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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 04:52:33 -0700 |
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diff --git a/18101-h/18101-h.htm b/18101-h/18101-h.htm new file mode 100644 index 0000000..d0adfec --- /dev/null +++ b/18101-h/18101-h.htm @@ -0,0 +1,1225 @@ +<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> +<html> +<head> +<title>Goethe Introduction to Life of Schiller</title> +<meta http-equiv = "Content-Type" content = "text/html; charset=UTF-8"> + + +<style type = "text/css"> + +body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;} +td {vertical-align: top;} +em {font-style: normal; letter-spacing: .2em;} + +hr {width: 80%; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em;} +hr.divider {width: 60%; margin-top: 2em; margin-bottom: 2em;} +hr.mid {width: 40%;} +hr.tiny {width: 20%;} + +p, div, blockquote {margin-top: .5em; margin-bottom: 0em; line-height: +1.2;} + +h1, h2, h3, h4, h5, h6 {text-align: center; font-style: normal; +font-weight: normal; margin-top: .5em; margin-bottom: .5em;} + +h1 {font-size: 200%;} +h2 {font-size: 150%;} +h3 {font-size: 125%;} +h4 {font-size: 115%;} +h5 {font-size: 100%;} +h6 {font-size: 90%;} +.extended {letter-spacing: 0.3em;} + +p.illustration {text-align: center; margin-top: 1em; margin-bottom: +1em;} +.space {margin-top: 1em;} +.nospace {margin-top: 0em;} +.hanging {margin-left: 2em; text-indent: -2em;} +.inset1 {padding-left: 2em;} +.inset2 {padding-left: 4em;} + +.pagenum {position: absolute; right: 4%; font-size: 95%; +font-weight: normal; font-style: normal; text-align: right; +text-indent: 0em;} +ins.correction {text-decoration: none; border-bottom: thin dotted red;} +.mynote {background-color: #DDE; color: #000; padding: .5em; +margin: 1em 5em; font-family: sans-serif; font-size: 95%;} + +</style> +</head> + +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of The Life of Friedrich Schiller, by +Johann Wolfgang von Goethe and Thomas Carlyle + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: The Life of Friedrich Schiller + Introduction to German Translation + +Author: Johann Wolfgang von Goethe and Thomas Carlyle + +Release Date: April 2, 2006 [EBook #18101] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK THE LIFE OF FRIEDRICH SCHILLER *** + + + + +Produced by Louise Hope, Thierry Alberto and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + +<div class = "mynote"> +A few typographical errors have been corrected. They have been +marked in the text with <ins class = "correction" title = +"like this">mouse-hover popups</ins>. +</div> +<br> +<br> + +<p class = "illustration"> +<span class = "pagenum">387</span> +<img src = "images/GermanCover.jpg" width = "423" height = "630" +alt = "cover of book with distant view of Carlyle's house"> +</p> + +<hr class = "divider"> + +<span class = "pagenum">389</span> + +<h3>Thomas Carlyle</h3> + +<h1><span class = "extended">Leben Schiller</span>s,</h1> + +<h4><span class = "extended">aus dem Englische</span>n;</h4> + +<h6 class = "extended">eingeleitet</h6> + +<h6>durch</h6> + +<h3><span class = "extended">Goeth</span>e.</h3> + +<hr class = "tiny"> +<hr class = "mid"> + +<h5>Frankfurt am Main, 1830.</h5> +<h6><span class = "extended">Verlag von Heinrich Wilman</span>s.</h6> + +<hr class = "divider"> + +<span class = "pagenum">391</span> + +<h6 class = "extended">Der hochansehnlichen</h6> + +<h3 class = "extended">Gesellschaft</h3> + +<h6>für ausländische</h6> + +<h4><span class = "extended">schöne Literatu</span>r,</h4> + +<h6>zu</h6> + +<h5><span class = "extended">Berli</span>n.</h5> + +<hr class = "divider"> + +<p> +<span class = "pagenum">393</span> +Als gegen Ende des vergangenen Jahres ich die angenehme Nachricht +erhielt, dass eine mir freundlich bekannte Gesellschaft, welche bisher +ihre Aufmerksamkeit inländischer Literatur gewidmet hatte, nunmehr +dieselbe auf die ausländische zu wenden gedenke, konnte ich in meiner +damaligen Lage nicht ausführlich und gründlich genug darlegen, wie sehr +ich ein Unternehmen, bey <ins class = "correction" title = +"so im Original: ‘welchem’?">welchen</ins> man auch meiner auf das +geneigteste gedacht hatte, zu schätzen wisse.