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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:32:49 -0700 |
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| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:32:49 -0700 |
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diff --git a/9181-8.txt b/9181-8.txt new file mode 100644 index 0000000..918cc64 --- /dev/null +++ b/9181-8.txt @@ -0,0 +1,5334 @@ +The Project Gutenberg EBook of Die Ahnfrau, by Franz Grillparzer + +This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most +other parts of the world at no cost and with almost no restrictions +whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of +the Project Gutenberg License included with this eBook or online at +www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have +to check the laws of the country where you are located before using this ebook. + +Title: Die Ahnfrau + +Author: Franz Grillparzer + +Posting Date: October 12, 2014 [EBook #9181] +Release Date: October, 2005 +First Posted: September 12, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE AHNFRAU *** + + + + +Produced by Delphine Lettau, from files obtained from +Gutenberg Projekt-DE. + + + + + + + + + + +Die Ahnfrau + +Franz Grillparzer + +Trauerspiel in fünf Akten (1817) + + + + +Personen: + +Graf Zdenko von Borotin +Berta, seine Tochter +Jaromir +Boleslav +Günther, Kastellan +Ein Hauptmann +Ein Soldat +Mehrere Soldaten und Diener +Die Ahnfrau des Hauses Borotin + + + + +Erster Aufzug + +Gotische Halle. Im Hintergrunde zwei Türen. An beiden Seitenwänden, +links und rechts, ebenfalls eine Türe. An einer Kulisse des +Vorgrundes hängt ein verrosteter Dolch in seiner Scheide. Später +Winterabend. Licht auf dem Tische. + + +Graf Borotin. Berta. + +Der Graf (am Tische sitzend und auf einen Brief hinstarrend, den er in +beiden Händen hält). +Nun Wohlan, was muß geschehe! +Fallen seh ich Zweig' auf Zweige, +Kaum noch hält der morsche Stamm. +Noch ein Schlag, so fällt auch dieser +Und im Staube liegt die Eiche, +Die die reichen Segensäste +Weit gebreitet rings umher. +Die Jahrhunderte gesehen +Werden, wachsen und vergehen, +Wird vergehen so wie sie; +Keine Spur wird übrigbleiben; +Was die Väter auch getan, +Wie gerungen, wie gestrebt, +Kaum daß fünfzig Jahr' verfließen +Wird kein Enkel mehr es wissen +Daß ein Borotin gelebt! + +Berta (am Fenster). +Eine grause Nacht, mein Vater! +Kalt und dunkel wie das Grab. +Losgerißne Winde wimmern +Durch die Luft, gleich Nachtgespenstern; +Schnee soweit das Auge trägt, +Auf den Hügeln, auf den Bergen, +Auf den Bäumen, auf den Feldern, +Wie ein Toter liegt die Erde +In des Winters Leichentuch; +Und der Himmel, sternelos, +Starrt aus leeren Augenhöhlen +In das ungeheure Grab +Schwarz herab! + +Graf. +Wie sich doch die Stunden dehnen! +Was ist wohl die Glocke, Berta? + +Berta (vom Fenster zurückkommend, und sich, dem Vater gegenüber, zur +Arbeit setzend). +Sieben Uhr hat's kaum geschlagen. + +Graf. +Sieben? Und schon dunkle Nacht! +Ach, das Jahr ist alt geworden, +Kürzer werden seine Tage, +Starrend stocken seine Pulse +Und es wankt dem Grabe zu. + +Berta. +Ei, kommt doch der holde Mai, +Wo das Feld sich kleidet neu, +Wo die Lüfte sanfter wehen +Und die Blumen auferstehen! + +Graf. +Wohl wird sich das Jahr erneuen, +Diese Felder werden grünen, +Diese Bäche werden fließen, +Und die Blume, die jetzt welket, +Wird vom langen Schlaf erwachen +Und das Kinderhaupt erheben +Von dem weißen, weichen Kissen, +Öffnen ihre klaren Augen +Freundlich lächelnd wie zuvor. +Jeder Baum, der jetzt im Sturme +Seine nackten, dürren Arme +Hilfeflehend streckt zum Himmel, +Wird mit neuem Grün sich kleiden. +Alles was nur lebt und webt +In dem Hause der Natur, +Weit umher, in Wald und Flur, +Wird sich frischen Lebens freuen, +Wird im Lenze sich erneuen: +Nie erneut sich Borotin! + +Berta. +Ihr seid traurig, lieber Vater! + +Graf. +Glücklich, glücklich nenn ich den, +Dem des Daseins letzte Stunde +Schlägt in seiner Kinder Mitte. +Solches Scheiden heißt nicht Sterben; +Denn er lebt im Angedenken, +Lebt in seines Wirkens Früchten, +Lebt in seiner Kinder Taten, +Lebt in seiner Enkel Mund. +O es ist so schön, beim Scheiden +Seines Wirkens ausgestreuten Samen +Lieben Händen zu vertraun, +Die der Pflanze sorglich warten, +Und die späte Frucht genießen; +Im Genusse doppelt fühlend +Den Genuß und das Geschenk. +O es ist so süß, so labend, +Das was uns die Väter gaben +Seinen Kindern hinzugeben +Und sich selbst zu überleben! + +Berta. +Über diesen bösen Brief! +Ihr wart erst so heiter, Vater, +Schienet seiner Euch zu freuen, +Und nun, da Ihr ihn gelesen, +Seid mit eins Ihr umgestimmt. + +Graf. +Ach, es ist nicht dieses Schreiben, +Seinen Inhalt konnt' ich ahnen. +Nein es ist die Überzeugung, +Die sich immer mehr bewährt; +Daß das Schicksal hat beschlossen, +Von der Erde auszustoßen +Das Geschlecht der Borotin! +Sieh, man schreibt mir, daß ein Vetter, +Den ich kaum einmal gesehen, +Der der einz'ge außer mir +Von dem Namen unsers Hauses, +Kinderlos, ein welker Greis, +Gählings über Nacht gestorben. +Und so bin ich denn der Letzte +Von dem hochberühmten Stamme, +Der mit mir zugleich erlischt. +Ach, kein Sohn folgt meiner Bahre, +Trauernd wird der Leichenherold +Meines Hauses Wappenschild, +Oft gezeigt im Schlachtgefild, +Und den wohlgebrauchten Degen +Mir nach in die Grube legen. +Es geht eine alte Sage, +Fortgepflanzt von Mund zu Mund, +Daß die Ahnfrau unsers Hauses, +Ob begangner schwerer Taten, +Wandeln müsse ohne Ruh', +Bis der letzte Zweig des Stammes, +Den sie selber hat gegründet, +Ausgerottet von der Erde. +Nun wohlan, sie mag sich freuen, +Denn ihr Ziel ist nicht mehr fern! +Fast möcht' ich das Märchen glauben, +Denn fürwahr ein mächt'ger Finger +War bemüht bei unserm Fall. +Kräftig stand ich, herrlich blühend +In der Mitte dreier Brüder; +Alle raubte sie der Tod! +Und ein Weib führt' ich nach Hause, +Schön und gut und hold wie du. +Hochbeglückt war unsre Ehe +Und ein Knabe und ein Mädchen +Sproßten aus dem keuschen Bund. +Bald wart ihr mein einz'ger Trost, +Meine einz'ge Lebensfreude, +Denn mein Weib ging ein zu Gott. +Sorgsam, wie mein Augenlicht, +Wahrte ich die teuern Pfänder; +Doch umsonst! Vergeblich Streben! +Welche Klugheit, welche Macht, +Mag das Opfer wohl erhalten, +Das die finsteren Gewalten +Ziehen wollen in die Nacht! +Kaum drei Jahre war der Knabe, +Als er in dem Garten spielend +Von der Wärtrin sich verlief. +Offen stand die Gartentüre, +Die zum nahen Weiher führt. +Immer sonst war sie geschlossen, +Eben damals stand sie offen, (bitter) +Hätt' ihn sonst der Streich getroffen! + +Ach, ich sehe deine Tränen +Treu sich schließen an die meinen. +Weißt du etwa schon den Ausgang? +Ach, ich armer, schwacher Mann, +Habe dir wohl oft erzählet +Die alltägliche Geschichte. +Was ist's weiter?--Er ertrank! +Sind doch manche schon ertrunken! +Daß es just mein Sohn gewesen, +Meine ganze, einz'ge Hoffnung, +Meines Alters letzter Stab; +Was kann's helfen!--Er ertrank-- +Und ich sterbe kinderlos! + +Berta. +Lieber Vater! + +Graf. +Ich verstehe +Deiner Liebe sanften Vorwurf. +Kinderlos konnt' ich mich nennen, +Und ich habe dich, du Treue! +Ach, verzeih dem reichen Manne, +Der sein Habe halb verloren +In des Unglücks hartem Sturm, +Und nun mit der reichen Hälfte, +Lang an Überfluß gewöhnet, +Sich für einen Bettler hält. +Ach verzeih, wenn das Verlorne +In so hellem Lichte glüht, +Ist doch der Verlust ein Blitzstrahl, +Der verklärt was er entzieht! +Ja fürwahr, ich handle unrecht! +Ist mein Name denn das Höchste? +Leb ich nur für meinen Stamm? +Mag ich kalt das Opfer nehmen, +Das du mit der Jugend Freuden, +Mit des Lebens Glück mir bringst! +Meines Daseins letzte Tage +Seien deinem Glück geweiht. +Ja an eines Gatten Seite, +Der dich liebt, der dich verdient, +Werde dir ein andrer Name +Und mit ihm ein andres Glück! +Wähle von des Landes Söhnen, +Frei den künftigen Gemahl, +Denn dein Wert verbürgt mir deine Wahl! +Wie du seufzest!--Hast wohl schon gewählet? +Jener Jüngling?--Jaromir-- +Jaromir von Eschen denk ich. +Ist's nicht also? + +Berta. +Wag ich es?-- + +Graf. +Glaubtest du dem Vaterauge +Bleib' ein Wölkchen nur verborgen, +Das an deinem Himmel hängt? +Sollt' ich gleich wohl eher schelten, +Daß ich erst erraten muß +Was ich längst schon wissen sollte: +War ich je ein harter Vater, +Bist du nicht mein teures Kind? +Edel nennst du sein Geschlecht, +Edel nennt ihn seine Tat, +Bring ihn mir, ich will ihn kennen, +Und besteht er auf der Probe +So kann manches noch geschehn. +Fallen gleich die weiten Lehen +Als erloschen heim dem Thron, +Ein bescheidnes Los zu gründen +Hat noch Borotin genug. + +Berta. +O wie soll ich-- + +Graf. +Mir nicht danke! +Zahl ich doch nur alte Schulden. +Hast nicht du's um mich verdient, +Hat nicht er's, der wackre Mann? +Denn er war's doch, der im Walde +Dir das Leben einst gerettet, +Und mit eigener Gefahr? +Ist's nicht also, liebe Tochter? + +Berta. +Oh, mit augenscheinlicher Gefahr! +Hab ich's Euch doch schon erzählet, +Wie in einer Sommernacht +Ich dort in dem nahen Walde +Mich lustwandelnd einst erging, +Und vom Schmeichelhauch der Lüfte, +Von dem Duft der tausend Blüten +Eingelullt in süß Vergessen +Weiter ging als je zuvor. +Wie mit einmal durch die Nacht +Einer Laute Klang erwacht, +Klagend, stöhnend, Mitleid flehend +Mit der Tonkunst ganzer Macht; +Girrend bald gleich zarten Tauben +Durch die dichtverschlungnen Lauben, +Bald mit langgedehntem Schall +Lockend gleich der Nachtigall, +Daß die Lüfte schweigend horchten +Und das Laub der regen Espe +Seine Regsamkeit vergaß. +Wie ich so da steh und lausche, +Ganz in Wehmut aufgelöst, +Fühl ich mich mit eins ergriffen, +Und zwei Männer, angetan +Mit des Mordes blut'ger Farbe, +Mit dem Dolch, den Augen dräuend, +Seh ich gräßlich neben mir. +Schon erheben sie die Dolche, +Schon glaub ich die Todeswunde, +Schreiend, in der Brust zu fühlen: +Da teilt schnell sich das Gebüsche, +Reißend springt ein junger Mann, +Hoch den Degen in der Rechten, +In der Linken eine Laute +Auf die bleichen Mörder zu. +Wie er ihnen obgesieget, +Wie er, einzeln, sie bezwang, +Wie die kühne Tat gelang +Weiß ich nicht. In starre Ohnmacht +War ich zagend hingesunken. +Ich erwacht' in seinen Armen, +Und zum Leben neu geboren, +Unbehilflich, schwach und duldend +Wie ein Kind am Mutterbusen +Hing ich an des Teuren Lippen +Seine heißen Küsse trinkend. +Und mein Vater, für das alles +Was er erst für mich getan, +Konnt' ich wen'ger als ihn lieben? + +Graf. +Und ihr saht euch öfter? + +Berta. +Zufall +Ließ mich drauf ihn wieder finden. +Bald--nicht bloß der Zufall mehr. + +Graf. +Warum flieht er deines Vaters, +Seines Freundes Angesicht. + +Berta. +Obgleich edlem Stamm entsprossen, +Nur des Hauses edler Stolz, +Nicht sein Gut kam auf den Erben. +Arm und dürftig wie er ist, +Fürchtet er, hört' ich ihn sagen, +Daß der reiche Borotin +Andern Lohn für seine Tochter, +Als die Tochter selber zahle. + +Graf. +Ich weiß Edelmut zu ehren, +Wenn er sich und andre ehrt. +Bring ihn mir, er soll erfahren, +Daß dem reichen Borotin +Er sein reichstes Gut erhalten, +Soll erfahren, daß dein Vater +Für das Gold der ganzen Welt +Dich nicht für bezahlet hält.-- +Doch jetzt, Berta, nimm die Harfe +Und versuch es, meinen Kummer +Um ein Stündchen zu betrügen. +Spiel ein wenig, liebe Tochter! + +(Berta nimmt die Harfe. Bald nach den ersten Akkorden nickt der Alte +und schlummert ein. Sobald er schläft stellt Berta die Harfe weg.) + +Berta. +Schlummre ruhig, guter Vater! +Daß doch all die süßen Blumen, +Die du streust auf meinen Pfad, +Dir zum Kranze werden möchten +Auf dein sorgenschweres Haupt.-- +Ich soll also ihm gehören, +Mein ihn nennen, wirklich mein? +Und das Glück, das schon als Hoffnung +Mir der Güter größtes schien, +Gießt in freudiger Erfüllung +Mir sein schwellend Füllhorn hin! + +Ich kann's nicht fassen, +Mich selber nicht fassen, +Alles zeigt mir und spricht mir nur ihn, +Den Wolken, den Winden +Möcht' ich's verkünden, +Daß sie's verbreiten so weit sie nur ziehn! + +Mir wird's zu enge +In dem Gedränge +Fort auf den Söller, wie lastet das Haus; +Dort von den Stufen +Will ich es rufen +In die schweigende Nacht hinaus. + +Und naht der Treue, +Dem ich mich weihe, +Künd ich ihm jubelnd das frohe Geschick +An seinem Munde +Preis ich die Stunde +Preis ich die Liebe, preis ich das Glück. (Ab.) + +(Pause.--Die Ahnfrau, Bertan an Gestalt ganz ähnlich, und in der +Kleidung nur durch einen wallenden Schleier unterschieden, erscheint +neben dem Stuhle des Schlafenden und beugt sich schmerzlich über ihn.) + +Graf (unruhig im Schlafe). +Fort von mir!--Fort!--Fort! (Er erwacht.) +Ah--bist du hier meine Berta? +Ei das war ein schwerer Traum, +Noch empört sich mir das Innre! +Geh doch nach der Harfe, Berta, +Mich verlangt's Musik zu hören! + +(Die Gestalt hat sich aufgerichtet und starrt den Grafen mit +weitgeöffneten toten Augen an.) + +Graf (entsetzt). +Was starrst du so graß nach mir, +Daß das Herz im Männerbusen +Sich mit bangem Grausen wendet, +Und der Beine Mark gerinnt! +Weg den Blick! Von mir die Augen! +Also sah ich dich im Traume +Und noch siedet mein Gehirn. +Willst du deinen Vater töten? + +(Die Gestalt wendet sich ab und geht einige Schritte gegen die Türe.) + +Graf. +So!--Nun kenn ich selbst mich wieder!-- +Wohin gehst du Kind? + +Die Gestalt (wendet sich an der Türe um. Mit unbetonter Stimme). +Nach Hause. (Ab.) + +Der Graf (stürzt niedergedonnert in den Sessel zurück. Nach einer +Weile). +Was war das?--Hab ich geträumt?-- +Sah ich sie nicht vor mir stehn, +Hört' ich nicht die toten Worte, +Fühl ich nicht mein Blut noch starren +Von dem grassen, eis'gen Blick?-- +Und doch, meine sanfte Tochter!-- +Berta! Höre, Berta! + +(Berta und Kastellan kommen.) + +Berta (hereinstürzend). +Ach, was fehlt Euch, lieber Vater? + +Graf. +Bist du da! Was ficht dich an, +Sprich, was ist's, unkindlich Mädchen, +Daß du wie ein Nachtgespenst +Durch die öden Säle wandelst +Und mit seltsamen Beginnen +Lebensmüde Schläfer schreckst? + +Berta. +Ich, mein Vater? + +Graf. +Du, ja du! +Wie, du weißt nicht? Und noch haften +Deine starren Leichenblicke +Mir gleich Dolchen in der Brust. + +Berta. +Meine Blicke? + +Graf. +Deine Blicke! +Zieh nicht staunend auf die Augen! +Siehst du, so!--doch nein, viel starrer! +Starr?--die Sprache hat kein Wort! +Blickst du mich liebkosend an, +Um den Eindruck wegzuwischen +Jenes finstern Augenblicks? +All umsonst! So lang ich lebe +Wird das Schreckbild vor mir stehn, +Auf dem Todbett werd ich's sehn! +Scheint dein Blick gleich Mondenschimmer +Über einer Abendlandschaft, +O ich weiß, er kann auch töten! + +Berta. +Ach, was hab ich denn begangen, +Das Euch also aufgeregt, +Und Euch heißt die Augen schelten, +Die den Euern bang begegnend +Sich mit Wehmutstränen füllen. +Daß ich Euch im Schlaf verlassen, +Unbedachtsam fortgegangen-- + +Graf. +Daß du fortgingst?--Daß du hier warst! + +Berta. +Daß ich hier war? + +Graf. +Standst du nicht +Hier auf dieser, dieser Stelle +Schießend deine kalten Pfeile +Nach des grauen Vaters Brust. + +Berta. +Als Ihr schliefet? + +Graf. +Kurz erst, jetzt erst! + +Berta. +Eben komm ich von dem Söller! +Als der Schlummer Euch umfing +Ging ich sehnsuchtsvoll hinaus +Nach dem Teuern umzuschauen. + +Graf. +Schändlich!--Mädchen, höhnst du mich? + +Berta. +Höhnen?--ich, mein Vater?--ich? + +(Mit überströmenden Augen zu Günther.) + +Ach sprich du!