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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:30:23 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Die unheilbringende Krone + (oder Koenig ohne Reich, Held ohne Mut, Schoenheit ohne Jugend) + +Author: Ferdinand Raimund + +Posting Date: September 20, 2012 [EBook #7859] +Release Date: April, 2005 +First Posted: May 26, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNHEILBRINGENDE KRONE *** + + + + +Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen + + + + + + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Der Diamant des Geisterkönigs, oder +Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen + +Ferdinand Raimund + + + +Personen + +Longimanus, Geisterkönig. +Pamphilius, sein erster Kammerdiener. +Zephises, ein Magier, als Geist. +Eduard, sein Sohn. +Florian Waschblau, sein Diener. +Mariandel, Köchin. +Amine, eine Engländerin. +Kolibri, ein Genius. +Veritatius, Beherrscher der Insel der Wahrheit. +Modestina, seine Tochter. +Aladin, sein erster Höfling. +Erster und Zweiter Nachbar von Eduard. +Osillis. +Amazilli. +Bitta. +Lira. +Die Hoffnung. +Ein Herold. +Fee Aprikosa. +Fee Amarillis. +Erster und Zweiter Zauberer. +Koliphonius, Wächter des Zaubergartens. +Ein Feuergeist. +Die Stimme des singenden Baumes. +Erste und Zweite Drude. +Der Winter. +Der Sommer. +Der Herbst. +Der Frühling. +Ein Grieche.--Eine Griechin. + +Feuergeister. Luftgeister. Genien. Feen. +Inselbewohner. Eduards Nachbarn. Wache. + + + + +Erster Aufzug. +(Vorhalle im Palaste des Geisterkönigs.) + + + +Erste Szene. +Zauberer. Feen. Geister. (Einige mit Bittschriften.) Ein +Feuergeist. + + +Chor. +Sollen wir noch lange harren? +Bald verläßt uns die Geduld! +Sind wir Geister seine Narren? +Unverzeihlich ist die Schuld. + + +Fee Aprikosa. Welche Beleidigung, Damen solange warten zu lassen, +als wären sie seine Domestiken! + +Alle. Das ist unerhört! + +Erster Zauberer. Ich frage, wie kann man ein Geisterkönig sein und +so lange schlafen? + +Zweiter Zauberer. Und ich frage, wie kann man vernünftig sein und +unvernünftig reden? Geisterkönig ist er; er muß für uns alle +wachen, folglich muß er auch für uns alle schlafen. + +Erster Zauberer. Seine Pflicht heischt aber, unsere Bitten zu +hören. + +Fee Amarillis. Und er kümmert sich gar nicht um uns; spart seine +Gunst nur für die Menschen auf. + +Erster Zauberer. Er hat schon ungeheure Schätze der Luft entzogen +und sie der Erde zugewendet. + +Zweiter Zauberer. Sehen Sie, darum bauen sich die Leute jetzt so +viele Luftschlösser. Wenn nicht das Sterben bei ihnen noch Mode +wäre, so ging's dem Volk besser als uns. + +Fee Aprikosa. Was wollen Sie denn? Er hat ja erst gestern einen +Menschen, den er auf der Erde kennen gelernt hat, unter die Geister +aufgenommen, weil ihn bei dem letzten Wetter der Blitz erschlagen +hat. + +Erster Zauberer. Ja, richtig; er heißt Zephise, war Taschenspieler +und soll ein blitzdummer Kerl sein. + +Zweiter Zauberer. Sehr natürlich! Dumm war er so schon, der Blitz +hat ihn auch getroffen, also ist er blitzdumm. + +Fee Amarillis. Der Zauberkönig verschwendet zu viel. Seine Reisen +auf die Erde kosten ihm enorme Summen. + +Zweiter Zauberer. Jawohl, ich bin ein einziges Mal auf die Erde +hinabgereiset, weil ich soviel von der schönen Gegend von Simmering +gehört hab', und ich weiß, was mich das gekostet hat. + +Fee Aprikosa. Und richtet er nicht das ganze Reich nach der Erde +ein? Wir werden noch alle Moden von Paris und Wien heraufbekommen. + +Fee Amarillis. Ja, wenn nur in seinem Zauberreiche noch +Französisch gesprochen würde, das wäre doch nobel, aber seit er in +Wien war, spricht er wienerisch, und wir sollen es nachmachen. + +Zweiter Zauberer. Ich hab's schon nachgemacht. + +Fee Amarillis. Schämen Sie sich, wenn man das im Auslande erfährt! +Das wird entsetzlich werden. + +Erster Zauberer undr Fee Aprikosa. Ja, unerhört. + +Zweiter Zauberer. Ich weiß, es kommt ein Krieg aus, bloß wegen dem. +Aber wissen S', er denkt halt so, und so sollen manche denken, +besser schön lokal reden, als schlecht hochdeutsch. + +Fee Aprikosa Kurz, die Menschen haben ihn ganz verdorben; er ist +nicht mehr zu kennen. + +Erster Zauberer. Er läßt sie ja scharenweise zu sich heraufkommen +und gewährt ihnen ihre Bitten. + +Alle. Wahr ist's! + + + +Zweite Szene. +Vorige. Ein Feuergeist. + + +Feuergeist (ganz rot gekleidet, rotes Gesicht und rote Hände; er +hat die ganze Szene behorcht). Potz Pech und Schwefel, das ist +zuviel! Ich bin Feuergeist, Oberfeuerwerker und Kanonier des +Zauberkönigs! Wer kann sagen, daß seit drei Jahren eine +menschliche Seele in seinen Palast gekommen ist? Bin ich nicht auf +seine Kosten nach Neapel gereist, um den Vesuv aufzunehmen und +einen ähnlichen über seinen Palast zu bauen? Ist das nicht +geschehen? Blausäure und Vitriolöl! + +Fee Aprikosa. Und warum ist es geschehen? Damit wir ihn nicht +sooft belästigen und mit unserm Wolkenwagen jetzt durch den Krater +fahren müssen, wie die Hexen durch den Rauchfang. + +Feuergeist. Nein! Potz Pech und Schwefel! Damit er von der +Menschheit, die sich durch verschiedene magische Künste in sein +Reich filoutiert hatte, um ihn mit Betteleien zu belästigen, Ruhe +bekomme. + +Zweiter Zauberer. Ja, ja, so ist der Kaffee. + +Erster Zauberer. Das müssen Sie Narren weismachen. + +Feuergeist. Aber, ins Geiers Namen, das tue ich ja; und wer's +nicht glauben will, den sollen alle kongreveschen Raketen-- + +Zweiter Zauberer (gleich einfallend). Nun, nun, mein Herr +Feuergeist und Oberkanonier, moderieren Sie sich nur! Sie zünden +ja sonst den Palast an mit Ihren Raketen. + +Alle. Werft ihn hinaus! Hinaus mit ihm! + +Feuergeist. Was? Einen Feuergeist hinauswerfen? + +Zweiter Zauberer. Da haben wir schon andere hinausgeworfen. + +Feuergeist. Beim Brand von Moskau, das ist zuviel! (Mit geballter +Faust) Wer mir in die Nähe kommt, dem werf' ich eine Leuchtkugel an +den Kopf, daß ihm das bengalische Feuer aus den Augen spritzen soll. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius. He, he! was ist denn das! Sie halten ja ein völliges +Stiergefecht im Vorgemach des Zauberkönigs! + +Erster Zauberer (voll Freundlichkeit). Ach, unser lieber +Pamphilius! + +Alle Weiber. Unser schöner Pamphilius! (Schmeicheln ihm.) + +Zweiter Zauberer. Grüß' Sie der Himmel, Herr von Pamphilius! +(drängt die Weiber weg und umarmt ihr..) + +Pamphilius. Ich komme, Ihnen zu melden, daß der Beherrscher seine +vierundzwanzigstündige Ruhe beendiget hat und sich alsobald mit +unglaublicher Schnelligkeit aus dem Bette begeben wird. + +Erster Zauberer. Ah, scharmant! + +Beide Feen. Der liebenswürdige Herr! + +Zweiter Zauberer. O, fidelibus! fidelibus! + +Feuergeist. Jetzt reißt mir die Geduld! Herr Pamphilius, potz +Pech und Schwefel, ich bin ein treuer Diener des Zauberkönigs, ich +kann nicht schweigen. + +Pamphilius. Was haben Sie denn für einen Lärmen, Herr +Oberfeuerwerker? + +Feuergeist. I, potz Pech und Schwefel!-- + +Pamphilius. Bleiben Sie mir nur mit Ihrem Pech vom Leibe, ich +picke schon am ganzen Körper. + +Zweiter Zauberer. Er muß glauben, wir sind Schuster. + +Feuergeist. Nun also, potz Schwefel und Phosphorus! + +Pamphilius. Den Schwefel kann ich auch nicht vertragen, ich habe +eine schwache Brust. + +Feuergeist. Nun, so hören Sie ohne Pech und Schwefel, daß diese +ehrbare Versammlung ein schlechtes Gesindel ist, das über den +Geisterfürsten schimpft und ihm vorwirft, daß er alles den Menschen +anhängt. + +Alle. Das ist nicht wahr. + +Feuergeist. Was? Ich schwör's bei allen Zündmaschinen von England. + +Pamphilius. Und ich bei allen Löschmaschinen von Frankreich, wenn +Er sein unsinniges Feuer nicht moderiert, laß ich Ihn so +durchwässern, daß Er an mich denken soll. Hinaus mit Ihm! + +Alle. Hinaus mit Ihm! + +Feuergeist. Ich gehe! Aber, bei dem griechischen Feuer des +Cardanus, das melde ich dem Zauberkönig. Potz Feuerzeug und +Zündbüchsen! Schwefelgeist und Salmiak! (Geht ab.) + + + +Vierte Szene. +Vorige ohne Feuergeist. + + +Pamphilius. Reden Sie, einer nach dem andern. Was hat's gegeben? + +Erster Zauberer. Gepriesener Pamphilius, Sie sind nun schon eine +lange Zeit in den Diensten des Geisterkönigs. + +Pamphilius. Auf Martini sind's 2000 Jahr. + +Erster Zauberer. Haben Sie nicht selbst bemerkt, daß er Menschen +mit Wohltaten überhäuft, die sie mißbrauchen und ihm mit Undank +lohnen, und uns versagt er so vieles? + +Pamphilius. Da haben Sie recht. + +Zweiter Zauberer. Ja, und wär's nicht besser, wenn er sich von uns +undankbar und schlecht behandeln ließe als von andern? + +Erster Zauberer. Schweigen Sie. + +Zweiter Zauberer. Ich kann auch meine Meinung sagen; ich war auch +einmal ein starker Geist, jetzt bin ich ausgeraucht. + +Fee Aprikosa. An allem ist die Fee Diskantine schuld, ihre schöne +Stimme hat ihn bezaubert. + +Pamphilius. Also das ist die einzige Klage gegen den Zauberkönig? +Nun, da muß ich Ihnen schon aus dem Traum helfen. Es ist wahr, +Diskantine hat durch ihren Gesang vieles für die Menschen von ihm +erwirkt; da sie aber mit ihrer Protektion auf lauter Unwürdige +stieß, so ist er darüber so erzürnt, daß er sie auf die Spitze +eines Berges verbannt und dort in einen Baum verwandelt hat. + +Zweiter Zauberer. Was Sie sagen! + +Pamphilius. Weil aber ihre herrliche Stimme ihn so oft entzückte, +so wollte er ihr dieselbe auch als Baum nicht entreißen. + +Erster Zauberer. Also singt dieser Baum? + +Pamphilius. Alles vom Blatt. Damit jedoch der Geisterfürst nicht +mehr so belästigt werde, hat er den Ausspruch getan, daß von dem +Augenblicke an kein Sterblicher sich seinem Palaste nähern dürfe, +ehe er nicht diesen Berg erstiegen und, ohne sich umzusehen, einen +Zweig von dem singenden Baume abgebrochen hat. + +Fee Amarillis. Und was nützt dieser Zweig? + +Pamphilius. Er ist ein Talisman, der vor allen Gefahren schützt +und sicher in das Reich des Zauberkönigs geleitet. + +Zweiter Zauberer. Wollen Sie mir nicht sagen, mein Scharmantester, +wenn sich einer umschaut, was ihm geschieht? + +Pamphilius. Er wird sogleich, mein Stupidester, entweder in ein +Tier oder in eine Blume verwandelt; der böse Genius Koliphonius ist +dort angestellt mit 2000 Rubel jährlich, damit er durch einen +listigen Hokuspokus die Leute zum Umschauen bringt.--Gelingt es ihm, +so sind sie in seiner Macht, und dann läßt er sie auch nicht mehr +aus. Er hat in der kurzen Zeit schon einen prächtigen Tiergarten +beisammen. Und nun, was sagen Sie jetzt von dem Zauberkönig? Ist +er in Ihren Augen gerechtfertiget? + +Alle. Hoch lebe der Zauberkönig! + +Pamphilius. Also folgen Sie mir, ich will Sie melden. + +Chor. +Wie uns die Freude glühend belebt, +Wie sich die Hoffnung mächtig erhebt, +Schnelle Gewährung wird unser Lohn, +Bringen die Bitten wir vor den Thron; +Jauchzet den König aus seiner Ruh, +Ewiges Vivat töne ihm zu + +(Alle gehen ab.) + + + +Fünfte Szene. +(Zauberkabinett.) + + +Longimanus liegt in einer idealen Bettstätte, reich verziert, in +welcher statt dem Bettgewande Wolken eingebettet sind. Vier Genien +sind beschäftigt, seine Kleider zu ordnen und ein Waschbecken +herzurichten, dann bleiben sie in horchender Gruppe stehen, sein +Erwachen abzuwarten. Longimanus regt sich, die Genien entfliehen; +die Musik endet. + +Longimanus (im Schlafrock mit goldenen Zaubercharakteren, wirft die +Überdecke aus Wolken von sich, setzt sich im Bette auf und gähnt). +Ach ja! Wieviel Uhr ist's denn schon? (Sieht auf eine Stockuhr, +die neben seinem Bette auf einem goldenen Tische steht.) Siehst +du's! Siehst du's! Schon halb 11 Uhr! Ich habe halt wieder +vergessen, daß ich den Wecker aufgezogen, und der Pamphilius weckt +mich auch nicht auf. (Läutet.) Pamphilius! Wo steckt Er denn? + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Pamphilius (springt schnell herbei). Was steht zu Befehl, Euer +Großmächtigkeit? + +Longimanus. Wo schliefst du denn herum? Warum hast du mich nicht +aufgeweckt? Und wer hat mir denn heute nacht aufgebettet? + +Pamphilius. Ich, mächtigster Sultan der Welt. + +Longimanus. Daß du mir keine so feuchten Wolken mehr einbettest. +Ich will trocken liegen; ich glaub' gar, du hast Regenwolken +erwischt, weil ich heut nacht so in die Nassigkeit geraten bin. +Und was hör' ich denn für einen Rumor draußen im Vorzimmer? Ich +glaub' gar, du haltst dir junge Mäus' oder was. + +Pamphilius. Allerhand Feen und verschiedene Zauberer sind draußen; +auch einige Hexen und anderes niederes Geisterg'sindel. + +Longimanus. Und was wollen s' denn schon wieder? + +Pamphilius. Ihre Bitten und Klagen zu deinen hochmächtigen Füßen +niederlegen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; ich bin noch zu sehr +vernegligiert. Bring' Er mir nur die Bittschriften herein. +(Pamphilius geht ab.) + + + +Siebente Szene. +Longimanus allein. + + +Longimanus. Das Volk hat nichts als Streit miteinander! ich kann +mich gar nicht retten. Auf die Letzt werd' ich noch ein eigenes +Zeughaus errichten, wo nichts hineinkommt, als lauter Scheckel und +Haslinger. + + + +Achte Szene. +Pamphilius mit Schriften. Voriger. + +(Pamphilius übergibt die Schriften.) + + +Longimanus. Was hab' ich denn so Wichtiges jetzt sagen wollen?--Ja, +einen Sessel. + +(Pamphilius bringt einen Stuhl.) + +Longimanus (setzt sich). Das werden wieder schöne G'schichten sein +(liest). Da haben wir's ja! Nichts als schuldig sein s' einander. +"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer Rutschiputschi einen +Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurückgestellt." Er soll +ihn zurückgeben. Ich befiehl's. Auf der Stell'! (Nimmt eine +andere Schrift.) "Die zwölf Himmelszeichen haben untereinander eine +Rauferei gehabt. Der Schütz hat dem Steinbock ein Aug' +ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten +voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und +wären beinahe von dem Löwen zerrissen worden, wenn sie sich nicht +hinter die Jungfrau versteckt hätten. Alle sind beschädigt; der +einzige Krebs hat sich zurückgezogen. Man bittet, sie reparieren +zu lassen." Das wird wieder was Schönes kosten! (Nimmt die dritte +Schrift.) Was ist denn das? Was wollen denn die schon wieder? +"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten für ihr +Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du +verdammte Bagage! Die Druden wollen wieder auf die Welt hinunter! +Den Augenblick laßt du mir s' hereinkommen. + +(Pamphilius geht ab.) + + + +Neunte Szene. + +Longimanus (allein). Das wär' eine schöne Pastete, wenn die wieder +auf die Erde kämen, die Leut' seckiern! Manchen Menschen drucken +schon seine Schulden genug; er braucht gar keine Drud'--(Von innen +wird geklopft.) Aha! Nur herein! Nur herein! + + + +Zehnte Szene. +Voriger. Pamphilius. Zwei Druden, + + +grau gekleidet mit offenen Schleiern; das Haupt und die Brust +verhüllt. Das Kleid ist unten mit Zeichen des sogenannten +Drudenfußes garniert; auch tragen sie einen Drudenfuß als Medaillon +auf der Brust; das Gesicht mit alten Weiberlarven bedeckt; sie +stürzen Longimanus zu Füßen. + +Die Druden. Mächtiger Herrscher, erbarme dich! + +Longimanus. Schau', wie fein! Grad' die säubersten haben s' +ausg'sucht. Womit kann ich dienen, meine schönen Damen? + +Erste Drude. Herr! Es sind nun schon fünfzig Jahre, daß du uns +von der Erde zurückberufen hast, und wir wissen nicht, wodurch wir +das verschuldet haben? + +Longimanus. Ja, meine lieben Fräulein Drud', mir ist leid, aber es +kann nicht anders sein. + +Erste Drude. Hör' unser Flehen! Gib uns wieder unsere Macht; die +Menschen sehnen sich nach uns. + +Longimanus. Ob du still bist oder nicht!--Was fällt euch ein? Es +redt gar kein Mensch mehr von ihnen, denkt gar kein Mensch mehr an +sie, und jetzt wollen s' auf einmal wieder ihre vorige +Druckfreiheit haben. Ich lass' die Menschen nicht mehr so +kujonieren. Anno 1837 eine Drud'! Die Leut' müßten einen nur +auslachen. + +Erste Drude. Aber hat man uns denn nicht sogar durch eine Oper +verewigt; "Das Neusonntagskind"! + +Longimanus. Ah, was Oper! was Neusonntagskind! Die Leut' sind +oft die ganze Woche kindisch, nicht nur an einem Sonntag. Es nutzt +nichts! Ich hab' nichts gegen euch; ein jeder Stand verdient +Achtung, also auch eine Drud'. Meine Mutter war selbst eine, und +ich bin doch Zauberfürst geworden. + +Erste Drude. Aber haben wir denn nicht stets unsere Schuldigkeit +getan? Hier sind unsere Attestate von dem Genius der Träume. + +Longimanus. Ja, das ist wahr, ihr wart brave Druden, habt die +Leut' gedruckt, daß es eine Schand' und ein Spott war. Aber jetzt +ist's vorbei. Ihr habt's eure Pension und da könnt's zufrieden +sein. Und jetzt hinaus, auf der Stell'! + +(Beide Druden küssen ihm weinend das Kleid und gehen ab.) + + + +Elfte Szene. +Longimanus. Pamphilius. + + +Longimanus. Und jetzt ist's gar für heute mit der Klagerei; ich +zürn' mich zuviel. Die andern sollen übermorgen kommen oder aufs +Jahr. Laß mir jetzt den Zephises herüberkommen, den ich unter die +Geister aufgenommen habe. Was macht er denn? + +Pamphilius. Er sitzt mit drei Feuergeistern bei einem Wolkentisch +und spielt Whist mit ihnen. + +Longimanus. Whist spielen s'? Ist ein schönes Spiel, das Whist; +wenn nur nicht so viel ausg'macht würde dabei. Mich haben s' +einmal auf der Erde unten aus fünf Kaffeehäusern hinausgeworfen, +weil ich gar so schlecht gespielt hab'. Ja, damals war ich noch +ein rechter Wüstling, aber jetzt freut's mich nicht mehr. Na, so +laß mir ihn nur herüberkommen; wenn er auch ein paar Fisch' +verliert, wegen so ein paar Forellen wird's nicht aus sein, um +Goldfisch spielen s' doch nicht. (Pamphilius geht ab.) + + + +Zwölfte Szene. + + +Longimanus (allein). Ich hab' ihn recht gern, den Zephises! Wie +ich vor zwanzig Jahren auf der Erde herumgereist bin, so hab' ich +ihn in Ägypten kennen gelernt, wo er die Zauberei studiert hat, er +war just im dritten Jahr Magie. Dann bin ich mit ihm nach +Österreich gereist, hab' ihm ein Haus und einen Garten gekauft und +sein Zauberkabinett eingerichtet. Da ist ihm seine Frau gestorben-- +war eine recht hübsche Frau--hernach hab' ich mich auch nicht mehr +lang aufgehalten, und weil er gar so lamentiert hat, hab' ich ihm +versprochen, wenn er stirbt, ihn unter die Geister aufzunehmen; und +jetzt hab' ich auf einmal g'hört, daß ihn der Blitz erschlagen hat; +da hab' ich ihn also durch meine Geister gleich heraufexpedieren +lassen. Da kommt er schon! + + + +Dreizehnte Szene. +Zephises. Voriger. + + +Zephises (als Geist im weißen Zaubertalar, mit schwarzen +Charakteren). Fürst der Lüfte! Wo soll ich Worte des Dankes +finden? + +Longimanus. Ist schon so gut! Nur keine Komplimente unter guten +Freunden. Mich freut's vom Herzen, alter Schwed'! Hat er dich +einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel? Richtig, da auf der +Seiten hat er ihn g'streift, der Blitz; da schwefelt er ein wenig. +Wie g'fallt's dir denn bei mir heroben? Haben wir nicht eine +frische Luft? + +Zephises. Herr, darf ich es dir gestehen, daß selbst in dem +Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche +umfließet, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den +es dir nicht verhehlen kann? + +Longimanus. Aha! (Fährt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei.) +Hat ihn schon erwischt! Zuckt schon! + +Zephises. Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches +gewährtest, hat deine Milde mich mit großen Schätzen beschenkt. + +Longimanus. Ja, richtig! Hast du alle angebracht? + +Zephises. Nein, Herr! Ich habe sie in meinem Kabinett verborgen +und dieses mit einem Zauber belegt, daß kein Sterblicher es öffnen +kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige. + +Longimanus. Nun, in meinem Reich brauchst keine Schätze, da lebt +man von der Luft, daß es nur eine Freud' ist. + +Zephises. Hab' ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos +zurückgelassen habe? + +Longimanus. Du hast einen Sohn? + +Zephises. Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards? + +Longimanus. Richtig! Er hat ja zu meinen Füßen gespielt und hat +mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche g'habt +hab'. + +Zephises. Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich +konnte meinem Sohn kein Zeichen meines letzten Willens hinterlassen; + darum erhöre mein Flehen! Sende ihm einen deiner Geister, lasse +ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthüllen, und erlaube dann, +daß er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewährung einer +Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergönnt war, an +dich zu wagen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; zu mir darf er nicht herauf, wenn +er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum. Ich +möcht' ihn recht gern einmal sehen, den kleinen Eduard;--aber ich +kann mein Wort nicht umstoßen. + +Zephises. Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu nähern. + +Longimanus. Das geht mich nichts an. + +Zephises. Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung. + +Longimanus. Siehst du's, jetzt wird dir bang'; aber so geht's +manchen Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen. +Geschieht nachher ein Bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch +soll sich selbst etwas verdienen, steht der Dalk da. Da werden wir +gleich helfen.--Pamphilius! + + + +Vierzehnte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus. G'schwind zu dem sein' Sohn ein paar wohltätige +Geister hinunter, ich werd' ihnen schon sagen, was sie zu tun haben. + +Pamphilius. Ja, es ist nur fatal-- + +Longimanus. Ich weiß schon, freilich ist's fatal; sie sind jetzt +alle in der Arbeit, es ist keiner zu Hause, aber das nützt nichts, +es muß einmal sein. Schau halt, daß du wo ein paar zusammenfangst. +Allez! + +(Pamphilius geht.) + +Zephises. Herr, wie soll ich dir danken? + +Longimanus. Halt's Maul! He, Pamphilius, noch eins! + +(Pamphilius kehrt schnell um.) + +Longimanus. Den wievielten haben wir heut? + +Pamphilius. Den 27. November. + +Longimanus. Warum nicht gar? Du verdammte G'schicht! Ich hab' +schon immer nachgedacht; November! Und ihr habt ein Donnerwetter +g'habt? Dich hat der Blitz erschlagen, statt daß es schneien soll? + +Pamphilius. Ja, großer Sultan, das ist jetzt die allgemeine Klage +der Menschen, daß es im Winter warm ist und im Sommer kalt. + +Longimanus. Ja. für was zahl' ich denn meine Jahrszeiten, wenn +sie mir so eine Konfusion machen? Da muß ich ja mit dem polnischen +Donnerwetter dreinschlagen. Pamphilius, geschwind laß mir den +Winter heraufkommen. + +(Pamphilius geht schnell ab.) + +Longimanus. Halt! (Pamphilius kehrt schnell um.) Die andern +Jahrszeiten auch, g'schwind! + +Pamphilius. Na, heut lauf' ich mir noch die Füß' aus der Wurzel. +Verdammter Dienst! (Läuft schnell ab.) + +Longimanus. Hat ein recht ruhiges Brot bei mir, der Pamphilius; er +halt aber aus, wie ein Pferd. Jetzt lauft er schon 2000 Jahr' und +hat noch gesunde Huf'; er kriegt keine Steingallen, nicht einmal +den Spat hat er noch g'habt. + + + +Fünfzehnte Szene. +Die vier Jahreszeiten. Vorige. + +(Der hinter trägt einen schwarzen Pelz, Pudelmütze, einen kleinen +Stutzen [Muff], ganz beschneit. Der Sommer im nankingenen Frack, +Beinkleid, einen modernen Strohhut mit Kornblumen darauf und ein +Parasol in der Hand. Der Herbst, mit dicken Backen und wohlbeleibt, +hat eine grüne Wirtsjacke, Fürtuch, Käppchen mit Weinlaub besteckt, +unter dem Arme ein kleines Fäßchen, worauf Most steht, in der Hand +eine große Traube. Der Frühling, ein junges Gärtnermädchen, mit +Rosen auf dem Hut und einem Rosenstock im Arme, treten furchtsam +ein.) + + +Longimanus. Nur näher da, ihr vier Haimonskinder! Was muß denn +ich hören? Warum betragt ihr euch nicht, wie es sich für +rechtschaffene Jahrszeiten schickt? Was ist denn das für ein +liederlicher Lebenswandel, Monsieur Winter? Schämt Er sich nicht? +So ein eisgrauer Mann und fangt auf einmal an, hitzig zu werden! +Warum hat's eingeschlagen im November? Ich will's wissen! + +Winter (im Baßtone). Euer G'streng', ich kann nichts dafür. Der +Sommer tut mir alles mit Fleiß; er möcht' gern alles wissen, und da +blitzt er immer herüber auf mich. + +Longimanus. Der Sommer soll sich gar nicht rühren; der ist seit +einigen Jahren wie ausgewechselt. Ich glaub', er verlegt sich aufs +Trinken, weil er immer so naß ist. + +Herbst. Eur' königliche Durchlaucht, ich bitt' ums Wort! Der +Sommer kann nichts dafür; der Winter laßt ihm keine Ruh'. Wann er +Eiszapfen übrig hat, so schickt er ihm s' herüber, daß's im Sommer +schauert. Nachher fangen sie zu disputieren an, der Sommer kommt +in Zorn, und so gibt's alle Tag ein Wetter. + +Sommer. Ja, das ist auch wahr; der Herbst ist noch mein einziger +Freund, er putzt mich wieder heraus! Die Leute schimpfen über mich, +und ich kann nichts dafür. + +Longimanus. Und jetzt basta! Ich will haben, daß ihr euch +vertragen sollt. Auf die Letzt verderbt's mir da meinen Frühling +auch noch; das ist noch die bravste, das ist noch meine liebste +Jahrszeit, der Frühling! (Kneift sie in die Wange und gibt ihr ein +Goldstück.) Da hast was auf ein Kipfel, du Tausendsasa, du! + +Frühling. Ich küss' die Hand, Euer G'streng'! Ich werd' mich +schon gut aufführen. (Küßt ihm die Hand.) + +Longimanus. Und jetzt marschiert's! Und wenn ich noch einmal eine +Klag' hör', so weiß ich, was ich zu tun hab'; besonders der Sommer, +nehm' Er sich zusamm'. Wenn aufs Jahr in Baden nicht alle +Quartiere verlassen sein, so schau' Er zu. Und der Winter auch! +Daß's heut noch schneit und morgen der Eisstoß geht. Jetzt hinaus! + +(Alle vier Jahreszeiten gehen ab.) + +Longimanus. Komm, mein lieber Zephises, jetzt werd' ich für deinen +Sohn sorgen, ich werd' ihn glücklich machen. Aber das sag' ich dir, +wenn du dich unterstehst, ihm einen heimlichen Wink oder Rat zu +geben, so hast du es mit mir zu tun. Jetzt kannst mit mir ein +kleines Gabelfrühstück einnehmen; ich hab' ein bisserl ein +Eingemachtes von einem jungen Krokodil ang'schafft. + +(Beide ab.) + + + +Sechzehnte Szene. +(Geheimes Kabinett des Zephises. Die Hinterwand, an der sich keine +Möbel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt. An +der Seite befindet sich ein Zaubertisch, worauf ein kleiner +Zauberer steht; neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem +Hammer schlägt. Auf der entgegengesehen Seite eine Türe.) + +Florian Waschblau kommt mit einer Butte auf dem Rücken, worin sich +verschiedene Kleidungsstücke befinden; stellt sie beim Eintreten +nieder. + + +Arie. +Ich bin der liebe Florian, +So heißen mich die Leut', +Und wenn mich jemand brauchen kann, +Bin ich gleich bei der Schneid'. +Im Kopf hab' ich auf Ehr' nicht viel, +Noch weniger im Sack, +Nur daß ich nichts als essen will, +Das ist mein' größte Plag'! +Ich g'hör' nur der Mariandl zu, +Auf d' Nacht sowie beim Tag, +Und wissen S', warum ich das tu'? +Weil mich sonst keine mag. +Und foppt mich einer, was er kann, +So fühl' ich keinen Neid; +Denn fangen d' Leut' zum Lachen an, +Das ist mein' größte Freud'! + +Florian. Ja, ja, mein lieber Florian! Jetzt wirst du halt bald +fort müssen aus dem Hause, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch +hing'schwunden sind. Mein armer junger Herr, wie wird's denn dem +gehen? Keinen Kreuzer hat uns der Alte unterlassen, als das +einschichtige Haus. Wenn er nur wo was zu leihen kriegte; aber +nicht einmal einen Satz übers Haus kann er machen, es ist ja ganz +verrufen. Wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen wie die +Schwalben aus und ein geflogen sind? Ich weiß nicht, was er +anfangen wird; um mich ist mir nicht bang', ich werd' mich schon wo +anlehnen lassen an eine Planken. Wenn ich nur ihn unterzubringen +wüßt', auf einem Kontor bei einem Sauerkräutler oder wo.--Er ist in +der größten Verzweiflung! Gestern hat er geweint, hat mir das +letzte Dreiguldenzettel gegeben, und hat g'sagt, ich möcht' davon +vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was übrig +bleibt, soll ich hingehen, wohin ich will. Ich kann ihn aber nicht +verlassen, es ist unmöglich! Ich hab' erst unlängst eine Schöne +G'schicht' gelesen von einem römischen Löwen, der sein' Herrn, dem +Anton Trokles, so anhänglich war;--und wenn ein solches Tier so +handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen. Ich +hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt, +hab' auch der Mariandel, unserer Köchin, ihren ganzen Kasten +ausgeräumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen +genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht +hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn +sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den +Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich +heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel. (Sieht auf den kleinen +Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hört. Wirst du denn wem +was sagen davon? (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.) +Der sagt einem alles. Wird meinem Herrn ein Unglück zustoßen? +(Zauberer deutet nein.) Etwann mir? (Zauberer deutet ja, Florian +drohend.) Du! Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl? (Zauberer +deutet nein.) Ist schon richtig;--bin ich etwa dumm? (Zauberer +deutet ja.) Alles weiß er. Wie viel dumme Streiche werd' ich denn +noch machen? (Der Zauberer schlägt auf die Glocke: eins, zwei, +drei, dann recht schnell und oft hintereinander.) Hörst auf, du +verdammter Kerl! (Hält ihm die Hand.) Solang leb' ich gar nicht. + + + +Siebzehnte Szene. +Mariandel (von innen). Voriger. +(Mariandel klopft von außen.) + + +Florian. Aha, das ist der Jud'! (öffnet, Mariandel tritt ein.) +Nein, schaut's, ist a Jüdin. + +Mariandel. Ach, ich unglückliche Person, was fang' ich an? Da +steht er herin, statt daß er im Haus acht gibt. Ach, warum hat +mich der Himmel gestraft, daß ich einen solchen Einfaltspinsel zum +Liebhaber hab'. + +Florian. Das wird doch eine schöne Stichelei sein! + +Mariandel. Was stehst denn da?--Was stehst denn da, du miserabler +Mensch; und mir räumen s' derweil den ganzen Kasten aus. Ich bin +bestohlen! + +Florian. Hör' auf! Haben s' dir etwann deinen üblen Humor +g'stohlen? + +Mariandel. Nein, meine Kleider, meine Wäsch', meine reiche Haube!-- +Ich bitt' dich, den Diebstahl,--die schöne Wäsch'! + +Florian. Nein, mein Schatz, das ist eine wilde Wäsch'! + +Mariandel. Und meine guten Perl'. + +Florian (für sich). So? Die hab' ich auch erwischt? Das hab' ich +nicht einmal gewußt. + +Mariandel. Ich glaub' gar, du lachst noch? Jetzt geh' ich gleich +zum gnädigen Herrn und erzähl' ihm alles. Dem Dieb muß nachgesetzt +werden (will ab). + +Florian. Halt, sag' ich. Du bleibst da! Ich kenn' den Dieb. + +Mariandel. Was? + +Florian. Er ist ein sehr guter Freund von mir. + +Mariandel. So? Du schlechter Mensch! Auf die Letzt bist du ein +Räuberhauptmann! Ich geb' dich an, auf der Stell' (will fort). + +Florian. Da bleibst, sag' ich, oder-- + +Mariandel. Das nutzt nichts--ich will meine Sachen haben. + +Florian. Das Sachen ist da. + +Mariandel. Wo? + +Florian. In der Butten. + +Mariandel. Ah, Spektakel! Heraus gibst mir's! + +Florian. Nur Geduld! + +Mariandel. Daß mir nichts zermudelt wird. + +Florian. Ist alles in der schönsten Ordnung! (Er leert die Butten +aus, seine und ihre Kleider fallen in der größten Unordnung heraus; +ganz kalt.) Such' dir deine Sachen heraus. + +Mariandel. Aber Florian, was hast denn gemacht? Bist du besessen? + +Florian. Still, Marianne! Du wirst wissen, daß unsere Herzen +verbunden sind? + +Mariandel. Ja, leider bin ich so unglücklich, deine Geliebte zu +sein! Was war ich für ein Dalk! Was hab' ich für Partien +ausgeschlagen! Ich hätte vor kurzem noch können so einen reichen +Ochsenhändler heiraten, wär' eine reiche Frau worden, die so viele +Ochsen g'habt hätt', und an dir hab' ich nur einen einzigen. + +Florian. Wer's Wenige nicht ehrt, ist's Mehrere nicht wert. Doch +nichts mehr über diesen Gegenstand, er ist zu subtil, um ihn lange +zu besprechen. Wir sind jetzt sieben Jahr' in diesem Haus; ich +hab' dir diese Sachen geschafft, folglich kann ich s' auch wieder +an mich reißen; ich hab' sie wollen von hier wegschicken. + +Mariandel. Wohin? + +Florian. Nach Judenburg. Kurz, ich hab' sie wollen an einen +polnischen Juden verkaufen, um unserm jungen Herrn für den +Augenblick aus seiner Verlegenheit zu helfen. Wir sind seine zwei +einzigen Dienstboten, wir müssen ihm einmal zugetan sein. + +Mariandel. Aber Florian, schau, was treibst? Warum hast du denn +mir nichts gesagt, so hätten wir Mittel gemacht. Von der Pistolen +hast ihm auch den Hahn heruntergeschraubt; er hat mich g'fragt, wo +er hingekommen ist? + +Florian. Der Hahn? Hättest du gesagt, du hast ihn abgestochen, +weil du keine Händel mehr g'habt hast. + +Mariandel. Na, jetzt bin ich schon wieder ruhig! Pack' nur die +Kleider zusammen, der Herr kommt. + + + +Achtzehnte Szene. + + +Eduard. Vorige. + +Eduard (verdrießlich). Was macht ihr hier? Laßt mich allein. + +Mariandel. Schau ihn nur an, wie er aussieht. + +Florian. Was er vorn für eine Blässe hat. Gnädiger Herr, schaffen +Sie vielleicht einen Melissengeist oder ein darniederschlagendes +Pulver? + +Eduard. Ich danke euch; geht nur. + +Florian. Der arme Mann! Gnädiger Herr, wenn Sie sollten in +Ohnmacht liegen, dürfen Sie nur läuten, wir werden gleich da sein. + +Eduard. Willst du mich böse machen? (Faßt sich.) Geh, Florian! + +Florian. Florian hat er g'sagt, hast das g'hört? Das ist ein +Unglück. + +Mariandel. Nun, wie soll er denn zu dir sagen, wenn du so heißt, +etwa Annamiedel? So geh' nur einmal! + +Florian. Mariandel, mit dem ist's zu, der lebt uns keine hundert +Jahr' mehr. (Beide ab.). + + + +Neunzehnte Szene. + + +Eduard (allein). Nun bin ich allein, im wahren Sinne des Wortes; +denn meines Vaters Tod hat mein ganzes Glück vernichtet. Welche +Wunder umgeben mich seit meiner Kindheit! Sein Körper ist durch +übernatürliche Mächte plötzlich vor unsern Augen verschwunden. Er +hat mir oft versprochen, nach seinem Tode große Reichtümer zu +hinterlassen; doch im ganzen Hause findet sich keine Spur eines +Vermächtnisses. Was soll ich beginnen? Ich finde auch keine Hilfe +bei Freunden. Als den Sohn eines berüchtigten Zauberers flieht +mich jedermann, was soll aus mir werden? Entsetzliche Lage! +Verzweiflungsvolles Los! (Wirft sich in einen Stuhl. Es wird von +unten geklopft.) Wer klopft? Herein! + + + +Zwanzigste Szene +Die Hoffnung, auf einen goldenen Anker gestützt, kommt aus der Erde. + + +Hoffnung (ist ideal gekleidet, spricht sehr lebhaft und munter). +Sie pardonieren, mein Herr, daß ich die rechte Tür verfehlte; doch +ein Frauenzimmer, die so viele Geschäfte hat, wie ich, nimmt das +nicht so genau. Nun, so heißen Sie mich doch willkommen! Sie sind +ja ganz verblüfft? + +Eduard. Welch eine angenehme Erscheinung! Mir wird so wohl in +Ihrer Nähe. + +Hoffnung. Wie? Kennen Sie mich nicht, junger Herr? + +Eduard. Ich habe wirklich nicht die Ehre-- + +Hoffnung. O pfui! Sagen Sie das nicht! Eine Person nicht zu +kennen, die in allen Kalendern und Taschenbüchern schon bis zum +Überdrusse abgebildet ist. Kennen Sie mich wirklich nicht? Ich +habe Sie als Kind auf meinen Armen getragen, als Knabe Ihre +Schmerzen versüßt, wenn Sie die Rute bekommen sollten; als Jüngling +Ihnen die Leiter gehalten, wie Sie zu Ihrem Liebchen auf die +Terrasse gestiegen sind-- + +Eduard. Ah, Sie sind-- + +Hoffnung. Die Hoffnung, untertänigst aufzuwarten, nicht nur die +Ihrige, sondern die der ganzen Welt. + +Eduard. O, so laß mich zu deinen Füßen stürzen, Tochter des +Himmels. + +Hoffnung. Langsam, mein Herr, nicht so rasch! Sieh, sieh, wie +exaltiert. Hat Sie meine Feindin, die Furcht, schon verlassen, +weil Sie so schnell wieder zu meiner Fahne schwören? Wissen Sie +vielmehr, daß das sehr unartig ist, eine Dame vor sich stehen zu +lassen, ohne ihr einen Sitz anzubieten! Oder glauben Sie, weil +sich so viele Leute auf mich stützen, daß ich keiner Stütze +bedürfe? Nein, mein Herr, einen Sitz. + +(Eduard reicht ihr einen Sessel.) + +Hoffnung. So! Nun stellen Sie sich in die erste Position vor mich +und hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe. + +Eduard. Ich hin ganz Ohr. + +Hoffnung (hustet). Monsieur! Ich habe Ihnen ein sehr artiges +Kompliment von meiner Schwester auszurichten. Was glauben Sie wohl, +wer sie sei? (Eduard zuckt die Achseln.) Das Glück. + +Eduard. Das Glück? Welch einen schönen Namen lassen Sie in meinen +Ohren ertönen! + +Hoffnung. Das könnte mich eifersüchtig machen. (Mit einem Seufzer.) +Doch ich bin es gewohnt, von ihr verdrängt zu werden. Sie hat +versprochen, Sie in Protektion zu nehmen. Ich könnte Ihnen zwar +sagen, daß sie eine leichtfertige Person ist, die sich sehr stark +schminkt und nur von ferne schön ist; doch, Sie werden mir nicht +zumuten, daß ich imstande wäre, meine Schwester zu verkleinern.-- +Jetzt zu meinem Auftrag! Meine Schwester läßt Ihnen sagen, Sie +möchten sans façon in jener Ecke des Zimmers den Boden öffnen, +einen goldenen Schlüssel herausnehmen und damit diese Wand +aufschließen; das übrige wird Ihnen wie gebratene Tauben von selbst +in den Mund fliegen. Ich aber habe die Ehre, mich als Ihre +ergebene Dienerin zu empfehlen. + +Eduard. Wie? Sie könnten mich verlassen?-- + +Hoffnung. Ihr Glück beginnt--meine Rolle ist ausgespielt. Hüten +Sie sich, daß Sie mich nicht bald wieder rufen; oder glauben Sie, +ich habe nichts zu tun, als mit Ihnen die Zeit zu verschwätzen? In +diesem Augenblicke bin ich zu Millionen bestellt, die nach mir +schmachten. Advokaten, die ihre Prozesse gewinnen wollen; arme +Gefangene, die auf Erlösung hoffen; Sterbende sogar, die mich in +der letzten Minute noch zu sprechen wünschen; des Heeres der +Verliebten gar nicht zu gedenken, welches mich durch namenlose +Anforderungen fast zu Tode martert. Darum adieu! Nun küssen Sie +mir die Hand, Sie liebenswürdiger, junger Mann! Adieu, Sie Loser! +Vergessen Sie nicht wieder ein Frauenzimmer, welches die Plage auf +sich hat, Sie durch Ihr ganzes Leben begleiten zu müssen. (Macht +ihm einen Knix und geht durch die Türe ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. + + +Eduard (allein). Sonderbare Erscheinung! Soll ich ihr Glauben +schenken? Sie ist ein Frauenzimmer –! Nun, wär' ich der einzige +Mensch in dieser Welt, der sein Glück einem Frauenzimmer zu +verdanken hätte? Laß sehen, schöne Hoffnung, wir wollen dich auf +die Probe setzen, ob deine launigen Versprechungen weniger täuschen, +als die heroischen Liebesschwüre unserer heutigen Mädchen. Dort +ist der Fleck. (öffnet ein kleines Türchen im Boden.) Wahrhaftig! +Bald hätt' ich meinem smaragdenen Engel unrecht getan. Hier ist +der Schlüssel. Vivat, Eduard! Schnell ans Werk! (Öffnet die Wand, +welche in die Höhe schwebt und einen Rahmen zurückläßt, durch +welchen man in eine dunkelblaue, mit Gold verzierte runde Halle +sieht, in der auf jeder Seite drei weiße mythologische Figuren +unbeweglich stehen. Auf den sechs Piedestalen stehen die Worte: +Dukaten, Louisdor, Taler, Sovereigndor, Perlen, Granaten. Mitten +aber steht ein leeres rosenrotes Piedestal, welches den halben +Kreis schließt, worauf kein Wort steht, aber eine Pergamentrolle +liegt.--Die ganze Gruppe ist hell beleuchtet.) Bin ich in einem +Feenpalaste? Sind diese Schätze mein? Ist es ein Traum? (Öffnet +eine von den Türchen der Piedestale, man sieht Gold aufgehäuft.) O +nein! Goldene Wirklichkeit! Was bedeutet diese Pergamentrolle? +(entfaltet sie und liest.) "Teurer Sohn! Die Schätze, welche Du in +diesem geheimnisvollen Gewölbe entdecktest, waren mein Eigentum, +sind nun das deinige. Die sechs Statuen sind von hohem Werte; ich +habe sie in einer huldvollen Stunde durch die Gnade des +Geisterkönigs zum Geschenk erhalten. Mache einen weisen Gebrauch +davon. Doch, sollte bei dem glücklichen Überfluß an Wünschen, zu +denen Dich Deine Jugend befeuert, auch der in Deiner Brust +aufsteigen, daß Du die siebente Statue besitzen möchtest, welche +von rosenroten Diamanten und der größte Schatz ist, den Du auf +Erden besitzen kannst, so wende Dich bittend an den Zauberkönig. +Du wirst in meinen magischen Werken, die ich Dir hinterließ, die +genaueste Anleitung finden, auf welchem Wege Du zu den Stufen +seines Thrones gelangen kannst." (Legt die Schrift wieder hin.) +Welch eine Reihe von Wundern drängt sich an meinen erstaunten +Sinnen vorüber! (Tritt heraus, die Wand schließ sich.) Ist es +Wahrheit? Diese plötzliche Veränderung meiner Glücksumstände! Ich +war ein Bettler, jetzt bin ich ein Krösus!--Doch, was ist das für +eine siebente Statue von rosenrotem Diamant? Welch ein dunkles +Verlangen beherrscht mich, auch sie zu besitzen! Ach, warum kann +ich nicht in dieser Minute zu des Geisterkönigs Füßen sinken! Gäb' +es denn keinen wohltätigen Genius, der mich augenblicklich in seine +Nähe bringen könnte? (Die Figur des kleinen Zauberers auf dem +Tische verwandelt sich in den kleinen Genius Kolibri.) + +Kolibri (kann vor Tränen kaum reden). Ich! + +Eduard. Welch ein holder Knabe! Wie heißest du, lieber Knabe? + +Kolibri (immer weinerlich und verdrießlich). Ich bin der kleine +Kolibri. + +Eduard. Und was bist du denn? + +Kolibri (verdrießlich). Ein Genius. Siehst du denn das nicht? + +Eduard. Aber warum weinst du denn? + +Kolibri. Weil mich meine Mutter erst geschlagen hat. + +Eduard. Warum? + +Kolibri. Damit ich dir helfen soll. + +Eduard. Und willst du mir denn nicht helfen? + +Kolibri. I ja!