</p> + +<p> +Selbst mit gegenwärtigem öffentlichen Ausdruck meines dankbaren Antheils +geschieht nur fragmentarisch was ich im bessern Zusammenhang zu +überliefern gewünscht hätte. Ich will aber auch das wie es mir vorliegt +nicht zurückweisen, indem ich meinen Hauptzweck dadurch zu erreichen +hoffe, dass ich nämlich meine Freunde mit einem Manne in Berührung +bringe, welchen ich unter diejenigen zähle, die in späteren Jahren sich +an mich thätig angeschlossen, mich +<span class = "pagenum">394</span> +durch eine mitschreitende Theilnahme zum Handeln und Wirken +aufgemuntert, und durch ein edles, reines wohlgerichtetes Bestreben +wieder selbst verjüngt, mich, der ich sie heranzog, mit sich fortgezogen +haben. Es ist der Verfasser des hier übersetzten Werkes, Herr <em>Thomas +Carlyle</em>, ein Schotte, von dessen Thätigkeit und Vorzügen, so wie +von dessen näheren Zuständen nachstehende Blätter ein Mehreres eröffnen +werden.</p> + +<p> +Wie ich denselben und meine Berliner Freunde zu kennen glaube, so wird +zwischen ihnen und ihm eine frohe wirksame Verbindung sich einleiten und +beide Theile werden, wie ich hoffen darf, in einer Reihe von Jahren sich +dieses Vermächtnisses und seines fruchtbaren Erfolges zusammen erfreuen, +so dass ich ein fortdauerndes Andenken, um welches ich hier schliesslich +bitten möchte, schon als dauernd gegönnt, mit anmuthigen Empfindungen +voraus geniessen kann.</p> + +<p align = "right"> +in treuer Anhänglichkeit und Theilnahme.</p> + +<p class = "inset1"> +Weimar April</p> +<p class = "inset2"> +1830.</p> + +<p align = "right"> +<em>J. W. v. Goethe.</em></p> + +<hr class = "divider"> + +<p> +<span class = "pagenum">395</span> +Es ist schon einige Zeit von einer allgemeinen Weltliteratur die Rede +und zwar nicht mit Unrecht: denn die sämmtlichen Nationen, in den +fürchterlichsten Kriegen durcheinander geschüttelt, sodann wieder auf +sich selbst einzeln zurückgeführt, hatten zu bemerken, dass sie manches +Fremde gewahr worden, in sich aufgenommen, bisher unbekannte geistige +Bedürfnisse hie und da empfunden. Daraus entstand das Gefühl +nachbarlicher Verhältnisse, und anstatt dass man sich bisher +zugeschlossen hatte, kam der Geist nach und nach zu dem Verlangen, auch +in den mehr oder weniger freyen geistigen Handelsverkehr mit aufgenommen +zu werden.</p> + +<p> +Diese Bewegung währt zwar erst eine kurze Weile, aber doch immer lang +genug, um schon einige Betrachtungen darüber anzustellen, und aus ihr +bald möglichst, wie man es im Waarenhandel ja auch thun muss, Vortheil +und Genuss zu gewinnen.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Gegenwärtiges, zum Andenken <em>Schillers</em>, geschriebene Werk kann, +übersetzt, für uns kaum etwas Neues bringen; +<span class = "pagenum">396</span> +der Verfasser nahm seine Kenntnisse aus Schriften, die uns längst +bekannt sind, so wie denn auch überhaupt die hier verhandelten +Angelegenheiten bey uns öfters durchgesprochen und durchgefochten +worden.</p> + +<p> +Was aber den Verehrern <em>Schillers</em>, und also einem jeden +Deutschen, wie man kühnlich sagen darf, höchst erfreulich seyn muss, +ist: unmittelbar zu erfahren, wie ein zartfühlender, strebsamer, +einsichtiger Mann über dem Meere, in seinen besten Jahren, durch +<em>Schillers</em> Productionen berührt, bewegt, erregt und nun zum +weitern Studium der deutschen Literatur angetrieben worden.</p> + +<p> +Mir wenigstens war es rührend, zu sehen, wie dieser, rein und ruhig +denkende Fremde, selbst in jenen ersten, oft harten, fast rohen +Productionen unsres verewigten Freundes, immer den edlen, wohldenkenden, +wohlwollenden Mann gewahr ward und sich ein Ideal des vortrefflichsten +Sterblichen an ihm auferbauen konnte.</p> + +<p> +Ich halte deshalb dafür dass dieses Werk, als von einem Jüngling +geschrieben, der deutschen Jugend zu empfehlen seyn möchte: denn wenn +ein munteres Lebensalter einen Wunsch haben darf und soll, so ist es +der: in allem Geleisteten das Löbliche, Gute, Bildsame, Hochstrebende, +genug das Ideelle, und selbst in dem nicht Musterhaften, das allgemeine +Musterbild der Menschheit zu erblicken.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Ferner kann uns dieses Werk von Bedeutung seyn, wenn wir ernstlich +betrachten: wie ein fremder Mann die <em>Schillerischen</em> Werke, +denen wir so mannigfaltige Kultur verdanken, auch als Quelle der +seinigen schätzt, verehrt +<span class = "pagenum">397</span> +und dies, ohne irgend eine Absicht, rein und ruhig zu erkennen +giebt.</p> + +<p> +Eine Bemerkung möchte sodann hier wohl am Platze seyn: dass sogar +dasjenige, was unter uns beynahe ausgewirkt hat, nun, gerade in dem +Augenblicke welcher auswärts der deutschen Literatur günstig ist, +abermals seine kräftige Wirkung beginne und dadurch zeige, wie es auf +einer gewissen Stufe der Literatur immer nützlich und wirksam seyn +werde.</p> + +<p> +So sind z. B. <em>Herders</em> Ideen bey uns dergestalt in die +Kenntnisse der ganzen Masse übergegangen, dass nur wenige, die sie +lesen, dadurch erst belehrt werden, weil sie, durch hundertfache +Ableitungen, von demjenigen was damals von grosser Bedeutung war, in +anderem Zusammenhange schon völlig unterrichtet worden. Dieses Werk ist +vor kurzem ins Französische übersetzt; wohl in keiner andern +Ueberzeugung als dass tausend gebildete Menschen in Frankreich sich +immer noch an diesen Ideen zu erbauen haben.