+zwischen den Abschnitten der Hypotenuse.
+
+Jede der beiden Sehnen ist die mittlere Proportionale zwischen dem
+anliegenden[8] Abschnitt des Durchmessers und dem ganzen Durchmesser.
+
+Jede Kathete ist das geometrische Mittel zwischen dem anliegenden
+Abschnitt der Hypotenuse (begrenzt durch die Höhe auf derselben) und der
+Hypotenuse selbst.
+
+_Aufgabe._ Ein Quadrat zu zeichnen, welches so gross ist wie ein
+gegebenes Rechteck; mit anderen Worten, ein gegebenes Rechteck PBDE in
+ein an Inhalt gleiches Quadrat zu verwandeln.
+
+_Auflösung._ Es kommt nur darauf an,[9] zu den beiden gegebenen Seiten
+des Rechtecks PE und PB die mittlere Proportionale x zu finden, so dass
+PE:x=x:PB, denn dann ist x²=PE.PB.
+
+[Illustration]
+
+Man füge also PE geradlinig an PB, so dass AP=PE, beschreibe über AB,
+als Durchmesser, einen Halbkreis, errichte in P auf AB das Perpendikel
+MP, so ist das über dieses Perpendikel konstruierte Quadrat MPQR das
+verlangte, weil MP²=AP.PB=PE.PB.
+
+
+8.
+
+Ein Vieleck heisst regelmässig, wenn alle Seiten und alle Winkel
+gleichgross sind.
+
+[Illustration]
+
+Um um[1] einen Kreis ein regelmässiges Viereck zu beschreiben, dessen
+Seiten mit denen des eingeschriebenen parallel sind, halbiere[2] man
+einen Bogen in M, ziehe durch M eine Tangente, welche die verlängerten
+Radien CB, CD in T und H schneidet, dann ist HT eine Seite des
+umschriebenen Vierecks, welche man nur in dem mit CT als Halbmesser
+beschriebenen zweiten Kreise herumzutragen[3] braucht.
+
+ * * * * *
+
+Der Inhalt eines[4] um den Kreis beschriebenen regelmässigen Vielecks
+ist gleich der Fläche[5] eines Dreiecks, dessen Grundlinie gleich dem
+Umfang des Vielecks, und dessen Höhe gleich dem halben Radius des
+Kreises ist.
+
+Der Flächeninhalt eines Kreises ist so gross wie der eines Dreiecks,
+dessen Grundlinie gleich dem Umfange und dessen Höhe gleich dem
+Halbmesser des Kreises ist.
+
+KOERPERLICHE[6] GEOMETRIE.
+
+So wie man eine gerade Linie nach beiden Enden hin bis in's
+Unendliche[7] verlängert denken kann, so kann man sich auch eine Ebene
+nach allen Seiten hin bis ins Unendliche ausgedehnt denken.
+
+Durch zwei Punkte A und B, oder durch die sie verbindende gerade Linie
+kann man unzählige Ebenen legen (führen).
+
+Körper[8] heisst jeder nach allen Richtungen hin begrenzte Raum. Die
+Summe aller ihn begrenzenden Flächen heisst die Oberfläche des Körpers.
+
+Die Linien, in welche sich irgend zwei[9] den Körper begrenzende Ebenen
+schneiden, heissen Kanten.
+
+An den Punkten, in welchen drei oder mehrere Grenzebenen
+zusammenstossen, entsteht[10] das, was man, von aussen betrachtet, eine
+Ecke, von innen gesehen, einen körperlichen Winkel nennt.
+
+Jeder Körper, dessen Grundflächen[11] kongruente Vielecke, und dessen
+Seitenflächen, welche die parallelen Seiten dieser Vielecke verbinden,
+Parallelogramme sind, heisst ein Prisma, und zwar[12] ein dreiseitiges,
+vierseitiges etc., je nachdem die Grundflächen Dreiecke, Vierecke etc.
+sind.
+
+Walze oder Cylinder (Zylinder) heisst jeder prismatische Körper, der
+zwei kongruente und parallele Kreise zu Grundflächen hat und dessen
+Seitenfläche (Mantel) eine einzige solche krumme Fläche ist, deren
+sämmtliche mit der Grundfläche parallele Durchschnitte der Grundfläche
+gleich sind.
+
+Man unterscheidet gerade und schiefe Cylinder, je nachdem ihre Achse
+senkrecht oder schief auf der Grundfläche steht.
+
+Würfel oder Kubus heisst jedes Parallelopiped, dessen Grundflächen und
+Seitenflächen Quadrate sind, die folglich gleich und senkrecht auf
+einander sind.
+
+Kegel heisst jeder pyramidische Körper, dessen Grundfläche gewöhnlich
+ein Kreis, und dessen Seitenfläche (Mantel) eine einzige solche krumme
+ist, dass darin von der Spitze nach jedem Punkte der Peripherie der
+Grundfläche eine gerade Linie gezogen werden kann.
+
+
+9.
+
+Die Seitenfläche eines geraden Prismas wird erhalten, indem man den
+Umfang mit der Höhe multipliziert.
+
+Pyramiden von gleich grosser Grundfläche und Höhe sind inhaltsgleich.[1]
+
+Der Inhalt einer Pyramide ist gleich dem dritten Teil vom Produkte aus
+Grundfläche und Höhe, oder, was dasselbe sagt, gleich der Grundfläche
+mit einem Drittel der Höhe multipliziert.
+
+Man kann den Kegel als eine Pyramide betrachten, deren Grundfläche ein
+regelmässiges Vieleck von unendlich vielen Seiten ist.
+
+Der Cylinder kann als ein regelmässiges Prisma von unendlicher
+Seitenzahl betrachtet werden.
+
+Was die Mantelfläche[2] des geraden Cylinders betrifft, so kann man sich
+dieselbe vom Cylinder abgewickelt denken und erhält dann offenbar ein
+Rechteck, dessen Höhe die Höhe des Cylinders, und dessen Grundlinie
+gleich dem Umfange der Grundfläche (2[pi]r) ist.
+
+Die Kugel ist ein Körper von einer einzigen krummen Fläche dergestalt[3]
+begrenzt, dass alle Punkte derselben von einem innerhalb liegenden Punkt
+gleich weit entfernt sind.
+
+Ein[4] von einem grössten Kreis begrenzter Abschnitt heisst Halbkugel.
+
+Die Oberfläche einer Kugel ist viermal so gross als die Fläche eines
+grössten Kreises, und der Inhalt der Kugel so gross als der eines
+Kegels, dessen Grundfläche gleich der Oberfläche, und dessen Höhe gleich
+dem Radius der Kugel ist. (F=4[pi]r². V=4/3[pi]r³).
+
+Man denke sich einen Cylinder, einen Kegel und eine Kugel gezeichnet, so
+dass die Radien aller drei Körper gleich sind, und die Höhe des Kegels
+und des Cylinders gleich dem doppelten Radius sind. Wie verhalten[5]
+sich diese drei Körper, Kegel, Kugel und Cylinder hinsichtlich ihres
+Kubikinhalts zu einander? Antwort: wie 1:2:3. Dieses merkwürdige
+Verhältniss entdeckte Cicero auf einem[6] dem Archimed in Syrakus
+gesetzten Denkmale.
+
+Die Inhalte ähnlicher Körper verhalten sich wie die Kuben ähnlich
+liegender Seiten.
+
+Zwei Körper heissen ähnlich, wenn die körperlichen Winkel wechselweise
+gleich sind, und je zwei ähnlich liegende Kanten dasselbe Verhältnis zu
+einander haben. Alsdann sind offenbar auch die Seitenflächen ähnlich und
+beide Körper an Form vollkommen gleich, und nur an Grösse verschieden.
+
+Zwei Körper heissen symmetrisch (ebenmässig), wenn alle entsprechenden
+Bestandtheile derselben, wie Ecken, Winkel, Seitenflächen etc., einzeln
+genommen einander vollkommen gleich sind, jedoch in der Zusammensetzung
+gerade entgegengesetzte Lage haben, so dass dasselbe Stück, welches bei
+dem einen Körper rechts, oben etc., in dem andern links, unten etc.
+liegt.
+
+
+10.
+
+DIE PHYSIK.
+
+Die Physik beschäftigt sich im Wesentlichen[1] mit gewissen
+Erscheinungen und Veränderungen an leblosen Naturkörpern, welche nicht
+von einer Aenderung des Stoffes begleitet sind.
+
+Ein Naturkörper ist ein allseitig[2] begrenzter Teil des Raumes, welcher
+mit Stoff (Materie, Substanz) ausgefüllt ist.
+
+Ein jeder Körper besitzt eine gewisse Ausdehnung; er dehnt sich nach
+allen Richtungen aus. Man unterscheidet drei Hauptrichtungen: Länge,
+Breite und Höhe (Dicke).
+
+Zur Messung von Längen dient das Längenmass, dessen Einheit[3] das Meter
+(m) bildet; dasselbe ist der vierzigmillionste Teil des Erdumfangs von
+Pol zu Pol gemessen. Die Einheit des Flächenmasses ist das Quadratmeter
+(qm oder m²).
+
+Die Einheit des Raummasses ist das Kubikmeter (cbm oder m³).
+
+Die gesetzliche Längeneinheit bildet das[4] von der Internationalen
+Kommission der Masse und Gewichte in Paris aufbewahrte Normalmeter aus
+Platiniridium.
+
+_Allgemeine Eigenschaften[5] des Stoffs._ Die Undurchdringlichkeit ist
+diejenige Eigenschaft des Stoffs, vermöge deren an dem Ort, wo sich ein
+Naturkörper befindet, nicht gleichzeitig ein zweiter existieren kann.
+Diese Eigenschaft ist uns an den starren[6] und flüssigen Körpern durch
+die tägliche Erfahrung geläufig[7]. Weniger auffallend ist sie bei den
+luftförmigen Körpern. Sie zeigt sich indessen z. B., wenn man ein
+umgekehrtes Trinkglas unter Wasser drückt: das Wasser füllt dasselbe
+nicht an, weil die Luft nicht entweichen kann. (Hierauf beruht die
+Taucherglocke). Ebenso zeigt sich die Undurchdringlichkeit der Luft an
+den zerstörenden Wirkungen der Stürme.
+
+Die Teilbarkeit der Körper ist ebenfalls Gegenstand der täglichen
+Erfahrung. Manche Körper sind in hervorragendem Masse teilbar, z. B. die
+edlen Metalle (das Gold lässt sich zu 0,0001 mm dicken Blättern
+ausschlagen), die Farbstoffe.
+
+Mit dem Namen Porosität wird die allgemeine Thatsache bezeichnet, dass
+die Moleküle der Körper nicht dicht aufeinanderliegen, sondern dass sich
+mehr oder weniger grosse Zwischenräume zwischen denselben befinden, in
+welche unter Umständen die Moleküle anderer Körper eindringen können. So
+lässt sich durch kompakte Metalle mittelst starken Drucks Wasser
+hindurchtreiben, woraus wir schliessen müssen, dass die molekularen
+Zwischenräume oder Poren der Metalle grösser sind als die Moleküle des
+Wassers. Die Porosität im gewöhnlichen Sinne des Wortes, wie sie z. B.
+ein Schwamm oder ein Ziegelstein zeigt, ist selbstverständlich[8] keine
+allgemeine Eigenschaft der Körper.
+
+Die Eigenschaft der Zusammendrückbarkeit und Ausdehnbarkeit ist eine
+Folge der Porosität. Sie beruht auf einer Aenderung der Grösse der
+Molekülzwischenräume durch äussern Druck oder Zug oder durch andere
+Einwirkungen, z. B. durch Erwärmen und Abkühlen.
+
+In engem Zusammenhang mit der Volumänderung der Körper steht die
+allgemeine Eigenschaft der Elastizität, d. h. des Bestrebens der
+Moleküle, nach dem Aufhören des äusseren Zwanges ihre frühere Lage
+wieder anzunehmen.
+
+
+11.
+
+Das Beharrungsvermögen[1] im allgemeinsten Sinne bezeichnet diejenige
+Eigenschaft, wonach der Stoff von selbst keine Veränderungen erleidet,
+sondern hierzu äusserliche Einwirkungen erfordert, welche man
+Naturkräfte nennt. Man kann sogar sagen, der Stoff widersetzt sich den
+Veränderungen, oder er sucht in dem Zustande zu beharren, in dem er sich
+gerade[2] befindet. Dieses allgemeinste Prinzip aller Naturerklärung
+führt den Namen des Gesetzes von Ursache und Wirkung oder des
+Kausalgesetzes[3].
+
+Ein ruhender Körper hat demnach das Bestreben, in Ruhe zu bleiben,
+während anderseits ein[4] etwa durch einen Stoss in Bewegung gesetzter
+Körper, wenn er durch keinerlei äussere Einwirkung daran verhindert
+würde, in gerader Linie und mit unveränderter Geschwindigkeit ins
+Unendliche sich fortbewegen würde. Dasselbe würde geschehen, wenn wir
+einen Körper in Drehung um eine Achse versetzten; auch diese Drehung
+würde mit unveränderlicher Drehungsgeschwindigkeit ins Unendliche
+fortdauern.
+
+Der erste Teil des obigen Satzes wird fortwährend durch die tägliche
+Erfahrung bestätigt; hierauf beruht z. B. das Durchschlagen einer
+Fensterscheibe durch eine abgeschossene Kugel. Die Festigkeit[5] des
+Glases reicht nicht hin[6], um den Widerstand, mit dem sich die ruhende
+Scheibe der Annahme[7] der grossen Geschwindigkeit der Kugel
+widersetzt, zu überwinden; infolgedessen[8] bricht der von der Kugel
+unmittelbar getroffene Teil heraus, ehe die benachbarten Teile des
+Glases in so grosse Bewegung gerathen können, dass ein Springen der
+ganzen Scheibe eintritt. Legt man eine Münze auf einem Kartenblatt über
+die Mündung einer Flasche, so fällt sie beim Wegschnellen[9] des
+Kartenblatts in die Flasche.
+
+Für den zweiten Teil des Satzes haben wir keine strengen
+Erfahrungsbeweise, weil auf der Erde jede Bewegung Widerstände erfährt
+und infolgedessen ein durch Stoss bewegter Körper nach längerer oder
+kürzerer Zeit zur Ruhe kommt.
+
+Beispiele[10] für seit undenklichen Zeiten gleichmässige
+Drehungsbewegungen bieten die Achsendrehungen der Planeten.
+
+Statt Beharrungsvermögen gebraucht man auch den weniger
+entsprechenden[11] Ausdruck Trägheit.
+
+
+12.
+
+Die Schwere äussert[1] sich als das Bestreben eines jeden Körpers, sich
+nach dem Erdmittelpunkte hin zu bewegen. Wird[2] demnach ein Körper an
+dieser Bewegung nicht verhindert, so setzt sich derselbe in der Richtung
+nach dem Erdmittelpunkte in Bewegung; wird jedoch durch eine feste
+Unterlage[3] oder durch Aufhängen diese Bewegung unmöglich gemacht, so
+übt[4] der Körper einen Druck oder Zug aus. Diesen Druck oder Zug nennt
+man das Gewicht des Körpers.
+
+Die Fallbewegung geschieht also[5] an jedem Orte in der Richtung des
+Erdhalbmessers; dieselbe Richtung nimmt ein biegsamer Faden an, an
+welchem ein schwerer Körper aufgehängt ist (Lot[6]). Man nennt diese
+Richtung die lotrechte, senkrechte oder vertikale. Eine zu dieser
+Richtung rechtwinklige Ebene oder Linie nennt man wagerecht oder
+horizontal.
+
+Um das Gewicht eines Körpers zu bestimmen, vergleicht man es mittels der
+Wage mit dem Gewichte bestimmter Körper, deren Gewichte bestimmte
+Vielfache[7] oder Bruchteile der Gewichtseinheit sind; dieselben nennt
+man kurz Gewichte.
+
+Als Gewichtseinheit dient das Gramm (g), welches demjenigen Druck
+gleichgesetzt ist, den ein Kubikzentimeter Wasser von 4° C. auf seine
+Unterlage ausübt. (1000 Kilogramm (kg) sind eine Tonne (t), 100 kg sind
+1 Meterzentner oder Doppelzentner.)
+
+Ein Körper von doppeltem Volumen besitzt doppelt soviel, ein Körper von
+10fachem Volumen 10mal soviel Gewicht als ein gleichartiger Körper von
+einfachem Volumen, oder allgemein: Das Gewicht eines Körpers ist dem
+Volumen proportional.
+
+Gleich grosse Volumina verschiedenartiger Körper besitzen im Allgemeinen
+verschiedene Gewichte.
+
+Man nennt das Gewicht der Volumeneinheit eines Körpers sein spezifisches
+Gewicht. Anstatt dessen giebt[8] man gewöhnlich an wie viel mal so gross
+das Gewicht eines Körpers ist als das Gewicht eines gleich grossen
+Volumens Wasser von 4° C. Diese unbenannte Zahl nennt man das relative
+Gewicht oder auch die Dichtigkeit oder Dichte, oder auch vielfach
+ebenfalls das spezifische Gewicht.
+
+Dieses relative Gewicht erhält man, wenn man das Gewicht des Körpers
+durch das Gewicht eines gleichgrossen Wasservolumens dividiert. Ersteres
+bestimmt man mit der Wage; letzteres kann auf mehrfache Weise gefunden
+werden; z. B. mittels des Pyknometers[9]. So nennt man ein kleines
+Glaskölbchen mit engem Hals und trichterförmig erweiterter Mündung.
+Diese kann durch einen aufgelegten Glasdeckel verschlossen werden, um
+während der Wägung die Verdunstung zu verhindern. Es sei[10] nun P_{1}
+das Gewicht des gut ausgetrockneten, leeren Pyknometers mit dem
+Glasdeckel. Man füllt dasselbe alsdann[11] bis zu etwa einem Drittel mit
+der zerkleinerten Substanz; das Gewicht sei jetzt P_{2}. Hierauf füllt
+man bis zu einer[12] an dem verengerten Halse angebrachten Marke mit
+Wasser und sorgt dafür, dass in der eingefüllten Substanz keine
+Luftblasen zurückbleiben; das Gewicht sei nun P_{3}. Endlich entfernt
+man die Substanz vollständig und füllt bis zur Marke mit Wasser; das
+Gewicht sei P_{4}. Alsdann ist das Gewicht der Substanz P=P_{2}-P_{1},
+das Gewicht des gleichen Wasservolumens p=P_{4}+P_{2}-P_{1}-P_{3} und
+das relative Gewicht D=P:p.
+
+
+13.
+
+_Ruhe und Bewegung._ Wenn ein Körper zu verschiedenen, aufeinander
+folgenden Zeiten verschiedene Orte und Lagen[1] einnimmt, so sagen wir,
+derselbe ist in Bewegung. Bleibt[2] Ort und Lage im Laufe der Zeit
+ungeändert, so sagen wir, der Körper ist in Ruhe.
+
+Wir können folgende Arten der Bewegung unterscheiden:
+
+1. Die Bewegung des ganzen Körpers gegen ausserhalb desselben
+gelegene[3] Körper oder die fortschreitende[4] Bewegung. Je nachdem die
+Aufeinanderfolge der Orte (der Weg oder die Bahn des Körpers) eine
+gerade oder krumme Linie bildet, unterscheidet man geradlinige und
+krummlinige Bewegungen.
+
+2. Die Bewegungen der einzelnen Punkte eines Körpers um einen als fest
+angenommenen Punkt oder um eine feste Linie (Achse) des Körpers selbst,
+die drehenden Bewegungen. Alle Bewegungen können stets aus den beiden
+vorhergehenden Arten zusammengesetzt werden.
+
+Die[5] von einem[6] in fortschreitender Bewegung begriffenen Körper
+zurückgelegten Wege sind entweder immer gleich gross, dann heisst die
+Bewegung gleichförmig; oder sie sind ungleich, dann heisst die Bewegung
+ungleichförmig oder veränderlich. Werden[7] im zweiten Falle diese Wege
+im Laufe der Zeit immer kleiner, so nennt man die Bewegung verzögert;
+werden sie grösser, beschleunigt.
+
+Die Geschwindigkeit ist der[8] in der Zeiteinheit (gewöhnlich in einer
+Sekunde) zurückgelegte Weg. Die Geschwindigkeitszunahme in der
+Zeiteinheit heisst Beschleunigung, die Geschwindigkeitsabnahme heisst
+Verzögerung.
+
+Unter Geschwindigkeit einer veränderlichen Bewegung in einem bestimmten
+Augenblick verstehen wir denjenigen Weg, den der Körper in der nächsten
+Zeiteinheit zurücklegen würde, wenn er sich von diesem Augenblick an nur
+infolge[9] seines Beharrungsvermögens, also gleichförmig, weiter
+bewegte.
+
+In einem sehr kleinen Zeitabschnitt, welchen wir mit dt bezeichnen
+wollen, können wir die Geschwindigkeit v als unveränderlich ansehen. Der
+in diesem Zeitabschnitt zurückgelegte Weg, welcher ebenfalls sehr klein
+ist, sei ds. Dann ist v=ds/dt der Wert für die Geschwindigkeit einer
+beliebig[10] veränderlichen Bewegung in einem bestimmten Augenblick.
+
+Eine gleichförmig beschleunigte oder verzögerte Bewegung kommt dadurch
+zu stande[11], dass auf einen Körper in der Richtung seiner Bewegung
+oder gegen dieselbe eine unveränderliche (konstante) Kraft wirkt.
+
+In solchen Fällen lehrt die Erfahrung:
+
+1. Bei[12] gleichen Massen verhalten sich die hervorgebrachten
+Beschleunigungen wie die wirkenden Kräfte.
+
+2. Bei gleichen Kräften verhalten sich die Beschleunigungen umgekehrt
+wie die Massen.
+
+3. Bei gleichen Beschleunigungen verhalten sich die Kräfte wie die
+Massen.
+
+Das Gewicht z. B. ist eine konstante Kraft, welche auf jeden Körper auf
+der Erde einwirkt.
+
+
+14.
+
+Die Gewichtseinheit[1] kann gleichzeitig als Krafteinheit dienen. Man
+benutzt in der Mechanik das Kilogramm als Einheit der Kraft. Eine Kraft
+von 28 kg heisst[2] demnach, dass dieselbe 28 mal so gross ist, wie der
+Druck, welchen 1 l Wasser infolge der Schwere auf seine Unterlage
+ausübt, wenn g=9,806 m/sec² ist. (Man definiert jetzt 1 kg als
+das Gewicht von 1 l Wasser unter 45° geographische Breite[3] am
+Meeresspiegel[4], wo g=9,806 m/sec² ist).
+
+Die Masseneinheit werden wir am bequemsten[5] so wählen, dass dieselbe
+durch die Einwirkung der Kraft 1 kg eine Beschleunigung von 1 m/sec²
+(=Einheit der Beschleunigung) erlangt. Die Masseneinheit wird demnach
+dargestellt[6] z. B. durch 9,81 l Wasser oder 1,40 l Zink etc.
+
+Für die Berechnung der Masse eines Körpers erhalten wir die Regel: Die
+Masse ist gleich dem Gewicht dividiert durch die Schwerebeschleunigung
+unter 45° Breite.
+
+So ist z. B. die Masse eines Eisenbahnzuges von 100 t[7] Gewicht =
+100,000/98,06 = 10198 kg.sec²/m. Soll[8] also derselbe durch die
+Lokomotive eine Beschleunigung von 0,2 m/sec² erhalten, so muss deren
+Zugkraft=0,2.10198=2040 kg sein.[9]
+
+Wir sagen, es wird mechanische Arbeit verbraucht, wenn ein Körper sich
+in Bewegung befindet, während Kräfte vorhanden sind, welche dieser
+Bewegung Widerstand leisten. Die Arbeit besteht also[10] kurz gesagt in
+einer Ueberwindung von Widerstandskräften und wird von denselben
+verbraucht. Diese verbrauchte Arbeit muss von anderen (den treibenden
+Kräften) geleistet werden.
+
+Wenn der Widerstand verdoppelt oder verdreifacht wird, so nimmt[11] die
+erforderliche Arbeitsleistung in demselben Verhältniss zu, d. h. die
+Arbeit ist dem überwundenen Widerstand proportional. Ebenso ist die
+Arbeit proportional dem Wege, längs dessen der Widerstand überwunden
+wird. Bezeichnen wir somit den Widerstand oder die Kraft mit K, den Weg
+mit S und die Arbeit mit A, so ist A=KS.
+
+Vorausgesetzt ist dabei, dass der Widerstand stets in der Richtung der
+Bewegung wirkt. Wirkt[12] eine Kraft rechtwinklig gegen eine Bewegung,
+so sucht sie dieselbe weder zu hindern noch hervorzubringen; alsdann
+wird weder Arbeit verbraucht noch geleistet.
+
+Bildet die Kraft mit dem Weg einen Winkel _a_, so kann man entweder den
+Weg in eine mit ihr zusammenfallende Komponente, oder auch die Kraft in
+eine zum Wege rechtwinklige und in eine in seine Richtung fallende
+Komponente zerlegen. Nur die letztere leistet oder verbraucht Arbeit,
+deren Grösse ist A=KS cos _a_.
+
+Als Arbeitseinheit dient das Meterkilogramm=1 mkg, d. h. diejenige
+Arbeit, welche geleistet werden muss, um einen Widerstand von 1 kg längs
+eines Weges von 1 m zu überwinden. Die Arbeitseinheit wird z. B.
+geleistet, wenn man ein Gewicht von 1 kg um[13] 1 m senkrecht in die
+Höhe hebt.
+
+Die Gesammtarbeit[14] mehrerer gleichzeitig wirkender Kräfte ist gleich
+der Summe der Einzelarbeiten[15].
+
+
+15.
+
+Besitzt[1] ein Körper die Geschwindigkeit v, so besitzt er damit einen
+Arbeitsinhalt (lebendige Kraft, Bewegungsenergie) von der Grösse
+A=Mv²/2. Derselbe wird bei Steigerung der Geschwindigkeit des Körpers
+von 0 auf v vom Körper aufgespeichert[2], bei Verminderung[3] der
+Geschwindigkeit von v auf 0 wieder abgegeben.
+
+Um z. B. eine Flintenkugel von 30 g Gewicht um[4] 4587 m senkrecht in
+die Höhe zu heben, bedarf es einer Arbeit von 0,03.4587=138 mkg. Um
+diese Höhe zu erreichen, musste[5] die Kugel eine Geschwindigkeit von
+300 m/sec besitzen. Ihre Masse ist 0,03/9,806 = 0,00306
+kg.sec²/m. Demnach ist Mv²/2 = 0,00306.300.300/2 = 138 mkg.
+Dieser Arbeitsinhalt wird beim Aufsteigen der Kugel zur Ueberwindung der
+Schwere gänzlich verbraucht. Fällt die Kugel wieder um 4587 m herab, so
+nimmt sie schliesslich wieder die Geschwindigkeit von 300 m/sec an,
+d. h. sie steigert ihren Arbeitsinhalt wieder auf 138 mkg. Die hierzu
+nötige Arbeit wird von der Schwere geleistet[6]. Streng genommen[7] sind
+diese Betrachtungen nur richtig, wenn kein Luftwiderstand vorhanden ist.
+
+Wenn wir ein Gewicht heben, eine Feder spannen[8], Luft zusammen
+pressen, so leisten wir eine Arbeit, welche immer gemessen wird durch
+das Produkt aus widerstehender Kraft mal Weg.
+
+Man nennt diese gewissermassen latent gewordene Arbeit Spannkraft[9]
+oder besser Energie der Lage.
