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diff --git a/79285-0.txt b/79285-0.txt new file mode 100644 index 0000000..4a7d20c --- /dev/null +++ b/79285-0.txt @@ -0,0 +1,1225 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 79285 *** + + + + + Abenteuer + eines + Junggesellen + + von + Wilhelm Busch. + + [Illustration] + + + 81^{stes} bis 85^{stes} Tausend. + + ────────────────────────────────────────────────────── + + + München. + Verlag von Fr. Bassermann + 1908. + + + + + Druck von Knorr & Hirth in München, G. m. b. H. + + + + + Die Sache wird bedenklich. + + + Sokrates, der alte Greis, + Sagte oft in tiefen Sorgen: + „Ach, wie viel ist doch verborgen, + Was man immer noch nicht weiß.“ + + Und so ist es. -- Doch indessen + Darf man eines nicht vergessen: + Eines weiß man doch hienieden, + Nämlich, wenn man unzufrieden. -- + + Dies ist auch Tobias Knopp, + + [Illustration] + + Und er ärgert sich darob. + + Seine zwei Kanarienvögel + + [Illustration] + + Die sind immer froh und kregel, + Während ihn so Manches quält, + Weil es ihm bis dato fehlt. + + Ja die Zeit entfliehet schnell; + Knopp, du bist noch Junggesell! -- + + Zwar für Stiefel, Bett, Kaffee + Sorgt die gute Dorothee; + Und auch, wenn er dann und wann + Etwas nicht alleine kann, + + [Illustration] + + Ist sie gleich darauf bedacht, + Daß sie es zurechte macht. + Doch ihm fehlt Zufriedenheit. -- + + Nur mit großer Traurigkeit + Bleibt er vor dem Spiegel stehn, + + [Illustration] + + Um sein Bildniß zu besehn. + Vornerum ist alles blank; + Aber hinten, gottseidank, + Denkt er sich mit frohem Hoffen, + Wird noch Manches angetroffen. + + O, wie war der Schreck so groß! + + [Illustration] + + Hinten ist erst recht nichts los. + Und auch hier tritt ohne Frage + Nur der pure Kopf zu Tage. -- + + Auch bemerkt er außerdem, + Was ihm gar nicht recht bequem, + + [Illustration] + + Daß er um des Leibes Mitten + Längst die Wölbung überschritten, + Welche für den Speiseschlauch, + Bei natürlichem Gebrauch, + Wie zum Trinken, so zum Essen, + Festgesetzt und abgemessen. -- + Doch es bietet die Natur + Hierfür eine sanfte Kur. + + Draußen, wo die Blumen sprießen, + Karrelsbader Salz genießen + Und melodisch sich bewegen, + Ist ein rechter Himmelssegen; + Und es steigert noch die Lust, + Wenn man immer sagt: du mußt. + + [Illustration] + + Knopp, der sich dazu entschlossen, + + [Illustration] + + Wandelt treu und unverdrossen. + + [Illustration] + + Manchmal bleibt er sinnend stehn; + + [Illustration] + + Manchmal kann ihn keiner sehn. + + [Illustration] + + Aber bald so geht er wieder + Treubeflissen auf und nieder. -- + + Dieses treibt er vierzehn Tage; + Darnach steigt er auf die Waage; + + [Illustration] + + Und da wird es freudig kund: + Heißa, minus zwanzig Pfund! + + Wieder schwinden vierzehn Tage, + Wieder sitzt er auf der Waage, + Autsch, nun ist ja offenbar + + [Illustration] + + Alles wieder, wie es war. + + Ach, so denkt er, diese Welt + Hat doch viel, was nicht gefällt. + + [Illustration] + + Rosen, Tanten, Basen, Nelken + Sind genöthigt zu verwelken; + + Ach, und endlich auch durch mich + Macht man einen dicken Strich. + Auch von mir wird man es lesen: + Knopp war da und ist