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+The Project Gutenberg EBook of Moni der Geissbub, by Johanna Spyri
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+Title: Moni der Geissbub
+
+Author: Johanna Spyri
+
+Release Date: February, 2006 [EBook #9860]
+[This file was first posted on October 25, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: US-ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MONI DER GEISSBUB ***
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+E-text prepared by Delphine Lettau
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+This Etext is in German.
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+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
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+This is the 7-bit version.
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
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+Moni der Geissbub
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+Erzaehlung
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+Johanna Spyri
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+1. Kapitel
+
+Der Moni fuehlt sich wohl
+
+
+Um zu dem Badehaus Fideris zu gelangen, muss man steil und lang die
+Hoehe hinaufsteigen, nachdem man die Strasse verlassen hat, die sich
+durch das lange Tal des Praettigau nach oben schlaengelt. So muehsam
+keuchen dann die Pferde den Berg hinauf, dass man lieber aussteigt und
+zu Fuss die gruene Hoehe erreicht.
+
+Nach einem laengeren Anstieg kommt man erst zum Dorf Fideris, das auf
+der freundlichen, gruenen Anhoehe liegt. Von da geht es weiter in die
+Berge hinein, bis das einsame Gebaeude des Badeortes auftaucht, ueberall
+von felsigen Hoehen umgeben. Dort oben wachsen nur noch Tannen, die
+die Hoehen und Felsen ringsum bedecken. Es saehe alles ziemlich duester
+aus, wenn nicht ueberall aus dem niederen Weidegras die schoenen
+Bergbluemchen mit ihren glaenzenden Farben hervorguckten.
+
+An einem hellen Sommerabend traten zwei Damen aus dem Badehaus und
+gingen auf dem schmalen Fussweg dahin, der unweit des Hauses beginnt
+und bald sehr steil bis zu den hoch anfragenden Felsen hinaufsteigt.
+An dem ersten Vorsprung blieben sie stehen und schauten um sich, denn
+sie waren eben erst in dem Bad angekommen.
+
+"Lustig ist's nicht hier oben, Tante", sagte jetzt die Juengere, indem
+sie die Landschaft betrachtete. "Lauter Felsen und Tannenwaelder und
+dann wieder ein Berg und noch einmal Tannen darauf. Wenn wir sechs
+Wochen hier bleiben sollen, dann wollte ich, es waere hier und da auch
+noch etwas Lustigeres zu sehen."
+
+"Lustig wird's jedenfalls nicht sein, wenn du hier oben dein
+Brillantenkreuz verlierst, Paula", entgegnete die Tante, waehrend sie
+das rote Samtband zusammenknuepfte, an dem das funkelnde Kreuz hing.
+"Es ist das drittemal, dass ich das Band festmache, seit wir angekommen
+sind. Ich weiss nicht, wo es fehlt, ob an dir oder an dem Band, aber
+das weiss ich, dass du jammern wirst, wenn es verloren ist."
+
+"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht
+verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Grossmutter und ist
+mein groesster Schatz!"
+
+Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein,
+damit es festhalte. Ploetzlich spitzte sie die Ohren. "Hoer, hoer,
+Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges."
+
+Hoch oben erscholl ein froehlicher Gesang. Zwischendurch kam ein
+langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen
+schauten aufwaerts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der
+Fussweg ging in grossen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebuesch und
+wieder zwischen vorstehenden Bergabhaengen durch, so dass man von unten
+immer nur kurze Stueckchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es
+ploetzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo
+der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und naeher
+toente der Gesang.
+
+"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit
+grossem Vergnuegen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier
+Geissen in Spruengen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte
+ein Gloecklein am Hals. Die laeuteten von allen Seiten her, und mitten
+in einem Rudel kam der Geissbub herabgesprungen und sang eben noch sein
+Lied zu Ende:
+
+"Und im Winter bleib ich froehlich,
+Weil's Weinen nichts nuetzt,
+Und weil ihm sowieso der Fruehling
+Auf den Fersen schon sitzt."
+
+
+Dann liess er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand
+er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Fuessen
+sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen.
+
+"Guten Abend wuensche ich", sagte er, indem er die beiden lustig
+anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geissbub mit den
+froehlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula,
+"bist du der Geissbub von Fideris? Hast du Geissen aus dem Dorf unten?"
+
+"Ja natuerlich", war die Antwort.
+
+"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?"
+
+"Ja freilich."
+
+"So, so, und wie heisst du denn?"
+
+"Moni heisse ich."
+
+"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast?
+Wir haben erst einen Vers gehoert."
+
+"Das ist zu lang", erklaerte Moni, "es wird zu spaet fuer die Geissen, sie
+muessen heim." Er rueckte sein altes Huetchen zurecht, schwang seine Rute
+in der Luft und rief den Geissen zu, die schon ueberall zu nagen
+angefangen hatten: "Heim! Heim!"
+
+"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm
+Paula nach.
+
+"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurueck, setzte sich nun mit
+den Geissen in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten,
+wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebaeude still. Denn hier
+hatte Moni die Geissen, die zum Haus gehoerten, die schoene weisse und die
+schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte
+letzteres mit groesster Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und
+er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhaenglich, dass es
+ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zaertlich
+zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So,
+Maeggerli, nun schlaf gut, du bist muede. Es ist sehr weit bis dort
+hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin,
+siehst du, so in das gute Stroh hinein."
+
+Nachdem er so das Maeggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig
+weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Huegel hinauf und
+dann die Strasse hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hoernchen vor
+den Mund und blies so gewaltig hinein, dass es droehnte bis weit ins Tal
+hinab. Von allen verstreuten Hoefen her kamen jetzt die Kinder
+gelaufen, jedes stuerzte auf seine Geiss, die es aus der Ferne schon
+kannte. Und von den nahen Haeusern her kam hier eine Frau und dort
+eine, fasste ihr Geisslein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit
+war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an
+seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen,
+seiner eigenen Geiss, und mit ihr ging er zu dem Haeuschen am Bergabhang,
+wo schon die Grossmutter ihn in der Tuer erwartete.
+
+"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, fuehrte dann die
+Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Grossmutter
+war noch eine ruestige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im
+Stall und hielt ueberall Ordnung. Moni stand in der Stalltuer und
+schaute der Grossmutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins
+Haeuschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben."
+
+Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an
+den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine
+Schuessel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so liess sich's
+Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzaehlte er der Grossmutter, was
+er den Tag ueber erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte,
+zog er sich auf sein Lager zurueck, denn er musste sich ja frueh am
+Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen.
+
+Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon
+war er Geissbub. Er war jetzt so an dieses Leben gewoehnt und mit
+seinen Tierchen verbunden, dass er sich's gar nicht anders denken
+konnte. Mit seiner Grossmutter lebte Moni zusammen, solange er sich
+besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein
+war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach
+Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller.
+
+Die Mutter seiner Frau war auch arm, aber sie nahm auf der Stelle das
+verlassene Bueblein ihrer Tochter, den kleinen Salomon, zu sich und
+teilte mit ihm, was sie hatte. Es lag auch ein Segen auf ihrem
+Haeuschen, und noch nie hatte sie Not leiden muessen.
+
+Die brave, alte Elsbeth war auch im ganzen Dorf beliebt, und als vor
+zwei Jahren ein anderer Geissbub ausgewaehlt wurde, da fielen alle
+Stimmen einstimmig auf den Moni. Denn jeder goennte es der arbeitsamen
+Elsbeth, dass nun Moni auch etwas verdienen konnte. Die fromme
+Grossmutter hatte den Moni keinen Morgen weggehen lassen, ohne dass sie
+ihm sagte: "Moni, vergiss nicht, wie nah du dort oben dem lieben Gott
+bist und dass er alles sieht und hoert. Du kannst vor seinen Augen
+nichts verbergen. Aber vergiss auch nicht, dass er in deiner Naehe ist,
+um dir zu helfen. Daher musst du dich nie fuerchten, und wenn du dort
+oben keine Menschen herbeirufen kannst, rufe du nur zum lieben Gott in
+der Not, er hoert dich gleich und kommt dir zur Hilfe."
