summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/9044-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:32:37 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:32:37 -0700
commit50ce8bc9916d13ea71f30d4382a9e15c25958eb5 (patch)
tree783e423c46c463a671411089880c7ce66d55700f /9044-8.txt
initial commit of ebook 9044HEADmain
Diffstat (limited to '9044-8.txt')
-rw-r--r--9044-8.txt4846
1 files changed, 4846 insertions, 0 deletions
diff --git a/9044-8.txt b/9044-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..77a1d29
--- /dev/null
+++ b/9044-8.txt
@@ -0,0 +1,4846 @@
+The Project Gutenberg EBook of Weh dem, der luegt, by Franz Grillparzer
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Weh dem, der luegt
+ Lustspiel in fuenf Aufzuegen
+
+Author: Franz Grillparzer
+
+Release Date: October, 2005 [EBook #9044]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on September 1, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WEH DEM, DER LUEGT ***
+
+
+
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+WEH DEM, DER LÜGT!
+
+von FRANZ GRILLPARZER
+
+Lustspiel in fünf Aufzügen
+(1840)
+
+
+
+Personen:
+
+Gregor, Bischof von Chalons
+Atalus, sein Neffe
+Leon, Küchenjunge
+Kattwald, Graf im Rheingau
+Edrita, seine Tochter
+Galomir, ihr Bräutigam
+Gregors Hausverwalter
+Der Schaffer Kattwalds
+Zwei Knechte Kattwalds
+Ein Pilger
+Ein fränkischer Anführer
+Ein Fischer
+Sein Knecht
+
+
+
+
+Erster Aufzug
+
+
+Garten im Schlosse zu Dijon, im Hintergrunde durch eine Mauer
+geschlossen, mit einem großen Gittertore in der Mitte.
+
+Leon, der Küchenjunge, und der Hausverwalter am Gartentor.
+
+
+Leon.
+Ich muß den Bischof durchaus sprechen, Herr!
+
+Hausverwalter.
+Du sollst nicht, sag ich dir, verwegner Bursch!
+
+Leon (sein Küchenmesser ziehend).
+Seht Ihr? ich zieh vom Leder, weicht Ihr nicht.
+Teilt Sonn' und Wind, wir schlagen uns, Herr Sigrid.
+
+Hausverwalter (nach dem Vorgrunde ausweichend).
+Zu Hilfe! Mörder!
+
+Leon.
+'s ist mein Scherz ja nur.
+Doch sprechen muß ich Euch den Bischof, Herr.
+
+Hausverwalter.
+Es kann nicht sein, jetzt in der Morgenstunde
+Geht er lustwandeln hier und meditiert.
+
+Leon.
+Ei, meditier' er doch vor allem erst auf mich
+Und mein Gesuch, das liegt ihm jetzt am nächsten.
+
+Hausverwalter.
+Dein Platz ist in der Küche, dahin geh!
+
+Leon.
+So? In der Küche, meint Ihr? Zeigt mir die!
+Wenn eine Küch' der Ort ist, wo man kocht,
+So sucht Ihr sie im ganzen Schloß vergebens.
+Wo man nicht kocht ist keine Küche, Herr,
+Wo keine Küche ist kein Koch. Das, seht Ihr?
+Wollt' ich dem Bischof sagen; und ich tu's,
+Ich tu's fürwahr, und säht Ihr noch so scheel.
+Pfui Schande über alle Knauserei!
+Erst schickten sie den Koch fort, nun, da meint' ich,
+Sie trauten mir so viel, und war schon stolz,
+Doch als ich anfing meine Kunst zu zeigen,
+Ist alles viel zu teuer, viel zu viel.
+Mit Nichts soll ich da kochen, wenn auch nichts.
+Nur gestern noch erhascht' ich ein Stück Wildbret,
+So köstlich als kein andres, um 'nen Spottpreis,
+Und freute mich im voraus, wie der Herr sich,
+Der Alte, Schwache, laben würde dran.
+Ja, prost die Mahlzeit! Mußt' ich's nicht verkaufen,
+An einen Sudelkoch verhandeln mit Verlust;
+Weil's viel zu teuer schien, gar viel zu kostbar.
+Nennt Ihr das Knauserei? wie, oder sonst?
+
+Hausverwalter.
+Man wird dich jagen, allzu lauter Bursch!
+
+Leon.
+Mich jagen? Ei, erspart Euch nur die Müh'!
+Ich geh von selbst. Hier, meine Schürze, seht!
+Und hier mein Messer, das Euch erst erschreckt,
+(er wirft beides auf den Boden)
+So werf ich's hin und heb es nimmer auf.
+Sucht einen andern Koch für eure Fasten!
+
+Glaubt Ihr, für Geld hätt' ich dem Herrn gedient?
+Es gibt wohl andre Wege noch und beßre,
+Sich durchzuhelfen, für 'nen Kerl wie ich.
+Der König braucht Soldaten, und, mein Treu!
+Ein Schwert wär' nicht zu schwer für diese Hand.
+Doch sah ich Euern Bischof durch die Straßen
+Mit seinem weißen Bart und Lockenhaar,
+Das Haupt gebeugt von Alterslast,
+Und doch gehoben von--ich weiß nicht was,
+Doch von was Edlem, Hohem muß es sein;
+Die Augen aufgespannt, als säh' er Bilder
+Aus einem andern, unbekannten Land,
+Die allzugroß für also kleine Rahmen:
+Sah ich ihn so durch unsre Straßen ziehn,
+Da rief's in mir: dem mußt du dienen, dem,
+Und wär's als Stallbub. Also kam ich her.
+In diesem Haus, dacht' ich, wär' Gottesfrieden,
+Sonst alle Welt im Krieg. Nun da ich hier,
+Nun muß ich sehn, wie er das Brot sich abknappt,
+Als hätt' er sich zum Hungertod verdammt,
+Wie er die Bissen sich zum Munde zählt.
+Mag das mit ansehn, wer da will, ich nicht.
+
+Hausverwalter.
+Was sorgst du mehr um ihn, als selbst er tut?
+Ist er nicht kräftig noch für seine Jahre?
+
+Leon.
+Mag sein! Doch ist's was andres noch, was Tiefers.
+Ich weiß es manchmal deutlich anzugeben,
+Und wieder manchmal spukt's nur still und heimlich.
+Daß er ein Bild mir alles Großen war
+Und daß ich jetzt so einen schmutz'gen Flecken,
+Als Geiz ist, so 'nen hämisch garst'gen Klecks,
+Auf seiner Reinheit weißem Kleide seh,
+Und sehen muß, ich tu auch, was ich will;
+Das setzt mir alle Menschen fast herab,
+Mich selber, Euch; kurz alle, alle Welt,
+Für deren Besten ich so lang ihn hielt,
+Und quält mich, daß ich wahrlich nicht mehr kann.
+Kurz, ich geh fort, ich halt's nicht länger aus.
+
+Hausverwalter.
+Und das willst du ihm sagen?
+
+Leon.
+Ja, ich will's.
+
+Hausverwalter.
+Du könntest's wagen?
+
+Leon.
+Ei, wohl mehr als das.
+Er soll sich vor mir reinigen, er soll
+Mir meine gute Meinung wieder geben,
+Und will er nicht; nun wohl denn, Gott befohlen!
+Pfui Schande über alle Knauserei!
+
+Hausverwalter.
+Des wagst du ihn zu zeihn, den frommen Mann?
+Weißt du denn nicht, daß Arme, Blinde, Lahme
+Der Säckel sind, dem er sein Geld vertraut?
+
+Leon.
+Wohl gibt er viel, und segn' ihn Gott dafür!
+Doch heißt das Gutes tun, wenn man dem Armen
+Die Spende gibt, dem Geber aber nimmt?
+Dann seht! Er ließ mich neulich rufen
+Und gab mir Geld aus einer großen Truhe
+--Die Küchenrechnung nämlich für die Woche--,
+Doch eh er's gab, nahm er 'nen Silberling
+Und sah ihn zehnmal an und küßt' ihn endlich
+Und steckt' ihn in ein Säckel, das gar groß
+Und straff gefüllt im Winkel stand der Truhe.
+Nun frag ich Euch: ein frommer Mann
+Und küßt das Geld. Ein Mann, der Hunger leidet
+Und Spargut häuft im Säckel, straff gefüllt.
+Wie nennt Ihr das? Wie nennt Ihr so 'nen Mann?
+Ich will sein Koch nicht sein. Ich geh und sag ihm's.
+
+Hausverwalter.
+Du töricht toller Bursch, willst du wohl bleiben?
+Störst du den guten Herrn, und eben heut,
+Wo er betrübt im Innern seiner Seele,
+Weil Jahrstag grade, daß sein frommer Neffe,
+Sein Atalus, nach Trier ward gesandt,
+Als Geisel für den Frieden, den man schloß;
+Allwo er jetzt, da neu entbrannt der Krieg,
+Gar hart gehalten wird vom grimmen Feind,
+Der jede Lösung unerbittlich weigert.
+
+Leon.
+Des Herren Neffe?
+
+Hausverwalter.
+Wohl, seit Jahresfrist.
+
+Leon.
+Und hat man nichts versucht, ihn zu befrein?
+
+Hausverwalter.
+Gar mancherlei; doch alles ist umsonst.
+Dort kommt der Herr, versunken in Betrachtung.
+Geh aus dem Wege, Bursch, und stör ihn nicht.
+
+Leon.
+Er schreibt.
+
+Hausverwalter.
+Wohl an der Predigt für den Festtag.
+
+Leon.
+Wie bleich!
+
+Hausverwalter.
+Ja wohl, und tief betrübt.
+
+Leon.
+Doch sprechen muß ich ihn trotz alledem.
+
+Hausverwalter.
+Komm, komm! (Er faßt ihn an.)
+
+Leon.
+Herr, ich entwisch Euch doch.
+
+(Beide ab.)
+
+(Der Bischof kommt, ein Heft in der Hand, in das er von Zeit zu
+Zeit schreibt.)
+
+Gregor. Dein Wort soll aber sein: Ja, ja; nein, nein.
+Denn was die menschliche Natur auch Böses kennt,
+Verkehrtes, Schlimmes, Abscheuwürd'ges,
+Das Schlimmste ist das falsche Wort, die Lüge.
+Wär' nur der Mensch erst wahr, er wär' auch gut.
+Wie könnte Sünde irgend doch bestehn,
+Wenn sie nicht lügen könnte, täuschen? erstens sich,
+Alsdann die Welt; dann Gott, ging' es nur an.
+Gäb's einen Bösewicht? müßt' er sich sagen,
+So oft er nur allein: du bist ein Schurk'!
+Wer hielt' sie aus, die eigene Verachtung?
+Allein die Lügen in verschiednem Kleid:
+Als Eitelkeit, als Stolz, als falsche Scham,
+Und wiederum als Großmut und als Stärke,
+Als innre Neigung und als hoher Sinn,
+Als guter Zweck bei etwa schlimmen Mitteln,
+Die hüllen unsrer Schlechtheit Antlitz ein
+Und stellen sich geschäftig vor, wenn sich
+Der Mensch beschaut in des Gewissens Spiegel.
+Nun erst die wissentliche Lüge! Wer
+Hielt' sie für möglich, wär' sie wirklich nicht?
+Was, Mensch, zerstörst du deines Schöpfers Welt?
+Was sagst du, es sei nicht, da es doch ist;
+Und wiederum, es sei, da es doch nie gewesen?
+Greifst du das Dasein an, durch das du bist?
+Zuletzt noch: Freundschaft, Liebe, Mitgefühl
+Und all die schönen Bande unsers Lebens,
+Woran sind sie geknüpft als an das wahre Wort?
+Wahr ist die ganze kreisende Natur;
+Wahr ist der Wolf, der brüllt, eh' er verschlingt,
+Wahr ist der Donner, drohend, wenn es blitzt,
+Wahr ist die Flamme, die von fern schon sengt,
+Die Wasserflut, die heulend Wirbel schlägt;
+Wahr sind sie, weil sie sind, weil Dasein Wahrheit.
+Was bist denn du, der du dem Bruder lügst,
+Den Freund betrügst, den Nächstes hintergehst?
+Du bist kein Tier, denn das ist wahr;
+Kein Wolf, kein Drach', kein Stein, kein Schierlingsgift:
+Ein Teufel bist du, der allein ist Lügner,
+Und du ein Teufel, insofern du lügst.
+Drum laßt uns wahr sein, vielgeliebte Brüder,
+Und euer Wort sei ja und nein auf immer.
+
+So züchtig' ich mich selbst für meinen Stolz.
+Denn wär' ich wahr gewesen, als der König
+Mich jüngst gefragt, ob etwas ich bedürfe,
+Und hätt' ich Lösung mir erbeten für mein Kind,
+Er wär' nun frei, und ruhig wär' mein Herz.
+Doch weil ich zürnte, freilich guten Grunds,
+Versetzt' ich: Herr, nicht ich bedarf dein Gut;
+Den Schmeichlern gib's, die sonst dein Land bestehlen.
+Da wandt' er sich im Grimme von mir ab,
+Und fort in Ketten schmachtet Atalus.
+(Er setzt sich erschöpft auf eine Rasenbank.)
+
+Leon (kommt von der Seite).
+Hat's Müh' gebraucht, dem Alten zu entkommen!
+Da sitzt der Herr. Daß Gott! Mit bloßem Haupt.
+Erst ißt er nicht, dann in die Frühlingsluft,
+Die rauh und kalt, noch nüchtern wie er ist.
+Er bringt sich selbst ums Leben. Ja, weiß Gott,
+Blieb' ich in seinem Dienst, ich kauft' 'ne Mütz'
+Und würf' sie ihm in Weg, daß er sie fände
+Und sich das Haupt bedeckte; denn er selbst,
+Er gönnt sich's nicht. Pfui, alle Knauserei!
+Er sieht mich nicht. Ich red ihn an, sonst kehrt
+Herr Sigrid wieder, und es ist vorbei.
+Ehrwürd'ger Herr!
+
+Gregor.
+Rufst du, mein Atalus?
+
+Leon.
+Ich, Herr.
+
+Gregor.
+Wer bist du?
+
+Leon.
+Ei, Leon bin ich,
+Leon der Küchenjunge, oder gar wohl
+Leon der Koch, will's Gott.
+
+Gregor (stark).
+Ja wohl, wenn Gott will.
+Denn will er nicht, so liegst du tot, ein Nichts.
+
+Leon.
+Ei, habt Ihr mich erschreckt!
+
+Gregor.
+Was willst du?
+
+Leon.
+Herr--
+
+Gregor.
+Wo ist die Schürze und dein Messer, Koch?
+Und wes ist das, so vor mir liegt im Sand?
+
+Leon.
+Das ist mein Messer, meine Schürze, Herr.
+
+Gregor.
+Weshalb am Boden?
+
+Leon.
+Herr, ich warf's im Zorn
+Von mir.
+
+Gregor.
+Hast du's im Zorn von dir gelegt,
+So nimm's in Sanftmut wieder auf.
+
+Leon.
+Ja, Herr--
+
+Gregor.
+Fällt's dir zu schwer, so tu ich's, Freund, für dich.
+(Er bückt sich.)
+
+Leon (zulaufend).
+Je, würd'ger Herr! O weh! was tut Ihr doch?
+(Er hebt beides auf.)
+
+Gregor.
+So! und leg beides an, wie sich's gebührt.
+Ich mag am Menschen gern ein Zeichen seines Tuns.
+Wie du vor mir standst vorher, blank und bar,
+Du konntest auch so gut ein Tagdieb sein,
+Hinausgehn in den Wald, aufs Feld, auf Böses.
+Die Schürze da sagt mir, du seist mein Koch,
+Und sagt dir's auch. Und so, mein Sohn, nun rede.
+
+Leon.
+Weiß ich doch kaum, was ich Euch sagen wollte.
+Ihr macht mich ganz verwirrt.
+
+Gregor.
+Das wollt' ich nicht.
+Besinn dich, Freund! War es vielleicht, zu klagen?
+Die Schürze da am Boden läßt mich's glauben.
+
+Leon.
+Ja wohl, zu klagen, Herr. Und über Euch.
+
+Gregor.
+So? über mich? das tu ich, Freund, alltäglich.
+
+Leon.
+Nicht so, mein Herr, nicht so! Und wieder doch!
+Allein nicht als Leon, ich klag als Koch,
+Als Euer Koch, als Euer Diener, Herr:
+Daß Ihr Euch selber haßt.
+
+Gregor.
+Das wäre schlimm!
+Noch schlimmer Eigenhaß als Eigenliebe.
+Denn hassen soll man nur das Völlig-Böse;
+Und völlig-bös, aufrichtig, Freund, glaub ich mich nicht.
+
+Leon.
+Ei, was Ihr sprecht! Ihr völlig böse, Herr?
+Ihr völlig gut, ganz völlig, bis auf eins.
+
+Gregor.
+Und dieses eine wär', daß ich mich hasse?
+
+Leon.
+Daß Ihr Euch selbst nichts gönnt, daß Ihr an Euch
+Abknappt, was Ihr an andre reichlich spendet.
+Und das kann ich nicht ansehn, ich, Eu'r Koch.
+Ihr müßt dereinst am jüngsten Tag vertreten
+Wohl Eure Seel', ich Euern Leib, von Rechtens,
+Und darum sprech ich hier in Amt und Pflicht.
+Seht! essen muß der Mensch, das weiß ein jeder,
+Und was er ißt, fließt ein auf all sein Wesen.
+Eßt Fastenkost und Ihr seid schwachen Sinns,
+Eßt Braten und Ihr fühlet Kraft und Mut.
+Ein Becher Weins macht fröhlich und beredt,
+Ein Wassertrunk bringt allzuviel auf g'nug.
+Man kann nicht taugen, Herr, wenn man nicht ißt.
+Ich fühle das an mir, und deshalb red ich.
+Solang ich nüchtern, bin ich träg und dumm,
+Doch nach dem Frühstück schon kommt Witz und Klugheit,
+Und ich nehm's auf mit jedem, den Ihr wollt.
+Seht Ihr?
+
+Gregor.
+Hast du gegessen heute schon?
+
+Leon.
+Ei ja!
+
+Gregor.
+Daß Gott! drum sprichst du gar so klug.
+
+Leon.
+Ei, klug nun oder unklug, wahr bleibt's doch.
+Den Braten nur vom Hirschkalb, gestern noch,
+Zurück mußt ich ihn schicken, ihn verkaufen,
+Ein Stückchen Fleisch, wie keins Ihr je gesehn.
+
+Gregor.
+Er war zu kostbar, Freund, für mich.
+
+Leon.
+Zu kostbar?
+Für so 'nen Herrn? Ei seht! Warum nicht gar?
+Dann hätt' er Euch so viel als nichts gekostet;
+Ja, wirklich nichts. Wollt Ihr ihn heute, Herr?
+Er ist noch da und kostet nichts; denn seht
+'s ist so--'s ist ein Geschenk von frommen Leuten.
+Wahrhaftig ein Geschenk.
+
+Gregor.
+Lügst du?
+
+Leon.
+Ei was!
+
+Gregor.
+Weh dem, der lügt!
+
+Leon.
+Nu, nu!
+
+Gregor.
+Verwegener!
+
+Leon.
+Hab ich gelogen, war's zu gutem Zweck.
+
+Gregor.
+Was weißt du schwacher Wurm von Zweck und Enden?
+Der oben wird's zu seinem Ziele wenden.
+Du sollst die Wahrheit reden, frecher Bursch!
+
+Leon.
+Nun also: ich hätt's, Herr, bezahlt für Euch.