gewesen. + Ach, und keine Thräne fließt + Aus dem Auge, was es liest; + Keiner wird, wenn ich begraben, + Unbequemlichkeiten haben; + Keine Seele wird genirt, + Weil man keinen Kummer spürt. + Dahingegen spricht man dann: + Was geht dieser Knopp uns an? + + Dies mag aber Knopp nicht leiden. + Beim Gedanken, so zu scheiden + In ein unverziertes Grab, + Drückt er eine Thräne ab. + Sie liegt da, wo er gesessen, + + [Illustration] + + Seinem Schmerze angemessen. + + Dieses ist ja fürchterlich. + Also, Knopp, vermähle dich. + Mach dich auf und sieh dich um, + Reise mal ’n Bissel rum. + Sieh mal dies und sieh mal das, + Und paß auf, du findest was. + + [Illustration] + + Einfach ist für seine Zwecke + Das benöthigte Gepäcke; + + [Illustration] + + Und die brave Dorothee + Ruft: Herr Knopp, nanu adjeh! + + + + + Eine alte Flamme. + + + Allererst und allsofort + Eilet Knopp an jenen Ort, + Wo sie wohnt die Wohlbekannte, + Welche sich Adele nannte; + Jene reizende Adele, + Die er einst mit ganzer Seele + Tiefgeliebt und hochgeehrt, + Die ihn aber nicht erhört, + So, daß er, seit dies geschah, + + [Illustration] + + Nur ihr süßes Bildniß sah. + + Transpirirend und beklommen + Ist er vor die Thür gekommen, + Oh, sein Herze klopft so sehr, + Doch am Ende klopft auch er. + + „Himmel, -- ruft sie, -- welches Glück!!“ + + [Illustration] + + (Knopp sein Schweiß der tritt zurück.) + + [Illustration] + + „Komm, geliebter Herzensschatz, + Nimm auf der Berschäre Platz! + + [Illustration] + + Nur an dich bei Tag und Nacht, + Süßer Freund, hab ich gedacht. + + [Illustration] + + Unaussprechlich inniglich, + Freund und Engel, lieb ich dich!“ + + Knopp, aus Mangel an Gefühl, + Fühlt sich wieder äußerst schwül; + Doch in dieser Angstsekunde + Nahen sich drei fremde Hunde. + + [Illustration] + + „Hülfe, Hülfe!“ -- ruft Adele -- + „Hilf, Geliebter meiner Seele!!!“ + + [Illustration] + + Knopp hat keinen Sinn dafür. + Er entfernt sich durch die Thür. -- + + Schnell verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Ein schwarzer College. + + + Knopp verfügt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt einer, den er kannte, + Der sich Förster Knarrtje nannte. -- + + [Illustration] + + Unterwegs bemerkt er bald + Eine schwärzliche Gestalt, + + [Illustration] + + Und nun biegt dieselbe schräg + Ab auf einen Seitenweg. + + Sieh, da kommt ja Knarrtje her! + + [Illustration] + + „Alter Knopp, das freut mich sehr!“ + + [Illustration] + + Traulich wandeln diese zwei + Nach der nahen Försterei. + + [Illustration] + + „So, da sind wir, tritt hinein; + Meine Frau, die wird sich freu’n!“ + + [Illustration] + + „He, zum Teufel, was ist das? + Alleh Waldmann, alleh faß! + + [Illustration] + + Oh, tu tu verruchtes Weib, + Jetzt kommt Knarrtje dir zu Leib!“ + + [Illustration] + + Knopp’s Vermittlung will nicht glücken, + Wums! da liegt er auf dem Rücken. + + [Illustration] + + Schnell verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Rektor Debisch. + + + Knopp begibt sich weiter fort + + [Illustration] + + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Der sich Rektor Debisch nannte. + + [Illustration] + + Er ertheilet seinem Sohn + Eben eine Lection, + Die er aber unterbricht, + + [Illustration] + + Als er Knopp zu sehen kriegt. + Zu dem Sohne spricht er dann: + + [Illustration] + + „Kuno, sag ich, sieh mich an! + Höre zu und merke auf! + Richte itzo deinen Lauf + Dahin, wo ich dir befehle, + Nämlich in die Kellerhöhle. + Dorten lieget auf dem Stroh + Eine Flasche voll Bordeaux. + Diese Flasche, sag ich dir, + Zieh herfür und bringe mir.