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diff --git a/75841-0.txt b/75841-0.txt new file mode 100644 index 0000000..c3cec5a --- /dev/null +++ b/75841-0.txt @@ -0,0 +1,5688 @@ + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 *** + + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + +Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend +übernommen, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. +Die Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt; Textpassagen, die im +Original in Antiqua gedruckt sind, wurden hier _so_ markiert, kursive +Antiqua-Texte ~_so_~. Gesperrt gedruckter Text ist =so= markiert. Am +Ende des Textes befindet sich eine Liste korrigierter Druckfehler. + + + + +[Illustration: Titelkupfer] + + + + + =Bilder= + + der + + Wunderkunst und des Aberglaubens. + + + Mit + Berücksichtigung der sogenannten Zauberbücher + von + _Albertus M., Dr. Faust, Paracelsus, + Trittheim, Agrippa u. a. m._ + + + =Herausgegeben= + von + _Dr._ =Karl Gräbner=. + + + _Somnia, terrores magicos, miracula, sagas, + Nocturnos lemures, portentaque Thessala rides!_ + ~_HORAT. lib. II. Epist. II._~ + + + + Mit 20 bunten und schwarzen bildlichen Darstellungen. + + [Illustration: Verzierung] + + Weimar 1834. + Druck und Verlag von Karl Gräbner. + + + + + =Inhalt.= + + + =Erste Abtheilung.= + =Wunderkunst.= + + Seite + Einleitung 1 + Von den Gespenstern 11 + Der Astral-Geist 12 + Die Necromantie 16 + Von der sogenannten Hexerei 18 + Der Hexen-Sabbath 21 + Von Elben, Holder und Hulderchen 29 + Vom Wind- und Wettermachen 31 + Hexen-Salbe 31 + Von Entzauberung und Amuletten 32 + Von den Siegeln der Planeten 35 + Das Siegel des Saturns 35 + " " " Jupiters 37 + " " " Mars 38 + " " " Sonne 38 + " " " Venus 39 + " " " Merkur 40 + " " " Mondes 41 + Der Heckethaler 42 + Vom Wehrwolf 43 + Vom Bannen und Festmachen 45 + Einen stehend zu machen 45 + Wider die Feuersbrunst 47 + Der Feuersegen 47 + Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann 48 + Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger 48 + Vom Bannen des Wildes 49 + Die Frei-Schützenkunst 50 + Das Noth-Hemd 51 + Von der Waffensalbe 51 + Von der Wünschelruthe 53 + Die Springwurzel 55 + Die Alraunwurzel 55 + Das Sieblaufen, (_Oscinomantia_) 57 + _Speculum Salomonis_, oder der Spiegel Salomons 58 + Vom Unsichtbarmachen 61 + Von der Chiromantie 64 + Von der Geomantie 71 + Von der Onomantie oder Weissagung aus den Namen 71 + Von den Geistern 76 + Die Berggeister 77 + Der Kobold 78 + Wassergeister 79 + Das wüthende Heer 80 + Vom Bannen der Geister 81 + Der Zauberkreis 83 + Beschwörungen 86 + Die Mantelfahrt 95 + Schatzgräberei 97 + + + =Zweite Abtheilung.= + =Vom Aberglauben.= + + Seite + Acker, wer darauf säen will 116 + Ahnung beim Scharfrichter 121 + Alpdrücken 128 + Basilisk, der 122 + Bibel befragen 127 + Blei gießen in der Christnacht 114 + Christnacht, helle und finstere 114 + Dreifuß, keinen leeren auf dem Feuer stehen lassen 107 + Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren 120 + Exorcismus 125 + Finger, mit diesem soll man nicht nach dem Himmel zeigen 106 + Fistel-Heilung 129 + Gevattern, wenn sie über ein Wasser kommen 109 + Guckuk, im Frühjahre schreien hören 105 + Haase, wenn er über den Weg läuft 113 + Haselstock thut Wunder 128 + Jäger-Kunststückchen 112 + Jüdel, das 119 + Johanniskraut, dessen Kraft 113 + Kehrig, über dasselbe gehen 106 + Kinder leicht reden zu lehren 117 + Kinderspiele auf den Straßen 110 + Kleeblatt, vierblätteriges 110 + Kopf, ohne, in der Christnacht 112 + Köpfe, drei, an den Menschen zu machen 111 + Korn, dessen jährlichen Preis zu erfahren 117 + Kröpfe zu heilen 108 + Lichter, wenn sie auf dem Altar auslöschen 112 + Mann, ob die Mädchen in diesem Jahre einen erhalten 110 + Mutisheer, das 126 + Nasenbluten zu stillen 128 + Osterwasser holen 120 + Schuhwerfen, das 108 + Spiegel, in diesen soll man des Nachts nicht sehen 111 + Stube, in derselben soll man sich niedersetzen 117 + Sympathie zwischen Todten und Lebendigen 116 + Todte, welche schmatzen 124 + Todtenuhr, die 123 + Umkehren, das, ist nicht gut 114 + Vampyr, der 125 + Vieh beschreien 126 + Weib, ein altes, wenn es einem begegnet 114 + Worte, gefrorne und eingeschlossene 121 + Zahl 13, die ominöse 125 + + + =Dritte Abtheilung.= + + =Erzählungen von Geister- und Gespenster- + Erscheinungen, mit hie und da eingestreuten + natürlichen Erklärungen.= + + Seite + Anzeigen des Todes 134 + Behexte, die 197 + Bezauberung des Viehes 200 + Doppelsehen, das 144 + Entdeckung der Geisterbeschwörer im 19. Jahrhundert 218 + Freischütz, der 206 + Frei-Schützenkunst 205 + Gespenster-Geschichten 172 + Gespenst, das, im Hause 133 + Glockengeläute, das 170 + Hexe, die 190 + Hexenprozeß 193 + Hexenmeister, der 195 + Hexe, die gerettete 196 + Hexenwaage, die 197 + Hexenfahrt, die 203 + Kobold, der 214 + Necromantisten, die 183 + Prediger, der gläubige 204 + Poltergeist, der 147 + Schatzgräberei 215 + Sehen seiner selbst 141 + Schwedenborg’s Betrügerei 188 + Wahrsagerin, die 213 + Wind machen 201 + Wünschelruthe, die 211 + + + =Fragmente= + =über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.= + + Seite + Ueber Sekten überhaupt 229 + Jesuiten 231 + Illuminaten 232 + Rosenkreuzer 235 + Schröpfer 236 + Cagliostro 237 + Die Seherin von Prevorst 239 + Der Wunderdoktor 257 + Prinz von Hohenlohe 258 + + + + +=Erste Abtheilung.= + + =Die Wunderkunst.= + + + + +=Einleitung.= + + +Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der Natur, wodurch +man die verborgenen Geheimnisse derselben untersucht, zu ergründen +strebt, um dadurch einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört +in die Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der =natürlichen +Wunderkunst=, oder =Magie= – Eine sogenannte =Zauberkunst=, wobei +Geisterbeschwörungen, Charaktere und andere übernatürliche Dinge +vorkommen, giebt es nicht! + +Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von =Sympathie= und +=Antipathie=, deren Unerklärliches, auf einer gewissen Stufe der +Cultur, erzeugte den =Aberglauben=. So auch die Begierde, =in die +Zukunft zu schauen=, um sich solche nach Willkühr anzueignen, und +endlich das Bestreben, =höhere Wesen= (wenn der Mensch sie ahnet) in +seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen, um durch +diese zu erlangen, was man durch eigne Kraft nicht möglich machen kann +– Das sind wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und der nächste +Ursprung des =Zauber-Aberglaubens= alter und neuer Zeiten gewesen. + +Bei allen Völkern gab es sogenannte _Magi_ oder Weise: die Griechen +und Römer nannten sie =Philosophen=, die Indier =Braminen=, die +Celten und Gallier =Druiden=, =Barden=; bei den Aegyptiern waren es +die =Priester=, bei den Juden die =Cabbalisten= und =Propheten=. Noch +finden wir Verehrer der Magie: den _Angekok_ in Grönland, den _Schaman_ +in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer, den _Wogulitze_, und +den _Abipone_ in Paraguay; in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf den +Caraiben die _Playen_, in Afrika bei den Kafern und Hottentoten die +_Gangas_ oder _Fetischirer_, die _Singhilis_ der _Gager_, die _Mirabus_ +in Madagaskar u. s. w. Aber Allen liegt nur eine =Hauptidee= zum Grund, +welche Alle leitet und beherrscht. – + +Der berühmte, auch marktschreiersche _Theoph. Paracelsus_ sagt von der +Magie überhaupt: »Sie ist eine behende, reine Kunst ohne Ceremonie, +Beschwörungen, Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider, Kerzen, Licht, +Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk, Charakter, Stiften, Bücher, ohne die +_Pentacula_, die _Sigilla Salomonis_, ohne Krone, Scepter, Gürtel, +Ring u. s. w. Nur die _Necromantie_ hat mit diesen Dingen zu thun. Die +Magie gebraucht allein den =Glauben=, der Berge versetzt. Aber wenn sie +gemißbraucht wird, mag auch Zauberei daraus geboren werden.« – Gleich +darauf theilt er aber seine Magie in 6 Species ein: + +1) _Magica artis_, Auslegung übernatürlicher Dinge. + +2) _M. Transfigurativa_, Transformirung von einem Leib in den andern, +wie es zu Mosis Zeiten geschehen ist. + +3) _M. Characteralis_ lehrt Wörter machen, welche so viel wirken als +des Arztes Arzenei. + +4) _Gamaheos_, welches thut, was natürliche Instrumente thun, z. B. ein +Schlüssel öffnet ein Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie +macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar macht. + +5) _Altera in Altera_, Bilder zu machen, welche andern Menschen +gleichen. Durch diese Bilder kann man demjenigen, den es vorstellt, +alles anthun, ohne ihn zu berühren. + +6) _Ars Cabalistica._ Z. B. es kann Einer im Occident mit einem Andern +im Orient reden; denn was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das +kann diese Kunst 100 Meilen. + +Ist unser _Paracelsus_ hier nicht über die Grenze der Natur +geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß nichts helfen wird! – In seiner +_Necromantie_ lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu +machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne Versuche gemacht habe. + +_Tharsander_, in seiner _Magia Naturalis_, sagt: die Magie soll eine +Wissenschaft geheimer Dinge und der verborgenen Kräfte in der Natur +sein, wodurch man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten, und solche +Wirkungen hervorbringen kann, welche übernatürlich zu sein scheinen. +Sie wird eingetheilt in die =Teuflische= und =Natürliche=. + +Die =Teuflische=, welche auch _ceremonialis_[1] genannt wird, ist eine +geheime Wissenschaft, sich mit den Geistern bekannt zu machen und durch +deren Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten. Sie führt +sonst den Namen =Zauberei=. + +[1] Oder die =schwarze Magie=, davon =Schwarzkunst= und +=Schwarzkünstler=. D. H. + +Die =natürliche Magie=[2] ist eine Wissenschaft der natürlichen Dinge +und ihrer verborgenen, theils wider einander streitenden Kräfte und +Eigenschaften, welche nicht jedermann bekannt sind, derer man sich +also zu bedienen weiß, daß, indem man sie mit einander absondert, +daraus bewundrungswürdige und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch +die übereinstimmenden und wider einander streitenden Kräfte und +Eigenschaften versteht man die sogenannte =Sympathie= und =Antipathie=. + +[2] Auch die =weiße Magie= genannt. + +Die =natürliche Magie= wird ferner eingetheilt in eine =schlechterdings +natürliche=, wo die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der +Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine =künstliche=, da man +durch Hilfe der mathematischen Wissenschaften wunderbare Wirkungen +hervorbringt, z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche Magie wird +auch noch eingetheilt in die =weissagende= und =würkende=. Die erste +geht mit Anzeigung verborgener und Vorhersagung zukünftiger Dinge um; +in der zweiten aber wird Geschicklichkeit und Kunst mit den geheimen +Wissenschaften verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt, +z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn das Eisen, womit jemand +verwundet worden, mit einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art +die Wunde heilt. – + +Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung einige gelehrte und weise +Männer anführen, die theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch +eigene und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei gerathen +sind. + +Der weise _=Salomo=_ selbst konnte nicht dem Verdacht der Zauberei +entgehen. Die große Anzahl magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben +werden, beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige davon: 1) _Clavicula +Salomonis_; 2) das Buch _Lamene_; 3) das Buch _Pentaculorum_; 4) das +Buch _de officiis Spirituum_; 5) das Buch _Razziel_; 6) _Speculum +Salomonis_ u. s. w. + +Der Bischof _=Albertus Magnus=_ von Regensburg, war ein großer +Gelehrter, Philosoph und Theolog, daher der Beiname des Großen. Er +fiel in den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen redenden +Kopf, verfertigt haben soll. Einige Bücher über Magie, die aber +untergeschoben worden sind, machten ihn noch verdächtiger. + +_=Dr. Ioh. Faust=_, der allbekannte Zauberer, dessen Leben idealisch +aufgefaßt, aber geschichtlich unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender +Schüler und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst mit erfand, +gewesen sein. Eben so ist auch sein Buch: »_Dr. Faust_ Höllenzwang,« +wie sein Leben, erdichtet. + +_=Theophrastus Bombastus Paracelsus=_ von Hohenheim (gest. 1541), den +wir schon oben kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie, als +auch in der Arzneikunst und Religion eine auffallende Rolle gespielt, +und wird noch jetzt von Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über +Magie hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit seiner Ideen, +die Undeutlichkeit seiner Schreibart und die Dunkelheit einer Menge +Wörter machten es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er selbst hat +sich niemals seiner großen Geheimnisse, die er sich rühmte, bedient. + +_=Ioh. Trittheim=_, Abt im Kloster Sponheim, war ein geschickter +Mathematiker, Geschichtschreiber, Redner und Theolog, und wurde +besonders von seinen Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der +Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich gehabt haben, der +ihm Alles eröffnete – Das war freilich sein Verstand! – Sein Werk: _de +Steganographia_, von verborgenen Schriften, welches aber untergeschoben +sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig. + +_=Heinr. Cornelius Agrippa=_, ein Schüler des _Trittheim_, war ein sehr +gelehrter Mann. Seiner _Philosophia occulta_ wurde ein viertes Buch +voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen angehängt, +daher dieser vortreffliche Mann auch in den Verdacht der Zauberei kam, +obgleich er in seinem Buche _de vanitate scientiarum_ seine Verachtung +dagegen gezeigt hat. + +So viel von den Berühmtesten, wenn diese als Zauberer nicht gelten, +so werden die kleinen, die Betrüger und Taschenspieler von selbst +wegfallen. + +Die neuern, als _=Schwedenborg=_, _=Schrepfer=_, _=Saint Germain=_, +_=Gassner=_, _=Messmer=_, _=Cagliostro=_, die Wunderheilungen des +Fürsten _=Hohenlohe=_, des Bauers _=Martin Michel=_ u. a. m. wollen wir +jetzt mit Stillschweigen übergehen. + +In den frühesten Zeiten machten schon die Menschen bei geringen +Entdeckungen natürlicher Dinge große Geheimnisse daraus, und setzten +das unwissende Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten +sie einen Wundernamen. In der Folge gaben sie vor, geheime Künste +zu besitzen, die aber nichts waren. Die natürliche Magie ist aber +nichts anders, als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten +Wunderkünste sind natürlich. + +Die =Magie= wird also immer demjenigen eine geheime Wissenschaft +bleiben, welcher die Kräfte der Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt +sie ein Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer noch viele +neue Entdeckungen in der Natur geben, aber deswegen ist es und bleibt +Alles nichts Uebernatürliches. + +Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen Lesern und Leserinnen +nach und nach die alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt, +aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden haben, zu Tage +fördern, nicht um die Dinge nach zu machen, sondern von der Entdeckung +die Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur, Leichtgläubigkeit +und Betrügerei der Zauberei und Hexerei Nahrung geben. + +Denn eine gewisse Classe von Menschen in Städten und Dörfern legt jetzt +noch einen großen Werth auf =Zauberbücher=, und kauft sie sehr theuer, +wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten hat. Handschriften +sind es gemeiniglich, die unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß +solche Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen zu finden +sind. – + +Wir werden daher auch aus mehrern =Handschriften=, die sich in +Criminalprocessen von Geisterbannern und Schatzgräbern vorgefunden +haben, Auszüge (=durch freundliche Mittheilung=) mit wunderlichen +Figuren geben können – Das ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen: +die erste handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben, die +dritte giebt Erzählungen, welche auf die erste Abtheilung Bezug haben. + +Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten Plane, viele +Abscheuligkeiten, wobei Gottes Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand, +Leichtsinn und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken. + +So möge nun die =Zauberei= oder =Hexerei= anfangen, und, nach unserm +Plane, recht viel Gutes stiften! + + + + +=Von den Gespenstern.= + + +Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen Alterthum den Glauben +an Gespenster, denn die Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange, +sagt ein neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein +mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet, und eine Eigenschaft der +einen Sache zur Eigenschaft der andern macht. Es kann kommen, wenn man +eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine sie für die des Freundes, +den er erwartet, der Andere für die des Feindes, den er fürchtet, und +der Diener die Stimme für die seines Herrn hält. + +Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden, behalten die +Furcht, und die Nacht, den Kopf mit Gespenstern angefüllt, erzeugt +Phantome, die nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische +Dünste brachten das =Spuken= und die =Gespenster= hervor. Die Bewohner +der Klöster fanden ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine +Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen den Gespensterglauben +nicht nur zu lassen, sondern auch zu verstärken. + +Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll eine geistige Substanz +sein, die einen Körper angenommen, und darin sich sehen, hören und +fühlen läßt, kurz, der =Geist des Verstorbenen=. + +Dieser Geist, welchen Einige den =Astral-Geist= oder =Sternen-Geist= +nennen, soll sich nebst der Seele im Menschen befinden. Der Mensch +bestände nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen Leib, +der unsterblichen Seele, und einem Mittelding zwischen diesen beiden, +dem Astralgeist. Diese Lehre der Trialisten hat schon Plato angeführt, +dann kam sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die Christen. +Herr _Paracelsus_ ist vom Astralgeist eingenommen und sagt: »der Mensch +besteht aus drei großen Substanzen, die erste ist die =Seele=, von Gott +kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend; die andere der +=Geist=, der aus dem Firmamente kommt, und aus Feuer und Luft besteht, +auch endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung findet; die +dritte Substanz ist der grobe =Leib=, welcher aus Erde und Wasser +besteht, und wieder zur Erde werden muß.« + +Da die Seele und der Körper des Menschen von ganz verschiedener Natur +und verschiedenen Wesen sind, so kann man schwer begreifen, worin das +Band und die genaue Vereinigung derselben besteht, daher bei diesen +zwei Extremen, die gegen einander sind, nicht anders als durch ein +Mittelding, welches in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern +näher kommt, verbunden und vereinigt werden können. Dieses Mittelding +sei zwar kein Geist, oder ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine +sehr reine und subtile Materie, die wegen der Subtilität der Seele +näher komme, als der grobe Leib des materiellen Wesens wegen dem Körper +näher sei, als die ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines +solchen Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit zu Hilfe, der +sich oft bei den Menschen zwischen dem Verstand und den sinnlichen +Begierden findet. Die Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen +Kräfte des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte der Seele +sein. + +Dieser Astralgeist, sagt _Paracelsus_, erscheint nach dem Tode des +Menschen noch eine Zeitlang, da er das Vermögen, die Gedanken, +Einbildungen und Begierden, welche er beim Abschied vom Körper +empfängt, und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume Zeit +zu behalten u. s. w. + +Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung, die sich von selbst +und mit wenigen Worten widerlegt! Kann die Seele auf den Körper nicht +wirken, so kann sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch +materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge in der Natur sind +entweder einfach oder zusammengesetzt, ein Drittes giebt es nicht, also +woher ein Mittelding zwischen Seele und Leib! + +Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele, namentlich +_Paracelsus_, das =Spuken= der Verstorbenen und das =Erscheinen nach +dem Tode= erklären. Aber gewiß! weder sie noch wir haben den Geist +eines Verstorbenen gesehen. + +Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem Verstorbenen, auch von +einem Lebenden trennen und einem andern erscheinen – denn ist diese +einmal vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm zurück[3] – Daher das +=Sehen seiner selbst=, die =vielfältige Gegenwart= einer Person an +verschiedenen und entfernten Orten, und das =Doppelsehen= gehört zu den +Täuschungen, Fabeln und Betrügereien[4]. + +[3] S. dritte Abtheilung. Das Gespenst im Hause. Anzeige des Todes. + +[4] S. dritte Abtheilung. Sehen seiner selbst. Das Doppelsehen. + +=Betrüger=[5], =Diebe=[6] und =Verliebte= haben stets die Rolle eines +Gespenstes gespielt. So sagt noch ein altes französisches Sprichtwort +von den Verliebten: + +[5] S. dritte Abtheilung. Der Poltergeist. Glockengeläute. + +[6] S. dritte Abtheilung. Gespenstergeschichte. + + _Où sont filettes et bon vin + C’est là où hante le Lutin._ + + (Bei Mädchen und bei gutem Wein + Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.) + + + + +=Die Necromantie.= + + +Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten aus ihren Gräbern, wenn man +von ihnen geheime und künftige Dinge erfahren will. _C. Agrippa_ nennt +zwei Arten dieser Zauberei: _Necyomantie_, wodurch man die verstorbenen +Körper sogar wieder lebendig dargestellt, und _Sciomantie_, wenn blos +ein Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie ist sehr +alt, denn die Betrügerin zu Endor ließ ja den Schatten (Können denn +Schatten auch sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen ist diese +Kunst eine große Betrügerei[7]. Die Kunststücke mit dem sogenannten +=Zauberspiegel=, wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren, so +auch mit der =Zauberlaterne=, wodurch man Gestalten in freier Luft +präsentiren kann – finden wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und +Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser verweise. + +[7] S. dritte Abtheilung. Die Necromantisten. + +Alle Necromantisten sind feine Betrüger. Schwedenborg, Schrepfer und +Cagliostro waren solche Subjekte, und die größten Geisterbanner, die +sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte täuschten (S. Abth. III. +Schwedenborg). + +Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei, wie jenen, als ein +gewisser Engländer, _Sawney_, ein berüchtigter Seher und Wahrsager, +große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen Statüen u. s. w. +erblickte, welche aber alle von – =Eis= und =Schnee= waren, und als die +Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die Neugierigen nichts sahen! + + + + +Von der sogenannten Hexerei. + + +In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen, findet man den Glauben +an höhere, gute und böse Geister, und bei uns brachte man in +der unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten bis 17ten +Jahrhundert – die Wunder des Teufels in ein System, behandelte sie +wie andere natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche mit dem +Uebernatürlichen durcheinander mischte. Von dieser Zeit an untersuchte +man die Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen Diebstahl u. s. +w., daher also die verwirrten Ideen in diesem Zeitalter bei allen +Gelehrten und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III. die Hexe, der +Hexenprozeß, der Hexenmeister.) + +Ueberhaupt hat die =Inquisition=, da sie der Unglücklichen Güter +einzog, erst die Hexerei bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg +die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich durch die Bulle des +Papstes _Innocens_ VIII., den 4. December 1484. Diese Bulle brachte +die Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht begründet und +verbreitet wurden, und zwar durch Erklärungen über die Wirklichkeit von +Teufelskünsten und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um der Sache noch +mehr Gewicht zu geben, erschien sogar zur =Erläuterung= das furchtbare +Buch, der =Hexenhammer=, 1489. + +In Teutschland brennten die Flammen, welche Unschuldige hinrichteten, +und solche Tage, wo eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage des +gemeinen Mannes. (S. Abth. III. die gerettete Hexe.) + +Aber Teutsche waren es auch, die besonders und mit Gründen den +allgemeinen Glauben an Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. – +Cornelius Loos, noch besonders ein =Priester= zu Mainz, war einer der +ersten, welcher die Ungerechtigkeiten der Hexenprozesse zu zeigen +sich erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen, wenn er nicht auch +verbrannt seyn wollte. Er starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner +(gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen die Hexenprozesse. – +Endlich trat zu Anfang des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf: +Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft zu Halle, und kann als +der eigentliche Zerstörer des Hexenprozesses betrachtet werden. + +In der Folge wurde aller Zauberglauben durch die =Naturwissenschaft= +vernichtet, doch ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger +Zeit publizirt man noch Berichte von =Wunderkuren= durch Zeitungen, wie +der Hang zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder besteht. – + +Im Allgemeinen wird die =Hexerei= oder =Zauberei= folgendermaßen +beschrieben: + +Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch mit dem Teufel, welcher +in einer menschlichen, thierischen oder andern Gestalt erscheint, +einen Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet, und dasselbe mit +seinem Blute unterschreibt, vermöge aber dessen Gott und die Religion +verleugnet, und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet, auch nach +Verfließung einer bestimmten Zeit sich demselben mit Leib und Seele +zu eigen übergiebt; wogegen der Teufel verspricht, einem solchen +Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und mancherlei Ergötzlichkeiten +zu schaffen, ihm beizustehen, daß er große und wunderbare Dinge +ausrichten, und andern Menschen nach Belieben Schaden zufügen könne, +ihn auch zu gewisser Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen, wo +der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen die Versammlung hält, +wo sie sich mit Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w. recht +lustig machen. + +Im weitläufigen Sinn versteht man aber von Hexerei, wenn ein Mensch +verschiedene ungewöhnliche und abergläubische Mittel und Ceremonien +vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder Schaden zu thun, ob er gleich +nicht ausdrücklich mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man muß aber +die =Magie= der Alten von der heutigen Zauberei unterscheiden, welche +letztere von der erstern entstanden ist. + +Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts, halten jährlich +dreimal den sogenannten =Hexensabbath=. Der Ort der Versammlung +heißt bei uns in Teutschland der =Blocksberg=, in Italien _Noce +di Benevento_, in Schweden _Blocula_; in andern Ländern wird man +vielleicht auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen +sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen, auf Kirchhöfen, oder lieber +bei einem See oder Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch +Ungewitter erregen kann. An dem Ort, wo der Sabbath gehalten wird, soll +nichts wachsen. + +Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden sich die Zauberer und +bestreichen sich mit einem Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen +Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie zum Schornstein hinaus, an +dessen Ende sie einen großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen, +der sie ergreift und nach dem Versammlungsort hin und zurück bringt. +Sie bedienen sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als schwarze +Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen und Hunde, oder auch Ofengabeln, +Spinnrocken und Besen, worauf sie durch die Luft fahren. + +In der Versammlung erscheint nun der Teufel, als Vorsteher in +mancherlei Gestalt, bisweilen wie ein Mensch, aber öfter als ein – +Bock. So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer Krone von +schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten und eins an der Stirn, mit +welchem er der Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden Haaren, +mit blassem und verstörtem Gesicht, großen, runden, aufgesperrten, +feurigen und häßlichen Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem +ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch, halb Bock, mit Händen +und Füßen, fast wie ein Mensch, außer daß die Finger alle gerade und +spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände sind krumm, wie die +Krallen der Raubvögel, die Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist +so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche Stimme, und ein +melancholisch verdrüßliches Gesicht. + +Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer ein unter seinem +Schwanze befindliches schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der Tanz +an, und die Hexen singen: + + _Alegremonos Alegremos + Que gente nue va tenemos._ + +Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her, und machen tausenderlei +krumme Sprünge. Nach dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die +aufgetragenen Gerichte sind ekelhaft, doch – der neugierige Leser +muß alles wissen: – Sie bestehen aus Kröten, Aas, Leichnamen und +ungetauften Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod von schwarzer +Hirse. + +Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel an einen Tisch und nimmt +die Huldigung der Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern, ablegen, +indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln in Händen haben, die +sie nach geendigter Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen, +wieder zustellen, der sie bis zur künftigen Versammlung aufhebt. Wenn +dieses zu Ende, fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift, den +Menschen zu schaden, sie nöthig hätten? u. s. w. – und ertheilt ihnen +Rath und Hilfe. + +Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath mit, als Farrenkraut, +Mistel, Wegerich, Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder, +welches der Teufel in Stücken hackt, alles kochen läßt und von dem +Fette die =Salbe= macht. + +Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft, von der uns _de +Lancre Tableau de l’Inconstance des mauvais Anges et Demons_ erzählt +hat. + +Da wir aber einmal bei dem Teufel sind, so müssen wir doch noch etwas +von seiner Person und seinen Umtrieben reden. + +_Agrippa_ in seiner _occulta philosophia_ giebt von den =bösen Dämonen= +neun Ordnungen an: + + 1) Diejenigen, welche man die =falschen Götter= nennt, die den Namen + der Gottheit gleichsam usurpirt haben und als Götter verehrt seyn + wollen. So wie jener, welcher Christus alle Schätze der Welt + zeigte, und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm niederfallen und ihn + anbeten würde. Der Oberste dieser Dämonen wird _Beelzebub_ genannt. + + 2) Die =Lügner=. Ein solcher war bei dem Propheten _Achab_, bei der + Hexe von Endor und bei den Orakeln. Der Oberste dieser Teufel hieß + _Python_. + + 3) Die =Gefäße der Ungerechtigkeit= und des Zornes Gottes. Sie sind + die Erfinder allerlei Uebel. Der Oberste wird _Belial_ genannt. + + 4) Die =Rächer der Laster=. Der Oberste heißt _Asmodeus_. + + 5) =Weissager=, =Betrüger=, =Verblender=, welche Mirakel nachahmen und + Böses thun, wie die Schlange der Eva. Der Oberste heißt _Satan_. + + 6) =Wettermacher.