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +In Bezug auf das dem gegenwärtigen Bande vorgesetzte Bild sey folgendes +gemeldet: Unser Freund, als wir mit ihm in Verhältniss traten, war +damals in Edinburgh wohnhaft, wo er in der Stille lebend, sich im besten +Sinne auszubilden suchte, und, wir dürfen es ohne Ruhmredigkeit sagen, +in der deutschen Literatur hiezu die meiste Förderniss fand.</p> + +<p> +Später, um sich selbst und seinen redlichen literarischen Studien +unabhängig zu leben, begab er sich, etwa <ins class = "correction" title += "so im Original">zehen</ins> deutsche Meilen südlicher, ein eignes +Besitzthum zu +<span class = "pagenum">398</span> +bewohnen und zu benutzen, in die Grafschaft Dumfries. Hier, in einer +gebirgigen Gegend, in welcher der Fluss Nithe dem nahen Meere zuströmt, +ohnfern der Stadt Dumfries, an einer Stelle welche Craigenputtock +genannt wird, schlug er mit einer schönen und höchst gebildeten +Lebensgefährtin seine ländlich einfache Wohnung auf, wovon treue +Nachbildungen eigentlich die Veranlassung zu gegenwärtigem Vorworte +gegeben haben.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Gebildete Geister, zartfühlende Gemüther, welche nach fernem Guten sich +bestreben, in die Ferne Gutes zu wirken geneigt sind, erwehren sich kaum +des Wunsches, von geehrten, geliebten, weitabgesonderten Personen das +Portrait, sodann die Abbildung ihrer Wohnung, so wie der nächsten +Zustände, sich vor Augen gebracht zu sehen.</p> + +<p> +Wie oft wiederholt man noch heutiges Tags die Abbildung von Petrarch’s +Aufenthalt in Vaucluse, Tasso’s Wohnung in Sorent! Und ist nicht immer +die Bieler Insel, der Schutzort Rousseau’s, ein seinen Verehrern nie +genugsam dargestelltes Local?</p> + +<p> +In eben diesem Sinne hab’ ich mir die Umgebungen meiner entfernten +Freunde im Bilde zu verschaffen gesucht, und ich war um so mehr auf die +Wohnung Hrn. <em>Thomas Carlyle</em> begierig, als er seinen Aufenthalt +in einer fast rauhen Gebirgsgegend unter dem 55ten Grade gewählt +hatte.</p> + +<p> +Ich glaube durch solch eine treue Nachbildung der neulich eingesendeten +Originalzeichnungen gegenwärtiges Buch zu zieren und dem jetzigen +gefühlvollen Leser, vielleicht +<span class = "pagenum">399</span> +noch mehr dem künftigen, einen freundlichen Gefallen zu erweisen und +dadurch, so wie durch eingeschaltete Auszüge aus den Briefen des werthen +Mannes, das Interesse an einer edlen allgemeinen Länder- und +Weltannäherung zu vermehren.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<h4><span class = "extended">Thomas Carlyle an Goeth</span>e.</h4> + +<p align = "right"> +Craigenputtock den 25. Septbr. 1828.</p> + +<p> +“Sie forschen mit so warmer Neigung nach unserem gegenwärtigen +Aufenthalt und Beschäftigung, dass ich einige Worte hierüber sagen muss, +da noch Raum dazu übrig bleibt. Dumfries ist eine artige Stadt, mit etwa +15000 Einwohnern und als Mittelpunct des Handels und der Gerichtsbarkeit +anzusehen eines bedeutenden Districkts in dem schottischen +Geschäftskreis. Unser Wohnort ist nicht darin, sondern 15 Meilen (zwei +Stunden zu reiten) nordwestlich davon entfernt, zwischen den +Granitgebirgen und dem schwarzen Moorgefilde, welche sich westwärts +durch <ins class = "correction" title = "so im Original">Gallovay</ins> +meist bis an die irische See ziehen. In dieser Wüste von Heide und +Felsen stellt unser Besitzthum eine grüne Oase vor, einen Raum von +geackertem, theilweise umzäumten und geschmückten Boden, wo Korn reift +und Bäume Schatten gewähren, obgleich ringsumher von Seemöven und +hartwolligen Schaafen umgeben. Hier, mit nicht geringer Anstrengung, +haben wir für uns eine reine, dauerhafte Wohnung erbaut und +eingerichtet; hier wohnen wir in Ermangelung einer Lehr- oder andern +öffentlichen Stelle, um uns der Literatur zu befleissigen, nach eigenen +Kräften uns damit zu beschäftigen. Wir wünschen +<span class = "pagenum">400</span> +dass unsre Rosen und Gartenbüsche fröhlich heranwachsen, hoffen +Gesundheit und eine friedliche Gemüthsstimmung, um uns zu fordern. Die +Rosen sind freylich zum Theil noch zu pflanzen, aber sie blühen doch +schon in Hoffnung.</p> + +<p> +Zwei leichte Pferde, die uns überall hintragen, und die Bergluft sind +die besten Aerzte für zarte Nerven. Diese tägliche Bewegung, der ich +sehr ergeben bin, ist meine einzige Zerstreuung; denn dieser Winkel ist +der einsamste in Brittanien, sechs Meilen von einer jeden Person +entfernt die mich allenfalls besuchen möchte. Hier würde sich Rousseau +eben so gut gefallen haben, als auf seiner Insel St. Pierre.