“ + + [Illustration] + + Kuno eilet froh und prompt, + Daß er in den Keller kommt, + Wo er still und wohlgemuth + Etwas von dem Traubenblut + + [Illustration] + + In sich selbst herüberleitet, + Was ihm viel Genuß bereitet. + + Die dadurch entstandne Leere + + [Illustration] + + Füllt er an der Regenröhre. -- + + Rothwein ist für alte Knaben + + [Illustration] + + Eine von den besten Gaben. + + Gern erhebet man das Glas. + + [Illustration] + + Aber Knopp der findet Was. + + [Illustration] + + „Ei -- spricht Debisch -- dieses ist, + So zu sagen Taubenmist. + + Ei, wie käme dieses dann? + + [Illustration] + + Kuno, sag ich, sieh mich an!“ + + [Illustration] + + Drauf nach diesem strengen Blick + Kommt er auf den Wein zurück. + + Aber Knopp verschmäht das Glas, + + [Illustration] + + Denn schon wieder sieht er Was. + + „Dies -- spricht Debisch -- scheint mir ein + + [Illustration] + + Neugeborner Spatz zu sein. + + Ei, wie käme dieses dann? + + [Illustration] + + Kuno, sag ich, sieh mich an!! + Deiner Thaten schwarzes Bild + Ist vor meinem Blick enthüllt; + Und nur dieses sage ich: + + [Illustration] + + Pfui, mein Sohn, entferne dich!! --“ + + Das ist Debisch sein Prinzip: + Oberflächlich ist der Hieb. + Nur des Geistes Kraft allein + Schneidet in die Seele ein. + + Knopp vermeidet diesen Ort + + [Illustration] + + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Ländliches Fest. + + + Knopp begibt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Der sich Meister Druff benannte. + + Druff hat aber diese Regel: + Prügel machen frisch und kregel + Und erweisen sich probat + Ganz besonders vor der That. + + Auch zum heutgen Schützenfeste + Scheint ihm dies für Franz das Beste. + Drum hört Knopp von weitem schon + + [Illustration] + + Den bekannten Klageton. + + [Illustration] + + Darnach wandelt man hinaus + Schön geschmückt zum Schützenhaus. -- + + Gleich verschafft sich hier der Franz + + [Illustration] + + Eines Schweines Kringelschwanz, + Denn er hat es längst beachtet, + Daß der Wirth ein Schwein geschlachtet; + Und an Knoppens Fracke hing + + [Illustration] + + Gleich darauf ein krummes Ding. -- + + [Illustration] + + Horch, da tönet Horngebläse + Und man schreitet zur Française. + + [Illustration] + + Keiner hat so hübsch und leicht + Sich wie unser Knopp verbeugt; + + [Illustration] + + Keiner weiß sich so zu wiegen + Und den Tönen anzuschmiegen; + + [Illustration] + + Doch die höchste Eleganz + Zeiget er beim Solotanz. + Hoch erfreut ist Jedermann, + Daß Herr Knopp so tanzen kann. + + [Illustration] + + Leider ist es schon vorbei. + + [Illustration] + + Und er schreitet stolz und frei + Wiederum zu seinem Tische, + + [Illustration] + + Daß er etwas sich erfrische. + + [Illustration] + + Rums! -- Der Franz entfernt die Bank, + So daß Knopp nach hinten sank! -- + Zwar er hat