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+Project Gutenberg's Roemische Elegien, by Johann Wolfgang von Goethe
+#37 in our series by Johann Wolfgang von Goethe
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+Title: Roemische Elegien
+
+Author: Johann Wolfgang von Goethe
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+Release Date: April, 2005 [EBook #7875]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on May 29, 2003]
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+Edition: 10
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+Language: German
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+Character set encoding: iso-8859-1
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ROEMISCHE ELEGIEN ***
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+Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen
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+This Etext is in German.
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+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
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+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
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+Römische Elegien
+
+Johann Wolfgang Goethe
+
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+Wie wir einst so glücklich waren,
+Müssens jetzt durch euch erfahren.
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+1.
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+Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!
+Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
+Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
+Ewige Roma; nur mir schweiget noch alles so still.
+O wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick ich
+Einst das holde Geschöpf, das mich versengend erquickt?
+Ahn ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer
+Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die köstliche Zeit?
+Noch betracht ich Kirch und Palast, Ruinen und Säulen,
+Wie ein bedächtiger Mann schicklich die Reise benutzt.
+Doch bald ist es vorbei: dann wird ein einziger Tempel
+Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt.
+Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
+Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.
+
+
+
+2.
+
+Ehret, wen ihr auch wollt! Nun bin ich endlich geborgen!
+Schöne Damen und ihr, Herren der feineren Welt,
+Fraget nach Oheim und Vetter und alten Muhmen und Tanten,
+Und dem gebundnen Gespräch folge das traurige Spiel.
+Auch ihr übrigen fahret mir wohl, in großen und kleinen
+Zirkeln, die ihr mich oft nah der Verzweiflung gebracht,
+Wiederholet, politisch und zwecklos, jegliche Meinung,
+Die den Wandrer mit Wut über Europa verfolgt.
+So verfolgte das Liedchen "Malbrough" den reisenden Briten
+Einst von Paris nach Livorn, dann von Livorno nach Rom,
+Weiter nach Napel hinunter, und wär er nach Smyrna gesegelt,
+Malbrough! empfing ihn auch dort, Malbrough! im Hafen das Lied.
+Und so mußt ich bis jetzt auf allen Tritten und Schritten
+Schelten hören das Volk, schelten der Könige Rat.
+Nun entdeckt ihr mich nicht sobald in meinem Asyle,
+Das mir Amor der Fürst, königlich schützend, verlieh.
+Hier bedecket er mich mit seinem Fittich; die Liebste
+Fürchtet, römisch gesinnt, wütende Gallier nicht:
+Sie erkundigt sich nie nach neuer Märe, sie spähet
+Sorglich den Wünschen des Manns, dem sie sich eignete, nach.
+Sie ergötzt sich an ihm, dem freien, rüstigen Fremden,
+Der von Bergen und Schnee, hölzernen Häusern erzählt;
+Teilt die Flammen, die sie in seinem Busen entzündet,
+Freut sich, daß er das Gold nicht wie der Römer bedenkt.
+Besser ist ihr Tisch nun bestellt; es fehlet an Kleidern,
+Fehlet am Wagen ihr nicht, der nach der Oper sie bringt.
+Mutter und Tochter erfreun sich ihres nordischen Gastes,
+Und der Barbare beherrscht römischen Busen und Leib.
+
+
+3.
+
+Laß dich, Geliebte, nicht reun, daß du mir so schnell dich ergeben!
+Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir.
+Vielfach wirken die Pfeile des Amors: einige ritzen,
+Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz.
+Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe
+Dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut.
+In der heroischen Zeit, da Götter und Göttinnen liebten,
+Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier.
+Glaubst du, es habe sich lang die Göttin der Liebe besonnen,
+Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel?
+Hätte Luna gesäumt, den schönen Schläfer zu küssen,
+O, so hätt ihn geschwind, neidend, Aurora geweckt.
+Hero erblickte Leandern am lauten Fest, und behende
+Stürzte der Liebende sich heiß in die nächtliche Flut.
+Rhea Silvia wandert, die fürstliche Jungfrau, den Tiber,
+Wasser zu schöpfen, hinab, und sie ergreifet der Gott.
+So erzeugte die Söhne sich Mars!--Die Zwillinge tränket
+Eine Wölfin, und Rom nennt sich die Fürstin der Welt.
+
+
+4.
+
+Fromm sind wir Liebende, still verehren wir alle Dämonen,
+Wünschen uns jeglichen Gott, jegliche Göttin geneigt.
