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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***
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+Anmerkungen zur Transkription:
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+Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend
+übernommen, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+Die Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt; Textpassagen, die im
+Original in Antiqua gedruckt sind, wurden hier _so_ markiert, kursive
+Antiqua-Texte ~_so_~. Gesperrt gedruckter Text ist =so= markiert. Am
+Ende des Textes befindet sich eine Liste korrigierter Druckfehler.
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+[Illustration: Titelkupfer]
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+ =Bilder=
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+ der
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+ Wunderkunst und des Aberglaubens.
+
+
+ Mit
+ Berücksichtigung der sogenannten Zauberbücher
+ von
+ _Albertus M., Dr. Faust, Paracelsus,
+ Trittheim, Agrippa u. a. m._
+
+
+ =Herausgegeben=
+ von
+ _Dr._ =Karl Gräbner=.
+
+
+ _Somnia, terrores magicos, miracula, sagas,
+ Nocturnos lemures, portentaque Thessala rides!_
+ ~_HORAT. lib. II. Epist. II._~
+
+
+
+ Mit 20 bunten und schwarzen bildlichen Darstellungen.
+
+ [Illustration: Verzierung]
+
+ Weimar 1834.
+ Druck und Verlag von Karl Gräbner.
+
+
+
+
+ =Inhalt.=
+
+
+ =Erste Abtheilung.=
+ =Wunderkunst.=
+
+ Seite
+ Einleitung 1
+ Von den Gespenstern 11
+ Der Astral-Geist 12
+ Die Necromantie 16
+ Von der sogenannten Hexerei 18
+ Der Hexen-Sabbath 21
+ Von Elben, Holder und Hulderchen 29
+ Vom Wind- und Wettermachen 31
+ Hexen-Salbe 31
+ Von Entzauberung und Amuletten 32
+ Von den Siegeln der Planeten 35
+ Das Siegel des Saturns 35
+ " " " Jupiters 37
+ " " " Mars 38
+ " " " Sonne 38
+ " " " Venus 39
+ " " " Merkur 40
+ " " " Mondes 41
+ Der Heckethaler 42
+ Vom Wehrwolf 43
+ Vom Bannen und Festmachen 45
+ Einen stehend zu machen 45
+ Wider die Feuersbrunst 47
+ Der Feuersegen 47
+ Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann 48
+ Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger 48
+ Vom Bannen des Wildes 49
+ Die Frei-Schützenkunst 50
+ Das Noth-Hemd 51
+ Von der Waffensalbe 51
+ Von der Wünschelruthe 53
+ Die Springwurzel 55
+ Die Alraunwurzel 55
+ Das Sieblaufen, (_Oscinomantia_) 57
+ _Speculum Salomonis_, oder der Spiegel Salomons 58
+ Vom Unsichtbarmachen 61
+ Von der Chiromantie 64
+ Von der Geomantie 71
+ Von der Onomantie oder Weissagung aus den Namen 71
+ Von den Geistern 76
+ Die Berggeister 77
+ Der Kobold 78
+ Wassergeister 79
+ Das wüthende Heer 80
+ Vom Bannen der Geister 81
+ Der Zauberkreis 83
+ Beschwörungen 86
+ Die Mantelfahrt 95
+ Schatzgräberei 97
+
+
+ =Zweite Abtheilung.=
+ =Vom Aberglauben.=
+
+ Seite
+ Acker, wer darauf säen will 116
+ Ahnung beim Scharfrichter 121
+ Alpdrücken 128
+ Basilisk, der 122
+ Bibel befragen 127
+ Blei gießen in der Christnacht 114
+ Christnacht, helle und finstere 114
+ Dreifuß, keinen leeren auf dem Feuer stehen lassen 107
+ Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren 120
+ Exorcismus 125
+ Finger, mit diesem soll man nicht nach dem Himmel zeigen 106
+ Fistel-Heilung 129
+ Gevattern, wenn sie über ein Wasser kommen 109
+ Guckuk, im Frühjahre schreien hören 105
+ Haase, wenn er über den Weg läuft 113
+ Haselstock thut Wunder 128
+ Jäger-Kunststückchen 112
+ Jüdel, das 119
+ Johanniskraut, dessen Kraft 113
+ Kehrig, über dasselbe gehen 106
+ Kinder leicht reden zu lehren 117
+ Kinderspiele auf den Straßen 110
+ Kleeblatt, vierblätteriges 110
+ Kopf, ohne, in der Christnacht 112
+ Köpfe, drei, an den Menschen zu machen 111
+ Korn, dessen jährlichen Preis zu erfahren 117
+ Kröpfe zu heilen 108
+ Lichter, wenn sie auf dem Altar auslöschen 112
+ Mann, ob die Mädchen in diesem Jahre einen erhalten 110
+ Mutisheer, das 126
+ Nasenbluten zu stillen 128
+ Osterwasser holen 120
+ Schuhwerfen, das 108
+ Spiegel, in diesen soll man des Nachts nicht sehen 111
+ Stube, in derselben soll man sich niedersetzen 117
+ Sympathie zwischen Todten und Lebendigen 116
+ Todte, welche schmatzen 124
+ Todtenuhr, die 123
+ Umkehren, das, ist nicht gut 114
+ Vampyr, der 125
+ Vieh beschreien 126
+ Weib, ein altes, wenn es einem begegnet 114
+ Worte, gefrorne und eingeschlossene 121
+ Zahl 13, die ominöse 125
+
+
+ =Dritte Abtheilung.=
+
+ =Erzählungen von Geister- und Gespenster-
+ Erscheinungen, mit hie und da eingestreuten
+ natürlichen Erklärungen.=
+
+ Seite
+ Anzeigen des Todes 134
+ Behexte, die 197
+ Bezauberung des Viehes 200
+ Doppelsehen, das 144
+ Entdeckung der Geisterbeschwörer im 19. Jahrhundert 218
+ Freischütz, der 206
+ Frei-Schützenkunst 205
+ Gespenster-Geschichten 172
+ Gespenst, das, im Hause 133
+ Glockengeläute, das 170
+ Hexe, die 190
+ Hexenprozeß 193
+ Hexenmeister, der 195
+ Hexe, die gerettete 196
+ Hexenwaage, die 197
+ Hexenfahrt, die 203
+ Kobold, der 214
+ Necromantisten, die 183
+ Prediger, der gläubige 204
+ Poltergeist, der 147
+ Schatzgräberei 215
+ Sehen seiner selbst 141
+ Schwedenborg’s Betrügerei 188
+ Wahrsagerin, die 213
+ Wind machen 201
+ Wünschelruthe, die 211
+
+
+ =Fragmente=
+ =über politisch-religiöse Sekten und Mystiker.=
+
+ Seite
+ Ueber Sekten überhaupt 229
+ Jesuiten 231
+ Illuminaten 232
+ Rosenkreuzer 235
+ Schröpfer 236
+ Cagliostro 237
+ Die Seherin von Prevorst 239
+ Der Wunderdoktor 257
+ Prinz von Hohenlohe 258
+
+
+
+
+=Erste Abtheilung.=
+
+ =Die Wunderkunst.=
+
+
+
+
+=Einleitung.=
+
+
+Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der Natur, wodurch
+man die verborgenen Geheimnisse derselben untersucht, zu ergründen
+strebt, um dadurch einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört
+in die Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der =natürlichen
+Wunderkunst=, oder =Magie= – Eine sogenannte =Zauberkunst=, wobei
+Geisterbeschwörungen, Charaktere und andere übernatürliche Dinge
+vorkommen, giebt es nicht!
+
+Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von =Sympathie= und
+=Antipathie=, deren Unerklärliches, auf einer gewissen Stufe der
+Cultur, erzeugte den =Aberglauben=. So auch die Begierde, =in die
+Zukunft zu schauen=, um sich solche nach Willkühr anzueignen, und
+endlich das Bestreben, =höhere Wesen= (wenn der Mensch sie ahnet) in
+seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen, um durch
+diese zu erlangen, was man durch eigne Kraft nicht möglich machen kann
+– Das sind wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und der nächste
+Ursprung des =Zauber-Aberglaubens= alter und neuer Zeiten gewesen.
+
+Bei allen Völkern gab es sogenannte _Magi_ oder Weise: die Griechen
+und Römer nannten sie =Philosophen=, die Indier =Braminen=, die
+Celten und Gallier =Druiden=, =Barden=; bei den Aegyptiern waren es
+die =Priester=, bei den Juden die =Cabbalisten= und =Propheten=. Noch
+finden wir Verehrer der Magie: den _Angekok_ in Grönland, den _Schaman_
+in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer, den _Wogulitze_, und
+den _Abipone_ in Paraguay; in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf den
+Caraiben die _Playen_, in Afrika bei den Kafern und Hottentoten die
+_Gangas_ oder _Fetischirer_, die _Singhilis_ der _Gager_, die _Mirabus_
+in Madagaskar u. s. w. Aber Allen liegt nur eine =Hauptidee= zum Grund,
+welche Alle leitet und beherrscht. –
+
+Der berühmte, auch marktschreiersche _Theoph. Paracelsus_ sagt von der
+Magie überhaupt: »Sie ist eine behende, reine Kunst ohne Ceremonie,
+Beschwörungen, Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider, Kerzen, Licht,
+Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk, Charakter, Stiften, Bücher, ohne die
+_Pentacula_, die _Sigilla Salomonis_, ohne Krone, Scepter, Gürtel,
+Ring u. s. w. Nur die _Necromantie_ hat mit diesen Dingen zu thun. Die
+Magie gebraucht allein den =Glauben=, der Berge versetzt. Aber wenn sie
+gemißbraucht wird, mag auch Zauberei daraus geboren werden.« – Gleich
+darauf theilt er aber seine Magie in 6 Species ein:
+
+1) _Magica artis_, Auslegung übernatürlicher Dinge.
+
+2) _M. Transfigurativa_, Transformirung von einem Leib in den andern,
+wie es zu Mosis Zeiten geschehen ist.
+
+3) _M. Characteralis_ lehrt Wörter machen, welche so viel wirken als
+des Arztes Arzenei.
+
+4) _Gamaheos_, welches thut, was natürliche Instrumente thun, z. B. ein
+Schlüssel öffnet ein Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie
+macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar macht.
+
+5) _Altera in Altera_, Bilder zu machen, welche andern Menschen
+gleichen. Durch diese Bilder kann man demjenigen, den es vorstellt,
+alles anthun, ohne ihn zu berühren.
+
+6) _Ars Cabalistica._ Z. B. es kann Einer im Occident mit einem Andern
+im Orient reden; denn was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das
+kann diese Kunst 100 Meilen.
+
+Ist unser _Paracelsus_ hier nicht über die Grenze der Natur
+geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß nichts helfen wird! – In seiner
+_Necromantie_ lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu
+machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne Versuche gemacht habe.
+
+_Tharsander_, in seiner _Magia Naturalis_, sagt: die Magie soll eine
+Wissenschaft geheimer Dinge und der verborgenen Kräfte in der Natur
+sein, wodurch man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten, und solche
+Wirkungen hervorbringen kann, welche übernatürlich zu sein scheinen.
+Sie wird eingetheilt in die =Teuflische= und =Natürliche=.
+
+Die =Teuflische=, welche auch _ceremonialis_[1] genannt wird, ist eine
+geheime Wissenschaft, sich mit den Geistern bekannt zu machen und durch
+deren Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten. Sie führt
+sonst den Namen =Zauberei=.
+
+[1] Oder die =schwarze Magie=, davon =Schwarzkunst= und
+=Schwarzkünstler=. D. H.
+
+Die =natürliche Magie=[2] ist eine Wissenschaft der natürlichen Dinge
+und ihrer verborgenen, theils wider einander streitenden Kräfte und
+Eigenschaften, welche nicht jedermann bekannt sind, derer man sich
+also zu bedienen weiß, daß, indem man sie mit einander absondert,
+daraus bewundrungswürdige und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch
+die übereinstimmenden und wider einander streitenden Kräfte und
+Eigenschaften versteht man die sogenannte =Sympathie= und =Antipathie=.
+
+[2] Auch die =weiße Magie= genannt.
+
+Die =natürliche Magie= wird ferner eingetheilt in eine =schlechterdings
+natürliche=, wo die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der
+Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine =künstliche=, da man
+durch Hilfe der mathematischen Wissenschaften wunderbare Wirkungen
+hervorbringt, z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche Magie wird
+auch noch eingetheilt in die =weissagende= und =würkende=. Die erste
+geht mit Anzeigung verborgener und Vorhersagung zukünftiger Dinge um;
+in der zweiten aber wird Geschicklichkeit und Kunst mit den geheimen
+Wissenschaften verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt,
+z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn das Eisen, womit jemand
+verwundet worden, mit einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art
+die Wunde heilt. –
+
+Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung einige gelehrte und weise
+Männer anführen, die theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch
+eigene und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei gerathen
+sind.
+
+Der weise _=Salomo=_ selbst konnte nicht dem Verdacht der Zauberei
+entgehen. Die große Anzahl magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben
+werden, beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige davon: 1) _Clavicula
+Salomonis_; 2) das Buch _Lamene_; 3) das Buch _Pentaculorum_; 4) das
+Buch _de officiis Spirituum_; 5) das Buch _Razziel_; 6) _Speculum
+Salomonis_ u. s. w.
+
+Der Bischof _=Albertus Magnus=_ von Regensburg, war ein großer
+Gelehrter, Philosoph und Theolog, daher der Beiname des Großen. Er
+fiel in den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen redenden
+Kopf, verfertigt haben soll. Einige Bücher über Magie, die aber
+untergeschoben worden sind, machten ihn noch verdächtiger.
+
+_=Dr. Ioh. Faust=_, der allbekannte Zauberer, dessen Leben idealisch
+aufgefaßt, aber geschichtlich unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender
+Schüler und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst mit erfand,
+gewesen sein. Eben so ist auch sein Buch: »_Dr. Faust_ Höllenzwang,«
+wie sein Leben, erdichtet.
+
+_=Theophrastus Bombastus Paracelsus=_ von Hohenheim (gest. 1541), den
+wir schon oben kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie, als
+auch in der Arzneikunst und Religion eine auffallende Rolle gespielt,
+und wird noch jetzt von Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über
+Magie hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit seiner Ideen,
+die Undeutlichkeit seiner Schreibart und die Dunkelheit einer Menge
+Wörter machten es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er selbst hat
+sich niemals seiner großen Geheimnisse, die er sich rühmte, bedient.
+
+_=Ioh. Trittheim=_, Abt im Kloster Sponheim, war ein geschickter
+Mathematiker, Geschichtschreiber, Redner und Theolog, und wurde
+besonders von seinen Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der
+Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich gehabt haben, der
+ihm Alles eröffnete – Das war freilich sein Verstand! – Sein Werk: _de
+Steganographia_, von verborgenen Schriften, welches aber untergeschoben
+sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig.
+
+_=Heinr. Cornelius Agrippa=_, ein Schüler des _Trittheim_, war ein sehr
+gelehrter Mann. Seiner _Philosophia occulta_ wurde ein viertes Buch
+voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen angehängt,
+daher dieser vortreffliche Mann auch in den Verdacht der Zauberei kam,
+obgleich er in seinem Buche _de vanitate scientiarum_ seine Verachtung
+dagegen gezeigt hat.
+
+So viel von den Berühmtesten, wenn diese als Zauberer nicht gelten,
+so werden die kleinen, die Betrüger und Taschenspieler von selbst
+wegfallen.
+
+Die neuern, als _=Schwedenborg=_, _=Schrepfer=_, _=Saint Germain=_,
+_=Gassner=_, _=Messmer=_, _=Cagliostro=_, die Wunderheilungen des
+Fürsten _=Hohenlohe=_, des Bauers _=Martin Michel=_ u. a. m. wollen wir
+jetzt mit Stillschweigen übergehen.
+
+In den frühesten Zeiten machten schon die Menschen bei geringen
+Entdeckungen natürlicher Dinge große Geheimnisse daraus, und setzten
+das unwissende Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten
+sie einen Wundernamen. In der Folge gaben sie vor, geheime Künste
+zu besitzen, die aber nichts waren. Die natürliche Magie ist aber
+nichts anders, als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten
+Wunderkünste sind natürlich.
+
+Die =Magie= wird also immer demjenigen eine geheime Wissenschaft
+bleiben, welcher die Kräfte der Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt
+sie ein Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer noch viele
+neue Entdeckungen in der Natur geben, aber deswegen ist es und bleibt
+Alles nichts Uebernatürliches.
+
+Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen Lesern und Leserinnen
+nach und nach die alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt,
+aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden haben, zu Tage
+fördern, nicht um die Dinge nach zu machen, sondern von der Entdeckung
+die Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur, Leichtgläubigkeit
+und Betrügerei der Zauberei und Hexerei Nahrung geben.
+
+Denn eine gewisse Classe von Menschen in Städten und Dörfern legt jetzt
+noch einen großen Werth auf =Zauberbücher=, und kauft sie sehr theuer,
+wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten hat. Handschriften
+sind es gemeiniglich, die unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß
+solche Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen zu finden
+sind. –
+
+Wir werden daher auch aus mehrern =Handschriften=, die sich in
+Criminalprocessen von Geisterbannern und Schatzgräbern vorgefunden
+haben, Auszüge (=durch freundliche Mittheilung=) mit wunderlichen
+Figuren geben können – Das ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen:
+die erste handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben, die
+dritte giebt Erzählungen, welche auf die erste Abtheilung Bezug haben.
+
+Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten Plane, viele
+Abscheuligkeiten, wobei Gottes Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand,
+Leichtsinn und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken.
+
+So möge nun die =Zauberei= oder =Hexerei= anfangen, und, nach unserm
+Plane, recht viel Gutes stiften!
+
+
+
+
+=Von den Gespenstern.=
+
+
+Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen Alterthum den Glauben
+an Gespenster, denn die Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange,
+sagt ein neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein
+mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet, und eine Eigenschaft der
+einen Sache zur Eigenschaft der andern macht. Es kann kommen, wenn man
+eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine sie für die des Freundes,
+den er erwartet, der Andere für die des Feindes, den er fürchtet, und
+der Diener die Stimme für die seines Herrn hält.
+
+Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden, behalten die
+Furcht, und die Nacht, den Kopf mit Gespenstern angefüllt, erzeugt
+Phantome, die nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische
+Dünste brachten das =Spuken= und die =Gespenster= hervor. Die Bewohner
+der Klöster fanden ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine
+Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen den Gespensterglauben
+nicht nur zu lassen, sondern auch zu verstärken.
+
+Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll eine geistige Substanz
+sein, die einen Körper angenommen, und darin sich sehen, hören und
+fühlen läßt, kurz, der =Geist des Verstorbenen=.
+
+Dieser Geist, welchen Einige den =Astral-Geist= oder =Sternen-Geist=
+nennen, soll sich nebst der Seele im Menschen befinden. Der Mensch
+bestände nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen Leib,
+der unsterblichen Seele, und einem Mittelding zwischen diesen beiden,
+dem Astralgeist. Diese Lehre der Trialisten hat schon Plato angeführt,
+dann kam sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die Christen.
+Herr _Paracelsus_ ist vom Astralgeist eingenommen und sagt: »der Mensch
+besteht aus drei großen Substanzen, die erste ist die =Seele=, von Gott
+kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend; die andere der
+=Geist=, der aus dem Firmamente kommt, und aus Feuer und Luft besteht,
+auch endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung findet; die
+dritte Substanz ist der grobe =Leib=, welcher aus Erde und Wasser
+besteht, und wieder zur Erde werden muß.«
+
+Da die Seele und der Körper des Menschen von ganz verschiedener Natur
+und verschiedenen Wesen sind, so kann man schwer begreifen, worin das
+Band und die genaue Vereinigung derselben besteht, daher bei diesen
+zwei Extremen, die gegen einander sind, nicht anders als durch ein
+Mittelding, welches in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern
+näher kommt, verbunden und vereinigt werden können. Dieses Mittelding
+sei zwar kein Geist, oder ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine
+sehr reine und subtile Materie, die wegen der Subtilität der Seele
+näher komme, als der grobe Leib des materiellen Wesens wegen dem Körper
+näher sei, als die ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines
+solchen Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit zu Hilfe, der
+sich oft bei den Menschen zwischen dem Verstand und den sinnlichen
+Begierden findet. Die Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen
+Kräfte des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte der Seele
+sein.
+
+Dieser Astralgeist, sagt _Paracelsus_, erscheint nach dem Tode des
+Menschen noch eine Zeitlang, da er das Vermögen, die Gedanken,
+Einbildungen und Begierden, welche er beim Abschied vom Körper
+empfängt, und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume Zeit
+zu behalten u. s. w.
+
+Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung, die sich von selbst
+und mit wenigen Worten widerlegt! Kann die Seele auf den Körper nicht
+wirken, so kann sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch
+materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge in der Natur sind
+entweder einfach oder zusammengesetzt, ein Drittes giebt es nicht, also
+woher ein Mittelding zwischen Seele und Leib!
+
+Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele, namentlich
+_Paracelsus_, das =Spuken= der Verstorbenen und das =Erscheinen nach
+dem Tode= erklären. Aber gewiß! weder sie noch wir haben den Geist
+eines Verstorbenen gesehen.
+
+Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem Verstorbenen, auch von
+einem Lebenden trennen und einem andern erscheinen – denn ist diese
+einmal vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm zurück[3] – Daher das
+=Sehen seiner selbst=, die =vielfältige Gegenwart= einer Person an
+verschiedenen und entfernten Orten, und das =Doppelsehen= gehört zu den
+Täuschungen, Fabeln und Betrügereien[4].
+
+[3] S. dritte Abtheilung. Das Gespenst im Hause. Anzeige des Todes.
+
+[4] S. dritte Abtheilung. Sehen seiner selbst. Das Doppelsehen.
+
+=Betrüger=[5], =Diebe=[6] und =Verliebte= haben stets die Rolle eines
+Gespenstes gespielt. So sagt noch ein altes französisches Sprichtwort
+von den Verliebten:
+
+[5] S. dritte Abtheilung. Der Poltergeist. Glockengeläute.
+
+[6] S. dritte Abtheilung. Gespenstergeschichte.
+
+ _Où sont filettes et bon vin
+ C’est là où hante le Lutin._
+
+ (Bei Mädchen und bei gutem Wein
+ Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.)
+
+
+
+
+=Die Necromantie.=
+
+
+Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten aus ihren Gräbern, wenn man
+von ihnen geheime und künftige Dinge erfahren will. _C. Agrippa_ nennt
+zwei Arten dieser Zauberei: _Necyomantie_, wodurch man die verstorbenen
+Körper sogar wieder lebendig dargestellt, und _Sciomantie_, wenn blos
+ein Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie ist sehr
+alt, denn die Betrügerin zu Endor ließ ja den Schatten (Können denn
+Schatten auch sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen ist diese
+Kunst eine große Betrügerei[7]. Die Kunststücke mit dem sogenannten
+=Zauberspiegel=, wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren, so
+auch mit der =Zauberlaterne=, wodurch man Gestalten in freier Luft
+präsentiren kann – finden wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und
+Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser verweise.
+
+[7] S. dritte Abtheilung. Die Necromantisten.
+
+Alle Necromantisten sind feine Betrüger. Schwedenborg, Schrepfer und
+Cagliostro waren solche Subjekte, und die größten Geisterbanner, die
+sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte täuschten (S. Abth. III.
+Schwedenborg).
+
+Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei, wie jenen, als ein
+gewisser Engländer, _Sawney_, ein berüchtigter Seher und Wahrsager,
+große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen Statüen u. s. w.
+erblickte, welche aber alle von – =Eis= und =Schnee= waren, und als die
+Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die Neugierigen nichts sahen!
+
+
+
+
+Von der sogenannten Hexerei.
+
+
+In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen, findet man den Glauben
+an höhere, gute und böse Geister, und bei uns brachte man in
+der unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten bis 17ten
+Jahrhundert – die Wunder des Teufels in ein System, behandelte sie
+wie andere natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche mit dem
+Uebernatürlichen durcheinander mischte. Von dieser Zeit an untersuchte
+man die Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen Diebstahl u. s.
+w., daher also die verwirrten Ideen in diesem Zeitalter bei allen
+Gelehrten und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III. die Hexe, der
+Hexenprozeß, der Hexenmeister.)
+
+Ueberhaupt hat die =Inquisition=, da sie der Unglücklichen Güter
+einzog, erst die Hexerei bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg
+die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich durch die Bulle des
+Papstes _Innocens_ VIII., den 4. December 1484. Diese Bulle brachte
+die Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht begründet und
+verbreitet wurden, und zwar durch Erklärungen über die Wirklichkeit von
+Teufelskünsten und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um der Sache noch
+mehr Gewicht zu geben, erschien sogar zur =Erläuterung= das furchtbare
+Buch, der =Hexenhammer=, 1489.
