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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 79285 ***
+
+
+
+
+ Abenteuer
+ eines
+ Junggesellen
+
+ von
+ Wilhelm Busch.
+
+ [Illustration]
+
+
+ 81^{stes} bis 85^{stes} Tausend.
+
+ ──────────────────────────────────────────────────────
+
+
+ München.
+ Verlag von Fr. Bassermann
+ 1908.
+
+
+
+
+ Druck von Knorr & Hirth in München, G. m. b. H.
+
+
+
+
+ Die Sache wird bedenklich.
+
+
+ Sokrates, der alte Greis,
+ Sagte oft in tiefen Sorgen:
+ „Ach, wie viel ist doch verborgen,
+ Was man immer noch nicht weiß.“
+
+ Und so ist es. -- Doch indessen
+ Darf man eines nicht vergessen:
+ Eines weiß man doch hienieden,
+ Nämlich, wenn man unzufrieden. --
+
+ Dies ist auch Tobias Knopp,
+
+ [Illustration]
+
+ Und er ärgert sich darob.
+
+ Seine zwei Kanarienvögel
+
+ [Illustration]
+
+ Die sind immer froh und kregel,
+ Während ihn so Manches quält,
+ Weil es ihm bis dato fehlt.
+
+ Ja die Zeit entfliehet schnell;
+ Knopp, du bist noch Junggesell! --
+
+ Zwar für Stiefel, Bett, Kaffee
+ Sorgt die gute Dorothee;
+ Und auch, wenn er dann und wann
+ Etwas nicht alleine kann,
+
+ [Illustration]
+
+ Ist sie gleich darauf bedacht,
+ Daß sie es zurechte macht.
+ Doch ihm fehlt Zufriedenheit. --
+
+ Nur mit großer Traurigkeit
+ Bleibt er vor dem Spiegel stehn,
+
+ [Illustration]
+
+ Um sein Bildniß zu besehn.
+ Vornerum ist alles blank;
+ Aber hinten, gottseidank,
+ Denkt er sich mit frohem Hoffen,
+ Wird noch Manches angetroffen.
+
+ O, wie war der Schreck so groß!
+
+ [Illustration]
+
+ Hinten ist erst recht nichts los.
+ Und auch hier tritt ohne Frage
+ Nur der pure Kopf zu Tage. --
+
+ Auch bemerkt er außerdem,
+ Was ihm gar nicht recht bequem,
+
+ [Illustration]
+
+ Daß er um des Leibes Mitten
+ Längst die Wölbung überschritten,
+ Welche für den Speiseschlauch,
+ Bei natürlichem Gebrauch,
+ Wie zum Trinken, so zum Essen,
+ Festgesetzt und abgemessen. --
+ Doch es bietet die Natur
+ Hierfür eine sanfte Kur.
+
+ Draußen, wo die Blumen sprießen,
+ Karrelsbader Salz genießen
+ Und melodisch sich bewegen,
+ Ist ein rechter Himmelssegen;
+ Und es steigert noch die Lust,
+ Wenn man immer sagt: du mußt.
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp, der sich dazu entschlossen,
+
+ [Illustration]
+
+ Wandelt treu und unverdrossen.
+
+ [Illustration]
+
+ Manchmal bleibt er sinnend stehn;
+
+ [Illustration]
+
+ Manchmal kann ihn keiner sehn.
+
+ [Illustration]
+
+ Aber bald so geht er wieder
+ Treubeflissen auf und nieder. --
+
+ Dieses treibt er vierzehn Tage;
+ Darnach steigt er auf die Waage;
+
+ [Illustration]
+
+ Und da wird es freudig kund:
+ Heißa, minus zwanzig Pfund!
+
+ Wieder schwinden vierzehn Tage,
+ Wieder sitzt er auf der Waage,
+ Autsch, nun ist ja offenbar
+
+ [Illustration]
+
+ Alles wieder, wie es war.