sich aufgerafft, + Aber doch nur mangelhaft. + Und er fühlt mit Angst und Beben: + + [Illustration] + + Knopp, hier hat es Luft gegeben! -- + + [Illustration] + + Schnell verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Die stille Wiese. + + + Knopp begibt sich weiter fort + Bis an einen stillen Ort. + + [Illustration] + + Hier auf dieser Blumenwiese, + Denn geeignet scheinet diese, + Kann er sich gemüthlich setzen, + Um die Scharte auszuwetzen + + [Illustration] + + Und nach all den Angstgefühlen + Sich ein wenig abzukühlen. + + [Illustration] + + Hier ist alles Fried und Ruh. + Nur ein Häslein schauet zu. + + [Illustration] + + Sieh, da kommt der Bauer Jochen. + Knopp hat sich nur leicht verkrochen, + + [Illustration] + + Doch mit Jochen seiner Frau + Nimmt er es schon mehr genau. + + Kurz war dieser Aufenthalt. + Und mit Eifer alsobald + Richtet Knopp sein Augenmerk + + [Illustration] + + Auf das angefangne Werk. -- + + Kaum hat er den Zweck erreicht, + Wird er heftig aufgescheucht, + Und es zeigt sich, achherrjeh, + + [Illustration] + + Jetzt sind Damen in der Näh. + Plums! Man kommt. Indeß von Knopp + + [Illustration] + + Sieht man nur den Kopf, gottlob! -- + + Wie erschrak die Gouvernante, + Als sie die Gefahr erkannte. + + [Illustration] + + Aengstlich ruft sie: Oh mon dieu! + C’est un homme, fermez les yeux! + + [Illustration] + + Knopp, auf möglichst schnelle Weise, + Schlüpfet in sein Beingehäuse. + + [Illustration] + + Dann verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Babbelmann. + + + Knopp begibt sich weiter fort + + [Illustration] + + Bis an einen andern Ort. + + Da wohnt Einer, den er kannte, + Der sich Babbelmann benannte, + Der ihm immer so gefallen + Als der Lustigste von Allen. + + Schau, da tritt er aus der Thür. + + [Illustration] + + „Na,“ ruft Knopp, „jetzt bleib ich hier!“ + Worauf Babbelmann entgegnet: + + [Illustration] + + „Werther Freund, sei mir gesegnet! + + Erstens in Betreff Logis, + Dieses gibt es nicht allhie, + Denn ein Pater hochgelehrt + Ist soeben eingekehrt. + + Zweitens dann: für Essen, Trinken + Seh ich keine Hoffnung blinken. + Heute mal wird nur gebetet, + Morgen wird das Fleisch getödtet, + Uebermorgen beichtet man, + Und dann geht das Pilgern an. + + Ferner Drittens, theurer Freund, -- + + [Illustration] + + Pist! -- denn meine Frau erscheint!“ + + Knopp, dem dieses ungelegen, + Wünscht Vergnügen, Heil und Segen, + Und empfiehlt sich alsobald + + [Illustration] + + Aeußerst höflich, aber kalt. -- + + Schnelle flieht er diesen Ort + + [Illustration] + + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Wohlgemeint wird abgelehnt. + + + Knopp verfügt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Der sich Küster Plünne nannte. + + Knopp, der tritt durch’s Gartengatter. + + [Illustration] + + Siehe, da ist Hemdgeflatter, + Woraus sich entnehmen läßt: + Plünnens haben Waschefest. + + Dieses findet Knopp bekräftigt + + [Illustration] + + Dadurch, wie der Freund beschäftigt. + + [Illustration] + + Herzlich wird er aufgenommen. + Plünne rufet: „Ei, willkommen! + + Gleich besorg ich Dir zu Essen, + + [Illustration] + + Halte mal das Kind indessen.