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+The Project Gutenberg EBook of Sappho, by Franz Grillparzer
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+this or any other Project Gutenberg eBook.
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
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+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
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+Title: Sappho
+ Ein Trauerspiel in fuenf Aufzuegen
+
+Author: Franz Grillparzer
+
+Release Date: October, 2005 [EBook #9062]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on September 2, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO Latin-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SAPPHO ***
+
+
+
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+SAPPHO
+
+von FRANZ GRILLPARZER
+
+Trauerspiel in fünf Aufzügen
+
+
+--------------------------------------------------
+
+Dem Herrn Carl August West widmet diesen seinen zweiten dramatischen
+Versuch, als Zeichen der Dankbarkeit und Freundschaft,
+
+der Verfasser.
+--------------------------------------------------
+
+
+Personen:
+
+Sappho
+Phaon
+Eucharis und Melitta, Dienerinnen Sapphos
+Rhamnes, Sklave
+Ein Landmann
+Dienerinnen, Knechte und Landleute
+
+
+
+Erster Aufzug
+
+Freie Gegend. Im Hintergrunde das Meer, dessen flaches Ufer sich gegen
+die linke Seite zu in felsichten Abstufungen emporhebt. Hart am Ufer
+ein Altar der Aphrodite. Rechts im Vorgrunde der Eingang einer Grotte
+mit Gesträuch und Eppich umwachsen; weiter zurück das Ende eines
+Säulenganges mit Stufen, zu Sapphos Wohnung führend. Auf der linken
+Seite des Vorgrundes ein hohes Rosengebüsch mit einer Rasenbank davor.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Zimbeln und Flöten und verworrener Volkszuruf in der Ferne. Rhamnes
+stürzt herein.
+
+
+Rhamnes.
+Auf, auf vom weichen Schlaf! Sie kommt, sie naht!
+O daß doch nur die Wünsche Flügel haben
+Und träg der Fuß, indes das Herz lebendig.
+Heraus ihr faulen Mädchen! Zögert ihr?
+Der trifft euch nicht, der Jugend vorschnell nennt.
+
+(Eucharis, Melitta und Dienerinnen aus dem Säulengange.)
+
+Melitta.
+Was schiltst du uns, da sind wir ja!
+
+Rhamnes.
+Sie naht.
+
+Melitta.
+Wer?--Götter!
+
+Rhamnes.
+Sappho naht!
+
+Geschrei (von innen).
+Heil, Sappho, Heil!
+
+Rhamnes.
+Jawohl, Heil, Sappho, Heil! Du braves Volk!
+
+Melitta.
+Doch was bedeutet--
+
+Rhamnes.
+Nun bei allen Göttern
+Was frägt das Mädchen auch so wunderlich.
+Sie kehret von Olympia, hat den Kranz,
+Den Kranz des Sieges hat sie sich errungen;
+Im Angesicht des ganzen Griechenlands,
+Als Zeugen edlen Wettkampfs dort versammelt,
+Ward ihr der Dichtkunst, des Gesanges Preis.
+Drum eilt das Volk ihr jauchzend nun entgegen,
+Schickt auf des Jubels breiten Fittichen
+Den Namen der Beglückten zu den Wolken.
+Und diese Hand war's, ach, und dieser Mund,
+Der sie zuerst der Leier Sprach' entlocken
+Und des Gesanges regellose Freiheit
+Mit süßem Band des Wohllauts binden lehrte.
+
+Volk (von innen).
+Heil Sappho, Sappho Heil!
+
+Rhamnes (zu den Mädchen).
+So freut euch doch!
+Seht ihr den Kranz?
+
+Melitta.
+Ich sehe Sappho nur!
+Wir wollen ihr entgegen!
+
+Rhamnes.
+Bleibt nur, bleibt!
+Was soll ihr eurer Freude schlechter Zoll?
+Sie ist an andern Beifall nun gewohnt!
+Bereitet lieber alles drin im Hause,
+Nur dienend ehrt der Diener seinen Herrn.
+
+Melitta.
+Siehst du an ihrer Seite--
+
+Rhamnes.
+Was?
+
+Melitta.
+Siehst du?
+Hoch eine andre, glänzende Gestalt,
+Wie man der Leier und des Bogens Gott
+Zu bilden pflegt!
+
+Rhamnes.
+Ich sehe! Doch ihr geht!
+
+Melitta.
+Und erst nur riefst du uns!
+
+Rhamnes.
+Ich rief euch, ja!
+Ihr solltet wissen, daß die Herrin naht,
+Ihr solltet wissen, daß euch Freude Pflicht,
+Doch freuen mögt ihr euch nur drin im Haus.
+Der Mann mag das Geliebte laut begrüßen,
+Geschäftig für sein Wohl liebt still das Weib.
+
+Melitta.
+So laß uns nur--
+
+Rhamnes.
+Nicht doch! Nur fort, nur fort!
+(Er treibt die Mädchen fort.)
+Nun mag sie kommen, nun wird Albernheit
+Ihr vorlaut nicht die schöne Feier stören.
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Sappho, köstlich gekleidet, auf einem mit weißen Pferden bespannten
+Wagen, eine goldne Leier in der Hand, auf dem Haupte den Siegeskranz.
+Ihr zur Seite steht Phaon in einfacher Kleidung. Volk umgibt laut
+jubelnd den Zug.
+
+
+Volk (auftretend).
+Heil Sappho, Heil!
+
+Rhamnes (sich unter sie mischend).
+Heil Sappho, teure Frau!
+
+Sappho.
+Dank Freunde, Landsgenossen Dank.
+Um euretwillen freut mich dieser Kranz
+Der nur den Bürger ziert, den Dichter drückt,
+In eurer Mitte nenn ich ihn erst mein.
+Hier, wo der Jugend träumende Entwürfe,
+Wo des Beginnens schwankendes Bestreben,
+Wo des Vollbringens wahnsinnglühnde Lust
+Mit eins vor meine trunkne Seele treten,
+Hier, wo Zypressen von der Eltern Grab
+Mir leisen Geistergruß herüberlispeln,
+Hier, wo so mancher Frühverblichne ruht
+Der meines Strebens, meines Wirkens sich erfreut,
+In eurem Kreis, in meiner Lieben Mitte,
+Hier dünkt mir dieser Kranz erst kein Verbrechen,
+Hier wird die frevle Zier mir erst zum Schmuck.
+
+Einer aus dem Volke.
+Wohl uns, daß wir dich, Hohe, unser nennen!
+Habt die bescheidne Rede ihr vernommen,
+Mehr als ganz Griechenland hat sie ihr Wort geschmückt!
+
+Rhamnes (sich hinzudrängend).
+Sei mir gegrüßt, gegrüßt, du Herrliche!
+
+Sappho (vom Wagen herabsteigend und die Umstehenden
+freundlich grüßend).
+Mein treuer Rhamnes sei gegrüßt!--Artander,
+Du auch hier, trotzend deines Alters Schwäche?
+Kallisto--Rhodope--Ihr weinet Liebe!--
+Das Auge zahlt so richtig als das Herz
+Für Tränen Tränen, seht!--O schonet mein!
+
+Einer aus dem Volke.
+Willkommen auf der Heimat altem Boden,
+Willkommen in der Deinen frohem Kreis!
+
+Sappho.
+Umsonst sollt ihr die Bürgerin nicht grüßen,
+Sie führt zum Dank euch einen Bürger zu.
+Hier Phaon. Von den Besten stammet er
+Und mag auch kühn sich stellen zu den Besten!
+Obschon die Jahre ihn noch Jüngling nennen,
+Hat ihn als Mann so Wort als Tat erwiesen.
+Wo ihr des Kriegers Schwert bedürft,
+Des Redners Lippe und des Dichters Mund,
+Des Freundes Rat, des Helfers starken Arm,
+Dann ruft nach ihm und suchet länger nicht.
+
+Phaon.
+Du spottest Sappho eines armen Jünglings!
+Wodurch hätt' ich so reiches Lob verdient?
+Wer glaubt so Hohes von dem Unversuchten?
+
+Sappho.
+Wer sieht, daß du errötest, da ich's sage.
+
+Phaon.
+Ich kann beschämt nur staunen und verstummen.
+
+Sappho.
+Du sicherst dir was du von dir entfernst,
+Geschwister sind ja Schweigen und Verdienst.
+Ja meine Freunde, mögt ihr's immer wissen,
+Ich liebe ihn, auf ihn fiel meine Wahl.
+Er war bestimmt, in seiner Gaben Fülle,
+Mich von der Dichtkunst wolkennahen Gipfeln
+In dieses Lebens heitre Blütentäler
+Mit sanft bezwingender Gewalt herabzuziehn.
+An seiner Seite werd ich unter euch
+Ein einfach stilles Hirtenleben führen;
+Den Lorbeer mit der Myrte gern vertauschend
+Zum Preise nur von häuslich stillen Freuden
+Die Töne wecken dieses Saitenspiels.
+Die ihr bisher bewundert und verehrt,
+Ihr sollt sie lieben lernen, lieben Freunde.
+
+Volk.
+Preis dir du Herrliche! Heil Sappho, Heil!
+
+Sappho.
+Es ist genug! Ich dank euch, meine Freunde!
+Folgt meinem Diener, er wird euch geleiten,
+Daß ihr bei Speis' und Trank und frohen Tänzen
+Die Feier unsers Wiedersehns vollendet,
+Der Wiederkehr der Schwester zu den Ihren!
+(Zu den Landleuten die sie begrüßen.)
+Lebt wohl--auch du--und du--ihr alle--alle!
+
+(Rhamnes mit den Landleuten ab.)
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Sappho. Phaon.
+
+
+Sappho.
+Siehst du, mein Freund, so lebt nun deine Sappho!
+Für Wohltat Dank, für Liebe--Freundlichkeit,
+So ward mir's stets im Wechseltausch des Lebens;
+Ich war zufrieden, und bin hoch beglückt,
+Gibst du auch halb nur wieder das Empfangne,
+Wenn du dich nicht für übervorteilt hältst.
+Ich hab gelernt verlieren und entbehren;
+Die beiden Eltern sanken früh ins Grab
+Und die Geschwister, nach so mancher Wunde,
+Die sie dem treuen Schwesterherzen schlugen,
+Teils Schicksals Laune, und teils eigne Schuld
+Stieß früh sie schon zum Acheron hinunter.
+Ich weiß wie Undank brennt, wie Falschheit martert,
+Der Freundschaft und der--Liebe Täuschungen
+Hab ich in diesem Busen schon empfunden,
+Ich hab gelernt verlieren und entbehren!
+Nur eins verlieren könnt' ich wahrlich nicht,
+Dich Phaon, deine Freundschaft, deine Liebe!
+Drum mein Geliebter, prüfe dich!
+Du kennst noch nicht die Unermeßlichkeit
+Die auf und nieder wogt in dieser Brust.
+O laß mich's nie, Geliebter nie erfahren,
+Daß ich den vollen Busen legte an den deinen
+Und fänd' ihn leer!
+
+Phaon.
+Erhabne Frau!
+
+Sappho.
+Nicht so!
+Sagt dir dein Herz denn keinen süßern Namen?
+
+Phaon.
+Weiß ich doch kaum was ich beginne, was ich sage.
+Aus meines Lebens stiller Niedrigkeit
+Hervorgezogen--an den Strahl des Lichts,
+Auf einen luftigen Gipfel hingestellt
+Nach dem der Besten Wünsche fruchtlos zielen,
+Erliege ich der unverhofften Wonne,
+Kann ich mich selbst in all dem Glück nicht finden.
+Die Wälder und die Ufer seh ich fliehn,
+Die blauer Höhn, die niedern Hütten schwinden,
+Und kaum vermag ich's mich zu überzeugen,
+Daß alles feststeht und nur ich es bin,
+Der auf des Glückes Wogen taumelnd wird getragen.
+
+Sappho.
+Du schmeichelst süß, doch, Lieber, schmeichelst du!
+
+Phaon.
+Und bist du wirklich denn die hohe Frau,
+Die von der Pelops-Insel fernstem Strand
+Bis dahin wo des rauhen Thrakers Berge
+Sich an die lebensfrohe Hellas knüpfen
+Auf jedem Punkt, den land- und menschenfern
+Ins Griechenmeer Kronions Hand geschleudert,
+An Asiens reicher, sonnenheller Küste,
+Allüberall, wo nur ein griech'scher Mund
+Die heitre Göttersprache singend spricht,
+Der Ruf mit Jubel zu den Sternen hebt?
+Und bist du wirklich jene hohe Frau,
+Wie fiel dein Auge denn auf einen Jüngling,
+Der dunkel, ohne Namen, ohne Ruf,
+Sich höhern Werts nicht rühmt als--diese Leier
+Die man verehrt weil du sie hast berührt.
+
+Sappho.
+Pfui doch, der argen, schlechtgestimmten Leier!
+Tönt sie, berührt, der eignen Herrin Lob?
+
+Phaon.
+O seit ich denke, seit die schwache Hand
+Der Leier Saiten selber schwankend prüfte,
+Stand auch dein hohes Götterbild vor mir!
+Wenn ich in der Geschwister frohem Kreise
+An meiner Eltern niederm Herde saß
+Und nun Theano, meine gute Schwester,
+Die Rolle von dem schwarzen Simse holte
+Ein Lied von dir, von Sappho uns zu sagen,
+Wie schwiegen da die lauten Jünglinge,
+Wie rückten da die Mädchen knapp zusammen
+Um ja kein Korn des Goldes zu verlieren;
+Und wenn sie nun begann, vom schönen Jüngling,
+Der Liebesgöttin liebeglühnden Sang,
+Die Klage einsam hingewachter Nacht,
+Von Andromedens und von Atthis' Spielen,
+Wie lauschte jedes, seinen Atemzug
+Der lusterfüllt den Busen höher schwellte
+Ob allzulauter Störung still verklagend.
+Dann legte wohl die sinnige Theano
+Das Haupt zurück an ihres Stuhles Lehne
+Und in der Hütte räumig Dunkel blickend
+Sprach sie, wie mag sie aussehn wohl, die Hohe?
+Mir dünkt ich sehe sie! Bei allen Göttern,
+Aus tausend Frauen wollt' ich sie erkennen.
+Da war der Zunge Fessel schnell gelöst
+Und jedes quälte seine Phantasie
+Mit einem neuen Reize dich zu schmücken,
+Der gab dir Pallas' Aug', der Heres Arm,
+Der Aphroditens reizdurchwirkten Gürtel;
+Nur ich stand schweigend auf, und ging hinaus
+Ins einsam stille Reich der heiligen Nacht.
+Dort an den Pulsen der süß schlummernden Natur,
+In ihres Zaubers magisch-mächt'gen Kreisen,
+Da breitet' ich die Arme nach dir aus;
+Und wenn mir dann der Wolken Flockenschnee,
+Des Zephyrs lauer Hauch, der Berge Duft,
+Des bleichen Mondes silberweißes Licht
+In eins verschmolzen um die Stirne floß,
+Dann warst du mein, dann fühlt' ich deine Nähe
+Und Sapphos Bild schwamm in den lichten Wolken!
+
+Sappho.
+Du schmückest mich von deinem eignen Reichtum,
+Weh, nähmst du das Geliehne je zurück!
+
+Phaon.
+Und als der Vater nach Olympia
+Mich zu des Wagenlaufes Streit nun sandte,
+Und auf dem ganzen Wege mir's erscholl,
+Daß Sapphos Leier um der Dichtkunst Krone
+In diesem Kampfe streiten, siegen werde;
+Da schwoll das Herz von sehnendem Verlangen
+Und meine Renner sanken tot am Wege
+Eh' ich Olympias Türme noch erschaut.
+Ich langte an, der Wagen flücht'ger Lauf,
+Der Ringer Kunst, des Diskus frohes Spiel
+Berührten nicht den ahnungsvollen Sinn;
+Ich fragte nicht wer sich den Preis errungen,
+Hatt' ich den schönsten, höchsten doch erreicht,
+Ich sollte sie sehen, sie der Frauen Krone.
+Jetzt kam der Tag für des Gesanges Kämpfe.
+Alkäos sang, Anakreon, umsonst
+Sie konnten meiner Sinne Band nicht lösen.
+Da, horch! Da tönt Gemurmel durch das Volk,
+Da teilt die Menge sich, jetzt war's geschehn.--
+Mit einer goldnen Leier in der Hand
+Trat eine Frau durchs staunende Gewühl.
+Das Kleid von weißer Unschuldfarbe floß
+Hernieder zu den lichtversagten Knöcheln,
+Ein Bach der über Blumenhügel strömt.
+Der Saum, von grünen Palm- und Lorbeerzweigen,
+Sprach, Ruhm und Frieden sinnig zart bezeichnend,
+Aus, was der Dichter braucht und was ihn lohnt.
+Wie rote Morgenwolken um die Sonne
+Floß rings ein Purpurmantel um sie her
+Und durch der Locken rabenschwarze Nacht
+Erglänzt, ein Mond, das helle Diadem,
+Der Herrschaft weithinleuchtend, hohes Zeichen--
+Da rief's in mir: Die ist es; und du warst's.
+Eh' die Vermutung ich noch ausgesprochen
+Rief tausendstimmig mir des Volkes Jubel
+Bestätigung der süßen Ahnung zu.
+Wie du nun sangst, wie du nun siegtest, wie,
+Geschmückt mit der Vollendung hoher Krone,
+Nun in des Siegs Begeisterung die Leier
+Der Hand entfällt, ich durch das Volk mich stürze
+Und von dem Blick der Siegerin getroffen
+Der blöde Jüngling schamentgeistert steht;
+Das weißt du, Hohe, besser ja als ich,
+Der ich, kaum halb erwacht, noch sinnend forsche,
+Wieviel davon geschehn, wieviel ich nur geträumt.
+
+Sappho.
+Wohl weiß ich's, wie du stumm und schüchtern standst.
+Das ganze Leben schien im Auge nur zu wohnen,
+Das sparsam aufgehoben von dem Grund
+Den nicht verlöschten Funken laut genug bezeugte.
+Ich hieß dich folgen und du folgtest mir
+In ungewisses Staunen tief versenkt.
+
+Phaon.
+Wer glaubte auch, daß Hellas' erste Frau
+Auf Hellas' letzten Jüngling würde schauen!
+
+Sappho.
+Dem Schicksal tust du Unrecht und dir selbst!