</p> + +<p> +Fürwahr meine städtischen Freunde schreiben mein Hierhergehen einer +ähnlichen Gesinnung zu und weissagen mir nichts Gutes; aber ich zog +hierher, allein zu dem Zweck meine Lebensweise zu vereinfachen und eine +Unabhängigkeit zu erwerben, damit ich mir selbst treu bleiben könne. +Dieser Erdraum ist unser, hier können wir leben, schreiben und denken +wie es uns am besten däucht, und wenn Zoilus selbst König der Literatur +werden sollte.</p> + +<p> +Auch ist die Einsamkeit nicht so bedeutend, eine Lohnkutsche bringt uns +leicht nach Edinburgh, das wir als unser brittisch Weimar ansehen. Habe +ich denn nicht auch gegenwärtig eine ganze Ladung von französischen, +deutschen, amerikanischen, englischen Journalen und Zeitschriften, von +welchem Werth sie auch seyn mögen, auf den Tischen meiner kleinen +Bibliothek aufgehäuft!</p> + +<p> +Auch an alterthümlichen Studien fehlt es nicht. Von einigen unsrer Höhen +entdeck’ ich, ohngefähr eine Tagereise westwärts, den Hügel, wo Agrikola +und seine +<span class = "pagenum">401</span> +Römer ein Lager zurückliessen; am Fusse desselben war ich geboren, wo +Vater und Mutter noch leben um mich zu lieben. Und so muss man die Zeit +wirken lassen. Doch wo gerath ich hin! Lassen Sie mich noch gestehen, +ich bin ungewiss über meine künftige literarische Thätigkeit, worüber +ich gern Ihr Urtheil vernehmen möchte; gewiss schreiben Sie mir wieder +und bald, damit ich mich immer mit Ihnen vereint fühlen möge.”</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Wir, nach allen Seiten hin wohlgesinnten, nach allgemeinster Bildung +strebenden Deutschen, wir wissen schon seit vielen Jahren die Verdienste +würdiger schottischer Männer zu schätzen. Uns blieb nicht unbekannt, was +sie früher in den Naturwissenschaften geleistet, woraus denn nachher die +Franzosen ein so grosses Uebergewicht erlangten.</p> + +<p> +In der neuern Zeit verfehlten wir nicht den löblichen Einfluss +anzuerkennen, den ihre Philosophie auf die Sinnesänderung der Franzosen +ausübte, um sie von dem starren Sensualism zu einer geschmeidigern +Denkart auf dem Wege des gemeinen Menschenverstandes hinzuleiten. Wir +verdankten ihnen gar manche gründliche Einsicht in die wichtigsten +Fächer brittischer Zustände und Bemühungen.</p> + +<p> +Dagegen mussten wir vor nicht gar langer Zeit unsre ethisch-ästhetischen +Bestrebungen in ihren Zeitschriften auf eine Weise behandelt sehen, wo +es zweifelhaft blieb, ob Mangel an Einsicht oder böser Wille dabey +obwaltete; ob eine oberflächliche, nicht genug durchdringende Ansicht, +<span class = "pagenum">402</span> +oder ein widerwilliges Vorurtheil im Spiele sey. Dieses Ereigniss haben +wir jedoch geduldig abgewartet, da uns ja dergleichen im eignen +Vaterlande zu ertragen genugsam von jeher auferlegt worden.</p> + +<p> +In den letzten Jahren jedoch erfreuen uns aus jenen Gegenden die +liebevollsten Blicke, welche zu erwiedern wir uns verpflichtet fühlen +und worauf wir in gegenwärtigen Blättern unsre wohldenkenden Landsleute, +insofern es nöthig seyn sollte, aufmerksam zu machen gedenken.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Herr <em>Thomas Carlyle</em> hatte schon den <em>Wilhelm Meister</em> +übersetzt und gab sodann vorliegendes Leben <em>Schillers</em> im Jahre +1825 heraus.</p> + +<p> +Im Jahre 1827 erschien <i>German Romances</i> in 4 Bänden, wo er, aus +den Erzählungen und Mährchen deutscher Schriftsteller als: +<em>Musäus</em>, <em>La Motte Fouqué</em>, <em>Tieck</em>, +<em>Hoffmann</em>, <em>Jean Paul</em> und <em>Goethe</em>, heraushob, +was er seiner Nation am gemässesten zu seyn glaubte.</p> + +<p> +Die einer jeden Abtheilung vorausgeschickten Nachrichten von dem Leben, +den Schriften, der Richtung des genannten Dichters und Schriftstellers +geben ein Zeugniss von der einfach wohlwollenden Weise, wie der Freund +sich möglichst von der Persönlichkeit und den Zuständen eines jeden zu +unterrichten gesucht, und wie er dadurch auf den rechten Weg gelangt, +seine Kenntnisse immer mehr zu vervollständigen.</p> + +<p> +In den Edinburgher Zeitschriften, vorzüglich in denen welche eigentlich +fremder Literatur gewidmet sind, finden sich nun, ausser den schon +genannten deutschen Autoren, +<span class = "pagenum">403</span> +auch <em>Ernst Schulz</em>, <em>Klingemann</em>, <em>Franz Horn</em>, +<em>Zacharias Werner</em>, Graf <em>Platen</em> und manche andere, von +verschiedenen Referenten, am meisten aber von unserm Freunde, beurtheilt +und eingeführt.