--Ich weiß nicht--kann nicht! + +Günther. +Ja fürwahr, mein gnäd'ger Herr, +Ja, das Fräulein kömmt vom Söller. +Ich stand bei ihr, und wir schauten +In die schneeerhellte Gegend +Ob kein Wanderer sich nahe. +Erst als Ihr sie gellend rieft, +Eilte sie mit mir herbei. + +Graf (rasch). +Und ich sah-- + +Günther. +Ihr sahet--? + +Graf. +Nichts! + +Günther. +Ihr saht etwa--? + +Graf. +Nichts! nichts sag ich! + +(Vor sich hin.) + +Es ist klar, ich hab geträumt! +Wenn sich gleich die Sinne sträuben, +Das Gedächtnis es verneint, +Doch ist's so; ich hab geträumt! +Kann der Schein sich also hüllen +Ins Gewand der Wirklichkeit? +Diese Hand seh ich nicht klarer +Als ich jenes Bild gesehn! +Und doch, meine sanfte Berta! +Es ist klar, ich hab geträumt!-- +Was stehst du so ferne, Berta? +Hast du keinen Vorwurf, Liebe, +Für den harten, rauhen Vater +Der so bitter dich gekränkt? +Ach, so warst du schon als Kind, +Trugest immerdar zugleich +Der Beleid'gung herben Schmerz +Und das Unrecht des Beleid'gers. +Immer gut und immer schuldlos, +Schienst du stets die Schuldige-- + +Berta (an seiner Brust). +Und bin ich nicht wirklich schuldig? +Wenn auch nicht als Grund des Zornes, +Ach, doch als sein Gegenstand! + +Graf. +Du verzeihst mir also, Berta? + +Berta. +Ihr habt wohl geträumt, mein Vater! +Es gibt gar lebend'ge Träume! +Oder dieser Halle Dunkel +Matt vom Kerzenlicht erhellt +Täuscht' in trügender Gestaltung +Euer schlummertrunknes Aug'. + +Oh, ich hab es oft erfahren, +Wie die Sinne, aufgeregt, +Stumpfe Diener unsrer Seele, +Gern für wahr und wirklich halten +Die verworrenen Gestalten, +Die der Geist in sich bewegt. +Gestern nur, mein Vater, ging ich +In des Zwielichts mattem Strahl +Durch den alten Ahnensaal. +In der Mitte hängt ein Spiegel, +Halb erblindet und voll Flecken. +Wie ich ihn vorüber gehe +Bleib ich, meinen Anzug musternd, +Vor dem matten Glase stehn. +Eben senk ich nach dem Gürtel +Nieder meine beiden Hände, +Da--Ihr werdet lachen, Vater! +Und auch ich muß jetzt fast lächeln +Meiner kindisch schwachen Furcht, +Doch in jenem Augenblicke +Konnt' ich nur mit Schreck und Grauen +Das verzerrte Wahnbild schauen. +Wie ich senke meine Hände +Um den Gürtel anzuziehn, +Da erhebt mein Bild im Spiegel +Seine Hände an das Haupt, +Und mit starrendem Entsetzen +Seh ich in dem dunkeln Glase +Meine Züge sich verzerren. +Immer sind es noch dieselben +Und doch anders, furchtbar anders, +Und mir selbst nicht ähnlicher +Als ein Lebend'ger seiner Leiche. +Weit reißt es die Augen auf +Starrt nach mir, und mit dem Finger +Droht es warnend gegen mich. + +Günther. +Weh, die Ahnfrau! + +Graf (wie von einem plötzlichen schrecklichen Gedanken ergriffen, vom +Sessel aufspringend). +Ahnfrau! + +Berta (verwundert). +Ahnfrau? + +Günther. +Saht Ihr nie ihr Bild im Saale, +Euch so ähnlich, gnäd'ges Fräulein, +Gleich als hättet Ihr dem Maler, +Lieblich wie Ihr seid, gesessen? + +Berta. +Oftmals hab ich's wohl gesehn, +Es mit Staunen mir betrachtet, +Und es war mir immer teuer +Wegen dieser Ähnlichkeit. + +Günther. +Und Ihr kennet nicht die Sage, +Die von Mund zu Munde geht? + +Berta. +Schon als Kind hört' ich's erzählen, +Doch ein Märchen nennt's der Vater. + +Günther. +Ach, er fühlt's zu dieser Frist, +Wie er sich's auch selbst verhehle, +Fühlt's im Tiefsten seiner Seele, +Daß es mehr als Märchen ist. +Ja, die Ahnfrau Eures Hauses, +Jung und blühend noch an Jahren, +Berta, so wie Ihr geheißen, +Schön und reizend, so wie Ihr, +Von der Eltern Hand gezwungen, +Zu verhaßter Ehe Bund, +Sie vergaß ob neuen Pflichten +Langgehegter Liebe nicht; +In den Armen ihres Buhlen +Überfiel sie der Gemahl. +Durstend seine Schmach zu rächen, +Straft' er selber das Verbrechen +Stieß ins Herz ihr seinen Stahl, +Jenen Stahl, den in der Blinde +Man dort aufgehangen hat, +Zum Gedächtnis ihrer Sünde, +Zum Gedächtnis seiner Tat. +Ruhe ward ihr nicht vergönnet, +Wandeln muß sie ohne Rast, +Bis das Haus ist ausgestorben, +Dessen Mutter sie gewesen, +Bis weit auf der Erde hin +Sich kein einz'ger Zweig mehr findet +Von dem Stamm den sie gegründet, +Von dem Stamm der Borotin. +Und wenn Unheil droht dem Hause, +Sich Gewitter türmen auf, +Steigt sie aus der dunkeln Klause +An die Oberwelt herauf. +Da sieht man sie klagend gehen, +Klagend, daß ihr Macht gebricht, +Denn sie kann's nur vorhersehen, +Ab es wenden kann sie nicht! + +Berta. +Und das ist es--? + +Günther. +Das ist alles +Was ich hier zu sagen wage, +Wenn gleich all nicht was ich weiß. +Eines ist noch übrig, eines, +Das des Hauses ältre Diener, +Das der Gegend welke Greise +Bang sich in die Ohren raunen, +Das der Sage heil'ger Mund +Aus der Väter fernen Tagen +In die Enkelwelt getragen. +Eines, das den Schlüssel gibt +Zu so manchem finstern Rätsel, +Das ob diesem Hause brütet. +Aber wag ich es zu sagen +Hier an diesem, diesem Ort +Wo noch kurz zuvor der Schatten-- + +(Mit scheuen Blicken umhergehend. Berta schmiegt sieh an ihn, und +folgt mit ihren Augen den seinigen.) + +Runzelt Ihr die hohen Brauen +Edler Herr? Ich kann nicht anders! +Meinen Busen will's zerbrechen +Und es drängt mich's auszusprechen +Beb ich selber gleich zurück.-- +Kommt hierher, mein Fräulein, hierher +Und vernehmt und staunt und bebt.-- +Mit der Ahnfrau blut'ger Leiche +Ward der Sünde Keim begraben, +Aber nicht der Sünde Frucht. +Das Verbrechen, das des Gatten +Blut'ger Rachestahl bestraft, +War, wie jene Sage spricht, +Wohl das Letzte ihres Lebens +Aber ach, ihr erstes nicht. +Ihres Schoßes einz'ger Sohn, +Den Ihr unter Euren Ahnen, +Unter Euren Vätern zählt, +Der des mächt'gen Borotin +Lehen, Gut und Namen erbte, +Er-- + +Graf. +Schweig! + +Günther. +Es ist ausgesprochen. +Er, dem Vater unbewußt, +War ein Pfand geheimer Lust, +War ein Denkmal ihrer Sünde! +Darum muß sie klagend wallen +Durch die weiten, öden Hallen, +Die das Werk von Trug und Nacht +Auf ein fremd Geschlecht gebracht. +Und in jedem Enkelkinde, +Das entsproßt aus ihrem Blut, +Haßt sie die vergangne Sünde, +Liebt sie die vergangne Glut. +Also harret sie seit Jahren, +Wird noch harren jahrelang +Auf des Hauses Untergang; +Und ob der sie gleich befreiet, +Hütet sie doch jeden Streich, +Der dem Haupt der Lieben dräuet, +Den sie wünscht und scheut zugleich. +Darum wimmert es so kläglich +In den halbverfallnen Gängen, +Darum pocht's in dunkler Nacht-- + +(Entferntes Getöse.) + +Berta. +Himmel! + +Günther. +Weh uns! + +Graf. +Was ist das? + +(Das Getöse wiederholt sich.) + +Fast gefährlich scheint dein Wahnsinn +Er steckt auch Gesunde an. +An die Pforte wird geschlagen +Einlaß fordernd. Geh hinab +Und sieh zu, was man begehrt! + +(Günther ab.) + +Berta. +Vater, du siehst bleich! Ist's Wahrheit +Was der alte Mann da spricht? + +Graf. Was ist wahr, was ist es nicht? +Laß uns eignen Wertes freuen +Und nur eigne Sünden scheuen. +Laß, wenn in der Ahnen Schar +Jemals eine Schuld'ge war, +Alle andre Furcht entweichen +Als die Furcht ihr je zu gleichen.-- +Und jetzt komm, mein liebes Kind, +Führe mich nach meinem Zimmer. +Ist's gleich noch nicht Schlafens Zeit +Ruhe heischt der müde Körper +Hat er doch in einer Stunde +Mehr als manchen Tag gelebt. (Ab mit Berta.) + +(Pause.--Dann stürzt wankend, mit verworrenem Haar und aufgerissenem +Wams, einen zerbrochenen Degen in der Rechten, Jaromir herein.) + +Jaromir (atemlos). +Bis hierher!--Ich kann nicht weiter! +Wankend brechen meine Kniee, +Es ist aus!--Ich kann nicht weiter! + +(Sinkt gebrochen auf den Sessel hin.) + +Günther (nachkommend). +Sagt doch Herr, ist das wohl Sitte? +Einzudringen so ins Haus +Achtlos auf mein mahnend Wehren. +Sprecht, was wollt Ihr? was begehrt Ihr? + +Jaromir. +Ruhe!--Nur ein Stündchen Ruhe, +Nur ein kurzes Stündchen Ruhe!-- + +Günther. +Was ist Euch begegnet, Herr? +Woher kommt Ihr? + +Jaromir. +Dort--vom Walde-- +Wurde--wurde überfallen-- + +Günther. +Ach man hört so manches Unheil +Von den Räubern dort im Walde! +Wie bedaur' ich Euch, mein Herr! +Ach verzeihet, wenn ich anfangs +Eure bange Hast mißdeutend +Und das Fremde Eures Eintritts +Anders sprach, als ich gesollt. +Wenn's Euch gutdünkt, folgt mir Herr +Nach den oberen Gemächern, +Wo Euch würdig Speis und Trank +Und willkommne Lagerstätte-- + +Jaromir. +Nein, ich kann--ich mag nicht schlafen! +Laß mich hier in diesem Stuhl, +Bis die Sinne sich gesammelt +Und ich wieder selber bin. + +(Er legt den Arm auf den Tisch, und den Kopf darauf.) + +Günther. +Was soll ich mit ihm beginnen? +Ganz verwirrt hat ihn der Schreck. +Bleib ich? geh ich? Laß ich ihn? +Ich will's nur dem Grafen melden, +Mag er selber doch empfangen +Seinen sonderbaren Gast. (Ab.) + +Jaromir. +Ha, er geht, er geht!--Was soll ich? +Sei es denn!--Nun Fassung, Fassung! + +(Der Graf und Günther kommen.) + +Günther. +Hier mein gnäd'ger Herr, der Fremde! + +Jaromir (steht auf). + +Graf. +Laßt Euch doch nicht stören, Herr, +Und genießt der nöt'gen Ruhe. +Hoch willkommen seid Ihr mir, +Doppelt wert, denn Euch empfiehlt +Eure Not und Euer Selbst-- + +Jaromir. +Ihr verzeihet wohl die Stunde +Und die Weise meines Eintritts. +Mag mein Unfall mich entschuld'gen +Wo ich selbst es nicht vermag. +Dort in jenem nahen Walde +Ward ich räubrisch überfallen. +Ich und meine beiden Diener +Wehrten lang uns ritterlich: +Aber wachsend stieg die Menge, +Meine treuen Diener lagen +Hingestreckt in ihrem Blut. +Da gewahr ich meines Vorteils, +Und ins dunkle Dickicht springend, +Schnell, die Räuber auf der Ferse, +Such ich fliehend zu entrinnen +Und das Freie zu gewinnen. +Gibt die Hoffnung schnelle Füße +Leiht dafür das Schrecken Flügel. +Bald gewinn ich einen Vorsprung, +Und heraus ins Freie tretend +Blinkt mir Euer Schloß entgegen. +Gastfrei schien 's mich einzuladen, +Zögernd folgt' ich,--und bin hier. + +Graf. +Halten wird Euch der Besitzer +Was sein Eigentum versprach. +Was nur dieses Haus vermag +Ist das Eure, Euch zu Dienste. + +Berta (kommt,). +Hört' ich hier nicht seine Stimme? +Ja er ist's!--Mein Jaromir! + +Jaromir. +Berta! + +(Eilt auf sie zu. Plötzlich hält er ein, und tritt mit einer +Verbeugung zurück.) + +Graf. +Wär' es etwa dieser?-- + +Berta. +Ja er ist's, er ist's, mein Vater! +Ja er ist's, der mich gerettet, +Ja er ist's der teure Mann! + +Graf. +Zieht Euch nicht so fremd zurück, +Seid Ihr doch nicht unter Fremden! +Schließt sie immer in die Arme; +Ihr habt Euch ein Recht erworben, +Daß sie lebt ist Euer Werk! +Wohl mir, daß mir ward vergönnt +Den zu sehen, dem zu danken, +Der mir meine letzten Tage, +Mir mein Sterbebett verschönt, +Mit dem Glücke mich versöhnt. +Komm an meine Brust, du Teurer, +Lebensretter, Segensengel! +Könnt' ich dankbar nur mein Leben +Für dich hin, du Guter, geben, +Wie du deines gabst für sie! + +Jaromir. +Staunend steh ich und beschämt-- + +Graf. +Du? An uns ist's so zu stehn! +Ist doch unser Dank so wenig, +Ach, und deine Tat so viel! + +Jaromir. +Viel? O daß ich's sagen könnte! +Daß es etwas mich gekostet! +Daß ich eine Wunde trüge, +Eine kleine, kleine Narbe +Nur als Denkmal jener Tat! +Es kränkt tief das Köstliche +Um so schlechten Preis zu kaufen! + +Graf. +Ziert Bescheidenheit den Jüngling, +Nicht verkenn er seinen Wert! + +Berta. +Glaubt ihm nicht, o glaubt ihm nicht! +Er liebt selber sich zu schmähen, +Ich weiß das von lange her! +Wie so oft lag er vor mir, +Meine Kniee heiß umfassend, +Und mit schmerzgebrochner Stimme +Rief er klagend, weinend aus, +Ich verdiene dich nicht Berta! +Er nicht mich, er mich nicht!-- + +Jaromir. +Berta! + +Graf. +Wolltet Ihr wohl, daß sie minder +Des Geschenkes Wert erkennte! +Trieb Euch gleich zu jener Tat +Nur des Herzens edles Streben +Recht zu tun und groß und gut, +Laßt uns glauben, laßt uns schmeicheln, +Daß auf uns, auf unsre Not +Auch ein flücht'ger Blick gefallen, +Daß Ihr nicht nur bloß beglücken, +Daß ihr uns beglücken wolltet. +Wer sich ganz dem Dank entzieht, +Der erniedrigt den Beschenkten, +Freund, indem er sich erhebt! + +Jaromir. +Was erwidr' ich auf das alles! +Wie ich bin, vom Kampf ermüdet, +Von den Schrecken dieser Nacht, +Taug ich wenig zu bestehen +In der Großmut edlem Wettstreit. + +Graf. +Mußtet Ihr mich erst erinnern +Daß Ihr müd und ruhedürstend! + +Berta. +Ach, was ist ihm denn begegnet? + +Graf. +Das auf morgen, liebes Kind. +Berta komm und laß uns gehn. +Unser Günther mag ihn weisen +In das köstlichste Gemach. +Dort umhülle tiefer Frieden +Mit der Segenshand den Müden +Bis der späte Morgen naht. +O er hat ein weiches Kissen +Ein noch unentweiht Gewissen, +Das Bewußtsein seiner Tat!-- +So, noch diesen Händedruck, +So, noch diesen Segenskuß, +So, mein Sohn jetzt geh zur Ruh' +Ein Engel drück' das Aug' dir zu! + +Berta (den Alten abführend). +Schlummre ruhig! + +Jaromir. +Lebe wohl' + +Berta (an der Türe umwendend). +Gute Nacht denn! + +Jaromir. +Gute Nacht! + +(Graf und Berta ab.) + +Günther. +So, nun kommt mein wackrer Herr +Ich will Euch zur Ruhe leiten. + +Jaromir (in den Vorgrund tretend). +Nehmt mich auf Ihr Götter dieses Hauses, +Nimm mich auf du heil'ger Ort, +Von dem Laster nie betreten, +Von der Unschuld Hauch durchweht. +Unentweihte, reine Stelle +Werde wie des Tempels Schwelle +Mir zum heiligen Asyl!-- + +Unerbittlich strenge Macht, +Ha nur diese, diese Nacht, +Diese Nacht nur gönne mir, +Harte! und dann steh ich dir! + +(Mit Günther ab.) + +Ende des ersten Aufzuges + + + + +Zweiter Aufzug + +Halle wie im vorigen Aufzuge. Dichtes Dunkel. + + +Jaromir (stürzt herein). +Ist die Hölle losgelassen +Und knüpft sich an meine Fersen? +Grinsende Gespenster seh ich +Vor mir, an mir, neben mir, +Und die Angst mit Vampirrüssel +Saugt das Blut aus meinen Adern, +Aus dem Kopfe das Gehirn! +Daß ich dieses Haus betreten! +Engel sah ich an der Schwelle +Und die Hölle +Hauset drin!-- +Doch wo bin ich hingeraten +Von der innern Angst getrieben? +Ist dies nicht die würd'ge Halle, +Die den Kommenden empfing? +Still! Die Schläfer nicht zu stören! +Stille! Wenn sie würden innen +Hier mein seltsames Beginnen! + +(An des Grafen Gemach horchend.) + +Alles stille. + +(An der Türe zur linken Seite des Hintergrundes.) + +Welche Laute! +Süße Laute, die ich kenne, +Die ich einzuschlürfen brenne! +Horch!--ha!--Worte!--Ach sie betet! +Betet!--Betet wohl für mich! +Habe Dank du reine Seele! (Horchend.) +»Heil'ger Engel steh uns bei!« +Steh mir bei du heil'ger Engel! +»Und beschütz uns!«--O beschütz uns! +Ja beschütz mich vor mir selber! +O du süßes, reines Wesen! +Nein, ich kann mich nicht mehr halten, +Ich muß hin, ich muß zu ihr. +Will vor ihr mich niederstürzen +Und an ihrer reinen Seite +Ruh' und Frieden mir erflehn! +Ja sie möge über mir +Wie ob einem Leichnam beten, +Und in ihres Atems Wehn +Will ich heilig auferstehn! + +(Er nähert sich der Türe; sie geht auf und die Ahnfrau tritt heraus, +mit beiden Händen ernst ihn fortwinkend.) + +Jaromir. +Ach, da bist du ja du Holde! +Ich bin's Teure, zürne nicht! +Wink mich nicht so kalt von dir, +Gönne dem gepreßten Herzen +Die so lang entbehrte Lust, +An der engelreinen Brust, +Aus den himmelklaren Augen +Trost und Ruhe einzusaugen! + +(Die Gestalt tritt aus der Türe, die sich hinter ihr schließt, und +winkt noch einmal mit beiden Händen ihm Entfernung zu.) + +Jaromir. +Ich soll fort? Ich kann nicht, kann nicht! +Wie ich dich so schön, so reizend +Vor den trunknen Augen sehe +Reißt es mich in deine Nähe! +Ha ich fühle, es wird Tag +In der Brust geheimsten Tiefen +Und Gefühle, die noch schliefen, +Schütteln sich und werden wach.