+Und so gleichen wir euch, o römische Sieger! Den Göttern
+Aller Völker der Welt bietet ihr Wohnungen an,
+Habe sie schwarz und streng aus altem Basalt der Ägypter,
+Oder ein Grieche sie weiß, reizend, aus Marmor geformt.
+Doch verdrießet es nicht die Ewigen, wenn wir besonders
+Weihrauch köstlicher Art einer der Göttlichen streun.
+Ja, wir bekennen euch gern: es bleiben unsre Gebete,
+Unser täglicher Dienst Einer besonders geweiht.
+Schalkhaft, munter und ernst begehen wir heimliche Feste,
+Und das Schweigen geziemt allen Geweihten genau.
+Eh' an die Ferse lockten wir selbst durch gräßliche Taten
+Uns die Erinnyen her, wagten es eher, des Zeus
+Hartes Gericht am rollenden Rad und Felsen zu dulden,
+Als dem reizenden Dienst unser Gemüt zu entziehn.
+Diese Göttin, sie heißt Gelegenheit, lernet sie kennen!
+Sie erscheinet euch oft, immer in andrer Gestalt.
+Tochter des Proteus möchte sie sein, mit Thetis gezeuget,
+Deren verwandelte List manchen Heroen betrog.
+So betrügt nun die Tochter den Unerfahrnen, den Blöden:
+Schlummernde necket sie stets, Wachende fliegt sie vorbei;
+Gern ergibt sie sich nur dem raschen, tätigen Manne,
+Dieser findet sie zahm, spielend und zärtlich und hold.
+Einst erschien sie auch mir, ein bräunliches Mädchen, die Haare
+Fielen ihr dunkel und reich über die Stirne herab,
+Kurze Locken ringelten sich ums zierliche Hälschen,
+Ungeflochtenes Haar krauste vom Scheitel sich auf.
+Und ich verkannte sie nicht, ergriff die Eilende: lieblich
+Gab sie Umarmung und Kuß bald mir gelehrig zurück.
+O wie war ich beglückt!--Doch stille, die Zeit ist vorüber,
+Und umwunden bin ich, römische Flechten, von euch.
+
+
+5.
+
+Froh empfind ich mich nun auf klassischem Boden begeistert,
+Vor- und Mitwelt spricht lauter und reizender mir.
+Hier befolg ich den Rat, durchblättre die Werke der Alten
+Mit geschäftiger Hand, täglich mit neuem Genuß.
+Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;
+Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt beglückt.
+Und belehr ich mich nicht, indem ich des lieblichen Busens
+Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab?
+Dann versteh ich den Marmor erst recht: ich denk und vergleiche,
+Sehe mit fühlendem Aug, fühle mit sehender Hand.
+Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,
+Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.
+Wird doch nicht immer geküßt, es wird vernünftig gesprochen,
+Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir viel.
+Oftmals hab ich auch schon in ihren Armen gedichtet
+Und des Hexameters Maß leise mit fingernder Hand
+Ihr auf den Rücken gezählt. Sie atmet in lieblichem Schlummer,
+Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste die Brust.
+Amor schüret die Lamp' indes und gedenket der Zeiten,
+Da er den nämlichen Dienst seinen Triumvirn getan.
+
+
+6.
+
+"Kannst du, o Grausamer, mich mit solchen Worten betrüben?
+Reden so bitter und hart liebende Männer bei euch?
+Wenn das Volk mich verklagt, ich muß es dulden! und bin ich
+Etwa nicht schuldig? Doch ach! Schuldig nur bin ich mit dir!
+Diese Kleider, sie sind der neidischen Nachbarin Zeugen,
+Daß die Witwe nicht mehr einsam den Gatten beweint.
+Bist du ohne Bedacht nicht oft bei Mondschein gekommen,
+Grau, im dunklen Surtout, hinten gerundet das Haar?
+Hast du dir scherzend nicht selbst die geistliche Maske gewählet?
+Soll's ein Prälate denn sein--gut, der Prälate bist du!
+In dem geistlichen Rom, kaum scheint es zu Glaubens, doch schwör ich:
+Nie hat ein Geistlicher sich meiner Umarmung gefreut.
+Arm bin ich, leider! und jung, und wohlbekannt den Verführern:
+Falconieri hat mir oft in die Augen gegafft,
+Und ein Kuppler Albanis mich mit gewichtigen Zetteln
+Bald nach Ostia, bald nach den vier Brunnen gelockt.
+Aber wer nicht kam, war das Mädchen. So hab ich von Herzen
+Rotstrumpf immer gehaßt und Violettstrumpf dazu.