+Wozu so viel Geschrei? Ich tu's nicht wieder.
+Hätt' ich mein Tag geglaubt, daß so was Sünde!
+
+Gregor.
+Geh jetzt!
+
+Leon.
+So lebt denn wohl!
+(Er geht, kehrt aber gleich wieder um.)
+Doch noch ein Wort!
+Zürnt nicht, ich kann wahrhaftiglich nicht anders.
+So 'n Herr, so brav, daß selbst die kleinste Lüge,
+Ein Notbehelf ihn aufbringt--Zürnet nicht!
+Ich rede ja den Lügen nicht das Wort,
+Ich meine nur--Daß so ein wackrer Herr--
+Es muß heraus! daß so ein Herr--pfui geizig!
+Was hat denn Geld so Schön's, daß Ihr's so liebt?
+
+Gregor.
+Wie kommst du darauf?
+
+Leon
+Würd'ger Herr, mit Gunst!
+Ich sah Euch einen Sack mit Pfennig' küssen,
+Der oben steht im Winkel Eurer Truhe,
+Und hier spart Ihr Euch ab, um dort zu sammeln?
+Nennt Ihr das recht? Seht Ihr, so sind wir wett.
+
+Gregor.
+Das also war's?
+
+Leon.
+Ja das. Und nicht bloß ich,
+Auch andre Leute nehmen das Euch übel,
+Und seht, das kränkt mich, Euern treuen Diener.
+
+Gregor.
+Da, seh ich, wird Rechtfertigung zur Pflicht.
+Ein Seelenhirt soll gutes Beispiel geben,
+Und nimmer komme Ärgernis durch mich.
+Setz dich und höre, wie ich mich verteid'ge.
+
+Leon.
+Je Herr!
+
+Gregor.
+Ich sage: setze dich!
+
+Leon.
+Nun, hier denn.
+(Er setzt sich auf die Erde vor dem Bischof nieder.)
+
+Gregor.
+Dich hat geärgert, daß ich Spargut häufe,
+Das Geld geküßt, das ich mir abgedarbt.
+Hör zu! Vielleicht, daß du mich dann entschuldigst.
+Als man, es ist jetzt übers Jahr, den Frieden,
+Den langersehnten, schloß mit den Barbaren
+Jenseits des Rheins, da gab und nahm man Geisel,
+Sich wechselseits mißtrauend, und mit Recht.
+Mein Neffe, meiner einzigen Schwester Sohn,
+Mein Atalus, war in der Armen Zahl,
+Die, aus dem Kreis der Ihren losgerissen,
+Verbürgen sollten den erlognen Frieden.
+Kaum war er angelangt bei seinen Hütern
+Im Rheingau, über Trier weit hinaus,
+Wo noch die Roheit, die hier Schein umkleidet,
+In erster Blöße Mensch und Tier vermengt,
+Kaum war er dort, so brach der Krieg von neuem,
+Durch Treubruch aufgestachelt, wieder los,
+Und beide Teile rächen an den Geiseln,
+Den schuldlos Armen, ihrer Gegner Schuld.
+So liegt mein Atalus nun hart gefangen,
+Muß Sklavendienst verrichten seinem Herrn.
+
+Leon.
+Ach je, daß Gott!
+
+Gregor.
+Ich hab um Lösung mich verwendet.
+Doch fordern seine Hüter hundert Pfund
+An guter Münze fränkischen Geprägs.
+Und so viel hab ich nicht.
+
+Leon.
+Ihr scherzt doch nur,
+Denn dreimal hundert Pfund, und wohl noch drüber,
+Zinst ihrem Vorstand Langres' Kirchgemeine.
+
+Gregor.
+Das ist das Gut der Armen und nicht meins.
+Dem Bischof gab man, daß er geben könne,
+Des Kirchenguts Verwalter, nicht sein Herr.
+Doch Kleidung, Nahrung und des Leibes Notdurft,
+Das mag der Bischof fordern, wie ein andrer,
+Und was er dran erspart, ist sein vielleicht.
+Vielleicht; vielleicht auch nicht. Ich hab's gewagt zu deuten.
+Sooft ich nun ein armes Silberstück
+Von meinem Teil erspart, leg ich's beiseite,
+Wie du gesehn, und mag's auch manchmal küssen,
+Wie du mir vorwirfst; denn es ist das Lösgeld
+Für meinen Atalus, für meinen Sohn.
+
+Leon (aufspringend).
+Und ist schon viel im Sack?
+
+Gregor.
+Schon bei zehn Pfund.
+
+Leon.
+Und hundert soll er gelten? Herr, mit Gunst!
+Da mögt Ihr lange sparen, bis es reicht.
+Indes quält man den armen Herrn zu Tod.
+
+Gregor.
+Ich fürchte, du hast recht.
+
+Leon.
+Je, Herr, das geht nicht.
+Das muß man anders packen, lieber Herr.
+Hätt' ich zehn Bursche nur gleich mir, beim Teufel!--
+Bei Gott! Herr, wollt' ich sagen--ich befreit' ihn.
+Und so auch, ich allein. Wär' ich nur dort,
+Wo er in Haft liegt!--Herr, was gebt Ihr mir?--
+Das ist 'ne Redensart, ich fordre keinen Lohn.--
+Was gebt Ihr mir, wenn ich ihn Euch befreie?
+Wär' ich nur dort, ich lög' ihn schon heraus.
+
+Gregor.
+Weh dem, der lügt!
+
+Leon.
+Ja so? Nu, Herr, mit Gunst!
+Um Gotteswillen gibt man ihn nicht frei.
+Da bleibt nichts übrig, als: wir reden Wahrheit,
+Und er bleibt, wo er ist. Verzeiht! und Gott befohlen!
+Ich hab's nicht schlimm gemeint. (Er geht.)
+
+Gregor.
+Du Vater aller,
+In deine Hand befehl ich meinen Sohn!
+
+Leon (umkehrend).
+Ach Herr, verzeiht! es fuhr mir so heraus.
+Weiß man doch kaum, wie man mit Euch zu sprechen.
+Ich hatte fast ein Plänchen ausgedacht,
+Den dummen Teufeln im Barbarenland,
+Des Neffen Hütern, seht, eins aufzuheften
+Und ihn wohl gar, wenn's gut geht, zu befrein.
+Doch Wahrheit, Herr--
+
+Gregor.
+Du sollst nicht fälschlich zeugen,
+Hat Gott der Herr im Donnerhall gesprochen.
+
+Leon.
+Allein bedenkt--!
+
+Gregor.
+Weh dem, der lügt!
+
+Leon.
+Und wenn nun Euer Neffe drob vergeht?
+
+Gregor.
+So mag er sterben, und ich sterbe mit.
+
+Leon.
+Ach, das ist kläglich! Was habt Ihr gemacht?
+Ich bin nun auch in Haft, geplagt, geschlagen,
+Kann nimmer ruhn, nicht essen, trinken, schlafen,
+Solang das zarte Herrlein Euch entwandt.
+Bei Trier, sagt Ihr, liegt er; war's nicht so?
+
+Gregor.
+Ja wohl!
+
+Leon.
+Wie, Herr, wenn eins zum Feinde ginge,
+Statt Atalus sich stellte dem Verhaft?
+
+Gregor.
+Zu Geiseln wählt man mächt'ger Leute Kinder;
+Leon bürgt kaum für sich, wie denn für andre?
+
+Leon.
+Hm, das begreift sich.--Doch wenn Atalus
+Ersäh' den Vorteil, seiner Haft entspränge?
+
+Gregor.
+Er möcht' es ohne Sünde, denn der Krieg
+Zählt ihrer Bürgschaft los des Friedens Geiseln,
+Und nur mit Unrecht hält man ihn zurück.
+Allein wie könnt' ein Jüngling, weich erzogen,
+Vielleicht zu weich, in solcher Not sich helfen,
+Durch wüste Steppen wandern, Feinden trotzen,
+Der Not, dem Mangel?--Atalus kann's nicht.
+
+Leon.
+Doch wenn ein tücht'ger Bursch zu Seit' ihm stände,
+Ihn zu Euch brächte, lebend und gesund?
+Entlaßt mich Eures Diensts!
+
+Gregor.
+Was sinnest du?
+
+Leon.
+Ich geh nach Trier.
+
+Gregor.
+Du?
+
+Leon.
+Bring Euch den Neffen.
+
+Gregor.
+Dünkt dir zu scherzen Zeit?
+
+Leon.
+Vergeb' Euch's Gott!
+Ich scherzte nicht, drum sollt auch Ihr nicht scherzen.
+In vollem Ernst, ich stell Euch Euern Sohn.
+
+Gregor.
+Und wenn du's wolltest, wenn du's unternähmst,
+Ins Haus des Feinds dich schlichest, ihn betrogst,
+Mißbrauchtest das Vertraun, das Mensch dem Menschen gönnt,
+Mit Lügen meinen Atalus befreitest;
+Ich würd' ihn von mir stoßen, rück ihn senden
+Zu neuer Haft; ihm fluchen, ihm und dir.
+
+Leon.
+Topp! Herr, auf die Bedingung.--Aber seht,
+Wenn nicht ein bißchen Trug uns helfen soll,
+Was hilft denn sonst?
+
+Gregor (stark).
+Gott! Mein, dein, aller Gott!
+
+Leon (auf die Knie fallend).
+O weh, Herr!
+
+Gregor.
+Was?
+
+Leon.
+Es blitzte.
+
+Gregor.
+Wo?
+
+Leon.
+Mir schien's so.
+
+Gregor.
+Im Innern hat des Guten Geist geleuchtet,
+Der Geist des Argen fiel vor seinem Blitz.
+Was dir in diesem Augenblicke recht erscheint,
+Das tu! Und sei dir selber treu und Gott.
+Weh dem, der lügt!
+
+Leon (der aufgestanden ist).
+So gebt Ihr mir Vergünst'gung?
+
+Gregor.
+Tu, was dir Gott gebeut; vertrau auf ihn!
+Vertraue, wie ich's nicht getan, ich nicht,
+Ich schwacher Sünder nicht.
+Hier, nimm den Schlüssel
+Zum Säckel, der in meiner Truhe liegt.
+
+(Er zieht ihn aus der Brust und will ihn Leon geben, gibt ihn aber dem
+Hausverwalter, der zur Seite sichtbar geworden ist und sich damit entfernt.)
+
+Er hält zehn Pfund, des Neffen Lösegeld,
+Das ich gespart, den Darbenden entzogen,
+Vom Golde hoffend, was nur Gott vermag.
+Verteil's den Armen, hilf damit den Kranken.
+Es soll der Bischof nimmer Spargut sammeln;
+Den Hirten setzt man um der Herde wegen,
+Der Nutzen ist des Herrn. Leb wohl, mein Sohn!
+Den Winzer ruft der Herr in seinen Garten,
+Die Glocke tönt, und meine Schafe warten. (Ab.)
+
+(Leon steht unbeweglich. Ein Pilger naht.)
+
+Pilger (die Hand ausstreckend).
+Ein armer Pilgersmann.
+
+Leon.
+Was ist? Wer bist du?
+
+Pilger.
+Ein armer Mann, von Kompostella pilgernd
+Zur Heimat weit.
+
+Leon.
+Wohin?
+
+Pilger.
+Ins Rheingau, lieber Herr.
+
+Leon. Ins Rheingau?
+
+Pilger.
+Hinter Trier.
+
+Leon.
+Trier?
+
+Pilger.
+Noch zwei Meilen.
+
+Leon.
+Nach Trier?--Gott! Nimmst du mich mit, mein Freund?
+
+Pilger.
+Wenn Ihr nicht Wegeslast und Mangel scheut.
+
+(Herr Sigrid ist mit dem Säckel gekommen; Leon nimmt ihn.)
+
+Leon.
+Ha, Mangel? Sieh den Säckel!--Aber halt!
+Den Armen hat's der gute Herr beschieden,
+Den Armen sei's. Hier, Freund, für dich ein Stück,
+Arm bist du ja doch auch!
+Das andre euch!
+
+(Arme und Bresthafte, die sich am Gittertor gesammelt hatten, sind nach
+und nach eingetreten.)
+
+Ich ziehe fort mit Gott und seinem Schirm.
+(Er verteilt das Geld unter sie.)
+Er wird vollenden, was mit ihm begonnen.
+(Zum Pilger, der dem Gelde nachsieht.)
+Du hast dein Teil. Nach Trier fort, mit Gott!
+(Er zieht ihn fort.)
+
+
+
+
+Zweiter Aufzug
+
+
+Innerer Hof in Kattwalds Hause. Die rechte Seite schließt eine Lehmwand
+mit einem großen Tor. Links im Mittelgrunde eine Art Laube von Brettern,
+als Vorküche, deren Fortsetzung durch die Kulisse verdeckt ist. Im
+Hintergrunde, bis in die Mitte der Bühne hineinreichend, von einem Graben
+umgeben, die große Halle des Hauses, deren Fenster nach vorn gehen. Die
+Verbindung wird durch eine hölzerne Brücke hergestellt, die von der
+seitwärts angebrachten Tür der Halle an, parallel mit der Bühne laufend,
+durch eine Seitenabdachung sich nach vorn wendet.
+
+Der Pilger und Leon kommen.
+
+
+Pilger.
+Nun seht denn, mein Versprechen ist erfüllt.
+Wir sind im Hause Kattwalds, Graf im Rheingau.
+Die Wand hier schließt sein inneres Gehöft,
+Und jene Halle herbergt seine Gäste.
+Geladne Gäste nämlich, denn, mein Freund,
+Mit ungeladnen fährt er nicht gar sanft.
+Ich sag Euch das voraus, daß Ihr Euch vorseht.
+
+Leon.
+Ich werde wohl. Habt Dank!
+So hieß es: Kattwald,
+Der Graf im Rheingau, da liegt er gefangen.
+
+Pilger.
+Ihr wart so munter auf der ganzen Reise,
+Nun seid Ihr ernst.
+
+Leon.
+Man wird's wohl ab und zu!
+Doch mahnt Ihr recht. Nur froher Mut vollbringt.
+Leon, sei erst Leon. Und eins bedenke:
+Weh dem, der lügt!--So mindstens will's der Herr.
+(Achselzuckend.)
+Man wird ja sehn.--Nun, Freund, zwei Worte noch!
+
+Pilger.
+Ein Wort auch noch zu Euch, so schwer mir's fällt.
+Ich hab Euch her in dieses Haus geleitet,
+Wich drum von meiner Straße weithin ab
+Und muß zurück nun manche lange Meile.
+Die Reisezehrung ist zu Ende.
+
+Leon.
+Recht!
+Gerade davon wollt' ich sprechen.
+
+Pilger.
+Auch
+Habt Ihr wohl selbst, da wir die Fahrt begannen,
+Mir zugesichert--
+
+Leon.
+Reichliche Belohnung.
+
+Pilger.
+Und nun--
+
+Leon.
+Seh ich dir nachgerad nicht aus,
+Als ob von Lohn gar viel zu holen wäre?
+
+Pilger.
+In Wahrheit fürcht ich--
+
+Leon.
+Fürchte nicht!
+Geld oder Geldeswert, das ist dir gleich?
+
+Pilger.
+Ja wohl.
+
+Leon.
+Nun, Geld hab ich auch wirklich nicht;
+Doch Ware, Ware, Freund.
+
+Pilger.
+Ei, etwa leichte?
+
+Leon.
+Nicht leichter als ein Mensch von unserm Schlag.
+Kurz, einen Sklaven, Freund!
+
+Pilger.
+Wo wär' denn der?
+
+Leon.
+Ei, hier.
+
+Pilger (sich rings umsehend).
+Wo denn? Wir sind ja ganz allein.
+
+Leon.
+Das macht, der Sklav' ist eben unter uns.
+
+Pilger (zurückweichend).
+Ich bin ein freier Mann.
+
+Leon.
+Nu also denn!
+Wir sind zu zwei. Ist einer nun der Sklave,
+Und du bist's nicht, so kann nur ich es sein.
+
+Pilger.
+Ei, plumper Scherz!
+
+Leon.
+Der Scherz, so plump er ist,
+Ist fein genug für etwas plumpe Leute.
+Kurz, Freund, ich schenke mich als Sklaven dir,
+Auf die Bedingung, daß du mich verkaufst,
+Und zwar im Hause hier. Der Preis ist dein,
+Und ist der Lohn, den damals ich versprochen.
+(Er geht gegen das Haus zu.)
+Heda, vom Haus! Herbei!
+
+Pilger.
+So hört doch nur!
+
+Leon.
+Niemand daheim?
+
+Kattwald (im Innern des Hauses).
+Hurra! Packan! Hallo!
+
+Leon.
+Die Antwort ist uns etwas unverständlich.
+Kommt erst und seht!
+
+Kattwald (auf der Brücke erscheinend).
+Was also soll es?
+
+Pilger.
+Er ist toll.
+
+Kattwald (herabkommend).
+Und wer hat euch erlaubt?
+
+Leon.
+Ei was, erlaubt!
+So was erlaubt sich selbst. Wen's schmerzt, der schreit.
+Wer seid Ihr denn?
+
+Kattwald.
+Potz Blitz! und wer bist du?
+
+Leon.
+Und wer seid Ihr?
+
+Kattwald.
+Man wird dir Beine machen.
+Ich bin Graf Kattwald.
+
+Leon.
+Kattwald? Eben recht.
+Seht nur, an Euch will mich mein Herr verkaufen.
+
+Kattwald.
+An mich?
+
+Leon.
+Im Grund ist's lächerlich. Ja wohl!
+Ein schmuckes Bursch aus fränkischem Geblüt,
+Am Hof erzogen, von den feinsten Sitten,
+Und den in ein Barbarennest verkauft,
+Halb Stall, halb Gottes freier Himmel. Pah!
+Doch ist's einmal beschlossen, und so bleibt's.
+
+Kattwald.
+Was hält mich ab, die Knechte 'rauszurufen
+Und dich samt deinem Herrn mit Hieb und Stoß--?
+
+Leon (zum Pilger).
+Seht Ihr? nun bricht er los. Es geht nicht, fürcht ich.
+Verkauft mich unter Menschen, doch nicht hier.
+
+Kattwald.
+Wer ist der tolle Bursch?
+
+Pilger.
+Je, Herr--
+
+Leon.
+Mit Gunst!
+Ich bin sein Sklav', man hat mich ihm geschenkt,
+Er will mich Euch verkaufen, das ist alles.
+
+Kattwald.
+Dich kaufen? Ei, du stählest wohl dein Brot.
+
+Leon.
+Wie Ihr's versteht! Ich schaffe selbst mein Brot
+Und schaff's für andre auch.
+(Zum Pilger.)
+Erklärt ihm das,
+Und wer ich bin, und meine Qualitäten.
+
+Pilger.
+Er ist ein Koch, berühmt in seinem Fach.
+
+Kattwald.
+So kannst du also kochen?
+
+Leon (zum Pilger).
+Hört Ihr wohl?
+(Zu Kattwald.)
+Ja, kochen, Herr. Doch nur für fränk'sche Gaumen,
+Die einer Brühe Reiz zu schmecken wissen,
+Die Zutat merken und die feine Würze.
+Die, seht Ihr? so das Haupt zurückgebogen,
+Das Aug' gen Himmel, halb den Mund geschlossen,
+Die Luft gezogen schlurfend durch die Zähne,
+Euch fort und fort den Nachgeschmack genießen,
+Entzückt, verklärt.
+
+Kattwald.
+Ei je, das kann ich auch.
+
+Leon.
+Die rot Euch werden, wenn der Braten braun,
+Und blaß, wenn er es nicht.
