diff options
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 3 | ||||
| -rw-r--r-- | 9084-8.txt | 1115 | ||||
| -rw-r--r-- | 9084-8.zip | bin | 0 -> 24055 bytes | |||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 |
5 files changed, 1131 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/9084-8.txt b/9084-8.txt new file mode 100644 index 0000000..29db1d0 --- /dev/null +++ b/9084-8.txt @@ -0,0 +1,1115 @@ +The Project Gutenberg EBook of Ein Ring, by Paul Heyse +#4 in our series by Paul Heyse + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Ein Ring + +Author: Paul Heyse + +Release Date: October, 2005 [EBook #9084] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on September 4, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN RING *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Ein Ring + +Paul Heyse + +Novelle + +(1904) + + +Wie bist du zu dem seltsamen Ringe gekommen, liebe Tante? Einen so +massiven, mit großen schwarzen Buchstaben habe ich nie gesehen. Ist's +ein Trauerring? Und was steht in der Inschrift? + +Die kleine alte Frau, an die ich diese Fragen richtete, war eine +ältere Schwester meiner Mutter, nur Tante Klärchen von uns genannt. +Vor siebzehn Jahren hatte sie ihren Mann verloren, den Bankier Herz, +dessen große, schwerfällige Figur mit dem feinen jüdischen Kopfe mir +noch aus meiner frühesten Kinderzeit vor Augen steht, da meine Eltern, +als ich zwei Jahre alt war, die Frankfurter Verwandten besucht hatten. +Nun war diese Lieblingsschwester meiner Mutter nach einem glänzenden +Leben an der Seite des wohlhabenden Gatten, dem sie schöne Töchter +geboren, in eine unscheinbare Dunkelheit versunken, hatte aber ihre +Wohnung an der "Schönen Aussicht" behalten und sie nur selten +verlassen, teils weil ihre äußere Lage ihr den früheren Aufwand nicht +mehr gestattete und zunehmende Kränklichkeit sie oft ans Bett fesselte, +teils weil sie in diesem Hause die freundliche Pflege und +Gesellschaft ihres ältesten Bruders genoß, meines Onkels Louis Saaling +und seiner Frau, von denen ich in meinen "Jugenderinnerungen" ein +mehreres erzählt habe. + +Als ich nun in meinem neunzehnten Jahre als fahrender Schüler von Bonn +aus den Rhein hinauf wallfahrtete und einige Tage von meinem Onkel +beherbergt wurde, ehe ich in die Schweiz weiterzog, faßte ich eine +lebhafte Neigung zu dieser Tante Klärchen, die auch mich, schon um +meiner Mutter willen, mit einer rührenden Zärtlichkeit ins Herz schloß. + +Sie lag damals schon fest auf dem Krankenbette, das sie nicht mehr +verlassen sollte. Aber wer von ihren Schmerzen nichts wußte und das +feine, edelgebildete Gesichtchen unter dem kostbaren Spitzentuch +betrachtete, noch von schwarzen, glänzenden Locken trotz ihrer sechzig +Jahre eingefaßt, die Augen von einer seltsamen Onyxfarbe in dem +bläulichen Weiß unter den breiten Lidern, dazu das Grübchen in der +glatten linken Wange, das bei jedem Lächeln sich vertiefte--konnte +sich nicht vorstellen, daß die Tage dieser lieblichen alten Frau +gezählt sein sollten. + +Klärchen hat immer einen "Chain" gehabt, pflegte meine Mutter zu +sagen--der jüdische Ausdruck für das, was wir mit den Franzosen Charme +nennen. Diesem Zauber weiblicher Anmut, der aus dem ganzen Naturell +der Tante hervorging und bis ins hohe Alter ihr treu blieb, konnte +auch ich nicht widerstehen. Ich saß stundenlang an ihrem Bette und +ließ mir von ihren Erlebnissen aus der Zeit, da sie mit meiner Mutter +jung und lustig gewesen war, erzählen. Sie war nie witzig gewesen, +wie "Julchen", aber ein dankbares Publikum für den Humor der Schwester, +und hatte eine Menge der drolligen Einfälle meiner Mutter im +Gedächtnis behalten. Dagegen mußte ich ihr von meinem Studentenleben +berichten, meine kleinen romantischen Abenteuer und +Herzensangelegenheiten beichten, und da es kein Geheimnis war, daß ich +Verse machte, ihr auch ein und das andere dieser jugendlichen +Exerzitien vorlesen. Sie sagte mir nichts darüber, hörte aber mit +zugedrückten Augen und einer träumerischen Miene zu, und als ich +aufhörte, zog sie meinen Kopf an ihr Gesicht heran, küßte mich auf die +Augen und sagte ganz leise: Ich danke dir, lieb Kind. Du bist ein +gebenschter (gesegneter) Mensch. + +Gewöhnlich ruhten ihre beiden kleinen Hände regungslos auf der +grünseidenen Decke, die mit kostbaren Spitzen eingefaßt war. Die +ungemein zarte Haut war bleich wie alter, weißer Atlas, der etwas +vergilbt ist und seinen Glanz verloren hat, wie auch über ihrem +Gesicht kein Schimmer von Röte lag. An beiden Händen aber blitzten +die kostbarsten Ringe, zwischen deren Juwelen der dicke Trauerring +sich wie ein schlichter Fremdling ausnahm, der sich in eine vornehme +Gesellschaft verirrt hatte. + +Als ich sie nach ihm fragte, hob die Tante sacht die linke Hand, die +ihn trug, und hielt sie nahe vor die Augen, deren Sehkraft schon ein +wenig geschwächt war. + +Es ist auch ein Trauerring, sagte sie mit ihrer weichen Stimme, +nachdem sie ihn eine Weile still betrachtet hatte. Der, von dem ich +ihn habe, ist lange schon nicht mehr auf der Erde. Neben den anderen +nimmt er sich nicht glänzend aus, und doch ist er mir der liebste von +allen. Daß er so dick ist, kommt