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+The Project Gutenberg eBook of Vom This, der doch etwas wird, by
+Johanna Spyri
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
+most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
+of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
+will have to check the laws of the country where you are located before
+using this eBook.
+
+Title: Vom This, der doch etwas wird
+
+Author: Johanna Spyri
+
+Posting Date: October 29, 2011 [EBook #9859]
+Release Date: February, 2006
+First Posted: October 25, 2003
+Last Updated: July 29, 2023
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+Produced by: Delphine Lettau
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VOM THIS, DER DOCH ETWAS
+WIRD ***
+
+
+
+
+Vom This, der doch etwas wird
+
+Erzählung
+
+Johanna Spyri
+
+
+
+
+1. Kapitel
+
+Alle gegen einen
+
+
+Wenn man den Seelisberg von der Rückseite her besteigt, kommt man auf
+eine frische, grüne Wiese. Man bekommt fast Lust, sich dort unter die
+friedlich weidenden Tiere zu mischen und auch einmal ein wenig von dem
+schönen, weichen Gras zu kosten. Die sauberen, wohlgenährten Kühe
+ziehen lieblich läutend immer hin und her. Denn jede trägt am Hals
+ihre Glocke, damit man immer hört, wo sie ist. So kann sich keine Kuh
+unbemerkt dorthin verlaufen, wo die von Sträuchern bedeckte Felswand
+liegt, über die sie hinunterstürzen könnte. Es ist außerdem ein
+ganzes Rudel Buben dort, die schon acht geben können. Aber die
+Glocken sind doch notwendig und tönen so freundlich hin und her, daß
+keiner sie entbehren möchte. Am Bergabhang stehen hie und da
+vereinzelt die kleinen, hölzernen Häuser, und nicht selten rauscht
+daneben ein schäumender Bach ins Tal hinab. ‘Am Berghang’ heißt es
+hier oben und mit Recht, denn nicht eines der Häuschen steht auf
+ebenem Boden. Es ist, als wären sie irgendwie an den Berg hingeworfen
+worden und da hängengeblieben. Man begreift gar nicht, wie sie da
+oben an den Hang hingebaut werden konnten. Vom Weg unten sehen sie
+alle gleich nett und freundlich aus mit den offenen Galerien und der
+kleinen, hölzernen Treppe am Haus. Steigt man aber hinauf und kommt
+in ihre Nähe, so sieht man, daß ein großer Unterschied zwischen ihnen
+ist. Gleich die zwei ersten am Hang sehen in der Nähe ganz
+verschieden aus. Sie stehen nicht weit voneinander, und zwischen
+ihnen stürzt der größte Bergbach der Gegend, der schäumende
+Schwemmebach, hinunter.
+
+Am ersten Häuschen blieben auch an den schönsten Sommertagen alle die
+kleinen Fenster immer fest geschlossen, und die einzige Luft, die
+hineindrang, kam durch die Löcher der zerbrochenen Scheiben. Das war
+aber nicht viel, denn die Löcher waren wieder mit Papier verklebt,
+damit man im Winter drinnen nicht frieren mußte. An dem hölzernen
+Treppchen waren die Stufen alle halb abgebrochen. Und die Galerie war
+so zerfallen, daß es ein Wunder war, daß alle die kleinen Kinder, die
+da herumrutschten und stolperten, nicht Arme und Beine brachen. Sie
+hatten jedoch alle gesunde Glieder, aber recht unsaubere. Die Kinder
+waren alle mit Schmutz überdeckt, und ihre Haare hatten noch nie einen
+Kamm gesehen. Vier dieser kleinen Schlingel krochen den Tag über da
+herum, und am Abend kamen vier größere Kinder dazu. Drei kräftige
+Buben und ein Mädchen, die auch nicht besonders sauber und ordentlich
+aussahen, aber doch ein wenig besser als die Kleinen. Denn sie
+konnten sich doch schon selbst waschen.
+
+Das Häuschen über dem Bach drüben hatte einen ganz anderen Charakter.
+Da sah es schon unten vor der kleinen Treppe so sauber und aufgeräumt
+aus, als sei der Erdboden ein ganz anderer als dort drüben. Die
+Stufen sahen immer so aus, als wären sie eben gescheuert worden. Und
+oben auf der Galerie standen drei schöne Nelkenstöcke und dufteten den
+ganzen Sommer lang ins Fenster hinein. Eines von den kleinen, hellen
+Fenstern stand offen und ließ die schöne, sonnige Bergluft herein.
+Dort konnte man meistens eine noch kräftig aussehende Frau sitzen
+sehen, mit schönem, weißem Haar, das sie sehr ordentlich unter das
+schwarze Häubchen zurückgestrichen hatte. Sie flickte gewöhnlich an
+einem Männerhemd aus grobem, festem Stoff, das aber immer sauber
+gewaschen war. Die Frau selbst sah auch in ihrem einfachen Gewand so
+adrett und reinlich aus, als wäre noch nie etwas Unsauberes an sie
+herangekommen. Es war Frau Vizenze, die Mutter des jungen Sennen, des
+fröhlichen Franz Anton mit den kräftigen Armen. Der machte den Sommer
+über in der oberen Sennhütte seine Käse, und erst im Spätherbst zog er
+wieder zur Mutter herunter, um den Winter bei ihr zu verbringen. Denn
+dann butterte er in der unteren Sennhütte, die ganz nahe lag. Da über
+den reißenden Schwemmebach kein Steg führte, waren die zwei Häuschen
+ganz getrennt. Und Frau Vizenze kannte Leute, die viel weiter weg
+wohnten, besser, als diese Nachbarn über dem Bach, zu denen sie nur
+etwa einmal am Tag stumm hinüberschaute. Gewöhnlich schüttelte sie
+dann in bedenklicher Weise den Kopf, wenn sie die schwarzen Gesichter
+und schmutzigen Fetzen drüben an den Kindern sah. Sie schaute aber
+nicht oft hinüber, denn der Anblick gefiel ihr nicht. Lieber
+betrachtete sie, wenn das Feierabendstündchen kam, ihre roten Nelken
+auf der Galerie oder sie schaute über den grünen, sonnigen Abhang
+hinunter, der vor ihrem Häuschen zum Tal hinabstieg.
+
+Die verwilderten Kinder über dem Bach gehörten dem Hälmli-Sepp, wie er
+genannt wurde, der seine Arbeit außer Haus beim Holzfällen oder
+Heumachen suchte. Außerdem trug er auch Lasten den Berg hinauf. So
+war er meistens unten im Tal oder auf den Wegen in der Umgebung. Die
+Frau hatte genug daheim zu tun. Aber sie schien anzunehmen, so viele
+kleine Kinder könne man nicht in Ordnung halten, und später würde es
+dann von selbst besser. So ließ sie alles gehn, wie es ging. Und in
+der schönen, reinen Luft blieben sie auch alle gesund und munter und
+ließen sich’s, auf dem Grasboden herumrutschend und krabbelnd, wohl
+sein. Zur Sommerzeit waren die vier Größeren den ganzen Tag draußen,
+um die Kühe zu hüten. Denn da geht es nicht zu wie auf den Hochalmen,
+wo die ganze Herde zusammen weidet und nur von einem oder zwei Hirten
+bewacht wird. Die Leute vom Berghang schickten ihre Kühe auf das
+umliegende Weideland hinaus und mußten sie hüten lassen. Das ist
+immer eine lustige Zeit für die Buben und Mädchen, die sich dort zu
+jeder Tageszeit zusammenfinden und allerlei fröhliche Sachen
+miteinander unternehmen. Manchmal waren die Kinder auch weiter unten
+im Tal bei der Kartoffelernte, oder sie verrichteten andere leichtere
+Arbeiten auf den Feldern. So verdienten sie dann den ganzen Sommer
+über ihren Unterhalt und brachten noch manches Geldstück nach Hause,
+das die Mutter gut brauchen konnte. Sie hatte ja immer noch die vier
+Kleinen zu ernähren und für alle acht die Kleider zu beschaffen. Wenn
+diese auch noch so einfach waren, ein Hemdlein mußte doch jedes haben
+und die vier Großen noch ein Stück dazu. Eine Kuh hatte der
+Hälmli-Sepp auch nicht, wie fast alle Bauern um ihn herum eine besaßen,
+wenn sie auch noch so wenig Land dazu hatten.
+
+Hälmli-Sepp hieß der Mann deshalb, weil die Halme auf seinem Besitztum
+nicht dick genug waren, um eine Kuh zu erhalten. Er hatte nur eine
+Geiß und ein Stück Kartoffelland, damit mußte die Frau mit den vier
+Kleinen den Sommer über auskommen und auch hier und da noch eines der
+Größeren speisen, wenn es draußen keine Arbeit fand. Der Vater kam im
+Winter wohl dann und wann heim, aber er brachte wenig mit, denn sein
+Häuschen und Acker waren so verschuldet, daß er das ganze Jahr über
+etwas abzuzahlen hatte. Sobald er nur wieder ein wenig Lohn behalten
+konnte, kam einer, dem er etwas schuldig war und nahm ihm weg, soviel
+er fand.
+
+So mußte die Frau mit den Kindern oft hungern. Sie selbst konnte
+keine Ordnung im Haus halten, und die Arbeit ging ihr nie so recht von
+der Hand. Sie konnte auch manchmal eine ganze Zeitlang auf der
+verfallenen, kleinen Galerie stehenbleiben. Anstatt zu arbeiten,
+schaute sie über den Bach zu dem schmucken Häuschen der Sennerin
+hinüber, dessen Scheiben in der Sonne glänzten. Dann sagte sie
+ärgerlich vor sich hin: “Ja, die dort kann schon putzen und alles
+sauberhalten, die hat sonst nichts zu tun, aber unsereiner.” Dann ging
+sie wieder ärgerlich in die dumpfe, trostlose Stube zurück, und an dem,
+der ihr zuerst in den Weg kam, ließ sie den Ärger aus.