+
+ Ach, so denkt er, diese Welt
+ Hat doch viel, was nicht gefällt.
+
+ [Illustration]
+
+ Rosen, Tanten, Basen, Nelken
+ Sind genöthigt zu verwelken;
+
+ Ach, und endlich auch durch mich
+ Macht man einen dicken Strich.
+ Auch von mir wird man es lesen:
+ Knopp war da und ist gewesen.
+ Ach, und keine Thräne fließt
+ Aus dem Auge, was es liest;
+ Keiner wird, wenn ich begraben,
+ Unbequemlichkeiten haben;
+ Keine Seele wird genirt,
+ Weil man keinen Kummer spürt.
+ Dahingegen spricht man dann:
+ Was geht dieser Knopp uns an?
+
+ Dies mag aber Knopp nicht leiden.
+ Beim Gedanken, so zu scheiden
+ In ein unverziertes Grab,
+ Drückt er eine Thräne ab.
+ Sie liegt da, wo er gesessen,
+
+ [Illustration]
+
+ Seinem Schmerze angemessen.
+
+ Dieses ist ja fürchterlich.
+ Also, Knopp, vermähle dich.
+ Mach dich auf und sieh dich um,
+ Reise mal ’n Bissel rum.
+ Sieh mal dies und sieh mal das,
+ Und paß auf, du findest was.
+
+ [Illustration]
+
+ Einfach ist für seine Zwecke
+ Das benöthigte Gepäcke;
+
+ [Illustration]
+
+ Und die brave Dorothee
+ Ruft: Herr Knopp, nanu adjeh!
+
+
+
+
+ Eine alte Flamme.
+
+
+ Allererst und allsofort
+ Eilet Knopp an jenen Ort,
+ Wo sie wohnt die Wohlbekannte,
+ Welche sich Adele nannte;
+ Jene reizende Adele,
+ Die er einst mit ganzer Seele
+ Tiefgeliebt und hochgeehrt,
+ Die ihn aber nicht erhört,
+ So, daß er, seit dies geschah,
+
+ [Illustration]
+
+ Nur ihr süßes Bildniß sah.
+
+ Transpirirend und beklommen
+ Ist er vor die Thür gekommen,
+ Oh, sein Herze klopft so sehr,
+ Doch am Ende klopft auch er.
+
+ „Himmel, -- ruft sie, -- welches Glück!!“
+
+ [Illustration]
+
+ (Knopp sein Schweiß der tritt zurück.)
+
+ [Illustration]
+
+ „Komm, geliebter Herzensschatz,
+ Nimm auf der Berschäre Platz!
+
+ [Illustration]
+
+ Nur an dich bei Tag und Nacht,
+ Süßer Freund, hab ich gedacht.
+
+ [Illustration]
+
+ Unaussprechlich inniglich,
+ Freund und Engel, lieb ich dich!“
+
+ Knopp, aus Mangel an Gefühl,
+ Fühlt sich wieder äußerst schwül;
+ Doch in dieser Angstsekunde
+ Nahen sich drei fremde Hunde.
+
+ [Illustration]
+
+ „Hülfe, Hülfe!“ -- ruft Adele --
+ „Hilf, Geliebter meiner Seele!!!“
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp hat keinen Sinn dafür.
+ Er entfernt sich durch die Thür. --
+
+ Schnell verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Ein schwarzer College.
+
+
+ Knopp verfügt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt einer, den er kannte,
+ Der sich Förster Knarrtje nannte. --
+
+ [Illustration]
+
+ Unterwegs bemerkt er bald
+ Eine schwärzliche Gestalt,
+
+ [Illustration]
+
+ Und nun biegt dieselbe schräg
+ Ab auf einen Seitenweg.
+
+ Sieh, da kommt ja Knarrtje her!
+
+ [Illustration]
+
+ „Alter Knopp, das freut mich sehr!“
+
+ [Illustration]
+
+ Traulich wandeln diese zwei
+ Nach der nahen Försterei.