+
+In Teutschland brennten die Flammen, welche Unschuldige hinrichteten,
+und solche Tage, wo eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage des
+gemeinen Mannes. (S. Abth. III. die gerettete Hexe.)
+
+Aber Teutsche waren es auch, die besonders und mit Gründen den
+allgemeinen Glauben an Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. –
+Cornelius Loos, noch besonders ein =Priester= zu Mainz, war einer der
+ersten, welcher die Ungerechtigkeiten der Hexenprozesse zu zeigen
+sich erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen, wenn er nicht auch
+verbrannt seyn wollte. Er starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner
+(gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen die Hexenprozesse. –
+Endlich trat zu Anfang des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf:
+Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft zu Halle, und kann als
+der eigentliche Zerstörer des Hexenprozesses betrachtet werden.
+
+In der Folge wurde aller Zauberglauben durch die =Naturwissenschaft=
+vernichtet, doch ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger
+Zeit publizirt man noch Berichte von =Wunderkuren= durch Zeitungen, wie
+der Hang zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder besteht. –
+
+Im Allgemeinen wird die =Hexerei= oder =Zauberei= folgendermaßen
+beschrieben:
+
+Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch mit dem Teufel, welcher
+in einer menschlichen, thierischen oder andern Gestalt erscheint,
+einen Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet, und dasselbe mit
+seinem Blute unterschreibt, vermöge aber dessen Gott und die Religion
+verleugnet, und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet, auch nach
+Verfließung einer bestimmten Zeit sich demselben mit Leib und Seele
+zu eigen übergiebt; wogegen der Teufel verspricht, einem solchen
+Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und mancherlei Ergötzlichkeiten
+zu schaffen, ihm beizustehen, daß er große und wunderbare Dinge
+ausrichten, und andern Menschen nach Belieben Schaden zufügen könne,
+ihn auch zu gewisser Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen, wo
+der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen die Versammlung hält,
+wo sie sich mit Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w. recht
+lustig machen.
+
+Im weitläufigen Sinn versteht man aber von Hexerei, wenn ein Mensch
+verschiedene ungewöhnliche und abergläubische Mittel und Ceremonien
+vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder Schaden zu thun, ob er gleich
+nicht ausdrücklich mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man muß aber
+die =Magie= der Alten von der heutigen Zauberei unterscheiden, welche
+letztere von der erstern entstanden ist.
+
+Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts, halten jährlich
+dreimal den sogenannten =Hexensabbath=. Der Ort der Versammlung
+heißt bei uns in Teutschland der =Blocksberg=, in Italien _Noce
+di Benevento_, in Schweden _Blocula_; in andern Ländern wird man
+vielleicht auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen
+sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen, auf Kirchhöfen, oder lieber
+bei einem See oder Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch
+Ungewitter erregen kann. An dem Ort, wo der Sabbath gehalten wird, soll
+nichts wachsen.
+
+Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden sich die Zauberer und
+bestreichen sich mit einem Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen
+Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie zum Schornstein hinaus, an
+dessen Ende sie einen großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen,
+der sie ergreift und nach dem Versammlungsort hin und zurück bringt.
+Sie bedienen sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als schwarze
+Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen und Hunde, oder auch Ofengabeln,
+Spinnrocken und Besen, worauf sie durch die Luft fahren.
+
+In der Versammlung erscheint nun der Teufel, als Vorsteher in
+mancherlei Gestalt, bisweilen wie ein Mensch, aber öfter als ein –
+Bock. So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer Krone von
+schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten und eins an der Stirn, mit
+welchem er der Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden Haaren,
+mit blassem und verstörtem Gesicht, großen, runden, aufgesperrten,
+feurigen und häßlichen Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem
+ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch, halb Bock, mit Händen
+und Füßen, fast wie ein Mensch, außer daß die Finger alle gerade und
+spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände sind krumm, wie die
+Krallen der Raubvögel, die Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist
+so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche Stimme, und ein
+melancholisch verdrüßliches Gesicht.
+
+Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer ein unter seinem
+Schwanze befindliches schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der Tanz
+an, und die Hexen singen:
+
+ _Alegremonos Alegremos
+ Que gente nue va tenemos._
+
+Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her, und machen tausenderlei
+krumme Sprünge. Nach dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die
+aufgetragenen Gerichte sind ekelhaft, doch – der neugierige Leser
+muß alles wissen: – Sie bestehen aus Kröten, Aas, Leichnamen und
+ungetauften Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod von schwarzer
+Hirse.
+
+Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel an einen Tisch und nimmt
+die Huldigung der Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern, ablegen,
+indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln in Händen haben, die
+sie nach geendigter Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen,
+wieder zustellen, der sie bis zur künftigen Versammlung aufhebt. Wenn
+dieses zu Ende, fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift, den
+Menschen zu schaden, sie nöthig hätten? u. s. w. – und ertheilt ihnen
+Rath und Hilfe.
+
+Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath mit, als Farrenkraut,
+Mistel, Wegerich, Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder,
+welches der Teufel in Stücken hackt, alles kochen läßt und von dem
+Fette die =Salbe= macht.
+
+Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft, von der uns _de
+Lancre Tableau de l’Inconstance des mauvais Anges et Demons_ erzählt
+hat.
+
+Da wir aber einmal bei dem Teufel sind, so müssen wir doch noch etwas
+von seiner Person und seinen Umtrieben reden.
+
+_Agrippa_ in seiner _occulta philosophia_ giebt von den =bösen Dämonen=
+neun Ordnungen an:
+
+ 1) Diejenigen, welche man die =falschen Götter= nennt, die den Namen
+ der Gottheit gleichsam usurpirt haben und als Götter verehrt seyn
+ wollen. So wie jener, welcher Christus alle Schätze der Welt
+ zeigte, und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm niederfallen und ihn
+ anbeten würde. Der Oberste dieser Dämonen wird _Beelzebub_ genannt.
+
+ 2) Die =Lügner=. Ein solcher war bei dem Propheten _Achab_, bei der
+ Hexe von Endor und bei den Orakeln. Der Oberste dieser Teufel hieß
+ _Python_.
+
+ 3) Die =Gefäße der Ungerechtigkeit= und des Zornes Gottes. Sie sind
+ die Erfinder allerlei Uebel. Der Oberste wird _Belial_ genannt.
+
+ 4) Die =Rächer der Laster=. Der Oberste heißt _Asmodeus_.
+
+ 5) =Weissager=, =Betrüger=, =Verblender=, welche Mirakel nachahmen und
+ Böses thun, wie die Schlange der Eva. Der Oberste heißt _Satan_.
+
+ 6) =Wettermacher.= Es sind ihrer vier, nach den vier Hauptwinden, und
+ der Oberste heißt _Merizim_.
+
+ 7) =Furien=, Stifter der Zwietracht und des Kriegs. Der Oberste heißt
+ _Abaddon_.
+
+ 8) =Verläumder=. Die Griechen nennen sie _Diabolos_, unsere =Teufel=.
+ Der Oberste ist _Astaroth_.
+
+ 9) =Versucher=, böse Geister. Der Oberste heißt _Mammon_ (Begierde
+ nach Reichtum).
+
+Man hat sehr verschiedene Auslegungen des Namens Teufel. Einige sagen,
+das Wort Teufel bedeute einen =Zerstörer=; andere – einen =Verführer=;
+die Griechen nennen ihn =Verläumder=; daher kann auch das Wort nicht
+allein eine =Person=, sondern mehr =Handlungen= und =Gewohnheiten=
+bedeuten.
+
+Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund gestürzt und gebunden ist,
+so bleibt er doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar noch manchen
+Gegenständen seinen Namen geliehen.
+
+So giebt es unter vielen andern die =Teufels-Inseln= (die Bermuden),
+von den Spaniern zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen
+Felsen _los Diabolos_ nannten.
+
+Der =Blocksberg= auf dem Harz, berüchtigt durch die Hexenversammlung.
+
+Die =Teufelshochzeit= ist ein Berg in Ungarn, unweit dem Bergstädtchen
+Boza, und wird wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen Gewitter
+so genannt.
+
+Der =Teufelsgrund= ist ein tiefes Thal im Riesengebirge unweit
+Greifenberg.
+
+Die =Teufelsgrube= wird eine Höhle in dem bei Goslar gelegenen
+Rummelsberge genannt, wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben soll.
+
+Das =Teufels-Mör= ist eine Gegend bei Bremen, unweit der Weser, wo
+zwischen Moor eine Viehweide liegt.
+
+Der =Teufelsweg= auf den Gebirgen, welche Savoyen von Piemont scheiden,
+ist unter mehreren Pässen einer, welcher _le Pas de Diable_ heißt,
+wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe zu stürzen.
+
+Die =Teufelskirche=. In dem fürchterlichen Thale bei Altdorf, zwischen
+Weihofen und Grunsberg, ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße eines
+waldbewachsenen Berges, welche so genannt wird.
+
+Die =Teufelsleiter= ist ein steiler Berg bei dem Flecken Lorch, wo ein
+steiler Weg hinauf geht.
+
+Die =Teufelsmauer=. Sie ist ein Werk der Römer, welche einen Wall oder
+Pfahlhecke zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten. Noch kann man
+ihre Ruine sehen, welche bei Pföring an der Donau anfängt und bis an
+den Neckar läuft.
+
+Auch wird ein Berg einige Stunden von Quedlinburg die =Teufelsmauer=
+genannt, weil er wie von über einander liegenden Steinen
+zusammengetragen erscheint.
+
+Die =Teufelsbrücke=, am St. Gotthardsberge in der Schweiz.
+
+Die =Regensburger Brücke= soll auch durch Beihülfe des Teufels erbaut
+worden seyn.
+
+Der =Teufelsthurm=, ein auf einem Felsen stehender Thurm, unfern des
+Strudels in der Donau.
+
+So giebt es auch =Teufelsmühlen=, z. B. zwischen Corvey und Hameln, wo
+ein starkes, aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad treibt.
+
+=Teufelssteine= nennt der gemeine Mann große Blöcke, weil er ihren
+Ursprung nicht kennt.
+
+Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel tragen – der =Seeteufel=.
+
+Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen Teufel, z. B.:
+Teufels-Abbiß (_Morsus Diaboli_), Teufels-Aepfel (Coloquinten),
+Teufels-Dreck (_Assa foetida_), Teufels-Ingber (_Arum_), Teufels-Scheu
+(_Daemonum fuga_, Johanniskraut) u. s. w.
+
+Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören, was er von der =Erkennung
+einer Hexe= sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders den
+Samstag und den Freitag, hat besondere Zeichen an sich, als krumme
+Glieder, besonders eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht u. s. w.
+Sie hängt auch Zaubereien an sich, kocht selten und wäscht sich nicht,
+kehrt in der Kirche rücklings um und will gern allein und für sich
+seyn. (S. Abth. III. die Hexenwage.)
+
+
+=Elben, Holder und Hulderchen, die bösen und guten Dinger, die
+reisenden und fahrenden Kinder.=
+
+Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten und vielerlei
+Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß erhielt jede Hexe ihren =Geist=,
+oder einen besondern =Leibteufel=. Im funfzehnten Jahrhundert war es
+nichts Ungewöhnliches, daß eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche
+Kinder zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich Würmer waren,
+stifteten sie das Unheil: z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III.
+die Behexte, Bezauberung des Viehes), Krankmachen, sogar Tödten. Diese
+Geburten, Elben, Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das
+Hexenpulver wurde.
+
+Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh krank machen:
+
+ 1) durch =bloße Worte=, wenn sie z. B. die Kinder =beschrieen=. Man
+ lobte die Kinder ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte es! –
+ Die Hexen aber sagten: Ei, daß dich mein Gott behüte! Dadurch aber
+ sollen sie nicht den wahren Gott, sondern den Satan verstehen.
+
+ 2) Durch bloßes =Anschauen=, z. B. mit Triefaugen.
+
+ 3) Durch =zauberische Salben= an die Hausthür und andere Orten
+ geschmiert. Oder
+
+ 4) durch =Charaktere=.
+
+ 5) Durch etwas =Vergraben= unter die Thürschwelle.
+
+
+=Vom Wind- und Wettermachen.=
+
+Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen
+könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen
+Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen
+einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube
+in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum;
+sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer
+kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (_Wierus de Lamiis_ erzählt
+mehr davon.)
+
+=Wind= haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.)
+
+
+=Hexen-Salbe.=
+
+Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses
+Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben
+schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach
+vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und
+Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut,
+Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe.
+Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie
+dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen.
+
+Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine =betäubende= Kraft
+hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte,
+sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie
+vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III.
+Hexenfahrt.)
+
+
+=Von Entzauberung und Amuletten.=
+
+In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch
+in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen.
+
+Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten,
+Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit
+zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen.
+
+Ein Anderes:
+
+Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut,
+Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau
+und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil
+und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir
+an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle
+Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte.
+
+Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an
+den Hals, vorzüglich erhielten =Amulette= die Kinder, sie vor Hexerei
+zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth.
+III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen
+Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf
+Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine,
+Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen
+angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte
+_Abracadabra_, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers _Severus_
+und _Caracalla_ von einem Arzt _Sammonicus_ gekommen sein soll. Man
+schreibt es auf Papier, wie folgt:
+
+ A b r a c a d a b r a
+ a b r a c a d a b r
+ a b r a c a d a b
+ a b r a c a d a
+ a b r a c a d
+ a b r a c a
+ a b r a c
+ a b r a
+ a b r
+ a b
+ a
+
+Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an
+den Hals gehängt.
+
+Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner
+_Philosophia occulta_: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches
+sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln
+verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers
+geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom
+Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen
+seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel
+fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die
+Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle
+Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man
+darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_,
+_Elion_, _Escerchie_, _Adonay_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Saday_.
+
+Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister
+höchst nützlich und nöthig sein.
+
+ * * * * *
+
+Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die =Siegel der Planeten= zu
+machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach
+himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und
+– bei sich trage.
+
+Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen
+so viel gehalten haben:
+
+
+=Das Siegel des Saturns.=
+
+Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein
+Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen
+und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15
+addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln,
+sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne,
+welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein
+vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und
+dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild
+des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel
+die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und
+den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8].
+Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und
+Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in
+Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche
+getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt
+sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel
+trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden.
+
+[8] S. Fig. 1.
+
+Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an
+einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen,
+und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab.
+
+
+=Das Siegel des Jupiters.=
+
+Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das
+Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten
+Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll
+ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf
+dem Haupte einen Stern mit dem Namen _Jupiter_, dabei sein Zeichen oder
+Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten
+Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem
+blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und
+Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es
+sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich
+in allen Handlungen.
+
+[9] S. Fig. 2.
+
+
+=Siegel des Mars.=
+
+Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite
+ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den
+Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des
+Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in
+der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern,
+der Name des _Mars_ und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und
+Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden.
+Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde
+verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht,
+wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird
+das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.
+
+[10] S. Fig. 3.
+
+
+=Siegel der Sonne.=
+
+Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6
+multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können.
+Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter
+König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf
+dem Haupte eine Sonne, und den Namen _Sol_ und das Zeichen[11]; zu
+den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im
+ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man
+in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor
+allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut
+zunimmt.
+
+[11] S. Fig. 4.
+
+
+=Siegel der Venus.=
+
+Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das
+Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann.
+Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer
+Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem
+Namen _Venus_ und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit
+Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der
+Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten
+Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt
+Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und
+giebt Geschicklichkeit in der Musik.
+
+[12] S. Fig. 5.
+
+
+=Siegel des Merkur.=
+
+Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen
+werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die
+Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8
+multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten
+ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in
+der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte
+ein Stern, dann der Name _Mercurius_ und sein Zeichen[13]. Das Siegel
+wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn
+der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem
+purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie
+und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen
+unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht.
+
+[13] S. Fig. 6.
+
+
+=Siegel des Mondes.=
+
+Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat,
+welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen.
+Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem
+umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben
+Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name
+_Luna_, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem
+Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im
+ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche
+bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten,
+ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es
+beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig.
+
+[14] S. Fig. 7.
+
+
+=Der Heckethaler.=
+
+Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben
+wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer
+vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen;
+wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon
+das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das
+Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen
+Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will,
+Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich
+nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so
+oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm
+Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde
+der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man
+zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.
+
+Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld
+wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen
+Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches
+geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür
+sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der
+Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der
+Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit
+der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals.
+
+Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine
+Katze zu kaufen!
+
+
+=Vom Wehrwolf.=
+
+Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich
+und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne.
+– Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel
+das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten,
+bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines
+Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der
+Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. _Bodinus_, der
+Hexenrichter war, erzählt in seiner _Dæmonomanie des forciers_: daß ein
+gewisser _Aegidius Garnier_, welcher am Michaelistage, in der Gestalt
+eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern =Dole=, in
+einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach
+Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu
+=Dole= den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde.
+
+Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus
+dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher
+gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre
+Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von
+dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein
+Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund
+u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen
+war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene _Circe_, die die Menschen
+in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.
+
+
+
+
+Vom Bannen und Festmachen.
+
+
+Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der
+Stelle bewegen kann, heißt =bannen=, z. B. Diebe, welche das Gestohlene
+nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w.
+Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben.
+
+
+=Einen stehend zu machen.=
+
+Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die
+=Formel=; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten,
+damit er nicht davon läuft.
+
+ Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken
+ in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer
+ Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß,
+ gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden,
+
+ So gewiß und vest,
+ So vest, so vest, so vest,
+ Als der Baum hält seine Aest,
+ Und der Ast hält seine Aest,
+ Und der Hirsch hält seine Zungen,
+ Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen.
+ So gewiß und wahr sollt ihr stehen,
+ Als der heilige Johannes stand am Jordan,
+ Da er den lieben Herrn Jesum getaufet,
+ Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen,
+ Bis die liebe göttliche Mutter
+ Einen andern Sohn gebähret.
+ So gewiß sollt ihr sein gebunden
+ Zu dieser Tag und Stunden
+ Im Namen Gottes † † † u. s. w.
+
+
+=Lossprechung des Gebundenen.=
+
+So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit
+gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder
+auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen.
+
+
+=Wider die Feuersbrunst.=
+
+Schon die Alten legten viel auf die =Kraft der Worte=, und die
+christliche Magie hat sie beibehalten.
+
+Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: _Arse
+Vorse_ schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf
+einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen
+11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8.
+Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies
+wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder
+man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes _Aghela_, oder auf einen
+Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei
+einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu
+werfen.
+
+
+=Der Feuersegen.=
+
+ Feuer stehe still, um Gottes Will,
+ Um des Herrn Jesu Christi Willen,
+ Feuer stehe still in deiner Gluth,
+ Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut.
+ Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen,
+ Daß du nicht weiter kannst von dannen,
+ Sondern behältst alle deine Funken und Flammen,
+ Amen! Amen! Amen!
+
+
+=Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.=
+
+ _Sanguis mane in venis,
+ Sicut Christus pro te in poenis:
+ Sanguis mane fixus,
+ Sicut Christus crucifixus._
+
+
+=Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.=
+
+ Gott Vater fährt gen Acker,
+ Er ackert fein wacker,
+ Er ackert drei Würmer heraus,
+ Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth,
+ Hier liegen alle Würmer todt.
+
+So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe,
+– Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w.
+
+Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem =Bannen des Wildes=
+verfährt man also:
+
+ Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in
+ der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt,
+ – im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich
+ alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun
+ der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches
+ Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses
+ Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so
+ zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und
+ dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei
+ sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen,
+ als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.
+
+Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird!
+
+Das eigentliche =Festmachen=, die =Frei-Schützenkunst=, ist eine
+Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S.
+Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die
+=Passauische Kunst= genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein
+Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau
+den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben
+soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit
+Charakteren und Wörtern: _Arios_, _Beji_, _Glaji_, _Alpke_, _nalat_,
+_nasala_, _eri lupie_, bezeichnet, zu verschlucken.
+
+Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so
+war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen
+Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen
+wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!
+
+Andere Abergläubige tragen auch die =Länge Jesu= bei sich, um gegen
+den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit
+und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht
+auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei
+dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht
+nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier
+gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut
+geheißen und bestätigt haben.
+
+
+=Das Noth-Hemd.=
+
+Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben
+Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten
+zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und
+gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. –
+Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede,
+daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w.
+
+
+=Von der Waffen-Salbe.=
+
+Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr =viele= und =verschiedene=
+Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können.
+Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus:
+
+ _Rz._ Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1
+ Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch _bolus ana_ 1 Unze,
+ untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere
+ noch 1 Unze Terpentin nehmen.
+
+Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer
+gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und
+salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden
+darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den
+Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie
+nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch
+zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie
+sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein,
+so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in
+ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein
+frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er
+über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w.
+
+
+
+
+Von der Wünschelruthe.
+
+
+Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch
+nach ihrer mannichfaltigen Anwendung =Wendes-, Windes-, Wünschel-,
+Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks-= und =Erlenruthe= genannt, zuweilen
+auch die =göttliche Ruthe= – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders,
+mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden
+sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen
+Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, =unterwärts=
+gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden
+fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen
+kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen
+sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen
+und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die
+Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt,
+so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das
+verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber –
+wenn welches verborgen liegt!
+
+Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit _Athanasius
+Kircher_ in seinem dritten Buche _de Art. Magnet._: Wenn eine Pflanze
+eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie
+die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse,
+an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder
+Ausdämpfung der Atome per _inspirationem insensibilem_ kommt, durch die
+Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme,
+an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen.
+
+Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine
+besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft
+stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz
+auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen
+von Eisen oder Kupfer.
+
+Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, =Quellen= aufzusuchen.
+
+Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug
+oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.)
+
+
+=Die Springwurzel.=
+
+Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen,
+sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit
+aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das
+Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem
+Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel,
+welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch
+unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen.
+
+Wer wohl die Probe gemacht haben mag?
+
+
+=Die Alraunwurzel.=
+
+Diese Pflanze (_Atropa Mandragora_) soll den Besitzer reich und
+glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen _Circea_, von der
+Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen
+sein sollte.
+
+Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie
+auch =Galgenmännlein= genannt.
+
+Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor
+Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man
+sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine
+Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie
+aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden
+bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei
+Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die
+Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit
+einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben
+ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund
+nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt
+nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die
+Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine
+Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein
+weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden,
+neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der
+Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld
+dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.
+
+Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die
+Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures
+Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches
+hat, wird zu den =betäubenden= gerechnet und in der Medizin nicht
+gebraucht.
+
+
+=Das Sieblaufen= (_Oscinomantia_).
+
+Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen,
+oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt
+eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden
+Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß
+es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem
+Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister
+spricht folgende barbarische Worte:
+
+ _Dies, mies, Jeschet, benedæfet,
+ dowima, Enitemans._
+
+Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der
+Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch
+verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei
+Nennung eines Namens, den man =besonders= in Verdacht hat, eine
+Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß
+sich das Sieb drehen!
+
+Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem
+Erb-Schlüssel.
+
+
+_Speculum Salomonis_, oder =der Spiegel Salomons=.
+
+In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel
+beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese
+Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter
+gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift
+gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde,
+wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen
+Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte
+mit Taubenblut auf Papier: _Teonemanuel Iskiroh_, und den Taufnamen
+desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt
+es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan.
+Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und
+wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere.
+Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den
+Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es
+auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht,
+wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht
+fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen
+geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond
+stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt
+man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des
+ersten Spiegels spricht man:
+
+ Aus Gott kömmt }
+ In Gott ist } alle Weisheit.
+ Bei Gott bestehet }
+ Gott der Vater liebet }
+
+Bei Gießung des andern Spiegels spricht man:
+
+ Gott der Sohn erhält }
+ Gott der Sohn erlöset } alle Welt.
+ Gott der Sohn speiset }
+
+Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man:
+
+ Der heilige Geist erleuchtet }
+ Der heilige Geist tröstet } alle, die Wahrheit lieben.
+ Der heilige Geist stärket }
+
+Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche
+Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel
+polirt.
+
+Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder
+Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man
+eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was
+man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er
+gemacht worden ist.
+
+Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt
+wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel
+erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen
+steht.
+
+Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu
+helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben,
+und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit
+sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die
+Nativität stellen.
+
+Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen,
+Diebstahl, Betrügerei etc.
+
+Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten =Spiegel
+Salomons= zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des
+Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht.
+
+
+=Vom Unsichtbarmachen.=
+
+Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger
+gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und
+Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des
+Kaiser Domitian zu entfliehen.
+
+Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem
+Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder
+einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den
+Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn
+erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte
+Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches,
+wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben
+unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen
+rothen Faden binden, um ihn zu finden.
+
+Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere
+Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht:
+
+ Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth?
+ Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.
+
+ Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf
+ Wunden mich verbergen thun. Amen.
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.
+
+ Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden
+ blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und
+ verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure
+ Augen stets von mir abwenden müßt. Amen.
+
+ Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth!
+ Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut!
+ Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich,
+ Und was ich bet’ und will und greif’,
+ Dem bin ich in Christo gleich,
+ Als der Heilige im Himmelreich.