+
+Ausser der Grösse der geleisteten Arbeit ist bei Beurteilung[10] des
+Wertes einer Arbeitsleistung wesentlich die Zeit massgebend[11], in
+welcher sie geleistet wurde. Eine Dampfmaschine z. B., welche dieselbe
+Arbeit in dem dritten Teile der Zeit leistet, wie eine andere, ist
+hinsichtlich[12] ihrer Leistung dreimal so viel wert als letztere.
+
+Der Wert einer Arbeitsleistung wird durch die in der Zeiteinheit (1 sec)
+geleistete Arbeit gemessen; diese nennt man Leistung oder Effect. Die
+Einheit der Leistung entspricht einer Arbeit von Meterkilogramm in 1
+Sekunde = 1 Mkg/sec (gelesen 1 Meterkilogramm in 1 Sekunde).
+
+Als grössere Leistungseinheit dient in der Technik die Pferdestärke (1
+PS)=75 Mkg/sec Eine Pferdestärke vermag also in der Sekunde 75 kg 1 m
+hoch zu heben oder auch 25 kg 3 m oder 1 kg 75 m u. s. f.[13]
+
+
+16.
+
+_Einfache und zusammengesetzte Maschinen._ Die schiefe Ebene mit ihren
+Nebenformen[1], dem Keil und der Schraube, und der Hebel mit seinen
+Nebenformen, der Rolle und dem Rad an der Welle, sind die sogenannten
+einfachen Maschinen oder mechanische Potenzen. Alle noch so
+komplizierten[2] Maschinen lassen sich aus diesen Elementen
+zusammensetzen.
+
+Infolge seines Gewichtes P sucht ein Körper auf einer schiefen, d. h.
+gegen den Horizont geneigten starren Ebene herabzugleiten oder zu
+-rollen[3]. Hieran soll er durch eine Kraft Z verhindert werden, welche
+zunächst parallel der schiefen Ebene wirken mag. Gleichgewicht wird
+sein, wenn die Resultierende von Z und P gerade senkrecht auf der
+schiefen Ebene steht. Dieselbe stellt[4] alsdann einen[5] auf die
+schiefe Ebene ausgeübten Druck D dar, welcher durch die Festigkeit der
+Ebene aufgehoben[6] wird.
+
+Es sei l die Länge, b die Basis und h die Höhe der schiefen Ebene. Aus
+der Aehnlichkeit der Dreiecke folgt für den Fall[7] des Gleichgewichts
+
+ Z:P=h:l oder Z=P.h/l=P sin a
+ D:P=b:l oder D=P.b/l=P cos a.
+
+Wird der Zug Z parallel der Basis ausgeübt, so ist im Falle des
+Gleichgewichts Z=P tang a und D=P/cos a.
+
+In dieser letzteren Form findet die schiefe Ebene Anwendung als Keil und
+Schraube.
+
+Den Keil hat man aufzufassen[8] als zwei mit der Basis aufeinander
+gelegte schiefe Ebenen. Die Kraft wirkt auf den Rücken parallel zur
+gemeinschaftlichen Basis; der Gegendruck erfolgt parallel zum Rücken.
+
+Im Falle des Gleichgewichts verhält sich die Kraft zu diesem Gegendruck
+wie der Rücken des Keils zur gemeinsamen Basis (Höhe des Keils).
+
+Die Schraube kann man sich dadurch entstanden[9] denken, dass ein
+vierkantig- oder dreikantigprismatischer Streifen so um einen Zylinder
+herumgewickelt worden ist, dass er mit der Zylinderachse immer den
+gleichen Winkel bildet; man erhält so eine flachgängige[10] bez.[11]
+scharfgängige[12] Schraube. Ein voller Umlauf des Streifens bildet einen
+Schraubengang[13]; die Gesamtheit der Schraubengänge bilden das
+Gewinde[14] der Schraube. Der äussere Durchmesser heisst die
+Bolzenstärke[15], der Durchmesser des zylindrischen Kerns die
+Kernstärke[16].
+
+Arbeitet[17] man in der Wand eines Hohlzylinders, dessen Durchmesser
+gleich der Kernstärke ist, vierkantig- bez.[11] dreikantigprismatische
+Schraubengänge aus, so dass der entstehende Hohlraum und die Schraube
+selbst einander kongruent sind, so erhält man die zur Schraube passende
+Schraubenmutter.
+
+Stellt man die Achse der Schraube senkrecht, so bildet die obere (oder
+untere) Grenzfläche eines jeden Schraubenganges eine Fläche, die überall
+gegen den Horizont unter gleichem Winkel geneigt ist, für die somit die
+Gesetze der schiefen Ebene Anwendung finden können. Der Betrag, um
+den[18] das Gewinde bei einem jeden Umgang steigt, heisst Steigung oder
+Ganghöhe[19]; dieselbe entspricht der Höhe der schiefen Ebene,
+während der Umfang des Bolzens der Basis entspricht.
+
+Bei der Schraube wirkt in der Regel die Kraft parallel zum Umfange des
+Bolzens, der Gegendruck erfolgt in der Richtung der Achse desselben;
+lässt man die Kraft am Umfange des Bolzens selbst wirken, so verhält
+sich im Falle des Gleichgewichts die Kraft zum Gegendruck wie der Umfang
+zur Steigung. Je kleiner also[20] die Steigung und je grösser der Umfang
+ist, einen um so stärkeren Druck kann man mit einer gegebenen Kraft in
+der Richtung der Achse der Schraube hervorbringen. Hierauf beruht die
+Verwendung der Schraube zur Befestigung und zur Erzeugung von starken
+Drucken (Schraubenpresse). Ferner verwendet man die Schraube vielfach,
+um sehr kleine Bewegungen hervorzubringen (Mikrometerschrauben,
+Stellschrauben[21]).
+
+
+17.
+
+_Der Hebel._ Unter Hebel versteht man einen starren Körper, welcher um
+eine feste Achse drehbar ist, und auf welchen Kräfte einwirken, welche
+ihn um diese Achse nach verschiedenen Richtungen zu drehen suchen.
+Gleichgewicht findet statt, wenn die algebraische Summe der
+Drehungsmomente gleich null ist.
+
+Gewöhnlich besitzt der Hebel die Form einer geradlinigen Stange. Die
+Entfernung des Angriffspunktes der Kraft von der Achse heisst Hebelarm.
+Beim Winkelhebel liegen die Hebelarme nicht in gerader Linie.
+
+Wenn beim geraden Hebel die Kräfte parallel sind, verhalten[1] sie
+sich, im Falle des Gleichgewichts, umgekehrt wie die Hebelarme.
+
+Bekannt[2] ist die Anwendung des geraden Hebels zum Heben der Lasten. Je
+kürzer hierbei[3] der Hebelarm der Last und je länger derjenige der
+Kraft ist, um so grösser kann erstere, um so kleiner letztere sein. Ein
+Gewinn an Arbeit findet[4] beim Hebel nicht statt, weil der Weg der
+Kraft gerade so vielmal so gross ist, als derjenige der Last, wie der
+Hebelarm der ersteren als derjenige der letzteren.
+
+Der Winkelhebel dient hauptsächlich dazu, Richtungsänderungen bei der
+Uebertragung von Bewegungen hervorzubringen, z. B.[5] bei Klingelzügen.
+
+Die feste Rolle bildet einen zweiseitigen, gleicharmigen Hebel, wobei[6]
+die Kraft P und die Last L an den Enden eines über die Rolle gelegten
+Seiles wirken. Gleichgewicht herrscht, wenn P=L ist. Sie dient
+hauptsächlich dazu, um einer gegebenen Kraft eine andere Richtung zu
+geben. Die lose Rolle hängt frei im Seile, welches einerseits befestigt
+ist, während an der andern Seite die Kraft wirkt; die Last ist an der
+Achse der Rolle aufgehängt. Zur Hebung grösserer Lasten bedient man sich
+in der Regel[7] einer Verbindung mehrerer fester und loser Rollen,
+welche man Flaschenzug[8] nennt.
+
+Das Rad an der Welle[9] in seiner einfachsten Form finden wir bei der
+gewöhnlichen Winde; die Last hängt an einem[10] um die Welle
+geschlungenen Seile, die Kraft wirkt am Umfange des Rades. Gleichgewicht
+besteht, wenn sich die Kraft zur Last verhält wie der Halbmesser der
+Welle zu demjenigen des Rades.
+
+Eine besondere Form des Wellrades ist die Kurbel. Ferner gehören hierher
+das Zahnrad in seinen mannigfaltigen Formen, endlich die Riemen- und
+Seilscheiben.[11]
+
+
+18.
+
+_Fortpflanzung[1] eines Drucks innerhalb einer Flüssigkeit._ Wenn man
+auf einen Teil der Oberfläche einer[2] vollständig von den Wänden eines
+Gefässes umschlossenen Flüssigkeit einen Druck ausübt, so suchen die
+Teilchen diesem Drucke nach allen Richtungen hin auszuweichen;
+infolgedessen[3] pflanzt[4] sich der Druck nach allen Richtungen hin mit
+gleicher Stärke fort.
+
+Ein[5] in eine Flüssigkeit eingetauchter starrer Körper erleidet durch
+dieselbe einen Druck nach oben, einen Auftrieb, welcher gleich ist dem
+Gewicht der verdrängten Flüssigkeit. Dieser Satz ist das sogen.[6]
+Archimedische Prinzip.
+
+Um das relative Gewicht eines starren Körpers zu bestimmen, hängt man
+denselben an einem feinen Draht auf, bestimmt sein Gewicht P_{1}, taucht
+ihn alsdann in ein Gefäss mit Wasser und ermittelt abermals das Gewicht
+P_{2}. Alsdann ist D=P_{1}:(P_{1}-P_{2}). Der Gewichtsverlust des
+eingetauchten Drahtstücks ist meist so klein, dass es nicht
+berücksichtigt zu werden braucht.
+
+Ist[7] ein Körper spezifisch leichter als eine Flüssigkeit, und
+taucht[7] man denselben ganz unter die letztere, so ist der Auftrieb
+grösser als das Gewicht des Körpers, und der letztere hat infolgedessen
+das Bestreben in der Flüssigkeit emporzusteigen; er steigt jedoch nur so
+weit, bis zwischen dem Auftrieb, welcher der noch eintauchende Teil des
+Körpers erfährt und seinem Gewicht gerade Gleichgewicht besteht. Alsdann
+schwimmt der Körper, und dabei[8] gilt[9] das Gesetz: Ein schwimmender
+Körper taucht gerade so weit ein, dass das Gewicht der verdrängten
+Flüssigkeit gleich dem Gewicht des Körpers wird. So schwimmt Kork auf
+Wasser, Eisen auf Quecksilber. Besitzt der Kork z. B. das relative
+Gewicht 0,2, so taucht beim Schwimmen nur 0,2 seines Volumens in das
+Wasser ein. Schwimmt Eisen vom relativen Gewicht 7,8 auf Quecksilber vom
+relativen Gewicht 13,6, so ist das eingetauchte Volumen 7,8/13,6=0,574
+von dem Gesammtvolumen des Eisens.
+
+_Ausfluss von Flüssigkeiten._ Macht man in die Wandung eines[10] mit
+einer Flüssigkeit gefüllten Gefässes eine Oeffnung, so fliesst die
+Flüssigkeit aus derselben in Form eines zusammenhängenden Strahls aus.
+Die Geschwindigkeit, mit der die Flüssigkeitsteilchen aus der Oeffnung
+herausgeschleudert werden, die sogenannte Ausflussgeschwindigkeit, ist
+gleich derjenigen eines Körpers, welcher die Höhe von der Oberfläche bis
+zur Ausflussöffnung frei durchfallen hat, d. h. v=Quadratwurzel(2gH),
+wenn H diese Druckhöhe[11] ist. Dieser Satz ist das sogenannte
+Torricellische Theorem.
+
+
+19.
+
+_Der Heber_[1] dient dazu, eine Flüssigkeit selbsttätig[2] über den Rand
+eines Gefässes hinweg von einem höheren auf ein tieferes Niveau[3] zu
+befördern. Derselbe besteht aus einer zweischenkelig[4] gebogenen Röhre,
+die (am einfachsten durch Ansaugen) mit der betreffenden Flüssigkeit
+gefüllt wird und mit dem einen Schenkel in die Flüssigkeit eintaucht.
+Dann fliesst die Flüssigkeit so lange aus der Oeffnung des äusseren
+Schenkels heraus, und wird dabei[5] über die Gefässwand hinweggehoben,
+als das Niveau im Gefäss höher als die äussere Oeffnung liegt.
+
+_Festigkeit_[6] nennt man den Widerstand, den ein starrer Körper einer
+Trennung seiner Teile entgegensetzt. Als Mass[7] der Festigkeit dient
+die zur Trennung erforderliche Kraft. Man unterscheidet
+
+1. Die absolute Festigkeit oder Zugfestigkeit[8], den Widerstand gegen
+das Zerreissen. Dieselbe ist dem Querschnitt[9] proportional und
+ausserdem vom Stoff abhängig. Man giebt sie in der Regel in Kilogramm
+für das Quadratmeter an und nennt diese Grösse[10] den Festigkeitsmodulus
+oder -Koeffizient.
+
+2. Die rückwirkende[11] Festigkeit oder den Widerstand gegen das
+Zerdrücken.
+
+3. Die relative[12] Festigkeit oder den Widerstand gegen das Zerbrechen.
+
+4. Die Torsionsfestigkeit oder den Widerstand gegen das Zerdrehen.
+
+5. Die Scher- oder Schubfertigkeit oder den Widerstand gegen das
+Abscheren.
+
+6. Die Härte oder den Widerstand gegen das Eindringen eines anderen
+Körpers in die Oberfläche.
+
+Unter Elastizität versteht man die Eigenschaft der Körper, vermöge deren
+sie nach Grössen- und Formänderungen,[13] die innerhalb einer gewissen
+Grenze bleiben, wieder in die frühere Grösse und Form zurückkehren. Die
+Grenze, welche hierbei nicht überschritten werden darf, heisst die
+Elastizitätsgrenze.
+
+Man nennt Körper, die schon bei geringen Formänderungen brechen,
+spröde[14]; solche, die starke Formänderungen ertragen, ohne dass sie
+den Zusammenhang verlieren, zähe[15], dehnbar[16] oder geschmeidig.[17]
+
+
+20.
+
+_Der Schall._ Wir verstehen unter Schall eine Gehörempfindung,[1] welche
+im Gehörorgan durch eine longitudinale Wellenbewegung[2] der Luft erregt
+wird. Diese Wellenbewegung wird durch gewisse Schwingungsbewegungen
+starrer, flüssiger oder gasförmiger Körper verursacht.
+
+Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit[3] des Schalls in der Luft bei 0° ist
+332,4 m/sec Sie ist unabhängig vom Luftdruck, ändert sich aber mit der
+Temperatur.
+
+Sehr gut pflanzt sich auch der Schall in starren und flüssigen Körpern
+fort. Hierauf beruht das sogenannte Fadentelephon[4]. Zwei[5] über
+Holzringe ausgespannte Stücke Blase sind durch einen in ihren Mitten
+befestigten, frei ausgespannten Faden oder Metalldraht verbunden, der
+mehr als 100 m lang sein kann. Spricht man gegen die eine Membran, so
+reproduziert die andere die Worte ziemlich deutlich.
+
+Wie jede Wellenbewegung, so wird auch der Schall, wenn er an eine Grenze
+des Mittels[6], in welchem er sich ausbreitet, gelangt, daselbst
+teilweise in das alte Mittel zurückgeworfen. Dies geschieht z. B. an
+Felswänden, Wäldern, Häusern, aber auch an verschieden warmen
+Luftschichten.
+
+Durch die Reflexion des Schalles entsteht auch das Echo. Da wir
+Schalleindrücke nur dann deutlich getrennt wahrnehmen, wenn zwischen
+ihnen mindestens 0,1 Sekunde liegt, so muss der reflektierende
+Gegenstand für ein einsilbiges Echo mindestens 17 m entfernt sein. Bei
+geringerer Entfernung beobachtet man nur einen Nachhall.[7]
+
+Beim Sprachrohr und Hörrohr benutzt man die Zurückwerfung des Schalles
+an starren Wänden, um die Schallstrahlen vorwiegend[8] nach einer
+Richtung hin zu lenken. Das erstere besteht aus einem etwa 2 m langen,
+schwach konischen Rohr, am besten aus mehrfach übereinandergeleimtem
+Papier hergestellt und gut lackiert. Blecherne Rohre klirren. Der Schall
+der am engeren Ende hineingesprochenen Worte pflanzt sich infolge der
+Reflexion vorwiegend in der Richtung der Achse fort. Umgekehrt wirkt das
+Hörrohr. In nicht zu engen Rohrleitungen pflanzt sich der Schall auf
+weite Strecken ziemlich ungeschwächt fort. Hiervon macht man praktische
+Anwendung, um zwischen entfernten Räumen eines Hauses Sprechverbindung
+herzustellen.
+
+Man unterscheidet Geräusche und Klänge. Das Geräusch entsteht durch
+unregelmässige, der Klang durch regelmässige oder periodische
+Schwingungsbewegungen. Sind[9] insbesondere diese Schwingungen einfache
+Sinusschwingungen,[10] so nennen wir den Klang einen Ton oder auch einen
+einfachen Ton. An einem Ton unterscheidet man vor Allem zwei
+Eigenschaften, eine bestimmte Höhe und eine bestimmte Stärke. Die Höhe
+des Tons hängt[11] von der Schwingungszahl oder von der Wellenlänge ab:
+je grösser die Schwingungszahl ist, desto höher ist der Ton.
+
+Kein musikalisches Instrument giebt einfache Töne, wie sie einfachen,
+stehenden[12] Sinusschwingungen entsprechen würden, sondern bei[13]
+allen, nur bei den einen mehr, bei den ändern weniger, erklingen immer
+mit dem Grundton[14] gleichzeitig Obertöne. Je nach der Höhe, Zahl und
+Stärke der letzteren gewinnt dadurch der Grundton ein anderes
+Gepräge[15]; man bezeichnet dies mit dem Namen Klangfarbe.[16]
+
+
+21.
+
+_Das Licht._ Körper, welche an sich die Fähigkeit besitzen, Licht
+auszusenden, heissen selbstleuchtend[1], im Gegensatz hierzu müssen
+dunkle Körper von ändern beleuchtet werden, wenn sie sichtbar sein
+sollen. Alle Erscheinungen des Lichts lassen sich nur dann
+ungezwungen[2] erklären, wenn wir annehmen, dass das Licht aus einer
+transversalen Wellenbewegung eines Mittels[3] besteht, welches
+man Lichtäther[4] oder Aether nennt. In diesem beträgt die
+Fortpflanzungsgeschwindigkeit sehr nahe 300000000 m/sec. Die geraden
+Linien, längs deren das Licht sich fortpflanzt, nennt man Lichtstrahlen.
+
+Die geradlinige Fortpflanzung der Lichtstrahlen erkennt man daran[5],
+dass ein leuchtender Punkt unsichtbar wird, wenn zwischen ihn und das
+Auge in die gerade Verbindungslinie beider ein undurchsichtiger Körper
+tritt. Besitzen[6] der leuchtende und der undurchsichtige Körper eine
+gewisse Ausdehnung, so erhält ein Teil des Raumes hinter dem letzteren
+gar kein Licht (Kernschatten[7]), während ein anderer Teil des Raumes
+nur von einem Teil des leuchtenden Körpers Licht empfängt
+(Halbschatten[8]). Bei den Mondfinsternissen tritt der Mond in den
+Kernschatten der Erde; bei den totalen Sonnenfinsternissen streicht der
+Kernschatten des Mondes über die Erde.
+
+Wir sind nicht im Stande Lichtstärken unmittelbar[9] zu messen; wir
+haben nicht einmal die Fähigkeit, durch unser Auge die Beleuchtung einer
+Fläche in Zahlen abzuschätzen. Wir sind daher bei der Messung der Stärke
+einer Lichtquelle auf die Vergleichung derselben mit derjenigen eines
+Normallichtes angewiesen[10]. Zu diesem Zwecke lässt man von zwei
+unmittelbar nebeneinander liegenden Flächen die eine von der
+Normalkerze, die andere von der zu messenden Lichtquelle unter gleichen
+Einfallswinkeln[11] beleuchten und reguliert die Entfernungen so, dass
+die Beleuchtungen dieselben werden. Alsdann verhalten sich die beiden
+Lichtstärken wie die Quadrate der Entfernungen der Lichtquellen von den
+beleuchteten Flächen. Dieses Verfahren heisst Photometrie und die dazu
+verwendeten Apparate nennt man Photometer.
+
+In dem Photometer von Bunsen ist die von den beiden Lichtquellen
+gleichzeitig beleuchtete Fläche ein Schirm[12] von weissem Papier, der
+in der Mitte einen Stearinfleck hat. Beleuchtet die eine Lichtquelle
+den Schirm von der einen Seite, so erscheint der Fleck von dieser Seite
+aus dunkel gegen das Papier, weil er mehr Licht durchlässt und weniger
+zurückwirft als die reine Papierfläche. Bringt man nun auf die andere
+Seite des Schirmes die andere Lichtquelle in eine solche Entfernung,
+dass der Fleck beiderseits hell erscheint, so sind beide Seiten des
+Schirmes gleich stark beleuchtet.
+
+
+22.
+
+Alle Strahlen, welche von einem leuchtenden Punkt vor einem ebenen
+Spiegel[1] ausgehen, werden so zurückgeworfen, dass sie für das Auge
+eines Beobachters von einem Punkte hinter dem Spiegel herzukommen
+scheinen; diesen Punkt nennt man das Spiegelbild[2] des leuchtenden
+Punktes. Dieses Spiegelbild liegt auf der[3] vom leuchtenden Punkt auf
+die Spiegelebene gefällten Senkrechten, und zwar ebensoweit hinter
+dieser Ebene wie der leuchtende Punkt davor.
+
+Befindet sich ein leuchtender Gegenstand zwischen zwei einen spitzen
+Winkel einschliessenden Spiegeln, so dient das Bild von einem der
+Spiegel als Gegenstand für den ändern und umgekehrt. Wir erhalten so
+eine Anzahl von Bildern, welche mit dem Gegenstand auf einem[4] um den
+Durchschnitt[5] der beiden Spiegel beschriebenen Kreis liegen. Ist z. B.
+der Spiegelwinkel 60°, so gruppieren sich Gegenstand und Bilder in Form
+eines Sechsecks. Benutzt man als Gegenstände, die man zwischen die
+Spiegel bringt, bunte Glasstückchen, Perlen[6] etc., so erhält man
+beim[7] Hineinblicken mosaikartige Bilder in Form von sechseckigen
+Sternen (Kaleidoskop).
+
+Ein[8] von zwei[9] unter einem Winkel _a_ gegen einander geneigten
+Ebenen begrenztes, durchsichtiges Mittel nennt man in der Optik ein
+Prisma; die beiden Ebenen, durch die der Lichtstrahl ein- und austritt,
+heissen die brechenden[10] Flächen, ihre Durchschnittslinie heisst die
+brechende Kante, der Winkel _a_ zwischen den beiden Ebenen heisst der
+brechende Winkel des Prismas. Man giebt gewöhnlich einem solchen Körper
+die Gestalt eines geraden dreiseitigen geometrischen Prismas.
+
+Lässt man weisses Licht, z. B. Sonnenlicht, durch einen[11] parallel zur
+brechenden Kante gestellten, engen Spalt hindurch auf ein Prisma fallen,
+so erhält man nicht ein einfaches weisses, sondern ein bandförmig
+auseinandergezogenes[12] und an verschiedenen Stellen verschieden
+gefärbtes Bild des Spaltes, weil sich im Prisma die Strahlen von
+grösserer Wellenlänge rascher fortpflanzen als die von kleinerer. Ein
+solches farbiges Spaltbild nennt man Spektrum. Das weisse Licht besteht
+aus einem Gemisch von unendlich vielen Strahlen verschiedener Farbe. Das
+rote Licht ist am wenigsten, das violette am stärksten brechbar.[13]
+
+Glühende Gase und Dämpfe von geringer Dichte besitzen die merkwürdige
+Eigenschaft, nur einzelne[14] ganz bestimmte Lichtarten auszusenden,
+während alle anderen Farben fehlen. Im Spektroskop erhält man dann, den
+einzelnen vorhandenen Farben entsprechend, einzelne farbige Spaltbilder
+in Gestalt von leuchtenden Linien auf dunkelem Grunde. Man erhält
+derartige[15] Dämpfe, indem man[16] leichtflüchtige Metallsalze in die
+nichtleuchtende Flamme des Bunsenschen Gasbrenners bringt. Wo die
+Temperatur der Bunsenflamme nicht ausreicht, verwendet man das
+Knallgebläse[17] oder das elektrische Kohlenlicht.
+
+Kirchhoff und Bunsen wiesen nach, dass diese Linien für die
+betreffenden[18] Metalle charakteristisch sind, so dass aus ihrer
+Anwesenheit im Spektrum auf die Anwesenheit des betreffenden Metalles
+geschlossen werden kann[19]. Hierauf gründet sich die Spektralanalyse.
+
+
+23.
+
+_Die Wärme._ Wärme ist, ähnlich dem Licht und Schall, eine gewisse
+Empfindung, welche durch gewisse in der Oberhaut endigende Nerven
+vermittelt[1] wird. Wir nennen einen Körper kalt oder warm, je nachdem
+seine Temperatur niedriger oder höher ist als die unserer Haut.
+
+Früher schrieb[2] man die Wärmeerscheinungen einem gewichtlosen Stoffe
+zu. Jetzt ist man zu der Ansicht gelangt, dass die von den Körpern
+ausgestrahlte Wärme, wie das Licht, in transversalen Aetherschwingungen
+besteht und dass die Ursache der Wärme eine mehr oder weniger lebhafte
+Bewegung der Moleküle der Körper ist.
+
+Jede Temperaturänderung hat eine Aenderung des Volumens zur Folge und
+zwar[3] nimmt[4] dasselbe mit wachsender Temperatur zu, mit abnehmender
+ab. Man überzeugt sich von dieser Thatsache, indem man[5] eine
+Metallkugel, welche kalt gerade durch einen Ring hindurchfällt, erhitzt;
+die Kugel bleibt alsdann auf dem Ringe liegen.
+
+Gewöhnlich benutzt man zur Temperaturmessung die Ausdehnung des
+Quecksilbers.
+
+Das Quecksilberthermometer besteht aus einem kugelförmigen oder
+zylindrischen Glasgefäss, an welches eine enge Röhre angeschmolzen ist.
+Das Glasgefäss und ein Teil der Röhre ist mit Quecksilber gefüllt. Um
+die Lagenänderung[6] des Endes der Quecksilbersäule in der Röhre
+bestimmen zu können, ist hinter oder auf der letzteren eine Skala
+angebracht. Diese Lagenänderung ist bei derselben Temperaturänderung um
+so grösser, je grösser das Volumen des Quecksilbers und je enger das
+angesetzte Rohr ist. Um die Angaben der Thermometer vergleichbar zu
+machen, bestimmt man auf der Skala zunächst zwei Punkte, an denen das
+Ende der Quecksilbersäule sich bei[7] zwei bestimmten Temperaturen
+befindet. Diese Punkte sind der Gefrierpunkt, entsprechend der
+Temperatur des gefrierenden Wassers oder des schmelzenden Eises, und der
+Siedepunkt, entsprechend der Temperatur des bei[7] 760 mm Barometerstand
+siedenden, reinen Wassers. Diese Punkte heissen Fundamentalpunkte und
+ihr Abstand[8] heisst Normalabstand.