+
+So zog Moni von Anfang an voller Zuversicht auf die einsamen Hoehen und
+die hoechsten Felsen und hatte nie die leiseste Furcht noch Schrecken,
+denn er dachte immer: Je hoeher hinauf, desto naeher bin ich beim lieben
+Gott und desto sicherer in allem, was mir begegnen kann. So hatte
+Moni weder Sorge noch Kummer und konnte sich freuen an allem, was er
+erlebte vom Morgen bis zum Abend. Und es war kein Wunder, dass er
+immer pfiff und sang und jodelte, denn er musste seiner grossen
+Froehlichkeit Luft machen.
+
+
+
+2. Kapitel
+
+Monis Leben auf dem Berg
+
+
+Am folgenden Morgen erwachte Paula so frueh wie sonst nie, ein lauter
+Gesang hatte sie aus dem Schlaf geweckt. "Da ist gewiss schon der
+Geissbub", sagte sie, sprang aus dem Bett und lief ans Fenster.
+
+Richtig, mit frischen, roten Backen stand der Moni im Hof und hatte
+eben die alte Geiss und das Zicklein aus dem Stall geholt. Jetzt
+schwang er seine Rute in der Luft, die Geissen huepften und sprangen um
+ihn herum, und nun ging's vorwaerts mit der ganzen Schar. Und
+ploetzlich erhob Moni seine Stimme wieder und sang, dass es von den
+Bergen widerhallte:
+
+"Dort droben in den Tannen
+Singen die Voegel im Chor,
+Und hat's eine Weile geregnet,
+Kommt die Sonne wieder vor."
+
+
+"Heute muss er mir einmal sein ganzes Lied singen", sagte Paula, denn
+jetzt war Moni verschwunden, und sie konnte seinen fernen Gesang nicht
+mehr verstehen.
+
+Am Himmel zogen noch die roten Morgenwolken dahin, und ein frischer
+Bergwind rauschte dem Moni um die Ohren, als er berganstieg. Das war
+ihm gerade recht. Vor Wohlbehagen jodelte er vom ersten Bergvorsprung
+so gewaltig ins Tal hinab, dass mancher Schlaefer unten im Badehaus
+erstaunt die Augen aufschlug. Er machte sie aber gleich wieder zu,
+denn er kannte den Ton und wusste, dass er nun noch ein Stuendchen Schlaf
+zugeben konnte, denn der Geissbub kam immer so frueh. Inzwischen
+kletterte Moni mit seinen Geissen eine Stunde lang weiter und weiter
+hinauf, bis hoch zu den Felsen.
+
+Immer weiter und immer schoener war es um den Moni geworden, je hoeher
+er hinaufkam. Von Zeit zu Zeit guckte er um sich, dann schaute er zu
+dem hellen Himmel auf, der nun immer blauer wurde. Dann fing er aus
+vollem Hals zu singen an, immer lauter und immer froehlicher, je hoeher
+er kam:
+
+ Dort droben in den Tannen
+ Singen die Voegel im Chor,
+ Und hat's eine Weile geregnet,
+ Kommt die Sonne wieder vor.
+
+ Und die Sonne und die Sterne
+ Und den Mond bei der Nacht,
+ Die hat der liebe Gott uns
+ Zur Freude gemacht.
+
+ Im Fruehling gibt's Blumen,
+ Die sind gelb und sind rot,
+ Und so blau ist der Himmel,
+ Und ich freu mich fast zu Tod.
+
+ Und im Sommer gibt's Beeren,
+ Und geht's gut, so gibt's viel,
+ Und die roten und die schwarzen,
+ Ess ich alle vom Stiel.
+
+ Hat's im Hag wieder Nuesse,
+ So weiss ich wie's tut,
+ Wo die Geissen gern nagen,
+ Sind die Kraeutlein auch gut.
+
+ Und im Winter bin ich froehlich,
+ Weil's Weinen nichts nuetzt,
+ Und weil ihm sowieso der Fruehling,
+ Auf den Fersen schon sitzt.
+
+Jetzt war die Anhoehe erreicht, wo er gewoehnlich blieb und sich auch
+heute ausruhen wollte. Das war eine kleine, gruene Hochebene mit einem
+so weiten Vorsprung, dass man von dem freien Punkt ringsumher und
+weiter, weit ins Tal hinabsehen konnte. Dieser Vorsprung hiess die
+Felsenkanzel, und hier konnte Moni oft stundenlang verweilen und um
+sich schauen und vor sich hin pfeifen, waehrend seine Tierlein ganz
+gemuetlich ihre Kraeuter suchten.
+
+Sobald Moni angekommen war, nahm er seinen kleinen Proviantsack vom
+Ruecken und legte ihn in eine kleine Hoehle des Bodens, die er selbst
+dafuer gegraben hatte. Dann trat er auf die Felsenkanzel hinaus und
+warf sich auf den Boden, um sich einmal so recht wohl sein zu lassen.
+
+Der Himmel war jetzt dunkelblau geworden. Drueben waren die hohen
+Berge mit den in den Himmel ragenden Zacken und grossen Eisfeldern zum
+Vorschein gekommen, und unten leuchtete weithin das gruene Tal im
+Morgenglanz. Moni lag da, schaute umher, sang und pfiff. Der
+Bergwind kuehlte ihm das warme Gesicht, und hoerte er einmal zu pfeifen
+auf, so pfiffen die Voegel ueber ihm noch viel lustiger und flogen in
+den blauen Himmel hinauf. Der Moni fuehlte sich unbeschreiblich wohl.
+Von Zeit zu Zeit kam das Maeggerli zu ihm und strich ein wenig mit
+seinem Kopf ueber Monis Schulter, wie die Geiss es immer tat. Dann
+meckerte es ganz liebevoll, ging auf die andere Seite von Moni und
+strich wieder den Kopf ueber seine Schulter. Auch von den anderen
+Geissen kam bald diese, bald jene, um nach dem Hirten zu sehen, und
+jede hatte ihre eigene Weise, ihm ihre Zaertlichkeit zu zeigen.
+
+Die Braune, seine eigene Geiss, kam zu ihm und schaute nach, ob auch
+alles mit ihm in Ordnung sei. Sie stand dann da und schaute ihn an,
+bis er sagte: "Ja, ja, Braunli, es ist schon recht, geh nur wieder zum
+Futter." Eine Geiss hiess die Schwalbe, weil sie so schmal und flink war
+und ueberall hineinschoss, wie die Schwalben in ihre Loecher. Sie sprang
+so ungestuem auf den Moni los, dass sie ihn wohl umgeworfen haette, waere
+er nicht schon auf dem Boden gelegen. Gleich darauf lief sie wieder
+davon.
+
+Die glaenzende Schwarze, die Geiss des Wirts im Badehaus, Maeggerlis
+Mutter, war ein wenig stolz. Sie kam nur auf ein paar Schritte
+Entfernung heran, schaute mit erhobenem Kopf zu dem Moni hin, als
+wollte sie sich nicht zu vertraulich zeigen und ging dann wieder ihrer
+Wege. Der grosse Sultan aber, der Bock, zeigte sich immer nur einmal
+und drueckte dann alle weg, die er in Monis Naehe traf. Dann meckerte
+er einigemale so bedeutungsvoll, als habe er Mitteilungen abzugeben
+ueber den Zustand der Herde, als deren Anfuehrer er sich fuehlte.
+
+Nur das kleine Maeggerli liess sich niemals von seinem Beschuetzer
+verdraengen. Wenn der Bock kam und wollte es wegdruecken, so kroch es
+so tief unter Monis Arm oder Kopf, dass der grosse Sultan nicht wagte,
+naeher zu kommen. Unter Monis Schutz fuerchtete sich das Zicklein auch
+kein bisschen mehr vor dem Sultan, vor dem es sonst erzitterte, wenn es
+in seine Naehe kam.
+
+So war der sonnige Morgen vergangen. Moni hatte schon sein
+Mittagessen verzehrt und stand nun nachdenklich auf seinen Stecken
+gestuetzt, den er hier oben oefters brauchte. Denn er war ihm beim Auf-
+und Abstieg eine grosse Hilfe. Er dachte nach, ob er eine neue Seite
+der Felsen besteigen wollte. Denn an diesem Nachmittag wollte er mit
+den Geissen hoeher hinauf, die Frage war nur, nach welcher Seite? Er
+entschied sich fuer die linke, denn dort ging es zu den drei
+Drachensteinen, um die herum so zartes Buschwerk wuchs, dass es ein
+wahres Festessen fuer die Geissen war.