+
+Kattwald.
+Braun, braun, viel lieber braun.
+
+Leon.
+Doch, Herr, zu braun--
+
+Kattwald.
+So recht die Mitte.
+
+Leon.
+Die Euch vom Hirsch den schlanken Rücken wählen,
+Das andre vor die Hunde.
+
+Kattwald.
+Ah, die Schenkel--
+
+Leon.
+Ich sag Euch: vor die Hunde. Doch was red ich?
+Hier nährt man sich, der Franke nur kann essen.
+
+Kattwald.
+Ei, essen mag ich auch, und gern was Gutes.
+Wie teuer haltet Ihr den Burschen da?
+
+Leon.
+Am Ende paß ich wirklich nicht für Euch.
+
+Kattwald.
+Du sollst gehalten sein nach Wunsch und Willen.
+
+Leon.
+Ein Künstler lebt und webt in seiner Kunst.
+
+Kattwald.
+Ei künstle zu, je mehr, um desto lieber.
+Längst hätt' ich mir gewünscht 'nen fränk'schen Koch,
+Man sagt ja Wunder, was sie tun und wirken.
+Wie teuer ist der Mann? Und grade jetzt,
+An meiner Tochter Hochzeittag; da zeige,
+Was du vermagst. An Leuten soll's nicht fehlen,
+Die vollauf würdigen, was du bereitet.
+Wie teuer ist der Mann?
+
+Leon.
+Wenn Ihr versprecht,
+Zu halten mich, nicht wie die andern Diener;
+Als Hausgenoß, als Künstler.
+
+Kattwald.
+Je, ja doch.
+
+Leon.
+Euch zu enthalten alles rohen Wesens
+In Worten, Werken.
+
+Kattwald.
+Bin ich denn ein Bär?
+Wie teuer ist der Mann?
+
+Leon.
+Wenn Ihr--
+
+Kattwald.
+Zu tausend Donner!
+Wie teuer ist der Mann? frag ich noch einmal.
+Könnt' Ihr nicht reden, oder wollt Ihr nicht?
+
+Pilger.
+Je Herr--
+
+Kattwald.
+Nu, Herr?
+
+Pilger.
+Es ist--
+
+Kattwald.
+Nu was?
+
+Pilger.
+Ich dächte--
+
+Kattwald.
+Wenn Ihr den Preis nicht auf der Stelle nennt,
+So hetz ich Euch mit Hunden vom Gehöfte.
+Bin ich Eu'r Narr?
+
+Pilger (gegen Leon).
+Wenn ich denn reden soll.
+
+Leon.
+Ei, redet nur.
+
+Pilger.
+So mein ich: zwanzig Pfund.
+
+Kattwald.
+Edrita! Zwanzig Pfund aus meiner Truhe!
+
+Leon.
+Was fällt Euch ein? Um zwanzig Pfund? Ei, schämt Euch!
+Ein Künstler, so wie ich.
+
+Kattwald.
+Was geht das dich an?
+
+Leon.
+Ich tu's wahrhaftig nicht. Ich geh mit Euch.
+
+Kattwald.
+Du bleibst.
+
+Leon.
+Nein, nicht um zwanzig Pfund. Macht dreißig!
+
+Kattwald.
+Ein Sklave, der sich selbst verkaufen will!
+
+Leon.
+Nicht unter dreißig.
+
+Kattwald (zum Pilger).
+Wir sind handelseins.
+
+Leon.
+Ich aber will nicht.
+
+Kattwald.
+Ei, man wird dich zwingen.
+
+Leon.
+Mich zwingen? Ihr? Wenn Ihr nicht dreißig zahlt,
+Lauf ich beim ersten Anlaß Euch davon.
+
+Kattwald.
+Versuch es!
+
+Leon.
+Stürze mich vom höchsten Giebel.
+
+Kattwald.
+Man bindet dich.
+
+Leon.
+Versalz Euch alle Brühen.
+
+Kattwald.
+Halt ein, verwegner Bursch!--Nu, fünfundzwanzig.
+Mit fünfundzwanzig Pfund--
+
+Leon.
+Herr, dreißig, dreißig.
+Es geht um meine Ehre.
+
+Kattwald.
+Sollt sie haben.
+Geht in mein Haus, laßt Euch das Geld bezahlen.
+Ich kann nicht mehr. Der Ärger bringt mich um.
+
+Pilger.
+So soll ich denn--?
+
+Leon.
+Geht hin, holt Euern Lohn!
+
+Pilger.
+Ihr aber bleibt?
+
+Leon.
+Ich bleibe hier, mit Gott.
+
+Pilger.
+Nun, er behüt' Euch, wie er Euch versteht.
+(Pilger geht.)
+
+Kattwald (der sich gesetzt hat).
+Nun bist du mein, nun könnt' ich dir vergelten,
+Was du gefrevelt erst mit keckem Wort.
+
+Leon.
+Wenn Ihr schon wollt, tut's bald; denn, wie gesagt,
+Ich lauf davon.
+
+Kattwald (aufspringend).
+Daß dich!--Und doch, 's ist töricht.
+Schau, hier entkommst du nicht. Ich lache drob.
+Weißt du, wie's einem Burschen jüngst erging,
+Der uns entspringen wollte? einem von den Geiseln
+Jenseits des Rheins.
+
+Leon.
+Ach, Herr!
+
+Kattwald.
+Man fing ihn wieder,
+Und--
+
+Leon.
+Und?
+
+Kattwald.
+An einem Baumstamm festgebunden,
+Ward seine Brust ein Ziel für unsre Pfeile.
+
+Leon.
+Ein Franke, Herr? Ein fränk'scher Geisel?
+
+Kattwald.
+Wohl.
+Der Neffe--
+
+Leon.
+Neffe?
+
+Kattwald.
+Von des Königs Kämmrer
+Klotar.
+
+Leon (aufatmend).
+Verzeih mir meine Sünde!
+Ich kann nur sagen: Gott sei Dank!
+
+Kattwald.
+Doch bist du klug; du wirst es nicht versuchen.
+Sieh nur, das weiß ich, sprich auch, was du willst.
+Am Ende wirst du finden, daß dir's wohlgeht,
+Und lust'ge Leute kennen ihren Vorteil,
+Nur Grämlichen wird's ewig nirgends wohl.
+Auch mag ich dir den kecken Ton erlauben,
+Wenn wir allein sind; doch vor Leuten, Bursche--
+
+Leon.
+Husch, husch!
+
+Kattwald (zusammenfahrend).
+Was ist?
+
+Leon.
+Dort lief ein Marder,
+Gerad ins Hühnerhaus.
+
+Kattwald.
+Daß dich die Pest!
+Nun hab ich's satt. Die Peitsche soll dich lehren.
+
+Leon (singt).
+
+Trifft die Peitsche den Koch,
+So rächt er sich doch,
+Mag die Peitsche auch kochen,
+Solang er im Loch.
+
+
+Kattwald.
+Sing nicht!
+
+(Leon pfeift die vorige Melodie.)
+
+Und pfeif auch nicht!
+
+Leon.
+Was sonst denn?
+
+Kattwald.
+Reden.
+
+Leon.
+Nun also: Euer Drohen acht ich nicht.
+Ihr könnt mich plagen; ei, ich plag Euch wieder.
+Ihr laßt mich hungern, ich laß Euch desgleichen;
+Denn Euer Magen ist mein Untertan,
+Mein untergebner Knecht von heute an,
+Wir stehn als Gleiche gleich uns gegenüber.
+Drum laßt uns Frieden machen, wenn Ihr wollt.
+Ich bleib bei Euch, solang es mir gefällt,
+Bin Euer Koch, solang ich mag und will.
+Mag ich nicht mehr, gefällt's mir fürder nicht,
+So geh ich fort, und all Eu'r Drohn und Toben
+Soll mich nicht halten, bringt mich nicht zurück.
+Ist's Euch so recht, so gebt mir Eure Hand.
+
+Kattwald.
+Die Hand! Was glaubst du denn?
+
+Leon.
+Ihr fallt schon wieder
+In Euern alten Ton.--He, Knechte, ho!
+Kommt her und bindet mich! Bringt Stricke, Pflöcke!
+Sonst geh ich fort, fast eh' ich dagewesen.
+He, holla, ho!
+
+Kattwald.
+So schweig nur, toller Bursch!
+Hier hast du meine Hand, auf daß du bleibst--
+
+Leon.
+Und fortgeh, wenn--
+
+Kattwald.
+Du kannst. Und wenn du willst,
+Setz ich hinzu und weiß wohl, was ich sage.
+Besorgst du mir den Tisch, wie ich es mag,
+So soll dir Kattwalds Haus wohl noch gefallen.
+Und nun geh an dein Amt und zeig mir Proben
+Von dem, was du vermagst.
+
+Leon.
+Wo ist die Küche?
+
+Kattwald.
+Nun, dort.
+
+Leon.
+Das Hundeställchen? Ei, Gott walt's!
+Das hat nicht Raum, nicht Fug, nicht Schick.
+
+Kattwald.
+Nu, nu!
+Begnüg dich nur für jetzt, man wird ja sehn.
+Was gibst du heute mittags?
+
+Leon.
+Heute mittags?
+(Ihn verächtlich messend.)
+Rehbraten etwa.
+
+Kattwald.
+Gut.
+
+Leon.
+Gedämpftes.--Aber nein.
+
+Kattwald (eifrig).
+Warum nicht?
+
+Leon.
+Ihr müßt erst essen lernen,
+Erst nach und nach den Gaum, die Zunge bilden,
+Bis Ihr des Bessern wert seid meiner Kunst.
+Für heute bleibt's beim Braten, und aufs höchste--
+Wir wollen sehn.
+
+Kattwald.
+Nun sieh nur, sieh!
+
+Leon (rufend).
+Nun Holz
+Und Fett und Mehl und Würze! Tragt zusammen,
+Was Hof und Haus vermag. He, Knechte, Mägde!
+
+(Diener sind gekommen.)
+
+Du feg den Estrich! Du bring Holz herbei!
+Ist das Gerät? Habt Ihr nicht schärfte Messer?
+Das Fleisch mag angehn. Pfui, was trockne Rüben!
+(Er wirft sie weit weg.)
+Der Pfeffer stumpf.
+(Er schüttet ihn auf den Boden.)
+Was knaupelst du da 'rum?
+Du Tölpel, willst du gehn?
+(Er jagt ihn mit einem Fußtritt aus der Küche.)
+Verfluchtes Volk!
+(Er nimmt einem die Schürze und bindet sie um.)
+Hat man nicht seine Not mit all den Tieren?
+
+Edrita (kommt).
+Was ist denn hier für Lärm?
+
+Kattwald.
+Pst, pst! Der neue Koch.
+
+Edrita.
+Für den Ihr so viel Geld--?
+
+Kattwald.
+Ja wohl. Sei still!
+Er weist uns sonst noch beide vor die Tür.
+
+Edrita.
+Doch wer erlaubt ihm, so zu lärmen?
+
+Kattwald.
+Je!
+Ein Künstler, Kind! Ein großer Mann, dem's rappelt.
+Man muß das Volk wohl dulden, will man's brauchen.
+Ich schleiche fort; bleib du mal da und schau,
+Ob du was absehn kannst. Doch stör ihn nicht.
+Hörst du? Nur still! Und mittags in der Halle.
+(Er geht.)
+
+(Leon beschäftigt sich in der Küche. Edrita steht entfernt und sieht
+ihm zu.)
+
+Leon (singt).
+
+Den Wein, den mag ich herb,
+Der Tüchtige sei derb.
+
+(Sprechend.)
+Pfui Süßes! Hol' der Teufel das Süße!
+
+Edrita.
+Ein schmuckes Bursch; doch vorlaut, wie es scheint.
+Ich will mir ihn ein wenig nur betrachten.
+
+Leon (singt).
+
+Der Reiter reitet ho, ho!
+Da ruft sie vom Fenster he, he!
+Er aber lächelt ha, ha!
+Bist du da?
+
+
+(Sprechend.)
+Nun freilich da, wo sollt' ich auch sonst sein?
+
+Edrita.
+Bemerkt er mich in Wahrheit nicht, wie, oder
+Stellt er sich an? Ich will nur zu ihm sprechen.
+He, guter Freund!
+
+Leon (ohne aufzusehen).
+ He, gute Freundin. Ei,
+Ich mag die guten Freundinnen wohl leiden!
+
+Edrita.
+Was macht Ihr da?
+
+Leon (der Fleisch auslöst, ohne aufzusehen).
+ Ihr seht, ich spalte Holz.
+
+Edrita (sich zurückziehend).
+Nun, das war grob.
+
+Leon (singt).
+
+Wer Augen hat, ohne zu sehn,
+Wer Ohren hat und nicht hört,
+Ist Ohren, beim Teufel,
+und Augen nicht wert.
+
+Edrita.
+Ich sah wohl, was Ihr tut, doch sah ich auch,
+Daß Ihr das Gut verderbt, das Ihr bereitet,
+Und darum fragt' ich Euch. Seht einmal selbst!
+Ihr schneidet ab die besten Stücke. Hier!
+
+(Sie hat hinweisend den Finger dem Hackbrette genähert. Leon schlägt
+mit dem Messer stärker auf. Sie zieht schreiend den Finger zurück.)
+
+Ei Gott! das ist ein grober Bursch. Bewahr'!
+Nun sprech ich nicht mehr, gält' es noch so viel.
+
+Leon.
+Es geht nicht! Nur daheim ist Arbeit Lust,
+Hier wird sie Frone. Da lieg du und du!
+(Er legt Messer und Schürze weg.)
+Sie mögen zusehn, wie sie heut sich nähren.
+Ich will mal eins spazierengehn.--Ja dort,
+Dort geht der Weg ins Freie. Laßt doch sehn!
+
+Edrita.
+Das wird dir schlimm bekommen, grober Mensch!
+Denn kaum im Freien, packen dich die Knechte
+Und führen dich mit manchem Schlag zurück.
+
+Leon.
+Ja so! Ihr fürchtet, daß man sich verkühle.
+Die freie Luft ist ungesund. Recht gut!
+So laß denn du uns miteinander plaudern.
+Ein feines Mädchen! Je, mein gutes Kind,
+Kann man dir nahen, ohne viel zu wagen?
+
+Edrita.
+Wie meinst du das?
+
+Leon.
+Je, trifft man ein Geschöpf
+Von einer neuen, niegesehnen Gattung,
+So forscht man wohl, ob es nicht kneipt, nicht sticht,
+Nicht kratzt, nicht beißt; zum mind'sten will's die Klugheit.
+
+Edrita.
+So hältst du uns für Tiere?
+
+Leon.
+Ei bewahre!
+Ihr seid ein wackres Völkchen. Doch verzeih!
+Vom Tier zum Menschen sind der Stufen viele.
+
+Edrita.
+Armseliger!
+
+Leon.
+Sieh, Mädchen, du gefällst mir!
+Das läßt sich bilden, ich verzweifle nicht.
+
+Edrita.
+Weißt du auch, wer ich bin?
+
+Leon.
+Ja doch, ein Mädchen.
+
+Edrita.
+Und deines Herrn, des Grafen Kattwald, Tochter.
+
+Leon.
+Ei, liebes Kind, da bist du nicht gar viel.
+Ein fränk'scher Bauer tauschte wahrlich nicht
+Mit Eures Herren Herrn. Denn unter uns:
+Ein Mensch ist um so mehr, je mehr er Mensch.
+(Mit einem Blick auf die Umgebung.)
+Und hier herum mahnt's ziemlich an die Krippe.
+Doch bist du hübsch, und Schönheit war und ist
+So Adelsbrief als Doktorhut den Weibern.
+Drum laß uns Freunde sein!
+(Er will sie umfassen.)
+
+Edrita.
+Verwegener!
+Man rühmt die feinen Sitten deines Volks,
+Du aber bist entartet und gemein.
+Was sahst du wohl an mir, was sprach, was tat ich,
+Das dich zu solcher Dreistigkeit berechtigt?
+Und wenn denn auch--
+
+Leon.
+Mein Kind, wohl gar ein Tränchen?
+Hörst du? Das Köpfchen hübsch zu mir gewandt!
+Ich bitte dich: verzeih! Bist nun zufrieden?
+
+Edrita.
+Wohlan, ich bin's. Ich mag nicht gerne grollen.
+Auch nahm ich es wohl minder schmerzlich auf,
+Ja, wies den Kühnen früher schon zurück,
+Wenn du mir nicht gefielst, fürwahr gleich anfangs.
+Sie sprechen viel von Euern fränk'schen Leuten,
+Von ihren Sitten, Künsten; und der erste nun,
+Auf den ich stieß, so ungeschlacht und roh--
+
+Leon.
+Verzeih! noch einmal, und: ich tu's nicht wieder.
+Wir haben unsre Weise nun erkannt
+In Zukunft soll kein Zank uns mehr betrüben.
+
+Edrita.
+In Zukunft? Ja, was nennst du Zukunft denn?
+Mein Bräutigam ist hier, und morgen schon
+Gibt man ihm meine Hand drin in der Halle.
+Dann noch zwei Tage höchstens oder drei,
+Und wir ziehn fort auf seine ferne Hube.
+
+Leon.
+So bist du Braut? Je sieh, das tut mir leid.
+Wer ist dein Bräutigam? Wie heißt, was treibt er?
+
+Edrita.
+Ich nenn ihn nur den dummen Galomir.
+
+Leon.
+Den dummen Galomir? O weh!
+
+Edrita.
+Ja wohl!
+Doch ist er unser nächster Stammverwandter,
+Und so gebührt ihm meine Hand.
+
+Leon.
+Je freilich!
+Und was die Klugheit, die ihm fehlt, betrifft:
+Mein Kind, die dummen Männer sind die besten.
+
+Edrita.
+So dacht' ich auch.
+
+Leon.
+Sie lassen sich was bieten.
+
+Edrita.
+Und fordern alles nicht nach ihrem Kopf.
+Doch siehst du, manchmal, wenn auch nicht so oft,
+Spricht man doch gern einmal ein kluges Wort.
+
+Leon.
+Kommt dir die Lust, ein kluges Wort zu sprechen,
+So geh in Wald hinaus und sag's den Bäumen,
+Dann kehr erleichtert in dein Haus zurück.
+Denn was dir selber nützt, taugt nicht für viele.
+Was vielen frommt, das wächst mit Gras und Kraut.
+
+Edrita.
+Ganz faß ich's nicht, doch will ich's also halten.
+Nur freilich wünscht man Antwort, wenn man spricht.
+
+Leon.
+Das findet sich, eh man's gedacht. Doch nun
+Laß uns den Tag benützen, der uns bleibt.
+Führ mich ins Feld hinaus, zeig mir die Gegend.
+Auch möcht ich, wie's erfordert mein Geschäft,
+Nach Wurzeln etwa suchen, Würze, Kräutern.
+O Atalus!
+
+Edrita.
+Wie sagst du?
+
+Leon.
+Atalus.
+
+Edrita.
+Ist das ein Kräutlein auch?
+
+Leon.
+Wie du's nun nimmst.
+
+Edrita.
+Ein nährendes?
+
+Leon.
+Mir nährt es Herz und Sinn.
+Doch will ich dich nicht eben nur betrügen.
+Der Name eines Freunds ist's, den ich suche.
+Du lachst?
+
+Edrita.
+Ei, eines Atalus gedenk ich,
+Der hier bei uns.
+
+Leon.
+Ein Franke?
+
+Edrita.
+Ja, vom Rhein.
+
+Leon.
+Der Neffe--?
+
+Edrita.
+Sieh, ich weiß nicht, was er ist,
+Doch liegt er hier als Geisel unsrer Herrn.