+
+Das traf nun meistens einen Buben von zehn oder elf Jahren, der nicht
+ihr eigener war, aber schon seit seiner Geburt im Häuschen vom
+Hälmli-Sepp wohnte. Dieser kleine Bursche, von jedermann nur ‘der
+dumme This’ genannt, sah so mager und dürftig aus, daß man ihn kaum
+für achtjährig gehalten hätte. Er schaute auch so scheu und
+verschüchtert drein, daß niemand wußte, wie der This eigentlich aussah,
+denn er blickte immer furchtsam auf den Boden, wenn man zu ihm sprach.
+This hatte nie eine Mutter gekannt. Sie war gestorben, als er kaum
+zwei Jahre alt war. Sein Vater war nicht viel später über die Felsen
+in die Tiefe gestürzt, als er vom Heuholen in den Bergen herunterkam
+und den Weg abkürzen wollte. Seit dem Sturz war er lahm und konnte
+nichts mehr tun, als kleine Matten zusammenflechten, die er in dem
+großen Gasthof oben auf dem Seelisberg verkaufte. Der kleine This
+hatte seinen Vater nie anders gesehen, als auf einem Schemel sitzend,
+eine Strohmatte auf den Knien. Alle Leute hatten ihn den lahmen
+Matthis genannt.
+
+Schon seit sechs Jahren war er tot, und da er im Häuschen vom
+Hälmli-Sepp eine kleine Kammer als Schlafstätte mit seinem Büblein
+gemietet hatte, blieb dieser nach des Vaters Tod gleich an demselben
+Ort. Das wenige Geld, das für den kleinen This von der Gemeinde
+bezahlt wurde, war der Frau des Hälmli-Sepp sehr erwünscht. Und in
+die Kammer konnte sie nun noch zwei von ihren Buben stecken, für die
+schon lange fast kein Platz zum Schlafen mehr da war. Der kleine This
+war schon von Natur aus ein schüchternes und stilles Büblein gewesen.
+Seinem Vater, der erst seine Frau verloren, dann das große Unglück
+gehabt hatte, war aller Lebensmut vergangen. Und hatte er vor seinem
+Unglück wenig geredet, so sagte er nun fast gar nichts mehr.
+
+So saß der kleine This ganze Tage lang neben seinem Vater, ohne ein
+Wort zu hören, und so lernte er auch lange keines sagen. Als er dann
+seinen Vater verloren hatte und nun ganz zu der Familie des
+Hälmli-Sepp gehörte, da redete er fast gar nicht mehr, denn er wurde
+von jedem angefahren und hin und her gestoßen, weil er sich nie wehrte.
+Zu all den Püffen, die er von den Kindern auszustehen hatte, kamen
+dann noch die bösen Worte der Frau, wenn sie den Ärger über das
+saubere Häuschen der Sennerin drüben hatte. Der This wehrte sich aber
+nie, denn er hatte das Gefühl, die ganze Welt sei gegen ihn, und so
+nutze doch alles nichts. Nach und nach wurde der Bub so scheu und
+verschüchtert, daß man glaubte, als merke er kaum, was um ihn her
+vorging. Und meistens gab er auch gar keine Antwort, wenn man ihn
+anrief. Er sah überhaupt immer so aus, als suche er nach einem Loch,
+wo er in die Erde hineinkriechen könnte, daß ihn keiner mehr fände.
+
+So war es gekommen, daß die vier Großen vom Hälmli-Sepp, der Jopp, der
+Hans, der Uli und Lisi das schon manchmal zu ihm gesagt hatten: “Du
+bist doch ein dummer This”, und daß es die vier Kleinen auch
+nachsagten, sobald sie nur reden konnten. Da sich der This niemals
+dagegen wehrte, so hatten nach und nach alle Leute angenommen, es
+werde wohl so sein, und er wurde weit und breit nur noch ‘der dumme
+This’ genannt. Es war auch so, als ob der This nicht arbeiten könnte,
+wie die andern es taten. Sollte er helfen, die Kühe zu hüten, und war
+er mit all den anderen Buben zusammen, so suchte er gleich eine Hecke
+oder einen Busch auf, um sich dahinter zu verstecken. Da saß er
+meistens zitternd vor Furcht, denn er hörte wohl, wie die anderen
+Buben ihn mit großem Geschrei suchten, daß er bei den Spielen
+mitmachte, die sie spielen wollten.
+
+Diese Spiele endeten aber immer mit vielem Prügeln, und das traf
+regelmäßig den This am stärksten, da er sich nicht wehrte und auch
+nicht wehren konnte gegen die viel Stärkeren. So verkroch er sich,
+sobald er konnte, und inzwischen liefen seine Kühe, wohin sie wollten
+und fraßen auf der Weide der Nachbarn. Das gab dann großen Ärger, und
+jeder fand, der This sei zu dumm, um nur die Kühe zu hüten, und keiner
+stellte ihn mehr an. Ebenso ging es bei den Arbeiten auf dem Feld,
+wenn die Buben zum Jäten auf die Kartoffelfelder gehen sollten. Da
+warfen sie sich mit Vorliebe die Knollen der Kartoffelblüten an den
+Kopf, schon damit die Zeit etwas schneller vergehe. Und jeder gab dem
+anderen reichlich zurück, was er empfangen hatte. Der This gab aber
+nichts zurück, sondern scheu und furchtsam schaute er nach allen
+Seiten, von woher er getroffen werde. Das war gerade, was die anderen
+gern wollten. Und so flogen ihm unter vielem Lachen von allen Seiten
+die Knollen an den Rücken und an den Kopf.
+
+Während aber die anderen Zeit hatten, dazwischen zu arbeiten,
+versuchte der This nur immer auszuweichen und sich hinter den
+Kartoffelstauden zu verstecken. So war es auch mit dieser Arbeit
+nichts, und jung und alt waren sich einig, der This sei zu aller
+Arbeit zu dumm und aus dem This könne nie etwas werden. Weil er nun
+gar nichts verdienen und ja auch nie etwas werden konnte, so wurde er
+auch von der Frau des Hälmli-Sepp demgemäß behandelt. Wenn schon die
+eigenen vier kleinen Kinder kaum genug zu essen hatten, so geschah es
+meistens, daß für den This gar nichts mehr übrigblieb und es dann hieß:
+“Du wirst wohl etwas finden, du bist groß genug.” Wie der This
+eigentlich ernährt wurde, wußte niemand, auch die Frau des Hälmli-Sepp
+nicht, aber irgendwie lebte er doch immer.
+
+Dem schmalen, mageren Buben gab schon hier und da eine gute Frau einen
+Brocken Brot oder eine Kartoffel, wenn er still an ihrer Tür
+vorbeiging. Betteln ging der This aber nicht. Satt hatte er sich in
+seinem Leben noch nie gegessen. Aber das war ihm nicht so schrecklich
+wie die Verfolgungen und das Auslachen der Buben, vor denen er immer
+scheuer wurde und sich immer mehr versteckte.
+
+
+
+
+2. Kapitel
+
+Bei der Schwemmebachsennhütte
+
+
+An einem lieblichen Sommerabend, als in der blauen, sonnigen Luft alle
+Mücken tanzten, trafen sich am Bergabhang alle Hüterbuben und--mädchen.
+Sie mußten heute etwas Besonderes zu verhandeln haben. Der Jopp,
+von allen der Größte, war der Leiter der Versammlung. Und als alle
+nun auf einem Haufen beisammen waren, zeigte er an, daß man jetzt zur
+Schwemmebachsennhütte hinaufgehe, denn heute sei der Käsfischtag. Nun
+müsse aber vor allem ausgemacht werden, wer dableiben und die Kühe
+hüten solle, während die anderen sich zu dem Festmahl begeben würden.
+Das war nun eine schwierige Frage, denn nicht ein einziger hatte Lust,
+sich für die anderen aufzuopfern und dazubleiben. Da kam der schlaue
+Uli auf den Gedanken, man könnte einmal den dummen This zwingen, auf
+die Kühe acht zu geben. Und damit er’s nicht vergesse, könnte man ihn
+im voraus ein wenig durchprügeln. Der Vorschlag fand Anklang, und
+schon wollten mehrere von den Anführern der Schar den This holen, als
+das Lisi mit lauter Stimme dazwischenrief: “Das ist gar nichts
+Gescheites, was der Uli erfunden hat. So bekommen wir nur alle den
+Lohn dafür, wenn wir wieder zurückkommen und die Kühe sich verlaufen
+haben. Ihr werdet doch nicht glauben, daß der This, wenn er zu dumm
+ist, zwei Kühe zu hüten, auf einmal zwanzig hüten kann. Man muß losen,
+und drei müssen bei den Kühen bleiben, sonst ist’s nichts.” Lisis
+Erklärung machte Eindruck, der neue Rat wurde angenommen. Drei aus
+der Schar wurden durch das Los zum Dableiben verurteilt, ausgerechnet
+der Uli war unter diesen drei. Murrend und knurrend kehrte er der
+siegreichen Schar den Rücken und setzte sich auf den Boden neben seine
+beiden Leidensgenossen. Mit lautem Schreien und Jauchzen stürzte nun
+die ganze Kinderschar den Berg hinauf, dem unvergleichlichen Genuß
+entgegen.