+
+ [Illustration]
+
+ „So, da sind wir, tritt hinein;
+ Meine Frau, die wird sich freu’n!“
+
+ [Illustration]
+
+ „He, zum Teufel, was ist das?
+ Alleh Waldmann, alleh faß!
+
+ [Illustration]
+
+ Oh, tu tu verruchtes Weib,
+ Jetzt kommt Knarrtje dir zu Leib!“
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp’s Vermittlung will nicht glücken,
+ Wums! da liegt er auf dem Rücken.
+
+ [Illustration]
+
+ Schnell verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Rektor Debisch.
+
+
+ Knopp begibt sich weiter fort
+
+ [Illustration]
+
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Der sich Rektor Debisch nannte.
+
+ [Illustration]
+
+ Er ertheilet seinem Sohn
+ Eben eine Lection,
+ Die er aber unterbricht,
+
+ [Illustration]
+
+ Als er Knopp zu sehen kriegt.
+ Zu dem Sohne spricht er dann:
+
+ [Illustration]
+
+ „Kuno, sag ich, sieh mich an!
+ Höre zu und merke auf!
+ Richte itzo deinen Lauf
+ Dahin, wo ich dir befehle,
+ Nämlich in die Kellerhöhle.
+ Dorten lieget auf dem Stroh
+ Eine Flasche voll Bordeaux.
+ Diese Flasche, sag ich dir,
+ Zieh herfür und bringe mir.“
+
+ [Illustration]
+
+ Kuno eilet froh und prompt,
+ Daß er in den Keller kommt,
+ Wo er still und wohlgemuth
+ Etwas von dem Traubenblut
+
+ [Illustration]
+
+ In sich selbst herüberleitet,
+ Was ihm viel Genuß bereitet.
+
+ Die dadurch entstandne Leere
+
+ [Illustration]
+
+ Füllt er an der Regenröhre. --
+
+ Rothwein ist für alte Knaben
+
+ [Illustration]
+
+ Eine von den besten Gaben.
+
+ Gern erhebet man das Glas.
+
+ [Illustration]
+
+ Aber Knopp der findet Was.
+
+ [Illustration]
+
+ „Ei -- spricht Debisch -- dieses ist,
+ So zu sagen Taubenmist.
+
+ Ei, wie käme dieses dann?
+
+ [Illustration]
+
+ Kuno, sag ich, sieh mich an!“
+
+ [Illustration]
+
+ Drauf nach diesem strengen Blick
+ Kommt er auf den Wein zurück.
+
+ Aber Knopp verschmäht das Glas,
+
+ [Illustration]
+
+ Denn schon wieder sieht er Was.
+
+ „Dies -- spricht Debisch -- scheint mir ein
+
+ [Illustration]
+
+ Neugeborner Spatz zu sein.
+
+ Ei, wie käme dieses dann?
+
+ [Illustration]
+
+ Kuno, sag ich, sieh mich an!!
+ Deiner Thaten schwarzes Bild
+ Ist vor meinem Blick enthüllt;
+ Und nur dieses sage ich:
+
+ [Illustration]
+
+ Pfui, mein Sohn, entferne dich!! --“
+
+ Das ist Debisch sein Prinzip:
+ Oberflächlich ist der Hieb.
+ Nur des Geistes Kraft allein
+ Schneidet in die Seele ein.
+
+ Knopp vermeidet diesen Ort
+
+ [Illustration]
+
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Ländliches Fest.
+
+
+ Knopp begibt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Der sich Meister Druff benannte.
+
+ Druff hat aber diese Regel:
+ Prügel machen frisch und kregel
+ Und erweisen sich probat
+ Ganz besonders vor der That.
+
+ Auch zum heutgen Schützenfeste
+ Scheint ihm dies für Franz das Beste.
+ Drum hört Knopp von weitem schon
+
+ [Illustration]
+
+ Den bekannten Klageton.