-- +Kannst du mich so leiden sehn? +Soll ich hier vor dir vergehn? +Laß dich rühren meinen Jammer, +Laß mich ein in deine Kammer! +Hat die Liebe je verwehrt +Was die Liebe heiß begehrt? + +(Auf sie zueilend.) + +Berta! Meine Berta! + +(Wie er sich ihr nähert, hält die Gestalt den rechten Arm mit dem +ausgestreckten Zeigefinger ihm entgegen.) + +Jaromir (stürzt schreiend zurück). +Ha! + +Berta (von innen). +Hör ich dich nicht Jaromir? + +(Beim ersten Laut vom Bertas Stimme seufzt die Gestalt und bewegt sich +langsam in die Szene. Ehe sie diese noch ganz erreicht hat, tritt +Berta aus der Türe, ohne aber die Gestalt zu sehen, da sie nach dem in +der entgegengesetzten Ecke stehenden Jaromir blickt.) + +Berta (mit einem Lichte kommend). +Jaromir du hier? + +Jaromir (die abgehende Gestalt mit den Augen und dem ausgestreckten +Finger verfolgend). +Da! Da! Da! Da! + +Berta. +Was ist dir begegnet, Lieber? +Warum starrst du also wild +Hin nach jenem düstern Winkel? + +Jaromir. +Hier und dort, und dort und hier! +Üb'rall sie und nirgends sie! + +Berta. +Himmel, was ist hier geschehn? + +Jaromir. +Ei bei Gott, ich bin ein Mann! +Ich vermag was einer kann. +Stellt den Teufel mir entgegen +Und zählt an der Pulse Schlägen +Ob die Furcht mein Herz bewegt! +Doch allein soll er mir kommen. +Grad als grader Feind. Er werbe +Nicht in meiner Phantasie, +Nicht in meinem heißen Hirn +Helfershelfer wider mich! +Komm' er dann als mächt'ger Riese, +Stahl vom Haupte bis zum Fuß, +Mit der Finsternis Gewalt, +Von der Hölle Glut umstrahlt; +Ich will lachen seinem Wüten +Und ihm kühn die Stirne bieten. +Oder komm' als grimmer Leu +Will ihm stehen ohne Scheu, +Auge ihm ins Auge tauchen, +Zähne gegen Zähne brauchen, +Gleich auf gleich. Allein er übe +Nicht die feinste Kunst der Hölle, +Schlau und tückevoll, und stelle +Nicht mich selber gegen mich! + +Berta (auf ihn zueilend). +Jaromir, mein Jaromir! + +Jaromir (zurücktretend). +O ich kenn dich, schönes Bild! +Nah ich mich wirst du vergehn +Und mein Hauch wird dich verwehn! + +Berta (ihn umfassend). +Kann ein Wahnbild so umarmen? +Und blickt also ein Phantom? +Fühle, fühle ich bin's selber +Die in deinen Armen liegt! + +Jaromir. +Ja, du bist's! Ich fühle freudig +Deine warmen Pulse klopfen, +Deinen lauen Atem wehn. +Ja, das sind die klaren Augen, +Ja, das ist der liebe Mund, +Ja, das ist die süße Stimme, +Deren wohlbekannter Laut +Frieden auf mich niedertaut. +Ja, du bist's, du bist's, Geliebte! + +Berta. +Wohl bin ich's, o wärst du's auch! +Wie du zitterst! + +Jaromir. +Zittern! zittern! +Wer sieht das und zittert nicht? +Bin ich doch nur Fleisch und Blut, +Hat doch keine wilde Bärin +Mich im rauhen Forst geboren +Und mit Tigermark genährt, +Steht auf meiner offnen Stirne +Doch der heitre Name: Mensch! +Und der Mensch hat seine Grenzen! +Grenzen, über die hinaus +Sich sein Mut im Staube windet, +Seiner Klugheit Aug' erblindet, +Seine Kraft wie Binsen bricht +Und sein Innres zagend spricht: +Bis hierher und weiter nicht! + +Berta. +Du bist krank, ach geh zurück, +Geh zurück nach deiner Kammer. + +Jaromir. +Eher in die heiße Hölle +Als noch einmal auf die Stelle! +Ehrt Ihr so die Pflicht des Hauses +Und des Gastes heilig Recht? +Arglos und vertrauensvoll +Folgt' ich meinem Führer nach +In das weite Prunkgemach. +Müde, ruhelechzend steig ich +Schnell das hohe Bett hinan +Und das Licht ist ausgetan. +Wehend fühl ich schon den Schlummer, +Mild wie eine Friedenstaube +Mit dem Ölzweig in dem Munde, +Über meinem Haupte schweben, +Und in immer engern Kreisen +Sich auf mich herniederlassen. +Jetzo, jetzo senkt sie sich, +Süße Ruhe fesselt mich. +Da durchzuckt es meine Glieder, +Ich erwache, horch und lausche. +Laut wird's in dem öden Zimmer, +Rauschend wogt es um mich her +Wie ein wehend Ährenmeer, +Seltsam fremde Töne wimmern, +Zuckend fahle Lichter schimmern, +Es gewinnt die Nacht Bewegung +Und der Staub gewinnt Gestalt. +Schleppende Gewänder rauschen +Durch das Zimmer auf und nieder, +Hör es weinen, hör es klagen +Und zuletzt in meiner Nähe +Wimmert es ein dreifach Wehe! +Da reiß ich des Bettes Vorhang +Auf in ungestümer Hast; +Und mit tausend Flammenaugen +Starrt die Nacht mich glotzend an. +Lichter seh ich schwindelnd drehen +Und mit tausend fahlen Ringen +Schnell sich ineinander schlingen, +Und nach mir streckt's hundert Hände, +Kriecht an mich mit hundert Füßen, +Fletscht auf mich aus hundert Fratzen. +Und an meines Bettes Füßen +Dämmert es wie Mondenlicht, +Und ein Antlitz tauchet auf +Mit geschloßnen Leichenaugen, +Mit bekannten, holden Zügen, +Ja, mit deinen, deinen Zügen. +Jetzt reißt es die Augen auf, +Starrt nach mir hin, und Entsetzen +Zuckt mir reißend durchs Gehirn. +Auf spring ich vom Flammenlager, +Und durchs flirrende Gemach +Stürz ich fort, der Spuk mir nach. +Wie von Furien gepeitscht +Lang ich an hier in der Halle. +Da hört' ich dich Holde beten, +Will zu dir ins Zimmer treten, +Da verstellt mir--Siehst du? Siehst du? + +Berta. +Was Geliebter? + +Jaromir. +Siehst du nicht? +Dort im Winkel, wie sich's regt, +Wie's gestaltlos sich bewegt! + +Berta. +Es ist nichts Geliebter, nichts, +Als die wilde Ausgeburt +Der erhitzten Phantasie. +Du bist müde, ruh ein wenig, +Setz dich hier in diesen Stuhl. +Ich will schützend bei dir stehn, +Labekühlung zu dir wehn. + +Jaromir (sitzend, an ihre Brust gelehnt). +Habe Dank, du treue Seele! +Süßes Wesen, habe Dank! +Schling um mich her deine Arme, +Daß der Hölle Nachtgespenster, +Scheu vor dem geweihten Kreise, +Nicht in meine Nähe treten. +Lieg ich so in deinen Armen, +Angeweht von deinem Atem, +Über mir dein holdes Auge; +Dünkt es mich auf Rosenbetten +In des Frühlings Hauch zu schlummern, +Klar den Himmel über mir. + +(Der Graf kömmt.) + +Graf. +Wer ist hier noch in der Halle? +Berta, du? Und ihr? + +Berta. +Mein Vater!-- + +Jaromir. +Weiß ich doch kaum was ich sagen, +Weiß kaum wie ich's sagen soll. +Töricht werdet Ihr mich nennen, +Und fast möcht' ich's selber tun, +Fühlt' ich nicht im tiefsten Innern +Jede meiner Fibern beben, +Beben, ja; und Ihr mögt glauben, +Es gibt Menschen, welche leichter +Zu erschüttern sind als ich. + +Graf. +Wie versteh ich?-- + +Berta. +Ach, so hört nur, +Oben in der Erkerstube +Hatte man ihn hingewiesen. +Schon senkt schlummernd sich sein Auge, +Da erhebt sich plötzlich-- + +Graf. +Ah! +Zählt man dich schon zu den Meinen? +Ist's in jenen dunkeln Orten +Also auch schon kundgeworden +Sohn, daß du mir teuer bist. +Warum kamst du auch hierher! +Glaubtest du, getäuschter Jüngling, +Wir hier feiern Freudenfeste? +Sieh uns nur einmal beisammen +In der weiten, öden Halle, +An dem freudelosen Tische; +Wie sich da die Stunden dehnen, +Das Gespräch in Pausen stockt, +Bei dem leisesten Geräusche +Jedes rasch zusammenfährt, +Und der Vater seiner Tochter +Nur mit Angst und innerm Grauen +Wagt ins Angesicht zu schauen, +Ungewiß, ob es sein Kind, +Ob's ein höllisch Nachtgesicht +Das mit ihm zur Stunde spricht. +Sieh, mein Sohn, so leben die, +Die das Unglück hat gezeichnet! +Und du willst den mut'gen Sinn, +Willst die rasche Lebenslust +Und den Frieden deiner Brust, +Köstlich hohe Güter, werfen +Rasch in unsers Hauses Brand? +O mein Kind, du wirst nicht löschen, +Wirst mit uns nur untergehn. +Flieh, mein Sohn, weil es noch Zeit ist: +Nur ein Tor baut seine Hütte +Hin auf jenes Platzes Mitte, +Den der Blitz getroffen hat. + +Jaromir. +Möge was da will geschehn, +Ich will Euch zur Seite stehn, +Muß es, mit Euch untergehn! + +Graf. +Nun wohlan, ist das dein Glaube, +So komm her an meine Brust +So, und dieser Vaterkuß +Schließt dich ein in unsre Leiden, +Schließt dich ein in unsre Freuden. +Ja in unsre Freuden, Sohn, +Ist kein Dorn doch also schneidend, +Daß er nicht auch Rosen trägt. + +(Der Alte setzt sich, von Jaromir und Berta unterstützt, in den Stuhl. +Die beiden stehen Hand in Hand vor ihm.) + +So, habt Dank, habt Dank, ihr Lieben!-- +Seh ich euch so vor mir stehen, +Mit dem freudetrunknen Auge, +Mit dem lebensmut'gen Blick, +Will die Hoffnung neu sich regen, +Und erloschne, dunkle Bilder +Aus entschwundnen, schönern Tagen +Dämmern auf in meiner Brust. +Seid willkommen Duftgestalten, +Froh und schmerzlich mir willkommen! + +(Er versinkt in Nachdenken.) + +Jaromir. +Berta, sieh doch nur, dein Vater! + +Berta (mit ihm etwas zurücktretend). +Laß ihn nur, er pflegt so öfter +Und sieht ungern sich gestört. +Aber, Lieber, sei vergnügt! +Sieh, mein Vater weiß schon alles. + +Jaromir (rasch). +Alles? + +Berta. +Ja, und scheint's zu bill'gen! +Heute nur--er war so gut, +Ach so gut, so mild und sanft. +Sanfter, gütiger als du, +Der du kalt und trocken stehst, +Während ich nicht Worte finde, +Für mein Fühlen, für mein Glück. + +Jaromir. +Glaube mir-- + +Berta. +Ei, glauben, glauben! +Besser stünd' es dem zu schweigen, +Der nicht weiß wie Liebe spricht: +Kann der Blick nicht überzeugen, +Überred't die Lippe nicht. +Sieh, man hat mir wohl erzählet, +Daß es leichte Menschen gebe, +Deren Liebe nicht bloß brennt +Auch verbrennt, und dann erlischt: +Menschen, die die Liebe lieben, +Aber nicht den Gegenstand; +Schmetterlinge, bunte Gaukler, +Die die keusche Rose küssen, +Aber nicht weil sie die Rose, +Weil sie eine Blume ist. +Bist du auch so, Stummer, Böser? + +(Vom Nährahmen eine Schärpe nehmend.) + +Ich will dir die Flügel binden, +Binden--binden Trotz'ger--binden +Daß kein Gott sie lösen soll! + +Jaromir. +Süßes Wesen!-- + +(Sie bindet ihm die Schärpe um.) + +Graf (hinüberblickend). +Wie sie glüht! +Wie es sie hinüberzieht! +Aller Widerstand genommen +Und im Strudel fortgeschwommen. +Nun Wohlan, es sei! Der Himmel +Scheint mir selbst den Weg zu zeigen, +Den ich wandeln soll und muß. +Stemmt gleich manches sich entgegen, +Glimmt gleich in der tiefsten Brust +Noch verborgen mancher Funke +Von der einst so mächt'gen Glut. +Töricht Treiben! Eitles Trachten! +Der Palast ist eingesunken, +Kaum noch geben seine Trümmer +Eine Hütte für mein Kind. +Wohl es sei! Ach wie so schwer +Lösen sich die Hoffnungen, +In der Jugend Lenz empfangen, +Holde Zeichen, eingegraben +In des Bäumchens frische Rinde, +Aus des Alters morscher Brust. +Als sie mir geboren ward +Und vor mir lag in der Wiege +Freundlich lächelnd, schön und hold, +Wie durchlief ich im Gedanken +Die Geschlechter unsers Landes, +Sorgsam wählend, kindisch suchend +Nach dem künftigen Gemahl. +Fand den Höchsten noch zu niedrig, +Kaum den Besten gut genug: +Damit ist's nun wohl vorbei! +Ach, ich fühl es wohl, wir scheiden +Kaum so schwer von wahren Freuden, +Als von einem schönen Traum! + +Berta (an der Schärpe musternd). +Halt mir still, du Ungeduld'ger! + +Graf. +Und ziemt mir so ekles Wählen? +Wenn es wahr was er gesprochen, +Was im Nebel der Erinnrung +Aus der fernen Jugendzeit +Unbestimmt, in sich verfließend +Meine Stirn vorüberschwebt; +Wenn sie wahr die alte Sage, +Daß der Name, den ich trage, +Der mein Stolz war und mein Schmuck, +Nur durch tief geheime Sünden-- +Fort Gedanke!--Ha, und doch, und doch! + +Berta (ihr Werk betrachtend). +So nun steht es schön und gut. +Aber nun sei mir auch freundlich, +Daß mich nicht die Arbeit reue! + +Graf. +Jaromir! + +Jaromir (aufgeschreckt). +Was!--Ihr Herr Graf! + +Graf. +Noch bist du uns Kunde schuldig +Von den Deinen, deiner Abkunft. +Jaromir von Eschen heißt du, +Fern am Rhein wardst du geboren, +Dienste suchst du hier im Heer, +So erzählte mir mein Mädchen, +Aber weiter weiß ich nichts. + +Jaromir. +Ist doch weiter auch nichts übrig. +Mächtig waren meine Ahnen, +Reich und mächtig. Arm bin ich. +Arm, so arm, daß wenn dies Herz, +Ein entschloßner kräft'ger Sinn +Und ein schwergeprüfter, doch vielleicht +Grade darum festrer Wille +Nicht für etwas gelten können, +Ich nichts habe und nichts bin. + +Graf. +Du sagst viel mit wenig Worten. +Also recht! Du bist mein Mann! +Sieh, mein Sohn, ich bin ein Greis. +Die Natur winkt mir zu Grabe, +Und ein dunkel, dumpf Gefühl +Nennt mir nah des Lebens Ziel. +Nie hab ich dem Tod gezittert, +Und auch jetzt schreckt er mich nicht. +Doch dies Mädchen, sie mein Kind. +Könntest du in meinen Tränen, +Hier in meinem Herzen lesen +Was sie alles mir gewesen, +Du verstündest meinen Schmerz. +Daß ich sie allein muß lassen +In der unbekannten Welt, +Macht dem Tode mich erblassen, +Das ist's was so tief mich quält. +Sohn, auf dich ist ihrer Neigung +Schlaferwachtes Aug' gefallen; +Du weißt ihren Wert zu schätzen, +Weißt zu schützen was dir wert; +Du gabst einmal schon dein Leben +Und wirst's freudig wieder geben, +Wenn das Schicksal winkt, für sie. +Dir vertrau ich dieses Kleinod, +Sohn du liebst sie? + +Jaromir. +Wie mein Leben! + +Graf. +Und du ihn? + +Berta. +Mehr als mich selbst. + +Graf. +Mög' denn Gottes Finger walten! +Nimm sie hin, die du erhalten! + +(Schläge ans Haustor.) + +Graf. +Was ist das?--Wer naht so spät +Noch sich dieses Schlosses Toren! + +Berta. +Gott, wenn etwa-- + +Graf. +Sei nicht kindisch. +Glaubst du wohl, verdächtig Volk +Wage sich an feste Schlösser, +Wohlverwahrt und wohlbemannt. + +Günther (kömmt). +Herr, ein königlicher Hauptmann +An der Spitze seines Haufens +Bittet Einlaß an der Pforte. + +Graf. +Wie? Soldaten? + +Günther. +Ja, Herr Graf. + +Graf. +Weiß ich gleich nicht was sie suchen, +Öffne ihnen schnell die Pforten, +Stets willkommen sind sie mir. + +(Günther geht.) + +Graf. +Was führt den hierher zu uns? +Und in dieser Stunde? Gleichviel. +Wird doch seine Gegenwart +Wohl die Stunden uns beflügeln +Dieser peinlich langen Nacht. + +Berta. +Jaromir, geh doch zu Bette. +O du bist noch gar nicht wohl! +Sieh, ich fühl's an diesem Zucken, +An dem Stürmen deiner Pulse, +Daß du krank, bedenklich krank! + +Jaromir. +Krank? ich krank? Was fällt dir ein! +Stürmen gleich die raschen Pulse, +Grad im Sturme ist mir wohl! + +(Günther öffnet die Türe. Der Hauptmann tritt ein.) + +Hauptmann. +Ihr verzeihet, mein Herr Graf, +Daß ich noch in später Nacht +Eures Hauses Ruhe störe. + +Graf. +Wer des Königs Farben trägt +Dem ist stets mein Haus geöffnet; +Euch, mein Herr, auch ohne sie. + +Hauptmann. +Hier grüß ich wohl Eure Tochter? + +Graf. +Ja, es ist mein einzig Kind. + +Hauptmann. +Wie soll ich mich hier entschuld'gen? +Doch bringt meine Ankunft Schrecken, +Soll sie Schrecken auch zerstreun. +Jene mächt'ge Räuberbande, +Die die Geißel dieser Gegend-- + +Graf. +Ja, fürwahr, 'ne schwere Geißel! +Dieses Mädchen, meine Tochter, +Daß sie lebt noch, daß sie ist, +Dankt sie nur dem kühnen Mute +Ihres wackern Bräutigams +Jaromir von Eschen hier. +Ja er selbst, noch diese Nacht +Ward im Forst er überfallen, +Seine Diener ihm erschlagen, +Kaum entging er gleichem Los. + +Hauptmann. +Diese Nacht? + +Jaromir. +Ja, diese Nacht. + +Hauptmann. +Und wann-- + +Jaromir. +Vor drei Stunden etwa! + +Hauptmann (ihn ins Auge fassend, dann zum Grafen). +Euer Eidam? + +Graf. +Ja, mein Herr. + +Hauptmann. +Reistet Ihr ein Stündchen später +War euch jene Angst erspart. + +(Zu den übrigen.) + +Fürder mögt Ihr ruhig sein +Und nichts Arges mehr befahren, +Denn die Euer Schrecken waren, +Jene Räuber, sind nicht mehr! +Lange schon auf ihren Fersen, +Überfielen wir sie heute. +Nach beherztem, blut'gem Streite +Trat der Sieg auf unsre Seite +Und die Mörderschar erlag. +Teils getötet, teils gefangen, +Retteten sich wen'ge nur; +Wir verfolgen ihre Spur. + +Graf. +Nun habt Dank, ihr wackern Krieger, +Habt den wärmsten, besten Dank! + +Hauptmann. +Jetzt noch nicht, bis es vollendet. +Ist der Stamm gleich schon gefallen, +Haften doch noch manche Wurzeln; +Und ich hab mir's selbst geschworen, +Als man mich zur Tat erkoren, +Auszurotten diese Brut. +Bauern haben ausgesagt, +Daß