= Es sind ihrer vier, nach den vier Hauptwinden, und + der Oberste heißt _Merizim_. + + 7) =Furien=, Stifter der Zwietracht und des Kriegs. Der Oberste heißt + _Abaddon_. + + 8) =Verläumder=. Die Griechen nennen sie _Diabolos_, unsere =Teufel=. + Der Oberste ist _Astaroth_. + + 9) =Versucher=, böse Geister. Der Oberste heißt _Mammon_ (Begierde + nach Reichtum). + +Man hat sehr verschiedene Auslegungen des Namens Teufel. Einige sagen, +das Wort Teufel bedeute einen =Zerstörer=; andere – einen =Verführer=; +die Griechen nennen ihn =Verläumder=; daher kann auch das Wort nicht +allein eine =Person=, sondern mehr =Handlungen= und =Gewohnheiten= +bedeuten. + +Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund gestürzt und gebunden ist, +so bleibt er doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar noch manchen +Gegenständen seinen Namen geliehen. + +So giebt es unter vielen andern die =Teufels-Inseln= (die Bermuden), +von den Spaniern zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen +Felsen _los Diabolos_ nannten. + +Der =Blocksberg= auf dem Harz, berüchtigt durch die Hexenversammlung. + +Die =Teufelshochzeit= ist ein Berg in Ungarn, unweit dem Bergstädtchen +Boza, und wird wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen Gewitter +so genannt. + +Der =Teufelsgrund= ist ein tiefes Thal im Riesengebirge unweit +Greifenberg. + +Die =Teufelsgrube= wird eine Höhle in dem bei Goslar gelegenen +Rummelsberge genannt, wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben soll. + +Das =Teufels-Mör= ist eine Gegend bei Bremen, unweit der Weser, wo +zwischen Moor eine Viehweide liegt. + +Der =Teufelsweg= auf den Gebirgen, welche Savoyen von Piemont scheiden, +ist unter mehreren Pässen einer, welcher _le Pas de Diable_ heißt, +wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe zu stürzen. + +Die =Teufelskirche=. In dem fürchterlichen Thale bei Altdorf, zwischen +Weihofen und Grunsberg, ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße eines +waldbewachsenen Berges, welche so genannt wird. + +Die =Teufelsleiter= ist ein steiler Berg bei dem Flecken Lorch, wo ein +steiler Weg hinauf geht. + +Die =Teufelsmauer=. Sie ist ein Werk der Römer, welche einen Wall oder +Pfahlhecke zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten. Noch kann man +ihre Ruine sehen, welche bei Pföring an der Donau anfängt und bis an +den Neckar läuft. + +Auch wird ein Berg einige Stunden von Quedlinburg die =Teufelsmauer= +genannt, weil er wie von über einander liegenden Steinen +zusammengetragen erscheint. + +Die =Teufelsbrücke=, am St. Gotthardsberge in der Schweiz. + +Die =Regensburger Brücke= soll auch durch Beihülfe des Teufels erbaut +worden seyn. + +Der =Teufelsthurm=, ein auf einem Felsen stehender Thurm, unfern des +Strudels in der Donau. + +So giebt es auch =Teufelsmühlen=, z. B. zwischen Corvey und Hameln, wo +ein starkes, aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad treibt. + +=Teufelssteine= nennt der gemeine Mann große Blöcke, weil er ihren +Ursprung nicht kennt. + +Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel tragen – der =Seeteufel=. + +Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen Teufel, z. B.: +Teufels-Abbiß (_Morsus Diaboli_), Teufels-Aepfel (Coloquinten), +Teufels-Dreck (_Assa foetida_), Teufels-Ingber (_Arum_), Teufels-Scheu +(_Daemonum fuga_, Johanniskraut) u. s. w. + +Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören, was er von der =Erkennung +einer Hexe= sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders den +Samstag und den Freitag, hat besondere Zeichen an sich, als krumme +Glieder, besonders eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht u. s. w. +Sie hängt auch Zaubereien an sich, kocht selten und wäscht sich nicht, +kehrt in der Kirche rücklings um und will gern allein und für sich +seyn. (S. Abth. III. die Hexenwage.) + + +=Elben, Holder und Hulderchen, die bösen und guten Dinger, die +reisenden und fahrenden Kinder.= + +Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten und vielerlei +Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß erhielt jede Hexe ihren =Geist=, +oder einen besondern =Leibteufel=. Im funfzehnten Jahrhundert war es +nichts Ungewöhnliches, daß eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche +Kinder zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich Würmer waren, +stifteten sie das Unheil: z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III. +die Behexte, Bezauberung des Viehes), Krankmachen, sogar Tödten. Diese +Geburten, Elben, Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das +Hexenpulver wurde. + +Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh krank machen: + + 1) durch =bloße Worte=, wenn sie z. B. die Kinder =beschrieen=. Man + lobte die Kinder ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte es! – + Die Hexen aber sagten: Ei, daß dich mein Gott behüte! Dadurch aber + sollen sie nicht den wahren Gott, sondern den Satan verstehen. + + 2) Durch bloßes =Anschauen=, z. B. mit Triefaugen. + + 3) Durch =zauberische Salben= an die Hausthür und andere Orten + geschmiert. Oder + + 4) durch =Charaktere=. + + 5) Durch etwas =Vergraben= unter die Thürschwelle. + + +=Vom Wind- und Wettermachen.= + +Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen +könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen +Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen +einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube +in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum; +sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer +kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (_Wierus de Lamiis_ erzählt +mehr davon.) + +=Wind= haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.) + + +=Hexen-Salbe.= + +Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses +Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben +schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach +vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und +Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut, +Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe. +Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie +dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen. + +Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine =betäubende= Kraft +hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte, +sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie +vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III. +Hexenfahrt.) + + +=Von Entzauberung und Amuletten.= + +In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch +in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen. + +Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten, +Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit +zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen. + +Ein Anderes: + +Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut, +Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau +und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil +und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir +an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle +Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte. + +Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an +den Hals, vorzüglich erhielten =Amulette= die Kinder, sie vor Hexerei +zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth. +III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen +Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf +Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine, +Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen +angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte +_Abracadabra_, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers _Severus_ +und _Caracalla_ von einem Arzt _Sammonicus_ gekommen sein soll. Man +schreibt es auf Papier, wie folgt: + + A b r a c a d a b r a + a b r a c a d a b r + a b r a c a d a b + a b r a c a d a + a b r a c a d + a b r a c a + a b r a c + a b r a + a b r + a b + a + +Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an +den Hals gehängt. + +Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner +_Philosophia occulta_: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches +sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln +verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers +geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom +Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen +seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel +fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die +Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle +Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man +darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, +_Elion_, _Escerchie_, _Adonay_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Saday_. + +Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister +höchst nützlich und nöthig sein. + + * * * * * + +Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die =Siegel der Planeten= zu +machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach +himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und +– bei sich trage. + +Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen +so viel gehalten haben: + + +=Das Siegel des Saturns.= + +Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein +Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen +und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15 +addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln, +sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne, +welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein +vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und +dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild +des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel +die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und +den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8]. +Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und +Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in +Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche +getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt +sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel +trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden. + +[8] S. Fig. 1. + +Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an +einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen, +und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab. + + +=Das Siegel des Jupiters.= + +Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das +Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten +Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll +ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf +dem Haupte einen Stern mit dem Namen _Jupiter_, dabei sein Zeichen oder +Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten +Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem +blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und +Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es +sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich +in allen Handlungen. + +[9] S. Fig. 2. + + +=Siegel des Mars.= + +Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite +ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den +Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des +Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in +der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern, +der Name des _Mars_ und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und +Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden. +Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde +verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht, +wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird +das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück. + +[10] S. Fig. 3. + + +=Siegel der Sonne.= + +Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6 +multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können. +Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter +König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf +dem Haupte eine Sonne, und den Namen _Sol_ und das Zeichen[11]; zu +den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im +ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man +in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor +allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut +zunimmt. + +[11] S. Fig. 4. + + +=Siegel der Venus.= + +Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das +Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann. +Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer +Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem +Namen _Venus_ und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit +Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der +Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten +Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt +Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und +giebt Geschicklichkeit in der Musik. + +[12] S. Fig. 5. + + +=Siegel des Merkur.= + +Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen +werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die +Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8 +multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten +ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in +der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte +ein Stern, dann der Name _Mercurius_ und sein Zeichen[13]. Das Siegel +wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn +der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem +purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie +und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen +unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht. + +[13] S. Fig. 6. + + +=Siegel des Mondes.= + +Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat, +welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen. +Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem +umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben +Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name +_Luna_, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem +Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im +ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche +bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten, +ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es +beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig. + +[14] S. Fig. 7. + + +=Der Heckethaler.= + +Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben +wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer +vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen; +wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon +das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das +Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen +Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will, +Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich +nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so +oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm +Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde +der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man +zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld. + +Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld +wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen +Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches +geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür +sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der +Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der +Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit +der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals. + +Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine +Katze zu kaufen! + + +=Vom Wehrwolf.= + +Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich +und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne. +– Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel +das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten, +bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines +Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der +Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. _Bodinus_, der +Hexenrichter war, erzählt in seiner _Dæmonomanie des forciers_: daß ein +gewisser _Aegidius Garnier_, welcher am Michaelistage, in der Gestalt +eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern =Dole=, in +einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach +Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu +=Dole= den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde. + +Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus +dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher +gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre +Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von +dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein +Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund +u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen +war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene _Circe_, die die Menschen +in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine. + + + + +Vom Bannen und Festmachen. + + +Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der +Stelle bewegen kann, heißt =bannen=, z. B. Diebe, welche das Gestohlene +nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w. +Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben. + + +=Einen stehend zu machen.= + +Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die +=Formel=; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten, +damit er nicht davon läuft. + + Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken + in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer + Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß, + gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden, + + So gewiß und vest, + So vest, so vest, so vest, + Als der Baum hält seine Aest, + Und der Ast hält seine Aest, + Und der Hirsch hält seine Zungen, + Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen. + So gewiß und wahr sollt ihr stehen, + Als der heilige Johannes stand am Jordan, + Da er den lieben Herrn Jesum getaufet, + Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen, + Bis die liebe göttliche Mutter + Einen andern Sohn gebähret. + So gewiß sollt ihr sein gebunden + Zu dieser Tag und Stunden + Im Namen Gottes † † † u. s. w. + + +=Lossprechung des Gebundenen.= + +So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit +gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder +auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen. + + +=Wider die Feuersbrunst.= + +Schon die Alten legten viel auf die =Kraft der Worte=, und die +christliche Magie hat sie beibehalten. + +Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: _Arse +Vorse_ schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf +einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen +11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8. +Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies +wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder +man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes _Aghela_, oder auf einen +Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei +einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu +werfen. + + +=Der Feuersegen.= + + Feuer stehe still, um Gottes Will, + Um des Herrn Jesu Christi Willen, + Feuer stehe still in deiner Gluth, + Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut. + Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen, + Daß du nicht weiter kannst von dannen, + Sondern behältst alle deine Funken und Flammen, + Amen! Amen! Amen! + + +=Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.= + + _Sanguis mane in venis, + Sicut Christus pro te in poenis: + Sanguis mane fixus, + Sicut Christus crucifixus._ + + +=Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.= + + Gott Vater fährt gen Acker, + Er ackert fein wacker, + Er ackert drei Würmer heraus, + Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth, + Hier liegen alle Würmer todt. + +So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe, +– Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w. + +Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem =Bannen des Wildes= +verfährt man also: + + Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in + der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt, + – im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich + alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun + der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches + Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses + Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so + zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und + dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei + sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen, + als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist. + +Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird! + +Das eigentliche =Festmachen=, die =Frei-Schützenkunst=, ist eine +Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S. +Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die +=Passauische Kunst= genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein +Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau +den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben +soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit +Charakteren und Wörtern: _Arios_, _Beji_, _Glaji_, _Alpke_, _nalat_, +_nasala_, _eri lupie_, bezeichnet, zu verschlucken. + +Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so +war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen +Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen +wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich! + +Andere Abergläubige tragen auch die =Länge Jesu= bei sich, um gegen +den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit +und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht +auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei +dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht +nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier +gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut +geheißen und bestätigt haben. + + +=Das Noth-Hemd.= + +Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben +Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten +zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und +gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. – +Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede, +daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w. + + +=Von der Waffen-Salbe.= + +Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr =viele= und =verschiedene= +Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können. +Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus: + + _Rz._ Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1 + Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch _bolus ana_ 1 Unze, + untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere + noch 1 Unze Terpentin nehmen. + +Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer +gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und +salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden +darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den +Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie +nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch +zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie +sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein, +so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in +ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein +frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er +über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w. + + + + +Von der Wünschelruthe. + + +Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch +nach ihrer mannichfaltigen Anwendung =Wendes-, Windes-, Wünschel-, +Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks-= und =Erlenruthe= genannt, zuweilen +auch die =göttliche Ruthe= – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders, +mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden +sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen +Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, =unterwärts= +gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden +fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen +kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen +sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen +und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die +Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt, +so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das +verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber – +wenn welches verborgen liegt! + +Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit _Athanasius +Kircher_ in seinem dritten Buche _de Art. Magnet._: Wenn eine Pflanze +eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie +die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse, +an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder +Ausdämpfung der Atome per _inspirationem insensibilem_ kommt, durch die +Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme, +an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen. + +Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine +besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft +stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz +auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen +von Eisen oder Kupfer. + +Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, =Quellen= aufzusuchen. + +Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug +oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.) + + +=Die Springwurzel.= + +Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen, +sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit +aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das +Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem +Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel, +welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch +unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen. + +Wer wohl die Probe gemacht haben mag? + + +=Die Alraunwurzel.= + +Diese Pflanze (_Atropa Mandragora_) soll den Besitzer reich und +glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen _Circea_, von der +Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen +sein sollte. + +Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie +auch =Galgenmännlein= genannt. + +Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor +Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man +sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine +Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie +aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden +bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei +Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die +Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit +einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben +ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund +nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt +nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die +Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine +Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein +weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden, +neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der +Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld +dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür. + +Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die +Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures +Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches +hat, wird zu den =betäubenden= gerechnet und in der Medizin nicht +gebraucht. + + +=Das Sieblaufen= (_Oscinomantia_). + +Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen, +oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt +eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden +Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß +es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem +Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister +spricht folgende barbarische Worte: + + _Dies, mies, Jeschet, benedæfet, + dowima, Enitemans._ + +Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der +Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch +verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei +Nennung eines Namens, den man =besonders= in Verdacht hat, eine +Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß +sich das Sieb drehen! + +Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem +Erb-Schlüssel. + + +_Speculum Salomonis_, oder =der Spiegel Salomons=. + +In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel +beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese +Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter +gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift +gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde, +wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen +Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte +mit Taubenblut auf Papier: _Teonemanuel Iskiroh_, und den Taufnamen +desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt +es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan. +Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und +wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere. +Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den +Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es +auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht, +wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht +fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen +geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond +stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt +man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des +ersten Spiegels spricht man: + + Aus Gott kömmt } + In Gott ist } alle Weisheit. + Bei Gott bestehet } + Gott der Vater liebet } + +Bei Gießung des andern Spiegels spricht man: + + Gott der Sohn erhält } + Gott der Sohn erlöset } alle Welt. + Gott der Sohn speiset } + +Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man: + + Der heilige Geist erleuchtet } + Der heilige Geist tröstet } alle, die Wahrheit lieben. + Der heilige Geist stärket } + +Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche +Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel +polirt. + +Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder +Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man +eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was +man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er +gemacht worden ist. + +Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt +wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel +erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen +steht. + +Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu +helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben, +und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit +sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die +Nativität stellen. + +Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen, +Diebstahl, Betrügerei etc. + +Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten =Spiegel +Salomons= zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des +Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht. + + +=Vom Unsichtbarmachen.