+Denn ›ihr Mädchen bleibt am Ende doch die Betrognen‹
+Sagte der Vater, wenn auch leichter die Mutter es nahm.
+Und so bin ich denn auch am Ende betrogen! Du zürnest
+Nur zum Scheine mit mir, weil du zu fliehen gedenkst.
+Geh! Ihr seid der Frauen nicht wert! Wir tragen die Kinder
+Unter dem Herzen, und so tragen die Treue wir auch;
+Aber ihr Männer, ihr schüttet mit eurer Kraft und Begierde
+Auch die Liebe zugleich in den Umarmungen aus!"
+Also sprach die Geliebte und nahm den Kleinen vom Stuhle,
+Drückt ihn küssend ans Herz, Tränen entquollen dem Blick.
+Und wie saß ich beschämt, daß Reden feindlicher Menschen
+Dieses liebliche Bild mir zu beflecken vermocht!
+Dunkel brennt das Feuer nur augenblicklich und dampfet,
+Wenn das Wasser die Glut stürzend und jählings verhüllt;
+Aber sie reinigt sich schnell, verjagt die trübenden Dämpfe,
+Neuer und mächtiger dringt leuchtende Flamme hinauf.
+
+
+7.
+
+O wie fühl ich in Rom mich so froh, gedenk ich der Zeiten,
+Da mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing,
+Trübe der Himmel und schwer auf meine Scheitel sich senkte,
+Farb- und gestaltlos die Welt um den Ermatteten lag,
+Und ich über mein Ich, des unbefriedigten Geistes
+Düstre Wege zu spähn, still in Betrachtung versank.
+Nun umleuchtet der Glanz des helleren Äthers die Stirne.
+Phöbus rufet, der Gott, Formen und Farben hervor.
+Sternhell glänzet die Nacht, sie klingt von weichen Gesängen,
+Und mir leuchtet der Mond heller als nordischer Tag.
+Welche Seligkeit ward mir Sterblichem! Träum ich? Empfänget
+Dein ambrosisches Haus, Jupiter Vater, den Gast?
+Ach, hier lieg ich und strecke nach deinen Knieen die Hände
+Flehend aus. O vernimm, Jupiter Xenius, mich!
+Wie ich hereingekommen, ich kanns nicht sagen: es faßte
+Hebe den Wandrer und zog mich in die Hallen heran.
+Hast du ihr einen Heroen herauf zu führen geboten?
+Irrte die Schöne? Vergib! Laß mir des Irrtums Gewinn!
+Deine Tochter Fortuna, sie auch! die herrlichsten Gaben
+Teilt als ein Mädchen sie aus, wie es die Laune gebeut.
+Bist du der wirtliche Gott? O dann so verstoße den Gastfreund
+Nicht von deinem Olymp wieder zur Erde hinab!
+"Dichter! Wohin versteigest du dich?"--Vergib mir: der hohe
+Kapitolinische Berg ist dir ein zweiter Olymp.
+Dulde mich, Jupiter, hier, und Hermes führe mich später
+Cestius Mal vorbei, leise zum Orkus hinab.
+
+
+8.
+
+Wenn du mir sagst, du habest als Kind, Geliebte, den Menschen
+Nicht gefallen, und dich habe die Mutter verschmäht,
+Bis du größer geworden und still dich entwickelt--ich glaub es:
+Gerne denk ich mir dich als ein besonderes Kind.
+Fehlet Bildung und Farbe doch auch der Blüte des Weinstocks,
+Wenn die Beere, gereift, Menschen und Götter entzückt.
+
+
+9.
+
+Herbstlich leuchtet die Flamme vom ländlich geselligen Herde,
+Knistert und glänzet, wie rasch! sausend vom Reisig empor.
+Diesen Abend erfreut sie mich mehr: denn eh noch zur Kohle
+Sich das Bündel verzehrt, unter die Asche sich neigt,
+Kommt mein liebliches Mädchen. Dann flammen Reisig und Scheite,
+Und die erwärmte Nacht wird uns ein glänzendes Fest.
+Morgen frühe geschäftig verläßt sie das Lager der Liebe,
+Weckt aus der Asche behend Flammen aufs neue hervor.
+Denn vor andern verlieh der Schmeichlerin Amor die Gabe,
+Freude zu wecken, die kaum still wie zu Asche versank.
+
+
+10.