+ Im Namen Gottes † † †. Amen.
+
+ Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar
+ erfunden werden.
+
+Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern =christliche= Magie,
+welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17.
+Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.
+
+
+
+
+Von der Chiromantie.
+
+
+Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand,
+ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern,
+von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und
+Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder
+schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie
+wird eingetheilt in die =physische= und =astrologische=. Die erste hat
+allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften
+Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und
+Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In
+der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre
+Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.
+Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung
+gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken
+u. s. w.
+
+Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die
+Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch
+ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf
+verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene
+Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch
+kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach
+der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet –
+also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet?
+
+Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder
+verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit
+Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun,
+wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die
+Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die
+Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die
+in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten,
+auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet,
+wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen,
+die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern
+Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur
+vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von
+zukünftigen Dingen.
+
+Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w.
+gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und
+doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben,
+frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des
+Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand
+wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren.
+(S. Abth. III. die Wahrsagerin.)
+
+Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9.
+und lese weiter.
+
+Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen
+(_Pulex_), der Zeigefinger (_Index seu demonstrativus_), der
+Mittelfinger (_Medius_), der Goldfinger (_Annularis_) und der Ohrfinger
+(_Auricularis_).
+
+Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man _Mons Veneris_ (♀), den Berg am
+Zeigefinger _Mons Jovis_ (♃), den am Mittelfinger _Mons Saturni_ (♄),
+am Goldfinger _Mons Solis_ (☉) und am Ohrfinger _Mons Mercurii_ (☿).
+
+Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt _Restricta_;
+man hat bisweilen 4 Restrikten.
+
+Die =Lebenslinie= (_Linea Vitae_) fängt bei der Mittellinie an,
+zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und
+läuft bis an das Ende der flachen Hand.
+
+Die =Hauptlinie= (_Linea Capitis, Media naturalis_) fängt bei der
+Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende.
+
+Die =Tischlinie= (_Linea Mensalis_) fängt am Berge des Ohrfingers an
+und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.
+
+Die =Glückslinie= (_Linea Saturni_) geht von der _Restricta_ aus und
+bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet,
+gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht
+bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die
+Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten.
+
+Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so
+erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den =Tisch der Hand=
+(_Quadrangulus_ oder _Mensa manus_), welcher zum Ohrfinger gehört;
+daneben sieht man den =Triangel=, und unter demselben den =Mondberg=
+(_Mons Lunae_), links vom Triangel liegt der =Marsberg= (_Mons Martis_).
+
+Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit
+dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn
+in Verbindung steht.
+
+Ist nun die =Lebenslinie= lang und ganz, nicht zerschnitten, so
+bedeutet sie ein gesundes langes Leben.
+
+Wenn die =Linie des Hauptes= krumm und zertheilt ist, bedeutet es
+Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen
+Handlungen geneigt.
+
+Wenn die =Glückslinie= lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches
+Leben; ist sie zertheilt, Krankheit.
+
+Der =Triangel=, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet
+einen frommen friedsamen Menschen.
+
+Wenn der =Tisch= lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den
+Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn
+aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet,
+so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt
+Blutfluß.
+
+Wenn die =Tischlinie= die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen
+bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat
+der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.
+
+Der =Tisch der Hand=, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen
+geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein
+Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen.
+
+Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, –
+denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine
+Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band
+füllen könnten.
+
+Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren
+Eigenschaften vornehmen:
+
+Eine =lange Hand= mit =langen Fingern= bedeutet einen langsam trägen
+Menschen, einen Phlegmatikus.
+
+Wenn die =Mitte der Hand lang= und =hart= ist, dabei die =Finger lang=
+sind, bedeutet es einen diebischen Menschen.
+
+Ist die Mitte der Hand =hart=, doch =wohl proportionirt=, so bedeutet
+es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber =nicht gut=
+proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.
+
+Sind die Hände =dünn= und =lang=, doch nach dem Körper proportionirt,
+so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar.
+
+Ist die Hand =kürzer=, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und
+empfindlich.
+
+Ist die Hand =kurz= und =stark=, so bedeutet es einen sündhaften
+Menschen, und je mehr die =Finger hart= sind, desto boshafter.
+
+Wenn eine Hand =lang= und =groß= ist, doch proportionirt, so bedeutet
+es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten!
+
+Wer =lange Hände= und =lange kleine Finger= hat, ist ein harter Mensch.
+Die Natur gab auch den =Tyrannen= lange Hände!
+
+
+=Von der Geomantie.=
+
+Dies ist die sogenannte =Punktirkunst=. – Ehemals zeichnete man die
+Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich
+die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann
+fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der
+rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen
+den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine
+Figur gemacht. Doch solche =Punktirbücher=, die für sechs Pfennige
+verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein
+Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben.
+
+
+=Von der Onomantie= oder =Weissagung aus dem Namen.=
+
+Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl
+bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen
+in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß
+_Sors Pythagorica_. In der Folge brachten es die Christen in eine
+rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.
+
+Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als:
+
+ _A B C D E F G H I K L M_
+ 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 2
+
+ _N O P Q R S T V X Z_
+ 12 22 4 10 24 7 16 4 20 1
+
+Statt des _W_ nimmt man zwei Mal _V_, und statt des _Y_ das _I_.
+
+Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in
+ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen,
+welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was
+übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen
+beurtheilen:
+
+ =Rest:=
+ 1. 2. ist Beherrscher des Widders (♈).
+ 3. 4. " des Stiers (♉).
+ 5. 6. 7. " der Zwillinge (♊).
+ 8. 9. " des Krebses (♋).
+ 10. 11. 12. " des Löwen (♌).
+ 13. 14. " der Jungfrau (♍).
+ 15. 16. " der Wage (♎).
+ 17. 18. 19. " des Scorpions (♏).
+ 20. 21. " des Schützen (♐).
+ 22. 23. " des Steinbocks (♑).
+ 24. 25. 26. " des Wassermanns (♒).
+ 27. 28. " der Fische (♓).
+
+Der Widder, Löwe und Schütze sind =feurig=;
+
+Die Zwillinge, Wage und der Wassermann =luftig=;
+
+Der Krebs, Skorpion und die Fische sind =wäßrig=;
+
+Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock =irdisch=.
+
+Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist
+es gut und bedeutet =Zufriedenheit=, und sind es Eheleute, so überlebt
+eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede.
+
+Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so
+bedeutet es =Zank= und =Unglück=. Der das feurige Zeichen hat, lebt
+länger, als der andere.
+
+Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so
+ist die Bedeutung =mittelmäßig=. Der im luftigen Zeichen behält die
+Oberhand.
+
+Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es
+eine =ganz unglückliche= Vorbedeutung, und der luftige behält die
+Oberhand.
+
+Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so
+bedeutet es =Glück=, und der im wäßrigen spielt den Meister.
+
+Ein feuriges und luftiges Zeichen =vertragen sich mit einander=, jedoch
+überlebt das luftige das feurige.
+
+Feuer und Erde =vertragen sich nicht=; das feurige überlebt das
+irdische.
+
+Die luftigen und irdischen Zeichen sind =böse=; das luftige hat die
+Oberhand.
+
+Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei
+Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß
+=Otto=; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt,
+bleibt 20 und fällt in das Zeichen des =Schützen=, der =feurig= ist.
+Der zweite Name hieß =Amalia=, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt,
+6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der =Zwillinge= fällt und
+=luftig= ist. – Also werden =Beide sich mit einander vertragen; das
+luftige aber überlebt das feurige=.
+
+Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man
+dieselbe.
+
+Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen
+ebenfalls auf Spielerei hinaus.
+
+
+
+
+=Von den Geistern.=
+
+
+Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:
+
+1) =Feuergeister=, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend
+haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner.
+
+2) =Luftgeister=, welche man auch =Poltergeister=, =Sylvane=,
+=Windleute= genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch
+Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun.
+
+3) =Erdgeister=, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-,
+Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden.
+
+4) =Unterirdische Geister=, welche in Höhlen und Bergen, besonders in
+Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch
+Erdbeben und Winde erregen.
+
+5) =Wassergeister.= Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen,
+Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu
+Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um.
+
+6) =Lichtscheue Geister.= Sie lassen sich niemals bei Tage sehen,
+sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und
+fallen auch die Menschen an.
+
+Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit
+einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange,
+lange Zeit leben. –
+
+Ein Mehreres hiervon lese man: =Vom Bannen der Geister.=
+
+
+=Die Berggeister.=
+
+Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie
+sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in
+allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten,
+Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie
+den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen
+dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes
+ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute
+bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein
+Hinterleder tragen.
+
+Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre
+Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese
+Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den
+Dünsten verschiedene Abbildungen geben.
+
+Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern.
+
+
+=Der Kobold.=
+
+Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte _Kobalos_, Betrüger,
+Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch
+von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten
+Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein =Bergmännchen=
+nennt. Sonst wird unter =Kobold= ein Hausgeist verstanden, der
+sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten
+verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt
+werden, nicht leicht Schaden zufügen.
+
+Unter vielen Erzählungen ist der =Hildesheimische Kobold=, Hödekin oder
+=Hütgen=, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute.
+
+Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß,
+wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold
+gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist
+auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der
+Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.)
+
+
+=Wassergeister.=
+
+Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster
+auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar
+bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele
+nennen sie =Wassernixen=, welche die Menschen zu sich in das Wasser
+ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu
+warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche
+Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden
+und Nereiden nannte.
+
+
+=Das wüthende Heer.=
+
+Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl
+allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage
+allgemein gewesen.
+
+Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören
+lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört
+Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren
+Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun
+die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben,
+Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau
+zu untersuchen, entflieht der Furchtsame.
+
+
+
+
+Vom Bannen der Geister.
+
+
+Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie
+sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach,
+weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste
+zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein
+sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft
+glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken
+und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die
+Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem
+Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen
+wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf
+Erden und der künftigen Erreichung derselben! –
+
+Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen
+Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor.
+Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht
+ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der
+Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den
+allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen
+gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die
+darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung
+aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister
+beschwören wollen.
+
+Gewöhnlich werden die =Geister der Planeten= beschworen, welche gewisse
+Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt
+werden. So heißt der Geist der Sonne =Michael= – Der Geist des Mondes
+=Gabriel= – Der Geist des Mars =Samael= – Der Geist des Merkur
+=Raphael= – Der Geist des Jupiters =Sachiel= – Der Geist der Venus
+=Anael= und der Geist des Saturn =Cassiel=.
+
+Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl
+verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll.
+
+Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert,
+daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm
+u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein.
+Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben,
+vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen
+Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider
+anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften
+enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und
+Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem
+der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im
+angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen.
+
+Der =Zauberkreis=[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie
+vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man
+rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich
+gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet,
+in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat.
+
+[15] S. Fig. 10.
+
+Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von
+einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die =Stunde=, welche
+alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll,
+geschrieben[16]; 2) der =Name= und 3) das =Siegel= oder =Zeichen= des
+Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage,
+wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der
+gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit
+regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man
+den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit,
+wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes,
+nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis
+werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen
+Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11)
+im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen
+gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach
+Osten kommt das _Alpha_, nach Abend das _Omega_ mit einem durch den
+mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den
+vier Dreiecken vier _Pentagoni_ geschrieben. – So ist der Zauberkreis
+für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit
+Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und
+das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein
+weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen
+Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete _Pentaculum
+Salomonis_[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des
+Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß;
+zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch
+zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche
+den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den
+Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre
+Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen:
+
+[16] z. B. die =erste Stunde= am Sonntag im =Frühjahr= heißt _Yayn_.
+
+[17] Der =Name= des Geistes der Sonne ist =Michael=. Das =Zeichen= s.
+Fig. 11, wo die Siegel der sieben Geister stehen:
+
+ _a_) Siegel des Geistes =Michael=.
+ _b_) " " " =Gabriel=.
+ _c_) " " " =Samael=.
+ _d_) " " " =Raphael=.
+ _e_) " " " =Sachiel=.
+ _f_) " " " =Anael=.
+ _g_) " " " =Cassiel=.
+
+[18] =Michael=, =Dardiel=, =Huratapel=.
+
+[19] =Talui= (Frühling).
+
+[20] Die Geister des Frühlings: =Caracassa=, =Core=, =Amatiel=,
+=Commissoros=.
+
+[21] Das Hauptzeichen des Frühlings ist: _Spugliguel_.
+
+[22] _Amadai_.
+
+[23] _Abraym_, _Agusita_.
+
+[24] _Varcan rex_, _Tus_, _Andas_ und _Cynabal_.
+
+[25] _Adonai_, _Eloy_, _Agla_, _Tetragrammaton_.
+
+[26] Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für
+=Michael= Sandelholz.
+
+[27] S. Fig. 12.
+
+ Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und
+ Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, _El_, beschwören wir
+ euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die
+ man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht
+ und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen
+ _Adonay_, _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_,
+ _Jah_, _Tetragrammaton_, _Sadai_: Herr Gott, beschwören wir euch,
+ und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben
+ diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne
+ Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den
+ Namen _Y_ und _V_, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den
+ Namen Gottes _Agla_, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie
+ gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der
+ mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines
+ Bruders Esau; und durch den Namen _Anephexeton_, welchen Aaron
+ gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den
+ Namen _Zebaoth_, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des
+ Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen _Escerchie
+ Oriston_, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten,
+ daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten;
+ und durch den Namen _Elion_, welchen Moses nannte und solchen Hagel
+ hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch
+ den Namen _Adonay_, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land
+ Aegypten kam; und durch den Namen _Alpha & Omega_, welchen Daniel
+ nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen
+ _Emmanuel_, welchen drei Männer, _Sidrach_, _Misach_ und _Abdenago_
+ im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch _Hagios_ und
+ den Sitz _Adonay_; und durch _ô Theos iscyros athanatos_; und durch
+ die drei geheimnißvollen Namen, _Agla_, _on_, _Tetragrammaton_,
+ beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres
+ allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch
+ eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten
+ Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn,
+ welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und
+ durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor
+ dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und
+ durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen
+ Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird,
+ und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir
+ männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen
+ zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz _Baldachiæ_,
+ und durch den Namen _Primeumaton_, welchen Moses nannte, und die Erde
+ verschlang _Datam_, _Corah_ und _Abiron_; und in der Kraft jenes
+ Namens _Primeumaton_, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir
+ euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude,
+ bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage
+ des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl,
+ wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern
+ Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen _Adonay_,
+ _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt
+ euch _Adonay_, _Saday_, der mächtige und schreckliche König, dessen
+ Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein,
+ wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint;
+ es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges,
+ nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen _Adonay_,
+ _Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_, erscheinet, erscheinet! Was zaudert
+ ihr? Eilet! Es befiehlt euch _Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly,
+ Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe,
+ a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va_!
+
+Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen
+sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen,
+welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen.
+
+Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte
+Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte
+Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat?
+
+Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc.
+11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem
+Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden.
+– Aber keine =Geister=, davon steht nichts in der Bibel!
+
+Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen
+können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern
+Figuren bestehet.
+
+Verschiedene Manuscripte von =Teufels-Beschwörungen=, welche von
+Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden
+und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte
+Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden
+wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen
+mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige
+wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher
+Auszüge genommen haben:
+
+ 1) _Arbatel de magia veterum._
+
+ 2) Des schwarzen Cyprian _Miracul-_ oder Wunderbuch von 1500.
+
+ 3) _Raziel_, das alte Buch von der heiligen göttlichen =Magie= unserm
+ Vater =Adam=, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln
+ selbst offenbaret.
+
+ 4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen =Christophori=,
+ approbirt von dem bekannten =Raphael Meyer= aus der Gesellschaft
+ Jesu.
+
+ 5) _Citationes_ der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche
+ _Mosis Bibliae Magicae_.
+
+ 6) _Zoroaster_ des _Rabbi_ und Juden _Clavis Artis_. Das Original ist
+ von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben _Anno Mundi_ 1996.
+ Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden.
+ _Anno Christi_ 1236 durch _S. V. R. et A. G._
+
+ 7) Meines (_Dr. Faust_) _Miracul-_ und Kunst-Buches, genannt der
+ =Dreifache Höllen-Zwang=. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir
+ gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine
+ Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit
+ diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen
+ können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben
+ wir zum Titelkupfer gewählt.
+
+ 8) _Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon_
+ 1689.
+
+Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also:
+
+_Aziel_, der Schutzgeist der Erde und des Meeres.
+
+_Ariel_ hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land.
+
+_Marbuel_ hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen
+geheimen Wissenschaften.
+
+_Mephistophilus_ dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und
+übergiebt die Pygmäen und _Spiritus familiares_.
+
+_Barbuel_, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser
+und zu Land.
+
+_Aziabel_, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze.
+
+_Aniquel_, Fürst der Welt.
+
+Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt.
+Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten _Mephistophilus_,
+welchen auch _Dr._ Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen.
+
+Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der =Gürtel Salomons=, welcher 4
+Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter
+Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein =Zauberstab= von
+Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und =magische Kerzen= von wildem
+Bienenwachs.
+
+Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt
+man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn:
+
+ _O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist
+ Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o
+ esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera
+ Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim
+ † in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca
+ † Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch †
+ & Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi †
+ Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus
+ † Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas,
+ mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla
+ † Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o
+ Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen._
+
+Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt,
+wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:
+
+ _O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam †
+ o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen._
+
+Der Geisterfürst _Marbuel_ erscheint, wenn er gerufen wird, in der
+Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt.
+
+Der Sage nach wird manchen Lesern _Dr._ Faust’s =Mantelfahrt= bekannt
+sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu
+versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher
+selbst reden:
+
+»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf
+den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes
+Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß
+Du _NB._ ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und
+tritt _NB._ mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich.
+Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde
+darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst,
+_NB._ so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der
+Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest
+unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.
+
+
+=Citation.=
+
+ Ich rufe Dich Geist _Aziel Memomac_, und fahre mit mir nach _N_, und
+ richte mit mir aus, was ich haben will.
+
+_NB._ Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner:
+
+ O Du erhöre mich † _Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim_, daß ich
+ fahre, durch den Geist _Aziel_ an Ort und Stelle gebracht werde.
+
+ Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin
+ Du willst.«
+
+Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat
+die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt.
+
+
+
+
+=Von Schatzgräberei.=
+
+
+Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen
+Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder
+leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules
+Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch
+ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber
+und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr
+Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen,
+gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll
+Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne
+Beihülfe anderer Leute?
+
+Das sogenannte =Schatzlicht= ist besonders am Johannistage zu sehen,
+und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen
+Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder
+entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe.
+Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze
+von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies
+Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals
+kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen,
+daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr
+gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz
+anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von
+ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen
+haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem
+Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist.
+
+Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne
+verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute
+Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III.
+Schatzgräberei.)
+
+Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch
+und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel:
+
+Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in
+Ewigkeit, Amen.
+
+Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden:
+
+_O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex,
+Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam,
+Christe benedictam._
+
+Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.
+
+So Du einen Schatz heben willst, sagt _Dr._ Faust, und dazu kommst, so
+schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes,
+so kann es nicht verrücken:
+
+ _Domini Seussa Kaatu._
+
+Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst,
+so schreibe diese Worte darauf:
+
+ _Saat Saato da
+ Knuss Tetragrammaton
+ Agla Elyla Elylam
+ Mazakat Hane._
+
+Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die
+Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches
+dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz
+verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen,
+und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen.
+
+So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin
+im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen
+Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des
+S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit
+welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem
+saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist
+eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich:
+
+Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut,
+daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe
+noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch
+begleiten † † †.
+
+Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den
+Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei
+Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen,
+darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St.
+Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß.
+
+Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und
+ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein,
+in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die
+übrigen zwei Personen beten den Psalm _de profundis_; übrigens sollen
+auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher
+den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein
+soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein
+soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz
+versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist,
+über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist
+des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man
+von allem Schrecken befreit.
+
+Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit
+Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden:
+
+ _† Seglane † Sextex Jahix leomanx._
+
+Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne
+ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt
+man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem
+Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –
+
+Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung
+der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts.
+
+
+
+
+Zweite Abtheilung.
+
+ =Vom Aberglauben.=
+
+ Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!
+
+
+Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche
+die Abergläubischen in =allen Lebensverhältnissen= anwenden: bei
+Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie,
+bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein
+Bekannten und werden schon daran genug haben.
+
+
+=Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll
+diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel
+Jahre ich leben soll?=
+
+So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. –
+Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5,
+10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger.
+
+Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen
+entstanden sein:
+
+Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem
+Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn
+wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott
+bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.=
+
+Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf
+reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber
+gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen
+Weiber meinen: man habe kein Glück.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.=
+
+Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den
+Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern
+zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – _Rungius_, im
+ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S.
+54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König
+Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich
+ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm
+den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn
+oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von
+andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan,
+so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb.
+
+
+=Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf
+dem Feuer stehen läßt.=
+
+Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu
+haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen
+bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist
+also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen,
+wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt:
+
+ Nicht der Dreifuß, noch der Rost,
+ Sondern eine =magre Kost=,
+ Vieles Schminken, Cordoisiren,
+ Und mit Salben sich beschmieren,
+ Diese und dergleichen Sachen
+ Sind es, die die Runzeln machen.
+
+
+=Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.=
+
+Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein
+Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen
+Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der
+Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon.
+Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der
+Kropf bleibt am Halse. _Probatum est!_
+
+
+=Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer
+Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am
+Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.=
+
+Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der
+Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür
+zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg.
+Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben
+nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer
+Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach
+der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es
+wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit
+vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß
+sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die
+Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.
+
+
+=Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser
+kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.=
+
+Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses
+ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß
+dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.«
+
+
+=Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann
+erhalten werde.=
+
+Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus
+klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert
+die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen
+Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann:
+was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren!
+
+
+=Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein
+Zeichen des kommenden Krieges.=
+
+Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder
+kriegerische Spiele vornehmen.
+
+
+=Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.=
+
+Der Klee (_Trifolium_) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur
+(_Lusus naturæ_) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse
+Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden
+wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein
+Anderer muß lange darnach suchen.
+
+
+=Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt
+hinein.=
+
+Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w.
+nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine
+wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es
+müßte denn der Hoffarths-Teufel sein.
+
+
+=Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.=
+
+Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine
+Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten
+Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur,
+und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche
+in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber
+werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. _Probatum
+est! De mirabilibus Albertus M._
+
+
+=Ein Jägerstückchen.=
+
+Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in
+ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein
+muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann
+der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen
+die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen.
+
+Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden?
+
+
+=Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen
+Kopf hat, der stirbt das Jahr.=
+
+Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden
+Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten
+dadurch oft zwei Köpfe.
+
+
+=Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so
+stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.=
+
+Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man
+durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen
+prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann
+ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo
+des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu
+schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche
+Ursachen angeben können.
+
+
+=Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen
+zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses
+Krautes mit Nadeln durchsticht.=
+
+Das Johannis-Kraut (_Hypericum perforatum_) hat eiförmige und
+durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da
+man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut
+fand, und es _Daemonum fuga_, =Teufels-Scheu=, nannte.
+
+
+=Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.=
+
+Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel besser! – Was sollte
+aber der arme Hase Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes
+begegnete!
+
+
+=Wenn man aus dem Hause geht oder verreis’t, soll man nicht wieder
+umkehren, sondern das Vergessene durch Andere bringen lassen.=
+
+Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen nicht gelingen. – Es ist
+zwar besser, man vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und man
+unterweges auf jemand warten soll, bis er das Vergessene nachbringe, so
+verliert man Zeit und hat oft Schaden davon.
+
+
+=Wenn einem am Morgen beim Ausgehen ein altes Weib begegnet, ist es
+nicht gut.=
+
+Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß man vielen alten Weibern
+Hexerei Schuld gab. Es mag einem aber ein altes oder junges Weib
+begegnen, die Geschäfte werden nie anders.
+
+
+=Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht geschmolzenes Blei ins Wasser
+gießt, erfährt es durch die Figuren, was der künftige Gatte für ein
+Geschäft treibt.=
+
+Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen Ländern getrieben, und
+manches gute Mädchen hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer leicht
+glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in den zerrissenen Stücken Blei
+immer gern das, was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen
+Mädchen in der Christnacht rückwärts ein Scheit aus einem Holzstoß, um
+zu erfahren, ob ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade sein
+werde.
+
+
+=Helle Christnacht, finstere Scheuern; finstere Christnacht, helle
+Scheuern.=
+
+Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel; wenn der Mond in der Christnacht
+hell scheinet, so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern voll
+und finster sein; wenn aber Neumond und trübes Wetter ist, sollen
+die Scheuern nicht voll werden. – Der alte Julianische und der neu
+verbesserte Kalender weichen von einander ab, folglich, da diese
+und andere Bauern-Regeln schon alt sind, kann es auch jetzt mit der
+richtigen Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit schon
+darin beweiset, denn einige Erfahrungen machen noch keine bestimmte
+Regel.