= + +Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger +gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und +Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des +Kaiser Domitian zu entfliehen. + +Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem +Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder +einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den +Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn +erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte +Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches, +wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben +unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen +rothen Faden binden, um ihn zu finden. + +Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere +Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht: + + Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth? + Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut? + + Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth, + Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut. + + Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf + Wunden mich verbergen thun. Amen. + + Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth, + Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut. + + Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden + blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und + verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure + Augen stets von mir abwenden müßt. Amen. + + Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth! + Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut! + Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich, + Und was ich bet’ und will und greif’, + Dem bin ich in Christo gleich, + Als der Heilige im Himmelreich. + Im Namen Gottes † † †. Amen. + + Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar + erfunden werden. + +Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern =christliche= Magie, +welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17. +Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei. + + + + +Von der Chiromantie. + + +Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand, +ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern, +von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und +Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder +schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie +wird eingetheilt in die =physische= und =astrologische=. Die erste hat +allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften +Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und +Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In +der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre +Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander. +Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung +gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken +u. s. w. + +Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die +Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch +ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf +verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene +Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch +kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach +der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet – +also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet? + +Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder +verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit +Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun, +wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die +Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die +Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die +in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten, +auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet, +wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen, +die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern +Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur +vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von +zukünftigen Dingen. + +Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w. +gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und +doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben, +frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des +Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand +wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren. +(S. Abth. III. die Wahrsagerin.) + +Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9. +und lese weiter. + +Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen +(_Pulex_), der Zeigefinger (_Index seu demonstrativus_), der +Mittelfinger (_Medius_), der Goldfinger (_Annularis_) und der Ohrfinger +(_Auricularis_). + +Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man _Mons Veneris_ (♀), den Berg am +Zeigefinger _Mons Jovis_ (♃), den am Mittelfinger _Mons Saturni_ (♄), +am Goldfinger _Mons Solis_ (☉) und am Ohrfinger _Mons Mercurii_ (☿). + +Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt _Restricta_; +man hat bisweilen 4 Restrikten. + +Die =Lebenslinie= (_Linea Vitae_) fängt bei der Mittellinie an, +zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und +läuft bis an das Ende der flachen Hand. + +Die =Hauptlinie= (_Linea Capitis, Media naturalis_) fängt bei der +Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende. + +Die =Tischlinie= (_Linea Mensalis_) fängt am Berge des Ohrfingers an +und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste. + +Die =Glückslinie= (_Linea Saturni_) geht von der _Restricta_ aus und +bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet, +gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht +bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die +Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten. + +Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so +erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den =Tisch der Hand= +(_Quadrangulus_ oder _Mensa manus_), welcher zum Ohrfinger gehört; +daneben sieht man den =Triangel=, und unter demselben den =Mondberg= +(_Mons Lunae_), links vom Triangel liegt der =Marsberg= (_Mons Martis_). + +Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit +dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn +in Verbindung steht. + +Ist nun die =Lebenslinie= lang und ganz, nicht zerschnitten, so +bedeutet sie ein gesundes langes Leben. + +Wenn die =Linie des Hauptes= krumm und zertheilt ist, bedeutet es +Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen +Handlungen geneigt. + +Wenn die =Glückslinie= lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches +Leben; ist sie zertheilt, Krankheit. + +Der =Triangel=, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet +einen frommen friedsamen Menschen. + +Wenn der =Tisch= lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den +Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn +aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet, +so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt +Blutfluß. + +Wenn die =Tischlinie= die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen +bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat +der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth. + +Der =Tisch der Hand=, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen +geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein +Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen. + +Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, – +denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine +Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band +füllen könnten. + +Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren +Eigenschaften vornehmen: + +Eine =lange Hand= mit =langen Fingern= bedeutet einen langsam trägen +Menschen, einen Phlegmatikus. + +Wenn die =Mitte der Hand lang= und =hart= ist, dabei die =Finger lang= +sind, bedeutet es einen diebischen Menschen. + +Ist die Mitte der Hand =hart=, doch =wohl proportionirt=, so bedeutet +es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber =nicht gut= +proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit. + +Sind die Hände =dünn= und =lang=, doch nach dem Körper proportionirt, +so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar. + +Ist die Hand =kürzer=, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und +empfindlich. + +Ist die Hand =kurz= und =stark=, so bedeutet es einen sündhaften +Menschen, und je mehr die =Finger hart= sind, desto boshafter. + +Wenn eine Hand =lang= und =groß= ist, doch proportionirt, so bedeutet +es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten! + +Wer =lange Hände= und =lange kleine Finger= hat, ist ein harter Mensch. +Die Natur gab auch den =Tyrannen= lange Hände! + + +=Von der Geomantie.= + +Dies ist die sogenannte =Punktirkunst=. – Ehemals zeichnete man die +Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich +die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann +fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der +rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen +den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine +Figur gemacht. Doch solche =Punktirbücher=, die für sechs Pfennige +verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein +Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben. + + +=Von der Onomantie= oder =Weissagung aus dem Namen.= + +Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl +bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen +in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß +_Sors Pythagorica_. In der Folge brachten es die Christen in eine +rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas. + +Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als: + + _A B C D E F G H I K L M_ + 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 2 + + _N O P Q R S T V X Z_ + 12 22 4 10 24 7 16 4 20 1 + +Statt des _W_ nimmt man zwei Mal _V_, und statt des _Y_ das _I_. + +Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in +ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen, +welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was +übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen +beurtheilen: + + =Rest:= + 1. 2. ist Beherrscher des Widders (♈). + 3. 4. " des Stiers (♉). + 5. 6. 7. " der Zwillinge (♊). + 8. 9. " des Krebses (♋). + 10. 11. 12. " des Löwen (♌). + 13. 14. " der Jungfrau (♍). + 15. 16. " der Wage (♎). + 17. 18. 19. " des Scorpions (♏). + 20. 21. " des Schützen (♐). + 22. 23. " des Steinbocks (♑). + 24. 25. 26. " des Wassermanns (♒). + 27. 28. " der Fische (♓). + +Der Widder, Löwe und Schütze sind =feurig=; + +Die Zwillinge, Wage und der Wassermann =luftig=; + +Der Krebs, Skorpion und die Fische sind =wäßrig=; + +Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock =irdisch=. + +Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist +es gut und bedeutet =Zufriedenheit=, und sind es Eheleute, so überlebt +eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede. + +Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so +bedeutet es =Zank= und =Unglück=. Der das feurige Zeichen hat, lebt +länger, als der andere. + +Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so +ist die Bedeutung =mittelmäßig=. Der im luftigen Zeichen behält die +Oberhand. + +Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es +eine =ganz unglückliche= Vorbedeutung, und der luftige behält die +Oberhand. + +Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so +bedeutet es =Glück=, und der im wäßrigen spielt den Meister. + +Ein feuriges und luftiges Zeichen =vertragen sich mit einander=, jedoch +überlebt das luftige das feurige. + +Feuer und Erde =vertragen sich nicht=; das feurige überlebt das +irdische. + +Die luftigen und irdischen Zeichen sind =böse=; das luftige hat die +Oberhand. + +Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei +Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß +=Otto=; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt, +bleibt 20 und fällt in das Zeichen des =Schützen=, der =feurig= ist. +Der zweite Name hieß =Amalia=, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt, +6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der =Zwillinge= fällt und +=luftig= ist. – Also werden =Beide sich mit einander vertragen; das +luftige aber überlebt das feurige=. + +Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man +dieselbe. + +Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen +ebenfalls auf Spielerei hinaus. + + + + +=Von den Geistern.= + + +Man theilt sie allgemein in sechs Klassen: + +1) =Feuergeister=, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend +haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner. + +2) =Luftgeister=, welche man auch =Poltergeister=, =Sylvane=, +=Windleute= genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch +Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun. + +3) =Erdgeister=, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-, +Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden. + +4) =Unterirdische Geister=, welche in Höhlen und Bergen, besonders in +Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch +Erdbeben und Winde erregen. + +5) =Wassergeister.= Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen, +Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu +Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um. + +6) =Lichtscheue Geister.= Sie lassen sich niemals bei Tage sehen, +sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und +fallen auch die Menschen an. + +Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit +einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange, +lange Zeit leben. – + +Ein Mehreres hiervon lese man: =Vom Bannen der Geister.= + + +=Die Berggeister.= + +Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie +sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in +allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten, +Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie +den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen +dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes +ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute +bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein +Hinterleder tragen. + +Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre +Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese +Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den +Dünsten verschiedene Abbildungen geben. + +Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern. + + +=Der Kobold.= + +Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte _Kobalos_, Betrüger, +Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch +von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten +Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein =Bergmännchen= +nennt. Sonst wird unter =Kobold= ein Hausgeist verstanden, der +sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten +verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt +werden, nicht leicht Schaden zufügen. + +Unter vielen Erzählungen ist der =Hildesheimische Kobold=, Hödekin oder +=Hütgen=, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute. + +Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß, +wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold +gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist +auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der +Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.) + + +=Wassergeister.= + +Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster +auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar +bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele +nennen sie =Wassernixen=, welche die Menschen zu sich in das Wasser +ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu +warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche +Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden +und Nereiden nannte. + + +=Das wüthende Heer.= + +Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl +allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage +allgemein gewesen. + +Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören +lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört +Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren +Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun +die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben, +Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau +zu untersuchen, entflieht der Furchtsame. + + + + +Vom Bannen der Geister. + + +Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie +sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach, +weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste +zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein +sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft +glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken +und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die +Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem +Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen +wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf +Erden und der künftigen Erreichung derselben! – + +Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen +Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor. +Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht +ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der +Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den +allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen +gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die +darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung +aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister +beschwören wollen. + +Gewöhnlich werden die =Geister der Planeten= beschworen, welche gewisse +Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt +werden. So heißt der Geist der Sonne =Michael= – Der Geist des Mondes +=Gabriel= – Der Geist des Mars =Samael= – Der Geist des Merkur +=Raphael= – Der Geist des Jupiters =Sachiel= – Der Geist der Venus +=Anael= und der Geist des Saturn =Cassiel=. + +Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl +verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll. + +Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert, +daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm +u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein. +Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben, +vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen +Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider +anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften +enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und +Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem +der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im +angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen. + +Der =Zauberkreis=[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie +vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man +rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich +gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet, +in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat. + +[15] S. Fig. 10. + +Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von +einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die =Stunde=, welche +alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll, +geschrieben[16]; 2) der =Name= und 3) das =Siegel= oder =Zeichen= des +Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage, +wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der +gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit +regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man +den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit, +wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes, +nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis +werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen +Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11) +im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen +gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach +Osten kommt das _Alpha_, nach Abend das _Omega_ mit einem durch den +mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den +vier Dreiecken vier _Pentagoni_ geschrieben. – So ist der Zauberkreis +für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit +Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und +das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein +weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen +Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete _Pentaculum +Salomonis_[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des +Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß; +zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch +zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche +den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den +Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre +Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen: + +[16] z. B. die =erste Stunde= am Sonntag im =Frühjahr= heißt _Yayn_. + +[17] Der =Name= des Geistes der Sonne ist =Michael=. Das =Zeichen= s. +Fig. 11, wo die Siegel der sieben Geister stehen: + + _a_) Siegel des Geistes =Michael=. + _b_) " " " =Gabriel=. + _c_) " " " =Samael=. + _d_) " " " =Raphael=. + _e_) " " " =Sachiel=. + _f_) " " " =Anael=. + _g_) " " " =Cassiel=. + +[18] =Michael=, =Dardiel=, =Huratapel=. + +[19] =Talui= (Frühling). + +[20] Die Geister des Frühlings: =Caracassa=, =Core=, =Amatiel=, +=Commissoros=. + +[21] Das Hauptzeichen des Frühlings ist: _Spugliguel_. + +[22] _Amadai_. + +[23] _Abraym_, _Agusita_. + +[24] _Varcan rex_, _Tus_, _Andas_ und _Cynabal_. + +[25] _Adonai_, _Eloy_, _Agla_, _Tetragrammaton_. + +[26] Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für +=Michael= Sandelholz. + +[27] S. Fig. 12. + + Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und + Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, _El_, beschwören wir + euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die + man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht + und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen + _Adonay_, _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_, + _Jah_, _Tetragrammaton_, _Sadai_: Herr Gott, beschwören wir euch, + und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben + diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne + Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den + Namen _Y_ und _V_, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den + Namen Gottes _Agla_, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie + gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der + mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines + Bruders Esau; und durch den Namen _Anephexeton_, welchen Aaron + gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den + Namen _Zebaoth_, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des + Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen _Escerchie + Oriston_, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten, + daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten; + und durch den Namen _Elion_, welchen Moses nannte und solchen Hagel + hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch + den Namen _Adonay_, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land + Aegypten kam; und durch den Namen _Alpha & Omega_, welchen Daniel + nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen + _Emmanuel_, welchen drei Männer, _Sidrach_, _Misach_ und _Abdenago_ + im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch _Hagios_ und + den Sitz _Adonay_; und durch _ô Theos iscyros athanatos_; und durch + die drei geheimnißvollen Namen, _Agla_, _on_, _Tetragrammaton_, + beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres + allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch + eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten + Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn, + welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und + durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor + dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und + durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen + Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird, + und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir + männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen + zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz _Baldachiæ_, + und durch den Namen _Primeumaton_, welchen Moses nannte, und die Erde + verschlang _Datam_, _Corah_ und _Abiron_; und in der Kraft jenes + Namens _Primeumaton_, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir + euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude, + bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage + des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl, + wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern + Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen _Adonay_, + _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt + euch _Adonay_, _Saday_, der mächtige und schreckliche König, dessen + Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein, + wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint; + es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges, + nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen _Adonay_, + _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_, erscheinet, erscheinet! Was zaudert + ihr? Eilet! Es befiehlt euch _Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly, + Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe, + a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va_! + +Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen +sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen, +welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen. + +Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte +Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte +Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat? + +Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc. +11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem +Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden. +– Aber keine =Geister=, davon steht nichts in der Bibel! + +Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen +können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern +Figuren bestehet. + +Verschiedene Manuscripte von =Teufels-Beschwörungen=, welche von +Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden +und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte +Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden +wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen +mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige +wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher +Auszüge genommen haben: + + 1) _Arbatel de magia veterum._ + + 2) Des schwarzen Cyprian _Miracul-_ oder Wunderbuch von 1500. + + 3) _Raziel_, das alte Buch von der heiligen göttlichen =Magie= unserm + Vater =Adam=, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln + selbst offenbaret. + + 4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen =Christophori=, + approbirt von dem bekannten =Raphael Meyer= aus der Gesellschaft + Jesu. + + 5) _Citationes_ der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche + _Mosis Bibliae Magicae_. + + 6) _Zoroaster_ des _Rabbi_ und Juden _Clavis Artis_. Das Original ist + von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben _Anno Mundi_ 1996. + Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden. + _Anno Christi_ 1236 durch _S. V. R. et A. G._ + + 7) Meines (_Dr. Faust_) _Miracul-_ und Kunst-Buches, genannt der + =Dreifache Höllen-Zwang=. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir + gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine + Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit + diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen + können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben + wir zum Titelkupfer gewählt. + + 8) _Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon_ + 1689. + +Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also: + +_Aziel_, der Schutzgeist der Erde und des Meeres. + +_Ariel_ hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land. + +_Marbuel_ hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen +geheimen Wissenschaften. + +_Mephistophilus_ dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und +übergiebt die Pygmäen und _Spiritus familiares_. + +_Barbuel_, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser +und zu Land. + +_Aziabel_, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze. + +_Aniquel_, Fürst der Welt. + +Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt. +Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten _Mephistophilus_, +welchen auch _Dr._ Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen. + +Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der =Gürtel Salomons=, welcher 4 +Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter +Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein =Zauberstab= von +Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und =magische Kerzen= von wildem +Bienenwachs. + +Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt +man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn: + + _O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist + Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o + esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera + Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim + † in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca + † Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch † + & Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi † + Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus + † Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas, + mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla + † Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o + Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen._ + +Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt, +wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet: + + _O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam † + o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen._ + +Der Geisterfürst _Marbuel_ erscheint, wenn er gerufen wird, in der +Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt. + +Der Sage nach wird manchen Lesern _Dr._ Faust’s =Mantelfahrt= bekannt +sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu +versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher +selbst reden: + +»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf +den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes +Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß +Du _NB._ ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und +tritt _NB._ mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich. +Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde +darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst, +_NB._ so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der +Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest +unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst. + + +=Citation.= + + Ich rufe Dich Geist _Aziel Memomac_, und fahre mit mir nach _N_, und + richte mit mir aus, was ich haben will. + +_NB._ Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner: + + O Du erhöre mich † _Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim_, daß ich + fahre, durch den Geist _Aziel_ an Ort und Stelle gebracht werde. + + Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin + Du willst.« + +Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat +die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt. + + + + +=Von Schatzgräberei.= + + +Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen +Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder +leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules +Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch +ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber +und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr +Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen, +gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll +Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne +Beihülfe anderer Leute? + +Das sogenannte =Schatzlicht= ist besonders am Johannistage zu sehen, +und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen +Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder +entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe. +Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze +von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies +Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals +kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen, +daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr +gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz +anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von +ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen +haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem +Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist. + +Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne +verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute +Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III. +Schatzgräberei.) + +Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch +und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel: + +Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in +Ewigkeit, Amen. + +Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden: + +_O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex, +Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam, +Christe benedictam._ + +Dann taufe man das Geld mit Taufwasser. + +So Du einen Schatz heben willst, sagt _Dr._ Faust, und dazu kommst, so +schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes, +so kann es nicht verrücken: + + _Domini Seussa Kaatu._ + +Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst, +so schreibe diese Worte darauf: + + _Saat Saato da + Knuss Tetragrammaton + Agla Elyla Elylam + Mazakat Hane._ + +Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die +Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches +dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz +verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen, +und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen. + +So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin +im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen +Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des +S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit +welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem +saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist +eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich: + +Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut, +daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe +noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch +begleiten † † †. + +Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den +Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei +Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen, +darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St. +Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß. + +Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und +ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein, +in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die +übrigen zwei Personen beten den Psalm _de profundis_; übrigens sollen +auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher +den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein +soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein +soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz +versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist, +über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist +des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man +von allem Schrecken befreit. + +Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit +Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden: + + _† Seglane † Sextex Jahix leomanx._ + +Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne +ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt +man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem +Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. – + +Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung +der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts. + + + + +Zweite Abtheilung. + + =Vom Aberglauben.= + + Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen! + + +Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche +die Abergläubischen in =allen Lebensverhältnissen= anwenden: bei +Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie, +bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein +Bekannten und werden schon daran genug haben. + + +=Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll +diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel +Jahre ich leben soll?= + +So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. – +Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5, +10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger. + +Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen +entstanden sein: + +Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem +Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn +wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott +bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte. + + +=Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.= + +Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf +reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber +gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen +Weiber meinen: man habe kein Glück. + + +=Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.= + +Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den +Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern +zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – _Rungius_, im +ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S. +54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König +Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich +ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm +den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn +oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von +andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan, +so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb. + + +=Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf +dem Feuer stehen läßt.= + +Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu +haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen +bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist +also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen, +wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt: + + Nicht der Dreifuß, noch der Rost, + Sondern eine =magre Kost=, + Vieles Schminken, Cordoisiren, + Und mit Salben sich beschmieren, + Diese und dergleichen Sachen + Sind es, die die Runzeln machen. + + +=Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.= + +Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein +Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen +Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der +Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon. +Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der +Kropf bleibt am Halse. _Probatum est!_ + + +=Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer +Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am +Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.= + +Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der +Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür +zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg. +Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben +nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer +Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach +der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es +wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit +vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß +sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die +Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue. + + +=Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser +kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.= + +Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses +ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß +dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.« + + +=Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann +erhalten werde.= + +Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus +klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert +die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen +Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann: +was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren! + + +=Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein +Zeichen des kommenden Krieges.= + +Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder +kriegerische Spiele vornehmen. + + +=Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.= + +Der Klee (_Trifolium_) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur +(_Lusus naturæ_) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse +Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden +wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein +Anderer muß lange darnach suchen. + + +=Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt +hinein.= + +Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w. +nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine +wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es +müßte denn der Hoffarths-Teufel sein. + + +=Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.= + +Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine +Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten +Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur, +und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche +in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber +werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. _Probatum +est! De mirabilibus Albertus M._ + + +=Ein Jägerstückchen.= + +Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in +ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein +muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann +der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen +die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen. + +Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden? + + +=Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen +Kopf hat, der stirbt das Jahr.= + +Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden +Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten +dadurch oft zwei Köpfe. + + +=Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so +stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.= + +Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man +durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen +prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann +ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo +des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu +schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche +Ursachen angeben können. + + +=Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen +zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses +Krautes mit Nadeln durchsticht.= + +Das Johannis-Kraut (_Hypericum perforatum_) hat eiförmige und +durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da +man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut +fand, und es _Daemonum fuga_, =Teufels-Scheu=, nannte. + + +=Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.= + +Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel besser! – Was sollte +aber der arme Hase Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes +begegnete! + + +=Wenn man aus dem Hause geht oder verreis’t, soll man nicht wieder +umkehren, sondern das Vergessene durch Andere bringen lassen.= + +Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen nicht gelingen. – Es ist +zwar besser, man vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und man +unterweges auf jemand warten soll, bis er das Vergessene nachbringe, so +verliert man Zeit und hat oft Schaden davon. + + +=Wenn einem am Morgen beim Ausgehen ein altes Weib begegnet, ist es +nicht gut.= + +Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß man vielen alten Weibern +Hexerei Schuld gab. Es mag einem aber ein altes oder junges Weib +begegnen, die Geschäfte werden nie anders. + + +=Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht geschmolzenes Blei ins Wasser +gießt, erfährt es durch die Figuren, was der künftige Gatte für ein +Geschäft treibt.= + +Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen Ländern getrieben, und +manches gute Mädchen hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer leicht +glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in den zerrissenen Stücken Blei +immer gern das, was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen +Mädchen in der Christnacht rückwärts ein Scheit aus einem Holzstoß, um +zu erfahren, ob ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade sein +werde. + + +=Helle Christnacht, finstere Scheuern; finstere Christnacht, helle +Scheuern.= + +Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel; wenn der Mond in der Christnacht +hell scheinet, so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern voll +und finster sein; wenn aber Neumond und trübes Wetter ist, sollen +die Scheuern nicht voll werden. – Der alte Julianische und der neu +verbesserte Kalender weichen von einander ab, folglich, da diese +und andere Bauern-Regeln schon alt sind, kann es auch jetzt mit der +richtigen Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit schon +darin beweiset, denn einige Erfahrungen machen noch keine bestimmte +Regel. + + +=Zwischen Todten und Lebendigen soll eine Sympathie herrschen.= + +Wenn man dem Todten etwas von einem Lebendigen in das Grab legt, +soll Letzterer nicht lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht +erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon erzählt. Aber es geht +wohl natürlich zu. Derjenige, dem die Sache gehört, welche in das Grab +gelegt worden, und an die =Fabel= glaubt, wird durch seine Einbildung +sich selbst bald in das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte daran +schuld ist. + + +=Wer auf dem Acker etwas säen will, der soll den Saamen nicht auf den +Tisch legen, er geht sonst nicht auf.= + +Wenn man Korn oder Waizen, das man zum Saamen bestimmt hat, aus Noth +mahlen und backen läßt, so kommt er freilich auf den Tisch, und die +Aussaat ist gehindert. Dies mag ein Spaßvogel gedacht haben, und andere +nahmen es ernsthaft auf. + + +=Wenn die Kinder schwer reden lernen, soll man ihnen Bettelbrod zu +essen geben.= + +Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß die meisten +Bettelkinder große Fertigkeit im Sprechen haben, um ihr Brod zu +erbetteln, und dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere +wieder bald reden zu machen! + + +=Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu haben, nicht aus der Stube +gehn.= + +Man glaubt, es nehme den Kindern die Ruhe. Der Ursprung dieses +Aberglaubens ist schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen: +Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft der Hausfrau hinderlich, und +macht mehr Geräusch, als der Sitzende, wodurch das schlafende Kind +gestört wird. + + +=Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen Garbe kann man sehen, wie das +Korn das folgende Jahr alle Quartale steigen und fallen werde.= + +Die Landleute machen folgendes Experiment: Wenn sie anfangen zu +dreschen, nehmen sie die erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen +auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden worden ist), dreschen +das Korn aus, und nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll Korn, +streichen es ab und schütten es auf den Tisch, welches das erste +Vierteljahr bedeutet. Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses +geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und schütten es wieder in das +Gefäß und streichen es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen, +so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr; streichen sie aber nichts +ab, so wird das Korn aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit +den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber bei Messung des Korns nicht +zutragen, daß man nicht immer =gleich= abstreicht? daß man an den Tisch +stößt, und bald etwas mehr oder weniger hat? Man mache nur den Versuch +zur Ueberzeugung und lasse noch Einige dies Experiment machen, – wie +verschieden wird die Weissagung ausfallen! + + +=Wenn das Jüdel die kleinen Kinder nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel +etwas zu spielen geben.= + +Viele Weiber werden nicht einmal das =Jüdel= kennen, und doch treiben +sie damit Aberglauben. Kleine Kinder von wenig Wochen thun oft während +des Schlafes die Augen halb auf, und die Augenäpfel wenden sie in +die Höhe, fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder fort, oder +schreien. Wenn dieses geschieht, sagen die Abergläubischen: »das +Jüdel spielt mit dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben, machen sie +Folgendes: Sie kaufen, ohne zu handeln, einen kleinen, neuen, irdenen +Topf mit einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes Badewasser +gegossen und auf den warmen Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen +und das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen finden sie kein +Wasser mehr im Töpfchen und glauben, das Jüdel habe es herausgespielt, +ohne zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen eingetrocknet ist. +Ferner blasen sie Eier in des Kindes Brei und in die Suppe der Mutter +aus, und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen Kartenblättern +mit Zwirn an des Kindes Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die +Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand rasch in der Stube, daß +die leichten Sachen sich bewegen müssen, da rufen die alten Weiber: +Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spielt! – Welche +Albernheiten! und doch geschehen sie! Das Kind aber wird fort die Augen +verdrehen und lachen und weinen, ohne das Spiel des Jüdels. Man gebe +dem Kinde, welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und das alberne +Jüdel verschwindet gewiß. + + +=Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.= + +Man soll es, wenn der Sirius sich sehen lasse, so daß Mond und Sonne +einen nicht bescheinen, und zwar mit der linken Hand aus der Erde mit +einem eisernen Instrumente graben. Die Griechen nennen dies Kraut +_Peristecon_, die Römer _Verbena_, und wurde für ein heiliges Kraut bei +den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut ist es nicht, daher wir auch +das Experiment nicht machen können. + + +=Das Osterwasser= + +wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und 12 Uhr, aber +stillschweigend. Es soll sich lange aufbewahren lassen und, damit +gewaschen, eine feine Haut machen. – =Jedes Wasser=, das im Frühlinge, +und wenn die Sonne nicht scheint, geschöpft wird, hält sich länger und +ist weicher, als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte. + + +=Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein Delinquent gerichtet werden +soll.= + +Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem Schranke an einem Nagel +hängt, fängt an sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter +erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn auch nicht direct durch +das Gericht, sondern durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode +verurtheilt werde, und er und die Seinigen, welche von den Urältern +her jene Sage glauben, werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert +sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch der Todtengräber und der +Tischler, der Särge macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt. + + +=Es soll gefrorne und eingeschlossene Worte geben.= + +Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben, daß Worte durch Kälte erhalten, +oder in ein gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner Zeit +wieder gehört werden können! Was für eine Kälte müßte das sein, und +sollte der Mensch nicht =zuerst= erfrieren? Wie sollte aber auch die +Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen vielleicht vom _Ovid. +Metamorph. L._ II, 4. genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ: +Midas hat Eselsohren. + + +=Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen werden, denn es bringt +Unglück.= + +Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger Hahn legen und von einer Kröte +im Miste ausgebrütet werden soll, soll ein monströses Geschöpf, der +=Basilisk=, entstehen, welcher sich in alten Höhlen, Brunnen und +Gemäuern aufhält. Es soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt, +Esaiä 59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte haben in den ältern +Zeiten über dieses fabelhafte Thier geschrieben, nur Einige haben es +verworfen. + +Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die Menschen tödten und alles um +sich her mit seinem Hauche vernichten können; so bald er sich aber +selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene Weise beschrieben, +da ihn wohl Niemand lebendig oder todt gesehen haben wird, außer in +einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er soll die Größe eines Huhns haben, +Kopf und Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm und Hals sei +gelbblau, der Leib und die Flügel gelb, blau, roth und grün gesprengt, +habe lange gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht stehenden, +gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten Schwanz. + +So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften Thiere. + +Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher einen Basilisken, der in Afrika +mit Feuer getödtet worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius +und _Dr._ Wedel in Jena, beschrieben das Thier; aber nachher erfuhr +Letzterer in Hamburg von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein +=gekünstelter= gewesen sei. + + +=Von der Todtenuhr.= + +Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten oder Getäfel, gleich einer Uhr +in abgemessenen Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische an +Unglück und Tod. _Linnæus_ nennt diesen Wurm _Termitem fatalem_, und +ist die bekannte =Papierlaus= oder =Bücherstaublaus=. + + +=Von Vampyren und schmatzenden Todten.= + +Unter den schmatzenden Todten versteht man gewisse todte Körper, +weiblichen Geschlechts, welche, wenn Seuchen grassiren, ihre +Grabtücher, Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken und dabei +schmatzen und, so weit sie mit dem Munde reichen können, alles +verzehren. Und dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen den +Daumen nicht aus der Hand gethan, oder den Mund nicht unbedeckt +gelassen. + +Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe kann nur von einem lebendig +Begrabenen oder von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende +Erzählung beweiset, herrühren. + +In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf dem Gottesacker hören. Es +kamen viele Menschen, um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin. Sie +hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus dem das Schmatzen seinen +Ursprung haben sollte, bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung +=junger Eulen= sei, die in einem Mauerloche der Kirche, welche nahe +dabei war, befindlich waren. + + +=Die Vampyren oder Blutsauger.= + +Sie haben mit den obigen Verwandtschaft. Man versteht darunter todte +menschliche Körper, welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen +das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch tödten sollen. Unter den +Raizen, Serviern ist dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr +durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl und verbrennt den +Körper. + + +=Die ominöse Zahl =13. + +Vernünftige Personen haben noch jetzt den Aberglauben, mit 13 Personen +nicht an Einem Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen möchte +in wenigen Monaten eine Beute des Todes werden. – Dies kann immer +geschehen, ohne daß die arme Zahl daran schuld ist. + + +=Exorcismus.= + +Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten Exorcisten, namentlich die +Jesuiten, Kapuziner u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen +herplauderten, verstanden, und daß dieselben eine Kraft haben sollen? +– Man höre nur die barbarischen Worte: _Theos Patir Heminas per +Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa, Gebeche Banai Grabiai Elomnit_ +u. s. w. + + +=Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden ist.= + +Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen hat, kennen zu lernen, macht +der Abergläubische mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall, melkt +die Kuh, indeß er das Eisen glühend macht, gießt dann die Milch in das +Loch, und buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis die Hexe kommt, +welche, wie er glaubt, während diesem Buttern so sehr gepeinigt wird, +daß sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst kommen, und etwas +verlangen, um dadurch das Buttern zu verhindern. Man macht daher den +Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht herein kann. Mancher ist +dadurch in den Hexenverdacht gekommen, daß er zufällig gerade zu der +Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei getrieben wurde. + + +=Das Mutisheer.= + +Es soll eine Menge Kinder sein, welche in den Wochen gestorben, ehe +sie zur heiligen Taufe gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im +Himmel aufgenommen zu werden, und hielten sie sich bald da, bald dort +unter vielem Winseln und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es +der Pöbel gehört haben. – Im Virgil _Aen._ VI. _v._ 435. steht etwas +ähnliches. + + +=Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang erfahren will, muß man die +Bibel von ungefähr aufschlagen; was man zuerst erblickt, daraus +entdeckt man das Gesuchte.= + +Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung widerlegen. + +Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er eine mit Dornen und Stechbeeren +bewachsene Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige Schrift +den Anspruch bestimmen und traf auf die Stelle Jeremiä 10, 19: =Ich +denke aber, es ist meine Plage, ich muß sie leiden.= So unterblieb das +nützliche Vorhaben. + + +=Das Nasenbluten zu stillen.= + +Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen und diese in der Hand +gehalten, bis sie erwarmt, stillt das Nasenbluten. – Dieses wird von +selbst geschehen, wenn man so lange Zeit wartet. + + +=Der Haselstock thut Wunder.= + +Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig, oder ein kleines Stück +Fleisch an einen Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht, +dreht sich der Stock von selbst über den Kohlen. – Dabei ist aber weder +der Vogel, noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht sich von der +Hitze natürlich zusammen und – dreht sich. + + +=Vom Alpdrücken.= + +Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel selbst, oder irgend ein +Gespenst sein. Er kommt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer, +wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl gar herab und peinigt +den Schlafenden. – Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im Körper +ein Zusammenziehen der äußern Theile, krampfhafte Zufälle, Erstarrung +u. s. w. Vollblütigkeit, das Liegen auf dem Rücken, das niedrige +Kopfliegen, Ueberladung des Magens erwecken jene ängstlichen Träume und +– das Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd. S. 180 ff.) + + +=Heilung einer Fistel.= + +_Dr. Joh. Dolæus_ erzählt in den +Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch- und botanischen +Abhandlungen _Tom._ V. Wahrnehm. LXI.: + +Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten Fürstin von Nassau-Diez +aufhielt, so erzählte mir der berühmte _Dr._ Geilfuß, es seie ihm +jemand bekannt, der lange Zeit an dem Schenkel mit einer Fistel +beschwert gewesen, woraus verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen +Papier, Haare u. s. w. hervorkamen. Man habe vielerlei Arzneien, aber +vergeblich, gebrauchet; endlich habe sich ein Mensch, den der Pöbel für +einen Zauberer hielt, angegeben, und das Geschwür in Kurzem zu heilen +versprochen. Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt, so habe er +ein aschfarbiges Pulver in die Wunde gestreuet, und blos dadurch den +Kranken in wenig Tagen geheilet. _Dr._ Geilfuß versicherte mir, es sei +dieses Pulver nichts anderes, als =Asche von einer verbrannten Hexe= +gewesen. + +Solche Dinge glaubten damals auch =gelehrte Männer=! + + + + +=Dritte Abtheilung.= + + Erzählungen + von + =Geister=- und =Gespenster-Erscheinungen=, + mit hier und da + eingestreuten natürlichen Erklärungen. + + _Verba movent, Exempla trahunt._ + + + + +Das Gespenst im Hause. + + +_Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252._ erzählt seinem Freunde +=Sura= eine Geschichte von einem Hause in Athen, welches von einem +Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt worden, und hätte leer +gestanden, bis endlich der Philosoph =Arthenodorus= hineingezogen, +den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in den Hof gefolgt, wo +er verschwunden sei. Den Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit +angezeigt und aufgraben lassen, wo man denn die Gebeine einer Person +gefunden hätte, welche in Ketten gelegen, und die er habe begraben +lassen; worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden wäre. + +Mehrere Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben, obgleich er +selbst sagt, _ex ponam ut accepi_ (daß er das Erzählte =gehört= habe), +und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen! + + + + +=Anzeigen des Todes.= + + +I. + +Der Rektor Gottfried =Vockerodt= in Gotha, der 1727 starb, hinterließ +einen Sohn, welcher in Halle studirte. Dessen Mutter und Schwester +wohnten noch in Gotha. Einstmals, da beide in der Stube sitzen, hören +sie, daß jemand mit starken Schritten die Treppe herauf kömmt. Die +Mutter geht hinaus, und erblickt ihren Sohn, der sich vor sie stellt, +aber zu ihrem Schrecken eine große Wunde in der Brust hat, aus der das +Blut hervorströmt. Da sie ihn anreden will, sinkt er vor ihr nieder +und verschwindet. Am folgenden Tage erhält sie durch einen Boten die +Nachricht, daß ihr Sohn um dieselbe Stunde, da er ihr erschienen war, +auf der Saalbrücke in Halle erstochen worden sei. + +Diese Erscheinung ist wegen der dabei eingetroffenen Umstände, als +wichtig für den Geisterglauben, anzusehen; jedoch ebenfalls, wie alle +andern, wo historischer Beweis der Thathandlung und die Glaubwürdigkeit +der Zeugen fehlen, widerlegbar. Auch sind vorhergegangene Umstände der +Mutter nicht berührt worden, welche fähig gewesen sein können, diese +Vision zur Wirklichkeit zu bringen. Konnte nicht ein Landsmann der +Mutter kurz vorher von ihres Sohnes bevorstehendem Duell Nachricht +gegeben haben, und sie sich mit gewissen Vorstellungen gequält, bis sie +jene Vision hatte, zu welcher Zeit ihr Sohn zufällig erstochen wurde. +– Warum erschien das Gespenst nicht sogleich in der Stube, und machte +erst Geräusch eines Kommenden, das die Mutter dann allein sahe? + + +II. + +_Dr._ =Jung=, genannt Stilling, erzählt in seiner »Theorie der +Geisterkunde, Nürnberg 1808.« eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser +sonst würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie gezeigt, daß +er ein Schwärmer und der =abergläubigste Kopf= sei; er hat alles +=frischweg= geglaubt und so leider! dem Publikum wieder gegeben. – +Seine Wahrheit sucht er besonders auf Glaubwürdigkeit der Personen zu +stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst geschehen ist. Von +vielen solchen abergläubigen und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie +ein Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten Schaden nur +bringen können, wollen wir die wichtigste herausheben, welche nach der +Erzählung des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes von Seckendorf +hier notirt worden ist. + +König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Vater König Friedrichs II., +stand mit dem König August II. von Polen in so freundschaftlichen +Verhältnissen, daß sie einander, wenn es möglich war, wenigstens +einmal des Jahres sahen. Dies geschah auch noch kurz vor dem Tode des +Letzteren. Derselbe schien sich damals ziemlich wohl zu befinden, +nur hatte er eine etwas bedenkliche Entzündung an einer Zehe. Die +Aerzte hatten ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken sehr +gewarnt, und der König von Preußen, welcher dieses wußte, befahl seinem +Feldmarschall von Grumbkow (der den König bis an die Grenze begleitete +und ihn dort in einem königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen +sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß alles sorgfältig vermeiden +möchte, wodurch die dem König von Polen aus erwähnter Ursache von den +Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung im Genusse des Weines überschritten +werden könnte. + +Als aber König August noch gleichsam zu guter Letzt einige Bouteillen +Champagner verlangte, so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst liebte, +nach, und genoß dessen auch seiner Seits so viel, daß er sich, indem er +über den Hof des königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an einer +Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich daher in einem Tragsessel +zum König August bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des +andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm noch einige Aufträge an +König Friedrich Wilhelm geben wollte. Hierbei war der König von Polen, +außer einem vorn geöffneten Hemde, nur mit einem kurzen polnischen Pelz +bekleidet. + +In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen Augen erschien er am +1. Februar 1733 früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall von +Grumbkow und sagte zu ihm: + +_Mon cher Grumbkow! je viens de mourir ce moment a Varsovie._ + +Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches damals noch wenig +Schlaf gestatteten, hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner +=Nachtlampe= und durch seine dünnen Bettvorhänge, bemerkt, daß sich die +Thür seines Vorzimmers, worin sein Kammerdiener schlief, öffne, daß +eine lange menschliche Gestalt herein komme, in langsam feierlichem +Schritt um sein Bett herumgehe, und seine Bettvorhänge schnell öffne. +Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so, wie Letzterer nur wenige +Tage vorher lebendig vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten +Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige Worte gesprochen hatte, +wieder zu eben der Thür hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur +nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener: ob er den nicht auch +gesehen habe, der so eben gerade da herein und hinaus gegangen sei? – +Der Kammerdiener hatte nichts gesehen. + +Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang an seinen Freund, den +damals bei König Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl. +königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen von Seckendorf, und bat +letzteren, die Sache dem König mit guter Art bei der Parade zu +hinterbringen. Bei dem Gesandten von Seckendorf befand sich, als +ihm das Grumbkowsche Billet schon früh um fünf Uhr zukam, dessen +Schwestersohn und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf, nachheriger +Brandenburg-Anspachscher Minister, und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath. +Jener sagte zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen darbot: sollte +man nicht denken, die Schmerzen hätten den alten Grumbkow zum Visionär +gemacht? Ich muß aber den Inhalt dieses Billets noch heute dem König +hinterbringen. + +Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre) langte durch die von +Warschau bis Berlin von drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen +Uhlanen und Preußischen Husaren die Nachricht in Berlin an, daß der +König von Polen in der nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung +gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei. + +Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der Verf. fort, beruht auf der +Glaubwürdigkeit solcher Personen, an deren Kopf und Herz zu zweifeln +Verbrechen sein würde. =Sie ist also gewiß!