+
+Alexander und Cäsar und Heinrich und Friedrich, die Großen,
+Gäben die Hälfte mir gern ihres erworbenen Ruhms,
+Könnt ich auf eine Nacht dies Lager jedem vergönnen;
+Aber die Armen, sie hält strenge des Orkus Gewalt.
+Freue dich also, Lebendger, der lieberwärmeten Stätte,
+Ehe den fliehenden Fuß schauerlich Lethe dir netzt.
+
+
+11.
+
+Euch, o Grazien, legt die wenigen Blätter ein Dichter
+Auf den reinen Altar, Knospen der Rose dazu,
+Und er tut es getrost. Der Künstler freuet sich seiner
+Werkstatt, wenn sie um ihn immer ein Pantheon scheint.
+Jupiter senket die göttliche Stirn, und Juno erhebt sie;
+Phöbus schreitet hervor, schüttelt das lockige Haupt;
+Trocken schaut Minerva herab und Hermes, der leichte,
+Wendet zur Seite den Blick, schalkisch und zärtlich zugleich.
+Aber nach Bacchus, dem weichen, dem träumenden, hebet Cythere
+Blicke der süßen Begier, selbst in dem Marmor noch feucht.
+Seiner Umarmung gedenket sie gern und scheinet zu fragen:
+Sollte der herrliche Sohn uns an der Seite nicht stehn?
+
+
+12.
+
+Hörest du, Liebchen, das muntre Geschrei den Flaminischen Weg her?
+Schnitter sind es; sie ziehn wieder nach Hause zurück,
+Weit hinweg. Sie haben des Römers Ernte vollendet,
+Der für Ceres den Kranz selber zu flechten verschmäht.
+Keine Feste sind mehr der großen Göttin gewidmet,
+Die, statt Eicheln, zur Kost goldenen Weizen verlieh.
+Laß uns beide das Fest im stillen freudig begehen!
+Sind zwei Liebende doch sich ein versammeltes Volk.
+Hast du wohl je gehört von jener mystischen Feier,
+Die von Eleusis hieher frühe dem Sieger gefolgt?
+Griechen stifteten sie, und immer riefen nur Griechen,
+Selbst in den Mauern Roms: "Kommt zur geheiligten Nacht!"
+Fern entwich der Profane; da bebte der wartende Neuling,
+Den ein weißes Gewand, Zeichen der Reinheit, umgab.
+Wunderlich irrte darauf der Eingeführte durch Kreise
+Seltner Gestalten; im Traum schien er zu wallen: denn hier
+Wanden sich Schlangen am Boden umher, verschlossene Kästchen,
+Reich mit Ähren umkränzt, trugen hier Mädchen vorbei,
+Vielbedeutend gebärdeten sich die Priester und summten;
+Ungeduldig und bang harrte der Lehrling auf Licht.
+Erst nach mancherlei Proben und Prüfungen ward ihm enthüllet,
+Was der geheiligte Kreis seltsam in Bildern verbarg.
+Und was war das Geheimnis? als daß Demeter, die große,
+Sich gefällig einmal auch einem Helden bequemt,
+Als sie Jasion einst, dem rüstigen König der Kreter,
+Ihres unsterblichen Leibs holdes Verborgne gegönnt.
+Das war Kreta beglückt! das Hochzeitsbette der Göttin
+Schwoll von Ähren, und reich drückte den Acker die Saat.
+Aber die übrige Welt verschmachtete; denn es versäumte
+Über der Liebe Genuß Ceres den schönen Beruf.
+Voll Erstaunen vernahm der Eingeweihte das Märchen,
+Winkte der Liebsten--Verstehst du nun, Geliebte, den Wink?
+Jene buschige Myrte beschattet ein heiliges Plätzchen!
+Unsre Zufriedenheit bringt keine Gefährde der Welt.
+
+
+13.
+
+Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!
+Heuchelnd kam er zu mir: "Diesmal nur traue mir noch.
+Redlich mein ichs mit dir: du hast dein Leben und Dichten,
+Dankbar erkenn ich es wohl, meiner Verehrung geweiht.
+Siehe, dir bin ich nun gar nach Rom gefolget! Ich möchte
+Dir im fremden Gebiet gern was Gefälliges tun.
+Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirtung;
+Welchen Amor empfiehlt, köstlich bewirtet ist er.
+Du betrachtest mit Staunen die Trümmer alter Gebäude
+Und durchwandelst mit Sinn diesen geheiligten Raum.
+Du verehrest noch mehr die werten Reste des Bildens
+Einziger Künstler, die stets ich in der Werkstatt besucht.