+
+
+=Zwischen Todten und Lebendigen soll eine Sympathie herrschen.=
+
+Wenn man dem Todten etwas von einem Lebendigen in das Grab legt,
+soll Letzterer nicht lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht
+erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon erzählt. Aber es geht
+wohl natürlich zu. Derjenige, dem die Sache gehört, welche in das Grab
+gelegt worden, und an die =Fabel= glaubt, wird durch seine Einbildung
+sich selbst bald in das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte daran
+schuld ist.
+
+
+=Wer auf dem Acker etwas säen will, der soll den Saamen nicht auf den
+Tisch legen, er geht sonst nicht auf.=
+
+Wenn man Korn oder Waizen, das man zum Saamen bestimmt hat, aus Noth
+mahlen und backen läßt, so kommt er freilich auf den Tisch, und die
+Aussaat ist gehindert. Dies mag ein Spaßvogel gedacht haben, und andere
+nahmen es ernsthaft auf.
+
+
+=Wenn die Kinder schwer reden lernen, soll man ihnen Bettelbrod zu
+essen geben.=
+
+Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß die meisten
+Bettelkinder große Fertigkeit im Sprechen haben, um ihr Brod zu
+erbetteln, und dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere
+wieder bald reden zu machen!
+
+
+=Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu haben, nicht aus der Stube
+gehn.=
+
+Man glaubt, es nehme den Kindern die Ruhe. Der Ursprung dieses
+Aberglaubens ist schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen:
+Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft der Hausfrau hinderlich, und
+macht mehr Geräusch, als der Sitzende, wodurch das schlafende Kind
+gestört wird.
+
+
+=Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen Garbe kann man sehen, wie das
+Korn das folgende Jahr alle Quartale steigen und fallen werde.=
+
+Die Landleute machen folgendes Experiment: Wenn sie anfangen zu
+dreschen, nehmen sie die erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen
+auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden worden ist), dreschen
+das Korn aus, und nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll Korn,
+streichen es ab und schütten es auf den Tisch, welches das erste
+Vierteljahr bedeutet. Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses
+geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und schütten es wieder in das
+Gefäß und streichen es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen,
+so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr; streichen sie aber nichts
+ab, so wird das Korn aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit
+den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber bei Messung des Korns nicht
+zutragen, daß man nicht immer =gleich= abstreicht? daß man an den Tisch
+stößt, und bald etwas mehr oder weniger hat? Man mache nur den Versuch
+zur Ueberzeugung und lasse noch Einige dies Experiment machen, – wie
+verschieden wird die Weissagung ausfallen!
+
+
+=Wenn das Jüdel die kleinen Kinder nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel
+etwas zu spielen geben.=
+
+Viele Weiber werden nicht einmal das =Jüdel= kennen, und doch treiben
+sie damit Aberglauben. Kleine Kinder von wenig Wochen thun oft während
+des Schlafes die Augen halb auf, und die Augenäpfel wenden sie in
+die Höhe, fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder fort, oder
+schreien. Wenn dieses geschieht, sagen die Abergläubischen: »das
+Jüdel spielt mit dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben, machen sie
+Folgendes: Sie kaufen, ohne zu handeln, einen kleinen, neuen, irdenen
+Topf mit einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes Badewasser
+gegossen und auf den warmen Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen
+und das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen finden sie kein
+Wasser mehr im Töpfchen und glauben, das Jüdel habe es herausgespielt,
+ohne zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen eingetrocknet ist.
+Ferner blasen sie Eier in des Kindes Brei und in die Suppe der Mutter
+aus, und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen Kartenblättern
+mit Zwirn an des Kindes Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die
+Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand rasch in der Stube, daß
+die leichten Sachen sich bewegen müssen, da rufen die alten Weiber:
+Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spielt! – Welche
+Albernheiten! und doch geschehen sie! Das Kind aber wird fort die Augen
+verdrehen und lachen und weinen, ohne das Spiel des Jüdels. Man gebe
+dem Kinde, welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und das alberne
+Jüdel verschwindet gewiß.
+
+
+=Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.=
+
+Man soll es, wenn der Sirius sich sehen lasse, so daß Mond und Sonne
+einen nicht bescheinen, und zwar mit der linken Hand aus der Erde mit
+einem eisernen Instrumente graben. Die Griechen nennen dies Kraut
+_Peristecon_, die Römer _Verbena_, und wurde für ein heiliges Kraut bei
+den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut ist es nicht, daher wir auch
+das Experiment nicht machen können.
+
+
+=Das Osterwasser=
+
+wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und 12 Uhr, aber
+stillschweigend. Es soll sich lange aufbewahren lassen und, damit
+gewaschen, eine feine Haut machen. – =Jedes Wasser=, das im Frühlinge,
+und wenn die Sonne nicht scheint, geschöpft wird, hält sich länger und
+ist weicher, als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte.
+
+
+=Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein Delinquent gerichtet werden
+soll.=
+
+Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem Schranke an einem Nagel
+hängt, fängt an sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter
+erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn auch nicht direct durch
+das Gericht, sondern durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode
+verurtheilt werde, und er und die Seinigen, welche von den Urältern
+her jene Sage glauben, werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert
+sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch der Todtengräber und der
+Tischler, der Särge macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt.
+
+
+=Es soll gefrorne und eingeschlossene Worte geben.=
+
+Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben, daß Worte durch Kälte erhalten,
+oder in ein gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner Zeit
+wieder gehört werden können! Was für eine Kälte müßte das sein, und
+sollte der Mensch nicht =zuerst= erfrieren? Wie sollte aber auch die
+Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen vielleicht vom _Ovid.
+Metamorph. L._ II, 4. genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ:
+Midas hat Eselsohren.
+
+
+=Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen werden, denn es bringt
+Unglück.=
+
+Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger Hahn legen und von einer Kröte
+im Miste ausgebrütet werden soll, soll ein monströses Geschöpf, der
+=Basilisk=, entstehen, welcher sich in alten Höhlen, Brunnen und
+Gemäuern aufhält. Es soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt,
+Esaiä 59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte haben in den ältern
+Zeiten über dieses fabelhafte Thier geschrieben, nur Einige haben es
+verworfen.
+
+Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die Menschen tödten und alles um
+sich her mit seinem Hauche vernichten können; so bald er sich aber
+selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene Weise beschrieben,
+da ihn wohl Niemand lebendig oder todt gesehen haben wird, außer in
+einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er soll die Größe eines Huhns haben,
+Kopf und Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm und Hals sei
+gelbblau, der Leib und die Flügel gelb, blau, roth und grün gesprengt,
+habe lange gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht stehenden,
+gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten Schwanz.
+
+So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften Thiere.
+
+Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher einen Basilisken, der in Afrika
+mit Feuer getödtet worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius
+und _Dr._ Wedel in Jena, beschrieben das Thier; aber nachher erfuhr
+Letzterer in Hamburg von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein
+=gekünstelter= gewesen sei.
+
+
+=Von der Todtenuhr.=
+
+Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten oder Getäfel, gleich einer Uhr
+in abgemessenen Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische an
+Unglück und Tod. _Linnæus_ nennt diesen Wurm _Termitem fatalem_, und
+ist die bekannte =Papierlaus= oder =Bücherstaublaus=.
+
+
+=Von Vampyren und schmatzenden Todten.=
+
+Unter den schmatzenden Todten versteht man gewisse todte Körper,
+weiblichen Geschlechts, welche, wenn Seuchen grassiren, ihre
+Grabtücher, Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken und dabei
+schmatzen und, so weit sie mit dem Munde reichen können, alles
+verzehren. Und dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen den
+Daumen nicht aus der Hand gethan, oder den Mund nicht unbedeckt
+gelassen.
+
+Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe kann nur von einem lebendig
+Begrabenen oder von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende
+Erzählung beweiset, herrühren.
+
+In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf dem Gottesacker hören. Es
+kamen viele Menschen, um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin. Sie
+hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus dem das Schmatzen seinen
+Ursprung haben sollte, bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung
+=junger Eulen= sei, die in einem Mauerloche der Kirche, welche nahe
+dabei war, befindlich waren.
+
+
+=Die Vampyren oder Blutsauger.=
+
+Sie haben mit den obigen Verwandtschaft. Man versteht darunter todte
+menschliche Körper, welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen
+das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch tödten sollen. Unter den
+Raizen, Serviern ist dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr
+durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl und verbrennt den
+Körper.
+
+
+=Die ominöse Zahl =13.
+
+Vernünftige Personen haben noch jetzt den Aberglauben, mit 13 Personen
+nicht an Einem Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen möchte
+in wenigen Monaten eine Beute des Todes werden. – Dies kann immer
+geschehen, ohne daß die arme Zahl daran schuld ist.
+
+
+=Exorcismus.=
+
+Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten Exorcisten, namentlich die
+Jesuiten, Kapuziner u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen
+herplauderten, verstanden, und daß dieselben eine Kraft haben sollen?
+– Man höre nur die barbarischen Worte: _Theos Patir Heminas per
+Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa, Gebeche Banai Grabiai Elomnit_
+u. s. w.
+
+
+=Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden ist.=
+
+Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen hat, kennen zu lernen, macht
+der Abergläubische mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall, melkt
+die Kuh, indeß er das Eisen glühend macht, gießt dann die Milch in das
+Loch, und buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis die Hexe kommt,
+welche, wie er glaubt, während diesem Buttern so sehr gepeinigt wird,
+daß sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst kommen, und etwas
+verlangen, um dadurch das Buttern zu verhindern. Man macht daher den
+Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht herein kann. Mancher ist
+dadurch in den Hexenverdacht gekommen, daß er zufällig gerade zu der
+Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei getrieben wurde.
+
+
+=Das Mutisheer.=
+
+Es soll eine Menge Kinder sein, welche in den Wochen gestorben, ehe
+sie zur heiligen Taufe gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im
+Himmel aufgenommen zu werden, und hielten sie sich bald da, bald dort
+unter vielem Winseln und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es
+der Pöbel gehört haben. – Im Virgil _Aen._ VI. _v._ 435. steht etwas
+ähnliches.
+
+
+=Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang erfahren will, muß man die
+Bibel von ungefähr aufschlagen; was man zuerst erblickt, daraus
+entdeckt man das Gesuchte.=
+
+Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung widerlegen.
+
+Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er eine mit Dornen und Stechbeeren
+bewachsene Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige Schrift
+den Anspruch bestimmen und traf auf die Stelle Jeremiä 10, 19: =Ich
+denke aber, es ist meine Plage, ich muß sie leiden.= So unterblieb das
+nützliche Vorhaben.
+
+
+=Das Nasenbluten zu stillen.=
+
+Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen und diese in der Hand
+gehalten, bis sie erwarmt, stillt das Nasenbluten. – Dieses wird von
+selbst geschehen, wenn man so lange Zeit wartet.
+
+
+=Der Haselstock thut Wunder.=
+
+Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig, oder ein kleines Stück
+Fleisch an einen Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht,
+dreht sich der Stock von selbst über den Kohlen. – Dabei ist aber weder
+der Vogel, noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht sich von der
+Hitze natürlich zusammen und – dreht sich.
+
+
+=Vom Alpdrücken.=
+
+Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel selbst, oder irgend ein
+Gespenst sein. Er kommt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer,
+wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl gar herab und peinigt
+den Schlafenden. – Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im Körper
+ein Zusammenziehen der äußern Theile, krampfhafte Zufälle, Erstarrung
+u. s. w. Vollblütigkeit, das Liegen auf dem Rücken, das niedrige
+Kopfliegen, Ueberladung des Magens erwecken jene ängstlichen Träume und
+– das Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd. S. 180 ff.)
+
+
+=Heilung einer Fistel.=
+
+_Dr. Joh. Dolæus_ erzählt in den
+Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch- und botanischen
+Abhandlungen _Tom._ V. Wahrnehm. LXI.:
+
+Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten Fürstin von Nassau-Diez
+aufhielt, so erzählte mir der berühmte _Dr._ Geilfuß, es seie ihm
+jemand bekannt, der lange Zeit an dem Schenkel mit einer Fistel
+beschwert gewesen, woraus verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen
+Papier, Haare u. s. w. hervorkamen. Man habe vielerlei Arzneien, aber
+vergeblich, gebrauchet; endlich habe sich ein Mensch, den der Pöbel für
+einen Zauberer hielt, angegeben, und das Geschwür in Kurzem zu heilen
+versprochen. Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt, so habe er
+ein aschfarbiges Pulver in die Wunde gestreuet, und blos dadurch den
+Kranken in wenig Tagen geheilet. _Dr._ Geilfuß versicherte mir, es sei
+dieses Pulver nichts anderes, als =Asche von einer verbrannten Hexe=
+gewesen.
+
+Solche Dinge glaubten damals auch =gelehrte Männer=!
+
+
+
+
+=Dritte Abtheilung.=
+
+ Erzählungen
+ von
+ =Geister=- und =Gespenster-Erscheinungen=,
+ mit hier und da
+ eingestreuten natürlichen Erklärungen.
+
+ _Verba movent, Exempla trahunt._
+
+
+
+
+Das Gespenst im Hause.
+
+
+_Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252._ erzählt seinem Freunde
+=Sura= eine Geschichte von einem Hause in Athen, welches von einem
+Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt worden, und hätte leer
+gestanden, bis endlich der Philosoph =Arthenodorus= hineingezogen,
+den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in den Hof gefolgt, wo
+er verschwunden sei. Den Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit
+angezeigt und aufgraben lassen, wo man denn die Gebeine einer Person
+gefunden hätte, welche in Ketten gelegen, und die er habe begraben
+lassen; worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden wäre.
+
+Mehrere Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben, obgleich er
+selbst sagt, _ex ponam ut accepi_ (daß er das Erzählte =gehört= habe),
+und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen!
+
+
+
+
+=Anzeigen des Todes.=
+
+
+I.
+
+Der Rektor Gottfried =Vockerodt= in Gotha, der 1727 starb, hinterließ
+einen Sohn, welcher in Halle studirte. Dessen Mutter und Schwester
+wohnten noch in Gotha. Einstmals, da beide in der Stube sitzen, hören
+sie, daß jemand mit starken Schritten die Treppe herauf kömmt. Die
+Mutter geht hinaus, und erblickt ihren Sohn, der sich vor sie stellt,
+aber zu ihrem Schrecken eine große Wunde in der Brust hat, aus der das
+Blut hervorströmt. Da sie ihn anreden will, sinkt er vor ihr nieder
+und verschwindet. Am folgenden Tage erhält sie durch einen Boten die
+Nachricht, daß ihr Sohn um dieselbe Stunde, da er ihr erschienen war,
+auf der Saalbrücke in Halle erstochen worden sei.
+
+Diese Erscheinung ist wegen der dabei eingetroffenen Umstände, als
+wichtig für den Geisterglauben, anzusehen; jedoch ebenfalls, wie alle
+andern, wo historischer Beweis der Thathandlung und die Glaubwürdigkeit
+der Zeugen fehlen, widerlegbar. Auch sind vorhergegangene Umstände der
+Mutter nicht berührt worden, welche fähig gewesen sein können, diese
+Vision zur Wirklichkeit zu bringen. Konnte nicht ein Landsmann der
+Mutter kurz vorher von ihres Sohnes bevorstehendem Duell Nachricht
+gegeben haben, und sie sich mit gewissen Vorstellungen gequält, bis sie
+jene Vision hatte, zu welcher Zeit ihr Sohn zufällig erstochen wurde.
+– Warum erschien das Gespenst nicht sogleich in der Stube, und machte
+erst Geräusch eines Kommenden, das die Mutter dann allein sahe?
+
+
+II.
+
+_Dr._ =Jung=, genannt Stilling, erzählt in seiner »Theorie der
+Geisterkunde, Nürnberg 1808.« eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser
+sonst würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie gezeigt, daß
+er ein Schwärmer und der =abergläubigste Kopf= sei; er hat alles
+=frischweg= geglaubt und so leider! dem Publikum wieder gegeben. –
+Seine Wahrheit sucht er besonders auf Glaubwürdigkeit der Personen zu
+stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst geschehen ist. Von
+vielen solchen abergläubigen und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie
+ein Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten Schaden nur
+bringen können, wollen wir die wichtigste herausheben, welche nach der
+Erzählung des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes von Seckendorf
+hier notirt worden ist.
+
+König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Vater König Friedrichs II.,
+stand mit dem König August II. von Polen in so freundschaftlichen
+Verhältnissen, daß sie einander, wenn es möglich war, wenigstens
+einmal des Jahres sahen. Dies geschah auch noch kurz vor dem Tode des
+Letzteren. Derselbe schien sich damals ziemlich wohl zu befinden,
+nur hatte er eine etwas bedenkliche Entzündung an einer Zehe. Die
+Aerzte hatten ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken sehr
+gewarnt, und der König von Preußen, welcher dieses wußte, befahl seinem
+Feldmarschall von Grumbkow (der den König bis an die Grenze begleitete
+und ihn dort in einem königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen
+sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß alles sorgfältig vermeiden
+möchte, wodurch die dem König von Polen aus erwähnter Ursache von den
+Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung im Genusse des Weines überschritten
+werden könnte.
+
+Als aber König August noch gleichsam zu guter Letzt einige Bouteillen
+Champagner verlangte, so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst liebte,
+nach, und genoß dessen auch seiner Seits so viel, daß er sich, indem er
+über den Hof des königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an einer
+Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich daher in einem Tragsessel
+zum König August bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des
+andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm noch einige Aufträge an
+König Friedrich Wilhelm geben wollte. Hierbei war der König von Polen,
+außer einem vorn geöffneten Hemde, nur mit einem kurzen polnischen Pelz
+bekleidet.
+
+In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen Augen erschien er am
+1. Februar 1733 früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall von
+Grumbkow und sagte zu ihm:
+
+_Mon cher Grumbkow! je viens de mourir ce moment a Varsovie._
+
+Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches damals noch wenig
+Schlaf gestatteten, hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner
+=Nachtlampe= und durch seine dünnen Bettvorhänge, bemerkt, daß sich die
+Thür seines Vorzimmers, worin sein Kammerdiener schlief, öffne, daß
+eine lange menschliche Gestalt herein komme, in langsam feierlichem
+Schritt um sein Bett herumgehe, und seine Bettvorhänge schnell öffne.
+Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so, wie Letzterer nur wenige
+Tage vorher lebendig vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten
+Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige Worte gesprochen hatte,
+wieder zu eben der Thür hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur
+nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener: ob er den nicht auch
+gesehen habe, der so eben gerade da herein und hinaus gegangen sei? –
+Der Kammerdiener hatte nichts gesehen.
+
+Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang an seinen Freund, den
+damals bei König Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl.
+königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen von Seckendorf, und bat
+letzteren, die Sache dem König mit guter Art bei der Parade zu
+hinterbringen. Bei dem Gesandten von Seckendorf befand sich, als
+ihm das Grumbkowsche Billet schon früh um fünf Uhr zukam, dessen
+Schwestersohn und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf, nachheriger
+Brandenburg-Anspachscher Minister, und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath.
+Jener sagte zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen darbot: sollte
+man nicht denken, die Schmerzen hätten den alten Grumbkow zum Visionär
+gemacht? Ich muß aber den Inhalt dieses Billets noch heute dem König
+hinterbringen.
+
+Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre) langte durch die von
+Warschau bis Berlin von drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen
+Uhlanen und Preußischen Husaren die Nachricht in Berlin an, daß der
+König von Polen in der nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung
+gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei.
+
+Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der Verf. fort, beruht auf der
+Glaubwürdigkeit solcher Personen, an deren Kopf und Herz zu zweifeln
+Verbrechen sein würde. =Sie ist also gewiß!= –
+
+Können denn große Herren nicht auch Visionen, wie ein anderer gemeiner
+Mann, haben und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte nicht schlafen,
+seine Schmerzen rührten von dem übertretenen Befehl her, keinen Wein
+dem König von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß genossen
+hatte. Er dachte natürlich an den schon kranken König, welches Uebel
+ihn ergriffen haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen Idee bei
+ihm, die Einbildung wirkte mit, und die Erscheinung läßt sich durch die
+Sinnen-Täuschung, wie alle übrigen, natürlich erklären. Und des Königs
+Tod zur selbigen Zeit giebt blos der Erzählung einen Anstrich von
+Wahrheit, doch keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des kranken
+Grumbkow fehlen.
+
+
+
+
+Das Sehen seiner selbst.
+
+
+Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Rostock der Professor
+der Mathematik und Hauptpastor an der Jacobikirche, =Becker=, in
+Gesellschaft verschiedener guter Freunde, die er bei sich bewirthete,
+in einen theologischen Streit gerieth, indem er behauptete, daß ein
+bestimmter Gottesgelehrter in seiner Schrift eine gewisse Meinung
+hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte er sich und ging in
+seine Bibliothek, um das Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst
+auf dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich zu sitzen
+pflegte. Er ging näher und sah über die rechte Schulter des Sitzenden,
+bemerkte auch, daß dieses sein anderes Selbst mit einem Finger der
+rechten Hand auf eine Stelle der vor sich liegenden aufgeschlagenen
+Bibel wieß, und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein Haus, du
+mußt sterben. – Voll von Gedanken ging er zurück und kam mit einigem
+Tiefsinn zur Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob man ihm
+schon die Sache auszureden, auch alle nachtheilige Bedeutung kraftlos
+zu machen bemüht war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung, es
+würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten, daher er auch von seinen
+Freunden Abschied nahm. Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen 6
+Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen Alter. –
+
+Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die, wenn sie auf diese oder jene
+Art angegriffen werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes
+geschieht, das Bild eines Gegenstandes, der außer uns nicht wesentlich
+da ist, in uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen Gehirn
+also beschaffen ist, einige Schritte von sich ein Phantom zu erblicken
+glaubt.
+
+Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel wegen einer
+Leichenpredigt aufgeschlagen und sich jene Stelle lebhaft eingeprägt,
+die er aber nachher wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem Alter
+war. Da er nun, wie Andere in ähnlichen Fällen, eine Vision seiner
+selbst erhielt, so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten jene
+Stelle wieder einfiel und auch diejenige Stellung wieder darstellte,
+in der er sonst, wenn er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz
+vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle Leute von schwachem
+Gesichte es häufig thun, die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße
+Lebhaftigkeit und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den wichtigen Inhalt
+dieser biblischen Stelle mußte nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung
+des Nervengeistes, die der Stärke der Vorstellung entsprach und gemäß
+war, zum Begleiter haben, so wie die vergesellschaftete Idee von seinem
+ehemaligen Sitzen und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften
+Einbildung, sich seiner Seele in einem großen Lichte darstellte, womit
+ebenfalls derjenige Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in den
+Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu sein pflegt, wenn man außer
+sich ein Weisen mit dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket. Becker
+war nun in banger Erwartung; Furcht und Angst ergriffen ihn, und sein
+alter schwächlicher Körper wurde zerrüttet.
+
+
+
+
+=Vom Doppelsehen.=
+
+
+Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen, Heiraten, Begräbnisse,
+Streitigkeiten, Schlachten u. s. w. sehen. Auch sollen sie Geister
+sehen können. Diese Art Menschen müssen also nebst dem ordentlichen
+Gesicht noch ein außerordentliches Nachgesicht haben, und solche
+Doppelseher soll es besonders in Schottland gegeben haben.
+
+Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was geschehen wird: z. B. einen
+Mann ohne Kopf, welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie einen
+Menschen mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, so bedeutet es dessen
+unverhofften Tod. Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie einen
+Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese Doppelseher, wenn die Sache
+wichtig ist, schwitzen, zittern und schreien; andere Zeit lachen sie
+wieder.
+
+»Aber,« bemerkt der Autor, =Joh. Beaumont=, in seinem
+historisch-psychologisch- und theologischen Traktat von Geistern,
+Hexereien u. s. w. – »die Personen, welche diese Gabe besitzen, sind,
+wie man angemerkt, mehrentheils =lasterhaft=.« – Ueberhaupt sind die
+Doppelseher leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals Betrüger. –
+
+Die =Pferde= und =Hunde= sollen auch die wandelnden Geister, Hexen und
+Gespenster sehen und – riechen. –
+
+=Beaumont= erzählt folgende zwei Geschichten von Doppelsehern:
+
+Eine Person von großer Gelehrsamkeit und vornehmen Stande reis’te einst
+mit vielen Dienern auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von ihnen
+ging etwas voraus, und indem er in ein Haus treten wollte, prallte er
+mit einem Schrei und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über einen
+Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was es gäbe? Da entgegnete er mit
+ernstem Gesicht: Man solle nicht in das Haus gehen, weil in kurzem
+ein Todter herausgetragen werden würde, denn verschiedene Personen,
+die solchen trugen, wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr lachte
+über diese Geisterseherei und ging in das Haus, erkundigte sich aber
+doch, ob eine kranke Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war
+keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder Highländer. Aber nichts
+destoweniger starb er am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende
+das Haus verlassen hatte.