davon her, weil er eine kleine +Haarlocke einschließt, die man sieht, wenn man die innere Kapsel +öffnet. Ich habe es seit vielen Jahren nicht mehr getan, will's auch +jetzt nicht, es greift mich zu sehr an. Die Emailinschrift aber +kannst du selbst lesen. + +Sie hielt mir den Ring wieder hin, und ich buchstabierte: Lebe wohl! +Dann sank die Hand wieder auf die seidene Decke. + +Wir schwiegen eine Weile. + +Ich begriff, daß an dem Ringe ein Stück Leben hing, das ich nicht +heraufbeschwören wollte, da es traurig war und ich die liebe Kranke +schonen wollte. Ich war aber doch zu neugierig, um nicht auf Umwegen +die Enthüllung des Geheimnisses zu versuchen, und so sagte ich nach +einiger Zeit ganz unschuldig: Du mußt viele Anbeter gehabt haben, +Tante, in deiner früheren Zeit, noch da du schon große Töchter hattest. +Mutter hat mir gesagt, wenn du mit ihnen in einen Ballsaal getreten +seiest, habe man dich für ihre älteste Schwester gehalten. + +Sie nickte still vor sich hin. + +Jawohl, lieb Kind, sagte sie, ich wußte das selbst, es wäre kindisch +gewesen, mir's verleugnen zu wollen. Aber Anbeter, was man so nennt, +die sich einbildeten, sie könnten sich Hoffnungen machen, in besondere +Gunst bei mir zu kommen, die hatte ich eigentlich nicht. Es wußt's +alle Welt, daß ich meinen Mann lieb hatte und in Ehren hielt, obgleich +ich gar keine schwärmerische Neigung zu ihm fühlte, als ich mit +siebzehn Jahren ihm angetraut wurde. Ich hatte ihn kaum sechsmal +vorher gesehen, und schön war er ja nicht, und daß er mir immer treu +bleiben würde, machte ich mir auch keine Hoffnung. Ich weiß auch +nicht, wie's später damit stand, wollt's auch nicht wissen. Du weißt +aber, bei uns Juden versteht sich's von selbst, daß die Frauen ihren +Männern treu bleiben, und die etwa eine Ausnahme von der Regel machten, +wurden nicht zum besten darum angesehen, selbst in der damaligen Zeit, +wo die guten alten Sitten sehr ins Wackeln kamen. + +Damals freilich kam's nicht gar selten vor, und gerade von den +Reichsten und Schönsten erzählte man sich allerlei Skandale. Ich +hörte nicht viel danach hin. Ich hatte meine Kinder, und viel Freude +daran, auch an meinem Hause, wo damals ein groß Leben war, da all die +fremden Gesandten beim Bundestage bei uns eingeführt waren. + +Natürlich wurde auch mir die Cour gemacht, aber immer auf Französisch, +wobei man ja wußte, all die schönen Redensarten durfte man nicht au +pied de la lettre nehmen. Ich konnt's um so leichter, weil Herz gar +keine Ader von Eifersucht hatte, sondern nur schmunzelte, wenn man +auch seine Frau noch schön fand, obwohl sie auf die Vierzig losging +und drei große Töchter hatte, eine immer schöner als die andere. Die +Adelheid heiratete denn auch bald den Rothschild, die Helene, die die +hübscheste war, den Fénélon Salingnac, und die Marianne den Baron +Haber. Da hatte ich mit den Ausstattungen, Hochzeiten und bald +hernach auch mit Großmutterpflichten alle Hände voll zu tun und das +Herz auch, denn daß es auch viel zu sorgen und zu seufzen gab, kannst +du dir wohl denken, lieb Kind. + +Einen wirklichen, richtigen "Anbeter", wie du's meinst, hatt' ich aber +doch. + +Das war kein eleganter, galanter Herr, der mir auf Französisch +erklärte, daß er mich reizend, unwiderstehlich und grausam fand, +sondern ein häßlicher, schüchterner alter Jude, der bei uns im Hause +wohnte und mit zur Familie gehörte. + +Alt war er nicht gerade, kaum fünfzig, aber er machte den Eindruck, +als wäre er nie jung gewesen. Julchen sagte, er sehe aus "wie alt +gekauft". Er hieß deshalb nur der alte Ebi, war Buchhalter bei meinem +Manne gewesen und hatte dann seinen Abschied nehmen müssen, weil er +den Star auf dem linken Auge bekam und das gesunde rechte geschont +werden mußte. Herz wollte ihn wegen seiner treuen Dienste mit einer +reichlichen Pension entlassen, er bat aber, man solle ihm nur die +Hälfte geben, ihm aber erlauben, im Hause zu bleiben, an das er sich +einmal so gewöhnt habe, daß er draußen keinen frohen Tag leben werde. +Herz lachte so mit seinem tiefen Baß und sagte: Das Haus, an das er +gewöhnt ist, das bist du, Klärchen, denn der alte Bursche, das sieht +ein Blinder, ist in dich verliebt. Obwohl er aber sonst meschugge ist, +die Narrheit kann ich ihm ja nachempfinden--dabei küßte er mir die +Hand--und darum will ich ihm, als ein Muster von nachsichtigem Ehemann, +den Gefallen tun und er mag im Hause bleiben, bis er mal was ganz +Verrücktes anstellt und dich durch seine Narrheit kompromittiert. +Dann hat er sich's selbst zuzuschreiben, wenn wir geschiedene Leute +sind. + +Der Ebi aber nahm sich wohl in acht, irgend so was anzustellen, was +mir auch nur unbequem gewesen wäre. + +Er saß die meiste Zeit ganz still in seinem Stübchen, das wir ihm +eingeräumt hatten, las durch eine große Brille in allerlei hebräischen +Schriften, denn bevor er die Kaufmannschaft lernte, war er ein Bocher +gewesen und wußte im Talmud Bescheid, und dazwischen schrieb er +allerlei auf großen Bogen, was er niemand zeigte. Marianne behauptete, +er mache Gedichte. Ich fürchtete, wenn ich ihn danach fragte, würde +er sie mir zeigen wollen, und sie seien am Ende an mich gerichtet. + +Übrigens machte