</p> + +<p> +Höchst wichtig ist bey dieser Gelegenheit zu bemerken, dass sie +eigentlich ein jedes Werk nur zum Text und Gelegenheit nehmen, um über +das eigentliche Feld und Fach, so wie alsdann über das besondere +Individuelle, ihre Gedanken zu eröffnen und ihr Gutachten meisterhaft +abzuschliessen.</p> + +<p> +Diese <i>Edinburgh Reviews</i>, sie seyen dem Innern und Allgemeinen, +oder den auswärtigen Literaturen besonders gewidmet, haben Freunde der +Wissenschaften aufmerksam zu beachten; denn es ist höchst merkwürdig, +wie der gründlichste Ernst mit der freysten Uebersicht, ein strenger +Patriotismus mit einem einfachen reinen Freysinn, in diesen Vorträgen +sich gepaart findet.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Geniessen wir nun von dort, in demjenigen was uns hier so nah angeht, +eine reine einfache Theilnahme an unsern ethisch-ästhetischen +Bestrebungen, welche für einen besondern Charakterzug der Deutschen +gelten können, so haben wir uns gleichfalls nach dem umzusehen, was +ihnen dort von dieser Art eigentlich am Herzen liegt. Wir nennen hier +gleich den Namen <em>Burns</em>, von welchem ein Schreiben des Herrn +<em>Carlyle’s</em> folgende Stelle enthält.</p> + +<p> +“Das einzige einigermassen Bedeutende, was ich seit meinem Hierseyn +schrieb, ist ein Versuch über <em>Burns</em>. +<span class = "pagenum">404</span> +Vielleicht habt Ihr niemals von diesem Mann gehört, und doch war er +einer der entschiedensten Genies; aber in der tiefsten Classe der +Landleute geboren und durch die Verwicklungen sonderbarer Lagen zuletzt +jammervoll zu Grunde gerichtet, so dass was er wirkte verhältnissmässig +geringfügig ist; er starb in der Mitte der Manns-Jahre (1796).”</p> + +<p> +“Wir Engländer, besonders wir Schottländer, lieben <em>Burns</em> mehr +als irgend einen Dichter seit Jahrhunderten. Oft war ich von der +Bemerkung betroffen, er sey wenig Monate vor <em>Schiller</em>, in dem +Jahr 1759 geboren und keiner dieser beiden habe jemals des andern Namen +vernommen. Sie glänzten als Sterne in entgegengesetzten Hemisphären, +oder, wenn man will, eine trübe Erdatmosphäre fing ihr gegenseitiges +Licht auf.”</p> + +<p> +Mehr jedoch als unser Freund vermuthen mochte, war uns <em>Robert +Burns</em> bekannt; das allerliebste Gedicht <i>John Barley-Corn</i> war +anonym zu uns gekommen, und verdienter Weise geschätzt, veranlasste +solches manche Versuche unsrer Sprache es anzueignen. <i>Hans +Gerstenkorn</i>, ein wackerer Mann, hat viele Feinde, die ihn unablässig +verfolgen und beschädigen, ja zuletzt gar zu vernichten drohen. Aus +allen diesen Unbilden geht er aber doch am Ende triumphirend hervor, +besonders zu Heil und Fröhlichkeit der leidenschaftlichen Biertrinker. +Gerade in diesem heitern genialischen Anthropomorphismus zeigt sich +<em>Burns</em> als wahrhaften Dichter.</p> + +<p> +Auf weitere Nachforschung fanden wir dieses Gedicht in der Ausgabe +seiner poetischen Werke von 1822, welcher eine Skizze seines Lebens +voransteht, die uns wenigstens +<span class = "pagenum">405</span> +von den Aeusserlichkeiten seiner Zustände bis auf einen gewissen Grad +belehrte. Was wir von seinen Gedichten uns zueignen konnten, überzeugte +uns von seinem ausserordentlichen Talent, und wir bedauerten, dass uns +die Schottische Sprache gerade da hinderlich war, wo er des reinsten +natürlichsten Ausdrucks sich gewiss bemächtigt hatte. Im Ganzen jedoch +haben wir unsre Studien so weit geführt, dass wir die nachstehende +rühmliche Darstellung auch als unsrer Ueberzeugung gemäss unterschreiben +können.</p> + +<p> +Inwiefern übrigens unser <em>Burns</em> auch in Deutschland bekannt sey, +mehr als das Conversations-Lexicon von ihm überliefert, wüsste ich, als +der neuen literarischen Bewegungen in Deutschland unkundig, nicht zu +sagen; auf alle Fälle jedoch gedenke ich die Freunde auswärtiger +Literatur auf die kürzesten Wege zu weisen: <i>The Life of Robert Burns. +By J. G. Lockhart. Edinburgh 1828.</i> rezensirt von unserm Freunde +im <i>Edinburgh Review</i>, December 1828.</p> + +<p> +Nachfolgende Stellen daraus übersetzt, werden den Wunsch, das Ganze und +den genannten Mann auf jede Weise zu kennen, hoffentlich lebhaft +erregen.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +“<em>Burns</em> war in einem höchst prosaischen Zeitalter, dergleichen +Brittanien nur je erlebt hatte, geboren, in den aller ungünstigsten +Verhältnissen, wo sein Geist nach hoher Bildung strebend ihr unter dem +Druck täglich harter körperlicher Arbeit nach zu ringen hatte, ja unter +Mangel und trostlosesten Aussichten auf die Zukunft; ohne Förderniss als +die Begriffe, wie sie in eines armen Mannes Hütte wohnen, und allenfalls +die Reime von Ferguson +<span class = "pagenum">406</span> +und Ramsay, als das Muster der Schönheit aufgesteckt. Aber unter diesen +Lasten versinkt er nicht; durch Nebel und Finsterniss einer so düstern +Region entdeckt sein Adlerauge die richtigen Verhältnisse der Welt und +des Menschenlebens, er wächst an geistiger Kraft und drängt sich mit +Gewalt zu verständiger Erfahrung. Angetrieben durch die unwiderstehliche +Regsamkeit seines inneren Geistes strauchelt er vorwärts und zu +allgemeinen Ansichten, und mit stolzer Bescheidenheit reicht er uns die +Frucht seiner Bemühungen, eine Gabe dar, welche nunmehr durch die Zeit +als unvergänglich anerkannt worden.”