+
+Der Käsfischtag wurde immer von Franz Anton den Buben angezeigt, die
+es nie unterließen, ihn daran zu erinnern, wenn er es etwa vergessen
+sollte. Denn das war ein Hauptfest für sie. Das war der Tag, an dem
+der Franz Anton seine frischen Käse rundum beschnitt, nachdem diese
+als weiche Masse in die runde, hölzerne Form gepreßt worden waren.
+Was nun zwischen dem pressenden Gewicht und der festen Form sich von
+der Masse herausdrängte, wurde abgeschnitten und war anzusehen wie
+eine lange, schneeweiße Wurst. Die wurde dann in viele Stücke
+gebrochen und von dem freundlichen Sennen unter die Kinder verteilt.
+Das waren dann die sogenannten Käsfische. Dieses Fest wiederholte
+sich den Sommer über alle vierzehn Tage und wurde jedesmal mit lautem
+Freudengeschrei begrüßt.
+
+This hatte sich hinter dem großen Distelbusch am Boden versteckt
+gehalten, während die Verhandlung vor sich ging. Er gab keinen Ton
+von sich und blieb unbeweglich in derselben Stellung, bis er hörte,
+daß die große Schar davonlief. Jetzt guckte er vorsichtig ein wenig
+hervor. Die drei grollenden Zurückgebliebenen saßen am Boden und
+kehrten ihm den Rücken zu. Die anderen waren schon ein gutes Stück
+die Alm hinaufgekommen, ihr Rufen und Jubeln schallte lustig von der
+Höhe hernieder. Den This erfaßte ein unwiderstehliches Verlangen,
+auch an der Käsfischfahrt teilzunehmen. Ganz behende schlüpfte er
+hinter dem Busch hervor, und leise und leicht wie ein Wiesel glitt er
+hinter den drei Unzufriedenen vorbei und den Berg hinauf. Nach dem
+letzten steilen Hang kam eine kleine, glänzend grüne Hochebene, da
+stand die Sennhütte. Und wenige Schritte davon entfernt rauschte der
+klare Schwemmebach nieder. Dort in der Tür seiner Hütte stand der
+Franz Anton mit seinem runden, freundlichen Gesicht. Er lachte über
+die vielen Sprünge, die jetzt die Buben und Mädchen in ihrem Eifer, zu
+dem ersehnten Genuß zu gelangen, auf allen Seiten machten. Jetzt
+waren sie alle bei der Hütte und eines drängte das andere vorwärts, um
+noch näher dabei zu sein, wenn die Teilung beginnen würde.
+
+“Nur zahm, nur zahm”, lachte jetzt der Franz Anton. “Wenn ihr alle in
+die Hütte hineindrängt, so habe ich keinen Platz mehr zum
+Käseschneiden und ihr habt den Schaden.” Jetzt nahm er sein festes
+Messer zur Hand und trat an den großen, runden Käse heran, den er
+schon vorher auf dem Tischchen zurecht gelegt hatte. Das Schneiden
+ging rasch vor sich. Dann kam er mit der langen, dicken, schneeweißen
+Schnur heran. Nun teilte er sie und reichte hier ein Stück und da ein
+Stück, oft über die Köpfe der Großen weg den Kleinen, die nicht zu ihm
+vordringen konnten. Denn der Franz Anton war gerecht in seiner
+Teilung.
+
+This hatte ganz hinten gestanden, und wenn er ein wenig vordringen
+wollte, so bekam er da einen Stoß und dort einen und flog so von einer
+Seite zur anderen. Der Franz Anton sah ihn auch gar nicht, weil immer
+wieder ein Größerer und Dickerer sich vor ihn drängte. Zuletzt bekam
+er einen so ungeheuren Stoß von dem breiten, nach allen Seiten
+schlagenden Jopp, daß er sich fast überschlagen hätte. Die Teilung
+war auch schon fast zu Ende, und der This sah wohl, daß er zu keinem
+Stückchen Käsfisch gelangen konnte, so wollte er doch auch keine
+Schläge mehr. Er ging ein paar Schritte weiter hinunter, wo die
+jungen Tannen standen und setzte sich auf den Boden zwischen den
+Bäumchen. Auf der höchsten Krone des einen saß ein lustiger, kleiner
+Vogel und pfiff so fröhlich in die helle, sonnige Luft hinauf, als
+gäbe es gar nichts anderes auf der Welt als blauen Himmel und
+Sonnenschein. Das machte dem This das Herz so froh, daß er fast das
+Leid vergaß, das ihm eben geschehen war.
+
+Von Zeit zu Zeit mußte er nach der Sennhütte hinüberschauen, denn das
+Lärmen und Jauchzen, wenn immer einer dem anderen sein Stück Käsfisch
+wieder abgejagt hatte, nahm kein Ende. Dann sah er immer noch, wie
+jedes Kind mit einem größeren oder kleineren Brocken der schönen,
+weißen Masse dastand und mit Wonne hineinbiß. Er seufzte dann ein
+wenig und sagte leise: “Wenn ich nur auch einmal ein einziges
+Stücklein bekäme!” Der This hatte niemals von den herrlichen, weißen
+Käsfischen gekostet, denn noch nie hatte er es gewagt, so weit wie
+heute in die Schar der Glücklichen einzudringen. Jetzt hatte er
+gesehen, daß es ihm doch nichts half, wenn er auch allen Mut
+zusammenraffte. Und so kam er zu dem traurigen Schlußgedanken, daß er
+sein Leben lang nie einen Käsfisch bekommen werde. Darüber wurde er
+so traurig, daß er nicht einmal den Vogel mehr hörte und ganz
+zusammengeduckt unter den Tannenbäumen saß.
+
+Jetzt war das Gastmahl bei der Hütte zu Ende und mit schrecklichem
+Lärm stürzten die Kinder daher, womöglich immer einer über den anderen
+hinausspringend, was an dem steilen Hang mehr als einen zu Fall
+brachte. Den halb versteckten This entdeckte im Vorbeirennen der
+lärmende Hans, und laut schrie er in das Gebüsch hinein: “Du Maulwurf,
+komm heraus, du mußt mitmachen!” This verstand, was er mitzumachen
+hatte. Er mußte sich als Bock hinstellen, damit die anderen über ihn
+springen konnten, wobei er dann meistens umgeworfen wurde. Er wäre
+viel lieber in seinem stillen Versteck geblieben, aber er wußte wohl,
+was er zu erwarten hatte, wenn er dem Befehl nicht folgte. So kam er
+gehorsam heran. “Wie viele Käsfische hast du bekommen?” schrie ihn
+jetzt der Hans an.
+
+“Keinen”, gab This zurück. “Oho, seht einmal den an”, schrie der Hans
+noch lauter in die Schar hinein, “der läuft schnell zu den Käsfischen,
+und dann läuft er wieder fort und hat keinen gesehen.” “Du dummer
+This”, rief es von allen Seiten, und zugleich sprangen ihm die großen
+Buben über den Kopf weg, so daß er genug zu tun hatte, nur immer
+wieder auf die Füße zu kommen, wenn er umgeworfen worden war.
+Manchmal rollte er auch mit einer ganzen Schar Gestürzter die Abhänge
+hinunter, bis ein glücklicher Zufall sie wieder alle auf die Füße
+brachte. Nach dieser stürmischen Niederfahrt unten angekommen, liefen
+gleich alle auseinander, jeder seinen Kühen nach.
+
+Der This rannte auf eine andere Seite, weit von allen weg. Denn
+jetzt erwartete er erst noch eine rechte Verfolgung von den
+Zurückgebliebenen, weil er mitgelaufen war. Er lief jetzt zu dem
+Sumpfloch hinunter und duckte sich da hinein, so konnte ihn von oben
+und unten niemand sehen. Das Sumpfloch war eine Vertiefung im
+Berghang, wo im Frühling und Herbst sich das Wasser oft sammelte und
+den Boden sumpfig machte. Jetzt aber war das Loch ganz trocken und
+ein angenehmer Aufenthalt. Denn es reiften da schöne, dunkelrote
+Erdbeeren in der Sonne, die so schön warm in die Vertiefung schien.
+Aber dem This war es überall angst und bang, wenn er noch in der Nähe
+der Häuser und der Hüterbuben war. Denn diese konnten ihn ja jeden
+Augenblick wieder entdecken und ihm wieder einen Streich spielen. Der
+This zuckte scheu und ängstlich bei jedem Ton zusammen, weil er immer
+dachte: Jetzt kommt wieder einer und tut mir etwas. Da dachte er noch
+einmal an das stille Plätzchen unter den kleinen Tannenbäumchen dort
+oben und an das pfeifende Vögelein, so daß es ihn mit Gewalt vom Boden
+zog. Er mußte noch einmal dorthin.
+
+Mit allen Kräften lief er wieder den Berg hinauf und hielt nicht
+einmal an, bis er oben war und sich nun wieder unter die
+Tannenbäumchen setzen konnte. Nur nach vorn ins Tal hinab war sein
+Tannenversteck ein wenig offen. Da saß nun der This in völliger
+Sicherheit. Ringsum war eine große Stille, kein Ton drang von unten
+her bis hier auf die einsame Höhe, nur das Vögelein saß noch auf
+seinem Tannenast und pfiff sein fröhliches Lied. Die Sonne wollte
+untergehen. Die hohen Schneeberge drüben fingen zu flimmern und zu
+glühen an, und über die ganze grüne Alm hin lag das golden schimmernde
+Abendlicht. Der This schaute mit stillem Staunen um sich. Ein nie
+gekanntes Wohlsein kam über ihn. Hier konnte ja auch alle Angst und
+Scheu von ihm weichen, er hatte nichts mehr zu fürchten, denn weit und
+breit war kein Mensch mehr zu sehen und zu hören.