+
+Die zweite Geschichte ist folgende:
+
+Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen Familie befanden,
+erzählten dem Autor, daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei
+Mannspersonen zur linken Hand stehen gesehen hätten. Sie nannten die
+Herren und zweifelten nicht, da diese gleichen Standes wären, die
+Tochter werde einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht den andern
+nach des Ersten Tode. Endlich erschien noch ein Dritter, der der
+Tochter am nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht, ob sie
+ihn schon genau beschreiben konnten. Nach einigen Monaten erschien der
+Dritte in wirklicher Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher
+übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf die Tochter, und beide
+leben auf der Insel Skye (nämlich im 16. Jahrhundert).
+
+
+
+
+=Der Poltergeist.=
+
+
+Manches Gespenster-Blendwerk würde sich in der wahren Gestalt zeigen,
+wenn ein unerschrockener Muth, dasselbe genau zu untersuchen, sich
+demselben näherte.
+
+In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit von Breteuil, bemerkte man
+ein oft wiederholtes Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob das
+ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich ein schreckenvolles Geheul
+hören ließ. Doch ereignete sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu
+bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den Tag Aller-Heiligen.
+Diese Beunruhigung erregte eine solche zaghafte Furcht, welche
+verursachte, daß Niemand den Muth hatte, diesen Ort zu bewohnen, bis
+auf den Pachter, der so glücklich war, von diesem Geiste nicht im
+Geringsten beleidigt zu werden, dahingegen Fremde, die dreist genug
+waren, daselbst zu schlafen, mit Schlägen so empfangen wurden, daß
+man die Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen konnte. Dieses
+Geisterspiel dauerte verschiedene Jahre, und that dem Besitzer, einem
+Präsidenten, beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter sein Landgut
+um einen sehr geringen Pacht überlassen mußte. Endlich bot er alle
+seine Kräfte auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür er die
+Sache mit vollem Rechte hielt, ein Ende zu machen. Daher reiste er um
+diejenige Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist geschäftig
+zu beweisen pflegte. Er legte sich in seinem Schlosse zu Bette, und
+gesellte neben sich noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die den
+ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten Lärm mit Pistolen auf
+den Geist Feuer zu geben. Allein nur in einer Kammer, die über des
+Präsidenten seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse und Lärmen, das
+dem Herumschleppen mit Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die
+Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten und beunruhigten
+ihn mit eifrigen Bitten, er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen,
+weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge. Ihre Erzählungen
+und ihre Bitten bewog die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen, sich
+nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere Untersuchung ihnen
+zu überlassen. Sie gingen auch Beide hinauf, mit der Pistole in der
+einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs sahen sie nichts, als
+einen dicken Rauch, nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis
+nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist in der Mitte sich in ganz
+schwarzer Gestalt darstellte und allerhand Sprünge machte, doch aber,
+wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und Dampfes, sich gar bald
+den Augen der Zuschauer wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer
+der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf dem Kopfe und einen
+Abscheu erregenden Schweif, so daß auch der eine Edelmann zur Retirade
+anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden sei; der andere war
+jedoch beherzter und erwiederte, der Rauch sei von Stückpulver, und
+die große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes erhelle
+schon daraus, daß er nicht einmal die Kühnheit und Macht habe, die
+Lichter auszublasen. Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte
+auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges los, mußte aber dennoch
+mit einiger Verwunderung wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung blieb
+und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn setzte, wodurch der Edelmann
+beinahe aus seiner Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich
+und ging dem Gespenste näher auf den Leib, um durch den Sinn des
+Gefühls mehreren Aufschluß in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da
+er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und Berühren auszuweichen
+suchte. Da er nun zu nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus und
+eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann leicht denken, daß diese
+Flucht des Edelmannes Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden Siege
+Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem Feinde nachsetzte, und der
+mannichfaltigen krummen Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst
+durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor, bis der Geist an einen
+Maierhof kam, den er offen fand und darin seine Zuflucht suchte. Doch
+stürzte er erst gegen die Mauer, wo der Edelmann selbigen zu erhaschen
+glaubte, obschon vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend
+nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute herbei, die an dem Orte, wo
+das Gespenst verschwunden zu sein schien, nachgraben mußten, wo er dann
+bald eine Thür zu einem verborgenen Gange gewahrte. Er stieg hinunter
+und fand seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten, daß man
+nicht hart fallen konnte, wenn man übereilt hineinsprang. Nun jagte er
+das Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit heraus zu gehen.
+Und siehe, es war der Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die
+gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse wirkungs- und kraftlos
+machte. Er wurde hierauf mit der Bedingung entlassen, daß er seinem
+Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte.
+
+ * * * * *
+
+Herr _Dr._ Jung tischt uns noch eine andere Geschichte eines
+=Poltergeistes= auf, wobei er, wie in seinem ganzen Werke, als
+=eifriger Vertheidiger= der Geister-Erscheinungen, Erklärungen giebt,
+welche dem gesunden Menschenverstand das Grab bauen müssen.
+
+Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen, sagt er, die das ernste
+göttliche Gericht auf lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen
+zum warnenden Beispiel, auf der Grenze zwischen dieser und jener Welt
+zu verweilen, bis ihr ewiges Schicksal entschieden ist (_sic!_).
+
+Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger und Handwerksmeister
+in einer Stadt schrieb mir vor ein Paar Jahren eine merkwürdige
+Geister-Erscheinung, die einem seiner Freunde begegnet, aber mit der
+es noch nicht ganz im Klaren ist, weswegen ich sie auch hier nicht ganz
+erzählen mag. –
+
+Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem Brief einer Geschichte,
+die er selbst erlebt hat; ich bat ihn, mir diese ausführlich
+mitzutheilen; hier folgt sie mit seinen eigenen Worten:
+
+Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem lieben unvergeßlichen Meister
+*** in *** in Arbeit, allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen zubrachte,
+ehe ich mich in die Schweiz, und zwar nach Basel in Arbeit begab. Da
+ich nun von Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen schwachen
+Spuren) gesehen hatte, so war ich Tag und Nacht nicht furchtsam,
+sondern jederzeit und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken. Da
+geschah es nun öfters spät in der Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer
+etwas zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch jedesmal im
+Finstern, für mich und meine Nebengesellen, gern verrichtete, und ich
+kann wohl sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch aber schon
+gehört hatte; das schrieb ich denn, weil ich von nichts wußte und
+von nichts wissen wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien,
+den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so mögen ungefähr fünf Wochen
+verflossen gewesen sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne ein
+Licht mitgenommen zu haben, von meiner Schlafkammer wieder herunter in
+die Stube kam, daß unsere damalige Magd D.... von St.... zu lächeln
+anfing, und dabei sagte: der L.... fürchtet sich doch nicht; geht doch
+einmal kecklich auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es wird ihm
+anders kommen, wenn ihm einmal unser Sackträger begegnet, oder sich
+recht hören läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich weiter
+nichts; übrigens ging mir doch ein großes Licht über die Furcht auf,
+die man für den Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies nämlich
+niemand einzeln, geschweige ohne Licht, außer mir, wagte. Daher merkte
+ich bald, daß man da ein Gespenst ahnen müsse.
+
+Nun war aber meine Spannung, =so etwas= auch zu sehen, oder von der
+Art, gründlich zu hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer
+lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache erfahren hatte. Nun waren
+die Osterfeiertage vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus,
+daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und wirklich geschah es
+auch; denn als ich einmal mit meinen Nebengesellen des Nachts in die
+Schlafkammer ging, so fing es über derselben, also auf dem vierten
+Boden (denn unsere Kammer war drei, und dieser Boden vier Treppen
+hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von jeher die meisten Unruhen
+gespürt worden waren, ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen,
+gerade so, als wenn einer ganz matt und mühsam in alten Pantoffeln
+einherschleicht, und in der Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während
+diesem waren alle drei Gesellen im Bett, und mein Schlafkammerad
+schlüpfte indessen so unter die Decke hinunter, daß nichts von ihm
+bemerkt werden konnte, ich aber behorchte die Sache genau und athmete
+kaum hörbar. Da sich nun das Geschlürfe von hinten her bis über
+unsere Bettstellen gezogen hatte, so that es auf einmal einen so
+fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere Bettstellen zitterten.
+Es war just ein Fall, als wenn einer, von der Last gedrückt, einen
+schweren Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen. Ich muß
+gestehen, daß ich noch nie einen solchen schauerlich dumpfen Fall
+gehört habe; unterdessen dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang
+fort, ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein Nebengeselle, der
+unter der Decke steckte, an, und sagte ganz leise: Du wirst verstehen,
+warum wir Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete ich laut, den
+will ich aber auch sehen, ehe ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht!
+sei doch still, Du machst uns alle noch unglücklich! Ich lachte, und
+war gerade im Begriff, aus dem Bette und hinauf zu steigen, aber er
+hielt mich und bat um alles willen, doch stille zu sein und bei ihm zu
+bleiben. Dies that ich ungern, doch nahm ich mir vor, es zu thun, wenn
+alle schlafen würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich schliefen
+wir ein.
+
+Des andern Morgens erzählten wir unserm Meister, was sich die Nacht
+zugetragen und was ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte es
+ohne Verwunderung an, und sagte mit einem besondern Nachdruck, der
+ihm ganz eigen war: Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind
+in unserm Hause nichts Neues, und waren einst die Ursache, daß es
+mein Großvater kaufen konnte. Er war aus M... in H... und auf der
+Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann einige Jahre zubrachte, ehe
+er sich entschloß, hier zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der
+damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann, war deswegen ausgezogen,
+und gesonnen, es dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater,
+ein religiöser und unerschrockener Mann, benutzte diesen Umstand und
+ging hin, es zu kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel, daß
+er es selbst besehen konnte; aber er selbst ging nicht mit, sondern
+überließ es ihm sogleich käuflich um einen sehr geringen Preis und
+erzählte ihm, warum das Haus so ins Unglück gekommen und was ihm von
+den Vorfahren her gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert
+Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von denen einer noch diese Stunde
+im Hause umherschwebe und des Nachts, besonders auf jenem Boden, die
+Menschen beunruhige. Die Ursache, warum? habe bisher Niemand erfahren
+können; aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters könne er in dem
+Hause selbst, so wie auch an den daran gebauten, wahrnehmen, z. B.
+Klostergemälde, Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren; und wenn er
+hinter dem Ofen in der mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die
+Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle erst diese Stube gemacht
+worden sein. (Dies alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie Ihr
+selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen hinderten meinen Großvater
+nicht; er zog ein und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von ihm, daß
+sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und ein solcher Fall im Hause habe
+hören lassen, aber so öfters und so heftig sei es damals nicht gewesen,
+auch habe er und die Seinigen nie etwas zu Gesicht bekommen, und schon
+damals war dem Unruhmacher der Name =Sackträger= gegeben worden. Unter
+diesen Umständen starb mein guter Großvater, und mein seliger Vater
+bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas lauter.
+
+Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens ***, das untere Stock zur
+Wohnung. Da dieser nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem Ofen
+stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte, hörte er endlich das
+schmale Gänglein herauf, das von der großen steinernen Kellertreppe in
+den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein leises Schlürfen, das ihm
+die nahe Ankunft eines lebenden Wesens verkündete und auch wirklich
+nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen, mit einer Kutte
+und einer ziemlich schwarzen Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen
+ihn herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu bleiben und etwa sein
+Begehren anzuhören, erschrak so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh,
+alles verschloß und verriegelte, sein Brod im Ofen stecken und, weil
+er vor hellem Tage nicht heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ.
+Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause. Hernach hat ihn in eben
+dieser Gestalt auch unser, auf diesem Boden wohnender Hausherr, der
+Weber gesehen, gerade als er die Steige des dritten Bodens auf den
+vierten hinaufschlich. Auch liegen des Webers Gesellen, die neben Eurer
+Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen Beunruhigungen willen,
+nicht mehr droben, sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch so
+ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer steht auch leer bis diesen Tag.
+Dieses ist es, sagte mein guter Meister, was ich von diesem Umstand
+zu reden weiß. Das war mir aber einstweilen schon genug, ich kannte
+ihn, daß er mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt war,
+sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen wäre, lieber nichts
+daraus gemacht hätte. Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich nun
+auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er nur nicht frech, wir wollen Ihm
+gewarnt haben. Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis ich
+wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören, allein es geschah
+nicht alle Nacht, sondern sehr unbestimmt.
+
+Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines lieben Meisters seliger
+Bruder, ein Zeugmacher, der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank,
+und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger ließ sich der
+Geist oben auf der Bühne hören, so daß ich über dem Anhören dieser
+übernatürlichen Bewegungen, Tönen und Fallen manche Stunde schlaflos
+zubrachte[28]. Dies sagten wir dann unserm Meister, dem ging es diesmal
+mehr zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte, besonders
+aber, als vollends mein Nebengesell, der Schaden an seiner Gesundheit
+angab, gehen wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich konnte,
+und er blieb dann auch wirklich bis folgende Weihnachten. Aber die
+Krankheit des lieben seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben
+an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende und ging ein zu seines
+Herrn Freude. Ich war bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind und
+bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle tragen in die dritte
+Kammer von der Stube abwärts, wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe
+dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen entzogen wurde. Des
+Abends, da ich vorher manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit meinem
+Nebengesellen zu Bette; aber was geschah? Jetzt ließ sich der Geist
+auf eine solche Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn ich daran
+denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt, so fing es wieder an,
+von hinten schwer und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei
+Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die Decke, allein diesmal
+nützte es nichts, denn diesen Vorgang hörten alle, weil es gleich
+darauf einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that, daß wieder
+alles zusammen zitterte. Ich behorchte es genau, und hörte, daß es nun
+eine Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s, als sich nach
+derselben ein Mark und Bein durchdringender hohler Seufzer hören ließ;
+diesen zu beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten, daß
+kein Mensch und keine Kreatur einen solchen kläglichen, trauer- und
+schauerlichen Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen, war
+es, wie wenn ein schwer Gefallener sich wieder allmälig aufzuraffen
+suchte und doch nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff des
+Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht und eine Pause wieder
+ohnmächtig da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern und dann
+wieder auszuglitschen, und darunter hinein die fürchterlichsten Seufzer
+hören zu lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören, und das
+Nämliche ließ sich auch in der zweiten Nacht hören.
+
+[28] Der Erzähler vergißt, daß er bei der nächsten Gelegenheit auf dem
+Boden gehen wollte. d. H.
+
+Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften Menschen hätte geschehen
+können, denn, wie gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und aus dem
+Hause wäre um alles in der Welt Niemand auf den Boden gegangen, und
+von außen konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des seligen Mannes
+sagten wir unserm Meister nun, was sich in den verflossenen Nächten
+ereignet habe. Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er erzählte
+die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath *** und dann auch
+dem Herrn Hofkaplan ***, besonders aber bezog er sich auf die letzten
+Unruhen. Allein diese ließen sich auf die Sache nur in so weit ein,
+daß sie den Schluß machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder so
+selig in jene Wohnungen übergegangen, es diesem noch unseligen Geiste
+sehr schmerzen müsse, daß er auf diese Weise noch hier schweben solle,
+das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die außerordentliche Unruhe
+über den Heimgang seines seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß er
+sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus sei zu schließen, daß
+seine Erlösung noch ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem
+lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend, weil er auf diese
+Art so bald keinen Ausgang hoffen durfte.
+
+Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden,
+des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der
+Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er,
+gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete
+laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem
+Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so
+sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber
+Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich,
+daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes
+zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas
+sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen
+Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte
+meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten
+Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war;
+aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter
+kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so
+sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener
+Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch
+öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer
+mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen.
+Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und
+seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre.
+– Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht;
+und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle
+that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell
+sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich
+bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß
+ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht
+von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w.
+aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als
+ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich
+hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich
+stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise
+aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute
+mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe
+und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der
+Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich
+her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben
+auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen
+dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in
+der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen,
+was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden
+wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang,
+der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so
+still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber
+während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen
+Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde
+mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir
+fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle
+drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht
+gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun;
+– aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um
+mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke
+des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr
+4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß
+alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand
+ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich;
+ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens;
+auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich
+können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere,
+aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause
+mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache
+erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem _Esse_ ist, doch sich
+nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses _Seculi_, und bei dem
+Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w.
+
+So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige Freund. –
+
+Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch noch einige Erklärungen
+des Herrn _Dr._ Jung hinzufügen.
+
+»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte er, da auch seine Absicht
+recht und gut war, nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die
+=Rebenbüschel= auseinander riß und also wahrscheinlich =die Dunsthülle
+des Geistes= mit seinen Händen durchwühlte; dies hätte =bösartige= und
+=gefährliche Geschwüre verursachen können=, die ihm das Leben gekostet
+hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist kein bösartiges,
+sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges, schwer leidendes Wesen zu
+sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben kann; =folglich= ist auch
+seine =Dunsthülle= nicht =entzündet= und =giftig=. Es kann aber auch
+sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein grauer Schatten in
+den Reißern sich verlor, seine =Hülle verließ und in sein Element
+zurückkehrte=.«
+
+Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr _Dr._ =Jung= frischweg die
+obige Erzählung und Geistererscheinungen glaubt; allein eine =solche=
+Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte nicht erwartet.
+
+Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig, daß sich der Geist
+zwei Mal in seiner Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht
+hoffe er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können, =nahm daher sein
+gewöhnliches Kostüm= an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte
+er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch so gern gesehen
+und mit ihm gesprochen hätte? – Antwort: Weil er sich für diesen
+muthigen frommen Menschen =fürchtete=; – vielleicht hatte dieser auch
+die =Eigenschaft= nicht, daß er ohne Gefahr auf ihn wirken und sein
+Ahnungsorgan entwickeln konnte.«
+
+Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt über den jetzigen
+Unglauben an Geistererscheinungen. Heißt dies nicht die vorige
+Dunkelheit wieder hervorrufen?
+
+Die ganze obige lange Erzählung ist ein Märchen, wie so viele andere,
+wo Geister in gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen die
+Absicht des Betrügers selten finden. Ein furchtsamer Mensch bleibt in
+keinem Hause, wo es spuken soll, und verkauft es lieber unterm Preis.
+Alle sogenannten Spukereien entstanden, wenn man =genau= untersuchte,
+entweder aus natürlichen Ursachen, oder waren =Betrug=. – _Dr._ Jung
+sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem Gesellen, weil er so
+muthig gewesen, =gefürchtet=. Dieser, als er noch nichts von dem Geiste
+erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen, Ratten und Mäuse;
+aber wie er von dem Sackträger hörte, gab ihm seine Einbildungskraft
+eine andere Richtung und er hörte mehr.
+
+Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen zu zergliedern, das jeder
+Vernünftige erkennt und in die Spinnstuben und Herbergen gehört.
+
+
+
+
+=Das Glockengeläute.=
+
+
+_Baxter_ in seinem historischen _Discours_ von Erscheinungen und Hexen
+erzählt unter andern Albernheiten auch folgende:
+
+Bei Herrn =Harlakenden= in Essex, in der Priorie, welches Haus vormals
+dem Grafen von Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes
+Begräbniß, über welchem eine Kammer war. In dieser schliefen zwei
+seiner Diener, der Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher.
+Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr der Klang eines
+=Glockengeläutes= hören. Da sie nun dieses bekräftigten, legte sich
+am Abend der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine Neugierde
+zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche
+Klang einer großen Glocke=, die geläutet wurde, vernehmen, welches ihn
+so in Furcht und Schweiß setzte, daß er seine Diener stieß, welche
+erwachend sagten: Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! – Dieses
+brachte ihn wieder zu sich selbst, da er sie reden hörte. – Bei einer
+besondern Gelegenheit brachte Herr Thomas Shepherd nebst einigen
+andern Kirchendienern und frommen Leuten eine Nacht im Gebet daselbst
+zu, indem er einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente, um den
+Teufel zu vertreiben. Und von dieser Zeit an wurde niemals wiederum
+dergleichen Getöse in der Kammer gehört. – Der Herr Urian muß großen
+Respekt vor Herrn Shepherd gehabt haben, sogleich abzuziehen. Seltsam
+ist es, daß nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer das Geläute
+hörten.
+
+Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte!
+
+
+
+
+Zwei Gespenster-Geschichten.
+
+
+I.
+
+Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser
+Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort
+angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern,
+die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit
+viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten
+Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die
+Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen
+zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist
+auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf
+dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter
+gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das
+Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen,
+rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin.
+Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch
+war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen
+konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf
+den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich
+bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft
+heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann.
+– »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein
+Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die
+größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß
+uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen.
+Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte
+nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im
+Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!«
+versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl.
+
+
+II.
+
+Der oben erwähnte _Dr._ =Jung= erzählt folgende
+Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger
+zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen:
+
+Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes:
+
+ =Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten
+ Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn
+ Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem
+ Tode gemißbraucht werde.=
+
+Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin _N. N._) nach meiner
+Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme,
+und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am
+2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen
+mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur,
+gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich
+wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir
+diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei?
+Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben.
+
+=Ich=: Wie heißest Du? =Antwort=: Nenne mich Immanuel! – Von nun an
+erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7,
+Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald
+schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche
+Bewegungen.
+
+Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem
+Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es
+denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer
+herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch
+daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir
+sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die
+ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen
+lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund
+von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der ***
+zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl.
+Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich
+geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel
+dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er
+weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein
+Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum =ich= ihn
+nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu
+bestimmt, so etwas zu sehen.
+
+Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren,
+die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes,
+den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß
+auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des
+Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß
+ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen
+Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann;
+allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den
+Kirchhof =illuminirt=.
+
+So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu:
+
+1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern
+Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach
+einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich
+Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart
+einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir
+aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte.
+Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau
+Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.
+
+2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese
+Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und =Stubendecke=
+hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner
+Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr.
+
+3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt
+spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen
+Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie
+weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich
+ausdrücken können, weiß ich nicht.
+
+Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:
+
+Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags
+Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an
+meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine
+schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet,
+einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den
+Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind
+zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und
+jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß
+die Klinke weit wegflog.
+
+Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags
+in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte
+sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom
+schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der
+schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf
+einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen
+Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst
+Niemand. So weit die Frau Pastorin.
+
+Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze
+wegen übergehe u. s. w.
+
+ *******
+ Pfarrer zu *****
+ den 21ten August 1807.
+
+Herr _Dr._ =Jung= glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern:
+Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse
+über das Geisterreich giebt; daß es keine leere =Vision= sei, was
+die Frau Pfarrerin sieht, =sondern daß sie wirklich Wesen aus dem
+Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen
+Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf
+den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt=. Auch das Wegspringen
+der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl,
+sind =Beweise= für das =wirkliche Dasein= des unglücklichen Geistes
+eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem
+Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt.
+Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet
+hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen
+Punkt kommt vieles an: =denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe,
+so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre
+Richtigkeit=. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste
+ihres Erlösers und Seligmachers im =Hades=. –
+
+Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten
+Jahrhundert etwas Tolleres schreiben!
+
+Wenn kein =Betrug= dabei Statt gefunden haben mag, da so viele
+Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit
+ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes:
+
+Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre
+Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte.
+
+Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der
+Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man
+alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder
+plötzlich, und man weiß nicht warum?
+
+Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren
+gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter
+geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das
+Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch
+gestoßen haben.
+
+Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht!
+
+In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!
+
+So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte
+an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der
+freilich liegen bleibt.
+
+Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern =heilige Feste feiern=,
+und =Illumination anstellen=, welches Herr _Dr._ Jung glaubt, weil
+die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem =Auferstehungskeim=
+überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht
+über alle menschlichen Begriffe!
+
+So ist das ganze Buch voll, und Herr _Dr._ =Jung= sagt noch: Es ist
+fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren
+Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen,
+daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben,
+sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich
+gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank
+geworden sind.
+
+=Geistige Geschwüre= erhält auch der Leser, wenn er durch den
+=schwarzen Geist seines Buches= geht!!!
+
+
+
+
+=Die Necromantisten.=
+
+
+Herr L. =Fischer= erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig
+1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte:
+
+Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie
+ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie
+versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten
+wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und
+dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären?
+Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu
+fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die
+gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die
+Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise:
+wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein.
+Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde
+den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die
+Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf
+welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei
+Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett
+gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen
+Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte,
+daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten
+Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die
+Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils
+auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte
+mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß
+im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen
+Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen
+und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen,
+ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang
+eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand
+sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der
+Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den
+Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen
+Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer
+sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch
+entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder
+zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür,
+schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und
+fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder
+ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm
+hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf
+den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich
+beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er
+eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch
+18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme:
+Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den
+Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der
+Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge
+nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles
+gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten
+es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es
+geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem
+grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde
+umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb,
+bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich,
+wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause.
+– Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte
+alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke
+gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil
+die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger,
+daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner
+Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den
+Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die
+Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er
+3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte
+Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem
+in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal,
+dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte
+Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr
+mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den
+Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne,
+die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem
+Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam
+aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten
+mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie
+verlaufene Barbiergesellen wären.
+
+
+
+
+Schwedenborg’s Betrügerei.
+
+
+Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772)
+seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst
+von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon
+damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er
+ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden
+hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß
+sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes,
+als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth
+und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte
+Graf F... die Sache.
+
+Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die
+Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen
+Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath
+und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und
+da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht
+geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu
+fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die
+Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen
+hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war;
+denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin
+ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen
+wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten
+ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in
+Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte
+des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen
+sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte
+darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr
+gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen
+Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und
+dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel
+zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu
+stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde.
+
+Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr
+_Dr._ Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg
+glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt.
+
+
+
+
+=Die Hexe.=
+
+
+=Remigius=[29] in seiner =Dämonolatrie= erzählt folgendes Faktum aus
+Inquisitions-Akten:
+
+[29] Er war Hexenrichter in Lothringen, und bekannte, daß er in
+sechszehn Jahren achthundert Hexen zum Tode verdammt habe.
+
+Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus
+dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen
+Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten
+Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter
+der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen
+sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat
+die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung
+dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel
+war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz.
+Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen
+in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts
+gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer
+ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte
+die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen =ohne Salz=
+aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich
+gereicht wurde.
+
+Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind
+Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich
+ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem
+Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht
+einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der
+Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod
+betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich
+zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum
+Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt.
+
+Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.
+
+Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu,
+und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und
+den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr,
+da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier
+Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen,
+gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt.
+
+Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß
+weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren,
+sondern blos ihre =Rache= ausübten.
+
+In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein
+Inquisitor in Sicilien, _Ludovico a Parama_, bezeuget.
+
+
+
+
+=Hexen-Prozeß.=
+
+
+=Frommann= in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt:
+
+Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte
+dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir
+auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn
+oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften,
+oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel
+betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns
+bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und
+gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher
+doch Eure Meinung.
+
+Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns
+in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen
+rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich
+einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige
+Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich
+über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag
+mit Sicherheit zufahren. –
+
+Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater _pro_ und _contra_
+gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen
+schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist
+mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft,
+Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn
+ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben
+ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu
+zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten
+herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget.
+
+Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem
+Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung
+und Stillschweigen entgegen setzen.
+
+
+
+
+=Der Hexenmeister.=
+
+
+_Dr._ =Hauber= in seiner _Biblioth. magic._ XV. St. S. 215 erzählt:
+
+Ein Mathematikus zu =Aix= in der Provence stellte im Jahr 1664 ein
+Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin,
+und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen
+das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner
+Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene,
+die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr
+deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber
+wurde von der Kammer _de la Tournelle_ als ein Zauberer angesehen, und
+mit dem Skelete verbrannt!
+
+
+
+
+=Die gerettete Hexe.=
+
+
+Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich
+folgende Anekdote zu:
+
+Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie =weinen= wollten, wenn
+sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen,
+den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich
+wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere
+Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. –
+Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein –
+Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und
+rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war.
+
+
+
+
+=Die Hexenwage.=
+
+
+Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu =Oudewater= in
+Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der
+großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers
+und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren
+es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs
+Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin
+bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts
+Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.«
+
+
+
+
+=Die Behexte.=
+
+
+In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen
+inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von
+dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr
+wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen,
+und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare,
+Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette
+hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie
+in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen
+habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und
+andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission
+ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages
+der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum
+eine Menge krummer Nadeln =ohne Köpfe= heraus zu nehmen beschäftigt
+war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte
+öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe
+an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man
+brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und
+diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem
+Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an,
+und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach
+einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn
+man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission
+bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln
+an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar
+leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die
+Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im
+Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der
+Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den
+Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art
+Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien.
+Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete
+sie: =daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen,
+Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen
+wollen=!
+
+Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert?
+
+
+
+
+Bezauberung des Viehes.
+
+
+Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich
+dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich
+selbst ausgesogen haben.
+
+Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres
+1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank
+zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß
+sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich
+in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah
+mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am
+Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die
+Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging
+noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und
+brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte.
+
+Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen,
+daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden,
+als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen
+auspreßt.
+
+
+
+
+=Wind machen.=
+
+
+I.
+
+_=Olaeus Magnus=_ sagt, daß die alten Finnen und Isländer den Schiffern
+Wind machen könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich drei Knoten,
+mit dem Unterrichte, wenn sie den ersten auflösten, würden sie einen
+gelinden Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren, und
+wenn sie den dritten löseten, würden sie Sturm haben.
+
+Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so verändert sich der Wind
+sehr, daß also die Lootsen schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie
+ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau kennen und lustig rufen:
+Seid ruhig, wir haben den Wind ins Schnupftuch geknüpft!
+
+
+II.
+
+_=Dietmarus Blefkenius=_ in der Beschreibung Islands versichert, als er
+aus Island mit einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte ihm
+ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei Knoten gebunden, gegeben,
+mit der Erinnerung, wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches
+Wetter, solle er einen Knoten nach dem andern öffnen. Als sie nun
+ungefähr bis zum 20. September gefahren und schon Spanien im Gesichte
+hatten, wurde plötzlich Windstille, welche drei Tage anhielt. Da dachte
+er an sein Schnupftuch und löste einen Knoten auf, und bald darauf
+bekamen sie guten Wind. Da er aber noch etwas schwach ging, löste er
+den zweiten und dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in Lissabon
+waren.
+
+Sehr natürlich! denn nach einer Windstille erfolgt jedesmal Wind und
+Sturm, und ohne die Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein.
+
+
+
+
+=Hexenfahrt.=
+
+
+Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte schon viele Hexen verbrennen
+lassen, und fing endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas
+ausrichten könnten. Er ließ daher einige in eine Stube sperren und
+blieb selbst bei ihnen. Sie legten sich auf das Lager und schliefen
+ein. Als man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und sagten: Ei, Herr
+Amtmann, wie waren wir doch so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s,
+daß etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte, wie sie nicht aus
+der Stube gekommen wären, entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das
+sagen? War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese u. s. w. (Siehe
+_Paulus Frisius_ im kurzen Bericht, den ganzen Handel von der Zauberei
+belangend, _Cap._ 3)
+
+Also =Träume= wurden für Wahrheiten ausgegeben. – Diese Tollheit gehört
+ins Narrenhaus! Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu sagen, wenn sie
+Schaden gethan haben sollten.
+
+
+
+
+=Der gläubige Prediger.=
+
+
+Die Magd eines Predigers in Thüringen machte jedesmal, wenn sie Brod
+säuerte, einige Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses sah,
+verbot ihr solche abergläubische Dinge. Als die Magd aber, um ihr
+Recht zu behaupten, das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen
+hatte, wodurch das Brod unschmackhaft wurde, fragte der Herr sie um die
+Ursache, da doch sonst das Brod immer gut gewesen sei.
+
+Ich habe das Kreuz über den Teig nicht gemacht, antwortete die Magd. –
+Sie hatten es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei.
+
+Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’ künftig so viel Kreuze, als
+Du willst, nur gieb mir schmackhaftes Brod.
+
+Der =Betrug= ließ also den aufgeklärten Geistlichen, wenn auch nicht
+daran glauben, doch den Aberglauben geschehen.
+
+
+
+
+=Frei-Schützenkunst.=
+
+
+Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie Kugeln auf sich ohne
+Verletzung schießen lassen, täuschen mit einem Kunststückchen.
+Sie verfertigen nämlich Kugeln von dünnem Glas und füllen sie mit
+Quecksilber, wodurch sie das Ansehen und die Schwere einer Bleikugel
+erhalten. Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr geladen wird,
+zerstößt man sie mit dem Ladestocke, wodurch sie ihre Wirkung verliert.
+Andere haben noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen sie schnell in
+die Pistole stecken und, wenn sie geladen, wieder herausziehen und den
+geladenen Lauf in die Tasche praktiziren.
+
+=J. L. Hartmann= in seinem neuen Teufels-Stücklein (Frankfurt 1678.)
+erzählt unter Andern:
+
+Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge Albrecht zu Sachsen und
+überreichte ihm einen Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen,
+welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen sollte.
+
+Da will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen, entgegnete der Herzog,
+ließ ihn vor das Thor in das Feld führen, den magischen Knopf an den
+Hals hängen, zog sein Schwert und – durchstach den armen Juden.
+
+
+
+
+=Der Freischütz.=
+
+
+In den »Unterredungen von dem Reiche der Geister, fünfte Unterredung,
+Leipzig 1731.« wird Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt.
+
+Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser Schreiber, Namens Georg Schmidt,
+18 Jahre alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser hatte eine
+vertrauliche Bekanntschaft mit einem Bergjäger derselben Herrschaft,
+welcher nicht allein vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand,
+sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen wußte. Der Schreiber
+war ein guter Schütze im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer
+seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er einst zu dem Jäger, um
+sich bei demselben Raths zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu
+sein gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den 30sten Juli, am
+Abdous-Tage, in der Nacht mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen;
+alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen 60 treffen würden,
+wohin er zielen würde, drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären,
+müßten nothwendig fehlen.
+
+Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu gewinnen, eingenommen,
+konnte kaum die Zeit erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle, Form und
+was zu der Arbeit gehört, mit, und begab sich mit einbrechender Nacht
+auf einen Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen war. So bald man
+daselbst angekommen, machte der Jäger einen weiten Kreis mit seinem
+Waidmesser, und setzte gewisse Charaktere rings umher, welche der
+Schreiber aber nicht lesen konnte. Nachdem hieß der Jäger Letzteren
+in den Kreis treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen.
+Darauf befahl er ihm, daß er seine Kohlen und das Gießgeräthe vor sich
+hinlegen, und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen 11 und 12 Uhr
+mit seinem Gusse fertig sei; denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine
+Kugel daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein. Ferner ermahnte
+er ihn, sich durch nichts stören zu lassen, was ihm auch zu Gesichte
+käme, damit er sich nicht an der Arbeit hindern lasse.
+
+Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und befohlen, keinen Laut von
+sich zu geben, so stellten sie sich Rücken an Rücken und erwarteten
+die eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen zu schlagen,
+als die Kohlen von selbst zu glühen anfingen. Nun machten sie sich
+ans Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen, da kam ein
+altes Weib auf sie zu, welches mit hölzernen Kochlöffeln umhangen
+war, einen großen Lärm damit machte, und sie fragte, ob sie nichts
+von ihrer Waare gebrauchen könnten? – Sie aber fuhren stillschweigend
+fort zu gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich hörten
+sie das Rollen einiger Wagen, welche auch gerade auf sie zufuhren,
+und dann am Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem dieses
+Phantom vorüber, erschien ein Trupp Reiter, welcher ebenfalls über
+ihnen seinen Weg durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde Heer,
+mit Hörner-Klang, großem Geschrei und gehetztem Wilde, nebst Jägern
+und Hunden, welches abermals den Weg über ihnen wegnahm. Zuletzt kam
+einer auf einem schwarzen Pferde langsam vor den Kreis geritten, und
+fragte sie, was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in seiner Gegend
+vorgenommen hätten? – Da sie nun gleich mit dem Gießen fertig waren,
+so gab der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem Namen 63 Kugeln
+gegossen, von welchen drei Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns
+geben! – Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm die Gieß-Kelle nebst
+den gegossenen Kugeln geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir haben
+sie in Deinem Namen gegossen, und weil die Zeit noch nicht um ist,
+so bleiben sie unser. – Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas
+darauf, welches einen solchen penetranten Geruch von sich gab, daß
+Beide ohnmächtig zu Boden sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen.
+Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen, wo sich der Jäger, der
+solches schon gewohnt war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht
+von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf die Kugeln zusammen,
+und eilte in das nahe gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete, daß
+ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst aber nahm die Flucht durch
+das Salzburgsche Gebirge. –
+
+Als der halbtodte Schreiber in die Stadt gebracht worden war, kam er
+in gerichtliche Haft, wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen
+Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß eingeleitet. Das
+Urtheil brachte ihm das Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner
+Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe davon.
+
+Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen Oper von Weber: »Der
+Freischütz;« – dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei, die
+mit einem jungen, unerfahrenen Menschen leicht vorgenommen werden kann.
+Da die =Nebenumstände= der Geschichte fehlen, so können wir auch den
+=Betrug= nicht näher beleuchten.
+
+
+
+
+=Die Wünschelruthe.=
+
+
+Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem
+wohlhabenden Bauernburschen bekannt, und versicherte ihm, daß er durch
+sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie gingen hierauf
+an einen gewissen Ort, wo der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe
+schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in der nächsten Nacht um
+12 Uhr der Schatz gehoben werden könnte, wenn sie nur so viel Geld
+hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei. – Ich bin arm, sagte
+der Bergmann, und diese meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich
+durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich geworden bin. Die
+unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben
+lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler in der Tasche
+habe. Merken sie aber, daß ich weniger oder wohl gar nichts bei mir
+führe, so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn
+schon in Händen zu haben.
+
+Nun empfing er das verlangte Geld, welches der Bauer sich erspart
+hatte, es aber jetzt gern hergab, weil er dadurch mit einem Male reich
+zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder an den bestimmten Ort und
+fingen um zwölf Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas
+hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie
+er vorgab, sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit
+aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Bauer zu erkennen,
+daß kein Ungeweihter zugegen sein dürfte, wenn der Schatz gehoben
+würde. Dieser gehorchte zitternd dem Schatzgräber. – Allein der listige
+Bergmann schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam nicht wieder;
+während der Bauer in ein hitziges Fieber fiel und starb.
+
+
+
+
+=Die Wahrsagerin.=
+
+
+Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines Städtchens, und die Weiber
+weissagten den Leuten daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen zogen
+sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes Weib verspätete sich. Sie
+fragte daher auf dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor von ihr
+hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht wisse, welchen Weg die Zigeuner
+genommen hätten.
+
+Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder giebst, die ich Dir gestern
+gegeben habe, so will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd. Du weißt
+das nicht einmal, wo die Zigeuner so eben hingegangen sind, und Du
+unterstandest Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen zu
+wollen!
+
+
+
+
+=Der Kobold.=
+
+
+In dem Hause eines Predigers spielte eine Magd den Kobold eine Zeit
+lang. Es kam ihr zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig war
+und der Prediger nicht weit sehen konnte. Einst besuchte ein anderer
+Prediger diesen. Die Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ,
+wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie Kobolde zu thun pflegen,
+mit Steinen. Der fremde Prediger merkte sich die Gegend in der Stube,
+woher die Steinchen kamen, und gab Acht auf die Magd, doch so, daß sie
+es nicht merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus der Tasche holte
+und damit warf. Er bemerkte die geschwinde Handbewegung und den Wurf
+des Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und redete sie hart an. Sie
+kam bald außer Fassung, gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand
+ohne Gespensterbanner.
+
+
+
+
+=Schatzgräberei.=
+
+
+In der »Monatlichen Unterredung von dem Reiche der Geister« im VI.
+Stück, S. 733 ff., wird Folgendes erzählt:
+
+Zu Prag befand sich neben der alten St. Michaeliskirche in der Altstadt
+ein altes Kloster, welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt wurde.
+Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr des Abends ein alter Bauer an die
+Klosterpforte und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke. Als man ihm
+geöffnet und um sein Begehr gefragt, verlangte er den Vorsteher des
+Klosters zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer der Zeit war,
+und brachte ihn zu dem Vorsteher. Diesem machte er bekannt, daß er mit
+ihm in den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier vertraute
+Personen mit sich nehmen und, nebst andern nöthigen Werkzeugen zum
+Graben, auch einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher, auf
+einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute und ging mit dem Bauer in den
+Keller. Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen der Vorsteher
+nicht gedacht hatte, und klopfte an die Mauer, daß ein Stück nach dem
+andern nach und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen gebaute
+Thür zeigte. Sogleich legten Alle Hand an und eröffneten die Thür ohne
+große Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten, in welchem sie
+aber nichts fanden. Der Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben,
+wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf verlor er sich aus dem
+Gesichte.
+
+Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen nun an zu graben, stießen
+auf etwas Hartes, das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten sie
+der Wahrheit des verschwundenen Bauers oder Geistes. Da sie aber den
+harten Körper nicht allein aus der Erde bringen konnten, so wurden noch
+einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe diese ankamen, sah man eine =große
+Schlange= aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen ihnen in
+der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne jemand Schaden zuzufügen. Da
+die Gehilfen ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten sie einen
+=großen zinnernen Kasten=, in Gestalt eines =Sarges=, aus der Erde,
+welchen sie sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf gingen sie
+wieder hinab, um weiter nachzusuchen, und fanden eine =eiserne Truhe=
+mit drei großen Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu dem Sarge
+brachten und sich vergnügt zur Ruhe legten.
+
+Am andern Morgen wurden nun durch einen Schlosser die beiden Kasten
+geöffnet. In der Truhe fanden sie =schwarze Kohlen=, im Sarge ein
+Todtengerippe, und in der Asche eine güldene Kette und einen güldenen
+Ring mit einem Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde in die Moldau
+geworfen.
+
+Die Kohlen waren von den unterirdischen Geistern verwandelt worden,
+hieß es.
+
+Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei?
+
+
+
+
+Entdeckung der Geisterbeschwörer.
+
+
+Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und besonders in den
+Jahren 1819 bis 1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter Kreise,
+im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen vor, wodurch die
+Betrogenen an den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit
+aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber anstellte. Unter
+funfzehn Beispielen, von welchen die Criminalakten des Großherzoglich
+Weimarischen Criminal-Gerichts zu Weida sprechen und deren
+Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor _Dr._ =Bischoff= 1824
+in einem Werkchen »Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert u.
+s. w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur einige, und zwar die kürzesten,
+zur Warnung ebenfalls mittheilen.
+
+Die Handelsfrau =Juliana Sophia= D..., geb. B..mann, in Schleiz war in
+ihrer frühern Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei S... geäfft
+worden. Man hatte nämlich drei Mal nach ihr geworfen; aufgebracht
+hierüber, schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte ihr sodann
+zugerufen: sie werde noch in ihrem 64sten Jahre hier glücklich sein.
+– Dieser Vorfall war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand des
+Nachdenkens.
+
+Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause ihres Nachbars W... ein Schatz
+liege, und daß auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen Kriege
+viel Geld vergraben worden sei. Durch diese Sage fühlte sie sich in die
+Ueberzeugung versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei.
+
+Der Nachbar W... hatte in der Person des sogenannten Steudel-Müllers
+einen Mann gefunden, der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern hatte;
+sie sprach mit ihm über den Vorfall auf dem Schweinsberge, und erhielt
+das Versprechen, daß ihr zwei Männer zugeführt werden sollten, die
+schon große Thaten verrichtet hätten.
+
+Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er brachte =zwei katholische
+Geistliche= in die Wohnung der D... Man beschloß, den =Stammgeist= zu
+fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem Schweinsberge läge, und ob er
+der D... bestimmt sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe Stelle, wo
+man nach der D... geworfen hatte.
+
+Einer der Geistlichen zog ein Licht aus der Tasche, zündete es an
+und steckte es in die Erde. Dann ging er einige Mal um dieses Licht
+herum und sprach unverständliche Worte. Kaum hatte er geendet, als
+eine =glänzende Gestalt= sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr
+vernehmlichen Sprache erzählte: es liege hier an mehreren Orten Geld,
+es könne gehoben werden, man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage
+das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches 200 Rthlr. koste. Sei
+der Schatz glücklich gehoben, so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige
+katholische Kapelle bezahlt werden.
+
+Darauf betete der Geist einen Psalm und verschwand. Dann vernahm man im
+Holze ein solches Heulen und Wehklagen, daß die D... nicht wußte, was
+sie in der Angst ihres Herzens beginnen sollte.
+
+Man trat den Rückweg an, und da erfuhr dann die D... von den
+Geistlichen, daß die Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien, welche
+sich grämten und ärgerten, daß die Schätze verrathen worden wären.
+
+Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur Beischaffung des siebenten Buch
+Mosis, und der Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden 100 Rthlr.
+dazu zu legen. – Leider haben aber die Geistlichen das Buch nicht
+gebracht, und die D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben!
+
+Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren sechs Personen, nämlich:
+
+ 1) der Steudel-Müller,
+ 2) ein Sattler, }
+ 3) ein Schlosser, } aus Auma,
+ 4) ein Scribent, }
+ 5) ein Weib, }
+ 6) ein Landstreicher, Namens Klopfer.
+
+Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen vor. Bei der
+Beschwörung richteten indeß die im Gebüsch versteckten, der Sattler und
+der Scribent, die Geistermaschine[30] vor, welche das Weib regierte und
+die Fragen beantwortete, alsdann mit den Beiden das Wehklagen erhob
+und sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler theilten natürlich
+die Betrüger unter sich, und unterließen weitere Versuche, weil die
+D... wenig Vermögen hatte.
+
+[30] Sie ist eine Art Sack aus grober Leinwand, welche schwarz gefärbt
+ist. Vorn darauf ist eine magische Figur gemalt; der Sack hat oben und
+unten Reife, und inwendig brennen einige Lichter, welche die Figur
+erleuchten, und ein magisches Licht über den Kreis verbreiten. Werden
+die Lichter ausgelöscht, so ist die Figur verschwunden.
+
+
+
+
+=Ein zweites Beispiel.=
+
+
+Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen arbeitete gegen Johannis 1802
+auf seinen Feldern, als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und ihm
+einen Brief überreichte. H... erbrach das Siegel, las und staunte. Es
+wurde ihm von den Obern eines genannten Klosters gemeldet: »Daß in
+einem seiner Holzgrundstücke ein großer Schatz liege; daß ein Mönch
+abgesendet worden sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem H...,
+die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.«
+
+Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so erklärte der Ueberbringer: Der
+Mönch sei schon unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen und ihm
+sein Holzgrundstück zeigen.
+
+Die nahe Aussicht auf ein unerwartetes Glück machte einen so tiefen
+Eindruck auf H..., daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen Acker
+verließ und schnellen Schrittes auf dem Wege forteilte, den, nach der
+Angabe des Alten, der Mönch eingeschlagen hatte.
+
+Er traf den Wundermann, führte ihn in das bezeichnete Holzgrundstück,
+wo auch der keuchende Alte eintrat.
+
+Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo der Schatz vergraben lag,
+und forderte den H... auf, ein =Nösel Schnaps= zu holen, womit die
+Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine Wohnung, brachte das
+geistige Erweichungsmittel und mußte sich nun abermals entfernen.
+
+Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung, und es dauerte nicht lange,
+als auch der Mönch dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz
+gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte, betraten der Mönch, der
+alte Mann und H... den Weg nach dem Holzgrundstücke.
+
+Dort angelangt, zog der Mönch den magischen Kreis und sprach
+unverständliche Worte. Es entstand ein =Geräusch=, veranlaßt durch
+böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und nun erschien eine =weiße
+Gestalt= am Kreise, die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem
+Beschwörer zu sprechen.
+
+»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe aus 80,000 Rthlr., aus
+einer großen silbernen Monstranz und aus den zwölf Aposteln, massiv von
+Silber und in Lebensgröße. Er könne sehr leicht gehoben werden, wenn
+der Beschwörer den Zwang der Erde herbeigeschafft haben werde.«
+
+Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu bekommen sei? und erhielt die
+Antwort: »Morgen Mittag kommt eine Person in das Rathhaus zu O...feld,
+welche das Buch besitzt.«
+
+Der Geist wurde nun wieder abgedankt und der Rückweg in H...s Wohnung
+angetreten. Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn das Kloster
+nicht mit Geld versehen habe, obgleich es hätte wissen können, daß ohne
+Instrument kein Schatz zu heben sei.
+
+H... meinte jedoch, das habe gar nichts zu bedeuten, er sei schon im
+Stande, Geld zu schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen,
+welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition überlassen wolle. Der
+Mönch dankte für das gefällige Anerbieten und forderte den H... auf,
+morgen selbst mit nach O...feld zu gehen und auf jeden Fall die 200
+Laubthaler mitzunehmen.
+
+Das geschah. Man traf im Rathhause zu O...feld den beschriebenen Mann.
+Der Mönch ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte ihn aber zur
+Herausgabe des Buches nicht bewegen.
+
+Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche und ging; worüber H... ganz
+trostlos war, und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen.
+
+Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt, nochmals bearbeitet und
+endlich auch, nachdem H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu
+Herausgabe des Buches vermocht, welches H... in Empfang nahm.