--Aber ich habe gerade mit den andern Genien um +goldene Äpfel gespielt, und da hat mir meine Mutter geschafft, ich +möcht' es stehen lassen und zu dir herabgehen, weil der Zauberfürst +es befohlen hätte; und weil ich nicht gleich ging, so hat sie mich +geschlagen (weint). + +Eduard. Du armes Kind! Wer ist denn deine Mutter? + +Kolibri. Eine Fee, die von ihren eigenen Mitteln lebt. + +Eduard. Nun, sei nur ruhig! Sieh, wenn du mir hilfst, so +verspreche ich dir nicht nur einen, sondern viele hundert goldene +Äpfel. + +Kolibri (plötzlich freudig). Ist das wahr? Ach, das ist schön. +(Springt vor Freuden.) Jetzt gib acht, wie ich mich ansetzen werde. + +Eduard. Sage mir, auf welche Weise kannst du mir denn helfen? + +Kolibri. Ich werde dir die Mittel zeigen, durch welche du zum +Geisterkönig gelangst. Du mußt vorher einen hohen Berg ersteigen, +und das weitere werde ich dir schon noch heimlich stecken. Du hast +viele Gefahren zu bestehen; wir machen eine Luftreise. Wirst du +auch standhaft bleiben? + +Eduard. Gefahren stählen den Mut! Mein Verlangen nach dem +Zauberschatze wird immer glühender. Komm und geleite mich. + +Kolibri. O, das geht nicht so geschwind, es ist gar ein weiter Weg; +ich muß mich erst um eine Landkutsche umsehen. Du darfst dich +nicht fürchten, daß ich dich umwerfe; ich bin ein guter Postillon +und blasen will ich, daß dir die Ohren zerspringen werden. + +Eduard. Nun gut, ich will mich reisefertig machen. + +Kolibri. Du kannst dir auch einen Bedienten mitnehmen, denn du +scheinst mir ein sehr kommoder Herr zu sein. Also, es bleibt +dabei? Leb' wohl! In einer Viertelstunde komm' ich wieder zurück; +und wegen der Äpfel:--Ein Mann, ein Wort! + +(Eduard reicht ihm die Hand hin.) +(Kolibri schlägt ein und geht gravitätisch ab.) + +Eduard (allein). Bravissimo! Das geht ja prächtig! Schlag auf +Schlag! Mein Glück fängt an mutwillig zu werden, und soviel ich +merke, so habe ich's mit lauter dienstfertigen Geistern zu tun; da +muß ja mein Frohsinn erwachen. + + + +Zweiundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian kommt mit einem Trupp Nachbarsleute herein. +Voriger. + + +Chor. +Kommt herein! Kommt herein! +Werden schon willkommen sein. +Feinde schleichen sich herein, +Freunde treten rüstig ein. + +Florian. Gnädiger! Da haben Sie s', losg'lassen hab' ich s'. +Jetzt reden S' mit ihnen. + +Eduard. Was treibst du denn, daß du mir diesen Trupp Menschen ins +Zimmer bringst? + +Mariandel. Ja, ich bitt', Euer Gnaden, er wird närrisch. Die +Leute! (Zu Florian.) Ich brächt' noch mehr, wenn ich wie du wäre! + +Florian. Ja, woher nehmen und nicht stehlen? Ich hab' die überall +zusammeng'sucht und hab' s' hergetrieben. + +Eduard (zornig). Was wollen sie denn aber hier? Dummrian! + +Florian (zum Nachbar). So red' der Herr! + +Ein Nachbar. Gnädiger Herr, der Florian hat uns zusammengerufen +und hat uns Ihre Verlegenheit erzählt. Sie waren gegen uns immer +ein guter Herr, der uns manchmal ein Glas Wein gezahlt hat; wenn's +auch mit dem alten Herrn nicht richtig zugegangen ist, das macht +nichts. Wenn wir Ihnen helfen können und können Ihnen einen Dienst +erweisen, so schaffen S' mit uns. Wir sind ja Ihre Nachbarn, wer +weiß, wer unsern Kindern einmal was tut. + +Alle. Ja! ja! Schaffen S' nur, gnädiger Herr! + +Eduard. Ihr guten Leute, nehmt meinen herzlichen Dank! Ich kann +zwar keinen Gebrauch von euren freundschaftlichen Gesinnungen +machen, doch ich werde sie dankbar in mein Herz schreiben. Es hat +sich ein Vermächtnis meines Vaters vorgefunden, das mich bestimmt, +noch heute eine große Reise anzutreten, und wenn ich glücklich +zurückkehre, will ich den ersten Abend meiner Ankunft in eurem +fröhlichen Zirkel hinbringen. + +Alle Nachbarn. Vivat! Unser Nachbar soll leben! + +Ein Nachbar. So nehmen Euer Gnaden denn nichts für ungut; und +nachher hab' ich noch eine Bitt': Werfen S' auf den Florian da auch +keine Ungnad'! Er meint's nicht bös' und er ist gar ein gutes +Schaf! + +Florian. O. du gemeiner Kerl! + +Ein Nachbar. Und jetzt reisen S' recht glücklich und kommen S' +gesund wieder zurück. + +Alle. Glückliche Reise! (Gehen mit Bücklingen ab.) + + + +Dreiundzwanzigste Szene. +Eduard. Florian. Mariandel. + + +Eduard. Florian! Du hast meinen Entschluß gehört, mache dich +reisefertig, du wirst mich begleiten. Der Mariandel übergebe ich +die Schlüssel meines Hauses; ich kann mich auf deine Treue +verlassen. + +Florian. Besser als ich! + +Mariandel. Also Euer Gnaden wollen wirklich fort? Und der Florian +geht auch mit? + +Florian. Ja, der Florian geht auch mit, und die Florianin bleibt +da. + +Eduard. Nur muß ich dich benachrichtigen, daß unsere Reise durch +die Luft geht. + +Florian. Für mich just recht; ich bin ohnedem ein lüftiges +Bürschel. + +Eduard. Also nehmt euren zärtlichen Abschied, und dann Mut, +Florian! In einer Viertelstunde geht es den Sternen zu! (Geht ab.) + + + +Vierundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian. + + +Mariandel. O Spektakel! Also ist unser Herr auch mit den Geistern +im Bunde? Und du willst wirklich mit ihm in die Luft fahren? Wie +lang bleibt ihr denn aus alle zwei? + +Florian. Einige Vierteljahr'. + +Mariandel. So lange? Wenn ihr aber herunterfallt? + +Florian. Dann sind wir eher da. + +Mariandel. Nein, die Angst steh' ich nicht aus; ich spring' ins +Wasser. + +Florian. Willst du mich zur Witwe machen? + +Mariandel. Du unempfindlicher Mensch! Ist dir gar nicht leid um +mich? + +Florian. Schau', Mariandel, ich hab' dich g'wiß recht gern, du +bist mein drittes Leben; aber wenn's mein' Herrn gilt, so verkauf' +ich alle Mariandeln, wie s' sein, um zwei Groschen. + +Mariandel. Ich seh's schon, ich muß nachgeben. Geh nur auf deine +Luftreise, aber gib wenigstens acht auf dich, daß du mir nicht etwa +wo in ein Luftloch fällst und brichst dir einen Arm oder ein Paar +Füß'. + +Florian. Gibst du mir kein Andenken mit? + +Mariandel. Ja, was denn? + +Florian. Einen Zehnguldenzettel. + +Mariandel. Du hast ja mein Herz. + +Florian. B'hüt' dich Gott und denk' an mich, wannst Zeit hast + +Duett. + +Florian. + Mariandel, Zuckerkandel +Meines Herzens, bleib' gesund. + +Mariandel. + Floriani, um dich wan' i, +Wenn du fort bist, jede Stund'. + +Florian. + Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, für dich hin. + + +Beide. + Florian. Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, für dich hin. + Mariandel. Selbst sein Leben will er geben, +Wenn er tot ist, für mich hin. + + +Mariandel. + Wirst du, mein Florl, treu mir bleiben, +Weil dich mein Herz auch nie vergißt? + +Florian. + Ich werd' mit nächster Post dir schreiben, +Daß du mein Herzensbinkerl bist. + +Mariandel. + Ich mache dich zum einz'gen Erben, +Wenn dich mein Auge nimmer sieht. + +Florian. + Wann du vielleicht derweil willst sterben, +So gib mir lieber all's gleich mit. + +Mariandel. + Erst wann ich kann ans Herz dich drücken, +Dann strahlt mein Auge hell und klar. + +Florian. + Da wirst du g'wiß nichts Neu's erblicken, +Denn ich bleib' stets der alte Narr. + + +Mariandel. + Ah, das wird ja prächtig, +Da spring' ich hochmächtig, +Vor Freuden in d' Höh', +Als wie ein jung's Reh! + +Florian. + Dann gehst du zum Sperl, +Mit dein' lieben Kerl, +O jegerl, o je! +Das wird ein' Gaudee. + +Beide. +Dort zechen wir beide beim fröhlichen Schmaus, + +Florian. + Und wenn ich ein' Rausch krieg', so führst mich nach Haus. + +Mariandel. + Und wenn du ein' Rausch kriegst, so führ' ich dich nach Haus'. + +Florian. + O Wonne, o Wonne! sie führt mich nach Haus'. + +Mariandel. + O Wonne, o Wonne! da führ' ich ihn z' Haus'. + +(Beide ab.) + + + +Fünfundzwanzigste Szene. +(Kurze Gegend mit Schnee bedeckt vor Eduards Hause. Man hört eine +Musik mit Posthornbegleitung, die das Anfahren eines Postwagens +ausdrückt.) + + +Kolibri (als Postillion gekleidet, kommt in einer Postkalesche, mit +zwei russischen Füchsen bespannt, gefahren. Er bläst sein Posthorn, +steigt ab, schnalzt mit der Peitsche und stampft mit dem Fuße vor +dem Haustor.) Mordkreuztausend Bataillon! Die Schnellfuhr' ist da, +aufgemacht! (Klopft an der Haustür.) + +Eduard (kommt aus dem Hause in einem grünen Oberrocke, mit Pelz +ausgeschlagen). Ah, mein kleiner Fuhrmann, schon hier? Brav! Das +heiß' ich Wort halten! + +Kolibri. Ja, bei uns geht alles auf der Post. Es ist ja spät, +sonst fahren wir in die Nacht hinein. + +Eduard (ruft). Florian, tummle dich! + + + +Sechsundzwanzigste Szene. +Florian (reisefertig, einen Livreefrack und einen warmen Spenser +darüber. Fäustlinge, eine Reisemütze, er trägt mehrere Schachteln, +zwei Parapluies, einen Stiefelknecht und eine Kaffeemaschine in den +Armen). Alles in der Ordnung! + + +Eduard (lacht). Du heilloser Kerl! Was hast du dir alles +aufgeladen? Wirst du's gleich zurücklassen? Du siehst ja aus wie +ein Packesel! + +Florian. Ich muß ja doch das Notwendigste mitnehmen. + +Kolibri. Gleich laß es zurück! Bist du nicht allein schwer genug +mit deinem Kürbiskopf? + +Florian. Wegen meiner! (Wirft die Sachen ins Haus.) Das wird eine +schöne Reis' werden, nicht einmal einen Koffer; und der Postknecht! +Sein Posthörndel ist größer als er; den verlieren wir unterwegs. + + + +Siebenundzwanzigste Szene. +Mariandel (kommt aus dem Hause, hat eine runde Schachtel, worin ein +Gugelhupf ist, und einen großen Wäschekorb). Um des Himmels willen, +Euer Gnaden werden doch nicht so fortfahren? Nehmen Euer Gnaden +doch ein bisserl Wäsch' mit; es ist alles aufg'schrieben: zwölf +Hemden, acht Paar Strümpfe, zwanzig Halstücheln, zwei Dutzend +Halskrägen-- + + +Kolibri. Mordbataillon! Das können wir nicht brauchen! Einsitzen! +Die Pferd' wollen nicht mehr stehn. + +Mariandel (küßt Eduard die Hand). So wünsch' ich Euer Gnaden halt +eine glückliche Reise! Ich werd' schon das Haus hüten. + +Eduard. Steig ein, Bursche! + +Florian. Mariandel, bleib g'sund! + +Mariandel. Florian, mach' dich gut zusammen, daß du mir keinen +Eselshusten kriegst. Da hast ein altes Pelzpalatin'l von mir (sie +gibt ihm's um). Und in der Schachtel da ist ein Gugelhupf; aber +beiß dir keinen Zahn aus. (Sie stellt ihn neben sich.) Und jetzt +leb' wohl, lieber Florian! Vielleicht seh' ich dich nimmermehr. + +Florian. O Mariandel, mir druckt's mein Herz ab (weint). + +Mariandel. Nicht wahr, du wirst mich nicht vergessen? + +Florian (weinend). Nein! Wo ist denn der Gugelhupf? + +Mariandel. Florian! + +Florian (weint stark). Den Gugelhupf! + +Mariandel. Könntest du in mein Herz sehen! + +Florian. Sein Weinberl drin? + +Mariandel. Nu, da hast ihn, du Vielfraß! (Gibt ihm die Schachtel.) + +Kolibri (stampft). Jetzt weiter, ins Teixels Namen! (Haut Florian +mit der Peitsche unter die Füße und treibt ihn so auf den Löffel. +Alle sitzen auf, und unter dem Ausrufe: Florian leb' wohl. +Mariandel, denk' an mich! fahren sie unter Posthornschall ab.) + + + +Achtundzwanzigste Szene. +Mariandel (allein). Jetzt sind sie fort, und mich arme Köchin +lassen s' allein in der Brisil. Wenn nur mein Florian nicht krank +wird, er ist gar so schwächlich; ich hab' ihm mit Fleiß seine Brust +recht eingemacht, weil s' so zart ist. Er hat das Frühjahr ohnedem +eine Kur gebraucht, hat Molken getrunken und Plutzerbirn' dazu +gegessen, half aber nicht viel. Wann er aber glücklich zurückkommt, +so will ich eine Mahlzeit kochen, die sich sehen lassen soll. + + +Arie. +Die Ehre ist fürwahr nicht klein, +Recht eine gute Köchin z' sein; +Doch wann die Lieb' im Köpfchen schnalzt, +G'schieht's, daß die Suppe sie versalzt. +Wenn hübsche Herren bei uns speisen, +Muß unser Herr die Zimmer weisen, +Doch oft, mit ganz zerstreutem Sinn, +Stehn s' mitten in der Kuchel drin. + +Da sagen s' gleich: "Schöne Mariandel, +O gib mir doch dein liebes Handel!" +Doch ich, ich dreh' mich nicht herum, +Und rühre meine Zuspeis' um. + +Will einer Liebe mir beweisen, +Und Küsse von den Lippen speisen: +Bei dem wird meine Treue kund, +Dem wisch' ganz höflich ich den Mund. + +(Geht ab.) + + + +Neunundzwanzigste Szene. +(Tiefe Gegend mit einem hohen Berg, auf welchen sich ein breiter +Weg hinaufwindet, so, daß er drei Etagen bildet. Oben am Ende des +dritten Weges ein Portal, mit der transparenten Ausschrift: +Zaubergarten. Weiter entfernt sieht man im Perspektiv den Vesuv +des Zauberkönigs rauchen. An den Kulissen sind lauter +hervorragende Hügel angebracht, an diesen sowohl als am Berge +wachsen viele farbige Blumen, in Gestalt der Sonnenwende; statt dem +mittlern Kopf aber sind kleine Menschengesichter gemalt. Bei +Verwandlung der Bühne ist das Theater rückwärts mit mehreren Tieren +besetzt; ein indianischer Hahn, mehrere Affen, ein Bär, ein +Fleischhauerhund, welche alle auf den Gesang des Baumes horchen. +Der Baum singt eine beliebige Polonaise gleich bei der Verwandlung.) + + +Koliphonius (tritt auf mit einer Gießkanne und einem Korb mit +Früchten. Wie er hereinkommt, schweigt der Baum. Er hat ein +weites Kleid mit roten Flammen garniert, und eine Schlangenkrone +auf dem Haupte). Nun, vierfüßiges Gesindel! Wie steht's? (Die +Tiere versammeln sich um ihn.) Jetzt muß ich meine Verwunschenen +füttern! Ein schönes Institut! Toren, warum habt ihr so +bewegliche Köpfe gehabt, die zum Umschauen gemacht waren? Der +Koliphonius ist gar ein feiner Kerl. Alle habe ich sie noch in +mein Netz gebracht. Keiner ist zum Zauberkönig gelangt. Da! Und +jetzt trollt euch. (Gibt ihnen die Früchte preis, sie gehen +langsam damit ab.) Die Tiere waren Männer. Jetzt wollen wir die +bezauberten Blumen begießen; das waren lauter neugierige +Frauenzimmer, die den Geisterkönig um ewige Schönheit bitten +wollten (begießt sie). Was seh' ich? Beim neunarmigen Styx, dort +kommen Menschen an! Heißa! Koliphonius, nimm dich zusammen! Ihr +sollt mir nicht entwischen. Frisch ans Werk! Tut eure +Schuldigkeit, ihr singenden Zweige oben; lockt sie hinauf, singt +bezaubernde Melodien; singt Rossinische: sie locken ja ins +Schauspielhaus, so werden sie auch hier ihre Wirkung nicht +verfehlen. + + + +Dreißigste Szene. +Kolibri. Eduard. Vorige. + + +Eduard. Also hier ist dein berüchtigter Zauberberg? Und jener +feuerspeiende Berg, sagtest du, ist die Wohnung des Geisterkönigs? + +Florian. Logiert der in einem Rauchfang? + +Kolibri. Dort ist seine Wohnung. + +Eduard. Und diesen Berg muß ich ersteigen, ohne umzublicken? Und +dem höchsten Baum in jenem Garten muß ich einen Zweig entreißen? + +Kolibri. Ja! Doch muß ich dich jetzt verlassen, und darf dich +erst wiedersehen, wenn du glücklich vollendet hast. + +(Baum singt einige Takte aus einer bekannten Rossinischen Oper.) + +Eduard. Was hör' ich für angenehme Melodien! Ich kenne euch, ihr +habt mich oft vergnügt. + +(Baum singt einige Takte von Mozart.) + +Eduard. Ha, das ist Mozart! O, meine vaterländischen Töne! Ihr +könnt nicht nur vergnügen, ihr könnt auch begeistern. Lebt wohl! +Ich besteige den Berg. + +Kolibri. Hüte dich! Sieh dich nicht um, ich darf dich nicht +beschützen. (Zu Florian.) Komm, Bursch'! + +Florian. Marsch, Bursch'! Ich bleib' bei meinem Herrn. (Kolibri +geht ab.) + +Melodram. + +Eduard (beginnt seine Wanderung. Er betritt den ersten Weg. Vier +reizende Nymphen zeigen sich und suchen ihn durch Winke zum Umsehen +zu bringen; endlich formieren sie bei einer Ferma in der Musik eine +ihn umschlingende und zurückhaltende Gruppe. Eduard reißt sich los, + ohne sich umzusehen, und ruft; Laßt mich, Bajaderen! Die Nymphen +verschwinden schnell. Eduard betritt den zweiten Weg; es wird +plötzlich finster. Der Donner rollt und schlägt vor ihm in einen +Baum ein, welcher einen Augenblick brennt. Pause in der Musik.) Du +schreckst mich nicht! Vorwärts! (Der Baum verlischt, die Bühne +wird wieder hell. Eduard betritt den dritten Weg; ein Grieche mit +gezücktem Dolche verfolgt ein Mädchen, welches sich an Eduard von +rückwärts anklammert und Hilfe! Hilfe! ruft; er reißt sich los +und ruft. Zurück! Beide versinken.) Viktoria, es ist gelungen! +(Eilt in die Pforte. Man hört durchs Sprachrohr Koliphonius' +Stimme: Verdammt! Die Musik drückt den Triumph aus.) + +Florian (hat während der ganzen Szene seine Empfindungen mimisch +ausgedrückt, macht einen Rundsprung). Juhe! Das ist ein Mandel +mit Kren, mein Herr! Und ich soll hier stehen bleiben, wie ein +Spatzenschrecker? Nein! Hinauf auf den Lepoldiberg! Vielleicht +erwisch' ich auch eine bezauberte Nagelwurzen! (Musik; er eilt auf +den Berg; vier Oberländler-Küchenmädchen mit Linzerhauben und +schwarzen Vortüchern machen das vorige Spiel. Pause in der Musik.) +Zurück, ihr Kuchelmamsellen! (Die vier Mädchen verschwinden. Er +tritt den zweiten Weg an, es kommen zwei Mann Soldaten mit +angeschlagenem Gewehre, einen Korporalen dabei, welcher kommandiert: + Schlagt an! Habt acht! Gebt Feuer! Auf das Wort: Feuer fällt +Florian auf das Gesicht vorwärts nieder; die Soldaten schießen über +ihn weg und verschwinden. Er rafft sich auf und ruft: Weit davon +ist gut vorm Schuß! Er betritt den dritten Weg. Ein Kellner hält +ihn zurück, und ruft: Meine zehn Gulden! er schlägt rückwärts aus: +Zurück, Ungeheuer! und wirft ihn nieder; Kellner entflieht.) +Triumph! Es ist gelungen! (Er will ins Portal; in dem Augenblick +erscheint Mariandels Gestalt hinter ihm und ruft: Florian! Florian! +Florian schaut sich schnell um und ruft: Mariandel! Er will auf +sie zu, sie verschwindet; eine Furie reißt ihn rückwärts nieder.) + +Koliphonius (erscheint am Fu9e des Berges). Er ist mein! +Verwandle dich in einen Pudel! (Eine Hundshütte erhebt sich über +Florian; er läuft als Pudel über den Berg herab und sucht ängstlich +seinen Herrn. In dem Augenblick kommt Eduard frohlockend, den +Zweig in der Hand, aus dem Garten über den Berg und ruft: Florian! +Florian! Der Pudel springt an ihm hinauf und liebkoset ihn. Pause.) + +Eduard. Was ist das? Was will der Pudel? + +Kolibri (tritt heraus). Es ist dein Diener. + +Eduard. Unglücklicher! Was hast du getan? (Pause.) Ich will dich +auch so nicht verlassen. Komm, Sinnbild der Treue! Fort von +diesem Ort! (Nimmt den Pudel bei dem Halsbande und will ihn +fortziehen.) + +Koliphonius (ruft). Halt! Er bleibt hier! Mein ist der Hund; ich +bin hier Herr. + +Eduard. Mit meinem Leben will ich ihn verteidigen! Er bleibt +nicht hier. + +Koliphonius. Nicht? (Verwandelt sich in einen Jäger.) So +erschieß' ich ihn. (Bückt sich, sein Gewehr aufzunehmen, ein +Genius bringt es, Koliphonius spannt den Hahn.) + +(Kolibri winkt. Plötzlich springen acht Pudel, eben so gezeichnet +wie Florian, auf die Bühne und bilden mit ihm ein Tableau, das +ganze übrige Theater aber ist auf allen Bergen und Seitenhügeln mit +lauter gemalten Pudeln angefüllt, welche sich nach Verhältnis der +Tiefe perspektivisch kleiner zeigen, in komischen Gruppen, und ein +Tableau formieren.) + +(Koliphonius will zielen, prallt zurück.) + +Eduard. Bravo, Kolibri! Jetzt schieß den rechten, wenn du ihn +kennst, aber schnell, denn alle nehm' ich sie nicht mit mir. + +Koliphonius. So will ich sie alle verderben. (Winkt; die Bühne +verfinstert sich. Blitze leuchten, heftiger Regen. Das Wasser +schwillt immer höher, Kolibri und Eduard befinden sich mitten auf +einem Felsen, welcher sich aus dem Wasser emporhebt und hoch +herausragt. Die Pudel schwimmen um ihn herum. Pause in der Musik.) + +Eduard. Er ist verloren! + +Kolibri. Wirf ihm den Zweig zu. + +Eduard (wirft den Zweig ins Wasser und ruft) Florian, Apport! Der +Pudel sucht ihn zu haschen, arbeitet sich mit dem Zweig in dem Mund +auf den Felsen hinan, wo Eduard steht. Wie er oben ist, ruft +Eduard unter Musik: Er ist gerettet! Der Felsen verwandelt sich in +ein Segelschiff und fährt mit den Dreien davon. + +Koliphonius (ruft). Fluch und Verderben über euch! (Der Pudel +bellt im Fortfahren mit Wut auf ihn hinaus.) + +(Die Kurtine fällt.) + +Ende des ersten Aufzuges. + + + + +Zweiter Aufzug. +(Palast des Longimanus mit einem Seitenthron.) + + + +Erste Szene. +Longimanus sitzt auf dem Throne, um ihn mehrere dienstbare Geister. + +(Großer Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.) + + +Chor. Heil, Longimanus! + +Longimanus. Ist schon gut, schon gut! Bedank' mich aufs +allerschönste. (Für sich) Freut mich recht, daß s' mir haben heute +einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist. + +(Der Chor ab). + + + +Zweite Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (überreicht dem Longimanus einige Visitenkarten). +Zauberer Vanille; Fee Maraskino! + +Longimanus. Aha! Kommen schon die Billetten ang'stochen. (Liest.) +La Hexe de Marascino et sa famille. Monsieur Vanille, +Professeur de la Magie. Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung. +Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, bloß wegen +die Zugbilletten. (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie +man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fuß in die Höhe. (Lacht.) +Ist das nicht prächtig? + +Pamphilius (lacht). O, scharmant! Das ist ein herrlicher Gedanke. + +Longimanus. Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn +die Leut' glückwünschen kommen. Warum? Weil man gewiß überzeugt +ist, daß es ihnen vom Herzen geht. (Man hört den Pudel von außen +bellen.) Wer bellt denn da draußen? + +Pamphilius (sieht hinaus). Ein großmächtiger Pudel! + +Longimanus. Will er mir vielleicht auch zum Namenstag gratulieren? +Schau doch hinaus. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Wenn der mir seine Aufwartung machen wollt', das war' +wirklich zu viel; da müßt' ich protestieren. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (kommt zurück). Herr! Zephises' Sohn hat die Reise +nach dem Zaubergarten glücklich vollendet und wagt es, sich dir zu +Füßen zu werfen. + +Longimanus. Hör' auf! Das ist ein Tausendsasa! Hat sich nicht +umgeschaut! Auf die Letzt hat er gar das Rheumatische im Hals, daß +er den Kopf nicht hat umdrehen können. Er soll hereinkommen; doch +seinem Vater sagst, daß er nicht herüber kommt; er darf nicht reden +mit ihm. Aber wegen was hat er denn einen Pudel? + +Pamphilius. Vielleicht ist er ein Pudelnegoziant. Ich werd' ihn +gleich hereinschicken. (Geht an die Kulisse und läßt Eduard herein.) + + + +Vierte Szene. +Eduard. Vorige. + + +Eduard. (kommt, hat den Zweig in der Hand und stürzt zu des +Longimanus Füßen). Mächtiger Zauberfürst! + +Longimanus. Ich bitt' recht sehr, stehen Sie auf, ist alles zuviel. +(Hebt ihn auf, zu Pamphilius.) Bring' Er Sesseln! + +(Pamphilius bringt zwei Sesseln.) + +Longimanus. So! Jetzt geh nur hinaus! (Pamphilius geht ab.) +Nehmen S' Platz. + +Eduard. Sonne der Welt! Du zermalmst mich durch deine Güte. + +Longimanus. Warum nicht gar! Reden S' nur frei heraus von der +Leber weg. Mit was kann ich dienen? Sie sind also der kleine +Eduardl? + +Eduard. Ja, ich bin die arme Waise. + +Longimanus. Nun, wenigstens müssen S' in Ihrem Waisenhaus eine +gute Kost gehabt haben; Sie sind recht auseinander gangen. + +Eduard. Nur durch das Vermächtnis meines unglücklichen Vaters bin +ich seit kurzer Zeit in den Besitz jenes großen Reichtums gelangt, +den er durch deine hohe Gunst erhalten hat. Ich bin hier, dich um +eine Gnade anzuflehen. Doch, bevor ich diese Bitte wage, liegt +eine andere mir--(Der Pudel bellt.) + +Longimanus. Ja, Apropos! Du hast ja einen Kameraden bei dir? Laß +mir ihn doch herein. He, laßt den Pudel herein! + +(Der Pudel springt herein, zuerst auf Eduard und liebkost ihn, dann +zum Zauberkönig.) + +Longimanus. Nun, mich freut's, Ihre Bekanntschaft zu machen. Das +ist ein spaßiger Kerl. Wie spricht der Hund? Schau', gibt keine +Antwort. Ach, den müssen Sie mir zum Präsent machen, ich werd' ihm +gleich die Ohren schneiden lassen. He! + +(Der Pudel fangt zu lamentieren an und verkriecht sich hinter +Eduard.) + +Eduard. Um alles in der Welt nicht! Eben das Schicksal dieses +armen Pudels war es ja, worüber ich dich um Gnade anflehen wollte. + +Longimanus. Das ist doch schrecklich, was das Schicksal treibt; +jetzt kommt's gar über die Pudeln! + +Eduard. Dieser Ärmste ist mein Diener; seine Anhänglichkeit an +mich verleitete ihn, den Zauberberg nach mir zu besteigen, und ein +einziger Rückblick hat ihn in diese schreckliche Lage versetzt. + +Longimanus. Wie ist er denn dem Koliphonius entwischt? Hat gewiß +wieder das kleine Spitzbübel, der Kolibri, sein' Hokuspokus gemacht. +Dem Buben lass' ich noch einmal einen Schilling geben. + +Eduard. Habe Mitleid! Schenke ihm seine vorige Gestalt wieder! + +Longimanus. Nu, wegen meiner; so laß ihn da in den Zauberkasten +hinein. (Er öffnet den Kasten und läßt den Pudel hinein.) Ich +bitt', hineinzuspazieren. (Zu Eduard.) Und jetzt ruf ihn dreimal +beim Namen. + +Eduard. Florian! Florian! Florian! + +Florian (im Kasten). Na, aufmachen da! Sapperment! + +(Eduard öffnet den Kasten.) + +Florian (kömmt im größten Zorn heraus). Ah, das ist ja inpertinent! + Mord dividomine! (Stößt plötzlich gegen den Zauberkönig und +fällt ängstlich auf beide Knie nieder.) Ui jeges! Ich bitt' +tausendmal um Verzeihung, Euer Langmächtigkeit! + +Longimanus. Das ist ein zorniger Nickel! So geht's, wenn man +manchmal Leuten Gefälligkeiten erweist, so sind s' noch recht grob +dafür. + +Eduard. So bedank' dich doch, unartiger Bursche! Dem +Geisterkönige verdankst du deine jetzige Gestalt wieder. + +Florian. Ich küss' die Hand, Euer Hochmächtigkeit! + +Longimanus. Ich weiß nicht, ob Er viel profitiert hat bei seiner +Verwandlung; Er ist mir als Pudel viel gescheiter vorgekommen als +jetzt. Also weiß Er jetzt, wie einem Pudel zumute ist? + +Florian. Ah, das war ja ein Hundsleben; das möcht' ich meinem +ärgsten Feind nicht wünschen. Aber wie ist denn meine Mariandel +daher kommen? + +Longimanus. Das war nicht Seine Mariandel! Wir haben Mariandeln +g'nug. Punktum! Also künftig g'scheiter sein. (Zu Eduard.) Also, +mein lieber Eduard, den hätten wir. Was willst denn noch, mein +Kind? + +Eduard. Laß mich niedersinken und-- + +Longimanus. Der Mensch hat so schwache Nerven, alle Augenblick' +sinkt er. + +Eduard. Du hast meinem Vater sechs Statuen zum Geschenk gemacht, +doch die siebente, kostbarste, mächtiger Zauberkönig! zürne nicht, +wenn ich mich erkühne, auch ihren Besitz von deiner +unerschöpflichen Großmut zu erflehen. + +Longimanus (macht große Augen und sagt mit Gewicht). Die siebente +Statue willst du? Ja, die hat einen Wert; da kriegt man schon in +einem jeden Versatzamt was d'rauf. + +Eduard. O, schenke sie mir! + +Florian. Rucken S' heraus damit! + +Longimanus. Nur Geduld! Weißt du was? Umsonst ist der Tod! Wenn +man etwas haben will, so muß man auch etwas dafür tun; nicht wahr? + +Florian. Ja, springen muß man immer was lassen. + +Longimanus. Also Schwierigkeit gegen Schwierigkeit! Du sollst die +diamantene Statue haben, aber--du mußt mir dafür ein Mädchen +aussuchen, welches in ihrem achtzehnten Jahre ist und noch in ihrem +Leben keine Lüge über ihre Lippen gebracht hat. + +Florian Da kriegen wir s' nicht, die Statue! + +Eduard. Hoher Herr! Du machst eine große Forderung an mich +schwachen Sterblichen; doch ich will auch das Unwahrscheinliche +wagen für den Besitz dieses Zauberschatzes. + +Longimanus. Du willst also? Eh bien! Wenn du sie aber gefunden +hast, so bringst du sie augenblicklich hierher und erwartest mich +am Fuße meines rauchenden Palastes. Unterstehst du dich aber, +einen Augenblick mit ihrer Übergabe zu zögern, so ist dein Leben +verloren. Ja, schau' mich nur an! Ich mach' kein' Spaß! +Augenblicklich, da kommt kein Pardon! + +Eduard. Ich füge mich deinem Ausspruche. Doch, wie wird es mir +möglich werden, diese Priesterin der Wahrheit zu erkennen? Wie +kann ich erfahren, ob ein Mädchen auch nicht im Scherze noch +gelogen hat! Wer im ganzen Hause wird mir das sagen können? + +Florian. Nur beim Hausmeister erkundigen. + +Longimanus. Da hast du recht. Da muß ich dir ein Kennzeichen +geben. + +Florian. Ja. fragen S' nur mich allemal; ich werd' Ihnen's schon +sagen. + +Longimanus. Richtig, durch den sollst du's wissen, weil er gar so +eine Freud' damit hat, unser Freund. + +Florian. Ja, ich bitt', Euer Herrlichkeit! Ich g'freu' mich schon. + +Longimanus. Wenn du ein Frauenzimmer prüfen willst, so ergreife +ihre Hand; hat sie schon einmal gelogen, so wird dieser Bursche da +im ganzen Körper entsetzliche Schmerzen empfinden. + +Florian (ganz erstarrend). Mich trifft der Schlag! + +Longimanus. Es wird ihn reißen, stechen, kurz, alles mögliche, was +er sich nur selbst wünschen kann. + +Florian. Ich bitt', das ist wirklich zuviel! + +Longimanus. Und je mehr Lügen, als eine in ihrem Leben gesagt hat, +in desto größere Zuckungen wird er verfallen. + +Florian. Sie verzeihen, aber ich muß hinaus! (Will fort.) + +Eduard. Halt! Warum denn? + +Florian. Mir wird nicht gut. + +Longimanus. Du bleibst da! + +Florian. Euer Herrlichkeit, das geht nicht; das bringet mich ja +ins Spital! + +Longimanus. Schweig! Also--wo sind wir geblieben? Richtig, desto +mehr Reißen wird er empfinden. + +Florian (will fort). Hören Euer Herrlichkeit mit dem Reißen auf, +oder es reißt mich zur Tür hinaus. Wer wird denn in einem +rheumatischen Dienst bleiben? + +Longimanus. Langsam! Auf Regen folgt Sonnenschein. Wenn du aber +eine findest, die noch nie gelogen hat, so wird er ein +außerordentliches Wohlbehagen empfinden. Es wird ihm so leicht +sein und so froh, als wie einem Menschen, der das erstemal einen +Langaus tanzt. + +Florian. Ja, wenn er sieben Jahre die Gicht g'habt hat. Nun, ins +Himmelsnamen, lassen wir uns halt eine Weile herumreißen. + +Eduard. Sei ruhig, Florian! Wenn ich mein Ideal gefunden habe, so +will ich dich reichlich belohnen. + +Florian. Mich? O je, wo bin ich da schon? Bis dorthin reißt's +Ihnen ein dreihundert Bediente z'samm', wie nichts. + +Longimanus. Und jetzt macht's, daß Ihr weiter kommt. Wie willst +denn fahren? (Ruft.) He, Pamphilius! + + + +Fünfte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus (zu Pamphilius). Laß ihnen meine zwei alten Drachen +einspannen, die ich vor meinem Galawagen habe, das sind doch ein +Paar sichere Tiere. + +Pamphilius. Mächtiger Herrscher, das ist unmöglich! Der Handige +hat sich einen Flügel gebrochen. + +Longimanus. Da hast es ja. Das ist von dem g'schwinden Fahren. +Jetzt darf ich wieder langmächtig suchen, bis ich einen gleichen +dazu krieg'. Weißt du was? Fahr du in einem Luftballon, und wo er +mit dir niedergeht, dort probier' dein Glück. Geht's hinüber in +die Schupfen um einen Luftballon, der Kolibri soll kutschieren. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Also viel Glück! Für ein schön's Wetter werd' ich +schon sorgen, und wollt Ihr andere Kleider, nur drüben mein' +Schneider sagen, in fünf Minuten sind sie fertig. + +Eduard. Hoher Geisterfürst! Mit mutigem Vertrauen trete ich meine +Reise an, mein höchstes Glück liegt in deiner Hand. + +Florian. Mächtiger Zauberfürst und wohlgeborner Zechmeister der +löblichen Geisterzunft! Mit der entsetzlichsten Tremarola tret' +ich meine Reise an; haben Sie Mitleid mit meiner schwachen +Konstitution, und denken Sie, daß ein Mensch keine solchen +Schmerzen mehr auszustehen vermag, der sich erst vor kurzem noch so +herumgepudelt hat. + +Longimanus. So wart' Er noch ein wenig! Das ist ein närrischer +Mensch! Es geschieht Ihm ja nichts, wegen was lamentiert Er gar so? + +Florian. Sehen Euer Herrlichkeit, mir ist nur, wenn ich eine +verrissene Physiognomie bekäme, meine Mariandel schauet' mich in +ihrem Leben nicht mehr an. + +Longimanus. Was ist denn das für eine Person, die Mariandel? Ist +s' denn gar so hübsch? + +Florian. No, wann S' was g'spannen; das ist eine barbarische +Schönheit. Die ganze Welt darf man ausreisen, es gibt keine.--Ach, +ich glaub' nicht, daß man in der Walachei eine findet. + +Longimanus. Nu, bravo! Die muß Er mir einmal aufführen. + +Florian (lacht). Ach nein! Euer Herrlichkeit sind gar ein +G'spaßiger? Sie könnten mir s' abwendig machen. + +Longimanus. So sei Er nur nicht so kindisch; was fallt Ihm denn +ein? + +Florian. Nein, nein! Was nützt denn das? Ich gib s' nicht aus +der Hand. Wer mir meine Mariandel stehlet, der wär' ein Kind des +blassen Todes! Ha! da würde ja gerauft! Euer Herrlichkeit sind +ein stattlicher Mann, aber die Schläg' möcht' ich Ihnen nicht +wünschen, denn meine Mariandel ist meine einzige Passion! + +Arie. +D' Mariandel ist so schön, +D' Mariandel gilt mir all's, +Und wenn ich s' nur erwischen kann, +Fall' ich ihr um den Hals. +Es gibt zwar der Mariandeln viel +Auf dieser weiten Welt, +Doch keine, die so herzig ist, +Und die mir so gefällt. +D' Mariandel ist so zart, +Ja, ich gesteh' es frei, +Bis sie ein halbes Knödel ißt, +Derweil hab' ich schon drei. +Und wenn ich oft recht hungrig bin, +Zerspringt ihr fast das Herz, +Da lauft s' nur g'schwind in d' Kuchel naus +Und kocht mir einen Sterz. + +D' Mariandel ist so treu, +D' Mariandel ist so frumm, +Und wenn ich s' nicht bald z'sehen krieg', +So bring' ich mich noch um. +Denn wer nur a Mariandel hat, +Der weiß es so, wie ich; +Nicht wahr? So oft man an sie denkt, +Gibt's einem einen Stich! + +Repetition. +D' Mariandel ist gar g'scheit, +D' Mariandel ist nicht dumm, +D' Mariandel meint, in Wien dahier +Wär's beste Publikum! +Drum glaub' ich der Mariandel auch, +Sie hat mich nicht vexiert; +Ich hab' auf ihren Spruch vertraut +Und hab' mich nicht geirrt! (Ab.) + +Longimanus (allein). Jetzt haben s' schon Zeit gehabt, daß sie +gegangen sind. Nicht einmal sein Schalerl Kaffee kann man mit Ruhe +trinken. (Ruft.) Pamphilius! + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Longimanus. Die neuen Bücher, die ich aus der Leihbibliothek +gekriegt hab', tragst ins Lesekabinett hinüber und bringst alles in +Ordnung, ich will lesen. + +Pamphilius. Befiehlst du auch einen aromatischen Rauch im Zimmer? + +Longimanus. Später kannst du mir ein bißl einen blauen Dunst +vormachen. Und jetzt hinüber, richt' alles her. Mein Tischerl, +zwei Wachskerzen und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das +Stück les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich weiß immer noch +nicht, warum sie s' denn eigentlich ins Wasser geworfen haben. +Jetzt komm, Pamphilius. (Beide gehen ab.) + + + +Siebente Szene. +Platz, von hohen schönen Gebäuden umschlossen, doch alle ohne +Fenster im griechischen Geschmacke erbaut. Rechts der Eingang in +den Palast des Veritatius. Links vorne eine Erhöhung von +steinernen Stufen, worauf der Sitz sich befindet, hinter dem die +Statue der Wahrheit steht. Eine nackte Figur mit der Sonne auf der +Brust.) + + +Chor der Einwohner. +Stille, stille! Harrt bescheiden, +Bis des Hornes Ruf ertönt. +Schrecklich muß der Freche leiden, +Der des Herolds Wort verhöhnt. +Was wird er uns wohl verkünden, +Was muß vorgefallen sein? +Doch wir werden's bald ergründen, +Seht, hier tritt er ja schon ein. + + + +Achte Szene. +Vorige. Zwei Diener des Herolds treten vorauf und stoßen dreimal +in ihr goldenes Horn, welches der römischen Tuba gleicht. Dann +tritt der Herold in die Mitte. + + +Rezitativ. +Herold. +Bewohner des friedlichen Landes! +Ich bin erschienen, euch zu verkünden +Die Befehle unseres Herrschers. +Schon wenn die nächste Stunde tönt, +Müßt ihr euch hier auf sein Geheiß versammeln. +Er wird ein Mädchen heut bestrafen, +Und sie verscheuchen aus des Landes Grenzen, +Weil frech die Sitten sie verhöhnet, +Die doch mit Milde uns beglücken, +Und die allein sind unsres Landes Stolz. + +Arie mit Chor. + +Herold. + Hier im einsam stillen Lande, +Wo der ew'ge Friede wohnt, +Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe süß belohnt. + +Chor. + Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe süß belohnt. + +Herold. + Darum wandelt, meine Brüder, +Mit Bedacht zur Arbeit hin, +Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +Chor. + Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +(Alle gehen ab.) + +(Die Musik geht nach dem Chor in eine artige Variation, über das +Thema: "Es reisen drei Schneider zum Tore hinaus, ade!" über.) + + + +Neunte Szene. +(Der Luftballon, welcher eine dunkelblaue Kugel vorstellt, aber +nicht mit den gewöhnlichen Streifen, sondern quer ein Paar weiße +Bordüren hat und zwei weiße Flügel, welche zu beiden Seiten +angebracht sind, geht langsam nieder.) + + +Eduard, Florian, Kolibri als Luftfahrer mit einem rosenroten +Fähnlein steigen aus dem daranhängenden goldenen Schifflein. +Eduard trägt eine grüne Zivil-Uniform, weißes Beinkleid und +Federhut. Florian rote Livree mit Goldborten. + +Kolibri. Also hier wären wir, Mongolfier hat seine Schuldigkeit +getan. Jetzt vollende du das weitere. + +Eduard. Wo sind wir denn eigentlich? + +Kolibri. Das wirst du schon erfahren; ich handle ganz zu deinem +Besten. Kolibri ist nicht dumm. Jetzt verlasse ich dich, und wenn +du mich brauchen wirst, werde ich gleich bei der Hecke sein. +(Nimmt einen andern Ton an und den Hut ah.) Euer Gnaden, ich bitt' +um mein Trinkgeld! + +Eduard. Ja, richtig! Hier, mein kleiner Fuhrmann! (Gibt ihm ein +Goldstück.) + +Kolibri. Euer Gnaden verzeihen, ich habe noch etwas gut von der +letzten Station; wissen S', mit die Füchseln? Es waren zwei +Goldfüchsel, und Sie haben mir da nur eines gegeben (hält ihm das +Goldstück vor). + +Eduard (gibt ihm noch eines). Ja so! Bist du so geldgierig? + +Kolibri. Das versteht sich! Ich muß mir ja was zusammensparen auf +meine alten Tag'. Empfehle mich gar schön. (Macht einen Kratzfuß +und steigt in den Luftballon, der mit ihm sogleich fortfährt.) + +Eduard. Eine sonderbare Stadt! Es ist alles so stille in den +Straßen, als ob sie unbewohnt wäre. Nun, Freund Florian, warum so +betrübt? Gefällt es dir hier nicht? + +Florian (der durch die ganze Szene sehr trübselig aussah und öfters +nachzudenken schien). Nein! Für mich blühen auf diesem Boden +keine Rosen! + +Eduard. So sei nur nicht so einfältig! Es wird ja den Hals nicht +kosten. + +Florian. O, ich bitte, schweigen Sie! Glauben Sie, das ist ein +Spaß, wenn's einem was wegreißt? So weit hab' ich's gebracht! Das +ist das Los des Schönen auf der Erde! + +Eduard. Jetzt befehle ich dir, zu schweigen und an jenem Palast zu +läuten, daß wir hören, wo wir sind. + +Florian. Na, es ist recht; ich will alles tun. Verzweiflung, nimm +dein Opfer. (Er läutet.) + + + +Zehnte Szene. +Aladin, der Aufseher dieses Palastes, öffnet die Tore und tritt +heraus. Vorige. + + +Aladin. Was seh' ich? Fremdlinge? Durch welche Zaubermacht seid +ihr hierher gelangt und was begehret ihr von uns? + +Eduard. Willst du, würdiger Unbekannter, mir wohl vorher die Frage +beantworten, wo ich mich eigentlich befinde? + +Aladin. Du befindest dich in dem Lande der Wahrheit und der +strengen Sitte, und dein Fuß berührt den Boden unserer Hauptstadt. + +Eduard. Freue dich, Florian, wir sind unserem Ziele nah'. + +Florian. Ich wollt', ich wär' noch weit von meinem Ziel. + +Aladin. Hier ist der Palast unsers Herrschers; ich bin nur sein +Diener. + +Florian. Jetzt ist der auch nur ein Bedienter. + +Eduard. Willst du mich bei deinem Herrscher melden? Ich bin weit +über dem Meere, ein Prinz aus dem Lande der Aufrichtigkeit und habe +mit meinem treuen Diener (Florian verbeugt sich) in einer +neuerfundenen Luftmaschine die Reise in euer Land gemacht, um mir +eine Braut nach Hause zu führen, die ich durch treue Liebe und +ungeheure Reichtümer zu beglücken gedenke. + +Aladin. Deine Gesinnungen sind gut, und ich werde sie unserm +Herrscher treu berichten. + +Eduard. Doch jetzt mache mich auch mit den Gewohnheiten eures +Insellandes bekannt. + +Florian. Ja, erzählen S' uns ein bissel was. + +Aladin. Auf unserer Insel wirst du den Streit vergebens suchen; +wir haben gar keinen Verkehr mit irgend einem Lande. Feste geben +wir nie, wir glänzen nur durch Wahrheit. + +Florian. Das ist sehr schön von Ihnen. + +Aladin. Einsam ist es in den Straßen, denn man geht nur aus, wenn +es sehr notwendig ist. + +Eduard. Doch ich sehe keine Fenster an den Häusern. + +Aladin. Die gehen in den Garten, die Aussicht ist zurück. + +Florian. Sie werden halt die Augen auf dem Rucken haben, weil s' +vorn zuviel Aufsehn machten. + +Aladin. Mit großer Strenge wird bei uns die Lüge bestraft, je +nachdem sie nachteilige Folgen verursacht; doch ist man gegen +Weiber nachsichtiger, als gegen Männer. Verleumdung kennen wir nur +dem Namen nach auf der Insel der Wahrheit und Sittsamkeit. + +Florian. Erlauben Sie, mein Teurer! wenn einer in seiner +Sittsamkeit etwas stiehlt, so wird er doch ganz bescheiden +eingeführt? + +Aladin. Wer fehlt, muß bestraft werden. + +Florian. Und da bekommt er hernach seine soliden fünfzig Strichel? + +Aladin. Das geschieht nicht. Wir schlagen nur die Kleider des zu +Bestrafenden, nicht den Mann; und das ist bei uns die größte +Schande. + +Florian. Das geschieht bei uns auch. Man schlagt auch nur die +Kleider, aber man wartet so lange, bis sie derjenige an hat, den +wir--(macht die Pantomime des Prügelns). + +Eduard. Wie ist es rücksichtlich eurer Heiraten? + +Aladin. In ihrem zwanzigsten Jahre werden unsere Mädchen +verheiratet, ohne daß sie ihren Bräutigam zu Gesichte bekommen +haben. Als Frauen dürfen sie keinen Schritt mehr aus dem Hause +machen. + +Florian. Das ist gut. Wenn eine Geld im Sack hat, kann s' +wenigstens keins verlieren auf der Gasse. + +Aladin. Nur bei öffentlichen Versammlungen müssen sie erscheinen. +Übrigens darf kein Mädchen allein ausgehen, wenigstens vier, wo +eine die andre beobachtet, denn es darf sich keine umsehen. + +Florian. Das heißt, sie dürfen niemand über die Achsel ansehen. + +Aladin. Und gehen immer in Begleitung von zwei Mohren. + +Eduard. Himmel, welch ein qualvolles Leben! + +Aladin. Wenn ein Mann ein Frauenzimmer auf der Straße sieht, muß +er sein Haupt zur Erde beugen und darf sie nicht ansehen, sonst ist +er des Todes. + +Florian. Wenn das bei uns der Brauch wär', da schaueten manche +junge Herren den Frauenzimmern nicht so unter die Hüte. + +Eduard. Ist das beim Fremden auch der Fall? + +Aladin. Es kommen selten Fremde zu uns. Doch sind sie von diesen +Gebräuchen ausgeschlossen, soweit es der Anstand gestattet, und es +ist ihnen erlaubt, ehrerbietig ihre Hand zu küssen. Selten vergißt +ein Frauenzimmer ihren Stolz. Wenn aber ein unwürdiges Betragen +von einer den andern zu Ohren kommt, so empört sich auch ihr Gefühl +so sehr, daß sie in großen Tadel über die Unwürdige ausbrechen. + +Eduard. Das ist eben kein sicherer Beweis von eigener +Unverdorbenheit des Herzens. + +Florian. Ah, das ist der Neid--mit mir reden! + +Eduard. Ich danke dir für deine Auskunft und bedaure die +Unglücklichen; sie würden wahrscheinlich edle Geschöpfe werden, +wenn man ihren Handlungen weniger Zwang auflegen möchte. + +Aladin. Bedauern? Sprich dieses Wort nicht aus in Gegenwart +meines Herrschers, bei dem ich dich jetzt melden werde. Im Lande +der Wahrheit ist niemand zu bedauern, als der, den die Götter mit +Blindheit geschlagen haben, den unbedingten Wert unserer Handlungen +nicht einzusehen. (Ab in den Palast.) + +Florian. Geh der Herr zu. + + + +Elfte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Aus allem, was ich gehört habe, schöpfe ich wenig Hoffnung, +ein Mädchen hier zu finden, welches die strengen Anforderungen +meines zauberischen Gönners erfüllen wird. Solch ein unnatürlicher +Zwang erweckt Verschlossenheit, und Verschlossenheit ist die Mutter +der Lüge. Doch sieh, dort kommen einige Frauenzimmer! Ich will +mein Glück versuchen, Florian, halte dich standhaft. + +Florian. Um alles in der Welt, Gnädiger, sein Sie menschlich! +Denken Sie, solange Sie eine bei der Hand halten, halten Sie mich +beim Schopf; nur gleich wieder auslassen. + + + +Zwölfte Szene. +Vier verschleierte Mädchen erscheinen, von zwei Mohren begleitet. +Sie prallen bei Eduards Anblick etwas zurück. Vorige. + + +Eduard. Tulpe der Schönheit, verzeihe einem Fremdling, der es wagt, +dir seine höchste Verehrung darzubringen. + +Florian. Mir ist, als wenn ich ausg'führt würde. + +Osillis. Ein artiger Mann. + +Amazilli. Welch sonderbare Tracht? + +Eduard. Erlaube mir, deine reizende Hand zu küssen. (Ergreift +ihre Hand.) + +Florian (schreit). Uijegerl! Ausgelassen! (schwächer) Auslassen! +(Seufzt.) + +(Eduard läßt ihre Hand los.) + +Osillis (erschrickt). Was ist das? (Zu Florian.) Was ist dir, +Fremdling? + +Florian. Nichts! Ist schon vorbei! Wir wissen schon, wie viel's +geschlagen hat. + +Osillis. Aber du erschreckst uns durch-- + +Florian. Ist ja nicht wahr; ist alles erlogen. + +Eduard. Verzeihe ihm; und auch du, holdes Mädchen! (Ergreift die +Hand der Zweiten.) + +Florian. Auweh! Auweh! Auweh! Die lügt noch stärker. O, +Sapperment! + +(Eduard läßt sie los.) + +Florian. Ah, das ist eine Komödie! + +Eduard. Schweig, Bursche! + +Osillis. Ist er wahnsinnig? + +Eduard. Mein schönes Mädchen! (Tritt zwischen die beiden andern +und ergreift zugleich ihre Hände.) + +Florian. Um alles in der Welt! Ich halt's nicht aus! Ich geh' +zugrund! + +(Die Mädchen reißen ihre Hände los und entsetzen sich.) + +Osillis. Welche Verwegenheit! Flieht, Schwestern, das ist ein +Rasender! (Alle vier Mädchen entfliehen mit den Mohren in den +Palast.) + + + +Dreizehnte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Nun, Freund Florian, was sagt dein Barometer? + +Florian. Lügen hat's geregnet. Ich werd' ein miserabler Mensch! +Wenn wir zurückkommen, dürfen S' mich gleich auf sieben Jahr nach +Gastein oder ins Bründelbad schicken. + +Eduard. Armer Schelm, du dauerst mich. + +Florian. Das ist eine sittsame Bagage. Die zwei letzten müssen +schon gelogen haben, bevor sie auf die Welt gekommen sind; es ist +nicht möglich sonst. + +Eduard. Die Forderung grenzt aber auch an Unmöglichkeit. Doch wir +wollen unsere Hoffnung nicht aufgeben. + +Florian. Ja, haben S' die Gnad'. (Deutet auf's Reißen.) + +Eduard. Willst du, daß wir dieses Land verlassen und in ein +anderes ziehen? + +Florian. Ah, hören S' auf, sie lügen überall. Es ist doch +g'scheiter, ich geh' hier zugrund', als wenn ich wegen dem noch +eine Weile wohin reisen soll. + +Eduard. Es wird ja doch nicht überall so arg sein. + +Florian. Ja, ist schon recht! Jetzt, wenn S' erst auf eine +treffen, die einen reichen Liebhaber hat, den sie für einen Narren +hält; die können erst lügen! Da reißt's mich in der Mitten +voneinander. + +Eduard. Still! Man kommt. + + + +Vierzehnte Szene. +Aladin. Vier Mann Wache mit Pfeilen. Vorige. + + +Aladin. Fremdling! Der Herrscher wird in diesem Augenblicke hier +erscheinen, um öffentliches Gericht zu halten, und bei dieser +Gelegenheit will er dich bewillkommen und deine Bitten hören. + +Eduard. Nimm meinen Dank für deine Botschaft. + +Aladin. Doch haben wir Befehl erhalten, deinen Diener in das +Irrenhaus zu bringen, und ihn mit Ketten zu belasten, wie es sich +für einen Rasenden geziemt. + +Florian. Was? Mich wollen s' in den Narrenturm sperren, und ich +bin gescheiter, als sie alle? + +Aladin. Ergreift ihn. + +Florian. Ich sag's ja, wo ich hinkomme, halten mich die Leute für +einen Narren. So nehmen S' Ihnen doch an um mich! Wird sich doch +einer um den andern annehmen? + +Eduard. Halt! Er ist mein Diener, und niemand hat ein Recht auf +ihn, als ich. Ich stehe für seinen Verstand und für sein künftiges +Betragen gut. + +Florian. Ja, wir setzen was ein. + +Aladin. Wohl, doch bei dem kleinsten Anfall werden wir unsere +Befehle vollziehen. + +Eduard. Also hüte dich! + +Florian. Jetzt muß ich mir eine Ehr d'raus machen, wann's mich +reißt. + +Aladin. Fremdling! Folge mir, bis ich dich dem Beherrscher +vorstellen darf. (Geht mit Eduard ab.) + +Eduard (im Abgehen). Florian, nimm dich in acht. (Ab.) + +Florian. Reden Sie nichts auf mich; Sie haben auch schon +ausgedient bei mir. (allein.) Ich unglückseliger Mensch, was fang' +ich an? Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts; denn wenn er in +England eine bei der Hand nimmt, so fangt's mich in Holland zum +Reißen an. Es ist kein Mittel, als sukzessiv hin zu werden; immer +matter, bis es aus ist. + +Quodlibet. +Werd' ich denn hier sterben müssen? +Soll ich nicht die schöne Gegend +Draust bei Währing wiedersehn? +Nimmermehr am heitern Ufer, +Beim Kanal spazieren gehn? +Nein, du armer Michel, +Der Tod kommt mit der Sichel! +Wie traurig ist doch mein Geschick! +Mir blüht auf dieser Welt kein Glück. +Kein Mädchen, das stets Wahrheit spricht; +O jegerl, g'fallt mir nicht, die G'schicht. – +Welche Lust gewährt das Reißen, +Wenn eine reicht stark lügt. +Glauben Sie's mir! +Ach, ist es denn gar so schwer, +Ein Mädchen z'finden, +Das ein treues Herz besitzt, +Das man kann ergründen? + O närrische Leut', o komische Welt! + Einmal war es ganz anders! + Da gab es noch Mädchen, + Die saßen am Rocken + Und spannen am Rädchen. + +Jetzt putzen und zieren sie sich, wie die Affen, +Und lassen sich hinten und vorne begaffen. +Hab' ich nicht recht? Nun, wenn S' erlauben! +Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen: +Was macht denn der Florl? sag', ist er recht g'sund? +Er liegt im Spital draust, ist ganz auf den Hund. +Ist das wahr? Der arme Narr! +Lieber Herr Franzel, nur jetzt kein Tanzel! +Denn erster Liebe Kraft, +Bleibt ewig Leidenschaft! +Und ihr Florl, meint sie, +Gilt ihr alles, meint sie, +Von Amstetten, meint sie, +Bis Hernals, meint sie, +Gibt's kein Mann, meint sie, +So wie er, meint sie, +Ich wär' schön, meint sie, au contraire! + + Drum will ich lustig sein, + Und mich des Lebens freun! + Nur in dem Landel, + Wo mein Mariandel + Sehnsuchtvoll wartet, + Möcht ich schon sein. + +Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris, +Nur in Wien ist's am besten, das weiß man schon g'wiß; +Man weiß, daß's in hundert Jahren auch noch so is'! +Aber, ob wir nicht g'storben sein, weiß man nicht g'wiß. +Drum, wenn ich hier sterben sollt', und Sie nimmer sich, +So bitt' ich halt gar schön, so denken S' an mich! + + + +Fünfzehnte Szene. +Man hört einen Marsch. Alles Volk erscheint und stellt sich in +einen halben Zirkel, dessen Mitte frei bleibt. Die Frauenzimmer +stehen vor den Männern unverschleiert. Veritatius erscheint mit +seiner Tochter Modestina. Aladin, Wachen, dann Eduard und Florian. + + +Chor. +Stellt euch um der Wahrheit Thron, +Sprecht der frechen Lüge Hohn. + + +Veritatius (besteigt mit Modestina seinen erhabenen Stuhl). Volk +dieser Stadt! Ich habe dich versammeln lassen, um Zeuge zu sein +bei der Verbannung eines Geschöpfes, welches schon seit langer Zeit +durch ausgelassene Manieren die Gebräuche unserer Insel mit Füßen +tritt. + +Alle. Hoch lebe Veritatius! + +Veritatius. Doch bevor wir den Vorhang dieser unangenehmen Szene +eröffnen: Aladin, führe den Fremden vor. (Aladin geht und bringt +Eduard und Florian.) + +Veritatius. Sei mir willkommen, Fremdling! Du bist also der Herr +vom Lande der Aufrichtigkeit?--Was ist denn das für eine pitoyable +Figur, die dort an deiner Seite steht? + +Eduard. Es ist mein Diener. (Deutet Florian, daß er sprechen soll.) + +Florian. Bin so frei, meine ergebenste Aufwartung zu machen. + +Veritatius. Das ist ein spaßiger Mensch, ich muß über ihn lachen. +(Lacht; zu den übrigen.) Man lache auch ein wenig über ihn. + +(Alle lachen.) + +Florian. Das ist eine dumme Nation! + +Veritatius. Und nun zur Sache! Ich habe gehört, daß du dir eine +Braut erkiesen willst, und weil du mir so wohl gefällst, auch aus +vornehmem Stande bist, so stelle ich dir hier meine Tochter vor. +Man verwundere sich. (Alles verwundert sich.) Wenn er dir gefällt +und seine Abkunft beweiset, will ich mit Freuden euere Hände +ineinander legen. + +Modestina. Fremdling! Gewohnt, den Befehlen meines Vaters zu +gehorchen, reiche ich dir mit Freuden meine Hand, wenn du mich +vorher überzeugst, daß dein Edelmut sie verdient. + +Florian. Ui jegerl, ich freu' mich schon. + +Eduard. Nimm meine Huldigung, Holdeste deines Geschlechtes. +(ergreift ihre Hand.) + +(Florian empfindet Schmerz, sucht ihn aber durch unartikulierte +Töne und Lippenbeißen zu verbergen.) + +(Eduard sieht auf Florian; dieser deutet nein, er läßt ihre Hand +mit Anstand los.) + +Modestina. Er gefällt mir recht wohl. + +(Dumpfer Lärm von außen, man hört Aminens Stimme.) + +Aminens Stimme. Laßt mich! Laßt mich! + + +Sechzehnte Szene. +Amine. Wachen. Vorige. + + +Amine (stürzt herein, hinter ihr Wache). Laßt mich, ihr +abscheulichen Männer! (Stürzt zu Veritatius' Füßen.) Gütiger Herr! +Was hat die arme Amine verbrochen, daß sie solchen Mißhandlungen +preisgegeben wird? Ich bin ja ein armes, unschuldiges Mädchen, das +noch niemand auf der Welt etwas zuleide getan hat. + +Veritatius. Wie kannst du es wagen, vor meine Augen zu treten, +ohne daß ich dich rufen ließ? Ausgelassenes Geschöpf, über dessen +Verbrechen sich alle Bewohner dieser Stadt entsetzen. + +Amine. Aber worin bestehen denn meine Verbrechen? Daß ich über +die spitzige Nase deines Türstehers gelacht habe, daß ich auf der +Straße herumgelaufen bin, meinen Papagei zu fangen, daß ich mein +Haupt mit keinem Tuche umwinden will, weil ich Kopfschmerzen davon +bekomme, und daß ich endlich keine traurige Miene machen kann, weil +ich ein fröhliches Herz im Busen trage, sieh, das kann ich nicht +lassen, lachen muß ich; und wenn du noch so zornig auf mich +blickest und deine Augenbrauen so hinauf ziehest, so werd' ich +wieder recht zu lachen anfangen müssen. + +Veritatius. Welch unerhörte Frechheit! Man ärgere sich mit mir! +(Pause.) Nein, man ärgere sich nicht; es will sich nicht geziemen, +daß wir wegen dieser Verbrecherin in Ärger geraten. Als eine arme +Waise hat man sie hier aufgenommen, weil ihr Vater, ein englischer +Kapitän, mit seinem Schiffe an dieser Insel strandete und seinen +Tod in den Wellen fand; und diese Bettlerin wagt es, das Ärgernis +einer ganzen Stadt zu werden? Man ergreife sie, setzte sie in ein +Schifflein und treibe es hinaus in die See, fern hin von dem Lande +der Wahrheit, damit die Wellen das Spiel mit ihr treiben, das sie +nur zu lange mit uns getrieben hat. (Die Wachen ergreifen sie.) + +Aladin. Führt sie fort. + +Eduard. Halt! (Für sich.) Ein unwiderstehliches Gefühl reißt mich +hin, sie auf die Probe zu stellen. + +Florian. Ah, das ist ja entsetzlich; das nimmt ja gar kein Ende. + +Eduard (laut). Erlaube mir, mächtiger Herrscher, eine einzige +Frage an dieses Mädchen zu stellen. + +Veritatius. Man stelle sie. + +Eduard. Gutes Kind, hast du Vertrauen zu mir? + +Amine. Ach ja! Du hast kein übles Gesicht und scheinst ein guter +Mensch zu sein. Amine fühlt das gleich. + +Eduard. Reiche mir deine Hand. + +Amine. Hier hast du sie. (Gibt sie ihm.) + +Florian (fängt an, einen unendlichen Frohsinn und eine innere +Lustbarkeit auszudrücken). Euer Gnaden, die b'halten wir, die +lassen wir nimmer aus. + +Alle. Was soll das bedeuten? + +Amine. Ach, nimm dich meiner an; ich bin gewiß nicht schuldig! + +Eduard. Nein, das bist du nicht, du gutes Mädchen. Wahrheit +besteht nicht bloß durch äußere Form, sie wohnt im Innersten des +Herzens, und Ungezwungenheit und Naivität dürfen immer ihre +lieblichen Schwestern sein. + +Veritatius. Habt ihr ihn verstanden? + +Alle. Ja! + +Veritatius. Ich nicht. Man verstehe ihn auch nicht! + +Eduard. Höre mich, Veritatius! Ich verzichte auf die Hand aller +Mädchen deines Landes; laß mir Amine, und ich führe sie als meine +Gemahlin mit mir in mein Reich. + +Modestina. Wie? Du wagst es? + +Alle. Entsetzlich! + +Veritatius. Ruhig! Man schweige! Sieh, Verblendeter! Weil du es +wagst, meine Gastfreundschaft durch solchen Undank zu lohnen, so +will ich dich auch dafür bestrafen. Du sollst sie haben; aber +augenblicklich meidest du dieses Land und tust ihm nie wieder die +Schande an, es zu betreten. + +Eduard. Dank deiner Güte! Kolibri, lichte die Anker, schwelle die +Segel! + +Kolibri (fährt mit dem Luftballon nieder). Komm' schon; bin schon +da. + +Eduard. Und nun komm, Amine, und du, Veritatius, traure; denn ich +entführe dir ein seltenes Kleinod, dessen Wert du nicht zu schätzen +wußtest. (Musik ertönt, Eduard, Amine, Florian und Kolibri steigen +ein, und fahren fort.) + +(Veritatius geht mit seiner Tochter und Aladin in den Palast, die +übrigen bleiben zurück.) + +Chor. +Fahret, fahret fort! +Steuert durch die Welt, +Bis zum Ort, bis zum Ort, +Wo euch Reue quält. + + +Ein Fallschirm kommt herab, worauf steht: "Körbchen für die Schönen +dieses Landes." Vier Genien kommen aus der Tiefe und teilen goldene +Körbchen an die Frauen aus.r + +Chor. +Seht die frechen Laffen hier, +Körbchen uns zu spenden! +Rache kocht im Busen mir, +Blutig soll es enden! + +(Heftiger Schlag in der Musik. Sie wollen auf die Genien hin, +diese heben die Finger warnend auf; ein augenblickliches Tableau. +Die Genien ziehen aus den Körbchen verschiedene Schmuckwaren hervor, +die Weiber ergreifen sie freudig. Die Musik und die Singstimmen +sehr piano.) + +Chor. +Doch piano, haltet ein! +In dem Land der Sitten +Muß man fein manierlich sein, +Hier wird nicht gestritten; +Drum verlasset diesen Ort, +Höret auf zu tosen, +Traget eure Körbchen fort, +Füllet sie mit Rosen! + +(Alle schleichen behutsam fort.) + +(Die Genien zur Seite ab.) + + + +Siebzehnte Szene. +(Fürchterlicher Wald, Blitze leuchten. Man hört das Brausen des +Vulkans.) + + +Eduard, Amine, Kolibri, Florian treten ein. + +Kolibri. Wir sind am Ziele, dort ist der Vesuv. + +Amine. Welch ein fürchterlicher Wald! + +Eduard. Ja, immer finstrer wird der Wald und finstrer wird es auch +in meinem Innern. + +Kolibri. Siehst du dort den Rauch? + +Florian. Aha, da ist eine Ziegelbrennerei! + +Kolibri. Narr! Es ist der Feuerberg; dorthin geht die Reise. +Eduard, lebe wohl! Ich reite jetzt als Kurier voraus und bereite +alles zu deinem Empfang. (Ab.) + + + +Achtzehnte Szene. +Vorige ohne Kolibri. + + +Amine. Was soll das alles heißen? Warum stehst du so in dich +gekehrt? Hat dir Amine etwas zuleide getan? + +Eduard. Ja, Amine, du bereitest meinem Herzen bitteren Schmerz. +(Für sich.) Mein Unglück ist entschieden; ich liebe sie! + +Amine. Ich verstehe dich nicht; du sprichst so dunkel. Sieh, ich +weiß nicht warum? aber ich habe dich in dieser kurzen Zeit so lieb +gewonnen, daß ich niemanden auf dieser Erde weiß, dem ich so gut +sein könnte, wie dir, und du hast doch auf der ganzen Reise +verdrießliche Mienen gemacht. Komm, ziehen wir weiter; und ging' +es durch den Feuerberg, ich ziehe überall mit dir. + +Eduard. Es ist umsonst, ich muß es ihr entdecken. So wisse, armes +Geschöpf, ich habe dich betrogen; du wirst nicht meine Gemahlin. + +Amine. Nicht? + +Eduard. Nein. Siehst du jenen Feuerberg, wo die Blitze durch den +Rauch sich winden? Dort wird deine Wohnung sein; jenem +Geisterfürsten hab' ich gelobt bei meinem Leben, dich zu +überliefern. + +Amine. Das hast du getan? Du? (Wehmütig.) Nein, das ist +unmöglich! Du lügst--und das mußt du nicht, Amine hat noch nie +gelogen. + +Eduard. O hättest du es getan, so waren wir beide glücklicher! + +Amine. Wirklich? Nun, so will ich das in Zukunft wieder gut +machen und mir recht viele Mühe geben, es zu lernen, wenn ich nur +weiß, daß dich das glücklich macht. + +Eduard. Zu spät, ich kann nicht mehr zurück. Amine, du mußt mir +folgen. Ich habe diesen Schwur geleistet, bevor ich dich noch +kannte. Wenn ich dich dem Zauberkönig nicht überliefere, so stürzt +der Augenblick, indem ich diesen Entschluß fasse, mich tot zu +deinen Füßen nieder. + +Amine. Schrecklich! Schrecklich! Ach, warum hast du mich nicht +den Wellen überlassen? Jetzt vielleicht schon wäre ein ewiger +Friede in meiner Brust. Doch ich sehe das Entsetzliche deiner Lage +ein, und füge mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von +Kindheit an mich schon so hart verfolgt. Hier ist meine Hand, +führe mich zu dem Zauberkönig. + +Eduard. Treffliches Mädchen! Ich kann dich nicht überliefern; o +armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen +dieser Unschuld. Was soll ich beginnen? + +Florian (der sich während der ganzen Szene zurückgezogen hatte und +ganz ruhig war, kommt vor). O mein lieber, gnädiger Herr, ich +halt's nimmer länger aus! Überliefern S' mich dem Zauberkönig, +statt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder +noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und +voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen? +Machen S' eine Beschwörung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem +Loch, wie einen Grillen, daß er uns einen guten Rat gibt. + +Eduard. Ja, du hast recht, Florian! Diesen Gedanken hat dir ein +wohlwollender Geist eingehaucht. Höre mich, Vater, wenn du die +Stimme deines Sohns noch erkennst, steig herauf zu mir und rette +mich von meiner Verzweiflung. Vater, Vater! höre mich! (Es +donnert.) Freude, Amine, er hat mich gehört, er kommt! + + + +Neunzehnte Szene. +(Zephises kommt aus der Erde in seinem vorigen Geisterkleide. +Vorige.) + + +Eduard. Geist meines Vaters, rate deinem unglücklichen Sohne! Was +soll ich beginnen? + +Zephises (mit ernster Stimme). Ich bin dein Vater Zephises und +habe dir nichts zu sagen als dieses! (verschwindet wieder.) + +Eduard (spricht langsam). Er ist mein Vater Zephises.-- + +Florian. Und hat uns nichts zu sagen als dieses! Nun, das können +wir ja tun; riskieren tun wir nichts dabei. + +Eduard (rasend). Treibt die Hölle ihren Spott mit mir? Wohlan, +geendet sei dies Spiel! Longimanus, ich löse dir mein Wort! +(Schrecklicher Donnerstreich. Die Bühne verwandelt sich in eine +Felsengegend, in der Mitte erhebt sich der Vulkan; Lava strömt aus +dem Krater, fließt über den Berg und bildet um dessen Fuß einen +feurigen See. Alle Elemente sind in Aufruhr. Musik.) Wo bist du, +Amine? + +Amine. Himmel, welch ein fürchterlicher Anblick! + +Eduard. Mir ist er es nicht. Geisterkönig, ich rufe dich! + +Heftiger Donnerstreich, auf welchen eine totale Stille folgt; unter +sanfter Musik verwandelt sich die Szene. Die Kulissenfelsen werden +zu grauen Hügeln mit Blumen besäet, der Vesuv wird ein grünender +Berg, der statt der Lava farbige Blumen auswirft, die man statt den +Streifen der Lava sich herabwinden sieht. Das Lavameer wird ein +Silbersee. Der Geisterkönig erscheint mit Gefolge. + + + +Zwanzigste Szene. +Longimanus. Gefolge. Feuergeister. Vorige. + + +Longimanus. Nun, bin ich ein galanter Kerl, oder nicht? Du hast +g'laubt, ich werd' meine Braut mit Donner und Blitz empfangen? +Nein! Narren hat's geregnet! Blumen sind da! + +Eduard. Seine Braut! + +Amine. Himmel! + +Longimanus. Du hast also doch eine g'funden? Siehst du's, wann +ich was sag'!--Was für eine Landsmännin? + +Amine (furchtsam). Eine Engländerin. + +Longimanus. Also ein Wasserkind. Brav! Nun also, die Sache ist +in Ordnung, nicht wahr? (Zu den Feuergeistern.) Führt sie hinein. + +Eduard (für sich). Nein, diese Qual ist zu groß! (Laut.) +Longimanus, du darfst sie mir nicht entreißen! Laßt sie hier! + +Longimanus (macht große Augen und erstarrt fast vor Zorn). Was ist +das für ein Diskurs? Den Augenblick hinein mit ihr! (Die +Feuergeister führen sie fort.) + +Eduard. Kehrt zurück, oder--(er will nach). + +Longimanus (winkt; Donnerschlag; Gewitterwolken fallen vor, aus +welchen fliegende Ungeheuer Eduard entgegengrinsen). Sein schon da! +Was ist denn das? Was unterstehst denn du dich, mir zu drohen? +Du Bursch'! Du Hergelaufener oder Hergeflogener! Wie er gekommen +ist, hat er schon ein Geschrei gehabt, daß ich ihn bis ins dritte +Zimmer hinein gehört hab', und jetzt untersteht er sich gar und +begehrt ordentlich auf mit mir. Ah, da muß ich bitten! (Scharf.) +Red', was willst du? + +Eduard. Longimanus, Gnade! (Fällt auf ein Knie.) + +Longimanus. Und Longimanus sagt er nur in der Geschwindigkeit so +zu mir, als wann wir schon hundert Jahre bekannt wären. + +Eduard. Verzeihung, mächtiger Geisterfürst! Ich bin ein +Wahnsinniger, ich kann ohne Aminen nicht leben! Habe Mitleid und +schenke mir ihre Hand. + +Longimanus. Untersteh dich nicht mehr, ein Wort zu sagen! Jetzt +schaut's ihn an! Macht der auf einmal einen Ernsthaften! (Dreht +die geöffnete Hand.) Ein Wahnsinniger ist er? Geh, geh, geh, geh, +du Spaßiger! Was du begehrt hast, wirst du erhalten. Du hast dir +Reichtum gewünscht, du wirst ihn finden. Du kriegst den Diamant +und ich das Mädel, so hat ein jeder einen Schatz. + +Eduard. O Zauberfürst, nimm alle deine Schätze zurück, ich will +sie nicht, ich verlange sie nicht. Gib mir Aminens Hand, und ich +will auf alles verzichten. + +Longimanus. Jetzt fangt er gar zum Handeln mit mir an, als ob wir +auf dem Tandelmarkt wären. Was wir ausgemacht haben, dabei +bleibt's; du bekommst die diamantene Statue und sonst nichts, und +damit du geschwind nach Haus kommst, so werd' ich kutschieren. +Allons! (Winkt. Die Wolken erheben sich, und es präsentiert sich +Zephises' Zaubersaal mit sechs Statuen. Auf dem roten Postament, +worauf jetzt das transparente Wort: Diamant geschrieben ist, steht +Amine im rosensarbnen Kleide mit einem reich mit Flitter gestickten +Schleier, der ihr Gesicht nicht verhüllt, sondern mit hübschem +Faltenwurf um den ganzen Körper fließt, ihre Figur muß sehr grell +beleuchtet sein.) Da ist sie, ich übergeb' sie dir; wir sind quitt! + +Eduard (ohne hinzusehen). Ist sie mein Eigentum? + +Longimanus. Ja! + +Eduard. So will ich sie vernichten, denn sie ist die Ursache +meiner Verzweigung! Ich will sie nicht haben, ich zerschlage sie! +(Eilt mit Wut gegen die Statue.) + +Amine (steigt von dem Piedestale und sinkt in seine Arme). Eduard, +ich bin dein! + +Eduard. Amine! Meine Amine! + +Florian. Er hat sie nicht zerschlagen. + +Eduard (stürzt freudig zu Longimanus Füßen). Herr, wie soll ich +dir danken? + +Longimanus. Ja, jetzt! Gelt, ich hab' dich erwischt? Du +Tausendsapperment! Ich hab' dich nur auf die Prob' g'stellt, wenn +dir das Geld lieber g'wesen wär', als sie, hättest du sie in deinem +Leben nicht bekommen. Da hast du s' jetzt. Ein Weib, wie die sein +wird, ist der schönste Diamant, den ich dir geben hab' können. + +Florian. Vivat! Jetzt hole ich meine Mariandel. (Will ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. +Kolibri. Mariandel. Nachbarsleute. Vorige. + + +Kolibri. Da bring' ich Gäste zur Hochzeit. + +Eduard. Kommt, Freunde, nehmt teil an meiner Freude. + +Mariandel. Florian! + +Florian. Mariandel, du bist mein! Du bist zwar kein Diamant, aber-- +wo bist her? + +Mariandel. Aus Prag. + +Florian. Bist ein böhmischer Stein. + +Longimanus. Und damit wir einen Tanz bei der Hochzeit haben, so +sollen (auf die Statuen deutend) die ein wenig herumspringen. (Die +Statuen steigen von den Postamenten und tanzen unter dem Ritornell.) + +Schlußgesang +(beginnt mit Tanz, dann:) + +Mariandel. Der kleine Liebesgott! + +Florian (singt es nach). Der kleine Liebesgott! + +Mariandel. Treibt mit uns allen Spott. + +Florian. Treibt mit uns allen Spott. + +Mariandel. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Florian. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Mariandel. So fliegt der kleine Schelm davon. + +Florian. Er fliegt davon. + +Chor. Er fliegt davon! Er fliegt davon. + +Mariandel. Die allerschönste Sach'-- + +Florian. Die allerschönste Sach'-- + +Mariandel. Sprichst du denn alles nach? + +Florian. Sprichst du denn alles nach? + +Mariandel. So hör' doch einmal auf! + +Florian. So hör' doch einmal auf! + +Mariandel. Du dummer, dummer Tölpel du! + +Florian. Du Tölpel du! + +Chor. Du Tölpel du! Du Tölpel du! + +(Zwischentanz, Gruppe.) + +Mariandel. Bin ich nur Frau hernach-- + +Florian. Bin ich nur Frau hernach-- + +Mariandel. Dann sprichst du g'wiß nicht nach. + +Florian. Dann sprichst du g'wiß nicht nach. + +Mariandel. Ich red' den ganzen Tag.-- + +Florian. Ich red' den ganzen Tag-- + +Mariandel. Und du verhältst dich mäuschenstill. + +Florian. Ja mäuschenstill! + +Chor. Ja mäuschenstill! Ja mäuschenstill! + +Florian. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Mariandel. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Florian. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Mariandel. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Florian. Wir machen jetzt ein End'-- + +Mariandel. Wir machen jetzt ein End'-- + +Florian. So bleibt ihr doch heut 's letzte Wort. + +Mariandel. Das letzte Wort. + +Chor. Das letzte Wort! Das letzte Wort! + +(Am Schlusse gruppiert sich alles. Die Statuen besteigen die +Postamente, Amine auf dem mittleren. Eduard kniet vor ihr; +Longimanus steht auf der andern Seite, Florian kniet vor Mariandel. +Die Nachbarn gruppieren sich mit freudigem Erstaunen.) + +(Der Vorhang fällt.) + +Ende. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Diamant des Geisterkönigs, +oder Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen, von Ferdinand Raimund. + + + + + + + + + + + +End of Project Gutenberg's Die unheilbringende Krone, by Ferdinand Raimund + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNHEILBRINGENDE KRONE *** + +***** This file should be named 7859-8.txt or 7859-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/7/8/5/7859/ + +Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. They may be modified and printed and given away--you may do +practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is +subject to the trademark license, especially commercial +redistribution. + + + +*** START: FULL LICENSE *** + +THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE +PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK + +To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase "Project +Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project +Gutenberg-tm License available with this file or online at + www.gutenberg.org/license. + + +Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm +electronic works + +1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation information page at www.gutenberg.org + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at 809 +North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email +contact links and up to date contact information can be found at the +Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For forty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/7859-8.zip b/7859-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..2c670b4 --- /dev/null +++ b/7859-8.zip diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..cc197cc --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #7859 (https://www.gutenberg.org/ebooks/7859) diff --git a/old/7diam10.txt b/old/7diam10.txt new file mode 100644 index 0000000..6d4f44a --- /dev/null +++ b/old/7diam10.txt @@ -0,0 +1,3489 @@ +Project Gutenberg's Der Diamant des Geisterkoenigs, by Ferdinand Raimund +#6 in our series by Ferdinand Raimund + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Der Diamant des Geisterkoenigs + +Author: Ferdinand Raimund + +Release Date: April, 2005 [EBook #7859] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on May 26, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ASCII + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER DIAMANT DES GEISTERKOENIGS *** + + + + +Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen + + + + + +This Etext is in German. + +We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, +known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- +and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- +which requires a binary transfer, or sent as email attachment and +may require more specialized programs to display the accents. +This is the 7-bit version. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Der Diamant des Geisterkoenigs, oder +Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzuegen + +Ferdinand Raimund + + + +Personen + +Longimanus, Geisterkoenig. +Pamphilius, sein erster Kammerdiener. +Zephises, ein Magier, als Geist. +Eduard, sein Sohn. +Florian Waschblau, sein Diener. +Mariandel, Koechin. +Amine, eine Englaenderin. +Kolibri, ein Genius. +Veritatius, Beherrscher der Insel der Wahrheit. +Modestina, seine Tochter. +Aladin, sein erster Hoefling. +Erster und Zweiter Nachbar von Eduard. +Osillis. +Amazilli. +Bitta. +Lira. +Die Hoffnung. +Ein Herold. +Fee Aprikosa. +Fee Amarillis. +Erster und Zweiter Zauberer. +Koliphonius, Waechter des Zaubergartens. +Ein Feuergeist. +Die Stimme des singenden Baumes. +Erste und Zweite Drude. +Der Winter. +Der Sommer. +Der Herbst. +Der Fruehling. +Ein Grieche.--Eine Griechin. + +Feuergeister. Luftgeister. Genien. Feen. +Inselbewohner. Eduards Nachbarn. Wache. + + + + +Erster Aufzug. +(Vorhalle im Palaste des Geisterkoenigs.) + + + +Erste Szene. +Zauberer. Feen. Geister. (Einige mit Bittschriften.) Ein +Feuergeist. + + +Chor. +Sollen wir noch lange harren? +Bald verlaesst uns die Geduld! +Sind wir Geister seine Narren? +Unverzeihlich ist die Schuld. + + +Fee Aprikosa. Welche Beleidigung, Damen solange warten zu lassen, +als waeren sie seine Domestiken! + +Alle. Das ist unerhoert! + +Erster Zauberer. Ich frage, wie kann man ein Geisterkoenig sein und +so lange schlafen? + +Zweiter Zauberer. Und ich frage, wie kann man vernuenftig sein und +unvernuenftig reden? Geisterkoenig ist er; er muss fuer uns alle +wachen, folglich muss er auch fuer uns alle schlafen. + +Erster Zauberer. Seine Pflicht heischt aber, unsere Bitten zu +hoeren. + +Fee Amarillis. Und er kuemmert sich gar nicht um uns; spart seine +Gunst nur fuer die Menschen auf. + +Erster Zauberer. Er hat schon ungeheure Schaetze der Luft entzogen +und sie der Erde zugewendet. + +Zweiter Zauberer. Sehen Sie, darum bauen sich die Leute jetzt so +viele Luftschloesser. Wenn nicht das Sterben bei ihnen noch Mode +waere, so ging's dem Volk besser als uns. + +Fee Aprikosa. Was wollen Sie denn? Er hat ja erst gestern einen +Menschen, den er auf der Erde kennen gelernt hat, unter die Geister +aufgenommen, weil ihn bei dem letzten Wetter der Blitz erschlagen +hat. + +Erster Zauberer. Ja, richtig; er heisst Zephise, war Taschenspieler +und soll ein blitzdummer Kerl sein. + +Zweiter Zauberer. Sehr natuerlich! Dumm war er so schon, der Blitz +hat ihn auch getroffen, also ist er blitzdumm. + +Fee Amarillis. Der Zauberkoenig verschwendet zu viel. Seine Reisen +auf die Erde kosten ihm enorme Summen. + +Zweiter Zauberer. Jawohl, ich bin ein einziges Mal auf die Erde +hinabgereiset, weil ich soviel von der schoenen Gegend von Simmering +gehoert hab', und ich weiss, was mich das gekostet hat. + +Fee Aprikosa. Und richtet er nicht das ganze Reich nach der Erde +ein? Wir werden noch alle Moden von Paris und Wien heraufbekommen. + +Fee Amarillis. Ja, wenn nur in seinem Zauberreiche noch +Franzoesisch gesprochen wuerde, das waere doch nobel, aber seit er in +Wien war, spricht er wienerisch, und wir sollen es nachmachen. + +Zweiter Zauberer. Ich hab's schon nachgemacht. + +Fee Amarillis. Schaemen Sie sich, wenn man das im Auslande erfaehrt! +Das wird entsetzlich werden. + +Erster Zauberer undr Fee Aprikosa. Ja, unerhoert. + +Zweiter Zauberer. Ich weiss, es kommt ein Krieg aus, bloss wegen dem. +Aber wissen S', er denkt halt so, und so sollen manche denken, +besser schoen lokal reden, als schlecht hochdeutsch. + +Fee Aprikosa Kurz, die Menschen haben ihn ganz verdorben; er ist +nicht mehr zu kennen. + +Erster Zauberer. Er laesst sie ja scharenweise zu sich heraufkommen +und gewaehrt ihnen ihre Bitten. + +Alle. Wahr ist's! + + + +Zweite Szene. +Vorige. Ein Feuergeist. + + +Feuergeist (ganz rot gekleidet, rotes Gesicht und rote Haende; er +hat die ganze Szene behorcht). Potz Pech und Schwefel, das ist +zuviel! Ich bin Feuergeist, Oberfeuerwerker und Kanonier des +Zauberkoenigs! Wer kann sagen, dass seit drei Jahren eine +menschliche Seele in seinen Palast gekommen ist? Bin ich nicht auf +seine Kosten nach Neapel gereist, um den Vesuv aufzunehmen und +einen aehnlichen ueber seinen Palast zu bauen? Ist das nicht +geschehen? Blausaeure und Vitrioloel! + +Fee Aprikosa. Und warum ist es geschehen? Damit wir ihn nicht +sooft belaestigen und mit unserm Wolkenwagen jetzt durch den Krater +fahren muessen, wie die Hexen durch den Rauchfang. + +Feuergeist. Nein! Potz Pech und Schwefel! Damit er von der +Menschheit, die sich durch verschiedene magische Kuenste in sein +Reich filoutiert hatte, um ihn mit Betteleien zu belaestigen, Ruhe +bekomme. + +Zweiter Zauberer. Ja, ja, so ist der Kaffee. + +Erster Zauberer. Das muessen Sie Narren weismachen. + +Feuergeist. Aber, ins Geiers Namen, das tue ich ja; und wer's +nicht glauben will, den sollen alle kongreveschen Raketen-- + +Zweiter Zauberer (gleich einfallend). Nun, nun, mein Herr +Feuergeist und Oberkanonier, moderieren Sie sich nur! Sie zuenden +ja sonst den Palast an mit Ihren Raketen. + +Alle. Werft ihn hinaus! Hinaus mit ihm! + +Feuergeist. Was? Einen Feuergeist hinauswerfen? + +Zweiter Zauberer. Da haben wir schon andere hinausgeworfen. + +Feuergeist. Beim Brand von Moskau, das ist zuviel! (Mit geballter +Faust) Wer mir in die Naehe kommt, dem werf' ich eine Leuchtkugel an +den Kopf, dass ihm das bengalische Feuer aus den Augen spritzen soll. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius. He, he! was ist denn das! Sie halten ja ein voelliges +Stiergefecht im Vorgemach des Zauberkoenigs! + +Erster Zauberer (voll Freundlichkeit). Ach, unser lieber +Pamphilius! + +Alle Weiber. Unser schoener Pamphilius! (Schmeicheln ihm.) + +Zweiter Zauberer. Gruess' Sie der Himmel, Herr von Pamphilius! +(draengt die Weiber weg und umarmt ihr..) + +Pamphilius. Ich komme, Ihnen zu melden, dass der Beherrscher seine +vierundzwanzigstuendige Ruhe beendiget hat und sich alsobald mit +unglaublicher Schnelligkeit aus dem Bette begeben wird. + +Erster Zauberer. Ah, scharmant! + +Beide Feen. Der liebenswuerdige Herr! + +Zweiter Zauberer. O, fidelibus! fidelibus! + +Feuergeist. Jetzt reisst mir die Geduld! Herr Pamphilius, potz +Pech und Schwefel, ich bin ein treuer Diener des Zauberkoenigs, ich +kann nicht schweigen. + +Pamphilius. Was haben Sie denn fuer einen Laermen, Herr +Oberfeuerwerker? + +Feuergeist. I, potz Pech und Schwefel!-- + +Pamphilius. Bleiben Sie mir nur mit Ihrem Pech vom Leibe, ich +picke schon am ganzen Koerper. + +Zweiter Zauberer. Er muss glauben, wir sind Schuster. + +Feuergeist. Nun also, potz Schwefel und Phosphorus! + +Pamphilius. Den Schwefel kann ich auch nicht vertragen, ich habe +eine schwache Brust. + +Feuergeist. Nun, so hoeren Sie ohne Pech und Schwefel, dass diese +ehrbare Versammlung ein schlechtes Gesindel ist, das ueber den +Geisterfuersten schimpft und ihm vorwirft, dass er alles den Menschen +anhaengt. + +Alle. Das ist nicht wahr. + +Feuergeist. Was? Ich schwoer's bei allen Zuendmaschinen von England. + +Pamphilius. Und ich bei allen Loeschmaschinen von Frankreich, wenn +Er sein unsinniges Feuer nicht moderiert, lass ich Ihn so +durchwaessern, dass Er an mich denken soll. Hinaus mit Ihm! + +Alle. Hinaus mit Ihm! + +Feuergeist. Ich gehe! Aber, bei dem griechischen Feuer des +Cardanus, das melde ich dem Zauberkoenig. Potz Feuerzeug und +Zuendbuechsen! Schwefelgeist und Salmiak! (Geht ab.) + + + +Vierte Szene. +Vorige ohne Feuergeist. + + +Pamphilius. Reden Sie, einer nach dem andern. Was hat's gegeben? + +Erster Zauberer. Gepriesener Pamphilius, Sie sind nun schon eine +lange Zeit in den Diensten des Geisterkoenigs. + +Pamphilius. Auf Martini sind's 2000 Jahr. + +Erster Zauberer. Haben Sie nicht selbst bemerkt, dass er Menschen +mit Wohltaten ueberhaeuft, die sie missbrauchen und ihm mit Undank +lohnen, und uns versagt er so vieles? + +Pamphilius. Da haben Sie recht. + +Zweiter Zauberer. Ja, und waer's nicht besser, wenn er sich von uns +undankbar und schlecht behandeln liesse als von andern? + +Erster Zauberer. Schweigen Sie. + +Zweiter Zauberer. Ich kann auch meine Meinung sagen; ich war auch +einmal ein starker Geist, jetzt bin ich ausgeraucht. + +Fee Aprikosa. An allem ist die Fee Diskantine schuld, ihre schoene +Stimme hat ihn bezaubert. + +Pamphilius. Also das ist die einzige Klage gegen den Zauberkoenig? +Nun, da muss ich Ihnen schon aus dem Traum helfen. Es ist wahr, +Diskantine hat durch ihren Gesang vieles fuer die Menschen von ihm +erwirkt; da sie aber mit ihrer Protektion auf lauter Unwuerdige +stiess, so ist er darueber so erzuernt, dass er sie auf die Spitze +eines Berges verbannt und dort in einen Baum verwandelt hat. + +Zweiter Zauberer. Was Sie sagen! + +Pamphilius. Weil aber ihre herrliche Stimme ihn so oft entzueckte, +so wollte er ihr dieselbe auch als Baum nicht entreissen. + +Erster Zauberer. Also singt dieser Baum? + +Pamphilius. Alles vom Blatt. Damit jedoch der Geisterfuerst nicht +mehr so belaestigt werde, hat er den Ausspruch getan, dass von dem +Augenblicke an kein Sterblicher sich seinem Palaste naehern duerfe, +ehe er nicht diesen Berg erstiegen und, ohne sich umzusehen, einen +Zweig von dem singenden Baume abgebrochen hat. + +Fee Amarillis. Und was nuetzt dieser Zweig? + +Pamphilius. Er ist ein Talisman, der vor allen Gefahren schuetzt +und sicher in das Reich des Zauberkoenigs geleitet. + +Zweiter Zauberer. Wollen Sie mir nicht sagen, mein Scharmantester, +wenn sich einer umschaut, was ihm geschieht? + +Pamphilius. Er wird sogleich, mein Stupidester, entweder in ein +Tier oder in eine Blume verwandelt; der boese Genius Koliphonius ist +dort angestellt mit 2000 Rubel jaehrlich, damit er durch einen +listigen Hokuspokus die Leute zum Umschauen bringt.--Gelingt es ihm, +so sind sie in seiner Macht, und dann laesst er sie auch nicht mehr +aus. Er hat in der kurzen Zeit schon einen praechtigen Tiergarten +beisammen. Und nun, was sagen Sie jetzt von dem Zauberkoenig? Ist +er in Ihren Augen gerechtfertiget? + +Alle. Hoch lebe der Zauberkoenig! + +Pamphilius. Also folgen Sie mir, ich will Sie melden. + +Chor. +Wie uns die Freude gluehend belebt, +Wie sich die Hoffnung maechtig erhebt, +Schnelle Gewaehrung wird unser Lohn, +Bringen die Bitten wir vor den Thron; +Jauchzet den Koenig aus seiner Ruh, +Ewiges Vivat toene ihm zu + +(Alle gehen ab.) + + + +Fuenfte Szene. +(Zauberkabinett.) + + +Longimanus liegt in einer idealen Bettstaette, reich verziert, in +welcher statt dem Bettgewande Wolken eingebettet sind. Vier Genien +sind beschaeftigt, seine Kleider zu ordnen und ein Waschbecken +herzurichten, dann bleiben sie in horchender Gruppe stehen, sein +Erwachen abzuwarten. Longimanus regt sich, die Genien entfliehen; +die Musik endet. + +Longimanus (im Schlafrock mit goldenen Zaubercharakteren, wirft die +Ueberdecke aus Wolken von sich, setzt sich im Bette auf und gaehnt). +Ach ja! Wieviel Uhr ist's denn schon? (Sieht auf eine Stockuhr, +die neben seinem Bette auf einem goldenen Tische steht.) Siehst +du's! Siehst du's! Schon halb 11 Uhr! Ich habe halt wieder +vergessen, dass ich den Wecker aufgezogen, und der Pamphilius weckt +mich auch nicht auf. (Laeutet.) Pamphilius! Wo steckt Er denn? + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Pamphilius (springt schnell herbei). Was steht zu Befehl, Euer +Grossmaechtigkeit? + +Longimanus. Wo schliefst du denn herum? Warum hast du mich nicht +aufgeweckt? Und wer hat mir denn heute nacht aufgebettet? + +Pamphilius. Ich, maechtigster Sultan der Welt. + +Longimanus. Dass du mir keine so feuchten Wolken mehr einbettest. +Ich will trocken liegen; ich glaub' gar, du hast Regenwolken +erwischt, weil ich heut nacht so in die Nassigkeit geraten bin. +Und was hoer' ich denn fuer einen Rumor draussen im Vorzimmer? Ich +glaub' gar, du haltst dir junge Maeus' oder was. + +Pamphilius. Allerhand Feen und verschiedene Zauberer sind draussen; +auch einige Hexen und anderes niederes Geisterg'sindel. + +Longimanus. Und was wollen s' denn schon wieder? + +Pamphilius. Ihre Bitten und Klagen zu deinen hochmaechtigen Fuessen +niederlegen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; ich bin noch zu sehr +vernegligiert. Bring' Er mir nur die Bittschriften herein. +(Pamphilius geht ab.) + + + +Siebente Szene. +Longimanus allein. + + +Longimanus. Das Volk hat nichts als Streit miteinander! ich kann +mich gar nicht retten. Auf die Letzt werd' ich noch ein eigenes +Zeughaus errichten, wo nichts hineinkommt, als lauter Scheckel und +Haslinger. + + + +Achte Szene. +Pamphilius mit Schriften. Voriger. + +(Pamphilius uebergibt die Schriften.) + + +Longimanus. Was hab' ich denn so Wichtiges jetzt sagen wollen?