+Verachte nicht der Götter goldne Gaben,
+Die sie bei der Geburt dem Kinde, das
+Zum Vollgenuß des Lebens sie bestimmt,
+Auf Wang' und Stirn, in Herz und Busen gießen!
+Gar sichre Stützen sind's, an die das Dasein
+Die leichtzerrißnen Fäden knüpfen mag.
+Des Leibes Schönheit ist ein schönes Gut
+Und Lebenslust ein köstlicher Gewinn,
+Der kühne Mut, der Weltgebieter Stärke,
+Entschlossenheit und Lust an dem was ist,
+Und Phantasie, hold dienend wie sie soll,
+Sie schmücken dieses Lebens rauhe Pfade
+Und leben ist ja doch des Lebens höchstes Ziel!
+Umsonst nicht hat zum Schmuck der Musen Chor
+Den unfruchtbaren Lorbeer sich erwählt,
+Kalt, frucht- und duftlos drücket er das Haupt
+Dem er Ersatz versprach für manches Opfer.
+Gar ängstlich steht sich's auf der Menschheit Höhn
+Und ewig ist die arme Kunst gezwungen,
+(Mit ausgebreiteten Armen gegen Phaon.)
+Zu betteln von des Lebens Überfluß.
+
+Phaon.
+Was kannst du sagen, holde Zauberin,
+Das man für wahr nicht hielte, da du's sagst?
+
+Sappho.
+Laß uns denn trachten, mein geliebter Freund,
+Uns beider Kränze um die Stirn zu flechten,
+Das Leben aus der Künste Taumelkelch,
+Die Kunst zu schlürfen aus der Hand des Lebens.
+Sieh diese Gegend, die der Erde halb
+Und halb den Fluren die die Lethe küßt
+An einfach stillem Reiz scheint zu gehören;
+In diesen Grotten, diesen Rosenbüschen,
+In dieser Säulen freundlichen Umgebung,
+Hier wollen wir, gleich den Unsterblichen,
+Für die kein Hunger ist und keine Sättigung,
+Nur des Genusses ewig gleiche Lust,
+Des schönen Daseins uns vereint erfreun.
+Was mein ist, ist auch dein. Wenn du's gebrauchst,
+So machst du erst daß der Besitz mich freut.
+Sieh um dich her, du stehst in deinem Hause.
+Den Dienern zeig ich dich als ihren Herrn,
+Der Herrin Beispiel wird sie dienen lehren.
+Heraus ihr Mädchen! Sklaven! Hierher!
+
+Phaon.
+Sappho!
+Wie kann ich so viel Güte je bezahlen?
+Stets wachsend fast erdrückt mich meine Schuld!
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Eucharis. Melitta. Rhamnes. Diener und Dienerinnen. Vorige.
+
+
+Rhamnes.
+Du riefst, Gebieterin!
+
+Sappho.
+Ja, tretet näher!
+Hier sehet euern Herrn!
+
+Rhamnes (verwundert, halblaut).
+Herrn?
+
+Sappho.
+Wer spricht hier?
+(Gespannt.) Was willst du sagen?
+
+Rhamnes (zurücktretend).
+Nichts!
+
+Sappho.
+So sprich auch nicht!
+Ihr seht hier euern Herrn. Was er begehrt
+Ist euch Befehl nicht minder als mein eigner.
+Weh dem, der ungehorsam sich erzeigt,
+Den eine Wolke nur auf dieser Stirn
+Als Übertreter des Gebots verklagt!
+Vergehen gegen mich kann ich vergessen,
+Wer ihn beleidigt wecket meinen Zorn!--
+Und nun, mein Freund, vertrau dich ihrer Sorgfalt,
+Schwer liegt, ich seh's, der Reise Last auf dir.
+Laß sie des Gastrechts heilig Amt versehen,
+Genieße freundlich Sapphos erste Gabe!
+
+Phaon.
+O könnt' ich doch mein ganzes frühres Leben
+Umtauschend, wie die Kleider, von mir werfen,
+Besinnung mir und Klarheit mir gewinnen,
+Um ganz zu sein, was ich zu sein begehre!
+So lebe wohl! Auf lange, denk ich, nicht!
+
+Sappho.
+Ich harre dein. Leb wohl.--Du bleib Melitta!
+
+(Phaon und Diener ab.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Sappho. Melitta.
+
+
+Sappho (nachdem sie ihm lange nachgesehen).
+Melitta, nun?
+
+Melitta.
+Was, o Gebieterin?
+
+Sappho.
+So wallt denn nur in diesen Adern Blut,
+Und rinnend Eis stockt in der andern Herzen?
+Sie sahen ihn, sie hörten seine Stimme,
+Dieselbe Luft, die seine Stirn gefächelt,
+Hat ihre lebenleere Brust umwallt
+Und dumpf ist ein: was, o Gebieterin?
+Der erste Laut, der ihnen sich entpreßt.
+Fürwahr, dich hassen könnt' ich!--Geh!
+
+(Melitta geht schweigend.)
+
+Sappho (die sich unterdessen auf die Rasenbank geworfen).
+Melitta!
+Und weißt du mir so gar nichts denn zu sagen,
+Was mich erfreuen könnte, liebes Kind?
+Du sahst ihn doch, bemerktest du denn nichts,
+Was wert gesehn, erzählt zu werden wäre?
+Wo waren deine Augen, Mädchen?
+
+(Sie bei der Hand ergreifend und an ihre Knie ziehend.)
+
+Melitta.
+Du weißt wohl noch, was du uns öfters sagtest,
+Daß Jungfraun es in Fremder Gegenwart
+Nicht zieme frei die Blicke zu versenden.
+
+Sappho.
+Und armes Ding, du schlugst die Augen nieder?
+(Küßt sie.)
+Das also war's? Mein Kind die Lehre galt
+Nicht dir, den Altern nur, den minder Stillen!
+Dem Mädchen ziemt noch was der Jungfrau nicht.
+(Sie mit den Augen messend.)
+Doch sieh einmal; wie hast du dich verändert
+Seit ich dich hier verließ. Ich kenne dich nicht mehr.
+Um so viel größer und--(Küßt sie wieder.) Du süßes Wesen!
+Du hattest recht, die Lehre galt auch dir!
+(Aufstehend.)
+Warum so stumm noch immer und so schüchtern?
+Du warst doch sonst nicht so. Was macht dich zagen?
+Nicht Sappho, die Gebietrin steht vor dir,
+Die Freundin Sappho spricht mit dir Melitta.
+Der Stolz, die Ehrbegier, des Zornes Stachel
+Und was sonst schlimm an deiner Freundin war
+Es ist mit ihr nach Hause nicht gekehret;
+Im Schoß der Fluten hab ich es versenkt,
+Als ich an seiner Seite sie durchschiffte.
+Das eben ist der Liebe Zaubermacht
+Daß sie veredelt, was ihr Hauch berührt,
+Der Sonne ähnlich deren goldner Strahl
+Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
+Hab ich dich je mit rascher Rede, je
+Mit bitterm Wort gekränkt, o so verzeih!
+In Zukunft wollen wir als traute Schwestern
+In seiner Nähe leben, gleichgepaart,
+Allein durch seine Liebe unterschieden.
+O ich will gut noch werden, fromm und gut!
+
+Melitta.
+Bist du's nicht jetzt, und warst du es nicht immer?
+
+Sappho.
+Ja gut, wie man so gut nennt, was nicht schlimm!
+Doch g'nügt so wenig für so hohen Lohn?
+Glaubst du er wird sich glücklich fühlen Mädchen?
+
+Melitta.
+Wer wär' es denn in deiner Nähe nicht!
+
+Sappho.
+Was kann ich Arme denn dem Teuern bieten?
+In seiner Jugend Fülle steht er da
+Geschmückt mit dieses Lebens schönsten Blüten.
+Der erst erwachte Sinn, mit frohem Staunen
+Die Zahl der eignen Kräfte überblickend,
+Spannt kühn die Flügel aus, und nach dem Höchsten
+Schießt gierig er den scharfen Adlerblick.
+Was schön nur ist und groß und hoch und würdig
+Sein ist's! Dem Kräftigen gehört die Welt!
+Und ich!--O ihr des Himmels Götter alle!
+O gebt mir wieder die entschwundne Zeit.
+Löscht aus in dieser Brust vergangner Leiden,
+Vergangner Freuden tiefgetretne Spur,
+Was ich gefühlt, gesagt, getan, gelitten
+Es sei nicht, selbst in der Erinnrung nicht.
+Laßt mich zurückekehren in die Zeit,
+Da ich noch scheu mit runden Kinderwangen,
+Ein unbestimmt Gefühl im schweren Busen,
+Die neue Welt mit neuem Sinn betrat,
+Da Ahnung noch, kein quälendes Erkennen
+In meiner Leier goldnen Saiten spielte,
+Da noch ein Zauberland mir Liebe war,
+Ein unbekanntes, fremdes Zauberland!
+(Sich an Melittens Busen lehnend.)
+
+Melitta.
+Was fehlt dir? Bist du krank, Gebieterin?
+
+Sappho.
+Da steh ich an dem Rand der weiten Kluft,
+Die zwischen ihm und mir verschlingend gähnt;
+Ich seh das goldne Land herüberwinken.
+Mein Aug' erreicht es, aber nicht mein Fuß.--
+
+Weh dem, den aus der Seinen stillem Kreise
+Des Ruhms, der Ehrsucht eitler Schatten lockt.
+Ein wildbewegtes Meer durchschiffet er
+Auf leichtgefügtem Kahn. Da grünt kein Baum,
+Da sprosset keine Saat und keine Blume,
+Ringsum die graue Unermeßlichkeit.
+Von ferne nur sieht er die heitre Küste
+Und mit der Wogen Brandung dumpf vermengt,
+Tönt ihm die Stimme seiner Lieben zu.
+Besinnt er endlich sich, und kehrt zurück,
+Und sucht der Heimat leichtverlaßne Fluren,
+Da ist kein Lenz mehr, ach, und keine Blume,
+(Den Kranz abnehmend und wehmütig betrachtend.)
+Nur dürre Blätter rauschen um ihn her!
+
+Melitta.
+Der schöne Kranz! Wie lohnt so hohe Zier
+Von Tausenden gesucht und nicht errungen!
+
+Sappho.
+Von Tausenden gesucht und nicht errungen!
+Nicht wahr Melitta? Nicht wahr liebes Mädchen?
+Von Tausenden gesucht und nicht errungen!
+(Den Kranz wieder aufsetzend.)
+Es schmähe nicht den Ruhm, wer ihn besitzt,
+Er ist kein leer-bedeutungsloser Schall,
+Mit Götterkraft erfüllet sein Berühren!
+Wohl mir, ich bin so arm nicht. Seinem Reichtum
+Kann gleichen Reichtum ich entgegensetzen,
+Der Gegenwart mir dargebotnem Kranz
+Die Blüten der Vergangenheit und Zukunft!
+Du staunst, Melitta, und verstehst mich nicht.
+Wohl dir! O lerne nimmer mich verstehen!
+
+Melitta.
+Zürnst du?
+
+Sappho.
+Nicht doch, nicht doch, mein liebes Kind!
+Geh zu den andern jetzt, und sag mir's an,
+Wenn dein Gebieter wünscht, mich zu empfangen.
+
+(Melitta ab.)
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Sappho (allein. Sie legt in Gedanken versunken die Stirn in die Hand,
+dann setzt sie sich auf die Rasenbank und nimmt die Leier in den Arm,
+das Folgende mit einzelnen Akkorden begleitend).
+
+
+Golden thronende Aphrodite,
+Listenersinnende Tochter des Zeus,
+Nicht mit Angst und Sorgen belaste,
+Hocherhabne dies pochende Herz!
+Sondern komm, wenn jemals dir lieblich
+Meiner Leier Saiten getönt,
+Deren Klängen du öfters lauschtest,
+Verlassend des Vaters goldenes Haus.
+
+Du bespanntest den schimmernden Wagen,
+Und deiner Sperlinge fröhliches Paar,
+Munter schwingend die schwärzlichen Flügel,
+Trug dich vom Himmel zur Erde herab.
+
+Und du kamst; mit lieblichem Lächeln,
+Göttliche! auf der unsterblichen Stirn,
+Fragtest du, was die Klagende quäle?
+Warum erschalle der Flehenden Ruf?
+
+Was das schwärmende Herz begehre?
+Wen sich sehne die klopfende Brust
+Sanft zu bestricken im Netz der Liebe?
+Wer ist's Sappho, der dich verletzt?
+
+Flieht er dich jetzt, bald wird er dir folgen,
+Verschmäht er Geschenke, er gibt sie noch selbst,
+Liebt er dich nicht, gar bald wird er lieben
+Folgsam gehorchend jeglichem Wink.
+
+Komm auch jetzt und löse den Kummer,
+Der mir lastend den Busen beengt,
+Hilf mir erringen nach was ich ringe,
+Sei mir Gefährtin im lieblichen Streit.
+(Sie lehnt matt das Haupt zurück.)
+
+
+Der Vorhang fällt.
+
+
+
+Zweiter Aufzug
+
+Freie Gegend wie im vorigen Aufzuge.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+
+Phaon (kommt).
+Wohl mir, hier ist es still. Des Gastmahls Jubel,
+Der Zimbelspieler Lärm, der Flöten Töne,
+Der losgelaßnen Freude lautes Regen,
+Es tönt nicht bis hier unter diese Bäume,
+Die leise flüsternd, wie besorgt zu stören,
+Zu einsamer Betrachtung freundlich laden.
+
+Wie hat sich alles denn in mir verändert,
+Seit ich der Eltern stilles Haus verließ
+Und meine Renner gen Olympia lenkte?
+Sonst konnt' ich wohl in heiterer Besinnung
+Verworrener Empfindung leise Fäden
+Mit scharfem Aug' verfolgen und entwirren
+Bis klar es als Erkennen vor mir lag.
+Doch jetzt, wie eine schwüle Sommernacht
+Liegt brütend, süß und peinigend zugleich
+Ein schwerer Nebel über meinen Sinnen,
+Den der Gedanken fernes Wetterleuchten,
+Jetzt hier, jetzt dort, und jetzt schon nicht mehr da,
+In quälender Verwirrung rasch durchzuckt.
+Ein Schleier deckt mir die Vergangenheit,
+Kaum kann ich heut des Gestern mich erinnern,
+Kaum in der jetzigen Stund' der erst geschiednen.
+Ich frage mich: warst du's denn wirklich selber,
+Der in Olympia stand an ihrer Seite,
+An ihrer Seite in des Siegs Triumph?
+War es dein Name, den des Volkes Jubel
+Vermischt mit ihrem in die Lüfte rief?
+Ja sagt mir alles und doch glaub ich's kaum.
+Was für ein ärmlich Wesen ist der Mensch,
+Wenn, was als Hoffnung seine Sinne weckte,
+Ihm als Erfüllung sie in Schlaf versenkt.
+Als ich sie noch nicht sah und kannte, nur
+Die Phantasie ihr schlechtgetroffnes Bild
+In graue Nebel noch verfließend malte,
+Da schien mir's leicht für einen Blick von ihr,
+Ein güt'ges Wort, das Leben hinzuwerfen;
+Und jetzt da sie nun mein ist, mir gehört,
+Da meiner Wünsche winterliche Raupen
+Als goldne Schmetterlinge mich umspielen,
+Jetzt frag ich noch und steh und sinn und zaudre!
+
+Weh ich vergesse hier mich selber noch
+Und sie und Eltern und--
+O meine Eltern!
+Muß ich erst jetzt, jetzt eurer mich erinnern!
+Konnt' ich so lang euch ohne Botschaft lassen?
+Vielleicht beweint ihr meinen Tod, vielleicht
+Gab des Gerüchtes Mund euch schon die Kunde,
+Daß euer Sohn, den ihr zu lieben nicht,
+Den ihr zum Kampfe nach Olympia sandtet,
+In Sapphos Arm--
+Wer wagt es sie zu schmähn!
+Der Frauen Zier, die Krone des Geschlechts!
+Mag auch des Neides Geifer sie bespritzen,
+Ich steh für sie, sei's gegen eine Welt!
+Und selbst mein Vater, sieht er sie nur erst,
+Gern legt er ab das alte Vorurteil,
+Das frecher Zitherspielerinnen Anblick
+Mit frommer Scheu ihm in die Brust geprägt.
+(In Gedanken versinkend.)
+Wer naht?--der laute Haufen dringt hierher.
+Wie widerlich!--Schnell fort!--Wohin?--Ah hier!
+(Geht in die Grotte.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Eucharis. Melitta. Sklavinnen mit Blumen und Kränzen.
+
+
+Eucharis (lärmend).
+Ihr Mädchen auf! Mehr Blumen bringt herbei!
+Zu ganzen Haufen Blumen. Schmückt das Haus
+Und Hof und Halle, Säule Tür und Schwelle,
+Ja selbst die Blumenbeete schmückt mit Blumen!
+Tut Würze zum Gewürz; denn heute feiert
+Das Fest der Liebe die Gebieterin.
+
+Mädchen (ihre Blumen vorweisend).
+Hier sieh!
+
+(Sie fangen an die Säulen und Bäume umher mit Kränzen und
+Blumenketten zu behängen.)
+
+Eucharis.
+Recht gut, recht gut! Doch du Melitta,
+Wo hast du Mädchen deine Blumen?
+
+Melitta (ihre leeren Hände betrachtend).
+Ich?
+
+Eucharis.
+Ja du!--Ei seht mir doch die Träumerin!
+Kommst du allein hierher mit leeren Händen?
+
+Melitta.
+Ich will wohl holen--
+
+Eucharis.
+Ich will holen, spricht sie
+Du kleine Heuchlerin bekenne nur
+Was hast du denn? Was war das heut bei Tisch,
+Daß die Gebieterin so oft nach dir
+Mit leisem Lächeln schlau hinüberblickte
+Und dann die Augen spottend niederschlug?
+Sooft sie's tat sah ich dich heiß erröten,
+Und mit dem Zittern peinlicher Verwirrung
+Des oftversehnen Dienstes dich vergessen.
+Und als sie nun dich ruft, den großen Becher
+Dem schönen Fremden zu kredenzen und
+Du scheu den Rand durch deine Lippen ziehst,
+Da rief sie plötzlich aus: Die Augen nieder!
+Und ach des großen Bechers halber Inhalt
+Ergoß mit eins sich auf den blanken Estrich.
+Da lachte Sappho selbst! Was war das alles?
+Bekenne nur, da hilft kein Leugnen, Mädchen.
+
+Melitta.
+O laßt mich!