“ + + [Illustration] + + Knopp ist dieses etwas peinlich. + Plünne machet alles reinlich. + + Knopp, der fühlt sich recht genirt. + Plünne hat derweil servirt. + + [Illustration] + + Jetzt eröffnet er das Bette + Der Familienlagerstätte. + + [Illustration] + + In dem Bette, warm und schön, + Sieht man eine Schale stehn. + + Nämlich dieses weiß ein Jeder: + Wärmehaltig ist die Feder. + + Hat man nun das Mittagessen + Nicht zu knappe zugemessen, + Und, gesetzt den Fall, es wären + Von den Bohnen oder Möhren, + Oder, meinetwegen, Rüben + Ziemlich viel zurückgeblieben, + Dann so ist das Allerbeste, + Daß man diese guten Reste + Aufbewahrt in einem Hafen, + + [Illustration] + + Wo die guten Eltern schlafen, + Weil man, wenn der Abend naht, + Dann sogleich was Warmes hat. + Diese praktische Methode + Ist auch Plünnens ihre Mode. + + [Illustration] + + „So“ -- ruft Plünne -- „Freund, nanu + Setz dich her und lange zu.“ + + [Illustration] + + Knopp hat aber, wie man sieht, + Keinen rechten Appetit. + + [Illustration] + + Schnell verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Freund Mücke. + + + Knopp begibt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Welcher Mücke sich benannte. + + Wie es scheint, so lebt Herr Mücke + Mit Frau Mücke sehr im Glücke. + + [Illustration] + + Eben hier, bemerken wir, + Küßt er sie und spricht zu ihr: + + „Also Schatz, ade derweil! + Ich und Knopp wir haben Eil, + Im historischen Verein + Wünscht er eingeführt zu sein.“ + + [Illustration] + + Bald so öffnet sich vor ihnen + Bei der Kirche der Kathrinen + + [Illustration] + + Im Hotel zum blauen Aal + Ein gemüthliches Lokal. + + [Illustration] + + Mücke scheinet da nicht fremd, + Er bestellt, was wohlbekömmt. + + [Illustration] + + Junge Hähnchen, sanft gebraten, + Dazu kann man dringend rathen, + + [Illustration] + + Und man darf getrost inzwischen + Etwas Rheinwein drunter mischen. + + [Illustration] + + Nöthig ist auf alle Fälle, + Daß man dann Mussö bestelle. + + [Illustration] + + Nun erfreut man sich selbdritt, + Denn Kathinka trinket mit! + + [Illustration] + + „So, jetzt wären wir so weit, + Knopp, du machst wohl Richtigkeit.“ + + [Illustration] + + Lustig ist man fortspaziert + Zum Hotel, wo Knopp logirt. + + [Illustration] + + Heftig bollert man am Thor, + Der Portier kommt nicht hervor. + + [Illustration] + + „Komm“, -- ruft Mücke -- „Knopp, komm hier, + Du logirst die Nacht bei mir!“ + + [Illustration] + + Schwierig, aus verschiednen Gründen + Ist das Schlüsselloch zu finden. + + [Illustration] + + So so so! Jetzt nur gemach, + Tritt hinein, ich komme nach. + + [Illustration] + + Knopp schiebt los. Indessen Mücke + Bleibt mit Listigkeit zurücke. + + [Illustration] + + Schrupp! -- Wie Knopp hineingekommen, + Wird er an die Wand geklommen. + „Wart!“ -- ruft Mückens Ehgemahl -- + „Warte, Lump, schon wieder mal!?“ + + [Illustration] + + Weil sie ihn für Mücken hält, + Hat sie ihm so nachgestellt. + + [Illustration] + + Hei! Wie fühlt sich Knopp erfrischt, + Als der Besen saust und zischt. + + [Illustration] + + Bums! er fällt in einen Kübel, + Angefüllt mit dem, was übel. + + [Illustration] + + Oh, was macht der Besenstiel + Für ein schmerzliches Gefühl! + + [Illustration] + + Und als regellose Masse + Findet Knopp sich auf der Gasse. + + [Illustration] + + Schnell verläßt er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Ein frohes Ereigniß. + + + Knopp verfügt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Der sich Sauerbrod benannte. + + [Illustration] + + Sauerbrod, der fröhlich lacht, + Hat sich einen Punsch gemacht. + + [Illustration] + + „Heißa!!