--Ja, +einen Sessel. + +(Pamphilius bringt einen Stuhl.) + +Longimanus (setzt sich). Das werden wieder schoene G'schichten sein +(liest). Da haben wir's ja! Nichts als schuldig sein s' einander. +"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer Rutschiputschi einen +Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurueckgestellt." Er soll +ihn zurueckgeben. Ich befiehl's. Auf der Stell'! (Nimmt eine +andere Schrift.) "Die zwoelf Himmelszeichen haben untereinander eine +Rauferei gehabt. Der Schuetz hat dem Steinbock ein Aug' +ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten +voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und +waeren beinahe von dem Loewen zerrissen worden, wenn sie sich nicht +hinter die Jungfrau versteckt haetten. Alle sind beschaedigt; der +einzige Krebs hat sich zurueckgezogen. Man bittet, sie reparieren +zu lassen." Das wird wieder was Schoenes kosten! (Nimmt die dritte +Schrift.) Was ist denn das? Was wollen denn die schon wieder? +"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten fuer ihr +Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du +verdammte Bagage! Die Druden wollen wieder auf die Welt hinunter! +Den Augenblick lasst du mir s' hereinkommen. + +(Pamphilius geht ab.) + + + +Neunte Szene. + +Longimanus (allein). Das waer' eine schoene Pastete, wenn die wieder +auf die Erde kaemen, die Leut' seckiern! Manchen Menschen drucken +schon seine Schulden genug; er braucht gar keine Drud'--(Von innen +wird geklopft.) Aha! Nur herein! Nur herein! + + + +Zehnte Szene. +Voriger. Pamphilius. Zwei Druden, + + +grau gekleidet mit offenen Schleiern; das Haupt und die Brust +verhuellt. Das Kleid ist unten mit Zeichen des sogenannten +Drudenfusses garniert; auch tragen sie einen Drudenfuss als Medaillon +auf der Brust; das Gesicht mit alten Weiberlarven bedeckt; sie +stuerzen Longimanus zu Fuessen. + +Die Druden. Maechtiger Herrscher, erbarme dich! + +Longimanus. Schau', wie fein! Grad' die saeubersten haben s' +ausg'sucht. Womit kann ich dienen, meine schoenen Damen? + +Erste Drude. Herr! Es sind nun schon fuenfzig Jahre, dass du uns +von der Erde zurueckberufen hast, und wir wissen nicht, wodurch wir +das verschuldet haben? + +Longimanus. Ja, meine lieben Fraeulein Drud', mir ist leid, aber es +kann nicht anders sein. + +Erste Drude. Hoer' unser Flehen! Gib uns wieder unsere Macht; die +Menschen sehnen sich nach uns. + +Longimanus. Ob du still bist oder nicht!--Was faellt euch ein? Es +redt gar kein Mensch mehr von ihnen, denkt gar kein Mensch mehr an +sie, und jetzt wollen s' auf einmal wieder ihre vorige +Druckfreiheit haben. Ich lass' die Menschen nicht mehr so +kujonieren. Anno 1837 eine Drud'! Die Leut' muessten einen nur +auslachen. + +Erste Drude. Aber hat man uns denn nicht sogar durch eine Oper +verewigt; "Das Neusonntagskind"! + +Longimanus. Ah, was Oper! was Neusonntagskind! Die Leut' sind +oft die ganze Woche kindisch, nicht nur an einem Sonntag. Es nutzt +nichts! Ich hab' nichts gegen euch; ein jeder Stand verdient +Achtung, also auch eine Drud'. Meine Mutter war selbst eine, und +ich bin doch Zauberfuerst geworden. + +Erste Drude. Aber haben wir denn nicht stets unsere Schuldigkeit +getan? Hier sind unsere Attestate von dem Genius der Traeume. + +Longimanus. Ja, das ist wahr, ihr wart brave Druden, habt die +Leut' gedruckt, dass es eine Schand' und ein Spott war. Aber jetzt +ist's vorbei. Ihr habt's eure Pension und da koennt's zufrieden +sein. Und jetzt hinaus, auf der Stell'! + +(Beide Druden kuessen ihm weinend das Kleid und gehen ab.) + + + +Elfte Szene. +Longimanus. Pamphilius. + + +Longimanus. Und jetzt ist's gar fuer heute mit der Klagerei; ich +zuern' mich zuviel. Die andern sollen uebermorgen kommen oder aufs +Jahr. Lass mir jetzt den Zephises herueberkommen, den ich unter die +Geister aufgenommen habe. Was macht er denn? + +Pamphilius. Er sitzt mit drei Feuergeistern bei einem Wolkentisch +und spielt Whist mit ihnen. + +Longimanus. Whist spielen s'? Ist ein schoenes Spiel, das Whist; +wenn nur nicht so viel ausg'macht wuerde dabei. Mich haben s' +einmal auf der Erde unten aus fuenf Kaffeehaeusern hinausgeworfen, +weil ich gar so schlecht gespielt hab'. Ja, damals war ich noch +ein rechter Wuestling, aber jetzt freut's mich nicht mehr. Na, so +lass mir ihn nur herueberkommen; wenn er auch ein paar Fisch' +verliert, wegen so ein paar Forellen wird's nicht aus sein, um +Goldfisch spielen s' doch nicht. (Pamphilius geht ab.) + + + +Zwoelfte Szene. + + +Longimanus (allein). Ich hab' ihn recht gern, den Zephises! Wie +ich vor zwanzig Jahren auf der Erde herumgereist bin, so hab' ich +ihn in Aegypten kennen gelernt, wo er die Zauberei studiert hat, er +war just im dritten Jahr Magie. Dann bin ich mit ihm nach +Oesterreich gereist, hab' ihm ein Haus und einen Garten gekauft und +sein Zauberkabinett eingerichtet. Da ist ihm seine Frau gestorben-- +war eine recht huebsche Frau--hernach hab' ich mich auch nicht mehr +lang aufgehalten, und weil er gar so lamentiert hat, hab' ich ihm +versprochen, wenn er stirbt, ihn unter die Geister aufzunehmen; und +jetzt hab' ich auf einmal g'hoert, dass ihn der Blitz erschlagen hat; +da hab' ich ihn also durch meine Geister gleich heraufexpedieren +lassen. Da kommt er schon! + + + +Dreizehnte Szene. +Zephises. Voriger. + + +Zephises (als Geist im weissen Zaubertalar, mit schwarzen +Charakteren). Fuerst der Luefte! Wo soll ich Worte des Dankes +finden? + +Longimanus. Ist schon so gut! Nur keine Komplimente unter guten +Freunden. Mich freut's vom Herzen, alter Schwed'! Hat er dich +einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel? Richtig, da auf der +Seiten hat er ihn g'streift, der Blitz; da schwefelt er ein wenig. +Wie g'fallt's dir denn bei mir heroben? Haben wir nicht eine +frische Luft? + +Zephises. Herr, darf ich es dir gestehen, dass selbst in dem +Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche +umfliesset, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den +es dir nicht verhehlen kann? + +Longimanus. Aha! (Faehrt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei.) +Hat ihn schon erwischt! Zuckt schon! + +Zephises. Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches +gewaehrtest, hat deine Milde mich mit grossen Schaetzen beschenkt. + +Longimanus. Ja, richtig! Hast du alle angebracht? + +Zephises. Nein, Herr! Ich habe sie in meinem Kabinett verborgen +und dieses mit einem Zauber belegt, dass kein Sterblicher es oeffnen +kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige. + +Longimanus. Nun, in meinem Reich brauchst keine Schaetze, da lebt +man von der Luft, dass es nur eine Freud' ist. + +Zephises. Hab' ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos +zurueckgelassen habe? + +Longimanus. Du hast einen Sohn? + +Zephises. Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards? + +Longimanus. Richtig! Er hat ja zu meinen Fuessen gespielt und hat +mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche g'habt +hab'. + +Zephises. Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich +konnte meinem Sohn kein Zeichen meines letzten Willens hinterlassen; + darum erhoere mein Flehen! Sende ihm einen deiner Geister, lasse +ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthuellen, und erlaube dann, +dass er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewaehrung einer +Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergoennt war, an +dich zu wagen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; zu mir darf er nicht herauf, wenn +er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum. Ich +moecht' ihn recht gern einmal sehen, den kleinen Eduard;--aber ich +kann mein Wort nicht umstossen. + +Zephises. Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu naehern. + +Longimanus. Das geht mich nichts an. + +Zephises. Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung. + +Longimanus. Siehst du's, jetzt wird dir bang'; aber so geht's +manchen Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen. +Geschieht nachher ein Bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch +soll sich selbst etwas verdienen, steht der Dalk da. Da werden wir +gleich helfen.--Pamphilius! + + + +Vierzehnte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus. G'schwind zu dem sein' Sohn ein paar wohltaetige +Geister hinunter, ich werd' ihnen schon sagen, was sie zu tun haben. + +Pamphilius. Ja, es ist nur fatal-- + +Longimanus. Ich weiss schon, freilich ist's fatal; sie sind jetzt +alle in der Arbeit, es ist keiner zu Hause, aber das nuetzt nichts, +es muss einmal sein. Schau halt, dass du wo ein paar zusammenfangst. +Allez! + +(Pamphilius geht.) + +Zephises. Herr, wie soll ich dir danken? + +Longimanus. Halt's Maul! He, Pamphilius, noch eins! + +(Pamphilius kehrt schnell um.) + +Longimanus. Den wievielten haben wir heut? + +Pamphilius. Den 27. November. + +Longimanus. Warum nicht gar? Du verdammte G'schicht! Ich hab' +schon immer nachgedacht; November! Und ihr habt ein Donnerwetter +g'habt? Dich hat der Blitz erschlagen, statt dass es schneien soll? + +Pamphilius. Ja, grosser Sultan, das ist jetzt die allgemeine Klage +der Menschen, dass es im Winter warm ist und im Sommer kalt. + +Longimanus. Ja. fuer was zahl' ich denn meine Jahrszeiten, wenn +sie mir so eine Konfusion machen? Da muss ich ja mit dem polnischen +Donnerwetter dreinschlagen. Pamphilius, geschwind lass mir den +Winter heraufkommen. + +(Pamphilius geht schnell ab.) + +Longimanus. Halt! (Pamphilius kehrt schnell um.) Die andern +Jahrszeiten auch, g'schwind! + +Pamphilius. Na, heut lauf' ich mir noch die Fuess' aus der Wurzel. +Verdammter Dienst! (Laeuft schnell ab.) + +Longimanus. Hat ein recht ruhiges Brot bei mir, der Pamphilius; er +halt aber aus, wie ein Pferd. Jetzt lauft er schon 2000 Jahr' und +hat noch gesunde Huf'; er kriegt keine Steingallen, nicht einmal +den Spat hat er noch g'habt. + + + +Fuenfzehnte Szene. +Die vier Jahreszeiten. Vorige. + +(Der hinter traegt einen schwarzen Pelz, Pudelmuetze, einen kleinen +Stutzen [Muff], ganz beschneit. Der Sommer im nankingenen Frack, +Beinkleid, einen modernen Strohhut mit Kornblumen darauf und ein +Parasol in der Hand. Der Herbst, mit dicken Backen und wohlbeleibt, +hat eine gruene Wirtsjacke, Fuertuch, Kaeppchen mit Weinlaub besteckt, +unter dem Arme ein kleines Faesschen, worauf Most steht, in der Hand +eine grosse Traube. Der Fruehling, ein junges Gaertnermaedchen, mit +Rosen auf dem Hut und einem Rosenstock im Arme, treten furchtsam +ein.) + + +Longimanus. Nur naeher da, ihr vier Haimonskinder! Was muss denn +ich hoeren? Warum betragt ihr euch nicht, wie es sich fuer +rechtschaffene Jahrszeiten schickt? Was ist denn das fuer ein +liederlicher Lebenswandel, Monsieur Winter? Schaemt Er sich nicht? +So ein eisgrauer Mann und fangt auf einmal an, hitzig zu werden! +Warum hat's eingeschlagen im November? Ich will's wissen! + +Winter (im Basstone). Euer G'streng', ich kann nichts dafuer. Der +Sommer tut mir alles mit Fleiss; er moecht' gern alles wissen, und da +blitzt er immer herueber auf mich. + +Longimanus. Der Sommer soll sich gar nicht ruehren; der ist seit +einigen Jahren wie ausgewechselt. Ich glaub', er verlegt sich aufs +Trinken, weil er immer so nass ist. + +Herbst. Eur' koenigliche Durchlaucht, ich bitt' ums Wort! Der +Sommer kann nichts dafuer; der Winter lasst ihm keine Ruh'. Wann er +Eiszapfen uebrig hat, so schickt er ihm s' herueber, dass's im Sommer +schauert. Nachher fangen sie zu disputieren an, der Sommer kommt +in Zorn, und so gibt's alle Tag ein Wetter. + +Sommer. Ja, das ist auch wahr; der Herbst ist noch mein einziger +Freund, er putzt mich wieder heraus! Die Leute schimpfen ueber mich, +und ich kann nichts dafuer. + +Longimanus. Und jetzt basta! Ich will haben, dass ihr euch +vertragen sollt. Auf die Letzt verderbt's mir da meinen Fruehling +auch noch; das ist noch die bravste, das ist noch meine liebste +Jahrszeit, der Fruehling! (Kneift sie in die Wange und gibt ihr ein +Goldstueck.) Da hast was auf ein Kipfel, du Tausendsasa, du! + +Fruehling. Ich kuess' die Hand, Euer G'streng'! Ich werd' mich +schon gut auffuehren. (Kuesst ihm die Hand.) + +Longimanus. Und jetzt marschiert's! Und wenn ich noch einmal eine +Klag' hoer', so weiss ich, was ich zu tun hab'; besonders der Sommer, +nehm' Er sich zusamm'. Wenn aufs Jahr in Baden nicht alle +Quartiere verlassen sein, so schau' Er zu. Und der Winter auch! +Dass's heut noch schneit und morgen der Eisstoss geht. Jetzt hinaus! + +(Alle vier Jahreszeiten gehen ab.) + +Longimanus. Komm, mein lieber Zephises, jetzt werd' ich fuer deinen +Sohn sorgen, ich werd' ihn gluecklich machen. Aber das sag' ich dir, +wenn du dich unterstehst, ihm einen heimlichen Wink oder Rat zu +geben, so hast du es mit mir zu tun. Jetzt kannst mit mir ein +kleines Gabelfruehstueck einnehmen; ich hab' ein bisserl ein +Eingemachtes von einem jungen Krokodil ang'schafft. + +(Beide ab.) + + + +Sechzehnte Szene. +(Geheimes Kabinett des Zephises. Die Hinterwand, an der sich keine +Moebel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt. An +der Seite befindet sich ein Zaubertisch, worauf ein kleiner +Zauberer steht; neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem +Hammer schlaegt. Auf der entgegengesehen Seite eine Tuere.) + +Florian Waschblau kommt mit einer Butte auf dem Ruecken, worin sich +verschiedene Kleidungsstuecke befinden; stellt sie beim Eintreten +nieder. + + +Arie. +Ich bin der liebe Florian, +So heissen mich die Leut', +Und wenn mich jemand brauchen kann, +Bin ich gleich bei der Schneid'. +Im Kopf hab' ich auf Ehr' nicht viel, +Noch weniger im Sack, +Nur dass ich nichts als essen will, +Das ist mein' groesste Plag'! +Ich g'hoer' nur der Mariandl zu, +Auf d' Nacht sowie beim Tag, +Und wissen S', warum ich das tu'? +Weil mich sonst keine mag. +Und foppt mich einer, was er kann, +So fuehl' ich keinen Neid; +Denn fangen d' Leut' zum Lachen an, +Das ist mein' groesste Freud'! + +Florian. Ja, ja, mein lieber Florian! Jetzt wirst du halt bald +fort muessen aus dem Hause, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch +hing'schwunden sind. Mein armer junger Herr, wie wird's denn dem +gehen? Keinen Kreuzer hat uns der Alte unterlassen, als das +einschichtige Haus. Wenn er nur wo was zu leihen kriegte; aber +nicht einmal einen Satz uebers Haus kann er machen, es ist ja ganz +verrufen. Wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen wie die +Schwalben aus und ein geflogen sind? Ich weiss nicht, was er +anfangen wird; um mich ist mir nicht bang', ich werd' mich schon wo +anlehnen lassen an eine Planken. Wenn ich nur ihn unterzubringen +wuesst', auf einem Kontor bei einem Sauerkraeutler oder wo.--Er ist in +der groessten Verzweiflung! Gestern hat er geweint, hat mir das +letzte Dreiguldenzettel gegeben, und hat g'sagt, ich moecht' davon +vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was uebrig +bleibt, soll ich hingehen, wohin ich will. Ich kann ihn aber nicht +verlassen, es ist unmoeglich! Ich hab' erst unlaengst eine Schoene +G'schicht' gelesen von einem roemischen Loewen, der sein' Herrn, dem +Anton Trokles, so anhaenglich war;--und wenn ein solches Tier so +handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen. Ich +hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt, +hab' auch der Mariandel, unserer Koechin, ihren ganzen Kasten +ausgeraeumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen +genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht +hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn +sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den +Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich +heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel. (Sieht auf den kleinen +Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hoert. Wirst du denn wem +was sagen davon? (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.) +Der sagt einem alles. Wird meinem Herrn ein Unglueck zustossen? +(Zauberer deutet nein.) Etwann mir? (Zauberer deutet ja, Florian +drohend.) Du! Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl? (Zauberer +deutet nein.) Ist schon richtig;--bin ich etwa dumm? (Zauberer +deutet ja.) Alles weiss er. Wie viel dumme Streiche werd' ich denn +noch machen? (Der Zauberer schlaegt auf die Glocke: eins, zwei, +drei, dann recht schnell und oft hintereinander.) Hoerst auf, du +verdammter Kerl! (Haelt ihm die Hand.) Solang leb' ich gar nicht. + + + +Siebzehnte Szene. +Mariandel (von innen). Voriger. +(Mariandel klopft von aussen.) + + +Florian. Aha, das ist der Jud'! (oeffnet, Mariandel tritt ein.) +Nein, schaut's, ist a Juedin. + +Mariandel. Ach, ich unglueckliche Person, was fang' ich an? Da +steht er herin, statt dass er im Haus acht gibt. Ach, warum hat +mich der Himmel gestraft, dass ich einen solchen Einfaltspinsel zum +Liebhaber hab'. + +Florian. Das wird doch eine schoene Stichelei sein! + +Mariandel. Was stehst denn da?--Was stehst denn da, du miserabler +Mensch; und mir raeumen s' derweil den ganzen Kasten aus. Ich bin +bestohlen! + +Florian. Hoer' auf! Haben s' dir etwann deinen ueblen Humor +g'stohlen? + +Mariandel. Nein, meine Kleider, meine Waesch', meine reiche Haube!-- +Ich bitt' dich, den Diebstahl,--die schoene Waesch'! + +Florian. Nein, mein Schatz, das ist eine wilde Waesch'! + +Mariandel. Und meine guten Perl'. + +Florian (fuer sich). So? Die hab' ich auch erwischt? Das hab' ich +nicht einmal gewusst. + +Mariandel. Ich glaub' gar, du lachst noch? Jetzt geh' ich gleich +zum gnaedigen Herrn und erzaehl' ihm alles. Dem Dieb muss nachgesetzt +werden (will ab). + +Florian. Halt, sag' ich. Du bleibst da! Ich kenn' den Dieb. + +Mariandel. Was? + +Florian. Er ist ein sehr guter Freund von mir. + +Mariandel. So? Du schlechter Mensch! Auf die Letzt bist du ein +Raeuberhauptmann! Ich geb' dich an, auf der Stell' (will fort). + +Florian. Da bleibst, sag' ich, oder-- + +Mariandel. Das nutzt nichts--ich will meine Sachen haben. + +Florian. Das Sachen ist da. + +Mariandel. Wo? + +Florian. In der Butten. + +Mariandel. Ah, Spektakel! Heraus gibst mir's! + +Florian. Nur Geduld! + +Mariandel. Dass mir nichts zermudelt wird. + +Florian. Ist alles in der schoensten Ordnung! (Er leert die Butten +aus, seine und ihre Kleider fallen in der groessten Unordnung heraus; +ganz kalt.) Such' dir deine Sachen heraus. + +Mariandel. Aber Florian, was hast denn gemacht? Bist du besessen? + +Florian. Still, Marianne! Du wirst wissen, dass unsere Herzen +verbunden sind? + +Mariandel. Ja, leider bin ich so ungluecklich, deine Geliebte zu +sein! Was war ich fuer ein Dalk! Was hab' ich fuer Partien +ausgeschlagen! Ich haette vor kurzem noch koennen so einen reichen +Ochsenhaendler heiraten, waer' eine reiche Frau worden, die so viele +Ochsen g'habt haett', und an dir hab' ich nur einen einzigen. + +Florian. Wer's Wenige nicht ehrt, ist's Mehrere nicht wert. Doch +nichts mehr ueber diesen Gegenstand, er ist zu subtil, um ihn lange +zu besprechen. Wir sind jetzt sieben Jahr' in diesem Haus; ich +hab' dir diese Sachen geschafft, folglich kann ich s' auch wieder +an mich reissen; ich hab' sie wollen von hier wegschicken. + +Mariandel. Wohin? + +Florian. Nach Judenburg. Kurz, ich hab' sie wollen an einen +polnischen Juden verkaufen, um unserm jungen Herrn fuer den +Augenblick aus seiner Verlegenheit zu helfen. Wir sind seine zwei +einzigen Dienstboten, wir muessen ihm einmal zugetan sein. + +Mariandel. Aber Florian, schau, was treibst? Warum hast du denn +mir nichts gesagt, so haetten wir Mittel gemacht. Von der Pistolen +hast ihm auch den Hahn heruntergeschraubt; er hat mich g'fragt, wo +er hingekommen ist? + +Florian. Der Hahn? Haettest du gesagt, du hast ihn abgestochen, +weil du keine Haendel mehr g'habt hast. + +Mariandel. Na, jetzt bin ich schon wieder ruhig! Pack' nur die +Kleider zusammen, der Herr kommt. + + + +Achtzehnte Szene. + + +Eduard. Vorige. + +Eduard (verdriesslich). Was macht ihr hier? Lasst mich allein. + +Mariandel. Schau ihn nur an, wie er aussieht. + +Florian. Was er vorn fuer eine Blaesse hat. Gnaediger Herr, schaffen +Sie vielleicht einen Melissengeist oder ein darniederschlagendes +Pulver? + +Eduard. Ich danke euch; geht nur. + +Florian. Der arme Mann! Gnaediger Herr, wenn Sie sollten in +Ohnmacht liegen, duerfen Sie nur laeuten, wir werden gleich da sein. + +Eduard. Willst du mich boese machen? (Fasst sich.) Geh, Florian! + +Florian. Florian hat er g'sagt, hast das g'hoert? Das ist ein +Unglueck. + +Mariandel. Nun, wie soll er denn zu dir sagen, wenn du so heisst, +etwa Annamiedel? So geh' nur einmal! + +Florian. Mariandel, mit dem ist's zu, der lebt uns keine hundert +Jahr' mehr. (Beide ab.). + + + +Neunzehnte Szene. + + +Eduard (allein). Nun bin ich allein, im wahren Sinne des Wortes; +denn meines Vaters Tod hat mein ganzes Glueck vernichtet. Welche +Wunder umgeben mich seit meiner Kindheit! Sein Koerper ist durch +uebernatuerliche Maechte ploetzlich vor unsern Augen verschwunden. Er +hat mir oft versprochen, nach seinem Tode grosse Reichtuemer zu +hinterlassen; doch im ganzen Hause findet sich keine Spur eines +Vermaechtnisses. Was soll ich beginnen? Ich finde auch keine Hilfe +bei Freunden. Als den Sohn eines beruechtigten Zauberers flieht +mich jedermann, was soll aus mir werden? Entsetzliche Lage! +Verzweiflungsvolles Los! (Wirft sich in einen Stuhl. Es wird von +unten geklopft.) Wer klopft? Herein! + + + +Zwanzigste Szene +Die Hoffnung, auf einen goldenen Anker gestuetzt, kommt aus der Erde. + + +Hoffnung (ist ideal gekleidet, spricht sehr lebhaft und munter). +Sie pardonieren, mein Herr, dass ich die rechte Tuer verfehlte; doch +ein Frauenzimmer, die so viele Geschaefte hat, wie ich, nimmt das +nicht so genau. Nun, so heissen Sie mich doch willkommen! Sie sind +ja ganz verbluefft? + +Eduard. Welch eine angenehme Erscheinung! Mir wird so wohl in +Ihrer Naehe. + +Hoffnung. Wie? Kennen Sie mich nicht, junger Herr? + +Eduard. Ich habe wirklich nicht die Ehre-- + +Hoffnung. O pfui! Sagen Sie das nicht! Eine Person nicht zu +kennen, die in allen Kalendern und Taschenbuechern schon bis zum +Ueberdrusse abgebildet ist. Kennen Sie mich wirklich nicht? Ich +habe Sie als Kind auf meinen Armen getragen, als Knabe Ihre +Schmerzen versuesst, wenn Sie die Rute bekommen sollten; als Juengling +Ihnen die Leiter gehalten, wie Sie zu Ihrem Liebchen auf die +Terrasse gestiegen sind-- + +Eduard. Ah, Sie sind-- + +Hoffnung. Die Hoffnung, untertaenigst aufzuwarten, nicht nur die +Ihrige, sondern die der ganzen Welt. + +Eduard. O, so lass mich zu deinen Fuessen stuerzen, Tochter des +Himmels. + +Hoffnung. Langsam, mein Herr, nicht so rasch! Sieh, sieh, wie +exaltiert. Hat Sie meine Feindin, die Furcht, schon verlassen, +weil Sie so schnell wieder zu meiner Fahne schwoeren? Wissen Sie +vielmehr, dass das sehr unartig ist, eine Dame vor sich stehen zu +lassen, ohne ihr einen Sitz anzubieten! Oder glauben Sie, weil +sich so viele Leute auf mich stuetzen, dass ich keiner Stuetze +beduerfe? Nein, mein Herr, einen Sitz. + +(Eduard reicht ihr einen Sessel.) + +Hoffnung. So! Nun stellen Sie sich in die erste Position vor mich +und hoeren Sie, was ich Ihnen zu sagen habe. + +Eduard. Ich hin ganz Ohr. + +Hoffnung (hustet). Monsieur! Ich habe Ihnen ein sehr artiges +Kompliment von meiner Schwester auszurichten. Was glauben Sie wohl, +wer sie sei? (Eduard zuckt die Achseln.) Das Glueck. + +Eduard. Das Glueck? Welch einen schoenen Namen lassen Sie in meinen +Ohren ertoenen! + +Hoffnung. Das koennte mich eifersuechtig machen. (Mit einem Seufzer.) +Doch ich bin es gewohnt, von ihr verdraengt zu werden. Sie hat +versprochen, Sie in Protektion zu nehmen. Ich koennte Ihnen zwar +sagen, dass sie eine leichtfertige Person ist, die sich sehr stark +schminkt und nur von ferne schoen ist; doch, Sie werden mir nicht +zumuten, dass ich imstande waere, meine Schwester zu verkleinern.-- +Jetzt zu meinem Auftrag! Meine Schwester laesst Ihnen sagen, Sie +moechten sans facon in jener Ecke des Zimmers den Boden oeffnen, +einen goldenen Schluessel herausnehmen und damit diese Wand +aufschliessen; das uebrige wird Ihnen wie gebratene Tauben von selbst +in den Mund fliegen. Ich aber habe die Ehre, mich als Ihre +ergebene Dienerin zu empfehlen. + +Eduard. Wie? Sie koennten mich verlassen?-- + +Hoffnung. Ihr Glueck beginnt--meine Rolle ist ausgespielt. Hueten +Sie sich, dass Sie mich nicht bald wieder rufen; oder glauben Sie, +ich habe nichts zu tun, als mit Ihnen die Zeit zu verschwaetzen? In +diesem Augenblicke bin ich zu Millionen bestellt, die nach mir +schmachten. Advokaten, die ihre Prozesse gewinnen wollen; arme +Gefangene, die auf Erloesung hoffen; Sterbende sogar, die mich in +der letzten Minute noch zu sprechen wuenschen; des Heeres der +Verliebten gar nicht zu gedenken, welches mich durch namenlose +Anforderungen fast zu Tode martert. Darum adieu! Nun kuessen Sie +mir die Hand, Sie liebenswuerdiger, junger Mann! Adieu, Sie Loser! +Vergessen Sie nicht wieder ein Frauenzimmer, welches die Plage auf +sich hat, Sie durch Ihr ganzes Leben begleiten zu muessen. (Macht +ihm einen Knix und geht durch die Tuere ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. + + +Eduard (allein). Sonderbare Erscheinung! Soll ich ihr Glauben +schenken? Sie ist ein Frauenzimmer --! Nun, waer' ich der einzige +Mensch in dieser Welt, der sein Glueck einem Frauenzimmer zu +verdanken haette? Lass sehen, schoene Hoffnung, wir wollen dich auf +die Probe setzen, ob deine launigen Versprechungen weniger taeuschen, +als die heroischen Liebesschwuere unserer heutigen Maedchen. Dort +ist der Fleck. (oeffnet ein kleines Tuerchen im Boden.) Wahrhaftig! +Bald haett' ich meinem smaragdenen Engel unrecht getan. Hier ist +der Schluessel. Vivat, Eduard! Schnell ans Werk! (Oeffnet die Wand, +welche in die Hoehe schwebt und einen Rahmen zuruecklaesst, durch +welchen man in eine dunkelblaue, mit Gold verzierte runde Halle +sieht, in der auf jeder Seite drei weisse mythologische Figuren +unbeweglich stehen. Auf den sechs Piedestalen stehen die Worte: +Dukaten, Louisdor, Taler, Sovereigndor, Perlen, Granaten. Mitten +aber steht ein leeres rosenrotes Piedestal, welches den halben +Kreis schliesst, worauf kein Wort steht, aber eine Pergamentrolle +liegt.--Die ganze Gruppe ist hell beleuchtet.) Bin ich in einem +Feenpalaste? Sind diese Schaetze mein? Ist es ein Traum? (Oeffnet +eine von den Tuerchen der Piedestale, man sieht Gold aufgehaeuft.) O +nein! Goldene Wirklichkeit! Was bedeutet diese Pergamentrolle? +(entfaltet sie und liest.) "Teurer Sohn! Die Schaetze, welche Du in +diesem geheimnisvollen Gewoelbe entdecktest, waren mein Eigentum, +sind nun das deinige. Die sechs Statuen sind von hohem Werte; ich +habe sie in einer huldvollen Stunde durch die Gnade des +Geisterkoenigs zum Geschenk erhalten. Mache einen weisen Gebrauch +davon. Doch, sollte bei dem gluecklichen Ueberfluss an Wuenschen, zu +denen Dich Deine Jugend befeuert, auch der in Deiner Brust +aufsteigen, dass Du die siebente Statue besitzen moechtest, welche +von rosenroten Diamanten und der groesste Schatz ist, den Du auf +Erden besitzen kannst, so wende Dich bittend an den Zauberkoenig. +Du wirst in meinen magischen Werken, die ich Dir hinterliess, die +genaueste Anleitung finden, auf welchem Wege Du zu den Stufen +seines Thrones gelangen kannst." (Legt die Schrift wieder hin.) +Welch eine Reihe von Wundern draengt sich an meinen erstaunten +Sinnen vorueber! (Tritt heraus, die Wand schliess sich.) Ist es +Wahrheit? Diese ploetzliche Veraenderung meiner Gluecksumstaende! Ich +war ein Bettler, jetzt bin ich ein Kroesus!--Doch, was ist das fuer +eine siebente Statue von rosenrotem Diamant? Welch ein dunkles +Verlangen beherrscht mich, auch sie zu besitzen! Ach, warum kann +ich nicht in dieser Minute zu des Geisterkoenigs Fuessen sinken! Gaeb' +es denn keinen wohltaetigen Genius, der mich augenblicklich in seine +Naehe bringen koennte? (Die Figur des kleinen Zauberers auf dem +Tische verwandelt sich in den kleinen Genius Kolibri.) + +Kolibri (kann vor Traenen kaum reden). Ich! + +Eduard. Welch ein holder Knabe! Wie heissest du, lieber Knabe? + +Kolibri (immer weinerlich und verdriesslich). Ich bin der kleine +Kolibri. + +Eduard. Und was bist du denn? + +Kolibri (verdriesslich). Ein Genius. Siehst du denn das nicht? + +Eduard. Aber warum weinst du denn? + +Kolibri. Weil mich meine Mutter erst geschlagen hat. + +Eduard. Warum? + +Kolibri. Damit ich dir helfen soll. + +Eduard. Und willst du mir denn nicht helfen? + +Kolibri. I ja!--Aber ich habe gerade mit den andern Genien um +goldene Aepfel gespielt, und da hat mir meine Mutter geschafft, ich +moecht' es stehen lassen und zu dir herabgehen, weil der Zauberfuerst +es befohlen haette; und weil ich nicht gleich ging, so hat sie mich +geschlagen (weint). + +Eduard. Du armes Kind! Wer ist denn deine Mutter? + +Kolibri. Eine Fee, die von ihren eigenen Mitteln lebt. + +Eduard. Nun, sei nur ruhig! Sieh, wenn du mir hilfst, so +verspreche ich dir nicht nur einen, sondern viele hundert goldene +Aepfel. + +Kolibri (ploetzlich freudig). Ist das wahr? Ach, das ist schoen. +(Springt vor Freuden.) Jetzt gib acht, wie ich mich ansetzen werde. + +Eduard. Sage mir, auf welche Weise kannst du mir denn helfen? + +Kolibri. Ich werde dir die Mittel zeigen, durch welche du zum +Geisterkoenig gelangst. Du musst vorher einen hohen Berg ersteigen, +und das weitere werde ich dir schon noch heimlich stecken. Du hast +viele Gefahren zu bestehen; wir machen eine Luftreise. Wirst du +auch standhaft bleiben? + +Eduard. Gefahren staehlen den Mut! Mein Verlangen nach dem +Zauberschatze wird immer gluehender. Komm und geleite mich. + +Kolibri. O, das geht nicht so geschwind, es ist gar ein weiter Weg; +ich muss mich erst um eine Landkutsche umsehen. Du darfst dich +nicht fuerchten, dass ich dich umwerfe; ich bin ein guter Postillon +und blasen will ich, dass dir die Ohren zerspringen werden. + +Eduard. Nun gut, ich will mich reisefertig machen. + +Kolibri. Du kannst dir auch einen Bedienten mitnehmen, denn du +scheinst mir ein sehr kommoder Herr zu sein. Also, es bleibt +dabei? Leb' wohl! In einer Viertelstunde komm' ich wieder zurueck; +und wegen der Aepfel:--Ein Mann, ein Wort! + +(Eduard reicht ihm die Hand hin.) +(Kolibri schlaegt ein und geht gravitaetisch ab.) + +Eduard (allein). Bravissimo! Das geht ja praechtig! Schlag auf +Schlag! Mein Glueck faengt an mutwillig zu werden, und soviel ich +merke, so habe ich's mit lauter dienstfertigen Geistern zu tun; da +muss ja mein Frohsinn erwachen. + + + +Zweiundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian kommt mit einem Trupp Nachbarsleute herein. +Voriger. + + +Chor. +Kommt herein! Kommt herein! +Werden schon willkommen sein. +Feinde schleichen sich herein, +Freunde treten ruestig ein. + +Florian. Gnaediger! Da haben Sie s', losg'lassen hab' ich s'. +Jetzt reden S' mit ihnen. + +Eduard. Was treibst du denn, dass du mir diesen Trupp Menschen ins +Zimmer bringst? + +Mariandel. Ja, ich bitt', Euer Gnaden, er wird naerrisch. Die +Leute! (Zu Florian.) Ich braecht' noch mehr, wenn ich wie du waere! + +Florian. Ja, woher nehmen und nicht stehlen? Ich hab' die ueberall +zusammeng'sucht und hab' s' hergetrieben. + +Eduard (zornig). Was wollen sie denn aber hier? Dummrian! + +Florian (zum Nachbar). So red' der Herr! + +Ein Nachbar. Gnaediger Herr, der Florian hat uns zusammengerufen +und hat uns Ihre Verlegenheit erzaehlt. Sie waren gegen uns immer +ein guter Herr, der uns manchmal ein Glas Wein gezahlt hat; wenn's +auch mit dem alten Herrn nicht richtig zugegangen ist, das macht +nichts. Wenn wir Ihnen helfen koennen und koennen Ihnen einen Dienst +erweisen, so schaffen S' mit uns. Wir sind ja Ihre Nachbarn, wer +weiss, wer unsern Kindern einmal was tut. + +Alle. Ja! ja! Schaffen S' nur, gnaediger Herr! + +Eduard. Ihr guten Leute, nehmt meinen herzlichen Dank! Ich kann +zwar keinen Gebrauch von euren freundschaftlichen Gesinnungen +machen, doch ich werde sie dankbar in mein Herz schreiben. Es hat +sich ein Vermaechtnis meines Vaters vorgefunden, das mich bestimmt, +noch heute eine grosse Reise anzutreten, und wenn ich gluecklich +zurueckkehre, will ich den ersten Abend meiner Ankunft in eurem +froehlichen Zirkel hinbringen. + +Alle Nachbarn. Vivat! Unser Nachbar soll leben! + +Ein Nachbar. So nehmen Euer Gnaden denn nichts fuer ungut; und +nachher hab' ich noch eine Bitt': Werfen S' auf den Florian da auch +keine Ungnad'! Er meint's nicht boes' und er ist gar ein gutes +Schaf! + +Florian. O. du gemeiner Kerl! + +Ein Nachbar. Und jetzt reisen S' recht gluecklich und kommen S' +gesund wieder zurueck. + +Alle. Glueckliche Reise! (Gehen mit Buecklingen ab.) + + + +Dreiundzwanzigste Szene. +Eduard. Florian. Mariandel. + + +Eduard. Florian! Du hast meinen Entschluss gehoert, mache dich +reisefertig, du wirst mich begleiten. Der Mariandel uebergebe ich +die Schluessel meines Hauses; ich kann mich auf deine Treue +verlassen. + +Florian. Besser als ich! + +Mariandel. Also Euer Gnaden wollen wirklich fort? Und der Florian +geht auch mit? + +Florian. Ja, der Florian geht auch mit, und die Florianin bleibt +da. + +Eduard. Nur muss ich dich benachrichtigen, dass unsere Reise durch +die Luft geht. + +Florian. Fuer mich just recht; ich bin ohnedem ein lueftiges +Buerschel. + +Eduard. Also nehmt euren zaertlichen Abschied, und dann Mut, +Florian! In einer Viertelstunde geht es den Sternen zu! (Geht ab.) + + + +Vierundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian. + + +Mariandel. O Spektakel! Also ist unser Herr auch mit den Geistern +im Bunde? Und du willst wirklich mit ihm in die Luft fahren? Wie +lang bleibt ihr denn aus alle zwei? + +Florian. Einige Vierteljahr'. + +Mariandel. So lange? Wenn ihr aber herunterfallt? + +Florian. Dann sind wir eher da. + +Mariandel. Nein, die Angst steh' ich nicht aus; ich spring' ins +Wasser. + +Florian. Willst du mich zur Witwe machen? + +Mariandel. Du unempfindlicher Mensch! Ist dir gar nicht leid um +mich? + +Florian. Schau', Mariandel, ich hab' dich g'wiss recht gern, du +bist mein drittes Leben; aber wenn's mein' Herrn gilt, so verkauf' +ich alle Mariandeln, wie s' sein, um zwei Groschen. + +Mariandel. Ich seh's schon, ich muss nachgeben. Geh nur auf deine +Luftreise, aber gib wenigstens acht auf dich, dass du mir nicht etwa +wo in ein Luftloch faellst und brichst dir einen Arm oder ein Paar +Fuess'. + +Florian. Gibst du mir kein Andenken mit? + +Mariandel. Ja, was denn? + +Florian. Einen Zehnguldenzettel. + +Mariandel. Du hast ja mein Herz. + +Florian. B'huet' dich Gott und denk' an mich, wannst Zeit hast + +Duett. + +Florian. + Mariandel, Zuckerkandel +Meines Herzens, bleib' gesund. + +Mariandel. + Floriani, um dich wan' i, +Wenn du fort bist, jede Stund'. + +Florian. + Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, fuer dich hin. + + +Beide. + Florian. Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, fuer dich hin. + Mariandel. Selbst sein Leben will er geben, +Wenn er tot ist, fuer mich hin. + + +Mariandel. + Wirst du, mein Florl, treu mir bleiben, +Weil dich mein Herz auch nie vergisst? + +Florian. + Ich werd' mit naechster Post dir schreiben, +Dass du mein Herzensbinkerl bist. + +Mariandel. + Ich mache dich zum einz'gen Erben, +Wenn dich mein Auge nimmer sieht. + +Florian. + Wann du vielleicht derweil willst sterben, +So gib mir lieber all's gleich mit. + +Mariandel. + Erst wann ich kann ans Herz dich druecken, +Dann strahlt mein Auge hell und klar. + +Florian. + Da wirst du g'wiss nichts Neu's erblicken, +Denn ich bleib' stets der alte Narr. + + +Mariandel. + Ah, das wird ja praechtig, +Da spring' ich hochmaechtig, +Vor Freuden in d' Hoeh', +Als wie ein jung's Reh! + +Florian. + Dann gehst du zum Sperl, +Mit dein' lieben Kerl, +O jegerl, o je! +Das wird ein' Gaudee. + +Beide. +Dort zechen wir beide beim froehlichen Schmaus, + +Florian. + Und wenn ich ein' Rausch krieg', so fuehrst mich nach Haus. + +Mariandel. + Und wenn du ein' Rausch kriegst, so fuehr' ich dich nach Haus'. + +Florian. + O Wonne, o Wonne! sie fuehrt mich nach Haus'. + +Mariandel. + O Wonne, o Wonne! da fuehr' ich ihn z' Haus'. + +(Beide ab.) + + + +Fuenfundzwanzigste Szene. +(Kurze Gegend mit Schnee bedeckt vor Eduards Hause. Man hoert eine +Musik mit Posthornbegleitung, die das Anfahren eines Postwagens +ausdrueckt.) + + +Kolibri (als Postillion gekleidet, kommt in einer Postkalesche, mit +zwei russischen Fuechsen bespannt, gefahren. Er blaest sein Posthorn, +steigt ab, schnalzt mit der Peitsche und stampft mit dem Fusse vor +dem Haustor.) Mordkreuztausend Bataillon! Die Schnellfuhr' ist da, +aufgemacht! (Klopft an der Haustuer.) + +Eduard (kommt aus dem Hause in einem gruenen Oberrocke, mit Pelz +ausgeschlagen). Ah, mein kleiner Fuhrmann, schon hier? Brav! Das +heiss' ich Wort halten! + +Kolibri. Ja, bei uns geht alles auf der Post. Es ist ja spaet, +sonst fahren wir in die Nacht hinein. + +Eduard (ruft). Florian, tummle dich! + + + +Sechsundzwanzigste Szene. +Florian (reisefertig, einen Livreefrack und einen warmen Spenser +darueber. Faeustlinge, eine Reisemuetze, er traegt mehrere Schachteln, +zwei Parapluies, einen Stiefelknecht und eine Kaffeemaschine in den +Armen). Alles in der Ordnung! + + +Eduard (lacht). Du heilloser Kerl! Was hast du dir alles +aufgeladen? Wirst du's gleich zuruecklassen? Du siehst ja aus wie +ein Packesel! + +Florian. Ich muss ja doch das Notwendigste mitnehmen. + +Kolibri. Gleich lass es zurueck! Bist du nicht allein schwer genug +mit deinem Kuerbiskopf? + +Florian. Wegen meiner! (Wirft die Sachen ins Haus.) Das wird eine +schoene Reis' werden, nicht einmal einen Koffer; und der Postknecht! +Sein Posthoerndel ist groesser als er; den verlieren wir unterwegs. + + + +Siebenundzwanzigste Szene. +Mariandel (kommt aus dem Hause, hat eine runde Schachtel, worin ein +Gugelhupf ist, und einen grossen Waeschekorb). Um des Himmels willen, +Euer Gnaden werden doch nicht so fortfahren? Nehmen Euer Gnaden +doch ein bisserl Waesch' mit; es ist alles aufg'schrieben: zwoelf +Hemden, acht Paar Struempfe, zwanzig Halstuecheln, zwei Dutzend +Halskraegen-- + + +Kolibri. Mordbataillon! Das koennen wir nicht brauchen! Einsitzen! +Die Pferd' wollen nicht mehr stehn. + +Mariandel (kuesst Eduard die Hand). So wuensch' ich Euer Gnaden halt +eine glueckliche Reise! Ich werd' schon das Haus hueten. + +Eduard. Steig ein, Bursche! + +Florian. Mariandel, bleib g'sund! + +Mariandel. Florian, mach' dich gut zusammen, dass du mir keinen +Eselshusten kriegst. Da hast ein altes Pelzpalatin'l von mir (sie +gibt ihm's um). Und in der Schachtel da ist ein Gugelhupf; aber +beiss dir keinen Zahn aus. (Sie stellt ihn neben sich.) Und jetzt +leb' wohl, lieber Florian! Vielleicht seh' ich dich nimmermehr. + +Florian. O Mariandel, mir druckt's mein Herz ab (weint). + +Mariandel. Nicht wahr, du wirst mich nicht vergessen? + +Florian (weinend). Nein! Wo ist denn der Gugelhupf? + +Mariandel. Florian! + +Florian (weint stark). Den Gugelhupf! + +Mariandel. Koenntest du in mein Herz sehen! + +Florian. Sein Weinberl drin? + +Mariandel. Nu, da hast ihn, du Vielfrass! (Gibt ihm die Schachtel.) + +Kolibri (stampft). Jetzt weiter, ins Teixels Namen! (Haut Florian +mit der Peitsche unter die Fuesse und treibt ihn so auf den Loeffel. +Alle sitzen auf, und unter dem Ausrufe: Florian leb' wohl. +Mariandel, denk' an mich! fahren sie unter Posthornschall ab.) + + + +Achtundzwanzigste Szene. +Mariandel (allein). Jetzt sind sie fort, und mich arme Koechin +lassen s' allein in der Brisil. Wenn nur mein Florian nicht krank +wird, er ist gar so schwaechlich; ich hab' ihm mit Fleiss seine Brust +recht eingemacht, weil s' so zart ist. Er hat das Fruehjahr ohnedem +eine Kur gebraucht, hat Molken getrunken und Plutzerbirn' dazu +gegessen, half aber nicht viel. Wann er aber gluecklich zurueckkommt, +so will ich eine Mahlzeit kochen, die sich sehen lassen soll. + + +Arie. +Die Ehre ist fuerwahr nicht klein, +Recht eine gute Koechin z' sein; +Doch wann die Lieb' im Koepfchen schnalzt, +G'schieht's, dass die Suppe sie versalzt. +Wenn huebsche Herren bei uns speisen, +Muss unser Herr die Zimmer weisen, +Doch oft, mit ganz zerstreutem Sinn, +Stehn s' mitten in der Kuchel drin. + +Da sagen s' gleich: "Schoene Mariandel, +O gib mir doch dein liebes Handel!" +Doch ich, ich dreh' mich nicht herum, +Und ruehre meine Zuspeis' um. + +Will einer Liebe mir beweisen, +Und Kuesse von den Lippen speisen: +Bei dem wird meine Treue kund, +Dem wisch' ganz hoeflich ich den Mund. + +(Geht ab.) + + + +Neunundzwanzigste Szene. +(Tiefe Gegend mit einem hohen Berg, auf welchen sich ein breiter +Weg hinaufwindet, so, dass er drei Etagen bildet. Oben am Ende des +dritten Weges ein Portal, mit der transparenten Ausschrift: +Zaubergarten. Weiter entfernt sieht man im Perspektiv den Vesuv +des Zauberkoenigs rauchen. An den Kulissen sind lauter +hervorragende Huegel angebracht, an diesen sowohl als am Berge +wachsen viele farbige Blumen, in Gestalt der Sonnenwende; statt dem +mittlern Kopf aber sind kleine Menschengesichter gemalt. Bei +Verwandlung der Buehne ist das Theater rueckwaerts mit mehreren Tieren +besetzt; ein indianischer Hahn, mehrere Affen, ein Baer, ein +Fleischhauerhund, welche alle auf den Gesang des Baumes horchen. +Der Baum singt eine beliebige Polonaise gleich bei der Verwandlung.) + + +Koliphonius (tritt auf mit einer Giesskanne und einem Korb mit +Fruechten. Wie er hereinkommt, schweigt der Baum. Er hat ein +weites Kleid mit roten Flammen garniert, und eine Schlangenkrone +auf dem Haupte). Nun, vierfuessiges Gesindel! Wie steht's? (Die +Tiere versammeln sich um ihn.) Jetzt muss ich meine Verwunschenen +fuettern! Ein schoenes Institut! Toren, warum habt ihr so +bewegliche Koepfe gehabt, die zum Umschauen gemacht waren? Der +Koliphonius ist gar ein feiner Kerl. Alle habe ich sie noch in +mein Netz gebracht. Keiner ist zum Zauberkoenig gelangt. Da! Und +jetzt trollt euch. (Gibt ihnen die Fruechte preis, sie gehen +langsam damit ab.) Die Tiere waren Maenner. Jetzt wollen wir die +bezauberten Blumen begiessen; das waren lauter neugierige +Frauenzimmer, die den Geisterkoenig um ewige Schoenheit bitten +wollten (begiesst sie). Was seh' ich? Beim neunarmigen Styx, dort +kommen Menschen an! Heissa! Koliphonius, nimm dich zusammen! Ihr +sollt mir nicht entwischen. Frisch ans Werk! Tut eure +Schuldigkeit, ihr singenden Zweige oben; lockt sie hinauf, singt +bezaubernde Melodien; singt Rossinische: sie locken ja ins +Schauspielhaus, so werden sie auch hier ihre Wirkung nicht +verfehlen. + + + +Dreissigste Szene. +Kolibri. Eduard. Vorige. + + +Eduard. Also hier ist dein beruechtigter Zauberberg? Und jener +feuerspeiende Berg, sagtest du, ist die Wohnung des Geisterkoenigs? + +Florian. Logiert der in einem Rauchfang? + +Kolibri. Dort ist seine Wohnung. + +Eduard. Und diesen Berg muss ich ersteigen, ohne umzublicken? Und +dem hoechsten Baum in jenem Garten muss ich einen Zweig entreissen? + +Kolibri. Ja! Doch muss ich dich jetzt verlassen, und darf dich +erst wiedersehen, wenn du gluecklich vollendet hast. + +(Baum singt einige Takte aus einer bekannten Rossinischen Oper.) + +Eduard. Was hoer' ich fuer angenehme Melodien! Ich kenne euch, ihr +habt mich oft vergnuegt. + +(Baum singt einige Takte von Mozart.) + +Eduard. Ha, das ist Mozart! O, meine vaterlaendischen Toene! Ihr +koennt nicht nur vergnuegen, ihr koennt auch begeistern. Lebt wohl! +Ich besteige den Berg. + +Kolibri. Huete dich! Sieh dich nicht um, ich darf dich nicht +beschuetzen. (Zu Florian.) Komm, Bursch'! + +Florian. Marsch, Bursch'! Ich bleib' bei meinem Herrn. (Kolibri +geht ab.) + +Melodram. + +Eduard (beginnt seine Wanderung. Er betritt den ersten Weg. Vier +reizende Nymphen zeigen sich und suchen ihn durch Winke zum Umsehen +zu bringen; endlich formieren sie bei einer Ferma in der Musik eine +ihn umschlingende und zurueckhaltende Gruppe. Eduard reisst sich los, + ohne sich umzusehen, und ruft; Lasst mich, Bajaderen! Die Nymphen +verschwinden schnell. Eduard betritt den zweiten Weg; es wird +ploetzlich finster. Der Donner rollt und schlaegt vor ihm in einen +Baum ein, welcher einen Augenblick brennt. Pause in der Musik.) Du +schreckst mich nicht! Vorwaerts! (Der Baum verlischt, die Buehne +wird wieder hell. Eduard betritt den dritten Weg; ein Grieche mit +gezuecktem Dolche verfolgt ein Maedchen, welches sich an Eduard von +rueckwaerts anklammert und Hilfe! Hilfe! ruft; er reisst sich los +und ruft. Zurueck! Beide versinken.) Viktoria, es ist gelungen! +(Eilt in die Pforte. Man hoert durchs Sprachrohr Koliphonius' +Stimme: Verdammt! Die Musik drueckt den Triumph aus.) + +Florian (hat waehrend der ganzen Szene seine Empfindungen mimisch +ausgedrueckt, macht einen Rundsprung). Juhe! Das ist ein Mandel +mit Kren, mein Herr! Und ich soll hier stehen bleiben, wie ein +Spatzenschrecker? Nein! Hinauf auf den Lepoldiberg! Vielleicht +erwisch' ich auch eine bezauberte Nagelwurzen! (Musik; er eilt auf +den Berg; vier Oberlaendler-Kuechenmaedchen mit Linzerhauben und +schwarzen Vortuechern machen das vorige Spiel. Pause in der Musik.) +Zurueck, ihr Kuchelmamsellen! (Die vier Maedchen verschwinden. Er +tritt den zweiten Weg an, es kommen zwei Mann Soldaten mit +angeschlagenem Gewehre, einen Korporalen dabei, welcher kommandiert: + Schlagt an! Habt acht! Gebt Feuer! Auf das Wort: Feuer faellt +Florian auf das Gesicht vorwaerts nieder; die Soldaten schiessen ueber +ihn weg und verschwinden. Er rafft sich auf und ruft: Weit davon +ist gut vorm Schuss! Er betritt den dritten Weg. Ein Kellner haelt +ihn zurueck, und ruft: Meine zehn Gulden! er schlaegt rueckwaerts aus: +Zurueck, Ungeheuer! und wirft ihn nieder; Kellner entflieht.) +Triumph! Es ist gelungen! (Er will ins Portal; in dem Augenblick +erscheint Mariandels Gestalt hinter ihm und ruft: Florian! Florian! +Florian schaut sich schnell um und ruft: Mariandel! Er will auf +sie zu, sie verschwindet; eine Furie reisst ihn rueckwaerts nieder.) + +Koliphonius (erscheint am Fu9e des Berges). Er ist mein! +Verwandle dich in einen Pudel! (Eine Hundshuette erhebt sich ueber +Florian; er laeuft als Pudel ueber den Berg herab und sucht aengstlich +seinen Herrn. In dem Augenblick kommt Eduard frohlockend, den +Zweig in der Hand, aus dem Garten ueber den Berg und ruft: Florian! +Florian! Der Pudel springt an ihm hinauf und liebkoset ihn. Pause.) + +Eduard. Was ist das? Was will der Pudel? + +Kolibri (tritt heraus). Es ist dein Diener. + +Eduard. Ungluecklicher! Was hast du getan? (Pause.) Ich will dich +auch so nicht verlassen. Komm, Sinnbild der Treue! Fort von +diesem Ort! (Nimmt den Pudel bei dem Halsbande und will ihn +fortziehen.) + +Koliphonius (ruft). Halt! Er bleibt hier! Mein ist der Hund; ich +bin hier Herr. + +Eduard. Mit meinem Leben will ich ihn verteidigen! Er bleibt +nicht hier. + +Koliphonius. Nicht? (Verwandelt sich in einen Jaeger.) So +erschiess' ich ihn. (Bueckt sich, sein Gewehr aufzunehmen, ein +Genius bringt es, Koliphonius spannt den Hahn.) + +(Kolibri winkt. Ploetzlich springen acht Pudel, eben so gezeichnet +wie Florian, auf die Buehne und bilden mit ihm ein Tableau, das +ganze uebrige Theater aber ist auf allen Bergen und Seitenhuegeln mit +lauter gemalten Pudeln angefuellt, welche sich nach Verhaeltnis der +Tiefe perspektivisch kleiner zeigen, in komischen Gruppen, und ein +Tableau formieren.) + +(Koliphonius will zielen, prallt zurueck.) + +Eduard. Bravo, Kolibri! Jetzt schiess den rechten, wenn du ihn +kennst, aber schnell, denn alle nehm' ich sie nicht mit mir. + +Koliphonius. So will ich sie alle verderben. (Winkt; die Buehne +verfinstert sich. Blitze leuchten, heftiger Regen. Das Wasser +schwillt immer hoeher, Kolibri und Eduard befinden sich mitten auf +einem Felsen, welcher sich aus dem Wasser emporhebt und hoch +herausragt. Die Pudel schwimmen um ihn herum. Pause in der Musik.) + +Eduard. Er ist verloren! + +Kolibri. Wirf ihm den Zweig zu. + +Eduard (wirft den Zweig ins Wasser und ruft) Florian, Apport! Der +Pudel sucht ihn zu haschen, arbeitet sich mit dem Zweig in dem Mund +auf den Felsen hinan, wo Eduard steht. Wie er oben ist, ruft +Eduard unter Musik: Er ist gerettet! Der Felsen verwandelt sich in +ein Segelschiff und faehrt mit den Dreien davon. + +Koliphonius (ruft). Fluch und Verderben ueber euch! (Der Pudel +bellt im Fortfahren mit Wut auf ihn hinaus.) + +(Die Kurtine faellt.) + +Ende des ersten Aufzuges. + + + + +Zweiter Aufzug. +(Palast des Longimanus mit einem Seitenthron.) + + + +Erste Szene. +Longimanus sitzt auf dem Throne, um ihn mehrere dienstbare Geister. + +(Grosser Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.) + + +Chor. Heil, Longimanus! + +Longimanus. Ist schon gut, schon gut! Bedank' mich aufs +allerschoenste. (Fuer sich) Freut mich recht, dass s' mir haben heute +einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist. + +(Der Chor ab). + + + +Zweite Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (ueberreicht dem Longimanus einige Visitenkarten). +Zauberer Vanille; Fee Maraskino! + +Longimanus. Aha! Kommen schon die Billetten ang'stochen. (Liest.) +La Hexe de Marascino et sa famille. Monsieur Vanille, +Professeur de la Magie. Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung. +Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, bloss wegen +die Zugbilletten. (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie +man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fuss in die Hoehe. (Lacht.) +Ist das nicht praechtig? + +Pamphilius (lacht). O, scharmant! Das ist ein herrlicher Gedanke. + +Longimanus. Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn +die Leut' glueckwuenschen kommen. Warum? Weil man gewiss ueberzeugt +ist, dass es ihnen vom Herzen geht. (Man hoert den Pudel von aussen +bellen.) Wer bellt denn da draussen? + +Pamphilius (sieht hinaus). Ein grossmaechtiger Pudel! + +Longimanus. Will er mir vielleicht auch zum Namenstag gratulieren? +Schau doch hinaus. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Wenn der mir seine Aufwartung machen wollt', das war' +wirklich zu viel; da muesst' ich protestieren. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (kommt zurueck). Herr! Zephises' Sohn hat die Reise +nach dem Zaubergarten gluecklich vollendet und wagt es, sich dir zu +Fuessen zu werfen. + +Longimanus. Hoer' auf! Das ist ein Tausendsasa! Hat sich nicht +umgeschaut! Auf die Letzt hat er gar das Rheumatische im Hals, dass +er den Kopf nicht hat umdrehen koennen. Er soll hereinkommen; doch +seinem Vater sagst, dass er nicht herueber kommt; er darf nicht reden +mit ihm. Aber wegen was hat er denn einen Pudel? + +Pamphilius. Vielleicht ist er ein Pudelnegoziant. Ich werd' ihn +gleich hereinschicken. (Geht an die Kulisse und laesst Eduard herein.) + + + +Vierte Szene. +Eduard. Vorige. + + +Eduard. (kommt, hat den Zweig in der Hand und stuerzt zu des +Longimanus Fuessen). Maechtiger Zauberfuerst! + +Longimanus. Ich bitt' recht sehr, stehen Sie auf, ist alles zuviel. +(Hebt ihn auf, zu Pamphilius.) Bring' Er Sesseln! + +(Pamphilius bringt zwei Sesseln.) + +Longimanus. So! Jetzt geh nur hinaus! (Pamphilius geht ab.) +Nehmen S' Platz. + +Eduard. Sonne der Welt! Du zermalmst mich durch deine Guete. + +Longimanus. Warum nicht gar! Reden S' nur frei heraus von der +Leber weg. Mit was kann ich dienen? Sie sind also der kleine +Eduardl? + +Eduard. Ja, ich bin die arme Waise. + +Longimanus. Nun, wenigstens muessen S' in Ihrem Waisenhaus eine +gute Kost gehabt haben; Sie sind recht auseinander gangen. + +Eduard. Nur durch das Vermaechtnis meines ungluecklichen Vaters bin +ich seit kurzer Zeit in den Besitz jenes grossen Reichtums gelangt, +den er durch deine hohe Gunst erhalten hat. Ich bin hier, dich um +eine Gnade anzuflehen. Doch, bevor ich diese Bitte wage, liegt +eine andere mir--(Der Pudel bellt.) + +Longimanus. Ja, Apropos! Du hast ja einen Kameraden bei dir? Lass +mir ihn doch herein. He, lasst den Pudel herein! + +(Der Pudel springt herein, zuerst auf Eduard und liebkost ihn, dann +zum Zauberkoenig.) + +Longimanus. Nun, mich freut's, Ihre Bekanntschaft zu machen. Das +ist ein spassiger Kerl. Wie spricht der Hund? Schau', gibt keine +Antwort. Ach, den muessen Sie mir zum Praesent machen, ich werd' ihm +gleich die Ohren schneiden lassen. He! + +(Der Pudel fangt zu lamentieren an und verkriecht sich hinter +Eduard.) + +Eduard. Um alles in der Welt nicht! Eben das Schicksal dieses +armen Pudels war es ja, worueber ich dich um Gnade anflehen wollte. + +Longimanus. Das ist doch schrecklich, was das Schicksal treibt; +jetzt kommt's gar ueber die Pudeln! + +Eduard. Dieser Aermste ist mein Diener; seine Anhaenglichkeit an +mich verleitete ihn, den Zauberberg nach mir zu besteigen, und ein +einziger Rueckblick hat ihn in diese schreckliche Lage versetzt. + +Longimanus. Wie ist er denn dem Koliphonius entwischt? Hat gewiss +wieder das kleine Spitzbuebel, der Kolibri, sein' Hokuspokus gemacht. +Dem Buben lass' ich noch einmal einen Schilling geben. + +Eduard. Habe Mitleid! Schenke ihm seine vorige Gestalt wieder! + +Longimanus. Nu, wegen meiner; so lass ihn da in den Zauberkasten +hinein. (Er oeffnet den Kasten und laesst den Pudel hinein.) Ich +bitt', hineinzuspazieren. (Zu Eduard.) Und jetzt ruf ihn dreimal +beim Namen. + +Eduard. Florian! Florian! Florian! + +Florian (im Kasten). Na, aufmachen da! Sapperment! + +(Eduard oeffnet den Kasten.) + +Florian (koemmt im groessten Zorn heraus). Ah, das ist ja inpertinent! + Mord dividomine! (Stoesst ploetzlich gegen den Zauberkoenig und +faellt aengstlich auf beide Knie nieder.) Ui jeges! Ich bitt' +tausendmal um Verzeihung, Euer Langmaechtigkeit! + +Longimanus. Das ist ein zorniger Nickel! So geht's, wenn man +manchmal Leuten Gefaelligkeiten erweist, so sind s' noch recht grob +dafuer. + +Eduard. So bedank' dich doch, unartiger Bursche! Dem +Geisterkoenige verdankst du deine jetzige Gestalt wieder. + +Florian. Ich kuess' die Hand, Euer Hochmaechtigkeit! + +Longimanus. Ich weiss nicht, ob Er viel profitiert hat bei seiner +Verwandlung; Er ist mir als Pudel viel gescheiter vorgekommen als +jetzt. Also weiss Er jetzt, wie einem Pudel zumute ist? + +Florian. Ah, das war ja ein Hundsleben; das moecht' ich meinem +aergsten Feind nicht wuenschen. Aber wie ist denn meine Mariandel +daher kommen? + +Longimanus. Das war nicht Seine Mariandel! Wir haben Mariandeln +g'nug. Punktum! Also kuenftig g'scheiter sein. (Zu Eduard.) Also, +mein lieber Eduard, den haetten wir. Was willst denn noch, mein +Kind? + +Eduard. Lass mich niedersinken und-- + +Longimanus. Der Mensch hat so schwache Nerven, alle Augenblick' +sinkt er. + +Eduard. Du hast meinem Vater sechs Statuen zum Geschenk gemacht, +doch die siebente, kostbarste, maechtiger Zauberkoenig! zuerne nicht, +wenn ich mich erkuehne, auch ihren Besitz von deiner +unerschoepflichen Grossmut zu erflehen. + +Longimanus (macht grosse Augen und sagt mit Gewicht). Die siebente +Statue willst du? Ja, die hat einen Wert; da kriegt man schon in +einem jeden Versatzamt was d'rauf. + +Eduard. O, schenke sie mir! + +Florian. Rucken S' heraus damit! + +Longimanus. Nur Geduld! Weisst du was? Umsonst ist der Tod! Wenn +man etwas haben will, so muss man auch etwas dafuer tun; nicht wahr? + +Florian. Ja, springen muss man immer was lassen. + +Longimanus. Also Schwierigkeit gegen Schwierigkeit! Du sollst die +diamantene Statue haben, aber--du musst mir dafuer ein Maedchen +aussuchen, welches in ihrem achtzehnten Jahre ist und noch in ihrem +Leben keine Luege ueber ihre Lippen gebracht hat. + +Florian Da kriegen wir s' nicht, die Statue! + +Eduard. Hoher Herr! Du machst eine grosse Forderung an mich +schwachen Sterblichen; doch ich will auch das Unwahrscheinliche +wagen fuer den Besitz dieses Zauberschatzes. + +Longimanus. Du willst also? Eh bien! Wenn du sie aber gefunden +hast, so bringst du sie augenblicklich hierher und erwartest mich +am Fusse meines rauchenden Palastes. Unterstehst du dich aber, +einen Augenblick mit ihrer Uebergabe zu zoegern, so ist dein Leben +verloren. Ja, schau' mich nur an! Ich mach' kein' Spass! +Augenblicklich, da kommt kein Pardon! + +Eduard. Ich fuege mich deinem Ausspruche. Doch, wie wird es mir +moeglich werden, diese Priesterin der Wahrheit zu erkennen? Wie +kann ich erfahren, ob ein Maedchen auch nicht im Scherze noch +gelogen hat! Wer im ganzen Hause wird mir das sagen koennen? + +Florian. Nur beim Hausmeister erkundigen. + +Longimanus. Da hast du recht. Da muss ich dir ein Kennzeichen +geben. + +Florian. Ja. fragen S' nur mich allemal; ich werd' Ihnen's schon +sagen. + +Longimanus. Richtig, durch den sollst du's wissen, weil er gar so +eine Freud' damit hat, unser Freund. + +Florian. Ja, ich bitt', Euer Herrlichkeit! Ich g'freu' mich schon. + +Longimanus. Wenn du ein Frauenzimmer pruefen willst, so ergreife +ihre Hand; hat sie schon einmal gelogen, so wird dieser Bursche da +im ganzen Koerper entsetzliche Schmerzen empfinden. + +Florian (ganz erstarrend). Mich trifft der Schlag! + +Longimanus. Es wird ihn reissen, stechen, kurz, alles moegliche, was +er sich nur selbst wuenschen kann. + +Florian. Ich bitt', das ist wirklich zuviel! + +Longimanus. Und je mehr Luegen, als eine in ihrem Leben gesagt hat, +in desto groessere Zuckungen wird er verfallen. + +Florian. Sie verzeihen, aber ich muss hinaus! (Will fort.) + +Eduard. Halt! Warum denn? + +Florian. Mir wird nicht gut. + +Longimanus. Du bleibst da! + +Florian. Euer Herrlichkeit, das geht nicht; das bringet mich ja +ins Spital! + +Longimanus. Schweig! Also--wo sind wir geblieben? Richtig, desto +mehr Reissen wird er empfinden. + +Florian (will fort). Hoeren Euer Herrlichkeit mit dem Reissen auf, +oder es reisst mich zur Tuer hinaus. Wer wird denn in einem +rheumatischen Dienst bleiben? + +Longimanus. Langsam! Auf Regen folgt Sonnenschein. Wenn du aber +eine findest, die noch nie gelogen hat, so wird er ein +ausserordentliches Wohlbehagen empfinden. Es wird ihm so leicht +sein und so froh, als wie einem Menschen, der das erstemal einen +Langaus tanzt. + +Florian. Ja, wenn er sieben Jahre die Gicht g'habt hat. Nun, ins +Himmelsnamen, lassen wir uns halt eine Weile herumreissen. + +Eduard. Sei ruhig, Florian! Wenn ich mein Ideal gefunden habe, so +will ich dich reichlich belohnen. + +Florian. Mich? O je, wo bin ich da schon? Bis dorthin reisst's +Ihnen ein dreihundert Bediente z'samm', wie nichts. + +Longimanus. Und jetzt macht's, dass Ihr weiter kommt. Wie willst +denn fahren? (Ruft.) He, Pamphilius! + + + +Fuenfte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus (zu Pamphilius). Lass ihnen meine zwei alten Drachen +einspannen, die ich vor meinem Galawagen habe, das sind doch ein +Paar sichere Tiere. + +Pamphilius. Maechtiger Herrscher, das ist unmoeglich! Der Handige +hat sich einen Fluegel gebrochen. + +Longimanus. Da hast es ja. Das ist von dem g'schwinden Fahren. +Jetzt darf ich wieder langmaechtig suchen, bis ich einen gleichen +dazu krieg'. Weisst du was? Fahr du in einem Luftballon, und wo er +mit dir niedergeht, dort probier' dein Glueck. Geht's hinueber in +die Schupfen um einen Luftballon, der Kolibri soll kutschieren. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Also viel Glueck! Fuer ein schoen's Wetter werd' ich +schon sorgen, und wollt Ihr andere Kleider, nur drueben mein' +Schneider sagen, in fuenf Minuten sind sie fertig. + +Eduard. Hoher Geisterfuerst! Mit mutigem Vertrauen trete ich meine +Reise an, mein hoechstes Glueck liegt in deiner Hand. + +Florian. Maechtiger Zauberfuerst und wohlgeborner Zechmeister der +loeblichen Geisterzunft! Mit der entsetzlichsten Tremarola tret' +ich meine Reise an; haben Sie Mitleid mit meiner schwachen +Konstitution, und denken Sie, dass ein Mensch keine solchen +Schmerzen mehr auszustehen vermag, der sich erst vor kurzem noch so +herumgepudelt hat. + +Longimanus. So wart' Er noch ein wenig! Das ist ein naerrischer +Mensch! Es geschieht Ihm ja nichts, wegen was lamentiert Er gar so? + +Florian. Sehen Euer Herrlichkeit, mir ist nur, wenn ich eine +verrissene Physiognomie bekaeme, meine Mariandel schauet' mich in +ihrem Leben nicht mehr an. + +Longimanus. Was ist denn das fuer eine Person, die Mariandel? Ist +s' denn gar so huebsch? + +Florian. No, wann S' was g'spannen; das ist eine barbarische +Schoenheit. Die ganze Welt darf man ausreisen, es gibt keine.--Ach, +ich glaub' nicht, dass man in der Walachei eine findet. + +Longimanus. Nu, bravo! Die muss Er mir einmal auffuehren. + +Florian (lacht). Ach nein! Euer Herrlichkeit sind gar ein +G'spassiger? Sie koennten mir s' abwendig machen. + +Longimanus. So sei Er nur nicht so kindisch; was fallt Ihm denn +ein? + +Florian. Nein, nein! Was nuetzt denn das? Ich gib s' nicht aus +der Hand. Wer mir meine Mariandel stehlet, der waer' ein Kind des +blassen Todes! Ha! da wuerde ja gerauft! Euer Herrlichkeit sind +ein stattlicher Mann, aber die Schlaeg' moecht' ich Ihnen nicht +wuenschen, denn meine Mariandel ist meine einzige Passion! + +Arie. +D' Mariandel ist so schoen, +D' Mariandel gilt mir all's, +Und wenn ich s' nur erwischen kann, +Fall' ich ihr um den Hals. +Es gibt zwar der Mariandeln viel +Auf dieser weiten Welt, +Doch keine, die so herzig ist, +Und die mir so gefaellt. +D' Mariandel ist so zart, +Ja, ich gesteh' es frei, +Bis sie ein halbes Knoedel isst, +Derweil hab' ich schon drei. +Und wenn ich oft recht hungrig bin, +Zerspringt ihr fast das Herz, +Da lauft s' nur g'schwind in d' Kuchel naus +Und kocht mir einen Sterz. + +D' Mariandel ist so treu, +D' Mariandel ist so frumm, +Und wenn ich s' nicht bald z'sehen krieg', +So bring' ich mich noch um. +Denn wer nur a Mariandel hat, +Der weiss es so, wie ich; +Nicht wahr? So oft man an sie denkt, +Gibt's einem einen Stich! + +Repetition. +D' Mariandel ist gar g'scheit, +D' Mariandel ist nicht dumm, +D' Mariandel meint, in Wien dahier +Waer's beste Publikum! +Drum glaub' ich der Mariandel auch, +Sie hat mich nicht vexiert; +Ich hab' auf ihren Spruch vertraut +Und hab' mich nicht geirrt! (Ab.) + +Longimanus (allein). Jetzt haben s' schon Zeit gehabt, dass sie +gegangen sind. Nicht einmal sein Schalerl Kaffee kann man mit Ruhe +trinken. (Ruft.) Pamphilius! + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Longimanus. Die neuen Buecher, die ich aus der Leihbibliothek +gekriegt hab', tragst ins Lesekabinett hinueber und bringst alles in +Ordnung, ich will lesen. + +Pamphilius. Befiehlst du auch einen aromatischen Rauch im Zimmer? + +Longimanus. Spaeter kannst du mir ein bissl einen blauen Dunst +vormachen. Und jetzt hinueber, richt' alles her. Mein Tischerl, +zwei Wachskerzen und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das +Stueck les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich weiss immer noch +nicht, warum sie s' denn eigentlich ins Wasser geworfen haben. +Jetzt komm, Pamphilius. (Beide gehen ab.) + + + +Siebente Szene. +Platz, von hohen schoenen Gebaeuden umschlossen, doch alle ohne +Fenster im griechischen Geschmacke erbaut. Rechts der Eingang in +den Palast des Veritatius. Links vorne eine Erhoehung von +steinernen Stufen, worauf der Sitz sich befindet, hinter dem die +Statue der Wahrheit steht. Eine nackte Figur mit der Sonne auf der +Brust.) + + +Chor der Einwohner. +Stille, stille! Harrt bescheiden, +Bis des Hornes Ruf ertoent. +Schrecklich muss der Freche leiden, +Der des Herolds Wort verhoehnt. +Was wird er uns wohl verkuenden, +Was muss vorgefallen sein? +Doch wir werden's bald ergruenden, +Seht, hier tritt er ja schon ein. + + + +Achte Szene. +Vorige. Zwei Diener des Herolds treten vorauf und stossen dreimal +in ihr goldenes Horn, welches der roemischen Tuba gleicht. Dann +tritt der Herold in die Mitte. + + +Rezitativ. +Herold. +Bewohner des friedlichen Landes! +Ich bin erschienen, euch zu verkuenden +Die Befehle unseres Herrschers. +Schon wenn die naechste Stunde toent, +Muesst ihr euch hier auf sein Geheiss versammeln. +Er wird ein Maedchen heut bestrafen, +Und sie verscheuchen aus des Landes Grenzen, +Weil frech die Sitten sie verhoehnet, +Die doch mit Milde uns begluecken, +Und die allein sind unsres Landes Stolz. + +Arie mit Chor. + +Herold. + Hier im einsam stillen Lande, +Wo der ew'ge Friede wohnt, +Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe suess belohnt. + +Chor. + Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe suess belohnt. + +Herold. + Darum wandelt, meine Brueder, +Mit Bedacht zur Arbeit hin, +Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +Chor. + Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +(Alle gehen ab.) + +(Die Musik geht nach dem Chor in eine artige Variation, ueber das +Thema: "Es reisen drei Schneider zum Tore hinaus, ade!" ueber.) + + + +Neunte Szene. +(Der Luftballon, welcher eine dunkelblaue Kugel vorstellt, aber +nicht mit den gewoehnlichen Streifen, sondern quer ein Paar weisse +Bordueren hat und zwei weisse Fluegel, welche zu beiden Seiten +angebracht sind, geht langsam nieder.) + + +Eduard, Florian, Kolibri als Luftfahrer mit einem rosenroten +Faehnlein steigen aus dem daranhaengenden goldenen Schifflein. +Eduard traegt eine gruene Zivil-Uniform, weisses Beinkleid und +Federhut. Florian rote Livree mit Goldborten. + +Kolibri. Also hier waeren wir, Mongolfier hat seine Schuldigkeit +getan. Jetzt vollende du das weitere. + +Eduard. Wo sind wir denn eigentlich? + +Kolibri. Das wirst du schon erfahren; ich handle ganz zu deinem +Besten. Kolibri ist nicht dumm. Jetzt verlasse ich dich, und wenn +du mich brauchen wirst, werde ich gleich bei der Hecke sein. +(Nimmt einen andern Ton an und den Hut ah.) Euer Gnaden, ich bitt' +um mein Trinkgeld! + +Eduard. Ja, richtig! Hier, mein kleiner Fuhrmann! (Gibt ihm ein +Goldstueck.) + +Kolibri. Euer Gnaden verzeihen, ich habe noch etwas gut von der +letzten Station; wissen S', mit die Fuechseln? Es waren zwei +Goldfuechsel, und Sie haben mir da nur eines gegeben (haelt ihm das +Goldstueck vor). + +Eduard (gibt ihm noch eines). Ja so! Bist du so geldgierig? + +Kolibri. Das versteht sich! Ich muss mir ja was zusammensparen auf +meine alten Tag'. Empfehle mich gar schoen. (Macht einen Kratzfuss +und steigt in den Luftballon, der mit ihm sogleich fortfaehrt.) + +Eduard. Eine sonderbare Stadt! Es ist alles so stille in den +Strassen, als ob sie unbewohnt waere. Nun, Freund Florian, warum so +betruebt? Gefaellt es dir hier nicht? + +Florian (der durch die ganze Szene sehr truebselig aussah und oefters +nachzudenken schien). Nein! Fuer mich bluehen auf diesem Boden +keine Rosen! + +Eduard. So sei nur nicht so einfaeltig! Es wird ja den Hals nicht +kosten. + +Florian. O, ich bitte, schweigen Sie! Glauben Sie, das ist ein +Spass, wenn's einem was wegreisst? So weit hab' ich's gebracht! Das +ist das Los des Schoenen auf der Erde! + +Eduard. Jetzt befehle ich dir, zu schweigen und an jenem Palast zu +laeuten, dass wir hoeren, wo wir sind. + +Florian. Na, es ist recht; ich will alles tun. Verzweiflung, nimm +dein Opfer. (Er laeutet.) + + + +Zehnte Szene. +Aladin, der Aufseher dieses Palastes, oeffnet die Tore und tritt +heraus. Vorige. + + +Aladin. Was seh' ich? Fremdlinge? Durch welche Zaubermacht seid +ihr hierher gelangt und was begehret ihr von uns? + +Eduard. Willst du, wuerdiger Unbekannter, mir wohl vorher die Frage +beantworten, wo ich mich eigentlich befinde? + +Aladin. Du befindest dich in dem Lande der Wahrheit und der +strengen Sitte, und dein Fuss beruehrt den Boden unserer Hauptstadt. + +Eduard. Freue dich, Florian, wir sind unserem Ziele nah'. + +Florian. Ich wollt', ich waer' noch weit von meinem Ziel. + +Aladin. Hier ist der Palast unsers Herrschers; ich bin nur sein +Diener. + +Florian. Jetzt ist der auch nur ein Bedienter. + +Eduard. Willst du mich bei deinem Herrscher melden? Ich bin weit +ueber dem Meere, ein Prinz aus dem Lande der Aufrichtigkeit und habe +mit meinem treuen Diener (Florian verbeugt sich) in einer +neuerfundenen Luftmaschine die Reise in euer Land gemacht, um mir +eine Braut nach Hause zu fuehren, die ich durch treue Liebe und +ungeheure Reichtuemer zu begluecken gedenke. + +Aladin. Deine Gesinnungen sind gut, und ich werde sie unserm +Herrscher treu berichten. + +Eduard. Doch jetzt mache mich auch mit den Gewohnheiten eures +Insellandes bekannt. + +Florian. Ja, erzaehlen S' uns ein bissel was. + +Aladin. Auf unserer Insel wirst du den Streit vergebens suchen; +wir haben gar keinen Verkehr mit irgend einem Lande. Feste geben +wir nie, wir glaenzen nur durch Wahrheit. + +Florian. Das ist sehr schoen von Ihnen. + +Aladin. Einsam ist es in den Strassen, denn man geht nur aus, wenn +es sehr notwendig ist. + +Eduard. Doch ich sehe keine Fenster an den Haeusern. + +Aladin. Die gehen in den Garten, die Aussicht ist zurueck. + +Florian. Sie werden halt die Augen auf dem Rucken haben, weil s' +vorn zuviel Aufsehn machten. + +Aladin. Mit grosser Strenge wird bei uns die Luege bestraft, je +nachdem sie nachteilige Folgen verursacht; doch ist man gegen +Weiber nachsichtiger, als gegen Maenner. Verleumdung kennen wir nur +dem Namen nach auf der Insel der Wahrheit und Sittsamkeit. + +Florian. Erlauben Sie, mein Teurer! wenn einer in seiner +Sittsamkeit etwas stiehlt, so wird er doch ganz bescheiden +eingefuehrt? + +Aladin. Wer fehlt, muss bestraft werden. + +Florian. Und da bekommt er hernach seine soliden fuenfzig Strichel? + +Aladin. Das geschieht nicht. Wir schlagen nur die Kleider des zu +Bestrafenden, nicht den Mann; und das ist bei uns die groesste +Schande. + +Florian. Das geschieht bei uns auch. Man schlagt auch nur die +Kleider, aber man wartet so lange, bis sie derjenige an hat, den +wir--(macht die Pantomime des Pruegelns). + +Eduard. Wie ist es ruecksichtlich eurer Heiraten? + +Aladin. In ihrem zwanzigsten Jahre werden unsere Maedchen +verheiratet, ohne dass sie ihren Braeutigam zu Gesichte bekommen +haben. Als Frauen duerfen sie keinen Schritt mehr aus dem Hause +machen. + +Florian. Das ist gut. Wenn eine Geld im Sack hat, kann s' +wenigstens keins verlieren auf der Gasse. + +Aladin. Nur bei oeffentlichen Versammlungen muessen sie erscheinen. +Uebrigens darf kein Maedchen allein ausgehen, wenigstens vier, wo +eine die andre beobachtet, denn es darf sich keine umsehen. + +Florian. Das heisst, sie duerfen niemand ueber die Achsel ansehen. + +Aladin. Und gehen immer in Begleitung von zwei Mohren. + +Eduard. Himmel, welch ein qualvolles Leben! + +Aladin. Wenn ein Mann ein Frauenzimmer auf der Strasse sieht, muss +er sein Haupt zur Erde beugen und darf sie nicht ansehen, sonst ist +er des Todes. + +Florian. Wenn das bei uns der Brauch waer', da schaueten manche +junge Herren den Frauenzimmern nicht so unter die Huete. + +Eduard. Ist das beim Fremden auch der Fall? + +Aladin. Es kommen selten Fremde zu uns. Doch sind sie von diesen +Gebraeuchen ausgeschlossen, soweit es der Anstand gestattet, und es +ist ihnen erlaubt, ehrerbietig ihre Hand zu kuessen. Selten vergisst +ein Frauenzimmer ihren Stolz. Wenn aber ein unwuerdiges Betragen +von einer den andern zu Ohren kommt, so empoert sich auch ihr Gefuehl +so sehr, dass sie in grossen Tadel ueber die Unwuerdige ausbrechen. + +Eduard. Das ist eben kein sicherer Beweis von eigener +Unverdorbenheit des Herzens. + +Florian. Ah, das ist der Neid--mit mir reden! + +Eduard. Ich danke dir fuer deine Auskunft und bedaure die +Ungluecklichen; sie wuerden wahrscheinlich edle Geschoepfe werden, +wenn man ihren Handlungen weniger Zwang auflegen moechte. + +Aladin. Bedauern? Sprich dieses Wort nicht aus in Gegenwart +meines Herrschers, bei dem ich dich jetzt melden werde. Im Lande +der Wahrheit ist niemand zu bedauern, als der, den die Goetter mit +Blindheit geschlagen haben, den unbedingten Wert unserer Handlungen +nicht einzusehen. (Ab in den Palast.) + +Florian. Geh der Herr zu. + + + +Elfte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Aus allem, was ich gehoert habe, schoepfe ich wenig Hoffnung, +ein Maedchen hier zu finden, welches die strengen Anforderungen +meines zauberischen Goenners erfuellen wird. Solch ein unnatuerlicher +Zwang erweckt Verschlossenheit, und Verschlossenheit ist die Mutter +der Luege. Doch sieh, dort kommen einige Frauenzimmer! Ich will +mein Glueck versuchen, Florian, halte dich standhaft. + +Florian. Um alles in der Welt, Gnaediger, sein Sie menschlich! +Denken Sie, solange Sie eine bei der Hand halten, halten Sie mich +beim Schopf; nur gleich wieder auslassen. + + + +Zwoelfte Szene. +Vier verschleierte Maedchen erscheinen, von zwei Mohren begleitet. +Sie prallen bei Eduards Anblick etwas zurueck. Vorige. + + +Eduard. Tulpe der Schoenheit, verzeihe einem Fremdling, der es wagt, +dir seine hoechste Verehrung darzubringen. + +Florian. Mir ist, als wenn ich ausg'fuehrt wuerde. + +Osillis. Ein artiger Mann. + +Amazilli. Welch sonderbare Tracht? + +Eduard. Erlaube mir, deine reizende Hand zu kuessen. (Ergreift +ihre Hand.) + +Florian (schreit). Uijegerl! Ausgelassen! (schwaecher) Auslassen! +(Seufzt.) + +(Eduard laesst ihre Hand los.) + +Osillis (erschrickt). Was ist das? (Zu Florian.) Was ist dir, +Fremdling? + +Florian. Nichts! Ist schon vorbei! Wir wissen schon, wie viel's +geschlagen hat. + +Osillis. Aber du erschreckst uns durch-- + +Florian. Ist ja nicht wahr; ist alles erlogen. + +Eduard. Verzeihe ihm; und auch du, holdes Maedchen! (Ergreift die +Hand der Zweiten.) + +Florian. Auweh! Auweh! Auweh! Die luegt noch staerker. O, +Sapperment! + +(Eduard laesst sie los.) + +Florian. Ah, das ist eine Komoedie! + +Eduard. Schweig, Bursche! + +Osillis. Ist er wahnsinnig? + +Eduard. Mein schoenes Maedchen! (Tritt zwischen die beiden andern +und ergreift zugleich ihre Haende.) + +Florian. Um alles in der Welt! Ich halt's nicht aus! Ich geh' +zugrund! + +(Die Maedchen reissen ihre Haende los und entsetzen sich.) + +Osillis. Welche Verwegenheit! Flieht, Schwestern, das ist ein +Rasender! (Alle vier Maedchen entfliehen mit den Mohren in den +Palast.) + + + +Dreizehnte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Nun, Freund Florian, was sagt dein Barometer? + +Florian. Luegen hat's geregnet. Ich werd' ein miserabler Mensch! +Wenn wir zurueckkommen, duerfen S' mich gleich auf sieben Jahr nach +Gastein oder ins Bruendelbad schicken. + +Eduard. Armer Schelm, du dauerst mich. + +Florian. Das ist eine sittsame Bagage. Die zwei letzten muessen +schon gelogen haben, bevor sie auf die Welt gekommen sind; es ist +nicht moeglich sonst. + +Eduard. Die Forderung grenzt aber auch an Unmoeglichkeit. Doch wir +wollen unsere Hoffnung nicht aufgeben. + +Florian. Ja, haben S' die Gnad'. (Deutet auf's Reissen.) + +Eduard. Willst du, dass wir dieses Land verlassen und in ein +anderes ziehen? + +Florian. Ah, hoeren S' auf, sie luegen ueberall. Es ist doch +g'scheiter, ich geh' hier zugrund', als wenn ich wegen dem noch +eine Weile wohin reisen soll. + +Eduard. Es wird ja doch nicht ueberall so arg sein. + +Florian. Ja, ist schon recht! Jetzt, wenn S' erst auf eine +treffen, die einen reichen Liebhaber hat, den sie fuer einen Narren +haelt; die koennen erst luegen! Da reisst's mich in der Mitten +voneinander. + +Eduard. Still! Man kommt. + + + +Vierzehnte Szene. +Aladin. Vier Mann Wache mit Pfeilen. Vorige. + + +Aladin. Fremdling! Der Herrscher wird in diesem Augenblicke hier +erscheinen, um oeffentliches Gericht zu halten, und bei dieser +Gelegenheit will er dich bewillkommen und deine Bitten hoeren. + +Eduard. Nimm meinen Dank fuer deine Botschaft. + +Aladin. Doch haben wir Befehl erhalten, deinen Diener in das +Irrenhaus zu bringen, und ihn mit Ketten zu belasten, wie es sich +fuer einen Rasenden geziemt. + +Florian. Was? Mich wollen s' in den Narrenturm sperren, und ich +bin gescheiter, als sie alle? + +Aladin. Ergreift ihn. + +Florian. Ich sag's ja, wo ich hinkomme, halten mich die Leute fuer +einen Narren. So nehmen S' Ihnen doch an um mich! Wird sich doch +einer um den andern annehmen? + +Eduard. Halt! Er ist mein Diener, und niemand hat ein Recht auf +ihn, als ich. Ich stehe fuer seinen Verstand und fuer sein kuenftiges +Betragen gut. + +Florian. Ja, wir setzen was ein. + +Aladin. Wohl, doch bei dem kleinsten Anfall werden wir unsere +Befehle vollziehen. + +Eduard. Also huete dich! + +Florian. Jetzt muss ich mir eine Ehr d'raus machen, wann's mich +reisst. + +Aladin. Fremdling! Folge mir, bis ich dich dem Beherrscher +vorstellen darf. (Geht mit Eduard ab.) + +Eduard (im Abgehen). Florian, nimm dich in acht. (Ab.) + +Florian. Reden Sie nichts auf mich; Sie haben auch schon +ausgedient bei mir. (allein.) Ich unglueckseliger Mensch, was fang' +ich an? Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts; denn wenn er in +England eine bei der Hand nimmt, so fangt's mich in Holland zum +Reissen an. Es ist kein Mittel, als sukzessiv hin zu werden; immer +matter, bis es aus ist. + +Quodlibet. +Werd' ich denn hier sterben muessen? +Soll ich nicht die schoene Gegend +Draust bei Waehring wiedersehn? +Nimmermehr am heitern Ufer, +Beim Kanal spazieren gehn? +Nein, du armer Michel, +Der Tod kommt mit der Sichel! +Wie traurig ist doch mein Geschick! +Mir blueht auf dieser Welt kein Glueck. +Kein Maedchen, das stets Wahrheit spricht; +O jegerl, g'fallt mir nicht, die G'schicht. -- +Welche Lust gewaehrt das Reissen, +Wenn eine reicht stark luegt. +Glauben Sie's mir! +Ach, ist es denn gar so schwer, +Ein Maedchen z'finden, +Das ein treues Herz besitzt, +Das man kann ergruenden? + O naerrische Leut', o komische Welt! + Einmal war es ganz anders! + Da gab es noch Maedchen, + Die sassen am Rocken + Und spannen am Raedchen. + +Jetzt putzen und zieren sie sich, wie die Affen, +Und lassen sich hinten und vorne begaffen. +Hab' ich nicht recht? Nun, wenn S' erlauben! +Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen: +Was macht denn der Florl? sag', ist er recht g'sund? +Er liegt im Spital draust, ist ganz auf den Hund. +Ist das wahr? Der arme Narr! +Lieber Herr Franzel, nur jetzt kein Tanzel! +Denn erster Liebe Kraft, +Bleibt ewig Leidenschaft! +Und ihr Florl, meint sie, +Gilt ihr alles, meint sie, +Von Amstetten, meint sie, +Bis Hernals, meint sie, +Gibt's kein Mann, meint sie, +So wie er, meint sie, +Ich waer' schoen, meint sie, au contraire! + + Drum will ich lustig sein, + Und mich des Lebens freun! + Nur in dem Landel, + Wo mein Mariandel + Sehnsuchtvoll wartet, + Moecht ich schon sein. + +Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris, +Nur in Wien ist's am besten, das weiss man schon g'wiss; +Man weiss, dass's in hundert Jahren auch noch so is'! +Aber, ob wir nicht g'storben sein, weiss man nicht g'wiss. +Drum, wenn ich hier sterben sollt', und Sie nimmer sich, +So bitt' ich halt gar schoen, so denken S' an mich! + + + +Fuenfzehnte Szene. +Man hoert einen Marsch. Alles Volk erscheint und stellt sich in +einen halben Zirkel, dessen Mitte frei bleibt. Die Frauenzimmer +stehen vor den Maennern unverschleiert. Veritatius erscheint mit +seiner Tochter Modestina. Aladin, Wachen, dann Eduard und Florian. + + +Chor. +Stellt euch um der Wahrheit Thron, +Sprecht der frechen Luege Hohn. + + +Veritatius (besteigt mit Modestina seinen erhabenen Stuhl). Volk +dieser Stadt! Ich habe dich versammeln lassen, um Zeuge zu sein +bei der Verbannung eines Geschoepfes, welches schon seit langer Zeit +durch ausgelassene Manieren die Gebraeuche unserer Insel mit Fuessen +tritt. + +Alle. Hoch lebe Veritatius! + +Veritatius. Doch bevor wir den Vorhang dieser unangenehmen Szene +eroeffnen: Aladin, fuehre den Fremden vor. (Aladin geht und bringt +Eduard und Florian.) + +Veritatius. Sei mir willkommen, Fremdling! Du bist also der Herr +vom Lande der Aufrichtigkeit?