+
+Eucharis.
+Nichts da, ohne Gnade Kind!
+Den Kopf empor, und alles frisch bekannt!
+O weh, da quillt wohl gar ein kleines Tränchen!--
+Du arges Ding! Ich sage ja nichts mehr!
+Doch weine nicht! Wenn du's so öfters treibst,
+So werd ich noch so böse--Weine nicht!--
+Sind eure Blumen alle? Nun so kommt,
+Wir wollen neue holen!--Setz dich hin,
+Hier sind noch Rosen, hilf uns Kränze winden.
+Sei fleißig Kind! Doch, hörst du? Weine nicht!
+
+(Mit den Mädchen ab.)
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Melitta (allein. Sie setzt sich auf die Rasenbank und beginnt einen
+Kranz zu flechten. Nach einer Weile schüttelt sie schmerzlich das
+Haupt, und legt das Angefangene neben sich hin).
+
+
+Es geht nicht!--Weh, der Kopf will mir zerspringen
+Und stürmisch pocht das Herz in meiner Brust!
+
+Da muß ich sitzen einsam und verlassen,
+Fern von der Eltern Herd im fremden Land,
+Und Sklavenketten drücken diese Hände,
+Die ich hinüberstrecke nach den Meinen.
+Weh mir, da sitz ich einsam und verlassen,
+Und niemand höret mich und achtet mein!
+
+Mit Tränen seh ich Freunde und Verwandte
+Den Busen drücken an verwandte Brust;
+Mir schlägt kein Busen hier in diesem Lande,
+Und meine Freunde wohnen weit von hier.
+Ich sehe Kinder um den Vater hüpfen,
+Die fromme Stirn, die heil'gen Locken küssen,
+Mein Vater lebt getrennt durch ferne Meere,
+Wo ihn nicht Gruß und Kuß des Kinds erreicht!
+Sie tun wohl hier so, als ob sie mich liebten,
+Und auch an sanften Worten fehlt es nicht,
+Doch ist es Liebe nicht, 's ist nur Erbarmen,
+Das auch der Sklavin milde Worte gönnt;
+Der Mund, der erst von Schmeicheln überflossen,
+Er füllt sich bald mit Hohn und bitterm Spott!
+
+Sie dürfen lieben, hassen, was sie wollen,
+Und was das Herz empfindet, spricht die Lippe aus,
+Sie zieret Gold und Purpur und Geschmeide,
+Nach ihnen wendet staunend sich der Blick;
+Der Sklavin Platz ist an dem niedern Herde,
+Da trifft kein Blick sie, ach und keine Frage,
+Kein Auge, kein Gedanke und kein Wunsch!--
+
+Ihr Götter, die ihr mich schon oft erhört,
+Mit reicher Hand Erfüllung mir gesendet,
+Wenn ich mit frommem Sinne zu euch flehte,
+O leiht auch diesmal mir ein gnädig Ohr!
+Führt gütig mich zurücke zu den Meinen,
+Daß ich an des Vertrauens weiche Brust,
+Die kummerheiße Stirne kühlend presse.
+Führt zu den Meinen mich, ach, oder nehmt mich
+Hinauf zu euch, zu euch!--zu euch!
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Phaon. Melitta.
+
+
+Phaon (der während des vorigen Selbstgespräches am
+Eingange der Grotte erschienen ist, sich aber lauschend
+zurückgezogen hat, tritt jetzt vor und legt Melitten von
+hinten die Hand auf die Schulter).
+So jung noch und so traurig, Mädchen?
+
+Melitta (zusammenschreckend).
+Ah!
+
+Phaon.
+Ich hörte dich erst zu den Göttern rufen
+Um eines Freundes Brust. Hier ist ein Freund!
+Es bindet gleicher Schmerz, wie gleiches Blut,
+Und Trauernde sind üb'rall sich verwandt.
+Auch ich vermisse ungern teure Eltern,
+Auch mich zieht's mächtig nach der Heimat zu;
+Komm laß uns tauschen, daß des einen Kummer
+Zum Balsam werde für des andern Brust.
+Du schweigst--Woher dies Mißtraun gutes Mädchen?
+Blick auf zu mir! Nicht schlimm bin ich gesinnt.
+(Er hebt ihr das Haupt am Kinne empor.)
+Ei sieh! Du bist wohl gar der kleine Mundschenk,
+Der statt des Gasts den blanken Estrich tränkte.
+Darum so bang? Nicht doch! Es hat der Unfall
+So mich als die Gebieterin belustigt.
+
+Melitta (die bei dem letzten Worte etwas zusammengefahren, schlägt nun
+die Augen empor und blickt ihn an, dann steht sie auf und will gehen).
+
+Phaon.
+Nicht wollt' ich dich beleidigen, mein Kind.
+Hat dieses sanfte Aug' so ernste Blicke?
+Du mußt mir Rede stehn, ich lass dich nicht!
+Schon unterm Mahle hab ich dich bemerkt,
+Die jungfräuliche Stille glänzte lieblich
+Durch all den wilden Taumel des Gelags.
+Wer bist du, und was hält dich hier zurück?
+Du warst nicht mit zu Tisch, ich sah dich dienen,
+Es schien der Sklavinnen Vertraulichkeit
+Gefährtin dich zu nennen und--
+
+Melitta.
+Ich bin's.
+(Wendet sich ab und will gehen.)
+
+Phaon (sie zurückhaltend).
+Nicht doch!
+
+Melitta.
+Was willst du von der Sklavin, Herr?
+Laß einer Sklavin Brust sie suchen und--
+(Tränen ersticken ihre Stimme.)
+Nehmt mich hinauf zu euch, zu euch, ihr Götter!
+
+Phaon (sie anfassend).
+Du bist bewegt, du zitterst, fasse dich!
+Es binden Sklavenfesseln nur die Hände,
+Der Sinn, er macht den Freien und den Knecht.
+Sei ruhig, Sappho ist ja gut und milde,
+Ein Wort von mir, und ohne Lösegeld
+Gibt sie den Deinen dich, dem Vater wieder.
+
+Melitta (schüttelt schweigend das Haupt).
+
+Phaon.
+Glaub mir, sie wird's gewiß! Wie, oder ist
+Die heiße Sehnsucht nach dem Vaterlande,
+Die erst dich so ergriff, so schnell verschwunden?
+
+Melitta.
+Ach sag mir erst, wo ist mein Vaterland?
+
+Phaon.
+Du kennst es nicht?
+
+Melitta.
+In zarter Kindheit schon
+Ward ich entrissen seiner treuen Hut,
+Nur seine Blumen, seine Täler hat
+Behalten das Gedächtnis, nicht den Namen.
+Nur, glaub ich, lag es wo die Sonne herkommt,
+Denn dort war alles gar so licht und hell.
+
+Phaon.
+So ist es weit von hier?
+
+Melitta.
+O weit, sehr weit!
+Von andern Bäumen war ich dort umgeben
+Und andre Blumen dufteten umher,
+In blauern Lüften glänzten schönre Sterne
+Und freundlich-gute Menschen wohnten dort.
+In vieler Kinder Mitte lebt' ich da,
+Ach, und ein Greis, mit weißen Silberlocken,
+Ich nannte Vater ihn, liebkoste mir,
+Dann noch ein andrer Mann, so schön und hold
+Mit braunem Haar und Aug', fast so wie--du--
+
+Phaon.
+Du schweigst? Der Mann?
+
+Melitta.
+Er auch--
+
+Phaon.
+Liebkoste dir, Nicht so?
+(Sie bei der Hand ergreifend.)
+
+Melitta (leise).
+Ich war ein Kind!
+
+Phaon.
+Ich weiß es wohl! Ein süßes, liebes, unbefangnes Kind!
+(Ihre Hand loslassend.)
+Nur weiter!
+
+Melitta.
+So ging alles schön und gut.
+Doch einst erwacht' ich nachts. Ein wild Geschrei
+Drang laut von allen Seiten in mein Ohr.
+Die Wärtrin naht, man rafft mich auf
+Und trägt mich in die wilde Nacht hinaus.
+Da sah ich ringsherum die Hütten flammen
+Und Männer fechten, Männer fliehn und fallen.
+Jetzt naht ein Wütrich, streckt die Hand nach mir,
+Nun war Geheul, Gejammer, Schlachtgeschrei;
+Ich fand mich erst auf einem Schiffe wieder,
+Das pfeilschnell durch die dunkeln Wogen glitt.
+Noch andre Mädchen, Kinder sah ich weinen,
+Doch immer kleiner ward der Armen Zahl
+Je weiter wir uns von der Heimat trennten,
+Gar viele Tag' und Nächte fuhren wir,
+Ja Monden wohl, zuletzt war ich allein
+Von all den Armen bei den wilden Männern.
+Da endlich trat uns Lesbos' Strand entgegen,
+Man schifft mich aus ans Land. Da sah mich Sappho,
+Da bot sie Geld, und ihre ward Melitta.
+
+Phaon.
+War denn dein Los so schwer in Sapphos Händen?
+
+Melitta.
+O nein. Sie nahm mich gütig, freundlich auf;
+Sie trocknete die Tränen mir vom Aug
+Und pflegte mein und lehrte mich voll Liebe,
+Denn wenn auch heftig manchmal, rasch und bitter,
+Doch gut ist Sappho, wahrlich lieb und gut.
+
+Phaon.
+Und doch kannst du die Heimat nicht vergessen.
+
+Melitta.
+Ach, ich vergaß sie leider nur zu bald,
+In Tanz und Spiel und bei des Hauses Pflichten
+Dacht' ich gar selten der verlaßnen Lieben.
+Nur manchmal wenn mich Schmerz und Kummer drückt,
+Dann schleicht die Sehnsucht mir ins bange Herz
+Und die Erinnerung mit schmerzlich süßer Hand
+Enthüllt die goldumflorte, lichte Ferne.
+Und so auch heut! Mir war so schwer und ängstlich,
+Ein jedes leisgesprochne Wort fiel schmerzend
+Hernieder wie auf fleischentblößte Fibern,
+Da--Doch jetzt ist es gut und ich bin froh.
+
+Man ruft drinnen.
+Melitta!
+
+Phaon.
+Horch, man ruft!
+
+Melitta.
+Man ruft?--Ich gehe.
+
+(sie liest den angefangenen Kranz und die Blumen auf.)
+
+Phaon.
+Was hast du hier?
+
+Melitta.
+Ei Blumen!
+
+Phaon.
+Und für wen?
+
+Melitta.
+Für dich!--Für dich und Sappho.
+
+Phaon.
+Bleib!
+
+Melitta.
+Man ruft!
+
+Phaon.
+Du sollst so finstern Blicks nicht von mir gehn!
+Zeig deine Blumen!
+
+Melitta.
+Hier!
+
+Phaon (eine Rose herausnehmend).
+Nimm diese Rose!
+(Er steckt sie ihr an den Busen.)
+Sie sei Erinnrung dir an diese Stunde,
+Erinnerung, daß nicht bloß in der Heimat
+Daß auch in fernem Land es--Freunde gibt.
+
+(Melitta, die bei seiner Berührung zusammengefahren, steht jetzt mit
+hoch klopfender Brust, beide Arme hinabhängend, mit gesenktem Haupt
+und Aug' unbeweglich da. Phaon hat sich einige Schritte entfernt und
+betrachtet sie von weitem.)
+
+Man ruft von innen.
+Melitta!
+
+Melitta.
+Riefst du mir?
+
+Phaon.
+Ich nicht!--Im Hause!
+
+Melitta (die Kränze, die ihr entfallen sind, zusammenraffend).
+Ich komme schon!
+
+Phaon.
+Bist du so karg, Melitta?
+Verdient denn meine Gabe kein Geschenk?
+
+Melitta.
+Ich, ein Geschenk? Was hätt' ich Arme wohl?
+
+Phaon.
+Gold schenkt die Eitelkeit, der rauhe Stolz,
+Die Freundschaft und die Liebe schenken Blumen.
+Hier hast du Blumen ja--
+
+Melitta (die Blumen von sich werfend).
+Wie? diese hier,
+Die jene wilden Mädchen dort gepflückt,
+Sie die bestimmt für--Nimmermehr!
+
+Phaon.
+Was sonst?
+
+Melitta.
+Daß sie doch diese Sträuche so geplündert!
+Da ist auch nirgends einer Blume Spur,
+(Am Rosenstrauche emporblickend.)
+An jenem Zweige hängt wohl eine Rose,
+Doch ist sie allzu hoch, ich reiche nicht!
+
+Phaon.
+Ich will dir helfen!
+
+Melitta.
+Ei, nicht doch!
+
+Phaon.
+Warum?
+So leicht geb ich nicht meinen Anspruch auf!
+
+Melitta (auf die Rasenbank steigend).
+So komm; ich beuge dir den Zweig!
+
+Phaon.
+Ganz recht!
+
+Melitta (auf den Zehen emporgehoben, den Zweig, an
+dessen äußerstem Ende die Rose hängt, herabbeugend).
+Reichst du?
+
+Phaon (der, ohne auf die Rose zu achten,
+nur Melitten betrachtet hat).
+Noch nicht!
+
+Melitta.
+Doch jetzt!--Weh mir, ich gleite! Ich falle!
+
+Phaon.
+Nein, ich halte dich!
+
+(Der Zweig ist ihren Händen emporschnellend entschlüpft, sie taumelt
+und sinkt in Phaons Arme, die er ihr geöffnet entgegenhält.)
+
+Melitta.
+O laß mich!
+
+Phaon (sie an sich haltend).
+Melitta!
+
+Melitta.
+Weh mir, laß mich! Ach!
+
+Phaon.
+Melitta!
+(Er drückt rasch einen Kuß auf ihre Lippen.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Sappho, einfach gekleidet, ohne Kranz und Leier. Vorige.
+
+
+Sappho (eintretend).
+Du läßt dich suchen, Freund!--Doch ha, was seh ich?
+
+Melitta.
+Horch, die Gebieterin?
+
+Phaon.
+Wie, Sappho hier? (Er läßt sie los.)
+
+(Pause.)
+
+Sappho.
+Melitta!
+
+Melitta.
+Hohe Frau!
+
+Sappho.
+Was suchst du hier?
+
+Melitta.
+Ich suchte Blumen.
+
+Sappho.
+Und nicht ohne Glück!
+
+Melitta.
+Die Rose hier--
+
+Sappho.
+Sie brennt auf deinen Lippen.
+
+Melitta.
+Sie hängt so hoch.
+
+Sappho.
+Vielleicht nicht hoch genug!
+Geh!
+
+Melitta.
+Soll ich etwa?--
+
+Sappho.
+Geh nur immer, geh!
+
+(Melitta ab.)
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Sappho. Phaon.
+
+
+Sappho (nach einer Pause).
+Phaon!
+
+Phaon.
+Sappho!
+
+Sappho.
+Du standst so früh
+Von unserm Mahle auf. Du wardst vermißt!
+
+Phaon.
+Den Becher lieb ich nicht, noch laute Freuden!
+
+Sappho.
+Nicht laute. Das scheint fast ein Vorwurf.
+
+Phaon.
+Wie?
+
+Sappho.
+Ich habe wohl gefehlt, daß ich die Feier
+Der Ankunft laut und rauschend angestellt!--
+
+Phaon.
+So war es nicht gemeint!
+
+Sappho.
+Das volle Herz
+Es sucht oft lauter Freude vollen Jubel,
+Um in der allgemeinen Lust Gewühl
+Recht unbemerkt, recht stille sich zu freun.
+
+Phaon.
+Ja, so!
+
+Sappho.
+Auch mußt' ich unsern guten Nachbarn
+Für ihre Liebe wohl mich dankbar zeigen,
+Das freut sich nur bei Wein! Du weißt es wohl!
+In Zukunft stört kein lästig Fest uns wieder
+Die Stille, die du mehr nicht liebst, als ich!
+
+Phaon.
+Ich danke dir.
+
+Sappho.
+Du gehst?
+
+Phaon.
+Willst du? Ich bleibe!
+
+Sappho.
+Zu gehn oder zu bleiben bist du Herr!
+
+Phaon.
+Du zürnest!
+
+Sappho (bewegt).
+Phaon!
+
+Phaon.
+Willst du etwas?
+
+Sappho.
+Nichts.--
+Doch eins! (Mit Überwindung.) Ich sah dich mit Melitten scherzen--
+
+Phaon.
+Melitta? Wer? Ei ja ganz recht! Nur weiter!
+
+Sappho.
+Es ist ein liebes Kind!
+
+Phaon.
+So scheint's, o ja!
+
+Sappho.
+Die Liebste mir von meinen Dienerinnen,
+Von meinen Kindern möcht ich sagen, denn
+Ich habe stets als Kinder sie geliebt.
+Wenn ich die Sklavenbande nicht zerreiße,
+So ist es nur, da die Natur uns süßre
+Versagt, um jene Eltern-, Heimatlosen
+Nicht vor der Zeit dem Aug' der Lehrerin,
+Der Mutter zarter Sorgfalt zu entziehn.
+So war ich's stets gewohnt, und in dem Kreise
+Von Mytilenes besten Bürgerinnen
+Ist manche die in freudiger Erinnrung
+Sich Sapphos Werk aus frühern Tagen nennt.
+
+Phaon.
+Recht schön, recht schön!
+
+Sappho.
+Von all den Mädchen
+Die je ein spielend Glück mir zugeführt,
+War keine teurer mir als sie, Melitta,
+Das liebe Mädchen mit dem stillen Sinn.
+Obschon nicht hohen Geists, von mäß'gen Gaben
+Und unbehilflich für der Künste Übung,
+War sie mir doch vor andern lieb und wert
+Durch anspruchsloses, fromm-bescheidnes Wesen,
+Durch jene liebevolle Innigkeit,
+Die langsam, gleich dem stillen Gartenwürmchen,
+Das Haus ist und Bewohnerin zugleich,
+Stets fertig bei dem leisesten Geräusche
+Erschreckt sich in sich selbst zurückzuziehn,
+Und um sich fühlend mit den weichen Fäden
+Nur zaudernd waget Fremdes zu berühren,
+Doch fest sich saugt, wenn es einmal ergriffen,
+Und sterbend das Ergriffne nur verläßt.
+
+Phaon.
+Recht schön, fürwahr, recht schön!
+
+Sappho.