er sich im Hause nützlich, wo er nur konnte, führte +meinen Viktor spazieren, blieb, wenn die Töchter Musikstunden hatten, +als Anstandswächter dabei und ließ sich zu jeder Kommission, die ihm +einer auftrug, bereit finden, so daß wir ohne unseren alten Ebi ein +paar Dienstboten mehr hätten halten müssen. Er aß nie mit uns, +sondern in einem kleinen koscheren Gasthause, da er die Speisegesetze +hielt, und nur zum Tee kam er manchmal, wo er dann immer sehr reinlich +gekleidet erschien, in einem langen schwarzen Rock, der ein bißchen an +den Kaftan oder Schubbiz erinnerte, wie ihn die richtigen polnischen +Juden tragen, eine weiße Krawatte umgeknüpft, das Haar sorgfältig +frisiert. Schön sah er dann erst recht nicht aus, eher komisch, aber +bei alledem auch wieder ehrwürdig, mit der großen Nase in dem +glattrasierten gelblichen Gesicht, dem feinen blassen Munde und den +kleinen, tiefliegenden Augen, die aber, wenn er sich einmal in Eifer +sprach, ganz merkwürdig leuchteten. + +Man fühlte überhaupt, daß ein ganz eigener Geist in ihm steckte, der +die Menschen gründlich durchschaute, und vor vielem, was der großen +Menge imponiert, gar keinen Respekt hatte, am wenigsten vor dem +goldenen Kalbe. So gesteh' ich auch, daß mir seine stumme Huldigung +heimlich schmeichelte und ich jede Gelegenheit ergriff, mich gütig +gegen ihn zu erweisen. Er nahm es als eine besondere Ehre auf, daß +ich ihn bat, sich in mein Stammbuch einzuschreiben. Am anderen Tage +brachte er mir's wieder, ich las, was er geschrieben, in seiner +Gegenwart: "Werde, was du bist, dann bist du, was nötig ist." Er war +aber nicht zu bewegen, mir den Sinn, der mir dunkel blieb, zu erklären. +Herz lachte wieder, da ich's ihm zeigte. Er sagte aber nur, es sei +die feinste Schmeichelei, und ich würde eitel werden, wenn ich's +verstünde. + +Damals hatte ich eine Haushälterin, Mamsell Zipora, keine üble Person +und nicht viel über vierzig, die sich in der Zeit, wo sie in unserm +Dienste stand, auf rechtem oder unrechtem Wege ein ganz artiges +Sümmchen erspart, auch eine Erbschaft zu erwarten hatte. Die hatte +sich's in den Kopf gesetzt, den Ebi zu heiraten, und ich begünstigte +ihr Projekt, da mir's doch manchmal unheimlich war, wenn die Augen +meines Verehrers so schwärmerisch auf mich gerichtet waren, wie die +Katholen (so sagte die Tante immer für die Katholiken) zu ihrer +Gottesmutter aufblicken. Ebi aber blieb unerschütterlich. Wenn das +gute Wesen ihre Karten gar zu offen vor ihn hinlegte, mit Schmeicheln +und Streicheln und allerhand aufdringlichen Liebesdiensten wie ein +Kätzchen um ihn herumstrich, zog er die dicken, schwarzen Brauen +zusammen und sagte im Tone des tiefsten Abscheues: Ich bitt' Sie, +Mamsell Zipora, kriechen Sie von mer 'runter! + +Worauf die so schnöde Abgewiesene mit einem Ausrufe heftigster +Kränkung fortrannte, ohne jedoch die Belagerung ein für allemal +aufzugeben. + +Ich machte ihm einmal Vorstellungen über seine Herzenskälte. Er sah +mich wehmütig an. Madame Herz, sagte er, verzeihen Sie, jeder Mensch +hat sein Schicksal. Den meisten kommt's von bösen Menschen, ich hab' +meine Not mit den guten--die mir nicht lassen meine Ruh'. Was ich +lieb', das bekomme ich nicht, und was mich liebt, das mag ich nicht. +Glauben Sie, Madame Herz: Wenn der Mensch ein Schlemihl ist, nimmt +sich der Unglück en Kütsch und fahrt em nach. + +Die Marianne, die ihn einmal in seinem Zimmer aufgesucht hatte mit +irgendeinem Auftrage, erzählte mir sehr belustigt, sie habe ihn beim +Schreiben an einem großen Hefte betroffen und wohl gesehen, daß es +Verse seien mit dazwischengeschriebenen Namen, und habe ihn gefragt, +was für ein Stück er dichte. Er habe es ihr aber nicht gestehen +wollen. + +Beim nächsten Begegnen fragt' ich ihn selbst darum. Da er mir nun +nichts abschlagen konnte, gestand er mit einem schüchternen Erröten, +es sei ein Trauerspiel, die Tochter Jephthas, das dichte er aber nicht, +um es irgendeinem Theater anzubieten, da er wohl wisse, er verstehe +sich nicht auf die richtige dramatische Kunst, sondern nur für sich, +zu seinem eignen Vergnügen. + +Das müssen Sie uns aber mitteilen, Ebi, sagt' ich. Wenn's fertig ist, +müssen Sie mir's vorlesen. Versprechen Sie mir's! + +Er errötete noch tiefer, verbeugte sich, ohne ein Wort zu sagen, und +ich konnte nicht erkennen, ob meine Bitte ihm lieb oder leid sei. +Auch vergaß ich sie selbst. Ich hatte es nur gesagt, um ihn damit zu +erfreuen, daß ich mich für sein Tun und Treiben interessierte. + +Die gute Tante schwieg eine Weile. Sie hatte den Kopf gegen das +Kissen zurückgelegt und die schwarzen Augen still nach der Zimmerdecke +hinaufgerichtet. Ich fragte sie, ob sie das Sprechen nicht zu sehr +angreife. Sie möge mir das übrige morgen oder ein andermal erzählen, +wenn sie sich frischer fühle. + +Nein, lieb Kind, sagte sie, ich fühle mich morgen nicht frischer als +jetzt. Alte Leute werden überhaupt nur noch ein bißchen aufgefrischt, +wenn sie an ihre jungen Tage denken. Aber gib mir das Fläschchen dort +von dem Toilettentisch! + +Ich reichte ihr das Kristallflacon mit dem silbernen Verschlusse, und +sie goß von der Eau de Cologne über ihre Hände und hielt sie dann vors +Gesicht. Meine Nase bleibt mir am längsten treu, lächelte sie. Die +Zunge ist nicht mehr viel wert, Augen und Ohren lassen mich im Stich, +aber an Blumenduft und feinem Parfüm erquick' ich mich noch. + +Sie behielt das Fläschchen in der Hand und sah wieder auf den Ring +herab. + +Nun kommt erst die Geschichte, sagte sie. Ich hab' sie noch keinem +Menschen erzählt, nicht mal meinem Mann. Du aber sollst sie hören, +weil du ein gutes Kind bist und Schwester Julchen ähnlich siehst und +schöne Verse machst. Also paß auf und hör auch, was ich verschweige. + +Denn 's ist für eine alte Frau nicht leicht, so recht zu sagen, was +sie viele Jahre auf den Herzen gehabt hat, und obwohl's eine Schwäche +war, nicht hat loswerden können. Aber du wirst es schon verstehen. + +Also, vor etwa einundzwanzig Jahren war's, im Herbst, auf dem ersten +Ball, mit dem die Saison wieder eröffnet wurde, im Bethmannschen Hause. +Herzens waren natürlich eingeladen und erschienen en grande tenue, +Mutter Klärchen und die drei großen Töchter, die jüngste allerdings +erst sechzehnjährig. Und die Mädchen sahen wirklich wie die drei +Grazien aus, das heißt, wenn deren Toilette nicht von Mutter Natur, +sondern von einer Pariser Schneiderin besorgt worden wäre. Das Wort +von drei Grazien aber mußt' ich an dem Abend wohl ein dutzendmal hören. + +Wir waren natürlich in unserem Anzuge, wie immer, die einfachsten; +Herz liebte es nicht, daß ich mich oder die Kinder "putzte", da wir an +Schmuck und anderem Luxus doch nicht mit den großen Häusern +rivalisieren konnten. So hatte ich nur meine Perlen um den Hals und +in den Ohren, die Mädchen nichts als frische Blumen, freilich von den +zu dieser Jahreszeit teuersten, die weißen Tüllkleider nach der +neuesten Mode, aber ohne kostbare Spitzen, ich in einer ganz hellen, +pfirsichfarbenen Robe, ziemlich dekolletiert, wie man eben damals ging, +und eine kleine Federagraffe im Haar. Ich wußte, es stand mir gut, +doch war's schon längst mein Bestreben, mich zu eklipsieren, um meine +Mädchen glänzen zu lassen. + +Sie machten auch Sensation, als sie den Saal betraten, und hatten im +Umsehen alle Tänze vergeben. Ich selbst gesellte mich zu ein paar +älteren Damen, die mir allerlei Schönes über meine Kinder und auch +über mich sagten, und ergab mich dann in das allgemeine +Mutterschicksal, mich nur noch an fremdem Vergnügen zu amüsieren. + +Das hatte ich aber schon zu oft getan, als daß mich's nicht bald +ermüdet hätte, und da auch die Damen neben mir mich langweilten, +versank ich endlich in eine Art Halbschlaf mit offenen Augen, in dem +nur die tanzenden Paare mit der lebhaften Musik wie Schatten, die man +im Traum sieht, vorüberschwebten. + +Auf einmal aber, in einer Tanzpause, weckte mich aus diesem +Dämmerzustand eine bekannte Stimme, die des Grafen Fénélon, der mir +einen Freund vorstellte, den Vicomte Gaston de--auch ein sehr +aristokratischer Name--, der gestern in Frankfurt angekommen sei als +Attaché bei der französischen Gesandtschaft und um die Ehre bitte--und +so weiter. + +Ich machte, ein wenig verwirrt, die Augen weit auf und sah einen +jungen Herrn vor uns stehen, der auch einer geträumten Erscheinung +ähnlicher sah als einem leibhaftigen Menschen. Denn so ein schönes, +glänzendes Gesicht, mit so mädchenhaft zarten Zügen und doch ganz +ernsthaften und feurigen Augen, eine so tadellose männliche Gestalt, +dazu angezogen wie ein Gott, doch ohne Stutzerhaftigkeit, war mir noch +nicht vorgekommen. + +Ich will ihn dir nicht beschreiben. Du könntest dir doch keine +Vorstellung von ihm machen. + +Dazu seine Stimme, die durchs Ohr gleich ins Herz drang, obwohl sie +gar nichts Insinuantes hatte, sondern ganz schlicht und treuherzig +klang, und ein Französisch, wie man's nur in den besten Pariser +Kreisen spricht. + +Ich war so benommen von alldem, daß ich nicht imstande war, meinen +usage du monde zu zeigen, auf den ich mir sonst was zugute tat. Als +ich das merkte, wurde ich erst recht ungeschickt, stammelte mein sonst +so geläufiges Französisch wie ein Schulkind heraus und dachte: Wenn er +nur wieder ginge! Was soll er von dir denken? Im stillen lacht er +über dich! + +Es schien aber nicht, als ob ihm etwas Lächerliches an mir auffiel. +Vielmehr unterhielt er mich auf die geistreichste Art und bat endlich, +da ein Platz neben mir frei wurde, um die Erlaubnis, sich zu mir +setzen zu dürfen. Fénélon hatte sich verabschiedet und ihm noch etwas +zugeraunt. Ich glaubte, gehört zu haben: Elle a quarante ans! und er +darauf, so daß ich's hören mußte: Mais elle est ravissante, mille fois +plus belle ques ses filles!--was meine Verlegenheit natürlich noch +steigerte, so sanft mir's einging. + +Die Musik setzte wieder ein. Sie werden Pflichten gegen die jungen +Damen haben, sagte ich, denen Sie eine alte Mama nicht abtrünnig +machen darf.--Er habe sich für diesmal mit dieser corvée schon +abgefunden; mit seinen dreißig Jahren könne man nicht verlangen, daß +er einen ganzen Abend herumwirble--, wenn ich erlaubte, möchte er um +die Ehre bitten, mich zu Tische zu führen. + +Wie gern ich's erlaubte, kannst du denken. + +Es war lange her, daß sich jemand ernstlich um mich bemüht hatte, +meine Jugend lag weit hinter mir, nun war's, als stünde sie aus ihrem +Grabe wieder auf, ich vergaß, daß ich erwachsene Töchter hatte und +keine Ansprüche mehr auf eine Eroberung--und eine solche!