+
+ [Illustration]
+
+ Darnach wandelt man hinaus
+ Schön geschmückt zum Schützenhaus. --
+
+ Gleich verschafft sich hier der Franz
+
+ [Illustration]
+
+ Eines Schweines Kringelschwanz,
+ Denn er hat es längst beachtet,
+ Daß der Wirth ein Schwein geschlachtet;
+ Und an Knoppens Fracke hing
+
+ [Illustration]
+
+ Gleich darauf ein krummes Ding. --
+
+ [Illustration]
+
+ Horch, da tönet Horngebläse
+ Und man schreitet zur Française.
+
+ [Illustration]
+
+ Keiner hat so hübsch und leicht
+ Sich wie unser Knopp verbeugt;
+
+ [Illustration]
+
+ Keiner weiß sich so zu wiegen
+ Und den Tönen anzuschmiegen;
+
+ [Illustration]
+
+ Doch die höchste Eleganz
+ Zeiget er beim Solotanz.
+ Hoch erfreut ist Jedermann,
+ Daß Herr Knopp so tanzen kann.
+
+ [Illustration]
+
+ Leider ist es schon vorbei.
+
+ [Illustration]
+
+ Und er schreitet stolz und frei
+ Wiederum zu seinem Tische,
+
+ [Illustration]
+
+ Daß er etwas sich erfrische.
+
+ [Illustration]
+
+ Rums! -- Der Franz entfernt die Bank,
+ So daß Knopp nach hinten sank! --
+ Zwar er hat sich aufgerafft,
+ Aber doch nur mangelhaft.
+ Und er fühlt mit Angst und Beben:
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp, hier hat es Luft gegeben! --
+
+ [Illustration]
+
+ Schnell verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Die stille Wiese.
+
+
+ Knopp begibt sich weiter fort
+ Bis an einen stillen Ort.
+
+ [Illustration]
+
+ Hier auf dieser Blumenwiese,
+ Denn geeignet scheinet diese,
+ Kann er sich gemüthlich setzen,
+ Um die Scharte auszuwetzen
+
+ [Illustration]
+
+ Und nach all den Angstgefühlen
+ Sich ein wenig abzukühlen.
+
+ [Illustration]
+
+ Hier ist alles Fried und Ruh.
+ Nur ein Häslein schauet zu.
+
+ [Illustration]
+
+ Sieh, da kommt der Bauer Jochen.
+ Knopp hat sich nur leicht verkrochen,
+
+ [Illustration]
+
+ Doch mit Jochen seiner Frau
+ Nimmt er es schon mehr genau.
+
+ Kurz war dieser Aufenthalt.
+ Und mit Eifer alsobald
+ Richtet Knopp sein Augenmerk
+
+ [Illustration]
+
+ Auf das angefangne Werk. --
+
+ Kaum hat er den Zweck erreicht,
+ Wird er heftig aufgescheucht,
+ Und es zeigt sich, achherrjeh,
+
+ [Illustration]
+
+ Jetzt sind Damen in der Näh.
+ Plums! Man kommt. Indeß von Knopp
+
+ [Illustration]
+
+ Sieht man nur den Kopf, gottlob! --
+
+ Wie erschrak die Gouvernante,
+ Als sie die Gefahr erkannte.
+
+ [Illustration]
+
+ Aengstlich ruft sie: Oh mon dieu!
+ C’est un homme, fermez les yeux!
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp, auf möglichst schnelle Weise,
+ Schlüpfet in sein Beingehäuse.
+
+ [Illustration]
+
+ Dann verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Babbelmann.
+
+
+ Knopp begibt sich weiter fort
+
+ [Illustration]
+
+ Bis an einen andern Ort.
+
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Der sich Babbelmann benannte,
+ Der ihm immer so gefallen
+ Als der Lustigste von Allen.
+
+ Schau, da tritt er aus der Thür.