+
+Man erhält die Skala, indem man[5] diesen Normalabstand in eine
+bestimmte Anzahl gleicher Teile teilt, welche man Grade nennt.
+
+
+24.
+
+Die in der Wissenschaft allein gebrauchte Skala ist die hundertteilige
+oder Zentesimalskala. Bei[7] dieser ist der Gefrierpunkt mit 0°, der
+Siedepunkt mit 100° bezeichnet.
+
+Ein homogener starrer Körper dehnt sich nach allen Richtungen hin
+gleichmässig aus, d. h. alle Dimensionen vergrössern sich um[1]
+denselben Bruchteil ihrer ursprünglichen Länge. Man nennt den Bruchteil
+der ursprünglichen Grösse des Körpers, um[1] welche dieselbe bei einer
+Temperaturänderung um[1] 1° C sich ändert, den Ausdehnungskoeffizienten
+(für Eisen z. B. 0,0000123).
+
+Bei genauen Längenmessungen ist zu beachten, dass die Länge des
+Massstabes von der Temperatur abhängt. Ist z. B. ein eiserner Massstab
+bei 15° C gerade 5 m lang, so ist seine Länge bei 25° C=5 (1 +
+0,0000123[25-15]) = 5,000615 m. Bei -5° C dagegen ist sie 5(1+0,0000123
+[-5-15]) = 4,99877 m d. h. bezw.[2] 0,6 mm zu lang und 1,2 mm zu kurz.
+
+Die Kraft, mit der die Ausdehnung und Zusammenziehung der Metalle
+erfolgt, ist ebensogross wie die, welche erforderlich wäre, um dieselbe
+Aenderung durch mechanischen Zug oder Druck hervorzubringen. Man muss
+deshalb eiserne Träger[3], Brücken, Dampfkessel etc. so mit dem
+Mauerwerk[4] verbinden, dass sie sich ungehindert ausdehnen und
+zusammenziehen können. Eiserne Radreifen[5] werden heiss aufgezogen,
+damit sie nach dem Erkalten das Rad fest zusammenpressen. Dasselbe
+gilt[6] von den sogenannten Schrumpfringen[7] der grossen Geschützrohre.
+
+Die Temperatur, bei[8] der ein starrer Körper flüssig wird, heisst sein
+Schmelzpunkt; die Temperatur, bei der ein flüssiger Körper starr wird,
+heisst sein Erstarrungs- oder Gefrierpunkt. Beide Temperaturen sind für
+dieselbe Substanz gleich. Das Schmelzen und Erstarren ist meist von
+einer plötzlichen sprungweisen Aenderung des Volumens begleitet. So
+dehnt sich das Wasser beim Gefrieren um[1] beinahe 1/11 seines Volumens
+aus; infolgedessen ist das Eis spezifisch leichter als das Wasser. Die
+Ausdehnung geschieht mit grosser Gewalt, so dass selbst starke
+gusseiserne Bomben durch darin gefrierendes Wasser zersprengt werden.
+
+Die Verwandlung des flüssigen in den gasförmigen Zustand nennt man
+Verdampfen; der Uebergang des Dampfes in Flüssigkeit heisst Verdichtung.
+Eine Flüssigkeit entwickelt bei[8] jeder Temperatur Dampf. Infolge
+seines Bestrebens sich auszubreiten, übt[9] der Dampf, wie jedes Gas,
+einen gewissen Druck aus, welchen man Dampfdruck oder Dampfspannung[10]
+nennt. Die Dampfspannung wächst mit der Temperatur der Flüssigkeit.
+
+Eine Flüssigkeit siedet, sobald die Spannkraft[10] ihres Dampfes gleich
+dem Luftdruck geworden ist. Die Temperatur, bei[8] welcher das Sieden
+bei[8] einem Druck von 760 mm Quecksilber eintritt, nennt man den
+Siedepunkt. Beim[8] Sieden entweicht der Dampf nicht nur von der
+Oberfläche, sondern es[11] bilden sich auch im Inneren der Flüssigkeit
+Dampfblasen. Indem dieselben aufsteigen, verursachen sie das Aufwallen
+der Flüssigkeit. Man nennt auch die Dampfbildung beim[8] Sieden
+Verdampfen[12] im engeren Sinne, während man die Dampfbildung, wobei der
+Dampfdruck kleiner als der Luftdruck ist, als Verdunstung[13]
+bezeichnet.
+
+
+25.
+
+Der Siedepunkt wird erniedrigt, wenn der Druck vermindert, und erhöht,
+wenn der Druck vermehrt wird. Vermindert man z. B. den Druck auf 92 mm,
+so siedet das Wasser bereits bei[1] 50° C. Man benutzt diese
+Verminderung der Siedetemperatur, wie z. B. bei[1] den Vakuumpfannen[2]
+in den Zuckersiedereien[3], um Wasser aus Stoffen zu entfernen, die sich
+bei höherer Temperatur zersetzen würden.
+
+Umgekehrt[4] kann man die Temperatur des siedenden Wassers steigern,
+wenn man dasselbe in einem geschlossenen Gefäss erhitzt. Dann kann der
+sich entwickelnde Dampf nicht entweichen, wodurch der Druck und damit
+die Temperatur steigt. Hierauf beruht der Papinsche[5] Topf oder
+Digestor, ein starker eiserner Topf mit angeschraubtem Deckel, woran ein
+Sicherheitsventil[6] angebracht ist, welches sich bei einem bestimmten
+Druck öffnet. Man kann in einem solchen Topf Substanzen in Lösung
+bringen, die sich in Wasser, das bei gewöhnlichem Druck siedet, nicht
+auflösen.
+
+Gesättigt nennt man einen Dampf, wenn derselbe die[7] grösste bei[1]
+einer bestimmten Temperatur mögliche Spannkraft und das grösste relative
+Gewicht besitzt. Andernfalls nennt man den Dampf ungesättigt oder
+überhitzt. Man kann überhitzten Dampf erhalten, entweder indem man[8]
+eine gewisse Menge von gesättigtem Dampf absperrt[9], und, ohne die
+Temperatur zu ändern, sein Volumen vergrössert, oder indem man die
+Temperatur des abgesperrten Dampfes steigert, oder indem man beides
+gleichzeitig ausführt.
+
+Sobald der überhitzte Dampf eine bestimmte Temperatur überschritten hat,
+lässt er sich durch keinen noch[10] so grossen Druck mehr in eine
+tropfbare[11] Flüssigkeit verwandeln. Er verhält sich dann völlig wie
+die sogen.[12] permanenten Gase. Beim[1] Wasser ist diese kritische
+Temperatur 364° Celsius.
+
+Ein starrer Körper verwandelt sich beim[1] Erwärmen nicht mehr in eine
+Flüssigkeit, wenn der Druck, unter dem er steht, kleiner ist als die
+Spannkraft des Dampfes bei[1] der Erstarrungstemperatur des flüssigen
+Körpers. Man nennt diesen Grenzwert[13] den kritischen Druck. Unterhalb
+des kritischen Drucks kann ein Körper nur im gasförmigen und starren
+Zustand existieren. So verdampft Eis unter einem geringeren Drucke als
+4,6 mm, ohne sich erst in Wasser zu verwandeln.
+
+
+26.
+
+_Die Fortpflanzung der Wärme._ Wenn zwei Körper verschiedene
+Temperaturen haben, so giebt der wärmere Körper an den kälteren Wärme
+ab. Hierbei können die Körper entweder durch einen beliebig[1] grossen
+Zwischenraum getrennt sein: in diesem Falle geschieht die Uebertragung
+der Wärme durch Strahlung[2]; oder dieselben sind in unmittelbarer
+Berührung oder endlich durch einen dritten Körper miteinander verbunden:
+alsdann pflanzt sich die Wärme direkt von Molekül zu Molekül durch
+Leitung[3] fort. Eine dritte Art der Wärmeverbreitung, die nur in
+flüssigen und gasförmigen Körpern stattfinden kann, ist die
+Zirkulation. Erwärmt man z. B. eine Stelle eines Gefässes, das mit
+Wasser gefüllt ist, so steigt das erwärmte Wasser in dem umgebenden
+kälteren auf, während das letztere nach der erwärmten Stelle hinfliesst.
+Infolge dieser Zirkulation gleicht[4] sich die Temperatur der
+Wassermasse rasch aus. Hierauf beruht die Warmwasserheizung mit
+geschlossenem Röhrensystem.
+
+Die Fortpflanzung der Wärme durch Leitung geschieht selbst in den sogen.
+guten Wärmeleitern ausserordentlich langsam; noch viel langsamer
+verbreitet sich die Wärme in den schlechten Wärmeleitern. Wir haben uns
+den Vorgang so vorzustellen[5], dass hierbei[6] die Wärme durch
+Strahlung von einer Molekülschicht der benachbarten übermittelt[7] wird,
+während bei[8] der Wärmestrahlung die Vermittlung nur durch den Aether
+erfolgt.
+
+Die absolute Wärmeleitungsfähigkeit der Körper wird gemessen durch die
+Anzahl von Wärmeeinheiten[9] oder Grammkalorien, welche in 1 sec durch 1
+cm² des Querschnitts hindurchgehen, wenn zwei um[10] 1 cm abstehende
+Querschnitte einen Temperaturunterschied von 1° C besitzen, oder wie man
+hierfür auch sagen kann, wenn das Temperaturgefälle den Wert 1 besitzt.
+
+Für die Heizungstechnik[11] ist besonders der Hindurchtritt von Wärme
+durch eine Scheidewand aus einem wärmeren in einen kühleren Raum von
+Wichtigkeit, ein Vorgang, den man auch Wärmetransmission nennt.
+
+
+27.
+
+_Spezifische und latente Wärme._ Um verschiedene Körper um[1] 1° C zu
+erwärmen, bedarf es der Zufuhr von verschiedenen Wärmemengen[2], welche
+wir die Wärmekapazität der Körper nennen. Dieselbe ist immer der Masse
+des Körpers proportional.
+
+Man misst die Wärmekapazität nach Wärmeeinheiten oder Kalorien, wobei[3]
+man unter einer Kalorie (1 cal) diejenige Wärmemenge versteht, welche
+nöthig ist, um die Temperatur von 1 kg (oder 1 g) Wasser von 0° auf 1° C
+oder auch allgemein um 1° C zu steigern.
+
+Diejenige Anzahl von Kalorien, welche nötig sind, um die Temperatur von
+1 kg (oder 1 g) einer Substanz um[1] 1° C zu erhöhen, heisst die
+spezifische Wärme der Substanz. Wärmeaufnahme ohne Temperaturerhöhung
+findet beim[4] Schmelzen oder Auflösen und beim[4] Verdampfen der Körper
+statt. Man nennt diese Wärme gebunden oder latent.
+
+Bei[4] den umgekehrten Aggregatzustandsänderungen[5], dem Erstarren und
+der Kondensation, wird die latente Wärme wieder frei.
+
+Die latente Wärme des Wasserdampfes beträgt beim[4] Siedepunkt 536 cal.
+Man braucht also[6], um 1 kg Wasser von 100° in Dampf von derselben
+Temperatur überzuführen, so viel Wärme, dass man damit z. B. 10 kg
+Wasser um[1] 53,6° C erwärmen könnte. Umgekehrt[7] giebt jedes Kilogramm
+Wasserdampf von 100° bei[4] der Verdichtung zu Wasser von 100° 536 cal
+ab. Man macht hiervon Gebrauch bei[4] der Dampfheizung.
+
+Die Bestimmung der spezifischen und latenten Wärme geschieht mittels des
+Kalorimeters, einer Vorrichtung mittels deren man diejenige Wärmemenge
+misst, welche ein Körper von bestimmter Masse bei[4] einer Abkühlung
+um[1] eine bestimmte Anzahl von Graden hergiebt oder bei[4] einer
+Erwärmung um[1] eine bestimmte Anzahl von Graden aufnimmt. Dies kann auf
+drei verschiedene Arten ausgeführt werden, 1. Man bringt den auf eine
+bestimmte Temperatur erhitzten Körper in eine abgewogene Menge Wasser
+von niederer Temperatur und ermittelt[8] die Temperatur, welche beide
+zusammen schliesslich annehmen. 2. Man ermittelt die Menge von Eis,
+welche der auf eine bestimmte Temperatur erwärmte Körper zu schmelzen
+vermag.[9] 3. Man bestimmt diejenige Menge von Wasser, welche der Körper
+in einem Strom von gesättigtem Wasserdampf niederschlägt,[10] während er
+sich auf die Temperatur des Dampfes erwärmt.
+
+
+28.
+
+_Wärme aus mechanischer Arbeit._ Wärme entsteht[1] bei der Reibung und
+beim unelastischen Stoss der Körper; bei diesen Vorgängen wird
+mechanische Arbeit verbraucht. Die Versuche haben gelehrt, das zur
+Erzeugung von 1 cal immer eine ganz bestimmte Arbeitsgrösse[2] von im
+Mittel[3] 425 mkg nötig ist. Umgekehrt kann sich unter Umständen Wärme
+wieder in mechanische Arbeit umsetzen, wobei[4] man für je 1/425 cal
+eine Arbeitsleistung von 1 mkg erhält. Man nennt die Grösse 425 mkg das
+mechanische Aequivalent der Wärme, während 1/425 cal. das calorische
+Aequivalent der Arbeit ist.
+
+Beispiele von der Umsetzung von Wärme in mechanische Arbeit findet man
+in den Heissluftmotoren, bei welchen eine angesaugte und dann durch die
+Bewegung eines Kolbens verdichtete Luftmenge[5] erhitzt wird und bei der
+während der Erhitzung stattfindenden Ausdehnung einen zweiten Kolben
+vorwärts schiebt, welcher mittels Pleuelstange[6] und Kurbel[7] eine
+Welle[8] mit Schwungrad[9] in Bewegung setzt und so die von der
+erhitzten, sich ausdehnenden Luft abgegebene Arbeit an letztere abgiebt.
+Die Luftmenge kann dabei[10] bei[11] jedem Hub neu aufgesaugt werden
+(Ericson), oder die Maschine kann immer mit demselben Luftquantum
+arbeiten (Lehmann). Diese Maschinen müssen infolge der Schwierigkeit,
+die Wärme rasch der Luft zuzuführen, mit hohen Temperaturen der
+Heizflächen und darum ungünstig arbeiten. Günstiger ist daher der Motor
+von Hock, bei welchem die Arbeitsluft durch den Heizraum hindurchgeführt
+wird.
+
+Diese Maschinen bilden bis zu einem gewissen Grade den Uebergang[12] zu
+den weit vollkommeneren Gaskraftmaschinen, bei welchen ein explosives
+Gemisch von Luft und Leucht- oder Heizgas angesaugt, zusammengedrückt
+und dann entzündet wird. Das durch die rasche Verbrennung auf sehr hohen
+Druck gebrachte Gemenge von Stickstoff und den Verbrennungsprodukten des
+Gases treibt alsdann den Kolben wieder vorwärts und giebt dabei[13] an
+denselben Arbeit ab, welche auf eine Welle mit Schwungrad übertragen
+wird. Beim Rückgang des Kolbens werden die infolge der Ausdehnung stark
+abgekühlten Verbrennungsgase in die Luft hinausgetrieben. Dann wird
+wieder Gemisch angesaugt, komprimiert, entzündet etc., d. h. bei je zwei
+Hin- und Hergängen des Kolbens wird nur während eines Kolbenhubs[14]
+Arbeit geleistet (Viertaktmotor von Otto). Die Gaskraftmaschinen
+setzen[15] jetzt bis über 30 Prozent der gesammten bei der Verbrennung
+des Gases entstehenden Wärme in mechanische Arbeit um.
+
+
+29.
+
+Aehnlich ist die Wirkung der Dampfmaschine, bei welcher der in einem
+Dampfkessel erzeugte, hochgespannte und dann mehr oder weniger
+überhitzte Dampf ebenfalls in einen Zylinder[1] mit Kolben tritt und
+diesen vorwärts schiebt. Um die im Dampf enthaltene Energie möglichst
+auszunutzen, sperrt[2] die sogenannte Steuervorrichtung[3] den Zutritt
+des frischen Dampfes aus dem Kessel nach etwa 1/10 bis 1/3 des
+Kolbenweges ab, und der Dampf dehnt sich dann weiter nahezu adiabatisch
+unter Abkühlung und Abnahme des Druckes aus, wobei[4] ihm aber durch
+Heizung der Zylinderwände etwas Wärme zugeführt werden muss, wenn keine
+Verdichtung eintreten soll. Der bis nahezu Atmosphärendruck ausgedehnte
+Dampf tritt dann entweder in die Luft aus oder er tritt in einen
+sogenannten Kondensator, worin er durch Abkühlung der Wandungen oder
+durch eingespritztes Wasser verdichtet wird. Hierbei[4] entsteht ein bis
+etwa 65 cm Quecksilbersäule niedrigerer[5] Druck, als der
+Atmosphärendruck beträgt; der auf Atmosphärendruck expandierte Dampf
+kann sich also noch weiter ausdehnen und dabei[4] Arbeit abgeben. Wegen
+der bei letzteren Maschinen notwendigen Pumpe zum Fortschaffen des
+Kondenswassers aus dem Kondensator geht[6] hierbei ein Teil Arbeit
+wieder verloren, der bei kleinen Maschinen grösser ausfallen[7] kann als
+der durch die Verdichtung erzielte Gewinn.
+
+Beträgt der Ueberdruck des Kesseldampfes nicht mehr als 6 Atm., so
+genügt für die Ausdehnung ein Zylinder. Bei 8 bis 10 Atm.
+Kesselüberdruck ist es aber vorteilhafter, die Expansion stufenweise auf
+2 Zylinder, den Hochdruckzylinder mit kleinerem und den
+Niederdruckzylinder mit grösserem Durchmesser zu verteilen, während man
+für noch höheren Dampfdruck (12 bis 17 Atm.) die Expansion auf 3 und
+sogar 4 Zylinder verteilt. Da selbst in dem bei niederer Temperatur
+verdichteten Dampf noch sehr grosse Wärmemengen enthalten sind, hat man
+in neuester Zeit versucht, die Wärmeausnutzung der Dampfmaschine noch
+vollkommener zu gestalten, indem man[8] den Kondensator einer
+Wasserdampfmaschine als Heizapparat für einen mit Aether oder flüssiger
+schwefliger Säure gefüllten zweiten Dampfkessel verwendete und mittels
+der schon bei niederer Temperatur hoch gespannten Dämpfe dieser
+Flüssigkeiten eine zweite mit der ersten mechanisch gekuppelte
+Dampfmaschine antrieb. Auf diese Weise hat man den Wirkungsgrad[9] der
+Dampfmaschine, der bei der Wasserdampfmaschine zusammen mit dem Kessel
+bis etwa 12 Prozent erreicht, auf 17 Prozent zu steigern vermocht.
+Aehnliche Vorteile hat man durch sehr starke Ueberhitzung des Dampfes
+erreicht.
+
+Bei den modernen Dampfturbinen, welche jetzt so weit vervollkommnet
+sind, dass ihr Wirkungsgrad denjenigen der Zweifachexpansionsmaschinen
+erreicht, lässt man den Dampf, ähnlich dem Wasser bei den
+Wasserturbinen, ausströmen und die mit grosser Geschwindigkeit
+austretenden Dampfstrahlen[10] auf ein Schaufelrad[11] drücken.
+Wegen der grossen Ausflussgeschwindigkeit des Dampfes muss auch, um
+einen günstigen Wirkungsgrad zu erzielen, die Umfangsgeschwindigkeit des
+Schaufelrads sehr hoch sein.
+
+
+30.
+
+_Mechanische Wärmetheorie._ 1. Ein grosses Quantum von Wärmeenergie ist
+immer einem ganz bestimmten Quantum mechanischer Energie äquivalent. Die
+Summe der beiden Energiearten[1] in einem gegen die Aussenwelt
+vollkommen abgeschlossenen Raume, in welchem sich beliebige[2]
+Umwandlungen der einen in die andere Energieform zutragen[3], ist
+deshalb konstant. Dieser Satz heisst auch das Prinzip von der Erhaltung
+der Energie.
+
+2. Bei Kreisprozessen[4] vollziehen sich die Umwandlungen so, dass dabei
+die umgewandelte Wärme immer den Wärmequellen höherer Temperatur
+entnommen wird, während eine Ueberführung von Wärme aus einer
+Wärmequelle niederer Temperatur in eine höhere nur durch Aufwendung von
+mechanischer Arbeit oder einer anderen Energieform vollzogen werden
+kann, und bei jedem solchen Kreisprozess findet eine Vermehrung der
+Wärmeenergie auf Kosten der anderen Energieform statt.
+
+Am allgemeinsten[5] lässt sich der zweite Hauptsatz der mechanischen
+Wärmetheorie in der Form aussprechen: Nur solche Vorgänge vermögen
+mechanische Arbeit zu liefern, welche in der Natur von selbst sich
+vollziehen, wie z. B. der Uebergang von Wärme von höherer auf niedere
+Temperatur, das Herabsinken eines Gewichts von einem höheren auf ein
+tieferes Niveau[6], der Uebergang der Elektrizität von einem höheren auf
+ein tieferes Potentialniveau etc. Da Wärme auftritt, wenn Arbeit, d. h.
+Bewegung von Massen, verschwindet, und da umgekehrt Wärme in Arbeit
+übergeführt werden kann, so fasst[7] man gegenwärtig die Wärme selbst
+als eine Art von Massenbewegung auf, bei der jedoch die Körper nicht als
+Ganzes, sondern nur ihre Moleküle gegeneinander in Bewegung begriffen[8]
+sind. Keine Wärme[9] würde demnach ein Körper enthalten, wenn seine
+Moleküle gegeneinander in Ruhe wären; dieser Zustand wäre dann
+derjenige, welcher dem absoluten Nullpunkt der Temperatur entspricht.
+
+_Der Magnetismus._ Ein Magnet zieht[10] ein ihm nahe gebrachtes
+Eisenstück an, wird gleichzeitig aber auch von diesem Eisenstück mit
+gleicher Kraft angezogen.
+
+Nähert man zwei Magnetpole einander, so beobachtet man nur dann
+Anziehung, wenn der eine ein Nordpol, der andere ein Südpol ist, oder
+wenn beide ungleichnamig sind. Dagegen[11] stossen[12] sich zwei
+Nordpole oder zwei Südpole, d. h. gleichnamige Pole, gegenseitig ab.
+
+Die Kraft, welche zwischen zwei Magnetpolen zur Wirkung kommt, ist
+umgekehrt proportional dem Quadrat ihres gegenseitigen Abstandes.
+
+Die Einheit der Polstärke ist ein solcher Magnetpol, dessen Stärke so
+gross ist, dass wenn er in die Entfernung von 1 cm von einem ähnlichen
+Magnetpol von gleicher Stärke gestellt wird, denselben mit der absoluten
+Einheit der Kraft abstösst. Diese absolute Einheit der Kraft ist die
+Dyne, welche der Masse von 1 g die Geschwindigkeit von 1 cm in der
+Sekunde mitteilt.
+
+
+31.
+
+In vielen Fällen ist der Magnetismus eines magnetisierten Stahlstabes
+hauptsächlich nur auf dessen Oberfläche vorhanden. Man hat dies
+dadurch[1] nachgewiesen, dass man einen kurzen Magnetstab in Säure
+legte, so dass allmählig die äusseren Schichten des Metalles aufgelöst
+wurden. Es stellte sich dabei heraus,[2] dass nach der so
+herbeigeführten Beseitigung einer verhältnissmässig dünnen Stahlschicht
+der Magnetismus des Stabes fast gänzlich verschwunden war. Ferner
+verfuhr man in gleicher Hinsicht[3] so, dass man ein kurzes,
+verhältnissmässig dünnwandiges Stahlrohr und einen nach Länge und
+Durchmesser gleichen Stahlstab gleich stark magnetisierte. Es zeigte
+sich dann, dass das Stahlrohr fast dieselbe magnetische Kraft besass,
+wie der volle Magnetstab. Nur bei langen und verhältnismässig dünnen
+Stäben dringt der Magnetismus vollständig in das Material ein.
+
+Zerbricht man einen Magnetstab, so bilden die Bruchstücke wiederum
+vollständige Magnete, mit je zwei entgegengesetzten Polen. Denken wir
+uns diese Teilung so lange fortgesetzt, bis wir den Stab in seine
+Moleküle zerteilt haben, so werden wir annehmen dürfen, dass auch
+letztere vollständige Magnete darstellen[4] werden.
+
+Wir stellen in betreff der Konstitution eines magnetischen Körpers die
+Hypothese auf, dass die Moleküle schon vor der Magnetisierung
+vollständige Magnete sind, welche aber im natürlichen Zustand infolge
+der gegenseitigen Anziehung sich so lagern[5], dass sich ihre Wirkungen
+nach aussen gegenseitig aufheben.[6] Beim Magnetisieren werden dieselben
+durch einen äusseren Zwang in gleiche Richtung gedreht, so dass sich nun
+ihre Wirkungen nach aussen summieren.
+
+Diese Hypothese wird durch folgenden Versuch gestützt. Man füllt ein
+Glasrohr mit Stahlfeilspänen, verkorkt beide Enden und schüttelt um; das
+Rohr erscheint nicht magnetisch. Nun magnetisiert man dasselbe, wodurch
+es die Eigenschaften eines künstlichen Magnets annimmt. Schüttelt man
+das Rohr hierauf wieder kräftig um, so erscheint es wieder gänzlich
+unmagnetisch, obgleich die einzelnen Stahlspänchen permanente Magnete
+geblieben sind.
+
+Wenn es möglich wäre, einen einzelnen Magnetpol, losgelöst von jeder
+materiellen Masse, herzustellen[7], so würde derselbe, in die Nähe eines
+Magnets gebracht, durch die auf ihn ausgeübte Kraft in Bewegung gesetzt
+werden. Da er kein Beharrungsvermögen[8] besässe, würde er sich in jedem
+Augenblick genau in der Richtung der auf ihn wirkenden Kraft bewegen,
+also Bahnen beschreiben, deren Tangente in jedem Punkte der Umgebung des
+Magnets die Richtung der daselbst wirkenden magnetischen Kraft angeben
+würden. Nach Faraday nennen wir die Umgebung eines Magnets, in welcher
+dessen Kraftwirkungen erfolgen, das magnetische Feld, und die soeben
+definierten Linien, die Kraftlinien des Felds. Bringt man eine kleine
+Magnetnadel in das magnetische Feld, so werden ihre beiden Pole von
+entgegengesetzten Kräften angegriffen, weshalb die Nadel sich in die
+Richtung der durch ihren Mittelpunkt gehenden Kraftlinie einstellen[9]
+muss.
+
+Diese Kraftlinien haben wir uns als geschlossene Kurven
+vorzustellen,[10] welche zum Teil ausserhalb, zum Teil aber innerhalb
+des Magnets verlaufen. Dieselben können auch ganz innerhalb des Magnets
+liegen.
+
+
+32.
+
+_Die Elektrizität._ Die zwischen zwei punktförmigen Elektrizitätsmengen
+wirkende Kraft ist dem Produkt aus den Mengen direkt, dem Quadrat ihrer
+Entfernung umgekehrt proportional und fällt der Richtung nach[1] in die
+gerade Verbindungslinie der beiden elektrischen Massenpunkte.