--Es war wie +ein Märchen! + +Aber ich kannte ihn ja noch gar nicht. Er ist zehn Jahre jünger als +du, dacht' ich. Eine Laune wird es von ihm sein, einmal einer femme +de quarante ans so beflissen den Hof zu machen, als sei es ihm Ernst +damit, vielleicht bloß um eine andere, mit der er gerade boudiert, zu +kränken. Morgen denkt er nicht mehr daran. + +Gleichviel! Das Heute war reizend, und ich genoß es, ohne mir Sorgen +darüber zu machen, daß es nur ein Traum sein könne. Ich merkte, daß +ich zum erstenmal in meinem Leben erfuhr, was es heißt, sich verlieben, +und zwar, was ich immer für eine Fabel gehalten hatte, so auf den +ersten Blick, wie ein Blitz aus blauem Himmel. Ich erfuhr auch, daß +Liebe blind macht. Wenigstens dachte ich während des ganzen Soupers +und auch, als er nachher mir immer zur Seite blieb, keinen Augenblick +daran, was man von unserem langem Tete-a-tete mitten in der großen +Gesellschaft sagen würde, und erst als die Töchter beim +Nachhausefahren mich mit diesem Verehrer neckten, kam ich ein wenig +zur Besinnung. + +Herz war nicht auf dem Ball gewesen. Bälle langweilten ihn, wir +wechselten also ab, da auch ich wenig Vergnügen an der Rolle der +Ballmutter fand, und so chaperonierte der Papa die Kinder bei anderen +Gelegenheiten, wo ich dann zu Hause blieb. + +Die Nacht schlief ich nur wenig. Ich war aber so voller Freude über +das Erlebte, daß mich gar nicht danach verlangte, von mir selbst +nichts mehr zu wissen. So muß einem ganz jungen Mädchen zumute sein +nach seinem ersten Ball, wo sein Herzchen zum erstenmal gesprochen hat. + +Er hatte um die Erlaubnis gebeten, sich meinem Manne vorzustellen. +Daß er gleich am folgenden Tage davon Gebrauch machen würde, wagte ich +kaum zu hoffen. Aber wirklich kam er gleich am nächsten Abend, wo wir +en petit comité waren, und betrug sich so taktvoll Herz gegenüber, daß +der die beste Meinung von ihm faßte und mir zu diesem Anbeter +gratulierte. Die Adelheid hatte mich verpetzt, was er aber in seiner +gewohnten Manier mit Lachen aufnahm. + +Auch wie er nun immer öfter kam und sich als Hausfreund en titre bei +uns etablierte, hatte mein Mann nicht das geringste dagegen +einzuwenden. + +Wir waren auch nie allein, eins oder das andere der Kinder war immer +zugegen, mit einer Häkelarbeit oder am Klavier, und oft brachte er +auch seinen Freund Fénélon mit, der sich damals eifrig um Helene +bewarb. So zu vieren war mir's am liebsten. Jedes Paar gehörte sich +dann allein an und hörte nicht nach dem anderen hin. Aber du mußt +nicht glauben, daß wir dann zärtliche Gespräche führten. Nie hörte +ich ein Wort von ihm, was nicht auch mein Mann hätte hören dürfen, und +nur seine Augen und zuweilen sein Verstummen sagten mir alles, was in +ihm vorging. + +Auch brachte er zuweilen Bücher mit, die mir noch unbekannt waren, da +ich ziemlich ungebildet war, und wir sprachen hernach darüber. Oder +er las uns eine Racinesche Tragödie vor, was er ganz herrlich konnte, +oder Gedichte von Viktor Hugo, der damals eben erst bekannt zu werden +anfing. In der Sprache der Dichter machte er mir die feurigsten +Erklärungen, und an der Art, wie ich zuhörte, konnte er erraten, wie +es um mein eigenes Herz stand. + +In der Gesellschaft erzählte man sich, er sei in Paris als ein +gefährlicher mangeur de coeurs bekannt gewesen, und man wunderte sich, +daß er in Frankfurt gar keinen Abenteuern nachging. Daß er mein Haus +so fleißig besuchte, erklärte man sich durch eine Verliebtheit in eine +meiner Töchter. Die ehrbare "alte" Madame Herz hatte niemand im +Verdacht, dem leichtfertigen jungen Vogel die Flügel beschnitten zu +haben. + +So dauerte das den ganzen Winter. Es war die seligste Zeit meines +Lebens. + +Auch dadurch wurde das Glück nicht etwa getrübt, daß ich mir Vorwürfe +gemacht hätte. Ich verstand nicht, daß es Sünde hätte sein können, +das Liebenswürdige zu lieben und das Schöne schön zu finden. Meinen +Pflichten als Gattin und Mutter wurde ich darum nicht untreu, wenn ich +in dem Umgang mit diesem reizenden jungen Freunde mein Herz lebhafter +schlagen fühlte. Ich wollte und hoffte auch wirklich nichts weiter, +als daß es immer so fortgehen möchte, er einen Tag wie den andern über +meine Schwelle treten, um sich dann zu mir zu setzen und eine Stunde +lang ganz ernsthaft mit mir zu plaudern. Ich höre noch, wie er beim +Eintreten sagte: Guten Tag, Madame Herz. Wie geht es ihnen? Und dann +beim Scheiden: Leben Sie wohl! Auf Wiedersehen! + +Das waren die einzigen deutschen Sätze, die ich ihm beigebracht hatte, +und die er mit so drolligem Akzent von sich gab, daß die unartigen +Mädchen immer darüber lachten. + +Und so ging der Winter hin. Keines von uns machte sich Gedanken über +die Zukunft. + +Ende März aber kam das Unglück. + +Es war bei einem Diner im Hause Guaita, zu dem auch die Herren von der +französischen Gesandtschaft geladen waren. Die Frau vom Hause, die +mein Faible für ihn kannte, hatte ihm den Platz neben mir angewiesen. +Ich erschrak aber heftig, als er mir den Arm bot, mich