hier in des Schlosses Nähe, +In des nahen Weihers Schilf, +Den verfallnen Außenwerken +Sich verdächtig Volk gezeigt. +Drum erlaubt, mein edler Graf, +Daß ich hier aus Euerm Schlosse, +Meiner Späher Suchen leite, +Stets bereit nach jeder Seite +Wo es Not tut abzugehn. +Bald, so hoff ich, ist's vorüber. +Ringsum stehen meine Posten; +Wenn sich auch in Busch und Feld +Einer noch verborgen hält +Sollen sie ihn tüchtig fassen, +Ihm ist nur die Wahl gelassen +Zwischen Ketten, zwischen Tod. + +Graf. +Dieses Schloß ist nicht mehr mein. +Bis Ihr Euer Werk vollendet, +Ist es Euer, ist des Königs. +O wie lieb ich diesen Eifer, +Der das Rechte schnell ergreift +Und fest hält, was er ergriffen. + +Hauptmann. +Nicht mehr Lob, als ich verdiene. +Führ ich hier des Rechtes Sache +Führ ich meine auch zugleich. +Hat doch dieses Räubervolk +Mir mein Stammschloß überfallen, +Und geraubt, gebrannt, gemordet, +Daß noch jetzt bei der Erinnrung +Mir das Herz im Busen bebt. +O mich drängt es, zu bezahlen +Was ich schwer nur schuldig bin. +Ich will schonen, grimmig schonen! +Nicht der Tod in Kampf und Schlacht +Werde dieser Brut zu Teile, +Nein, dem Rad, dem Henkerbeile +Sei ihr schuldig Haupt gebracht. + +Berta. +Nicht doch! Wollt Ihr Menschen richten, +Geht als Mensch ans blut'ge Werk! + +Hauptmann. +Hättet Ihr gesehn, mein Fräulein, +Was ich sah, mit Schauder sah, +Ihr verschlösset Euer Herz, +Wieset das geschäft'ge Mitleid +Gleich 'nem unverschämten Bettler +Von der streng geschloßnen Tür. +Jene rauchenden Ruinen, +Von der Flamme Glut beschienen, +Greise zagend, +Weiber klagend, +Kinder weinend +An erschlagner Mütter Brüsten +Durch die leergebrannten Wüsten. +Und dazu nun der Gedanke, +Daß die Geldgier, daß die Habsucht +Wen'ger feiger Bösewichter-- + +Jaromir (vortretend und ihn hart anfassend). +Wollt Ihr dieses holde Wesen, +Ihrer Seele schönen Spiegel, +Der auf seiner klaren Fläche +Rein die Schöpfung stellet dar, +Weil er selber rein und klar, +Mit der Rachsucht gift'gem Hauch, +Mit des Hasses Atem trüben! +Laßt sie süßes Mitleid üben, +Und in dem Gefallnen auch +Den gefallnen Bruder lieben. +O es läßt der Binse wohl +Der gebrochnen Eiche spotten! + +Hauptmann. +Rasch ins Feuer, wenn sie brach. + +Jaromir. +Eure Zunge richtet scharf; +Doch was vorschnell sie gesündigt +Macht der Arm wohl zögernd gut. + +Hauptmann. +Ha, wie nehm ich diese Worte? + +Jaromir. +Nehmt sie, Herr, wie ich sie gab. + +Hauptmann. +Wär' es nicht an diesem Orte-- + +Jaromir. +Legtet Ihr den Trotz wohl ab! + +Hauptmann. +Warm seh ich Euch Räubern dienen! + +Jaromir. +Wer in Not ist, zähl' auf mich! + +Hauptmann. +Nah der Beste unter ihnen-- + +Hauptmann. +Ruft ihn! Vielleicht stellt er sich! + +Graf. +Jaromir, was muß ich hören! +Führt der Eifer dich so weit. +Magst du meinen Gast beleid'gen, +Kannst du Menschen wohl verteid'gen, +Welche selber sich verdammt. +Doch was gilt's, trotz dieser Hitze +Hab ich richtig dich erkannt, +Braucht es wen'ge Worte nur +Und dem Fehlgriff folgt die Reue, +Ja du folgst uns selbst ins Freie +Auf der Bösewichter Spur. + +Jaromir. +Ich? + +Graf. +Ja, du! + +Jaromir. +Ich, nimmermehr! +Wie? Ich sollte einen Armen, +Einen Stiefsohn des Geschicks, +Den die unnatürlich harte Mutter +Stiefgesinnt hinausgetrieben, +Fern von Wesen seiner Art +Zu des Waldes Nachtrevieren +Wo im Kreis von Raubgetieren +Selber er zum Raubtier ward, +Wie, ich sollt' ihm, wenn er naht, +Alles bietend was er hat, +Mit der Reue herben Zeichen, +Statt der Hand, um die er bat, +Meinen blut'gen Degen reichen? +Wer tut das, und ist ein Mann? +Einen Feind mir, der noch ficht, +Doch zum Häscher taug ich nicht! + +Graf. +Und wenn ich nun selber gehe, +Und, des Königs Lehensmann, +Diese Häscher führe an, +Wirst du folgen? + +Jaromir. +Ihr? + +Graf. +Ja, ich. +Ich mag Menschenleben schonen, +Weiß zu schätzen Menschenwert: +Doch laß uns nicht grausam sein +Gegen unsre bessern Brüder +Um den Schlimmen mild zu sein. +Ob das Herz auch ängstlich bebe, +Laß uns tun die strenge Pflicht, +Und damit der Gute lebe +Mit dem Mörder zum Gericht! + +Jaromir. +Recht gesprochen! Recht gesprochen! +Daß die Kindlein ruhig schlafen, +Mit den Hunden vor die Tür! +Mir ein Schwert! Ich will hinaus, +Will hinaus auf Menschenleben! +Ei, sie werden tüchtig fechten! +Ist das Leben doch so schön, +Aller Güter erstes, höchstes, +Und wer alles setzt daran, +Wahrlich, der hat recht getan! +Waffen, Waffen! Gebt mir Waffen! +Fort, hinaus! auf Menschenleben! +Laßt die Treiber fertig sein, +Und dann wacker losgejagt, +Bis der späte Morgen tagt! +Waffen! Waffen! Heda Waffen! + +Berta. +Sagt' ich Euch es nicht, mein Vater? +Er ist krank, gefährlich krank. + +Jaromir. +Ist's doch nur gerechte Strafe! +Seht doch! Konnten sie es wagen +Die Verruchten, rückzuschlagen, +Da auf sie das Schicksal schlug! +Menschen, Menschen!--Toller Wahn! +Außer uns wer geht uns an? +Fort hinaus aus unserm Kahn, +Der nur uns und Unsre faßt, +Fort hinaus unnütze Last! +Wenn empor ein Schwimmer taucht, +Schnell das Ruder wohl gebraucht. +Weg vom Rande deine Hände, +Daß sich unser Kahn nicht wende, +In dem Wellenstrudel ende! + +Graf. +Jaromir, was ficht dich an? + +Jaromir. +Ach verzeiht! Kaum weiß ich's selber! +Es ward mir die Jagdlust rege +Bei der fröhlichen Erzählung +Wie die Netze sei'n gestellt +Und nun bald das Wild gefällt. + +Graf (zum Hauptmann). +Ihr verzeihet wohl, mein Herr, +Seht, der Unfall dieser Nacht, +Und dann noch so manches andre, +Hat sein Wesen so zerrüttet, +Daß er kaum er selber noch. + +Hauptmann. +So bewegt, in dieser Stimmung +Ist nicht von Beleidigung, +Von Verzeihen nicht die Rede. +Pflegt der Ruhe, Herr von Eschen. +Unser widriges Geschäft, +Hat's gleich seine gute Seite, +Taugt für kein bewegt Gemüt. + +Berta. +Wohl, mein Lieber, folge mir. + +Jaromir. +Nicht doch! Laß mich! Laß mich! Sieh, +Mir ist wohl, wahrhaftig wohl. + +Hauptmann. +Uns geziemt es vorzuschlagen, +Anzunehmen steht bei Euch, +Und so nehm ich denn jetzt Urlaub +Zu vollenden mein Geschäft. + +Graf. +Doch Herr, kennt Ihr auch die Räuber? +Daß Ihr arglos stille Wandrer +Nicht belästigt ohne Not. + +Hauptmann. +Kennen? Ich nicht. Denn im Dunkeln +Überfielen wir sie heute, +Und in Kampfes blut'gem Ringen +Sieht man auf der Feinde Klingen +Mehr als auf ihr Angesicht: +Doch im Vorgemache draußen +Harret einer meiner Leute, +Der, von seinem Trupp getrennt, +Einst in ihre Hand geraten, +Der oft Zeuge ihrer Taten, +Und die Räuber alle kennt. +Heda! Holla! + +(Soldat kommt.) + +Hauptmann. +Walter komme! + +(Soldat ab.) + +Graf. +Zwinge dich doch länger nicht, +Jaromir, und geh zu Bette. +Leichenblaß ist dein Gesicht +Und aus deinem düstern Auge +Blickt des Fiebers dumpfe Glut. +Geh zu Bette, lieber Sohn! + +(Auf die Seitentüre rechts zeigend.) + +Hier in diesem stillen Zimmer +Soll nichts deine Ruhe stören. + +Berta. +Jaromir, laß dich erbitten. + +Jaromir. +Wohl, ihr wünscht es, und es sei! +Fast fühl ich mich selber unpaß. + +(Das Schnupftuch an die Stirne pressend.) +(Walter kömmt.) + +Hauptmann. +Komm! Wir machen jetzt die Runde, +Und du folgst mir! + +Walter. +Wohl Herr Hauptmann. + +Hauptmann. +Ist dir dein Gedächtnis treu; +Wirst du jeden dieser Räuber +Wieder kennen, der sich zeigt? + +Walter. +Sicher werd ich, sorget nicht! + +Berta (Jaromir führend). +Wie du wankst! Sieh, hier hinein! + +(Jaromir geht durch die Seitentüre rechts ab.) + +Graf. +So, und jetzt geht denn mit Gott! + +Hauptmann. +Eins ist vorher noch zu tun, +Meines Auftrags leichtste Hälfte, +Die mir hier zur schwersten wird. +Aber sei's, ich muß.--Gar manches +Scheint dem Menschen überflüssig +Und ist's dem Soldaten nicht. +Mein Herr Graf, Ihr mögt erlauben, +Daß ich Eures Schlosses Innres +Noch vor allem erst durchforsche. + +Graf. +Dieses? Meines Schlosses, Herr? + +Hauptmann. +Streng gemessen ist mein Auftrag, +Jede Wohnung zu durchsuchen, +Wem sie sei, wem sie gehöre, +Nach der flücht'gen Räuber Spur. +Mag ich ungestüm erscheinen, +Ich erfülle meine Pflicht. +Und zudem, Ihr mögt verzeihen, +Wer bürgt Euch für Eure Leute? + +Graf. +Und wer Euch, denkt Ihr, für mich! + +Hauptmann. +Hätt' ich wirklich Euch beleidigt, +So bedenkt-- + +Graf. +O laßt das! laßt das! +Wird es mir denn nimmer klar +Welcher weite Abgrund scheidet +Das was ist von dem was war. +Muß es mich denn immer mahnen! +Ich gedachte meiner Ahnen, +Deren Wort hier, weit und breit +Mehr galt, als der höchste Eid, +Unter denen der Verdacht +Und des Argwohns finstre Macht, +Schamrot sich geweigert hätten +Diese Hallen zu betreten. +Doch ich bin der Letzte und ein Greis! +Nun so glaubt denn Euren Augen! + +(Die Türen nach der Reihe öffnend.) + +Kommt und seht!--Hier dies mein Zimmer +Meiner Tochter Schlafgemach + +(An der Türe von Jaromirs Gemach.) + +Hier-- + +Berta. +O gönnt ihm Ruhe, Vater! + +Graf. +Nun, Ihr saht ja erst vor kurzem +Meinen Eidam es betreten. + +Hauptmann. +Ihr verlangt mich zu beschämen. + +Graf. +Nur zu überzeugen, Herr! +Und nun kommt! + +Hauptmann. +Wohin? + +Graf. +Ins Freie +Mit Euch auf der Räuber Spur. + +Hauptmann. +Wie, Ihr wolltet? + +Graf. +Was ich muß. +Bin ich nicht Vasall des Königs? +Und ich kenne meine Pflicht +Minder nicht als Ihr die Eure. +Drum ohn' eine zweite Mahnung +Laßt uns gehen-- + +Berta. +O mein Vater! +So bedenkt doch! + +Graf. +Still, mein Kind! +Hier hör ich nur eine Stimme +Und die hat bereits gesprochen.-- +Kommt mein Herr, und sagt dem König, +Daß ich Graf von Borotin +Kein Genoß von Räubern bin, +Sagt, daß in des Löwen Höhle, +Statt des kräftigen, gesunden +Einen welken Ihr gefunden, +Der gebeugt und hilflos zwar (aufgerichtet) +Aber doch noch Löwe war. + +(Ab mit dem Hauptmann.) + +Berta. Ach er geht, er hört nicht, geht! +Läßt mich hier allein zurück, +Der Verzweiflung preisgegeben +Und der Sorge Natterzahn. + +Soll ich für den Vater beben, +Fürchten was dem Trauten droht? +Hab doch nur dies eine Leben +Warum zweifach mir den Tod! +(An der Türe von Jaromirs Gemach) +Jaromir! Mein Jaromir! +Keine Antwort, alles stille, +Alles schweigend wie das Grab. + +Wie bezähm ich diese Angst, +Wie bezähm ich dieses Bangen, +Das mir schwül wie Wetterwolken +Auf der schweren Brust sich lagert. + +O ich seh es in der Ferne, +Es verhüllen sich die Sterne, +Es erlischt des Tages Licht, +Der erzürnte Donner spricht, +Und mit schwarzen Eulenschwingen +Fühl ich es gehaltnen Flugs +Sich um meine Schläfe schlingen. +O ich kenn dich finstre Macht, +Ahne was du mir gebracht, +Muß ich's vor die Seele führen! +O es heißt, es heißt verlieren, +Und des Unheils ganzes Reich +Kennt kein Schrecken deinem gleich +Weh! Besitzen und verlieren! +Besitzen und verlieren!-- + +Wohin seid ihr goldne Tage? +Wohin bist du, Feenland? +Wo ich ohne Wunsch und Klage, +Mit mir selber unbekannt, +Lebte an der Unschuld Hand. + +Wo ein Hänfling meine Liebe, +Eine Blume meine Lust, +Und der schmerzlichste der Triebe +Noch ein Fremdling dieser Brust. + +War der Himmel auch umzogen, +Heiter strahlte doch mein Sinn +Und auf spiegelhellen Wogen +Taumelte das Leben hin. + +Spielend in dem Strahl der Sonne, +Lockte mich des Bechers Rand, +Und ich trank der Liebe Wonne +Und ihr Gift aus seiner Hand. + +Seit sein Arm mich hat umwunden, +Seit ich fühlte seinen Kuß, +Ist das Feenland verschwunden +Und auf Dornen tritt mein Fuß; + +Dornen, die zwar Rosen schmücken, +Aber Dornen, Dornen doch, +In dem glühendsten Entzücken +Fühl ich ihren Stachel noch. + +Sehnend wünsch ich seine Nähe, +Und er kommt. Wie jauchzt die Braut! +Doch wie ich ins Aug' ihm sehe, +Werden innre Stimmen laut, + +Tief im Busen scheint's zu sprechen +Wenn mein Blick in seinem ruht, +Deine Liebe ist Verbrechen, +Gottverhaßt ist diese Glut. + +Jenes dumpfe, trübe Brüten, +Seines Auges starrer Blick, +Scheint Entfernung zu gebieten +Und ich bebe bang zurück. + +Doch will ich mich ihm entziehen, +Trifft sein Blick mich weich und warm, +Mit dem Willen zu entfliehen, +Flieh ich nur in seinen Arm, + +Und wie der Charybde Tosen, +Erst von sich stößt Schiff und Mann, +Dann verschlingt die Rettungslosen, +Stößt er ab und zieht er an. + +Wer mag mir das Rätsel lösen? +Ist es gut; warum so bang? +Ach und führet es zum Bösen; +Woher dieser Himmelsdrang? + +(Mit ausgebreiteten Armen.) + +Kann mein Flehen dich erreichen, +Unerklärbar hohe Macht, +Die ob diesem Hause wacht, +So gib gnädig mir ein Zeichen, +Einen Leitstern in der Nacht! + +Ist es Tod--(Es fällt ein Schuß.) +Ha!--Was war das?--Ein Schuß! +Deut ich es das grause Zeichen? +Ward mein frevler Wunsch erhört?-- +Weh mir!--Weh!--Ich bin allein!-- +Ha, allein?--Was streifte da +Kalt und wehend mir vorüber!-- +Bist du's geist'ge Sünderin?-- +Ha, ich fühle deine Nähe, +Ha, ich höre deinen Tritt! +(An der Türe von Jaromirs Gemach.) +Jaromir, wach auf, wach auf! +Schütze deine Berta!--Jaromir! +Nur ein Wort, nur einen Laut, +Daß du wachst, daß du mich hörst, +Daß ich nicht allein!--Bei dir!-- +Schweigst du?--Ha ich muß dich sehen, +Dich umfangen, dich umschlingen, +Sehen, fühlen daß du lebst. + +(Öffnet die Türe und stürzt hinein. Es fällt noch ein Schuß. +Heraustaumelnd.) + +Haltet ein! O haltet ein! +Alles leer!--das Fenster offen! +Er ist fort!--ist tot! tot!--tot! + +Ende des zweiten Aufzuges + + + + +Dritter Aufzug + +Halle wie in den vorigen Aufzügen. + + +Berta (sitzt am Tische, den Kopf in die Hand gestützt). +Liebe das sind deine Freuden, +Das Besitz ist deine Lust? +Wie sind dann der Trennung Leiden, +Und wie martert der Verlust? + +(Sinkt in ihre vorige Stellung zurück.) +(Pause--Jaromir öffnet die Seitentüre rechts, und will schnell zurück +da er jemanden erblickt.) + +Berta. +Jaromir!--Du weichst zurück? +Weichst vor mir zurück?