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+The Project Gutenberg EBook of Bulemanns Haus, by Theodor Storm
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+this or any other Project Gutenberg eBook.
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
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+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
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+Title: Bulemanns Haus
+
+Author: Theodor Storm
+
+Release Date: September, 2005 [EBook #8916]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on August 25, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO Latin-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK BULEMANNS HAUS ***
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+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
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+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 8-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
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+
+BULEMANNS HAUS
+
+beim THEODOR STORM
+
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+
+In einer norddeutschen Seestadt, in der sogenannten Düsternstraße, steht
+ein altes verfallenes Haus. Es ist nur schmal, aber drei Stockwerke hoch;
+in der Mitte desselben, vom Boden bis fast in die Spitze des Giebels,
+springt die Mauer in einem erkerartigen Ausbau vor, welcher für jedes
+Stockwerk nach vorne und an den Seiten mit Fenstern versehen ist, so daß
+in hellen Nächten der Mond hindurchscheinen kann.
+
+Seit Menschengedenken ist niemand in dieses Haus hinein--und niemand
+herausgegangen; der schwere Messingklopfer an der Haustür ist fast schwarz
+von Grünspan, zwischen den Ritzen der Treppensteine wächst Jahr aus Jahr
+ein das Gras.--Wenn ein Fremder fragt: "Was ist denn das für ein Haus?" so
+erhält er gewiß zur Antwort: "Es ist Bulemanns Haus"; wenn er aber weiter
+fragt: "Wer wohnt denn darin?" so antworten sie ebenso gewiß: "Es wohnt so
+niemand darin."--Die Kinder auf den Straßen und die Ammen an der Wiege
+singen:
+
+In Bulemanns Haus, In Bulemanns Haus, Da gucken die Mäuse Zum Fenster
+hinaus.
+
+Und wirklich wollen lustige Brüder, die von nächtlichen Schmäusen dort
+vorbeigekommen, ein Gequieke wie von unzähligen Mäusen hinter den dunklen
+Fenstern gehört haben. Einer, der im Übermut den Türklopfer anschlug, um
+den Widerhall durch die öden Räume schallen zu hören, behauptet sogar, er
+habe drinnen auf den Treppen ganz deutlich das Springen großer Tiere
+gehört. "Fast", pflegt er, dies erzählend, hinzuzusetzen, "hörte es sich
+an wie die Sprünge der großen Raubtiere, welche in der Menageriebude auf
+dem Rathausmarkte gezeigt wurden."
+
+Das gegenüberstehende Haus ist um ein Stockwerk niedriger, so daß nachts
+das Mondlicht ungehindert in die oberen Fenster des alten Hauses fallen
+kann. Aus einer solchen Nacht hat auch der Wächter etwas zu erzählen;
+aber es ist nur ein kleines altes Menschenantlitz mit einer bunten
+Zipfelmütze, das er droben hinter den runden Erkerfenstern gesehen haben
+will. Die Nachbarn dagegen meinen, der Wächter sei wieder einmal
+betrunken gewesen; sie hätten drüben an den Fenstern niemals etwas gesehen,
+das einer Menschenseele gleich gewesen.
+
+Am meisten Auskunft scheint noch ein alter in einem entfernten
+Stadtviertel lebender Mann geben zu können, der vor Jahren Organist an der
+St. Magdalenenkirche gewesen ist. "Ich entsinne mich", äußerte er, als er
+einmal darüber befragt wurde, "noch sehr wohl des hagern Mannes, der
+während meiner Knabenzeit allein mit einer alten Weibsperson in jenem Haus
+wohnte. Mit meinem Vater, der ein Trödler gewesen ist, stand er ein paar
+Jahre lang in lebhaftem Verkehr, und ich bin derzeit manches Mal mit
+Bestellungen an ihn geschickt worden. Ich weiß auch noch, daß ich nicht
+gern diese Wege ging und oft allerlei Ausflucht suchte; denn selbst bei
+Tage fürchtete ich mich, dort die schmalen dunkeln Treppen zu Herrn
+Bulemanns Stube im dritten Stockwerk hinaufzusteigen. Man nannte ihn
+unter den Leuten den 'Seelenverkäufer'; und schon dieser Name erregte mir
+Angst, zumal daneben allerlei unheimlich Gerede über ihn im Schwange ging.
+Er war, ehe er nach seines Vaters Tod das alte Haus bezogen, viele Jahre
+als Supercargo auf Westindien gefahren. Dort sollte er sich mit einer
+Schwarzen verheiratet haben; als er aber heimgekommen, hatte man vergebens
+darauf gewartet, eines Tages auch jene Frau mit einigen dunkeln Kindern
+anlangen zu sehen. Und bald hieß es, er habe auf der Rückfahrt ein
+Sklavenschiff getroffen und an den Kapitän desselben sein eigen Fleisch
+und Blut nebst ihrer Mutter um schnödes Gold verkauft.--Was wahres an
+solchen Reden gewesen, vermag ich nicht zu sagen", pflegte der Greis
+hinzuzusetzen; "denn ich will auch einem Toten nicht zu nahe treten; aber
+so viel ist gewiß, ein geiziger und menschenscheuer Kauz war es; und seine
+Augen blickten auch, als hätten sie bösen Taten zugesehen. Kein
+Unglücklicher und Hilfesuchender durfte seine Schwelle betreten; und wann
+immer ich damals dort gewesen, stets war von innen die eiserne Kette vor
+die Tür gelegt.--Wenn ich dann den schweren Klopfer wiederholt hatte
+anschlagen müssen, so hörte ich wohl von der obersten Treppe herab die
+scheltende Stimme des Hausherrn: Frau Anken! Frau Anken! Ist Sie taub?
+Hört Sie nicht, es hat geklopft!' Alsbald ließen sich aus dem Hinterhaus
+über Pesel und Korridor die schlurfenden Schritte des alten Weibes
+vernehmen. Bevor sie aber öffnete, fragte sie hüstelnd:'Wer ist es denn?'
+und erst, wenn ich geantwortet hatte:'Es ist der Leberecht!' wurde die
+Kette drinnen abgehakt. Wenn ich dann hastig die siebenundsiebzig
+Treppenstufen--denn ich habe sie einmal gezählt--hinaufgestiegen war,
+pflegte Herr Bulemann auf dem kleinen dämmerigen Flur vor seinem Zimmer
+schon auf mich zu warten; in dieses selbst hat er mich nie hineingelassen.