+
+Der Weg war steil, und oben waren gefaehrliche Stellen an der schroffen
+Felswand, aber er wusste einen sicheren Weg. Und die Geissen waren ja
+vernuenftig und verliefen sich nicht so leicht. Er ging bergauf, und
+lustig kletterten ihm alle seine Geissen nach. Sie waren bald vor,
+bald hinter ihm, das kleine Maeggerli blieb immer ganz in seiner Naehe.
+Manchmal hielt er es fest und zog es mit sich, wenn eine steile Stelle
+kam. Es ging aber alles gut, und nun waren sie oben, und mit hohen
+Spruengen rannten die Geissen zu den gruenen Bueschen hin, denn sie
+erkannten das gute Futter, das sie schon oefter hier oben abgenagt
+hatten.
+
+"Nur zahm! Nur zahm!" mahnte Moni, "und stosst einander nicht an den
+steilen Stellen, es koennte leicht eines abstuerzen und haette die Beine
+gebrochen. Schwalbe! Schwalbe! Was kommt denn dir in den Sinn?"
+rief er jetzt voller Aufregung. Denn die flinke Geiss war ueber die
+hohen Drachensteine hinaufgeklettert, stand jetzt auf dem aeussersten
+Rand des einen Steins und guckte von da ganz vorwitzig auf ihn
+herunter. Er kletterte eilig hinauf, denn nur noch ein einziger Tritt,
+und die Schwalbe lag unten im Abgrund. Moni war sehr behend, in
+wenigen Minuten hatte er den Stein erklettert und mit einem schnellen
+Griff die Schwalbe am Bein erfasst und zurueckgezogen. "Komm du jetzt
+mit mir, du unvernuenftiges Tierlein du", schalt Moni und zog die
+Schwalbe mit sich herunter zu den anderen. Er hielt sie noch ein
+Weilchen fest, bis sie nicht mehr ans Fortlaufen dachte.
+
+"Wo ist das Maeggerli?" schrie Moni ploetzlich auf, der die Schwarze
+erblickte, wie sie allein an einer steilen Stelle stand und nichts
+frass, sondern ruhig umherschaute. Immer war das junge Geisslein neben
+Moni, oder es lief seiner Mutter nach.
+
+"Wo hast du dein Zicklein, Schwarze?" rief er erschrocken und sprang
+auf die Geiss zu. Sie war ganz sonderbar, frass nicht, blieb immer auf
+demselben Platz stehen und spitzte verdaechtig die Ohren. Moni stellte
+sich dicht neben sie und schaute hinauf und hinab. Jetzt hoerte er ein
+leises, jammerndes Meckern. Das war Maeggerlis Stimme, sie kam von
+unten herauf, so klaeglich und hilfeflehend. Moni legte sich auf den
+Boden und beugte sich vor. Dort unten bewegte sich etwas. Jetzt sah
+er's deutlich, tief unten hing das Maeggerli an einem Ast, der
+aus dem Felsen herauskam, und winselte zum Erbarmen. Es musste
+hinuntergefallen sein.
+
+Gluecklicherweise hatte der Ast es aufgehalten, sonst haette es in den
+Abgrund stuerzen muessen. Aber auch noch jetzt, wenn es sich nicht mehr
+an dem Ast festhalten konnte, musste es auf der Stelle in die Tiefe
+stuerzen und sich das Genick brechen. In hoechster Angst rief er
+hinunter: "Halt fest, Maeggerli, halt fest am Ast! Sieh, ich komme
+schon und hole dich!" Aber wie sollte er dahin gelangen? Die Felswand
+war so steil hier, unmoeglich konnte er da hinunterkommen, das sah Moni
+wohl ein. Aber das Geisslein musste da unten etwa in der Hoehe vom
+Regenfelsen sein, dem ueberhaengenden Gestein, unter das man sich beim
+Regen so gut fluechten konnte. Dort brachten die Geissbuben schon immer
+ihre Tage bei schlechtem Wetter zu, darum hiess das Gestein schon von
+alter Zeit her der Regenfelsen. Von da aus, dachte Moni, konnte er
+quer ueber den Felsen klettern und so mit dem Zicklein zurueckkommen.
+
+Schnell pfiff er die Herde zusammen und stieg mit ihr hinunter, bis zu
+der Stelle, wo es zum Regenfelsen hineinging. Da liess er sie weiden
+und ging dem Felsen zu. Hier sah er auch gleich, noch ein gutes Stueck
+ueber sich, den Ast, an den sich das Geisslein klammerte. Er sah, dass
+es nicht leicht sei, da hinaufzuklettern und mit dem Maeggerli auf dem
+Ruecken wieder hinunter. Aber anders war das Tierlein nicht zu retten.
+Er dachte auch, der liebe Gott wuerde ihm gewiss beistehen, dann koennte
+es ihm gelingen. Er faltete seine Haende, schaute zum Himmel auf und
+betete: "Ach lieber Gott, hilf mir doch, dass ich das Maeggerli erretten
+kann!" Jetzt war er voller Vertrauen, dass alles gutgehen werde, und
+eilig kletterte er den Felsen hinauf, bis er bei dem Ast oben
+angelangt war. Hier klammerte er sich fest an mit beiden Fuessen, hob
+dann das zitternde, wimmernde Tierlein auf seine Schultern und
+kletterte nun mit grosser Sorgfalt hinunter. Als er aber nun wieder
+den sicheren Grasboden unter den Fuessen hatte und das erschrockene
+Geisslein gerettet sah, da war er so froh, dass er laut danken musste und
+in den Himmel hinaufrief: "O lieber Gott, ich danke dir tausendmal,
+dass du uns so geholfen hast! O wie sind wir beide so froh darueber!"
+Dann setzte er sich noch ein wenig auf den Boden und streichelte das
+Zicklein, das immer noch an allen seinen zarten Gliedern zitterte, und
+troestete es ueber die ausgestandene Angst.
+
+Als wenig spaeter Zeit zum Aufbruch war, setzte Moni das Zicklein noch
+einmal auf seine Schultern und sagte fuersorglich: "Komm, du armes
+Maeggerli, du zitterst ja immer noch. Heute kannst du nicht heimgehen,
+ich muss dich tragen." Und so trug er das Tierlein, das sich fest an
+ihn schmiegte, den ganzen Weg hinunter.
+
+Paula stand jetzt auf der letzten Anhoehe vor dem Badehaus und
+erwartete den Geissbuben. Auch ihre Tante hatte sie begleitet. Als
+nun Moni mit seiner Last auf dem Ruecken herankam, wollte Paula wissen,
+ob das Zicklein krank sei, und zeigte grosse Teilnahme. Als Moni das
+sah, setzte er sich gleich auf den Boden vor Paula hin und erzaehlte
+ihr sein heutiges Erlebnis mit dem Maeggerli.
+
+Das Fraeulein nahm sehr lebhaften Anteil an der Sache und streichelte
+das gerettete Tierlein. Jetzt lag es ruhig auf Monis Knien und sah
+sehr zierlich aus mit seinen weissen Fuessen und dem schoenen schwarzen
+Pelzchen ueber dem Ruecken. Es liess sich ganz gern ein wenig streicheln.
+
+"Jetzt singst du mir auch noch dein Lied, wenn du schon einmal hier
+bist", sagte Paula. Moni war so froehlich gestimmt, dass er gern aus
+voller Brust anstimmte und sein ganzes Lied bis zu Ende sang.
+
+Das gefiel der Paula ausnehmend gut, und sie sagte, er muesse es ihr
+noch oefter singen. Dann zog die ganze Gesellschaft zusammen zum
+Badehaus hinunter. Hier wurde das Zicklein auf sein Lager gelegt, und
+Moni nahm Abschied. Paula ging in ihr Zimmer zurueck, um hier der
+Tante noch lange von dem Geissbuben zu erzaehlen, auf dessen froehlichen
+Morgengesang sie sich schon jetzt wieder freute.