--O bleib! +Wie hab ich um dich gezittert, +O Geliebter, wie gebebt! +Sprich, wie fühlst du dich? + +Jaromir (scheu und düster). +Gut! Gut! + +Berta. +Gut? O daß ich's glauben könnte! +Jaromir, wie siehst du bleich! +Gott! Am Arm die Binde-- + +Jaromir. +Binde? + +Berta. +Hier! + +Jaromir. +Ei Scherz! + +Berta. +Ein blut'ger Scherz! +Sieh das Blut hier an dem Ärmel. + +Jaromir. +Hat's geblutet? Possen, Possen! + +Berta. +Reiß mich doch aus dieser Angst! +Wo wardst du, und wie verwundet? + +(Ihre Augen begegnen den seinigen, er wendet sich schnell ab.) + +Berta. +Du erbebst? du kehrst dich ab? + +Jaromir (einige Schritte sich entfernend). +Nein ich kann nicht, kann nicht, kann nicht! +Seh ich diese reinen Züge, +Senkt zu Boden sich mein Blick +Und der finstre Geist der Lüge +Kehrt zur finstern Brust zurück. +Hölle! eh' du das begehrst, +Laß zuvor dies Herz sich wandeln, +Und soll ich als Teufel handeln, +Mache mich zum Teufel erst! + +Berta. +Jaromir, ich laß dich nicht! +Steh mir Rede, gib mir Antwort! +Wo wardst du und wie verwundet? + +Jaromir (mit gesenktem Aug'). +Schlafend ritzt' ich mich am Arme. + +Berta. +Schlafend? Du hast nicht geschlafen! +Sieh, ich war in deiner Kammer, +Du warst fort, das Fenster offen! + +Jaromir (erschreckend). +Ha! + +Berta. +Geliebter, laß mich's wissen! +O du weißt nicht, welche Bilder +Schwarz vor meine Seele treten. +Heiß sie weichen! Heiß sie fliehn! +Wo wardst du, und wie verwundet? + +Jaromir (mit Bedeutung). +Du begehrst's, so sei es denn! (Mit Absätzen.) +Angelangt in meiner Kammer +Hört' ich schießen, klirren, schreien-- +Deinen Vater wußt' ich unten-- +Wollte helfen--schützen--retten-- +Weiß kaum selbst mehr was ich wollte. (Gefaßter.) +Wie ich nun so sinnend stehe, +Da gewahr ich einer Linde, +Die die frostentlaubten Aste +Bis zu jenem Fenster streckt. +Ich ergriff die starken Zweige, +Die sie hilfreich bot, und steige, +Unbesonnen, unbedacht +Rasch hinunter in die Nacht. +Hundert Schritte kaum gegangen-- +Fällt ein Schuß--Ob Freund ob Feind-- +Weiß ich nicht--genug--er traf. +Da erwacht' ich zur Besinnung, +Sah mit Schreck was ich gewagt. +Weiter gehen schien gefährlich, +Drum eilt' ich zurück zur Linde, +Die herab mir half, und finde +Auch den Rückweg so zurück. + +Berta. +Und bei allen dem befiel dich +Auch nicht ein, nicht ein Gedanke +Nur an mich, an meinen Schmerz. +Einem Einfall hingegeben, +Wagtest lieblos du dies Leben +Das zugleich das meine ist. +O du fühlst nicht so wie ich! +Wenn dich gleiche Sehnsucht triebe, +Wüßtest du wohl, daß die Liebe +Auch das eigne Leben ehrt, +Weil's dem Teuern angehört. + +Jaromir (an seinem verwundeten Arm zerrend). +Tobe, tobe, heißer Schmerz, +Übertäube dieses Herz! + +Berta. +Warum zerrst du so am Arme? +Deine Wunde-- + +Jaromir. +Ist verbunden! + +Berta. +Rauh die Schärpe umgewunden! +Harter, fühle meine Schmerzen, +Wenn du deine auch nicht fühlst. + +Hier ist Balsam--hier ist Linnen-- +Mir den Arm! Ich will ihn heilen. +Reich mir ihn; ich will versuchen, +Ob es mir vielleicht gelingt, +Einen jener lieben Blicke, +Ein Geschenk in schönern Tagen, +Jetzt als Lohn davonzutragen. +Jaromir, ich will's versuchen, +Ob die Hand hier mehr erreicht, +Als dies Herz voll heißer Triebe, +Ach und ob dein Dank vielleicht +Reicher ist, als deine Liebe, (Die Schärpe ablösend.) +Sieh doch nur, die schöne Schärpe, +Die ich mühevoll gestickt, +Und auf die, statt reicher Perlen, +Manche Träne frommer Liebe, +Dir einst teurer Schmuck, gefallen, +Sieh, wie ist sie doch zerrissen. +Ach zerrissen, wie mein Herz! + +(Sie verbindet ihn. Die Schärpe fällt vor ihr auf den Boden hin.) + +Berta. +Immer stumm noch, immer düster! +Ach du bist so sonderbar. +Im Gesichte wechselt Glut +Mit des Todes fahler Farbe, +Gichtrisch zuckt der bleiche Mund +Und dein Aug' sucht scheu den Grund. +Gott, du schreckst mich! + +Jaromir (wild). +Schreck ich dich? + +Berta. +Güt'ger Himmel, was war das? + +Jaromir. +Horch!--Im Vorsaal--Hörst du? Tritte! +Fort! + +Berta. +Bleib doch! + +Jaromir. +Nein, nein, nein! +Horch, man kömmt!--Schnell fort! fort! fort! + +(Eilt ins Gemach zurück.) + +Berta. +Ist er's noch? Ist's noch derselbe? +Wie er bebte, und erblich, +Wie sein Aug' zu Boden sank! +Himmel! Wie er's auch verhehle, +Schwer ist noch sein Körper krank, +Oder--schwerer seine Seele. + +Ein Soldat (kömmt, ein abgerissenes Stück von einer Schärpe in der +Hand). +Ihr verzeiht! Ist hier mein Hauptmann? + +Berta. +Nein, mein Freund. + +Soldat. +Wo mag der sein? +Erst war er bei unsern Posten, +Und jetzt nirgends aufzufinden. +Glaubt' ihn schon zurückgekehrt +Um der Ruhe hier zu pflegen. + +Berta. +Und mein Vater?-- + +Soldat. +Ist bei ihm! +Habt nicht Angst, mein holdes Fräulein. +An den Räubern ist's zu zittern, +Denn wir sind auf ihrer Spur. +Zielte Kurt ein bißchen schärfer, +Oder hatt' ich beßres Glück, +War der Räuberhauptmann unser. +Ja der Hauptmann! Staunt nur Fräulein. +Ei, ich war ihm nah genug +Um ihn wieder zu erkennen! +Wie er da so um die Mauern +Und durch die Gebüsche kroch, +Da schoß Kurt nach ihm, und brav, +Denn, bei meiner Treu, es traf, +Hier, am Arme. + +Berta. +Gott!--Am Arme? + +Soldat. +Ja, am Arm, 's floß Blut darnach. +Taumelnd wankt' er hart und schwer, +Und es wollt' uns fast bedünken, +Jetzt müss' er zu Boden sinken. +Wie ich ihn so wanken sehe, +Ich hervor, und auf ihn hin. +Hart faßt' ich ihn an am Gürtel +Und am Hals mit starker Hand, +Trotz dem Sträuben, trotz dem Ringen, +Meint' es müsse mir gelingen: +Doch bald war er aufgerafft, +Packte mich mit Riesenkraft, +Wie ich mich verzweifelt wehrte, +Mußt' ich dennoch auf die Erde +Und der Höllensohn verschwand. +Ob wir rasch gleich nach ihm setzen, +All umsonst, und dieser Fetzen, +Blieb statt ihm in meiner Hand. + +(Das Stück der Schärpe hinhaltend.) + +Berta (es erkennend). +Ha! + +(Sie läßt ihr Schnupftuch auf die Erde fallen, so daß es die am Boden +liegende Schärpe bedeckt, und steht zitternd.) + +Soldat. +Ei ja mein schönes Fräulein. +Glaubt, fürwahr es ist kein Scherz +Dem da in den Weg zu treten. +Ich war lang in seinen Klauen, +Und noch jetzt denk ich mit Grauen, +Mit Entsetzen jener Zeit. +Wenn er so nach seiner Weise +Stand in der Gefährten Kreise, +Mit dem dunkel glühnden Blick, +Wie da nicht ein Laut entschwebte, +Und der Mutigste selbst bebte, +Und der Ungestümste schwieg. +Bis er mächtig dann begann: +Frisch Genossen, drauf und dran! +Jeder zu den Waffen eilte, +Und der wilde Haufen heulte, +Daß es bis gen Himmel drang +Und die Gegend rings erklang. +Und dann fort der ganze Troß, +Er vorauf auf schwarzem Roß, +Wie des Teufels Kampfgenoß, +Heiß von Wut und Rachgier glühend, +Blitze aus den Augen sprühend. +Wo der Haufe sich ließ sehen +War's um Menschenglück geschehen; +Nichts verschonte ihre Wut, +Alles nieder! Menschenblut +Rauchte auf der öden Stätte +Mit den Trümmern um die Wette. +Schaudert ihr? Es ist darnach. +Doch gekommen ist der Tag, +Wo auch ihnen wird ihr Lohn +Und der Henker wartet schon. + +Berta. +Weh! + +Soldat (den Fetzen auf den Tisch werfend). +Da lieg unnützes Stück. +Will noch mal hinaus zum Tanz, +Und was gilt's, ich bring ihn ganz! +Gott befohlen, schönes Fräulein! (Ab.) + +Berta. +Weh mir weh!--Es ist geschehn! + +(In den Sessel stürzend, und die Hände vors Gesicht schlagend.) + +Jaromir (die Türe öffnend). +Ist er fort?--Was fehlt dir Berta? + +Berta (deutet mit abgewandten Blicken auf das am Boden liegende +Schnupftuch hin). + +Jaromir (es aufhebend). +Meine Schärpe! + +Berta (hält ihm das abgerissene Stück vor, mit bebender Stimme). +Räuber! + +Jaromir (zurücktaumelnd). +Ha! +Nun wohlan, es ist geschehn! +Wohl, der Blitzstrahl hat geschlagen, +Den die Wolke lang getragen, +Und ich atme wieder frei. +Fühl ich gleich es hat getroffen, +Ist vernichtet gleich mein Hoffen, +Doch ist's gut, daß es vorbei! +Jene Binde mußte reißen +Und verschwinden jener Schein; +Soll ich zittern das zu heißen, +Was ich nicht gebebt zu sein? +Nun braucht's nicht mehr zu betrügen, +Fahret wohl ihr feigen Lügen, +Ihr wart niemals meine Wahl: +Daß ich es im Innern wußte, +Und es ihr verschweigen mußte, +Das war meine gift'ge Qual. +Wohl, der Blitzstrahl hat geschlagen, +Das Gewitter ist vorbei; +Frei kann ich nun wieder sagen +Was ich auf der Brust getragen, +Und ich atme wieder frei.-- + +Ja ich bin's, du Unglücksel'ge, +Ja ich bin's, den du genannt! +Bin's den jene Häscher suchen, +Bin's dem alle Lippen fluchen, +Der in Landmanns Nachtgebet +Hart an an dem Teufel steht; +Den der Vater seinen Kindern +Nennt als furchtbares Exempel, +Leise warnend: Hütet euch, +Nicht zu werden diesem gleich! +Ja ich bin's, du Unglücksel'ge, +Ja ich bin's, den du genannt! +Bin's den jene Wälder kennen, +Bin's den Mörder: Bruder nennen, +Bin der Räuber Jaromir! + +Berta. Weh mir, wehe! + +Jaromir. +Bebst du Mädchen? +Armes Kind, schon bei dem Namen +Faßt es dich mit Schauder an? +Laß dich nicht so schnell betören, +Was du schauderst anzuhören, +Mädchen, das hab ich getan! +Dieses Aug', des deinen Wonne, +War des Wanderers Entsetzen; +Diese Stimme, dir so lieblich, +War des Räuberarms Gehilfin +Und entmannte bis er traf; +Diese Hand, die sich so schmeichelnd +In die deinige getaucht, +Hat von Menschenblut geraucht! + +Schüttle nicht dein süßes Haupt, +Ja ich bin's, du Unglücksel'ge! +Weil die Augen Wasser blinken, +Weil die Arme kraftlos sinken, +Weil die Stimme bebend bricht, +Glaubst du, Kind, ich sei es nicht? +Ach der Räuber hat auch Stunden, +Wo sein Schicksal, ganz empfunden, +Solche Tropfen ihm erpreßt. +Berta, Berta, glaube mir, +Dessen Augen jetzt in Weinen +Fruchtlos suchen nach den deinen, +Ist der Räuber Jaromir! + +Berta. +Himmel! Fort! + +Jaromir. +Ja du hast recht! +Fast vergaß ich wer ich bin! +Feige Tränen fahret hin! +Darf ein Räuber menschlich fühlen? +Darf sein heißes Auge kühlen +Einer Träne köstlich Naß? +Fort! Von Menschen ausgestoßen, +Sei dir auch ihr Trost verschlossen, +Dir Verzweiflung nur und Haß! +Wie ich oft mit mir gestritten, +Wie gerungen, wie gelitten, +Darnach frägt kein Menschenrat. +Vor des Blutgerichtes Schranken +Richtet man nicht die Gedanken, +Richtet man nur ob der Tat! + +Nun, so weiht mich eurem Grimme, +Willig steig ich aufs Schafott, +Doch zu dir ruft meine Stimme, +Auf zu dir du heil'ger Gott! +Du hörst gütig meine Klagen, +Dir Gerechter will ich's sagen, +Was mein wunder Busen hegt, +Du, mein Gott, wirst gnädig richten, +Und ein Herz nicht ganz vernichten, +Das in Angst und Reue schlägt. + +Unter Räubern aufgewachsen, +Groß gezogen unter Räubern, +Früh schon Zeuge ihrer Taten, +Unbekannt mit milderm Beispiel, +Mit dem Vorrecht des Besitzes, +Mit der Menschheit süßen Pflichten, +Mit der Lehre Lebenshauch, +Mit der Sitte heil'gem Brauch; +Wirst du wohl den Räuberssohn, +Wirst Gerechter ihn verdammen, +Menschenähnlich, schroff und hart, +Wenn er selbst ein Räuber ward! +Ihn verdammen, wenn er übte, +Was die taten, die er liebte, +Und an seines Vaters Hand, +Dem Verbrechen sich verband. +Weißt du doch, wie beim Erwachen +Aus der Kindheit langem Schlummer, +Er mit Schrecken sich empfand, +Seinem schwarzen Lose fluchte, +Zweifelnd einen Ausweg suchte, +Suchte, Himmel, und nicht fand. +Weißt du doch, wie seit den Stunden, +Als ich sie, ich sie gefunden, +Die mich nun bei dir verklagt, +Meinem wüsten Tun entsagt; +Weißt du--Doch wozu die Worte! +Wie mein Herz auch schwellend bricht, +Bleibt versperrt des Mitleids Pforte, +Du weißt alles, ew'ges Licht, +Und die Harte hört mich nicht. +Ab von mir bleibt sie gewendet.-- +Nun wohlan, so sei's vollendet! +Ach, geendet ist's ja doch! +Ob mein Blut die Erde rötet: +Hat doch sie mich schon getötet, +Henker, sprich! Was kannst du noch? + +(Geht rasch der Türe zu.) + +Berta (aufspringend). +Jaromir!--Halt ein! + +Jaromir. +Was hör ich? +Das ist meiner Berta Blick! +Ihre Stimme tönt mir wieder, +Und auf goldenem Gefieder +Kehrt das Leben mir zurück. + +(Auf sie zueilend.) + +Berta! Berta! Meine Berta! + +Berta. +Laß mich! + +(Sie eilt fliehend gegen den Vorgrund. Jaromir erreicht sie und faßt +ihre Hand, die sie nach einigem Widerstreben in seiner läßt. Sie +steht mit abgewandtem Gesichte.) + +Jaromir. +Nein, ich laß dich nicht! +Ach soll denn der Unglücksel'ge, +Kaum dem Schiffbruch nur entgangen, +Dem die Kraft schon schwindend sinkt, +Treibend auf der Wasserwüste, +Denn umklammern nicht die Küste, +Die ihm reich entgegenblinkt? +Nimm mich auf, o nimm mich auf! +Was aus meinem frühern Leben +Noch mir hafte, noch mir bliebe, +Alles, bis auf deine Liebe, +Als unwürdig deinem Blick, +Stoß ich's in die Flut zurück; +Als ein neues, reines Wesen, +Wie aus meines Schöpfers Hand, +Lieg ich hier zu deinen Füßen +Um zu lernen, um zu büßen. + +(Ihre Kniee umfassend.) + +Nimm mich auf! O nimm mich auf! +Mild, wie eine Mutter, leite +Mich, dein Kind, wie's dir gefällt, +Daß mein Fuß nicht strauchelnd gleite +In der neuen, fremden Welt. +Lehr mich deine Wege treten, +Glück gewinnen, Glück und Ruh', +Lehr mich hoffen, lehr mich beten, +Lehr mich heilig sein wie du! + +Berta, Berta, und noch immer, +Und noch immer fällt kein Blick +Auf den Flehenden zurück? +Meine Berta, sei nicht strenger, +Als der strenge Richter, Gott; +Der mit seiner Sonne Strahlen +In des Sünders letzten Qualen +Noch vergoldet das Schafott.-- +Ha ich fühle--dieses Beben-- +Ja--du bist mir rückgegeben! + +(Die schwach sich Sträubende in seine Arme ziehend.) + +Berta! Mädchen! Gattin! Engel! + +(Aufspringend.) + +Stürze jetzt die Erde ein! +Ist doch hier der Himmel mein! + +Berta. +Jaromir, ach Jaromir! + +Jaromir. +Fort jetzt Tränen, fort jetzt Klagen! +Mag das Schicksal immer schlagen, +Wenn dein Arm mich, Teure, hält, +Trotz ich einer ganzen Welt. + +Meine Schuld ist ausgestrichen, +Jubelnd bin ich mir's bewußt, +Und Gefühle, längst verblichen, +Blühen neu in dieser Brust. + +Wieder bin ich aufgenommen +In der Menschheit heil'gem Rund, +Und des Himmels Geister kommen +Segnend den erneuten Bund. + +Unschuld mit dem Lilienstengel, +Liebe mit der goldnen Frucht, +Hoffnung, jener Friedensengel, +Der sich jenseits Kronen sucht. + +Nun stürmt immer, wilde Wogen, +Schwellt in himmelhohen Bogen, +In des Hafens sichrer Hut +Lach ich der ohnmächt'gen Wut. + +Und nun höre, meine Berta! +Lange noch eh' ich dich kannte, +Dacht ich schon auf künft'ge Flucht. +Weit von hier, am fernen Rhein +Ist ein Schloß, ein Gütchen mein, +Gelder, Wechsel stehn bereit, +Fertig wie mein Wink gebeut. +Dorthin, wo mich niemand kennt, +Wo man mich: von Eschen nennt, +Nach dem stillen Gütchen hin, +Dahin, Berta, laß uns fliehn. +Dort fang ich auf neuer Bahn +Auch ein neues Leben an, +Und nach wenig kurzen Jahren, +Dünkt uns was wir früher waren +Wie ein altes Märchen, kaum +Klarer als ein Morgentraum. + +Berta. +Fliehen soll ich? + +Jaromir. +Kann ich bleiben? +Kann ich fliehen ohne dich? + +Berta. +Und mein Vater? + +Jaromir. +Weib, und ich? +Wohl so bleib, auch ich will bleiben! +Hier, hier sollen sie mich finden, +Fassen, würgen, fesseln, binden, +Hier vor deinem Angesicht. +Wohl, so bleib du gute Tochter, +Pflege deinen grauen Vater, +Führ lustwandelnd ihn hinaus, +Hin zu jener schwarzen Stätte, +Wo auf sturmdurchwehtem Bette +Im durch dich vergoßnen Blut +Dein ermordet Liebchen ruht. +Zeig ihm dann am Rabensteine +Jene modernden Gebeine-- + +Berta. +Ach, halt ein! + +Jaromir. +Du willst? + +Berta (halb ohnmächtig). +Ich will! + +Jaromir. +So hab Dank, hab Dank, mein Leben! +Schnell jetzt fort, ich kann nicht weilen; +Hier wird mich ihr Arm ereilen, +Meine Spur ist schon entdeckt. +Dieses Schloß wird man durchspüren, +Sie durch die Gemächer führen +Denn ihr Argwohn ist geweckt. +Abwärts suchen jetzt die Späher, +Dieses Schlosses Außenwerke, +Seine halbverfallnen Gänge +Sind dem Räuber längst bekannt. +Dorthin will ich mich verbergen, +Bis der Augenblick erscheint, +Der auf ewig uns vereint. + +Wenn erschallt die zwölfte Stunde +Und kein lebend Wesen wacht, +Nah ich leise, leis im Bunde +Mit der stillen Mitternacht. + +Im Gewölbe, wo in Reihen +Deiner Väter Särge stehn, +Führt ein Fenster nach dem Freien, +Dort, mein Kind, sollst du mich sehn-- + +Und schnell eil ich, wenn das Zeichen +Von der lieben Hand erschallt, +Schnell dahin, wo unter Leichen, +Mir dies liebe Leben wallt. + +Dort an deiner Väter Särgen, +Die Verdacht und Argwohn fliehn, +Soll die Liebe sich verbergen, +Und dann schnell ins Weite hin! + +Also kommst du? + +Berta (leise). +Ja, ich komme! + +Jaromir. +Also willst du? + +Berta. +Ja, ich will! + +Jaromir. +Jetzt leb wohl, denn ich muß fort; +Daß sie uns nicht überraschen. +Lebend soll man mich nicht haschen. +Doch noch eins! Kind, schaff mir Waffen! + +Berta. +Waffen? Waffen? Nimmermehr! +Daß du von Gefahr gedrängt, +Selber nach dem eignen Leben-- + +Jaromir. +Sei nur unbesorgt, mein Kind. +Seit ich weiß wie du gesinnt, +Seit ich deinen Schwur gehört, +Hat mein Leben wieder Wert. +Auch bedürft' es nicht der Waffen. +Um mir Freiheit zu verschaffen, +Wär' dies Fläschchen wohl genug. + +Berta. +Fort dies Fläschchen! + +Jaromir. +Kind, warum? + +Berta. +Glaubst du denn, mir würde Ruh', +Glaubst ich könnt' es bei dir wissen +Ohne daß mein Herz zerrissen? + +Jaromir. +Macht's dich ruhig, nimm es hin! + +(Das Fläschchen auf den Tisch werfend.) + +Doch nun schaff mir Waffen, Waffen! + +Berta. +Waffen? Ach woher? + +Jaromir. +Ei hängt nicht, +Hängt denn nicht an jener Mauer +Dort ein Dolch? + +Berta. +Ach laß ihn, laß ihn! +Zieh ihn nicht aus seiner Scheide, +Unglück hängt an dieser Schneide. +Von dem Dolche, den du siehst, +Ward der Ahnfrau unsers Hauses +Einst in unglücksel'ger Stunde +Eingedrückt die Todeswunde. +Als ein Zeichen hängt er da +Von dem nächtlichen Verhängnis +Das ob unserm Hause brütet. +Blut'ges hat er schon gesehn, +Blut'ges kann noch jetzt geschehn! + +(Die Ahnfrau erscheint hinter den beiden, die Hände, wie abwehrend, +gegen sie ausgestreckt.) + +Berta. +Was starrst du so gräßlich hin? +Mann du zitterst? Ich auch bebe! +Grabesschauer faßt mich an, +Leichenduft weht um mich her! + +(Sich an ihn schmiegend.) + +Ich erstarre! Ich vergehe! + +Jaromir. +Laß mich!