+
+ [Illustration]
+
+ „Na,“ ruft Knopp, „jetzt bleib ich hier!“
+ Worauf Babbelmann entgegnet:
+
+ [Illustration]
+
+ „Werther Freund, sei mir gesegnet!
+
+ Erstens in Betreff Logis,
+ Dieses gibt es nicht allhie,
+ Denn ein Pater hochgelehrt
+ Ist soeben eingekehrt.
+
+ Zweitens dann: für Essen, Trinken
+ Seh ich keine Hoffnung blinken.
+ Heute mal wird nur gebetet,
+ Morgen wird das Fleisch getödtet,
+ Uebermorgen beichtet man,
+ Und dann geht das Pilgern an.
+
+ Ferner Drittens, theurer Freund, --
+
+ [Illustration]
+
+ Pist! -- denn meine Frau erscheint!“
+
+ Knopp, dem dieses ungelegen,
+ Wünscht Vergnügen, Heil und Segen,
+ Und empfiehlt sich alsobald
+
+ [Illustration]
+
+ Aeußerst höflich, aber kalt. --
+
+ Schnelle flieht er diesen Ort
+
+ [Illustration]
+
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Wohlgemeint wird abgelehnt.
+
+
+ Knopp verfügt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Der sich Küster Plünne nannte.
+
+ Knopp, der tritt durch’s Gartengatter.
+
+ [Illustration]
+
+ Siehe, da ist Hemdgeflatter,
+ Woraus sich entnehmen läßt:
+ Plünnens haben Waschefest.
+
+ Dieses findet Knopp bekräftigt
+
+ [Illustration]
+
+ Dadurch, wie der Freund beschäftigt.
+
+ [Illustration]
+
+ Herzlich wird er aufgenommen.
+ Plünne rufet: „Ei, willkommen!
+
+ Gleich besorg ich Dir zu Essen,
+
+ [Illustration]
+
+ Halte mal das Kind indessen.“
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp ist dieses etwas peinlich.
+ Plünne machet alles reinlich.
+
+ Knopp, der fühlt sich recht genirt.
+ Plünne hat derweil servirt.
+
+ [Illustration]
+
+ Jetzt eröffnet er das Bette
+ Der Familienlagerstätte.
+
+ [Illustration]
+
+ In dem Bette, warm und schön,
+ Sieht man eine Schale stehn.
+
+ Nämlich dieses weiß ein Jeder:
+ Wärmehaltig ist die Feder.
+
+ Hat man nun das Mittagessen
+ Nicht zu knappe zugemessen,
+ Und, gesetzt den Fall, es wären
+ Von den Bohnen oder Möhren,
+ Oder, meinetwegen, Rüben
+ Ziemlich viel zurückgeblieben,
+ Dann so ist das Allerbeste,
+ Daß man diese guten Reste
+ Aufbewahrt in einem Hafen,
+
+ [Illustration]
+
+ Wo die guten Eltern schlafen,
+ Weil man, wenn der Abend naht,
+ Dann sogleich was Warmes hat.
+ Diese praktische Methode
+ Ist auch Plünnens ihre Mode.
+
+ [Illustration]
+
+ „So“ -- ruft Plünne -- „Freund, nanu
+ Setz dich her und lange zu.“
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp hat aber, wie man sieht,
+ Keinen rechten Appetit.
+
+ [Illustration]
+
+ Schnell verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Freund Mücke.
+
+
+ Knopp begibt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Welcher Mücke sich benannte.
+
+ Wie es scheint, so lebt Herr Mücke
+ Mit Frau Mücke sehr im Glücke.
+
+ [Illustration]
+
+ Eben hier, bemerken wir,
+ Küßt er sie und spricht zu ihr:
+
+ „Also Schatz, ade derweil!
+ Ich und Knopp wir haben Eil,
+ Im historischen Verein
+ Wünscht er eingeführt zu sein.“
+
+ [Illustration]
+
+ Bald so öffnet sich vor ihnen
+ Bei der Kirche der Kathrinen
+
+ [Illustration]
+
+ Im Hotel zum blauen Aal
+ Ein gemüthliches Lokal.