+
+So saß der This eine lange Zeit, und am liebsten wäre er gar nicht
+mehr fortgegangen, denn so wohl war es ihm noch nie in seinem Leben
+gewesen. Aber da hörte er schwere Tritte hinter sich von der Hütte
+her. Es war der Senn. Er kam mit einem Kesselchen daher, gewiß
+wollte er zum Bach hinüber, um Wasser zu holen. This verhielt sich
+mäuschenstill. Denn er war so daran gewöhnt, daß er von jedermann
+angefahren oder ausgelacht wurde, daß er dachte, der Senn werde es
+gleich auch tun und ihn dann fortjagen. Er duckte sich tief unter die
+Bäumchen. Diese knisterten aber von seiner Bewegung, Franz Anton
+wurde aufmerksam, trat näher und guckte in den Tannenbusch hinein.
+
+“Was machst du denn da drinnen?” fragte der Senn mit lustigem Gesicht.
+
+“Nichts”, erwiderte This halblaut und vor Angst zitternd.
+
+“Komm nur heraus. Du brauchst dich nicht zu fürchten, wenn du nichts
+Böses getan hast. Vor wem verbirgst du dich denn? Hast du dich etwa
+mit deinen Käsfischen da hineingeflüchtet, daß du sie in Ruhe
+verzehren kannst?”
+
+“Nein, ich habe keine Käsfische gehabt”, sagte This ängstlich.
+
+“Nicht? Und warum denn nicht?” fragte der Senn in einer Weise, wie
+sonst nie ein Mensch mit dem This redete. Nun erwachte in seinem
+Herzen etwas, das er bisher nicht gekannt hatte--das Zutrauen zu einem
+Menschen.
+
+“Sie haben mich auf die Seite gestoßen”, erwiderte er nun und stand
+hinter den buschigen Zweigen auf.
+
+“So, jetzt kann man dich doch sehen”, fuhr der Senn freundlich fort,
+“komm noch ein wenig näher. Und warum wehrst du dich denn nicht, wenn
+sie dich wegstoßen? Es stößt ja immer einer den anderen, aber zuletzt
+kommt doch jeder an die Reihe, warum nur du nicht?”
+
+“Sie sind stärker”, sagte der This so überzeugend, daß diese Erklärung
+wohl auch dem Franz Anton einleuchtete. Erst jetzt konnte dieser den
+Buben recht sehen. This stand vor dem breiten, großen Franz Anton wie
+ein dünnes Stöcklein vor einer hohen Tanne. Der kräftige Mann
+betrachtete einen Augenblick das schmale Figürchen, an dem tatsächlich
+fast nur Haut und Knochen zu sehen waren. Aus dem mageren Gesicht
+schauten die zwei Augen dann und wann noch ziemlich scheu zu ihm auf.
+
+“Wem gehörst du?” fragte er jetzt den Buben.
+
+“Niemand”, gab This zur Antwort.
+
+“Pah, du wirst doch irgendwo daheim sein? Wo wohnst du denn?”
+
+“Beim Hälmli-Sepp.”
+
+Jetzt ging dem Franz Anton ein Licht auf. “Ach so, bist du der!”
+sagte er verständnisvoll, denn von dem dummen This, den man zu gar
+nichts brauchen konnte, hatte er schon viel gehört, ihn aber nicht
+gekannt.
+
+“Komm einmal mit mir”, sagte er mitleidig. “Wenn du beim Hälmli-Sepp
+bist, so wirst du nicht umsonst selber aussehen wie ein Hälmlein.
+Komm, Käsfische sind nicht mehr da, aber etwas anderes.”
+
+Der This wußte gar nicht, wie ihm geschah. Er ging hinter dem Franz
+Anton gehorsam her, aber es war, als ginge er mit einem Freund, und
+das war ihm noch nie geschehen. Der Senn trat in die Hütte, holte
+hoch von einem Brett ein rundes Brot herunter und schnitt ein großes
+Stück ab. Dann ging er zu dem riesigen Butterfaß, das goldig glänzend
+in der Ecke stand, und holte ein großes Stück Butter heraus. Das
+strich er über die Brotschnitte und reichte nun das feste Stück mit
+der dicken Butter darauf dem This hin. In seinem ganzen Leben hatte
+der This so etwas noch nie bekommen. Er schaute darauf, als sei es
+nicht möglich, daß es ihm gehöre.
+
+“Komm heraus. Iß es vor der Hütte, ich muß nun zum Wasser”, sagte
+Franz Anton, der mit lustigen Augen dem Ausdruck von Glück und
+Erstaunen auf dem Gesicht des Jungen gefolgt war. Dieser gehorchte.
+Vor der Hütte setzte er sich auf den Boden. Und während der Senn zum
+Schwemmebach hinüberging, biß er in sein Butterbrot hinein und biß
+immer wieder und konnte nicht begreifen, daß es etwas so Gutes gäbe
+und er es bekommen hätte.
+
+Inzwischen wehte frisch und wohlig der Abendwind um seinen Kopf und
+wiegte unten die Tannenbäumchen hin und her, und der kleine Vogel saß
+immer noch auf dem höchsten Zweig und sang hell und fröhlich in den
+goldenen Abendhimmel hinauf. Dem This ging das ganze Herz in nie
+gekanntem Wohlsein auf, und er meinte, er müsse laut mit dem Vogel zu
+singen anfangen.
+
+Der Senn war in der Zeit ein paarmal mit seinem Kesselchen hin und her
+gegangen. Drüben beim Schwemmebach war er immer eine Weile
+stehengeblieben und hatte rundum geschaut. Die Berge waren nicht mehr
+rot vom Abendschein, aber jetzt stieg groß und golden der volle Mond
+hinter dem weißen Zacken empor. Nun kam der Senn wieder zur Hütte
+zurück und stellte sich vor den This, der noch auf derselben Stelle
+saß.
+
+“So gefällt’s dir hier?” fragte er freundlich. “Mit dem Abendessen
+bist du fertig, wie ich sehe. Du mußt dich auf den Rückweg machen.
+Sieh, wie schön dir der Mond heimleuchtet!”
+
+Der This hatte gar nicht mehr ans Fortgehen gedacht. Aber jetzt fiel
+ihm ein, daß es wohl nötig sei. Er stand auf, dankte noch einmal dem
+Franz Anton und ging. Aber er kam nicht weiter als bis zu den
+Tannenbäumchen, es hielt ihn mit Gewalt zurück. Er schaute noch
+einmal zurück, und da der Senn in die Hütte getreten war und ihn nicht
+mehr sehen konnte, huschte er schnell unter die dunklen Zweige. Franz
+Anton war der einzige Mensch, der ihn in seinem ganzen Leben mit Güte
+und Liebe behandelt hatte. Das hatte auf den This einen solchen
+Eindruck gemacht, daß er nicht fort konnte. Er mußte noch ein wenig
+in der Nähe dieses guten Menschen bleiben. This lag ganz verborgen
+unter den Bäumchen und spähte zu der Hütte hinauf, ob er den Senn
+nicht noch einmal sähe. Es dauerte einige Zeit, da plötzlich trat
+Franz Anton wirklich noch einmal aus seiner Hütte heraus.
+
+Er blieb vor der Tür stehen und schaute mit gekreuzten Armen in die
+stille Bergwelt hinaus, wo jetzt über alle hohen Schneegipfel hin das
+milde Mondlicht leuchtete. Auch auf das Gesicht des Sennen fiel jetzt
+der helle Mondschein, und This konnte den Ausdruck der friedlichen
+Heiterkeit sehen. Dann faltete er seine Hände. Er hielt wohl still
+seine Abendandacht. Dann auf einmal sagte er ganz laut: “Gute Nacht
+geb euch Gott!” trat in die Hütte zurück und machte die Tür zu. Sein
+Nachtgruß hatte wohl seinen alten Freunden, den hohen Bergen ringsum
+und den Menschen gegolten, die er liebte. Der This hatte in stiller
+Ehrfurcht zu dem Franz Anton aufgeschaut. Er fühlte Liebe und
+Bewunderung für den Senn, Gefühle, die er bisher nicht gekannt hatte.
+
+Als es nun ganz dunkel und still in der Hütte wurde, stand der This
+auf und lief, so schnell er konnte, den Berg hinunter.
+
+Es war spät und kein Lichtlein mehr zu sehen. Aber das war ihm gleich,
+die Tür war ja nie geschlossen. Er trat leise ins Häuschen und
+schlich zu seinem Lager, das er mit dem Uli zu teilen hatte. Dieser
+schlief steif und fest, nachdem er noch vorher ausgerufen hatte: “Es
+ist bequem, daß der This auch jetzt zu dumm wird, sein Bett zu finden.
+So hat man doch Platz!”
+
+This legte sich leise nieder. Und bis seine Augen zufielen, sah er
+immer noch den Franz Anton vor sich, wie er im Mondschein mit
+gefalteten Händen vor seiner Hütte stand. Zum erstenmal in seinem
+Leben schlief der This mit einem glücklichen Herzen ein.