+Ich wünschte nicht,
+Verzeih mein teurer Freund! ich wünschte nicht,
+Daß je ein unbedachtsam flücht'ger Scherz
+In dieses Mädchens Busen Wünsche weckte
+Die unerfüllt mit bitterm Stachel martern,
+Ersparen möcht ich gern ihr die Erfahrung,
+Wie ungestillte Sehnsucht sich verzehret,
+Und wie verschmähte Liebe nagend quält.
+Mein Freund!--
+
+Phaon.
+Wie sagtest du?
+
+Sappho.
+Du hörst mich nicht!
+
+Phaon.
+Ich höre: Liebe quält!
+
+Sappho.
+Wohl quält sie!
+Mein Freund, du bist jetzt nicht gestimmt, wir wollen
+Ein andermal noch diesen Punkt besprechen!
+
+Phaon.
+Ganz recht, ein andermal!
+
+Sappho.
+Für jetzt, leb wohl!
+Ich pflege diese Stunde sonst den Musen
+In jener stillen Grotte dort zu weihn.
+Hoff ich gleich nicht die Musen heut zu finden,
+So ist doch mind'stens Stille mir gewiß
+Und ich bedarf sie. Leb indessen wohl!
+
+Phaon.
+So gehst du also?
+
+Sappho.
+Wünschest du--
+
+Phaon.
+Leb wohl!
+
+Sappho (sich rasch umwendend).
+Leb wohl! (Ab in die Höhle.)
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+
+Phaon (allein, nachdem er eine Weile starr vor sich hingesehen).
+Und hast du wirklich?--(Sich umsehend.) Sie ist fort!--
+Ich bin verwirrt, mein Kopf ist wüst und schwer!
+(Auf die Rasenbank blickend.)
+Hier saß sie, hier, das heiter blühnde Kind, (Setzt sich.)
+Hierher will ich mein Haupt zur Ruhe legen!
+(Legt ermattet den Kopf in die Hand.)
+
+(Der Vorhang fällt.)
+
+
+
+Dritter Aufzug
+
+Gegend wie in den vorigen Aufzügen. Phaon liegt schlummernd auf der
+Rasenbank.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+
+Sappho (kömmt aus der Grotte).
+Es ist umsonst! Weit schwärmen die Gedanken
+Und kehren ohne Ladung mir zurück!
+Was ich auch tue, was ich auch beginne,
+Doch steht mir jenes tiefverhaßte Bild,
+Dem ich entfliehen möchte, wär' es auch
+Weit über dieser Erde dunkle Grenzen,
+Mit frischen Farben vor der heißen Stirn!
+Wie er sie hielt! Wie sie sein Arm umschlang!
+Und nun, dem Drange weichend hingegeben
+Auf seinen Mund sie--fort! ich will's nicht denken!
+Schon der Gedanke tötet tausendfach!--
+
+Doch bin ich denn nicht töricht mich zu quälen
+Und zu beklagen was wohl gar nicht ist.
+Wer weiß welch leichtverwischter, flücht'ger Eindruck,
+Welch launenvolles Nichts ihn an sie zog,
+Das, schnell entschwunden so wie schnell geboren,
+Der Vorwurf wie der Vorsatz nicht erreicht?
+Wer heißt den Maßstab denn für sein Gefühl
+In dieser tiefbewegten Brust mich suchen?
+
+Nach Frauenglut mißt Männerliebe nicht
+Wer Liebe kennt und Leben, Mann und Frau!
+Gar wechselnd ist des Mannes rascher Sinn,
+Dem Leben untertan, dem wechselnden.
+Frei tritt er in des Daseins offne Bahn,
+Vom Morgenrot der Hoffnung rings umflossen,
+Mit Mut und Stärke wie mit Schild und Schwert
+Zum ruhmbekränzten Kampfe ausgerüstet.
+Zu eng dünkt ihm des Innern stille Welt,
+Nach außen geht sein rastlos wildes Streben,
+Und findet er die Lieb', bückt er sich wohl,
+Das holde Blümchen von dem Grund zu lesen,
+Besieht es, freut sich sein und steckt's dann kalt
+Zu andern Siegeszeichen auf den Helm.
+Er kennet nicht die stille, mächt'ge Glut
+Die Liebe weckt in eines Weibes Busen!
+Wie all ihr Sein, ihr Denken und Begehren,
+Um diesen einz'gen Punkt sich einzig dreht,
+Wie alle Wünsche, jungen Vögeln gleich,
+Die angstvoll ihrer Mutter Nest umflattern,
+Die Liebe, ihre Wiege und ihr Grab
+Mit furchtsamer Beklemmung schüchtern hüten;
+Das ganze Leben als ein Edelstein
+Am Halse hängt der neugebornen Liebe!
+Er liebt, allein in seinem weiten Busen
+Ist noch für andres Raum als bloß für Liebe!
+Und manches was dem Weibe Frevel dünkt
+Erlaubt er sich als Scherz und freie Lust.
+Ein Kuß, wo er ihm immer auch begegnet,
+Stets glaubt er sich berechtigt ihn zu nehmen.
+Wohl schlimm, daß es so ist, doch ist es so!
+(Sich umwendend und Phaon erblickend.)
+Ha sieh dort in des Rosenbusches Schatten--
+Er ist es, ja, der liebliche Verräter!
+Er schläft, und Ruh' und stille Heiterkeit
+Hat weich auf seine Stirne sich gelagert.
+So atmet nur der Unschuld frommer Schlummer,
+So hebt sich nur die unbeladne Brust.
+Ja Teurer, deinem Schlummer will ich glauben,
+Was auch dein Wachen Schlimmes mir erzählt.
+Verzeihe wenn im ersten Augenblicke,
+Geliebter mit Verdacht ich dich gekränkt,
+Wenn ich geglaubt, es könne niedre Falschheit,
+Den Eingang finden in so reinen Tempel!
+Er lächelt,--seine Lippen öffnen sich--
+Ein Name scheint in ihrem Hauch zu schweben.
+Wach auf, und nenne wachend deine Sappho,
+Die dich umschlingt. Wach auf!
+(Sie küßt ihn auf die Stirne.)
+
+Phaon (erwacht, öffnet die Arme und spricht mit halbgeschloßnen Augen).
+Melitta!
+
+Sappho (zurückstürzend).
+Ha!
+
+Phaon.
+Ah! Wer hat mich geweckt? Wer scheuchte neidisch
+Des süßen Traumes Bilder von der Stirn?
+Du Sappho? Sei gegrüßt! Ich wußt' es wohl
+Daß Holdes mir zur Seite stand, darum
+War auch so hold des Traumes Angesicht!
+Du bist so trüb! Was fehlt dir? Ich bin froh!
+Was mir den Busen ängstigend belastet
+Fast wunderähnlich ist's von mir gesunken,
+Ich atme wieder unbeklemmt und frei.
+Und gleich dem Armen, den ein jäher Sturz
+Ins dunkle Reich der See hinabgeschleudert
+Wo Grausen herrscht und ängstlich dumpfes Bangen,
+Wenn ihn empor nun hebt der Wellen Arm
+Und jetzt das heitre, goldne Sonnenlicht,
+Der Kuß der Luft, des Klanges freud'ge Stimme
+Mit einem Mal um seine Sinne spielen:
+So steh ich freudetrunken, glücklich, selig,
+Und wünsche mir erliegend all der Wonne
+Mehr Sinne oder weniger Genuß!
+
+Sappho (vor sich hin).
+Melitta!
+
+Phaon.
+Fröhlich, Liebe, sei und heiter!
+Es ist so schön hier, o so himmlisch schön.
+Mit weichen Flügeln senkt der Sommerabend
+Sich hold ermattet auf die stille Flur,
+Die See steigt liebedürstend auf und nieder,
+Den Herrn des Tages bräutlich zu empfangen,
+Der schon dem Westen zu die Rosse lenkt,
+Ein leiser Hauch spielt in den schlanken Pappeln,
+Die kosend mit den jungfräulichen Säulen
+Der Liebe leisen Gruß herüberlispeln!
+Zu sagen scheinen: Seht wir lieben! Ahmt uns nach!
+
+Sappho (für sich ).
+Fast will's von neuem mir die Brust beschleichen,
+Doch nein! zu tief hab ich sein Herz erkannt!
+
+Phaon.
+Der Fiebertaumel ist mit eins verschwunden,
+Der mich ergriffen seit so langer Zeit.
+Und glaube mir, ich war dir nie so gut,
+So wahrhaft, Sappho, gut, als eben jetzt.
+Komm laß uns froh sein, Sappho, froh und heiter!--
+Doch sprich, was hältst du wohl von Träumen Sappho?
+
+Sappho.
+Sie lügen, und ich hasse Lügner!
+
+Phaon.
+Sieh
+Da hatt' ich eben als ich vorhin schlief
+Gar einen seltsam wunderlichen Traum.
+Ich fand mich nach Olympia versetzt,
+Gerade so wie damals, als ich dich
+Zuerst beim frohen Kampfspiel dort gesehn.
+Ich stand im Kreis des fröhlich lauten Volks,
+Um mich der Wagen und des Kampfs Getöse.
+Da klingt ein Saitenspiel und alles schweigt.
+Du warst's, du sangst der goldnen Liebe Freuden
+Und tief im Innersten ward ich bewegt.
+Ich stürze auf dich zu, da--denke doch!
+Da kenn ich dich mit einem Mal nicht mehr.
+Noch stand sie da die vorige Gestalt,
+Der Purpur floß um ihre runden Schultern,
+Die Leier klang noch in der weißen Hand;
+Allein das Antlitz wechselt schnell verfließend
+Wie Nebel, die die blauen Höhn umziehn.
+Der Lorbeerkranz, er war mit eins verschwunden,
+Der Ernst verschwunden von der hohen Stirn,
+Die Lippen, die erst Götterlieder tönten,
+Sie lächelten mit irdisch-holdem Lächeln,
+Das Antlitz, einer Pallas abgestohlen,
+Verkehrt sich in ein Kindesangesicht
+Und kurz, du bist's und bist es nicht, es scheint
+Mir Sappho bald zu sein und bald--
+
+Sappho (schreiend).
+Melitta!
+
+Phaon.
+Fast hast du mich erschreckt! Wer sagte dir
+Daß sie es war? Ich wußt' es selber kaum!--
+Du bist bewegt und ich--
+
+Sappho (winkt ihm mit der Hand Entfernung zu).
+
+Phaon.
+Wie? gehen soll ich?
+Nur eines laß mich Sappho dir noch sagen--
+
+Sappho (winkt noch einmal).
+
+Phaon.
+Du willst nicht hören, ich soll gehn? Ich gehe! (Ab.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+
+Sappho (allein, nach einer Pause).
+Der Bogen klang,
+(Die Hände über der Brust zusammenschlagend.)
+es sitzt der Pfeil!--
+Wer zweifelt länger noch? Klar ist es, klar!
+Sie lebt in seinem schwurvergeßnen Herzen,
+Sie schwebt vor seiner schamentblößten Stirn,
+In ihre Hülle kleiden sich die Träume,
+Die schmeichelnd sich des Falschen Lager nahn.
+Sappho verschmäht um ihrer Sklavin willen!
+Verschmähet? wer? Beim Himmel und von wem?
+Bin ich dieselbe Sappho denn nicht mehr,
+Die Könige zu ihren Füßen sah,
+Und spielend mit der dargebotnen Krone,
+Die Stolzen sah und hörte und entließ!
+Dieselbe Sappho, die ganz Griechenland
+Mit lautem Jubel als sein Kleinod grüßte?
+O Törin! Warum stieg ich von den Höhn,
+Die Lorbeer krönt, wo Aganippe rauscht,
+Mit Sternenklang sich Musenchöre gatten,
+Hernieder in das engbegrenzte Tal
+Wo Armut herrscht und Treubruch und Verbrechen?
+Dort oben war mein Platz, dort an den Wolken,
+Hier ist kein Ort für mich, als nur das Grab.
+Wen Götter sich zum Eigentum erlesen,
+Geselle sich zu Erdenbürgern nicht,
+Der Menschen und der Überird'schen Los
+Es mischt sich nimmer in demselben Becher,
+Von beiden Welten eine mußt du wählen,
+Hast du gewählt, dann ist kein Rücktritt mehr!
+Ein Biß nur in des Ruhmes goldne Frucht,
+Proserpinens Granatenkernen gleich,
+Reiht dich auf ewig zu den stillen Schatten
+Und den Lebendigen gehörst du nimmer an.
+Mag auch das Leben noch so lieblich blinken,
+Mit holden Schmeichellauten zu dir tönen,
+Als Freundschaft und als Liebe an dich locken:
+Halt ein Unsel'ger! Rosen willst du brechen
+Und drückst dafür dir Dornen in die Brust!--
+
+Ich will sie sehn die wundervolle Schönheit,
+Die solchen Siegs sich über Sappho freut!
+Was soll ich glauben? Lügt denn mein Gedächtnis,
+Das, wenn ich's frage, mir ein albern Kind
+Mit blöden Mienen vor die Sinne bringt.
+Mit Augen, die den Boden ewig suchen,
+Mit Lippen, die von Kinderpossen tönen,
+Und leer der Busen, dessen arme Wellen
+Nur Lust zu spielen noch und Furcht vor Strafe
+Aus ihrer dumpfen Ruhe manchmal weckt.
+Wie? oder meinem Aug entging wohl jener Reiz
+Der ihn so mächtig zieht in ihre Nähe?--
+Melitta!--Ja, ich will sie sehn!--Melitta!--
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Eucharis. Sappho.
+
+
+Eucharis.
+Befiehlst du hohe Frau?
+
+Sappho.
+Melitten rief ich.
+Wo ist sie?
+
+Eucharis.
+Wo? auf ihrer Kammer, denk ich.
+
+Sappho.
+Sucht sie die Einsamkeit!--Was macht sie dort?
+
+Eucharis.
+Ich weiß nicht. Aber seltsam ist ihr Wesen,
+Und fremd ihr Treiben schon den ganzen Tag.
+Des Morgens war sie still und stets in Tränen,
+Doch kurz nur erst traf ich sie heitern Blicks,
+Mit Linnen ganz beladen und mit Tüchern,
+Wie sie hinabging zu dem klaren Bache,
+Der kühl das Myrtenwäldchen dort durchströmt!
+
+Sappho.
+Sie freut sich ihres Siegs! Nur weiter, weiter!
+
+Eucharis.
+Neugierig zu erfahren was sie suche,
+Schlich leis ich ihr ins stille Wäldchen nach.
+Da fand ich sie--
+
+Sappho.
+Mit ihm?
+
+Eucharis.
+Mit wem?
+
+Sappho.
+Nur weiter!
+
+Eucharis.
+Ich fand sie dort im klaren Wasser stehn.
+Die Kleider lagen ringsumher am Ufer
+Und hoch geschürzt--sie dachte keines Lauschers--
+Wusch, mit den kleinen Händen Wasser schöpfend,
+Sie sorgsam reibend Arme und Gesicht,
+Die von dem Schein der Sonne durch die Blätter,
+Von ihrem Eifer und der rauhen Weise,
+Mit der die Kleine eilig rasch verfuhr,
+In hellem Purpur feurig glühten.
+Wie sie da stand, für eine ihrer Nymphen,
+Der jüngsten eine, hätte sie Diana--
+
+Sappho.
+Erzählung wollt' ich hören, und nicht Lob!
+
+Eucharis.
+Als nun des Bades langes Werk vollbracht,
+Getrocknet Angesicht und Brust und Wange,
+Ging fröhlich singend sie ins Haus zurück,
+Also vertieft und so in sich verloren,
+Daß sie der Blätter, die ich aus dem Dickicht
+Nach ihr warf, sie zu schrecken, nicht gewahrte.
+Hier angelangt trat sie in ihre Kammer,
+Schloß ab, und was sie schafft das weiß ich nicht.
+Nur hört' ich sie in Schränken emsig suchen,
+Dazwischen tönte heiterer Gesang!
+
+Sappho.
+Sie singt und Sappho--nein, ich weine nicht!
+Bring sie zu mir!
+
+Eucharis.
+Melitten?
+
+Sappho.
+Ja, wen sonst?--
+Melitten!--Ach ein süßer, weicher Name,
+Ein ohrbezaubernd liebevoller Name!
+Melitta--Sappho!--Geh bring sie zu mir!
+
+(Eucharis ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+
+Sappho (allein. Sie setzt sich auf die Rasenbank und stützt das Haupt
+in die Hand. Pause).
+Ich kann nicht! Weh!--Umsonst ruf ich den Stolz,
+An seiner Statt antwortet mir die Liebe.
+(Sinkt in die vorige Stellung zurück.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Melitta. Sappho.
+
+
+Melitta (kommt, einfach aber mit Sorgfalt gekleidet, Rosen am Busen
+und in den Haaren. Sie bleibt am Eingange stehen, tritt aber, da
+Sappho sich nicht regt, näher hinzu).
+Hier bin ich.
+
+Sappho (sich schnell umkehrend und zurückfahrend).
+Ah!--Beim Himmel sie ist schön!
+
+(Wirft das Gesicht in beide Hände verhüllt auf die Rasenbank. Pause.)
+
+Melitta.
+Du riefst nach mir!
+
+Sappho.
+Wie hat sie sich geschmückt,
+Die Falsche! ihrem Buhlen zu gefallen!--
+Mit Müh' gebiet ich meinem innern Zorn!--
+Welch Fest hat heut so festlich dich geschmückt?
+
+Melitta.
+Ein Fest?
+
+Sappho.
+Wozu dann dieser Putz? die Blumen?
+
+Melitta.
+Du hast wohl oft geschmält, daß ich die Kleider,
+Mit denen du so reichlich mich beschenkst,
+So selten trage, stets auf andre Zeit,
+Auf frohe Tage geizig sie versparend.
+Das fiel mir heute ein, und weil nun eben
+Gerade heute so ein froher Tag,
+So ging ich hin und schmückte mich ein wenig!
+
+Sappho.
+Ein froher Tag? Nicht weiß ich es, warum?
+
+Melitta.
+Warum?--Ei nu, daß du zurückgekehrt,
+Daß du--ich weiß nicht recht, doch fröhlich bin ich.
+
+Sappho.
+Ha Falsche!
+
+Melitta.
+Was sagst du?
+
+Sappho (sich fassend).
+Melitta komm,
+Wir wollen ruhig miteinander sprechen.
+Wie alt bist du?
+
+Melitta.
+Du weißt wohl selbst, o Sappho,
+Welch trauriges Geschick der Kindheit Jahre
+Mir unterbrach. Es hat sie keine Mutter
+Mit sorglicher Genauigkeit gezählt,
+Doch glaub ich, es sind sechzehn!