+Ich sehe ihn noch, wie er in seinem gelbgeblümten Schlafrock mit der
+spitzen Zipfelmütze vor mir stand, mit der einen Hand rücklings die Klinke
+seiner Zimmertür haltend. Während ich mein Gewerbe bestellte, pflegte er
+mich mit seinen grellen runden Augen ungeduldig anzusehen und mich darauf
+hart und kurz abzufertigen. Am meisten erregten damals meine
+Aufmerksamkeit ein paar ungeheuere Katzen, eine gelbe und eine schwarze,
+die sich mitunter hinter ihm aus seiner Stube drängten und ihre dicken
+Köpfe an seinen Knieen rieben.--Nach einigen Jahren hörte indessen der
+Verkehr mit meinem Vater auf, und ich bin nicht mehr dort gewesen. Dies
+alles ist nun über siebzig Jahre her, und Herr Bulemann muß längst dahin
+getragen sein, von wannen niemand wiederkehrt."--Der Mann irrte sich, als
+er so sprach. Herr Bulemann ist nicht aus seinem Haus getragen worden; er
+lebt darin noch jetzt.
+
+Das aber ist so zugegangen.
+
+Vor ihm, dem letzten Besitzer, noch um die Zopf--und Haarbeutelzeit,
+wohnte in jenem Haus ein Pfandverleiher, ein altes verkrümmtes Männchen.
+Da er sein Gewerbe mit Umsicht seit über fünf Jahrzehnten betrieben hatte
+und mit einem Weib, das ihm seit dem Tod seiner Frau die Wirtschaft führte,
+aufs spärlichste lebte, so war er endlich ein reicher Mann geworden.
+Dieser Reichtum bestand aber zumeist in einer fast unübersehbaren Menge
+von Pretiosen, Geräten und seltsamstem Trödelkram, was er alles von
+Verschwendern oder Notleidenden im Laufe der Jahre als Pfand erhalten
+hatte und das dann, da die Rückzahlung des darauf gegebenen Darlehens
+nicht erfolgte, in seinem Besitz zurückgeblieben war.--Da er bei einem
+Verkauf dieser Pfänder, welcher gesetzlich durch die Gerichte geschehen
+mußte, den Überschuß des Erlöses an die Eigentümer hätte herausgeben
+müssen, so häufte er sie lieber in den großen Nußbaumschränken auf, mit
+denen zu diesem Zwecke nach und nach die Stuben des ersten und endlich
+auch des zweiten Stockwerks besetzt wurden. Nachts aber, wenn Frau Anken
+im Hinterhaus in ihrem einsamen Kämmerchen schnarchte und die schwere
+Kette vor der Haustür lag, stieg er oft mit leisen Tritt die Treppen auf
+und ab. In seinen hechtgrauen Rockelor eingeknöpft, in der einen Hand die
+Lampe, in der andern das Schlüsselbund, öffnete er bald im ersten, bald im
+zweiten Stockwerk die Stuben- und die Schranktüren, nahm hier eine goldene
+Repetieruhr, dort eine emaillierte Schnupftabaksdose aus dem Versteck
+hervor und berechnete bei sich die Jahre ihres Besitzes und ob die
+ursprünglichen Eigentümer dieser Dinge wohl verkommen und verschollen
+seien oder ob sie noch einmal mit dem Geld in der Hand wiederkehren und
+ihre Pfänder zurückfordern könnten.
+
+Der Pfandverleiher war endlich im äußersten Greisenalter von seinen
+Schätzen weggestorben und hatte das Haus nebst den vollen Schränken seinem
+einzigen Sohn hinterlassen müssen, den er während seines Lebens auf jede
+Weise daraus fern zu halten gewußt hatte.
+
+Dieser Sohn war der von dem kleinen Leberecht so gefürchtete Supercargo,
+welcher eben von einer überseeischen Fahrt in seine Vaterstadt
+zurückgekehrt war. Nach dem Begräbnis des Vaters gab er seine früheren
+Geschäfte auf und bezog dessen Zimmer im dritten Stock des alten
+Erkerhauses, wo nun statt des verkrümmten Männchens im hechtgrauen
+Rockelor eine lange hagere Gestalt im gelbgeblümten Schlafrock und bunter
+Zipfelmütze auf und ab wandelte oder rechnend an dem kleinen Pulte des
+Verstorbenen stand.
+
+Auf Herrn Bulemann hatte sich indessen das Behagen des alten
+Pfandverleihers an den aufgehäuften Kostbarkeiten nicht vererbt. Nachdem
+er bei verriegelten Türen den Inhalt der großen Nußbaumschränke untersucht
+hatte, ging er mit sich zu Rate, ob er den heimlichen Verkauf dieser Dinge
+wagen solle, die immer noch das Eigentum anderer waren und an deren Wert
+er nur auf Höhe der ererbten und, wie die Bücher ergaben, meist sehr
+geringen Darlehnsforderung einen Anspruch hatte. Aber Herr Bulemann war
+keiner von den Unentschlossenen. Schon in wenigen Tagen war die
+Verbindung mit einem in der äußersten Vorstadt wohnenden Trödler
+angeknüpft, und nachdem man einige Pfänder aus den letzten Jahren
+zurückgesetzt hatte, wurde heimlich und vorsichtig der bunte Inhalt der
+großen Nußbaumschränke in gediegene Silbermünzen umgewandelt.
+
+Das war die Zeit, wo der Knabe Leberecht ins Haus gekommen war.
+
+Das gelöste Geld tat Herr Bulemann in große eisenbeschlagene Kasten,
+welche er nebeneinander in seine Schlafkammer setzen ließ; denn bei der
+Rechtlosigkeit seines Besitzes wagte er nicht, es auf Hypotheken auszutun
+oder sonst öffentlich anzulegen.
+
+Als alles verkauft war, machte er sich daran, sämtliche für die mögliche
+Zeit seines Lebens denkbare Ausgaben zu berechnen. Er nahm dabei ein
+Alter von neunzig Jahren in Ansatz und teilte dann das Geld in einzelne
+Päckchen je für eine Woche, indem er auf jedes Quartal noch ein Röllchen
+für unvorhergesehene Ausgaben dazulegte. Dieses Geld wurde für sich in
+einen Kasten gelegt, welcher nebenan in dem Wohnzimmer stand; und alle
+Sonnabendmorgen erschien Frau Anken, die alte Wirtschafterin, die er aus
+der Verlassenschaft seines Vaters mit übernommen hatte, um ein neues
+Päckchen in Empfang zu nehmen und über die Verausgabung des vorigen
+Rechenschaft zu geben.
+
+Wie schon erzählt, hatte Herr Bulemann Frau und Kinder nicht mitgebracht;
+dagegen waren zwei Katzen von besonderer Größe, eine gelbe und eine
+schwarze, am Tage nach der Beerdigung des alten Pfandverleihers durch
+einen Matrosen in einem fest zugebundenen Sack vom Bord des Schiffes ins
+Haus getragen worden. Diese Tiere waren bald die einzige Gesellschaft
+ihres Herrn. Sie erhielten mittags ihre eigene Schüssel, die Frau Anken
+unter verbissenem Ingrimm Tag aus und ein für sie bereiten mußte; nach dem
+Essen, während Herr Bulemann sein kurzes Mittagsschläfchen abtat, saßen
+sie gesättigt neben ihm auf dem Kanapee, ließen ein Läppchen Zunge
+hervorhängen und blinzelten ihn schläfrig aus ihren grünen Augen an.