“ -- rufet Sauerbrod -- + „Heißa! meine Frau ist todt!! + + [Illustration] + + Hier in diesem Seitenzimmer + Ruhet sie bei Kerzenschimmer. + + [Illustration] + + Heute stört sie uns nicht mehr, + Also, Alter, setz dich her, + + [Illustration] + + Nimm das Glas und stoße an, + Werde niemals Ehemann, + Denn als solcher, kann man sagen, + Muß man viel Verdruß ertragen. + + Kauf Romane und Broschüren, + + [Illustration] + + Zahle Flechten und Tournüren, + Seidenkleider, Sammtjackets, + Circus- und Concertbillets -- + Ewig hast du Nöckerei. + Gottseidank, es ist vorbei!!“ + + [Illustration] + + Es schwellen die Herzen, + Es blinkt der Stern. + Gehabte Schmerzen, + Die hab ich gern. + + Knarr! -- da öffnet sich die Thür. + + [Illustration] + + Wehe! Wer tritt da herfür!? + Madam Sauerbrod, die schein- + Todt gewesen, tritt herein. + + Starr vor Schreck wird Sauerbrod, + + [Illustration] + + Und nun ist er selber todt. -- + + [Illustration] + + Knopp vermeidet diesen Ort + Und begibt sich eilig fort. + + + + + Oh weh! + + + Knopp verfügt sich weiter fort + Bis an einen andern Ort. + Da wohnt Einer, den er kannte, + Welcher Piepo sich benannte. -- + + Aus dem Garten tönt Gelächter, + Piepo ist’s und seine Töchter. + + [Illustration] + + „Dies, mein lieber Knopp, ist Hilda, + Dort die Aeltre heißt Klotilda. + Hilda hat schon einen Freier, + Morgen ist Verlobungsfeier, + Doch Klotilda, ei ei ei, + Die ist noch bis dato frei.“ -- + + Oh, wie ist der Abend milde! + Knopp der wandelt mit Klotilde, + + [Illustration] + + Die ihm eine Rose pflückt. -- + Und er fühlt es tief beglückt: + Knopp, in diesem Augenblick + Da erfüllt sich dein Geschick. -- + + Drauf hat Piepo ihn geleitet, + Wo sein Lager zubereitet. + + [Illustration] + + „Hier“ -- so spricht er -- „dieser Saal + Ist für morgen Festlokal. + + [Illustration] + + Hier zur Rechten ist die Klause, + Stillberühmt im ganzen Hause; + + Und hier links da schlummerst du. + + [Illustration] + + Wünsche recht vergnügte Ruh!“ + + Knopp ist durch und durch Gedanke + An Klotilde, jene Schlanke, + Und er drückt in süßem Schmerz + Ihre Rose an sein Herz. + + [Illustration] + + „Oh Klotilde, du allein + Sollst und mußt die Meine sein.“ -- + Darauf ist ihm so gewesen: + Knopp, du mußt noch etwas lesen. -- + Gern erfüllt er sein Verlangen; + Still ist er hinausgegangen + + [Illustration] + + Und bei seiner Kerzen Strahl + Hingewandelt durch den Saal. -- + + Oftmals kann man müde sein, + Setzt sich hin und schlummert ein. + + Erst des Morgens so um achte, + Als die Sonne freundlich lachte, + Dachte Knopp an sein Erwachen. + Er erwacht durch frohes Lachen. -- + Dieses thut die Mädchenschaar, + Welche schon beschäftigt war, + Um an dieses Festes Morgen + + [Illustration] + + Für des Saales Schmuck zu sorgen. + + „Ewig kannst du hier nicht sein.