--Diesen Dolch da kenn ich! + +Berta. +Bleib zurück! Berühr ihn nicht! + +Jaromir. +Sei gegrüßt, du hilfreich Werkzeug! +Ja du bist's, fürwahr du bist's! +Wie ich dich so vor mir sehe +Tauchen ferner Kindheit Bilder, +Lang verborgen, lang entzogen +Von des Lebens wilden Wogen, +Wie der Heimat blaue Berge, +Auf aus der Erinnrung Flut.-- +An dem Morgen meiner Tage +Hab ich dich schon, dich gesehn. + +Seitdem durch die Nacht des Lebens +Schwebtest du mir gräßlich vor +Wie ein blutig Meteor. +In der flucherfüllten Nacht, +Als ich auf der ersten Stufe +Meinem furchtbaren Berufe +Scheu die Erstlinge gebracht, +Da sah ich mit bleichem Schrecken +In der Wunde, die ich schlug, +Statt des Dolches, den ich trug, +Deine, deine Klinge stecken. +Und seit jenem Schreckenstag +Blieb dein Bild mir immer wach! +Sei gegrüßt, du hilfreich Werkzeug! +Lockend seh ich her dich blinken, +Und mein Schicksal scheint zu winken. +Du bist mein! Drum her zu mir! + +(Drauf los gehend.) + +Berta (zu seinen Füßen). +Ach, halt ein! + +Jaromir (immer unverwandt auf den Dolch blickend). +Weg da!--Zurück! + +(Er nimmt den Dolch. Die Ahnfrau verschwindet.) + +Jaromir. +Was ist das? Was ist geschehn? +Als du dort noch flimmernd hingst, +Schien von deiner blut'gen Schneide +Auszugehn ein glühend Licht, +Das durch der Vergangenheit +Nachtumhüllte Nebeltäler, +Scheu, mit mattem Strahle flammte. +Und Gestalten, oft gesehn, +Wie in einem frühern Leben +Fühlt' ich ahnend mich umschweben. +Diese Hallen grüßten mich +Dies Gerät schien mir zu winken, +Und in meines Busens Gründen +Schien ich mir mich selbst zu finden. +Und jetzt ausgelöscht, verweht, +Wie ein Blitzstrahl kommt und geht. + +Berta. +Diesen Dolch! O leg ihn hin! + +Jaromir. +Ich, den Dolch? Nein, nimmermehr! +Er ist mein, ist mein, ist mein! +Ei fürwahr ein tüchtig Eisen! +Wie ich ihn so prüfend schwinge +Wird mit eins mir guter Dinge +Und mein innres Treiben klar. +Wen's mit dir, mein guter Stahl, +Mir gelingt so recht zu fassen, +Der wird mich wohl ziehen lassen +Und kömmt nicht zum zweitenmal. +Nun leb wohl, leb wohl mein Kind! +Mutig! Froh! Die Zukunft lacht! +Und gedenk!--Um Mitternacht! + +(Mit erhobenem Dolche ins Seitengemach ab.) + +Ende des dritten Aufzuges + + + + +Vierter Aufzug + +Halle wie in den vorigen Aufzügen. Lichter auf dem Tische. Berta +sitzt, den Kopf in die flachen Hände und diese auf den Tisch gelegt. + + +Günther (kommt). +Ihr seid hier, mein gnäd'ges Fräulein? +Mögt Ihr weilen so allein +In den düsteren Gemächern +Und in dieser, dieser Nacht? +Wahrlich, eine schreckenvollre +Hat dies Aug' noch nie gesehn. +Wimmernd heult der Sturm von außen +Und im Innern schleicht Entsetzen +Sinnverwirrend durch das Schloß. +Auf den dunkeln Stiegen rauscht es, +Durch die öden Gänge wimmert's, +Und im Grabgewölbe drunten +Poltert's mit den morschen Särgen, +Daß das Hirn im Kreise treibt +Und das Haar empor sich sträubt. +Manches steht uns noch bevor, +Wandelt doch die Ahnfrau wieder; +Und man weiß aus alten Zeiten, +Daß das Großes zu bedeuten, +Schweres anzukünden hat, +Unglück oder Freveltat! + +Berta. +Unglück oder Freveltat? +Unglück, ach und Freveltat.-- +Reichte nicht das Unglück hin +Dieses Dasein zu vernichten, +Warum noch den schweren Frevel +Laden auf die wunde Brust? +Warum, du gerechtes Wesen, +Noch mit des Gewissens Fluch +Deinen harten Fluch verschärfen? +Warum, Gott, zwei Blitze werfen, +Wo's an einem schon genug? + +Günther. +Ach, und Euer grauer Vater +Draußen in dem Wintersturm +Bloßgestellt der Wut des Wetters +Und der blut'gen Räuber Dolch! + +Berta. +Dolch?--Was sagst du?--Welcher Dolch? +Gab ich? Nahm er nicht? + +Günther. +Liebes Fräulein, +Laßt den Mut nicht ganz entweichen! +Alle diese trüben Zeichen +Sind ja doch nur Wetterwolken, +Die des Sturmes Nahn verkünden: +Doch nicht alle Donner zünden, +Und des Blitzes glühnder Brand +Liegt in Gottes Vaterhand. + +Berta. +Du hast recht.--In Gottes Hand! +Du hast recht!--Ja ich will beten! +Er wird Hilf' und Trost verleihn; +Er kann schlagen, er kann retten, +Er kann strafen und verzeihn! + +(Am Sessel niederknieend.) + +Günther (ans Fenster tretend). +Es erhellet sich die Gegend, +Fackeln streifen durch das Feld. +Man verfolgt den Rest der Räuber, +Der sich hier verborgen hält. + +Berta (knieend). +Heil'ge Mutter aller Gnaden, +Laß mich dir mein Herz entladen, +Aus mich schütten meinen Schmerz; +Mild, mit weichem Finger streife +Von der Brust den Kummer, träufe +Balsam in dies wunde Herz! + +Günther. +Rund herum im Kreis sie stehen, +Jeder Ausweg ist verstellt. +Da mag keiner wohl entgehen, +Wie er sich verborgen hält. + +Berta (in steigender Angst). +Hüll ihn ein in deinen Schleier +Den Geliebten, mir so teuer, +Er ist ja zurückgekehrt! +Wollest gnädig ihn bewahren! +Führ ihn durch der Späher Scharen, +Führ ihn durch der Feinde Schwert! + +Günther. +Wär' doch Euer Vater hier. +Daß es ihn hinausgetrieben! +Wär' er doch bei uns geblieben, +Wenn--mit Schaudern denk ich's mir! + +Berta. +Schau herab vom Sternensitze, +Und auch ihn, auch ihn beschütze, +Dem man schon so viel geraubt; +Was den Teuern, Lieben dräuet, +Sei auf dieses Haupt gestreuet, +Sei gelegt auf dieses Haupt! + +Günther. +Jetzt scheint etwas auf gespürt! +Alles eilt der Mauer zu. +Setzt er sich auch noch zur Wehr, +Der entkömmt wohl nimmermehr. + +Berta (in höchster Angst, fast schreiend). +Wend es ab!--Ach, wende! wende! +Hier erheb ich meine Hände. +Oder ende!--ende!--ende! + +(Pause.--Beide horchen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Berta +richtet sieh langsam auf.) + +Günther. +Horch!--Ein Schrei! + +Berta. +Ein Schrei! + +Günther. +Wieder Stille. + +Berta. +Wieder Stille-- + +Günther. +Himmel! War das nicht die Stimme? + +Berta. +Wessen Stimme? + +Günther. +Fort Gedanke! +Das zu denken wär' schon Tod! + +Berta. +Wessen Stimme? + +Günther. +Ei nicht doch! +Alle stehen sie versammelt +Rings um einen Gegenstand, +Der, so scheint's, am Boden liegt. + +Berta. +Liegt? Am Boden liegt? + +Günther, +Ich kann +Nicht hinvor bis dahin blicken, +Denn des Hauses scharfer Vorsprung +Hemmt die Aussicht nach der Seite. +Doch dünkt mich an jener Linde, +Die das Fenster dort beschattet-- + +Berta. +An der Linde? + +Günther. +Ja, so dünkt mich. + +Berta. +An der Linde?--Liegt am Boden? + +Günther. +Wie ich sagte. Also scheint's. + +Berta. +Gott, mein Jaromir! + +Günther. +Ei Fräulein, +Der schläft ruhig in der Kammer. + +Berta. +Schläft? Ach schläft um nie zu wachen! + +Günther. +Horch, man kömmt.--Da laßt uns fragen +Was sich unten zugetragen. + +(Hauptmann kommt.) + +Hauptmann (eintretend). +Heda! Betten! Tücher! Betten! + +Günther. +Ach sagt an doch, edler Herr! + +Berta (steht bewegungslos). + +Hauptmann. +Ihr auch hier, mein holdes Fräulein? +Darauf war ich nicht bereitet. +Hilfe wollt' ich hier begehren, +Nicht des Unglücks Bote sein. +Euer Vater ist-- + +Berta (schnell). +Und Er? + +Hauptmann. +Wer, mein Fräulein? + +Berta. +Und--die Räuber? + +Hauptmann. +Noch ist es uns nicht gelungen. +Ach und Euer Vater-- + +Berta. +Nicht?-- +Nun habt Dank für Eure Botschaft! 2 + +Hauptmann. +Botschaft? Welche Botschaft? + +Berta. +Daß-- +Ich erwarte wollt' ich sagen, +Ich erwarte Eure Botschaft. + +Hauptmann. +Hört sie denn mit wenig Worten.-- +Euer Vater ist verwundet. + +Berta. +Ist verwundet? Wie, mein Vater? +O ich will ihn pflegen, warten, +Sorglich heilen seine Wunden, +Und er soll gar bald gesunden +An der Tochter frommen Brust. + +Hauptmann. +Nun mich freut's, daß meine Botschaft, +Euch gefaßter, mut'ger trifft, +Als ich fürchtete und--hoffte. + +Günther. +Also war's doch seine Stimme! +Ich will alsogleich hinaus-- + +Hauptmann. +Bleib! Bereite lieber alles, +Denn man bringt ihn schon hierher. +Hart traf ihn der Stoß des Räubers-- + +Berta. +Ha!--des Räubers? + +Hauptmann. +Wohl, des Räubers; +Wessen sonst? Doch ja, Ihr wißt nicht.-- +Wir durchstreiften rings die Gegend, +Euern Vater in der Mitte, +Denn trotz meiner warmen Bitte, +Blieb er, tief die Kränkung fühlend, +Die ich schuldlos ihm gebracht, +Helfend, leitend unter uns-- +Horch! Da rauscht's durch die Gebüsche, +Und die Wachen rufen's an. +Keine Antwort. Meine Leute +Froh ob der gefundnen Beute +Stürzen jubelnd drauf und dran. +Und nach einem jener Gänge +Die in wildverworrner Menge, +Halb verfallen, weit umhin +Dieses Schlosses Wall umziehn, +Sahn wir einen Schatten fliehn. +Euer Vater stand der Nächste, +Und mit vorgehaltnem Degen +Stürzt er jugendlich verwegen, +Nach dem Räuber in den Gang. +Da ertönt ein matter Schrei. +Eilig stürzen wir herbei. +Euer Vater liegt am Boden, +Ohne Leben, ohne Odem, +Seiner selbst sich nicht bewußt, +Einen Dolch in seiner Brust. + +Berta. +Einen Dolch? + +Hauptmann. +Ja, liebes Fräulein! + +Berta. +Einen Dolch? + +Hauptmann. +Ja, einen Dolch. + +Berta. +Fort! hinaus! hinaus! hinaus! + +Hauptmann (sie zurückhaltend). +Bleibt doch, liebes Fräulein, bleibt doch! +Seht man bringt ihn.-- + +(Soldaten und Diener bringen den Grafen auf einer Tragbahre, die sie +in der Mitte der Bühne niedersetzen.) + +Berta. +Gott! Mein Vater! +Laßt mich! Laßt mich! + +Hauptmann. +Ruhig, Fräulein! +Denn Ihr tötet Euch und ihn! +Ruhig! + +Berta. +Ruhig?--Laßt mich! Laßt mich! + +(Sich losreißend und an der Bahre niederstürzend.) + +Vater! Vater! O mein Vater! + +Graf (in Absätzen). +Ah bist du es, meine Berta? +Gutes Mädchen, armes Kind, +Armes, armes, armes Kind! + +Berta. +Vater, mir nicht diese Güte, +Vater, mir nicht diese Huld, +Sie vergrößert meine Schuld! + +Graf. +Wenn in jenem Augenblicke +Bei der Fackeln fernem Licht +Mich getäuscht mein Auge nicht, +Wenn er's war, er den ich meine-- +Armes, armes Kind, dann weine +Um dich selber, nicht um mich! +Wo ist Jaromir? + +Berta (bebend, leise). +Ich weiß nicht. + +Graf. +Wo ist Jaromir, mein Kind? + +Berta (ihr Gesicht in die Kissen verbergend). +Vater! Vater! + +Graf. +Nun, es sei! +Fahre wohl denn, fahre wohl +Meine letzte, einz'ge Hoffnung! +Wohl, die Sonne ist hinunter, +Ausgeglimmt der letzte Schein, +Dunkle Nacht bricht rings herein. +Es ist Schlafens-, Schlafenszeit!-- +Gutes Mädchen, armes Kind, +Klage, dulde, leide, stirb! +Dir kann nimmer Segen werden, +Für dich gibt's kein Glück auf Erden, +Bist du ja doch meine Tochter, +Bist doch eine Borotin. + +Günther. +Haltet ein, mein gnäd'ger Herr! +Eure matte, wunde Brust +Leidet unter Eurem Sprechen. + +Graf. +Laß mich, treuer Diener, laß mich +Noch einmal, am Rand des Grabes, +Diesem wüsten, wirren Leben, +Wüst und rauh und dennoch schön, +Noch einmal ins Auge sehn. +Seine Freuden, seine Leiden +Mich zum letzten, letzten Abschied, +Noch einmal als Mensch mich fühlend, +Drücken an die Menschenbrust. +Noch zum letzten Male schlürfen +Aus dem bittersüßen Becher-- +Und dann Schicksal nimm ihn hin! + +Berta. +Vater, nein! Nicht sterben!--Nein! +Nein, Ihr dürft nicht, dürft nicht sterben! +Seht, ich klammre mich an Euch +Seht, Ihr dürft, Ihr könnt nicht sterben! + +Graf. +Willst du mit den Kinderhänden +In des Schicksals Speichen greifen? +Seines Donnerwagens Lauf +Hält kein sterblich Wesen auf. + +(Ein Soldat kömmt.) + +Soldat (zum Hauptmann). +Eben hat man einen Räuber, +Der im Schilfe lag verborgen +Von dem nahgelegnen Weiher, +Edler Herr, hier eingebracht. + +Graf. +Einen Räuber? + +Berta. +Güt'ger Gott! + +Graf. +Jüngling noch? Von schlankem Wuchse? + +Soldat. +Nein, Herr Graf, beinah schon Greis. +Er verlangt mit Euch zu sprechen. +Wicht'ges hab' er zu verkünden, +Wichtiges für ihn und Euch. + +Hauptmann. +Mag der Bösewicht es wagen +Dieses Mannes letzte Stunden-- + +Graf. +Laßt ihn kommen, lieber Herr! +Hat er sich gen mich vergangen, +Will ich sterbend ihm verzeihn, +Oder ward vielleicht von mir +Ihm Beleid'gung oder Unbild, +Soll ich aus dem Leben scheiden +Mit des Armen Fluch beschwert? + +Hauptmann. +Wohl, er komme! + +(Soldat ab.) + +Günther. +Gnäd'ger Herr, +Unbequem ist dieses Lager. +Ihr erlaubt es wohl, wir tragen +Euch in Euer Schlafgemach. + +Graf. +Nein, nicht doch! Hier will ich bleiben, +Hier in dieser heil'gen Halle: +Die des Knaben muntre Spiele, +Die des Jünglings bunte Träume, +Die des Mannes Taten sah, +Soll auch sehn des Greises Ende. +Hier, wo meiner Ahnen Geister +Mich mit leisem Flug umschweben, +Hier, wo von den hohen Wänden +Eine lange, würd'ge Reihe, +Die noch jetzt der Ruhm erhebt, +Niederschaut auf ihren Erben, +Wo die Väter einst gelebt, +Soll der letzte Enkel sterben! + +(Boleslav tritt ein, von Wachen geführt.) + +Boleslav (sich auf die Kniee niederwerfend). +Gnäd'ger Herr, ach habt Erbarmen! +Laßt mich Gnade, Gnade finden, +Sprecht für mich ein mächtig Wort! +Und zum Lohne will ich dann +Eine Kunde Euch erteilen, +Die schnell Euer Siechtum heilen, +Euch mit Lust erfüllen soll. + +Graf. +Gibt's für mich gleich keine Kunde, +Die so mächtig wie du sprichst, +Doch versprach ich dir zur Stunde, +Hier in meines Freundes Geist, +Wenn's zum Guten was du weißt +Sollst du gnäd'ge Richter finden, +Gnädig auch bei schweren Sünden. + +Boleslav. +Wohl so hört, ach, und verzeiht! +Einst, jetzt sind's wohl zwanzig Jahre, +Ging ich eines Sommerabends, +Damals schon auf schlimmen Wegen, +Hier an Euerm Schloß vorbei. +Wie ich lauernd ringsum spähe, +Da gewahr ich an dem Weiher, +Der an Eure Mauern stößt, +Einen schönen, holden Knaben, +Kaum drei Jahre mocht' er haben; +Der warf spielend Stein auf Stein +In die klare Flut hinein. + +Günther. +Güt'ger Gott! + +Graf. +Was werd ich hören! + +Boleslav. +Schön und köstlich war sein Kleid, +Und um seinen weißen Nacken +Hing ein funkelndes Geschmeid. +Mich gelüstet nach der Beute. +Ringsum schau ich, nirgends Leute, +Ich und er nur ganz allein. +Ich versuch's ihn anzulocken, +Abzulocken ihn vom Schlosse, +Zeig ihm Blumen, zeig ihm Früchte, +Und der Knabe froh und heiter +Folgt mir weiter, immer weiter +Bei des Abends Dämmerschein +In den düstern Wald hinein. + +Graf. +Ach es war, es war mein Sohn! + +Günther. +Und wir glaubten ihn ertrunken, +In des Weihers Schlamm versunken, +Weil sein Hut im Wasser schwamm! + +Graf. +Jubelst du in toller Lust, +Glaubst du, daß in Räubers Brust +Menschlichkeit und Mitleid wohnet? +Glaubst du, daß er ihn verschonet? + +Boleslav. +Ja ich habe ihn verschont! +Morden wollten ihn die Brüder, +Daß nicht durch des Knaben Mund +Unsre Wege würden kund, +Doch ich setzte mich dawider. +Und als die Gefährten schwören, +Nimmer soll' er wiederkehren +Aus des Waldes Nacht heraus +In der Eltern heimisch Haus, +Da, Herr, dau'rte mich der Kleine, +Da ward Euer Sohn der meine. +Bald vergaß er Euch und sich, +Und er ehrt als Vater mich. + +Graf. +Gott! Mein Sohn!--Er lebt! er lebt! +Aber wie?