+
+Sappho.
+Nein, du lügst!
+
+Melitta.
+Ich?
+
+Sappho.
+Sprichst nicht Wahrheit!
+
+Melitta.
+Immer, hohe Frau!
+
+Sappho.
+Du zählst kaum fünfzehn!
+
+Melitta.
+Leicht mag es so sein!
+
+Sappho.
+So jung an Jahren und sie sollte schon
+So reif sein im Betrug? Es kann nicht sein,
+So sehr nicht widerspricht sich die Natur!
+Unmöglich, nein! ich glaub es nicht!--Melitta,
+Erinnerst du dich noch des Tages, da
+Vor dreizehn Jahren man dich zu mir brachte?
+Es hatten wilde Männer dich geraubt.
+Du weintest, jammertest in lauten Klagen,
+Mich dauerte der heimatlosen Kleinen,
+Ihr Flehen rührte mich, ich bot den Preis
+Und schloß dich, selber noch ein kindlich Wesen,
+Mit heißer Liebe an die junge Brust.
+Man will dich trennen, doch du wichest nicht,
+Umfaßtest mit den Händen meinen Nacken,
+Bis sie der Schlaf, der tröstungsreiche, löste.
+Erinnerst du dich jenes Tages noch?
+
+Melitta.
+O könnt' ich jemals, jemals ihn vergessen!
+
+Sappho.
+Als bald darauf des Fiebers Schlangenringe
+Giftatmend dich umwanden, o Melitta,
+Wer war's, der da die langen Nächte wachte,
+Sein Haupt zum Kissen machte für das deine,
+Sein selbst vergessend mit dem Tode rang
+Den vielgeliebten Raub ihm abzuringen
+Und ihn errang, in Angst und Qual errang!
+
+Melitta.
+Du warst's, o Sappho! Was besäß' ich denn,
+Das ich nicht dir, nicht deiner Milde dankte?
+
+Sappho.
+Nicht so, hierher an meine Brust, hierher!
+Ich wußt' es wohl du kannst mich nicht betrüben,
+Mit Willen mich, mit Vorsatz nicht betrüben!
+Laß unsre Herzen aneinanderschlagen,
+Das Auge sich ins Schwesteraug versenken,
+Die Worte mit dem Atem uns vermischen,
+Daß das getäuschte Ohr, die gleichgestimmte Brust,
+Von der Gesinnung Einklang süß betrogen,
+In jedem Laut des lieblichen Gemisches
+Sein Selbst erkenne, aber nicht sein Wort.
+
+Melitta.
+O Sappho!
+
+Sappho.
+Ja, ich täuschte mich. Nicht wahr?
+
+Melitta.
+Worin?
+
+Sappho.
+Wie könntest du? Du kannst nicht! Nein!
+
+Melitta.
+Was o Gebieterin?
+
+Sappho.
+Du könntest--Geh!
+Leg diese eiteln Kleider erst von dir,
+Ich kann dich so nicht sehn! Geh! Andre Kleider!
+Der bunte Schmuck verletzt mein Auge! Fort!
+Einfach ging stets die einfache Melitta,
+So viele Hüllen deuten auf Verhülltes!
+Geh! Andre Kleider, sag ich dir! Nur fort!--
+Halt, wohin gehst du? Bleib! Sieh mir ins Auge!
+Warum den Blick zu Boden? Fürchtest du
+Der Herrin Aug'? du bist so blöde nicht!
+Damals als Phaon--
+Ha! errötest du?
+Verräterin, du hast dich selbst verraten!
+Und leugnest du? Nicht deiner falschen Zunge,
+Dem Zeugnis dieser Wangen will ich glauben,
+Dem Widerschein der frevelhaften Flammen,
+Die tief dir brennen in der Heuchlerbrust!
+Unselige, das also war's, warum
+Du dich beim Mahle heut so seltsam zeigtest?
+Was ich als Zeichen nahm der blöden Scham
+Ein Fallstrick war's der list'gen Buhlerin,
+Die spinnenähnlich ihren Raub umgarnte;
+So jung noch und so schlau, so heiter blühend
+Und Gift und Moder in der argen Brust?
+Steh nicht so stumm! Soll dir's an Worten fehlen?
+Die Zunge, die so sticht, kann sie nicht zischen?
+Antworte mir!
+
+Melitta.
+Ich weiß nicht was du meinst.
+
+Sappho.
+Nicht? armes Kind! Nun Tränen! Weine nicht!
+Die Tränen sind des Schmerzes heilig Recht!
+Mit Worten sprich, sie sind ja längst entweiht,
+Doch brauche nicht der Unschuld stumme Sprache!
+So schön geschmückt, so bräutlich angetan!
+Fort diese Blumen, fort, sie taugen wenig
+Die schlechtversteckte Schlange zu verbergen!
+Herab die Rosen!
+
+Melitta (nimmt schweigend den Kranz ab).
+
+Sappho.
+Mir gib diesen Kranz,
+Bewahren will ich ihn dir zum Gedächtnis
+Und fallen frühverwelkt die Blätter ab,
+Gedenk ich deiner Treu und meines Glücks.
+Was schonest du die Rose an der Brust?
+Leg sie von dir!
+
+Melitta (tritt zurück).
+
+Sappho.
+Wohl gar ein Liebespfand?
+Fort damit!
+
+Melitta (beide Arme über die Brust schlagend und dadurch die Rose
+verhüllend).
+Nimmermehr!
+
+Sappho.
+Umsonst dein Sträuben!
+Die Rose!
+
+Melitta (die Hände fest auf die Brust gedrückt, vor ihr fliehend).
+Nimm mein Leben!
+
+Sappho.
+Falsche Schlange!
+Auch ich kann stechen! (Einen Dolch ziehend.) Mir die Rose!
+
+Melitta.
+Götter!
+So schützt denn ihr mich! Ihr, erhabne Götter!
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Phaon. Vorige.
+
+
+Phaon.
+Wer ruft hier?--du Melitta, fort den Dolch!
+
+(Pause.)
+
+Phaon.
+Was war hier? Sappho, du?
+
+Sappho.
+Frag diese hier!
+
+Phaon.
+Melitta, hättest du?--
+
+Melitta.
+Die Schuld ist mein,
+Ich sprach, wie es der Sklavin nicht geziemt!
+
+Sappho.
+Du sollst mit falscher Schuld dich nicht beladen,
+Zu drückend liegt die wahre schon auf dir.
+Weh mir, bedürft' ich jemals deiner Großmut!
+(Mit starkem Ton.)
+Die Rose von der Brust hab ich begehrt
+Und sie verschmähte zu gehorchen!--
+
+Phaon.
+Tat sie's?
+Bei allen Göttern sie hat recht getan,
+Und niemand soll der Blume sie berauben!
+Ich selber gab sie ihr, als Angedenken
+An eine schöne Stunde, als ein Zeichen,
+Daß nicht in jeder Brust das Mitgefühl
+Für unverdientes Unglück ist erloschen,
+Als einen Tropfen Honig in den Becher
+Den fremder Übermut ihr an die Lippen preßt,
+Als Bürgen meiner innern Überzeugung,
+Daß stiller Sinn des Weibes schönster Schmuck,
+Und daß der Unschuld heitrer Blumenkranz
+Mehr wert ist als des Ruhmes Lorbeerkronen.--
+Sie weint!--O weine nicht Melittion!
+Hast diese Tränen du auch mitbezahlt,
+Als du sie von dem Sklavenmäkler kauftest?
+Der Leib ist dein, komm her und töte sie,
+Doch keine Träne sollst du ihr erpressen!
+Schaust du mich mit den milden Augen an
+Um Mitleid flehend für die Mitleidlose?
+Du kennst sie nicht, du kennst die Stolze nicht!
+Schau hin, blinkt nicht ein Dolch in ihrer Hand
+Und noch zwei andre liegen tiefversteckt
+Dort unter den gesenkten Augenlidern?
+(Den Dolch aufraffend, der Sapphon entglitten ist.)
+Mir diesen Stahl! Ich will ihn tragen
+Hier auf der warmen, der betrognen Brust,
+Und wenn mir je ein Bild verfloßner Tage
+In süßer Wehmut vor die Seele tritt,
+Soll schnell ein Blick auf diesen Stahl mich heilen!
+
+Sappho (ihn starr anblickend).
+Phaon!
+
+Phaon.
+O höre nicht den süßen Ton,
+Er lockt dich schmeichelnd nur zu ihrem Dolch!
+Auch mir ist er erklungen! Lange schon
+Eh' ich sie sah, warf sie der Lieder Schlingen
+Von ferne leis verwirrend um mich her,
+An goldnen Fäden zog sie mich an sich
+Und mocht' ich ringen, enger stets und enger
+Umschlangen mich die leisen Zauberkreise.
+Als ich sie sah, da faßte wilder Taumel
+Den aufgeregten Sinn und willenlos
+Stürzt' ich gebunden zu der Stolzen Füßen.
+Dein Anblick erst gab mich mir selber wieder,
+Erbebend sah ich mich in Circes Hause
+Und fühlte meinen Nacken schon gekrümmt!
+Doch war ich nicht gelöst, sie selber mußte,
+Sie selber ihren eignen Zauber brechen!
+
+Sappho (noch immer starr nach ihm blickend).
+Phaon!
+
+Phaon.
+O hör sie nicht! Blick nicht nach ihr,
+Ihr Auge tötet so wie ihre Hand.
+
+Melitta.
+Sie weint!
+
+Phaon.
+Fort, weinend spinnt sie neuen Zauber!
+
+Melitta.
+Soll ich die Teure leidend vor mir sehn?
+
+Phaon.
+Auch mich ergreift sie, darum eilig fort!
+Eh' sie noch ihre Schlingen um dich wirft.
+(Er führt sie fort.)
+
+Melitta.
+Ich kann nicht!--Sappho!
+
+Sappho (mit aufgelöster Stimme).
+Melitta, rufst du mir?
+
+Melitta (umkehrend und ihre Knie umfassend).
+Ich bin es, Sappho! Hier die Rose nimm!
+Nimm sie! Mein Leben nimm! Wo ist dein Dolch?
+
+Phaon (herzueilend, die Rose die beide halten wegreißend und
+Melitten aufhebend).
+Dein ist sie, dein, kein Gott soll dir sie rauben!
+(Melitten fortziehend.)
+Komm! Schnell aus ihrer Nähe! Fort!
+(Führt sie ab.)
+
+Sappho (mit ausgestreckten Armen, verhallend).
+Phaon!
+
+Der Vorhang fällt.
+
+
+
+
+Vierter Aufzug
+
+Freie Gegend wie in den vorigen Aufzügen. Mondnacht.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+
+Sappho (kommt, in tiefe Gedanken versenkt.--Sie bleibt stehen.--Nach
+einer Pause).
+Bin ich denn noch, und ist denn etwas noch?
+Dies weite All, es stürzte nicht zusammen
+In jenem fürchterlichen Augenblick?
+Die Dunkelheit, die brütend mich umfängt,
+Es ist die Nacht und nicht das Grab!
+Man sagt ja doch, ein ungeheurer Schmerz,
+Er könne töten?--Ach, es ist nicht so!--
+
+Still ist es um mich her, die Lüfte schweigen,
+Des Lebens muntre Töne sind verstummt,
+Kein Laut schallt aus den unbewegten Blättern
+Und einsam wie ein spätverirrter Fremdling
+Geht meines Weinens Stimme durch die Nacht.
+
+Wer auch so schlafen könnte, wie die Vögel,
+Doch lang und länger, ohne zu erwachen;
+im Schoße eines festern, süßern Schlummers
+Wo alles, alles, selbst die Pulse schlafen,
+Kein Morgenstrahl zu neuen Qualen weckt,
+Kein Undankbarer--Halt!--Tritt nicht die Schlange!
+
+(Mit gedämpfter Stimme.)
+Der Mord ist wohl ein gräßliches Verbrechen
+Und Raub und Trug, und wie sie alle heißen,
+Die Häupter jener giftgeschwollnen Hyder,
+Die an des Abgrunds Flammenpfuhl erzeugt
+Mit ihrem Geifer diese Welt verpestet,
+Wohl gräßlich, schändlich, giftige Verbrechen!
+Doch kenn ich eins, vor dessen dunkelm Abstich
+Die andern alle lilienweiß erscheinen,
+Und Undank ist sein Nam'! Er übt allein
+Was alle andern einzeln nur verüben,
+Er lügt, er raubt, betrügt, schwört falsche Eide,
+Verrät und tötet! Undank! Undank! Undank!
+
+Beschützt mich Götter, schützt mich vor mir selber!
+Des Innern düstre Geister wachen auf
+Und rütteln an des Kerkers Eisenstäben!
+
+Ihn hatt' ich vom Geschicke mir erbeten,
+Von allen Sterblichen nur ihn allein,
+Ich wollt' ihn stellen auf der Menschheit Gipfel,
+Erheben hoch vor allen, die da sind,
+Und über Grab und Tod und Sterblichkeit
+Ihn tragen auf den Fittichen des Ruhms
+Hinüber in der Nachwelt lichte Fernen.
+Was ich vermag und kann und bin und heiße
+Als Kranz wollt' ich es winden um sein Haupt
+Ein mildes Wort statt allen Lohns begehrend
+Und er--lebt ihr denn noch, gerechte Götter?
+(wie von einem plötzlichen Gedanken durchzuckt.)
+Ihr lebet, ja!--von euch kam der Gedanke
+Der leuchtend sich vor meine Seele drängt.
+Laß mich dich fassen schneller Götterbote,
+Vernehmen deines Mundes flüchtig Wort!--
+Nach Chios sprichst du: soll Melitta hin,
+Nach Chios, dort getrennt von dem Verräter
+In Reue wenden ihr verlocktes Herz,
+Mit Liebesqual der Liebe Frevel büßen?
+So sei es, Rhamnes, Rhamnes, ja so sei's!
+Unsterbliche habt Dank für diesen Wink!
+Ich eile zu vollführen.
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Rhamnes. Sappho.
+
+
+Rhamnes.
+Was gebeutst du Herrin?
+
+Sappho.
+Sie ist mein Werk! Was wär' sie ohne mich?
+Und wer verwehrt dem Bildner wohl sein Recht
+Das zu zerstören was er selber schuf?
+Zerstören! Kann ich es? Weh mir, ihr Glück
+Es steht zu hoch für meine schwache Hand!
+Wenn ihr nach Chios seine Liebe folgt
+Ist sie am Sklavenherd nicht seliger
+Als ich im goldnen, liebeleeren Haus?
+Für das Geliebte leiden ist so süß
+Und Hoffnung und Erinnrung sind ja Rosen
+Von einem Stamme mit der Wirklichkeit
+Nur ohne Dornen! O verbannet mich
+Weit in des Meeres unbekannte Fernen
+Auf einen Fels, der schroff und unfruchtbar
+Die Wolken nur und Wellen Nachbar nennt
+Von jedem Pfad des Lebens rauh geschieden,
+Nur löschet aus dem Buche der Erinnrung
+Die letztentflohnen Stunden gütig aus;
+Laßt mir den Glauben nur an seine Liebe
+Und ich will preisen mein Geschick und fröhlich
+Die Einsamkeit, ach einsam nicht, bewohnen!
+Bei jedem Dorn, der meine Füße ritzte,
+In jeder Qual wollt' ich mir selber sagen:
+O wüßt' er es! und: o jetzt denkt er dein!
+Was gäb' er dich zu retten! Ach und Balsam
+Ergösse kühlend sich in jede Wunde!
+
+Rhamnes.
+Du hast gerufen, hocherhabne Frau!
+
+Sappho.
+O Phaon, Phaon! Was hab ich dir getan?--
+Ich stand so ruhig in der Dichtung Auen,
+Mit meinem goldnen Saitenspiel allein,
+Hernieder sah ich auf der Erde Freuden,
+Und ihre Leiden reichten nicht zu mir.
+Nach Stunden nicht, nach holden Blumen nur,
+Dem heitern Kranz der Dichtung eingewoben,
+Zählt' ich die Flucht der nimmerstillen Zeit.
+Was meinem Lied ich gab, gab es mir wieder
+Und ew'ge Jugend grünte mir ums Haupt.
+Da kommt der Rauhe und mit frechen Händen
+Reißt er den goldnen Schleier mir herab,
+Zieht mich hernieder in die öde Wüste
+Wo rings kein Fußtritt, rings kein Pfad,
+Und jetzt, da er der einz'ge Gegenstand
+Der in der Leere mir entgegenstrahlt,
+Entzieht er mir die Hand, ach und entflieht!
+
+Rhamnes.
+O Herrin magst du weilen so im Dunkeln
+Beim feuchten Hauch der Nacht, der Meeresluft?
+
+Sappho.
+Kennst du ein schwärzres Laster als den Undank?
+
+Rhamnes.
+Ich nicht!
+
+Sappho.
+Ein giftigers?
+
+Rhamnes.
+Nein wahrlich nicht!
+
+Sappho.
+Ein fluchenswürd'geres, ein strafenswerters?
+
+Rhamnes.
+Fürwahr mit Recht belastet's jeder Fluch!
+
+Sappho.
+Nicht wahr? Nicht wahr? Die andern Laster alle
+Hyänen, Löwen, Tiger, Wölfe sind's,
+Der Undank ist die Schlange! Nicht? Die Schlange!
+So schön, so glatt, so bunt, so giftig!--Oh!--
+
+Rhamnes.
+Komm mit hinein. Drin fühlst du dich wohl besser,
+Mit Sorgfalt ist das Haus dir ausgeschmückt
+Und Phaon wartet deiner in der Halle!
+
+Sappho.
+Wie, Phaon, harret meiner?
+
+Rhamnes.
+Ja, Gebietrin!
+Ich sah ihn sinnend auf und nieder schreiten.
+Bald stand er still, sprach leise vor sich hin,
+Trat dann ans Fenster, suchend durch die Nacht.
+
+Sappho.
+Er harret meiner? Lieber, sagt' er es
+Er harre meiner? Sapphos?
+
+Rhamnes.
+Das wohl nicht!
+Doch sah ich ihn erwartend, lauschend stehn
+Und wessen sollt' er harren?
+
+Sappho.
+Wessen? Wessen?
+Nicht Sapphos harrt er, doch er harrt umsonst!
+Rhamnes!
+
+Rhamnes.
+Gebieterin!
+
+Sappho.
+Du weißt zu Chios
+Wohnt, noch vom Vater her, ein Gastfreund mir!