+
+Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde, der ältliche Mann wurde
+durch Kopfweh genöthigt, nach O...feld zurück zu gehen, um sich in
+dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und nur der Mönch allein
+begleitete den H... nach Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch
+in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu verrichten, aber H... hat
+weder ihn, noch seinen Kameraden jemals wieder gesehen. –
+
+An dieser Betrügerei hatten vier Personen Theil genommen. Sie hatten
+nämlich erfahren, daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten
+sich daher, ihm einen Betrug zu spielen. Der Eine brachte den Brief,
+der Andere gab sich für einen Jesuiten aus, und =trank= den Branntwein,
+den er zur Erweichung der Erde bestimmte; ein Dritter spielte den
+Geist, und der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das er in einer
+Auktion für einen Groschen erhalten hatte, für 200 Laubthaler, welche
+die Betrüger unter sich verteilten.
+
+
+
+
+=Fragmente=
+
+ über
+ politisch-religiöse Sekten und Mystiker.
+
+
+
+
+Ueber Sekten überhaupt.
+
+
+Das Wort =Sekten= bezeichnet den Inbegriff von Personen, welche
+einer und derselben Lehre und gleichen Grundsätzen zugethan sind.
+Es giebt politische, philosophische und religiöse Sekten, aber auch
+politisch-religiöse.
+
+Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen und Ecstasen
+gegründet, und beschäftigen sich mit Uebungen, denen oft die
+Ueberspannung der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne eine bald
+mehr, bald weniger merkliche Richtung zu der Ungebundenheit giebt.
+Mehrere dieser Sekten wurden sogar von =Weibern= gestiftet.
+
+Heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime
+Ordenskünste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht und
+durch Vorspiegelung verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei,
+Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime Schrift und Wissenschaft
+der indischen und ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen
+– der große Bund der Pythagoräer, der aber schon in dem Sinne früher
+bestanden hatte – Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie
+für die Eingeweihten gegen die willkührliche Alleinherrschaft und die
+Herrschaft des Volkes entgegen zu setzen gesucht.
+
+Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen Orden und Wissenschaften
+mehrere; die Namen der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc. sind
+bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus spukt noch allenthalben.
+
+
+
+
+=Jesuiten.=
+
+
+Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus, Aufklärung, Philosophie und
+Irreligion, Wissenschaften und böotische Dummheit finden wir in der
+Hand des =Jesuitismus=, der durch alle Länder und Völker hindurch
+läuft, im Finstern schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer
+Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem ausführt,
+das nur der menschliche Geist erfinden kann.
+
+Und dieser Orden existirt?
+
+Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder restaurirt.
+
+Ist er nicht auszurotten?
+
+Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines Stammbaumes sind nicht zu
+finden. Nur ein Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre ein
+immerwährender Kampf gegen ihn!
+
+
+
+
+=Illuminaten.=
+
+
+Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste durch eine Bulle aufgehoben
+worden waren, und derjenige, welcher sie wieder herstellen würde,
+darin =verflucht= wurde, trat plötzlich eine Sekte auf, welcher man
+schreckliche Grundsätze schuld gab und die sich gegen die verborgenen
+Jesuiten verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten sich
+=Illuminaten=, oder =Erleuchtete=. Unter andern sollen sie gelehrt
+haben: der Selbstmord sei eine himmlische Wollust; des Ordens Wachsthum
+sei aus Gott, Vaterland und Gewissen; der Zweck heilige die Mittel;
+das Beste des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung, Todtschlag,
+Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion, kurz alles, was die Jesuiten gelehrt
+haben sollten. Man spürte diesen Orden schon in mehreren Landen, wußte
+aber seinen Hauptsitz nicht. In Baiern schien man mehr Spuren von ihm
+zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied zu entdecken und zu
+erkennen, bis die Jesuiten ihn verriethen und der Baierschen Regierung
+im Jahr 1785 anzeigten.
+
+Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind der Jesuiten und hegte
+neotorische Grundsätze, daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er
+nannte seine Zuhörer zuerst =Erleuchtete=, =Illuminaten=. Bald darauf
+sandte er einen Anhänger Namens =Zwakh= nach Augsburg, um das Geheimniß
+der Freimaurer zu erhalten, welches auch geschah; allein er erfuhr
+auch, daß die Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten. Hierauf
+ließ er durch den Marquis =de Constarza= den Freiherrn =von Knigge= zum
+Beistand einladen, der auch erschien und die Illuminaten zu Freimaurer
+rektifizirte. Er ging aber bald wieder ab.
+
+Der =erste= Grad dieses Ordens waren die =Minervaten=; sie bildeten das
+Noviziat, kannten Niemand und studirten fort.
+
+Im =zweiten= Grade hießen die Mitglieder =Freimaurer=, wo man auch
+nicht viel erfuhr, als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde. Die
+=Unbrauchbaren= blieben hier stehen!
+
+Im =dritten= Grade erschienen die =kleinen Illuminaten=; hierzu wurden
+die Tauglichen genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades und einen
+einzigen Obern.
+
+Im =vierten= Grade waren die =großen Illuminaten=. Sie hatten einige
+des ersten, zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht.
+
+Im =fünften= Grade waren die =dirigirenden Illuminaten= oder =Regenten=.
+
+Alle Mitglieder kannten die Obern nicht; letztere hießen daher auch
+die =Verschwundenen=. Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber
+nicht kannte, schrieb man: _quibus licet_, wenn man wollte, daß die
+Provinzenräthe ihn erhalten sollten; an die Provinzialen schrieb man:
+_Soli_, an den General _Primo_. Den Brief übergab jedes Ordensglied,
+er mochte _quibus licet_, _Soli_ oder _Primo_ gehören, seinem
+ihm bekannten Mitgliede, dieser dem nächsten, und so gingen alle
+Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise hinauf, und die
+Antworten und Befehle wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte,
+aus welcher Hand dieses alles kam.
+
+
+
+
+=Die Rosenkreuzer=
+
+
+wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bekannt. Ihr
+angeblicher Stifter hieß =Christian Rosenkreuz=; er hatte lange
+Zeit in den Pyramiden von Aegypten und im Orient gelebt, und dort
+göttliche Weisheit und Kunst erlernt, und dies sei schon im vierzehnten
+Jahrhundert geschehen. Der Zweck dieses geheimen Bundes war angeblich
+eine allgemeine Verbesserung der Kirche, so wie Gründung einer
+dauernden Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen. Allein man wollte
+den =Stein der Weisen= suchen, und ihre =Charlatane= und =Adepten=
+spukten lange in der Welt herum, bis sie in der letzten Hälfte des
+vorigen Jahrhunderts mit Cagliostro und Schröpfer verloschen.
+
+
+
+
+=Schröpfer,=
+
+
+welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leipzig lebte und
+großes Aufsehen durch seine Charlatanerie machte, war nichts als ein
+Betrüger. Er wollte den soliden Freimaurer-Orden reformiren, wurde aber
+dafür auf die Finger geklopft. Allein als =Geister-Beschwörer= errang
+er ein Ansehen bei Hohen und Niedern, und erwarb sich durch seine
+=optischen Zauberspiegel= und =Zauberlaternen=, durch narkotisches
+Räucherwerk und berauschende Getränke den Glauben seiner Jünger und
+Gönner und ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im Jahr 1774 aus
+Verzweiflung, da wahrscheinlich ein Plan einer geheimen Parthei nicht
+ausgeführt werden konnte.
+
+
+
+
+=Cagliostro=
+
+
+oder eigentlich _Giuseppe Balsamo_, in Palermo 1743 geboren, war
+anfangs in dem Orden der barmherzigen Brüder und widmete sich der
+Arzneiwissenschaft, wurde aber wegen Ausschweifungen aus dem Orden
+wieder gestoßen. Um sich zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit
+=Zauberkünsten= und =Schatzgräberei= zu täuschen. Bald darauf fand er
+in Calabrien ein schönes Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand
+bieten mußte, und er trat nun öffentlich als =Graf Cagliostro= auf. So
+durchflog er Spanien, Portugal, Frankreich, England, und erwarb sich
+durch seine Betrügereien und durch seine verschmitzte Frau ansehnliche
+Summen. Er verkaufte =Schönheitswasser= für alte und häßliche Frauen,
+und =Lebenstinkturen=, und seine Frau ihre – Tugend. Als aber
+dieser Handel zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer neuen
+Sekte werden, wurde deshalb in London Freimaurer, und erschien als
+=Wunderthäter=, =Magier=, und =kurirte Kranke unentgeltlich=. Auf diese
+Weise durchzog er wieder verschiedene Länder, war in Curland, dann in
+Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen Halsbandgeschichte in
+die Bastille kam. Daraus wieder entlassen, floh er nach London, von
+da in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789 wegen Freimaurerei
+und Ketzerei in die Engelsburg gesetzt und zuletzt zu einer
+lebenslänglichen Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse
+starb.
+
+
+
+
+Die Seherin von Prevorst,
+
+
+eigentlich =Friederike Hauffe= [geboren 1801 im Dorfe Prevorst bei
+Löwenstein im Würtembergischen], hat großes Aufsehen erregt und
+bedeutende Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit soll sich bei
+ihr das Ahnungsvermögen entwickelt und durch Träume kund gethan
+haben; die =Haselruthe= schlug ihr auf Wasser und Metalle an. [Hier
+muß der vernünftige Mann schon stutzen und die kommende Erzählung
+mitleidig-lächelnd erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff sie oft ein
+Wehegefühl und Frieren, und dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo
+Gräber waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich an gewissen
+Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen! Den ersten Geist sah sie in
+der Mitternacht im eignen großväterlichen Hause. [Da haben wir also die
+Geisterseherin schon als Kind; mit ihm werden wohl auch die Geister
+in dem zerrütteten Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre verheiratete
+sie sich, versank aber bald in eine unerklärliche Schwermuth, weinte
+Tage lang unter dem Dache des älterlichen Hauses und schlief, fünf
+Wochen lang, nie mehr. [_sic!_] Am Tage ihrer Verheiratung war das
+Leichenbegängnis des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld.
+Auf seinem Grabe wurde es ihr auf Einmal ganz leicht und hell, und in
+ihrem Innern ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar 1822 träumte
+ihr in der Nacht, als sollte sie sich zu Bette legen; aber da lag schon
+in demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach laut, weshalb ihr
+Mann sie weckte. Am andern Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn
+Tage lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald darauf brachen
+heftige Brustkrämpfe aus, welche später abwechselnd mit Blutflüssen
+und Kindbettfieber sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war nun so
+gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen hin Alles fühlte und
+hörte. [Das passirt Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um diese
+Zeit fühlte sie, daß sie =sieben= Tage lang jeden Abend um =sieben=
+Uhr ein =nur von ihr= gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie
+ihre Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen Leser!]
+Durch dieses geistige Magnetisiren in noch tieferen Schlaf gefallen,
+gab sie an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten sei. So wurde
+sie im Juni 1824 einer geregelten magnetischen Behandlung unterworfen.
+Ahnungsvolle Träume, Divinationen, Voraussehen in Glas- und
+Krystallspiegeln sprachen von ihrem aufgeregten Leben, so daß sie z.
+B. in einem Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand, Personen, die
+erst nach einer halben Stunde das Zimmer betraten, schon im Voraus sah.
+[Also auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte Behandlung
+so wohlthätig auf sie, daß sie ihre weiblichen Geschäfte wieder
+verrichten konnte und zuletzt blos alle =sieben= Wochen magnetisirt
+wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo sie künstlich entbunden werden
+mußte, verfiel sie wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen
+aller Art, und es stellte sich ein verstärkter magnetischer Zustand
+aufs Neue ein. Der Schlaf blieb aus, sie weinte die Nächte durch,
+hatte Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer abgezehrter und
+elender. Wenn in dieser Periode ein Freund, der oft um sie war, sie
+mit dem Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen berührte, sagte
+sie dem _Dr._ =Kerner= jedesmal einen Spruch, der auf ihn und seinen
+Seelenzustand Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken, diese Krankheit
+sei durch =dämonische Einflüsse= erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem
+als =Teufelsbanner= in Ruf stehenden Manne. [Dies ist also wirklich in
+unserm neunzehnten Jahrhunderte geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein
+grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze herumgedreht wurde, dann in
+Schlaf verfiel, in welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf Einmal
+eine, Allen fremde Sprache redete, die sie ihre innere nannte. [Warum
+hat man nicht eine =Grammatik=, oder wenigstens einen =Wegweiser=
+herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache erlernen!] Ein
+Amulet, das jener Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben,
+sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken vor mehreren Anwesenden
+über ihre Brust und Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß
+man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir glauben, daß über das laufende
+Amulet die Kinder lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer
+den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder giebt.] Endlich zog
+man den _Dr._ =Kerner= zu Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das
+Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben hat: »Die Seherin von
+Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das
+Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.« 2 Thle. Stuttgart 1832.
+
+Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde ein wahres Marterbild, für
+welches der Tod eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten brachten
+sie endlich, fast gegen den Willen des Arztes, nach Weinsberg, wo sie
+den 25. Novbr. 1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam. Der Arzt
+erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht mehr auf das, was sie im Schlafe
+spreche, Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches Verfahren
+homöopathischer Art fort; allein es war zu spät, und er mußte wieder
+zum Magnetismus seine Zuflucht nehmen. –
+
+Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser kranken Frau anführen; wer
+noch mehr davon wissen will, lese das oben angeführte Werk.
+
+Sie hatte beinahe keine organische Kraft mehr und lebte, wie sie
+selbst sagte, nur von dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so war
+der Geist der Metalle, der Pflanzen, der Menschen und der Thiere ihr
+fühlbar und wirkte auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr stets
+Kopfschmerz. Bei einem Gewitter =fühlte sie die Blitze immer früher,
+als Andere sie sahen, und zwar im Unterleibe=. [Sollte das nicht
+vielleicht statt =Blitze= – =Gewitter= heißen?] Aus der Luft, sagte
+sie, komme ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte ein Fenster
+bei Tage und bei Nacht, selbst in der strengsten Winterkälte, geöffnet
+bleiben; auch behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen
+sich die Geister bedienen, um sich hörbar und sichtbar zu machen [Nun
+wissen also die Leser, daß man Geister =sehen= kann]; sie hüllen sich
+in einen =Stoff=, der sich in der Luft befindet, ein. [Dieses ist sehr
+fein gegeben, aber der Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen
+vorbereitet.] Je höher man sie brachte, desto magnetischer wurde sie.
+So oft sie in das =rechte= Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in
+demselben hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde immer noch ein
+Bild, das aber weder dem Andern, noch ihrem eignen Bilde vollkommen
+glich; sie hielt es für das Bild des innern Menschen dessen, den
+sie ansah; bei Manchem erschien es ihr ernster, oder auch schöner,
+verklärter, als das äußere. In dem rechten Auge der Thiere sah sie ein
+blaues Flämmchen. Sie sah durch die Herzgrube, erkannte die innern
+Theile, besonders die leidenden Organe ihres Körpers, und sprach von
+einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie behauptete auch, die Bewohner
+der linken Seite des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen Dank,
+Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß, daß der Mond Bewohner und auch
+Zimmerleute, Maurer u. s. w., wie auf unserer Erde, habe. Aber wie
+sahen sie denn aus? Warum haben Sie keine Zeichnung oder wenigstens
+eine genaue Beschreibung geliefert?] Für die Krankheiten Anderer
+hatte sie ein so außerordentliches Gefühl, daß sie bei Annäherung
+eines Kranken, besonders nach dessen Berührung, alsbald die gleichen
+Empfindungen in denselben Teilen des Körpers erhielt, und zum größten
+Erstaunen des Kranken ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen
+konnte. [Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der den Patienten
+=gar nicht anrührte=, und doch sogleich die Leiden desselben wußte,
+denn seine Frau hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr
+Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.] So heilte diese kranke
+Frau auch eine Gräfin von M.
+
+Nun wollen wir auch Etwas von ihrer =Mystik= erzählen.
+
+Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin,
+wo ich erwache, wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich
+über die Brust verbreitet und gegen die linke Seite hin wie befestigt
+ist. Dieser Ring, welcher schwer und schmerzend ist, hat unter sich
+noch fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er hat zwölf Theile,
+und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser
+Zeit begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet wirkliche Sterne.
+Diese sind Wohnungen seliger Geister niedern Grades. [Wir verstehen
+die Madame nicht; liegt es an uns? In den =Gedärmen= des Leibes können
+wir uns solche Bilder nicht denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher,
+die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja die Bewohner des Mondes
+auf der linken Seite bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?] Der
+dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt ist noch heller,
+als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe,
+die, je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die =Gnadensonne=
+nennen. [_Sic!_] Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele
+andere Geister mit mir, und als bestehe Alles, was da lebt und webt,
+aus Fünkchen aus dieser Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus
+ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab,
+und Ihr ganzer Inhalt wird mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt,
+in welcher dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von
+den sieben Jahren enthalten ist. So kann man =nach dem Tode= in Einer
+Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem Tode in seinem eignen
+Körper? Ei! ei!] Der =Lebenskreis= ist kleiner, liegt unter ihm und
+hat 13¼ =Abtheilungen=. Er ist leicht, wie Luft und Geist. Im
+Mittelpunkte desselben liegt Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und
+das ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in
+diesem Lebenszirkel eine ganz andere, höhere; daher die Ahnungen, die
+in jedem Menschen von einer höhern Welt liegen. Auf diesem innern Ringe
+sehe ich meine =Gefühle= als Zahl und Zeichen stehen; es sind die
+Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung geht. Die eine Zahl,
+der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die
+irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann.
+Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige und kann bei
+jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und
+die himmlische. Beide Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der
+Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein
+Verhältniß zur Außenwelt; in der andern das Wort für jeden Einzelnen
+und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt. Allein dies
+ist nicht etwa eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern es bleibt
+ihm die Wahl zwischen dem Guten und Bösen; ergreift er aber das Böse
+durch eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben: so verliert er die
+Grundzahl, und ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim
+gestellt. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie die Grundzahl
+des Menschen übersteigen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl
+durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter.
+Für jede Sünde, jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl im
+Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses duldet, notirt dies, und
+nach dem Erwachen [dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt da
+steht, liegt dann Alles klar vor Einem, und es ist dann der eigene
+Geist des Menschen der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze
+Natur, durch Alles, was lebt und webt. – Beim Tode wird der Geist von
+der Seele, so wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht. Dann
+lößt sich auch die Seele; dies ist der Moment des Todeskampfes, wo aber
+selige Geister der Seele beistehen. [Da haben wir den =Astralgeist=,
+wie er lebt und webt! Wie kommt denn diese =kranke Person= dazu?] Der
+Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz richtig!], er verbindet
+die Seele mit dem Leibe, [also wieder ein Medium zwischen Seele und
+Körper?] und den Leib mit der Welt. Er geht mit der Seele nach dem
+Tode über und ist unzerstörbar. [Paracelsus sagt doch, daß sein
+=Astralgeist= zerstörbar sei; aber die =kranke Frau= will noch mehr
+haben! Was kann denn auch eine nervenschwache (zuweilen närrisch
+genannte) Frau kluges sprechen; dies wäre ja eine _contradictio in
+subjecto_.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische Hülle um den
+Geist [ob die Kranke schon die ätherische Hülle den Umstehenden genau
+beschrieben haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft im eigentlichen
+Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts in Nichts gesehen], und die
+Geister des Zwischenreichs [wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit
+seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen besondern
+Stoffes =Töne= hervorbringen, die =Schwerkraft= in den Körpern aufheben
+und sich den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam! das haben
+Sie vielleicht von =Hörensagen=; denn da Sie keine =Geographie=
+und =Geschichte= der Länder kennen sollen u. s. w., werden Sie
+wahrscheinlich auch die Geographie und Geschichte der Seele und des
+Körpers nicht kennen.] In reinen Menschen bleibt dieser Nervengeist
+in dem Körper zurück, sie können sich daher nicht =hörbar= machen und
+=spuken= nicht. – [Welcher Unsinn! oder wie es meine =denkenden Leser=
+nennen wollen!]
+
+Ich male mir, sagt diese =kranke Person= ferner, diese Gestalten
+nicht selbst aus. Ich habe nicht die mindeste Freude an ihnen, ich
+bin geplagt durch sie; auch denke ich nicht an sie, außer ich sehe
+sie [_Sic!_], =oder man fragt mich über sie=. Leider ist mein Leben
+so beschaffen, daß mein Geist in eine =Geisterwelt= schaut [nämlich
+in die =Intestinen= ihres Körpers!], die gleichsam auf unserer Erde
+ist, und so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern oft in
+großer Menge und von verschiedener Art. [Vielleicht von Baskiren- und
+Kalmucken-Art?] Mit vielen komme ich in gar keine Berührung [dieses mag
+die einzige Wahrheit sein!], andere wenden sich zu mir, ich rede mit
+ihnen [natürlich, in der Geistersprache!], und sie bleiben oft Monat
+lang in meinem Umgange. Ich sehe sie oft zu den verschiedensten Zeiten,
+bei Tage und bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und in allen
+Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen. Oft treten sie vor mein
+Bett und wecken mich, wo dann andere Personen, die bei mir schlafen,
+von ihnen träumen, ohne daß ich ihnen etwas über ihre Erscheinung
+gesagt hätte. [_Sic!_] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen Wolke; im
+Sommer aber und im Mondenscheine sehe ich sie heller, als im Dunkeln.
+[Dies mag Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske
+Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen Augen sehe ich
+sie nicht [wir auch nicht!], aber ich =fühle= ihre =Gegenwart=. [Wie
+ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist immer so, wie sie =wohl= im
+Leben war, aber wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt aus der
+Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!], nur farblos, grau; so auch
+ihre =Kleidung, wie sie wohl im Leben war= [welche Widersprüche!],
+aber wie aus einer Wolke; nur die =Bessern sind gleich gekleidet=,
+sie tragen ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem Gürtel um
+die Mitte des Leibes. Ihre =Gesichtsfarbe= ist auch ähnlich der der
+Lebenden, nur auch grau, meistens traurig und düster; die Augen sind
+hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah ich nie. Die Bessern erscheinen
+heller, die Bösen dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser,
+wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau hätten wir es nie
+gewußt!] Alle weibliche Wesen haben dieselbe Kopftracht, eine über die
+Stirn herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung. Der Gang der
+=Bessern= ist schwebend, die =Bösen treten schwerer auf=, so daß man
+sie zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen, Rauschen, wie mit
+Papier, durch Schlürfen, wie in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen,
+als ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit derer auf sich
+zu richten, die sie nicht sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie
+eine Trommel um, schlügen einen Marsch u. s. w., so würde man doch
+weit besser ihre Gegenwart erfahren.] Sie können aber auch schwere
+Dinge bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen, und je dunkler ein
+Geist ist, desto mehr spukhafte Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß
+hat die kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser Gesellschaft
+gezählt.] Oft saugen Geister, besonders dunklere, die religiösen
+Worte, welche ich sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch wie
+heller und leichter werden!! Diejenigen Geister, die meistens zu mir
+kommen, sind in den untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm
+Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche. Das sind =Geister,
+deren Geist= in diesem Leben theils durch Hinziehen nach der Außenwelt
+niederblieb [meint sie den Astralgeist?], theils solche, die nicht im
+Glauben an die Erlösung durch Christum starben [haben diese türkische
+oder chinesische Kleidung?], oder solche, denen noch irgend ein
+irdischer Gedanke an die Seele im Sterben anklebte, und der sie nun
+auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht die Besserung einzig aus
+sich selbst. Sie wollen, ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen
+und durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß die Bittenden nicht
+haben warten lassen.] Auch glauben sie [nämlich die Geister], das
+Aufdecken einer Unthat, die =auf ihrem Geiste= lastet, könnte ihnen
+Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß die Madame die Theorie der Geisterkunde
+studirt hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige Geister wenden,
+aber ihre =Schwere= zieht sie mehr zu den Menschen hin. – =Solche
+Hilfe= suchte bei ihr einer aus der Familie =Weiler= vom Lichtenberg,
+in Gestalt eines Ritters [ob er auch ein Schwert an der Seite gehabt
+hatte? Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben müssen,
+denn Geister sind keine Kleinigkeiten, man sieht sie nicht alle Tage!],
+ein Brudermörder, ferner ein Mönch =in einer Kutte=, [war dieser ein
+Karthäuser oder ein Kapuziner? Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein
+Mörder, nachher ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die Geschäfte
+des Kaufmanns F. zu dessen großem Nachtheile geführt hatte und wegen
+eines =Geheimbuches= [?] beunruhigt wurde, hierauf ein weiblicher
+Geist, aber nur kurze Zeit, nachher ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder
+eines Kindes, das sie im Stalle begraben hatten, und mit ihnen ein
+schwarzer Mann, der ihnen das Gift für das Kind gegeben hatte, dann
+ein großer Mann in einem =weißen Rocke=, der zwei Waisen um ihre Habe
+betrogen hatte; er brachte einen schwarzen, =feindlich gesinnten= Mann
+mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder vom Guten abzulenken
+suchte. Der Schwarze erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit
+großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig! wie _Dr._ =Fausts=
+Mephistophilus], und bald nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach
+diesen ein alter Mann mit einem langen Barte, einem Hute, ähnlich dem
+der Tyroler, kurzem Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen Dank!
+dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur hätten Sie, Madame, auch
+sagen sollen, was für Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen
+oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529 gestorben. Bald nach
+diesem eine noch dunklere Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind
+desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte. Auf diese folgte
+eine Lichtgestalt mit einer Glorie, der verstorbene Stiftsprediger T.
+zu Oberstenfeld, ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser Mann;
+dann zum Beschluß mehrere unbedeutende Geister. [Kann wohl des Unsinns
+mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen Sie nicht mehr,
+geehrte Leser, sondern bedauern Sie das gehirn- und nervenkranke Weib
+und diejenigen, die solche Dinge glauben!]
+
+Diese kranke Frau starb endlich den 5. August 1829; aber noch in der
+Todesstunde sah die Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen, =die
+auch Geister wahrnahm=, eine hohe, lichte Gestalt ins Zimmer treten,
+und in demselben Momente that die Sterbende einen heftigen Schrei der
+Freude. [Ob wir wohl die Schwester als zweite Auflage erhalten werden?]
+
+
+
+
+=Der Wunderdoktor.=
+
+
+Da wir einmal dem Lande Würtemberg so nahe sind, so kann zugleich,
+neben der Seherin von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor hier ein
+Plätzchen finden.
+
+Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt:
+
+Die Würtemberger Blätter berichten von einem neuen =Wunderdoktor=. Bei
+Ravensburg habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen Fall
+gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert und das Schlüsselbein
+zersprengt. Alles habe rath- und trostlos um den Unglücklichen
+gestanden, da habe ein Hufschmied sich erboten, er wolle die Kur
+übernehmen, und ohne Einrichtung, ohne Verband, und ganz wohlfeil habe
+er den Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller Krüppel sei,
+lahm, einhüftig, mit verwirrtem Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt.
+Das Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart!
+
+
+
+
+Prinz von Hohenlohe,
+
+der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts.
+
+
+Sein Titel ist: =Alexander Leopold=, Prinz von
+Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er ward geboren den 17. August
+1793 zu Kupferzell bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf Ludwig
+Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, war der Erste, welcher aus
+dieser Familie 1667 zur römischen Kirche übertrat, nachdem er =vorher
+von mancherlei Geisterbeschwörungen und Goldmacherkünsten umgeben
+gewesen war=. Seine Mutter war sehr andächtig und hatte ihn, als den
+Lieblingssohn, der Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung
+zum Militairstande und übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer
+in dem Convicte zu Schillingsfürst. Eilfjährig und bereits ganz dem
+geistlichen Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora zu studiren,
+in das Theresianum nach Wien; 1808 ging er nach Bern und 1810 nach
+Wien zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er daselbst in das
+erzbischöfliche Seminar für junge Priester, nachher in eine ähnliche
+Pflanzschule zu Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819 sein
+Gebetbuch »_Sacerdos catholicum in oratione et contemplatione etc._«
+widmete. Doch waren seine theologischen Studien durch Reisen und
+=Welterfahrungen= öfters unterbrochen, bis er 1814 nach Ellwangen
+zurückgerufen wurde, um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs
+Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst, auf der neuen Universität,
+besonders unter Leitung des General-Vicariathsraths und Professor der
+Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In diesem Jahre wurde er vom
+Metropolitanstift von Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing er
+schon an, =Bettler= und =wundersüchtige Frauen= aufzusuchen.
+
+Im Januar 1815 erhielt er die Weihe des Subdiaconats, und fing an,
+durch eine Predigt über die Bedeutung der heiligen Taufe und der
+Sterbekerze sein Talent zum Kanzelredner zu zeigen. Die Priesterweihe
+ertheilte ihm der Oheim den 16. September 1815. Das folgende Jahr
+reiste er nach Rom, wo er von den Jesuiten in ihrem Hauptsitze, auf
+dem _Monte Cavallo_, aufgenommen wurde, vom Cardinal Somaglia die
+Erlaubniß, in jeder Kirche Roms Messe zu lesen, erhielt, und sich im
+_Collegio Romano_ den englischen Jüngling, den heiligen Aloysius Gonga,
+zum Fürsprecher zu Erhaltung eines reinen Herzens erbat. Dann bekam
+er Wohnung und Kost im Jesuiter-Collegium. Hierauf begann er seine
+geistlichen Uebungen, wo er sich die Fragen »Hinterging dich die Welt,
+das Fleisch, der Satan? Ach schreckliche Zurückerinnerungen!!« ans Herz
+legte, sich besonders den heiligen Xaverius als den =Seeleneiferer=
+zum Patron wählte, und an dem alten Pater, Beichtiger Panisoni,
+bewunderte, =wie die heilige Pflanze der Keuschheit den Verstand gegen
+Stumpfheit kräftig schütze=, während er selbst glaubte, daß =heute
+alle die Sünden, die sein Herz beschweren, in das Meer der göttlichen
+Erbarmung geworfen waren=. Nachdem er Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität
+zum heiligen Paul geworden war, und die päpstliche Bevollmächtigung,
+Rosenkreuze, Crucifixe etc. jedesmal bis auf 3000 Stücke zu
+benediciren, erhalten hatte, verließ er 1817 Rom.
+
+Er kam unter andern auch nach München, wo man ihn aber bald der
+=Scheinheiligkeit= beschuldigte, und weil man in seinen Predigten einen
+untergelegten römischen Text zu bemerken glaubte. Selbst in Bamberg,
+wo ihn der König 1817 zum geistlichen Rath bei dem Generalvicariat
+ernannt hatte, verschrie man ihn schon als =Römling und als einen dem
+Jesuitismus und Obscurantismus Verschwornen=. Unter andern machte sich
+unser Mystiker durch eine Rede bekannt – »Was ist der Zeitgeist?« –
+die an die Kaiser Franz und Alexander, und an den König von Preußen
+gerichtet war. Er sagt darin: »nur der ächte Christ ist auch getreu
+gehorsamer Unterthan. Ein solcher aber ist ihm nur der =ächt-römische=!«
+
+_Dr._ Bergold, Pfarrer zu Hasfurt, brachte den Fürsten Hohenlohe in
+Bekanntschaft mit einem noch aus =Gaßners= Zeiten her, durch eine
+Jesuiten-Tradition enthusiasmirten, schon lange an ein begeisterndes
+Erbeten von Wunderkuren gewöhnten Bauer, =Martin Michel=, zu
+Unterwittighausen, einem badischen Orte an der baierisch-fränkischen
+Grenze. Von diesem faßte der Prinz den vielversprechenden Zuruf auf:
+daß doch er, der Priester, noch mehr Wunder zu erbeten vermögen
+müßte, als der Bauer. Der Versuch wurde gewagt, daß der Bauer im
+Beisein des Prinzen und Priesters einer Prinzessin, Mathilde von
+Schwarzenberg, welche der Mechanist Heine zu Würzburg wegen einer
+Rückgrats-Verschiebung seit acht Monaten durch Maschinen allmälig
+schon zum Sitzen und Stehen gebracht hatte und jetzt das Gehen selbst
+versuchen lassen wollte, im Vertrauen auf den =Namen Jesu und die
+heilige Dreifaltigkeit=, ohne Wissen des Arztes, zum Gehen aufforderte.
+Sie faßte auf Michels Zuspruch Glauben und Muth, und der Versuch
+entsprach. [_Sic!_] Seit dem Gelingen aber trat nun, weiterhin ohne
+dem Bauer, der Prinz-Domherr als der =Wunderthäter= hervor, wirkte
+zugleich durch =persönliche Haltung=, durch das Imposante eines
+priesterlichen Prinzen, durch seine Art von Predigten, durch =geist-=
+und =weltliche Verbindungen, Umgänge= u. s. w., und erregte schnell
+ein Zusammenströmen der Hilfsbedürftigen, von denen er gewöhnlich
+festen Glauben, auch die heilige Beichte forderte, alsdann über sie mit
+Anstrengung betete und sie – bald erschüttert, bald wirklich gebessert,
+bald mit guten Hoffnungen, oft aber auch mit der Verzweiflung, =daß ihr
+Glaube nicht stark genug sei= – entließ. Indeß gelang im Würzburger
+und Bamberger Hospital keine der vielen, von dem Prinzen versuchten
+Heilungen, und die Sanitäts-Polizei wurde befehligt, die Wunder nur in
+ihrer Gegenwart versuchen zu lassen und genau zu beobachten.
+
+Unmuthig (sagt der Schriftsteller, von dem wir diese Notizen nehmen)
+eilte der =Wundermann= ins Bad Brückenau. Man hörte aber nicht,
+daß dieses von Kranken leer geworden sei. Eine traurige Erklärung
+vielmehr, wie sehr sich die Augenkrankheit des Prinzen Friedrich von
+Hildburghausen (jetzt von Altenburg), da er aus Vertrauen auf das
+priesterliche Gebet keine Arzneimittel mehr gebrauchte, verschlimmert
+hatte, erschien unterm 1. September 1821 von Hildburghausen aus in den
+Zeitungen.
+
+Als nun die Aussichten der Wunderkuren des Prinzen =bedenklicher=
+wurden, legte er die Sache, als ein bloßes Phänomen von Folgen auf
+seine Gebete, den 16. Juli 1821 dem Papste selbst vor. Allein die
+Antwort des Papstes blieb in den Händen des Bischofs von Würzburg und
+ist uns nicht bekannt worden. Man war aber auch zu Rom behutsam genug,
+auf die Tridenter Synode, daß neue Wunder ohne Prüfung und Billigung
+des Bischofs nicht zugelassen werden sollten, und auf die Mirakel-Bulle
+von Benedict XIV. zu verweisen. Der Prinz war dort persönlich im
+Andenken, und meinen gleich Manche, die Person des Wundertäters thue
+gar nichts zur Sache, so zweifeln doch Andere, ob die Gottheit, um
+gegen die =Pest der Neuerer= seine Kirche durch Wunder siegend zu
+machen, den seiner Priesterthumskraft allzuviel zuschreibenden acht und
+zwanzigjährigen Bisthums-Canditaten gewählt habe. Andere gingen bis auf
+P. Gaßner, dessen Einfluß auf die Hohenlohische Nachbarschaft und den
+unabgerissenen Faden zurück, welcher die Sache an starken Verkehr mit
+den Jesuiten festknüpfte.
+
+Nach erhaltenen Winken von Rom wurde jetzt die ganze Sache nicht mehr
+Mirakel zum Beweis für die Kirche genannt, sondern blos priesterliches
+Gebet um Heilungen. Der von Brückenau zurück gekommene =Wunderbeter=
+erklärte aber auch sich selbst für erschöpft und verweigerte durchaus
+unter Aufsicht der Sanitäts-Polizei zu wirken. Reisen nach Wien und
+Ungarn entrückten ihn der allzusehr aufgeregten Beobachtung. Dafür
+ertheilte er aber jetzt =Scheine=, daß er für Kranke, die sich z. B. in
+Marseille und in Schottland an ihn gewendet haben, zu einer bestimmten
+Stunde Messe lesen und beten wolle, und daß sie in der =nämlichen
+Stunde= sich mit ihm in Gebet zu Gott vereinigen sollen.
+
+Ob nun das Andrängen an Gott, wenn es zu gleicher Zeit geschieht, auf
+die Gottheit oder auf das Vertrauen der armen Kranken um so wirksamer
+sei, darf man kaum fragen, weil in diesen Dingen alles Fragestellen
+an den Verstand dem Pestübel der Aufklärung ähnlich sein soll. Der
+Gedanke aber, auf die nämliche Stunde in weiter Entfernung ein Gebet zu
+bestellen, ist lächerlich, da, wenn von Bamberg aus zu Marseille ein
+Gebets-Verein Punkt acht Uhr bestellt ist, der zu Bamberg Betende lange
+geendiget haben wird, ehe der zu Marseille, der Stunde nach, beginnen
+kann.
+
+
+
+
+Bei dem Verleger dieses Werkes sind zu haben:
+
+
+ =Domänen=, die, nebst Bemerkungen zu der Schrift: Der Weimarische
+ Landtag von 1832. 8. geh. 4 gr.
+
+ =Inhalt.=
+ 1) Die Domänen und adeligen Güter.
+ 2) Die Vereinigung der Ober-Administrations-Behörden.
+ 3) Die souveräne Advokatenzunft.
+ 4) Die demagogische Kaserne.
+ 5) Die Weimarische Preßfreiheit.
+ 6) Die politische Kirche.
+
+ =Entwurf einer Advokaten-Ordnung= für das Großherzogthum S.
+ Weimar-Eisenach. 1832. 8. geh. 8 gr.
+
+ _=Gräbner, Dr. K.=, Frictions-Theorie. Ueber die Ursache der
+ Entstehung der Weltkörper-Atmosphären, deren Verschiedenheit in
+ Ausbrechung ihrer Lichtentwickelung u. s. w. Aphorismen zu einer
+ Hypothese der höhern Physik._ 1832. gr. 8. broschirt. 6 gr.
+
+ =Henß, Adam=, das politische Glaubensbekenntniß und die
+ staatsbürgerlichen Ansichten eines teutschen Bürgers und Handwerkers.
+ 1832. 8. geh. 6 gr.
+
+ =Inhalt.=
+ 1) Staat.
+ 2) Regierungsform.
+ 3) Volk.
+ 4) Vaterland.
+ 5) Volksvertretung.
+ 6) Rechtspflege.
+ 7) Gemeinde-Verwaltung.
+ 8) Polizei.
+ 9) Preßfreiheit.
+ 10) Reaction.
+ 11) Pfaffenthum.
+ 12) Juden.
+ 13) Staatsbürger.
+
+ =Heß, _Dr._ Mendel=, Großherzoglicher Landrabbiner, Predigt, gehalten
+ in Weimar, am 21. Jun. 1832. 8. geheftet. 2 gr.
+
+ =Heß, _Dr._ Mendel=, Confirmationsrede. 8. geh. 1 gr.
+
+ =Lentin=, _Dr._ Land-Thierarzt, Hausmittel für kranke Thiere, als
+ freundlicher Rath für Viehbesitzer. 1833. 8. geh. 18 gr.
+
+ =Romantik=, die, des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer Nomenklatur
+ der Romanschreiber von 1800 bis 1831, und einer Zahlangabe der
+ jährlich herausgekommenen Romane von 1700 bis 1831. Herausgegeben von
+ dem Verfasser der »Aphorismen über Schriftstellerei unserer Zeit.«
+ 1833. 8. geheftet. 1 Rthlr.
+
+
+=Romane.=
+
+ =Artemisio=, die Schauer-Ruine der alten Riesensteinburg, oder
+ Ritter-, Räuber- und Geistergeschichten der Vorzeit. 1833. 8. geh.
+ 20 gr.
+
+ =August=, Merlins Liebe und Zauberei. Phantasiestück. 1832. 8. geh.
+ 14 gr.
+
+ =Bartels=, Friedrich, das Bombardement von Antwerpen im Jahre 1830.
+ Historisch-romantisches Gemälde aus Belgiens neuester Geschichte.
+ 1833. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Bilder= aus dem Leben. Vom Verfasser der Novantiken. 1833. 8. geh.
+ 20 gr.
+
+ =Ditmar von Cromsdorf=, oder das =Moosweibchen=.
+ Historisch-romantische Erzählung des dreizehnten Jahrhunderts, von
+ dem Verfasser der Novantiken. 1834. 8. geh. 12 gr.
+
+ =Gräbner=, Karl, Novantiken. Bilder der Vergangenheit und Gegenwart.
+ Mit einer lithographirten Abbildung. 1833. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Jeremias=, Joseph, sonderbare Schicksale des Sängers Joseph Gradweg.
+ Ein curioser Roman. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr. 8 gr.
+
+ =Desselben= Hugo Raynald, oder das späte Glück. Historisch-romantische
+ Erzählung aus den Zeiten der lombardischen Kriege in den Jahren 1162
+ bis 1176. 1832. 8. geh. 20 gr.
+
+ =Insel=, die, historisch-romantische Erzählung aus Rußlands und Polens
+ Vorzeit. Vom Verfasser des Czar von Casimow. 1832. 8. geh. 20 gr.
+
+ =Märchen.= Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geheftet. 20 gr.
+
+ =Opitz=, Wilhelm, Paul Arner und seine Gesellen, oder die
+ Räuberhochzeit im Höllenthale. Roman für die Lesewelt jetziger Zeit,
+ nach biographischen Skizzen und Sagen aus dem letzten Jahrzehend des
+ vorigen Jahrhunderts. 1832. 8. geh. 1 Rthlr.
+
+ =Desselben= Uso von Drachenburg, oder die Entweihung der Todtengruft.
+ Ein Roman nach Sagen der Vorzeit des zwölften Jahrhunderts. 1833. 2
+ Bde. 8. 1 Rthlr. 16 gr.
+
+ =Querner=, Godofred, Volksmährchen. 1833. 3 Bände. 8. geh. 2 Rthlr.
+
+ =Renegat=, der, und die =Jesuiten= in den Jahren 1809 bis 1828. Eine
+ Geschichte voller Abentheuer. Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8.
+ geh. 20 gr.
+
+ =Schloß=, das geheimnißvolle, am See, oder die Verschwundenen. Ein
+ Roman aus neuerer Zeit. Von dem Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.
+ 22 gr.
+
+ =Schumann=, F. W., Curiositäten. Eine Sammlung von komischen Aufsätzen
+ und Druckfehlern, lächerlichen Bekanntmachungen, drolligen Briefen,
+ schnurrigen Einfällen und merkwürdigen Predigten u. s. w. Freunden des
+ Frohsinns und der guten Laune als ein Präservativ gegen die =Cholera=
+ gewidmet. 1832. 8. geheftet. 12 gr.
+
+ =Sneh, Mada=, die reisenden Handwerker. Ein romantisches Gemälde aus
+ der wirklichen und idealen Welt. 1832. 8. geheftet. 1 Rthlr.
+
+ =Spadolino Stefano=, der räthselhafte Räuber-Hauptmann in den
+ Umgegenden Roms. 1832. 8. geh. 22 gr.
+
+
+
+
+Taf. 1.
+
+
+Fig. 1.
+
+ 4 9 2
+ 3 5 7
+ 8 1 6
+
+[Illustration: Siegel des Saturns]
+
+
+Fig. 2.
+
+ 16 3 2 13
+ 5 10 11 8
+ 9 6 7 12
+ 4 15 14 1
+
+[Illustration: Siegel des Jupiters]
+
+
+Fig. 3.
+
+ 11 24 7 20 3
+ 4 12 25 8 16
+ 17 5 13 21 9
+ 10 18 1 14 22
+ 23 6 19 2 15
+
+[Illustration: Siegel des Mars]
+
+
+Fig. 4.
+
+ 6 32 3 34 35 1
+ 7 11 27 28 8 30
+ 19 14 16 15 23 24
+ 18 20 22 21 17 13
+ 25 29 10 9 26 12
+ 36 5 33 4 2 31
+
+[Illustration: Siegel der Sonne]
+
+
+
+
+Taf. 2.
+
+
+Fig. 5.
+
+ 22 47 16 41 10 35 4
+ 5 23 48 17 42 11 29
+ 30 6 24 49 18 36 12
+ 13 31 7 25 43 19 37
+ 38 14 32 1 26 44 20
+ 21 39 8 33 2 27 45
+ 46 15 40 9 34 3 28
+
+[Illustration: Siegel der Venus]
+
+
+Fig. 6.
+
+ 8 58 59 5 4 62 63 1
+ 49 15 14 52 53 11 10 56
+ 41 23 22 44 45 19 18 48
+ 32 34 35 29 28 38 39 25
+ 40 26 27 37 36 30 31 33
+ 17 47 46 20 21 43 42 24
+ 9 55 54 12 13 51 50 16
+ 64 2 3 61 60 6 7 57
+
+[Illustration: Siegel des Merkur]
+
+
+
+
+Taf. 3.
+
+
+Fig. 7.
+
+ 37 78 29 70 21 62 13 54 5
+ 6 38 79 30 71 22 63 14 46
+ 47 7 39 80 31 72 23 55 15
+ 16 48 8 40 81 32 64 24 56
+ 57 17 49 9 41 73 33 65 25
+ 26 58 18 50 1 42 74 34 66
+ 67 27 59 10 51 2 43 75 35
+ 36 68 19 60 11 52 3 44 76
+ 77 28 69 20 61 12 53 4 45
+
+[Illustration: Siegel des Mondes]
+
+
+Fig. 8.
+
+[Illustration: Wider die Feuersbrunst]
+
+
+
+
+Taf. 4.
+
+
+Fig. 9.
+
+[Illustration: Chiromantie]
+
+
+
+
+Taf. 5.
+
+
+Fig. 10.
+
+[Illustration: Zauberkreis]
+
+
+
+
+Taf. 6
+
+
+Fig. 11.
+
+[Illustration: Siegel der sieben Geister]
+
+
+Fig. 12.
+
+[Illustration: Pentaculum Salomonis]
+
+
+
+
+Taf. 7
+
+
+Fig. 13.
+
+[Illustration: Gürtel Salomons]
+
+
+Fig. 14.
+
+[Illustration: Zauberstab]
+
+
+
+
+Taf. 8
+
+
+Fig. 15.
+
+[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten]
+
+
+Fig. 16.
+
+[Illustration: Geisterfürst Marbuel]
+
+
+
+
+Taf. 9
+
+
+Fig. 17.
+
+[Illustration: Zeichen auf dem Mantel]
+
+
+Fig. 18.
+
+[Illustration: Zeichen auf der Hand]
+
+
+
+
+Taf. 10
+
+
+Fig. 19.
+
+[Illustration: Gestalt des Höllenfürsten]
+
+
+Fig. 20.
+
+[Illustration: Geister von einem Schatz vertreiben]
+
+
+
+
+Liste korrigierter Druckfehler
+
+
+Im Inhaltsverzeichnis ab Seite iii waren mehrere Seitenzahlen falsch
+angegeben. Sie wurden folgendermaßen geändert:
+
+ „Vom Bannen und Festmachen“: Seite 44 korrigiert zu 45.
+ „Schatzgräberei“: Seite 96 korrigiert zu 97.
+ „Das Mutisheer“: Seite 126 korrigiert zu 127.
+ „Christnacht, helle und finstere“: Seite 114 korrigiert zu 115.
+ „Gespenst, das, im Hause“: Seite 134 korrigiert zu 133.
+
+Seite 2: „ine“ durch „eine“ ersetzt (Sie ist eine behende, reine Kunst
+ohne Ceremonie, ...)
+
+Seite 25 „_acculta_“ durch „_occulta_“ ersetzt (_Agrippa_ in seiner
+_occulta philosophia_ ...)
+
+Seite 32 „Hilfswurzbind,“ durch „Hilfswurz, bind“ ersetzt (... Mannstreu,
+Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit zusammen in Herzkraut, und ...)
+
+Seite 64: „un“ durch „und“ ersetzt (... ihre Länge, Züge, Lage,
+Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.)
+
+Seite 66: „Spases“ durch „Spaßes“ ersetzt (Des Spaßes wegen lasse man
+sich ...)
+
+Seite 170: „=gewönliche=“ durch „=gewöhnliche=“ ersetzt (Als es zwei
+Uhr schlug, ließ sich =der gewöhnliche Klang einer großen Glocke=, die
+geläutet wurde, vernehmen, ...)
+
+Seite 177: „daß“ durch „das“ ersetzt (Die Besuche dieses Wesens, das
+sich Immanuel nennen läßt, ...)
+
+Seite 210: „Urthel“ durch „Urtheil“ ersetzt (Das Urtheil brachte ihm
+das Schwert; ...)
+
+Seite 230: „Aristrokratie“ durch „Aristokratie“ ersetzt (Alle diese
+hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten ...)
+
+Seite 258: „=Exsuiten=“ durch „=Ex-Jesuiten=“ ersetzt (... und
+übergab ihn einem =Ex-Jesuiten=, Riel, Lehrer in dem Convicte zu
+Schillingsfürst.)
+
+Seite 265: „Brückenan“ durch „Brückenau“ ersetzt (Der von Brückenau
+zurück gekommene =Wunderbeter= ...)
+
+Taf. 1, Fig. 4: Im magischen Quadrat kam die Zahl 23 doppelt vor, sie
+wurde in der 1. Zeile, 2. Spalte durch 32 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 111 beträgt.
+
+Taf. 2, Fig. 5: Im magischen Quadrat kam die Zahl 28 doppelt vor, sie
+wurde in der 5. Zeile, 1. Spalte durch 38 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 175 beträgt.
+
+Taf. 3, Fig. 7: Im magischen Quadrat kam die Zahl 25 doppelt vor, sie
+wurde in der 8. Zeile, 6. Spalte durch 52 ersetzt, so dass die Summe
+aller Zeilen und Spalten 369 beträgt.
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75841 ***