= – + +Können denn große Herren nicht auch Visionen, wie ein anderer gemeiner +Mann, haben und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte nicht schlafen, +seine Schmerzen rührten von dem übertretenen Befehl her, keinen Wein +dem König von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß genossen +hatte. Er dachte natürlich an den schon kranken König, welches Uebel +ihn ergriffen haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen Idee bei +ihm, die Einbildung wirkte mit, und die Erscheinung läßt sich durch die +Sinnen-Täuschung, wie alle übrigen, natürlich erklären. Und des Königs +Tod zur selbigen Zeit giebt blos der Erzählung einen Anstrich von +Wahrheit, doch keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des kranken +Grumbkow fehlen. + + + + +Das Sehen seiner selbst. + + +Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Rostock der Professor +der Mathematik und Hauptpastor an der Jacobikirche, =Becker=, in +Gesellschaft verschiedener guter Freunde, die er bei sich bewirthete, +in einen theologischen Streit gerieth, indem er behauptete, daß ein +bestimmter Gottesgelehrter in seiner Schrift eine gewisse Meinung +hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte er sich und ging in +seine Bibliothek, um das Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst +auf dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich zu sitzen +pflegte. Er ging näher und sah über die rechte Schulter des Sitzenden, +bemerkte auch, daß dieses sein anderes Selbst mit einem Finger der +rechten Hand auf eine Stelle der vor sich liegenden aufgeschlagenen +Bibel wieß, und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein Haus, du +mußt sterben. – Voll von Gedanken ging er zurück und kam mit einigem +Tiefsinn zur Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob man ihm +schon die Sache auszureden, auch alle nachtheilige Bedeutung kraftlos +zu machen bemüht war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung, es +würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten, daher er auch von seinen +Freunden Abschied nahm. Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen 6 +Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen Alter. – + +Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die, wenn sie auf diese oder jene +Art angegriffen werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes +geschieht, das Bild eines Gegenstandes, der außer uns nicht wesentlich +da ist, in uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen Gehirn +also beschaffen ist, einige Schritte von sich ein Phantom zu erblicken +glaubt. + +Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel wegen einer +Leichenpredigt aufgeschlagen und sich jene Stelle lebhaft eingeprägt, +die er aber nachher wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem Alter +war. Da er nun, wie Andere in ähnlichen Fällen, eine Vision seiner +selbst erhielt, so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten jene +Stelle wieder einfiel und auch diejenige Stellung wieder darstellte, +in der er sonst, wenn er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz +vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle Leute von schwachem +Gesichte es häufig thun, die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße +Lebhaftigkeit und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den wichtigen Inhalt +dieser biblischen Stelle mußte nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung +des Nervengeistes, die der Stärke der Vorstellung entsprach und gemäß +war, zum Begleiter haben, so wie die vergesellschaftete Idee von seinem +ehemaligen Sitzen und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften +Einbildung, sich seiner Seele in einem großen Lichte darstellte, womit +ebenfalls derjenige Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in den +Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu sein pflegt, wenn man außer +sich ein Weisen mit dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket. Becker +war nun in banger Erwartung; Furcht und Angst ergriffen ihn, und sein +alter schwächlicher Körper wurde zerrüttet. + + + + +=Vom Doppelsehen.= + + +Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen, Heiraten, Begräbnisse, +Streitigkeiten, Schlachten u. s. w. sehen. Auch sollen sie Geister +sehen können. Diese Art Menschen müssen also nebst dem ordentlichen +Gesicht noch ein außerordentliches Nachgesicht haben, und solche +Doppelseher soll es besonders in Schottland gegeben haben. + +Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was geschehen wird: z. B. einen +Mann ohne Kopf, welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie einen +Menschen mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, so bedeutet es dessen +unverhofften Tod. Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie einen +Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese Doppelseher, wenn die Sache +wichtig ist, schwitzen, zittern und schreien; andere Zeit lachen sie +wieder. + +»Aber,« bemerkt der Autor, =Joh. Beaumont=, in seinem +historisch-psychologisch- und theologischen Traktat von Geistern, +Hexereien u. s. w. – »die Personen, welche diese Gabe besitzen, sind, +wie man angemerkt, mehrentheils =lasterhaft=.« – Ueberhaupt sind die +Doppelseher leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals Betrüger. – + +Die =Pferde= und =Hunde= sollen auch die wandelnden Geister, Hexen und +Gespenster sehen und – riechen. – + +=Beaumont= erzählt folgende zwei Geschichten von Doppelsehern: + +Eine Person von großer Gelehrsamkeit und vornehmen Stande reis’te einst +mit vielen Dienern auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von ihnen +ging etwas voraus, und indem er in ein Haus treten wollte, prallte er +mit einem Schrei und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über einen +Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was es gäbe? Da entgegnete er mit +ernstem Gesicht: Man solle nicht in das Haus gehen, weil in kurzem +ein Todter herausgetragen werden würde, denn verschiedene Personen, +die solchen trugen, wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr lachte +über diese Geisterseherei und ging in das Haus, erkundigte sich aber +doch, ob eine kranke Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war +keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder Highländer. Aber nichts +destoweniger starb er am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende +das Haus verlassen hatte. + +Die zweite Geschichte ist folgende: + +Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen Familie befanden, +erzählten dem Autor, daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei +Mannspersonen zur linken Hand stehen gesehen hätten. Sie nannten die +Herren und zweifelten nicht, da diese gleichen Standes wären, die +Tochter werde einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht den andern +nach des Ersten Tode. Endlich erschien noch ein Dritter, der der +Tochter am nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht, ob sie +ihn schon genau beschreiben konnten. Nach einigen Monaten erschien der +Dritte in wirklicher Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher +übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf die Tochter, und beide +leben auf der Insel Skye (nämlich im 16. Jahrhundert). + + + + +=Der Poltergeist.= + + +Manches Gespenster-Blendwerk würde sich in der wahren Gestalt zeigen, +wenn ein unerschrockener Muth, dasselbe genau zu untersuchen, sich +demselben näherte. + +In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit von Breteuil, bemerkte man +ein oft wiederholtes Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob das +ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich ein schreckenvolles Geheul +hören ließ. Doch ereignete sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu +bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den Tag Aller-Heiligen. +Diese Beunruhigung erregte eine solche zaghafte Furcht, welche +verursachte, daß Niemand den Muth hatte, diesen Ort zu bewohnen, bis +auf den Pachter, der so glücklich war, von diesem Geiste nicht im +Geringsten beleidigt zu werden, dahingegen Fremde, die dreist genug +waren, daselbst zu schlafen, mit Schlägen so empfangen wurden, daß +man die Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen konnte. Dieses +Geisterspiel dauerte verschiedene Jahre, und that dem Besitzer, einem +Präsidenten, beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter sein Landgut +um einen sehr geringen Pacht überlassen mußte. Endlich bot er alle +seine Kräfte auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür er die +Sache mit vollem Rechte hielt, ein Ende zu machen. Daher reiste er um +diejenige Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist geschäftig +zu beweisen pflegte. Er legte sich in seinem Schlosse zu Bette, und +gesellte neben sich noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die den +ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten Lärm mit Pistolen auf +den Geist Feuer zu geben. Allein nur in einer Kammer, die über des +Präsidenten seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse und Lärmen, das +dem Herumschleppen mit Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die +Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten und beunruhigten +ihn mit eifrigen Bitten, er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen, +weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge. Ihre Erzählungen +und ihre Bitten bewog die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen, sich +nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere Untersuchung ihnen +zu überlassen. Sie gingen auch Beide hinauf, mit der Pistole in der +einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs sahen sie nichts, als +einen dicken Rauch, nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis +nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist in der Mitte sich in ganz +schwarzer Gestalt darstellte und allerhand Sprünge machte, doch aber, +wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und Dampfes, sich gar bald +den Augen der Zuschauer wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer +der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf dem Kopfe und einen +Abscheu erregenden Schweif, so daß auch der eine Edelmann zur Retirade +anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden sei; der andere war +jedoch beherzter und erwiederte, der Rauch sei von Stückpulver, und +die große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes erhelle +schon daraus, daß er nicht einmal die Kühnheit und Macht habe, die +Lichter auszublasen. Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte +auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges los, mußte aber dennoch +mit einiger Verwunderung wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung blieb +und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn setzte, wodurch der Edelmann +beinahe aus seiner Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich +und ging dem Gespenste näher auf den Leib, um durch den Sinn des +Gefühls mehreren Aufschluß in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da +er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und Berühren auszuweichen +suchte. Da er nun zu nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus und +eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann leicht denken, daß diese +Flucht des Edelmannes Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden Siege +Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem Feinde nachsetzte, und der +mannichfaltigen krummen Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst +durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor, bis der Geist an einen +Maierhof kam, den er offen fand und darin seine Zuflucht suchte. Doch +stürzte er erst gegen die Mauer, wo der Edelmann selbigen zu erhaschen +glaubte, obschon vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend +nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute herbei, die an dem Orte, wo +das Gespenst verschwunden zu sein schien, nachgraben mußten, wo er dann +bald eine Thür zu einem verborgenen Gange gewahrte. Er stieg hinunter +und fand seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten, daß man +nicht hart fallen konnte, wenn man übereilt hineinsprang. Nun jagte er +das Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit heraus zu gehen. +Und siehe, es war der Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die +gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse wirkungs- und kraftlos +machte. Er wurde hierauf mit der Bedingung entlassen, daß er seinem +Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte. + + * * * * * + +Herr _Dr._ Jung tischt uns noch eine andere Geschichte eines +=Poltergeistes= auf, wobei er, wie in seinem ganzen Werke, als +=eifriger Vertheidiger= der Geister-Erscheinungen, Erklärungen giebt, +welche dem gesunden Menschenverstand das Grab bauen müssen. + +Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen, sagt er, die das ernste +göttliche Gericht auf lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen +zum warnenden Beispiel, auf der Grenze zwischen dieser und jener Welt +zu verweilen, bis ihr ewiges Schicksal entschieden ist (_sic!_). + +Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger und Handwerksmeister +in einer Stadt schrieb mir vor ein Paar Jahren eine merkwürdige +Geister-Erscheinung, die einem seiner Freunde begegnet, aber mit der +es noch nicht ganz im Klaren ist, weswegen ich sie auch hier nicht ganz +erzählen mag. – + +Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem Brief einer Geschichte, +die er selbst erlebt hat; ich bat ihn, mir diese ausführlich +mitzutheilen; hier folgt sie mit seinen eigenen Worten: + +Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem lieben unvergeßlichen Meister +*** in *** in Arbeit, allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen zubrachte, +ehe ich mich in die Schweiz, und zwar nach Basel in Arbeit begab. Da +ich nun von Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen schwachen +Spuren) gesehen hatte, so war ich Tag und Nacht nicht furchtsam, +sondern jederzeit und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken. Da +geschah es nun öfters spät in der Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer +etwas zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch jedesmal im +Finstern, für mich und meine Nebengesellen, gern verrichtete, und ich +kann wohl sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch aber schon +gehört hatte; das schrieb ich denn, weil ich von nichts wußte und +von nichts wissen wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien, +den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so mögen ungefähr fünf Wochen +verflossen gewesen sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne ein +Licht mitgenommen zu haben, von meiner Schlafkammer wieder herunter in +die Stube kam, daß unsere damalige Magd D.... von St.... zu lächeln +anfing, und dabei sagte: der L.... fürchtet sich doch nicht; geht doch +einmal kecklich auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es wird ihm +anders kommen, wenn ihm einmal unser Sackträger begegnet, oder sich +recht hören läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich weiter +nichts; übrigens ging mir doch ein großes Licht über die Furcht auf, +die man für den Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies nämlich +niemand einzeln, geschweige ohne Licht, außer mir, wagte. Daher merkte +ich bald, daß man da ein Gespenst ahnen müsse. + +Nun war aber meine Spannung, =so etwas= auch zu sehen, oder von der +Art, gründlich zu hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer +lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache erfahren hatte. Nun waren +die Osterfeiertage vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus, +daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und wirklich geschah es +auch; denn als ich einmal mit meinen Nebengesellen des Nachts in die +Schlafkammer ging, so fing es über derselben, also auf dem vierten +Boden (denn unsere Kammer war drei, und dieser Boden vier Treppen +hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von jeher die meisten Unruhen +gespürt worden waren, ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen, +gerade so, als wenn einer ganz matt und mühsam in alten Pantoffeln +einherschleicht, und in der Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während +diesem waren alle drei Gesellen im Bett, und mein Schlafkammerad +schlüpfte indessen so unter die Decke hinunter, daß nichts von ihm +bemerkt werden konnte, ich aber behorchte die Sache genau und athmete +kaum hörbar. Da sich nun das Geschlürfe von hinten her bis über +unsere Bettstellen gezogen hatte, so that es auf einmal einen so +fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere Bettstellen zitterten. +Es war just ein Fall, als wenn einer, von der Last gedrückt, einen +schweren Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen. Ich muß +gestehen, daß ich noch nie einen solchen schauerlich dumpfen Fall +gehört habe; unterdessen dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang +fort, ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein Nebengeselle, der +unter der Decke steckte, an, und sagte ganz leise: Du wirst verstehen, +warum wir Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete ich laut, den +will ich aber auch sehen, ehe ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht! +sei doch still, Du machst uns alle noch unglücklich! Ich lachte, und +war gerade im Begriff, aus dem Bette und hinauf zu steigen, aber er +hielt mich und bat um alles willen, doch stille zu sein und bei ihm zu +bleiben. Dies that ich ungern, doch nahm ich mir vor, es zu thun, wenn +alle schlafen würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich schliefen +wir ein. + +Des andern Morgens erzählten wir unserm Meister, was sich die Nacht +zugetragen und was ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte es +ohne Verwunderung an, und sagte mit einem besondern Nachdruck, der +ihm ganz eigen war: Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind +in unserm Hause nichts Neues, und waren einst die Ursache, daß es +mein Großvater kaufen konnte. Er war aus M... in H... und auf der +Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann einige Jahre zubrachte, ehe +er sich entschloß, hier zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der +damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann, war deswegen ausgezogen, +und gesonnen, es dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater, +ein religiöser und unerschrockener Mann, benutzte diesen Umstand und +ging hin, es zu kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel, daß +er es selbst besehen konnte; aber er selbst ging nicht mit, sondern +überließ es ihm sogleich käuflich um einen sehr geringen Preis und +erzählte ihm, warum das Haus so ins Unglück gekommen und was ihm von +den Vorfahren her gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert +Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von denen einer noch diese Stunde +im Hause umherschwebe und des Nachts, besonders auf jenem Boden, die +Menschen beunruhige. Die Ursache, warum? habe bisher Niemand erfahren +können; aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters könne er in dem +Hause selbst, so wie auch an den daran gebauten, wahrnehmen, z. B. +Klostergemälde, Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren; und wenn er +hinter dem Ofen in der mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die +Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle erst diese Stube gemacht +worden sein. (Dies alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie Ihr +selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen hinderten meinen Großvater +nicht; er zog ein und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von ihm, daß +sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und ein solcher Fall im Hause habe +hören lassen, aber so öfters und so heftig sei es damals nicht gewesen, +auch habe er und die Seinigen nie etwas zu Gesicht bekommen, und schon +damals war dem Unruhmacher der Name =Sackträger= gegeben worden. Unter +diesen Umständen starb mein guter Großvater, und mein seliger Vater +bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas lauter. + +Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens ***, das untere Stock zur +Wohnung. Da dieser nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem Ofen +stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte, hörte er endlich das +schmale Gänglein herauf, das von der großen steinernen Kellertreppe in +den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein leises Schlürfen, das ihm +die nahe Ankunft eines lebenden Wesens verkündete und auch wirklich +nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen, mit einer Kutte +und einer ziemlich schwarzen Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen +ihn herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu bleiben und etwa sein +Begehren anzuhören, erschrak so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh, +alles verschloß und verriegelte, sein Brod im Ofen stecken und, weil +er vor hellem Tage nicht heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ. +Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause. Hernach hat ihn in eben +dieser Gestalt auch unser, auf diesem Boden wohnender Hausherr, der +Weber gesehen, gerade als er die Steige des dritten Bodens auf den +vierten hinaufschlich. Auch liegen des Webers Gesellen, die neben Eurer +Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen Beunruhigungen willen, +nicht mehr droben, sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch so +ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer steht auch leer bis diesen Tag. +Dieses ist es, sagte mein guter Meister, was ich von diesem Umstand +zu reden weiß. Das war mir aber einstweilen schon genug, ich kannte +ihn, daß er mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt war, +sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen wäre, lieber nichts +daraus gemacht hätte. Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich nun +auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er nur nicht frech, wir wollen Ihm +gewarnt haben. Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis ich +wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören, allein es geschah +nicht alle Nacht, sondern sehr unbestimmt. + +Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines lieben Meisters seliger +Bruder, ein Zeugmacher, der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank, +und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger ließ sich der +Geist oben auf der Bühne hören, so daß ich über dem Anhören dieser +übernatürlichen Bewegungen, Tönen und Fallen manche Stunde schlaflos +zubrachte[28]. Dies sagten wir dann unserm Meister, dem ging es diesmal +mehr zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte, besonders +aber, als vollends mein Nebengesell, der Schaden an seiner Gesundheit +angab, gehen wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich konnte, +und er blieb dann auch wirklich bis folgende Weihnachten. Aber die +Krankheit des lieben seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben +an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende und ging ein zu seines +Herrn Freude. Ich war bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind und +bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle tragen in die dritte +Kammer von der Stube abwärts, wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe +dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen entzogen wurde. Des +Abends, da ich vorher manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit meinem +Nebengesellen zu Bette; aber was geschah? Jetzt ließ sich der Geist +auf eine solche Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn ich daran +denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt, so fing es wieder an, +von hinten schwer und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei +Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die Decke, allein diesmal +nützte es nichts, denn diesen Vorgang hörten alle, weil es gleich +darauf einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that, daß wieder +alles zusammen zitterte. Ich behorchte es genau, und hörte, daß es nun +eine Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s, als sich nach +derselben ein Mark und Bein durchdringender hohler Seufzer hören ließ; +diesen zu beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten, daß +kein Mensch und keine Kreatur einen solchen kläglichen, trauer- und +schauerlichen Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen, war +es, wie wenn ein schwer Gefallener sich wieder allmälig aufzuraffen +suchte und doch nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff des +Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht und eine Pause wieder +ohnmächtig da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern und dann +wieder auszuglitschen, und darunter hinein die fürchterlichsten Seufzer +hören zu lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören, und das +Nämliche ließ sich auch in der zweiten Nacht hören. + +[28] Der Erzähler vergißt, daß er bei der nächsten Gelegenheit auf dem +Boden gehen wollte. d. H. + +Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften Menschen hätte geschehen +können, denn, wie gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und aus dem +Hause wäre um alles in der Welt Niemand auf den Boden gegangen, und +von außen konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des seligen Mannes +sagten wir unserm Meister nun, was sich in den verflossenen Nächten +ereignet habe. Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er erzählte +die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath *** und dann auch +dem Herrn Hofkaplan ***, besonders aber bezog er sich auf die letzten +Unruhen. Allein diese ließen sich auf die Sache nur in so weit ein, +daß sie den Schluß machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder so +selig in jene Wohnungen übergegangen, es diesem noch unseligen Geiste +sehr schmerzen müsse, daß er auf diese Weise noch hier schweben solle, +das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die außerordentliche Unruhe +über den Heimgang seines seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß er +sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus sei zu schließen, daß +seine Erlösung noch ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem +lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend, weil er auf diese +Art so bald keinen Ausgang hoffen durfte. + +Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden, +des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der +Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er, +gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete +laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem +Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so +sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber +Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich, +daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes +zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas +sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen +Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte +meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten +Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war; +aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter +kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so +sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener +Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch +öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer +mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen. +Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und +seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre. +– Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht; +und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle +that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell +sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich +bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß +ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht +von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w. +aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als +ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich +hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich +stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise +aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute +mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe +und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der +Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich +her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben +auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen +dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in +der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen, +was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden +wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang, +der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so +still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber +während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen +Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde +mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir +fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle +drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht +gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun; +– aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um +mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke +des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr +4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß +alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand +ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich; +ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens; +auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich +können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere, +aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause +mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache +erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem _Esse_ ist, doch sich +nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses _Seculi_, und bei dem +Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w. + +So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige Freund. – + +Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch noch einige Erklärungen +des Herrn _Dr._ Jung hinzufügen. + +»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte er, da auch seine Absicht +recht und gut war, nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die +=Rebenbüschel= auseinander riß und also wahrscheinlich =die Dunsthülle +des Geistes= mit seinen Händen durchwühlte; dies hätte =bösartige= und +=gefährliche Geschwüre verursachen können=, die ihm das Leben gekostet +hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist kein bösartiges, +sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges, schwer leidendes Wesen zu +sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben kann; =folglich= ist auch +seine =Dunsthülle= nicht =entzündet= und =giftig=. Es kann aber auch +sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein grauer Schatten in +den Reißern sich verlor, seine =Hülle verließ und in sein Element +zurückkehrte=.« + +Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr _Dr._ =Jung= frischweg die +obige Erzählung und Geistererscheinungen glaubt; allein eine =solche= +Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte nicht erwartet. + +Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig, daß sich der Geist +zwei Mal in seiner Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht +hoffe er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können, =nahm daher sein +gewöhnliches Kostüm= an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte +er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch so gern gesehen +und mit ihm gesprochen hätte? – Antwort: Weil er sich für diesen +muthigen frommen Menschen =fürchtete=; – vielleicht hatte dieser auch +die =Eigenschaft= nicht, daß er ohne Gefahr auf ihn wirken und sein +Ahnungsorgan entwickeln konnte.« + +Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt über den jetzigen +Unglauben an Geistererscheinungen. Heißt dies nicht die vorige +Dunkelheit wieder hervorrufen? + +Die ganze obige lange Erzählung ist ein Märchen, wie so viele andere, +wo Geister in gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen die +Absicht des Betrügers selten finden. Ein furchtsamer Mensch bleibt in +keinem Hause, wo es spuken soll, und verkauft es lieber unterm Preis. +Alle sogenannten Spukereien entstanden, wenn man =genau= untersuchte, +entweder aus natürlichen Ursachen, oder waren =Betrug=. – _Dr._ Jung +sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem Gesellen, weil er so +muthig gewesen, =gefürchtet=. Dieser, als er noch nichts von dem Geiste +erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen, Ratten und Mäuse; +aber wie er von dem Sackträger hörte, gab ihm seine Einbildungskraft +eine andere Richtung und er hörte mehr. + +Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen zu zergliedern, das jeder +Vernünftige erkennt und in die Spinnstuben und Herbergen gehört. + + + + +=Das Glockengeläute.