+
+Nähert man einem unelektrischen isolierten Leiter[2] einen elektrischen
+Körper, so wird ersterer elektrisch, und zwar[3] ist die Elektrizität an
+dem Ende, welches dem genäherten Körper zugewendet ist, die
+entgegengesetzte, während sich am abgewandten Ende gleichnamige
+Elektrizität sammelt. Entfernt man den elektrischen Körper, so
+vereinigen sich beide Elektrizitäten wieder, und der Leiter erscheint
+unelektrisch, woraus zu schliessen ist,[4] dass von beiden
+Elektrizitäten gleichgrosse Mengen vorhanden waren.
+
+Man nennt diese Trennung der Elektrizitäten in einem Leiter durch
+Annäherung eines elektrischen Körpers Influenz, Verteilung oder
+elektrostatische Induction.
+
+Wenn man in eine leitende Flüssigkeit, z. B. eine Salzlösung, zwei
+verschiedene Metalle eintaucht, von denen man das eine zur Erde
+ableitet, so wird das nicht abgeleitete Metall elektrisch. Wird hierbei
+das erste Metall, wenn das zweite abgeleitet ist, positiv, so wird das
+zweite bei Ableitung des ersten ebenso stark negativ. Das abgeleitete
+Metall besitzt immer das Potential oder die Spannung 0; also[5] besteht
+zwischen beiden Metallen ein Spannungsunterschied. Dieser entsteht
+dadurch, dass an den Berührungsstellen[6] der verschiedenen Körper eine
+Trennung der Elektrizitäten stattfindet. Die hier auftretenden
+Spannungen sind sehr viel geringer als diejenigen bei der Reibung.
+
+Bringt man verschiedene Metalle paarweise in eine Flüssigkeit, so werden
+immer diejenigen Metalle am stärksten negativ, welche von der
+Flüssigkeit am stärksten angegriffen werden.
+
+Der Spannungsunterschied wird in einer Einheit gemessen, welche den
+Namen 1 Volt (1 V) führt und welche numerisch sehr nahe gleich dem 300.
+Teil[7] der absoluten elektrostatischen Einheit der Spannung oder des
+Potentials. In Volt gemessen ist im Wasser der Spannungsunterschied
+zwischen Zink und Kupfer 0,78 V, zwischen Zink und Platin 1,05 V.
+
+Eine solche Anordnung von zwei Metallen in einer Flüssigkeit heisst ein
+galvanisches oder Voltasches Element oder eine einfache galvanische
+Kette. Verbindet man die beiden Pole durch einen Leiter, so fliesst
+infolge des fortdauernd bestehenden Spannungsunterschieds zwischen
+seinen Enden in diesem Leiter +E vom +Pol nach dem -Pol, während sich
+die -E in der umgekehrten Richtung bewegt. Da an den Berührungsstellen
+fortwährend neue Elektrizitätsmengen geschieden werden, so erhält man in
+dem Leiter einen ununterbrochenen elektrischen Strom. Den Leiter nennt
+man den Schliessungsbogen.[8]
+
+
+33.
+
+Man versteht unter Stromstärke die Elektrizitätsmenge, welche in der
+Zeiteinheit[1] durch einen Querschnitt[2] des Schliessungsbogens
+hindurchfliesst. Als technische Einheit der Stromstärke dient 1 Ampère
+(1 A); die[3] bei dieser Stromstärke durch jeden Querschnitt des
+Schliessungsbogens in 1 Sekunde hindurchfliessende Elektrizitätsmenge
+heisst 1 Coulomb (1Cb) und dient in der Elektrotechnik als Einheit der
+Elektrizitätsmenge. Numerisch ist 1 Cb=3·10^9 absolute elektrostatische
+Einheiten.
+
+Da die Stromabgabe[4] eines einzelnen Elementes verhältnismässig schwach
+ist, so werden für viele Zwecke eine mehr oder minder grosse Zahl von
+Elementen gleicher Art zu Batterien, entweder mit Bezug auf[5]
+die Vergrösserung der in einer gewissen Zeit abzugebenden
+Elektrizitätsmenge, oder mit Bezug auf die Erhöhung der
+Potentialdifferenz, oder auch mit Bezug auf beide Arten der
+Wirkungserhöhung, miteinander verbunden. Die Vergrösserung der
+Elektrizitätsmenge ist allerdings auch durch entsprechende Vergrösserung
+der wirksamen[6] Metallflächen in einem Elemente zu erreichen, jedoch
+wird dann sehr bald eine Grenze gefunden, wo die Elemente durch ihre
+Grösse unbequem werden. Man wählt alsdann zu gleichem Zwecke die
+Schaltung[7] auf Quantität oder Parallelschaltung, wobei die
+gleichnamigen Pole, z. B. einerseits die Pole der Zinkplatten und
+andrerseits die der Kupferplatten miteinander durch einen Leiter von
+entsprechend grossem Querschnitt verbunden werden. Soll[8] dagegen eine
+Erhöhung der Potentialdifferenz herbeigeführt werden, welche von der
+Flächengrösse der Platten unabhängig ist, indem[9] sie nur durch die
+physikalische Natur der Elektroden und des Elektrolyten bedingt wird, so
+ist die Schaltung auf Spannung, oder Hintereinanderschaltung, oder auch
+Reihenschaltung genannt, zu wählen. Hierbei werden von Element zu
+Element immer die entgegengesetzten Pole, z. B. die Pole der Zink- und
+Kupferplatten miteinander verbunden.
+
+_Die Akkumulatoren._ Der Akkumulator[10] von Planté besteht aus zwei
+Bleiplatten in verdünnter Schwefelsäure. Schickt man einen Strom durch
+ein solches Element hindurch, so reduziert der an der negativen
+Bleielektrode auftretende Wasserstoff etwa[11] vorhandenes Bleioxyd zu
+metallischem Blei, während sich der Sauerstoff an der positiven Platte
+mit dem Blei zu Bleisuperoxyd[12] verbindet. Hat man so den Akkumulator
+geladen, so erhält man aus demselben, wenn man die beiden Bleiplatten
+mit einem Leiter verbindet, in letzterem einen Strom, der von der
+oxydierten Bleiplatte zur metallischen geht. Derselbe dauert so lange
+an, bis sich sowohl[13] das Bleioxyd durch den Wasserstoff, wie auch das
+metallische Blei durch den Sauerstoff in Bleioxyd umgewandelt hat,
+welches sich mit der vorhandenen Schwefelsäure verbindet. Dieses nennt
+man die Entladung des Akkumulators. Bei einer neuen Ladung wird alsdann
+das schwefelsaure Blei[14] in metallisches Blei am negativen und
+Bleisuperoxyd am positiven Pol, und in Schwefelsäure umgewandelt. Die
+E. M. K.[15] eines solchen Elements beträgt anfangs etwas über 2 V,
+sinkt aber während der Entladung langsam auf etwa 1,8 V und nimmt dann
+sehr rasch ab. Beim Gebrauch setzt man daher die Entladung nur so lange
+fort, bis die E. M. K. ziemlich auf 1,8 V gesunken ist.
+
+Um mehr oxydations- bezw.[16] reduktionsfähiges Material zu erhalten,
+bedeckte Faure die Bleiplatten mit Mennigeschichten[17]. Man kann auch
+Gitter[18] von Blei herstellen und die Zwischenräume mit
+Bleiverbindungen ausstopfen.
+
+Man berechnet die Leistungsfähigkeit eines Akkumulators nach
+Ampèrestunden. Ein Akkumulator von 100 Ampèrestunden Kapazität vermag
+z. B. 100 Stunden lang einen Strom von 1 A oder 5 Stunden lang einen
+solchen von 20 A etc. zu liefern. Da der in 1 Stunde von 1 A entwickelte
+Sauerstoff 3,86 g Blei in Bleioxyd (PbO) verwandelt, so müssen
+mindestens 386 g oxydierbares Blei vorhanden sein. Uebrigens ist die
+Kapazität eines Akkumulators bei langsamer Entladung grösser als bei
+rascher, so dass einer der 10 Stunden lang 10 A liefern kann, 20 A nur
+etwa 4 Stunden lang zu liefern vermag.
+
+
+34.
+
+_Die elektrischen Strommaschinen._ Die zur Erzeugung von elektrischen
+Strömen dienenden Maschinen, welche gewöhnlich als Dynamomaschinen oder
+Dynamos bezeichnet werden, unterscheiden[1] sich als Gleichstrom-[2] und
+Wechselstrommaschinen[3] und beruhen auf der von Faraday entdeckten
+Erregung[4], Influenz oder Induction elektrischer Ströme in Drähten
+mittels magnetischer Einwirkung. Bei den ersten Maschinen dieser Art
+fand die Erregung der Ströme durch Dauermagnete[5] (stählerne
+Hufeisenmagnete) statt, vor deren Polen ein mit zwei Drahtspulen
+versehener Anker[6] in rasche Umdrehung versetzt werden konnte. In der
+Clarkeschen Maschine wurden in den dicht bei den beiden Magnetpolen
+vorübergehenden Ankerschenkeln[7] bei jeder vollen Umdrehung zwei
+Polwechsel[8] herbeigeführt und dadurch in den beiden Drahtspulen
+entsprechend starke entgegengesetzte, aber in gleicher Richtung durch
+beide Spulen fliessende elektrische Ströme induziert, so dass also der
+Anker bei einer halben Umdrehung einen Strom in der einen Richtung und
+bei der nächsten halben Umdrehung einen Strom in der entgegengesetzten
+Richtung in seiner Bewickelung erzeugt. Clarke verbesserte seine
+Maschine noch durch Anbringung[9] eines Stromwenders[10], um einen
+Strom in gleicher Richtung im äusseren Stromkreise zu erhalten. Diese
+Vorrichtung[11] besteht aus einem auf die Ankerwelle aufgesteckten
+Zylinder aus isolierendem Material (Holz, Ebonit u. dergl.[12]), auf dem
+zwei metallene Sektoren einander gegenüberstehen, aber von einander
+isoliert befestigt sind und dabei über den Umfang des isolierenden
+Zylinders etwas emporstehen. Auf jedem dieser beiden Metallsektoren
+oder Segmenten schleift eine aus Kupferdraht oder schmalen
+übereinandergelegten Kupferblechstreifen[13] gebildete elastische
+sogenannte Bürste. Beide Bürsten sind auf einer isolierenden Grundplatte
+befestigt und durch geeignete Klemmen[14] mit Leitern verbunden.
+
+Ein wesentlicher Fortschritt war die Einführung des Siemensschen
+Doppel-T-Ankers. Dieser besteht aus einem weichen Eisenkern[15] von
+zylindrischer Form, in welchen beiderseits eine breite Nut[16]
+eingefrässt[17] ist, die zur Aufnahme des isolierten Bewickelungsdrahtes
+dient, so dass die Windungen parallel zur Achse des Ankerzylinders
+liegen. Die in diesen Windungen bei Umdrehung des Ankers induzierten
+Ströme werden durch einen auf der Achse sitzenden Stromwender gleich
+gerichtet.
+
+Die permanenten Stahlmagnete wurden zuerst von Wilde durch
+Elektromagnete ersetzt. In 1867 wurde von Siemens und fast gleichzeitig
+auch von Wheatstone das sogenannte dynamoelektrische Prinzip entdeckt,
+welches darauf beruht, dass eine geringe Spur von Magnetismus im Eisen
+der Feldmagnete zur Selbsterregung der Magnete hinreichend ist, indem
+die[18] zuerst dem geringen Magnetismus entsprechenden schwachen
+induzierten elektrischen Ströme des Ankers, in die Bewickelung der
+Magnete geleitet, diesen Magnetismus verstärken, wodurch dann wieder die
+in der Ankerbewicklung erregten Ströme verstärkt werden, so dass diese
+alsdann den Magnetismus wieder verstärken und so fort bis die volle
+Wirkung der Maschine erreicht wird.
+
+
+35.
+
+_Die Gramme Maschine._ Zwischen den Polschuhen des den Feldmagneten
+bildenden Elektromagneten ist der[1] aus einem[2] mit isoliertem
+Kupferdraht bewickelten Eisenring bestehende Anker auf einer drehbaren
+Welle[3] angebracht. In der Kupferdrahtbewickelung dieses ringförmigen
+Eisenkerns werden bei der Bewegung durch das magnetische Kraftfeld
+elektrische Ströme induziert, wobei[4] der Eisenkern durch Influenz
+magnetisiert wird und die Verdichtung der magnetischen Kraftlinien,
+sowie die daraus entstehende Verstärkung des magnetischen Feldes
+stattfindet.
+
+Ursprünglich war Gramme von dem Gedanken ausgegangen, den durch den
+Einfluss des Feldmagneten magnetisierten Eisenring in der Drahtspirale
+oder die Drahtspirale um den magnetisierten Eisenring rotieren zu
+lassen. Der[5] praktischen Ausführung dieser Idee stellten sich jedoch
+unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen, so dass der Erfinder den
+Eisenring einfach mit isoliertem Drahte bewickelte und in geeigneter
+Weise auf der Welle befestigte und so den ganzen Anker vor den Polen des
+Feldmagneten rotieren liess. In der Tat[6] wurde dadurch dieselbe, von
+ihm wohl[7] nicht vorhergesehene Wirkung erzielt, als wenn der Eisenkern
+oder die Drahtspirale für sich allein rotierten. Durch die Einwirkung
+der Pole des Feldmagneten werden nämlich[8] auch in dem rotierenden
+Ringe zwei feststehende entgegengesetzte Pole erzeugt, indem[9] durch
+die magnetische Influenzierung des Eisenringes dem Nordpole des
+Feldmagneten gegenüber ein Südpol und dem Südpole des Feldmagneten
+gegenüber ein Nordpol im Eisenringe entsteht; allerdings[10] werden
+dabei fortwährend neue Eisenteilchen im rotierenden Ringe veränderlich
+magnetisiert und es ist deshalb erforderlich, das Material des Ringes so
+einzurichten, dass die fortwährend rasche Aenderung des Magnetismus der
+Teilchen möglichst erleichtert wird.
+
+Die Bewickelung des Feldmagneten ist einfach eine Fortsetzung der
+Ankerbewickelung und die Erregung des Feldmagneten wird durch den von
+der Ankerbewickelung ausgehenden Hauptstrom bewirkt. Man bezeichnet
+diese Bewickelung, bei welcher Anker und Feldmagnet hintereinander
+geschaltet sind, als die Reihen- oder Serienbewickelung[11] im Gegensatz
+zu der Nebenschlussbewickelung.[12]
+
+Um die von der Maschine verlangte Leistung[13] mit einer geringeren
+Umdrehungszahl zu erreichen, hat man mehrpolige Maschinen hergestellt,
+bei denen das Magnetfeld von vier, sechs, acht und mehr Polen gebildet
+wird, wobei Nord- und Südpol abwechselnd in dem sie verbindenden
+polygonalen oder kreisrunden Eisengestell[14] angeordnet sind.
+
+
+36.
+
+_Wechselstrommaschinen._ Obschon alle elektrischen Strommaschinen nur
+Wechselströme erzeugen können, weil die magnet-elektrische Induktion nur
+durch wechselnde Wirkung zwischen magnetischer Kraft und elektrischen
+Leitern hervorgebracht werden kann, so unterscheidet man doch neben den
+durch Anbringung eines Stromwenders hergestellten Gleichstrommaschinen
+noch die eigentlichen[1] Wechselstrommaschinen, welche die durch
+Induktion erzeugten Wechselströme direkt in den äusseren Stromkreis[2]
+zur Benutzung abgeben[3]. Die Wechselstrommaschinen bedürfen[4] daher
+nicht des kostspieligen und sorgsam zu überwachenden Kommutators, der
+mit seinen Schleifbürsten leicht der Abnutzung unterliegt[5] und zu
+Betriebsstörungen[6] Anlass geben kann, sobald die Bedienung der
+Maschine nachlässig ist. Anstatt des Stromwenders sind die
+Wechselstrommaschinen nur mit dauerhaften Schleifbürsten versehen, von
+denen der Strom abgenommen wird. Sie können auch mit feststehendem Anker
+eingerichtet werden, so dass die hochgespannten Wechselströme direkt von
+den festen Klemmen[7] in die Leitung übergehen.
+
+In ihrem Aufbau sind demnach die Wechselstrommaschinen viel einfacher
+als die Gleichstrommaschinen. Sie sind zur Erzeugung von Strömen
+bis zu 10000 Volt Spannung zu benutzen, während man bei den
+Gleichstrommaschinen nur ausnahmsweise die Spannung höher als etwa 500
+Volt treibt. Da durch die Wechselströme nicht das erforderliche
+konstante Magnetfeld hergestellt werden kann, so muss dies durch eine
+besondere, aber verhältnismässig kleine Gleichstrommaschine geschehen,
+die als Erregermaschine bezeichnet wird. Zuweilen hat man auch diese
+direkt mit der Wechselstrommaschine verbunden, indem[8] man mittels
+eines auf deren Welle aufgesetzten Kommutators einen entsprechenden Teil
+des erzeugten Wechselstroms in Gleichstrom verwandelt.
+
+Zu den Wechselstrommaschinen gehören auch die Drehstrommaschinen[9],
+welche drei in ihrer Schwingungsphase gegenseitig um 120° verschobene
+Wechselströme erzeugen (Dreiphasenmotor).
+
+_Transformatoren._ Wichtige Nebenapparate[10] und Ergänzungsmittel[11]
+der Wechselstrommaschinen sind die Transformatoren. Dieselben beruhen
+auf der Wirkung der magnetelektrischen Induktion, welche durch
+Wechselströme hervorgerufen wird, so dass der erzeugte Magnetismus im
+Eisen rasch abwechselnd umgekehrt wird. Um diese rasche Umkehrung ohne
+zu grosse Verluste (Hysteresis und Wirbelströme[12]) herbeizuführen,
+müssen die Eisenkerne der Transformatoren aus dünnen (kaum 0,5 mm
+dicken) Eisenblechen mit isolierenden Zwischenlagen von paraffiniertem
+Papier etc. hergestellt werden. Zur Magnetisierung des Eisenkerns dient
+die Primärbewickelung desselben, und durch die abwechselnde
+Magnetisierung des Eisenkerns wird die Sekundarbewickelung desselben
+induziert und dadurch der transformierte Wechselstrom erzeugt. Man hat
+es dabei in der Gewalt, die Spannung des Sekundarstroms zu erhöhen und
+somit die Stromstärke entsprechend zu erniedrigen, oder die Spannung zu
+erniedrigen und die Stromstärke entsprechend zu erhöhen.
+
+Man unterscheidet Kerntransformatoren[13] und Manteltransformatoren. Bei
+ersteren ist der Eisenkern von der Drahtbewickelung beziehungsweise den
+Drahtspulen umgeben; bei letzteren sind die Drahtspulen innerhalb des
+rahmenartigen Eisengestells untergebracht.[14]
+
+
+37.
+
+_Elektrische Lichtanlagen._[1] Die Starkstromleitungen[2] für Licht- und
+Kraftbetrieb[3] werden, in der Regel[4], wenigstens innerhalb der
+Städte, als Untergrundleitungen in der Form von Bleikabeln angelegt,
+durch welche die Hauptleitungen gebildet werden, die sich nach den
+Häusern in dünneren Leitungen abzweigen. Diese Kabel enthalten eine
+grössere Anzahl verseilter[5] starker[6] Kupferdrähte, die in ihrer
+Gesammtheit[7] nach aussen durch Umspinnung mit Jute und Umwickelung
+mit Isolierband[8] gegen Stromverlust möglichst gesichert, sowie
+durch eine die Isolationsmasse umgebende dichte Bleiumhüllung gegen
+Feuchtigkeit geschützt sind. Um die Verletzung der Bleihülle bei
+Strassenumwühlungen[9] zu verhüten, ist meist noch eine Armierung[10]
+von Bandeisen oder Eisendraht vorhanden. Die Verbindung der Kabel
+untereinander, sowie die Abzweigstellen der Nebenleitungen, werden durch
+gusseiserne Muffen[11] bewirkt. Um die Anschlussstellen[12] behufs
+Nachsehen, Reparaturen und Neuanschlüssen leicht zugängig zu machen,
+sind Anschlusskästchen und Anschlussgruben[13], die mit abnehmbaren
+Deckeln geschlossen werden, vorhanden. Ueberall, wo schwächere Leitungen
+den Strom aus stärkeren Leitungen aufzunehmen haben, sind
+Schmelzsicherungen[14] angebracht, um zu verhüten, dass bei zufälligem
+Wechsel zwischen den Hauptleitungen ein zu starker Strom in die
+schwächeren Leitungen einträte und diese zum Glühen und Schmelzen
+brächte. Insbesondere sind solche Schmelzsicherungen, die bei dem
+Eintritt einer gewissen Stromstärke die Leitungen unterbrechen, an den
+Stellen, wo die Leitungen in die Häuser eingeführt werden, unbedingt
+erforderlich, um Feuers- und Lebensgefahr zu verhüten. Auch in den
+Hausleitungen selbst sind die einzelnen Lampen oder Lampengruppen
+mittels solcher Schmelzsicherungen zu schützen. In den Hausanlagen
+selbst werden die Leitungen, die in der Regel durch Umspinnung mit
+Baumwolle isoliert sind, mittels kleiner isolierender Porzellanrollen an
+Wänden und Decken befestigt oder durch isolierende Röhren aus Karton[15]
+oder Hartgummi unterhalb des Wandverputzes[16] und durch die Wände
+selbst von einem Raume in den andern geführt.
+
+Zum Aus- und Einschalten[17] der Lampen und anderer elektrischer
+Apparate werden Schalter[18] von verschiedenen Formen und Einrichtungen
+benutzt. Ausser diesen sind noch die Umschalter[19] zu erwähnen, welche
+dazu dienen, den Strom in einer Leitung auszuschalten und dabei
+gleichzeitig dafür in eine andere Leitung überzuführen oder seine
+Richtung umzukehren. Diese Apparate sind mit zwei gegenüberstehenden
+Kontaktsystemen versehen, so dass der Hebel beim Umlegen das eine
+Kontaktsystem aus- und dafür das andere einschaltet.
+
+
+38.
+
+_Die elektrische Kraftübertragung._ Der Gleichstrommotor[1] kann bei
+geeigneter Konstruktion mit einem sehr hohen Wirkungsgrade[2]
+hergestellt werden, der selbst bei den kleinsten Motoren etwa 56 Prozent
+der zugeführten elektrischen Kraft und bei grösseren Motoren mindestens
+85 Prozent beträgt. Indessen ist bei diesem Motor der Stromwender[3] ein
+ziemlich empfindlicher Teil, der[4] mit Sorgfalt zu behandeln ist und
+durch Funkensprühen[5] leicht zu Störungen Anlass geben[6] kann, ja
+sogar seine Anwendung an solchen Orten, wo leicht entzündliche Stoffe
+vorhanden sind, wie z. B. in Steinkohlengruben[7] mit häufig
+vorkommenden schlagenden Wettern[8], verbietet. Auch ist der Gleichstrom
+für Fernleitung wegen der verhältnismässig sehr geringen Spannung[9],
+mit welcher er zu erzeugen ist, nicht anwendbar, weil er für die
+Uebertragung grösserer Kraftleistungen starke Querschnitte[10] der
+Leitung verlangt, wodurch die Anlage zu kostspielig wird. Man hat unter
+diesen Umständen hochgespannte Wechselströme zu benutzen. Der einfache
+Wechselstrom ist jedoch insofern unbequem[11], als er zur Erregung
+seines Magnetfeldes einen Gleichstrom braucht und daher zu dessen
+Erzeugung einer besonderen Maschine bedarf. Ferner kann auch ein solcher
+Motor nicht von selber angehen[12], sondern muss zuerst in der
+gewünschten Richtung in Umdrehung versetzt werden, bis er eine[13] der
+Stromwechselzahl und seiner eigenen Einrichtung entsprechende
+Geschwindigkeit angenommen hat, bevor er seine Arbeit verrichten kann;
+denn wird er bei zu geringer Geschwindigkeit belastet, so kommt er
+alsbald wieder zum Stillstand. Ueberhaupt[14] muss er, um arbeitsfähig
+zu sein, in den[15] durch seine Ankerdrehung unter der Einwirkung seines
+Magnetfeldes hervorgerufenen Stromwechseln mit der den Strom ihm
+liefernden Wechselstrommaschine übereinstimmen[16]. Man nennt daher den
+einfachen oder einphasigen Wechselstrommotor auch synchronen Motor.
+
+Um diesem Uebelstand abzuhelfen, brachte man, anstatt des[17] bei dem
+einphasigen Wechselstrommotor vorhandenen, einfach hin und her
+schwingenden Magnetfeldes, ein rotierendes Magnetfeld zur Wirkung. So
+entstand der Dreiphasenmotor oder eigentlich Drehstrommotor, bei welchem
+die Leitung nur drei Drähte erfordert und dessen Drehfeld als praktisch
+ganz gleichmässig anzusehen ist, weil die Winkelgeschwindigkeit des
+Motors keinen merklichen Schwankungen unterliegt[18]. Da derartige[19]
+Motoren von der Umdrehungsgeschwindigkeit des Generators ganz unabhängig
+ihre Arbeit verrichten, so nennt man sie auch asynchrone[20] Motoren.
+
+
+39.
+
+CHEMIE.
+
+Die Chemie ist die Lehre von den Eigenschaften[1] und Umwandlungen[2]
+der Elemente der Natur und von ihren Verbindungen. Sowohl die Elemente
+wie ihre Verbindungen nennt man Stoffe[3]. Man kann daher die Chemie
+auch als die Lehre von den Stoffen, ihren Eigenschaften und Umwandlungen
+bezeichnen.
+
+Elemente der Natur oder chemische Grundstoffe[4] nennt man diejenigen
+Stoffe, welche wir bis jetzt nicht in andere Stoffe zu spalten oder zu
+zerlegen vermögen und daher als chemisch einfach oder unzersetzbar
+betrachten, ohne dass[5] mit Bestimmtheit gesagt werden kann, dass sie
+wirklich unzersetzbar sind. Aus den chemischen Grundstoffen baut sich
+die ganze körperliche Welt vom einfachen Mineral bis zur Pflanze und dem
+Tier auf.
+
+Jedes Element besitzt eigenthümliche Merkmale[6], die man teils
+physikalische, teils chemische Eigenschaften oder chemisches
+Verhalten[7] nennt.
+
+Die physikalischen Eigenschaften beziehen sich hauptsächlich auf den
+Aggregatzustand und alles damit Zusammenhängende.
+
+Unter dem Aggregatzustande der Stoffe versteht man die Eigenschaft
+derselben, je nach den auf sie einwirkenden Druck- und
+Temperaturverhältnissen[8], entweder den luftförmigen (gasförmigen)
+oder den flüssigen oder den festen Zustand anzunehmen.
+
+Im gasförmigen Zustande nimmt[9] die Materie den grössten Raum ein,
+besitzt keinen Zusammenhang, und vermag daher keine selbstständige Form
+oder Gestalt anzunehmen, sondern erfüllt jeden Raum, den man ihr bietet,
+vollständig. Lässt[10] man in einen mit einem Gase erfüllten Raum ein
+zweites Gas einströmen, so verbreitet sich letzteres allmählig
+(vorausgesetzt dass die Gase nicht chemisch auf einander einwirken) in
+dem Raume ebenso gleichmässig, wie wenn kein anderes Gas vorhanden wäre.
+Man nennt dies die Diffusion der Gase. In der atmosphärischen Luft sind
+Sauerstoff- und Stickstoffgas[11] mit einander diffundiert.