+Waren sie in den unteren Räumen des Hauses auf der Mausjagd gewesen, was
+ihnen indessen immer einen heimlichen Fußtritt von dem alten Weib eintrug,
+so brachten sie gewiß die gefangenen Mäuse zuerst ihrem Herrn im Maule
+hergeschleppt und zeigten sie ihm, ehe sie unter das. Kanapee krochen und
+sie verzehrten. War dann die Nacht gekommen und hatte Herr Bulemann die
+bunte Zipfelmütze mit einer weißen vertauscht, so begab er sich mit seinen
+beiden Katzen in das große Gardinenbett im Nebenkämmerchen, wo er sich
+durch das gleichmäßige Spinnen der zu seinen Füßen eingewühlten Tiere in
+den Schlaf bringen ließ.
+
+Dieses friedliche Leben war indes nicht ohne Störung geblieben. Im Laufe
+der ersten Jahre waren dennoch einzelne Eigentümer der verkauften Pfänder
+gekommen und hatten gegen Rückzahlung des darauf erhaltenen Sümmchens die
+Auslieferung ihrer Pretiosen verlangt. Und Herr Bulemann, aus Furcht vor
+Prozessen, wodurch sein Verfahren in die Öffentlichkeit hätte kommen
+können, griff in seine großen Kasten und erkaufte sich durch größere oder
+kleinere Abfindungssummen das Schweigen der Beteiligten. Das machte ihn
+noch menschenfeindlicher und verbissener. Der Verkehr mit dem alten
+Trödler hatte längst aufgehört; einsam saß er auf seinem Erkerstübchen mit
+der Lösung eines schon oft gesuchten Problems, der Berechnung eines
+sichern Lotteriegewinnes, beschäftigt, wodurch er dermaleinst seine
+Schätze ins Unermeßliche zu vermehren dachte. Auch Graps und Schnores,
+die beiden großen Kater, hatten jetzt unter seiner Laune zu leiden. Hatte
+er sie in dem einen Augenblick mit seinen langen Fingern getätschelt, so
+konnten sie sich im andern, wenn etwa die Berechnung auf den Zahlentafeln
+nicht stimmen sollte, eines Wurfs mit dem Sandfaß oder der Papierschere
+versehen, so daß sie heulend in die Ecke hinkten.
+
+Herr Bulemann hatte eine Verwandte, eine Tochter seiner Mutter aus erster
+Ehe, welche indessen schon bei dem Tod dieser wegen ihrer Erbansprüche
+abgefunden war und daher an die von ihm ererbten Schätze keine Ansprüche
+hatte. Er kümmerte sich jedoch nicht um diese Halbschwester, obgleich sie
+in einem Vorstadtviertel in den dürftigsten Verhältnissen lebte; denn noch
+weniger als mit anderen Menschen liebte Herr Bulemann den Verkehr mit
+dürftigen Verwandten. Nur einmal, als sie kurz nach dem Tod ihres Mannes
+in schon vorgerücktem Alter ein kränkliches Kind geboren hatte, war sie
+Hilfe suchend zu ihm gekommen. Frau Anken, die sie eingelassen, war
+horchend unten auf der Treppe sitzen geblieben, und bald hatte sie von
+oben die scharfe Stimme ihres Herrn gehört, bis endlich die Tür
+aufgerissen worden und die Frau weinend die Treppe herabgekommen war.
+Noch an demselben Abend hatte Frau Anken die strenge Weisung erhalten, die
+Kette fürderhin nicht von der Haustür zu ziehen, falls etwa die Christine
+noch einmal wiederkommen sollte.
+
+Die Alte begann sich immer mehr vor der Hakennase und den grellen
+Eulenaugen ihres Herrn zu fürchten. Wenn er oben am Treppengeländer ihren
+Namen rief oder auch, wie er es vom Schiff her gewohnt war, nur einen
+schrillen Pfiff auf seinen Fingern tat, so kam sie gewiß, in welchem
+Winkel sie auch sitzen mochte, eiligst hervorgekrochen und stieg stöhnend,
+Schimpf- und Klageworte vor sich herplappernd, die schmalen Treppen hinauf.
+
+Wie aber in dem dritten Stockwerk Herr Bulemann, so hatte in den unteren
+Zimmern Frau Anken ihre ebenfalls nicht ganz rechtlich erworbenen Schätze
+aufgespeichert.
+
+Schon in dem ersten Jahr ihres Zusammenlebens war sie von einer Art
+kindischer Angst befallen worden, ihr Herr könne einmal die Verausgabung
+des Wirtschaftsgeldes selbst übernehmen, und sie werde dann bei dem Geiz
+desselben noch auf ihre alten Tage Not zu leiden haben. Um dieses
+abzuwenden, hatte sie ihm vorgelegen, der Weizen sei aufgeschlagen, und
+demnächst die entsprechende Mehrsumme für den Brotbedarf gefordert. Der
+Supercargo, der eben seine Lebensrechnung begonnen, hatte scheltend seine
+Papiere zerrissen und darauf seine Rechnung von vom wieder aufgestellt und
+den Wochenrationen die verlangte Summe zugesetzt.
+
+Frau Anken aber, nachdem sie ihren Zweck erreicht, hatte zur Schonung
+ihres Gewissens und des Sprichwortes gedenkend: "Geschleckt ist nicht
+gestohlen", nun nicht die überschüssig empfangenen Schillinge, sondern
+regelmäßig nur die dafür gekauften Weizenbrötchen unterschlagen, mit denen
+sie, da Herr Bulemann niemals die unteren Zimmer betrat, nach und nach die
+ihres kostbaren Inhalts beraubten großen Nußbaumschränke anfüllte.
+
+So mochten etwa zehn Jahre verflossen sein. Herr Bulemann wurde immer
+hagerer und grauer, sein gelbgeblümter Schlafrock immer fadenscheiniger.
+Dabei vergingen oft Tage, ohne daß er den Mund zum Sprechen geöffnet hätte;
+denn er sah keine lebenden Wesen als die beiden Katzen und seine alte
+halb kindische Haushälterin. Nur mitunter, wenn er hörte, daß unten die
+Nachbarskinder auf den Prellsteinen vor seinem Haus ritten, steckte er den
+Kopf ein wenig aus dem Fenster und schalt mit seiner scharfen Stimme in
+die Gasse hinab.
+
+"Der Seelenverkäufer, der Seelenverkäufer!" schrieen dann die Kinder und
+stoben auseinander. Herr Bulemann aber fluchte und schimpfte noch
+ingrimmiger, bis er endlich schmetternd das Fenster zuschlug und drinnen
+Graps und Schnores seinen Zorn entgelten ließ.