= + + +_Baxter_ in seinem historischen _Discours_ von Erscheinungen und Hexen +erzählt unter andern Albernheiten auch folgende: + +Bei Herrn =Harlakenden= in Essex, in der Priorie, welches Haus vormals +dem Grafen von Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes +Begräbniß, über welchem eine Kammer war. In dieser schliefen zwei +seiner Diener, der Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher. +Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr der Klang eines +=Glockengeläutes= hören. Da sie nun dieses bekräftigten, legte sich +am Abend der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine Neugierde +zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche +Klang einer großen Glocke=, die geläutet wurde, vernehmen, welches ihn +so in Furcht und Schweiß setzte, daß er seine Diener stieß, welche +erwachend sagten: Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! – Dieses +brachte ihn wieder zu sich selbst, da er sie reden hörte. – Bei einer +besondern Gelegenheit brachte Herr Thomas Shepherd nebst einigen +andern Kirchendienern und frommen Leuten eine Nacht im Gebet daselbst +zu, indem er einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente, um den +Teufel zu vertreiben. Und von dieser Zeit an wurde niemals wiederum +dergleichen Getöse in der Kammer gehört. – Der Herr Urian muß großen +Respekt vor Herrn Shepherd gehabt haben, sogleich abzuziehen. Seltsam +ist es, daß nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer das Geläute +hörten. + +Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte! + + + + +Zwei Gespenster-Geschichten. + + +I. + +Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser +Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort +angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern, +die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit +viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten +Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die +Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen +zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist +auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf +dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter +gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das +Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen, +rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin. +Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch +war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen +konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf +den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich +bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft +heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann. +– »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein +Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die +größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß +uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen. +Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte +nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im +Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!« +versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl. + + +II. + +Der oben erwähnte _Dr._ =Jung= erzählt folgende +Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger +zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen: + +Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes: + + =Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten + Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn + Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem + Tode gemißbraucht werde.= + +Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin _N. N._) nach meiner +Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme, +und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am +2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen +mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur, +gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich +wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir +diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei? +Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben. + +=Ich=: Wie heißest Du? =Antwort=: Nenne mich Immanuel! – Von nun an +erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7, +Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald +schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche +Bewegungen. + +Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem +Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es +denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer +herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch +daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir +sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die +ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen +lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund +von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der *** +zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl. +Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich +geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel +dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er +weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein +Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum =ich= ihn +nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu +bestimmt, so etwas zu sehen. + +Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren, +die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes, +den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß +auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des +Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß +ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen +Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann; +allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den +Kirchhof =illuminirt=. + +So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu: + +1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern +Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach +einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich +Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart +einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir +aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte. +Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau +Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***. + +2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese +Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und =Stubendecke= +hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner +Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr. + +3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt +spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen +Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie +weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich +ausdrücken können, weiß ich nicht. + +Nun erzählt die Frau Pastorin weiter: + +Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags +Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an +meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine +schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet, +einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den +Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind +zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und +jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß +die Klinke weit wegflog. + +Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags +in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte +sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom +schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der +schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf +einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen +Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst +Niemand. So weit die Frau Pastorin. + +Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze +wegen übergehe u. s. w. + + ******* + Pfarrer zu ***** + den 21ten August 1807. + +Herr _Dr._ =Jung= glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern: +Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse +über das Geisterreich giebt; daß es keine leere =Vision= sei, was +die Frau Pfarrerin sieht, =sondern daß sie wirklich Wesen aus dem +Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen +Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf +den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt=. Auch das Wegspringen +der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl, +sind =Beweise= für das =wirkliche Dasein= des unglücklichen Geistes +eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem +Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt. +Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet +hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen +Punkt kommt vieles an: =denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe, +so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre +Richtigkeit=. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste +ihres Erlösers und Seligmachers im =Hades=. – + +Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten +Jahrhundert etwas Tolleres schreiben! + +Wenn kein =Betrug= dabei Statt gefunden haben mag, da so viele +Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit +ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes: + +Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre +Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte. + +Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der +Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man +alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder +plötzlich, und man weiß nicht warum? + +Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren +gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter +geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das +Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch +gestoßen haben. + +Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht! + +In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern! + +So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte +an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der +freilich liegen bleibt. + +Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern =heilige Feste feiern=, +und =Illumination anstellen=, welches Herr _Dr._ Jung glaubt, weil +die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem =Auferstehungskeim= +überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht +über alle menschlichen Begriffe! + +So ist das ganze Buch voll, und Herr _Dr._ =Jung= sagt noch: Es ist +fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren +Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen, +daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben, +sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich +gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank +geworden sind. + +=Geistige Geschwüre= erhält auch der Leser, wenn er durch den +=schwarzen Geist seines Buches= geht!!! + + + + +=Die Necromantisten.= + + +Herr L. =Fischer= erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig +1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte: + +Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie +ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie +versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten +wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und +dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären? +Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu +fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die +gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die +Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise: +wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein. +Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde +den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die +Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf +welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei +Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett +gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen +Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte, +daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten +Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die +Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils +auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte +mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß +im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen +Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen +und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen, +ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang +eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand +sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der +Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den +Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen +Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer +sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch +entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder +zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür, +schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und +fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder +ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm +hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf +den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich +beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er +eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch +18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme: +Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den +Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der +Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge +nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles +gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten +es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es +geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem +grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde +umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb, +bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich, +wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause. +– Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte +alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke +gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil +die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger, +daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner +Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den +Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die +Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er +3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte +Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem +in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal, +dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte +Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr +mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den +Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne, +die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem +Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam +aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten +mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie +verlaufene Barbiergesellen wären. + + + + +Schwedenborg’s Betrügerei. + + +Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772) +seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst +von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon +damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er +ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden +hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß +sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes, +als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth +und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte +Graf F... die Sache. + +Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die +Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen +Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath +und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und +da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht +geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu +fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die +Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen +hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war; +denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin +ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen +wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten +ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in +Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte +des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen +sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte +darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr +gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen +Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und +dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel +zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu +stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde. + +Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr +_Dr._ Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg +glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt. + + + + +=Die Hexe.= + + +=Remigius=[29] in seiner =Dämonolatrie= erzählt folgendes Faktum aus +Inquisitions-Akten: + +[29] Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in +sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe. + +Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus +dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen +Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten +Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter +der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen +sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat +die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung +dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel +war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz. +Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen +in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts +gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer +ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte +die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen =ohne Salz= +aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich +gereicht wurde. + +Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind +Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich +ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem +Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht +einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der +Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod +betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich +zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum +Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt. + +Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt. + +Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu, +und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und +den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr, +da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier +Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen, +gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt. + +Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß +weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren, +sondern blos ihre =Rache= ausübten. + +In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein +Inquisitor in Sicilien, _Ludovico a Parama_, bezeuget. + + + + +=Hexen-Prozeß.= + + +=Frommann= in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt: + +Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte +dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir +auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn +oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften, +oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel +betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns +bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und +gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher +doch Eure Meinung. + +Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns +in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen +rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich +einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige +Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich +über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag +mit Sicherheit zufahren. – + +Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater _pro_ und _contra_ +gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen +schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist +mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft, +Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn +ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben +ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu +zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten +herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget. + +Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem +Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung +und Stillschweigen entgegen setzen. + + + + +=Der Hexenmeister.= + + +_Dr._ =Hauber= in seiner _Biblioth. magic._ XV. St. S. 215 erzählt: + +Ein Mathematikus zu =Aix= in der Provence stellte im Jahr 1664 ein +Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin, +und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen +das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner +Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene, +die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr +deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber +wurde von der Kammer _de la Tournelle_ als ein Zauberer angesehen, und +mit dem Skelete verbrannt! + + + + +=Die gerettete Hexe.= + + +Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich +folgende Anekdote zu: + +Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie =weinen= wollten, wenn +sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen, +den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich +wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere +Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. – +Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein – +Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und +rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war. + + + + +=Die Hexenwage.= + + +Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu =Oudewater= in +Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der +großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers +und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren +es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs +Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin +bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts +Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.« + + + + +=Die Behexte.= + + +In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen +inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von +dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr +wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen, +und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare, +Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette +hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie +in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen +habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und +andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission +ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages +der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum +eine Menge krummer Nadeln =ohne Köpfe= heraus zu nehmen beschäftigt +war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte +öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe +an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man +brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und +diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem +Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an, +und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach +einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn +man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission +bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln +an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar +leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die +Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im +Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der +Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den +Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art +Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien. +Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete +sie: =daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen, +Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen +wollen=! + +Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert? + + + + +Bezauberung des Viehes. + + +Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich +dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich +selbst ausgesogen haben. + +Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres +1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank +zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß +sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich +in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah +mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am +Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die +Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging +noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und +brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte. + +Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen, +daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden, +als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen +auspreßt. + + + + +=Wind machen.= + + +I. + +_=Olaeus Magnus=_ sagt, daß die alten Finnen und Isländer den Schiffern +Wind machen könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich drei Knoten, +mit dem Unterrichte, wenn sie den ersten auflösten, würden sie einen +gelinden Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren, und +wenn sie den dritten löseten, würden sie Sturm haben. + +Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so verändert sich der Wind +sehr, daß also die Lootsen schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie +ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau kennen und lustig rufen: +Seid ruhig, wir haben den Wind ins Schnupftuch geknüpft! + + +II. + +_=Dietmarus Blefkenius=_ in der Beschreibung Islands versichert, als er +aus Island mit einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte ihm +ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei Knoten gebunden, gegeben, +mit der Erinnerung, wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches +Wetter, solle er einen Knoten nach dem andern öffnen. Als sie nun +ungefähr bis zum 20. September gefahren und schon Spanien im Gesichte +hatten, wurde plötzlich Windstille, welche drei Tage anhielt. Da dachte +er an sein Schnupftuch und löste einen Knoten auf, und bald darauf +bekamen sie guten Wind. Da er aber noch etwas schwach ging, löste er +den zweiten und dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in Lissabon +waren. + +Sehr natürlich! denn nach einer Windstille erfolgt jedesmal Wind und +Sturm, und ohne die Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein. + + + + +=Hexenfahrt.= + + +Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte schon viele Hexen verbrennen +lassen, und fing endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas +ausrichten könnten. Er ließ daher einige in eine Stube sperren und +blieb selbst bei ihnen. Sie legten sich auf das Lager und schliefen +ein. Als man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und sagten: Ei, Herr +Amtmann, wie waren wir doch so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s, +daß etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte, wie sie nicht aus +der Stube gekommen wären, entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das +sagen? War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese u. s. w. (Siehe +_Paulus Frisius_ im kurzen Bericht, den ganzen Handel von der Zauberei +belangend, _Cap._ 3) + +Also =Träume= wurden für Wahrheiten ausgegeben. – Diese Tollheit gehört +ins Narrenhaus! Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu sagen, wenn sie +Schaden gethan haben sollten. + + + + +=Der gläubige Prediger.= + + +Die Magd eines Predigers in Thüringen machte jedesmal, wenn sie Brod +säuerte, einige Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses sah, +verbot ihr solche abergläubische Dinge. Als die Magd aber, um ihr +Recht zu behaupten, das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen +hatte, wodurch das Brod unschmackhaft wurde, fragte der Herr sie um die +Ursache, da doch sonst das Brod immer gut gewesen sei. + +Ich habe das Kreuz über den Teig nicht gemacht, antwortete die Magd. – +Sie hatten es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei. + +Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’ künftig so viel Kreuze, als +Du willst, nur gieb mir schmackhaftes Brod. + +Der =Betrug= ließ also den aufgeklärten Geistlichen, wenn auch nicht +daran glauben, doch den Aberglauben geschehen. + + + + +=Frei-Schützenkunst.= + + +Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie Kugeln auf sich ohne +Verletzung schießen lassen, täuschen mit einem Kunststückchen. +Sie verfertigen nämlich Kugeln von dünnem Glas und füllen sie mit +Quecksilber, wodurch sie das Ansehen und die Schwere einer Bleikugel +erhalten. Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr geladen wird, +zerstößt man sie mit dem Ladestocke, wodurch sie ihre Wirkung verliert. +Andere haben noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen sie schnell in +die Pistole stecken und, wenn sie geladen, wieder herausziehen und den +geladenen Lauf in die Tasche praktiziren. + +=J. L. Hartmann= in seinem neuen Teufels-Stücklein (Frankfurt 1678.) +erzählt unter Andern: + +Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge Albrecht zu Sachsen und +überreichte ihm einen Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen, +welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen sollte. + +Da will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen, entgegnete der Herzog, +ließ ihn vor das Thor in das Feld führen, den magischen Knopf an den +Hals hängen, zog sein Schwert und – durchstach den armen Juden. + + + + +=Der Freischütz.= + + +In den »Unterredungen von dem Reiche der Geister, fünfte Unterredung, +Leipzig 1731.« wird Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt. + +Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser Schreiber, Namens Georg Schmidt, +18 Jahre alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser hatte eine +vertrauliche Bekanntschaft mit einem Bergjäger derselben Herrschaft, +welcher nicht allein vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand, +sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen wußte. Der Schreiber +war ein guter Schütze im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer +seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er einst zu dem Jäger, um +sich bei demselben Raths zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu +sein gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den 30sten Juli, am +Abdous-Tage, in der Nacht mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen; +alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen 60 treffen würden, +wohin er zielen würde, drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären, +müßten nothwendig fehlen. + +Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu gewinnen, eingenommen, +konnte kaum die Zeit erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle, Form und +was zu der Arbeit gehört, mit, und begab sich mit einbrechender Nacht +auf einen Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen war. So bald man +daselbst angekommen, machte der Jäger einen weiten Kreis mit seinem +Waidmesser, und setzte gewisse Charaktere rings umher, welche der +Schreiber aber nicht lesen konnte. Nachdem hieß der Jäger Letzteren +in den Kreis treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen. +Darauf befahl er ihm, daß er seine Kohlen und das Gießgeräthe vor sich +hinlegen, und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen 11 und 12 Uhr +mit seinem Gusse fertig sei; denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine +Kugel daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein. Ferner ermahnte +er ihn, sich durch nichts stören zu lassen, was ihm auch zu Gesichte +käme, damit er sich nicht an der Arbeit hindern lasse. + +Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und befohlen, keinen Laut von +sich zu geben, so stellten sie sich Rücken an Rücken und erwarteten +die eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen zu schlagen, +als die Kohlen von selbst zu glühen anfingen. Nun machten sie sich +ans Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen, da kam ein +altes Weib auf sie zu, welches mit hölzernen Kochlöffeln umhangen +war, einen großen Lärm damit machte, und sie fragte, ob sie nichts +von ihrer Waare gebrauchen könnten? – Sie aber fuhren stillschweigend +fort zu gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich hörten +sie das Rollen einiger Wagen, welche auch gerade auf sie zufuhren, +und dann am Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem dieses +Phantom vorüber, erschien ein Trupp Reiter, welcher ebenfalls über +ihnen seinen Weg durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde Heer, +mit Hörner-Klang, großem Geschrei und gehetztem Wilde, nebst Jägern +und Hunden, welches abermals den Weg über ihnen wegnahm. Zuletzt kam +einer auf einem schwarzen Pferde langsam vor den Kreis geritten, und +fragte sie, was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in seiner Gegend +vorgenommen hätten? – Da sie nun gleich mit dem Gießen fertig waren, +so gab der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem Namen 63 Kugeln +gegossen, von welchen drei Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns +geben! – Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm die Gieß-Kelle nebst +den gegossenen Kugeln geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir haben +sie in Deinem Namen gegossen, und weil die Zeit noch nicht um ist, +so bleiben sie unser. – Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas +darauf, welches einen solchen penetranten Geruch von sich gab, daß +Beide ohnmächtig zu Boden sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen. +Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen, wo sich der Jäger, der +solches schon gewohnt war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht +von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf die Kugeln zusammen, +und eilte in das nahe gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete, daß +ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst aber nahm die Flucht durch +das Salzburgsche Gebirge. – + +Als der halbtodte Schreiber in die Stadt gebracht worden war, kam er +in gerichtliche Haft, wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen +Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß eingeleitet. Das +Urtheil brachte ihm das Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner +Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe davon. + +Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen Oper von Weber: »Der +Freischütz;« – dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei, die +mit einem jungen, unerfahrenen Menschen leicht vorgenommen werden kann. +Da die =Nebenumstände= der Geschichte fehlen, so können wir auch den +=Betrug= nicht näher beleuchten. + + + + +=Die Wünschelruthe.