--Ha, unter Räubern! +Ist wohl gar?--Weh ist-- + +Boleslav (mit gesenkten Augen). +Was ich! + +Graf. +Räuber?--Gott, er sagt nicht: Nein! +Schweigt erstarrt und sagt nicht: Nein! +Ha mein Sohn ein Räuber, Räuber! +Hätt' ihn doch dein schwarzer Mund +Tückisch Wassergrab verschlungen, +Besser, schien's mir gleich so hart, +Wär' sein Name nie erklungen, +Als mit Räuber jetzt gepaart. +Aber ach, was fluch ich ihm? +Gott, hab Dank für diesen Strahl! +Räuber! War's denn seine Wahl? +Bring ihn, Guter, bring ihn mir, +Auch für den Räuber dank ich dir! + +Boleslav. +Er ist hier in Euerm Schlosse! + +Graf. +Hier?-- + +Boleslav. +Ja, Herr, Euch unbekannt. +Jener Fremde der heut abend +Matt und bleich um Zuflucht bat-- + +Berta. +Jaromir? + +Boleslav. +Derselbe, ja! + +Graf. +Teufel! Schadenfroher Teufel! +Nimm's zurück das Donnerwort, +Nimm's zurück! + +Boleslav. +Er ist's, mein Herr! + +Graf. +Widerruf! + +Boleslav. +Ich kann nicht, Herr! + +Graf (sich mit höchster Anstrengung aller Kräfte vom Lager +aufrichtend). +Widerruf! + +Hauptmann (besänftigend zum Grafen). +Herr Graf! + +(Auf Boleslav zeigend.) + +Fort mit ihm! + +Boleslav. +Mein Herr Ritter! + +Hauptmann. +Fort mit ihm! + +(Boleslav wird abgeführt.) + +Graf. +Er geht fort, und sagt nicht: Nein! +So begrabt mich denn ihr Mauern, +Und Verwüstung brich herein, +Stürzet ein ihr festen Säulen, +Die der Erde Ball getragen, +Denn den Vater hat sein Sohn erschlagen! + +(Zurücksinkend.) + +Berta (aufs Lager hinstürzend). +Todespforte tu dich auf! + +(--Pause.--Alle stehen in stummen Entsetzen.) + +Graf. +Wie hab ich so oft geklagt, +Daß ein Sohn mir ward versagt, +Kampfgerecht und lehenbar, +Wie der Väter hohe Schar. +Seht des Schicksals giftigen Hohn! +Seht, ich habe einen Sohn, +Es erhielt ihn mild am Leben, +Mir den Todesstreich zu geben! + +Wenn mein Aug' sich tränend netzte, +War die Klage ohne Not, +Väter, ich bin nicht der Letzte! +Noch lebt einer!--am Schafott!-- +Was liegt dort zu meinen Füßen +Und blinkt mich so blutig an? + +Günther (den Dolch aufhebend und hinhaltend). +'s ist der Dolch, der Euch verwundet! + +Graf. +Dieser war es? Dieser Dolch? +Ja du bist es, blutig Eisen, +Ja, du bist's, du bist dasselbe, +Das des Ahnherrn blinde Wut +Tauchte in der Gattin Blut. +Ich seh dich, und es wird helle, +Hell vor meinem trüben Blick. +Seht ihr mich verwundert an? +Das hat nicht mein Sohn getan! +Tiefverhüllte, finstre Mächte +Lenkten seine schwanke Rechte! + +(Günthern anfassend.) + +Wie war, Alter, deine Sage, +Von der Ahnfrau früher Schuld, +Von dem sündigen Geschlecht, +Das in Sünden ward geboren +Um in Sünden zu vergehn! +Seht ihr jenen blut'gen Punkt +Aus der grauen Väterwelt, +Glühendhell herüberblinken? +Seht, vom Vater zu dem Sohne +Und vom Enkel hin zum Enkel +Rollt er wachsend, wallend fort, +Und zuletzt zum Strom geschwollen, +Hin durch wildgesprengte Dämme, +Über Felder, über Fluren, +Menschendaseins, Menschenglücks +Leichtdahingeschwemmte Spuren, +Wälzt er seine Fluten her, +Uferlos, ein wildes Meer. +Ha, es steigt, es schwillt heran, +Des Gebäudes Fugen krachen, +Sinkend schwankt die Decke droben +Und ich fühle mich gehoben! + +Tiefverhüllte Warnerin, +Sünd'ge Mutter sünd'ger Kinder, +Trittst du dräuend hin vor mich? +Triumphiere! Freue dich! +Bald, bald ist dein Stamm vernichtet; +Ist mein Sohn doch schon gerichtet! +Nimm denn auch dies Leben hin, +Es stirbt der letzte Borotin! (Sinkt sterbend zurück.) + +Günther. +Gott! Es sprengen die Verbande! +Weh, er stirbt! + +(Über ihn gebeugt, die Hand auf seine Brust gelegt, nach einer Pause.) + +Er ist nicht mehr!-- +Kalt und bleich sind diese Wangen, +Diese Brust hat ausgebebt. +Qualvoll ist er heimgegangen, +Qualvoll, so wie er gelebt. +Fahr denn wohl, du reine Seele, +Ach und deine Tugenden +Tragen dich wie lichte Engel, +Von der Erde Leiden los +In des Allerbarmers Schoß. +Schlummre bis zum Morgenrot, +Guter Herr, und was dies Leben, +Karg und hart, dir nicht gegeben, +Gebe freundlich dir der Tod! + +(Er sinkt betend auf die Kniee nieder. Der Hauptmann und alle +Umstehenden entblößen die Häupter. Feierliche Stille.) + +Hauptmann. +So, ihm ward der Andacht Zoll! +Und jetzt Freunde, auf, zu rächen +Das entsetzliche Verbrechen +Auf des blut'gen Mörders Haupt! + +Günther. +Wie, Ihr wolltet? + +Hauptmann. +Fort, mir nach! + +(Ab mit seinen Leuten.) + +Günther. +Güt'ger Himmel! Haltet ein! +Hört Ihr nicht? Es ist sein Sohn! +Meines Herren einz'ger Sohn! +Fräulein Berta!--Hört doch, hört! + +(Dem Hauptmanne nach.) + +Berta (sich aufrichtend). +Rief man mir?--Nu, Berta rief es, +Ei, und Berta ist mein Name.-- +Aber nein, ich bin allein! + +(Vom Boden aufstehend.) + +Stille, still! Hier liegt mein Vater, +Liegt so sanft und regt sich nicht. +Stille! Stille! Stille! Stille! + +Wie so schwer ist dieser Kopf, +Meine Augen trübe, trübe! +Ach ich weiß wohl, manche Dinge, +Manche Dinge sind geschehn, +Noch vor kurzem erst geschehn; +Sinnend denk ich drüber nach; +Aber ach, ein lichter Punkt, +Der hier an der Stirne brennt, +Der verschlingt die wirren Bilder! + +Halt! Halt! Sagten sie denn nicht, +Nicht, mein Vater sei ein Räuber? +Nicht mein Vater, nicht mein Vater! +Jaromir, so hieß der Räuber! +Der stahl eines Mädchens Herz +Aus dem tiefverschloßnen Busen, +Ach, und statt des warmen Herzens +Legte er in ihren Busen +Einen kalten Skorpion, +Der nun grimmig, wütend nagt +Und zu Tod' das Mädchen plagt. +Und ein Sohn erschlug den Vater + +(freudig.) + +Und mein Bruder kam zurück, +Mein ertrunkner, toter Bruder! +Und der Bruder--Halt!--Hinunter! +Nur hinunter, da hinunter! +Fort in euren schwarzen Käfich! + +(Die Hand krampfig aufs Herz gepreßt.) + +Nage, nage, gift'ges Tier, +Nage, aber schweige mir! + +(Ein Licht vom Tische nehmend.) + +Ei, ich will nur schlafen gehn, +Schlafen, schlafen, schlafen gehn. +Lieblich sind des Schlafes Träume, +Nur das Wachen träumt so schwer! + +(Ihre umherschweifenden Blicke auf den Tisch heftend.) + +Was blinkt dort vom Tisch mich an? +O ich kenn dich, schönes Fläschchen! +Gab mir's nicht mein Bräutigam? +Gab zum Brautgeschenke mir's. +Sprach er nicht als er mir's gab, +Daß in dieser kleinen Wiege +Schlummernd drin der Schlummer liege? +Ach der Schlummer! Ja, der Schlummer! +Laß an deinem Rand mich nippen, +Kühlen diese heißen Lippen, +Aber leise--leise--leise.-- + +(Sie geht auf den Zehenspitzen, mit jedem Schritte mehr wankend auf +den Tisch zu. Eh' sie ihn noch erreicht, sinkt sie zu Boden.) + +Ende des vierten Aufzuges + + + + +Fünfter Aufzug + +Schloßzwinger. Von allen Seiten halbverfallene Werke. Links an einer +Wand des Vorgrundes ein Fenster in der Mauer. Im Hintergrunde ein +Teil des Wohngebäudes mit der Schloßkapelle. + + +Jaromir (kommt durch die Nacht). +So,--Hier ist der Ort, das Fenster! +Hier in diesen wüsten Mauern +Will ich tiefverborgen lauern, +Bis des Glückes Stunde schlägt. + +(Auf und ab gehend.) + +Fort, ihr marternden Gedanken, +Schlingt nicht eure dunkeln Ranken +In dies weichliche Gefühl! +Pfui! Der nie dem Tod gezittert, +Fest und mutig, den erschüttert +Loser Bilder leichtes Spiel!-- + +Ha, und wenn ich ihn erschlug, +Ihn der mich erschlagen wollte, +Was ist's, daß ich zittern sollte? +Hat die Tat nicht Grund genug? +Hab ich ihm den Tod gegeben, +War's in ehrlichem Gefecht, +Ei, und Leben ja um Leben, +Spricht die Sitte, spricht das Recht! +Wer ist's, der darob errötet, +Daß er seinen Feind getötet, +Was ist's mehr?--Drum fort mit euch, +War ich sonst doch nicht so weich!-- + +Und wenn's recht, was ich getan, +Warum faßt mich Schauder an? +Warum brennt es hier so heiß, +Warum wird mein Blut zu Eis? +Warum schien's, als ich es tat, +In dem schwarzen Augenblicke, +Teufel zögen mich zur Tat, +Gottes Engel mich zurücke! + +Als ich fliehend in den Gang, +Der Verfolger nach mir sprang, +Schon sein Atem mir im Nacken, +Jetzt mich seine Hände packen, +Da rief's warnend tief in mir, +Deine Waffen wirf von dir +Und dich hin zu seinen Füßen, +Süß ist's durch den Tod zu büßen! +Aber rasch, mit neuer Glut +Flammt empor die Räuberwut +Und ruft ungestüm nach Blut. +Vor den Augen seh ich's flirren, +Hör es um die Ohren schwirren, +Geister, bleich wie Mondenglanz, +Wirbeln sich im Ringeltanz, +Und der Dolch in meiner Hand +Glühet wie ein Höllenbrand! +Rette, ruft es, rette dich! +Und blind stoß ich hinter mich. +Ha es traf. Ein wimmernd Ach +Folgt dem raschen Stoße nach, +Mit bekannter, süßer Stimme, +Mit erstorbner Klagestimme. +Bebend hör ich sie erschallen. +Da faßt ungeheure Angst +Mich mit kalten Eises-Krallen. +Wahnsinn zuckt mir durchs Gehirn. +Bebend such ich zu entweichen +Mit dem blutigen Kains-Zeichen +Flammend auf der Mörderstirn. + +All mein Ringen, all mein Treiben +Kann den Ton nicht übertäuben, +Immer dröhnt mir dumpf und bang +In das Ohr sein hohler Klang; +Und mag ich mir's immer sagen: +Deinen Feind hast du erschlagen; +Ruft der Hölle gift'ger Hohn: +Das war keines Feindes Ton!-- +Doch wer naht dort durch die Trümmer, +Eilig schreitend auf mich zu? +Tor! Den Rückweg findst du nimmer, +Ich muß fallen, oder du. +Denn wenn einmal nur der Tiger +Erst gesättigt seine Wut, +Bleibt die Gierde ewig Sieger +Und sein Innres schreit nach Blut. (Er zieht sich zurück.) + +(Boleslav kommt.) + +Boleslav. +Gott sei Dank! Es ist gelungen, +Ledig bin ich meiner Haft, +Doch von Mauern noch umrungen +Und schon schwindet meine Kraft. +Daß ich ihn doch finden könnte, +Ihn, den Teuern, den ich suche, +Meinen, seinen, unsern Sohn. +Werf ich mich mit Jaromir +Zu des mächt'gen Vaters Füßen, +O dann muß der Richter schonen, +Trifft desselben Schwertes Streich, +Doch den Sohn mit mir zugleich. + +Jaromir (hervortretend). +Das ist meines Vaters Stimme! + +Boleslav. +Jaromir!--du bist's? + +Jaromir. +Ich bin's. + +Boleslav. +Sei gesegnet! + +Jaromir. +Großen Dank! +Ei, behaltet Euren Segen, +Räubers Segen ist wohl Fluch. +Und woher des Wegs, mein Vater? +Welcher Dietrich, welche Leiter +Führt Euch in des Sohnes Arm? + +Boleslav. +Ach, ich war in Feindeshänden. +An dem Weiher dort gefangen, +Ward ich in das Schloß gebracht. +Doch benutzend die Verwirrung, +Die des Grafen jähe Krankheit +Unter seine Diener streute, +Sucht' ich Rettung, und entsprang. + +Jaromir. +Und entsprangt? Ihr seid mein Mann! +Seht, so hab ich auch getan; +Denn uns blüht kein Glück, uns beiden, +Unter unbescholtnen Leuten, +In des Waldes Nacht und Graus, +Fühlt ein Räuber sich zu Haus. +Recht mein Vater! Wackrer Vater! +Würdig eines solchen Sohns. + +Boleslav. +Solchen Sohns?--Er weiß noch nicht!-- +Jaromir, du nennst mich Vater! + +Jaromir. +Soll ich nicht?--Wohl, tauschen wir! +Nehmt den Vater Ihr zurück, +Doch erlaßt mir auch den Sohn! + +Boleslav. +Wozu mag noch Schweigen frommen, +Ist die Stunde doch gekommen, +Wo die Hülle fallen muß. +Nun wohlan denn, so erfahre +Das Geheimnis langer Jahre: +Wer dir gab des Lebens Licht. +Laß den Dank nur immer walten, +Denn ich habe dir's erhalten, +Wenn auch gleich gegeben nicht. + +Jaromir. +Ha!--Wenn gleich gegeben nicht? +Nicht gegeben? Nicht gegeben? + +Boleslav. +Nein, mein Sohn, nicht mehr mein Sohn. + +Jaromir. +Nicht dein Sohn?--Ich nicht der Sohn +Jenes Räubers Boleslav? +Alter Mann, ich nicht dein Sohn? +Laß mich's denken, laß mich's fassen, +O es faßt, es denkt sich schön! +Ich gehörte mit zum Bunde, +Den verzweifelnd ich gesucht, +Und Gott hätte in der Stunde +Der Geburt mir nicht geflucht? +Meinen Namen nicht geschrieben +Ein in der Verwerfung Buch, +Dürfte hoffen, dürfte lieben +Und mein Beten ist kein Fluch? + +(Boleslav hart anfassend.) + +Ungeheuer! Ungeheuer! +Und du konntest mir's verhehlen, +Sahst mich gift'ge Martern quälen, +Sahst des Innern blut'gen Krieg, +Ha, und deine Lippe schwieg! +Schlichst dich kirchenräuberisch +In des reinen Kinderbusens +Unentweihtes Heiligtum; +Stahlst des teuren Vaters Bild +Von der gottgeweihten Schwelle, +Setztest deines an die Stelle! + +Ungeheuer! Ungeheuer! +Wenn ich im Gebete kniete, +Und des Dankes Gegenstand, +Der, mir selber unbekannt, +In dem heißen Herzen brannte, +Lebensschenker, Vater nannte, +Segen auf ihn niederflehte, +Schlichst du dich in die Gebete, +Eignetest dir, Mörder, du, +Meiner Lippen Segen zu! +Sprich's noch einmal, sprich es aus, +Daß du dir den Vaternamen +Wie ein feiger Dieb gestohlen, +Mörder! Daß ich nicht dein Sohn! + +Boleslav. +Ach mein Sohn-- + +Jaromir. +Sprich es nicht aus! +Deine Zunge töne Mord, +Aber nicht dies heil'ge Wort!-- +Nicht dein Sohn! Ich nicht dein Sohn! +Habe Dank für diese Nachricht! +Mörder! Darum haßt' ich dich, +Seit ich Gottes Namen nenne, +Seit ich Gut und Böses kenne. +Darum bohrten deine Blicke +Sich wie Meuchelmörder-Dolche +In des Knaben warme Brust, +Darum faßt' ihn kalter Schauder, +Wenn du mit den blut'gen Händen +Seine vollen Wangen strichst, +Dich zu ihm herunter neigtest, +Auf erschlagne Leichen zeigtest, +Und dein Mund mit Lächeln sprach: +Werd ein Mann, und tu mir nach! +Und ich Tor, ich blinder Tor, +Ich verstand des eignen Innern +Tief geheime Warnung nicht, +Rang mit meinem weichen Herzen, +Rang in fruchtlos blut'gem Ringen +Um ihm Liebe abzudrängen +Für des Mannes greises Haar, +Der der Unschuld Henker war. +Bösewicht, gib mir zurück, +Was mir die Geburt beschieden, +Meiner Seele goldnen Frieden, +Meines Daseins ganzes Glück, +Meine Unschuld mir zurück! + +Boleslav. +Gott im Himmel! Höre doch! + +Jaromir. +Und wo ist, wer ist mein Vater? +Führ mich hin zu seinen Füßen. +Laß ihn einen Landmann sein, +Der mit seiner Stirne Schweiß +Seiner Väter Erbe dünget. +Hin zu ihm! An seiner Seite, +Will ich gern, ein Landmann nur, +Mit der sparsamen Natur +Ringen um die karge Beute, +Legen meiner Tränen Saat +Mit dem Samen in die Erde, +Froh wenn mir die Hoffnung naht, +Daß noch beides grünen werde. +Laß ihn einen Bettler sein; +Ich will leiten seine Schritte, +Teilen seine dürft'ge Hütte, +Teilen seine Angst und Not, +Teilen sein erbettelt Brot; +Will, wenn späte Sterne blinken, +Auf den nackten Boden sinken, +Und mich reich und selig dünken, +Reicher als kein König ist, +Wenn der Schlaf mein Auge schließt. +Sprich wo ist er? Führ mich hin! + +Boleslav. +Nun wohlan, so folge mir! +Nicht ein niedrig dunkler Landmann +Nicht ein Sklav' in Bettlertracht, +Nein, ein Mann von Rang und Macht, +Den des Landes Höchste kennen +Und den Fürsten Bruder nennen, +Dem der Ersten Haupt sich beugt, +Jaromir, hat dich gezeugt. +Heiß den düstern Mißmut fliehn, +Denn dein Los ist nicht so herbe, +Stolz sieh auf den Boden hin, +Du trittst deiner Väter Erbe, +Bist ein Graf von Borotin! + +Jaromir (zusammenfahrend). +Ha!-- + +Boleslav. +Deiner Kindheit erstes Lallen +Hörten dieses Schlosses Hallen, +Hier hast du das Licht erblickt, +Und bei des Besitzers Küssen +Hast du ohne es zu wissen +Vaters Brust ans Herz gedrückt. + +Jaromir (schreiend). +Nein! + +Boleslav. +Es ist so wie ich sagte! +Komm mit mir hinauf zu ihm. +Des Gesetzes rauhe Stimme, +Hart und fürchterlich dem Räuber, +Mildert seinen strengen Ton +Gegen jenes Mächt'gen Sohn! +Komm mit mir, weil es noch Zeit. +Hart verletzt liegt er darnieder +Und wer weiß, ersteht er wieder, +Denn nur jetzt, in dieser Nacht, +In des Schlosses düstern Gängen, +Unsrer Brüder Spur verfolgend +Traf ihn eines Flücht'gen Dolch. + +Jaromir. +Teufel! Schadenfroher Teufel! +Tötest du mit einem Wort? +Glaubst du, weil ich keine Waffen? +Die Natur, die halb nichts tut, +Gab mir Krallen, gab mir Zähne, +Gab zu der Hyäne Wut +Mir auch Waffen der Hyäne! +Natter, laß mich dich zertreten, +Senden dich ins Heimatland! +Können deine Worte töten, +Besser kann's noch diese Hand! + +(Auf ihn losgehend.) + +Boleslav. +Er ist rasend! Rettung! Hilfe! + +(Fliehend ab.) + +Jaromir. +Wär' es wahr? Ha wär' es wahr, +Was des Untiers Mund gesprochen? +Und wovon schon der Gedanke, +Nur das Bild der Möglichkeit, +Meine raschen Pulse stocken, +Mir das Mark gerinnen macht. +Wär' es Wahrheit?