+Diese Gestalten, ich formte sie selbst! Verzeih mir, ich prahle
+Diesmal nicht; du gestehst, was ich dir sage, sei wahr.
+Nun du mir lässiger dienst, wo sind die schönen Gestalten,
+Wo die Farben, der Glanz deiner Erfindungen hin?
+Denkst du nun wieder zu bilden, Freund? Die Schule der Griechen
+Blieb noch offen, das Tor schlossen die Jahre nicht zu.
+Ich, der Lehrer, bin ewig jung und liebe die Jungen.
+Altklug lieb ich dich nicht! Munter! Begreife mich wohl!
+War das Antike doch neu, da jene Glücklichen lebten!
+Lebe glücklich, und so lebe die Vorzeit in dir!
+Stoff zum Liede, wo nimmst du ihn her? Ich muß ihn dir geben,
+Und den höheren Stil lehret die Liebe dich nur."
+Also sprach der Sophist. Wer widerspricht ihm? und leider
+Bin ich zu folgen gewöhnt, wenn der Gebieter befiehlt.--
+Nun, verräterisch hält er sein Wort, gibt Stoff zu Gesängen,
+Ach, und raubt mir die Zeit, Kraft und Besinnung zugleich;
+Blick und Händedruck, und Küsse, gemütliche Worte,
+Silben köstlichen Sinns wechselt ein liebendes Paar.
+Da wird Lispeln Geschwätz, wird Stottern liebliche Rede:
+Solch ein Hymnus verhallt ohne prosodisches Maß.
+Dich, Aurora, wie kannt ich dich sonst als Freundin der Musen!
+Hat, Aurora, dich auch Amor, der lose, verführt?
+Du erscheinest mir nun als seine Freundin und weckest
+Mich an seinem Altar wieder zum festlichen Tag.
+Find ich die Fülle der Locken an meinem Busen! das Köpfchen
+Ruhet und drücket den Arm, der sich dem Halse bequemt.
+Welch ein freudig Erwachen, erhieltet ihr, ruhige Stunden,
+Mir das Denkmal der Lust, die in den Schlaf uns gewiegt!--
+Sie bewegt sich im Schlummer und sinkt auf die Breite des Lagers,
+Weggewendet; und doch läßt sie mir Hand noch in Hand.
+Herzliche Liebe verbindet uns stets und treues Verlangen,
+Und den Wechsel behielt nur die Begierde sich vor.
+Einen Druck der Hand, ich sehe die himmlischen Augen
+Wieder offen.--O nein! Laßt auf der Bildung mich ruhn!
+Bleibt geschlossen! Ihr macht mich verwirrt und trunken, ihr raubet
+Mir den stillen Genuß reiner Betrachtung zu früh.
+Diese Formen, wie groß! Wie edel gewendet die Glieder!
+Schlief Ariadne so schön: Theseus, du konntest entfliehn?
+Diesen Lippen ein einziger Kuß! O Theseus, nun scheide!
+Blick ihr ins Auge! Sie wacht!--Ewig nun hält sie dich fest.
+
+
+14.
+
+Zünde mir Licht an, Knabe!--"Noch ist es hell. Ihr verzehret
+Öl und Docht nur umsonst. Schließet die Läden doch nicht!
+Hinter die Häuser entwich, nicht hinter den Berg, uns die Sonne!
+Ein halb Stündchen noch währts bis zum Geläute der Nacht!"--
+Unglückseliger! Geh und gehorch! Mein Mädchen erwart ich.
+Tröste mich, Lämpchen, indes, lieblicher Bote der Nacht!
+
+
+15.
+
+Cäsarn wär ich wohl nie zum fernen Britannien gefolget,
+Florus hätte mich leicht in die Popine geschleppt!
+Denn mir bleiben weit mehr die Nebel des traurigen Nordens
+Als ein geschäftiges Volk südlicher Flöhe verhaßt.
+Und noch schöner von heut an seid mir gegrüßet, ihr Schenken,
+Osterien, wie euch schicklich der Römer benennt;
+Denn ihr zeiget mir heute die Liebste, begleitet vom Oheim,
+Den die Gute so oft, mich zu besitzen, betrügt.
+Hier stand unser Tisch, den Deutsche vertraulich umgaben;
+Drüben suchte das Kind neben der Mutter den Platz,
+Rückte vielmals die Bank und wußt es artig zu machen,
+Daß ich halb ihr Gesicht, völlig den Nacken gewann.
+Lauter sprach sie, als hier die Römerin pfleget, kredenzte,
+Blickte gewendet nach mir, goß und verfehlte das Glas.