+
+
+
+3. Kapitel
+
+Ein Besuch
+
+
+So waren mehrere Tage vergangen, einer so sonnig und klar wie der
+andere, denn es war ein besonders schoener Sommer. Und der Himmel
+blieb blau und wolkenlos vom Morgen bis zum Abend.
+
+Jeden Morgen in der Fruehe war der Geissbub mit hellem Gesang am
+Badehaus vorbeigezogen, jeden Abend mit hellem Gesang wieder
+zurueckgekehrt. Und alle Badegaeste waren so an das froehliche Singen
+gewoehnt, dass keiner es haette missen moegen.
+
+Vor allen aber freute sich Paula an Monis Froehlichkeit und ging ihm
+fast jeden Abend entgegen, um ein Gespraech mit ihm anzuknuepfen.
+
+An einem sonnigen Morgen war Moni wieder oben bei der Felsenkanzel
+angelangt und wollte sich eben auf den Boden setzen, als er sich noch
+anders besann. "Nein, vorwaerts! Ihr habt ja das letztemal die guten
+Blaettlein alle stehenlassen muessen, weil wir dem Maeggerli helfen
+mussten, jetzt geht's noch einmal hinauf, da koennt ihr fertig nagen!"
+Und mit Freuden sprangen ihm die Geissen alle nach, denn sie merkten,
+dass es zu den schoenen Bueschen an den Drachensteinen hinauf ging.
+Diesmal hielt Moni aber sein kleines Maeggerli die ganze Zeit im Arm
+fest, riss ihm die guten Blaettlein selber ab und liess es aus seiner
+Hand fressen. Das gefiel dem Geisslein am allerbesten, es rieb ganz
+vergnuegt von Zeit zu Zeit sein Koepfchen an Monis Schulter und meckerte
+froehlich. So war der ganze Morgen vergangen und Moni merkte erst an
+seinem Hunger, dass es spaet geworden war. Er hatte aber sein Essen
+unten bei der Felsenkanzel in der kleinen Hoehle hegen lassen, da er
+mittags wieder hinunter kommen wollte.
+
+"So, ihr habt nun schon viel Gutes bekommen, und ich habe noch gar
+nichts", sagte er zu seinen Geissen. "Jetzt muss ich auch etwas haben
+und unten findet ihr noch genug, kommt!" Dann pfiff er laut, und die
+ganze Schar zog auf und davon, die lebhaftesten immer voran und allen
+voraus die leichtfuessige Schwalbe, der heute etwas Unerwartetes
+begegnen sollte. Sie sprang hinunter von Stein zu Stein und ueber
+manche Felsspalte weg, aber auf einmal konnte sie nicht weiter.
+
+Unmittelbar vor ihr stand ganz ploetzlich eine Gemse und schaute ihr
+neugierig ins Gesicht. Das war der Schwalbe noch nicht vorgekommen.
+Sie stand da, schaute die Fremde fragend an und wartete, dass ihr diese
+aus dem Weg gehe. Denn sie wollte auf den Felsblock springen, der vor
+ihr aufragte. Aber die Gemse ruehrte sich nicht und schaute der
+Schwalbe frech ins Gesicht. So standen beide voreinander, immer
+hartnaeckiger, und noch heute wuerden sie dort stehen, wenn nicht
+inzwischen der grosse Sultan herbeigekommen waere. Sofort erkannte er
+die Sachlage und kletterte vorsichtig an der Schwalbe vorbei.
+Ploetzlich stiess er die Gemse so weit und so gewaltig auf die Seite,
+dass sie einen kuehnen Sprung machen musste, um nicht ueber die Felsen
+hinabzurutschen.
+
+Die Schwalbe aber zog triumphierend ihres Weges, und der Sultan
+schritt befriedigt und stolz hinter ihr her, denn er fuehlte sich als
+sicherer Beschuetzer seiner Herde. Inzwischen war von oben herab Moni
+und von unten herauf ein anderer Geissbub auf einem nahen Platz
+angekommen und blickten auch erstaunt einander an. Aber sie kannten
+sich, und nach der ersten Ueberraschung begruessten sie sich freundlich.
+Es war der Joergli von Kueblis, der schon den halben Morgen lang
+vergebens den Moni gesucht hatte und ihn nun hier oben traf, wo er ihn
+gar nicht mehr vermutete.
+
+"Ich habe nicht gedacht, dass du so hoch hinaufgehen wuerdest mit den
+Geissen", sagte der Joergli.
+
+"Freilich gehe ich", entgegnete Moni, "aber nicht immer. Gewoehnlich
+bin ich bei der Felsenkanzel. Warum bist du da heraufgekommen?"
+
+"Ich will dir einen Besuch machen", war die Antwort, "ich habe dir
+allerhand zu erzaehlen. Auch habe ich hier zwei Geissen, die bringe ich
+dem Wirt im Bad, er will eine kaufen, und da dachte ich, ich wollte
+noch zu dir hinauf."
+
+"Sind es deine Geissen?" fragte Moni.
+
+"Natuerlich, die fremden habe ich nicht zu hueten, ich bin nicht mehr
+Geissbub."
+
+Darueber musste sich Moni sehr wundern, denn zu gleicher Zeit mit ihm
+war der Joergli Geissbub von Kueblis geworden, und Moni begriff nicht,
+dass das so aufhoeren konnte und der Joergli nicht einmal jammerte.
+
+Inzwischen waren Hirten und Geissen bei der Felsenkanzel angekommen.
+Moni holte Brot und ein Stueckchen getrocknetes Fleisch hervor und lud
+den Joergli zum Mittagessen ein. Sie setzten sich beide auf die Kanzel
+hinaus und liessen sich's gut schmecken. Denn es war sehr spaet
+geworden, und sie hatten beide ausgezeichneten Appetit. Als nun alles
+aufgegessen und dann noch ein wenig Geissmilch getrunken worden war,
+legte sich der Joergli ganz behaglich der Laenge nach auf den Boden und
+stuetzte seinen Kopf auf beide Ellbogen. Moni aber war sitzen
+geblieben, denn er schaute immer gern von oben in das tiefe Tal
+hinunter.
+
+"Was bist du denn jetzt, Joergli, wenn du nicht mehr Geissbub bist?"
+fing Moni nun an, "etwas musst du doch sein."
+
+"Freilich bin ich etwas und etwas Rechtes", erwiderte Joergli, "Eierbub
+bin ich. Jeden Tag gehe ich mit den Eiern in alle Wirtshaeuser, so
+weit ich komme. Hier hinauf ins Badehaus komme ich auch, gestern war
+ich schon dort."
+
+Moni schuettelte den Kopf: "Das ist nichts, Eierbub moechte ich nicht
+sein, tausendmal lieber will ich Geissbub sein, das ist viel schoener."
+
+"Ja warum denn?"
+
+"Die Eier sind ja nicht lebendig, mit denen kannst du kein Wort reden.
+Und sie laufen dir nicht nach wie die Geissen, die sich freuen, wenn
+du kommst und anhaenglich sind und jedes Wort verstehen, das du mit
+ihnen redest. Du kannst keine Freude mit deinen Eiern haben wie mit
+den Geissen hier oben."
+
+"Ja und du", unterbrach ihn Joergli, "was hast du denn fuer grosse
+Freuden hier oben? Jetzt hast du wohl sechsmal aufstehen muessen,
+waehrend wir beim Essen waren, nur wegen des dummen Geissleins, damit es
+nicht hinunterfaellt. Ist denn das eine Freude?"
+
+"Ja, das tue ich ganz gern. Nicht wahr, Maeggerli, komm! Komm!" Moni
+sprang auf und lief dem Geisslein nach, denn es machte ganz
+unvorsichtige Freudenspruenge. Als er wieder sass, sagte Joergli: "Es
+gibt auch ein anderes Mittel, die jungen Geissen zu halten, dass sie
+nicht ueber die Felsen hinabfallen und man ihnen nicht immer
+nachspringen muss wie du."
+
+"Was fuer eins?" fragte Moni.
+
+"Man steckt einen Stecken fest in den Boden und bindet die Geiss mit
+einem Bein daran. Sie zappelt dann zwar furchtbar, aber sie kann doch
+nicht fort."