--Was ist denn das fuer eine pitoyable +Figur, die dort an deiner Seite steht? + +Eduard. Es ist mein Diener. (Deutet Florian, dass er sprechen soll.) + +Florian. Bin so frei, meine ergebenste Aufwartung zu machen. + +Veritatius. Das ist ein spassiger Mensch, ich muss ueber ihn lachen. +(Lacht; zu den uebrigen.) Man lache auch ein wenig ueber ihn. + +(Alle lachen.) + +Florian. Das ist eine dumme Nation! + +Veritatius. Und nun zur Sache! Ich habe gehoert, dass du dir eine +Braut erkiesen willst, und weil du mir so wohl gefaellst, auch aus +vornehmem Stande bist, so stelle ich dir hier meine Tochter vor. +Man verwundere sich. (Alles verwundert sich.) Wenn er dir gefaellt +und seine Abkunft beweiset, will ich mit Freuden euere Haende +ineinander legen. + +Modestina. Fremdling! Gewohnt, den Befehlen meines Vaters zu +gehorchen, reiche ich dir mit Freuden meine Hand, wenn du mich +vorher ueberzeugst, dass dein Edelmut sie verdient. + +Florian. Ui jegerl, ich freu' mich schon. + +Eduard. Nimm meine Huldigung, Holdeste deines Geschlechtes. +(ergreift ihre Hand.) + +(Florian empfindet Schmerz, sucht ihn aber durch unartikulierte +Toene und Lippenbeissen zu verbergen.) + +(Eduard sieht auf Florian; dieser deutet nein, er laesst ihre Hand +mit Anstand los.) + +Modestina. Er gefaellt mir recht wohl. + +(Dumpfer Laerm von aussen, man hoert Aminens Stimme.) + +Aminens Stimme. Lasst mich! Lasst mich! + + +Sechzehnte Szene. +Amine. Wachen. Vorige. + + +Amine (stuerzt herein, hinter ihr Wache). Lasst mich, ihr +abscheulichen Maenner! (Stuerzt zu Veritatius' Fuessen.) Guetiger Herr! +Was hat die arme Amine verbrochen, dass sie solchen Misshandlungen +preisgegeben wird? Ich bin ja ein armes, unschuldiges Maedchen, das +noch niemand auf der Welt etwas zuleide getan hat. + +Veritatius. Wie kannst du es wagen, vor meine Augen zu treten, +ohne dass ich dich rufen liess? Ausgelassenes Geschoepf, ueber dessen +Verbrechen sich alle Bewohner dieser Stadt entsetzen. + +Amine. Aber worin bestehen denn meine Verbrechen? Dass ich ueber +die spitzige Nase deines Tuerstehers gelacht habe, dass ich auf der +Strasse herumgelaufen bin, meinen Papagei zu fangen, dass ich mein +Haupt mit keinem Tuche umwinden will, weil ich Kopfschmerzen davon +bekomme, und dass ich endlich keine traurige Miene machen kann, weil +ich ein froehliches Herz im Busen trage, sieh, das kann ich nicht +lassen, lachen muss ich; und wenn du noch so zornig auf mich +blickest und deine Augenbrauen so hinauf ziehest, so werd' ich +wieder recht zu lachen anfangen muessen. + +Veritatius. Welch unerhoerte Frechheit! Man aergere sich mit mir! +(Pause.) Nein, man aergere sich nicht; es will sich nicht geziemen, +dass wir wegen dieser Verbrecherin in Aerger geraten. Als eine arme +Waise hat man sie hier aufgenommen, weil ihr Vater, ein englischer +Kapitaen, mit seinem Schiffe an dieser Insel strandete und seinen +Tod in den Wellen fand; und diese Bettlerin wagt es, das Aergernis +einer ganzen Stadt zu werden? Man ergreife sie, setzte sie in ein +Schifflein und treibe es hinaus in die See, fern hin von dem Lande +der Wahrheit, damit die Wellen das Spiel mit ihr treiben, das sie +nur zu lange mit uns getrieben hat. (Die Wachen ergreifen sie.) + +Aladin. Fuehrt sie fort. + +Eduard. Halt! (Fuer sich.) Ein unwiderstehliches Gefuehl reisst mich +hin, sie auf die Probe zu stellen. + +Florian. Ah, das ist ja entsetzlich; das nimmt ja gar kein Ende. + +Eduard (laut). Erlaube mir, maechtiger Herrscher, eine einzige +Frage an dieses Maedchen zu stellen. + +Veritatius. Man stelle sie. + +Eduard. Gutes Kind, hast du Vertrauen zu mir? + +Amine. Ach ja! Du hast kein uebles Gesicht und scheinst ein guter +Mensch zu sein. Amine fuehlt das gleich. + +Eduard. Reiche mir deine Hand. + +Amine. Hier hast du sie. (Gibt sie ihm.) + +Florian (faengt an, einen unendlichen Frohsinn und eine innere +Lustbarkeit auszudruecken). Euer Gnaden, die b'halten wir, die +lassen wir nimmer aus. + +Alle. Was soll das bedeuten? + +Amine. Ach, nimm dich meiner an; ich bin gewiss nicht schuldig! + +Eduard. Nein, das bist du nicht, du gutes Maedchen. Wahrheit +besteht nicht bloss durch aeussere Form, sie wohnt im Innersten des +Herzens, und Ungezwungenheit und Naivitaet duerfen immer ihre +lieblichen Schwestern sein. + +Veritatius. Habt ihr ihn verstanden? + +Alle. Ja! + +Veritatius. Ich nicht. Man verstehe ihn auch nicht! + +Eduard. Hoere mich, Veritatius! Ich verzichte auf die Hand aller +Maedchen deines Landes; lass mir Amine, und ich fuehre sie als meine +Gemahlin mit mir in mein Reich. + +Modestina. Wie? Du wagst es? + +Alle. Entsetzlich! + +Veritatius. Ruhig! Man schweige! Sieh, Verblendeter! Weil du es +wagst, meine Gastfreundschaft durch solchen Undank zu lohnen, so +will ich dich auch dafuer bestrafen. Du sollst sie haben; aber +augenblicklich meidest du dieses Land und tust ihm nie wieder die +Schande an, es zu betreten. + +Eduard. Dank deiner Guete! Kolibri, lichte die Anker, schwelle die +Segel! + +Kolibri (faehrt mit dem Luftballon nieder). Komm' schon; bin schon +da. + +Eduard. Und nun komm, Amine, und du, Veritatius, traure; denn ich +entfuehre dir ein seltenes Kleinod, dessen Wert du nicht zu schaetzen +wusstest. (Musik ertoent, Eduard, Amine, Florian und Kolibri steigen +ein, und fahren fort.) + +(Veritatius geht mit seiner Tochter und Aladin in den Palast, die +uebrigen bleiben zurueck.) + +Chor. +Fahret, fahret fort! +Steuert durch die Welt, +Bis zum Ort, bis zum Ort, +Wo euch Reue quaelt. + + +Ein Fallschirm kommt herab, worauf steht: "Koerbchen fuer die Schoenen +dieses Landes." Vier Genien kommen aus der Tiefe und teilen goldene +Koerbchen an die Frauen aus.r + +Chor. +Seht die frechen Laffen hier, +Koerbchen uns zu spenden! +Rache kocht im Busen mir, +Blutig soll es enden! + +(Heftiger Schlag in der Musik. Sie wollen auf die Genien hin, +diese heben die Finger warnend auf; ein augenblickliches Tableau. +Die Genien ziehen aus den Koerbchen verschiedene Schmuckwaren hervor, +die Weiber ergreifen sie freudig. Die Musik und die Singstimmen +sehr piano.) + +Chor. +Doch piano, haltet ein! +In dem Land der Sitten +Muss man fein manierlich sein, +Hier wird nicht gestritten; +Drum verlasset diesen Ort, +Hoeret auf zu tosen, +Traget eure Koerbchen fort, +Fuellet sie mit Rosen! + +(Alle schleichen behutsam fort.) + +(Die Genien zur Seite ab.) + + + +Siebzehnte Szene. +(Fuerchterlicher Wald, Blitze leuchten. Man hoert das Brausen des +Vulkans.) + + +Eduard, Amine, Kolibri, Florian treten ein. + +Kolibri. Wir sind am Ziele, dort ist der Vesuv. + +Amine. Welch ein fuerchterlicher Wald! + +Eduard. Ja, immer finstrer wird der Wald und finstrer wird es auch +in meinem Innern. + +Kolibri. Siehst du dort den Rauch? + +Florian. Aha, da ist eine Ziegelbrennerei! + +Kolibri. Narr! Es ist der Feuerberg; dorthin geht die Reise. +Eduard, lebe wohl! Ich reite jetzt als Kurier voraus und bereite +alles zu deinem Empfang. (Ab.) + + + +Achtzehnte Szene. +Vorige ohne Kolibri. + + +Amine. Was soll das alles heissen? Warum stehst du so in dich +gekehrt? Hat dir Amine etwas zuleide getan? + +Eduard. Ja, Amine, du bereitest meinem Herzen bitteren Schmerz. +(Fuer sich.) Mein Unglueck ist entschieden; ich liebe sie! + +Amine. Ich verstehe dich nicht; du sprichst so dunkel. Sieh, ich +weiss nicht warum? aber ich habe dich in dieser kurzen Zeit so lieb +gewonnen, dass ich niemanden auf dieser Erde weiss, dem ich so gut +sein koennte, wie dir, und du hast doch auf der ganzen Reise +verdriessliche Mienen gemacht. Komm, ziehen wir weiter; und ging' +es durch den Feuerberg, ich ziehe ueberall mit dir. + +Eduard. Es ist umsonst, ich muss es ihr entdecken. So wisse, armes +Geschoepf, ich habe dich betrogen; du wirst nicht meine Gemahlin. + +Amine. Nicht? + +Eduard. Nein. Siehst du jenen Feuerberg, wo die Blitze durch den +Rauch sich winden? Dort wird deine Wohnung sein; jenem +Geisterfuersten hab' ich gelobt bei meinem Leben, dich zu +ueberliefern. + +Amine. Das hast du getan? Du? (Wehmuetig.) Nein, das ist +unmoeglich! Du luegst--und das musst du nicht, Amine hat noch nie +gelogen. + +Eduard. O haettest du es getan, so waren wir beide gluecklicher! + +Amine. Wirklich? Nun, so will ich das in Zukunft wieder gut +machen und mir recht viele Muehe geben, es zu lernen, wenn ich nur +weiss, dass dich das gluecklich macht. + +Eduard. Zu spaet, ich kann nicht mehr zurueck. Amine, du musst mir +folgen. Ich habe diesen Schwur geleistet, bevor ich dich noch +kannte. Wenn ich dich dem Zauberkoenig nicht ueberliefere, so stuerzt +der Augenblick, indem ich diesen Entschluss fasse, mich tot zu +deinen Fuessen nieder. + +Amine. Schrecklich! Schrecklich! Ach, warum hast du mich nicht +den Wellen ueberlassen? Jetzt vielleicht schon waere ein ewiger +Friede in meiner Brust. Doch ich sehe das Entsetzliche deiner Lage +ein, und fuege mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von +Kindheit an mich schon so hart verfolgt. Hier ist meine Hand, +fuehre mich zu dem Zauberkoenig. + +Eduard. Treffliches Maedchen! Ich kann dich nicht ueberliefern; o +armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen +dieser Unschuld. Was soll ich beginnen? + +Florian (der sich waehrend der ganzen Szene zurueckgezogen hatte und +ganz ruhig war, kommt vor). O mein lieber, gnaediger Herr, ich +halt's nimmer laenger aus! Ueberliefern S' mich dem Zauberkoenig, +statt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder +noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und +voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen? +Machen S' eine Beschwoerung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem +Loch, wie einen Grillen, dass er uns einen guten Rat gibt. + +Eduard. Ja, du hast recht, Florian! Diesen Gedanken hat dir ein +wohlwollender Geist eingehaucht. Hoere mich, Vater, wenn du die +Stimme deines Sohns noch erkennst, steig herauf zu mir und rette +mich von meiner Verzweiflung. Vater, Vater! hoere mich! (Es +donnert.) Freude, Amine, er hat mich gehoert, er kommt! + + + +Neunzehnte Szene. +(Zephises kommt aus der Erde in seinem vorigen Geisterkleide. +Vorige.) + + +Eduard. Geist meines Vaters, rate deinem ungluecklichen Sohne! Was +soll ich beginnen? + +Zephises (mit ernster Stimme). Ich bin dein Vater Zephises und +habe dir nichts zu sagen als dieses! (verschwindet wieder.) + +Eduard (spricht langsam). Er ist mein Vater Zephises.-- + +Florian. Und hat uns nichts zu sagen als dieses! Nun, das koennen +wir ja tun; riskieren tun wir nichts dabei. + +Eduard (rasend). Treibt die Hoelle ihren Spott mit mir? Wohlan, +geendet sei dies Spiel! Longimanus, ich loese dir mein Wort! +(Schrecklicher Donnerstreich. Die Buehne verwandelt sich in eine +Felsengegend, in der Mitte erhebt sich der Vulkan; Lava stroemt aus +dem Krater, fliesst ueber den Berg und bildet um dessen Fuss einen +feurigen See. Alle Elemente sind in Aufruhr. Musik.) Wo bist du, +Amine? + +Amine. Himmel, welch ein fuerchterlicher Anblick! + +Eduard. Mir ist er es nicht. Geisterkoenig, ich rufe dich! + +Heftiger Donnerstreich, auf welchen eine totale Stille folgt; unter +sanfter Musik verwandelt sich die Szene. Die Kulissenfelsen werden +zu grauen Huegeln mit Blumen besaeet, der Vesuv wird ein gruenender +Berg, der statt der Lava farbige Blumen auswirft, die man statt den +Streifen der Lava sich herabwinden sieht. Das Lavameer wird ein +Silbersee. Der Geisterkoenig erscheint mit Gefolge. + + + +Zwanzigste Szene. +Longimanus. Gefolge. Feuergeister. Vorige. + + +Longimanus. Nun, bin ich ein galanter Kerl, oder nicht? Du hast +g'laubt, ich werd' meine Braut mit Donner und Blitz empfangen? +Nein! Narren hat's geregnet! Blumen sind da! + +Eduard. Seine Braut! + +Amine. Himmel! + +Longimanus. Du hast also doch eine g'funden? Siehst du's, wann +ich was sag'!--Was fuer eine Landsmaennin? + +Amine (furchtsam). Eine Englaenderin. + +Longimanus. Also ein Wasserkind. Brav! Nun also, die Sache ist +in Ordnung, nicht wahr? (Zu den Feuergeistern.) Fuehrt sie hinein. + +Eduard (fuer sich). Nein, diese Qual ist zu gross! (Laut.) +Longimanus, du darfst sie mir nicht entreissen! Lasst sie hier! + +Longimanus (macht grosse Augen und erstarrt fast vor Zorn). Was ist +das fuer ein Diskurs? Den Augenblick hinein mit ihr! (Die +Feuergeister fuehren sie fort.) + +Eduard. Kehrt zurueck, oder--(er will nach). + +Longimanus (winkt; Donnerschlag; Gewitterwolken fallen vor, aus +welchen fliegende Ungeheuer Eduard entgegengrinsen). Sein schon da! +Was ist denn das? Was unterstehst denn du dich, mir zu drohen? +Du Bursch'! Du Hergelaufener oder Hergeflogener! Wie er gekommen +ist, hat er schon ein Geschrei gehabt, dass ich ihn bis ins dritte +Zimmer hinein gehoert hab', und jetzt untersteht er sich gar und +begehrt ordentlich auf mit mir. Ah, da muss ich bitten! (Scharf.) +Red', was willst du? + +Eduard. Longimanus, Gnade! (Faellt auf ein Knie.) + +Longimanus. Und Longimanus sagt er nur in der Geschwindigkeit so +zu mir, als wann wir schon hundert Jahre bekannt waeren. + +Eduard. Verzeihung, maechtiger Geisterfuerst! Ich bin ein +Wahnsinniger, ich kann ohne Aminen nicht leben! Habe Mitleid und +schenke mir ihre Hand. + +Longimanus. Untersteh dich nicht mehr, ein Wort zu sagen! Jetzt +schaut's ihn an! Macht der auf einmal einen Ernsthaften! (Dreht +die geoeffnete Hand.) Ein Wahnsinniger ist er? Geh, geh, geh, geh, +du Spassiger! Was du begehrt hast, wirst du erhalten. Du hast dir +Reichtum gewuenscht, du wirst ihn finden. Du kriegst den Diamant +und ich das Maedel, so hat ein jeder einen Schatz. + +Eduard. O Zauberfuerst, nimm alle deine Schaetze zurueck, ich will +sie nicht, ich verlange sie nicht. Gib mir Aminens Hand, und ich +will auf alles verzichten. + +Longimanus. Jetzt fangt er gar zum Handeln mit mir an, als ob wir +auf dem Tandelmarkt waeren. Was wir ausgemacht haben, dabei +bleibt's; du bekommst die diamantene Statue und sonst nichts, und +damit du geschwind nach Haus kommst, so werd' ich kutschieren. +Allons! (Winkt. Die Wolken erheben sich, und es praesentiert sich +Zephises' Zaubersaal mit sechs Statuen. Auf dem roten Postament, +worauf jetzt das transparente Wort: Diamant geschrieben ist, steht +Amine im rosensarbnen Kleide mit einem reich mit Flitter gestickten +Schleier, der ihr Gesicht nicht verhuellt, sondern mit huebschem +Faltenwurf um den ganzen Koerper fliesst, ihre Figur muss sehr grell +beleuchtet sein.) Da ist sie, ich uebergeb' sie dir; wir sind quitt! + +Eduard (ohne hinzusehen). Ist sie mein Eigentum? + +Longimanus. Ja! + +Eduard. So will ich sie vernichten, denn sie ist die Ursache +meiner Verzweigung! Ich will sie nicht haben, ich zerschlage sie! +(Eilt mit Wut gegen die Statue.) + +Amine (steigt von dem Piedestale und sinkt in seine Arme). Eduard, +ich bin dein! + +Eduard. Amine! Meine Amine! + +Florian. Er hat sie nicht zerschlagen. + +Eduard (stuerzt freudig zu Longimanus Fuessen). Herr, wie soll ich +dir danken? + +Longimanus. Ja, jetzt! Gelt, ich hab' dich erwischt? Du +Tausendsapperment! Ich hab' dich nur auf die Prob' g'stellt, wenn +dir das Geld lieber g'wesen waer', als sie, haettest du sie in deinem +Leben nicht bekommen. Da hast du s' jetzt. Ein Weib, wie die sein +wird, ist der schoenste Diamant, den ich dir geben hab' koennen. + +Florian. Vivat! Jetzt hole ich meine Mariandel. (Will ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. +Kolibri. Mariandel. Nachbarsleute. Vorige. + + +Kolibri. Da bring' ich Gaeste zur Hochzeit. + +Eduard. Kommt, Freunde, nehmt teil an meiner Freude. + +Mariandel. Florian! + +Florian. Mariandel, du bist mein! Du bist zwar kein Diamant, aber-- +wo bist her? + +Mariandel. Aus Prag. + +Florian. Bist ein boehmischer Stein. + +Longimanus. Und damit wir einen Tanz bei der Hochzeit haben, so +sollen (auf die Statuen deutend) die ein wenig herumspringen. (Die +Statuen steigen von den Postamenten und tanzen unter dem Ritornell.) + +Schlussgesang +(beginnt mit Tanz, dann:) + +Mariandel. Der kleine Liebesgott! + +Florian (singt es nach). Der kleine Liebesgott! + +Mariandel. Treibt mit uns allen Spott. + +Florian. Treibt mit uns allen Spott. + +Mariandel. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Florian. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Mariandel. So fliegt der kleine Schelm davon. + +Florian. Er fliegt davon. + +Chor. Er fliegt davon! Er fliegt davon. + +Mariandel. Die allerschoenste Sach'-- + +Florian. Die allerschoenste Sach'-- + +Mariandel. Sprichst du denn alles nach? + +Florian. Sprichst du denn alles nach? + +Mariandel. So hoer' doch einmal auf! + +Florian. So hoer' doch einmal auf! + +Mariandel. Du dummer, dummer Toelpel du! + +Florian. Du Toelpel du! + +Chor. Du Toelpel du! Du Toelpel du! + +(Zwischentanz, Gruppe.) + +Mariandel. Bin ich nur Frau hernach-- + +Florian. Bin ich nur Frau hernach-- + +Mariandel. Dann sprichst du g'wiss nicht nach. + +Florian. Dann sprichst du g'wiss nicht nach. + +Mariandel. Ich red' den ganzen Tag.-- + +Florian. Ich red' den ganzen Tag-- + +Mariandel. Und du verhaeltst dich maeuschenstill. + +Florian. Ja maeuschenstill! + +Chor. Ja maeuschenstill! Ja maeuschenstill! + +Florian. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Mariandel. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Florian. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Mariandel. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Florian. Wir machen jetzt ein End'-- + +Mariandel. Wir machen jetzt ein End'-- + +Florian. So bleibt ihr doch heut 's letzte Wort. + +Mariandel. Das letzte Wort. + +Chor. Das letzte Wort! Das letzte Wort! + +(Am Schlusse gruppiert sich alles. Die Statuen besteigen die +Postamente, Amine auf dem mittleren. Eduard kniet vor ihr; +Longimanus steht auf der andern Seite, Florian kniet vor Mariandel. +Die Nachbarn gruppieren sich mit freudigem Erstaunen.) + +(Der Vorhang faellt.) + +Ende. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Diamant des Geisterkoenigs, +oder Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzuegen, von Ferdinand Raimund. + + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Diamant des Geisterkoenigs, by Ferdinand Raimund + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER DIAMANT DES GEISTERKOENIGS *** + +This file should be named 7diam10.txt or 7diam10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7diam11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7diam10a.txt + +Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Der Diamant des Geisterkönigs, oder +Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen + +Ferdinand Raimund + + + +Personen + +Longimanus, Geisterkönig. +Pamphilius, sein erster Kammerdiener. +Zephises, ein Magier, als Geist. +Eduard, sein Sohn. +Florian Waschblau, sein Diener. +Mariandel, Köchin. +Amine, eine Engländerin. +Kolibri, ein Genius. +Veritatius, Beherrscher der Insel der Wahrheit. +Modestina, seine Tochter. +Aladin, sein erster Höfling. +Erster und Zweiter Nachbar von Eduard. +Osillis. +Amazilli. +Bitta. +Lira. +Die Hoffnung. +Ein Herold. +Fee Aprikosa. +Fee Amarillis. +Erster und Zweiter Zauberer. +Koliphonius, Wächter des Zaubergartens. +Ein Feuergeist. +Die Stimme des singenden Baumes. +Erste und Zweite Drude. +Der Winter. +Der Sommer. +Der Herbst. +Der Frühling. +Ein Grieche.--Eine Griechin. + +Feuergeister. Luftgeister. Genien. Feen. +Inselbewohner. Eduards Nachbarn. Wache. + + + + +Erster Aufzug. +(Vorhalle im Palaste des Geisterkönigs.) + + + +Erste Szene. +Zauberer. Feen. Geister. (Einige mit Bittschriften.) Ein +Feuergeist. + + +Chor. +Sollen wir noch lange harren? +Bald verläßt uns die Geduld! +Sind wir Geister seine Narren? +Unverzeihlich ist die Schuld. + + +Fee Aprikosa. Welche Beleidigung, Damen solange warten zu lassen, +als wären sie seine Domestiken! + +Alle. Das ist unerhört! + +Erster Zauberer. Ich frage, wie kann man ein Geisterkönig sein und +so lange schlafen? + +Zweiter Zauberer. Und ich frage, wie kann man vernünftig sein und +unvernünftig reden? Geisterkönig ist er; er muß für uns alle +wachen, folglich muß er auch für uns alle schlafen. + +Erster Zauberer. Seine Pflicht heischt aber, unsere Bitten zu +hören. + +Fee Amarillis. Und er kümmert sich gar nicht um uns; spart seine +Gunst nur für die Menschen auf. + +Erster Zauberer. Er hat schon ungeheure Schätze der Luft entzogen +und sie der Erde zugewendet. + +Zweiter Zauberer. Sehen Sie, darum bauen sich die Leute jetzt so +viele Luftschlösser. Wenn nicht das Sterben bei ihnen noch Mode +wäre, so ging's dem Volk besser als uns. + +Fee Aprikosa. Was wollen Sie denn? Er hat ja erst gestern einen +Menschen, den er auf der Erde kennen gelernt hat, unter die Geister +aufgenommen, weil ihn bei dem letzten Wetter der Blitz erschlagen +hat. + +Erster Zauberer. Ja, richtig; er heißt Zephise, war Taschenspieler +und soll ein blitzdummer Kerl sein. + +Zweiter Zauberer. Sehr natürlich! Dumm war er so schon, der Blitz +hat ihn auch getroffen, also ist er blitzdumm. + +Fee Amarillis. Der Zauberkönig verschwendet zu viel. Seine Reisen +auf die Erde kosten ihm enorme Summen. + +Zweiter Zauberer. Jawohl, ich bin ein einziges Mal auf die Erde +hinabgereiset, weil ich soviel von der schönen Gegend von Simmering +gehört hab', und ich weiß, was mich das gekostet hat. + +Fee Aprikosa. Und richtet er nicht das ganze Reich nach der Erde +ein? Wir werden noch alle Moden von Paris und Wien heraufbekommen. + +Fee Amarillis. Ja, wenn nur in seinem Zauberreiche noch +Französisch gesprochen würde, das wäre doch nobel, aber seit er in +Wien war, spricht er wienerisch, und wir sollen es nachmachen. + +Zweiter Zauberer. Ich hab's schon nachgemacht. + +Fee Amarillis. Schämen Sie sich, wenn man das im Auslande erfährt! +Das wird entsetzlich werden. + +Erster Zauberer undr Fee Aprikosa. Ja, unerhört. + +Zweiter Zauberer. Ich weiß, es kommt ein Krieg aus, bloß wegen dem. +Aber wissen S', er denkt halt so, und so sollen manche denken, +besser schön lokal reden, als schlecht hochdeutsch. + +Fee Aprikosa Kurz, die Menschen haben ihn ganz verdorben; er ist +nicht mehr zu kennen. + +Erster Zauberer. Er läßt sie ja scharenweise zu sich heraufkommen +und gewährt ihnen ihre Bitten. + +Alle. Wahr ist's! + + + +Zweite Szene. +Vorige. Ein Feuergeist. + + +Feuergeist (ganz rot gekleidet, rotes Gesicht und rote Hände; er +hat die ganze Szene behorcht). Potz Pech und Schwefel, das ist +zuviel! Ich bin Feuergeist, Oberfeuerwerker und Kanonier des +Zauberkönigs! Wer kann sagen, daß seit drei Jahren eine +menschliche Seele in seinen Palast gekommen ist? Bin ich nicht auf +seine Kosten nach Neapel gereist, um den Vesuv aufzunehmen und +einen ähnlichen über seinen Palast zu bauen? Ist das nicht +geschehen? Blausäure und Vitriolöl! + +Fee Aprikosa. Und warum ist es geschehen? Damit wir ihn nicht +sooft belästigen und mit unserm Wolkenwagen jetzt durch den Krater +fahren müssen, wie die Hexen durch den Rauchfang. + +Feuergeist. Nein! Potz Pech und Schwefel! Damit er von der +Menschheit, die sich durch verschiedene magische Künste in sein +Reich filoutiert hatte, um ihn mit Betteleien zu belästigen, Ruhe +bekomme. + +Zweiter Zauberer. Ja, ja, so ist der Kaffee. + +Erster Zauberer. Das müssen Sie Narren weismachen. + +Feuergeist. Aber, ins Geiers Namen, das tue ich ja; und wer's +nicht glauben will, den sollen alle kongreveschen Raketen-- + +Zweiter Zauberer (gleich einfallend). Nun, nun, mein Herr +Feuergeist und Oberkanonier, moderieren Sie sich nur! Sie zünden +ja sonst den Palast an mit Ihren Raketen. + +Alle. Werft ihn hinaus! Hinaus mit ihm! + +Feuergeist. Was? Einen Feuergeist hinauswerfen? + +Zweiter Zauberer. Da haben wir schon andere hinausgeworfen. + +Feuergeist. Beim Brand von Moskau, das ist zuviel! (Mit geballter +Faust) Wer mir in die Nähe kommt, dem werf' ich eine Leuchtkugel an +den Kopf, daß ihm das bengalische Feuer aus den Augen spritzen soll. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius. He, he! was ist denn das! Sie halten ja ein völliges +Stiergefecht im Vorgemach des Zauberkönigs! + +Erster Zauberer (voll Freundlichkeit). Ach, unser lieber +Pamphilius! + +Alle Weiber. Unser schöner Pamphilius! (Schmeicheln ihm.) + +Zweiter Zauberer. Grüß' Sie der Himmel, Herr von Pamphilius! +(drängt die Weiber weg und umarmt ihr..) + +Pamphilius. Ich komme, Ihnen zu melden, daß der Beherrscher seine +vierundzwanzigstündige Ruhe beendiget hat und sich alsobald mit +unglaublicher Schnelligkeit aus dem Bette begeben wird. + +Erster Zauberer. Ah, scharmant! + +Beide Feen. Der liebenswürdige Herr! + +Zweiter Zauberer. O, fidelibus! fidelibus! + +Feuergeist. Jetzt reißt mir die Geduld! Herr Pamphilius, potz +Pech und Schwefel, ich bin ein treuer Diener des Zauberkönigs, ich +kann nicht schweigen. + +Pamphilius. Was haben Sie denn für einen Lärmen, Herr +Oberfeuerwerker? + +Feuergeist. I, potz Pech und Schwefel!-- + +Pamphilius. Bleiben Sie mir nur mit Ihrem Pech vom Leibe, ich +picke schon am ganzen Körper. + +Zweiter Zauberer. Er muß glauben, wir sind Schuster. + +Feuergeist. Nun also, potz Schwefel und Phosphorus! + +Pamphilius. Den Schwefel kann ich auch nicht vertragen, ich habe +eine schwache Brust. + +Feuergeist. Nun, so hören Sie ohne Pech und Schwefel, daß diese +ehrbare Versammlung ein schlechtes Gesindel ist, das über den +Geisterfürsten schimpft und ihm vorwirft, daß er alles den Menschen +anhängt. + +Alle. Das ist nicht wahr. + +Feuergeist. Was? Ich schwör's bei allen Zündmaschinen von England. + +Pamphilius. Und ich bei allen Löschmaschinen von Frankreich, wenn +Er sein unsinniges Feuer nicht moderiert, laß ich Ihn so +durchwässern, daß Er an mich denken soll. Hinaus mit Ihm! + +Alle. Hinaus mit Ihm! + +Feuergeist. Ich gehe! Aber, bei dem griechischen Feuer des +Cardanus, das melde ich dem Zauberkönig. Potz Feuerzeug und +Zündbüchsen! Schwefelgeist und Salmiak! (Geht ab.) + + + +Vierte Szene. +Vorige ohne Feuergeist. + + +Pamphilius. Reden Sie, einer nach dem andern. Was hat's gegeben? + +Erster Zauberer. Gepriesener Pamphilius, Sie sind nun schon eine +lange Zeit in den Diensten des Geisterkönigs. + +Pamphilius. Auf Martini sind's 2000 Jahr. + +Erster Zauberer. Haben Sie nicht selbst bemerkt, daß er Menschen +mit Wohltaten überhäuft, die sie mißbrauchen und ihm mit Undank +lohnen, und uns versagt er so vieles? + +Pamphilius. Da haben Sie recht. + +Zweiter Zauberer. Ja, und wär's nicht besser, wenn er sich von uns +undankbar und schlecht behandeln ließe als von andern? + +Erster Zauberer. Schweigen Sie. + +Zweiter Zauberer. Ich kann auch meine Meinung sagen; ich war auch +einmal ein starker Geist, jetzt bin ich ausgeraucht. + +Fee Aprikosa. An allem ist die Fee Diskantine schuld, ihre schöne +Stimme hat ihn bezaubert. + +Pamphilius. Also das ist die einzige Klage gegen den Zauberkönig? +Nun, da muß ich Ihnen schon aus dem Traum helfen. Es ist wahr, +Diskantine hat durch ihren Gesang vieles für die Menschen von ihm +erwirkt; da sie aber mit ihrer Protektion auf lauter Unwürdige +stieß, so ist er darüber so erzürnt, daß er sie auf die Spitze +eines Berges verbannt und dort in einen Baum verwandelt hat. + +Zweiter Zauberer. Was Sie sagen! + +Pamphilius. Weil aber ihre herrliche Stimme ihn so oft entzückte, +so wollte er ihr dieselbe auch als Baum nicht entreißen. + +Erster Zauberer. Also singt dieser Baum? + +Pamphilius. Alles vom Blatt. Damit jedoch der Geisterfürst nicht +mehr so belästigt werde, hat er den Ausspruch getan, daß von dem +Augenblicke an kein Sterblicher sich seinem Palaste nähern dürfe, +ehe er nicht diesen Berg erstiegen und, ohne sich umzusehen, einen +Zweig von dem singenden Baume abgebrochen hat. + +Fee Amarillis. Und was nützt dieser Zweig? + +Pamphilius. Er ist ein Talisman, der vor allen Gefahren schützt +und sicher in das Reich des Zauberkönigs geleitet. + +Zweiter Zauberer. Wollen Sie mir nicht sagen, mein Scharmantester, +wenn sich einer umschaut, was ihm geschieht? + +Pamphilius. Er wird sogleich, mein Stupidester, entweder in ein +Tier oder in eine Blume verwandelt; der böse Genius Koliphonius ist +dort angestellt mit 2000 Rubel jährlich, damit er durch einen +listigen Hokuspokus die Leute zum Umschauen bringt.--Gelingt es ihm, +so sind sie in seiner Macht, und dann läßt er sie auch nicht mehr +aus. Er hat in der kurzen Zeit schon einen prächtigen Tiergarten +beisammen. Und nun, was sagen Sie jetzt von dem Zauberkönig? Ist +er in Ihren Augen gerechtfertiget? + +Alle. Hoch lebe der Zauberkönig! + +Pamphilius. Also folgen Sie mir, ich will Sie melden. + +Chor. +Wie uns die Freude glühend belebt, +Wie sich die Hoffnung mächtig erhebt, +Schnelle Gewährung wird unser Lohn, +Bringen die Bitten wir vor den Thron; +Jauchzet den König aus seiner Ruh, +Ewiges Vivat töne ihm zu + +(Alle gehen ab.) + + + +Fünfte Szene. +(Zauberkabinett.) + + +Longimanus liegt in einer idealen Bettstätte, reich verziert, in +welcher statt dem Bettgewande Wolken eingebettet sind. Vier Genien +sind beschäftigt, seine Kleider zu ordnen und ein Waschbecken +herzurichten, dann bleiben sie in horchender Gruppe stehen, sein +Erwachen abzuwarten. Longimanus regt sich, die Genien entfliehen; +die Musik endet. + +Longimanus (im Schlafrock mit goldenen Zaubercharakteren, wirft die +Überdecke aus Wolken von sich, setzt sich im Bette auf und gähnt). +Ach ja! Wieviel Uhr ist's denn schon? (Sieht auf eine Stockuhr, +die neben seinem Bette auf einem goldenen Tische steht.) Siehst +du's! Siehst du's! Schon halb 11 Uhr! Ich habe halt wieder +vergessen, daß ich den Wecker aufgezogen, und der Pamphilius weckt +mich auch nicht auf. (Läutet.) Pamphilius! Wo steckt Er denn? + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Pamphilius (springt schnell herbei). Was steht zu Befehl, Euer +Großmächtigkeit? + +Longimanus. Wo schliefst du denn herum? Warum hast du mich nicht +aufgeweckt? Und wer hat mir denn heute nacht aufgebettet? + +Pamphilius. Ich, mächtigster Sultan der Welt. + +Longimanus. Daß du mir keine so feuchten Wolken mehr einbettest. +Ich will trocken liegen; ich glaub' gar, du hast Regenwolken +erwischt, weil ich heut nacht so in die Nassigkeit geraten bin. +Und was hör' ich denn für einen Rumor draußen im Vorzimmer? Ich +glaub' gar, du haltst dir junge Mäus' oder was. + +Pamphilius. Allerhand Feen und verschiedene Zauberer sind draußen; +auch einige Hexen und anderes niederes Geisterg'sindel. + +Longimanus. Und was wollen s' denn schon wieder? + +Pamphilius. Ihre Bitten und Klagen zu deinen hochmächtigen Füßen +niederlegen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; ich bin noch zu sehr +vernegligiert. Bring' Er mir nur die Bittschriften herein. +(Pamphilius geht ab.) + + + +Siebente Szene. +Longimanus allein. + + +Longimanus. Das Volk hat nichts als Streit miteinander! ich kann +mich gar nicht retten. Auf die Letzt werd' ich noch ein eigenes +Zeughaus errichten, wo nichts hineinkommt, als lauter Scheckel und +Haslinger. + + + +Achte Szene. +Pamphilius mit Schriften. Voriger. + +(Pamphilius übergibt die Schriften.) + + +Longimanus. Was hab' ich denn so Wichtiges jetzt sagen wollen?--Ja, +einen Sessel. + +(Pamphilius bringt einen Stuhl.) + +Longimanus (setzt sich). Das werden wieder schöne G'schichten sein +(liest). Da haben wir's ja! Nichts als schuldig sein s' einander. +"Die Fee Tritschitratschi hat dem Zauberer Rutschiputschi einen +Talisman geliehen, und er ihr ihn nicht zurückgestellt." Er soll +ihn zurückgeben. Ich befiehl's. Auf der Stell'! (Nimmt eine +andere Schrift.) "Die zwölf Himmelszeichen haben untereinander eine +Rauferei gehabt. Der Schütz hat dem Steinbock ein Aug' +ausgeschossen; dieser ist in die Wag' gesprungen und hat sie mitten +voneinander gerissen; die Zwillinge haben sich dareingemischt und +wären beinahe von dem Löwen zerrissen worden, wenn sie sich nicht +hinter die Jungfrau versteckt hätten. Alle sind beschädigt; der +einzige Krebs hat sich zurückgezogen. Man bittet, sie reparieren +zu lassen." Das wird wieder was Schönes kosten! (Nimmt die dritte +Schrift.) Was ist denn das? Was wollen denn die schon wieder? +"Die zwei Vorsteherinnen der ehrsamen Drudenzunft bitten für ihr +Gremium um Wiedereinsetzung ihres vorigen Amtes auf der Welt." Du +verdammte Bagage! Die Druden wollen wieder auf die Welt hinunter! +Den Augenblick laßt du mir s' hereinkommen. + +(Pamphilius geht ab.) + + + +Neunte Szene. + +Longimanus (allein). Das wär' eine schöne Pastete, wenn die wieder +auf die Erde kämen, die Leut' seckiern! Manchen Menschen drucken +schon seine Schulden genug; er braucht gar keine Drud'--(Von innen +wird geklopft.) Aha! Nur herein! Nur herein! + + + +Zehnte Szene. +Voriger. Pamphilius. Zwei Druden, + + +grau gekleidet mit offenen Schleiern; das Haupt und die Brust +verhüllt. Das Kleid ist unten mit Zeichen des sogenannten +Drudenfußes garniert; auch tragen sie einen Drudenfuß als Medaillon +auf der Brust; das Gesicht mit alten Weiberlarven bedeckt; sie +stürzen Longimanus zu Füßen. + +Die Druden. Mächtiger Herrscher, erbarme dich! + +Longimanus. Schau', wie fein! Grad' die säubersten haben s' +ausg'sucht. Womit kann ich dienen, meine schönen Damen? + +Erste Drude. Herr! Es sind nun schon fünfzig Jahre, daß du uns +von der Erde zurückberufen hast, und wir wissen nicht, wodurch wir +das verschuldet haben? + +Longimanus. Ja, meine lieben Fräulein Drud', mir ist leid, aber es +kann nicht anders sein. + +Erste Drude. Hör' unser Flehen! Gib uns wieder unsere Macht; die +Menschen sehnen sich nach uns. + +Longimanus. Ob du still bist oder nicht!--Was fällt euch ein? Es +redt gar kein Mensch mehr von ihnen, denkt gar kein Mensch mehr an +sie, und jetzt wollen s' auf einmal wieder ihre vorige +Druckfreiheit haben. Ich lass' die Menschen nicht mehr so +kujonieren. Anno 1837 eine Drud'! Die Leut' müßten einen nur +auslachen. + +Erste Drude. Aber hat man uns denn nicht sogar durch eine Oper +verewigt; "Das Neusonntagskind"! + +Longimanus. Ah, was Oper! was Neusonntagskind! Die Leut' sind +oft die ganze Woche kindisch, nicht nur an einem Sonntag. Es nutzt +nichts! Ich hab' nichts gegen euch; ein jeder Stand verdient +Achtung, also auch eine Drud'. Meine Mutter war selbst eine, und +ich bin doch Zauberfürst geworden. + +Erste Drude. Aber haben wir denn nicht stets unsere Schuldigkeit +getan? Hier sind unsere Attestate von dem Genius der Träume. + +Longimanus. Ja, das ist wahr, ihr wart brave Druden, habt die +Leut' gedruckt, daß es eine Schand' und ein Spott war. Aber jetzt +ist's vorbei. Ihr habt's eure Pension und da könnt's zufrieden +sein. Und jetzt hinaus, auf der Stell'! + +(Beide Druden küssen ihm weinend das Kleid und gehen ab.) + + + +Elfte Szene. +Longimanus. Pamphilius. + + +Longimanus. Und jetzt ist's gar für heute mit der Klagerei; ich +zürn' mich zuviel. Die andern sollen übermorgen kommen oder aufs +Jahr. Laß mir jetzt den Zephises herüberkommen, den ich unter die +Geister aufgenommen habe. Was macht er denn? + +Pamphilius. Er sitzt mit drei Feuergeistern bei einem Wolkentisch +und spielt Whist mit ihnen. + +Longimanus. Whist spielen s'? Ist ein schönes Spiel, das Whist; +wenn nur nicht so viel ausg'macht würde dabei. Mich haben s' +einmal auf der Erde unten aus fünf Kaffeehäusern hinausgeworfen, +weil ich gar so schlecht gespielt hab'. Ja, damals war ich noch +ein rechter Wüstling, aber jetzt freut's mich nicht mehr. Na, so +laß mir ihn nur herüberkommen; wenn er auch ein paar Fisch' +verliert, wegen so ein paar Forellen wird's nicht aus sein, um +Goldfisch spielen s' doch nicht. (Pamphilius geht ab.) + + + +Zwölfte Szene. + + +Longimanus (allein). Ich hab' ihn recht gern, den Zephises! Wie +ich vor zwanzig Jahren auf der Erde herumgereist bin, so hab' ich +ihn in Ägypten kennen gelernt, wo er die Zauberei studiert hat, er +war just im dritten Jahr Magie. Dann bin ich mit ihm nach +Österreich gereist, hab' ihm ein Haus und einen Garten gekauft und +sein Zauberkabinett eingerichtet. Da ist ihm seine Frau gestorben-- +war eine recht hübsche Frau--hernach hab' ich mich auch nicht mehr +lang aufgehalten, und weil er gar so lamentiert hat, hab' ich ihm +versprochen, wenn er stirbt, ihn unter die Geister aufzunehmen; und +jetzt hab' ich auf einmal g'hört, daß ihn der Blitz erschlagen hat; +da hab' ich ihn also durch meine Geister gleich heraufexpedieren +lassen. Da kommt er schon! + + + +Dreizehnte Szene. +Zephises. Voriger. + + +Zephises (als Geist im weißen Zaubertalar, mit schwarzen +Charakteren). Fürst der Lüfte! Wo soll ich Worte des Dankes +finden? + +Longimanus. Ist schon so gut! Nur keine Komplimente unter guten +Freunden. Mich freut's vom Herzen, alter Schwed'! Hat er dich +einmal erwischt, der Tod, beim Zwiefachel? Richtig, da auf der +Seiten hat er ihn g'streift, der Blitz; da schwefelt er ein wenig. +Wie g'fallt's dir denn bei mir heroben? Haben wir nicht eine +frische Luft? + +Zephises. Herr, darf ich es dir gestehen, daß selbst in dem +Wonnemeer von Herrlichkeiten, das mich in deinem Zauberreiche +umfließet, mein Vaterherz doch einen tiefen Schmerz empfindet, den +es dir nicht verhehlen kann? + +Longimanus. Aha! (Fährt mit der Hand an Zephisens Stirn vorbei.) +Hat ihn schon erwischt! Zuckt schon! + +Zephises. Als du uns armen Sterblichen die Gnade deines Besuches +gewährtest, hat deine Milde mich mit großen Schätzen beschenkt. + +Longimanus. Ja, richtig! Hast du alle angebracht? + +Zephises. Nein, Herr! Ich habe sie in meinem Kabinett verborgen +und dieses mit einem Zauber belegt, daß kein Sterblicher es öffnen +kann, wenn ich ihm nicht die Mittel dazu anzeige. + +Longimanus. Nun, in meinem Reich brauchst keine Schätze, da lebt +man von der Luft, daß es nur eine Freud' ist. + +Zephises. Hab' ich denn nicht einen Sohn, den ich hilflos +zurückgelassen habe? + +Longimanus. Du hast einen Sohn? + +Zephises. Erinnerst du dich nicht mehr des kleinen Eduards? + +Longimanus. Richtig! Er hat ja zu meinen Füßen gespielt und hat +mich immer in die Waden gezwickt, wie ich damals noch welche g'habt +hab'. + +Zephises. Ein schneller Tod hat mich der Erde entrissen, ich +konnte meinem Sohn kein Zeichen meines letzten Willens hinterlassen; + darum erhöre mein Flehen! Sende ihm einen deiner Geister, lasse +ihm die Geheimnisse jenes Kabinettes enthüllen, und erlaube dann, +daß er sich selbst vor deinen Thron werfen und die Gewährung einer +Bitte erflehen darf, die seinem Vater nicht mehr vergönnt war, an +dich zu wagen. + +Longimanus. Das kann nicht sein; zu mir darf er nicht herauf, wenn +er nicht einen Zweig mitbringt von meinem musikalischen Baum. Ich +möcht' ihn recht gern einmal sehen, den kleinen Eduard;--aber ich +kann mein Wort nicht umstoßen. + +Zephises. Mein Sohn wird keine Gefahr scheuen, sich dir zu nähern. + +Longimanus. Das geht mich nichts an. + +Zephises. Rette ihn nur vor Mangel und Verzweiflung. + +Longimanus. Siehst du's, jetzt wird dir bang'; aber so geht's +manchen Eltern, die Geld haben, lassen den Kindern nichts lernen. +Geschieht nachher ein Bissel ein Unfall, und ein solcher Mensch +soll sich selbst etwas verdienen, steht der Dalk da. Da werden wir +gleich helfen.--Pamphilius! + + + +Vierzehnte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus. G'schwind zu dem sein' Sohn ein paar wohltätige +Geister hinunter, ich werd' ihnen schon sagen, was sie zu tun haben. + +Pamphilius. Ja, es ist nur fatal-- + +Longimanus. Ich weiß schon, freilich ist's fatal; sie sind jetzt +alle in der Arbeit, es ist keiner zu Hause, aber das nützt nichts, +es muß einmal sein. Schau halt, daß du wo ein paar zusammenfangst. +Allez! + +(Pamphilius geht.) + +Zephises. Herr, wie soll ich dir danken? + +Longimanus. Halt's Maul! He, Pamphilius, noch eins! + +(Pamphilius kehrt schnell um.) + +Longimanus. Den wievielten haben wir heut? + +Pamphilius. Den 27. November. + +Longimanus. Warum nicht gar? Du verdammte G'schicht! Ich hab' +schon immer nachgedacht; November! Und ihr habt ein Donnerwetter +g'habt? Dich hat der Blitz erschlagen, statt daß es schneien soll? + +Pamphilius. Ja, großer Sultan, das ist jetzt die allgemeine Klage +der Menschen, daß es im Winter warm ist und im Sommer kalt. + +Longimanus. Ja. für was zahl' ich denn meine Jahrszeiten, wenn +sie mir so eine Konfusion machen? Da muß ich ja mit dem polnischen +Donnerwetter dreinschlagen. Pamphilius, geschwind laß mir den +Winter heraufkommen. + +(Pamphilius geht schnell ab.) + +Longimanus. Halt! (Pamphilius kehrt schnell um.) Die andern +Jahrszeiten auch, g'schwind! + +Pamphilius. Na, heut lauf' ich mir noch die Füß' aus der Wurzel. +Verdammter Dienst! (Läuft schnell ab.) + +Longimanus. Hat ein recht ruhiges Brot bei mir, der Pamphilius; er +halt aber aus, wie ein Pferd. Jetzt lauft er schon 2000 Jahr' und +hat noch gesunde Huf'; er kriegt keine Steingallen, nicht einmal +den Spat hat er noch g'habt. + + + +Fünfzehnte Szene. +Die vier Jahreszeiten. Vorige. + +(Der hinter trägt einen schwarzen Pelz, Pudelmütze, einen kleinen +Stutzen [Muff], ganz beschneit. Der Sommer im nankingenen Frack, +Beinkleid, einen modernen Strohhut mit Kornblumen darauf und ein +Parasol in der Hand. Der Herbst, mit dicken Backen und wohlbeleibt, +hat eine grüne Wirtsjacke, Fürtuch, Käppchen mit Weinlaub besteckt, +unter dem Arme ein kleines Fäßchen, worauf Most steht, in der Hand +eine große Traube. Der Frühling, ein junges Gärtnermädchen, mit +Rosen auf dem Hut und einem Rosenstock im Arme, treten furchtsam +ein.) + + +Longimanus. Nur näher da, ihr vier Haimonskinder! Was muß denn +ich hören? Warum betragt ihr euch nicht, wie es sich für +rechtschaffene Jahrszeiten schickt? Was ist denn das für ein +liederlicher Lebenswandel, Monsieur Winter? Schämt Er sich nicht? +So ein eisgrauer Mann und fangt auf einmal an, hitzig zu werden! +Warum hat's eingeschlagen im November? Ich will's wissen! + +Winter (im Baßtone). Euer G'streng', ich kann nichts dafür. Der +Sommer tut mir alles mit Fleiß; er möcht' gern alles wissen, und da +blitzt er immer herüber auf mich. + +Longimanus. Der Sommer soll sich gar nicht rühren; der ist seit +einigen Jahren wie ausgewechselt. Ich glaub', er verlegt sich aufs +Trinken, weil er immer so naß ist. + +Herbst. Eur' königliche Durchlaucht, ich bitt' ums Wort! Der +Sommer kann nichts dafür; der Winter laßt ihm keine Ruh'. Wann er +Eiszapfen übrig hat, so schickt er ihm s' herüber, daß's im Sommer +schauert. Nachher fangen sie zu disputieren an, der Sommer kommt +in Zorn, und so gibt's alle Tag ein Wetter. + +Sommer. Ja, das ist auch wahr; der Herbst ist noch mein einziger +Freund, er putzt mich wieder heraus! Die Leute schimpfen über mich, +und ich kann nichts dafür. + +Longimanus. Und jetzt basta! Ich will haben, daß ihr euch +vertragen sollt. Auf die Letzt verderbt's mir da meinen Frühling +auch noch; das ist noch die bravste, das ist noch meine liebste +Jahrszeit, der Frühling! (Kneift sie in die Wange und gibt ihr ein +Goldstück.) Da hast was auf ein Kipfel, du Tausendsasa, du! + +Frühling. Ich küss' die Hand, Euer G'streng'! Ich werd' mich +schon gut aufführen. (Küßt ihm die Hand.) + +Longimanus. Und jetzt marschiert's! Und wenn ich noch einmal eine +Klag' hör', so weiß ich, was ich zu tun hab'; besonders der Sommer, +nehm' Er sich zusamm'. Wenn aufs Jahr in Baden nicht alle +Quartiere verlassen sein, so schau' Er zu. Und der Winter auch! +Daß's heut noch schneit und morgen der Eisstoß geht. Jetzt hinaus! + +(Alle vier Jahreszeiten gehen ab.) + +Longimanus. Komm, mein lieber Zephises, jetzt werd' ich für deinen +Sohn sorgen, ich werd' ihn glücklich machen. Aber das sag' ich dir, +wenn du dich unterstehst, ihm einen heimlichen Wink oder Rat zu +geben, so hast du es mit mir zu tun. Jetzt kannst mit mir ein +kleines Gabelfrühstück einnehmen; ich hab' ein bisserl ein +Eingemachtes von einem jungen Krokodil ang'schafft. + +(Beide ab.) + + + +Sechzehnte Szene. +(Geheimes Kabinett des Zephises. Die Hinterwand, an der sich keine +Möbel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt. An +der Seite befindet sich ein Zaubertisch, worauf ein kleiner +Zauberer steht; neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem +Hammer schlägt. Auf der entgegengesehen Seite eine Türe.) + +Florian Waschblau kommt mit einer Butte auf dem Rücken, worin sich +verschiedene Kleidungsstücke befinden; stellt sie beim Eintreten +nieder. + + +Arie. +Ich bin der liebe Florian, +So heißen mich die Leut', +Und wenn mich jemand brauchen kann, +Bin ich gleich bei der Schneid'. +Im Kopf hab' ich auf Ehr' nicht viel, +Noch weniger im Sack, +Nur daß ich nichts als essen will, +Das ist mein' größte Plag'! +Ich g'hör' nur der Mariandl zu, +Auf d' Nacht sowie beim Tag, +Und wissen S', warum ich das tu'? +Weil mich sonst keine mag. +Und foppt mich einer, was er kann, +So fühl' ich keinen Neid; +Denn fangen d' Leut' zum Lachen an, +Das ist mein' größte Freud'! + +Florian. Ja, ja, mein lieber Florian! Jetzt wirst du halt bald +fort müssen aus dem Hause, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch +hing'schwunden sind. Mein armer junger Herr, wie wird's denn dem +gehen? Keinen Kreuzer hat uns der Alte unterlassen, als das +einschichtige Haus. Wenn er nur wo was zu leihen kriegte; aber +nicht einmal einen Satz übers Haus kann er machen, es ist ja ganz +verrufen. Wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen wie die +Schwalben aus und ein geflogen sind? Ich weiß nicht, was er +anfangen wird; um mich ist mir nicht bang', ich werd' mich schon wo +anlehnen lassen an eine Planken. Wenn ich nur ihn unterzubringen +wüßt', auf einem Kontor bei einem Sauerkräutler oder wo.