+Wein floß über den Tisch, und sie, mit zierlichem Finger,
+Zog auf dem hölzernen Blatt Kreise der Feuchtigkeit hin.
+Meinen Namen verschlang sie dem ihrigen; immer begierig
+Schaut ich dem Fingerchen nach, und sie bemerkte mich wohl.
+Endlich zog sie behende das Zeichen der römischen Fünfe
+Und ein Strichlein davor. Schnell, und sobald ichs gesehn,
+Schlang sie Kreise durch Kreise, die Lettern und Ziffern zu löschen;
+Aber die köstliche Vier blieb mir ins Auge geprägt.
+Stumm war ich sitzen geblieben und biß die glühende Lippe,
+Halb aus Schalkheit und Lust, halb aus Begierde, mir wund.
+Erst noch so lange bis Nacht! Dann noch vier Stunden zu warten!
+Hohe Sonne, du weilst, und du beschauest dein Rom!
+Größeres sahest du nichts und wirst nichts Größeres sehen,
+Wie es dein Priester Horaz in der Entzückung versprach.
+Aber heute verweile mir nicht und wende die Blicke
+Von dem Siebengebirg früher und williger ab!
+Einem Dichter zuliebe verkürze die herrlichen Stunden,
+Die mit begierigem Blick selig der Maler genießt;
+Glühend blicke noch schnell zu diesen hohen Fassaden,
+Kuppeln und Säulen zuletzt und Obelisken herauf;
+Stürze dich eilig ins Meer, um morgen früher zu sehen,
+Was Jahrhunderte schon göttliche Lust dir gewährt:
+Diese feuchten, mit Rohr so lange bewachsnen Gestade,
+Diese mit Bäumen und Busch düster beschatteten Höhn.
+Wenig Hütten zeigten sie erst; dann sahst du auf einmal
+Sie vom wimmelnden Volk glücklicher Räuber belebt.
+Alles schleppten sie drauf an diese Stätte zusammen:
+Kaum war das übrige Rund deiner Betrachtung noch wert.
+Sahst eine Welt hier entstehn, sahst dann eine Welt hier in Trümmern,
+Aus den Trümmern aufs neu fast eine größere Welt!
+Daß ich diese noch lange von dir beleuchtet erblicke,
+Spinne die Parze mir klug langsam den Faden herab,
+Aber sie eile herbei, die schön bezeichnete Stunde!--
+Glücklich! hör ich sie schon? Nein, doch ich höre schon Drei.
+So, ihr lieben Musen, betrogt ihr wieder die Länge
+Dieser Weile, die mich von der Geliebten getrennt.
+Lebet wohl! Nun eil ich und fürcht euch nicht zu beleidgen:
+Denn ihr Stolzen, ihr gebt Amorn doch immer den Rang.
+
+
+16.
+
+"Warum bist du, Geliebter, nicht heute zur Vigne gekommen?
+Einsam, wie ich versprach, wartet ich oben auf dich."--
+Beste, schon war ich hinein; da sah ich zum Glücke den Oheim
+Neben den Stöcken, bemüht, hin sich und her sich zu drehn.
+Schleichend eilt ich hinaus!--"O welch ein Irrtum ergriff dich!
+Eine Scheuche nur wars, was dich vertrieb! Die Gestalt
+Flickten wir emsig zusammen aus alten Kleidern und Rohren,
+Emsig half ich daran, selbst mir zu schaden bemüht."--
+Nun, des Alten Wunsch ist erfüllt: den losesten Vogel
+Scheucht' er heute, der ihm Gärtchen und Nichte bestiehlt.
+
+
+17.
+
+Manche Töne sind mir Verdruß, doch bleibet am meisten
+Hundegebell mir verhaßt: kläffend zerreißt es mein Ohr.
+Einen Hund nur hör ich sehr oft mit frohem Behagen
+Bellend kläffen, den Hund, den sich der Nachbar erzog.
+Denn er bellte mir einst mein Mädchen an, da sie sich heimlich
+Zu mir stahl, und verriet unser Geheimnis beinah.
+Jetzo, hör ich ihn bellen, so denk ich mir immer: sie kommt wohl!
+Oder ich denke der Zeit, da die Erwartete kam.
+
+
+18.
+
+Eines ist mir verdrießlich vor allen Dingen, ein andres
+Bleibt mir abscheulich, empört jegliche Faser in mir,
+Nur der bloße Gedanke. Ich will es euch, Freunde, gestehen:
+Gar verdrießlich ist mir einsam das Lager zu Nacht.