“ -- + Denket Knopp voll Seelenpein. + Und so strömt er wohlverdeckt + Da hervor, wo er gesteckt. + + [Illustration] + + Groß ist seines Laufes Schnelle; + Aber ach, die Kammerschwelle + Ist ihm äußerst hinderlich. + + [Illustration] + + Hopsa! -- Er entblättert sich. -- + + [Illustration] + + Heimlich flieht er diesen Ort + Und begibt sich weiter fort. + + + + + Abschreckendes Beispiel. + + + Knopp begibt sich eilig fort + + [Illustration] + + Bis zum höchsten Bergesort. + + [Illustration] + + Hier in öder Felsenritzen + Sieht er einen Klausner sitzen. + + Dieser Klausner, alt und greis, + Tritt aus seinem Steingehäus. + + [Illustration] + + Und aus Knoppen seiner Tasche + Hebt er ernst die Wanderflasche. + + [Illustration] + + „Ich“ -- so spricht er -- „heiße Krökel + Und die Welt ist mir zum Ekel. + Alles ist mir einerlei. + + [Illustration] + + Mit Verlaub! Ich bin so frei. + + Oh, ihr Bürsten, oh, ihr Kämme, + + [Illustration] + + Taschentücher, Badeschwämme, + Seife und Pomadebüchse, + Strümpfe, Stiefel, Stiefelwichse, + Hemd und Hose, alles gleich, + Krökel, der verachtet euch. + + Mir ist alles einerlei. + + [Illustration] + + Mit Verlaub, ich bin so frei. + + Oh, ihr Mädchen, oh, ihr Weiber, + Arme, Beine, Köpfe, Leiber, + Augen mit den Feuerblicken, + Finger, welche zärtlich zwicken, + Und was sonst für dummes Zeug -- + + [Illustration] + + Krökel, der verachtet euch. + + Mir ist alles einerlei. + + [Illustration] + + Mit Verlaub, ich bin so frei. + + Nur die eine, himmlisch Reine, + Mit dem goldnen Heilgenscheine + Ehre, liebe, bet ich an; + Dich, die Keiner kriegen kann, + Dich du süße, ei ja ja, + + [Illustration] + + Heilge Emerenzia. + + Sonst ist alles einerlei. + + [Illustration] + + Mit Verlaub, ich bin so frei.“ + + [Illustration] + + Hiermit senkt der Eremit + Sich nach hinten. -- Knopp entflieht. + + Knopp der denkt sich: dieser Krökel + Ist ja doch ein rechter Ekel; + Und die Liebe per Distanz, + Kurz gesagt, mißfällt mir ganz. + + [Illustration] + + Schnell verlassend diesen Ort, + Eilet er nach Hause fort. + + + + + Heimkehr und Schluß. + + + Knopp, der eilt nach Hause fort, + + [Illustration] + + Und, sieh da, schon ist er dort. + + [Illustration] + + Grade lüftet seine nette, + Gute Dorothee das Bette. + + [Illustration] + + „Mädchen,“ -- spricht er -- „sag mir ob“ -- + Und sie lächelt: „„Ja, Herr Knopp!““ + + [Illustration] + + Bald so wird es laut verkündet: + Knopp hat ehlich sich verbündet, + + _Tobias Knopp. + Dorothea Lickefett._ + + Erst nur flüchtig und civil, + Dann mit Andacht und Gefühl. -- + + Na, nun hat er seine Ruh. + + [Illustration] + + Ratsch! -- Man zieht den Vorhang zu. + + + + + Anmerkungen zur Transkription. + + +Das Umschlagbild wurde vom Bearbeiter geschaffen. Ein Urheberrecht wird +nicht geltend gemacht. Das Bild darf von jedermann unbeschränkt genutzt +werden. + +New original cover art included with this eBook is granted to the public +domain. + +Kursiver Text ist mit Unterstrich _so_ markiert. + +Ein falsch platziertes schließendes Anführungszeichen nach der Phrase +„sieh mich an!!“ auf Seite 27 wurde hinter dieselbe Phrase auf Seite 25 +versetzt. + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 79285 *** |