--Ja, es ist! +Ja, es ist! es ist! es ist! +Ja! tönt's durch die dumpfen Sinne, +Ja! heult's aus dem finstern Innern +Und die schwarzen Schreckgestalten, +Die vor meiner Stirne schweben, +Neigend ihre blut'gen Häupter, +Winken mir ein gräßlich Ja! +Ha und jener Klageton, +Der erscholl in blut'ger Stunde +Aus des Hingesunknen Munde, +Er ist meinem Ohre nah +Und seufzt wimmernd, sterbend: Ja! + +Er mein Vater, er mein Vater! +Ich sein Sohn, sein Sohn und--Ha! +Wer spricht hier? Wer sprach es aus? +Aus das Wort, das selbst ein Mörder, +In des Herzens tiefste Falten +Bleich und bebend sich verbirgt. +Wer sprach's aus? Sein Sohn und Mörder! +Ha, sein Sohn, sein Sohn und Mörder! + +(Die Hände vors Gesicht schlagend.) + +Was die Erde Schönes kennet, +Was sie hold und lieblich nennet, +Was sie hoch und heilig glaubt, +Reicht nicht an des Vaters Haupt. +Balsam strömt von seinen Lippen +Und auf wem sein Segen ruht, +Der schifft durch des Lebens Klippen +Lächelnd ob der Stürme Wut. + +Doch wer in der Sinne Toben, +Gottesräuberisch, verrucht, +Gegen ihn die Hand erhoben +Ist verworfen und verflucht. +Ja, ich hör mit blut'gem Beben +Wie der ew'ge Richter spricht: +Allen Sündern wird vergeben, +Nur dem Vatermörder nicht! + +Sprenge deine starken Fesseln +Gift'ges Laster, komm hervor +Aus der Hölle offnem Tor. + +Laß sie los die schwarzen Scharen, +Die so lang gebunden waren. +Hinterlist mit Netz und Stricken, +Lüge mit dem falschen Wort, +Neid, du mit den hohlen Blicken, +Mit dem blut'gen Dolche Mord! +Meineid mit dem gift'gen Mund, +Gotteslästrung, toller Hund, +Der die Zähne grimmig bleckt +Gegen den, der ihn gepflegt. +Brecht hervor, durchstreift die Welt +Und verübt was euch gefällt. +Was ihr auch getan, getrieben, +Ungestraft mögt ihr's verüben, +Euer Tun reicht nicht hinan, +Nicht an das, was ich getan! + +Ha, getan!--Hab ich's getan? +Kann die Tat die Schuld beweisen, +Muß der Täter Mörder sein? +Weil die Hand, das blut'ge Eisen, +Ist drum das Verbrechen mein? +Ja ich tat's, fürwahr ich tat's! +Aber zwischen Stoß und Wunde, +Zwischen Mord und seinem Dolch, +Zwischen Handlung und Erfolg +Dehnt sich eine weite Kluft, +Die des Menschen grübelnd Sinnen, +seiner Willensmacht Beginnen, +Alle seine Wissenschaft, +Seines Geistes ganze Kraft, +Seine brüstende Erfahrung, +Die nicht älter als ein Tag, +Auszufüllen nicht vermag. +Eine Kluft, in deren Schoß, +Tiefverhüllte, finstre Mächte +Würfeln mit dem schwarzen Los +Über kommende Geschlechte. + +Ja, der Wille ist der meine, +Doch die Tat ist dem Geschick, +Wie ich ringe, wie ich weine, +Seinen Arm hält nichts zurück. +Wo ist der, der sagen dürfe: +So will ich's, so sei's gemacht! +Unsre Taten sind nur Würfe +In des Zufalls blinde Nacht. +Ob sie frommen, ob sie töten? +Wer weiß das in seinem Schlaf! +Meinen Wurf will ich vertreten, +Aber das nicht was er traf! +Dunkle Macht, und du kannst's wagen +Rufst mir Vatermörder zu? +Ich schlug den, der mich geschlagen, +Meinen Vater schlugest du!-- + +--Doch wer hält dies Bild mir vor? +Ha, wer flüstert mir ins Ohr? +Halt! Laß mich die Kunde teilen! +Wunden, sprichst du, Wunden heilen +Und Verwundete genesen. +Habe Dank du güt'ges Wesen, +Segensbote habe Dank! +Mit der Hoffnung auf sein Leben +Hast du meines mir gegeben, +Das verzweifelnd schon versank. +Ja, er wird, er muß gesunden, +Heilen müssen jene Wunden, +Die der Hölle gift'ger Trug, +Nicht der Sohn dem Vater schlug. + +Ich will hin zu seinen Füßen, +Will die blut'gen Male küssen, +Und des Schmerzes heiße Glut +Kühlen mit der Tränen Flut. + +Nein, in jenen düstern Fernen, +Waltet keine blinde Macht, +Über Sonnen, über Sternen +Ist ein Vateraug' das wacht; +Keine finstern Mächte raten +Blutig über unsern Taten, +Sie sind keines Zufalls Spiel, +Nein, ein Gott, ob wir's gleich leugnen, +Führt sie, wenn auch nicht zum eignen, +Immer doch zum guten Ziel. +Ja, er hat auch mich geleitet, +Wenn ich gleich die Hand nicht sah, +Der die Schmerzen mir bereitet, +Ist vielleicht in Wonne nah. + +(Die Fenster der Schloßkapelle haben sich während dem erleuchtet, und +sanfte, aber ernste Töne klingen jetzt herüber.) + +Was ist das?--Habt Dank! Habt Dank! + +Säuselt, säuselt, holde Töne, +Säuselt lieblich um mich her, +Sanft und weich, wie Silberschwäne +Über ein bewegtes Meer. + +Schüttelt eure weichen Schwingen, +Träufelt Balsam auf dies Herz, +Laßt die Himmelslieder klingen, +Einzuschläfern meinen Schmerz. + +Ja, ich kenne eure Stimme, +Ihr sollt laden mich zum Bund, +Der mich rief in Donners Grimme, +Ruft mich jetzt durch euren Mund. + +Laßt ihr mich Verzeihung hoffen? +Ihr tönt fort und sagt nicht: Nein, +Seht die Pforten stehen offen, +Friedensboten ziehet ein! + +(Die Töne nehmen nach und nach einen immer ernsteren Charakter an, und +begleiten zuletzt folgende Worte:) + +Chor (von innen). +Auf, ihr Brüder! +Senkt ihn nieder +In der Erde stillen Schoß, +In der Truhe +Finde Ruhe, +Die dein Leben nicht genoß. + +Jaromir. +Ändert ihr so schnell das Antlitz +Unerklärte Geisterstimmen? +Habt so lieblich erst geschienen, +Zoget ein, wie Honigbienen, +Und jetzt kehrt ihr fürchterlich +Euren Stachel wider mich! +Das sind keine Friedensklänge, +Ha, so tönen Grabgesänge! +Dort in der Kapelle Licht-- +Stille Herz! Weissage nicht! +Ich will sehen, sehen, sehen! +Sollt' ich drüber auch vergehen. + +(Er klettert an verfallenem Gestein bis zum Kapellfenster empor.) + +Gesang (fährt fort). +Hat hienieden +Auch den Frieden +Dir dein eigen Kind entwandt, +Dort, zum Lohne, +Statt dem Sohne +Reicht ein Vater dir die Hand. + +Und den Blinden +Wird er finden +Wie er Abels Mörder fand, +Das Verbrechen +Wird er rächen +Mit des Richters schwerer Hand. + +Jaromir (wankend und bleich zurückkommend). +Was war das?--Hab ich gesehn? +Ist es Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit, +Oder spiegeln diese Augen +Nur des Innern dunkle Bilder +Statt der lichten Außenwelt? + +Starr und dumpf in wüstem Graus +Lag das weite Gotteshaus, +Seine leichenblassen Wangen +Mit des Trauers Flor umhangen; +Am Altar des Heilands Bild +Abgewandt und tief verhüllt, +Als ob Dinge da geschehen, +Die's ihn schaudre anzusehen. +Und aus schwarzverhülltem Chor +Wanden Töne sich empor, +Die um Straf' und Rache baten +Über ungeheure Taten. +Und am öden Hochaltar, +Ringsum eine Dienerschar, +Lag, umstrahlt von dumpfen Kerzen, +Eine Wunde auf dem Herzen, +Weit geöffnet, blutig rot, +Lag mein Vater bleich und tot. +Wie, mein Vater? Mag ich's sagen? +Nein, lag der, den ich erschlagen, +Denn, was auch die Hölle spricht, +Nein, er war mein Vater nicht! + +Bin ich ja doch nur ein Mensch, +Meine Taten, wenn gleich schwarz, +Sind ja doch nur Menschentaten, +Und ein Teufel würde beben, +Gält' es eines Vaters Leben. +Hab ich doch gehört, gelesen +Von der Stimme der Natur, +Wär' mein Vater es gewesen, +Warum schwieg sie damals nur? +Mußte sie nicht donnernd schreien, +Als der Dolch zum Stoß geneigt, +Halt! Dem deine Hände dräuen, +Mörder, der hat dich gezeugt! +Und wenn sie, sie die ich liebe, +Liebe?--Nein die ich begehre, +Wenn sie meine Schwester wäre, +Woher diese heiße Gier, +Die mich flammend treibt zu ihr? +Schwester? Schwester! Toller Wahn! +Zieht es so den Bruder an? +Wenn uns Hymens Fackeln blinken, +Wir uns in die Arme sinken, +In des Brautbetts Bindeglut, +Dann erst nenn ich sie mein Blut. + +Mir wird Tag. Die Nebel schwinden, +Es erhellet sich die Nacht. +Was ich suchte will ich finden, +Was ich anfing sei vollbracht! +Glaubst du, Wünsche können retten, +Und entsühnen kann ein Wort? +Nie muß man den Weg betreten, +Wer ihn trat, der wandle fort. +Sie muß ich, ja sie besitzen, +Mag der Himmel Rache blitzen, +Mag die Hölle Flammen sprühn +Und mit Schrecken sie umziehn. +Wie der tolle Wahn sie heiße, +Weib und Gattin heißt sie hier +Und durch tausend Donner reiße +Ich die Teure her zu mir. + +Hier der Ort und hier das Fenster! +Die Entscheidungsstunde naht +Und mahnt laut mich auf zur Tat. + +(Im Hinaufsteigen.) + +Schauderst Liebchen? Sei nicht bange! +Sieh, du harrest nicht mehr lange, +In des Heißgeliebten Arm +Ruht sich's selig, ruht sich's warm! + +(Durchs Fenster hinein.) +(Hauptmann kommt mit Soldaten, die Boleslav führen.) + +Hauptmann. +Suche nicht mehr zu entrinnen, +Du hast Sorgfalt uns gelehrt! +Ruhig und nicht von der Stelle! +Aber wo ist dein Geselle? +Hier, sprachst du, verließest du ihn? + +Boleslav. +Ja, mein Herr! + +Hauptmann. +Er ist nicht hier! + +Soldat. +Herr, an jenem kleinen Fenster +Sah ich es von weitem blinken, +Und es wollte mich bedünken, +Daß ein Mensch in voller Hast +Durch die enge Öffnung steige. +Und ich wette, Herr, er war's; +In des Schlosses innern Gängen +Suchet er wohl Sicherheit. + +Hauptmann. +Wohl, nicht mehr kann er entweichen, +Wo er sei, an jedem Ort +Soll die Rache ihn erreichen. +Und nun folgt mir! Eilig fort! + +(Ab mit den Soldaten.) + +Grabgewölbe. + +Im Hintergrunde das hohe Grabmal der Ahnfrau mit passenden Sinnbildern. +Rechts im Vorgrunde eine Erhöhung, mit schwarzem Tuch bedeckt. + +Jaromir (kommt). +So! Hier bin ich!--Mutig! Mutig!-- +Schauer weht von diesen Wänden, +Und die leisgesprochnen Worte +Kommen meinem Ohre wieder +Wie aus eines Fremden Mund.-- + +Wie ich gehe, wie ich wandle, +Ziehet sich ein schwarzer Streif, +Dunkel wie vergoßnes Blut +Vor mir auf dem Boden hin, +Und ob gleich das Innre schaudert, +Sich empöret die Natur, +Ich muß treten seine Spur. + +(Seine Hände begegnen sich.) + +Ha, wer faßt so kalt mich an? +Meine Hand?--Ja, 's ist die meine. +Bist du jetzt so starr und kalt, +Sonst von heißem Blut durchwallt, +Kalt und starr wie Mörderhand, +Mörder, Mörder, Mörderhand! + +(Vor sich hinbrütend.) + +Possen!--Fort! Gebt euch zur Ruh'! +Fort, es geht der Hochzeit zu! +Liebchen, Braut, wo weilest du? +Berta, Berta, komm! + +Die Ahnfrau (tritt aus dem Grabmale). +Wer ruft? + +Jaromir. +Du bist's! Nun ist alles gut, +Wieder kehret mir mein Mut. +Laß mich Mädchen dich umfangen, +Küssen diese bleichen Wangen-- +Warum trittst du scheu zurück, +Warum starrt so trüb dein Blick, +Lustig Mädchen, lustig Liebe! +Ist dein Hochzeittag so trübe? +Ich bin heiter, ich bin froh, +Und auch du sollst's sein, auch du! +Sieh mein Kind, ich weiß Geschichten, +Wunderbar und lächerlich, +Lügen, derbe, arge Lügen, +Aber drum grad lächerlich. +Sieh sie sagen--Lustig, lustig! +Sagen, du seist meine Schwester! +Meine Schwester!--Lache Mädchen, +Lache, lache sag ich dir! + +Ahnfrau (mit dumpfer Stimme). +Ich bin deine Schwester nicht. + +Jaromir. +Sagst du s doch so weinerlich. +Meine Schwester!--Lache sag ich! +Und mein Vater--Von was anderm! +Alles ist zur Flucht bereitet, +Komm! + +Ahnfrau. +Wo ist dein Vater? + +Jaromir. +Schweige! +Schweig! + +Ahnfrau (steigend). +Wo ist dein Vater? + +Jaromir. +Weib, +Schweig und reiz mich länger nicht! +Du hast mich nur mild gesehn, +Aber wenn die finstre Macht +In der tiefen Brust erwacht +Und erschallen läßt die Stimme, +Ist ein Leu in seinem Grimme +Nur ein Schoßhund gegen mich; +Blut schreit's dann in meinem Innern, +Und der Nächste meinem Herzen +Ist der Nächste meinem Dolch. +Darum schweig! + +Ahnfrau (mit starker Stimme). +Wo ist dein Vater! + +Jaromir. +Ha! +Wer heißt mich dir Rede stehn?-- +Wo mein Vater?--Weiß ich's selbst? +Meinst du jenen bleichen Greis +Mit den heil'gen Silberlocken? +Sieh, den hab ich eingesungen, +Und er schläft nun, schläft nun, schläft! + +(Die Hand auf die Brust gepreßt.) + +Manchmal, manchmal regt er sich, +Aber legt sich wieder nieder, +Schließt die schweren Augenlider +Und schläft murrend wieder ein.-- +Aber Mädchen, narrst du mich? +Komm mit mir, hinaus ins Freie! +Schüttelst du dein bleiches Haupt? +Eidvergeßne, Undankbare, +Lohnst du so mir meine Liebe, +Lohnst du so was ich getan? +Was mir teuer war hienieden, +Meiner Seele goldnen Frieden, +Welt und Himmel setzt' ich ein +Um dich mein zu nennen, mein! +Kenntest du die Höllenschmerzen, +Die mir nagen tief im Herzen, +Fühltest du die grimme Pein, +Könntest Reine du es wissen, +Was ein blutendes Gewissen, +O du würdest milder sein, +O du sagtest jetzt nicht: Nein! + +Ahnfrau. +Kehr zurück! + +Jaromir. +Ha, ich? zurück? +Nimmermehr! Nicht ohne dich, +Geh ich, Weib, so folgst du mir. +Und wenn selbst dein Vater käme, +Und dich in die Arme nähme, +Mit der grassen Todeswunde, +Die mit offnem, blut'gem Munde, +Mörder! Mörder! zu mir spricht, +Meiner Hand entgingst du nicht. + +Ahnfrau. +Kehr zurück! + +Jaromir. +Nein, sag ich, nein! + +(Man hört eine Türe aufsprengen.) + +Ahnfrau. +Horch, sie kommen! + +Jaromir. +Mag es sein! +Leben, Berta, dir zur Seite +Oder sterben neben dir. + +Ahnfrau. +Flieh, entflieh, noch ist es Zeit! + +(Eine zweite Türe wird eingesprengt.) + +Jaromir. +Berta! Hierher meine Berta. + +Ahnfrau. +Deine Berta bin ich nicht! +Bin die Ahnfrau deines Hauses, +Deine Mutter, Sündensohn! + +Jaromir. +Das sind meiner Berta Wangen, +Das ist meiner Berta Brust, +Du mußt mit! Hier stürmt Verlangen +Und von dorther winkt die Lust. + +Ahnfrau. +Sieh den Brautschmuck den ich bringe! + +(Sie reißt das Tuch von der bedeckten Erhöhung. Berta liegt tot im +Sarge.) + +Jaromir (zurücktaumelnd). +Weh mir!-- +Truggeburt der Hölle! +All umsonst! Ich laß dich nicht! +Das ist Bertas Angesicht +Und bei dem ist meine Stelle! + +(Auf sie zueilend.) + +Ahnfrau. +So komm denn Verlorner! + +(Öffnet die Arme. Er stürzt hinein.) + +Jaromir (schreiend). +Ha!-- + +(Er taumelt zurück, wankt mit gebrochenen Knieen einige Schritte und +sinkt dann an Bertas Sarge nieder.) +(Die Türe wird aufgesprengt. Günther, Boleslav, der Hauptmann und +Soldaten stürzen herein.) + +Hauptmann (hereinstürzend). +Mörder, gib dich! Du mußt sterben! + +(Die Ahnfrau streckt die Hand gegen sie aus. Alle bleiben erstarrt an +der Türe stehen.) + +Ahnfrau (sich über Jaromir neigend). +Scheid in Frieden, Friedenloser! + +(Sie neigt sich zu ihm herunter und küßt ihn auf die Stirne, hebt dann +die Sargdecke auf und breitet sie wehmütig über beide Leichen. Dann +mit emporgehobenen Händen:) + +Nun wohlan, es ist vollbracht, +Durch der Schlüsse Schauernacht +Sei gepriesen ew'ge Macht!-- +Öffne dich, du stille Klause, +Denn die Ahnfrau kehrt nach Hause! + +(Sie geht feierlichen Schrittes in ihr Grabmal zurück. Wie sie +verschwunden ist, bewegen sich die Eingetretenen gegen den Vorgrund zu.) + +Hauptmann. +Ha, nun bist du unser-- + +Günther (eilt dem Sarge zu, hebt die Decke auf und spricht mit Tränen). +Tot! + +(Der Vorhang fällt.) + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Die Ahnfrau, von Franz +Grillparzer. + + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Ahnfrau, by Franz Grillparzer + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE AHNFRAU *** + +***** This file should be named 9181-8.txt or 9181-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/9/1/8/9181/ + +Produced by Delphine Lettau, from files obtained from +Gutenberg Projekt-DE. + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United +States without permission and without paying copyright +royalties. 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