--Er ist in +der größten Verzweiflung! Gestern hat er geweint, hat mir das +letzte Dreiguldenzettel gegeben, und hat g'sagt, ich möcht' davon +vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was übrig +bleibt, soll ich hingehen, wohin ich will. Ich kann ihn aber nicht +verlassen, es ist unmöglich! Ich hab' erst unlängst eine Schöne +G'schicht' gelesen von einem römischen Löwen, der sein' Herrn, dem +Anton Trokles, so anhänglich war;--und wenn ein solches Tier so +handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen. Ich +hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt, +hab' auch der Mariandel, unserer Köchin, ihren ganzen Kasten +ausgeräumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen +genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht +hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn +sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den +Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich +heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel. (Sieht auf den kleinen +Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hört. Wirst du denn wem +was sagen davon? (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.) +Der sagt einem alles. Wird meinem Herrn ein Unglück zustoßen? +(Zauberer deutet nein.) Etwann mir? (Zauberer deutet ja, Florian +drohend.) Du! Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl? (Zauberer +deutet nein.) Ist schon richtig;--bin ich etwa dumm? (Zauberer +deutet ja.) Alles weiß er. Wie viel dumme Streiche werd' ich denn +noch machen? (Der Zauberer schlägt auf die Glocke: eins, zwei, +drei, dann recht schnell und oft hintereinander.) Hörst auf, du +verdammter Kerl! (Hält ihm die Hand.) Solang leb' ich gar nicht. + + + +Siebzehnte Szene. +Mariandel (von innen). Voriger. +(Mariandel klopft von außen.) + + +Florian. Aha, das ist der Jud'! (öffnet, Mariandel tritt ein.) +Nein, schaut's, ist a Jüdin. + +Mariandel. Ach, ich unglückliche Person, was fang' ich an? Da +steht er herin, statt daß er im Haus acht gibt. Ach, warum hat +mich der Himmel gestraft, daß ich einen solchen Einfaltspinsel zum +Liebhaber hab'. + +Florian. Das wird doch eine schöne Stichelei sein! + +Mariandel. Was stehst denn da?--Was stehst denn da, du miserabler +Mensch; und mir räumen s' derweil den ganzen Kasten aus. Ich bin +bestohlen! + +Florian. Hör' auf! Haben s' dir etwann deinen üblen Humor +g'stohlen? + +Mariandel. Nein, meine Kleider, meine Wäsch', meine reiche Haube!-- +Ich bitt' dich, den Diebstahl,--die schöne Wäsch'! + +Florian. Nein, mein Schatz, das ist eine wilde Wäsch'! + +Mariandel. Und meine guten Perl'. + +Florian (für sich). So? Die hab' ich auch erwischt? Das hab' ich +nicht einmal gewußt. + +Mariandel. Ich glaub' gar, du lachst noch? Jetzt geh' ich gleich +zum gnädigen Herrn und erzähl' ihm alles. Dem Dieb muß nachgesetzt +werden (will ab). + +Florian. Halt, sag' ich. Du bleibst da! Ich kenn' den Dieb. + +Mariandel. Was? + +Florian. Er ist ein sehr guter Freund von mir. + +Mariandel. So? Du schlechter Mensch! Auf die Letzt bist du ein +Räuberhauptmann! Ich geb' dich an, auf der Stell' (will fort). + +Florian. Da bleibst, sag' ich, oder-- + +Mariandel. Das nutzt nichts--ich will meine Sachen haben. + +Florian. Das Sachen ist da. + +Mariandel. Wo? + +Florian. In der Butten. + +Mariandel. Ah, Spektakel! Heraus gibst mir's! + +Florian. Nur Geduld! + +Mariandel. Daß mir nichts zermudelt wird. + +Florian. Ist alles in der schönsten Ordnung! (Er leert die Butten +aus, seine und ihre Kleider fallen in der größten Unordnung heraus; +ganz kalt.) Such' dir deine Sachen heraus. + +Mariandel. Aber Florian, was hast denn gemacht? Bist du besessen? + +Florian. Still, Marianne! Du wirst wissen, daß unsere Herzen +verbunden sind? + +Mariandel. Ja, leider bin ich so unglücklich, deine Geliebte zu +sein! Was war ich für ein Dalk! Was hab' ich für Partien +ausgeschlagen! Ich hätte vor kurzem noch können so einen reichen +Ochsenhändler heiraten, wär' eine reiche Frau worden, die so viele +Ochsen g'habt hätt', und an dir hab' ich nur einen einzigen. + +Florian. Wer's Wenige nicht ehrt, ist's Mehrere nicht wert. Doch +nichts mehr über diesen Gegenstand, er ist zu subtil, um ihn lange +zu besprechen. Wir sind jetzt sieben Jahr' in diesem Haus; ich +hab' dir diese Sachen geschafft, folglich kann ich s' auch wieder +an mich reißen; ich hab' sie wollen von hier wegschicken. + +Mariandel. Wohin? + +Florian. Nach Judenburg. Kurz, ich hab' sie wollen an einen +polnischen Juden verkaufen, um unserm jungen Herrn für den +Augenblick aus seiner Verlegenheit zu helfen. Wir sind seine zwei +einzigen Dienstboten, wir müssen ihm einmal zugetan sein. + +Mariandel. Aber Florian, schau, was treibst? Warum hast du denn +mir nichts gesagt, so hätten wir Mittel gemacht. Von der Pistolen +hast ihm auch den Hahn heruntergeschraubt; er hat mich g'fragt, wo +er hingekommen ist? + +Florian. Der Hahn? Hättest du gesagt, du hast ihn abgestochen, +weil du keine Händel mehr g'habt hast. + +Mariandel. Na, jetzt bin ich schon wieder ruhig! Pack' nur die +Kleider zusammen, der Herr kommt. + + + +Achtzehnte Szene. + + +Eduard. Vorige. + +Eduard (verdrießlich). Was macht ihr hier? Laßt mich allein. + +Mariandel. Schau ihn nur an, wie er aussieht. + +Florian. Was er vorn für eine Blässe hat. Gnädiger Herr, schaffen +Sie vielleicht einen Melissengeist oder ein darniederschlagendes +Pulver? + +Eduard. Ich danke euch; geht nur. + +Florian. Der arme Mann! Gnädiger Herr, wenn Sie sollten in +Ohnmacht liegen, dürfen Sie nur läuten, wir werden gleich da sein. + +Eduard. Willst du mich böse machen? (Faßt sich.) Geh, Florian! + +Florian. Florian hat er g'sagt, hast das g'hört? Das ist ein +Unglück. + +Mariandel. Nun, wie soll er denn zu dir sagen, wenn du so heißt, +etwa Annamiedel? So geh' nur einmal! + +Florian. Mariandel, mit dem ist's zu, der lebt uns keine hundert +Jahr' mehr. (Beide ab.). + + + +Neunzehnte Szene. + + +Eduard (allein). Nun bin ich allein, im wahren Sinne des Wortes; +denn meines Vaters Tod hat mein ganzes Glück vernichtet. Welche +Wunder umgeben mich seit meiner Kindheit! Sein Körper ist durch +übernatürliche Mächte plötzlich vor unsern Augen verschwunden. Er +hat mir oft versprochen, nach seinem Tode große Reichtümer zu +hinterlassen; doch im ganzen Hause findet sich keine Spur eines +Vermächtnisses. Was soll ich beginnen? Ich finde auch keine Hilfe +bei Freunden. Als den Sohn eines berüchtigten Zauberers flieht +mich jedermann, was soll aus mir werden? Entsetzliche Lage! +Verzweiflungsvolles Los! (Wirft sich in einen Stuhl. Es wird von +unten geklopft.) Wer klopft? Herein! + + + +Zwanzigste Szene +Die Hoffnung, auf einen goldenen Anker gestützt, kommt aus der Erde. + + +Hoffnung (ist ideal gekleidet, spricht sehr lebhaft und munter). +Sie pardonieren, mein Herr, daß ich die rechte Tür verfehlte; doch +ein Frauenzimmer, die so viele Geschäfte hat, wie ich, nimmt das +nicht so genau. Nun, so heißen Sie mich doch willkommen! Sie sind +ja ganz verblüfft? + +Eduard. Welch eine angenehme Erscheinung! Mir wird so wohl in +Ihrer Nähe. + +Hoffnung. Wie? Kennen Sie mich nicht, junger Herr? + +Eduard. Ich habe wirklich nicht die Ehre-- + +Hoffnung. O pfui! Sagen Sie das nicht! Eine Person nicht zu +kennen, die in allen Kalendern und Taschenbüchern schon bis zum +Überdrusse abgebildet ist. Kennen Sie mich wirklich nicht? Ich +habe Sie als Kind auf meinen Armen getragen, als Knabe Ihre +Schmerzen versüßt, wenn Sie die Rute bekommen sollten; als Jüngling +Ihnen die Leiter gehalten, wie Sie zu Ihrem Liebchen auf die +Terrasse gestiegen sind-- + +Eduard. Ah, Sie sind-- + +Hoffnung. Die Hoffnung, untertänigst aufzuwarten, nicht nur die +Ihrige, sondern die der ganzen Welt. + +Eduard. O, so laß mich zu deinen Füßen stürzen, Tochter des +Himmels. + +Hoffnung. Langsam, mein Herr, nicht so rasch! Sieh, sieh, wie +exaltiert. Hat Sie meine Feindin, die Furcht, schon verlassen, +weil Sie so schnell wieder zu meiner Fahne schwören? Wissen Sie +vielmehr, daß das sehr unartig ist, eine Dame vor sich stehen zu +lassen, ohne ihr einen Sitz anzubieten! Oder glauben Sie, weil +sich so viele Leute auf mich stützen, daß ich keiner Stütze +bedürfe? Nein, mein Herr, einen Sitz. + +(Eduard reicht ihr einen Sessel.) + +Hoffnung. So! Nun stellen Sie sich in die erste Position vor mich +und hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe. + +Eduard. Ich hin ganz Ohr. + +Hoffnung (hustet). Monsieur! Ich habe Ihnen ein sehr artiges +Kompliment von meiner Schwester auszurichten. Was glauben Sie wohl, +wer sie sei? (Eduard zuckt die Achseln.) Das Glück. + +Eduard. Das Glück? Welch einen schönen Namen lassen Sie in meinen +Ohren ertönen! + +Hoffnung. Das könnte mich eifersüchtig machen. (Mit einem Seufzer.) +Doch ich bin es gewohnt, von ihr verdrängt zu werden. Sie hat +versprochen, Sie in Protektion zu nehmen. Ich könnte Ihnen zwar +sagen, daß sie eine leichtfertige Person ist, die sich sehr stark +schminkt und nur von ferne schön ist; doch, Sie werden mir nicht +zumuten, daß ich imstande wäre, meine Schwester zu verkleinern.-- +Jetzt zu meinem Auftrag! Meine Schwester läßt Ihnen sagen, Sie +möchten sans façon in jener Ecke des Zimmers den Boden öffnen, +einen goldenen Schlüssel herausnehmen und damit diese Wand +aufschließen; das übrige wird Ihnen wie gebratene Tauben von selbst +in den Mund fliegen. Ich aber habe die Ehre, mich als Ihre +ergebene Dienerin zu empfehlen. + +Eduard. Wie? Sie könnten mich verlassen?-- + +Hoffnung. Ihr Glück beginnt--meine Rolle ist ausgespielt. Hüten +Sie sich, daß Sie mich nicht bald wieder rufen; oder glauben Sie, +ich habe nichts zu tun, als mit Ihnen die Zeit zu verschwätzen? In +diesem Augenblicke bin ich zu Millionen bestellt, die nach mir +schmachten. Advokaten, die ihre Prozesse gewinnen wollen; arme +Gefangene, die auf Erlösung hoffen; Sterbende sogar, die mich in +der letzten Minute noch zu sprechen wünschen; des Heeres der +Verliebten gar nicht zu gedenken, welches mich durch namenlose +Anforderungen fast zu Tode martert. Darum adieu! Nun küssen Sie +mir die Hand, Sie liebenswürdiger, junger Mann! Adieu, Sie Loser! +Vergessen Sie nicht wieder ein Frauenzimmer, welches die Plage auf +sich hat, Sie durch Ihr ganzes Leben begleiten zu müssen. (Macht +ihm einen Knix und geht durch die Türe ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. + + +Eduard (allein). Sonderbare Erscheinung! Soll ich ihr Glauben +schenken? Sie ist ein Frauenzimmer –! Nun, wär' ich der einzige +Mensch in dieser Welt, der sein Glück einem Frauenzimmer zu +verdanken hätte? Laß sehen, schöne Hoffnung, wir wollen dich auf +die Probe setzen, ob deine launigen Versprechungen weniger täuschen, +als die heroischen Liebesschwüre unserer heutigen Mädchen. Dort +ist der Fleck. (öffnet ein kleines Türchen im Boden.) Wahrhaftig! +Bald hätt' ich meinem smaragdenen Engel unrecht getan. Hier ist +der Schlüssel. Vivat, Eduard! Schnell ans Werk! (Öffnet die Wand, +welche in die Höhe schwebt und einen Rahmen zurückläßt, durch +welchen man in eine dunkelblaue, mit Gold verzierte runde Halle +sieht, in der auf jeder Seite drei weiße mythologische Figuren +unbeweglich stehen. Auf den sechs Piedestalen stehen die Worte: +Dukaten, Louisdor, Taler, Sovereigndor, Perlen, Granaten. Mitten +aber steht ein leeres rosenrotes Piedestal, welches den halben +Kreis schließt, worauf kein Wort steht, aber eine Pergamentrolle +liegt.--Die ganze Gruppe ist hell beleuchtet.) Bin ich in einem +Feenpalaste? Sind diese Schätze mein? Ist es ein Traum? (Öffnet +eine von den Türchen der Piedestale, man sieht Gold aufgehäuft.) O +nein! Goldene Wirklichkeit! Was bedeutet diese Pergamentrolle? +(entfaltet sie und liest.) "Teurer Sohn! Die Schätze, welche Du in +diesem geheimnisvollen Gewölbe entdecktest, waren mein Eigentum, +sind nun das deinige. Die sechs Statuen sind von hohem Werte; ich +habe sie in einer huldvollen Stunde durch die Gnade des +Geisterkönigs zum Geschenk erhalten. Mache einen weisen Gebrauch +davon. Doch, sollte bei dem glücklichen Überfluß an Wünschen, zu +denen Dich Deine Jugend befeuert, auch der in Deiner Brust +aufsteigen, daß Du die siebente Statue besitzen möchtest, welche +von rosenroten Diamanten und der größte Schatz ist, den Du auf +Erden besitzen kannst, so wende Dich bittend an den Zauberkönig. +Du wirst in meinen magischen Werken, die ich Dir hinterließ, die +genaueste Anleitung finden, auf welchem Wege Du zu den Stufen +seines Thrones gelangen kannst." (Legt die Schrift wieder hin.) +Welch eine Reihe von Wundern drängt sich an meinen erstaunten +Sinnen vorüber! (Tritt heraus, die Wand schließ sich.) Ist es +Wahrheit? Diese plötzliche Veränderung meiner Glücksumstände! Ich +war ein Bettler, jetzt bin ich ein Krösus!--Doch, was ist das für +eine siebente Statue von rosenrotem Diamant? Welch ein dunkles +Verlangen beherrscht mich, auch sie zu besitzen! Ach, warum kann +ich nicht in dieser Minute zu des Geisterkönigs Füßen sinken! Gäb' +es denn keinen wohltätigen Genius, der mich augenblicklich in seine +Nähe bringen könnte? (Die Figur des kleinen Zauberers auf dem +Tische verwandelt sich in den kleinen Genius Kolibri.) + +Kolibri (kann vor Tränen kaum reden). Ich! + +Eduard. Welch ein holder Knabe! Wie heißest du, lieber Knabe? + +Kolibri (immer weinerlich und verdrießlich). Ich bin der kleine +Kolibri. + +Eduard. Und was bist du denn? + +Kolibri (verdrießlich). Ein Genius. Siehst du denn das nicht? + +Eduard. Aber warum weinst du denn? + +Kolibri. Weil mich meine Mutter erst geschlagen hat. + +Eduard. Warum? + +Kolibri. Damit ich dir helfen soll. + +Eduard. Und willst du mir denn nicht helfen? + +Kolibri. I ja!--Aber ich habe gerade mit den andern Genien um +goldene Äpfel gespielt, und da hat mir meine Mutter geschafft, ich +möcht' es stehen lassen und zu dir herabgehen, weil der Zauberfürst +es befohlen hätte; und weil ich nicht gleich ging, so hat sie mich +geschlagen (weint). + +Eduard. Du armes Kind! Wer ist denn deine Mutter? + +Kolibri. Eine Fee, die von ihren eigenen Mitteln lebt. + +Eduard. Nun, sei nur ruhig! Sieh, wenn du mir hilfst, so +verspreche ich dir nicht nur einen, sondern viele hundert goldene +Äpfel. + +Kolibri (plötzlich freudig). Ist das wahr? Ach, das ist schön. +(Springt vor Freuden.) Jetzt gib acht, wie ich mich ansetzen werde. + +Eduard. Sage mir, auf welche Weise kannst du mir denn helfen? + +Kolibri. Ich werde dir die Mittel zeigen, durch welche du zum +Geisterkönig gelangst. Du mußt vorher einen hohen Berg ersteigen, +und das weitere werde ich dir schon noch heimlich stecken. Du hast +viele Gefahren zu bestehen; wir machen eine Luftreise. Wirst du +auch standhaft bleiben? + +Eduard. Gefahren stählen den Mut! Mein Verlangen nach dem +Zauberschatze wird immer glühender. Komm und geleite mich. + +Kolibri. O, das geht nicht so geschwind, es ist gar ein weiter Weg; +ich muß mich erst um eine Landkutsche umsehen. Du darfst dich +nicht fürchten, daß ich dich umwerfe; ich bin ein guter Postillon +und blasen will ich, daß dir die Ohren zerspringen werden. + +Eduard. Nun gut, ich will mich reisefertig machen. + +Kolibri. Du kannst dir auch einen Bedienten mitnehmen, denn du +scheinst mir ein sehr kommoder Herr zu sein. Also, es bleibt +dabei? Leb' wohl! In einer Viertelstunde komm' ich wieder zurück; +und wegen der Äpfel:--Ein Mann, ein Wort! + +(Eduard reicht ihm die Hand hin.) +(Kolibri schlägt ein und geht gravitätisch ab.) + +Eduard (allein). Bravissimo! Das geht ja prächtig! Schlag auf +Schlag! Mein Glück fängt an mutwillig zu werden, und soviel ich +merke, so habe ich's mit lauter dienstfertigen Geistern zu tun; da +muß ja mein Frohsinn erwachen. + + + +Zweiundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian kommt mit einem Trupp Nachbarsleute herein. +Voriger. + + +Chor. +Kommt herein! Kommt herein! +Werden schon willkommen sein. +Feinde schleichen sich herein, +Freunde treten rüstig ein. + +Florian. Gnädiger! Da haben Sie s', losg'lassen hab' ich s'. +Jetzt reden S' mit ihnen. + +Eduard. Was treibst du denn, daß du mir diesen Trupp Menschen ins +Zimmer bringst? + +Mariandel. Ja, ich bitt', Euer Gnaden, er wird närrisch. Die +Leute! (Zu Florian.) Ich brächt' noch mehr, wenn ich wie du wäre! + +Florian. Ja, woher nehmen und nicht stehlen? Ich hab' die überall +zusammeng'sucht und hab' s' hergetrieben. + +Eduard (zornig). Was wollen sie denn aber hier? Dummrian! + +Florian (zum Nachbar). So red' der Herr! + +Ein Nachbar. Gnädiger Herr, der Florian hat uns zusammengerufen +und hat uns Ihre Verlegenheit erzählt. Sie waren gegen uns immer +ein guter Herr, der uns manchmal ein Glas Wein gezahlt hat; wenn's +auch mit dem alten Herrn nicht richtig zugegangen ist, das macht +nichts. Wenn wir Ihnen helfen können und können Ihnen einen Dienst +erweisen, so schaffen S' mit uns. Wir sind ja Ihre Nachbarn, wer +weiß, wer unsern Kindern einmal was tut. + +Alle. Ja! ja! Schaffen S' nur, gnädiger Herr! + +Eduard. Ihr guten Leute, nehmt meinen herzlichen Dank! Ich kann +zwar keinen Gebrauch von euren freundschaftlichen Gesinnungen +machen, doch ich werde sie dankbar in mein Herz schreiben. Es hat +sich ein Vermächtnis meines Vaters vorgefunden, das mich bestimmt, +noch heute eine große Reise anzutreten, und wenn ich glücklich +zurückkehre, will ich den ersten Abend meiner Ankunft in eurem +fröhlichen Zirkel hinbringen. + +Alle Nachbarn. Vivat! Unser Nachbar soll leben! + +Ein Nachbar. So nehmen Euer Gnaden denn nichts für ungut; und +nachher hab' ich noch eine Bitt': Werfen S' auf den Florian da auch +keine Ungnad'! Er meint's nicht bös' und er ist gar ein gutes +Schaf! + +Florian. O. du gemeiner Kerl! + +Ein Nachbar. Und jetzt reisen S' recht glücklich und kommen S' +gesund wieder zurück. + +Alle. Glückliche Reise! (Gehen mit Bücklingen ab.) + + + +Dreiundzwanzigste Szene. +Eduard. Florian. Mariandel. + + +Eduard. Florian! Du hast meinen Entschluß gehört, mache dich +reisefertig, du wirst mich begleiten. Der Mariandel übergebe ich +die Schlüssel meines Hauses; ich kann mich auf deine Treue +verlassen. + +Florian. Besser als ich! + +Mariandel. Also Euer Gnaden wollen wirklich fort? Und der Florian +geht auch mit? + +Florian. Ja, der Florian geht auch mit, und die Florianin bleibt +da. + +Eduard. Nur muß ich dich benachrichtigen, daß unsere Reise durch +die Luft geht. + +Florian. Für mich just recht; ich bin ohnedem ein lüftiges +Bürschel. + +Eduard. Also nehmt euren zärtlichen Abschied, und dann Mut, +Florian! In einer Viertelstunde geht es den Sternen zu! (Geht ab.) + + + +Vierundzwanzigste Szene. +Mariandel. Florian. + + +Mariandel. O Spektakel! Also ist unser Herr auch mit den Geistern +im Bunde? Und du willst wirklich mit ihm in die Luft fahren? Wie +lang bleibt ihr denn aus alle zwei? + +Florian. Einige Vierteljahr'. + +Mariandel. So lange? Wenn ihr aber herunterfallt? + +Florian. Dann sind wir eher da. + +Mariandel. Nein, die Angst steh' ich nicht aus; ich spring' ins +Wasser. + +Florian. Willst du mich zur Witwe machen? + +Mariandel. Du unempfindlicher Mensch! Ist dir gar nicht leid um +mich? + +Florian. Schau', Mariandel, ich hab' dich g'wiß recht gern, du +bist mein drittes Leben; aber wenn's mein' Herrn gilt, so verkauf' +ich alle Mariandeln, wie s' sein, um zwei Groschen. + +Mariandel. Ich seh's schon, ich muß nachgeben. Geh nur auf deine +Luftreise, aber gib wenigstens acht auf dich, daß du mir nicht etwa +wo in ein Luftloch fällst und brichst dir einen Arm oder ein Paar +Füß'. + +Florian. Gibst du mir kein Andenken mit? + +Mariandel. Ja, was denn? + +Florian. Einen Zehnguldenzettel. + +Mariandel. Du hast ja mein Herz. + +Florian. B'hüt' dich Gott und denk' an mich, wannst Zeit hast + +Duett. + +Florian. + Mariandel, Zuckerkandel +Meines Herzens, bleib' gesund. + +Mariandel. + Floriani, um dich wan' i, +Wenn du fort bist, jede Stund'. + +Florian. + Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, für dich hin. + + +Beide. + Florian. Selbst mein Leben will ich geben, +Wenn ich tot bin, für dich hin. + Mariandel. Selbst sein Leben will er geben, +Wenn er tot ist, für mich hin. + + +Mariandel. + Wirst du, mein Florl, treu mir bleiben, +Weil dich mein Herz auch nie vergißt? + +Florian. + Ich werd' mit nächster Post dir schreiben, +Daß du mein Herzensbinkerl bist. + +Mariandel. + Ich mache dich zum einz'gen Erben, +Wenn dich mein Auge nimmer sieht. + +Florian. + Wann du vielleicht derweil willst sterben, +So gib mir lieber all's gleich mit. + +Mariandel. + Erst wann ich kann ans Herz dich drücken, +Dann strahlt mein Auge hell und klar. + +Florian. + Da wirst du g'wiß nichts Neu's erblicken, +Denn ich bleib' stets der alte Narr. + + +Mariandel. + Ah, das wird ja prächtig, +Da spring' ich hochmächtig, +Vor Freuden in d' Höh', +Als wie ein jung's Reh! + +Florian. + Dann gehst du zum Sperl, +Mit dein' lieben Kerl, +O jegerl, o je! +Das wird ein' Gaudee. + +Beide. +Dort zechen wir beide beim fröhlichen Schmaus, + +Florian. + Und wenn ich ein' Rausch krieg', so führst mich nach Haus. + +Mariandel. + Und wenn du ein' Rausch kriegst, so führ' ich dich nach Haus'. + +Florian. + O Wonne, o Wonne! sie führt mich nach Haus'. + +Mariandel. + O Wonne, o Wonne! da führ' ich ihn z' Haus'. + +(Beide ab.) + + + +Fünfundzwanzigste Szene. +(Kurze Gegend mit Schnee bedeckt vor Eduards Hause. Man hört eine +Musik mit Posthornbegleitung, die das Anfahren eines Postwagens +ausdrückt.) + + +Kolibri (als Postillion gekleidet, kommt in einer Postkalesche, mit +zwei russischen Füchsen bespannt, gefahren. Er bläst sein Posthorn, +steigt ab, schnalzt mit der Peitsche und stampft mit dem Fuße vor +dem Haustor.) Mordkreuztausend Bataillon! Die Schnellfuhr' ist da, +aufgemacht! (Klopft an der Haustür.) + +Eduard (kommt aus dem Hause in einem grünen Oberrocke, mit Pelz +ausgeschlagen). Ah, mein kleiner Fuhrmann, schon hier? Brav! Das +heiß' ich Wort halten! + +Kolibri. Ja, bei uns geht alles auf der Post. Es ist ja spät, +sonst fahren wir in die Nacht hinein. + +Eduard (ruft). Florian, tummle dich! + + + +Sechsundzwanzigste Szene. +Florian (reisefertig, einen Livreefrack und einen warmen Spenser +darüber. Fäustlinge, eine Reisemütze, er trägt mehrere Schachteln, +zwei Parapluies, einen Stiefelknecht und eine Kaffeemaschine in den +Armen). Alles in der Ordnung! + + +Eduard (lacht). Du heilloser Kerl! Was hast du dir alles +aufgeladen? Wirst du's gleich zurücklassen? Du siehst ja aus wie +ein Packesel! + +Florian. Ich muß ja doch das Notwendigste mitnehmen. + +Kolibri. Gleich laß es zurück! Bist du nicht allein schwer genug +mit deinem Kürbiskopf? + +Florian. Wegen meiner! (Wirft die Sachen ins Haus.) Das wird eine +schöne Reis' werden, nicht einmal einen Koffer; und der Postknecht! +Sein Posthörndel ist größer als er; den verlieren wir unterwegs. + + + +Siebenundzwanzigste Szene. +Mariandel (kommt aus dem Hause, hat eine runde Schachtel, worin ein +Gugelhupf ist, und einen großen Wäschekorb). Um des Himmels willen, +Euer Gnaden werden doch nicht so fortfahren? Nehmen Euer Gnaden +doch ein bisserl Wäsch' mit; es ist alles aufg'schrieben: zwölf +Hemden, acht Paar Strümpfe, zwanzig Halstücheln, zwei Dutzend +Halskrägen-- + + +Kolibri. Mordbataillon! Das können wir nicht brauchen! Einsitzen! +Die Pferd' wollen nicht mehr stehn. + +Mariandel (küßt Eduard die Hand). So wünsch' ich Euer Gnaden halt +eine glückliche Reise! Ich werd' schon das Haus hüten. + +Eduard. Steig ein, Bursche! + +Florian. Mariandel, bleib g'sund! + +Mariandel. Florian, mach' dich gut zusammen, daß du mir keinen +Eselshusten kriegst. Da hast ein altes Pelzpalatin'l von mir (sie +gibt ihm's um). Und in der Schachtel da ist ein Gugelhupf; aber +beiß dir keinen Zahn aus. (Sie stellt ihn neben sich.) Und jetzt +leb' wohl, lieber Florian! Vielleicht seh' ich dich nimmermehr. + +Florian. O Mariandel, mir druckt's mein Herz ab (weint). + +Mariandel. Nicht wahr, du wirst mich nicht vergessen? + +Florian (weinend). Nein! Wo ist denn der Gugelhupf? + +Mariandel. Florian! + +Florian (weint stark). Den Gugelhupf! + +Mariandel. Könntest du in mein Herz sehen! + +Florian. Sein Weinberl drin? + +Mariandel. Nu, da hast ihn, du Vielfraß! (Gibt ihm die Schachtel.) + +Kolibri (stampft). Jetzt weiter, ins Teixels Namen! (Haut Florian +mit der Peitsche unter die Füße und treibt ihn so auf den Löffel. +Alle sitzen auf, und unter dem Ausrufe: Florian leb' wohl. +Mariandel, denk' an mich! fahren sie unter Posthornschall ab.) + + + +Achtundzwanzigste Szene. +Mariandel (allein). Jetzt sind sie fort, und mich arme Köchin +lassen s' allein in der Brisil. Wenn nur mein Florian nicht krank +wird, er ist gar so schwächlich; ich hab' ihm mit Fleiß seine Brust +recht eingemacht, weil s' so zart ist. Er hat das Frühjahr ohnedem +eine Kur gebraucht, hat Molken getrunken und Plutzerbirn' dazu +gegessen, half aber nicht viel. Wann er aber glücklich zurückkommt, +so will ich eine Mahlzeit kochen, die sich sehen lassen soll. + + +Arie. +Die Ehre ist fürwahr nicht klein, +Recht eine gute Köchin z' sein; +Doch wann die Lieb' im Köpfchen schnalzt, +G'schieht's, daß die Suppe sie versalzt. +Wenn hübsche Herren bei uns speisen, +Muß unser Herr die Zimmer weisen, +Doch oft, mit ganz zerstreutem Sinn, +Stehn s' mitten in der Kuchel drin. + +Da sagen s' gleich: "Schöne Mariandel, +O gib mir doch dein liebes Handel!" +Doch ich, ich dreh' mich nicht herum, +Und rühre meine Zuspeis' um. + +Will einer Liebe mir beweisen, +Und Küsse von den Lippen speisen: +Bei dem wird meine Treue kund, +Dem wisch' ganz höflich ich den Mund. + +(Geht ab.) + + + +Neunundzwanzigste Szene. +(Tiefe Gegend mit einem hohen Berg, auf welchen sich ein breiter +Weg hinaufwindet, so, daß er drei Etagen bildet. Oben am Ende des +dritten Weges ein Portal, mit der transparenten Ausschrift: +Zaubergarten. Weiter entfernt sieht man im Perspektiv den Vesuv +des Zauberkönigs rauchen. An den Kulissen sind lauter +hervorragende Hügel angebracht, an diesen sowohl als am Berge +wachsen viele farbige Blumen, in Gestalt der Sonnenwende; statt dem +mittlern Kopf aber sind kleine Menschengesichter gemalt. Bei +Verwandlung der Bühne ist das Theater rückwärts mit mehreren Tieren +besetzt; ein indianischer Hahn, mehrere Affen, ein Bär, ein +Fleischhauerhund, welche alle auf den Gesang des Baumes horchen. +Der Baum singt eine beliebige Polonaise gleich bei der Verwandlung.) + + +Koliphonius (tritt auf mit einer Gießkanne und einem Korb mit +Früchten. Wie er hereinkommt, schweigt der Baum. Er hat ein +weites Kleid mit roten Flammen garniert, und eine Schlangenkrone +auf dem Haupte). Nun, vierfüßiges Gesindel! Wie steht's? (Die +Tiere versammeln sich um ihn.) Jetzt muß ich meine Verwunschenen +füttern! Ein schönes Institut! Toren, warum habt ihr so +bewegliche Köpfe gehabt, die zum Umschauen gemacht waren? Der +Koliphonius ist gar ein feiner Kerl. Alle habe ich sie noch in +mein Netz gebracht. Keiner ist zum Zauberkönig gelangt. Da! Und +jetzt trollt euch. (Gibt ihnen die Früchte preis, sie gehen +langsam damit ab.) Die Tiere waren Männer. Jetzt wollen wir die +bezauberten Blumen begießen; das waren lauter neugierige +Frauenzimmer, die den Geisterkönig um ewige Schönheit bitten +wollten (begießt sie). Was seh' ich? Beim neunarmigen Styx, dort +kommen Menschen an! Heißa! Koliphonius, nimm dich zusammen! Ihr +sollt mir nicht entwischen. Frisch ans Werk! Tut eure +Schuldigkeit, ihr singenden Zweige oben; lockt sie hinauf, singt +bezaubernde Melodien; singt Rossinische: sie locken ja ins +Schauspielhaus, so werden sie auch hier ihre Wirkung nicht +verfehlen. + + + +Dreißigste Szene. +Kolibri. Eduard. Vorige. + + +Eduard. Also hier ist dein berüchtigter Zauberberg? Und jener +feuerspeiende Berg, sagtest du, ist die Wohnung des Geisterkönigs? + +Florian. Logiert der in einem Rauchfang? + +Kolibri. Dort ist seine Wohnung. + +Eduard. Und diesen Berg muß ich ersteigen, ohne umzublicken? Und +dem höchsten Baum in jenem Garten muß ich einen Zweig entreißen? + +Kolibri. Ja! Doch muß ich dich jetzt verlassen, und darf dich +erst wiedersehen, wenn du glücklich vollendet hast. + +(Baum singt einige Takte aus einer bekannten Rossinischen Oper.) + +Eduard. Was hör' ich für angenehme Melodien! Ich kenne euch, ihr +habt mich oft vergnügt. + +(Baum singt einige Takte von Mozart.) + +Eduard. Ha, das ist Mozart! O, meine vaterländischen Töne! Ihr +könnt nicht nur vergnügen, ihr könnt auch begeistern. Lebt wohl! +Ich besteige den Berg. + +Kolibri. Hüte dich! Sieh dich nicht um, ich darf dich nicht +beschützen. (Zu Florian.) Komm, Bursch'! + +Florian. Marsch, Bursch'! Ich bleib' bei meinem Herrn. (Kolibri +geht ab.) + +Melodram. + +Eduard (beginnt seine Wanderung. Er betritt den ersten Weg. Vier +reizende Nymphen zeigen sich und suchen ihn durch Winke zum Umsehen +zu bringen; endlich formieren sie bei einer Ferma in der Musik eine +ihn umschlingende und zurückhaltende Gruppe. Eduard reißt sich los, + ohne sich umzusehen, und ruft; Laßt mich, Bajaderen! Die Nymphen +verschwinden schnell. Eduard betritt den zweiten Weg; es wird +plötzlich finster. Der Donner rollt und schlägt vor ihm in einen +Baum ein, welcher einen Augenblick brennt. Pause in der Musik.) Du +schreckst mich nicht! Vorwärts! (Der Baum verlischt, die Bühne +wird wieder hell. Eduard betritt den dritten Weg; ein Grieche mit +gezücktem Dolche verfolgt ein Mädchen, welches sich an Eduard von +rückwärts anklammert und Hilfe! Hilfe! ruft; er reißt sich los +und ruft. Zurück! Beide versinken.) Viktoria, es ist gelungen! +(Eilt in die Pforte. Man hört durchs Sprachrohr Koliphonius' +Stimme: Verdammt! Die Musik drückt den Triumph aus.) + +Florian (hat während der ganzen Szene seine Empfindungen mimisch +ausgedrückt, macht einen Rundsprung). Juhe! Das ist ein Mandel +mit Kren, mein Herr! Und ich soll hier stehen bleiben, wie ein +Spatzenschrecker? Nein! Hinauf auf den Lepoldiberg! Vielleicht +erwisch' ich auch eine bezauberte Nagelwurzen! (Musik; er eilt auf +den Berg; vier Oberländler-Küchenmädchen mit Linzerhauben und +schwarzen Vortüchern machen das vorige Spiel. Pause in der Musik.) +Zurück, ihr Kuchelmamsellen! (Die vier Mädchen verschwinden. Er +tritt den zweiten Weg an, es kommen zwei Mann Soldaten mit +angeschlagenem Gewehre, einen Korporalen dabei, welcher kommandiert: + Schlagt an! Habt acht! Gebt Feuer! Auf das Wort: Feuer fällt +Florian auf das Gesicht vorwärts nieder; die Soldaten schießen über +ihn weg und verschwinden. Er rafft sich auf und ruft: Weit davon +ist gut vorm Schuß! Er betritt den dritten Weg. Ein Kellner hält +ihn zurück, und ruft: Meine zehn Gulden! er schlägt rückwärts aus: +Zurück, Ungeheuer! und wirft ihn nieder; Kellner entflieht.) +Triumph! Es ist gelungen! (Er will ins Portal; in dem Augenblick +erscheint Mariandels Gestalt hinter ihm und ruft: Florian! Florian! +Florian schaut sich schnell um und ruft: Mariandel! Er will auf +sie zu, sie verschwindet; eine Furie reißt ihn rückwärts nieder.) + +Koliphonius (erscheint am Fu9e des Berges). Er ist mein! +Verwandle dich in einen Pudel! (Eine Hundshütte erhebt sich über +Florian; er läuft als Pudel über den Berg herab und sucht ängstlich +seinen Herrn. In dem Augenblick kommt Eduard frohlockend, den +Zweig in der Hand, aus dem Garten über den Berg und ruft: Florian! +Florian! Der Pudel springt an ihm hinauf und liebkoset ihn. Pause.) + +Eduard. Was ist das? Was will der Pudel? + +Kolibri (tritt heraus). Es ist dein Diener. + +Eduard. Unglücklicher! Was hast du getan? (Pause.) Ich will dich +auch so nicht verlassen. Komm, Sinnbild der Treue! Fort von +diesem Ort! (Nimmt den Pudel bei dem Halsbande und will ihn +fortziehen.) + +Koliphonius (ruft). Halt! Er bleibt hier! Mein ist der Hund; ich +bin hier Herr. + +Eduard. Mit meinem Leben will ich ihn verteidigen! Er bleibt +nicht hier. + +Koliphonius. Nicht? (Verwandelt sich in einen Jäger.) So +erschieß' ich ihn. (Bückt sich, sein Gewehr aufzunehmen, ein +Genius bringt es, Koliphonius spannt den Hahn.) + +(Kolibri winkt. Plötzlich springen acht Pudel, eben so gezeichnet +wie Florian, auf die Bühne und bilden mit ihm ein Tableau, das +ganze übrige Theater aber ist auf allen Bergen und Seitenhügeln mit +lauter gemalten Pudeln angefüllt, welche sich nach Verhältnis der +Tiefe perspektivisch kleiner zeigen, in komischen Gruppen, und ein +Tableau formieren.) + +(Koliphonius will zielen, prallt zurück.) + +Eduard. Bravo, Kolibri! Jetzt schieß den rechten, wenn du ihn +kennst, aber schnell, denn alle nehm' ich sie nicht mit mir. + +Koliphonius. So will ich sie alle verderben. (Winkt; die Bühne +verfinstert sich. Blitze leuchten, heftiger Regen. Das Wasser +schwillt immer höher, Kolibri und Eduard befinden sich mitten auf +einem Felsen, welcher sich aus dem Wasser emporhebt und hoch +herausragt. Die Pudel schwimmen um ihn herum. Pause in der Musik.) + +Eduard. Er ist verloren! + +Kolibri. Wirf ihm den Zweig zu. + +Eduard (wirft den Zweig ins Wasser und ruft) Florian, Apport! Der +Pudel sucht ihn zu haschen, arbeitet sich mit dem Zweig in dem Mund +auf den Felsen hinan, wo Eduard steht. Wie er oben ist, ruft +Eduard unter Musik: Er ist gerettet! Der Felsen verwandelt sich in +ein Segelschiff und fährt mit den Dreien davon. + +Koliphonius (ruft). Fluch und Verderben über euch! (Der Pudel +bellt im Fortfahren mit Wut auf ihn hinaus.) + +(Die Kurtine fällt.) + +Ende des ersten Aufzuges. + + + + +Zweiter Aufzug. +(Palast des Longimanus mit einem Seitenthron.) + + + +Erste Szene. +Longimanus sitzt auf dem Throne, um ihn mehrere dienstbare Geister. + +(Großer Tanz von idealen Geistern, am Ende eine Gruppe.) + + +Chor. Heil, Longimanus! + +Longimanus. Ist schon gut, schon gut! Bedank' mich aufs +allerschönste. (Für sich) Freut mich recht, daß s' mir haben heute +einen kleinen Tanz gemacht, weil morgen mein Namenstag ist. + +(Der Chor ab). + + + +Zweite Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (überreicht dem Longimanus einige Visitenkarten). +Zauberer Vanille; Fee Maraskino! + +Longimanus. Aha! Kommen schon die Billetten ang'stochen. (Liest.) +La Hexe de Marascino et sa famille. Monsieur Vanille, +Professeur de la Magie. Ich lass' mich bedanken; meine Empfehlung. +Auf mein' Namenstag freu' ich mich immer, wie ein Kind, bloß wegen +die Zugbilletten. (Nimmt ein Zugbillett.) Da schau' einmal, wie +man bei dem Kerl anzieht, reckt er den Fuß in die Höhe. (Lacht.) +Ist das nicht prächtig? + +Pamphilius (lacht). O, scharmant! Das ist ein herrlicher Gedanke. + +Longimanus. Wie den Neujahrstag; den hab' ich auch so gern, wenn +die Leut' glückwünschen kommen. Warum? Weil man gewiß überzeugt +ist, daß es ihnen vom Herzen geht. (Man hört den Pudel von außen +bellen.) Wer bellt denn da draußen? + +Pamphilius (sieht hinaus). Ein großmächtiger Pudel! + +Longimanus. Will er mir vielleicht auch zum Namenstag gratulieren? +Schau doch hinaus. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Wenn der mir seine Aufwartung machen wollt', das war' +wirklich zu viel; da müßt' ich protestieren. + + + +Dritte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Pamphilius (kommt zurück). Herr! Zephises' Sohn hat die Reise +nach dem Zaubergarten glücklich vollendet und wagt es, sich dir zu +Füßen zu werfen. + +Longimanus. Hör' auf! Das ist ein Tausendsasa! Hat sich nicht +umgeschaut! Auf die Letzt hat er gar das Rheumatische im Hals, daß +er den Kopf nicht hat umdrehen können. Er soll hereinkommen; doch +seinem Vater sagst, daß er nicht herüber kommt; er darf nicht reden +mit ihm. Aber wegen was hat er denn einen Pudel? + +Pamphilius. Vielleicht ist er ein Pudelnegoziant. Ich werd' ihn +gleich hereinschicken. (Geht an die Kulisse und läßt Eduard herein.) + + + +Vierte Szene. +Eduard. Vorige. + + +Eduard. (kommt, hat den Zweig in der Hand und stürzt zu des +Longimanus Füßen). Mächtiger Zauberfürst! + +Longimanus. Ich bitt' recht sehr, stehen Sie auf, ist alles zuviel. +(Hebt ihn auf, zu Pamphilius.) Bring' Er Sesseln! + +(Pamphilius bringt zwei Sesseln.) + +Longimanus. So! Jetzt geh nur hinaus! (Pamphilius geht ab.) +Nehmen S' Platz. + +Eduard. Sonne der Welt! Du zermalmst mich durch deine Güte. + +Longimanus. Warum nicht gar! Reden S' nur frei heraus von der +Leber weg. Mit was kann ich dienen? Sie sind also der kleine +Eduardl? + +Eduard. Ja, ich bin die arme Waise. + +Longimanus. Nun, wenigstens müssen S' in Ihrem Waisenhaus eine +gute Kost gehabt haben; Sie sind recht auseinander gangen. + +Eduard. Nur durch das Vermächtnis meines unglücklichen Vaters bin +ich seit kurzer Zeit in den Besitz jenes großen Reichtums gelangt, +den er durch deine hohe Gunst erhalten hat. Ich bin hier, dich um +eine Gnade anzuflehen. Doch, bevor ich diese Bitte wage, liegt +eine andere mir--(Der Pudel bellt.) + +Longimanus. Ja, Apropos! Du hast ja einen Kameraden bei dir? Laß +mir ihn doch herein. He, laßt den Pudel herein! + +(Der Pudel springt herein, zuerst auf Eduard und liebkost ihn, dann +zum Zauberkönig.) + +Longimanus. Nun, mich freut's, Ihre Bekanntschaft zu machen. Das +ist ein spaßiger Kerl. Wie spricht der Hund? Schau', gibt keine +Antwort. Ach, den müssen Sie mir zum Präsent machen, ich werd' ihm +gleich die Ohren schneiden lassen. He! + +(Der Pudel fangt zu lamentieren an und verkriecht sich hinter +Eduard.) + +Eduard. Um alles in der Welt nicht! Eben das Schicksal dieses +armen Pudels war es ja, worüber ich dich um Gnade anflehen wollte. + +Longimanus. Das ist doch schrecklich, was das Schicksal treibt; +jetzt kommt's gar über die Pudeln! + +Eduard. Dieser Ärmste ist mein Diener; seine Anhänglichkeit an +mich verleitete ihn, den Zauberberg nach mir zu besteigen, und ein +einziger Rückblick hat ihn in diese schreckliche Lage versetzt. + +Longimanus. Wie ist er denn dem Koliphonius entwischt? Hat gewiß +wieder das kleine Spitzbübel, der Kolibri, sein' Hokuspokus gemacht. +Dem Buben lass' ich noch einmal einen Schilling geben. + +Eduard. Habe Mitleid! Schenke ihm seine vorige Gestalt wieder! + +Longimanus. Nu, wegen meiner; so laß ihn da in den Zauberkasten +hinein. (Er öffnet den Kasten und läßt den Pudel hinein.) Ich +bitt', hineinzuspazieren. (Zu Eduard.) Und jetzt ruf ihn dreimal +beim Namen. + +Eduard. Florian! Florian! Florian! + +Florian (im Kasten). Na, aufmachen da! Sapperment! + +(Eduard öffnet den Kasten.) + +Florian (kömmt im größten Zorn heraus). Ah, das ist ja inpertinent! + Mord dividomine! (Stößt plötzlich gegen den Zauberkönig und +fällt ängstlich auf beide Knie nieder.) Ui jeges! Ich bitt' +tausendmal um Verzeihung, Euer Langmächtigkeit! + +Longimanus. Das ist ein zorniger Nickel! So geht's, wenn man +manchmal Leuten Gefälligkeiten erweist, so sind s' noch recht grob +dafür. + +Eduard. So bedank' dich doch, unartiger Bursche! Dem +Geisterkönige verdankst du deine jetzige Gestalt wieder. + +Florian. Ich küss' die Hand, Euer Hochmächtigkeit! + +Longimanus. Ich weiß nicht, ob Er viel profitiert hat bei seiner +Verwandlung; Er ist mir als Pudel viel gescheiter vorgekommen als +jetzt. Also weiß Er jetzt, wie einem Pudel zumute ist? + +Florian. Ah, das war ja ein Hundsleben; das möcht' ich meinem +ärgsten Feind nicht wünschen. Aber wie ist denn meine Mariandel +daher kommen? + +Longimanus. Das war nicht Seine Mariandel! Wir haben Mariandeln +g'nug. Punktum! Also künftig g'scheiter sein. (Zu Eduard.) Also, +mein lieber Eduard, den hätten wir. Was willst denn noch, mein +Kind? + +Eduard. Laß mich niedersinken und-- + +Longimanus. Der Mensch hat so schwache Nerven, alle Augenblick' +sinkt er. + +Eduard. Du hast meinem Vater sechs Statuen zum Geschenk gemacht, +doch die siebente, kostbarste, mächtiger Zauberkönig! zürne nicht, +wenn ich mich erkühne, auch ihren Besitz von deiner +unerschöpflichen Großmut zu erflehen. + +Longimanus (macht große Augen und sagt mit Gewicht). Die siebente +Statue willst du? Ja, die hat einen Wert; da kriegt man schon in +einem jeden Versatzamt was d'rauf. + +Eduard. O, schenke sie mir! + +Florian. Rucken S' heraus damit! + +Longimanus. Nur Geduld! Weißt du was? Umsonst ist der Tod! Wenn +man etwas haben will, so muß man auch etwas dafür tun; nicht wahr? + +Florian. Ja, springen muß man immer was lassen. + +Longimanus. Also Schwierigkeit gegen Schwierigkeit! Du sollst die +diamantene Statue haben, aber--du mußt mir dafür ein Mädchen +aussuchen, welches in ihrem achtzehnten Jahre ist und noch in ihrem +Leben keine Lüge über ihre Lippen gebracht hat. + +Florian Da kriegen wir s' nicht, die Statue! + +Eduard. Hoher Herr! Du machst eine große Forderung an mich +schwachen Sterblichen; doch ich will auch das Unwahrscheinliche +wagen für den Besitz dieses Zauberschatzes. + +Longimanus. Du willst also? Eh bien! Wenn du sie aber gefunden +hast, so bringst du sie augenblicklich hierher und erwartest mich +am Fuße meines rauchenden Palastes. Unterstehst du dich aber, +einen Augenblick mit ihrer Übergabe zu zögern, so ist dein Leben +verloren. Ja, schau' mich nur an! Ich mach' kein' Spaß! +Augenblicklich, da kommt kein Pardon! + +Eduard. Ich füge mich deinem Ausspruche. Doch, wie wird es mir +möglich werden, diese Priesterin der Wahrheit zu erkennen? Wie +kann ich erfahren, ob ein Mädchen auch nicht im Scherze noch +gelogen hat! Wer im ganzen Hause wird mir das sagen können? + +Florian. Nur beim Hausmeister erkundigen. + +Longimanus. Da hast du recht. Da muß ich dir ein Kennzeichen +geben. + +Florian. Ja. fragen S' nur mich allemal; ich werd' Ihnen's schon +sagen. + +Longimanus. Richtig, durch den sollst du's wissen, weil er gar so +eine Freud' damit hat, unser Freund. + +Florian. Ja, ich bitt', Euer Herrlichkeit! Ich g'freu' mich schon. + +Longimanus. Wenn du ein Frauenzimmer prüfen willst, so ergreife +ihre Hand; hat sie schon einmal gelogen, so wird dieser Bursche da +im ganzen Körper entsetzliche Schmerzen empfinden. + +Florian (ganz erstarrend). Mich trifft der Schlag! + +Longimanus. Es wird ihn reißen, stechen, kurz, alles mögliche, was +er sich nur selbst wünschen kann. + +Florian. Ich bitt', das ist wirklich zuviel! + +Longimanus. Und je mehr Lügen, als eine in ihrem Leben gesagt hat, +in desto größere Zuckungen wird er verfallen. + +Florian. Sie verzeihen, aber ich muß hinaus! (Will fort.) + +Eduard. Halt! Warum denn? + +Florian. Mir wird nicht gut. + +Longimanus. Du bleibst da! + +Florian. Euer Herrlichkeit, das geht nicht; das bringet mich ja +ins Spital! + +Longimanus. Schweig! Also--wo sind wir geblieben? Richtig, desto +mehr Reißen wird er empfinden. + +Florian (will fort). Hören Euer Herrlichkeit mit dem Reißen auf, +oder es reißt mich zur Tür hinaus. Wer wird denn in einem +rheumatischen Dienst bleiben? + +Longimanus. Langsam! Auf Regen folgt Sonnenschein. Wenn du aber +eine findest, die noch nie gelogen hat, so wird er ein +außerordentliches Wohlbehagen empfinden. Es wird ihm so leicht +sein und so froh, als wie einem Menschen, der das erstemal einen +Langaus tanzt. + +Florian. Ja, wenn er sieben Jahre die Gicht g'habt hat. Nun, ins +Himmelsnamen, lassen wir uns halt eine Weile herumreißen. + +Eduard. Sei ruhig, Florian! Wenn ich mein Ideal gefunden habe, so +will ich dich reichlich belohnen. + +Florian. Mich? O je, wo bin ich da schon? Bis dorthin reißt's +Ihnen ein dreihundert Bediente z'samm', wie nichts. + +Longimanus. Und jetzt macht's, daß Ihr weiter kommt. Wie willst +denn fahren? (Ruft.) He, Pamphilius! + + + +Fünfte Szene. +Pamphilius. Vorige. + + +Longimanus (zu Pamphilius). Laß ihnen meine zwei alten Drachen +einspannen, die ich vor meinem Galawagen habe, das sind doch ein +Paar sichere Tiere. + +Pamphilius. Mächtiger Herrscher, das ist unmöglich! Der Handige +hat sich einen Flügel gebrochen. + +Longimanus. Da hast es ja. Das ist von dem g'schwinden Fahren. +Jetzt darf ich wieder langmächtig suchen, bis ich einen gleichen +dazu krieg'. Weißt du was? Fahr du in einem Luftballon, und wo er +mit dir niedergeht, dort probier' dein Glück. Geht's hinüber in +die Schupfen um einen Luftballon, der Kolibri soll kutschieren. + +(Pamphilius geht ab.) + +Longimanus. Also viel Glück! Für ein schön's Wetter werd' ich +schon sorgen, und wollt Ihr andere Kleider, nur drüben mein' +Schneider sagen, in fünf Minuten sind sie fertig. + +Eduard. Hoher Geisterfürst! Mit mutigem Vertrauen trete ich meine +Reise an, mein höchstes Glück liegt in deiner Hand. + +Florian. Mächtiger Zauberfürst und wohlgeborner Zechmeister der +löblichen Geisterzunft! Mit der entsetzlichsten Tremarola tret' +ich meine Reise an; haben Sie Mitleid mit meiner schwachen +Konstitution, und denken Sie, daß ein Mensch keine solchen +Schmerzen mehr auszustehen vermag, der sich erst vor kurzem noch so +herumgepudelt hat. + +Longimanus. So wart' Er noch ein wenig! Das ist ein närrischer +Mensch! Es geschieht Ihm ja nichts, wegen was lamentiert Er gar so? + +Florian. Sehen Euer Herrlichkeit, mir ist nur, wenn ich eine +verrissene Physiognomie bekäme, meine Mariandel schauet' mich in +ihrem Leben nicht mehr an. + +Longimanus. Was ist denn das für eine Person, die Mariandel? Ist +s' denn gar so hübsch? + +Florian. No, wann S' was g'spannen; das ist eine barbarische +Schönheit. Die ganze Welt darf man ausreisen, es gibt keine.