+
+ [Illustration]
+
+ Mücke scheinet da nicht fremd,
+ Er bestellt, was wohlbekömmt.
+
+ [Illustration]
+
+ Junge Hähnchen, sanft gebraten,
+ Dazu kann man dringend rathen,
+
+ [Illustration]
+
+ Und man darf getrost inzwischen
+ Etwas Rheinwein drunter mischen.
+
+ [Illustration]
+
+ Nöthig ist auf alle Fälle,
+ Daß man dann Mussö bestelle.
+
+ [Illustration]
+
+ Nun erfreut man sich selbdritt,
+ Denn Kathinka trinket mit!
+
+ [Illustration]
+
+ „So, jetzt wären wir so weit,
+ Knopp, du machst wohl Richtigkeit.“
+
+ [Illustration]
+
+ Lustig ist man fortspaziert
+ Zum Hotel, wo Knopp logirt.
+
+ [Illustration]
+
+ Heftig bollert man am Thor,
+ Der Portier kommt nicht hervor.
+
+ [Illustration]
+
+ „Komm“, -- ruft Mücke -- „Knopp, komm hier,
+ Du logirst die Nacht bei mir!“
+
+ [Illustration]
+
+ Schwierig, aus verschiednen Gründen
+ Ist das Schlüsselloch zu finden.
+
+ [Illustration]
+
+ So so so! Jetzt nur gemach,
+ Tritt hinein, ich komme nach.
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp schiebt los. Indessen Mücke
+ Bleibt mit Listigkeit zurücke.
+
+ [Illustration]
+
+ Schrupp! -- Wie Knopp hineingekommen,
+ Wird er an die Wand geklommen.
+ „Wart!“ -- ruft Mückens Ehgemahl --
+ „Warte, Lump, schon wieder mal!?“
+
+ [Illustration]
+
+ Weil sie ihn für Mücken hält,
+ Hat sie ihm so nachgestellt.
+
+ [Illustration]
+
+ Hei! Wie fühlt sich Knopp erfrischt,
+ Als der Besen saust und zischt.
+
+ [Illustration]
+
+ Bums! er fällt in einen Kübel,
+ Angefüllt mit dem, was übel.
+
+ [Illustration]
+
+ Oh, was macht der Besenstiel
+ Für ein schmerzliches Gefühl!
+
+ [Illustration]
+
+ Und als regellose Masse
+ Findet Knopp sich auf der Gasse.
+
+ [Illustration]
+
+ Schnell verläßt er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Ein frohes Ereigniß.
+
+
+ Knopp verfügt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Der sich Sauerbrod benannte.
+
+ [Illustration]
+
+ Sauerbrod, der fröhlich lacht,
+ Hat sich einen Punsch gemacht.
+
+ [Illustration]
+
+ „Heißa!!“ -- rufet Sauerbrod --
+ „Heißa! meine Frau ist todt!!
+
+ [Illustration]
+
+ Hier in diesem Seitenzimmer
+ Ruhet sie bei Kerzenschimmer.
+
+ [Illustration]
+
+ Heute stört sie uns nicht mehr,
+ Also, Alter, setz dich her,
+
+ [Illustration]
+
+ Nimm das Glas und stoße an,
+ Werde niemals Ehemann,
+ Denn als solcher, kann man sagen,
+ Muß man viel Verdruß ertragen.
+
+ Kauf Romane und Broschüren,
+
+ [Illustration]
+
+ Zahle Flechten und Tournüren,
+ Seidenkleider, Sammtjackets,
+ Circus- und Concertbillets --
+ Ewig hast du Nöckerei.
+ Gottseidank, es ist vorbei!!“
+
+ [Illustration]
+
+ Es schwellen die Herzen,
+ Es blinkt der Stern.