+
+Nach Boyle vermindert sich bei[12] allen Gasen der Raum, den ein Gas
+einnimmt, im umgekehrten Verhältnis zum Druck. Lässt man z. B. auf ein
+Gas, das einen Raum von 100 l erfüllt, einen doppelten Druck wirken, so
+wird dadurch das Gas auf sein halbes Volumen, also auf 50 l,
+zusammengepresst.
+
+Nach Gay-Lussac dehnen sich alle Gase bei gleicher Temperaturzunahme im
+gleichen Verhältnisse aus und umgekehrt; oder, wenn man ihnen die
+Ausdehnung nicht gestattet, so erhöht sich der Druck, den die Gase auf
+die Wandungen des sie umschliessenden Gefässes ausüben, bei allen Gasen
+im gleichen Verhältnis zur Temperaturzunahme und umgekehrt. Der Wert,
+um[13] welchen sich die Gase bei gleichbleibendem Druck für je 1° C. der
+Zunahme oder Abnahme der Temperatur ausdehnen oder zusammenziehen, der
+sogenannte Ausdehnungskoefficient, ist 0,00367 oder 1/273 des
+ursprünglichen Volumens. Diese Gesetze haben sich bei späteren Prüfungen
+nicht als ganz, sondern nur als annähernd richtig erwiesen.
+
+Durch geeignete Mittel kann ein Gas in eine Flüssigkeit, eine
+Flüssigkeit in ein Gas, oder ein fester Körper zuerst in eine
+Flüssigkeit und diese in ein Gas verwandelt werden.
+
+
+40.
+
+Alle Gase lassen[1] sich, die einen leichter[2], die anderen
+schwieriger[2], in den flüssigen Zustand überführen (verdichten,
+verflüssigen), wenn man sie unter genügender Abkühlung einem genügend
+hohen Drucke unterwirft.
+
+Erhitzt man eine flüchtige Flüssigkeit, so beginnt sie bei einer
+bestimmten[3] Temperatur, welche man ihren Siedepunkt nennt, oft unter
+lebhafter Bewegung Dampfblasen zu entwickeln, zu sieden, und dabei[4] in
+den dampfförmigen Zustand überzugehen. Das Sieden hängt davon ab[5],
+dass die sich aus der Flüssigkeit entwickelnden[6] Dämpfe eine genügende
+Spannung[7] (Dampfdruck) besitzen, um den auf der Oberfläche der
+Flüssigkeit wirkenden Druck (z. B. den Luftdruck) zu überwinden, also[8]
+unter Verdrängung der Luft von der Flüssigkeit emporsteigen zu können.
+Je grösser der auf die Flüssigkeit wirkende Druck ist, desto höhere
+Temperatur ist nötig, um dieselbe zum Sieden zu bringen. Bei normalem
+Luftdruck von 760 mm Quecksilbersäule des Barometers siedet das Wasser
+bei 100° und entwickelt dabei Wasserdampf von 1 Atm. Spannung oder
+Dampfdruck. Bei halbem Luftdruck oder 380 mm Quecksilbersäule
+siedet das Wasser schon bei 82°; bei 1/4 Luftdruck schon bei 66°.
+Dementsprechend[9] vermindert sich auch der Druck der aufsteigenden
+Dämpfe auf 1/2 und 1/4 Atmosphären. Bei verdoppeltem Druck steigt der
+Siedepunkt des Wassers auf 121°; bei 3 Atm. Druck auf 135°.
+
+Um die Siedepunkte verschiedener Flüssigkeiten miteinander vergleichen
+zu können, bezieht[10] man dieselben immer auf den gewöhnlichen
+Luftdruck von 760 mm.
+
+Für viele Flüssigkeiten ist der Siedepunkt ein gutes Merkmal[11] zu
+ihrer Erkennung[12] und ein Mittel zu ihrer Reindarstellung[13] durch
+Destillation aus Mischungen mit anderen Flüssigkeiten.
+
+Eine besondere Art der Verflüssigung erleiden die Gase durch ihre
+Eigenschaft, sich in verschiedenen Flüssigkeiten zu lösen, dabei von der
+Flüssigkeit aufgenommen (absorbiert) zu werden und damit ein homogenes
+flüssiges Gemenge zu bilden. Die Löslichkeit der Gase in Wasser z. B.
+ist sehr verschieden. 1 Vol. Wasser von 0° C. und 760 mm Druck löst 0,04
+Vol. Sauerstoff, 1,8 Vol. Kohlensäure[14], 4,4 Volumina
+Schwefelwasserstoff[15], 525 Vol. Chlorwasserstoff[16] und sogar 1148
+Vol. Ammoniakgas. Bei steigender Temperatur sowie bei Druckverminderung
+nimmt[17] die Löslichkeit ab.
+
+
+41.
+
+Viele Flüssigkeiten haben die Eigenschaft, selbst bei niedrigen
+Temperaturen, sich mehr oder weniger rasch zu verflüchtigen[1]. Man
+nennt dies Verdampfung[2] oder Verdunstung[3]. Chloroform z. B.
+verdunstet selbst bei niedrigen Temperaturen so rasch, dass es, wenn man
+es in einer ungenügend[4] verschlossenen Flasche aufbewahrt, vollständig
+aus derselben verschwindet.
+
+Die Verflüssigung der festen Körper durch Erhitzung nennt man Schmelzen,
+und den Temperaturgrad, bei welchem die Schmelzung vor sich geht[5], den
+Schmelzpunkt. Lässt man den geschmolzenen Körper unter seinen
+Schmelzpunkt abkühlen, so wird er wieder fest. Der Temperaturgrad, bei
+welchem dies geschieht, wird Erstarrungspunkt, beim Wasser Gefrierpunkt
+genannt.
+
+Manche Stoffe, z. B. Arsentrioxyd, Kalomel, Kampfer, verwandeln sich
+beim Erhitzen, ohne vorher zu schmelzen, in Dampf, welcher sich, mit
+genügend abgekühlten Flächen in Berührung gebracht[6], direkt wieder zu
+festen Körpern verdichtet. Diese Art der Verflüchtigung wird Sublimation
+genannt. Man kann jedoch auch schmelzbare Körper, wie Jod[7],
+Benzoesäure, sublimieren, wenn man das Erhitzen im luftverdünnten[8]
+oder luftleeren Raume vornimmt, oder wenn man sie nicht ganz bis zu
+ihrem Schmelzpunkte erhitzt.
+
+Die Verflüssigung fester Körper in Flüssigkeiten nennt man lösen[9]. Ein
+fester Körper ist löslich[9], wenn er sich in der Flüssigkeit (dem
+Lösungsmittel), mit welcher man ihn in Berührung bringt, zu einer völlig
+homogenen flüssigen Mischung, der Lösung[9], verteilt.
+
+Je nachdem sich ein Körper nicht oder nur langsam und in
+verhältnismässig geringer Menge, oder rasch und in grosser Menge löst,
+unterscheidet man unlösliche, schwer- und leichtlösliche Körper. In
+Wasser z. B. sind Kreide, Glas, Fett unlöslich, gebrannter Kalk, Gips,
+Weinstein[10] schwer, Chlorcalcium[11], Pottasche, Zucker leicht
+auflöslich. Pottasche, Chlorcalcium und manche andere Stoffe ziehen
+sogar Feuchtigkeit aus der Luft an und verwandeln sich infolgedessen[12]
+beim Liegen an der Luft von selbst in eine wässerige Lösung; man nennt
+sie zerfliesslich.[13]
+
+Hat man von einem festen Körper so viel in der Flüssigkeit gelöst, als
+letztere davon zu lösen vermag, so ist die Lösung eine konzentrierte
+oder gesättigte, andernfalls eine verdünnte oder ungesättigte. Bei den
+meisten Körpern nimmt[14] die Löslichkeit im Verhältnis der
+Temperaturerhöhung zu. Bei 15° braucht 1 Teil Weinstein z. B. um sich zu
+lösen 220, bei 100° nur 15 Teile Wasser. Lässt man eine heiss gesättigte
+Lösung abkühlen, so scheidet[15] sich, und zwar[16] meistens in
+Krystallen, derjenige Teil des gelösten Stoffes aus, der sich bei der
+niedrigen Temperatur nicht mehr gelöst zu halten vermag.
+
+Je grösser die Oberfläche eines Körpers, desto grösser ist seine
+Absorptionsfähigkeit für Gase. Dichte, feinporige Holzkohle absorbiert
+im frisch ausgeglühten Zustande von Ammoniakgas ihr 90faches, von
+Kohlensäuregas ihr 35faches, von Sauerstoffgas ihr 9faches und von
+Wasserstoffgas ihr 2faches Volumen. Fein verteiltes Platin
+(Platinmohr[17]) absorbiert viele Gase, vor allen aber Sauerstoff, von
+welchem es mehr als sein 200faches Volumen auf seiner Oberfläche
+verdichtet.
+
+
+42.
+
+Die Dichte der Stoffe wird nach dem Gewichte beurteilt, welches
+bestimmte Volumina derselben besitzen. Als Einheit[1] hat man für feste
+und flüssige Körper das Wasser in seinem dichtesten Zustande (von +4°
+C.), für die Gase die atmosphärische Luft bei 0° und 76 cm
+Quecksilberdruck gewählt.
+
+Die Zahlen, welche sich ergeben, wenn man die Gewichte ein und desselben
+Volumens, (nämlich je eines Kubikcentimeters) der festen, flüssigen und
+gasförmigen Stoffe bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck bestimmt und in
+Grammen ausdrückt, werden spezifisches Gewicht genannt.
+
+Bei den festen und flüssigen Körpern besteht kein Unterschied zwischen
+den die Dichte und den das spez. Gew. angebenden Zahlen. Die Zahl 10,5
+bezeichnet sowohl die Dichte wie das spez. Gew. des Silbers, je nachdem
+damit ausgedrückt werden soll, dass das Silber 10,5 mal schwerer sei als
+ein gleiches Volumen Wasser, oder dass. 1 ccm Silber 10,5 g wiege,
+wobei[2] es wichtig ist, zu wissen, dass 1 ccm Wasser von +4° = 1 g
+wiegt.
+
+Bei den Gasen dagegen stimmen[3] die auf deren Dichte und spez. Gew.
+bezüglichen[4] Zahlen nicht überein, weil sich die Dichtigkeitswerte auf
+ein gleiches Volumen von Luft als Einheit, die spez. Gewichtszahlen
+dagegen auf das in Grammen von je 1 ccm, also auf 1 g Wasser als Einheit
+beziehen.
+
+Die Dichte der Luft ist bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck = 1; das spez.
+Gew. der Luft dagegen, d. h. das Gewicht von je 1 ccm Luft von
+mittlerer[5] Zusammensetzung[6] bei 0° und 76 cm Quecksilberdruck ist =
+0,001293 g.
+
+_Chemische Verbindungen._ Schwefel und Quecksilber sind als Elemente
+bekannt. Jeder kennt den gelben Schwefel und das Quecksilber, dieses
+flüssige Metall von der Farbe und dem Glanze des Silbers. Bei ihrer
+chemischen Vereinigung verlieren diese beiden Elemente ihre
+charakteristischen Eigenschaften und bilden ein neues Produkt, den als
+feurig rote Mineralfarbe geschätzten Zinnober. In dem Zinnober vermag
+man aber selbst mit dem besten Mikroscope weder Schwefelteile noch
+Quecksilberteile zu entdecken; auch entzieht Schwefelkohlenstoff,
+welcher sonst den Schwefel leicht auflöst, dem Zinnober keine Spur des
+in ihm mit dem Quecksilber verbundenen Schwefels.
+
+Ganz anders verhalten sich mechanische Mischungen, in welchen, selbst
+wenn die Mischung noch so innig ist, doch die einzelnen Bestandteile
+ihre ursprünglichen Eigenschaften beibehalten. Eine solche möglichst
+innige Mischung ist z. B. das Schiesspulver. Die Bestandtheile desselben
+sind: Salpeter, Schwefel und Kohle. Durch Uebergiessen mit Wasser kann
+man dem Schiesspulver den Salpeter, und durch Behandeln mit
+Schwefelkohlenstoff den Schwefel entziehen, so dass zuletzt nur die
+Kohle übrig bleibt. Bei einer wirklichen chemischen Verbindung ist eine
+derartige Trennung der einzelnen Bestandteile durch blosse Extraktion
+mit verschiedenen Lösungsmitteln nicht möglich.
+
+
+43.
+
+Die Entstehung[1], die Umwandlungen[2] und Zersetzungen[3] chemischer
+Verbindungen[4], überhaupt alle Veränderungen, welche die Stoffe in
+ihrer chemischen Zusammensetzung erleiden, werden als chemische Vorgänge
+bezeichnet. Trennen sich die in einer chemischen Verbindung enthaltenen
+Elemente voneinander, so findet eine Zersetzung statt. Scheidet sich aus
+einer Verbindung nur ein Teil der darin enthaltenen Elemente aus, oder
+treten neue Elemente ein, so erfolgt eine Umsetzung oder Umwandlung. Ein
+chemischer Vorgang kann noch so[5] verschiedenartig verlaufen, so
+besitzen die dabei neu entstandenen[6] Stoffe zusammen immer genau
+wieder dasselbe Gewicht wie die ursprünglichen. Im ewigen Wechsel des
+Werdens und Vergehens gelangen[7] die Elemente aus einer Verbindung in
+eine andere, ohne sich dabei zu verändern und ohne dass dabei[8] ein
+Stäubchen derselben verloren geht. Die Elemente sind unvergänglich.
+
+Jede chemische Verbindung hat eine bestimmte, unveränderliche
+Zusammensetzung, gleichgültig[9] auf welche Weise sie entstanden ist.
+Die beiden Bestandteile des Chlorwasserstoffs[10] z. B., Wasserstoff[11]
+und Chlor[12] können sich nicht in jedem beliebigen[13], sondern nur in
+einem einzigen Verhältnisse[14] miteinander vereinigen, nämlich so dass
+ein Gewichtsteil[15] Wasserstoff genau 35,37 Gewichtsteile Chlor
+aufnimmt. Sind von dem einen oder anderen mehr Gewichtsteile da, als
+diesem Verhältnis entsprechen, so bleibt der Ueberschuss unverbunden.
+
+Viele Elemente und zusammengesetzte Körper vereinigen sich nicht nur in
+einem, sondern in mehreren verschiedenen aber bestimmten
+Gewichtsverhältnissen mit einander, derart[16], dass die höheren
+Verbindungsgewichte stets Multipla der niedrigsten sind.
+
+Stickstoff[17] und Sauerstoff können fünf verschiedene Verbindungen mit
+einander bilden. Diese enthalten auf je 100 Gewichtsteile Stickstoff
+57,1 114,3 171,4 228,6 und 285,7 Gewichtsteile Sauerstoff, also[18]
+Zahlen, die sich wie 1:2:3:4:5 zu einander verhalten, also in multiplem
+Verhältnis stehen.
+
+Man versteht unter Atom die kleinste Gewichtsmenge, mit welcher die
+Elemente in eine chemische Verbindung eingehen, und unter Molekül, die
+kleinste Gewichtsmenge, in welcher ein Körper im freien Zustande zu
+existieren vermag.
+
+Kein Körper, sei er Element oder chemische Verbindung, bildet eine
+absolut zusammenhängende Masse. Bei allen Körpern hat man sich die
+einfachen Atome, sowie die Atomgruppen, die Moleküle, aus denen sie
+bestehen, als äusserst kleine, mit dem besten Mikroskop nicht sichtbare,
+daher direkt nicht wägbare Teilchen zu denken, die durch Zwischenräume
+getrennt bleiben, welche vielmal grösser als die Atome und Moleküle,
+aber dennoch wegen ihrer Kleinheit unsichtbar sind.
+
+
+44.
+
+Infolge[1] dieser Beschaffenheit[2] sind die Atome und Moleküle für
+sich[3] frei beweglich und aneinander verschiebbar, was[4] zur Erklärung
+vieler Erscheinungen von grosser Bedeutung ist. Man muss sich mit der
+Auffassung[5] vertraut machen, dass selbst der festeste Körper aus
+beweglichen, durch Zwischenräume getrennten Molekülen besteht und dem
+Auge nur deshalb als kompakte Masse erscheint, weil dasselbe die kleinen
+Moleküle und deren Zwischenräume nicht zu erkennen vermag. Auch der
+Wald, aus genügender Entfernung betrachtet, bildet eine kompakte Masse,
+in welcher das Auge weder die einzelnen Bäume, noch die zwischen
+diesen[6] vorhandenen Lücken zu unterscheiden vermag.
+
+Die chemische Verbindung der gasförmigen Elemente erfolgt[7], wie zuerst
+Gay-Lussac entdeckte, nicht nur in bestimmten Gewichts- sondern auch in
+bestimmten einfachen Volumenverhältnissen[8]. Bildet sich dabei ein
+gasförmiges Produkt, so steht auch das Volumen des Produktes in einem
+einfachen Verhältnisse zum Volumen der ursprünglichen Gase.
+
+Da sich die Gase unter denselben Verhältnissen des Druckes und der
+Temperatur in gleicher Weise zusammenziehen oder ausdehnen, und da sie
+dem Zusammendrücken einen nahezu gleichen Widerstand entgegensetzen, kam
+Avogadro zu dem Schluss[9], dass alle Gase, gleiche Temperatur und
+gleichen Druck vorausgesetzt, im gleichen Volumen eine gleich grosse
+Anzahl von Molekülen enthalten. Die Gasmoleküle besitzen also unter
+gleichen physikalischen Verhältnissen gleiche Dimensionen.
+
+Ein bestimmtes Volumen, z. B. 1 l, ob mit Chlor oder Wasserstoff
+gefüllt, enthält also eine gleich grosse Anzahl Moleküle. Chlor und
+Wasserstoff verbinden sich nun im Verhältnis gleicher Volumina mit
+einander, also z. B. je 1 l Chlor mit je 1 l Wasserstoff unter Bildung
+von 2 l Chlorwasserstoffgas. Nimmt[10] man nun beispielsweise[11] an,
+dass in den 2 l Chlorwasserstoffgas 1000 Moleküle vorhanden sind, so
+befinden sich in je 1 l davon nur halb so viel, also 500 solcher
+Moleküle, und nach Avogadros' Lehrsatz enthält dementsprechend[12] auch
+je 1 l Chlor 500 Chlormoleküle und je 1 l Wasserstoff 500
+Wasserstoffmoleküle. In jedem Molekül Chlorwasserstoff ist aber 1 Atom
+Wasserstoff mit 1 Atom Chlor vereinigt. Es[13] müssen daher 1000
+Moleküle Chlorwasserstoff aus 1000 Atomen Wasserstoff und 1000 Atomen
+Chlor bestehen. Da nun aber 1 l Wasserstoff, sowie 1 l Chlor nicht 1000,
+sondern nur 500 Moleküle enthalten, so folgt, dass diese 500 Moleküle je
+1000 Atomen entsprechen[14], oder dass jedes einzelne Molekül
+Wasserstoffgas aus 2 Atomen Wasserstoff, und jedes einzelne Molekül
+Chlor aus 2 Atomen Chlor besteht.
+
+
+45.
+
+Mischt man die beiden Gase H und Cl im Dunkeln und bei gewöhnlicher
+Temperatur, so erfolgt keine Vereinigung. Lässt man dann auf die
+Mischung direktes Sonnenlicht oder einen brennenden Körper oder einen
+elektrischen Funken wirken, so vereinigen sich die Gase plötzlich mit
+heftigem Knall zu Chlorwasserstoff. Diese und viele ähnliche
+Verbindungserscheinungen würden schwer erklärlich sein ohne die
+Annahme[1], dass sich in den Gasen keine freien, sondern nur gepaarte
+Atome, z. B. aus je zwei Atomen zusammengesetzte Chlormoleküle und
+Wasserstoffmoleküle vorfinden. Es bedarf zunächst[2] der Arbeit des
+Trennens der im Molekül vereinigten Atomen zu freien Atomen, bevor eine
+neue Verbindung entstehen kann, bevor sich also die Atome in neuer Weise
+gruppieren können. Diese Arbeit wird im vorliegenden Falle durch den
+Sonnenstrahl oder die Hitze des brennenden Körpers oder elektrischen
+Funkens eingeleitet[3] und pflanzt[4] sich dann infolge der durch die
+Vereinigung entstehenden Wärme, von selbst über die ganze Masse fort.
+
+Als Ursache der chemischen Vereinigung denkt man sich zwischen den
+Atomen der Elemente eine Art Anziehungskraft wirkend, welche nicht
+allein die Vereinigung veranlasst[5], sondern zugleich die mehr oder
+weniger grosse Beständigkeit[6] der unter ihrem Einfluss entstandenen
+chemischen Verbindungen bedingt. Diese Kraft wird Affinität, chemische
+Verwandtschaft, chemische Anziehungskraft genannt. Sie unterscheidet
+sich dadurch von der allgemeinen Anziehungskraft der Massen aufeinander,
+dass sie nur zwischen den kleinsten Teilchen, und nur auf unmessbar
+kleine Entfernungen zur Wirkung kommen kann.
+
+Manche Elemente verbinden sich direkt mit einander, d. h. bei blosser
+Berührung; andere können nur indirekt, auf Umwegen[7], andere gar nicht
+miteinander verbunden werden. Je nachdem sich zwei Elemente leicht,
+schwer oder gar nicht miteinander verbinden lassen, sagt man gewöhnlich:
+Die beiden Elemente besitzen eine grosse, geringe oder gar keine
+chemische Verwandtschaft[8] zu einander.
+
+Die Atome der verschiedenen Elemente besitzen eine verschiedene, jedoch
+bestimmte und begrenzte Fähigkeit[9], sich mit anderen Atomen zu
+verbinden. Bezieht man diese Fähigkeit, die sogen.[10] Valenz, auf die
+Verbindungsverhältnisse der Elemente mit Wasserstoff, so findet man,
+dass sich ein Teil der Elemente nur mit 1, ein anderer Teil mit 2, 3 und
+4 Atomen Wasserstoff zu verbinden vermag. Dementsprechend[11]
+unterscheidet man einwertige,[12] zweiwertige, dreiwertige und
+vierwertige Elemente. In den organischen Verbindungen bewahren[13] die
+hauptsächlich beteiligten Elemente die ihren Atomen eigene Valenz. In
+denselben ist der Kohlenstoff[14] konstant vierwertig, der Sauerstoff
+konstant zweiwertig, der Wasserstoff konstant einwertig.
+
+
+46.
+
+Säuren nennt man diejenigen Verbindungen des Wasserstoffs mit
+elektronegativen Elementen oder Radikalen, welche sich mit den Basen bei
+Gegenwart[1] und unter gleichzeitiger Bildung von Wasser zu Salzen
+umsetzen[2]. Die in Wasser löslichen Säuren besitzen gewöhnlich einen
+mehr oder weniger sauren Geschmack, sowie eine saure Reaktion, infolge
+deren sie blaues Lackmuspapier[3] röten.
+
+Die Säuren, ähnlich wie die Elementaratome, besitzen eine verschiedene
+Wertigkeit[4] oder Sättigungskapazität[5]. Salpetersäure HNO_{3} bedarf
+zu ihrer Sättigung oder Neutralisation, d. h. zur Bildung eines
+neutralen Salzes, nur ein Molekül Kaliumhydroxyd (Aetzkali[6]) KOH,
+wobei ihr einziges Wasserstoffatom durch Kalium ersetzt wird und
+Salpeter KNO_{3} entsteht. Solche Säuren nennt man einbasisch. Die
+Schwefelsäure H_{2}SO_{4} ist zweibasisch, denn sie hat zwei durch
+Metalle oder Radikale ersetzbare[7] Wasserstoffatome. Sie gebraucht zur
+Sättigung zwei Moleküle einer Basis mit einem einwertigen Metall (z. B.
+Aetzkali), oder ein Molekül einer Basis mit zweiwertigem Metall (z. B.
+Kalkhydrat Ca(OH)_{2}). Lässt man nur ein Molekül Aetzkali auf
+Schwefelsäure wirken, so kann nur ein Atom H der Säure durch ein Atom K
+des Kalis ersetzt werden, wodurch ein unvollständig gesättigtes,
+sogen.[8] saures Salz, das saure Kaliumsulfat KHSO_{4}, entsteht.
+
+Basen nennt man solche Verbindungen des Wasserstoffs mit
+elektropositiven Elementen oder Radikalen, welche sich mit den Säuren,
+bei Gegenwart und unter Bildung von Wasser, zu Salzen umsetzen. Wenige
+in Wasser lösliche Basen, namentlich[9] Alkalien, besitzen einen
+alkalischen (laugenartigen[10]) Geschmack und eine alkalische Reaktion,
+indem[11] sie die blaue Farbe des durch Säuren geröteten Lackmuspapiers
+wieder herstellen[11]. Je nach der Sättigungskapazität unterscheidet man
+einsäurige Basen, die, wie z. B. das Aetzkali KOH, je einem Molekül
+Wasser entsprechen und je ein Molekül einer einbasischen Säure
+neutralisieren; ferner zweisäurige und dreisäurige Basen.
+Erfolgt die[12] Sättigung einer mehrsäurigen Basis nicht vollständig,
+werden z. B. in dem Wismuthydroxyd Bi(OH)_{3} nur zwei der
+vertretbaren[13] Wasserstoffatome durch zwei Moleküle einer einbasischen
+Säure vertreten, so erhält man ein unvollständig gesättigtes, sogen.[8]
+basisches Salz.
+
+Die Produkte der gegenseitigen vollständigen oder teilweisen
+Wechselwirkung[14] oder Sättigung zwischen Säuren und Basen nennt man
+Salze. Sind die Wasserstoffatome einer mehrbasischen Säure durch Atome
+zweier verschiedener Metalle vertreten, so wird das entsprechende
+Produkt Doppelsalz genannt.
+
+
+47.
+
+_Verfahren[1] zur Darstellung[2] des Wasserstoffs._ Man wirft kleine
+Stücke von metallischem Zink oder Eisen in eine Flasche, übergiesst
+dieselben mit Wasser und lässt durch das[3] bis in das eingefüllte
+Wasser tauchende Einflussrohr von Zeit zu Zeit etwas verdünnte
+Schwefelsäure (aus 1 Teil konzentrierter Schwefelsäure und 8 Teilen
+Wasser gemischt) zufliessen. Unter lebhaftem Aufbrausen[4] entwickelt
+sich, ohne dass man zu erwärmen braucht, das Wasserstoffgas, welches,
+nachdem alle Luft aus der Flasche durch dasselbe verdrängt worden ist,
+dann rein durch das Gasentwickelungsrohr[5] entweicht und in mit Wasser
+gefüllten Gefässen unter Wasser angesammelt werden kann. Will man das
+Wasserstoffgas reiner erhalten, um z. B. Luftballons damit zu füllen, so
+muss man es erst durch Wasser leiten, um mit übergerissene
+Säureanteile[6] zu beseitigen, und dann lässt man es, um es zu
+entwässern, durch ein mit geschmolzenem Chlorcalcium gefülltes Glasrohr
+strömen. Die Wasserstoffgasentwickelung beruht darauf[7], dass das Zink
+den in der Schwefelsäure gebundenen[8] Wasserstoff verdrängt, wobei[9]
+sich Zinksulfat bildet, welches in dem vorhandenen Wasser gelöst bleibt:
+H_{2}SO_{4} und Zn setzen sich um[10] zu ZnSO_{4} und H_{2}.