= + + +Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem +wohlhabenden Bauernburschen bekannt, und versicherte ihm, daß er durch +sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie gingen hierauf +an einen gewissen Ort, wo der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe +schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in der nächsten Nacht um +12 Uhr der Schatz gehoben werden könnte, wenn sie nur so viel Geld +hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei. – Ich bin arm, sagte +der Bergmann, und diese meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich +durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich geworden bin. Die +unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben +lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler in der Tasche +habe. Merken sie aber, daß ich weniger oder wohl gar nichts bei mir +führe, so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn +schon in Händen zu haben. + +Nun empfing er das verlangte Geld, welches der Bauer sich erspart +hatte, es aber jetzt gern hergab, weil er dadurch mit einem Male reich +zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder an den bestimmten Ort und +fingen um zwölf Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas +hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie +er vorgab, sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit +aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Bauer zu erkennen, +daß kein Ungeweihter zugegen sein dürfte, wenn der Schatz gehoben +würde. Dieser gehorchte zitternd dem Schatzgräber. – Allein der listige +Bergmann schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam nicht wieder; +während der Bauer in ein hitziges Fieber fiel und starb. + + + + +=Die Wahrsagerin.= + + +Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines Städtchens, und die Weiber +weissagten den Leuten daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen zogen +sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes Weib verspätete sich. Sie +fragte daher auf dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor von ihr +hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht wisse, welchen Weg die Zigeuner +genommen hätten. + +Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder giebst, die ich Dir gestern +gegeben habe, so will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd. Du weißt +das nicht einmal, wo die Zigeuner so eben hingegangen sind, und Du +unterstandest Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen zu +wollen! + + + + +=Der Kobold.= + + +In dem Hause eines Predigers spielte eine Magd den Kobold eine Zeit +lang. Es kam ihr zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig war +und der Prediger nicht weit sehen konnte. Einst besuchte ein anderer +Prediger diesen. Die Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ, +wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie Kobolde zu thun pflegen, +mit Steinen. Der fremde Prediger merkte sich die Gegend in der Stube, +woher die Steinchen kamen, und gab Acht auf die Magd, doch so, daß sie +es nicht merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus der Tasche holte +und damit warf. Er bemerkte die geschwinde Handbewegung und den Wurf +des Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und redete sie hart an. Sie +kam bald außer Fassung, gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand +ohne Gespensterbanner. + + + + +=Schatzgräberei.= + + +In der »Monatlichen Unterredung von dem Reiche der Geister« im VI. +Stück, S. 733 ff., wird Folgendes erzählt: + +Zu Prag befand sich neben der alten St. Michaeliskirche in der Altstadt +ein altes Kloster, welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt wurde. +Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr des Abends ein alter Bauer an die +Klosterpforte und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke. Als man ihm +geöffnet und um sein Begehr gefragt, verlangte er den Vorsteher des +Klosters zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer der Zeit war, +und brachte ihn zu dem Vorsteher. Diesem machte er bekannt, daß er mit +ihm in den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier vertraute +Personen mit sich nehmen und, nebst andern nöthigen Werkzeugen zum +Graben, auch einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher, auf +einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute und ging mit dem Bauer in den +Keller. Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen der Vorsteher +nicht gedacht hatte, und klopfte an die Mauer, daß ein Stück nach dem +andern nach und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen gebaute +Thür zeigte. Sogleich legten Alle Hand an und eröffneten die Thür ohne +große Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten, in welchem sie +aber nichts fanden. Der Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben, +wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf verlor er sich aus dem +Gesichte. + +Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen nun an zu graben, stießen +auf etwas Hartes, das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten sie +der Wahrheit des verschwundenen Bauers oder Geistes. Da sie aber den +harten Körper nicht allein aus der Erde bringen konnten, so wurden noch +einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe diese ankamen, sah man eine =große +Schlange= aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen ihnen in +der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne jemand Schaden zuzufügen. Da +die Gehilfen ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten sie einen +=großen zinnernen Kasten=, in Gestalt eines =Sarges=, aus der Erde, +welchen sie sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf gingen sie +wieder hinab, um weiter nachzusuchen, und fanden eine =eiserne Truhe= +mit drei großen Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu dem Sarge +brachten und sich vergnügt zur Ruhe legten. + +Am andern Morgen wurden nun durch einen Schlosser die beiden Kasten +geöffnet. In der Truhe fanden sie =schwarze Kohlen=, im Sarge ein +Todtengerippe, und in der Asche eine güldene Kette und einen güldenen +Ring mit einem Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde in die Moldau +geworfen. + +Die Kohlen waren von den unterirdischen Geistern verwandelt worden, +hieß es. + +Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei? + + + + +Entdeckung der Geisterbeschwörer. + + +Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und besonders in den +Jahren 1819 bis 1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter Kreise, +im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen vor, wodurch die +Betrogenen an den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit +aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber anstellte. Unter +funfzehn Beispielen, von welchen die Criminalakten des Großherzoglich +Weimarischen Criminal-Gerichts zu Weida sprechen und deren +Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor _Dr._ =Bischoff= 1824 +in einem Werkchen »Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert u. +s. w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur einige, und zwar die kürzesten, +zur Warnung ebenfalls mittheilen. + +Die Handelsfrau =Juliana Sophia= D..., geb. B..mann, in Schleiz war in +ihrer frühern Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei S... geäfft +worden. Man hatte nämlich drei Mal nach ihr geworfen; aufgebracht +hierüber, schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte ihr sodann +zugerufen: sie werde noch in ihrem 64sten Jahre hier glücklich sein. +– Dieser Vorfall war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand des +Nachdenkens. + +Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause ihres Nachbars W... ein Schatz +liege, und daß auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen Kriege +viel Geld vergraben worden sei. Durch diese Sage fühlte sie sich in die +Ueberzeugung versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei. + +Der Nachbar W... hatte in der Person des sogenannten Steudel-Müllers +einen Mann gefunden, der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern hatte; +sie sprach mit ihm über den Vorfall auf dem Schweinsberge, und erhielt +das Versprechen, daß ihr zwei Männer zugeführt werden sollten, die +schon große Thaten verrichtet hätten. + +Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er brachte =zwei katholische +Geistliche= in die Wohnung der D... Man beschloß, den =Stammgeist= zu +fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem Schweinsberge läge, und ob er +der D... bestimmt sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe Stelle, wo +man nach der D... geworfen hatte. + +Einer der Geistlichen zog ein Licht aus der Tasche, zündete es an +und steckte es in die Erde. Dann ging er einige Mal um dieses Licht +herum und sprach unverständliche Worte. Kaum hatte er geendet, als +eine =glänzende Gestalt= sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr +vernehmlichen Sprache erzählte: es liege hier an mehreren Orten Geld, +es könne gehoben werden, man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage +das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches 200 Rthlr. koste. Sei +der Schatz glücklich gehoben, so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige +katholische Kapelle bezahlt werden. + +Darauf betete der Geist einen Psalm und verschwand. Dann vernahm man im +Holze ein solches Heulen und Wehklagen, daß die D... nicht wußte, was +sie in der Angst ihres Herzens beginnen sollte. + +Man trat den Rückweg an, und da erfuhr dann die D... von den +Geistlichen, daß die Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien, welche +sich grämten und ärgerten, daß die Schätze verrathen worden wären. + +Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur Beischaffung des siebenten Buch +Mosis, und der Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden 100 Rthlr. +dazu zu legen. – Leider haben aber die Geistlichen das Buch nicht +gebracht, und die D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben! + +Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren sechs Personen, nämlich: + + 1) der Steudel-Müller, + 2) ein Sattler, } + 3) ein Schlosser, } aus Auma, + 4) ein Scribent, } + 5) ein Weib, } + 6) ein Landstreicher, Namens Klopfer. + +Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen vor. Bei der +Beschwörung richteten indeß die im Gebüsch versteckten, der Sattler und +der Scribent, die Geistermaschine[30] vor, welche das Weib regierte und +die Fragen beantwortete, alsdann mit den Beiden das Wehklagen erhob +und sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler theilten natürlich +die Betrüger unter sich, und unterließen weitere Versuche, weil die +D... wenig Vermögen hatte. + +[30] Sie ist eine Art Sack aus grober Leinwand, welche schwarz gefärbt +ist. Vorn darauf ist eine magische Figur gemalt; der Sack hat oben und +unten Reife, und inwendig brennen einige Lichter, welche die Figur +erleuchten, und ein magisches Licht über den Kreis verbreiten. Werden +die Lichter ausgelöscht, so ist die Figur verschwunden. + + + + +=Ein zweites Beispiel.= + + +Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen arbeitete gegen Johannis 1802 +auf seinen Feldern, als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und ihm +einen Brief überreichte. H... erbrach das Siegel, las und staunte. Es +wurde ihm von den Obern eines genannten Klosters gemeldet: »Daß in +einem seiner Holzgrundstücke ein großer Schatz liege; daß ein Mönch +abgesendet worden sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem H..., +die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.« + +Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so erklärte der Ueberbringer: Der +Mönch sei schon unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen und ihm +sein Holzgrundstück zeigen. + +Die nahe Aussicht auf ein unerwartetes Glück machte einen so tiefen +Eindruck auf H..., daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen Acker +verließ und schnellen Schrittes auf dem Wege forteilte, den, nach der +Angabe des Alten, der Mönch eingeschlagen hatte. + +Er traf den Wundermann, führte ihn in das bezeichnete Holzgrundstück, +wo auch der keuchende Alte eintrat. + +Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo der Schatz vergraben lag, +und forderte den H... auf, ein =Nösel Schnaps= zu holen, womit die +Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine Wohnung, brachte das +geistige Erweichungsmittel und mußte sich nun abermals entfernen. + +Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung, und es dauerte nicht lange, +als auch der Mönch dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz +gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte, betraten der Mönch, der +alte Mann und H... den Weg nach dem Holzgrundstücke. + +Dort angelangt, zog der Mönch den magischen Kreis und sprach +unverständliche Worte. Es entstand ein =Geräusch=, veranlaßt durch +böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und nun erschien eine =weiße +Gestalt= am Kreise, die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem +Beschwörer zu sprechen. + +»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe aus 80,000 Rthlr., aus +einer großen silbernen Monstranz und aus den zwölf Aposteln, massiv von +Silber und in Lebensgröße. Er könne sehr leicht gehoben werden, wenn +der Beschwörer den Zwang der Erde herbeigeschafft haben werde.« + +Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu bekommen sei? und erhielt die +Antwort: »Morgen Mittag kommt eine Person in das Rathhaus zu O...feld, +welche das Buch besitzt.« + +Der Geist wurde nun wieder abgedankt und der Rückweg in H...s Wohnung +angetreten. Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn das Kloster +nicht mit Geld versehen habe, obgleich es hätte wissen können, daß ohne +Instrument kein Schatz zu heben sei. + +H... meinte jedoch, das habe gar nichts zu bedeuten, er sei schon im +Stande, Geld zu schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen, +welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition überlassen wolle. Der +Mönch dankte für das gefällige Anerbieten und forderte den H... auf, +morgen selbst mit nach O...feld zu gehen und auf jeden Fall die 200 +Laubthaler mitzunehmen. + +Das geschah. Man traf im Rathhause zu O...feld den beschriebenen Mann. +Der Mönch ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte ihn aber zur +Herausgabe des Buches nicht bewegen. + +Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche und ging; worüber H... ganz +trostlos war, und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen. + +Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt, nochmals bearbeitet und +endlich auch, nachdem H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu +Herausgabe des Buches vermocht, welches H... in Empfang nahm. + +Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde, der ältliche Mann wurde +durch Kopfweh genöthigt, nach O...feld zurück zu gehen, um sich in +dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und nur der Mönch allein +begleitete den H... nach Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch +in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu verrichten, aber H... hat +weder ihn, noch seinen Kameraden jemals wieder gesehen. – + +An dieser Betrügerei hatten vier Personen Theil genommen. Sie hatten +nämlich erfahren, daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten +sich daher, ihm einen Betrug zu spielen. Der Eine brachte den Brief, +der Andere gab sich für einen Jesuiten aus, und =trank= den Branntwein, +den er zur Erweichung der Erde bestimmte; ein Dritter spielte den +Geist, und der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das er in einer +Auktion für einen Groschen erhalten hatte, für 200 Laubthaler, welche +die Betrüger unter sich verteilten. + + + + +=Fragmente= + + über + politisch-religiöse Sekten und Mystiker. + + + + +Ueber Sekten überhaupt. + + +Das Wort =Sekten= bezeichnet den Inbegriff von Personen, welche +einer und derselben Lehre und gleichen Grundsätzen zugethan sind. +Es giebt politische, philosophische und religiöse Sekten, aber auch +politisch-religiöse. + +Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen und Ecstasen +gegründet, und beschäftigen sich mit Uebungen, denen oft die +Ueberspannung der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne eine bald +mehr, bald weniger merkliche Richtung zu der Ungebundenheit giebt. +Mehrere dieser Sekten wurden sogar von =Weibern= gestiftet. + +Heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime +Ordenskünste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht und +durch Vorspiegelung verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei, +Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime Schrift und Wissenschaft +der indischen und ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen +– der große Bund der Pythagoräer, der aber schon in dem Sinne früher +bestanden hatte – Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie +für die Eingeweihten gegen die willkührliche Alleinherrschaft und die +Herrschaft des Volkes entgegen zu setzen gesucht. + +Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen Orden und Wissenschaften +mehrere; die Namen der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc. sind +bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus spukt noch allenthalben. + + + + +=Jesuiten.= + + +Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus, Aufklärung, Philosophie und +Irreligion, Wissenschaften und böotische Dummheit finden wir in der +Hand des =Jesuitismus=, der durch alle Länder und Völker hindurch +läuft, im Finstern schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer +Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem ausführt, +das nur der menschliche Geist erfinden kann. + +Und dieser Orden existirt? + +Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder restaurirt. + +Ist er nicht auszurotten? + +Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines Stammbaumes sind nicht zu +finden. Nur ein Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre ein +immerwährender Kampf gegen ihn! + + + + +=Illuminaten.= + + +Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste durch eine Bulle aufgehoben +worden waren, und derjenige, welcher sie wieder herstellen würde, +darin =verflucht= wurde, trat plötzlich eine Sekte auf, welcher man +schreckliche Grundsätze schuld gab und die sich gegen die verborgenen +Jesuiten verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten sich +=Illuminaten=, oder =Erleuchtete=. Unter andern sollen sie gelehrt +haben: der Selbstmord sei eine himmlische Wollust; des Ordens Wachsthum +sei aus Gott, Vaterland und Gewissen; der Zweck heilige die Mittel; +das Beste des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung, Todtschlag, +Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion, kurz alles, was die Jesuiten gelehrt +haben sollten. Man spürte diesen Orden schon in mehreren Landen, wußte +aber seinen Hauptsitz nicht. In Baiern schien man mehr Spuren von ihm +zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied zu entdecken und zu +erkennen, bis die Jesuiten ihn verriethen und der Baierschen Regierung +im Jahr 1785 anzeigten. + +Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind der Jesuiten und hegte +neotorische Grundsätze, daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er +nannte seine Zuhörer zuerst =Erleuchtete=, =Illuminaten=. Bald darauf +sandte er einen Anhänger Namens =Zwakh= nach Augsburg, um das Geheimniß +der Freimaurer zu erhalten, welches auch geschah; allein er erfuhr +auch, daß die Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten. Hierauf +ließ er durch den Marquis =de Constarza= den Freiherrn =von Knigge= zum +Beistand einladen, der auch erschien und die Illuminaten zu Freimaurer +rektifizirte. Er ging aber bald wieder ab. + +Der =erste= Grad dieses Ordens waren die =Minervaten=; sie bildeten das +Noviziat, kannten Niemand und studirten fort. + +Im =zweiten= Grade hießen die Mitglieder =Freimaurer=, wo man auch +nicht viel erfuhr, als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde. Die +=Unbrauchbaren= blieben hier stehen! + +Im =dritten= Grade erschienen die =kleinen Illuminaten=; hierzu wurden +die Tauglichen genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades und einen +einzigen Obern. + +Im =vierten= Grade waren die =großen Illuminaten=. Sie hatten einige +des ersten, zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht. + +Im =fünften= Grade waren die =dirigirenden Illuminaten= oder =Regenten=. + +Alle Mitglieder kannten die Obern nicht; letztere hießen daher auch +die =Verschwundenen=. Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber +nicht kannte, schrieb man: _quibus licet_, wenn man wollte, daß die +Provinzenräthe ihn erhalten sollten; an die Provinzialen schrieb man: +_Soli_, an den General _Primo_. Den Brief übergab jedes Ordensglied, +er mochte _quibus licet_, _Soli_ oder _Primo_ gehören, seinem +ihm bekannten Mitgliede, dieser dem nächsten, und so gingen alle +Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise hinauf, und die +Antworten und Befehle wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte, +aus welcher Hand dieses alles kam. + + + + +=Die Rosenkreuzer= + + +wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bekannt. Ihr +angeblicher Stifter hieß =Christian Rosenkreuz=; er hatte lange +Zeit in den Pyramiden von Aegypten und im Orient gelebt, und dort +göttliche Weisheit und Kunst erlernt, und dies sei schon im vierzehnten +Jahrhundert geschehen. Der Zweck dieses geheimen Bundes war angeblich +eine allgemeine Verbesserung der Kirche, so wie Gründung einer +dauernden Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen. Allein man wollte +den =Stein der Weisen= suchen, und ihre =Charlatane= und =Adepten= +spukten lange in der Welt herum, bis sie in der letzten Hälfte des +vorigen Jahrhunderts mit Cagliostro und Schröpfer verloschen. + + + + +=Schröpfer,= + + +welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leipzig lebte und +großes Aufsehen durch seine Charlatanerie machte, war nichts als ein +Betrüger. Er wollte den soliden Freimaurer-Orden reformiren, wurde aber +dafür auf die Finger geklopft. Allein als =Geister-Beschwörer= errang +er ein Ansehen bei Hohen und Niedern, und erwarb sich durch seine +=optischen Zauberspiegel= und =Zauberlaternen=, durch narkotisches +Räucherwerk und berauschende Getränke den Glauben seiner Jünger und +Gönner und ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im Jahr 1774 aus +Verzweiflung, da wahrscheinlich ein Plan einer geheimen Parthei nicht +ausgeführt werden konnte. + + + + +=Cagliostro= + + +oder eigentlich _Giuseppe Balsamo_, in Palermo 1743 geboren, war +anfangs in dem Orden der barmherzigen Brüder und widmete sich der +Arzneiwissenschaft, wurde aber wegen Ausschweifungen aus dem Orden +wieder gestoßen. Um sich zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit +=Zauberkünsten= und =Schatzgräberei= zu täuschen. Bald darauf fand er +in Calabrien ein schönes Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand +bieten mußte, und er trat nun öffentlich als =Graf Cagliostro= auf. So +durchflog er Spanien, Portugal, Frankreich, England, und erwarb sich +durch seine Betrügereien und durch seine verschmitzte Frau ansehnliche +Summen. Er verkaufte =Schönheitswasser= für alte und häßliche Frauen, +und =Lebenstinkturen=, und seine Frau ihre – Tugend. Als aber +dieser Handel zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer neuen +Sekte werden, wurde deshalb in London Freimaurer, und erschien als +=Wunderthäter=, =Magier=, und =kurirte Kranke unentgeltlich=. Auf diese +Weise durchzog er wieder verschiedene Länder, war in Curland, dann in +Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen Halsbandgeschichte in +die Bastille kam. Daraus wieder entlassen, floh er nach London, von +da in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789 wegen Freimaurerei +und Ketzerei in die Engelsburg gesetzt und zuletzt zu einer +lebenslänglichen Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse +starb. + + + + +Die Seherin von Prevorst, + + +eigentlich =Friederike Hauffe= [geboren 1801 im Dorfe Prevorst bei +Löwenstein im Würtembergischen], hat großes Aufsehen erregt und +bedeutende Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit soll sich bei +ihr das Ahnungsvermögen entwickelt und durch Träume kund gethan +haben; die =Haselruthe= schlug ihr auf Wasser und Metalle an. [Hier +muß der vernünftige Mann schon stutzen und die kommende Erzählung +mitleidig-lächelnd erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff sie oft ein +Wehegefühl und Frieren, und dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo +Gräber waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich an gewissen +Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen! Den ersten Geist sah sie in +der Mitternacht im eignen großväterlichen Hause. [Da haben wir also die +Geisterseherin schon als Kind; mit ihm werden wohl auch die Geister +in dem zerrütteten Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre verheiratete +sie sich, versank aber bald in eine unerklärliche Schwermuth, weinte +Tage lang unter dem Dache des älterlichen Hauses und schlief, fünf +Wochen lang, nie mehr. [_sic!_] Am Tage ihrer Verheiratung war das +Leichenbegängnis des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld. +Auf seinem Grabe wurde es ihr auf Einmal ganz leicht und hell, und in +ihrem Innern ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar 1822 träumte +ihr in der Nacht, als sollte sie sich zu Bette legen; aber da lag schon +in demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach laut, weshalb ihr +Mann sie weckte. Am andern Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn +Tage lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald darauf brachen +heftige Brustkrämpfe aus, welche später abwechselnd mit Blutflüssen +und Kindbettfieber sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war nun so +gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen hin Alles fühlte und +hörte. [Das passirt Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um diese +Zeit fühlte sie, daß sie =sieben= Tage lang jeden Abend um =sieben= +Uhr ein =nur von ihr= gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie +ihre Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen Leser!] +Durch dieses geistige Magnetisiren in noch tieferen Schlaf gefallen, +gab sie an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten sei. So wurde +sie im Juni 1824 einer geregelten magnetischen Behandlung unterworfen. +Ahnungsvolle Träume, Divinationen, Voraussehen in Glas- und +Krystallspiegeln sprachen von ihrem aufgeregten Leben, so daß sie z. +B. in einem Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand, Personen, die +erst nach einer halben Stunde das Zimmer betraten, schon im Voraus sah. +[Also auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte Behandlung +so wohlthätig auf sie, daß sie ihre weiblichen Geschäfte wieder +verrichten konnte und zuletzt blos alle =sieben= Wochen magnetisirt +wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo sie künstlich entbunden werden +mußte, verfiel sie wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen +aller Art, und es stellte sich ein verstärkter magnetischer Zustand +aufs Neue ein. Der Schlaf blieb aus, sie weinte die Nächte durch, +hatte Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer abgezehrter und +elender. Wenn in dieser Periode ein Freund, der oft um sie war, sie +mit dem Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen berührte, sagte +sie dem _Dr._ =Kerner= jedesmal einen Spruch, der auf ihn und seinen +Seelenzustand Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken, diese Krankheit +sei durch =dämonische Einflüsse= erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem +als =Teufelsbanner= in Ruf stehenden Manne. [Dies ist also wirklich in +unserm neunzehnten Jahrhunderte geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein +grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze herumgedreht wurde, dann in +Schlaf verfiel, in welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf Einmal +eine, Allen fremde Sprache redete, die sie ihre innere nannte. [Warum +hat man nicht eine =Grammatik=, oder wenigstens einen =Wegweiser= +herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache erlernen!] Ein +Amulet, das jener Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben, +sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken vor mehreren Anwesenden +über ihre Brust und Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß +man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir glauben, daß über das laufende +Amulet die Kinder lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer +den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder giebt.] Endlich zog +man den _Dr._ =Kerner= zu Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das +Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben hat: »Die Seherin von +Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das +Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.« 2 Thle. Stuttgart 1832. + +Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde ein wahres Marterbild, für +welches der Tod eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten brachten +sie endlich, fast gegen den Willen des Arztes, nach Weinsberg, wo sie +den 25. Novbr. 