+Das ist ein trockner Bursch und gut zu necken.
+Wenn du versprichst, recht fromm zu sein und artig,
+Und etwa zu entfliehen nicht versuchst--
+
+Leon.
+Sorgst du um mich?
+
+Edrita.
+Denk nur, das viele Geld,
+Das kurz nur erst für dich der Vater gab.
+
+Leon.
+Ei, geizig, wie die Weiber alle sind!
+
+Edrita.
+Doch weißt du ja, unmöglich ist die Flucht.
+Ich nehme denn das Körbchen, und du folg.
+
+Leon.
+Doch naht dort jemand.
+
+Edrita.
+Ei, wer immer!
+
+Galomir (der auf der Brücke erscheint).
+Eh!
+
+Edrita.
+Was kümmerst du mich, dummer Galomir!
+
+Galomir (poltert die Brücke hinan, ins Haus zurück).
+
+Edrita.
+Ei, sag's dem Vater nur, mich stört das wenig.
+Nun komm, eh' man uns hindert. Folg mir rasch,
+Ich zeige dir den Garten und die Gegend.
+Dann unsern Atalus, der auch, wer weiß?
+Der deine wohl. Zum mindsten ist's ein Landsmann,
+Des Anblick dich entschädigt für den unsern.
+Verstell dich nicht, so ist's. Willst du, so komm!
+(Sie geht gegen das Tor zu.)
+
+Leon.
+Das geht ja rascher, als ich dacht' und hoffte.
+Der Himmel, scheint's, kürzt ab mir mein Geschäft.
+Ich nehm es dankbar an.--Sieh nur, hier bin ich!
+
+(Er folgt ihr. Beide gehen ab.)
+
+
+--------
+
+Kurze Gegend, mit Bäumen besetzt.
+
+Der Schaffer kommt, vor ihm her Atalus.
+
+
+Schaffer.
+Bist du schon wieder müßig, wie du pflegst?
+Dort gehn die Pferde weiden. Hier dein Platz.
+Und wenn sich eins verliert, so wär' dir besser,
+Du hättst dich selbst verloren, als das Tier.
+
+(Atalus setzt sich im Vorgrunde rechts auf die Erde. Der Schaffer geht.
+Nachdem dieser fort ist.)
+
+Atalus.
+Geh nur, du grober Bauer, geh! Ich wollt',
+Vergiften könnt' ich sie mit einem Blick.
+(Er schnitzt an einem Stock.)
+Hab ich den derben Stock erst zugeschnitzt,
+Dann nah' mir einer nur.
+Verwünschtes Volk!
+Und auch das grobe Hemd kratzt mir die Haut,
+Und nichts als Brot und grüne Kost zur Nahrung.
+Wär' ich erst wieder heim bei meinem Ohm!
+Der denkt nicht mein und läßt sich's wohl ergehn,
+Indes ich hier bei diesen Heiden schmachte.
+
+(Edrita und Leon kommen.)
+
+Edrita (Kräuter pflückend).
+Sich, hier ist Salbei, blaues Kerbelkraut.
+Und dort dein Landsmann, schau nur, Atalus.
+Der brummt in seinen Bart und schwingt den Stock,
+Damit vermeint er, all uns zu erschlagen.
+Ei, Gott zum Gruß, mein hochgestrenger Herr!
+Das ärgert ihn.--Verweile hier ein wenig!
+Ich will zum Garten noch des Schaffers gehn;
+Dort wächst am Zaune schöner Majoran,
+Davon stibitz ich etwa dir ein Händchen.
+(Sie setzt das Körbchen nieder.)
+Bleib nur indes!
+
+Leon.
+Ja wohl.
+
+Edrita.
+Bald komm ich wieder.
+(Sie geht.)
+
+(Leon setzt sich links im Vorgrunde auf den Boden nieder und legt den
+Inhalt des Körbchens aus.)
+
+Leon.
+Das hier ist Kraut und das gesprengter Kohl--
+He, Atalus!
+
+Atalus (gerade über sich blickend).
+Ruft's da?
+
+Leon.
+Hier gelbe Möhren--
+Eu'r Oheim sendet mich.
+
+Atalus.
+Wie nur? Mein Ohm?
+
+Leon.
+Bleibt dort und schweigt! Man darf uns nicht gewahren.
+
+Atalus (aufstehend).
+Du sprachst von meinem Ohm.
+
+Leon.
+Dort Euer Platz!
+
+Atalus.
+Er selbst--
+
+Leon.
+Wenn Ihr nicht bleibt, so geh denn ich.
+(Er steht auf und entfernt sich nach dem Hintergrunde.)
+
+Atalus (der sich wieder gesetzt hat).
+Das ist denn auch so einer wie die andern!
+Sie necken mich und haben ihre Lust.
+Dem Mädchen, nun, dem steht's noch artig an;
+Doch diese groben Bursche--Gottes Wort!
+(Mit seinem Stock auf den Boden schlagend.)
+Ich wollt', ein Streich genügte für sie alle.
+
+Leon (wieder nach vorn kommend und sich setzend).
+Noch einmal, Atalus, bleibt still und hört.
+Eu'r Oheim sendet mich, Euch zu erretten.
+
+Atalus.
+Wie fingst du das nur an?
+
+Leon.
+Mit Gott gelingt's.
+Schon fand den Eingang ich in dies Gehöft.
+Ich bin hier Koch.
+
+Atalus.
+Da bist du schon was Rechts!
+
+Leon.
+Ist alles gut doch, was zum Ziele führt.
+Der Herr des Hauses ist mir hold gesinnt,
+Ich will erbitten Euch mir zum Gehilfen.
+
+Atalus.
+Mich zum Gehilfen? In der Küche?
+
+Leon.
+Wohl!
+
+Atalus.
+Da such du einen andern nur als mich.
+
+Leon.
+Und wenn Ihr sonst gefangen bleibt, wie dann?
+
+Atalus.
+Weit lieber hier gefangen oder sonst,
+Als also schänden meiner Väter Namen.
+
+(Der Schaffer geht im Hintergrunde beobachtend vorüber.)
+
+Leon (im Korbe kramend).
+Hier Sellerie und das hier Pastinak.
+Die Zwiebel beißt. Zu wenig von der Kresse.
+
+(Der Schaffer geht ab.)
+
+Leon.
+Gält' es nur Euch, so wär' ich nun am Ende.
+Doch Euer Oheim will's, und, junger Herr,
+Da werdet Ihr wohl müssen.
+
+Atalus.
+Müssen, ich?
+
+Leon.
+Ja, Herr! und huckpack trag ich Euch hinüber,
+Wenn Ihr Euch sträubt.
+
+Atalus.
+Ei, wag's nur, grober Bauer!
+
+(Edrita kommt.)
+
+Edrita.
+Hier hast du noch. Nun ist's wohl denn genug?
+(Sie schüttet Kräuter aus ihrer Schürze in den Korb.)
+Und sprachst du auch zu deinem Landsmann dort?
+Das ist ein wunderlicher Bursch, nicht wahr?
+
+Atalus (aufstehend).
+Sprächt Ihr mit mir, Euch stünd' ich etwa Rede;
+Doch jener dort ist albern und gemein.
+
+Edrita.
+Ei, klüger wohl als du.
+
+Atalus.
+Ja, überhaupt
+Tut Ihr nicht gut, mich also zu verschmähn.
+Kehr ich einst heim, wer weiß? ich nähm' Euch mit.
+
+Edrita.
+Du reichtest wohl die Hand mir gar?
+
+Atalus.
+Vielleicht.
+
+Edrita.
+Ei sieh!
+
+Atalus.
+Vorausgesetzt, der König, unser Herr,
+Erkennt' Eu'r Haus zu fränk'schem Helm und Schild.
+
+Edrita.
+Dann aber meinst du?
+
+Atalus.
+Dann, o ja!
+
+Edrita.
+O nein!
+Der hier gefällt mir, weil er leicht und froh,
+Du aber bist beschwerlich und zur Last.
+
+Leon.
+Er soll in meine Küch'.
+
+Atalus.
+So wiederholst du's?
+
+Leon.
+Mir als Gehilf'.
+
+Edrita.
+Er ist wohl ungeschickt.
+
+Leon.
+Wenn auch! Er ist ein Frank' und läßt sich bilden.
+
+Atalus.
+Ich aber will nicht, sag ich noch einmal.
+Die Pferde hüt ich endlich, weil ich muß,
+Und weil's ein edles, ritterliches Tier.
+Doch in der Küche? Eher hier am Platz
+Laß ich mein Leben, gliederweis zerstückt.
+(Er hat den Stock ergriffen.)
+
+(Kattwald und Galomir kommen.)
+
+Kattwald.
+Die streiten, ho!
+
+(Da Galomir mit einer heftigen Bewegung nach der Gruppe hinweist.)
+
+Nun ja, ich sehe schon.
+Was treibt ihr hier?
+
+Edrita.
+Wir suchten Küchenkräuter.
+Hier dieser kennt sie, und ich pflückte sie.
+
+Leon.
+Auch dacht' ich, 'nen Gehilfen mir zu dingen,
+Hier, da mein Landsmann stand mir eben an;
+Allein er will nicht.
+
+Atalus.
+Nein.
+
+Kattwald.
+Nur eben nein?
+Du willst nicht, so? und all dein Grund ist: nein?
+Ich aber sage dir: wenn er in meinem Namen
+Dich folgen heißt, so folgst du ohne Nein;
+Sonst dürften meine Knecht' an dir versuchen,
+Ob fest das Eisen noch an Beil und Spieß.
+
+Edrita.
+Nun stehst du da und weißt nicht, was du sollst,
+Und mußt gehorchen doch. Ich wußt' es ja.
+
+Kattwald.
+Merk wohl: wenn er dir's heißt in meinem Namen;
+Doch vorderhand bleibst du hier außen noch.
+(Zu Leon.)
+Mein Freund, du schnüffelst mir zuviel herum
+Und spionierst, merk ich, nach allen Seiten.
+Du suchst wohl den Genossen nur der Flucht.
+
+Leon.
+Erraten, Herr! Zu zweien läuft sich's besser.
+
+Kattwald.
+Nun denn! du hast mich scherzhaft nur gesehn,
+Da duld und geb ich wohl ein lustig Wort.
+Doch preß ich meine Finger in den Mund
+Und ruf mein Schlachtgeschrei, dann, guter Freund,
+Setzt's Blut.
+
+Edrita.
+Du, das ist wahr.
+
+Leon.
+Ich zweifle nicht.
+Blut auch bei mir, von Hühnern, Tauben, Enten,
+Von allem, was nicht beißt und fromm sich fügt.
+(Er fängt an, das Grünzeug aus dem Korbe zu werfen.)
+
+Kattwald (eifrig).
+Was machst du da?
+
+Leon.
+Was soll das viele Zeug?
+Ist niemand hier doch, der's zur Küche trägt.
+
+Kattwald.
+Nimm du den Korb und geh!
+
+Leon.
+Ei, in der Tat?
+Bin ich als Träger denn in Euerm Dienst?
+
+Edrita.
+Laß mich--
+
+Leon.
+Wärt Ihr bemüht an meiner Statt?
+
+Kattwald.
+Am Ende soll ich selbst--?
+
+Leon.
+Wer's tut, mir gleich.
+
+Kattwald (umherblickend).
+Da hilft denn wirklich nur ein tücht'ger Stock.
+
+Atalus (auf seinen Knüttel gelehnt, vergnügt vor sich hin).
+Bricht's einmal los? Er ist auch gar zu frech.
+
+Kattwald (zu Atalus).
+Zu frech? Und du zu albern, leerer Bursch!
+Wer etwas kann, dem sieht man etwas nach,
+Das Ungeschick an sich ist schon ein Ungemach.
+Du nimmst den Korb und gehst und dienst ihm hilflich,
+Und führt er Klag', gedenk an meinen Arm.
+Für ihn wird sich wohl auch der Meister finden.
+Du widersprichst?
+
+Edrita.
+Er sagt ja nicht ein Wort.
+
+Kattwald.
+Nun denn, hierher! und fort!
+(Zu Galomir.)
+Mach ihnen Beine!
+
+(Da dieser mit hastiger Übertreibung das Schwert ziehen will.)
+
+Oho! Du spießest etwa mir den Koch
+Und brätst ihn endlich gar! Brauch deine Hände!
+
+Leon (zu Edrita).
+Indes sie hier sich liebenswürdig machen,
+So machen wir uns fort. Nicht So?
+
+Edrita.
+Mir recht!
+
+Leon.
+Und wer am besten läuft, erhält--Nun was?
+
+Edrita.
+Nun nichts!
+
+(Sie laufen Hand in Hand fort.)
+
+Kattwald.
+Holla, das läuft! Die sind schon sehr bekannt!
+Und was denkst du dazu, mein armer Galomir?
+
+Galomir.
+Ich?
+
+Kattwald.
+Nun, ich weiß, du denkst nicht gar zuviel.
+Doch sei getrost! Nur noch ein Tage zwei,
+So ist sie deine Frau, und ihr zieht fort.
+Da nimmst du diesen Burschen etwa mit,
+(auf Atalus zeigend)
+Und macht der andre hier sich gar zu unnütz,
+So tun wir ihm, wie er den Hühnern tut,
+Und schlachten ihn mal ab. Für jetzt, Geduld!
+Zum Festschmaus ist er uns ja doch vonnöten.
+(Zu Atalus.)
+Du dort, voran!
+Uns laß nur immer heim,
+Die Gäste fanden etwa auch sich ein.
+(Gehend, dann stehenbleibend.)
+Mir wässert schon der Mund nach leckern Bissen!
+
+(Indem Atalus, den Korb in der Linken tragend und den Stock auf der
+rechten Schulter, widerwillig vorausgeht und die beiden folgen, fällt
+der Vorhang.)
+
+
+
+
+Dritter Aufzug
+
+
+Vorhof in Kattwalds Hause wie im zweiten Akte. Die Halle ist erleuchtet,
+und man sieht Gäste an einem langen Tische sitzen. Im Vorgrunde Leon
+beschäftigt. Atalus vor der Küche auf einem Steine sitzend und mit seinem
+Stocke spielend.
+
+
+Leon (einem Knechte einen großen Braten reichend).
+Trag nur hinauf und sag, es sei das letzte.
+Sie mögen ihre Lust am Weine büßen.
+
+(Knecht über die Brücke in die Halle.)
+
+Leon (nachdem er Atalus eine Weile betrachtet).
+Nun habt Ihr überlegt?
+
+Atalus.
+Was nur?
+
+Leon.
+Was ich Euch sagte.
+
+Atalus.
+Was sagtest du mir denn?
+
+Leon.
+Du meine Zeit!
+Das hält auch gar zu schwer. So hört denn zu.
+Warum ich Euch hierher gebracht, Ihr wißt's.
+Der alte Werwolf aber schöpft Verdacht.
+Ich hört' ihn sagen, zieh' die Tochter fort,
+Wollt' er mit ihr Euch senden, weit ins Land.
+
+Atalus.
+Das wär' mir eben recht.
+
+Leon.
+So? In der Tat!
+
+Atalus.
+Das Mädchen ist gar hübsch.
+
+Leon.
+Das merkt' ich auch.
+
+Atalus.
+Sie will mir wohl.
+
+Leon.
+Das merkt' ich nicht.
+
+Atalus.
+Seit lange.
+
+Leon.
+Doch schien es mir, als lacht' sie über Euch.
+
+Atalus (aufstehend).
+Mein Ohm hat mich den Studien bestimmt,
+Deshalb verkehrt' ich wenig nur mit Weibern,
+Doch sagt man: was sich neckt, das liebt sich auch.
+
+Leon.
+Doch Necken und Verlachen, Herr, sind zwei.
+
+Atalus.
+Ich glaub es nun einmal.
+
+Leon.
+Ei, immer denn!
+Doch zieht mit der Euch liebenden Geliebten
+Ihr weiter fort ins Land, wie steht's dann, Herr,
+Mit Eures Oheims Wunsch und unsrer Flucht?
+
+Atalus.
+Da hast du wieder recht.
+
+Leon.
+So hört denn weiter.
+
+(Geschrei und Lärm von zusammengestoßenen Bechern im Hause.)
+
+Leon (nach rückwärts).
+Nur zu! nur zu! Das paßt in meinen Plan!
+Mein Anschlag ging zuerst ins Ferne, Weite,
+Nach Wochen dacht' ich möglich erst die Flucht.
+Doch trennt man uns, welkt alle Hoffnung hin.
+Auch ist Gelegenheit ein launisch buhlend Weib,
+Die nicht zum zweiten Male wiederkehrt,
+Fand sie beim erstenmal die Tür verschlossen.
+Nun hoff ich, daß der Wein, die fremden Speisen,
+Die ich zumal gepfeffert und gewürzt,
+Daß sie zum Trunk, wie Sommerwärme, laden;
+Davon hoff ich die Herren so bewältigt--
+Die Diener ahmten treulich ihnen nach.--
+(Auf die große Pforte zeigend.)
+Seht Ihr den Schlüssel dort in jenem Schloß?
+Vergißt man den, wenn's Abend, abzuziehn,
+Ist frei der Weg, und--halt noch! Geht zur Seite!
+
+(Sie treten auseinander. Ein Diener kommt schwerfälligen Ganges, ein Lied
+mißtönig vor sich hinbrummend. Er geht zur Pforte, schließt sie ab und
+zieht dann den Schlüssel aus. Leon macht eine Bewegung gegen ihn, tritt
+aber gleich wieder zurück. Der Diener geht über die Zugbrücke ins Haus.)
+
+Atalus (lachend).
+Ha, ha! Damit ging's schief.
+
+Leon.
+Freut Ihr Euch drüber?
+
+Atalus.
+'s ist nur, weil du für gar so klug dich hältst.
+
+Leon.
+Ob klug, ob nicht, das soll die Folge lehren.
+Den Schlüssel schaff ich wieder, drauf mein Wort.
+Ich hab erkundigt, daß er nachts im Zimmer
+Des Alten hängt, zu Häupten seines Betts;
+Dort holt man ihn, tun Wein und Schlaf das ihre.
+
+(Neuer Lärm in der Halle.)
+
+Hört Ihr? Doch klingt's schon schwächer. Sie sind matt.
+Was heut getan, ersparst du dir für morgen,
+Ein Helfer wie dies Fest kommt nicht im Jahr.
+Auch ist der Weg mir, den ich hergemacht,
+Teils noch bekannt, teils stellt' ich Zeichen,
+Die längre Zeit verwirret und verwischt,
+So daß der Anschlag heut, wie nie, gelingt.
+Kommt dann der Tag, und sind sie spät erwacht,
+So sichert uns der Vorsprung, will es Gott.
+(Die Lichter in der Halle sind nach und nach verlöscht.)
+Seht, es wird dunkel oben in der Halle,
+Bald haben Wein und Schlaf ihr Amt vollbracht.
+
+Doch wird man unsre Flucht vor Tag gewahr,
+So ist noch eins zu tun. Seht dort die Brücke,
+So roh wie alles hier und schlecht gefügt,
+Mit Pflöcken eingerammt die Tragepfähle.
+Gräbt nun ein Mann der Pfeiler einen ab,
+So stürzt die Brücke, wenn man sie betritt,
+Und der Verfolger liegt im sumpf'gen Graben.
+Das sichert uns vor jenen drin im Haus;
+Und auch die Knechte werden früher eilen,
+Zu ziehen den Gestürzten aus dem Grund,
+Als daß sie uns verfolgen, die wir fliehen.
+Bis man den Zugang herstellt, sind wir weit.