+
+Rhamnes.
+Ich weiß es!
+
+Sappho.
+Löse schnell vom Strand den Nachen
+Der dort sich schaukelt in der nahen Bucht,
+Denn diese Nacht noch mußt du fort nach Chios!
+
+Rhamnes.
+Allein?
+
+Sappho.
+Nein!
+
+(Pause.)
+
+Rhamnes.
+Und wer folget mir dahin?
+
+Sappho.
+Was sagst du?
+
+Rhamnes.
+Wer nach Chios mit mir--?
+
+Sappho (ihn auf die andre Seite des Theaters führend).
+Komm!
+Vorsichtig sei und leise, hörst du mich?
+Geh in Melittens Kammer und gebeut ihr
+Hierher zu kommen, Sappho rufe sie.
+Doch still daß er dich nicht bemerke.
+
+Rhamnes.
+Wer?
+
+Sappho.
+Wer?--Phaon!--Folgt sie dir--
+(Einhaltend.)
+
+Rhamnes.
+Was dann?
+
+Sappho.
+Dann bringe
+Sie, sei's mit Güte, sei es mit Gewalt,
+Doch leise, in den losgebundnen Nachen
+Und fort nach Chios, auf der Stelle fort!
+
+Rhamnes.
+Und dort?
+
+Sappho.
+Dort übergibst du sie dem Gastfreund,
+Er soll sie hüten, bis ich sie verlange;
+Und streng--Nicht strenge mög' er sie mir halten,
+Sie ist ja doch gestraft genug! Hörst du?
+
+Rhamnes.
+Ich eile!
+
+Sappho.
+Zögre nicht!
+
+Rhamnes.
+Leb wohl o Sappho!
+Der Morgen findet uns schon fern von hier.
+Zufrieden sollst du sein mit deinem Diener! (Ab.)
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+
+Sappho (allein).
+Er geht!--Noch--Nein!--Ach die Gewohnheit ist
+Ein lästig Ding, selbst an Verhaßtes fesselt sie!
+(In Gedanken vertieft.)
+Horch--Tritte--Nein es war der Wind!--Wie bange
+Pocht mir das Herz in sturmbewegter Brust!
+Jetzt Stimmen--Ha sie kommt--Sie folgt so willig!--
+Sie ahnet nicht, daß sie zum letzten Male--
+Fort! Ich will sie nicht sehn!--Ich will, ich kann nicht!
+(Schnell ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Melitta. Rhamnes.
+
+
+Melitta.
+Hier sagtest du, sei die Gebieterin,
+Sie ist nicht da!
+
+Rhamnes (verlegen umherblickend).
+Nicht? Nein, fürwahr,--nicht da.
+Doch erst vor kurzem war sie hier!--So komm!
+
+Melitta.
+Wohin?
+
+Rhamnes.
+Sie mag wohl an der Meeresküste
+Hinaufgewandelt sein, dort an der Bucht!
+
+Melitta.
+Dorthin geht sie ja nie.
+
+Rhamnes.
+Vielleicht doch heute!
+
+Melitta.
+Und warum heute denn?
+
+Rhamnes.
+Warum?--je nu
+Weil--daß sie eben mir den Auftrag gab!
+Nicht ansehn kann ich sie. Was sag ich ihr?
+
+Melitta.
+Du bist so sonderbar! Du kehrst dich ab
+Und deine Augen wagen nicht, die Worte,
+Die du mir gibst, freiblickend zu bekräft'gen!
+Was hast du denn, daß du so bang und ängstlich?
+Sag mir, wo Sappho weilt, daß ich ihr nahe,
+Und weißt du's nicht, so laß mich gehn!
+
+Rhamnes.
+Halt da!
+Du darfst nicht fort!
+
+Melitta.
+Warum?
+
+Rhamnes.
+Du mußt mit mir!
+
+Melitta.
+Wohin?
+
+Rhamnes.
+Nach--Komm nur mit zur nahen Bucht,
+Du sollst schon sehn!
+
+Melitta.
+Ihr Götter, was soll das?
+
+Rhamnes.
+Komm Mädchen, Mitternacht ist bald vorüber.
+Die Stunde drängt! Mach fort!
+
+Melitta.
+Was hast du vor?
+Fort soll ich, fort!--An weitentlegne Küsten!
+
+Rhamnes.
+Sei ruhig Kind! An weitentlegne Küsten?
+Was fällt dir ein? Ist Chios denn so weit?
+
+Melitta.
+Nach Chios? Nimmermehr!
+
+Rhamnes.
+Du mußt wohl Kind!
+So will es die Gebietrin!
+
+Melitta.
+Sappho, sagst du?
+Fort hin zu ihr!
+
+Rhamnes.
+Nicht doch!
+
+Melitta.
+Zu ihren Füßen!
+Sie hör' und richte mich!
+
+Rhamnes.
+Nicht von der Stelle!
+
+Melitta.
+Wie Rhamnes du?
+
+Rhamnes.
+Ei was, ich kann nicht anders!
+Befohlen ward mir's so und ich gehorche.
+
+Melitta.
+Laß dich erbitten!
+
+Rhamnes.
+Ei was nützt es dir
+Wenn auch in meinen Augen Tränen blinken.
+Es muß doch einmal sein! Drum Kind, mach fort!
+
+Melitta.
+Hier lieg ich auf den Knien! Laß dich erflehn!
+--So ist denn niemand, der mich hört und rettet?
+
+Rhamnes.
+Umsonst! du rufst das Haus mir wach. Komm mit!
+
+Melitta.
+Nein nimmermehr! Erbarmt sich niemand meiner?
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Phaon. Vorige.
+
+
+Phaon.
+Das ist Melittens Stimme! Ha Verwegner,
+Wagst du's die Hand zu heben gegen sie?
+
+Rhamnes (läßt Melitten los).
+
+Phaon.
+So täuschte mich doch meine Ahnung nicht
+Als ich dich sah mit leisespähnden Blicken,
+Dem Wolfe gleich, in ihre Nähe schleichen.
+Doch hast du dich verrechnet grimmer Wolf,
+Es wacht der Hirt und dir naht das Verderben!
+
+Rhamnes.
+Herr, der Gebietrin Auftrag nur befolg ich.
+
+Phaon.
+Wie, Sapphos Auftrag? Sie befahl es dir?
+O Sappho, Sappho! Ich erkenne dich!
+Doch leider nur zu spät! Warum zu spät?
+Noch ist es Zeit, die Bande abzuschütteln
+Von mir und ihr; beim Himmel, und ich will's!
+Du allzufert'ger Diener fremder Bosheit--
+Warum--? Melitta, du siehst bleich, du zitterst?
+
+Melitta.
+Oh, mir ist wohl!
+
+Phaon.
+Dank du den Göttern, Sklave,
+Daß ihr kein Steinchen nur den Fuß geritzt,
+Beim Himmel! jede Träne solltest du
+Mit einem Todesseufzer mir bezahlen!--
+Du scheinst ermattet! lehne dich auf mich,
+Du findest nirgends eine festre Stütze!
+Blick her Verruchter, dieses holde Wesen,
+Dies Himmelsabbild wolltest du verletzen!
+
+Rhamnes.
+Verletzen nicht!
+
+Phaon.
+Was sonst?
+
+Rhamnes.
+Nur--Doch verzeih
+Was ich gewollt, ich kann es nicht vollführen.
+Drum laß mich gehn!
+
+Phaon (Melitten loslassend).
+Bei allen Göttern, nein!
+Mich lüstet's eurer Bosheit Maß zu kennen!
+Was wolltest du?
+
+Rhamnes.
+Sie sollte fort.
+
+Phaon.
+Wohin?
+
+Rhamnes.
+Nach--das ist der Gebieterin Geheimnis.
+
+Phaon.
+Du sagst es nicht?
+
+Rhamnes.
+Sie hat es hier verschlossen
+Und fest bewahrt es ihres Dieners Brust.
+
+Phaon.
+So öffne denn dies Eisen! Dank dir Sappho!
+Du gabst mir selber Waffen gegen dich!
+(Den Dolch ziehend.)
+Verhehle länger nichts, du siehst mich fertig,
+Die strengverschloßne Lade zu erbrechen!
+
+Melitta.
+O schone seiner! Hin nach Chios sollt' ich!
+
+Phaon.
+Nach Chios?
+
+Melitta.
+Ja, ein Gastfreund Sapphos hauset dort,
+Er sollte wohl Melitten ihr bewahren!
+
+Phaon.
+Wie, übers Meer?
+
+Melitta.
+Ein Kahn dort in der Bucht!
+
+Phaon.
+Ein Kahn?
+
+Melitta.
+So sprach er, ist's nicht also, Vater?
+
+Rhamnes.
+Nicht Vater nenne mich, du Undankbare,
+Die frech du die Gebieterin verrätst.
+
+Phaon.
+Ein Kahn?--
+
+Melitta (zu Rhamnes).
+Was tat ich denn, daß du mich schiltst?
+Er fragte ja!
+
+Phaon.
+Ein Kahn?--So sei's!--das Zeichen
+Ich nehm es an! Von euch kömmt's gute Götter!
+Zu spät versteh ich eure treue Mahnung!
+Sie ist es oder keine dieser Erde
+Die in der Brust die zweite Hälfte trägt
+Von dem was hier im Busen sehnend klopfte!
+Ihr zeigt mir selbst den Weg. Ich will ihn gehn!
+Melitta, ja, du sollst nach Chios, ja!
+Doch nicht allein!--Mit mir, an meiner Seite!
+
+Melitta.
+Mit ihm!
+
+Phaon.
+Verlaß dies feindlich-rauhe Land
+Wo Neid und Haß und das Medusenhaupt
+Der Rachsucht sich in deine Pfade drängen,
+Wo dir die Feindin Todesschlingen legt.
+Komm! Dort der Kahn, hier Mut und Kraft und Stärke
+Zu schützen dich, wär's gegen eine Welt! (Faßt sie an.)
+
+Melitta (ängstlich zu Rhamnes).
+Rhamnes!
+
+Rhamnes.
+Bedenkt doch Herr!
+
+Phaon.
+Bedenk du selber,
+Was du gewollt, daß du in meiner Hand!
+
+Rhamnes.
+Herr, Sapphos ist sie!
+
+Phaon.
+Lügner! Sie ist mein!
+(Zu Melitten.) Komm folge!
+
+Rhamnes.
+Die Bewohner dieser Insel
+Sie ehren Sapphon wie ein fürstlich Haupt,
+Sind stets bereit beim ersten Hilferuf
+In Waffen zu beschützen Sapphos Schwelle.
+Ein Wort von mir und Hunderte erheben--
+
+Phaon.
+Du mahnst mich recht! Fast hätt' ich es vergessen,
+Bei wem ich bin und wo.--Du gehst mit uns!
+
+Rhamnes.
+Ich Herr?
+
+Phaon.
+Ja du, doch nur bis zum Gestade,
+Ich neide Sapphon solche Diener nicht!
+Wenn wir in Sicherheit magst du zurückekehren,
+Erzählen was geschehn und--doch genug
+Du folgst!
+
+Rhamnes.
+Nein, nimmermehr!
+
+Phaon.
+Ich habe denk ich
+Was mir Gehorsam schaffen soll!
+
+Rhamnes (sich dem Hause nähernd).
+Gewalt!
+
+Phaon (vertritt ihm den Weg und geht mit dem Dolche auf ihn zu).
+So fahre hin denn wie du selber willst!
+Geringer Preis für dieser Reinen Rettung
+Ist des Verruchten Untergang!
+
+Melitta.
+Halt ein!
+
+Phaon.
+Wenn er gehorcht!
+
+Rhamnes (der sich auf die entgegengesetzte Seite zurückgezogen hat).
+O wehe, weh dem Alter,
+Daß nicht mehr eins der Wille und die Kraft!
+
+Phaon.
+Jetzt Mädchen komm.
+
+Melitta.
+Wohin?
+
+Phaon.
+Zu Schiffe! fort!
+
+Melitta (von ihm weg in den Vorgrund eilend).
+Ihr Götter! Soll ich?
+
+Phaon.
+Fort! Es streckt die Ferne
+Uns schutzverheißend ihren Arm entgegen.
+Dort drüben überm alten, grauen Meer
+Wohnt Sicherheit und Ruh' und Liebe!
+O folge! Unterm breiten Lindendach,
+Das still der Eltern stilles Haus beschattet,
+Wölbt, Teure, sich der Tempel unsers Glücks.
+(Sie ergreifend.)
+Erzitterst du? Erzittre holde Braut,
+Die Hand des Bräutigams hält dich umschlungen!
+Komm mit! und folgst du nicht, bei allen Göttern
+Auf diesen Händen trag ich dich von hinnen
+Und fort und fort, bis an das End' der Welt.
+
+Melitta.
+O Phaon!
+
+Phaon.
+Fort, die Sterne blinken freundlich,
+Die See rauscht auf, die lauen Lüfte wehen
+Und Amphitrite ist der Liebe hold. (Zu Rhamnes.)
+Voraus du!
+
+Rhamnes.
+Herr!
+
+Phaon.
+Es gilt dein Leben, sag ich dir!
+
+(Alle ab.)
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Eine Pause.--Dann erscheint Eucharis auf den Stufen.
+
+
+Eucharis.
+Rhamnes!--(Sie steigt herab.) Mir war als hört' ich seine Stimme!
+Nein, es ist niemand hier! Ich täuschte mich.
+Verwirrend scheint ein böser Geist zu walten
+Seit Sapphos Rückkehr über ihrem Haus.
+Es fliehen ängstlich scheu sich die Bewohner,
+Verdacht und Kummer liegt auf jeder Stirn!
+Melitten sucht' ich und fand leer ihr Lager,
+Einsam irrt die Gebietrin durch die Nacht,
+Hier Rhamnes' Stimme und er selber nicht.
+O daß erst Morgen wäre!--Horch.
+
+Rhamnes (von weitem).
+Zu Hilfe!
+
+Eucharis.
+Man ruft!
+
+Rhamnes (näher).
+Herbei!
+
+Eucharis.
+Ha Rhamnes!
+
+Rhamnes (nahe).
+Sklaven Sapphos!
+
+Eucharis.
+Er ist ganz atemlos! Was ist denn Rhamnes?
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+Rhamnes eilig. Eucharis.
+
+
+Rhamnes.
+Auf, auf vom weichen Lager! Hierher Freunde!
+Den Flücht'gen nach. Zu Hilfe!
+
+Eucharis.
+Sage doch--
+
+Rhamnes.
+O frage nicht! Ruf Sapphon und die Diener!
+
+Eucharis.
+Warum?
+
+Rhamnes.
+Zu Worten ist nicht Zeit! Geh nur!
+Das ganze Haus erwache, eile, rette!
+
+Eucharis.
+Was mag das sein?
+(Die Stufen hinauf.)
+
+Rhamnes.
+Ich kann nicht mehr!--Verräter
+Frohlocket nicht! des Meeres fromme Götter
+Sie rächen gern so abscheuwürd'ge Tat.
+(Es kommen nach und nach mehrere Diener.)
+Eilt schnell hinab ins Tal, weckt die Bewohner,
+Gebt laut der Not, des Hilfeflehens Zeichen,
+O fragt nicht, fort! Und laßt den Notruf tönen!
+
+(Diener ab.)
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+Sappho. Vorige.
+
+
+Sappho.
+Welch Schreckenslaut tönt durch die stille Nacht
+Und greift dem Schlafverscheucher Kummer in sein Amt?
+Wer hat hier noch zu klagen außer mir?
+
+Rhamnes.
+Ich, o Gebieterin!
+
+Sappho.
+Du, Rhamnes, hier?
+Und wo ist sie?
+
+Rhamnes.
+Melitta?
+
+Sappho.
+Ja doch!
+
+Rhamnes.
+Fort!
+
+Sappho.
+Sie fort und du doch hier!
+
+Rhamnes.
+Entflohen mit--
+
+Sappho.
+Halt ein!
+
+Rhamnes.
+Entflohn mit Phaon!
+
+Sappho.
+Nein!
+
+Rhamnes.
+Es ist so!
+Er überwältigte mein schwaches Alter
+Und in demselben Kahn, der mir bereitet,
+Führt er nun seine Beute durch die Wogen!
+
+Sappho.
+Du lügst!
+
+Rhamnes.
+O daß ich löge--diesmal löge!
+
+Sappho.
+Und wo blieb euer Donner ew'ge Götter!
+Habt ihr denn Qualen nur für Sapphos Herz?
+Ist taub das Ohr und lahm der Arm der Rache!
+Hernieder euren rächerischen Strahl,
+Hernieder auf den Scheitel der Verräter,
+Zermalmt sie, Götter, wie ihr mich zermalmt!--
+Umsonst! kein Blitz durchzuckt die stille Luft,
+Die Winde säuseln buhlerisch im Laube
+Und auf den breiten Armen trägt die See
+Den Kahn der Liebe schaukelnd vom Gestade!
+Da ist nicht Hilfe! Sappho, hilf dir selbst!
+
+(Die Bühne hat sich nach und nach mit Fackeln tragenden Sklaven und
+Landleuten angefüllt.)
+
+Ha diese hier! Habt Dank, ihr Treuen, Dank!
+Gebt, Menschen! was die Götter mir verweigern!
+Auf meine Freunde, rächet eure Sappho!
+Wenn ich euch jemals wert, jetzt zeigt es, jetzt!
+(Unter ihnen herumgehend.)
+Du Myron schwurst mir oft und du Terpander,--
+Gedenkst du Lydias noch des Liedes,--Pheres--
+Und du Xenarchos--alle meine Freunde!
+Hinunter zum Gestad'! Bemannet Schiffe
+Und folget windschnell der Verräter Spur!
+Denkt, daß ich eurer hier in Qualen harre
+Und jeder Augenblick bis ihr zurückkehrt
+Mir hundert Dolche in den Busen bohrt!
+Wer mir sie bringt, wer mir die Wonne schafft
+Daß ich die Augen bohren kann in seine,
+Ihn fragen kann: Was hab ich dir getan,
+(In Tränen ausbrechend.)
+Daß du mich tötest?--Nein, nur Wut und Rache!
+Wer mir sie bringt, er nehme all mein Gold,
+Mein Leben--fort! Auf Windesfittich fort!
+
+Ein Landmann.
+Mit ihm nur kehren wir zurück.
+
+Sappho.
+Ich dank euch,
+(Zu den Abgebenden.)
+Mein Leben ist gelegt in eure Hand!