+ Gehabte Schmerzen,
+ Die hab ich gern.
+
+ Knarr! -- da öffnet sich die Thür.
+
+ [Illustration]
+
+ Wehe! Wer tritt da herfür!?
+ Madam Sauerbrod, die schein-
+ Todt gewesen, tritt herein.
+
+ Starr vor Schreck wird Sauerbrod,
+
+ [Illustration]
+
+ Und nun ist er selber todt. --
+
+ [Illustration]
+
+ Knopp vermeidet diesen Ort
+ Und begibt sich eilig fort.
+
+
+
+
+ Oh weh!
+
+
+ Knopp verfügt sich weiter fort
+ Bis an einen andern Ort.
+ Da wohnt Einer, den er kannte,
+ Welcher Piepo sich benannte. --
+
+ Aus dem Garten tönt Gelächter,
+ Piepo ist’s und seine Töchter.
+
+ [Illustration]
+
+ „Dies, mein lieber Knopp, ist Hilda,
+ Dort die Aeltre heißt Klotilda.
+ Hilda hat schon einen Freier,
+ Morgen ist Verlobungsfeier,
+ Doch Klotilda, ei ei ei,
+ Die ist noch bis dato frei.“ --
+
+ Oh, wie ist der Abend milde!
+ Knopp der wandelt mit Klotilde,
+
+ [Illustration]
+
+ Die ihm eine Rose pflückt. --
+ Und er fühlt es tief beglückt:
+ Knopp, in diesem Augenblick
+ Da erfüllt sich dein Geschick. --
+
+ Drauf hat Piepo ihn geleitet,
+ Wo sein Lager zubereitet.
+
+ [Illustration]
+
+ „Hier“ -- so spricht er -- „dieser Saal
+ Ist für morgen Festlokal.
+
+ [Illustration]
+
+ Hier zur Rechten ist die Klause,
+ Stillberühmt im ganzen Hause;
+
+ Und hier links da schlummerst du.
+
+ [Illustration]
+
+ Wünsche recht vergnügte Ruh!“
+
+ Knopp ist durch und durch Gedanke
+ An Klotilde, jene Schlanke,
+ Und er drückt in süßem Schmerz
+ Ihre Rose an sein Herz.
+
+ [Illustration]
+
+ „Oh Klotilde, du allein
+ Sollst und mußt die Meine sein.“ --
+ Darauf ist ihm so gewesen:
+ Knopp, du mußt noch etwas lesen. --
+ Gern erfüllt er sein Verlangen;
+ Still ist er hinausgegangen
+
+ [Illustration]
+
+ Und bei seiner Kerzen Strahl
+ Hingewandelt durch den Saal. --
+
+ Oftmals kann man müde sein,
+ Setzt sich hin und schlummert ein.
+
+ Erst des Morgens so um achte,
+ Als die Sonne freundlich lachte,
+ Dachte Knopp an sein Erwachen.
+ Er erwacht durch frohes Lachen. --
+ Dieses thut die Mädchenschaar,
+ Welche schon beschäftigt war,
+ Um an dieses Festes Morgen
+
+ [Illustration]
+
+ Für des Saales Schmuck zu sorgen.
+
+ „Ewig kannst du hier nicht sein.“ --
+ Denket Knopp voll Seelenpein.
+ Und so strömt er wohlverdeckt
+ Da hervor, wo er gesteckt.
+
+ [Illustration]
+
+ Groß ist seines Laufes Schnelle;
+ Aber ach, die Kammerschwelle
+ Ist ihm äußerst hinderlich.
+
+ [Illustration]
+
+ Hopsa! -- Er entblättert sich. --
+
+ [Illustration]
+
+ Heimlich flieht er diesen Ort
+ Und begibt sich weiter fort.
+
+
+
+
+ Abschreckendes Beispiel.
+
+
+ Knopp begibt sich eilig fort
+
+ [Illustration]
+
+ Bis zum höchsten Bergesort.