+
+Um jede Verbindung mit der Nachbarschaft auszuschließen, mußte Frau Anken
+schon seit geraumer Zeit ihre Wirtschaftseinkäufe in entlegenen Straßen
+machen. Sie durfte jedoch erst mit dem Eintritt der Dunkelheit ausgehen
+und mußte dann die Haustür hinter sich verschließen.
+
+Es mochte acht Tage vor Weihnachten sein, als die Alte wiederum eines
+Abends zu solchem Zwecke das Haus verlassen hatte. Trotz ihrer sonstigen
+Sorgfalt mußte sie sich indessen diesmal einer Vergessenheit schuldig
+gemacht haben. Denn als Herr Bulemann eben mit dem Schwefelholz sein
+Talglicht angezündet hatte, hörte er zu seiner Verwunderung es draußen auf
+den Stiegen poltern, und als er mit vorgehaltenem Licht auf den Flur
+hinaustrat, sah er seine Halbschwester mit einem bleichen Knaben vor sich
+stehen.
+
+"Wie seid ihr ins Haus gekommen?" herrschte er sie an, nachdem er sie
+einen Augenblick erstaunt und ingrimmig angestarrt hatte. "Die Tür war
+offen unten", sagte die Frau schüchtern.
+
+Er murmelte einen Fluch auf seine Wirtschafterin zwischen den Zähnen. "Was
+willst du?" fragte er dann.
+
+"Sei doch nicht so hart, Bruder", bat die Frau, "ich habe sonst nicht den
+Mut zu dir zu sprechen."
+
+"Ich wüßte nicht, was du mit mir zu sprechen hättest; du hast dein Teil
+bekommen; wir sind fertig miteinander."
+
+Die Schwester stand schweigend vor ihm und suchte vergebens nach dem
+rechten Worte.
+
+Drinnen wurde wiederholt ein Kratzen an der Stubentür vernehmbar. Als
+Herr Bulemann zurückgelangt und die Tür geöffnet hatte, sprangen die
+beiden großen Katzen auf den Flur hinaus und strichen spinnend an dem
+blassen Knaben herum, der sich furchtsam vor ihnen an die Wand zurückzog.
+Ihr Herr betrachtete ungeduldig die noch immer schweigend vor ihm stehende
+Frau. "Nun, wird's bald?" fragte er.
+
+"Ich wollte dich um etwas bitten, Daniel", hub sie endlich an. "Dein
+Vater hat ein paar Jahre vor seinem Tod, da ich in bitterster Not war, ein
+silbern Becherlein von mir in Pfand genommen."
+
+"Mein Vater von dir?" fragte Herr Bulemann.
+
+"Ja, Daniel, dein Vater; der Mann von unser beiden Mutter. Hier ist der
+Pfandschein; er hat mir nicht zu viel darauf gegeben."
+
+"Weiter!" sagte Herr Bulemann, der mit raschem Blick die leeren Hände
+seiner Schwester gemustert hatte.
+
+"Vor einiger Zeit", fuhr sie zaghaft fort, "träumte mir, ich gehe mit
+meinem kranken Kind auf dem Kirchhof. Als wir an das Grab unserer Mutter
+kamen, saß sie auf ihrem Grabstein unter einem Busch voll blühender weißer
+Rosen. Sie hatte jenen kleinen Becher in der Hand, den ich einst als Kind
+von ihr geschenkt erhalten; als wir aber näher gekommen waren, setzte sie
+ihn an die Lippen; und indem sie dem Knaben lächelnd zunickte, hörte ich
+sie deutlich sagen: 'Zur Gesundheit!' Es war ihre sanfte Stimme, Daniel,
+wie im Leben; und diesen Traum habe ich drei Nächte nacheinander geträumt."
+
+"Was soll das?" fragte Herr Bulemann.
+
+"Gib mir den Becher zurück, Bruder! Das Christfest ist nahe; leg ihn dem
+kranken Kind auf seinen leeren Weihnachtsteller!"
+
+Der hagere Mann in seinem gelbgeblümten Schlafrock stand regungslos vor
+ihr und betrachtete sie mit seinen grellen runden Augen. "Hast du das
+Geld bei dir?" fragte er. "Mit Träumen löst man keine Pfänder ein."
+
+"O, Daniel!" rief sie, "glaub unserer Mutter! Er wird gesund, wenn er aus
+dem kleinen Becher trinkt. Sei barmherzig; er ist ja doch von deinem Blut!"
+
+Sie hatte die Hände nach ihm ausgestreckt; aber er trat einen Schritt
+zurück. "Bleib mir vom Leibe", sagte er. Dann rief er nach seinen Katzen.
+"Graps, alte Bestie! Schnores, mein Söhnchen!" Und der große gelbe
+Kater sprang mit einem Satz auf den Arm seines Herrn und kauerte mit
+seinen Krallen in der bunten Zipfelmütze, während das schwarze Tier an
+seinen Knieen hinaufstrebte.
+
+Der kranke Knabe war näher geschlichen. "Mutter", sagte er, indem er sie
+heftig an dem Kleid zupfte, "ist das der böse Ohm, der seine schwarzen
+Kinder verkauft hat?"
+
+Aber in demselben Augenblick hatte auch Herr Bulemann die Katze
+herabgeworfen und den Arm des aufschreienden Knaben ergriffen.
+
+"Verfluchte Bettelbrut", rief er, "pfeifst du auch das tolle Lied!"
+
+"Bruder, Bruder!" jammerte die Frau.--Doch schon lag der Knabe wimmernd
+drunten auf dem Treppenabsatz. Die Mutter sprang ihm nach und nahm ihn
+sanft auf ihren Arm; dann aber richtete sie sich hoch auf, und den
+blutenden Kopf des Kindes an ihrer Brust, erhob sie die geballte Faust
+gegen ihren Bruder, der zwischen seinen spinnenden Katzen droben am
+Treppengeländer stand: "Verruchter, böser Mann!" rief sie. "Mögest du
+verkommen bei deinen Bestien!"
+
+"Fluche, so viel du Lust hast!" erwiderte der Bruder; "aber mach, daß du
+aus dem Haus kommst."
+
+Dann, während das Weib mit dem weinenden Knaben die dunklen Treppen
+hinabstieg, lockte er seine Katzen und klappte die Stubentür hinter sich
+zu.--Er bedachte nicht, daß die Flüche der Armen gefährlich sind, wenn die
+Hartherzigkeit der Reichen sie hervorgerufen hat.
+
+Einige Tage später trat Frau Anken, wie gewöhnlich, mit dem Mittagessen in
+die Stube ihres Herrn. Aber sie kniff heute noch mehr als sonst mit den
+dünnen Lippen, und ihre kleinen blöden Augen leuchteten vor Vergnügen.
+Denn sie hatte die harten Worte nicht vergessen, die sie wegen ihrer
+Nachlässigkeit an jenem Abend hatte hinnehmen müssen, und sie dachte sie
+ihm jetzt mit Zinsen wieder heimzuzahlen.