+Aber ganz abscheulich ists, auf dem Wege der Liebe
+Schlangen zu fürchten, und Gift unter den Rosen der Lust,
+Wenn im schönsten Moment der hin sich gebenden Freude
+Deinem sinkenden Haupt lispelnde Sorge sich naht.
+Darum macht Faustine mein Glück: sie teilet das Lager
+Gern mit mir, und bewahrt Treue dem Treuen genau.
+Reizendes Hindernis will die rasche Jugend; ich liebe,
+Mich des versicherten Guts lange bequem zu erfreun.
+Welche Seligkeit ists! wir wechseln sichere Küsse,
+Atem und Leben getrost saugen und flößen wir ein.
+So erfreuen wir uns der langen Nächte, wir lauschen,
+Busen an Busen gedrängt, Stürmen und Regen und Guß.
+Und so dämmert der Morgen heran; es bringen die Stunden
+Neue Blumen herbei, schmücken uns festlich den Tag.
+Gönnet mir, o Quiriten! das Glück, und jedem gewähre
+Aller Güter der Welt erstes und letztes der Gott!
+
+
+19.
+
+Schwer erhalten wir uns den guten Namen, denn Fama
+Steht mit Amorn, ich weiß, meinem Gebieter, in Streit.
+Wißt ihr auch, woher es entsprang, daß beide sich hassen?
+Alte Geschichten sind das, und ich erzähle sie wohl.
+Immer die mächtige Göttin, doch war sie für die Gesellschaft
+Unerträglich, denn gern führt sie das herrschende Wort;
+Und so war sie von je, bei allen Göttergelagen,
+Mit der Stimme von Erz, Großen und Kleinen verhaßt.
+So berühmte sie einst sich übermütig, sie habe
+Jovis herrlichen Sohn ganz sich zum Sklaven gemacht.
+"Meinen Herkules führ ich dereinst, o Vater der Götter",
+Rief triumphierend sie aus, "wiedergeboren dir zu.
+Herkules ist es nicht mehr, den dir Alkmene geboren:
+Seine Verehrung für mich macht ihn auf Erden zum Gott.
+Schaut er nach dem Olymp, so glaubst du, er schaue nach deinen
+Mächtigen Knieen--vergib! nur in den Äther nach mir
+Blickt der würdigste Mann, nur mich zu verdienen, durchschreitet
+Leicht sein mächtiger Fuß Bahnen, die keiner betrat;
+Aber auch ich begegn ihm auf seinen Wegen und preise
+Seinen Namen voraus, eh er die Tat noch beginnt.
+Mich vermählst du ihm einst: der Amazonen Besieger
+Werd auch meiner, und ihn nenn ich mit Freuden Gemahl!"
+Alles schwieg; sie mochten nicht gern die Prahlerin reizen:
+Denn sie denkt sich, erzürnt, leicht was Gehässiges aus.
+Amorn bemerkte sie nicht: er schlich beiseite; den Helden
+Bracht er mit weniger Kunst unter der Schönsten Gewalt.
+Nun vermummt er sein Paar: ihr hängt er die Bürde des Löwen
+Über die Schultern und lehnt mühsam die Keule dazu,
+Drauf bespickt er mit Blumen des Helden sträubende Haare,
+Reichet den Rocken der Faust, die sich dem Scherze bequemt.
+So vollendet er bald die neckische Gruppe; dann läuft er,
+Ruft durch den ganzen Olymp: "Herrliche Taten geschehn!
+Nie hat Erd und Himmel, die unermüdete Sonne
+Hat auf der ewigen Bahn keines der Wunder erblickt."
+Alles eilte: sie glaubten dem losen Knaben, denn ernstlich
+Hatt er gesprochen; und auch Fama, sie blieb nicht zurück.
+Wer sich freute, den Mann so tief erniedrigt zu sehen,
+Denkt ihr? Juno. Es galt Amorn ein freundlich Gesicht.
+Fama daneben, wie stand sie beschämt, verlegen, verzweifelnd!
+Anfangs lachte sie nur: "Masken, ihr Götter, sind das!
+Meinen Helden, ich kenn ihn zu gut! Es haben Tragöden
+Uns zum besten!" Doch bald sah sie mit Schmerzen: er wars!--
+Nicht den tausendsten Teil verdroß es Vulkanen, sein Weibchen
+Mit dem rüstigen Freund unter den Maschen zu sehn,
+Als das verständige Netz im rechten Moment sie umfaßte,
+Rasch die Verschlungnen umschlang, fest die Genießenden hielt.