+
+
+
+
+3. Kapitel
+
+Ein hilfreicher Engel
+
+
+Der Tag darauf war ein Sonntag. Die Kinder, die an der Halde wohnten,
+mußten nach Beckenried hinunter zur Kirche. Trotz des langen Weges
+gingen die Kinder jeden Sonntag zum Religionsunterricht, denn der Herr
+Pfarrer hielt fest an der alten Ordnung. So kam eben jetzt die ganze
+Schar den Berghang herunter, und bald saßen sie alle mit anderen
+Kindern so ruhig wie möglich auf den langen Bänken, und der Herr
+Pfarrer konnte beginnen. Er sagte, er habe ihnen das letztemal von
+einem zukünftigen Leben gesprochen, und da sein Blick eben auf den
+This fiel, fuhr er fort: “Ich will dich auch einmal wieder etwas
+fragen, das wirst du wohl beantworten können, wenn man dir auch nicht
+viel zutrauen kann. Sag mir: Wo wird es denn einmal auch dem Ärmsten
+und Geringsten unter uns, wenn er ein frommes Leben geführt hat, so
+wohl werden, daß er kein Leid verspürt?”
+
+“Bei der Schwemmebachsennhütte”, antwortete der This ohne Zögern.
+Jetzt entstand ein solches Kichern, daß der This ganz scheu um sich
+schaute. Ringsum waren spöttische Blicke auf ihn gerichtet, und alle
+Kinder wollten vor verhaltenem Lachen ersticken. Der This beugte sich
+so stark vornüber, als wollte er in den Boden hineinkriechen. Von dem,
+was der Herr Pfarrer das letztemal erklärte, hatte er nichts gehört,
+weil er sich immer gegen heimliche Angriffe wehren mußte. Jetzt hatte
+er auf die Frage ganz nach seiner eigenen Erfahrung geantwortet.
+
+Der Herr Pfarrer schaute ihn fest an. Als er aber sah, daß es dem
+This gar nicht zum Lachen war, sondern daß er vor Scheu ganz
+erschrocken und zusammengeduckt dasaß, da schüttelte der Herr Pfarrer
+nur ganz bedenklich den Kopf und sagte: “Es ist nichts mit ihm zu
+machen.”
+
+Als aber die Religionsstunde zu Ende war, da stürzte die ganze Schar
+hinter dem This her, alle lachten überlaut und schrien durcheinander:
+“This, sind dir auf einmal in der Kirche die Käsfische in den Sinn
+gekommen?”
+
+“This, warum hast du nicht auch etwas von den Käsfischen gesagt?” Der
+This lief wie ein gejagtes Kaninchen davon, um nur endlich dem
+Geschrei zu entfliehen, rannte keuchend den Berghang hinauf. Oben
+wurde er nun nicht mehr verfolgt. Denn die anderen wollten den
+schönen Sonntagabend unten im Dorf genießen.
+
+Der This lief immer weiter hinauf. Er hatte bei allem Leid jetzt
+einen Trost im Herzen. Er konnte zur Schwemmebachsennhütte
+hinaufflüchten und dort das freundliche Gesicht des Franz Anton sehen.
+Ganz still konnte er dort an seinem verborgenen Plätzchen sitzen und
+vor Verfolgung sicher sein. Nun saß er wieder unter den Tannen und
+über ihm sang der Vogel sein Lied. Die Schneeberge glitzerten in der
+Sonne, und über den grünen Hängen floß da und dort ein klares Bächlein
+friedlich ins Tal hinab. Dem This wurde es so wohl, daß er allen
+Spott vergaß und nur den einzigen Wunsch empfand, gar nicht mehr
+weggehen zu müssen.
+
+Von Zeit zu Zeit erblickte er auch den Franz Anton, nach dem er
+beständig ausschaute. Dann duckte er sich aber so tief wie möglich
+nieder. Denn er hatte das Gefühl, wenn der Franz Anton ihn wieder
+hier sehe, so könnte er meinen, er sei gekommen, um wieder ein
+Butterbrot zu bekommen. Und er kam doch nur, weil er der erste und
+einzige Mensch war, der freundlich und liebevoll zu ihm gewesen, und
+in dessen Nähe es ihm so wohl und sicher zumute war, wie sonst
+nirgends auf der Welt. Der Senn entdeckte ihn auch heute nicht, und
+This saß an seinem schönen Plätzchen, bis die Sterne am Himmel standen
+und der Franz Anton wieder wie gestern vor seine Hütte hinaustrat und
+ausrief: “Gute Nacht geb euch Gott!” Dann erst lief der This wieder
+davon, und spät wie gestern kam er auf sein Lager, diesmal recht
+hungrig, denn seit dem Morgen hatte er ja nichts mehr gegessen. Aber
+das war dem Buben heute ganz gleich, er hatte sich ja so wohl gefühlt
+dort oben.
+
+So ging es eine ganze Woche. Tag für Tag, sobald er einen Augenblick
+fand, da niemand ihn sehen und vermissen konnte, lief der This die Alm
+hinauf und setzte sich unter seine Tannenzweige. Von da beobachtete
+er die ganze Tätigkeit des Sennen von einer Minute zur anderen. Und
+nie verließ er seinen friedlichen Aufenthalt, bis der Franz Anton
+gesagt hatte: “Gute Nacht geb euch Gott!” Es war ihm jetzt immer, als
+sei der Nachtsegen auch für ihn gedacht.
+
+Es waren ausnahmsweise heiße Tage. An dem wolkenlosen Himmel stieg
+jeden Morgen die Sonne wieder so hell empor, wie sie am Abend
+niedergegangen war. Das Futter war besonders kräftig, und Franz Anton
+bekam so schöne, fette Milch von den Alpenkühen, daß er die
+prächtigsten Käse daraus herstellen konnte. Das machte ihm Freude,
+und schon frühmorgens konnte man ihn voller Vergnügen in seiner
+Sennhütte pfeifen hören, so auch am Samstag dieser Woche. Da hörte
+man ihn noch viel früher als sonst, denn es war einer der Tage, an dem
+der Senn seine drei oder vier fertigen Käse an den See hinunterbrachte.
+Dort wurden sie in eines der Schiffe verladen. Bald hatte er sie
+auf seinem Rücken festgebunden und wanderte nun wohlgemut talabwärts,
+den dicken Bergstock in der Hand, die schwere Last auf dem Rücken. Es
+war der heißeste Tag des ganzen Sommers.
+
+Je weiter hinunter er gelangte, je mehr plagte ihn die übermäßige
+Hitze, und oft sagte er zu sich: “O wie will ich froh sein, heute
+abend wieder zu meiner Hütte hinauf in die kühle Luft zu kommen, hier
+unten ist’s wie in einem Backofen.” Jetzt war er unten angelangt,
+gerade als das Schiff herankam, das die Käse mitnehmen sollte. Bald
+war alles verladen, und Franz Anton stand einen Augenblick unschlüssig
+da, ob er gleich wieder den Berg hinaufsteigen, oder erst hier unten
+etwas zu sich nehmen wollte. Aber er fühlte keinen Appetit, sein Kopf
+war schwer und heiß, er wünschte sich nur hinaufzukommen. Da zog ihn
+jemand am Arm. Es war einer der Schiffsangestellten, der eben beim
+Einladen geholfen hatte. “Komm, Franz Anton, heute ist’s heiß, wir
+wollen ein Glas Wein im Schatten trinken”, sagte er und zog den Senn
+zu dem Wirtshaus.
+
+Der Franz Anton war durstig und weigerte sich nicht, hier ein wenig im
+Schatten zu sitzen. Er trank sein Glas in einem Zug aus. Dann aber
+stand er bald auf und sagte, es werde ihm ganz unwohl hier unten in
+der schweren, heißen Luft und er sei an kalte Milch und Wasser, nicht
+an den Wein gewöhnt. Damit verabschiedete er sich und ging mit großen
+Schritten auf den Berghang zu. Aber so schwer war ihm das Steigen in
+seinem Leben noch nie gefallen. Die Mittagsonne brannte heiß auf
+seinen Kopf, alle seine Pulse hämmerten, die Füße wurden ihm so schwer,
+daß er sie nur mit Mühe heben konnte. Je steiler die Alm wurde, je
+größer wurden seine Schritte. Und er spornte sich selbst mit der
+Aussicht an, daß nur noch eine Stunde, dann nur noch eine halbe, jetzt
+nur noch eine Viertelstunde heißer Mühe vor ihm liege. Dann würde er
+oben sein und könne sich zum Ausruhen auf das frische Heu werfen.
+
+Jetzt war er am letzten steilen Aufstieg angekommen. Die Sonne
+brannte wie Feuer auf seinen Kopf. Plötzlich wurde es ihm völlig
+schwarz vor den Augen, er schwankte, und schwer stürzte er auf den
+Boden nieder. Er hatte das Bewußtsein verloren.
+
+Als am Abend der Melker mit seiner Milch in die Stube trat, sah er,
+daß der Franz Anton noch nicht zurückgekehrt war. Er stellte seine
+Milch in eine Ecke und ging fort. Er dachte nicht daran, nach dem
+Senn auszuschauen.
+
+Es war aber noch jemand da oben, der hatte schon lange auf den Franz
+Anton gewartet, das war der This. Schon seit ein paar Stunden hatte
+er an seinem verborgenen Plätzchen gesessen. Er kannte jeden Schritt,
+den der Senn tat. Er wußte, wie eine Beschäftigung auf die andere
+folgte, so daß er sich nicht genug wundern konnte, wie lange heute der
+Franz Anton seine Milch stehen ließ. Sonst goß er sie immer gleich in
+die verschiedenen Gefäße. Die eine kam zum Buttern in die großen,
+runden Becken, wo sie stehenblieb, bis aller Rahm schön dick obenauf
+lag. Die andere wurde in den Käsekessel gegossen, das hatte der This
+durch die offene Hüttentür alles genau beobachten können. Der Senn
+kam immer noch nicht. Der Junge fühlte, daß irgend etwas geschehen
+sein mußte. Er kam jetzt leise aus seinem Versteck heraus und ging
+zur Sennhütte. Da war es still und leer unten im Hüttenraum und oben
+auf dem Heuboden. Kein Feuer prasselte unter dem Kessel, kein Laut
+war zu hören, alles wie ausgestorben. Ängstlich lief der This
+jetzt um die Hütte herum, einmal hinunter, dann wieder herauf und dann
+in einer anderen Richtung wieder hinab. Jetzt auf einmal--dort unten
+erblickte er den Franz Anton, der am Boden lag. This sprang hinzu--da
+lag sein Freund mit geschlossenen Augen und stöhnte und lechzte wie
+ein Sterbender. Er sah glühend heiß aus, und seine Lippen waren ganz
+vertrocknet.