+So ist nun zwei zu tun, doch sind wir zwei:
+Der eine schleicht ins Haus, indes der andre
+Die Stützen losgräbt, wie ich Euch gesagt,
+Wozu hier das Gerät schon in Bereitschaft.
+
+Atalus.
+Ich dring ins Haus.
+
+Leon.
+Ei wahrlich! in der Tat!
+
+Atalus.
+Hätt' ich ein Schwert, der Schlüssel wäre mein.
+
+Leon.
+Hätt' ich, so würd' ich!--Possen! Wenn und Aber
+Sind, wie das Sprichwort sagt, der Pferde schlechtster Haber.
+Ich will Euch nicht bestreiten andre Gaben,
+Doch schlauer, Herr, bin ich. Ich schleich ins Haus.
+Ihr mögt indes nach Lust im Boden wühlen.
+
+Atalus.
+So fällt das Schwerste immer denn auf mich?
+
+Leon.
+So nennt Ihr das das Schwerste? in der Tat!
+
+Atalus (Spaten und Haue mit dem Fuße wegstoßend).
+Nicht rühr ich an dies niedrige Gerät.
+Ich bin der Beßre, darum muß das Kühnre
+Mir anvertraut sein, mir! Ich dring ins Haus.
+
+Leon.
+Und wenn Euch einer in den Gängen trifft?
+
+Atalus.
+So pack ich ihn am Hals--
+
+Leon.
+Und er schreit Zeter.
+Herr, kämpft mit Löwen, aber Vögel fangen,
+Das laßt nur mir. Es sei, wie ich gesagt.
+Mir hat's Eu'r Ohm vertraut, ich steh ihm ein,
+Drum muß es gehn nach meinen klaren Sinnen.
+Sonst send ich Euch zu Euern Pferden wieder,
+Da mögt Ihr denn an Euerm Unmut kaun,
+Indes ich selbst die raschen Beine brauche.
+Was sie für mich bezahlt, ist dann wohl wett
+Durch manchen Dienst, den etwa ich geleistet.
+Eu'r Oheim harret Eurer--hört Ihr wohl?
+Leis mit den Abendwinden, deucht mich, dringt
+Zu uns her sein Gebet, das schützt, das sichert,
+Und Engel mit den breiten Schwingen werden
+Um uns sich lagern, wo wir wandelnd gehn.
+Ich möcht Euch schmeicheln, wie man Kindern schmeichelt.
+Glaubt, Graben ist ein adelig Geschäft!
+Was Ihr auch Großes wirkt und Großes fördert,
+Der Euch einst eingräbt, er besiegt doch alles,
+Was in Euch siegt und wirkt und prangt und trachtet.
+Hier ist der Spaten, tragt ihn wie ein Schwert,
+Und hier die Haue--doch noch nicht, noch jetzt nicht.
+
+(Edrita erscheint auf der Brücke.)
+
+Edrita.
+Seid Ihr noch wach?
+
+Leon.
+Wir sind's.
+
+Edrita.
+So geht zur Ruh'!
+
+Leon.
+Wir werden's.
+
+Edrita.
+Habt ihr euch nun satt geplaudert?
+
+Leon.
+Man ist nicht satt, solang noch Hunger bleibt.
+
+Edrita.
+Wenn's euch erfreut, mir recht. Ich geh nun schlafen.
+
+Leon.
+Und schließest du dort oben wohl die Tür?
+
+Edrita.
+Das ist des Vaters abendlich Geschäft,
+Der selbst vor Schlafengehn die Runde hält.
+Doch heute, denk ich, unterläßt er's wohl.
+Er hat des Weins zuviel in sich gegossen
+Und liegt nun schon und schläft. Da mag er sehn.
+Ich tu nur, was mein eignes Amt. Nicht wahr?
+
+Leon.
+Das sollte jeder tun.
+
+Edrita.
+So geh denn schlafen.
+Das ist zu Nacht der Müden süße Pflicht.
+Und Träume wachen auf, so wie wir schlafen.
+Wirst du auch träumen heut?
+
+Leon.
+Weiß ich's?
+
+Edrita.
+Ich weiß.
+Fast schlummr' ich schon. Gut' Nacht!
+
+Leon.
+Schlaf wohl!
+
+Edrita.
+Ich will.
+(Sie geht ins Haus.)
+
+Leon (nachdem er ihr eine Weile nachgesehen).
+Nun geht ans Werk mit Gott! Hier das Gerät,
+Doch braucht es leise, daß das Ohr der Nacht
+Nicht aufhorcht Eurem Ton. Vorsicht vor allem.
+(Er hat ihn nach rückwärts geführt.)
+Steigt in den Graben nur. Seht zu, hier geht's.
+Die Füße setzend in des Abhangs Rasen
+Gelangt Ihr leicht zum Grund, der seicht genug,
+Zur Not erreichbar mit 'nem tücht'gen Sprung.
+
+(Atalus ist in den Graben gestiegen.)
+
+So geht's. Schon recht. Nun das Gerät.
+(Er reicht ihm die Werkzeuge.)
+Und jenen Pfeiler rechts dort grabt mir an,
+Er scheint am losesten befestigt und verrammt.
+Der Grund ist weich, es geht so leicht wie Essen.
+(Nach vorn kommend.)
+Nun will denn ich mich rüsten an mein Werk.
+(Sich an den Hals fühlend.)
+Sitzt denn der Kopf noch fest? Ja, noch zur Hand,
+Doch für demnächst möcht ich darauf nicht borgen.
+Ob ich sie schon mit derber Unverschämtheit
+So sehr an jedes Äußerste gewöhnt,
+Daß Scherz und Ernst in einem Topfe quirlt
+Und die Beleid'gung zur Entschuld'gung wird.
+Mut denn, Leon, es geht nicht gleich ans Leben.
+(Halblaut singend.)
+Es war einmal!--
+Ja so, es gilt zu schweigen.
+Und dann, wenn's endlich wirklich nun gelingt
+Und er, der gute alte Herr--Habt acht!
+Es geht zum Sturm! Den Schild hoch! Doppelschritt!
+(Er eilt die Brücke hinan, hinabsehend.)
+So recht, mein Maulwurf, wühl dich in den Grund!
+Doch laß ein Restchen Pflockes nur noch stehn,
+Sonst droht beim Rückweg selber mir die Falle.
+
+(Man hört unten einen lautern Schlag.)
+
+Halt doch! zu laut!--Doch leise nur auch ich.
+(Er geht ins Haus.)
+
+Atalus (unten).
+Leon!
+(Er wird sichtbar.)
+Er ist schon fort! Der freche Bursch
+Läßt mich hier fronen, während er--Geduld!
+Er soll mir's seinerzeit mit Wucher zahlen.
+(Er verschwindet wieder.)
+
+
+--------
+
+Verwandlung
+
+Kurzes Zimmer, an der Rückwand eine große bogenförmige Öffnung, daneben
+links eine kleinere. Beide durch Vorhänge geschlossen. Hart an der
+letztern eine Seitentüre.
+
+Nach einer Pause guckt Leon durch den Vorhang des kleinen türförmigen
+Ausschnittes.
+
+
+Leon (gedämpft).
+Hier ist das Zimmer, hab ich recht bemerkt,
+Und dort der Raum, wo unser Werwolf ruht.
+Schläft er?
+
+(Er setzt einen Fuß ins Zimmer und tritt damit etwas stärker auf, wonach
+er sich sogleich wieder zurückzieht und verschwindet. Nach einer Weile
+wieder erscheinend.)
+
+Er schläft.--Insoweit wär' es gut!
+Obgleich mit alledem noch nicht am besten.
+Der Schlüssel hängt zu Häupten seines Betts.
+Und liegt er gleich in Wein und Schlaf begraben,
+So hat das Raubtier doch gar leisen Schlaf,
+Wenn's selber wird beraubt.--Jetzt oder nie!
+Ein rascher Griff, und alles ist getan.
+Erwacht er auch, so hilft ein Lügenkniff.
+Doch halt! das hat der alte Herr verboten,
+Ob's töricht gleich, höchst albern, lächerlich!
+Wie soll man mit den Teufeln fertig werden,
+Hilft nicht ein Fund?--Wie immer! sei's gewagt!
+(Er hat sich dem Vorhange genähert.)
+Wer nur den Schlüssel fänd' beim ersten Griff--
+(Horchend.)
+Ich hör ihn atmen. Schnarchen, deucht' mich, heißt's.
+Ist er so grob, was bin ich denn so sittig?
+(Er geht hinter den Vorhang.)
+
+(Edrita erscheint am Eingange der Mittelwand, den Finger auf dem Munde.
+Sie tritt horchend einige Schritte vorwärts.)
+
+Kattwalds Stimme (hinter dem Vorhange).
+Holla. Hallo! Den Schlüssel da--
+
+Leon (ebendort).
+So hört!
+
+Kattwald.
+Den Schlüssel, sag ich, gib! Wo ist mein Schwert?
+Ich haue dich in hunderttausend Stücke.
+
+Leon.
+Hört nur!
+
+Kattwald.
+Du höre, spricht mein Schwert.
+
+(Edrita hat gleich bei den ersten Worten sich nach der Seitentüre links
+gewendet und in hastiger Eile den Schlüssel aus dem Schlosse gezogen.
+Jetzt tritt sie damit hinter den Vorhäng der Eingangstüre zurück.)
+
+Leon (hervorkommend).
+Nun stehe Gott uns bei! Fort den Verräter!
+(Er schleudert den Schlüssel von sich nach der Gegend des Eingangs.)
+
+Kattwald (mit bloßem Schwert ihm folgend).
+Heraus mein Schwert! Wo ist der freche Dieb?
+
+Leon (dem Schlüssel nachblickend).
+Vielleicht kann ich ihn noch beim Gehn erhaschen.
+
+Kattwald.
+Wo ist der Schlüssel, wo?
+
+Leon.
+Ich hab ihn nicht.
+
+Kattwald.
+Du nahmst ihn.
+
+Leon.
+Ja, ich nahm ihn.
+
+Kattwald.
+Nun, und wo?
+
+Leon.
+Ich warf ihn, Herr, von mir.
+
+Kattwald (zum Stoß ausholend).
+So schaff ihn wieder.
+
+Leon.
+Man muß ihn eben suchen.
+(Sucht auf der entgegengesetzten Seite.)
+
+Kattwald.
+Such!
+
+Leon (am Boden suchend).
+Hier ist er nicht.
+
+Kattwald.
+Ich aber will nicht wissen, wo er nicht,
+Ich frage, wo er ist!
+
+Leon (aufgerichtet).
+Das frag ich auch.
+
+Kattwald.
+Such! sag ich.
+
+Leon (wieder gebückt).
+Wohl, ich suche.
+
+Kattwald.
+Frecher Bursch!
+War das der kecke Spaß, die tolle Kühnheit,
+Mit der du dich ins Haus--?
+
+Leon.
+Herr, hebt den Fuß!
+
+Kattwald.
+Wozu?
+
+Leon (ihm einen Fuß emporhebend).
+Hier!--ist er auch nicht.
+
+Kattwald.
+Donner!
+So machst du dich noch lustig über mich?
+
+Leon.
+Man muß doch üb'rall suchen.
+
+(Edrita ist während des Vorigen leise eingetreten, hat den Schlüssel vom
+Boden aufgenommen, den andern an dessen Stelle gelegt und sich leise
+wieder entfernt.)
+
+Kattwald.
+Nun wohlan!
+Ich zähle: Eins, zwei, drei; und ist beim dritten
+Der Diebesschlüssel nicht in meiner Hand,
+Fährt dir mein Schwert in deine feisten Rippen.
+Eins!
+
+Leon.
+Hört doch!
+
+Kattwald.
+Zwei!
+
+Leon.
+Ihr wollt doch nicht--?
+
+Kattwald (zum Hieb ausholend).
+Und--
+
+Leon (schreiend).
+Possen!
+(Kaltblütig nach der entgegengesetzten Seite zeigend.)
+Wir haben ja dort drüben nicht gesucht.
+(Den Schlüssel aufhebend.)
+Hier ist das Kleinod ja. Da liegt's am Boden.
+
+Kattwald.
+Es war die höchste Zeit. Dir ging's schon nah.
+
+Leon.
+Doch ist der Schlüssel leichter, oder wahrlich,
+Mir zittert noch die Hand.
+
+Kattwald.
+Dort häng ihn hin.
+
+Leon.
+Es ist derselbe Schlüssel nicht.
+
+Kattwald.
+Dort, sag ich!
+
+(Er hat den Vorhang nach einer Seite zurückgeschlagen. Man sieht ein Bette,
+daneben einen Schemel.)
+
+Leon (zum Boden gebückt).
+Man muß den andern suchen.
+
+Kattwald.
+Tausend Donner!
+So narrst du mich von neuem? Dort der Platz!
+
+Leon.
+Doch wenn's der rechte nicht?
+
+Kattwald.
+Es ist der rechte,
+Weil du's bezweifelst grad!
+
+Leon.
+Fast glaub ich's auch.
+Liegt doch kein andrer rings herum am Boden.
+(Zur Schlafstelle gehend.)
+Hier häng ich ihn denn auf.
+(Er tut's.)
+
+Kattwald.
+Wo? Zeig die Hände.
+
+Leon.
+Hier beide, sie sind leer.
+
+(Der Alte befühlt die Hände.)
+
+Kattwald.
+Wohl.
+
+Leon.
+Dort der Schlüssel.
+
+Kattwald (in die Höhe fühlend, wobei er aufs Bett zu sitzen kommt).
+Auch gut.
+
+Leon.
+Nun liegt und schlaft nur aus den Rausch.
+
+Kattwald.
+Wie wäre das?
+
+Leon.
+Betrunken seid Ihr, ja!
+
+Kattwald.
+Heut schon ich dich.
+
+Leon.
+Weil Ihr mich morgen braucht.
+Doch werf ich Gift in alle Eure Brühen.
+
+Kattwald.
+Du sollst von allen essen mir zuerst.
+
+Leon.
+So eß ich alle auf mit meinem Freund,
+Der viel ein größrer Herr in unserm Land
+Als Eure rost'gen Gäst' und Sippen alle.
+
+Kattwald (will aufstehen, Leon stößt schnell den Schemel vor seine Füße,
+so daß er wieder hinsinkt).
+Verdammt.
+
+Leon.
+Geduld! Da braucht es schnellre Beine.
+Und morgen denkt nur, Herr, Ihr habt geträumt,
+Und alles das war nicht. Nun, gute Nacht!
+(Zur Türe hinaus.)
+
+Kattwald (sitzend).
+Im Grund kann man dem Burschen gram nicht sein.
+Er sagt grad alles 'raus und ist gar lustig.
+Wär' ich an seiner Statt, ich macht's nicht anders.
+Der Schlüssel wieder da und--
+(Sein Kopf sinkt herab, auffahrend.)
+Holla, Bursch!
+Ja, er ist fort. Ich will von neuem schlafen.
+Der Wein ist wirklich etwas schwer im Kopf.
+
+(Er macht halbliegend mit der Schwertspitze den Vorhang los. Dieser fällt
+zu und bedeckt die Schlafstelle.)
+
+
+--------
+
+Veränderung
+
+Vorhof des Hauses wie zu Anfang des Aufzuges.
+
+
+Leon (steht auf der Brücke).
+He, Atalus!--Ich glaube gar, er schläft.
+(Herabkommend.)
+Ei immerhin! Was nützt auch all sein Graben,
+Jetzt, da mißlang, was möglich macht die Flucht.
+(Horchend.)
+Er gräbt!--Oh, daß ich ihn gering geachtet,
+Und er genügt dem Wen'gen, was ihm oblag,
+Indes ich scheitre, wo ich mich vermaß.
+(Nach rückwärts sprechend.)
+Laßt ab!--Und doch vorher noch erst versuchen,
+Ob also fest gefügt das Tor, die Flügel,
+Daß keine Wut, die Wut ob eignem Unsinn--
+(Er hat sich dem Tore genähert, plötzlich zurücktretend.)
+Du güt'ger Himmel! Täuschen, meine Augen?
+Trügt mich die Nacht?--Im Tore steckt ein Schlüssel.
+Grabt immer, Atalus!--Es ist nicht möglich!
+Wie käm' er hier, der nur erst kurz noch oben
+Und doch blinkt er liebäugelnd mir herüber,
+(hineilend)
+Ich muß dich fassen--prüfen, ob--
+(Den Schlüssel fassend und damit auf- und zuschließend.)
+ Er ist's!
+Und Freiheit weht, wie Äther, durch die Fugen.
+(Mit gefalteten Händen.)
+So will der Himmel sichtbar seine Wege?
+Stehn Engel um uns her, die uns beschirmen?
+
+Edrita (die schon früher sichtbar geworden, jetzt vortretend).
+Du irrst, kein Engel hilft, da wo der Mensch
+Mit Trug und Falsch an seine Werke geht.
+
+Leon.
+Mit Trug und Falsch?
+
+Edrita.
+Du willst entfliehn.
+
+Leon.
+Ich hab es nie verhehlt.
+
+Edrita.
+Ei, ja, ja doch!
+Und darum hältst du dich für wahr? Nicht so?
+Hast du die Wahrheit immer auch gesprochen,
+(die Hand aufs Herz legend)
+Hier fühl ich dennoch, daß du mich getäuscht.
+Drum hoffe nicht auf Gott bei deinem Tun,
+Ich selber war's, die dir den Schlüssel brachte.
+Du willst entfliehn?
+
+Leon.
+Ich will.
+
+Edrita.
+So, und warum?
+
+Leon.
+Frägst du, warum der Sklave sucht die Freiheit?
+
+Edrita.
+Es ging dir wohl bei uns.
+
+Leon.
+Dann ist noch eins.
+Ich habe meinem frommen Herrn versprochen,
+So fromm, daß, denk ich seiner Abschiedsworte,
+Mit dem, was erst nur sprach dein Kindermund,
+Ich in Beschämung meine Augen senke;
+Versprochen hab ich ihm, den Neffen sein,
+Dort jenen Atalus, zurückzubringen.
+O kenntest du den heilig würd'gen Mann!
+
+Edrita.
+Mir sind nicht fremd die Heil'gen deines Volks.
+Es wandern Christen-Priester wohl durchs Land,
+Gewinnend ihrem Herrn verwandte Seelen,
+Wofür sie Tod erdulden oft und Pein.
+Sie lehren einen einz'gen Gott, und wahrlich,
+(seine Hand berührend)
+An was das Herz in gläub'ger Fülle hängt,
+Ist einzig stets und eins. O fürchte nicht,
+Daß, bleibst du hier, ich dich mit Neigung quäle.
+Ich bin nicht, wie die Menschen oft wohl sind:
+Ei, das ist schön! das soll nur mir gehören,
+Und das ist gut! das eign' ich rasch mir zu.
+Ich kann am Guten mich und Schönen freun,
+Wie man genießt der Sonne goldnes Licht,
+Das niemands ist und allen doch gehört.
+Auch bin ich nicht mehr mein, noch eignen Rechts,
+Obwohl ich schaudernd denke, wem ich eigne.
+Es soll dir wohl ergehen, bleibst du hier.
+Mein Vater ist nur hart im ersten Zorn,
+Und jener andre--Nein, ich kann, ich mag nicht!
+Bleib hier! das andre gibt der Tag, das Jahr.
+
+Leon.
+Wie aber stünd' es dann um meinen Freund?
+
+Edrita.
+Laß ihn allein der Rettung Wege gehn.
+
+Leon.
+Du kennst ihn, wie er ist, wie rat- und hilflos,
+Er fiele den Verfolgern doch anheim.