+Wie sich die Jünglinge freuten, Merkur und Bacchus! sie beide
+Mußten gestehn: es sei, über dem Busen zu ruhn
+Dieses herrlichen Weibes, ein schöner Gedanke. Sie baten:
+Löse, Vulkan, sie noch nicht! Laß sie noch einmal besehn!
+Und der Alte war so Hahnrei, und hielt sie nur fester.--
+Aber Fama, sie floh rasch und voll Grimmes davon.
+Seit der Zeit ist zwischen den Zweien der Fehde nicht Stillstand:
+Wie sie sich Helden erwählt, gleich ist der Knabe danach.
+Wer sie am höchsten verehrt, den weiß er am besten zu fassen,
+Und den Sittlichsten greift er am gefährlichsten an.
+Will ihm einer entgehn, den bringt er vom Schlimmen ins Schlimmste.
+Mädchen bietet er an: wer sie ihm töricht verschmäht,
+Muß erst grimmige Pfeile von seinem Bogen erdulden;
+Mann erhitzt er auf Mann, treibt die Begierden aufs Tier,
+Wer sich seiner schämt, der muß erst leiden; dem Heuchler
+Streut er bittern Genuß unter Verbrechen und Not.
+Aber auch sie, die Göttin, verfolgt ihn mit Augen und Ohren:
+Sieht sie ihn einmal bei dir, gleich ist sie feindlich gesinnt,
+Schreckt dich mit ernstem Blick, verachtenden Mienen, und heftig
+Strenge verruft sie das Haus, das er gewöhnlich besucht.
+Und so geht es auch mir: schon leid ich ein wenig; die Göttin,
+Eifersüchtig, sie forscht meinem Geheimnisse nach.
+Doch es ist ein altes Gesetz: ich schweig und verehre:
+Denn der Könige Zwist büßten die Griechen wie ich.
+
+
+20.
+
+Zieret Stärke den Mann und freies mutiges Wesen,
+O! so ziemet ihm fast tiefes Geheimnis noch mehr.
+Städtebezwingerin du, Verschwiegenheit! Fürstin der Völker!
+Teure Göttin, die mich sicher durchs Leben geführt,
+Welches Schicksal erfahr ich! Es löset scherzend die Muse,
+Amor löset, der Schalk, mir den verschlossenen Mund.
+Ach, schon wird es so schwer, der Könige Schande verbergen!
+Weder die Krone bedeckt, weder ein phrygischer Bund
+Midas verlängertes Ohr: der nächste Diener entdeckt es,
+Und ihm ängstet und drückt gleich das Geheimnis die Brust,
+In die Erde vergrüb er es gern, um sich zu erleichtern;
+Doch die Erde verwahrt solche Geheimnisse nicht,
+Rohre sprießen hervor und rauschen und lispeln im Winde:
+Midas! Midas, der Fürst trägt ein verlängertes Ohr!
+Schwerer wird es nun mir, ein schönes Geheimnis zu wahren,
+Ach, den Lippen entquillt Fülle des Herzens so leicht!
+Keiner Freundin darfs ich vertraun: sie möchte mich schelten;
+Keinem Freunde: vielleicht brächte der Freund mir Gefahr.
+Mein Entzücken dem Hain, den schallenden Felsen zu sagen,
+Bin ich endlich nicht jung, bin ich nicht einsam genug.
+Dir, Hexameter, dir, Pentameter, sei es vertrauet,
+Wie sie des Tags mich erfreut, wie sie des Nachts mich beglückt.
+Sie, von vielen Männern gesucht, vermeidet die Schlingen,
+Die ihr der Kühnere frech, heimlich der Listige legt;
+Klug und zierlich schlüpft sie vorbei und kennet die Wege,
+Wo sie der Liebste gewiß lauschend begierig empfängt.
+Zaudre, Luna, sie kommt! damit sie der Nachbar nicht sehe;
+Rausche, Lüftchen, im Laub! niemand vernehme den Tritt.
+Und ihr, wachset und blüht, geliebte Lieder, und wieget
+Euch im leisesten Hauch lauer und liebender Luft,
+Und entdeckt den Quiriten, wie jene Rohre geschwätzig,
+Eines glücklichen Paars schönes Geheimnis zuletzt.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Römische Elegien, von
+Johann Wolfgang Goethe.
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Roemische Elegien, by Johann Wolfgang von Goethe
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ROEMISCHE ELEGIEN ***
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