+
+"Habt Ihr's denn auf St. Magdalenen läuten hören?" fragte sie.
+
+"Nein", erwiderte Herr Bulemann kurz, der über seinen Zahlentafeln saß.
+
+"Wißt Ihr denn wohl, wofür es geläutet hat?" fragte die Alte weiter.
+
+"Dummes Geschwätz! Ich höre nicht nach dem Gebimmel."
+
+"Es war aber doch für Euern Schwestersohn!"
+
+Herr Bulemann legte die Feder hin. "Was schwatzest du, Alte?"
+
+"Ich sage", erwiderte sie, "daß sie soeben den kleinen Christoph begraben
+haben."
+
+Herr Bulemann schrieb schon wieder weiter. "Warum erzählst du mir das?
+Was geht mich der Junge an?"
+
+"Nun, ich dachte nur; man erzählt ja wohl, was Neues in der Stadt passiert."
+
+Als sie gegangen war, legte aber doch Herr Bulemann die Feder wieder fort
+und schritt, die Hände auf dem Rücken, eine lange Zeit in seinem Zimmer
+auf und ab. Wenn unten auf der Gasse ein Geräusch entstand, trat er
+hastig ans Fenster, als erwarte er schon den Stadtdiener eintreten zu
+sehen, der ihn wegen der Mißhandlung des Knaben vor den Rat zitieren solle.
+Der schwarze Graps, der mauzend seinen Anteil an der aufgetragenen
+Speise verlangte, erhielt einen Fußtritt, daß er schreiend in die Ecke
+flog. Aber, war es nun der Hunger, oder hatte sich unversehens die sonst
+so unterwürfige Natur des Tieres verändert, er wandte sich gegen seinen
+Herrn und fuhr fauchend und prustend auf ihn los. Herr Bulemann gab ihm
+einen zweiten Fußtritt. "Freßt", sagte er. "Ihr braucht nicht auf mich
+zu warten."
+
+Mit einem Satz waren die beiden Katzen an der vollen Schüssel, die er
+ihnen auf den Fußboden gesetzt hatte.
+
+Dann aber geschah etwas Seltsames.
+
+Als der gelbe Schnores, der zuerst seine Mahlzeit beendet hatte, nun in
+der Mitte des Zimmers stand, sich reckte und buckelte, blieb Herr Bulemann
+plötzlich vor ihm stehen; dann ging er um das Tier herum und betrachtete
+es von allen Seiten. "Schnores, alter Halunke, was ist denn das?" sagte
+er, den Kopf des Katers kraulend. "Du bist ja noch gewachsen in deinen
+alten Tagen!"
+
+In diesem Augenblick war auch die andere Katze hinzugesprungen. Sie
+sträubte ihren glänzenden Pelz und stand dann hoch auf ihren schwarzen
+Beinen. Herr Bulemann schob sich die bunte Zipfelmütze aus der Stirn.
+"Auch der!" murmelte er. "Seltsam, es muß in der Sorte liegen."
+
+Es war indes dämmerig geworden, und da niemand kam und ihn beunruhigte, so
+setzte er sich zu den Schüsseln, die auf dem Tisch standen. Endlich
+begann er sogar seine großen Katzen, die neben ihm auf dem Kanapee saßen,
+mit einem gewissen Behagen zu beschauen. "Ein paar stattliche Burschen
+seid ihr!" sagte er, ihnen zunickend. "Nun soll euch das alte Weib unten
+auch die Ratten nicht mehr vergiften!"--Als er aber abends nebenan in
+seine Schlafkammer ging, ließ er sie nicht, wie sonst, zu sich herein; und
+als er sie nachts mit den Pfoten gegen die Kammertür fallen und mauzend
+daran herunterrutschen hörte, zog er sich das Deckbett über beide Ohren
+und dachte: "Mauzt nur zu, ich habe eure Krallen gesehen."-Dann kam der
+andere Tag, und als es Mittag geworden, geschah dasselbe, was tags zuvor
+geschehen war. Von der geleerten Schüssel sprangen die Katzen mit einem
+schweren Satz mitten ins Zimmer herein, reckten und streckten sich; und
+als Herr Bulemann, der schon wieder über seinen Zahlentafeln saß, einen
+Blick zu ihnen hinüberwarf, stieß er entsetzt seinen Drehstuhl zurück und
+blieb mit ausgerecktem Halse stehen. Dort mit leisem Winseln, als wenn
+ihnen etwas Böses angetan würde, standen Graps und Schnores zitternd mit
+geringelten Schwänzen, das Haar gesträubt; er sah es deutlich, sie dehnten
+sich, sie wurden groß und größer. Noch einen Augenblick stand er, die
+Hände an den Tisch geklammert; dann plötzlich schritt er an den Tieren
+vorbei und riß die Stubentür auf. "Frau Anken, Frau Anken!" rief er, und
+da sie nicht gleich zu hören schien, tat er einen Pfiff auf seinen Fingern,
+und bald schlurfte auch die Alte unten aus dem Hinterhaus hervor und
+keuchte eine Treppe nach der andern herauf.
+
+"Sehen Sie sich einmal die Katzen an!" rief er, als sie ins Zimmer
+getreten war.
+
+"Die hab? ich schon oft gesehen, Herr Bulemann."
+
+"Sieht Sie daran denn nichts?"
+
+"Daß ich nicht wüßte, Herr Bulemann!" erwiderte sie, mit ihren blöden
+Augen um sich blinzelnd.
+
+"Was sind denn das für Tiere? Das sind ja gar keine Katzen mehr!"
+
+Er packte die Alte an den Armen und rannte sie gegen die Wand.
+
+"Rotäugige Hexe!" schrie er, "bekenne, was hast du meinen Katzen
+eingebraut!"
+
+Das Weib klammerte ihre knöchernen Hände ineinander und begann
+unverständliche Gebete herzuplappern. Aber die furchtbaren Katzen
+sprangen von rechts und links auf die Schultern ihres Herrn und leckten
+ihn mit ihren scharfen Zungen ins Gesicht. Da mußte er die Alte loslassen.
+
+Fortwährend plappernd und hüstelnd schlich sie aus dem Zimmer und kroch
+die Treppen hinab. Sie war wie verwirrt; sie fürchtete sich, ob mehr vor
+ihrem Herrn oder vor den großen Katzen, das wußte sie selber nicht. So
+kam sie hinten in ihre Kammer. Mit zitternden Händen holte sie einen mit
+Geld gefällten Strumpf aus ihrem Bett hervor; dann nahm sie aus einer Lade
+eine Anzahl alter Röcke und Lumpen und wickelte sie um ihren Schatz herum,
+so daß es endlich ein großes Bündel gab. Denn sie wollte fort, um jeden
+Preis fort; sie dachte an die arme Halbschwester ihres Herrn draußen in
+der Vorstadt; die war immer freundlich gegen sie gewesen, zu der wollte
+sie. Freilich, es war ein weiter Weg, durch viele Gassen, über viele
+schmale und lange Brücken, welche über dunkle Gräben und Flethen
+hinwegführten, und draußen dämmerte schon der Winterabend. Es trieb sie
+dennoch fort. Ohne an ihre Tausende von Weizenbrötchen zu denken, die sie
+in kindischer Fürsorge in den großen Nußbaumschränken aufgehäuft hatte,
+trat sie mit ihrem schweren Bündel auf dem Nacken aus dem Hause.