+
+Der This stand einen Augenblick still und starrte, bleich vor
+Schrecken, auf seinen Wohltäter. Dann stürzte er in schnellem Lauf
+den Berg hinunter. Franz Anton hatte viele Stunden lang bewußtlos am
+Boden gelegen. Ein schreckliches Fieber hatte ihn ergriffen. Er litt
+an einem verzehrenden Durst. Von Zeit zu Zeit kam es ihm in seinem
+brennenden Verlangen vor, er komme zum Wasser und wolle sich bücken
+und trinken. Und von der Anstrengung erwachte er für einen Augenblick,
+denn es war nur ein Fiebertraum gewesen.
+
+Er lag immer noch auf dem Boden und konnte sich nicht rühren.
+Vergebens lechzte er nach einem Tropfen Wasser. Dann schwand ihm das
+Bewußtsein wieder, und er träumte, er liege unten im Sumpfloch, wo er
+heute früh im Vorübergehen noch die schönen Erdbeeren gesehen hatte.
+Da standen sie noch. Oh, wie sehnte er sich danach! Er wollte die
+Hand ausstrecken, aber vergeblich, er konnte keine greifen. Aber
+jetzt hatte er plötzlich eine im Mund. Ein Engel kniete da und hatte
+sie ihm gegeben--und noch eine und noch eine. Oh, wie tat ihm der
+Saft gut in dem ausgetrockneten Gaumen! Der Franz Anton schlürfte und
+schluckte, es war ein unsägliches Labsal. Er erwachte. War das alles
+Wirklichkeit? Es war kein Traum. Da kniete neben ihm der Engel und
+steckte ihm wieder eine große saftige Erdbeere in den Mund.
+
+“O du guter Engel, noch eine”, sagte leise der Franz Anton. Aber
+nicht nur eine, fünf, sechs steckte ihm der Engel in den Mund. Auf
+einmal flog ein stechender Schmerz über sein Gesicht. Er legte die
+Hand an die Stirn und konnte nur noch leise sagen: “Wasser”, dann war
+ihm das Bewußtsein wieder völlig entschwunden. Er konnte nicht einmal
+mehr die letzte Erdbeere genießen. Jetzt träumte er ganz schreckliche
+Dinge. Sein Kopf wurde so groß wie sein allergrößtes Butterfaß und
+dann immer noch größer und so furchtbar schwer, daß er mit Schrecken
+dachte: “Den kannst du nie mehr allein tragen, man muß starke,
+hölzerne Stützen unterstellen, wie unter die Apfelbäume, wenn sie
+zuviel Äpfel tragen.” Und jetzt fühlte er deutlich, daß der Kopf ganz
+voll Schießpulver war, das hatte einer von hinten angezündet. Nun
+brannte es da drinnen wie loderndes Feuer, und gleich mußte alles
+zerspringen. Aber dann kam plötzlich ganz kalt und belebend der
+Schwemmebach über seine Stirn, über das ganze Gesicht und in den Mund
+hineingeflossen, und Franz Anton schluckte und schluckte und erwachte.
+
+Es war wahr, eiskalt kam ein Guß nach dem anderen auf Stirn und
+Gesicht. Dann kam etwas an seinen Mund, und er schlurfte gierig den
+kühlenden Trank ein. Über ihm standen die funkelnden Sterne, das
+sah der Franz Anton deutlich. Er wußte auch, daß er noch am Boden lag
+draußen auf der freien Alm. Aber das konnte doch nicht der
+Schwemmebach sein, was so über ihn floß und ihn so ordentlich trinken
+ließ. Er konnte nicht begreifen, was es war, aber es war so wohltuend,
+so erlösend von dem schweren Traum und dem schrecklichen Feuer.
+Voller Dank sagte er nur halblaut: “Ach, lieber Gott, wie danke ich
+dir für deine Güte und die hilfreichen Engel!”
+
+Das erquickende Wasserbad hörte nicht auf, und zuletzt fühlte der
+Franz Anton eine kalte Masse auf seiner Stirn, so schützend und
+wohltuend, daß er sagte: “Da kann kein Feuer mehr durch.” Und beruhigt
+schlief er jetzt ganz sanft ein und träumte nicht mehr.
+
+
+
+
+4. Kapitel
+
+Was die Sennenmutter haben will
+
+
+Die Sonne stieg strahlend hinter dem hohen Bergzacken empor, als Franz
+Anton seine Augen aufschlug und verwundert um sich schaute. Er
+schauderte ein wenig zusammen, es fröstelte ihn. Er wollte sich
+aufsetzen, aber sein Kopf war schwer und dumpf. Er fuhr mit der Hand
+an die Stirn, es war, als liege etwas darauf. Und er irrte sich nicht.
+Wohl sechsfach zusammengelegt lag naß und schwer das große Handtuch
+aus der Sennhütte auf seinem Kopf. Er legte es weg, und als nun der
+frische Morgenwind über die Stirn blies, fühlte er sich so wohlig und
+erleichtert, daß er sich schnell aufsetzte und um sich schaute. Da
+sah er auf einmal in zwei große, ernsthafte Augen hinein, die
+unverwandt auf ihn gerichtet waren.
+
+“Bist du das, This?” fragte er verwundert, “Wie kommst du so früh auf
+die Alm? Nun, weil du da bist, komm, daß ich mich ein wenig auf deine
+Schulter stützen kann. Ich bin schwindelig und komme nicht allein auf.”
+
+Der This sprang vom Boden auf und trat nahe an den Senn heran. Er
+stemmte mit aller Gewalt seine beiden Füße in den Boden hinein, so daß
+der Franz Anton einen festen Halt an ihm fand und aufstehen konnte.
+Während des langsamen Aufstiegs zur Hütte, als er sich immer noch auf
+die Schulter des Buben stützte, fing er an, sich daran zu erinnern,
+was ihm eigentlich passiert war. Doch blieben ihm einige Vorgänge der
+Nacht völlig unklar. Vielleicht konnte ihm der This auf die Spur
+helfen. In der Hütte angelangt, setzte sich der Senn auf einen seiner
+dreibeinigen Stühle und sagte: “This, hol dir den anderen und setz
+dich hierher zu mir. Aber zuerst nimm dort den Topf herunter, wir
+wollen ein wenig kalte Milch miteinander trinken, Feuer kann ich jetzt
+noch nicht machen. Ein Schüsselchen steht daneben. Sieh nur, wo ist
+es denn hingekommen?” unterbrach sich der Senn, “ich stelle es
+regelmäßig dort hinauf. Ich weiß nicht, was mit mir vorgeht seit
+gestern.”
+
+Der This war feuerrot geworden, er wußte wohl, wer das Schüsselchen
+heruntergenommen hatte. Ganz zaghaft sagte er: “Dort steht’s am
+Boden”, holte es schnell herbei, auch den Milchtopf und reichte beides
+dem Senn. Dieser schüttelte ganz betroffen den Kopf. Solange er
+lebte, hatte er noch nie sein Schüsselchen dort bei der Tür auf den
+Boden gestellt. Er trank jetzt schweigend und nachdenklich seine
+Milch, füllte dann das Schüsselchen wieder und sagte: “Da, This, trink
+auch! Du hast mir einen guten Dienst erwiesen, daß du so früh hinauf
+kamst. Hast du etwa gemeint, es sei Käsfischtag und du seist dann
+sicher der erste?”
+
+“Nein, gewiß nicht”, versicherte This.
+
+“Sag mir jetzt etwas”, fuhr der Senn fort, der schon ein paarmal
+unruhig auf das nasse Tuch, das jetzt auf dem Tisch lag, dann wieder
+zu dem kleinen Wasserkessel geschaut hatte. “Sag mir, This, habe ich
+denn das Tuch schon auf meiner Stirn gehabt, als du heute früh
+heraufkamst?”
+
+Jetzt wurde der This ganz dunkelrot. Denn er dachte, wenn der Senn
+alles erfahre, was er getan hatte, so sei es ihm vielleicht nicht
+recht, und er könnte böse werden. Aber der Franz Anton schaute ihm
+jetzt so tief in die Augen, daß er alles sagen mußte: “Ich habe es
+selbst darauf gelegt”, fing er zaghaft an.
+
+“Warum denn, This?” fragte der Senn verwundert.
+
+“Weil sie so heiß waren”, erwiderte This.
+
+Der Senn staunte immer mehr. “Aber ich bin ja schon bei Sonnenaufgang
+erwacht”, sagte er. “Wann bist du denn heraufgekommen?”
+
+“Gestern um fünf, oder um vier Uhr”, stotterte der This furchtsam,
+“der Melker kam erst lange nachher.”
+
+“Was, du bist die ganze Nacht hier oben gewesen? Was hast du denn
+gewollt und gemacht?”