+
+Von grossem Interesse ist auch die direkte Zersetzung des Wassers durch
+den elektrischen Strom. Zu diesem Behufe[11] lässt man die Pole einer
+genügend starken galvanischen Batterie in schwach mit Schwefelsäure
+angesäuertes Wasser ausmünden[12] und stülpt[13] zugleich über jeden Pol
+ein mit Wasser gefülltes Glasröhrchen. An dem -Pole sammelt sich das
+Wasserstoffgas und an dem +Pole das Sauerstoffgas an. Da das Wasser aus
+2 Volumen Wasserstoff und nur 1 Volum Sauerstoff besteht, so sammelt
+sich doppelt so viel Gas in dem Röhrchen des ersteren an.
+
+
+48.
+
+_Sauerstoff._ Der Sauerstoff ist auf der Erde das verbreitetste[1]
+Element; die Luft enthält 21 Prozent, das Wasser 88,8 Prozent und die
+Gesteine enthalten über 40 Prozent Sauerstoff. Zur Darstellung des
+Sauerstoffs in kleinerem Massstabe[2] vermischt man Kaliumchlorat mit
+ungefähr 1/10 seines Gewichts fein gepulvertem Braunstein und füllt die
+Mischung in eine Retorte von Glas oder Gusseisen, die man mittels eines
+durchbohrten Korks oder einer Röhre von vulkanisiertem Kautschuk mit
+einer nicht zu engen Glasröhre verbindet. Die Retorte setzt man auf ein
+Stativ[3] und erhitzt sie durch eine Spiritus- oder Gasflamme. Die
+Gasentwickelungsröhre[4] lässt man in ein geräumiges, mit Wasser
+gefülltes Becken, eine sogen. pneumatische Wanne[5], ausmünden und
+sammelt das Gas in mit Wasser gefüllten Cylindern, Flaschen, oder, wenn
+man grössere Mengen davon darstellt, in Gasometern. Infolge der
+Erhitzung entwickelt sich aus dem Kaliumchlorat sehr bald eine grosse
+Menge (39,16 Prozent) von reinem Sauerstoffgas. Der Braunstein hat hier
+nur den Zweck, der ganzen Masse des Kaliumchlorats die Wärme rasch
+mitzuteilen, da das Kaliumchlorat für sich[6] ein schlechter Wärmeleiter
+ist.
+
+Der Sauerstoff ist ein farbloses, durchsichtiges, geruch- und
+geschmackloses Gas. Bei niedrigen Kältegraden und unter gleichzeitiger
+Anwendung eines hohen Druckes lässt sich der Sauerstoff zur Flüssigkeit
+verdichten. Seine kritische Temperatur liegt bei -118,9°. Bei dieser
+Temperatur genügt ein Druck von 50,8 Atmosphären, um den Sauerstoff zu
+verflüssigen. Bei noch niedrigeren Temperaturen genügt ein noch
+niedrigerer Druck. Der Sauerstoff ist derjenige Bestandteil der Luft,
+welcher den Verbrennungsprozess unterhält. Er verbindet sich hierbei mit
+dem brennenden Körper. Diesen Vorgang nennen wir Oxydation; die Produkte
+der Verbrennung heissen je nach[7] der Menge des in der Verbindung
+enthaltenen Sauerstoffs Oxydul[8], Oxyd, Superoxyd[9] etc.
+
+Stickstoff[10] und Sauerstoff z. B. können in fünf verschiedenen
+Verhältnissen mit einander verbunden werden:
+
+1. Stickstoffoxydul N_{2}O
+2. Stickstoffoxyd NO
+3. Stickstoffsesquioxyd N_{2}O_{3}
+4. Stickstoffdioxyd NO_{2}
+5. Stickstoffpentoxyd N_{2}O_{5}
+
+
+49.
+
+_Die Salpetersäure_ HNO_{3}, Molekulargewicht = 62,58, spez. Gew. bei 0°
+= 1,56, bei 15° = 1,530, kommt auf der Erde hauptsächlich in der Form
+von Salzen, den Nitraten, vor, z. B. als salpetersaures[1] Kali
+(Kalisalpeter), und ganz besonders als salpetersaures Natron
+(Chilesalpeter), letzteres in ungeheuren Lagern in einigen Distrikten
+Chiles und Perus. Zur Darstellung der Salpetersäure benutzt man
+hauptsächlich den Chilesalpeter, indem man[2] 4 Gewichtsteile desselben
+mit 4-1/2 Gewichtsteilen englischer Schwefelsäure langsam destilliert,
+wobei die Salpetersäure übergeht[3], während Natriumhydrosulfat
+zurückbleibt. 1 Molekül Chilesalpeter NaNO_{3} wird nämlich[4] zersetzt
+durch 1 Molekül Schwefelsäure H_{2}SO_{4}, zu HNO_{3} und zu NaHSO_{4}.
+Destilliert man den Salpeter mit einer geringeren Menge von
+Schwefelsäure, als oben angegeben wurde, oder erhitzt ein Gemenge von
+Chilesalpeter und Thonerde zum Glühen, so erhält man eine mit
+Untersalpetersäure[5] verunreinigte Salpetersäure von sehr ätzender
+Wirkung als rotgelbe Flüssigkeit, die sogen.[6] rote rauchende
+Salpetersäure. Die reine Salpetersäure ist eine farblose, an der Luft
+stark rauchende Flüssigkeit, die bei 86° siedet, bei -40° zu einer
+farblosen Krystallmasse erstarrt. Mit Wasser mischt sie sich in jedem
+Verhältnis. Der Säuregehalt[7] der Mischung wird durch das spezifische
+Gewicht bestimmt. Die gewöhnliche konzentrierte Säure des Handels
+besitzt bei 15,5° das spez. Gew. 1,41 entsprechend einem Gehalt an
+reiner Salpetersäure von 68 Prozent; ihr Siedepunkt liegt bei 123°. Die
+Salpetersäure färbt die Haut und manche organische Stoffe gelb, wirkt
+überhaupt sehr ätzend[8] und zerstörend und muss mit Vorsicht behandelt
+werden. Sie ist ziemlich unbeständig[9] und zersetzt sich schon unter
+dem Einfluss des Lichts (2 HNO_{3}=2 NO_{2} + H_{2}O + O), wobei sie
+wegen des Stickstoffdioxydgehalts eine gelbe Farbe annimmt. Der durch
+den gasförmig entweichenden Sauerstoff ausgeübte Druck kann
+dichtgeschlossene Gefässe zersprengen. Es empfiehlt sich daher, die
+Salpetersäure in kühlen Räumen vor Licht geschützt aufzubewahren.
+Infolge ihrer leichten Zersetzbarkeit unter Sauerstoffabgabe ist die
+Salpetersäure ein starkes Oxydationsmittel. Die meisten Metalle werden
+von ihr oxydiert. Die gebildeten Oxyde[10] lösen sich fast alle (nicht
+z. B. Zinn und Antimon) in der überschüssigen Säure[11] zu
+salpetersauren Salzen, Nitraten. Ihrer Eigenschaft, Silber zu lösen und
+Gold nicht anzugreifen, verdankt die Salpetersäure den Namen
+Scheidewasser[12], weil man sie schon früher dazu benutzte, um damit
+Gold vom Silber zu scheiden. Die Salpetersäure hat in der chemischen
+Industrie, besonders zur Darstellung vieler sogenannter
+Nitroverbindungen (Nitrobenzol, Schiessbaumwolle, Dynamit etc.) eine
+sehr bedeutende Anwendung gefunden. Mit dem drei- bis vierfachen Volumen
+Salzsäure vermischt, bildet sie eine gelbe, stark nach Chlor riechende
+Flüssigkeit, welche Gold und Platin auflöst und Königswasser[13] genannt
+wird.
+
+
+50.
+
+_Die Schwefelsäure_ H_{2}SO_{4}, Molekulargewicht = 97,35, spez. Gew. =
+1,854, ist auf der Erde in der Form ihrer Salze sehr verbreitet. Sie
+bildet sich beim Zusammentritt[1] von Schwefeltrioxyd und Wasser.
+Schwefeltrioxyd entsteht leicht durch Oxydation von schwefliger Säure
+SO_{2} mittels des Sauerstoffs der Luft. Findet dieser Prozess bei
+Gegenwart von Wasser statt, so wird direkt aus der schwefligen Säure
+Schwefelsäure gewonnen:
+
+SO_{2}+O+H_{2}O=H_{2}SO_{4}.
+
+Diese Entstehungsart[2] ist die Grundlage der grossartigen
+Schwefelsäureindustrie.
+
+Auf geeigneten Herden[3] wird Schwefel zu schwefliger Säure[4] verbrannt
+(S+O_{2}=SO_{2}) oder es[5] werden in geeigneten Rostöfen natürlich
+vorkommende Metallsulfide, z. B. Schwefelkies (FeS_{2}), Zinkblende
+(ZnS), Bleiglanz (PbS) in der Glühhitze bei Luftzutritt oxydiert, wobei
+sich der Schwefel der Sulfide ganz oder teilweise in schwefligsaures Gas
+verwandelt, z. B.
+
+4 FeS_{2}+ 11 O_{2} = 2 Fe_{2}O_{3} (Eisenoxyd)+ 8 SO_{2}
+
+Die bei dieser Reaktion entstehende Wärme ist genügend, um den
+Röstprozess ohne besondere Feuerung zu unterhalten. Die zum grössten
+Teil aus schwefliger Säure bestehenden Röstgase werden in Bleikammern
+mit Wasserdampf und Salpetersäure zusammengebracht, wobei man dafür
+sorgt[6], dass gleichzeitig immer frische Luft zutreten kann und dass im
+Innern der Kammern eine Temperatur von ungefähr 40° herrscht. Während
+nun die schweflige Säure durch die Bleikammern strömt und gleichzeitig
+mit Luft und den Dämpfen der Salpetersäure bei Vorhandensein[7] von
+Wasser in Berührung kommt, wird sie durch den Sauerstoff der
+Salpetersäure zu Schwefelsäure oxydiert, während sich die Salpetersäure
+zu Stickstoffdioxyd (Untersalpetersäure[8]) reduziert. Sobald aber
+letzteres mit den vorhandenen Wasserdämpfen in Berührung kommt,
+zerfällt[9] es zu Salpetersäure, die von neuem eine entsprechende Menge
+von schwefliger Säure zu Schwefelsäure oxydiert, und zu Stickstoffoxyd,
+das unter Aufnahme von Sauerstoff aus der in der Kammer vorhandenen Luft
+von neuem in Stickstoffdioxyd übergeht[10], so dass also eine kleine
+Menge Salpetersäure genügt, um grosse Mengen von schwefliger Säure in
+Schwefelsäure überzuführen[11].
+
+Die Schwefelsäure des Handels, zuweilen auch englische Schwefelsäure
+oder Vitriolöl genannt, ist eine farblose, durchsichtige, geruchlose
+Flüssigkeit von 1,83 Dichte und einem Gehalt von 98 Prozent
+Schwefelsäure neben 2 Prozent Wasser; oder im reinsten,
+konzentriertesten Zustande von 1,854 Dichte. Sie besitzt einen brennend
+scharfen, ätzenden, oder, wenn mit viel Wasser verdünnt, rein sauren
+Geschmack, siedet bei 338° oder wenn ihre Dichte nur 1,83 bei 326°. Auf
+die meisten organischen Substanzen wirkt sie zerstörend ein, verkohlt
+z. B. Holz, Stärke, Zucker, löst Haut und Leder auf und wirkt daher
+innerlich genossen[12], im konzentrierten Zustande als ätzendes,
+heftiges Gift. Will man Schwefelsäure verdünnen, so muss die Säure
+langsam und unter Umrühren in das Wasser gegossen werden. Giesst man
+unvorsichtigerweise wenig Wasser zu Schwefelsäure, so entsteht oft
+heftiges Spritzen der Flüssigkeit, wodurch man leicht beschädigt werden
+könnte. Je mehr man die Säure mit Wasser verdünnt, desto niedriger wird
+ihre Dichte. Man muss die Schwefelsäure in gut mit Glasstöpsel
+verschlossenen Flaschen aufbewahren, da sie sonst, die Feuchtigkeit aus
+der Luft anziehend, allmählig verdünnter wird.
+
+
+51.
+
+Mit den Metalloxyden setzt sich die Schwefelsäure unter meist sehr
+heftiger Einwirkung[1] zu schwefelsauren Salzen, Sulfaten oder Vitriolen
+um, von welchen sich viele oft massenhaft in der Natur finden; so z. B.
+das Kaliumsulfat oder das schwefelsaure Kali, das Natriumsulfat oder das
+schwefelsaure Natron (Glaubersalz), das Bariumsulfat oder der
+schwefelsaure Baryt (Schwerspat), das Strontiumsulfat oder der
+schwefelsaure Strontian (Cölestin), das Calciumsulfat oder der
+schwefelsaure Kalk[2] (Gips, Anhydrid), das Magnesiumsulfat oder die
+schwefelsaure Magnesia (Bittersalz[3]), das Bleisulfat oder das
+schwefelsaure Bleioxyd (Bleivitriol) und viele andere. Die Schwefelsäure
+ist eine der unentbehrlichsten chemischen Verbindungen und wird bei
+chemischen Operationen massenhaft[4] und zu den verschiedensten Zwecken
+gebraucht. Ausser der englischen Schwefelsäure, welche man auch nur
+kurzweg als Schwefelsäure bezeichnet, erhält man im Handel noch die
+sogen. Nordhäuser- oder rauchende Schwefelsäure, rauchendes Vitriolöl,
+neuerdings Oleum genannt, eine bräunliche, ölige, äusserst ätzende, an
+der Luft weisse, stechend saure Dämpfe ausstossende Flüssigkeit von 1,88
+bis 1,93 Dichte, die eine Mischung der gewöhnlichen Schwefelsäure mit
+Schwefelsäureanhydrid ist. Dieses Oleum findet in der chemischen
+Technik[5] eine immer steigende Verwendung, z. B. in der
+Farbenfabrikation, zur Lösung des Indigos, zur Reinigung gewisser
+Mineralöle etc. Wird das Oleum auf 80° erwärmt, so destilliert
+Schwefelsäureanhydrid ab, das auf diese Weise leicht in geringen Mengen
+dargestellt werden kann.
+
+_Natron._ Was man im Handel Natron oder Aetznatron[6] nennt, ist stets
+Natriumhydroxyd oder Natronhydrat NaOH. Es wird im kleinen[7]
+dargestellt, indem man[8] zu einer siedenden Lösung von 4 Teilen
+krystallisierter Soda in 24 Teilen Wasser allmählig und unter Umrühren
+einen aus 1-1/2 Teilen gebranntem Kalk und 4 Teilen Wasser bereiteten
+Kalkbrei[9] hinzufügt und so lange kocht, bis eine herausgenommene
+filtrierte Probe beim Versetzen[10] mit verdünnter Salzsäure nicht mehr
+aufbraust. Der Kessel, in welchem diese Zersetzung vorgenommen wird,
+wird hierauf bedeckt, und nachdem sich das gebildete Calciumkarbonat
+zu Boden gesetzt hat, zieht man mit einem Heber die klare
+Natronhydratlösung, die sogen. ätzende Lauge, Seifensiederlauge,
+Aetznatronlauge, Natronlauge ab und dampft[11] sie in eisernen Kesseln
+oder silbernen Schalen[12] so weit ein, bis ein Tropfen der Flüssigkeit
+auf einer kalten Glastafel sogleich erstarrt. Im grossen[13] gewinnt man
+zur Zeit das Natriumhydroxyd hauptsächlich auf elektrolytischem Wege.
+Das Aetznatron ist eine weisse, undurchsichtige, faserige oder körnige
+Masse von 2,13 Dichte. In der Rotglühhitze schmilzt es zur farblosen
+Flüssigkeit; in der Weissglühhitze ist es flüchtig. Es zieht aus der
+Luft mit Begierde[14] Feuchtigkeit und Kohlensäure an, löst sich im
+Wasser unter Erhitzung in fast jedem Verhältnisse auf, wirkt äusserst
+ätzend (zerstörend) auf organische, namentlich tierische Substanzen ein.
+Seine wässerige Lösung, die Natronlauge, benutzt man zur
+Seifenfabrikation, zum Bleichen, Reinigen und Waschen von Stoffen und in
+der Chemie zur Darstellung vieler chemischer Präparate oder
+Einleitung[15] chemischer Zersetzungen.
+
+Die Natronsalze sind mit Ausnahme des Natriumantimonats, antimonsauren
+Natrons, in Wasser sämtlich[16] löslich und meistens aus ihren Lösungen
+leicht krystallisierbar. Sie zeichnen sich dadurch aus[17], dass sie,
+mit Salzsäure befeuchtet und mit Weingeist übergossen, wenn dieser
+entzündet wird, der Flamme eine lebhafte gelbe Farbe erteilen.
+
+
+52.
+
+_Soda._ Das neutrale kohlensaure Natron Na_{2}CO_{3} + 10 H_{2}O ist
+eines der wichtigsten Salze und wird daher im grossartigsten
+Massstabe[1] fabriziert. Am häufigsten benutzt man zu seiner Fabrikation
+das Kochsalz. Zu diesem Behufe wird nach dem Verfahren von Leblanc das
+Kochsalz zunächst durch Erhitzen mit Schwefelsäure zersetzt und in
+Glaubersalz übergeführt. Diese Erhitzung findet in besonderen Oefen
+statt, die so konstruirt sind, dass alles[2] bei der Zersetzung des
+Kochsalzes durch die Schwefelsäure frei werdende Chlorwasserstoffgas
+behufs[3] seiner Verdichtung durch Wasser und Ueberführung in
+verkäufliche Salzsäure abgeleitet werden kann. Zuletzt wird das
+entstandene Glaubersalz bis zum Glühen erhitzt und dann in den
+Sodaschmelzöfen mit ungefähr seinem gleichen Gewicht von Calciumkarbonat
+und zwei Dritteilen Anthracit oder Steinkohle unter fortwährendem
+Durcharbeiten der Masse bis zum Schmelzen erhitzt, wobei zunächst
+infolge der reduzierenden Einwirkung des Kohlenstoffs das Glaubersalz zu
+Schwefelnatrium reduziert wird, welches sich mit dem Calciumkarbonat zu
+Natriumkarbonat (Soda) und zu Calciumoxysulfid umsetzt.[4] Aus der
+geschmolzenen Masse wird durch Wasser das Natriumkarbonat ausgezogen und
+durch Verdunsten dieser Auflösung in Krystallen bereitet[5], muss aber
+dann durch nochmaliges[6] Umkrystallisieren weiter gereinigt werden.
+
+Nach dem seit 1870 im grossen zur Anwendung gekommenen Verfahren[7] von
+Solvay, löst man in konzentriertem, aus Gaswasser dargestelltem
+Aetzammoniak Kochsalz auf und leitet in diese Lösung unter einem Drucke
+von 2 Atmosphären Kohlensäuregas, wobei sich Natriumdikarbonat bildet,
+das herauskrystallisiert, während Salmiak[8] in Lösung bleibt. Durch
+Erhitzen wird das Natriumdikarbonat in Soda übergeführt und die dabei
+entweichende Kohlensäure wieder von neuem verwendet. Den gleichzeitig
+entstandenen Salmiak zersetzt man immer wieder durch Kalk, um von Neuem
+Ammoniak daraus abzuscheiden, wobei sich als letztes Produkt
+Chlorcalcium bildet. Bei diesem Verfahren erspart man die mühevollen
+Schmelzoperationen; aber man gewinnt keine Salzsäure, die zu den
+unentbehrlichsten Chemikalien gehört und beim Leblanc-Verfahren als
+billiges Nebenprodukt entsteht.
+
+In neuester Zeit stellt[9] man auch aus dem elektrolytisch gewonnenen
+Natriumhydroxyd Soda her, indem man[10] durch Einleiten von Kohlensäure
+zunächst Natriumdikarbonat (doppeltkohlensaures Natron) erzeugt.
+
+
+53.
+
+_Das Eisen_ findet sich nur in den aus dem Weltraume auf die Erde
+gefallenen Meteoriten gediegen[1], sonst mit Sauerstoff oder Schwefel
+verbunden. Wir kennen kaum ein Gestein, das nicht mindestens Spuren von
+Eisen enthält, und kaum eine Pflanze, die bei der Verbrennung nicht eine
+eisenhaltige[2] Asche hinterlässt. Auch findet es sich im tierischen und
+menschlichen Körper. Im chemisch reinen Zustand ist es fast silberweiss,
+metallisch glänzend, sehr weich, geschmeidig und hämmerbar, von 7,844
+Dichte, schmilzt erst bei über 1600°, hält sich[3] in trockener Luft; in
+feuchter Luft dagegen beginnt es unter Aufnahme von Sauerstoff zu
+rosten. Es löst sich leicht in verdünnter Salpetersäure, Salzsäure und
+Schwefelsäure auf. Im konzentrierten Zustande dagegen greifen[4] diese
+Säuren, namentlich die Schwefelsäure das Eisen selbst in der Hitze nicht
+an. Es wird vom Magnete angezogen. Da es von allen Metallen das
+wichtigste ist, wird es aus seinen Erzen, namentlich dem natürlichen
+Eisenoxyd, Eisenoxydhydrat, Magneteisen und Eisenkarbonat,
+hüttenmännisch[5] in grossartigstem Massstabe abgeschieden.
+
+Das Roheisen[6] ist die unreinste Eisensorte. Es wird durch den sogen.
+Hochofenprozess[7] abgeschieden. Zur Gewinnung des Roheisens werden
+nötigenfalls die Eisenerze behufs[8] Austreibung von Wasser, Schwefel,
+Arsen u. dergl.[9] zunächst geröstet. Dann werden die Eisenerze mit
+Koks[10] (seltener mit Holzkohle) und einem die Schmelzung
+vermittelnden[11] Gestein (Kalkstein, Quarz u. dergl.) von oben in den
+glühenden Hochofen aufgeschüttet, während von unten erhitzte Luft
+zuströmt. Die Kohle reduziert die Eisenoxyde zu metallischem Eisen, das
+sich unter der Schlacke[12], dem geschmolzenen Gestein sammelt, während
+glühende Gase, die sogen. Gichtgase[13], oben aus dem Ofen entweichen.
+Die Schlacke fliesst beständig ab; das Roheisen wird von Zeit zu Zeit
+abgelassen. Der Hochofen wird ununterbrochen, Tag und Nacht im
+Betriebe[14] erhalten. Das weisse Roheisen lässt sich nicht mit
+Werkzeugen verarbeiten. Es schmilzt bei 1000 bis 1200°, ist aber im
+geschmolzenen Zustande dickflüssig[15] und zum Giessen nicht geeignet;
+dagegen ist es das Hauptmaterial zur Schmiedeisen- und Stahlfabrikation.
+Zur letzteren benutzt man besonders eine grossblätterige[16], lebhaft
+glänzende, 5 bis 20 Prozent Mangan enthaltende Sorte, welche unter dem
+Namen Spiegeleisen bekannt ist.
+
+Das graue Roheisen ist von körnigem[17], nicht krystallinischem
+Gefüge[18], ziemlich weich und zähe, bricht jedoch, wie das weisse
+Roheisen, unter den Schlägen des Hammers, lässt sich dagegen feilen,
+bohren, drehen, überhaupt mit den verschiedensten Werkzeugen
+verarbeiten. Es schmilzt bei etwa 1100°, ist im geschmolzenen Zustande
+dünnflüssig und daher zum Giessen geeignet, weshalb man es gewöhnlich
+Gusseisen nennt.
+
+Das Schmiedeeisen[19] oder Stabeisen[20] ist das reinste Eisen, das zur
+technischen Verwendung kommt. Es enthält nur 0,2 bis 0,5 Prozent
+Kohlenstoff, besitzt eine Dichte von 7,5 bis 7,85 und ist weich,
+geschmeidig und zäh. Sowohl im kalten wie besonders im glühenden Zustand
+ist es hämmerbar und streckbar[21] und lässt sich mit den
+verschiedensten Werkzeugen bearbeiten. In der Weissglühhitze erweicht es
+und wird schweissbar[22], d. h. es können mehrere durch Glühhitze
+erweichte Stücke durch Druck und Schlag, z. B. unter einem Dampfhammer
+zu einem Stück verbunden, zusammengeschweisst werden. Auch kann dies
+erweichte glühende Eisen unter Walzen und Hämmern zu Schienen, Blechen
+etc. ausgewalzt oder in die verschiedenartigsten Formen gebracht werden.
+
+
+54.
+
+Das Schmiedeeisen schmilzt erst bei 1600° und lässt sich nicht giessen.
+Es wird nicht direkt aus den Eisenerzen, sondern aus dem Roheisen
+dargestellt, indem[1] man letzteres einem oxydierenden Schmelzprozesse,
+entweder nach alter Art, dem sogenannten Frischen oder Puddeln, oder
+nach neuer Art, dem Bessemer- oder Martinverfahren unterwirft, wobei[2]
+die im Roheisen enthaltenen Stoffe bis auf einen kleinen Teil des
+Kohlenstoffs verbrennen und sich als Schlacke ausscheiden, während
+Schmiedeeisen zurückbleibt.
+
+Der Stahl enthält 0,6 bis 1,9 Prozent Kohlenstoff, der fast vollständig
+chemisch mit dem Eisen verbunden ist. Seine Dichte ist 7,7 bis 7,85. Es
+ist licht grauweiss, erscheint auf dem Bruche stets körnig, jedoch
+dichter und gleichmässiger als das Stabeisen; er lässt sich schmieden
+und walzen und bleibt dabei immer körnig, wird also nicht sehnig[3] wie
+das Schmiedeeisen; auch mit den verschiedensten Werkzeugen lässt er sich
+bearbeiten und wie das Schmiedeeisen schweissen. Bei etwa 1400° schmilzt
+er und lässt sich giessen. Die merkwürdigste Veränderung erleidet er
+aber, wenn man ihn bis ungefähr zum Kirschrotglühen (800°) erhitzt und
+glühend in kaltem Wasser ablöscht[4]. Hierdurch wird der Stahl glashart,
+so dass er Glas ritzt und an Kieselsteinen Funken giebt. Man nennt dies
+das Härten des Stahls. Erwärmt man aber den so gehärteten Stahl, z. B.
+in Metallbädern, auf 221 bis 322°, so verliert er unter Annahme
+verschiedener Farben (hellgelb, strohgelb, hafergelb, goldgelb, orange,
+braun, purpurfleckig, purpurrot, hellblau oder violett, dunkelblau und
+schwarzblau) in dem Verhältnisse wie die Temperatur steigt, an seiner
+Härte, und nimmt dagegen an seiner Elastizität zu. Diese Operation nennt
+man Anlassen oder Adoucieren[5] des Stahls. Der gehärtete Stahl ist
+ungemein politurfähig und widersteht der oxydierenden Wirkung der Luft
+ziemlich gut. Im allgemeinen übertrifft der Stahl das Schmiedeeisen an
+Festigkeit sehr bedeutend und verdrängt das letztere in dem Verhältnisse
+als er billiger produziert werden kann mehr und mehr.
+
+Eisen und Sauerstoff verbinden sich direkt mit einander. Man kennt
+mindestens drei verschiedene Oxyde.
+
+Das Eisenoxydul, Ferrooxyd[6] FeO ist in reinem Zustande wenig bekannt.
+Das Eisenoxyd, Ferrioxyd[7], Eisensesquioxyd, Fe_{2}O_{3}, findet sich
+sehr häufig in der Natur. Wenn metallisches Eisen längere Zeit in
+feuchter Luft liegen bleibt, so bildet sich darauf der sogenannte Rost,
+der nichts anderes ist als Eisenhydroxyd.