</p> + +<p> +“Ein wahrer Dichter, ein Mann in dessen Herzen die Anlage eines reinen +Wissens keimt, die Töne himmlischer Melodien vorklingen, ist die +köstlichste Gabe, die einem Zeitalter mag verliehen werden. Wir sehen in +ihm eine freyere, reinere Entwicklung alles dessen was in uns das +Edelste zu nennen ist; sein Leben ist uns ein reicher Unterricht und wir +betrauern seinen Tod als eines Wohlthäters, der uns liebte so wie +belehrte.”</p> + +<p> +“Solch eine Gabe hat die Natur in ihrer Güte uns an <em>Robert +Burns</em> gegönnt; aber mit allzuvornehmer Gleichgültigkeit warf sie +ihn aus der Hand als ein Wesen ohne Bedeutung. Es war entstellt und +zerstört ehe wir es anerkannten, ein ungünstiger Stern hatte dem +Jüngling die Gewalt gegeben, das menschliche Daseyn ehrwürdiger zu +machen, aber ihm war eine weisliche Führung seines eigenen nicht +geworden. Das Geschick—denn so müssen wir in unserer +Beschränktheit reden—seine Fehler, die Fehler der Andern lasteten +zu schwer auf ihm, und dieser Geist, der sich erhoben hatte, wäre +<span class = "pagenum">407</span> +es ihm nur zu wandern geglückt, sank in den Staub; seine herrlichen +Fähigkeiten wurden in der Blüthe mit Füssen getreten. Er starb, wir +dürfen wohl sagen, ohne jemals gelebt zu haben. Und so eine freundlich +warme Seele, so voll von eingebornen Reichthümern, solcher Liebe zu +allen lebendigen und leblosen Dingen! Das späte Tausendschönchen fällt +nicht unbemerkt unter seine Pflugschar, so wenig als das wohlversorgte +Nest der furchtsamen Feldmaus, das er hervorwühlt. Der wilde Anblick des +Winters ergötzt ihn; mit einer trüben, oft wiederkehrenden Zärtlichkeit, +verweilt er in diesen ernsten Scenen der Verwüstung; aber die Stimme des +Windes wird ein Psalm in seinem Ohr; wie gern mag er in den sausenden +Wäldern dahin wandern: denn er fühlt seine Gedanken erhoben zu dem, der +auf den Schwingen des Windes einherschreitet. Eine wahre Poetenseele! +sie darf nur berührt werden und ihr Klang ist Musik.”</p> + +<p> +“Welch ein warmes allumfassendes Gleichheitsgefühl! welche +vertrauenvolle, gränzenlose Liebe! welch edelmüthiges Ueberschätzen des +geliebten Gegenstandes! Der Bauer, sein Freund, sein nussbraunes Mädchen +sind nicht länger gering und dörfisch, Held vielmehr und Königin, er +rühmt sie als gleich würdig des Höchsten auf der Erde. Die rauhen Scenen +schottischen Lebens sieht er nicht im arkadischen Lichte, aber in dem +Rauche, in dem unebenen Tennenboden einer solchen rohen Wirthlichkeit +findet er noch immer Liebenswürdiges genug. Armuth fürwahr ist sein +Gefährte, aber auch Liebe und Muth zugleich; die einfachen Gefühle, der +Werth, der Edelsinn, welche unter dem Strohdach wohnen, sind lieb und +ehrwürdig +<span class = "pagenum">408</span> +seinem Herzen. Und so über die niedrigsten Regionen des menschlichen +Daseyns ergiesst er die Glorie seines eigenen Gemüths und sie steigen, +durch Schatten und Sonnenschein gesänftigt und verherrlicht, zu einer +Schönheit, welche sonst die Menschen kaum in dem Höchsten +erblicken.”</p> + +<p> +“Hat er auch ein Selbstbewusstseyn, welches oft in Stolz ausartet, so +ist es ein edler Stolz, um abzuwehren, nicht um anzugreifen, kein kaltes +misslaunisches Gefühl, ein freyes und geselliges. Dieser poetische +Landmann beträgt sich, möchten wir sagen, wie ein König in der +Verbannung; er ist unter die Niedrigsten gedrängt und fühlt sich gleich +den Höchsten; er verlangt keinen Rang, damit man ihm keinen streitig +mache. Den Zudringlichen kann er abstossen, den Stolzen demüthigen, +Vorurtheil auf Reichthum oder Altgeschlecht haben bey ihm keinen Werth. +In diesem dunklen Auge ist ein Feuer, woran sich eine abwürdigende +Herablassung nicht wagen darf; in seiner Erniedrigung, in der äussersten +Noth vergisst er nicht für einen Augenblick die Majestät der Poesie und +Mannheit. Und doch, so hoch er sich über gewöhnlichen Menschen fühlt, +sondert er sich nicht von ihnen ab, mit Wärme nimmt er an ihrem +Interesse Theil, ja er wirft sich in ihre Arme und, wie sie auch seyen, +bittet er um ihre Liebe. Es ist rührend zu sehen, wie in den düstersten +Zuständen