+Sorgfältig mit dem großen krausen Schlüssel verschloß sie die schwere
+eichene Tür, steckte ihn in ihre Ledertasche und ging dann keuchend in die
+finstere Stadt hinaus.
+
+Frau Anken ist niemals wiedergekommen, und die Tür von Bulemanns Haus ist
+niemals wieder aufgeschlossen worden.
+
+Noch an demselben Tag aber, da sie fortgegangen, hat ein junger
+Taugenichts, der den Knecht Ruprecht spielend in den Häusern umherlief,
+mit Lachen seinen Kameraden erzählt, da er in seinem rauhen Pelze über die
+Crescentiusbrücke gegangen sei, habe er ein altes Weib dermaßen erschreckt,
+daß sie mit ihrem Bündel wie toll in das schwarze Wasser hinabgesprungen
+sei.
+
+Auch ist in der Frühe des andern Tages in der äußersten Vorstadt die
+Leiche eines alten Weibes, welche an einem großen Bündel festgebunden war,
+von den Wächtern aufgefischt und bald darauf, da niemand sie gekannt hat,
+auf dem Armenviertel des dortigen Kirchhofs in einem platten Sarge
+eingegraben worden.
+
+Dieser andere Morgen war der Morgen des Weihnachtsabends.
+
+Herr Bulemann hatte eine schlechte Nacht gehabt; das Kratzen und Arbeiten
+der Tiere gegen seine Kammertür hatte ihm diesmal keine Ruhe gelassen;
+erst gegen die Morgendämmerung war er in einen langen, bleiernen Schlaf
+gefallen. Als er endlich seinen Kopf mit der Zipfelmütze in das
+Wohnzimmer hineinsteckte, sah er die beiden Katzen laut schnurrend mit
+unruhigen Schritten umeinander hergehen. Es war schon nachmittag; die
+Wanduhr zeigte auf eins.
+
+"Sie werden Hunger haben, die Bestien", murmelte er. Dann öffnete er die
+Tür nach dem Flur und pfiff nach der Alten. Zugleich aber drängten die
+Katzen sich hinaus und rannten die Treppe hinab, und bald hörte er von
+unten aus der Küche herauf Springen und Tellergeklapper. Sie mußten auf
+den Schrank gesprungen sein, auf den Frau Anken die Speisen für den andern
+Tag zurückzusetzen pflegte.
+
+Herr Bulemann stand oben an der Treppe und rief laut und scheltend nach
+der Alten; aber nur das Schweigen antwortete ihm oder von unten herauf aus
+den Winkeln des alten Hauses ein schwacher Widerhall. Schon schlug er die
+Schöße seines geblümten Schlafrocks übereinander und wollte selbst
+hinabsteigen, da polterte es drunten auf den Stiegen, und die beiden
+Katzen kamen wieder heraufgerannt. Aber das waren keine Katzen mehr; das
+waren zwei furchtbare, namenlose Raubtiere. Die stellten sich gegen ihn,
+sahen ihn mit ihren glimmenden Augen an und stießen ein heiseres Geheul
+aus. Er wollte an ihnen vorbei, aber ein Schlag mit der Tatze, der ihm
+einen Fetzen aus dein Schlafrock riß, trieb ihn zurück. Er lief ins
+Zimmer; er wollte ein Fenster aufreißen, um die Menschen auf der Gasse
+anzurufen; aber die Katzen sprangen hintendrein und kamen ihm zuvor.
+Grimmig schnurrend, mit erhobenem Schweif, wanderten sie vor den Fenstern
+auf und ab. Herr Bulemann rannte auf den Flur hinaus und warf die
+Zimmertür hinter sich zu; aber die Katzen schlugen mit der Tatze auf die
+Klinke und standen schon vor ihm an der Treppe.
+
+Wieder floh er ins Zimmer zurück, und wieder waren die Katzen da. Schon
+verschwand der Tag, und die Dunkelheit kroch in alle Ecken. Tief unten
+von der Gasse herauf hörte er Gesang; Knaben und Mädchen zogen von Haus zu
+Haus und sangen Weihnachtslieder. Sie gingen in alle Türen; er stand und
+horchte. Kam denn niemand in seine Tür?--Aber er wußte es ja, er hatte
+sie selber alle fortgetrieben; es klopfte niemand, es rüttelte niemand an
+der verschlossenen Haustür. Sie zogen vorüber; und allmählich war es
+still, totenstill auf der Gasse. Und wieder suchte er zu entrinnen; er
+wollte Gewalt anwenden; er rang mit den Tieren, er ließ sich Gesicht und
+Hände blutig reißen. Dann wieder wandte er sich zur List; er rief sie mit
+den alten Schmeichelnamen, er strich ihnen die Funken aus dem Pelz und
+wagte es sogar, ihren flachen Kopf mit den großen weißen Zähnen zu kraulen.
+Sie warfen sich auch vor ihm hin und wälzten sich schnurrend zu seinen
+Füßen; aber wenn er den rechten Augenblick gekommen glaubte und aus der
+Tür schlüpfte, so sprangen sie auf und standen, ihr heiseres Geheul
+ausstoßend, vor ihm.--So verging die Nacht, so kam der Tag, und noch immer
+rannte er zwischen der Treppe und den Fenstern seines Zimmers hin und her,
+die Hände ringend, keuchend, das graue Haar zerzaust.
+
+Und noch zwei Mal wechselten Tag und Nacht; da endlich warf er sich
+gänzlich erschöpft, an allen Gliedern zuckend, auf das Kanapee. Die
+Katzen setzten sich ihm gegenüber und blinzelten ihn schläfrig aus
+halbgeschlossenen Augen an. Allmählich wurde das Arbeiten seines Leibes
+weniger und endlich hörte es ganz auf. Eine fahle Blässe überzog unter
+den Stoppeln des grauen Bartes sein Gesicht; noch einmal aufseufzend,
+streckte er die Arme und spreizte die langen Finger über die Kniee; dann
+regte er sich nicht mehr.