+Doch ist er erst befreit, dann--
+
+Edrita.
+Hüte dich!
+Du wolltest sagen: dann kehr ich zurück.
+Du kehrst nicht wieder, bist du fort erst.
+
+Leon (nach ihrer Hand fassend).
+Edrita!
+
+Edrita.
+Laß nur das!--Kannst du mich missen,
+Ich kann es auch. Und nun zu nöt'gern Dingen.
+Wo ist dein Freund?
+
+Leon.
+Er gräbt dort an der Brücke.
+
+Edrita.
+Er gräbt?
+
+Leon.
+Der Pfeiler einen sticht er ab,
+Daß ein sie bricht, wird irgend sie betreten.
+
+Edrita (lachend).
+Und der Verfolger in den Graben fällt?
+Nun, das ist gut.--Dort steht die Pforte offen.
+Und doch. Sieh nur, wie Trug und Arglist sich bestraft.
+
+Leon.
+Wie nur?
+
+Edrita.
+Du glaubst dich Meister nun der Flucht,
+Doch gehen weitum Wächter, rasche Knechte,
+Die jeden töten, weiß er nicht das Wort,
+Das nächtlich als ein Merkmal wird gegeben.
+Das Wort heißt Arbogast. Merk dir's.
+
+Leon.
+Ja wohl.
+
+Edrita.
+Am Ufer dann des Flusses wohnt ein Fährmann,
+Verschuldet meinem Vater und verpflichtet.
+Den täusch nur, wenn's die Wahrheit dir erlaubt,
+Daß du im Auftrag meines Vaters gehst,
+Sag ihm auch: Arbogast. Er führt dich über.
+
+(Im Graben geschieht ein stärkerer Schlag.)
+
+Edrita.
+Was ist nur dort?
+
+Leon (hineilend).
+Zum Henker! Warum lärmt Ihr?
+
+Atalus (heraufsteigend).
+Es war der letzte Schlag!
+
+Leon.
+Müßt Ihr drum poltern?
+
+Atalus (auf Edrita losgehend).
+Hier ist das Mädchen auch.
+
+Edrita (zu Leon).
+Schütz mich vor dem!
+Nun hast du deinen Freund, der dir so wert
+Und der mit Liebe lohnt dir deine Treue.
+Ha, ha! Fürwahr! Du siehst recht artig aus!
+Mit Kot befleckt und naß.
+(Sie berührt ihn mit dem Finger.)
+ Du armer Junker!
+
+Atalus.
+Der wollt' es so!
+
+Edrita.
+Nun aber geht ans Werk!
+Denn ob mein Vater gleich im Schlafe liegt,
+Wär's möglich, daß Verdacht ihn früher weckte.
+
+(Sie geht zur Pforte, um sie zu öffnen. Leon tut es statt ihrer.)
+
+Der Weg läuft anfangs grad, dann teilt er sich.
+Der eine links bringt schneller wohl ans Ziel,
+Doch wählt den andern rechts, er führt durchs Dickicht,
+Und da die Unsern euch zu Pferde folgen,
+Durchdringt ihr leicht, was jene stört und hemmt.
+Den Schlüssel steck von außen in das Schloß,
+Und seid ihr fort, schließ ab und wirf ihn weg,
+So hält ein neues Hemmnis die Verfolger.
+
+(Leon befolgt es.)
+
+Edrita (zu Atalus).
+Und kämen sie euch nach, ergreif 'nen Ast
+Und fechte löwenkühn für deinen Freund.
+
+Atalus.
+Ich sorg um mich.
+
+Edrita (zu Leon).
+Hörst du? Das klingt recht gut.
+Nun aber geht! Die Zeit vergönnt nicht Wort.
+Die ihr als Räuber kamt, wie Diebe macht euch fort.
+
+Kattwald (der mit Galomir am Fenster der Halle erscheint).
+Dort stehn sie, schau!
+
+Edrita.
+Nur schnell!
+
+(Die jungen Leute entfliehen, wobei das Tor offen bleibt.)
+
+Kattwald (zu Galomir).
+Folg ihnen, lauf!
+
+Edrita.
+Da bricht nun alles Wetter über mich.
+
+(Galomir ist aus der Türe gekommen und auf die Brücke getreten. Diese
+wankt und bricht endlich mit ihm zusammen, er stürzt in den Graben.)
+
+Edrita (vortretend).
+Ha, ha! ha, ha! Der dumme Galomir!
+Das haben sie recht schlau sich zugerichtet.
+
+Kattwald (am Fenster den Spieß zum Wurf schwingend).
+Verruchter Balg, des trägst nur du die Schuld!
+
+Edrita.
+O weh, o weh! Sie bringen mich noch um!
+Auch ließen jene dort den Torweg offen.
+Ich dreh den Schlüssel ab und mach mich fort.
+Ist erst der Zorn vorüber, kehr ich wieder.
+(Sie eilt durch die Pforte, die sie hinter sich zuzieht und abschließt.)
+
+Kattwald (am Fenster, mit den Händen in den Haaren).
+So schlage denn der Donner! Mord und Pest!
+Hört mich denn niemand? Knechte! Leute! Brut!
+Da steh ich denn und fresse meine Wut!
+
+(Indem er einen fruchtlosen Versuch macht, aus dem Fenster zu steigen,
+fällt der Vorhang.)
+
+
+
+
+Vierter Aufzug
+
+
+Waldige, dicht bewachsene Gegend. Links im Vorgrunde ein großer Baum mit
+einem natürlichen Moossitze. Auf derselben Seite im Hintergrunde dickes
+Gestrüpp und Steinmassen, höhlenartig ein Versteck bildend. Es ist Tag.
+
+
+Leon und Atalus kommen.
+
+Leon.
+Hier ist der rechte Weg.
+
+Atalus.
+Nein, dort!
+
+Leon.
+Nein, hier!
+
+Atalus.
+Dort, hat das Mädchen selber mir gesagt.
+
+Leon.
+Euch sagte sie's?
+
+Atalus.
+Ja mir, und war besorgt,
+Weil ich durchnäßt, und rührte meinen Arm.
+
+Leon.
+So lebt denn fort in Eurer süßen Täuschung!
+Doch läuft der Fußsteig hier.
+
+Atalus.
+Ich geh nicht weiter.
+Soll alles denn nach deinem Dünkel nur?
+Auch bin ich müd.
+(Er setzt sich rechts auf einen Stein.)
+
+Leon.
+Und holen sie uns ein?
+
+Atalus.
+Wenn sie uns fangen, ei, dann geht's dir schlimm,
+Mich kauft der Oheim etwa dennoch los.
+
+Leon.
+Er kauft Euch los? Weil er nicht kann, nicht mag,
+Drum eben kam ich her.
+
+Atalus.
+Er mag nicht, sagst du?
+Das ist recht schlecht von ihm.
+
+Leon.
+Schmäht Ihr den Ohm?
+Den frommen Mann, der fehllos bis auf eins,
+Nicht daß er geizig, wie ich einst ihn hielt,
+Nein, daß, beschäftigt wohl mit höhern Dingen,
+Den Neffen er nicht besser sich erzog.
+Weil er Euch liebt, drum sandt' er mich hieher,
+Wär's nicht um ihn, ich ließ Euch längst in Stich.
+
+Atalus.
+Das wär' mir eben recht! du bist mir widrig.
+
+Leon.
+Ihr säßt noch bei den Pferden ohne mich.
+
+Atalus.
+Dort war mir wohl, auch hatt' ich Essen satt.
+(Aufstehend.)
+Nun denn, weil du für gar so klug dich hältst,
+Weißt du hier Pfad und Steg und Ziel und Richtung?
+Hast du bedacht, was sonst dem Menschen not?
+Was nützt es uns, daß wir im Freien sind,
+Wenn wir vor Mangel grausamlich verschmachten?
+Der Wald dehnt sich wohl etwa tagelang,
+Und eher findet sich ein reißend Tier,
+Das uns verzehrt, als wir, wovon wir zehren.
+
+Leon.
+Vertraut auf Gott, der uns so weit geführt,
+Er wird die Hungernden mit Nahrung trösten,
+Wie den Gefangnen er die Freiheit gab.
+Und nun--
+
+Edritas Stimme (hinter der Szene).
+Leon!
+
+Leon.
+Man kommt. Nur schnell von hinnen!
+
+Atalus.
+Hör erst!
+
+Edrita (näher).
+Leon!
+
+Atalus.
+Das ist des Mädchens Stimme.
+
+Leon.
+Wes immer auch! Hier sind nur wir und Feinde.
+Auch ist sie kaum allein.
+
+Atalus.
+Sie ist's. Ich seh's.
+
+Leon.
+Nun, so verplaudern wir die Zeit der Rettung.
+
+Atalus.
+Sie hilft uns wohl mit einem neuen Fund.
+Geh immer, wenn du willst, ich harr auf sie.
+
+Leon.
+Nun denn, so streck ich wehrlos meine Hände;
+Wenn's doch mißlingt, ich trage nicht die Schuld.
+
+(Edrita kommt.)
+
+Edrita.
+Hier seid ihr ja. Nun, das ist recht und gut.
+
+Atalus.
+Sei mir gegrüßt!
+
+Edrita (zu Leon).
+ Was wendest du dich ab?
+Du fürchtest, ich verzögre eure Flucht?
+Doch umgekehrt. Jetzt tut euch Zaudern not.
+
+Atalus.
+Siehst du?
+
+Edrita.
+Was soll er sehn?
+
+Atalus.
+Ich wollte weilen,
+Er trieb zu gehn.
+
+Edrita.
+Da hatt' er recht, du nicht,
+Da ihr nicht wußtet, was nur ich kann wissen.
+Die Unsern gehn zu Roß die andre Straße,
+Insoweit ist es gut. Doch dieser Pfad,
+Er trifft am Saum des Walds mit jenem andern,
+Und da ihr Pferde doch nicht überholt,
+So wär' euch schlimm, kämt ihr zu früh dahin.
+Im Rücken ihrer aber geht ihr sicher.
+
+Leon.
+Nun aber noch um aller Himmel willen:
+Wie kommst du her?
+
+Edrita.
+Ich, meinst du? Ei, ja so!
+Ihr habt es gut gemacht, bis nur auf eins.
+
+Atalus.
+Ei, er macht alles klug.
+
+Edrita.
+Ja, alles andre.
+Ihr wart kaum fort, da wollten sie mich töten,
+Der Vater hob den Spieß in seiner Hand.
+Da lief ich fort, ein Endchen in den Wald,
+Bei Tagesanbruch wollt' ich wiederkehren.
+Doch kam der Tag, da sah ich euern Fußtritt
+Im weichen Boden kenntlich eingedrückt;
+Das, dacht' ich, das verrät sie; und am Saum
+Des Rasens gehend, wo kein Fußtritt haftet,
+Bestreut' ich eure Spur mit Sand und Erde.
+So kam ich weiter, weiter und bin hier.
+Und nun ich da, kehr ich nicht mehr zurück.
+
+Leon.
+Was fällt dir ein?
+
+Atalus.
+Ja ja, bleib nur bei uns.
+
+Edrita.
+Bedenk nur selbst. Kehrt nun mein Vater heim
+Und fing euch nicht, was euer Gott verhüte!
+So schlägt er mich und wirft mich in den Erker,
+Wo ich schon einmal lag, wie einst die Mutter.
+Und dann wird jener Galomir mein Mann.
+Ich will ihn nicht. Ich sag euch's nun, ich will nicht.
+Nehmt mich mit euch, ich bin euch wohl noch nütz.
+Die Wege kenn ich hier und alle Schliche.
+Ihr seid noch nicht so sicher, als ihr glaubt.
+Sie führen Hunde mit, ich hört' es wohl,
+Die wittern euch und schlagen bellend an,
+Mich aber kennen sie und jeder schweigt,
+Und streichl' ich ihn, legt er sich auf die Pfoten.
+Ich will zu deinem Herrn, zu seinem Ohm,
+Und dort den frommen Lehren horchend lauschen,
+Die er wohl weiß von Gott und Recht und Pflicht.
+Will mich mein Vater, soll er auch nur kommen
+Und lernen auch, ist er gleich grau und alt.
+Das ist ihm nütz. Sie sind auch gar zu wild.
+
+Leon.
+Ich aber duld es nicht!
+
+Edrita.
+Wie nur, Leon?
+
+Leon.
+Ich habe meinem frommen Herrn versprochen.
+Nichts Unerlaubtes, Greulichs soll geschehn
+Bei diesem Schritt, den nur die Not entschuldigt.
+Hab ich den Sklaven seinem Herrn entführt,
+Will ich dem Vater nicht die Tochter rauben
+Und mehren so den Fluch auf unserm Haupt.
+
+Edrita.
+So hör doch nur!
+
+Leon.
+Es soll, es darf, es kann nicht.
+
+Atalus.
+Er ist nicht klug.
+
+Edrita.
+Ei, klüger, als du glaubst.
+Er ist der Mann des Rechts, des trocknen, dürren,
+Das eben nur den Gegner nicht betrügt.
+Allein durch ungekünstelt künstliches Benehmen
+Vertraun erregen, Wünsche wecken, denen
+Sein wahres Wort dann polternd widerspricht,
+Das mag er wohl und führt es wacker aus.
+(Zu Atalus.)
+So nimm denn du mich mit.
+
+Atalus.
+Ja doch, wie gerne.
+
+Leon.
+Ich duld es nicht.
+
+Edrita.
+Wir fragen dich auch nicht.
+Wir sind zu zweit, da gilt denn unsre Meinung.
+
+Leon.
+So trenn ich mich von diesem Augenblick.
+
+Edrita.
+Auch das! Wir helfen ohne dich uns weiter.
+Die Wege kenn ich alle bis zum Strom,
+Von dort an weiß sie der.
+
+Atalus.
+Ich weiß sie nicht.
+
+Edrita.
+Nun denn, dann sind wir nahe deinem Land,
+Und jeder bringt uns auf die sichre Fährte.
+
+Leon.
+Viel Glück dazu!
+
+Atalus.
+Siehst du, er streitet immer.
+
+Edrita.
+Dann treten wir vor deinen Oheim hin
+Und sagen ihm: dein Knecht hat schlimm getan,
+Wir aber halfen selbst uns, wie wir konnten.
+(Zu Leon.)
+Du bist ja trüb.
+
+Leon.
+Ich lieh dir meine Laune.
+
+Edrita.
+Siehst du? Man muß nur artig sein und wollen,
+Sonst kommt das Müssen und dann fehlt der Dank.
+
+(Der Ton eines Horns von weitem.)
+
+Leon.
+Hör doch! Nun zitterst du, und warst so kühn.
+
+Edrita.
+Und wenn ich zittre, ist's um euch.
+
+Atalus.
+Nur fort!
+
+Leon.
+Ich bleibe.
+
+Edrita.
+Keine Torheit, die nur quält.
+Das ist kein Trupp; ein einzelner, Verirrter,
+Der die Genossen sucht mit Hornesruf.
+Er wird vorüberziehn, weil er allein,
+Und, zwei zu fangen, mehr als einer nötig.
+Dort rückwärts ist, ich weiß es, ein Versteck,
+Wo dichte Sträuche sich zum Schirmdach wölben.
+Dort warten wir, bis seine Schritte fern,
+Vielleicht könnt ihr beschleichen ihn, bewält'gen.
+Wie immer, nur hinein, und zwar im Umkreis,
+Daß ihm der Tritt nicht unsre Spur verrät.
+(Sie führt sie leise auf den Zehen bis an die Bäume rechts, dann rasch
+am innern Umkreise zurück und in die Höhle.)
+
+(Kurze Pause; dann kommt Galomir von der linken Seite, einen Spieß auf
+der linken Schulter, das Schwert an der Seite, ein Horn um den Leib. Er
+sucht gebückt nach den Fußtritten am Boden.)
+
+Galomir.
+Da, da!--Eh, eh! die Kleine! Oh!--Nach dort!
+(Die Spur mit dem Finger verfolgend.)
+Wart! wart!--Verirrt. Kein Mann da! Wo? Ah weit.
+Uf!--heiß! (Seine Beine befühlend.)
+Und müd!--Da.--Ah! Dort Schatten! Baum.
+Ruh aus, Mann, ruh! dann weiter.
+(Er setzt sich.)
+Heiß die Haube!
+(Er nimmt den Helm ab und legt ihn neben sich.)
+Noch einmal rufen.
+(Er ruft durch die hohle Hand.)
+Hup!
+(Er horcht eine Weile, dann nach rückwärts gekehrt.)
+Ah!--Niemand hören.
+Wozu das Horn? Blas an!--Verwirrt, verwirrt!
+(Er lehnt den Spieß an den Baum und wickelt die verworrene Schnur des
+Hornes auseinander.)
+Ah, los! Nun an den Mund!
+(Er setzt das Horn an.)
+
+
+--------
+
+(Edrita, die schon während des letzten sichtbar geworden ist und Ruhe
+gebietend zurückgewinkt hatte, tritt jetzt vor.)
+
+
+Edrita.
+Stoß nicht ins Horn!
+
+Galomir (sie erblickend).
+Ah. Ah.
+
+Edrita.
+Ich bin's! Was mehr?
+
+Galomir.
+Eh, fangen, fangen!
+(Er hascht nach ihr.)
+
+Edrita.
+Was braucht's zu fangen, die du ja schon hast.
+Laß mir ein bißchen Raum, sitz ich zu dir.
+
+Galomir (hastig rückend).
+Eh, eh!
+
+Edrita.
+Du wirst mich doch nicht fürchten?
+
+Galomir.
+Du schuld an allem!
+
+Edrita.
+Ich? Was fällt dir ein!
+
+Galomir.
+Der Vater!
+
+Edrita.
+Nu, er wird wohl etwas zürnen,
+Doch, sprech ich ihn, setzt alles sich ins Gleis.
+
+Galomir.
+Nein, nein!
+
+Edrita.
+Nun, dann bist du mein Bräutigam
+Und ich die Braut, du mußt, du wirst mich schützen.
+
+Galomir.
+Ha, ha!
+
+Edrita.
+Ei, das gefällt dir!
+
+Galomir (mit dem Finger drohend).
+Du!
+
+Edrita.
+Wie, nicht?
+Je, weil ein wenig etwa ich gelacht,
+Als du in Graben fielst? Das war ein Sprung.
+
+Galomir (den Arm reibend).
+Ah.
+
+Edrita.
+Schmerzt's noch etwa?
+
+Galomir (nach unten zeigend).
+Uh!
+
+Edrita.
+Und auch der Fuß.
+Ein Ehmann muß an manches sich gewöhnen.
+Nun ziehst du aus und willst die beiden fangen?
+
+Galomir (nach ihr greifend).
+Du, du!
+
+Edrita.
+Nur mich allein? Wo bleibt dein Mut?
+Nein, nein! Du selber mußt die Flücht'gen haschen.
+Sie sind nicht fern!
+
+Galomir (aufstehend).
+Ah! Wo?
+
+Edrita.
+Nicht grad vor dir,
+Doch auch nicht weit. Sind zwei, doch du bewaffnet.
+Hier lehnt dein Spieß.
+(Da Galomir danach langen will.)
+Er liegt auch gut am Boden.
+Und dann dein breites ritterliches Schwert.
+
+Galomir (ans Schwert schlagend).
+Ah, oh!
+
+Edrita.
+Ich weiß, dein Arm ist stark. Nur neulich
+Schlugst du dem Stier das Haupt ab einen Streichs.
+Doch war der Kampf nicht billig. Du bewaffnet,
+Er blank und bar. Gib künftig auf den Vorteil,
+Dann kämpft ihr gleich mit gleich. Allein auch so.