+Laßt meine Wünsche euren Fuß beflügeln
+Und meine Rache stärken euren Arm--
+Nur schnell, nur schnell! Bei allen Göttern schnell!
+
+(Diener und Landleute ab.)
+
+Sappho (die Hände über die Brust gelegt).
+Sie gehn! Nun ist mir wohl!--Nun will ich ruhn!
+
+Eucharis.
+Du zitterst!
+
+Rhamnes.
+Weh du wankst!--o Sappho!
+
+Eucharis (die Wankende in ihre Arme fassend).
+Götter!
+
+Sappho (in Eucharis' Armen).
+O laß mich sinken! Warum hältst du mich?
+
+
+Der Vorhang fällt.
+
+
+
+
+Fünfter Aufzug
+
+Gegend wie in den vorigen Aufzügen. Tagesanbruch.
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+Sappho sitzt halbliegend auf der Rasenbank, unbeweglich vor sich
+hinstarrend. In einiger Entfernung steht Eucharis; weiter zurück
+mehrere Sklavinnen. Rhamnes kömmt.
+
+
+Eucharis (den Finger auf dem Munde).
+Still! still!
+
+Rhamnes.
+Schläft sie?
+
+Eucharis.
+Die Augen stehen offen,
+Der Körper wacht, ihr Geist nur scheint zu schlafen!
+So liegt sie seit drei Stunden, regungslos!
+
+Rhamnes.
+Ihr solltet sie ins Haus doch--
+
+Eucharis.
+Ich versucht' es,
+Allein sie will nicht!--Und noch nichts?
+
+Rhamnes.
+Noch nichts!
+So weit das Auge trägt nur See und Wolken,
+Von einem Schiffe nicht die kleinste Spur.
+
+Sappho (emporfahrend).
+Schiff? Wo?
+
+Rhamnes.
+Wir sahn noch nichts Gebieterin!
+
+Sappho (zurücksinkend).
+Noch nicht!--Noch nicht!--
+
+Rhamnes.
+Die Morgenluft weht kühl,
+Erlaube, daß wir dich in dein Gemach
+
+Sappho (schüttelt verneinend den Kopf).
+
+Rhamnes.
+Laß dich erbitten, folge mir ins Haus!
+
+Sappho (schüttelt noch einmal).
+
+Rhamnes (zurückweichend).
+Du willst's--Ihr Anblick schneidet mir ins Herz!
+
+Eucharis.
+Ei sieh, was drängt sich dort das Volk!
+
+Rhamnes.
+Laß sehn!
+
+Eucharis.
+Es strömt dem Ufer zu. Mir deucht, sie kommen!
+
+Sappho (aufspringend).
+Ha! (Während des Folgenden steht sie in ängstlich horchender
+Stellung zurückgebeugt.)
+
+Eucharis.
+Dort tritt an den Felsen und sieh zu,
+Vielleicht erblickst du sie!
+
+Rhamnes.
+Wohl, ich will sehn!
+(Steigt auf eine Erhöhung des Ufers.)
+
+Eucharis.
+Nur schnell, nur schnell! Nun siehst du?
+
+Rhamnes.
+Dank den Göttern!
+Sie kommen!
+
+Sappho.
+Ah!
+
+Rhamnes.
+Die waldbewachsne Spitze
+Die links dort weit sich ins Gewässer streckt
+Verbarg mir vorher den willkommnen Anblick.
+Ein Heer von Kähnen wimmelt durcheinander
+Mit raschem Ruderschlag dem Ufer zu.
+
+Eucharis.
+Und die Entwichnen, sind sie unter ihnen?
+
+Rhamnes.
+Die Sonne blendet, ich erkenn es nicht!
+Doch halt, da naht dem Ufer schon ein Kahn
+Vorausgesendet mit der frohen Botschaft.
+Jetzt legt er an!--Der Hirte ist's vom Tal--
+Er schwenkt den Stab!--Gewiß sie sind gefangen!
+Hierher, mein Freund, hierher!--Er kommt heran!
+(Herabsteigend.)
+
+Eucharis.
+Gebieterin, sei ruhig, sei gefaßt!
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+Ein Landmann. Vorige.
+
+
+Landmann.
+Heil, Sappho, dir!
+
+Eucharis.
+Ist er gefangen?
+
+Landmann.
+Ja!
+
+Rhamnes.
+Wo denn?
+
+Eucharis.
+Und wie?
+
+Landmann.
+Sie hatten tücht'gen Vorsprung
+Und er versteht zu rudern. Fast schon glaubt' ich
+Wir würden nun und nimmer sie erreichen!
+Doch endlich, schon in hoher See, erblickten
+Wir seinen Kahn und drauf in rascher Jagd!
+Bald ist er eingeholt und schnell umringt.
+Wir heißen um ihn lenken, doch er will nicht
+Und faßt sein Mädchen mit der linken Hand,
+Das blanke Eisen in der Rechten schwingend.--
+Begehrt ihr was, erhabne Frau?
+
+Sappho (winkt ihm fortzufahren).
+
+Landmann.
+Nun denn!
+Und schwingt das Eisen drohend gegen uns;
+Bis nun ein Ruderschlag, der ihm gegolten,
+Das kleine Mädchen an die Stirne trifft.
+
+Sappho (verhüllt sich die Augen mit der Hand).
+
+Landmann.
+Sie sinkt, er faßt sie in die Arme, wir,
+Den Augenblick benutzend, rasch an Bord
+Und greifen ihn und bringen ihn zurück!
+Sie steigen schon ans Land! Seht ihr die beiden?
+Das kleine Mädchen wankt noch taumelnd--
+
+Sappho.
+Ha
+Nicht hierher!
+
+Rhamnes.
+Wohin sonst, sie kommen schon!
+
+Sappho.
+Wer rettet mich vor seinem Anblick?--Mädchen!--
+Du Aphrodite schütze deine Magd!
+
+(Sie eilt dem Hintergrunde zu und umklammert den Altar, ihre
+Dienerinnen stehen rings um sie her.)
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+Phaon, Melitten führend. Landleute. Sappho mit ihren Dienern im
+Hintergrunde.
+
+
+Phaon.
+Ha wag es keiner diese zu berühren!
+Nicht wehrlos bin ich, wenn auch gleich entwaffnet!
+Zu ihrem Schutz wird diese Faust zur Keule,
+Und jedes meiner Glieder wird ein Arm!
+Hierher Melitta, hierher! Zittre nicht,
+Dir soll kein Leid geschehn solang ich atme!
+Verruchte, konntet ihr dies Haupt verletzen,
+Das reine Haupt der Unschuld, und seid Männer?
+So grausam dacht' ich höchstens mir ein Weib,
+Ein schwaches, feiges, aufgereiztes Weib.
+Du warst's, der nach ihr schlug, ich kenne dich!
+Fort, von mir, fort! Daß ich die Rachegötter
+Vorgreifend nicht um ihren Raub betrüge!
+Wie fühlst du dich?
+
+Melitta.
+Wohl!
+
+Phaon.
+O dein Blick verneint,
+Dies Zittern, diese Blässe, laut verrät sie
+Die erste Lüge, die dein Mund gesprochen!
+Versuche nicht den Grimm in mir zu dämpfen,
+Zu neuer Glut fachst du die Flammen an!
+Hier setze dich auf diesen Rasensitz;
+Hier wo dein mildes, himmelklares Auge
+Zum ersten Male mir entgegenglänzte
+Und wie des Tages goldner Morgenstrahl
+Des Schlafes düstre Bande von mir löste
+In den mich jene Zauberin gesungen,
+Hier wo die Lieb' ihr holdes Werk begann,
+Auf dieser Stelle sei es auch vollendet!
+Sprecht! Wo ist Sappho!
+
+Melitta.
+Phaon, ruf sie nicht!
+
+Phaon.
+Sei ruhig! Bin ich nicht ein freier Mann?
+Wer gab das Recht ihr meinen Schritt zu hemmen?
+Noch Richterstühle gibt's in Griechenland,
+Mit Schrecken soll die Stolze das erfahren.
+Zu Sappho hin!
+
+Ein Landmann.
+Du bleibst!
+
+Phaon.
+Wer hält mich? Wer?
+
+Landmann.
+Wir alle hier!
+
+Phaon.
+Ich bin ein freier Mann!
+
+Landmann.
+Du warst's, jetzt bist der Strafe du verfallen!
+
+Phaon.
+Der Strafe! und warum?
+
+Landmann.
+Der Sklavin Raub
+Ruft das Gesetz zur Rache wider dich.
+
+Phaon.
+Es fordre Sappho Lösegeld für sie
+Und zahlen will ich's, wären's Krösus' Schätze!
+
+Landmann.
+Ihr ziemt's zu fordern, und nicht dir zu bieten!
+
+Phaon.
+Seid ihr so zahm, daß eines Weibes Rache
+Geduldig ihr die Männerhände leiht,
+Und dienstbar seid der Liebe Wechsellaunen?
+Mir stehet bei, denn Unrecht widerfährt mir!
+
+Landmann.
+Ob Recht ob Unrecht? Sappho wird's entscheiden!
+
+Phaon.
+So sprichst du, Alter, und errötest nicht?
+Wer ist denn Sappho, daß du ihre Zunge
+Für jene achtest an des Rechtes Waage?
+Ist sie Gebietrin hier im Land?
+
+Landmann.
+Sie ist es,
+Doch nicht weil sie gebeut, weil wir ihr dienen!
+
+Phaon.
+So hat sie denn euch alle auch umsponnen,
+Ich will doch sehn, wie weit ihr Zauber reicht!
+(Gegen das Haus zugehend.)
+Zu ihr!
+
+Landmann.
+Zurück!
+
+Phaon.
+Vergebens dräuet ihr!
+Ich muß sie sehen! Sappho, zeige dich!
+Wo bist du? oder zitterst du vor mir?--
+Ha, dort am Altar ihrer Diener Reihen,
+Sie ist es, du entgehst mir nicht!--Zu mir!
+
+(Durchbricht die Menge. Auch der Kreis der Sklavinnen öffnet sich.
+Sappho liegt hingegossen an den Stufen des Altars.)
+
+Landmann.
+Du wagst es, unbesonnen frecher Knabe?
+
+Phaon.
+Was willst du an den Stufen hier der Götter?
+Sie hören nicht der Bosheit Flehn.--Steh auf!
+
+(Er faßt sie an. Bei seiner Berührung fährt Sappho empor, und eilt mit
+fliegenden Schritten, ohne ihn anzusehen, dem Vorgrunde zu.)
+
+Phaon (ihr folgend).
+Entweichst du mir? du mußt mir Rede stehn!
+Ha, bebe nur! Es ist jetzt Zeit zu beben!
+Weißt du was du getan? Mit welchem Recht
+Wagst du es mich, mich einen freien Mann,
+Der niemand eignet als sich selber, hier
+In frevelhaften Banden festzuhalten?
+Hier diese da in ungewohnten Waffen,
+Hast du sie ausgesandt? Hast du sie? Sprich!--
+So stumm? der Dichtrin süße Lippe stumm?
+
+Sappho.
+Es ist zuviel!
+
+Phaon.
+Die Wange rötet sich
+Von Zornes heißen Gluten überflammt.
+Recht, wirf die Larve weg, sei was du bist,
+Und tobe, töte heuchlerische Circe!
+
+Sappho.
+Es ist zuviel!--Auf, waffne dich, mein Herz!
+
+Phaon.
+Antworte! Hast du diese ausgesandt?
+
+Sappho (zu Rhamnes).
+Geh hin und hol die Sklavin mir zurück,
+Nur sie und niemand anders ließ ich suchen!
+
+Phaon.
+Zurück! Es wage niemand ihr zu nahn!
+Begehre Lösegeld. Ich bin nicht reich,
+Doch werden Eltern mir und Freunde willig steuern
+Mein Glück von deiner Habsucht zu erkaufen!
+
+Sappho (noch immer abgewandt).
+Nicht Gold verlang ich, nur was mein! Sie bleibt!
+
+Phaon.
+Sie bleibet nicht! Bei allen Göttern, nein!
+Du selber hast dein Recht auf sie verwirkt
+Als du den Dolch auf ihren Busen zücktest,
+Du kauftest ihre Dienste, nicht ihr Leben!
+Glaubst du, ich ließe sie in deiner Hand?
+Noch einmal, fordre Lösegeld und laß sie!
+
+Sappho (zu Rhamnes).
+Erfülle was ich dir befahl!
+
+Phaon.
+Zurück!
+Du rührst an deinen Tod, berührst du sie!
+So ist dein Busen denn so ganz entmenscht,
+Daß er sich nicht mehr regt bei Menschenleiden!
+Zerbrich die Leier, gifterfüllte Schlange!
+Die Lippe töne nimmerdar Gesang,
+Du hast verwirkt der Dichtung goldne Gaben!
+Den Namen nicht entweihe mehr der Kunst!
+Die Blume soll sie sein aus dieses Lebens Blättern,
+Die hoch empor, der reinsten Kräfte Kind,
+In blaue Luft das Balsamhaupt erhebt
+Den Sternen zu, nach denen sie gebildet.
+Du hast als gift'gen Schierling sie gebraucht,
+Um deine Feinde grimmig zu verderben!
+Wie anders malt' ich mir, ich blöder Tor
+Einst Sapphon aus, in frühern, schönern Tagen!
+Weich wie ihr Lied, war ihr verklärter Sinn
+Und makellos ihr Herz, wie ihre Lieder,
+Derselbe Wohllaut der der Lipp' entquoll
+Er wiegte sich auch wogend in der Brust
+Und Melodie war mir ihr ganzes Wesen!
+Wer hat dich denn mit Zauberschlag verwandelt?
+Ha, wende nicht die Augen scheu von mir!
+Mich blicke an, laß mich dein Antlitz schauen
+Daß ich erkenne, ob du's selber bist,
+Ob dies die Lippen die mein Mund berührt,
+Ob dies das Auge das so mild gelächelt,
+Ob Sappho du es bist, du Sappho?
+
+(Er faßt ihren Arm und wendet sie gegen sich. Sie blickt empor, ihr
+Auge trifft das seinige.)
+
+Sappho (schmerzvoll zusammenfahrend).
+Weh mir!
+
+Phaon.
+Du bist es noch; ja, das war Sapphos Stimme!
+Was ich gesagt! Die Winde tragen's hin,
+Es soll nicht Wurzeln schlagen in dem Herzen!
+O es wird helle, hell vor meinem Blick
+Und wie die Sonne nach Gewittersturm
+Strahlt aus der Gegenwart entladnen Wolken
+In altem Glanze die Vergangenheit.
+Sei mir gegrüßt, Erinnrung schöner Zeit!
+Du bist mir wieder was du einst mir warst,
+Eh' ich dich noch gesehn, in ferner Heimat,
+Dasselbe Götterbild, das ich nur irrend
+So lange für ein Menschenantlitz hielt,
+Zeig dich als Göttin! Segne Sappho, segne!
+
+Sappho.
+Betrüger!
+
+Phaon.
+Nein fürwahr, ich bin es nichts
+Wenn ich dir Liebe schwur, es war nicht Täuschung,
+Ich liebte dich, so wie man Götter wohl
+Wie man das Gute liebet und das Schöne.
+Mit Höhern, Sappho, halte du Gemeinschaft,
+Man steigt nicht ungestraft vom Göttermahle
+Herunter in den Kreis der Sterblichen.
+Der Arm, in dem die goldne Leier ruhte,
+Er ist geweiht, er fasse Niedres nicht!
+
+Sappho (abgewendet vor sich hin).
+Hinab in Meeresgrund die goldne Leier
+Wird ihr Besitz um solchen Preis erkauft!
+
+Phaon.
+Ich taumelte in dumpfer Trunkenheit,
+Mit mir und mit der Welt im düstern Streite;
+Vergebens rief ich die Gefühle auf,
+Die ich in Schlummer glaubt' und die nicht waren,
+Du standst vor mir ein unbegreiflich Bild
+Zu dem's mich hin, von dem's mich fort,
+Mit unsichtbaren Banden mächtig zog;
+Du warst--zu niedrig glaubte dich mein Zorn,
+Zu hoch nennt die Besinnung dich--für meine Liebe.
+Und nur das Gleiche fügt sich leicht und wohl!
+Da sah ich sie, und hoch gen Himmel sprangen
+Die tiefen Quellen alle meines Innern,
+Die stockend vorher weigerten den Strahl.
+Komm her Melittion, komm her zu ihr,
+O sei nicht bange, sie ist mild und gütig!
+Enthüll der Augen schimmernden Kristall
+Daß sie dir blicke in die fromme Brust
+Und freudig ohne Makel dich erkenne!
+
+Melitta (schüchtern nahend).
+Gebieterin!
+
+Sappho (sie von sich haltend).
+Fort von mir!
+
+Melitta.
+Ach, sie zürnt!
+
+Phaon.
+So wär' sie doch was ich zu glauben scheute?
+Komm her, Melittion, an meine Seite!
+Du sollst nicht zu ihr flehn! Vor meinen Augen
+Soll dich die Stolze nicht beleidigen,
+Du sollst nicht flehn! Sie kennt nicht deinen Wert,
+Nicht ihren, denn auf ihren Knien würde
+Sie sonst, die Schuld der Unschuld, stumm dir huld'gen!
+Hierher zu mir, hierher!
+
+Melitta.
+Nein laß mich knien
+Wie's wohl dem Kinde ziemt vor seiner Mutter,
+Und dünkt ihr Strafe recht, so strafe sie,
+Ich will nicht murren wider ihren Willen!
+
+Phaon.
+Nicht dir allein auch mir gehörst du an,
+Und mich erniedrigst du durch diese Demut.
+Noch gibt es Mittel das uns zu erzwingen
+Was sie der Bitte störrisch-rauh versagt.
+
+Melitta.
+O wär' es auch, mich freut nur ihre Gabe,
+Erzwungen wäre mir das höchste Glück zur Last!
+Hier will ich knien, bis mir ein milder Blick,
+Ein gütig Wort, Verzeihung angekündigt.
+Wie oft schon lag ich hier an dieser Stelle
+Und immer stand ich freudig wieder auf;
+Sie wird mich diesmal weinend nicht entlassen!
+Blick auf dein Kind hernieder, teure Frau!
+
+Sappho (steht, das Gesicht auf Eucharis' Schulter gelehnt).
+
+Phaon.
+Kannst du sie hören und bleibst kalt und stumm!
+
+Melitta.