zu Tisch zu +führen. + +Denn er war totenblaß, und auf meine Frage, ob er sich krank fühle, +schüttelte er nur stumm den Kopf. Erst als wir nebeneinander Platz +genommen hatten, flüsterte er mir zu, er habe vor einer Stunde sein +Todesurteil vernommen. Sein Chef habe ihm mitgeteilt, daß er, der +Gesandte, nach Konstantinopel versetzt sei. Er, Gaston, müßte schon +in der folgenden Nacht dorthin vorausreisen, um allerhand +Präliminarien abzumachen und gewisse Weisungen für das +Gesandtschaftshotel persönlich zu überbringen. Leider könne der +Gesandte ihm nur vierundzwanzig Stunden bewilligen, um sich zur +Abreise zu rüsten und sein Zelt in Frankfurt abzubrechen. + +Du kannst denken, lieb Kind, wie diese Eröffnung auf mich wirkte. Ich +war einer Ohnmacht nahe, und nur ein Glas Sherry, das Gaston mich +auszutrinken nötigte, gab mir wieder ein wenig Contenance. + +Aber der Rest des Diners verlief so traurig, wie eine Henkersmahlzeit. +Wir sprachen fast nichts miteinander und aßen kaum einen Bissen. +Zuletzt kamen wir überein, daß er morgen noch einmal kommen sollte, um +Abschied zu nehmen. Am nächsten Abend war eine Soiree, ich entsinne +mich nicht, bei wem, nur daß schon ausgemacht war, Herz sollte diesmal +die Mädchen hinbegleiten und ich zu Hause bleiben. Um halb neun +fuhren sie zusammen fort. Wenn Gaston um neun kam, traf er mich +allein, und da er um zehn zu seinem Chef bestellt war, um noch Briefe +und Depeschen in Empfang zu nehmen, blieb eine volle Stunde, die uns +gehörte. Ich werde Ihnen Briefe an Wiener Damen mitgeben, mit denen +ich befreundet bin: Frau Arnstein und Eskeles und die Baronin Pereira. +Da Sie sich einige Zeit in der Kaiserstadt aufhalten sollen, kann +Ihnen die Einführung bei diesen sehr angesehenen Damen vielleicht +irgendwie nützlich sein, und jedenfalls wird es Ihnen wohltun, mit +irgend jemand von Ihrer alten Frankfurter Freundin sprechen zu können. + +So überstanden wir dies martervolle Diner. Aber die folgende Nacht +und der Tag darauf vermehrten nur meinen Schmerz, der manchmal zu +völliger Verzweiflung wurde. Jetzt erst kam mir so recht zum +Bewußtsein, daß ich ihn liebte, immer geliebt hatte, und wie ich ihn +liebte! Von ihm getrennt zu werden, stand mir vor Augen wie der +schlimmste Tod, mein Leben hernach wie eine Wüste, in der nichts +Grünes, Tröstliches für mich sprießen könnte! + +Und so schrieb ich die Empfehlungsbriefe unter strömenden Tränen und +erwartete die letzte Stunde wie eine zum Tode Verurteilte. + +Um halb neun kam Herz mit den Kindern, mir gute Nacht zu sagen. Sie +fanden mich blaß und angegriffen. Du hast Fieber, Frau, sagte Herz. +Du mußt früh zu Bett gehen.--Freilich hatte ich den ganzen Tag wie im +Fieber zugebracht, es brannte und glühte mir im Blut, wenn ich an den +Abend dachte, an den Abgrund, in den mich's dann fortreißen konnte. +Aber obwohl mir bei dem Gedanken schwindelte, fürchtete ich's doch +nicht und sehnte es herbei. Mir war wie einem Fieberkranken, der am +Rande eines tiefen Meeres hingeht. Bloß um sich endlich zu kühlen, +möcht' er sich hineinstürzen, wenn ihm die Wellen auch über den Kopf +zusammenschlügen, daß er in eine bodenlose Tiefe versänke. + +Gleich nachdem die anderen fortgefahren waren--ich lag auf dem Sofa +und zählte die Minuten--, da klopft's. Ich fahre auf und denke: +Sollt' er's schon sein?--Ich hatte meiner Kammerjungfer gesagt, ich +sei für niemand zu Hause, bloß wenn der Vicomte käme, der verreise, +und ich hätte ihm noch Briefe mitzugeben.--Aber wie ich Herein! rufe +und die Tür sich öffnet, wer tritt über die Schwelle? Der Ebi. + +Sie haben mir erlaubt, Madame Herz, wenn ich mit dem Trauerspiel +fertig wär', sollt' ich kommen und's Ihnen vorlesen. Da Sie heute +bleiben zu Haus, hab' ich mir gedacht-Ich nickte bloß, und er kam +herein. Ich fand nicht gleich einen Vorwand, ihn fortzuschicken, und +dann dacht ich: Laß ihn nur lesen, das hilft mir über die Pein der +Erwartung hinweg, und wenn Gaston dann kommt, wird er von selbst +wieder aufbrechen. Er bleibt ja nie, wenn ich Besuch habe. Also +setzte er sich auf ein Fauteuil neben dem Sofa, schlug sein großes +Heft auf und fing an zu lesen, wobei seine Stimme vor Aufregung +zitterte und auch die Hände, die die Blätter umschlugen. Er las mit +einer eintönigen, leisen Stimme, und zuweilen geriet er in einen +singenden Ton, wie die Vorbeter im Tempel, die ich als Kind gehört +hatte. Denn seit meiner Verheiratung war ich nicht mehr in die +Synagoge gekommen. + +Was er las, wußte ich nicht, auch nicht, ob es Verse waren oder +überhaupt Sinn und Verstand hatte. Nur so viel wurde mir allmählich +klar, daß es eine Liebesgeschichte war, die er zu der biblischen +Historie hinzuerfunden hatte. Ein junger Ammoniter, der unter den +Gefangenen mit Jephtha nach Hause gekommen war, hatte sich in die +unglückliche Tochter verliebt, die nach dem übereilten Gelübde des +Vaters sterben sollte, weil sie die erste gewesen war, die dem +heimkehrenden Sieger aus seinem Hause entgegengekommen war. Auch das +Mädchen hatte zu dem Jüngling eine Neigung gefaßt, obwohl er aus dem +Stamm der Feinde ihres Volkes war und nicht zu dem Gott ihrer Väter +betete. Als er aber in sie drang, während