+Ich will mich nur auf jene Seite setzen.
+(Sie setzt sich auf die andere Seite. Er macht ihr Platz.)
+Hier ist dein Schwert, das gut und stark. Doch schmucklos.
+Was gibst du mir, so knüpf ich dir ein Bändchen,
+Das, etwa blau, ich trug an meinem Hals
+(sie macht eine Schleife am Halse los)
+Wie, schau nur, dies. Das knüpf ich an dein Schwert.
+
+Galomir (mit offner Hand ihr ins Gesicht greifend).
+Eh!
+
+Edrita.
+Nur gemach!--Das wär' ganz artig, deucht mir.
+Zieh aus dein Schwert und lehn es zwischen uns,
+So machen sie's bei der Vermählung auch,
+Da liegt ein Schwert erst zwischen beiden Gatten.
+
+(Er hat das Schwert neben sie gelehnt.)
+
+Edrita (das Band um das Schwertheft windend).
+So knüpf ich denn--dann so--und wieder so
+(Sie hustet wiederholt.)
+
+Galomir.
+Wie?
+
+Edrita.
+Ei, ich bin doch allzu scharf gelaufen.
+Nun steht es schön. Nicht wahr? Ei, ei, wie artig.
+
+(Sie schlägt wie erfreut die Hände zusammen; die Jünglinge, die schon
+früher leise vorgetreten, sind ganz nahe.)
+
+Edrita (das Schwert umstoßend).
+O weh, es fällt!
+
+Galomir.
+Mein Schwert!
+
+Edrita.
+Heb's auf vom Boden.
+
+(Sie tritt mit dem Fuße darauf. Galomir bückt sich.)
+
+Edrita (stehend und auf Leon sprechend).
+Nur hier! Da liegt sein Speer. Nimm ihn nur auf.
+(Zu Galomir herabsprechend.)
+Was zögerst du?
+
+Galomir (immer gebückt).
+Der Fuß--
+
+Edrita (Atalus nach der andern Seite winkend).
+Du hier herüber.
+(Zu Galomir.)
+Ja so, mein Fuß, er steht auf deinem Schwert.
+Der böse Fuß!
+(Zu den beiden.)
+Nur hier.
+
+Galomir (sich vom Boden aufrichtend).
+So heb ihn.
+(Er erblickt Leon, der, auf der linken Seite stehend, den Spieß gerade
+gegen seine Brust hält.)
+Ah!
+(Er sinkt auf den Sitz zurück.)
+
+(Atalus ist indessen von der andern Seite gekommen und hat das Schwert
+aufgenommen.)
+
+Edrita (steht auf und eilt auf Leons Seite).
+Du, reg dich nicht, sonst bringen sie dich um!
+
+Atalus.
+Mich weht es an, hab ich doch nun ein Schwert!
+
+Edrita (mit den Händen zusammenschlagend).
+Ei, das ist gut, ei, das ist gut! Fürwahr!
+(Zu Atalus.)
+Du, droh ihm auch!
+
+Atalus (mit gehobenem Schwerte).
+Hier bin ich.
+
+Leon (zu Galomir).
+Mir tut leid,
+Muß also ich an Euch die Worte richten.
+Es war nicht meine Wahl, doch ist's geschehn,
+Und da es ist, benütz ich es zur Rettung.
+Bleibt sitzen, Herr, Ihr seid in unsrer Macht.
+(Seinen Gürtel lösend.)
+Mit dieser Schnur bin ich genötigt, Herr,
+Zu binden Euch an dieses Baumes Stamm.
+Es hält nicht lange gegen Eure Kraft,
+Doch sind wir fern, kehrt ruhig zu den Euern.
+
+Edrita.
+Ich halte dir den Spieß, doch regt er sich,
+Ist flugs er wieder dort in deiner Hand.
+(Galomirn den Speer zeigend, den sie umgekehrt gefaßt hat.)
+Du sieh!--Ja so!
+(Sie kehrt ihn um. Zu Atalus.)
+ Du, droh ihm--droh ihm auch!
+
+(Während Galomir nach Atalus blickt, der einen Schritt näher getreten,
+zieht Leon rasch die Schnur zwischen Galomirs Leib und Arme, auf die er
+sich rückwärts stützt, und bindet letztere am Baume fest.)
+
+Galomir.
+Ah, oh!
+
+Leon.
+Euch wird kein Leid, wenn Ihr Euch fügt.
+
+Edrita.
+Du, bind ihn fest, er hat wohl Kraft für viele.
+
+Leon.
+Es ist getan, und wohl für jetzt genug.
+Kommt, Atalus, Ihr seid mir anvertraut.
+
+(Atalus tritt zu ihm.)
+
+Edrita.
+Ich nicht? Da sorg ich denn nur selbst für mich.
+(Laut, wobei sie aber den Kopf verneinend schüttelt.)
+Wir gehn nun grade in den Wald hinein.
+
+(Galomir hat indessen heftige Bewegungen gemacht.)
+
+Leon.
+Er macht sich los.
+
+Edrita (zu Atalus).
+Sorg du!
+
+(Atalus nähert sich ihm.)
+
+Edrita (leise zu Leon).
+Wenn auch! Wenn auch!
+Allein genügt er nicht, Ihr seid bewaffnet,
+Und zieht er unsre Leute zu sich her,
+Wird frei der untre Weg, der näh're, beßre,
+Und so erreichen wir den Strom vor ihnen.
+Leb wohl denn, Galomir, auf lange, hoff ich.
+
+Leon.
+Und kehrt Ihr zu dem Vater dieses Mädchens,
+Sagt ihm, nicht ich--
+
+Edrita.
+Ich selber, meinst du, nicht?
+Ich selber nahm die Flucht? Nun, sei bedankt
+Um all die Sorglichkeit für meinen Ruf.
+Doch weiß ich ja, daß du die Wahrheit sprichst;
+So laß uns schweigen, dann sind wir am wahrsten
+Und brauchen um nichts minder unsern Fuß.
+Komm, Atalus!
+(Sie geht nach der rechten Seite ab.)
+
+Leon
+(Atalus nach sich ziehend).
+Ja, kommt!
+
+Atalus.
+Er regt sich immer.
+Ich dächt', ein ringer Streich--
+
+Leon.
+Was fällt Euch ein!
+
+(Er zieht ihn fort. Beide Edriten nach, ab.)
+
+Galomir (ihnen nachsehend, dann gegen seine Bande wütend).
+Ah!--Schurken--Oh--Mord Donner!--Oh, das Band!
+(Er versucht, mit den Zähnen sich der Schnur zu nähern.)
+Geht nicht! Und dort mein Horn. Blas an!
+(Das Haupt hinabgeneigt.)
+Geht auch nicht.
+(Rüttelnd)
+Verdammte Schurken!
+(Er sinkt ermüdet auf den Sitz zurück. Plötzlich mit einem listigen Gesichte.)
+Ih!
+(Es ist ihm gelungen, den rechten Arm zum Teil aus dem Bande zu ziehen,
+er rüttelt aber gleich wieder von neuem.)
+Sei ruhig, Mann!
+(Laut rufend.)
+Uh! Uh!--Hört nicht!--Der Arm! Es geht! Der Arm.
+Geht, Galomir, der Arm--Ah! Eh!
+(Er hat den rechten Arm aus dem Bande gezogen und greift sogleich nach
+dem Horne.)
+Er bläst.
+(Stößt ins Horn. Horchend.)
+Horch!--Nein!
+(Macht sich mit dem andern Arme los, den Weg der Fortgegangenen am Boden
+verfolgend.)
+Da! Da! In Wald--Eh, eh, kein Schwert.
+(Auf die leere Scheide schlagend. Er bleibt am Ausgange rechts stehen und
+stößt von neuem ins Horn. Ein entfernter Ruf antwortet.)
+Ah. Ha! Wo Männer, wo?
+(Neue Antwort, näher.)
+Ah, dort. Heran.
+
+(Einer der Burgmänner kommt. Es ist der Schaffer. Nach und nach sammeln
+sich mehrere.)
+
+Schaffer.
+Seid Ihr's?
+
+Galomir.
+Ja, ja!
+
+Schaffer.
+Saht Ihr die Flücht'gen?
+
+Galomir (auf den Weg der Abgegangenen zeigend).
+Ah!
+
+Schaffer (nach rückwärts zeigend).
+Kommt dort hinüber. Dort ist unser Pfad.
+
+Galomir (auf den Weg rechts zeigend).
+Da, da!
+
+Schaffer.
+Allein, der Herr befahl--
+
+Galomir.
+Nein, da.
+
+Schaffer.
+Doch sie entwischen uns, ich sag's Euch, Herr.
+Nach dortaus treffen allseit sich die Pfade.
+
+Galomir.
+Ich selber sie gesehn. Gebunden.--Da.
+(Auf den Baum zeigend.)
+
+Schaffer.
+Sie banden Euch?
+
+Galomir (den Weg bezeichnend).
+Nur da. Und mir ein Waffen.
+(Er nimmt einem der Knechte den Kolben, ihn schwingend.)
+Aha!--Nur da!
+
+Schaffer.
+Nun denn, wenn Ihr befehlt,
+Doch wasch ich nur in Unschuld meine Hände.
+
+(Sie gehen nach rechts ab.)
+
+
+--------
+
+Veränderung
+
+Offene Gegend am Strom, der im Hintergrunde sichtbar ist. Am Ufer die
+Hütte des Fährmanns.
+
+Der Fährmann und sein Knecht.
+
+
+Fährmann.
+Die ganze Herde, sagst du, trieb er fort?
+
+Knecht.
+Der Kattwald, ja. Wir waren auf der Weide,
+'s ist nun der zweite Tag. Und als er schied,
+Befahl er grinsend mir, Euch nur zu sagen:
+So treib' er Schulden ein, sobald sie fällig.
+
+Fährmann.
+Die ganze Herde für so kleine Schuld?
+So sag ich mich denn auch für immer los,
+Der Wilden Trutz ist nicht mehr zu ertragen.
+Die Franken zahlen besser, sind auch besser.
+(Auf einen Baum zeigend, in den ein Bild eingefügt ist.)
+Sie schenkten dort mir jenes fromme Bild,
+Und wenn die Frucht man kennet aus der Saat,
+Gilt mehr ihr Gott als Wodan oder Teut.
+
+Doch früher räch ich mich an jenen Argen.
+Dem Kattwald fang ich nur ein Liebstes weg,
+Ein Kind, ein Weib, den Nächsten seines Stamms,
+Und das soll bluten, zahlt er nicht mit Wucher,
+Was ungerecht er meiner Habe stahl.
+
+Nun rüste mir den Kahn, ich will hinüber.
+Man sagt, die Franken brechen wieder los
+Und wollen jenes Ufer sich gewinnen,
+Das streitig ohnehin, bald des, bald jenes,
+Und spärlich nur bewohnt, zwei Tag' im Umkreis.
+Sie zielen wohl auf Metz, wo jene Teufel
+Ob ihrem Land die plumpe Wache halten.
+Doch wird's wohl nicht so bald; drum noch Geduld,
+Bis dahin heißt's verbeißen seinen Ärger.
+Nur jenem Kattwald tu ich's früher an.
+(Er geht in den Hintergrund, wo er sich am Flusse beschäftigt.)
+
+Edrita (tritt von der linken Seite kommend rasch auf).
+Wir sind am Strom!
+(In die Szene sprechend.)
+ Verbergt die Waffen nur,
+Im Notfall nehmt ihr leicht sie wieder auf.
+
+(Die Jünglinge kommen.)
+
+Hab ich mein Wort gehalten oder nicht?
+
+(Leon eilt mit schnellen Schritten dem Ufer zu, von dort zurückkehrend,
+erblickt er den Baum mit dem Heiligenbilde und kniet betend davor nieder.)
+
+Edrita (zu Atalus).
+Wie unvorsichtig! Jetzt dorthin zu knien.
+
+Atalus.
+Da hat er recht. Man muß wohl also tun.
+(Er kniet auch hin.)
+
+Edrita (zum Fährmann, der, die beiden betrachtend, vom Ufer nach vorn
+gekommen).
+Seid Ihr der Fährmann?
+
+Fährmann.
+Wohl, ich bin's.
+
+Edrita.
+Dem Grafen
+Im Rheingau ob nicht hörig, doch verpflichtet?
+
+Fährmann.
+Dem guten Grafen Kattwald, ja.
+
+Edrita.
+Nun denn!
+Die beiden, die du siehst, sind Knechte Kattwalds,
+Sie tragen seine Botschaft in das Land.
+Drum rüste schnell ein Schiff, ein gutes, rasches,
+Das sie hinüberführt und mich mit ihnen.
+
+Fährmann.
+Des Grafen Kattwald?
+
+Edrita.
+Wohl. Damit du glaubst,
+(leiser)
+Das Wort heißt: Arbogast.
+
+Fährmann.
+Ja wohl, so heißt's.
+Das kommt mir recht gelegen, o fürwahr.
+(Seinen Knecht rufend.)
+He, Notger, hier! Die wackern Leute da,
+Sie tun für Grafen Kattwald ihre Reise,
+Des frommen Manns, der unsre Herden schützt.
+Mach immer nur das Schiff bereit.
+(Die Kappe ziehend, zu Edrita.)
+Verzeiht!
+Ich muß dem Knecht da Auftrag geben.
+(Leise zum Knecht.)
+Führ sie zum Schein in Strom. Dann suche Säumnis,
+Indes versamml' ich Freunde, Fischersleute--
+
+Leon (der aufgestanden ist).
+Wo ist der Fährmann?
+
+Fährmann.
+Hier.
+
+Leon.
+Wir wollen über.
+
+Fährmann.
+Ich weiß, ich weiß, in hohem Auftrag, ja!
+
+Leon.
+Was spricht der Mann?
+
+Edrita.
+Ich sagt' ihm, was du weißt,
+Daß ihr, die beiden, mit Graf Kattwalds Botschaft--
+
+Fährmann.
+Und da gehorcht ein niedrer Mann, gleich mir.
+
+Leon.
+Wenn Ihr's nur deshalb tut, und nicht für Lohn,
+Um dessen willen nicht, der prangt dort oben,
+(auf das Heiligenbild zeigend)
+So wißt: nicht in Graf Kattwalds Auftrag gehn wir,
+Und nicht mit seinem Willen sind wir hier.
+
+Edrita.
+Leon.
+
+Leon.
+Es ist so, und ich kann nicht anders.
+
+Fährmann.
+Gehört ihr nicht zu Kattwalds Freunden?
+
+Leon.
+Nein.
+
+Fährmann.
+Ihr habt nur erst vor jenem Bild gekniet.
+Seid ihr vielleicht von jenen fränk'schen Geiseln?
+Es ward um einen kurz nur angefragt.
+
+Leon.
+Wer fragte?
+
+Fährmann.
+Wie es hieß, von seiten dessen,
+Der ihren Gläub'gen vorsteht in Chalons.
+
+Atalus.
+Leon!
+
+Fährmann.
+Ihr seid erwartet drüben; doch
+Liegt feindlich Land dazwischen weit und breit.
+
+Leon.
+Nun, Gott wird helfen. Wer wir immer sei'n,
+Willst du den Strom uns nicht hinüberbringen,
+Versuchen wir denn anderwärts das Glück.
+
+Fährmann.
+Halt noch! Und habt ihr Geld?
+
+Leon (Münzen vorweisend).
+Wenn das genügt.
+
+Fährmann.
+Nun denn, ich führe selber euch hinüber.
+Nicht weil ihr Kattwalds, nein doch, weil ihr's nicht.
+Denn wärt ihr's, lägt inmitten ihr des Stroms.
+Er ist mein Feind, und Rache lechzt die Brust.
+
+Leon (zu Edrita).
+Siehst du, man ist nicht klug, wenn man nur klügelt.
+
+Edrita (sich von ihm entfernend und auf Atalus zeigend).
+Ich geh mit dem. Was soll es weiter nun?
+
+Fährmann (zu dem sein Knecht gesprochen hat, der sogleich wieder abgeht).
+Nun kommt, denn Reiter streifen durch die Gegend.
+Seid ihr entflohn, verfolgen sie wohl euch.
+Seht dort!--Folgt rasch!--Und dankt dem droben,
+(auf das Bild am Baume zeigend)
+Der euern Fuß, der euer Wort gelenkt.
+
+(Sie gehen.)
+
+Ein Krieger (der im Vorgrund auftritt).
+Halt da!
+
+Fährmann.
+Halt selber du! Es liegt ein Wurfspieß
+Und auch wohl zwei im Kahn. Willst sie versuchen?
+
+(Sie gehen ab.)
+
+Krieger (zurückrufend).
+Hallo!
+
+Zweiter Krieger (der im Hintergrunde links aufgetreten).
+Dort sind sie.
+(Er ist vorgeprellt, jetzt zurückweichend und sein Haupt schirmend.)
+Blitz! Sie haben Waffen.
+
+Kattwald (auftretend).
+Wo da! Wo da?
+
+Zweiter Krieger.
+Sie sind schon, seht, im Strom.
+
+Kattwald.
+Verfolgt sie!
+
+Zweiter Krieger.
+Ja, da ist ringsum kein Kahn.
+Doch an der Sandbank müssen sie vorüber,
+Dort rechts, da reichen wir mit unsern Pfeilen.
+
+Kattwald.
+Schießt immer, schießt! Und träft ihr auch mein Kind,
+Weit lieber tot--verwundet wollt' ich sagen--,
+Als daß entkommen sie, mein Kind mit ihnen.
+
+(Knechte haben sich rechts am Ufer aufgestellt.)
+
+Knecht.
+Es ist umsonst. Sie staun mit Macht den Strom
+Und halten ihren Kahn scharf nach der Mitte.
+
+Kattwald (wieder hineilend).
+Nicht also sie! Nicht sie? Nicht Rache! Rache!
+So werf ich mich denn selber in den Strom,
+Und kann ich sie nicht fassen, mag ich sterben.
+
+Knecht (ihn zurückhaltend).
+Laßt ab! Vielleicht erreicht sie Galomir.
+Am Ende seines Wegs ist eine Furt,
+Da kommen dann noch drüben sie zu Schaden.
+
+Kattwald (an seinem ausgestreckten Arm die Stellen bezeichnend).
+Die Hand, den Arm in ihrem Blute baden.
+
+
+
+
+Fünfter Aufzug
+
+
+Vor den Wällen von Metz. Im Hintergrunde ein großes Tor, die daran
+fortlaufenden Seitenmauern zum Teile von Bäumen verdeckt. Rechts im
+Vorgrunde eine Art Scheune mit einer Flügeltüre. Es ist vor Tag und
+noch dunkel.
+
+
+Leon (öffnet die Tür der Scheune und tritt, jene hinter sich zuziehend
+heraus).
+Die Sonne zögert noch, 's ist dunkle Nacht,
+Und dunkel wie das All ist meine Brust.
+
+(Zurückblickend.)
+Da liegen sie und schlafen wie die Kinder,
+Ich aber, wie die Mutter, bin besorgt.
+O daß ein Teil doch jenes stillen Glücks,
+Der Freudigkeit am Werk mir wär' beschieden.
+
+(Nach vorn kommend.)
+So weit gelang's. Der Strom ist überschritten,
+Wir sind im Jenseits, das so fern uns schien.
+Zwar wohnen Feind' auch hier, doch weiß ich nicht,
+Die Gegend, sonst belebt und menschenvoll,
+Ist öd und leer, und der Begegner flieht.
+Zwar sichert das vor allem unsern Weg,
+Doch fehlt auch, der den Weg uns deutend künde.