1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam. Der Arzt +erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht mehr auf das, was sie im Schlafe +spreche, Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches Verfahren +homöopathischer Art fort; allein es war zu spät, und er mußte wieder +zum Magnetismus seine Zuflucht nehmen. – + +Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser kranken Frau anführen; wer +noch mehr davon wissen will, lese das oben angeführte Werk. + +Sie hatte beinahe keine organische Kraft mehr und lebte, wie sie +selbst sagte, nur von dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so war +der Geist der Metalle, der Pflanzen, der Menschen und der Thiere ihr +fühlbar und wirkte auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr stets +Kopfschmerz. Bei einem Gewitter =fühlte sie die Blitze immer früher, +als Andere sie sahen, und zwar im Unterleibe=. [Sollte das nicht +vielleicht statt =Blitze= – =Gewitter= heißen?] Aus der Luft, sagte +sie, komme ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte ein Fenster +bei Tage und bei Nacht, selbst in der strengsten Winterkälte, geöffnet +bleiben; auch behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen +sich die Geister bedienen, um sich hörbar und sichtbar zu machen [Nun +wissen also die Leser, daß man Geister =sehen= kann]; sie hüllen sich +in einen =Stoff=, der sich in der Luft befindet, ein. [Dieses ist sehr +fein gegeben, aber der Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen +vorbereitet.] Je höher man sie brachte, desto magnetischer wurde sie. +So oft sie in das =rechte= Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in +demselben hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde immer noch ein +Bild, das aber weder dem Andern, noch ihrem eignen Bilde vollkommen +glich; sie hielt es für das Bild des innern Menschen dessen, den +sie ansah; bei Manchem erschien es ihr ernster, oder auch schöner, +verklärter, als das äußere. In dem rechten Auge der Thiere sah sie ein +blaues Flämmchen. Sie sah durch die Herzgrube, erkannte die innern +Theile, besonders die leidenden Organe ihres Körpers, und sprach von +einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie behauptete auch, die Bewohner +der linken Seite des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen Dank, +Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß, daß der Mond Bewohner und auch +Zimmerleute, Maurer u. s. w., wie auf unserer Erde, habe. Aber wie +sahen sie denn aus? Warum haben Sie keine Zeichnung oder wenigstens +eine genaue Beschreibung geliefert?] Für die Krankheiten Anderer +hatte sie ein so außerordentliches Gefühl, daß sie bei Annäherung +eines Kranken, besonders nach dessen Berührung, alsbald die gleichen +Empfindungen in denselben Teilen des Körpers erhielt, und zum größten +Erstaunen des Kranken ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen +konnte. [Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der den Patienten +=gar nicht anrührte=, und doch sogleich die Leiden desselben wußte, +denn seine Frau hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr +Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.] So heilte diese kranke +Frau auch eine Gräfin von M. + +Nun wollen wir auch Etwas von ihrer =Mystik= erzählen. + +Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin, +wo ich erwache, wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich +über die Brust verbreitet und gegen die linke Seite hin wie befestigt +ist. Dieser Ring, welcher schwer und schmerzend ist, hat unter sich +noch fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er hat zwölf Theile, +und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser +Zeit begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet wirkliche Sterne. +Diese sind Wohnungen seliger Geister niedern Grades. [Wir verstehen +die Madame nicht; liegt es an uns? In den =Gedärmen= des Leibes können +wir uns solche Bilder nicht denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher, +die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja die Bewohner des Mondes +auf der linken Seite bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?] Der +dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt ist noch heller, +als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe, +die, je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die =Gnadensonne= +nennen. [_Sic!_] Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele +andere Geister mit mir, und als bestehe Alles, was da lebt und webt, +aus Fünkchen aus dieser Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus +ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab, +und Ihr ganzer Inhalt wird mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt, +in welcher dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von +den sieben Jahren enthalten ist. So kann man =nach dem Tode= in Einer +Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem Tode in seinem eignen +Körper? Ei! ei!] Der =Lebenskreis= ist kleiner, liegt unter ihm und +hat 13¼ =Abtheilungen=. Er ist leicht, wie Luft und Geist. Im +Mittelpunkte desselben liegt Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und +das ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in +diesem Lebenszirkel eine ganz andere, höhere; daher die Ahnungen, die +in jedem Menschen von einer höhern Welt liegen. Auf diesem innern Ringe +sehe ich meine =Gefühle= als Zahl und Zeichen stehen; es sind die +Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung geht. Die eine Zahl, +der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die +irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann. +Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige und kann bei +jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und +die himmlische. Beide Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der +Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein +Verhältniß zur Außenwelt; in der andern das Wort für jeden Einzelnen +und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt. Allein dies +ist nicht etwa eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern es bleibt +ihm die Wahl zwischen dem Guten und Bösen; ergreift er aber das Böse +durch eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben: so verliert er die +Grundzahl, und ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim +gestellt. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie die Grundzahl +des Menschen übersteigen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl +durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter. +Für jede Sünde, jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl im +Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses duldet, notirt dies, und +nach dem Erwachen [dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt da +steht, liegt dann Alles klar vor Einem, und es ist dann der eigene +Geist des Menschen der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze +Natur, durch Alles, was lebt und webt. – Beim Tode wird der Geist von +der Seele, so wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht. Dann +lößt sich auch die Seele; dies ist der Moment des Todeskampfes, wo aber +selige Geister der Seele beistehen. [Da haben wir den =Astralgeist=, +wie er lebt und webt! Wie kommt denn diese =kranke Person= dazu?] Der +Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz richtig!], er verbindet +die Seele mit dem Leibe, [also wieder ein Medium zwischen Seele und +Körper?] und den Leib mit der Welt. Er geht mit der Seele nach dem +Tode über und ist unzerstörbar. [Paracelsus sagt doch, daß sein +=Astralgeist= zerstörbar sei; aber die =kranke Frau= will noch mehr +haben! Was kann denn auch eine nervenschwache (zuweilen närrisch +genannte) Frau kluges sprechen; dies wäre ja eine _contradictio in +subjecto_.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische Hülle um den +Geist [ob die Kranke schon die ätherische Hülle den Umstehenden genau +beschrieben haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft im eigentlichen +Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts in Nichts gesehen], und die +Geister des Zwischenreichs [wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit +seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen besondern +Stoffes =Töne= hervorbringen, die =Schwerkraft= in den Körpern aufheben +und sich den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam! das haben +Sie vielleicht von =Hörensagen=; denn da Sie keine =Geographie= +und =Geschichte= der Länder kennen sollen u. s. w., werden Sie +wahrscheinlich auch die Geographie und Geschichte der Seele und des +Körpers nicht kennen.] In reinen Menschen bleibt dieser Nervengeist +in dem Körper zurück, sie können sich daher nicht =hörbar= machen und +=spuken= nicht. – [Welcher Unsinn! oder wie es meine =denkenden Leser= +nennen wollen!] + +Ich male mir, sagt diese =kranke Person= ferner, diese Gestalten +nicht selbst aus. Ich habe nicht die mindeste Freude an ihnen, ich +bin geplagt durch sie; auch denke ich nicht an sie, außer ich sehe +sie [_Sic!_], =oder man fragt mich über sie=. Leider ist mein Leben +so beschaffen, daß mein Geist in eine =Geisterwelt= schaut [nämlich +in die =Intestinen= ihres Körpers!], die gleichsam auf unserer Erde +ist, und so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern oft in +großer Menge und von verschiedener Art. [Vielleicht von Baskiren- und +Kalmucken-Art?] Mit vielen komme ich in gar keine Berührung [dieses mag +die einzige Wahrheit sein!], andere wenden sich zu mir, ich rede mit +ihnen [natürlich, in der Geistersprache!], und sie bleiben oft Monat +lang in meinem Umgange. Ich sehe sie oft zu den verschiedensten Zeiten, +bei Tage und bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und in allen +Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen. Oft treten sie vor mein +Bett und wecken mich, wo dann andere Personen, die bei mir schlafen, +von ihnen träumen, ohne daß ich ihnen etwas über ihre Erscheinung +gesagt hätte. [_Sic!_] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen Wolke; im +Sommer aber und im Mondenscheine sehe ich sie heller, als im Dunkeln. +[Dies mag Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske +Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen Augen sehe ich +sie nicht [wir auch nicht!], aber ich =fühle= ihre =Gegenwart=. [Wie +ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist immer so, wie sie =wohl= im +Leben war, aber wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt aus der +Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!], nur farblos, grau; so auch +ihre =Kleidung, wie sie wohl im Leben war= [welche Widersprüche!], +aber wie aus einer Wolke; nur die =Bessern sind gleich gekleidet=, +sie tragen ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem Gürtel um +die Mitte des Leibes. Ihre =Gesichtsfarbe= ist auch ähnlich der der +Lebenden, nur auch grau, meistens traurig und düster; die Augen sind +hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah ich nie. Die Bessern erscheinen +heller, die Bösen dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser, +wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau hätten wir es nie +gewußt!] Alle weibliche Wesen haben dieselbe Kopftracht, eine über die +Stirn herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung. Der Gang der +=Bessern= ist schwebend, die =Bösen treten schwerer auf=, so daß man +sie zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen, Rauschen, wie mit +Papier, durch Schlürfen, wie in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen, +als ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit derer auf sich +zu richten, die sie nicht sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie +eine Trommel um, schlügen einen Marsch u. s. w., so würde man doch +weit besser ihre Gegenwart erfahren.] Sie können aber auch schwere +Dinge bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen, und je dunkler ein +Geist ist, desto mehr spukhafte Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß +hat die kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser Gesellschaft +gezählt.] Oft saugen Geister, besonders dunklere, die religiösen +Worte, welche ich sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch wie +heller und leichter werden!! Diejenigen Geister, die meistens zu mir +kommen, sind in den untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm +Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche. Das sind =Geister, +deren Geist= in diesem Leben theils durch Hinziehen nach der Außenwelt +niederblieb [meint sie den Astralgeist?], theils solche, die nicht im +Glauben an die Erlösung durch Christum starben [haben diese türkische +oder chinesische Kleidung?], oder solche, denen noch irgend ein +irdischer Gedanke an die Seele im Sterben anklebte, und der sie nun +auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht die Besserung einzig aus +sich selbst. Sie wollen, ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen +und durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß die Bittenden nicht +haben warten lassen.] Auch glauben sie [nämlich die Geister], das +Aufdecken einer Unthat, die =auf ihrem Geiste= lastet, könnte ihnen +Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß die Madame die Theorie der Geisterkunde +studirt hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige Geister wenden, +aber ihre =Schwere= zieht sie mehr zu den Menschen hin. – =Solche +Hilfe= suchte bei ihr einer aus der Familie =Weiler= vom Lichtenberg, +in Gestalt eines Ritters [ob er auch ein Schwert an der Seite gehabt +hatte? Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben müssen, +denn Geister sind keine Kleinigkeiten, man sieht sie nicht alle Tage!], +ein Brudermörder, ferner ein Mönch =in einer Kutte=, [war dieser ein +Karthäuser oder ein Kapuziner? Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein +Mörder, nachher ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die Geschäfte +des Kaufmanns F. zu dessen großem Nachtheile geführt hatte und wegen +eines =Geheimbuches= [?] beunruhigt wurde, hierauf ein weiblicher +Geist, aber nur kurze Zeit, nachher ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder +eines Kindes, das sie im Stalle begraben hatten, und mit ihnen ein +schwarzer Mann, der ihnen das Gift für das Kind gegeben hatte, dann +ein großer Mann in einem =weißen Rocke=, der zwei Waisen um ihre Habe +betrogen hatte; er brachte einen schwarzen, =feindlich gesinnten= Mann +mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder vom Guten abzulenken +suchte. Der Schwarze erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit +großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig! wie _Dr._ =Fausts= +Mephistophilus], und bald nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach +diesen ein alter Mann mit einem langen Barte, einem Hute, ähnlich dem +der Tyroler, kurzem Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen Dank! +dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur hätten Sie, Madame, auch +sagen sollen, was für Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen +oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529 gestorben. Bald nach +diesem eine noch dunklere Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind +desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte. Auf diese folgte +eine Lichtgestalt mit einer Glorie, der verstorbene Stiftsprediger T. +zu Oberstenfeld, ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser Mann; +dann zum Beschluß mehrere unbedeutende Geister. [Kann wohl des Unsinns +mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen Sie nicht mehr, +geehrte Leser, sondern bedauern Sie das gehirn- und nervenkranke Weib +und diejenigen, die solche Dinge glauben!] + +Diese kranke Frau starb endlich den 5. August 1829; aber noch in der +Todesstunde sah die Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen, =die +auch Geister wahrnahm=, eine hohe, lichte Gestalt ins Zimmer treten, +und in demselben Momente that die Sterbende einen heftigen Schrei der +Freude. [Ob wir wohl die Schwester als zweite Auflage erhalten werden?] + + + + +=Der Wunderdoktor.= + + +Da wir einmal dem Lande Würtemberg so nahe sind, so kann zugleich, +neben der Seherin von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor hier ein +Plätzchen finden. + +Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt: + +Die Würtemberger Blätter berichten von einem neuen =Wunderdoktor=. Bei +Ravensburg habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen Fall +gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert und das Schlüsselbein +zersprengt. Alles habe rath- und trostlos um den Unglücklichen +gestanden, da habe ein Hufschmied sich erboten, er wolle die Kur +übernehmen, und ohne Einrichtung, ohne Verband, und ganz wohlfeil habe +er den Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller Krüppel sei, +lahm, einhüftig, mit verwirrtem Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt. +Das Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart! + + + + +Prinz von Hohenlohe, + +der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts. + + +Sein Titel ist: =Alexander Leopold=, Prinz von +Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er ward geboren den 17. August +1793 zu Kupferzell bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf Ludwig +Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, war der Erste, welcher aus +dieser Familie 1667 zur römischen Kirche übertrat, nachdem er =vorher +von mancherlei Geisterbeschwörungen und Goldmacherkünsten umgeben +gewesen war=. Seine Mutter war sehr andächtig und hatte ihn, als den +Lieblingssohn, der Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung +zum Militairstande und übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer +in dem Convicte zu Schillingsfürst. Eilfjährig und bereits ganz dem +geistlichen Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora zu studiren, +in das Theresianum nach Wien; 1808 ging er nach Bern und 1810 nach +Wien zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er daselbst in das +erzbischöfliche Seminar für junge Priester, nachher in eine ähnliche +Pflanzschule zu Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819 sein +Gebetbuch »_Sacerdos catholicum in oratione et contemplatione etc._« +widmete. Doch waren seine theologischen Studien durch Reisen und +=Welterfahrungen= öfters unterbrochen, bis er 1814 nach Ellwangen +zurückgerufen wurde, um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs +Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst, auf der neuen Universität, +besonders unter Leitung des General-Vicariathsraths und Professor der +Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In diesem Jahre wurde er vom +Metropolitanstift von Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing er +schon an, =Bettler= und =wundersüchtige Frauen= aufzusuchen. + +Im Januar 1815 erhielt er die Weihe des Subdiaconats, und fing an, +durch eine Predigt über die Bedeutung der heiligen Taufe und der +Sterbekerze sein Talent zum Kanzelredner zu zeigen. Die Priesterweihe +ertheilte ihm der Oheim den 16. September 1815. Das folgende Jahr +reiste er nach Rom, wo er von den Jesuiten in ihrem Hauptsitze, auf +dem _Monte Cavallo_, aufgenommen wurde, vom Cardinal Somaglia die +Erlaubniß, in jeder Kirche Roms Messe zu lesen, erhielt, und sich im +_Collegio Romano_ den englischen Jüngling, den heiligen Aloysius Gonga, +zum Fürsprecher zu Erhaltung eines reinen Herzens erbat. Dann bekam +er Wohnung und Kost im Jesuiter-Collegium. Hierauf begann er seine +geistlichen Uebungen, wo er sich die Fragen »Hinterging dich die Welt, +das Fleisch, der Satan? Ach schreckliche Zurückerinnerungen!!« ans Herz +legte, sich besonders den heiligen Xaverius als den =Seeleneiferer= +zum Patron wählte, und an dem alten Pater, Beichtiger Panisoni, +bewunderte, =wie die heilige Pflanze der Keuschheit den Verstand gegen +Stumpfheit kräftig schütze=, während er selbst glaubte, daß =heute +alle die Sünden, die sein Herz beschweren, in das Meer der göttlichen +Erbarmung geworfen waren=. Nachdem er Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität +zum heiligen Paul geworden war, und die päpstliche Bevollmächtigung, +Rosenkreuze, Crucifixe etc. jedesmal bis auf 3000 Stücke zu +benediciren, erhalten hatte, verließ er 1817 Rom. + +Er kam unter andern auch nach München, wo man ihn aber bald der +=Scheinheiligkeit= beschuldigte, und weil man in seinen Predigten einen +untergelegten römischen Text zu bemerken glaubte. Selbst in Bamberg, +wo ihn der König 1817 zum geistlichen Rath bei dem Generalvicariat +ernannt hatte, verschrie man ihn schon als =Römling und als einen dem +Jesuitismus und Obscurantismus Verschwornen=. Unter andern machte sich +unser Mystiker durch eine Rede bekannt – »Was ist der Zeitgeist?« – +die an die Kaiser Franz und Alexander, und an den König von Preußen +gerichtet war. Er sagt darin: »nur der ächte Christ ist auch getreu +gehorsamer Unterthan. Ein solcher aber ist ihm nur der =ächt-römische=!« + +_Dr._ Bergold, Pfarrer zu Hasfurt, brachte den Fürsten Hohenlohe in +Bekanntschaft mit einem noch aus =Gaßners= Zeiten her, durch eine +Jesuiten-Tradition enthusiasmirten, schon lange an ein begeisterndes +Erbeten von Wunderkuren gewöhnten Bauer, =Martin Michel=, zu +Unterwittighausen, einem badischen Orte an der baierisch-fränkischen +Grenze. Von diesem faßte der Prinz den vielversprechenden Zuruf auf: +daß doch er, der Priester, noch mehr Wunder zu erbeten vermögen +müßte, als der Bauer. Der Versuch wurde gewagt, daß der Bauer im +Beisein des Prinzen und Priesters einer Prinzessin, Mathilde von +Schwarzenberg, welche der Mechanist Heine zu Würzburg wegen einer +Rückgrats-Verschiebung seit acht Monaten durch Maschinen allmälig +schon zum Sitzen und Stehen gebracht hatte und jetzt das Gehen selbst +versuchen lassen wollte, im Vertrauen auf den =Namen Jesu und die +heilige Dreifaltigkeit=, ohne Wissen des Arztes, zum Gehen aufforderte. +Sie faßte auf Michels Zuspruch Glauben und Muth, und der Versuch +entsprach. [_Sic!_] Seit dem Gelingen aber trat nun, weiterhin ohne +dem Bauer, der Prinz-Domherr als der =Wunderthäter= hervor, wirkte +zugleich durch =persönliche Haltung=, durch das Imposante eines +priesterlichen Prinzen, durch seine Art von Predigten, durch =geist-= +und =weltliche Verbindungen, Umgänge= u. s. w., und erregte schnell +ein Zusammenströmen der Hilfsbedürftigen, von denen er gewöhnlich +festen Glauben, auch die heilige Beichte forderte, alsdann über sie mit +Anstrengung betete und sie – bald erschüttert, bald wirklich gebessert, +bald mit guten Hoffnungen, oft aber auch mit der Verzweiflung, =daß ihr +Glaube nicht stark genug sei= – entließ. Indeß gelang im Würzburger +und Bamberger Hospital keine der vielen, von dem Prinzen versuchten +Heilungen, und die Sanitäts-Polizei wurde befehligt, die Wunder nur in +ihrer Gegenwart versuchen zu lassen und genau zu beobachten. + +Unmuthig (sagt der Schriftsteller, von dem wir diese Notizen nehmen) +eilte der =Wundermann= ins Bad Brückenau. Man hörte aber nicht, +daß dieses von Kranken leer geworden sei. Eine traurige Erklärung +vielmehr, wie sehr sich die Augenkrankheit des Prinzen Friedrich von +Hildburghausen (jetzt von Altenburg), da er aus Vertrauen auf das +priesterliche Gebet keine Arzneimittel mehr gebrauchte, verschlimmert +hatte, erschien unterm 1. September 1821 von Hildburghausen aus in den +Zeitungen. + +Als nun die Aussichten der Wunderkuren des Prinzen =bedenklicher= +wurden, legte er die Sache, als ein bloßes Phänomen von Folgen auf +seine Gebete, den 16. Juli 1821 dem Papste selbst vor. Allein die +Antwort des Papstes blieb in den Händen des Bischofs von Würzburg und +ist uns nicht bekannt worden. Man war aber auch zu Rom behutsam genug, +auf die Tridenter Synode, daß neue Wunder ohne Prüfung und Billigung +des Bischofs nicht zugelassen werden sollten, und auf die Mirakel-Bulle +von Benedict XIV. zu verweisen. Der Prinz war dort persönlich im +Andenken, und meinen gleich Manche, die Person des Wundertäters thue +gar nichts zur Sache, so zweifeln doch Andere, ob die Gottheit, um +gegen die =Pest der Neuerer= seine Kirche durch Wunder siegend zu +machen, den seiner Priesterthumskraft allzuviel zuschreibenden acht und +zwanzigjährigen Bisthums-Canditaten gewählt habe. Andere gingen bis auf +P. Gaßner, dessen Einfluß auf die Hohenlohische Nachbarschaft und den +unabgerissenen Faden zurück, welcher die Sache an starken Verkehr mit +den Jesuiten festknüpfte. + +Nach erhaltenen Winken von Rom wurde jetzt die ganze Sache nicht mehr +Mirakel zum Beweis für die Kirche genannt, sondern blos priesterliches +Gebet um Heilungen. Der von Brückenau zurück gekommene =Wunderbeter= +erklärte aber auch sich selbst für erschöpft und verweigerte durchaus +unter Aufsicht der Sanitäts-Polizei zu wirken. Reisen nach Wien und +Ungarn entrückten ihn der allzusehr aufgeregten Beobachtung. Dafür +ertheilte er aber jetzt =Scheine=, daß er für Kranke, die sich z. B. in +Marseille und in Schottland an ihn gewendet haben, zu einer bestimmten +Stunde Messe lesen und beten wolle, und daß sie in der =nämlichen +Stunde= sich mit ihm in Gebet zu Gott vereinigen sollen. + +Ob nun das Andrängen an Gott, wenn es zu gleicher Zeit geschieht, auf +die Gottheit oder auf das Vertrauen der armen Kranken um so wirksamer +sei, darf man kaum fragen, weil in diesen Dingen alles Fragestellen +an den Verstand dem Pestübel der Aufklärung ähnlich sein soll. Der +Gedanke aber, auf die nämliche Stunde in weiter Entfernung ein Gebet zu +bestellen, ist lächerlich, da, wenn von Bamberg aus zu Marseille ein +Gebets-Verein Punkt acht Uhr bestellt ist, der zu Bamberg Betende lange +geendiget haben wird, ehe der zu Marseille, der Stunde nach, beginnen +kann. + + + + +Bei dem Verleger dieses Werkes sind zu haben: + + + =Domänen=, die, nebst Bemerkungen zu der Schrift: Der Weimarische + Landtag von 1832. 8. geh. 4 gr. + + =Inhalt.= + 1) Die Domänen und adeligen Güter. + 2) Die Vereinigung der Ober-Administrations-Behörden. + 3) Die souveräne Advokatenzunft. + 4) Die demagogische Kaserne. + 5) Die Weimarische Preßfreiheit. + 6) Die politische Kirche. + + =Entwurf einer Advokaten-Ordnung= für das Großherzogthum S. + Weimar-Eisenach. 1832. 8. geh. 8 gr. + + _=Gräbner, Dr. K.=, Frictions-Theorie. Ueber die Ursache der + Entstehung der Weltkörper-Atmosphären, deren Verschiedenheit in + Ausbrechung ihrer Lichtentwickelung u. s. w. Aphorismen zu einer + Hypothese der höhern Physik._ 1832. gr. 8. broschirt. 6 gr. + + =Henß, Adam=, das politische Glaubensbekenntniß und die + staatsbürgerlichen Ansichten eines teutschen Bürgers und Handwerkers. + 1832. 8. geh. 6 gr. + + =Inhalt.= + 1) Staat. + 2) Regierungsform. + 3) Volk. + 4) Vaterland. + 5) Volksvertretung. + 6) Rechtspflege. + 7) Gemeinde-Verwaltung. + 8) Polizei. + 9) Preßfreiheit. + 10) Reaction. + 11) Pfaffenthum. + 12) Juden. + 13) Staatsbürger. + + =Heß, _Dr._ Mendel=, Großherzoglicher Landrabbiner, Predigt, gehalten + in Weimar, am 21. Jun. 1832. 8. geheftet. 2 gr. + + =Heß, _Dr._ Mendel=, Confirmationsrede. 8. geh. 1 gr. + + =Lentin=, _Dr._ Land-Thierarzt, Hausmittel für kranke Thiere, als + freundlicher Rath für Viehbesitzer. 1833. 8. geh. 18 gr. + + =Romantik=, die, des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer Nomenklatur + der Romanschreiber von 1800 bis 1831, und einer Zahlangabe der + jährlich herausgekommenen Romane von 1700 bis 1831. Herausgegeben von + dem Verfasser der »Aphorismen über Schriftstellerei unserer Zeit.« + 1833. 8. geheftet. 1 Rthlr. + + +=Romane.= + + =Artemisio=, die Schauer-Ruine der alten Riesensteinburg, oder + Ritter-, Räuber- und Geistergeschichten der Vorzeit. 1833. 8. geh. + 20 gr. + + =August=, Merlins Liebe und Zauberei. Phantasiestück. 1832. 8. geh. + 14 gr. + + =Bartels=, Friedrich, das Bombardement von Antwerpen im Jahre 1830. + Historisch-romantisches Gemälde aus Belgiens neuester Geschichte. + 1833. 8. geh. 1 Rthlr. + + =Bilder= aus dem Leben. Vom Verfasser der Novantiken. 1833. 8. geh. + 20 gr. + + =Ditmar von Cromsdorf=, oder das =Moosweibchen=. + Historisch-romantische Erzählung des dreizehnten Jahrhunderts, von + dem Verfasser der Novantiken. 1834. 8. geh. 12 gr. + + =Gräbner=, Karl, Novantiken. Bilder der Vergangenheit und Gegenwart. + Mit einer lithographirten Abbildung. 1833. 8. geh. 1 Rthlr. + + =Jeremias=, Joseph, sonderbare Schicksale des Sängers Joseph Gradweg. + Ein curioser Roman. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr. 8 gr. + + =Desselben= Hugo Raynald, oder das späte Glück. Historisch-romantische + Erzählung aus den Zeiten der lombardischen Kriege in den Jahren 1162 + bis 1176. 1832. 8. geh. 20 gr. + + =Insel=, die, historisch-romantische Erzählung aus Rußlands und Polens + Vorzeit. Vom Verfasser des Czar von Casimow. 1832. 8. geh. 20 gr. + + =Märchen.= Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geheftet. 20 gr. + + =Opitz=, Wilhelm, Paul Arner und seine Gesellen, oder die + Räuberhochzeit im Höllenthale. Roman für die Lesewelt jetziger Zeit, + nach biographischen Skizzen und Sagen aus dem letzten Jahrzehend des + vorigen Jahrhunderts. 1832. 8. geh. 1 Rthlr. + + =Desselben= Uso von Drachenburg, oder die Entweihung der Todtengruft. + Ein Roman nach Sagen der Vorzeit des zwölften Jahrhunderts. 1833. 2 + Bde. 8. 1 Rthlr. 16 gr. + + =Querner=, Godofred, Volksmährchen. 1833. 3 Bände. 8. geh. 2 Rthlr. + + =Renegat=, der, und die =Jesuiten= in den Jahren 1809 bis 1828. Eine + Geschichte voller Abentheuer. Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. + geh. 20 gr. + + =Schloß=, das geheimnißvolle, am See, oder die Verschwundenen. Ein + Roman aus neuerer Zeit. Von dem Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh. + 22 gr. + + =Schumann=, F. W., Curiositäten. Eine Sammlung von komischen Aufsätzen + und Druckfehlern, lächerlichen Bekanntmachungen, drolligen Briefen, + schnurrigen Einfällen und merkwürdigen Predigten u. s. w. Freunden des + Frohsinns und der guten Laune als ein Präservativ gegen die =Cholera= + gewidmet. 1832. 8. geheftet. 12 gr. + + =Sneh, Mada=, die reisenden Handwerker. Ein romantisches Gemälde aus + der wirklichen und idealen Welt. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr. + + =Spadolino Stefano=, der räthselhafte Räuber-Hauptmann in den + Umgegenden Roms. 1832. 8. geh. 22 gr. + + + + +Taf. 1. + + +Fig. 1. + + 4 9 2 + 3 5 7 + 8 1 6 + +[Illustration: Siegel des Saturns] + + +Fig. 2. + + 16 3 2 13 + 5 10 11 8 + 9 6 7 12 + 4 15 14 1 + +[Illustration: Siegel des Jupiters] + + +Fig. 3. + + 11 24 7 20 3 + 4 12 25 8 16 + 17 5 13 21 9 + 10 18 1 14 22 + 23 6 19 2 15 + +[Illustration: Siegel des Mars] + + +Fig. 4. + + 6 32 3 34 35 1 + 7 11 27 28 8 30 + 19 14 16 15 23 24 + 18 20 22 21 17 13 + 25 29 10 9 26 12 + 36 5 33 4 2 31 + +[Illustration: Siegel der Sonne] + + + + +Taf. 2. + + +Fig. 5. + + 22 47 16 41 10 35 4 + 5 23 48 17 42 11 29 + 30 6 24 49 18 36 12 + 13 31 7 25 43 19 37 + 38 14 32 1 26 44 20 + 21 39 8 33 2 27 45 + 46 15 40 9 34 3 28 + +[Illustration: Siegel der Venus] + + +Fig. 6. + + 8 58 59 5 4 62 63 1 + 49 15 14 52 53 11 10 56 + 41 23 22 44 45 19 18 48 + 32 34 35 29 28 38 39 25 + 40 26 27 37 36 30 31 33 + 17 47 46 20 21 43 42 24 + 9 55 54 12 13 51 50 16 + 64 2 3 61 60 6 7 57 + +[Illustration: Siegel des Merkur] + + + + +Taf. 3. + + +Fig. 7. + + 37 78 29 70 21 62 13 54 5 + 6 38 79 30 71 22 63 14 46 + 47 7 39 80 31 72 23 55 15 + 16 48 8 40 81 32 64 24 56 + 57 17 49 9 41 73 33 65 25 + 26 58 18 50 1 42 74 34 66 + 67 27 59 10 51 2 43 75 35 + 36 68 19 60 11 52 3 44 76 + 77 28 69 20 61 12 53 4 45 + +[Illustration: Siegel des Mondes] + + +Fig. 8. + +[Illustration: Wider die Feuersbrunst] + + + + +Taf. 4. + + +Fig. 9. + +[Illustration: Chiromantie] + + + + +Taf. 5. + + +Fig. 10. + +[Illustration: Zauberkreis] + + + + +Taf. 6 + + +Fig. 11. + +[Illustration: Siegel der sieben Geister] + + +Fig. 12. + +[Illustration: Pentaculum Salomonis] + + + + +Taf. 7 + + +Fig. 13. + +[Illustration: Gürtel Salomons] + + +Fig. 14. + +[Illustration: Zauberstab] + + + + +Taf. 8 + + +Fig. 15. + +[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten] + + +Fig. 16. + +[Illustration: Geisterfürst Marbuel] + + + + +Taf. 9 + + +Fig. 17. + +[Illustration: Zeichen auf dem Mantel] + + +Fig. 18. + +[Illustration: Zeichen auf der Hand] + + + + +Taf. 10 + + +Fig. 19. + +[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten] + + +Fig. 20. + +[Illustration: Geister von einem Schatz vertreiben] + + + + +Liste korrigierter Druckfehler + + +Im Inhaltsverzeichnis ab Seite iii waren mehrere Seitenzahlen falsch +angegeben. Sie wurden folgendermaßen geändert: + + „Vom Bannen und Festmachen“: Seite 44 korrigiert zu 45. + „Schatzgräberei“: Seite 96 korrigiert zu 97. + „Das Mutisheer“: Seite 126 korrigiert zu 127. + „Christnacht, helle und finstere“: Seite 114 korrigiert zu 115. + „Gespenst, das, im Hause“: Seite 134 korrigiert zu 133. + +Seite 2: „ine“ durch „eine“ ersetzt (Sie ist eine behende, reine Kunst +ohne Ceremonie, ...) + +Seite 25 „_acculta_“ durch „_occulta_“ ersetzt (_Agrippa_ in seiner +_occulta philosophia_ ...) + +Seite 32 „Hilfswurzbind,“ durch „Hilfswurz, bind“ ersetzt (... Mannstreu, +Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit zusammen in Herzkraut, und ...) + +Seite 64: „un“ durch „und“ ersetzt (... ihre Länge, Züge, Lage, +Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.) + +Seite 66: „Spases“ durch „Spaßes“ ersetzt (Des Spaßes wegen lasse man +sich ...) + +Seite 170: „=gewönliche=“ durch „=gewöhnliche=“ ersetzt (Als es zwei +Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche Klang einer großen Glocke=, die +geläutet wurde, vernehmen, ...) + +Seite 177: „daß“ durch „das“ ersetzt (Die Besuche dieses Wesens, das +sich Immanuel nennen läßt, ...) + +Seite 210: „Urthel“ durch „Urtheil“ ersetzt (Das Urtheil brachte ihm +das Schwert; ...) + +Seite 230: „Aristrokratie“ durch „Aristokratie“ ersetzt (Alle diese +hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten ...) + +Seite 258: „=Exsuiten=“ durch „=Ex-Jesuiten=“ ersetzt (... und +übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer in dem Convicte zu +Schillingsfürst.) + +Seite 265: „Brückenan“ durch „Brückenau“ ersetzt (Der von Brückenau +zurück gekommene =Wunderbeter= ...) + +Taf. 1, Fig. 4: Im magischen Quadrat kam die Zahl 23 doppelt vor, sie +wurde in der 1. Zeile, 2. Spalte durch 32 ersetzt, so dass die Summe +aller Zeilen und Spalten 111 beträgt. + +Taf. 2, Fig. 5: Im magischen Quadrat kam die Zahl 28 doppelt vor, sie +wurde in der 5. Zeile, 1. Spalte durch 38 ersetzt, so dass die Summe +aller Zeilen und Spalten 175 beträgt. + +Taf. 3, Fig. 7: Im magischen Quadrat kam die Zahl 25 doppelt vor, sie +wurde in der 8. Zeile, 6. Spalte durch 52 ersetzt, so dass die Summe +aller Zeilen und Spalten 369 beträgt. + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 *** |