der Todesfrist von zwei +Monaten, die sie auf dem Berge zubrachte, um ihr verlorenes Leben zu +beweinen, sich zu retten und mit ihm zu entfliehen, widerstand sie +ihrem Herzen und blieb beharrlich dabei, sich zu opfern, da ihr Vater +"seinen Mund aufgetan habe gegen den Herrn", und sie sein Gelübde +heilig halten müsse. + +Das Beste an der Dichtung schien nur, soviel ich davon begriff, daß +sie kurz war und viele Psalmenstellen und fromme Sprüche aus der +Schrift enthielt, und so kam der Vorleser fast bis ans Ende, zu dem +schwärmerischen Lobgesange der Jungfrau kurz vor ihrem Tode, als es +wieder an die Tür klopfte. Und diesmal war er's. + +Seine schönen Augen verfinsterten sich, als er den Alten bei mir fand. +Auch brachte er nicht seine paar deutschen Redensarten vor, mit denen +er mich sonst begrüßte, sondern sagte: "Bon soir, Madame! Vous allez +bien? Mais vous n'êtes pas seule. Si je vous dérange--" + +Ich faßte mich so gut ich konnte, stellte die Herren vor, wobei Gaston +dem armen Ebi einen Blick zuwarf, wie einem todeswürdigen Verbrecher, +und sagte, unser alter Hausgenosse habe mir ein selbstverfaßtes Drama +vorgelesen, wir seien eben zum Schlusse gelangt. + +Ich dachte nicht anders, als daß der Alte nun gehen würde. Er sprach +auch nicht Französisch, obwohl er es verstand. Er machte aber keine +Miene, aufzubrechen, nur daß er seinen Platz mit einem anderen Sitz +etwas weiter vertauschte. + +Sie lesen mir den Schluß wohl ein andermal, Ebi, sagte ich. Das Stück +ist sehr schön. Vielleicht kann es sogar aufgeführt werden. + +Auch das half nicht. Er antwortete mit einer stummen Verbeugung, +blieb dann aber stocksteif sitzen, das Heft auf den Knien, die Augen +gegen das Teppichmuster gerichtet. + +Ich dachte, er würde doch endlich merken, daß er zuviel sei, wenn ich +gar keine Notiz mehr von ihm nähme und die Konversation französisch +weiterginge. Also bat ich den Vicomte, Platz zu nehmen, fragte, wann +er reiten würde--diese Nacht noch um Mitternacht--, ob er auch mit +warmen Decken versorgt wäre--eine von mir müsse er durchaus +mitnehmen--und sprach dann von den Briefen an die Wiener Damen, das +gleichgültigste Geplauder von der Welt, während mir das Herz klopfte, +als ob es aus der Brust springen wollte. + +Und der Alte dabei immer regungslos wie eine Bildsäule! + +Noch jetzt weiß ich nicht, warum ich's nicht über die Lippen brachte, +zu sagen: Lassen Sie uns allein, Ebi. Ich habe dem Herrn Vicomte noch +etwas unter vier Augen zu sagen. Aber ich wußte, bei den Worten würde +ich rot werden, wie ein ertapptes Schulkind, und er würde mir meine +sündhafte Leidenschaft am Gesicht ablesen. + +So quälte ich mich, den Faden des Gesprächs fortzuspinnen, wobei +Gaston mir wenig half. Denn er war dermaßen verzweifelt über sein +Unglück, mich zum letztenmal nicht ohne Zeugen sehen zu können, daß +ihn alle Geistesgegenwart verließ und er die sonderbarsten Antworten +auf meine Fragen gab. Zuweilen sprang er auf, tat ein paar hastige +Schritte durchs Zimmer, blieb vor der Uhr auf dem Kaminsims stehen und +warf sich dann wieder in den Sessel, mit einem Seufzer, der einen +Stein hätte erweichen können, an dem alten Cerberus aber ohne jeden +Eindruck abglitt. + +Je länger es dauerte, je mehr sank mir der Mut, je länger wurden auch +die Pausen in unsrer Konversation. Endlich schlug die Uhr zehn. Da +stand er auf, er konnte sich kaum auf den Knien halten. Es ist Zeit, +stammelte er. Der Graf erwartet mich. Oh Madame... + +Die Stimme versagte ihm. Auch ich hatte mich erhoben, obwohl ich mich +nur mit Mühe aufrecht erhielt. Ich begleite Sie noch hinaus, sagte +ich, Herr Ebi wird mich einen Augenblick entschuldigen. + +So ging ich ihm voran nach der Tür. Ah, Madame, j'ai la la mort au +coeur. Vous quitter, sans vous dire.--Oh si vous saviez--! + +Je sais tout, mon ami, flüsterte ich, et croyez--moi, si vous +souffrez--moi aussi, j'ai le coeur si plein--je suis au désespoir! + +Damit öffnete ich die Tür und dachte, draußen--wenn auch nur auf kurze +Minuten--würd' ich mich ihm an die Brust werfen und ihm sagen, was ich +um ihn gelitten. Als ich aber hinaustrat, sah ich eine andere Feindin +meines letzten schmerzlichen Glücks bei einer Lampe am +Pfeilertischchen sitzen, eine Näharbeit in den Händen--Mamsell Zipora! + +Ich habe nachher erfahren, meine Kammerjungfer hatte der tückischen +Person, ohne sich was dabei zu denken, erzählt, ich erwartete heute +abend den Vicomte, der Abschied zu nehmen komme. Das hatte die sich +zunutze gemacht, um es dem Ebi, den sie immer noch zu fangen hoffte, +schadenfroh beizubringen, die Frau, die er heimlich vergötterte, sei +auch nicht besser als alle anderen, um sich und ihre Tugend dadurch in +ein vorteilhaftes Licht zu setzen. Und der unselige Mensch hatte sich +von einer Eifersucht, die er sich selbst vielleicht nicht eingestand, +verleiten lassen, den Wächter zu machen und den Rivalen aus dem Felde +zu schlagen. + +Sie war von der Erinnerung an diese schmerzlichste Stunde ihres Lebens +so erschüttert, daß sie lange nicht fortfahren konnte, sondern immer +sich mit dem Kölnischen Wasser die Stirn benetzte und mit +geschlossenen Augen dalag. + +Endlich sagte sie: Wie ich den