+
+"Du wirst doch nicht glauben, dass ich so etwas mit dem Geisslein mache",
+sagte der Moni ganz entruestet. Er zog das Maeggerli zu sich und hielt
+es fest, als muesste er es schuetzen.
+
+"Um das Geisslein musst du dich nicht mehr lange sorgen", fing Joergli
+wieder an, "das kommt nicht mehr hier herauf."
+
+"Was? Was? Was sagst du, Joergli?" fuhr Moni auf.
+
+"Pah, weisst du's denn nicht? Der Wirt will es nicht aufziehen, es ist
+ihm zu schwach, es wird nie eine kraeftige Geiss. Er hat es meinem
+Vater verkaufen wollen, aber der wollte es auch nicht. Nun will es
+der Wirt naechste Woche schlachten, und dann kauft er unseren Scheck
+dort."
+
+Moni war vor Schrecken ganz weiss geworden. Erst konnte er kein Wort
+sagen, aber jetzt jammerte er laut und rief:
+
+"Nein, nein, das duerfen sie nicht tun, Maeggerli, das duerfen sie nicht
+tun. Sie duerfen dich nicht schlachten, das kann ich nicht ertragen.
+Oh, ich will lieber gleich mit dir sterben. Nein, das kann ja nicht
+sein!"
+
+"Tu doch nicht so", sagte Joergli aergerlich und zog den Moni in die
+Hoehe, der sich in seinem Jammer mit dem Gesicht zu Boden geworfen
+hatte. "Steh doch auf, du weisst ja, dass das Geisslein nun einmal dem
+Wirt gehoert und er damit machen darf, was er will. Denk doch nicht
+mehr dran! Komm ich weiss noch etwas: Sieh! Sieh!" Dann hielt Joergli
+dem Moni die eine Hand hin, und mit der anderen deckte er den
+Gegenstand fast zu, den Moni bewundern sollte. Es funkelte aber ganz
+wunderbar aus der Hand heraus, denn die Sonne blitzte eben dort hinein.
+
+"Was ist's?" fragte Moni, als es eben wieder aufblitzte, von einem
+Sonnenstrahl beleuchtet.
+
+"Rat!"
+
+"Ein Ring?"
+
+"Nein, aber so etwas Aehnliches."
+
+"Wer hat dir's gegeben?"
+
+"Gegeben? Niemand, ich hab es selbst gefunden."
+
+"Dann gehoert es aber nicht dir, Joergli."
+
+"Warum nicht? Ich habe es niemand genommen, ich waere fast mit dem Fuss
+darauf getreten, dann waer's doch zerbrochen. Ich kann es ebenso gut
+behalten."
+
+"Wo hast du's gefunden?"
+
+"Unten beim Badehaus, gestern abend."
+
+"Dann hat es jemand aus dem Haus unten verloren. Du musst es dem Wirt
+sagen, und wenn du's nicht tust, so tue ich's heute Abend."
+
+"Nein, nein, Moni, tue nur das nicht", sagte Joergli jetzt bittend,
+"sieh, ich will dir zeigen, was es ist. Und ich will es in einen von
+den Wirtshaeusern an ein Zimmermaedchen verkaufen, sie muss mir aber vier
+Franken geben, dann geb ich dir auch einen oder zwei, und dann weiss ja
+niemand etwas davon."
+
+"Ich will nichts! Ich will nichts!" unterbrach ihn Moni heftig, "und
+der liebe Gott hat alles gehoert, was du gesagt hast."
+
+Joergli schaute zum Himmel auf. "Ja, so weit weg", sagte er
+zweifelhaft. Er fing aber gleich an, leiser zu reden.
+
+"Er hoert dich doch", sagte Moni zuversichtlich.
+
+Dem Joergli war es nicht mehr recht wohl in seiner Haut. Wenn er nur
+den Moni auf seine Seite zu bringen wusste, sonst war alles verloren.
+Er dachte lange nach. "Moni", sagte er ploetzlich, "ich will dir etwas
+versprechen, das dich freut, wenn du keinem Menschen etwas von dem
+Gefundenen sagen willst. Du brauchst ja auch nichts davon zu nehmen,
+dann hast du nichts damit zu tun. Wenn du das willst, so will ich
+dafuer sorgen, dass mein Vater doch das Maeggerli kauft. Dann wird es
+nicht geschlachtet, willst du?"
+
+In Moni entstand ein harter Kampf. Es war ein Unrecht, wenn er dabei
+half, den Fund zu verheimlichen. Joergli hatte seine Hand aufgemacht,
+es lag ein Kreuz darin, mit vielen Steinen besetzt, die in allen
+Farben funkelten. Moni sah wohl, dass das nicht ein wertloses Ding war,
+nach dem niemand fragen werde. Wenn er schweigen wuerde, wuerde er
+etwas behalten, was ihm nicht gehoerte. Aber auf der anderen Seite war
+das kleine, liebevolle Maeggerli, das sollte auf schreckliche Weise mit
+einem Messer getoetet werden, und er konnte das verhindern, wenn er
+schweigen wollte. Eben jetzt lag das Geisslein so vertrauensvoll neben
+ihm, als wusste es, dass er ihm immer helfen wurde. Nein, er konnte es
+nicht geschehen lassen, er musste es retten.
+
+"Einverstanden, Joergli", sagte er, aber ohne Freudigkeit.
+
+"So schlag ein." Und Joergli hielt Moni seine Hand hin, dass er hinein
+verspreche, denn nur so galt ein Versprechen unwiderruflich.
+
+Joergli war sehr froh, dass er nun seiner Sache sicher war. Da aber
+Moni so still geworden war und er einen viel weiteren Weg nach Hause
+hatte als Moni, so beschloss er, mit seinen zwei Geissen aufzubrechen.
+Er verabschiedete sich von Moni und pfiff den beiden Gefaehrten, die
+sich inzwischen zu den weidenden Geissen des Moni gesellt hatten. Es
+hatten einige bedenkliche Angriffe zwischen den beiden Parteien
+stattgefunden, denn die Fideriser Geissen wussten nicht, dass man mit
+einem Besuch artig sein muss. Und die Kuebliser Geissen wussten nicht,
+dass man nicht gleich die besten Kraeutlein aussuchen und die anderen
+davon wegdruecken darf, wenn man auf Besuch ist. Als nun der Joergli
+ein Stueck den Berg hinuntergegangen war, brach auch Moni mit seiner
+Schar auf, aber er war ganz still und sang keinen Ton und tat keinen
+Pfiff auf dem ganzen Heimweg.
+
+
+
+4. Kapitel
+
+Moni kann nicht mehr singen
+
+
+Moni kam am folgenden Morgen genauso still und niedergeschlagen wie am
+Abend vorher den Weg zum Badehaus daher. Leise holte er die Geissen
+des Wirts heraus und stieg weiter hinauf, aber er sang keinen Ton, er
+schickte keinen Jodel in die Luft hinauf. Er liess seinen Kopf haengen
+und machte ein Gesicht, als fuerchtete er sich vor etwas. Hier und da
+blickte er auch scheu um sich, ob ihm nicht jemand nachkomme und ihn
+etwas fragen wolle.
+
+Moni konnte gar nicht mehr lustig sein. Er wusste erst selbst nicht so
+recht, warum? Er wollte sich freuen, dass er das Maeggerli gerettet
+hatte und einmal singen, aber er brachte nichts heraus. Der Himmel
+war heute mit Wolken bedeckt, und Moni dachte, wenn die Sonne komme,
+wuerde er schon wieder lustiger werden.
+
+Als er oben angekommen war, fing es ganz tuechtig zu regnen an. Er
+fluechtete unter den Regenfelsen, denn es goss bald in Stroemen vom
+Himmel herunter.
+
+Die Geissen kamen auch heran und stellten sich da und dort unter die
+Felsen. Die vornehme Schwarze hatte gleich ihren schoenen glaenzenden
+Pelz schonen wollen und war noch vor dem Moni unter den Felsen
+gekrochen. Sie sass jetzt hinter dem Moni und schaute aus dem
+behaglichen Winkel vergnuegt in den stroemenden Regen hinaus. Das
+Maeggerli stand vor seinem Beschuetzer unter dem vorragenden Felsen und
+rieb zaertlich sein Koepfchen an seinem Knie. Und dann schaute es
+erstaunt zu ihm auf, denn Moni sagte kein Wort, das war das Zicklein
+nicht gewohnt. Auch seine Braune scharrte zu seinen Fuessen und
+meckerte, denn er hatte den ganzen Morgen noch nichts zu ihr gesagt.