--Ach, +ich glaub' nicht, daß man in der Walachei eine findet. + +Longimanus. Nu, bravo! Die muß Er mir einmal aufführen. + +Florian (lacht). Ach nein! Euer Herrlichkeit sind gar ein +G'spaßiger? Sie könnten mir s' abwendig machen. + +Longimanus. So sei Er nur nicht so kindisch; was fallt Ihm denn +ein? + +Florian. Nein, nein! Was nützt denn das? Ich gib s' nicht aus +der Hand. Wer mir meine Mariandel stehlet, der wär' ein Kind des +blassen Todes! Ha! da würde ja gerauft! Euer Herrlichkeit sind +ein stattlicher Mann, aber die Schläg' möcht' ich Ihnen nicht +wünschen, denn meine Mariandel ist meine einzige Passion! + +Arie. +D' Mariandel ist so schön, +D' Mariandel gilt mir all's, +Und wenn ich s' nur erwischen kann, +Fall' ich ihr um den Hals. +Es gibt zwar der Mariandeln viel +Auf dieser weiten Welt, +Doch keine, die so herzig ist, +Und die mir so gefällt. +D' Mariandel ist so zart, +Ja, ich gesteh' es frei, +Bis sie ein halbes Knödel ißt, +Derweil hab' ich schon drei. +Und wenn ich oft recht hungrig bin, +Zerspringt ihr fast das Herz, +Da lauft s' nur g'schwind in d' Kuchel naus +Und kocht mir einen Sterz. + +D' Mariandel ist so treu, +D' Mariandel ist so frumm, +Und wenn ich s' nicht bald z'sehen krieg', +So bring' ich mich noch um. +Denn wer nur a Mariandel hat, +Der weiß es so, wie ich; +Nicht wahr? So oft man an sie denkt, +Gibt's einem einen Stich! + +Repetition. +D' Mariandel ist gar g'scheit, +D' Mariandel ist nicht dumm, +D' Mariandel meint, in Wien dahier +Wär's beste Publikum! +Drum glaub' ich der Mariandel auch, +Sie hat mich nicht vexiert; +Ich hab' auf ihren Spruch vertraut +Und hab' mich nicht geirrt! (Ab.) + +Longimanus (allein). Jetzt haben s' schon Zeit gehabt, daß sie +gegangen sind. Nicht einmal sein Schalerl Kaffee kann man mit Ruhe +trinken. (Ruft.) Pamphilius! + + + +Sechste Szene. +Pamphilius. Voriger. + + +Longimanus. Die neuen Bücher, die ich aus der Leihbibliothek +gekriegt hab', tragst ins Lesekabinett hinüber und bringst alles in +Ordnung, ich will lesen. + +Pamphilius. Befiehlst du auch einen aromatischen Rauch im Zimmer? + +Longimanus. Später kannst du mir ein bißl einen blauen Dunst +vormachen. Und jetzt hinüber, richt' alles her. Mein Tischerl, +zwei Wachskerzen und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das +Stück les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich weiß immer noch +nicht, warum sie s' denn eigentlich ins Wasser geworfen haben. +Jetzt komm, Pamphilius. (Beide gehen ab.) + + + +Siebente Szene. +Platz, von hohen schönen Gebäuden umschlossen, doch alle ohne +Fenster im griechischen Geschmacke erbaut. Rechts der Eingang in +den Palast des Veritatius. Links vorne eine Erhöhung von +steinernen Stufen, worauf der Sitz sich befindet, hinter dem die +Statue der Wahrheit steht. Eine nackte Figur mit der Sonne auf der +Brust.) + + +Chor der Einwohner. +Stille, stille! Harrt bescheiden, +Bis des Hornes Ruf ertönt. +Schrecklich muß der Freche leiden, +Der des Herolds Wort verhöhnt. +Was wird er uns wohl verkünden, +Was muß vorgefallen sein? +Doch wir werden's bald ergründen, +Seht, hier tritt er ja schon ein. + + + +Achte Szene. +Vorige. Zwei Diener des Herolds treten vorauf und stoßen dreimal +in ihr goldenes Horn, welches der römischen Tuba gleicht. Dann +tritt der Herold in die Mitte. + + +Rezitativ. +Herold. +Bewohner des friedlichen Landes! +Ich bin erschienen, euch zu verkünden +Die Befehle unseres Herrschers. +Schon wenn die nächste Stunde tönt, +Müßt ihr euch hier auf sein Geheiß versammeln. +Er wird ein Mädchen heut bestrafen, +Und sie verscheuchen aus des Landes Grenzen, +Weil frech die Sitten sie verhöhnet, +Die doch mit Milde uns beglücken, +Und die allein sind unsres Landes Stolz. + +Arie mit Chor. + +Herold. + Hier im einsam stillen Lande, +Wo der ew'ge Friede wohnt, +Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe süß belohnt. + +Chor. + Webt die Freundschaft feste Bande, +Wird die Liebe süß belohnt. + +Herold. + Darum wandelt, meine Brüder, +Mit Bedacht zur Arbeit hin, +Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +Chor. + Nur der Vorsicht weihet Lieder, +Denn die Hast bringt nie Gewinn. + +(Alle gehen ab.) + +(Die Musik geht nach dem Chor in eine artige Variation, über das +Thema: "Es reisen drei Schneider zum Tore hinaus, ade!" über.) + + + +Neunte Szene. +(Der Luftballon, welcher eine dunkelblaue Kugel vorstellt, aber +nicht mit den gewöhnlichen Streifen, sondern quer ein Paar weiße +Bordüren hat und zwei weiße Flügel, welche zu beiden Seiten +angebracht sind, geht langsam nieder.) + + +Eduard, Florian, Kolibri als Luftfahrer mit einem rosenroten +Fähnlein steigen aus dem daranhängenden goldenen Schifflein. +Eduard trägt eine grüne Zivil-Uniform, weißes Beinkleid und +Federhut. Florian rote Livree mit Goldborten. + +Kolibri. Also hier wären wir, Mongolfier hat seine Schuldigkeit +getan. Jetzt vollende du das weitere. + +Eduard. Wo sind wir denn eigentlich? + +Kolibri. Das wirst du schon erfahren; ich handle ganz zu deinem +Besten. Kolibri ist nicht dumm. Jetzt verlasse ich dich, und wenn +du mich brauchen wirst, werde ich gleich bei der Hecke sein. +(Nimmt einen andern Ton an und den Hut ah.) Euer Gnaden, ich bitt' +um mein Trinkgeld! + +Eduard. Ja, richtig! Hier, mein kleiner Fuhrmann! (Gibt ihm ein +Goldstück.) + +Kolibri. Euer Gnaden verzeihen, ich habe noch etwas gut von der +letzten Station; wissen S', mit die Füchseln? Es waren zwei +Goldfüchsel, und Sie haben mir da nur eines gegeben (hält ihm das +Goldstück vor). + +Eduard (gibt ihm noch eines). Ja so! Bist du so geldgierig? + +Kolibri. Das versteht sich! Ich muß mir ja was zusammensparen auf +meine alten Tag'. Empfehle mich gar schön. (Macht einen Kratzfuß +und steigt in den Luftballon, der mit ihm sogleich fortfährt.) + +Eduard. Eine sonderbare Stadt! Es ist alles so stille in den +Straßen, als ob sie unbewohnt wäre. Nun, Freund Florian, warum so +betrübt? Gefällt es dir hier nicht? + +Florian (der durch die ganze Szene sehr trübselig aussah und öfters +nachzudenken schien). Nein! Für mich blühen auf diesem Boden +keine Rosen! + +Eduard. So sei nur nicht so einfältig! Es wird ja den Hals nicht +kosten. + +Florian. O, ich bitte, schweigen Sie! Glauben Sie, das ist ein +Spaß, wenn's einem was wegreißt? So weit hab' ich's gebracht! Das +ist das Los des Schönen auf der Erde! + +Eduard. Jetzt befehle ich dir, zu schweigen und an jenem Palast zu +läuten, daß wir hören, wo wir sind. + +Florian. Na, es ist recht; ich will alles tun. Verzweiflung, nimm +dein Opfer. (Er läutet.) + + + +Zehnte Szene. +Aladin, der Aufseher dieses Palastes, öffnet die Tore und tritt +heraus. Vorige. + + +Aladin. Was seh' ich? Fremdlinge? Durch welche Zaubermacht seid +ihr hierher gelangt und was begehret ihr von uns? + +Eduard. Willst du, würdiger Unbekannter, mir wohl vorher die Frage +beantworten, wo ich mich eigentlich befinde? + +Aladin. Du befindest dich in dem Lande der Wahrheit und der +strengen Sitte, und dein Fuß berührt den Boden unserer Hauptstadt. + +Eduard. Freue dich, Florian, wir sind unserem Ziele nah'. + +Florian. Ich wollt', ich wär' noch weit von meinem Ziel. + +Aladin. Hier ist der Palast unsers Herrschers; ich bin nur sein +Diener. + +Florian. Jetzt ist der auch nur ein Bedienter. + +Eduard. Willst du mich bei deinem Herrscher melden? Ich bin weit +über dem Meere, ein Prinz aus dem Lande der Aufrichtigkeit und habe +mit meinem treuen Diener (Florian verbeugt sich) in einer +neuerfundenen Luftmaschine die Reise in euer Land gemacht, um mir +eine Braut nach Hause zu führen, die ich durch treue Liebe und +ungeheure Reichtümer zu beglücken gedenke. + +Aladin. Deine Gesinnungen sind gut, und ich werde sie unserm +Herrscher treu berichten. + +Eduard. Doch jetzt mache mich auch mit den Gewohnheiten eures +Insellandes bekannt. + +Florian. Ja, erzählen S' uns ein bissel was. + +Aladin. Auf unserer Insel wirst du den Streit vergebens suchen; +wir haben gar keinen Verkehr mit irgend einem Lande. Feste geben +wir nie, wir glänzen nur durch Wahrheit. + +Florian. Das ist sehr schön von Ihnen. + +Aladin. Einsam ist es in den Straßen, denn man geht nur aus, wenn +es sehr notwendig ist. + +Eduard. Doch ich sehe keine Fenster an den Häusern. + +Aladin. Die gehen in den Garten, die Aussicht ist zurück. + +Florian. Sie werden halt die Augen auf dem Rucken haben, weil s' +vorn zuviel Aufsehn machten. + +Aladin. Mit großer Strenge wird bei uns die Lüge bestraft, je +nachdem sie nachteilige Folgen verursacht; doch ist man gegen +Weiber nachsichtiger, als gegen Männer. Verleumdung kennen wir nur +dem Namen nach auf der Insel der Wahrheit und Sittsamkeit. + +Florian. Erlauben Sie, mein Teurer! wenn einer in seiner +Sittsamkeit etwas stiehlt, so wird er doch ganz bescheiden +eingeführt? + +Aladin. Wer fehlt, muß bestraft werden. + +Florian. Und da bekommt er hernach seine soliden fünfzig Strichel? + +Aladin. Das geschieht nicht. Wir schlagen nur die Kleider des zu +Bestrafenden, nicht den Mann; und das ist bei uns die größte +Schande. + +Florian. Das geschieht bei uns auch. Man schlagt auch nur die +Kleider, aber man wartet so lange, bis sie derjenige an hat, den +wir--(macht die Pantomime des Prügelns). + +Eduard. Wie ist es rücksichtlich eurer Heiraten? + +Aladin. In ihrem zwanzigsten Jahre werden unsere Mädchen +verheiratet, ohne daß sie ihren Bräutigam zu Gesichte bekommen +haben. Als Frauen dürfen sie keinen Schritt mehr aus dem Hause +machen. + +Florian. Das ist gut. Wenn eine Geld im Sack hat, kann s' +wenigstens keins verlieren auf der Gasse. + +Aladin. Nur bei öffentlichen Versammlungen müssen sie erscheinen. +Übrigens darf kein Mädchen allein ausgehen, wenigstens vier, wo +eine die andre beobachtet, denn es darf sich keine umsehen. + +Florian. Das heißt, sie dürfen niemand über die Achsel ansehen. + +Aladin. Und gehen immer in Begleitung von zwei Mohren. + +Eduard. Himmel, welch ein qualvolles Leben! + +Aladin. Wenn ein Mann ein Frauenzimmer auf der Straße sieht, muß +er sein Haupt zur Erde beugen und darf sie nicht ansehen, sonst ist +er des Todes. + +Florian. Wenn das bei uns der Brauch wär', da schaueten manche +junge Herren den Frauenzimmern nicht so unter die Hüte. + +Eduard. Ist das beim Fremden auch der Fall? + +Aladin. Es kommen selten Fremde zu uns. Doch sind sie von diesen +Gebräuchen ausgeschlossen, soweit es der Anstand gestattet, und es +ist ihnen erlaubt, ehrerbietig ihre Hand zu küssen. Selten vergißt +ein Frauenzimmer ihren Stolz. Wenn aber ein unwürdiges Betragen +von einer den andern zu Ohren kommt, so empört sich auch ihr Gefühl +so sehr, daß sie in großen Tadel über die Unwürdige ausbrechen. + +Eduard. Das ist eben kein sicherer Beweis von eigener +Unverdorbenheit des Herzens. + +Florian. Ah, das ist der Neid--mit mir reden! + +Eduard. Ich danke dir für deine Auskunft und bedaure die +Unglücklichen; sie würden wahrscheinlich edle Geschöpfe werden, +wenn man ihren Handlungen weniger Zwang auflegen möchte. + +Aladin. Bedauern? Sprich dieses Wort nicht aus in Gegenwart +meines Herrschers, bei dem ich dich jetzt melden werde. Im Lande +der Wahrheit ist niemand zu bedauern, als der, den die Götter mit +Blindheit geschlagen haben, den unbedingten Wert unserer Handlungen +nicht einzusehen. (Ab in den Palast.) + +Florian. Geh der Herr zu. + + + +Elfte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Aus allem, was ich gehört habe, schöpfe ich wenig Hoffnung, +ein Mädchen hier zu finden, welches die strengen Anforderungen +meines zauberischen Gönners erfüllen wird. Solch ein unnatürlicher +Zwang erweckt Verschlossenheit, und Verschlossenheit ist die Mutter +der Lüge. Doch sieh, dort kommen einige Frauenzimmer! Ich will +mein Glück versuchen, Florian, halte dich standhaft. + +Florian. Um alles in der Welt, Gnädiger, sein Sie menschlich! +Denken Sie, solange Sie eine bei der Hand halten, halten Sie mich +beim Schopf; nur gleich wieder auslassen. + + + +Zwölfte Szene. +Vier verschleierte Mädchen erscheinen, von zwei Mohren begleitet. +Sie prallen bei Eduards Anblick etwas zurück. Vorige. + + +Eduard. Tulpe der Schönheit, verzeihe einem Fremdling, der es wagt, +dir seine höchste Verehrung darzubringen. + +Florian. Mir ist, als wenn ich ausg'führt würde. + +Osillis. Ein artiger Mann. + +Amazilli. Welch sonderbare Tracht? + +Eduard. Erlaube mir, deine reizende Hand zu küssen. (Ergreift +ihre Hand.) + +Florian (schreit). Uijegerl! Ausgelassen! (schwächer) Auslassen! +(Seufzt.) + +(Eduard läßt ihre Hand los.) + +Osillis (erschrickt). Was ist das? (Zu Florian.) Was ist dir, +Fremdling? + +Florian. Nichts! Ist schon vorbei! Wir wissen schon, wie viel's +geschlagen hat. + +Osillis. Aber du erschreckst uns durch-- + +Florian. Ist ja nicht wahr; ist alles erlogen. + +Eduard. Verzeihe ihm; und auch du, holdes Mädchen! (Ergreift die +Hand der Zweiten.) + +Florian. Auweh! Auweh! Auweh! Die lügt noch stärker. O, +Sapperment! + +(Eduard läßt sie los.) + +Florian. Ah, das ist eine Komödie! + +Eduard. Schweig, Bursche! + +Osillis. Ist er wahnsinnig? + +Eduard. Mein schönes Mädchen! (Tritt zwischen die beiden andern +und ergreift zugleich ihre Hände.) + +Florian. Um alles in der Welt! Ich halt's nicht aus! Ich geh' +zugrund! + +(Die Mädchen reißen ihre Hände los und entsetzen sich.) + +Osillis. Welche Verwegenheit! Flieht, Schwestern, das ist ein +Rasender! (Alle vier Mädchen entfliehen mit den Mohren in den +Palast.) + + + +Dreizehnte Szene. +Eduard. Florian. + + +Eduard. Nun, Freund Florian, was sagt dein Barometer? + +Florian. Lügen hat's geregnet. Ich werd' ein miserabler Mensch! +Wenn wir zurückkommen, dürfen S' mich gleich auf sieben Jahr nach +Gastein oder ins Bründelbad schicken. + +Eduard. Armer Schelm, du dauerst mich. + +Florian. Das ist eine sittsame Bagage. Die zwei letzten müssen +schon gelogen haben, bevor sie auf die Welt gekommen sind; es ist +nicht möglich sonst. + +Eduard. Die Forderung grenzt aber auch an Unmöglichkeit. Doch wir +wollen unsere Hoffnung nicht aufgeben. + +Florian. Ja, haben S' die Gnad'. (Deutet auf's Reißen.) + +Eduard. Willst du, daß wir dieses Land verlassen und in ein +anderes ziehen? + +Florian. Ah, hören S' auf, sie lügen überall. Es ist doch +g'scheiter, ich geh' hier zugrund', als wenn ich wegen dem noch +eine Weile wohin reisen soll. + +Eduard. Es wird ja doch nicht überall so arg sein. + +Florian. Ja, ist schon recht! Jetzt, wenn S' erst auf eine +treffen, die einen reichen Liebhaber hat, den sie für einen Narren +hält; die können erst lügen! Da reißt's mich in der Mitten +voneinander. + +Eduard. Still! Man kommt. + + + +Vierzehnte Szene. +Aladin. Vier Mann Wache mit Pfeilen. Vorige. + + +Aladin. Fremdling! Der Herrscher wird in diesem Augenblicke hier +erscheinen, um öffentliches Gericht zu halten, und bei dieser +Gelegenheit will er dich bewillkommen und deine Bitten hören. + +Eduard. Nimm meinen Dank für deine Botschaft. + +Aladin. Doch haben wir Befehl erhalten, deinen Diener in das +Irrenhaus zu bringen, und ihn mit Ketten zu belasten, wie es sich +für einen Rasenden geziemt. + +Florian. Was? Mich wollen s' in den Narrenturm sperren, und ich +bin gescheiter, als sie alle? + +Aladin. Ergreift ihn. + +Florian. Ich sag's ja, wo ich hinkomme, halten mich die Leute für +einen Narren. So nehmen S' Ihnen doch an um mich! Wird sich doch +einer um den andern annehmen? + +Eduard. Halt! Er ist mein Diener, und niemand hat ein Recht auf +ihn, als ich. Ich stehe für seinen Verstand und für sein künftiges +Betragen gut. + +Florian. Ja, wir setzen was ein. + +Aladin. Wohl, doch bei dem kleinsten Anfall werden wir unsere +Befehle vollziehen. + +Eduard. Also hüte dich! + +Florian. Jetzt muß ich mir eine Ehr d'raus machen, wann's mich +reißt. + +Aladin. Fremdling! Folge mir, bis ich dich dem Beherrscher +vorstellen darf. (Geht mit Eduard ab.) + +Eduard (im Abgehen). Florian, nimm dich in acht. (Ab.) + +Florian. Reden Sie nichts auf mich; Sie haben auch schon +ausgedient bei mir. (allein.) Ich unglückseliger Mensch, was fang' +ich an? Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts; denn wenn er in +England eine bei der Hand nimmt, so fangt's mich in Holland zum +Reißen an. Es ist kein Mittel, als sukzessiv hin zu werden; immer +matter, bis es aus ist. + +Quodlibet. +Werd' ich denn hier sterben müssen? +Soll ich nicht die schöne Gegend +Draust bei Währing wiedersehn? +Nimmermehr am heitern Ufer, +Beim Kanal spazieren gehn? +Nein, du armer Michel, +Der Tod kommt mit der Sichel! +Wie traurig ist doch mein Geschick! +Mir blüht auf dieser Welt kein Glück. +Kein Mädchen, das stets Wahrheit spricht; +O jegerl, g'fallt mir nicht, die G'schicht. – +Welche Lust gewährt das Reißen, +Wenn eine reicht stark lügt. +Glauben Sie's mir! +Ach, ist es denn gar so schwer, +Ein Mädchen z'finden, +Das ein treues Herz besitzt, +Das man kann ergründen? + O närrische Leut', o komische Welt! + Einmal war es ganz anders! + Da gab es noch Mädchen, + Die saßen am Rocken + Und spannen am Rädchen. + +Jetzt putzen und zieren sie sich, wie die Affen, +Und lassen sich hinten und vorne begaffen. +Hab' ich nicht recht? Nun, wenn S' erlauben! +Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen: +Was macht denn der Florl? sag', ist er recht g'sund? +Er liegt im Spital draust, ist ganz auf den Hund. +Ist das wahr? Der arme Narr! +Lieber Herr Franzel, nur jetzt kein Tanzel! +Denn erster Liebe Kraft, +Bleibt ewig Leidenschaft! +Und ihr Florl, meint sie, +Gilt ihr alles, meint sie, +Von Amstetten, meint sie, +Bis Hernals, meint sie, +Gibt's kein Mann, meint sie, +So wie er, meint sie, +Ich wär' schön, meint sie, au contraire! + + Drum will ich lustig sein, + Und mich des Lebens freun! + Nur in dem Landel, + Wo mein Mariandel + Sehnsuchtvoll wartet, + Möcht ich schon sein. + +Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris, +Nur in Wien ist's am besten, das weiß man schon g'wiß; +Man weiß, daß's in hundert Jahren auch noch so is'! +Aber, ob wir nicht g'storben sein, weiß man nicht g'wiß. +Drum, wenn ich hier sterben sollt', und Sie nimmer sich, +So bitt' ich halt gar schön, so denken S' an mich! + + + +Fünfzehnte Szene. +Man hört einen Marsch. Alles Volk erscheint und stellt sich in +einen halben Zirkel, dessen Mitte frei bleibt. Die Frauenzimmer +stehen vor den Männern unverschleiert. Veritatius erscheint mit +seiner Tochter Modestina. Aladin, Wachen, dann Eduard und Florian. + + +Chor. +Stellt euch um der Wahrheit Thron, +Sprecht der frechen Lüge Hohn. + + +Veritatius (besteigt mit Modestina seinen erhabenen Stuhl). Volk +dieser Stadt! Ich habe dich versammeln lassen, um Zeuge zu sein +bei der Verbannung eines Geschöpfes, welches schon seit langer Zeit +durch ausgelassene Manieren die Gebräuche unserer Insel mit Füßen +tritt. + +Alle. Hoch lebe Veritatius! + +Veritatius. Doch bevor wir den Vorhang dieser unangenehmen Szene +eröffnen: Aladin, führe den Fremden vor. (Aladin geht und bringt +Eduard und Florian.) + +Veritatius. Sei mir willkommen, Fremdling! Du bist also der Herr +vom Lande der Aufrichtigkeit?--Was ist denn das für eine pitoyable +Figur, die dort an deiner Seite steht? + +Eduard. Es ist mein Diener. (Deutet Florian, daß er sprechen soll.) + +Florian. Bin so frei, meine ergebenste Aufwartung zu machen. + +Veritatius. Das ist ein spaßiger Mensch, ich muß über ihn lachen. +(Lacht; zu den übrigen.) Man lache auch ein wenig über ihn. + +(Alle lachen.) + +Florian. Das ist eine dumme Nation! + +Veritatius. Und nun zur Sache! Ich habe gehört, daß du dir eine +Braut erkiesen willst, und weil du mir so wohl gefällst, auch aus +vornehmem Stande bist, so stelle ich dir hier meine Tochter vor. +Man verwundere sich. (Alles verwundert sich.) Wenn er dir gefällt +und seine Abkunft beweiset, will ich mit Freuden euere Hände +ineinander legen. + +Modestina. Fremdling! Gewohnt, den Befehlen meines Vaters zu +gehorchen, reiche ich dir mit Freuden meine Hand, wenn du mich +vorher überzeugst, daß dein Edelmut sie verdient. + +Florian. Ui jegerl, ich freu' mich schon. + +Eduard. Nimm meine Huldigung, Holdeste deines Geschlechtes. +(ergreift ihre Hand.) + +(Florian empfindet Schmerz, sucht ihn aber durch unartikulierte +Töne und Lippenbeißen zu verbergen.) + +(Eduard sieht auf Florian; dieser deutet nein, er läßt ihre Hand +mit Anstand los.) + +Modestina. Er gefällt mir recht wohl. + +(Dumpfer Lärm von außen, man hört Aminens Stimme.) + +Aminens Stimme. Laßt mich! Laßt mich! + + +Sechzehnte Szene. +Amine. Wachen. Vorige. + + +Amine (stürzt herein, hinter ihr Wache). Laßt mich, ihr +abscheulichen Männer! (Stürzt zu Veritatius' Füßen.) Gütiger Herr! +Was hat die arme Amine verbrochen, daß sie solchen Mißhandlungen +preisgegeben wird? Ich bin ja ein armes, unschuldiges Mädchen, das +noch niemand auf der Welt etwas zuleide getan hat. + +Veritatius. Wie kannst du es wagen, vor meine Augen zu treten, +ohne daß ich dich rufen ließ? Ausgelassenes Geschöpf, über dessen +Verbrechen sich alle Bewohner dieser Stadt entsetzen. + +Amine. Aber worin bestehen denn meine Verbrechen? Daß ich über +die spitzige Nase deines Türstehers gelacht habe, daß ich auf der +Straße herumgelaufen bin, meinen Papagei zu fangen, daß ich mein +Haupt mit keinem Tuche umwinden will, weil ich Kopfschmerzen davon +bekomme, und daß ich endlich keine traurige Miene machen kann, weil +ich ein fröhliches Herz im Busen trage, sieh, das kann ich nicht +lassen, lachen muß ich; und wenn du noch so zornig auf mich +blickest und deine Augenbrauen so hinauf ziehest, so werd' ich +wieder recht zu lachen anfangen müssen. + +Veritatius. Welch unerhörte Frechheit! Man ärgere sich mit mir! +(Pause.) Nein, man ärgere sich nicht; es will sich nicht geziemen, +daß wir wegen dieser Verbrecherin in Ärger geraten. Als eine arme +Waise hat man sie hier aufgenommen, weil ihr Vater, ein englischer +Kapitän, mit seinem Schiffe an dieser Insel strandete und seinen +Tod in den Wellen fand; und diese Bettlerin wagt es, das Ärgernis +einer ganzen Stadt zu werden? Man ergreife sie, setzte sie in ein +Schifflein und treibe es hinaus in die See, fern hin von dem Lande +der Wahrheit, damit die Wellen das Spiel mit ihr treiben, das sie +nur zu lange mit uns getrieben hat. (Die Wachen ergreifen sie.) + +Aladin. Führt sie fort. + +Eduard. Halt! (Für sich.) Ein unwiderstehliches Gefühl reißt mich +hin, sie auf die Probe zu stellen. + +Florian. Ah, das ist ja entsetzlich; das nimmt ja gar kein Ende. + +Eduard (laut). Erlaube mir, mächtiger Herrscher, eine einzige +Frage an dieses Mädchen zu stellen. + +Veritatius. Man stelle sie. + +Eduard. Gutes Kind, hast du Vertrauen zu mir? + +Amine. Ach ja! Du hast kein übles Gesicht und scheinst ein guter +Mensch zu sein. Amine fühlt das gleich. + +Eduard. Reiche mir deine Hand. + +Amine. Hier hast du sie. (Gibt sie ihm.) + +Florian (fängt an, einen unendlichen Frohsinn und eine innere +Lustbarkeit auszudrücken). Euer Gnaden, die b'halten wir, die +lassen wir nimmer aus. + +Alle. Was soll das bedeuten? + +Amine. Ach, nimm dich meiner an; ich bin gewiß nicht schuldig! + +Eduard. Nein, das bist du nicht, du gutes Mädchen. Wahrheit +besteht nicht bloß durch äußere Form, sie wohnt im Innersten des +Herzens, und Ungezwungenheit und Naivität dürfen immer ihre +lieblichen Schwestern sein. + +Veritatius. Habt ihr ihn verstanden? + +Alle. Ja! + +Veritatius. Ich nicht. Man verstehe ihn auch nicht! + +Eduard. Höre mich, Veritatius! Ich verzichte auf die Hand aller +Mädchen deines Landes; laß mir Amine, und ich führe sie als meine +Gemahlin mit mir in mein Reich. + +Modestina. Wie? Du wagst es? + +Alle. Entsetzlich! + +Veritatius. Ruhig! Man schweige! Sieh, Verblendeter! Weil du es +wagst, meine Gastfreundschaft durch solchen Undank zu lohnen, so +will ich dich auch dafür bestrafen. Du sollst sie haben; aber +augenblicklich meidest du dieses Land und tust ihm nie wieder die +Schande an, es zu betreten. + +Eduard. Dank deiner Güte! Kolibri, lichte die Anker, schwelle die +Segel! + +Kolibri (fährt mit dem Luftballon nieder). Komm' schon; bin schon +da. + +Eduard. Und nun komm, Amine, und du, Veritatius, traure; denn ich +entführe dir ein seltenes Kleinod, dessen Wert du nicht zu schätzen +wußtest. (Musik ertönt, Eduard, Amine, Florian und Kolibri steigen +ein, und fahren fort.) + +(Veritatius geht mit seiner Tochter und Aladin in den Palast, die +übrigen bleiben zurück.) + +Chor. +Fahret, fahret fort! +Steuert durch die Welt, +Bis zum Ort, bis zum Ort, +Wo euch Reue quält. + + +Ein Fallschirm kommt herab, worauf steht: "Körbchen für die Schönen +dieses Landes." Vier Genien kommen aus der Tiefe und teilen goldene +Körbchen an die Frauen aus.r + +Chor. +Seht die frechen Laffen hier, +Körbchen uns zu spenden! +Rache kocht im Busen mir, +Blutig soll es enden! + +(Heftiger Schlag in der Musik. Sie wollen auf die Genien hin, +diese heben die Finger warnend auf; ein augenblickliches Tableau. +Die Genien ziehen aus den Körbchen verschiedene Schmuckwaren hervor, +die Weiber ergreifen sie freudig. Die Musik und die Singstimmen +sehr piano.) + +Chor. +Doch piano, haltet ein! +In dem Land der Sitten +Muß man fein manierlich sein, +Hier wird nicht gestritten; +Drum verlasset diesen Ort, +Höret auf zu tosen, +Traget eure Körbchen fort, +Füllet sie mit Rosen! + +(Alle schleichen behutsam fort.) + +(Die Genien zur Seite ab.) + + + +Siebzehnte Szene. +(Fürchterlicher Wald, Blitze leuchten. Man hört das Brausen des +Vulkans.) + + +Eduard, Amine, Kolibri, Florian treten ein. + +Kolibri. Wir sind am Ziele, dort ist der Vesuv. + +Amine. Welch ein fürchterlicher Wald! + +Eduard. Ja, immer finstrer wird der Wald und finstrer wird es auch +in meinem Innern. + +Kolibri. Siehst du dort den Rauch? + +Florian. Aha, da ist eine Ziegelbrennerei! + +Kolibri. Narr! Es ist der Feuerberg; dorthin geht die Reise. +Eduard, lebe wohl! Ich reite jetzt als Kurier voraus und bereite +alles zu deinem Empfang. (Ab.) + + + +Achtzehnte Szene. +Vorige ohne Kolibri. + + +Amine. Was soll das alles heißen? Warum stehst du so in dich +gekehrt? Hat dir Amine etwas zuleide getan? + +Eduard. Ja, Amine, du bereitest meinem Herzen bitteren Schmerz. +(Für sich.) Mein Unglück ist entschieden; ich liebe sie! + +Amine. Ich verstehe dich nicht; du sprichst so dunkel. Sieh, ich +weiß nicht warum? aber ich habe dich in dieser kurzen Zeit so lieb +gewonnen, daß ich niemanden auf dieser Erde weiß, dem ich so gut +sein könnte, wie dir, und du hast doch auf der ganzen Reise +verdrießliche Mienen gemacht. Komm, ziehen wir weiter; und ging' +es durch den Feuerberg, ich ziehe überall mit dir. + +Eduard. Es ist umsonst, ich muß es ihr entdecken. So wisse, armes +Geschöpf, ich habe dich betrogen; du wirst nicht meine Gemahlin. + +Amine. Nicht? + +Eduard. Nein. Siehst du jenen Feuerberg, wo die Blitze durch den +Rauch sich winden? Dort wird deine Wohnung sein; jenem +Geisterfürsten hab' ich gelobt bei meinem Leben, dich zu +überliefern. + +Amine. Das hast du getan? Du? (Wehmütig.) Nein, das ist +unmöglich! Du lügst--und das mußt du nicht, Amine hat noch nie +gelogen. + +Eduard. O hättest du es getan, so waren wir beide glücklicher! + +Amine. Wirklich? Nun, so will ich das in Zukunft wieder gut +machen und mir recht viele Mühe geben, es zu lernen, wenn ich nur +weiß, daß dich das glücklich macht. + +Eduard. Zu spät, ich kann nicht mehr zurück. Amine, du mußt mir +folgen. Ich habe diesen Schwur geleistet, bevor ich dich noch +kannte. Wenn ich dich dem Zauberkönig nicht überliefere, so stürzt +der Augenblick, indem ich diesen Entschluß fasse, mich tot zu +deinen Füßen nieder. + +Amine. Schrecklich! Schrecklich! Ach, warum hast du mich nicht +den Wellen überlassen? Jetzt vielleicht schon wäre ein ewiger +Friede in meiner Brust. Doch ich sehe das Entsetzliche deiner Lage +ein, und füge mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von +Kindheit an mich schon so hart verfolgt. Hier ist meine Hand, +führe mich zu dem Zauberkönig. + +Eduard. Treffliches Mädchen! Ich kann dich nicht überliefern; o +armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen +dieser Unschuld. Was soll ich beginnen? + +Florian (der sich während der ganzen Szene zurückgezogen hatte und +ganz ruhig war, kommt vor). O mein lieber, gnädiger Herr, ich +halt's nimmer länger aus! Überliefern S' mich dem Zauberkönig, +statt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder +noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und +voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen? +Machen S' eine Beschwörung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem +Loch, wie einen Grillen, daß er uns einen guten Rat gibt. + +Eduard. Ja, du hast recht, Florian! Diesen Gedanken hat dir ein +wohlwollender Geist eingehaucht. Höre mich, Vater, wenn du die +Stimme deines Sohns noch erkennst, steig herauf zu mir und rette +mich von meiner Verzweiflung. Vater, Vater! höre mich! (Es +donnert.) Freude, Amine, er hat mich gehört, er kommt! + + + +Neunzehnte Szene. +(Zephises kommt aus der Erde in seinem vorigen Geisterkleide. +Vorige.) + + +Eduard. Geist meines Vaters, rate deinem unglücklichen Sohne! Was +soll ich beginnen? + +Zephises (mit ernster Stimme). Ich bin dein Vater Zephises und +habe dir nichts zu sagen als dieses! (verschwindet wieder.) + +Eduard (spricht langsam). Er ist mein Vater Zephises.-- + +Florian. Und hat uns nichts zu sagen als dieses! Nun, das können +wir ja tun; riskieren tun wir nichts dabei. + +Eduard (rasend). Treibt die Hölle ihren Spott mit mir? Wohlan, +geendet sei dies Spiel! Longimanus, ich löse dir mein Wort! +(Schrecklicher Donnerstreich. Die Bühne verwandelt sich in eine +Felsengegend, in der Mitte erhebt sich der Vulkan; Lava strömt aus +dem Krater, fließt über den Berg und bildet um dessen Fuß einen +feurigen See. Alle Elemente sind in Aufruhr. Musik.) Wo bist du, +Amine? + +Amine. Himmel, welch ein fürchterlicher Anblick! + +Eduard. Mir ist er es nicht. Geisterkönig, ich rufe dich! + +Heftiger Donnerstreich, auf welchen eine totale Stille folgt; unter +sanfter Musik verwandelt sich die Szene. Die Kulissenfelsen werden +zu grauen Hügeln mit Blumen besäet, der Vesuv wird ein grünender +Berg, der statt der Lava farbige Blumen auswirft, die man statt den +Streifen der Lava sich herabwinden sieht. Das Lavameer wird ein +Silbersee. Der Geisterkönig erscheint mit Gefolge. + + + +Zwanzigste Szene. +Longimanus. Gefolge. Feuergeister. Vorige. + + +Longimanus. Nun, bin ich ein galanter Kerl, oder nicht? Du hast +g'laubt, ich werd' meine Braut mit Donner und Blitz empfangen? +Nein! Narren hat's geregnet! Blumen sind da! + +Eduard. Seine Braut! + +Amine. Himmel! + +Longimanus. Du hast also doch eine g'funden? Siehst du's, wann +ich was sag'!--Was für eine Landsmännin? + +Amine (furchtsam). Eine Engländerin. + +Longimanus. Also ein Wasserkind. Brav! Nun also, die Sache ist +in Ordnung, nicht wahr? (Zu den Feuergeistern.) Führt sie hinein. + +Eduard (für sich). Nein, diese Qual ist zu groß! (Laut.) +Longimanus, du darfst sie mir nicht entreißen! Laßt sie hier! + +Longimanus (macht große Augen und erstarrt fast vor Zorn). Was ist +das für ein Diskurs? Den Augenblick hinein mit ihr! (Die +Feuergeister führen sie fort.) + +Eduard. Kehrt zurück, oder--(er will nach). + +Longimanus (winkt; Donnerschlag; Gewitterwolken fallen vor, aus +welchen fliegende Ungeheuer Eduard entgegengrinsen). Sein schon da! +Was ist denn das? Was unterstehst denn du dich, mir zu drohen? +Du Bursch'! Du Hergelaufener oder Hergeflogener! Wie er gekommen +ist, hat er schon ein Geschrei gehabt, daß ich ihn bis ins dritte +Zimmer hinein gehört hab', und jetzt untersteht er sich gar und +begehrt ordentlich auf mit mir. Ah, da muß ich bitten! (Scharf.) +Red', was willst du? + +Eduard. Longimanus, Gnade! (Fällt auf ein Knie.) + +Longimanus. Und Longimanus sagt er nur in der Geschwindigkeit so +zu mir, als wann wir schon hundert Jahre bekannt wären. + +Eduard. Verzeihung, mächtiger Geisterfürst! Ich bin ein +Wahnsinniger, ich kann ohne Aminen nicht leben! Habe Mitleid und +schenke mir ihre Hand. + +Longimanus. Untersteh dich nicht mehr, ein Wort zu sagen! Jetzt +schaut's ihn an! Macht der auf einmal einen Ernsthaften! (Dreht +die geöffnete Hand.) Ein Wahnsinniger ist er? Geh, geh, geh, geh, +du Spaßiger! Was du begehrt hast, wirst du erhalten. Du hast dir +Reichtum gewünscht, du wirst ihn finden. Du kriegst den Diamant +und ich das Mädel, so hat ein jeder einen Schatz. + +Eduard. O Zauberfürst, nimm alle deine Schätze zurück, ich will +sie nicht, ich verlange sie nicht. Gib mir Aminens Hand, und ich +will auf alles verzichten. + +Longimanus. Jetzt fangt er gar zum Handeln mit mir an, als ob wir +auf dem Tandelmarkt wären. Was wir ausgemacht haben, dabei +bleibt's; du bekommst die diamantene Statue und sonst nichts, und +damit du geschwind nach Haus kommst, so werd' ich kutschieren. +Allons! (Winkt. Die Wolken erheben sich, und es präsentiert sich +Zephises' Zaubersaal mit sechs Statuen. Auf dem roten Postament, +worauf jetzt das transparente Wort: Diamant geschrieben ist, steht +Amine im rosensarbnen Kleide mit einem reich mit Flitter gestickten +Schleier, der ihr Gesicht nicht verhüllt, sondern mit hübschem +Faltenwurf um den ganzen Körper fließt, ihre Figur muß sehr grell +beleuchtet sein.) Da ist sie, ich übergeb' sie dir; wir sind quitt! + +Eduard (ohne hinzusehen). Ist sie mein Eigentum? + +Longimanus. Ja! + +Eduard. So will ich sie vernichten, denn sie ist die Ursache +meiner Verzweigung! Ich will sie nicht haben, ich zerschlage sie! +(Eilt mit Wut gegen die Statue.) + +Amine (steigt von dem Piedestale und sinkt in seine Arme). Eduard, +ich bin dein! + +Eduard. Amine! Meine Amine! + +Florian. Er hat sie nicht zerschlagen. + +Eduard (stürzt freudig zu Longimanus Füßen). Herr, wie soll ich +dir danken? + +Longimanus. Ja, jetzt! Gelt, ich hab' dich erwischt? Du +Tausendsapperment! Ich hab' dich nur auf die Prob' g'stellt, wenn +dir das Geld lieber g'wesen wär', als sie, hättest du sie in deinem +Leben nicht bekommen. Da hast du s' jetzt. Ein Weib, wie die sein +wird, ist der schönste Diamant, den ich dir geben hab' können. + +Florian. Vivat! Jetzt hole ich meine Mariandel. (Will ab.) + + + +Einundzwanzigste Szene. +Kolibri. Mariandel. Nachbarsleute. Vorige. + + +Kolibri. Da bring' ich Gäste zur Hochzeit. + +Eduard. Kommt, Freunde, nehmt teil an meiner Freude. + +Mariandel. Florian! + +Florian. Mariandel, du bist mein! Du bist zwar kein Diamant, aber-- +wo bist her? + +Mariandel. Aus Prag. + +Florian. Bist ein böhmischer Stein. + +Longimanus. Und damit wir einen Tanz bei der Hochzeit haben, so +sollen (auf die Statuen deutend) die ein wenig herumspringen. (Die +Statuen steigen von den Postamenten und tanzen unter dem Ritornell.) + +Schlußgesang +(beginnt mit Tanz, dann:) + +Mariandel. Der kleine Liebesgott! + +Florian (singt es nach). Der kleine Liebesgott! + +Mariandel. Treibt mit uns allen Spott. + +Florian. Treibt mit uns allen Spott. + +Mariandel. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Florian. Kaum trifft er uns ins Herz, + +Mariandel. So fliegt der kleine Schelm davon. + +Florian. Er fliegt davon. + +Chor. Er fliegt davon! Er fliegt davon. + +Mariandel. Die allerschönste Sach'-- + +Florian. Die allerschönste Sach'-- + +Mariandel. Sprichst du denn alles nach? + +Florian. Sprichst du denn alles nach? + +Mariandel. So hör' doch einmal auf! + +Florian. So hör' doch einmal auf! + +Mariandel. Du dummer, dummer Tölpel du! + +Florian. Du Tölpel du! + +Chor. Du Tölpel du! Du Tölpel du! + +(Zwischentanz, Gruppe.) + +Mariandel. Bin ich nur Frau hernach-- + +Florian. Bin ich nur Frau hernach-- + +Mariandel. Dann sprichst du g'wiß nicht nach. + +Florian. Dann sprichst du g'wiß nicht nach. + +Mariandel. Ich red' den ganzen Tag.-- + +Florian. Ich red' den ganzen Tag-- + +Mariandel. Und du verhältst dich mäuschenstill. + +Florian. Ja mäuschenstill! + +Chor. Ja mäuschenstill! Ja mäuschenstill! + +Florian. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Mariandel. Drum bitt' ich nur geschwind-- + +Florian. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Mariandel. Wenn Sie's zufrieden sind-- + +Florian. Wir machen jetzt ein End'-- + +Mariandel. Wir machen jetzt ein End'-- + +Florian. So bleibt ihr doch heut 's letzte Wort. + +Mariandel. Das letzte Wort. + +Chor. Das letzte Wort! Das letzte Wort! + +(Am Schlusse gruppiert sich alles. Die Statuen besteigen die +Postamente, Amine auf dem mittleren. Eduard kniet vor ihr; +Longimanus steht auf der andern Seite, Florian kniet vor Mariandel. +Die Nachbarn gruppieren sich mit freudigem Erstaunen.) + +(Der Vorhang fällt.) + +Ende. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Diamant des Geisterkönigs, +oder Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen, von Ferdinand Raimund. + + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Diamant des Geisterkönigs, by Ferdinand Raimund + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER DIAMANT DES GEISTERKöNIGS *** + +This file should be named 8diam10.txt or 8diam10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8diam11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8diam10a.txt + +Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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