+
+ [Illustration]
+
+ Hier in öder Felsenritzen
+ Sieht er einen Klausner sitzen.
+
+ Dieser Klausner, alt und greis,
+ Tritt aus seinem Steingehäus.
+
+ [Illustration]
+
+ Und aus Knoppen seiner Tasche
+ Hebt er ernst die Wanderflasche.
+
+ [Illustration]
+
+ „Ich“ -- so spricht er -- „heiße Krökel
+ Und die Welt ist mir zum Ekel.
+ Alles ist mir einerlei.
+
+ [Illustration]
+
+ Mit Verlaub! Ich bin so frei.
+
+ Oh, ihr Bürsten, oh, ihr Kämme,
+
+ [Illustration]
+
+ Taschentücher, Badeschwämme,
+ Seife und Pomadebüchse,
+ Strümpfe, Stiefel, Stiefelwichse,
+ Hemd und Hose, alles gleich,
+ Krökel, der verachtet euch.
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+ Mir ist alles einerlei.
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+ [Illustration]
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+ Mit Verlaub, ich bin so frei.
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+ Oh, ihr Mädchen, oh, ihr Weiber,
+ Arme, Beine, Köpfe, Leiber,
+ Augen mit den Feuerblicken,
+ Finger, welche zärtlich zwicken,
+ Und was sonst für dummes Zeug --
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+ [Illustration]
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+ Krökel, der verachtet euch.
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+ Mir ist alles einerlei.
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+ [Illustration]
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+ Mit Verlaub, ich bin so frei.
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+ Nur die eine, himmlisch Reine,
+ Mit dem goldnen Heilgenscheine
+ Ehre, liebe, bet ich an;
+ Dich, die Keiner kriegen kann,
+ Dich du süße, ei ja ja,
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+ [Illustration]
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+ Heilge Emerenzia.
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+ Sonst ist alles einerlei.
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+ [Illustration]
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+ Mit Verlaub, ich bin so frei.“
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+ [Illustration]
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+ Hiermit senkt der Eremit
+ Sich nach hinten. -- Knopp entflieht.
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+ Knopp der denkt sich: dieser Krökel
+ Ist ja doch ein rechter Ekel;
+ Und die Liebe per Distanz,
+ Kurz gesagt, mißfällt mir ganz.
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+ [Illustration]
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+ Schnell verlassend diesen Ort,
+ Eilet er nach Hause fort.
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+ Heimkehr und Schluß.
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+ Knopp, der eilt nach Hause fort,
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+ [Illustration]
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+ Und, sieh da, schon ist er dort.
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+ [Illustration]
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+ Grade lüftet seine nette,
+ Gute Dorothee das Bette.
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+ [Illustration]
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+ „Mädchen,“ -- spricht er -- „sag mir ob“ --
+ Und sie lächelt: „„Ja, Herr Knopp!““
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+ [Illustration]
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+ Bald so wird es laut verkündet:
+ Knopp hat ehlich sich verbündet,
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+ _Tobias Knopp.
+ Dorothea Lickefett._
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+ Erst nur flüchtig und civil,
+ Dann mit Andacht und Gefühl. --
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+ Na, nun hat er seine Ruh.
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+ [Illustration]
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+ Ratsch! -- Man zieht den Vorhang zu.
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+ Anmerkungen zur Transkription.
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+Das Umschlagbild wurde vom Bearbeiter geschaffen. Ein Urheberrecht wird
+nicht geltend gemacht. Das Bild darf von jedermann unbeschränkt genutzt
+werden.
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+New original cover art included with this eBook is granted to the public
+domain.
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+Kursiver Text ist mit Unterstrich _so_ markiert.
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+Ein falsch platziertes schließendes Anführungszeichen nach der Phrase
+„sieh mich an!!“ auf Seite 27 wurde hinter dieselbe Phrase auf Seite 25
+versetzt.
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 79285 ***