+Moni sass nachdenklich da. Er hatte sich auf seinen Stecken gestuetzt,
+den er bei solchem Wetter immer zur Hand nahm, damit er an den steilen
+Stellen nicht ausrutschen konnte. Denn an Regentagen zog er Schuhe an.
+Jetzt, da Moni stundenlang unter dem Regenfelsen sass, hatte er Zeit
+zum Nachdenken.
+
+Jetzt ueberdachte Moni, was er dem Joergli versprochen hatte. Und es
+kam ihm nun nicht anders vor, als ob der Joergli etwas genommen habe
+und er selbst dasselbe tue. Schliesslich hatte ihm der Joergli doch
+auch etwas fuer sein Schweigen gegeben. Er hatte etwas getan, was
+unrecht war, und der liebe Gott war jetzt gegen ihn, das fuehlte er in
+seinem Herzen. Es war ihm recht, dass es dunkel war und regnete und er
+unter dem Felsen verborgen war. Denn er haette doch nicht wie sonst in
+den blauen Himmel hinaufsehen duerfen, er fuerchtete sich jetzt vor dem
+lieben Gott. Aber auch noch andere Dinge musste Moni denken. Wenn nun
+wieder das Maeggerli ueber einen steilen Felsen hinunterfiele, und er
+wollte es holen, und der liebe Gott wuerde ihn nicht mehr beschuetzen,
+wenn er auch nicht mehr zu ihm beten und rufen duerfte, dann haette er
+keine Sicherheit mehr. Und wenn er dann ausrutschte und mit dem
+Maeggerli tief ueber die zackigen Felsen hinunterfiele und beide ganz
+zerrissen und zerschmettert unten im Abgrund laegen...
+
+O nein, sprach er aengstlich zu sich, so durfte es doch nicht kommen.
+Er musste dafuer sorgen, dass er wieder beten und vor den lieben Gott
+kommen konnte mit allem, was ihm auf dem Herzen lag. Dann konnte er
+auch wieder froehlich sein, das fuehlte Moni. Er wollte sich von der
+Last befreien, die ihn bedrueckte, er wollte gehen und alles dem Wirt
+sagen--aber dann? Dann wurde Joergli seinen Vater nicht ueberreden, und
+der Wirt wuerde das Maeggerli totstechen. O nein! Das konnte er nicht
+aushalten, und er sagte: "Nein, ich tue es nicht, ich sage nichts."
+Aber es war ihm nicht wohl dabei und sein schlechtes Gewissen wurde
+immer groesser.
+
+So verging dem Moni der ganze Tag. Er kehrte abends so lautlos heim,
+wie er morgens gekommen war. Und als unten beim Badehaus Paula stand
+und schnell zum Geissenstall heruebersprang und teilnehmend fragte:
+"Moni, was fehlt dir? Warum singst du denn gar nicht mehr?"--da
+wandte er sich scheu ab und sagte: "Ich kann nicht." Und so schnell
+wie moeglich machte er sich mit seinen Geissen davon.
+
+Paula sagte oben zu ihrer Tante: "Wenn ich doch nur wusste, was der
+Geissbub hat, er ist ja ganz veraendert, man kennt ihn gar nicht mehr.
+Wenn er doch nur wieder saenge."
+
+"Es wird der schreckliche Regen sein, der den Buben so verstimmt",
+meinte die Tante.
+
+"Nun kommt auch alles zusammen. Wir wollen doch heimgehen, Tante",
+bat Paula, "das Vergnuegen hier ist aus. Erst verliere ich mein
+schoenes Kreuz, und es ist nicht mehr zu finden. Dann kommt dieser
+endlose Regen, und nun kann man nicht einmal mehr den lustigen
+Geissbuben zuhoeren. Wir wollen fort."
+
+"Die Kur muss zu Ende gemacht werden, da kann ich dir nicht helfen",
+erklaerte die Tante.
+
+Dunkel und grau war es auch am folgenden Morgen, und der Regen stroemte
+unausgesetzt nieder. Moni brachte seinen Tag ebenso zu wie den
+vorhergegangenen. Er sass unter dem Felsen, und seine Gedanken gingen
+ruhelos immer im Kreise herum. Immer wenn er zu sich sagte: "Jetzt
+will ich gehen und das Unrecht gestehen, damit ich wieder zum lieben
+Gott aufsehen darf", da sah er wieder das Zicklein unter dem Messer
+vor sich. Er dachte nach, und sein schlechtes Gewissen plagte ihn so
+sehr, dass er am Abend ganz muede war und im stroemenden Regen
+heimschlich, als merkte er nichts davon.
+
+Beim Badehaus stand der Wirt in der Hintertuer und fuhr den Moni an:
+"Komm einmal mit den Geissen her, sie sind nass genug! Was kriechst du
+auch wie eine Schnecke den Berg hinunter! Ich wundere mich schon die
+ganze Zeit ueber dich."
+
+So unfreundlich war der Wirt noch nie gewesen, im Gegenteil, immer
+hatte er dem froehlichen Geissbuben die freundlichsten Worte zugerufen.
+Aber Monis veraendertes Wesen gefiel ihm nicht, und dazu war er noch
+schlechter Laune, denn Fraeulein Paula hatte ihm ihren Verlust geklagt.
+Sie hatte behauptet, das kostbare Kreuz koenne nur im Haus oder
+unmittelbar vor der Haustuer verloren gegangen sein. Denn sie sei an
+jenem Tag nur herausgegangen, um abends den heimkehrenden Geissbuben
+singen zu hoeren. Dass man aber sagen sollte, es koenne in seinem Haus
+ein so wertvolles Ding verloren gehen, ohne dass man es wieder erhalte,
+machte ihn sehr boese. Er hatte auch am Tag vorher das ganze
+Dienstpersonal versammelt, es verhoert und bedroht und endlich dem
+Finder eine Belohnung ausgesetzt. Das ganze Haus war in Aufruhr ueber
+den verlorenen Schmuck.
+
+Als Moni mit seinen Geissen an der Vorderseite des Hauses vorbeiging,
+stand Paula dort. Sie hatte auf ihn gewartet, es wunderte sie so sehr,
+ob er immer noch nicht wieder singen koenne und lustig sei. Als er
+nun vorbeischlich, rief sie: "Moni! Moni! Bist du denn auch derselbe
+Geissbub, der vom Morgen bis zum Abend sang:
+
+"'Und so blau ist der Himmel,
+Und ich freu mich fast zu Tod'?"
+
+Moni hoerte die Worte, er gab keine Antwort, aber sie machten einen
+grossen Eindruck auf ihn.
+
+Oh, wie war's doch so anders, als er den ganzen Tag singen konnte und
+er so froehlich war wie seine Lieder. Oh, wenn es doch wieder so sein
+koennte!
+
+Wieder zog Moni zu seiner Anhoehe hinauf, still und freudlos und ohne
+Gesang. Der Regen hatte nun aufgehoert, aber duester hingen ringsum die
+Nebel an den Bergen, und der Himmel war noch voll dunkler Wolken.
+Moni setzte sich wieder unter den Felsen und kaempfte mit seinen
+Gedanken. Gegen Mittag fing der Himmel an, sich aufzuklaeren, es wurde
+heller und heller. Moni kam aus seiner Hoehle hervor und schaute umher.
+Die Geissen sprangen wieder lustig hin und her, auch das Zicklein war
+ganz uebermuetig vor Freuden ueber die wiederkehrende Sonne und machte
+die froehlichsten Spruenge.