+
+Unten in den öden Räumen war es indessen nicht ruhig gewesen. Draußen an
+der Tür des Hinterhauses, die auf den engen Hof hinausführt, geschah ein
+emsiges Nagen und Fressen. Endlich entstand über der Schwelle eine
+Öffnung, die größer und größer wurde; ein grauer Mauskopf drängte sich
+hindurch, dann noch einer, und bald huschte eine ganze Schar von Mäusen
+über den Flur und die Treppe hinauf in den ersten Stock. Hier begann das
+Arbeiten aufs neue an der Zimmertür, und als diese durchnagt war, kamen
+die großen Schränke daran, in denen Frau Ankens hinterlassene Schätze
+aufgespeichert lagen. Da war ein Leben wie im Schlaraffenland; wer durch
+wollte, mußte sich durchfressen. Und das Geziefer füllte sich den Wanst;
+und wenn es mit dem Fressen nicht mehr fort wollte, rollte es die Schwänze
+auf und hielt sein Schläfchen in den hohlgefressenen Weizenbrötchen.
+Nachts kamen sie hervor, huschten über die Dielen oder saßen, ihre
+Pfötchen leckend, vor dem Fenster und schauten, wenn der Mond schien, mit
+ihren kleinen blanken Augen in die Gasse hinab.
+
+Aber diese behagliche Wirtschaft sollte bald ihr Ende erreichen. In der
+dritten Nacht, als eben droben Herr Bulemann seine Augen zugetan hatte,
+polterte es draußen auf den Stiegen. Die großen Katzen kamen
+herabgesprungen, öffneten mit einem Schlag ihrer Tatze die Tür des Zimmers
+und begannen ihre Jagd. Da hatte alle Herrlichkeit ein Ende. Quieksend
+und pfeifend rannten die fetten Mäuse umher und strebten ratlos an den
+Wänden hinauf. Es war vergebens; sie verstummten eine nach der andern
+zwischen den zermalmenden Zähnen der beiden Raubtiere.
+
+Dann wurde es still, und bald war in dem ganzen Haus nichts vernehmbar als
+das leise Spinnen der großen Katzen, die mit ausgestreckten Tatzen droben
+vor dem Zimmer ihres Herrn lagen und sich das Blut aus den Bärten leckten.
+
+Unten in der Haustür verrostete das Schloß, den Messingklopfer überzog der
+Grünspan, und zwischen den Treppensteinen begann das Gras zu wachsen.
+
+Draußen aber ging die Welt unbekümmert ihren Gang. Als der Sommer
+gekommen war, stand auf dem St. Magdalenenkirchhof auf dem Grab des
+kleinen Christoph ein blühender weißer Rosenbusch; und bald lag auch ein
+kleiner Denkstein unter demselben. Den Rosenbusch hatte seine Mutter ihm
+gepflanzt; den Stein freilich hatte sie nicht beschaffen können. Aber
+Christoph hatte einen Freund gehabt; es war ein junger Musikus, der Sohn
+eines Trödlers, der in dem Haus ihnen gegenüber wohnte. Zuerst hatte er
+sich unter sein Fenster geschlichen, wenn der Musiker drinnen am Klavier
+saß; später hatte dieser ihn zuweilen in die Magdalenenkirche genommen, wo
+er sich nachmittags im Orgelspiel zu üben pflegte.
+
+Da saß denn der blasse Knabe auf einem Schemelchen zu seinen Füßen, lehnte
+lauschend den Kopf an die Orgelbank und sah, wie die Sonnenlichter durch
+die Kirchenfenster spielten. Wenn der junge Musikus dann, von der
+Verarbeitung seines Themas fortgerissen, die tiefen mächtigen Register
+durch die Gewölbe brausen ließ, oder wenn er mitunter den Tremulanten zog
+und die Töne wie zitternd vor der Majestät Gottes dahinfluteten, so konnte
+es wohl geschehen, daß der Knabe in stilles Schluchzen ausbrach und sein
+Freund ihn nur schwer zu beruhigen vermochte. Einmal auch sagte er
+bittend: "Es tut mir weh, Leberecht; spiele nicht so laut!"
+
+Der Orgelspieler schob auch sogleich die großen Register wieder ein und
+nahm die Flöten- und andere sanfte Stimmen; und süß und ergreifend schwoll
+das Lieblingslied des Knaben durch die stille Kirche: "Befiehl du deine
+Wege."
+
+Leise mit seiner kränklichen Stimme hub er an mitzusingen. "Ich will auch
+spielen lernen", sagte er, als die Orgel schwieg; "willst du mich es
+lehren, Leberecht?"
+
+Der junge Musikus ließ seine Hand auf den Kopf des Knaben fallen, und ihm
+das gelbe Haar streichelnd, erwiderte er: "Werde nur erst recht gesund,
+Christoph; dann will ich dir es gerne lehren."
+
+Aber Christoph war nicht gesund geworden.--Seinem kleinen Sarg folgte
+neben der Mutter auch der junge Orgelspieler. Sie sprachen hier zum
+ersten Mal zusammen; und die Mutter erzählte ihm jenen dreimal geträumten
+Traum von dem kleinen silbernen Erbbecher.
+
+"Den Becher", sagte Leberecht, "hätte ich Euch geben können; mein Vater,
+der ihn vor Jahren mit vielen andern Dingen von Euerm Bruder erhandelte,
+hat mir das zierliche Stück einmal als Weihnachtsgeschenk gegeben."
+
+Die Frau brach in die bittersten Klagen aus. "Ach", rief sie immer wieder,
+"er wäre ja gewiß gesund geworden!"
+
+Der junge Mann ging eine Weile schweigend neben ihr her. "Den Becher soll
+unser Christoph dennoch haben", sagte er endlich.
+
+Und so geschah es. Nach einigen Tagen hatte er den Becher an einen
+Sammler solcher Pretiosen um einen guten Preis verhandelt; von dem Geld
+aber ließ er den Denkstein für das Grab des kleinen Christoph machen. Er
+ließ eine Marmortafel darin einlegen, auf welcher das Bild des Bechers
+ausgemeißelt wurde. Darunter standen die Worte eingegraben: "Zur
+Gesundheit!"
+
+Noch viele Jahre hindurch, mochte der Schnee auf dem Grab liegen oder
+mochte in der Junisonne der Busch mit Rosen überschüttet sein, kam oft
+eine blasse Frau und las andächtig und sinnend die beiden Worte auf dem
+Grabstein.
+
+Dann eines Sommers ist sie nicht mehr gekommen; aber die Welt ging
+unbekümmert ihren Gang.
+
+Nur noch einmal, nach vielen Jahren, hat ein sehr alter Mann das Grab
+besucht, er hat sich den kleinen Denkstein angesehen und eine weiße Rose
+von dem alten Rosenbusch gebrochen. Das ist der emiritierte Organist von
+St. Magdalenen gewesen.
+
+Aber wir müssen das friedliche Kindergrab verlassen und, wenn der Bericht
+zu Ende geführt werden soll, drüben in der Stadt noch einen Blick in das
+alte Erkerhaus der Düsternstraße werfen.