+
+Jetzt sah der Franz Anton, daß dem This ganz bange wurde, ihm selber
+aber fielen nun wieder die Vorgänge der letzten Nacht ein. Ganz
+väterlich klopfte er dem Buben auf die Schulter und sagte ermunternd:
+“Vor mir brauchst du dich gar nicht zu fürchten, This. Da, trink noch
+eins aus, und dann sag mir alles, was du weißt, von da an, als du hier
+heraufgekommen bist.” Auf diese Ermunterung hin faßte der This neuen
+Mut. Erst trank er die Milch in wenigen Zügen aus, denn sie schmeckte
+herrlich.
+
+Dann fing er an zu berichten: “Ich habe nur ein wenig zu Ihnen hier
+herauf gewollt, aber nur so wie alle Tage, nicht wegen der Käsfische.
+Und weil dann der Melker schon lange die Milch gebracht hatte und Sie
+nicht kamen, habe ich Sie gesucht. Und dann habe ich Sie am Boden
+gefunden, und Sie sind ganz rot und heiß gewesen und haben Durst
+gehabt. Dann bin ich geschwind zum Sumpfloch hinabgelaufen und habe
+alle großen Erdbeeren gepflückt, die noch da waren, und habe sie Ihnen
+gebracht. Und Sie haben sie gern genommen. Aber dann haben Sie auf
+den Kopf gezeigt und nach Wasser verlangt. Da habe ich aus der Hütte
+das Schüsselchen geholt und den kleinen Kessel, und am Schwemmebach
+habe ich ihn gefüllt. Dann habe ich Ihnen mit dem Schüsselchen das
+Wasser über den Kopf geschüttet und auch zu trinken gegeben, denn sie
+haben immer wieder Durst gehabt. Wenn dann der Kessel leer war, bin
+ich zum Bach hinüber und habe ihn wieder gefüllt. Aber weil das
+Wasser immer so schnell aufgebraucht war, habe ich gedacht, ein dickes
+Tuch wurde den Kopf besser kühlen. Und so habe ich das Tuch aus der
+Hütte geholt und es ganz naß auf Ihren Kopf gelegt. Nur, wenn es dann
+trocken und heiß wurde, habe ich es wieder in den Kessel getaucht und
+es dann wieder naß auf den Kopf getan. Am Morgen sind Sie dann
+erwacht, und ich war froh, ich habe immer gedacht, wenn Sie nur nicht
+etwa krank werden.”
+
+Der Senn hatte mit großer Aufmerksamkeit zugehört. Jetzt stand alles
+deutlich vor ihm, was er in der Nacht erlebt hatte. Er wußte auch
+wieder, wie er halb wachend und im Fieber den Engel mit den Erdbeeren
+als Retter empfunden und dann das Wasser des Schwemmebachs gespürt und
+genossen hatte. Der Franz Anton schaute den This so stumm und
+verwundert an, als hätte er noch nie einen Buben gesehen. Nein, einen
+solchen hatte er noch nie gesehen. Wie war es denn möglich, daß
+dieser Bub, den alle Leute nur den dummen This nannten, sein Leben
+gerettet hatte.
+
+Hätte der This sein Fieber nicht mit dem Wasser gelöscht, wer weiß,
+was bis zum Morgen daraus geworden wäre! Und wie konnte dieser This,
+dem niemand ein freundliches Wort gab, zu einer solchen Aufopferung
+fähig sein, daß er die ganze Nacht bei einem anderen wachte und ihn
+pflegte! Dem großen, starken Franz Anton kamen die Tränen in die
+Augen, als er den scheuen, verachteten This ansah und das alles
+überdachte. Er nahm jetzt den Buben bei der Hand und sagte: “Wir
+wollen gut Freund bleiben, This, ich habe dir viel zu danken, das
+vergesse ich nicht. Tu mir nur noch einen Gefallen, mir zittern die
+Glieder so, daß ich mich jetzt niederlegen muß. Geh du nun hinunter
+zu meiner Mutter und sag ihr, sie soll zu mir heraufkommen, es sei mir
+nicht ganz wohl. Du mußt dann auch wieder mit ihr kommen, ich habe
+noch viel mit dir zu reden heute, vergiß es nicht!”
+
+Solange er lebte, war der This noch nie so glücklich gewesen. Er lief
+springend den Berg hinunter, als könne er nicht hoch genug aufspringen
+vor Freude. Nun hatte der Senn ihm selbst befohlen wiederzukommen,
+und er brauchte sich nicht mehr zu verbergen, sondern durfte gleich in
+die Sennhütte eintreten. Außerdem hatte der Franz Anton ihm noch
+gesagt, er wolle gut Freund mit ihm bleiben. Bei jedem dieser
+Gedanken sprang der This wieder hoch in die Luft und kam bald bei der
+Mutter an. Gerade als er von oben herunter auf das saubere Häuschen
+mit den schimmernden Fenstern zurannte, kam von unten herauf im
+Sonntagsschmuck, das Gesangbuch in der Hand, die Sennenmutter aus der
+Kirche. Der Bub lief auf sie zu, konnte aber zuerst nichts sagen,
+denn er war ganz atemlos vom Laufen.
+
+“Woher kommst denn du?” fragte die sonntäglich gekleidete Frau, die
+nicht gern etwas Unordentliches sah. Mißbilligend musterte sie den
+Buben von oben bis unten, denn er machte keinen sonntäglichen Anblick
+in seinen zerfetzten Alltagshöschen und dem schmutzigen Hemdlein.
+“Ich meine, ich habe dich schon dort drüben über dem Bach gesehen, du
+bist wohl einer vom Hälmli-Sepp?”
+
+“Nein, nur der This”, erwiderte der Bub ganz demütig.
+
+Jetzt fiel der Frau ein, daß die Frau des Hälmli-Sepp einen
+einfältigen Buben bei sich hatte, von dem sie sagten, er sei zu nichts
+zu brauchen. Den hatte sie wohl jetzt vor sich. “Und was willst du
+denn bei mir?” fragte sie nun erst recht verwundert.
+
+Der This war wieder zu Atem gekommen und richtete nun seinen Auftrag
+klar und richtig aus. Die Frau erschrak sehr. Noch nie war der
+kerngesunde Franz Anton krank gewesen. Und daß er nach ihr schickte
+und nicht selbst herunterkommen konnte, war ein recht schlimmes
+Zeichen. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie ins Haus, packte in großer
+Sorge das Nötigste zusammen und kam nach kurzer Zeit mit ihrem großen
+Korb am Arm heraus.
+
+“Komm”, sagte sie zu This, “wir wollen gleich gehn. Warum mußt du
+wieder mit?”
+
+“Ich weiß nicht”, antwortete er. Und fast als wäre es etwas Böses,
+setzte er leise hinzu: “Muß ich nicht den Korb tragen?”
+
+“So, jetzt verstehe ich’s”, sagte die Frau, “der Franz Anton hat daran
+gedacht, daß ich allerhand mitbringen will.” Sie gab dem This den Korb.
+Schweigend ging sie nun neben ihm den Berg hinauf, denn sie war tief
+in ihren Gedanken versunken. Ihr braver Franz Anton war ihr ganzer
+Stolz und ihre Freude. Sollte er wirklich erkrankt sein? Konnte die
+Krankheit gefährlich sein? Ihre Angst wurde immer größer, je näher
+sie der Sennhütte kamen. Jetzt waren sie oben--nur noch einige
+Schritte--der bekümmerten Mutter zitterten die Knie, sie konnte fast
+nicht mehr weiter. Jetzt trat sie ein. Es war niemand da. Sie
+schaute überall umher und zu dem Heuboden hinauf. Dort lag ihr Sohn
+tief im Heu drinnen, sie konnte ihn nicht recht sehen. Mit klopfendem
+Herzen stieg sie die Leiter hinauf.
+
+Der This blieb ehrerbietig draußen vor der Tür stehen, nur den Korb
+schob er in die Hütte hinein. Als die Mutter sich jetzt angstvoll
+über ihren Sohn beugte, schlug dieser seine blauen Augen auf, streckte
+ihr fröhlich seine Hand entgegen, setzte sich auf und sagte munter:
+“Grüß dich Gott, Mutter! Das freut mich, daß du da bist. Ich habe
+aber geschlafen wie ein Bär, die ganze Zeit, seit der This fortging.”
+Die Mutter starrte den Sohn an, halb in Freude, halb in Schrecken, sie
+wußte gar nicht, was sie denken sollte. “Franz Anton”, sagte sie
+jetzt ernsthaft, “was ist mit dir? Redest du im Fieber, oder weißt du,
+daß du mich hast holen lassen?”
+
+“Ja, ja, Mutter”, lachte jetzt der Franz Anton, “jetzt bin ich ganz
+bei mir und das Fieber ist vorbei. Aber alle Glieder zitterten mir
+noch, ich konnte nicht herunterkommen und wollte doch so gern mit dir
+reden. Ich fühl’s auch jetzt noch in den Knien zittern, ich käme noch
+nicht weit.”
+
+“Aber was ist’s denn, was war es denn, Franz Anton? Sag mir’s doch”,
+drängte jetzt die Mutter und setzte sich auf das Heu neben den Sohn.
+
+“Ich will dir nun alles berichten, Mutter, eins nach dem anderen”,
+sagte er, indem er sich an einen Heuballen lehnte. “Sieh einmal
+zuerst dort unten das schmale, magere Büblein an, das kein gutes Stück
+Gewand auf dem Leib hat, dem keiner ein gutes Wort sagt und den jeder
+nur den dummen This nennt.”
+
+Die Mutter schaute zu dem This hin, der wie ein Sperber nach dem Senn
+hinaufspähte, ob er etwa wieder umfallen wolle.
+
+“Und jetzt?” fragte die Mutter gespannt.