Weg in mein Zimmer zurückfand und bis +zu dem Sofa gehen konnte, ist mir ein Rätsel. Ich fühlte mich wie +vernichtet, was jetzt noch werden konnte, war mir unfaßbar, ich sank +auf das Polster nieder, drückte mein Tuch gegen die Augen, und brach +in krankhaftes Schluchzen aus. + +Daß Ebi im Zimmer war, hatte ich völlig vergessen. + +Da hörte ich plötzlich seine Stimme, in dem feierlich singenden Tone, +wie bei den Psalmenversen seines Trauerspieles: Madame Herz, ich habe +Sie immer verehrt, heute bewundere ich Sie. Der Sieg, den Sie über +sich selbst davongetragen, ist größer als der von Jephthas Tochter. +Sagen Sie nicht, daß ich Ihnen dabei geholfen hab'. Wenn Sie nur +gesagt hätten ein einzig Wort: Ebi, verlassen Sie mich,--so wahr Gott +lebt--ich wäre gegangen, so sehr es mich hätt' geschmerzt, aber Sie +wissen, ich bin ihrem Wort gehorsam, wie ein Hündlein seinem Herrn. +Daß Sie nicht gesagt haben das eine Wort, das macht Ihnen mehr Ehre +als einem König, der große Länder erobert, oder einem gewappneten Mann, +der allein ein ganzes Heer besiegt. Denn wie es im Prediger +Salomonis heißt: Lieblich und schön sein ist nichts, aber ein Weib, +das den Herrn fürchtet, das soll man loben, und in Jesus Sirach: Ein +schönes Weib, das fromm bleibt, ist wie die helle Lampe auf dem +heiligen Leuchter. Erlauben Sie, Madame Herz, daß ich den Saum küsse +an Ihrem Gewande. + +Ich fühlte dunkel, wie er es tat, und hörte, wie er dann das Zimmer +verließ. Da brach es erst recht bei mir aus, und ich weinte und +weinte--bis eine Ohnmacht sich meines armen gefolterten Herzens +erbarmte. + +Am folgenden Tage und auch den nächsten darauf konnte ich das Bett +nicht verlassen. Es war keine Krankheit, meinte der Arzt, aber eine +Erschöpfung all meiner Lebenskraft. Als ich wieder aufstehen konnte, +dauerte es noch Wochen, bis ich den Anblick von Menschen wieder +ertragen konnte. Ebi und Mamsell Zipora durften mir nicht vor Augen +kommen. + +Dann erhielt ich von Konstantinopel aus seinen Ring und einen Brief +dabei, voll schmerzlichster Geständnisse. Ich zeigte beides meinem +Manne, ohne ein Wort dabei zu sagen, und er gab es mir ebenso +schweigend zurück. Ich wußte, daß er ein zu kluger Kenner des +weiblichen Herzens war, um es als eine Sünde anzusehen, wenn meines +gegen das liebenswürdigste, was die Erde trug, schwach gewesen war. + +Daß ich einen ganz ähnlichen Ring machen ließ mit der Inschrift: "Pour +toujours", sagte ich Herz nicht. Er hätte die Devise, die zweideutig +war und ewige Liebe oder ewige Trennung bedeuten konnte, doch +vielleicht in dem ersten Sinne verstanden. Zugleich schrieb ich ein +paar Zeilen, die die Bitte enthielten, mir nicht wieder zu schreiben. +Er erfüllte diesen Wunsch. Ich hörte nur selten einmal durch Dritte +von ihm. Schon nach fünf Jahren kam die Nachricht von seinem Tode. + +Das ist die Geschichte von diesem Ringe, die du hast wissen wollen, +lieb Kind. Daß ich sie dir erzählt hab', mag dir beweisen, wie lieb +du mir bist. Nicht einmal deine Mutter weiß das Genauere davon. Du +magst es ihr einmal wiedererzählen.-Ich war sehr ergriffen von dieser +rührenden Geschichte und wußte nicht, was ich sagen sollte, meinen +Anteil auszudrücken. Als der naive Jüngling, der ich war, sagte ich +endlich das Ungeschickteste: So schmerzlich es dir sein muß, Tante, so +oft du den Ring betrachtest, du kannst es wenigstens ohne Reue tun. + +Sie sah still vor sich hin. O Kind, sagte sie leise, du bist noch +jung. Du hast noch nicht erfahren, daß es manchmal am bittersten +schmerzt, wenn man bereut, daß man nichts zu bereuen hat. Das sag +aber nicht weiter! + +Am folgenden Tage setzte ich meine Reise fort. Als ich einen Monat +später wieder nach Frankfurt kam, fand ich die geliebte Tante nicht +mehr unter den Lebenden. Der Onkel händigte mir eine kleine Schachtel +ein, die sie ihm für mich übergeben hatte, und deren Inhalt er nicht +kannte. Der Ring lag darin und ein zärtliches Segenswort, das sie mit +zitternder Hand noch auf ihrem Sterbebette geschrieben hatte. + +Seitdem ist dies teure Andenken nicht von meiner Hand gekommen. Die +Emailbuchstaben sind ausgewaschen, der Goldreif ist brüchig geworden, +die kleine Hand, an der ich das Kleinod zuerst gesehen, ist längst +vermodert, doch was mir der sanfte Mund vertraut, lebt unvergeßlich in +meiner Erinnerung fort. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ein Ring, von Paul Heyse. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein Ring, by Paul Heyse + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN RING *** + +This file should be named 9084-8.txt or 9084-8.zip + +Produced by Delphine Lettau + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +https://gutenberg.org or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03 + +Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +https://www.gutenberg.org/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/9084-8.zip b/9084-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..a569559 --- /dev/null +++ b/9084-8.zip diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..3b155e7 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #9084 (https://www.gutenberg.org/ebooks/9084) |