dieses stolze Wesen in der Freundschaft Hülfe sucht, und oft +seinen Busen dem Unwürdigen aufschliesst; oft unter Thränen an sein +glühendes Herz ein Herz andrückt, das Freundschaft nur als Namen kennt. +Doch war er scharf und schnellsichtig, ein Mann vom durchdringendsten +<span class = "pagenum">409</span> +Blick, vor welchem gemeine Verstellung sich nicht bergen konnte. Sein +Verstand sah durch die Tiefen des vollkommensten Betrügers, und zugleich +war eine grossmüthige Leichtgläubigkeit in seinem Herzen. So zeigte sich +dieser Landmann unter uns: Eine Seele wie Aeolsharfe, deren Saiten vom +gemeinsten Winde berührt, ihn zu gesetzlicher Melodie verwandelten. Und +ein solcher Mann war es für den die Welt kein schicklicher Geschäft zu +finden wusste, als sich mit Schmugglern und Schenken herumzuzanken, +Accise auf den Talg zu berechnen und Bierfässer zu visiren. In solchem +Abmühen ward dieser mächtige Geist kummervoll vergeudet, und hundert +Jahre mögen vorüber gehen, eh uns ein gleicher gegeben wird, um +vielleicht ihn abermals zu vergeuden.”</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Und wie wir den Deutschen zu ihrem <em>Schiller</em> Glück wünschen, so +wollen wir in eben diesem Sinne auch die Schottländer segnen. Haben +diese jedoch unserm Freunde so viel Aufmerksamkeit und Theilnahme +erwiesen, so wär’ es billig, dass wir auf gleiche Weise ihren +<em>Burns</em> bey uns einführten. Ein junges Mitglied der hochachtbaren +Gesellschaft, der wir gegenwärtiges im Ganzen empfohlen haben, wird Zeit +und Mühe höchlich belohnt sehen, wenn er diesen freundlichen Gegendienst +einer so verehrungswürdigen Nation zu leisten den Entschluss fassen und +das Geschäft treulich durchführen will. Auch wir rechnen den belobten +<em>Robert Burns</em> zu den ersten Dichtergeistern, welche das +vergangene Jahrhundert hervorgebracht hat.</p> + +<p> +<span class = "pagenum">410</span> +Im Jahr 1829 kam uns ein sehr sauber und augenfällig gedrucktes +Octavbändchen zur Hand: <i>Catalogue of German Publications, selected +and systematically arranged for W. H. Koller and Jul. Cahlmann. +London.</i></p> + +<p> +Dieses Büchlein, mit besonderer Kenntniss der deutschen Literatur, in +einer die Uebersicht erleichternden Methode verfasst, macht demjenigen +der es ausgearbeitet und den Buchhändlern Ehre, welche ernstlich das +bedeutende Geschäft übernehmen eine fremde Literatur in ihr Vaterland +einzuführen, und zwar so dass mann in allen Fächern übersehen könne was +dort geleistet worden, um so wohl den Gelehrten den denkenden Leser als +auch den fühlenden und Unterhaltung suchenden anzulocken und zu +befriedigen. Neugierig wird jeder deutsche Schriftsteller und Literator, +der sich in irgend einem Fache hervorgethan, diesen Catalog aufschlagen +um zu forschen: ob denn auch seiner darin gedacht, seine Werke, mit +andern Verwandten, freundlich aufgenommen worden. Allen deutschen +Buchhändlern wird es angelegen seyn zu erfahren: wie man ihren Verlag +über dem Canal betrachte, welchen Preis man auf das Einzelne setze und +sie werden nichts verabsäumen um mit jenen die Angelegenheit so +ernsthaft angreifenden Männern in Verhältniss zu kommen, und dasselbe +immerfort lebendig erhalten.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Wenn ich nun aber das von unserm Schottischen Freunde vor soviel Jahren +verfasste Leben <em>Schillers</em>, auf das er mit einer ihm so wohl +anstehenden Bescheidenheit zurücksieht, hiedurch einleite und +gegenwärtig an +<span class = "pagenum">411</span> +den Tag fördere, so erlaube er mir einige seiner neusten Aeusserungen +hinzuzufügen, welche die bisherigen gemeinsamen Fortschritte am besten +deutlich machen möchten.</p> + +<hr class = "tiny"> + + +<h4><span class = "extended">Thomas Carlyle an Goeth</span>e.</h4> + +<p align = "right"> +den 22. December 1829.</p> + +<p> +“Ich habe zu nicht geringer Befriedigung zum zweitenmale den +<em>Briefwechsel</em> gelesen und sende heute einen darauf gegründeten +Aufsatz über <em>Schiller</em> ab für das <i>Foreign Review</i>. Es wird +Ihnen angenehm seyn zu hören, dass die Kentniss und Schätzung der +auswärtigen, besonders der deutschen Literatur, sich mit wachsender +Schnelle verbreitet so weit die englische Zunge herrscht; so dass bey +den Antipoden, selbst in Neuholland, die Weisen Ihres Landes ihre +Weisheit predigen. Ich habe kürzlich gehört, dass sogar in Oxford und +Cambridge, unsern beiden englischen Universitäten, die bis jetzt als die +Haltpuncte der insularischen eigenthümlichen Beharrlichkeit sind +betrachtet worden, es sich in solchen Dingen zu regen anfängt. Ihr +<em>Niebuhr</em> hat in Cambridge einen geschickten Uebersetzer gefunden +und in Oxford haben zwei bis drei Deutsche schon hinlängliche +Beschäftigung als Lehrer ihrer Sprache. Das neue Licht mag für gewisse +Augen zu stark seyn; jedoch kann Niemand an den guten Folgen zweifeln, +die am Ende daraus hervorgehen werden. Lasst Nationen wie Individuen +sich nur einander kennen und der gegenseitige Hass wird sich in +gegenwärtige Hülfleistung verwandeln, und anstatt +<span class = "pagenum">412</span> +natürlicher Feinde, wie benachbarte Länder zuweilen genannt sind, werden +wir alle natürliche Freunde seyn.”