+
+“Der hat mir das Leben gerettet, Mutter! Wenn dieses Büblein nicht
+gewesen wäre, so läge ich jetzt noch draußen auf dem Boden in einem
+tödlichen Fieber, oder vielleicht wäre es auch schon vorbei mit mir.”
+Und jetzt erzählte Franz Anton alles, was sich seit gestern nachmittag
+zugetragen hatte. Wie der This ihn die ganze Nacht nicht verlassen
+und ihn erquickt und gepflegt hatte, so wie der gescheiteste Mensch
+auf der Welt es nicht besser hätte tun können.
+
+Die Mutter mußte sich mehrmals die Tränen abwischen. Sie stellte sich
+vor, wenn ihr Franz Anton allein und verlassen in seinem Durst da
+draußen gelegen hätte und vielleicht vom Fieber ganz verzehrt worden
+wäre, und kein Mensch hätte etwas von ihm gewußt. Und jetzt stieg ein
+Dank und eine Freude in ihrem Herzen auf, daß sie laut ausrufen mußte:
+“Gott sei Lob und Dank! Gott sei Lob und Dank!” Aber auch eine solche
+Liebe zu dem armen This überkam sie, daß sie ganz eifrig sagte: “Franz
+Anton, der This geht mir nicht mehr zur Frau des Hälmli-Sepp zurück!
+Sicher hat der arme Bub Hunger gelitten, und in Schmutz und Fetzen hat
+sie ihn laufen lassen. Heute noch nehme ich ihn mit mir, und morgen
+mache ich ihm ein Gewand, daß man ihn ansehen darf. Er muß es nicht
+schlecht haben bei uns, wir wollen nicht vergessen, wie er dir
+geholfen hat.”
+
+“Das ist nun gerade, was ich wünschte, Mutter, aber ich mußte doch
+zuerst wissen, was du dazu sagst. Und jetzt hast du dasselbe Vorhaben
+und schon alles ausgedacht, wie es nicht besser sein könnte. Es geht
+nichts über eine Mutter!” Und der Franz Anton schaute sie so voller
+Glück und Liebe an, daß es ihr im Innersten wohltat und sie bei sich
+dachte: Es geht auch nichts über einen wohlgeratenen Sohn. Dann sagte
+sie: “Jetzt mußt du etwas essen, Franz Anton, daß du wieder zu Kräften
+kommst. Ich habe frische Eier und ein Weißbrot mitgenommen, und jetzt
+will ich Feuer machen, laß dir Zeit zum Herunterkommen.” Das mußte der
+Franz Anton auch tun, denn er schwankte noch ein wenig. Aber es ging.
+Er kam herunter und winkte jetzt den This zum Tisch heran, an den er
+sich selbst niedergesetzt hatte.
+
+“This”, sagte er jetzt, dem Buben freundlich in die Augen schauend,
+“willst du ein Senn werden?”
+
+Der This fing an zu lächeln, aber dann hörte er plötzlich die
+vernichtenden Worte, die er von allen Seiten hundertmal vernommen
+hatte: “Aus dem wird nie etwas,”, “der kann nichts”, “der wird nichts”.
+Und schüchtern antwortete er. “Ich kann nichts werden.”
+
+“This, ein Senn wirst du”, sagte der Franz Anton mit Bestimmtheit.
+“Du hast dich gut genug angestellt bei deiner ersten Arbeit. Nun
+bleibst du bei mir und trägst Milch und Wasser und hilfst mir bei
+allem. Und ich zeige dir, wie man buttert und Käse macht und sobald
+du groß genug bist, steckst du die Arme in den Kessel und bist mein
+Gehilfe.”
+
+“Hier in der Schwemmebachsennhütte?” fragte This, dem die Aussicht auf
+diese Glückseligkeit ganz unfaßbar war.
+
+“Alles hier, in der Schwemmebachsennhütte”, bestätigte der Franz Anton.
+
+Auf das Gesicht des This kam jetzt der Ausdruck eines so strahlenden
+Glücks, daß der Senn ihn nur ansehen mußte. Der Bub war wie
+verwandelt. Das bemerkte auch die Mutter, als sie eben den großen
+Eierkuchen auf den Tisch stellte, den sie gebacken hatte. Sie
+streichelte den Buben und sagte: “Ja, Thisli, heute wollen wir
+miteinander fröhlich sein und morgen auch noch. Und alle Tage wollen
+wir dem lieben Gott dafür danken, daß er dich gerade zur rechten Zeit
+in die Nähe vom Franz Anton geschickt hat, wenn schon kein Mensch
+begreift, warum du da heraufgekommen bist.”
+
+Jetzt begann das fröhliche Essen, und noch nie in seinem ganzen Leben
+hatte der This so viele gute Sachen auf einem Tisch zusammen gesehen.
+Denn zu dem Eierkuchen hatte die Mutter das frische Weißbrot hingelegt
+und daneben Butter und weißen Käse. Und mitten auf dem Tisch stand
+eine große Kanne voll dickrahmiger Milch. Von allem legte jetzt die
+Mutter große, dicke Stücke vor den This hin, und wenn er fertig war,
+gab es gleich noch einmal so viel.
+
+Als gegen Abend die Mutter sich zum Heimgehen bereitmachte, sagte sie:
+“Franz Anton, ich habe mich anders besonnen, der This muß bei dir oben
+bleiben, bis du wieder ganz gesund bist. Er kann dir helfen, wo es
+nötig ist. Der Frau des Hälmli-Sepp will ich schon alles berichten.”
+
+Das war dem Sennen recht, und für den This war es das höchste Glück,
+das er erreichen konnte. Nun war er wirklich daheim beim Franz Anton.
+Nicht mehr verborgen unter den Tannenbäumchen hörte er heute den
+Nachtsegen, er stand unter dem Sternenhimmel neben dem Senn, als
+dieser seine Hände faltete und sagte: “Komm, This, nun beten wir den
+Abendsegen.” Andächtig faltete auch er seine Hände, und als am Schluß
+der Senn sagte: “Gute Nacht geb euch Gott!”, da war das Glück im
+Herzen des This so groß, daß er gern überlaut allen Menschen auf der
+ganzen Welt sagen wollte: ‘Gute Nacht geb euch Gott!’
+
+Noch an demselben Abend ging die Sennenmutter hinüber zu der Frau des
+Hälmli-Sepp, die mit ihren drei Buben und Lisi vor dem Haus stand und
+gerne verstehen wollte, was ihre Kinder alle auf einmal erzählten.
+Die Sennin hörte, daß von Franz Anton die Rede war, dessen Unfall der
+Melker berichtet hatte. Als sie nun der Frau des Hälmli-Sepp erklärte,
+daß sie mit ihrem Sohn übereingekommen sei, sie wollten den This bei
+sich annehmen, da machte die Frau einen großen Lärm. Sie sagte, sie
+sollten doch lieber einen von ihren drei Buben nehmen, die seien für
+den Senn eine größere Hilfe als der dumme This. Und die Buben schrien
+alle aus vollen Hälsen: “Mich! Mich! Mich!” Denn sie wußten wohl,
+wie gut der Franz Anton war, und was es in der Sennhütte für gute
+Dinge gab. Da half aber alles Schreien und Bitten nichts.
+
+Die Sennin sagte ganz ruhig, sie bleibe beim This, und sie kenne ihn
+schon, er habe mehr Herz und Verstand als mancher, der ihn den dummen
+This nenne. Sie wolle auch die Buben warnen, sie sollten jetzt das
+Hänseln und Verspotten unterlassen, sonst hätten sie es mit ihrem Sohn
+zu tun. Der rede dann mit seinen kräftigen Armen eine deutlichere
+Sprache mit den Buben, als sie es jetzt könnte. Dann verließ die
+Sennin die Leute, die ihr alle ganz stumm und verblüfft nachschauten,
+und jedes der Kinder dachte bei sich: Wenn ich doch nur der This wäre,
+der wird’s gut haben, wie ein König wird er da oben in seiner
+Sennhütte leben. Wo aber von dem Tag an der This sich sehen ließ,
+liefen ihm die Buben alle nach, und jeder wollte sein bester Freund
+sein. Denn sie mußten alle an den letzten Käsfischtag denken, als der
+This so übel behandelt worden war. Von nun an würde er ja gewiß alle
+Käsfische allein bekommen, da wäre doch jeder gut daran, der sein
+Freund wäre. Und später waren sie auch alle gut daran, denn dem This
+machte es die größte Freude, die reiche Ernte der Käsfische unter
+allen gerecht aufzuteilen. Und er konnte sich nicht genug darüber
+wundern, wie freundlich jetzt alle Kinder zu ihm waren. Er wurde nie
+mehr ausgelacht. Als er vor niemandem mehr Angst hatte, da zeigte
+sich zur Überraschung aller, daß er auf einmal ein ganz flinkes,
+geschicktes Bürschchen war, von dem jeder sagen mußte: “Entweder ist
+das nicht derselbe Bub, oder man hat niemals ein Recht gehabt, ihn den
+dummen This zu nennen.” Sogar der Herr Pfarrer sagte nach einiger Zeit,
+sein liebster Schüler im Unterricht sei jetzt der This. Denn bei
+allem, was er antwortete, habe er einen klaren Gedanken, und die
+anderen Buben könnten ihn sich alle zum Vorbild nehmen.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VOM THIS, DER DOCH ETWAS WIRD ***
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
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+
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+of this license, apply to copying and distributing Project
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+the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
+without further opportunities to fix the problem.
+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO
+OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
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+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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+goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg™ and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org.
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+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification
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+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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+Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate.
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic
+works
+
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+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
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+Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed
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