+
+Eisenoxyd und Eisenoxydul vereinigen sich in verschiedenen Verhältnissen
+mit einander, besonders zu Eisenoxyduloxyd Fe_{3}O_{4}, das in der Natur
+als Magneteisenstein vorkommt.
+
+Je nachdem sich Eisenoxydul oder Eisenoxyd mit Säuren zu Salzen umsetzt,
+erhalten wir Ferrosalze oder Ferrisalze.
+
+So unterscheidet man z. B. das Ferrosulfat, das schwefelsaure
+Eisenoxydul FeSO_{4} + 7 H_{2}O, auch Eisenvitriol, grüner Vitriol
+genannt, von dem Ferrisulfat, dem schwefelsauren Eisenoxyd
+Fe_{2}(SO_{4})_{3}.
+
+Mit Chlor bildet das Eisen das Ferrochlorid, Eisenchlorür[8] FeCl_{2}
+und das Ferrichlorid, Eisenchlorid Fe_{2}Cl_{6} oder richtiger
+Fe_{2}Cl_{3}.
+
+Eisen und Schwefel verbinden sich sehr leicht direkt mit einander. Man
+kennt mindestens drei verschiedene Eisensulfide: das Ferrosulfid,
+Einfachschwefeleisen[6] FeS, das Ferrisulfid, Eisensesquisulfid
+Fe_{2}S_{3}, und das Eisendisulfid, Zweifachschwefeleisen[9] FeS_{2}.
+
+
+55.
+
+_Benzolreihe._ Die wichtigeren[1], besonders die niedrigeren[1] Glieder
+der Benzolreihe findet man in dem[2] durch trockene Destillation der
+Steinkohlen behufs der Leuchtgasbereitung entstehenden Steinkohlenteer,
+zum Teil auch im Steinkohlenleuchtgas selbst, und benutzt beide Produkte
+zu ihrer Fabrikation, die in grossem Massstabe betrieben wird, und
+darauf beruht[3], dass man den Kohlenteer der fraktionierten
+Destillation unterwirft und die Produkte nach[4] ihren Siedpunkten
+trennt und durch verschiedene Manipulationen reinigt. In neuerer Zeit
+werden auch beträchtliche Mengen von Benzol und Homologen (Toluol,
+Xylol, Cumol etc.) aus dem Gase der Koksöfen gewonnen. Bei diesem
+Prozess entstehen bedeutende Mengen von Gas, welches durch geeignete,
+mit schweren Teerölen beschickte[5] Absorptionsapparate geleitet wird,
+wobei das Teeröl das im Gas enthaltene Benzol samt Homologen zurückhält.
+Durch Einblasen von gespanntem Wasserdampf entzieht man dem vorher
+erhitzten Oel das absorbierte Benzol wieder, da letzteres mit
+Wasserdämpfen leicht flüchtig ist. Die Kohlenwasserstoffe der
+Benzolreihe[6] lassen sich unter dem Einflusse verschiedener chemischer
+Agentien leicht in unbegrenzt viele neue Verbindungen überführen. Mit
+Chlor, Brom und Jod geben sie Additions- oder Substitutionsprodukte, mit
+konzentrierter Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure
+Nitroderivate, in welchen ein oder mehrere Wasserstoffatome durch die
+Gruppe NO_{2} ersetzt[7] sind. Bei der Einwirkung von konzentrierter
+oder von rauchender Schwefelsäure bilden sich Sulfosäuren[8]: hier wird
+ein Wasserstoffatom, oder auch mehrere, durch die Gruppe SO_{3}H
+ersetzt. Diese Kohlenwasserstoffe sind infolgedessen nicht allein in
+wissenschaftlicher Hinsicht höchst interessant, sondern, da mehrere der
+aus ihnen darstellbaren Körper eine bedeutende technische[9] Anwendung
+gefunden haben, zugleich auch von grosser praktischer Wichtigkeit. Ganz
+besonders gilt[10] dies vom Benzol C_{6}H_{6}.
+
+Das Benzol ist eine farblose, sehr lichtbrechende, leicht bewegliche
+Flüssigkeit von eigentümlichem, nicht sehr unangenehmem Geruch, von 0,89
+Dichte, und dadurch ausgezeichnet, dass es bei 0° zu einer blätterig[11]
+krystallinischen Masse oder zu rhombischen Prismen erstarrt. In Wasser
+ist es unlöslich, lässt sich dagegen mit Alkohol, Aether, ätherischen
+Oelen etc. in jedem Verhältnisse mischen und ist ein vorzügliches
+Lösungsmittel für alle Fette, für Asphalt, Kautschuk, Guttapercha und
+viele andere Stoffe. Es ist leicht entzündlich und brennt mit
+hellleuchtender, russender[12] Flamme.
+
+Bringt man Benzol unter Kühlung mit möglichst konzentrierter, von
+niederen Stickstoffoxyden freier Salpetersäure zusammen, so wird es
+glatt[13] in Nitrobenzol C_{6}H_{5}(NO_{2}) verwandelt. Nach Zusatz von
+Wasser scheidet sich das entstandene[14] Nitrobenzol als schwere
+Flüssigkeit ab, wird gesammelt und mit Wasser gewaschen.
+
+Behandelt man das Nitrobenzol mit Gemischen, welche Wasserstoff
+entwickeln, z. B. Eisen und Salzsäure, so wird die Nitrogruppe zu der
+Gruppe NH_{2} (Amingruppe genannt) reduziert und es bildet sich Anilin
+(Amidobenzol) C_{6}H_{5}(NH_{2}), eine ölige Flüssigkeit, welche zur
+Fabrikation der Anilinfarben eine ausserordentliche technische
+Wichtigkeit erlangt hat.
+
+
+
+
+NOTES.
+
+
+1.
+
+[1] +Der Posten+: item, term.
+
+[2] Observe that this sentence begins with a verb, but is not a
+question, nor a command; also that the next clause begins with +so+.
+Under these circumstances supply _it_ at the beginning.
+
+[3] +Wievielmal ... sovielmal+: as many times ... so many times.
+
+[4] Before translating +um+, see if the phrase ends with +zu+ and an
+infinitive; if so +um+ = in order.
+
+[5] +oder aber+: or else.
+
+[6] +seinem Werte nach+: according to its value = as regards its value.
+
+[7] +Jede Art der Einheiten+: each kind of units.
+
+[8] +schriftlich+: in writing.
+
+[9] +indem man ... rückt+ and +dadurch, dass man ... rückt+ are two
+German ways of saying _by moving_. Verbs following +indem man+ or
++dadurch, dass man+ should be turned into the English present participle
+with _by_.
+
+[10] +die ... Stelle+: the place. This is the compound adjective
+construction which is so common in scientific German. Observe how the
+phrase is built up:
+
++die werdende Stelle+ the becoming place
++die leer werdende Stelle+ the empty-becoming place
++die dadurch leer werdende Stelle+ the thereby empty becoming place
+
+The article (+die+) or some other determining word is separated from its
+noun (+Stelle+) by a number of words; but in all cases the word next
+before the noun is an adjective or participle (+werdende+), which in
+turn is preceded by a word qualifying it (+leer+) and so on. In English
+the corresponding words follow the noun in the reverse order. This note
+will be frequently referred to.
+
+
+2.
+
+[1] +Die Quersumme+: sum across = sum of the digits.
+
+[2] +also+: therefore; _never_ translate it by _also_.
+
+[3] +geradstellig, ungeradstellig+: even, odd.
+
+[4] +ein Mehrfaches+: a multiple.
+
+[5] +der Nenner, der Zähler+: denominator, numerator.
+
+[6] see 1 Note 9.
+
+[7] +Grundfaktoren+: prime factors.
+
+[8] +d. h. (das heisst)+: that is to say (_i. e._)
+
+[9] +an und für sich+: by itself, _per se_.
+
+[10] +beziehungsweise+: or as the case may be.
+
+[11] +darin, dass man ... dividiert+: in dividing (_lit.:_ in this,
+namely that we divide). +Darin+ anticipates and represents the following
+clause.
+
+[12] +der beiden betreffenden Zahlen+: of the two numbers in question.
+
+[13] +das Glied, Vorderglied, Hinterglied+: term, antecedent,
+consequent.
+
+
+3.
+
+[1] +soll erhoben werden+: is to be raised. Very frequently +soll+ with
+an infinitive means _is to_.
+
+[2] +das Quadrat+: square; +das Biquadrat+: fourth power.
+
+[3] +vereinfachen+: to simplify.
+
+[4] +es sei x+: let x be.
+
+[5] +beträgt (betragen)+: amounts to.
+
+[6] +die Rechnung stimmt+: the calculation is correct.
+
+[7] +belaufen sich+: amount to.
+
+[8] +die Beschaffenheit+: nature.
+
+[9] +der Rest verhält sich zur Summe wie eins zu zwei+: the remainder is
+to the sum as one is to two. +Das Verhältnis+: ratio, relation.
+
+[10] See 1 Note 2; +zieht ... ab (abziehen)+: subtracts.
+
+
+4.
+
+[1] +Soll+; see 3 Note 1.
+
+[2] +und zwar+: and moreover.
+
+[3] +gerade so viel+: just as much.
+
+[4] +überdies+: in addition, to boot.
+
+[5] +sieben Meilen zurückgelegt+: makes 7 miles. The German mile varied
+in different sections from 4.7 to 5.6 U. S. miles.
+
+[6] +zu Stande bringen+: do, accomplish, finish.
+
+[7] +in eben der Zeit+: in the same time.
+
+[8] +genötigt+: obliged.
+
+[9] +herabzusetzen+: to reduce.
+
+[10] +Angaben+: data, statements.
+
+[11] +die Mandel+: lot or set of 15.
+
+[12] +um 306+: by 306. +Um+ often means _to the amount of, to the extent
+of_.
+
+[13] +das Merkmal+: characteristic.
+
+[14] +nach dem Berichte+: according to the report.
+
+[15] +das erste Feld+: the first square.
+
+[16] +wenn ... auch+: even if.
+
+
+5.
+
+[1] +z. B. (zum Beispiel)+: for example.
+
+[2] +die ... Linien+; see 1 Note 10.
+
+[3] +einerlei Seite+: one and the same side.
+
+[4] +kongruent+: equal in every respect.
+
+[5] +betragen+; see 3 Note 5.
+
+[6] +Es+ is merely introductory; the subject is +Seiten+.
+
+[7] +man stecke ... ab+: lay off; _lit._ let one lay off.
+
+[8] +also+; see 2 Note 2.
+
+[9] +alsdann = dann+: then.
+
+[10] +daran stossenden (Seite)+: side adjacent to it.
+
+
+6.
+
+[1] +eine ... Figur+; see 1 Note 10.
+
+[2] +die ... senkrechte+; see 1 Note 10.
+
+[3] +die Sehne+: chord.
+
+[4] +dazu gehörigen+: belonging to it.
+
+[5] +ganz beliebig ... gegebene Punkte+: points given entirely at
+pleasure = any given points whatever.
+
+[6] +der Centriwinkel+: angle at the centre.
+
+[7] +der Peripheriewinkel+: angle at the cirumference.
+
+[8] +inhaltsgleich+ equal in area; +der Inhalt+: contents.
+
+[9] +die Kathete+: leg of a right-angled triangle.
+
+[10] +Sei CAB ein ... Dreieck+: let CAB be a triangle.
+
+[11] +der ... Quadrate+; see 1 Note 10.
+
+[12] +es lässt sich zeigen+: it allowes itself to be shown = it may be
+shown. A common use of +lassen+.
+
+[13] +Hülfslinien+: auxiliary lines, construction lines.
+
+[14] see 1 Note 9.
+
+[15] +d. i. (das ist)+: that is to say (i. e.)
+
+
+7.
+
+[1] +nach keiner Seite hin+: in no direction.
+
+[2] +wie weit ... auch+: however far.
+
+[3] +gleichlaufend+: German equivalent for parallel. In many cases
+German uses a foreign word and also a native word for the same term.
+
+[4, 5] +die ... Seiten+; see 1 Note 10.
+
+[6] +verhalten sich+: are to each other.
+
+[7] +Die ... Senkrechte+; see 1 Note 10.
+
+[8] +anliegend+: adjacent.
+
+[9] +es kommt nur darauf an+: it is only required.
+
+
+8.
+
+[1] +Um um+: the first um means _in order_ and belongs to the infinitive
++zu beschreiben+; the second +um+ means _around_.
+
+[2] +halbiere+: bisect.
+
+[3] +herumzutragen+: to lay off.
+
+[4] +eines Vielecks+; see 1 Note 10.
+
+[5] +die Fläche+: surface, area.
+
+[6] +körperliche+: solid.
+
+[7] +bis ins Unendliche+: to infinity.
+
+[8] +der Körper+: body; (in Geometry) solid.
+
+[9] +zwei ... Ebenen+; see 1 Note 10.
+
+[10] +entsteht+: is formed.
+
+[11] +die Grundfläche+: base (surface).
+
+[12] +und zwar+: and moreover.
+
+
+9.
+
+[1] +inhaltsgleich+: of equal (cubic) contents = of equal volume.
+
+[2] +die Mantelfläche+: curved surface.
+
+[3] +dergestalt+: in such a manner.
+
+[4] +Ein ... Abschnitt+; see 1 Note 10.
+
+[5] +Wie verhalten sich+: in what ratio are ... to each other.
+
+[6] +einem ... Denkmale+; see 1 Note 10.
+
+
+10.
+
+[1] +im Wesentlichen+: essentially.
+
+[2] +allseitig+: on all sides.
+
+[3] +die Einheit+: unit.
+
+[4] +das ... Normalmeter+; see 1 Note 10.
+
+[5] +Allgemeine Eigenschaften+: universal properties.
+
+[6] +starr+: rigid, solid.
+
+[7] +geläufig+: familiar.
+
+[8] +selbstverständlich+: of course.
+
+
+11.
+
+[1] +das Beharrungsvermögen+: capacity for persisting = inertia.
+
+[2] +sich gerade befindet+: just finds itself = just happens to be.
+
+[3] +das Kausalgesetz+: law of causation.
+
+[4] +ein ... Körper+; see 1 Note 10.
+
+[5] +die Festigkeit+: firmness = strength.
+
+[6] +reicht ... hin (hinreichen)+: suffices.
+
+[7] +der Annahme widersetzt+: opposes the assumption.
+
+[8] +infolgedessen (in Folge dessen)+: in consequence of that.
+
+[9] +wegschnellen+: to fillip.
+
+[10] +Beispiele+ is the object of +bieten+, and +für+ governs
++Drehungsbewegungen+.
+
+[11] +entsprechend+: corresponding, appropriate.
+
+
+12.
+
+[1] +äussert sich+: manifests itself.
+
+[2] see 1 Note 10.
+
+[3] +die Unterlage+: support.
+
+[4] +übt ... aus (ausüben)+: exerts.
+
+[5] +also+; see 2 Note 2.
+
+[6] +das Lot (Loth)+: plumb-line.
+
+[7] +Vielfache+: multiples.
+
+[8] +giebt ... an (angeben)+: states.
+
+[9] +Pyknometer+: specific gravity flask.
+
+[10] +Es sei nun P_{1} das Gewicht+: now let P_{1} be the weight.
+
+[11] +alsdann = dann+: then.
+
+[12] +einer ... Marke+; see 1 Note 10.
+
+
+13.
+
+[1] +Orte und Lagen+: places and positions.
+
+[2] see 1 Note 2.
+
+[3] +gelegen+: situated.
+
+[4] +fortschreitende Bewegung+: motion of translation.
+
+[5] +die ... Wege+: the paths; see 1 Note 10.
+
+[6] +von einem ... begriffenen Körper+: of a body engaged; see 1 Note
+10.
+
+[7] see 1 Note 2.
+
+[8] +der ... Weg+: the path; see 1 Note 10
+
+[9] +infolge (in Folge)+: in consequence.
+
+[10] +einer beliebig+: of any desired, of any whatever.
+
+[11] +kommt ... zu stande+: comes about, is brought about.
+
+[12] +bei+: in the case of (not _by_.) +Bei+ is of very common occurence
+with this meaning, which will generally suggest the proper preposition
+(at, with, in etc.) to use in English.
+
+
+14.
+
+[1] +die Gewichtseinheit+: unit of weight.
+
+[2] +heisst+: means.
+
+[3] +die Breite+: latitude.
+
+[4] +am Meeresspiegel+: at the level of the sea.
+
+[5] +am bequemsten+: most conveniently.
+
+[6] +darstellen+: to represent.
+
+[7] +t+ stands for +Tonne+ = 1000 kg.
+
+[8] see 1 Note 2.
+
+[9] Observe that the comma is used as a decimal point and the period as
+a sign of multiplication.
+
+[10] +also+; see 2 Note 2.
+
+[11] +nimmt ... zu (zunehmen)+: increases.
+
+[12] see 1 Note 2.
+
+[13] +um+: to the distance of.
+
+[14] +die Gesammtarbeit+: total work.
+
+[15] +einzel (einzeln)+: separate.
+
+
+15.
+
+[1] See 1 Note 2.
+
+[2] +aufgespeichert+: stored up.
+
+[3] +bei Verminderung+: on diminishing; see 13 Note 12.
+
+[4] +um+: to the distance of.
+
+[5] +musste+: had to. Do not translate by _must_; it is in the past
+tense.
+
+[6] +geleistet: (leisten)+: performed. +Die Leistung+: performance.
+
+[7] +streng genommen+: taken strictly = strictly speaking.
+
+[8] +eine Feder spannen+: compress a spring.
+
+[9] +die Spannkraft+: tension, potential.
+
+[10] +bei Beurtheilung+: in judging; see 13 Note 12.
+
+[11] +ist massgebend+: is decisive, is a criterion.
+
+[12] +hinsichtlich+: as regards.
+
+[13] +u. s. f. (und so fort)+: and so forth.
+
+
+16.
+
+[1] +Nebenformen+: secondary forms.
+
+[2] +noch so komplizierten+: never so complicated, no matter how
+complicated.
+
+[3] +rollen+: the hyphen indicates that +hinab+ belongs also to
++rollen+: to roll down.
+
+[4] +stellt ... dar (darstellen)+: represents.
+
+[5] +einen ... Druck+; see 1 Note 10.
+
+[6] +aufheben+: to neutralize, balance.
+
+[7] +der Fall+: case.
+
+[8] +aufzufassen+: to conceive.
+
+[9] +entstanden (entstehen)+: originated, formed.
+
+[10] +flachgängig+: square-threaded.
+
+[11] +bez. (beziehungsweise)+: or as the case may be.
+
+[12] +scharfgängig+: v-threaded.
+
+[13] +der Schraubengang+: turn of the screw.
+
+[14] +das Gewinde+: thread.
+
+[15] +die Bolzenstärke+: thickness of the cylinder. +Stärke+, usually
+strength, also means thickness.
+
+[16] +die Kernstärke+: thickness, of the core.
+
+[17] See 1 Note 2., +arbeitet ... aus+: works out, hollows out.
+
+[18] +der Betrag, um den+: the amount to the extent of which....
+
+[19] +die Steigung oder Ganghöhe+: pitch.
+
+[20] See 2 Note 2.
+
+[21] +Stellschrauben+: set screws; stellen, to adjust.
+
+
+17.
+
+[1] +verhalten sich umgekehrt+: they are to each other inversely.
+
+[2] +Bekannt+: well known.
+
+[3] +hierbei+: in this case (not _hereby_), Compare 13 Note 12.
+
+[4] +findet ... statt (stattfinden)+: takes place.
+
+[5] +bei Klingelzügen+: in bell-pulls.
+
+[6] +wobei+: in which; compare 13 Note 12.
+
+[7] +in der Regel+: as a rule.
+
+[8] +der Flaschenzug+: block and tackle.
+
+[9] +das Rad an der Welle+: wheel and axle.
+
+[10] +einem ... Seile+; see 1 Note 10.
+
+[11] +Riemen- und Seilscheiben+: pulleys for belts and ropes.
+
+
+18.
+
+[1] +die Fortpflanzung+: propagation, transmission.
+
+[2] +einer ... Flüssigkeit+: of a liquid; see 1 Note 10.
+
+[3] +infolgedessen (in Folge dessen)+: in consequence of which.
+
+[4] +pflanzt sich ... fort (sich fortpflanzen)+: propagates itself.
+
+[5] +Ein ... Körper+: a body; see 1 Note 10.
+
+[6] +sogen. (sogenannte)+: so-called.
+
+[7] +Ist ... taucht+; see 1 Note 2
+
+[8] +dabei+: in that case; compare 13 Note 12.
+
+[9] +gilt (gelten)+: holds true.
+
+[10] +eines ... Gefässes+: of a vessel; see 1 Note 10.
+
+[11] +die Druckhöhe+: head, column.
+
+
+19.
+
+[1] +der Heber+: siphon.
+
+[2] +selbsttätig+: automatically.
+
+[3] +das Niveau+: level.
+
+[4] +zweischenkelig+: two-legged, two-armed; +der Schenkel+, thigh.
+
+[5] +dabei+: at the same time (not _thereby_).
+
+[6] +die Festigkeit+: strength (of materials).
+
+[7] +das Mass+: measure (do not confound with +die Masse+, mass).
+
+[8] +die Zugfestigkeit+: tensile strength.
+
+[9] +der Querschnitt+: cross-section.
+
+[10] +die Grösse+: magnitude, quantity.
+
+[11] +die rückwirkende Festigkeit+: compressive strength.
+
+[12] +die relative Festigkeit+: transverse strength.
+
+[13] +Grössen- und Formänderungen+: changes of size and form. The hyphen
+indicates that +änderungen+ belongs to +Grössen+ also.
+
+[14] +spröde+: brittle.
+
+[15] +zähe+: tough.
+
+[16] +dehnbar+: ductile.
+
+[17] +geschmeidig+: plastic, pliable.
+
+
+20.
+
+[1] +die Gehörempfindung+: sensation of hearing.
+
+[2] +die Wellenbewegung+: wave motion.
+
+[3] +die Fortpflanzungsgeschwindigkeit+: velocity of propagation.
+
+[4] +das Fadentelephon+: string telephone (toy).
+
+[5] +Zwei ... Stücke+; see 1 Note 10.
+
+[6] +das Mittel+: medium.
+
+[7] +der Nachhall+: reverberation.
+
+[8] +vorwiegend+: preponderating; translate: mostly.
+
+[9] +Sind+; see 1 Note 2.
+
+[10] +Sinusschwingungen+: sine oscillations.
+
+[11] +hängt ... ab (abhängen)+: depends.
+
+[12] +stehend+: vertical.
+
+[13] +bei+; see 13 Note 12.
+
+[14] +der Grundton+: fundamental note.
+
+[15] +das Gepräge+: coinage = character.
+
+[16] +die Klangfarbe+: tone color = timbre.
+
+
+21.
+
+[1] +selbstleuchtend+: self-luminous.
+
+[2] +lassen sich ungezwungen erklären+: may be explained in a natural
+(_lit._ unforced) way.
+
+[3] +das Mittel+: medium.
+
+[4] +der Lichtäther+: luminiferous ether.
+
+[5] +daran ... dass+: by the fact that; _lit._ by this, namely that ...,
++Daran+ represents the following clause and anticipates it.
+
+[6] +Besitzen+; see 1 Note 2.
+
+[7] +der Kernschatten+: umbra; +der Kern+, kernel.
+
+[8] +der Halbschatten+: penumbra.
+
+[9] +unmittelbar+: directly.
+
+[10] +auf ... angewiesen+: confined to.
+
+[11] +der Einfallswinkel+: angle of incidence.
+
+[12] +der Schirm+: screen.
+
+
+22.
+
+[1] +der ebene Spiegel+: plane mirror.
+
+[2] +das Spiegelbild+: reflected image.
+
+[3] +der Senkrechte+: the vertical, perpendicular; see 1 Note 10.
+
+[4] +einem ... Kreis+: a circle.
+
+[5] +der Durchschnitt+: section.
+
+[6] +Perlen+: beads.
+
+[7] +beim Hineinblicken+: on looking in.
+
+[8] +ein ... Mittel+: a medium.
+
+[9] +zwei ... Ebenen+: two planes. This sentence is an example of one
+compound adjective construction within another.
+
+[10] +brechend+: refracting.
+
+[11] +einen ... Spalt+: a slit.
+
+[12] +bandförmig auseinandergezogen+: drawn out in the form of a ribbon.
+
+[13] +brechbar+: refrangible.
+
+[14] +einzelne+: single, separate, individual.
+
+[15] +derartig+: that kind, such.
+
+[16] +indem man+; see 1 Note 9.
+
+[17] +das Knallgebläse+: oxy-hydrogen blowpipe.
+
+[18] +die betreffenden Metalle+: the metals in question.
+
+[19] +geschlossen werden kann+: conclusions may be drawn.
+
+
+23.
+
+[1] +vermittelt+: transmitted.
+
+[2] +schrieb ... zu (zuschreiben)+: ascribed, attributed.
+
+[3] +und zwar+: and moreover.
+
+[4] +nimmt ... zu ... ab (zunehmen, abnehmen)+; increases, decreases.
+
+[5] see 1 Note 9.
+
+[6] +die Lagenänderung+: change of position.
+
+[7] +bei+; see 13 Note 12.
+
+[8] +der Abstand+: distance apart.
+
+
+24.
+
+[1] +um+: to the extent of, by.
+
+[2] +bezw. (beziehungsweise)+; see 2 Note 10.
+
+[3] +der Träger+: beam, girder.
+
+[4] +das Mauerwerk+: masonry.
+
+[5] +der Radreifen+: tire of a wheel.
+
+[6] +gilt (gelten)+: holds true.
+
+[7] +der Schrumpfring+: hoop shrunk on a gun.
+
+[8] +bei+; see 13 Note 12.
+
+[9] +übt ... aus (ausüben)+: exerts.
+
+[10] +die Dampfspannung, die Spannkraft+: tension.
+
+[11] +es bilden sich+: there are formed.
+
+[12] +Verdampfen+: vaporization.
+
+[13] +Verdunsten+: evaporation (without artifical heat.)
+
+
+25.
+
+[1] +bei+; see 13 Note 12.
+
+[2] +die Vakuumpfanne+: vacuum pan.
+
+[3] +die Zuckersiederei+: sugar refinery; +sieden+, to boil.
+
+[4] +umgekehrt+: conversely.
+
+[5] +der Papinsche Topf+: Papin's digestor.
+
+[6] +das Sicherheitsventil+: safety-valve.
+
+[7] +die Spannkraft+: the tension.
+
+[8] See 1 Note 9.
+
+[9] +absperren+: to bar off = to confine.
+
+[10] +noch so gross+: never so great, no matter how great.
+
+[11] +tropfbar+: capable of forming drops.
+
+[12] See 18 Note 6.
+
+[13] +der Grenzwert+: limit of value; limit.
+
+
+26.
+
+[1] +einen beliebig grossen Zwischenraum+: a distance as great as may be
+desired = any distance.
+
+[2] +die Strahlung+: radiation.
+
+[3] +die Leitung+: conduction.
+
+[4] +gleicht sich ... aus (sich ausgleichen)+: equalizes itself.
+
+[5] +wir haben uns ... vorzustellen+: we must conceive.
+
+[6] +hierbei+: in this case.
+
+[7] +übermittelt+: transferred, communicated.
+
+[8] See 13 Note 12.
+
+[9] +die Wärmeeinheit+: heat unit.
+
+[10] +um+; see 24 Note 1.
+
+[11] +die Heizungstechnik+: heating industry.