+Sie ist nicht kalt, und wenn auch schweigt ihr Mund
+Ich fühl ihr Herz zu meinem Herzen sprechen!
+Sei Richter, Sappho, zwischen mir und ihm!
+Heiß mich ihm folgen und ich folge ihm,
+Heiß mich ihn fliehn--o Götter!--alles--alles!
+Du zitterst!--Sappho, hörest du mich nicht?
+
+Phaon (Melitten umschlingend und ebenfalls hinkniend).
+Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht,
+Gib uns was unser, und nimm hin was dein!
+Bedenke was du tust, und wer du bist!
+
+Sappho (fährt bei den letzten Worten empor und blickt die Knienden mit
+einem starren Blicke an, wendet sich dann schnell ab, und geht).
+
+Melitta.
+Weh mir sie flieht, sie hat ihr Kind verstoßen!
+
+(Sappho ab. Eucharis und Dienerinnen folgen.)
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+Vorige ohne Sappho und Eucharis.
+
+
+Phaon.
+Steh auf, mein Kind! Zu Menschen flehe nicht,
+Noch bleiben uns die Götter und wir selbst!
+
+Melitta.
+Ich kann nicht leben, wenn sie mich verdammt!
+Ihr Auge war von jeher mir der Spiegel
+Vor dem ich all mein Tun und Fühlen prüfte!
+Er zeigt mir jetzt die eigne Ungestalt!
+Was muß sie leiden die gekränkte Frau!
+
+Phaon.
+Du leihst ihr dein Gefühl! Ganz andre Wogen
+Erheben sich in dieser Stolzen Brust!
+
+Melitta.
+Scheint sie auch stolz, mir war sie immer gütig,
+Wenn oft auch streng, es barg die scharfe Hülle
+Mir immer eine süße, holde Frucht!
+Weh mir, daß ich das je vergessen konnte!
+
+Rhamnes.
+Jawohl, weh dir, daß du es je vergessen!
+
+Phaon.
+Was zittert ihr, kennt ihr sie gar so mild?
+
+Rhamnes.
+Sie zürnte, als sie ging, und ohne Schranken,
+Wie ihre Liebe ist ihr Zorn!--Drum weh euch!
+
+Phaon.
+Was kann sie drohn?
+
+Rhamnes.
+Der flücht'gen Sklavin, Tod!
+
+Phaon.
+Wer sagt das?
+
+Rhamnes.
+Die Gesetze dieses Landes!
+
+Phaon.
+Ich schütze sie!
+
+Rhamnes.
+Du? Und wer schützet dich?
+
+Phaon.
+Und gähnte hier die Erde vor mir auf,
+Und donnerte die See mich zu verschlingen,
+Vermöchte sie die Kräfte der Natur
+In grauses Bündnis wider mich zu einen,
+Fest halt ich diese, lachend ihres Zorns,
+Sie selbst und ihre Drohungen verachtend!
+
+Rhamnes.
+Verachten? Sapphon! Und wer bist du denn
+Daß du dein Wort magst in die Schale legen
+In der die Menschheit ihre Ersten wiegt,
+Zu sprechen wagst, wo Griechenland gesprochen?
+Blödsicht'ger, frevler Tor, dünkt sie dir wertlos
+Weil ohne Maßstab du für ihren Wert,
+Nennst du das Kleinod blind, weil es dein Auge?
+Daß sie dich liebte, daß sie aus dem Staub
+Die undankbare Schlange zu sich hob
+Die nun mit gift'gem Zahn ihr Herz zerfleischt,
+Daß ihren Reichtum sie an dich vergeudet
+Der keinen Sinn für solcher Schätze Wert,
+Das ist der einz'ge Fleck in ihrem Leben
+Und keines andern zeiht sie selbst der Neid!
+Sprich nicht! Selbst dieser Trotz, in dem du nun
+Dich auflehnst wider sie, er ist nicht dein!
+Wie hättest du aus deiner Niedrigkeit,
+Von den Vergeßnen der Vergessenste,
+Gewagt zu murren wider Hellas' Kleinod?
+Daß sie dich angeblickt gab dir den Stolz,
+Mit dem du nun auf sie herniedersiehst.
+
+Phaon.
+Der Dichtung Ruhm nicht mag ich ihr bestreiten--
+
+Rhamnes.
+Du magst es nicht? Ei doch! Als ob du's könntest!
+Hoch an den Sternen hat sie ihren Namen
+Mit diamantnen Lettern angeschrieben
+Und mit den Sternen nur wird er verlöschen!
+In fernen Zeiten unter fremden Menschen
+Wenn längst zerfallen diese morschen Hüllen
+Und selber unsre Gräber nicht mehr sind
+Wird Sapphos Lied noch von den Lippen tönen,
+Wird leben noch ihr Name--und der deine!
+Der deine ja, sei stolz auf die Unsterblichkeit
+Die dir der Frevel gibt an ihrem Haupt!
+In fremdem Land bei kommenden Geschlechtern
+Wenn schon Jahrhunderte, noch ungeboren,
+Hinabgestiegen in das Grab der Zeit
+Wird es erschallen noch aus jedem Munde:
+Sappho hieß die, die dieses Lied gesungen,
+Und Phaon heißt er, der sie hat getötet.
+
+Melitta.
+O Phaon--
+
+Phaon.
+Ruhig! Ruhig!
+
+Rhamnes.
+Armer Tröster!
+Gebeutst du Ruh' mit unruhvoller Stimme?
+Sie kenne ihr Verbrechen und erzittre,
+Die Rache wenigstens vermisse Sappho nicht!
+Du magst der Dichtung Ruhm ihr nicht bestreiten?
+Und welchen sonst bestreitest du ihr denn?
+Wagst du's an ihrem Herzen wohl zu zweifeln,
+Der was er ist nur ihrem Herzen dankt?
+Sieh um dich her! es ist kein einz'ger hier
+Dem sie nicht wohlgetan, der nicht an sich
+In Haus und Feld, an Gut und bei den Seinen
+Von ihrer Milde reiche Spuren trägt,
+Nicht einer dessen Herz nicht höher schlüge,
+Wenn er sich Mytilenes Bürger
+Wenn er sich Sapphos Landgenosse nennt.
+Frag jene Bebende an deiner Seite,
+Genossin, scheint's, der Tat mehr als der Schuld,
+Wie gegen sich die Herrin sie gefunden?
+Was hatte wohl die Sklavin dir zu bieten?
+Wenn sie dir wohlgefiel, so war es Sapphos Geist,
+War Sapphos milder, mütterlicher Geist
+Der ansprach dich aus ihres Werkes Munde.
+O presse nur die Stirn, du strebst vergebens,
+Du löschest die Erinnrung nimmer aus!
+Und was willst du beginnen? Wohin fliehn?
+Kein Schutzort ist für dich auf dieser Erde,
+In jedes Menschen fromm gesinnter Brust
+Erhebt ein Feind dem Feinde sich des Schönen.
+Vorangehn wird der Ruf vor deinen Schritten
+Und schreien wird er in der Menschen Ohr:
+Hier Sapphos Mörder, hier der Götter Feind!
+Und vogelfrei wirst du das Land durchirren
+Mit ihr, der du Verderben gabst für Schutz.
+Kein Grieche öffnet dir sein gastlich Haus
+Kein Gott gewährt dir Eintritt in den Tempel,
+Erbebend wirst du fliehn vom Opferaltar
+Wenn Priesters Spruch Unheilige entfernt.
+Und fliehst du, wird die grause Eumenide,
+Der Unterird'schen schwarze Rachebotin,
+Die Schlangenhaare schütteln um dich her,
+Dir Sapphos Namen in die Ohren kreischen
+Bis dich das Grab verschlungen, das du grubst!
+
+Melitta.
+Halt ein! Halt ein!
+
+Phaon.
+Willst du mich rasend machen?
+
+Rhamnes.
+Du warst's als du die Hohe von dir stießest!
+Genieße nun die Frucht die du gepflanzt!
+
+Melitta.
+Zu ihr!
+
+Phaon.
+Wer rettet mich aus dieser Qual!
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+Eucharis. Vorige.
+
+
+Eucharis.
+Bist du hier, Rhamnes? Eilig komm!
+
+Rhamnes.
+Wohin?
+
+Eucharis.
+Zu Sapphon.
+
+Rhamnes.
+Was--?
+
+Eucharis.
+Ich fürchte, sie ist krank.
+
+Rhamnes.
+Die Götter wenden's ab!
+
+Eucharis.
+Ich folgte ihr von fern
+Hinauf zur großen Halle und versteckt
+Bewacht' ich all ihr Tun mit scharfem Auge.
+Dort stand sie an ein Säulenpaar gelehnt,
+Hinunterschauend in die weite See,
+Die an den Felsenufern brandend schäumt,
+sprach- und bewegungslos stand sie dort oben,
+Mit starren Augen und erblaßten Wangen
+Im Kreis von Marmorbildern fast als ihresgleichen.
+Nur manchmal regt sie sich und greift nach Blumen,
+Nach Gold und Schmuck und was ihr Arm erreicht
+Und wirft's hinunter in die laute See
+Den Sturz mit sehnsuchtsvollem Aug' verfolgend,
+Schon wollt' ich nahn, da tönt ein Klingen durchs Gemach
+Und zuckend fuhr es durch ihr ganzes Wesen,
+Die Leier war's, am Pfeiler aufgehangen,
+In deren Saiten laut die Seeluft spielte.
+Schwer atmend blickt sie auf und fährt zusammen,
+Wie von Berührung einer höhern Macht.
+Die Augen auf die Leier starr geheftet
+Beleben sich mit eins die toten Züge
+Und fremdes Lächeln spielt um ihren Mund.
+Jetzt öffnen sich die strenggeschloßnen Lippen,
+Es tönen Worte, schauerlichen Klangs,
+Aus Sapphos Munde, doch nicht Sapphos Worte.
+Rufst du mir, spricht sie, Freundin? Mahnst du mich?
+O ich versteh dich Freundin an der Wand!
+Du mahnst mich an verfloßne Zeit! Hab Dank!--
+Wie sie die Wand erreicht und wie die Leier,
+Hoch oben hängend, weiß ich nicht zu sagen,
+Denn wie ein Blitzstrahl flirrte mich's vorüber.
+Jetzt blick ich hin, sie hält das Saitenspiel
+Und drückt es an die sturmbewegte Brust,
+Die hörbar laut den Atem nahm und gab.
+Den Kranz dann, den Olympischen des Sieges,
+Dort aufgehangen an dem Hausaltar,
+Schlingt sie ums Haupt und wirft den Purpurmantel,
+Hochglühend so wie er, um ihre Schultern--
+Wer sie jetzt sah, zum ersten Male sah,
+Auf des Altares hohen Stufen stehend,
+Die Leier in der Hand, den Blick gehoben,
+Gehoben ihre ganze Lichtgestalt,
+Verklärungsschimmer über sie gegossen,
+Als Überird'sche hätt' er sie begrüßt,
+Und zum Gebet gebeugt die schwanken Knie.
+Doch regungslos und stumm so wie sie war,
+Fühlt' ich von Schauder mich und Graun ergriffen,
+Ihr lebend toter Blick entsetzte mich,
+Drum eilt' ich--
+
+Rhamnes.
+Und verließest sie!--Zu ihr!
+Doch sieh!--Naht nicht? Sie ist's; sie selber kommt!
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Sappho reich gekleidet wie im ersten Aufzuge; den Purpurmantel um
+die Schultern, den Lorbeer auf dem Haupte, die goldne Leier in der
+Hand, erscheint von ihren Dienerinnen umgeben, auf den Stufen des
+Säulenganges und schreitet ernst und feierlich herunter.
+
+Lange Pause.
+
+
+Melitta.
+O Sappho, o Gebieterin!
+
+Sappho (ruhig und ernst).
+Was willst du?
+
+Melitta.
+Gefallen ist die Binde meiner Augen,
+O laß mich wieder deine Sklavin sein,
+Was dir gehört, besitz es und verzeih!
+
+Sappho (ebenso).
+Glaubst du so übel Sapphon denn beraten
+Daß Gaben sie von deiner Hand bedarf?
+Was mir gehört, es ist mir schon geworden.
+
+Phaon.
+O höre Sappho--
+
+Sappho.
+Nicht berühre mich!
+Ich bin den Göttern heilig!
+
+Phaon.
+Wenn du mich
+Mit holdem Auge Sappho je betrachtet--
+
+Sappho.
+Du sprichst von Dingen die vergangen sind!
+Ich suchte dich und habe mich gefunden!
+Du faßtest nicht mein Herz, so fahre hin!
+Auf festern Grund muß meine Hoffnung fußen!
+
+Phaon.
+So hassest du mich also?
+
+Sappho.
+Lieben! Hassen!
+Gibt es kein Drittes mehr? Du warst mir wert
+Und bist es noch und wirst mir's immer sein
+Gleich einem lieben Reis'genossen, den
+Auf kurzer Überfahrt des Zufalls Laune
+In unsern Nachen führte, bis das Ziel erreicht
+Und scheidend jeder wandelt seinen Pfad,
+Nur manchmal aus der fremden weiten Ferne
+Des freundlichen Gefährten sich--erinnernd
+(Die Stimme versagt ihr.)
+
+Phaon (bewegt).
+O Sappho!
+
+Sappho.
+Still! Laß uns in Ruhe scheiden!
+(Zu den übrigen.)
+Ihr die ihr Sapphon schwach gesehn, verzeiht!
+Ich will mit Sapphos Schwäche euch versöhnen,
+Gebeugt erst zeigt der Bogen seine Kraft!
+(Auf den Altar im Hintergrunde zeigend.)
+Die Flamme zündet Aphroditens an
+Daß hell sie strahle in das Morgenrot!
+(Es geschieht.)
+Und nun entfernt euch, lasset mich allein
+Alleine mit den Meinen mich beraten!
+
+Rhamnes.
+Sie will's, laßt uns gehorchen. Kommt ihr alle!
+
+(Ziehen sich zurück.)
+
+Sappho (vortretend).
+Erhabne, heil'ge Götter!
+Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt!
+In meine Hand gabt ihr des Sanges Bogen,
+Der Dichtung vollen Köcher gabt ihr mir;
+Ein Herz zu fühlen, einen Geist zu denken
+Und Kraft zu bilden was ich mir gedacht!
+Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt,
+Ich dank euch!
+
+Ihr habt mit Sieg dies schwache Haupt gekrönt
+Und ausgesät in weitentfernte Lande
+Der Dichtrin Ruhm, Saat für die Ewigkeit!
+Es tönt mein goldnes Lied von fremden Zungen
+Und mit der Erde nur wird Sappho untergehn,
+Ich dank euch!
+
+Ihr habt der Dichterin vergönnt zu nippen
+An dieses Lebens süß umkränzten Kelch,
+Zu nippen nur, zu trinken nicht.
+O seht, gehorsam eurem hohen Wink
+Setz ich ihn hin den süß umkränzten Becher
+Und trinke nicht!
+
+Vollendet hab ich, was ihr mir geboten,
+Darum versagt mir nicht den letzten Lohn!
+Die euch gehören, kennen nicht die Schwäche,
+Der Krankheit Natter kriecht sie nicht hinan,
+In voller Kraft, in ihres Daseins Blüte
+Nehmt ihr sie rasch hinauf in eure Wohnung--
+Gönnt mir ein gleiches, kronenwertes Los!--
+
+O gebt nicht zu daß eure Priesterin
+Ein Ziel des Hohnes werde eurer Feinde,
+Ein Spott des Toren, der sich weise dünkt.
+Ihr bracht die Blüten, brechet auch den Stamm!
+Laßt mich vollenden, so wie ich begonnen,
+Erspart mir dieses Ringens blut'ge Qual.
+Zu schwach fühl ich mich länger noch zu kämpfen,
+Gebt mir den Sieg, erlasset mir den Kampf!
+(Begeistert.)
+Die Flamme lodert und die Sonne steigt,
+Ich fühl's ich bin erhört! Habt Dank ihr Götter!--
+Du Phaon! Du Melitta! Kommt heran!
+(Phaon auf die Stirne küssend.)
+Es küsset dich ein Freund aus fernen Welten
+(Melitten umarmend.)
+Die tote Mutter schickt dir diesen Kuß!
+
+Nun hin, dort an der Liebesgöttin Altar
+Erfülle sich der Liebe dunkles Los!
+(Eilt dem Altare zu.)
+
+Rhamnes.
+Was sinnet sie? verklärt ist all ihr Wesen, Glanz der Unsterblichen
+umleuchtet sie!
+
+Sappho (auf eine Erhöhung des Ufers hintretend und die Hände über die
+beiden ausstreckend).
+Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht!
+Genießet was euch blüht, und denket mein!
+So zahle ich die letzte Schuld des Lebens!
+Ihr Götter, segnet sie und nehmt mich auf!
+(Stürzt sich vom Felsen ins Meer.)
+
+Phaon.
+Halt ein! Halt Sappho!
+
+Melitta.
+Weh sie stürzt! sie stirbt!
+
+Phaon (mit Melitten beschäftigt).
+Schnell Hilfe, fort ans Ufer! Rettung, Hilfe!
+
+(Einige ab.)
+
+Rhamnes (der aufs Ufer gestiegen).
+Ihr Götter wendet ab! dort jene Klippe, Berührt sie die ist sie
+zerschellt, zerschmettert!--Tragt sie vorüber! Weh! Es ist geschehn!
+
+Phaon.
+Was kreischest du? Nach Kähnen! Eilet! Rettet!
+
+Rhamnes (herabsteigend).
+Halt ein! Es ist zu spät! Gönnt ihr das Grab, Das sie, verschmähend
+diese falsche Erde, Gewählt sich in des Meeres heil'gen Fluten!
+
+Phaon.
+Tot?
+
+Rhamnes.
+Tot!
+
+Phaon.
+Weh mir! Unmöglich, nein!
+
+Rhamnes.
+Es ist!--Verwelkt der Lorbeer und das Saitenspiel verklungen!
+Es war auf Erden ihre Heimat nicht--
+(Mit erhobenen Händen.)
+Sie ist zurückgekehret zu den Ihren!
+
+(Der Vorhang fällt.)
+
+
+Ende.
+
+
+Ende diese Projekt Gutenberg Etextes Sappho, von Franz Grillparzer.
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Sappho, by Franz Grillparzer
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SAPPHO ***
+
+This file should be named 9062-8.txt or 9062-8.zip
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+https://gutenberg.org or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03
+
+Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+https://www.gutenberg.org/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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