+
+Noch immer stand es schweigend und verschlossen. Während draußen das
+Leben unablässig daran vorüberflutete, wucherte drinnen in den
+eingeschlossenen Räumen der Schwamm aus den Dielenritzen, löste sich der
+Gips an den Decken und stürzte herab, in einsamen Nächten ein unheimliches
+Echo über Flur und Stiege jagend. Die Kinder, welche an jenem Christabend
+auf der Straße gesungen hatten, wohnten jetzt als alte Leute in den
+Häusern, oder sie hatten ihr Leben schon abgetan und waren gestorben; die
+Menschen, die jetzt auf der Gasse gingen, trugen andere Gewänder, und
+draußen auf dem Vorstadtskirchhof war der schwarze Nummerpfahl auf Frau
+Ankens namenlosen Grab schon längst verfault. Da schien eines nachts
+wieder einmal, wie schon so oft, über das Nachbarhaus hinweg der Vollmond
+in das Erkerfenster des dritten Stockwerks und malte mit seinem bläulichen
+Licht die kleinen runden Scheiben auf den Fußboden. Das Zimmer war leer;
+nur auf dem Kanapee zusammengekauert saß eine kleine Gestalt von der Größe
+eines jährigen Kindes, aber das Gesicht war alt und bärtig und die magere
+Nase unverhältnismäßig groß; auch trug sie eine weit über die Ohren
+fallende Zipfelmütze und einen langen, augenscheinlich für einen
+ausgewachsenen Mann bestimmten Schlafrock, auf dessen Schoß sie die Füße
+heraufgezogen hatte.
+
+Diese Gestalt war Herr Bulemann.--Der Hunger hatte ihn nicht getötet, aber
+durch den Mangel an Nahrung war sein Leib verdorrt und eingeschwunden, und
+so war er im Laufe der Jahre kleiner und kleiner geworden. Mitunter in
+Vollmondnächten, wie dieser, war er erwacht und hatte, wenn auch mit immer
+schwächerer Kraft, seinen Wächtern zu entrinnen gesucht. War er von den
+vergeblichen Anstrengungen erschöpft aufs Kanapee gesunken oder zuletzt
+hinaufgekrochen, und hatte dann der bleierne Schlaf ihn wieder befallen,
+so streckten Graps und Schnores sich draußen vor der Treppe hin,
+peitschten mit ihrem Schweif den Boden und horchten, ob Frau Ankens
+Schätze neue Wanderzüge von Mäusen in das Haus gelockt hätten.
+
+Heute war es anders; die Katzen waren weder im Zimmer noch draußen auf dem
+Flur. Als das durch das Fenster fallende Mondlicht über den Fußboden weg
+und allmählich an der kleinen Gestalt hinaufrückte, begann sie sich zu
+regen; die großen runden Augen öffneten sich, und Herr Bulemann starrte in
+das leere Zimmer hinaus. Nach einer Weile rutschte er, die langen Ärmel
+mühsam zurückschlagend, von dem Canapee herab und schritt langsam der Tür
+zu, während die breite Schleppe des Schlafrocks hinter ihm herfegte. Auf
+den Fußspitzen nach der Klinke greifend, gelang es ihm, die Stubentür zu
+öffnen und draußen bis an das Geländer der Treppe vorzuschreiten. Eine
+Weile blieb er keuchend stehen; dann streckte er den Kopf vor und bemühte
+sich zu rufen: "Frau Anken, Frau Anken!" Aber seine Stimme war nur wie das
+Wispern eines kranken Kindes. "Frau Anken, mich hungert; so hören Sie
+doch!"
+
+Alles blieb still; nur die Mäuse quieksten jetzt heftig in den unteren
+Zimmern.
+
+Da wurde er zornig. "Hexe, verfluchte, was pfeift Sie denn?" Und ein
+Schwall unverständlich geflüsterter Schimpfworte sprudelte aus seinem Mund,
+bis ein Stickhusten ihn befiel und seine Zunge lähmte.
+
+Draußen, unten an der Haustür, wurde der schwarze Messingklopfer
+angeschlagen, daß der Hall bis in die Spitze des Hauses hinaufdrang. Es
+mochte jener nächtliche Geselle sein, von dem im Anfang dieser Geschichte
+die Rede gewesen ist.
+
+Herr Bulemann hatte sich wieder erholt. "So öffnen Sie doch!" wisperte er;
+"es ist der Knabe, der Christoph; er will den Becher holen."
+
+Plötzlich wurden von unten herauf zwischen dem Pfeifen der Mäuse die
+Sprünge und das Knurren der beiden großen Katzen vernehmbar. Er schien
+sich zu besinnen; zum ersten Mal bei seinem Erwachen hatten sie das
+oberste Stockwerk verlassen und ließen ihn gewähren.--Hastig, den langen
+Schlafrock nach sich schleppend, stapfte er in das Zimmer zurück.
+
+Draußen aus der Tiefe der Gasse hörte er den Wächter rufen.
+
+"Ein Mensch, ein Mensch!" murmelte er; "die Nacht ist so lang, so viel Mal
+bin ich aufgewacht, und noch immer scheint der Mond."
+
+Er kletterte auf den Polsterstuhl, der in dem Erkerfenster stand. Emsig
+arbeitete er mit den kleinen dürren Händen an dem Fensterhaken; denn
+drunten auf der mondhellen Gasse hatte er den Wächter stehen sehen. Aber
+die Haspen waren festgerostet; er bemühte sich vergebens, sie zu öffnen.
+Da sah er den Mann, der eine Weile hinaufgestarrt hatte, in den Schatten
+der Häuser zurücktreten.
+
+Ein schwacher Schrei brach aus seinem Mund; zitternd mit geballten Fäusten
+schlug er gegen die Fensterscheiben; aber seine Kraft reichte nicht aus,
+sie zu zertrümmern. Nun begann er Bitten und Versprechungen durcheinander
+zu wispern; allmählich, während die Gestalt des unten gehenden Mannes sich
+immer mehr entfernte, wurde sein Flüstern zu einem erstickten heisern
+Gekrächze; er wollte seine Schätze mit ihm teilen, wenn er nur hören
+wollte; er sollte alles haben, er selber wollte nichts, gar nichts für
+sich behalten; nur den Becher, der sei das Eigentum des kleinen Christoph.
+
+Aber der Mann ging unten unbekümmert seinen Gang, und bald war er in einer
+Nebengasse verschwunden.--Von allen Worten, die Herr Bulemann in jener
+Nacht gesprochen, ist keines von einer Menschenseele gehört worden.
+
+Endlich nach aller vergeblichen Anstrengung kauerte sich die kleine
+Gestalt auf dem Polsterstuhl zusammen, rückte die Zipfelmütze zurecht und
+schaute, unverständliche Worte murmelnd, in den leeren Nachthimmel hinauf.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Bulemanns Haus, von Theodor Storm.
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Bulemanns Haus, by Theodor Storm
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK BULEMANNS HAUS ***
+
+This file should be named 8916-8.txt or 8916-8.zip
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
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+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
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+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
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+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
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+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
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+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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