+
+
+27.
+
+[1] +um+; see 24 Note 1.
+
+[2] +die Menge+: quantity.
+
+[3] +wobei+: in which case; see 13 Note 12.
+
+[4] See 13 Note 12.
+
+[5] +Aggregatzustandsveränderungen+: changes in the state of aggregation
+(_i. e._ from liquid to solid etc.).
+
+[6] +also+; see 2 Note 2.
+
+[7] +umgekehrt+: conversely.
+
+[8] +ermitteln+: to ascertain.
+
+[9] +vermag = kann.+
+
+[10] +niederschlagen+: to precipitate.
+
+
+28.
+
+[1] +entsteht+: arises, is formed, comes into existence.
+
+[2] +die Arbeitsgrösse+: amount (_lit._ magnitude) of work.
+
+[3] +im Mittel+: on an average.
+
+[4] +wobei+: in which case.
+
+[5] +eine angesaugte und ... verdichtete Luftmenge+: a sucked up and ...
+condensed quantity of air.
+
+[6] +die Pleuelstange+: connecting rod.
+
+[7] +die Kurbel+: crank.
+
+[8] +die Welle+: axle.
+
+[9] +das Schwungrad+: flywheel.
+
+[10] +dabei+: in that case.
+
+[11] See 13 Note 12.
+
+[12] +der Uebergang+: transition.
+
+[13] +dabei+: at the same time.
+
+[14] +der Kolbenhub+: stroke of the piston.
+
+[15] +setzen ... um (umsetzen)+: convert.
+
+
+29.
+
+[1] +der Zylinder+: cylinder. Some writers change c's of Latin Swords to
++z+ or +k+ according to the sound.
+
+[2] +sperren+: to bar, to cut off.
+
+[3] +die Steuervorrichtung+: _lit._ appliance for steering =
+slide-valve.
+
+[4] +wobei, hierbei, dabei+; see 28 Notes, 4, 10, 13 and 26 Note 6.
+
+[5] +niedrigerer+: lower, note the comparative expressed by the first
++er+.
+
+[6] +geht verloren+: is lost.
+
+[7] +ausfallen kann+: may turn out.
+
+[8] +indem man ... verwendete und ... antrieb+; see 1 Note 9.
+
+[9] +der Wirkungsgrad+: degree of effect = efficiency.
+
+[10] +Dampfstrahlen+: jets of steam.
+
+[11] +das Schaufelrad+: paddle wheel, blade wheel.
+
+
+30.
+
+[1] +Energiearten+: kinds of energy.
+
+[2] +beliebig+: any ... whatever.
+
+[3] +zutragen+: take place.
+
+[4] +der Kreisprozess+: cycle.
+
+[5] +am allgemeinsten+: in the most general way.
+
+[6] +das Niveau+: level.
+
+[7] +so fasst man ... auf+: we conceive.
+
+[8] +begriffen+: engaged (in).
+
+[9] +Wärme+ is the object of +enthalten+.
+
+[10] +zieht ... an (anziehen)+: attracts.
+
+[11] +dagegen+: on the other hand.
+
+[12] +stossen ... ab (abstossen)+: repel.
+
+
+31.
+
+[1] +dadurch, dass man+; see 1 Note 9.
+
+[2] +Es stellte sich dabei heraus+: it turned out in this case.
+
+[3] +in gleicher Hinsicht+: with the same purpose.
+
+[4] +darstellen+: represent, constitute.
+
+[5] +lagern+: arrange.
+
+[6] +sich aufheben+: neutralize each other.
+
+[7] +herzustellen+: to produce, make.
+
+[8] +das Beharrungsvermögen+: capacity for persistence = inertia.
+
+[9] +sich einstellen+: take its place.
+
+[10] +vorzustellen+: to place before (the mind) = to imagine.
+
+
+32.
+
+[1] +der Richtung nach+: as regards direction.
+
+[2] +der Leiter+: conductor.
+
+[3] +und zwar+: and moreover.
+
+[4] +woraus zu schliessen ist+: from which it is to be concluded.
+
+[5] +also+; see 2 Note 2.
+
+[6] +Berührungsstellen+: points of contact.
+
+[7] +dem 300. Teil+: to the 300th part. The period after 300 indicates
+the ending +sten+.
+
+[8] +der Schliessungsbogen+: closing arc = conductor which closes the
+circuit.
+
+
+33.
+
+[1] +die Zeiteinheit+: unit of time.
+
+[2] +der Querschnitt+: cross section.
+
+[3] +die ... Elektrizitätsmenge+: the quantity of electricity.
+
+[4] +die Stromabgabe+: current delivery = amount of current delivered.
+
+[5] +mit Bezug auf+: with regard to.
+
+[6] +wirksam+: active.
+
+[7] +die Schaltung+: connection.
+
+[8] +soll ... herbeigeführt werden+: is to be brought about.
+
+[9] +indem sie ... bedingt wird+: as it is governed by.
+
+[10] +der Akkumulator+: storage battery.
+
+[11] +etwa+: possibly; transl. any.
+
+[12] +Bleisuperoxyd+: peroxide of lead, PbO_{2}.
+
+[13] +sowohl ... wie+: as well ... as = both ... and.
+
+[14] +das schwefelsaure Blei+: sulphate of lead.
+
+[15] +die E. M. K. (elektromotorische Kraft)+: electromotive force.
+
+[16] +bezw. (beziehungsweise)+; see 2 Note 10.
+
+[17] +Mennigeschichten+: layers of red oxide of lead (minium).
+
+[18] +das Gitter+: lattice work, bars.
+
+
+34.
+
+[1] +unterscheiden sich+: are distinguished.
+
+[2] +der Gleichstrom+: direct current.
+
+[3] +der Wechselstrom+: alternating current.
+
+[4] +die Erregung, Influenz, Induktion+: induction (three synonyms).
+
+[5] +der Dauermagnet+: permanent magnet.
+
+[6] +der Anker+: armature.
+
+[7] +der Schenkel+: limb, branch.
+
+[8] +der Polwechsel+: change of pole.
+
+[9] +die Anbringung+: attachment, addition.
+
+[10] +der Stromwender+: commutator.
+
+[11] +die Vorrichtung+: appliance, contrivance.
+
+[12] +u. dergl. (und dergleichen)+: and the like.
+
+[13] +der Kupferblechstreifen+: strip of sheet copper.
+
+[14] +die Klemme+: clamp, binding post.
+
+[15] +der Eisenkern+: iron core.
+
+[16] +die Nut+: groove, rabbet.
+
+[17] +eingefrässt+: cut out.
+
+[18] +indem die ... Ströme+: (in that =) as the currents.
+
+
+35.
+
+[1] +der Anker+: armature.
+
+[2] +einem Eisenring+: an iron ring. This sentence contains one compound
+adjective clause within another.
+
+[3] +die Welle+: shaft, axle.
+
+[4] +wobei+: while at the same time.
+
+[5] +der+: to the.
+
+[6] +in der Tat (That)+: indeed.
+
+[7] +wohl+: probably.
+
+[8] +nämlich+: translate by beginning the sentence with For.
+
+[9] +indem ... entsteht+: as there is formed.
+
+[10] +allerdings+: to the sure.
+
+[11] +die Reihenbewickelung+: series winding.
+
+[12] +die Nebenschlussbewickelung+: shunt winding.
+
+[13] +die Leistung+: performance, efficiency.
+
+[14] +das Eisengestell+: iron frame.
+
+
+36.
+
+[1] +eigentlich+: properly so called, real.
+
+[2] +der Stromkreis+: circuit.
+
+[3] +abgeben+: deliver.
+
+[4] +bedürfen+: require (followed by the genitive).
+
+[5] +der Abnutzung unterliegt+: is subject to wear and tear.
+
+[6] +Betriebsstörungen+: disturbances = irregularities in running.
+
+[7] +die Klemme+: clamp, binding post.
+
+[8] +indem man ... verwandelt+; see 1 Note 9.
+
+[9] +die Drehstrommaschine+: three phase motor.
+
+[10] +Nebenapparate+: secondary apparatus.
+
+[11] +Ergänzungsmittel+: means of completion = supplements.
+
+[12] +der Wirbelstrom+: eddy current.
+
+[13] +Kern- und Manteltransformationen+: core and shell transformers.
+
+[14] +untergebracht+: placed.
+
+
+37.
+
+[1] +die Anlage+: plant.
+
+[2] +Starkstromleitungen+: conductors for powerful currents.
+
+[3] +Licht- und Kraftbetrieb+: production of light and power.
+
+[4] +in der Regel+: as a rule.
+
+[5] +verseilt+: covered with rope.
+
+[6] +stark+: heavy, thick (the usual meaning is _strong_).
+
+[7] +in ihrer Gesamtheit+: in their totality = all taken together.
+
+[8] +das Isolirband+: insulating tape.
+
+[9] +Strassenumwühlungen+: digging up the streets.
+
+[10] +die Armierung+: strengthening.
+
+[11] +Muffen+: sleeves.
+
+[12] +Anschlussstellen+: places for the connections.
+
+[13] +Anschlussgruben+: man holes (+Grube+: pit).
+
+[14] +die Schmelzsicherung+: safety-fuse.
+
+[15] +Karton+: pasteboard.
+
+[16] +der Wandverputz+: plastering.
+
+[17] +Aus- und Einschalten+: connecting and disconnecting.
+
+[18] +der Schalter+: switch.
+
+[19] +der Umschalter+: four point switch.
+
+
+38.
+
+[1] +der Gleichstrommotor+: direct current motor.
+
+[2] +der Wirkungsgrad+: degree of efficiency.
+
+[3] +der Stromwender+: commutator.
+
+[4] +der+ is the subject of the three verbs +ist+, +geben kann+ and
++verbietet+.
+
+[5] +das Funkensprühen+: sparking.
+
+[6] +Anlass geben+: to give rise.
+
+[7] +die Steinkohlengrube+: coal mine.
+
+[8] +schlagende Wetter+: fire-damp.
+
+[9] +die Spannung+: tension.
+
+[10] +starke Querschnitte+: large cross sections.
+
+[11] +unbequem+: inconvenient.
+
+[12] +angehen+: to start.
+
+[13] +eine ... Geschwindigkeit+: a velocity.
+
+[14] +überhaupt+: at all events.
+
+[15] +den ... Stromwechseln+: the alternations of the current.
+
+[16] +übereinstimmen+: correspond, synchronize.
+
+[17] +des ... Magnetfeldes+: of the magnetic field.
+
+[18] +unterliegt+: is subject.
+
+[19] +derartig+: such.
+
+[20] +asynchron+: asynchronous (not synchronous).
+
+
+39.
+
+[1] +die Eigenschaft+: property.
+
+[2] +die Umwandlung+: conversion.
+
+[3] +der Stoff+: substance.
+
+[4] +der Grundstoff+: fundamental substance, element.
+
+[5] +ohne dass ... gesagt werden kann+: without (our) being able to say.
+
+[6] +das Merkmal+: characteristic.
+
+[7] +das Verhalten+: behavior.
+
+[8] +Druck- und Temperaturverhältnisse+: conditions of pressure and
+temperature.
+
+[9] +nimmt ... ein (einnehmen)+: occupies.
+
+[10] See 1 Note 2.
+
+[11] +Sauerstoff- und Stickstoffgas+: oxygen and nitrogen gas.
+
+[12] See 13 Note 12.
+
+[13] See 24 Note 1.
+
+
+40.
+
+[1] +lassen sich ... überführen+: may be converted.
+
+[2] +leichter ... schwieriger+: more easily, more difficulty.
+
+[3] +bestimmt+: certain, definite.
+
+[4] +dabei+; see 28 Note 13.
+
+[5] +hängt davon ab+: depends upon the condition.
+
+[6] +entwickelnd+: developing, disengaging.
+
+[7] +die Spannung+: tension.
+
+[8] +also+: that is to say.
+
+[9] +dementsprechend+: corresponding to that = accordingly.
+
+[10] +beziehen+: to refer.
+
+[11] +das Merkmal+: characteristic.
+
+[12] +die Erkennung+: recognition, identification.
+
+[13] +die Reindarstellung+: preparing in the pure state.
+
+[14] +die Kohlensäure+: carbonic acid.
+
+[15] +der Schwefelwasserstoff+: sulphuretted hydrogen.
+
+[16] +der Chlorwasserstoff+: hydrochloric acid.
+
+[17] +nimmt ab (abnehmen)+: diminishes.
+
+
+41.
+
+[1] +sich verflüchtigen+: to be volatilized.
+
+[2] +die Verdampfung+: vaporization (with the aid of heat).
+
+[3] +die Verdunstung+: evaporation (at ordinary temperatures).
+
+[4] +ungenügend+; recognize the adverb by the absence of adjective
+endings and translate: insufficiently.
+
+[5] +vor sich geht+: goes on, takes place.
+
+[6] +gebracht+: when brought.
+
+[7] +das Jod+: iodine.
+
+[8] +luftverdünnt+: rarefied.
+
+[9] +lösen, löslich, die Lösung+: to dissolve, soluble, the solution.
+
+[10] +der Weinstein+: tartar.
+
+[11] +das Chlorcalcium+: calcium chloride.
+
+[12] +infolgedessen (in Folge dessen)+: in consequence of that.
+
+[13] +zerfliesslich+: deliquescent.
+
+[14] +nimmt ... zu (zunehmen)+: increases.
+
+[15] +scheidet sich ... aus+: separates.
+
+[16] +und zwar+: and moreover.
+
+[17] +Platinmohr+: platinum block, platinum sponge.
+
+
+42.
+
+[1] +die Einheit+: unit.
+
+[2] +wobei+; see 28 Note 4.
+
+[3] +stimmen ... überein (übereinstimmen)+: agree.
+
+[4] +bezüglich+: relating.
+
+[5] +mittler+: average, mean.
+
+[6] +die Zusammensetzung+: composition.
+
+
+43.
+
+[1] +die Entstehung+: origin, formation.
+
+[2] +die Umwandlung+: conversion.
+
+[3] +die Zersetzung+: decomposition.
+
+[4] +die Verbindung+: composition, compound.
+
+[5] +noch so verschiedenartig+: no matter how differently.
+
+[6] +entstanden (entstehen)+: formed.
+
+[7] +gelangen+: to get.
+
+[8] +dabei+: in the process.
+
+[9] +gleichgültig (gleichgiltig)+: indifferent, all the same, no matter.
+
+[10] +der Chlorwasserstoff+: hydrochloric acid.
+
+[11] +der Wasserstoff+: hydrogen.
+
+[12] +das Chlor+: chlorine.
+
+[13] +beliebig+: any desired, any whatever.
+
+[14] +das Verhältnis+: ratio.
+
+[15] +der Gewichtsteil+: part by weight.
+
+[16] +derart (in der Art)+: in such a way.
+
+[17] +der Stickstoff+: nitrogen.
+
+[18] +also+: that is to say.
+
+
+44.
+
+[1] +Infolge (in Folge)+: in consequence.
+
+[2] +die Beschaffenheit+: nature.
+
+[3] +für sich+: in themselves.
+
+[4] +was+: which.
+
+[5] +die Auffassung+: conception.
+
+[6] +diesen+: these, the latter (_i. e._ trees).
+
+[7] +erfolgen+: to ensue, follow, take place.
+
+[8] +Verhältnissen+, proportions, belongs also to +Gewichts-+ as
+indicated by the hyphen.
+
+[9] +der Schluss+: conclusion.
+
+[10] +nimmt man ... an (annehmen)+: if we assume.
+
+[11] +beispielsweise+: by way of example.
+
+[12] +dementsprechend+: corresponding to that = accordingly.
+
+[13] +Es+ is merely introductory; the real subject is +1000 Moleküle+.
+
+[14] +dass diese 500 Moleküle je 1000 Atomen entsprechen+: that each 500
+of these molecules correspond to 1000 atoms.
+
+
+45.
+
+[1] +die Annahme+: assumption.
+
+[2] +zunächst+: first.
+
+[3] +eingeleitet+: introduced.
+
+[4] +pflanzt sich ... fort (sich fortpflanzen)+: propagates itself.
+
+[5] +veranlassen+: to occasion, induce.
+
+[6] +die Beständigkeit+: stability.
+
+[7] +auf Umwegen+: in round about ways.
+
+[8] +die Verwandtschaft+: affinity.
+
+[9] +die Fähigkeit+: capacity.
+
+[10] see 18 Note 6.
+
+[11] +dementsprechend+: see 44 Note 12.
+
+[12] +einwertig+ etc.: univalent etc.
+
+[13] +bewahren+: preserve, maintain.
+
+[14] +der Kohlenstoff+: carbon.
+
+
+46.
+
+[1] +bei Gegenwart+: in the presence of.
+
+[2] +sich zu Salzen umsetzen+: are converted into salts.
+
+[3] +das Lackmuspapier+: litmus paper.
+
+[4] +die Wertigkeit+: valency.
+
+[5] +die Sättigungskapazität+: capacity for saturation.
+
+[6] +der Aetzkali+: caustic potassa.
+
+[7] +ersetzbar+: replaceable.
+
+[8] see 18 Note 6.
+
+[9] +namentlich+: especially.
+
+[10] +laugenartig+: having the nature of lye (+Lauge+); alcaline.
+
+[11] +indem+: while.
+
+[12] +wieder herstellen+: restore.
+
+[13] +vertretbar+: replaceable.
+
+[14] +die Wechselwirkung+: mutual action, reaction.
+
+
+47.
+
+[1] +das Verfahren+: process, method.
+
+[2] +die Darstellung+: preparation, making.
+
+[3] +das ... Einflussrohr+: the supply tube.
+
+[4] +das Aufbrausen+: effervescence.
+
+[5] +das Gasentwicklungsrohr+: gas tube, discharge tube.
+
+[6] +mit übergerissene Säureanteile+: portions of acid carried over
+(with the gas).
+
+[7] +beruht darauf, dass+: is based (_lit.:_ rests) upon the fact that.
+
+[8] +gebunden+: combined.
+
+[9] +wobei sich Zinksulfat bildet+: zinc sulphate being formed at the
+same time.
+
+[10] +setzen sich um (umsetzen)+: are converted.
+
+[11] +zu diesem Behufe+: for this purpose.
+
+[12] +ausmünden+: terminate.
+
+[13] +stülpen+: to turn upside down and put over something.
+
+
+48.
+
+[1] +verbreitetste+: most widely distributed.
+
+[2] +in kleinerem Massstabe+: on a smaller scale.
+
+[3] +das Stativ+: retort stand.
+
+[4] +die Gasentwickelungsröhre+: discharge pipe.
+
+[5] +die Wanne+: trough, tub.
+
+[6] +für sich+: by itself.
+
+[7] +je nach+: according to.
+
+[8] +Oxydul+: suboxide.
+
+[9] +Superoxyd+: peroxide.
+
+[10] +der Stickstoff+: nitrogen.
+
+
+49.
+
+[1] +salpetersauer+: nitrate.
+
+[2] +indem man+; see 1 Note 9.
+
+[3] +übergeht+: passes over (in vapor).
+
+[4] to translate +nämlich+, begin the clause with _for_.
+
+[5] +die Untersalpetersäure+: hyponitric acid.
+
+[6] see 18 Note 6.
+
+[7] +der Säuregehalt+: percentage of acid.
+
+[8] +ätzend+: caustic.
+
+[9] +unbeständig+: unstable.
+
+[10] +die gebildeten Oxide+: the oxides formed.
+
+[11] +überschüssige Säure+: excess of acid.
+
+[12] No similar term is used in English chemistry. +Scheiden+: to
+separate. Say: aqua fortis.
+
+[13] +das Königswasser+: aqua regia.
+
+
+50.
+
+[1] +der Zusammentritt+: stepping together = combination.
+
+[2] +die Entstehungsart+: mode of formation.
+
+[3] +der Herd+: hearth, furnace.
+
+[4] +schweflige Säure+: sulphurous acid.
+
+[5] +es+ is introductory; +Metallsulfide+ is the subject.
+
+[6] +wobei man dafür sorgt+: during which care is taken.
+
+[7] +bei Vorhandensein (= bei Gegenwart)+: in the presence.
+
+[8] +Untersalpetersäure+; see 49 Note 5.
+
+[9] +zerfällt+: falls to pieces = splits up into.
+
+[10] +übergeht+: passes over into = is converted.
+
+[11] +überzuführen+: to convert.
+
+[12] +innerlich genossen+: when taken internally.
+
+
+51.
+
+[1] +die Einwirkung+: action, reaction.
+
+[2] +der Kalk+: lime.
+
+[3] +das Bittersalz+: Epsom salts.
+
+[4] +massenhaft+: in masses = on a large scale.
+
+[5] +in der chemischen Technik+: in the chemical industry (arts).
+
+[6] +das Aetznatron+: caustic soda.
+
+[7] +im kleinen+: on a small scale.
+
+[8] +indem man ... hinzufügt und ... kocht+: by adding ... and boiling.
+
+[9] +der Kalkbrei+: paste of lime.
+
+[10] +beim Versetzen+: on mixing.
+
+[11] +dampft ... ein (eindampfen)+: evaporates down.
+
+[12] +die Schale+: capsule.
+
+[13] +im grossen+: on a large scale.
+
+[14] +mit Begierde+: with avidity.
+
+[15] +die Einleitung+: initiation, starting.
+
+[16] +sämtlich+: all.
+
+[17] +zeichnen sich dadurch aus, dass+: are distinguished by the fact
+that.
+
+
+52.
+
+[1] +im grossartigsten Massstabe+: on the grandest scale.
+
+[2] +alles ... Chlorwasserstoffgas+: all hydrochloric acid gas.
+
+[3] +behufs+: for the purpose of.
+
+[4] +sich umsetzt+: converts itself.
+
+[5] +bereitet+: prepared, made.
+
+[6] +nochmalig+: once more.
+
+[7] +zur Anwendung gekommenen Verfahren+: process come into use.
+
+[8] +der Salmiack+: sal ammoniac.
+
+[9] +stellt ... her (herstellen)+: makes, prepares.
+
+[10] +indem man ... erzeugt+; see 1 Note 9.
+
+
+53.
+
+[1] +gediegen+: in the metallic state.
+
+[2] +eisenhaltig+: containing iron.
+
+[3] +hält sich+: keeps, remains unchanged.
+
+[4] +greifen ... an+: attack.
+
+[5] +hüttenmännisch+: metallurgically = by means of the furnace (+die
+Hütte+: furnace).
+
+[6] +das Roheisen+: crude iron, pig iron.
+
+[7] +der Hochofen+: blast furnace.
+
+[8] +behufs+: for the purpose of.
+
+[9] see 34 Note 12.
+
+[10] +der Koks+: coke.
+
+[11] +vermittelnd+: promoting (_lit._ mediating, making possible).
+
+[12] +die Schlacke+: slag.
+
+[13] +Gichtgase+: waste gases.
+
+[14] +im Betriebe+: in operation.
+
+[15] +dickflüssig+: viscid, viscous.
+
+[16] +grossblätterig+: having large laminae.
+
+[17] +körnig+: granular.
+
+[18] +das Gefüge+: structure.
+
+[19] +das Schmiedeeisen+: wrought iron.
+
+[20] +das Stabeisen+: rod iron.
+
+[21] +streckbar+: ductile.
+
+[22] +schweissbar+: weldable.
+
+
+54.
+
+[1] +indem man ... unterwirft+: by subjecting.
+
+[2] +wobei+; see 28 Note 4.
+
+[3] +sehnig+: fibrous (+die Sehne+: sinew).
+
+[4] +ablöschen+: to quench, chill.
+
+[5] +Anlassen, Adoucieren+: tempering.
+
+[6] +Ferrooxid+: ferrous oxide.
+
+[7] +Ferrioxyd+: ferric oxide.
+
+[8] +Eisenchlorür = Eisenchlorid+: chloride of iron.
+
+[9] +Einfachschwefeleisen+, +Zweifachschwefeleisen+: (simple) sulphide
+of iron, bisulphide of iron.
+
+
+55.
+
+[1] +wichtigeren, niedrigeren+: more important, lower; note the +er+ of
+the Comparative.
+
+[2] +dem ... entstehenden Steinkohlenteer+: the coal tar produced.
+
+[3] +beruht darauf, dass+: depends upon the principle that....
+
+[4] +nach+: according to.
+
+[5] +beschickt+: provided, furnished, fed.
+
+[6] +die Benzolreihe+: benzol series.
+
+[7] +ersetzt+: replaced, substituted.
+
+[8] +Sulfosäuren+: sulphonic acids.
+
+[9] +technisch+: industrial.
+
+[10] +gilt (gelten)+: in true.
+
+[11] +blätterig+: flaky, laminated.
+
+[12] +russend+: sooty.
+
+[13] +glatt+: smoothly.
+
+[14] +das entstandene Nitrobenzol+: the nitrobenzol formed.
+
+
+
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+Published by Prof. Charles F. Kroeh
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+ contains also a new and very easy method of classifying and
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+the Pronunciation of Spanish in Spain and America).
+Cloth, 275 pp., 8vo. 1.50
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+Paper, 26 pp., 8vo. .15
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+requirements for admission to Universities, Colleges and Schools of
+Science.
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+Transcribers Note:
+
+Summarized here are the corrections applied to the text.
+
+
+Preface:
+
+Arithmetic, Algebra, Geometry,
+Physics and Chemistry.
+ The original text had "Physic".
+
+Section 1:
+
+ The section header was missing.
+
+Dividenden n mal grösser oder aber[5] den
+ Footnote marker [5] was missing.
+
+Section 4:
+
+Ehemannes, mit ihren 2 Söhnen und 3 Töchtern eine Summe von $7500
+ The original text had "vo" instead of "von".
+
+Section 14:
+
+ausübt, wenn g=9,806 m/sec² ist.
+ The original text had "m/sec".
+
+Section 15:
+
+kg.sec²/m.
+ "Kg" corrected to "kg".
+
+Section 16:
+
+man erhält so eine flachgängige[10] bez.[11]
+ Footnote marker [11] was missing.
+
+heisst Steigung oder
+Ganghöhe[19];
+ Footnote marker [19] was missing.
+
+Section 20:
+
+Schwingungen einfache Sinusschwingungen,
+ The original text had "Schwingungn".
+
+Section 29:
+
+auf ein Schaufelrad[11] drücken
+ Footnote marker [11] was missing.
+
+Section 31:
+
+Glasrohr mit Stahlfeilspänen
+ The original text had "Stahlfeilspähnen".
+
+Section 42:
+
+Gew. der Luft dagegen, d. h. das Gewicht
+ The original text had "h. h.".
+
+Section 46:
+
+zweisäurige und dreisäurige Basen
+ The original text had "Blasen".
+
+
+NOTES:
+
+Section 1. Note 2:
+Observe that this sentence begins with a verb, but is not a question,
+nor a command; also that the next clause begins with +so+. Under these
+circumstances supply _it_ at the beginning.
+
+ Lines were mixed up in the original and "circumstances" was printed as
+ "circumstnces".
+
+Section 6. Note 7:
++der Peripheriewinkel+
+
+ The original text had "Peripheriwinkel".
+
+Section 21 Note 9:
++unmittelbar+: directly.
+
+ The original text had "directliy".
+
+Section 31 Note 1:
++dadurch, dass man+
+
+ The original text had "das".
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's German Science Reader, by Charles F. Kroeh
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMAN SCIENCE READER ***
+
+***** This file should be named 22627-8.txt or 22627-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+Produced by Barbara Tozier, Constanze Hofmann, Bill Tozier
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+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
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+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
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+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
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+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
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+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
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+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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