</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p> +Wenn uns nach allen diesem nun die Hoffnung schmeichelt, eine +Uebereinstimmung der Nationen, ein allgemeineres Wohlwollen werde sich +durch nähere Kentniss der verschiedenen Sprachen und Denkweisen, nach +und nach erzeugen; so wage ich von einem bedeutenden Einfluss der +deutschen Literatur zu sprechen, welcher sich in einem besondern Falle +höchst wirksam erweisen möchte.</p> + +<p> +Es ist nämlich bekannt genug, dass die Bewohner der drei brittischen +Königreiche nicht gerade in dem besten Einverständnisse leben, sondern +dass vielmehr ein Nachbar an dem andern genugsam zu tadeln findet, um +eine heimliche Abneigung bey sich zu rechtfertigen.</p> + +<p> +Nun aber bin ich überzeugt, dass wie die deutsche ethisch-ästhetische +Literatur durch das dreifache Brittanien sich verbreitet, zugleich auch +eine stille Gemeinschaft von <em>Philogermanen</em> sich bilden werde, +welche in der Neigung zu einer vierten, so nahverwandten Völkerschaft, +auch unter einander, als vereinigt und verschmolzen sich empfinden +werden.</p> + +<hr class = "divider"> + +<hr class = "tiny"> + +<span class = "pagenum">413</span> +<h4><span class = "extended">Schillers Lebe</span>n.</h4> + +<hr class = "tiny"> + +<h5><span class = "extended">Erster Abschnit</span>t.</h5> + +<hr class = "tiny"> + +<h5><span class = "extended">Seine Jugend</span> (1759-1784.)</h5> + +<p> +Unter allen Schriftstellern ist am Schluss des letzten Jahrhunderts wohl +keiner der Aufmerksamkeit würdiger, als <em>Friedrich Schiller</em>. +Ausgezeichnet durch glänzenden Geist, erhabenes Gefühl und edlen <ins +class = "correction" title = "original: Geschmach">Geschmack</ins>, +liess er den schönsten Abdruck dieser selten vereinigten Eigenschaften +in seinen Werken zurück. Der ausgebreitete Ruhm, welcher ihm dadurch +geworden, ..........</p> + +<p> +.... es sind neue Formen der Wahrheiten, neue Grundsätze der Weisheit, +neue Bilder und Scenen der Schönheit, die er dem leeren formlosen +unendlichen Raum abgenommen; zum <span title = +"Greek: ktêma eis aei">κτῆμα εἰς ἀεὶ</span> oder zum ewigen Eigenthum +aller Geschlechter dieses Erdballs. [s. 301.]</p> + +<p> +.......... die unsere Literatur, so reich sie auch schon an sich ist, +noch ungleich mehr bereichern würde. [<i>Anhang</i>, s. 54.]</p> + +<hr class = "divider"> + +<p class = "illustration"> +<span class = "pagenum"><ins class = "correction" title = +"section moved from beginning of text">383</ins></span> +<img src = "images/SchillerHouse.jpg" width = "403" height = "592" +alt = "Schiller's house in Weimar" title = "Schiller's house"> +</p> + +<hr class = "tiny"> + +<span class = "pagenum">384</span> +<h4>Nähere Bezeichnung der dargestellten Lokalitäten.</h4> + +<hr class = "tiny"> + +<p class = "hanging"> +Titelkupfer, Thomas Carlyles Wohnung in der Graffschaft Dumfries, des +südlichen Schottlands.</p> + +<p class = "hanging"> +Titel-Vignette, dieselbe in der Ferne.</p> + +<p class = "hanging"> +Vorderseite des Umschlags, Wohnung Schillers in Weimar.</p> + +<p class = "hanging"> +Rückseite des Umschlags, einsames Häuschen in Schillers Garten, über der +Jenaischen Leutra, von ihm selbst errichtet; wo er in vollkommenster +Einsamkeit manches, besonders Maria Stuart schrieb. Nach seiner +Entfernung und erfolgtem Scheiden, trug man es ab, wegen +Wandelbarkeit, und man gedachte hier das Andenken desselben zu +erhalten.</p> + +<hr class = "tiny"> + +<p class = "illustration"> +<span class = "pagenum">385</span> +<img src = "images/CarlyleHouse.jpg" width = "523" height = "321" +alt = "view of Carlyle's house" title = "Carlyle's house"> +</p> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of The Life of Friedrich Schiller, by +Johann Wolfgang von Goethe and Thomas Carlyle + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK THE LIFE OF FRIEDRICH SCHILLER *** + +***** This file should be named 18101-h.htm or 18101-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/1/8/1/0/18101/ + +Produced by Louise Hope, Thierry Alberto and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. 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