+
+Moni stand draussen auf der Kanzel und sah, wie es immer schoener und
+heller wurde unten im Tal und oben ueber dem Berge. Jetzt teilten sich
+die Wolken und der lichtblaue Himmel schaute so lieblich und
+freundlich herunter. Es war Moni, als schaue der liebe Gott aus dem
+lichten Blau zu ihm nieder. Und auf einmal war es in seinem Herzen
+ganz klar, was er tun musste, er konnte das Unrecht nicht mehr mit sich
+herumfragen. Er musste es ablegen. Jetzt ergriff Moni das Zicklein,
+das neben ihm umhersprang, nahm es in seinen Arm und sagte mit
+Zaertlichkeit: "O Maeggerli, du armes Maeggerli! Ich habe gewiss getan,
+was ich konnte, aber es ist ein Unrecht, und das darf man nicht tun.
+Oh, wenn du nur nicht sterben muesstest, ich kann es nicht aushalten!"
+Und nun fing Moni so sehr zu weinen an, dass er nicht mehr weiter reden
+konnte. Und das Zicklein meckerte wehmuetig und kroch tief unter
+seinen Arm, als wollte es sich ganz bei ihm verstecken und in
+Sicherheit bringen. Jetzt hob Moni das Geisslein auf seine Schultern.
+
+"Komm, Maeggerli, ich trage dich noch einmal heim heute, vielleicht
+kann ich dich bald nicht mehr tragen."
+
+Als er mit seinen Geissen unten beim Badehaus war, wartete Paula schon
+auf ihn. Moni stellte das Junge mit der Schwarzen in den Stall hinein,
+und anstatt weiter zu ziehen, wollte er an dem Fraeulein vorbei ins
+Haus gehen. Sie hielt ihn an.
+
+"Immer noch ohne Gesang, Moni?"
+
+"Ich muss etwas anzeigen", erwiderte Moni.
+
+"Anzeigen? Was denn? Darf ich's nicht wissen?"
+
+"Ich muss zum Wirt, es ist etwas gefunden worden."
+
+"Gefunden? Was denn? Ich habe auch etwas verloren, ein schoenes Kreuz."
+
+"Ja, das ist es gerade."
+
+"Was sagst du?" rief Paula in hoechster Ueberraschung. "Ist es ein
+Kreuz mit funkelnden Steinen?"
+
+"Ja."
+
+"Wo hast du's denn, Moni? Gib's doch her, hast du's gefunden?"
+
+"Nein, der Joergli von Kueblis."
+
+Nun wollte Paula wissen, wer das sei, und wo er wohne, und auf der
+Stelle jemand nach Kueblis hinunterschicken, das Kreuz zu holen.
+
+"Ich will schon gehen, und wenn er's noch hat, will ich's bringen"
+sagte Moni.
+
+"Wenn er's noch hat?" rief Paula, "warum sollte er's nicht mehr haben?
+Und woher weisst du denn von allem, Moni? Wann hat er's gefunden, und
+wie hast du's denn erfahren?"
+
+Moni schaute zu Boden. Er durfte nicht sagen, wie alles zugegangen
+war, und wie er geholfen hatte, den Fund zu verheimlichen, bis er es
+nicht mehr hatte ertragen koennen.
+
+Aber Paula war sehr gut zu Moni. Sie nahm ihn auf die Seite, setzte
+sich auf einen Baumstamm zu ihm hin und sagte mit der groessten
+Freundlichkeit: "Komm, erzaehl mir alles, wie es gegangen ist, Moni,
+ich moechte so gern alles von dir wissen."
+
+Nun fasste der Moni Zutrauen und fing an und erzaehlte die ganze Sache.
+Er berichtete auch, dass er sich um das Leben von Maeggerli Sorgen
+gemacht habe und wie er so alle Freude verloren hatte und nicht mehr
+zum lieben Gott aufschauen durfte. Heute, sagte er, konnte er es
+nicht mehr laenger ertragen.
+
+Jetzt redete Paula sehr freundlich mit ihm und meinte, er haette nur
+gleich kommen und alles anzeigen sollen. Und es sei recht, dass er ihr
+jetzt alles so aufrichtig gesagt habe, er solle es nicht bereuen.
+Dann sagte sie, dem Joergli koenne er zehn Franken versprechen, wenn sie
+das Kreuz wieder in Haenden habe.
+
+"Zehn Franken?" wiederholte Moni voller Erstaunen. Denn er wusste ja,
+dass Joergli es hatte verkaufen wollen. Jetzt stand Moni auf und sagte,
+er wollte noch heute nach Kueblis hinunter, und wenn er das Kreuz
+bekaeme, es gleich morgen frueh mitbringen. Nun lief er davon und
+konnte wieder ganz grosse Spruenge machen, er hatte wieder ein viel
+leichteres Herz, das schlechte Gewissen belastete ihn nicht mehr.
+
+Daheim stellte er nur seine Geiss in den Stall, sagte der Grossmutter,
+er habe noch einen Auftrag auszurichten und rannte gleich nach Kueblis
+hinunter. Er fand den Joergli daheim und sagte ihm, was er getan hatte.
+Der war erst sehr aufgebracht, aber als er nun erfuhr, dass alles
+bekannt sei, zog er das Kreuz heraus und fragte: "Gibt sie mir auch
+etwas dafuer?"
+
+"Ja, jetzt kannst du sehen, Joergli", sagte Moni entruestet, "auf dem
+ehrlichen Weg haettest du gleich zehn Franken bekommen und auf deinem
+Luegenweg doch nur vier."
+
+Joergli war sehr ueberrascht. Jetzt reute es ihn, dass er nicht gleich
+mit dem Kreuz ins Badehaus gegangen war, nachdem er es vor der Tuer
+aufgelesen hatte. Denn er hatte doch nun kein gutes Gewissen und
+haette es anders haben koennen. Aber jetzt war's zu spaet. Er uebergab
+das Kreuz dem Moni, und dieser eilte damit heim, es war draussen schon
+dunkel geworden.
+
+
+
+5. Kapitel
+
+Moni singt wieder
+
+
+Paula hatte angeordnet, dass man sie am fruehen Morgen wecken sollte.
+Wenn der Geissbub kaeme, wollte sie selbst mit ihm verhandeln. Am Abend
+hatte sie noch eine lange Unterredung mit dem Wirt gehabt und war dann
+sehr befriedigt aus seiner Stube herausgekommen. Sie musste etwas
+Erfreuliches mit ihm ausgemacht haben.
+
+Als der Geissbub am Morgen mit seiner Herde herankam, stand Paula schon
+vor dem Haus und rief: "Moni, kannst du denn immer noch nicht singen?"
+
+Er schuettelte den Kopf: "Nein, ich kann's nicht, ich muss jetzt immer
+an das Maeggerli denken, wie lange es noch mit mir geht. Ich kann
+nicht mehr singen, solange ich lebe, und hier ist das Kreuz." Damit
+uebergab er ein kleines Paeckchen, denn die Grossmutter hatte es ihm
+sorgfaeltig in drei oder vier Papiere gewickelt.
+
+Paula schaelte das Kreuz aus den Huellen heraus und betrachtete es genau.
+Es war wirklich ihr schoenes Kreuz mit den funkelnden Steinen und
+voellig unversehrt.
+
+"So, Moni", sagte sie nun freundlich, "du hast mir eine grosse Freude
+gemacht, denn ohne dich haette ich wohl mein Kreuz nie mehr gesehen.
+Nun will ich dir auch eine Freude machen. Geh, hol das Maeggerli dort
+aus dem Stall, es gehoert jetzt dir!"
+
+Moni starrte das Fraeulein mit einem Erstaunen an, als sei es unmoeglich,
+ihre Worte zu verstehen. Endlich stotterte er: "Aber wie--wie koennte
+das Maeggerli mein sein?"
+
+"Wie?" wiederholte Paula laechelnd, "sieh, gestern abend hab ich es dem
+Wirt abgekauft und heute morgen schenke ich es dir. Kannst du jetzt
+wieder singen?"
+
+"Oh!" stiess Moni hervor und rannte wie ein Unsinniger auf den Stall zu,
+zog das Geisslein heraus und nahm es auf den Arm. Dann kam er
+zurueckgesprungen und streckte dem Fraeulein seine Hand entgegen und
+sagte immer wieder: "Ich danke tausendmal! Vergelt's Gott! Und wenn
+ich Ihnen nur einen Gefallen tun koennte!"
+
+"Dann sing mir dein Lied", sagte Paula.