+
+Die Stadt hier deucht mich Metz, der Feinde Burg,
+Wo sie die Wache halten übers Land.
+Ist die im Rücken, nähert sich die Heimat.
+Ich wünschte Flügel unserm Zauderschritt,
+Doch wag ich's nicht, das Schläferpaar zu wecken,
+Sie sind ermüdet bis zum bleichen Tod.
+Trag du allein, Leon, trag du für alle.
+
+Und wenn wir nun vor meinem Herren stehn!
+Wie tritt mit eins sein ehrfurchtheischend Bild
+Durch Nacht und Dunkel vor mein irres Auge!
+Sein letztes Wort war Mahnung gegen Trug,
+Und nun, wie bunt, was alles wir vollführt.
+Die Tochter aus dem Vaterhaus geraubt.
+Geraubt! Gestattet mindstens, daß sie folge.
+Wie werd ich stehn vor meines Herren Blick?
+
+Und dann, was wird aus ihr, die uns gefolgt
+In kinderhaft unschuldigem Beginnen,
+Vertrauen schöpfend aus dem Gaukelspiel,
+Des Zweck war, zu entfernen das Vertrauen?
+Ich kann nicht glauben, daß sie jenen liebt,
+Den Jüngling Atalus, ist gleich sein Wesen
+Verändert und gebessert seit der Zeit,
+Als er hinweg schied aus der wilden Fremde.
+Erst schien sie mir mit Neigung zugetan,
+Doch trieb mein Weigern, achtlos ernstes Mahnen
+Von mir sie fort zu ihm.--Sie liebt ihn nicht,
+Und doch geht jedes Wort, das sie ihm gönnt,
+Wie Neid und Haß durch meine trübe Seele.
+
+Nur in der Nachtruh' erst, da fiel ihr Haupt
+Im Schlaf herabgesenkt an meine Brust,
+Ein stärkrer Atemzug klang wie ein Seufzer,
+So warm das Haupt, so süß des Atems Wehn,
+Mir drang es fröstelnd bis ins tiefste Mark:
+Vielleicht denkt sie an ihn.--Da stand ich auf,
+Gab einem andern Kissen ihre Schläfe
+Und ging heraus und plaudre mit der Nacht.
+
+Der Osten graut, der Tag, scheint's, will erwachen.
+Vielleicht erkenn ich nun des Weges Spur,
+Vielleicht, daß in der sonderbaren Öde
+Ein Wanderer--Horch, war das nicht ein Schritt?
+Was soll die Vorsicht da, wo Vorsicht hemmt?
+
+(An der linken Seite leise rufend.)
+Ist hier ein Mann? Geht jemand diese Wege?
+Nun wieder still.--Doch nein. Wer geht? Gebt Antwort!
+
+Knecht Kattwalds (der hinter ihm auftritt und ihn rückwärts faßt).
+Die Antwort hier!
+
+Leon.
+Verrat.
+
+Erster Knecht.
+Du selbst Verräter!
+
+Zweiter Knecht (links im Vorgrunde auftretend).
+Ist er's?
+
+Erster Knecht (mit Leon ringend).
+Er macht sich los!
+
+Zweiter Knecht.
+Ich komme.
+
+Leon (hat sich losgerungen).
+Fort!
+Eh' nicht mein Amt vollendet, fängt mich niemand.
+(Er geht wieder nach der andern Seite.)
+
+Kattwalds Schaffer (kommt).
+So habt ihr sie?
+
+Erster Knecht.
+Dort einer.
+
+Schaffer.
+Nu, wo der,
+Dort sind die andern auch. Kommt nur heran!
+
+Galomir (tritt auf).
+Ha du! Das Mädchen wo? Eh, oh, mein Schwert.
+(Er zieht sein Schwert.)
+
+Schaffer.
+Seid ruhig nur, sie können nicht entrinnen.
+
+Leon.
+Lechzt ihr nach meinem Blut, wohl denn, hier bin ich;
+Die Rache sucht des Schadens Stifter ja.
+Wollt ihr das Mädchen, eures Herren Tochter?
+Ich will sie bitten, daß sie mit euch zieht,
+Und geht sie, gut; wenn nicht, so steht mein Blut
+(die Hand an ein dolchartiges Messer legend, das er im Gürtel trägt)
+Für sie auch ein, wie ganz für jenen andern.
+
+Schaffer.
+Wo sind die beiden, sprich! Hier hilft kein Leugnen.
+
+Leon.
+Ich leugne nicht und habe nicht geleugnet.
+Hier sind sie, schaut, doch haltet euch entfernt.
+
+(Er hat die Türe der Scheune geöffnet, man sieht Atalus und Edrita in
+halb sitzender Stellung auf Strohbündeln schlafend.)
+
+Rührt euch die Unschuld nicht ob ihrem Haupt?
+Wie Gottes Atem weht des Schlafes Atem
+Aus ihrer Brust, indes sie dort bei ihm.
+O Schlaf, du Anfang unsrer Seligkeit,
+Nur unterbrochen noch von trübem Wachen!
+Sprecht sachte, leise, daß ihr sie nicht weckt.
+(Er schließt die Türe.)
+Nun aber noch. Der erste, der sich naht,
+Er fällt, ein Opfer seines raschen Eifers.
+(Noch einmal die Hand am Messer.)
+Ist's einer auch nur, droht's doch allen gleich.
+
+Schaffer (da Galomir auf Leon eindringen will).
+Wozu auch ohne Not? er hat ein Waffen,
+Und jener andre steht, erwacht, ihm bei.
+Hier ist ja Metz, der Unsern starke Feste.
+Da drin sind Fesseln, Bande, sichre Kerker
+Und Helfer der gefahrlos lust'gen Jagd.
+Poch einer dort ans Tor, wir stehn und wachen.
+
+(Einer geht hin.)
+
+Leon.
+Nun denn, sie haben mich umstellt mit Netzen,
+Da hilft denn einer nur und der bist du!
+(Mit aufwärts gestreckten Armen.)
+In deinem Auftrag ging ich in dies Land,
+Durch meines Herren Mund hast du gesprochen.
+Aus seiner frommen Werke reichem Schatz
+Gab er mir deinen Beistand auf die Reise,
+O nimm die Hilfe nicht, bevor sie half.
+Ich weiß, Unmögliches schein ich zu heischen.
+Doch ist ja möglich das nur, was du willst,
+Und was du nicht willst, das nur ist unmöglich.
+Um mich nicht fleh ich, nein, für ihn, um sie.
+Ein Menschenleben, ach, es ist so wenig,
+Ein Menschenschicksal aber ist so viel.
+Beschirm sie gegen Feinde, gegen sich.
+Das Mädchen, zu den Ihren heimgekommen,
+Wird im Gewöhnen wild und arg wie jene.
+Und Atalus--Wir wissen's beide, Herr!
+Er ist nur schwach; kehrt er in neue Haft,
+Fällt er verzweifelnd ab von deinen Wegen;
+Sein Oheim aber segnet sich und stirbt.
+Das soll nicht sein, das darf nicht.--Nicht wahr, nein?
+(Er fällt auf die Knie.)
+
+Schaffer.
+Er ist verwirrt und spricht mit Luft und Wolken.
+(Nach rückwärts.)
+Kommt niemand noch?
+
+Leon.
+Horch! Welch bekannter Klang!
+
+(Aus der Stadt tönt der entfernte Laut einer kleinen Glocke.)
+
+So tönen ja der Christen fromme Zeichen,
+Die Gläubigen versammelnd zum Gebet.
+
+Schaffer.
+Du irrst, da drin sind keine Christenvölker,
+Da ehrt man Wodan und den starken Teut.
+Man kommt.
+
+Leon.
+Wohlan, so gilt es denn das Letzte?
+Ich bitte nicht mehr Hilfe, nein, ich fordre--
+Ich bitte immer noch, ich bitte, Herr!
+Als ich von deinem frommen Diener schied,
+Da leuchtete ein Blitz in meinem Innern;
+Von Wundern sprach's, ein Wunder soll geschehn.
+Und so begehr ich denn, ich fordre Wunder!
+Halt mir dein heilig Wort!--Weh dem, der lügt!
+(Er springt auf.)
+
+
+(Die Tore gehen auf, Gewaffnete treten heraus, unter ihnen ein Anführer,
+glänzend geharnischt.)
+
+Schaffer (der sich dem Tore genähert, zurückweichend).
+Die sind der Unsern nicht.
+
+Anführer.
+Hier Feinde, greift!
+
+Schaffer (immer zurückweichend).
+Ist das nicht Metz, der Unsern starke Feste?
+
+Anführer.
+Noch ehegestern war's der Euern Stadt,
+Ein Überfall bei Nacht gab sie uns eigen,
+
+(Glockentöne von neuem)
+
+Und schon tönt heller Klang der frommen Glocken,
+In Eile aufgerichtet, zum Gebet
+Und lockt zu glauben, die da liebend hoffen.
+
+Leon (zu Atalus und Edrita, die aus der Hütte getreten).
+Hört ihr?
+
+(Chorknaben kommen aus dem Tore.)
+
+Anführer.
+Der fromme Kirchenvogt, er selber,
+Des Sprengel überall, wo Hilfe not,
+Er kam herbei in seines Herren Dienst,
+Zu streuen Aussaat christlicher Gesittung.
+Dort kommt er, seht! ergebt euch Gott und uns.
+
+(Gregor tritt heraus.)
+
+Leon (zu Atalus).
+Dort Euer Ohm! Lauft hin!
+
+Atalus (auf ihn zueilend).
+O Herr! Mein Herr!
+
+Gregor.
+Mein Atalus! Mein Sohn!--Gott, deine Gnade.
+
+(Sie halten sich umarmt.)
+
+Leon (Edritas Gesicht zwischen beide Hände fassend).
+Edrita, schau! Da sind wir bei den Unsern.
+(Sie loslassend.)
+Ja so, du bist im Ganzen doch der dunkle Fleck.
+
+Edrita (sich von ihm abwendend).
+Bin ich? Da muß ich mich denn selber reinen.
+
+Gregor.
+So halt ich dich in diesen meinen Armen!
+
+(Atalus will sich vor ihm auf die Knie niederlassen, er hebt ihn auf.)
+
+Ich habe viel um dich gesorgt, mein Sohn,
+Nicht nur, wie du der Haft wohl frei und ledig,
+Nein, um dich selbst, um all dein Sein und Tun.
+Ein Schleier fiel von dem bestochnen Auge.
+Du bist nicht, wie du sollst. Wir wollen sehn,
+Ob wir durch Sorgfalt künftig das ersetzen.
+Nun aber sag, kamst du allein hierher,
+War nicht ein andrer bei dir, den ich sandte?
+
+Atalus (auf Leon zugehend).
+Dort steht er, dem ich's danke. Dort mein Schutz.
+
+Gregor.
+Ha, du, mein toller Bursch. Mein Wackrer, Treuer!
+Hier meine Hand! Nicht küssen, drücken--So.
+Nu, hübsch gelogen? Brav dich was vermessen?
+Mit Lug und Trug verkehrt? Ei ja, ich weiß.
+
+Leon.
+Nu, gar so rein ging's freilich denn nicht ab.
+Wir haben uns gehütet, wie wir konnten.
+Wahr stets und ganz war nur der Helfer: Gott!
+
+Gregor. Das ist er auch in allen seinen Wegen.
+(Zum fränkischen Anführer.)
+Und so, in seinem Namen, bitt ich Euch,
+Laßt los die Männer hier, gönnt ihnen Heimkehr.
+(Auf Galomir und die Seinen zeigend.)
+Es wäre denn, es fühlte einer Trieb,
+Im Schoß der Kirche--Nun, sie wollen nicht,
+Geht immer nur mit Gott. Hier ist kein Zwang.
+Am Ende zwingt die Wahrheit jeden doch,
+Sie braucht nicht äußre Helfer und Beschützer.
+Wär' sie auch Wahrheit sonst? Zieht hin in Frieden.
+
+Galomir (auf Edrita zeigend).
+Die dort?
+
+Schaffer.
+Benützt die Freiheit, die sie gönnen,
+Eh' sie's gereut. Sie sind wohl töricht g'nug.
+
+(Er zieht ihn nach sich. Die Seinigen folgen, von einigen Gewaffneten
+geleitet.)
+
+Gregor (der einige Schritte nach der Stadt gemacht hat).
+Ihr steht noch immer da, folgt nicht zur Stadt?
+
+Atalus.
+Hier ist noch eine, Herr, die deiner harrt.
+
+(Edrita tritt vor.)
+
+Sie ist des Kattwald, meines Hüters, Tochter.
+
+Gregor (stark).
+Leon, tatst du mir das?
+
+Leon.
+Verzeiht, o Herr--
+
+Edrita.
+Er wird Euch sagen, daß nicht er es war,
+Daß wider seinen Willen fast ich folgte.
+Auch ist es so.
+
+Gregor.
+Was brachte dich dazu?
+
+Edrita.
+Was mich zuerst zu diesem Schritt bewog,
+Ich wußt' es damals nicht, nun aber weiß ich's,
+Doch sei's vergessen auch für jetzt und stets.
+Der zweite Grund, der edlere, der reine,
+Er bleibt, wie damals, also jetzt und immer.
+Du botst nur erst den Männern unsres Volks
+Der Kirche Heil, sie aber wollten nicht;
+Schau eine hier, die wollte und die will,
+Nimm auf mich in die friedliche Gemeine.
+
+Gregor.
+Und ohne deines Vaters Willen denn?
+
+Edrita.
+Holt er sie selbst, gib ihm zurück die Christin,
+Dem Christen nur, vertrau ich, gibst du sie.
+So pflanzt sich fort des Guten schwacher Same,
+Und künftig Heil entsprießet für mein Volk.
+
+Gregor.
+Mir ziemt's zu kargen nicht mit dem, was aller,
+Und deinen Vorsatz weis ich nicht zurück.
+
+Atalus.
+Und dann noch eins! Ich will ihr wohl, o Herr,
+Und wenn--
+
+Gregor.
+Was nur?
+
+Atalus.
+Wenn du's gestattest, wollt, ich--
+
+Gregor.
+Was Neues denn? das war sonst nicht dein Sinn.
+
+Atalus.
+Als ich gefangen lag in harten Banden,
+War sie die einz'ge, die nicht rauh und wild.
+Dann auf der Reise hielt sie sich an mich,
+Nahm meinen Arm, und sonst auch--Herr, du siehst.
+
+Gregor.
+Ich sehe, daß sie hold und wohlgetan.
+
+Atalus.
+Auch stammt sie von dem Grafen her im Rheingau.
+
+Gregor.
+Und also, meinst du? auch dir ebenbürtig?
+Gib nicht für einen Ahn, so alt er ist,
+Den ältsten auf, den ersten aller Ahnen,
+Ihn, der da war, eh' noch die Sonne war,
+Der niedern Staub geformt nach seinem Bild.
+Des Menschen Antlitz ist sein Wappenschild.
+Ich hatte andre Absicht wohl mit dir,
+Doch wenn es Gottes Willen nun--
+(Zu Edrita.)
+Und du?
+
+Edrita.
+Ich denk vorerst in Einsamkeit zu leben,
+Was du sodann gebeutst, das will ich tun.
+
+Gregor.
+Die Zukunft mag denn lehren, was sie bringt.
+Vorerst reich ihm als Schützer deine Hand.
+
+Leon (da Atalus die Hand ausstreckt und Edrita im Begriff ist, die ihre
+zu heben).
+O Herr!
+
+Gregor.
+Was ist?--Warum stehst du so fern?
+
+Leon.
+Ich nahe denn, um Urlaub zu begehren.
+
+Gregor.
+Urlaub, warum?
+
+Leon.
+Das Reisen wird Gewohnheit,
+Reist einer nur ein Stück mal in die Welt.
+Und dann, Ihr wißt, mich trieb wohl stets die Lust,
+Im Heer des Königs--
+
+Gregor.
+Das wär's?
+
+Leon.
+Ja, das ist's.
+
+Gregor.
+Dich treibt ein andrer Grund.
+
+Leon.
+Fürwahr, kein andrer.
+
+Gregor.
+Weh dem, der lügt!
+
+Leon.
+Man sollte ja doch meinen--
+
+Gregor.
+Noch einmal weh! dem Lügner und der Lüge.
+
+Leon.
+Nun, Herr, das Mädchen liegt mir selbst im Sinn.
+Will sie mich nicht, mag sie ein andrer haben.
+Doch zusehn eben, wie man sie vermählt--
+
+Edrita (auf ihrem Platze bleibend).
+Leon.
+
+Leon.
+Ja, du.
+
+Edrita.
+Leon, und ich--
+
+Leon.
+Wie nur?
+
+Edrita.
+War ich gleich anfangs dir nicht denn geneigt?
+
+Leon.
+Doch in der Folge kam's gar bitter anders.
+Du gingst mit Atalus.
+
+Edrita.
+Ei, gehen mußt' ich,
+Du aber stießest grausam mich zurück.
+
+Leon (auf Gregor zeigend).
+Es war ja wegen dem. Er litt es nicht.
+Sollt' ich mit Raub und Diebstahl zu ihm kehren?
+
+Edrita.
+Du aber stahlst mein Inneres und hast's.
+
+Leon.
+Und willst dich doch vermählen?
+
+Edrita.
+Ich?
+(Mit gefalteten Händen den Bischof vertrauensvoll anblickend.)
+O nein.
+
+Gregor.
+Wer deutet mir die buntverworrne Welt!
+Sie reden alle Wahrheit, sind drauf stolz,
+Und sie belügt sich selbst und ihn; er mich
+Und wieder sie; der lügt, weil man ihm log--
+Und reden alle Wahrheit, alle. Alle.
+Das Unkraut, merk ich, rottet man nicht aus,
+Glück auf, wächst nur der Weizen etwa drüber.
+(Zu Atalus.)
+Es steht nicht gut für uns; was denkst du, Sohn?
+
+Atalus (nach einer Pause).
+Ich denke, Herr, das Mädchen dem zu gönnen,
+Der mich gerettet, ach, und den sie liebt.
+
+Gregor.
+So recht, mein Sohn, und daß dir ja kein Zweifel
+Ob ihres Gatten Rang und Stand und Ansehn;
+Von heut an, merk! Hab ich der Neffen zwei.
+Der König tut mir auch wohl was zuliebe,
+Da frei' er immer denn das Häuptlingskind.
+
+Du bist betrübt. Heb nur dein Aug' vom Boden,
+Du wardst getäuscht im Land der Täuschung, Sohn!
+Ich weiß ein Land, das aller Wahrheit Thron;
+Wo selbst die Lüge nur ein buntes Kleid,
+Das schaffend Er genannt: Vergänglichkeit,
+Und das er umhing dem Geschlecht der Sünden,
+Daß ihre Augen nicht am Strahl erblinden.
+Willst du, so folg, wie früher war bestimmt,
+Dort ist ein Glück, das keine Täuschung nimmt,
+Das steigt und wächst bis zu den spätsten Tagen.
+Und diese da
+(mit einer Bewegung der verkehrten Hand sich umwendend)
+sie mögen sich vertragen.
+
+(Da Leon und Edrita sich in die Arme stürzen und Gregor eine Bewegung
+fortzugehen macht, fällt der Vorhang.)
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Weh dem, der lügt!, von Franz
+Grillparzer.
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Weh dem, der luegt, by Franz Grillparzer
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WEH DEM, DER LUEGT ***
+
+This file should be named 9044-8.txt or 9044-8.zip
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+https://gutenberg.org or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03
+
+Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+https://www.gutenberg.org/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+