+
+Da stimmte Moni sein Lied an und zog nun den Berg hinauf mit den
+Geissen, und seine Jubeltoene schmetterten so ins Tal hinab, dass im
+ganzen Badehaus keiner war, der sie nicht hoerte. Und mancher drehte
+sich auf seinem Kissen um und sagte: "Der Geissbub hat wieder gute
+Laune." Es freute aber alle, dass er wieder sang, denn sie hatten sich
+alle an den froehlichen Wecker gewoehnt, die einen zum Aufstehen, die
+anderen zum Weiterschlafen. Als Moni oben von der ersten Hoehe das
+Fraeulein immer noch unten vor dem Haus stehen sah, trat er extra weit
+hinaus und sang hinunter, so laut er konnte:
+
+"Und so blau ist der Himmel,
+Und ich freu mich fast zu Tod!"
+
+
+Den ganzen Tag ueber sang der Moni und alle Geissen wurden angesteckt
+von seiner Froehlichkeit und huepften und sprangen umher. Es war, als
+ob ein grosses Fest gefeiert wuerde. Die Sonne schien froehlich vom
+blauen Himmel herunter. Und nach dem grossen Regen waren auch alle
+Kraeutlein frisch und die gelben und roten Bluemlein glaenzten. Moni
+glaubte, Berg und Tal und die ganze Welt noch nie so schoen gesehen zu
+haben. Sein Zicklein liess er den ganzen Tag nicht aus den Augen. Er
+zog ihm die besten Kraeutlein aus und fuetterte es und sagte immer
+wieder: "Maeggerli, du gutes Maeggerli, du musst nicht sterben, du bist
+jetzt mein und kommst mit mir auf die Weide hinauf, solange wir leben."
+Und mit schallendem Singen und Jodeln kam Moni auch am Abend wieder
+hinunter. Nachdem er die Schwarze zu ihrem Stall gefuehrt hatte, nahm
+er das Zicklein auf den Arm, es kam ja nun mit ihm nach Haus. Das
+Maeggerli machte auch gar keine Anstalten, als wollte es lieber
+dableiben, sondern schmiegte sich an den Moni. Bei ihm fuehlte es sich
+geborgen, denn Moni hatte es ja schon lange besser und zaertlicher
+behandelt als die eigene Mutter.
+
+Als aber Moni zu der Grossmutter kam, sein Maeggerli auf der Schulter,
+da wusste diese gar nicht, was geschehen war. Denn Monis Rufen: "Es
+gehoert mir, Grossmutter, es gehoert mir!" erklaerte ihr die Sache noch
+lange nicht. Aber Moni konnte noch nicht erzaehlen. Erst lief er zu
+dem Stall und dort, hart neben der Braunen, damit es sich nicht
+fuerchte, machte er dem Maeggerli ein schoenes, weiches Lager aus
+frischem Stroh. Er legte es darauf und sagte: "So Maeggerli, nun
+schlaf gut in der neuen Heimat. So sollst du's immer haben, alle Tage
+mache ich dir ein neues Bettlein."
+
+Erst jetzt kam Moni zu der verwunderten Grossmutter zurueck, und wie sie
+nun zusammen bei ihrem Abendessen sassen, erzaehlte er ihr die ganze
+Geschichte von Anfang an. Er berichtete von seinen drei kummervollen
+Tagen und dem heutigen beglueckenden Schluss. Die Grossmutter hoerte ganz
+still und aufmerksam zu, und als er zu Ende war, sagte sie ernsthaft:
+"Moni, wie es dir jetzt gegangen ist, daran sollst du immer denken.
+Waehrend du dir Sorgen um das Geisslein machtest, hatte der liebe Gott
+ihm schon lange geholfen und dir zur Freude einen Weg gefunden. Er
+hat dir geholfen, weil du dein Unrecht eingesehen hast. Haettest du
+sofort recht getan und auf Gott vertraut, so waere gleich alles gut
+gegangen. Jetzt hat der liebe Gott dir so sehr geholfen, dass du es
+dein Leben lang nicht vergessen darfst."
+
+"Nein, ich will es auch nie vergessen", sagte Moni mit eifriger
+Zustimmung, "und gewiss immer gleich denken: Ich muss nur tun, was vor
+dem lieben Gott recht ist, das andere bringt er schon in Ordnung."
+
+Bevor aber Moni sich schlafen legen konnte, musste er noch einmal in
+den Stall und sein Geisslein anschauen, ob es auch wirklich moeglich sei,
+dass es draussen liege und ihm gehoere.
+
+Der Joergli bekam seine zehn Franken, aber so leicht sollte er denn
+doch nicht von der Sache loskommen.
+
+Als er wieder ins Badehaus kam, wurde er vor den Wirt gefuehrt. Er
+nahm den Buben beim Kragen, schuettelte ihn tuechtig und sagte
+bedrohlich: "Joergli! Joergli! Versuch du kein zweitesmal mehr, mein
+ganzes Haus in Misskredit zu bringen! Kommt noch ein einziges Mal so
+etwas vor, so kommst du auf eine Art aus meinem Haus hinaus, die dir
+nicht gefaellt! Sieh, dort oben steckt ein ganz kraeftiges
+Weidenruetchen fuer solche Faelle. Jetzt geh und denk dran!"
+
+Aber noch eine Folge hatte der Vorgang fuer den Buben: Wenn von nun an
+irgend etwas im Badehaus verloren gegangen war, rief die ganze
+Dienerschaft sofort: "Das hat der Joergli von Kueblis!" Und kam dieser
+nachher ins Haus, so drangen sie alle miteinander auf ihn ein und
+riefen: "Gib's her, Joergli! Gib's heraus!" Und wie sehr er auch
+versicherte, er habe nichts und wisse nichts, sie schrien ihn alle an:
+"Dich kennt man schon! Uns betruegst du nicht!"
+
+So hatte der Joergli immer die bedrohlichsten Angriffe zu bestehen und
+hatte fast keinen ruhigen Augenblick mehr. Denn wenn er jetzt nur
+jemand auf sich zukommen sah, so glaubte er schon, der komme, um ihn
+zu fragen: "Hast du nicht dies oder das gefunden?" So war es dem
+Joergli nie mehr recht wohl zumut, und hundertmal dachte er: "Haette ich
+doch jenes Kreuz auf der Stelle zurueckgegeben, in meinem ganzen Leben
+behalte ich nichts mehr, das mir nicht gehoert."
+
+Der Moni aber hoerte den ganzen Sommer nicht auf zu singen und zu
+jodeln, denn er fuehlte sich so wohl da oben bei seinen Geissen, wie
+kaum ein anderer Mensch auf der Welt. Aber oft, wenn er so in seiner
+Zufriedenheit ausgestreckt auf der Felsenkanzel lag und in das sonnige
+Tal hinabschaute, musste er daran denken, wie er damals mit seinem
+schlechten Gewissen unter dem Regenfelsen sass. Und er sagte jedesmal
+laut vor sich hin: "Ich weiss schon, wie ich's mache, dass es nie mehr
+so kommt. Ich tue nichts mehr, wenn ich dabei nicht froehlich in den
+Himmel aufsehen kann, weil es dem lieben Gott so recht ist."
+
+Geschah es aber, dass der Moni sich zu lange in seine Betrachtungen
+vertiefte, so kam die eine oder die andere der Geissen heran. Sie
+schaute verwundert nach ihm aus und versuchte ihn zur Gesellschaft
+zurueckzumeckern, was er aber manchmal ziemlich lange nicht hoerte. Nur
+wenn sein Maeggerli kam und mit Verlangen nach ihm rief, dann hoerte er
+es gleich. Er lief ihm auch sofort entgegen, denn sein anhaengliches
+Geisslein war und blieb Monis liebstes Gut.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Moni der Geissbub, von Johanna
+Spyri.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, MONI DER GEISSBUB ***
+
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+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7mong11.txt
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+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
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+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
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+Donations by check or money order may be sent to:
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+ PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
+ 809 North 1500 West
+ Salt Lake City, UT 84116
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+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
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+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+http://www.gutenberg.net/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
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+
+
+(Three Pages)
+
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+ *EITHER*:
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+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
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+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
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+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
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